Kammermusik von Beethoven

heffter

Konzert des Kulturrings am 20. Oktober 2020 im Theodor-Heuss-Saal der Harmonie Heilbronn

KULTURRING

HEILBRONN E.V.

www.kulturring-heilbronn.de

KAMMERMUSIK

VON BEETHOVEN

DIENSTAG, 20. OKTOBER 2020

19.30 UHR


Kammermusik von Beethoven

ROBERT NEUMANN, Klavier

TANJA TETZLAFF, Violoncello

DOMINIK WOLLENWEBER, Oboe

SEBASTIAN MANZ, Klarinette

STEFAN DOHR, Horn

GUILHAUME SANTANA, Fagott

1. Veranstaltung der Kulturring-Konzertreihe

2020/2021, Theodor-Heuss-Saal, 19.30 Uhr

Programm (ohne Pause)

LUDWIG VAN BEETHOVEN 1770–1827

Sonate für Horn und Klavier F-Dur op. 17

- Allegro moderato

- Poco Adagio quasi Andante

- Rondo: Allegro moderato

12 Variationen F-Dur op. 66

über »Ein Mädchen oder Weibchen«

aus Mozarts Zauberflöte

- Thema: Allegretto

- Variation I-IX

- Variation X. Adagio

- Variation XI. Poco Adagio quasi Andante

- Variation XII. Allegro

Quintett Es-Dur op. 16

für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Klavier

- Grave - Allegro ma non troppo

- Andante cantabile

- Rondo. Allegro ma non troppo


Guten Abend

und herzlich willkommen zur neuen Saison 2020 / 2021!

Als Eröffnung der Konzertreihe feiern sechs Solisten

in verschiedenen Besetzungen den Jubilar Ludwig

van Beethoven, der vor 250 Jahren geboren wurde.

Die sechs Musizierenden sind Tanja Tetzlaff (Violoncello),

Dominik Wollenweber (Oboe), Sebastian Manz

(Klarinette), Stefan Dohr (Horn), Guilhaume Santana

(Fagott), und Robert Neumann am Klavier, allesamt

hochklassige Musiker, manche mit großer Erfahrung im

Konzertleben, manche Solisten in großen Orchestern.

Lassen Sie sich von drei frühen Kammermusikwerken

Beethovens, die er noch vor seinem 30. Lebensjahr

schrieb, verzaubern: von der Sonate für Horn und Klavier,

den Variationen über »Ein Mädchen oder Weibchen«

(aus Mozarts Zauberflöte) und dem Quintett Es-Dur.

Ein schönes Hörerlebnis und viel Vergnügen an diesem

besonderen Abend mit vier Bläsern, Violoncello und

Klavier.

Gefördert:


ROBERT NEUMANN

Als Gewinner und Preisträger zahlreicher nationaler

und internationaler Wettbewerbe wurde Robert Neumann

(2001) mit dem International Classical Music

Discovery Award 2017 ausgezeichnet. 2018 wählte

die Jury des Südwestrundfunks ihn zum »SWR2

New Talent« aus. Drei Jahre wird er durch Konzertauftritte

und -mitschnitte, Studioproduktionen und

Festivals gefördert. Außerdem erhielt er im selben

Jahr den Swiss Charity Award und wurde in das Förderprogramm

der Mozart-Gesellschaft Dortmund aufgenommen.

2019 wurde Robert zum Preisträger des

Konzerthauses Freiburg ernannt. Ferner präsentiert er

sich mit Residenz im Nikolaisaal Potsdam 2019-21 in

einer Debütreihe aus Rezital, Kammermusik und Klavierkonzert

mit der Kammerakademie Potsdam.

Sein Orchesterdebüt mit dem Radiosinfonieorchester

Stuttgart gab der junge Pianist im Alter von acht Jahren.

Später gastierte er u. a. beim Moscow Symphony

Orchestra, der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz,

den Stuttgarter Philharmonikern, National

Philharmonie Moldau, dem Sinfonieorchester Liechtenstein,

Praga Philharmonic Camerata und Gewandhausorchester

Leipzig.

Robert Neumann trat in der Stuttgarter Liederhalle,

Tonhalle Zürich, Herkulessaal München, Festspielhaus

Bregenz, Konzerthaus Dortmund, Salle Cortot Paris,

Gewandhaus Leipzig, Victoria Concert Hall Singapur

und Moscow International Performing Arts Center auf.

Höhepunkte des Jahres 2020 sind die Gastkonzerte beim

SWR-Symphonieorchester und beim Kissinger Sommer.

In einer Musiker-Familie dreisprachig aufgewachsen,

wurde Robert seit seinem 4. Lebensjahr von Monika

Giurgiuman unterrichtet. Mit elf Jahren kam er als

Jungstudent und mit fünfzehn bereits regulär in die

Klasse von Prof. Elza Kolodin an der Musikhochschule

Freiburg. Zudem war er Stipendiat der Internationalen

Musikakademie Liechtenstein.

TANJA TETZLAFF

Das besondere Markenzeichen von Tanja Tetzlaff ist

ihr außergewöhnlich breites Repertoire und die Lust


auf grenzübergreifende Konzertformate. Sie spielt alle

Standardwerke der Celloliteratur und ebenso Kompositionen

des 20. und 21. Jahrhunderts, wie zum Beispiel

die Konzerte von John Casken, Witold Lutosławski,

Jörg Widman und Bernd Alois Zimmermann.

Im Mai 2019 feierte sie einen großen Erfolg mit dem

Cellokonzert von Unsuk Chin beim Tampere Philharmonic

Orchestra. Die aktuelle Saison enthält Einladungen

zum Heidelberger Frühling, Trondheim Chamber Music

Festival, Rheingau Musik Festival, Molyvos International

Music Festival und wie jedes Jahr zu den Festivals

in Heimbach und Rottweil. Partner sind u. a. Lauma

Skride, das Modigliani Quartett, das Signum Saxophon

Quartett und das Gerhard Quartett. Mit dem Violinisten

Florian Donderer unternimmt sie eine Duo-Tournee.

Als Solistin ist Tanja Tetzlaff zu den Heidelberger Philharmonikern

mit Ernst Blochs »Schelomo« eingeladen, sie

wird Beethovens Tripel-Konzert mit dem NDR Elbphilharmonie-Orchester

spielen und eine umfangreiche Asien-

Tournee mit der Royal Northern Sinfonia unternehmen.

Meisterkurse gibt sie in Chile im Teatro del Lago.

Tanja Tetzlaff ist eine gefragte Kammermusikerin und

konzertiert regelmäßig bei internationalen Festivals,

z. B. in Edinburgh, Bergen, Baden-Baden und bei den

Schwetzinger Festspielen, bei denen sie im Mai 2019

»Artist in Residence« war. Weitere Partner sind Leif

Ove Andsnes, Sharon Kam, Alexander Lonquich, Julian

Prégardien, Baiba Skride, Antje Weithaas, Carolin Widmann

und Hans-Kristian Kjos Sørensen.

Sie hat Konzerte von Wolfgang Rihm und Ernst Toch

eingespielt. Mit ihrer langjährigen Duopartnerin Gunilla

Süssmann spielte sie drei CDs mit Werken von Brahms,

Rachmaninoff, Grieg und Rautavaara ein. Im Oktober

2019 wurde eine Solo-CD mit Bach-Suiten und Werken

von Thorsten Encke veröffentlicht. Im Frühjahr 2020 ist

die Veröffentlichung der Beethoven-Quartette mit dem

Tetzlaff-Quartett geplant sowie auch des Klavierquintetts

von Suk.

Tanja Tetzlaff studierte an der Musikhochschule Hamburg

bei Professor Bernhard Gmelin und am Mozarteum

Salzburg bei Professor Heinrich Schiff. Sie spielt


ein Cello von Giovanni Baptista Guadagnini aus dem

Jahre 1776.

DOMINIK WOLLENWEBER

»Ich habe als Englischhornist viel Zeit zum Zuhören.

Meistens spiele ich erst dann, wenn alle anderen Musiker

schweigen. Der dunkle Klang des Englischhorns

kommt vor allem in den lyrischen, melancholischen und

nachdenklichen Momenten zum Einsatz.«

Der Klang des Englischhorns ist ihm seit frühester Kindheit

vertraut, war doch der Vater Englischhornist im

Bayerischen Staatsorchester. Doch Dominik Wollenweber

fand erst auf Umwegen zu diesem Instrument.

Er spielte zunächst Flöte und wandte sich als 14-Jähriger

der Oboe zu, die er bei Hagen Wangenheim an der

Münchner Musikhochschule und bei Simon Dent am

Richard-Strauss-Konservatorium studierte.

Erste Kontakte zu den Berliner Philharmonikern knüpfte

er als Stipendiat der Orchester-Akademie, der er von

1991 bis 1993 als Schüler von Hansjörg Schellenberger

angehörte. Während dieser Zeit war Dominik Wollenweber

Solo-Oboist im Jugendsymphonieorchester

der Europäischen Union unter Claudio Abbado. Eine

gute Voraussetzung, um das Probespiel für die vakante

Stelle des Englischhornisten bei den Berliner Philharmonikern

zu bestehen.

Neben seiner Tätigkeit im Orchester und zahlreichen

kammermusikalischen Aktivitäten lehrt er seit dem Jahr

2000 als Gastprofessor für Oboe an der Musikhochschule

»Hanns Eisler«. Der Vater von sechs Kindern verbringt

seine Freizeit am liebsten mit der Familie.

SEBASTIAN MANZ

Als Enkel des legendären russischen Geigers Boris

Goldstein findet der 1986 in Hannover geborene Sohn

zweier Pianisten Sebastian Manz seine musikalischen

Wurzeln im deutsch-russischen Elternhaus. Mit sechs

Jahren singt er im Knabenchor, versucht sich erst am

Klavier, das er sehr gut beherrscht, konzentriert sich

aber bald auf die Klarinette, die ihn seit Benny Goodmans

Aufnahme des Es-Dur-Konzerts von Carl Maria

von Weber fasziniert. Keine Geringeren als Sabine


Meyer und Rainer Wehle zählen zu seinen wichtigsten

Lehrern und Förderern.

Den großen Durchbruch beschert Sebastian Manz der

sensationelle Erfolg beim Internationalen Musikwettbewerb

der ARD in München im September 2008: Dort

gewinnt er neben dem seit 40 Jahren nicht mehr vergebenen

1. Preis in der Kategorie Klarinette auch den

begehrten Publikumspreis sowie weitere Sonderpreise.

Einige Monate zuvor hat er gemeinsam mit seinem Klavierpartner

Martin Klett auch den Deutschen Musikwettbewerb

gewonnen. Seit 2010 ist Manz Soloklarinettist

des SWR-Symphonieorchesters.

Seine mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Diskografie

zeigt eindrucksvoll Manz’ Gespür für besondere

Inhalte und Gesamtkonzepte. Ebenso stellt er sein

Talent fürs Arrangieren und Komponieren immer wieder

auf seinen Alben und Konzerten unter Beweis.

Seit Sommer 2018 ist Sebastian Manz für zunächst

drei Jahre Mitglied im »The Bowers Programm« -

zuvor »CMS Two Program der Chamber Music Society

of Lincoln Center in New York«. Ebenso ist er seit

2018 künstlerischer Leiter des Festivals »:alpenarte«.

Neben seiner Konzerttätigkeit engagiert sich Sebastian

Manz in der von Lars Vogt gegründeten Organisation

»Rhapsody in School«.

In der Kategorie »Konzerteinspielung des Jahres (Musik

19. Jhd.)« erhält Manz‘ Album »Weber: Complete Works

for Clarinet« den ECHO Klassik. »Für mich der krönende

Höhepunkt meines Weber-Projekts – er macht mich

glücklich und stolz und würdigt mein Album, in das ich

jahrelange Arbeit und viel Geduld gesteckt habe«, so

der Klarinettist Sebastian Manz, für den es bereits der

dritte ECHO Klassik ist.

STEFAN DOHR

Stefan Dohr studierte in Essen und Köln und war Solo-

Hornist im Frankfurter Opernhaus- und Museumsorchester,

im Orchestre Philharmonique de Nice und

beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, bevor er

1993 Solo-Hornist der Berliner Philharmoniker wurde.

Neben seiner Konzerttätigkeit gibt er weltweit Meisterkurse

und unterrichtet als Gastprofessor an der Sibe-


lius Akademie Helsinki und der Hochschule für Musik

»Hanns Eisler« Berlin. Seit 2015 ist er Visiting Professor

des Royal College of Music, London.

Dohrs Virtuosität und Entdeckungslust bewegt viele

führende Komponisten, ihm neue Werke zu widmen

und dabei die Möglichkeiten seines Instrumentes neu

auszuloten: darunter Toshio Hosokawa, Wolfgang Rihm

(2014) sowie Herbert Willi (2008), Jorge E. López (2009),

Johannes Wallmann (2010) und Dai Bo (2015). In der

Saison 19/20 kommt das Hornkonzert von Hans Abrahamsen

mit Stefan Dohr zur Uraufführung.

Als Solist spielte Dohr unter Dirigenten wie Sir Simon

Rattle, Claudio Abbado, Daniel Barenboim, Bernhard

Haitink, Christian Thielemann, Daniel Harding, Gustavo

Gimeno, Dima Slobodeniouk, Paavo und Neeme Järvi,

John Storgårds sowie Marc Albrecht.

Neben seiner Solistentätigkeit ist Stefan Dohr auch

geschätzter Kammermusikpartner von Künstlern wie

Ian Bostridge, Mark Padmore, Maurizio Pollini, Lars

Vogt, Kirill Gerstein, Kolja Blacher und Guy Braunstein.

Er ist Mitglied des Ensembles Wien-Berlin sowie des

Philharmonischen Oktetts Berlin.

Mit seinen Kollegen der philharmonischen Horngruppe

spielte Stefan Dohr eine CD mit Opernparaphrasen

(»Opera!«) sowie eine musikalische Weltreise (»Four Corners!«)

ein. Zudem liegen eine Aufnahme von Robert

Schumanns Konzertstück für vier Hörner und Orchester

mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen sowie

eine Einspielung von Toshio Hosokawas »Moment of

Blossoming« mit dem Royal Scottish National Orchestra

vor. Außerdem erschienen ist eine Einspielung von

Carl Maria von Webers Concertino für Horn und Orchester

mit dem Münchner Rundfunkorchester. Mit Markus

Becker am Klavier nahm er Werke von Franz und

Richard Strauss auf.

GUILHAUME SANTANA

Der 1982 geborene Franzose erhielt Violinen- und

Fagottunterricht am Konservatorium in seiner Heimatstadt

Toulouse. Er studierte in Paris und in Hannover

bei Prof. Dag Jensen und an der Karajan-Akademie der


Berliner Philharmoniker. Seit 2007 ist er Solo-Fagottist

der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern.

Guilhaume Santana gastiert europaweit als Solofagottist

(Lucerne Festival Orchestra, Mahler Chamber

Orchestra, Münchner Philharmoniker, Bayerische

Staatsoper oder Orchestre des Champs-Elysees auf

historischen Instrumenten) unter der Leitung von S.

Rattle, P. Boulez, Z. Mehta oder D. Barenboim.

Er musiziert außerdem solistisch mit den Münchner

Symphonikern, Sinfonia Varsovia oder der Deutschen

Radio Philharmonie unter der Leitung von C. Abbado

oder H. J. Schellenberger.

Mit dem italienischen Maestro Claudio Abbado arbeitet

er seit 2004 regelmäßig zusammen, sowohl im Orchester

(im neu begründeten Orchestra Mozart in Italien) als

auch solistisch (Konzerte und Aufnahmen von Mozarts

Fagottkonzert und Sinfonia Concertante).

Als Kammermusiker spielte er mit Emmanuel Ax, Albrecht

Mayer, Giuliano Carmignola sowie mit Sabine

Meyer zusammen.

Guilhaume Santana bekam 2005 den »Felix-Mendelssohn-Bartholdy

Preis« der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

in Berlin und ist 1. Preisträger beim 7. Musik-Wettbewerb

der Jungen Interpreten in Wattrelos, Frankreich.

BEETHOVEN

SONATE FÜR HORN UND KLAVIER

Ludwig van Beethoven (1770-1827) hat in seiner Jugend

selbst das Hornspiel erlernt, und zwar bei dem Bonner

Hofmusiker Simrock, dem späteren Musikverleger. Der

Hornschüler hat »seinem Meister späterhin manche

harte Nuß zu knacken gegeben«, wie Beethoven selbst

einmal in einem Brief gestand, und auch sonst war er

Hornvirtuosen gerne gefällig, wenn sie ihn um Stücke

baten. Als im Jahr 1800 der damals berühmteste Hornist

Europas sein lange erwartetes Wiener Debüt gab,

assistierte ihm Beethoven bereitwillig am Flügel und mit

einer eigens komponierten Sonate: der F-Dur-Sonate,

op. 17. Sie ist ganz auf die genialen Fähigkeiten des

Böhmen Wenzel Stich zugeschnitten, der unter seinem

italienischen Künstlernamen Giovanni Punto eine europäische

Berühmtheit war.


Wie so viele Musiker des 18. Jahrhunderts hatte Punto

seine Kunst in seiner Heimat Böhmen erlernt und verfeinert

– freilich als leibeigener Diener eines Adligen, des

Grafen Thun in Prag. Als er mit 20 Jahren beschloss,

den Dienst unerlaubt zu quittieren und aus Prag zu

fliehen, stand ihm zwar die Welt offen, doch die Rückkehr

in die Habsburger-Monarchie war ihm lange Jahre

verwehrt. Darum mussten die Wiener so lange auf sein

Konzertdebüt warten, das nichtsdestoweniger glanzvoll

ausfiel. Es bestätigte, was ganz Europa schon von

Puntos Kunst wusste: Ob als Solohornist an den Höfen

in Mainz und Würzburg oder als reisender Virtuose –

überall feierte er triumphale Erfolge, besonders in Paris,

wo man ihm während der Revolution sogar den Kapellmeister-Posten

eines Pariser Theaterorchesters anbot.

Seine in Paris gedruckten elf Hornkonzerte und über

20 Hornquartette galten als Muster ihrer Art. Selbst der

sonst so kritische Mozart, der Punto 1778 in Paris hörte,

meinte: »Punto bläst magnifique.«

Für den 18. April 1800 hatte Punto sein Debüt im Wiener

Burgtheater angesetzt, zwei Tage vorher begann Beethoven

mit der Komposition der Sonate. Die Uraufführung

war ein rauschender Erfolg, was zu mehreren Wiederholungen

Anlass gab. Auch späterhin hat Beethoven das

Werk gerne gespielt, und alleine die Tatsache, dass er es

als sein Opus 17 im Druck herausgab (wenn auch vorsichtshalber

mit einer alternativen Cellostimme), belegt

die Wertschätzung, die er für die Sonate empfand.

Im vollen Bewusstsein seiner früheren Hornstudien

konnte Beethoven das Instrument – immerhin noch das

ventillose Naturhorn – aufs effektvollste einsetzen, wie

etwa gleich zu Beginn mit dem fanfarenhaften Einstieg,

auf den das Klavier mit galanter Figuration antwortet.

Beide Motive zusammen bilden das lapidare Hauptthema

des Satzes, der sich ansonsten auf bravouröse

Weise entfaltet. Im f-Moll-Adagio bleibt die Entfaltung

der düsteren, für das Naturhorn entlegenen Tonart

dem Klavier vorbehalten, während das Blasinstrument


mit zarten Echos antwortet. Der Satz ist eine Art langsames

Intermezzo vor dem Finale, das einmal nicht

dem Klischee eines »Jagdfinales« für Horn im Sechsachteltakt

folgt. Beethoven wählte stattdessen eine

mehr gesangliche Gavotte-Melodie, deren Charme sich

Horn und Klavier teilen. Man kann sich leicht vorstellen,

wie der 30-jährige Klaviervirtuose Beethoven mit

dem 53-jährigen Hornvirtuosen Punto hier ein Feuerwerk

an virtuosem Dialog abbrannte. Nur drei Jahre

später starb Punto. Beethovens Sonate blieb sein hornistisches

Vermächtnis.

BEETHOVEN ZWÖLF VARIATIONEN

Beethovens drei Zyklen von Violoncello-Variationen

bestehen aus den »Zwölf Variationen« über ein Thema

aus Händels Oratorium »Judas Maccabäus« (WoO 45),

den »Zwölf Variationen über das Thema »Ein Mädchen

oder Weibchen« aus Mozarts Oper »Die Zauberflöte«

(op. 66) und schließlich den »Sieben Variationen über

das Duett Bei Männern, welche Liebe fühlen« ebenfalls

aus Mozarts »Zauberflöte« (WoO 46).

Beethoven hatte am Ende seines Lebens fast siebzig

Variationen komponiert. Die meisten der frühen basierten

auf Themen anderer Komponisten und erhielten

keine Opusnummern, die Beethoven für wesentlichere,

wichtigere Werke aufbewahrte. Beethoven komponierte

seine Variationen zu »Ein Mädchen oder Weibchen«, op.

66 im Zuge eines Anstiegs der Popularität von Mozarts

Werken in den Jahren nach seinem Tod. Sie wurden

erstmals im September 1798 von Traeg in Wien veröffentlicht;

nachdem sie von Artaria übernommen worden

waren, wurden sie als »Opus 66« bezeichnet.

Die Variationen von op. 66 sind im hochklassischen Stil

geschrieben und behalten die harmonische Abfolge

des Themas bei. Beethoven kombiniert die Melodien

zweier kontrastierender Abschnitte in der Originalarie

zu einem langen Thema, dessen zweite Hälfte (in der

Originalarie die Worte »Dann schmeckte mir Trinken

und Essen ...«) von 6/8 auf 2/4 geändert wird. Dieses

gesamte Thema wird in der ersten Variation figurativ

ausgeschmückt, ein Solo für das Klavier. In der zweiten

Variation liefert das Klavier die melodischen und


harmonischen Elemente, während das Cello das Thema

genau wiedergibt. Variation vier zeichnet sich durch

eine Materialaufteilung zwischen den beiden Instrumenten

aus, während die imitatorischen Passagen in

Nr. 5 Momente maximaler Unabhängigkeit zwischen

den Instrumenten mit denen des homorhythmischen

Spielens kontrastieren. In der siebten, achten und neunten

Variation bleiben nur der harmonische Verlauf und

die Grundzüge des Themas übrig. Die zehnte in f-Moll

zeigt eine Rückkehr der punktierten Rhythmen von

Nr. 5. Die Cellostimme ist in Variation elf, ebenfalls in

f-Moll, am lyrischsten und mit »Poco Adagio« gekennzeichnet.

In der zwölften Variation ändert sich der Takt

von 2/4 auf 3/4; eine erweiterte, harmonisch abenteuerliche

Coda beschließt das Werk.

BEETHOVEN QUINTETT ES-DUR

Das Quintett für Klavier und Bläser, op. 16, gehört zu

jenen Werken des frühen Beethoven, die von jeher in

enger Verbindung mit Mozart gesehen wurden. Schon

A. W. Thayer, der große Beethoven-Biograph des 19.

Jahrhunderts, stellte fest: »In diesem Werke tritt Beethoven

ersichtlich und unmittelbar mit Mozart in Wettstreit,

der ein Quintett in ganz gleicher Zusammensetzung,

in derselben Tonart und in genau derselben

Form – längere Einleitung, erster Satz, langsamer Satz,

Rondo – schrieb«. Die erwähnten Übereinstimmungen

werden durch eine Reihe melodischer Anklänge an

Opernthemen Mozarts unterstrichen. Schon beim

ersten Hören fällt die Verwandtschaft zwischen dem

Andante und der Zerlina-Arie ‚Batti, batti, o bel Masetto‘

aus Don Giovanni auf; andere Anklänge sind eher

versteckt.

Beethovens »Quintett auf dem Fortepiano mit 4 blasenden

Instrumenten akkompagnirt«, wie es der Programmzettel

der Wiener Uraufführung 1797 nannte,

entstand auch aus rein pragmatischen Gründen. Nachdem

Mozart auf die Idee gekommen war, das bevorzugte

Soloinstrument des »Clavierlands« Wien mit den

vorzüglichen Bläsern der Stadt in einem Werk zu kombinieren,

hatte sich ein Markt für Klavier-Bläser-Kammermusik

gebildet, der auch den Pianisten Beethoven


eizen musste. Vieles verstand sich dabei von selbst:

Es-Dur war für konzertierende Bläser mit Horn die Idealtonart.

Die dreisätzige Konzertform ohne Menuett

deutet auf den konzertanten Charakter des Quintetts

hin. Allenfalls die langsame Einleitung signalisiert bei

Mozart wie bei Beethoven einen weitergehenden, sinfonischen

Anspruch.

Ansonsten bemühte sich der junge Beethoven mindestens

ebenso, Mozarts Quintett aus dem Wege zu

gehen, wie es zu imitieren: Mozarts Allegro steht im

4/4-Takt, Beethovens im 3/4, Mozarts Andante im

3/8-Takt, Beethoven schrieb eine Romanze im 2/4-

Takt; Mozarts Rondo ist eine Gavotte, Beethovens ein

Jagdfinale im 6/8-Takt. Entscheidender noch ist der

neue Ton, den Beethovens Quintett anschlägt. Wo

Mozart eine Idealsynthese aus Belcanto und Virtuosität

gelang, setzt der junge Beethoven schroffe Akzente,

lässt Bläser und Klavier wie Klanggruppen eines Sinfonieorchesters

alternieren und gestaltet den Klaviersatz

raumgreifend und kraftvoll.

Ebenso selbstbewusst und eigenständig wirkt die neue

Auffassung von Form, die Beethovens Quintett verkörpert.

Die thematischen Prozesse sind gegenüber

Mozarts Quintett verschärft und gedehnt. Die Grave-Einleitung

erhält durch die punktierten Rhythmen

und die Staccato-Sechzehntel beinahe sinfonisches

Pathos; es handelt sich um eine Vorstudie zur Einleitung

der 1. Sinfonie. Die Eleganz des folgenden Allegro

ma non troppo wird nach der Exposition und in der Coda

schroff aufgerissen.

Das Andante cantabile ist zwar eine einfache Romanze

mit zwei solistischen Couplets für Oboe/Fagott und

Horn, doch gegen Ende weitet sich auch hier die Form

durch immer dynamischer werdende Verzierungen.

Das Rondo-Finale enthält wiederum eine lange Durchführung

und eine Coda, in der das Rondothema auf

geniale Weise rhythmisch gedehnt wird.


Konzerte der Abonnementreihe 2020 / 2021

im Theodor-Heuss-Saal der Harmonie, 19.30 Uhr

Mittwoch,

4. November 2020

Dienstag,

26. Januar 2021

Mittwoch,

10. Februar 2021

Freitag,

12. März 2021

Dienstag,

27. April 2021

Mittwoch,

19. Mai 2021

Klavierduo

ANDREAS GRAU &

GÖTZ SCHUMACHER

Saxophon-Klavier-Duo

ASYA FATEYEVA, Saxophon

VALERIYA MYROSH, Klavier

Orchesterkonzert

ACADEMY OF ST MARTIN IN

THE FIELDS

Solist: JAN LISIECKI, Klavier

Streichquintett

BARTHOLDY QUINTETT

Orchesterkonzert

ORCHESTRE NATIONAL DE LYON

Solisten: LUCAS & ARTHUR

JUSSEN, Klavier

Liederabend

DANIEL BEHLE, Tenor

TAKEO SATO, Gitarre

Konzerte der Reihe »Perspektiven Heilbronn«

2020 / 2021, Städtische Museen Heilbronn

im Deutschhof, 19.30 Uhr

Montag, MATTHIAS LORENZ

23. November 2020 (Dresden), Violoncello

Mittwoch,

10. März 2021

Montag,

03. Mai 2021

JOACHIM SCHALL

(Stuttgart), Violine

JAN PAS (Stuttgart), Violoncello

MARKO KASSL (Düsseldorf),

Akkordeon, RAINER BÜRCK

(Bad Urach), Klangregie

Herausgeber: Kulturring Heilbronn e.V.

Geschäftsstelle: Heilbronner Reisebüro Böhm

Sülmerstraße 13 / Tel. 0 71 31/62 40 17

Text: Ulrich Heffter / Gestaltung: www.wsk-werbung.de

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