ARMEE aktuell - Zeitschrift der Panzerbrigade 11 (Ausgabe ... - Heer

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ARMEE aktuell - Zeitschrift der Panzerbrigade 11 (Ausgabe ... - Heer

Nr.1/Frühling 2005

Zeitschrift der Panzerbrigade 11

HEER •

PANZERBRIGADE 11

ARMEE SUISSE

BRIGADE BLINDEE 11

«Schüpa» I: Abschied vom M-113

«Schüpa» II: Mit dem CV-9030 unterwegs

Der schnellste Stabsadjutant der Panzerbrigade 11


2

Inhalt

Seite 4

Abschied vom M-113. Das Panzergrenadier-Bataillon

29 fuhr Ende

2004 die letzten Runden im alten

«Schüpa».

Seite 6

Das Panzergrenadier-Bataillon 28

testete im diesjährigen WK den

neuen Schützenpanzer auf Herz

und Nieren.

Seite 8

Ein Angehöriger der Panzerbrigade

11 läuft bei den Waffenläufen

ganz vorne mit. Die Zukunft

bereitet ihm Sorgen.

Armee aktuell – die Zeitschrift der

Panzerbrigade 11

Erscheint zweimal jährlich:

Frühling und Herbst

Impressum

Auflage: 12'000 Exemplare (deutsch)

Redaktion:

Kommunikation Heer

Kommunikationsgruppe Panzerbrigade 11

3

4

6

8

Editorial Kdt Pz Br 11

Abschied

Quantensprung

Tradition in Gefahr

10 1000 Offiziere

Abo-Service:

Kommunikation Heer

Papiermühlestr. 14

3003 Bern

Herausgeber:

Chef der Armee

Kommandant Panzerbrigade 11

Layout und Produktion:

Kommunikation Heer

Kommunikationsgruppe Panzerbrigade 11

© Kommunikation Heer/Panzerbrigade 11

Die Panzerbrigade 11 im Internet:

www.pzbr11.ch

ARMEE aktuell 1/2005


Editorial

Konsolidieren — Vertrauen schaffen —

festigen

Geschätzte Soldaten,

Unteroffiziere und Offiziere

der Panzerbrigade 11

Seit Anfang 2004 stehen wir in

der Umsetzung des grössten Reformprojektes

in der Geschichte

unserer Milizarmee. Die neue

Schweizer Armee ist mit neuen

Strukturen, neuen Abläufen und

neuen Köpfen gestartet. Das ist

aber nicht alles: Hatte sich unsere

Armee in der Vergangenheit

mit hohem Perfektionierungsgrad

auf den Verteidigungskampf

konzentriert, muss sie sich heute

mit neuen Risiken und Gefahren

auseinandersetzen. Wir haben

uns deshalb noch stärker auf die

wahrscheinlichen Einsätze aus-

zurichten; die Verteidigung soll

zwar unsere Kernaufgabe bleiben,

aber das Schwergewicht

liegt nun in der Raumsicherung.

Diese neue Ausrichtung haben

viele unter Ihnen im vergangenen

Jahr erlebt. Vier Bataillone

und Abteilungen unserer Brigade

– oder anders gesagt – die

Hälfte der aktiven Truppenkörper

der Panzerbrigade 11 haben subsidiäre

Sicherungseinsätze geleistet.

Es erfüllt mich mit Genugtuung,

dass wir diese Feuertaufe

erfolgreich bestanden haben:

Unsere Auftraggeber waren mit

unseren Leistungen zufrieden.

Weil wir den Grundsatz «Einsatz

vor Ausbildung» konsequent umgesetzt

haben, nahmen wir in

Kauf, dass unsere Ausbildungsziele

im letzten Jahr nicht zu

100 Prozent erreicht werden

konnten. Ich denke zum Beispiel

an die Umschulungskurse auf

den neuen Schützenpanzer 2000

oder an die «Einführung INTAFF»

bei der Artillerie.

2005 haben wir jedoch die Gelegenheit,

Verpasstes aufzuholen:

Kein Bataillon und keine Abteilung

unserer Brigade sind für

subsidiäre Sicherungseinsätze

vorgesehen. Nutzen wir diese

Chance, noch besser zu werden

und die erkannten Lücken zu

schliessen. Für die Ausbildung

im laufenden Jahr habe ich deshalb

vier Schwergewichte gesetzt:

Bei der Stabsarbeit liegt

der Fokus auf der Raumsicherung.

Zu diesem Zweck werden

alle Bataillons- und Abteilungsstäbe

unter Beizug von Vertretern

der «Blaulichtorganisationen»

Polizei und Feuerwehr sowie

des Grenzwachtkorps realitätsnah

beübt. Ein zweites

Schwergewicht setze ich in der

Verbandsausbildung. Es genügt

nicht, wenn der einzelne Soldat

sein Metier beherrscht. Unsere

mechanisierten Verbände funktionieren

nur dann, wenn das

Zusammenspiel aller reibungslos

funktioniert. 2005 will ich dieses

Zusammenspiel auf der Stufe

verstärkte Einheit und Batterie

trainieren. Das dritte und vierte

Schwergewicht sind die Kaderausbildung

und die Personalplanung.

Damit wir auch in Zukunft

erfolgreich sind, benötigen wir

weiterhin bestens ausgebildete

Unteroffiziere und Offiziere.

Wir sind auf Kurs und wollen auf

dem vorgegebenen Weg gemeinsam

weitergehen. Mir ist es ein

besonderes Anliegen, die nun

hoffnungsvoll begonnene Aufbauarbeit

voranzutreiben. Deshalb

stelle ich das zweite Jahr

in der Geschichte unseres Grossen

Verbandes unter mein Jahresmotto:

«Konsolidieren – Vertrauen

schaffen – festigen».

Setzen wir dies gemeinsam um.

Ich zähle weiterhin auf Ihren

Einsatz und Ihre Unterstützung.

KOMMANDANT

PANZERBRIGADE 11

Brigadier Roland Nef

ARMEE aktuell 1/2005 3


WK 2004 des Pz Gren Bat 29 in Bure

Abschied von einem zuverlässigen Gefährt

Einen Abschied der besonderen Art erlebte das

Panzergrenadierbataillon 29 anlässlich des Wiederholungskurses

2004: Als letzte Einheit der

Schweizer Armee holte das «29gi» nochmals alles

aus dem während mehreren Jahrzehnten im

Einsatz stehenden Grenadier-Schützenpanzer

M-113 heraus.

Text: Hptm Dani Duttweiler Bilder: Sdt Gaëtan Bally

Bure total, könnte man den WK

2004 des Pz Gren Bat 29 bezeichnen.

«In Bure sind wir eingerückt,

in Bure treten wir ab»,

fasst Oberstleutnant im Generalstab

Gregor Metzler, Bataillonskommandant,

das WK-Programm

in wenigen Worten zusammen.

Im Vordergrund standen der Bezug

von Bereitschaftsräumen,

der abgesessene Kampf im überbauten

Gelände (KIUG), der Einbezug

der Logistik-Elemente und

die Schutz- und Wachttechnik.

Lediglich die Panzerminenwerferkompanie

weilte nicht in Bu-

6

re. Sie liess sich in Bière auf das

neue Artillerie-System INTAFF

umschulen.

Gebirgsfüsiliere im

Flachland

Für einmal waren in Bure weder

der legendäre Schlamm, noch

der hartnäckige Staub die grösste

Herausforderung für die

Truppe. Im WK 2004 bereiteten

vielmehr personelle Probleme

Kopfzerbrechen. So fanden sich

beispielsweise ehemalige Radfahrer

oder Gebirgsfüsiliere aufgrund

des Übergangs von der Ar-

mee 95 zur neuen Armee unvermittelt

in der Rolle als Panzergrenadier

vor. Viele sahen überhaupt

zum ersten Mal einen

Panzer von nahe. Gewöhnungsbedürftig

für die einen, eine

neue Herausforderung für die

andern. «Sie machen sich ganz

gut», zeigte sich Kompaniekommandant

Hauptmann Andri Raffainer

zufrieden. Und ein erfahrener

Panzergrenadier meinte

«Was noch fehlt, ist der legendäre

Grenadier-Geist».

Dynamische Kampfführung

Der Grenadier-Geist war vor allem

bei den Übungen in der

Häuserkampfanlage «Nalé» gefragt.

Auf dem Programm stand

der KIUG. Konkret ging es darum,

in einem Dorf die Durchgangsachsen

offen zu halten,

damit die anderen Bataillone der

Brigade problemlos durchstossen

konnten. Die Krux an der ganzen

Übung: Bei jedem neuen Anlauf

sahen sich die Grenadiere vor

neue Herausforderungen gestellt.

Mal war das Dorf feindfrei,

ein anderes Mal waren gegnerische

Aufklärer in der Nähe,

ein drittes Mal mussten «Zivilisten»

zuerst in Sicherheit gebracht

werden und schliesslich

trat auch der Fall ein, dass der

Gegner mit starken Kräften überraschte.

Das richtige Gefechtsverhalten

war das eine, Sicherstellen

des Informationsflusses

und Einbezug der nachgelagerten

Sanitätselemente das andere.

«Sie machen es nicht

schlecht», konstatierte Oberstleutnant

Metzler in einer Gefechtspause.

Und was ihn besonders

freute: «Jeder gibt sein

Bestes!».

Letzte Fahrten mit dem

«Döschwo»

Mit dem Ende des WK des Pz

Gren Bat 29 hat auch der Grena-

dier-Schützenpanzer M-113 ausgedient.

«Einen Knopf muss man

betätigen und er läuft», lobte

Bat-Kommandant Gregor Metzler

das Gefährt, das über Jahrzehnte

hinweg die Grenadiere transportierte.

Der M-113 sei ein sehr

zuverlässiger Panzer gewesen.

Doch auch ihm ist klar: «Mit

dem Wechsel zum neuen Schützenpanzer

ist es so, wie wenn

man von einem «Döschwo» auf

einen Ferrari umsteigt.» Seit

2005 folgt nun die Umschulung

auf den neuen «Schüpa»

CV-9030.

ARMEE aktuell 1/2005


WK 2004 des Pz Gren Bat 29 in Bure

Was man unter Grenadier-Geist

zu verstehen hat, zeigten die

«29er» eindrücklich in der

Häuserkampfanlage in Bure.

ARMEE aktuell 1/2005 7


WK des Pz Gren Bat 28 in Bure

Quantensprung für die Grenadiere

Im Mittelpunkt des WK 05 stand der Umschulungskurs

2 (UK 2) auf den neuen Schützenpanzer

2000 (CV-9030). Bure bot mit seiner Häuserkampfanlage

und einer der modernsten Simulationsanlagen

für Gefechtsübungen eine hervorragende

Infrastruktur. Die Leistungsbereitschaft

und Motivation bei Truppe und Kader waren

gross und liessen eisige Temperaturen und

dicht gedrängtes Programm vergessen.

Text und Bilder: Sdt Benedikt Galliker

Bereits beim Einrücken in den

WK 2005 schüttelte Frau Holle

kräftig ihre Bettdecken.

Während im Sonderzug noch eine

gemütliche Wärme herrschte,

pfiff draussen der eisige Wind.

Ein kalter Schauer lief einigen

Männern über den Rücken, als

der Kdt des Pz Gren Bat 28,

4

Oberstlt i Gst Andy Böckli,

plötzlich über die Zugslautsprecher

verlauten liess, dass die

Strecke von Glovelier nach St.

Ursanne auf Schusters Rappen

bewältigt werden müsse. Im

dichten Schneetreiben verliess

man den Sonderzug und machte

sich auf den sieben Kilometer

langen Marsch. In St. Ursanne

fand die Fahnenübernahme

statt: In einem Sturmboot wurde

die Standarte über den Doubs

gebracht.

Ungewohnter Komfort

In Bure angekommen, stand die

Umschulung auf den neuen

Schützenpanzer im Mittelpunkt.

Der schwedische Schützenpanzer

ist ein Quantensprung im Vergleich

zum alten M-113. Der

Kampfpanzer Leopard hat nun

einen ebenbürtigen Partner bekommen.

Der neue «Schüpa» ist

in der Lage, fahrende und fliegende

Ziele aus schneller Fahrt

mit seiner 30 mm Kanone zu

bekämpfen. Er besitzt zudem eine

wirksame Panzerung und ist

dank Restlichtverstärker und

Wärmebildgerät nachtkampftauglich.

Das ist aber nicht

alles: Klimaanlage, Schalensitze

und Kochgefässe bringen den

Grenadieren ungewohnten Komfort.

So viele technologische

Neuerungen und die gewaltige

Kampfkraft bedingen eine grundlegend

neue Einsatzdoktrin. Ein

Pz Gren Zug zu vier Spz 2000 ist

nun so organisiert, dass der Zugführer

von einem Chef der abgesessenen

Formation (CAF) Unterstützung

erhält.

In der ersten Woche wurden

Standardgefechtsverhalten auf

Stufe Gruppe geübt. In der zweiten

Woche wurden Patrouillenübungen,

in welchen zwei

Schützenpanzer operierten sowie

Übungen auf Stufe Zug mit vier

Spz 2000 durchgeführt. Die dritte

Woche begann mit der Übung

«Genesis», dem Höhepunkt des

WK 2005: Zum ersten Mal in der

Geschichte der Schweizer Armee,

wurde mit dem Spz 2000 ein Gefecht

auf Stufe Batallion geführt.

Dabei kamen alle Mittel

des Pz Gren Bat 28 (Aufklärer,

Minenwerfer, Panzer 87 Leopard

2, Spz 2000) zum Einsatz. Die

Umschulung wurde von einem

Instruktorenteam geleitet. Major

Spring zeigte sich zufrieden:

«Die Panzergrenadiere sind motiviert

und erledigen ihr Lernprogramm

mit gutem Erfolg.» Leider

seien Repetitionen bei dem gedrängten

Programm nicht möglich,

fügte er an. Schliesslich

nahm auch eine Delegation des

Schaffhauser Regierungsrats vor

Ort einen Augenschein und

konnte sich von der Leistungsfähigkeit

des neuen Spz 2000

und der Panzergrenadiere überzeugen.

Hightech in Bure

Ein weiteres System, welches die

«28er» begeisterte, war die Si-

ARMEE aktuell 1/2005


WK des Pz Gren Bat 28 in Bure

mulationsunterstützung für Gefechtsübungen.

Gefechte lassen

sich dabei bei Tag und Nacht sowie

unter allen Witterungsbedingungen

realitätsnah üben und in

Echtzeit aufzeichnen. An Stelle

scharfer Munition werden Laserstrahlen

eingesetzt. Jeder Panzer

und jede Gruppe besitzt ein

GPS-Ortungssystem und ein

Übermittlungsgerät. In der

Leitzentrale kann auf dem Bildschirm

in Echtzeit verfolgt werden,

wo die Gruppen und Panzer

sich befinden und ob sie noch

einsatzfähig sind. Weiter können

Minenfelder auf dem Display definiert

werden. Minenwerfer- und

Artilleriefeuer lassen sich sogar

durch Knall- und Rauchpetarden

visualisieren. Der Übungsleiter

und die beübte Truppe waren

begeistert von den Möglichkeiten

der neuen Anlage.

Ebenso wertvoll in der Ausbildung

der Gefechtsgrenadiere ist

das Häuserkampf-Dorf «Nalé».

Wurde im ersten Teil des WK der

Häuserkampf geübt, fanden im

zweiten Teil Gefechtsübungen

unter Einbezug des Spz 2000

statt. Die Grenadiere gingen

voller Elan zur Sache. Die Detonationen

der Markiermunition

und Gefechtsgebrüll hallten

durchs ganze Dorf.

Kalte Dusche für die

Minenwerfer

Die Panzerminenwerfer-Kompanie

musste ihren Dienst «abseits

vom Schuss» in Bière leisten. Im

Zentrum der Ausbildung stand

der UK2 INTAFF (Integriertes Artillerie

Führungs- und Feuerleitsystem).

Leider hatte es die

Truppe in der Zivilschutzanlage,

zirka 40 bitterkalte Autominuten

vom Waffenplatz Bière entfernt,

bei Weitem nicht so komfortabel,

wie der Rest des Pz Gren

Bat 28. Es gab nicht für alle

genügend warmes Wasser zum

Duschen. Entweder musste man

kalt duschen oder darauf warten,

bis das Wasser wieder warm war.

Schiess-WK oder

subsidiärer Einsatz?

Und wie sieht die nächste

Dienstleistung des Pz Gren Bat

28 aus? «Wir wollen den scharfen

Schuss üben!», tönt es einstimmig

aus den Reihen der Grenadiere.

Ob sie in einem Jahr

tatsächlich einen Schiess-WK

absolvieren, steht noch in den

Sternen geschrieben. Ein subsidiärer

Einsatz, welchen die Gefechtsgrenadiere

bereits im WK

2004 zu leisten hatten, würde in

der Truppe auf sehr wenig Gegenliebe

stossen. An subsidiären

Einsätzen wird zwar nicht gezweifelt.

Jedoch fragt man sich

in den Reihen des Pz Gren Bat

28, ob Botschaftsbewachungen

durch Gefechtsgrenadiere Sinn

mache. Müsste das Pz Gren Bat

Im Gespräch....

Interview mit Oblt Moritz Maurer

Kdt a i Pz Gren Kp 28/1

Text und Bild: Sdt Benedikt Galliker

Wie steht es um die Ausbildung?

Welche Fortschritte konnten Sie

in Ihrer Truppe beobachten?

Der Spz 2000 ist ein Hightech—

Gerät! Die Besatzungsgrenadiere

haben ihn von der fahrtechnischen

Seite her im UK1 kennen

gelernt. Die taktische Ausbildung

am neuen Spz ist für alle

Panzergrenadiere neu. In dieser

kurzen Zeit ist es natürlich unmöglich,

den ganzen Panzer zu

hundert Prozent zu beherrschen.

28 ausserdem nächstes Jahr einen

subsidiären Einsatz leisten,

wird im WK 2007 der Grossteil

des gelernten Stoffs aus den

Umschulungskursen bereits wieder

vergessen sein.

Ich konnte bei meiner Truppe

aber eine stetige Festigung des

Wissens feststellen und bin sehr

zufrieden.

Wie verlief das gegenseitige Kennenlernen

innerhalb Ihrer Kompanie?

Die Truppe hat sich schnell gefunden

und arrangiert. Für viele

ist es jedoch der erste WK. Es ist

deutlich spürbar, dass die «alten

Hasen» fehlen. Die Jungen bringen

zwar sehr viel Fachwissen

mit, aber ihre Sozialkompetenz

ist noch nicht so ausgeprägt.

Wir vom Kader müssen viele

Schranken vorgeben! Man merkt

schon, dass unsere Gesellschaft

eine Freizeitgesellschaft geworden

ist.

Interview weiter auf Seite 10

ARMEE aktuell 1/2005 5


Viel Tradition, wenig Unterstützung

Der Toggenburger Martin Belser fürchtet

um die Zukunft des Waffenlaufs

Die Frage fasst Martin Belser fast ein wenig wie

eine Beleidigung auf. «An der Spitze ist Waffenlauf

ganz klar ein Spitzensport», hält der 34-

Jährige aus Ganterschwil energisch fest. 10 bis

15 Stunden Trainingsaufwand pro Woche sprechen

eine deutliche Sprache. Einziger Haken an

der Sache: Die Bezahlung hat mit Spitzensport

nicht das Geringste zu tun. Dies stört den Stabsadjutanten

im Pz Sap Bat 11 jedoch nicht.

Text: Sdt Marcel Hauck Bilder: Sdt Reto Kuster

Die Faszination des typisch

schweizerischen Sports Waffenlauf

liegt für Belser ganz woanders.

«Die Kameradschaft ist

fantastisch», erzählt er. «Waffenlauf

ist aber auch ein sehr

harter Sport.» Dieser scheinbare

Widerspruch zeigt sich eindrücklich

an den Läufen. «Unterwegs

teilt man mit dem direkten Konkurrenten

die Getränke», sagt

Belser, «und wenn es dann gegen

Ende des Laufes ums Podest

geht, versucht man sich kaputt

zu machen.»

Freude an Eilmärschen

Zum Waffenlauf gekommen ist

Belser in der Unteroffiziersschule.

«Die Eilmärsche haben mir

gefallen, da hat es mich reingezogen»,

erinnert er sich. Schnell

stellten sich gute Resultate ein,

so dass der Toggenburger auch

das Training immer weiter intensivierte.

Belser begnügt sich

nicht mit Waffenläufen, sondern

nimmt auch an verschiedenen

«zivilen» Veranstaltungen teil.

So kann er auch das sehr hohe

Niveau an der Spitze der Waffenlaufszene

aus erster Hand beurteilen.

Belser belegte beispielsweise

an der Schweizer Meisterschaft

im Halbmarathon den

dritten Platz.

8

Fünf Jahre Einsatz für

Waffenlauf

Martin Belser begnügte sich

nicht mit der Teilnahme an Läufen.

Mit viel Herzblut setzte er

sich auch für die Weiterentwicklung

seiner geliebten Sportart

ein. Fünf Jahre lang war der Vater

von zwei Kindern (sechs und

acht Jahre alt) Technischer Leiter

der Interessengemeinschaft

Waffenlauf Schweiz (IGWS) und

arbeitete vor allem an der Koordination

der Waffenläufe. «Da

ging es zum Beispiel um die Absprache

von Terminen oder die

Zusammenarbeit zwischen den

einzelnen Organisationskomitees»,

erzählt Belser. Weiter

wurde auch ein Trainingslager in

Celerina (früher Andermatt) ins

Leben gerufen, an dem jeweils

rund 20 bis 30 Läufer teilnahmen.

Vor drei Jahren war mit der ehrenamtlichen

Tätigkeit Schluss.

Belser: «Ich habe von Anfang an

gesagt: Ich mache das fünf Jah-

ren. Dann ist es Zeit für andere.»

So kann sich der Verantwortliche

für das Ausbildungszentrum

Breite des St. Galler

Amts für Militär und Zivilschutz

in Bütschwil nun wieder auf das

läuferische Training konzentrieren.

In der letzten Saison durfte

er mit vier Podestplätzen (Zweiter

in Wiedlisbach, Dritter in

Neuenburg, Altdorf und Thun)

und dem dritten Gesamtrang der

Kategorie M30 (30- bis 40-Jährige)

zufrieden sein. In der Overall-Rangliste

aller Altersklassen

lief Belser auf den siebten Platz.

Ziele hat er aber weiterhin. In

diesem Frühlig will er an der Ma-

Packung auf dem Rücken und gekleidet im Tarnanzug:

Martin Belser ist begeisterter Waffenläufer.

ARMEE aktuell 1/2005


Viel Tradition, wenig Unterstützung

Blick in eine unsichere

Zukunft: Dieses Jahr finden

nur noch sieben Waffenläufe

statt.

rathon-Schweizer-Meisterschaft

in Winterthur teilnehmen. Die

Konkurrenz der «zivilen» Läufer

muss er dabei nicht fürchten.

Am letztjährigen Frauenfelder

(über die Marathondistanz von

42,2 Kilometer) hätte er im Feld

der Marathonläufer (ohne 6-kg-

Packung, wohlgemerkt) den achten

Platz belegt. «In den Zeitungen

ist aber praktisch nur

über die Marathonläufer berichtet

worden, obwohl der Sieger

des Waffenlaufs schneller gelaufen

ist», sagt Belser mit einem

bitteren Unterton.

Unterstützung durch Armee

schwindet

Einblick in die Organisation der

Läufe hat der Toggenburger

natürlich noch immer. Die Zeiten

sind nicht rosig für diese traditionelle

Sportart. Die Armeereform

habe viele Dinge komplizierter

gemacht, bedauert Belser.

«Ein OK muss jetzt Anfragen

an die Lehrverbände richten,

aber man bekommt fast keine

Soldaten mehr für die Organisation.»

Er sieht sogar die Gefahr,

dass der Waffenlauf sterben

könnte. Die Zahlen sprechen eine

deutliche Sprache: Von den

traditionell elf Läufen im Jahreskalender

sind in den letzten

zwei Jahren gleich vier (Freiburg,

Toggenburg, Kriens und

Altdorf) definitiv eingestellt

worden. Dies ist für Belser umso

unverständlicher, als das Interesse

der Zuschauer durchaus da

sei. «Die Begeisterung in der

Altstadt von Wil beim Wende-

punkt des Frauenfelders ist jeweils

riesig», gerät der Stabsadjutant

ins Schwärmen.

Mehr Engagement wünscht sich

Belser von der Armeeführung.

«Viele Läufer stört es, dass mit

grossem Aufwand ein VIP-Zelt

aufgestellt wird, für die gewöhnlichen

Zuschauer passiert aber

nichts.» Zum Leidwesen vieler

Waffenläufer sei die Armeespitze

zudem jeweils nur sehr kurz präsent.

«Wenn aber die Unterstützung

durch die Armee fehlt,

stirbt der Waffenlauf ganz», sagt

er mit Wehmut. 2005 beginnt

die noch sieben Läufe umfassende

Saison am 10. April in Neuenburg.

Martin Belser wird wieder

mit viel Engagement dabei sein.

Ein Ziel will er nämlich nochmals

erreichen: ein Podestplatz beim

Frauenfelder. Dieser ist vom Prestige

her das Wimbledon der

Waffenläufer – und für Belser

zudem das Heimrennen.

Weitere Infos

Die Interessengemeinschaft

Waffenlauf Schweiz (IGWS) hat

im Internet Wissenswertes zum

Thema Waffenlauf publiziert.

Unter anderem finden sich auch

die Termine 2005 der sieben

Läufe sowie eine online-Anmeldemöglichkeit.

www.igws.org

ARMEE aktuell 1/2005 9


Jahresrapport der Panzerbrigade 11

1000 Offiziere in Winterthur

«Der Start in die neue Armee ist gelungen!» Dies sagte der Kommandant der Panzerbrigade 11,

Brigadier Roland Nef, Ende Januar 2005 am Jahresrapport vor 1000 Offizieren und geladenen Gästen

in Winterthur. Gastreferent war der Militärsoziologe Professor Dr. Karl Haltiner. Bild: Sdt Gaëtan Bally

Fortsetzung von Seite 5

Sie haben Ihre bisherige militärische

Laufbahn auf dem alten

Schützenpanzer M-113 absolviert.

Was sagen Sie zum neuen Spz

2000?

Endlich besitzen wir mit dem

Spz 2000 ein konkurrenzfähiges

Arbeitsgerät, mit welchem wir

den Panzer Leopard im Gefecht

der verbundenen Waffen unterstützen

können. Zuerst hatte ich

Bedenken, ob die Zusammenarbeit

zwischen CAF (Chef der abgesessenen

Formation) und dem

Zugführer, welches beide Offiziere

desselben Grades sind, gut

funktioniert. Nun bin ich aber

der festen Überzeugung, dass

nur eine Trennung der Kontrolle

über die abgesessene Gruppe

und das Fahrzeug dem schnellen,

dynamischen Einsatz des

10

neuen Spz 2000 überhaupt gerecht

werden kann.

Was waren gute und schlechte

Erlebnisse für Sie persönlich?

Ich habe die Chance bekommen,

eine Kompanie befehlen zu dürfen.

Dabei habe ich viele neue

Erfahrungen gewonnen und bin

von Tag zu Tag sicherer im

Führen geworden. Ich weiss

jetzt genau, dass ich mich zum

Einheitskommandanten weiterbilden

werde. Die vielen Dienstverschiebungsgesuche

jedoch,

welche durch den Bereich «Personelles

der Armee» in letzter

Minute genehmigt wurden, waren

für uns ein grosses Ärgernis.

Wir wussten nie wirklich, wie

viele AdA einrücken werden und

konnten so nicht effizient planen.

Pz Br 11 — Komm Team

Für die Verstärkung auf Stufe Brigade und Bataillon / Abteilung

suchen wir ...

Journalisten (Bild/Ton).

Sie verfügen über berufliche Erfahrungen im Journalismus

oder Kommunikationsbereich (Printmedien, Radio, TV, PR

etc.). Selbstständiges Arbeiten liegt Ihnen. Sie haben

Interesse an militärischer Berichterstattung und am Kontakt

mit der Truppe.

Wir bieten Ihnen an, Ihre militärischen Diensttage in einem

spannenden Umfeld zu leisten.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Richten Sie Ihre kurze

Bewerbung (beruflicher Hintergrund, militärische Einteilung,

Grad und Kontakt) an folgende Adresse:

Hauptmann Karl Schädler, Chef Kommunikation Pz Br 11

Feldgüetliweg 141, 8706 Meilen

01 219 27 72, 078 776 28 04, karl.schaedler@leu.com

ARMEE aktuell 1/2005


ARMEE aktuell 1/2005

Der Wechsel vom alten Schützenpanzer M-113

auf den neuen Schützenpanzer CV-9030 prägte

die Wiederholungskurse der Panzergrenadierbataillone.

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