VN-Artikel 15022020 INVENTUS Development GmbH - Battlogg

psachs

Samstag/Sonntag, 15./16. Februar 2020

Vorarlberger Nachrichten D3

IM GESPRÄCH. Stefan Battlogg (56), Geschäftsführender Gesellschafter Inventus Development GmbH, St. Anton im Montafon

Stefan Battloggs Selbstständigkeit fing in der Garage an. Heute beschäftigt Inventus in St. Anton 20 Mitarbeiter.

VN/STIPLOVSEK

ST. ANTON Das Montafoner Unternehmen

Inventus entwickelt

Anwendungen für verschiedenste

Branchen wie Automobil, Medizin,

Militär oder Gaming. Der gemeinsame

Nenner ist eine Technologie

namens MRF. Damit begeistern

Stefan Battlogg und sein Team Kunden

auf der ganzen Welt.

Wie erklären Sie einem Laien, was

Inventus genau macht?

BATTLOGG Wir entwickeln vom

weißen Blatt Papier bis zu getesteten

Prototypen neue Sachen, die

es bislang noch nicht gibt. Mit dem

Begriff Innovation bin ich aber vorsichtig,

weil dieser oft missbräuchlich

verwendet wird. Wir sind ein

Mechatronik-Unternehmen, das

sehr tief in der Technologie verankert

ist.

Der gemeinsame Nenner hinter allen

Anwendungen ist die MRF-Technologie.

Was steckt dahinter?

BATTLOGG MRF steht für magnetorheologische

Flüssigkeit. Das ist

unsere Basis für all unsere Produkte.

Wenn man an sie ein Magnetfeld

anlegt, bilden sich Ketten und damit

kann man die Viskosität verändern.

Das unterscheidet uns von anderen

Firmen, die ein Produkt oder

Geschäftsfeld haben. Wir wollten

uns nach der Lehman-Krise nicht

nur auf die Autoindustrie konzentrieren,

sondern in die Breite gehen

um uns abzusichern.

In welchen Branchen sind Sie tätig?

BATTLOGG Die Autoindustrie verwendet

die Flüssigkeit, um Autotüren

zu bremsen. Bei Fahrrädern

können damit die Dämpfer gesteuert

werden. In Prothesen kann die

Bewegung gebremst werden. Beim

Militär geht es um den Schutz der

Soldaten. Hier kann das Fahrzeug

bei Minenexplosionen entkoppelt

werden. Neu ist die Gaming-Branche.

Bei Joysticks oder Controllern

verwenden wir die Technologie, um

das Mausrad zu dämpfen und adaptiv

zu machen. Wenn jemand in

einem Computerspiel durch Sand

läuft, wird das Mausrad schwerer.

Oder wenn man in einem Word-

Dokument nach einem Wort sucht

und es gefunden wird, bleibt das

Rad stehen. Unsere Anwendungen

sind große Projekte, die aus Mecha-

„Wir brauchen die Kristallkugel“

Stefan Battlogg führt mit Inventus einen „Hidden Champion“, dessen Anwendungen Kunden weltweit begeistern.

nik, Elektronik, Regelungstechnik

und Software bestehen.

Kann man vereinfacht sagen, Sie

geben mit Ihren Anwendungen

Feedback?

BATTLOGG Ja, denn die Bedienphilosophie

ändert sich stark. Wir spüren

hier den Trend, dass der Kunde

„Unser Credo ist es, über

den Tellerrand hinauszublicken.

Das ist durchaus

fordernd.“

Stefan Battlogg

Inventus Development

wieder fühlen will, was er tut. Denn

durch Touchdisplays ist die Bedienung

mit mechanischem Feedback

verloren gegangen. Das ist bei vielen

Sachen ganz schlecht. Bei Lautstärke

beispielsweise oder in der

Medizintechnik bei der Dosierung.

Die MRF-Technologie ist aber keine

eigene Erfindung?

BATTLOGG Nein, man hat sie im

Jahr 1950 erfunden und sie wird

beispielsweise für Fahrzeug-Stoßdämpfer

verwendet. Für viele Anwendungen

sind diese aber viel zu

groß. Wir haben das kleiner, leichter

und energieeffizienter gemacht,

haben das patentieren lassen und

verkaufen nun Lizenzen. Oder wir

fertigen die Teile. Dazu haben wir

ein Joint Venture, weil wir dafür zu

klein sind. Das klingt vielleicht insgesamt

sehr einfach, aber dazwischen

liegen viele Jahre. Es war ein

harter Weg und viel Knochenarbeit.

Wie kommen die Anwendungen zum

Kunden? Kommen die Firmen zu

Ihnen oder umgekehrt?

BATTLOGG Wir entwickeln Anwendungen

und machen den Kunden

dann Vorschläge. Automobilkunden

haben wir beispielsweise

den adaptiven Laustärkeregler im

Lenkrad vorgestellt. Darum haben

wir auch unsere Firma XeelTECH

gegründet, um mehr in die Vermarktung

zu gehen.

Apropos Außenauftritt: Sie haben

gerade auf der CES in Las Vegas, der

größten Messe für Consumer Electronic,

große Erfolge gefeiert.

BATTLOGG Wir hatten einen ganz

kleinen Stand und anfangs schien

es, als ob uns niemand wahrnehmen

würde. Aber es war letztlich ein

toller Erfolg und wir konnten viele

Menschen mit unseren Produkten

begeistern. Ein Ritterschlag war,

dass einer der größten Smartphone-Hersteller

der Welt zu uns kam

und vom Stand weg eine Einladung

ins Silicon Valley aussprach. Unser

Mitarbeiter Philipp Sachs ist dann

von Las Vegas direkt nach Cupertino

und hat dort unsere Technologie

vorgestellt. Eine Woche später hatten

wir schon eine konkrete Anfrage.

Das ist für uns toll, denn eigentlich

ist es für uns als kleine Firma

unmöglich, Zugang zu diesen großen

Playern zu bekommen.

Ihr Unternehmen trägt den Firmenzweck

im Namen: Inventus bedeutet

Erfinden, entdecken. Ist es ein hoher

Anspruch an sich selbst, ständig

Neues zu entwickeln?

BATTLOGG Vor allem geht es darum,

Dinge früher sehen als andere

und gut zuzuhören. Ich sage immer,

wenn jemand schimpft, hat er oft

ein Problem, das es zu lösen gilt.

Durch Zuhören sind schon einige

Projekte entstanden. Wir halten

viele Patente. Aber dazu braucht

„Produkte, die begeistern“ mit St. Antöner DNA

KENNZAHLEN

GEGRÜNDET 1990, erster Mitarbeiter

2003

EIGENTÜMER INVENTUS HOLDING

GMBH Stefan Battlogg 60%, MIS

Motors Holding AG, Schweiz 40 %

(Rennmotoren-Papst Mario Illien)

UMSATZ 2 Millionen Euro

MITARBEITER 20

GESCHÄFTSFELDER Automotive,

Health Care, Smart Devices, Sondermaschinenbau,

Sportartikel, Defence

ST. ANTON I. M. Das Gebäude gleich am Ortseingang

von St. Anton im Montafon fällt auf. Schwarz, modern,

schnörkellos und geheimnisvoll. Es ist der Sitz

der Firma Inventus, die in ihren Geschäftsfeldern

Automotive, Health Care, Smart Devices, Sondermaschinenbau,

Sportartikel und Defence international

tätig ist. Die Entwicklungen der Montafoner

Firma sind in vielen Maschinen, Autos, Lastwagen,

Fahrräder, in OPs oder einfach an Tablets im Einsatz

und machen, so der Firmengründer Stefan Battlogg,

das Leben leichter, besser und auch sicherer. Inventus

entwickelt Systeme, die automatisch Autotüren

öffnen,bei Operationen mehr Sicherheit bieten

oder für Behinderte Erleichterungen bringen. All

das basiert auf der Kernkompetenz des Anfang der

1990er Jahre als Einmann-Betrieb gegründeten Unternehmens,

der Magnetorheologische Flüssigkeit,

kurz MRF, einem Stoffgemisch aus einer Trägerflüssigkeit

und magnetisierbaren Carbonyleisenpartikeln.

Inventus entwickelt interdisziplinär - vom

Softwareentwickler bis zum Maschinenbauer sind

alle Spezialisten in St. Anton versammelt - und sie

schaffen eines, bei den Kunden, so Battlogg: „Wir

schaffen Produkte, die begeistern“.

Im eigenen Fallturm werden die Produkttests durchgeführt.

man eigentlich eine Kristallkugel.

Denn wir müssen erahnen was

in ein paar Jahren sein wird, um

das auch früh genug anmelden zu

können. Wir müssen also der Zeit

voraus sein. Viele Anwendungen

gehen dabei von Branche zu Branche

weiter. Hier ist es wichtig, den

perfekten Einstiegspunkt zu finden.

Innovationsschmieden sind meist in

Ballungszentren angesiedelt. Wieso

ist St. Anton für Inventus ein guter

Standort?

BATTLOGG Ursprünglich waren wir

eine Garagenfirma. Heute beschäftigen

wir Maschinenbauer, Elekrroniker,

Mechatroniker, Fräser und

Softwareentwickler. Ich wollte im

Tal bleiben, weil wir hier so gute,

engagierte Leute haben. Es ist aber

nicht einfach, Mitarbeiter zu finden.

Nicht weil wir technologisch uninteressant

sind, sondern weil unsere

Projekte oft der Geheimhaltung unterliegen

und wir das deshalb nicht

kommunizieren dürfen. Das ist kein

Vorteil, um Personal zu finden.

HANNA REINER, ANDREAS SCALET

hanna.reiner@vn.at, 05572 501-682

andreas.scalet@vn.at, 05572 501-862

PRIVAT

STEFAN BATTLOGG

Gründer, Aktionär, Geschäftsführer

Inventus Holding

GEBOREN 31. März 1963

AUSBILDUNG HS Schruns, HTL

Maschinenbau Bregenz

LAUFBAHN Erster Präzisionsapparatebau

Vaduz, Angerer Electronic

Bludenz; fließender Übergang in die

Selbstständigkeit

FAMILIE verheiratet, zwei Kinder

In den vergangenen Jahren war für

Stefan Battlogg Freizeit Mangelware,

das Unternehmen nahm

die meiste Zeit in Anspruch. Von

Vorteil war und ist allerdings, dass

der Arbeitsweg entfällt - er wohnt

wenige Meter vom Betrieb entfernt.

Auch sein Elternhaus ist in Sichtund

Gehweite. „Wenn es die Zeit

zulässt, ist die Familie für mich erste

Adresse.“ Gerne geht er wandern

- er müsse ja nur zur Türe raus und

habe ein schönes Wandergebiet zur

Verfügung. Wenn es die Zeit zulässt,

reist er gerne. Mit der Familie und

seit die Kinder groß sind, mit der

Frau. In fernen Ländern könne er

ganz andere Eindrücke sammeln,

komplett abschalten.

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