Neustart! – Das SHE works! Magazin im Oktober 2020

sheworks

Wir starten neu, wir starten durch! Wir fahren alles wieder hoch, wir rebooten.
Was sich so dynamisch und energiegeladen anhört, kostet unglaublich viel Kraft, machen wir uns da nichts vor.

4. AUSGABE 2020 // 5,95 EURO

SHE works!

#FRAUEN #WIRTSCHAFT #KARRIERE

WWW.SHE-WORKS.DE

Neustart!

WIR STARTEN DURCH

NACH UNSEREN KRISEN

HALLO HANDMADE

GEHT ONLINE

SHE! RUTH MOSCHNER &

AMY F. NEUMANN-VOLMERS


Impressum

IHRE ANSPRECHPARTNER*INNEN

Herausgeberin & Chefredakteurin

Carolin Schäufele

info@she-works.de

Marketing

Julia Freiberg

freiberg@she-works.de

Redaktion

Dana Rotter

rotter@she-works.de

Annemike Düvel

duevel@she-works.de

Kooperation

Carla van Gaalen

carla@she-works.de

AUTOR*INNEN

Carolin Schäufele (v.i.s.d.p.)

Dana Rotter,Annemike Düvel, Julia Freiberg,

Jeanine Hurte, Vivienne Hettig, Kathrin Zinke,

Ulrike Stahl, Damian Richter, Jessica Verführt,

Julia Kunz, Shabnoor Shah, Melita Dine, Jana

Limbers, Jana Wieduwilt, Maria Moersgaard,

carmen Mayer, Petra Winkler, Nadine Kmoth,

Yvonne Perdelwitz

Korrektur: Denise Wery

LAYOUT:

FOTO- & GRAFIKNACHWEIS:

Titelbild: unsplash.com

Sarah Raymaekers, , unsplash.com, Bernd

Jaworek, Barbara Sigge, Stefanie Lippert,

Konstantin Börner, Mirjam Knickriem, Kersti

Niglas, Julia Scherkunowa, Mirja Wilde,

Henriette Braun, Pleo, Kathrin Newman, Masa

Yuasa, Juri Fehr, Stefan Mayr, David Arous,

Lydia Bönisch, Team Damian Richter, René

Rülke, Martina van Kann, Dr. Carmen Mayer,

Jessica Verführt, Femtec GmbH, Kai Zeitner,

Deutsche Telekom, Kathrin Newman, Juri Fehr,

Masa Yuasa, Alexander Klebe Businessfotograf

Berlin, Elfriede Liebenow Fotografin, Michael

Lambrecht, Sandra Birkner

SHE works!

Carolin Schäufele

Hagenweg 2a

37081 Göttingen

0175-5240053

www.she-works.de

SOCIAL MEDIA

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Carolin Schäufele, PW DESIGN


SHE works! / 

SHE works!: Annemike Düvel, Dana Rotter, Carolin Schäufele, Julia Freiberg (sitzend) /

Foto Sarah Raymaekers

1


Neustart! / Oktober 2020

Editorial

LIEBE LESERINNEN UND

LESER,

Wir starten neu, wir starten

durch! Wir fahren alles wieder

hoch, wir rebooten.

Was sich so dynamisch und

energiegeladen anhört, kostet

unglaublich viel Kraft, machen

wir uns da nichts vor.

Wir kommen aus einem Tief,

es ging uns nicht gut. Und

nun wollen wir neu anfangen.

Mit viel Elan und Mut gehen

wir daran. Und doch fehlen

manchmal der Weg und die

richtigen Werkzeuge. Wir sind

in unseren Herzen vielleicht

doch nicht gleich ganz so mutig,

wie wir es nach außen gern

verkaufen.

Wir sind damit nicht allein!

Das zeigen die letzten Wochen.

Ob Corona, ein persönliches

Tief, das Start-up läuft nicht so

wie gedacht, ein Rückschlag

im eigenen Unternehmen: Wir

brauchen Mut, Tatkraft und Entschlossenheit,

um uns der Situation

zu stellen und uns wieder

aufzubauen. Wir müssen uns

neue Tools aneignen, um neue

Wege zu gehen. Wir müssen

alte Zöpfe abschneiden, um

neue wachsen zu lassen.

Wir stellen uns Situationen, die

wir vor der Krise gern groß umrundet

haben. Immer mit dem

Gedanken, später vielleicht

mal dahin zurückzukehren und

sich dann damit auseinandersetzen.

Nun müssen wir ran und uns

damit beschäftigen.

Nadine Kmoth zum Beispiel,

Körpersprache-Expertin, konnte

sich nie vorstellen, ihre Seminare

und Vorträge online zu

halten. Nun tut sie es, mit einer

vor einigen Monaten nicht vorstellbaren

Selbstverständlichkeit

(Seite 72). Sophie Pester

hat zehn Jahre lang den hallo

handmade Markt in Hamburg

veranstaltet, in Corona-Zeiten

nicht unbedingt risikoarm. Nun

geht hallo handmade eben

online, ein ganzes Wochenende

(Seite 38).

Doch nicht nur Corona stellt

eine Krise dar, Jessica Verführt

kennt ganz andere Schicksalsschläge,

wie sie uns erzählt

hat. Auch sie hat ihren Weg

gesucht. Und gefunden. Sie hat

die Scannerladies gegründet

(Seite 44).

Es gibt so viele tolle Beispiele,

die wir hier gar nicht alle aufzählen

wollen. Wir haben viele

davon im Heft!

Neben dem Neustart und all

seinen Facetten, haben wir

aber auch viele nützliche Tipps

und Ratschläge zu Themen

wie Digitaliserung, Marketing

und Kommunikation, stellen

Fortbildungdsangebote des

Erich Pommer Instituts vor

und haben auch Tipps für gute

Bücher.

In unserer noch recht neuen

Rubrik SHE! (Seite 10-19) haben

wir in diesem Magazin zwei unglaubliche

Frauen: die bekannte

Fernsehmoderatorin Ruth

Moschner und Amy Francoise

Neumann-Volmer, Vorstandsvorsitzende

der deutschen

Sektion „Ärzte ohne Grenzen“.

Wir freuen uns unglaublich, sie

für ein Interview bekommen zu

haben!

UND EIN THEMA IN EIGENER

SACHE!

Uns haben in der Vergangenheit

immer wieder Anfragen

nach einer Print-Version unseres

e-Magazins erreicht.

Wir haben Neuigkeiten!

Wer unser Magazin ausgedruckt

erstehen möchte, kann

einfach eine kurze Nachricht

an Carla van Gaalen, unseren

neusten SHE-works!-Zugang

senden: carla@she-works.de

Nun wünschen wir eine gute

Lektüre!

Herzliche Grüße und eine tolle

Herbstzeit

CAROLIN SCHÄUFELE

& DAS SHE-WORKS-TEAM

2


Unsere Ärztin Katharina von Goldacker

untersucht im Südsudan ihre Patientin

Nyajuok Thot Tap, die im achten Monat

schwanger ist. © Peter Bräunig

SPENDEN SIE ZUVERSICHT

IN BANGEN MOMENTEN

IHRE SPENDE RETTET LEBEN: 30 Euro kostet das

sterile Material für drei Geburten. Ohne dieses erleiden

Frauen häufig lebensbedrohliche Infektionen.

Private Spender*innen ermöglichen unsere unabhängige Hilfe jede Spende macht uns stark!

Spendenkonto:

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE72 3702 0500 0009 7097 00

BIC: BFSWDE33XXX

www.aerzte-ohne-grenzen.de/spenden


Neustart! / Oktober 2020

Inhalt

Post an uns!...................................................................6

SHE!................................................................................8

Ausgezeichnetes Engagement:

Femtec Award 2020.................................................46

Ruth Moschner............................................................10

Amy Françoise Neumann-Volmer.......................14

Titelthema

Neu starten nach der Krise..................................... 19

Rückschritt oder Chance? Frauen in der Corona-

Krise............................................................................. 22

Neu gestart: Mit der Erlaubnis, groß zu denken...

26

Vision als Kompass für etwas Neues.................. 30

In der Krise neu positionieren............................... 33

New Normal: Zusammenarbeit für mehr

Zukunft........................................................................ 36

Ich habe mich in eine Laborsituation begeben .....

38

Mehr Wachstum und Erfolg in herausfordernden

Zeiten.................................................... 42

Vom Plattenbau zum Bosslady Imperium..........44

Awards

4


SHE works! / 

Digitalisierung

Wichtige Gehirn-Basics in digitalen Zeiten:

Warum das Homeoffice uns müde macht..........48

Transformation

beginnt in den Köpfen ............................................ 51

Digitalisierung menschlich gestalten................. 53

Marketing

Neue Strategien im alten Gewand....................... 55

Die Basis für den Erfolg.......................................... 58

Buchhaltung

Buchhaltung digital managen, von Anfang an!.61

Finanzen

Und auf einmal klingelte das Telefon Sturm ….64

Online-Handel

Wenn ein Online-Shop, dann mit ganzem

Herzen!........................................................................66

Kommunikation

Storytelling fürs Erleben........................................ 70

Auf einmal digital:

Eine persönliche Annäherung............................... 72

New Work & Remote

Remote & flexibel arbeiten ....................................74

Gründen

Weiblich, innovativ, grün ....................................... 78

Markenschutz

Tech-Verstand im Einsatz ......................................80

Unternehmerin im Porträt

Pickable für Frauen.................................................. 82

Julias Gedanken - Kolumne

Pause _ Jetzt............................................................... 85

Frauen in Führungspositionen

Ich bin durch und durch ein Sparkassen-Kind... 87

Netzwerken

Fember - Erstes Female Network für Austausch

in Mastermind-Gruppen!........................................ 88

Bücher & Events........................................................90

5


Neustart! / Oktober 2020

Leserbriefe

Post an uns!

ZU UNSEREM LETZTEN

E-MAGAZIN:

Das Ergebnis ist super

geworden.

Anne S.

Bin auf jeden Fall jetzt großer

Fan des Magazins!

Tina H.

Liebes SHE works-Team

ich verfolge Eure Arbeit nun

schon eine ganze Weile und

bin immer wieder begeistert.

Spannende Themen und ein

tolles Heft. Und die geschichten

der Frauen! Gibt es das

auch irgendwo zu kaufen?

Viele Grüße

Susanne S.

(Anmerkung der Redaktion:

Bitte einfach Kontakt aufnehmen

unter:

carla@she-works.de

Sie nimmt gern Anregungen

und Bestellungen auf, denn

wir sind dran!)

WOW, tolles Magazin!

Katja R.

So viele tolle Unternehmerinnen

und Gründerinnen mit

ihren Geschichten. Ich lese von

Anfang bis Ende.

Viele Grüße

Iris B.

Liebe Ladies von SHE works!,

wieder sehr gelungen, ich teile

und empfehle weiter! Weiter

so!

Gundula H.

ZU SHE WORKS!

Liebes She works!-Team,

meine Kollegin und ich sind

große Fans Ihrer Arbeit und

werden nicht selten durch Ihre

Beiträge inspiriert.

Herzlichen Dank für die gute

Arbeit und die spannenden

Inhalte und weiter so!

Viele Grüße aus Hamburg

Frederike F.

6


SHE!

Neustart! / Oktober 2020

Prominente Unternehmerinnen stellen sich vor!

In dieser Ausgabe:

Fernsehmoderatorin Ruth Moschner und die

Vorstandsvorsitzende der deutschen Sektion

„Ärzte ohne Grenzen“.

Ruth Moschner

Deutsche Fernsehmoderatorin

Schriftstellerin

2011 Gewinnerin der Sat.1-Winterspiele

der Stars

8


9

SHE!

SHE works! / Amy Françoise Neumann-Volmer

Amy Françoise

Neumann-Volmer

Promovierte Ärztin

Juli 2019 zur Vorstandsvorsitzenden

der deutschen Sektion „Ärzte ohne

Grenzen“ gewählt

Ehefrau & Mutter von drei Töchtern

Trägerin des Verdienstkreuzes am

Bande


Ruth Moschner / Foto Bernd Jaworek


SHE works! / Es ist nichts so gekommen, wie es geplant war

SHE! Ruth Moschner

Es ist nichts so

gekommen, wie es

geplant war

Wie definieren Sie Erfolg?

Erfolg bedeutet für mich, dass

man etwas gefunden hat,

was man mit großer Freude

ausüben kann.

Was zeichnet Sie aus?

Ich weiß meinen Humor sehr

zu schätzen. Klar rege ich mich

auch mal über Dinge auf, aber

so etwas vergeht mit dem ersten

Sturm relativ schnell wieder.

Ich bin Widder. Ab und zu

muss ich einfach mit dem Kopf

durch die Wand. Das Lachen

dominiert aber zum Glück.

Außerdem bin ich fleißig,

motiviert, kreativ und sehr zuverlässig.

Ich halte mein Wort.

Noch Fragen? Oder zücken Sie

schon den Vertrag? ;-)

Wer oder was ist Ihr Motor?

Ich brauche keinen, der mich

motiviert, falls Sie das meinen.

Auf meiner Bucketlist

ganz oben steht seit Jahren:

zwei Tage Langeweile. Ich

komme nicht dazu. Ich mag

es, wenn es Leuten gut geht.

Für meinen Moderations-Job

stelle ich mir immer vor, wie

die Supermarktkassiererin

abends nach Hause kommt,

es sich auf der Couch gemütlich

macht und mal Fünfe

grade sein lässt, wenn sie

meine Sendung guckt. Leuten

ein paar schöne Stunden zu

bereiten mag ich sehr. Das

Schreiben meiner Bücher ist

mir ein inneres Bedürfnis, da

bin ich mit meinen Gedanken

immer ganz im Thema. Da

kommt der Nerd in mir durch

und ich kann komplett in eine

andere Welt eintauchen. Während

man als Moderatorin aus

vorhandenen Elementen eine

Sendung gestaltet, schöpft

man als Autorin komplett frei

aus seiner Kreativität. Wenn

ich als Gesundheitsberaterin

einem Kunden gesundheitlich

weiterhelfen kann, habe ich

direktes Feedback. Das mache

ich aus Zeitgründen natürlich

seltener, aber ich möchte

diesen ganzheitlichen Beratungsbereich

auch nicht missen.

Und was meine sozialen

Tätigkeiten angeht, da kommt

halt die Idealistin in mir durch.

Ich arbeite seit meinem 14. Lebensjahr

ehrenamtlich. Auch

das macht mir großen Spaß,

weil ich hier nicht nur einen

11


Neustart! / Oktober 2020

wertvollen Beitrag leisten

kann, diese Arbeit bereichert

mich auch selber enorm und

ich habe Kontakt zu Menschen,

die meinen Horizont

erweitern. Im Grunde ist also

alles im Leben eine Inspiration

und ein Motor, wenn man das

eben möchte.

Straighter Weg oder Abzweigungen

wie verlief Ihr

Berufsweg bisher?

Von außen betrachtet sieht es

bei mir schon sehr nach einem

Masterplan aus. Aber eigentlich

ist nichts so gekommen,

wie es geplant war. Ich wollte

bereits als Kind wegen meiner

Großmutter, deren Name ich

trage, die aber ihren Beruf

(Schauspielerin) nie ausüben

durfte, diesen Beruf ergreifen.

Schon mit vier Jahren durfte

ich kleine Rollen für`s ZDF

übernehmen.

Durch mein Ballettstipendium

hatte ich neben der Schule die

Möglichkeit, unter anderem

am Nationaltheater zu tanzen.

Als Teenager schlug mein

Herz aber auch für Medizin

und so spielte ich sehr früh

mit dem Gedanken Chirurgin

zu werden, lernte Anatomie,

menschliche Organe. Mein

Traum von der Schauspielschule

in New York war unbezahlbar,

also auch undenkbar.

Nach dem Abitur wäre ich

fast auf Ibiza gestrandet und

ausgewandert, hätte ich nicht

meinen Ausbildungsvertrag

zur Bankkauffrau bereits in der

Tasche gehabt. Die Ausbildung

war für mich von Tag 1 an eine

Qual. Und so nahm ich meinen

ganzen Mut zusammen und

bewarb mich mit Hilfe meines

Onkels um ein unbezahltes

Praktikum beim Radio. Das

war keine leichte Entscheidung,

die sichere, schwer

umkämpfte Ausbildungsstelle

für die wilde Medienbranche

aufzugeben.

Aber ich habe diesen Schritt

nie bereut und nach einem

Fernseh-Praktikum sogar ein

Volontariat bekommen, was

schon damals ohne Hochschulstudium

kaum möglich

gewesen war. Ein Studium

konnte ich mir aber damals

eben nicht leisten. Also hieß

es, fleißiger zu sein als die

anderen Bewerber. Und mit

Leistung überzeugen. Das hat

geklappt.

Die Schauspielerei war komplett

vergessen, mir machte

die Arbeit als Redakteurin

hinter der Kamera richtig viel

Spaß. Meine damalige Chefin

hatte mir sogar die Betreuung

ihre Polittalksendung anvertraut,

das war eine große Ehre.

Vor der Kamera bin ich dann

tatsächlich eher wieder durch

Zufall gelandet. Es wurden

ModeratorInnen gesucht und

ich „spielte“ den Studiogast

beim Casting. Dabei bin ich

dem damaligen Senderchef

wohl positiv aufgefallen und

er bot mir einen Job als Moderatorin

an.

Dann ging es ziemlich schnell

nach Berlin, wo ich eine tägliche

Livesendung moderieren

durfte, rund um Kultur, Lokalpolitik

und Musik. Perfekt,

um diese Traumstadt genau

kennenzulernen. Als der Chef

wechselte, musste ich gehen.

Das wurde mir eine halbe

Stunde vor meiner Live-Sendung

gesagt. Andere hätten

vielleicht heulend den Sender

verlassen. Aber meine Philosophie

ist, nur weil jemand

keinen Anstand im Beenden

von Beziehungen hat, muss

man selbst doch nicht das

selbe tun.

Danach habe ich wieder als

Redakteurin gearbeitet und

als Autorin Konzepte aus dem

Ausland ins Deutsche übersetzt

und für den deutschen

Fernsehmarkt angeglichen.

Bis mich ein Freund von mir

überredete, mich bei seiner

Agentur zu bewerben. Das

habe ich dann gemacht und so

kam ich dann wieder vor die

Kamera. Lustigerweise habe

ich den Mann, der mir mit 21

so „gefühlvoll“ gekündigt hatte,

später nochmal getroffen.

12


SHE works! / Es ist nichts so gekommen, wie es geplant war

Auf dem roten Teppich. Wir

haben uns kurz in die Augen

geschaut und zugenickt. Man

sieht sich eben immer mindestens

zweimal im Leben.

Gibt es Rollenbilder in Ihrem

Alltag, denen Sie gern entkommen

möchten?

Man darf heutzutage zum

Glück alles sein, auch Frau.

Ich liebe es mit gängigen

Klischees zu spielen. Mittlerweile

muss ich mich aber zum

Glück nicht mehr so oft erklären.

Außerdem bin ich ja auch

wirklich sehr gerne eine Frau.

Mein Verständnis von modernem

Feminismus war schon

immer, die Freiheit zu haben,

sich für alles entscheiden zu

dürfen und nicht mit Männern

in Konkurrenz zu treten. Emanzipation

heißt nicht, dass ich

alles können muss, aber darf.

Rollenbilder werden doch

eigentlich nur noch von weiblichen

Boulevard-Journalistinnen

hochgehalten. In meinem

Freundeskreis beispielsweise

wird die Baby- und Ehefrage

nicht wirklich diskutiert, da haben

wir die 50er Jahre hinter

uns gelassen. Auf dem roten

Teppich kommt sie jedoch

garantiert.

Welche eigene Erfahrung geben

Sie anderen Frauen als

Tipp mit auf den Weg?

Ich mache einfach alles mit

großer Freude. Jeder einzelne

Job, den ich in meinem Leben

gemacht habe, war mir wichtig.

Selbst als ich in den Ferien

die Zwetschgen für Blechkuchen

entsteint habe, um damit

den Hefeteig zu belegen. Ich

denke, man darf sich zu nichts

zu schade sein. Wieso auch.

Die Welt hat definitiv nicht auf

mich gewartet. Da muss man

schon was für tun. Gerade

als Frau. Ich habe mir immer

Leute gesucht, deren Arbeit

ich gut fand und die gebeten,

mich darin zu unterrichten. Im

Zuge meines Fernseh-Volontariats

habe ich so zusätzlich

das Schneiden von Beiträgen

erlernt und konnte mein

Texten verbessern. Fragen

bildet weiter. Was kann schon

passieren, außer, dass man

mal ein „Nein“ kassiert. Wobei

ich sagen muss, die meisten

waren gerne bereit, mir etwas

beizubringen. Bis heute versuche

ich mich immer weiterzubilden.

Ich lasse mich coachen

und bin gut vorbereitet.

Meiner Ansicht nach gehört

das dazu. Ich weiß jetzt nicht,

ob das nur speziell für Frauen

gilt. Aber vielleicht sind

Frauen, was Forderungen für

Förderungen angeht, einfach

zurückhaltender.

Daher mein Tipp: tauscht

euch aus und schafft euch ein

Netzwerk an guten Leuten.

Unterstützt die, die Hilfe

benötigen. Wenn ihr mal eine

schlechte Erfahrung machen

müsst, und die musste ich

auch machen, versucht sie ins

Positive zu drehen, anstatt das

Erlebte frustriert an andere

weiterzugeben.

Man darf nicht erwarten, dass

andere einem von alleine

weiterhelfen. Übernehmt

Eigenverantwortung und nutzt

eure Stimme, sonst werdet ihr

nicht gehört.

Vielen Dank!

13


Neustart! / Oktober 2020

SHE! Amy Françoise Neumann-Volmer

Viele Zugänge werden

für Frauen immer noch

erschwert

Wie definieren Sie Erfolg?

Erfolgreich zu sein bedeutet

für mich, einen positiven

Unterschied zu machen. Und

das nicht für mich, sondern für

die Gesellschaft und meine

Mitmenschen. Erfolgreich zu

sein bedeutet für mich, andere

Menschen zu stärken, ihnen

Freiräume zu geben - oder diese

zu erkämpfen. Es bedeutet,

Ideen anderer zu fördern, für

Veränderungen offen zu sein,

zu lernen und zu wachsen - und

das offen und ehrlich, sodass

an meinem Scheitern und

Wachsen auch andere wachsen

können.

Ein Beispiel: Ich habe eine ganze

Zeit als Triathlon-Trainerin

für Kinder und Jugendliche gearbeitet.

Mein Erfolg als Trainerin

waren nicht die Zeiten,

die absoluten Ergebnisse im

Wettkampf. Mein Erfolg war,

dass diese jungen Menschen

im Training gelernt haben,

respektvoll mit sich selbst und

anderen umzugehen, dass sie

gelernt haben, ihre Grenzen zu

erkennen und einschätzen zu

können, dass sie sich gegenseitig

unterstützt haben und

gespürt haben, was Teamgeist

bewirken kann.

Was zeichnet Sie aus?

Neugier, Ausdauer und Teamgeist.

Ich höre gut und gerne

zu, habe das große Glück, frei

von Narzissmus und Egozentrismus

zu sein und liebe

meinen Beruf.

Wer oder was ist Ihr Motor?

Was mich antreibt ist die Überzeugung,

dass Menschlichkeit,

Solidarität und Respekt unser

Handeln bestimmen sollen

und die Basis für eine funktionierende

Gesellschaft sind.

Ungerechtigkeit und Ignoranz

machen mich wütend und treiben

mich zum Handeln an. Öl

für meine Motoren sind meine

Familie, meine Eltern und meine

Freund*innen.

Straighter Weg oder Abzweigungen

wie verlief Ihr

Berufsweg bisher?

Mein Berufsweg war eher wie

eine Fahrradtour durch die

französischen Alpen - viele

kleine Abzweigungen, viele

Höhenmeter, oftmals müde

Waden, Schweiß und auch die

Frage: Warum tue ich mir das

an??? Aber eben auch eine

atemberaubende Aussicht, frische

Luft und dieser glückliche

Stolz an einzelnen Etappenzielen,

dass man es bis hierhin

geschafft hat. Dabei war ich nie

alleine unterwegs - hatte mit

meinem Mann immer einen

14


Amy Francoise Neumann-Volmer / Foto Baraba Sigge


Neustart! / Oktober 2020

guten Tourbegleiter - und über

einige Etappen auch einen Anhänger

voller Kindern dabei. Es

war keine Autobahn. Aber ich

reise ohnehin nicht so gerne

auf breiten Asphaltstraßen.

Ich bin Französin, habe in Dijon

mein Medizinstudium begonnen.

Und früh gelernt, was es

zu dieser Zeit bedeutet hat,

eine Medizinstudentin zu sein.

Als ich das beste Physikum des

Jahrgangs schrieb, zitierte mich

der Chemie-Prof zu sich, weil

er nicht glauben wollte, dass

tatsächlich eine Frau so gut

sein könnte. Leider gab es einige

solcher Männer an der Uni.

Gleichzeitig habe ich dort die

Liebe meines Lebens getroffen.

Wegen ihm bin ich dann

auch - ohne zuvor Deutsch gelernt

zu haben - nach Deutschland,

habe in Heidelberg mein

Medizinstudium abgeschlossen

und während des Studiums

zwei Kinder bekommen. Das

war auf jeden Fall eine Etappe

mit vielen Höhenmetern!

Danach haben wir Orte gesucht,

an denen sich Familie

und Weiterbildung vereinen

lassen. Wie zum Beispiel auf

Norderney. Aber das war nicht

immer leicht. Auch, weil ich

bei der Suche nach Weiterbildungsmöglichkeiten

immer

wieder Diskriminierung und

Widerstand erlebt habe - als

junge Frau und junge Mutter.

Wie zum Beispiel die Frage,

ob ich mich nach zwei Kindern

mit dem Thema Sterilisation

befasst hätte - davon würde

die Einstellung abhängen.

Deswegen habe ich den Weg

der Selbständigkeit gewählt.

Erst als Allgemeinärztin alleine

- dann zusammen mit meinem

Mann Klaus, der Kinderarzt ist.

Seit 31 Jahren haben wir eine

Gemeinschaftspraxis in einem

kleinen Dorf in Süddeutschland

- Amtzell - und ich kann

mir keinen besseren Beruf

vorstellen.

Gleichzeitig habe ich mir schon

seit meiner Jugend gewünscht,

mich in der humanitären Hilfe

zu engagieren. Vor Ort - und

weltweit. Ein Wunsch, der

mich mit meinem Mann schon

immer verbunden hat. Seitdem

unsere Kinder größer sind - es

kam übrigens noch ein drittes

dazu, soviel zum Thema Sterilisation

oder Karriere - haben

mein Mann und ich uns diesen

Wunsch erfüllt. Seit 2007 bin

ich aktiv bei der Organisation

Ärzte ohne Grenzen, seit 2017

im Vorstand von Ärzte ohne

Grenzen in Deutschland und

seit 2019 Vorstandsvorsitzende.

Diese Arbeit ist Teil meines

Lebens geworden. Und eine

Etappe auf meiner Reise, die

mich sehr fordert, fördert und

erfüllt.

Gibt es Rollenbilder in Ihrem

Alltag, denen Sie gern entkommen

möchten?

Ja! Eigentlich alle stereotypischen

„Frauenrollen” und die

Rolle der „Göttin im Weiß“.

Ich möchte wahrgenommen

werden als Amy, als ein eigenständiger

Mensch. Nicht als

Mutter von Nora, Marie oder

Lena, nicht als Ehefrau von

Klaus, nicht als Tochter von Suzanne

und Francois und nicht

als Großmutter von Lukas und

Paul. Nicht als Frau Doktor!

Natürlich haben meine Kinder,

mein Mann, meine Eltern

und Familie mich auch zu der

gemacht, die ich bin. Natürlich

spielt mein Beruf als Ärztin

eine Rolle in meinem Leben.

Aber ich wünsche mir, nicht auf

dies „reduziert“ zu werden.

Welche eigene Erfahrung

geben Sie anderen Frauen als

Tipp mit auf den Weg?

Verantwortung übernehmen

und sich die Mittel dafür geben.

Und nicht glauben, alles

alleine schaffen zu müssen.

Das definiert uns und unseren

Erfolg nicht. Ich musste zum

Beispiel lernen, dass es okay

ist, wenn ich mir als Allgemeinärztin

mit eigener Praxis

und Mutter von drei Kindern

Unterstützung hole. Dass es

Wege gibt, eine Haushaltshilfe

fair und gut zu bezahlen und

es nicht bedeutet, dass ich

16


SHE works! / Viele Zugänge werden für Frauen immer noch erschwert

gescheitert bin, weil ich hier

Unterstützung brauche. Es hilft

auch zu verstehen, dass gewisse

Dinge keine individuellen

Probleme, sondern struktureller

Natur sind. Für meine

jüngste Tochter gab es zum

Beispiel bei uns im Dorf kein

Betreuungssystem, gleichzeitig

konnten wir das als Familie mit

zwei berufstätigen Eltern nicht

stemmen - also habe ich eine

Tagesmutter organisiert. Das

ist mir sehr schwer gefallen,

weil ich erst Erwartungen, die

die Gesellschaft, aber auch ich

selbst an mich hatte, überdenken

und revidieren musste.

Netzwerke bilden. Das gilt

eigentlich für alles und immer.

In den letzten Jahren während

meiner Arbeit als Präsidentin

von Ärzte ohne Grenzen galt es

ganz besonders. Hier (unter-)

stützen mich Menschen aus

dem Büro, meine Vorstandskolleg*Innen

und ein Netzwerk

aus sehr begabten (und engagierten)

Menschen. Inzwischen

weiß ich, dass es mich nicht zu

einer schwächeren Frau macht,

mit diesem Netzwerk gemeinsam

zu denken, zu lernen und

zu arbeiten. Sondern ein Teil

meiner Stärke ist.

Bildung, Weiterbildung, Chancen

und Zugänge. Es ist nicht

immer leicht, viele Zugänge

werden noch immer erschwert

- für Mädchen, junge Frauen

und Frauen. Zu verstehen,

hilft. Bildung hilft. Sie hilft,

den Horizont zu erweitern, sie

hilft, systematische Benachteiligungen

zu verstehen und

sie ist ein gutes Werkzeug für

Veränderung. Gleichzeitig ist

sie ein Weg, Zugang zu Positionen

zu bekommen, die dabei

helfen, anderen den Zugang

zu erleichtern. Oder eben

erfolgreich einen Unterschied

im Leben anderer zu machen.

Ich verstehe Bildung/Weiterbildung

hier nicht als akademische

Laufbahn! Meine Ausbildung

als Triathlon-Trainerin für

Kinder und Jugendliche wäre

hierfür ein gutes Beispiel aus

meinem Leben. Oder Weiterbildungen,

die ich in den

letzten Jahren im Bereich Management

und Teamführung

gemacht habe, um meiner Aufgabe

als Präsidentin von Ärzte

ohne Grenzen noch besser

gerecht zu werden. Aber auch

Sprachkurse, die mir geholfen

haben, an meinem Englisch zu

arbeiten.

Am stärksten wirken die Tipps,

wenn alle zusammen kommen.

Wenn wir wissen, dass

wir nicht alles alleine schaffen

müssen, wenn wir Netzwerke

bilden, unsere Bildung, Chancen

und Zugänge dafür nutzen,

einen Unterschied zu machen,

andere zu fördern, mitzuziehen

und dafür zu erkennen,

dass auch die meisten von uns

wahnsinnig privilegiert sind.

Ein Tipp an Frauen kann nur

dann ein guter Tipp sein, wenn

er behinderte Frauen, schwarze

Frauen, BIPOCs, Trans-Frauen

usw. mitdenkt.

Vielen Dank!

17


SHE works! / Neu starten nach der Krise

Titelthema

Neu starten

nach der Krise

Von Dana Rotter

„Ich bin nicht gescheitert

ich habe 10.000 Wege entdeckt,

die nicht funktioniert

haben.“

(Thomas Edison)

Krisen gibt es im Berufsleben

immer wieder. Auch ohne

Corona. Denn nur wer Risiken

eingeht, kann auch seine Ziele

erreichen. Scheitern gehört dabei

unvermeidlich zum Leben

dazu. Im Beruf müssen häufig

erst ein, zwei oder mehr Niederlagen

eingesteckt werden,

bevor sich der Erfolg einstellt.

Dabei sollte aber nicht die Frage

im Vordergrund stehen, wie

Niederlagen verhindert werden

können, sondern vielmehr

wie man damit richtig umgeht.

Denn Scheitern ist immer eine

Frage der Perspektive.

In Deutschland ist „das Gescheitert

sein“ zurzeit noch ein Makel.

Man schämt sich nicht erfolgreich

gewesen zu sein. Eine

zweite Chance zu nutzen bzw.

diese zu erhalten, ist schwer.

Anders sieht es in den USA

aus. Die Gründerkultur ist eine

gänzlich andere, Scheitern wird

von Anfang an mit einkalkuliert.

Unternehmer sehen darin sogar

die einzige Möglichkeit ein

erfolgreiches Unternehmen zu

gründen, denn nur aus Fehlern

kann man lernen.

Doch das sagt sich so einfach

„aus Fehlern lernen“. Bei vielen

sitzt der Schock erst einmal

tief, die Selbstzweifel sind

groß und man weiß nicht, wie

es weiter gehen soll. Wichtig

ist es nach einigen Wochen

aufzuhören, sich auf das Scheitern

zu fixieren und eine gewisse

Distanz zu den Ereignissen

zu gewinnen. Nur dann kann

die Schockstarre überwunden

werden. Sollte man allein nicht

aus dem Teufelskreis ausbrechen

können, sollte man mit

anderen Menschen sprechen,

sich neue Perspektiven und

Einschätzungen anhören und

mit in die eigenen Überlegungen

einfließen lassen, wie es

weiter gehen soll.

„Misserfolge sind Wegweiser

auf dem Weg zum Erfolg.“

(C. S. Lewis)

Als allererstes sollte man

sich bewusst machen, dass

ein Scheitern im Beruf nicht

automatisch bedeutet, dass

man selbst ein Versager ist.

Das darf man weder sich

selbst noch von anderen

einreden lassen. Ja, man hat

Fehler gemacht, in anderen

Fällen war es einfach nur Pech.

Am besten sollte deswegen

schnell die Sachebene von der

persönlichen Ebene getrennt

werden. Nur so kann wieder

das benötigte Selbstbewusstsein

aufgebaut werden, um die

nächsten Schritte und Ziele

anzugehen. Denn ein Scheitern

bedeutet nicht, dass man als

Unternehmer nichts taugt.

Wut, Scham, Frustration, Traurigkeit

all diese Emotionen

sind verständlich und haben

ihre Berechtigung. Rauslassen

ist die Devise, aber man darf

sich nicht in ihnen verlieren.

Bevor man sich nun endgültig

den Staub abklopft und weiter

macht, sollte man sich ein

wenig Zeit für die Reflexion

des Geschehens nehmen. Und

sich fragen:

• Was genau ist schief

gelaufen?

• Was hätte ich besser

machen können?

• Welche Fehler hätte ich

vermeiden können?

• Welche äußeren Umstände

konnte ich nicht

19


Neustart! / Oktober 2020

beeinflussen und werde

es in Zukunft auch nicht

können?

Dan Miller, Autor des New

York Times Bestseller „48 Days

to the Work you love“, beschreibt

fünf Säulen, die nach

einem Misserfolg dabei helfen

können wieder nach vorne zu

blicken:

1. Suchen Sie sich ein positives

Umfeld, in welchem Sie zwar

konstruktives Feedback erhalten,

nicht aber auf ständige

Kritik treffen.

2. Bleiben Sie Ihrer Moral und

Ihren Werten treu.

3. Setzen Sie sich für Ihren

Neustart klare Ziele, die gerne

hoch gesteckt, dennoch aber

realistisch sind. Fokussieren

Sie sich dabei auf Ihre Talente

und Stärken.

4. Gesundheit ist das A und O,

um im Beruf leistungsfähig zu

bleiben und Niederlagen zu

überwinden.

5. Haben Sie einen eisernen

Willen und die Überzeugung,

dass Sie jede Niederlage wegstecken

können.

Für das nächste Projekt sollte

am besten direkt eine mögliche

Niederlage mit einkalkuliert

werden.

So lässt sich der Schrecken

des Scheiterns minimieren

und vielleicht liegt dann sogar

schon ein Plan B in der Schublade.

Ist das Unternehmensschiff

erst einmal gesunken,

kommt eh jede Hilfe zu spät.

Deswegen ist es wichtig frühzeitig

zu erkennen, wenn etwas

schief läuft. Nur dann besteht

die Chance noch rettend einzugreifen

oder aber rechtzeitig

die Notbremse zu ziehen, um

die richtigen Konsequenzen zu

ziehen und sich direkt neuen

Zielen zu widmen.

Neustart nach Corona

Auch im speziellen Fall der

Coronakrise gibt es einige

zentrale Punkte, mit denen

man sich vor einem Neustart

befassen sollte. Zu allererst,

bevor mit den Mitarbeitern

gesprochen wird, sollte eine

persönliche Bilanz gezogen

werden. Welche Prozesse sind

aus der Not entstanden, haben

sich aber bewährt und könnten

weiter genutzt werden?

Welche alten Prozesse sind

weggefallen und wurden auch

nicht vermisst? Welche neuen

Kommunikationswege haben

sich bewährt? Welche neuen

Stärken und Schwächen sind

bei den Mitarbeitern aufgefallen?

Was hat man selbst als

Führungsperson gelernt?

Erst wenn diese Fragen beantwortet

wurden, sollten mit

allen Mitarbeitern persönliche

Gespräche über deren Befinden,

ihre Wahrnehmung und

Potentiale geführt werden.

Im Anschluss ist ein Teammeeting

angesagt, in dem

offen und transparent über die

Zukunft des Unternehmens

und das weitere Vorgehen

gesprochen wird. Die bewusste

Förderung des Teamgeistes,

Wertschätzung und Dank sind

dabei wichtige Grundpfeiler,

um das Unternehmen aus der

Krise zu bekommen. Denn

ein Unternehmen intern und

extern neu oder teilweise neu

auszurichten bedeutet viel

Arbeit und Mut. Dies ist nur

gemeinsam zu schaffen.

In allen Fällen des Scheiterns

und Neustarts gilt: Wenn

etwas allein nicht zu schaffen

ist, darf man sich nicht davor

scheuen Unterstützung zu

suchen.

Für alle Bereiche gibt es Berater,

Coaches und Trainer, die

professionelle Hilfe anbieten

und den Weg aus der Krise erleichtern

können, hin zu einem

gelungenen Neustart.

Nora Ast ist seit 2016

selbstständige Trainerin

und Beraterin in ihrem gegründeten

Unternehmen

„Leading Mindfully“. Ihre

Schwerpunkten sind agile

Führung, Konfliktmanagement,

Resilienz sowie die

Moderation von Workshops

und Team-Prozessen.

Nora Ast ist ausgebildete

Industriekauffrau und

hat ein Masterstudium in

in Management & Human

Resources absolviert.

Außerdem produziert sie

den Podcast „Step up - Der

Female Leadership Talk“.

www.leading-mindfully.de

20


SHE works! / Neu starten nach der Krise

Für den Neuanfang

muss man die aktuelle

Situation akzeptieren

Nora Ast ist Wirtschaftspsychologin. Sie erzählt

bei SHE works! wie man aus einer Krise herauskommen

kann. Dana Rotter sprach mit ihr.

Nora Ast / Foto Michael Lambrecht

Insolvenz, gescheitertes

Startup, Corona, schnell

steckt man in der beruflichen

Krise. Worauf sollte man sich

als erstes konzentrieren,

um nicht den Überblick zu

verlieren?

Um zunächst wieder ein wenig

aus der Krise aufzutauchen und

in die Handlungsfähigkeit zu

kommen, sollte man sich auf

seine Stärken und Ressourcen

zurückbesinnen, die einen (beruflich)

zu der Person gemacht

haben, die man heute ist. Fragt

euch: Auf welche Ressourcen

kann ich immer zählen?

Welche Stärken haben mich

zu der Person gemacht, die ich

heute hier an dieser Stelle bin?

Dabei ist es wichtig, dass man

sieht, dass das „Scheitern“ aus

Verhalten und äußeren Umständen

resultiert, dies jedoch

nicht bedeutet, dass ich als

Person „schlecht“ bin.

Wie kann man es schaffen,

sich aus der Krise zu befreien?

Um Dinge wieder neu anzugehen

und nach vorn zu blicken,

ist es dann im nächsten Schritt

wichtig, dass wir die aktuelle

Situation als solche akzeptieren

und mit ihr versöhnlich abschließen

können. Dafür hilft

es, noch einmal zu verstehen

und zu reflektieren, was zu der

aktuellen Situation beigetragen

hat. Neben persönlichen

Faktoren, sollten insbesondere

die externen, nicht selbst

beeinflussbaren Faktoren

beachtet werden. Diese unterschätzen

wir häufig.

Welche Chancen kann und

sollte man aus einer Krise

für den weiteren Berufsweg

ziehen?

Häufig kann man in der Situation

selbst noch gar keine

Chancen sehen. Ein klares Bild,

das sich aus den Puzzleteilen

zusammensetzt, ergibt sich

meist erst viel später. Wichtig

ist es daher, sich immer wieder

darauf zu besinnen, was man

aus vergangenen längst abgeschlossenen

Krisen Wertvolles

mitnehmen und hinzugewinnen

konnte.

Dies hilft dabei, dann in aktuellen

Krisen mit Zuversicht

auszuharren und zu wissen: Es

wird sich schon irgendetwas

daraus ergeben, ich kann jetzt

nur noch nicht sehen was und

darf neugierig abwarten.

Wie sollte man mit dem „Makel

Scheitern“ beim persönlichen

Neustart umgehen?

Hier fällt mir ein schönes und

mutmachendes Zitat von Nils

Bohr ein: „Ein Experte ist der,

der auf seinem Gebiet schon

alle Fehler gemacht hat.“ Wir

MÜSSEN Fehler machen und

Scheitern, um zu Experten zu

werden. Nur diejenigen, die

den Mut haben, ein für sie persönliches

Risiko einzugehen,

können auch scheitern oder: Je

mehr wir ausprobieren, desto

mehr riskieren wir zu scheitern.

Das hängt einfach unweigerlich

zusammen. Deswegen

sollten wir einen neuen Blickwinkel

gewinnen, weg vom

Scheitern als einen „Makel“ hin

zur Bewusstmachung „Ich bin

ein mutiger Mensch, weil ich

Dinge riskiere von denen ich

nicht weiß, ob sie erfolgreich

ausgehen.“ Wenn ich dies als

Haltung verinnerliche, kann

ich es auch positiv in einen

Neustart hineintragen.

Vielen Dank für das Gespräch!

21


Neustart! / Oktober 2020

Titelthema

Rückschritt oder

Chance? Frauen in der

Corona-Krise

22


SHE works! / Rückschritt oder Chance? Frauen in der Corona-Krise

Von Annemike Düvel

Bremst die Corona-Pandemie

die berufliche Gleichstellung

von Männern und Frauen? Katapultieren

uns Lockdown und

Homeoffice in Sachen Gleichberechtigung

direkt zurück in

die 50er Jahre? Die Frau als

treusorgende Hausfrau und

Mutter, der Mann als Hausherr

und Ernährer? Aktuelle Studien

zeichnen ein uneinheitliches

Bild…

Fest steht: Der Corona-Lockdown

war für viele Unternehmen

ein riesiges Pilotprojekt

in Sachen New Work. Plötzlich

mussten Dinge ermöglicht

werden, die noch vor Kurzem

größtenteils unbekannt waren.

Die Einführung zahlreicher

digitaler Werkzeuge, virtuelle

Teamsitzungen, aber auch

Arbeiten von Zuhause und

zeitlich flexible Arbeitsgestaltung

veränderten die Arbeitswelt

in vielen Unternehmen

auf einen Schlag. Der Report

der „Initiative Chefsache“, ein

Netzwerk zur Förderung eines

ausgewogenen Verhältnisses

von Frauen und Männern in

Führungspositionen, sieht in

dieser Entwicklung für Frauen

viele Chancen, aber auch Probleme.

(Quelle: Jahresreport

„New Work - Fair Chances“ der

Initiative Chefsache)

Deutschland hat in den vergangenen

Jahren in Sachen

Chancengerechtigkeit Fortschritte

gemacht, doch es

bleibt noch ein langer Weg zu

gehen, so das Ergebnis des

Reports. Laut der repräsentativen

Umfrage sind knapp

zwei Drittel der deutschen

Arbeitnehmerinnen und

Arbeitnehmer der Meinung,

Frauen hätten immer noch

schlechtere Karrierechancen.

Auch die Datenlage bestätigt

das, beispielsweise besetzen

Männer 70% der Führungspositionen

im mittleren und im

Top-Management.

NEW WORK ALS CHANCE

Die Studie hat unter anderem

die Auswirkungen der New

Work-Ansätze auf die Chancengerechtigkeit

analysiert

und stützt sich dabei auf zwei

aktuelle Umfragen. Demnach

konnten vor allem Frauen in

der Corona-Krise ihre digitalen

Fähigkeiten ausbauen. Sie

haben sich durch „Learning

on the job“ zahlreiche Kompetenzen

angeeignet, über die

sie vorher in dieser Form nicht

verfügten. Die Studie habe gezeigt,

dass innerhalb von kürzester

Zeit digitale Kompetenz

aufgebaut werden könne, so

Julia Sperling, McKinsey-Partnerin

und Leiterin des Koordinationsteams

der „Initiative

Chefsache“. In der Krise habe

die Hälfte der Arbeitnehmer

ihre digitalen Kompetenzen

stark verbessert und dabei

hätten die Frauen den weiteren

Sprung hingelegt, so Sperling.

Unternehmen könnten daraus

lernen, dass On-the-job-Weiterbildung

gut klappen könne.

Praxisorientierte Trainingsangebote

im Beruf oder an

Bildungseinrichtungen seien

deshalb besonders für Frauen

wichtig.

Laut Sperling bietet sich hier

eine historische Chance: Die

Studie zeige, dass viele Führungskräfte

den Themen mobiles

und flexibles Arbeiten sehr

viel offener gegenüberstehen

als bisher. Wenn Unternehmen

dies akzeptierten und umsetzten,

würde sich daraus ein großer

Gewinn für Frauen ergeben.

Neben der Stärkung von

Future Skills werden auch neue

Arbeits- und Organisationsmodelle

von den in der Studie

befragten Arbeitnehmerinnen

und Arbeitnehmern als wichtig

für die Chancengerechtigkeit

eingeschätzt. Das gaben 63

Prozent der Befragten an.

Zudem würden 38 Prozent der

Befragten gern ihre Arbeitszeit

reduzieren.

So denken laut des Reports

inzwischen zwei von drei in

klassischen Vollzeitmodellen

arbeitende Väter seit

der Krise verstärkt über die

Aufnahme von Teilzeit oder

flexiblen Arbeitszeiten nach.

„Die Corona-Krise hat flexible

Arbeitszeitmodelle in kürzester

Zeit in vielen Unternehmen

und Organisationen zur neuen

Normalität werden lassen. Im

Home-Office sind Kollegen

und Kunden nur noch einen

Videoanruf voneinander entfernt“,

so Philipp Justus, Managing

Director von Google und

Mitglied der Initiative Chefsache.

Jetzt gelte es, die neugewonnene

Arbeitsflexibilität

dauerhaft zu ermöglichen und

damit mehr Chancengleichheit

zu fördern.

PROFITIEREN FRAUEN VON

DER KRISE?

Zunächst haben in der Krise

traditionelle Familienbilder

offenbar sehr schnell wieder

an Gültigkeit gewonnen. Schulen

und Kindergärten waren

lange geschlossen, die Kinder

23


Neustart! / Oktober 2020

mussten zu Hause betreut

und beschult werden. Diese

Mehrarbeit an Betreuung

wurde hauptsächlich von den

Frauen geleistet. Das ist das

zentrale Ergebnis einer Studie,

die das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche

Institut

(WSI) der gewerkschaftsnahen

Hans-Böckler-Stiftung veröffentlichte.

Gut ein Viertel der

Mütter habe ihre Arbeitszeit

reduziert, um dieser Betreuungsarbeit

nachzukommen

nämlich 27 Prozent der

befragten Mütter mit Kindern

unter 14 Jahren. Bei den Vätern

waren es dagegen nur 16 Prozent.

(Quelle: Die Corona-Krise

trifft Frauen doppelt. Weniger

Erwerbseinkommen und mehr

Sorgearbeit. WSI Wirtschaftsund

Sozialwissenschaftliches

Institut. Autoren: Bettina

Kohlrausch, Aline Zucco.) Bei

Haushalten mit kleinen oder

mittleren Einkommen war

dieser Effekt den Forscherinnen

zufolge besonders stark

ausgeprägt.

Auch kamen die Forscherinnen

zu dem Ergebnis, dass

sich während der Krise eine

Re-Traditionalisierung beobachten

ließ. Von den Paaren,

die angaben, sich vor der Krise

die Kinderbetreuung mit dem

Partner/der Partnerin fair geteilt

zu haben, sagten nur noch

60 Prozent, dies auch während

der Krise zu tun. Bei den Paaren

mit einem Haushaltseinkommen

von unter 2.000

Euro sind es sogar nur noch

48 Prozent, also nicht einmal

mehr die Hälfte. Die Forscherinnen

interpretieren diese

Ergebnisse so, dass Paare, die

finanziell stärker belastet sind,

weniger Spielräume für eine

faire Arbeitsteilung haben.

Nach Ansicht der WSI-Direktorin

Bettina Kohlrausch

lege die Pandemie nicht nur

problematische Ungleichheiten

in den wirtschaftlichen und

sozialen Möglichkeiten offen,

sie verschärfe sie oft noch. Die

Forscherinnen befragten für

die Auswertung im April mehr

als 7.600 Erwerbstätige online.

DÜSTERE

ZUKUNFTSAUSSICHTEN?

Dass berufstätige Frauen

durch die Corona-Krise stärker

betroffen und belastet sind als

Männer, zu diesem Ergebnis

kommt auch die Studie „Mitarbeiterfocus

Deutschland“

des Mainzer Marktforschungsund

Beratungsunternehmens

2HMforum. Befragt wurden im

Mai 2020 insgesamt tausend

sozialversicherungspflichtige

Beschäftigte, u.a. zu ihrem veränderten

Arbeitsalltag in der

Krise. Das Ergebnis: 51 Prozent

der Frauen gaben an, dass ihr

Arbeitsalltag stark von der Corona-Pandemie

betroffen sei

durch Kurzarbeit, Gehaltseinbußen,

Budgetkürzungen,

Ängste, Beförderungsstopps,

die Verschlechterung der

Geschäftslage, durch neues

Arbeiten im Homeoffice und

gleichzeitige Kinderbetreuung,

etc. Bei den Männern waren es

hingegen nur 44 Prozent.

Die Studie offenbart zudem:

Quer durch alle Branchen

müssen berufstätige Frauen

krisenbedingt zusätzliche

finanzielle Nachteile hinnehmen.

Sie sind wesentlich

stärker von Lohnkürzungen

und Kurzarbeit betroffen als

Männer. 71 Prozent der weiblichen

Beschäftigten gaben an,

in Unternehmen, in denen die

Maßnahme „Kurzarbeit“ durchgesetzt

oder geplant wurde,

davon betroffen zu sein. Bei

der Maßnahme „Gehalts- oder

Lohnkürzungen“ sagen 62

Prozent der Frauen, sie seien

betroffen, aber nur 51 Prozent

der Männer.

„Der Blick in die Zukunft

gestaltet sich für weibliche

Beschäftigte eher düster“,

analysiert Dr. Frederik Meyer,

Studienleiter und Mitglied der

Geschäftsleitung bei 2HMforum.

(Quelle: Mitarbeiterfocus

Deutschland Sondererhebung

Corona-Pandemie.

2HMforum.) Die Studie zeige,

dass jede fünfte berufstätige

Frau eine Verschlechterung der

eigenen wirtschaftlichen Situation

in den nächsten sechs Monaten

erwarte, so Meyer: „Hier

sollten Unternehmen schleunigst

über ihre Führungskräfte

in die Kommunikation mit den

Beschäftigten gehen und dazu

beitragen, Ängste und negative

Erwartungen abzubauen.“

RÜCKSCHRITT UM

JAHRZEHNTE?

Wirft uns die Corona-Krise in

Sachen Gleichberechtigung

und Gleichstellung auf dem

Arbeitsmarkt nun um Jahrzehnte

zurück? Das bleibt

abzuwarten. Moderne Formen

24


SHE works! / Rückschritt oder Chance? Frauen in der Corona-Krise

der Zusammenarbeit wie z.B.

virtuelle Teams und flexibleres

Arbeiten, auch von zuhause

aus, größere digitale Kompetenzen

und eine bessere

Vereinbarkeit von Familie

und Beruf das könnten nur

einige der Vorteile sein, von

denen besonders Frauen

auf lange Sicht profitieren

könnten. Denn wer räumlich

und zeitlich flexibel ist, kann

Alltagspflichten einfacher mit

dem Berufsleben in Einklang

bringen, unabhängig davon,

wie die Rollen in der Partnerschaft

und Familie verteilt

sind. Die neuen Technologien

unterstützen wiederum das

nahtlose Zusammenarbeiten

mit Kolleginnen und Kollegen.

Durch die Corona-Krise wurde

beides neue Arbeitsformen

und der verstärkte Einsatz

neuer Technologien in vielen

Betrieben Realität.

Das wohl größte Potenzial für

Chancengerechtigkeit dürfte

so das Fazit der Studie der Initiative

Chefsache jedoch im

gesellschaftlichen Wertewandel

liegen: Jungen Vätern ist es

zunehmend wichtig, mehr Zeit

für die Familie zu haben und

sich stärker in die Erziehung

ihrer Kinder einzubringen,

während immer mehr junge

Frauen eine berufliche Karriere

als Selbstverständlichkeit

ansehen. So begünstigt schon

der Wandel der Prioritäten

eine ausgewogenere und

fairere Aufgabenverteilung

in Partnerschaften und damit

auch eine ausgewogenere

Verteilung der Karrierechancen

beider Partner.

25


Neustart! / Oktober 2020

Titelthema

Neu gestart: Mit der

Erlaubnis, groß zu

denken

Von Jeanine Hurte

Die klassische Karriere schien

vorprogrammiert. Als Erste

in der Familie studierte ich International

Business, startete

bei einer der großen Unternehmensberatungen

durch,

brachte dort Unternehmen erfolgreich

an die Börse, war auf

der ganzen Welt unterwegs

(eher privat als beruflich).

Die klassische Business-Welt

hatte mich voll im Griff und

von außen betrachtet sah

mein Leben auch richtig rund

aus. Ich war Teamleiterin,

hatte ein sechsstelliges Jahresgehalt,

tolle Geschäftsreisen

und teure Hotels, Flugmeilen

bei zahlreichen Airlines und

dennoch war ich so unglücklich

wie nie zuvor in meinem

Leben.

Glücklich war ich nur an der

Luft und in den Bergen, mit

meinem Gleitschirm. Richtig

bewusst wurde mir das

während einer dreimonatigen

Auszeit, die ich mir verordnet

hatte. Das Wetter hatte meine

Para gliding-Träume über den

Haufen geworden, ich zog

mich zurück. Ausgerechnet in

ein Schweigekloster. Ich wanderte.

Ich schwieg.

UND: ICH DACHTE NACH.

Am ersten Arbeitstag nach

dieser wahrhaft erfrischenden

Pause kündigte ich. Meinen

Chef erwischte ich damit kalt

hatte er mich doch gerade

gefragt, auf welches neue

Projekt ich denn Lust hätte.

Ehrlich gesagt: Auch mich

erwischte es kalt. Ich hatte

spontan, aus dem Bauch heraus

gekündigt, geplant hatte

ich es nicht.

ES FÜHLTE SICH IN DEM

MOMENT SO RICHTIG AN!

Ich verließ fast euphorisch

das Gebäude, in dem ich so

viel Lebenszeit verbracht

hatte. Dummerweise hatte ich

nicht bedacht, dass der Bauch

manches Mal schneller ist als

der Kopf.

Es dauerte einige Wochen,

bis ich mich richtig gut fühlte

mit meiner Entscheidung. Ich

26


SHE works! / Neu gestart: Mit der Erlaubnis, groß zu denken

27


Neustart! / Oktober 2020

lernte in vielen schlaflosen

Nächten dass es zwar einfach

ist, seinem Bauchgefühl zu

trauen, aber es schwer wird,

mit diesem Gefühl dann auch

den Alltag mit all seinen (auch

finanziellen) Herausforderungen

zu bestreiten.

DAS BUSINESS KAM DANN

NICHT ÜBER NACHT, ABER

NAHEZU WIE VON SELBST.

Schon immer habe ich mich

gern mit Geld beschäftigt. Das

begann in meiner Kindheit

damit, dass ich die Geldbörsen

der Gäste meiner Eltern an

mich nahm nicht, um etwas

herauszunehmen, sondern

schlicht, um das darin enthaltene

Geld zu zählen. Meine

Vorliebe kannten viele Freunde

und Bekannte; immer öfter

wurde ich um den einen oder

anderen Investment-Tipp gefragt,

darum, wie man richtig

mit Geld umgeht, wie man

mehr aus seinem Geld machen

kann ... Und plötzlich war

sie da, meine Business-Idee.

Inzwischen bin ich seit etwa 15

Monaten als „Female Money

Coach“ unterwegs und bringe

meinen Kunden bei, dass Geld

weder anrüchig noch böse

ist. Und jeder von uns so viel

verdienen kann, wie er will.

Geld ist in unserer Gesellschaft

bis heute ein Tabuthema; über

Geld spricht man nicht. Das

führt dazu, dass vornehmlich

Frauen den Wert ihrer angebotenen

Leistung nicht kennen

und sich unter ihrem Wert verkaufen.

Oft sind sie zu bescheiden,

setzen Preise oder Honorare

fest, über die Männer

28


SHE works! / Neu gestart: Mit der Erlaubnis, groß zu denken

nur leise schmunzeln würden.

Das breche ich auf und zeige

Frauen, wie sie selbstbewusster

und zielorientierter in ihrem

Business sind. Und damit Geld

verdienen, und zwar so viel sie

wollen.

Allerdings: Geld verpflichtet

und bedeutet auch Verantwortung.

Heißt: Wenn ich viel Geld

verdiene, habe ich die Pflicht,

etwas davon der Gesellschaft

zurückzugeben, die mir diesen

Weg ermöglicht hat.

NENNT MAN: SOCIAL

ENTREPRENEURSHIP ODER

SCHLICHT UNTERNEHMER-

TUM MIT HALTUNG.

Unternehmen, die sich ohne

diese Haltung durch die Weltwirtschaft

bewegen, werden

sich selbst abschaffen. Der Kapitalismus,

wie wir ihn kennen,

und mit ihm die Überzeugung,

Geld sei etwas Schlechtes,

werden obsolet es entsteht

ein Klima, in dem Unternehmertum

mit sozialer Verantwortung

für eine bessere Welt

sorgen kann. Auch und gerade,

weil Frauen hier die richtigen

Hebel bedienen werden.

FÜNF TIPPS FÜR EINEN ER-

FOLGREICHEN (NEU)-START:

1. Lass los und entdecke auf

diese Weise das, was Dich

beseelt und glücklich macht.

2. Verdiene, was Du wert bist

traue Dich einfach, heute Deine

Preise zu verdoppeln. Du wirst

überrascht sein, was passiert.

Leute kaufen einfach weiter.

3. Es gibt nur einen Misserfolg

wenn Du aufgibst.

4. Be a voice not an echo.

5. Erfolg besteht zu 95 % aus

Mindset und zu 5 % aus der

richtigen Strategie.

Jeanine Hurte

war viele Jahre Unternehmensberaterin und hat im Investmentbanking

Unternehmen von der Gründung bis zum Börsengang

begleitet. Nach einer beruflichen Auszeit wusste sie, dass das

klassische Business-Leben nicht ihr Lebensmodell ist. Sie gründete

mit der Plattform „Effektvoll News“, die sich auf die Verbreitung

positiver Nachrichten konzentriert, ihr erstes Start-up.

Heute arbeitet sie als Female Money Coach und berät als Businessmentorin

selbstständige Frauen beim Aufbau ihres eigenen

Business’. (Foto links: Stefanie Lippert)

29


Neustart! / Oktober 2020

Titelthema

Vision als Kompass für

etwas Neues

30

Foto Konstantin Börner


SHE works! / Vision als Kompass für etwas Neues

Von Vivienne Hettig und Katrin

Zinke

„In der heutigen VUCA-Welt

kann man als Führungskraft

nicht alle Antworten haben.

Man muss immer wieder Dinge

neu ausprobieren, neu entdecken.

Als Kompass dient die

Vision, was man mit seinen

Mitarbeiter*innen erreichen

möchte.“ Flavia Bleuel (Programm

Manager, HPI Academy

GmbH) und Nele Fischer

(Freelance Coach) kennen sich

mit Neustarts aus. Beide sind

langjährige Trainerinnen und

vermitteln Führungskräften

u.a. Fachwissen zu Innovationsund

Changemanagement.

Sie erläutern, wie Tools (z.B.

Design Thinking, Business Modell

Canvas) funktionieren und

dabei konkret helfen können,

im Unternehmen neue Sichtweisen

herbeizuführen, um

dieses lukrativ für die Zukunft

aufzustellen.

Veränderung innen und

außen

„Oft scheuen Führungskräfte

das Risiko, das mit Veränderungen

einhergeht“, meinen

die Expertinnen. „Dabei wird

vergessen, dass die Welt

innerhalb der eigenen Firma

und außerhalb davon dynamisch

ist und dass sich nicht

(ebenfalls) zu verändern daher

ebenso risikoreich ist.“ Tatsächlich

brauchen wir oft nur einen

gewissen Werkzeugkoffer,

deren Tools es richtig anzuwenden

gilt. Mit unseren neu

erlernten Fähigkeiten können

wir eine Unternehmenskultur

derart beeinflussen, dass

wir damit Innovationen und

Veränderungen anstoßen, die

uns und unser Umfeld positiv

überraschen.

Genau das hat sich shift|F als

Ziel gesetzt. Es ist ein Female-Leadership-Programm,

das

sich an Frauen des mittleren

bis höheren Management von

Medienunternehmen (Film, TV,

Radio, Publishing, IT, Games,

Musik) richtet und nun in die 3.

und letzte Runde geht (Bewerbungsfrist:

27.10.).

Erfahrene Trainerinnen wie

Flavia Bleuel, Nele Fischer

und Brigitte Ehmann (Coach

für strategische HR-Beratung

von Vorständen und Führungskräften)

vermitteln in

Modulen und Einzelcoachings

Methodenkompetenz, praktisch

anwendbares Fachwissen

und neueste Tools in den

Bereichen Transformational

Leadership, Innovations- und

Changemanagement. Zudem

gehen sie auf digitale Trends,

Innovationschancen, Persönlichkeitsmodelle

und Creative

Leadership ein. Die bisherigen

zwei Durchgänge haben

Foto rechts oben Brigitte Emann, Mitte Flavia Bleuel, rechts unten Nele Fischer

31


Neustart! / Oktober 2020

gezeigt, dass es den Teilnehmerinnen

mit den passenden

Skills und Tools gelingen kann,

ihr Geschäftsmodell und den

eigenen Führungsstil neu zu

fokussieren und zu optimieren.

Hin zu mehr gemischten Führungsteams

Ein weiteres Ziel von shift|F

ist es, durch spezielles,

anwendbares Know-how die

Aufstiegschancen von Frauen

in Führungspositionen von

kleinen und mittleren Medienunternehmen

zu fördern und

zeitgleich die teilnehmenden

Unternehmen (die, die Frauen

entsenden) zukunftssicherer

aufzustellen.

Oft sind jedoch Frauen in Führungspositionen

nach wie vor

unterrepräsentiert. Um aber

die digitale Transformation in

der deutschen Medienbranche,

die gerade jetzt durch die

Umstände der Pandemie akut

an Fahrt aufgenommen hat,

gewinnbringend zu meistern,

braucht es mehr gemischte

Führungsteams. Denn wir sind

überzeugt, dass die Kombination

von männlichen und

weiblichen Führungsqualitäten

positive Auswirkungen auf den

Unternehmenserfolg haben.

Gemeinsam können Innovationsprozesse

initiiert, gestaltet,

begleitet und flexibler agiert

werden. „Es geht aber nicht

darum, weibliches Verhalten

männlicher zu machen, sondern

Frauen mutiger, selbstbewusster

und visibler“, sagt

Brigitte Ehmann. „shift|F liefert

neben einer Tool-Box für Führung

parallel viele Aspekte der

Persönlichkeitsentwicklung,

denn ‚Haltung schlägt Tool‘.“

Austausch mit Gleichgesinnten

Auch Austausch und Netzwerken

sind nicht nur nette

Buzzwords, sondern tatsächlicher

Bestandteil des Programms.

So harmonisieren

die verschiedenen weiblichen

Führungskräfte der bisherigen

Durchgänge teilweise so gut,

dass sie sich darüber hinaus

weiterhin als Alumni-Gruppe

treffen.

In diesem intensiveren Kreis

ist es möglich, sich über die

alltäglichen Herausforderungen

einer Führungskraft zu

unterhalten, gemeinsam Vorurteile

zu überwinden, Karriereoptionen

zu bewerten und

wertvolle Business-Impulse zu

bekommen.

Bewerbungsfrist (für den 3. und letzten Durchgang): 27.10.2020

www.epi.media/shiftF

32


SHE works! / In der Krise neu positionieren

Titelthema

In der Krise neu

positionieren

PR-Frau Tina Schürmann hat während der Corona-Krise

ein Projekt zur Unterstützung von Frauen gestartet

Frau Schürmann, was macht

für Sie Ihre Arbeit aus?

Das Besondere an meinem

Beruf ist der Kontakt zu vielen

unterschiedlichen Menschen

und Branchen. Ich mag es

Brücken zu bauen, Synergien

zu bilden und Win-Win-Win-Situationen

zu schaffen, sodass

alle Beteiligten gleichermaßen

einen Nutzen von der

Zusammenarbeit haben. In

meinem Fall sind das meist der

prominente Künstler, ein Film

oder Unternehmen und der

Journalist.

Des Weiteren liebe ich es,

Strategien im Hinblick auf das

Image einer Person zu entwickeln.

Imagebildung und

Imagewechsel finde ich hoch

spannend. Menschen dabei zu

unterstützen, das Bild, welches

andere von ihnen bekommen

sollen, auch sichtbar zu machen,

mit all den Maßnahmen,

die dazugehören. Das ist tatsächlich

meine Leidenschaft.

Sie sind seit 18 Jahren eine erfolgreiche

PR-Frau. Was sind

Ihre persönlichen Highlights

dieser Zeit?

Eines der größten Highlights

war sicher das Fotoshooting

mit einer meiner Klientinnen

in den Privaträumen von Coco

Chanel. Einfach einmal in diesen

Räumen zu sein.

Auch ein Dinner mit Karl Lagerfeld,

den ich sogar mehrmals

traf, war schon sehr beeindruckend.

Interessant war auch, anlässlich

einer Einladung zur

Mailänder Modemesse, Giorgio

Armani zu begegnen und

bei dem Aftershow-Empfang

direkt neben Janet Jackson auf

dem Sofa zu sitzen und sich mit

ihr zu unterhalten.

Ich habe Milla Jovovich, Vitali

Klitschko und Nico Rosberg betreut

und flog mit einer meiner

Kundinnen zum 25-jährigen

Jubiläum von Tommy Hilfiger

nach New York - auch das war

ein Erlebnis. Meine beruflichen

Reisen an magische Orte,

wie die Filmfestivals in San

Francisco und Australien oder

Saint-Tropez, Katar und Island,

wo ich mit VW war, werden mir

immer in Erinnerung bleiben.

33


Neustart! / Oktober 2020

Hat Corona Ihre Arbeit verändert?

Ja, und durchaus auch positiv.

Ich finde es gut, dass man einfach

per Zoom Dinge besprechen

kann, ohne quer durch die

Stadt fahren zu müssen. Das

spart Zeit, Geld und ist umweltfreundlich.

Auch bin ich auf

den Geschmack gekommen,

Webinare zu besuchen. Wann

immer ich Zeit habe, kann ich

mich ganz ohne Zeitstress einloggen

- das gefällt mir sehr.

Aber abgesehen davon, habe

ich viel Mitgefühl, vor allen mit

älteren Menschen, die sehr unter

dem mangelnden persönlichen

Kontakt leiden.

Sie haben in dieser Zeit begonnen,

Frauen bei der Neupositionierung

nach der Krise

zu unterstützen. Was bieten

Sie Frauen an, die während

der letzten Monate beruflich

zurückstecken mussten?

Frauen können und dürfen in

Krisen nicht dafür verantwortlich

gemacht werden, dass sie

sich um ihre Kinder kümmern

und erleiden, dass Karrieren an

ihnen vorbei gemacht werden.

Ich möchte Frauen, die in der

Corona Krise zurücksteckten,

dabei unterstützen, sich wirksam

neu zu positionieren und

die für sie wichtige Aufmerksamkeit

wieder zu erreichen.

Den Frauen, die sich jetzt aus

der Krise kämpfen, biete ich

eine kostenfreie PR-Strategieberatung

an und ein finanziell

überschaubares, spezielles

PR-Paket, um aktiv ihr Image

intern und extern zu gestalten,

Aufmerksamkeit zu generieren

und sich medial zu positionieren.

Ich führe mit den Frauen

zunächst ein intensives Gespräch,

in dem wir gemeinsam

die aktuelle Situation erörtern.

Wir sprechen über Wünsche,

Erfahrungen, bisherige Hindernisse

und Optionen. In einem

weiteren Gespräch arbeite ich

ihre Ressourcen heraus und

fange an, die ersten, für sie

stemmbaren Schritte festzulegen.

Danach folgt ein weiteres

Gespräch, indem wir dann

ganz konkrete mittel- bis langfristige

Ziele verfolgen.

Aufmerksamkeit ist immer

ein wichtiges Stichwort bei

Ihrer aktuellen Initiative.

Welche Aufmerksamkeit

brauchen diese Frauen?

Hier geht es vor allem um eine

allumfassende Unterstützung,

um Wertschätzung und Sichtbarkeit.

Frauen sind häufig,

strukturbedingt und durch

den Fakt, dass sie die Kinder

bekommen, benachteiligt.

Die Verlagsmanagerin Julia

Jäkel beklagte im April in der

ZEIT, dass sie in einer Telefonkonferenz

mit führenden Verlagsvertretern

dieses Landes

die einzige Frau gewesen sei.

Plötzlich, in der Krise, seien

alle Frauen weg gewesen. Dabei

würden gerade in Krisenzeiten

Karrieren gemacht.

Dass Frauen diese Chance

verpassen, nur weil sie sich um

ihre Kinder kümmern mussten

oder wollten, darf nicht sein!

Frauen brauchen von Unternehmen,

Arbeitgebern und

Kollegen nicht nur Akzeptanz,

sondern auch volle Unterstützung

und eine Auffangkultur.

Wenn Unternehmen nicht

anfangen, Frauen darin zu

unterstützen, dass sie ihren

Beruf nicht trotz, sondern mit

Kindern leben können, und

Männer, wie auch Frauen, nicht

aufhören, diesen Gendergap

verbal noch zu vergrößern

und die Frau damit ganz klar

zwischen Beruf und Kinder

stellen, dann treten wir auf der

Stelle. Auch das „Wollen“ muss

akzeptiert und aufgefangen

werden. Denn auf der einen

Seite sollen Frauen im Business

voll funktionieren, auf der

anderen Seite erwartet man

von ihnen, dass sie gute Mütter

sind und sich liebevoll um ihre

Kinder kümmern. Im Krisenfall

bedeutet das aber, dass sie

ihre Kinder schützen, aufbauen,

an ihrer Seite sind. Also

muss es legitim sein, dass eine

Mutter das dann auch tut.

Genau das muss eine soziale

Marktwirtschaft ausmachen

und auch aushalten. Es darf

eben nicht sein, dass, wie Frau

Jäkel schreibt, Karrieren ohne

die Frauen gemacht werden.

Bekommen Sie diese auch?

Welche Erfahrungen haben

Sie gemacht?

Neben der wenigen Unterstützung

im beruflichen Umfeld

erlebe ich zudem häufig, dass

Frauen sich auch zum Teil

34


SHE works! / In der Krise neu positionieren

selbst im Weg stehen, weil

sie am Schluss vieles doch

wieder selbst privat auf sich

nehmen, anstatt den Mann

klar einzubinden und das auch

einzufordern. Frauen müssen

anfangen, Job und Privatleben

selbst proaktiv und strategisch

zu gestalten. Typische Beobachtung:

Frau kümmert sich um

Abendbrot und Zubettbringen

der Kinder - Mann geht noch

zum Sport, oder bleibt länger

im Büro. Das sind kleine Dinge,

aber die müssen sich dann

natürlich auch ändern. Sonst

wird nie Zeit dafür sein, Pläne

zu machen und diese auch

umzusetzen.

Wenn man sich nun nicht an

eine Persönlichkeit wie Sie

wenden kann, die hilft nach

dieser Krise einen Neustart

zu wagen. Was können Sie

Frauen als Faustformel an

die Hand geben, um wieder

durchzustarten?

Nur wenn ihr euch selbst klar

seid, was ihr wollt, werdet ihr

das auch bekommen. Viele

Frauen sind im Alltagsstress

weder zeitlich noch energetisch

in der Lage, die aktuelle

Situation zu analysieren,

strategische Entscheidungen

zu fällen oder ihre Karriere

proaktiv zu gestalten. Kleine

Schritte und wöchentliche Termine,

um sich Zeit nur für sich

zu nehmen. Weiterbildung,

persönlicher Austausch, Dinge

unternehmen, die einem gut

tun und das Selbstbewusstsein

stärken sind sehr hilfreich, um

Klarheit zu bekommen. Auch zu

fragen was das Unternehmen

anbietet, um sich fortzubilden,

kann ein Schritt sein, sich zu

positionieren.

Wie schätzen Sie die Situation

ein: Wird sich diese Entwicklung

weiter fortsetzen,

dass Frauen eher zuhause in

Kurzarbeit und Homeschooling

bleiben?

Tina Schürmann / Foto Mirjam Knickriem

Vielleicht ja. Wichtig dabei ist

nur, dass am Ende die Frau

das ganz klar entscheidet und

entscheiden darf, ohne sich

schämen und rechtfertigen zu

müssen. Das ist ja auch meine

Forderung. Es muss okay sein,

wenn die Frau das so entscheidet.

Sie muss nicht beides zum

selben Zeitpunkt sein. Perfekte

Mutter und erfolgreiche Businessfrau.

Das ist aus meiner

Sicht schwer leistbar. Ich fordere

daher von Unternehmen,

Arbeitgeber*innen, Chefs und

Chefinnen sowie Kolleg*innen

und Frauen und Männern aus

dem Umfeld auch für eine

derartige Entscheidung nicht

nur Akzeptanz, sondern volle

Unterstützung, die es ermöglicht,

dass Frauen aufgrund

dieser Entscheidung nicht

abgehängt, sondern schnell

wieder eingebunden werden.

Grundsätzlich gibt es bereits

zukunftsweisenden Konzepte,

wie New Work, agiles Arbeiten

und Job Sharing.

Vielen Dank für das Gespräch!

Tina Schürmann studierte in Essen Kommunikationswissenschaft, Anglistik und Psychologie.

Nach ihrem Abschluss zog sie in die Hauptstadt, wo sie in der Medienproduktionsfirma Vision X

ein Volontariat absolvierte. Bereits vor und während ihres Studiums war die gebürtige Bielefelderin

in diversen Print- und Hörfunkredaktionen tätig. Die ersten PR-Erfahrungen sammelte sie

in der Marketingabteilung des Hauptstadtportals BerlinOnline und Berlin.de. Schon bald wagte

sie den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete ihre Agentur schürmann pr im Herbst 2002.

Seit dieser Zeit betreut sie erfolgreich Kunden im Luxus- und Lifestylebereich und ist bekannt für

eine starke Personality-PR.

35


Neustart! / Oktober 2020

Titelthema

New Normal:

Zusammenarbeit für

mehr Zukunft

Von Ulrike Stahl

Wir alle haben in den letzten

Wochen und Monaten gelernt,

dass das Leben Überraschungen

birgt. Neben Schwachstellen

hat die Zäsur vor allem

eines gezeigt: Wir haben verborgen

liegende Talente und

das ist gut so! Denn für den

Weg aus der Krise braucht es

mehr Flexibilität und Innovationskraft

denn je.

Natürlich träumen wir davon,

dass alles irgendwann wieder

so wird, wie es war. Nichts

vermittelt uns mehr Sicherheit

als das Gewohnte, das Normale.

Jetzt aber ist der Moment,

in dem wir uns neu ausrichten

müssen. Drastisch haben uns

die Ereignisse gezeigt, dass

von einem Tag auf den anderen

alles anders sein kann.

Dann hilft es definitiv nicht, an

einem Plan zu hängen. Dann

heißt es flexibel zu sein, um auf

das reagieren zu können, was

gerade notwendig ist.

Strukturen genau jetzt anpassen

In der Krise haben manche

Mitarbeiter das Machtvakuum

genutzt, um selbst nach

Lösungen zu suchen. Organisationen

haben Regeln und

Prozesse, die hinderlich waren,

außer Acht gelassen. In vielen

Unternehmen sind Innovationen

entstanden, während

andere auch heute noch wie

gelähmt sind und darauf

warten, dass irgendjemand die

richtigen Entscheidungen trifft.

Genau jetzt ist die Gelegenheit,

Strukturen an das neue

Normal anzupassen. Und die

richtige Form der Zusammenarbeit

ist der Schlüssel dazu.

Entscheidend für das Maß an

Freiheit und Könnerschaft, die

Mitarbeiter benötigen, um die

gewünschten Ergebnisse zu

erzielen, ist eine Frage:

Welche Aufgaben gibt es im

Unternehmen eigentlich?

In der modernen Organisationsentwicklung

gibt es Aufgaben,

die als formale, tote oder

blaue Aufgaben bezeichnet

werden. Einfach oder kompliziert,

können diese Aufgaben

mit eigenem Wissen, das man

aufbaut, oder Expertise, die

man dazu holt, gelöst werden.

Ein Beispiel ist die Abrechnung

von Löhnen, auch unter der Berücksichtigung

von Kurzarbeitergeld.

Dafür gibt es Regeln

und es ist klar, was richtig und

falsch ist. Die Aufgaben können

in Schritte zerlegt werden.

Gute Zusammenarbeit bedeutet,

dass jeder seine Arbeit

36


SHE works! / New Normal: Zusammenarbeit für mehr Zukunft

zuverlässig nach Plan erledigt.

Dabei sind Prozesse nicht das

Wichtigste. Wir alle haben erlebt,

wie schnell wir mit einer

neuen Situation konfrontiert

sein können, in der wir auf die

Kreativität und Kollaboration

aller angewiesen sind. Wenn

Mitarbeiter wissen, dass dies

gefragt ist, sind sie eher motiviert,

beides auch in Zeiten

erhöhten Innovationsbedarfs

zu nutzen.

und wir ihn fragen, wie er

das macht, wird er antworten

„es kommt ganz darauf

an“. Da hilft keine Checkliste.

Hier braucht es Ideen. Hinzu

kommt, dass es sich heute bei

diesen Aufgaben meist um

vielfältig vernetzte Themen

handelt. Das WIR wird zum

Schlüsselfaktor für Erfolg.

„Regelwidriges“ Vorgehen

nutzen

Sogenannte rote, dynamische

oder lebendige Aufgaben

können nicht mit explizitem

Wissen oder vorhandenen Prozessen

gelöst werden. Sie sind

neu und überraschend, wie

besondere Kundenwünsche,

die Innovation eines Mitbewerbers

oder der Umgang mit

der Corona-Krise. Hier gibt es

nicht die eine richtige Lösung.

Hier kommt es auf Intuition

an. Wenn ein Mitarbeiter rote

Aufgaben bravourös erledigt,

Vieles, was wir glauben, genau

zu wissen, kann in den vorhandenen

Strukturen nicht schnell

genug bewältigt werden. Hier

braucht es neue Vorgehensweisen:

Eigeninitiative ergreifen,

hinderliche Prozesse außer

Acht lassen und auf interdisziplinäre

Zusammenarbeit setzen.

Also genau das, was der

gesunde Menschenverstand

gebietet, die Organisationsstruktur

des Unternehmens

aber häufig verbietet. Deshalb

Ulrike Stahl ist eine gefragte Rednerin, Autorin und Expertin

für Zusammenarbeit und das neue WIR im Business. Sie

moderiert live oder remote Zukunfts-Cafés sowie Meetings

mit Liberating Structures. Sie ist Autorin des Buches „So geht

WIRTSCHAFT! Kooperativ. Kollaborativ. Kokreativ.“ laut

Handelsblatt eines der besten Wirtschaftsbücher.

Ulrike Stahl / Foto Kersti Niglas

ist jetzt der richtige Moment,

„regelwidrige“ Initiativen

aufzudecken, um diese aktiv zu

nutzen. Nicht immer einfach

für Mitarbeiter und Führungskräfte.

Die Einsicht, nicht selbst

der Könner für eine bestimmte

Aufgabe zu sein, erfordert

Vertrauen. Dieses zu schenken

lohnt sich! Und gehört zum

neuen Normal. Das Ergebnis

sind Kokreativität, Flexibilität

und ein motiviertes WIR, das

Menschen für den Umgang

mit wechselnden Aufgaben

und damit für die Zukunft fit

macht.

www.ulrike-stahl.com

37


Neustart! / Oktober 2020

Titelthema

Ich habe mich in eine

Laborsituation begeben

Seit 10 Jahren veranstaltet

Sophie Pester den hello handmade

Markt in Hamburg. In

diesem Jahr hat sie sich wegen

der Pandemie für einen neuen

Weg entschieden: Sie geht mit

hello handmade online. Keine

leichte Entscheidung, wie sie

uns im Interview erzählt hat.

Am 7. und 8. November können

dann Besucher überall

in Deutschland und darüber

hinaus das breit gefächerte Angebot

an Shops, Workshops,

Interviews und Talks genießen.

Frau Pester, in diesem Jahr

planen Sie aufgrund der Pandemie

neu und gehen digital.

Eine große Herausforderung?

Oh ja! Wir haben in den

vergangenen Jahren zwischen

5.000 du 6.000 Besucher bei

unserem Markt begrüßen dürfen.

Es war immer ein wunderbarer

Tag. Die Verkäufer waren

glücklich, weil sie im Austausch

mit ihren Kunden waren, und

die Besucher haben sich auf

einen entspannten Bummel

gefreut.

In diesem Jahr wäre es zwar

aufgrund der Bestimmungen

möglich gewesen, einen Markt

zu veranstalten, aber ich konnte

mir das einfach nicht als

positive Veranstaltung vorstellen.

Ich hätte weniger Aussteller

und viel weniger Besucher

begrüßen dürfen. Das wäre

für uns natürlich auch finanziell

ein Problem gewesen.

Ich hatte dann überlegt, hallo

handmade komplett ausfallen

zu lassen. Aber irgendwie

wollte ich das dann auch nicht.

Mit hallo handmade online

zu gehen, ist natürlich eine

riesige Herausforderung. Wir

müssen in der Kürze der Zeit

einen Online-Markt planen

und einen großen Online-Shop

aufsetzen.

Ein solcher Markt mit den

ganzen kreativen und schönen

Dingen lädt ja sehr zum

Bummeln ein. Wie wollen Sie

dieses Gefühl online vermitteln?

Wir wollen das Shopping-Erlebnis

so persönlich wie

möglich gestalten. Es gibt eine

Videobotschaft von jedem Aussteller,

die man sich anschauen

kann, in der man einfach ein

bisschen was über die Artikel,

den Hersteller und die Herstellungstechniken

erfährt. Wir

haben einen Livestream über

die zwei Tage, der für jeden

offen ist. Und wir planen einen

gedruckten Katalog, den man

sich kostenlos nach Hause schicken

lassen kann. Auf den hat

mich meine Mama gebracht.

Da kann man dann zuhause

analog blättern, Interviews mit

den Ausstellern lesen und die

Produkte entdecken.

Ich habe mich mit der Planung

in eine richtige Laborsituation

begeben. Wir probieren

einfach aus.

Wie weit sind Ihre Kunden,

sowohl Käufer als auch

Verkäufer, schon auf diesen

Schritt der Digitalisierung

vorbereitet?

Das hatte ich mir ehrlich gesagt,

ganz anders vorgestellt.

Denn von Käuferseite ist das

alles gar kein Problem, die

38


SHE works! / Ich habe mich in eine Laborsituation begeben

hallo handmade kommt dieses Jahr zu dir

nach Hause!

„Wir organisieren am 7. und 8. November

2020 einen großen Online Pop-Up-Markt

inklusive Live Stream und gedrucktem

Katalog!“

www.hello-handmade-markt.com

39


Neustart! / Oktober 2020

sind wirklich begeistert und

ich bekomme tolles Feedback

über die neue Reichweite im

Internet. Aber die Verkäufer

sind sehr zögerlich.

Nun hat eine solche Veränderung

ja nicht nur Nachteile!

Was sehen Sie als besonderen

Vorteil an?

Ich denke, dass uns das

Internet in Zukunft stärker

begleiten wird. Denn ich sehe

es nicht, dass 2021 wieder so

wird wie 2019. Und deshalb ist

die digitale Variante von hallo

handmade für mich mit vielen

Vorteilen versehen. Ich habe

mich auch gefragt, warum

ich in den letzten zehn Jahre

nicht auf die Idee gekommen

bin, den Markt parallel digital

abzubilden. Es ist eine Chance

und die wollen wir jetzt einfach

ausprobieren.

Durch das Onlinegehen haben

wir eine ganz andere Reichweite,

was die Käufer betrifft.

Diese müssen nicht mehr nach

Hamburg kommen, sondern

können bundesweit auf den

Livestream zugreifen und von

zuhause shoppen.

hallo handmade ist allerdings

nicht nur ein jährlich

stattfindender Markt, sondern

auch ein Branchenbuch.

Wer darf sich dort registrieren?

Wir sind da sehr offen! Es darf

sich jeder registrieren, der mit

Hand, Herz und Kopf arbeitet.

Wir haben verschiedene

Kategorien, in die die Hersteller

einsortiert werden, zum

Beispiel Food, Schmuck oder

Mode. Wenn sich jemand bei

uns meldet, für den wir noch

keine passende Kategorie finden,

dann machen wir einfach

eine passende auf.

Kommen wir noch einmal auf

den Markt zu sprechen: Sie

bieten den Verkäufern einen

besonderen Service an, Sie

kümmern sich um den Versand

der Produkte. Wie wird

das funktionieren?

Wir bieten einen Fullfilment-Service,

in dem wir die

Verkäufer bitten, dass sie alle

ihre Produkte an uns schicken.

Ich habe hier viel Platz zum

Lagern, sodass wir dann die

Bestellungen jedes Kunden

zusammen in ein Paket geben

können. Das spart Versandkosten

und Verpackungsmaterial

und ist so nachhaltiger! Ich

habe meiner ganzen Familie

und meinen Freunden gesagt,

dass sie sich an dem Wochenende

und in der Woche nach

dem hallo handmade Markt

nichts vornehmen dürfen!

(Lacht)

Machen Sie uns mal so richtig

den Mund wässerig: Was

wird es am 7. und 8. November

alles zu sehen und zu

kaufen geben?

Es warten tatsächlich ungefähr

70 bis 80 verschiedene

Aussteller auf unsere Besucher,

darunter viele klassische hello

handmade-Kategorien. Es gibt

ganz tolle Sache für Kinder,

es gibt schönen Schmuck und

schon ganz viel für Weihnachten.

Es ist also tatsächlich

eine perfekte Gelegenheit, um

seine Weihnachtseinkäufe bei

uns zu erledigen. Dann haben

wir auch ein Workshop für die

richtige Geschenkverpackung

und wir wollen ein Adventskalender

basteln, wir machen tatsächlich

auch Weihnachtsdeko

und Weihnachtsvorbereitungen,

sodass am Sonntagabend

Weihnachten eigentlich steht!

Vielen Dank für das

Gespräch!

40


SHE works! / Ich habe mich in eine Laborsituation begeben

Sophie Pester / Foto Julia Scherkunowa

41


Neustart! / Oktober 2020

Titelthema

Mehr Wachstum

und Erfolg in herausfordernden

Zeiten

Die 3 Schlüssel

zum Raum der

unbegrenzten

Möglichkeiten

Von Damian Richter

Immer wieder werde ich gefragt,

wie ich mich als Unternehmer

in Krisenzeiten ideal

positioniere. Meine Antwort

ist dabei immer die gleiche:

Bedenke die 3 Schlüssel zu

Deinem persönlichen Raum

der unbegrenzten Möglichkeiten!

Dank meiner 30-jährigen

Erfahrung als Unternehmer

weiß ich ganz genau, welche

konkreten Schritte selbst in

der aktuellen Lage wichtig

sind, um konstant und stabil

weiterhin große Umsätze und

Gewinne zu erzielen.

Wichtiger Hinweis: Die folgenden

drei Schlüssel habe ich

in den letzten Monaten 1:1 auf

mein eigenes Business angewendet

und unglaublich große

Erfolge trotz Corona erzielt.

Daher kann ich aus tiefstem

Herzen sagen, dass sie funktionieren.

Und das werden sie

auch für Dich.

SCHLÜSSEL #1: LEBE DEINE

LEIDENSCHAFT IN DER

DIGITALEN WELT

Menschen lieben Menschen

mit Leidenschaft. Wer leidenschaftlich

ist, trägt einen

Funken in sich, der das große

Feuer in anderen Menschen

ebenfalls entflammen kann.

Tue daher das, was Du liebst

(was Dir „Leiden schafft“, wenn

Du es nicht tun kannst) und

beginne damit, Dich und Deine

Leidenschaft Schritt für Schritt

im Internet zu präsentieren.

Ganz egal ob Wurstfabrik oder

Haarsalon, jede Tätigkeit kann

digitalisiert dargestellt und

optional durch eine weitere

Produktpalette ergänzt werden.

Der Kreativität sind keine

Grenzen gesetzt!

SCHLÜSSEL #2: STEIGERE

DEINEN UMSATZ DURCH

MEHR SICHTBARKEIT UND

REICHWEITE

Die neue „Währung“ der

aktuellen Zeit heißt nicht mehr

Euro oder Dollar, sondern AUF-

42


SHE works! / Mehr Wachstum und Erfolg in heraus-fordernden Zeiten

MERKSAMKEIT. Wer es versteht,

seine Follower, Fans und

User zu unterhalten und vor

dem Display oder Bildschirm

zu fesseln, schafft wertvolle

Kontaktmomente.

Die Aufmerksamkeit Deiner

potentiellen Zielgruppe wird

damit zum Zünglein an der

Waage zwischen Erfolg und

Misserfolg. Wer gesehen wird,

ist relevant. Wer relevant ist,

hat Fans und Fürsprecher .

Und wer echte Fans hat, macht

Umsatz und Gewinn.

Wie Du nun Sichtbarkeit und

Reichweite steigern kannst!?

Ganz einfach, indem Du Dich

zeigst! Auf Instagram, Facebook

oder YouTube. Werde zur

Marke, binde Deine Kunden,

schärfe Dein Profil und bau Dir

eine Community auf, die Dich

liebt.

SCHLÜSSEL #3: LEBE KUNEV

MEHR ALS JEMALS ZUVOR

Um KUNEV (Konstante Und

Niemals Endende Verbesserung)

zu leben, frage Dich

beständig die magische Frage.

Sie lautet: „Was muss ich heute

machen, um den zehnfachen

Umsatz mit meinem Business

innerhalb der nächsten 90

Tage zu erzielen?“

Denke groß und trau Dich,

gemeinsam mit Dir und Deiner

Firma neues Terrain zu betreten.

Sei neugierig und offen für

neue Blickwinkel und andere

Betrachtungsweisen. Schließlich

kannst Du nur Neues erreichen

und Dich stetig verbessern,

wenn Du kontinuierlich

Neues erlebst und erfährst.

Denke immer daran: Großer

Erfolg ist auch in Zeiten von

Corona ein vorhersagbares

Ergebnis, wenn Du bereit bist,

solange flexibel auf neue Herausforderungen

zu reagieren,

bis das von Dir gewünschte Ergebnis

Realität geworden ist.

Machs einfach, denn Du bist

größer als Du denkst!

DAMIAN RICHTER

liebt es, in seiner Tätigkeit als Unternehmer,

Trainer und Lifecoach tausende Menschen auf

ihrem Weg in ein außergewöhnliches Leben

zu begleiten. Dass seine Konzepte wirken und

sichtbare Ergebnisse nach sich ziehen, beweisen

zahlreiche Erfolgsgeschichten seiner

Teilnehmer und Pressestimmen, die Richter

schon als „den Erfolgsmacher“ (Forbes,

06/20) feiern.

Um mehr über Damian und weitere Erfolgsformeln

und Strategien zu erfahren, höre

seinen Nr. #1 - Podcast, den „Durchstarter-Podcast“unter

damian-richter.com/podcast

Damian Richter / Foto Team Damian Richter

43


Neustart! / Oktober 2020

Titelthema

Vom Plattenbau

zum Bosslady

Imperium

Foto Jessica Verführt

Jessica Verführt ist Scannerlady,

Bestsellerautorin und

Gründerin des BossLady

Imperiums.

SHE works! hat sie ihren Werdegang

erzählt.

Nach der Flucht aus einer

gewalttätigen Beziehung, die

sie beinahe das Leben kostete,

beschloss Jessica Verführt:

Ich bin nicht nur eine Überlebende,

sondern Lebende!

Im Alter von 14 Jahren war sie

das erste Mal schwanger. Vier

Jahre später lernte sie den

Mann kennen, der eines Tages

ihr Leben bedrohen sollte, um

dann, einige Zeit später und

mittlerweile 2-fach-Mama,

diese Beziehung mit einer dramatischen

Flucht zu beenden.

Ziemlich schnell war ihr klar,

dass sie ihr Leben grundlegend

verändern musste, um die

Frau und Mutter zu sein, die

finanziell frei, stark und unabhängig

für sich und ihre Familie

einsteht.

So entschied sie sich Deutschland

zu verlassen und mit

ihrer Familie nach Teneriffa zu

gehen. Denn der Mann, der ihr

fast das Leben genommen hat,

sollte nun nach neun Jahren

Haft freikommen.

Ihr Wunsch war es, ortsunabhängig

zu arbeiten. Sie

verspürte den Impuls, Frauen

in ihrer Persönlichkeit zu

stärken, irrte aber einige Zeit

im Online-Business-Dschungel

umher, bis sie Klarheit über

ihre Berufung und ihre Ziele

erlangte.

Im März 2020 also vor

sieben! Monaten gründete

sie das Bosslady Imperium.

Ihr war klar, dass sie, wenn

sie explosionsartig wachsen

will, sich eine qualifizierte

Unterstützung an Bord holen

musste.

Mit einer virtuellen Assistentin,

die nun ihr erstes Teammitglied

war, konnte Jessica sich

auf die Dinge konzentrieren,

die für ihren unternehmerischen

Erfolg essenziell waren.

Dennoch lief ihr Business einige

Zeit nicht gut. Ihre Zielgrup-

Scanner sind vielbegabte und vielinteressierte Persönlichkeiten,

die die Abwechslung lieben. Sie zeichnen sich vor allen

Dingen durch eine große Vielfalt an Facetten und Leidenschaften

aus.

Viele dieser Scannerpersönlichkeiten treffen in ihrem Umfeld

häufig auf Unverständnis, da sie nicht ins gesellschaftliche

Raster „passen“ und erfahren so eine geringere Wertschätzung

ihrer hohen Leistungsfähigkeit.

Anstatt diese „Gabe“ als Geschenk anzusehen, belastet es

ihr Leben und sie können ihr Potenzial nicht in vollem Maße

entfalten.

44


SHE works! / Vom Plattenbau zum Bosslady Imperium

pe war nicht klar definiert und

an ihrem Mindset musste sie

auch sehr stark arbeiten.

Sie bot ihre Programme zu

Spottpreisen an und hatte

somit schnell Probleme, ihre

Assistentin überhaupt bezahlen

zu können.

Der Schlüsselmoment für ihren

Raketenstart war die Erkenntnis,

dass Scanner am erfolgreichsten

sind, wenn sie den

Schritt wagen, ein multidimensionales

Business zu führen.

Denn Scanner, mit ihren vielen

Facetten, tausenden von Ideen

und Leidenschaften, in eine

Schablone pressen zu wollen,

funktioniert am Ende nie. An

diesem Punkt haben sie immer

wieder das Gefühl gescheitert

zu sein.

Dieses Thema beschreibt sie in

ihrem Bestseller

Diese werden dort zu hochqualifizierten,

imperiumsaufbauenden

Business-Partnerinnen

ausgebildet, die die hohen

Ansprüche von Scanner-Persönlichkeiten

mit Leichtigkeit

erfüllen.

Jessica arbeitet sowohl mit

Business-Startern als auch

mit am Markt etablierten

Online-Unternehmerinnen

zusammen, die erkannt haben,

dass ihre Scanner-Genialität

ein Geschenk ist, mit dem sie

ALLES erreichen können, was

sie nur wollen.

Denn das zeigt uns der Weg

von Bosslady Jessica Verfürth:

Nicht die Umstände bestimmen

dein Leben, sondern das,

was du daraus machst.

Das Bosslady Talk Magazin

finden Sie hier: https://bossladytalk.jessicaverfuerth.de/

„Schluss mit Scheitern

So gelingt dir dein Online-Traumbusiness“.

Mit ihrer neuen Positionierung

als Business-Expertin für

Scannerladies, startete sie ab

da eine beispiellose Laufbahn

als Bullshitstory-Zerstörerin,

Visionärin und als diejenige,

die Frauen in ihr vollkommenes

Potenzial bringt.

Heute besteht ihr Team Boss-

Lady aus fünf virtuellen Assistentinnen.

Gemeinsam mit

ihnen baut sie eine Akademie

für virtuelle Assistentinnen auf.

45


Neustart! / Oktober 2020

Frauen in MINT-Berufen

Ausgezeichnetes

Engagement:

Femtec Award 2020

Im Hintergrund: Drei von vier Awards, die die

Femtec GmbH in diesem Jahr in den Kategorien

Leadership, Innovation und Social Impact vergeben

hat, Foto Femtec GmbH

Katharina Hermann

(links) und Kathrin Khadra

(rechts), Studentinnen

und Mitgründerinnen der

Non-Profit-Initiative

„Helfen-München“

Kenza Ait Si Abbou, Senior

Manager bei der

Deutschen Telekom IT.

Anastasia Barner, Journalistin,

Social Media-Expertin

und Gründerin von

FeMentor, Foto Kai Zeitner

46


SHE works! / Ausgezeichnetes Engagement: Femtec Award 2020

Marion Zessner,

Geschäftsführerin der

FemtecGmbH

Foto Femtec

Eine Auszeichnung für herausragenden

Einsatz und innovative

Ideen von Frauen braucht

es das? Ja, findet Femtec,

denn in den Bereichen MINT,

Leadership und Innovation

sind Frauen unterrepräsentiert.

Weil in 2020 nur jede 5. Führungsposition

in Deutschland

weiblich besetzt ist, nur 30%

aller MINT-Studierenden und

durchschnittlich nur 15% aller

Mitarbeitenden in MINT-Unternehmen

weiblich sind, ist

hier Förderung gefragt und

ein besonderes Spotlight, das

Erfolge sichtbar macht. Den

diesjährigen Femtec Award

gewannen vier Frauen, die

sich für Leadership-Qualifizierung,

Non-Profit-Engagement

und MINT-Networking stark

machen.

Leadership: Frauen für Führungspositionen

qualifizieren

Preisträgerin in der Kategorie

„Leadership“ ist die 21-Jährige

Journalistin, Social-Media-Expertin

und FeMentor-Gründerin

Anastasia Barner. FeMentor

ist ein junges, innovatives

Mentoringprogramm für Frauen.

Das Konzept heißt „Reverse

Mentoring“: Berufserfahrene

weibliche Role Models werden

als Mentorinnen an junge

Frauen vermittelt, die sich in

einer bestimmten Branche

Rat holen wollen. Im Gegenzug

leisten die Mentees ihren

Mentorinnen Hilfestellungen

im Bereich Kommunikation,

beispielsweise auf Instagram

oder YouTube. Das kostenlose

Qualifizierungsangebot ist

somit ein Win-Win-Angebot

für beide Seiten.

Social Impact: Gesellschaftliches

Engagement und sozialen

Zusammenhang stärken

2020 teilen sich gleich zwei

Preisträgerinnen den Award In

der Kategorie „Social Impact“:

Kathrin Khadra und Katharina

Hermann, beide Absolventinnen

des Career-Building

Programms der Femtec GmbH.

Die Studentinnen haben

zu Beginn der Coronakrise

vorbildlich reagiert und die

Non-Profit-Initiative „Helfen.

München“ mitgegründet.

Ihr Ziel: Lokale Geschäfte,

Kultureinrichtungen, Cafés

und Restaurants, die durch

den Corona Lockdown ums

Überleben kämpfen, vor der

Insolvenz schützen. Über die

Website www.helfen-muenchen.de

können Gutscheine

von Einzelhändler*innen und

Gastronomen aus München

erworben werden für die

Zeit nach der coronabedingten

Schließung.

Innovationen: Visionäre

MINT-Networking-Formate

für Frauen

Kenza Ait Si Abbou wurde in

der Kategorie „Innovation“

ausgezeichnet. Die Senior

Managerin bei der Deutschen

Telekom IT im Bereich Robotics

and Artifical Intelligence

brennt für die Themen Künstliche

Intelligenz, Diversity und

Networking und will Menschen

mit unterschiedlichen Hintergründen

und Denkweisen

zusammen bringen. Aber

das ist noch nicht alles: Die

zweifache Mutter hat erst

kürzlich das Buch „Keine Panik,

ist nur Technik: Warum man

auf Algorithmen super tanzen

kann und wie wir ihnen den

Takt vorgeben“ verfasst, ein

leidenschaftliches Plädoyer

für Technik und für die zentrale

Bedeutung von Diversität im

Bezug auf die Entwicklung von

KI. Um die Stereotypen abzubauen

und Frauen für die IT

zu begeistern, hat sie darüber

hinaus den ersten KI-Hackathon

nur für Frauen ins Leben

gerufen.

Weitere Informationen:

www.femtec.org

47


Neustart! / Oktober 2020

Digitalisierung

Wichtige Gehirn-Basics

in digitalen Zeiten:

Warum das Homeoffice

uns müde macht

Von Julia Kunz

Der neue Begriff „Zoom-Fatigue“,

also „Zoom-Müdigkeit“

beschreibt, dass wir Webmeetings

als ermüdend empfinden.

Das Problem: In „normaler,

analoger“ Kommunikation

sammelt unser Gehirn aus der

Körpersprache des Gegenübers

Informationen und wir

reagieren darauf. Auch online

versucht unser Gehirn die

ganze Zeit, nonverbale Signale

zu erkennen ohne Erfolg.

Dafür verbraucht es ziemlich

viel Energie. Aber nicht nur

das macht uns müde und

verursacht Stress: Statt beim

Small Talk vor dem Meeting

die Stimmung auszuloten,

versucht unser Gehirn, am Bildschirm

alle Teilnehmer auch

atmosphärisch zu ergründen.

Statt Kuschelhormone auszuschütten,

wenn wir uns beim

analogen Meeting die Hand

geben, sind die Stresshormone

Adrenalin und Noradrenalin

angesagt. Auch nach einem

langen virtuellen Meeting

wissen wir oft nicht, wie es den

anderen wirklich geht.

VIER GEHIRN-BASICS

Ob Standards oder neue Angebote

zu virtuellem Teamwork

und digital classrooms, wie

wir sie gerade alle erleben:

Was macht das mit unserem

Gehirn? Droht uns die “digitale

Demenz”? Bekommen wir

die Digitalisierung und unser

Steinzeithirn zusammen? Die

Antwort vorneweg: Ja, es kann

funktionieren. Wenn wir erst

unser Gehirn einschalten und

dann unsere digitale Welt

betreten.

WICHTIG DAFÜR SIND

FOLGENDE VIER GEHIRN-

BASICS:

1. Prinzipiell ist unser Gehirn

extrem wandelbar und anpassungsfähig.

Es ist zu grandiosen

Leistungen fähig, wenn es

richtig benutzt wird. Wichtig

dafür ist die Grundversorgung:

Ausreichend Getränke über

den Tag verteilt und eine ausgewogene

Ernährung bilden

die Basis für einen konzentrierten

und fokussierten digitalen

Alltag.

2. Wenn unser Gehirn gut

funktioniert, schüttet es

Botenstoffe und Hormone

in den richtigen Maßen aus:

Serotonin sorgt dafür, dass

wir uns wohl fühlen und guter

Stimmung sind. Wenn wir ins

Tun kommen wollen, brauchen

wir Dopamin. Glückshormone,

sogenannte Opioide, folgen,

48


SHE works! / Wichtige Gehirn-Basics in digitalen Zeiten: Warum das Homeoffice uns müde macht

wenn wir ein Ziel erreicht haben.

3. Ein wichtiger Faktor für die

Leistungsfähigkeit unseres

Gehirns ist unser Stresslevel.

Mäßiger Stress macht uns

konzentriert und aufmerksam.

Wird der Stress hingegen zu

viel, werden wir vergesslich

und unkonzentriert. Sehr

starker Stress über lange Zeit

schädigt gar das Gehirn.

4. Unser Gedächtnis schließlich

arbeitet umso besser, je

mehr wir es nutzen. Es ist aber

schnell überlastet. Nur ein

Bruchteil unserer Eindrücke

schafft es ins Bewusstsein.

Dann müssen noch viele

Faktoren stimmen, damit wir

Fakten langfristig abspeichern.

Das sind neben dem richtigen

Hormoncocktail und mäßigem

Stress vor allem Interesse,

vorhandenes Wissen sowie die

richtige Dosis an Informationen.

49


Neustart! / Oktober 2020

UNSER ANALOGES HIRN IN

DIGITALEN ZEITEN

Ein Vorteil der Digitalisierung

ist, dass das Wissen der Welt

in nie vorstellbarem Ausmaß

zur Verfügung steht. Wir

müssen nur googeln. Weil das

Internet als ausgelagerter Teil

unseres Gedächtnisses immer

verfügbar ist, machen wir

uns nicht mehr die Mühe, uns

etwas zu merken. Doch das ist

fatal. Damit unser Gehirn nicht

weiter verkümmert, sollten wir

lieber öfter bewusst nachdenken,

bevor wir Google befragen.

Wir werden uns erinnern,

wenn wir unserem Gedächtnis

eine Chance geben.

Während eines Webmeetings

checken wir wenigstens ab und

zu kurz unsere E-Mails.

Wir meinen, dadurch effizient

zu sein. Aber unser Gehirn

funktioniert bei Multitasking

nicht. Wenn wir konzentriert

und effizient arbeiten wollen,

dann geht das nur an einer

einzigen Aufgabe. Sobald eine

andere dazukommt, sind wir

nicht mehr aufmerksam bei

der Sache. Das merken wir

spätestens dann, wenn wir die

E-Mail, die wir während eines

Telefongesprächs geschrieben

haben, noch einmal senden

müssen, weil wir den Anhang

Julia Kunz / Foto Martina van Kann

vergessen haben.

Die faszinierende digitale Welt

und die Freude des analogen

Lebens 1.0. Beides zusammen

ermöglicht unserem Gehirn

4.0, das zu tun, was es am

liebsten tut: arbeiten. Mit unseren

fünf Sinnen, dem Abbau

von Stresshormonen und Anschub

der Dopaminproduktion

bei Bewegung.

Personal Brain Coach Julia Kunz ist Master of cognitive neuroscience (aon) und Diplom-Kulturwirtin

(Univ.). Sie weiß, wie das Gehirn funktioniert, warum es manchmal nicht so tickt, wie wir

uns das wünschen und welche zielführenden Maßnahmen funktionieren, damit wir auch in Stresszeiten

fokussiert und konzentriert bleiben. Ihre Expertise in den Neurowissenschaften fließt in

ihre Trainings und Vorträge rund ums Gehirn ein. www.juliakunz.de

50


SHE works! / Transformation beginnt in den Köpfen

Digitalisierung

Transformation

beginnt in den Köpfen

Von Shabnoor Shah, Open Leadership Global Lead

& Coach bei den Red Hat Open Innovation Labs

„Wir arbeiten agil“ ist ein Satz,

der immer öfters zu hören

ist. Der Druck, schnell und

flexibel auf Veränderungen

reagieren zu müssen, lässt

bei vielen Unternehmen den

Wunsch aufkommen, sich hin

zu einer agilen Organisation zu

wandeln.

Hinter diesem Begriff versteckt

sich allerdings keineswegs

eine Strategie oder Struktur,

die einfach nebenbei umgesetzt

werden kann mit dieser

vielleicht unbequemen Wahrheit

müssen sich die Verantwortlichen

abfinden.

Natürlich brauchen Manager

messbare Werte und Ergebnisse,

einen Plan und Struktur

immerhin müssen sie sich

gegenüber zahlreichen Stakeholdern

wirtschaftlich rechtfertigen.

Wer allerdings bereits

im Vorfeld sehen will, wie sich

die Transformation abspielen

wird, befindet sich schon

auf dem falschen Weg. Eine

Transformation ist immer eine

Reise, die ganz unterschiedlich

aussehen kann und mit vielen

Ungewissheiten behaftet ist.

Eine Blaupause sucht man

vergebens, vielmehr müssen

Unternehmen ihre Schritte

regelmäßig anpassen. Agilität

ist auch keine vorgefertigte

Lösung, die Neuausrichtung

muss tief im Kern eines Unternehmens

verankert werden.

Das setzt wiederum Verständnis

und das richtige Mindset

voraus die Menschen müssen

befähigt werden, agil zu

denken und zu agieren.

Ganzheitliche Konzepte

Das Konzept der Organisationsentwicklung

ist

entsprechend ganzheitlich

ausgerichtet und schließt die

Veränderung der Firmenstruktur,

der Unternehmenskultur

sowie des individuellen Verhaltens

von Führungskräften

und Mitarbeitern ein. Vor allem

ist es partizipativ: Nur wenn

Veränderungen auf breiter

Basis diskutiert und Lösungsstrategien

aus dem Team

heraus entwickelt werden,

werden sie auch akzeptiert und

umgesetzt. Und hier kommen

die klassischen Open-Source-Prinzipien

Meritokratie,

Transparenz, Community,

Zusammenarbeit und Integration

ins Spiel. Wenn Mitarbeiter

frei sind zu experimentieren,

betrachten sie Probleme auf

eine neue Art und Weise. Oft

kommen Ideen und Denkweisen

auf, die vorher übersehen

wurden. Jeder sollte dabei die

gleiche Chance haben, gehört

zu werden. Hierfür sind eine

Kultur des Vertrauens sowie

ein offener, transparenter

Umgang enorm wichtig. Eine

nachhaltige Organisationsentwicklung

ist natürlich keine

51


Neustart! / Oktober 2020

einmalige Aktion, sondern

muss kontinuierlich gepflegt

werden. Dann allerdings entwickelt

sich aus den gemachten

Erfahrungen über die Zeit

fast automatisch eine agile

Kultur Hierarchien werden

flacher, cross-funktionale

Teams richten sich wertschöpfungsorientiert

aus.

Anstatt Kontrolle erhalten die

Mitarbeiter also mehr Befugnisse,

um eigenverantwortlich

zu handeln und zu entscheiden.

Führung wird dabei

keineswegs abgeschafft, sie

stellt nur keine hierarchische

Machtposition mehr dar. Vielmehr

kommt den Führungskräften

eine besondere Rolle

zu: Sie vermitteln dem Team

die Werte und Ziele der Organisation,

geben den Kontext

vor und binden die Mitarbeiter

in Entscheidungen mit ein. Das

bedeutet auch, sich vom klassischen

Top-down-Modell zu

verabschieden. Strategie und

Richtung werden vielmehr vom

Management vorgeschlagen

und auf der Grundlage einer

offenen Kommunikation und

eines offenen Entscheidungsprozesses

gestaltet.

Fester Bestandteil des offenen

Ansatzes ist darüber hinaus

eine fortlaufende Prüfung der

Prozesse, um zu gewährleisten,

dass sie die unternehmerischen

Anforderungen erfüllen.

Ganz nach dem aus der

Open-Source-Welt bekannten

Prinzip „Release early, release

often“ sollten Unternehmen

regelmäßig Feedback einholen

und notfalls Kurskorrekturen

vornehmen. Das konsequente

Verfolgen des ganz zu Beginn

eingeschlagenen Weges führt

dagegen selten zum optimalen

Ergebnis. Auch das Scope

Creep also die schleichende

Ausweitung des Projektumfangs

ist unter diesem Gesichtspunkt

nichts Negatives.

Zwar gehen die Modelle und

Beispiele der Organisationsentwicklung

immer von einem

Soll-Ist-Zustand aus, jedoch ist

der Prozess niemals abgeschlossen.

Technologien und

Märkte wandeln sich laufend

und Unternehmen müssen sich

ständig anpassen. Im Laufe

der Zeit sorgen diese iterativen

Verbesserungen für schnellere

Innovationen.

Warum der ganze Aufwand?

Eine nachhaltige, agile Organisationsentwicklung

bringt

eine Steigerung der Innovationskraft

und Verbesserung

der Produktivität mit sich.

Unternehmen und ihre Mitarbeiter

haben viele ungenutzte

Potenziale, die in der täglichen

Arbeit nicht zum Vorschein

kommen oder durch falsche

Managementpraktiken, eine

hierarchisch geprägte Unternehmenskultur,

komplexe

Prozesse oder Silo-Organisationen

blockiert werden. Ein

offener Umgang miteinander

und zum Kunden hin ermöglicht

eine schnellere Reaktion,

ob nun auf Veränderungen am

Markt, in den internen Unternehmensabläufen

oder durch

Kundenwünsche.

Shabnoor Shah

ist Open Leadership

Global Lead und Expertin

für die Red Hat Open

Innovation Labs mit Sitz

in München. In ihrer Rolle

setzt sie sich mit viel

Leidenschaft dafür ein, die

Botschaft, dass „offene

Technologien am besten

in den Händen offener

Organisationen funktionieren“,

mit Leben zu füllen.

Bei der Innovations- und

Transformation-Journey

unterstützt Shabnoor

Führungskräfte wie auch

Teams durch Open Leadership

Enablement und

Coaching.

Als Sozialwissenschaftlerin

promoviert sie derzeit

in Arbeits- und Organisationspsychologie

mit

Schwerpunkt auf Führung

und Coaching.

Foto Shabnoor Shah

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SHE works! / Digitalisierung menschlich gestalten

Digitalisierung

Digitalisierung

menschlich gestalten

Die besten Geschäftsmodelle vereinbaren

Technologie mit Herzlichkeit

Von Melita Dine

Digitalisierung ist nichts

für Technik-Nerds, sondern

für ganzheitlich denkende

Unternehmerpersönlichkeiten.

Ein Geschäftsmodell, das

ausschließlich auf Technologie

setzt, die Menschen aber

missachtet, hat nur geringe

Zukunftsperspektiven. Mitarbeiter,

Kunden und andere

am Prozess Beteiligte werden

digitale Prozesse und Produkte

nur akzeptieren, wenn sie auch

weiterhin im Mittelpunkt des

Interesses stehen und dies

auch individuell wahrnehmen.

Maschinen und Algorithmen

werden menschliche Nähe,

Service, Einsatzbereitschaft

und Herzlichkeit nicht ersetzen.

Der Corona-Lockdown hat

viele Unternehmer schockiert.

Zu erleben, wie schnell eine

Regierung mehr oder weniger

willkürlich einer ganzen Volkswirtschaft

den Stecker ziehen

und menschliches Miteinander

unterbinden kann, hat viele

auf die Idee gebracht, ihr

Geschäftsmodell zu überdenken.

Automatisierung, Digitalisierung

und Algorithmen

scheinen vielen das Gebot der

Stunde zu sein. Neben dem

Krisenmanagement rund um

die Finanzen und die interne

Neuorganisation mit Homeoffice

und Kurzarbeit, geht es

in vielen Unternehmen auch

um die Ausrichtung auf die

digitale Zukunft. Die Frage, die

sich viele stellen, lautet, wie

kann ich mit weniger Fixkosten

und da fallen den meisten

Unternehmern leider zuallererst

die Personalkosten ein

den gleichen oder gar mehr

Umsatz machen. Der Gedanke

ist kaufmännisch legitim,

darf aber den Menschen nicht

außer Acht lassen, weder den

Kunden noch die Mitarbeiter.

Restrukturierung bedingt

das Mitdenken menschlicher

Bedürfnisse.

Es muss investiert werden

Im Moment kommt alles

zusammen. Liquidität ist

naturgemäß knapp, gleichwohl

muss mehr denn je investiert

und transformiert werden. Die

Erwartungen der Gesellschaft,

des Staates, der Banken und

Investoren, aber auch der

Kunden und Lieferanten an Unternehmer

ist hoch, vielleicht

so hoch wie nie. Deswegen

funktioniert in vielen Fällen die

einfache Gleichung nicht, dass,

wenn man technisiert, zugleich

im Handstreich die Personalkosten

gesenkt werden

können.

Die besten und vor allem

modernen Geschäftsmodelle

vereinbaren Technologie und

Menschlichkeit, nutzen die frei

werdenden Ressourcen durch

die Digitalisierung, die hervorragend

geeignet ist, ohnehin

lästige Routinearbeiten von

den Mitarbeitern fernzuhalten,

dafür mehr Service und

kundenbezogene Leistungen

zu erbringen. Die Devise: Mehr

Hingabe und Zuwendung für

den Kunden.

Das erscheint auch notwendig.

Denn zum einen ist mehr Service

immer gut, um den entscheidenden

Unterschied zum

Wettbewerb auszumachen,

zum anderen ist der deutsche

Verbraucher noch nicht soweit,

dass er allein irgendwelchen

Algorithmen und Automatismen

vertraut. Spätestens

dann, wenn es ein Problem,

eine Frage, eine Reklamation

oder einen individuellen Sonderwunsch

gibt, möchte er mit

einem verständnisvollen Gesprächspartner

reden, der sich

53


Neustart! / Oktober 2020

bemüht, Antworten gibt oder

Abhilfe schafft. Er möchte mit

jemanden sprechen, der verantwortlich

ist und Verantwortung

übernimmt. In solchen

Situationen stoßen Chat-Bots

und Künstliche Intelligenzen

derzeit noch an ihre Grenzen.

Das hat sehr viel mit Vertrauen

zu tun und die entsteht nur

im menschlichen Miteinander.

Wer nicht vertraut, der kauft

auch nicht. Vertrauen ist aber

gerade derzeit das allerwichtigste

Kapital, das Unternehmen

haben. Wohl dem, der es

in den letzten Jahren aufgebaut

hat.

Vertrauen ohne Menschen

fällt schwer

Natürlich sollte man auch der

Technik vertrauen. Das ist gut

und zeitgemäß. Wir gehen ja

alle durchaus davon aus, dass

der Betrag, den wir am Geldautomaten

bekommen, auch der

ist, den wir eingegeben haben,

oder dass im Päckchen des Online-Händlers

auch das drin ist,

was wir bestellt haben. Aber

ein vollständiges Vertrauen in

Prozesse ohne Menschen, das

ist noch schwer zu erreichen.

Es geht derzeit nicht ohne

Menschen. Im Gegenteil: Der

Faktor Mensch gewinnt gerade

eher an Bedeutung. Der

Wunsch nach Austausch und

Zuwendung wächst wie selten

zuvor. Die Beziehungsebene ist

relevant.

Die Aufgabe im Moment ist

Melita Dine / Foto René Rülke

deswegen gerade jetzt, die

digitale Transformation so

zu gestalten, dass sie von

Kunden, Mitarbeitern und

Netzwerkpartnern akzeptiert

wird, sie als Persönlichkeit

mitgenommen und eingebunden

werden. Digitale Geschäftsmodelle

und Prozesse

sind keine rein technologische

Entscheidung. Sie rentieren

sich nur dann, wenn sie allen

Beteiligten Mehrwerte bieten,

sprich die Arbeit erleichtern,

mehr Freiräume für Kreativität

schaffen und mehr Service

in der Wertschöpfungskette

bieten.

Alles andere hat keine Zukunft.

Das Wir gewinnt“, heißt es in

einer TV-Werbung. Es gewinnt

aber auch das Mehr: mehr

Vertrauen, mehr Individualität,

mehr Menschlichkeit, mehr

zuhören. Wenn Digitalisierung

dafür Räume schafft, die sich

Melita Dine ist die internationale

Expertin für

Vertrauensintelligenz und

Vertrauenskultur. Ihre

Mission ist, Menschen

individuell zu fördern

und zu entwickeln sowie

Unternehmen durch mehr

Vertrauen in der Zusammenarbeit

und entlang

der gesamten Wertschöpfungskette

erfolgreicher

und profitabler zu machen.

Zudem ist Melita Dine

Geschäftsführerin der

GeBeCe Gesellschaft für

Beratung und Mentoring

GmbH, Business-Coach

und Autorin.

kaufmännisch rentieren und

Bedürfnisse befriedigen, dann

ist es eine gute Digitalisierung.

Eine Digitalisierung, die kein

Selbstzweck mehr ist, sondern

ein Geschäftsmodell zum allerseitigen

Vorteil.

54


SHE works! / Neue Strategien im alten Gewand

Marketing

Neue Strategien im alten

Gewand

Wie Massen-SMS und modernes Marketing zusammenpassen

Von Jana Limbers

Erinnern Sie sich noch an SMS?

Einige von uns haben sicher

noch viele Assoziationen mit

den 160-Zeichen-Textnachrichten.

Ich zum Beispiel erinnere

mich noch gut an die monatlichen

50 Frei-SMS meiner

Eltern, die ich nutzen durfte,

allerdings nur, wenn ich Strichliste

führte. Aus der privaten

Kommunikation sind SMS

heute in den Industrienationen

zum großen Teil verdrängt

worden und doch sind sie auch

hier immer noch bedeutsam

in der Kommunikation zwischen

Unternehmen und Kund*innen.

Wieso gerade SMS?

Zwei Argumente sprechen

besonders stark für den Einsatz

von SMS.

Zum einen sind SMS inklusiv,

da sie für einen großen Teil der

Bevölkerung zugänglich sind.

Niemand muss sich extra eine

App herunterladen oder wird

aufgrund eines zu alten Betriebssystems

oder Handytyps

ausgeschlossen. Doch nicht nur

gesellschaftliche Werte sprechen

für den Einsatz von SMS.

Da es allein in Deutschland

rund 13 Millionen Menschen

gibt, die zwar ein Handy, aber

kein Smartphone besitzen, erschließen

sie auch eine größere

Zielgruppe.

Zum anderen werden SMS

als persönliche und exklusive

Nachrichten wahrgenommen.

Dies sorgt dafür, dass SMS

in den ersten drei Minuten

nach Empfang eine Leserate

von über 90 Prozent haben.

Dadurch bietet sich Unternehmen

zwar eine einzigartige

Chance, doch gleichzeitig ist

Fingerspitzengefühl gefragt.

Wer den persönlichen Kanal

nutzt, sollte auch persönliche

Nachrichten schreiben. Wenn

Empfänger*innen das Gefühl

haben, nur unbedeutende

Massen-Nachrichten zu erhalten,

werden sie dem Empfang

schnell widersprechen.

Kennen Sie Ihre Kund*innen?

Wenn Sie Massen-SMS verschicken,

ist es also wichtig, dass

der Inhalt personalisiert und

relevant ist. Sprechen Sie die

Empfänger*innen namentlich

an und versenden Sie nur Angebote

oder Informationen, die

einen spezifischen Mehrwert

für sie haben. Hier ist es unerlässlich,

dass Sie Ihre Zielgruppe

gründlich segmentieren und

Ihre Kundendaten einwandfrei

gepflegt sind. Kennen Sie Ihre

Zielgruppe nicht gut genug,

können Sie die Relevanz nicht

einschätzen und eine fehlgeschlagene

Personalisierung

wirkt unseriös. Oder möchten

Sie als Frau Gartenstraße angesprochen

werden?

Sind diese Faktoren gesichert,

ermöglichen Ihnen die meisten

SMS-Gateway-Anbieter

den personalisierten Massen-SMS-Versand

an verschiedene

Gruppen.

Der passende Anbieter

Bei der Auswahl Ihres Anbieters

sollten Sie darauf achten, dass

dieser qualitativ hochwertige

Routen für den Versand

nutzt. Wenn Sie zeitsensitive

SMS senden wollen oder eine

sehr große Empfängergruppe

haben, erfragen Sie außerdem

den Durchsatz. Dieser

sagt Ihnen, wie viele SMS pro

Sekunde gesendet werden

können. Darüber hinaus sollte

der Anbieter zu Ihren finanziellen

Ansprüchen passen.

Informieren Sie sich also über

Mindestlaufzeit, Grundgebühr

55


Neustart! / Oktober 2020

56


SHE works! / Neue Strategien im alten Gewand

und andere Kosten. Letztlich

sollten Sie einen Anbieter mit

Servern und Unternehmenssitz

in Deutschland wählen, damit

alle verarbeiteten Daten deutschem

Recht unterliegen.

Die rechtliche Seite

Natürlich ist auch der SMS-Versand

an sich nicht frei von

Regeln. Sie dürfen Ihren Empfänger*innen

nicht „einfach

so“ eine Nachricht senden.

Stattdessen ist es in jedem

Fall sinnvoll, eine explizite

Einwilligung einzuholen und

sich am besten noch durch eine

Bestätigung, das sogenannten

Double-Opt-In, abzusichern.

Außerdem ist es dringend notwendig,

dass Sie sich über die

gesetzlichen Gegebenheiten

im Land der Empfänger*innen

informieren, auch wenn es

ebenfalls in der EU liegt. Am

besten besprechen Sie Ihre

individuelle Situation noch einmal

mit Ihren Rechtsberatern.

Kombination aus hoher Leserate

und allgemeiner Verfügbarkeit

ermöglicht es Ihnen, diverse

Zielgruppen zu erreichen.

Die Personalisierung sorgt für

den letzten Schliff und schon

können Sie mit Stolz behaupten

eine neue, starke Partnerin an

Ihrer Seite zu haben die gute

alte SMS.

Ein guter Merksatz ist: SMS

sollten persönlich, relevant

und erwünscht sein!

Vermerk: Dies ist explizit

keine Rechtsberatung und

garantiert keine Rechtssicherheit

oder Vollständigkeit

Massen-SMS, aber richtig

Setzen Sie den SMS-Versand

bedacht und geplant ein, haben

Sie das Potential Ihre Kommunikation

erheblich effektiver

und inklusiver zu gestalten. Die

Foto Jana Limbers

Jana Limbers ist seit April 2020 Content-Managerin bei sms77.io in Kiel. Zuvor hatte Sie während

Ihres Master-of-Arts-Studiums in einer Medienagentur mit angegliedertem Verlag gearbeitet. Hier

zeigte sich schnell, dass Sie eine große Affinität zum zum Content-Management zeigte. Bald schon

teilte sie sich mit einer Kollegin die Leitung der Online-Redaktion und durfte ein kleines Team im

Content-Management anleiten. In dieser Zeit wurde Jana klar, dass sie sich diesen Job langfristig

gut vorstellen könnte. Von Medien zu Kommunikation war es anschließend kein weiter Weg mehr.

57


Neustart! / Oktober 2020

Marketing

Die Basis für den Erfolg

Jana Wieduwilt ist Business-Pilgerin und

Marketing-Mentorin

Frau Wieduwilt, was kann

Marketing für ein Unternehmen

tun?

Alles. Ich bezeichne Marketing

immer mit den vier Rädern

eines Autos. Marketing umfasst

Produktentwicklung, Preisbildung,

Kommunikation und den

Vertrieb. Also im Grunde alles,

was dafür sorgt, dass Geld

ins unternehmerische Portemonnaie

bringt.

Beim Marketing geht es um

Positionierungen auf dem

Markt, um Sichtbarkeit. Was

ist Marketing noch?

Gemeinsam mit der Unternehmerpersönlichkeit

ist Marketing

die Basis für den Erfolg des Unternehmens.

Sichtbarkeit ist im

Grunde die Spitze des Eisbergs.

90 Prozent liegen unter Wasser,

das sind die Vorbereitungen zur

Sichtbarkeit, das sind Antworten

auf die Fragen, nach dem

Kundennutzen, der Zielgruppendefinition,

nach Authentizität

und Botschaften, die bei den

potenziellen Kunden ankommen.

Erst danach kommt Sichtbarkeit.

Mit Sichtbarkeit kommt

Vertrauen und erst danach

denkt ein Interessent darüber

nach, Geld auszugeben.

Wie führen Sie Ihre Kunden

an das Thema heran?

Mit großer Liebe und riesigem

Respekt vor der Geschichte und

der Einzigartigkeit jedes Kunden

gehe ich in jedes Gespräch.

Jeder Unternehmer oder

Marketingverantwortliche steht

gerade an einer bestimmten

Stelle in seiner unternehmerischen

Reise. Die einen haben

gerade erst begonnen und

sind noch dabei, ihren Platz im

Marktgefüge zu finden. Andere

sind längst etabliert, möchten

aber Prozesse verschlanken

und neue Produkte einführen.

Meine Aufgabe: Fragen stellen,

behutsam die Antworten finden

zu lassen und durch meine

Geschichten zum Aha-Erlebnis

beizutragen.

Marketingstrategien erscheinen

immer mit einem unglaublichen

Aufwand verbunden

zu sein. Wie handhaben

Sie das als Marketingmentorin?

Spielerisch. Marketing macht

Spaß. Das vermittle ich

meinen Klienten, denn sie

haben wundervolle Erfolgsergebnisse.

Es ist immer ein

gewisser Aufwand, aber das

gehört zum Unternehmertum

dazu. Was tatsächlich aber

möglich ist bei allen meiner

Kunden, das ist, die Prozesse

so effektiv zu gestalten, dass

sich der Aufwand tatsächlich

in Grenzen hält. Ein Beispiel:

Ich kann sagen: Jeder ist meine

Zielgruppe. „Jeder“ ist auf 8 Social-Media-Kanälen

unterwegs,

liest x Zeitungen, Magazine

und ist überall zu Hause. Wenn

wir vorher mit den Klienten

die „Hausaufgaben“ machen,

und die Zielgruppe (zunächst)

sehr eng festlegen, eine klare

Botschaft formulieren, eine

Handlungsaufforderung und

wir die Zielkunden sehr gut

kennenlernen, dann kann

Marketing extrem einfach und

effektiv sein. Ein Kanal. Eine

Botschaft. Erreichte Kunden.

58


SHE works! / Die Basis für den Erfolg

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Neustart! / Oktober 2020

Was können Unternehmen

neben der Begleitung zu einer

besseren Aufstellung im Marketing-Bereich

selbst in die

Hand nehmen?

Sich Klarheit verschaffen, ist für

mich das Wichtigste. Was ist

Ihr Ziel? Wo soll Ihr Unternehmen

in zwei, fünf, zehn Jahren

stehen. Welche Rolle haben Sie

persönlich dann inne? Welche

Produkte werden Sie verkaufen?

Wie hoch wird der Gewinn

sein? Wie viele Mitarbeiter

werden Sie haben? Firmensitz?

… Wenn das Ziel klar ist, das

große, weite, fast unfassbare

Ziel, dann bekommen Sie ganz

leicht eine große Effizienz

hinein. Denn alles, was nicht

auf das große Ziel einzahlt, darf

zunächst erst mal aussortiert

werden. (Das spart Ressourcen,

wie Geld, Zeit, Manpower).

Sie selbst haben mit Ihrem

Team eine noch mal ganz

andere Herangehensweise

an das Thema. Wie begleiten

Sie ihre Kunden bei der Suche

nach einer neuen Marketingstrategie?

Als Business Pilgerin gehe ich

häufig mit meinen Klienten raus

in die Natur. Das ist eine ganz

andere Umgebung als das typische

Büro. Mit etwas Abstand

zum täglichen To-do und durch

die Bewegung entstehen unglaublich

schnelle und überraschend

kreative Ergebnisse.

Nun haben Sie wahrscheinlich

nicht nur große Firmen

als Kunden, sondern auch

Kleinunternehmer. Wie arbeiten

Sie mit denen?

Für Kleinunternehmer habe ich

verschiedene wirklich moderate

Pakete im Portfolio. Erwähnen

möchte ich hier das 4-Wochen-Mentorship-Programm

im 1:1 mit mir, das für jeden

Unternehmer sehr gut geeignet

ist, weil ich jeden Teilnehmer

genau dort an seiner konkreten

Herausforderung begleiten

kann und das online stattfindet.

Aufgelegt habe ich das

Programm bis Ende des Jahres

angesichts der Corona-Corona-Herausforderungen,

vor denen

jedes Unternehmen steht.

Ein Anfang ist es, vielleicht, in

meinen Podcast „Irgendwas mit

Marketing“ reinzuhören.

2006 haben Sie Wieduwilt

Kommunikation gegründet.

Was war Ihr Ziel?

Freiheit. Zunächst tatsächlich

für mich und meine Familie. Ich

wollte arbeiten und leben, wie

ich es mir vorstellte. Das war

ein langer Weg, und doch, jeder

Schritt hat sich gelohnt, denn

davon können heute meine

Klienten profitieren, um die

Abkürzung zu nehmen. Heute

ist mein Ziel Freiheit für mein

Team und meine Klienten.

Was glauben Sie wird im

Bereich Marketing in den

nächsten Jahren wichtig sein?

Drei Dinge:

• Sicherheit in Form von Garantien

• Vertrauen in Form echter

beidseitiger Beziehungen auf

Augenhöhe sowie

• Flexibilität in Form von schnellen

Reaktionen auf Ereignisse.

Das setzt eine gute Planung,

hohe Qualität, echte Orientierung

an den Kundenbedürfnissen

und ein agiles Unternehmen

voraus.

Vielen Dank für das Gespräch!

Jana Wieduwilt gründete

2002 ihre Agentur Wieduwilt

Kommunikation.

Sie ist Unternehmerin,

zelebriert das Businesspilgern

und ist Spezialistin

für Strategisches Marketing,

Öffentlichkeitsarbeit

und Kommunikation. (Foto

rechts Henriette Braun)

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SHE works! / Buchhaltung digital managen, von Anfang an

Buchhaltung

Buchhaltung digital

managen, von

Anfang an!

Von Marie Moesgaard

Vieles ist heutzutage mit

einem einzigen Klick erledigt:

E-Mails checken, Rechnungen

bezahlen oder eine Online Bestellung

aufgeben alles läuft

reibungslos über das Smartphone.

Vieles, was zwischen

Aufstehen und Schlafengehen

passiert, ist mittlerweile smart.

Jedoch ist im Berufsalltag von

dieser Smartness oftmals

nicht allzu viel zu sehen. Im

Büro angekommen, suchen

wir nach Spesenformularen,

drucken und füllen diese aus.

Diese oder ähnliche Szenen

spielen sich in vielen Büros in

Deutschland tagtäglich ab,

denn 41% der Unternehmen

rechnen noch in Papierform

ab (SAP concur, 2018). Dabei

ist das Widerstreben vieler

deutscher Unternehmen das

Ausgabenmanagement digital

aufzustellen nicht nur ineffektiv,

sondern auch teuer!

WAS KOSTEN

SPESENABRECHNUNGEN?

Bis eine Spesenabrechnung

ordentlich kontiert ist, vergehen

viele Handgriffe: Mitarbeiter*innen

füllen Formulare

aus, heften Belege an und

geben sie zur Freigabe an die

Verantwortlichen. Die Buchhalterin

oder der Buchhalter

pflegt danach die Beträge

einzeln in Excel Sheets, bevor

der Ordner in dunklen Archiven

versauert. Dieser Prozess

kostet im Schnitt knapp 50

Euro und 20 Minuten Arbeitszeit.

Jede fünfte eingereichte

Spesenabrechnung ist fehlerhaft

und dreht intern eine

weitere Schleife, die abermals

18 Minuten Zeit und 44,00 Euro

on-top kostet. (GBTA,2015)

Cloudbasierte Lösungen

erfassen Belege automatisch,

und integrieren auch Buchhaltungssoftware

wie DATEV

oder Lexoffice. Mitarbeiter

fotografieren einen Beleg mit

dem Smartphone, ergänzen

Ausgabenart und Projektnummer

und senden diese Infos

online an den Teamleiter oder

Projektverantwortlichen. Mit

nur einem weiteren Klick in der

Buchhaltung sind die Beträge

erfasst, synchronisiert und in

die Steuersoftware exportiert.

Monatsabschluss? Digital ein

Klacks!

SICHERHEIT UND

COMPLIANCE

Umfangreiche Gesetze und

Reglements bestimmen den

juristischen Rahmen für die

Unternehmensbuchhaltung.

Dazu gehören, neben der

GoBD, auch Vorschriften des

HGB und AO sowie die DSG-

VO. BuchhalterInnen verbringen

viel Zeit und Geld darauf,

sich mit Fortbildungen auf dem

neuesten Stand zu halten.

Entscheiden sich Unternehmen

für eine digitale Lösung, regelt

die Software viele rechtliche

Aspekte gleich mit. Komplettlösungen

aktualisieren sich

fortlaufend und entsprechen

stets aktuellen gesetzlichen

Vorschriften. Zugriffsrechte

werden digital sicher verwaltet

und mit einem Klick administriert.

Mit cloudbasierter

Buchhaltung sagen Unternehmen

auch den alten Archiven

61


Neustart! / Oktober 2020

im Keller adé. Daten werden

automatisch verwaltet; Tags

und Kategorien sorgen dafür,

dass sie auch schnell gefunden

werden, ohne, dass Buchhalter*innen

stundenlang durch

Ordner blättern müssen. In

der Cloud sind Daten auch

vor Verlust durch Brände oder

Einbruch geschützt.

OPTIMIERUNG INTERNER

PROZESSE

Ausgaben aus dem laufenden

Geschäft, wie Reisekosten,

Abonnements oder Anschaffungen

für das Büro landen

oftmals ohne hinterfragt oder

interpretiert zu werden in Excel

Tabellen der Buchhaltung. Unternehmen

versäumen es, diese

Zahlen zeitnah auszuwerten

und aus ihnen Handlungs- und

Optimierungsempfehlungen zu

formulieren.

Diese Lücke im Unternehmensprozess

füllen moderne Lösungen

nahtlos. Sie visualisieren

Zahlen und Daten in Echtzeit.

Projektteams überblicken

das Budget und können ihre

Strategie anpassen während

das Projekt in vollem Gange

ist. Für die Managementebene

sind Visualisierungen ein Echtzeit-Controlling-Tool

und auch

in der Buchhaltung ändern sich

Prozesse. Buchhalter*innen

sind nicht mehr in repetitiven

Aufgaben gefangen: Sortieren,

Abheften, Abgleichen alles

wird automatisch und fehlerfrei

erledigt. Sie entfalten

ihr Wissen nun in anderen

Geschäftsbereichen, wie dem

Controlling.

QUO VADIS, BUCHHALTUNG?

Die Digitalisierung ist keine

Science-Fiction-Utopie einer

Unternehmerwelt bestehend

aus technikaffinen Millennials.

Wir stecken alle mittendrin.

Dennoch halten viele Unternehmen

nostalgisch am analogen

Handling ihrer Ausgaben

fest. Nicht die Umstellung auf

automatisierte Prozesse ist das

eigentliche Problem, sondern

der Irrglaube, dass man sie

nicht bräuchte. Dabei wird oft

vergessen, dass manuelle Prozesse

ihre eigenen versteckten

Kosten haben. Antiquierte Prozesse

und Praktiken sind wie

das Schwimmen gegen den

Strom es kostet viel Kraft

und gleichzeitig man tritt man

doch auf der Stelle.

Marie Moesgaard ist Country Managerin bei Pleo für Deutschland. Pleo ist die intelligente, sofort

einsatzbereitew Plattform für alle Unternehmensausgaben und bietet Mitarbeitern intelligente

Pleo-Firmenkreditkarten mit individuellen Budgets. Excelbasierte Spesenabrechnungen,

Barkassen und fehlende Belege gehören damit der Vergangenheit an. Manager und Buchhalter

erhalten eine Übersicht sämtlicher Ausgaben in Echtzeit und können alle Daten inklusive der

Belege über einen maßgeschneiderten Export oder eine nahtlose Integration ins Buchhaltungssystem

überführen. Somit verfügen Unternehmen über volle Transparenz aller Ausgaben.

Pleo fängt Belege unterwegs ab, kategorisiert Ausgaben automatisch auf Basis des bisherigen

Nutzerverhaltens und macht eine manuelle Spesenabrechnung somit überflüssig.

Pleo wurde 2015 in Kopenhagen von den erfahrenen Fintech-Gründern Jeppe Rindom und Niccolo

Perra gegründet. Zuvor gehörten beide zu den ersten Mitarbeitern des dänischen Vorzeige-Startups

Tradeshift und sammelten weitreichende Erfahrung im erfolgreichen Aufbau von

Finanzprodukten. Mehr als 10.000 Unternehmen in sechs Märkten nutzen den Service von Pleo

(Großbritannien, Dänemark, Schweden, Deutschland, Irland, Spanien). Pleo wird im Titans of

Tech Report 2020 von GP Bullhound in den Top 10 der vielversprechendsten Startups sowie als

kommendes Unicorn geführt. Pleo beschäftigt 250 Mitarbeiter aus 44 verschiedenen Ländern

in Büros in Madrid, London, Stockholm, Berlin sowie Kopenhagen.

62


SHE works! / Buchhaltung digital managen, von Anfang an

Marie Moesgaard / Foto Pleo

63


Neustart! / Oktober 2020

Finanzen

Und auf einmal

klingelte das Telefon

Sturm …

Dr. Carmen Mayer

Ist zweifache Mutter,

Biochemikerin und Aktien-Coach.

Während der Schwangerschaft

mit ihrer ersten

Tochter hat sie angefangen

sich für das Thema Reichtum,

Mindset und Investieren

zu begeistern und ist

seitdem sehr erfolgreiche

Investorin.

In Ihrem Podcast „Mami

goes Millionär“ nimmt

sie die Menschen mit auf

die spannende Reise des

Investierens, positiven

Money Mindset und führt

Gespräche mit inspirierenden

Menschen.

Für tägliche Inspiration

folge ihr auf Instagram:

carmen__mayer__

Oder schreibe ihr direkt:

Kontakt@dr-carmen-mayer.de

Foto Dr. Carmen Mayer

64


SHE works! / Und auf einmal klingelte das Telefon Sturm

Von Dr. Carmen Mayer

Seit ungefähr 6 Monaten hatte

ich meinen Podcast Mami

goes Millionär bei iTunes und

Spotify gelistet. Täglich kamen

immer mehr Menschen dazu,

die meine Geschichte hörten:

Wie kann ausgerechnet ich, als

zweifache Mami, promovierte

Biochemikerin mein Geld an

der Börse vermehren?

Mein Podcast war mein Ehrenamt,

es musste doch jemanden

geben, der mal über Geld,

Aktien und Mindset spricht,

ohne dass er ein Experte auf

dem Gebiet ist - einfach nur

jemand, der selbst ausprobiert

und losgelegt hat!

Doch dann kam plötzlich Corona,

das Virus, das die Börse in

Angst und Schrecken versetzt

und die Kurse ungestoppt

fallen ließ.

WAS WAR DA LOS?

Jeden Tag kamen Anrufe und

Nachrichten rein, was man

jetzt an der Börse kaufen

sollte, die Preise waren günstig

wie nie. Ich riet davon ab,

keiner weiß und wusste wie

groß die Krise werden würde,

deswegen war es am besten

die Füße still zuhalten. Ich habe

meine Positionen verkauft und

angefangen ein solides Aktien

Coaching auf die Beine zu

stellen.

Mir war klar, meine Podcast

Hörer brauchen Hilfe, sie brauchen

einen Coach, der Ihnen

Schritt für Schritt zeigt, wie

die Börse funktioniert und wie

man gute, gesunde Unternehmen

aussucht.

So habe ich Tag und Nacht

gearbeitet. Ich musste mich

beeilen, ich musste schnell

ein Programm auf die Beine

stellen, was hilft und Orientierung

gibt. Im Mai startete

also dann meine erste Gruppe,

alles Online via Zoom. Im Juni

die nächste Gruppe.

Meine kleine Tochter war da

noch sechs Monate alt, das

hieß ich war in Elternzeit, doch

ich musste mich auch um die

Gründung einer Firma kümmern.

Über Freunde habe ich

Kontakt zu mehreren Steuerberatern

bekommen und dann

war unmissverständlich, ich

gründe eine GmbH, mit dem

Namen: Dr. Mayer Consulting.

Also ging es ab zum Notar und

die Gründung würde mit einer

Flasche Champagner gefeiert.

Überall hagelte es schreckliche

Nachrichten, fünf Wochen

Shutdown in Deutschland,

doch mir war klar, ich darf nicht

aufgeben, ich muss was Gutes

auf die Beine stellen. So haben

wir auch als Familie alles unter

einen Hut bekommen, unser

Aupair-Mädchen kümmerte

sich vormittags um die Kinder,

nachmittags ich und am Abend

mein Mann, so dass ich wieder

arbeiten konnte.

ALLES NAHM STRUKTUR AN.

Meine Designerin freute sich

über jeden Auftrag von mir,

denn sie hatte auch keine

Arbeit mehr. So erstellten wir

zusammen den Inhalt des Coachings

und eine Internetseite,

so dass sich die Leute bei mir

melden konnten.

Alles war neu für mich, doch

ich war einfach motiviert und

brannte für die Idee und der

Erfolg gab mir recht. Immer

mehr Menschen kamen in meine

Coaching Gruppen und ich

rief meine Social-Media-Kanäle

ins Leben. Mittlerweile liebe

ich die Plattformen, weil ich

ganz direkt und unkompliziert

die Menschen dazu animieren

kann, sich um ihre Finanzen zu

kümmern.

Denn jeder kümmert sich um

seine Kinder, sein Haus, den

Urlaub, aber nicht um sein

schwer verdientes Geld und

das ist sehr schade! Deswegen

bin ich so glücklich und dankbar,

dass ich so vielen Menschen

zeigen kann wie einfach

es ist an die Börse zu gehe. Ich

freue mich auf jeden der auch

mehr vom Leben will.

JEDE KRISE BIRGT AUCH

CHANCEN, SCHAU GENAU

HIN UND DU WIRST SIE

FINDEN!

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Neustart! / Oktober 2020

Online-Handel

Wenn ein Online-

Shop, dann mit ganzem

Herzen!

66


SHE works! / Wenn ein Online-Shop, dann mit ganzem Herzen

Carmen Nicol, Charlotte Fassbender

und Meike Fehr sind

erfahrene Online-Shop-Betreiberinnen

bei eBay.

SHE works! haben sie erzählt,

was für sie das Arbeitsleben

als erfolgreiche Händlerin

ausmacht.

Was finden Sie mit Ihrer

langen eBay-Erfahrung an

einem Online-Shop ansprechend?

Meike: Ich finde es immer sehr

gut, wenn die Shops aussagekräftig

sind, man sozusagen

ein Gefühl für das Produkt

bekommt und weiß, worauf

man sich einlässt oder was

einen erwartet. Und natürlich

die Aufmachung, die Benutzerfreundlichkeit,

eine gute

Übersichtlichkeit - das ist so

erst mal das, wo ich sage „Oh,

so ein schöner Shop“.

Carmen: Bei einem Online-Shop

mag ich auch ein

klares Design, weiche Farben,

schnörkellose Bedienung,

sodass man sich sofort auskennt.

Jedes Produkt soll leicht

erreichbar sein und es sollte alles

leicht von der Hand gehen,

sodass der Kunde sich im Shop

wohlfühlt und stöbert, so wie

in einem Ladengeschäft.

Charlotte: Ich finde auch, so

ein klares einfaches Design,

das nicht so übermäßig bunt

ist, muss sein. Ich finde auch,

dass die Bedienung so intuitiv

sein muss, dass der Kunde gar

nicht suchen muss, wo was ist

und welche Funktion man wo

auswählen kann, sondern dass

das ganz automatisch passiert.

Und dann sind tatsächlich

Bilder total entscheidend, wie

sie gemacht sind und ob sie

gut sind. Dann finde ich aber

tatsächlich, als nächster Schritt

ist wichtig, dass die ganzen

Angaben schnell sichtbar sind,

was ist das für ein Produkt,

wie groß, wie schwer, um es

sich noch besser vorstellen zu

können.

Gibt es einen Unterschied,

welcher Shop von Männern

ist und welcher von Frauen,

habt ihr da irgendwie Erfahrungen?

Charlotte: Frauen gestalten

visueller. Männer hingegen

sind weniger visuell und stellen

Produkte anders dar. Da

stehen tatsächlich eher Werte

oder Angaben im Fokus, nicht

so sehr Bilder oder die Art und

Weise der Farben.

Meike: Bei uns macht mein

Mann die Fotos. Und er achtet

sehr darauf, dass alles gut

ausschaut. Komme ich dann

aber mit meinen kleinen

Dekosachen, winkt er ab. Aber

es muss klar sein, dass es um

den Sessel geht und nicht um

die Blumenvase nebendran.

Es geht ihm um das Produkt

an sich, da soll seiner Meinung

nach nichts ablenken. Ich bin

aber die, die dann etwas Weicheres

einbringt, was Schönes.

Carmen: Im Prinzip gibt es eine

klare Struktur für eine Produktpräsentation.

Man muss

das Produkt so erklären und

präsentieren als würde der

Kunde vor einem stehen. Ein

Mann macht dies mit mehr Daten

und Fakten und eine Frau

gibt zwar auch die Daten und

Fakten an, aber Sie gibt dem

Käufer noch alltägliche Tipps

und Tricks zur Verwendung

und einfach den weiblichen

Touch.

Könnt ihr vielleicht einen Einblick

geben, wie ihr bei eBay

in dieses Online-Shop-Business

eingestiegen seid?

Carmen: Ich bin schon relativ

lange dabei. Meinen eBay-Account

gibt es seit 2003. Ich

habe mit meinem Mann

damals nebenbei Haushaltsartikel

bei eBay vermarktet.

Der Versand erfolgte aus der

Garage seiner Eltern, die die

Waren an den Lieferanten

übergeben haben. Anfang

2008 habe ich dann gesagt, ich

wage den Schritt in die Selbstständigkeit.

Ich hatte dann so

einen Boom bei eBay, dass ich

Powerseller des Jahres geworden

bin. Im August 2008 hatte

ich dann schon meine erste

Vollzeitkraft angestellt, da es

so nicht mehr zu schaffen war.

Jetzt haben wir 14 Angestellte.

Meike: Ich bin 2002 gestartet.

Damals hatte ich eine Phase

des Minimalismus und haben

ganz viele meiner Habseligkeiten

bei eBay verkauft. Das hat

sich zu einem richtigen Hobby

entwickelt. Und es ist immer

weitergewachsen, bis eBay

ein ständiger Begleiter wurde.

Nachdem ich mein erstes Kind

bekomme habe und keinen

67


Neustart! / Oktober 2020

Kitaplatz hatte, habe ich den

Schritt gewagt und einen

Online-Shop aufgemacht. Wir

haben in unserem Wohnzimmer

angefangen, und heute

haben wir den Online-Shop

und ein Ladengeschäft.

Charlotte: Bei mir war es so,

dass ich schon sehr viel länger

im Geschäft beziehungsweise

in Kontakt mit vielen Fahrradhersteller-Marken

war, da ich

aus dieser Branche komme.

Wir haben vier Kinder und als

das Jüngste in die Kita kam, ist

ein Fahrradhersteller zu mir

gekommen und hat mich gefragt,

ob ich für ihn nicht etwas

über eBay verkaufen könnte.

Und dann ging alles ganz

schnell mit dem Shop und dem

Erfolg. Mit dem Einstellen der

Infos und der Bilder hat man

sofort eine gute Reichweite.

Als ich bei eBay angefangen

habe, war das dann auch noch

ganz klassisch von zu Hause

aus. Zwei Jahre später war der

Shop aber dafür schon zu groß

geworden.

eBay bietet für Shop-Betreiberinnen

Workshops an, die

helfen, einen Online-Shop zu

eröffnen bzw. erfolgreich zu

führen. Ist das sinnvoll?

Charlotte: Es gibt viele Sachen

von denen man, wenn man

startet, einfach noch keine

Ahnung hat. Die man auch gar

nicht haben kann! Das hat man

in den letzten Monaten erlebt,

als die Menschen wegen Corona

zu Hause bleiben mussten

und angefangen haben,

Masken zu nähen und auf der

Plattform zu verkaufen. Viele

von ihnen sind abgemahnt

worden wegen der falschen

Kennzeichnung ihrer Produkte,

oder weil sie keinen Titel

hatten bzw. ihr Produkt nicht

haben schützen lassen. Wenn

man blind anfängt, kann man

in viele Fallen tappen.

Meike: Ja, das stimmt. Es ist

sinnvoll, erst einmal viele

Infos zu bekommen und einen

Überblick zu erhalten, was

alles möglich ist, um so auch

die erste Hemmschwelle zu

nehmen. Ich erlebe das oft so,

dass Frauen immer hin und her

überlegen, ob sie sich trauen

sollen oder nicht. Alles muss

von Anfang an perfekt sein.

Carmen: Auf jeden Fall sind

diese Seminare sinnvoll, da

stimme ich Meike und Charlotte

zu. Man bekommt Tipps und

Tricks aus erster Hand. Neueinsteigerinnen

wird die Angst

genommen und Alteingesessene

können sich fortbilden und

sich über die neusten Tools

und Strukturen informieren.

Die Workshops sind auch wichtig

für Händlerinnen, die ihren

Shop nur so nebenbei haben.

Sie können Kontakte knüpfen

und sich Hilfe bei bestimmten

Problemen holen.

Warum ein Online-Shop?

Meike: Ich sitze im Urlaub,

verkaufe über die Plattform

und kann so in den Ferien

Geld verdienen. Das finde ich

großartig.

Carmen: Ich schätze diese

Flexibilität durch die Verschmelzung

von Leben und

Arbeiten. Sicher bringt das

auch Nachteile, aber ich kann

mich zu Hause um meine Kinder

kümmern und gleichzeitig

arbeiten. Und wenn man mit

einem eBay Shop startet, kann

man ja klein anfangen - und

das von zu Hause. Man braucht

nicht gleich einen großen

Lagerraum.

Charlotte: Stimmt. Man muss

mit einem eBay-Shop nicht

gleich groß starten, sondern

kann klein anfangen, und das

von zu Hause. Man braucht

nicht gleich einen Lagerraum.

Das ist schon etwas sehr

Positives, wenn ich so an die

Gründerinnen denke. Wenn ich

ein Café eröffne, brauche ich

eben ein Café und muss viele

Tausende Euro investieren,

bevor ich etwas verdiene. Bei

eBay nicht!

Carmen: Aber eins ist auch

klar, so ein eBay-Shop fordert

schon auch volle Konzentration.

Wenn man das professionell

machen will, geht das

nicht eben mal nebenbei.

Vielen Dank für das Gespräch!

68


SHE works! / Wenn ein Online-Shop, dann mit ganzem Herzen

Foto Kathrin Newman

Carmen Nicol

Carmen Nicol ist seit mehr als

zwölf Jahre im Online-Handel

tätig.

2008 wagte sie den Schritt

in die Selbstständigkeit.

Heute schaut die in München

lebende Unternehmerin, die

CEO der Haushalt, Werkzeug

und Garten GmbH ist, auf eine

steile Erfolgsgeschichte.

Meike Fehr

Es lag am fehlenden Kita-Platz,

der Meike Fehr zur

professionellen eBay-Verkäuferin

gemacht hat. Als

sie 2008 in Elternzeit ging,

fehlte es im Anschluss an Betreuung

für den Nachwuchs.

Was sie vorher bereits als

Hobby betrieb, Antiquitäten

auf eBay verkaufen, machte

sie dann zu ihrem Haupterwerb

und gründete stilraumberlin,

ein Online-Shop der

skandinavische Vintage-Möbel

und Wohnaccessoires

verkauft. Bereits ein Jahr

nach der Gründung eröffnete

sie gemeinsam mit ihrem

Mann auch ein Ladengeschäft.

Charlotte Fassbender

Um Arbeit und Familie optimal zu

kombinieren, hat Charlotte Fassbender,

Mutter von vier Kindern, einen Online-Shop

für Fahrradzubehör eröffnet,

bikefriends.

Vor der Eröffnung des eigenen Shops

hat sie für viele Online-Shops aus der

Branche den Content erstellt. Was zuhause

im Wohnzimmer begann, wuchs

so rasant, dass sie schon innerhalb

kürzester Zeit einen Lagerraum anmieten

musste.

Heute ist die leidenschaftliche Mountainbikefahrerin

nicht nur Händlerin,

sondern auch als Beraterin in Sachen

eBay-Online-Shop unterwegs.

Foto Masa Yuasa

Bei eBay hat sie es sich gleich

mit Start ihres Shops premiumshopping24

zum Powerseller

des Jahres 2008 geschafft!

Foto Juri Fehr

69


Neustart! / Oktober 2020

Kommunikation

Storytelling fürs Erleben

Es braucht keine große Erlebniswelten auch

kleine Erlebnisse stärken die Kundenbindung

Von Petra Winkler

Das Geschichtenerzählen (oder

im Marketingdeutsch: Storytelling)

übt auf Menschen seit

Jahrtausenden eine starke Faszination

aus. Während Zahlen,

Daten und Fakten im Gehirn

auf wenig Resonanz stoßen,

lösen Geschichten einen Reiz

aus. Womöglich war es in

grauer Vorzeit überlebensnotwendig,

am Lagerfeuer von

Jagd- und Kampfstrategien zu

hören oder auch von wirksamen

Heilpflanzen, um später

eine solche Situation besser

bewältigen zu können.

Über Geschichten zu lernen

war für das Individuum ein

Überlebensvorteil und vielleicht

ist genau das der Grund,

warum unser Gehirn nach

Geschichten giert. Die Lust auf

Geschichten ist tief in unserer

Gefühlswelt verankert.

Bei „Erlebnis bieten“ denken

viele Marketingverantwortliche

in kleineren Unternehmen

gleich an große Kampagnen,

die ein riesiges Werbebudget

verschlingen. Aber Storytelling

hilft auch bei kleinen

Werbebudgets es braucht

allerdings ein paar gute Ideen,

ein Smartphone für Bilder und/

oder Videos und außerdem

noch Zeit, um die ganzen Ideen

zu entwickeln und umzusetzen.

Wichtig fürs Entwickeln der

Ideen sind natürlich einige

strategische Kernfragen,

beispielsweise zur Zielgruppe

und welches die passenden

Kanäle sind. Um Produkte

oder Dienstleistungen für

Verbraucher zu vermarkten,

eignet sich meist ein Kanälemix

aus Website mit Blog plus

noch Social-Media-Kanäle wie

Facebook, Instagram & Co.

Wer eher Businesskunden im

Im Marketing wird Storytelling

deshalb gezielt als Methode

genutzt, um Aufmerksamkeit

zu erzeugen, Sympathien zu

wecken, Erlebnisse zu bieten

und auf diese Weise Kunden

emotional zu binden.

Kleine Erlebnisse reichen

70


SHE works! / Storytelling fürs Erleben

Blick hat, könnte bei Socia-Media-Plattformen

wie Twitter,

LinkedIn oder XING eine bessere

Reichweite erzielen.

FÜR JEDE BRANCHE

Aber welche Erlebnisse lassen

sich mit einem kleinen Werbebudget

überhaupt vermitteln?

Keine Bange, die Auswahl ist

dennoch groß, hier ein paar

Tipps:

Wenn Sie ein Produkt herstellen:

Erzählen Sie über den Herstellungsprozess,

lassen Sie Ihr

Publikum teilhaben. Das wirkt

insbesondere, wenn Sie attraktive

oder leckere Produkte

in kleinen Mengen herstellen

wie Kleidung und Accessoires

oder auch Backwaren, Nudeln,

Suppen, Soßen, Chutneys usw.

Ideal wäre ein Video, falls der

Aufwand mit der Nachbearbeitung

zu groß ist, reichen für

den Anfang auch Fotoserien.

Wichtig: Erzählen Sie dabei

auch, was das Besondere bei

Ihrem Produkt bzw. der Herstellung

ist.

Wenn Sie Produkte verkaufen,

können Sie über die Hersteller

erzählen: Woher beziehen

Sie Ihre Produkte, welche

Geschichten stecken dahinter?

Kleine Manufakturen, wo noch

Wert gelegt wird auf Handarbeit?

Wird ein Produkt nach

einem alten Familienrezept

hergestellt? Werden besondere

Materialien verwendet?

Wann und wo haben Sie das

Produkt entdeckt und ins Sortiment

aufgenommen? Oder

auch: Welche Erlebnisse haben

andere Kunden mit einem Produkt

gehabt, welche Rückmeldungen

haben Sie erhalten?

Wenn Sie Dienstleister sind:

Erzählen Sie über Ihre Arbeit

und Ihre Kunden für wen

sind Sie tätig, wie lange sitzen

Sie an einem Auftrag, welche

Arbeit steckt dahinter? Welche

Schwierigkeiten oder Hindernisse

können auftauchen und

wie können Sie diese bewältigen?

Hatten Sie neulich ein

besonderes Erlebnis, an dem

Sie Ihre Leserschaft teilhaben

lassen wollen?

DAS GEFÜHL DABEI ZU SEIN

Was auch immer Sie erzählen:

bei einer guten Geschichte

wird unser Gehirn hineintauchen

und die Geschichte miterleben

so wie wir auch bei

einem guten Buch oder einem

spannenden Film hineintauchen

und mit den Heldenfiguren

mitfühlen und mitfiebern.

Gelingt es Ihnen, dem Publikum

das Gefühl zu vermitteln,

sich in die Situation hineinversetzen

zu können und direkt

dabei zu sein, dann ist Ihnen

die Aufmerksamkeit sicher.

Und wenn Sie immer wieder

gute Geschichten erzählen,

erhalten Sie mit jeder kleinen

Story einen Sympathiepunkt

besser können Sie Ihre Kunden

nicht an sich binden!

Petra Winkler nutzt

Storytelling seit vielen

Jahren für ihre Arbeit als

Texterin für Agenturen

und Direktkunden. Aber

auch Unternehmen ohne

großes Werbebudget

könnten Storytelling stärker

nutzen. Um kleinen

Unternehmen und Solo-Selbstständigen

alltagspraktische

Tipps an die

Hand zu geben, hat Petra

Winkler „Storytelling für

Dummies“ geschrieben,

das 2019 im Verlag Wiley-VCH

erschienen ist. In

diesem Buch finden auch

Dienstleister, Handwerker,

Händler und viele weitere

Branchen frische Impulse,

um Storytelling besser

kennenzulernen, und in

Eigenregie zu betreiben.

71


Neustart! / Oktober 2020

Kommunikation

Auf einmal digital:

Eine persönliche

Annäherung

Von Nadine Kmoth

Als mir im Frühjahr erdrutschartig

meine Aufträge

als Coach und Trainerin wegbrachen,

ich fassungslos vor

meinem leeren Timer saß und

ungläubig wie kopfschüttelnd

auf die mächtig vielen durchstrichenen

Namen meiner

Kunden blickte, dachte ich

nicht im Traum daran, meine

Leistungen digital anzubieten.

Ich tat es doch.

KÖRPERSPRACHE

KOOPERIERT MIT ALLEN 5

SINNEN

Als Körpersprache-Expertin

liegt mein Augenmerk auf dem

Zwischenmenschlichen in der

Kommunikation. Es geht um

die Signale, die wir mit bloßem

Auge zwar sehen können,

in den meisten Situationen

allerdings nicht bewusst

wahrnehmen. Ein Schulterzucken,

ein Stuhlrücken oder ein

kurzes nervöses Zwinkern oder

Kichern nehmen wir meist nur

unbewusst war, verarbeiten

diese Signale allerdings zu

Informationen, um uns zu orientieren

und zu positionieren.

Die von außen hereinkommenden,

wie auch die ausgehenden

Signale, bewusst zu

Informationen zu verarbeiten

und zu interpretieren, birgt

einen großem Vorteil, denn wir

können diese bewusst verändern

oder uns der Situation

besser anpassen.

Meine Dienstleistung digital

anzubieten, war für mich bis

dato ungefähr so, wie von

meinem Liebsten eine abendliche

Fußmassage einzufordern

und die Schuhe anzulassen:

unsinnig und unsinnlich. In der

analogen Kommunikation werden

alle Sinne beansprucht.

Wie benutzen unsere Augen

zum Sehen, unsere Ohren zum

Hören, unsere Nase zum Riechen

und unsere Hände zum

Tasten. Vom 6. Sinn will ich gar

nicht erst anfangen.

UND SO STÜRZTE ICH MICH

IN MEINE PERSÖNLICHE

TRANSFORMATION

Als Mittfünfzigerin wurden

mir die digitalen Fähigkeiten

nicht in die Wiege gelegt,

obwohl ich sie mittlerweile

täglich nutze. Wenn ich meine

jungen weiblichen Kolleginnen

oder Kundinnen beobachte,

staune ich über ihre digitalen

Fertigkeiten. Sie bewegen sich

gezielt in der digitalen Welt.

Bei schönstem Corona-Wetter

und mit eingeschaltetem Nachrichten-Ticker

machte ich mich

an die Arbeit.

Nach 20 Jahren in diesem

Geschäft war mir früh klar: Ich

werde bis zum Herbst keinen

einzigen Heller verdienen.

Auf meine Kunden, Konzerne

und gut situierten Mittelstand

konnte ich mich rein wirtschaftlich

jetzt nicht verlassen.

Die hatten gerade andere

Sorgen.

Nadine Kmoth / Foto Sandra Birkner

72


SHE works! / Auf einmal digital: Eine persönliche Annäherung

Ich tat also das, was alle

vernünftigen Menschen tun:

Kosten für Lebensversicherung

senken und in privaten Angelegenheiten

sparsam haushalten.

Der Italiener um die Ecke

war somit eingespart.

IMMER DAS OPTIMUM

HERAUSHOLEN, ODER?

Ich holte alles aus meinen

Schubladen, Archiven und

verstaubten Winkeln meines

Erinnerungsvermögens und

fand tatsächlich eine Menge

digitaler Projekte, die ich bis

dato nie umgesetzt hatte.

Ich fing an mein viertes Buch

zu schreiben, ein E-Book, ich

ließ ein Lernvideo zum Thema

„Körpersprache-Typen in Verhandlungen“

drehen, stellte

mein Coaching auf remote um

und führe mittlerweile relativ

unbeschwert Zoom-Meetings

durch. Nächste Woche halte ich

einen bezahlten Vortrag für 50

Einkäufer aus der Hamburger

Region remote.

Weitere spannende Projekte

sind in der Planung, wie

beispielsweise Lernvideos zum

Thema Körperrhetorik©.

Dass ich mit meinen digitalen

Produkten nur noch zwei statt

fünf Sinne anspreche, ist für

mich mittlerweile in Ordnung

und ich habe meinen Frieden

damit gemacht. Ich weiß, dass

ich am liebsten das Optimum

herausholen will und gelegentlich

einen zu hohen Anspruch

habe. Ist wohl irgendwie

typisch Frau.

Im Frühling stand ich vor

einer riesigen Mauer. Aber

ich habe mir ein Herz genommen

und mir gesagt: Einfach

mal machen, auch Fehler, die

korrigieren und weitermachen.

Wenn wir nicht in Corona-Zeiten

etwas Neues ausprobieren,

wann dann?

TIPPS SO GELINGT DIE

DIGITALE TRANSFORMATION

• Mentale Techniken nutzen,

um sich positiv zu justieren

• Ideen entwickeln und sich

helfen lassen

• Fehler machen und somit die

eigene Fehlerkultur verbessern

• Überhöhten Anspruch überprüfen

und an die Situation

anpassen oder auch mal über

Bord werfen

Das Gesetzt der Resonanz

verinnerlichen: Jede Investition

zahlt sich aus

Nadine Kmoth ist eine waschechte Hamburger Dirn und es

bringt eine Menge persönlicher Erkenntnisse, mit ihr eine

Reise durch das Gebiet der Körpersprache zu unternehmen.

Körpersprache zu ihrer Expertise zu machen, geschah vor 20

Jahren auf einer Fortbildung des Körpersprache-Altmeisters

Samy Molcho.

Im Moment schreibt sie an ihrer vierten Buchpublikation

„Körpersprache für Introvertierte“, arbeitet als Coach und

vor Corona als Vortragsrednerin und führt in der nationalen

Wirtschaft Körperrhetorik© Seminare durch.

73


Neustart! / Oktober 2020

New Work

Remote & flexibel

arbeiten

Klappt bei postina.net nicht erst seit Corona

Bei der E-Mail & Online Marketing

Agentur postina.net hat

sich durch Corona eigentlich

nicht viel verändert. Remote

und flexibel arbeitet die 2004

gegründete Agentur schon seit

über 10 Jahren. Und das klappt

sehr gut.

Bereits kurz nach dem Studium

gründeten Yvonne Perdelwitz

und Julia Nati die E-Mail &

Online Marketing Agentur

postina.net. Die „Briefträgerin

im Netz“ so die Bedeutung des

aus dem italienischen Wort

„postina“ und der englischen

Endung „net“ zusammengesetzten

Firmennamens, der

gleichzeitig die Web-Adresse

abbildet. Mit Frauenpower

und redaktionellem Knowhow

wollten die beiden „gute

Mailings und Newsletter

gestalten, die gerne gelesen

werden“. „Die HTML-Kenntnisse“

gibt Geschäftsführerin

Yvonne Perdelwitz zu „waren

noch rudimentär“. Aber wo ein

Wille ist, ist ein Weg. „Unser

erster Kunde war die immerhin

lokal recht bekannte

Band des Partners von Julia“,

schmunzelt die 46-jährige mit

einem Augenzwinkern.

Nach fünf Jahren in Heidelberg

hatte sich postina.net zu einer

kleinen aber feinen, florierenden

Agentur gemausert, die

schon namhafte Kunden wie

HeidelbergCement, Mercedes

Evobus, die Christoffel

Blindenmission und Random

House zum Kundenstamm

zählen durfte. Damals wie

heute zeichnet sich die inhabergeführte

Agentur durch ein

hohes Qualitätsverständnis

und die direkte und persönliche

Betreuung ihrer Kunden

aus. „Wir versuchen im Sinne

des Kunden zu denken und uns

in seine Projekte hineinzudenken.

Und quatschen nichts auf

…“ sagt Perdelwitz.

New York, Rio und To-

kio wurde es dann zwar

nicht, aber immerhin

Mailand, Berlin und

schlussendlich Laupheim

bei Ulm. Und die nun-

mehr 6 Mitarbeiter sind

in Europa verstreut.

Wie das Leben so spielt, ob

durch Fernweh, feste Partnerschaften

oder Kinderwunsch

veränderte sich bei postina.

net einiges. Yvonne Perdelwitz

verlegte ihren Lebensmittelpunkt

für einige Jahre nach

Mailand, bekam dort ihr erstes

Kind und zog dann bis 2018

nach Berlin. Julia Nati ging in

die Schweiz und stieg beim

zweiten Kind erst einmal aus

der Agentur aus. „Ich glaube

und manchmal ärgere ich

mich auch darüber das liegt

auch am Frausein. Wir sind

diejenigen, die nachgeben

und unseren eigenen Job der

Karriere des Mannes unterordnen.

Andererseits habe ich die

Erfahrungen in Mailand und

Berlin auch sehr genossen.

Beim Wegzug aus Heidelberg

hatte ich große Sorgen und

Bedenken, aber es klappt

wunderbar die Agentur von

überall her zu führen. Natürlich

nicht ohne Engagement.“

Seit 2009 arbeitet postina.net

mit dem VOIP-Telefon-Anbieter

sipgate und ist somit immer

unter den bekannten Heidel-

74


SHE works! / Remote & flexibel arbeiten

berger Nummern erreichbar

und kann auch mit diesen anrufen.

Yvonne Perdelwitz jettete

von Mailand oder Berlin nach

Frankfurt und Stuttgart, häufig

ein kleines Kind im Gepäck,

das während des Kundentermins

mit der Oma spazieren

ging. „Den ersten Kundentermin

hatte ich als Enrico 6

Wochen alt war“, erinnert sich

Perdelwitz.

Heute wie damals greift Perdelwitz

auf externe Unterstützung

zurück. Nach acht Wochen

ging sie wie bei allen

drei Kindern - wieder Vollzeit

in ihr Büro und nahm die Babysitterin

und das jeweilige noch

zu stillende Kind einfach mit.

Das ist der Vorteil wenn man

sein eigener Chef ist.

Bei postina.net wird schon seit

10 Jahren remote gearbeitet,

um die Vereinbarkeit von Job &

Familie zu gewährleisten

Aber gleiches gilt natürlich

auch für die Mitarbeiter*innen.

„Ich habe den Vorteil, engagierte

und tolle Mitarbeiter*innen

zu haben, mit denen ich

schon seit Jahren zusammenarbeite.

Wir unterstützen uns

gegenseitig“, so Perdelwitz.

Mit allen hat sie schon mindestens

5 Jahre im selben Büro

gesessen. „Die Einarbeitungszeit

geht nämlich leider nicht

remote“, fügt die Geschäftsführerin

der postina.net GmbH

hinzu. Und das Telefon muss zu

Geschäftszeiten beantwortet

sowie Probleme zeitnah gelöst

werden.

Die Einschränkungen

durch Corona haben uns

zwar auch getroffen und

zur Re-Organisation von

Strukturen gezwungen,

doch das sind wir ja

schon gewohnt.“

Julia Nati die postina.net wieder

unterstützt hat nunmehr

vier Kinder, darunter zwei

Kleinkinder. Kim, die in Italien

lebende Mitarbeiterin, zwei.

Anne die Berliner Grafikerin

ist alleinerziehend. Die

für Buchhaltung zuständige

Mitarbeiterin hat ebenfalls drei

Kinder, wie auch der Programmierer.

Einzig der PR-Zuständige

habe „nur“ eine Katze. Die

sei allerdings auch letztens

krank gewesen …

„Wenn ich die aktuell kursierenden

Bilder und Videos von

Männern sehe, die oben hui

unten pfui vor dem Rechner

sitzen oder sich zugebenermaßen

häufig auf amüsante

Weise über die Situation

beschweren, muss ich schmunzeln.

Diese Herausforderungen

meistern wir bereits seit zehn

Jahren.“

Die Mitarbeiter*innen

können bei postina.net

immer von zu Hause ar-

beiten. Bei Impfterminen,

Krankheiten der Kinder

oder sonstigen Verpflich-

tungen wird füreinander

eingesprungen.

„Aber,“ so Perdelwitz, „jeder ist

engagiert und versucht seine

Projekte nicht abzuwälzen

und die Kunden im postina.

net-Sinn zufriedenzustellen.

Zur Not wird eben spätabends

oder am Wochenende etwas

fertiggestellt. Ich glaube, das

ist immer ein Geben und ein

Nehmen.“

IN CORONA-ZEITEN HÄUFEN

SICH UNREGELMÄSSIGE

ARBEITSZEITEN

„Ein Glück“, so die Geschäftsführerin,

„sind bei uns die Umsatzzahlen

nicht eingebrochen.

Im Gegenteil.“ Auch wenn ei-

Yvonne Perdelwitz / Foto Stefan Mayr

75


Neustart! / Oktober 2020

nige Branchen insbesondere

der Tourismus weggefallen

seien, würden aktuell Online-Maßnahmen

und Mailings

ausgebaut. Messen und Produktpräsentationen

verlagerten

sich ins Internet. Und auch

die Lead-Generierung über

automatisierte E-Mail-Kampagnen

basierend auf einer

Landingpage mit Downloadmöglichkeit

würden aktuell

ausgebaut. Zwangsläufig, da

direkte Kontaktmöglichkeiten

weniger geworden sind.

Hinzu kam in den letzten

Monaten die private Organisation

mit Kinderbetreuung und

Homeschooling. „Die Kinder

dürfen unter der Situation

schließlich nicht leiden,“ sagt

die dreifache Mutter. „Der

Schulstoff muss sitzen, er ist

die Grundlage für alles, was

danach kommt.“

Ob Corona-Situation oder

nur das „normale Leben“,

die gegebene Flexibilität

und Rücksichtnahme auf-

einander zahle sich aus.

„Es ist allen Mitarbeitern

gut möglich, Job, Familie und

Wohnortwahl ‚unter einen Hut‘

zu bekommen. Dafür sind die

Kollegen motiviert und setzen

sich für das Agenturwohl ein.

Auch wenn wir alle es manchmal

vermissen, einen Kaffee

miteinander zu trinken und

beruflich als auch privat zu klönen,“

berichtet die Geschäftsführerin.

Das Team der E-Mail & Online

Marketing Agentur trifft sich

regelmäßig einmal die Woche

remote via Microsoft Teams

und bespricht aktuelle Projekte

und Maßnahmen. Und es wird

viel telefoniert und selbstverständlich

gemailt.

„Die aktuelle Kultur des

Homeoffice ist auch von einer

neuen Toleranz geprägt,“

meint Yvonne Perdelwitz. „Viele

vor allem Männer wurden

das erste Mal mit einer Situation

des ‚Vereinen Müssens‘

konfrontiert. Es ist jetzt nicht

mehr schlimm, wenn bei einem

beruflichen Telefonat auch einmal

ein Kind dazwischenredet.

Ein positiver Nebeneffekt der

letzten Monate …“

ÜBER POSTINA.NET GMBH

Die postina.net GmbH ist eine

inhabergeführte Full-Service

Agentur für E-Mail & Online

Marketing, gegründet 2004.

Schwerpunkt der Tätigkeit ist

die Konzeption und Gestaltung

zielgruppengenauer E-Mail

Kampagnen und eine kompetente,

persönliche Beratung für

effektives Online-Marketing.

Der Kunde kann frei über die

genutzte Mailingsoftware

entscheiden, meist arbeitet

postina.net jedoch mit mailingwork,

einer professionellen,

DSGVO-konformen Software

aus Deutschland.

Zu den Kunden gehören unter

anderem HeidelbergCement

AG, N-ERGIE AG, Christoffel

Blindenmission, Leuze, PSD

Bank Nürnberg und der utb-

Verlag. postina.net hat aktuell

sechs Angestellte, daneben

ein festes Netzwerk freier

Mitarbeiter.

postina.net GmbH

Kapellenstraße 72

88471 Laupheim

06221/7534224

perdelwitz@postina.net

www.postina.net

76


Yvonne Perdelwitz, Geschäftsführerin der postina.net GmbH

Bei postina.net wird schon seit 10 Jahren remote gearbeitet,

um die Vereinbarkeit von Job & Familie zu gewährleisten. Foto

Stefan Mayr


Neustart! / Oktober 2020

Gründen

Weiblich, innovativ,

grün

Gründerinnnen im KUER.NRW Gründungswettbewerb

In der Juli-Ausgabe des SHE works!-Magazins haben wir den KUER.NRW Gründungswettbewerbs

vorgestellt den Gründungswettbewerb für Gründerinnen und Gründer aus den Branchen

Klima, Umwelt, Energieeffizienz und Ressourcenschonung in NRW. www.kuer.nrw

Herzstück von KUER.NRW ist der KUER Businessplan Wettbewerb, der am 1. Juni gestartet ist

und im Dezember mit der Preisverleihung seinen Höhepunkt findet. Die teilnehmenden Teams

durchlaufen ein individuelles Coaching und erarbeitet mit ihrem persönlichen Mentor einen

fundierten Geschäftsplan, der auch vor Investoren Bestand hat.

Ein positiver Trend in der Green Start-up Branche * spiegelt sich auch im aktuellen Wettbewerb

wider: Die Zahl der grünen Gründerinnen nimmt stetig zu. Die Ideen der Gründerinnen für eine

umweltfreundlichere Zukunft sind dabei so innovativ wie vielseitig, die Gründerinnenstories so

divers wie spannend. Lesen Sie selbst!

* Quelle: Green Startup Monitor 2020, herausgegeben von Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit und Bundesverband Deutsche

Startups e.V.

Kontakt KUER.NRW Gründungswettbewerb:

Carolin Klyk-Bauer, Projektmanagerin

pro Ruhrgebiet e.V.

klyk@proruhrgebiet.de & www.kuer.nrw

Lara Wagemann und Sarah Schulte, LaSaRa, Hamm

Wir, Lara Wagemann und Sarah Theresa Schulte von LaSaRa,

stehen für die Revolution des Coffee to go Bechers - nachhaltig,

mit gutem Gewissen und ohne Kompromisse. Wie?

Indem man unseren leckeren Kaffeebecher AllCup isst, statt

ihn wegzuwerfen wie herkömmliche Einmalbecher. Auf eine

nachhaltige Zukunft!

lasara-cup@outlook.com

78


SHE works! / Weiblich, innovativ, grün

Dr. Rebecca Melcher, Bex-Biotec, Bönen

Hallo, ich bin Rebecca Melcher, 36, Mutter von drei Kindern,

hab in Münster Biologie studiert, promoviert und Bex-BioTec

gegründet. Wir entwickeln Testsysteme rund ums Thema

Pflanze. Besonders im Fokus stehen aktuell Methoden zur

Entwicklung und Validierung von alternativen Pflanzenschutz-Strategien

für eine nachhaltige und trotzdem effiziente

Landwirtschaft. “Borders? I have never seen one. But I have

heard they exist in the minds of some people.” T. Heyerdahl

melcher@bex-biotec.com

www.bex-biotec.com

Doris Korthaus, KD Pumpen, Balve

Hallo, mein Name ist Doris Korthaus (28) und ich bin die

Gründerin von KD Pumpen. Durch patentierte Innovationen

entwickelt unser Startup nachhaltige Pumpen für die Umwelt-

und Entsorgungsindustrie. Sowohl in meinem Beruf

als Ingenieurin als auch als Gründerin war es für mich immer

wichtig, genau das zu tun, wonach man strebt und sich nicht

von seinem Weg abbringen zu lassen!

contact@kdpumpen.de

Anastasija Epstein Goldblättchen, Duisburg

Mein Name ist Anastasija Epstein. Ich bin ausgebildete

Bio-Gemüsegärtnerin und zur Zeit Studentin der Agrarwissenschaften.

Mit meiner Geschäftsidee GOLDBLÄTTCHEN

möchte ich gesunde Ernährung und klimabewusste Konsumentscheidungen

für den berufstätigen Kunden alltagstauglich

machen. GOLDBLÄTTCHEN bietet nachhaltig produzierte

und maßgeschneiderte Verpflegungs-Tagespakete bestehend

aus Hauptmahlzeiten, gesunden Snacks und fermentierten

Getränken.

Goldblättchen

Daniela.epsteinoutlook.de

79


Neustart! / Oktober 2020

Markenschutz

Tech-Verstand im

Einsatz für Brand

Protection

Von Nicole Hofmann

Mein Vater stellte mir meinen

ersten Computer ins Kinderzimmer,

da war ich gerade mal

fünf. Der Beginn einer Leidenschaft:

Ich schraubte Rechner

auf, schleppte 3 Kilo schwere

Festplatten durch die Gegend

und beeindruckte die Jungs

in der Schule mit feinstem

IT-Sprech. Technik verstehen

und nutzen wurde zu einem

wichtigen Puzzleteil in meinem

Leben. Ein sehr nützliches

Puzzleteil übrigens, das es mir

trotz elterlichen Telefonverbots

erlaubte, Teenager-Geplauder

dank selbstinstallierter

Telefonleitung im Keller

fortzuführen.

Mindestens genauso stark

entwickelte sich mein Wunsch,

ein eigenes Unternehmen

aufzubauen. Während eines

Schulpraktikums in einer

Werbeagentur wurde allen

schnell klar, dass ich Generalisten-Gene

in mir trage.

Projekte von Eventorganisation

bis zur Kreation von Markendesign-Jobs

landeten auf meinem

Schreibtisch, den ich auch nach

offiziellem Ende des Praktikums

nicht räumte.

Als die Dotcom-Blase platzte,

ging leider auch die Agentur

in die Knie. „So etwas wird mir

nicht passieren“, sagte ich mir

und absolvierte meine Fachwirtin

für Marketing und Kommunikation

ein zweites Studium an

der Frankfurt School of Finance

& Management. Damals war

diese Kombination noch sehr

ungewöhnlich und meine Kommilitonen

wunderten sich über

meine Range an Leidenschaften

für Typografie und IT, Recht

und Finanzen. Die Neugier und

der Wunsch, erfolgreiches Unternehmertum

in allen Facetten

zu durchschauen, brachte mir

genau die Learnings, auf die

ich heute als Unternehmerin

zurückgreife.

In die Start-up-Szene holte

mich der Gründer eines

Online-Vergleichportals,

der mir den Posten als CFO

anbot. Zu dritt bauten wir das

frisch gegründete Unternehmen

zum Marktführer in der

Telekommunikationsbranche

auf. Endlich konnte ich mein

breites Wissen von Finance

über Tech-Business bis Marketing

als Geschäftsführerin voll

einbringen. Nach fünf Jahren

stagnierte unweigerlich meine

Lernkurve. Meine Investoren

bei ProSieben boten mir dann

die Geschäftsführung eines

ihrer Start-up-Holdings in

Berlin an. Fitness-Apps und

-Supplements eng verbunden

mit einem spezifischen Marketingkonzept,

das bildete den

Kern meiner nächsten Gründungsstation.

In diese Zeit fiel

auch mein erster Berührungspunkt

mit dem Thema Markenrechtsverletzung:

Auf einer

Fitnessmesse einigten wir uns

mit chinesischen Interessenten

auf eine Zusammenarbeit.

Dann erreichte uns ein Brief

mit chinesischen Dokumenten

und die Wut war groß: Unsere

Brand war ohne unser Wissen

in China registriert worden. Da

die Marke in Deutschland bereits

existierte und wir anwaltlich

flink reagierten, konnten

wir dem Markendiebstahl

souverän Einhalt gebieten.

2018 entschloss ich mich,

meinen Traum vom eigenen

80


SHE works! / Tech-Verstand im Einsatz für Brand Protection

Unternehmen wieder ins Visier

zu nehmen und zu gründen.

Meine Faszination für kluge

Software as a Service - und für

Legal-Tech-Themen sollte endlich

ihren Raum finden. Während

einer sechsmonatigen

intensiven Australien-Reise

feilte ich an meinem Wunschszenario.

Zurück in Deutschland

traf ich auf meine heutigen

Co-Founder: Als Tech-Team

arbeiteten sie an einer technischen

Lösung, die Fälschungen

im Internet mithilfe von

Machine Learning aufspüren

sollte. Mich fesselte das Konzept

sofort und kurzerhand

beschlossen wir, die Mission

„Transparenz und Markenschutz

für alle Unternehmen“

gemeinsam anzutreten.

Seitdem enttarnen wir erfolgreich

Produktpiraten auf Online-Marktplätzen.

“Sentryc”

kommt aus dem Englischen

von “sentry”, also Wächter

und beschreibt exakt, was die

Software leistet: Sie wacht

über Marken und Produkte und

gibt Unternehmen die Möglichkeit

gegen Verletzungen

schnell und kosteneffizient

vorzugehen.

Ihr Algorithmus

liefert die Basis,

um potenzielle

Fake-Angebote

innerhalb von

24 Stunden aus

dem Internet zu

entfernen.

Mein Wunsch ist es, Unternehmer*innen

ein Tool an die Seite

zu stellen, das ihnen vollständige

Transparenz darüber liefert,

wo und wie deren Marken online

stattfinden und in welchem

Ausmaß Fälscher ihre Rechte

verletzen.

Mein Appell: Kümmern Sie sich

um die Eintragung gewerblicher

Schutzrechte, und das

am besten weltweit. Auch eine

sorgfältige Marktbeobachtung

im Handel, auf Messen und

im Internet ist unerlässlich.

Covid-19 hat das Einkaufsverhalten

für immer verändert.

Unternehmen müssen sich

jetzt damit auseinandersetzen,

was auf Online-Marktplätzen

und in Social Media Shops

passiert.

Nicole Jasmin Hofmann

ist CEO und Co-Gründerin

der Sentryc GmbH aus

Berlin. Die Seriengründerin

schloss ihre Studien am

IMK-Institut für Marketing

& Kommunikation sowie

an der Frankfurt School of

Finance & Management

ab. Bevor sie zum Gründerteam

des Software-Anbieters

für Brandprotection

stieß, führte sie

verschiedene Start-Ups

der ProSiebenSat1-Gruppe.

Hofmann zeichnete

hier unter anderem für den

strategischen Aufbau von

preis24.de sowie diverser

Brands des Health- und

Wellness-Unternehmens

7NXT verantwortlich.

Foto Sentryc

81


Neustart! / Oktober 2020

Unternehmerin im Porträt

Pickable für Frauen

Clémentine Lalande hat die Dating-App für

Frauen gegründet

Wie lieben wir heute im Zeitalter

von Dating-Apps und

welchen Einfluss hat das auf

unsere Paarbeziehungen?

Dating-Apps haben die Art und

Weise, wie wir uns kennenlernen

komplett auf den Kopf gestellt.

In der Theorie ist es mithilfe

von Apps viel einfacher

potenzielle Partner ausfindig

zu machen. Trotzdem haben

wir ein riesiges Dating-Problem,

weil Dating-Apps immer

noch sehr basic sind. Es sind

quasi gigantische Single-Datenbanken

und man “wischt”

sich durch den endlosen Katalog.

Das Resultat: Alle sind

frustriert. Männer und Frauen

machen in der Regel ganz

unterschiedliche Dating-Erfahrungen.

Grund dafür ist, dass

es in der Regel mehr männliche

User gibt und diese viele

manchmal sogar Hunderte

Profile pro Tag matchen, um

ihre “Trefferquote” zu erhöhen

oder einfach jemanden zu

finden, der ihnen antwortet.

Frauen werden dann von

Anfragen und Nachrichten

zugespamt. Männer, auf der

anderen Seite, erhalten kaum

Antworten und die Frustration

steigt. Eigentlich soll uns

die Technologie das Leben

erleichtern. Wir haben jedoch

gerade erst eine Umfrage

unter unseren Nutzer*innen

durchgeführt, die gezeigt hat,

dass wir von Dating-Apps

gestresst sind (in Deutschland

65 % der Befragten). Das liegt

hauptsächlich am Umgang unter

den Nutzern, insbesondere

Ghosting wurde als Stressfaktor

identifiziert. Aber auch wie

viel Zeit wir auf Dating-Apps

investieren müssen. Auf

Once versuchen wir, dagegen

zusteuern und den User*innen

wieder bedeutungsvolle

Begegnungen zu ermöglich.

Mit unserem Konzept, jedem

nur ein potenzielles Match am

Tag vorzuschlagen, kann es

erst gar nicht so weit kommen,

dass Männer Dauerswipen

und Frauen mehrere Matches

jonglieren müssen.

Welche Erfahrungen haben

Sie beim Gründen gemacht,

wie groß waren beispielsweise

der Zuspruch und die

Unterstützung bei der Finanzierung

einer feministischen

Dating-App?

Vor gut vier Jahren wurde ich

bei Once an Bord geholt und

bin ich in die Dating-Sphäre

eingedrungen. Damals sollte

ich das Start-up skalierbar

machen was ich tat. Wir sind

von 2 auf 10 Millionen Nutzer,

von 3 auf 10 Märkte gewachsen.

Doch nach ein paar Monaten

bemerkte ich, dass wir ein

generelles Dating-Problem

haben. Ich war auf vielen

Dating-Apps angemeldet und

wurde so behandelt, wie ich

es im realen Leben niemals

geduldet hätte. Online-Dating-Mechanismen,

die eigentlich

eine sehr private Sphäre

sind, sind immer noch Orte

für alltäglichen Sexismus. Die

Effekte aktueller Bewegungen

wie #MeToo oder die Bemühungen

der „echten Welt“, den

Gender Gap zu schließen, sind

noch nicht auf Dating-Apps

angekommen.

82


SHE works! / Pickable für Frauen

Clémentine Lalande / Foto David Arous

83


Neustart! / Oktober 2020

Dating ist immer noch gefangen

in den Erwartungen der

vergangenen Jahrhunderte, in

denen Frauen auf das „nette

kleine Mädchen“-Image reduziert

werden. All das beeinflusst

die Art und Weise, wie

auf Dating Apps mit Frauen

gesprochen wird.

Darum habe ich mich entschieden,

eine eigene Dating-App

zu gründen: Pickable. Mittlerweile

gehört Pickable zu Once.

Die App richtet sich vor allem

an Frauen, die auf mehr Privatsphäre

im Online-Dating

setzen, aber auch an Männer,

die künftig auf lästiges Swipen

verzichten möchten. Wir haben

ein unfassbares Medienecho

erfahren mehr als 400 Artikel

in 3 Monaten, viele davon

in Top-Medien. Ich glaube, das

zeigt, dass die Leute bereit

für den Dating-Wandel sind.

Und ich glaube, dass wenn die

Idee gut ist, dann kommt es

bei Investoren und Medien an.

Ich habe mich nicht aufgrund

meines Geschlechts benachteiligt

gefühlt, als ich die App

gelauncht habe. Aber das ist

natürlich nicht die Regel. Zu

wenige Ideen von weiblichen

Gründerinnen werden finanziert.

Was bedeutet das Stichwort

Female Empowerment für

Sie und wie gestaltet sich

Ihr Alltag als Frau in einer

Führungsposition mit zwei

Kindern und Ehemann in

Paris?

Der Wert und Verdienst eines

Menschen sind nicht an das

Geschlecht geknüpft.

Ich musste seit Beginn meines

Studiums für Female Empowerment

und meine Daseinsberechtigung

kämpfen. In den

fortgeschrittenen Mathe-und

Physik-Kursen in der Schule

gab es 5 % Frauenanteil, im

Ingenieurstudium 17 %, in meinem

Job bei einer Top-Unternehmensberatung

20 %, unter

Venture Capital Investoren

sind nur 10 % weiblich.

Ich habe gelernt, dass Ehrgeiz,

Disziplin, Intelligenz und herausragende

Arbeit nicht immer

ausreichen. Es gibt so viel Benachteiligung

beim Recruiting,

im Arbeitsumfeld, bei Beförderungen

und so weiter, die

Frauen von guten Jobs fernhalten

und dafür sorgen, dass der

Gender Gap nicht geschlossen

werden kann.

Ich habe viel an mir gearbeitet,

um mich trotzdem durchzusetzen.

Drei Regeln haben mir

sehr geholfen:

Sich niemals entschuldigen!

Sich klarmachen, dass wir uns

manche Grenzen selbst setzen.

Diese müssen wir aber hinter

uns lassen und stattdessen

niemals “Nein” zu einer neuen

Herausforderung sagen: Ich

habe eine C-Level-Position in

London direkt nach der Geburt

meines ersten Kindes angenommen,

eine App während

meiner zweiten Schwangerschaft

entwickelt und bin eine

CEO-Rolle direkt nach der

zweiten Geburt angetreten.

Weiter Aufmerksamkeit erregen.

Ich spreche regelmäßig

auf Events, gebe Workshops

und versuche, Frauen und

Männer zu ermutigen, die Gender

Gap zu adressieren.

Die Geburt eines Kindes ist

immer ein Schlüsselmoment,

in dem der Gender Gap droht,

sich zu etablieren und zu

weiten. Plötzlich ist man als

Frau in der Pflicht und wird die

allwissende Mutter, die weiß

mit allem umzugehen und die

gesamte Erziehung übernehmen

soll. Ich habe versucht,

diese Entwicklung sofort im

Keim zu ersticken. Mein Mann

und ich sind ein modernes Paar

und teilen uns die Aufgaben

strikt 50/50. Außerdem

leben wir nach der vertikalen

Erziehungstheorie, bei der

jeder Partner für ein “Thema”

zuständig ist (Bildung, Gesundheit,

etc.).

Vielen Dank für das Gespräch!

84


SHE works! / Pause _ Jetzt

Julias Gedanken

Pause _ Jetzt

Von Julia Freiberg

Ich arbeite bei SHE works!.

Aber gleichzeitig bin ich auch

Yogalehrerin mit eigenem Studio

und Mutter. Und Tochter,

Freundin, Frau et cetera.

Und du? Was und wer bist du

alles? Was stemmst du? Wie

viel Organisation bedarf dein

Leben?

Ich kenne tatsächlich niemanden,

der ein langweiliges,

unkompliziertes Leben führt.

Niemand fällt mir ein, dessen

oder deren Alltag total entspannt

ist. Ich kenne wirklich

keine faulen Menschen. Du?

Fällt dir eineR ein? Ich kenne

nur Menschen, die das von sich

selbst denken, aber selbst die

sind Arbeitstiere.

Ist das der Zeitgeist? Oder die

gesellschaftliche Blase, in der

ich lebe?

Ich weiß es nicht.

So verschieden die Leben

sind, allen gemein ist (mich

eingeschlossen) es ist oft zu

viel. Zu viel zu organisieren, zu

bewältigen, zu arbeiten. Oh ja,

auch die Yogalehrerin erwischt

es Alltagsstress.

Ich erwische mich dabei, dass

ich denke: Noch dies und

das und jenes und dann erst

Kaffee.

Oder aber, wie ich am Ende

des Tages gedanklich die

Dinge aufzähle, die gut waren

und die, die ich nicht geschafft

habe.

Das Memo in meinem Handy

wächst und gedeiht.

Ich plädiere für: Kaffeesofortundvieldavon

(oder Kräutertee

was auch immer) für die

Pause sofort, nicht erst nach

der nächsten To-do-Welle. Wir

sind viel zu gut darin geworden,

uns selbst zu managen,

und verlernen den Müßiggang.

Sicherlich liegt das auch an

den wunderbaren Smartphones.

Praktische Begleiter, ja.

Aber man muss sich selbst

kontrollieren können. Das

heißt, nicht jedes Pling als

Aufforderung zur Antwort nehmen,

nicht alles sofort nachschauen.

Darauf vertrauen,

dass Dinge, die man sich nicht

sofort aufschreibt, schon im

Gedächtnis bleiben oder aber

… nicht so wichtig waren.

Meine Wochenenden sind öfter

mal handyfrei. Und wie oft

denke ich dann zwischendurch

… oh noch mal schnell notieren

… bis ich bemerke ach

ja, ich bin ja auf Flugmodus.

Ungewohnt ist das. Und dann

entspannt es mich ungemein.

Wo du dies gerade liest,

frage dich doch mal: Wie viele

Momente zum Durchatmen

hattest du heute schon? Hast

du einmal in dich hineingehört,

wie du dich heute überhaupt

fühlst? Wie tief ist dein Atem?

Hast du schon gelächelt? Sind

die Blätter vor dem Fenster in

deiner nächsten Nähe schon

herbstlich verfärbt? Wann ist

deine Pause? Worauf hast du

Appetit? Und nach Feierabend,

worauf freust du dich da?

Julia Freiberg

Mehr Texte von Julia:

https://www.instagram.com/

yogijulia_yogaimkopf

85


Neustart! / Oktober 2020

Ute Assmann / Foto Lydia Bönisch

86


SHE works! / Ich bin durch und durch ein Sparkassen-Kind

Frauen in Führungspositionen

Ich bin durch und durch

ein Sparkassen-Kind

Von Carolin Schäufele

Seit zwei Jahren bekleidet

Ute Assmann den Posten der

Vorstandsvorsitzenden der

Kreis-Sparkasse Northeim.

Frauen sind in diesen Positionen

noch keine Selbstverständlichkeit.

Für die 52jährige gelernte

Bankkauffrau ist allerdings

nicht das Geschlecht entscheident

für einen guten Job,

sondern die Qualifikation.

Wertschätzung ist ein Gefühl

von Erfolg

„Erfolg ist für mich das Gefühl,

dass ich vieles im Leben gut

und richtig gemacht habe und

dass meine Anstrengungen

Früchte tragen und ich für das

Erreichte Wertschätzung erhalte.“

Sie freue sich darüber, zu

beobachten, wie sie ihr Umfeld

stetig ein kleines bisschen

besser mache.

Ausgestattet mit Zielstrebigkeit,

Struktur, Kreativität und

einem starken Willen, tritt sie

mit einem klaren Ziel vor Augen

an und verfolgt dies trotz

Stolpersteinen und Rückschlagen,

nach dem Motto:

Love it, leave it or change it.

Seit ihrer Entscheidung nach

der Schule eine Banklehre

zu machen, verfolgt sie ihren

beruflichen Weg straight und

ohne Abzweigungen: „Ich bin

durch und durch ein „Sparkassen-Kind.“

Ihr Werdegang

Nach der Ausbildung bei der

Sparkasse Meschede habe sie

dort 1998 den Studiengang zur

Dipl. Sparkassenbetriebswirtin

abgeschlossen. Von 1991

2013 durchlief sie verschiedene

interne Abteilungen sowie

Marktbereiche bei der Sparkasse

Meschede und Sparkasse

Münsterland Ost und habe

diverse Führungspositionen

wahrgenommen.

2014 wurde Assmann Vorstandsmitglied

bei der Stadtsparkasse

Burgdorf. Und seit 1.

März 2018 ist sie Vorstandsvorsitzende

der Kreis-Sparkasse

Northeim.

Dauerhafte Unabhängigkeit

ist wichtig

Den von ihr eingeschlagenen

Weg würde sie auch anderen

Frauen als Tipp geben: „Junge

Frauen sollten ihren Weg gehen

und zunächst für eine gute

eigene Ausbildung sorgen, die

ihnen dauerhaft Unabhängigkeit

beschert. Ihr Beruf sollte

ihnen Freude bereiten, denn

das Berufsleben ist ganz schön

lang. Bei der Berufs- und

Familienplanung sollten sie

immer auf Augenhöhe mit dem

Partner agieren.“

87


Neustart! / Oktober 2020

Netzwerken

Fember - Erstes Female

Network für Austausch in

Mastermind-Gruppen!

Maria & Marie sind CEO und

Founder der Netzwerk-Plattform

FEMBER.

„Mit Fember bringen wir durch

ein professionelles Matching

Gründerinnen, Unternehmerinnen

oder young Professionals

zusammen, die an einem ähnlichen

Punkt in ihrer Karriere

stehen. In kleinen Gruppen von

4-6 Frauen schaffen wir einen

geschützten Rahmen für einen

professionellen Austausch auf

Augenhöhe. Über einen Zeitraum

von drei bis sechs Monaten

mit ein bis zwei Treffen

pro Monat sollen gemeinsam

Herausforderungen bewältigt,

Ziele esteckt und erreicht werden.

Mit Sicherheit, Erfahrungen

und Kontinuität ermöglichen

wir eine persönliche und

berufliche Weiterentwicklung

für mehr Erfolgim Beruf.“

Nach ihrem Launch im August

sind beide total begeistert

über die Entwicklungen derersten

Gruppen. Es sind tolle

Frauen mit spannenden Karrieren

dabei. Der Zusammenhalt

in den Gruppen nach den ersten

Treffen sei beeindruckend,

berichten beide.

„Sehr inspirierend und

sofortiges Vertrauen untereinander.

Kein sinnlo-

ses Gelaber, sondern hier

werden echte Themen

besprochen und man

bekommt direktes konst-

ruktives Feedback & neue

Impulse.“

Eine Teilnehmerin der 1.

Mastermind Gruppe

Auf der Suche nach der passenden

Mastermind-Gruppe

für sich selbst ist Maria lange

nicht fündig geworden. Die

Idee, selber eine passende

Plattform dafür zu schaffen,

hat sie dann nicht mehr losgelassen.

Sie startete eine Ausschreibung

für ihre Projektidee,

auf die Marie sich beworben

hat. Beiden teilen die Leidenschaft

fürs Networking und so

war die Idee geboren, beide

Themen zu verbinden. Das

Ergebnis: FEMBER!

Icon/Logo Maria Yullah

Kontakt

www.fember.de

Liebenwalder Strasse 1

13347 Berlin

hello@fember.de

+49 163 361 2338

88


SHE works! / Fember - Erstes Female Network für Austausch in Mastermind-Gruppen

AboutMaria:

Alexander Klebe Businessfotograf Berlin

Maria arbeitet und lebt in Berlin. Sie ist ausgebildete

Kommunikationstrainerin und hat sich

bereits Anfang 2019 selbstständig gemacht.

Der Schwerpunkt liegt seitdem auf der Arbeit

mit und für Frauen. Auch über den beruflichen

Kontext hinaus, engagiert sich Maria in Frauennetzwerken.

„Als ich auf der Suche nach einer

neuen Mastermind-Gruppe kein passendes

Angebot fand, kam mir die Idee, das Thema

Frauen-Netzwerken und berufliche Weiterentwicklung

in Form von Mastermind-Gruppen zu

verbinden und eine zentrale Plattform hierfür

zu schaffen“. Diese Vision setzt Maria mit Marie

als starker Partnerin an Ihrer Seite um.

Marie hat ihre Karriere bei Zalando gestartet,

nach 4 Jahren im Einkauf, hat sie auf die Suche

nach einer neuen Herausforderung begeben

und gründete ihre eigene Marke.Vor dem Einstieg

bei Fember hat sie bereits verschiedene

Start-Ups in der Gründung beraten.

‚In Fember finde ich etwas was ich schon

immer gesucht habe. In der Mode entscheidet

dein Netzwerk darüber, ob eine Zusammenarbeit

zustande kommt oder nicht. Bei Zalando,

- ein junger Player im Markt- und als Berufseinsteiger,

hat mir das Netzwerk gefehlt und ich

musste vieles von 0 aufbauen. Mit Fember

möchte ich anderen ermöglichen und erleichtern,

was mir gefehlt hat.

AboutMarie: Elfriede Liebenow Fotografin

89


Neustart! / Oktober 2020

Was zu lesen?

Buchtipps

ICH STEHE HIER, WEIL ICH

GUT BIN

von Dr. med. Dilek Gürsoy

»Als junge Ärztin ist man für

niemanden ein Problem oder

eine Gefahr. Erst wenn du eine

selbstbewusste, erfolgreiche

Chirurgin bist und genau weißt

was du willst, dann stößt du

als Frau an diese berühmte

Gläserne Decke.« DILEK GÜR-

SOY

Schon als Kind wusste Dilek

Gürsoy genau, dass sie einmal

Ärztin werden würde. Von dem

Hürdenlauf, der ihr bevorstehen

würde, ahnte sie nichts.

Geschafft hat sie es trotzdem!

Mittlerweile ist sie erfolgreiche

Herzchirurgin, operiert regelmäßig

und arbeitet seit Jahren

an der Entwicklung eines modernen

Kunstherzes. Für ihre

Leistung und ihr Engagement

wurde sie bereits mehrfach

ausgezeichnet, unter anderem

als erste Frau Europas, die ein

Kunstherz implantierte und

als »Medizinerin des Jahres

2019«. In ihrem Debüt erzählt

sie ihre Geschichte. Es ist eine

Geschichte, die von Solidarität,

Liebe und Familie handelt

und von starken Frauen, allen

voran der eigenen Mutter.

Als türkische Gastarbeiterin

kam sie in den 70er Jahren

nach Deutschland und entwickelte

durch ein schweres

Schicksal große Stärke, die sie

an ihre Tochter Dilek weitergab.

Offen und authentisch schreibt

Dilek Gürsoy über die Hindernisse,

die sie als Frau

überwinden muss, um sich in

der Männerdomäne Chirurgie

mit nur fünf Prozent Frauen

in Führungspositionen zu

behaupten. Sie muss lernen,

dass Kompetenz und Selbstbewusstsein

nicht so viel

zählen wie seit langem stabile

Männernetzwerke und dass die

Gläserne Decke erschreckend

schwer zu durchbrechen ist.

Mit »Ich stehe hier, weil ich gut

bin« zeigt sie auf sympathische

und erfrischend selbstbewusste

Art, wie frau ihre Ziele

erreichen kann. Ihre Message:

Mach dich selbst zur Chefin,

denn wer will schon warten,

bis ein Mann den Chefsessel

frei macht?

240 Seiten, Klappenbroschurw

€ 14,95 (D) / € 15,40 (A)

ISBN: 978-3-95910-286-5

ECHT JETZT?!

90


SHE works! / Und wohin

wie es gelingt, dein Unternehmen

so stabil zu machen,

dass es alle Krisen dieser Welt

übersteht und befreit daraus

hervorgeht.

Von Jana Wieduwilt

Du gibst immer dein Bestes.

Tun wir das nicht alle? Und

doch hast du zuweilen das

Gefühl, dass es noch nicht

ausreicht? Dein Unternehmen

könnte noch effektiver und

strategisch besser aufgestellt

sein?

Genau davon handelt das

Buch „Du-Marketing“ von

Marketing spezialistin Jana

Wieduwilt. Sie zeigt darin,

Echt Jetzt?! Die Mischung aus

systematisch aufgebautem

Fachwissen und leichtfüßig erzählten

Geschichten macht den

ganz besonderen Wert und

Sinn dieses Buches aus. Es ist

Leitfaden zu deinem größerem

unternehmerischen und damit

persönlichen Erfolg. Gleichzeitig

dient es als Arbeitsmaterial,

um sofort in der Praxis genutzt

zu werden. Auch die Unternehmerpersönlichkeit

als Kernelement

spielt eine entscheidende

Rolle. Schließlich kommt es

auf dich als Unternehmer ganz

besonders an.

Authentisch, also ganz ECHT!

Der beste Zeitpunkt zu beginnen

ist JETZT.

Und

wohin?

Die Events für Unternehmerinnen

und Gründerinnen

finden Sie auf unserer

Website unter

https://www.she-works.de/

events/

Wir haben alle Veranstaltungen,

die uns erreichen, nach

Bundesländern geördnet.

Einfach mal suchen gehen!

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Restart your

life!

Das nächste e-Magazin von

SHE works! erscheint am

11. Januar 2021.

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