The Red Bulletin September 2020 (DE)

online.magazines

DEUTSCHLAND, € 2,50

OKTOBER 2020

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

VLADIK

SCHOLZ

WIE DER

TOP-SKATER

ZUR STIL-IKONE

WURDE

ANNE

MUNITION

WIE DIE

E-GAMERIN

GEGEN

CYBER-MOBBING

KÄMPFT

DANIEL

BRÜHL

Wie er seinen

inneren Kritiker

in einen Fan

verwandelt

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E D I T O R I A L

WILLKOMMEN

DAS MACHT

FREUDE!

RASANTE

FREUNDSCHAFT

Red Bull Racing-

Motorsport-Chef

Helmut Marko (re.)

erinnert sich an seine

wilden Jahre mit der

Rennsport-Legende

Jochen Rindt.

Ab Seite 70

Mit großen Aufgaben sei es ein wenig so wie mit dem

Achterbahnfahren, erklärt Filmstar Daniel Brühl, 44,

in unserer Coverstory. Erst freust du dich, kurz vorher

setzt die Aufregung ein, und einmal

in voller Fahrt, kommt die Freude

wieder raus. Bezogen auf einschüchternde

Herausforderungen,

in seinem Fall etwa Hollywood-

Produktionen, hat Brühl gelernt:

„Allein das Wissen, dass sich die

Nervosität legt und die Freude

wieder rauskommt, hilft.“ Wie es

ihm sonst gelingt, die manchmal

ziemlich laute Stimme seines

inneren Kritikers herunterzupegeln, liest du ab Seite 40.

Vladik Scholz, 32, wiederum baute vor allem durch

seinen Sport Selbstvertrauen auf. Ab Seite 58 liest du,

wie der Profi-Skateboarder zum Stil-Vorreiter wurde,

der mittlerweile sogar seine Outfits selbst näht.

Viel Spaß mit der

neuen Ausgabe von

The Red Bulletin!

AUF EINEN SPRUNG

AM WOLFGANGSEE

Normalerweise reitet Sebastian

Steudtner Big Waves. Dank

Hydrofoiling entdeckt er nun auch

ruhigere Gewässer für sich. Ab Seite 22

ANNE WAAK

Die Berliner Autorin

(u. a. „Die Welt“)

schreibt viel über Stil.

Für uns besuchte sie

den nähenden Skateboarder

Vladik Scholz

in Köln. Ab Seite 58

„Meine

wichtigste

Erkenntnis:

Du musst

an deine Idee

glauben.“

Filmer Louis Josek

über sein Jamaika-

Projekt. Ab Seite 66

JOSH SHINNER/TRUNK ARCHIVE (COVER), PRIVATARCHIV, KONSTANTIN REYER, CHRISTIAN WERNER

4 THE RED BULLETIN


GO

ADVENTURE

Foto: R. Schedl

Gezeigte Fahrszenen bitte nicht nachahmen, Schutzkleidung tragen und die anwendbaren Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung beachten!

Die abgebildeten Fahrzeuge können in einzelnen Details vom Serienmodell abweichen und zeigen teilweise Sonderausstattung gegen Mehrpreis.

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MEHR ABENTEUER

Jeden Tag ein neues Abenteuer für alle Erlebnishungrigen

unter uns. Die KTM 390 ADVENTURE: Entdecke die

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die in dieser neuen, kompakten 1-Zylinder-Reiseenduro

stecken. Vielseitige Ergonomie, eine geschmeidige

Leistungsentfaltung und innovative Technologie in einer

komfortablen, leichten Maschine vereint – für alle, die

mehr Abenteuer in ihren Alltag integrieren wollen.


INHALT

The Red Bulletin

im Oktober 2020

COVERSTORY

44 FREUDE AM SPIEL

Filmstar Daniel Brühl erklärt,

wie ihm die Balance zwischen

Perfektionismus und

Los lassen gelingt.

ABENTEUER

22 ALLES IM FLUSS

Außergewöhnliche Wassersportler

aus der ganzen Welt

zeigen uns ihre Tricks.

TV-SERIEN

36 MEIN GUTES LEBEN

Schauspielerin Jessica

Schwarz verrät ihr Rezept

für mehr Zufriedenheit.

REISEN

40 DIE WELTENBUMMLERIN

Bloggerin Jessica Nabongo

will dem organisierten Reisen

neue Ziele eröffnen.

SURFEN

42 ERFOLGSWELLENREITER

Wie ein Salzburger mit seinen

hochwertigen Holzboards

die Surfwelt begeistert.

GAMING

52 TRIUMPH DES GUTEN

Gaming-Streamerin Anne

Munition erklärt ihre Strategie

gegen Cyber-Mobbing.

8 GALLERY

14 ZAHLEN, BITTE!

16 PLAYLIST

18 FUNDSTÜCK

20 CLUB DER TOTEN DENKER

50 INNOVATOR

SKATEBOARDEN

58 TRICKS MIT STYLE

Zu Besuch bei Vladik Scholz,

Deutschlands stilsicherstem

Skateboard-Profi.

DOKU

66 INSIDE JAMAIKA

Filmer Louis Josek über seine

Zeit mit Karibik-Pionieren

im Surfen, Skaten & Rappen.

MOTORSPORT

70 ASPHALT-JAHRE

Red Bull Racing- Motorsport-

Chef Helmut Marko über seine

wilde Zeit mit Jochen Rindt.

GUIDE

Tipps für ein Leben

abseits des Alltäglichen

77 TRAVEL. Benny Karl über den

Red Bull Dolomitenmann in Osttirol

81 OUTDOOR. Wie der Schuh Merrell

MQM das Wandern verändert

82 FITNESS. Eine Brille revolutioniert

das Koordinationstraining.

84 GAMING. Die stoischen Weisheiten

aus dem Spiel „The Last of Us 2“

86 LESESTOFF. Lee Child und

sein Einzelkämpfer Jack Reacher

88 MOUNTAINBIKEN. Kauftipps

für die neuen Vollvisierhelme

90 KALENDER. Was du in diesen

Wochen nicht verpassen solltest.

92 AUTOS. Bei diesen Neuheiten

steht der Spaß im Vordergrund.

96 IMPRESSUM

98 PERFEKTER ABGANG

22

IM TUNNEL Wie Top-Athleten die Kraft des

Wassers auf unterschiedlichste Art nutzen

36

IM GLEICHGEWICHT Wie Schauspielerin

Jessica Schwarz ein gutes Leben gelingt

52

IM NETZ Wie die US-Gaming-Streamerin

Anne Munition ihre Mobber entwaffnet

BEN THOUARD/RED BULL CONTENT POOL, ELENA ZAUCKE, JOSH CAMPELL, CHRISTOPH VOY

6 THE RED BULLETIN


58

IM GLEIT-MODUS

Wie Skateboard-Profi Vladik

Scholz seinen Stil fand

und warum er seine Kleidung

selbst näht

THE RED BULLETIN 7


MOJAVE-WÜSTE,

KALIFORNIEN, USA

Wüster

Sprung

Der Stunt geht so: Bradley „Slums“

O’Neill nimmt mit seinem Motorrad

mächtig Anlauf und rast eine Düne

hinauf. Ganz oben hebt er ab und fliegt

in hohem Bogen ins Nichts. Aber die

Geschichte geht trotzdem gut aus,

weil Slums zwei Fallschirme hat –

einen für sein Bike und einen für sich.

Moto-BASE-Jumping nennt er das. Der

Amerikaner ist weltweit der Einzige,

der sich so was traut. Fotograf Chris

Tedesco, der das Manöver festhielt,

wird heute noch schwindlig, wenn er

an die Aktion denkt: „Wir hatten da

draußen kein Handynetz und waren

Stunden von der Zivilisation entfernt.“

bradleyslums.com


CHRIS TEDESCO/RED BULL ILLUME

9


RIESENGEBIRGE,

TSCHECHIEN

Sie sind

so frei

Hier sehen wir das Flying Bulls Aerobatics

Team beim Training über dem

Riesengebirge an der tschechischpolnischen

Grenze. Die in Tschechien

beheimatete Truppe gilt als eine der

besten Kunstflugstaffeln der Welt. Ihre

Flugzeuge vom Typ XtremeAir XA42

sind so sensibel, dass sie auf Kleinstbewegungen

des Handgelenks reagieren.

Einerseits sorgt das da oben

für das Gefühl unendlicher Freiheit.

Andererseits erfordert es beim Formationsflug

eine ziemlich ruhige Hand.

flyingbulls.at; Instagram: @danvojtech


DANIEL VOJTECH/RED BULL CONTENT POOL

11


MATTEO PAVANA/RED BULL ILLUME


CASTELMEZZANO,

ITALIEN

Hochgefühl

Der Südtiroler Highliner Benjamin

Kofler, 31, ist dafür bekannt, seine

Lines immer an malerischen Orten zu

spannen – vom Kirchturm in Meran

bis zum Eisberg in Grönland. Diesmal

fiel die Wahl auf das süditalienische

Dorf Castelmezzano. Prompt bildete

sich auf der Piazza Emilio Caizzo

unter dem Seiltänzer eine Menschentraube,

die die Köpfe nach oben reckte

und die Luft anhielt. „Eine Dame am

Rand des Platzes“, erinnert sich Fotograf

Matteo Pavana, „rief laut aus:

Oh mein Gott, ich kann gar nicht hinschauen!“

Was schade gewesen wäre.

theverticaleye.com

13


Z A H L E N , B I T T E !

HOCH DIE TASSEN!

Der Zauber von Woz

Am 11. August feierte Apple-Mitgründer Steve Wozniak seinen 70. Geburtstag.

Dass „Woz“ weit mehr ist als ein Computer-Pionier, zeigen die Zahlen:

Segway-Polo-Spieler, Tetris-Rekordhalter – und unabsichtlicher „Satanist“.

546.145

Punkte brachten ihm 1991 den

Tetris-Rekord. Woz hatte die Highscore-Liste

des Nintendo-Magazins

zu oft dominiert (er war auf dessen

schwarzer Liste), sodass er den

Rekord als Evets Kainzow (rückwärts

lesen!) einreichen musste.

13

Jahre alt war Woz, als er seinen

ersten Wissenschaftswettbewerb

gewann. Seine Siegerarbeit:

ein selbst gebauter Taschenrechner.

1981

schrieb er sich als „Rocky Raccoon Clark“

(Woz war schon damals prominent)

an der Uni ein. Dieser Name steht auch

auf seinem Diplom.

11

Ehrendoktortitel wurden Woz

im Lauf seiner Karriere verliehen.

4.136.359

lautet die Patentnummer,

die ihm einen Platz in der

National Inventors Hall of

Fame bescherte. Als Erfinder

der PCs Apple I und II.

2

Jahre nachdem er Apple 1985

verlassen hatte, erfand er die

Universalfernbedienung: CORE.

1300

Dollar betrug Apples Startkapital.

Um an das Geld zu kommen,

versetzte Steve Jobs seinen VW Bulli,

Woz seinen Taschenrechner HP-65.

2:2

endete 2006 das erste Segway-

Polo‐Weltcup-Finale (Woz-Cup)

zwischen Silicon Valley und Auckland.

Namensgeber Woz ist selbst

Segway-Polo-Spieler.

34.441.873

Dollar spielte die Filmbiografie „Steve Jobs“ ein.

Woz, im Film verkörpert von Seth Rogen, stand

Regisseur Danny Boyle als Berater zur Seite.

200

Dollar Monatslohn erhält er heute

von Apple. Eine symbolische Geste:

Multimillionär ist er seit dem

Apple-Börsengang 1980.

666,66

Dollar kostete der erste Apple-PC.

„Ich mag Zahlenspielereien.

Die satanistische Komponente

fiel uns erst später auf“, so Woz.

180

Woz Way in San Jose ist die Adresse

des Children’s Discovery Museum,

eines der besten Wissenschaftszentren

der Welt. Nach dem Stifter

ist auch die Straße benannt.

GETTY IMAGES FLORIAN OBKIRCHER CLAUDIA MEITERT

14 THE RED BULLETIN


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SKIP MARLEY

Opa hat

die Welt

verändert

Reggae-Ikone Bob Marley wäre

heuer 75 Jahre alt geworden.

Sein Enkel Skip, 24, nennt vier

unverzichtbare Songs aus

dem Werk seines Großvaters.

Wie viele Mitglieder seiner Familie

hat Skip Marley eine Musikerkarriere

eingeschlagen. 2015 tauchte

der jamaikanische Singer-Songwriter

erstmals in der Szene auf,

mit den Singles „That’s Not True“

und „Slow Down“ kehrte er im Vorjahr

ins Rampenlicht zurück. Skips

Großvater, der 1981 im Alter von

nur 36 Jahren verstorbene Reggae-

Titan Bob Marley, wäre dieses Jahr

75 geworden. Der 24-Jährige weiß,

wie prägend die Musik seines Opas

war. „Sie hat die Menschen verändert.

Seine Entschlossenheit hat

die Welt inspiriert, nicht zuletzt

mich und meine Musik.“ Wir haben

Skip Marley nach seinen vier Lieblings-Bob-Marley-Songs

gefragt.

Jetzt erhältlich: Skip Marleys

neue Single „Make Me Feel“

mit Rick Ross und Ari Lennox

Natty Dread (aus dem Album

Natty Dread, 1974)

„Mein Großvater hat mein

Leben und mein Denken geprägt.

Er hat mich auf eine

Mission geschickt, deshalb

mag ich ‚Natty Dread‘ so gern.

Dieser Song ist wie eine Hymne

für Rastas: ‚Egal was die Welt

sagt, wir kommen nie vom

rechten Weg ab.‘ Immer,

wenn ich das höre, bestätigt

es mich in meiner Mission.“

Revolution (ebenfalls aus dem

Album Natty Dread)

„Wir machen mit der ‚Black

Lives Matter‘-Bewegung gerade

eine Revolution durch.

Dieser Song ist hochaktuell,

weil es darin um die Wahrheit

geht. Er erinnert mich stets

an das Feuer, das in meinem

Großvater gelodert hat. Wir

denken jeden Tag an ihn.

Wir sind die Familie, wir leben

die Liebe, wir sind er.“

The Heathen (aus dem Album

Exodus, 1977)

„Mit diesem Song habe ich

fast alles gelernt: Schlagzeug

spielen, Gitarre, Klavier. ‚The

Heathen‘ zeigt den ungefilterten

Kern der Kunst meines

Opas. Leben heißt kämpfen –

und im Moment sind wir mitten

in einem Kampf. Da müssen

wir stark bleiben und weitermachen

und dem Allmächtigen

unser Vertrauen schenken.“

Redemption Song (aus dem

Album Uprising, 1980)

„‚Alte Piraten haben mich

geraubt und an die Handelsschiffe

verkauft‘: Es ist eine

Geschichte von Überleben

und Erlösung. Diese Hymne

hat schlicht und ergreifend die

Welt verändert. Eine meiner

liebsten Kindheitserinnerungen

ist, wie meine Familie und ich

alle gemeinsam am Strand diesen

Song gesungen haben.“

JACK MCCAIN WILL LAVIN

16 THE RED BULLETIN


Neu


F U N D S T Ü C K

TOM HANKS’ „FILM-PARTNER“

Mein Freund Wilson

Zweckentfremdeter Volleyball, Requisite aus dem Film „Cast Away“, 2000

Es ist auch schon wieder zwanzig Jahre her, dass ein Volleyball zum Hollywoodstar wurde.

Im Film „Cast Away“, einer modernen Robinsonade, modelt ihn Hauptdarsteller Tom Hanks,

um vor Einsamkeit nicht verrückt zu werden, zum Ansprechpartner um und nennt ihn

– nach dem Hersteller – Wilson. Das legendäre Requisit schmückte nach seiner Film-Karriere

das Büro von Tom Rothman, lange Jahre Vorstandsvorsitzender der Fox Filmed Entertainment.

TOM SCHIERLITZ/TRUNK ARCHIVE, GETTY IMAGES

18 THE RED BULLETIN


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D E R C L U B D E R T O T E N D E N K E R

JEAN-JACQUES ROUSSEAU

Wie kann man heute eigentlich

noch Urlaub machen?

Die größten Denker aller Zeiten beantworten

Fragen unserer Gegenwart, übermittelt

durch den Philosophen Christoph Quarch.

Diesmal: Jean-Jacques Rousseau erklärt,

warum man am besten zu Fuß verreist.

Très bien, meine Freunde, ich weiß, was euch

umtreibt: Ihr scharrt wieder mit den Füßen.

Es dürstet euch nach Reisen. Ihr wollt die Welt

erkunden. Und dafür sind euch alle Mittel recht: Flugzeuge

und Wohnmobile, Busse und Kreuzfahrtschiffe,

Pkws und Eisenbahnen. Doch seit neuestem sind da

diese Leute, die euch ins Gewissen reden und euch

weismachen wollen, eure Reiselust sei nicht okay. Sie

erzählen euch vom Klimawandel oder dem ökologischen

Fußabdruck, den ihr zurücklasst. Sie verderben

euch die Laune, o ihr Reiselustigen. Und als ob das

nicht genügte, kommt dann auch noch

dieses Virus und macht Fernreisen auf

lange Sicht noch schwieriger. Oh, da

seufzt ihr, meine Freunde, denn ihr

seht eure Freiheit bedroht – und das

wollt ihr nicht hinnehmen.

Ich fühle mit euch, meine Freunde,

war ich es doch, der einst die Freiheit

in den höchsten Tönen pries – und der

seine Stimme gegen alle jene erhob,

die sie mit Füßen traten. „Der Mensch

ist frei geboren, und überall liegt er in

Ketten“: Das war mein Leitwort aus dem Jahre 1762,

mit dem ich – ohne das zu wollen – die große Revolution

einleitete. Wenn es einen Denker gibt, der

euren Freiheitshunger teilt, dann bin ich das, meine

Freunde. Aber, so muss ich euch dennoch fragen,

wisst ihr eigentlich, was Freiheit ist?

Da bin ich mir nicht ganz sicher. Denn ich hege den

Verdacht, dass die Freiheit, die ihr für eure Reiselust

in Anspruch nehmt, in Wahrheit keine Freiheit ist:

dass ihr vielmehr Getriebene seid, die dem Irrsinn des

alltäglichen Lebens entkommen wollen. Könnte es

sein, dass ihr gar nicht auf Reisen seid, sondern auf

der Flucht, wenn ihr eure Koffer packt und euch

davonstehlt? Könnte es sein, dass ihr vor euch selbst

flieht, ihr Ruhelosen – weil ihr euch durch euren

Wohlstand, eure Technik, ja, auch eure „Bildung“

„Könnte es

sein, dass ihr

gar nicht auf

Reisen seid,

sondern auf

der Flucht?“

von euch selbst entfremdet habt und nun nach einem

besseren, gesünderen, natürlicheren Leben strebt?

Um die Wahrheit zu sagen, mes amis charmants,

ich bin mir sicher, dass es sich so verhält. Ich weiß,

wovon ich rede. Ich war häufig auf der Flucht. Acht

Jahre zog ich quer durch Europa, um den Verfolgungen

zu entkommen, die ich mit meinen Schriften auf

mich gezogen hatte. So dachte ich jedenfalls, bis ich

begriff, dass es mir im Grunde nur darum ging, dieses

elende bürgerliche Kleid abzuwerfen, diese falsche

Maskerade des angepassten Intellektuellen und Familienvaters.

Oh, wie mich das quälte. Ich, Jean-Jacques,

wollte eintauchen in die Natur – zum Urmenschen

werden, frei von allen ökonomischen und bürgerlichen

Zwängen: ein Pilger auf dem Weg zu meinem

wahren Selbst. „Man muss wissen, was sein soll, um

das, was ist, recht beurteilen zu können“, schrieb ich

einst. Und ich wusste, was sein soll: ein natürliches

und individuelles Leben.

Dahin aber, meine Freunde, kommt

man nicht mit Flugzeugen oder Kreuzfahrtschiffen.

Dahin kommt man nur

auf Schusters Rappen. „Wer ans Ziel

kommen will, kann mit der Postkutsche

fahren, aber wer richtig reisen will, soll

zu Fuß gehen“ – das ist mein Motto für

gute Reisen. Und glaubt mir, ich habe

es häufig erprobt, wenn ich quer durch

Europa zog. Immer kam ich mir selbst

am nächsten, wenn ich durch die Natur

wandelte und die Städte hinter mir

gelassen hatte. Von mir aus könnt ihr das auch mit dem

Fahrrad machen, aber langsam – und ohne Motor.

Nicht, weil ich ein Öko wäre, sondern weil ich möchte,

dass ihr eure Ketten sprengt: die Ketten der Konsumzwänge,

die ihr euch selber auferlegt. Macht euch frei

davon, jetzt ist die Zeit dazu. Brecht aus aus dem Gefängnis

eurer Konventionen! Bon voyage!

JEAN-JACQUES ROUSSEAU (1712–1778)

war ein Denker, an dem sich die Geister schieden. Die einen verehrten

ihn als „Deuter des Lebens“ und „Helfer der Wahrheit“,

die anderen verbrannten seine Bücher. Tatsächlich war er eine

schillernde Figur; ein Autor, der in seinem pädagogischen Roman

„Émile“ für eine ganzheitliche Erziehung des Menschen votierte,

seine eigenen fünf Kinder aber ins Findelhaus gab, der die bürgerliche

Freiheit schätzte und allen bürgerlichen Konventionen entkommen

wollte. Kein Wunder, dass er überall aneckte und zuletzt

sein Heil in einem zurückgezogenen und isolierten Leben suchte.

DR. CHRISTOPH QUARCH BENE ROHLMANN

20 THE RED BULLETIN


JEAN-JACQUES ROUSSEAU (1712–1778)

Schweizerisch-französischer Denker, Pilger auf dem Weg

zu sich selbst und ein „früher Öko-Tourist“ – sein Ziel:

ein natürliches Leben zu führen.

THE RED BULLETIN 21


WASSERKRAFT

Einmal abgesehen davon, dass es die Voraussetzung für

alles Leben auf diesem Planeten ist: Wasser ist auch

die Grundlage für Spaß, Top-Leistungen und Happy Ends.

Hier sind acht MEISTER IHRES SPORTS in ihrem Element.

Text ANDREAS WOLLINGER


„Wann immer Sebastian

mit Wasser in Berührung

kommt, lächelt er glücklich

und zeigt auch eine

unfassbare Ausdauer.“

Konstantin Reyer,

Fotograf

KONSTANTIN REYER

SEBASTIAN STEUDTNER

Wolfgangsee, Österreich

An sich ist Steudtner, 35, dafür

bekannt, mehr als 20 Meter hohe

Riesenwellen im Ozean zu surfen.

In seiner Heimat Oberösterreich

versucht er sich einmal an einer

anderen Disziplin – dem extrem

angesagten Hydrofoil-Surfen: Ab

einem bestimmten Tempo erhebt

sich das Board aus dem Wasser,

um dann auf einem Tragflügel fast

widerstandsfrei dahinzuschweben.

Instagram: @sebastiansurfs

23


ZUZANA VRÁBLOVÁ

Lençóis Maranhenses, Brasilien

Spektakulärer kann Wasser kaum

auftreten: In Brasiliens einziger Wüste

im Bundesstaat Maranhão bilden sich

zwischen den Dünen in der Regenzeit

kleine Seen. Für Zuzana Vráblová, 30,

mehrfache Wakeskate-Weltmeisterin

aus der Slowakei, ein würdiger Rahmen

für ihre Tricks, zumal im Licht eines

epischen Sonnenuntergangs.

Instagram: @zuzanavrablova

DANIEL DEAK BARDOS/RED BULL CONTENT POOL

24


„Seit ich diese Location

das erste Mal gesehen

hatte, bekam ich sie

nicht mehr aus dem Kopf.

Wasser in der Wüste –

das sieht unwirklich aus.“

Zuzana Vráblová,

mehrfache Wakeskate-Weltmeisterin


LEO FRANCIS/RED BULL CONTENT POOL

TOM BRIDGE

Devon, Großbritannien

Körperhaltung, Gesichtsausdruck,

Dynamik der Bewegung: Hier ist

einer erkennbar in seinem Element.

Das ist bei Tom Bridge, 19, quasi

angeboren: Mama Steph ist fünffache

Weltmeisterin im Kitesurfen.

Tom ist bereits mehrmaliger

Junioren-Weltmeister, es scheint

nur noch eine Frage der Zeit, bis er

auch bei den Großen den Titel holt.

Und was machen seine älteren

Brüder Olly und Guy? Erraten!

Instagram: @tom_rocco_bridge

27


KSENIA MARICHEVA

Moskau, Russland

Moment: Irgendetwas stimmt

bei diesem Bild nicht. Wie ist die

amtierende russische Skateboard-

Meisterin Ksenia Maricheva, 18,

aufs Wasser gekommen? Nun,

wenige Zentimeter unter der

Wasseroberfläche befindet sich

eine Plattform. Fotograf Denis Klero

musste also nur warten, bis das

Board in der Luft war – schon sieht

das Ganze nach einem Wunder aus.

Instagram: @maricheva_ksenia


„Liam ist auf dem Board

gestanden, seit er drei Jahre

alt war. Er hat vielleicht

mehr Talent, als ich je hatte.“

Bjørn Dunkerbeck,

42-facher Windsurf-Champion

DENIS KLERO/RED BULL CONTENT POOL, GINEZ DIAS/RED BULL CONTENT POOL

LIAM DUNKERBECK

Gran Canaria, Spanien

Der Nachname ist ein Begriff, seit

das Windsurfen in den Siebzigerjahren

erfunden wurde. Kunststück:

Der Däne Bjørn Dunkerbeck, 51,

ist 42-facher Champion. Sein

Sohn Liam, 16, will nun ebenfalls

hoch hinaus. So, wie es aussieht,

wird er dafür sorgen, dass der Name

Dunkerbeck in der Szene noch

lange besonderen Klang hat.

Instagram: @liamdm11

THE RED BULLETIN 29


CARISSA MOORE

Teahupoo, Tahiti

Die Hawaiianerin Moore, 28, zählt

zu den weiblichen Ikonen ihres

Sports. Aufgewachsen am Waikiki

Beach, dem Stadtstrand Honolulus,

paddelte sie bereits im Alter von

vier Jahren erstmals in die Wellen.

Heute ist sie auf Weltklasse-Reviere

spezialisiert, wie es sie vor Tahiti

gibt – etwa in Teahupoo. Dieser

Spot ist für seine kraftvollen

Wellen berühmt, die zusätzlich

bildschöne Hohlräume bilden.

Instagram: @rissmoore10

BEN THOUARD/RED BULL CONTENT POOL

30


„Wir alle suchen nach etwas,

das uns besonders macht.

Wellenreiten ist meine Art,

mich auszudrücken.“

Carissa Moore,

vierfache Surf-Weltmeisterin


JAN KASL/RED BULL CONTENT POOL

VAVŘINEC HRADILEK

Lake Tekapo, Neuseeland

Wenn Wasser in Bewegung ist,

kann es eine Menge unbändige

Energie freisetzen. Einer, der mit

dieser Naturgewalt besonders gut

umgehen kann, ist der Tscheche

Vavřinec „Vávra“ Hradilek, 33.

Der dreifache Welt- und zweimalige

Europameister gilt als

„Wildwasser-Wunder“ – umso

bemerkenswerter, zumal er

seit Geburt an Asthma leidet.

Instagram: @vavrinec_hradilek

33


ULUALOHA NAPEAHI

Oahu, Hawaii

Die Welle hat ihren Reiter abgeworfen,

was bei scharfkantigen

Riffen unter Wasser mitunter

lebens gefährlich sein kann. Vor allem

hier: Die „Banzai Pipeline“ an

der Nordküste von Oahu gilt als einer

der gefährlichsten Spots der

Welt. Hier stürzt der 23-jährige Hawaiianer

Jimmy Ulualoha Napeahi,

genannt „Uluboi“ – der 2013 schon

einen Hai‐Angriff überlebte –, und

blieb zum Glück ohne Verletzung.

Instagram: @uluboi

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34 THE RED BULLETIN


Copyright © 2020 MNA, Inc. All rights reserved.

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Jessica Schwarz

„Ich will spüren,

was wichtig

für mich ist“

Schmerz, Eis und Yoga: wie Netflix-Star Jessica Schwarz,

43, den Mut fand, für ein gutes Leben zu kämpfen.

Text RÜDIGER STURM

Foto ELENA ZAUCKE

Wie geht es weiter mit der Jessica-

Schwarz-Wohlfühlstrategie?

Zwei- bis dreimal die Woche treibe

ich Sport, gehe joggen, reiten,

schwimmen und mache Yoga- oder

Pilates-Übungen. Es funktioniert

jedes Mal, ich fühle mich direkt

danach im Kopf frischer. Aber auch

hier achte ich sehr darauf, nicht

übers Ziel hinauszuschießen. Wenn

ich mehr berufliche Termine habe

oder mich lieber mit Freunden treffen

will, lasse ich den Sport auch

mal weg, ohne mich deswegen

schlecht zu fühlen.

Ein wenig sonderbar ist Jessica

Schwarz’ Karriere schon. Seit knapp

dreißig Jahren begleitet sie uns bereits,

erst als Bravo-Girl 1993, dann

als Model, als TV-Moderatorin und

vor allem natürlich als Schauspielerin

in Filmen und TV-Serien. Und

obwohl sie seit so langer Zeit präsent

ist, scheint sie sich kaum verändert

zu haben. Während mancher Hollywoodstar

permanent sein Image

wechselt, wirkt Jessica Schwarz

noch immer wie eine alte Bekannte,

mit der man gerne ein Bier trinken

gehen würde. Dabei hat sie in den

letzten Jahren viel erlebt: Preise für

ihre Rollen gewonnen, Trennungen

überwunden, einen neuen Job als

Hotelbetreiberin gestartet, ihren

Vater verloren. Natürlich hat sie sich

dabei weiterentwickelt, nur eben behutsam.

Und dieser Weg scheint sich

auszuzahlen: Jessica Schwarz wirkt,

als wäre sie im Großen und Ganzen

sehr einverstanden mit sich und der

Welt. Wir wollten von ihr wissen,

was genau ihr Rezept für ein gutes

Leben ist.

the red bulletin: Frau Schwarz,

in der neuen Netflix-Serie „Biohackers“

spielen Sie eine Wissenschaftlerin,

die das Optimieren

des menschlichen Körpers durch

Technik auf die Spitze treibt.

Könnte Biohacking auch Ihnen

helfen?

jessica schwarz: Ganz ehrlich,

ich würde mir eher keine Technik

unter die Haut pflanzen lassen, wie

es die Serie zeigt. Schon allein deshalb

nicht, weil ich so schlecht Blut

sehen kann.

Was tun Sie stattdessen, damit es

Ihrem Körper gutgeht?

Je besser ich mich ernähre, desto

besser geht es mir. Deswegen vermeide

ich Konservierungsstoffe,

esse hauptsächlich frisches Gemüse,

filtere mein Wasser und versuche

nur Bio-Produkte zu kaufen. Für das

eine oder andere Zipperlein habe

ich auch einiges an Wissen über

Arzneimittel, was vor allem daran

liegt, dass meine Mutter früher in

einer Apotheke gearbeitet hat.

Klingt sehr vernünftig.

Keine Sorge, ich trinke auch gerne

mal ein Glas Wein und esse ein

Stück Torte oder Eis. Das gehört

zum Wohlbefinden dazu. Ich strebe

keine völlige Enthaltsamkeit an, nur

weil das vielleicht gut für meinen

Körper wäre. Der Geist muss auch

versorgt und milde gestimmt werden

– zum Beispiel eben mit Genuss.

Ärgern Sie sich nie über sich?

Doch, doch. Letztes Jahr habe ich

nach sieben Jahren leider wieder angefangen

zu rauchen. Echt dämlich.

Aber ich möchte unbedingt wieder

aufhören.

Ihre Figur in „Biohackers“ meint

an einer Stelle, Glück bedeute

für sie, immer neue Dinge auszuprobieren.

Experimentieren Sie

auch für Ihr Lebensglück?

Ich würde es so ausdrücken: In

den letzten Jahren stelle ich mir

immer wieder bewusst die Frage,

wo ich gerade im Leben stehe. Bin

ich glücklich oder traurig, bin ich

zufrieden oder frustriert? Wenn ich

unglücklich bin, bin ich die einzige

Person, die konkret etwas dagegen

tun kann. Ich möchte mich aus problematischen

Situationen befreien,

das fordere ich von mir, und das

ziehe ich auch durch.

Wo haben Sie diese Konsequenz

gelernt?

Von meinen Eltern, sie haben mir

diesen Charakterzug mit auf den

Weg gegeben. Ich habe keine Angst

vor Neuem und bin mutig, auch

mal Schritte zu gehen, die wehtun

können. Und dabei darf man auch

Fehler machen.

36 THE RED BULLETIN


„Bei Problemen

überwinde ich

mich schnell,

darüber zu

sprechen.“

Dank ihrer anpackenden Art befreit

sich Schwarz schnell aus Krisen.

THE RED BULLETIN 37


Jessica Schwarz

„Der Geist

muss

mit Genuss

gnädig

gestimmt

werden.“

Hier geht Schwarz ans Limit

In „Biohackers“ treibt der Filmstar

Selbstoptimierung auf die Spitze.

Mit ein bisschen Genmanipulation könnten wir

Menschen noch viel mehr erreichen: Mit dieser

steilen These experimentiert eine von Jessica

Schwarz gespielte Forscherin an einer deutschen

Uni mit ihren Probanden. Doch dabei kommt ihr

eine Erstsemester-Studentin (Luna Wedler, re.) in

die Quere, die den Tod ihres Bruders aufklären will.

Sci-Fi-Serie, seit August auf Netflix

Können Sie ein Beispiel nennen?

Wenn ich in einer verfahrenen Situation

feststecke, überwinde ich mich

schnell dazu, mit Freunden, Familie

oder auch Coaches und Psychologen

darüber zu sprechen. Das hilft mir,

Probleme zu verarbeiten und Lösungen

zu finden. Außerdem ist es toll,

zu spüren, dass die Menschen in

meiner Nähe immer ein offenes Ohr

für mich haben. Das kann ich nur

allen Menschen wünschen und ans

Herz legen.

Wofür haben Sie Coaches schon

um Rat gefragt?

Als Schauspielerin hatte ich mit dem

Hochstapler-Syndrom zu kämpfen.

Das ist typisch für kreative, künstlerische

Berufe und bedeutet in

etwa, dass man fürchtet, man sei in

Wahrheit überhaupt nicht für seinen

Beruf geeignet und die Welt sei kurz

davor, es rauszufinden. An diesem

Komplex habe ich mit einem Coach

gearbeitet.

Was war sein Rat?

Mich von der Vorstellung zu verabschieden,

ich müsse jede Rolle

nur aus meinem eigenen Gefühl

heraus spielen. Stattdessen vertraue

ich jetzt gerade in der Vorbereitung

mehr auf bestimmte Schauspieltechniken.

Dadurch fühle ich mich

viel besser vorbereitet, wenn ich ans

Set komme. Ich weiß, dass meine

Figur steht und ich sie nicht allein

erschaffen muss, sondern nur noch

zu formen brauche. Auf diese Weise

bin ich beim Drehstart viel weniger

ängstlich und nervös.

Hat Ihnen der Coach noch

auf andere Weise geholfen?

Ja, er hat mich ermutigt, meinen

Weg bewusster in die eigene Hand

zu nehmen und zum Beispiel keine

Rollen zuzusagen, nur weil ich das

Gefühl habe, ich müsste mal wieder

„was machen“. Lieber warte ich

ab, bis ein Projekt kommt, bei dem

ich sage: Da stimmt alles – von der

Besetzung über die Regie bis zu den

Details der Figuren.

In Ihrer persönlichen Entwicklung

waren Sie auch mit privaten

Schicksalsschlägen konfrontiert

– wie dem Tod Ihres Vaters 2017.

Wie hat Sie dieser Verlust geprägt?

Auf so etwas kannst du dich nicht

vorbereiten. Um so einen Verlust zu

verarbeiten, musst du viel darüber

sprechen und alle Gefühle zulassen.

Dabei hilft mir, dass ich mich als

Schauspielerin immer wieder mit

solchen schwierigen Themen aus­

einandersetzen muss. Wenn es um

emotionale Schmerzen geht, bin ich

wie ein Feuerwehrmann. Während

alle aus dem brennenden Haus

laufen, renne ich hinein. Die Alternative

wäre, die Narben verschließen

zu lassen. Doch ich lasse sie bewusst

offen, um spüren zu können, was für

mich als Mensch wichtig ist.

Haben sich Ihre Prioritäten hier

verschoben?

Seit dieser Erfahrung versuche ich

mehr denn je, jeden Augenblick

bewusst zu erleben. Vor allem versuche

ich mit meiner Zeit und mit

den Menschen, die mir nahestehen,

respektvoller umzugehen.

Wie schaffen Sie das?

Sehen Sie, ich liebe meinen Job,

und ich will ihn bis an mein Lebensende

ausüben. Aber ich will nicht

365 Tage im Jahr arbeiten. Deswegen

sage ich auch schon mal ein

tolles Projekt ab, für das ich dann

aber vielleicht zwei Monate unterwegs

wäre. Schließlich könnte ich so

lange keine Zeit mit den Menschen

verbringen, die ich liebe. Ich könnte

nicht mal eben kurz in den Urlaub

fahren oder in den See springen und

den Sommer genießen. Oder einfach

aufwachen und richtig gut faul

sein. Das sind aber alles Dinge, die

mir wichtig geworden sind. Früher

dachte ich, ich könnte doch noch

viel mehr machen. Aber dieses Bedürfnis

ist weg.

Und wann wissen Sie, dass Sie

wieder etwas anpacken wollen?

Wenn mir das Schicksal ein Päckchen

vor die Füße legt. Wenn es sich für

mich richtig anfühlt, dann hebe ich

das auf und packe es aus. Wenn es

sich aber nicht richtig anfühlt, dann

wird das Päckchen einfach weggegeben.

NETFLIX

38 THE RED BULLETIN


Jessica Nabongo

Änderung

der Reisepläne

Sie hat alle Länder der Welt besucht und doch

immer nur ein Ziel verfolgt: Jessica Nabongo, 36,

will das Gesicht der Reiseindustrie verändern.

Text JESSICA HOLLAND

Foto ELTON ANDERSON

Seit letztem Oktober ist Jessica

Nabongo die erste schwarze Frau

der Geschichte, die jedes Land der

Erde besucht hat. Die Seychellen,

Nummer 195 auf ihrer Liste, bildeten

den Abschluss einer zweieinhalbjährigen

Expedition, die die 36-jährige

Amerikanerin mit ugandischen

Wurzeln quer über den gesamten

Planeten führte – und auf der sie

online 180.000 Follower begleiteten.

Nabongos Instagram-Auftritt

und Website dienen aber nicht nur

der Präsentation ihrer Reisen. Ihre

Arbeit soll auch typisch westliche

Vorurteile sprengen, die nach wie

vor bestimmen, welche Teile der

Welt einen Besuch wert sind und

welche nicht. Mit der Welttour und

dem von ihr gegründeten Reisebüro

Jet Black kämpft Nabongo gegen

diese Ressentiments und für mehr

Diversität in der weiß dominierten

Reiseindustrie.

the red bulletin: Wie bist du

auf die Idee gekommen, jedes

Land der Welt zu bereisen?

jessica nabongo: Ich setzte mir

dieses Ziel, als ich Anfang zwanzig

war, 2017. Damals war ich schon in

60 Ländern – ich habe mir dafür eine

Frist bis zu meinem 35. Geburtstag

gesetzt. Mit fünf Monaten Verspätung

habe ich es dann geschafft.

Und das als erste schwarze Frau

der Geschichte. Warum war dir

das so wichtig?

Schwarze hatten nicht immer die

gleichen Möglichkeiten zu reisen

wie Weiße. Das liegt an der vielschichtigen

Diskriminierung durch

die Kolonialgeschichte, in manchen

Ländern auch an innerstaatlichen

Strukturen. Als ich mit amerikanischem

und ugandischem Pass unterwegs

war, hatte ich immer wieder

Probleme. Da wurde mir klar, wie

wichtig es mir ist, Grenzbeamten

überall auf der Welt zu zeigen, dass

hier die Inhaberin eines afrikanischen

Passes aus rein touristischen

Motiven unterwegs ist.

Wie kam es zur Gründung deines

eigenen Reisebüros?

Ich habe Jet Black gegründet, um

mehr Aufmerksamkeit auf Reisen in

Afrika, Mittel- und Südamerika und

der Karibik zu richten. In diesen Gegenden

gibt es Orte, die perfekt für

Tourismus sind, aber kaum Besucher

haben – einfach weil sie niemand

kennt. Alle wollen nach Paris, aber

was ist mit Dakar, Accra, Lagos?

Was war die wichtigste Lehre

aus deinen Erlebnissen?

Ich habe den Menschen in jedem

Land eine Frage gestellt: „Was macht

euch glücklich?“ Die Antwort war

immer die gleiche: das Zusammensein

mit ihren Lieben und das Wohlergehen

ihrer Kinder. Unabhängig

von Ethnie, Status, Geschlecht, Religion

oder Nationalität sind wir alle

einfach Menschen; es gibt nur sehr

wenig, das uns trennt. Interessanterweise

hat Covid-19 dieses Gefühl

bestärkt. Weil es erkennen lässt, dass

sich unser Handeln nicht nur auf

unsere unmittelbaren Nachbarn auswirkt,

sondern auf alle. Die ganze

Welt ist unsere Nachbarschaft.

Wie können wir uns die Neugier

auf eine Welt erhalten, die wir

aktuell nicht so ohne Weiteres

erkunden dürfen?

Wir haben jetzt die Gelegenheit,

unsere eigene Umgebung zu erkunden.

Ich kenne Kenianer, die jammern,

dass sie mit ihrem Pass nicht

weit kommen, also frage ich sie:

„Wart ihr schon auf Lamu? In Mombasa?

Am Mount Kenya?“ Es gibt so

viel im eigenen Land zu entdecken.

Zudem gibt es genug Möglich keiten,

einen Ort zu erkunden, ohne physisch

anwesend zu sein. Man kann

sich Videos ansehen, darüber lesen.

Und wenn man dann endlich hinreisen

darf, ist man besser vorbereitet.

Warum ist Reisen so wichtig?

Weil wir dadurch aufhören, Pakistaner,

Engländerinnen, Franzosen,

Senegalesinnen und Ghanaer zu

sehen – sondern den einzelnen Menschen

dahinter. So entsteht nicht

nur Toleranz, sondern auch Liebe,

und unsere Menschlichkeit wächst.

thecatchmeifyoucan.com

Instagram: @thecatchmeifyoucan

40 THE RED BULLETIN


„Alle wollen

nach Paris,

aber was ist

mit Dakar

oder Lagos?“

THE RED BULLETIN 41


Willi Margreiter

Auf dem

Holzweg

zum Erfolg

Wie der Salzburger Willi

Margreiter, 43, mit seinen

Surfboards aus Holz die

Ozeane erobert und dabei

Inseldenken neu definiert.

Text CHRISTIAN EBERLE-ABASOLO

the red bulletin: Du bist Tischler

in der dritten Generation. Gibt

es in Grödig mehr Nachfrage nach

Surfboards als nach Möbeln?

willi margreiter: Die Möbel hat

eh mein Vater gebaut (lacht). Mich

haben aber immer schon Sportgeräte

fasziniert. Nachdem ich einmal

einen Gleitschirm geschenkt bekommen

habe, wollte ich mit meinen

Freunden ein Kiteboard dazu bauen.

Woher wusstest du, wie man

Boards baut?

Wusste ich nicht. Aber ich habe

analysiert, was es braucht: Statik,

Stabilität, Wendigkeit. Ein Grundverständnis

davon hatte ich durch

meine Ausbildung (HTL für Holztechnologie

und Architekturstudium;

Anm.). Dann habe ich getüftelt und

geschaut, wo ich Komponenten für

das Board herbekomme. Und über

die Monate ist aus meiner Idee ein

Prototyp entstanden. Und aus einem

Prototyp mehrere Sportgeräte.

Wie kamen die Surfer auf dich?

Seit 2010 gibt es eine stabile Welle

im Salzburger Almkanal. Da übliche

Boards an den Betonrändern dort

leicht brechen, haben mich die

Surfer gefragt, ob ich nicht etwas

Stabileres bauen könne. Also habe

ich mich an die Arbeit gemacht und

bald erkannt, dass sich Holz gut

dafür eignet – wenn man es richtig

Das Gesicht hinter

Wuux Surfboards:

Shaper Wilhelm

„Willi“ Margreiter

bearbeitet. Bis zum aktuellen Design

mit Holzummantelung hat es zwei

Jahre gedauert. Diese Bauart ist

weltweit einzigartig und war nur

möglich, weil ich wie auf einer Insel

auf mich allein gestellt war.

Experten, die man konsultieren

könnte, sind also ein Nachteil?

Wenn man von allen abschauen und

lernen kann, erreicht man relativ

schnell ein hohes Niveau – auf dem

sind die anderen aber schon. Man

tut sich sehr schwer, aus ausgetretenen

Pfaden auszubrechen und

etwas Neues zu kreieren. Wenn in

Portugal oder Frankreich ein Shaper

beginnt, geht er in den nächsten

Surfzubehör-Shop und kauft zehn

Board-Rohlinge. Ich musste alles

selbst machen. Dadurch hatte ich

natürlich mehr Arbeit, konnte aber

alles von Grund auf neu denken.

Und jede Menge Fehler machen …

Das gehört dazu. Von Beginn an. Wir

bauen ein Board, wir testen es, wir

Ex-Board-Schlager

Seit 2014 stellt Willi Margreiter in

Grödig unter dem Namen „Wuux

Surfboards“ Surfbretter aus Holz

her. Er wählt je nach Kundenwunsch

aus 35 verschiedenen Holzarten,

darunter schwere Hölzer wie Esche

und Eiche. Möglich ist das durch

eine spezielle Technik der Bearbeitung

unter Beachtung von Luftdruck,

Holzfeuchtigkeit und weiterer

Parameter. Die Boards (ab ca. 1000

Euro) werden individuell gefertigt

und an Kunden von Spanien bis Hawaii

geliefert. wuux-surfboards.com

sehen, was nicht passt. Wir bauen

das Board neu. So haben wir uns die

letzten Jahre stets weiterentwickelt.

Bis zur Perfektion?

Nein. Perfektion gibt es nicht. Vor

allem bei Holz. Unsere Kunden wissen,

dass sie nichts Perfektes bekommen,

dafür ein Board mit Charakter,

mit Macken. Genau das schätzen sie.

Mehr Naturtalente wie Willi findest du

unter: organicsbyredbull.com/talent

WUUX

42 THE RED BULLETIN


FOTO­

WETTBEWERB

2020

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Die Partner des Terra-Mater-Fotowettbewerbs 2020:


IM ZWEIFEL

FÜR DEN ZWEIFEL

Selbstkritik zieht

Daniel Brühl der

Selbstgefälligkeit vor.


„GROSSE

AUFGABEN

GENIESSE

ICH

BEWUSST“

Mehr Spaß, weniger Selbstzerfleischung: Deutschlands Meister

tiefgründiger Filmrollen DANIEL BRÜHL, 42, erklärt,

wie er seinen inneren Kritiker in einen Unterstützer verwandelt.

Interview RÜDIGER STURM

Fotos JOSH SHINNER/TRUNK ARCHIVE

THE RED BULLETIN 45


O

Ob als fürsorglicher Sohn einer aus dem Koma

erwachten Mutter in „Good Bye, Lenin!“, als

Rennfahrer Niki Lauda in „Rush“ oder als kulturinteressierter

Scharfschütze in Quentin Tarantinos

„Inglourious Basterds“: Egal, welche Rolle Daniel

Brühl spielt, mit seiner Präzision und seiner großen

Ruhe verleiht er seinen Figuren eine faszinierende

Tiefgründigkeit. Neben Tarantino hat das längst

auch der Rest von Hollywood erkannt, deshalb

durfte es Brühl unter anderem bereits im Marvel-

Universum mit den Avengers aufnehmen.

Aktuell spielt er im dritten Film des Agenten­

Franchise „The King’s Man – The Beginning“, sein

Regiedebüt ist in Arbeit. Grund zur Freude hätte

Brühl in den vergangenen Jahren also genug gehabt

– doch in der Filmwelt eilt ihm ein anderer Ruf voraus:

Er gilt als sein größter eigener Kritiker, manchmal

sogar als überzogen verbissen. Muss, wer an die

Spitze will, also wirklich gnadenlos mit sich selbst

sein? Höchste Zeit für ein Gespräch.

the red bulletin: Herr Brühl, stimmt es, dass

Ihre Kollegin Dakota Fanning Sie während des

Drehs der ersten Staffel der Netflix-Serie „The

Alienist“ zwischendurch „Negativus destructivus“

genannt hat?

daniel brühl: Das ist korrekt. Ich habe einen Hang

zu gnadenloser Selbstkritik und kann sehr unzufrieden

sein, was dann auch auf mein Umfeld abstrahlt.

Abgesehen davon, dass Sie Ihre Kollegen

runterziehen: Kann Selbstkritik nicht auch etwas

Gesundes sein?

Es ist mir auf jeden Fall lieber, einen Tacken mehr

Selbstkritik zu üben, als sich zu toll zu feiern.

Ich kenne einige Kandidaten, die Letzteres tun,

und so etwas wäre mir sehr unangenehm.

Dreh also nur zeitweise dabei. Sonst hätte es sicher

mehr Möglichkeiten zum Nörgeln gegeben. Im

Ernst, meine Haltung ist: Du musst versuchen, in

deiner Rolle so viel wie möglich auszuprobieren und

ihr deinen eigenen Stempel aufzudrücken, sonst

macht es keine Freude. Damit das klappt, musst du

gut vorbereitet sein, deine Leistung zeigen und alles

aus dir rausholen.

Klingt irgendwie nicht nach Spaß.

Es ist eine schwierige Balance: Du darfst es eben

auch nicht übertreiben mit der Selbstkritik, auch

mit Blick auf das Team. Wenn ich als Schauspieler

in einer kleinen Nebenrolle irren Perfektionismus

raushängen lasse und mich so verhalte, als wäre ich

die wichtigste Person am Set, ist das fehl am Platz.

Das hält nur den Betrieb auf und nervt wahnsinnig.

Passiert Ihnen das heute noch?

Sagen wir mal so: Ich werde besser darin, das zu

kaschieren und den Ball flacher zu halten. Und bei

aller gesunden Selbstkritik brauchst du für diesen

Job eines noch viel mehr: Spielfreude. Deswegen

versuche ich auch, mich nie von der Größe einer

Aufgabe einschüchtern zu lassen, sondern sie bewusst

zu genießen.

Wie schaffen Sie das?

Ein wenig Übung gehört schon dazu. Das Gute ist:

Die Freude steckt ohnehin in mir.

Wie meinen Sie das?

Das ist ein bisschen wie als Zwölfjähriger im Vergnügungspark:

Erst freust du dich wahnsinnig

Haben Sie diese Attitüde auch bei Ihrem aktuellen

Film „The King’s Man – The Beginning“ eingebracht?

Dazu hat mir ehrlich gesagt die Zeit gefehlt. Ich

spiele in diesem Film eine Nebenfigur, war beim

„ICH BEMÜHE MICH, DAS HIER UND JETZT BEWUSST

WAHRZUNEHMEN. DAFÜR DREHE ICH DEN LAUTSTÄRKE-

REGLER MEINER STIMMEN IM KOPF LEISER.“

46 THE RED BULLETIN


„MEINE HALTUNG IST: DU MUSST VERSUCHEN, IN DEINER

ROLLE SO VIEL WIE MÖGLICH AUSZUPROBIEREN

UND IHR DEINEN EIGENEN STEMPEL AUFDRÜCKEN.“

auf die Achterbahn, in der Schlange wird dir etwas

mulmig, doch sobald die Fahrt dann losgeht, überwiegt

wieder die Freude. So in etwa fühle ich mich

auch bei großen Hollywood-Projekten wie „The

King’s Man“ oder den Marvel-Comicverfilmungen.

Allein das Wissen, dass sich die Nervosität legt und

die Freude wieder rauskommt, hilft.

Was wirkt noch gegen die Aufregung?

Ein Team, das darauf achtet. Gerade bei den

Amerikanern und Engländern sorgen die Verantwortlichen

von Anfang an für eine lockere, angstfreie

Stimmung, in der du dich richtig willkommen fühlst.

Da verschwindet die Nervosität quasi von allein.

Machen Sie selbst auch Fortschritte in Sachen

Entspannung?

Zum Glück ja, das habe ich auch meiner Frau zu

verdanken, sie ist Psychologin. Sie hat mir geholfen,

mich nicht mehr in Denkschleifen zu verlieren,

nach dem Motto „Hätte ich doch …!“. Ich mache mir

heute bewusst, dass es reine Energieverschwendung

ist, über abgeschlossene Sachen nachzugrübeln,

und versuche, meine Aufmerksamkeit in die Zukunft

zu lenken. Außerdem hat mir meine Frau

beigebracht, achtsamer zu sein.

Wie gelingt Ihnen das?

Ich bemühe mich, das Hier und Jetzt bewusst wahrzunehmen,

auch im Alltag genau hinzuschauen und

zu beobachten. Dafür drehe ich den Lautstärkeregler

meiner Stimmen im Kopf leiser.

Und wo sind die Regler dafür zu finden?

Ich bin nie tiefer in die Welt der Meditation eingestiegen,

aber es reichen schon einfache Übungen,

wo ich einfach nur mal die Augen schließe und

versuche, alle Stimmen im Kopf abzuschalten. Das

kann mir wahnsinnig guttun, und ich mache es

immer häufiger.

Sie sind Vater eines dreijährigen Sohnes. Hilft

das ebenfalls, das Gleichgewicht zu finden?

Nun gut, seine Lautstärke runterzupegeln ist nicht

ganz so einfach. Aber tatsächlich hat mein Sohn

ein paar Dinge in meinem Leben zurechtgerückt –

nicht zuletzt auch, wie viel Druck ich mir beruflich

mache. Da verschiebt sich deine Perspektive, du begreifst,

da gibt es jemanden, der wichtiger ist als du

selbst. Das ist eine fundamentale Erkenntnis, ein

ganz großartiges Gefühl.

Neben „The King’s Man“ arbeiten Sie gerade an

Ihrem Regiedebüt. Wie angespannt waren Sie,

als Sie die erste Rohfassung Ihres Films sahen?

Na ja, ich war aufs Schlimmste gefasst. Ich hatte

vorher mit vielen Regisseuren gesprochen und war

auch als Schauspieler bei Rohschnitten dabei. Darum

wusste ich, dass einen diese erste Sichtung in

ein tiefes Tal stürzen kann und dass das dazugehört.

Aber so weit ist es zum Glück gar nicht gekommen.

Sondern?

Einerseits habe ich natürlich gesehen, dass wir da

ordentlich ranmüssen und die richtige Arbeit erst

jetzt losgeht. Aber auf genau die hatte ich mich

am meisten gefreut. Das war das erste Mal, dass

ich Kapitän sein durfte und bestimmen konnte,

hier wird geschnitten und hier nicht. Das ist meine

FREUDE AM SPIEL.

Vor der Kamera

macht Daniel Brühl

sich frei von seinen

kritischen Stimmen.

47


VIELSEITIG

UNTERWEGS

In Berlin betreibt

Daniel Brühl auch

eine Tapas-Bar.


2020 TWENTIETH CENTURY FOX FILM CORPORATION. ALL RIGHTS RESERVED.

Geschichte, und ich kann sie erzählen, wie ich will.

Das war ein ganz beglückendes Gefühl, das sich

durch den ganzen Prozess zog. Mit jeder Überarbeitung

wurde der Film immer feiner und immer

besser. Am Ende dieses Prozesses ist es am wichtigsten,

dass du selbst zufrieden bist. Wenn die anderen

es auch sind, umso besser.

Klingt so, als könnten Sie nicht nur Selbstkritik.

Na ja, ich rede jedenfalls lieber über meinen Hang

zur Selbstkritik, als dass ich erzähle, wie glücklich

ich mit anderen Sachen bin. Ich mag eben keine

Eitelkeit, die finde ich furchtbar. Aber ich gebe zu,

es gibt immer öfter Momente, wo ich Stolz für etwas

empfinde, was ich geleistet habe – wie jetzt eben für

meinen ersten eigenen Film. Es gibt zumindest Teile

des Films, von denen ich behaupten würde, das war

doch gar nicht so schlecht, das war gut. Wenn ich

nur von Selbstkritik zerfressen wäre, hätte ich mich

nicht so lange motivieren können, in diesem Beruf

zu arbeiten.

Was haben Sie bei Ihrem Regie-Debüt noch

gelernt?

Matthew Vaughn, der Regisseur von „The King’s

Man“, riet mir: „Triff als Regisseur Entscheidungen.

Selbst auf die Gefahr hin, dass es die falschen sind.

Triff sie. Das ist besser als gar keine.“

Und? Funktioniert das?

Ja, er hatte total recht damit. Natürlich hoffe ich,

dass ich nicht zu viele falsche Entscheidungen

getroffen habe, aber es geht dabei noch um etwas

anderes: Als Kapitän musst du nicht nur Autorität

vermitteln, sondern für die Arbeit im Team ist es

entscheidend, dass du eine klare Route vorgibst, an

die sich alle zu halten haben, sonst kommst du nicht

voran. Dafür musst du den Mut haben, dir auch

Fehltritte zu erlauben.

Bekommen Sie bei Fehlern ehrliches Feedback?

Oder stimmt das Klischee, dass Ansprechpartner

in Hollywood grundsätzlich alles „great“ finden?

Da musst du dir das Lächeln zum „great“ näher

anschauen und zwischen den Zeilen lesen. Mittlerweile

gelingt es mir ganz gut, die Nuancen zwischen

HIER IST BRÜHL EINMAL

AUF DER DUNKLEN SEITE

AM 17. SEPTEMBER STARTET „THE

KING’S MAN – THE BEGINNING“.

Die finstersten

Schurken des

Planeten – darunter

Daniel Brühl als diabolischer

Astrologe

– haben sich verbündet,

um die Menschheit

auszulöschen.

Doch der weltweit

erste unabhängige

Geheimdienst unter

der Leitung des

Duke of Oxford

(Ralph Fiennes) bietet

ihnen die Stirn.

Der dritte Teil der

so unterhaltsamen

wie actiongeladenen

Agenten-Saga erzählt

die Gründungsgeschichte

des

legendären Geheimdiensts

namens

Kingsman.

„great“ und „GREAT“ herauszuhören, da bekommst

du mit der Zeit ein Gefühl für. Abgesehen davon

habe ich einen engen Kreis von Personen, die sich

meine Arbeit genau anschauen und auf deren Ehrlichkeit

ich vertrauen kann.

Aus wem sollte so ein Kreis bestehen?

Zunächst ist es wichtig, dass die Leute etwas von

deinem Fach verstehen. In meinem Fall sind es deswegen

Schauspielkollegen, Regisseure, Agenten, die

ich mir über Jahre sorgfältig ausgesucht habe, dazu

kommt der Partner in meiner Produktionsfirma.

Worauf kommt es noch an?

Dass Personen dabei sind, die dich als Mensch gut

kennen. Bei mir sind das meine Mutter, meine Geschwister

oder meine Frau – sie sehen etwa genau,

wie es mir geht, und sagen mir immer die Wahrheit.

Sieht so aus, als hätten Sie Ihren „Negativus

destructivus“ inzwischen ganz gut im Griff.

Hat Dakota Fanning Sie beim Dreh der zweiten

Staffel von „The Alienist“ damit auch wieder

aufgezogen?

Ab und zu kam er schon noch raus, dann habe ich

ihn aber schneller wieder eingefangen als bei der

ersten Staffel. Mittlerweile gehorcht er mir auf jeden

Fall besser.

„AM ENDE DES PROZESSES IST ES AM WICHTIGSTEN,

DASS DU SELBST ZUFRIEDEN BIST. WENN DIE ANDEREN

ES AUCH SIND – UMSO BESSER.“

THE RED BULLETIN 49


INNOVATOR

IDEEN

FÜR EINE

BESSERE

ZUKUNFT

Helfer in der Luft:

Der Wingcopter liefert

bereits jetzt Impfstoffe

und Insulin in

abgelegene Gebiete.

Lieferdrohne

Flotte

Fracht

Die Fluggeräte von Wingcopter

könnten das heiß umkämpfte

Rennen um die Zukunft der Luftfracht

gewinnen. Schnell genug

dafür sind sie auf jeden Fall.

Transport von Insulin auf

irische Atlantik inseln

oder von Impfstoffen

nach Vanuatu im Pazifik – der

Wingcopter ist in den letzten

Jahren ganz schön herumgekommen.

Das Fluggerät

(Spannweite: 1,78 Meter)

des gleichnamigen Startups

aus Darmstadt zeigt seit

seiner Konzeption 2017 in

der Praxis eindrucksvoll, wie

schnelle Nahversorgung in

Zukunft ablaufen könnte:

mit einer Kombination aus

Flächenflugzeug und Multicopter.

Das Geheimnis ist der

patentierte Schwenkrotor-

Mechanismus. „Er ermöglicht

senkrechtes Aufsteigen wie

bei gewöhnlichen Drohnen

und Vorwärtsbewegung im

Stil eines Flugzeugs“, erklärt

Co-Gründer Tom Plümmer.

Das Ergebnis: Reichweiten

von 45 Kilometern (mit der

Maximallast von 6 kg) bis

zu 100 Kilometern (bei 2 kg

Beladung) sowie ein Rekordtempo

von 240 km/h. Wenn

sich doch nur die Regularien

des Luftverkehrs auch so

schnell ändern würden …

wingcopter.com

JETZT WEITERLESEN IM

NEUEN INNOVATOR-MAGAZIN …

Am 28. 9. erscheint die nächste

Ausgabe mit Zukunftsthemen

wie der ganzen Wingcopter-Story

und vielen mehr. Infos und Abo:

redbulletininnovator.com

50 THE RED BULLETIN


IN ALLER KÜRZE

SMARTE

STARTHILFE

Diese fünf Pioniere erleichtern

Geflüchteten

mit innovativen Ideen

das Ankommen in

Deutschland.

ÜBERSETZUNG FÜR

MEDIZINISCHE NOTFÄLLE

Ob bei Fieber oder Infekt:

Im Notfall kosten Sprachbarrieren

zwischen Ärzten

und Geflüchteten wertvolle

Zeit. Deshalb hat Lisanne

Knop, 33, einen telefonischen

Übersetzungsdienst

für Mediziner aufgebaut.

triaphon.org

Unterwasser-Atemgerät

Wie ein Fisch im Wasser

Ein innovatives Gadget aus Österreich ermöglicht

Tauchgänge in bis zu fünf Meter Tiefe – ganz ohne

Sauerstoff-Tanks oder Zeitlimits.

Ex-US-Präsident George W. Bush

meinte einmal in seiner unvergleichlichen

Art, er glaube an die

friedliche Koexistenz von Menschen und

Fischen. Wie richtig er damit lag, beweist

nun der österreichische Produktdesigner

Jörg Tragatschnig, 64. Mit „Exolung“ hat

er ein innovatives Tauchgerät entwickelt,

das wie eine externe Lunge funktioniert

und es Tauchern ermöglicht, unter Wasser

zu atmen – ohne Druckluftflaschen

und ohne zeitliche Beschränkung.

„Exolung entstand aus einem Kindheitstraum

von mir“, erzählt Traga tschnig.

„Als Student habe ich dann begonnen,

ernsthaft über das Konzept

nachzudenken: Ziel war es, ein technisch

möglichst reduziertes Atemgerät zu entwickeln,

das die Lücke zwischen Schnorcheln

und Scuba-Tauchen schließt.“

CARTER DOW, LEONIE KOCK, LEONARD MÜHRING, EXOLUNG

SCHNELLE ANTWORTEN

AUF BRENNENDE FRAGEN

Wo kann ich Deutsch lernen?

Wie Behörden kontaktieren?

Damit Geflüchtete schneller

Auskunft bekommen, haben

Cornelia Röper (li.), 29, und

Henriette Schmidt, 28, eine

Frage-Antwort-Community

ins Leben gerufen.

wefugees.de

ANSCHUBHILFE

FÜRS STUDIUM

Je besser die Bildung, desto

größer die Chancen: Deshalb

gründeten Markus Kreßler

(li.) und Vincent Zimmer,

beide 30, eine Plattform,

die Geflüchtete weltweit

in Online-Kursen an eine

höhere Bildung heranführt.

kiron.ngo

Exolung: Die Luft kommt per Schlauch von oben.

Das Grundprinzip: Exolung nützt

mit einem Seilzug die Beinbewegungen

des Tauchers, um durch einen Schlauch

Atemluft von der Wasseroberfläche bis

zu fünf Meter unter Wasser in eine Art

Luftglocke zu pumpen, die der Taucher

um die Brust geschnallt hat. Eine bewegliche

Membran ermöglicht das Einund

Ausatmen. Zusätzliche Sicherheit

garantiert die permanente Verbindung

mit einer Boje an der Wasseroberfläche.

Die Vorteile: Das Gerät ist leicht und

kompakt, kostengünstig, muss weder

aufgeladen noch wiederbefüllt werden

und erfordert im Gegensatz zum konventionellen

Tauchen kaum Training.

exolung.com

Atmungsaktiv:

Mit einem Gewicht

von nur 3,5 kg und

einem Packmaß von

40 × 30 × 20 cm bietet

Exolung eine geniale

Low-Tech-Alternative

zum Scuba-Tauchen.

Der Einstiegspreis soll

unter 300 Euro liegen.

THE RED BULLETIN 51


GEHEIMWAFFE

Die kalifornische Star-Streamerin ANNE MUNITION, 30,

wird ihrem martialischen Namen gerecht: Sie lässt Online-

Mobbern keine Chance und schlägt sie mit ihrer Nettigkeit.

Text CHRISTINE FENNESSEY

Fotos JOSH CAMPBELL

Schon als Kind konnte sie nie genug Aufmerksamkeit

bekommen. Ein „kleiner

Möchtegern-Rockstar“ sei sie gewesen,

das jüngste, aber lauteste von drei Kindern.

Mit dreizehn habe sie jede Bühne

erklommen, um bei „open mic“-Veranstaltungen

Applaus zu ernten.

Aufmerksamkeit und Applaus hat

Anne Munition jetzt, mit dreißig, mehr

als genug: Die Kalifornierin ist eine der

berühmteren Streamer auf der Gamer-

Plattform Twitch (natürlich heißt sie

nicht wirklich so, der nach schwerer

Bewaffnung klingende Kampfname

soll ihre wahre Identität schützen).

2014, ohnehin gelangweilt vom

Job als Grafikdesignerin, entdeckte

sie Twitch als mögliche Karriereleiter.

Im Juni startete Anne Munition ihren

ersten eigenen Stream und seit Mitte

2015 ist sie Vollzeit-Streamerin. Heute

hat sie mehr als 600.000 Follower

und eine Partnerschaft mit Red Bull

Gaming. Mehr noch: Sie nutzt ihre

Popularität, um darüber zu sprechen,

wie wir alle online ein bisschen netter

sein könnten.

the red bulletin: Du hast ein Tattoo

von Sonne, Mond und Sternen, das

dich und deine Geschwister repräsentieren

soll – was davon bist du?

anne munition: Ich bin natürlich

der Star – das spielt mit der Rockstar-

Attitüde meines Lebens.

War dieses Motiv deine Idee?

Nein, die stammt von meiner Mutter:

Sie hat anstelle unserer Namen immer

Sonne, Mond und Sterne auf unsere

Weihnachtspakete gezeichnet. Sie sagte,

wir seien ihr Universum.

Deine Mutter hat dir auch eine

Nintendo-Konsole geschenkt, als

du sieben warst. Was genau hat dich

am Spielen fasziniert?

Ich mag es, Puzzles zu legen. Ich glaube,

was mich wirklich reingezogen hat, war,

dass es in Videogames immer darum

ging, ein Problem zu lösen.

Du warst elf, als du zum ersten Mal

mit Online-Mobbing zu tun hattest.

Hat dich das nicht abgeschreckt?

Wenn du online spielst, musst du immer

mit Leuten zurechtkommen, die nicht

sehr nett sind. Ich war einfach dickköpfig,

außerdem war ich schon als Kind eine

52 THE RED BULLETIN


STAR VON

NEBENAN

Über 600.000 Fans

folgen Anne Munition,

wenn sie auf Twitch

streamt. Warum?

„Ich kann ziemlich

unterhaltsam sein.“

THE RED BULLETIN 53


Besserwisserin. Wenn Leute Sachen geschrieben

haben, die mich vom Spielen

abhalten sollten, war das für mich eher

eine Herausforderung. So in der Art:

„Okay, du willst nicht, dass ich das tue?

Dann mache ich es erst recht.“

Als du zum ersten Mal auf Twitch

warst: Was fandest du so spannend

daran, anderen Leuten beim Spielen

zuzuschauen?

Du musst dir nur Folgendes vorstellen:

Da ist jemand online, der richtig gut

in etwas ist, das du selbst gern machst.

Du kannst mit ihm dein Hobby trainieren,

du kannst ihm Fragen dazu stellen, und

er antwortet in Echtzeit. Ich arbeitete

damals Vollzeit, also hatte ich keine Zeit,

selbst zu spielen, aber ich liebte diese

Games. Also habe ich anderen beim

Spielen zugeschaut und mit ihnen

mitgelebt.

Was hat dich dazu ermutigt,

einen eigenen Stream zu starten?

Ich glaube, du kommst da nicht rein,

indem du denkst: „Ich werde beim

Streamen Erfolg haben.“ Du denkst: „Das

ist interessant, und ich möchte es versuchen.“

Es stellte sich heraus, dass die

Leute dachten, dass ich lustig bin. Das ist

etwas, auf das ich stolz bin. Ich glaube,

ich kann ziemlich unterhaltsam sein.

Dazu hast du ein Umfeld aufgebaut,

das für seine Nettigkeit bekannt ist.

Ich streame jetzt seit sechs Jahren, und

ich war immer ziemlich konsequent in

dem Bestreben, eine Gemeinschaft zu

schaffen, in der Menschen sich wohlfühlen

können. Stell dir vor, du gehst

jeden Tag zur Arbeit und hasst alle Kollegen

oder die Kollegen sind gemein zu

dir. Damit will ich nichts zu tun haben.

Die Leute sagen, ich hätte eine der

nettesten Communities bei Twitch,

und darauf bin ich stolz.

Du hast einmal gesagt, es wird gemeinhin

unterschätzt, wie schlimm es

für Frauen ist, online ausgegrenzt

zu werden. Wie schlimm ist es denn?

„Ich will keine Leute

tolerieren, die mich

oder andere

respektlos behandeln.“

Die Leute suchen alles, was dich von

anderen unterscheidet, und trampeln

dann darauf herum. Ich bin sicher, dass

Sportler und andere Berühmtheiten das

Gleiche durchmachen, aber die haben

ja auch nicht jeden Tag direkten Kontakt

mit ihren Fans. Wir Streamer versuchen

ja, zum Publikum auf unseren Kanälen

und im Chat eine Beziehung aufzubauen,

deshalb sind vermutlich auch die Verletzungen

tiefer. Die Wirkung, die all das

auf meine Psyche hatte, war ziemlich arg.

Es ist schwierig, die positiven Seiten des

54 THE RED BULLETIN


RASEND

REICH WERDEN?

„Alle, die meinen,

Streamen sei leicht

verdientes Geld, sehen

nicht den ganzen Hass,

dem du dabei ausgeliefert

bist“, sagt

Streamerin Anne

Munition.

Jobs zu sehen, wenn du ständig dieser

negativen Kraft ausgesetzt bist. Eine ganze

Menge von Leuten sagt: „Na gut, du

lebst vom Videospielen – das ist leicht verdientes

Geld.“ Die sehen nicht den ganzen

Hass, dem du dabei ausgesetzt bist.

Wie hat sich das psychisch ausgewirkt?

Ich wurde extrem paranoid, was meine

Privatsphäre anlangt. Außerdem glaubst

du, dass du deinen Wert an bestimmten

Zahlen messen kannst – schließlich bestimmt

die Anzahl der Abonnenten dein

Einkommen, die Zahl deiner Zuschauer

ist für das Ranking auf der Website verantwortlich.

Diese Zahlen gehen rauf

und runter, und manchmal zieht das deinen

Selbstwert mit runter. Da ist immer

diese Angst, dass es nur mehr runtergeht

und dass du dir dann einen anderen Job

suchen musst. Darüber hinaus ist da die

Paranoia vor Angriffen anderer Streamer.

Manchmal suchen sie dich auf, weil sie

wissen, dass du ein gutes Publikum hast.

Mitunter haben sie sich über gute Freunde

von mir eingeschlichen, nur um an mich

ranzukommen. Dann weiß ich nicht

mehr, wem ich trauen kann. Ich weiß

nicht mehr, wer wirklich mein Freund

sein will und wer nur an meinem Channel

interessiert ist.

Was machst du, um sicherzustellen,

dass dein Stream ein netter Ort ist?

Ich glaube, eine Menge Streamer haben

Angst davor, mit ihrem Publikum zu

streng zu sein, die Leute zeitweise zu

verjagen oder überhaupt von ihrem

Channel zu verbannen. Ich hingegen bin

da ziemlich skrupellos, weil ich keine

Leute tolerieren will, die mich oder andere

respektlos behandeln. Auch wenn

jemand schon lange Zuschauer ist:

Wenn er damit anfängt, garstige Dinge

zu sagen, ist er weg.

Kannst du uns vom Stress einer

Vollzeit-Streamerin erzählen?

Am Anfang habe ich acht bis zehn

Stunden nonstop gestreamt. Das kann

ich jetzt nicht mehr. Jetzt mache ich zwei

Vier-Stunden-Schichten mit zwei Stunden

Pause dazwischen – es ist nicht gesund,

so lang zu sitzen. Dann gehe ich mit

meinem Hund raus oder so. Das ist keine

einfache Entscheidung, weil wenn du

deinen Stream unterbrichst, sind auch

die Zuschauer weg. Sogar wenn du

zwischendurch aufs Klo gehst, verlierst

du Leute. Es ist, wie wenn du ein Live-

Konzert gibst. Da kannst du auch nicht

sagen: „Also, ich muss jetzt dringend aufs

Klo.“ Wenn du im Rampenlicht bleiben

willst, musst du das aushalten.

THE RED BULLETIN 55


Was machst du in Sachen Fitness und

Ernährung, um mehr auszuhalten und

eine bessere Streamerin zu werden?

Früher hatte ich einen Personal Trainer,

da war ich wahrscheinlich besser in

Form als jemals zuvor. Ich habe mir eine

Rudermaschine gekauft. Ich benutze sie

immer noch, aber nicht so oft, wie

ich sollte. Ernährung ist für Streamer

ein schwieriges Thema. Wenn du zehn

Stunden am Streamen bist, ist es das Einfachste,

Essen telefonisch zu bestellen –

aber das ist oft nicht das Gesündeste.

Ich arbeite daran, mich gesünder zu

ernähren. Ich möchte versuchen, Mahlzeiten

vorzubereiten, die man dann in

die Mikrowelle schieben kann. Also:

schnelles Essen, ohne Fast Food zu sein.

Wann hast du entschieden, deinen

wahren Namen nicht zu verraten?

Ich war mit diesem Usernamen schon

unterwegs, bevor ich noch wusste, was

Streaming ist – ich habe schon auf der

Xbox Anne Munition geheißen.

Was hat dich zu diesem Namen

inspiriert?

Roller Derby (eine sehr amerikanische

Sportart, die auf Rollschuhen ausgetragen

wird; Anm.). In diesem Sport verwenden

sie wirklich super Namen. Ich versuchte,

einen Namen zu finden, der vom Stil her

vergleichbar ist, und weil ich ein großer

Fan von Ego-Shootern bin, floss das

ebenfalls mit ein. Es funktioniert außerdem

als Vor- und Nachname. Die Leute

sprechen mich auf Veranstaltungen an:

„Ist dein Nachname wirklich Munition?“

Darauf ich: „Ja klar!“ Die Wahrheit ist:

Mein wirklicher Name ist ziemlich einzigartig.

Und deshalb so gefährlich, weil es

„Du weißt nie,

ob jemand,

der ganz

normal wirkt,

das auch

wirklich ist.“

so leicht ist, mehr über mich zu finden.

Wenn du den Leuten drei Teile eines

Puzzles gibst, dann finden sie auch alles

andere heraus.

Warum ist es dir so wichtig,

deine Identität zu schützen?

Ich glaube, Online-Persönlichkeiten,

aber auch normale Internet-User sollten

sich mehr über Datenschutz und Social

Engineering (Online-Trickbetrug, um an

sensible Daten zu gelangen; Anm.) informieren.

Sie können deinen Wohnort finden,

deine Telefonnummer, die Adressen

deiner Familie und deiner Verwandten.

Du weißt nie, ob jemand, der ganz normal

wirkt, das auch ist. Bei einem persönlichen

Treffen kannst du gewisse Zeichen

erkennen, speziell als junge Frau. Online

kannst du das nicht. Es ist schwierig,

intuitiv abzuschätzen, ob jemand gute

Absichten hat. Manchmal habe ich ein

schlechtes Gewissen, weil ich Menschen,

die vielleicht nur neugierig sind, anschnauze,

wenn sie fragen: „Oh, wo bist

du aufgewachsen?“ Und ich so: „Warum?

Warum willst du das wissen?“ Das ist

auf meine Paranoia zurückzuführen.

Paranoia oder Vorsicht? Anne Munition will ihre wahre Identität nicht preisgeben.

56 THE RED BULLETIN


Andererseits hast du deinen Beziehungsstatus

mit deiner Community

geteilt. Wie beurteilst du, was geteilt

werden kann und was nicht?

Das hängt davon ab, wer fragt. Und ob

ich glaube, dass jemand bestimmte

Informationen für andere Zwecke missbrauchen

kann. Ich habe da eine rote

Flagge in meinem Gehirn, die immer

dann auftaucht, wenn ich das Gefühl

habe, jemand fragt nach einem Detail,

das weder meinen Channel interessanter

macht noch sonstwie relevant ist.

Fällt es dir manchmal schwer,

zwischen deinen beiden Identitäten

hin- und herzuschalten?

Ja. Manchmal vergesse ich, wie ich wirklich

heiße. Einmal hab ich fast eine Mail

an meine Mutter mit Anne Munition

unterschrieben, weil ich das von meinen

anderen Mails so gewohnt bin.

ZIEL IM BLICK

„Ich war schon als Kind

eine Besserwisserin“,

sagt Anne. Das erklärt

ihre Hartnäckigkeit.

Wie geht es dir in dieser Zeit

des „Social Distancing“?

Na ja, die Tatsache, dass die Messen, die

ich normalerweise besuche, zu Recht

abgesagt worden sind, und all die Bleibdaheim-Einschränkungen

haben meine

mentale Gesundheit schon erheblich beschädigt.

Ein Teil dessen, was das Streamen

psychisch so schwierig macht, ist

der Umstand, dass du mit einer lautstarken

Minderheit von vergifteten Leuten

leben musst, die sich in der Anonymität

des Internets stark fühlen. Messen zu besuchen

ist das komplette Gegenteil davon

– dort triffst du hauptsächlich Menschen,

die ehrlich begeistert sind, dich

zu treffen. Diese Leute sind wirklich nett.

Das stärkt mein Selbstvertrauen enorm,

das sonst jeden Tag kleine Schläge einstecken

muss. Andererseits hatte ich in

letzter Zeit mit einer Menge Leute zu

tun, die sich bei mir für mein konstantes

Streamen in der Zeit der Quarantäne bedankt

haben – das hätte ihnen im Sperrfeuer

der schlechten Nachrichten eine

kleine Atempause verschafft.

Anne in Action: twitch.tv/annemunition

THE RED BULLETIN 57


LÄSSIGER SCHNEIDER.

Profi-Skater Vladik

Scholz entwirft seine

Kleidung teilweise selbst

– zum Beispiel die

Leinenhose hier im Bild.

DIESER

SKATER FÄHRT ...

58 THE RED BULLETIN


... SEINEN

EIGENEN STIL

SEINE TRICKS:

LEICHTFÜSSIG.

SEINE VIDEOS:

EIN OPTISCHER

GENUSS.

SEINE KLEIDUNG:

NÄHT ER SELBST.

VLADIK SCHOLZ,

32, IST DAS STIL-

VORBILD UNTER

DEUTSCHLANDS

TOP-SKATE-

BOARDERN.

BESUCH BEI

EINEM, DER SICH

MIT KREATIVITÄT

NACH OBEN

KÄMPFTE.

Text

ANNE WAAK

Fotos

CHRISTOPH VOY

THE RED BULLETIN 59


V

ladik Scholz ist nicht zufrieden mit seinem Kickflip.

Wieder und wieder fährt er auf der Ebene vorm Eingang

des Gebäudes mit den mintfarbenen Kacheln

an, springt, das Skateboard vollführt eine komplette

Drehung um die eigene Längsachse, bis es in der

Luft parallel zum Boden schwebt. Vladik bringt das

Brett noch im Flug wieder unter seine Füße, und

beide, Skateboard und Skateboarder, landen auf der

Erde. Aber so richtig glücklich ist er mit dem Trick

nicht, er gelingt in Vladiks Augen nicht so gut, wie

er sein könnte.

„Zum Skaten ist für mich der frühe Abend

am besten“, erklärt er. Warum das so ist, weiß der

32-Jährige auch nicht so genau. Er steht vor dem

ehemaligen Verwaltungsgebäude des Kölnisch-

Wasser-Unternehmens 4711 in Köln-Ehrenfeld und

blinzelt in die Nachmittagssonne. Er vermutet, dass

der frühe Abend für ihn wegen der entspannteren

Stimmung besser sei, wegen der dann schon aufgewärmten

Muskeln und wegen der Sonne, die

nicht mehr so grell vom Himmel brennt. Sagt’s und

startet einen neuen Versuch, den Trick jetzt ordentlich

hinzukriegen.

Das ist typisch Vladik: Egal was er tut, er folgt

seinem eigenen Rhythmus. Und das Skateboarden

war für ihn schon immer ein Weg, sich mitzuteilen.

Dank dem Sport hat er seinen ganz eigenen Stil gefunden

und, mehr noch: eine neue Heimat. Heute

ist er in der Szene weltweit bekannt, besonders für

die Leichtfüßigkeit und Eleganz, die seinen Skate-

Stil prägen, wie auch für seine Outfits. Letztere

stellt er eigenhändig her; wahrscheinlich ist er der

einzige Profi-Skater der Welt, der eine Industrie-

Nähmaschine bedienen kann. Aber der Reihe nach.

RETTUNGS-BOARD.

Nach seiner Flucht

aus Weißrussland

half Vladik das Skaten,

in Deutschland

anzukommen.

IN VLADIKS KINDHEIT

GAB ES ZWEI SKATE-

BOARDS, DIE SICH

FÜNF JUNGS TEILTEN.

60 THE RED BULLETIN


HOCH HINAUS.

Vladik zeigt einen

elegant ausgeführten

„360 Kick Flip“

vor der ehe maligen

4711-Zentrale in Köln.

Dass Skateboarden für Vladik eine ganze Zeitlang

der einzige Weg war, sich auszudrücken, hat

mit seiner Herkunft zu tun. Zur Welt kam er 1988 in

der weißrussischen Trabantenstadt Nawapolazk, als

Sohn einer alleinerziehenden Ingenieurin. Die Stadt

im Norden des Landes war ursprünglich als Wohnstätte

für die sozialistischen Arbeiterinnen und Arbeiter

geplant worden, die in den Fabriken im Windschatten

der Stadt Polazk arbeiteten. Vladik war

gerade mal ein Schulkind, als seine Mutter beschloss,

sich in Deutschland eine Arbeit als Haushaltshilfe

zu suchen, um Vladik eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Sieben Jahre lang pendelte sie zwischen

Bielefeld und Nawapolazk, zwischen westdeutscher

Beschaulichkeit und postsowjetischer Plattenbausiedlung,

wo Vladik derweil bei seiner Oma lebte.

Irgendwann dann wünschte er sich als Mitbringsel

ein Skateboard von seiner Mutter, ein eigenes.

Unter den Freunden, mit denen er seine Nachmittage

verbrachte, gab es zwei Bretter, die sich

fünf Jungen teilten. Die ersten Versuche waren recht

hilflos; Skate-Magazine schafften es nicht bis nach

Nawa polazk, viel Internet war nicht, sowieso sollte

es bis zur Erfindung von YouTube noch ein paar

Jahre dauern. Moskau, wo es um die Jahrtausendwende

herum schon so etwas wie eine Szene gab,

war mit mehr als 600 Kilometern unendlich weit

entfernt.

Irgendwann holte ihn seine Mutter nach Bielefeld.

Vladik, mittlerweile 14 Jahre alt, war noch

nie in Deutschland gewesen und sprach kein Wort

dieser fremden, irre komplizierten Sprache, deren

Schriftbild zu allem Überfluss auch rein gar nichts

mit dem kyrillischen Alphabet des Russischen gemein

hatte. Anfangs verwechselte er „Bitteschön“

und „Dankeschön“, in der Schule lachten sie ihn

aus. Wenn er von der Lehrerin aufgerufen wurde,

sprach er seine Antwort vor lauter Scham eher in

sich hinein als laut und deutlich aus. Nur zwei Jahre

dauerte es, bis sein Deutsch flüssig war. Aber bis

heute ist es manchmal etwas vernuschelt, während

er behauptet, in seiner Muttersprache über eine sehr

klare Aussprache zu verfügen.

Skaten immerhin ging auch, ohne zu sprechen.

Anfangs stand Vladik im Skatepark allerdings immer

nur am Rand, schaute denen zu, die es besser konnten,

und traute sich nicht, selbst zu fahren. Erst

abends, wenn die anderen nach Hause gegangen

THE RED BULLETIN 61


waren, kam seine Zeit. Dann fuhr er unbeobachtet

und frei. Je selbstbewusster er wurde, desto mehr

zeigte er beim Skaten, wer er eigentlich ist, und desto

mehr Anschluss fand er, machte sich Freunde – und

irgendwann war er in Deutschland angekommen,

dem Sport sei Dank. Von da an dauerte es auch

nicht mehr lang, bis sein überdurchschnittliches

Talent auffiel und dass er einen unverwechselbaren

Stil fährt. Sein erster Sponsor kam nach nur einem

Jahr auf ihn zu, seitdem geht es karrieremäßig

eigentlich nur noch bergauf. Vladik Scholz sagt:

„Das Skaten war meine Rettung.“

Heute fährt er nicht mehr im Skatepark,

sondern ausschließlich auf der Straße,

ob nun in Köln, wo er seit mehr als zehn

Jahren lebt, oder in Spanien, Portugal,

Rumänien oder China – wo auch immer es

ihn hinzieht. Was seine Videos auszeichnet, ist zunächst

ihre ungewöhnliche Gestaltung: Musik, Bildsprache,

Schnitt – hier wirkt alles von vorn bis hinten

durchdacht und sorgfältig aufeinander abgestimmt,

unter Umgehung jeglicher Skater-Klischees.

Und dann ist da noch diese Leichtfüßigkeit.

Während andere Skater nach einem Trick mit der

Wucht und der Geräuschentwicklung eines Zwölftonners

wieder auf dem Boden aufkommen, spürt

man bei Vladik nur einen Hauch. Jede Bewegung

NEUES NETZTEIL.

Dieses Einkaufsnetz

hat Vladik

in einen Rucksack

verwandelt.

sieht bei ihm ruhig und elegant aus, bei Sprüngen

steht er praktisch in der Luft.

Diese Eleganz spiegelt sich auch in seinem Kleidungsstil

wider. An diesem Nachmittag trägt er eine

anthrazitfarbene Wollmütze, ein einfaches Longsleeve

und eine selbst genähte Leinenhose. Seine

Outfits bieten ihm genügend Bewegungsfreiraum

fürs Skaten, sind aber gleichzeitig so klassisch

schlicht, dass er damit auch in, sagen wir, einem

Restaurant in einem französischen Seebad nicht

unangenehm auffiele. Im Gegenteil. Das liegt aber

auch daran, dass Vladik ein überaus charmanter

und freundlicher Typ ist, der Menschen mit der

gleichen Aufmerksamkeit begegnet, die er auch dem

Skaten, seinen Outfits und seinen extra-stylischen

Videos schenkt. Diese Eigenschaften machen ihn

zu einem Gestalter mit großem ästhetischen Verständnis,

dem es immer auf das Gesamtergebnis

ankommt. Unter Kollegen gilt er gar als Style-Gott

und Ikone.

Mitten in den 2010er-Jahren, als dicke, fette

Logos auf T-Shirts, Caps und Beanies die Skate- Mode

bestimmten, kaufte Vladik lieber in Secondhandläden

ein statt in den einschlägigen Shops und trug

dann eben eine Schiebermütze anstelle der üblichen

Baseballkappen. Das lag daran, dass ihm schlicht

das Geld fehlte für die gängigen Brands. Gleichzeitig

hat er Mode auch schon immer als etwas begriffen,

mit dem er kommunizieren konnte, wer er ist. Schon

als seine Mutter ihm früher etwas zum Anziehen

genäht hatte, hatte der kleine Vladik sehr genau

gewusst, wo er noch einen Knopf haben wollte und

wo nicht.

Weil nun aber die Anzughosen aus dem Vintage-

Shop entweder am Bund zu weit waren oder an den

Beinen zu eng und weil er sich irgendwann fragte, ob

er sich nicht nach dem Muster seiner Lieblings-Chino

eine Hose aus einem Stoff seiner Wahl anferti gen

könnte, kaufte er sich vor fünf Jahren kurzerhand

eine Nähmaschine. Vier Tage und ungezählte You-

Tube-Tutorials später hatte er sein erstes eigenes

Modell gefertigt. Es liegt bis heute im Kleiderschrank

seines Kölner WG-Zimmers. Er zieht es heraus, untersucht

die Nähte und das Innenfutter. „Allein für die

Paspeltasche“, sagt er und zeigt auf den verstärkten

Eingriff, „habe ich einen Tag gebraucht.“ Mittlerweile

würde er die ganze Hose sehr viel schneller

hinkriegen. Nachdem er erst ein Praktikum bei

einem Kölner Herrenschneider absolvierte, studiert

MIT 14 KAM ER NACH

DEUTSCHLAND. ER

SAGT: „SKATEN HAT

MICH GERETTET.“

62 THE RED BULLETIN


JEDE MENGE STOFF.

Vladiks Liebe zur

Mode ist in seiner

Wohnung sichtbar.

MADE IN JAPAN.

Vladiks Industrie-

Nähmaschine

kommt aus Fernost.

THE RED BULLETIN 63


SCHMALER GRAT.

Vladik skatet heute

hauptsächlich auf

der Straße, selten

in Skateparks.

Vladik heute im siebten Semester Bekleidungstechnik.

Er liebt es, einen Schnitt erst im Kopf und

dann auf Papier oder im Computerprogramm zu

konstruieren und dann ein Kleidungsstück entstehen

zu lassen. Derzeit hat er sein Herz an Leinen verloren

– einen Stoff, für dessen Fasern aus Flachs Weißrussland

ein wichtiger Markt ist. Von einem Markt in

Usbekistan hat er Stoffe im Ikat-Muster mitgebracht,

ein immer etwas verwischt wirkendes buntes Streifenund-Zacken-Muster.

Am liebsten setzt er sich nachts

SICHERE SACHE.

Zu Vladiks jüngsten

Entwürfen zählen

Masken mit

speziellen Designs.

64 THE RED BULLETIN


VLADIK WIRD

ZUM KUGELBLITZ

Hier siehst du den Profi-

Skateboarder auf einer

beweglichen Holzbahn.

Eine einzigartige Kulisse,

rasante Action und ein paar

Stürze in die Tiefe: Für sein

neues Videoprojekt skatet

Vladik Scholz mit den Profis

Madars Apse, Gustavo Ribeiro

und Jost Arens durch ein

überlebensgroßes Kugellabyrinth

– samt kreativer

Obstacles und jeder Menge

Löcher. Eigens für den Dreh

konstruiert, bewegen

Hydraulikmotoren den Boden

wie beim Kinderspiel auf und

ab – mit den Kugeln rollen

Vladik und Co durch den

Parcours. Schau dir den Clip

jetzt an auf: redbull.com

an seine Nähmaschine und stellt seine Mode her:

die schwarze Leinenhose, die er an diesem Kölner

Hochsommertag trägt, eine einfache lederne Gürteltasche,

Jacken, Mützen.

ER IST VERMUTLICH DER

EINZIGE SKATER, DER EINE

INDUSTRIE-NÄHMASCHINE

BEDIENEN KANN.

Wie in vielen anderen Subkulturen auch

gelten beim Skaten heute keine so

strengen Codes mehr wie noch vor zwei,

drei Jahrzehnten. Man muss nicht mehr

Skatepunk oder Hip-Hop hören oder

die Schuhe einer bestimmten Marke tragen, um Aufnahme

in die maßgeblichen Zirkel zu finden. Und

Vladik hat mit seinem eigenen ebenso unbeirrbaren

wie klaren Stil einen Anteil an dieser Entwicklung.

Es hat lange gedauert, bis er etwas gefunden hatte,

das er mit genauso viel Leidenschaft verfolgt wie das

Skaten – und das sich noch dazu damit verbinden

lässt. Heute könnte er ohne Probleme eine Kollektion

an Skateboard-Basics herausbringen: zwei Hosen,

ein paar T-Shirts und Sweater aus strapazierfähigen

Stoffen in gedeckten Farben, durchdacht geschnitten

und mit pfiffigen Details wie einem schlauen Verschluss

oder einem besonderen Kragen.

Aber Vladik Scholz traut sich noch nicht so richtig

und näht einstweilen nur für sich. „Mein Ziel ist es,

irgendwann einen Kleiderschrank voller selbst gemachter

Klamotten zu haben“, sagt er. In den vergangenen

Monaten hat er immerhin an die hundert

Mund-Nasen-Schutzmasken genäht und verkauft,

natürlich nach einem eigenen Entwurf.

Vielleicht war das der Probelauf, um zu sehen,

ob seine modischen Ideen das Potenzial haben, auch

andere zu begeistern. Kommt Zeit, kommt Kollektion.

Vielleicht.

Erst plant er ein anderes Projekt: Kommendes

Jahr will er mit seinem Freund Patrik Wallner, der

als Fotograf und Regisseur schon viele gemeinsame

Skate-Trips begleitet hat, nach Weißrussland fahren

– sofern es die politischen Umstände zulassen. Es

wird das erste Mal seit mehr als 17 Jahren sein,

dass Vladik Scholz zu seinen Wurzeln zurückkehrt.

Es wird eine Reise an den Ort, an dem alles begann.

Dorthin, wo Vladik das Skaten kennenlernte, das

seitdem sein Leben bestimmt und das er stilistisch

in jeglicher Hinsicht nach vorne bringt.

Entdecke Vladiks Stil auf Instagram: @vladikscholz

THE RED BULLETIN 65


Neue Welt im

Blick: Regisseur

Louis Josek

reiste für seine

Doku mehrfach

nach Jamaika.

DAS ABENTEUER

DA DRAUSSEN

Surfen, Skaten, Rappen: Der Kölner Dokumentarfilmer

LOUIS JOSEK, 26, hat eine Nahaufnahme

der Jugendkultur auf Jamaika gemacht. Und dabei

auch eine Menge über sich selbst gelernt.

Text RUTH McLEOD

Eigentlich wollte Louis Josek

auf Jamaika nur einen Freund

besuchen. Aber dann verliebte

sich der Kölner in

das Land, und eine außergewöhnliche

Geschichte

nahm ihren Lauf. Während

seines Besuchs lernte Josek

drei junge Jamaikaner kennen – einen

Rapper, einen Skateboarder und einen

Surfer. Die drei faszinierten ihn: Sie

steckten voller Energie, widersprachen

ganz und gar dem Klischee der entspannten

Reggae­ Kultur. Vor allem aber entdeckte

Josek eine große Seelenverwandtschaft

zwischen den jungen Männern

und Gleichaltrigen in Europa. Hier wie

dort stemmt sich eine junge Generation

mit großer Lebenslust gegen Ängste

vor einer unsicheren Zukunft. Josek

be schloss, die drei Jamaikaner mit einer

Doku zu begleiten. Nun ist „Outdeh – The

Youth of Jamaica“ auf Red Bull TV abrufbar,

wobei „Outdeh“ im Jamaika­ Slang

etwa „Da draußen“ bedeutet. Im Interview

erklärt Josek, wie eine Urlaubsreise

zum Abenteuer seines Lebens wurde.

the red bulletin: Louis, bis zu deinem

18. Lebensjahr warst du Profi-

Surfer. Wie kam es, dass du hinter die

Kamera gewechselt bist?

louis josek: Zunächst mal liegt das

wohl in unserer Familie. Mein Vater war

Fotograf, wodurch ich von klein auf von

Kameras umgeben war. Und schon während

meiner Zeit als Surfer habe ich

neben her gefilmt. Dann bin ich dazu

übergangen, meine ehemaligen Kollegen

mit der Kamera zu begleiten.

Ausgangspunkt für „Outdeh“ war ein

Besuch bei einem Freund auf Jamaika.

Was hat dich dort fasziniert?

OUTDEH – THE YOUTH OF JAMAICA

66


„Die jungen

Jamaikaner

hatten einen Weg

gefunden, das

zu tun, was sie

wirklich wollten.“


Vor allem die jungen Menschen – sie

haben mich mit ihrer Energie und mit

ihrem Durchhaltevermögen wahnsinnig

inspiriert. Dabei wird ihnen von Geburt

an gesagt: „Dieses und jenes kannst du

nicht werden, das schaffst du nie.“ Das

hat mich ein wenig an Köln erinnert,

wo ich aufgewachsen bin.

Warum denn das?

Na ja, auch bei uns und eigentlich in

ganz Europa wird von den meisten jungen

Menschen der typische Weg erwartet:

Du gehst zur Schule, dann studierst

du, und dann gehst du in einem klassischen

Beruf arbeiten. Deswegen war ich

so fasziniert von diesen jungen Jamaikanern,

die einen Weg gefunden hatten,

ihre scheinbar vorbestimmten Pfade zu

verlassen und das zu tun, was sie wirklich

wollten. Sie hatten viele Träume –

und die Leidenschaft und den Mut, diesen

zu folgen. Ich habe eine große Verbundenheit

zu ihnen gespürt. Sie haben

mich dazu inspiriert, darüber nachzudenken,

was ich eigentlich will.

Was hat dich an den Träumen deiner

drei Hauptdarsteller besonders

interessiert?

Dass sie bereit waren, diesen Träumen

trotz teilweise großer Widrigkeiten zu

folgen. Shama hatte sich dazu entschieden,

ganz allein Jamaikas erster Profi-

Surfer zu werden. Der Skater Romar

lebte in Tivoli Garden in der Hauptstadt

Kingston, einem der brutalsten Orte

Jamaikas. Er hatte früh seine gesamte

Familie verloren und war selbst jung

Vater geworden. Baker steez wollte um

jeden Preis Rapper werden, obwohl die

Insel ja stark von Reggae dominiert wird.

Woher nehmen diese jungen Männer

ihre Kraft?

Sie sind smart, bescheiden und großherzig.

Vor allem beweisen sie, dass es

sich auszahlt, an sich zu glauben. Sie haben

zu sich gesagt „Ich schaffe das!“, obwohl

ihr Umfeld das Gegenteil behauptete.

Heute dienen sie der nachfolgenden

Generation als Vorbilder. Früher gab es

auf Jamaika keine Skater, jetzt wird

schon der zweite Skatepark gebaut. Es

tun sich immer mehr Surf-Talente hervor,

und auch die Rap-Szene wächst.

Du hast nicht nur die drei Männer

auf ihren ersten Karriereschritten begleitet,

auch für dich selbst war es

das erste Filmprojekt.

Dreharbeiten in der Karibik

Rapper Bakersteez am Mikro

„Meine

wich tigste

Erkennt nis:

Du musst

an deine Idee

glauben.“

Ja, und das hat uns miteinander verbunden.

Wir kommen aus einer Generation,

und in dieser Lebensphase hast du

dieselben Fragen und dieselben Ängste –

egal, ob du in Köln oder in Kingston aufgewachsen

bist. Dadurch hatten wir einen

besonderen Zugang zueinander und

zur Story.

Und wie bist du die Herausforderung

angegangen?

Ganz ehrlich: Ich hatte keine Ahnung,

68 THE RED BULLETIN


„Sie sagten:

‚Ich schaffe das!‘

Heute sind sie

Vorbilder.“

Surfer Shama vor der Welle

Als Bakersteez nach seinem Auftritt in

Sendai, dem kleinsten Ort der Japan-

Tour, von der Bühne kam. Das Konzert

war in einem rammelvollen Underground-Club

in einer finsteren Nebenstraße.

Es war sein bester Auftritt, und

nach dem letzten Song sangen die Zuschauer

seine Lieder weiter. Da wurde

mir bewusst, was für einen verrückten

Weg wir hinter uns hatten. Nur drei Monate

vorher hatten wir noch in Kingston

gedreht, und die internationale Karriere

war noch ein Traum.

OUTDEH – THE YOUTH OF JAMAICA,

MARIAMI KURTISHVILI, DONALD DE LA HAYE

Das „Outdeh“-Kernteam posiert gemeinsam fürs Gruppenfoto (von links): Wellenreiter Elishama Beckford,

genannt Shama, Skater Romar Rose, Regisseur Louis Josek und Daniel Simpson aka Bakersteez.

was ich mir da antun würde. Als wir endlich

das Geld zusammenhatten, riefen

wir noch: „Juhu, ab nach Jamaika! Wir

machen einen Film!“ Die erste Woche

war dann schrecklich. Es gab Probleme

beim Dreh, plötzlich werden dir die kulturellen

Unterschiede vor Augen geführt,

und die drei Jungs waren nicht mehr nur

meine Freunde, sondern sozusagen Arbeitskollegen.

Da habe ich gemerkt, dass

ich zu nah an ihnen dran war – wir hatten

ein sehr nahes, persönliches Verhältnis,

und plötzlich musste ich die Richtung

vorgeben. Auch sonst musste ich mich

an meine Rolle gewöhnen: Wir haben in

Kingston in sehr gefährlichen Vierteln

gedreht. Da habe ich schlagartig die Verantwortung

für die ganze Crew gespürt.

Im Film folgst du Surfer Shama nach

Hawaii und Rapper Bakersteez auf

eine Tour nach Japan. Welcher Moment

ist dir besonders in Erinnerung

geblieben?

Wie hat sich das angefühlt?

Sehr aufregend. Dieser Moment hat für

mich die Schönheit des dokumentarischen

Filmens auf den Punkt gebracht:

Du startest mit einer Idee und einem Gefühl

für eine Geschichte. Während du

deine Figuren begleitest, zweifelst du

natürlich immer wieder an dir, aber du

kommst auch an Orte, von denen du vorher

nicht einmal geträumt hattest. Das

ist meine wichtigste Erkenntnis aus dem

Projekt: Du musst an die eigenen Ideen

glauben und den Mut haben, der Story

ihre natürliche Entwicklung zu lassen.

Und wie merkt man, dass die Geschichte

zu Ende ist?

Bei mir stellte sich das Gefühl zwei Tage

vor unserem geplanten Rückflug ein. An

diesem Tag ging es um drei Uhr morgens

los. In der Stadt gibt es ein großes beleuchtetes

rotes Kreuz – das wollten wir

im Bild haben. Wir baten Shama, von

links nach rechts durchs Bild zu skaten,

und drückten auf Aufnahme. Genau in

dem Moment, als Shama rechts aus dem

Bild fuhr, ging die Beleuchtung aus. Eine

halbe Stunde später fing es zu regnen an.

Das passiert sonst nie in Jamaika. Am

nächsten Tag regnete es auch. Da habe

ich gespürte, dass ich fertig war. Die Insel

hatte gesagt: „So, passt – Licht aus,

das war’s, ab nach Hause!“

„Outdeh“ online sehen: redbull.com/outdeh

THE RED BULLETIN 69


DER ALTMEISTER

Helmut Marko, 1971

Le-Mans-Sieger, heute

Talentescout von

Red Bull Racing.


GEMEINSAM AM START

Marko (re.) und Rindt bei einem Bergrennen in Stainz, Österreich, 1968:

eines der ganz wenigen Fotos, die beide zeigen

„MEINE

WILDE ZEIT MIT

JOCHEN

RINDT“

PRIVATARCHIV

Der Red Bull Motorsport-Chef erinnert sich:

HELMUT MARKO, 77, verband eine enge Freund schaft

mit Formel-1-Legende Jochen Rindt. Auf den Straßen

der Steiermark lernte er mit ihm die hohe Kunst des

Rennfahrens. Ohne Führerschein, aber mit Begeisterung.

Text ANDREAS WOLLINGER

Fotos KONSTANTIN REYER

THE RED BULLETIN 71


SCHMUCKSTÜCK

Marko am Steuer des Porsche

356, der als weiter entwickelter

Käfer durchgehen darf

Helmut Marko steht in der österreichischen Steiermark

in einer Parkbucht am Koppenpass, der den Ort Bad

Aussee mit Obertraun am Hallstätter See verbindet,

in seinem Rücken ein feuerwehrroter Porsche 356, und

schaut angestrengt den Hang hinauf. „Irgendwo da oben

muss die Straße gewesen sein“, sagt er, „die Strecke

heute hat ja mit dem Verlauf von damals nicht sehr viel

zu tun.“ Gut, von Obertraun herauf, auf der oberösterreichischen

Seite des Passes, da ist alles noch genauso

wild und selektiv wie damals, vor sechzig Jahren, aber

auf der steirischen Seite ist praktisch kein Stein auf dem

anderen geblieben. „Ja, so ist das: Alles wird nivelliert“,

sagt Marko, halb zu sich, halb zu uns.

Man mag es kaum glauben, aber Marko, den in der

Formel 1 alle nur ehrfürchtig „den Doktor“ nennen,

war seit den frühen Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts

nicht mehr hier. Anlass der Rückkehr: The Red

Bulletin hat die graue Eminenz von Red Bull Racing

gebeten, einen Roadtrip zu seinen Wurzeln zu unternehmen

– in eine extrem wilde Zeit, die er mit seinem

damals besten Freund Jochen Rindt verbrachte. Jochen

Rindt: Urknall des österreichischen Rennsport-Universums,

1970 in Monza tödlich verunglückte Formel‐1-

Ikone, der einzige posthum zum Weltmeister erklärte

Pilot der Geschichte. Ohne ihn gäbe es keine erfolgreichen

österreichischen Grand-Prix-Piloten, keine

Renn strecke in Spielberg, keine Formel-1 -Begeisterung

in Rot-Weiß-Rot.

Die beiden Säulenheiligen des österreichischen

Motorsports hatten einander schon als Halbwüchsige

in Graz kennengelernt. Basis der Freundschaft waren

gemein same Interessen: zuerst Mopeds, dann Mädchen.

„Wann immer die Eltern ein Wochenende weggefahren

sind“, erzählt Marko, heute 77, „ist in deren Haus oder

Wohnung eine Party organisiert worden. Da war der

Jochen – er war ja ein Jahr älter – wirklich sehr, sehr gut:

Er hat immer die tollsten Mädchen dahergebracht.“

Ein Draufgänger, der auf Regeln pfiff

Aber auch sonst hatte man mit Jochen viel Spaß – vor

allem, weil er „unglaublich unternehmungslustig und

immer gut aufgelegt war“. Ein Draufgänger, der sich

um gesellschaftliche Regeln nicht viel scherte und nicht

lang fragte, ob etwas erlaubt oder verboten ist. „Bei

den anderen Eltern“, erinnert sich Marko schmunzelnd,

„galten wir nicht unbedingt als die, mit denen man die

eigenen Kinder sehen wollte.“

Die unerschrockene Art hatte, glaubt Marko, mit

Rindts persönlicher Geschichte zu tun: In Deutschland

geboren, verlor er seine Eltern bei einem Bombenangriff

gegen Kriegsende und kam als Baby zu den Großeltern

nach Graz. „Die waren nicht so streng wie Eltern“,

72 THE RED BULLETIN


meint Helmut Marko. „Jochen hat mehr Freiheiten gehabt

als andere. Und er war, als Erbe einer Gewürzmühle

in Mainz, finanziell recht gut gestellt.“

Das Einzige, was unter diesen Rahmen bedingungen

litt, war der schulische Erfolg. Als im Verlauf der siebten

Klasse Gymnasium – Rindt und Marko waren inzwischen

Klassen kameraden – ein Zeugnis zum Desaster zu werden

drohte, boten die zwei ihren Lehrern einen Deal an:

Gegen ein positives Zeugnis würden diese sich nie wieder

mit ihnen herumärgern müssen.

Gymnasium der letzten Hoffnung

Es war nämlich so: Ein Freund hatte ihnen erzählt, dass

es im Salzkammergut ein Internat gebe, das für junge

Herren, die der Schule nicht den nötigen Ernst entgegenbrachten,

ein wahres Paradies sei. Eine private Einrichtung,

die den Ruf des „Gymnasiums der letzten Hoffnung“

hatte. Hier würden sie ohne übermäßige Anstrengung

die Matura, das österreichische Abitur, machen und

nebenbei eine Menge Spaß haben. Ein paar prominente

Namen aus der Liste der Schüler: Tausendsassa André

Heller, der Industrielle Thomas Prinzhorn und die

Rennfahrer Niki Lauda und Harald Ertl.

So kamen Jochen Rindt und Helmut Marko nach Bad

Aussee. Und wie kamen sie zu dem Auto, an dem sich

ihre Leidenschaft zum Rennfahren entzündete? Marko:

„Wir waren am Krippenstein Ski fahren. Und weil wir

damals alles extrem machten, hat sich der Jochen den

Oberschenkel gebrochen. Das Problem war, dass Internat

und Schule eine halbe Stunde Fußweg auseinander

lagen, das war mit einem Komplettgips natürlich nicht

zu machen. Daraufhin hat Jochens Großvater einen VW

Käfer mit Chauffeur organisiert. Der hätte Jochen jeden

Tag in die Schule bringen sollen. Das hat er auch zwei,

drei Tage gemacht. Bis wir dem Großvater gesagt haben:

Wir brauchen den Fahrer nicht, wir haben eh einen Mitschüler

mit Führerschein, dadurch sparen wir Kosten.“

Lachend fügt der spätere Le-Mans-Sieger hinzu: „Wahrscheinlich

hat auch irgendeiner einen Führerschein

gehabt. Aber die, die gefahren sind, hatten jedenfalls

keinen.“

Während Rennfahrer von morgen heute ihre Sinne

im Kindesalter gefahrlos im Gokart schärfen, entwickelten

Rindt und Marko die Fähigkeit zur Fahrzeugbeherrschung

als Teenies in freier Wildbahn, auf öffentlichen

Straßen rund um Bad Aussee, zum Beispiel auf den

zehn Kilometern über den

Koppenpass nach Obertraun.

„Das Auto ist immer

am Limit bewegt worden“,

erinnert sich der Doktor.

Wobei man sich der Sache

auf spielerische Weise näherte.

Sie saßen zu viert

im Auto; einer fuhr, die

drei anderen bildeten die

„JOCHENS

GROSSVATER HAT

EINEN VW KÄFER

MIT CHAUFFEUR

ORGANISIERT.“

RECHT

FREUNDLICH

Helmut Marko auf

den Spuren seiner

Freundschaft mit

Jochen Rindt auf

dem Koppenpass

THE RED BULLETIN 73


„AM NÜRBURGRING

HAT JOCHEN

PLÖTZLICH

GESAGT: DAS WILL

ICH AUCH MACHEN.

ICH HAB IHN NUR

VERWUNDERT

ANGESCHAUT.“

„Jury“. Machte der Pilot

einen Fehler oder fuhr zu

schneidig in eine Kurve,

folgte ein Fahrerwechsel.

Der Käfer war eine

Herausforderung für sich:

30 PS, null Straßenlage,

Seilzugbremsen. „Das

heißt, dass jedes Rad

anders gebremst hat“,

sagt Marko, „einmal hat

ein Rad blockiert, dann

ein anderes.“ Kurz: Ein

besseres Werkzeug für die

Entwicklung von Gefühl

im Hintern kannst du kaum finden. Detail am Rande:

Damals gab es weder Sicherheitsgurte noch ein Tempolimit

auf Landstraßen.

Für die Erinnerungsfahrt 2020 hat Helmut Marko

einen Porsche 356 ausgesucht. Aus drei Gründen ist das

eine stimmige Wahl: Erstens stammt das Auto genau

aus der Zeit Anfang der Sechzigerjahre, in der diese Geschichte

spielt. Zweitens hatte er mit Ferdinand Porsche

den gleichen Schöpfer sowie das gleiche Konstruktionsprinzip

wie der alte Käfer, ist aber deutlich hübscher

anzuschauen. Und drittens hatte der Kunstprofessor

in der Schule einen besesseb – und darin immer die

tollsten Frauen neben sich sitzen gehabt.

Berufswahl am Nürburgring

Der Plan mit dem nachgeschmissenen Abitur ging dann

doch nicht auf. Kurz vorher wurde der Schule die Lizenz

zur Durchführung entzogen, und die Reifeprüfung

musste anderswo abgelegt werden. Das Resultat: Sowohl

Marko als auch Rindt flogen durch. In Graz würde

es deshalb nur unnötig Ärger geben. Also fuhren sie

in Rindts neuem Auto, einem Simca, in die entgegengesetzte

Richtung: zum Grand Prix auf den Nürburgring.

„Wir haben in der Wiese neben dem Auto geschlafen“,

erinnert sich Marko, „der infernalische Lärm der vorbeirasenden

Rennautos hat uns geweckt. Da hat Jochen

plötzlich gesagt: ‚Das will ich auch machen!‘ Ich hab ihn

nur verwundert angeschaut, weil das für uns so unvorstellbar

weit weg war.“

Wie wir heute wissen, hat Jochen seinen Entschluss

dann beinhart durchgezogen. Während Helmut Marko

auf dringenden Wunsch seines Vaters Jura studierte,

ging sein Freund nach ersten Rennen in Österreich nach

England, um die internationale Racing­ Szene aufzumischen.

Das ringt Helmut Marko noch heute Respekt

ab: „Unser Schulenglisch hat ja grad mal gereicht, um

etwas zu essen zu bestellen. Da brauchst du Mut, eine

Vision. Und viel Selbstvertrauen.“

Der schnelle Ruhm habe Jochen Rindt kaum verändert,

sagt Marko. Nur sein Lebens stil war plötzlich ungleich

glamouröser: „Er hat Geld gehabt, einen eigenen

Flieger und unser Traumauto, einen Jaguar E – so was

GUTE ALTE ZEIT

Helmut Marko

blättert in „Jochen

Rindt – eine Bildbiografie“

(Böhlau

Verlag) und erinnert

sich an das

Bergrennen von

Stainz 1968.

AUS DEM BUCH: „JOCHEN RINDT-EINE BILDBIOGRAFIE“, BÖHLAU VERLAG, GETTY IMAGES

74 THE RED BULLETIN


DIE RÜCKKEHR

Marko auf der Zufahrt zum

Internat. Kaum zu glauben, aber

er war sechzig Jahre lang nicht da.

hat man ja nur von Filmstars gekannt. Doch wenn er

nach Graz gekommen ist, hat es die gleichen Partys

gegeben wie immer.“ Rasend schnell wurde aus dem

unerschrockenen Buben mit der schiefen Nase „der erste

Popstar des Rennsports“, wie Marko einmal konstatierte.

Weil er seine Eigen heiten zu Markenzeichen erhob: die

ständig im Mundwinkel hängende Zigarette; der Gang

mit stark nach innen gerichteten Schuhspitzen; die extravagante

Kleidung. „Er ist mit seinem ganzen Auftreten

herausgeragt aus der Masse“, sagt Marko.

Angebot beim Begräbnis

Und dann: das Ende, mitten in einer Phase der größten

Triumphe. „Unser Zugang zum Tod war: Wenn’s passiert,

dann passiert’s eben“, schildert Marko Jochen Rindts

tödlichen Unfall Anfang September 1970, von dem er

im Radio in der Wohnung eines Freundes erfuhr. „Aber

als es dann wirklich passiert ist, konnten wir das überhaupt

nicht ver arbeiten. Und auch nicht akzeptieren.

Wir haben uns dann mit Alkohol betäubt. Dieser Abend

ist mir bis heute in Erinnerung.“

Beim Begräbnis ist er dann von einem Rennsport-

Manager angesprochen worden. „Der hat mir ein irrsinnig

tolles Angebot gemacht für die folgende Saison.“

Ernsthaft, beim Begräbnis? „Ja“, sagt Marko, „ich

hab eh geglaubt, ich bin im falschen Film. Das war kein

Österreicher, der hatte keine so starke emotionale Verbindung

zu Jochen. Und wie gesagt: Tote waren damals

im Motorsport an der Tagesordnung.“

Seltenes Bilddokument

Erstaunlich ist, dass es kaum Bilder gibt, die Marko und

Rindt gemeinsam zeigen. Eines dieser raren Fotos stammt

von einem Bergrennen in Stainz nahe Graz 1968. Rindt,

damals schon ein etablierter Formel-1-Fahrer, kam

mit einem privaten Brabham-Formel-2-Boliden in die

Provinz, um vor 20.000 begeisterten

Zuschauern den Streckenrekord

um eine halbe Minute

zu verbessern. Helmut Marko,

fuhr Formel V und belegte Rang

zehn. Und ein gewisser Nikolaus

Andreas Lauda wurde auf einem

Porsche 911 Neunter. Markos Erinnerungen

an das Er eignis sind

etwas lückenhaft.

Er entsinnt sich bloß des gleichen

Bergrennens 1970, bei dem

Rindt Zweiter ge worden war und

beteuerte, er habe aus Rücksicht

auf die Formel-1-WM nicht das

Letzte aus seinem Auto herausgeholt.

„In Wahrheit“, erzählt

Helmut Marko schmunzelnd,

„war unser Abendprogramm

schuld, dass wir am Tag darauf

nicht die Fittesten waren.“

Das Video zum Roadtrip

auf Red Bull TV

Markos Comeback

in Deutschland

Im Oktober kehrt die Formel 1

auf den Nürburgring zurück.

Brüllende Motoren, spektakuläre Überholmanöver,

spannende Boxenstopps:

Vom 9. bis 11. Oktober gibt es wieder

Formel-1-Action auf dem Nürburgring

– zum ersten Mal seit sieben Jahren.

In der Eifel fordern Max Verstappen

und Alex Albon von Red Bull Racing sowie

die Scuderia AlphaTauri unter den

Augen von Red Bull Motorsport-Chef

Dr. Helmut Marko Weltmeister Lewis

Hamilton heraus. Infos: redbull.com

THE RED BULLETIN 75


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76 THE RED BULLETIN


GUIDE

Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen

MIRJA GEH/RED BULL CONTENT POOL

AB AUF DIE STRECKE!

Snowboard-Profi Benjamin

Karl, 34, geht beim Red Bull

Dolomitenmann als Mountainbiker

an den Start. Hier erzählt

er, wie sich die 1700 wilden

Höhenmeter anfühlen.

Plus: drei spannende Bike-

Trails in den Lienzer Dolomiten.

THE RED BULLETIN 77


GUIDE

Travel

„Raus aus dem Stadion,

zwei Stunden volle Tube

bergauf und bergab.

Du übernimmst dich

fürchterlich.“

Benny Karl über seine Erfahrung

beim Red Bull Dolomitenmann

A

m Morgen des Rennens gönne

ich mir ein kleines Frühstück,

fahre mit meinem Stadtrad, dem mit dem

Körbchen und den Blumen, gemütlich

zum Start und plaudere mit den Teamkollegen.

Wenn die Bergläufer starten,

kann ich noch chillen. Zwei Stunden, bis

bei mir die Schmerzen beginnen.

Beim Red Bull Dolomitenmann, dem

härtesten Teambewerb der Welt, bin ich

als Dritter der Wings for Life-Staffel an

der Reihe. Ich stehe im Lienzer Stadion,

die Fans rund um mich sorgen für grandiose

Stimmung. Ich sehe unseren Paragleiter

zu mir herunterschweben. Jetzt

ist volle Konzentration angesagt: Sein

Schirm darf sich beim Abklatschen nicht

in meinem Bike verheddern. Es geht los!

Raus aus dem Stadion, zwei Stunden

volle Tube bergauf und bergab. 16 Kilometer

Uphill, 14 Kilometer Downhill,

1700 Höhenmeter. Wir starten flach über

Wiesen, Schotter und Asphalt zum ersten

Anstieg, hinauf zu jenem Punkt, wo sich

im Winter die Ski-Damen in die Abfahrt

stürzen. Hier merkst du schnell, dass du

den 40er-Schnitt nicht halten wirst. Wenn

du auf diesem Abschnitt auf 8 Stundenkilometer

kommst, ist das schon viel.

Denn es ist richtig steil, 25 bis 30 Prozent.

Und es tut richtig weh.

Seit 2007 bin ich jedes Jahr am Start.

Auch weil ich mittlerweile hier Heimvorteil

Nach dem Abklatsch ist vor dem Aufstieg: Paragleiter Wendelin Ortner übergibt an Benny Karl.

genieße – ich wohne ja in Lienz. Unten

stehen die Leute an der Strecke und

feuern dich an. Auch weiter oben, in den

Kehren: „Geht scho’, Benny, geht scho’!“

Du übernimmst dich fürchterlich – bis

dich niemand mehr sieht. Du hast das

Gefühl, es zerfetzt dir die Lunge. Die

Qualen kann man nicht mit denen beim

Snowboarden vergleichen.

Zur Moosalm hinunter spiele ich meine

Downhill-Qualitäten aus. Bei den richtig

hohen Holzstufen steigen einige Kollegen

ab und tragen ihr Bike. Ich nicht. Need for

Speed liegt mir im Blut.

Das Rennen hat mein Schwiegervater

Werner Grissmann vor mittlerweile mehr

als 30 Jahren erfunden. Und die gesamte

Familie ist im Einsatz: Meine Frau Nina

betreut die VIPs an der Strecke. Meine

Mama versorgt mich am zweiten An stieg

mit Getränken. Es geht über eine Schotterstraße

1100 Höhenmeter hinauf, elendslang,

aber oben mit einem schönen Blick

hinein ins Tal. Und dann noch zusätzliche

150 Höhenmeter mit dem Rad auf den

Schultern durch die Latschen zum Hochsteinkreuz.

Apropos Rad: Ich nehme meistens

das nur vorn gefederte Hardtail. Es ist

leichter, und ich mache lieber bergauf

zwei Minuten gut, als dass ich bergab

eine halbe Minute schneller bin.

Das Mittelstück der Abfahrt ist eine

schnurgerade Herausforderung mit

78 THE RED BULLETIN


GUIDE

Travel

Wien

Österreich

Anreise

Lienz liegt in Osttirol an der

Grenze der Zentralalpen

zu den Südlichen Kalkalpen.

Südlich der Drau erstrecken

sich hier die Lienzer Dolomiten.

Am Kreuzungspunkt

von Drau-, Isel- und Pustertal

laufen wichtige Verkehrsverbindungen

wie die Drau-

Lienz

talstraße und die Felbertauernstraße

zusammen.

Die nächstgelegenen internationalen

Flughäfen befinden

sich in Salzburg,

Ljubljana (Slowenien) und

Venedig (Italien).

Hochgefühl: Die Paragleiter dürfen sich nicht vom Panorama ablenken lassen.

MIRJA GEH/RED BULL CONTENT POOL (2), CHRISTOPHER KELEMAN/

RED BULL CONTENT POOL HANNES KROPIK

Beinarbeit: Vor und nach dem Flug muss der Gleitschirm getragen werden.

Der Event

Der Red Bull Dolomitenmann wurde

vom ehemaligen Skistar Werner

Grissmann erdacht. Seit 1988 fighten

Bergläufer, Paragleiter, Mountain biker

und Wildwasser-Kajakfahrer in der

Staffel um den Sieg beim härtesten

Teamwettbewerb der Welt. Das

Starter feld ist auf 125 Teams limitiert.

500 Freiwillige und 150 Helfer von

Bergrettung, Feuerwehr, Polizei und

Rotem Kreuz sorgen für die Sicherheit.

Im Jahr 2019 gewann das Team

Kolland Topsport Professional in einer

Gesamtzeit von 3:47:02 Stunden. Die

33. Auflage des Red Bull Dolo mitenmannes

geht am 12. September

in und um Lienz über die Bühne.

Infos: redbulldolomitenmann.com

THE RED BULLETIN 79


GUIDE

Travel

Die Bergläufer starten den Staffelbewerb. Stille Bewunderer im Hintergrund: die Lienzer Dolomiten

30 Prozent Gefälle. Dafür habe ich meine

eigene Technik entwickelt: Ich blockiere

das Hinterrad permanent, vorn bremse

ich nur hin und wieder. Es ist schon passiert,

dass ich die Bremse so überhitzt

habe, dass ich Kurven einlegen musste,

um das Tempo in den Griff zu bekommen.

Früher ging es einfach bergab ins Ziel,

einmal habe ich die Strecke in 15 Minuten

geschafft. Jetzt haben sie den Kurs verschärft,

nach der Abfahrt geht es in den

neuen Alban-Lakata-Trail mit gefühlt hundert

Anliegerkurven. Du musst hoch konzentriert

sein, sonst schlägt es dir den

Lenker aus den Händen. Zum Schluss ist

der Weg hinüber nach Leisach gespickt

mit kleinen Anstiegen. Vor lauter Krämpfen

in Waden und Oberschenkeln weißt

du nicht, wie du es ins Ziel schaffst.

Für mich ist das Rennen vorbei, wenn

ich mit Gebrüll an meinen Kajakfahrer

übergebe. Ich lasse mich fallen und

schnappe nach Luft. Lasst mich einfach

ein paar Minuten liegen. Dann rolle ich

langsam hinüber zum Ziel und nehme mit

meinen Staffelkollegen unseren Schlussmann

am Hauptplatz von Lienz in Empfang.

Wir fallen uns in die Arme, wir haben

es geschafft. Wieder einmal.

Besser ein Ende mit Schmerzen als Schmerzen ohne Ende:

Die Kanuten müssen den finalen Sprint mit dem Boot

ab solvieren (im Bild Harald Hudetz beim Zieleinlauf 2017).

„Nichts ist

hier leicht“

Benjamin Karl stellt drei

Bike-Touren rund um Lienz vor.

Moosalm:

GEMÜTLICH STEIL

(300 Höhenmeter). „In Osttirol gibt

es nichts Leichtes. Auf die Moosalm

sind es aber nur 300 Höhenmeter,

oben kannst du gut essen,

und der Ausblick ist wunderbar.“

Karlsbader Hütte:

SCHÖN ANSPRUCHSVOLL

(1600 Höhenmeter): „Wenn du

versierter bist, empfehle ich den

Schotterweg hinauf zur Karlsbader

Hütte, mitten im Herzen der Lienzer

Dolomiten. Auf der schönsten Tour

im hochalpinen Gelände kannst du

dir für die letzten 600 Höhenmeter

auf der Dolomitenhütte auch ein

E‐Bike ausborgen.“

Lesachtal-Runde:

HERRLICH AUTOFREI

(1600 Höhenmeter): „Auf der

112 Kilometer langen Runde wird

auch die Dolomiten-Rundfahrt ausgetragen.

Mit dem Rennrad fährst

du auf schmalen, verwinkelten

Straßen, auf denen keine Autos

unterwegs sind.“

MIRJA GEH/RED BULL CONTENT POOL, MARKUS BERGER/RED BULL CONTENT POOL HANNES KROPIK

80 THE RED BULLETIN


GUIDE

Ausrüstung

OUTDOOR

Wandern,

next Level

Dieser Schuh für Bergwanderer

glänzt mit Trailrunning-Qualitäten.

Untenrum stark:

Die Sohle des MQM

dämpft Stöße und

stabilisiert den Fuß

des Wanderers.

TIM KENT

Lange Zeit galt: Bergwanderer tragen Stiefel, Bergläufer tragen Trailrunning-Schuhe. Doch seit einigen Jahren lässt sich

das Schuhwerk der beiden Gruppen immer schwerer unterscheiden. Der Grund: Auch die Wanderer sind auf die leichten

und dennoch stabilen Halbschuhe der Trailrunner gekommen. Deshalb hat Hersteller Merrell einen eigenen Trailrunning-

Schuh für Wanderer entwickelt. Der MQM – abgekürzt für „Move Quickly in the Mountains“ – versucht nun schon in zweiter

Generation die Vorteile von Wander- und Lauf-Modellen zu vereinen. Eine flexible, gepolsterte Zwischensohle trifft auf eine

gebirgstaugliche Laufsohle. Das Obermaterial ist reißfest, eine Kappe schützt die Fersenpartie. Dank neuartiger Technologie

ist die GORE-TEX Waterproof Membran außergewöhnlich atmungsaktiv, eine durchgehende Zunge verhindert das

Eindringen von Schmutz. 140 Euro, merrell.com

THE RED BULLETIN 81


GUIDE

Fitness

STROBOSKOP-BRILLE

Wer weniger

sieht,

hat mehr

Durchblick

Diese Brille schränkt die Sicht ein

– und hilft damit Top-Athleten und

Astronauten, ihre Koordinationsfähigkeiten

zu verbessern.

Tempo, Präzision und Power

sind die wichtigsten Elemente

beim Rugby. Denn ständig

versucht der Gegner, dich

zu stören und zu Boden zu

reißen. Für den perfekten

Catch darfst du dich nicht aus

der Ruhe bringen lassen. Eine

„Stroboskop“-Brille soll Spitzensportlern

genau dabei helfen.

Sie wurde entwickelt, um

die Verbindungen zwischen

Augen, Gehirn und Körper zu

optimieren. Sie simuliert eine

Stroboskop-Beleuchtung, das

heißt, die Gläser flimmern in

rasender Geschwindigkeit:

Für einen Moment sind sie

durchsichtig, dann komplett

blickdicht. Dadurch fehlen den

Augen entscheidende visuelle

Reize. Das Gehirn muss diese

Lücken durch eine effizientere

Verarbeitung der vorhandenen

Informationen kompensieren.

Die „blinde Phase“ kann je

nach Einstellung nur 100 Millisekunden

oder länger als eine

Per App stellst du die Zeit der

blinden Phasen und den Schwierigkeitsgrad

der Session ein.

Sekunde dauern. Je länger du

nichts siehst, desto größer

wird die Herausforderung.

Der US-Rugby-Profi Carlin

Isles trainiert seit 2013 mehrmals

die Woche mit der

420 Euro teuren Spezialbrille

des Marktführers Senaptec.

Während der 15-minütigen

Sessions soll er beispielsweise

Tennis- oder Rugbybälle fangen.

„Seitdem hat sich meine

Hand-Auge-Koordination

extrem verbessert. Es fühlt

sich im Spiel fast so an, als

käme der Ball jetzt in Zeitlupe

angeflogen“, sagt der 30-Jährige.

Den Effekt der Brille

machen sich übrigens

nicht nur Rugbyspieler

zunutze. Der Schweizer

Fußballnationaltorhüter

Yann Sommer,

die New York Yankees und

selbst die NASA bedienen

sich der Methode.

senaptec.com

„Jetzt fühlt es sich fast

so an, als käme der Ball

in Zeitlupe angeflogen.“

Carlin Isles, 30, Rugby-Profi

So geht’s

ohne Brille

Senaptec-CEO Joe

Bingold verrät, wie du

auch ohne Hightech-

Brille deine Koordina tion

verbessern kannst.

SCHNELLE DREHUNG

Wende deinem Partner

den Rücken zu und stellt

euch fünf Meter auseinander.

Sobald er wirft, ruft er

„Go!“ – erst dann drehst

du dich um und versuchst

den Ball zu fangen.

BLINDE DREHUNG

Um die Übung noch schwieriger

zu machen, verringere

die Distanz, verwende einen

besonders kleinen Ball oder

schließ die Augen, bevor du

dich umdrehst.

EINÄUGIGE BRILLE

Kleb ein Glas deiner

Sonnenbrille mit Kreppband

ab und absolvier

damit traditionelle Laufübungen.

Der frühere Sprinter, der seit 2012 als Flügelspieler beim US-

Nationalteam aktiv ist, gilt als schnellster Rugbyspieler der Welt.

MARV WATSON/RED BULL CONTENT POOL, SENAPTEC.COM FLORIAN STURM TOM MACKINGER

82 THE RED BULLETIN


JAHRESABO

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€ 25,90

BEYOND THE ORDINARY

Erhältlich am Kiosk, im Abo, als E-Paper, auf theredbulletin.com oder als Beilage in einer Teilauflage von:

JAANUS REE / RED BULL CONTENT POOL


GUIDE

Gaming

DIGITALE GELASSENHEIT

Gedankenspiel

Der Philosoph John Sellars erklärt

uns, welche stoischen Lebensweisheiten

im Gaming-Meisterwerk

The Last of Us 2“ stecken.

Social Distancing, Isolation,

Quarantäne: Das Jahr 2020

stellt das soziale Wesen

Mensch auf eine harte Probe.

Videospiele bieten da eine

gewisse Erleichterung. Sogar

die WHO – die bisher eher vor

Computerspielsucht gewarnt

hat – empfiehlt sie für den

Umgang mit dem Lockdown.

In einem der Top-Games

des Jahres, „The Last of Us 2“,

geht es darum, mit der Katastrophe

umzugehen. Das Survival-Horror-Abenteuer

ist in

einer postpandemischen Welt

angesiedelt. Hauptfigur Ellie

muss Ruhe, Resilienz und

Eigenständigkeit beweisen –

Eigenschaften, von denen wir

alle profitieren können, und

zentrale Merkmale der stoischen

Philosophie.

„Der Stoizismus geht von

dem Gedanken aus, dass das

Wohlbefinden vom Geisteszustand

abhängt“, erklärt der

Philosoph John Sellars. Statt

sich wegen äußerer Faktoren,

die man nicht kontrollieren

kann, die Haare zu raufen,

sollte man ein klareres Bild

davon erlangen, was man

beeinflussen kann – und dann

rational begründete Handlungen

setzen. Kurz: Es geht

nicht um dein Schicksal, sondern

wie du damit umgehst.

Hier findest du vier stoische

Lehren aus dem Game, die

dich gegen die Herausforderungen

des Alltags wappnen.

Die innere Burg bauen

Ein häufiges Motiv in postapokalyptischen

Games ist

der unverwüstliche Held, der

eine innere Quelle des Mutes

anzapft. Auch das ist stoisch,

wie Sellars erklärt.

„In seinen ‚Selbstbetrachtungen‘

schreibt der römische

Kaiser Mark Aurel von seiner

‚inneren Burg‘. Das ist der Teil

seines Bewusstseins, den

nichts zerstören kann, es sei

denn, man ließe dasjenige hinein.

Wenn man eine Lage als

schrecklich bewertet, erzeugt

das Angst, die wiederum zu

falschen Entscheidungen verleiten

kann.“ Stattdessen solle

man er kennen, dass man zwar

die Umstände nicht kontrollieren

kann, wohl aber die eigene

Reaktion darauf.

Tugend entdecken

Schier ausweglose Situationen

durchzustehen erfordert Optimismus.

Hierbei verweist Sellars auf

den römischen Stoiker Seneca

den Jüngeren: „Er sagt, das

Unheil ist die Gelegenheit der

Tugend. Aktuell feiern viele

Menschen die Systemerhalter

als Helden des Alltags und

kümmern sich um gefährdete

Nachbarn. Unter widrigen

Umständen entdeckt man,

Innere Ruhe ist eine der Stärken von Protagonistin Ellie im Game „The Last of Us 2“.

wie Menschen wirklich sind. Es

gibt immer positive Seiten.“

Die Welt mitdenken

In „The Last of Us 2“ hat sich

Ellie mit ihrem Vater zerstritten,

dem Protagonisten des

Original-Games von 2013.

In Zeiten reduzierter sozialer

Freiräume kämpfen viele Menschen

mit derartigen familiären

Entfremdungen. Die stoische

Philosophie ortet unsere

John Sellars

unterrichtet Philosophie

am Royal Holloway College und

forscht am King’s College, die

beide zur Londoner Universität

gehören. Er widmet sich der

stoischen Philo sophie, aktuell

im Buch „Lessons in Stoicism“.

johnsellars.org.uk

Vernetzung allerdings auf

einer umfassenderen Ebene.

„Es gibt dieses Konzept

des Weltbürgertums, wonach

wir alle Teil einer einzigen globalen

Gemeinschaft sind“, so

Sellars. „Triviale Unterschiede

wie Standesdünkel oder Nationalitäten

rücken in den Hintergrund.

Wichtig ist, dass wir

alle Gesellschaftswesen mit

einer gemeinsamen Vernunftbasis

sind.“

Bewusster leben

Anders als die meisten Videospiele

vermittelt „The Last of

Us 2“ eine reflektierte Sicht

auf den Tod, selbst auf jenen

der sogenannten Feinde. „Wir

sollten uns unserer Sterblichkeit

stets bewusst sein“, sagt

Sellars.

„Dazu gehört schlicht und

einfach, realistisch zu sein,

aber auch unserer eigenen

Zeit mehr Bedeutung beizumessen.

Wir haben nur ein

begrenztes Ausmaß davon,

und je eher wir das begreifen,

desto besser können wir die

richtigen Prioritäten im Leben

setzen.“

SONY INTERACTIVE ENTERTAINMENT MATT RAY

84 THE RED BULLETIN


Für alle, die für uns durchs Feuer gehen.

Die nicht viel bekommen, aber alles geben.

Tobias, Feuerwehrmann


GUIDE

Lesestoff

THRILLER-INSTINKT

Der härteste Hund

Mit Jack Reacher hat der britische Thriller-Autor Lee Child eine Figur

erschaffen, die keine Kompromisse kennt – und bewiesen, dass trivial

und genial keine Gegensätze sind.

Dass sich ausgerechnet

Tom Cruise, vom Scheitel

bis zur aufgedoppelten

Sohle knappe 170

Zentimeter hoch, die Filmrechte

an „Jack Reacher“

sicherte, lässt sich eigentlich

nur auf zwei Arten erklären:

Entweder pflegt Mr. Cruise

ein sehr elastisches Verhältnis

zum Begriff „Hollywoodgröße“,

oder er besitzt einen

ausgeprägten Sinn für Ironie.

Denn die Romanvorlage zu

dieser Figur ist 1,95 Meter

groß, wiegt satte 110 Kilogramm

und sieht aus wie „ein

mit Walnüssen vollgestopftes

Kondom“. Erschaffen hat sie

der britische Autor Lee Child

bereits im Jahre 1997 – und

zwar, wie er unverblümt zugibt,

am kommerziellen Reißbrett.

Child, der 1954 in Coventry

geboren wurde, in

Wahrheit James Grant heißt

und bis dahin erfolgreich

als TV-Produzent tätig war,

brauchte nach einer heftigen

Meinungsverschiedenheit mit

seinem Arbeitgeber schlichtweg

einen neuen Job. Und

er entschied sich für „internationaler

Bestsellerautor“.

Wunderbar ins Bild passt

da auch der deutsche Titel

des ersten Reacher-Romans:

„Größenwahn“. Child, der

mittlerweile in die USA ausgewandert

war, ließ mit diesem

Thriller einen Serienhelden

von der Leine, der auf den

ersten Blick wirkt wie die Inkarnation

eines Chuck-Norris-

Witzes: Jack Reacher, kein

zweiter Vorname, kein fester

Wohnsitz, hochdekorierter

Ex-Militärpolizist der U. S.

Army im Rang eines Majors,

Koryphäe im nachhaltig letalen

Umgang mit Waffen aller

Art, Nahkampfexperte mit

den dreckigen Instinkten

eines Streetfighters, gesegnet

mit einem messerscharfen

86 THE RED BULLETIN


GUIDE

Lesestoff

Erster Absatz aus „Der Bluthund“

„Jack Reacher und Michelle Chang verbrachten drei Tage in Milwaukee.

Am vierten Morgen war sie fort. Als Reacher mit Kaffee

ins Zimmer zurückkam, fand er auf seinem Kopfkissen ein paar

Zeilen. Solche kurzen Abschiedsbriefe hatte er schon mehrmals

gesehen. Direkt oder indirekt besagten sie alle das Gleiche.

Changs Zeilen waren indirekt. Und eleganter als die meisten.

Aber nicht, was die Präsentation betraf: mit Kugelschreiber

auf ein von Feuchtigkeit gewelltes Blatt Motelpapier gekritzelt.

Aber elegant im Ausdruck. Sie hatte eine Metapher gewählt,

um zu erklären und zu schmeicheln und sich zu entschuldigen –

alles gleichzeitig. Sie hatte geschrieben: ‚Du bist wie New York.

Ich besuche es liebend gern, aber ich könnte nicht dort leben.‘“

LESETIPPS

Einzelkämpfer

in Serie

Vier Romanfiguren, mit denen man sich

nur im Lesesessel anlegen sollte.

JAKOB HÜBNER VINZ SCHWARZBAUER

analytischen Verstand und

getrieben von einem unbeugsamen

Gerechtigkeitssinn,

der nur einen Gesetzgeber

kennt: Jack Reacher.

Dass es Lee Child gelungen

ist, aus dieser Ausgeburt an

himmelschreiender Trivialität

den aktuell vielleicht konsistentesten

Charakter des gepflegten

Suspense mit einer

weltweiten Auflage von über

60 Millionen Exemplaren zu

formen, grenzt an ein Wunder.

Das Setting der Serie, die

in deutscher Übersetzung

mittlerweile 22 Romane umfasst,

ist – mit Ausnahme

dreier Prequels aus Reachers

aktiver Militärzeit – stets ein

ähnliches: Reacher, ziellos

per Anhalter unterwegs und

bewaffnet lediglich mit einer

Klappzahnbürste, strandet

zufällig irgendwo zwischen

Nebraska und Nirgendwo,

wird in einen Konflikt hineingezogen,

der ihn eigentlich

nichts angeht, leckt Blut und

räumt auf. Konsequent, kompromisslos

und knallhart.

Was Lee Child jedoch von

all seinen Kollegen aus der

belletristischen Kriegerzunft

unterscheidet, ist sein wirklich

einzigartiger, ganz und gar

pragmatischer Stil: Das ist

Präzision und Reduktion in

Perfektion. Die Plots sind am

Punkt, die Charaktere sind

am Punkt, die Dialoge sind am

Punkt. Child schreibt so, wie

Reacher reist: ohne Gepäck.

Das gilt auch für den

Reacher-Jahrgang 2020, der

uns Mitte Juli „Der Bluthund“

bescherte. Den Startschuss

liefert diesmal der Abschlussring

einer Absolventin der

Militärakademie West Point,

den Reacher in der Auslage

eines Pfandleihers entdeckt.

Zunächst möchte er bloß

herausfinden, wie und warum

dieser dort gelandet ist. Aber

schon recht bald ist neben

dem Abschluss- auch ein

Drogenring im Spiel. Und

dann will es Reacher so richtig

wissen …

Vermutlich wird dies – und

alle Fans müssen jetzt ganz,

ganz stark sein – aber einer

der letzten Reacher-Romane

aus der Feder von Lee Child

sein. Denn der hat angekündigt,

die Figur schleichend –

zunächst als Koautor und

dann vollständig – an seinen

jüngeren Bruder Andrew zu

übergeben. Der ist zwar auch

kein Genre-Frischling, ob er

jedoch dieses schwere Erbe

stemmen kann …? Abwarten

und Reacher lesen.

LEE CHILD,

DER BLUTHUND“

Ein Jack-Reacher-Roman (22),

Deutsch von Wulf Bergnert.

Blanvalet Verlag

JASON BOURNE

Alle 22 Bücher, die Robert

Ludlum zu Lebzeiten veröffentlichte,

landeten verlässlich

auf Platz 1 der „New York

Times“-Bestsellerliste – darunter

auch jene drei, in denen

der US-amerikanische Thrillmeister

seine – nicht zuletzt

dank der Verfilmungen mit

Matt Damon – bekannteste

Figur in Stellung brachte:

Jason Bourne. Die Erfolgsserie

rund um den Agenten

ohne Gedächtnis wurde nach

Ludlums Tod im Jahr 2001

von Eric Van Lustbader artgerecht

fortgesetzt und hält

mittlerweile bei 14 Bänden.

EVAN SMOAK

Einst gehörte Evan Smoak

zu einem streng geheimen

US‐Regierungsprogramm

namens Orphan, das Waisenkinder

zu perfekten Killermaschinen

hochzüchtet. Als

dieses beendet wird, sucht

Evan Buße für seine früheren

Taten und wird zu einer Art

tödlichem Samariter für Menschen

in Not. Aber dann eröffnet

sein ehemaliger Arbeitgeber

die Jagd auf Evan – und

liefert Gregg Hurwitz damit

die Munition für ein großkalibriges

Feuerwerk, das aktuell

vier Bände ohne nennenswerte

Atempause umfasst.

VICTOR

Auf bisher acht Bände

hat es die „Victor“-Serie des

britischen Autors Tom Wood

gebracht – was angesichts

des Lebenswandels der Titelfigur

eine beachtliche Leistung

ist. Denn Victor ist ein

eiskalter, hochbezahlter

Profikiller, der permanent

im Fadenkreuz mächtiger

Gegner agiert. Wood beweist

in diesem mörderischen Katzund-Maus-Spiel

ein feines Gespür

fürs richtige Timing und

kostet dabei eine sehr seltene

erzählerische Freiheit genüsslich

aus: Sein Held muss

kein Sympathieträger sein.

HARRY HOLE

Alkoholkrank, alleinstehend,

obrigkeitsresistent … Mit

Harry Hole hat der norwegische

Ausnahmekönner

Jo Nesbø ein oft bemühtes

Stereotyp des Hardboiled-

Genres auf ein ungewohnt

hohes Niveau gehievt. Die

ebenso intelligent wie komplex

strukturierten Plots der

bisher zwölfteiligen Romanserie

entstammen eher

dem klassischen Krimifach,

die Art und Weise, wie Harry

Hole seine Fälle löst, lassen

das literarische Getriebe

aber in einer deutlich härteren

Gangart krachen.

THE RED BULLETIN 87


GUIDE

Ausrüstung

HELME

Biken mit

Köpfchen

Die besten Vollvisierhelme.

Wer rasant mit dem

Fahrrad unterwegs ist,

trägt Helm, klar. Wer

rasant mit dem Fahrrad

Abhänge hinunterjagt,

dem sei ein Vollvisierhelm

empfohlen. Damit

der so gut schützt, wie

er soll, kannst du neben

ausreichender Belüftung

etwa auf diese Punkte

achten: Der Helm sollte

eng anliegen, wobei für

gute Sicht zwischen

Augenbraue und oberer

Kante zwei Zentimeter

liegen dürfen. Manche

Modelle verfügen über

ein Visier, das bei einem

Sturz abreißt und so die

auf den Nacken des Fahrers

übertragenen Kräfte

minimiert. Von oben im

Uhrzeigersinn: Scott

Nero Plus, 230 Euro,

scott-sports.com;

POC Coron Air Spin,

290 Euro, pocsports.

com; TSG Squad Grafic

Design, 165 Euro, ridetsg.

com; Bell Full-9 Fusion

MIPS MTB, 280 Euro,

bellbikehelmets.co.uk

Frischer Wind: Der

POC Coron Air SPIN

bietet ein innovatives

Belüftungs- und

Ventilationsdesign

sowie ein Abreißvisier.

Neue Sehkraft

Goggle für ideale Kontraste

So erkennst du auch bei hohem

Tempo jede Wurzel: Die POC

Ora Clarity Goggle intensiviert

Farbe und Kontrast, indem sie

präzise Lichtmengen durchlässt.

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88 THE RED BULLETIN


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Auf dem richtigen Weg:

Der deutsche Extrem-

Radfahrer Jonas

Deichmann vertraut

der Navigations-App

komoot.

UNBEKANNTE

WELTEN

ENTDECKEN

Abenteuer leicht gemacht

mit komoot

Eine Reise mit dem Rad ist eine der

besten Möglichkeiten, die Welt zu

entdecken und hinterlässt Erinnerungen,

die ein Leben lang bleiben.

Auf der Suche nach unbekanntem

Gelände besteht allerdings stets die

Gefahr, sich meilenweit zu verlieren

und die Erinnerung, die bleibt, ist

die Suche nach dem Weg.

Nicht so mit komoot – die Routenplanungs-

und Navigations-App erobert

die Welt im Sturm und begleitet

dich zuverlässig auf der Suche

nach neuen Erfahrungen in unbekanntem

Gelände.

Wie funktioniert’s? Der sportspezifische

Routenplaner von

komoot liefert dir Trails, Gravel- oder

Rennradstrecken ganz nach deinem

Geschmack. Der Algorithmus räumt

beliebten Strecken Priorität ein und

vorgeschlagene Routen basieren auf

Empfehlungen anderer Nutzer. So

überzeugt komoot mit Geheimtipps,

die einen Umweg wert sind.

Der deutsche Extremradfahrer

und mehrfache Weltrekordhalter auf

Ultralangdistanzen Jonas Deichmann

ist immer offen für Neues und

verlässt dafür nur allzu gern seine

Komfortzone. „In Städten, die ich

nicht kenne, finde ich dank komoot

immer interessante Strecken“,

so Deichmann, der kürzlich in nur

73 Tagen und damit in neuer Rekordzeit

die 18.000 Kilometer lange

Strecke vom Nordkap nach Kapstadt

auf dem Rad zurücklegte.

Derzeit lebt er mit seiner Familie in

der Schweiz. Seine Rad- und Laufstrecken

plant er mit komoot und

entdeckt neue Spots, sobald er das

Haus verlässt. „Ich gehe gern im Wald

ohne konkretes Ziel laufen und folge

einfach irgendeinem Trail, der mich

anspricht. Zurück nach Hause lasse

ich mich dann von komoot leiten.“

An ambitionierten Zielen mangelt

es Deichmann nicht. Sein neues

Projekt ist ein Mega-Triathlon um die

Welt. Sein Ziel wird er mithilfe von

komoot erreichen. „Nachdem ich

nun alle großen Kontinentalstrecken

in Rekordzeit bewältigt habe, brauche

ich eine neue Herausforderung.

Start- und Zielpunkt soll München

sein. In 10 bis 11 Monaten werde

ich 120-mal die Ironman-Distanz

zurücklegen. Den Pazifik und den

Atlantik überquere ich mit dem

Segelboot.“

Folge Jonas

auf seiner Reise

um den Globus


GUIDE

Kalender

ab

28

8September

AUF DER INSEL

DER FRAUEN

Zwei Snowboard-Stars

machen sich auf, um ein

besonderes Land zu erkunden:

Island, das seit

neun Jahren in Folge von

den Vereinten Nationen

in Gleichstellungsfragen

top gerankt wird. Für die

Doku „A Land Shaped

by Women“ verbringen

Anne-Flore Marxer, 36,

und Aline Bock, 38,

einen Winter im fortschrittlichen

Inselstaat.

Auf: redbull.com

September

HIER ENTDECKST DU DAS LAUFEN NEU

538 Kilometer, 8580 Höhenmeter, eine Woche Zeit: Mit diesen Vorgaben packt Ultra-Läufer Florian

Neuschwander sein neues Abenteuer an. Nach dem Motto „Von Laufen nach Laufen laufen“ startet

er vom Ort Laufen bei Basel in der Schweiz und bahnt sich seinen Weg über Deutschland bis nach

Laufen bei Salzburg in Österreich. Dabei kannst du seinen Updates auf Instagram und Strava folgen,

oder du begleitest ihn gleich persönlich auf einem der Streckenabschnitte. Alle Infos: redbull.com

18

bis 20. September

SIE KICKEN

WIEDER

Wer bietet den spektakulärsten

Fußball? Mit

dieser Frage startet die

Fußball-Bundesliga in

ihre neue Saison. Neben

dem FC Bayern München

und Borussia Dortmund

gehört auch RB Leipzig

(li.: Dayot Upamecano

gegen Dortmunds Erling

Haaland) wieder zu den

Teams, die besonders

viel Spielfreude versprechen.

Am ersten Spieltag

treffen die Roten Bullen

daheim auf Mainz. Infos:

dierotenbullen.com

ab

8September

EIN LEBEN AUF

DEM SPRUNG

1998 war Jimmy LeVan

24 – und wurde zur BMX-

Legende: Er sprang von

der Treppe der St. Mary’s

Church in Austin, Texas,

auf den Gehsteig der

anderen Straßen seite,

niemand hat das je wieder

geschafft. Später

sang er in der Band Zig

Zag Way (Bild). Die Doku

„Go Fast Pull Up: The

Jimmy LeVan Story“

zeichnet sein Leben

nach. Auf: redbull.com

FLO HAGENA FOR WINGS FOR LIFE WORLD RUN, PICTUREDESK.COM, NICK PUMPHREY

90 THE RED BULLETIN


GUIDE

Kalender

14

September

STEILE ZEITEN

Es ist ihre bisher schwierigste

Route: In Tokio

sollte Klettern 2020 erstmals

olympisch sein, und

die Weltmeister Jessica

Pilz und Jakob Schuster

träumten von einem Antreten

– doch dann kam

alles anders. Eine Doku

begleitet ihr abenteuerliches

Jahr: „Bergwelten:

schneller, höher, stärker

– Sportklettern wird

olympisch“, 21.15 Uhr,

Infos: servustv.de

7Oktober

DAS EIS RUFT

Nach rund sieben Monaten

Pflichtspielpause

werden die Münchner

Eishockey-Fans erlöst:

Der EHC Red Bull München

spielt in der ersten

Runde der Champions

Hockey League gegen

das finnische Top-Team

Ilves Tampere. Am 7. 10.

spielen die Münchner

in Tampere, am 13. steigt

die Revanche dahoam.

Übertragungs-Infos:

redbullmuenchen.de

SERVUS TV/JOHANNES MAIR/ALPSOLUT PICTURES, PICTUREDESK.COM, CHRIS RYE

bis

25

Oktober

HIER KÖNNEN IDEEN ABHEBEN

Studierende sprudeln ja oft über vor Einfällen: Bei Red Bull

Basement können sie ihre Idee für eine bessere Welt vorstellen

und erhalten die Chance auf umfassende Unterstützung

– durch Mentoren oder Möglichkeiten zum Netzwerken.

Studenten können ihre Idee bis zum 25. 10. in einem

Video hochladen. User und Jury küren die Finalisten für den

Global Workshop. Alle Infos unter: redbullbasement.com

THE RED BULLETIN

PRO SOUND.

PERFEKTE

PASSFORM.

FINDE DEN FLOW

UND ZEIGE

DEINEN STYLE.

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TRUE WIRELESS KOPFHÖRER

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Ob Elektro oder Benziner: Bei diesen neuen Autos

steht der Spaß im Vordergrund – egal ob für

Abenteurer, Langstrecken-Fahrer oder Sportler.

Text FABRICE BRAUN

Die neuen

Straßenfeger

Der Kraftprotz

Audi e-tron

S Sportback

Darf’s ein bisschen

mehr sein? Also eigentlich

viel mehr? Das

SUV-Coupé hat gleich

drei Elektromotoren,

zwei davon im Heck, die

ihre Leistung in Kurven

elektronisch auf die

Räder verteilen – eine

Art Quattro-de-luxe-

Antrieb. Die Motoren

haben zusammen

320 kW Leistung und

664 Nm Drehmoment.

Für den völligen Exzess

lässt sich die Power auf

Knopfdruck und gegen

Aufpreis per Boost

sogar auf 370 kW und

fast 1000 Nm erhöhen.

Ab 96.050 Euro; audi.de


Der Übermütige

Hyundai i30 N

Performance

Hyundai ist bekannt

für sehr vernünftige,

aber eher – nun ja –

alltagstaugliche Autos.

Mit dem i30N Performance

wollen die

Koreaner nun auch

Freunde des flotteren

Fahrens ansprechen.

Der Kompaktsportler

legt sich direkt mit

dem VW GTI an und

bringt dafür alles mit:

ein Sportfahrwerk mit

adaptiven Stoßdämpfern,

elektronische

Differenzialsperre und

einen 2,0-Liter-4-Zylinder-Turbomotor

mit

202 kW / 275 PS. Vernünftig?

Vernünftig

ist hier nur der Preis.

Ab 33.435 Euro

hyundai.de

Für Sportler

Bitte anschnallen: Diese Kraftpakete

machen wirklich jede

Kurve zum Genuss.

Es lebe der Sport

Cupra Formentor e-Hybrid

Seat macht aus seinen

Sport-Modellen Cupra

eine eigene Marke. Der

erste eigenständige

Cupra ist das auffällige

SUV-Coupé Formentor,

das im Oktober auf

den Markt kommt. Der

sportliche Fünfsitzer

Für alle, die schon

immer das Gefühl des

Surfens im Auto spüren

wollten. Dieser kompakte

Allrad-Kraftprotz

hat im Kofferraum

erstaunlich viel

Platz (bis zu 1430 Liter

bieten theoretisch

Stauraum für gleich

mehrere Bretter) und

Leistung bis zum Abist

ein Raumwunder mit

450 Liter Kofferraumvolumen

und wird von

einem 245 PS / 180 kW

starken Plug-in- Hybrid-

Motor an getrieben, mit

dem er bis zu 50 Kilometer

rein elektrisch

fahren kann.

Preis: noch nicht

bekannt

cupraofficial.de

Wellenreiter

Mercedes-AMG GLA 45 4MATIC+

winken: Sein 2,0-Liter-

4-Zylinder-Turbo leistet

285 kW / 387 PS

und 480 Nm – auf dieser

Drehmomentwelle

lässt es sich völlig

entspannt durch den

Alltag surfen.

Ab 61.190 Euro

mercedes-benz.de

THE RED BULLETIN 93


Für die Langstrecke

Ob Urlaub oder Business-Trip:

In diesen Autos vergeht die

längste Reise wie im Flug.

Goldstück

Volvo V60 Polestar Engineered

Der V60 ist schon

von Haus aus ein dynamischer

Kombi, in dem

eine Fahrt von München

nach Paderborn wie im

Fluge vergeht – in der

Version des Volvo-Veredlers

Polestar wird

daraus ein sportlicher

Hingucker mit goldenen

Bremssätteln und

Sportfahrwerk von

Öhlins (mit goldenen

Stoßdämpfern). Auch

der Antrieb glänzt: Der

Plug-in-Hybrid bringt

jetzt 298 kW / 405 PS

und 670 Nm Drehmoment

auf die Straße.

Ab 67.748 Euro

volvocars.com

Raumfahrt für alle

Kia ProCeed GT

Bis zu 203 Einkaufstaschen

passen angeblich

in den riesigen

Kofferraum des stylishen

Shooting Brakes.

Die ungewöhnliche

Mischung aus Kombi

und Coupé dürfte wird

aber auch mit dem

Transport von Wasserkästen

(6 Stück) oder

Kinderwagen (3 Stück)

fertig – mit den

150 kW / 204 PS Leistung

seines 1,6-Liter-

4-Zylinder-Benziners

auch zügig und bequem

über weite Strecken.

Der neue Mild-Hybrid-

Diesel bringt es auf

100 kW / 136 PS.

Ab 30.891 Euro

kia.com

Sattelfest

Ford Mustang

Mach-E

Wer bei „Mustang“

an ein Sportcoupé mit

V8‐Motor denkt, das

beim Sprint von Ampel

zu Ampel die Schnauze

vorn hat, der muss

demnächst umdenken:

Der neue Mustang

Mach-E (ab 2021)

ist ein geräumiges,

vollelektrisches SUV,

das zwar auch schnell

beschleunigt (unter

5 Sekunden von 0 auf

100 km/h), aber seine

größte Qualität ist die

Langstrecke: Bis zu

600 Kilometer Reichweite

soll er schaffen.

Ab 46.900 Euro

ford.de


Waldmeister

Jeep Renegade

Jeep-Fahrer galten

schon immer als besonders

geländegängig.

Mit dem neuen Plug-in-

Hybrid Renegade 4xe

können sie jetzt auch

mit reinem Gewissen

durch die Natur pflügen

– ohne Abgase und

Motorenlärm: In dem

Mini-SUV arbeitet vorn

ein Benzinmotor mit

70 kW / 96 PS, an der

Hinterachse ein Elektromotor

mit 44 kW / 60 PS.

Bis zu 50 Kilometer

kann der 4xe rein elektrisch

fahren, genug für

die meisten Waldwege.

Ab 37.237 Euro

jeep.de

Für Abenteurer

Neue Welten entdecken: Diese

Modelle sind immer für außergewöhnliche

Erlebnisse gut.

Elektropop

Mazda MX-30

Landadel

MINI Countryman

Ende September bringt

Mazda in Deutschland

sein erstes allein elektrisch

betriebenes

Modell auf die Straße.

Die Japaner haben die

Zeit für clevere Details

genutzt: So schwenken

die hinteren Türen

nach hinten auf, die

Mittelkonsole ist mit

Kork verkleidet, und

der Elektromotor

(107 kW / 145 PS) erzeugt

beim Fahren

einen dezenten, künstlichen

Sound. Sich abseits

ausgetretener

Pfade zu bewegen ist

manchmal nur eine

Frage der Einstellung.

Ab 23.166 Euro

(inklusive Umweltbonus)

madza.de

Die meisten Minis

dürften eher Häuserals

Bergschluchten

kennenlernen, der

Countryman eignet

sich hingegen ideal

für einen Ausflug aufs

Land – vor allem in der

Version mit Plug-in-

Hybrid: viel Stauraum

und gute Traktion dank

dem Allradantrieb mit

den beiden Motoren,

die zusammen beeindruckende

162 kW /

220 PS leisten. Und

als Extra gibt’s gegen

Aufpreis Romantik in

Form einer speziellen

Picknick-Bank für den

Kofferraum.

Ab 38.017 Euro

mini.de

THE RED BULLETIN 95


Impressum

GLOBAL TEAM

THE RED

BULLETIN

WELTWEIT

Aktuell erscheint

The Red Bulletin

in sechs Ländern. Vom

Cover unserer Großbritannien-Ausgabe

blickt dir Rugby-Star

Jack Nowell entgegen.

In der Story erklärt er,

wie es ihm seit Jahren

gelingt, gerade unter

Druck seine beste

Leistung abzurufen.

Mehr Storys abseits des

Alltäglichen gibt’s auf:

redbulletin.com

Chefredakteur

Alexander Macheck

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THE RED BULLETIN

Schweiz, ISSN 2308-5886

Länderredaktion

Wolfgang Wieser

Lektorat

siehe entsprechenden Eintrag

bei Deutschland

Country Project Management

Meike Koch

Commercial & Brand Partnerships

Manager

Stefan Bruetsch

Media Sales

Marcel Bannwart (D-CH),

marcel.bannwart@redbull.com

Christian Bürgi (W-CH),

christian.buergi@redbull.com

Goldbach Publishing

Marco Nicoli,

marco.nicoli@goldbach.com

THE RED BULLETIN USA

ISSN 2308-586X

Länderredaktion

Peter Flax (Ltg.),

Nora O’Donnell

Lektorat

David Caplan

Director of Publishing

Cheryl Angelheart

Country Project Management

Laureen O’Brien

Media Sales

Todd Peters,

todd.peters@redbull.com

Dave Szych,

dave.szych@redbull.com

Tanya Foster,

tanya.foster@redbull.com

96 THE RED BULLETIN


„LESEN WIE ICH WILL“

DU ENTSCHEIDEST, WIE DU

DEINE ZEITSCHRIFT LESEN

MÖCHTEST. OB EINE EINZELNE

AUSGABE ODER IM ABO –

OB GEDRUCKT ODER DIGITAL.

DAS IST BEQUEM, ZUVER-

LÄSSIG UND GÜNSTIG.

Foto © Skyshot/Greber

BIKE – Europas größtes Mountainbike-Magazin – zeigt 12x im Jahr, worauf die

Bike-Szene abfährt: Test und Technik, Touren und Routen, Fitness und Fahrtechnik,

Rennen und Events – dazu spannende Reportagen und spektakuläre Fotos.

Ganz einfach online informieren unter

www.delius-klasing.de/bike-lesen-wie-ich-will

EMTB, das Magazin für E-Mountainbiker, vermittelt die Faszination des E-Mountainbikens,

beantwortet die wichtigsten Fragen zur Technik und sorgt mit kompetenten Vergleichstests

für Orientierung im Markt.

Ganz einfach online informieren unter

www.delius-klasing.de/emtb-lesen-wie-ich-will

Das Gravity-Magazin zeigt 4x im Jahr mehr als nur radikales Mountainbiken. Typen

und Sprünge in sensationellen Bildern und spannenden Reportagen, viel Service

durch kompetente Tests, Technik-Tipps, Infos zu Events, Freeride-Parks und -Spots.

FREERIDE steht für Individualität, Fahrspaß und Lust aufs Abenteuer.

Ganz einfach online informieren unter

www.delius-klasing.de/freeride-lesen-wie-ich-will


Perfekter Abgang

Flug über den Flügel

Wie Adrian Guggemos Mobilität definiert? Zum Beispiel so. In seinem neuesten

Video „Night at the Museum“ springt der 26-Jährige mit seiner GasGas TXT

Racing 300 über den Flügel einer Concorde. Was man als Trial-Freestyle-Ass

eben macht, wenn man eine Nacht im Technik Museum Sinsheim verbringt.

Den Clip mit allen Stunts gibt’s unter: redbull.com

Die nächste

Ausgabe des

RED BULLETIN

erscheint am

13. Oktober

2020.

DANIEL WAGNER/RED BULL CONTENT POOL

98 THE RED BULLETIN


3 TIPPS

VON JEDEM GAST

FÜR DEINEN ALLTAG

Pioniere unserer Zeit sprechen über

die innovativen Rezepte hinter ihrem Erfolg.

Jeden Montag – überall, wo es Podcasts gibt.

Jetzt abonnieren und keine Session verpassen!

Die Welt von INNOVATOR by The Red Bulletin täglich erleben:

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redbulletininnovator.com


Quelle: van-of-the-year.com 11/19

FORD RANGER

JETZT 3 AUSSTATTUNGSOPTIONEN GESCHENKT. 1

Ob Arbeit oder Freizeit – mit dem meistverkauften Pick-up

Deutschlands 2 gibt es keine Grenzen, dafür pure Kraft,

Fahrspaß und jetzt sogar noch drei Highlights geschenkt.

Beispielfoto eines Fahrzeugs der Baureihe. Gültig für alle Ford Ranger Limited-/Wildtrak-/Raptor-Modelle bei verbindlichen Kaufverträgen und Zulassung auf den

privaten Endkunden (außer Werkangehörige) und gewerbliche Kunden (außer Autovermieter, Behörden, Kommunen sowie gewerbliche Abnehmer mit gültigem

Ford-Werke Rahmenabkommen). Die Prämie ist nicht mit anderen „Ab-Lager-Programmen“ kombinierbar. Details bei allen teilnehmenden Ford Partnern.

1

Im Rahmen des Angebotes sind 3 Wunschausstattungen (gemäß gültiger Preisliste) beliebig wählbar, ausgenommen ist Ford Zubehör. 2 Quelle: www.kba.de

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