AWO-Pflege Plus - AWO Westliches Westfalen

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AWO-Pflege Plus - AWO Westliches Westfalen

02 | 2007

AWO-Pflege Plus

Das Kundenmagazin der AWO Westliches Westfalen

Tagesstrukturierende Maßnahmen

Die Zeit sinnvoll gestalten

Umbau bei laufendem Betrieb

Fritz-Fries-Seniorenzentrum Siegen


Inhalt & Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

immer mehr ältere Menschen

werden pflegebedürftig und sind

auf Hilfen angewiesen. Zurzeit

wird in NRW ein neues Landesheimgesetz

diskutiert (siehe

Beitrag S. 3). Die Pflegeversicherung

soll in Zuständigkeit

des Bundes ebenfalls reformiert

werden. Die AWO fordert, an

Demenz erkrankte Menschen

darin endlich besser zu stellen.

Diese benötigen besonders viel

Betreuung. Aber bisher wird ihr

Bedarf an Unterstützung in der

Pflegeversicherung nicht berücksichtigt.

Wer in seinem Familienoder

Freundeskreis mit der

Pflege von demenziell erkrankten

Senioren konfrontiert

ist, kennt die Situation: Der Alltag

ist sowohl für die Betroffenen

als auch für pflegende

Angehörige äußerst schwierig

und belastend. Rund um die Uhr

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Inhalt

übernehmen Angehörige Aufgaben

der Betreuung und

Pflege, bei denen sie wenig

Unterstützung finden. Zusätzlich

bedeutet die Demenzerkrankung

von Ehepartner oder Elternteil

oft eine starke finanzielle

Belastung. Es entstehen erhebliche

Kosten, wenn fremde Hilfe

zur Entlastung der pflegenden

Angehörigen in Anspruch

genommen wird.

Die AWO Westliches Westfalen

appelliert daher nachdrücklich

an alle im Bundestag vertretenen

Parteien, Fraktionen

und Abgeordnete, hier endlich

entsprechende Regelungen zu

schaffen. Die Lage, sowohl in der

stationären wie auch in der

ambulanten Pflege, muss sich

deutlich verbessern. Die Lösung

dieses Problems wird ein Prüf-

stein für die Reform der Pflegeversicherung

sein und ihre

Akzeptanz in der Bevölkerung

maßgeblich beeinflussen.

Weniger Bürokratie, mehr Lebenswirklichkeit

Das zukünftige Landesheimgesetz ...................................................................................

Die Zeit sinnvoll gestalten

Die tagesstrukturierenden Maßnahmen in den AWO-Seniorenzentren...........................

Bald nur noch Einzelzimmer im Fritz-Fries-Seniorenzentrum

Umbau bei laufendem Betrieb ........................................................................................

Beschwerden in Pflegeeinrichtungen

Gute Häuser stellen Mängel ab .......................................................................................

Vorbild für Stifter

Versicherungsservice unterstützt „Stiftung Leben im Alter“ ....................................

Selbstbehandlung

Tipps für den Umgang mit leichten Beschwerden .........................................................

Impressum ........................................................................................................................

Ihr

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AWO-Pflege Plus 02 | 2007


Sozialpolitik aktuell

Weniger Bürokratie, mehr Lebenswirklichkeit

Das zukünftige Landesheimgesetz

Im Rahmen der Föderalismusreform wurde vereinbart, die Zuständigkeit des Heimgesetzes in weiten

Teilen auf die Länder zu übertragen. Die Länderheimgesetze der Zukunft lösen dann das bisherige

Bundesheimgesetz ab. Hiermit sind Chancen und Risiken verbunden.

Es stellt zum Beispiel eine

Chance dar, das bisherige

Heimgesetz auf der Landesebene

von bürokratischen Vorgaben

zu entrümpeln, die die

Lebenssituation von Heimbewohnern

nicht verbessern. Dies

sind z.B. Vorschriften für die

bauliche Gestaltung, aber auch

für wiederkehrende Meldungen

zu rein statistischen Zwecken.

Diese binden sowohl bei den

Prüfbehörden als auch in den

Einrichtungen unnötig Arbeitszeit.

Ein Risiko birgt die Entwicklung

von zukünftig bundesweit 16

unterschiedlichen Landesheimgesetzen,

16 unterschiedlichen

Definitionen des Begriffs

„Heim“ und 16 unterschiedlichen

Zuständigkeits- und

Kontrollnormen. Wer in den

Grenzregionen der Bundesländer

lebt, muss sich dann

unter Umständen über mehrere

unterschiedliche Landesheimgesetze

informieren.

In Nordrhein-Westfalen (NRW)

hat die Landesregierung bereits

ein Eckpunktepapier für

ein Heimgesetz vorgestellt. Der

Schutz der Menschenwürde

und ein Höchstmaß an Selbstbestimmung

und Normalität

sollen im Mittelpunkt der zukünftigen

Regelungen stehen.

Den Schutz insbesondere hilfe-

AWO-Pflege Plus 02 | 2007

Das neue Landesheimgesetz bringt den Bewohnern mehr Rechtssicherheit

bedürftiger Menschen muss

der Staat ordnungspolitisch

sicherstellen.

Hier ist Sensibilität gefordert,

damit die Rechtsstellung der

Bewohner und Bewohnerinnen

und deren Selbstbestimmung

nicht durch bürokratische Kontrollaufgaben

unnötig beeinträchtigt

wird. So strebt das

Landesheimgesetz eine Entbürokratisierung

an: Unsinnige

Doppelkontrollen sollen abgeschafft

und Vorschriften, die

ein selbstbestimmtes Leben zu

sehr einschränken, auf den

Prüfstand gestellt werden.

Die Möglichkeiten der Teilhabe

der Bewohnerinnen und Bewohner

werden gestärkt. Die

bisherigen bürokratischen Vorschriften

zur Wahl eines Heimbeirates

sollen zugunsten

praxisnaher Formen entfallen.

Die neuen Mitwirkungsformen

ermöglichen dann auch pflegebedürftigen

und behinderten

Menschen nicht nur der Form

halber eine aktive Wahrnehmung.

Ältere Menschen möchten aus

verschiedenen Wohnformen

die persönlich angenehmste

wählen können. Wohngemeinschaften

sind nur eine Möglichkeit,

die zunehmend Nachfrage

erfährt. Bisher war es rechtlich

nicht eindeutig, wann eine derartige

Wohnform unter das

Heimgesetz fällt. Die Entscheidung

darüber haben oft

die örtlichen Heimaufsichten

getroffen. Das Land NRW will

hier eine eindeutige Definition

finden, die am Schutzbedürfnis

der dort lebenden Menschen

gemessen wird.

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Stationäre Pflege

Die Zeit sinnvoll gestalten

Die tagesstrukturierenden Maßnahmen in den AWO-Seniorenzentren

An Demenz Erkrankten fällt es schwer, einen sinnvollen Tagesablauf eigenständig zu gestalten.

Sie brauchen Menschen, die sie anleiten und durch den Tag begleiten. Diese Unterstützung bieten

die tagesstrukturierenden Maßnahmen in den Seniorenzentren der AWO Westliches Westfalen.

Für Pflegebedürftige ist es

wegen der altersbedingten Erkrankungen

nicht leicht, aktiv

zu sein. Die Beine wollen nicht

mehr, die Augen und Ohren

auch nicht. Kommt dann eine

Demenzerkrankung hinzu, geht

außerdem die Fähigkeit zur

räumlichen und zeitlichen

Orientierung verloren. Und die

Erinnerung schwindet: an die

eigene Vergangenheit und Persönlichkeit,

an die Vorlieben,

Interessen und vielleicht sogar

an die Lieblingsmusik. Gezielt

eine Beschäftigung auszuwählen,

die den Tag ausfüllt,

und dieser nachzugehen, geht

nicht mehr.

Deshalb bieten die AWO-

Seniorenzentren die Möglichkeit

zu Aktivitäten, die noch

vorhandene Fähigkeiten aufgreifen

und erhalten. Aufmerksamkeit

und Konzentration,

Gedächtnis und Orientierung

werden bei gemeinsam in Angriff

genommenen Aufgaben

beansprucht. Das Frühstück

vorbereiten oder Tischwäsche

falten, Kuchen backen oder

Pflanzen pflegen – die Tätigkeiten

müssen einfach auszuführen

sein, damit sie nicht

überfordern. Das Schneiden

einer Zwiebel kann dann die

Feinmotorik verbessern und ihr

strenger, beißender Geruch Er-

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innerungen an die einstigen

Kochkünste oder Tafelfreuden

wecken. Beim Austausch über

das Erlebte werden Kontaktund

Kommunikationsfähigkeit

gefördert.

Ob Singen, Kontakt mit einem

Therapiehund oder etwa Erkundungen

im Sinnesgarten –

die Beschäftigungen werden

nach den persönlichen Vorlieben

ausgewählt. Welche Vorlieben

dies einmal waren, kann

die individuelle Biografiearbeit

herausfinden. Dabei sprechen

die Fachkräfte in den AWO-

Seniorenzentren mit dem Bewohner

sowie seinen

Angehörigen, um

Einzelheiten über die

früheren Interessen,

Hobbys und die Lieblingsbeschäftigungen

zu erfahren. Denn

je mehr die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

über die Bewohner

wissen, desto mehr Ansatzpunkte

finden sich für ein persönliches

Angebot, das den Betreffenden

wirklich anspricht. Ein Marktbesuch?

Malen, Sitzgymnastik,

alte Lieder singen, persönliche

Fotos ansehen oder doch lieber

kegeln? Vielleicht ein Spaziergang,

allein, nur vom Zivi begleitet?

Die Gruppen sind etwa zehn

bis 25 Personen stark. Sie

werden von Fachkräften be-

Ältere Gartenliebhaber mögen die Arbeit im Freien

AWO-Pflege Plus 02 | 2007


gleitet, die eine Zusatzausbildung

für die Betreuung

demenziell Erkrankter absolviert

und viel Geduld mit den

älteren Menschen haben. Einfühlsam

gehen die Mitarbeiter

auf sie ein und vermitteln ihnen

dadurch Sicherheit und Geborgenheit.

Die Fähigkeiten

und Erfahrungen der Erkrankten,

ihr ganz subjektives

Erleben werden angenommen

und bestätigt – auch wenn es

um „negative Gefühle“ wie

Trauer, Ärger oder Unsicherheit

geht. Die Begegnung erfolgt

immer auf gleicher Augenhöhe

– was der Pflegebedürftige sagt

und fühlt, wird nicht in Zweifel

gezogen oder in Abrede gestellt.

Ein Beispiel: Ein älterer

Herr will nicht, wie von der Mitarbeiterin

vorgeschlagen, in

einen anderen Raum gehen.

„Warum nicht?“, fragt die

Pflegerin. „Ich kann nicht, die

Ampel steht doch auf Rot“, erklärt

der Bewohner. Hier gilt es

jetzt, auf den älteren Menschen

keinen Druck auszuüben, der

Mitarbeiterin in das andere

Zimmer zu folgen. Vielmehr

akzeptiert sie seine Sicht der

Dinge: „Dann warten wir eben

auf Grün“ sagt sie mit

beruhigender Stimme. Und falls

die Ampel einfach nicht auf

Grün schalten will, versucht sie

es zu einem späteren Zeitpunkt

eben noch einmal. Zu den positiven

Auswirkungen der Methode

zählt, dass Sicherheit

gewonnen wird und Ängste

schwinden.

Die tagesstrukturierenden Maßnahmen

werden den Senioren

täglich angeboten. Das Julie-

AWO-Pflege Plus 02 | 2007

Der Besuchshund weckt Erinnerungen an eigene Haustiere

Kolb-Seniorenzentrum in Marl

bietet eine erweiterte Betreuungszeit

an, die täglich vom

Frühstück bis nach dem

Abendessen reicht. Die AWO

Westliches Westfalen plant, zukünftig

verstärkt auch nächtliche

Betreuungsangebote zu ermöglichen,

da viele demenziell

Erkrankte unter dem Verlust des

Schlaf-Wachrhythmus’ leiden. Im

Elisabeth-Brune-Seniorenzentrum

in Gladbeck ist mit dem

„Nachtcafé“ eine Betreuung in

den Abendstunden bereits eingeführt.

Angehörige von Bewohnern

sind in den Gruppen sehr willkommen.

Sie können die Fachkräfte

ein wenig unterstützen,

Stationäre Pflege

beispielsweise als Begleitung

auf einem Spaziergang. Gleichzeitig

lernen sie in der Gruppe

etwas über die Krankheit ihres

Familienmitglieds dazu und

können damit mehr Verständnis

entwickeln. In manchen

Gruppen sind ehrenamtliche

Helfer aktiv. Von ihnen wird einiges

an Fingerspitzengefühl

und innerer Kraft erwartet.

Daher stehen den freiwilligen

Helfern immer speziell geschulte

Fachkräfte zur Seite.

Weitere Informationen erhalten

Sie bei der Deutschen Alzheimer

Gesellschaft e. V. im Internet

unter:

www.deutsche-alzheimer.de .

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Neue Seniorenzentren

Bald nur noch Einzelzimmer im

Fritz-Fries-Seniorenzentrum

Umbau bei laufendem Betrieb

An moderne Standards und Ansprüche wird jetzt das Fritz-Fries-

Seniorenzentrum in Siegen angepasst. Die AWO Westliches

Westfalen bringt das Haus, das aus den siebziger Jahren

stammt, bis Ende 2008 auf den neuesten Stand in Sachen Bewohnerbedürfnisse.

Unruhe und Baulärm gehören

bereits seit Januar zum Alltag in

der Siegener Seniorenpflegeeinrichtung.

Denn Handwerker

hämmern, bohren, sägen und

schrauben, was das Zeug hält.

Und die Bewohner genießen

es! „Endlich ist mal ordentlich

was los“, heißt es. Zwar hatte

der Verband vorgeschlagen,

die Älteren während der Bauarbeiten

in das neue Seniorenzentrum

in Erndtebrück umzusiedeln.

Davon wollten diese

jedoch nichts wissen. Die rund

85 Bewohner, die zurzeit in der

Einrichtung leben, schauen

lieber den Bauarbeitern über

die Schultern und fachsimpeln

über die Arbeiten, die stetig

voranschreiten. Die AWO als

Träger hat sich viel vorgenommen,

um das Haus bis

Ende nächsten Jahres komplett

zu modernisieren. Der Umbau

betrifft fast alle Bereiche der

Einrichtung, die stadtnah am

Rande des Erholungsgebiets

Rosterberg-Hengsbach liegt.

So werden alle Zweibettzimmer

zu großen (23 Quadratmeter!)

Einbettzimmern umgebaut.

Jedes Zimmer erhält ein eigenes,

barrierefreies Bad. Mit

dem Einbau von Duschen

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werden sie auch größer. Um

den nötigen Platz für diese

Maßnahme zu gewinnen,

müssen die Balkone weichen.

Die Bewohner konnten sie aus

gesundheitlichen Gründen meist

nur wenig nutzen. Die Hausfassade

erhält nun große Fensterelemente

mit jeweils einer

bodentiefen Tür. Damit haben

auch Rollstuhlfahrer den freien

Blick ins Grüne. Wer die Natur

und frische Luft genießen

möchte, kann dies zukünftig in

mehreren Gärten und auf der

Terrasse tun. Die Möblierung

der Zimmer steht ebenfalls zur

Erneuerung an. Durch die Umwandlung

der Zweibettzimmer

in Einbettzimmer verringert

sich die Platzzahl der Einrichtung

von 127 auf 115.

Jede Etage erhält ein zentrales

Pflegebad und ein Dienstzimmer.

Außerdem gibt es in

Zukunft auf jedem Stockwerk

eine neue Verteilerküche. Statt

des zentralen Speisesaals werden

kleinere Aufenthalts- und

Speiseräume mit jeweils 20 bis

25 Plätzen auf den Etagen

eingerichtet. Damit werden die

Wege kürzer, die Kontakte

überschaubarer und die Kommunikation

gefördert. Für

kürzere Wege sorgt der neue,

dritte Fahrstuhl. So ist jetzt

das Untergeschoss gut zu erreichen,

wo sich ein Bereich für

die Gottesdienste befindet.

Wer Friseur und Fußpflege

nutzen will, findet auch diese

Angebote im Untergeschoss.

Das Erdgeschoss wird ebenfalls

neu gestaltet. Gern sitzen

die Bewohner im Eingangsbereich,

um das Leben und

Treiben auf der Straße zu verfolgen.

Hier kann man auch

gut beobachten, wer zu Besuch

kommt oder etwas anliefert.

In das Foyer wird ein Teil

der sehr gemütlichen Cafeteria

hineinreichen. Sie verfügt über

rund 20 Plätze. Wird – etwa bei

einer größeren Geburtstagsfeier

AWO-Pflege Plus 02 | 2007


– mehr Platz benötigt, kann der

Cafébereich bis ins Foyer erweitert

werden. Der Umbau des

früheren Speisesaals zu neuen

Verwaltungsräumen ist bereits

fertig gestellt.

Für Bewohnerinnen und Bewohner

mit Demenzerkrankungen

entsteht ein Tagespflegebereich

im Untergeschoss – dort,

wo früher die große Produktionsküche

lag. In der Tagespflege

betreuen eigens dafür

abgestellte Pflegekräfte die demenziell

erkrankten Bewohner

und halten besondere Beschäftigungsangebote

für sie bereit.

Ein Sinnesgarten, der im

Innenhof angelegt wird, ergänzt

die Tagespflege im Außenbereich.

Dem Umbau ging eine mehrjährige

Planungsphase voraus.

Der Umbau bringt Abwechslung ins Seniorenzentrum

AWO-Pflege Plus 02 | 2007

Denn bereits seit längerem

hatte sich abgezeichnet, dass

das alte Baukonzept mit einem

Schwerpunkt auf Leben und

Wohnen im Alter nicht mehr

zeitgemäß ist. Heute steht die

Pflege in den Senioreneinrichtungen

immer im Vordergrund.

Das Durchschnittsalter

beim Einzug hat sich gegenüber

dem Eröffnungsjahr des Hauses

1971 nämlich um 20 Jahre

erhöht. Oder anders: Heute

sind die Senioren im Mittel 86

Jahre alt, wenn sie in die

Einrichtung einziehen. Alle sind

pflegebedürftig, etwa ein

Fünftel ist in Pflegestufe III eingruppiert.

Viele Bewohnerinnen

und Bewohner sind an Demenz

erkrankt und benötigen individuell

abgestimmte Betreuung in

besonderen Räumen.

Die AWO Westliches Westfalen

Neue Seniorenzentren

investiert die durchaus beachtliche

Summe von 7,4 Millionen

Euro in den Umbau – fast so

viel, wie eine neue Einrichtung

kostet. Die Finanzierung der

Summe muss der Verband laut

dem neuen Landespflegegesetz

ganz allein auf die Beine stellen.

Über den gesamten Betrag

muss ein Kredit aufgenommen

werden. Nach dem Umbau wird

daher der Bewohneranteil an

den Investitionskosten neu berechnet.

Weitere Informationen:

AWO Bezirksverband

Westliches Westfalen

Kronenstraße 63-69

44139 Dortmund

Tel.: 0231/54 83-216

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Pflegeratgeber

Beschwerden in Pflegeeinrichtungen

Gute Häuser stellen Mängel ab

Das Wohlergehen und die Meinung der Bewohner ist den Trägern von Pflegeeinrichtungen sehr

wichtig. Trotzdem kann es vorkommen, dass ein Fehler passiert oder dass bestimmte Dinge nicht

so gehandhabt werden, wie es vereinbart war. Dann ist es angebracht, den Fehler anzusprechen.

Die AWO hat ein Beschwerdemanagement entwickelt, um die Lebensumstände des Pflegebedürftigen

zu verbessern.

Niemand kann Ihnen angeblich

mitteilen, an welche Pflegekraft

Sie sich mit Fragen zur Pflege

Ihres Vaters wenden können?

Ihre Mutter wird einfach in den

Rollstuhl gesetzt und hat über

Stunden weder Beschäftigung

noch Ansprache? Die Anordnungen

des Arztes zur Behandlung

Ihres Mannes setzen

die Pfleger nach Ihrer Beobachtung

gar nicht um? Egal,

ob Sie leichtere oder schwerwiegende

Mängel bei der Pflege,

Versorgung und Betreuung Ihres

Angehörigen in der Seniorenpflegeeinrichtung

feststellen: Weisen

Sie die Mitarbeiter frühzeitig auf

Fehler hin. Nur so können diese

im Interesse Ihres pflegebedürftigen

Angehörigen abgestellt

werden. Und falls ein Missverständnis

der Anlass Ihrer Sorge

war, so lässt sich dieses in einem

Gespräch aufklären.

Leider trauen sich viele Angehörige

von Pflegebedürftigen

nicht, ihre Kritikpunkte in der

Einrichtung offen anzusprechen.

Sie fürchten Nachteile für ihren

Auch der Heimbeirat sorgt dafür, dass Beschwerden an der richtigen Stelle landen

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Verwandten. Diese Furcht ist

meistens unbegründet, denn

eine gute Einrichtung ist selbst

daran interessiert, Mängel, von

denen sie Kenntnis erhält, zu

beheben. Außerdem haben Sie

die Möglichkeit, sich notfalls sogar

an eine Beschwerdestelle zu

wenden. Bei einer bayerischen

Beschwerdestelle für Pflegefragen

bemängelten die Anfrager

überwiegend die Grundpflege,

Fragen der Sicherheit (Stürze)

und den Umgang mit den Angehörigen.

Die überwiegende

AWO-Pflege Plus 02 | 2007


Wenn es nicht schmeckt, kann man sich beschweren

Zahl der Beschwerden konnte im

Einvernehmen mit den Pflegeeinrichtungen

geklärt werden.

Versuchen Sie, sich bereits in

den Vorgesprächen mit der

Einrichtung über deren Umgang

mit Beschwerden zu informieren.

Fragen Sie gezielt danach, wie

Anregungen und Kritik in der betreffenden

Pflegeeinrichtung aufgenommen

und Fehler abgestellt

werden. An den Reaktionen der

Mitarbeiter werden Sie merken,

was Sache ist.

Manche Einrichtungen bieten

Ihnen sogar mehrere Möglichkeiten,

um Beschwerden loszuwerden:

• Sie erhalten genaue Angaben,

an wen Sie sich mit Anregungen

und Kritik wenden können. Name

und Telefonnummer eines Ansprechpartners

werden genannt.

• Es liegen Beschwerdeformulare

aus, auf denen Sie Ihr Anliegen

eintragen können.

• Sie können Beschwerden

schriftlich formulieren und in den

Briefkasten der Heimleitung

werfen.

AWO-Pflege Plus 02 | 2007

Manchmal ist es schwierig,

seine Beschwerde klar zu

formulieren. Wenn die Mitarbeiter

bereit sind, auch versteckte

Botschaften zu hören,

und sich darauf einlassen,

wenn Sie etwas reklamieren,

ist dies ein Zeichen für die

Qualität der Einrichtung. Sobald

Sie sich beschwert haben,

sollten Sie konkret darüber

informiert werden, was mit

Ihrer Beschwerde geschieht:

„Wir besprechen Ihr Anliegen

in der Teamsitzung“, „Ich leite

die Anfrage an Frau Schuster

weiter, sie meldet sich bis zum

... bei Ihnen“. Unklare Angaben

wie„Siehörenvonuns“oder

„Ihre Beschwerde wird von uns

an die zuständige Stelle weitergeleitet“

reichen nicht aus.

Fragen Sie, wann Sie etwas

hören und welche die zuständige

Stelle ist. Erhalten Sie

nach einigen Tagen keinerlei

Reaktion auf Ihre Beschwerde

und haben Sie das Gefühl,

dass Ihre Anliegen nicht ernst

genommen werden, sollten Sie

erneut anfragen oder sich an

eine neutrale Stelle wenden.

Auf Ihre Beschwerde hin

sollten Sie innerhalb weniger

Pflegeratgeber

Tage einen konkreten Lösungsvorschlag

erhalten, mit dem

Sie einverstanden sind, oder

aber eine schlüssige Erklärung,

warum eine bestimmte Angelegenheit

nur so und nicht

anders geregelt werden kann.

Beschwerde- und

Informationsmöglichkeiten:

Die Adresse der Heimaufsicht

können Sie dem Heimvertrag

entnehmen.

Eine Reihe von Stadt- bzw.

Kommunalverwaltungen haben

Beschwerdestellen eingerichtet.

Sie können sich an die zuständige

Pflegekasse wenden.

In mehreren Bundesländern

gibt es Pflegetelefone, die u. a.

auch bei Beschwerden informieren

und beraten.

Das Bürgertelefon Pflegeversicherung

(01805/99 66 03,

kostenpflichtig) informiert Sie

bundesweit zu den Leistungen

in der stationären Pflege.

In den AWO Seniorenzentren ist

der Umgang mit Beschwerden

im Rahmen des Qualitätsmanagements

geregelt. So

werden Hinweise oder Beschwerden

über Fehler in der

Dienstleistungserbringung –

wenn möglich – sofort oder innerhalb

weniger Tage bearbeitet.

Alle von einer Beschwerde Betroffenen

werden über das Ergebnis

der Bearbeitung informiert.

Erfahrungsgemäß gelingt

es in den meisten Fällen, die Beschwerden

zur Zufriedenheit der

Angehörigen und der Bewohner

zu regeln. Beschwerden sind bei

der AWO immer auch Auslöser

für zukünftige Verbesserungen.

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AWO-Angebote

Vorbild für Stifter

Versicherungsservice unterstützt

„Stiftung Leben im Alter“

Mit einem stattlichen Betrag engagiert sich die ARWO Versicherungsservice

GmbH in der AWO-Stiftung „Leben im Alter“.

Die Stiftung will individuelle Wohn- und Pflegemöglichkeiten für

Senioren schaffen. Mit der beträchtlichen Summe von 11.000

Euro hat sich die ARWO GmbH als Erste den Status eines Gold-

Zustifters gesichert und erhält eine eigene Unterstiftung mit dem

Namen „Stiftung Leben im Alter – ARWO Versicherungsservice

GmbH“. Pflege Plus sprach mit dem Geschäftsführer Hartmut

Krauthäuser über das soziale Engagement des Unternehmens.

Pflege Plus: Ihr Unternehmen

vermittelt Versicherungen an

Einrichtungen und Mitarbeiter

von sozialen Organisationen.

Was hat Sie bewogen, darüber

hinaus die Stiftung „Leben im

Alter“ der AWO Westliches Westfalen

als Aufbauhelfer zu unterstützen?

Sinneserkundung im Snoezel-Raum

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H. Krauthäuser: Als Versicherungsmakler

betreiben wir mit

unseren Angeboten bereits Vorsorge

für die demografischen

Veränderungen in unserer

Gesellschaft. Mit dem Engagement

in der Stiftung wollen

wir zeigen, dass man aber mehr

tun muss und kann. Unsere

Unterstiftung soll ein

Signal setzen und Vorbild

sein für andere

Unternehmen in der

Versicherungswirtschaft.

Pflege Plus: Reicht es

denn aus, selbst zu

spenden? Oder können

Sienochmehrtun?

H. Krauthäuser: Wir

haben viele Geschäftspartner

und gute Kontakte

zu den Vorständen.

Diese wollen

wir aktiv ansprechen.

So wollen wir allmählich

den Stock

unserer Unterstiftung

ausbauen. Wichtig ist,

ARWO-Geschäftsführer Hartmut Krauthäuser

dass auch unsere zwölf Mitarbeiter

hinter unserem Engagement

stehen.

Pflege Plus: Zu den Zielen von

„Leben im Alter“ gehört es,

spezielle Angebote an Pflege,

Wohnraum und Förderung zu

schaffen. Für welches Projekt

werden die Mittel Ihrer Unterstiftung

verwendet?

H. Krauthäuser: Die Mittel breit

zu streuen, ergibt keinen Sinn.

Wir wollen uns auf eine Sache

konzentrieren. Dadurch erhalten

wir tiefere Einblicke in ein bestimmtes

Thema und erwerben

Fachkenntnisse. So können wir

uns viel besser einbringen. Ganz

besonders am Herzen liegt uns

die Einrichtung von Snoezel-

Räumen. Das ist in Deutschland

eine neue Art der Behandlung

von demenziell Erkrankten. Sie

finden im Snoezel-Raum eine

Möglichkeit zur therapeutischen

Entspannung. Und bei unserem

letzten Betriebsausflug haben

wir einen solchen Therapieraum

sogar selbst besucht.

AWO-Pflege Plus 02 | 2007


Selbstbehandlung

Tipps für den Umgang mit leichten Beschwerden

AWO-Pflege Plus 02 | 2007

Gesundheit & Ernährung

Bei so genannten Alltagsbeschwerden wie Kopfschmerzen, Durchfall, Erkältungen oder Übelkeit entscheiden

sich viele für die Selbstmedikation. Wer sich selbst behandeln will, sollte nur zu rezeptfreien

Arzneien oder Hausmitteln greifen. So wenden Sie die Do-it-yourself-Medizin richtig an:

Das Wichtigste zuerst: Jede

Selbstbehandlung hat ihre

Grenzen. Bleibt die Behandlung

erfolglos oder nehmen

die Beschwerden zu, suchen

Sie umgehend einen Arzt auf.

Geeignet für eine Selbstbehandlung

sind vor allem

die leichten Beschwerden, bei

denen es nur um eine Linderung

der Symptomatik geht.

Dazu gehören harmlose Virenerkrankungen

wie Erkältungen

oder Magenverstimmungen

und Bagatellverletzungen wie

Hautabschürfungen oder Prellungen.

Zu den Grenzfällen

zählen Schmerzen, hier muss

man abwägen. Handelt es sich

nur um einen recht kurzen, einmaligen

Anfall von Kopfschmerzen,

ist die Schmerztablette

sicher hilfreich.

Beachten Sie die Wechselwirkungen

der gekauften Präparate,

denn Medikamente

können sich gegenseitig beein-

flussen. Die Wirkung eines

oder mehrerer Präparate kann

abgeschwächt oder verstärkt

werden. Auch die Verträglichkeit

einzelner Wirkstoffe kann

sich verändern und damit die

möglichen Nebenwirkungen.

Deshalb ist es ratsam, sich

beim Kauf in der Apotheke umfassend

zu informieren. Halten

Sie eine Liste derjenigen

Medikamente bereit, die Sie

zurzeit oder ständig einnehmen.

Das macht es dem

Apotheker leichter, eine geeignete

Arznei auszuwählen. Behandeln

Sie Ihre Beschwerden

zunächst mit der geringsten im

Beipackzettel angegebenen

Menge. Und: Kein Heilmittel ist

gänzlich ohne Nebenwirkungen,

auch Naturheilmittel weisen

welche auf.

Sicher, geborgen und zu Hause sein

Ob zwischen Bocholt und Lippstadt,

zwischen Steinfurt und Siegen oder

im Ruhrgebiet – überall in Ihrer Nähe

bietet die AWO Westliches Westfalen

in ihren Seniorenzentren älteren Menschen

Sicherheit und Geborgenheit.

Unsere Bewohnerinnen und Bewohner

haben die Gewissheit, gut

versorgt zu sein, wenn sie nicht mehr

ohne fremde Hilfe zurechtkommen.

Denn für das Konzept aller 56 AWO-

Seniorenzentren gilt: Der Mensch

steht immer im Mittelpunkt.

Nehmen Sie auch frei verkäufliche

Medikamente nicht dauerhaft

ein, ohne Ihren Arzt zu

informieren. Ergänzen Sie die

Selbstmedikation mit einfachen

gesundsheitsfördernden Maßnahmen.

Körperliche Schonung,

ausreichende Flüssigkeitszufuhr

sowie die krankheitsüblichen

Hausmittel (bei Erkältungen beispielsweise

Inhalationen oder

Wärmepackungen) sind meist

hilfreich.

Verlassen Sie sich nicht auf den

Rat oder sogar auf die

Medikamente von Bekannten

und Verwandten. Fragen Sie

sich, wann die Beschwerden bei

Ihnen zum ersten Mal aufgetreten

sind und was Ihnen

seinerzeit geholfen hat.

Informieren Sie sich über unsere modernen und komfortablen Einrichtungen!

E-Mail: seniorenzentren@awo-ww.de | Internet: www.awo-ww.de

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Anzeige

„Landhaus Fernblick“

Die erste Einrichtung in NRW, die dementiell Erkrankten und ihren Angehörigen die Möglichkeit eines gemeinsamen Urlaubs bietet.

Winterberg im Sauerland ist ein heilklimatischer Kurort in 750m Höhenlage, der

mit guter Luft und schöner Landschaft zu Spaziergängen und Wanderungen einlädt,

um so Hektik und Stress des Alltags hinter sich zu lassen.

Hier hat der Bezirksverband Westliches Westfalen der Arbeiterwohlfahrt

Demenzkranken und ihren Angehörigen eine Möglichkeit der gemeinsamen

Erholung eröffnet.

Das „Landhaus Fernblick“ ist eine Einrichtung mit rund 60 Betten, die voll und

ganz auf die Anforderungen von Pflegebedürftigen und deren Angehörige ausgerichtet

ist. Gerade für pflegende Familienmitglieder ist eine Entspannung von der

täglichen physischen und psychischen Belastung von immenser Bedeutung. Zudem

bietet dieses Ferien-Angebot die Möglichkeit, die Beziehung zu dem

Pflegebedürftigen neu zu erleben und zu festigen.

Rund vier Stunden täglich wird Demenz-Kranken tagesstrukturierende Betreuung

durch Pflegefachkräfte angeboten. Mehrere Gruppenräume, ein Snoezel-Raum,

eine Küche sowie ein Innenhof und ein Sinnesgarten stehen hierfür zur Verfügung.

Die Betreuungszeit können die Angehörigen sowohl mit den Pflegebedürftigen verbringen

als auch für eigene Interessen nutzen.

Impressum

Paare und Einzelreisende mit Pflegebedürftigen finden dank unterschiedlicher

Raumzuschnitte die Umgebung und das Ambiente, das sie brauchen.

Das Haus verfügt über Sauna und Schwimmbad; Café und Gastronomie bieten

gehobenen Restaurantstandard; der Ruhegarten auf der Rückseite des Gebäudes

lädt zum Entspannen und ermöglicht einen unvergleichlichen (Fern-)Blick ins

Sauerland.

Winterbergs Innenstadt ist binnen weniger Minuten fußläufig erreichbar.

Für die Planung des Aufenthaltes von der Ankunft bis zur Abreise stehen kompetente

Mitarbeiter bereit. Die ärztliche Versorgung vor Ort ist durch kooperierende

Ärzte gesichert. Pflegebedürftige mit einer anerkannten Pflegestufe nach SGB XI

können im Rahmen der Sachleistungsgewährung örtliche ambulante Dienste

beauftragen.

Kontakt:

Landhaus Fernblick · Wernsdorfer Straße 44 · 59955 Winterberg

Fon (0 29 81) 89 80 oder (02 31) 54 83 - 249

e-mail: info@awo-kur.de, Internet: www.aw-kur.de

Besuchen Sie uns auch im Internet: www.awo-ww.de

Herausgeber:

AWO Bezirk Westliches Westfalen e.V.

Kronenstraße 63-69 | 44139 Dortmund

Telefon: 0231/5483-0 | E-Mail: seniorenzentren@awo-ww.de | Internet: www.awo-ww.de

V.i.S.d.P.:

Jörg Richard, Abteilungsleiter Verbandspolitik/Kommunikation, AWO Bezirk Westliches Westfalen e.V.

Begleitende Agentur:

tippund.info GmbH | Konrad-Zuse-Str. 13 | 58239 Schwerte | www.tippund.info

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