FOCUSMONEY_43:2020_Vorschau

FOCUS.Magazin

FocusMoney Cover


Alle FOCUS-Titel. Digital. Jederzeit.

Einfach und schnell. Im FOCUS E-Paper Shop.

Jetzt

E-Paper

lesen!

focus-shop.de


MONEYINSIDE

Her mit den nächsten Billionen

Menschen lieben es, Recht zu behalten. Aber nicht immer. Anfang

August habe ich aus meinem Urlaub berichtet, dass Franzosen

sich nach meiner Beobachtung nicht an Maskenpflicht (und Abstände)

halten, schon gar nicht, wenn sie ihrerseits im Urlaubsland

Spanien unterwegs sind. Befürchtung: Das geht schief, wenn das so

bleibt. Leider richtig. Frankreich meldet täglich fünfstellige Zahlen bei

den Covid-19-Neuinfektionen. Der Anstieg auch in anderen Ländern,

zumal in Deutschland, dominiert die Berichterstattung.

Und dennoch bleiben die mittelfristigen Aussichten intakt, auch

für die Börse. Jeder Staat will einen neuen landesweiten Lockdown

verhindern. Und an Geld wird es weiterhin nicht fehlen. Was früher

einen Aufstand ausgelöst hätte, wird heute nebenbei nonchalant gelöst.

Sechs Milliarden Euro Mehrausgaben, um zum Beispiel Pflegefälle

und ihre Angehörigen zu entlasten? Da plant der Bundesgesundheitsminister

mit einem Federstrich Steuermittel ein. Fertig.

Kleinkram, wenn der Bund pandemiebedingt in diesem Jahr mit

218 Milliarden Euro und 2021 mit 96 Milliarden Euro Neuverschuldung

rechnet. Auch wegen der Streitigkeiten zwischen Republikanern

und Demokraten in den USA um ein billionenschweres weiteres

Corona-Hilfsprogramm muss man sich nicht sorgen: Es wird

kommen, wenn auch womöglich mit ein paar Wochen Verspätung.

Ich erwarte zudem, dass Kurzarbeiterregelungen nach deutschem

Vorbild auch in anderen Ländern verlängert werden, selbst in Großbritannien,

wo es bei den Konservativen durchaus sehr große Vorbehalte

dagegen gibt. Die Regierung möchte man sehen, die es

durchsteht, dass die Insel auf einen harten Brexit mit all seinen

Folgen zutrudelt und zugleich Millionen Bürger arbeitslos werden.

Nebenbei ist es bei einer weltweiten Betrachtung so, dass die Regierungen

von den gepumpten Billionen einen großen Prozentsatz

noch gar nicht ausgegeben haben. Und global gibt es im Nicht-Banken-Sektor

einen Anstieg risikofreier Assets und Einlagen um insgesamt

vier Billionen Dollar – da kann noch viel in Risikoanlagen wie

Aktien umgeleitet werden.

Das verhindert nicht, dass die stärkste zusätzliche Unterstützung

gerade der Finanzmärkte weiter von den Notenbanken kommen

wird. Die sehen natürlich auch, dass der Anstieg der Covid-19-Fallzahlen

Teilbereiche der Wirtschaft wie den Tourismus schon wieder

deutlich bremst und das Vertrauen der Verbraucher unterminiert. Die

Volkswirte der Unicredit erwarten daher bereits, dass die Europäische

Zentralbank noch vor Ende dieses Jahres ihr billionenschweres

Krisenprogramm PEPP ausweiten und verlängern wird. Geradezu

rührend, dass der Chef der niederländischen Zentralbank noch im

Juli davor gewarnt hat, sich auf einen Notenbank-Put zu verlassen.

Frank Mertgen,

stellv. Chefredakteur

Foto: S. Ugurlu/FOCUS-MONEY

FOCUS-MONEY 43/2020

3


MONEYINHALT

Nr. 43 / 14. Oktober 2020 www.money.de

Die KI-Gewinner

Welche Aktien profitieren vom Megatrend

künstliche Intelligenz? Es sind wenige Superstar-

Konzerne, die zu den richtigen Gewinnern

zählen. Sie gehören in jedes Anlegerdepot

16

10

Das Rennen um

den Impfstoff

Wann kommt der Corona-Impfstoff?

Eine der

wichtigsten Fragen für

die Menschheit. Die Frage

treibt auch Anleger um:

Welche Aktien die Nase

vorn haben und welche

Fonds sich jetzt lohnen

MONEYTITELTHEMA

6 Die Aktien mit Zukunft: Die Gewinner von morgen

in einem Heft. Plus: Breit gestreute Investments,

um von den wichtigsten Trends zu profitieren –

Rückblick und neue Empfehlungen

9 Corbion: Mit Bioplastik die Umwelt schonen – und

am Megatrend mitverdienen

10 Corona-Impfung: Welche Impfstoff-Anbieter an der

Börse das Rennen machen

14 Nibe: Ideales Klima dank nachhaltiger Wärmepumpen

aus Schweden

15 Ballard Power: Mit dem Brennstoffzellen-Pionier

auf Wasserstoff setzen

16 Künstliche Intelligenz: Wie Anleger vom Kreislauf

des KI-Kapitals profitieren

20 EHang: Tesla der Lüfte – Flugtaxis sind längst keine

Zukunftsmusik mehr

21 Teamviewer: Hightech aus dem Schwabenland

– Fernzugang für den Rechner

22 Amazon: Ein Kursziel von 4500 Dollar (!) – warum

die Aktie noch weiter steigen kann

24 Cognex: Maschinen lernen sehen und Produktionsabläufe

kontrollieren – ein Geheimtipp

25 Thor: Camping – der neue Urlaubs-Megatrend in

Corona-Zeiten

26 Batterien: Der Schlüssel für die Elektromobilität

– wer die Nase vorn hat

30 Glu Mobile: Ein Analystenliebling bringt Spiele auf

das Smartphone

31 Ørsted: Die Aktie des Weltmarktführers bei

Windparks auf hoher See ist teuer, aber gut

32 Home-Office: Statt ins Büro – Corona verstärkt den

Trend, zu Hause zu arbeiten

35 Twilio: 1000 Prozent im Plus – warum die Kursexplosion

weitergeht

36 Illumina: Der DNA-Spezialist könnte unser Leben

verändern – Aktie steht kurz vor dem Durchbruch

37 Generation Bio: Der Gentherapie-Spezialist gilt als

Hoffnungsträger und Übernahmekandidat

38 Automatisierung: Vier Gewinner der

Veränderung der Lieferketten

42 American Water Works: Ein 1886 gegründeter

Wasserversorger stellt Tech-Werte bei Kursentwicklung

und Zukunftspotenzial in den Schatten

44 Microsoft: Teams, Cloud, künstliche Intelligenz

– der Software-Riese entwickelt sich rasant weiter

45 Compugroup: Mit elektronischer Patientenakte auf

Wachstumskurs

4 Titelfoto: 123RF Inhalt: Fotos: Alphabet, Facebook, EHang, Microsoft, Unsplash, VectorStock, 123RF Composing: FOCUS-MONEY

FOCUS-MONEY 43/2020


20

Flugtaxi startet

Keine Zukunftsmusik mehr: Autonom

fliegende Flugtaxis könnten

bald durch die Luft schwirren – ein

Trend, von dem Anleger profitieren

können

42

Blaues Gold im Depot

Besser als die meisten Tech-Aktien? Und dabei

schon mehr als 130 Jahre alt? Die Aktie von

American Water Works liegt voll im Trend –

Wasseraufbereitung und -versorgung werden

immer wichtiger und lukrativer

Titelthemen sind mit

roten Seitenzahlen

gekennzeichnet

46 Facebook: Basisinvestment im Tech-Sektor – dank

neuer Funktionen weiter im Vorwärtsgang

48 PerkinElmer: Sicher, sauber, sympathisch – im

Dienste des Schutzes von Mensch und Natur

50 Square: Mit der Cash-App stößt der Zahlungsdienstleister

in eine neue Dimension vor

51 Stryker: Je älter die Menschen werden, desto besser

läuft es für die Medizintechniker

52 Alphabet: Die Google-Mutter ist eine Wundertüte,

in der mehr steckt, als die meisten meinen

54 China Communications Services: Nicht kleckern,

klotzen heißt die Devise

55 Veeva: Cloud und Gesundheit – eine Top-Kombination

an der Börse

56 Silber: Neue Einsatzmöglichkeiten bringen neue

Fantasie für gute Minenaktien

58 Secunet: Mit IT-Sicherheit zum Börsen-Überflieger

– warum der Anstieg sich fortsetzt

60 The Singularity Fund: Globaler Innovationspool in

einem Produkt

62 ASML: Maschinen für die Chip-Produktion mit

einem breiten Burggraben

64 Nemetschek: Boom durch BIM – mit Architektensoftware

MONEYMARKETS

66 Chartanalyse: Vier Tech-Heroen im Kurven-Check

– wer die besten Aussichten hat

68 Musterdepots: Ein Nachkauf und eine geplante

Megafusion

DSW ANLEGERSCHUTZ

70 Volkswagen: Jetzt klagen auch Anleihengläubiger

70 Standpunkt: Berlin lässt Anleger – wieder einmal

– im Regen stehen

MONEYSERVICE

72 Kfz-Policen: Fürs Elektromobil braucht es eine

Vollkasko, die Akku und Bedienfehler umfassend

schützt. Welche Tarife wirklich fair und top leisten

76 Interview: Volker Priebe, Vorstand Allianz Lebensversicherung,

zur Zukunft der Altersvorsorge und zu

Neuem im Produktportfolio des Branchen-Primus

MONEYRUBRIKEN

3 MONEYInside

80 Leserbriefe • Impressum

98 Terminkalender: Zahlen von IBM, Procter & Gamble

und Netflix

MONEYKURSTEIL

81 Zinsen • 83 Fonds • 86 Aktien Deutschland

92 Aktien international • 96 Zertifikate

97 Neuemissionen

Die Schwergewichte

Sundar Pichai (Alphabet), Satya Nadella

(Microsoft) und Mark Zuckerberg (Facebook)

– die Chefs treiben die Tech-Riesen

immer weiter vorwärts

22

FOCUS-MONEY 43/2020 5


MONEYMARKETS

Corona-Aktien

Wettlauf der

Impfstoff-

Entwickler

In Russland und China wird bereits

gegen Covid-19 geimpft. Auch einige

westliche Vakzine-Hersteller befinden

sich auf der Zielgeraden. Welche Anbieter

an der Börse das Rennen machen

Einsicht? Welche Einsicht? Durch die Covid-19-Erkrankung

Donald Trumps könnte man meinen, der US-Präsident

– immerhin Ü-70 – würde maßvoller auftreten. Doch

es wäre nicht Trump, wäre er nicht gleich wieder zu alter

Form aufgelaufen. „Lasst es nicht euer Leben beherrschen.

Habt keine Angst davor. Geht raus, seid vorsichtig“,

twitterte er munter vor sich hin, kaum dass er nach

seiner pompös inszenierten Rückkehr ins Weiße Haus am

Schreibtisch des Oval Office Platz genommen hatte.

Hoffnung auf Impfstoffe. Angst zu haben, wäre allzu verständlich.

Weltweit sind bisher mehr als 36,15 Millionen

Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert.

Mehr als eine Million Menschen starben daran. Die Hoffnung,

die Pandemie einzudämmen, beruht auf potenziellen

Impfstoffen. 40 Hersteller weltweit liefern sich derzeit

Die Impfstoff-Avantgarde

Die vorzeitige Zulassung des vom russischen Gamaleya-Institut

entwickelten Impfstoffs Sputnik-V ist umstritten.

Im Westen haben Biontech/Pfizer, Astra-

Zeneca/Uni Oxford und Moderna/Niaid die Nase vorn.

Entwicklungsstand bei Covid-19-Medikamenten

Zulassung

Phase I Phase II Phase III

BioNtech, Pfizer Deutschland, USA, China

Uni Oxford, AstraZeneca Großbritannien

Gamaleya Russland

CanSino China

Janssen USA, Belgien

Moderna, NIAID USA

Novavax USA

Sinopharm China

Sinovac China

AnGes, Uni Osaka, Takara Japan

Anhui Zhifei China

Arcturus/Duke USA, Singapur

Bharat Indien

Cadila Indien

CureVac Deutschland

Genexine Südkorea

GSK/Sanofi Großbrit., Frankreich

IMBCAMS China

Inovio, Vaccine Inst. USA, Südkorea

Kentucky Bio USA

SpyBiotech/SB

DZIF

RIBSP Kasachstan

Großbrit., Indien

Deutschl.

Quelle: Datawrapper.de, WHO, Zulassung = Zulassungsprozess

auf dem

Markt

ein Wettrennen um die Zulassung. Der vom russischen

Staatsinstitut Gamaleya entwickelte Impfstoff Sputnik-V

wird bereits verabreicht. Und auch China probiert angeblich

neue Vakzine an Hunderttausenden aus.

Mediziner quittieren die vorzeitige Zulassung mit Skepsis.

Nicht ausreichend erprobte Impfstoffe könnten nicht

nur die Wirkung verfehlen, sondern auch die Bevölkerung

verunsichern. „Daher ist es unsere Pflicht sicherzustellen,

dass wir dies mit den höchsten ethischen Standards sowie

der Einhaltung fundierter wissenschaftlicher Prinzipien

tun“, stellt Ugur Sahin sicher. Der Chef und Mitgründer

des Mainzer Unternehmens Biontech hat sich mit

einer Gruppe führender westlicher Impfstoffhersteller verpflichtet,

erst die Zulassung anzustreben, wenn alle Untersuchungen

vollständig abgeschlossen sind.

Verschärfte Zulassungsrichtlinien. Für eine Zulassung

müssen die Wirksamkeit sowie die Sicherheit eines Impf-

10 Illustrationen: iStock, Unsplash, VectorStock

Composing: FOCUS-MONEY

FOCUS-MONEY 43/2020


MONEYMARKETS

Glaskugel mit Wasser: Der

Aktienkurs legte seit 2010

um satte 564 Prozent zu

American Water Works

Das Elixier

der Börse

Ein 1886 gegründeter Konzern bringt

Farbe ins Depot. Ein Wasserwerk und

Zukunft? Klimawandel und Mängel

der Infrastruktur geben die Antwort

American Water Works ist nahezu 90 Jahre älter als die

1975 gegründete Hightech-Ikone Microsoft (s. S. 44).

In die Jahre gekommen ist der amerikanische Wasserversorger

aber nicht. Seit 2010 legte der Aktienkurs des Unternehmens

auf US-Dollar-Basis um 564 Prozent zu, der

Aktienkurs des alten Bill-Gates-Imperiums nur wenig

mehr (s. Kasten S. 43 u.).

Das blaue Gold. American Water Works stellt Wasserund

Abwasserdienstleistungen für 1700 Gemeinden in 16

amerikanischen Bundesstaaten zur Verfügung. American

Water Works beliefert die Menschen mit Wasser und

nimmt das Abwasser zurück. „Fast 15 Millionen Menschen“,

so heißt es bei nasdaq.com, vertrauen den Dienstleistungen

des Branchenprimus American Water Works.

Eingefleischten Hightech-Fans mag jetzt langweilig geworden

sein. Diese Gruppe von Aktienliebhabern vermutet,

dass die Musik an der Börse auch in Zukunft woanders

spielen wird. Etwa bei den Apples und Alphabets

dieser Welt. Bei diesen Aktien beginnen in den Augen der

Börsianer die Dollar-Zeichen zu blinken. Aber Wasser?

Damit soll man Geld verdienen können?

Das blaue Nass ist „spottbillig“ und somit nichts wert.

Zumindest hierzulande. „Ein Liter Leitungswasser kostet

in Deutschland durchschnittlich 0,2 Cent. Mineralwasser

aus dem Supermarkt kostet zwischen 19 und 50 Cent je

Liter“, weiß die Internet-Seite www.trinkwasser-wissen.net.

In immer mehr Gebieten auf der Welt ist Wasser allerdings

ein kostbares Gut und wird häufig zu einer Frage von Leben

und Tod. Der Klimawandel lässt grüßen. Großbrände

und Überschwemmungen bringen auch in den USA das

Problem immer wieder auf die Tagesordnung.

Es geht ans Eingemachte. Der größte Teil der Wasser- und

Abwasser-Infrastruktur in den USA stammt aus den 1940erund

1950er-Jahren. Die Lebenszeit der Rohrleitungen,

über die die Trinkwasserversorgung erfolgt, beträgt nach

Ansicht von Experten 75 bis 100 Jahre. Damit nähern sich

viele dieser Anlagen dem Ende ihrer Einsatzdauer. Schon

jetzt gehen sechs Milliarden Gallonen (22,71 Milliarden

Liter) behandelten Wassers wegen leckender Pipelines

verloren. Täglich. „Eine Menge Städte und Gemeinden

haben einfach nicht das Geld, in ihre Infrastruktur zu investieren“,

nennt Susan Story, die Vorstandsvorsitzende

von American Water Works, gegenüber der US-Nachrichtenagentur

Bloomberg einen Grund für diese Malaise.

KI an der Quelle. Es geht bei der Wasserversorgung um

viel mehr als um das Öffnen und Schließen des Wasserhahns

in der heimischen Küche. Es geht um „steigende

Kundenanforderungen nach personalisierten Wahlmöglichkeiten

rund um die Uhr, die Integration von künstlicher Intelligenz

und Technologie in den Betrieb oder aufkommende

Probleme im Zusammenhang mit der Wasserqualität“,

sagt Story. Das hört sich schon ein bisschen mehr nach Zukunft

an und könnte aus einem Engagement in einen Vertreter

der „Old School“ fast schon ein Engagement in die

Moderne machen. Und damit ein höchst lukratives.

Denn zu den Kunden zählt neben Feuerwehren auch

das US-amerikanische Militär. Wie sich ein solcher Kunde

rechnen kann, zeigt ein Artikel der US-Nachrichtenagentur

Bloomberg. American Water Works erhielt von

der U.S. Defense Logistics Agency einen Auftrag von bis

zu 771,3 Millionen US-Dollar. Dieser Auftrag macht ungefähr

4,6 Prozent des Umsatzes aus, der in den vier Quar-

42 FOCUS-MONEY 43/2020


MONEYSERVICE

M NEYSERVICE

Kfz-Versicherung

O’ZAPFT IS!

Wer sich für ein E-Mobil entscheidet, braucht auch eine gute Vollkasko, damit Akku

und Bedienfehler umfassend mitversichert sind. Welche Assekuranzen fair leisten

72 Foto: Renault

FOCUS-MONEY 43/2020


Wie schön. Emissionsfrei, leise surrend und aus vollem

Drehmoment heraus durch die Lande cruisen. Keine

Frage: Elektroautos haben ihren Lifestyle-Charme – nicht

nur für Umweltapostel. Darum parkt das E-Mobil auch gerade

mit extrem viel Schwung aus seinem Nischendasein

aus: 21188 reine E-Pkws wurden im September 2020 in

Deutschland neu zugelassen, so die Statistik des Kraftfahrtbundesamts

in Flensburg. Im Vergleich zum Vorjahresmonat

ist dies ein Plus von 260,3 Prozent. Imposant präsentieren

sich auch die Zahlen sogenannter Plug-in-Hybride.

Dieses E-Segment wuchs im vergangenen September um

20 127 neue Modelle. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahresmonat

einem Anstieg um 463,5 Prozent.

Während Autos mit konventionellem Antrieb hierzulande

schwerer verkäuflich sind, boomt das Geschäft mit E-Fahrzeugen.

Ein Indiz dafür sind recht lange Lieferzeiten: So

müssen Kunden nach Recherchen des Neuwagenkauf-Vergleichsportals

Carwow etwa auf einen fabrikneuen VW

e-Up über ein Jahr lang warten. Ähnlich gelagert ist die Situation

beim Mini Cooper SE und den Smart-Modellen EQ

Forfour respektive Fortwo Cabrio. Schneller geht es bei Audi

E-tron (fünf Monate) und Renault Zoe (drei Monate).

Sause für Stromer. „2020 könnte aus unserer Sicht den

Wendepunkt für Elektromobilität in Europa darstellen, da

die europäischen Regierungen jetzt koordiniert mit Fördermaßnahmen

wie steuerlichen Vorteilen und Kaufprämien

vorgehen“, erklärt Christoph Stürmer, Analyst der Unternehmensberatung

PricewaterhouseCoopers. Als „der“ Absatzturbo

bei Elektroautos in Deutschland dürfte sicher die

im Rahmen des 130 Milliarden Euro schweren Konjunkturpakets

beschlossene „Innovationsprämie“ gewirkt haben.

Mit dieser Prämie verdoppelte die Bundesregierung ihren

Anteil am Umweltbonus – wenn auch nur befristet bis zum

31. Dezember 2021. Beim Kauf eines reinen Stromers mit

einem Nettolistenpreis von maximal 40000 Euro etwa stieg

die Förderung von 3000 auf nunmehr 6000 Euro.

Hinzu kommt – je nach Preisklasse – eine Kaufprämie

der Hersteller von bis zu 3000 Euro für waschechte E-Fahrzeuge

respektive maximal 2250 Euro für Plug-in-Hybride

(s. dazu Tabelle S. 75). Bei so üppiger finanzieller Unterstützung

wundert es nicht, dass die Prämie schon im Juli

FISKUS FÄHRT MIT

So fördert der Staat

heute die E-Mobilität:

■ Reine Elektroautos sind zehn Jahre lang von

der Kfz-Steuer befreit. Im Zuge des 130 Milliarden

Euro schweren Corona-Konjunkturpakets

der Bundesregierung hat diese Regelung nunmehr

bis zum Stichtag 31. Dezember 2030 Gültigkeit.

Nach einem Halterwechsel innerhalb

der 10-Jahres-Frist wird dem neuen Fahrzeughalter

die Steuerbefreiung für den dann noch

verbleibenden Zeitraum zugebilligt.

■ Seit 1. Januar 2020 wird die Privatnutzung

von Elektro-Dienstwagen mit einem Bruttolistenpreis

bis 40 000 Euro, die mehr als zur Hälfte

dienstlich genutzt werden, monatlich mit

0,25 Prozent des Bruttolistenpreises als geldwerter

Vorteil besteuert. Im Rahmen des

Corona-Konjunkturprogramms wurde neu ab

1. Juli 2020 die Kaufpreisgrenze bei rein elektrischen

Dienstwagen von 40 000 auf nunmehr

60 000 Euro erhöht. Für Hybridelektrofahrzeuge

sowie Elektrofahrzeuge mit einem jeweils

höheren Bruttolistenpreis bleibt es bei der bisher

geltenden 0,5-Prozent-Regelung.

■ Arbeits- und Anfahrtkosten in Verbindung

mit der Installation einer Ladestation zu Hause

– Fachleute sprechen hier von einer Wallbox –

sind als „haushaltsnahe Dienstleistungen“ bis

maximal 1200 Euro (20 Prozent von höchstens

6000 Euro) von der Steuerschuld abziehbar.

■ Neben einem verringerten Steuersatz für

Dienstwagenfahrer wird auch das Zapfen von

Strom im Job vom Fiskus gefördert. Wer beim

Arbeitgeber kostenlos an dessen E-Säule tanken

darf, muss den geldwerten Vorteil bis zum

Jahr 2030 nicht versteuern.

Gesamtergebnis Top-Vollkasko-Tarife für E-Mobile

Versicherer Tarif Schutzumfang

Police

Preisniveau

Police

HUK24 Classic Kasko Plus Hervorragend Niedrig

HUK Classic Kasko Plus Hervorragend Niedrig

VRK Classic Kasko Plus Hervorragend Niedrig

AdmiralDirekt.de Premium Hervorragend Überdurchschnittlich

ADAC Premium Hervorragend Überdurchschnittlich

Allianz Premium Hervorragend Überdurchschnittlich

Allianz Premium Beitragsschutz Hervorragend Überdurchschnittlich

Itzehoer Top Drive M Hervorragend Überdurchschnittlich

Itzehoer Top Drive M Bessergrün Hervorragend Überdurchschnittlich

FAIRSTER

KFZ-VERSICHERER

E-MOBILE

Vollkasko

(Preis und Leistung)

FAIRSTER

KFZ-VERSICHERER

E-MOBILE

Vollkasko

(Schutzumfang)

Quelle:

; Stand: August 2020; Ranking nach Schutzumfang und (indexiertem) Preisniveau gesamt

FOCUS-MONEY 43/2020

73

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine