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WOLL Magazin Arnsberg, Sundern, Ense // Herbst 2020

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Herbst 2020

31

Worte, Orte, Land und Leute.

Ausgabe für

Arnsberg,

Sundern und

Ense

Sauerland

Schwerpunkt

Landwirtschaft

ist Leidenschaft

Arnsberg - Galapagos und zurück

Ackerhelden in Arnsberg-Ainkhausen

Jungbauer aus Ense-Bittingen

Amecker Posaunist ohne Schützenfest

WOLL - mit Herz und Hand von

WOLL im Sauerland:

Diese Ausgabe

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Liebe Leserinnen und Leser,

diese Liebeserklärung höre ich gerne: Das Leben auf dem Land ist Luxus.

Davon sind völlig zu Recht die Landfrauen überzeugt. Sie sind im Kreisverband

mit über 1.600 Mitgliedern in zehn Ortsverbänden organisiert. „Lebensgefühl

Land“ ist das verbindende Element der Gemeinschaft. Das Leben auf dem Land

und die Landwirtschaft allgemein sind ein Schwerpunktthema der Herbstausgabe.

Wir waren auf den Bauernhöfen und haben festgestellt: Landwirtschaft ist

Leidenschaft. Schaut man hinter die Kulissen, erkennt man, dass die heimischen

Landwirte in Sachen Digitalisierung weiter sind als manche Industriebetriebe,

eine bedeutende Rolle im Klimaschutz spielen und auch dem Tierwohl mehr als

gerecht werden.

Ein weiteres Schwerpunktthema beschäftigt sich mit der Innovationskraft der

Industriebetriebe der Region. Nicht von ungefähr ist sie die drittstärkste Industrieregion

in Deutschland mit einer großen Anzahl an sogenannten Weltmarktführern.

Wir haben uns u. a. mit IHK-Chef Andreas Rother unterhalten, der

mit seinem Unternehmen ein Musterbeispiel für Innovation ist, intensiv für die

Berufsausbildung junger Menschen plädiert und davon ausgeht, dass sich die

Wirtschaft im nächsten Jahr erholt – „und zwar mit Wucht“.

Paul Senske

Chefredakteur

Ein Herzensanliegen, ja eine Philosophie von WOLL ist der Besuch der (kleinen)

Orte und die Suche nach der „Seele“ der Dorfgemeinschaft. In Bilme und Stemel

sind wir „fündig“ geworden. Wir stellen Ihnen u. a. Hans-Werner Wienand aus

Arnsberg vor, der dreieinhalb Jahre mit dem Segelboot unterwegs war und 30

Länder besucht hat. Und Birgit Jakubzik. Für sie ist die Natur Herzensangelegenheit

und Erfüllung. Ihr Credo: Die Natur ist beseelt. Die Gesundheitsberaterin

will den Menschen die Natur näherbringen.

Viel Spaß bei der Lektüre.

Ihr Team von WOLL Arnsberg, Sundern und Ense

Kontakt:

www.woll-magazin.de

redaktion-ans@woll-magazin.de

facebook.com/WOLL.Arnsberg.Sundern

WOLL Herbst 2020 - 3


Arnsberg

06 Weltumsegler Hans-Werner Wienand

14 Gesundes Leben einfach gemacht

58 Ackerhelden in Ainkhausen

126 Anke Kemper veröffentlicht Kinderkrimi

131 Die surrealistischen Collagen

der Künstlerin Mores Rabenstern

134 Gesundheitsberaterin Birgit Jakubzik

143 Ingrid Dormann - Schiedsrichterin

Schwerpunkt Landwirtschaft ab Seite 19

Schwerpunkt Innovation ab Seite 99

Ense

16 i-Männchen feiern ihre Einschulung

an der Fürstenbergschule

61 Eine Reise, die niemals endet

140 Bilme - das kleine Paradies für

Naturliebhaber und Ruhesuchend

Sundern

11 Stemel – ein Dorf zum Durchfahren?

67 Energie aus Bioabfall: Kompostanlage in Hellefeld

76 Zeit für Patienten – die Klinik am Sorpesee

92 Ein Posaunist ohne Schützenfest

115 Die BUNTE VOGEL GmbH & Co. KG

138 Erfolgreich im Anderssein: Baumarkt CREO

Aus dem Sauerland

78 Malerin Elisabeth Rose

82 Brücken im Sauerland

86 Unzertrennliche Zwillingsschwestern

90 Elisabeth Schmidt, Seelsorgerische Begleiterin

95 Gedicht: Herbstgedanken

95 Sonderausstellung Otmar Alt

96 Das neue Menschenbild

98 Der Buiterling

116 30 Jahre EGGER in Brilon

118 Prof. Dr. Anne Jacobi und ihr Engagement

für die Heimat

121 Stephanie und Mascha Bergmann unterstützen

die ‚Sauerlandstones‘

123 Heilpädagogin Birgit Kraft fördert Kinder

124 Ulrike Fleischmann 50 Jahren Kunstwerke aus Ton

129 Von wegen „altes Eisen“

144 Haptisches Erleben bei der

Firma Fensterbau Peters

146 Berufliche Karriere erfolgreich

in der Heimat starten

4 - WOLL Herbst 2020


Musste gucken: Best of Bauer Herrman

Die Zeit des

Spinnenflugs

Anders, so ganz anders als die Bauern, die unsere Redakteure in den letzten

Wochen getroffen haben, ist Hermann. Hermann ist aber auch kein

Sauerländer, sondern der letzte Bauer in Hannover.

Quelle: https://youtu.be/VHe8qA3p_Zw

Ab in die Waschmaschine

Fast ist es so, als habe man den

Herbst verpasst, wenn nicht in

mindestens jeder Jackentasche eine

Kastanie steckt. Doch Kastanien

sind nicht nur als Handschmeichler

geeignet, man kann mit ihnen auch günstig und umweltfreundlich

Wäsche waschen. Dazu die Kastanien vierteln, in ein Gefäß geben und

mit Wasser übergießen. Für weiße Wäsche müssen die braunen Schalen

entfernt werden. Das Wasser löst den Seifenstoff, die Saponine, aus den

Kastanien. Ungefähr acht Stunden ziehen lassen und dann die Lauge

durch ein Sieb in das Waschmittelfach der Waschmaschine geben.

Langsam klingt der Sommer aus.

Sobald die Morgennebel sich verzogen

haben, können wir uns an

den letzten warmen Sommertagen

erfreuen. Oftmals ist es in dieser

Zeit windstill, kaum ein Lüft chen

weht und die Luft ist wie aus Seide.

Ideale Zeit für den Spinnenflug.

Einige Dutzend Seidenfäden

hat eine kleine Baldachin-Spinne

produziert, auf denen sie sich dann

durch die Luft tragen lässt, bei

günstigen Aufwinden bis zu mehrere

hundert Kilometer weit.

Luftbewegungen sind dazu nicht

nötig, haben Forscher herausgefunden.

Die Spinnen nutzen

das elektrostatische Feld der Luft.

Wann die Zeit zum Abheben da

ist, sollen sie sogar fühlen können.

(C.Z.)

Immer der Sonne

entgegen

Archäologische Funde deuten

daraufhin hin, dass diese prächtige

Pflanze, die bis zu drei Meter hoch

wird, schon um 2500 v. Chr. am

Mississippi und in Mexiko-Stadt angebaut wurde. Von den Inkas wurde

sie als Abbild ihrer Sonnengottheiten verehrt. Kein Wunder, sieht nicht

auch jede von einem Kind gemalte Sonne wie eine Sonnenblume aus?

Junge Pflanzen wenden sich stets zu diesem für uns so wichtigen Himmelsstern.

Um ja nicht den Sonnenaufgang zu verpassen, drehen sie ihre

Köpfe sogar schon während der Nacht in Richtung Osten.

WOLL Herbst 2020 - 5


„Unser Traum war es,

in der eigenen Yacht

die Welt zu umsegeln.

Irgendwann wachst

du auf und du weißt,

jetzt ist es Zeit für

deinen Traum.“

Interview mit dem Weltumsegler

Hans-Werner Wienand

Christel Zidi

Tom Linke

An

Deck seines Bootes AMYGDALA flattern

die Flaggen von 30 besuchten Ländern.

Fünf Kontinente hat der Arnsberger Hans-

Werner Wienand auf seiner Reise kennengelernt, dabei

35.601 Seemeilen, umgerechnet 65.933 Kilometer in 317

Seetagen zurückgelegt. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin

hat er sich vor zehn Jahren - im Alter von 58

Jahren - seinen Traum erfüllt.

WOLL: Seit wann segeln Sie?

Hans-Werner Wienand: Seit meinem 12.Lebensjahr. Ein Bekannter

meines Vaters hatte sich damals eine kleine, wunderschöne

Segeljolle aus glänzend lackiertem Mahagoni gekauft,

wohl mehr aus Repräsentationsgründen, denn sportlich war

er eigentlich nicht. Mein kleiner Bruder und ich sollten ihn

damit sechs Wochen lang in unseren Sommerferien über den

Möhnesee schippern, während er auf dem Vordeck stand und

mit weißer, goldbetresster Kapitänsmütze den großen Skipper

gab. Für meinen Bruder und mich war das Ganze ein einziges

großes Abenteuer.

6 - WOLL Herbst 2020


Auf Galapagos gab es eine Menge Lebewesen

um mich herum, die waren doppelt so alt wie

ich und sie waren noch immer gut drauf.

Da wusste ich, dass ich alles

richtig gemacht hatte.“

H.-W. Wienand

WOLL Herbst 2020 - 7


Ahnung vom Segeln hatten wir bis dahin beide nicht. Aber

wir fanden es toll und waren voll kindlicher Neugier. Wir

haben alles einfach ausprobiert und es hat funktioniert. Es war

eine herrliche Erfahrung, den Wind in die Hand zu nehmen,

ihn nutzen und mit ihm spielen zu können. Bis auf den letzten

Tag der Ferien. Da sind wir in ein plötzlich nördlich über

der Haar aufziehendes Gewitter geraten und haben dabei in

einem verpatzten Manöver, einer Patenthalse, den Mast verloren.

Aber auch das gehörte dazu. Ab dann war ich unheilbar

infiziert.

WOLL: Viele Segler träumen davon, die wenigsten machen es,

belassen es bei kleinen Törns. Was hat Sie bewegt, eine Weltumseglung

zu machen?

Hans-Werner Wienand: Ja, die Häfen der Welt sind voll von

Booten auf dem Trockenen, die von großen, aber gescheiterten

Träumen erzählen. Das ist sehr traurig anzusehen. Gründe

nicht zu fahren, gibt es genug. Meist wird vorgeschoben, das

Boot sei noch nicht perfekt, aber im nächsten Jahr ginge es

dann endlich los. Das alles sind aber nur Ausreden, weil der

Mut, Neues zu wagen, fehlt. Viele leben mit dieser inneren

Lüge Jahrzehnte, bis es dann irgendwann wirklich zu spät ist.

„In zwanzig Jahren wird man vermutlich eher von den Dingen

enttäuscht sein, die man nicht getan hat, als von denen die

man getan hat.“ Das hat Mark Twain geschrieben. Und das

war für mich so etwas wie ein Motto und die Medizin, mit der

alle Ängste ausgeräumt und die Warnungen der Besserwisser

und Bedenkenträger weggewischt werden konnten. Ach,

hättest Du damals doch nur… jetzt ist es zu spät. - So etwas

wollte ich mir selbst niemals sagen müssen. Wir haben die

Leinen losgeworfen und sind losgefahren. Einfach so. Vieles

war zu Anfang alles andere als perfekt. Aber wir haben

es wenigstens begonnen und aus unseren Fehlern gelernt.

Wir haben es gemacht.

WOLL: Wie alt waren Sie bei der Umsegelung? Mit wem

waren Sie unterwegs?

Hans-Werner Wienand: Wir waren zu zweit. Conny Wulf,

meine Lebenspartnerin und ich. Beide mit viel mehr Fernweh

als Heimweh. Zwei Personen, die auf weniger als 10 m²

Lebensraum monatelang miteinander auskommen konnten,

ohne finstere Gedanken gegeneinander zu entwickeln. Ich

musste aktuell in der Corona-Krise daran denken, als bei

Buchtipp:

Den ausführlichen und faszinierenden Bericht seiner Reise

hat Hans-Werner Wienand in dem Buch „Amygdala –

Protokoll einer Weltumseglung“ niedergeschrieben. Darin

erzählt er von seiner Reiseroute, berichtet von den schönsten

und gefährlichsten Situationen. Spannend -

auch für Nicht-Segler.

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8 - WOLL Herbst 2020


vielen Paaren in Quarantäne schon nach wenigen Tagen die

Nerven blank lagen. Mit solchen Leuten hätte die Reise nicht

funktioniert. Conny war ein Glücksfall. Und wir hatten den

größten Pool der Welt um uns herum. Über das Alter habe ich

mir nie Gedanken gemacht. Die innere Einstellung ist wichtig

und die Kraft des Traums. Alles andere sind nur Zahlen. Als

wir losgefahren sind, war ich 58. Meine beiden Söhne hatten

da gerade ihr Studium beendet, standen auf eigenen Beinen.

Jetzt oder nie habe ich mir gedacht. Meinen 60. Geburtstag

habe ich dann auf Galapagos gefeiert. Das war ein irrsinnig

gutes Gefühl. Dort gab es eine Menge Lebewesen um mich

herum, die waren doppelt so alt wie ich und sie waren noch

immer gut drauf. Da wusste ich, dass ich alles richtig gemacht

hatte.

WOLL: Was war Ihr schönstes Erlebnis auf der Reise?

Hans-Werner Wienand: Ein einziges Erlebnis als das Schönste

herauszugreifen, wäre sehr unfair gegenüber all den vielen

anderen wunderschönen Ereignissen, die ich dann nicht

„Auf Galapagos gab es eine Menge Lebewesen um mich herum, die waren doppelt so alt wie ich und sie waren noch immer gut drauf.

Da wusste ich, dass ich alles richtig gemacht hatte.“ H.-W. Wienand

Foto: H.-W. Wienand

Foto: H.-W. Wienand


nennen würde. Vielleicht war es das Schönste, auf der ganzen Reise

niemals, nirgendwo auf der Welt, schlechte Erfahrungen gemacht zu

haben. Es war aufregend, nach vielen Tagen auf See eine dieser kleinen

Inseln anzulaufen, gespannt zu sein auf die Menschen dort und zu erfahren,

wie sie leben, wie willkommen wir waren, mit wieviel Neugier

und Interesse und Hilfsbereitschaft uns begegnet wurde. Wir haben

tolle Freundschaften geschlossen. Manchen eingefleischten Segler wird

das enttäuschen, aber schöne Momente auf See waren nichts gegen die

Erlebnisse mit Menschen an Land, auf den abgelegensten Inseln.

„Wir haben die Warnungen der

Bedenkenträger ignoriert und

die Ratschläge der Besserwisser.“

H.-W. Wienand

WOLL: Wenn es Ihnen irgendwo besonders gut gefiel, haben Sie dann

mal überlegt, für immer dort zu bleiben?

Hans-Werner Wienand: Ja, mehrmals sogar. Es gibt so viele wunderschöne

Stellen auf diesem kleinen gemeinsamen Planeten. Heimat

könnte überall sein. Und sehr oft hatten wir noch lange feuchte Augen,

wenn wir irgendwann wieder den Anker lichten mussten, um der Sonnenstraße

immer weiter zu folgen.

WOLL: Hat, und falls ja, wie hat Sie die Weltumseglung verändert?

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Hans-Werner Wienand: Als wir zurückkamen, haben wir in den ersten

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Tagen unsere eigentlich vertraute Heimat mit ganz anderen Augen

gesehen. Wir sind staunend durch unsere Stadt, durch das Sauerland

gefahren wie Touristen und haben bewundert, wie schön es hier ist.

Manches war uns vorher noch gar nicht aufgefallen.

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Stemel – Ein Dorf zum Durchfahren?

Sonja Nürnberger

S. Droste

N

icht weit vom nördlichen Ende des Sorpesees

entfernt liegt Stemel. Gastronomie und Geschäfte

sucht man hier inzwischen vergeblich. Jedoch

hat der Ortsteil von Sundern andere Vorzüge, die ihn zu

einem besonders lebenswerten Ort machen. Das wissen

auch die über 800 Stemeler, von denen die Hälfte erst in

den letzten 30 Jahren hierhergezogen ist.

„Über Jahrzehnte war Stemel ein Dorf mit 400 bis 500

Einwohnern“, erzählt Hubert Wienecke, der schon

seit 1978 in Stemel lebt. „In den letzten zwei bis drei

Jahrzehnten ist das Dorf beinahe explosionsartig größer

geworden.“ Die Ursache: Ein Baustopp in den 80er Jahren,

da der Ort zu dieser Zeit Probleme hatte, seine Abwässer

zu reinigen. Als das Problem Ende der 90er behoben war,

durfte weiter gebaut werden. Schon im Vorfeld waren zwei

Baugebiete ausgewiesen worden, auf denen nun nach und

nach neue Häuser aus dem Boden schossen.

„Stemel hat einen anderen Ursprung als viele andere Dörfer

im Sauerland“, weiß Wienecke. „Die meisten Dörfer im

Sauerland sind landwirtschaftlich geprägt und dadurch

langsam, aber stetig gewachsen. Dort gab es Bauernhöfe,

die auch heute noch dort stehen und als solche genutzt

werden.“ Mit Stemel verhält es sich etwas anders. „Bis 1812

die Preußen kamen, war Stemel eigentlich gar kein Dorf“,

stellt Hubert Wienecke fest. Tatsächlich gab es bis dahin

nur das Gut Stemel, das bereits 1286 das erste Mal erwähnt

wurde. Daneben standen drei oder vier Häuser, die zum

Gut gehörten und deren Bewohner auch dort beschäftigt

waren. Die Preußen begannen nun, die Fläche rund um

das Gut zu besiedeln. Die Straße, die heute den Namen

„Zum Giebel“ trägt, wurde mit Häusern bestückt, sodass

Stemel nach und nach zu einem kleinen Dorf heranwuchs.

„Nun hatten die Menschen zwar ein paar Quadratmeter

für sich selbst, aber leben konnte davon niemand“, erklärt

er. 1860 kam der Gutsbesitzer schließlich auf die Idee,

eine Papierfabrik zu eröffnen, in der die Bewohner Arbeit

fanden. Stemel war von da an stark abhängig von der

Industrie. Einen weiteren Zuwachs erlebte das Dorf, als für

den Bau der Sorpetalsperre in der Zeit von 1928-1932

WOLL Herbst 2020 - 11


Das Pfarrheim

Das Ehrenmal

Mitarbeiter-Familien nach Stemel zogen. Und auch heute

noch finden die Stemeler viele Arbeitsplätze direkt vor ihrer

Haustür. „Außerdem führte das dazu, dass Stemel nach

dem Zweiten Weltkrieg durch die Industrie ein reiches

Dorf war“, weiß Wienecke. „Da es trotzdem nicht so

wuchs, wie andere Orte, nahmen viele Stemel nur als ein

Dorf ‚zum Durchfahren‘ wahr.“

Lebenswertes Stemel

Der Gutshof existriert auch heute noch. Umfunktioniert

zu einem Wohnobjekt mit mehreren Wohnungen – wie

so viele Gebäude in Stemel. Denn Stemel hat zum Leben

sehr viel zu bieten. Neben der Grillhütte gibt es auch einen

abwechslungsreichen Spielplatz mit großen Rasenflächen

und einem Beachvolleyballfeld. „Egal, an welchem Tag und

zu welcher Uhrzeit man hier vorbeikommt, irgendjemand

ist immer hier“, so Wienecke. Natürlich gibt es auch eine

Schützenhalle. Diese wurde bereits 1948 erbaut und nach

und nach erweitert. In diesem Jahr feiert der Stemeler

Schützenverein sein 100-jähriges Bestehen – sofern die derzeitige

Situation es denn zulässt. Gegründet worden war er

bereits 1876 als Gemütlichkeitsverein, 1920 wurde er dann

in einen Schützenverein umgewandelt. „Die Schützenbruderschaft

ist, wie in den meisten Dörfern, einer der

tragenden Vereine“, stellt Wienecke fest. Aber die Schützen

sind nicht der einzige Verein in Stemel: „Wir haben unter

anderem den Männergesangverein, das Tambourcorps und

einen Sportverein – außerdem eine gut funktionierende

Caritas und Kirchengemeinde.“

Vor allem das Pfarrheim ist ein wichtiger Ort für die Stemeler:

„Da uns ein Ort fehlte, an dem wir uns alle treffen

konnten, nachdem die letzte Gastronomie geschlossen

hatte, haben wir nun seit 2007 das Pfarrheim. Es ist quasi

unser Wohnzimmer und sehr wichtig für das Dorfleben.“

Neben einer Küche, Toiletten und Dusche gibt es auch

einen Jugendraum. Auch wenn die Zeiten vorbei sind, in

denen die Jugendlichen immer im Dorf bleiben, ab und an

trifft man hier doch eine kleine Gruppe an. Seit 2008 hat

12 - WOLL Herbst 2020


sich auch ein eigener Jugendförderverein im Ort gegründet,

der sich mit zahlreichen Freizeitangeboten um die dörfliche

Jugendarbeit kümmert.

Auch die Naturfreude kommen in Stemel nicht zu kurz.

Die Stemeler haben – wie so oft in Stemel in Eigeninitiative

– einen Wanderweg rund um ihren Ort ausgezeichnet.

„Ich bin den Weg selbst schon gewandert und höre auch

immer wieder – auch von Menschen, die nicht aus Stemel

kommen –, dass es ein toller Weg sei“, erzählt Hubert

Wienecke. Und wer es doch etwas „städtischer“ mag, wem

Geschäfte und Gastronomie fehlen, der setzt sich einfach

in den nächsten Bus, der für Sauerlandverhältnisse sehr

regelmäßig fährt: alle halbe Stunde sowohl in die eine, als

auch in die andere Richtung.

Erinnerungen

Aus der großen Glasfront des Pfarrhauses blickt man auf

den Berg auf der anderen Seite des Dorfes. „Der Berg war

voll mit 100-jährigen Fichten – bis Kyrill kam“, erzählt der

Stemeler. Daran erinnert auch ein hölzernes Kreuz, dessen

Enden zersplittert sind und das im Pfarrsaal hängt.

Unterhalb von Kirche und Pfarrheim befindet sich das

Ehrenmal. Es steht noch nicht lange an dieser Stelle und

hat sich auch in seiner Gestalt verändert. „Das alte Ehrenmal

war unbedingt renovierungsbedürftig und so haben

wir uns ein Herz genommen und ein neues gebaut.“ Der

Kostenvoranschlag für das neue Ehrenmal war horrend.

Doch am Ende konnte das Geld aufgebracht werden:

durch Spenden, durch das Feiern von Festen, durch den

Verkauf des Dorfkalenders. Und natürlich wurde wieder

sehr viel in Eigenleistung erbracht. Nun ist das neue

Ehrenmal gut sichtbar, wenn man vom Pfarrhaus herunterschaut:

Die Bronzeplatten des vorherigen Ehrenmals

wurden in Steinsäulen eingearbeitet. „Jede dieser Säulen

ist unterschiedlich groß und anders gestaltet. Und jede

einzelne steht für einen Gefallenen.“ Wenn die Stemeler

nun ihre Toten ehren, dann schaut das Tambourcorps und

die Bevölkerung vom Platz vor dem Pfarrheim auf das

Ehrendenkmal herab, die Schützenbruderschaft steht mit

seinem Kranz davor und daneben die Stemeler Feuerwehr

mit ihren Fackeln und der Gesangverein. „So haben alle

freie Sicht. Und auch wenn es nicht direkt auf Begeisterung

stieß, haben sich die Mühen im Nachhinein doch gelohnt.

Was will man mehr“, sagt Hubert Wienecke, dem man die

Liebe für seinen Ort anmerkt. ■

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Biomarkt und Reformhaus

Mommertz geht mit der Zeit

Britta Melgert

S. Droste

W

er durch die Neheimer Innenstadt schlendert,

kommt nicht drumherum, irgendwann auf dem

großen Markplatz zu landen. Die alte Kirche,

die Gastronomiebetriebe und zahlreiche Geschäfte rundherum

wirken einladend. Eines der Geschäfte ist das Reformhaus

mit Biomarkt von Nicole Mommertz-Ehlert. Die

Tür steht weit offen, und das Lebensmittel-Angebot direkt

dahinter lockt uns hinein.

An der Backwarentheke rechts packt eine Kundin gerade

ihr frisch erworbenes Brot in ihren Einkaufskorb, während

sich die Verkäuferin einem Herrn mit süßem Hunger

zuwendet. Nussecke oder Schweineöhrchen, das ist hier die

Frage. Etwas weiter links lachen uns Bio-Obst und Gemüse

an, bevor unser Blick auf die transparenten Behälter mit

loser Abwiege-Ware fällt. Linsen, Dinkel, Basmati-Reis,

Mandeln … alles da. „Hier kauft man nur so viel, wie man

wirklich benötigt“, erklärt die Chefin, die sich zu uns gesellt

hat. „Außerdem entfällt durch mitgebrachte Behälter die

Verpackung.“

Familienbetrieb mit Leidenschaft und Fachwissen

Verpackungen aus Plastik waren Nicole Mommertz-Ehlert

schon lange ein Dorn im Auge. Der bewusste Umgang mit

der Natur - da war das Elternhaus prägend. Bereits 1968

hatte der Vater Hans-Jürgen Mommertz ein Reformhaus

in Arnsberg eröffnet, in dem auch Nicole einst ihre Berufsausbildung

absolvierte. Nach acht Jahren in Köln kam sie

jedoch ins Sauerland zurück, hatte Fachberaterqualifikationen

zu den Themen Ernährung, Diäten sowie Allergien

im Gepäck und übernahm den Familienbetrieb. Fünf gut

geschulte Mitarbeiter, darunter Ehemann Ralf Ehlert, stehen

ihr heute zur Seite.

Reformhaus und Bioladen im frischen Look

Was bereits ihrem Vater am Herzen lag, setzte sie durch

die Großstadt-Erfahrungen fort: Das allgemeine Reformhaus-Image

von engen, müffelnden Lädchen sollte bei

Mommertz keine Chance haben! „Durch den Umzug

unseres Geschäftes hierher konnten wir unser Angebot

14 - WOLL Herbst 2020


großzügig erweitern und unseren Kunden ein in die Zeit

passendes Einkaufserlebnis bieten“, so Mommertz-Ehlert.

Und richtig: Die Präsentation der Waren wirkt modern,

die Gänge bieten ausreichend Platz und das nach hinten

immer breiter werdende Ladenlokal ist lichtdurchflutet und

aufgeräumt.

„Beratung ist das A und O“

Ein älteres Paar braucht Beratung. Flohsamen hilft gegen

Darmträgheit, haben Sie irgendwo gehört, aber wie soll

man ihn anwenden? Die Verkäuferin ist ganz in ihrem

Element, hat zwei gute Tipps für die Kunden und fragt

nach den genauen Beschwerden, um abzuklären, welches

der Produkte am Besten helfen müsste. „Beratung ist das A

und O“, weiß die Chefin, „und da heben wir uns von Drogerieketten

und Supermärkten stark ab.“

Bio und Nachhaltiges, möglichst

direkt aus der Region

„Vegetarier und Veganer sind tatsächlich eine unserer

großen Zielgruppen“, erklärt Nicole Mommertz-Ehlert.

„Zum Glück wird auch hier das Bio-Angebot immer größer.

Wir legen zudem Wert auf regionale Produkte“. Aber

auch der Kosmetik-Bereich kann sich sehen lassen. Von

natürlichen Make-up-Produkten, biologischen Seifen oder

plastikfreien Zahnbürsten ist alles vorhanden – und noch

so viel mehr. Ausreichend gute Gründe, um beim nächsten

Bummel durch Neheim im Reformhaus und Biomarkt

Mommertz reinzuschnuppern. ■

Kein Wunder: Die Kunden

sind begeistert

Ähnlich sieht es auch eine Kundin, die wir im Kassenbereich

nach dem Grund ihres Reformhausbesuches fragen.

Es sprudelt aus ihr heraus: „Das Personal ist hier so freundlich!

Und ich mag es, Obst nicht in der Großpackung zu

kaufen, sondern nach Bedarf. Zudem schmeckt mir Bio

einfach besser, beispielsweise der Käse.“ Der junge Mann

hinter ihr erzählt, dass er als Veganer hier die größte Auswahl

an guten Produkten hat. „Dieser Laden macht mein

Leben definitiv einfacher“, sagt er und lacht.

Biomarkt & Reformhaus Mommertz | Mendener Straße 2

59755 Arnsberg-Neheim | 02932-81983

www.reformhaus-mommertz.de

WOLL Herbst 2020 - 15


i-Männchen feiern ihre Einschulung an der

Fürstenbergschule unter besonderen Bedingungen

Mit Abstand ins Schulleben

Daniela Weber

Tom Linke

Die Freude über diesen besonderen Tag

stand den Jungen und Mädchen ins Gesicht

geschrieben. Mit einem strahlenden Lächeln

auf ihren Lippen saßen die Erstklässler der Fürstenbergschule

in Ense-Lüttringen auf Turnhallenbänken

unter einem Zelt auf dem Sportplatz und feierten mit

ihren Eltern, Lehrern und Schülern der zweiten bis

vierten Klassen ihren Start ins Schulleben.

In diesem Jahr standen die Einschulungsfeiern jedoch

ganz im Zeichen der Coronakrise. Mit einem Hygienekonzept

und Schutzmaßnahmen hatte die Enser

Grundschule versucht, trotz aller Einschränkungen, zumindest

ein Stückchen Normalität für die 50 i-Männchen

zu schaffen.

Gespannt lauschten die Schulanfänger Schulleiterin

Yvonne Wien, die ihre neuen Schüler mit ihrer offenen

und sympathischen Art sofort für sich gewinnen konnte.

Sie fragte die Erstklässler, welcher Tag sei: „Geburtstag,

Weihnachten oder doch Ostern?“ Die Kinder antworteten

lautstark mit „Nein“. Als Yvonne Wien schließlich

fragte, ob Einschulung sei, hallte ihr ein euphorisches

„Ja“ entgegen. Die Feierlichkeiten fanden wie in jedem

Jahr mit einem Programm statt, das die älteren Schüler

zusammen mit ihren Lehrern auf die Beine gestellt hatten.

„Sonst haben wir allerdings den offiziellen Teil der

Einschulung immer in der Sporthalle veranstaltet. Um

jedoch genügend Mindestabstand einhalten zu können,

haben wir uns in diesem Jahr entschieden, die Veran

16 - WOLL Herbst 2020


das Programm gestalten, besteht ein Abstand von drei

Metern. So darf dann wenigstens auch gesungen werden.“

Es war ein bunter Mix aus Trommeln, Jumping auf Trampolinen

und Singen, mit dem die Zweit- bis Viertklässler

ihre „neuen Freunde“ willkommen hießen.

staltung auf den Sportplatz zu verlegen“, erklärt Wien.

Denn die Coronakrise erforderte besondere Maßnahmen

und so hatten Wien und ihr Team in der letzten Woche

der Sommerferien unter Hochdruck ein Konzept erarbeitet.

„Zwischen den Erstklässlern und den Schüler, die

„Über die Zoom App wird die Einschulungsfeier

live übertragen und die Kinder bekommen den

Film dann auch noch mal auf einen Stick als

Erinnerung.“

Yvonne Wien, Schulleitung Fürstenbergschule Ense

Unter dem schuleigenen Zelt saßen die i-Männchen

nach Klassen getrennt. Die erwachsenen Begleitpersonen

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WOLL Herbst 2020 - 17


nahmen dahinter auf durchnummerierten Stühlen Platz.

Das diene der Nachvollziehbarkeit von möglichen Infektionsketten.

Auf dem Weg zu seinem Platz musste jeder

eine Maske tragen, am Platz durfte diese abgenommen

werden. „Schade ist einfach, dass wir in diesem Jahr nur

zwei Erwachsene pro Kind zulassen können. Das haben

wir zusammen mit den Schulleitern der anderen Grundschulen

in Ense und auch Wickede so vereinbart“, betonte

die engagierte Schulleiterin. Doch um diesem kleinen

Wermutstropfen entgegenzuwirken, hatte sich die Schule

etwas Besonderes einfallen lassen. „Über die Zoom App

wird die Einschulungsfeier live übertragen und die Kinder

bekommen den Film dann auch noch mal auf einen Stick

als Erinnerung.“

Zwei weitere Erinnerungsstücke warteten nach dem

offiziellen Teil auf die Schulanfänger. Nach dem Programm

wurden die Erstklässler von ihren Paten, Schülern

der vierten Klasse, in ihre Klassenräume begleitet, wo die

erste Unterrichtsstunde stattfand. „Dort gibt es für jedes

Kind eine Einwegmaske, die mit zwei Symbolen versehen

ist. Zum einen das Logo der Klasse, in diesem Jahr

gibt es eine Zebraklasse und eine Koalaklasse, und zum

anderen noch eine Schultüte als Symbol für die Einschulung.

Und jeder bekommt ein T-Shirt unserer Schule“,

berich tete Yvonne Wien stolz von den Ideen ihres engagierten

Schulteams. Auch den Segen der katholischen und

evangelischen Kirche erhielten die Erstklässler im Unterrichtsraum.

Denn ein gemeinsamer Gottesdienst vor der

offiziellen Feier mit allen sei in diesem Jahr aufgrund der

Abstandsregeln nicht möglich gewesen.

Den Kindern merkte man nicht an, dass sie unter Ausnahmebedingungen

ihre Einschulung feierten, sie lachten,

klatschten und sangen. „Mir gefällt die Feier gut“,

sagte etwa Schülerin Linn. Auch ihr Mitschüler Nick

hatte Spaß, fand es jedoch schade, dass seine Großeltern

nicht teilnehmen durften: „Wenn ich demnächst auf eine

andere Schule komme, sollen alle dabei sein.“ Und auch

die Eltern waren erleichtert, dass die Einschulung überhaupt

in einem festlichen Rahmen stattfinden konnte.

„Ich bin froh, dass überhaupt ein Fest organisiert werden

konnte. Das war ja nicht von Anfang an klar“, freute sich

Mutter Ramona Lazic. „Dass mein Sohn im Klassenraum

auf dem Weg zu seinem Platz und auf dem Schulhof eine

Maske tragen muss, hat er akzeptiert. Er wächst ja nun

damit auf“, so Lazic weiter, die sich erleichtert darüber

zeigte, dass ihr Kind während des Unterrichts seine

Maske ablegen darf.

In diesem Zusammenhang rief Yvonne Wien die Eltern

dazu auf, ihren Kindern das alles zuzutrauen. Denn, so

sagte sie, „Kinder gehen da teilweise besser mit um als

manch Erwachsener“. Die sympathische Schulleiterin

zeigte ihre Freude darüber, dass wieder Präsenzunterricht

möglich ist. Die digitalen Metho den, die durch das

Home schooling eingesetzt wurden, sollen zukünftig aber

teilweise in das

„sowieso schon gute digitale Konzept“ integriert werden.

Und auch der Einschulung unter Coronabedingungen

konnte Yvonne Wien abschließend so einiges abgewinnen.

„Wir haben das ja nun zum ersten Mal hier auf dem

Sportplatz gemacht. Also, ich finde das klasse. Vielleicht

machen wir das nun jedes Jahr.“ ■

„Dass mein Sohn im Klassenraum auf dem Weg

zu seinem Platz und auf dem Schulhof eine Maske

tragen muss, hat er akzeptiert. Er wächst ja nun

damit auf.“

Ramona Lazic, Mutter

18 - WOLL Herbst 2020


Leben im Sauerland

WOLL

Worte, Orte, Land und Leute.

Verlags-Spezial

Landwirtschaft

ist Leidenschaft

WOLL – mit Herz und Hand von

Landwirtschaft mit Herz und Leidenschaft Seite 20

Traumberuf Landwirtin Seite 24

Wissenswertes Gegacker Seite 26

Von Färsen, Fressern und Muchsen Seite 27

Regionale Landwirte im Fokus Seite 29

„Die Kuh genießt den Roboter!“ Seite 30

Wenn der Hahn kräht auf dem Mist … Seite 34

Feldfrisch und nestwarm Seite 36

„Leben auf dem Land ist Luxus“ Seite 38

Wenn schon Fleisch, dann richtig! Seite 41

Hier haben Ziegen nichts zu meckern Seite 45

Vom Schlappohr-Schwein zur Mutterkuh Seite 47

Junge Landfrauen für das Sauerland Seite 48

Vom Wursten und Schlachten Seite 51

Wir machen FleischEssLust! Seite 52

Gärtnern am Küppel Seite 54

Eversberger Landmilch Seite 56

Ackerhelden in Arnsberg-Ainkhausen Seite 58

Eine Reise, die niemals endet Seite 61

Mescheder Minischafe am Abhang Seite 64

Die Sauerländer Potthucke Seite 66

Energie aus Bioabfall Seite 67

Der Puten-Pionier aus dem Sauerland Seite 70

Das landwirtschaftliche Museum Seite 73

WOLL Herbst 2020 - 19


Landwirtschaft mit

Herz und Leidenschaft

Heimische Landwirtschaft

hat der Gesellschaft eine

Menge zu bieten –

Klimaschutz und Digi -

talisierung bedeutende

Zukunftsfelder

Paul Senske

Jürgen Eckert

Bauern aus voller Überzeugung: Josef Schreiber (l.) und Josef Lehmenkühler.

I

hre Plädoyers kommen aus vollem Herzen: „Landwirt

ist der schönste Beruf der Welt“, sagt Josef Schreiber.

„Landwirtschaft ist Leidenschaft.“ Für Josef

Lehmenkühler steht fest: „Wir arbeiten mit Lebewesen und

nicht mit totem Material.“ Schreiber und Lehmenkühler

erleben es hautnah, dass die Landwirte mit Struktur- und

Klimawandel, Reglementierungen und Vorurteilen zu

kämpfen und an „Wertschätzung in der Gesellschaft verloren

haben“ - auch wenn sich das Image in der letzten Zeit

verbessert hat. Die Landwirtschaft, so die beiden Bauern,

ist „systemrelevant“ und hat der Gesellschaft eine Menge

zu bieten, vor allem hochwertige Lebensmittel. Im Klimaschutz

und bei der Digitalisierung soll sie künftig eine

„Riesen-Rolle“ spielen.

Schreiber und Lehmenkühler wissen, worüber sie reden.

Schreiber ist seit zwölf Jahren Vorsitzender des Landwirtschaftlichen

Kreisverbandes Hochsauerland, Lehmenkühler

seit sechs Jahren Chef des Kreisverbandes Soest. Im HSK gibt

es rund 1.300 landwirtschaftliche Betriebe, 70 Prozent sind

Nebenerwerbs-Betriebe. Im Kreis Soest mit den fruchtbaren

Hellwegböden sind es ca. 1.700 Betriebe (davon 30 Prozent im

Nebenerwerb).

Schreiber und Lehmenkühler sind Bauern aus Leidenschaft.

Schreibers Hof in Medebach besteht in der fünften Generation.

Es ist ein Betrieb mit 100 Hektar und 130 Kühen mit

Jungtieren, gleichzeitig ein Ferienhof, auf dem Feriengäste

beim Melken helfen können. Seit März hat Schreiber als Direktvermarkter

von Milch mit eigener Pasteurisierungsanlage

„ein weiteres Standbein“. Lehmenkühler - der Betrieb in Geseke

entstand einer Vollfusion zweier Höfe zur Lehmenkühler

Rotgeri GbR - ist ebenso „vielfältig unterwegs“: Schweinezucht

mit 230 Sauen und 1500 Mastschweinen, Ackerbau, Kartoffelproduktion

und Möhrenanbau sowie Energieerzeugung mit

einer Biogasanlage. „Auf dem Hof ist immer Leben. Schon als

Junge hat mir die Erntezeit am besten gefallen“, sagt Lehmenkühler.

„Alle standen unter Volldampf.“

Schreiber und Lehmenkühler gehören einem Berufsstand an,

dessen Image gelitten hat. Der einen Strukturwandel zu bewältigen

und der angesichts immer neuer Vorschriften schwer

zu kämpfen hat. „Wir haben in den vergangenen Jahren an

Achtung verloren“, meint Lehmenkühler. Stichworte: Ökologie,

Umweltbelastung, Tierwohl - Die Bauern als „Sündenböcke“?

Schreiber sieht eine Chance, dass sich angesichts der

Corona-Pandemie das Image der Landwirte verbessern kann:

„Wir ernähren die Menschen. Unsere regionalen Produkte sind

hochwertig und preiswert. Was passiert, wenn ein Engpass an

Lebensmittel kommt? Das Horten von Toilettenpapier war

symptomatisch. Vielleicht bietet Corona einen Denkanstoß,

was die Landwirtschaft eigentlich bietet. Sie ist systemrele-

20 - WOLL Herbst 2020


vant.“ Eine Imageverbesserung wird bei jüngeren Umfragen

deutlich: Die Landwirte rücken im Hinblick auf die gesellschaftliche

Relevanz auf Platz zwei hinter den Ärzten vor.

Was beispielsweise die Lebensmittelproduktion und angemessene

Preise betrifft, so beklagt Lehmenkühler die wachsende

Anzahl von Vorschriften, die verhindern, dass eine Reihe

von Lebensmitteln nicht mehr regional bzw. in Deutschland

produziert wird und aus dem Ausland kommt. Lehmenkühler

verdeutlicht das an einem (kleinen) Beispiel. „Vor Jahren

hatten wir eine große Mäuseplage auf unseren Feldern. Die

Mäuse knabberten die Möhren an. Wir durften aber kein

Mäusegift verwenden. Die Gefahr für Feldhamster oder Greifvögel

sich zu vergiften, sei zu hoch, hieß es. Wir mussten die

Möhren vernichten.“

Schreiber und Lehmenkühler sind fest davon überzeugt, dass

es trotz aller Probleme ein Nebeneinander von Landwirtschaft

mit steigender Nachfrage nach Lebensmitteln und Naturbzw.

Umweltschutz möglich ist und beide Seiten davon auch

profitieren können. „Wir wollen die Kulturlandschaft, die wir

durch Ackerbau und Beweidung geschaffen, erhalten“, erklärt

Schreiber. „Wir vernichten keine Umwelt. Die Biodiversität

ist ein hohes Gut.“ Lehmenkühler verweist dabei auf die

Möglichkeit, bei intensiver Flächennutzung als Ausgleich

Blühwiesen u. a. als Nahrungsquellen für Bienen und Insekten

einzurichten. Blühflächen sind Ackerflächen, die mit artenreichen

Mischungen von Blütenpflanzen eingesät werden. „Wir

bewirtschaften 200 Hektar, 15 davon sind für Blühwiesen vorgesehen.

Blühwiesen oder auch Randstreifen werden gefördert.

Wenn sie aber gesetzlich vorgesehen werden, gibt es für die

Landwirte keinen finanziellen Ausgleich mehr.“

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Neue Düngeverordnung ist spürbarer Einschnitt

Sorgen bereitet den Landwirten auch die neue Düngeverordnung,

die am 1. Mai 2020 teilweise in Kraft getreten ist und

spürbare Einschnitte für die Praxis mit sich bringt. Übermäßiger

Einsatz von Gülle und stickstoffhaltigem Dünger gilt

als eine Ursache für die Nitratbelastung im Grundwasser. Die

Verordnung sieht u. a. neue Dokumentationspflichten und

schärfere Abstandsregelungen zu Gewässern vor. Für nitratbelastete

(„rote“) Gebiete gilt ab Januar 2021 ein Verbot der

Düngung von Zwischenfrüchten ohne Futternutzung und die

Reduzierung der maximal zulässigen Stickstoffdüngung um

20 Prozent. „Ich habe gelernt, dass man so viel zu düngt, wie

man dem Boden im Jahr an Nährstoffen entzogen hat“, meint

Informationen zur

heutigen Landwirtschaft

Josera. Landhandel Babilon

Josef Babilon

Mönekind 1

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WOLL Herbst 2020 - 21


Schreiber. „Die Politik hat die Problematik falsch bewertet.

Im HSK sind wir aber nicht so stark von der Verordnung

betroffen wie andere Regionen.“ Der Kreis Soest, zum großen

Teil auf sogenannten „roten Grundwasserkörpern“, ist davon

deutlich mehr betroffen. „Natürlich wollen wir das Wasser

sauber halten. Die Maßnahmen sind allerdings teilweise nicht

zielführend“, erklärt Lehmenkühler. „Es handelt sich um eine

pauschale Reduzierung der Düngung über eine ganze Region

aufgrund nur weniger, nicht repräsentativer Messstellen. Eine

zielgenaue Regulierung auf den einzelnen Betrieb wäre für den

Wasserschutz weitaus effektiver. Eine für die Kulturpflanze

bedarfsgerechte Düngung ist gleichgerichtet für Wasserschutz

und Lebensmittelqualität das Maß aller Dinge.“

„Unsere Kühe wohnen wie in Fünf-Sterne-Hotels“

(Josef Schreiber)

Beim Thema „Tierwohl“ sind sich beide Landwirte einig,

dass es ihren Tieren gut geht. „Eine Kuh kann nur Milch

geben, wenn sie sich wohl fühlt“, betont Schreiber. „Die neuen

Außenklima-Ställe mit Liegefläche, Fressplatz, Melkroboter,

zudem teilweise Weidehaltung sind wie Fünf-Sterne-Hotels.“

Lehmenkühler sieht die Schweine seines Hofes in „Voll-Pension

mit Rundumbetreuung“. Natürlich seien die heimischen

Landwirte für Verbesserungen, sprich größere Ställe („Tierwohlställe)

offen. Stallumbauten könne es aber nicht zum

Nulltarif geben. „Wir sind dafür offen, alles was gut ist, zu

verbessern. Bau- und Planungsrecht, Auflagen und Bürokratie

machen das aber teilweise unmöglich.“

„Doppelnutzung von Gülle ist eine wichtige Maßnahme“

(Josef Lehmenkühler)

Ein anderes wichtiges Thema ist der Klimawandel, der die

Bauern belastet, zu dem sie aber auch beigetragen haben Die

Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft bestehen vorwiegend

aus Methan und Lachgas. Beide bedeutend schädlichen

Klimagase entstehen aus natürlichen Prozessen im Boden,

bei der Verdauung in der Tierhaltung und der Lagerung von

Mist und Gülle. Der Anteil der Landwirtschaft an der Treibhausgasemission

einschließlich des Energieverbrauchs lag

2018 in Deutschland bei acht Prozent. Seit 1990 sind die gesamten

Emissionen der Landwirtschaft aus Methan, Lachgas

und Kohlendioxid um rund 20 Prozent gesunken. Bis 2030

sollen es 30 Prozent sein. Vor allem effizientere Düngung der

Böden und optimiertes Futter haben bisher zur Reduzierung

beigetragen. So wird beispielsweise durch eine Steigerung des

Kraftfutteranteils die Verdaulichkeit erhöht und damit die

Methan-Emissionen der Wiederkäuer (“rülpsende Kühe”)

verringert. Lehmenkühler konkretisiert ein weiteres Beispiel

der Emissions-Reduzierung und plädiert für eine Doppelnutzung

von Gülle: „Der Naturdünger kann in der Biogas-Anlage

energetisch genutzt werden. Beim Abbau wird Methan

entzogen, das aufgefangen wird und einen Motor antreibt,

der Strom und Wärme erzeugt. Danach kann die Gülle auf

den Acker - ohne Methan. Die Doppelnutzung von Gülle ist

eine wichtige Maßnahme.“

Wahrlich ein “Fünf-Sterne-Kuhstall“

22 - WOLL Herbst 2020


Humusaufbau als bedeutender Klimaschutz

Beim Blick in die Zukunft sehen beide Bauern die Landwirtschaft

in einer „Riesen-Rolle beim aktiven Klimaschutz“

durch den Aufbau von Humus und die damit verbundene

Speicherung von CO2 in den bewirtschafteten Böden. Der

Humus besteht zum großen Teil aus Kohlenstoff, der aus

dem Kohlendioxid der Luft stammt. Je mehr Humus im

Boden gespeichert wird, desto stärker wird die Atmosphäre

vom Treibhausgas CO2 entlastet. „Vor allem durch geeignete

Fruchtfolgen und den Aufbau von Zwischenfrüchten wird

der Humusgehalt im Boden aktiv erhöht“, erklärt Lehmenkühler.

„Die Äcker binden mehr CO2 als Naturschutzgebiete

und Wälder.“ Zudem hat der Humus auch Einfluss auf die

Bodenfruchtbarkeit und die Wasserhalt-Kapazität. Die Landwirtschaft

ist die einzige Branche, die den Humusgehalt im

Boden aktiv auf- und ausbauen und damit funktionsfähig

erhalten kann. Der Boden ist zudem der zweitgrößte CO2-

Speicher nach den Ozeanen.

Digitalisierung bringt Landwirtschaft voran

Ein weiteres großes Zukunftsthema ist die Digitalisierung. In

diesem Bereich sind die Landwirte zum Teil weiter als andere

Wirtschaftsbereiche. Hightech-Landmaschinen, Agrar-Apps,

Robotik wie Melkroboter usw.: Die Digitalisierung ist ein bedeutender

Faktor bei der Ressourcen- und Klimaeffizienz und

beim Tierwohl. Sie bringt die Landwirtschaft voran. Schreiber

und Lehmenkühler sind sicher, dass der Strukturwandel in

der Landwirtschaft in vielen Bereichen weitergehen wird. „Es

werden weniger Landwirte. Ihre Aufgabe wird es weiterhin

sein, die Bevölkerung zu ernähren und ressourcen- und

umweltschonend zu handeln. Den familiengeführten Betrieb

wird es weiterhin geben, eben Landwirtschaft mit Herz und

Leidenschaft.“ ■

Zahlen, Daten, Fakten...

Im Hochsauerlandkreis gibt es 1.300 landwirtschaftliche

Betriebe, die 55.350 Hektar Fläche bewirtschaften. 195

sind Öko-Betriebe, 920 Betriebe halten 67.000 Rinder

(Kälber, Rinder und Bullen). Die Milchviehhalter mit

ihren 24.000 Milchkühen verteilen sich auf 390 Betriebe,

122 Höfe halten 65.000 Schweine. 32,7 Prozent sind

Landwirtschaftsfläche, 55,6 Prozent Waldfläche.

Im Kreis Soest beträgt die Zahl der landwirtschaftlichen

Betriebe ca. 1700. Rund 50 bewirtschaften ökologisch.

1.000 Höfe halten Vieh, darunter 500 Rinder. Rund 450

halten Schweine (inklusive 100 Sauenhalter). Daneben

gibt es 200 geflügelhaltende Betriebe. 150 widmen sich

der Haltung von Schafen und Ziegen, 200 den Pferden.

Der größte Teil der landwirtschaftlich genutzten Fläche

(73.000 Hektar) ist Ackerfläche mit 61.000 Hektar.

Davon entfallen 40.000 auf den Getreide-Anbau. 26.332

Hektar entfallen auf den Wald. Etwa 12.000 Hektar sind

Dauergrünland. Insgesamt umfasst der Kreis Soest eine

Fläche von rund 132.700 Hektar.

Josef Schreiber mit Sohn Michael, Schwiegertochter Sabrina und Hund Ben

WOLL Herbst 2020 - 23


Traumberuf Landwirtin

Nora Joch kümmert sich um

Kühe, Milch - und ums Image

Britta Melgert

S. Droste

Acht Uhr morgens in Rösenbeck… rund 100 Milchkühe

machen sich, frisch gemolken und gestärkt,

auf den Weg. Den kennen sie gut, da sie ihn täglich

gehen. Aber keine von ihnen würde eilig vorpreschen,

denn eines ist klar: Es geht immer brav hinter Nora her!

Nora Joch ist eine moderne, junge Frau aus dem Sauerland,

20 Jahre alt. Ihr Beruf ist selten geworden. Sie ist Landwirtin!

„Ich bin zwar keine Bauerntochter, aber zuhause in Wiemeringhausen

war ich immer am liebsten irgendwo auf den Höfen

bei den Tieren“, erzählt sie. So wunderte man sich nicht,

24 - WOLL Herbst 2020


als sie verkündete, dass sie nach dem 10. Schuljahr Bäuerin

werden möchte. „Na ja, anfangs hätte sich mein Vater wohl

eine andere Berufskarriere für mich gewünscht, aber meine

Entscheidung stand bereits fest“, erzählt die junge Frau.

Die Ausbildung solide – die Aufgaben umfangreich

Die Grundausbildung dauert in der Landwirtschaft drei Jahre.

Es ist dabei üblich, jährlich den Ausbildungsbetrieb zu wechseln,

um möglichst viele verschiedene Tätigkeiten kennenzulernen.

„Das gesamte Spektrum von Ackerbau bis Tierzucht

kann halt oft nicht nur auf einem einzigen Hof vermittelt

werden“, weiß sie. Und so landete sie dann irgendwann beim

Rösenbecker Biohof Schmidt, um dort alle Aufgaben rund um

die Milcherzeugung und Rinderaufzucht zu erlernen.

Fans für Nora

Üblicherweise zieht der Azubi für diese Zeit auf den jeweiligen

Bauernhof. „Der Tag geht bei uns schließlich früh mit Stallarbeit

los und zieht sich bis in den Abend“, erklärt sie. „Ab

sechs Uhr herrscht Hochbetrieb an der Melkanlage. Das Vieh

bekommt sein Futter und die Boxen müssen gesäubert werden,

bevor es dann - sehr zur Freude der Tiere - endlich raus zur

Weide geht.“ Sie wissen schon, liebe Leser: Nora voran und

ihre vierbeinigen Fans brav hinterher – damals schon!

Apropos Fans: Einer auf zwei Beinen kam bald hinzu. Jungbauer

Stefan Schmidt erkannte schnell, dass da die Richtige

ins Haus gekommen war. Wir gehen jetzt nicht allzu sehr ins

Detail, aber wer die beiden zusammen sieht, der weiß, dass die

bekannte RTL-Sendung das nicht besser hätte hinbekommen

können. „Stimmt, es passte halt gleich auf Anhieb“, erzählt

Nora, „und auch mit den Schwiegereltern in spe klappt es gut;

ganz wichtig in einem Familienunternehmen“.

Erfahrungen sammeln in der großen,

weiten Welt – und im Sauerland

Nicht leicht gefallen ist dann jedoch der Abschied, als Nora im

ersten Gesellenjahr für sechs Monate nach Neuseeland ging.

„Das war lange geplant, und es ist nie verkehrt, mal etwas

gänzlich anderes kennenzulernen. Aber diese Dimensionen!

Dort zählt man nicht die Rinder, sondern die Herden“, be-


ichtet sie beeindruckt. „Letztlich bin ich froh, wieder hier zu

sein. Wir haben zwar auch keine Vornamen für unsere Tiere,

aber wenn Stefan beim Mittagessen erzählt, dass die Nummer

37 krank ist oder die 94 stur war, dann weiß jeder am Tisch,

wovon er spricht.“

„Ein starrer Bürojob wäre nicht mein Ding“, weiß Nora. „Der

Arbeitstag in der Landwirtschaft ist zwar lang, aber abwechslungsreich.

Und er lässt Freiraum, zwischendurch beispielsweise

mal shoppen zu gehen oder eine Mopedtour zu machen.

Und wenn wir abends feiern möchten, dann treffen wir hier

im Ort oft auf Freunde, die selbst morgens zeitig in den Stall

müssen und unseren Rhythmus kennen. Oder die Schwiegereltern

sind so nett und übernehmen die erste Schicht“, sagt die

Jungbäuerin und schmunzelt.

Blick in die Zukunft

Nora ist sich sicher, den richtigen Weg eingeschlagen zu

haben, und sie bleibt am Ball. Ab Herbst geht’s zum BWLbüffeln

in die Mescheder Fachschule für Agrarwirtschaft.

Und ihre Vision für den Hof in 20 Jahren? „Auf alle Fälle

weiterhin ein offener Betrieb und die Sicherung des Tierwohles.

Wir Landwirte kämpfen für ein gutes Image. Also Leute,

kommt gern her und schaut selbst, was wir leisten und wie es

unseren Tieren geht. Wir freuen uns über jeden interessierten

Besucher.“ ■

“Es ist nie verkehrt, mal etwas gänzlich

anderes kennenzulernen.”

Nora Joch über ihre Zeit in Neuseeland

Wissenswertes

Gegacker

Braune Hühner legen braune Eier und weiße Hühner

weiße? Nein, ganz so einfach ist das nicht. Die

Schale des Hühnereies hat rein gar nichts mit der

Farbe des Federkleides zu tun. Ob die Eier braun oder weiß

werden, hängt allein mit der Genetik des Huhnes zusammen.

Und wer nicht abwarten möchte, welche Farbe die

Eier denn nun bekommen werden, der muss einen Blick

hinter die Ohrläppchen der Hennen werfen. Dort befinden

sich die sogenannten Ohrscheiben. Sind diese weiß, werden

auch die Eier weiß. Bei roten Ohrscheiben gibt es braune

Eier. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Egal ob braun oder weiß, zerbrechlich sind beide. Das weiß

jeder, dem schon mal ein Ei aus der Hand geglitten ist.

Zack, schon lag es auf dem Boden (Kleiner Tipp: Damit

sich die glibbrige Masse leichter vom Boden entfernen

lässt, einfach Salz darauf streuen.)

Trotz ihrer Zerbrechlichkeit halten Eier so einiges aus.

Bei Punktbelastung sieben, auf die gesamte Oberfläche

verteilt 25 Kilogramm. Das liegt an der Schale aus Calciumcarbonat,

eines sehr festen Materials, an der gebogenen

Schalenform und am Aufbau der Schale, die aus vielen

Stäbchen besteht, die direkt nebeneinander liegen. (c.z.) ■

26 - WOLL Herbst 2020


Von Färsen, Fressern

und Muchsen

Fachausdrücke für das liebe Vieh

Christel Zidi

Tierväter:

Bei Pferden und Eseln ist das der Hengst, bei Rindern der

Bulle oder Stier, bei Ziegen und Schafen der Bock (auch Widder

bei Schafen). Beim Geflügel sind es Erpel oder Enterich

(Enten), Gänserich oder Ganter (Gänse) und der Hahn bzw.

Gockel. Im Hasenstall hockt der Rammler.

Den Kater nennt man auch Katzer, ein Rüde ist ein männlicher

Hund. Das männliche Schwein nennt man Eber, Hauer

oder Bär – Saubär im Süddeutschen.

Tiermütter:

Die Bezeichnungen für gefiederte Tiermütter sind gan(s)z einfach:

Ente, Gans, Huhn oder Henne. Die Katze ist auch eine

Kätzin, die Hundedame eine Hündin. Bei Eseln und Pferden

steht die Stute für das weibliche Geschlecht. Zibbe wird die

Hasenfrau genannt, ebenso das weibliche Schaf, das man

auch als Au oder Aue bezeichnet. Die weibliche Ziege wird

in manchen Regionen ebenfalls Zibbe genannt, geläufiger ist

aber Geiß oder Zicke. Was eine Sau ist, weiß wohl jedes Kind.

Nämlich das weibliche Schwein. Etwas schwieriger wird es bei

den Rindviechern. Eine Kuh ist eigentlich erst eine Kuh, wenn

sie schon gekalbt hat. Vorher, als geschlechtsreifes Tier, ist sie

eine Färse. Während der Säugezeit ist sie eine Mutterkuh. Ist

das Kalb „abgestillt“ und wird die Kuh weiterhin gemolken,

nennt man sie Milchkuh.

Tierkinder:

Geflügelkinder sind Küken, Gänsekinder nennt man auch

Gänsel oder Gössel. Hasen- und Hundejunge nennt man

Welpen, Katzenjunge Kätzchen oder Katzenjunge. Pferde-

und Eseleltern haben Fohlen. Das Rinderkind nennt man

bis zum Alter von sieben Monaten Kalb, ist es älter (bis zwölf

Monate) bezeichnet man es als Jungrind. Der Fachbegriff für

vier bis zwölf Monate alte Kälber ist Fresser. Netter hören

sich da schon die Bezeichnungen Kitze oder Zicklein an, wie

die jungen Ziegen heißen, und Lämmer bei den Schafen.

Milch- oder Spanferkel, also säugende Schweinekinder, sind

max. sechs Wochen alt und bis zu 25 kg schwer. Das Wort

Span meint nicht den Spieß, auf dem sie später landen, sondern

ist aus dem althochdeutschen Wort spunni abgeleitet,

was Zitze/ Brust bedeutet. Haben die Ferkel ein Gewicht von

25 Kilogramm erreicht, nennt man sie Läufer.

Und zum Schluss noch die

Bezeichnungen für kastrierte Tiere:

Wallach nennt man sie bei Eseln und Pferden, Kapaun beim

Hühnervolk. Bei den Rindern ist es der Ochse. Darf der Bulle

seine Hoden behalten und wird er nur sterilisiert, nennt man

ihn Muchse. Kastriert man einen Schafbock

wird er zum Hammel oder

Schöps. Ein kastriertes

Schwein nennt man Bark,

Borg oder Bork. Alt- oder

Spätschneider sind Eber, die

wenige Wochen vor der Schlachtung

kastriert werden. Und zum

Schluss der Hund. Der bleibt

auch kastriert einfach nur ein

Hund. ■

WOLL Herbst 2020 - 27


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Regionale Landwirte im Fokus

Mag doch jeder!

W

o kommt mein Fleisch her? Woher meine

Milch? Und esse ich Gemüse aus der Umgebung?

Viele Menschen können solche Fragen

kaum beantworten. Dabei ist es ihnen gleichzeitig

wichtig, Eier oder Rindersteaks aus der Region kaufen

zu können. Hinzu kommt bei nicht wenigen ein unklares

Bild, wie ein heutiger Bauernhof eigentlich funktioniert.

Genau hier setzt die außergewöhnliche Kampagne „Landwirtschaft

– MAG DOCH JEDER“ an. Sie zeigt Verbrauchern

die Realität der Landwirtschaft und will vor allem in

Dialog treten. Das Ziel: Landwirte sollen mehr Aufmerksamkeit

und Wertschätzung für ihre Arbeit erhalten.

Das Besondere an der Kampagne: Die Landwirte selbst

bewusst dazu entschlossen, für ihre Arbeit einzutreten und

Insgesamt unterstützen derzeit rund 1.000 Landwirte in

Westfalen-Lippe die Kampagne. Im Sauerland sind aktuell

mehr als ein Dutzend Höfe dabei. Einen von ihnen bewirtschaftet

Josef Schreiber aus Medebach. Der 59-Jährige ist

zugleich Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands

Hochsauerland. „Es wird Zeit, dass die Menschen

erkennen, wie wertvoll eine nachhaltige Landwirtschaft in

der eigenen Nachbarschaft ist“, fasst er seine Motivation

zusammen, sein eigenes Geld in „MAG DOCH JEDER“

zu investieren.

und für Produkte aus heimischen Zutaten werben, vom

Burger bis zum Bier. Die nehmen Menschen auf Feldern

und am Straßenrand wahr und werden so immer wieder auf

die Kampagne aufmerksam.

28 - WOLL Herbst 2020


Willkommen auf dem Hof

Sie möchten zeigen, dass sie nichts zu verstecken haben.

Im Gegenteil: Sie erklären, wie nachhaltig und modern Landwirtschaft

wirklich ist, ob mit oder ohne Tiere, als Direktvermarkter

oder als Bio-Betrieb. Dass die Verbraucher sich ein

realistisches Bild machen, liegt den Landwirten am Herzen.

Das ist echtes Landleben: Die MAG DOCH JEDER-Hofgeschichten

zeigen die Landwirte bei ihrer täglichen Arbeit,

bei der Ernte auf dem Feld, beim Melken der Kühe oder dem

Füttern der Hühner. Als Milchbauer lädt Josef Schreiber die

zeigt ihnen seine Leidenschaft für seinen Beruf. Die hat er

an seinen Sohn weitergegeben. Und auch die Ehefrauen der

Schreibers sind aktiv – denn für die gesamte Familie geht es

um mehr als den Broterwerb. „Wir Bauern können am besten

Auf einen Blick

• „Landwirtschaft – MAG DOCH JEDER“ ist

eine Initiative der Landwirte in Westfalen-Lippe

• Ziel: Mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung

für regionale Landwirtschaft, ein ehrlicher Dialog

rung und Tierhaltung


aktuell mit Beiträgen ab 100 Euro pro Jahr

(Weitere sind herzlich willkommen!)

• Gegründet: Spätsommer 2019

• Webshop mit attraktiven MAG DOCH JEDER-

Produkten: shop.magdochjeder.de

magdochjeder.de

unsere Arbeit begeistern“, sagt Schreiber.

Er appelliert an seine Kolleginnen und Kollegen, ebenfalls

bei „MAG DOCH JEDER“ einzusteigen „Jede Bauernfamilie

kann einen kleinen Beitrag dazu leisten, der breiten

Bevölkerung Landwirtschaft wieder näherzubringen.“ Vom

Strohpylon oder Plakat bis hin zur eigenen Hofgeschichte gebe

es viele verschiedene Möglichkeiten. „Für jeden ist etwas

Die Menschen mitnehmen

Die zentrale Plattform der Kampagne ist die Website

magdochjeder.de. Dort gibt es Hintergrundinformationen

„Jede Bauernfamilie kann einen

kleinen Beitrag dazu leisten,

der breiten Bevölkerung Landwirtschaft

wieder näherzubringen.“

saisonale Gemüse- und Obstsorten sowie praktische Tipps

Durch einen eigenen Webshop hat zudem jeder die Möglichkeit,

zu zeigen, dass er die Landwirtschaft in der Nachbar-

Dort gibt es neben kreativ gestalteten T-Shirts, Pullovern

und Tassen zum Beispiel auch Freizeitutensilien.

Die Arbeit der Initiative trägt Früchte: Nach dem ersten

Kampagnenjahr haben allein die Hofgeschichten-Videos

über 1,3 Millionen Aufrufe erreicht. Mehr als 93.000

Menschen haben die Website geklickt und sich über die

Kampagne sowie deren Inhalte informiert. 7 Millionen

Radiohörer und etliche Tausend Kinobesucher konnten

erreicht werden.

Doch auf den Ergebnissen möchten die Landwirte sich nicht

ausruhen. Sie möchten mehr erreichen. „Die Kampagne

bietet noch so viel Potenzial. Wir können noch mehr

Menschen erreichen und ihnen die tägliche Arbeit auf Höfen

und Feldern näherbringen,“ sagte Dirk Nienhaus, Landwirt

die formell hinter der Kampagne steht. ■

WOLL Herbst 2020 - 29


„Die Kuh genießt den Roboter!“

Hochmoderne Technik auf einem Caller Bauernhof

Markus Weber

Tom Linke & Kirsten Lody

F

ür die beiden Bauern Markus Wegener und Friedrich Blanke aus Calle bei Meschede dient ihr Beruf nicht

nur dem Broterwerb. Wenn die beiden über den von ihnen geführten Milchviehbetrieb mit einem Bestand

von über 100 Kühen und über die für die Höfe des umliegenden Sauerlandes durchgeführten (Lohn)-Arbeiten

berichten, merkt man sehr schnell, dass sie ihre Arbeit lieben und leben. Mit vor Staunen offenem Mund erfährt der

Laie, was hochmoderne, digitale Technik auf dem Bauernhof der Gegenwart alles leisten kann.

24 Stunden am Tag kann gemolken werden

Interview im Kuhstall

Die Gespräche mit den beiden Bauern finden selbstverständlich

nicht im Büro, sondern vor Ort, also im Kuhstall, auf dem

Traktor und der Weide statt. Friedrich Blanke ist der Hauptverantwortliche

für die 110 Kühe des Hofes. „Wir standen vor

einigen Jahren vor der Entscheidung, den Melkstand zu erneuern,

da der Melkprozess mit dem alten Stand einfach zu lange

dauerte“, berichtet der Bauer. „Wir haben uns dann statt für

einen neuen Melkstand dafür entschieden, in zwei moderne

Melkroboter zu investieren - und sind heute sehr glücklich mit

unserer Entscheidung“. Die Kühe geben unterschiedlich viel

Milch: In der sogenannten „Hochleistungsgruppe“ befinden

sich die Kühe, die im Durchschnitt 38 bis 40 Liter Milch pro

Tag geben, vereinzelt sogar bis zu 55 Liter.

Wie kann man sich nun einen typischen Tag im Stall vorstellen?

„Der Roboter läuft 24 Stunden am Tag“ so Friedrich Blanke,

„aber unterbrochen werden die Melkprozesse natürlich von

Spül- und Desinfektionsphasen, außerdem bestimmen die Kühe

ja den Rhythmus mit!“ Eine erstaunliche Tatsache, die später

noch erläutert wird. Fehler passieren gelegentlich auch beim

Melkbetrieb per Roboter, aber, so Blanke „der Roboter ruft

mich dann auf dem Handy an!“ Wie geht denn das? Die Kühe

tragen tatsächlich alle - neben ihren Erkennungsmarken im Ohr

- zwei Halsbänder, die mit Sensoren ausgerüstet sind, welche

wiederum die Verbindung zum Melk-Computer herstellen.

Sollte sich nun etwas Außergewöhnliches ereignen - es löst sich

beispielsweise ein Schlauch am Melkarm oder die Reinigung

bzw. die Desinfektion funktioniert nicht ordnungsgemäß - setzt

der Roboter automatisch eine exakte Fehlermeldung ab, die

den Bauern per Handy erreicht. Dieser kann dann entscheiden,

ob der Fehler sofort behoben werden muss, oder die Korrektur

einige Stunden warten kann. „Schon angenehm, diese Genauigkeit.

Gerade, wenn man nachts um drei Uhr angerufen wird“,

berichtet Friedrich Blanke mit leichter Ironie in der Stimme.

30 - WOLL Herbst 2020


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Der perfekte Überwachungsgehilfe für Landwirte

Der Melkroboter kann aber noch viel mehr: Die Sensoren

können beispielsweise feststellen, ob die Kuh brünstig ist und

besamt werden muss. Oder ob die Milch über 40 Grad warm

ist (was ein Anzeichen für Fieber sein kann). Die gerade gemolkene

Kuh erhält automatisch - je nach Milchabgabemenge

- sofort einen entsprechenden Kraftfutteranteil, außerdem

werden Eiweiß- und Fettgehalte der Milch gemessen. Auch

das Wiederkauverhalten kann gemessen werden, indem der

Roboter per Sensor die „Auf und Ab-Bewegungen“ des Kiefers

notiert. Wichtig, da das Wiederkäuen Auskunft über die

Qualität des Futters gibt. Schon selbstverständlich erscheint,

dass jede Kuh jeden Tag vom Roboter gewogen wird, so dass

der Landwirt etwa bei außergewöhnlicher Gewichtsabnahme

reagieren kann.

Den Kühen geht es gut!

Auf meine Frage, wie es den Kühen dabei geht, antwortet

Friedrich Blanke voller Überzeugung: „Die Kuh genießt den

Roboter!“ Und er macht dies auch gleich an einem Beispiel

fest: Früher wurden die Kühe meistens zweimal, beispielsweise

morgens um 8.00 Uhr und abends um 18.00 Uhr gemolken.

Wenn sich die Kuh allerdings in einer Hochleistungsphase befindet,

kann es sein, dass sie selbst schon früher, etwa

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WOLL Herbst 2020 - 31


Markus Wegener & Friedrich Blanke

mittags, das Bedürfnis hat, gemolken zu werden (sprich: einen

geschwollenen und auch schmerzenden Euter hat). Tatsächlich

werden die Kühe also nicht zum Melken geführt, sondern

sie stehen selbst auf und suchen den Melkautomaten auf - ihr

Instinkt führt sie dorthin!

Gerade bildet sich eine Schlange vor dem Melkroboter, fast ein

bisschen so wie beim „Drive-In“…

Abschließend versichert uns Bauer Blanke authentisch, dass

der Milchvieh-Betrieb nicht ausschließlich auf Gewinnerzielung

ausgerichtet ist: „Wir wollen, dass es unseren Kühen auch

gut dabei geht, und wir sind überzeugt, mit dem Einsatz des

Melkroboters den richtigen Schritt dahin getan zu haben!“

„Arbeitsspur“, welche der Traktor auf den Weiden zurücklegt.

Diese kann gerade, mit Kontur oder kreisförmig angelegt und

eingespeichert werden.

Hört sich nicht nach etwas Besonderem an? Nun, die Spur

wird für jedes Feld, welches der Betrieb in der Umgebung

bearbeitet, im Computer eingespeichert. Dies bedeutet, dass

so passgenau gearbeitet werden kann, dass auch die kleinste

Überlappung, sprich das mehrmalige Befahren des gleichen

Bereichs, vermieden werden kann. Das spart immens - sowohl

Alles ist bis ins Detail digital gesteuert

Wir wechseln nun ins Freie, auf eine der anliegenden, wunderschön

saftig-grünen Weiden, die sich sanft hügelig von allen

Seiten an den kleinen Ort Calle mit seinen Fachwerkhäusern

und der Kirche in der Dorfmitte schmiegen. Hier wartet

schon Markus Wegener, der uns auf den Beifahrersitz des

hochmodernen Traktors, eher eine Multifunktions-Landmaschine,

einlädt. Zwei Bildschirme im Fahrerstand fallen sofort

auf. Einmal ist das der Steuerungs-Computer, das andere Mal

das GPS-Gerät. „Mit der Steuerung kann ich zum Beispiel

die Menge der Gülle steuern, die auf die Weiden ausgebracht

wird. Einmal eingespeichert, wird jeweils die gleiche Menge

ausgebracht, vollkommen unabhängig von der Geschwindigkeit

des Traktors oder der Geländebeschaffenheit.“ so Bauer

Wegener. Das GPS hingegen ist unter anderem zuständig für

die Einstellung der „Arbeitsbreite“ der angehängten Gerätschaften.

Sehr wichtig ist außerdem die genaue Einstellung der

32 - WOLL Herbst 2020


Zeit, Material (Dünger genauso wie Diesel) und damit auch

Kosten. Zudem, werden auch die unterschiedlichen Arbeitsbreiten

für die angehängten Geräte, sei es das Güllefass, die

Sämaschine oder ein Pflug, nach einmaligem Speichern

wiedererkannt. Markus Wegener: „Die Technik macht einfach

unübertroffen effizientes Arbeiten möglich. Sogar die Materialverschwendung

bei kleinen Spitzen oder Ecken des Feldes

wird vermieden, da dort einfach für kurze Zeit die Maschine

automatisch abgeschaltet wird!“

Markus Wegener und Friedrich Blanke geben, nach der Länge

ihrer Arbeitstage befragt, Folgendes zur Auskunft: „Es geht

morgens gegen 05.30 Uhr los, und jetzt in der Erntezeit, endet

der Tag nicht vor 23.00 oder auch 24.00 Uhr. Nach der Ernte

wird es aber etwas entspannter…“.

Abschließend lässt sich eines feststellen: Die erfolgreiche Führung

eines landwirtschaftlichen Betriebes ist auch heute noch,

bei aller modernen Hilfe, ohne Leidenschaft und sehr großen

persönlichen Einsatz nicht vorstellbar! ■

“Die Technik macht einfach unübertroffen

effizientes Arbeiten möglich.”

- Markus Wegener

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des Landes Nordrhein-Westfalen

© Tourismus NRW e.V.

WOLL Herbst 2020 - 33


Wenn der Hahn kräht

auf dem Mist …

Von der Gültigkeit alter Bauernregeln

Christel Zidi

Schon seit Jahrtausenden beobachten Menschen das

Wetter. Besonders diejenigen, deren Existenz direkt

davon betroffen ist, also hauptsächlich die in der

Landwirtschaft Beschäftigten. Die Gesetzmäßigkeiten,

die die damaligen Landleute aus der Wetterbeobachtung

ableiteten und durch lange Erfahrungswerte untermauerten,

gaben sie – aufgrund der besseren Merkbarkeit – in

Reimen weiter. So entstanden die „Bauernregeln“.

Allein auf Bauernregeln wird sich heute wohl kein Landwirt

mehr verlassen. Moderne Messgeräte sowie meteorologische

Prognosen nutzen Landwirte, Winzer und Schäfer

in heutiger Zeit. Zusätzlich aber auch immer wieder die

eigenen Erfahrungen.

Doch wie verlässlich sind die Bauerregeln eigentlich?

Zunächst müssen aufgrund der gregorianischen Kalenderreform

(1582) die Lostage* um zehn Tage nach vorn verschoben

werden. Auch sind manche Heiligen-Gedenktage

auf andere Daten verlegt worden. Klimaveränderung und

regionale Unterschiede beeinflussen zusätzlich die Trefferquote.

Gut beraten ist man, wenn man die Regeln als eine

Zeitspanne um den jeweiligen Tag herum ansieht:

Hier einige Wetterregeln für den Herbst:

• Tritt Matthäus stürmisch ein, wird’s bis Ostern

Winter sein. (21. September)

• Bringt St. Michel Regen, kannst du gleich den

Pelz anlegen. (29. September)

• Lacht Ursula mit Sonnenschein, wird wenig Schnee

vorm Christfest sein. (21. Oktober)

Auf lange Sicht können Meteorologen das Wetter nicht

genau vorhersagen. Von maximal 14 Tagen geht man aus,

mit täglich abnehmender Wahrscheinlichkeit. Langfristig

kann man sich also besser an Bauernregeln wie diese

halten:

• Wenn im Herbst viel Spinnen kriechen, sie einen kalten

Winter riechen.

• Ist der Herbst warm und fein, kommt ein scharfer

Winter rein.

Aktuelle Voraussagen sind oft örtlich unterschiedlich:

•Wenn es blitzt von Westen her, deutet´s auf Gewitter

schwer; kommt von Norden her der Blitz, deutet es auf

große Hitz.

Nicht nur die Flora (Bezaubern der Zaunwinde anmutige

Blüten, kann der Hirte im Sonnenschein Schafe hüten), auch

die Fauna behält der Landwirt gut im Auge:

Bleiben die Schwalben lange, sei vor dem Winter nicht bange.

Davon, dass Bauern mit einem besonderen Humor gesegnet

sind, belegt diese bekannte und zu 100 % zutreffende Regel:

• Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das

Wetter – oder es bleibt wie es ist.

34 - WOLL Herbst 2020


Wie beliebt Bauernregeln auch heute noch sind, zeigen

diese launigen Beispiele, bei denen es weniger um das

Wetter als mehr um die Arbeit der Landwirte und

Agronomen geht:

• Kommt der Gockel untern Trecker, gibt es morgen

keinen Wecker!

• Hat der Melker kalte Finger, wird die Kuh

zum Stabhochspringer.

• Kommt die Milch in Würfeln raus, fiel im Stall

die Heizung aus!

Natürlich sind die Bauernregeln nicht so genau wie die

Wettervorhersagen der Meteorologen, unterhaltsamer

sind sie aber auf jeden Fall. ■

Der 100-jährige Kalender

Im 17. Jahrhundert schuf der Abt Mauritius Knauer einen

Kalender, um den damaligen Bauern und Mönchen eine

Möglichkeit zur besseren Wettervorhersage an die Hand zu

geben. Der Kalender beruht auf der Annahme, dass sich das

Wetter alle sieben Jahre wiederholt, auch die Planetenstellung

berücksichtigte er. Hier die Voraussage für den Herbst

im Mond-Jahr 2020: „Der Herbst beginnt mit feuchtem

Wetter. Die Temperatur ist mittelkalt. Danach wird es so

richtig kalt und das Wetter wird auch feuchter.“

*Lostage sind bestimmte Tage im Bauernjahr, die nach altem Volksglauben

für das Wetter der kommenden Wochen und damit für die Verrichtung

verschiedener landwirtschaftliche Arbeiten, wie Aussaat oder Ernte,

bedeutsam waren. In dem Wort Lostag ist die Bedeutung von „Los“ im

Sinne von „Schicksal“ erhalten.

Dinkel aus Meschede-Berge

im Brot der Bäckerei Franzes

Lange Jahre schon liefert Landwirt Georg Babilon die Eier für die Bäckerei Franzes.

Eine Zusammenarbeit, die von Vertrauen geprägt wird. Von den guten Erzeugnissen des

jeweils anderen überzeugt, haben die beiden ihre Zusammenarbeit erweitert.

Gemeinsam bauen sie nun bereits seit drei Jahren das Urgetreide Dinkel an.

Umweltschonender, lokaler – und hochwertiger - geht es kaum.

Die Erzeugung regionaler Lebensmittel unterstützt auch die Erhaltung der lokalen

Infrastruktur und sichert Betriebe und Arbeitsplätze im ländlichen Raum.

Regionale Lebensmittel fördern die nachhaltige Landwirtschaft und tragen so zum

Erhalt der Kulturlandschaft bei. Traditionelle Kenntnisse, wie regional typische Rezepte,

handwerkliche Fähigkeiten werden bewahrt. Heimatliche Identitäten, Rezepte

und das Image von Regionen werden erhalten.

Auf dem Lohnsberg 1

59872 Meschede-Berge

Telefon: +49 2903 304

E-Mail: franzes@t-online.de

www.baeckerei-franzes.de

WOLL Herbst 2020 - 35


FELDFRISCH und NESTWARM

Einkaufen in Sauerländer Hofläden

Christel Zidi

Laura Jacobs, WLV

Gehören Sie auch der Generation

an, die als Kind die

Milch vom Bauern holen

musste? War man allein, ging man

recht vorsichtig, um ja nichts zu

verschütten. Mit den Geschwistern

zusammen wurde man aber schon

mal übermütig und schwang die volle

Blechkanne mit kreisenden Armbewegungen

– möglichst ohne etwas zu verschütten.

Einmal nach vorn, einmal

zurück. Immer gelang das natürlich

nicht – dann war einem die Strafpredigt

der Eltern sicher.

Damals wie heute kann man Milch

direkt von den Bauernhöfen beziehen.

Oft kommt die melkfrische Rohmilch

von sogenannten „Milchzapfstellen“

oder „Milchtankstellen“. Selbstbedienung

auf dem Bauernhof - mit

Milch, die anders schmeckt als die

vom Supermarkt. Immer lecker und

mit vielen wertvollen Inhaltsstoffen.

Gesundheitsbewusste Kunden

Die wenigsten Landwirte beschränken

sich ausschließlich auf die Milchverwertung.

Während ein Teil der Lebensmittel,

der über den Eigenbedarf

hinausgeht, schon seit Jahrhunderten

auf den umliegenden Wochenmärkten

verkauft wird, haben heute viele

Landwirte ihren Hof um ein Geschäft

erweitert. In diesen „Hofläden“ wird

speziell das angeboten, was gerade

Saison hat. Also Salat im Frühling,

Tomaten und Gurken im Sommer,

Kartoffeln und Kürbis im Herbst

und Kohl im Winter. Dazu kommen

frisch gelegte Eier (“von glücklichen

Hühnern”), Milch direkt aus dem Stall

und leckere Hausmacherwurst aus

eigener Schlachtung. Die Kunden sind

meist Menschen, die sich bewusst und

gesund ernähren möchten. Die wissen

möchten, woher ihre Lebensmittel

stammen. “Artgerechte Haltung und

Tierwohl” hat bei diesen Erzeugern

hohe Priorität. Aber natürlich ist

diese Art der Tierhaltung mit höheren

Ausgaben verbunden. Doch durch die

Direktvermarktung fällt die Handelsspanne

weg und zusätzliche Kosten

können ausgeglichen werden. Dadurch

bleiben letztendlich die angebotenen

Produkte für den Verbraucher

erschwinglich.

Im Gegensatz zu Direktvermarktern,

die oft nur ein einziges oder wenige

Produkte anbieten, gibt es in Hofläden

eine breite Produktplatte zu

36 - WOLL Herbst 2020


estaunen. Um diese zu erweitern,

bieten Hofladenbetreiber oft Produkte

von Höfen der Umgebung an. Dazu

können Honig aus eigener Imkerei,

selbstgemachter Käse, Konserviertes

oder auch Schaffelle und Wolle

gehören. Bauernhof-Cafés, in denen

man selbstgebackene Kuchen und

Torten genießen kann, bieten einen

zusätzlichen Anreiz für die Kunden.

Die Marke „Einkaufen auf

dem Bauernhof“

Einkaufen auf dem Bauernhof hat

eine lange Tradition. Um die Direktvermarktung

zu unterstützen, wurde

im Jahre 1989 die Fördergemeinschaft

„Einkaufen auf dem Bauernhof“

gegründet. Unterstützer sind die

Landwirtschaftskammer, Landesbauernverbände

und der Deutsche

Bauernverband, der die Geschäfte

führt. Die Marke “Einkaufen auf

dem Bauernhof” ist von der Gemeinschaft

als Patent angemeldet. Hier

wird gemeinschaftlich geworben und

Marke ting auf überregionaler Ebene

gemacht.

Als Kind musste ich oft lange warten,

bis die Bäuerin die Milch aus dem

Stall brachte. In einer alten Deele mit

schwarz-weißem Schachbrettboden

und alten, dunklen Eichenschränken.

Nicht ganz so erbaulich für eine Fünfjährige.

Auch das hat sich geändert.

Heute ist allein das „Einkaufen auf

dem Bauernhof“ zum (schönen)

Erlebnis geworden. Nicht allein wegen

der Vielfalt der angebotenen Produkte,

sondern auch weil die meisten

Landwirte sehr aufgeschlossen sind

und ihren Kunden ein Stück Landleben

vermitteln möchten. Vielerorts

dürfen Kinder (und ihre Eltern) den

gesamten Hof erkunden, entdecken

traditionelle und moderne Landmaschinen

und können Hoftiere aus

nächster Nähe erleben. Die gesunde

Landluft gibt es gratis dazu.

Die Lage einiger „Farmshops“ finden

sich unter: www.farmshops.eu ■

positiv.dynamisch.echt.

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gute NACHRICHTEN

Das positive Onlinemagazin

für die ganze Region:

www.suedwestfalen-mag.com

WOLL Herbst 2020 - 37


„Leben auf dem Land ist Luxus“

Ein starkes Team mit einem starken Plädoyer für das Leben auf dem Land.

KreislandFrauenverband Hochsauerland, eine starke Gemeinschaft:

Die Heimat lebenswert und zukunftssicher entwickeln

Paul Senske

Jürgen Eckert

Es mich ist Leben auf dem

ist eine Liebeserklärung

der besonderen Art: „Für

Land Luxus“, sagt Anne Babilon.

„Das Leben auf dem Land lohnt

sich und bietet eine große Vielfalt an

Bildung und Kultur.“ Anne Babilon

aus Eslohe-Herhagen ist Vorstandssprecherin

des KreislandFrauenverbandes

Hochsauerland, einer

starken Gemeinschaft, die sich für

eine lebenswerte und zukunftssichere

Entwicklung der ländlichen Region

mit einer starken Landwirtschaft

einsetzt. Die Landfrauen sind kein

Bäuerinnen-Verein, sie vertreten die

Interessen aller Frauen und Familien.

Sie sind im wahren Sinne des Wortes

ein anziehender Verband mit steigenden

Mitgliederzahlen, mit einem

umfangreichen Kultur- und Bildungsangebot,

mit gesellschaftspolitischem

Engagement sowie der Förderung des

Ehrenamtes und des sozialen Zusammenhalts.

Die Liebe zum Land ist die

zentrale Botschaft.

„Wer sich fürs Land interessiert,

kommt zu uns“, erklärt Uta Kaiser

aus Meschede-Bonacker, gemeinsam

mit Anne Babilon und Juliane

Hütter-Brandenburg (Brilon-Rixen)

Mitglied des geschäftsführenden

Kreis-Vorstandes. „Wir sind eine

vielseitige Gemeinschaft auf einer gemeinsamen

Wellenlänge. Man kommt

schnell ins Gespräch miteinander.“

Juliane Hütter-Brandenburgs Anliegen,

sich zu engagieren, ist „Frauen

aller Generationen vom Land, ob

mit oder ohne Hof, zu einer großen

Gemeinschaft wachsen zu sehen. Wir

akzeptieren jede Frau. Wichtig ist der

Dialog der Generationen.“

38 - WOLL Herbst 2020


Steigende Mitgliederzahlen und

breite Palette an Berufen

Allein der Blick auf die Mitgliederzahlen

unterstreicht die Bedeutung

des Verbandes. Auf Bundesebene sind

rund 500.000 Frauen organisiert. 22

Landesverbände, 430 Kreis- sowie

12.000 Ortsverbände bilden eine

starke Gemeinschaft. Dem Kreisland-

Frauenverband HSK, einer von 20

Kreisverbänden des Westfälisch-Lippischen

LandFrauenverbandes

(WLLV), gehören 1629 Mitglieder

(Stand 1. Januar 2020) in zehn Stadt/

Gemeindeverbänden an. „Die Zahl ist

2019 um 30 gestiegen“, betont Maria

Askemper (Meschede), die Geschäftsführerin

der heimischen Landfrauen.

„Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung.“

Rund 760 Mitglieder stammen

aus der Landwirtschaft, ca. 860 haben

einen anderen Hintergrund. „Wir

sind kein Bäuerinnen-Verein, wir

vertreten die Interessen aller Frauen.

Natürlich hat die Landwirtschaft bei

uns einen hohen Stellenwert. Sie ist

die Wurzel.“ Die Palette der Berufe

ist groß: Landwirtinnen, Ärztinnen,

Hauswirtschafterinnen, Bankkauffrauen

sind ebenso vertreten wie

Krankenschwestern, Erzieherinnen

oder Lehrerinnen. 57 Frauen sind

bis 30 Jahre alt, das sind 3,5 Prozent

der Mitglieder. Zum Vergleich: Beim

WLLV beträgt die Quote 0,9 Prozent.

Im Oktober 2018 hat sich die Gruppe

„Junge LandFrauen im HSK“ gebildet.

Ihr gehören 83 Frauen im Alter

zwischen 20 und 40 Jahren an und

finden sich als Einzelmitglieder in den

Ortsverbänden wieder. Eine „Orga-

Gruppe“ gestaltet für die jungen

Frauen ein eigenes Programm. Mit der

Gruppe „Junge LandFrauen“ ist der

HSK Vorreiter in Westfalen.

Bis in den kleinsten

Ortsverband organisiert

Jedes Mitglied aus dem jeweiligen

Ortsverband gehört auch dem

Kreisverband sowie dem WLLV an,

der auch Weiterbildung wie Lehrgänge

zur Agrarbürofachfrau anbietet. Jeder

Verband hat ein geschäftsführendes

Dreier-Vorstands-Team, mit einer

Sprecherin und einem erweiterten

Vorstand. Neben den Vorständen sind

130 Frauen als Ortsvorsitzende in

ihren Dörfern oder Stadtteilen tätig.

„Im geschäftsführenden Vorstand

ist mindestens ein Mitglied aus der

Landwirtschaft. Wir sind bis in den

kleinsten Ortsverband organisiert,

nicht hierarchisch, sondern partnerschaftlich“,

betonen Maria Askemper

und Uta Kaiser. „Die Frauen fühlen

sich wohl, alle verbindet das Lebensgefühl

LAND“, meint Anne Babilon.

„Wir genießen die Gemeinschaft und

das Leben mit der Natur“, sagt Uta

Kaiser.

Fünf Kernanliegen an die Politik

Die Landfrauen verstehen sich als

Lobbyverband von Frauen auf dem

Land. Sie werden angehört und

gehört, ihre Stimme zählt, auch in

Berlin und in Düsseldorf. Fünf Kernanliegen

richten sich an die Politik in

NRW: Die ländlichen Regionen sollen

sich lebenswert und zukunftssicher

entwickeln. Die Bildung („Immer

dranbleiben“) wird als Erfolgsfaktor

gesehen. Die Landwirtschaft - so die

Landfrauen - gehört in die Mitte der

Gesellschaft. Ehrenamtliches Engagement

und sozialer Zusammenhalt sind

von großer Bedeutung. Zudem plädiert

der Verband „für faire Chancen

in allen Lebensbereichen“. Ein wichtiges

Anliegen ist dem Verband auch

die Wertschätzung von Lebensmitteln

mit Aktionen gegen Lebensmittelverschwendung

zum Beispiel beim

„Tag des offenen Hofes“ oder durch

Ernährungs- und Verbraucherbildung

in Schulen.

Die Bildungsarbeit ist ohnehin ein

wichtiges Kriterium. Im letzten Jahr

hatte der Westfälisch-Lippische Verband

das Leitthema „Wissen

WOLL Herbst 2020 - 39


Juliane Hütter-Brandenburg Maria Askemper Anne Babilon Uta Kaiser

pflanzen - Werte entfalten: Wir geben Plastik einen Korb“

ausgerufen. Im HSK gab es zu diesem Thema zahlreiche

Veranstaltungsformate wie eine Ausstellung beim

Reister Markt, Präsenz auf der Schmallenberger Woche,

Öko-Stammtisch in Medebach oder ein Film über Auswirkungen

von Mikroplastik. Ab diesem Jahr lautet das

Leitthema: „Das Wasser - Wir machen die Welle.“

„Es geht auch und besonders um Wertschätzung

der Landwirtschaft“ (Maria Askemper)

Ein „Renner“ ist auch die landesweite Kampagne

„Pumps@Bauernhof“, die seit August 2016 läuft. Hofgespräche

von Frau zu Frau („Was uns bewegt, von Frau

zu Frau erzählt“): Landwirtinnen laden Frauen aus anderen

Berufen auf ihre Höfe ein und erklären ihre Betriebe.

„Dabei geht es auch und besonders um Wertschätzung

der Landwirtschaft“, so Maria Askemper. Das gilt auch

für die Agrarstammtische, die im HSK zweimal im Jahr

angeboten werden. Die Stamm tische, jeweils zu einem

bestimmen Thema, richten sich an Frauen aus landwirtschaftlichen

Betrieben und finden große Resonanz.

„WIR IM HSK“ ist eine neue Veranstaltungsreihe,

die im Juni 2019 erstmals vom Ortsverband Marsberg

durchgeführt wurde. „85 Frauen aus dem gesamten

Kreis waren in Marsberg, haben Ortsverband und Stadt

kennengelernt“, erzählt Juliane Hütter-Brandenburg.

In diesem Jahr mussten die Termine in Sundern und

Schmallenberg wegen Corona ausfallen, sollen aber

nachgeholt werden. Der Dialog mit der Politik wird

im HSK ebenfalls gepflegt. „Wir fragen - Politiker

antworten“: Im letzten Jahr war der SPD-Bundestagsabgeordnete

Dirk Wiese zu Gast. Im Oktober 2020 wird

sich der CDU-Landtagsabgeordnete Matthias Kerkhoff

den Fragen der Landfrauen stellen.

Ein Höhepunkt der jährlichen Aktivitäten ist die Übergabe

der Erntekrone an den Landrat. „Die Erntekrone ist

Sinnbild für die regionale Landwirtschaft und die eingefahrene

Ernte – die Grundlage unserer Kulturlandschaft

und heimischer Lebensmittel“, betont Maria Askemper.

Dafür wollen sich die Landfrauen auch in Zukunft

einsetzen und das Leben auf dem Land lebenswert und

zukunfts sicher gestalten.

Interessierte Frauen können sich an Anne Babilon

(Vorstandssprecherin) wenden: 02973 - 3259. ■

Landwirtschaftlicher Hausfrauenverein

bereits 1898

Die Gutsfrau Elisabet Boehm (1859 – 1943) rief 1898 in

Rastenburg (Ostpreußen) den ersten landwirtschaftlichen

Hausfrauenverein ins Leben. Die Lebens- und Arbeitsverhältnisse

der Frauen auf dem Land sollten durch kulturelle

und hauswirtschaftliche Bildung und Ausbildung verbessert

werden. 1934 wurden die landwirtschaftlichen Hausfrauenvereine

aufgelöst und dem Reichsnährstand eingegliedert.

1947 gründeten sich die ersten Landfrauenvereine in Nachfolge

der landwirtschaftlichen Hausfrauenvereine wieder.

Ein Jahr später entstand der Deutsche LandFrauenverband.

Nach der Wende traten auch die Landfrauen aus den neuen

Bundesländern dem Deutschen LandFrauenverband bei.

Mit rund 500.000 Mitgliedern ist er der stärkste Frauenverband

knapp vor der Katholischen Frauengemeinschafts

Deutschlands (KFD). Der Westfälisch-Lippische Land-

Frauenverband hat gut 43.000 Mitglieder. Die Zahlen für

Südwestfalen: Kreis Soest 2.300, HSK 1.629, Märkischer

Kreis/Ennepe-Ruhr-Hagen 1.500, Siegen-Wittgenstein 850

und Kreis Olpe 450.

40 - WOLL Herbst 2020


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Wenn schon Fleisch,

dann richtig!

Schlachtbetrieb Scharfenbaum

aus Brilon-Madfeld setzt auf

Qualität und Kompetenz

Britta Melgert

Jürgen Eckert

Der Tag fängt früh an. Bereits um drei Uhr

kommt Hans-Jörg Scharfenbaum in seinen

Madfelder Schlachtbetrieb, so wie auch seine

Leute aus der Produktion. Die ersten Vorbereitungen

stehen an, um für uns schlafende Sauerländer den

späteren Appetit und die Lust auf gutes Fleisch zu

stillen. Frisches Mett und Bratwürstchen, damit geht es

immer los. Doch danach ist Schluss mit Routine – jeder

Tag bringt andere Aufgaben…

Anna-Katharina Mause,

Fleischermeisterin bei Scharfenbaum

Als sich Hans-Jörg Scharfenbaum

1998 selbstständig machte, hatte er

bereits mehrere Jahre Berufserfahrung

hinter sich. Zusammen mit seiner

Frau Ruth ging es damals, als die

großen Schlachthäuser der Umgebung

schlossen, mit dem eigenen

Schlachtbetrieb ganz klein los. Sie

wollten fortan Fleischereien, die

keine Eigenschlachtung mehr betrieben,

bedienen. Zusätzlich wurden eigene,

qualitativ hochwertige Fleischund

Wursterzeugnisse hergestellt, die

die beiden dann im Verkaufswagen

auf Wochenmärkten an die ersten

Kunden brachten.

Gute Zeiten – schlechte Zeiten

Das Engagement zahlte sich aus –

nach und nach wurden die Nachfrage

und das Sortiment größer. Mitarbeiter

wurden eingestellt, und Scharfenbaum-Produkte

gab es nun nicht

nur am Madfelder Standort, sondern

auch in immer mehr Supermärkten.

„Im Nachhinein betrachtet hat uns

der anfängliche Erfolg dazu verleitet,

zu schnell zu wachsen“, erinnert

sich Scharfenbaum, und er gesteht:

„Fast hätte es uns dabei den Boden

unter den Füßen weggezogen. Ohne

gute Freunde, die Familie, einige

Geschäftspartner und insbesondere

auch etliche fantastische Mitarbeiter

gäbe es uns wohl nicht mehr!“

Fairness, Verantwortung und

Fleischqualität

Heute ist die Krise längst überstanden,

aber die Dankbarkeit merkt

man den Scharfenbaums immer noch

an. Fairness und Verantwortung –

neben der Qualität weitere große

Themen im Unternehmen, sowohl

im Umgang mit den inzwischen

rund 80 Mitarbeitern, den Geschäftspartnern

und nicht zuletzt auch mit

WOLL Herbst 2020 - 41


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Ruth und Hans-Jörg Scharfenbaum

stehen mit ihrem Namen für

Handwerk und Qualität

Scharfenbaums

„Madfelder Vespersalami“

den Tieren. „Stressfreie Schlachtung

– das ist bei uns Standard. Montags

werden uns Schweine geliefert, und

donnerstags fahre ich auf die Höfe

der Umgebung, um mir geeignete

Rinder auszusuchen und abzuholen.

In unserem Stall können sich die

Tiere über Nacht von den Strapazen

des Transports erholen, und erst am

nächsten Morgen wird geschlachtet“,

erklärt Scharfenbaum. Eine Mühe,

die sich natürlich auf die Fleischqualität

auswirkt.

Zufriedene Mitarbeiter – gute Produkte!

Gute Produkte – zufriedene Kunden!

42 - WOLL Herbst 2020

Immer was zu tun für

80 Mitarbeiter

Und dann wird fachmännisch zerlegt,

gewurstet, gewürzt, getrocknet,

geräuchert und vieles mehr. Wie

bereits erwähnt: Langweilig wird es

einem hier als Fleischer nie. Vielleicht

ist auch diese Vielseitigkeit ein Grund

dafür, dass Scharfenbaums, trotz der

allgemeinen Nachwuchssorgen im

Handwerk, immer wieder interessierte

und gute Auszubildende finden.

Nicht allein die bereits in der Lehre

übertarifliche Bezahlung lockt junge

Menschen aus dem ganzen Sauerland

in das Briloner Dorf,

um beim regional

größten Betrieb

seiner Art

das nötige

Knowhow

Foto: Sabrinity

für ihre Berufskarriere zu erhalten.

Chris Neumann aus Olsberg

beispielsweise wurde nach seiner

Ausbildung bei Scharfenbaum Kammersieger

und Landessieger 2019;

gehört inzwischen zur Deutschen Nationalmannschaft

der Fleischer. Und

dank der guten Weiterbildungsmöglichkeiten

im Unternehmen wurde

kürzlich die Mitarbeiterin Anna

Mause mit 18 Jahren zur jüngsten

Fleischermeisterin Deutschlands.

Es duftet nach Schinken und

Madfelder Mettwurst

„Man muss schon, so wie ich, Spaß

an diesem Job haben, und man

muss Fleisch lieben“ lacht Hans-Jörg

Scharfenbaum, der uns stolz durch

seinen blitzsauberen Betrieb führt.

Und ja, es ist schon ein Erlebnis,

dieses Aroma einzuatmen, wenn sich

eine schwere Metalltür öffnet, hinter

der 100 Schinken darauf warten,

reif für den verwöhnten Gaumen

zu werden. Hinter der nächsten

Tür trocknen diverse Sorten Dauerwurst,

und auch wenn man gut


gefrühstückt hat, bekommt man

spätestens jetzt großen Appetit.

Zum Glück gibt es eine Kostprobe

quer durchs Sortiment.

Ob man nun eher ein Fan der

deftigen Madfelder Vespersalami

ist, zur scharfen Chorizo

tendiert oder die Hausmacher

Mettwurst bevorzugt, das bleibt

Geschmackssache. Der Chef

jedenfalls empfiehlt für den

optimalen Genuss, sie immer

am Stück zu kaufen und nach

Bedarf aufzuschneiden.

Im Restaurant und Supermarkt:

Qualitätsprodukte

von Scharfenbaum

Weiter geht es zu den Reifekammern,

in denen vakuumiertes

Fleisch fein säuberlich und mit

dem Namen des Landwirts

versehen auf den perfekten

Moment wartet, abgeholt zu

werden. „Abtei Königsmünster

Meschede“ lesen wir beispielsweise.

„Von hier aus geht es

dann entweder direkt an unsere

Partner im Metzgerbereich, zum

Beispiel zu Figge in Willingen

oder Gerbracht in Brilon“,

erklärt Scharfenbaum, „oder wir

verarbeiten es selbst, z.B. für

die Gastronomie. Unser gutes

Fleisch gibt es dann beispielsweise

in Tommy´s Restaurant in

Brilon oder im Restaurant Bei

Michael & Co. in Marsberg.

Der wesentliche Anteil der

Fleisch- und Wurstwaren findet

jedoch den Weg zum Endverbraucher

über sieben eigene

Bedientheken, den Direkt-Verkauf

direkt am Unternehmen

in Madfeld und in rund 20

SB-Truhen in diversen Supermärkten.

So haben auch weiter

entfernt wohnende Kunden die

Möglichkeit, unsere Produkte

beispielweise im Warsteiner

E-Center Dumke zu kaufen oder

im REWE-Markt Neitzel in

Bestwig.“ Es muss ja nicht beim

frischen Mettbrötchen bleiben,

woll? ■

„Die Bullen und Rinder

suche ich persönlich bei meinen

regionalen Landwirten aus!“

– Hans-Jörg Scharfenbaum

Röhlenstraße 21

59929 Brilon - Madfeld

Telefon: 02991 / 396

info@scharfenbaum-gmbh.de

www.scharfenbaum-gmbh.de

WOLL Herbst 2020 - 43


Hier haben Ziegen

nichts zu meckern

Keine Langeweile auf dem Belecker Hof

Daniela Weber

Marc Niemeyer

Schon von weitem ertönt ein lautes Meckern, wenn

man sich dem Biolandbetrieb von Thomas Schulte

in Belecke nähert. Auf dem Hof sind über 300

„Bunte Deutsche Edelziegen“ und eine Handvoll weiße

Ziegen beheimatet. Damit es für die Paarhufer buchstäblich

nichts zu meckern gibt, hat der Bauer einen Stall

gebaut, der auf Tierwohl ausgelegt ist und dementsprechend

genügend Platz, Licht, Schatten und Bürsten zum

Schubbern bietet.

2016 hat der sympathische Landwirt hat seinen Ziegenhof

ins Leben gerufen. Tatkräftig unterstützt wird er dabei von

seiner Ehefrau Judith, seiner Tochter (“Schon eine richtige

Bäuerin!”) und seiner „treuen Gefährtin“ Tinka, einer Australian

Shepard Hündin.

Begonnen hat alles mit 100 Lämmern, demnächst soll der

Bestand auf bis zu 400 Ziegen aufgestockt werden. Die Tiere

liefern zweimal täglich Milch, die in zwei großen Milchkühltanks

bei zweieinhalb bis drei Grad gelagert wird. „Ziegenmilch

unterscheidet sich geschmacklich kaum von Kuhmilch.

Das Besondere an ihr ist aber, dass sie auch für Menschen mit

Laktoseintoleranz geeignet ist. Sie ist zwar nicht laktosefrei,

aber enthält Laktose, die jeder Mensch verträgt.“

Der Landwirt setzt auf eine artgerechte Haltung. „Ich habe

unter anderem Erhöhungen im Stall eingebaut, weil ranghohe

44 - WOLL Herbst 2020


Ziegen gerne oben stehen. Die Fressplatzbreite beträgt 40 Zentimeter.“

Dass sich die Tiere hier, in ihrem “Paradies aus Stroh”

wohlfühlen, merkt man ihnen – trotz des Gemeckers – an.

„Ich habe vor einiger Zeit den Vater von Hennes

vom 1. FC Köln gekauft. Zumindest der Sohn

ist also eine Berühmtheit“

Thomas Schulte, Landwirt

Die jüngeren Ziegen und die sechs Zuchtböcke, die Schulte

anhand bestimmter Zuchtkriterien einkauft, sind von den

Älteren getrennt untergebracht. Ein Bock ist der Vater eines

ganz besonderen Geißbockes, der den meisten Fußballfans

Die jüngeren Ziegen und die sechs Zuchtböcke, die Schulte

anhand bestimmter Zuchtkriterien einkauft, sind von den

Älteren getrennt untergebracht. Ein Bock ist der Vater eines

ganz besonderen Geißbocks, der den meisten Fußballfans

WOLL Herbst 2020 - 45


kein Unbekannter sein wird. „Ich habe vor

einiger Zeit den Vater von Hennes vom 1.

FC Köln gekauft. Zumindest der Sohn ist

also eine Berühmtheit“, scherzt Schulte.

Langeweile kommt auf dem Hof nicht

auf, vor allem nicht, wenn die Tage kürzer

werden. „Dann werden die Ziegen bockig

- alle auf einmal. Das ist dann schon

Hardcore“, lacht der Landwirt, der seine

Zieglein liebevoll als besonders fruchtbar

einstuft. „Wenn eine Ziege mindestens

35 Kilogramm wiegt, dann wird sie zum

Bock gelassen.“ Ausgewachsene Ziegen

erreichen ein Gewicht von 60 bis 65 Kilogramm.

Auf dem Außengelände, wo die Tiere täglich

ab 11 Uhr verweilen, musste Schulte

schon mehrfach neue Sträucher anpflanzen.

Getreu dem Sprichwort, „den Bock

zum Gärtner machen“, gehen die Tiere

nicht gerade zimperlich mit der Bepflanzung

um. „Auch alte Weihnachtsbäume

haben sie komplett geschält“, lacht er.

Trotzdem: Auch wenn die Paarhufer dem

jungen Landwirt manchmal den letzten

Nerv rauben – die Arbeit mit seinen Tieren

liebt er. ■

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46 - WOLL Herbst 2020


Sabina Butz

Silvia Padberg

Vom Schlappohr-Schwein zur Mutterkuh

Strukturwandel der Landwirtschaft im HSK

Schon die ersten Bewohner des Sauerlandes waren mit

Sicherheit auf die landwirtschaftliche Nutzung des

Bodens angewiesen. Erste Nachweise in kleinen Ansiedlungen

finden sich dafür ab dem 11. Jahrhundert. Die mindere

Bodenqualität, das raue Klima und die unberechenbaren

Naturgewalten ließen nur sehr niedrige Erträge zu. Naturkatastrophen,

Hungersnöte und Seuchen gehörten über die Jahrhunderte

zum Bauernleben dazu. Ab dem 14. Jahrhundert ist

eine Zunahme der Viehhaltung über den Eigenbedarf hinaus

zu beobachten. Die Schweinezucht entwickelte sich stark.

Vorrangig wurde die Schweinehaltung in den reichlich vorhandenen

Laubwäldern betrieben: Das dem Wildschwein

doch sehr ähnliche hochbeinige und langborstige Landschwein

mit seinen Schlappohren nutzte die große Eichel- und

Eckernausbeute, ohne dem Bauern allzu viel Arbeit zu bereiten.

Daneben trugen die genügsamen Schafe zur Fleischvielfalt

und natürlich zur Wollproduktion bei. Das Bauernleben war

hart und beschwerlich. Oft sicherte es kaum das Überleben.

Bis ins 19. Jahrhundert lebten und arbeiteten ca. 80 % der

deutschen Gesamtbevölkerung auf dem Land von der Landwirtschaft.

Mit der Industrialisierung verschob sich der Anteil

der landwirtschaftlich arbeitenden Menschen zugunsten der

nun gefragten Fabrikarbeiter. In der Landwirtschaft hielten

Maschinen und Technik Einzug. Mit der einsetzenden

Industrialisierung gab es Alternativen zur Beschäftigung in

der Landwirtschaft. Der Landwirt konnte sich auf Vieh- oder

Feldwirtschaft spezialisieren.

Er war nicht mehr darauf

angewiesen, als

Selbstversorger alles

Lebensnotwendige im

Alleingang zu produzieren.

Den Bauern der vorindustriellen Zeit

gibt es so nicht mehr. Die Prioritäten haben sich

auch im Sauerland verschoben: Mit einer Gesamtfläche von

218,50 qkm, davon 51,1 % Waldfläche und 28,8 % Landwirtschaftsfläche

ist der Hochsauerlandkreis der Land- und

Forstwirtschaft immer noch stark verbunden. In der Kernstadt

Meschede z.B. finden wir allerdings keinen Vollerwerbs-Bauernhof

mehr. Der Tourismus im HSK mit seinem Angebot

von Urlaub auf dem Bauernhof hat die rein landwirtschaftliche

Nutzung ergänzt und gelegentlich ganz abgelöst. Die Direktvermarktung

zum Beispiel in Hofläden nimmt ständig zu.

Das stärkt die Region, schützt die Umwelt und ist eine große

Chance für Bauern familien. Der Verkauf von Weihnachtsbäumen

und Schnittgrün gehört ebenfalls zu den erfreulichen

Entwicklungen. Eine besondere Bedeutung kommt auch der

Mutterkuhhaltung zu: Die meist ganzjährige Weidehaltung

der robusten Tiere trägt zur Landespflege bei und bietet dem

Auge einen erfreulichen Anblick. Derzeit sind Trockenheit

und Waldsterben die großen Herausforderungen in der Landund

Forstwirtschaft.

Auch wenn das gesamte Sauerland, längst nicht mehr ausschließlich

agrar- oder forstwirtschaftlich so geprägt ist wie

in der Vergangenheit, besteht doch eine lange traditionelle

Bindung an die Landwirtschaft. Diese Verbundenheit kann

jeder dadurch zum Ausdruck bringen, dass er zum Beispiel

regionale Produkte bevorzugt. ■

WOLL Herbst 2020 - 47


Junge Landfrauen für das Sauerland

Sandra Wahle

Jürgen Eckert

Die Landfrauen sind mit knapp 500.000 Mitgliedern einer der größten Interessenverbände bundesweit.

Innerhalb des Kreisverbandes Hochsauerland hat sich bereits vor zwei Jahren eine neue Gruppierung gefunden:

Die jungen Landfrauen. Sie setzen sich ein für ein attraktives Sauerland, lebendige Netzwerke

und Weiterbildung. Von Kaffeeklatsch ist dort keine Spur.

Wie habt ihr zusammengefunden?

Antonia Albers: Das kam eigentlich durch mich, ich habe ein Praktikum in der Landwirtschaftskammer gemacht und bin

da auf die Idee gestoßen. Da dachte ich, das könnte man auch im Sauerland machen und habe Bekannte angesprochen, ob sie

Leute kennen, die Lust haben, mitzumachen. Und da haben glücklicherweise welche ja gesagt (lacht). Im August 2018 haben wir

uns dann zum ersten Mal getroffen.

Katharina Schwake-Drucks (Sallinghausen)

Wie ist die Gründung dann angelaufen?

Katharina Schwake-Drucks: Man muss dazu erstmal sagen, dass wir kein eigener Verein

sind, sondern wir gehören zum Landfrauen-Verband und sind darin eine eigene Gruppe.

Wir mussten also keine eigene Vereinsstruktur aufbauen – das hat uns viel administrative

Arbeit erspart. Viele Vereine scheitern ja daran, dass sich kein Vorstand finden lässt.

Es ist ein Luxus, dass wir das nicht machen müssen. Dann ist die Hemmschwelle auch

niedriger, sich zu engagieren.

Hier im Sauerland leben die Orte ja vom freiwilligen Engagement der Menschen.

Fällt es euch dementsprechend leicht, neue Mitglieder zu gewinnen?

Antonia Albers: Mal so, mal so. Wir haben unseren Flyer, den wir überall dort auslegen,

48 - WOLL Herbst 2020


Antonia Albers (Frielinghausen)

wo die Zielgruppen

sind, die wir ansprechen

wollen. Wir

sind auch auf Facebook

und Instagram

und versuchen dort,

neue Mitglieder zu

erreichen.

Es läuft aber auch viel über

die Freundeskreise und manchmal

auch über die Zeitung. Das läuft ganz gut, denn da kommen

dann auch mal junge Leute, die man sonst vielleicht nicht

anders erreicht. Wir möchten ja nicht nur Leute erreichen,

die einen Bezug zur Landwirtschaft haben, sondern alle, die

Interesse daran haben, bei uns mitzumachen.

...und was erwartet die Personen, die bei euch mitmachen

möchten?

Antonia Albers: Wir wollen hauptsächlich Leute vernetzen

und für diejenigen, die zum Beispiel zum Studium oder zur

Ausbildung weggegangen sind, Netzwerke schaffen. Und wir

wollen abwechslungsreiche Veranstaltungen machen. Wir

haben uns vor kurzer Zeit einen Kräutergarten angeschaut,

wir machen Fahrradtouren, Näh-, Tanz- und Kochkurse, wir

gucken uns Betriebe an. Das ist ganz unterschiedlich.

Antonia Albers: Es gibt ja schon einige Angebote, aber das

wollen wir ausweiten. Die Landfrauen machen, genau wie

wir, viele Veranstaltungen und Aktionen, bei denen ich nicht

wüsste, wo und wie ich sie sonst machen

könnte. Und so macht man das

alles dann noch in bester Gesellschaft.

Unterstützt euch der

Kreisverband der

Landfrauen dabei?

Antonia Albers: Ja,

die unterstützen uns

wirklich sehr gut und

nehmen uns viel Arbeit

ab. Das gibt es, so glaube ich,

nicht überall.

Friederike Hachmann (Oeventrop)

Wenn euch das Landleben so am Herzen liegt, könntet ihr

euch dann vorstellen, in der Stadt zu leben?

Sophia Schenuit: Ich habe ein Jahr in Essen gewohnt für die

Meisterschule und das war irgendwie eine andere Welt. Für

ein Jahr war das ok, aber es wurde dann auch Zeit, dass ich

Für was setzt ihr euch damit ein? Welche Ziele habt ihr als

junge Landfrauen hier im Sauerland?

Antonia Albers: Für die Gemeinschaft und um das Landleben

attraktiver zu gestalten, dass man wieder zurückkommt,

dass man hier gerne wohnt – das ist unser Ziel. Und uns

geht es auf jeden Fall auch um die Bildung. Wir hatten zum

Beispiel eine Veranstaltung zum Thema Umweltschutz und

plastikfrei leben geplant, die aber wegen Corona ausgefallen

ist. Natürlich möchten wir auch jungen Menschen das Thema

Landwirtschaft näherbringen.

Was muss denn in euren Augen passieren, um das Landleben

attraktiver zu machen?

Katharina Schwake-Drucks: Das Sauerland ist ja schon

attraktiv, wir haben tolle Landschaften, man kann gut radfahren,

gut wandern. Aber für uns attraktiv in dem Sinne, dass

man ein Netzwerk an Menschen behält, wenn man für eine

Zeit lang weg ist und dass man den Faden wiederkriegt, wenn

man wieder zurückkommt und Kontakte knüpfen will. Ich

glaube, das ist sehr hilfreich.

WOLL Herbst 2020 - 49


Sophia Schenuit (Werpe)

wieder zurückgehe. Auf dem Dorf fühle ich mich wohl.

Frauke Donner: Ich war in Osnabrück, bin aber gefühlt jedes

Wochenende nach Hause gefahren. Für mich ist das keine

Option, dauerhaft in der Stadt zu wohnen. Gerade in der

Coronazeit hat man gemerkt, welche Möglichkeiten man hier

hat, die man in der Stadt nicht hat.

Auf manche Menschen könnte der Begriff „junge Landfrau“

etwas altbacken wirken und vielleicht falsche

Vorstellungen hervorrufen.

Wie haltet ihr dagegen?

Katharina Schwake-

Drucks: Ich hab das

so noch nie gesehen.

Es gibt nicht die

eine Landfrau. Das

umfasst alle jungen

Frauen, die auf dem

Land leben und nicht

nur solche, die mit Landwirtschaft

zu tun haben.

Antonia Albers: Die

Landfrauen sind ja

nicht nur für Kaffee

und Kuchen da, die

sind auch politisch

aktiv, treffen sich mit

Politikern und tun auch

etwas fürs Sauerland. Eine

Landfrau – egal ob jung oder

alt – ist nicht altbacken, sie ist

modern und sie packt mit an. ■

Frauke Donner (Schüren)

Drachensteigen

Was kann es im Herbst Schöneres geben, als -

gemeinsam mit Kindern - Drachen steigen zu

lassen? Bewegung an frischer Luft. Freude am

(selbstgebauten) Drachen. Und das Gefühl von Freiheit.

Übrigens ist der Drache – ohne „n“ – eine zänkische

Person. Der Drachen ist das Fabelwesen oder das Fluggerät.

Letztes muss nicht immer gekauft sein, im Netz gibt viele

Anleitungen, wie man sich einen solchen selbst bauen

kann, z. B. die von Opa Franz Brandl (c.z.). ■

Link: https://youtu.be/rsulteffdyE

50 - WOLL Herbst 2020


Vom Wursten

und Schlachten

Christel Zidi

Das Schlachten

Hausschlachtungen sind selten geworden. Kein Wunder,

denn die Zeiten, in denen man hinterm Haus die eigene

Schlachtsau hielt, sind längst vorbei. Selbst auf Bauernhöfen

sind Schlachtungen keine Selbstverständlichkeit mehr. Die

wenigen Bauern, die Wurst vom eigenen Hof anbieten, sind

meist Landwirte, die sehr großen Wert auf artgerechte Tierhaltung

legen. Die Hoftiere werden, wenn ihre Zeit gekommen

ist, nicht zum Schlachter getrieben, sondern schnell – und

stressfrei – auf dem Hof geschlachtet. Da die Tiere auf diese

Art kein Adrenalin ausschütten, bleibt das Fleisch besonders

zart. Natürlich gibt es vom Gesetz strenge Hygienevorschriften.

Selbst bei privaten Hausschlachtungen darf das Fleisch

nur innerhalb des eigenen Haushalts verzehrt werden. Selbst

die (kostenlose) Weitergabe an Freunde und Bekannte ist

verboten.

Das Wursten

Unkomplizierter ist es beim Wursten. So eine selbstgemachte

Wurst für den Grill, darf jeder selbst machen. Etwas aufwändiger

ist das schon, als die Wurst vom Supermarkt zu holen.

Aber zum einen weiß man ganz genau, was drin ist – nicht

unwichtig für Allergiker. Zum anderen kann so eine Wurst

zum Hochgenuss werden – wenn man mit Geschick, den richtigen

Geschmacksnerven und einem guten Rezept ans Werk

geht. Und hier unser Rezeptvorschlag für

Scharfe Lammbratwurst

Je 500 Gramm Lamm- und Rinderhackfleisch

1 ½ TL Salz

ca. 2 m Lammdarm

Folgende Gewürze vermischen:

2 ganz klein geschnittene Knoblauchzehen, 1 EL Paprika

edelsüß, 1 TL Kreuzkümmel, 1 TL Schwarzkümmel, 1 EL

Ras-el-Hanout (arabische Gewürzmischung), 2 EL Harissa

(scharfe Gewürzpaste)

Die Gewürze mit 100 ml in einen Topf geben, 5 Minuten

erhitzen, aber nicht kochen, abkühlen.

Das Hackfleisch vermengen und das Salz dazugeben. Nach

und nach 50 ml eiskaltes Wasser unterrühren, bis der Teig

glatt und fest geworden ist. Zum Schluss die kalte Gewürzmischung

dazugeben.

Den Brät nun in den Darm füllen, in der gewünschten

Länge abbinden, die Würste abtrennen und dann mit einer

Nadel einstehen.

Nun in eine Form geben und über Nacht in den Kühl schrank

stellen. Sie müssen etwas austrocknen, damit sie am nächsten

Tag, beim Braten auf dem Grill, eine gute Figur machen. ■

WOLL Herbst 2020- 51


Anzeige

Fleischermeisterin Tanja Berghoff mit Lebensgefährte Christoph Feldmann und mit ihren Kindern Paul und Johanna

Wir machen FleischEssLust!

Nicola Collas

Jürgen Eckert

H

eute ist es eher selten, dass Metzger selbst

schlachten und sagen können, was genau drin

ist in der Wurst, die sie verkaufen. Aber zum

Glück gibt es sie noch: Dorfmetzgereien, bei denen noch

selbst geschlachtet wird. Ein sehr gutes Sauerländer Beispiel

ist die Fleischerei Berghoff in Meschede-Berge, die

mit dem Slogan wirbt: „Geschmack und Qualität hat bei

uns Tradition.

„Wir sind ein Familienunternehmen in dritter Generation

mit eigener Schlachtung und Partyservice“, erzählt Tanja

Berghoff. „In den 50er Jahren ging es als kleiner Familienbetrieb

los: Vater, Mutter, Oma, 2 Gesellen und 2 Verkäuferinnen

haben mitgearbeitet.“ Nachdem Tanja Berghoff in den

elterlichen Betrieb einstieg, entwickelte sich die Fleischerei

immer weiter. Heute hat sie 12 Mitarbeiter.

Es gab immer schon Kunden, die gefragt haben, woher das

Fleisch oder die Wurst von Berghoff kommen. Seit den

Schlagzeilen um die Zustände in deutschen Schlachthöfen

fragen noch mehr Verbraucher nach. „Bei uns gibt es regionale

Produkte. Die Schweine beziehen wir von Seemers aus

Wallen. Die haben erst vor ein paar Jahren einen Stall nach

neuesten Standards gebaut. Die Rinder sucht mein Vater

persönlich bei den Bauern in der Umgebung aus“, erklärt

Tanja Berghoff. Dadurch entstehen kurze Transportwege, so

dass die Tiere in Berge in der eigenen Schlachterei stressfrei

geschlachtet werden können. Das wirkt sich auf die Qualität

des Fleisches positiv aus. Denn leiden die Tiere unter Stress,

schütten sie Stresshormone aus und das Fleisch wird wässrig

oder klebrig. Für Tanja Berghoff geht es dabei aber auch

immer um das Wohl der Tiere.

Über die Ladentheke gehen also in erster Linie Rind- und

Schweinefleisch sowie Wurstwaren, die zu 80 Prozent selbst

produziert sind. „Produkte, die nicht so nachgefragt sind wie

Aspik oder Salami, kaufen wir zu. Und wir kaufen Geflügel

zu, auch da achten wir auf Qualität. Bei uns gibt es nur

Maishähnchen, die unter ganz besonderen Bedingungen

gemästet und geschlachtet werden.“ Die Fleischerei Berghoff

bietet außerdem Wild aus heimischer Jagd, das Vater Paul

und Lebensgefährte Christoph Feldmann selbst erlegt.

Jagdkollegen liefern auch schon mal Sika- und Rotwild aus

dem Arnsberger Wald. „Es gibt genug gute Sachen vor Ort.

Da brauche ich kein Rind aus Argentinien. Wir verkaufen regionale

Produkte und hinterlassen somit einen kleinen CO2-

Abdruck“, schmunzelt Tanja Berghoff. Sie hofft, dass die

jüngsten Diskussionen um die großen Schlachthöfe und wie

52 - WOLL Herbst 2020


dort mit den Tieren umgegangen wird, die Verbraucher zum

Umdenken bewegen und sich viel mehr Leute sagen: „Es

muß ja nicht jeden Tag Steak und Schnitzel sein, dafür gönne

ich mir gute Qualität und weiß auch, wo es herkommt.“

Ein weiteres Standbein des Familienbetriebs ist ein Partyservice.

Berghoffs können von kleinen Familienfeiern über

große Geburtstage bis hin zu Hochzeiten alles ausrichten.

„Normalerweise sind wir auch immer bei den Schützenfesten

u.a. in Hellefed, Grevenstein, Wennemen und Olpe oder

beim Reitturnier in Hellefeld vertreten“, erzählt Christoph

Feldmann. Aber in diesem Jahr hat Corona den Berghoffs

einen Strich durch die Rechnung gemacht. Da der Partyservice

nur ein Standbein ist, hat der Betrieb die Zeit gut

überstanden, erzählt Tanja Berghoff: „Im Laden war sogar

mehr los als sonst. Da die Restaurants zu hatten, haben mehr

Leute selbst gekocht oder zuhause gegrillt.“

Obwohl Tanja Berghoff „in der Wursteküche groß geworden

ist“, hatte sie zunächst wenig Interesse an dem Beruf ihres

Vaters. Aber das änderte sich im Laufe der Jahre und nach

Lehre, Gesellenjahren, Meisterprüfung und Weiterbildung

zur Betriebswirtin wusste sie, was sie wollte: Die Fleischerei

ihres Vaters mit Liebe und Herzblut weiterführen, auf Regionalität

setzen, immer an das Wohl der Tiere denken und ein

gutes Arbeitsklima schaffen, damit sich ihre Mitarbeiter wohl

fühlen.

Mit Blick in die Zukunft steht für die zweifache Mutter

eins fest: „Wir wollen weiter ein Familienbetrieb mit eigener

Schlachtung bleiben. Wir können unsere Qualität am besten

sicherstellen, wenn wir selbst schlachten.“ ■

Familie Berghoff/Feldmann mit Wilhelm Seemer sen.

und jun., langjährige Lieferanten aus dem nahen Wallen

Tochter Johanna weiß schon genau, was regional bedeutet

Team Berghoff im modernen Fachgeschäft in Berge

Fleischerei Berghoff | Tanja Berghoff e.K.

Olper Str.2 | 59872 Meschede-Berge

Tel: 02903/41237 | Fax: 02903/41239

tanja.berghoff@web.de | www.fleischerei-berghoff.de

WOLL Herbst 2020- 53


Eine Parzelle mit

Gemüse und eine

Gemeinschaft

neuer Nachbarn

Aussäen, jäten und

ernten mit den

Gärtnern am Küppel

Anke Kemper

S. Droste

Theresa Noeke

Z

wischen dem Waldfriedhof

und dem Küppel in Freienohl

hat sich eine Gruppe gleichgesinnter

Gartenfreunde gefunden, die

seit Frühjahr dieses Jahres mit Enthusiasmus

ein Stück Land für den Eigenbedarf

bewirtschaftet. Hier geht es um

weitaus mehr als um das „Ackern“ im

Garten und dabei dem “Essen beim

Wachsen zuzusehen”.

„Gärtnern am Küppel“ heißt das Projekt,

das die Landschaftsarchitektin Theresa

Noeke aus Freienohl ins Leben gerufen

hat. „Eigentlich wollte ich nach dem

Studium an einem Projekt in Russland

mitwirken. Als diese Pläne coronabedingt

ins Wasser fielen, musste ich kurzfristig

umplanen“, erzählt sie. Es wurde nicht

lange gefackelt. Ein Stück Land oberhalb

des Waldfriedhofes, das im Familienbesitz

ist, wurde abgesteckt, gepflügt und eingezäunt.

„Ich hatte mich entschieden, dass

ich für den Ort etwas machen wollte und

meine Ideen und Energie hier einsetze.“

Schnell waren auch ein paar Gartenfreunde

gefunden, die an diesem Projekt

mitwirken wollten. Acht gleich große

Parzellen sind es aktuell, die von verschiedenen

Familien bewirtschaftet werden.

Das Übrige wurde zum Kartoffelfeld.

Die Grundausstattung an Gemüsesorten

stellte die 27-Jährige zur Verfügung -

natürlich alles bio. „Jeder kann hier selbst

entscheiden, was er in seiner Parzelle anpflanzen

möchte“, berichtet sie weiter.

Man sollte doch annehmen, dass die

Sauerländer daheim ein Stück Nutzgarten

oder ein Beet für Kräuter und Salat zur

Verfügung haben. Warum also eine zusätzliche

Parzelle bearbeiten? „Dabei geht

es um viel mehr“, erklärt Jana Kintrup.

„Das Wissen, das wir von unseren Eltern


Gerd Disse

Jana Kintrup

1955: Der Trecker steht an der gleichen Stelle, wo sich heute die Beete befinden.

und Großeltern mitbekommen haben,

ist mit der Zeit verebbt. Hier können wir

Altes wiederentdecken und Neues dazulernen.“

Wertvolle Tipps werden von der

Landschaftsarchitektin an die Gruppe

weitergegeben. Welches Gemüse pflanzt

man neben das andere, damit das

Wachstum gefördert wird und welche

Pflanzen harmonieren nicht gut miteinander?

Wann und wie erntet man, was

darf ich in Bezug auf Biogemüse düngen

– um nur ein paar Punkte zu nennen.

Und dieses Wissen wird auch direkt an

die Kinder vermittelt, die ebenfalls mit

Begeisterung dabei sind. „Die Kinder

lernen, dass unser Essen nicht aus dem

Supermarkt kommt“, fährt sie fort.

„Vieles hiervon würde ich zu Hause gar

nicht anpflanzen. Hier kann ich Neues

ausprobieren“, meint Nadja Hengesbach.

Die Vielfalt an Pflanzen geht weit über

Salat, Möhren und Kartoffeln hinaus.

„Und der Aufwand ist gar nicht so groß:

Zwei bis dreimal die Woche komme ich

hierher und schaue nach dem Rechten,

zupfe hier und da Unkraut und nehme

direkt etwas mit, was ich für das Mittagessen

brauche.“

Wertschätzung für Lebensmittel

Die Motivation kommt aus der Gruppe,

man tauscht sich aus und hilft

sich gegenseitig. „Der Spaß an der

Gemeinschaft und die Wertschätzung

für unsere Lebensmittel stehen hier

im Fokus“, erzählt Gerd Disse. Der

Freienohler Lehrer hat am Rand seiner

Parzelle auch Blumen angepflanzt, die

er von einem Schulprojekt des Berufskolleg

Olsberg von den Schülern

kaufen konnte. „Das Arbeiten in den

Beeten entkoppelt, man weiß zu schätzen,

was man da erntet und ist davon

überzeugt, dass es auf jeden Fall besser

schmeckt als aus dem Supermarkt“,

bemerkt er.

Wenn man den begeisterten Gärtnern

zusieht, wird einem klar, dass dies

keine vorübergehende Freizeitbeschäftigung

ist. Neben einem Erntefest im

Herbst, stehen auch schon die Planungen

für die nächste Gartensaison. „Ich

hoffe, dass die Begeisterung für das

Gärtnern auch auf andere überspringt

und wir noch weitere Parzellen anlegen

können“, sagt Theresa Noeke mit

Blick auf zukünftige Projekte. ■

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WOLL Herbst 2020- 55

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Eversberger

Landmilch –

frischer geht’s nicht

Hof Möller-Winter

rüstet sich für die Zukunft

Anzeige Britta Melgert Jürgen Eckert

M

ancher Supermarktkunde blieb in den

letzten Wochen schon vor den interessanten

neuen Geräten stehen: Milchautomaten!

Frische Milch aus Eversberg, direkt vom Bauernhof

Möller-Winter, so liest man. Flasche reinstellen, Münzen

einwerfen, Start drücken – schon läuft das gesunde,

weiße Getränk ins Gefäß. Was steckt eigentlich dahinter?

WOLL war deshalb für Sie im Mescheder Bergdorf.

Christoph Möller-Winter ist seit 2012 der Herr auf dem

Hof, der bereits seit 1480 im Familienbesitz ist.

Wo frühere Landwirts-Generationen ein sicheres Auskommen

hatten, stellt sich die Einkommenssituation seit

Jahrzehnten zunehmend schwierig dar. Wer nicht aufgeben

will, muss sich etwas einfallen lassen.

Massen tierhaltung wäre eine Möglichkeit, doch für

Möller- Winter kommt das nicht infrage.

Alter Familienbetrieb in heutiger Zeit

„Durch den Bau unseres modernen, offenen Stalls im Jahr

2014 an den bereits vorhandenen Stall haben unsere 60

Milchkühe ausreichend Platz“, erzählt Möller-Winter.

„Bei dieser Größenordnung können wir sowohl auf das

Wohl unserer Tiere achten, als auch alle Aufgaben im

Familienverbund erledigen.“ Familie ist ein gutes Stichwort,

denn neben Ehefrau Steffi gibt’s zwei Kinder. Max,

ihr Ältester, hat sich bereits entschieden irgendwann

Papas Platz einzunehmen. Die Aussage des Teenagers ist

ganz klar: „Landwirt ist der schönste Beruf der Welt!“

Neue Wege gehen … auch für Max

Diese Perspektive vor Augen war der ganzen Familie

klar: „Unser Weg der Existenzsicherung wird die Direktvermarktung!

Neben unserem Hauptabnehmer Landliebe

geht ein Teil der Milch an bisher sechs Standorten

in Meschede, Bestwig, Bigge-Olsberg und Warstein in

den Verkauf - und die Nachfrage kann sich sehen lassen”,

freut sich Christoph Müller-Winter.

Ein Hofladen voll mit leckeren Lebensmitteln

Auch Steffi Möller-Winter hat ein Tätigkeitsfeld für sich

entdeckt: Im kleinen Hofladen in der Eversberger Weststraße

bietet sie Lebensmittel aus eigener Herstellung

sowie regionale Erzeugnisse von Partnerbetrieben an.

Lange hat sie in ihrer Hofküche experimentiert, geübt,

getüftelt und Erfahrungen gesammelt. Ende 2019 war es

soweit: Ihre ersten Käsesorten, Feta und Joghurt waren

„reif“ für den Verkauf. „Die Nachfrage nach meinen

handgemachten Milchprodukten, die alle ohne Konser-

56 - WOLL Herbst 2020


Foto: CREATIVE POWER GROUP

vierungsstoffe auskommen, ist überwältigend“, berichtet sie.

Die Kunden kommen natürlich aus Eversberg, aber auch aus den

umliegenden Orten. Ein Hotel ist regelmäßiger Kunde; ein Restaurant

als Abnehmer in Planung.

Eversberger Hausnamen für handgemachten Käse

Für die Ortskundigen hat man sich ein besonderes „Schmankerl“ einfallen

lassen: Die inzwischen acht verschiedenen Geschmacksrichtungen

des Schnittkäses wurden nach Eversberger Hausnamen benannt.

Ob man nun mehr auf den „Heuers“ mit Tomate und Basilikum steht,

den „Eukmann“ mit Scharbzieger Klee bevorzugt oder zum „Druvar“

mit Bärlauch tendiert, ist natürlich Geschmackssache.

Übrigens: Eine Überraschungssorte ist gerade in Arbeit!

Ein Blick nach vorn

Was bringt die Zukunft? In seinen Visionen sieht Max einen Hof, auf

dem, anders als heutzutage üblich, auch männliche Tiere ihre Daseinsberechtigung

in einem Wohlfühlstall haben. Regionale Schlachtung

durch Metzger vor Ort statt Tierverkauf an Großschlachthöfe, das liegt

ihm am Herzen. Und er hofft auf unterstützende Gesetzesänderungen.

Sicherlich wird man die eingeschlagenen Vertriebswege weiter perfektionieren.

Artgerechte Tierhaltung, regional produzierte Lebensmittel

und deren Verkauf zu fairen Preisen – das liegt doch sowohl den Landwirten

als auch den Käufern am Herzen! ■

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Familie Möller-Winter

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WOLL Herbst 2020- 57


Ackerhelden in Arnsberg-Ainkhausen

Verena Sen

Manfred Haupthoff

58 - WOLL Herbst 2020


vb-sauerland.de

Auf 20 Streifen à 2 x 20 Metern

wachsen Kartoffeln,

verschiedene Sorten Salat

und Zwiebeln, Kürbisse, Zucchini

oder Wirsing. Roter Spitzkohl fällt

ins Auge, außerdem die gelbe Bete.

Dazwischen eine Reihe Kornblumen,

um Blattläuse vom Gemüse

abzulenken, auch Ringelblumen

leuchten in orange.

Die ersten 14 Meter Ackerheldentum

werden nach Plan vorgepflanzt

und die letzten sechs Meter

gestalten die Ackerhelden nach

eigenem Gusto. Hier wachsen z. B.

Mais, Fenchel oder Küchenkräuter.

Außerdem wird die Nachkultur,

also die frei gewordenen Plätze nach

der Ernte des reifen Gemüses, selbst

ausgewählt. Einzige Vorgabe: Die

Pflanzen und Samen sind sämtlich

biozertifiziert.

Klingt nach viel Arbeit? Ist es aber

nicht. „Die ganze unbequeme

Arbeit, die man bei so einem

Garten hat, machen wir vorher.

Also das Gartenland umgraben, mit

Mist düngen, den Mist eingraben

- das erledigen wir“, berichtet

Ursula Tigges vom Tiggeshof in

Ainkhausen. Ihr Familienbetrieb –

ebenfalls mit Biozertifizierung und

nun in der 19. (!) Generation in

Familienhand – macht das Ackerheldentum

im Sauerland überhaupt

erst möglich. An 20 Standorten

ackern die Helden bundesweit:

Von München bis Hamburg, von

Kamp-Lintfort bis Berlin und mitten

drin: Ainkhausen!

Profi-Tipps aus 650 Jahren

Erfahrung

Als Ackerheld-Kooperationspartner

hält Familie Tigges nicht

nur den Acker, sondern auch

ein 5.000-Liter-Wasserfass zum

Gießen bereit, nebst einer ganzen

Reihe von Gießkannen, die

fein säuberlich aufgereiht im

Bauwagen stehen, dem mobilen

Geräteschuppen. Hier finden die

Hobby-Gärtner auch Harken und

sonstige Gartengeräte für den

üblichen Heldenbedarf. Mit zwei

bis drei Stunden Aufwand pro

Woche ist es laut Ursula Tigges

normalerweise getan. Ihr Profi-

Tipp für die Bewässerung: Einmal

harken, spart dreimal gießen! Der

aufgelockerte Boden kann das

Wasser dann nämlich viel besser

aufnehmen und auch deutlich

länger speichern als die harte

Ackerkrume.

„Bio – regional – saisonal“ ist

das Motto der Ackerhelden. Das

bedeutet natürlich auch den

Verzicht auf Pflanzenschutzmittel.

Gefräßige Kartoffelkäfer

und nimmersatte Raupen des

Kohlweißlings werden hier mit

der Hand abgesammelt, Netze

schützen vor allzu großen tie r-

ischem Mundraub. Dem scharfen

Auge der Bio-Landwirtin entgeht

nichts: Sobald die Fraß-Kandidaten

fliegen, schlägt Ursula Tigges

über Facebook Alarm und die

Ackerhelden eilen zur Rettung

herbei.

WOLL Herbst 2020- 59


Von der Ackerheldenzentrale in Essen kommt zusätzlich

digitale Unterstützung durch E-Mails mit saisonalen

Infos, Rezepten und jeder Menge anderer Heldentipps.

Gärtnern für Leib und Seele

Heroen aus Arnsberg, Neheim, Hüsten, Herdringen und

auch ein paar überregionale „Exoten“ aus dem Märkischen

Kreis ackern und ernten hier von Mai bis November.

Im Oktober wird die nächste Parzelle bestellt, es gibt

sogar eine Warteliste für Neu-Helden. Drei verschiedene

Arten von Laien-Landwirten beobachtete Ursula Tigges

in ihren Habitaten: Familien mit Kindern, wo es mehr

auf das gemeinsame Tun und Erleben als auf das Ergebnis

ankommt; dann die Helden mittleren Alters, die

Wert legen auf gesundes Gemüse und die den Chill-Faktor

beim meditativen Gärtnern in den frühen Morgenstunden

oder am Abend schätzen; außerdem größere

Familien, die generationenübergreifend ertragsorientiert

ackern, also die Jüngeren ackern jedenfalls und die Älteren

sitzen derweil gern in Rufweite auf dem mitgebrachten

Klappstuhl und erteilen wohlmeinende Anweisungen.

Familie Unger aus Bruchhausen wollte diesen Sommer

wegen der Corona-Situation anders angehen und hat den

Garten auf ihren 11-jährigen Sohn Jonas angemeldet, der

fleißig mitharkt und -erntet. Das gemeinsame Ackern ist

auch eine willkommene Alternative zum Medienkonsum

daheim. „Wir genießen das Ernten, das Land und das

Panorama. Das ist eine gesunde Kombination und wir

lernen alle drei dazu bei diesem schönen Familienprojekt“,

schwärmt Familie Unger. Auch Heldin Beate L.

aus Werdohl schätzt es sehr, an der frischen Luft zu sein,

mit den eigenen Händen etwas zu schaffen und gesundes

Gemüse zu ernten. „Hier gibt es keine Autos, rein gar

nichts. Da bin ich nur mit mir und meinen Pflanzen. Da

kommt man raus und ist ein anderer Mensch.“ ■

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Eine Reise,

die niemals

endet

Florian Hollmann (28) liebt seinen

abwechslungsreichen Beruf als Landwirt

Nicht nur im Stall sondern auch auf dem Trecker fühlt sich der Jungbauer wohl.

Daniela Weber

Matthias Koprek

S

chon als kleiner Junge verbrachte

Florian Hollmann

jede freie Minute mit seinem

Papa im Stall oder auf dem Trecker.

Der Hof der Familie in Bittingen sei

„gefühlt schon immer hier“, sagt der

28-Jährige. Auch sein Wunsch selbst

Landwirt zu werden, währt seitdem

er denken kann. „Mir war immer

klar, dass ich Bauer werde.“ Seine

Ausbildung zum Landwirt führte

ihn auf eine Reise zu verschiedenen

Stationen in Deutschland und auch

im Ausland. Erfahrungen, die ihn

für seine Arbeit auf dem Hof seiner

Familie geprägt haben.

„Ich liebe die Abwechslung, die mein

Beruf mit sich bringt. Mir gefällt die

Arbeit mit den Tieren, wir haben fast

4.000 Schweine. Und auch, dass ich

sehr viel in der Natur bin, finde ich

super“, begründet Florian Hollmann

seine Motivation, in die Fußstapfen seines

Vaters getreten zu sein. Auch wenn

der junge Landwirt nie einen anderen

Berufswunsch gehabt habe, sei er doch

erst im Alter von 16 Jahren so wirklich

mit der Entscheidung, ob er den Hof

seiner Familie übernehmen möchte,

konfrontiert worden. „Mein Vater fragte

meinen zwei Jahre älteren Bruder und

mich, wer das machen möchte. Mein

Bruder ist allerdings nicht so praktisch

veranlagt und ist nun als Wirtschaftsberater

für Landwirte tätig. Für mich war

die Arbeit auf dem Hof ja schon immer

das Richtige.“

„Mein Ausbilder hat es geschafft,

meinen Ehrgeiz so richtig zu wecken.

Ich hatte Lust viel zu lernen

und viel zu machen.“

Florian Hollmann, Jungbauer aus Bittingen

Nach dem Abitur begann dann also für

den damals 19-Jährigen das Abenteuer

Ausbildung. „Die Lehre zum Landwirt

ist eine ganz normale duale Ausbildung,

die üblicherweise drei Jahre dauert. Da

ich jedoch das Abitur absolviert hatte,

konnte ich meine Ausbildungszeit um

ein Jahr verkürzen.“ Zwei Jahre, die es

„in sich hatten“, führten den Enser an

zwei verschiedene Höfe in Nordrhein-

Westfalen – die ersten Ziele seiner Reise.

Azubis in der Landwirtschaft verbringen

jedes Lehrjahr an einem

WOLL Herbst 2020- 61


und meinte nur zu mir: ,Morgen säst du wieder Rüben ein.`“

Getreu dem Motto „aus Fehlern lernt man“ hat der damalige

Azubi daraus seine Lehren gezogen.

„Das war schon eine Herausforderung. Ich hatte viel

Verantwortung und auch Freiheiten. Dadurch habe

ich auch persönlich einen Wandel vollzogen.“

Florian Hollmann, Jungbauer aus Bittingen

Der Jungbauer ist nach mehreren Stationen im In- und Ausland nun auf dem

weitläufigen Familienbetrieb in Bittingen sesshaft geworden.

anderen Hof. „In meinem ersten Ausbildungsjahr war ich an

einem Hof im Münsterland. Wir waren dort zwei Azubis und

haben uns eine kleine Wohnung ohne Küche geteilt. Das war,

glaube ich, die ehemalige Wohnung der Uroma“, erinnert

sich Hollmann. Sein zweites Lehrjahr führte ihn schließlich

ins Rheinland. Dort begann eine Zeit, die der sympathische

Landwirt rückblickend als „Highlight seiner Ausbildungszeit“

bezeichnet. „Wir waren eine coole Truppe und haben auch

mal abends nach der Arbeit bei einer Kiste Bier zusammengesessen.“

Die insgesamt fünf Lehrlinge seien dabei auch mal auf

„die verrücktesten Ideen gekommen. „Wir haben zum Beispiel

einen Swimmingpool aus Strohballen gebaut“, sagt Hollmann

und lacht.

Doch nicht nur zwischenmenschlich, sondern auch beruflich

sei das zweite Lehrjahr für den 28-Jährigen eine „prägende

Zeit“ gewesen. Denn mit seinem Ausbilder habe er dort besonderes

Glück gehabt. „Mein Ausbilder hat es geschafft, meinen

Ehrgeiz so richtig zu wecken. Ich hatte Lust, viel zu lernen

und viel zu machen.“ Auch Fehler gehörten selbstverständlich

zu seiner Entwicklung dazu. „Ich habe mal beim Säen von

Rüben einen Fehler gemacht. Als ich dann auf meinen Ausbilder

traf, ahnte ich schon, dass ich mir nun einen ordentlichen

,Anschniss‘ abholen werde. Doch mein Ausbilder blieb cool

Nach der Ausbildung führte ihn seine Reise nach Osnabrück,

wo er Landwirtschaft studierte. „In der Ausbildung lernt man,

was man tut. Im Studium lernt man, warum man es tut“, so

seine Beweggründe für einen akademischen Werdegang. „Natürlich

wollte ich auch unbedingt das Studentenleben genießen“,

sagt der Landwirt mit einem Grinsen im Gesicht. Daher

sei es ihm auch wichtig gewesen, nicht in Soest zu studieren.

„Das ist eine hervorragende Hochschule, aber ich wollte unbedingt

hier raus und nicht zu Hause wohnen.“ Auch nach dem

Studium kehrte der junge Landwirt noch nicht endgültig in

sein Heimatdorf zurück, sondern besuchte einen neunmonatigen

Kurs, bei dem er seine „Management Skills“ vertiefte. „Bei

dem Kurs waren Leute aus dem Süden, Westen, Osten und

Norden Deutschlands. Es war sehr intensiv und man hat auch

viele Freundschaften geknüpft.“

Eine der intensivsten Zeiten von Florian Hollmann begann

dann schließlich nach den theoretischen Abschnitten. Denn

sein weiterer Weg führte ihn nach Ungarn, wo er zwei Jahre

auf einem Betrieb verbrachte und eine hohe Position innehatte.

„Das war schon eine Herausforderung. Ich hatte viel

Verantwortung und auch Freiheiten. Dadurch habe ich auch

persönlich einen Wandel vollzogen“, zeigt sich Hollmann

dankbar für die Erfahrungen. Denn er konnte teilweise

Entscheidungen treffen, die man in Deutschland vermutlich

erst mit etwa 40 Jahren treffen könne. „Das war schon der

Wahnsinn.“ Auch Sprachbarrieren trotzte er. „Ich habe viel

Eine wahre Leidenschaft: Florian Hollmann liebt

es bei seinen Schweinen im Stall zu arbeiten.

62 - WOLL Herbst 2020


mit Google -Übersetzer und Bildern gearbeitet oder einfach

vorgemacht, was ich will. Man muss einfach kreativ sein,

dann kann man alles irgendwie schaffen“, betont der Landwirt.

Während seines Aufenthalts hat der junge Enser auch

versucht, Land und Leute kennenzulernen und ist daher

unter anderem zum Plattensee oder nach Budapest gereist.

Auch nach seiner Zeit in Ungarn war Hollmanns Reise

noch nicht beendet. „Ich war danach noch drei Monate

in den USA. Dort bin ich mit einem Auto in verschiedene

Staaten gereist und habe Kurzpraktika gemacht.“ Besonders

die Aufenthalte im Ausland haben bei dem Landwirt aus

Ense besondere Eindrücke hinterlassen. „Diese beiden Auslandsaufenthalte

haben bei mir eine gedankliche Blockade

gelöst. In Ungarn sind die Strukturen sehr hierarchisch, in

den USA sind die meisten Farmen Familienbetriebe, wo

einfach jeder alles macht. Ich habe nun beides kennengelernt

und kann für mich schauen, was ich will, was sozusagen

der Königsweg ist.“

Diesen „Königsweg“ kann er nun im heimischen Betrieb

gehen. Seit einem Jahr packt Florian Hollmann dort tatkräftig

mit an. Das Reisen vermisst er manchmal schon,

denn mit der Verantwortung, die er nun trägt, kann er

nicht einfach wochenlang Urlaub machen. „Wenn ich

manchmal Urlaubsfotos von anderen sehe, werde ich etwas

neidisch, aber ich besinne mich dann wieder auf die Vorteile,

die mein Job hat. Ich kann aufstehen, wann ich will,

und habe sehr viele Freiheiten bei meiner Arbeit. Und das,

obwohl ich noch so jung bin. Das ist super.“

Der 28-Jährige bereut also keineswegs, sich für die Landwirtschaft

entschieden zu haben und freut sich jeden

Morgen auf seine Schweine, um die er sich mit Herzblut

kümmert. Und wenn er dann mal den Acker bestellt,

kommt doch etwas Urlaubsgefühl auf. „Wir haben Felder

in Delecke am Möhnesee. Von dort aus kann man auf den

See gucken. Also es gibt schlechtere Arbeitsorte“, berichtet

Hollmann und lacht erneut. Und auch auf dem Hof in

Bittingen ist seine Reise noch nicht zu Ende. „Mir geht es in

Zukunft darum, dass ich den Hof für die nächste Generation

gut aufstelle, ordentlich wirtschafte und das Bestmögliche

heraushole“, verrät der Jungbauer abschließend seine

weiteren Pläne. ■

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WOLL Herbst 2020- 63


Mescheder Minischafe am Abhang

Vielseitig einsetzbar: Rasenmäher,

Wolllieferant, Streichelzoo …

Britta Melgert

S. Droste

Die Bewohner des Mescheder

DRK-Seniorenzentrum

Bernhard-Salzmann-Haus

staunten nicht schlecht, als vor einiger

Zeit, direkt vor ihren Fenstern,

eine neue Attraktion entstand. Mit

Zäunen wurde ein Gelände am steilen

Abhang abgesteckt, ein Stall wurde

gebaut - und dann zogen tierische

Nachbarn ein. Seitdem gibt es was

zum Gucken, zum Staunen und zum

Streicheln. Sie sind die erklärten

Stars bei den Senioren: Bretonische

Minischafe!

Als Petra, Oliver und Tristan Clemens

nach Meschede-Beringhausen zogen,

war eines klar: An dem steilen Hang,

der zu ihrem Grundstück gehörte, würde

die Rasenpflege schwierig werden.

Doch der gelernte Zimmermann und

die Erzieherin wussten schnell Rat.

Tiere mussten her. Nützliche Tiere mit

gutem Appetit.

Die zündende Idee: Minischafe

„Wenn man wie ich auf Höfen aufgewachsen

ist und immer von eigenen

Tieren geträumt hat, ist das wohl die

logische Konsequenz“, erzählt Oliver

Clemens und schmunzelt. „So wurden

wir im Frühjahr 2017 kurzerhand

Hobby-Schäfer.“ Seine Ehefrau Petra

erinnert sich: „Unser Sohn Tristan

war damals fast noch ein Baby. Die

Vorstellung, dass er es mal mit einem

ausgewachsenen 100-Kilo-Bock zu tun

bekommen würde, gefiel mir überhaupt

nicht. Doch dann kam uns die Idee mit

den Minischafen.“

Rasenmäher und Feinschmecker

Quessantschafe, auch Bretonische

Zwergschafe, so heißt die kleinste

Ausgabe der größeren Rassen. Bis zu

49 Zentimeter Stockmaß erreichen sie

in der Regel. Diese Tatsache ist der

Grund dafür, dass ein gewisser Niedlichkeitseffekt

nicht verloren geht. Mit

einem Gewicht von acht bis sechzehn

Kilogramm erinnern sie tatsächlich

ihr Leben lang an Tierbabys. Neun

von ihnen leben inzwischen hier in

Meschede. Während die vier Auen, also

die weiblichen Tiere, ihren Rasen-

64 - WOLL Herbst 2020


Wussten Sie ... ...

Familie Clemens

mäherjob direkt auf den Wiesen der Familie Clemens

ausüben, geben die männlichen Böcke ihr Bestes hinterm

Mescheder Seniorenheim. Lotti, Sam, Fienchen, Bonnie,

Purzel, Higgings, Jack, Sunshine und der erst kürzlich auf

die Welt gekommene Covid (diesen Namen suchten die

Bewohner des Heimes aus) haben es gut bei den Clemens‘.

Sobald einer „ihrer“ Menschen in Sicht kommt, wird der

Turbo angeschmissen, um als Erster ein paar Pellet-Leckerlis

zu erhaschen.

Streicheln für streichelzarte Hände

Aber die Schäfchen mögen auch andere Menschen. Deshalb

lassen sie sich liebend gern durch den Zaun hindurch,

z. B. von den Heimbewohnern, streicheln oder durch ihre

Wolle kraulen. Jeder, der das bereits gemacht hat, wird

darüber berichten können, wie gut sich danach die Hände

anfühlen. Das Vlies, also die lockige Wolle der Schafe,

ist voller pflegender, natürlicher Fette und daher bestens

geeignet gegen raue Hände. Auch bei anderen körperlichen

Beschwerden schwören Menschen darauf und setzen sie

beispielsweise gegen Kopfschmerzen, Migräne, Erkältung

oder Hautprobleme ein.

Event in der Kita

„Unsere Schafe haben aber auch noch eine weitere Aufgabe“,

verrät Petra Clemens. „Ich gehe mit ihnen in Kindergärten,

um den Kleinen diese Tiere näherzubringen. Angefangen

hat das vor ein paar Monaten, als wir zu Gast waren im St.

Raphael-Kindergarten, den unser Sohn besucht. Sobald die

Einschränkungen wegen Corona es wieder zulassen, sind

wir für Anfragen anderer Kitas unter petra-clemens@gmx.

de offen.“

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WOLL

Worte, Orte, Land und Leute.

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Fleißige Minischafe, ja definitiv. Zumal wir einen wichtigen

Aspekt noch gar nicht angesprochen haben. Sie wissen

schon: Ein Schäfchen … zwei Schäfchen … drei Schäfchen

… gute Nacht! ■

WOLL Herbst 2020- 65


Die Sauerländer

Potthucke

Christel Zidi

Frauen bei der Kartoffelernte (1957)

was im Pott hockt“ ist die Übersetzung des plattdeutschen Wortes Potthucke. In ganz

Westfalen gibt es ähnliche Gerichte. Es ist auch in Henriette Davidis (1801-1876) berühmten

„Das,

„Praktischen Kochbuch“ erwähnt, dort allerdings unter dem Namen Puffert.

Rezeptvorschlag:

Ein Pfund geschälte Pellkartoffeln grob stampfen, ein

Pfund rohe Kartoffeln raspeln - beides möglichst von

Sauerländer Höfen. 200 g Saure Sahne und drei Eier zu

den vermischten Kartoffeln geben und alles zu einem Teig

vermengen. Mit Salz (ca. 14 g), einer Prise Zucker und

frischen Muskat abschmecken.

Kartoffelmasse in eine leicht gefettete Ofenform füllen

und glatt streichen. Bei 200 °C ungefähr eine Stunde

im vorgeheizten Backofen backen. Ganz wichtig: in der

Form auskühlen lassen. Danach stürzen und in Scheiben

schneiden. Dann in Butter braten, bis die Scheiben goldgelb

sind.

Noch deftiger wird es, wenn der Teig mit Würfelspeck

versetzt und die Backform vor dem Füllen mit Mettwurstscheiben

ausgelegt wird.

Und eine Abwandlung für Vegetarier: Statt der Speckund

Wurststücke Blumenkohl verwenden. Diesen fein

schneiden – zusammen mit einer großen, (roten) Zwiebel

kurz in Öl anbraten und dann zu dem Kartoffelteig

geben. ■

Wir wünschen den Sauerländern alles

Gute, vor allem Gesundheit, WOLL!

Wir modernisieren unseren Fuhrpark

mit zwei neuen Reisebussen

Wir freuen uns auf Sie!

66 - WOLL Herbst 2020


Energie aus Bioabfall

Biogas für 1.200 Haushalte aus dem Kompostwerk Hellefelder Höhe

Sonja Nürnberger

S. Droste

Ü

ber 20 Jahre gibt es das Kompostwerk Hellefelder

Höhe schon. 20.000 Tonnen Bioabfälle aus

Sundern, Meschede, Eslohe und Arnsberg werden

dort jedes Jahr in wertvollen Kompost und Spezialerde

umgewandelt. Seit letztem Jahr wurde das Werk um eine

Feststoff-Vergärungsanlage erweitert, sodass der Biomüll

noch intensiver genutzt werden kann.

Während des „Kalten Krieges“ ist das heutige Kompostwerk

ein Treibstofflager der Belgier gewesen. Die damals gebauten

Hallen wurden danach übernommen und eignen sich wunderbar

für die Kompostierung von Bioabfällen. Auch die Lage

war perfekt. „Wenn man eine Stelle suchen müsste, dann wäre

das hier. Wir sind für alle Städte in der Umgebung leicht zu

erreichen, aber auch abgelegen genug, da die Anlage natürlich

auch etwas riecht“, stellt Geschäftsführer Reimund Klute fest

und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Aber dadurch,

dass wir hier versteckt im Wald liegen, stören wir niemanden.“

Die Bioabfälle werden im Kompostwerk gereinigt, gesiebt,

Bakterien hinzugesetzt und so kompostiert. „Dabei entsteht

sehr viel Wärme“, erklärt Klute. „So ein Haufen Biomüll

schafft es in einer Nacht auf 65 bis 70 Grad Celsius zu

kommen. Da haben wir überlegt, dass man diese Energie

doch irgendwie nutzen muss.“ Die Idee einer vorgeschalteten

Biogasanlage entstand. 2018 wurde mit dem Bau begonnen,

2019 kam die Anlage das erste Mal zum Einsatz. „Sie ist quasi

das i-Tüpfelchen“, so Klute. „Landwirte brauchen für den

Betrieb wertvolles Land für die Rohstoffe und fahren vorher

mit Diesel darüber. Wir brauchen nichts Zusätzliches für den

Betrieb der Biogasanlage und bekommen auch hinten nichts

Separates heraus. Es ist nur ein dazwischengeschalteter

Schritt“,

so der Geschäftsführer.

In Deutschland ist es

erst die zweite Biogasanlage

ihrer

Art.

Raimund Klute

WOLL Herbst 2020- 67


Ein lebender Organismus

Nur insgesamt sieben Angestellte arbeiten im Kompostwerk,

zwei davon sind für die Biogasanlage zuständig. „Wir haben

eigentlich nur dafür zu sorgen, dass die Bakterien ihre Arbeit

machen“, erklärt Klute. Aber so einfach ist es natürlich nicht.

Es gibt eine Menge zu beachten.

Alexander Klüter weiß das. Er ist der Leiter der Biogasanlage.

Er kennt die Abläufe und ist mit Leidenschaft dabei.

„Es macht enorm Spaß auf so einer Anlage zu arbeiten, da

hier viele verschiedene Bereiche zusammenfließen: Chemie,

Biologie, aber auch Maschinenbau.“ Er selbst ist, neben

einiger anderer spezieller Qualifikationen, staatlich geprüfter

Agrarwirt. „Die Grundeignung, das Interesse und das Wissen

kommt eher aus der Landwirtschaft“, erklärt er. „Einfach

ausgedrückt, funktioniert eine Biogasanlage wie eine Kuh.

Es ist ein lebender Organismus und man muss immer für sie

da sein.“ Auf seinem Handy und einem Tablet ist eine Software

installiert, sodass er die Biogasanlage quasi immer in

Alexander Klüter, Leiter der Biogasanlage

der Tasche hat.

Klüter kennt die Abläufe ganz genau: „Wenn der Biomüll

soweit vorbereitet ist, kommt er in eine der sechs Fermenterboxen.

Dort wird er gegoren, das entstehende Gas aufgefangen

und das Material nach etwa 21 bis 30 Tagen wieder in

die Kompostierung gegeben, wo es zu hochwertigem Dünger

verarbeitet wird, der schließlich auf den Feldern der Landwirte

oder in Privatgärten landet.“

Alexander Klüter

„Einfach ausgedrückt, funktioniert

eine Biogasanlage wie eine Kuh.“

- Alexander Klüter

68 - WOLL Herbst 2020


im

Sauerland

verwurzelt

Klimaneutral

Ein Punkt, der die Anlage besonders interessant macht, ist,

dass alles Material, das genutzt wird, ein Abfallprodukt ist.

Nichts davon wurde extra angebaut. „In dem Sinne ist unsere

Art der Energiegewinnung also auch klimaneutral. Das

Material ist ohnehin da, also können wir es auch energetisch

nutzen“, so Klüter. Die Stromversorgung kann dabei ganz

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individuell gesteuert werden: „Wenn zum Beispiel in den Morgenstunden

kein Solar- oder Windstrom vorhanden ist, können

wir das ganz schnell ausgleichen. Da wir zwei Motoren

haben, können wir Lücken, wenn viel Strom gebraucht wird,

bedarfsgerecht abdecken, sodass es nicht zu Ausfällen kommt.“

4 bis 4,5 Mio. KW können im Jahr produziert werden. Das

bedeutet eine Versorgung von 1.200 Haushalten. ■

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WOLL Herbst 2020- 69


Der Puten-Pionier

aus dem Sauerland

Karl-Johannes Heinemann ist

auf seinem Hof in Horbach

Herr über 47.000 Puten

Anne von Heydebrand

S. Droste

„Viele Leute wollen lieber gar nicht sehen, woher das Tier stammt

und kaufen es lieber im Supermarkt.“ - Brigitta Heinemann

W

enn Sie aus Meschede

oder einem der umliegenden

Dörfer kommen, dann sind

Ihnen bestimmt auch schon mal diese

ganz besonderen Trecker aufgefallen?

Sie sind nicht grün oder orange, wie

es sonst in der Landwirtschaft üblich

ist, sondern weiß – schneeweiß. „Ein

Spleen meines Mannes“, erzählt

Brigitta Heinemann lachend. Und

tatsächlich: Fast alle Hoffahrzeuge

haben diese strahlende Farbe und

besitzen damit einen hohen Wiedererkennungswert.

Dabei hat der Hof

den gar nicht nötig. Denn den Putenbauern

aus Horbach kennt fast jeder.

Er führt einen der wenigen Geflügelmastbetriebe

im Sauerland. Und

das auf einem Hof mit Jahrhunderte

langer Tradition.

Über die Geschichte des Hofes könnte

man ganze Bände schreiben. Seit 700

Jahren liegt der idyllische Fachwerk-Hof

der Familie Heinemann nun schon in

dem kleinen Tal am Rande des Hennesees.

Damals gehörte er zum Stift Meschede

und versorgte die Bewohner der

Stadt mit wichtigen Lebensmitteln. 400

Jahre später übernahmen die Vorfahren

von Karl-Johannes Heinemann den Hof

und setzten die Tradition fort.

Zunächst vor allem mit Milchkühen,

doch in den 1960er Jahren wurde der

erste Schweinemaststall eingerichtet.

Nach und nach verschwanden die Kühe

ganz vom Hof und die freigewordene

Fläche wurde für die Putenmast umgebaut.

Das war vor fast 50 Jahren. Heute

70 - WOLL Herbst 2020


Brigitta und Karl-Johannes Heinemann

Ein emotionales Thema

Karl-Johannes Heinemann baut auf der Fläche vor allem

Weizen, Gerste, Raps, Triticale*, Mais und Zuckerrüben an.

Während das Getreide an die Tiere verfüttert wird, landen

Mais und Zuckerrüben in der gigantischen Biogasanlage. „Mit

der Energie könnten wir wahrscheinlich ganz Remblinghausen

versorgen“, scherzt der Landwirt, doch stattdessen werden

damit die Ställe beheizt.

*Getreideart aus einer Kreuzung zwischen Weizen und Roggen

kümmert sich der Landwirt in Horbach nicht nur um 47.000

Puten und 1.000 Schweine. Zusätzlich produziert er wichtige

Lebensmittel und bewirtschaftet mit seinen drei Auszubildenden

und sechs Mitarbeitern, neben 60 Hektar Forst und

120 Hektar Weihnachtsbaumplantage, auch noch 300 Hektar

Ackerbau. Zahlen, bei denen einem schwindelig werden kann,

doch Karl-Johannes Heinemann bleibt bescheiden. „Fahren

Sie doch mal weiter in den Osten. Dort sind das noch ganz andere

Größenverhältnisse. Aber im Sauerland gibt es tatsächlich

nicht viele, die so viel Ackerland bewirtschaften“, erklärt der

Landwirt. „Der Ackerbau ist die Grundlage für unser Viehfutter.

Außerdem speisen wir damit unsere Biogasanlage. Wir

wollen auf den Hof möglichst viele Kreisläufe schließen.“

WOLL Herbst 2020- 71


Die perfekte Temperatur ist vor allem für die Puten besonders

wichtig, denn die Küken mögen es warm. Bei 36 Grad fühlen

sie sich am wohlsten, dann wird es allerdings kühler. Der

Landwirt muss jeden Tag die Temperatur um ein Grad Celsius

senken - bis schließlich eine konstante Temperatur von 15 bis

20 Grad Celsius erreicht ist.

Doch gerade für die Putenmast erntete der Landwirt in den

letzten Jahren immer wieder Kritik. Er kann verstehen, dass

das Thema emotional aufgeladen ist. „Aber Fleisch steht bei

den meisten Leuten auf dem Einkaufszettel“, sagt Heinemann,

dessen Tiere nach dem Siegel „Initiative für Tierwohl“

gehalten werden. Für die Puten bedeutet das vor allem mehr

Auslauf als bei einem rein konventionellen Betrieb. „Bei uns ist

nur die Hälfte der Stallfläche belegt. Die Puten laufen im Stall

frei auf Stroh und können scharren. Das Stroh wird mindestens

drei Mal in der Woche gewechselt und für die Tiere gibt

es rund um die Uhr frisches Wasser und Futter. Wie auch

unsere Schweine haben die Puten zudem auch noch Spiel- und

Beschäftigungsmöglichkeiten“, erklärt der Landwirt. „Gerade

Puten sind sehr empfindlich. Ihr Federkleid darf zum Beispiel

nicht nass werden, sonst könnten sie schnell krank werden. Bei

uns im Stall sind sie vor Wind und Wetter sowie Keimen oder

Fressfeinden geschützt. Der Stall hat rundherum Netze, die

sehr viel Frischluft und Sonnenlicht hineinlassen“, erklärt der

Landwirt.

Ein transparenter Hof für mehr Akzeptanz

Ihm ist es wichtig, dass der Hof und der Betrieb transparent

bleiben. Er habe nichts zu verbergen und möchte wieder mehr

Akzeptanz schaffen. „Jeder ist herzlich dazu eingeladen, sich

den Hof und die Tiere anzuschauen. Früher, als unsere Kinder

noch klein waren, sind sie oft mit dem Kindergarten und der

Schulklasse hier gewesen und haben sich die Tiere und die

Küken angesehen. Leider ist das heute nicht mehr der Fall“,

bedauert Brigitta Heinemann, die vor einigen Jahren sogar

den kleinen Hofladen schließen musste. „Viele Leute wollen

lieber gar nicht sehen, woher das Tier stammt und kaufen es

lieber im Supermarkt.“ Dabei liegt dem Paar das Wohl ihrer

Tiere am Herzen.

Man merkt ihnen an, dass ihnen das Thema unter die Haut

geht, doch sie sind Landwirte mit ganzer Seele. Kein Wunder,

dass auch die drei Kinder in die Landwirtschaft gehen

wollen. Auf die sind Karl-Johannes und Brigitta Heinemann

besonders stolz und eines ist jetzt schon sicher: Die nächste

Generation auf dem Hof in Horbach steht schon in den

Startlöchern. ■

72 - WOLL Herbst 2020


Zeugen der land- und

hauswirtschaftlichen Mechanisierung

Das landwirtschaftliche Museum in Olsberg-Bruchhausen

Silvia Padberg

Im

Futterspeicher der alten

Meierei auf Schloss

Bruchhausen können

wir uns auf eine Zeitreise begeben.

Die historischen Maschinen und

Werkzeuge in dem kleinen Museum

zeigen uns, wie das Leben und vor

allem die Arbeit auf dem Lande im

19. Jahrhundert ausgesehen haben.

Die Familie von Fürstenberg bewohnt

das Schloss in Bruchhausen schon seit

Jahrhunderten, auch kümmert sie sich

intensiv um die Betriebsgebäude. So

wird in der Rentei* das umfangreiche

Archiv gepflegt. Im kleinen Kutschenmuseum,

gleich neben den Pferdeställen,

können Fahrzeuge aus alter

Zeit besichtigt werden. Gelegentlich

werden sie auch mal ausgefahren. Seit

circa Jahren gibt es im Futterspeicher

der historischen Meierei*“ ein Museum.

Hier soll über das Leben und die Arbeit

in früheren Zeiten informiert werden.

Ganz anschaulich anhand der vielen

alten Maschinen und des historischen

Werkzeugs.

Initiiert wurde das Ganze, mit dem

Raumensemble entwickelt und

präsentiert, wie Huberts Freiherr von

Fürstenberg berichtet, „durch das Zusammenwirken

des später verstorbenen

Landwirts und Sammlers, Josef Rüther

mit mir. Dazu eignete sich in besonderer

Weise der alte Futterspeicher in der

Historischen Meierei der Schlossanlagen.“

Die Museumsexponate stammen überwiegend

aus Familienbesitz. Es sind

Gerätschaften aus der Land- und

WOLL Herbst 2020- 73


Forstwirtschaft, aber auch aus der Küchenwirtschaft

und aus dem Schusterhandwerk.

„Geräte und Werkzeuge, die

viele von uns gar nicht mehr kennen“,

erklärt der Freiherr.

Wir lassen unseren Blick schweifen. So

vieles gilt es hier zu entdecken. Im Ausstellungsraum

findet man Gebrauchsgegenstände

und Maschinen aus den

letzten 100 Jahren. Einige davon

spielen immer noch eine große Rolle in

unserem Leben. Allerdings in anderer

Form - komfortabler, moderner und

praktischer. Es ist schon erstaunlich,

wie weit sich unsere Technik innerhalb

eines Jahrhunderts weiterentwickelt hat.

Manche der alten Werkzeuge kennt

der ein oder andere vielleicht noch aus

seiner Kindheit.

Das kleine Museum erzählt Geschichte.

Passend zu den Werkzeugen und

Geräten dokumentieren verblichene

Fotografien das Leben und Arbeiten

auf dem Feld, im Wald, im Stall und

auch in der Küche.

Früher war alles besser – das hört man

oft von Menschen der älteren Generation.

Über das „besser“ kann man sich

vielleicht streiten. Körperlich schwerer

war es auf jeden Fall. „Die körperliche

Arbeit war damals sehr anstrengend“,

weiß auch Freiherr von Fürstenberg,

„Die Menschen arbeiteten oft an sieben

Tagen in der Woche. Das Land, der

Wald, das Vieh – all das musste bewirtschaftet

werden.“ Es gab auch nicht

wenige Familien, die zur Selbstversorgung

im Nebenerwerb eine kleine

Landwirtschaft betrieben.

74 - WOLL Herbst 2020


Für die vielfältige Arbeit in der Landwirtschaft

benötigte der Bauer unterschiedliche

Werkzeuge und Gerätschaften:

Grabstock, Sense, Mistgabel,

Melkschemel, Holzkübel, Holzkarren,

Seilwinden, Greifer, Zuggeschirr für

die Ochsen …

Apropos Zuggeschirr: In Deutschland

fand man einen Pflug, der auf ca.

2000 v. Chr. datiert wird. Lange Zeit

hat sich an dieser Form der Feldbestellung

wenig geändert. Wenn dann

noch bedenkt, dass noch vor einigen

Jahrzehnten in ländlichen Gebieten

ochsenbespannte Pflüge die Furchen

auf dem Acker zogen …

Ein Blick auf die antiken Haushaltsgeräte

wie Butterfässer, Waschbottich,

Waschbretter, Wäschemangeln,

Kohlebügeleisen, pedalbetriebene

Nähmaschinen führt uns vor Augen,

wie komfortabel unser Alltag dank des

technologischen Fortschritts geworden

ist. Kaum ein Haushalt ist heute ohne

elektrische Waschmaschine und Elektrobügeleisen

vorstellbar. Eine Handkaffeemühle

steht meist nur noch

zur Zierde in modernen Küchen und

der Küchen-Holzofen wurde längst

durch Heizluft- und Induktionsherde

ergänzt.

Das landwirtschaftliche Museum in

Bruchhausen ist nicht nur für Menschen

aus der Landwirtschaft eine abwechslungsreiche

Sache. Auch Nicht-

Landwirte können eine spannende

Zeit in diesem kleinen, aber überaus

sehenswertem Museum verbringen. ■

*Rentei = Behörde der landesherrlichen oder

kirchlichen Finanzverwaltung

**Meierei=landwirtschaftliches Pachtgut

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WOLL Herbst 2020- 75

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Zeit für Patienten spielt bei

Klinik am Sorpesee große Rolle

Nicola Collas

S. Droste

Klinik ist klein, aber fein und an

Freundlichkeit und Höflichkeit nicht zu

„Die

toppen.“ „Eine Klinik, die konzeptionell

und personell keine Wünsche offen lässt.“ „Mir wurde

geholfen. Ärzte, Therapeuten und Pflegepersonal sind

ALLE sehr nett!“ Das ist nur eine kleine Auswahl an

Bewertungen von Patienten der Neurologischen Klinik

am Sorpesee. Das Krankenhaus, das 2016 von der

Dortmunder Uhlenbrock-Gruppe übernommen wurde,

betreut Patienten mit Bewegungsstörungen. Spezialisiert

hat es sich auf Parkinson. Mittlerweile darf sich die Klinik

Fachklinik für Parkinson nennen. „Das bedeutet uns

sehr viel“, freut sich die Pflegedirektorin Sandra Gabriel.

„Kliniken, die das Zertifikat bekommen wollen, müssen

bei der Versorgung von Patienten hohe Anforderungen

erfüllen.“

Neben der Diagnose und Behandlung von Parkinson

werden auch unterschiedliche Schmerzsyndrome

therapiert, die durch Schädigungen der Wirbelsäule

oder der Nerven in Armen und Beinen ausgelöst

werden. Die Klinik am Sorpesee bietet außerdem

Frührehabilitation nach einem Schlaganfall an und

es werden auch Patienten mit Schwindel- oder

Taubheitsgefühlen aufgenommen. Nach wie vor

werden auch MS-Patienten behandelt. Das Krankenhaus

verfügt über 54 Betten, knapp 90 Mitarbeiter

arbeiten in der Klinik. Vor allem in der Pflege ist der

Personalschlüssel hoch. „Unsere Patienten brauchen

eine intensive Betreuung“, erzählt Sandra Gabriel.

„Man kann ihnen nicht einfach den Waschlappen

aus der Hand nehmen, weil man das selbst schneller

kann. Sie sollen das ja für zuhause üben.“ Die

Patienten sind dankbar für die Zeit, die man sich für

sie nimmt. 95 Prozent von ihnen vermerken bei der

Patientenbefragung, dass das Personal toll und auch

im Umgang miteinander sehr harmonisch ist. Zum

Team gehören neben den Pflegefachkräften Neurologen,

Psychiater, ärztliche Schmerztherapeuten,

Physio-, Ergo-, Sprach- und Psychotherapeuten.

Aufgenommen werden Patienten, die vom Hausarzt

oder Neurologen überwiesen werden.

Durch bestimmte Tests soll beispielsweise herausgefunden

werden, ob sie Parkinson haben. Drei Mal

die Woche fährt ein Shuttle-Bus zur Radiologie-

Praxis von Prof. Uhlenbrock nach Dortmund, wo

76 - WOLL Herbst 2020


Herzlich wird jeder Patient aufgenommen.

Alles geschieht unter fachkundiger Anleitung.

Jeder Test wird vom Fachpersonal erklärt.

man alle diagnostischen Möglichkeiten hat. Es

kommen auch häufig Parkinson-Patienten in die

Klinik, bei denen die Medikamente neu eingestellt

werden müssen. Wichtig ist es, bei der Einnahme der

Tabletten immer genau auf die Uhrzeit zu achten, da

Dopamin nur in einem bestimmten Korridor wirkt.

Das heißt, 11 Uhr ist Punkt 11 und nicht halb 12.

„Parkinson- Patienten können plötzlich „einfrieren“

und keinen Schritt mehr machen, wenn die Medikamente

nicht richtig eingenommen werden.

Mir haben schon Betroffene erzählt, sie wollten im

Zug aussteigen und mussten drei Stationen weiterfahren,

weil sie sich nicht mehr bewegen konnten“,

erzählt Sandra Gabriel. Außerdem bietet das Krankenhaus

Parkinsonkomplexbehandlungen an. Die

Patienten bleiben mehrere Wochen und bekommen

entsprechend ihrer Symptome eine intensive Therapie,

damit sie wieder fitter werden. Da Parkinson-Patienten

häufig unter Sprech- oder Schluckstörungen

leiden, werden sie von Logopäden betreut, die sie

auch beim Essen beobachten und so sagen können,

wie das Essen am besten zube reitet werden soll.

Ergotherapeuten zeigen, wie man sein Hemd knöpft

oder die Schuhe bindet, da Parkinson-Patienten

Probleme mit der Feinmotorik haben können. Sie

fordern die Betroffenen auch kognitiv. Eine ausgebildete

Musiktherapeutin baut mit den Patienten

Instrumente oder trommelt mit ihnen, um die Fingerfertigkeit

zu schulen. Ein Tanzlehrer kommt zwei

Mal die Woche zum Tango-Tanzen vorbei. „Es ist

schön zu sehen, wie viel besser sich die Parkinson-Patienten

im Rhythmus bewegen können“, sagt Sandra

Gabriel. Die Klinik am Sorpesee ist als Fachklinik

für Parkinson einzigartig in der Region.

„Darauf sind wir stolz“, freut sich Pflegedirektorin.

„Wir wünschen uns, dass es in Zukunft weiter so

harmonisch läuft.“ ■

Neurologische Klinik Sorpesee GmbH & Co. KG

Lindenstraße 22

59846 Sundern (Sauerland)

Deutschland

WOLL Herbst 2020- 77


Elisabeth Rose, Malerin

„Manchmal sprudelt es nur so aus meinen Händen.“

Christel Zidi

S. Droste

Elisabeth Rose aus Freienohl-

Brumlingsen war jahrzehntelang

Produktdesignerin im

Familienunternehmen. Neben der

Leitung des Unternehmens blieb nicht

viel Zeit für das, was die gebürtige

Oeventroperin wirklich ausfüllt: die

Malerei. Erst seit 2012 gab sie ihrer

Leidenschaft Platz und Raum.

Eyecatcher, wohin man blickt: In ihrem

Atelier und in den Ausstellungsräumen

von Elisabeth Rose gibt es unglaublich

viel zu sehen. Keine Wand mit Leerflächen.

Nichts für Minimalisten. Aber ein

Hochgenuss für jeden, der sich gern mit

schönen Dingen umgibt.

Hier – inmitten von Einrichtungsgegenständen,

Accessoires und natürlich ihren

rund 80 Gemälden – erzählt sie aus

ihrem Leben. „Alle meine Geschwister

sind künstlerisch veranlagt. Schon als

Kind habe ich gerne Gesichter gemalt.

Diese Zeichnungen sind dann in der

ganzen Klasse rumgereicht worden.“

Ihre künstlerisch-kreative Seite konnte

sie später im Familienunternehmen

Rose-Handwerk ausleben, als Produktdesignerin.

Besonders mit ihrem Bruder,

Friedel Pietz, einem Bildhauer, arbeitete

sie lange Zeit als erfolgreiches Team zusammen.

„Ich hatte die Ideen, die Eingebungen.

Er hat sie umgesetzt“, fasst sie

diese Zeit zusammen. Und das ist auch

schon das Stichwort: Ideen. Es scheint,

als habe die gelernte Industriekauffrau

ein schier unerschöpfliches Reservoir an

Ideen. „Ich sehe ein Bild in Gedanken

schon vor mir. Weiß, wie es fertig aussehen

soll“, erzählt sie uns.

78 - WOLL Herbst 2020


Aktiv relaxen !

WALDSAUNA

SOLEBAD

FREIZEITBAD

Über viele Jahre hindurch hatte sie

nicht die notwenige Zeit und Muße

für die Malerei. 1991, nach dem Tod

ihres Ehemannes, „musste der Betrieb

am Laufen gehalten werden“. Zusätzlich

nahmen Messen und Ausstellungen

– auch in Ländern wie Russland

und Indien – viel Zeit und Energie in

Anspruch, sodass die Malerei für lange

Zeit zurückgestellt werden musste.

Von 2011 bis 2012 besuchte sie beim

Arnsberger Kunstsommer mehrere

Malkurse.

Initialzündung beim

Arnsberger Kunstsommer

Im kleinen Ausstellungsraum des

Rose-Handwerks zeigt Elisabeth Rose

ein Bild, das sie während eines Kurses

beim Arnsberger Kunstsommer gemalt

hat. Die gestellte Aufgabe war: Malt

einen Picasso. In den Farben schwarzweiß-rot.

Die Aufgabe hat sie gut umgesetzt,

aber gleichzeitig auch erkannt:

„Das bin ich nicht.“ Sie erinnert sich

noch genau, wie sie einen Künstlerkatalog

zur Hand nahm und daraus

das Material bestellte, das sie für ihr

Hobby brauchte: Leinwände, Pinsel,

Farben … allein diese Vorfreude …

Elisabeth Rose hat ihren Stil entdeckt.

Allerdings ohne starre Wiederholungen

eines (wenn auch erfolgreichen)

Musters. Nein, ihre Werke sind

lebendig, immer in der Entwicklung.

So wie die Künstlerin auch. Elisabeth

Rose ist mit einer unglaublichen

Schaffenskraft ausgerüstet und strahlt

dabei eine ansteckende Freude aus.

Bilder mit Geschichte

Diese Freude kommt besonders dann

rüber, wenn sie von ihren Bilder

erzählt. Da gibt es ein Gemälde, in das

als Besonderheit ein Stück namibisches

Rinderfell (mit Brandmal)

integriert ist. Ich werfe einen zweiten

Blick auf das Bild. Und tatsächlich.

Die schwarz, grau, silbernen Wellen

werden lebendig. Deutlich sehe ich

jetzt, dass hier eine Herde afrikanischer

Rinder durch das Bild gejagt ist.

Der Schwung ist noch ganz klar zu

erkennen …

Nebenan ein Bild, auf das ich zunächst

einen Blick geworfen – und

nichts außer Farben und Wellen

erkannt habe. Ein zweiter Blick lässt

mich einen Sonnenuntergang auf dem

Meer erkennen. Ich drehe mich kurz

weg, lausche Elisabeths Rose Erklärungen,

drehe mich wieder zum Bild

und sehe jetzt eine Berglandschaft im

Abendlicht. Die Künstlerin sieht auch

ein Auge in dem Gemälde, überlegt,

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ob sie es zusätzlich betonen soll … überlässt dieses „Erkennen“

aber der Sicht des Betrachters. Das, was diese Bilder ausmacht,

sind die wenigen erklärenden Sätze der Künstlerin. Diese Sätze

bleiben hängen und werden immer lebendiger…

Und immer wieder Sand …

Die Künstlerin verwendet Acryl-Farben für ihre Bilder, die sie

in Spachteltechnik verarbeitet. Zum Schluss wirft oder pustet

sie Sand über die noch nassen Farben. Sand - ein wichtiger Bestandteil

ihrer Bilder. Allerdings kein Sand aus dem Baumarkt.

Ihr Sand, den sie von Urlaubsreisen mitbringt, trägt ebenfalls

eine Geschichte. In Gläsern aufbewahrt, gibt es da schwarzen

Sand von Kos, die rote Erde von Madeira, Sand aus der

ältesten Stierarena Spaniens in Ronda. Und Sand aus Guernsey,

der sie an die Gemälde Renoirs erinnert, die er 1883 auf

der Kanalinsel gemalt hat. Den kräftig-roten Sand vom Ayers

Rock lässt sie sich von Australien-Reisenden mitbringen.

„Der Schatz im Silbersee“

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Es sind auch andere Materialien, die sie zufällig entdeckt hat

und die sie dann in ihre Gemälde einarbeitet: Metall, Holzstücke,

Späne, Treibholz, Lavasteine. Einmal ein Stück Blech:

„Ich habe nur das Blech gesehen und wusste, das ist der

‘Schatz im Silbersee’.“ Und so heißt dann eben auch der Titel

des Bildes. Um das kleine Stück Blech, den „Schatz“, herum,

entstand das Gemälde. Manchmal ist es aber auch anders

herum. Dann wird ein Fund in das Bild integriert.

Oft berücksichtigt Elisabeth Rose auch praktische Aspekte.

Manchmal soll ein Gemälde an einer Dachschrägen hängen

können – dazu benutzt sie sehr leichte Keilrahmen und Leinwände.

Es gibt auch Doppelbilder, Bilder, die von zwei Seiten

bemalt sind, also frei im Raum schweben können oder sich

auch gut im Fenster machen. Ebenso „Lautsprecherbilder“, die

große Boxen ersetzen, und Regalbilder.

Die 69-jährige Künstlerin ist noch immer jeden Tag im Einsatz.

Sie besitzt einen schier nie versiegenden Ideen-Reichtum

und eine große Leidenschaft für die Malerei. Auch wenn sie

äußerlich ruhig und ausgeglichen wirkt, treibt sie doch eine

Unruhe an, die sie auch mal nachts aus dem Bett holt: „Wenn

ich ein Bild angefangen habe, sehe ich es mir nachts noch mal,

verbessere, ändere Farben …“. Ohnehin kann sie nachts am

besten arbeiten. Dann entstehen ihre einzigartigen, dreidimensionalen

Werke, die man nicht kopieren kann.

Beim Verabschieden entdeckt Elisabeth Rose einen Nagel

in der Wand, auf einer leeren Fläche. Ihre Aufmerksamkeit

gehört uns noch immer voll und ganz, aber wie Frauen eben

sind, sie können zweigleisig denken. Ihr Hinweis und ein Blick

in ihr Gesicht verrät, dass diese Fläche im Ausstellungsraum

nicht lange eine leere Stelle bleibt … ■

80 - WOLL Herbst 2020


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WOLL Herbst 2020- 81


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82 - WOLL Herbst 2020


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Die Kanzelbrücke über den Möhnesee

WOLL Herbst 2020- 83


Die Mescheder Ruhrbrücke

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84 - WOLL Herbst 2020


Die Rumbecker Kaiser-Wilhelm-Brücke

Das Willinger Viadukt

WOLL Herbst 2020- 85


Zwillings-Schwestern

Unzertrennlich ein Leben lang

Petra Kleine

Sabrina Voss

86 - WOLL Herbst 2020


I

hre weiße Ordenstracht

strahlt in der Sonne. Mindestens

genauso strahlen auch ihre

Augen, die mich so freundlich, gütig

und ein bisschen verschmitzt anlächeln.

Die „Nönnekes“ – Schwester

Lucia und Schwester Hyazintha -

sind wieder da!

Schon zum zehnten Mal verbringen

die Schwestern ihren Urlaub in

Madfeld. Die beiden 83-jährigen sind

nicht nur Ordensschwestern, sondern

auch echte Schwestern, genauer gesagt

sogar Zwillingsschwestern. In Madfeld

urlauben sie zusammen mit ihrer

älteren Schwester, Christine. „Keine

Sorge, ich bin hier nicht das dritte Rad

am Wagen. Aber es stimmt schon, die

Zwillinge stehen sich so nahe, da passt

kein Blatt dazwischen!“ erklärt Christine

Franke.

„Da kann doch nur eine interessante

Lebensgeschichte hinter stecken“,

denke ich mir und treffe mich mit den

Schwestern bei Kaffee und Kuchen zu

einem netten Gespräch exklusiv für

WOLL.

„Eigentlich wollten wir uns den „Laden“

ja nur mal ansehen, aber schon

waren wir drin im Kloster und sind inzwischen

seit 62 Jahren dabei“, erzählen

mir beide zusammen. „Bis heute

haben wir das nie bereut“, beteuern

sie wie aus einem Munde. Schon hier

merkt man, wie sehr beide harmonieren

und das gleiche denken und sagen.

„Das geht sogar noch weiter“, erzählen

sie mir. „Mit 58 Jahren hatten wir beide

einen Herzinfarkt und die gleiche

Stelle am Herzen war betroffen. Der

Arzt kam mit nur einer Krankenakte

unterm Arm zu uns und sagte, dass

er sich die zweite eigentlich schenken

könne, da wir ja ohnehin immer dasselbe

hätten.“

Ein Herz und eine Seele

Aber nun mal der Reihe nach: Die

kleinen Zwillinge wogen gerade mal je

drei Pfund und waren 36 cm klein, als

sie nach nur acht Monaten Schwangerschaft

in einer schweren Geburt auf

die Welt kamen. Als Kinder waren sie

häufig krank und mussten ab und an

ins Krankenhaus. „Da liefen immer

Nonnen rum. Vor denen hatten wir

als Kinder Angst. Immer wenn wir

eine Nonne sahen, dachten wir, dass

wir wieder ins Krankenhaus müssten“,

erinnern sie sich.

Die Zwillingsmädchen Ursula (auch

Ulla oder Ulli) und die 90 Minuten

jüngere Anni, wie sie damals noch

hießen, waren aufgeweckte Mädchen

und fanden schon in der Schulzeit ihre

Freude daran, andere zu veräppeln.

Ohnehin konnte sie niemand auseinanderhalten.

Auch wenn die eine

eine rote Schleife im Haar trug und

die andere eine blaue: Welche ist denn

nun welche? „Sie riefen uns einfach

„Anni-Ulla“, damit waren wir dann

beide gemeint und das klappte prima“,

erinnern sie sich schmunzelnd.

Als die Mädchen zur Kommunionsvorbereitung

gingen, lauschten sie ehrfürchtig

der Geschichte der Heiligen

Maria Magdalena Postel. Die französische

Katholikin und Ordensgründerin

hat während der französischen Revolution

verbotenerweise im Untergrund

Kinder auf die Heilige Kommunion

vorbereitet, kümmerte sich um Kranke

und brachte ihnen die Kommunion.

„Das machen wir auch, wenn wir groß

sind“, waren sich beide Schwestern

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Die Zwillingsschwestern mit ihrer Schwester Christine.

sofort einig. Die Eltern hatten zwar

anderes geplant, aber das ging gar

nicht. Der Entschluss der Schwestern

stand fest!

„Unser Vater hat noch jahrelang versucht,

uns umzustimmen, aber wenn

wir uns etwas in den Kopf gesetzt haben,

dann ziehen wir das auch durch“,

beteuert Schwester Lucia (oder war es

Schwester Hyazintha?) und die andere

nickt.

Ihre hübschen Ordensnamen verdanken

sie übrigens ihrer Tante, die in

Bolivien als Missionarin tätig war. Sie

hat die Ordensnamen für sie ausgesucht,

die Mädchen selbst durften nur

Vorschläge machen.

Zusammen ist man nie allein

Ohnehin war das Leben im Orden

streng. Nachdem sie sich den Laden bekanntlich

erst mal nur angucken wollten,

meldeten sich dann doch an und

durchliefen alle Stationen vom Postulat

über das Noviziat bis nach acht Jahren

von beiden das Ewige Gelübde abgelegt

wurde.

Von ihren Mitschülerinnen wurden sie

manchmal darum beneidet, nicht allein

zu sein, denn sie hatten sich ja gegenseitig.

„Schwere Stunden gab es immer,

aber wir waren ja nie wirklich allein“,

berichten sie mir.

Viele Jahre später wollte man sie dann

doch einmal trennen und an verschiedenen

Orten einsetzen, aber nach nur

fünf Wochen wurden beide krank.

Schnell brachte man sie wieder zusammen

und sie erholten sich umgehend!

Wie sie es sich im Kindesalter vorgenommen

hatten, arbeiteten beide

nach entsprechender Ausbildung 25

Jahre lang in Kindergärten. Die Kinder

haben sie geliebt, auch wenn der Name

Hyazintha doch sehr kompliziert für

Kinder war. Nach vielen lustigen Versuchen,

sich den Namen richtig zu merken,

wurde dann einfach „Schwesti“

daraus.

Während Schwester Lucia den Kindergarten

in Velmede leitete, führte

Schwester Hyazintha den Kindergarten

in Ostwig. Sie wohnen aber gemeinsam

im Bergkloster Bestwig.

Für jeden Spaß zu haben

Ihre verblüffende Ähnlichkeit sorgt immer

wieder für lustige Momente. Nachdem

ein Prüfer vom Gesundheitsamt

zunächst den Kindergarten in Velmede

inspizierte, fuhr er weiter zum Ostwiger

Kindergarten. Schnell rief Lucia ihre

Schwester an, um über den bevorstehenden

Besuch zu informieren. Als

88 - WOLL Herbst 2020


diese dem Prüfer dann die Tür öffnete,

fragte er verwundert: „Haben wir uns

nicht schon mal gesehen?“ „Nein, wir

sind uns noch nie begegnet“, sagte Hyazintha.

Der Prüfer war total irritiert

und sie hatte sichtlich Spaß daran, ihn

noch ein wenig „anzuschmieren“, wie

sie sagt. Dann mussten die Kinder aber

zu sehr lachen und verrieten lauthals:

„Du, das sind doch Zwillinge!!!“

Als die Schwestern später nicht mehr

im Kindergarten arbeiten konnten,

erfüllten sie sich auch ihren zweiten

Traum aus Kindertagen. Genau wie ihr

Vorbild, die Ordensgründerin, brachten

sie alten und kranken Menschen die

Kommunion, und zwar jahrelang und

zu Fuß. „Es war sehr schön, sich mit

diesen Menschen zu unterhalten und

bei ihnen zu sein“, stellen beide übereinstimmend

fest.

Heute wollen

die Füße nicht

mehr ganz so

wie früher,

aber beide

sind erstaunlich

fit, fröhlich

und verschmitzt

für

ihr Alter. So

ganz nebenbei

machen sie auch

noch seit 17 Jahren

den Küsterdienst in

der Klosterkirche. ■

„Wenn wir uns etwas in den

Kopf gesetzt haben, dann

ziehen wir das auch durch.“

-Schw. Lucia oder

Schw. Hyazintha

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WOLL Herbst 2020- 89


„Beruflich bedingt begleite

ich Menschen in den Tod

und finde es sinnvoll, sie

dann auch zu beerdigen“

Elisabeth Schmidt, Seelsorgliche

Beglei terin und Beauftragte im

Begräbnisdienst

Sabina Butz

Jürgen Eckert

E

lisabeth Schmidt ist eine der beiden ersten Begräbnisleiterinnen

im pastoralen Raum Meschede-

Bestwig. Die Meschederin ist ausgebildete Sozialarbeiterin

und arbeitet als „seelsorgliche Begleitung“ im

Elisabeth-Seniorenheim. Fundierte Ausbildungen also. In

erster Linie aber sieht sie sich im christlichen Dienst der

Nächstenliebe und der Verkündigung.

Wer seine Vorfahren im HSK auf eine Urahnin namens Emerentia

Giesecken bis ins Jahr 1490 zurückverfolgen kann, darf

sich zu Recht als eine echte Sauerländerin bezeichnen. Der

Name Emerentia kommt aus dem Lateinischen und bedeutet

„die Verdienstvolle“. Im Dienst sieht ihre Nachfahrin Elisabeth

Schmidt ihre Aufgabe, und zwar als Dienst im christlichen

Sinne. Dies bedeutet: „Dienen“ nicht in Abhängigkeit

zu einem anderen Menschen, sondern im Sinne von Nächstenliebe

und Verkündigung. Die Sozialarbeiterin arbeitet als seelsorgliche

Begleitung im Elisabeth-Seniorenheim in Meschede

und setzt sich immer wieder mit gezielten Aktionen für die

Mescheder Senioren ein: Während der Corona-Krise organisierte

sie eine Kommunikationsaktion in deren Folge Kontakte,

neuerdings sogar per Tablet oder auch per Videochat, ermöglicht

werden konnten. „Alles, was gegen die Vereinsamung

hilft und den Menschen das Gefühl gibt, nicht vergessen zu

werden, sondern wichtig zu sein, muss einfach ausgenutzt werden.

Das ist manchmal auch eine technische Herausforderung,

wenn es zum Beispiel kein WLAN in der Einrichtung gibt.

Aber: Wir als Team aller Arbeitsbereiche wachsen mit unseren

Aufgaben. Dann kümmern wir uns

zunächst mal um den Zugang zum Internet.“

Beerdigungen sind nicht an das Priesteramt gebunden

Neben der Seelsorglichen Begleitung ist die Diplom-Sozialarbeiterin

seit 2019 Beauftragte im Begräbnisdienst im Pastoralen

Raum Meschede-Bestwig. Was muss man sich darunter

vorstellen und wie kommt man zu dieser Beauftragung?

„Beruflich bedingt begleite ich Menschen in den Tod. Was

liegt also näher, als sie auch zu beerdigen? In der katholischen

Kirche sind Beerdigungen als Werk der Barmherzigkeit nicht

an das Priesteramt gebunden.“

Als erste Teilnehmer aus dem pastoralen Raum Meschede-

Bestwig schlossen Elisabeth Schmidt und Wiltrud Grooten

die achtmonatige Ausbildung zum Begräbnisleiter ab. Diese

Amtsöffnung dient nicht nur der Entlastung der Priester,

sondern entspricht auch einem zeitgemäßen Bedarf. „Vielen

Verstorbenen und deren Angehörigen fehlt heute die Kirchennähe,

gleichwohl möchten sie auf bestimmte Rituale nicht verzichten.

Da ist eine Beauftragte im Begräbnisdienst dann eine

gute Lösung. Wie alle, die im Gottesdienst eine Beauftragung

haben oder im Amt stehen, tragen wir dort eine Albe, nur statt

weiß hier grau. Eine Albe ist ein Gewand, das ich auch trage,

wenn ich eine Wort-Gottes-Feier leite.“

Rückhalt im Glauben

Schon wieder so ein Wort, das nicht jedem gleich bekannt ist.

Was ist eine Wort-Gottes-Feier?

90 - WOLL Herbst 2020


„Ja, ich weiß, die Begriffe sind gelegentlich recht gewöhnungsbedürftig,

aber eigentlich immer schnell zu erklären:

Ein Wortgottesdienst ohne Kommunionspendung nennt

man Wort-Gottes-Feier. Solche Wort-Gottes-Feiern leite ich

regelmäßig in einzelnen Gemeinden. Unsere Kirche ist - oder

besser war - so reich an liturgischen Formen. Die Form der

Wort-Gottes-Feier wurde vor Jahren wiederentdeckt, denn:

“Nicht vom Brot allein lebt der Mensch, sondern von jedem

Wort, dass aus dem Munde Gottes kommt.“ Vor diesem Hintergrund

sehe ich meine Aufgabe als Leiterin dieser Gottesdienstform

darin, den Zuhörern die Worte der Bibel für das

Lebensgeschehen der heutigen Zeit nutzbar zu machen, ihnen

mein Verständnis als Denkanstoß mitzugeben und natürlich

Gott gemeinsam zu loben und ihm zu danken!

Als Vorsitzende des Pfarrgemeinderats St. Walburga in

Meschede sowie als Reisebeauftragte der KFD dürfte sich die

Frage nach weiteren Hobbys eher erledigt haben?

„Ja, ich muss schon aufpassen: „Meine Familie darf nicht zu

kurz kommen. Ohne die Unterstützung meines Mannes und

meiner erwachsenen Kinder würde mir gewiss oft die Kraft

fehlen, die mein Beruf und meine Berufungen mir abverlangen.

Ich denke oft an den Spruch vom ehemaligen Pfarrer

Johannes Sprenger: ‘Frau Schmidt, wer in allen Pötten rührt,

muss aufpassen, dass nichts anbrennt!’ “

Elisabeth Schmidt mit ihren Alben

Elisabeth Schmidt, Jahrgang 1962, verheiratet, zwei

erwachsene Kinder, studierte an der katholischen Fachhochschule

Paderborn mit dem Abschluss Diplom-Sozialarbeiterin.

Sie arbeitet als seelsorgliche Begleitung

im Caritas Seniorenzentrum St. Elisabeth. Ehrenamtlich

ist sie Beauftragte im Begräbnisdienst im Pastoralen

Raum Meschede-Bestwig, Wortgottesfeier-Leiterin und

Vorsitzende des Pfarrgemeinderats St. Walburga.

Wir müssen lernen, Nähe verbal zu vermitteln

Wie hat die Corona-Pandemie Ihr Leben verändert?

„Die äußeren Einschränkungen waren schon eine gewaltige

Herausforderung. Aber es war auch wohltuend, sich nur noch

dem Wesentlichen zu widmen. Sowohl in der Seelsorge als

auch bei den Beerdigungen ist Nähe ganz wichtig. Das gilt

auch für körperliche Nähe, wie zum Beispiel das Handhalten

oder einfach nur über den Arm streicheln. Wir müssen lernen,

diese körperliche Nähe nun verbal umzusetzen, was nicht

immer leicht, und manchmal auch einfach nicht machbar ist.

Die Auswirkungen des räumlichen Distanzgebotes können

wir bislang nur erahnen. Da wird Nähe, räumliche Nähe, die

so ungeheuer wichtig für unsere gesellschaftliche Kommunikation

ist, zu einem gefährlichen Risiko, das es zu vermeiden

gilt. Andererseits sehe ich aber auch eine Chance, unsere Verbundenheit

in der Gesellschaft auf andere Art und Weise zum

Ausdruck zu bringen. Die neuen sozialen Medien spielen jetzt

sicherlich eine besondere Rolle. ■

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WOLL Herbst 2020- 91


Ein Posaunist ohne Schützenfest

Wie Covid-19 den Alltag einer

Musikkapelle durcheinanderbringt

Anne von Heydebrand

Philipp Nolte

Seine Posaune steht am Notenständer vor dem Fenster. In den letzten Monaten stand Jonas Walter

oft hier und spielte für seine Nachbarn ein Ständchen. Anfangs nur als Zeitvertreib und um

seine Mitmenschen ein bisschen von der Corona-Pandemie abzulenken. Später, als sein direkter

Nachbar an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung verstarb, versuchte er den Hinterbliebenen etwas

Trost zu geben. „Zu dem Zeitpunkt herrschte noch der Lockdown und ich konnte ja nicht einfach rübergehen

und mein Beileid ausdrücken“, erzählt Jonas Walter. Der Betriebswirt ist seit 18 Jahren Mitglied

im Musikverein Amecke und die Maßnahmen der Corona-Pandemie treffen auch den 30-Jährigen

und seinen Verein schwer. Denn was macht ein Posaunist ohne Schützenfest?

92 - WOLL Herbst 2020


„Aktuell ist es wirklich schwer, alle zu motivieren. Bei den

Proben fehlt uns einfach das Ziel“, erklärt der Musiker ehrlich.

Er und seine Kollegen aus dem Verein begleiten eigentlich

jeden Sommer mindestens drei Schützenfeste als Festkapelle.

Außerdem sorgt er abends als Mitglied der Tanzkapelle

“Sorpebeats“ für die richtige Stimmung in der Halle. Doch in

diesem Jahr ist alles anders. Die Corona-Pandemie verdonnerte

auch den Musikverein Amecke zu einer wochenlangen

Zwangspause. Erst seit kurzem dürfen die Musiker wieder

ihre Stücke einüben und das auch nur, wenn sie die strengen

Auflagen einhalten. So müssen sie beispielsweise mindestens

zwei Meter Abstand voneinander halten und den Schalltrichter

ihres Instrumentes mit einem Schutz bedecken. Zu groß

ist die Gefahr, dass beim Spielen Aerosole abgegeben werden,

die möglicherweise Viren enthalten können. Und weil das

Vereinsheim für diese Auflagen einfach zu klein ist, probt die

Kapelle zurzeit in der Schützenhalle. „Wenn das der Preis ist,

dann zahlt man ihn natürlich auch“, sagt Jonas Walter. Doch

ohne ein Schützenfest oder ein Konzert, fehlt das Hauptziel,

für das man sonst regelmäßig proben muss. Dadurch ist die

Stimmung unter den Musikern etwas getrübt.

Musikunterricht per Video-Schalte

Doch viel problematischer ist die Situation für die Jugendarbeit.

Im Musikverein Amecke sind Musiker schon ab dem

Grundschulalter willkommen, aber ohne regelmäßige Proben,

bleibt die Motivation der Kleinsten schnell auf der Strecke.

Deswegen hatte sich der Verein während der Kontaktsperre

etwas Besonderes einfallen lassen: Der Musikunterricht

wurde per Videoschalte fortgesetzt und die Lehrer haben den

Schülern per Live-Schalte genaue Anweisungen gegeben. Zwar

weiß auch der Posaunist, dass das die regulären Proben nicht

ersetzen konnte, doch während des Lockdowns mussten sich

alle etwas einfallen lassen.

Aber auch wenn die Proben wieder anlaufen, bleiben die

Schützenfeste und auch alle anderen Veranstaltungen bis auf

weiteres verboten. Besonders bitter für den 30-Jährigen, der

nicht nur die ausgelassene Stimmung in der Halle vermisst:

„Wir spielen seit Jahren immer in den gleichen Orten und ich

habe dort echte Freunde gefunden. Auf die freue ich mich

jedes Jahr und es ist wirklich schade, dass ich in diesem Jahr

nicht mit ihnen feiern kann.“

Nicht nur die Schützenfeste fallen dieses Jahr ins Wasser, auch

die Vereinstour musste abgesagt werden. „Das Risiko ist einfach

zu groß und die Kosten kann der Verein dieses Jahr nicht

stemmen“, erklärt der Musiker und empfindet die Absage

besonders hart. So eine Tour schweiße das Team zusammen,

meint er. „Wir spielen jedes Jahr komplett unentgeltlich. Das

Geld, dass die Kapelle für ein Schützenfest bekommt, fließt zu

100 Prozent in den Verein. Wir müssen ja sogar im Jahr mehrere

Tage Urlaub nehmen, sonst schafft man so ein Schützenfest

nicht… Da muss die Stimmung in der Truppe schon echt

gut sein und man muss super zusammenpassen. Sonst macht

man so ein Hobby nicht.“ – Und gerade diese Stimmung

macht den Reiz für Jonas Walter aus.

WOLL Herbst 2020- 93


Doch wie geht es nun für

die Musiker weiter?

Der 30-Jährige zuckt niedergeschlagen

mit den Schultern. Im Januar sei

gemeinsam mit dem Schützenverein

ein Winterschützenfest geplant, an

dem man bisher festhalten wolle. Ob es

wirklich stattfinden kann, bleibt unklar.

Aber eins weiß er jetzt schon: Nächste

Saison muss wieder gespielt werden,

denn dem Verein fehlen die Einnahmen

und die Kosten laufen ja trotzdem

weiter. „Wir haben zwar Fördergelder

erhalten, mit denen die Kosten für die

Lehrer bezahlt werden konnten, aber

auf die Dauer benötigt auch der Verein

neue Einnahmen“, erklärt Jonas Walter.

Bis dahin will der Betriebswirt weiter zu

den Proben gehen. Denn für ihn ist der

Musikverein mehr als nur Marschmusik

und Tanzkapelle. Hier hat er echte

Freundschaften geknüpft, die sogar ein

Jahr ohne Schützenfest problemlos überstehen.


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Herbstgedanken

Robert Dröge

Ja, ganz sicher, ohne Frage,

auch der Herbst hat schöne Tage.

Gräser, Blätter färben sich

strahlend bunt im Sonnenlicht.

Spinnennetze wie mit Perlen bestickt,

erste Morgennebel werden erblickt.

Milder scheint die Sonne nun,

in Feld und Garten ist viel zu tun.

Viele Menschen, Frau wie Mann,

treten in den Herbst ihres Lebens dann.

Haare färben sich silbern-grau -

wenn auch nicht bei jeder Frau.

Man wird bescheiden, genießt die Tage.

Gesundheit wird wichtig, keine Frage.

Viel Zeit für die schönen Dinge des Lebens,

der Vergangenheit nachtrauern, das ist vergebens.

Herbstmenschen schauen nach vorn, nicht zurück.

Jeder Tag ein Geschenk, einfach nur Glück.

Und kommen auch mal Tage mit Sturm und Regen

… im Sommer 2019 waren Regen ein Segen.

Genießen wir das Leben mit der großen Rentnerschar.

Ja, auch das Leben im Alter ist wunderbar.

Vergessen die Mühe, vergessen die Plag,

danken dem Herrgott für jeden Tag. ■

Otmar Alt:

„Das Leben

ist ein

Versuch.“

Sonderausstellung im

Gustav-Lübcke-Museum, Hamm

Anlässlich seines 80. Lebensjahres würdigt das

Gustav-Lübcke-Museum den international

angesehenen Künstler mit einer großen Jubiläumsausstellung.

Otmar Alt ist einer der renommiertesten und populärsten

Künstlerpersönlichkeiten Deutschlands. In seinem sechs

Jahrzehnte umspannenden künstlerischen Werdegang

hat der am 17. Juli 1940 in Wernigerode/Harz geborene

Künstler stets seine schöpferische und einfallsreiche Kreativität,

die spielerische Leichtigkeit seiner farbenfroh leuchtenden

Gestaltungen und auch seine soziale Stärke bewahrt.

Sein Œuvre steht für eine energiegeladene Kunst, die

Menschen ermutigt, beflügelt und sie optimistisch stimmt.

Auf über 500 qm entfaltet sich das malerische Werk des

großen Farbzauberers und geistsprühenden Fabulierers von

den Anfängen bis zur Gegenwart. In Dialog mit der Malerei

treten Alts kunsthandwerkliche Arbeiten, darunter Objekte

und Figuren aus Keramik, Bronze, Holz und Stoff sowie

seine Kreationen für Bühnenstücke und für den Naturraum.

Eine besondere Stellung nehmen die von Alt entworfenen

Glasgrotesken ein, die der Künstler gemeinsam

mit versierten Glasmachern erarbeitet hat. Viele der 150

Exponate stammen aus der Otmar-Alt-Stiftung und aus

Galerien; etliche Werke kommen zum Teil von ganz überraschend

entdeckten privaten Leihgebern, die ihre Arbeiten

dankenswerter Weise für die aktuelle große Schau für fünf

Monate zur Verfügung stellen. Die Ausstellung wird mit

einem vielfältigen Rahmenprogramm begleitet.

Auf die Sonderausstellung Otmar Alt – Das Leben ist

ein Versuch folgt ab dem 8. November 2020 bis 7. März

2021 die kleinere Schau „Erinnerung im Kleinen“, die

erstmals das Lebenswerk Otmar Alts, bestehend aus 80

kleinen Büttenarbeiten zeigt. ■

Sonderausstellung vom 11.10.2020 bis 07.03.2021

Gefördert durch:

Gustav-Lübcke-Museum

WOLL Herbst 2020- 95

Neue Bahnhofstraße 9 | 59065 Hamm | www.museum-hamm.de


Advertorial

Das neue Menschenbild

Die Azubis des Josefsheims Bigge lernen für ihr Leben

– und das mit Spaß und Leidenschaft

Draußen unterwegs an den Ruhrauen mit Benno H., Felix T., Luzie H.

und Laurent W. (nicht im Bild) sowie der Kollegin Ramona Behnke.

Inga Bremenkamp

Jürgen Eckert

geprägt

hat mich das neue

„Besonders

Menschenbild, das

ich in meinen Ausbildungsjahren

von Menschen mit Behinderungen

bekommen habe. Bevor ich im Josefsheim

als Azubi angefangen habe,

dachte ich, dass mich die Menschen

mit Behinderung wegen ihrer nachgesagten

Intelligenzminderung

vielleicht gar nicht verstehen. Aber

diese Menschen sind sehr emotional

intelligent und verstehen fast alles,

was ich ihnen sagen will. Und ich

verstehe sie über ihre Mimik und

Gestik – auch wenn sie teilweise gar

nicht sprechen können“, berichtet

Noah Borgmann über eine seiner

wertvollsten Erkenntnisse, die er im

Rahmen seiner Ausbildung im Josefsheim

Bigge gemacht hat.

Noah Borgmann hat seine Ausbildung

zum Erzieher im Josefsheim Bigge im

Sommer 2020 erfolgreich beendet und

ist stolz auf das, was er in der Einrichtung,

die auf Erfahrungen aus über 110

Jahren zurückgreifen kann, gelernt hat.

„Ich freue mich schon sehr darüber,

dass ich die Ausbildung hier gemacht

habe. Ich habe viel gelernt und weiß

jetzt, dass man auch mit Menschen

mit Behinderung lachen und viel Spaß

haben kann“, sagt der 20-Jährige und

schmunzelt herzlich. Der Olsberger hat

vor seiner Ausbildung zwei Jahre lang

das Berufskolleg in Olsberg besucht

und dann sein Anerkennungsjahr im

Wohnhaus für Kinder und Jugendliche

des Josefsheims Bigge absolviert.

„Ich habe früh gemerkt, dass mir vor

allem die Arbeit mit den Kindern und

Jugendlichen liegt und bin froh, dass

ich die Möglichkeit bekommen habe,

eng mit ihnen zusammenarbeiten zu

können“, erklärt Noah Borgmann, der

ab Herbst Sozialpädagogik auf Lehramt

studieren möchte, um eines Tages selbst

Erzieher ausbilden zu können.

Das Josefsheim Bigge als Dienstleister

für Menschen mit Unterstützungsbedarf

bietet neben der Erzieher-Ausbildung

auch die Ausbildungen zum

Kaufmann für Büromanagement, zum

Heilerziehungspfleger sowie in Kooperation

mit der Elisabethklinik Bigge

zum Pflegefachmann/-frau an. „Ich

habe meine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin

im Juni 2020 beendet

und bin jetzt sehr facettenreich und

vielseitig einsetzbar“, berichtet Paula

Fischer, die Dank ihrer Ausbildung sowohl

mit Kindern und Jugendlichen als

96 - WOLL Herbst 2020


Berufliche Heimat

Berufseinsteigern bietet das Josefsheim Bigge Ausbildungs-/ und Praktikumsmöglichkeiten mit dem Schwerpunkt der direkten

persönlichen Unterstützung von Menschen mit Behinderung oder der indirekten Dienstleistung in der Verwaltung.

Berufserfahrene, die sich beruflich verändern möchten, sind jederzeit willkommen. Denn deren Erfahrungen sind enorm

wichtig für die berufliche Neuausrichtung im Team des Josefsheim Bigge.

auch mit Menschen im höheren Alter

zusammenarbeiten kann. „Ich würde

Jedem, der gedanklich mit einer Ausbildung

im Josefsheim Bigge spielt, vorab

ein Praktikum empfehlen. Man muss

erst einmal schauen, was einem liegt

und sich überlegen, was das persönliche

Ziel ist. Viele haben Angst davor, mit

Menschen mit Behinderung zu arbeiten.

Ich selbst kann das gar nicht nachvollziehen,

weil sie genau wie Du und

ich ganz normale Menschen sind. Auch

Menschen mit Behinderung wollen

und können herzlich lachen – oft sogar

völlig losgelöst über sich selbst“, erzählt

Paula Fischer, die sich selbst anfangs in

Geduld üben musste. „Ich bin wirklich

kein geduldiger Mensch. Aber man

wächst mit den Menschen und Aufgaben

hier. Wenn es manchmal dauert,

bis die Hand am Rolliknopf ist, dann

dauert das in dem Moment halt einfach

mal. Dann wartet man und freut sich,

wenn das geschafft ist. Es ist wichtig,

die Menschen mit Behinderung so

selbstständig wie möglich zu erziehen“,

weiß die 21-Jährige Winterbergerin, die

ihre Ausbildung integriert absolviert

hat. „Ich bin drei Tage pro Woche zur

Schule gegangen und habe wöchentlich

an zwei Tagen im Haus Jakobus gearbeitet.

Ich fand dieses Modell super,

weil ich das theoretisch gelernte in der

Praxis so direkt anwenden konnte“, sagt

die inzwischen fest angestellte Heilerziehungspflegerin,

die im Rahmen

ihrer Ausbildung im Josefsheim Bigge

genau wie Noah Borgmann ein neues

Menschenbild getreu dem Motto #Im

Mittelpunkt der Mensch erworben und

damit ganz sicher für ihr ganzes Leben

gelernt hat. ■

Josefsheim

Bigge

Josefsheim gGmbH

Heinrich-Sommer-Straße 13

59939 Olsberg | Tel.: 02962 800-0

info@josefsheim-bigge.de

WOLL Herbst 2020- 97


Der Buiterling: Datt krisse für nicks

Sabina Wefing

Anke Kemper

Der Sauerländer nimmt es mit der deutschen

Sprache durchaus eigenwillig auf: Schon Annette

von Droste-Hülshoff bemerkte, wie schwer es

im Sauerland fällt, „traurig zu sein“. Das muss man erst

einmal verstehen: Man könnte doch auch einfach fröhlich

sein? Ähnlich verhält es sich mit den Unmutsäußerungen.

„Meckern“ bedeutet, wenn es als menschliches Verhalten

bezeichnet wird, Unmut ausdrücken, kritisieren, bemängeln.

Wenn der Sauerländer „nicht meckern kann“, dann

könnte man doch meinen, dass er höchst zufrieden ist? Ist

er auch, er sagt es nur anders.

Dem Sauerländer sein Gräuel ist der Genitiv: Die Frau

seines Nachbarn ist „Mein Nachbar seine Frau“, und das

versteht doch nun jeder oder, wie der Sauerländer sagen

würde: „Da kannste für!“

Es gibt so wunderschöne Ausdrücke hier im HSK, die auch

noch in Gebrauch sind (und bitte bleiben sollen). Meine

Lieblingswörter sind:

Der Nachtpolter, den ich zu Anfang für ein Gespenst

gehalten habe, und bis jetzt nicht weiß, warum ein Schlafanzug

poltern sollte.

Auch „dudeldicke“ ist eine viel treffendere Bezeichnung für

einen bierseligen Menschen, als wenn man den korrekten

Promillewert angeben würde.

Der Sauerländer stammt auch nicht von seinen Vorfahren

ab, sondern er „kommt wech“. Das versteht ebenfalls jeder

sofort.

Dieses Allgemeinverständliche und absolut Unprätentiöse

imponiert mir enorm. Der Sauerländer hält das durch bis

zum bitteren Ende, und dann stirbt er nicht etwa, sondern

„er geht tot“.

Und dieses Totgehen, „datt krisse für nicks.“ ■

98 - WOLL Herbst 2020


Leben im Sauerland

WOLL

Worte, Orte, Land und Leute.

Verlags-Spezial

Innovationen und

Ideen aus dem

Sauerland

Marketing-Club Hochsauerland Seite 100

Innovationstandort Sauerland Seite 102

MENNEKES Kirchhundem Seite 104

Interview mit IHK-Präsident Rother Seite 110

60 Jahre Fraunhofer-Institut IME Seite 112

Die BUNTE VOGEL GmbH & Co. KG Seite 115

30 Jahre EGGER in Brilon Seite 116

WOLL Herbst 2020 - 99


Anzeige

„Marketing-Metropole

Sauerland? Warum nicht!“

Weitere Infos unter:

br@digitalcompliant.de

Benjamin Richter, Präsident des

Richter

Marketing-Clubs HochsauerlandBenjamin

www.digitalcompliant.de

Benjamin Richter (35) ist Inhaber der Firmen

Procova und digital compliant, zwei Schmallenberger

Unternehmen, die im Bereich der Datensicherheit,

QM und Systemaudits tätig sind.

WOLL: Wie kam es zu diesem völlig anderen Betätigungsfeld,

dem Marketing:

B.R.: Im Sachen Netzwerk bin ich schon lange aktiv. Mein

Gedanke war, meine Start-Ups zu einem größeren Netzwerk

zusammenzufassen und dabei die Region nach vorne

zu bringen.

WOLL: Wieso ausgerechnet ein Marketing-Club?

B.R.: Ich war schon längere Zeit beim Marketing-Club

Siegen. Nach einem 10 bis 12-Stunden-Tag immer noch

zusätzlich zwei weitere Stunden zu Veranstaltungen zu

fahren, war auf Dauer etwas anstrengend. Schließlich

wollte ich mir auch ein wenig Privatleben bewahren. Also

habe ich mich mit dem Dachverband des Marke ting-Clubs

in Verbindung gesetzt. Die Resonanz auf die Gründung

eines solchen Clubs im HSK war großartig. Es dauerte

dann auch nicht sehr lange bis zur Gründung.

WOLL: Welche Aufgaben haben Sie als Präsident?

B.R.: Ich bin u. a. für die Mitgliedergewinnung zuständig,

für das PR und die Auswahl der Trainer.

WOLL: Können Sie sich eine „Marketing-Metropole

Sauerland“ vorstellen?

B.R.: Warum nicht. Das liegt zwar noch in etwas weiterer

Ferne, ist aber durchaus keine Utopie.

JETZT MITGLIED WERDEN!

Ihre Vorteile auf einen Blick

• Mit über 60 Clubs sind wir DIE Marketing

Community in Deutschland

• Erfahren Sie die neuesten Trends durch den

Austausch mit anderen Club-Mitgliedern

• Lernen Sie auf den Club-Abenden neue und

spannende Persönlichkeiten kennen

• Bauen Sie eigenes Marketing Know-how

durch ganzjährige Workshops und Vorträge auf

• Genießen Sie als Mitglied Sonderkonditionen bei

Veranstaltungen des Dachverbandes (DMV)

• Nutzen Sie die exklusiven Vorteile der

Verlagsgruppe Handelsblatt

(u.a. ein Freiexemplar der „Absatzwirtschaft“)

• Zeigen Sie Ihren Expertenstatus als Referent

eigener Workshops (von Mitgliedern für

Mitglieder)

100 - WOLL Herbst 2020

Nächste Veranstaltungen:

22.09.2020 LinkedIn – Masterclass für

Führungskräfte, Vertrieb

und Marketing

Arnsberg

09.10 2020 Mitgliederversammlung in

der Veltins Eisarena

Winterberg

17.11.2020 Katjes...yes, yes, yes:

Besuch beim Gewinner

des Deutschen Marketing

Preises

Dortmund

24.11.2020 CoWorking – Buzzwort

oder doch das künftige

Arbeitsformat?

Meschede

www.marketingclub-hsk.de


Marketing-Club Hochsauerland:

WE WILL ROCK YOU

„Wir wollen Sie rocken, wir wollen Sie mitreißen. Weil

wir selbst davon begeistert sind, welche Möglichkeiten

modernes Marketing bietet.“

Benjamin Richter ist eingefleischter Sauerländer. Und

er ist Präsident des im letzten Jahr gegründeten Marketing-Clubs

Hochsauerland. Angesichts der vielen

Leerstände in Sauerländer Städten und Dörfern schwirrten

ihm viele Gedanken im Kopf herum. „Was ist hier

schiefgelaufen?“ fragte er sich. Bald schon wurde ihm die

Antwort klar: „Hier fehlt ganz gewaltig etwas. Und ich

weiß auch was… MARKETING!“

Schon immer war es so, dass ein guter Geschäftsmann,

ein guter Firmenchef up to date sein musste. Heute muss

er zudem auch gut vernetzt sein. Das weiß jeder kluge

CEO, wie man Geschäftsführer heute nennt.

Der Club-Präsident ergänzt: „In heutiger Zeit kann sich

kein Unternehmen mehr der Wirkung von Internet und

Social Media entziehen. Nicht mehr nur junge Menschen

nutzen das Internet.“ Ein Netzwerk, das genau auf alle

Klein-, Mittel- und Großunternehmer im Hochsauerland

zugeschnitten ist, ist das des im Juli 2019 gegründeten

Marketing-Clubs Hochsauerland. Sein Ziel ist die

Verbrei tung und Weiterentwicklung des Marketings, als

lebendiger Bestandteil des Wirtschaftslebens in unserer

Region und die Weiterbildung seiner Mitglieder.

Die derzeit 30 Netzwerker treffen sich regelmäßig zu

Clubabenden, man tauscht sich mit Gleichgesinnten aus,

bekommt Schulungen von kompetenten und manchmal

auch prominenten Experten, mit Wissenschaftlern und

Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Auch Betriebsbesichtigungen, Workshops und gemeinsame

Kampagnen stehen auf dem Programm. Insgesamt

werden gezielte Informationen, praxisnahe Weiterbildung,

Gedanken- und Erfahrungsaustausch in angenehmer

Atmosphäre geboten.

Der nächste Workshop des Marketing-Clubs findet am

22.09.2020 zum Thema ‘LinkedIn’ bei der IHK Arnsberg

statt. Anmeldungen sind noch möglich bis zum 18.09.

unter: www.marketingclub-hsk.de/veranstaltungen/linkedin-workshop/


Vize-Präsident Dragan Matijevic, Präsident Benjamin Richter, Vize-Präsident

Sascha Rademacher, Felix Thönnessen, Geschäftsführer Christoph Kleine (v.l.)

WOLL Herbst 2020 - 101


Innovationsstandort Sauerland

Von Prof. Dr. Claus Schuster, Rektor der Fachhochschule Südwestfalen

Prof. Dr. Claus Schuster

FH Südwestfalen

Naturerlebnisse pur. Mit grüner Landschaft, frischer Luft,

wunderschönen Wanderwegen, malerischen Ortschaften,

glasklaren Seen und sportlichen Aktivitäten zu jeder Jahreszeit

hat sich das Sauerland als Tourismusregion erfolgreich

positioniert.

Der Tourismus ist zweifellos ein Aktivposten des Sauerlandes.

Ein weiterer ist seine erfolgreiche Wirtschaft. Das Sauerland

ist nicht nur das „Land der tausend Berge“, sondern

auch das Land der Weltmarktführer. Davon gibt es über

160 in Südwestfalen. Keine andere Region in Deutschland

weist so viele „Hidden Champions“ auf. Südwestfalen und

das Sauerland als Teilregion sind die stärkste Industrieregion

Nordrhein-Westfalens und nehmen Platz drei im

bundesdeutschen Vergleich ein. Mittelständler, Familienunternehmen

– teilweise seit Generationen – haben es verstanden,

Tradition und Innovation erfolgreich miteinander

zu verweben und sich in Nischenmärkten einen Platz an

der Weltspitze zu erobern.

Der starke Mittelstand ist die verantwortliche Kraft für

ein wirtschaftlich starkes Sauerland. Weltmarktführer

und international tätige Unternehmen in den Kernbranchen

Metall- und Maschinenbau, Gebäudetechnik, Automotive,

Kunststoffverarbeitung, Holzindustrie und Gesundheitswirtschaft

sind hier zu Hause. Sie produzieren

Hightech-Produkte, die maßgeblich zum Erfolg des Wirtschaftsstandortes

Deutschland beitragen. Ob Auto, Bad,

Hauselektronik oder Medizin – Produkte aus dem Sauerland

sind aus dem Alltag nicht wegzudenken.

Gemeinsam stark

Zum Innovationsstandort wird das Sauerland aber auch

durch das enge Zusammenspiel von Unternehmen und

Wissenschaft. Hochschulen, wissenschaftliche Institute

und gemeinsame Entwicklungszentren sorgen für neue

Produkte oder innovative Prozessoptimierungen und sichern

so die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen.

Eine Stärke der Region ist auch die Zusammenarbeit in

Branchennetzwerken oder Kompetenzzentren wie dem

Automotive Center Südwestfalen in Attendorn. Das Automotive

Netzwerk Südwestfalen, das Lichtforum NRW, das

Netzwerk Maschinenbau Südwestfalen, die Brancheninitiative

Gesundheitswirtschaft Südwestfalen e.V., das Zentrum

HOLZ und der Transferverbund Südwestfalen: Sie

alle haben ihren Sitz im Sauerland.

Digital, nachhaltig und authentisch: Mit diesem Motto

beteiligt sich Südwestfalen an der Regionale 2025. Die

Regionale, ein Strukturprogramm des Landes Nordrhein-

102 - WOLL Herbst 2020


Westfalen, fördert Regionen, die über Kreisgrenzen hinweg

zusammenarbeiten und ihre Stärken, charakteristischen

Merkmale und Qualitäten herausarbeiten. Nach

2013 findet die Regionale bereits zum zweiten Mal in

Südwestfalen statt. Auch diesmal gilt: gemeinsam die Stärken

bündeln und ein Entwicklungskonzept für die digitale

Zukunft erarbeiten.

Mit drei staatlichen und zwei privaten Hochschulen verfügt

Südwestfalen über eine vielfältige und dichte Hochschullandschaft.

Zahlreiche wissenschaftliche Institute

sorgen darüber hinaus für den wichtigen Forschungs- und

Technologietransfer.

Die Fachhochschule Südwestfalen ist eine davon und mit

Standorten in Iserlohn und Meschede sowie einem Studienort

in Lüdenscheid im Herzen des Sauerlandes beheimatet.

Unser Studienangebot in den Bereichen Agrarwirtschaft,

Designmanagement und Produktentwicklung,

Gesundheits- und Naturwissenschaften, Informatik und

Digitalisierung, Medien und Kommunikation, Pädagogik

und Psychologie, Technik und Ingenieurwesen, Umwelt

und Nachhaltigkeit sowie Wirtschaft und Recht sorgt

nicht nur für gut ausgebildete Fachkräfte, sondern korrespondiert

auch eng mit der hiesigen Branchenstruktur.

Forschung und Entwicklung:

praxisnah und zukunftsorientiert

Regional verankert, aber auch international ausgerichtet,

verstehen wir uns als Partner für die Wirtschaft. Wir suchen

nach technologischen Lösungen von morgen und

übermorgen, für die Praxis und mit der Praxis. Angeschlossene

Forschungs- und Transferinstitute vernetzen die

Fachhochschule Südwestfalen in den Forschungsfeldern

Agrarwirtschaft und ländliche Entwicklung, Automotive,

Gesundheit, Informations- und Kommunikationstechnik,

Supply Chain Management, Technologie und Innovationsmanagement,

Umwelt und Energie sowie Werkstoffe.

Bei uns steht der Anwendungsbezug im Fokus. Dazu gehört,

dass fast alle unserer Studierenden ihre Abschlussarbeiten

in Kooperation mit Unternehmen verfassen, ihr Wissen

den Firmen also direkt zugute kommt. Ein Beispiel ist Jan

Wiggeshoff. Der Iserlohner Mechatronik-Absolvent hat in

seiner Bachelorarbeit die Mensch-Maschine-Kollaboration

in den Blick genommen, mit dem Erfolg, dass in dem Unternehmen

jetzt Mensch und Maschine einvernehmlich im

Team zusammenarbeiten. Durch die Optimierungen von

Jan Wiggeshoff konnten darüber hinaus störungsbedingte

Ausfälle des Roboters von circa zwei Stunden auf nur wenige

Minuten reduziert werden. Die Auslastung des Roboters

wurde dadurch zusätzlich um 27 Prozent gesteigert. Ein direkter

Mehrwert für das Unternehmen.

Der Nutzwert für die Praxis steht im Mittelpunkt unserer

Forschungsaktivitäten. Im Projekt City-Lab unterstützen

wir beispielsweise Kommunen, auch des Sauerlandes, bei der

digitalen und betriebswirtschaftlichen Stärkung von Einzelhandel,

Gastronomie und Handwerk, um die Innenstädte

zukunftssicher zu machen. Gemeinsam mit der Universität

Siegen, der Ruhr-Universität Bochum und dem Fraunhofer-

Institut für Angewandte Informationstechnik fördern wir

bei den kleineren und mittleren Unternehmen die digitale

Kompetenz. Im Rahmen der Regionale möchten Forscher

aus Meschede den regionalen Unternehmen die Blockchain-

Technologie nahebringen, damit diese ihre Lieferketten verbessern

und der Zahlungs- und Bestellverkehr sowie die Abrechnungen

einfacher und sicherer werden.

Die Innovationskraft einer Region hängt auch damit zusammen,

welchen Nährboden sie Unternehmensgründerinnen

und -gründern bietet. Südwestfalen und das Sauerland

sind auch hier ganz vorne. Am Hochschulstandort

Meschede bietet die Fachhochschule Südwestfalen den

Studienschwerpunkt Entrepreneurship an. Studierende

lernen hier Unternehmertum nicht nur theoretisch, sondern

auch praxisnah kennen und erfahren, wie ein kreativer

Erfindergeist zu einem erfolgreichen Start-Up führen

kann. Im Forschungsprojekt StreamUp wurden gerade

mobile Coworking Spaces entwickelt, die innovative Köpfe

der Region zusammenbringen sollen. Ein Prototyp steht

im Arnsberger Kaiserhaus.

Keine Frage: Das Sauerland hat ein enormes touristisches

und wirtschaftliches Potenzial und wird sich auch in Zukunft

als Innovationsstandort behaupten.

WOLL Herbst 2020 - 103


Foto: Christopher Reuter

MENNEKES Industriesteckvorrichtungen werden in über 90 Ländern der Erde eingesetzt. Christopher und Walter Mennekes

betonen: „Verlässlich tun sie ihren Dienst, wo hohe Ströme sicher übertragen werden müssen!“ Selbst im tiefsten Winter. Stecker,

Kupplungen oder Steckdosen in über 15 000 Varianten – aus Kirchhundem.

„Ausbildung ist Vertrag auf Gegenseitigkeit.“

Zu Gast bei Mennekes in Kirchhundem

Senior Walter und Junior Christopher:

Zwei Sauerländer durch und durch

Gisbert Baltes und Werner Riedel

Für 10:30 Uhr sind wir verabredet. Es ist ein sonniger Dienstagvormittag.

Wir sind pünktlich und wollen uns beim Empfang

anmelden, um in die Chefetage zu gelangen. Doch das

ist nicht nötig. Walter und Christopher Mennekes, Vater und

Sohn, stehen bereits persönlich am Haupteingang und begrüßen

uns im sommerlichen Business Outfit mit freundlichen

Worten und einem kräftigen Sauerländer Ellebogendruck.

Dann bittet Seniorchef Walter (72) erst einmal zu einem kleinen

Sektempfang ins Foyer, das mit großformatigen Fotos an

den Wänden den Werdegang des Unternehmens Mennekes dokumentiert.

Dieser Empfang sei schon ein Ritual für alle Gäste,

sagt er, und fügt hinzu: „Egal, wer kommt.“ Und das mögen

inzwischen ein paar tausend gewesen sein, die sich in den

letzten Jahren und Jahrzehnten bei den „Steckerkönigen“ in

Kirchhundem, in der Aloys-Mennekes-Straße 1, die Türklinke

in die Hand gaben. Benannt nach dem Gründungsvater, der

einst in der Schützenhalle von Kirchhundem den Grundstein

für den Welterfolg legte. Denn die Welt tankt Strom mit Mennekes.

Von Alaska bis Neuseeland.

Wir fahren mit dem Aufzug nach oben, nehmen Platz an

einem runden Tisch. Es gibt Kaffee, Wasser, belegte Brötchen

und Schokoladen-Plätzchen. Der Blick durch die

großen Panoramafenster des Mennekes-Stammsitzes gleitet

über das Hundemtal und fällt auf den Sendemast am

gegenüberliegenden Krähenberg. Nach dem Motto „Probleme

sind dafür da, gelöst zu werden“ hat das Unternehmen

den Mast selbst errichten lassen, um eine ungestörte

Datenübertragung zum betriebseigenen Werkzeugbau im

gerade mal einen Kilometer entfernten Jammertal in Lennestadt

zu gewährleisten.

Ob Tränental oder sich anschließendes Jammertal – von

solchen Namen lassen sich Walter und Christopher nicht

abschrecken. Da hat sich das Unternehmen bei seinen

weltweiten Ambitionen schon ganz anderen Herausforderungen

stellen müssen. Sei es das Engagement in England

seit Beginn des neuen Jahrtausends oder in China. Auf

der Insel sehen die beiden auch nach dem Brexit die wirtschaftlichen

Prognosen nicht so düster wie zahlreiche andere

Branchen: „Die Auftragslage ist gut“, so Christopher.

104 - WOLL Herbst 2020


Der Junior habe die Niederlassung in England zu einem

„Juwel“ und die Übergabe vom Senior- zum Juniorchef damit

leicht gemacht, betont der Papa. Dazu lächelt Christopher

zufrieden. Der studierte Betriebswirtschaftler mit

Praktika bei namhaften Firmen in anderen Kultur- und

Sprachräumen wie Frankreich, Singapur oder Portugal hat

nun das Sagen über das erfolgreiche Familienunternehmen.

Umgeben ist er in der Geschäftsleitung von Menschen,

„die du am Sonntag auch in der Kirche siehst“, sagt

sein Vater Walter und meint damit die Führungs-Fachleute

sowohl im technischen als auch im kaufmännischen Bereich:

„Die kommen aus Würdinghausen, Olpe oder Lennestadt“,

so der Senior. In einem Atemzug fügt er hinzu:

„Wenn uns Corona nicht in die Suppe spuckt, werden wir

2020 die 200-Millionen-Umsatzgrenze erreichen!“ Mennekes

beschäftigt mit den weltweiten Niederlassungen zusammen

rund 1.200 Menschen. Und ist Weltmarktführer

bei den CEE-genormten Steckern, Senkrechtstarter in Sachen

E-Mobilität.

Bei allen Superlativen hat Familie Mennekes anscheinend

nie vergessen, wo ihre Wurzeln sind. Walter Mennekes

schwärmt: „Wir leben in einer begnadeten Welt hier im

Sauerland. Wir können dem lieben Gott danken, dass

unsere Kinder hier Auslauf haben.“ Und sein Sohn Christopher

nickt zustimmend: „Ich habe schon in zahlreichen

Ländern auf der Welt gearbeitet, mich aber ganz bewusst

für meine Heimat entschieden.“

Foto: privat

Ladies first! Petra Mennekes, vom Bundespräsidenten Frank-

Walter Steinmeier und Ehemann Walter Mennekes in die

Mitte genommen. Wahre Freundschaft. Selbst auf dem roten

Teppich.

Dass damit auch eine soziale Verantwortung für die Menschen

im Südsauerland verbunden ist, weiß die Unternehmerfamilie

nur allzu gut. Ihr Einsatz für die etwa 850

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einem Durchschnittsalter

von 38 Jahren und deren Familien geht über

ein loses Angestelltenverhältnis weit hinaus. Davon können

auch die ehrenamtlichen Feuerwehren in den umliegenden

Dörfern ein Lied singen. Bei Bränden, schweren Verkehrsunfällen

oder Hochwasser (davon weiß das Unternehmen

selbst metertief zu berichten), kommt es schon einmal vor,

dass ein stattlicher Teil der Mennekes-Belegschaft im Ein

Neubau eines

Multifunktionsgebäudes

für die Sedus Systems

GmbH in Geseke

BMS Industriebau GmbH

Alte Heeresstraße 25 . 59929 Brilon

Tel: 02961 980-200

www.bms-industriebau.de

WOLL Herbst 2020 - 105


dung kompetenter Nachwuchsleute. Mit einem Prozentsatz

zwischen acht und zehn Prozent der Belegschaft liegt

das Kirchhundemer Unternehmen weit über dem Landes-

und Bundesdurchschnitt. Walter Mennekes bringt

es auf den Punkt: „Wer sagt, Ausbildung sei zu teuer, ist

bescheuert!“ Mit einem Facharbeiterbrief in Deutschland

stünde Frauen und Männern weltweit der Arbeitsmarkt

als Techniker offen. Umso stolzer ist die Firmenleitung,

dass ein Großteil der ehemaligen Azubis für Jahrzehnte im

Unternehmen bleiben: Ausbildung ist also ein Geben und

Nehmen, „ein Vertrag auf Gegenseitigkeit.“

Zwei Weltmeister bestens gelaunt im vertrauten Gespräch:

Philipp Lahm (36), Weltmeister und Ehrenspielführer der

deutschen Fußball-Nationalmannschaft, und Walter Mennekes

(72), „Weltmeister“ der Kommunikation mit Sauerländer

Charme. Mennekes ist seit 2016 2. Vize-Präsident beim FC

Bayern. Lahm ist OK-Chef der Fußball-Europameisterschaft

2024 in Deutschland.

satz ist. Zusätzliche Unterstützung erfahren die Kirchhundemer

Floriansjünger durch das Engagement des Juniorchefs

als Vorsitzender des Fördervereins der Blauröcke.

Auch der ökologischen Strahlkraft der Dieter-Mennekes-

Umweltstiftung wollen Vater und Sohn künftig gerecht

werden. Der 41-jährige Christopher wird als Vorsitzender

der Stiftung das Erbe seines verstorbenen Onkels antreten.

Apropos Umwelt und E-Mobilität: Mit ihren Stromtankstellen

und Ladesteckern für einige der größten Autohersteller

leistet Mennekes Pionierarbeit, Beispiel Norwegen:

Bereits vor Jahren lieferten die Sauerländer 300 Ladestationen

für die Hauptstadt Oslo, weitere Bestellungen folgten.

Angesichts dieser modernen Infrastruktur schraubten die

Skandinavier den Anteil von Elektroautos in ihrer Metropole

auf inzwischen 40 Prozent. Aber auch in Deutschland

greift das Umweltbewusstsein vor allem in den Städten um

sich. 250 Mennekes-Ladestationen stehen in Hamburg,

160 sollen es in Berlin sein.

Im Mittelpunkt der Unternehmensphilosophie stand und

steht der positive Blick in die Zukunft. Ein wesentliches

Augenmerk legt das Unternehmen dabei auf die Ausbil-

Foto: Uli Hufnagel

Christopher und sein Vater Walter Mennekes sind Sauerländer

durch und durch. Bodenständig und ohne „großes

Theater“ zu machen, führen sie das Gespräch mit uns

Journalisten und nehmen sich Zeit. Beantworten jede Frage

freundlich und konkret – auch die nach dem „Weltmeister“

der Kommunikation, wie Walter Mennekes dank

seiner 1.000 Verbindungen zu Politik, Sport, Kultur und

Wirtschaft gerne genannt wird: „Wenn Ihnen als junger

Bursche jemand gesagt hätte, dass Sie mal ‚Auf du und du‘

mit dem Bundespräsidenten sein würden, was hätten Sie

dem gesagt?“ – „Sie sind total verrückt!“

Walter Mennekes und seine Frau Petra sind mit Bundespräsident

Frank-Walter Steinmeier und dessen Familie seit

vielen Jahren befreundet. Die beiden begleiteten das Staatsoberhaupt

in diesem Sommer auch auf seiner Urlaubsreise

in die Südtiroler Berge.

„Gott und die Welt“ gehören inzwischen zum Freundeskreis

des überzeugten Christdemokraten Walter Mennekes

aus Kirchhundem, der es wie kein anderer schaffte,

als Sauerländer zum 2. Vize-Präsidenten des Deutschen

Rekordmeisters FC Bayern München gewählt zu werden.

Der Mann hat einfach keine Hemmungen. Auch nicht vor

dem Sozialdemokraten und Bundeskanzler a.D. Gerhard

Schröder. Der erzählte schon vor einigen Jahren in einem

WDR-Interview die folgende Geschichte:

„Ich hab‘ ihn kennengelernt auf einer offiziellen Reise nach

China. Er war als einer der Mittelständler Teil der Wirtschaftsdelegation.

Und mir ist er durch sehr unkonventionelles

Verhalten aufgefallen, um es ganz freundlich auszudrücken,

aber auch durch eine wirklich emotional stimmige Vertretung

deutscher Interessen. Natürlich auch der Interessen seiner Firma.

Er hat keine Kamera ausgelassen, um Deutschland im

Allgemeinen und den Kanzler im Besonderen zu loben!“

106 - WOLL Herbst 2020


Schon auf der Hinreise hatte Mennekes die ersten Kontakte zu ihm

geknüpft: Er ließ dem Weinliebhaber Schröder „eine gute Flasche Rotwein“,

die er vorher gekauft hatte, in dessen Flugzeug-Suite bringen

– nach dem Motto: „Willste mal sehen, was da passiert?“ Nach einer

halben Stunde wurde er gebeten, doch bitte nach vorne zu kommen:

zum Bundeskanzler!

Mennekes: „Da kam ich da rein, da hatte er gerade noch so’n Eierbecher

voll Wein für mich übriggelassen. Das war, wohlgemerkt, ne Magnum-Flasche.

Dann sagte er, er finde meine Teilnahme gut, ich sei ein guter Geist auf dieser

Reise und werde die Wirtschafts-Delegation gut zusammenhalten, und

deswegen wolle er mir das ‚Du‘ anbieten: Ich heiße Gerd! Dann hab‘ ich

gesagt: Ich weiß. Und ich heiße Walter. Dann sagte er: Ich weiß.“

Foto: Christopher Reuter

Die „Steckerkönige“ Christopher (l.) und Walter Mennekes auf dem Firmengelände

in Kirchhundem. Beide blicken optimistisch in die Zukunft. Senior

und Vater Walter auf die Frage, was ein MENNEKES-Produkt so besonders

macht: „Alles, wofür wir täglich aufstehen. Alles, wofür wir Zeit, Geld und

Leistung investieren. Und alles, wofür wir mit unserem Namen geradestehen.

Wir verkaufen nur etwas, was wir auch selbst kaufen würden! Unsere Marke

ist und bleibt ein Versprechen!“

Das war der Anfang einer langen Freundschaft, die Schröder dann so

schilderte: „Walter Mennekes ist gewiss kein Sozialdemokrat, sondern

eher das Gegenteil. Aber er ist ein aufrichtiger Mensch, und ich schätze

diese Art von Aufrichtigkeit! Und er ist ein Sinnbild guten mittelständischen

Unternehmertums!“

MENNEKES – Plugs for the world. Für Sohn Christopher hängt die

Messlatte hoch. Aber er ist auf einem guten Weg, das Familienunternehmen

erfolgreich in die Zukunft zu führen. Und der Senior ist in

Rufbereitschaft im Büro gleich nebenan …

WOLL Herbst 2020 - 107


108 - WOLL Herbst 2020


3-

ßere Barriereschicht

LAGIG

ies, hydrophob)

3 -

lagig

Mittlere Barriereschicht

(Meltblown-Vlies; Viren- &

Bakterienfilter)

Innere Barriereschicht

(Weiches saugfähiges Vlies)

EINE IDEE

AUS DEM

SAUERLAND

MADE

IN

GERMANY

• 3-lagiger Vliesstoff inklusive Viren- und Bakterienfilter

• geringer Atemwiderstand

• für Allergiker geeignet (glasfaser- und latexfrei)

• elastisches Ohrenband für angenehmen Tragekomfort

IHRE SICHERHEIT IST

UNSER ANSPRUCH

Äußere Barriereschicht

(Vlies, hydrophob)

Alltags-Masken IHRE und SICHERHEIT medizinische Mund-Nasen-Schutzmasken

IST

Typ • II einstellbarer nach DIN EN 14683

Mittlere Barriereschicht

UNSER ANSPRUCH Nasenbügel für anatomisch (Meltblown-Vlies; Viren- korrekten & Sitz

Das Tragen hochwertiger Mund-Nasen-Schutzmasken schützt in

Bakterienfilter)

Äußere Barriereschicht

Das Tragen hochwertiger Mund-Nasen-Schutzmasken schützt in Zeiten

der Covid-19-Pandemie alle: Privatpersonen, medizinisches und

Innere Barriereschicht

MADE

(Vlies, hydrophob)

Zeiten Alltags-Masken der Covid-19-Pandemie und medizinische alle: Mund-Nasen-Schutzmasken

Privatpersonen, medizinisches

und pflegerisches Typ II nach DIN Personal EN 14683sowie Patienten.

Mittlere Barriereschicht

pflegerisches Personal sowie Patienten.

(Meltblown-Vlies; (Weiches Viren- saugfähiges & Vlies)

IN

GERMANY

Bakterienfilter)

Der Anspruch Das Tragen von hochwertiger PRO-tection Mund-Nasen-Schutzmasken lautet, alle Personengruppen schützt in Zeiten

der Covid-19-Pandemie alle: Privatpersonen, medizinisches und

Innere Barriereschicht

MADE

mit

Der qualitativ Anspruch hochwertigen von PRO-tection Masken lautet, made alle Personengruppen in Germany zu beliefern. mit qualitativ

Daher hochwertigen setzen wir auf Masken eine Kombination made Germany verschiedener zu beliefern. Micro-Fil-

Daher

GERMANY

pflegerisches Personal sowie Patienten.

(Weiches saugfähiges Vlies)

IN

TELEFONISCHE BESTELLMÖGLICHKEIT

• 3-lagiger Vliesstoff inklusive Viren- und Bakterienfilter

setzen tervliese, wir die auf die eine Luft Kombination einer Filterkaskade verschiedener reinigen Micro-Filtervliese, und damit die ein

Der Anspruch von PRO-tection lautet, alle Personengruppen mit qua-

• geringer Atemwiderstand

die breites Luft in Einsatzspektrum einer Filterkaskade erlauben. reinigen Unsere und damit Mund-Nasen-Schutzmasken

bestehen erlauben. aus Unsere 3-lagigem Mund-Nasen-Schutzmasken Vliesstoff inklusive Viren- bestehen und Bak-

aus • 3-lagiger Vliesstoff inklusive Viren- und Bakterienfilter

ein breites Einsatzspektrulitativ

hochwertigen Masken made in Germany zu beliefern. Daher

• für Allergiker geeignet (glasfaser- und latexfrei)

setzen wir auf eine Kombination verschiedener Micro-Filtervliese, die

• elastisches Ohrenband für angenehmen Tragekomfort

3-lagigem terienfilter Vliesstoff – nach DIN inklusive EN 14683:2019 Viren- und Bakterienfilter zertifiziert. Die – nach Konformität DIN EN • geringer Atemwiderstand

die Luft in einer Filterkaskade reinigen und damit ein breites Einsatzspektrum

ist bestätigt erlauben. Unsere und ein Mund-Nasen-Schutzmasken CE-Siegel ist erteilt. bestehen aus

• einstellbarer Nasenbügel für anatomisch korrekten Sitz

14683:2019 der Maske ONLINESHOP

zertifiziert. Für den Einsatz im medizinischen Bereich liegt • für Allergiker geeignet (glasfaser- und latexfrei)

PRO-tection • elastisches Ohrenband für angenehmen Tragekomfort

3-lagigem eine Vliesstoff Sonderzulassung inklusive Viren- des BfArM und Bakterienfilter nach §11 NPG – nach Abs DIN 1 vor. EN

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Die un-ter Produktion PRO-tection strengen erfolgt hygienischen eine Sonderzulassung vollautomatisiert Vorschriften des in BfArM Deutschland statt. nach §11 Weitere und NPG findet Abs Informationen

strengen finden hygienischen Sie auf unserer Vorschriften Website statt. unter Weitere www.pro-tection.de.

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1 vor. unter

TELEFONISCHE BESTELLMÖGLICHKEIT

finden Die Sie Produktion auf unserer erfolgt Website vollautomatisiert unter www.pro-tection.de.

in Deutschland und findet unter

strengen hygienischen Vorschriften statt. Weitere Informationen

TELEFONISCHE ONLINESHOP

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„Nicht nur Abitur und Studium:

Es gibt auch andere Wege, um

beruflich Erfolg zu haben.“

- Andreas Rother

„Self-Made-Man“ und IHK-Präsident

Andreas Rother verkörpert den Aufbruch

ins digitale Zeitalter und sieht

die Berufsausbildung als

„Herzensangelegenheit“

Dirk Bannenberg & Paul Senske

Tom Linke

„Ich habe mich siebenmal neu erfunden.“

Er der IHK Arnsberg Hellweg-Sauerland. Andreas Rother gilt als „Self-Made-Man“ mit einer einzigartigen

bezeichnet sich selbst als „unführbar“, machte sich mit 23 Jahren im Bürofachhandel selbstständig, gründete

vor 33 Jahren das IT-Unternehmen ahd, entwickelte es zu einer Marke und ist seit Januar 2018 Präsident

Karriere. Sein Erfolgsrezept: „Die Unternehmen müssen sich ständig hinterfragen. Ich habe mich siebenmal neu erfunden.

Die IT ist dynamisch und schnelllebig.“ Als IHK-Chef will er die Digitalisierung weiter forcieren. Ein weiterer

Schwerpunkt ist die Berufsausbildung: „Sie ist für mich eine echte Herzensangelegenheit. Nicht nur Abitur und Studium:

Es gibt auch andere Wege, um beruflich Erfolg zu haben.“

Rother selbst ist ein Musterbeispiel für diesen Weg. Der

1960 in Meschede geborene Unternehmer legte an der Realschule

in Werl die Mittlere Reife ab, absolvierte in Soest

eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und wurde

nach dem Wehrdienst Baumarktleiter in einem Baumarkt in

Werl. 1984 machte er sich mit einem Partner selbstständig

und gründete einen Bürofachhandel. Schon damals beschäftigte

sich Rother mit Innovationen und der Weiterentwicklung

des Betriebs. 1987 wagte er den Sprung in ein neues

Geschäftsfeld. Er gründete die Hellweg Data Ingenieurgesellschaft

für Datenverarbeitung mbH, 2001 firmierte das

Unternehmen in ARGE hellweg data GmbH & Co. KG um;

seit 2010 heißt das Unternehmen ahd GmbH & Co. KG.

Der Firmensitz war zunächst in Werl, jetzt ist der Hauptsitz

ein kernsaniertes und stilvolles Mühlengebäude in Ense-

Bremen.

„Die IT unterliegt einem ständigen Wandel“

(Andreas Rother)

Vor gut 30 Jahren galt ein Computer noch als exotisch. Rother

begleitete die atemberaubende Evolution, die eigentlich

eine Revolution ist, mit und baute die ahd schrittweise

aus. Er entwickelte das Unternehmen gemeinsam mit seiner

heutigen Geschäftspartnerin Elisabeth Treier sowie dem

Management der ahd – Tochter Mirjam leitet die Unternehmenskommunikation

– zu einem bundesweit operierenden

Technologie-Unternehmen, zu einer Marke. „In der IT habe

ich mich siebenmal neu erfunden, die IT unterliegt einem

ständigen Wandel.“ Das Unternehmen sei immer auf die

Zukunft ausgerichtet. Das Kerngebiet der ahd ist die infrastrukturelle

Entwicklung sowie der Betrieb von Rechenzentren

mittelständischer Unternehmen und deren Datenma-

110 - WOLL Herbst 2020


nagement. Das Unternehmen bietet Lösungen für Kunden

in einem Umkreis von rund 150 Kilometern, die eigene

Rechenzentren vor Ort unterhalten, bundesweit Cloud-Services

oder Lösungen im eigenen Rechenzentrum in Frankfurt/Main,

das wie die Bank von England gesichert ist, oder

in Public Clouds wie Microsoft Azure oder Amazon Web

Services. Daneben ist es das Ziel, einzelne Bereiche wie die

eigenen Managed Services ebenso wie individuelle Software-

Lösungen als eine Antwort auf die Digitalisierung am Markt

zu platzieren. Die eigene Automatisierung sowie Digitalisierung

werden ständig vorangetrieben, so die Philosophie des

Unternehmens, das neben dem Hauptsitz einen weiteren,

wichtigen Standort am Dortmunder U (Zentrum für Kunst

und Kreativität) unterhält. Es geht hier insbesondere um die

Nähe zur Universität. Rund 100 Mitarbeiter arbeiten für die

ahd, weitere 35 sind es in den Beteiligungen.

IHK-Präsidentschaft „ein Geschenk“

Vor diesem Hintergrund und der ahd-Erfolgsgeschichte

war es nicht verwunderlich, dass IHK-

Hauptgeschäftsführerin Dr. Ilona Lange

nach dem Ausscheiden von Ralf Kersting

im Vorfeld der IHK-Vollversammlung

im November 2017 bei Rother anklopfte

und fragte, ob er sich das Amt

des Präsidenten vorstellen könne. Ja,

Rother konnte sich das vorstellen:

„Präsident der IHK mit immerhin

39.000 Mitglieds-Betrieben zu werden,

wäre für mich ein Geschenk, meine Persönlichkeit

weiter zu entwickeln, mit ihr

zu wachsen.“ Nach dem Familienrat („Meine

Frau Silke stimmte zu“) und dem OK

des eigenen Firmenmanagements wurde

Rother auf der Vollversammlung

zum neuen IHK-Chef und Nachfolger

von Ralf Kersting („Er hat

es sehr gut gemacht“) gewählt und

trat sein Amt am 1. Januar 2018 an.

Der Zeitpunkt war mehr als günstig.

Der Deutsche Industrie- und

Handelskammertag (DIHK) mit seinen

bundesweit 79 Kammern hatte die

Digitalisierung („We go digital“) als ein zentrales

Themenfeld ausgerufen. „Das kann ich mittragen“,

so Rother. „In der Corona-Krise haben wir bei der

Arnsberger IHK das Fruchtbare der Digitalisierung erfahren

können, Videokonferenzen usw. waren wichtige Hilfen. Die

eigene Digitalisierung werden wir weiter ausbauen.“

„Wir dürfen nicht müde werden, für die Berufsausbildung,

die jungen Menschen Spaß macht,

zu werben“ (Andreas Rother)

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Berufsausbildung im Kammerbezirk:

„Sie ist eine Herzensangelegenheit. Wir dürfen

nicht müde werden, für die Berufsausbildung zu werben.

Und zwar für eine Ausbildung, die jungen Menschen auch

Spaß macht. Es gibt auch andere Wege, als Abitur und Studium,

um beruflichen Erfolg zu haben.“ Rother nennt in diesem

Zusammenhang auch Zahlen: Rund 50 Prozent der Jugendlichen

machen Abitur und studieren. In der Wirtschaft

brauchen wir im Verhältnis einen Akademiker und zehn

Facharbeiter. „Die Eltern wollen, dass ihre Kinder studieren.

Sie sollen es einmal besser haben.“ Rother plädiert

mit Nachdruck für das duale System mit

„Arbeiten und Berufsschule“. In

Industrie und Wirtschaft seien

auch Studienabbrecher herzlich

willkommen.

Beim Blick auf die Zukunft

der Wirtschaft in Südwestfalen,

einer „Herzkammer

der Industrie“, spricht der

IHK-Chef von großen Herausforderungen.

„Wir werden

lernen müssen, uns ständig zu

verändern und disruptiv zu denken.

Externe Einflüsse auf das eigene

Geschäftsmodell werden zunehmen.“

Es werde Gewinner und Verlierer

geben. „Diejenigen, die ihren Job

machen, werden es schaffen.“ Was

die aktuelle Corona-Krise und die

teilweise dramatischen Auswirkungen

auf die Wirtschaft betrifft, so

zeigt sich Rother optimistisch: „Ich

bin stolz auf unsere Wirtschaft. Aus

der Krise 2008/2009 ist die südwestfälische

Wirtschaft gestärkt hervorgegangen. Das

wird auch bei Corona der Fall sein. Die Wirtschaft

wird sich 2021 erholen – und zwar mit Wucht.“ ■

WOLL Herbst 2020 - 111


Das Geheimnis

des Wilzenberges

Ältester Toxikologie-

Standort der Welt

mitten im Sauerland

Hermann-J. Hoffe

Klaus-Peter Kappest

Welche gefährlichen Rückstände sind in unseren Lebensmitteln?

Welche Schadstoffe sind im Boden? Welchen Einfluss

hat dieser oder jener Stoff auf unsere Natur? Dies sind

Fragen, die uns Menschen seit jeher bewegen. Gerade auch

in diesen Tagen. Wer hier nach Antworten sucht und sich

nicht mit Allgemeinplätzen zufriedengeben mag, kommt

an einer Sauerländer Forschungsstätte nicht vorbei. Hoch

oben, am Fuße des sagenumwobenen Sauerländer Wilzenberges

bei Schmallenberg, hat sich im Schatten

der uralten Kultstätte vor 60 Jahren ein Forschungsinstitut

niedergelassen, das heute

als Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie

und angewandte Ökologie

(IME) weltbekannt ist. Forscher mit

Sinn für schwarzen Humor halten

das Schmallenberger Institut sogar

für den ältesten Toxikologie-Standort

der Welt.

Wie das Fraunhofer-

Institut ins Sauerland kam

Im Jahre 1949 wurde das Grundgesetz der

Bundesrepublik Deutschland verkündet. Im gleichen

Jahr, am 26. März, erfolgte in München durch Vertreter

aus Industrie und Wissenschaft, des Landes Bayern

und der gerade entstehenden Bundesrepublik die Gründung

der Fraunhofer-Gesellschaft in der Rechtsform eines

eingetragenen Vereins. Aus den 103 Mitgliedern der Gründungsversammlung

hat sich bis heute die größte Organisation

für angewandte Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen

in Europa mit rund 28.000 Mitarbeitenden

entwickelt. Joseph von Fraunhofer (1787–1826) war als

Forscher, Erfinder und Unternehmer gleichermaßen erfolgreich

und wurde zum Vorbild und Namenspatron

dieser weithin anerkannten Forschungs-Gesellschaft, die

unter den vier Säulen des deutschen Freiheitssystem den

anwendungsbezogenen Part übernimmt.

Der Fraunhofer-Standort für Angewandte Ökologie in

Schmallenberg-Grafschaft entstand 1959 aus einem Labor

zur Erforschung der Staublungenerkrankung. Der

damals am Klosterkrankenhaus Grafschaft

tätige Chefarzt Karl Bisa gründete vor

60 Jahren das Institut für Aerobiologie

der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung

der angewandten Forschung

auf dem Gebiet der orientierten

Grundlagenforschung gegenüber

chemischen, aerogenen und radiologischen

Umwelteinflüssen auf

biologische Systeme. Was lang und

umständlich den Forschungshintergrund

beschreibt, hieß als Einrichtung

damals im sauerländischen Volksmund „Rattenburg“,

weil dort auch an lebenden Ratten geforscht

wurde. Der heutige Institutsleiter Professor Christoph

Schäfers konnte im vergangenen Jahr neben dem

60-jährigen Institutsjubiläum gleichzeitig sein 25-jähriges

Dienstjubiläum an der sauerländischen Forschungsstätte

feiern. Als Kenner der wechselvollen Geschichte des IME

in Schmallenberg-Grafschaft weist er nicht nur seine amerikanischen

Freunde gerne darauf hin, dass der Platz am

Wilzenbeg der älteste Toxikologie-Standort der Welt ist.

Schließlich übergab die damals im Schmallenberger Land

112 - WOLL Herbst 2020


Prof. Dr. Schäfers äußert sich zur positiven Entwicklung des Fraunhofer-Instituts in Schmallenberg

herrschende Gräfin Chuniza dem Erzbischof Anno von

Köln vor rund 950 Jahren den Baugrund, auf dem heute

das Fraunhofer-Institut steht, zur Gründung des Klosters

Grafschaft. Der Legende nach soll die Edeldame Chuniza

im Wahn nacheinander sieben Ehemänner mit Gift ermordet

haben. Schmunzelnd meint Professor Schäfers dazu:

„So leisten wir heute an historischer Stätte mit unserer Forschung

an Wirkstoffen in gewisser Weise Abbitte für das

frevlerische Treiben der Edeldame Chuniza.“

Millioneninvestitionen für

führendes Umweltinstitut

Noch bis zum kommenden Jahr dauern die aktuellen Erweiterungsarbeiten

am IME an. Rund 32 Millionen Euro

sind in neue Institutsgebäude geflossen. Ein Teil der bisherigen

Gebäude wurde abgerissen und durch Neubauten ersetzt.

Neben der Renovierung der alten Gebäude entstehen

unter anderem ein neues, viergeschossiges Laborgebäude,

ein Ver- und Entsorgungshof, Lagerhallen, Parkplätze und

eine neue Institutsmitte mit Seminarräumen, einer Cafeteria

und einer Bibliothek.

Der heutige Arbeitsschwerpunkt zielt auf die Erkennung

und Beurteilung der Risiken synthetischer und biogener

Stoffe für die Ökosysteme und die umweltbezogene Belastung

von Verbrauchern. Dabei fungiert der Institutsteil

als wissenschaftlicher Vermittler zwischen behördlicher

Regulation und industrieller Produktion, indem er beide

Kundengruppen unabhängig berät und maßgeschneiderte

Lösungen zur Beantwortung wissenschaftlicher Fragestellungen

entwickelt. Dabei handelt es sich um Test- und

Bewertungskonzepte, die Entwicklung und Validierung

international anerkannter Testverfahren sowie die Erzeugung

qualitätsgesicherter Daten für die Zulassung.

Zunehmend werden auch Screening-Verfahren für Substanzkandidaten

der chemischen Industrie entwickelt, um

mögliche Nebenwirkungen auf die Umwelt frühzeitig zu

erfassen und durch gerichtete Auswahl zu minimieren. Die

Erforschung, Erfassung und Bewertung von Stoffeigenschaften

wie Persistenz (Langlebigkeit in der Umwelt),

Bioakkumulation (Anreicherung in Pflanzen und Tieren)

und Toxizität (Giftigkeit gegenüber Pflanzen und Tieren)

ermöglichen umweltpolitische Entscheidungen, die diesen

Stoffeigenschaften Grenzen setzen und so als Leitplanken

für zielgerichtete Innovationen dienen.

Die Fragestellungen ergeben sich in der Umweltrisikobewertung

von Chemikalien, vor allem auch bei Wirkstoffgruppen

wie Pflanzenschutzmitteln, Bioziden und Tierund

Humanarzneimitteln. Daneben wird die Aufnahme

dieser Stoffe in Nutzpflanzen, Nutztieren und daraus erzeugten

Lebensmitteln untersucht, speziell auch die Bildung

möglicherweise schädlicher Ab- und Umbauprodukte.

Die Kernkompetenzen zur Erledigung dieser Aufgaben

werden von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern

der Chemie (Analytik, Lebensmittelchemie, Molekular

WOLL Herbst 2020 - 113


chemie), Biologie (Molekular-, Mikro-, Populationsbiologen,

Zoologen, Ökotoxikologen), Agrarwissenschaft

(Pflanzen-, Tierproduktion), Ernährungswissenschaft und

Mathematik gestellt, die in den folgenden Abteilungen

arbeiten:

• Ökologische Chemie

• Ökotoxikologie

• Umweltmikrobiologie

• Bioakkumulation und Tiermetabolismus

• Umwelt- und Lebensmittelanalytik

• Umweltprobenbank und Elementanalytik

Die leitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

halten Lehrveranstaltungen an verschiedenen Universitäten

und Hochschulen und binden wissenschaftlichen

Nachwuchs in Forschung und Lehre ein. Professuren bestehen

zurzeit an den Universitäten Münster, Siegen und

Melbourne (Monash), enge Kooperationen bestehen mit

oder werden ausgebaut nach Aachen (RWTH), Wuppertal,

Gießen, Bielefeld und Frankfurt sowie Osnabrück,

Hamm-Lippstadt und Bingen.

Umweltprobenbank des Bundes

Im Auftrag des Umweltbundesamtes ist das Fraunhofer

IME in Schmallenberg-Grafschaft seit Anfang 2000 für die

Lagerung der Umweltproben der Umweltprobenbank des

Bundes verantwortlich. In diesem Archiv werden tierische

und pflanzliche sowie Bodenproben in speziellen Tanks

über Flüssigstickstoff bei Tiefsttemperaturen von unter

-150 °C gelagert (Cryolagerung). Dazu werden die Proben,

die jährlich aus repräsentativen marinen, limnischen und

terrestrischen Ökosystemen genommen werden, unter tiefkalten

Bedingungen zu Homogenaten verarbeitet (Cryomahlung).

Die Homogenate werden auf gesundheits- und

umweltrelevante Stoffe analysiert, wobei am Fraunhofer

IME Elemente und Elementspezies, wie z.B. Quecksilber,

Cadmium, aber auch kritische organische Verbindungen

wie beispielsweise perfluorierte Chemikalien analysiert

werden. Die Untersuchungsergebnisse der Umweltprobenbank

können als Begründungen für umweltpolitische

Maßnahmen verwendet werden, wie etwa Nutzungsbeschränkungen

von Chemikalien.

Das älteste bestehende Fraunhofer-

Institut nördlich des Mains

Nach den frühen Anfängen vor 60 Jahren als Institut für

Aerobiologie in Schmallenberg beschäftigt das Fraunhofer

IME heute (Stand Ende 2019) an den Standorten Aachen,

Schmallenberg, Gießen, Münster, Frankfurt und Hamburg

insgesamt 533 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

(185 in Schmallenberg), davon 54 Prozent weiblich. Die

Wirtschaftserträge liegen im Geschäftsjahr 2019 mit 14,1

Millionen Euro auf konstant hohem Niveau. Das Fraunhofer

IME erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen

Wirtschaftsertragsanteil von 41 Prozent. In Schmallenberg

betrug er sogar 56,3 Prozent, was innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft

zu den Spitzenwerten zählt. Die Freude

über und der berechtigte Stolz auf diese bereits über Jahre

von ihm und seinem Team erreichten Werte sind dem

Standortleiter, Professor Christoph Schäfers, sichtlich anzumerken.

„Mit unseren Sauerländer Technikerinnen und

Technikern und unserer partizipativen Verantwortungskultur

haben wir hier in Schmallenberg durchaus einen

echten Standortvorteil. Das Berufskolleg Olsberg bildet

die von uns benötigten Mitarbeitenden aus, die meist einen

Arbeitsplatz im Sauerland anstreben.

Das Fraunhofer IME, Bereich Angewandte Ökologie ist

für viele ein Wunscharbeitsplatz. Wir haben die Möglichkeit,

durch Abschlusspraktika bei uns die Kompatibilität

von Absolventen und Absolventinnen mit unseren Arbeitsfeldern

zu testen. So haben wir im Vergleich zu anderen

Standorten eine sichere Ressource für engagierte, bleibewillige

und verlässliche Techniker und Technikerinnen. Über

Haushalts- und Strategieprozesse gestalten wir unsere Bereichssitzung

Angewandte Ökologie demokratisch. Ideen

diskutieren wir in unserem Strategiekreis aus Abteilungsleitenden

sowie Jungwissenschaftlerinnen und Jungwissenschaftlern.

Umsetzungen organisiert unser operationales

Team aus allen Abteilungen und der Qualitätssicherung.

Dadurch erzeugen wir ein gemeinsames Selbstverständnis

und einen großen Rückhalt gemeinsamer Entscheidungen.

Auch von der Fraunhofer-Zentrale in München wird uns

immer wieder bestätigt, dass man dort diese gewisse sauerländische

Mentalität schätzt, die für Selbstverantwortlichkeit,

pragmatisches Einschätzungsvermögen und Verlässlichkeit

steht. Voll des Lobes ist man dort über unsere

wirtschaftliche Stabilität, aber auch über die Leistungen

unserer einheimischen Baufirmen, nicht nur jetzt in der

langen Bauphase.“

Weitere Informationen zum Fraunhofer IME gibt es auf

der Website www.ime.fraunhofer.de. Dort ist auch der

ausführliche Jahresbericht 2019 mit einem historischen

Rückblick und Informationen, Zahlen, Daten und Fakten

über die zahlreichen Forschungsgebiete einsehbar.

114 - WOLL Herbst 2020


Die

BUNTE VOGEL

GmbH & Co. KG

Softwarelösungen eines

Amecker Unternehmens

machen die Wirklichkeit

bunter

Das Unternehmen von Marc

Willecke in Sundern-Amecke wirkt

kompetent und seriös. Seine Mi t-

arbeiterteam ebenso. Auch das Gebäude, in

dem die Firma untergebracht ist, strahlt eher

schlichte Eleganz aus.

Warum dann also die Umfir mierung von der

„Softwareschmiede Willecke“ zur „Bunter

Vogel GmbH & Co. KG“?

Anzeige

Neue „bunte Wirklichkeiten“ erschaffen und einfach

Bestehendes verbessern. „Wir wollten uns mit dem neuen

Namen bewusst etwas kreativer und näher an dem darstellen,

was wir eigentlich tun“, sagt Marc Willecke. „Das, was unsere

Kerntätigkeit ausmacht, sind die Flexibilität und die unterschiedlichsten

Softwarelösungen, die wir anbieten. Seit über

20 Jahren haben wir nicht zwei Mal die gleiche Lösung realisiert.

Es ist ein sehr buntes Spektrum an Kunden-Projekten,

die uns bisher begleitet haben.“

Ein CRM System für Online-Werbeagenturen, ein Analysesystem

für Kapitalversicherungen, eine Abrechnungssoftware für

Sanitätshäuser, B2B-Shops für Industrieprodukte sowie eine

Verwaltungssoftware für Mobile-Device-Management sind nur

einige Beispiele aus der Vergangenheit.

Gleichzeitig ist dies auch die Kernkompetenz des

Unternehmens, sich immer wieder in die individuellen und

fachspezifischen Herausforderungen der Kunden einzuarbeiten

und hierfür passgenaue Lösungen zu liefern.

„Software für Ihre bunte Wirklichkeiten“, nennt es das Unternehmen,

wenn flexibel auf die Kunden eingegangen wird,

Anforderungen umgesetzt und individuelle Softwarelösungen

geschaffen werden.

Technologisch hat sich die Bunter Vogel GmbH & Co. KG

auf die Realisierung von Web- und App-Anwendungen im

B2B- und Portal-Umfeld spezialisiert. Von der Entwicklung

einer neuen „bunten Wirklichkeit“ bis zur individuellen

Unterstützung in bereits laufenden Projekten ist hier alles

möglich. Das Kundenportfolio des „Bunten Vogels“ setzt sich

aus klein- und mittelständischen Unternehmen aus den unterschiedlichsten

Branchen zusammen. Onlineportale, Industriebetriebe,

Unternehmen der Online-Werbe-Industrie, Abrechnungsdienstleiter,

Dienstleister für Luftfahrtunternehmen und

Telekommunikationsunternehmen sind hier einige Beispiele.

Das Unternehmen freut sich darauf, das Projekt- und Kundenspektrum

jetzt unter dem neuen Namen weiter auszubauen. ■

Bunter Vogel GmbH & Co. KG

Illingheimer Str. 5 ∙ 59846 Sundern

02393/ 220 69 90

www.buntervogel.com

marc.willecke@buntervogel.com

WOLL Herbst 2020- 115


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30 Jahre EGGER in Brilon -

erfolgreich durch Innovation

und motivierte Mitarbeiter

Nicola Collas

Jürgen Eckert & EGGER

W

as vor 30 Jahren auf grüner Wiese mit dem Bau eines Spanplattenwerkes begann, hat sich in den

vergangenen drei Jahrzehnten überaus erfolgreich entwickelt. Vom ersten Spatenstich bis heute ist das

Betriebsgelände auf nunmehr 570.000 m² gewachsen und aus 250 Mitarbeitern sind inzwischen 1.150

geworden. Das Werk in Brilon ist heute ein vollintegrierter Standort mit Spanplatten- und MDF-Produktion sowie

Veredelung, PP-Kantenproduktion, Digitaldrucktechnik sowie eigenem Sägewerk und Biomassekraftwerk.

„Wir hatten nie Stillstand, sondern haben immer investiert“,

erzählt Martin Ansorge, einer der Geschäftsführer.

Seit der Inbetriebnahme vor 30 Jahren hat EGGER am

Standort in Brilon rund 650 Millionen Euro investiert.

„Hier ist viel für Brilon und die Region bewegt worden,

was sich auch positiv auf Dienstleistung, Handel und

Gewerbe, nicht zuletzt auch die Gastronomie ausgewirkt

hat“, so Ansorge weiter.

Für Geschäftsführer Michael Egger jun. ist das Werk in

Brilon einer der wichtigsten Standorte für die gesamte

EGGER Gruppe: „Die Küchenmöbel-Industrie ist in

einem Umkreis von 150 Kilometern angesiedelt. Unsere

Kunden werden von unserem Werk hier in Brilon zentral

beliefert.“ Eine besondere Investition war im Jahr 2007 ein

eigenes Sägewerk. Anfangs war das eine ungewisse Investition,

mittlerweile ist es eine Erfolgsgeschichte, erzählt

Martin Ansorge: „Wir schneiden jährlich ein Volumen von

gut einer Million Festmeter im Sägewerk. Das ist für einen

alleinigen Standort eine beachtliche Einschnittmenge.“

2015 nahm EGGER eine vollautomatisierte Lackierstraße

am Standort Brilon in Betrieb. Ein Jahr später reagierte

EGGER auf die wachsende Nachfrage der Möbelindustrie

nach Polypropylen-Kanten und baute die Kantenproduktion

auf bzw. aus. „Damit haben wir einen Meilenstein

116 - WOLL Herbst 2020


1989: Michael Egger sen. begutachtet den Baufortschritt in Brilon

(Foto: Egger)

EGGER Holzwerkstoffe

Brilon GmbH & Co. KG

Im Kissen 19

59929 Brilon

Deutschland

T +49 800 344 3745 (Service-Center)

T +49 2961 770 0 (Vermittlung)

Führen die Geschichte von EGGER in Brilon fort: Martin Ansorge (li) und

Michael Egger jun. im EGGER Showroom.

gesetzt, der durch die vollautomatische Vernetzung, Regel

ung und Steuerung der Produktion den Ansprüchen der

Industrie 4.0 gerecht wird“, sagt Michael Egger jun.

„Doch unsere Mitarbeiter sind das höchste Gut. Wir sind

in der glücklichen Lage, uns die besten Anlagen leisten zu

können. Aber es bringt nichts, diese Anlagen zu besitzen,

wenn man nicht auch die besten Mitarbeiter beschäftigt.

Wir haben in jeder Abteilung großartige Mitarbeiter, die

sich für das Unternehmen einsetzen. Und die machen am

Ende den Unterschied“, schwärmt Michael Egger jun.

Beim Familienunternehmen geht es trotz der Größe - allein

in Brilon gibt es 1.150 Beschäftigte - tatsächlich familiär

zu. EGGER steht außerdem für ein hervorragendes

Gesundheitsmanagement: Fitnessstudio-Besuche werden

gefördert und im Bereich Bike-Leasing ist der Holzwerkhersteller

vorn dabei. Mittlerweile sind 80 Prozent der

Belegschaft mit einem Rad ausgestattet. Die Unterstüt ­

zung sozialer Projekte ist EGGER ein besonderes Anliegen

und wird durch die Initiative „EGGER läuft“ gefördert.

Nicht zuletzt engagiert sich EGGER aktiv bei der

„Unternehmens initiative BigSix Brilon“ sowie im Verein

„Wirtschaft für Südwestfalen e.V.“

Hidden Champion, Marktführer in Europa, ausgezeichneter

Ausbildungsbetrieb, zertifiziertes Familienfreundliches

Unternehmen. Es gibt viele Gründe, mit denen

EGGER bei Fachkräften punkten kann. ■

www.egger.com/brilon

WOLL Herbst 2020- 117


Die Sauerland-

Botschafterin

Prof. Dr. Anne Jacobi und ihr

Engagement für die Heimat

Petra Kleine

Sabrina Voss

Prof. Dr. Anne Jacobi engagiert sich seit Jahren für das Sauerland

Sobald das Thema Sauerland

auf den Tisch kommt,

ist Professor Dr. Anne Jacobi

voll in ihrem Element. Die gebürtige

Brilonerin setzt sich immer wieder für

ihre Heimat ein und wird nicht müde,

die Attraktivität dieser Region publik

zu machen und an ihrer Zukunftsgestaltung

mitzuwirken.

„Viel zu viele Menschen wissen gar

nicht, wie herrliche Lebensbedingungen

wir hier haben und wie gut

die Arbeitsplatzsituation hier ist. Wir

haben einen starken Mittelstand und

ein umfangreiches Angebot auch an

qualifizierten Stellen“, so Anne Jacobi.

„Nach dem Studium im Sauerland

arbeiten? Kein Problem. Seine persönliche

Work-Life-Balance finden? Im

Sauerland viel einfacher als anderswo.

Denn die Freizeitmöglichkeiten liegen

direkt vor der Haustür.“

In der Tat ist Anne Jacobi selbst

eine von denen, die nach dem Abitur

zunächst Brilon zum Studieren

verließen, aber das „Wiederkommen“

nicht vergessen haben. Nach ihrem

Betriebswirtschaftsstudium in Münster

lebte sie in Düsseldorf und arbeitete

im Henkel-Konzern (berühmt

unter anderem für Persil) in den Bereichen

Vertrieb, Produktmanagement

und Finanzen. Für Henkel schrieb sie

dort auch ihre Doktorarbeit.

Ihr Mann stammt ebenfalls aus Brilon

und schnell war klar, dass ihre beiden

Kinder in der alten Heimat, im

Grünen aufwachsen sollten. „Ob ich

Düsseldorf vermisst habe?“ fragt Anne

Jacobi erstaunt. „Nein, ganz eindeutig

nicht. Ich bin beruflich häufig unterwegs,

zum Beispiel zu Kongressen

und Tagungen. Die finden meist in

Großstädten im In- und Ausland statt.

Es ist schön, dort zu sein, aber ich

freue mich immer wieder, ins Sauerland

zurückzukehren.“

118 - WOLL Herbst 2020


schwärmt Prof. Dr. Anne Jacobi. Im Gespräch mit Woll-Redakteurin Petra Kleine

„In dieser herrlichen Umgebung kann man sich nur wohl fühlen,“

Ein echter Glücksfall

Nach ihrer Promotion arbeitete Dr.

Anne Jacobi als Beraterin und war

Dozentin an der privaten FHDW

in Paderborn. Durch Zufall stieß sie

dann auf eine Stellenanzeige der FH

Meschede. Dort sollte der Lehrstuhl

Marketing komplett neu aufgebaut

werden. Sie bekam den Ruf an die FH

und es zeigte sich, dass das für beide

Seiten ein Glücksfall war.

Anne Jacobi investierte viel Herzblut

und bekam gute Entfaltungs- und

Gestaltungsmöglichkeiten. Sie konnte

an Netzwerken mitwirken und arbeitete

zusammen mit Menschen, denen

das Sauerland ebenfalls am Herzen

lag und liegt. Stolz ist sie darauf, jedes

Jahr mit ihren Studen ten ein Marktforschungsprojekt

unter realen Bedingungen

durchzuführen. Es gibt echte

Auftraggeber, die Frage stellungen

wissenschaftlich fundiert beantwortet

haben möchten.

In den letzten Semestern ging es

beispielsweise um die Lebensquali tät

im Sauerland sowie um die Markenführung

der Regionenmarke Sauerland

und um die Studienorientierung

von Schülerinnen und Schülern

in der Region. Da zum Thema

sowohl Sauerländer als

auch Nicht-Sauerländer

befragt wurden, ist es

nicht verwunderlich,

dass das Sauerland

von außen oft anders

wahrgenommen wird

als von innen. In NRW

liegt der Bekanntheitsgrad

des Sauerlandes bei rund

70%, bei jüngeren Menschen

noch darunter. Während vielen

Sauerländern durchaus bewusst ist,

dass man im Sauerland nicht nur

exzellente Freizeitmöglichen direkt

vor der Tür hat (Radfahren, Joggen,

Skifahren, Sport in Vereinen und viel,

viel mehr), sind das ausgezeichnete

Arbeitsplatzangebot und die starke

Wirtschaft über die Grenzen hinaus

noch relativ unbekannt. Aber daran

wird gearbeitet!

„Unsere starke Wirtschaftskraft müssen

wir unbedingt noch weiter nach

draußen transportieren. Auf Basis der

erhobenen Ist-Identität wurde bereits

von Sauerland Initiativ und weiteren

Sauerländern im Rahmen eines

Workshops an der Fachhochschule

die sogenannte Soll-Markenidentität

für die Region Sauerland entwickelt“,

erklärt sie ihr Vorgehen. „Welche

Zielgruppe wir ansprechen müssen,

um Fach- und Führungskräfte für

das Sauerland zu gewinnen, wird

momentan im Rahmen einer Masterarbeit

analysiert.“

Das Sauerland als Marke

Mittlerweile ist ein imposantes Werk

als Hochschulschrift entstanden:

„Sauerlandität. Identitätsorientierte

Markenführung von Regionen am

Beispiel der Region Sauerland“. Es ist

das Herzstück der geleisteten Arbeit

und doch nur ein weiterer Meilenstein.

Ganz aktuell findet eine Studie zum

Einkaufsverhalten in der Region statt.

Ein Vergleich zwischen normalem

Einkaufsverhalten und dem Einkaufsverhalten

in Corona-Zeiten ist mit

dabei. Man will durch die Erhebung

auch neue Erkenntnisse gewinnen,

wie sich durch die Corona-Pandemie

Verhaltensweisen verändert haben.

Eine große Chance für das Sauerland

könnte auch der zunehmende Trend

zum Home-Office sein. Wenn ich

überwiegend von zu Hause aus arbeiten

kann, meine Meetings per Computerschaltung

erledige und vielleicht

nur einmal pro Woche in die Firma

muss, warum soll ich dann nicht da

leben, wo es schön ist? Im Grünen,

auf dem Land, mit bezahlbarem

Wohnraum, Freizeitmöglichkeiten

vor der Tür? Ohne Verkehrslärm,

Staus, Betonsilos!

WOLL Herbst 2020- 119


So mancher wird sicherlich umdenk

en. Professor Dr. Anne Jacobi freut

sich jedes Mal wieder, ins Sauerland

zurückzukommen. „Dieses herrliche

Grün und die saubere Luft sind für

uns so selbstverständlich“, sinniert

sie. „Woanders ist das nicht so.“

Sie erzählt mir von ihrem

Forschungsfreisemester in einem sich

rasant entwickelnden China, bei dem

sie an der dortigen Universität lehrte,

und von dem sie viele Eindrücke mit

zurückbrachte.

Auf Sauerländer trifft

man überall

Auch Sauerländer Firmenvertreter hat

sie dort getroffen, von Hoppecke Batterien

bis zu Ketten-Wulf. Ein weiteres

Forschungssemester führte sie nach

Bangkok, wo sie im Sommer 2019 an

der Universität UTCC unterrichtete.

Neben beeindruckenden Kulturdenkmälern

war es auch spannend, die

Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft

der Menschen in Thailand kennenzulernen.

Mitten in der Stadt, bei sehr

schlechter Luft, extremem Verkehr

und halsbreche rischen Fahrten auf

dem Taxi-Mofa, sehnte sie sich in all

dem Beton nach ein bisschen Grün.

Da sich dann selbst der „Park“ als

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„WO LAG DER

DENN NOCHMAL?“

Stephanie und Mascha

Bergmann unterstützen die

Bewegung ‚Sauerlandstones‘

mit bunten Eigenkreationen

Inga Bremenkamp

Inga Bremenkamp & Privat

„W

ir haben im Netz die bunt bemalten

Steine gesehen und es dann auch mal mit

Pinsel und Acrylfarbe versucht. Weil das

aber nicht so richtig gescheit funktioniert hat und wir das

ewige Tupfen leid waren, haben wir uns auf die Suche gemacht

– nach Acrylfilzstiften und den perfekten Steinen als

Modell“, erzählt Stephanie Bergmann von den Anfängen

ihres neu entdeckten Hobbys.

Hopp oder top

„Wir können beide schon ganz gut zeichnen und bemalen

jeden Stein frei von der Hand. Man kann natürlich nichts

korrigieren. Entweder es ist gescheit oder man muss den ganzen

Stein komplett pink oder sonst wie anstreichen“, sagt Stephanie

Bergmann, die vor einigen Wochen mit ihrer Tochter

Mascha angefangen hat, im Sinne der Sauerlandstones-Bewegung

Steine zu bemalen und im Wald oder auf Wanderrouten

auszulegen. „Wir sind schon ein wenig perfektionistisch unterwegs“,

gibt die 45-Jährige zu und schmunzelt. „Man wird von

Woche zu Woche besser – im Zeichnen und bei der Suche

nach dem perfekten Stein. Im Idealfall ist der schön flach und

abgerundet – mittlerweile kennen wir die besten Ecken für

unsere Modelle“, sagt die Reiseverkehrskauffrau, die mit ihrer

Tochter vor allem in Bächen fündig wird.

Zeichnen statt fernsehen

„Wenn abends im Fernsehen nichts Besonderes kommt, man

am Küchentisch vorbeischlendert und da ein unbehandelter

Stein herumliegt, dann bleiben meine Tochter und ich

zurzeit gerne stehen und fangen an, ihn zu bemalen“, erzählt

Stephanie Bergmann. Dabei achten die zwei darauf, dass keine

Figur doppelt auftaucht. „Jeder Stein ist ein Unikat und keine

Figur sieht aus wie eine andere. Wir wandeln sie immer ab

und zeichnen oder schreiben vor allem lustige Männchen oder

Sprüche auf die Steine. Unsere Steine sollen ihren Findern

schließlich ein Lächeln ins Gesicht zaubern, wenn sie sie

entdecken“, sagen die Künstlerinnen aus Elleringhausen, die

mittlerweile schon mehr als 60 Steine im Sauerland verteilt

haben.

WOLL Herbst 2020- 121


Mascha Bergmann mit ihrem Hund

Frieda beim Verstecken der Steine.

Ihre Mutter Stephanie beim bemalen

der Steine

Von Siedlinghausen nach Hamm

„Wir scrollen abends schon durch die Internetseiten der Sauerlandstones-Bewegung

und schauen, ob einer unserer Steine

gefunden wurde. Spannend ist dabei natürlich immer, wo der

jeweilige Stein wiederauftaucht. Rekordhalter ist bislang ein

Stein, den meine Chefin in Siedlinghausen ausgelegt hat und

der einige Zeit später im Maximilianpark in Hamm wiedergefunden

und online gepostet wurde. Das ist schon witzig“,

berichtet Stephanie Bergmann und strahlt. Wiedergefundene

Bergmann-Steine kann man auf der Sauerlandstone-Facebookseite

oder auf der Instagrammseite von Mascha Bergmann

melden, die unter dem Namen @beagleglitzer zu finden ist.

Makler · Bauträger · Vermietung · Hausverwaltung

... und manchmal schmerzt das Künstlerherz

Ein ganzes Jahr lang Osterhase spielen – das macht Freude,

wobei es auch kritische Momente im Osterhasen-Dasein gibt.

„Manche Steine gelingen uns einfach so gut, dass uns das Herz

bei der Vorstellung blutet, dass sie nach der Auslegung im

Wald möglicherweise nicht wiedergefunden werden könnten.

Der Abschied von solchen Lieblingssteinen fällt uns manchmal

ganzschön schwer. Solche Exemplare behalten wir dann

erst eine Weile im eigenen Garten und legen sie erst dann im

Freien aus, wenn wir uns an ihnen satt geguckt haben“, erklärt

die Sauerländerin, die mit ihrer Familie hier und da auch

mal in eine Diskussion bezüglich des optimalen Auslageorts

verfällt. „Wir diskutieren schon immer mal wieder darüber,

wo man welchen Stein am besten auslegt. Man muss ihn ja so

auslegen, dass er auch bei Regen und Sturm nicht herunterfällt

und so plötzlich die Chance verliert, gefunden zu werden“,

sagt Stephanie Bergmann, die sich freut, dass seit Beginn der

Coronakrise so viele Menschen an der Bewegung der bunten

Steine teilnehmen.

Ein bunter Familienbetrieb

„Bei uns Bergmanns sind wir eigentlich alle dabei. Meine

Tochter und ich zeichnen und mein Mann wartet nur darauf,

dass wieder ein Stein fertig ist, den er dann mit Klarlack überzieht,

um das steinige Kunstwerk möglichst lang haltbar zu

machen“, berichtet sie weiter.

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Der Mixed aus der Suche nach dem perfekten Stein, dem Bemalen

des Steins mit lustigen Figuren, der Suche des perfekten

Ablageortes und der Spannung auf das Wiedersehen mit ihren

Steinen im Netz versüßt Familie Bergmann und vermutlich

vielen begeisterten Findern die aktuell schwere Coronazeit –

genau wie uns in der WOLL-Redaktion, die sich herzlich für

die wunderbaren WOLL-Steine bedankt. ■

122 - WOLL Herbst 2020


„Nicht gegen den

Fehler, sondern für

das Fehlende.“

- Paul Mohr, Pädagoge

Birgit Kraft (Mitte) und ihr Team.

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Heilpädagogin Birgit Kraft fördert

Kinder von null bis sechs Jahren.

Christel Zidi

Privat

KraftOrt

Heilpädagogische Praxis

Gutenberstr. 5, 59872 Meschede

Mobil 0170/6920660, Kraftbirgit@gmx.de

Eltern, die in die Mescheder Praxis von Birgit

Kraft kommen, machen sich Sorgen um ihr Kind.

Weil es in seiner Entwicklung nicht so weit ist wie

Gleichaltrigeu- aus unterschiedlichen Gründen. Diese Eltern

spüren und wissen, dass ihr Kind - und damit auch

sie - Hilfe benötigen. Hilfe, die ihnen eine Heilpädagogin

wie Birgit Kraft geben kann.

Bereits 2007 hatte Birgit Kraft die Vision einer interdisziplinärer

Frühförderstelle. Ergo-, Physio - und Logopädie mit

der Heilpädagogik - und das alles unter einem Dach. Ein

Förderangebot, das nicht zuletzt den Eltern lange Wege erspart.

In ihrer Heilpädagogischen Praxis in Meschede bietet

sie Frühförderung für Kinder von null bis sechs Jahren an.

Null ist kein Tippfehler, denn die Betreuung beginnt oft

schon während der Schwangerschaft.

Viele Kreativräume

Viele kleine und große Kreativräume finden sich in der Praxis:

den „Aktionsraum“ zum Austoben z. B. oder ein kleines

Zelt mit vielen Kissen, wo das Kind mit „Igelbeinen“ spielen

oder eine leuchtende Schneekugel in die Hand nehmen kann

– alles Tätigkeiten, bei denen die sensorische Integration gefördert,

also Sinnesinformationen verarbeitet und verknüpft

werden. In der Praxis gibt es auch einen Raum, in dem das

Kind das so wichtige Stillsitzen lernen kann. Wichtig für die

Konzentrationsförderung, speziell bei der Schulvorbereitung.

Einfache Hilfsmittel, wie ein „Nudelkissen“ unterstützen

dabei. Auf diesem Kissen sitzt das Kind gerade, warm und

angenehm. Zusätzlich gibt es einen kleinen Hocker, auf dem

das Kind seine Beine stellen kann, die sonst wahrscheinlich

hin- und herschaukeln würden. Die Heilpädagogin kennt

noch einige solch wirkungsvoller, gleichzeitig aber kaum mit

Kosten verbundener Hilfsmittel.

Wichtige Elternberatung

Sie und ihr Team beraten die Eltern in dieser Hinsicht ausreichend:

„Wir geben Imput, geben Ideen“, betont Birgit

Kraft. Ohnehin ist die Zusammenarbeit mit den Eltern extrem

wichtig. Sie kann vielen Eltern zeigen, wie sie ihr Kind

besser verstehen lernen. Nicht nur sprachlich. Bei Hausbesuchen

berät sie, um das heimische Umfeld möglichst auf das

Kind abzustimmen. Hier wendet sie die gleiche Methode an

wie in den Praxisräumen: „Der Ort soll Impulse geben zur

Kreativität“. Die meisten Eltern sind begeistert von ihren Anregungen

und nehmen sie dankbar an. Letztendlich sind sie

es, die ihr Kind rund um die Uhr betreuen.

Apropos Hausbesuche, die Therapiestunden finden sowohl

in ihrer Praxis als auch in Kindergärten und gelegentlich

bei Hausbesuchen statt. Derzeit besteht ihr Team aus fünf

Mitarbeitern – vier Frauen und ein Mann – die im gesamten

Sauerland, also auf gut 1.900 km² tätig sind.

Wenn Birgit Kraft mit den Kindern arbeitet, geht sie ganz

auf sie ein. Sie erzieht die Kinder nicht, sondern fördert sie.

Mit Empathie und ganz viel Wertschätzung. ■

WOLL Herbst 2020- 123


„Die Seele eines Künstlers ist eine andere Seele“

Ulrike Fleischmann kreiert seit fast 50 Jahren Kunstwerke aus Ton

Inga Bremenkamp

„K. unstwerke haben

immer einen Grund.

Sie basieren auf Erfahrung

und haben immer eine

Bedeutung. Sie sind das Spiegelbild

der Künstlerseele und

geben Auskunft darüber, wie

es dem jeweiligen Künstler

zum Zeitpunkt des Modellierens

ging“, erklärt Ulrike

Fleischmann, die im Alter von

22 Jahren angefangen hat, mit

Ton zu arbeiten.

Eine künstlerische Familie

„Kunst ist etwas, was ich selbst nicht kann. Etwas, das man

bewundert“, sagt Ulrike Fleischmann, der die Kunst in die

Wiege gelegt wurde. „Meine Mutter hat sehr gut und realistisch

gemalt und auch ihr Vater, also mein Opa, war schon

Maler. Er hat viele Kirchendecken gestaltet. Meine Kunst ist

definitiv genbelastet“, erzählt die Meschederin, die ihr Wissen

in Form von Keramikkursen an viele Menschen weitergegeben

hat. Als junge Frau, in ihren Anfängen als Künstlerin,

hat Ulrike Fleischmann zunächst Gebrauchsgegenstände wie

Vasen, Teller oder Töpfe aus Keramik gestaltet. „Man muss

das ‚Töpfern‘, das lediglich ein Oberbegriff ist und meist das

Töpfern auf einer Scheibe meint, vom freien Modellieren der

Tonerde ganz klar unterscheiden“, erklärt die 69-Jährige, die

sich selbst entsprechend nicht als Töpferin versteht.

Die Kunst des Modellierens

„In meinen Anfängen habe ich auch getöpfert und VHS-

Kurse im ganzen Sauerland besucht. Aber ich habe mich

weiterentwickelt und irgendwann angefangen, Früchte aus

dem Garten und dem Wald zu modellieren. Daraus ergab

sich zwangsläufig das Abwandeln der Formen und neue, eher

geometrische Formen entstanden. Später habe ich mich dann

Skulpturen in den unterschiedlichsten Formen gewidmet“,

führt die Künstlerin fort, die sich als Autodidaktin viel allein

erarbeitet hat und so erst einmal ihre eigene Linie hat finden

müssen.

Die innere Zerrissenheit eines Künstlers

Auf der Suche nach ihrem eigenen Stil haben ihre Dozenten

der Kunstakademie in Trier geholfen: „Mein Dozent Hans

Gasmann hat mich zum Beispiel gelehrt, plastisch zu sehen

und ein Gefühl für Proportionen und Raum zu entwickeln.

Wirklichkeitsnahe Plastiken wie beispielsweise das Arbeiten

mit Aktmodellen - das ist sehr herausfordernd und führt zu

einer Angespanntheit ohne Punkt und Komma“, sagt Ulrike

Fleischmann, die ihre Kunstwerke damals auch auf der Frankfurter

Kunstmesse ausgestellt hat. „Jede Arbeit eines Künstlers

durchläuft verschiedene Phasen. Zuerst ist da eine Angespanntheit,

vor allem, wenn man etwas Neues schaffen möchte,

dann kommt vielleicht eine starke Zerrissenheit, weil man

das neu Entstandene, aber noch nicht fertige Kunstwerk nicht

wieder zerstören möchte und irgendwann stellt sich eine Entspannung

und Gelassenheit ein, die am Ende zu unendlichem

Glück führt“, führt Ulrike Fleischmann fort, während sie ihr

selbst kreiertes Wandbild in einem ihrer Zimmer bewundert.

Die Philosophie hinter der Kunst

Die Seele eines Künstlers ist eine andere Seele – mit Höhen

und Tiefen wie Ulrike Fleischmann sagt. „Vincent van Gogh

hat in den dunkelsten Tagen seines Lebens, in totaler innerer

Zerrissenheit die besten Bilder gemalt. Die Arbeit eines Künstlers

kann seine Zerrissenheit kompensieren. Künstler sind

immer total emotional. Manchmal haben sie das Gefühl, sie

flögen über das Land. Dann wiederum stürzen sie ab ins Tal,“

erklärt Ulrike Fleischmann, die sich gerne auch der philosophischen

Seite der Kunst widmet. „Ich habe den Theologen

Horstmann getroffen, der sich damit befasst hat, zu welchem

Gefäß sich ein Mensch formen würde, wenn er sich selbst

gestalten würde. Zu einem flachen Teller, einer tiefen Schale

124 - WOLL Herbst 2020


„Künstler sind immer total emotional. Manchmal

haben sie das Gefühl, sie flögen über das Land.

Dann wiederum stürzen sie ab ins Tal.“

Ulrike Fleischmann

oder einem Krug“, berichtet die Künstlerin, die aus solchen

gemeinsamen Gedanken und Gesprächskreisen die Kraft für

ihre Arbeit schöpft.

Pure Handarbeit

Ulrike Fleischmann hat immer viel experimentiert und nie

kommerziell gedacht. „Ich habe meine Glasuren zum Beispiel

immer selbst hergestellt. Die Glasuren, die man fertig kaufen

konnte, habe ich nie gemocht. Natürlich habe ich meine

Arbeiten auch alle selbst gebrannt – in meinem elektrischen

Ofen oder in offener Flamme mit Holz in meinem RAKU-

Ofen“, sagt die Autodidaktin. Heute modelliert sie deutlich

weniger als noch vor ein paar Jahren. Wenn Ulrike Fleischmann

eine Idee in den Sinn kommt, dann widmet sie sich

diesem Projekt ganz bewusst. „Mittlerweile beschäftige ich

mich vor allem mit der Theorie oder male Bilder. Wenn da

aber eine bestimmte Lust ist, dann modelliere ich auch mal

wieder“, sagt die Künstlerin, deren Leben und Entwicklung

sich in ihren Kunstwerken widerspiegelt – man muss nur ganz

genau hinsehen. ■

WOLL Herbst 2020- 125


Paula Pitrelli

und der

unheimliche

Nachbar

Anke Kemper aus Freienohl

veröffentlicht Kinderkrimi

Britta Melgert

S. Droste

U

mzug ins Sauerland. Paula und ihre Mutter haben Dortmund den Rücken gekehrt und ziehen ins

alte Häuschen der Oma. Während die Mutter renoviert, putzt und einrichtet, macht sich Paula daran,

Freunde zu finden und die Umgebung zu erkunden. Doch dass direkt in ihrer neuen Nachbarschaft

seltsame Dinge vorgehen, hätte sie nicht vermutet.

Anke Kemper aus Freienohl hatte bereits sehr früh ein Faible für Texte und

auch fürs Theater. Was als Schülerin mit der Entwicklung eines Hörspiels

begann, führte sie bald mit dem Schreiben lustiger und spannender

Kurzgeschichten und - als logische Folge ihres Hobbies Laien theater

- auch von Theaterstücken fort. „Mit unserer Theatergruppe

Holterdipolter spielen wir meine Stücke bereits seit zehn Jahren“,

erzählt Anke Kemper. Nicht nur die eigenen, sondern auch

rund 400 Werke von anderen Autoren vermarktet sie inzwischen

im gesamten deutschsprachigen Bereich im eigenen

Theaterverlag.

Schreiben und Malen –

Inspiration und Leidenschaft

Eine weitere Leidenschaft, die Anke Kemper seit ihrer Jugend

begleitet, ist die Malerei. Was mit ersten Versuchen auf der

geschenkten Staffelei begann, hat sich weiterentwickelt zu dekorativen

Wandbildern auf Leinwand sowie am Computer erstellten Illustra­

126 - WOLL Herbst 2020


tionen für Bücher oder auch für das WOLL-Magazin.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass auch ihr neues

Kinderbuch mit eigenen Zeichnungen dekoriert wurde.

Und so fiebert man mit beim visuell unterstützten Lesen,

wenn Paula und ihre beiden Freunde aufregende Zeiten

erleben. Die Spannung steigt. Was macht der fremde

Mann da im Haus der Nachbarin, die doch im Krankenhaus

liegt? Da stimmt was nicht! Das Trio legt sich auf die

Lauer, um die Sache zu klären …

Für Pia und die Kids von heute

„Über die Abenteuer von Paula habe ich vor zwölf Jahren

für meine damals achtjährige Tochter Pia geschrieben“,

verrät Anke Kemper. „Die Kleine fand die Geschichte

damals so spannend, dass ich mir denke, dass sie auch

andere Kinder in den Bann ziehen und zum Lesen motivieren

wird“, denkt sie. Doch bevor der alte Text nun

zu einem Buch für Kinder von heute verarbeitet werden

konnte, musste er von vorne bis hinten aktualisiert

werden. „Schon erstaunlich, wie sehr sich der Alltag der

Kids in den wenigen Jahren verändert hat, insbesondere

im technischen Bereich“, sagt Kemper und lacht, und sie

ergänzt: “Welcher Schüler griff damals schon zum Handy,

um Freunde zu sprechen? Da fuhr man auf dem Fahrrad

schnell dorthin!“

Flüsterton: Achtung Paula, versteck dich!

Nun ist das Buch erschienen; die erste Auflage findet,

nicht nur hier im Sauerland, regen Absatz, und es erhält

seinen Platz in den Regalen der Kinderzimmer neben den

Geschichten von Enid Blytons „Fünf Freunden“ oder

denen der „Drei ???“. Ob die jungen Leser die 136 Seiten

nun in der Kuschelecke oder lieber mit der Taschenlampe

unter der Bettdecke verschlingen, bleibt Geschmackssache.

Gänsehaut kommt so oder so auf, wenn es richtig

spannend wird. Wer wollte Paula da nicht flüsternd warnen,

wenn sie dort unten im dunklen Keller ihrer Detektivarbeit

nachgeht und sich plötzlich Schritte nähern…?

Doch Schluss jetzt mit dem Buchinhalt, bevor der

Spoiler-Alarm ausgelöst werden muss. Selber lesen, macht

ohnehin mehr Spaß. Der Kinderkrimi „Paula Pitrelli und

der unheimliche Nachbar“ ist im WOLL-Verlag erhältlich.

Natürlich dürfen nicht nur Kinder Paulas Abenteuer

lesen, sondern auch Erwachsene, die sich an ihre schöne,

aufregende Kindheit im Sauerland erinnern möchten. ■

WOLL Herbst 2020- 127


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Von wegen „altes Eisen“

85-jähriger Albrecht Boskamp hält sich im Fitnessstudio fit

Nicola Collas

S. Droste

B

ei der Vorbesprechung für unser Sommer-

Magazin fiel beim Thema „Aktive Senioren“ sofort

der Name Dr. Albrecht Boskamp. Der 85-Jährige

war bis zum Jahr 2000 Chefarzt der Chirurgie am St.

Walburga-Krankenhaus und ist auch seit seiner Pensionierung

immer noch sehr aktiv. Viele Jahre war er für

die Organisation „German Rotary Volunteer Doctors“

tätig, half in Krankenhäusern mit, u. a. in Ghana. Der

Mescheder ist außerdem sehr sportlich, geht regelmäßig ins

Fitnessstudio.

Als ich den Auftrag bekam, einen Beitrag über Dr. Boskamp

zu schreiben, erinnerte ich mich daran, dass mein Vater in den

70er Jahren einige Male von ihm operiert wurde. Ein guter

Einstieg für unser Interview: „Sie haben früher meinen Papa

ein paar Mal operiert. Der war immer sehr begeistert.“ Dr.

Boskamp meinte daraufhin: „Woran habe ich ihn operiert?

Sie müssen wissen: An Namen kann ich mich nicht mehr so

gut erinnern. Aber wenn ich jemanden in der Stadt treffe,

der mich anspricht, gucke ich als erstes auf den Hals, wegen

der Schilddrüse, oder ich gucke, wo ich ihn sonst operiert

haben könnte und dann fällt mir oft der Name wieder ein“,

schmunzelt Albrecht Boskamp. Da musste ich das erste Mal

laut lachen während unseres Interviews und es war nicht das

einzige Mal. Dr. Boskamp hat einen tollen Humor.

Das schmerzende Knie

„Wie fühlen Sie sich heute?“, will ich von ihm wissen. „Ich

fühle mich sehr wohl. Allerdings macht mir mein linkes Knie

Probleme. Als Student hatte ich 1956 einen Skiunfall. Damals

wurde die Stelle eingegipst. Irgendwann ging es wieder und

ich hatte im Laufe der Jahre wenig Beschwerden - bis zum

Ende meiner Karriere. Da hatte ich wegen eines eingeklemmten

Meniskus Schmerzen“, erzählt er. Wie gut, dass zu der Zeit

schon der Nachfolger von Dr. Boskamp für die Unfallchirurgie

am Walburga-Krankenhaus eingeführt worden war. „Ich

habe mich selbst davon überzeugt, dass der Junge das kann.

WOLL Herbst 2020- 129


„Es fehlt mir etwas, wenn ich nicht in die Muckibude gehen kann.“

Dr. Albrecht Boskamp

Dr. Drüppel hat das Knie arthroskopiert, den Teilmeniskus

reseziert und mir gesagt, dass ich mit dem Knie immer Last

haben werde“, erklärt Dr. Boskamp. Vor kurzem bat der

Pensionär seinen Nachfolger Detlef Drüppel noch mal, in sein

Knie zu gucken: „Schön sah das da drin nicht aus, meinte er.

Ich will aber noch kein neues Knie, also ging ich zum Sportphysiotherapeuten

Georg Wüllner in Bödefeld - der ist ja eine

Koryphäe auf seinem Gebiet. Und der gab mir ein intensives

Übungsprogramm mit auf den Weg.“ Drei Mal in der Woche

arbeitet Albrecht Boskamp im Fitnessstudio Enjoy in Wehrstapel

an einer Beinpresse, damit sein Knorpel ordentlich durchgewalkt

wird, was bedeutet, dass er bei Belastung abwechselnd

Druck und Entlastung erfährt. So wird der Knorpel gestärkt.

Viel Zeit im FitnessStudio

In der Corona-Zeit, als die Fitnessstudios dicht waren, fehlte

dem 85-Jährigen das regelmäßige Training. „Das gehört

für mich zu meiner Struktur der Woche. Das gefiel mir gar

nicht, dass ich morgens nicht mehr dorthin konnte.“ Seit 19

Jahren ist Albrecht Boskamp im Enjoy in Wehrstapel aktiv.

Ein halbes Jahr nach seiner Pensionierung trat er als Mitglied

in das Fitnessstudio ein. Seitdem trainiert er dort regelmäßig,

um beweglich zu bleiben und sich seine Kraft zu erhalten. Ab

und an bekommt er Tipps von seiner jüngsten Tochter, die

in Berlin ein Fitnessstudio leitet. Bis vor kurzem machte er

noch bei den Radtouren des SC Meschede mit, mittlerweile

ist er mit dem Rad, aber eher alleine unterwegs. Im Wohnzimmer

steht ein Trimmrad, auf dem er regelmäßig trainiert.

Aber: „Es fehlt mir etwas, wenn ich nicht in die Muckibude

gehen kann“. Solange es noch geht, will er das Ritual weiter

beibehalten. „Ich treffe dort immer dieselben Leute, dann hält

man mal ein kurzes Schwätzchen. Ich bin allerdings bekannt

dafür, dass ich nicht lange an der Ecke stehe, sondern mein

Programm durchziehe, das gut eine Stunde dauert. Ich gehöre

ja zu denjenigen, die am längsten im Enjoy aktiv sind“, erzählt

der Pensionär. Während Urlaubsreisen suchte er in den Hotels

sofort den Fitnessraum auf, aber dort fühlte er sich nie so wohl

wie im Enjoy, das für ihn wie ein Zuhause ist, erzählt er mir.

Ärztliches Engagement

Jahrelang engagierte sich Dr. Boskamp als Arzt im Ausland,

speziell in armen Ländern. Diese Tätigkeit übt er mittlerweile

nicht mehr aus: „Nicht, weil ich nicht mehr belastbar wäre.

Mir fehlt das Feingefühl in den Fingern.“ Eigentlich wollte der

Arzt nach seiner Pensionierung ein chirurgisches Sabbatjahr

einlegen. „Aber meine Familie fand, dass ich zu lästig wurde,

da ich mich um Sachen kümmerte, für die ich vorher keine

Zeit hatte. Also meinten meine Kinder: Der Papa muss jetzt

wieder was machen“, schmunzelt der fünffache Vater. Sie

schlugen ihm ein Engagement bei Cap Anamur vor, das Dr.

Boskamp aber ablehnte: „Die schicken ihre Ärzte in Krisenregionen.

Ich wollte mich nicht totschießen lassen.“

Er schloss sich der Organisation German Rotary Volunteer

Doctors an, arbeitete jedes Jahr für ein paar Wochen in zwei

Krankenhäusern in Ghana und führte dort Operationen

durch. Nicht nur das: Albrecht Boskamp versorgte die Ärzte

in Ghana mit OP-Kleidung, Medikamenten, Infusionen aus

den Krankenhäusern in Meschede und Arnsberg, vermittelte

den Ärzten vor Ort theoretisches und fachliches Wissen und er

warb Kollegen aus dem Sauerland an, die sich auch der Organisation

anschlossen. „Diese Arbeit hat mein Leben sehr verändert.

Das war eine tolle Zeit, in der ich wirken und meine

Erfahrungen weitergeben konnte“, freut sich Dr. Boskamp. ■

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130 - WOLL Herbst 2020


Nicht von dieser Welt.

Zumindest auf den ersten Blick.

Die surrealistischen Collagen der Arnsberger Künstlerin Mores Rabenstern

Manfred Haupthoff

Ich bin mit der Künstlerin Mores

Rabenstern in ihrem Arnsberger

Haus und Atelier verabredet. Vor

unserem Treffen hatte ich mir schon

mal einige Arbeiten der Künstlerin

angesehen und war nun doch sehr

gespannt und erwartungsvoll, mehr

über ihre Arbeitsweise zu erfahren.

Eine sympathische und

freudige Begrüßung

Nach dem Öffnen der Tür begrüßen

mich, noch vor Mores Rabenstern, ihre

beiden großen Hunde. Und das fast in

Augenhöhe. Wir haben uns dann aber

schnell angefreundet und so wichen beide

dann auch während unseres Gesprächs

nicht von meiner Seite. Die sympathische

Künstlerin Mores Rabenstern zeigte mir

als erstes ihren Arbeitsplatz. Sie befand

sich auch gerade in der Arbeit zu einer

neuen Collage. Mein Interesse wuchs.

Inspiration und ein Mentor

am Laurentianum

Seit den 80er-Jahren gilt die Leidenschaft

der Künstlerin der Collage.

Inspiriert und angeleitet durch ihren

damaligen Kunstlehrer am Laurentianum,

Heinz Waterboer, ist sie bis

heute fasziniert und begeistert von den

Möglichkeiten dieser Kunstform. So

ist auch ihr Leitspruch “Stets nach so

vielen Möglichkeiten wie irgend möglich

suchen, um auch das Unmögliche als

möglich zu betrachten“ eine feste Überzeugung

der Künstlerin geworden.

Aus Vergangenem wird Neues

Das Rohmaterial ihrer Collagen bilden

Zeitschriften, Magazine und Kataloge.

Vor allem die GEO-Magazine, vorzugsweise

die der 60er-Jahre, haben es der

Künstlerin angetan. Nach dem Ansehen

unzähliger Bilder aus ihrem eigenen

Fundus, entstehen je nach Stimmung

und der Kombination der von ihr “(vor-)

gefundenen” Bilder die ersten Ideen für

eine neue Collage. Ein besonderes Faible

hat die Künstlerin Rabenstern dabei für

die unglaublich gute Schwarz-Weiss-

Qualität gedruckter Bilder in Magazinen

und Zeitschriften früherer Jahre.

Die wundersame Welt

der Irrationalität

Mores Rabenstern zu ihrer Intention:

„Dort, wo dann alle Rationalität versagt,

Logik an ihre Grenzen stößt,

beginnt die wundersame Welt des

Irrationalen, entstehen oftmals auch

meine Collagen.“ Bilder also, die der

Ausdruckskraft freien Lauf lassen und

die Sprache des Unterbewusstseins und

der Träume sprechen. Es sind Bilder die

unseren inneren, geistigen Assozia-

WOLL Herbst 2020 - 131


tionen eine Form geben. Und damit

gleichzeitig Antworten.

Sucht und Leidenschaft in

der Entstehung

Besieht man aufmerksam den Arbeitsplatz

der Künstlerin, entdeckt der

Betrachter ein Gewusel von sorgsam mit

der Schere ausgeschnittenen Motiven,

Linien und weiteren Elementen und

denkt vielleicht dabei unwillkürlich:

Unmöglich dies alles wieder in einen

sinnvollen, geordneten Zusammenhang

zu bringen. Und doch schaftt es

die Künstlerin Mores Rabenstern stets,

wohlausgestattet mit einer unglaublichen

Akribie und äusserster Zielstrebigkeit,

all dies wieder, einem inneren Plan

folgend, am Ende zusammenzufügen.

Und folgt man den Einlassungen der

Künstlerin ist der Entstehungsprozess

ein fast süchtig machender, leidenschaftlicher

Akt. In dem natürlich auch viel

künstlerische Intuition und Liebe zum

Detail mitschwingt.

Das Format ist stets gleich

Und so wird aus den unzähligen, ausgeschittenen

Fragmenten letzlich eine

aussergewöhnliche und beindruckendene

Collage. Und das stets im gleichen

Format. Die Maße der Kunstwerke

betragen immer 360 x 512 mm. Rabenstern

fügt die einzelnen Komponenten

mit Klebstoff zusammen, verbindet auch

schon mal Übergänge mit Wachsmalkreide.

Eine abschliessende Behandlung

der Arbeiten mit einer Lackschicht ist

obligatorisch und schützt die Collage vor

schädlichen UV-Einflüssen.

Auf den zweiten Blick

Die Künstlerin hat national, aber auch

international von sich reden gemacht.

2008 setzte sich die Künstlerin 2008 mit

ihrer Collage “Looking for bridges” gegen

30.000 andere Bildwerke durch und

belegte den 2. Platz im 2nd Showdown

Award. Im Rahmen der International

FineART 2010 wurde eine Collage von

Mores Rabenstern zu karitativen Zwecken

versteigert.2020 Beteiligung an der

Ausstellung Frauenart8 in der Galerie

Kontraste in Erwitte-Horn. ■

Collage ist die größte

Idee des 20. Jahrhunderts.

- Damien Hirst, Künstler

Fern-WOLL

Köln, Miami, Toulouse oder Perth.

Sauerland ist überall.

Sonja Heller

Privat

Im

Fern-Woll geht es um die Sicht auf uns von außen.

Auswärts lebende Sauerländer und Besucher, die

von ganz woanders weg kommen: Was verbinden sie

mit Worte, Orte, Land & Leute?

Ich bin Frank Wiemann aus Menden und lebe seit 2003 in

Auckland, Neuseeland. Seit 2006 arbeite ich als Architekt in

meinem eigenen Büro als Bau schadens-Gutachter.

132 - WOLL Herbst 2020


Regel 1:

Sonntagsausflüge

sind langweilig.

Regel 2:

Aber nicht mit einem Subaru.

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Worte

WU-EST. Wurst eben,

Aufschnitt, Knackwurst.

Meine Frau ist aus Dresden

und lacht sich über meine

Aussprache kaputt. Aber

die Kinder kriegen das

schon ganz gut hin mit der

Aussprache!

Orte

Menden, mit dem Heilig

Geist Gymnasium, Café

Rössler und dem Höhlenbären

im Museum. Oft

denke ich an unsere Waldläufe

am frühen Neujahrmorgen

mit Kopfschmerzen

und Kater.

Land

Diese kleine Kirche in

Oberrödinghausen. Die ist

mir schon als Kind aufgefallen,

mit ihrem schlichten,

tief zurückliegenden Eingang

oben am Hang.

Leute

Der Mendener Bildhauer

Wilhelm Hausmann und

sein Brunnen von 1967,

nah dem alten Rathaus.

Mein Vater nannte ihn immer

‘Die vier Bierkisten’.. ■

WOLL Herbst 2020 - 133


Gesundheitsberaterin Birgit Jakubzik:

„Wenn ich möchte, dass die

Menschen die Natur nicht

ausbeuten, dann muss ich

sie in die Natur bringen.“

Christel Zidi

Tom Linke

W

er mit Birgit Jakubzik auf Erlebnisreisen

geht, benötigt keinen Koffer. Und das, obwohl

die Reisen schon mal recht weit sein können…

Die Gesundheitsberaterin aus Arnsberg-Kirchlinde war

schon als Kind gern - und allein - in der Natur unterwegs.

Aus ihr zieht sie ihre Kraft und den Großteil ihres

spirituellen Wissens.

„Ausgeprägtes Eremiten-Syndrom“ nennt Birgit Jakubzik ihr

Bedürfnis, auch längere Zeit ganz allein zu bleiben. Nur mit

sich, ihrem Großspitz, den Katzen – und der wunderschönen

Natur rings um Arnsberg-Kirchlinde. Noch mehr Zeit als

sonst verbringt sie dann im Wald, wird völlig eins mit der

Natur. Ihre Rückzüge entspringen ihrer Liebe zur Natur, sind

notwendiges Kraftschöpfen, denn, so verrät sie: „Die Natur ist

mein Herz“.

Das Naturkind

Alles an ihr ist natürlich, ungekünstelt. Ihr Aussehen, ihre

Ausstrahlung, ihre Authentizität. Die gebürtige Wattenscheiderin,

die in Gelsenkirchen aufgewachsen ist, kommt

aus einem sehr naturverbundenen Haus. Viele Wochenenden

verbrachte die Familie am Haltener Stausee, am Ijsselmeer

oder an der Nordsee. Die kleine Birgit war dann oft mit ihrem

Paddelboot unterwegs oder durchkämmte den Wald, verwilderte

Halden und Parks. Meistens allein, denn dann war ihr

die Natur noch näher.

Raus aus der Stadt

Als junge Frau arbeitete sie mehrere Jahre in einem Büro. Bis

ihr irgendwann klar wurde: „Ich muss aufs Land. Ich muss

raus aus der Stadt“. Möglichst weit draußen sollte es sein. Das

kleine Dorf Ainkhausen bei Arnsberg-Holzen kam ihr da

gerade recht. Hier lebte sie 13 Jahre, bis sie 2013 nach Arnsberg-Kirchlinde

zog. Dass es sich hier, unweit des Klosters

Oelinghausen um einen alten germanischen Kultplatz handelt,

erfuhr sie erst später.

Die Baba Jaga

Birgit Jakubzik ist gelernte Damenschneiderin. In ihrer Kirchlinder

Schneiderstube „Baba Jaga“ zaubert sie für ihre Kunden

134 - WOLL Herbst 2020


die unterschiedlichsten Gewänder – von der klassischen Alltagskleidung

bis zur extravaganten Mittelalterkleidung. Mit

Zauberhand repariert sie auch deren Lieblingssachen. Mit

der Baba Jaga, der weisen Frau aus der slawischen Mythologie

verbindet sie vieles; die Liebe zur Natur, das Streben

nach Weisheit und auch ihre Ahnenwurzeln im russischen

Teil von Ostpreußen. Allerdings steht ihr Wohnhaus nicht

auf Hühnerbeinen, sondern auf dem festen Grund einer Hofanlage.

Physikalische Mathematik und Spiritualität

Spiritualität hat einen hohen Stellenwert in ihrem Leben.

Etwas ungewöhnlich, aber keineswegs widersprüchlich, ist

die Tatsache, dass sie ausgebildete technische Zeichnerin

ist, CAD-Konstrukteurin. Für sie stehen Wissenschaft und

Spiritualität nicht im Widerspruch: „Durch meine Ausbildung

habe ich viel über physikalische Mathematik gelernt.

Dabei wurde mir bewusst, dass eine physikalische Formel ein

Satz ist, der ein Naturphänomen beschreibt. Was unsere Vorfahren

mit Naturgeistern und Zwergen beschrieben, könnte

man auch aus dem rein wissenschaftlichen Kontext mit einer

Formel erklären. Der grundlegende Unterschied

zur Wissenschaft ist das Wahrnehmen

einer beseelten Natur“.

Öffentlich beim B.U.N.D.

Dass Birgit Jakubzik sehr genügsam ist und

keine Reichtümer benötigt, kommt aus ihrer

ganz persönlichen Gesinnung. Vorbildlich als

Vorsitzende und Sprecherin der Arnsberger

B.U.N.D.-Ortsgruppe ist vor allem

ihre Einstellung. Der Ausbeutung der

Natur und unseres Planeten etwas

entgegenzusetzen, ist ihr ein Herzensanliegen.

„Wenn ich möchte, dass die

Menschen die Natur nicht ausbeuten,

dann muss ich sie in die Natur bringen.“

Dazu muss sie raus aus ihrer Eremiten-Phase. “Ich genieße

das Alleinsein, empfinde es als große Wohltat. Aber ich

bin ebenso gern unter Menschen und habe einen großen

Freundeskreis.“

Die Wildkatzen-Botschafterin

Sempervivum,

zauberhafte Sempervivum,

Deko-Ideen zum Herbst.

Und zauberhafte natürlich Deko-Ideen aus eigenem zum Anbau!

Herbst.

Und natürlich aus eigenem Anbau!

Das „Rettungsnetz für die Wildkatze“ ist ein Projekt, das ihr

viel bedeutet. In Deutschland galt das scheue Waldtier schon

als ausgestorben. Zum Glück haben einige Tiere überlebt -

auch im Arnsberger Wald. „Die Wildkatze ist das Bindeglied

zwischen Waldinteressierten“, erklärt die Wildkatzen-Botschafterin.

Über dieses Projekt bekommt sie einen besseren

Zugang, z. B. zu Waldbesitzern, Förstern und Jägern, denn

„die Wildkatze verbindet uns alle mit dem Wald.“

WOLL Herbst 2020 - 135


“Der grundlegende Unterschied zur

Wissenschaft ist das Wahrnehmen

einer beseelten Natur.”

- Birgit Jakubzik

Ein natürliches Weltbild

Wenn Birgit Jakubzik als Kind im Wald unterwegs war,

haben sich ihr „spirituelle Tore geöffnet“. Die Beseeltheit

der Natur war für das schüchterne Mädchen etwas ganz

Normales, etwas Natürliches. Unbewusst hat sie schon früh

das Wesen des Schamanismus verstanden, der keine Religion

ist, sondern ein Weltbild. Als junge Frau kam sie in Kontakt

mit Menschen, die ebenso wie sie mit der Natur verbunden

waren, mit denen sie auf ihren Touren gemeinsam musizierte.

Irgendwann dabei hatte sie dann die Eingebung, sich eine

Trommel anzuschaffen …

Die Gesundheitsberaterin

Und die ist für die Gesundheitsberaterin zum wichtigen Werkzeug

geworden, speziell bei ihren schamanischen Beratungen.

Ganzheitliche Naturheilkunde, Reiki und Biosensorik stehen

ebenfalls auf ihrem Programm. Ihre Klienten, die aus allen

gesellschaftlichen Bereichen kommen, haben oft den roten

Faden in ihrem Leben verloren, wissen nicht mehr, in welche

Richtung ihr Leben gehen soll. Manchmal kommen sie auch

wegen psychischen Traumens und körperlicher Beschwerden.

Reisen mit der Trommel

Schamanische Reisen sind nichts Neues in der Menschheitsgeschichte.

Schon seit Urzeiten nutzen Menschen Praktiken

wie Askese, Meditation, Musik und Tanz, um den Kontakt

zur transzendenten Welt oder auch zum eigenen spirituellen

Inneren zu finden. Das Trommeln ist ein wichtiges Ritual.

Und das läuft so ab: „Durch den monotonen Trommelrhythmus

versetzt man sich in einen Trance-Zustand. Das Alltagsbewusstsein

wird ausgeschaltet. Alle störenden Gedanken

verstummen und das ‘Quatschen’ im Gehirn hört auf“, beschreibt

Birgit Jakubzik diesen Vorgang. „Wenn der Rhythmus

der Trommel dann harmonischer und intensiver wird, läuft

alles automatisch ab. Dann tauchen Visionen auf. Wenn man

in diesem Zustand bewusst einen Fokus setzt, eine bestimmte

Frage hat, bekommt man am Ziel die Antwort. Klarer und

intensiver als bei anderen Praktiken.“

Die Kirchlinderin rät übrigens davon ab, ohne Ziel und ohne

Begleitung auf schamanische Reisen zu gehen. „Schließlich

weiß man nicht, wem man unterwegs begegnet“, sagt sie mit

einem wissenden Zwinkern.

Manchmal gehört Mut dazu …

„Auf diesen Reisen wird man auf sich selbst reduziert“, erklärt

die Schamanin weiter. „Nicht ganz einfach, besonders für

Menschen, deren Terminkalender übervoll ist. Manchmal

gehört Mut dazu, das auszuhalten. Den eigenen Schatten zu

begegnen - privaten, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, auch

den vielen Traumata. Das Ziel ist, wieder mit sich selbst und

der Natur verbunden zu sein, nicht länger von Angst gesteuert

zu werden. Das bringt zunächst Entspannung, kann dann die

Heilung unterstützen, was letztlich zu einem ausgeglichenen

Innenleben führt.“ ■

136 - WOLL Herbst 2020


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Deine

Gedanken werden Zukunft

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WOLL Herbst 2020 - 137


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creo - Dein Baufachmarkt in Sundern

Erfolgreich im Anderssein

Britta Melgert

Sarah Schulte | Creo

Gut 30 Monate ist es nun her, dass sich die Tore

zu einem besonderen Baumarkt in Sundern

erstmals öffneten. CREO – bewusst anders,

bewusst kundenfreundlich, bewusst qualitätsorientiert.

Der Erfolg gab den Machern Recht. Die Kunden

erlebten eine ganz eigene Baumarktwelt und sind

begeistert. Doch wie machen die das, die von CREO?

Jendrick Otto ist seit Beginn der Marktleiter des Unternehmens.

„CREO“, so sagt er, „das ist für mich eine Herzensangelegenheit.

Wir wollten gewohnte Wege verlassen

und das Thema Baumarkt neu definieren.“ Er erinnert

sich: „Engagiert sind wir im März 2018 mit zehn kompetenten

Mitarbeitern in dieses Abenteuer gestartet. Nah

am Kundenbedürfnis sein, Präsenz zeigen, wenn Hilfe

oder auch bloß ein Tipp benötigt wird, menschlicher

Umgang – all das sollte bei uns zur Selbstverständlichkeit

werden. Rückblickend betrachtet ist uns das wohl richtig

gut gelungen, so sagen unsere Kunden.“

Volles Sortiment mit Konzentration auf Gutes

Das Wohlfühlen beginnt bereits beim Hereinkommen.

Warme Farben an den Regalen und viele Holzelemente

im Info- und Kassenbereich schaffen eine gemütliche

Atmosphäre. Doch man ist ja hierhergekommen, um sich

etwas zur Verschönerung seines Zuhauses auszusuchen.

„Bei uns gibt es auf 1600 m² das volle Baumarkt-Sor-

138 - WOLL Herbst 2020


timent“, verspricht Otto. „Von Farben über Werkzeug,

Sanitär, Elektro bis hin zum Gartenbereich ist alles

vorhanden. Wir konzentrieren uns dabei jedoch auf Artikel

von guter Qualität aus dem mittelpreisigen Segment.

Bei uns hängen beispielsweise nicht 20 Hämmer, sondern

fünf, aber das sind dann auch wirklich gute Teile. Dieses

Konzept zieht sich durch den ganzen Laden.“

Kernkompetenz im Holzbereich

Das Herzstück des Marktes ist die exklusive Ausstellung

im Holzbereich. „Hier liegt eindeutig unsere Kernkompetenz“,

so Otto. „Unser professionelles Team berät und

inspiriert zum Thema Böden und Türen; ab September

unter anderem auch mit einer neuen Ausstellung mit

hochwertigen Erzeugnissen des österreichischen Familienunternehmens

Tilo. Diese Qualitätsprodukte gibt’s

hier im Umkreis sonst nirgends“, weiß er. „Unser nicht

unbedeutende weitere Vorteil, ist der Montage-Service.

Wer möchte, kann sich die bei uns erworbenen Produkte

durch unser Handwerkerteam oder durch unsere Partnerbetriebe

fachgerecht und ganz stressfrei zuhause einbauen

lassen. CREO übernimmt dabei die Federführung und

betreut die Arbeiten bis zum erfolgreichen Abschluss.“

Familiär, freundschaftlich – und sehr dankbar

Doch auch wer gern selbst heimwerkelt, ist bei CREO

gut aufgehoben. Die beste Farbe für die Wand? Die

perfek te Schraube für das Regal? Welche Pflanze eignet

sich für den sonnigen Balkon? Das sind Fragen, auf die

die inzwischen 15 Mitarbeiter immer eine Antwort wissen.

„Alle sind begeistert dabei“, lacht Otto. „Wir gehen

im Kollegenteam freundschaftlich miteinander um, ähnlich

wie in einer Familie. So fällt es auch leicht, sich auf

jeden neuen Kunden zu freuen und ihm gern zu helfen.“

Viel zu helfen gab es bekanntlich in diesem Frühjahr

und Sommer. Corona hatte die Welt stillgelegt und viele

Bürger nutzten die Zeit für Renovierungsmaßnahmen.

„Wir hatten alle Hände voll zu tun. Teilweise entstanden

sogar Kundenschlangen vor der Tür“, erinnert sich der

Marktleiter und er ergänzt: „Mir ist sehr wichtig, mich

bei unseren Kunden ganz herzlich zu bedanken für deren

Unterstützung, Treue und Geduld während dieser ungewohnten

Phase. Das hat unserem jungen Unternehmen

wirklich weitergeholfen!“

Es bleibt spannend bei CREO

Was bringt die Zukunft für CREO? „Stillstand gibt es

bei uns nicht, stattdessen passen wir unser Angebot stets

an die Kundenbedürfnisse an. Gerade jetzt verkleinern

wir beispielsweise den Tapetenbereich zugunsten von

trendigen Putzmaterialien, bauen unsere Ausstellung

nochmals komplett um und erweitern unsere Sortimente

gemäß den Wünschen und Anregungen unserer

Kunden. Und immer umfangreicher wird unser Angebot

für Weber-Grills; Geräte, die heutzutage ganzjährig

gefragt sind. Es bleibt spannend bei uns – und stets

„anders“!“ ■

wir freuen uns auf deinen besuch!

ÖFFNUNGSZEITEN:

Mo - Fr 08:00 - 18:30 Uhr

Sa 08:00 - 16:00 Uhr

In den Röhrwiesen 8

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Tel. 0 29 33 / 909 35 - 00

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info@creo-sundern.de

WOLL Herbst 2020 - 139


Bilmedas

kleine Paradies für Naturliebhaber und Ruhesuchende

Daniela Weber

Manfred Haupthoff

kennt jeden“ - ein Spruch, der auf das

kleine Örtchen Bilme in der Gemeinde Ense

„Jeder

definitiv zutrifft. Denn gerade einmal 35

Einwohner zählt das Dorf, das sich am nördlichen

Rand des Haarstrangs erstreckt. Der einwohnerärmste

Ortsteil der Gemeinde besticht vor allem mit

einer guten Anbindung an die umliegenden Regionen,

mit seiner Nähe zur Natur, einer sichtbaren Geschichte

und einer lebendigen Dorfgemeinschaft.

Der zentrale Punkt des beschaulichen Ortes ist die

Heilig-Geist-Kirche, deren Grundstein im Jahr 1914

gelegt wurde. Ihr Turm ragt zwischen Bäumen und

Häusern empor und ist schon von Weitem zu erkennen.

Der Kirchenbau wurde im Jahr 2006 renoviert. Weitere

wichtige Orte im Dorf sind der an die Kirche angrenzende

Friedhof und der Kindergarten Villa Kunterbunt.

„Das haben wir alles hier in Bilme. Orte, die auch für

die unmittelbar angrenzenden Ortschaften wie Oberense,

Vollbringen und Bittingen wichtig sind“, freut sich

Hubertus Schlösser, der seit 24 Jahren in dem Örtchen

wohnt und sich in den Charme Bilmes verliebt hat.

Ein besonderes Schmuckstück des Dorfes ist die aus dem

Mittelalter stammende St. Urbanus Kapelle. Das denkmalgeschützte

Kirchengebäude befindet sich idyllisch

gelegen, versteckt hinter Bäumen und Sträuchern, schräg

gegenüber von der Heilig- Geist-Kirche. Ein kleiner Pfad

führt zu dem im 12. Jahrhundert erbauten Sakralgebäude

aus Grünsandstein, an dessen Wänden Efeu rankt.

Die Glocke im Turm soll bereits um 1200 gegossen

worden sein. „Die Kapelle steht auf dem Grund stück

von Familie Küppers. Ein wahres histo risches Zeugnis“,

sagt Hubertus Schlösser mit stolzem Blick.

140 - WOLL Herbst 2020


„Man kennt seine Nachbarn und redet

zwischendurch mal miteinander. Es herrscht

einfach ein tolles Dorfleben.“

Hubertus Schlösser, Einwohner von Bilme

Doch nicht nur die bedeutenden Stätten begeistern den

57-Jährigen. Für ihn sei Bilme vor allem wegen seiner

„Abgeschiedenheit“ lebenswert. „Hier gibt es mehr

Pferde als Menschen“, scherzt er. Ein Umstand, dem er

viel Positives abverlangt. „Man kennt seine Nachbarn

und redet zwischendurch mal miteinander. Es herrscht

einfach ein tolles Dorfleben.“

Das Dorfleben sei natürlich auch vom Schützenfest

geprägt. Dazu gehört selbstverständlich auch „die Tradition,

gemeinsam die Fahne aufzuhängen“. Aufgrund

seiner überschaubaren Größe besitzt das kleine Örtchen

keinen eigenen Schützenverein, sondern gehört zur

St. Johannes-Schützenbruderschaft Oberense. „Die

Schützengemeinschaft aus Oberense, Bittingen, Bilme

und Vollbringen ist super. Es ist eine tolle Truppe.

Wir haben immer sehr viel Spaß zusammen.“, betont

Schlösser.

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WOLL Herbst 2020 - 141


„Hier gibt es

mehr Pferde als

Menschen.”

Hubertus Schlösser

Doch nicht nur mit der gut funktionierenden Dorfgemeinschaft,

der Seele des Dorfes, besticht Bilme, sondern

auch mit seiner Nähe zur Natur. Besonders für Naturliebhaber

ist Bilme also wohl ein „kleines Paradies“. Denn mit

unmittelbar angrenzenden Feldern und Wäldern bietet

der Ort reichlich Möglichkeiten, die Natur auf langen

Wanderungen zu erforschen und die Seele baumeln zu

lassen. Auch mit seiner Nähe zur Gemeinde Möhnesee

glänzt Bilme. Nur etwa zehn Minuten benötigt man, um

von dem kleinen Ort in Ense zur Sperrmauer des Möhnesees

zu gelangen. „Urlaubsstimmung“ ist also nur einen

Katzensprung entfernt. „Es ist hier einfach Natur pur. Oft

hört man nur die Vögel zwitschern. Es fahren kaum Autos

durch den Ort, die diese Ruhe stören. Wenn ich morgens

ganz früh aus dem Haus gehe, höre ich keine Geräusche

außer eben von den Tieren“, sagt Hubertus Schlösser.

„Es fährt fast stündlich ein Bus. Das ist für so einen

kleinen Ort auch nicht selbstverständlich.“

Hedwig Giese, Einwohnerin von Bilme

Das „einzige Manko“ ist wohl der fehlende Einzelhandel

in dem Dorf. Doch durch seine gute Anbindung an Soest,

Werl und auch die größeren Orte der Gemeinde Ense wie

Niederense und Bremen kann der tägliche Bedarf gedeckt

werden. „Man braucht schon eigentlich mindestens zwei

Autos pro Familie, damit man problemlos zur Arbeit

fahren kann, Einkäufe erledigen kann oder auch mal die

Kinder zum Sport oder zu Freunden bringen kann“, gibt

der 57-Jährige zu.

Doch auch ohne Auto ist man in Bilme nicht „verloren“.

Die gute Busanbindung in Richtung Neheim und Ostönnen,

von dort aus kann man in Richtung Werl und

Soest umsteigen, ist ein Pluspunkt des Dorfes. „Es fährt

fast stündlich ein Bus. Das ist für so einen kleinen Ort

auch nicht selbstverständlich“, betont Hedwig Giese. Die

79-jährige Schwiegermutter von Hubertus Schlösser lebt

bereits seit 52 Jahren in Bilme und kann sich, wie ihr

Schwiegersohn, ein Leben in einem größeren Ort gar nicht

mehr vorstellen.

Bilme - ein kleiner Ort mit Seele und Geschichte, wo jeder

jeden kennt, und dessen Ruhe und Abgeschiedenheit das

Dörfchen so lebenswert machen. ■

142 - WOLL Herbst 2020


Ingrid Dormann -

erfahrene Schiedsrichterin

auf dem Spielfeld des Lebens

Markus Weber

I

ngrid Dormann aus Oeventrop kann im nächsten Jahr auf eine bereits

20-jährige Tätigkeit als Schiedsfrau zurückblicken. Seit vielen Jahren

ist sie außerdem Vorsitzende der Bezirksvereinigung der Schiedsfrauen

im Bund deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen.

„Wir verstehen uns als Streitschlichter oder Media toren,

wenn zwei Parteien sich scheinbar unversöhnlich gegenüberstehen,

etwa beim klassischen Nachbar streit. Auch bei bestimmten

strafrechtlich relevanten Delikten, wie Beleidigung,

Bedrohung, oder leichten Körperverletzun gen ist es - was

viele nicht wissen - gesetzlich vorgeschrieben, zunächst einen

Schlichtungsversuch unter Führung der Schiedsleute vorzunehmen,

um möglicherweise ein gerichtliches Verfahren zu

vermeiden.“ erklärt Ingrid Dormann.

Ein Schlichtungsverfahren kann auf verschiedene Weise in

Gang gesetzt werden. Der Antragssteller (in der Regel der

Geschädigte) meldet sich häufig zunächst telefonisch und

schildert sein Anliegen. Die Schiedsfrau klärt gleich beim

Anruf, ob sie örtlich und sachlich zuständig ist. Häufig

haben die Parteien noch gar nicht miteinander über das

Problem gesprochen. „Ich rate ich dann dem Anrufer, noch

vor Antragsstellung bei mir, einmal das Gespräch mit dem

Kontrahenten zu suchen. Es kann sein, dass ich danach nie

wieder etwas von der Angelegenheit höre“, schmunzelt die

erfahrene Streitschlichterin. Ein solcher Vorgang wird dann

als sogenannter „Tür- und Angel-Fall“ registriert.

Schlichtungsverhandlung auf neutralem Terrain

Sollte der Antragsteller ein Schlichtungsverfahren wünschen,

werden der geschilderte Sachverhalt und der Antrag zu Protokoll

genommen und dem Antragsgegner zugestellt.

Sodann werden die beiden Parteien zur Verhandlung

geladen, und zwar an einen „neutralen“ Ort, etwa ein

Amtsgebäude oder eine Schule. „Einige Schiedsmänner

verhandeln auch bei sich zu Hause“, so Ingrid Dormann,

aber nach meiner Erfahrung ist es leichter, die manchmal

hochkochenden Emotionen auf neutralem Terrain zu beruhigen.

Außerdem ist es etwas anonymer, was den Parteien

nur recht ist.“ „Ich selbst“, so Ingrid Dormann, „bin ja eine

Großstadtpflanze. Wenn man eine Wohnung in Köln oder

Berlin bewohnt, kann man, um einem jahrelangen Streit

aus dem Wege zu gehen, auch umziehen. Hier bei uns, wo

viele Leute ein Eigenheim besitzen, ist das natürlich deutlich

schwieriger. Ich versuche in den Verhandlungen, den Kontrahenten

aufzuzeigen, in welchem Verhältnis der Streit also

zu ihrer gesamten (Wohn-) Situation steht, und ob es nicht

viel einfacher sei, sich zu vertragen. Erfreulicherweise gelingt

dies häufig.“

Günstiges Schiedsverfahren

Obwohl die Kosten für ein Schlichtungsverfahren nur

einen Bruchteil derer eines gerichtlichen Verfahrens ausmachen

(„Hätte ich das gewusst, hätte ich mir den Rechtsanwalt

gespart“ ist ein Satz, den Ingrid Dormann nicht

selten hört), ist eine schiedsgerichtliche Vereinbarung

rechtsverbindlich und stellt einen Titel da, aus dem für 30

Jahre auch zwangsvollstreckt werden kann. „Männer und

Frauen streiten sich in unserer Region etwa gleich häufig“,

so Ingrid Dormann, „aber unter dem Strich, so kann ich

nach vielen Jahren sagen, ist der Bewohner des Sauerlandes

im Allgemeinen gar nicht sehr streitsüchtig, sondern eher

harmoniebedürftig.“ Überhaupt scheint in den meisten Fällen

gar nicht der Konflikt das Problem zu sein, sondern eher

die mangelnde Fähigkeit, mit dem Kon flikt kommunikativ

umzugehen.

Das Händereichen beendet den Streit

Daher ist es für die „Schiedsrichterin“ ein schönes Ergebnis,

wenn sich die ehemaligen Kontrahenten am Schluss der

Verhandlung die Hände reichen, zum Zeichen, dass die

Auseinandersetzung beendet und man sich „in der Mitte“

entgegengekommen ist. ■

WOLL Herbst 2020 - 143


Anzeige

„Wir wollen

den Kunden

mitnehmen.“

Haptisches Erleben bei der

Firma Fensterbau Peters

Mitreißen ist vielleicht das treffendere Wort,

wenn es um so viel Leidenschaft für die

hergestellten Produkte geht wie beim Fensterbau

Peters. Nicht nur, wenn es um die Vorstellung der

erstaunlichen Möglichkeiten geht, mit denen heutzutage

Fenster und Türen ausgestattet werden können. Spätestens

dann ist der Kunde „mitgerissen“, wenn er das für

ihn maßgeschneidertes Angebot erhält.

Dem geht ein intensiver Austausch voraus. Schließlich

möchte die Bautischlerei Peters den Kunden nicht

überreden, sondern ihn von der Qualität ihrer Produkte

überzeugen. Am besten funktioniert das natürlich, wenn

ihm die Produkte „greifbar“ werden. Wenn das haptische

Erlebnis im Vordergrund steht und er die Materialien

tatsächlich greifen und fühlen kann, wenn er die gesamte

Produktpalette als Gesamtkunstwerk erleben kann.

Fensterbau Peters wurde vor über 150 Jahren als

Bautischlerei in Neuenrade gegründet und hat sich heute

zu einem mittelständischen Betrieb mit 40 Mitarbeitern

entwickelt. Tischler, Rolladen- und Jalousiebauer zählen

u. a. zum Team, das sich der Herstellung von Fenster-,

Außen- und Innentüren sowie Treppen und Markisen

widmet.

50 verschiedene Haustürarten hat die Firma Peters

außerdem im Angebot. Neben einer Grundausstattung

(weiße Haustür mit einem in den Türflügel eingesetzten

Türblatt) kann die Tür über ein Baukastensystem aufgewertet

werden. Neben einer großen Farbvielfalt ist der

Einbau von Holz- oder Kunststoffdekor mit aufwändigen

144 - WOLL Herbst 2020


In diesem Jahr liegt der Fokus auf Terrassendächer und

Wintergärten. Im Grünbereich vor dem Firmeneingang

gibt es eine neue Außenausstellung mit Wintergärten entstanden.

Mit dabei aus dem Bereich „Beschattung“ sind

auch Markisen und Pergolen.

Fertigungsdetails und hochwertigen, wärmedämmenden

Designgläsern möglich. Immer wichtiger für den Hausund

Wohnungsbesitzer wird die Sicherheitsausstattung

für Türen und Fenster. Hier ist die Ver- bzw. Entriegelung

nicht nur über Haussprech-/Klingelanlage, Zahlencode,

Funkschlüssel, Chip oder Fingerabdruck-Scan möglich.

Auch eine Öffnung über Smartphone-App ist inzwischen

selbstverständlich.

„Verkaufen können wir diese Produkte nur, wenn wir

sie selbst auch leben“, erklärt uns Geschäftsführer Peters.

„Um ein Gefühl für die moderne Steuerung zu

bekommen, benutzen wir sie auch bei uns im Büro“. Wir

steuern daher das Licht, die Heizung, den Sonnenschutz,

die Türen über unseren Rechner oder aber über eine

Smartphone App. So verstehen wir unsere Kunden und

seine Wünsche besser, können vielleicht auch beraten,

wenn es zu viel wird mit der Automatisierung.“

Aus Fenster wird Design.

Handwerk kommt auch bei jungen Menschen gut an.

Bei Präsentationen in Schulen der näheren Umgebung,

stellte sich die Firma mit einem umfangsreichen Bestand

an Materialien vor. Die Schüler konnten Fensterprofilen

ebenso wie die verwendeten Materialien Holz, Kunststoff,

Metall, Aluminium selbst in die Hand nehmen und

z. B. Glas tatsächlich „kennenlernen“. Einfach mal die

„Physik“ Die und neue die Funktionsweise außergewöhnliche der bei Peters Oberfläche hergestellten

Produkte erleben.

für moderne Kunststofffenster: ästhetisch,

pflegeleicht, widerstandsfähig.

„Immerhin 14 Schüler“, so erzählt Herr Peters nicht ohne

Stolz, „haben • Ultramatte sich daraufhin Optik entschieden, bei uns ein

Praktikum • Außergewöhnliche zu machen, da sie vor samtige allem von Haptik der Vielseitigkeit

der • Aufgabenstellungen Anti-Graffiti-Oberfläche in unserem Betrieb begeistert

waren!“ • Man Hochwertig kann sich lackveredelt gut vorstellen, mit dass 10 sich Jahren einige

dieser Schüler

Garantie

bald als

auf

Auszubildende

Witterungsbeständigkeit

bei der Fa. Anton

Peters in Neuenrade wiedersehen werden! ■

www.peters-fenster.de

Zum Imberg 15· 58809 Neuenrade-Affeln

Telefon 02394 91910· info@peters-fenster.de

WOLL Herbst 2020 - 145


Berufliche Karriere erfolgreich in der Heimat starten

Zentrales Portal für den Karriereeinstieg informiert über die

Berufsmöglichkeiten in der Region Hellweg-Sauerland –

auch weniger bekannte Ausbildungsberufe werden vorgestellt

„W

ir stellen jedes Jahr einen neuen Auszubildenden

ein“, erklärt Firmenchef Sven

Franke. Denn ihm ist es wichtig, dass sich

der Azubi auch mit seinem Betrieb identifiziert und Lust

hat, auch über die Ausbildung hinaus bei ihm zu bleiben.

Neben allen handwerklichen Fähigkeiten will Franke den

jungen Menschen vor allem die Leidenschaft für den Beruf

weitergeben. Und so verwundert es nicht, wenn genau das

auch der Slogan seiner Homepage ist „Dächer, die uns die

Welt bedeuten“.

Dachdeckermeister abgelegte. Seine Leidenschaft für den Beruf

gibt er mit Begeisterung weiter. Derzeit besteht sein Team

aus einem Gesellen und zwei Auszubildenden.

Jugendliche, die Lust haben, sich von dieser Leidenschaft

anstecken zu lassen, einen spannenden Beruf zu erlernen, der

viel fordert, aber auch viel gibt, können sich bei Sven Franke

bewerben:

info@dachdecker-sven-franke.de.

Wichtige Voraussetzung: Schwindelfreiheit. ■

Zum täglichen Geschäft des Dachdeckermeisters gehören

Dachreparaturen und Fassadenbekleidungen. Ein Dachdecker

montiert auch Dachfenster, saniert Dachrinnen, Balkone und

installiert Schneefanggitter. Aber auch Arbeiten, die eigentlich

zum Berufsfeld des Zimmermanns, Bauklempners oder

Maurers gehören, sind Teil seines Leistungsangebotes.

Sven Franke hat seinen kleinen Dachbetrieb in Niederense

2017 gegründet. Nach seiner Ausbildung sammelte er zunächst

reichlich Erfahrung, bevor er 2015 seine Prüfung zum

146 - WOLL Herbst 2020


Dachdecker Sven Franke

Das Partnernetzwerk:

IHK Arnsberg, Agentur für Arbeit Meschede

- Soest, Unter nehmensverband Westfalen

Mitte, Steuerberaterkammer Westfalen-Lippe,

Landwirtschaftskammer NRW, Handwerkskammer

Südwestfalen, Hochsauerlandkreis,

Kommunale Koordinierungsstellen KAoA,

WirtschaftsFörderungsGesellschaft Hochsauerlandkreis,

Kommunen für Arbeit im HSK, DGB

Region Südwestfalen und Dortmund-Hellweg,

Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe, Regionalagentur

Hellweg-Hochsauerland, Kreis Soest,

Wirtschaftsförderung Kreis Soest, Jobcenter

AHA Kreis Soest

www.karriere-hier.de

Der Ausbildungskonsens der Region Hellweg-Sauerland

Das Gremium ist breit aufgestellt. Beteiligt sind die Agentur

für Arbeit, die SGB-II-Träger, die Kreiswirtschaftsförderungen,

Kammern und Kreishandwerkerschaften,

der DGB, die Kommunalen Koordinierungen der beiden

Kreise, der Unternehmensverband sowie die Regionalagentur

Hellweg-Hochsauerland. Koordiniert wird das

Gremium bei der IHK Arnsberg. „Dieses Gremium fasst

die Kompetenzen und das Know-How verschiedenster

regionaler Arbeitsmarktpartner an einer Stelle zusammen.

Dies führt zur fundierten und abgewogenen Einschätzung

der Entwicklung des Arbeits- und Fachkräftemarktes“,

so Klaus Bourdick in seiner Funktion als Sprecher des

Gremiums. „Die Verabredung von gemeinsamen und

aufeinander abgestimmten Maßnahmen aller Partner ist

das Besondere in unserer Region. Das gibt es anderswo so

nicht und gemeinsam erreicht man einfach mehr.“

WOLL Herbst 2020 - 147


Sauerländer sagen eben:

GlexX Logistik GmbH · Auf´m Brinke 16 · 59872 Meschede · Tel.: 0291 908611-39

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