Grau/Schumacher Mittwoch 4. 11. 20 Heilbronn

heffter

Konzert des Kulturrings Heilbronn im Theodor-Heuss-Saal der Harmonie.

KULTURRING

HEILBRONN E.V.

www.kulturring-heilbronn.de

KLAVIERDUO

ANDREAS GRAU &

GÖTZ SCHUMACHER

MITTWOCH, 04. NOVEMBER 2020

19.30 UHR


Klavierduo

ANDREAS GRAU &

GÖTZ SCHUMACHER

2. Veranstaltung der Kulturring-Konzertreihe

2020/2021, Theodor-Heuss-Saal, 19.30 Uhr

Programm

MAURICE RAVEL 1875–-1937

Rapsodie espagnole

- Prélude à la nuit

- Malagueña

- Habanera

- Feria

OLIVIER MESSIAEN 1908–1992

Visions de l’Amen

Nr. 5: Amen des Anges, des Saints,

du chant des oiseaux

JOHANNES BRAHMS 1833–1897

Sonate für 2 Klaviere f-Moll op. 34b

- Allegro non troppo

- Andante, un poco adagio

- Scherzo: Allegro

- Finale: Poco sostenuto - Allegro non troppo

15 Min.

8 Min.

39 Min.


Guten Abend,

klug zusammengestellte Programme und künstlerischer

Entdeckergeist sind das Markenzeichen, mit

dem sich Andreas Grau und Götz Schumacher als

eines der international renommiertesten Klavierduos

profiliert haben. Ihr Miteinander am Klavier lässt sie als

musikalische Seelenverwandte erscheinen.

Zu Beginn hören Sie heute Abend Ravels Rapsodie

espagnole und das fünfte Stück eines fast zweistündigen

Werks von Olivier Messiaen, Visions de l’Amen,

die unter schwierigen Bedingungen komponiert und

uraufgeführt wurden. Danach erklingt, ohne Pause, die

als Streichquintett entstandene, für zwei Klaviere bearbeitete

und später auch auf Anraten Clara Schumanns

zum Klavierquintett umgearbeitete Sonate op. 34 von

Johannes Brahms.

Freuen Sie sich auf eine Stunde erstklassiger Klaviermusik

mit Andreas Grau und Götz Schumacher!

Beachten Sie beim Besuch des Konzerts bitte die folgenden

Hygienevorschriften:

1) Der Besuch des Konzerts ist nicht erlaubt, wenn Sie

selbst Corona-Symptome haben bzw. wenn Sie in

den letzten zwei Wochen vor dem Konzert Kontakt

zu einer mit dem Corona-Virus infizierten Person oder

einer Kontaktperson eines Infizierten hatten.

2) Es muss immer ein Abstand von 1,50 m eingehalten

werden.

3) Mit Betreten der Harmonie bis an Ihren Sitzplatz und

zurück müssen Sie Mund-Nasenschutz tragen.

4) Auch während des Konzerts müssen Sie den Mund-

Nasenschutz tragen.

5) Das Konzert ist auf ca. eine Stunde begrenzt.

6) Es findet keine Pause und keine Bewirtung statt.

Gefördert:


ANDREAS GRAU &

GÖTZ SCHUMACHER

Über ihre Aufführungen bekannter Orchesterkonzerte

von Komponisten wie Bach, Mozart, Mendelssohn,

Bartók oder Poulenc hinaus ist das Grau-Schumacher-Piano-Duo

stets auf der Suche nach neuen

Ideen, um das Repertoire für zwei Klaviere und

Orchester zu erweitern. So initiierte es unter anderem

ein Arrangement von Franz Liszts berühmtem

Concerto Pathétique für zwei Klaviere und Orchester

durch Stefan Heucke. Angeregt durch das virtuose

und feinfühlige Spiel des Duos haben einige der

wichtigsten zeitgenössischen Komponisten neue

Konzerte für Andreas Grau und Götz Schumacher

geschrieben, zuletzt Peter Eötvös, Philippe Manoury,

Jan Müller-Wieland und Luca Francesconi. Auch

im Rezitalbereich bringt das Duo laufend Werke

zur Uraufführung, kürzlich u. a. von Bernd Richard

Deutsch, Philippe Manoury und Johannes Maria

Staud. Zuletzt begeisterte das Duo insbesondere mit

der Uraufführung einer groß angelegten Trilogie von

Brigitta Muntendorf.

Mit ihrem weit reichenden Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten

sind die Pianisten regelmäßig zu Gast


ei den internationalen Festivals und Konzerthäusern

und arbeiteten mit Dirigenten wie Michael Gielen,

Markus Stenz, Emanuel Krivine, Heinz Holliger, Ingo

Metzmacher, Kent Nagano, Andrej Boreyko, Georges

Prêtre und Zubin Mehta zusammen. Als Solisten

konzertierten sie mit allen deutschen Rundfunkorchestern,

dem Symphonieorchester des Bayerischen

Rundfunks, dem Radiosymphonieorchester Wien und

dem Orchestre Philharmonique de Radio France sowie

beim Musikfest Berlin, dem Klavierfestival Ruhr, den

Schwetzinger Festspielen, dem Rheingau Musik Festival,

an der Wigmore Hall London, der Kölner Philharmonie,

im Gewandhaus Leipzig, am Wiener Konzerthaus,

an der Tonhalle Zürich, an der Franz-Liszt-Akademie

Budapest, der Suntory Hall Tokio, am De Doelen

Rotterdam und im Concertgebouw Brügge.

Zum Auftakt der Saison 2019/20 debütierte das

Grau-Schumacher-Piano-Duo beim Enescu Festival

Bukarest, weitere Einladungen führen unter anderem

zum Warschau Philharmonic Orchestra, dem Symphonieorchester

des Bayerischen Rundfunks oder

dem Orquestra Sinfónica do Porto. Neben ihren Rezital-

und Orchesterauftritten verwirklichen Andreas

Grau und Götz Schumacher regelmäßig interdisziplinäre

Kunst- und Musikprojekte, so reist diese Saison

ihr multimediales Programm »Kosmos« mit Live-Projektionen

von Videokunst nach Madrid und Ekaterinburg.

Ebenso wird die Zusammenarbeit mit Schauspielern

wie Klaus Maria Brandauer oder Ulrich Noethen

fortgesetzt.

Den Hang zu ausgefeilten Programmkonzepten dokumentieren

auch die zahlreichen CD-Einspielungen des

Duos. Zuletzt erschienen die Aufnahme Fantasias mit

Werken von Schubert, Purcell/Kurtág, Mozart/Busoni,

Skrjabin und Rachmaninow (»Eine Referenzeinspielung!«,

Fono Forum) sowie die mit dem Deutschen Symphonie-Orchester

Berlin aufgenommene Serie Concerti

I-III mit Werken von Bach und Mozart bis Adams. Die

Einspielung von Philippe Manourys groß angelegtem

Le temps, mode d’emploi wurde mit dem Jahrespreis

2019 der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.


Andreas Grau und Götz Schumacher (Jahrgang 1965

und 1966) spielen seit 1981 als Klavierduo zusammen

und haben sich seit den 1990er-Jahren als eines der

wichtigsten deutschen Klavierduos etabliert. Mehr als

ein Dutzend CD-Einspielungen und zahllose Konzerte

haben dem Duo weltweite Anerkennung verschafft.

Preise bei bedeutenden Wettbewerben ebneten dem

Klavierduo Andreas Grau und Götz Schumacher den

Weg auf die großen Bühnen: Dem Publikumspreis

beim Internationalen Wettbewerb der »Jeunesses

musicales« in Belgrad 1989 folgte noch im selben

Jahr der Erste Preis beim Deutschen Musikwettbewerb.

Weitere Auszeichnungen wurden den beiden

Pianisten beim Vincenzo-Bellini-Wettbewerb im sizilianischen

Caltanissetta (1991) und beim Franz-Schubert-Wettbewerb

in Graz (1992) zuteil. Dass die beiden

zu Beginn immer wieder als legitime Nachfolger

der Brüder Kontarsky eingeschätzt wurden, hat vor

allem damit zu tun, dass sie neben dem Standardrepertoire

aus Klassik und Romantik immer wieder auch

Musik des 20. Jahrhunderts spielen. Gleich ihre zweite

CD etwa war dem mehr als 70-minütigen »Mantra«

von Karlheinz Stockhausen gewidmet. Allerdings

kombinierten Andreas Grau und Götz Schumacher

später in ausgefeilten Konzert- und CD-Programmen

auch Ligeti mit Schubert, Kurtág mit Bach und Busoni

sowie Walzer von Schubert, Brahms und Grieg mit

solchen von Hindemith und Rihm. Besonders hörenswert

auch ihre Bechstein-Aufnahme mit Variationen

und Fugen von Reger, Mozart und Beethoven. Ein

dynamisch und artikulatorisch höchst differenziertes,

in kontrapunktischen Werken linear-klares, klanglich

mal handfest-zupackendes, dann wieder weich-elegantes

Spiel zeichnet dieses Duo aus.

Andreas Grau und Götz Schumacher, die beide

jeweils einen C. Bechstein Flügel ihr Eigen nennen,

spielen heute in den großen Konzertsälen weltweit

(Berliner Philharmonie, Gewandhaus Leipzig, Kölner

Philharmonie, Tonhalle Zürich, Cité de la Musique in

Paris etc.) und arbeiten mit namhaften Orchestern

und Dirigenten wie Michael Gielen, Lothar Zagrosek,

Heinz Holliger, Kent Nagano, Georges Prêtre und


Zubin Mehta zusammen. Dabei sind die beiden Pianisten,

die vierhändig an einem und an zwei Klavieren

agieren, der lebende Beweis, dass man kein

Geschwister- oder Ehepaar sein muss, um in der Spitzenklasse

der Klavierduos mitspielen zu können.

RAVEL RAPSODIE ESPAGNOLE

Der Ausgangspunkt für Maurice Ravels (1875-1937)

Rapsodie espagnole war eine Habanera für zwei Klaviere

aus dem Jahr 1895. Sie wurde nicht als separates

Stück veröffentlicht, und 1907 komponierte er drei

Begleitstücke. Eine Version mit zwei Klavieren wurde

im Oktober dieses Jahres fertiggestellt, und die Suite

wurde im folgenden Februar vollständig orchestriert.

Die Uraufführung der Rapsodie fand am 15. März 1908

mit dem Orchestre des Concerts Colonne unter der

Leitung von Édouard Colonne im Théâtre du Châtelet

statt. Es gab viel Lob für die subtile und frische

Orchestrierung und die Bildhaftigkeit der Musik. Die

Rapsodie hat vier Sätze; eine vollständige Aufführung

dauert in der Regel etwa 15 Minuten.

Das Vorspiel (à la nuit, très modéré, ¾, A-Dur) ist ruhig

und geht über mezzoforte nicht hinaus. Ravel platziert

hier Themen, die in den folgenden Sätzen wiederholt

werden, insbesondere das beharrliche Eröffnungsthema

F – E – D – Cis.

Die Malagueña (assez vif, ¾, A-Dur/a-Moll) ist der kürzeste

Satz und bezieht sich auf den Flamencotanz aus

der Provinz Malaga. Der Satz endet leise mit einer Wiederholung

der Vier-Noten-Phrase aus dem ersten Satz.

Die Habanera (assez lent et d’un rythme las, 2/4, Fis-

Dur/fis-Moll) wird als »betörend und subtil in seinem

Ausdruck eines durch und durch spanischen Charakters

und Geistes« beschrieben.


Der vierte und längste Satz, Feria (assez animé, 6/8,

C-Dur), bricht in ausgelassene Karnevalsstimmung

aus, es gibt Untertöne der Nostalgie, aber der Überschwang

triumphiert.

MESSIAEN VISIONS DE L‘AMEN

Die »Visions de l’Amen« für zwei Klaviere von Olivier

Messiaen (1908-1992) sind ein Klanggemälde von

barocken Dimensionen.

Die sieben »Visions de l’Amen« (Amen der Schöpfung,

Amen der Sterne und des Planetenrings, Amen des

Todeskampfes Jesu, Amen des Wunsches, Amen der

Engel, der Heiligen, des Gesangs der Vögel, Amen

des Urteilsspruchs und Amen der Vollendung) sind

keineswegs spontane Ergüsse eines romantischen

Schwärmers, sondern von einem starken konstruktiven

Geist durchdrungen. Die beiden Klavierparts

sind von ihrer Struktur her klar unterschieden. Dem

ersten Klavier sind die komplizierten Rhythmen und

Tontrauben, die virtuosen Passagen und, wie Messiaen

anmerkt, »die ganze Klangzauberei« anvertraut.

Das zweite Klavier ist für die melodischen Linien, die

Hauptthemen und alles, was Kraft und Emotion erfordert,

zuständig. Die Arbeitsteilung war ganz auf die

beiden Uraufführungsinterpreten zugeschnitten: Die

technisch schwierige Partie spielte die junge, brillante

Yvonne Loriod, die hier zum ersten Mal mit Messiaen

auftrat, die kräftige Messiaen selbst.

Es gibt mehrere Themen, die den Gesamtzyklus

durchziehen. Das dominanteste ist das »Schöpfungsthema«,

das dem ersten Stück, dem »Amen de la

Création«, den Stempel aufdrückt; es taucht später

unter anderem im dritten Teil mit dem Kreuzestod

Jesu und im fünften Teil mit den Engeln, Heiligen und

Vögeln, vor allem aber am Schluss, im »Amen der

Vollendung«, wieder auf.

Im fünften Satz erklingt zuerst der Engelsgesang,

inspiriert vom Lobpreis der Engel im siebten Kapitel


der Offenbarung, und dann kommen Messiaens Vögel

in bunter Vielstimmigkeit zum Zug: Nachtigall, Amsel,

Buchfink und Grasmücke.

Die »Visions de l’Amen« entstanden 1943 während

des Kriegs. Die vorbehaltlose Lebensbejahung, die

aus dem Werk spricht, mag darum erstaunen, doch

erklärt sie sich aus Messiaens Glaubensfestigkeit

und vermutlich auch aus der Tatsache, dass sich für

ihn neue künstlerische Perspektiven abzeichneten.

Im Frühjahr 1941 war er aus dem deutschen Kriegsgefangenenlager

in Görlitz zurückgekehrt, wo sein

»Quatuor pour la fin du temps« entstanden war. Im

besetzten Paris konnte er seine Tätigkeit als Organist

wieder aufnehmen und dank der Unterstützung seines

ehemaligen Lehrers Marcel Dupré eine Stelle als

Klavierlehrer am Conservatoire antreten. Zu seinen

ersten Schülern gehörte Yvonne Loriod, die zur wichtigsten

Interpretin seiner Werke und zwanzig Jahre

später auch zu seiner zweiten Ehefrau wurde.

»Visions de l’Amen« war das erste Auftragswerk,

das Messiaen nach seiner Rückkehr komponierte.

Der Auftrag kam von Denise Tual, der Veranstalterin

der »Concerts de la Pléiade«. Die Konzerte fanden

in privatem Rahmen und unter strengen Sicherheitsmaßnahmen

in einer großen Kunstgalerie statt – Paris

stand unter deutscher Besetzung und man wollte keine

Spitzel im Raum haben.

Die Uraufführung am 10. Mai 1943 wurde zu einem

kulturellen und gesellschaftlichen Ereignis. Unter

den Gästen befanden sich der Musikkritiker Roland-

Manuel, die Schriftsteller Paul Valéry, François Mauriac

und Jean Cocteau, der Modeschöpfer Christian

Dior sowie die Komponisten Francis Poulenc und

Artur Honegger. Die prominente Schriftstellerin Colette,

Librettistin von Ravels Oper »L’enfant et les sortilèges«

war dabei und Honegger schrieb für die Kulturzeitschrift

Comœdia eine Kritik, in der er sich tief

beeindruckt zeigte. Die Reduktion auf die Farben des

Klaviers fand er keineswegs nachteilig:


»Was macht das schon angesichts der poetischen

Kraft, des anhaltend hohen Niveaus des musikalischen

Diskurses und der Qualität der musikalischen

Fantasie, die so eindrucksvoll unter Beweis gestellt

werden? Die Regeln, die der Komponist erfunden und

sich selbst mit größter Disziplin auferlegt hat, verleihen

dem gesamten Werk einen erhabenen Stil, der in

keiner Weise trocken wirkt.«

BRAHMS SONATE F-MOLL OP. 34B

In Johannes Brahms‘ (1833-1897) Klavierquintett f-Moll

ist, so schreibt Clara Schumann, Pianistin, Komponistin,

Freundin und enge Vertraute von Brahms im

September 1862, »alles ineinander gewoben«: alle

musikalischen Themen sind miteinander verwandt,

sie entspringen einem gemeinsamen Kern. Und selbst

unscheinbare Begleitfiguren oder Überleitungs-Gedanken

sind abgeleitet aus dieser Grundidee.

Die Exposition in der Sonatensatzform setzt sich

zusammen aus einem Hauptsatz mit einem Hauptthema

und einem Seitensatz – Brahms erfindet für den

Seitensatz zwei Themen (manche meinen auch drei

zu sehen). Traditionell stehen Haupt- und Seitensatz

zueinander im Kontrast – zum Beispiel erst ein kraftvoll-heldenhaftes

Thema, dann ein weiches-lyrisches.

Und klassischer Weise ändert sich im Seitensatz auch

die Tonart. Brahms hält sich hier nicht an die Konventionen:

Statt nach As-Dur zu wechseln (in die Paralleltonart

von f-Moll), bleibt er im Moll-Bereich. Und

er verzichtet auf die großen Kontraste: All seine Themen

haben einen leidenschaftlich-vorwärtsdrängenden

Charakter.


Die Durchführung gleicht einer geschlossenen wellenartigen

Steigerung, auf deren Höhepunkt nahtlos die

Reprise einsetzt. Die Reprise steht wieder in der Ausgangstonart

f-Moll. Gleich erscheint das Hauptthema

wieder, diesmal unbestimmt changierend zwischen

Dur und Moll, dann der Seitensatz – diesmal beginnt er

in fis-Moll – und auch hier ist die Harmonik zwischendurch

extrem instabil und spannungsgeladen.

Die enge Vernetzung der musikalischen Themen und

Gedanken untereinander, die Herleitung der Ideen

aus einer gemeinsamen Substanz, sodass alles miteinander

in Beziehung steht: Das ist typisch für

Brahms’ Schaffensweise. Im 20. Jahrhundert nennt

der Komponist Arnold Schönberg dieses ausgeklügelte

Kompositionsverfahren »entwickelnde Variation«

– und sieht darin ein Zeichen des musikalischen

Fortschritts, weil es inspirierend wirkt auf viele Komponisten

der Moderne. »Brahms der Fortschrittliche«

heißt denn auch ein berühmter Aufsatz von Schönberg,

der diese Arbeitsweise würdigt: strenge Ökonomie

und gleichzeitig größter musikalischer Reichtum.

Der innige Ton des zweiten Satzes erscheint durch

kontrapunktische Stimmengestaltung leicht verschleiert,

ein Eindruck, den komplizierte rhythmische Bildungen

noch verstärken.

Der dritte Satz ist ein impetuoses Scherzo mit bohrenden

rhythmischen Ketten und auffahrender Thematik,

die durch Akkordpassagen komprimiert und

überhöht wird. Eine lyrisch-schwärmerische Melodik

entfaltet sich im C-Dur-Trio, gestützt auf klangvolle

Harmonien.

Das Finale beginnt mit einer langsamen Einleitung,

die sich im Schmerz windet: und hier greift Brahms zu

dem Topos für musikalisches Leiden: Seufzerfiguren

aus kleinen Sekunden und chromatische Bewegungen

tasten sich mühsam suchend voran – jede Phrase ist

eröffnet von einem pathetischen Oktavsprung. Aus

dem Rahmen fällt dieses Sonatenrondo wegen seiner

langsamen Einleitung – das schreibt Brahms in kei-


nem anderen kammermusikalischen Werk, man findet

allenfalls eine Parallele in der ersten Sinfonie, die

ebenfalls mit einer spannungsgeladenen langsamen

Einleitung beginnt. Merkwürdig ist auch das Ende des

Satzes: ein riesiger Endspurt, wie eine Stretta, ein turbulentes

Finale.

Clara Schumann ist eine der wichtigsten Kritikerinnen

und Beraterinnen von Brahms. Und sie hat wesentlichen

Anteil daran, dass op. 34 ein Klavierquintett

wird. Brahms schreibt diese Musik nämlich zunächst

für Streichquintett – zwei Geigen, eine Bratsche und

zwei Celli. So hört es Clara Schumann im Januar

1863, ist angetan von der musikalischen Qualität, findet

aber die Besetzung unpassend:

»Es wird oft so orchestral, dass die paar Instrumente

bei Weitem nicht ausreichen«, schreibt sie an

Brahms und überredet ihn, das Stück umzuarbeiten.

Was Brahms auch tut – er macht daraus eine Sonate

für zwei Klaviere. Ein Jahr später schickt ihm Clara

Schumann erneut ihre Beobachtungen per Post: »Das

Werk ist so wundervoll großartig, durchweg interessant

in seinen geistvollsten Kombinationen, meisterhaft

in jeder Hinsicht, aber – es ist keine Sonate, sondern

ein Werk, dessen Gedanken Du wie aus einem

Füllhorn über das ganze Orchester ausstreuen konntest

– musstest! Eine Menge der schönsten Gedanken

gehen auf dem Klavier verloren, nur erkennbar für den

Musiker, für das Publikum ungenießbar. ... bitte, lieber

Johannes, folge nur diesmal, arbeite das Werk nochmal

um«.

Und Brahms schreibt eine dritte Version – quasi eine

Kombination aus den beiden vorherigen: für Streichquartett

und Klavier. Die Fassung für Streichquintett

(ohne Klavier) hat er leider verbrannt, wir kennen nur

noch die ersten paar Takte. Aber die Version für 2

Klaviere hat Brahms in etwas überarbeiteter Form im

Druck veröffentlicht.


Andreas Grau

Götz Schumacher


Konzerte der Abonnementreihe 2020 / 2021

im Theodor-Heuss-Saal der Harmonie, 19.30 Uhr

Dienstag,

26. Januar 2021

Mittwoch,

10. Februar 2021

Freitag,

12. März 2021

Dienstag,

27. April 2021

Mittwoch,

19. Mai 2021

Saxophon-Klavier-Duo

ASYA FATEYEVA, Saxophon

VALERIYA MYROSH, Klavier

Orchesterkonzert I

ACADEMY OF ST MARTIN IN

THE FIELDS

Solist: JAN LISIECKI, Klavier

Streichquintett

BARTHOLDY QUINTETT

Orchesterkonzert II

ORCHESTRE NATIONAL DE LYON

Solisten: LUCAS & ARTHUR

JUSSEN, Klavier

Liederabend

DANIEL BEHLE, Tenor

TAKEO SATO, Gitarre

Konzerte der Reihe »Perspektiven Heilbronn«

2020 / 2021, Städtische Museen Heilbronn

im Deutschhof, 19.30 Uhr

Montag, MATTHIAS LORENZ

23. November 2020 (Dresden), Violoncello

Mittwoch,

10. März 2021

Montag,

03. Mai 2021

JOACHIM SCHALL

(Stuttgart), Violine

JAN PAS (Stuttgart), Violoncello

MARKO KASSL (Düsseldorf),

Akkordeon, RAINER BÜRCK

(Bad Urach), Klangregie

Herausgeber: Kulturring Heilbronn e.V.

Geschäftsstelle: Heilbronner Reisebüro Böhm

Sülmerstraße 13 / Tel. 0 71 31/62 40 17

Text: Ulrich Heffter / Gestaltung: www.wsk-werbung.de

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