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altlandkreis - Das Magazin für den westlichen Pfaffenwinkel - Ausgabe November/Dezember 2020

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<strong>Ausgabe</strong> 62 | <strong>November</strong> / <strong>Dezember</strong> <strong>2020</strong><br />

.de<br />

Eine Produktion von<br />

mit Veranstaltungskalender <strong>für</strong> zwei Monate<br />

Titelbild: Kurt Zarbock<br />

Krieger<strong>den</strong>kmal Birkland<br />

Auf der Roten Couch<br />

Die Kiewegs im Interview<br />

Exklusive Sportwagen<br />

im Burggener Energiepark


„Wir sind <strong>für</strong> Sie da – von<br />

Mensch zu Mensch – mit<br />

starken Leistungen und<br />

persönlicher Beratung.“<br />

Thomas Socher,<br />

Kun<strong>den</strong>berater in Schongau<br />

Die Geschäftsstelle der SBK Schongau liegt mitten im Herzen<br />

des heimischen Alpenvorlandes. Viele von Ihnen kennen die<br />

Siemens-Betriebskrankenkasse vielleicht noch als Kasse <strong>für</strong><br />

die Belegschaft des UPM Werkes. Seit vielen Jahren jedoch<br />

stehen wir offen <strong>für</strong> alle gesetzlich Versicherten. Nur noch die<br />

Lage der Geschäftsstelle am Werk in der Friedrich-Haindl-<br />

Straße erinnert an dieses Stück Geschichte.<br />

Heute profitieren unsere Versicherten aus Schongau und Umgebung<br />

von ihrem persönlichen Kun<strong>den</strong>berater direkt vor<br />

Ort. Einer von ihnen ist Thomas Socher. Er kennt sich in allen<br />

Themen rund um die Absicherung der Gesundheit aus, erledigt<br />

Anträge, hilft bei der Suche nach empfohlenen Spezialisten und<br />

macht aus Leistungen individuelle Lösungen. Ob persönlich<br />

in der Geschäftsstelle, telefonisch oder per E-Mail – wir sind<br />

immer auf Ihrer Seite.<br />

Die perfekte Ergänzung: unsere Online-Geschäftsstelle<br />

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kontaktieren Sie uns gerne persönlich. Wir freuen uns auf ein<br />

Kennenlernen.<br />

Geschäftsstelle Schongau<br />

Friedrich-Haindl-Straße 10<br />

86956 Schongau<br />

thomas.socher@sbk.org<br />

08861 909 573 120<br />

sbk.org


Kühlen Kopf bewahren<br />

Wer vor einem Jahr prognostiziert<br />

hätte, dass die besten<br />

Eishockeyspieler<br />

Deutschlands<br />

in Kurzarbeit müssen,<br />

wäre ohne Übertreibung <strong>für</strong><br />

verrückt erklärt wor<strong>den</strong>.<br />

Nick Latta und Bernhard<br />

Ebner, die derzeit einzigen<br />

DEL-Spieler aus dem<br />

Schongauer Altlandkreis, berichten<br />

in unserer <strong>November</strong> /<br />

<strong>Dezember</strong>-<strong>Ausgabe</strong> e<br />

über die<br />

kurioseste Zeit ihrer Karriere,<br />

deren konkrete Fortsetzung<br />

nach wie<br />

vor ungewiss ist. Und ihren<br />

Geist und Körper or<strong>den</strong>tlich durcheinanderwirbelt.<br />

Kühlen Kopf bewahren heißt es in Zeiten von<br />

Corona. Für viele sicherlich leichter gesagt als getan.<br />

Wer mit dieser schwer greifbaren Zeit in jedem Falle<br />

vorbildlich umgeht: Herbert und Gisela Kieweg.<br />

Er ist Polizeichef in Schongau, sie Bürgermeisterin<br />

von Bad Bayersoien. Erstmals in der Geschichte des<br />

„<strong>altlandkreis</strong>“-<strong>Magazin</strong>s hatten wir somit ein Ehepaar<br />

auf unserer Roten Couch. Und, so viel sei vorweggenommen:<br />

Es hat reibungslos gut geklappt. Öffentliche<br />

Sicherheit, Hilfsbereitschaft <strong>für</strong> Bürger und<br />

Mitarbeiter, Teamgeist in <strong>den</strong> eigenen vier Wän<strong>den</strong>,<br />

nicht alles glauben, was in <strong>den</strong> Medien von jetzt auf<br />

gleich hochgebauscht wird, veränderte Kriminalität<br />

aufgrund der Pandemie – diese und viele weitere<br />

Gesprächsthemen mit <strong>den</strong> „Kiewegs“ gibt’s nachzulesen<br />

ab Seite 9.<br />

Wenige Seiten vorher wer<strong>den</strong> Ihnen Taschenuhren<br />

und hübsche Burschen im schnieken Anzug ins Auge<br />

stechen. Die Rede ist vom Perpendikelclub Hohenpeißenberg<br />

– ein einzigartiger Burschenverein, <strong>den</strong><br />

es weit und breit kein zweites Mal gibt. Wir haben<br />

uns natürlich gefragt, woher die Ursprünge der<br />

Anzugträger rühren. Seltenheitswert hat auch die<br />

Spezialisierung von Johannes Klein, selbstständiger<br />

Steinmetz aus Steinga<strong>den</strong>. Er wagt sich an die Gestaltung<br />

von Denkmälern, die im Falle eines viel zu<br />

frühen Todes besonders viel Fingerspitzengefühl abverlangen.<br />

Handwerklich und zwischenmenschlich.<br />

Letzteres steht auch <strong>für</strong> die Fähigkeiten von Matthäus<br />

Unsin aus Dienhausen. Vor 30 Jahren errichtete er die<br />

Crescentiakapelle als Zeichen unendlicher Dankbarkeit,<br />

weil sein schwerstkranker Sohn entgegen fast<br />

aller ärztlicher Prognosen überlebt hat. Heute pilgern<br />

ganze Menschenmassen in seinen Privatwald,<br />

um <strong>den</strong> zeitgemäßen Worten des Militärseelsorgepfarrers<br />

Stefan Bauhofer zu lauschen. Wir haben<br />

nach Grün<strong>den</strong> gesucht, warum diese Waldweihnacht<br />

sich in kürzester Zeit zur beliebtesten Christmette der<br />

Region entwickelt hat. Wohlgemerkt ohne jegliche<br />

Form von Werbung.<br />

Heuer muss der Gottesdienst Corona-bedingt ausfallen.<br />

Gepflegt wird die Lichtung trotzdem. Je nach<br />

Witterung könnten dann Räum- und Streugeräte<br />

zum Einsatz kommen. In Rettenbach hinterm Auerberg<br />

gibt es eine Firma, die qualitativ hochwertige<br />

Produkte <strong>für</strong> <strong>den</strong> kommunalen Winterdienst herstellt.<br />

Wir staunten nicht schlecht beim Rundgang<br />

durch <strong>den</strong> mittelständischen Industriebetrieb mit 85<br />

Mitarbeitern. Ähnlich modern geht’s im Kuhstall von<br />

Familie Staltmayr aus Apfeldorf-Wies zu. Dort melkt<br />

der Roboter. Rund um die Uhr. Es sei <strong>den</strong>n, die Kuh<br />

war bereits zwei Mal im Stand – dann gibt’s einen<br />

sanften Klapps auf <strong>den</strong> Hintern, wie ich mit eigenen<br />

Augen beobachten durfte,<br />

Ihr Johannes Schelle<br />

> > > AUS DEM INHALT<br />

Seite 4<br />

16 Männer im schnieken<br />

Anzug — der Perpendikelclub<br />

aus Hohenpeißenberg<br />

Seite 6<br />

DEL-Stars in Kurzarbeit:<br />

Nick Latta und Bernhard Ebner<br />

trainieren nur noch <strong>für</strong> sich<br />

Seite 9<br />

Auf der Roten Couch:<br />

Herbert und Gisela Kieweg<br />

im Doppelinterview<br />

Seite 14<br />

Von Johannes Klein aus<br />

Steinga<strong>den</strong>: Denkmäler <strong>für</strong><br />

verstorbene Kinder<br />

Seite 18<br />

Maßgeschneiderte<br />

Zeitreise: Handgemachte<br />

Mode von Sabine Baab<br />

Seite 30<br />

„Leben damit unseren<br />

Kindheitstraum“: Sportwagen<br />

im Burggener Energiepark<br />

Seite 32<br />

Qualitativ hochwertige<br />

Räum- und Streugeräte<br />

der Firma Kugelmann<br />

Seite 36<br />

LPC im Jubiläumsjahr:<br />

Büroarbeit statt Live-Auftritte<br />

auf großer Bühne<br />

Seite 40<br />

Barrierefreiheit macht das<br />

Leben leichter — auch <strong>für</strong><br />

Menschen ohne Handicap<br />

Seite 46<br />

Einladungen zum<br />

Innehalten: Privatkapellen<br />

im <strong>Pfaffenwinkel</strong><br />

Seite 52<br />

Melken mit dem Roboter:<br />

Eine Umstellung <strong>für</strong><br />

Mensch und Tier<br />

Seite 56<br />

Die Geschichte von Armin<br />

Höfling — aus dem Schlafsack<br />

an <strong>den</strong> Schweißapparat<br />

Seite 60<br />

Potential <strong>für</strong> die Zukunft?<br />

Musikunterricht via<br />

Videoschalte<br />

ab Seite 67<br />

Weihnachtsgeschichten<br />

mit Holzschnitzerei, Kochrezept<br />

und Glühweinexpertise<br />

Für ein atemberaubendes Lächeln…<br />

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november / dezember <strong>2020</strong> | 3


Der Perpendikelclub aus Hohenpeißenberg<br />

16 Männer im<br />

schnieken Anzug<br />

Wegen Corona<br />

Verschoben<br />

auf 2021<br />

Hohenpeißenberg | Freitagabend<br />

im hinteren Stüberl der Rigi-Alm in<br />

Hohenpeißenberg. Am Tisch ganz<br />

links sitzen sechs junge Männer,<br />

feingekleidet in schwarzem Anzug.<br />

Sie wirken durchaus ein wenig<br />

durstig, warten auf die Bedienung.<br />

Nach und nach kommen weitere<br />

Burschen hinzu – und wer<strong>den</strong><br />

mit Argusaugen von <strong>den</strong> bereits<br />

Sitzen<strong>den</strong> beobachtet. „Wenn einer<br />

was vergisst, muss er bezahlen“,<br />

sind sich alle einig. Gemeint<br />

sind zehn Euro, gerne einzulösen<br />

in Form eines Ziegenliters (Maß<br />

Goaß) <strong>für</strong> die Runde. An diesem<br />

Abend aber haben alle Mann alles<br />

Wichtige bei sich: Schwarze Business-Schuhe<br />

aus Leder, alternativ<br />

sind auch schwarzlederne Haferlschuhe<br />

erlaubt. Schwarze Anzughose.<br />

Weißes Hemd. Schwarzes<br />

Gilet. Schwarzes Sakko. Schwarze<br />

Krawatte. Und ein Utensil, das bei<br />

dem einen oder anderen in Silber<br />

oder Gold aus der linken oder<br />

rechten Anzugtasche herausblitzt:<br />

Eine Taschenuhr. Auch die muss<br />

bei jedem Treffen des Hohenpeißenberger<br />

Perpendikelclubs am<br />

Mann sein.<br />

Tradition der Väter<br />

fortgesetzt<br />

Manch einer trägt mit Stolz das bis<br />

zu 100 Jahre alte Erbstück seines<br />

Großvaters. Andere eine selbstgekaufte,<br />

nur wenige Jahre alte.<br />

„Früher haben wir uns monatlich<br />

getroffen“, sagt Mitglied Johannes<br />

Eggersdorfer. Weil die meisten<br />

der insgesamt 16 Mitglieder inzwischen<br />

Familie haben und beruflich<br />

stark eingespannt sind, haben sich<br />

die Stammtischtreffen auf vier bis<br />

fünf pro Jahr reduziert. ert.<br />

„Da<strong>für</strong><br />

freuen wir uns umso mehr, wieder<br />

beieinander zu sein“, sagt Andreas<br />

Steger, Webasto-Angestellter, der<br />

sich in Zeiten von Corona natürlich<br />

<strong>den</strong> einen oder anderen Spruch<br />

anhören muss an diesem geselligen<br />

Freitagabend eines Clubs,<br />

<strong>den</strong> es weit und breit kein zweites<br />

Mal gibt.<br />

Die ältere Generation wird es<br />

vielleicht wissen: Perpendikel ist<br />

die altertümliche Bezeichnung<br />

<strong>für</strong> das Pendel in einer Taschenuhr,<br />

namentlich hergeleitet vom<br />

lateinischen „perpendiculum“.<br />

Warum sich nach diesem Begriff<br />

gleich ein ganzer Club gründet, ist<br />

<strong>den</strong> Hohenpeißenberger Burschen<br />

selbst nicht so hundertprozentig<br />

bekannt. Aber es gibt eine gute Geschichte<br />

dazu. Und naheliegende<br />

Vermutungen. Der „Perpendikel-<br />

club<br />

Juniors“,<br />

so der vollständige Name, hat sich<br />

im Jahr 2001 gegründet, „weil wir<br />

es von unseren Vätern gekannt, es<br />

cool gefun<strong>den</strong> haben und in deren<br />

Sinne fortführen wollten“, sagt<br />

Mathias Graf. Tatsächlich gehen<br />

die Ursprünge des Hohenpeißenberger<br />

Senioren-Perpendikelclubs<br />

zurück bis ins Jahr 1959. Ausgehen<br />

im Anzug war damals in, auch auf<br />

dem Land. Wer obendrein noch in<br />

Besitz einer Taschenuhr war, dürfte<br />

richtig reich, oder extrem sparsam<br />

gewesen sein. In jedem Falle war<br />

eine Taschenuhr vor rund sechs<br />

Jahrzehnten etwas ganz Besonderes<br />

– und machte schlichtweg<br />

etwas her. Allein deshalb, weil es<br />

weder Handy noch Smartphone<br />

noch Smartwatch (Handyuhr) gegeben<br />

hat. Ein weiterer Grund,<br />

warum sich der Seniorenclub ge-<br />

4 | <strong>altlandkreis</strong>


Auf gute Freundschaft: Bei Stammtischtreffen gibt's Rüscherl.<br />

gründet haben könnte: „Weil unsere<br />

Vorfahren einen ganz eigenen<br />

Club grün<strong>den</strong> wollten, einen, der<br />

sich unterscheidet von gängigeren<br />

Vereinen wie Trachtler, Musiker<br />

und Feuerwehrler.“<br />

Taschenuhr <strong>für</strong><br />

Neugeborene<br />

Dieses angestrebte Alleinstellungsmerkmal<br />

ist <strong>den</strong> Senioren und<br />

Junioren des Hohenpeißenberger<br />

Perpendikelclubs damals wie heute<br />

zu 100 Prozent geglückt. Nirgends<br />

sonst treten bis zu 16 Männer<br />

gleichzeitig im gleichen, schnieken<br />

Anzug samt Taschenuhr auf. Viele<br />

Außenstehende reiben sich beim<br />

Anblick der Gruppe verwundert die<br />

Augen, gehen auf die Jungs zu und<br />

fragen, woher sie kommen und<br />

warum sie so schick und einheitlich<br />

gekleidet sind. Einige gehen<br />

aufgrund der schwarzen „Club-<br />

Tracht“ von einem Trauer-Anlass<br />

aus. Dabei stehen die Perpendikel-<br />

Besitzer exakt <strong>für</strong> das Gegenteil<br />

– <strong>für</strong> lustiges, geselliges Beisammensein.<br />

Neben <strong>den</strong> Stammtischtreffen<br />

in der Rigi-Alm, „die griabigste<br />

Wirtschaft im Ort“, die schon<br />

anno dazumal als Club-Lokal <strong>für</strong><br />

regelmäßige Treffen auserwählt<br />

wurde, veranstalten die Burschen<br />

jährlich eine Weihnachtsfeier, ab<br />

und an ein Sommerfest, gehen mal<br />

Skifahren in Österreich, Gotcha-<br />

Schießen in Tschechien oder Partys<br />

feiern am Plattensee im ungarischen<br />

Siófok. Die meisten Ausflüge<br />

liegen inzwischen Jahre zurück,<br />

weil aus <strong>den</strong> damals blutjungen,<br />

Schmuckstück: Eine Taschenuhr,<br />

hier mit Reitsport-Motiv, ist Pfl icht<br />

<strong>für</strong> Perpendikelclub-Mitglieder.<br />

feierwütigen Burschen inzwischen<br />

gestan<strong>den</strong>e Männer mit reichlich<br />

Pflichtbewusstsein gewor<strong>den</strong> sind<br />

– von einem Ausreißer nach oben<br />

mit 41 sind alle zwischen 30 und<br />

35 Jahre alt, mitten im Berufsleben<br />

stehend und größtenteils auch<br />

„unter der Haube“. 16 Kinder haben<br />

die Mitglieder der Perpendikel-Juniors<br />

Stand heute gezeugt.<br />

„Jedes Neugeborene eines Mitglieds<br />

von uns bekommt traditionell<br />

ein Geschenk im Wert von 200<br />

Euro.“ Die Mädels überwiegend<br />

in Form eines Geldgeschenks. Die<br />

Jungs dagegen immer eine nagelneue<br />

Taschenuhr inklusive Gravur.<br />

Darüber hinaus wird vor dem Haus<br />

des jeweiligen Neugeborenen ein<br />

großer Storch aufgestellt. „Wir haben<br />

einen eigenen Club-Storch –<br />

sowohl <strong>für</strong> Geburten unserer Mitglieder<br />

als auch <strong>für</strong> andere, frischgebackene<br />

Familien in Hohenpeißenberg.“<br />

<strong>Das</strong> drei Meter hohe<br />

Kunstwerk aus Drei-Span-Platten<br />

haben die Mitglieder selbst gebastelt<br />

und bemalt. Die Leihgebühr<br />

des Storchs <strong>für</strong> Nicht-Clubmitglieder<br />

beträgt 25 Euro und ein Tragl<br />

Bier.<br />

Spalier stehen und<br />

Freundschaften pflegen<br />

Ein weiterer Pflichttermin <strong>für</strong> die<br />

Mitglieder des Hohenpeißenberger<br />

Perpendikelclubs sind Hochzeiten<br />

von Mitgliedern oder Freun<strong>den</strong> der<br />

Mitglieder. Ähnlich wie Fußballer<br />

in Trikots, Musiker mit Instrumenten,<br />

Eishockeyspieler mit Schlägern<br />

in der Hand oder Trachtler mit geschmückten<br />

Bögen Spalier stehen,<br />

präsentieren sich die Perpendikel-<br />

Männer im schnieken Anzug und<br />

mit ihrer Taschenuhr. <strong>Das</strong> macht<br />

was her, gibt tolle Motive <strong>für</strong> Fotos,<br />

die später an <strong>den</strong> schönsten<br />

Tag des jeweiligen Brautpaares<br />

zurückerinnern. <strong>Das</strong> wichtigste aus<br />

Sicht der Clubmitglieder aber ist:<br />

Freundschaften aufrechterhalten.<br />

Viele kannten sich schon weit vor<br />

dem Gründungsjahr 2001, spielten<br />

bereits im Kindergartenalter,<br />

sind quasi Sandkastenfreunde.<br />

Andere haben sich über <strong>den</strong> Club<br />

kennengelernt, verstehen sich seit<br />

Jahren richtig gut. Und dank dieser<br />

regelmäßigen Club-Treffen sehen<br />

sich die Handwerker, Ingenieure<br />

und Kaufmänner trotz diverser<br />

Verpflichtungen nach wie vor regelmäßig.<br />

„Da<strong>für</strong> nimmt man sich<br />

dann auch bewusst und gerne<br />

Zeit“, sind sich alle einig. Schließlich<br />

haben die Jungs im Laufe ihres<br />

bisherigen Lebens derart viele<br />

Highlights erlebt, dass es ihnen immer<br />

wieder größte Freude bereitet,<br />

zusammenzukommen auf ein, zwei<br />

Bierchen, um sich über die gute<br />

alte Zeit, aber eben auch über<br />

Brandaktuelles und Zukünftiges zu<br />

unterhalten. Ganz gemütlich. Bei<br />

Weißbier und Rüscherl. Und natürlich<br />

im Anzug mit Krawatte, Gilet<br />

und Taschenuhr.<br />

js<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 5<br />

Gut hören<br />

macht Spaß!<br />

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Über Nick Latta und Bernhard Ebner<br />

DEL-Stars in Kurzarbeit<br />

Ingenried / Peiting | Über fünf Wochen<br />

hinweg hat Bernhard Ebner<br />

aus Ingenried im Rehazentrum der<br />

Düsseldorfer EG geschuftet, um<br />

nach Verletzungspause rechtzeitig<br />

<strong>für</strong> die Playoffs fit zu wer<strong>den</strong>.<br />

Plötzlich kam Corona, der Lockdown,<br />

die vorzeitige Absage der<br />

DEL-Saison 2019/<strong>2020</strong>. Nick Latta<br />

aus Peiting spielte zu diesem Zeitpunkt<br />

bei <strong>den</strong> Grizzlys Wolfsburg,<br />

hatte seinen neuen Vertrag beim<br />

Überraschungsdritten Straubing<br />

Tigers bereits unterschrieben<br />

und sich „brutal gefreut auf die<br />

neue Aufgabe in Heimatnähe“.<br />

Allein wegen des überragen<strong>den</strong><br />

Teamgeists, der die Straubinger<br />

seit Jahren auszeichnet. Und natürlich<br />

auch aufgrund der Möglichkeit,<br />

Champions League zu<br />

spielen in einer Mannschaft, die<br />

alle Stars des Kaders zusammenhalten<br />

konnte. „Ein besseres Angebot<br />

hätte mir gar nicht passieren<br />

können.“ Doch von all diesem<br />

Team-Spirit, mit dem die Tigers<br />

voller Elan und Tatendrang auch<br />

in die neue DEL- und Champions-<br />

League-Saison starten wollten, hat<br />

Nick Latta bislang nichts mitbekommen.<br />

Alle Profis der höchsten<br />

Deutschen Eishockeyliga, kurz DEL,<br />

sind seit Monaten in Kurzarbeit.<br />

Damit das Kurzarbeitergeld auch<br />

bei <strong>den</strong> Vereinen ankommt, darf<br />

weder in gewohnter Manier trainiert<br />

noch gespielt wer<strong>den</strong>. Heißt<br />

<strong>für</strong> Latta und Ebner: Trainieren<br />

auf freiwilliger Basis. Entweder<br />

in Kleingruppen auf dem Eis oder<br />

im Rehazentrum. Für sich, alleine,<br />

daheim. Oder wie Latta es gemeinsam<br />

mit Bruder Louis und Kumpel<br />

Marco Habermann gemacht hat:<br />

Personaltraining mit dem Peitinger<br />

Sportwissenschaftler Andreas Rinesch,<br />

der im ehemaligen Vatter-<br />

Fabrikgebäude in Altenstadt ein<br />

eigenes Trainingszentrum betreibt.<br />

Bernhard Ebner und seine Mannschaftskollegen<br />

der Düsseldorfer<br />

Ursprünglich wäre die DEL am 13.<br />

September in <strong>den</strong> Spielbetrieb<br />

ieb<br />

gestartet. Verschoben wurde der<br />

Saisonstart zunächst auf 13.<br />

<strong>November</strong>.<br />

Nun soll jedoch bis Mitte<br />

<strong>November</strong> neu verhandelt elt wer<strong>den</strong>,<br />

ob überhaupt, und wenn ja,<br />

wann, und wie. „Wir brauchen<br />

mindestens drei, vier Wochen<br />

Vorlaufzeit, um uns in Topform<br />

zu bringen“, sind sich Ebner<br />

und Latta einig. Würde bedeuten:<br />

Vor Ende <strong>Dezember</strong><br />

passiert in Sachen DEL-Start<br />

nichts. Diese Ungewissheit eit<br />

wirkt sich natürlich auch auf <strong>den</strong><br />

Körper der Athleten aus. Posi-<br />

EG haben <strong>für</strong> „Fitness Dahoam“<br />

am“<br />

Ergometer und Trainingsutensili-<br />

nsil<br />

iliimit<br />

nach<br />

Hause bekommen. „Ehrlicherwei-her<br />

i-<br />

se sind wir mittlerweile an einem<br />

Punkt angelangt, wo es zunehmend<br />

schwerfällt, sich zu motivieren“,<br />

sagt Ebner, der wie Latta seit<br />

Jahren Vollprofi ist, alles andere<br />

seinem geliebten Sport untergeordnet<br />

hat. „Aber wenn du über<br />

Wochen und Monate hinweg nicht<br />

weißt, <strong>für</strong> welches Ziel du trainie-<br />

ieen<br />

mit Zusatzgewichten<br />

ren sollst, fällt das echt schwer“,<br />

bestätigt Nick Latta, <strong>für</strong> <strong>den</strong> nicht<br />

nur die Champions League, sonauf<br />

unbestimmte<br />

Zeit ausfällt. „Es heißt<br />

zwar von Seiten des Verbands,<br />

dass gespielt wird, aber gleichzei-<br />

e tig, dass es finanziell nicht möglich<br />

ist.“ Dieses ständige hin<br />

und<br />

her macht auch Ebner und seine<br />

Teamkollegen mental mürbe.<br />

„Am besten, so wenig wie möglich<br />

darüber nach<strong>den</strong>ken.“<br />

dern auch die DEL-Saison Hielten sich auch in der Heimat fit: Louis Latta (v.l.), Nick Latta, Marco<br />

Habermann und Sportwissenschaftler Andreas Rinesch.<br />

Auf unbestimmte Zeit<br />

verschoben?<br />

6 | <strong>altlandkreis</strong>


tiv, weil „man mal über länge-<br />

re Zeit sich<br />

nicht mit Schmerzen<br />

ins Training und Spiel schleppt“,<br />

wie Ebner offen und ehrlich zugibt.<br />

Negativ, weil der gewohn-<br />

te<br />

Trainings-Rhythmus komplett<br />

abhan<strong>den</strong>gekommen ist. „Wenn<br />

du normalerweise zwei bis fünf<br />

Stun<strong>den</strong> am<br />

Tag mit der Mannschaft<br />

und<br />

unter professionellem<br />

Coaching trainierst, plötzlich je-<br />

doch<br />

nur<br />

noch <strong>für</strong> dich oder auf<br />

freiwilliger ig<br />

er Basis in Kleingruppen<br />

was machen kannst, ist das alles<br />

andere als<br />

optimal“, sagt Nick Latta.<br />

Paradebeispiel hier<strong>für</strong>: Anfang<br />

August stieg Nick Latta mit <strong>den</strong><br />

Straubing Tigers „endlich“ ins<br />

offizielle fizi<br />

le Mannschaftstraining<br />

ein. „Alle le hatten Bock, waren<br />

voll motiviert.“ Am zweiten<br />

Tag dann „völlig unerwartet“<br />

die Absage der Champions<br />

League, „<strong>für</strong> die wir dieses Trainingslager<br />

ngsl<br />

extra geplant hatten“.<br />

Geist und Körper sind somit <strong>für</strong><br />

zwei<br />

Tage hochgefahren auf annähernd<br />

100 Prozent, dann wieder<br />

zusammengesackt auf „gefühlte“<br />

Null Prozent.<br />

Vereine leben vom<br />

Zuschauer u im Stadion<br />

<strong>Das</strong>s<br />

DEL-Profis in Kurzarbeit<br />

sind, während die Stars der Fußballbundesliga<br />

bund<br />

l unter Einhaltung<br />

eines<br />

Corona-Hygiene-Konzepts<br />

alle<br />

le Wettbewerbe tbew<br />

spielen, hat natürlich<br />

finanzielle nz Gründe. Abgesehen<br />

davon, dass Deutschlands<br />

Sportart r<br />

Nummer eins ohnehin<br />

am meisten en Zuschauer und damit<br />

auch<br />

Sponsoren or<br />

an Land zieht, lebt<br />

der Fußball l generell von einem<br />

anderen<br />

Finanzierungskonzept.<br />

Stichwort t Fernsehgelder. Stichwort<br />

TV-Übertragung, ragu<br />

worin wiederum<br />

Großsponsoren on<br />

sore<br />

auf Spieler-Trikots<br />

und Werbeban<strong>den</strong> eba zu sehen sind.<br />

Im Eishockey spielen TV-Übertragungen<br />

auch eine gewichtige Rol-<br />

le. Aber noch mehr das verkaufte<br />

Ticket an <strong>den</strong> Stadionzuschauer.<br />

Und vor allem l Werbeeinahmen<br />

von Sponsoren, die sich live im<br />

Stadion über Ban<strong>den</strong>, Monitore<br />

und Lautsprecherdurchsagen<br />

präsentieren. Heißt: Eishockeymannschaften<br />

leben vor allem von<br />

regionalen Sponsoren. „Und die<br />

wiederum zahlen natürlich nur,<br />

wenn entsprechend viele Zuschauer<br />

im Stadion sind“, sagt Bernhard<br />

Ebner. Da aufgrund Corona nur 20<br />

Prozent der Gesamtzuschauerzahl<br />

pro Stadion zugelassen sind, „was<br />

<strong>den</strong> DEL-Vereinen deutlich zu wenig<br />

ist“, wird auf <strong>den</strong> Spielbetrieb<br />

komplett verzichtet, stattdessen<br />

lieber Kurzarbeitergeld in Anspruch<br />

genommen.<br />

Nick Latta kritisiert an dieser Stelle,<br />

dass das Pandemie-bedingte<br />

Problem damit nicht gelöst, sondern<br />

nur aufgeschoben wird. Er<br />

wünscht sich endlich ein Coronakonformes<br />

Konzept <strong>für</strong> einen DEL-<br />

Spielbetrieb. Denn eines ist klar:<br />

Irgendwann gibt es kein Kurzarbeiter-Geld<br />

mehr, weil die staatlichen<br />

Ressourcen erschöpft sind.<br />

Und dann? An einen Worst Case,<br />

dass mehrere der 14 DEL-Clubs<br />

Pleite gehen und infolgedessen<br />

auch zahlreiche gestan<strong>den</strong>e Eishockeyprofis<br />

ihren Job verlieren,<br />

„möchte ich gar nicht <strong>den</strong>ken“.<br />

Schon gar nicht, so lange in anderen<br />

Ländern und auch in <strong>den</strong> unteren<br />

Spielklassen wieder Eishockey<br />

gezockt wird. Die ersten Ligen in<br />

Schwe<strong>den</strong> und der Schweiz haben<br />

beispielsweise <strong>den</strong> Spielbetrieb im<br />

Oktober aufgenommen.<br />

Leihe zu<br />

Oberliga-Verein<br />

Oberliga und DEL2 in Deutschland<br />

bestreiten ebenfalls seit wenigen<br />

Wochen Testspiele, trainieren in<br />

professionellem Umfang und starten<br />

– so zumindest der Plan – mit<br />

dieser 20-Prozent-Zuschauerregel<br />

am 6. <strong>November</strong> in die Saison<br />

20 / 21.<br />

Nick Latta hat nun großes Glück<br />

im Unglück, darf von Seiten seines<br />

Vereins bei Oberligist Blue<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 7


Alles <strong>für</strong> Pferd und Reiter<br />

Englisch und Western<br />

• Pferdedeckenwäsche, Pferdedeckenwaschservice<br />

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• Top-Marken Großes Sortiment (Spooks, BR, an Pferdefutter<br />

etc.)<br />

8 | <strong>altlandkreis</strong><br />

Devils Wei<strong>den</strong>, dritte Liga, mittrainieren<br />

und spielen. „Im Grunde so<br />

lange, bis die DEL-Saison beginnen<br />

kann, die drei, vier Wochen<br />

Vorbereitungszeit, die wir mit<br />

Straubing dann brauchen, miteinkalkuliert.“<br />

Bei Wei<strong>den</strong> sind<br />

Nicks Vater Ken Latta Trainer sowie<br />

Bruder Louis und Kumpel Marco<br />

Habermann als Spieler unter Vertrag.<br />

„Was natürlich überragend<br />

ist“, sagt Nick, <strong>für</strong> <strong>den</strong> damit ein<br />

Traum in Erfüllung geht – gemeinsam<br />

mit seinem Bruder auf dem<br />

Eis. Dabei ist dieses „Leihgeschäft“<br />

nicht allen DEL-Stars genehmigt.<br />

„Die Kollegen aus Augsburg haben<br />

von Seiten des Vereins ein Wechselverbot<br />

erteilt bekommen“, sagt<br />

Bernhard Ebner, der diese vorübergehende<br />

Nebenjob-Variante<br />

von zwei Seiten betrachtet. „Für<br />

uns Spieler ist es gut, im gewohnten<br />

Trainings- und Spielrhythmus<br />

in Form zu kommen. Sollte dabei<br />

jedoch was schiefgehen, man sich<br />

Bild mit Seltenheitswert: Nick Latta beim (freiwilligen) Mannschaftstraining<br />

im Trikot der Straubing Tigers.<br />

verletzen, ist der Hauptverein natürlich<br />

alles andere als begeistert<br />

darüber.“ Die Düsseldorfer EG<br />

würde Bernhard Ebner eine Leihe<br />

erlauben. „Ich habe zwei, drei<br />

DEL2-Clubs ins Auge gefasst und<br />

auch beim EC Peiting mittrainiert.“<br />

In Summe aber hoffen Bernhard<br />

Ebner und Nick Latta, dass diese<br />

„ungewisse und schwer greifbare<br />

Zeit“ so schnell wie möglich ein<br />

Ende nimmt.<br />

Die einzigen DEL-Spieler<br />

aus dem Altlandkreis<br />

Ebner, 30 Jahre alt, 1,87 groß, 90<br />

Kilogramm schwer, ist mit 378<br />

DEL-Spielen und 190 Scorerpunkten<br />

ein gestan<strong>den</strong>er Verteidiger,<br />

der in Düsseldorf noch zwei Jahre<br />

Vertrag hat. Und danach, sofern<br />

er körperlich verschont bleibt, sicherlich<br />

gute Chancen auf einen<br />

weiteren Kontrakt auf DEL-Niveau<br />

hätte. Stürmer Nick Latta, 27, ist im<br />

besten Profisportler-Alter, möchte<br />

auf 256 DEL-Spiele und 64 Scorerpunkte<br />

noch einige Partien,<br />

Tore und Vorlagen draufpacken.<br />

Und somit die Fahne hiesiger DEL-<br />

Stars hochhalten. Ebner und Latta,<br />

beide in <strong>den</strong> Schülermannschaften<br />

des EC Peiting aktiv gewesen, sind<br />

derzeit die einzigen DEL-Profis, die<br />

aus dem Schongauer Altlandkreis<br />

stammen.<br />

js<br />

Stolz zeigt sich Nick Latta im Trikot<br />

seines neuen Clubs, der aufgrund<br />

Corona noch kein Spiel bestritt.


Auf der Roten Couch<br />

Ein starkes Team<br />

mit Führungsqualität<br />

Lieblingsplatz mit Wiedererkennungswert: Herbert und<br />

Gisela Kieweg auf der Roten Couch. Im Hintergrund das<br />

weiche Moorwasser des Bayersoier Sees. Foto: Felix Baab<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 9


Bad Bayersoien | Er ist Polizist mit<br />

Leib und Seele, hat im Alter von 17<br />

Jahren die Ausbildung begonnen<br />

und leitet seit Oktober 2015 die Inspektion<br />

in Schongau. Sie, gelernte<br />

Buchhändlerin, ist Bürgermeisterin<br />

von Bad Bayersoien, wurde<br />

Mitte März mit deutlicher Mehrheit<br />

wiedergewählt. Kennengelernt<br />

haben sich Herbert und Gisela<br />

Kieweg bei <strong>den</strong> Passionsspielen<br />

in Oberammergau. <strong>Das</strong> war 1984.<br />

Seither sind die heute 54-Jährigen<br />

ein glückliches Paar, verheiratet<br />

und stolze Eltern zweier erwachsener<br />

Töchter. Im großen Interview<br />

auf der Roten Couch sprechen die<br />

Führungskräfte über „dickes Fell“,<br />

öffentliche Sicherheit, negative<br />

und positive Corona-Auswirkungen<br />

sowie Zukunftswünsche, die<br />

sich an die gesamte Gesellschaft<br />

richten.<br />

Der Polizeichef oder die Bürgermeisterin:<br />

Wer hat bei Ihnen zuhause<br />

die „Hosen“ an?<br />

Gisela: Zuhause bin weder ich<br />

Bürgermeisterin, noch ist er Polizeichef.<br />

Stattdessen sind wir ein<br />

gutes Team, das zusammenhält,<br />

um die begrenzte gemeinsame<br />

Zeit zu genießen.<br />

Herbert: Wir versuchen in der Tat,<br />

privat das Berufliche weitestgehend<br />

außen vor zu lassen. <strong>Das</strong> gelingt<br />

uns meistens sehr gut.<br />

Zu Beginn der Corona-Krise gab’s<br />

<strong>für</strong> Sie beide einen guten Grund<br />

zum Feiern: Gisela Kieweg wurde<br />

Mitte März mit 62,5 Prozent wiedergewählt<br />

als Bürgermeisterin<br />

<strong>für</strong> Bad Bayersoien. Haben Sie mit<br />

einem derart starken Ergebnis gerechnet?<br />

Gisela: Natürlich habe ich mich<br />

schon mit dem Gedanken aufstellen<br />

lassen, dass es wieder klappt.<br />

Ich habe gehofft, dass die Bürger<br />

das, was ich in <strong>den</strong> sechs Jahren<br />

zuvor geleistet und bewegt habe<br />

<strong>für</strong> Bad Bayersoien, zur Kenntnis<br />

genommen und wertgeschätzt<br />

haben. <strong>Das</strong>s es letztlich so deutlich<br />

ausgegangen ist, hat mich<br />

unsagbar gefreut. An diesem Tag<br />

war ich – trotz Beginn des Corona-<br />

Lockdowns – einfach nur glücklich.<br />

Eine offi zielle Feier gab’s aber<br />

nicht?<br />

Gisela: Am Tag des Wahlerfolgs<br />

war eine offizielle Feier Coronabedingt<br />

schon nicht mehr möglich.<br />

Herbert: Wir haben uns im engsten<br />

Kreis der Familie, unsere<br />

bei<strong>den</strong> Töchter waren da, zusammengesetzt<br />

und uns über das tolle<br />

Wahlergebnis gefreut.<br />

Was zeichnet Bad Bayersoien aus?<br />

Gisela: Ein absolut lebens- und<br />

liebenswerter Ort mit einer ganz<br />

besonderen Infrastruktur in unserer<br />

Dorfstraße. Zwei Bankfilialen,<br />

Blumenla<strong>den</strong>, Bäcker, Metzger,<br />

Dorfla<strong>den</strong>, Elektrogeschäft, Bücherei,<br />

zudem acht Gasthäuser<br />

im Dorf. Wir haben gegenüber<br />

anderen Orten noch viele kleine<br />

La<strong>den</strong>geschäfte, die sowohl von<br />

Einheimischen als auch Urlaubern<br />

gut genutzt und geschätzt wer<strong>den</strong>.<br />

Wie stark hängt Bad Bayersoien<br />

vom Tourismus ab?<br />

Gisela: Wir versuchen derzeit<br />

ein Gewerbegebiet in Richtung<br />

Echelsbacher Brücke zu realisieren.<br />

Aber unser wirtschaftliches<br />

Hauptstandbein ist ganz klar der<br />

Tourismus.<br />

Dann kam diese Corona-Krise,<br />

dieser Lockdown: Wie schwer hat<br />

es all die Ferienwohnungs-, Hotelund<br />

Gaststättenbesitzer fi nanziell<br />

gebeutelt?<br />

Gisela: Während des Lockdowns<br />

hat es sie sehr hart getroffen,<br />

weil schlichtweg kein Gast zu uns<br />

kommen durfte. Aber mittlerweile<br />

hat sich der Tourismus wieder<br />

ganz gut erholt. Es haben sich<br />

tatsächlich viele Leute <strong>für</strong> Urlaub<br />

in Deutschland entschie<strong>den</strong>, was<br />

uns, speziell dank vieler Ferienwohnungen,<br />

in <strong>den</strong>en die Urlauber<br />

selbstverantwortlich leben<br />

können, zu Gute gekommen ist.<br />

Und es hat bis jetzt auch gut funktioniert,<br />

weil wir mit der höchstmöglichen<br />

Vorsicht, gepaart mit<br />

der größtmöglichen Freiheit, gehandelt<br />

haben.<br />

Inwiefern?<br />

Gisela: Veranstaltungen wur<strong>den</strong><br />

bewusst ins Freie verlegt. Ob literarische<br />

Spaziergänge, Wandertheater<br />

oder Sonntagskonzerte.<br />

Selbstverständlich nur bei gutem<br />

Wetter und unter Einhaltung der<br />

Corona-Vorschriften.<br />

<strong>Das</strong> Virus wird unseren Alltag auch<br />

weiterhin stark beeinflussen. Wie<br />

gehen Sie persönlich damit um?<br />

Gisela: Mir ist wichtig, dass einerseits<br />

die Hygienemaßnahmen<br />

eingehalten wer<strong>den</strong>. Andererseits<br />

nicht in Panik zu verfallen, damit<br />

es in möglichst geregelten Bahnen<br />

weitergeht. Natürlich mache ich<br />

mir Sorgen aufgrund der geringeren<br />

Gewerbeeinnahmen, aufgrund<br />

der Einbrüche bei <strong>den</strong> Kurbeiträgen<br />

und wegen existenzieller Probleme<br />

des einen oder anderen Bürgers<br />

von uns. Aber dadurch, dass sich<br />

die Sommermonate wirtschaftlich<br />

ganz gut entwickelt haben, bin ich<br />

optimistisch, so gut es geht durch<br />

diese Krise zu kommen.<br />

Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag durch<br />

Corona verändert, Herr Kieweg?<br />

Herbert: Was sich während des<br />

Lockdowns, wo die meisten Menschen<br />

fast rund um die Uhr zuhause<br />

waren, relativ deutlich gezeigt<br />

hat: Weniger Verkehrsunfälle, weniger<br />

La<strong>den</strong>diebstähle und weniger<br />

Einbrüche, da<strong>für</strong> zunehmende<br />

Internetkriminalität. Insofern war<br />

es bei uns auf der Dienststelle in<br />

Schongau und im Dienstbereich<br />

ruhiger als zuvor. Auch erfreulich:<br />

Fälle häuslicher Gewalt haben<br />

nicht zugenommen.<br />

Wollten Sie schon immer Polizist<br />

wer<strong>den</strong>?<br />

Herbert: Bei mir war’s nicht der<br />

klassische Kindheitstraum. Ich<br />

bin über <strong>den</strong> Berufsberater an<br />

der Realschule auf <strong>den</strong> Beruf des<br />

Polizisten gekommen und dachte<br />

mir, das wäre doch was. Daraufhin<br />

habe ich mich beworben und<br />

kann heute sagen, obwohl ich es<br />

damals nicht gewusst habe: Es<br />

ist mein absoluter Traumberuf,<br />

<strong>den</strong> ich nach wie vor sehr gerne<br />

ausübe.<br />

Von <strong>den</strong> Corona-bedingten Veränderungen<br />

abgesehen: Wie steht es<br />

um die Sicherheit im Schongauer<br />

Raum generell?<br />

Im Bayersoier Rathausbüro: Herbert und<br />

Gisela Kieweg beim Doppelinterview mit<br />

„<strong>altlandkreis</strong>“-Redakteur Johannes Schelle.<br />

Herbert: Allgemein kann man<br />

sagen, dass die Häufigkeit von<br />

Diebstahlsdelikten und Einbrüchen<br />

in <strong>den</strong> vergangenen zwei,<br />

drei Jahren zurückgegangen sind.<br />

Ein Grund hier<strong>für</strong> ist sicherlich<br />

Präventionsarbeit. Zum Beispiel,<br />

wie kann ich mein Haus vor Einbrechern<br />

schützen. Da reichen<br />

oft schon Kleinigkeiten, die einem<br />

Einbrecher das Eindringen<br />

in ein Gebäude entschei<strong>den</strong>d erschweren.<br />

Wobei Einbrüche nur einen kleinen<br />

Teil der Kriminalstatistik ausmachen...<br />

Herbert: Körperverletzungsdelikte<br />

haben wir mit am meisten zu<br />

bearbeiten. <strong>Das</strong> reicht von der<br />

einfachen bis zur gefährlichen Körperverletzung,<br />

was uns schon sehr<br />

einspannt. Und was seit Jahren zunimmt,<br />

schon vor Corona: Diverse<br />

Internetbetrügereien. <strong>Das</strong> Verschicken<br />

von Trojanern, welche dem<br />

Täter Zugriff auf Konten, Passwörter<br />

und vieles mehr ermöglichen,<br />

ist nur ein Beispiel hier<strong>für</strong>.<br />

Ermittelt Sie in solchen Fällen<br />

selbst?<br />

Herbert: Neben <strong>den</strong> Kollegen der<br />

Kriminalpolizei haben wir auch<br />

auf unserer Dienststelle in Schon-<br />

10 | <strong>altlandkreis</strong>


gau Beamte, die speziell in diesem<br />

Bereich tätig sind.<br />

Was ähnlich stark zunimmt: Sogenannter<br />

Callcenter-Betrug.<br />

Herbert: <strong>Das</strong> reicht vom Überweisungsbetrug<br />

bis zum Enkeltrick<br />

und falschen Polizeibeamten.<br />

Ältere Menschen, die sich nicht<br />

mehr so wehren können, wer<strong>den</strong><br />

hier herzlos über <strong>den</strong> Tisch gezogen.<br />

<strong>Das</strong> Vorgehen der Täter ist <strong>für</strong><br />

mich unterste Schublade. Gleichzeitig<br />

ist es schwer, die Täter zu<br />

ermitteln. Viele dieser Callcenter<br />

wer<strong>den</strong> vom Ausland aus betrieben.<br />

Auch in diesen Fällen ist es<br />

enorm wichtig, Präventionsarbeit<br />

zu leisten, die Leute immer wieder<br />

auf neue Betrugsmaschen dieser<br />

Art aufmerksam zu machen. Unter<br />

anderem über die lokalen Medien<br />

wie Zeitung und Radio. Und<br />

niemand soll sich scheuen, bei<br />

verdächtigen Anrufen die Polizei<br />

zu verständigen. Auch hier gilt:<br />

Lieber einmal zuviel als zuwenig.<br />

Hinzu kommen jährlich viele Verkehrsunfälle…<br />

Herbert: Auch hier, da wiederhole<br />

ich mich gerne, ist uns Präventionsarbeit<br />

sehr wichtig, angefangen<br />

mit Verkehrserziehung bei <strong>den</strong><br />

Kleinsten im Kindergarten- und<br />

Grundschulbereich, bis hin zu Geschwindigkeitskontrollen<br />

draußen<br />

auf <strong>den</strong> Straßen. Zu hohes, nicht<br />

angepasstes Tempo ist nach wie<br />

vor Unfallursache Nummer eins.<br />

Frau Kieweg, wie steht es um die<br />

öffentliche Sicherheit in Bad Bayersoien?<br />

Gisela: Wer bei uns um 3 Uhr in der<br />

Nacht noch auf die Straßen geht,<br />

kann sich absolut sicher fühlen.<br />

Welche (größeren) Projekte stehen<br />

die kommen<strong>den</strong> Wochen und<br />

Monate auf Ihrer Bad-Bayersoien-<br />

Agenda?<br />

Gisela: Gerade bin ich einfach nur<br />

glücklich, weil wir Anfang Oktober<br />

eines der größten Projekte in der<br />

Geschichte unseres Dorfes abschließen<br />

konnten – <strong>den</strong> Um- und<br />

Ausbau eines prägen<strong>den</strong> Gebäudes<br />

in der Dorfstraße mit neun<br />

Wohnungen.<br />

Trotzdem haben Sie Pläne und Ideen<br />

<strong>für</strong> die Zukunft. Erzählen Sie:<br />

Gisela: Altersgerechtes Wohnen<br />

im Ort liegt mir sehr am Herzen.<br />

Es gibt immer mehr ältere Menschen,<br />

die alleine leben und ihren<br />

Lebensabend in Gesellschaft und<br />

bei Bedarf mit einer Betreuung<br />

verbringen möchten. Deshalb ist<br />

die Schaffung von entsprechendem<br />

Wohnraum <strong>für</strong> mich eines<br />

der nächsten Ziele, in dem die<br />

Menschen bestens betreut ihren<br />

Lebensabend verbringen können,<br />

ohne ihr gewohntes Umfeld verlassen<br />

zu müssen. Darüber hinaus<br />

gilt es unser Gewerbegebiet<br />

weiterzuentwickeln. Und natürlich<br />

<strong>den</strong> Tourismus.<br />

Mit neuen Attraktionen?<br />

Gisela: Hier reichen oft schon Kleinigkeiten<br />

aus, wie beispielsweise<br />

unser Barfuß-Parcours zeigt. Der<br />

kommt richtig gut an bei Alt und<br />

Jung. Konkret könnte ich mir <strong>für</strong><br />

die Zukunft einen kleinen Sternepark<br />

vorstellen. Man kann sich<br />

auf urig-gemütlichen Holzliegen<br />

niederlassen und bei romantischer<br />

Stimmung in <strong>den</strong> Himmel<br />

blicken und Sternschnuppen<br />

zählen. Die Lichtverschmutzung<br />

ist in Bad Bayersoien noch nicht<br />

so groß, weshalb die Nächte bei<br />

uns noch verhältnismäßig dunkel<br />

sind.<br />

Welche langfristigen Ziele oder<br />

Wünsche haben Sie <strong>für</strong> Ihren Kurort?<br />

Gisela: In ein prägendes Gebäude<br />

in der Dorfstraße, wo sich aktuell<br />

auch unser Museum befindet,<br />

noch einen Jugendtreff, einen Seniorentreff<br />

und Fachärzte zu integrieren.<br />

Auch in diesem Punkt bin<br />

ich fest davon überzeugt, dass wir<br />

das umsetzen wer<strong>den</strong>.<br />

Der Zuständigkeitsbereich von<br />

Schongaus Polizei reicht bekanntlich<br />

nicht bis Bad Bayersoien. Wo<br />

liegen die Grenzen, Herr Kieweg?<br />

Herbert: Hohenpeißenberg, Hohenfurch,<br />

Ingenried, Bernbeuren,<br />

Prem, Steinga<strong>den</strong>, Rottenbuch,<br />

Böbing und wieder Hohenpeißenberg<br />

– diese Orte bil<strong>den</strong> die Grenze<br />

unseres Zuständigkeitsbereichs.<br />

Wenn aber beispielsweise im<br />

benachbarten Lechbruck etwas<br />

passiert, wir mit einer Streife<br />

näher am Geschehen sind als die<br />

Kollegen aus Füssen, übernehmen<br />

wir natürlich. Umgekehrt genauso.<br />

Apropos: Wie gut ist die Schongauer<br />

Polizei personell aufgestellt?<br />

Herbert: Die Staatsregierung hat<br />

die vergangenen Jahre eine intensive<br />

Einstellungsoffensive gestartet,<br />

wo jährlich 500 bis 900<br />

Polizisten zusätzlich eingestellt<br />

wur<strong>den</strong>. <strong>Das</strong> macht sich auch<br />

<strong>für</strong> uns schon jetzt bemerkbar.


Wir in Schongau sind personell<br />

derzeit gut aufgestellt.<br />

Um was genau kümmert sich die<br />

Schongauer Polizei?<br />

Herbert: Wir sind die Organisation<br />

des Staates, die <strong>für</strong> Sicherheit<br />

und Ordnung sorgt. Wir schreiten<br />

ein, wenn hier und da über die<br />

Stränge geschlagen wird. Und<br />

sorgen da<strong>für</strong>, dass sich die Bürger<br />

im Schongauer Altlandkreis sicher<br />

fühlen. Unfallaufnahme, Bearbeitung<br />

von Straftaten, Verkehrssicherheit,<br />

vor allem aber sind wir<br />

Ansprechpartner <strong>für</strong> alle – es gibt<br />

keinen Anruf zu viel!<br />

Wie sieht Ihr persönlicher Arbeitsalltag<br />

als Leiter der Schongauer Inspektion<br />

aus?<br />

Herbert: Mein Tag beginnt meistens<br />

in der Früh um kurz vor 7 Uhr<br />

mittels Gespräch mit <strong>den</strong> Kollegen,<br />

um zu wissen, was alles in<br />

<strong>den</strong> letzten Stun<strong>den</strong> passiert ist.<br />

Danach gibt’s eine Frühbesprechung<br />

mit <strong>den</strong> anderen Kollegen<br />

über das, was über <strong>den</strong> Tag und<br />

im Laufe der Woche ansteht. Es<br />

folgen Pressearbeit, Gespräche<br />

mit Behör<strong>den</strong>, Verwaltungsarbeit<br />

und immer wieder interne Gespräche<br />

mit meinen Mitarbeitern.<br />

Letzteres ist mir ganz wichtig –<br />

meine Kollegen können jederzeit<br />

zu mir kommen, die Bürotür steht<br />

immer offen. Insbesondere nach<br />

schwierigeren Einsätzen. Zusammengefasst<br />

kann man sagen: Es<br />

ist eine sehr interessante, abwechslungsreiche<br />

und fordernde<br />

Aufgabe, die ich unheimlich gerne<br />

ausübe.<br />

Wür<strong>den</strong> Sie das unterschreiben,<br />

Frau Kieweg?<br />

Gisela: Mein Arbeitsalltag ist definitiv<br />

nicht weniger abwechslungsreich,<br />

gestaltet sich täglich<br />

unterschiedlich. Es gibt auch<br />

schon Termine um 7 Uhr in der<br />

Früh. Zum Beispiel Baustellenbesprechungen,<br />

bei <strong>den</strong>en ich stets<br />

persönlich dabei sein möchte.<br />

Danach geht’s <strong>für</strong> mich ins Rathausbüro,<br />

E-Mails checken, und<br />

was mir auch sehr wichtig ist, da<br />

sind mein Mann und ich uns sehr<br />

ähnlich: <strong>Das</strong>s die Tür <strong>für</strong> meine<br />

Bürger immer offen steht. (Anmerkung<br />

der Redaktion: Während<br />

des Rote-Couch-Interviews klopfte<br />

es mehrmals an der Tür – alle Anliegen<br />

wur<strong>den</strong> in der Tat schnell,<br />

zuverlässig und sehr herzlich von<br />

Gisela Kieweg beantwortet.)<br />

Dieses Miteinander auf Augenhöhe<br />

erklärt sicherlich auch Ihren Wahlerfolg.<br />

Wie ticken <strong>den</strong>n die Bad<br />

Bayersoier generell?<br />

Gisela: Die Bad Bayersoier sind<br />

sehr bo<strong>den</strong>ständige und hilfsbereite<br />

Menschen. <strong>Das</strong> trägt wesentlich<br />

zum guten Miteinander in unserem<br />

Dorf bei.<br />

Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit<br />

mit <strong>den</strong> Nachbargemein<strong>den</strong><br />

aus Weilheim-Schongau?<br />

Gisela: Viele von uns fahren zum<br />

Arbeiten und Einkaufen in <strong>den</strong><br />

Schongauer Altlandkreis, insofern<br />

hat Weilheim-Schongau eine<br />

große Bedeutung. Umso schöner,<br />

dass auch das Miteinander mit<br />

<strong>den</strong> umliegen<strong>den</strong> Bürgermeistern<br />

ein herzliches und gutes ist. Als<br />

Paradebeispiel <strong>für</strong> grenzübergreifende<br />

Zusammenarbeit dient ein<br />

geplanter Informations-Pavillon<br />

an der Echelsbacher Brücke. Es<br />

handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt<br />

mit Rottenbuch,<br />

Wildsteig sowie <strong>den</strong> Tourismusverbän<strong>den</strong><br />

<strong>Pfaffenwinkel</strong> und Ammergauer<br />

Alpen. Besucher und<br />

Einheimische können sich dort<br />

dann umfassend über Sehenswürdigkeiten<br />

und Freizeitangebote in<br />

der Region informieren.<br />

Und wie kommen Sie mit dem<br />

Garmisch-Partenkirchener Landrat<br />

Anton Speer zurecht?<br />

Gisela: Sehr gut. Er ist mir durch<br />

und durch sympathisch und <strong>für</strong><br />

Anliegen unserer Gemeinde stets<br />

persönlich ansprechbar.<br />

Auch wenn Sie jede Stimme Ihrer<br />

Bürger hören, es keine überflüssigen<br />

Fragen gibt: Wie nervenaufreibend<br />

können manche Tage in Ihrer<br />

Funktion als Bürgermeisterin sein?<br />

Gisela: Es gibt tatsächlich keine<br />

nervigen Anliegen. Der Mensch,<br />

der in dem Moment zur mir<br />

kommt, hat das gute Recht, sein<br />

Anliegen loszuwer<strong>den</strong>. Wer Hilfe<br />

braucht, bekommt sie auch. Aber<br />

natürlich gibt es immer wieder<br />

mal grenzwertige Tage, an <strong>den</strong>en<br />

man ganz tief durchatmen muss.<br />

Von letzterem kann ein Polizeibeamter<br />

sicherlich ein Lied von singen<br />

…<br />

Herbert: Als Polizist gibt es immer<br />

wieder Situationen, in <strong>den</strong>en man<br />

starke Nerven braucht.<br />

Ihr prägendstes Erlebnis?<br />

Herbert: Die Überbringung von<br />

Todesnachrichten. Familienangehörigen<br />

mitzuteilen, dass einer<br />

ihrer Liebsten verstorben ist, kann<br />

man nicht als Routine abtun. <strong>Das</strong><br />

beschäftigt einen auch Tage oder<br />

Wochen später noch.<br />

Können solch tragische Momente<br />

überhaupt verarbeitet wer<strong>den</strong>?<br />

Herbert: Was immer hilft: Sich<br />

mit <strong>den</strong> Kollegen zusammensetzen<br />

und darüber re<strong>den</strong>, re<strong>den</strong><br />

und re<strong>den</strong>. Drüber hinaus haben<br />

wir einen psychologischen Dienst,<br />

der uns professionell dabei unterstützt.<br />

Wie wichtig ist an dieser Stelle familiärer<br />

Rückhalt?<br />

Herbert: Immens wichtig. Heimzukommen<br />

und zu wissen, dass<br />

man sich auf die Unterstützung<br />

der Familienmitglieder verlassen<br />

kann, tut insbesondere an harten<br />

Tagen einfach nur gut.<br />

Immer häufi ger in <strong>den</strong> Medien zu<br />

lesen und hören: Ein zunehmend<br />

respektloser Umgang mit Polizisten.<br />

Trifft diese unschöne Entwicklung<br />

auch auf die Schongauer Region<br />

zu?<br />

Herbert: Obwohl die Welt bei<br />

uns in Schongau verhältnismäßig<br />

noch in Ordnung ist: <strong>Das</strong> kann ich<br />

tatsächlich so bestätigen. Meine<br />

Kollegen wer<strong>den</strong> immer öfter angegangen.<br />

Insbesondere verbal.<br />

Und teilweise auf eine üble Art<br />

und Weise beschimpft.<br />

Warum?<br />

Smalltalk am Rathausbrunnen:<br />

Polizeichef Herbert Kieweg (re.),<br />

Bürgermeisterin Gisela Kieweg und<br />

„<strong>altlandkreis</strong>“-Redakteur Johannes Schelle.<br />

Herbert: Ich <strong>den</strong>ke, dass dies sicherlich<br />

auch auf veränderte Wertevorstellungen<br />

in der Gesellschaft<br />

zurückzuführen ist.<br />

Immer wieder in hiesigen Kreisen<br />

zu hören: In Schongau und Umgebung<br />

existiert eine recht umtriebige<br />

Drogenszene. Woran könnte das<br />

liegen?<br />

Herbert: Unser Augenmerk liegt<br />

natürlich auch auf der Bekämpfung<br />

der Drogenkriminalität. Wir<br />

führen regelmäßig Kontrollen<br />

durch und wer<strong>den</strong> dabei auch immer<br />

wieder fündig. Überwiegend<br />

sind es Cannabis-Produkte, die<br />

wir sicherstellen. Wobei die Anzahl<br />

von Drogendelikten sich seit<br />

einigen Jahren auf dem gleichen<br />

Niveau bewegt – rund 135 Fälle<br />

pro Jahr.<br />

Wobei die Dunkelziffer in Sachen<br />

Drogenkonsum sicherlich hoch ist.<br />

Warum kiffen diese Menschen?<br />

Herbert: Ich persönlich halte<br />

überhaupt nichts davon, weil es<br />

sich schlichtweg um Suchtmittel<br />

handelt, an <strong>den</strong>en der eine oder<br />

andere hängen bleibt und somit<br />

droht, auf die schiefe Bahn<br />

zu geraten. Warum Menschen<br />

12 | <strong>altlandkreis</strong>


Herbert: Abschalten tun wir eigentlich<br />

immer gemeinsam, ob bei<br />

Ausflügen oder beim Spazierengehen.<br />

Oder, indem wir mal <strong>für</strong><br />

ein Wochenende in <strong>den</strong> Kurzurlaub<br />

fahren. Meistens gar nicht<br />

weit weg. Mal nach Oberstdorf,<br />

Ruhpolding oder Franken.<br />

Mitglied im<br />

Immobilienverband<br />

Deutschland IVD<br />

grundsätzlich immer wieder zu<br />

Suchtmitteln greifen, hat unterschiedlichste<br />

Gründe. Probleme<br />

im Beruf, in der Familie, Schicksalsschläge,<br />

aber auch der Reiz,<br />

Verbotenes zu tun.<br />

Aufgrund Corona spricht kaum jemand<br />

von der jüngsten Flüchtlingskrise,<br />

die 2015 und 2016 im Schongauer<br />

Raum ihren Höhepunkt<br />

erreichte. Wie sehr hat und hatte<br />

die Schongauer Polizei mit rassistischen<br />

Anfeindungen gegenüber<br />

Asylbewerbern zu kämpfen?<br />

Herbert: Da muss ich erfreulicherweise<br />

sagen, dass wir tatsächlich<br />

keinen Fall von rassistischen Anfeindungen<br />

in unserem Zuständigkeitsbereich<br />

hatten. Und auch<br />

aus umgekehrter Sicht ist es dank<br />

Sicherheitsdiensten und Helferkreisen<br />

verhältnismäßig ruhig<br />

in unserer Region. Klar kommt<br />

es in Massenunterkünften mal<br />

zu Streitigkeiten oder kleineren<br />

Körperverletzungsdelikten – wo<br />

viele Menschen auf engem Raum<br />

zusammenleben, gibt es immer<br />

Konflikte. <strong>Das</strong> trifft aber auch auf<br />

andere Bereiche zu.<br />

An Sie, Frau Kieweg: Drei gute<br />

Gründe, Bad Bayersoien einen Besuch<br />

abzustatten?<br />

Gisela: Wir haben ein wahnsinnig<br />

schönes, gewachsenes und<br />

ursprünglich erhaltenes Ortsbild<br />

ohne Bausün<strong>den</strong>. Eine tolle, unberührte<br />

Landschaft drumherum.<br />

Viele Sehenswürdigkeiten in unmittelbarer<br />

Nähe. Und ein breites<br />

Freizeitangebot, das nahezu<br />

alle Interessensgruppen abdeckt.<br />

Wandern, Radeln, Schwimmen<br />

und Langlaufen sind nur wenige<br />

Beispiele, die unseren Kurort zu<br />

etwas ganz Besonderem machen.<br />

Was bedeutet <strong>den</strong>n das Wort „Kurort“<br />

im Jahr <strong>2020</strong> überhaupt?<br />

Gisela: Es steht <strong>für</strong> einen Ort mit<br />

besonders hoher Gesundheitsaffinität,<br />

was <strong>für</strong> Menschen in diesem<br />

Zeitalter des Höher, Schneller,<br />

Weiter immer wichtiger wird. Und<br />

die kann man bei uns richtig gut<br />

ausleben. Ein Bergkiefernmoorbad<br />

ist jedem zu empfehlen – danach<br />

fühlt man sich wie neu geboren.<br />

Aber auch die Nutzung unserer<br />

Kneippbecken, Armtauchbecken,<br />

Moortretbecken. Alles frei zugänglich.<br />

Oder Schwimmen im Bayersoier<br />

See, in diesem weichen<br />

Moorwasser – einfach nur schön.<br />

Umso schöner, in diesem Ort wohnen<br />

zu dürfen. Herr Kieweg: Drei<br />

gute Gründe, der Schongauer Polizei<br />

mehr Respekt und Vertrauen<br />

entgegenzubringen?<br />

Herbert: Wir sind rund um die Uhr<br />

<strong>für</strong> unsere Bürgerinnen und Bürger<br />

als Ansprechpartner da. Man<br />

kann sich mit seinen Problemen<br />

jederzeit an uns wen<strong>den</strong> und wir<br />

versuchen, soweit möglich, jedem<br />

zu helfen.<br />

Dieses „ständig da sein“ <strong>für</strong> die<br />

Bürger ist wichtig, aber auch anstrengend.<br />

Wie schalten Sie beide<br />

vom Alltagsstress ab?<br />

Gibt’s weitere, gemeinsame Hobbys?<br />

Herbert: Wir lesen sehr gerne.<br />

Ich skandinavische Krimis. Gisela<br />

überwiegend historische Romane.<br />

„Die Henkerstochter“ von Oliver<br />

Pötsch zählt zu <strong>den</strong> wenigen Büchern,<br />

die wir beide gelesen haben.<br />

Was wünschen Sie sich in Zeiten<br />

von Corona, Flüchtlingskrise, Kriegen<br />

und auffallend vielen Machthabern<br />

mit diktatorischen Zügen<br />

<strong>für</strong> uns und unsere Welt?<br />

Gisela: Ich weiß es …<br />

Herbert: Dann antworte du …<br />

Gisela: <strong>Das</strong>s die Menschen wieder<br />

lernen, mehr Rücksicht aufeinander<br />

zu nehmen. Und jeder ein<br />

Stück von seinem Egoismus ablegt.<br />

Und Sie, Herr Kieweg?<br />

Herbert: Respekt haben vor dem<br />

Gegenüber und eine sachliche Debatte<br />

bei unterschiedlichen Meinungen.<br />

Leider fällt es heute aufgrund<br />

der großen Informationsflut<br />

immer schwerer, sauber recherchierte<br />

Nachrichten von Fakenews<br />

zu unterschei<strong>den</strong>. Daher sollte<br />

man immer mehrere Informationen<br />

aus verschie<strong>den</strong>en Quellen<br />

zu einem Thema einholen –<br />

und erst dann <strong>für</strong> sich eine Meinung<br />

bil<strong>den</strong>.<br />

Freuen Sie sich trotzdem auf Weihnachten,<br />

auf die Stade Zeit?<br />

Herbert: Auf je<strong>den</strong> Fall. Weihnachten<br />

ist bei uns Familienzeit.<br />

An Heiligabend feiern wir ganz<br />

traditionell mit unseren Töchtern.<br />

Wir bauen eine alte Krippe auf,<br />

essen gemeinsam zu Abend und<br />

genießen die Ruhe.<br />

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november / dezember <strong>2020</strong> | 13


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Denkmäler <strong>für</strong><br />

verstorbene Kinder<br />

Steinga<strong>den</strong> | Der Besucher fühlt<br />

sich ein wenig in frühere Zeiten<br />

versetzt, wenn er <strong>den</strong> Steinmetzbetrieb<br />

von Johannes Klein betritt.<br />

Unbearbeitete Steine stehen hier,<br />

die noch auf die Bearbeitung mit<br />

Hammer und Meißel warten.<br />

Grabsteine mit Beschriftung, die<br />

noch geliefert wer<strong>den</strong> müssen.<br />

Und Zeichnungen, auf <strong>den</strong>en<br />

Ideen grob skizziert sind. In diesem<br />

überschaubaren Betrieb, der<br />

sich im Steinga<strong>den</strong>er Gewerbegebiet<br />

an der Krummbachstraße<br />

befindet, werkelt der 40-Jährige<br />

zusammen mit einem Auszubil<strong>den</strong>dem<br />

im dritten Lehrjahr an<br />

Grabsteinen, die später einmal an<br />

<strong>den</strong> viel zu frühen Tod von Kindern<br />

und Heranwachsen<strong>den</strong> erinnern<br />

wer<strong>den</strong>. „Bei <strong>den</strong> Eltern kommt<br />

nach dem Tod eigentlich nur eine<br />

Frage auf: Warum? Warum musste<br />

unser Kind gehen?“ Sensibel<br />

erklärt Johannes Klein, wie er mit<br />

<strong>den</strong> Eltern in Kontakt kommt. Er,<br />

der durch einen Workshop <strong>für</strong> einen<br />

Selbsthilfeverein <strong>für</strong> verwaiste<br />

Eltern zu einem Spezialisten <strong>für</strong><br />

Grabsteine <strong>für</strong> Kinder gewor<strong>den</strong><br />

ist. „Es sind keine Grabsteine,<br />

die ich mache, sondern ich setze<br />

Denkmäler <strong>für</strong> Kinder", erklärt<br />

Klein, der in <strong>den</strong> Jahren 2001 bis<br />

2004 seine Ausbildung zum Steinmetz<br />

absolvierte. Bereits ein Jahr<br />

danach ließ er sich in Südtirol<br />

zum Steinbildhauer ausbil<strong>den</strong>, um<br />

daraufhin die Meisterschule <strong>für</strong><br />

Steinmetze und Steinbildhauer in<br />

Aschaffenburg zu besuchen. Seit<br />

2008 arbeitet er nun als selbstständiger<br />

Steinmetz, Restaurator<br />

Jedem Denkmal geht eine Skizze voraus, in der Johannes Klein nach<br />

einem Gespräch mit <strong>den</strong> Hinterbliebenen seine Ideen verbildlicht.<br />

und Bildhauer in Steinga<strong>den</strong> –<br />

spezialisiert auf Denkmäler <strong>für</strong><br />

verstorbene Kinder.<br />

Begabung oder Spielzeug<br />

im Stein verewigt<br />

Es sind Schicksalsschläge, die sich<br />

Johannes Klein, selbst Vater von<br />

drei Kindern, nicht vorstellen mag.<br />

Sei es der plötzliche Tod durch<br />

einen Unfall. Oder das qualvolle<br />

Warten aufgrund einer schweren,<br />

unheilbaren Krankheit. <strong>Das</strong> Denkmal<br />

bildet letztlich einen Bezugspunkt,<br />

an dem sich die Eltern und<br />

Hinterbliebenen festhalten und<br />

ihre Trauer zum Ausdruck bringen<br />

können.<br />

Johannes Klein ist <strong>für</strong> Kinder<strong>den</strong>kmäler<br />

in ganz Bayern und darüber<br />

hinaus unterwegs. „Sogar ein Auftrag<br />

aus Innsbruck liegt gerade da,<br />

<strong>den</strong> ich noch bearbeiten muss",<br />

erläutert Klein und zeigt in diesem<br />

Moment auf einen groben Steinklotz.<br />

Durch eine Selbsthilfegruppe<br />

<strong>für</strong> verwaiste Eltern kommen<br />

Betroffene auf ihn zu. „Meistens<br />

treffe ich mich auf dem Friedhof<br />

mit <strong>den</strong> Eltern und es ist erstaunlich,<br />

dass es meist zu einem<br />

anregen<strong>den</strong> Gespräch mit <strong>den</strong><br />

Hinterbliebenen kommt.“ Sobald<br />

sie über ihren verstorbenen Sohn<br />

oder ihre verstorbene Tochter anfangen<br />

zu erzählen, tauchen alte,<br />

oft lustige Erinnerungen auf – die<br />

Gespräche verlaufen meist unterhaltsam<br />

und nicht so bedrückend,<br />

wie man es be<strong>für</strong>chten könnte.<br />

Bei diesen Grab-Gesprächen erfährt<br />

Johannes Klein viel Wissenswertes<br />

über die Menschen, die ihr<br />

14 | <strong>altlandkreis</strong>


Leben in jungen Jahren verloren<br />

haben. <strong>Das</strong> ist ihm wichtig und<br />

die Basis <strong>für</strong> seine Arbeit, um am<br />

Stein Anhaltspunkte zu schaffen,<br />

die einen Teil der Persönlichkeit<br />

der Verstorbenen widerspiegeln.<br />

„Es ist manchmal traurig zu sehen,<br />

wieviel Talent und Begabung<br />

der Menschheit entgeht, wenn jemand<br />

schon so früh gehen muss –<br />

schon bevor er oder sie sich voll<br />

entfalten konnte“, sagt Johannes<br />

Klein. So setzt er alles daran, dem<br />

Stein durch Ornamente, Figuren<br />

oder außergewöhnliche Gestaltungsformen<br />

Leben einzuhauchen.<br />

„Wenn die Hinterbliebenen keine<br />

feste Vorstellung haben, wie das<br />

Denkmal beschaffen sein soll, mache<br />

ich mir selbst Gedanken. Meist<br />

fällt mir schon auf der Rückfahrt<br />

vom jeweiligen Termin ein Thema<br />

ein, das ich versinnbildlichen<br />

kann.“ Zuhause angekommen,<br />

folgen dann oft schon die ersten<br />

Entwürfe. Die in der Regel auch<br />

gleich auf Anhieb gut ankommen<br />

bei <strong>den</strong> Betroffenen.<br />

Talente, Begabungen, Hobbys undVorlieben der Kinder fin<strong>den</strong> sich in<br />

<strong>den</strong> Denkmälern der Verstorbenen.<br />

Großen Wert legt Johannes Klein<br />

auf Nachhaltigkeit. Sowohl in seiner<br />

Werkstatt als auch in seinem<br />

Tun. So arbeitet er mit einem<br />

Netzwerk aus fachlich versierten<br />

und regionalen Handwerkern zusammen.<br />

Außerdem wer<strong>den</strong> seine<br />

Grabmale meist aus heimischem<br />

Gestein wie Muschelkalk oder<br />

Kalkstein gefertigt. Katalogware<br />

ist in seiner Werkstatt nicht zu<br />

fin<strong>den</strong>. Darüber hinaus ist es ihm<br />

wichtig, dass die Natursteine aus<br />

Mitteleuropa kommen, <strong>den</strong>n die<br />

aus Übersee, meist Indien, seien<br />

mit Kinderarbeit verbun<strong>den</strong> – eine<br />

Produktionsform, die Johannes<br />

Klein aus naheliegen<strong>den</strong> Grün<strong>den</strong><br />

strikt ablehnt.<br />

Vorzugsweise Muschelkalk oder Kalkstein verarbeitet Steinmetz Johannes<br />

Klein in seiner Werkstatt in Steinga<strong>den</strong>.<br />

Kreativität, die aus der<br />

Seele kommt<br />

<strong>Das</strong>s es sich bei jedem Grabstein<br />

um ein Unikat handelt, liegt auf<br />

der Hand. Schließlich besteht<br />

jedes Leben nur ein Mal. Seine<br />

Kreativität, die ihm, wie er sagt,<br />

bereits in die Wiege gelegt wurde,<br />

schöpft er aus seiner anderen<br />

Arbeit. Neben dem Erschaffen von<br />

Denkmälern <strong>für</strong> Kinder ist er nämlich<br />

auch als Restaurator tätig, um<br />

alte Steinmetzarbeiten in Kirchen,<br />

Klöstern und vielen anderen historischen<br />

Gebäu<strong>den</strong> – meist durch<br />

Konservierung – <strong>für</strong> die Nachwelt<br />

zu erhalten. „Entwürfe, die ich <strong>für</strong><br />

einen Grabstein gemacht habe,<br />

wandern nach Abschluss des jeweiligen<br />

Auftrags in <strong>den</strong> Papierkorb.“<br />

So kann Johannes Klein<br />

<strong>den</strong> nächsten, schicksalsträchtigen<br />

Auftrag unvoreingenommen in<br />

Angriff nehmen.<br />

hun<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 15


Alternativprogramm <strong>für</strong> St. Martin<br />

Windlichter als Zeichen der<br />

Verbun<strong>den</strong>heit<br />

Altlandkreis | St. Martin hat in<br />

hiesigen Kindergärten eine große<br />

Bedeutung. Dieser Tag zählt<br />

zu <strong>den</strong> wenigen im Jahr, an dem<br />

alle zusammenkommen: Kinder,<br />

Eltern, Geschwister, Großeltern,<br />

darüber hinaus interessierte Besucher.<br />

Aufgrund Corona kann das<br />

Martins-Fest heuer jedoch nicht<br />

wie gewohnt umgesetzt wer<strong>den</strong> –<br />

maximal 200 Menschen (Stand<br />

Mitte Oktober) dürfen sich im Freien<br />

auf einer Veranstaltung wie<br />

dieser treffen. Bei rund 60 bis 70<br />

Kindern, die in <strong>den</strong> meisten der<br />

hiesigen Kindergärten untergebracht<br />

sind, und jeweils drei, vier<br />

oder noch mehr Angehörigen,<br />

ist diese Zahl schnell überschritten.<br />

Hinzu kommt, dass aktuell<br />

die Fallzahlen von Corona-Neu-<br />

Infektionen wieder nach oben<br />

schnellen, ein zweiter Lockdown<br />

nicht ausgeschlossen ist. Und die<br />

Verantwortung meist bei <strong>den</strong> Kindergärtnerinnen<br />

alleine hängen<br />

bleibt, da zahlreiche Eltern sich<br />

nicht konsequent an Maskenpflicht<br />

und 1,50-Meter-Abstand halten.<br />

Ein klassischer Laternenumzug mit<br />

Reiter, Angehörigen und Zuschauern<br />

macht insofern keinen Sinn.<br />

Viele Kindergärtnerinnen haben<br />

sich deshalb Gedanken gemacht,<br />

ein adäquates Alternativprogramm<br />

auf die Beine zu stellen.<br />

In <strong>den</strong> Schongauer Kindergärten<br />

Luftballon und Kunterbunt wird<br />

beispielsweise ein Laternenumzug<br />

in abgespeckter Form stattfin<strong>den</strong> –<br />

ausschließlich mit <strong>den</strong> Kindern,<br />

ohne Eltern, Großeltern, Geschwistern<br />

und Zuschauern. Schongaus<br />

Kindergarten Regenbogen hat sich<br />

hingegen entschie<strong>den</strong>, <strong>den</strong> Umzug<br />

komplett abzusagen, stattdessen<br />

die Legende von St. Martin nachzuspielen<br />

– aus einem „Geschichtensackerl“<br />

dürfen die Kinder Bettler,<br />

Roß und Reiter ziehen, sie auf<br />

Mit Begeisterung bei der Arbeit: Die Mädchen und Buben beim Ausschnei<strong>den</strong><br />

von Mustern und Bekleben der leeren Einweckgläser.<br />

„Was gefällt Euch besser?“ Karin Oswald zeigt ihrer Kindergartengruppe<br />

zwei Möglichkeiten der Windlicht-Gestaltung. „Blatt oder Papier?“<br />

einem Tisch positionieren und sich<br />

die dazu passende Geschichte anhören.<br />

Ein umfangreicheres Alternativprogramm<br />

haben derweil die<br />

Kindergärten der Peitinger Marktgemeinde<br />

geplant. Gemeinsam<br />

mit <strong>den</strong> Pfarreien und allen interessierten<br />

Bürgern starten sie eine<br />

komplette St.-Martins-Woche. Von<br />

Sonntag, 8. <strong>November</strong>, bis Sonntag,<br />

15. <strong>November</strong>, wird nicht nur<br />

in <strong>den</strong> Kindergärten, sondern auch<br />

bei <strong>den</strong> Leuten zuhause gebastelt<br />

und gebacken, um Alt und Jung<br />

auf andere Weise zusammenzubringen.<br />

Aufruf an alle<br />

Altlandkreis-Bürger<br />

Federführend ins Leben gerufen<br />

wurde die St.-Martins-Woche von<br />

Karin Oswald, Leiterin des Forsthaus-Kindergartens<br />

in Peiting, die<br />

gerade in Zeiten von Corona die Geschichte<br />

des beschei<strong>den</strong>en Helfers<br />

St. Martin, aber auch <strong>den</strong> mit Hoffnung<br />

verbun<strong>den</strong>en Gedanken des<br />

Lichtes unbedingt nach außen tragen<br />

möchte. Hintergrund: Bereits<br />

während des Lockdowns von Mitte<br />

März bis Mitte Mai hatten Oswald<br />

und ihre Kolleginnen die Eltern der<br />

Kindergartenkinder mit Beschäftigungstipps<br />

wie Backrezepten oder<br />

zur Jahreszeit passen<strong>den</strong> Bastelideen<br />

via E-Mail versorgt. <strong>Das</strong> kam<br />

gut an bei Alt und Jung. Jetzt, passend<br />

zu St. Martin, können sich die<br />

Eltern der Sprösslinge am Backen<br />

von Martinsgänsen versuchen. Vor<br />

allem aber sind sie dazu angehalten,<br />

wie ihre Kinder im Kindergarten<br />

Symbolträchtiges zu basteln,<br />

um von Zuhause aus wertvolle Zeichen<br />

nach außen zu sen<strong>den</strong>. Getreu<br />

nach dem Motto: „Wir können<br />

uns zwar nicht zu einem wundervollen<br />

Martins-Fest persönlich treffen,<br />

sind aber trotzdem eine große<br />

Gemeinschaft, verbun<strong>den</strong> mit <strong>den</strong><br />

gleichen Symbolen.“ <strong>Das</strong> Hauptaugenmerk<br />

richten Oswald und ihre<br />

Mitstreiterinnen auf das Basteln<br />

von Windlichtern. Man stelle sich<br />

vor: Vor jeder Haustüre in Peiting,<br />

aber auch in allen anderen Orten<br />

des Schongauer Altlandkreises,<br />

stehen in der Woche um St. Martin<br />

leuchtende Windlichter. Und jeder,<br />

16 | <strong>altlandkreis</strong>


der beim abendlichen Spaziergang<br />

durchs Dorf läuft, bekommt diese<br />

dann zu sehen. „<strong>Das</strong>s schafft,<br />

allen voran unter <strong>den</strong> Menschen,<br />

die selbst ein Windlicht gebastelt<br />

haben, definitiv ein Gefühl der Gemeinsamkeit“,<br />

sagt Karin Oswald,<br />

die ihre Windlichter natürlich mit<br />

<strong>den</strong> Buben und Mädchen im Kindergarten<br />

basteln wird. Noch mehr<br />

aber sollen diese vielen Lichter ein<br />

hoffnungsvolles Zeichen <strong>für</strong> die<br />

Menschen sein, <strong>den</strong>en es nicht so<br />

gut geht in dieser ohnehin schwierigen<br />

Zeit.<br />

„Egoismus wieder<br />

ablegen“<br />

Weil Corona gewissermaßen erdet,<br />

bei dem ein oder anderen<br />

die wirklich wichtigen Dinge des<br />

Lebens wieder auf <strong>den</strong> Plan ruft,<br />

dürfte die Legende um St. Martin<br />

besonders intensiv wirken. Er war<br />

Soldat, als er bei kaltnasser Witterung<br />

hoch zu Ross einen armen,<br />

frieren<strong>den</strong> Bettler antraf. Anstatt<br />

<strong>den</strong> hilflosen, am Bo<strong>den</strong> zerstörten<br />

Mann bewusst zu ignorieren,<br />

stieg er ohne zu zögern herab von<br />

seinem Roß, teilte mit der scharfen<br />

Klinge seines Schwertes seinen<br />

eigenen Mantel in Zwei und<br />

überreichte ihn dem Bettler, der<br />

ohne Martins Hilfe womöglich<br />

keine weitere Nacht überlebt hätte.<br />

Speziell im Wohlstandsland<br />

Deutschland neigen viele Eltern,<br />

und folglich auch deren Kinder<br />

dazu, selbstlose Werte wie Höflichkeit<br />

und Hilfsbereitschaft aus<br />

<strong>den</strong> Augen zu verlieren. Dabei<br />

gibt es am Ende des Tages nichts<br />

Glückseligeres, als Menschen, <strong>den</strong>en<br />

es schlechter geht, helfen zu<br />

können. <strong>Das</strong> St.-Martins-Fest, in<br />

welcher Form auch immer, ist ein<br />

idealer Anlass da<strong>für</strong>, diese wertvolle<br />

Tatsache von Hilfsbereitschaft<br />

wieder mehr ins Bewusstsein hiesiger<br />

Bürger zu rufen. Auch Karin<br />

Oswald wünscht sich von Herzen,<br />

dass „wir alle unseren Egoismus<br />

wieder ablegen und auch mal<br />

nach <strong>den</strong> anderen schauen“. Allen<br />

voran in Zeiten von Corona,<br />

wo die wenigsten wissen, wie es<br />

mittelfristig weitergehen wird. <strong>Das</strong><br />

schafft Ängste und Sorgen, die nur<br />

mit Zusammenhalt bewältig wer<strong>den</strong><br />

können. Ein schöner Schritt in<br />

diese Richtung ist sicherlich das<br />

gemeinsame Basteln von Windlichtern.<br />

Ein altes Glas, Servietten-<br />

Technik, Transparentpapier oder<br />

herabgefallene Blätter von Laubbäumen<br />

sowie Tapetenkleister und<br />

Teelichter – mehr braucht es nicht,<br />

um trotz Umzugsverbot ein unvergessenes<br />

St.-Martinsfest zu gestalten.<br />

js<br />

„Tadaaa“: So bunt sieht das Ergebnis der Bastelstunde im Peitinger<br />

Forsthaus-Kindergarten aus. St. Martin kann kommen.<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 17


Handwerkskunst an einem verborgenen Ort<br />

Maßgeschneiderte Zeitreise<br />

Apfeldorf-Wies | Fans der fünften<br />

Jahreszeit blicken verheißungsvoll<br />

auf <strong>den</strong> 11.11. – <strong>den</strong> Tag, an dem<br />

die drei großen Faschingsgesellschaften<br />

Schongau, Hohenfurch<br />

und Schwabsoien ihre neuen<br />

Prinzenpaare vorstellen. Heuer,<br />

so viel nimmt die „<strong>altlandkreis</strong>“-<br />

Redaktion vorweg, wäre jegliche<br />

Aufregung umsonst. „Da wird<br />

nichts passieren, sonst hätten sie<br />

längst bei mir angeklopft“, sagt<br />

Sabine Baab. Die 54-Jährige aus<br />

dem abgelegenen Apfeldorf-Wies<br />

muss es wissen. Seit 22 Jahren<br />

schneidert sie die Kleider und Anzüge<br />

der Prinzenpaare und Gardemädels,<br />

verbun<strong>den</strong> mit einem<br />

riesengroßen Aufwand. „Ich werde<br />

heuer zum ersten Mal seit sehr<br />

langer Zeit Weihnachten feiern<br />

können“, sagt die aus Kaufbeuren<br />

stammende Maßschneiderin.<br />

Denn final fertig wer<strong>den</strong> müssen<br />

die meisten der Faschingskostüme<br />

nicht zum 11.11, sondern zu Beginn<br />

der ersten Prunksitzungen, die in<br />

der Regel ab Mitte Januar stattfin<strong>den</strong>.<br />

Da<strong>für</strong> arbeitete die Perfektionistin<br />

viele Tage und Nächte durch.<br />

Auch an Feiertagen. Heuer nicht,<br />

was sicherlich auch die Nerven<br />

des ein oder anderen Gardemädel<br />

schonen wird. „Ich muss zugeben,<br />

immer schon auf <strong>den</strong> letzten Drücker<br />

gearbeitet zu haben“, sagt<br />

Baab und grinst. Paradebeispiel<br />

hier<strong>für</strong>: Inthroball der Schwabsoiener<br />

mit Beginn um Punkt 20 Uhr.<br />

Die letzten Hütchen der Gardemädels<br />

wur<strong>den</strong> jedoch erst um 19.30<br />

Uhr fertig. Sabines Sohn Felix fuhr<br />

<strong>den</strong> eleganten Kopfschmuck „dann<br />

noch schnell rüber“, kam gerade<br />

rechtzeitig vor Auftrittsbeginn an.<br />

<strong>Das</strong> war sprichwörtlich „Spitz auf<br />

Knopf“. Fertiggewor<strong>den</strong> ist Sabine<br />

Baab jedoch noch immer rechtzeitig.<br />

Prädikat: Überragend.<br />

Meisterin in<br />

historischem Gewand<br />

<strong>Das</strong>s die ehemalige Realschülerin<br />

etwas Handwerkliches lernen<br />

möchte, „stand <strong>für</strong> mich schon<br />

immer fest“. Der Weg zur Maßschneiderin<br />

war jedoch kein leichter.<br />

„In dieser seltenen Branche<br />

ist es immer schon schwer ge-<br />

Maßschneiderin Sabine Baab beim Erstellen neuer Entwürfe. Ihre<br />

Werkstätte befindet sich im „schönsten Zimmer des Hauses“.


wesen, Ausbildungs- und<br />

Arbeitsplätze zu fin<strong>den</strong>.“<br />

Zur Überbrückung besuchte<br />

Sabine Baab zunächst eine<br />

Hauswirtschaftsschule. Ein<br />

dreiviertel Jahr später hat es<br />

dann doch geklappt mit einer<br />

Lehrstelle zur Maßschneiderin,<br />

und nach wenigen Jahren<br />

als Gesellin setzte sie zwei<br />

Meister obendrauf. Erst <strong>den</strong><br />

klassischen, dann zusätzlich<br />

<strong>den</strong> <strong>für</strong> historisches Gewand.<br />

Hier<strong>für</strong> besuchte sie zwei<br />

Jahre Vollzeit die Deutsche<br />

Meisterschule <strong>für</strong> Mode und<br />

Design in München. „Eine<br />

geniale Zeit, in der ich unheimlich<br />

viel gelernt habe.“<br />

Wer sich mit Sabine Baab<br />

heute trifft und unterhält,<br />

entdeckt an ihr ein lebendiges<br />

Geschichtsbuch, das<br />

voller Begeisterung eintaucht<br />

in frühere Welten. Sie weiß<br />

nahezu alles über Land und<br />

Leute aus unterschiedlichsten<br />

Epochen. Allen voran, was<br />

Mann und Frau früher getragen<br />

haben, aus welchem Material<br />

deren Kleidung bestand und wie<br />

aufwändig es mit reiner Handarbeit<br />

hergestellt wurde. Letzteres ist<br />

sicherlich der Hauptgrund, warum<br />

sich die Kun<strong>den</strong> von Sabine Baab<br />

etwas gedul<strong>den</strong> müssen, bis ihr<br />

Auftrag vollendet ist. Kleider, die<br />

aus Zeiten vor Erfindung der Nähmaschine<br />

stammen, wer<strong>den</strong> von<br />

Sabine Baab auch so hergestellt<br />

wie damals. Jahrhunderte alte<br />

Nähnadeln aus Messing, Stoffe<br />

aus Leinen oder Schurwolle, hundertprozentig<br />

frei von Chemie. „Da<br />

lege ich großen Wert darauf“, sagt<br />

Sabine Baab über ihre große Lei<strong>den</strong>schaft,<br />

exakt so zu arbeiten,<br />

wie es ihre Vorreiterinnen aus<br />

anno dazumal getan haben.<br />

„Könnten sicherlich ein<br />

Museum aufmachen“<br />

Dabei gibt es modisch betrachtet<br />

nichts, was Sabine Baab nicht<br />

Lei<strong>den</strong>schaft: Sabine Baab und Ehemann Richard<br />

in Apfeldorfer Tracht.<br />

kann, nicht mag und auch nicht<br />

macht. Aufgrund dieser Vielfalt,<br />

aber auch dank eigener Internetseite,<br />

Aktivität auf Instagram und<br />

Facebook sowie Mundpropaganda<br />

fin<strong>den</strong> Kun<strong>den</strong> aus ganz Deutschland,<br />

vereinzelt sogar aus ganz<br />

Europa <strong>den</strong> Weg in ihre Werkstätte,<br />

deren Adresse früher nicht mal<br />

im Navi hinterlegt war. Belgien,<br />

Frankfurt, München sind nur drei<br />

Beispiele von Kun<strong>den</strong>anreisen<br />

ins abgelegene Apfeldorf-Wies.<br />

Finaler Treffpunkt ist dann „das<br />

schönste Zimmer im kompletten<br />

Haus“. Rund 20 Quadratmeter<br />

groß, südseitig gelegen mit direktem<br />

Zugang und Fensterblick auf<br />

Terrasse, Garten, Acker, Wald und<br />

einen alleinstehen<strong>den</strong> Laubbaum,<br />

wo ein Milan-Pärchen auch heuer<br />

wieder genistet hat. „Wenn du ein<br />

Leben lang in diesem Raum sitzt<br />

und arbeitest, darfst du nicht in<br />

<strong>den</strong> Keller gehen“, stimmte der<br />

Bauplaner sie damals um. „Dem<br />

bin ich heute noch dankbar.“ Im<br />

Zentrum des Raumes steht ein<br />

riesengroßer Zuschneidetisch,<br />

die Platte aus Holz, die<br />

stützen<strong>den</strong> Füße aus Stahl.<br />

Rechts an der Wand eine<br />

Overlock-Maschine zum Fertigen<br />

dehnbarer Nähte, eine<br />

Schnell-Nähmaschine mit<br />

Starkstromanschluss <strong>für</strong> gerade<br />

Nähte, eine klassische<br />

Haushaltsnähmaschine <strong>für</strong><br />

Knopflöcher und Flickarbeiten<br />

sowie eine alte Bügelpresse,<br />

mit der zum Beispiel<br />

Einlagen ins Innere eines<br />

Herrensakkos eingearbeitet<br />

wer<strong>den</strong>. Gegenüberliegend<br />

hängen mehrere professionelle<br />

Bilder von Baabs frisch<br />

eingekleideten Kun<strong>den</strong>: Ein<br />

auf einem Pferd sitzender,<br />

uniformierter bayerischer<br />

Soldat, der das Jahr 1806,<br />

die Zeit Napoleons, repräsentiert<br />

– Sabine Baab hat<br />

hier<strong>für</strong> sogar diese rote<br />

Pferdedecke originalgetreu<br />

nachgeschneidert. Daneben<br />

zu sehen: Stadtbücherei-Leiterin<br />

Cornelia Funke in Volltracht<br />

des Schongauer Trachtenvereins<br />

„Schloßbergler“. Oder ein unbeschreiblich<br />

schönes Cocktailkleid,<br />

maßangepasst an <strong>den</strong> Körper einer<br />

Patent-Anwältin, <strong>für</strong> deren<br />

Überrock sogenannte „Tüten“ aus<br />

Sei<strong>den</strong>duchesse und Marabufedern<br />

genäht wur<strong>den</strong>. Hochzeitskleider,<br />

historische wie moderne<br />

Anzüge sowie Ballkleider aus unterschiedlichen<br />

Epochen run<strong>den</strong><br />

die Bilderwand ab. Links neben<br />

der Terrassenfront dagegen steht<br />

die neueste Maschine im Hause<br />

Baab: Ein Bügelautomat im Wert<br />

von 3400 Euro. „Dampf brauchst<br />

du als Schneiderin im Grunde<br />

<strong>den</strong> ganzen langen Arbeitstag<br />

über.“ Damit wird Material wie<br />

Wolle formgebügelt. Zum Beispiel<br />

in <strong>den</strong> Bereichen Knie, Oberschenkel<br />

oder Wade. Noch einen<br />

Blickschweif weiter entdeckt man<br />

schließlich behangene Kleiderbügel<br />

– es handelt sich um Änderungsaufträge<br />

an Joppen und<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 19


Kleidern. Und nicht zu vergessen<br />

sind beim Rundblick durch Baabs<br />

Werkstätte eine Schneiderpuppe,<br />

von der gelbe Maßbänder herabhängen,<br />

sowie ein riesengroßer<br />

Spiegel <strong>für</strong> die Anprobe der Kun<strong>den</strong>.<br />

Wie reagiert<br />

der Kunde?<br />

„Made in Apfeldorf-Wies“: Sabine Baab schneidert seit vielen Jahren<br />

die prunkvollen Kleider und Anzüge hiesiger Prinzenpaare.<br />

Nicht auf <strong>den</strong> ersten Blick zu sehen:<br />

Nadeln, Fä<strong>den</strong>, Stoffe, Stifte,<br />

Krei<strong>den</strong>, Bügelsteine, Papier,<br />

Scheren, Fingerhüte, Lineale und<br />

diverse weitere, historisch wertvolle<br />

Maschinen <strong>für</strong> Näh- und<br />

Schneiderarbeiten, die überwiegend<br />

dann doch im Keller Platz<br />

nehmen mussten. „Wir könnten<br />

sicherlich ein Museum damit aufmachen“,<br />

sagt Sabine Baab, die<br />

an dieser Stelle eine klassische<br />

Auftragsabwicklung aufzählt: Erstgespräch<br />

mit dem Kun<strong>den</strong>, um herauszufin<strong>den</strong>,<br />

was genau er haben<br />

möchte. Stoffe bestellen, sofern<br />

der Kunde ihn nicht schon mitgebracht<br />

hat. Wolle, Leder, Seide,<br />

Leinen, Spitze? „Alles, was ich unter<br />

meine Nähmaschine bringe.“<br />

Es folgt eine erste Skizze, wo<strong>für</strong><br />

Sabine Baab nicht nur zeichnet,<br />

sondern richtig malt, sogar Aquarellfarben<br />

da<strong>für</strong> verwendet. Dann<br />

abmessen, Schnitte auf Papier<br />

erstellen, meistens ein Probeteil<br />

fertigen und zur ersten Anprobe<br />

bitten. Anschließend fertigt Sabine<br />

Baab das Original, lädt zur<br />

zweiten Anprobe, vollendet finale<br />

Detailarbeiten und lädt schließlich<br />

ein drittes Mal zur Anprobe des<br />

komplett fertigen, maßgefertigten<br />

Damenkleides oder Herrenanzugs.<br />

Die Reaktion der Kun<strong>den</strong>,<br />

die <strong>für</strong> Sabine Baab logischerweise<br />

enorm wichtig ist: Wow!<br />

Oder: „Geil, boah geil.“ Letztere<br />

bleibt der Maßschneiderin deshalb<br />

in besonderer Erinnerung,<br />

weil dieser zum Faschingsprinzen<br />

auserwählte Herr sich die ersten<br />

Termine so gar nicht in die Karten<br />

schauen ließ, absolut keine Reaktion<br />

zeigte in Sachen „gefällt mir,<br />

gefällt mir nicht“.<br />

Zeit <strong>für</strong> eine eigene<br />

ene<br />

Kollektion?<br />

on?<br />

Für ein Prinzenkleid, das<br />

in der<br />

Regel im Juni oder Juli angefragt<br />

wird, braucht Sabine Baab<br />

30 Meter Stoff sowie 50<br />

bis 70 Arbeitsstun<strong>den</strong>.<br />

n.<br />

„Grundsätzlich sind die<br />

Stun<strong>den</strong> so verschie<strong>den</strong><br />

e<strong>den</strong><br />

en<br />

wie die Aufträge.“ Brautkleider,<br />

originale Volltrach-<br />

ltra<br />

ten, Gehröcke, Maßanzüge<br />

anzü<br />

<strong>für</strong> Herren, Cocktailkleider,<br />

kl<br />

Note-Book-Taschen, Autosicherheitsgurte<br />

<strong>für</strong> <strong>den</strong> Verschluss<br />

einer Jacke, jede Menge Histori-<br />

i-<br />

sches, was bis ins 12. Jahrhundert<br />

rt<br />

oder noch weiter zurückreicht,<br />

cht,<br />

aber auch immer wieder er<br />

ausgeflippte<br />

Projekte wie Punkiges oder<br />

ein Grace-Kelly-Kleid. Jedes dieser<br />

Kleidungsstücke ist letzt-<br />

t-<br />

lich<br />

ein<br />

unvergleichli-<br />

eich<br />

li-<br />

ches<br />

Unikat. Und<br />

spezi-<br />

ell in der<br />

heutigen<br />

Zeit, in der<br />

20 | <strong>altlandkreis</strong>


Handgemacht bis ins kleinste Detail: Ein originales Mieder, passend zur<br />

Schongauer Volltracht. Stolze Besitzerin ist Cornelia Funke.<br />

gute Maßschneiderinnen rar gesät<br />

sind, nicht hoch genug wertzuschätzen.<br />

Reich wird Sabine<br />

Baab damit trotzdem nicht. Im<br />

Gegenteil. Sie müsste viel mehr<br />

verlangen, spricht „ganz klar“ von<br />

„Berufung“ anstatt „Geldmacherei“<br />

– je nach Stoffen, Aufwand<br />

und Sonderwünschen verlangt sie<br />

meistens Preise im unteren vierstelligen<br />

Bereich.<br />

Die prunkvollen Kleider und Maßanzüge<br />

<strong>für</strong> die hiesigen Prinzenpaare<br />

wur<strong>den</strong> bislang immer<br />

von <strong>den</strong> Paaren aren<br />

selbst bezahlt<br />

– mit finanziellem Zuschuss<br />

aus der jeweiligen Vereinskasse.<br />

Und heuer? Arbeit hat Sabine<br />

Baab – trotz ausbleibender Faschingsaufträge<br />

– <strong>den</strong>noch mehr<br />

als genug. „Mein großes Hobby<br />

ist das Spätmittelalter“, sagt sie.<br />

Gemeinsam mit ihrem Mann ist<br />

sie sehr aktiv in Sachen „Living<br />

History“, taucht regelmäßig ab<br />

in historisches Lagerleben und<br />

präsentiert das Schneiderhandwerk<br />

auf historischen Märkten so,<br />

wie es anno dazumal – und bei<br />

Sabine Baab eben auch<br />

heute noch – ausgeübt<br />

wurde und wird. Ein an-<br />

deres,<br />

großes Ziel <strong>für</strong><br />

ihre<br />

berufliche Zukunft:<br />

„Endlich mal eine eige-<br />

ne Kollektion auf <strong>den</strong><br />

Markt bringen, und die<br />

dann n im Rahmen einer<br />

Mo<strong>den</strong>schau vorstellen.“<br />

So ähnlich wie<br />

im<br />

Jahr 2005, als die<br />

Gemeinde Apfeldorf<br />

700-jähriges Ortsbestehen<br />

gefeiert hat.<br />

Und im Rahmen<br />

des<br />

historischen<br />

Vereins prachtvolle<br />

Kleider präsentiert<br />

wur<strong>den</strong>. Maßgeschneidert<br />

von<br />

Sabine Baab.<br />

js<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 21


ALLERLEI IM ALTLANDKREIS<br />

Klimatipps, ÄBO-Vorsitz<br />

und Fantasy-Roman<br />

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Pollinger zum neuen<br />

ÄBO-Vorsitzen<strong>den</strong> gewählt<br />

Polling | Dr. Karl Breu, Facharzt <strong>für</strong> öffentliches Gesundheitswesen,<br />

ist zum neuen Vorsitzen<strong>den</strong> des<br />

Ärztlichen Bezirksverbandes Oberbayern (ÄBO) gewählt<br />

wor<strong>den</strong>. Damit vertritt der Pollinger die beruflichen<br />

Belange von 17 385 Ärztinnen und Ärzten,<br />

die alle <strong>den</strong> insgesamt 19 oberbayerischen Ärztlichen<br />

Kreisverbän<strong>den</strong> angehören. Eine wesentliche<br />

Aufgabe des ÄBO: Die Erfüllung ärztlicher Berufspflichten<br />

zu überwachen. Der bisherige Vorsitzende,<br />

Dr. Klaus Fresenius, wurde zum Ehrenvorsitzen<strong>den</strong><br />

ernannt, übergab seinem Nachfolger traditionell<br />

<strong>den</strong> Ärzte-Koffer. Breus Stellvertreter heißt Jan Döllein,<br />

kommt aus Neuötting (Landkreis Altötting), ist<br />

Facharzt <strong>für</strong> Allgemeinmedizin und wurde im Rahmen<br />

der Delegierten-Versammlung<br />

in<br />

seinem bisherigen<br />

Amt bestätigt.<br />

js<br />

Praktische Alltagstipps<br />

<strong>für</strong> <strong>den</strong> Klimawandel<br />

08862 / 987830 entgegen. Dort bekommen Interessierte<br />

auch stets Auskunft über <strong>den</strong> ellen Stand in Sachen Veranstaltungen<br />

mit Corona.<br />

aktu-<br />

js<br />

Altlandkreis | Die Bürgerstiftung<br />

Energiewende Oberland und<br />

der Münchner Oekom-Verlag<br />

haben gemeinsam ein neues<br />

Klimasparbuch <strong>für</strong> die Landkreise Weilheim-<br />

Schongau, Garmisch-Partenkirchen, Bad<br />

Tölz-Wolfratshausen und Miesbach herausgebracht.<br />

Ziel der <strong>Ausgabe</strong>n: Eine nachhaltige,<br />

klimafreundliche Entwicklung im<br />

schönen Oberland voranzutreiben. Es bietet<br />

inhaltlich zahlreiche praktische Alltagstipps<br />

rund um das Thema „ökologisches Verhalten<br />

im täglichen Leben“. In einer dazu verfassten<br />

Mitteilung heißt es: „Manche Ideen<br />

wollte man vielleicht schon immer einmal<br />

ausprobieren – das Klimasparbuch könnte<br />

dazu <strong>den</strong> nötigen Ansporn geben“, heißt es<br />

in einer Mitteilung.“ Erhältlich ist das „Klimasparbuch<br />

Oberland <strong>2020</strong> / 2021“ kostenlos<br />

in <strong>den</strong> jeweiligen Landratsämtern und Rathäusern,<br />

darüber hinaus auch Online auf<br />

der Internetseite des Landkreises<br />

Weilheim-Schongau unter „Enerjgie-<br />

und Klimaschutz“.<br />

Wiggirica Jessica Ehrlicher<br />

Beratung - Coaching - Schulungen - Workshops<br />

Coaching / Lebensberatung<br />

Existenzgründerberatung<br />

Krisenbegleitung<br />

Paarberatung<br />

Sterbebegleitung<br />

Trauerbegleitung <strong>für</strong> Kinder<br />

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Unterstützung, Begleitung in allen Lebenslagen<br />

Flößermuseum bis April geschlossen<br />

Lechbruck | Schon vor <strong>den</strong> vielen Corona-Neuinfektionen<br />

haben die Verantwortlichen in Lechbruck<br />

entschlossen, das Flößermuseum <strong>für</strong> <strong>den</strong> öffentlichen<br />

Betrieb zu schließen. Und zwar vorerst bis<br />

April 2021. Je nach<br />

Entwicklung des<br />

Infektionsgeschehens<br />

im Landkreis<br />

Weilheim-Schongau wer<strong>den</strong> – wenn überhaupt –<br />

nur noch Führungen in Kleingruppen durchgeführt.<br />

Die da<strong>für</strong> zwingend notwendigen Anmeldungen<br />

nimmt die Tourist Information Lechbruck unter<br />

22 | <strong>altlandkreis</strong>


„Atem der Zeit“ – ein Fantasy-Roman von Marlis Bader<br />

Peiting | Marlis Bader ist eigentlich<br />

Expertin <strong>für</strong> abendländische<br />

Räucherkunde, hat dazu schon<br />

drei Sachbücher auf <strong>den</strong> Markt gebracht.<br />

Mit „Atem der Zeit“ begibt<br />

sich die Peitingerin nun erstmals<br />

in neue schriftstellerische Gefilde.<br />

Denn bei ihrem neuesten Werk<br />

handelt es sich um einen Fantasy-<br />

Roman, 432 Seiten dick, erschienen<br />

im Eigenverlag. In mehreren<br />

Kapiteln dreht es sich inhaltlich<br />

um zwei Reiche, zwei Dimensionen und ein<br />

Loch in der Zeit. Vor kommen unter anderem<br />

eine grausame Regentin, ein geheimnisvolles<br />

Zeichen, eine zahnlose Alte, die ihr Wissen<br />

verbirgt, ein Geistkrieger, eine kluge Händlerin<br />

mit einer Vision, ein nach Macht gierender<br />

Drachenreiter, dessen magische Verbündete,<br />

eine wachsende Gefahr und eine wagemutige<br />

Entscheidung. Kurzum: Der Kampf um das<br />

Herz des Drachens beginnt. Wer<br />

eintauchen möchte in eine andere<br />

Welt, gerne und viel liest, ist beim<br />

Bilder-losen Roman „Atem der<br />

Zeit“ genau richtig – und erst am<br />

Beginn einer abenteuerlichen Reise.<br />

Laut Angaben der Autorin handelt<br />

es sich bei ihrem Debütroman<br />

um <strong>den</strong> ersten Teil einer Serie unter<br />

dem Titel „Neun Pfeile“. Erhältlich<br />

ist das Buch <strong>für</strong> 15,95 Euro in<br />

allen regionalen Buchhandlungen.<br />

Ihr Regionalmagazin „<strong>altlandkreis</strong>“ verlost<br />

3 x 1 Exemplar von „Atem der Zeit“.<br />

Schicken Sie uns bis 15. <strong>November</strong> eine Postkarte<br />

mit dem Stichwort „Herz des Drachens“<br />

an „<strong>altlandkreis</strong>“, Birkland 40, in 86971 Peiting.<br />

Oder eine E-Mail an info@<strong>altlandkreis</strong>.de. <strong>Das</strong><br />

Los entscheidet, der Rechtsweg eg ist<br />

ausgeschlossen. Wir wünschen viel<br />

Erfolg!<br />

js<br />

d i h i<br />

Anmeldung <strong>für</strong> Schongauer Ausbildungsmesse<br />

Schongau | Schmerzlich haben die SAM-Organisatoren die Schongauer<br />

Ausbildungsmesse am 1. April <strong>2020</strong> Corona-bedingt absagen<br />

müssen. Die Be<strong>für</strong>chtungen sind natürlich groß, dass <strong>für</strong><br />

kommendes Frühjahr ähnliches blüht. Voreilige Schlüsse möchten<br />

die Veranstalter jedoch nicht ziehen, bleiben optimistisch und<br />

planen die beliebte Plattform <strong>für</strong> Ausbildungsbetriebe und Ausbildungssuchende<br />

zunächst wie gewohnt. Heißt <strong>für</strong> interessierte<br />

Unternehmer aus der Region: Wer seine Ausbildungsberufe im<br />

Rahmen der SAM2021 vorstellen möchte mit einem eigenen Info-<br />

Stand in Schongaus Lechsporthalle, sollte sich jetzt bewerben. <strong>Das</strong><br />

da<strong>für</strong> notwendige Anmeldeformular wird ab 9. <strong>November</strong> auf der<br />

Internetseite www.schongauer-ausbildungsmesse.de bereitgestellt.<br />

Achtung: Die Anmeldefrist endet bereits am 27. <strong>November</strong>!<br />

Pandemie-bedingt ist davon auszugehen, dass die Veranstaltung,<br />

angesetzt auf Mittwochnachmittag, 24. März 2021, nur unter gesonderten<br />

Hygienemaßnahmen<br />

durchführbar ist. Dies hätte größere<br />

Abstände zwischen <strong>den</strong> einzelnen<br />

Stän<strong>den</strong>, und damit auch<br />

weniger Plätze zur Folge. Insofern<br />

sollten interessierte Betriebe<br />

schnell sein, um sich einen der<br />

rar gesäten Ausstellungsplätze<br />

rechtzeijtig<br />

zu sichern.<br />

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november / dezember <strong>2020</strong> | 23


Interview mit Prof. Dr. Andreas Knez, Ärztlicher Direktor in Weilheim<br />

„Auch mit Herzschwäche<br />

soll man Sport treiben“<br />

Weilheim | Die Deutsche Herzstiftung<br />

e.V. ist ein Verein, der<br />

die bundesweite Versorgung und<br />

Therapiemöglichkeit von Herzpatienten<br />

verbessern möchte. Dazu<br />

gehören auch medienwirksame<br />

Aktionen wie die alljährlichen<br />

„Herzwochen“. Sie fin<strong>den</strong> immer<br />

vom 1. bis 30. <strong>November</strong> statt<br />

und sollen die breite Bevölkerung<br />

rund ums Thema Herzkrankheiten<br />

sensibilisieren und aufklären. <strong>Das</strong><br />

dazu passende Motto dieses Jahr<br />

lautet „Herzinsuffizienz“ (Herzschwäche).<br />

Im Interview spricht<br />

Prof. Dr. Andreas Knez, Ärztlicher<br />

Direktor der Krankenhaus GmbH<br />

Weilheim-Schongau sowie Chefarzt<br />

der dortigen Inneren Medizin,<br />

wie unscheinbar sich eine Herzschwäche<br />

zeigen kann, welche<br />

lebensbedrohliche Gefahr von ihr<br />

ausgeht und wie Betroffene am<br />

besten damit umgehen.<br />

Herr Prof. Dr. Knez, was führt zu<br />

Herzinsuffi zienz?<br />

Es gibt zwei gängige Ursachen<br />

<strong>für</strong> Herzschwäche. Einmal Bluthochdruck,<br />

oft lange Zeit nicht bemerkt,<br />

weil er vom Patienten nicht<br />

gemessen wird. Wenn Bluthochdruck<br />

jedoch über mehrere Jahre<br />

besteht, geht das Herz sprichwörtlich<br />

auseinander wie ein alter<br />

Schuh. <strong>Das</strong> beeinflusst wiederum<br />

die Pumpfunktion des Herzens,<br />

die sich infolgedessen stark verschlechtert<br />

– der Betroffene bekommt<br />

<strong>für</strong> seine alltäglichen Aktivitäten<br />

zu wenig Sauerstoff.<br />

Sonderveröffentlichung der<br />

Die zweite gängige Ursache?<br />

Die sogenannte Koronare Herzerkrankung.<br />

Hierbei handelt es sich<br />

um eine Erkrankung der Gefäße,<br />

die das Herz mit Blut versorgen.<br />

Wenn sich im Körper eines Menschen<br />

zu viele Engstellen befin<strong>den</strong>,<br />

bekommt das Herz zu wenig<br />

Blut, woraufhin der Herzmuskel<br />

seine Tätigkeit zunehmend einstellt.<br />

Weitere, eher seltenere Ursachen,<br />

die zu Herzinsuffi zienz führen?<br />

Zum Beispiel angeborene Herzfehler<br />

oder Herzmuskel-Entzündungen,<br />

welche immer wieder<br />

mal bei Sportlern, also auch jüngeren<br />

Menschen auftreten. <strong>Das</strong><br />

Problem bei Herzschwäche generell<br />

ist, dass die Symptome oft<br />

derart unspezifisch sind, dass unsere<br />

Patienten erst nicht glauben<br />

wollen, tatsächlich Herzprobleme<br />

zu haben.<br />

Was wären <strong>den</strong>n typische Symptome,<br />

die auf Herzschwäche hinweisen?<br />

Luftnot. Man geht beispielsweise<br />

die Treppe hoch und tut sich beim<br />

Atmen auffallend schwerer als in<br />

<strong>den</strong> Wochen zuvor. Oder man legt<br />

sich nachts flach ins Bett und bekommt<br />

plötzlich weniger oder gar<br />

keine Luft. Ein anderes Symptom<br />

ist Gewichtszunahme – ist das<br />

Herz geschwächt, kann das Blut<br />

nicht mehr so gut „rausgepumpt“<br />

wer<strong>den</strong>. Dadurch verschlechtert<br />

sich auch die Durchblutung der<br />

Niere, die wiederum weniger<br />

Wasser ausscheidet. <strong>Das</strong> Wasser<br />

Prof. Dr. Andreas Knez, Ärztlicher Direktor der Krankenhaus GmbH Weilheim-Schongau<br />

sowie Chefarzt der Inneren Medizin.<br />

setzt sich stattdessen im Körper<br />

ab. Zu allererst im Bauchbereich<br />

und in <strong>den</strong> Beinen. Damit einher<br />

gehen oftmals auch häufigere<br />

Toilettengänge in der Nacht, um<br />

die Flüssigkeit auszuschei<strong>den</strong>, die<br />

sich tagsüber angesammelt hat.<br />

Ein weiteres Merkmal <strong>für</strong> Herzschwäche<br />

ist außerdem trockener<br />

Husten.<br />

Wie reagieren Menschen beim Auftreten<br />

dieser Symptome?<br />

Die häufigste Erklärung der Menschen<br />

ist: „Mei, ich werde halt<br />

älter, bin deshalb nicht mehr so<br />

belastbar, was sicherlich normal<br />

ist. <strong>Das</strong> wird die Tage schon<br />

wieder wer<strong>den</strong>.“ Leider gehen<br />

die meisten unserer Patienten<br />

erst zum Arzt, wenn sie im Bett<br />

nicht mehr flach liegen oder gar<br />

nicht mehr schlafen können.<br />

Dann ist es meistens schon zu<br />

spät, um Schlimmeres zu verhindern.<br />

Eine klassische Vorsorge-Untersuchung<br />

wie beispielsweise bei Hautkrebs<br />

gibt es <strong>für</strong> das Herz nicht. Wie<br />

fi n<strong>den</strong> Mann und Frau trotzdem<br />

rechtzeitig heraus, ob ihre „Pumpleistung“<br />

noch gut funktioniert?<br />

Große Verantwortung liegt an<br />

dieser Stelle bei <strong>den</strong> Hausärzten,<br />

Menschen mit Herzproblemen<br />

„herauszufischen“. <strong>Das</strong> ist nicht<br />

immer leicht <strong>für</strong> die Kolleginnen<br />

und Kollegen in <strong>den</strong> Allgemeinmedizinischen<br />

Praxen. Nur ein<br />

Beispiel: Eine 65-jährige Dame<br />

kommt mitten in der Grippezeit<br />

mit Husten und Luftnot in die<br />

Hausarztpraxis. Im ersten Moment<br />

ist davon auszugehen, dass ihre<br />

Probleme tatsächlich einer Grippe<br />

geschuldet sind. Sie könnten aber<br />

auch die Folge einer Herzschwäche<br />

sein. <strong>Das</strong> sollte immer berücksichtigt<br />

wer<strong>den</strong>.<br />

Es gibt nicht nur zwei gängige Ursachen,<br />

sondern auch zwei Arten<br />

von Herzschwäche:<br />

Einerseits, in dem die Herzfunktion,<br />

die Pumpleistung, schlechter<br />

wird. <strong>Das</strong> ist wie bei einem Motor,<br />

der irgendwann nur noch mit zwei<br />

anstatt vier Zylindern funktioniert.<br />

Im anderen Fall funktioniert die<br />

Pumpleistung des Herzens normal,<br />

der Herzmuskel aber weist<br />

eine gewisse Steifigkeit auf, kann<br />

sich nicht mehr so ausdehnen wie<br />

gewünscht.<br />

<strong>Das</strong>s die „Pumpe“ noch funktioniert,<br />

obwohl der Muskel steif ist,<br />

klingt paradox.<br />

Noch tragischer ist, dass es <strong>für</strong><br />

diese Art der Herzschwäche keine<br />

Therapie, keine Medikamente<br />

gibt. Dabei kommt diese Form<br />

immer häufiger vor, macht inzwischen<br />

fast die Hälfte aller Fälle von<br />

Herzinsuffizienz aus.<br />

Welche Behandlungsmöglichkeit<br />

gibt es bei Herzschwäche in Form<br />

von „schlechter Pumpe“?<br />

Grundsätzlich gibt es in der Kardiologie<br />

vier Stufen dieser Herzschwäche.<br />

Stufe eins: Man spürt<br />

nichts. Stufe zwei: Es geht nicht<br />

mehr so wie früher. Stufe drei:


– ANZEIGE –<br />

Blick in <strong>den</strong> Operations-Saal: Hier wird ein Patient am Herzen behandelt. Die zwei großen Bildschirme im<br />

Hintergrund sind Teil eines neuen Herzkatheters, der im Weilheimer Krankenhaus zum Einsatz kommt.<br />

Eindeutige Symptome bei bereits<br />

geringer Belastung. Stufe vier: Bereits<br />

der Gang zur Toilette bereitet<br />

massive Probleme. Je höher die<br />

Stufe, desto mehr Medikamente<br />

wer<strong>den</strong> dazugegeben. Sie stärken<br />

die Herzfunktion, stimulieren<br />

die Harnfunktion zur Wasserausscheidung<br />

und helfen, dass unerwünschte<br />

Umbauprozesse im<br />

Herzen verlangsamt wer<strong>den</strong>.<br />

Falls eine medikamentöse Behandlung<br />

nicht ausreicht?<br />

Da eine schlechte Pumpfunktion<br />

zu lebensbedrohlichen Herz-<br />

Rhythmus-Störungen führen<br />

kann, muss man ab einem gewissen<br />

Punkt die Entscheidung<br />

treffen, dem Patienten einen Defibrillator<br />

zu implantieren. Reicht<br />

dieser nicht aus, wer<strong>den</strong> Schrittmacher-Systeme<br />

implantiert. Und<br />

falls auch die nicht ausreichen,<br />

hilft nur noch die letzte Option:<br />

Eine Herztransplantation. Leider<br />

haben wir <strong>für</strong> letzteres viel weniger<br />

Organe als notwendig.<br />

Was raten Sie Menschen mit Herzschwäche?<br />

Auch mit Herzschwäche kann und<br />

soll man Sport treiben. Es verbessert<br />

die Sauerstoffversorgung der<br />

Muskulatur, was wiederum zu<br />

mehr Lebensqualität führt – man<br />

ist weniger schlapp, fühlt sich<br />

fitter und frischer. Bei schwerer<br />

Herzschwäche sollte man Sport<br />

> > > KONTAKT<br />

Klinik Weilheim<br />

Johann-Baur-Straße 4<br />

82362 Weilheim<br />

Telefon 0881 188-0<br />

Telefax 0881 188-699<br />

E-Mail info@kh-gmbh-ws.de<br />

www.meinkrankenhaus2030.de<br />

anhand eines Trainingsplanes<br />

treiben, erstellt von einem Kardiologen.<br />

Sanft anfangen, langsam<br />

steigern. Fünf Mal die Woche<br />

eine halbe Stunde Nordic Walking<br />

würde bei <strong>den</strong> meisten Menschen<br />

schon ausreichen.<br />

Vergangenes Jahr stan<strong>den</strong> die<br />

Herzwochen unter dem Motto<br />

„Bedrohliche Herzrhythmusstörungen:<br />

Wie schütze ich mich vor dem<br />

plötzlichen Herztod?“. Dazu hat<br />

Klinik Schongau<br />

Marie-Eberth-Straße 6<br />

86956 Schongau<br />

Telefon 08861 215-0<br />

Telefax 08861 215-249<br />

E-Mail info@kh-gmbh-ws.de<br />

die Krankenhaus GmbH Weilheim-<br />

Schongau zu einem öffentlichen<br />

Vortrag eingela<strong>den</strong>. Findet, trotz<br />

Corona, auch heuer ein Infoabend<br />

zum Thema „Herzinsuffi zienz“<br />

statt?<br />

Da gerade Menschen mit Herzschwäche<br />

zu Corona-Risiko-<br />

Patienten zählen, haben wir uns<br />

heuer bewusst gegen einen öffentlichen<br />

Vortrag entschie<strong>den</strong>.<br />

Da<strong>für</strong> sind wir auf dem YouTube-<br />

Kanal der Krankenhaus GmbH<br />

mit verschie<strong>den</strong>en Informationen<br />

präsent. Einfach auf die Startseite<br />

von YouTube gehen und in die<br />

Suchleiste „Krankenhaus GmbH<br />

Weilheim-Schongau“ eingeben.<br />

Dort fin<strong>den</strong> sich eine ganze Reihe<br />

von Videobeiträgen mit unseren<br />

Fachärzten. Unter anderem auch<br />

zu Herzthemen wie Rhythmus-<br />

Störungen, Schrittmacher oder<br />

Katheter.<br />

Eine Frage im Facebook-Chat<br />

könnte dann lauten: Wie verhalte<br />

ich mich im Falle eines akuten Notfalls<br />

draußen auf der Straße oder<br />

an öffentlichen Plätzen?<br />

Wenn ein Bürger zuhause oder<br />

draußen auf der Straße einen<br />

Herzinfarkt erleidet und bewusstlos<br />

am Bo<strong>den</strong> liegt, sofort die 112<br />

wählen und drücken, drücken,<br />

drücken! Im wahrsten Sinne so<br />

lange, bis der Arzt kommt. 100<br />

Mal pro Minute. Gar nicht beatmen,<br />

sondern einfach nur in<br />

der Mitte des Brustkorbes ansetzen<br />

und drücken, was das Zeug<br />

hält.<br />

js<br />

november/ dezember <strong>2020</strong> | 25


Krankenhaus GmbH – eine neue Ära beginnt<br />

Roboterassistierte<br />

Chirurgie mit „da Vinci Xi“<br />

Chirurgen-Konsole Rechnerturm Patientenwagen mit<br />

Operationsarmen<br />

Weilheim / Schongau | Mit „da Vinci<br />

Xi“ steht das weltweit führende<br />

chirurgische Robotik-System in<br />

Weilheim-Schongau zur Verfügung.<br />

Die Krankenhäuser des<br />

Landkreises haben investiert, um<br />

Patienten ohne Zusatzkosten diese<br />

äußerst präzise, sehr sichere und<br />

besonders schonende OP-Technologie<br />

anzubieten. Denn je präziser<br />

ein Eingriff durchgeführt wer<strong>den</strong><br />

kann, desto größer der Erfolg.<br />

Gerade bei komplexen Operationen<br />

erlaubt das da-Vinci-System<br />

eine Chirurgie, die weit über das<br />

hinaus geht, was bisher möglich<br />

war. Feinste Nerven und Gefäße<br />

wer<strong>den</strong> selbst auf engstem Raum<br />

erkannt und so Verletzungen vermie<strong>den</strong>.<br />

Dies führt nicht nur zu<br />

besseren Resultaten, sondern auch<br />

zu einer schnelleren Rückkehr in<br />

<strong>den</strong> Alltag.<br />

Besonders schonend<br />

und kleinste Narben<br />

Als besonders schonende OP-Technologie<br />

ist „da Vinci Xi“ besonders<br />

<strong>für</strong> <strong>den</strong> Einsatz in der Allgemeinund<br />

Viszeralchirurgie geeignet,<br />

also rund um Magen und Darm.<br />

Präzisionsinstrumente ermöglichen<br />

kleinste Schnitte (bis zu 1 cm) und<br />

ein auf <strong>den</strong> Millimeter genaues<br />

Operieren. Dadurch sinken Infektionsrisiken<br />

und Blutverluste können<br />

geringgehalten wer<strong>den</strong>. Zudem<br />

heilen kleinere Wun<strong>den</strong> besser. Die<br />

Klinik <strong>für</strong> Allgemein- und Viszeralchirurgie<br />

unter Leitung von Chefarzt<br />

Sonderveröffentlichung der<br />

Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhold Lang ist<br />

besonders versiert in schonen<strong>den</strong><br />

OP-Verfahren und hat damit vielen<br />

Patienten eine schnellere Rückkehr<br />

in ihr normales Leben ermöglicht.<br />

Erfahrungen und Fachkompetenz<br />

auf der einen, Sensibilität und<br />

Nähe zum Patienten auf der anderen<br />

Seite prägen dieses Ärzteteam.<br />

An folgen<strong>den</strong> Organen führt das<br />

Ärzteteam damit Eingriffe durch:<br />

Schilddrüse, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse,<br />

Gallenblase, Magen,<br />

Darm sowie bei Sodbrennen,<br />

Adipositas und Leistenhernien.<br />

Wichtig zu wissen<br />

Hinter dem Robotik-System stehen<br />

erfahrene Ärzte und ein geschultes<br />

Team. Im OP bleiben sie stets<br />

die entschei<strong>den</strong>d Handeln<strong>den</strong>. „da<br />

Vinci Xi“ kann nicht eigenständig<br />

Aktionen durchführen, sondern<br />

assistiert lediglich dem Operateur.<br />

So ist die vollständige Kontrolle<br />

über das System und die Sicherheit<br />

<strong>für</strong> die Patienten jederzeit<br />

gewährleistet. Vor jedem Einsatz<br />

des „da Vinci Xi“ erfolgt eine sorgfältige<br />

Indikationsstellung, um die<br />

besten Operationsergebnisse zu<br />

erreichen. Dies klären Arzt und<br />

Patient in einem persönlichen Gespräch<br />

unter Berücksichtigung der<br />

persönlichen Lebenssituation.<br />

Vorteile <strong>für</strong> Patienten<br />

Die wesentlichen Vorteile <strong>für</strong> Patienten<br />

sind auf einen Blick:<br />

<br />

Hochpräzise Operationen<br />

<br />

Kleinste Narben<br />

<br />

Geringe Wundheilungsstörungen<br />

<br />

Geringerer Blutverlust und<br />

Schmerzen<br />

<br />

Reduzierte Komplikationsrate<br />

<br />

Nervenschonendes Verfahren<br />

<br />

Schnellere Mobilität / Rekonvaleszenz<br />

<br />

Kürzerer Krankenhausaufenthalt<br />

Universitär angebun<strong>den</strong><br />

Die da Vinci-Technologie gestattet<br />

es zudem, komplexe Eingriffe<br />

in universitärer, telemedizinischer<br />

Anbindung durchzuführen. Die<br />

enge Zusammenarbeit der Experten<br />

erfolgt im Rahmen der bestehen<strong>den</strong><br />

Kooperation der Krankenhäuser<br />

Weilheim-Schongau eim hong<br />

mit<br />

mit Ko<br />

dem Klinikum rechts der Isar der<br />

TU München. Zur standortübergreifen<strong>den</strong><br />

Zusammenarbeit gehört<br />

auch, dass beide Kliniken das<br />

„da Vinci Xi“-System einsetzen.<br />

<strong>Das</strong> macht es so besonders<br />

<strong>Das</strong> System der roboter-assistierten<br />

Operation besteht aus einer<br />

Chirurgen-Konsole, einem Rechnerturm<br />

und einem Patientenwagen<br />

als Herzstück. An der Chirurgen-Konsole<br />

steuert der Operateur<br />

die Instrumente, die am Patientenwagen<br />

befestigt sind. Die Steuerung<br />

wird über <strong>den</strong> Rechnerturm<br />

kommuniziert, der zwischen <strong>den</strong><br />

Komponenten als Mittler agiert.<br />

Wesentliche Elemente sind die vier<br />

Operationsarme des Roboters mit<br />

endoskopischen Mikroinstrumen-<br />

ten. Diese setzen die Bewegungen<br />

des Chirurgen in Echtzeit hochpräzise<br />

um. Die Technik ist noch<br />

genauer als bei <strong>den</strong> gängigen<br />

minimalinvasiven Operationen,<br />

da der Chirurg über die<br />

Steuerkonsole die Roboterar-<br />

me<br />

absolut zitterfrei bewegen<br />

kann. Dem Chirurgen ist dadurch<br />

ein exaktes Arbeiten selbst<br />

bei engsten Räumen möglich.<br />

Beweglicher als die<br />

menschliche Hand<br />

„da Vinci Xi“ arbeitet mit einem<br />

dem Handgelenk nachempfunde-<br />

nen Steuerinstrument und ist intuitiv<br />

bedienbar. 7-Freiheitsgrade<br />

erreichen eine Beweglichkeit, die<br />

über die der menschlichen Hand<br />

hinaus geht. An der Spitze einer<br />

der Roboterarme befindet sich<br />

eine 3D-Kamera. Damit wird das<br />

Operationsfeld mit einem hochauflösen<strong>den</strong>,<br />

dreidimensionalen<br />

Videobild mit bis zu 10-facher Bildvergrößerung<br />

dargestellt. Mehrere<br />

Sicherheitssysteme schützen<br />

Patient und Operateur vor technischen<br />

Ausfällen. Zahlreiche große<br />

klinische Studien konnten belegen,<br />

dass roboter-assistierte Operationen<br />

gegenüber <strong>den</strong> bisherigen<br />

Operationsformen mindestens die<br />

gleiche Sicherheit gewährleisten,<br />

in vielen Fällen ist die Überlegenheit<br />

bewiesen.<br />

7 000 000 Eingriffe<br />

weltweit<br />

Leonardo da Vinci hat mit einer<br />

unvergleichlichen anatomischen<br />

Genauigkeit seine Meisterwerke<br />

zum Leben erweckt. Analog dazu<br />

stellt „da Vinci Xi“ eine verbesserte<br />

Detailansicht zur Verfügung<br />

und ermöglicht vor allem eine<br />

einzigartige Präzision. Seit <strong>den</strong><br />

Anfängen wur<strong>den</strong> bisher 7 Millionen<br />

Präzisionsoperationen durchgeführt.<br />

Weltweit befin<strong>den</strong> sich<br />

derzeit 5 000 da Vinci-Robotiksysteme<br />

im Einsatz, davon 900 in<br />

Europa und seit Herbst <strong>2020</strong> auch<br />

eines in <strong>den</strong> Krankenhäusern<br />

Weilheim-Schongau.<br />

Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhold Lang, Chefarzt Allgemein- und Viszeralchirur-<br />

gie, und Dr. Jana Schäfer, Oberärztin Allgemein- und Viszeralchirurgie.


– ANZEIGE –<br />

Ihr Robotikzentrum im Oberland<br />

Unter dem Dach des Robotikzentrums Oberland bündeln die Krankenhäuser<br />

in Schongau und Weilheim neueste robotikassistierte Verfahren in <strong>den</strong><br />

Bereichen Viszeralchirurgie, Endoprothetik und in Kürze auch Gynäkologie.<br />

Auf diese Weise wer<strong>den</strong> die zahlreichen innovativen und modernen Operationsverfahren<br />

ergänzt. Dabei ist der Operationsroboter niemals Ersatz <strong>für</strong><br />

medizinisches Know-how und ärztliche Erfahrung. Vielmehr ist er ein<br />

verlängerter Arm und Helfer des Operateurs. Patienten profitieren ohne<br />

Zusatzkosten von <strong>den</strong> vielfältigen Einsatzgebieten.<br />

> > > KONTAKT<br />

Klinik <strong>für</strong> Allgemein- und Viszeralchirurgie<br />

Klinik Weilheim<br />

Johann-Baur-Straße 4<br />

82362 Weilheim<br />

Klinik Schongau<br />

Marie-Eberth-Straße 6<br />

86956 Schongau<br />

Ansprechpartnerin Sekretariat: Claudia Sontheimer,<br />

Telefon 0881 188-580, E-Mail: c.sontheimer@kh-gmbh-ws.de<br />

www.meinkrankenhaus2030.de<br />

Wesentliche Elemente e sind die<br />

vier Operationsarme des Roboters oters<br />

mit<br />

endoskopischen Mikroinstrumenten.<br />

Die Präzisionsinstrumente ermöglichen<br />

kleinste Schnitte (bis zu 1 cm) und ein auf <strong>den</strong><br />

Millimeter präzises, fokussiertes Operieren.<br />

Die Operationsarme rme setzen<br />

die Bewegungen des gen an der Steuerkonsole in<br />

Echtzeit hochpräzise um. Die<br />

Chirur-<br />

Technik ist noch genauer als<br />

bei <strong>den</strong> gängigen minimalinvasiven<br />

Operationen, da der<br />

Chirurg über die Steuerkonsole<br />

die Roboterarme absolut<br />

zitterfrei bewegen kann.<br />

Mehrere Sicherheitssyste-<br />

me schützen<br />

Patient und<br />

Operateur vor technischen<br />

Ausfällen. Zahlreiche große<br />

klinische Studien konnten<br />

belegen, dass robotikassistierte<br />

Operationen<br />

gegenüber <strong>den</strong> bisherigen<br />

Operationsformen mindestens<br />

die gleiche Sicherheit<br />

gewährleisten, in vielen<br />

Fällen ist die Überlegenheit<br />

bewiesen.<br />

<strong>Das</strong> System arbeitet mit t<br />

einem dem Handgelenk<br />

nachempfun<strong>den</strong>en n Steuerinstrument<br />

und ist intuitiv<br />

bedienbar. 7-Freiheitsgrade<br />

erreichen eine nie dagewesene<br />

Beweglichkeit.<br />

Insbesondere komplexe<br />

Bewegungsabläufe, zum<br />

Beispiel Nähte an kleinen<br />

Strukturen, können mit<br />

mehr Sicherheit, Schnelligkeit<br />

und Präzision<br />

durchgeführt wer<strong>den</strong>.<br />

Die Bewegungen des Operateurs<br />

wer<strong>den</strong> in Echtzeit auf die kleinen<br />

miniaturisierten chirurgischen Instrumente<br />

im Operationsfeld übertragen.<br />

Dem Chirurgen ist dadurch<br />

ein exaktes Arbeiten selbst bei<br />

engsten Räumen, wie zum Beispiel<br />

tief im Becken bei Dick- und<br />

Enddarmoperationen, möglich.<br />

An der Spitze einer der Robo-<br />

terarme befindet sich eine 3D-<br />

Kamera. <strong>Das</strong><br />

Operationsfeld wird<br />

mit einem hochauflösen<strong>den</strong>,<br />

dreidimensionalen Videobild mit<br />

bis zu 10-facher Bildvergrößerung<br />

des Operationsfeldes dargestellt.<br />

november/ dezember <strong>2020</strong> | 27


„Marktplatz Peiting“ – ein Verein <strong>für</strong> Einzelhändler<br />

Gemeinsam<br />

aus der Krise<br />

<br />

<br />

<br />

28 | <strong>altlandkreis</strong><br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Peiting | Peiting ist mit 7516 Hektar<br />

flächenmäßig der größte Ort<br />

im Landkreis Weilheim-Schongau,<br />

zählt derzeit 11481 Einwohner<br />

(Stand Juni <strong>2020</strong>), 135 Gewerbetreibende,<br />

darunter 50 Einzelhändler.<br />

Letztere möchten in Zukunft<br />

gemeinsame Sache machen.<br />

„Marktplatz Peiting“ heißt der<br />

neue Verein, dem sich bislang 25<br />

Einzelhändler mit eigenem La<strong>den</strong>geschäft<br />

angeschlossen haben.<br />

Aus der Taufe gehoben wurde der<br />

erste Einzelhandels-Verbund in<br />

der Geschichte der Marktgemeinde<br />

bereits am 23. Juli dieses Jahres<br />

mit neun Gründungsmitgliedern.<br />

Elektro-Fachhändler Franz Köpf<br />

ist Vize-Vorsitzender, Orthopädieschuhmachermeister<br />

Markus Haslauer<br />

Schriftführer, Säcklermeister<br />

Hans Stöger Kassier, Spielwarenund<br />

Fahrradla<strong>den</strong>besitzer Franz<br />

Sailer, Sportartikelfachverkäuferin<br />

Christine Noak (Intersport<br />

Schuster), Apothekerin Sylvia<br />

Hirschvogel, Botanikerin Hannelore<br />

Leinauer sowie Küchenplaner<br />

Christoph Hirschvogel sind die<br />

Beisitzer. Als erste Vorsitzende von<br />

„Marktplatz Peiting“ wurde Johanna<br />

Beier auserkoren. Sie ist damit<br />

die einzige im Verein, die kein eigenes<br />

La<strong>den</strong>geschäft mehr führt<br />

– über viele Jahre hinweg führte<br />

sie das weithin bekannte Brautmo<strong>den</strong>geschäft<br />

„Mode-Passage“<br />

in Schongaus Altstadt. Als neutrales<br />

Vereinsoberhaupt soll sie die<br />

Interessen aller Mitglieder auf einen<br />

Nenner bringen. Und ist guter<br />

Dinge, dass dies auch funktioniert.<br />

Trotz Corona-Krise. „Die Pandemie<br />

Johanna Beier, erste Vorsitzende des neuen Vereins „Marktplatz“. Im<br />

Hintergrund zu sehen: <strong>Das</strong> Traditionsgeschäft Sailer.<br />

hat bei <strong>den</strong> meisten zu Einbußen<br />

geführt. Was mich aber positiv<br />

stimmt: Die Stimmung unter <strong>den</strong><br />

Peitinger Einzelhändlern ist sehr<br />

gut, sehr verheißungsvoll.“ Nach<br />

dem Motto „gemeinsam aus der<br />

Krise“ sollen künftig diverse Werbeaktionen,<br />

Events und anderweitige<br />

Veranstaltungen dazu beitragen,<br />

dass Peitinger und Bürger<br />

aus umliegen<strong>den</strong> Orten verstärkt<br />

die kleinen La<strong>den</strong>geschäfte direkt<br />

vor Ort zum Einkaufen nutzen.<br />

Facettenreiches<br />

Angebotsspektrum<br />

Selbstverständlich fehlt Peiting so<br />

etwas wie eine Fußgängerzone,<br />

wo sich das Leben und Treiben<br />

von Jung und Alt schwerpunktmäßig<br />

abspielt. „Da<strong>für</strong> ist es umso<br />

wichtiger, über gemeinsame Werbeaktionen<br />

auf die verschie<strong>den</strong>en<br />

Einzelhändler der Marktgemeinde<br />

aufmerksam zu machen“, sagt Johanna<br />

Beier, die an dieser Stelle<br />

<strong>den</strong> in Peiting geplanten, in der<br />

Bevölkerung aber umstrittenen, V-<br />

Baumarkt ganz klar als Vorteil <strong>für</strong><br />

<strong>den</strong> hiesigen Einzelhandel sieht.<br />

„Peiting hat viele Geschäfte, aber<br />

keinen richtigen Magneten wie es<br />

in Schongau zum Beispiel die MöbelCentrale<br />

ist.“ Leute, die dorthin<br />

von auswärts kommen, sagen sich<br />

oft: „Wenn ich schon mal da bin,<br />

schaue ich hier und da auch noch<br />

vorbei.“ <strong>Das</strong> sei bei Johanna Beier<br />

in der Modepassage sehr häufig


der Fall gewesen. Fleisch- und<br />

Wurstware vom Metzger, Semmeln,<br />

Brezn und Brote vom Bäcker,<br />

Socken, Hosen, Pullis und Jacken<br />

<strong>für</strong> Damen, Herren und Kinder,<br />

Sportartikel aller Art, hochwertige<br />

Schuhe, Kräuter, Pflanzen und<br />

Blumen, Arzneimittel, Handys,<br />

Fernseher, Staubsauger, Waschmaschinen<br />

und Digitalradios, Uhren,<br />

Schmuck und Brillen – es gibt<br />

in Peiting alles, was der Mensch<br />

zum Leben braucht. Da<strong>für</strong> muss<br />

weder nach Kempten, Augsburg<br />

oder München gefahren, noch ein<br />

Online-Shop nach dem anderen<br />

durchforstet wer<strong>den</strong>. Versandgebühr,<br />

Lieferzeit, Reklamation,<br />

keine fachkundige Beratung, Farbtäuschung<br />

aufgrund verfälschter<br />

Fotos und vor allem: Passt das<br />

ausgesuchte Produkt überhaupt?<br />

Alles kaufentschei<strong>den</strong>de Kriterien,<br />

die im La<strong>den</strong> vor Ort direkt geklärt<br />

wer<strong>den</strong> können. Vorausgesetzt natürlich,<br />

der Peitinger Einzelhandel<br />

hebt sich in diesen Punkten auch<br />

vom Großhandel in Metropolregionen<br />

und im Internet ab. „<strong>Das</strong> tut<br />

er“, bekräftigt Johanna Beier. Beginnend<br />

beim freundlichen „Grüß<br />

Gott“, sobald der Kunde einen La<strong>den</strong><br />

betritt. „Im Idealfall mit persönlichem<br />

Namen, weil man <strong>den</strong><br />

Kun<strong>den</strong> bereits kennt.“ Gefolgt<br />

von einer fachkundigen Beratung.<br />

<strong>Das</strong> schaffe eine Wohlfühlatmosphäre<br />

und ein Gefühl des „gut<br />

aufgehoben sein“. Speziell <strong>für</strong><br />

Beliebt, auch bei Nicht-Peitingern: Der Biola<strong>den</strong> in der Freistraße, in der<br />

sich auch das Sportgeschäft Schuster befindet.<br />

ältere Menschen, die mit moderner<br />

Technik nicht so bewandert<br />

sind, sei in Beiers Augen der fachkompetente<br />

Einzelhändler vor Ort<br />

immens wichtig. Gleiches gilt <strong>für</strong><br />

Reparatur-Angebote sowie Einund<br />

Aufbauservice.<br />

„Da kaufe ich<br />

gerne ein!“<br />

Für konkrete Ideen in Sachen Umsetzung<br />

gemeinsamer PR-Aktionen<br />

steckt der Verein „Marktplatz“<br />

sicherlich noch zu sehr in <strong>den</strong> Kinderschuhen.<br />

Doch Weihnachten<br />

steht vor der Tür. Und auch andere,<br />

traditionelle Veranstaltungen im<br />

Ort – vorausgesetzt, Corona lassen<br />

sie in absehbarer Zeit wieder zu –<br />

eignen sich ideal, um Angebot<br />

und Fachkompetenz der Peitinger<br />

Einzelhändler der breiten Öffentlichkeit<br />

näherzubringen. Kommendes<br />

Jahr soll zum Beispiel die<br />

<strong>Pfaffenwinkel</strong> Gewerbeschau wieder<br />

im Peitinger Eisstadion stattfin<strong>den</strong>.<br />

„Da möchten wir unseren<br />

neuen Verein mit einem eigenen<br />

Stand vorstellen.“ Und im Zuge<br />

der traditionellen Marktsonntage<br />

sollten Einzelhändler ohnehin<br />

ihren La<strong>den</strong> aufsperren. Was die<br />

Gründung von „Marktplatz“ schon<br />

jetzt bezweckt hat: <strong>Das</strong>s sich nicht<br />

nur Peitinger, sondern auch Einzelhändler<br />

aus Schongau und allen<br />

anderen Orten im Altlandkreis<br />

wieder mehr Gedanken machen in<br />

Sachen Werbeaktionen, um Trotz<br />

Corona und Onlinehandel auch in<br />

Zukunft bestehen zu können. Speziell<br />

<strong>den</strong> Einzelhändlern in Peiting<br />

steht Johanna Beier jederzeit mit<br />

Rat und Tat zur Seite. Vor allem<br />

aber wünscht sie sich ein konstruktives<br />

Miteinander <strong>für</strong> folgendes<br />

Ziel: „<strong>Das</strong>s direkt Einheimische<br />

und umliegende Bürger durch<br />

Peiting fahren und sagen: Da kaufe<br />

ich gerne ein!“<br />

js<br />

Elektrogeschäft, Buchhandlung<br />

und Metzgerei befin<strong>den</strong> sich in<br />

der stark befahrenen Meierstraße.<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 29<br />

Ihr Spezialist <strong>für</strong><br />

Wärmepumpen<br />

Unsere Leistungen:<br />

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Planung, Installation, Service &<br />

Wartung von Wärmepumpen,<br />

seit 1980 zertifiziert<br />

Klimaanlagen<br />

Sanitär & Wohnraumlüftung<br />

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Klammspitzstraße 11, 86971 Peiting<br />

08861 4187 I info@wechner.de


Exklusive Sportwagen im Burggener Energiepark<br />

„Wir leben damit<br />

unseren Kindheitstraum“<br />

Burggen | Würde man<br />

Grundschulkindern ein<br />

leeres Blatt Papier auf <strong>den</strong><br />

Schreibtisch legen und<br />

die Aufgabe stellen, einen<br />

Sportwagen zu zeichnen?<br />

„Dann würde bei <strong>den</strong> meisten<br />

genau diese ikonische<br />

Form entstehen“, sagt Franziskus<br />

Reich. Gemeint ist die<br />

Karosserie eines Porsche<br />

911, in die der inzwischen<br />

30-jährige Sachsenrieder<br />

bereits als Sechsjähriger<br />

vernarrt war. Abitur am<br />

Schongauer Welfen-Gymnasium,<br />

mehrere Semester<br />

Wirtschaftswissenschaften,<br />

Jura bis zum ersten Staatsexamen,<br />

Redakteursarbeit<br />

beim Merkur und Kälberhandel im<br />

Betrieb seines Großvaters – Franziskus<br />

Reich hat Vieles ausprobiert,<br />

in keinem dieser Bereiche<br />

jedoch seine wahre Berufung gefun<strong>den</strong>.<br />

Was ihn in all <strong>den</strong> Jahren<br />

jedoch nie losgelassen hat: Diese<br />

Liebe zu exklusiven Sportwagen.<br />

Bereits vor knapp sechs Jahren<br />

kratzte er all sein Erspartes zusammen,<br />

um sich seinen ersten<br />

Lebenstraum zu verwirklichen: Einen<br />

Porsche Carrera 911 996 Cabriolet<br />

in Sealgraumetallic, gekauft<br />

von einem 85-jährigen Grünwalder.<br />

„<strong>Das</strong> Auto, dem man als Kind<br />

mit großen Augen und offenem<br />

Mund hinterhergeschaut hat.“ Der<br />

schöne Nebeneffekt im Rahmen<br />

dieser Investition: Aufgrund der<br />

hohen Wertstabilität des heute<br />

kultigen Flitzers kann Franziskus<br />

Reich aus finanzieller Sicht<br />

30 | <strong>altlandkreis</strong><br />

Handelt mit Sportwagen: Franziskus Reich aus<br />

Altenstadt, vernarrt in 911er von Porsche.<br />

gar nicht viel falsch machen. Im<br />

Gegenteil. Er stellte schnell fest:<br />

Kein Rost, kein Ölverlust, keine<br />

furchteinflößen<strong>den</strong> Knackgeräusche<br />

während der Fahrt. Im Zuge<br />

dessen reift sein Gedanke immer<br />

mehr, mit exklusiven Sportwagen<br />

zu handeln. Nach Rücksprache mit<br />

Freun<strong>den</strong> und Familie fasste er<br />

schließlich <strong>den</strong> allesentschei<strong>den</strong><strong>den</strong><br />

Entschluss, sich selbstständig<br />

zu machen.<br />

Anrufe aus ganz<br />

Deutschland<br />

Über ein Jahr hinweg bereitet sich<br />

Franziskus Reich akribisch darauf<br />

vor, stellt unter anderem einen<br />

bis ins Detail ausgeklügelten Businessplan<br />

auf, geht damit zur Bank,<br />

bekommt <strong>den</strong> Kredit, und ist seit<br />

September 2019 stolzer Geschäftsführer<br />

der „Reich Sportwagen<br />

GmbH“:<br />

Mit dem Verkauf startete<br />

er letztlich im Juli <strong>2020</strong>,<br />

hat seither sechs Wagen<br />

verkauft. „Womit ich mehr<br />

als zufrie<strong>den</strong> bin <strong>für</strong> <strong>den</strong><br />

Anfang.“ Sitz und Büro<br />

seiner Firma ist noch im<br />

elterlichen Anwesen in<br />

Sachsenried. Verkaufsraum<br />

sowie Ausstellungshalle<br />

seiner exklusiven<br />

Sportwagen befin<strong>den</strong> sich<br />

dagegen im Energiepark<br />

in Burggen, südöstlich der<br />

weithin bekannten EVA-<br />

Abfallverwertungsanlage.<br />

Am Freizeit-Baggerpark<br />

linker Hand vorbei, zeigt<br />

ein schwarzes Schild mit der<br />

weißen Aufschrift „Reich Sportwagen“<br />

nach rechts. 150 Meter<br />

weiter unten steht der Kunde<br />

dann direkt vor diesem hohen,<br />

weißgrauen Hallentor, hinter dem<br />

sich die exklusiven Schätze verbergen.<br />

Derzeit füllen fünf 911er der<br />

Baureihen 996, 997 und 997.2 <strong>den</strong><br />

mit Klimageräten ausgestatteten<br />

Ausstellungsraum: Zum Beispiel<br />

ein Carrera 4S Coupé in Silber-<br />

Metallic, schwarzer Volllederausstattung<br />

im Inneren, 99500 Kilometern<br />

auf dem Tacho und 320 PS<br />

unter der Haube. Ein Targa in edlem<br />

Dschungelgrün-Metallic, beiger<br />

Volllederausstattung, 140 000<br />

Kilometern auf dem Tacho und<br />

ebenfalls 320 PS. Oder ein Carrera<br />

S Cabriolet in Basaltschwarz-<br />

Metallic mit schwarzer Volllederausstattung<br />

im Innenraum,


erst 40 000 Kilometern auf dem<br />

Tacho und satten 385 PS unter<br />

der Haube. Die Preisspanne aller<br />

fünf Wagen reicht momentan von<br />

37 900 Euro bis 66 900 Euro. Ten<strong>den</strong>z<br />

steigend? „Es gibt in jedem<br />

Falle mehr Nachfrage als Modelle.“<br />

Bei Reich Sportwagen gehen<br />

schon jetzt Interessenten-Anrufe<br />

aus ganz Deutschland ein: Berlin,<br />

Frankfurt, München, Ulm. „In letzter<br />

Zeit auch vermehrt aus Frankreich<br />

und Belgien.“ Wer sich am<br />

Ende des Tages tatsächlich <strong>für</strong> ein<br />

Modell von Sportwagen Reich interessiert,<br />

ist herzlich eingela<strong>den</strong>,<br />

<strong>den</strong> Weg zum Energiepark bei<br />

Burggen auf sich zu nehmen, wo<br />

der Geschäftsführer höchstpersönlich<br />

dann so umfassend wie seriös<br />

berät. Da<strong>für</strong> hat Franziskus Reich<br />

direkt neben der Fahrzeughalle<br />

extra ein wertiges Verkaufsbüro<br />

eingerichtet. Edle, echtlederne<br />

Chesterfield-Sitzmöbel, dunkelbraune<br />

Echtholz-Bartresen im<br />

Kolonialstil, ein Kaffeevollautomat<br />

sowie eingetopfte, dunkelgrüne<br />

Palmen – hier fühlt sich ein 911er-<br />

Interessent pudelwohl.<br />

Von Vermittlung bis<br />

Fuhrparkmanagement<br />

Deutsche Ausführung, unfallfrei<br />

sowie alles im Originalzustand.<br />

„Hier wird nichts verfälscht“,<br />

bekräftigt Franziskus Reich ein<br />

wesentliches Kriterium, sich von<br />

anderen Händlern, vor allem<br />

aber<br />

von Privatverkäufern abzuheben.<br />

Er selbst durchfors-<br />

tet alle gängigen Gebrauchtwagen-Plattformen<br />

täglich<br />

auf Herz und Nieren, sucht<br />

nach seltenen, wertigen<br />

Sportwagen von Privatleuten,<br />

kauft sie – sofern alle<br />

Kriterien erfüllt sind – ein,<br />

lässt sie professionell aufbereiten<br />

und verkauft sie<br />

letztlich mit Händlergarantie<br />

gewinnbringend<br />

weiter. <strong>Das</strong>s dieses System<br />

funktioniert, beweist<br />

das Autohaus ISI in Schongau eindrucksvoll<br />

seit vielen Jahren. „Wobei<br />

die in der Champions League<br />

spielen“, wirft an dieser Stelle Dominik<br />

Schreiber ein. Der 27-jährige<br />

Schwabbrucker arbeitet seit zehn<br />

in der Automobilbranche, hat unter<br />

anderem alle Verkaufsschulen<br />

bei BWM mit Erfolg durchlaufen<br />

und wird ab <strong>Dezember</strong> gleichwertiger<br />

Geschäftsführer an der Seite<br />

von Franziskus Reich. „Wir kennen<br />

uns von klein auf, vertrauen uns<br />

blind, tragen die gleiche Lei<strong>den</strong>schaft<br />

in uns und ergänzen uns<br />

fachlich ideal.“ Dominik Schreiber<br />

verbringt große Teile seiner Freizeit<br />

auf der Rennstrecke, hat sich<br />

über die Jahre hinweg ein großes,<br />

bundesweites Netzwerk zu Autoliebhabern<br />

aufgebaut. Obendrein<br />

kennt er Preisentwicklungen, alte<br />

und neue Antriebstechniken sowie<br />

das Geschäft in der Automobilbranche<br />

aus dem FF. In Zukunft<br />

wer<strong>den</strong> Reich und Schreiber nicht<br />

nur exklusive 911er verkaufen.<br />

„Wir sind offen <strong>für</strong> alle Fabrikate<br />

und beraten je<strong>den</strong>, der auf Autosuche<br />

ist“, sind sich die bei<strong>den</strong><br />

einig. Darüber hinaus wer<strong>den</strong> sie<br />

auch Autos aller Art und in allen<br />

Preiskategorien an interessierte<br />

Kun<strong>den</strong> vermitteln. „Gerade in der<br />

heutigen Zeit, mit der Vielzahl an<br />

Modell- und Antriebsvarianten,<br />

sind viele Autokäufer verunsichert.<br />

Hier kommen wir ins Spiel<br />

und helfen, das passende Fahrzeug<br />

zum besten Preis zu fin<strong>den</strong>.“<br />

Obendrein wird „Schreiber &<br />

Reich Sportwagen“, so der dann<br />

neue, offizielle Name ab 1. <strong>Dezember</strong><br />

<strong>2020</strong>; Fuhrparkmanagement<br />

<strong>für</strong> Mittelständische Betriebe<br />

übernehmen. Damit sind die jungen<br />

Männer aus dem <strong>westlichen</strong><br />

Altlandkreis breit aufgestellt. Und<br />

können es kaum erwarten, künftig<br />

gemeinsam durchzustarten. Denn<br />

auch in diesem Punkt sind sich die<br />

Sportwagen-Enthusiasten einig:<br />

„Für uns ist es nicht nur Arbeit –<br />

wir leben damit unseren Kindheitstraum.“<br />

js<br />

Wir bedanken uns bei allen Kun<strong>den</strong><br />

und wünschen eine schöne Weihnachtszeit<br />

und ein gutes neues Jahr 2021!<br />

Gerhard Lehner Templerstraße 17a 86972 Altenstadt www.gerhard-lehner.de<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 31


Räum- und Streugeräte der Firma Kugelmann<br />

Für glatteisfreie Straßen,<br />

Gehwege und Hofeinfahrten<br />

Rettenbach | Siegfried Kugelmann<br />

ist als Invalide vom Zweiten Weltkrieg<br />

zurückgekehrt. Erst an <strong>den</strong><br />

elterlichen Hof südwestlich von<br />

Rettenbach am Auerberg, nach<br />

Remnatsried. Dann an <strong>den</strong> Hof seiner<br />

Ehefrau, mitten im Ort, neben<br />

dem heutigen Weichbergmarkt.<br />

Dinge in der frühen Nachkriegszeit<br />

zu erfin<strong>den</strong> war damals nicht die<br />

größte Kunst – schließlich war Vieles<br />

kaputt, jeder musste in nahezu<br />

allen Lebensbereichen neu anfangen.<br />

Die Tüftlereien von Siegfried<br />

Kugelmann aber hatten es in sich.<br />

Er konstruierte und fertigte zum<br />

Beispiel eine Eiskanalfräse, mit der<br />

die Rodel- und Bobbahn am Königssee<br />

<strong>für</strong> die Olympischen Winterspiele<br />

1974 in Deutschland geformt<br />

wurde. Einen Holzprozessor<br />

zum maschinellen Schälen und Entasten<br />

von gefällten Bäumen, wie<br />

es erst heute gang und gäbe ist.<br />

Oder die erste Pistenraupe – noch<br />

bevor die heutzutage weltweit<br />

bekannte Firma Kässbohrer auf<br />

sich aufmerksam machen konnte.<br />

Siegfried Kugelmann war zweifelsohne<br />

ein gottgesegneter Tüftler<br />

und Erfinder. Was ihm allerdings<br />

fehlte: <strong>Das</strong> Gespür <strong>für</strong>’s Betriebswirtschaftliche.<br />

Ehefrau Leni, die<br />

nebenbei noch eine eigene Viehwirtschaft<br />

betrieb, unterstützte ihn<br />

dahingehend jedoch wo sie konnte.<br />

So entwickelte sich die Firma Kugelmann,<br />

offiziell 1952 gegründet,<br />

zu einem richtigen Unternehmen,<br />

das über die Jahre hinweg immer<br />

weiter angewachsen ist.<br />

Umstrukturierung nach<br />

Meisterschule<br />

Heute zählt das Unternehmen zu<br />

<strong>den</strong> erfolgreichsten Maschinenbau-Firmen<br />

ihres Fachs, ist mit<br />

mehreren Produkten <strong>für</strong> <strong>den</strong> kommunalen<br />

Winter- und Sommerdienst<br />

Marktführer. Zu verdanken<br />

ist dieser kontinuierliche, wirtschaftliche<br />

Aufschwung sicherlich<br />

Sepp Kugelmann, 58, Sohn des<br />

Gründers Siegfried. Als er von der<br />

Meisterschule <strong>für</strong> Landmaschinenmechaniker<br />

zurückgekommen war,<br />

wurde umstrukturiert: Produkte,<br />

die weniger gefragt waren, aus<br />

dem Sortiment, andere dagegen<br />

umso stärker in Angriff genommen.<br />

1993 übernahm Sepp Kugelmann<br />

schließlich auch die Firma<br />

seines Vaters, baute kurz darauf<br />

eine moderne, wesentlich größere<br />

Produktionshalle in <strong>den</strong> Gewerbepark<br />

südlich des Sonnendorfs. Bis<br />

heute wurde die Halle mehrmals<br />

erweitert, beinhaltet inzwischen<br />

eine Produktionsfläche von rund<br />

6100 (!) Quadratmetern, auf der<br />

85 Mitarbeiter aus dem Umkreis<br />

von rund 20 Kilometern beschäftigt<br />

sind. Metallbauer, Kfz-Mechaniker,<br />

LKW-Mechaniker, Instandhalter,<br />

Landmaschinen-Mechaniker, Zerspaner,<br />

Elektroniker, Lackierer,<br />

Schweißer, Kaufleute, Vertriebler,<br />

Verwaltungskräfte, Konstrukteure<br />

und Feinwerkmechaniker. Letzteren<br />

Beruf bildet das Unternehmen<br />

hauseigen aus, lehrt derzeit sechs<br />

Azubis. Für die kommt regelmäßig<br />

ein ehemaliger Berufsschullehrer<br />

ins Haus, um die Jungs und Mädels<br />

in Theorie und Praxis auf Vordermann<br />

zu bringen.<br />

Fertigungstiefe von<br />

95 Prozent!<br />

Allein die Vielzahl an unterschiedlichen<br />

Berufen deutet es an: Im<br />

Hause Kugelmann wird nahezu<br />

alles aus eigener Hand erfun<strong>den</strong>,<br />

konstruiert und bis zum letzten Arbeitsschritt<br />

hergestellt – die Fertigungstiefe<br />

des Unternehmens liegt<br />

derzeit bei rund 95 (!) Prozent. Der<br />

Gang durch die Produktionshalle<br />

unterstreicht diese eindrucksvolle<br />

Zahl: Im Materiallager liegen<br />

noch zugekaufte Platten, Wellen<br />

und Rohre aus Edelstahl, Stahl und<br />

Kunststoff. Dann aber wird hauseigen<br />

verarbeitet, was das Zeug<br />

hält. Zunächst mit topmodernen<br />

Laserschneidern und Abkantmaschinen.<br />

Einige Schritte weiter mittels<br />

Sägen, Drehen und Fräsen –<br />

die vollautomatischen Maschinen<br />

sind technisch auf allerhöchstem<br />

Niveau, „und in Zeiten des Fachkräftemangels<br />

unabdingbar.<br />

Aus der Fertigung gelangen die<br />

einzelnen Bauteile in die Schweißerei<br />

– von einem Roboter abgesehen,<br />

wird dort alles von Hand<br />

geschweißt. Gefolgt von sandstrahlen<br />

und lackieren – ebenfalls eine<br />

eigene Abteilung mit mehreren,<br />

großen, in sich geschlossenen Ka-<br />

Im Elektronik-Labor wer<strong>den</strong> Steuerungstechniken etnwickelt.<br />

32 | <strong>altlandkreis</strong>


inen samt modernen Luftfiltern.<br />

Und einem rund 90 Meter langen<br />

Gang zum Trocknen der nun farbigen<br />

Bauteile. Zu guter Letzt wer<strong>den</strong><br />

die Kugelmann-Erfindungen in der<br />

Montagehalle zusammengebaut<br />

zu einem fertigen Produkt. Hier<br />

wer<strong>den</strong> auch die hauseigenen Hydraulik-<br />

und Elektrokomponenten<br />

verbaut.<br />

Als Endprodukt zu sehen sind letztlich<br />

Räumschilder mit einer Breite<br />

von 1,20 bis 2,40 Metern – es handelt<br />

sich um Schmalspurgeräte <strong>für</strong><br />

<strong>den</strong> privaten und kommunalen<br />

Winterdienst innerorts. Darüber<br />

hinaus jede Menge hochtechnische<br />

Streugeräte in diversen Größen<br />

und Variationen – sowohl <strong>für</strong><br />

<strong>den</strong> kleinen Bulldog zum Streuen<br />

privater Hofeinfahrten und schmaler<br />

Gehsteige bis hin zum schier<br />

monströsen Aufbauten <strong>für</strong> die großen<br />

Lkw der Straßenmeistereien.<br />

Und zwar mit nagelneuen Kunststoff-Tanks,<br />

die sowohl <strong>für</strong> flüssiges<br />

(zum präventiven Salzen vor angekündigten<br />

Starkwetterereignissen)<br />

als auch trockeneres Streumittel<br />

(zum Ausbringen auf Schnee und<br />

Eis) geeignet sind. Kurzum: Im<br />

kompletten Verteilgebiet des „<strong>altlandkreis</strong>“<br />

gibt es keine Ortschaft<br />

ohne Kugelmann-Produkte. Wobei<br />

regionale Kun<strong>den</strong> nur einen minimalistischen<br />

Teil des gut gefüllten<br />

Auftragsbuches des Rettenbacher<br />

Unternehmens ausmachen.<br />

Innovative Ideen bei<br />

Zigarette und Kaffee<br />

Schweiz, Österreich, Südtirol, Süddeutschland,<br />

immer häufiger auch<br />

Norddeutschland sowie Skandinavien,<br />

Kanada, in einem Falle sogar<br />

Australien – die Kun<strong>den</strong> der Firma<br />

Kugelmann kommen aus ganz<br />

Europa und darüber hinaus. <strong>Das</strong><br />

gilt auch immer häufiger <strong>für</strong> die<br />

sommertauglichen Produkte des<br />

innovativen Maschinenbau-Betriebs.<br />

Jüngstes Highlight hier<strong>für</strong>:<br />

Eine Kehr-Saug-Kombination. Wie<br />

der Name bereits verrät, handelt<br />

es sich um ein Aufbausystem <strong>für</strong><br />

Schmalspurfahrzeuge, mit dem<br />

Straßen, Wiesen und Parks in einem<br />

Aufwasch gereinigt und gemäht<br />

wer<strong>den</strong> können. Als Zuckerl<br />

obendrauf haben die kreativen<br />

Kugelmann-Köpfe einen Hochdruckreiniger<br />

sowie einen herausnehmbaren<br />

Handsaugschlauch in<br />

das Aufbausystem integriert. Die<br />

Vorteile, erklärt am Beispiel Park:<br />

Der Fahrer kann die Kehrmaschine<br />

vor einer Sitzbank kurz abstellen,<br />

aussteigen, das Laub oder anderweitigen<br />

Dreck gezielt von Hand<br />

einsaugen, anschließend mit dem<br />

Hochdruckreiniger die Sitzfläche<br />

der Bank von Schmutz befreien,<br />

schließlich wieder in die kompakte<br />

Kehrmaschine einsteigen, weiterfahren<br />

und wieder vollautomatisch<br />

<strong>den</strong> Geh- und Radweg säubern.<br />

Wer möchte, kann die Kehrbesen<br />

an der Front dieser Kombi-Maschine<br />

sogar durch ein Mähwerk<br />

ersetzen und damit Rasenflächen<br />

stutzen.<br />

Die Frage nach <strong>den</strong> Kreativ-Köpfen<br />

im Hause Kugelmann, die solch<br />

innovative, praxistaugliche Ideen<br />

einbringen, ist nicht mit einem<br />

Namen zu beantworten. „Ganz<br />

unterschiedlich“, sagt Sebastian<br />

Kugelmann, 33, gelernter Lkw-<br />

Mechaniker und Feinwerkmechaniker-Meister,<br />

der gemeinsam mit<br />

Bruder Philipp Kugelmann, 31,<br />

Feinwerkmechaniker und Vater<br />

Sepp fester Bestandteil der Geschäftsführung<br />

ist. Der Senior sitzt<br />

oft im Gang zwischen Bürogebäude<br />

und Produktionshalle, raucht<br />

genüsslich eine Zigarette, schlürft<br />

aus einer Tasse Kaffee und <strong>den</strong>kt<br />

nach. Hat dabei aber stets ein offenes<br />

Ohr <strong>für</strong> die Mitarbeiter. „An<br />

diesem Ort sind schon viele gute<br />

Ideen entstan<strong>den</strong> – sowohl von<br />

meinem Vater als auch von Mitarbeitern“,<br />

sagt Sebastian Kugelmann.<br />

Auch regelmäßige „Brainstormings“<br />

mit Mitarbeitern aus<br />

allen Abteilugen sorgen da<strong>für</strong>,<br />

dass immer wieder neue Produkte<br />

erfun<strong>den</strong>, oder bereits erfolg-<br />

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november / dezember <strong>2020</strong> | 33


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reich-bestehende weiterentwickelt<br />

wer<strong>den</strong>. Eine besondere Begabung<br />

der Kugelmanns selbst lässt sich<br />

an dieser Stelle aber auch nicht<br />

verheimlichen. „<strong>Das</strong> liegt <strong>den</strong>en<br />

im Blut, die können das einfach“,<br />

sagt Andreas Wörner, 57, seit zwölf<br />

Jahren Vertriebsleiter im Unternehmen,<br />

der die Entwicklungen<br />

aller aktuelleren Produkte hautnah<br />

miterleben durfte.<br />

Rasenkehrmaschine <strong>für</strong><br />

FC Bayern München<br />

Überhaupt scheint das Betriebsklima<br />

im 85-Mann-Betrieb zu<br />

stimmen. Jeder kann mit jedem,<br />

hat Spaß bei der Arbeit und weiß<br />

genau, was zu tun ist. Flexible<br />

Arbeitszeiten – die einen beginnen<br />

um sechs Uhr früh und gehen<br />

gegen 15.30 Uhr, die anderen<br />

kommen um 9 Uhr und gehen<br />

zwischen 16 und 17 Uhr – sind ein<br />

Garant <strong>für</strong> die gute Stimmung.<br />

Gleiches gilt <strong>für</strong> Sozialprojekte, in<br />

die alle Mitarbeiter miteinbezogen<br />

wer<strong>den</strong>. <strong>Das</strong> wiederum führt zu<br />

positiver Mundpropaganda, weshalb<br />

das Team über die Jahre hinweg<br />

nicht nur nominell, sondern<br />

auch in Sachen Fachkompetenz<br />

kontinuierlich gewachsen ist – ein<br />

Positiv-Effekt, der sich letztlich in<br />

der Qualität der Kugelmann-Produkte<br />

widerspiegelt. Sebastian Kugelmann<br />

berichtet von Händlern,<br />

„die immer wieder mal von Lkw-<br />

Käufen ohne <strong>den</strong> Aufbau eines<br />

neuen Streugerätes berichten, weil<br />

der alte aus unserer Firma auch<br />

nach zehn Jahren noch einwandfrei<br />

funktioniert“. Vorausgesetzt<br />

natürlich, der Kunde geht sorgsam<br />

damit um. Wie qualitativ gut<br />

Farben nach Kun<strong>den</strong>wunsch gibt's aus der hauseigenen Lackiererei.<br />

Endmontage eines Streugerätes <strong>für</strong> <strong>den</strong> Lkw einer Straßenmeisterei.<br />

Kugelmann-Produkte tatsächlich<br />

sind, unterstreicht auch ein anderes<br />

Beispiel: Für die Fußball-Weltmeisterschaft<br />

2006 in Deutschland<br />

schrieb die FIFA vor, alle zwölf Stadien<br />

– München, Frankfurt, Kaiserlautern,<br />

Hannover, Nürnberg,<br />

Stuttgart, Berlin, Leipzig, Köln,<br />

Dortmund, Gelsenkirchen und<br />

Hamburg – mit ein und derselben<br />

Rasenkehrmaschine auszustatten.<br />

Wer hat die gebaut? Die Firma Kugelmann,<br />

die bis heute von guten<br />

Kontakten eines rührigen Händlers<br />

profitiert. Allein beim FC Bayern<br />

München sind derzeit sieben Rasenkehrmaschinen<br />

von Kugelmann<br />

im Einsatz. Der eine Teil an der Säbener<br />

Straße, der andere in der<br />

Allianz-Arena.<br />

Produktionsstress vor<br />

Weihnachten<br />

Im Mittelpunkt der Firma Kugelmann<br />

steht ab sofort aber wieder<br />

das Geschäft mit Schneeräumschildern<br />

und Streugeräten <strong>für</strong> die<br />

kommunalen Winterdienste. <strong>Das</strong><br />

alljährliche Problem in dieser Phase:<br />

Die meisten Gemeinde-Verantwortlichen<br />

<strong>den</strong>ken <strong>den</strong> Sommer<br />

über nicht an das, was nach der<br />

warmen Jahreszeit passiert – und<br />

was <strong>für</strong> die kalte Jahreszeit dringend<br />

benötigt wird. Zum Beispiel<br />

ein neues Räumschild. Oder eine<br />

neue Streumaschine. „Die meisten<br />

mel<strong>den</strong> sich erst, wenn der erste<br />

Schnee gefallen ist“, sagt Sebastian<br />

Kugelmann. Dann ist der Maschinenbau-Betrieb<br />

bereits derart<br />

ausgelastet, dass nur mit reichlich<br />

Überstun<strong>den</strong> Auf-Den-Allerletzten-Drücker-Kun<strong>den</strong>wünsche<br />

noch<br />

erfüllt wer<strong>den</strong> können. „Was wir<br />

aber trotzdem immer wieder versuchen,<br />

da die Gemein<strong>den</strong> bis Mitte<br />

<strong>Dezember</strong> ihre bewilligten Jahres-Budgets<br />

<strong>für</strong> die Finanzierung<br />

eines neuen Geräts abgerufen<br />

haben müssen.“ Ein Teufelskreis,<br />

der Tüftler Siegfried Kugelmann sicherlich<br />

egal wäre. Er hätte sich in<br />

seine Werkstätte zurückgezogen.<br />

Und eine neue, innovative Maschine<br />

erfun<strong>den</strong>.<br />

js<br />

34 | <strong>altlandkreis</strong>


Wie gefährlich ist das Zocken von Computerspielen?<br />

Mediennutzungsvertrag<br />

zwischen Eltern und Kind<br />

Altlandkreis | Eine Mutter ist besorgt.<br />

Ihre Jungs im Alter von zehn<br />

und zwölf Jahren zocken bei Freun<strong>den</strong><br />

„Ballerspiele“. Den Kontakt zu<br />

<strong>den</strong> besten Freun<strong>den</strong> verbieten?<br />

Auch nicht richtig. Vielmehr gilt<br />

es vernünftige Antworten auf die<br />

Fragen zu fin<strong>den</strong>: Wie gefährlich<br />

sind Computerspiele mit Gewaltinhalten<br />

<strong>für</strong> Kinder? Und wie sollten<br />

Eltern damit umgehen? Ein ausgewiesener<br />

Experte auf diesem Gebiet<br />

ist Benjamin Grünbichler, 37,<br />

Sozialpädagoge, Suchttherapeut<br />

und Geschäftsführer von NEON, einer<br />

gemeinnützigen Organisation<br />

<strong>für</strong> bayernweite Präventionsarbeit<br />

in <strong>den</strong> Bereichen Drogen, Medikamente,<br />

Nikotin und Mediensucht.<br />

Er nimmt beim Thema „Gewaltspiele“<br />

ganz klar die Eltern in ihre<br />

erzieherische Pflicht, spricht von<br />

individuellen Maßnahmen und<br />

Fingerspitzengefühl. Und rät zum<br />

Abschluss eines Mediennutzungsvertrags,<br />

der kostenlos unter www.<br />

mediennutzungsvertrag.de zum<br />

Download bereit steht. Ein Vertrag<br />

zwischen Eltern und Kindern?<br />

Was nach einer übertriebenen Erziehungsmaßnahme<br />

klingt, ist in<br />

Wahrheit ein großer Nutzen <strong>für</strong> alle<br />

Betroffenen. „Die ganze Familie<br />

sollte sich mit Tablet oder Laptop<br />

an einen run<strong>den</strong> Tisch setzen, <strong>den</strong><br />

Vertrag aufrufen und ihn gemeinsam<br />

Schritt <strong>für</strong> Schritt festlegen“,<br />

sagt Grünbichler über <strong>den</strong> idealen<br />

Ablauf, der schon mal einen entschei<strong>den</strong><strong>den</strong><br />

Punkt abdeckt: Sich<br />

gemeinsam mit dem Thema Computerspiele<br />

auseinanderzusetzen.<br />

So geht der Abschluss des Mediennutzungsvertrags:<br />

Erst die jeweilige<br />

Altersgruppe auswählen sowie<br />

Vor- oder Spitznamen eintragen.<br />

Dann die im Programm vorgegebenen<br />

Regeln und Ratschläge<br />

auswählen, die sowohl an die<br />

Kinder als auch Eltern gerichtet<br />

sind. Ein Beispiel <strong>für</strong> Eltern: „Sich<br />

regelmäßig über neue Entwicklungen<br />

und Angebote, die vom Kind<br />

angewandt wer<strong>den</strong>, informieren<br />

und mit <strong>den</strong> Kindern über die dabei<br />

gemachten Erfahrungen sprechen.“<br />

Hintergrund: Viele Eltern<br />

kennen sich weniger gut mit neuen,<br />

technischen Geräten aus als<br />

ihre Kinder. Noch weniger wissen<br />

sie, wie einfach grausame Inhalte<br />

im Internet abrufbar sind. „Immer,<br />

und überall“, sagt Benjamin Grünbichler,<br />

der eine gewisse Naivität<br />

beim Thema neue Medien häufig<br />

feststellen muss bei Eltern. „Wir<br />

Erwachsenen müssen uns endgültig<br />

im Klaren sein, dass es sich<br />

bei einem Smartphone nicht um<br />

ein Telefon, sondern einen hochmodernen<br />

Hochleistungscomputer<br />

handelt, bei dem man rund um die<br />

Uhr von jedem Ort der Welt aus auf<br />

alles, was das Internet so hergibt,<br />

zugreifen kann.“<br />

Sucht ist die größte<br />

Gefahr<br />

Ganz entschei<strong>den</strong>d, um das Problem<br />

mit Gewaltspielen, aber auch<br />

anderen Computerspielen in <strong>den</strong><br />

Griff zu bekommen: Regelmäßige,<br />

bildschirmfreie Zeiten. Die größte<br />

Gefahr beim Zocken von Ballerspielen<br />

ist nämlich nicht die, dass<br />

ein Kind auf kurz oder lang zum<br />

potentiellen Amokläufer mutiert.<br />

„Da<strong>für</strong> können Kinder, Jugendliche<br />

und Erwachsene viel zu gut<br />

unterschei<strong>den</strong> zwischen Realität<br />

und Virtualität, zwischen Gut und<br />

Böse, zwischen angebracht und<br />

komplett übertrieben“, sagt Benjamin<br />

Grünbichler und fügt an: „Wer<br />

sich mit dem psychischen Zustand,<br />

mit familiären Verhältnissen und<br />

dem Lebenslauf von Amokläufern<br />

auseinandersetzt, erkennt schnell,<br />

dass hinter solch einer schlimmen<br />

Tat wesentlich schwerwiegendere<br />

Probleme in der Entwicklung dieser<br />

Personen vorgefallen sind.“<br />

Bildschirmzeiten<br />

einhalten<br />

Die Problematik ist die Suchtgefahr,<br />

die von Computerspielen<br />

ausgeht. Wer von beispielsweise<br />

Battlefield, Fortnite oder FIFA <strong>2020</strong><br />

nicht genug bekommt, verbringt<br />

logischerweise immer mehr Zeit<br />

damit, schaut dadurch immer länger<br />

und intensiver auf <strong>den</strong> flimmern<strong>den</strong><br />

Bildschirm. Und diese<br />

immer länger wer<strong>den</strong><strong>den</strong> Bildschirmzeiten<br />

können verheerende<br />

Auswirkungen haben – sie lösen<br />

Depressionen aus. Auch bei Kindern.<br />

Schlechte Laune, sinkende<br />

Leistungsfähigkeit in der Schule,<br />

Verlust sozialer Kontakte. Ein Teufelskreis.<br />

Insofern ist weniger der<br />

Inhalt eines Computerspiels, sondern<br />

die Zocker-Zeit das Zünglein<br />

an der Waage. „Ich achte darauf,<br />

dass ich die verabredeten Bildschirmzeiten<br />

einhalte“ heißt der<br />

dazu passende Ratschlag an die<br />

Kinder aus dem Mediennutzungsvertrag.<br />

„Wir planen regelmäßig<br />

gemeinsame Familienaktivitäten<br />

ohne Bildschirm“ ist der dazu<br />

passende Ratschlag <strong>für</strong> Eltern.<br />

Wer trotzdem meint, regelmäßig<br />

Gewaltspiele unbedingt zocken zu<br />

müssen? Benjamin Grünbichler<br />

appelliert an dieser Stelle nochmals<br />

an die Eltern, eigenverantwortlich<br />

sinnvolle Maßnahmen zu<br />

treffen, die der jeweiligen Reife<br />

des Kindes entsprechen. Außerdem<br />

spricht er <strong>den</strong> Eltern Mut zu,<br />

<strong>den</strong> Kindern „ruhig mal widersprechen<br />

zu dürfen“. Denn selbst<br />

wenn Kinder und Jugendliche<br />

beim Zocken von Ballerspielen<br />

nicht automatisch zu gewaltbereiten<br />

Menschen geformt wer<strong>den</strong>,<br />

heißt es noch lange nicht, dass ein<br />

Zehnjähriger Shooter-Spiele zocken<br />

soll. <strong>Das</strong> darf von Eltern auch<br />

klar und deutlich kommuniziert<br />

wer<strong>den</strong>. Im Falle der besorgten<br />

Mutter rät Benjamin Grünbichler<br />

jedoch nicht zu einem strikten Zocker-<br />

und Freunde-Verbot. „Sinnvoll<br />

wäre sicherlich, erstmal <strong>den</strong><br />

Kontakt zu <strong>den</strong> Eltern der Freunde<br />

zu suchen, sie auf das Spielen der<br />

Ballerspiele ansprechen und nach<br />

deren Meinung und Lösungsmöglichkeiten<br />

fragen.“<br />

Abgesehen davon stellt sich natürlich<br />

auch die Frage, was Menschen<br />

generell so sehr fasziniert am<br />

virtuellen Töten. Benjamin Grünbichler<br />

meint, dass „es vor allem<br />

Spielstrategien sind, die <strong>den</strong> Reiz<br />

des Zockens bei Jung und Alt ausmachen.“<br />

js<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 35


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LPC, managt unter anderem<br />

deren Auftritte. Bereits im Februar<br />

stan<strong>den</strong> alle Termine <strong>für</strong> <strong>2020</strong>, zum<br />

Teil sogar die ersten Auftritte <strong>für</strong><br />

2021 fest. Dann kam Corona. Und<br />

ein schier endloses Hin und Her in<br />

Sachen Terminverschiebungen und<br />

-absagen nahm seinen Lauf. „Ich<br />

war noch nie so viel im Büro gehockt“,<br />

sagt der Vater zweier Kinder,<br />

der zwar nahezu alle Auftritte<br />

beibehalten konnte, sie allerdings<br />

auf 2021 oder sogar 2022 verschieben,<br />

wieder andere zwischen bereits<br />

feststehende Termine kommender<br />

Jahre packen musste. Was<br />

jedoch definitiv flachgefallen ist:<br />

<strong>Das</strong> Jubiläumskonzert zum 20-jährigen<br />

Bestehen der hochklassigen<br />

Band, die aus fünf festen sowie<br />

mehreren „Ersatz“-Musikern auf<br />

Abruf besteht. Bass spielt entweder<br />

Michael Abold, Sozialpädagoge<br />

aus Augsburg, Mitgründungs-Mitglied<br />

Moritz Kinker aus Marktoberdorf,<br />

studierter Bassist und Inhaber<br />

einer eigenen Musikschule,<br />

oder Stefan Müller aus Illertissen,<br />

ebenfalls studierter Bassist und Inhaber<br />

einer eigenen Musikschule.<br />

Manuel Wolf aus Sachsenried hat<br />

Klarinette und Saxophon studiert,<br />

komponiert und arrangiert viel,<br />

beherrscht obendrein das Klavier<br />

aus dem FF und ist auch noch ausgebildeter<br />

Dirigent. Sängerin Nina<br />

Raus aus Böbing hat Gesang zwar<br />

Als die Welt nochinOrdnung war: Die Jazz- und Unterhaltungsband<br />

LPC, hier im Rahmen eines professionellen Fotoshootings.<br />

nicht studiert, stammt aber aus<br />

einer klassischen Musikerfamilie,<br />

weshalb ihr Singen auf höchstem<br />

Niveau im Blut liegt. Sollte sie familienbedingt<br />

keine Zeit haben,<br />

steht die hauptberufliche Gesangslehrerin<br />

Stefanie Baringer aus<br />

Regensburg bereit. Andy Lorenz<br />

dagegen ist studierter Gitarrist,<br />

Sänger und Songwriter, der auch<br />

<strong>für</strong> eine Musikschule in Mühldorf<br />

am Inn arbeitet. Und nicht zu vergessen<br />

ist natürlich Taktgeber und<br />

Manager der Band: Schlagzeuger<br />

Stephan Echtler aus Ingenried,<br />

ebenfalls Schlagzeug-Lehrer, der<br />

im Musikhaus Kirstein <strong>für</strong> <strong>den</strong> Vertrieb<br />

von Instrumenten zuständig<br />

ist und im Folgen<strong>den</strong> an die Gründungszeit<br />

der Band zurückerinnert.<br />

Erster Auftritt<br />

als Schüler<br />

Angefangen hat „LPC“ im Jahr<br />

2000. „Als der Sohn meines damaligen<br />

Schlagzeuglehrers, Max<br />

Kinker, unbedingt eine Band grün<strong>den</strong><br />

wollte.“ Stephan Echtler selbst<br />

war damals 16 Jahre jung. Den<br />

ersten Auftritt hatten er und seine<br />

Mitstreiter in der Pause des Big-<br />

Band-Konzertes im Marktoberdorfer<br />

Gymnasium. Von da an wurde<br />

immer fleißiger geprobt, gefolgt<br />

von immer mehr Auftritten. Die<br />

ersten Jahre war LPC überwiegend<br />

als klassische Stimmungsmacher-<br />

Band in Bierzelten unterwegs. Bis<br />

ihre Aida-Bewerbung Gehör gefun<strong>den</strong><br />

hatte, der erste Traum auf<br />

Hoher See in Erfüllung ging. Dort<br />

war nicht nur Party-, sondern auch<br />

„loungige“ Jazzmusik angesagt –<br />

eine Musik, die gerne während des<br />

Abendessens, zu einem frischgemixten<br />

Cocktail oder zum romantischen<br />

Tänzchen nach dem Dinner<br />

gehört wird. Erstmals als Kreuzfahrtschiff-Band<br />

war LPC schließlich<br />

im Jahr 2004 unterwegs – eine<br />

Aida-Kreuzfahrt vom griechischen<br />

Mittelmeer über <strong>den</strong> Transatlantik<br />

in die Karibik. <strong>Das</strong> zweite Mal im<br />

Jahr 2006 – sechs Wochen ausschließlich<br />

Karibik. Und im Jahr


2009 erneut sechs Wochen Karibik<br />

sowie zwei Wochen Mittelmeer.<br />

Zusammengefasst beschreibt Stephan<br />

Echtler die Bandreisen auf<br />

<strong>den</strong> Meeren dieser Welt so: „Die<br />

Musik hat uns die Welt gezeigt.“<br />

Denn bis auf einen Tag die Woche<br />

mussten die Musiker auf <strong>den</strong><br />

riesigen Schiffen „nur“ zwei Stun<strong>den</strong><br />

am Tag spielen, Anlage und<br />

Instrumente nicht jedes Mal aufs<br />

Neue auf- und abbauen. „Insofern<br />

haben wir sehr viel Freizeit gehabt<br />

und entsprechend jede Menge von<br />

anderen Menschen, Kulturen sowie<br />

Landschaften gesehen und hautnah<br />

erlebt.“ <strong>Das</strong> trifft auch auf <strong>den</strong><br />

Auftritt <strong>für</strong> Autohersteller Lexus in<br />

Shanghai zu. „All diese Auftritte im<br />

Ausland haben uns zum Um<strong>den</strong>ken<br />

bewegt“, sagt Stephan Echtler.<br />

Hin zu exzellenter Live-Musik <strong>für</strong><br />

nahezu alle, jedoch eher stilvollere<br />

Anlässe. Dinner, Party, Barmusik,<br />

festliches Bankett, Gala, Lounge,<br />

Sektempfang, Clubschiff, Firmenevents<br />

und Hochzeiten – es gibt in<br />

der Tat kaum einen Anlass, <strong>den</strong> LPC<br />

nicht mit individuell aufs jeweilige<br />

Publikum abgestimmter Live-Musik<br />

umrahmt. Und das beste: Die Band<br />

ist überwiegend stromlos unterwegs,<br />

kann jederzeit Positionen<br />

in Sälen, Räumlichkeiten oder von<br />

draußen nach drinnen sowie umgekehrt<br />

wechseln.<br />

Generell spielt die Band alte Klassiker,<br />

aber auch brandneue Pop-<br />

Songs, nur neu interpretiert. Zum<br />

Beispiel im Jazz. Und nach wie vor<br />

ein riesengroßes Repertoire aus<br />

Partymusik der 80er, 90er und<br />

2000er, weshalb LPC so etwas wie<br />

die perfekte Hochzeitsband ist.<br />

Nachmittags, bei Kaffee und Kuchen,<br />

das jazzige, flowige in Form<br />

von angenehmer Hintergrundmusik,<br />

die jedoch jederzeit in der Lage<br />

ist, bereits erste Pärchen auf die<br />

noch freie Tanzfläche zu locken. Je<br />

Bei AIDA-Auftritten, hier in Mexico, blieb auch Zeit <strong>für</strong> Sightseeing.<br />

Namhafte Location: LPC bei einem Live-Auftritt im Bayerischen Hof.<br />

länger der Tag dann dauert, und je<br />

dunkler die Nacht wird, desto fetziger<br />

interpretiert LPC seine Songs.<br />

„Wenn zum Stimmungshöhepunkt<br />

einer Feier es nieman<strong>den</strong> mehr<br />

auf <strong>den</strong> Stühlen hält und sich alle<br />

auf der Tanzfläche bewegen, haben<br />

wir unser Ziel erreicht“, sagt<br />

Stephan Echtler. <strong>Das</strong>s LPC sowohl<br />

die ruhige als auch fetzige Schiene<br />

in Perfektion beherrscht, zeigt<br />

das Auftragsbuch, das trotz Corona<br />

prallgefüllt ist. Zumindest<br />

<strong>für</strong> die Zeit nach der Pandemie.<br />

„Normalerweise spielen wir mindestens<br />

40 Auftritte im Jahr.“ Neben<br />

Auftritten in unmittelbarer<br />

Region ist die Band häufig weit<br />

über die Grenzen des Schongauer<br />

Altlandkreises hinaus gefragt. Von<br />

hier über <strong>den</strong> Bo<strong>den</strong>see bis nach<br />

Frankfurt, aber auch Innsbruck,<br />

Tegernsee, Chiemsee sowie viel in<br />

München und direkter Umgebung<br />

der Landeshauptstadt. Stephan<br />

Echtler nennt an dieser Stelle einige<br />

konkrete, gewerbliche Auftraggeber:<br />

Audi, BMW und Mercedes<br />

Benz aus der Automobilbranche.<br />

Reiseveranstalter TUI, die Bank<br />

DAB, Clubschiff-Betreiber AIDA<br />

oder Automobilclub ADAC. Und<br />

wichtige, regionale Kooperationspartner<br />

wie Festspielhaus Füssen,<br />

Schäferwirt Schwabbruck, Bergwerk<br />

Peiting oder das Allgäuer<br />

Hotel „Weitblick“.<br />

Absagen sind keine<br />

Lösung<br />

<strong>Das</strong>s LPC sich von der einstigen<br />

reinen Bierzelt-Party-Band zur<br />

exklusiven Liveband <strong>für</strong> <strong>den</strong> ganz<br />

besonderen Anlass entwickelt<br />

hat, war allerdings kein Selbstläufer.<br />

„Die ersten Jahre haben<br />

wir verdammt viel geprobt, uns<br />

Wochenendweise im Proberaum<br />

eingesperrt“, sagt Stephan Echtler.<br />

Hinzu kam die über die Jahre gesammelte<br />

Bühnenerfahrung dank<br />

Publikum auf Augenhöhe, „weil<br />

wir unser Set-Up überwiegend auf<br />

einer Ebene mit <strong>den</strong> Gästen aufbauen“.<br />

Und nicht zuletzt ein stets<br />

aktives, hochprofessionelles Management<br />

der Band, das Stephan<br />

Echtler in die eigene Hand nimmt.<br />

Sobald er einen Termin vereinbart,<br />

wird dieser auch durchgezogen.<br />

„Ein krankheitsbedingter Ausfall<br />

eines Bandmitgliedes entschuldigt<br />

eine Absage unsererseits nicht –<br />

da<strong>für</strong> haben wir dem Auftraggeber<br />

gegenüber eine viel zu große Verantwortung“,<br />

sagt der Manager,<br />

der <strong>für</strong> LPC ein regelrechtes Netzwerk<br />

aus Profi-Musikern gesponnen<br />

hat. Als Paradebeispiel, dass<br />

LPC in 20 Jahren Bandgeschichte<br />

noch keinen einzigen Auftritt absagen<br />

musste, dient diese Geschichte:<br />

„Um einen sehr kurzfristigen<br />

Ausfall kompensieren zu können,<br />

haben wir eine Musikerin in Bern<br />

kontaktiert, die am Tag des Auftritts<br />

sechs Stun<strong>den</strong> mit der Bahn<br />

angereist ist und zwei Stun<strong>den</strong><br />

vor Auftrittsbeginn angekommen<br />

war.“ Aufgrund Corona sind solche<br />

„Aktionen“ momentan nicht nötig.<br />

Für Echtler und Bandkollegen, die<br />

allesamt Haus, Kinder und Familie<br />

zu versorgen haben, geht es momentan<br />

um viel mehr. Um Existenzen.<br />

Wobei die Überlebens-Chancen<br />

trotz Auftragsflaute ganz gut<br />

stehen <strong>für</strong> die Männer und Frauen<br />

von LPC. Entgegen anderer Bands<br />

stehen sie allesamt auf mehreren<br />

beruflichen Standbeinen.<br />

js<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 37


<strong>Das</strong> neue Buch der Hauswirtschafterei<br />

Süße Alpenküche<br />

Altlandkreis | Pünktlich<br />

vor Weihnachten bringen<br />

die drei Damen der<br />

Hauswirtschafterei ein<br />

weiteres Koch- und Backbuch<br />

auf <strong>den</strong> Markt. Es<br />

heißt „Süße Alpenküche“,<br />

ist 128 Seiten stark, kostet t<br />

12,90 Euro und ist erhältlich<br />

in allen regionalen und<br />

überregionalen Buchhandlungen.<br />

Neben <strong>den</strong> zahlreichen,<br />

leckeren Rezepten<br />

en<br />

zum Selbermachen ist auch<br />

die Entstehungsgeschich-<br />

h-<br />

te des Buches interessant: nt:<br />

Hier<strong>für</strong> haben Silvia Schlöund<br />

Bettina Eder ihre Bergschuhe<br />

he<br />

gel, Christine Schilcher<br />

geschnürt und <strong>den</strong> mittelgroßen<br />

Rucksack gepackt. Insgesamt<br />

15 Hütten, allen voran im<br />

österreichischen Tirol, haben sie<br />

mit eigener Beinarbeit besucht.<br />

„Aufgrund Corona und regelmäßigen<br />

Schlechtwetterphasen war<br />

die Recherche <strong>für</strong> unsere Süße<br />

Alpenküche alles andere als einfach“,<br />

sagt Silvia Schlögel, die wie<br />

ihre Mitstreiterinnen trotzdem<br />

unvergessene Naturerlebnisse<br />

und herzeigreifende Geschichten<br />

erleben durfte. Zum Beispiel die<br />

eines Babys, das im Februar <strong>2020</strong><br />

zur Welt gekommen ist und gleich<br />

<strong>den</strong> ersten Sommer seines Lebens<br />

auf einer Berghütte verbracht hat.<br />

Genaugenommen auf der höchstgelegenen<br />

Hütte im Pitztal, der<br />

Kaunergrathütte, auf 2817 (!) Metern<br />

Höhe. Noch abenteuerlicher:<br />

Der Weg dorthin – das Baby wurde<br />

mit dem Materialhubschrauber<br />

hochgeflogen. Eine andere, herzergreifende<br />

Geschichte, die auch<br />

im Backbuch niedergeschrieben<br />

steht: Eine Familie aus Tirol bewirtschaftete<br />

tete<br />

t <strong>den</strong><br />

vergangenen<br />

Sommer über sechs (!)<br />

Hütten gleichzeitig. Passend dazu<br />

haben die drei Damen der Hauswirtschafterei<br />

einen Tourenplan<br />

erstellt – eine Fünf-Tages-Tour,<br />

bei der alle sechs Hütten dieser<br />

Familie besucht wer<strong>den</strong>.<br />

Geöffnete Hütten<br />

im Winter?<br />

Inhaltlicher Schwerpunkt des<br />

Buches ist und bleibt aber die<br />

Kulinarik. Mehlspeisen wie Polentaschnitten,<br />

Kletzennu-<br />

deln<br />

und Kaiserschmarrn.<br />

Schmalzgebäcke wie Topfenkugeln,<br />

Vanillekrapferl und<br />

Ochsenaugen. Desserts wie<br />

Buchteln, Nusspfannkuchen<br />

und Mohntörtchen. Sowie<br />

feine Kuchen und Torten,<br />

zum Beispiel Ricotta-Mandeltarte,<br />

Almschnecken<br />

und<br />

Schwarzplententorte.<br />

Bereits beim Anblick der<br />

hochwertig aufgemachten<br />

Rezeptseiten samt Bildern<br />

läuft einem das Wasser<br />

im Munde zusammen.<br />

Dazwischen besticht das<br />

Buch aber immer wieder<br />

mit netten Geschichten<br />

und wichtigen Bergsteigerinformationen<br />

<strong>für</strong> Situationen<br />

abseits des Backofens. Zum Beispiel,<br />

was im Falle eines Bergunfalls<br />

zu tun ist. Neben dem<br />

Absetzen des Notrufs (112) verrät<br />

ein Bergwachtler auch wichtiges<br />

Insiderwissen. Auch schön ist die<br />

Vorstellung einiger Winterhütten,<br />

die über die kalte Jahreszeit offen<br />

haben und zu Rodelgaudi <strong>für</strong> die<br />

ganze Familie einla<strong>den</strong>. Dazu gehören<br />

auch die Drehhütte und die<br />

Vilsalphütte – beide sind in der<br />

Region bekannt und in Sachen<br />

„Abstieg“ bestens geeignet <strong>für</strong><br />

Schlitten- und Bobfahrten. js<br />

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Oder eine E-Mail an info@<strong>altlandkreis</strong>.de. <strong>Das</strong> Los entscheidet,<br />

der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wir wünschen viel Erfolg!<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 39


Barrierefreiheit macht das Leben leichter<br />

Gute Lösungen – nicht<br />

nur <strong>für</strong> Behinderte<br />

Altlandkreis | Hindernisse, die früher<br />

als harmlos angesehen oder<br />

gar nicht bemerkt wur<strong>den</strong>, wer<strong>den</strong><br />

mehr und mehr zu Stolperfallen.<br />

Zu unüberwindbaren Barrieren,<br />

die <strong>den</strong> Lebensraum einschränken.<br />

Spätestens, wenn Menschen<br />

mit zunehmendem Alter diese<br />

Erfahrungen machen, wird ihnen<br />

deutlich, wie wichtig Barrierefreiheit<br />

ist. Schon die demografische<br />

Entwicklung unserer Gesellschaft<br />

sorgt da<strong>für</strong>, dass Barrierefreiheit<br />

nicht als Spezialproblem von<br />

Behinderten angesehen wird,<br />

sondern allgemeine Bedeutung<br />

gewonnen hat. So wird sich nach<br />

Prognosen des statistischen Bundesamtes<br />

die Zahl der 80-Jährigen<br />

und Älteren von heute nicht ganz<br />

vier Millionen auf zehn Millionen<br />

im Jahr 2050 nahezu verdreifachen.<br />

Damit nimmt automatisch<br />

die Zahl der Menschen zu, deren<br />

körperliche Leistungsfähigkeit abnimmt.<br />

Die zu Menschen mit Behinderung<br />

wer<strong>den</strong>. Selbst wenn<br />

sie noch nicht gleich auf Rollstuhl<br />

oder Rollator angewiesen sind.<br />

Auch <strong>für</strong> die Jüngsten in unserer<br />

Gesellschaft und deren Familien ist<br />

Barrierefreiheit ein wichtiges Anliegen.<br />

Ob Kinderwagen, Rollstuhl,<br />

kleine Statur oder Gebrechlichkeit.<br />

Die Probleme beim Überwin<strong>den</strong><br />

von Hindernissen und die Anforderungen<br />

an eine barrierefreie Umgebung<br />

unterschei<strong>den</strong> sich kaum.<br />

Mit Gefühl <strong>für</strong> die historische i h Bausubstanz angelegt: Die barrierefreie<br />

i<br />

Rampe an der Wessobrunner Pfarrkirche.<br />

Barrierefreiheit macht uns allen<br />

das Leben leichter. Wer hat diese<br />

Erfahrung nicht schon mit einem<br />

Rollkoffer auf Urlaubs- oder Geschäftsreise<br />

gemacht. Oder beim –<br />

selbstverständlich barrierefreien –<br />

Einkaufen mit Einkaufswagen. Barrierefreiheit<br />

ist also zunehmend ins<br />

öffentliche Bewusstsein gerückt.<br />

Trotzdem können die Betroffenen<br />

heute noch unzählige Beispiele<br />

von immer noch fehlender Barrierefreiheit<br />

nennen. Vielfach liegt<br />

dies an Problemen in alter Bausubstanz<br />

mit Stufen, Schwellen,<br />

schmalen Türen. Oft aber auch an<br />

anderen Prioritäten, fehlendem<br />

Bemühen oder schlicht Gedankenlosigkeit.<br />

Es geht aber auch anders.<br />

Wer sich im <strong>Pfaffenwinkel</strong><br />

Gilt als Vorzeigebeispiel <strong>für</strong> Barrierefreiheit: <strong>Das</strong> Rathaus in Altenstadt,<br />

das seit dem Umbau im Jahr 2017 <strong>für</strong> alle Menschen gut zugänglich ist.<br />

aufmerksam umschaut,<br />

findet im öffentlich zugänglichen<br />

Raum zahllose<br />

barrierefreie Lösungen,<br />

die gut auf die örtlichen<br />

Verhältnisse zugeschnitten sind.<br />

Stellvertretend <strong>für</strong> viele positive<br />

Beispiele hier drei, ganz unterschiedliche<br />

Lösungen:<br />

Zur historischen Ansicht<br />

passende Rampe<br />

Die 1759 fertiggestellte Barockkirche<br />

St. Johannes der Täufer im<br />

Wessobrunner Klosterhof gehört zu<br />

<strong>den</strong> Meisterwerken der Baumeister,<br />

Stukkatoren und Kirchenmaler<br />

im <strong>Pfaffenwinkel</strong>. Als Pfarrkirche,<br />

aber auch Kunst<strong>den</strong>kmal viel besucht.<br />

250 Jahre lang aber nur<br />

von <strong>den</strong>en, die es schafften, <strong>den</strong><br />

Höhenunterschied von fast einem<br />

Meter zum Vorplatz und <strong>den</strong> steilen<br />

Zugang über sechs Eingangsstufen<br />

zu bewältigen. Als im Jahr<br />

2010 überlegt wurde, wie dieser<br />

Zugang barrierefrei gestaltet wer<strong>den</strong><br />

könnte, war das Team um Kirchenpfleger<br />

Franz Langer gut beraten,<br />

nicht <strong>den</strong> erstbesten Vorschlag<br />

zu übernehmen. Ausgerechnet die<br />

Denkmalpflege empfahl hier einen<br />

Treppenlift. Eine Hebebühne, die<br />

Langer als „Blechkasten“ vor dem<br />

historischen Gebäude <strong>für</strong> völlig<br />

unpassend hielt. So machten sich<br />

die Wessobrunner selbst Gedanken<br />

– und fan<strong>den</strong> eine Lösung, die sich<br />

so gut mit dem historischen Gebäude<br />

verträgt, dass man meinen<br />

könnte, es gebe sie immer schon.<br />

Eine zweigeteilte Rampe, die nicht<br />

als störend empfun<strong>den</strong> wird. Weil<br />

ihre Baumaterialien, wie heimischer<br />

Tuffstein, dem historischen<br />

Gebäude entsprechen. Sie ordnet<br />

sich unter und erfüllt unaufdringlich<br />

ihren Zweck, barrierefrei<br />

in die Kirche zu gelangen. 2012<br />

konnte die Rampe gebaut wer<strong>den</strong>.<br />

Weitgehend in Eigenleistung<br />

engagierter Bauhelfer und mit<br />

Unterstützung örtlicher Firmen.<br />

40 | <strong>altlandkreis</strong>


Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln<br />

gab es nicht. Die Maßnahme wurde<br />

im Wesentlichen finanziert aus<br />

<strong>den</strong> Erlösen aus der Wessobrunner<br />

Dorfweihnacht 2010 und Spen<strong>den</strong><br />

von Privatpersonen. Nur durch das<br />

ehrenamtliche Engagement vieler<br />

Menschen <strong>für</strong> „ihre“ Wessobrunner<br />

Kirche kam diese Lösung zustande.<br />

Zusammenarbeit mit<br />

Behindertenbeauftragten<br />

Auch als das Rathaus in Altenstadt<br />

im Jahr 2017 umgebaut und saniert<br />

wurde, zeigte sich, welche guten<br />

Ideen gemeinsam mit einem engagierten<br />

Behindertenbeauftragten<br />

und einem erfahrenen Architekten<br />

entwickelt wer<strong>den</strong> können.<br />

Dabei waren die Verhältnisse im<br />

alten Gebäude schwierig. Amtsräume<br />

auf mehrere Stockwerke<br />

verteilt, verwinkelte dunkle Gänge,<br />

Treppenstufen, Türschwellen,<br />

Höhenversätze. Alle Arten an Stolperfallen<br />

waren vorhan<strong>den</strong> und<br />

sollten möglichst verschwin<strong>den</strong>.<br />

Denn: Barrierefreiheit sollte das<br />

umgebaute Rathaus auf je<strong>den</strong> Fall<br />

auszeichnen. Einfach war es nicht.<br />

Die baulichen Veränderungen im<br />

Inneren waren erheblich. Aber die<br />

maßgeschneiderten Lösungen, die<br />

entwickelt wur<strong>den</strong>, können heute<br />

Vorbild sein <strong>für</strong> viele Dienstgebäude,<br />

die noch barrierefrei umgestaltet<br />

wer<strong>den</strong> müssen.<br />

Mittels Bewegungsmelder automatisch<br />

öffnende Eingangstüren<br />

wur<strong>den</strong> eingebaut, sowie breite<br />

Bürotüren. Vermie<strong>den</strong> wur<strong>den</strong><br />

Schwellen am Eingang und zu<br />

allen Dienstzimmern. Mit einem<br />

Aufzug, der vom Erdgeschoss bis<br />

hoch ins Dachgeschoss führt, können<br />

alle Räume barrierefrei erreicht<br />

wer<strong>den</strong>. Eine Rampe, statt<br />

Treppenstufen, gleicht einen Höhenunterschied<br />

im Erdgeschoss<br />

aus. Auf dem Bo<strong>den</strong> angebrachte<br />

Markierungsfelder erleichtern<br />

Sehbehinderten die Orientierung.<br />

Eine Behindertentoilette ist im<br />

Eingangsbereich vorhan<strong>den</strong>. Ein<br />

ausgefeiltes Raumkonzept wurde<br />

entwickelt, mit dem die viel frequentierten<br />

Räume des Rathauses,<br />

wie das Einwohnermeldeamt,<br />

gleich im Erdgeschoss erreichbar<br />

sind, während die Räume mit<br />

eher interner Bedeutung in oberen<br />

Etagen liegen. So ist in Altenstadt<br />

ein Amtsgebäude entstan<strong>den</strong>,<br />

das <strong>für</strong> Besucher wie Beschäftigte<br />

gleichermaßen Barrierefreiheit<br />

mit freundlicher Atmosphäre verbindet.<br />

Moderne Sanitäranlage<br />

an zentraler Stelle<br />

Mit dem Neubau einer barrierefreien<br />

Sanitäranlage hat die Stadt<br />

Weilheim am neuen zentralen<br />

Busbahnhof Maßstäbe gesetzt.<br />

In dieser Form einmalig in der<br />

Region. Direkt neben der neuen<br />

Fahrradabstellanlage wurde eine<br />

hochmoderne Toilettenanlage<br />

gebaut. Neben zwei öffentlichen<br />

Toiletten mit Wickeltisch bietet sie<br />

ein behindertengerechtes WC, das<br />

sogar mit Liege und Deckenlifter<br />

ausgestattet ist, geeignet auch <strong>für</strong><br />

Schwerstbehinderte. So ist nun<br />

an einer der bedeutendsten Mobilitätsdrehscheiben<br />

im Oberland<br />

auch die Barrierefreiheit umfassend<br />

berücksichtigt wor<strong>den</strong>. Vor<br />

drei Jahren hatte die Deutsche<br />

Bahn <strong>den</strong> direkt daneben liegen<strong>den</strong><br />

Weilheimer Bahnhof bereits<br />

barrierefrei umgerüstet – allerdings<br />

die alten Sanitäranlagen<br />

Anfang 2019 geschlossen. Am<br />

Weilheimer Bahnhof steigen an<br />

einem durchschnittlichen Werktag<br />

mehr als 9000 Fahrgäste ein und<br />

aus. Viele Reisende wechseln hier<br />

zwischen <strong>den</strong> Verkehrsmitteln.<br />

<strong>Das</strong>s eine barrierefreie Toilettenanlage<br />

am Busbahnhof gebaut und<br />

rollstuhlgerecht mit Liege und Deckenlifter<br />

ausgestattet wurde, war<br />

der Behindertenbeauftragten der<br />

Stadt Weilheim, Susann Enders,<br />

ein besonderes Anliegen: „Wenn<br />

man <strong>den</strong> Bedarf der Betroffenen<br />

genau kennt, lassen sich maßgeschneiderte<br />

Lösungen am ehesten<br />

fin<strong>den</strong>.“<br />

kp<br />

Die hochmoderne barrierefreie<br />

Toilettenanlage am Weilheimer<br />

Busbahnhof mit speziellem<br />

Behinderten-WC (seitlich links).<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 41<br />

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Weltklasse-Pantomime und Gitarrenkonzert<br />

Wegen Corona<br />

„Bodecker & Neander“<br />

Verschoben<br />

auf 2021<br />

Peißenberg | Der Kulturverein in<br />

Peißenberg hat die vergangenen<br />

Wochen und Monate alles daran<br />

gesetzt, um das kulturelle Leben<br />

trotz Corona wieder zum Leben<br />

zu erwecken. Selbstverständlich<br />

unter Einhaltung entsprechender<br />

Hygienemaßnahmen, sind<br />

bis Ende des Jahres noch zwei<br />

besuchenswerte Veranstaltungen n<br />

geplant.<br />

Am Freitag, 20. <strong>November</strong>, um 20<br />

Uhr betreten „Bodecker & Neander“<br />

die Bühne – zwei Ausnahmekünstler<br />

in Pantomime. Ihnen wird seit Jahren<br />

Weltklasse-Niveau attestiert. Da <strong>für</strong> ihre Show nur<br />

100 Tickets verkauft wer<strong>den</strong>, sollten Sie, liebe Leser,<br />

schnell zuschlagen. Zum<br />

Zweiten geplant ist ein Gitarrenkonzert<br />

des lokalen Duos<br />

„Estilo“. Es findet statt am<br />

Freitag, 4. <strong>Dezember</strong>, um 20<br />

Uhr. Erhältlich sind die Karten<br />

unter anderem Bei Peissen-<br />

Buch (08803 / 498581), Buch<br />

am Bach (08861 / 66212) und<br />

dem Kreisboten Ticketservice<br />

(0881/ 686-11).<br />

Ob die Veranstaltungen tatsächlich<br />

durchgeführt wer<strong>den</strong><br />

dürfen, hängt stark von <strong>den</strong><br />

g Okauf<br />

Corona-Fallzahlen ab, die seit Anfang Oktober<br />

wieder deutlich ansteigen — auf<br />

ähnlich hohe Werte wie im April.<br />

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verschie<strong>den</strong>er Bereiche<br />

Mitarbeit & Integration ins Team ab dem ersten Tag<br />

Einführungstage und familiäres Arbeitsklima<br />

Individuelle Betreuung durch die Ausbilder<br />

Gute Übernahmechancen bei erfolgreichem<br />

Abschluss<br />

Überdurchschnittliche Vergütung<br />

Gleitende Arbeitszeit<br />

Weitere Informationen zu unseren Ausbildungsberufen<br />

findest du auf www.zarges.de/ausbildung<br />

Wir freuen uns auf Deine Bewerbungsunterlagen an<br />

personal@zarges.de oder die angegebene Adresse.<br />

ZARGES GmbH | Zargesstraße 7 | 82362 Weilheim<br />

Tel. +49 881 687 237<br />

www.zarges.de/ausbildung<br />

Nähe, Mut und Vielfalt –<br />

die Gewinner<br />

Altlandkreis | <strong>Das</strong> Netzwerk „Unser Land“<br />

hat vor wenigen Wochen ein neues Buch<br />

mit dem Titel „Nähe, Mut und Vielfalt –<br />

Regionalität wirkt!“ herausgebracht. Darin<br />

wird explizit auf <strong>den</strong> Brotkreislauf eingegangen,<br />

der bekanntlich als „die Mutter“<br />

aller Nahrungsmittel gilt. In unserer September/Oktober-<strong>Ausgabe</strong><br />

haben wir <strong>den</strong><br />

118-Seiter etwas näher vorgestellt, darüber<br />

hinaus drei Exemplare verlost. Die glücklichen<br />

Gewinner diesmal: Andre Girgner<br />

aus Penzberg, Lore Weiß-Kral aus Peiting<br />

und Rosemarie Christa aus<br />

Steinga<strong>den</strong>. Wir gratulieren<br />

recht herzlich!<br />

js<br />

42 | <strong>altlandkreis</strong><br />

Fotoausstellung im Ballenhaus<br />

Schongau | Nur alle vier bis fünf Jahre stellt der Fotoclub<br />

Schongau e.V. seine besten Motive aus. Heuer<br />

ist es endlich wieder soweit. Sofern es Corona zulässt,<br />

wer<strong>den</strong> ganze 23 Mitglieder die komplette Bandbreite<br />

der Fotografie präsentieren. Unter anderem im<br />

Rahmen einer Sonderausstellung, die ausschließlich<br />

preisgekrönte Fotos aus diversen Wettbewerben zeigt.<br />

Und zwar am Samstag, 21. <strong>November</strong> und Sonntag,<br />

22. <strong>November</strong>, jeweils von 10 bis 16 Uhr im Ballenhaus<br />

Schongau. Der Eintritt ist frei. Besucher wer<strong>den</strong> jedoch<br />

gebeten, sich an die entsprechen<strong>den</strong><br />

Hygienemaßnahmen<br />

wie Munde-Nase-<br />

Bedeckung und<br />

Abstandhaltung<br />

zu halten.<br />

js


ELTERNTALK auch in Zeiten der Pandemie<br />

Altlandkreis | Familien sind aufgrund Corona besonders gefordert.<br />

Einerseits möchten sie ihre Kinder so gut es geht vor einer möglichen<br />

Infektion schützen, andererseits möglichst unbelastet aufwachsen<br />

lassen. Beides uneingeschränkt unter einen Hut zu bringen ist derzeit<br />

unmöglich. Wer sich in dieser schwierigen Zeit alleingelassen fühlt<br />

mit familiären, erzieherischen Problemen, kann sich an ELTERNTALK<br />

wen<strong>den</strong>. Es handelt sich um eine vom Freistaat geförderte Organisation<br />

mit folgendem Hintergedanken: Eltern sind in der Regel die<br />

wahren Experten ihrer Kinder. Insofern macht es Sinn, dass sie sich<br />

regelmäßig zu einem offenen Austausch treffen. Davon profitieren<br />

wiederum die einzelnen Väter und Mütter. In Zeiten von Corona sicherlich<br />

in besonderem Maße. Die Talks fin<strong>den</strong> derzeit in Peißenberg,<br />

Peiting, Schongau und Altenstadt unter Einhaltung<br />

entsprechender Hygienestandards statt. Nähere Informajtionen<br />

gibt’s bei Gabriele Jocher unter 0170 / 4471767. Wucherpfennig verlässt IHK-Geschäftsstelle<br />

Staatlich geprüfte/r<br />

Maschinenbautechniker/in<br />

KERN.Architekten ©Photostudio Julia Schambeck<br />

Ausbildung in Vollzeit oder berufsbegleitender<br />

Teilzeit<br />

Burkhart-Grob-Schule<br />

Staatliche Fachschule<br />

(Technikerschule) <strong>für</strong><br />

Maschinenbautechnik<br />

Westernacher Straße 5<br />

87719 Mindelheim<br />

Tel. 08261 7620-0<br />

Fax 08261 7620-99<br />

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verwaltung@bsmn.de<br />

Anmeldung ab sofort möglich<br />

Infoabend am:<br />

Donnerstag,<br />

04.02.2021<br />

um 19:00 Uhr<br />

Weilheim | Jens Wucherpfennig, seit <strong>November</strong> 2016 Leiter der IHK-<br />

Geschäftsstelle in Weilheim, übernimmt zum 1. Januar 2021 die Leitung<br />

der IHK-Geschäftsstelle in Rosenheim. Noch bis Jahresende verantwortet<br />

der Regionalökonom die Betreuung von mehr als 37 000<br />

IHK-Mitgliedsunternehmen in <strong>den</strong> Landkreisen Weilheim-Schongau,<br />

Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz-Wolfratshausen und<br />

Landsberg am Lech. Seine Nachfolge tritt kommissarisch<br />

Alexandra Scholz an. Die 37-Jährige ist seit Herbst 2017 als<br />

Regionalreferentin in Weilheims Geschäftsstelle stelle tätig und<br />

arbeitet in dieser Funktion sehr eng mit <strong>den</strong> in<br />

<strong>den</strong> IHK-Regionalausschüssen ehrenamtlich<br />

aktiven Unternehmern zusammen.<br />

js<br />

ASP <strong>für</strong> Menschen ungefährlich?<br />

Altlandkreis | Die Afrikanische Schweinepest, kurz ASP, ist sowohl<br />

<strong>für</strong> Menschen als auch Haustiere ungefährlich. Auch die Verbreitung<br />

hält sich deutschlandweit betrachtet bislang stark in Grenzen,<br />

weshalb <strong>für</strong> hiesige Schweinehalter kein Grund zur Sorge besteht.<br />

Bislang von ASP betroffen sind ausschließlich Wildschweine in<br />

Bran<strong>den</strong>burg. Übertragen wird der Erreger entweder durch direkten<br />

Kontakt von Tier zu Tier. Oder durch indirekte Übertragung, zum<br />

Beispiel durch das Fressen ASP-befallener Speisereste wie roher<br />

Schinken oder Rohwurst. Was jeder Bürger <strong>für</strong> sich tun kann, um<br />

die Situation weiterhin im Griff zu behalten: Bei Spaziergängen<br />

durch Wälder Hunde immer (!) an die Leine nehmen. n. Und auf gar<br />

keinen Fall Speisereste in die Natur werfen. <strong>Das</strong> gilt auch<br />

<strong>für</strong> <strong>den</strong> übriggebliebenen Rest einer mitgeführten Brotjzeit,<br />

zum Beispiel einer Wurstsemmel.<br />

www.<strong>altlandkreis</strong>.de<br />

Besuchen Sie uns online auf<br />

Café - Kultur - Kulinarik<br />

Feiern in familiärer Atmosphäre!<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mi. 17.00 - 22.00 Uhr<br />

Do. 13.00 - 22.00 Uhr<br />

Fr. 13.00 - 22.00 Uhr<br />

Sa. 13.00 - 23.00 Uhr<br />

So. 12.00 - 20.00 Uhr<br />

(und nach Vereinbarung)<br />

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november / dezember <strong>2020</strong> | 43


Neues Buch des Penzberger Autors Stefan König<br />

Die Zugspitze –<br />

ein Berg der Kontraste<br />

Wir wünschen Ihnen ein besinnliches Weihnachtsfest<br />

und ein gutes und gesundes neues Jahr!<br />

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Penzberg | Tageszeitungen,<br />

Rundfunk und Fernsehen – sie<br />

alle haben über die Erstbesteigung<br />

der Zugspitze berichtet,<br />

die sich am 27. August <strong>2020</strong> zum<br />

200. Mal jährte. Josef Naus hieß<br />

der Mann, ein Tiroler, der sich im<br />

Auftrag von König Maximilian I.<br />

auf <strong>den</strong> Weg machte an diesem<br />

Hochsommertag im Jahre<br />

1820. Genaugenommen sollte<br />

der damals 27-jährige Leutnant<br />

und Vermessungsingenieur<br />

Deutschlands höchsten Berg <strong>für</strong><br />

<strong>den</strong> „Topographischen Altas von<br />

Bayern“ genauer unter die Lupe<br />

nehmen. Hier<strong>für</strong> reiste der junge<br />

Mann bereits im Juli an <strong>den</strong><br />

Fuße des Berges an, um zunächst<br />

mehrere Erkundungstouren zu<br />

unternehmen. Die Expedition zur<br />

Erstbesteigung startete schließlich<br />

am 26. August 1820 mit einem<br />

Aufstieg zur Angerhütte. Von dort<br />

ging es am frühen Morgen des 27.<br />

Augustes, gegen 4 Uhr, los über<br />

das Zugspitzplatt und <strong>den</strong> Schneeferner-Gletscher<br />

hinauf zum West-<br />

Gipfel. Um 11.45 Uhr sei der junge<br />

Tiroler dort oben angekommen,<br />

rammte als Beweis seines bergsteigerischen<br />

Erfolgs einen kurzen<br />

Bergstock mit daran befestigtem<br />

Sacktuch in <strong>den</strong> Schnee. Mehr<br />

war aufgrund eines aufziehen<strong>den</strong><br />

Gewitters zeitlich nicht drin.<br />

Naus berichtete nach unbeschadeter<br />

Wiederankunft im Tal von<br />

einem Donnerwetter mit Schauer<br />

und Schneegestöber, von einem<br />

Abstieg unter größter Gefahr.<br />

<strong>Das</strong>s er mit dieser Erstbesteigung<br />

auch 200 Jahre danach noch<br />

<strong>für</strong> Schlagzeilen im kompletten<br />

deutschsprachigen Raum sorgen<br />

würde, war ihm damals sicher<br />

nicht bewusst. Ebenso wenig, wie<br />

viele Menschen es ihm seither<br />

gleichgetan haben. Rund 500 000<br />

Bergsteiger jährlich erklimmen<br />

<strong>den</strong> 2 962 Meter hohen Berg heutzutage.<br />

Als „Berg der Kontraste“ bezeichnet<br />

Stefan König die Zugspitze. Der<br />

renommierte Autor, Redakteur und<br />

Ausstellungsmacher aus Penzberg<br />

hat passend zum Erstbesteigungs-<br />

> > >BÜCHER ZU GEWINNEN<br />

Jubiläum Deutschlands höchsten<br />

Berg aus journalistischer Sicht<br />

genauer unter die Lupe genommen.<br />

<strong>Das</strong> Resultat: Ein 285<br />

Seiten starkes Buch, gespickt<br />

mit spannen<strong>den</strong>, witzigen und<br />

informativen Texten, aber auch<br />

atemberauben<strong>den</strong> Bildern von<br />

namhaften Fotografen. Aufgrund<br />

der technischen Entwicklung hat<br />

sich die Zugspitze vom reinrassigen<br />

Bergsteiger-Berg auch zum<br />

Touristen-Magnet entwickelt. Wer<br />

nicht fit genug, nicht schwindelfrei<br />

und nicht trittsicher ist, kann<br />

bequem mit der Seilbahn hochfahren.<br />

Sowohl vom Eibsee als<br />

auch von der österreichischen<br />

Seite, der Ehrwalder, führt eine<br />

hinauf. Und nicht zu vergessen: Die<br />

nostalgische Zahnradbahn.<br />

Stefan König schreibt von einer<br />

„magischen Anziehungskraft“, die<br />

von der Zugspitze auf Bergsteiger<br />

und Touristen ausgeht. Wer Lust<br />

auf spektakuläre Tiefblicke von<br />

Deutschlands höchstem Berg bekommen<br />

hat: <strong>Das</strong> neue Buch von<br />

Stefan König mit dem Titel „Zugspitze<br />

– Berg der Kontraste“, ist in<br />

allen regionalen Buchhandlungen<br />

<strong>für</strong> 35 Euro erhältlich.<br />

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Ihr Regionalmagazin „<strong>altlandkreis</strong>“ verlost 3 x 1 Exemplar des<br />

Buches „Zugspitze – Berg der Kontraste“. Schicken Sie uns bis<br />

15. <strong>November</strong> eine Postkarte mit dem Stichwort „2962 Meter“ an<br />

„<strong>altlandkreis</strong>“, Birkland 40, in 86971 Peiting. Oder eine E-Mail an<br />

info@<strong>altlandkreis</strong>.de. <strong>Das</strong> Los entscheidet, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.<br />

Wir wünschen viel Erfolg!<br />

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NEUBAU • UMBAU • RENOVIERUNG<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 45


Privatkapellen im <strong>Pfaffenwinkel</strong><br />

Einladungen zum Innehalten<br />

Altlandkreis | Mitten im oft hektischen<br />

Treiben der Menschen<br />

stehen, überall im <strong>Pfaffenwinkel</strong><br />

verteilt, private Kapellen. Unaufdringlich<br />

bieten sie an, doch einmal<br />

innezuhalten und sich auf <strong>den</strong><br />

Moment zu besinnen. Sie sind ein<br />

Teil unserer Kulturlandschaft. Zählen<br />

zu <strong>den</strong> auch von Besuchern<br />

geschätzten Besonderheiten unserer<br />

Region. Manche ziehen schon<br />

von weitem die Blicke auf sich.<br />

Andere stehen beschei<strong>den</strong> am<br />

Wegesrand – oder gar versteckt.<br />

Manche sind vielbesuchte Wallfahrtsziele,<br />

andere nur wenigen<br />

Menschen bekannt. Meist sind sie<br />

unverwechselbare kleine Bauwerke.<br />

Unikate. So verschie<strong>den</strong> in ihrer<br />

Form, wie die Menschen verschie<strong>den</strong><br />

waren, die sie erbaut haben.<br />

Gerade in abgelegenen Weilern<br />

boten die kleinen Andachtsräume<br />

die Möglichkeit, sich zum Gebet<br />

zusammenzufin<strong>den</strong>. Selbst im<br />

Winter, wenn schneebedingt der<br />

Weg in die Kirche nicht möglich<br />

war. Letztlich hat jede Kapelle ihre<br />

eigene Geschichte. Eng verknüpft<br />

mit Lebenserfahrungen und Entscheidungen<br />

der Erbauer. Ist auch<br />

ein Zeugnis einer Zeit. Gleichzeitig<br />

dokumentiert sie, wie <strong>für</strong>sorglich<br />

sich nachfolgende Generationen<br />

um <strong>den</strong> Erhalt der ihnen überlassenen<br />

Kapelle kümmern und sie in<br />

ihr Leben einbeziehen.<br />

Von außen<br />

wie ein Stadel<br />

So wie die Bauernfamilie Panholzer<br />

aus dem Weiler Reinthal sich<br />

seit nun schon über einhundert<br />

Jahren um die dortige Rokokokapelle<br />

kümmert. „Deren<br />

Hof zwischen Obersöchering<br />

und Habach kenne<br />

ich doch“, wer<strong>den</strong> viele<br />

sagen. „Dort ist ein Museum<br />

mit landwirtschaftlichen<br />

Geräten und Utensilien<br />

aus vergangenen Zeiten.<br />

Und vor allem: Ein Museumscafé<br />

mit selbstgebackenen Kuchen und<br />

Torten. Direkt am Radweg gelegen.<br />

Ideal <strong>für</strong> eine Rast. Überhaupt<br />

eine herrliche Gegend <strong>für</strong> Radtouren.<br />

Aber: Wo soll da eine Kapelle<br />

stehen? Weit und breit keine zu<br />

sehen.“ Stimmt – wenn man bestimmte<br />

Vorstellungen hat, wie<br />

Kapellen auszusehen haben. Aber<br />

diese hier ist ein Kleinod besonderer<br />

Art. Einzigartig in der Region<br />

und wahrscheinlich weit darüber<br />

hinaus. Ein kleiner Holzbau am<br />

östlichen Rand des Weilers, wenige<br />

Meter vom Weg entfernt in der<br />

Wiese stehend. Es lohnt sich, die<br />

Familie zu bitten, einen Blick<br />

ins sonst verschlossene Innere<br />

werfen zu dürfen.<br />

Man betritt eine unscheinbare<br />

Holzhütte mit<br />

schlichtem Brettermantel<br />

– und findet sich wieder<br />

in einer anheimeln<strong>den</strong><br />

Rokokokapelle mit<br />

aufwändiger Ausstattung.<br />

Teilweise<br />

wohl übernommen<br />

aus dem säkularisierten<br />

Stift<br />

Habach und der<br />

Pfarrkirche Obersöchering.<br />

Heiligenfiguren<br />

und<br />

Gemälde aus dem<br />

16., 17. und 18. Jahrhundert zieren<br />

die Kapelle. Wände und Holzdecke<br />

sind mit Ornamenten und Blumen<br />

in Rokokoformen bemalt.<br />

1734 wurde diese Weilerkapelle<br />

erstmals urkundlich erwähnt. Ihr<br />

wahres Alter ist nicht bekannt. Als<br />

um 1780 die Pfarrkirche in Obersöchering<br />

neu gebaut wurde, hatten<br />

die Bauern aus Reinthal mit ihren<br />

Zugtieren fleißig Spanndienste geleistet.<br />

Als Belohnung erhielten sie<br />

– neben vorderen Kirchenplätzen –<br />

zwei gotische Figuren der Apostel<br />

Petrus und Paulus. Diese gehören<br />

Die 1830 erbaute Leonhardskapelle im Schwabsoiener<br />

Weiler Dietlried.<br />

seither zum Inventar der Kapelle,<br />

die – nach einer Inschrift – im Jahr<br />

1787 in der heutigen Form erbaut<br />

wurde.<br />

Als 1803 die Säkularisation tief in<br />

kirchlichen Besitz eingriff und die<br />

Wertschätzung <strong>für</strong> kirchliches Kulturgut<br />

fehlte, wurde die Kapelle<br />

im wenige Kilometer entfernten<br />

Egenried versteckt, um sie vor<br />

dem Zugriff des Staates zu retten.<br />

Wenig später kam die Kapelle zurück<br />

an ihren alten Platz. In <strong>den</strong><br />

Besitz der Familie Panholzer kam<br />

sie nach dem ersten Weltkrieg, als<br />

Schon aus der Ferne sichtbar und zur Besinnung<br />

einla<strong>den</strong>d: Die Herz-Jesu-Kapelle am<br />

Radweg zwischen Wilzhofen und Haunshofen<br />

(im Hintergrund).<br />

46 | <strong>altlandkreis</strong>


das Flurstück, auf dem sie steht,<br />

ihrem Anwesen zugeordnet wurde.<br />

Jahrzehntelang kümmerte sich<br />

nun die Familie um <strong>den</strong> Erhalt der<br />

Kapelle, konnte aber nicht verhindern,<br />

dass dem kleinen Bauwerk<br />

der Verfall drohte. Fehlendes Fundament<br />

und Spritzwasser der nah<br />

vorbeiführen<strong>den</strong> Feldstraße setzten<br />

ihm sichtlich zu. Gemeinsam<br />

schafften es Familie, Pfarrgemeinde<br />

und Denkmalschutzbehör<strong>den</strong><br />

noch rechtzeitig, die Kapelle in <strong>den</strong><br />

Jahren 1993 bis 1996 fachkundig restaurieren<br />

zu lassen. Bei der Gelegenheit<br />

wurde sie einige Meter in<br />

die Wiese versetzt und erhielt ein<br />

Fundament.<br />

Die Leonhardskapelle<br />

in Dietlried<br />

Im Schwabsoiener Weiler Dietlried<br />

kümmert sich seit Generationen<br />

die Familie Eberle um <strong>den</strong> Erhalt<br />

ihrer Leonhardskapelle und hat<br />

sie Anfang der 1980er Jahre aufwändig<br />

renoviert. Etwas versteckt<br />

neben dem einzigen Hof liegt auch<br />

diese Kapelle. Allerdings nur versteckt<br />

hinter Baum- und Buschreihen.<br />

Steht man erst einmal davor,<br />

sieht man unverkennbar die liebevoll<br />

gepflegte Kleinausgabe einer<br />

Kirche. Im Jahr 1830 hat sie der<br />

damalige Hofbesitzer errichten lassen.<br />

Aus dieser Zeit stammt auch<br />

ein in die Decke eingelassenes<br />

Gemälde des Titelheiligen St. Leonhard.<br />

Beim Blick auf die weitere<br />

Ausstattung ahnt man aber bereits,<br />

dass sich mit der Kapelle Heimatgeschichte<br />

verbindet, die weit vor<br />

1830 zurückreicht. So stammen<br />

eine im 15. Jahrhundert gefertigte<br />

Muttergottesfigur und im 18.<br />

Jahrhundert gemalte Kreuzwegstationen<br />

„aus der aufgelassenen<br />

Kapelle des ehemaligen Weilers<br />

Habratshofen im Sachsenrieder<br />

Forst“. Einem Weiler, zweieinhalb<br />

Kilometer nordwestlich von Dietlried<br />

im Wald gelegen, nur noch auf<br />

historischen Karten zu fin<strong>den</strong>. Und<br />

nicht nur das. Die Leonhardskapelle<br />

wurde „unter Verwendung von<br />

Baumaterial der alten Wallfahrtskirche“<br />

errichtet. Was <strong>für</strong> eine<br />

Wallfahrtskirche?<br />

Forscht man dem nach, stößt<br />

man auf eine frühere Bedeutung<br />

des kleinen Weilers, die<br />

überrascht. Im Jahr 1188 ist das<br />

einstige Hofgut „Diethilderied“<br />

an der alten Reichsstraße von<br />

Schongau nach Kaufbeuren erstmals<br />

urkundlich erwähnt wor<strong>den</strong>.<br />

Es gehörte zum Füssener Kloster<br />

St. Mang und ging wenige Jahre<br />

später in <strong>den</strong> Besitz des Klosters<br />

Steinga<strong>den</strong> über. Der Weiler, mit<br />

einer kleinen Kirche, war bis 1524<br />

sogar Pfarrsitz, zu dem Ingenried<br />

gehörte. Ein im frühen 15. Jahrhundert<br />

geschnitztes Gna<strong>den</strong>bild<br />

der Muttergottes ließ eine Wallfahrt<br />

entstehen. Eine Erweiterung<br />

der Kirche wurde nötig, wegen des<br />

starken Zulaufs der Pilger im Jahr<br />

1479 sogar ein Neubau. Die damals<br />

bestätigte Wallfahrt zur Dietlrieder<br />

„Lieben Frau“ fand erst durch die<br />

Säkularisation im Jahr 1803 ein<br />

Ende. Die große Wallfahrtskirche<br />

wurde in <strong>den</strong> Folgejahren abgebrochen.<br />

Wohl vor Ort verbliebene<br />

Reste ihres Baumaterials dienten<br />

aber drei Jahrzehnte später<br />

zum Kapellenbau an gleicher<br />

Stelle.<br />

Jede der vielen Privatkapellen unserer<br />

Region hat ihre eigene Geschichte,<br />

ihren eigenen Charakter.<br />

Wir sollten uns ab und zu Zeit nehmen,<br />

sie näher kennenzulernen. kp<br />

Außen unscheinbar mit schlichtem Brettermantel: Die Weilerkapelle in<br />

Reinthal zwischen Obersöchering und Habach. Innen eine reich verzierte<br />

Rokokokapelle.<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 47


Trotz steigender Corona-Fallzahlen<br />

Hausärzte sind gerüstet<br />

Angebot der Deutschen<br />

Rentenversicherung –<br />

Gesundheitsprävention am<br />

Starnberger See<br />

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82347 Bernried am Starnberger See<br />

Wer<strong>den</strong><br />

Sie aktiv!<br />

Peiting | Husten, starker Schnupfen,<br />

Halsweh, Fieber, Heiserkeit –<br />

wer in diesen Tagen mit klassischen<br />

Grippesymptomen zu kämpfen<br />

hat, stellt sich automatisch die<br />

Fragen: Habe ich Corona? Muss ich<br />

mich testen lassen? In jedem Falle<br />

gilt: Wer sich verletzt oder krank<br />

fühlt, kann, soll und darf seinen<br />

Hausarzt nach wie vor zu gewohnten<br />

Öffnungszeiten aufsuchen,<br />

ohne dabei Angst, Panik oder gar<br />

ein schlechtes Gewissen haben zu<br />

müssen. Ganz im Gegenteil sogar:<br />

Die Hausarztpraxen im Schongauer<br />

Altlandkreis haben alle notwendigen<br />

Vorkehrungen getroffen, um<br />

ihren Betrieb ohne Ansteckungsgefahr<br />

(!) <strong>für</strong> sich und andere Patienten<br />

aufrechtzuerhalten. Wie?<br />

Indem sie ihre Praxen in zwei Bereiche<br />

unterteilten. Einmal in <strong>den</strong><br />

<strong>für</strong> Menschen mit Grippesymptomen,<br />

der laut Aussagen der Ärzte<br />

ebenfalls be<strong>den</strong>kenlos betreten<br />

wer<strong>den</strong> kann. Und einmal in <strong>den</strong><br />

<strong>für</strong> Menschen, die gesund sind,<br />

aber trotzdem zum Arzt müssen.<br />

Als gutes Beispiel <strong>für</strong> diese Separierung<br />

dient sicherlich die<br />

Gemeinschaftspraxis von Dr. Silke<br />

Kosian und Dr. Jelena Petrovic,<br />

niedergelassen am oberen Hauptplatz<br />

in Peiting. Deren klassische<br />

Praxis befindet sich im ersten<br />

Stock rechts. Patienten mit Grippesymptomen<br />

wer<strong>den</strong> fortan jedoch<br />

im Erdgeschoss auf der linken Seite<br />

des großen Gebäudekomplexes<br />

behandelt. Die vor kurzem dort<br />

ansässige Schokolaterie zog um,<br />

weshalb links neben der Apotheke<br />

zwei Räume freigewor<strong>den</strong> sind.<br />

Einer dieser Räume wurde nun in<br />

einen Infektions-Wartebereich mit<br />

Mindestabstän<strong>den</strong> und Trennwän<strong>den</strong><br />

eingerichtet. Der andere in<br />

48 | <strong>altlandkreis</strong><br />

einen sogenannten Infektions-Behandlungsraum,<br />

in dem nun alle<br />

Patienten untersucht, behandelt<br />

und auf Corona getestet wer<strong>den</strong>,<br />

die Grippesymptome aufweisen.<br />

Untersuchungen im<br />

Schutzanzug<br />

Und die Ärztinnen selbst? Die<br />

gehen sehr pflichtbewusst, gewissenhaft,<br />

aber auch gelassen<br />

und selbstbewusst mit der<br />

Corona-Situation um. Einerseits,<br />

weil sie ohnehin viel Erfahrung<br />

mit <strong>den</strong> klassischen Grippezeiten<br />

im Herbst und Winter haben und<br />

wissen, wie sie ihr Immunsystem<br />

stärken und schützen können. Andererseits<br />

sammelten sie im Zuge<br />

der ersten Corona-Welle von Februar<br />

bis Ende Mai entschei<strong>den</strong>de<br />

Erfahrung, sprechen mittlerweile<br />

sogar von Routine und haben auch<br />

alle anderen Praxisräume Corona-konform<br />

ideal ausgestattet.<br />

Zum Beispiel mit durchsichtigen<br />

Schutzwän<strong>den</strong> (von Hoerbiger).<br />

Darüber hinaus gilt Maskenpflicht<br />

<strong>für</strong> alle Patienten, Ärzte und Mitarbeiter.<br />

Es wird noch intensiver<br />

geputzt, desinfiziert und gelüftet.<br />

Und in diesem Infektionsbereich<br />

im Erdgeschoss ausschließlich<br />

in kompletter Schutzausrüstung<br />

gearbeitet – die Ärztinnen und<br />

Arzthelferinnen tragen hier<br />

Schutzanzug, Mundschutz, Kopfhaube<br />

sowie Schutzbrille oder<br />

Visier. „Abstände halten, sich<br />

häufiger waschen, regelmäßig an<br />

die frische Luft gehen, sich gesund<br />

und ausgewogen ernähren, und<br />

vor allem Ruhe bewahren“, sagt<br />

Dr. Silke Kosian auf die Frage, wie<br />

die Bürger da draußen am besten<br />

mit der zweiten Corona-Welle umgehen<br />

sollen. Sie sieht gute Chancen,<br />

„gerade hier auf dem Land,<br />

wo jeder rausgehen kann und<br />

Platz hat“, die Ausbreitung der<br />

Pandemie ähnlich gut im Griff zu<br />

halten wie zu Beginn des Jahres.<br />

Auch beruhigend: Die wenigsten<br />

Patienten, die tatsächlich positiv<br />

auf Corona getestet wur<strong>den</strong>,<br />

mussten aufgrund stärker wer<strong>den</strong>der<br />

Atembeschwer<strong>den</strong> zur Behandlung<br />

ins Krankenhaus. Heißt:<br />

Wer Corona-positiv getestet wird,<br />

ist nicht automatisch (schwer)<br />

krank.<br />

js<br />

Im Schutzanzug: Dr. Silke Kosian am Eingang der Infektionsräume.


DAS HEIMATRÄTSEL<br />

Eine grandiose Aussicht<br />

Altlandkreis | Gar nicht so leicht, in<br />

Zeiten von Corona und der wieder<br />

nach oben schnellen<strong>den</strong> Infektionszahlen<br />

gute Laune zu bewahren.<br />

Wie gefährlich ist das Virus<br />

wirklich? Wie viele Bürger aus<br />

dem Schongauer Raum wird es im<br />

Zuge der zweiten Welle erwischen?<br />

Bricht die Wirtschaft im Falle eines<br />

weiteren, flächendecken<strong>den</strong><br />

Lockdowns komplett ein? Weihnachtsstimmung<br />

kommt an diesen<br />

Tagen sicherlich keine auf. Dabei<br />

steht der erste Advent unmittelbar<br />

vor der Tür. Höchstwahrscheinlich<br />

ohne jeglichen Weihnachtsmarkt,<br />

ohne besinnliche Konzerte, ohne<br />

Gottesdienste mit vollbesetzten Kirchen.<br />

Die einzige Möglichkeit, sich<br />

auf die Stade Zeit zu besinnen: Es<br />

sich zuhause im engsten Kreis der<br />

Familie gemütlich machen. Und<br />

zwischendrin immer wieder mal<br />

Frischluft schnappen im Rahmen<br />

eines Spazierganges. Letzteres ist<br />

im Schongauer Altlandkreis trotz<br />

Abstandhaltung ohne Weiteres<br />

möglich. Ob an Ammer oder Lech<br />

entlang. Durch einen der zahlreichen<br />

Wälder. Oder über die<br />

schier unzähligen Hügel, die das<br />

Landschaftsbild im Voralpenland<br />

prägen. Reichlich Platz und frische<br />

Luft wer<strong>den</strong> Sie alle, liebe Leser,<br />

fin<strong>den</strong>. Passend dazu fragen wir<br />

Sie im Rahmen unseres neuen<br />

Heimaträtsels: Oberhalb welcher<br />

Ortschaft befindet sich dieses idyllische<br />

Platzerl, das an Tagen ohne<br />

grellend-blen<strong>den</strong>des Sonnenlicht<br />

Ausblick auf die nahezu komplette<br />

Nordkette der Alpen bietet? Kleiner<br />

Tipp: Gleich drei Panoramatafeln,<br />

die zwischen Baumstamm und<br />

> > > IMPRESSUM<br />

„<strong>altlandkreis</strong>“<br />

der „<strong>altlandkreis</strong>“ ist ein Medium von<br />

Birkland 40 in 86971 Peiting<br />

Telefon: 08869 / 91 22-16<br />

Fax: 08869 / 91 22-17<br />

Mail: info@<strong>altlandkreis</strong>.de<br />

Stand bei Drucklegung im Oktober <strong>2020</strong>.<br />

Änderungen und Fehler vorbehalten.<br />

Auflage: 28000 Exemplare<br />

Für eingesandte Manuskripte wird keine Haftung sowie keine<br />

Erscheinungsgewähr übernommen.<br />

Geplanter Erscheinungstermin der nächsten <strong>Ausgabe</strong> Januar / Februar<br />

2021: Freitag, 18. <strong>Dezember</strong> <strong>2020</strong> (Anzeigenschluss: 30 <strong>November</strong> <strong>2020</strong>)<br />

Herausgeber: Peter Ostenrieder<br />

Redaktion: Johannes Schelle, Peter Ostenrieder (V.i.S.d.P.)<br />

Sitzbank aufgereiht stehen, prägen<br />

dieses exponierte Platzerl.<br />

Schicken Sie uns bis 15. <strong>November</strong><br />

die Lösung mit dem Stichwort<br />

„Heimaträtsel“ an „<strong>altlandkreis</strong>“,<br />

Birkland 40, in 86971 Peiting. Oder<br />

eine E-Mail an info@<strong>altlandkreis</strong>.<br />

de. Zu gewinnen gibt es wieder<br />

fünf Drei-Stun<strong>den</strong>-Karten <strong>für</strong> einen<br />

Aufenthalt im Schongauer<br />

Erlebnisbad Plantsch. <strong>Das</strong> Los entscheidet,<br />

der Rechtsweg ist ausgeschlossen.<br />

Wir wünschen viel<br />

Erfolg!<br />

js<br />

Mitarbeiter dieser <strong>Ausgabe</strong>: Hubert Hunscheidt, Ernst-Dietrich Limper,<br />

Klaus Papenfuß<br />

Anzeigenverkauf: Wolfgang Stuhler<br />

Satz, Layout & Anzeigengestaltung: Peter Ostenrieder, Kurt Zarbock,<br />

Irmgard Gruber, Jeannine Echtler, Christian Lechner<br />

Druck: Gebr. Geiselberger GmbH, Martin-Moser-Str. 23, 84503 Altötting<br />

Verteilservice: KBV Vertriebs GmbH, Am Wei<strong>den</strong>bach 8, 82362 Weilheim<br />

Erscheinungsweise: zweimonatig, kostenlose Verteilung<br />

an alle Haushalte im Altlandkreis Schongau und einzelnen<br />

angrenzen<strong>den</strong> Gemein<strong>den</strong><br />

Die aktuellen Anzeigenpreise, Mediadaten sowie Erscheinungstermine<br />

und weitere technische Angaben fin<strong>den</strong> Sie auf unserer<br />

Webseite www.<strong>altlandkreis</strong>.de.<br />

DES LETZTEN RÄTSELS LÖSUNG<br />

Welche Filme auf <strong>den</strong> Schaufenster-Plakaten des seit Jahren geschlossenen<br />

Kinos in Peiting abgebildet sind? <strong>Das</strong> wollten wir in<br />

unserer September / Oktober-<strong>Ausgabe</strong> wissen. „PLANES“ und „Mr.<br />

Peabody & Sherman“, so die richtige Lösung. Gewusst haben das<br />

unter anderem: Alexander Hoenig aus Peißenberg, Simone Eberle<br />

aus Rettenbach, Birgit Waldmann aus Schwabniederhofen, Martina<br />

Wild aus Altenstadt und Tatjana Junitsch aus Hohenfurch. Wir gratulieren<br />

recht herzlich zum jeweiligen Gewinn einer Eintrittskarte <strong>für</strong><br />

dreistündigen Badespaß im Schongauer Plantsch.<br />

Herzlichen Glückwunsch!<br />

Fotos: Felix Baab, Johannes Schelle, Adobe Stock,<br />

Ernst-Dietrich Limper, Hubert Hunscheidt, Kurt<br />

Zarbock, Philipp Rupprecht, Zacherl Fotografie, Birgit<br />

Häfner, Matthias Buchleitner, Andreas Rinesch, Rian<br />

Sports, Ärtzlicher Bezirksverband Oberbayern (ÄBO),<br />

Energiewende Oberland, Ingrid Kahlert, Gemeinschaftspraxis<br />

Dr. Silke Kosian und Dr. Jelena Petrovic,<br />

Udo Leist, Musikhaus Kirstein, Werner Zöpf, Bettina<br />

Eder, Malteser Hilfsdienst Weilheim, Karolin Schneck,<br />

Krankenhaus GmbH Weilheim-Schongau, Isa Berndt,<br />

Reich Sportwagen, Kugelmann Maschinenbau e.K.,<br />

Klaus Papenfuß, Florian Schilcher, Andreas Gebert,<br />

Raphael Bucher, Michael Holzinger, David Scharfenberg,<br />

Cafè Süßwahn Dießen, Nicole Burk<br />

www.<strong>altlandkreis</strong>.de<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 49


Eine demographische Katastrophe <strong>für</strong> die Welt<br />

Pestfriedhöfe erinnern an Pandemie<br />

Altlandkreis | Die Pest, die besonders<br />

in <strong>den</strong> vier Jahrhunderten<br />

zwischen 1348 und 1720 <strong>für</strong> eine<br />

demographische Katastrophe auf<br />

der Welt sorgte, brachte auch im<br />

Altlandkreis Unheil und Verderben<br />

über Land und Leute. Einige Pestfriedhöfe<br />

zeugen noch heute von<br />

dieser unheilvollen Zeit.<br />

Die Pest oder der „Schwarze Tod",<br />

wie die Krankheit wegen der dunkelrot<br />

gefärbten Pestbeulen auf<br />

der Haut ihrer Opfer genannt wurde,<br />

rottete zwischen 1348 und 1351<br />

innerhalb kürzester Zeit ein Drittel<br />

der europäischen Bevölkerung<br />

aus. Ihren Ursprung hatte die Seuche<br />

an <strong>den</strong> Ufern des Asowschen<br />

Meeres. Von dort wurde sie über<br />

die Hafenstädte Konstantinopel<br />

und Genua weiterverbreitet und<br />

trat ihren Vernichtungsfeldzug<br />

quer durch Europa an. Mit dem<br />

Tod von etwa 25 Millionen Menschen<br />

entvölkerte sie innerhalb<br />

kurzer Zeit ganze Landstriche.<br />

Die Krankheit wurde seinerzeit von<br />

einem Bakterium namens „Yersinia<br />

pestis“ hervorgerufen und über<br />

Menschenflöhe von <strong>den</strong> Sterben<strong>den</strong><br />

auf die Gesun<strong>den</strong> übertragen.<br />

Die massenhafte Ansteckung bewirkte<br />

Auflösungserscheinungen<br />

im Alltag und in der gewohnten<br />

Umgebung. Alle Gebote der Nächstenliebe<br />

wur<strong>den</strong> vergessen und<br />

gingen unter, die Kranken blieben<br />

häufig sich selbst überlassen.<br />

Familienmitglieder verweigerten<br />

die Pflege ihrer Angehörigen und<br />

sogar Eltern ließen ihre Kinder<br />

allein zurück. Ärzte, die meist mit<br />

Kräuterverbrennungen und Aderlass<br />

zu Werke gingen, erschienen<br />

letztendlich nicht mehr am Krankenbett<br />

und Priester weigerten<br />

sich aus Angst vor Ansteckung, die<br />

Sterbesakramente zu verabreichen.<br />

Man versuchte, die Kranken in abgeschirmte<br />

Bereiche zu bringen,<br />

die scharf bewacht wur<strong>den</strong>.<br />

Pest beendete das<br />

Mittelalter<br />

Historiker sagen, dass die Pest das<br />

Mittelalter beendete und die Renaissance<br />

einläutete. <strong>Das</strong> Vertrauen<br />

in die göttliche Ordnung und in<br />

die Autorität der Kirche war gestört<br />

und die Kirche wiederum begründete<br />

die Seuche damit, dass die<br />

Sün<strong>den</strong> der Menschen die Strafe<br />

Gottes nach sich ziehen wür<strong>den</strong>.<br />

Die Pestfriedhöfe waren ab dem<br />

Mittelalter meist abseits der<br />

Siedlungszentren angelegte Begräbnisplätze.<br />

Hier konnten die<br />

Seuchenopfer schnell bestattet<br />

wer<strong>den</strong>. Der Pestfriedhof von<br />

Wildsteig ist ein schönes Beispiel,<br />

liegt er doch etwa einen Kilometer<br />

außerhalb des Dorfes.<br />

Meist wur<strong>den</strong> die<br />

Toten ohne kirchliche<br />

Zeremonie<br />

beerdigt, was<br />

erst später,<br />

nach Abklingen<br />

der Seuche,<br />

nachgeholt<br />

wurde. In Wildsteig<br />

verstarben<br />

etwa 150 Menschen an der Pest –<br />

eine Zahl, die im Vergleich zu<br />

Schwabbruck, angesichts der Tatsache,<br />

dass der Ort fast vollständig<br />

entvölkert wurde, relativ gering erscheint.<br />

In Böbing, das 187 Tote zu<br />

beklagen hatte, erinnern Pestfriedhof<br />

und die gleichnamige Straße<br />

an die schreckliche Zeit. In Schongau<br />

wur<strong>den</strong> die Menschen im<br />

Stadtfriedhof beigesetzt. 1846 sind<br />

Der Pestfriedhof in Rottenbuch ist einer<br />

der best erhaltenen im Altlandkreis.<br />

50 | <strong>altlandkreis</strong>


mit der Neuordnung des Friedhofs<br />

die Pestgräber verschwun<strong>den</strong>. Im<br />

christlichen Glauben gelten Rochus<br />

und Sebastian als die Schutzheiligen<br />

der Pest. Deshalb wurde<br />

die Kirche am Schongauer Friedhof<br />

nach dem Pestpatron Sebastian<br />

benannt.<br />

Dr. Sigfrid Hofmann beschreibt<br />

in seinem Buch „Der Landkreis<br />

Schongau – Ein Heimatbuch“ die<br />

Lage in Sachsenried, dass „vom<br />

Juni bis <strong>Dezember</strong> 98 Erwachsene<br />

und 56 Kinder durch die Pest verstorben<br />

sind“. In diesem Buch wird<br />

auch die Dramatik dieser Zeit präsent:<br />

„Es flüchtete alles aus dem<br />

Dorf was immer durfte und konnte<br />

und wohnte in abgelegenen Hütten<br />

umher. Da sie aber auch dort<br />

die Pest verfolgte, kehrten wieder<br />

einige ins Dorf zurück.“<br />

Die Gemeinde Peiting erlebte im<br />

14. Jahrhundert gleich mehrere<br />

Desaster. So verwüstete 1348 ein<br />

Erdbeben einen Teil der Welfenburg<br />

auf dem Schneckenbichl, und<br />

1349 brach die Pest aus, deren Opfer<br />

auf dem Pestfriedhof am Fuße<br />

des Kreuzberges bestattet wur<strong>den</strong>.<br />

Die zugehörige Kapelle ist ebenfalls<br />

St. Sebastian gewidmet.<br />

Der Pestfriedhof in Wildsteig – im wahrsten Sinn des Wortes eine Stätte<br />

der Ruhe. Er befindet sich auffallend weit vom Hauptort entfernt.<br />

Der am besten erhaltene Pestfriedhof<br />

im Schongauer Land ist der in<br />

Rottenbuch. Auf dem Rochusbichl<br />

neben der Rochuskapelle hatte<br />

schon ein erster Pestfriedhof<br />

bestan<strong>den</strong>. 1633 errichteten die<br />

Chorherren hier einen weiteren<br />

mit Ummauerung und einem Bildstock.<br />

Wie viele Tote die Gemeinde<br />

zu beklagen hatte lässt sich nicht<br />

mehr nachvollziehen, da die Sterbematrikel<br />

verschollen ist. 1634<br />

starben innerhalb von 50 Tagen<br />

zwei Rottenbucher Chorherren als<br />

Pfarrvikare von Oberammergau an<br />

der Pest. Daher legten die Oberammergauer<br />

noch<br />

im selben Jahr ihr<br />

Pestgelübde ab, das<br />

die Geburtsstunde<br />

der Passionsspiele<br />

bildete.<br />

Ebenfalls einem<br />

Gelübde folgt Steinga<strong>den</strong>.<br />

Abt Joachim<br />

Wiedemann ließ<br />

1564 das Kirchlein<br />

zum Heiligen Kreuz<br />

oberhalb des Biberschwöller<br />

Sees<br />

errichten. Damals<br />

wur<strong>den</strong> die Pesttoten<br />

der Gemeinde<br />

Fronreiten im Schatten<br />

des Heiligtums<br />

zur letzten Ruhe gebettet.<br />

Und seit dieser Zeit gibt es<br />

alljährlich am Sonntag nach dem<br />

St. Ulrichstag am 4. Juli <strong>den</strong> St. Ulrichsritt<br />

um dieses Kirchlein.<br />

Auch in Denklingen hatten Land<br />

und Leute unter dem 30-jährigen<br />

Krieg schwer zu lei<strong>den</strong>. Die Pest<br />

ließ nur wenige Menschen am Leben.<br />

Neun Männer gelobten eine<br />

jährliche Wallfahrt nach Klosterlechfeld.<br />

Können sich solche<br />

Tragödien wiederholen?<br />

Angesichts der akuten Pandemie<br />

durch das Coronavirus erklärt<br />

Kreisheimatpfleger Helmut<br />

Schmidbauer: „Während des<br />

Mittelalters waren Tausende von<br />

Pilgern unterwegs. In Schongau,<br />

als einem der Hauptorte auf der<br />

Route in Richtung Italien, machten<br />

zahlreiche Fremde Station. Sobald<br />

dann von einer anstecken<strong>den</strong><br />

Krankheit zu hören war, wur<strong>den</strong><br />

als rigorose Maßnahme die Stadttore<br />

geschlossen, um die Bürger<br />

und Gäste zu schützen.“ Was allerdings<br />

nicht immer gelang.<br />

So neu ist also die auch jetzt getroffene<br />

Überlegung nicht, wenn<br />

angesichts fehlender wirksamer<br />

Medizin die „Tore geschlossen“<br />

wer<strong>den</strong>, um Menschen vor Ansteckungen<br />

zu schützen.<br />

hun<br />

Am Fuß des Kreuzbergs erinnert in Peiting eine Kapelle an<br />

<strong>den</strong> Pestfriedhof, der im Jahr 1349 angelegt wor<strong>den</strong> war.<br />

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<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 51


Melken mit dem Roboter<br />

Eine Umstellung <strong>für</strong><br />

Mensch und Tier<br />

Apfeldorf-Wies | In Milchviehställen<br />

mit klassischen Melkstän<strong>den</strong><br />

ist sowohl früh morgens als auch<br />

abends Action geboten – bis zu<br />

16, 20 oder noch mehr Kühe wer<strong>den</strong><br />

in Doppel- oder Fischgräten-<br />

Stän<strong>den</strong> gleichzeitig gemolken.<br />

Die Zitzenbecher (Saugnäpfe) der<br />

Melkmaschine wer<strong>den</strong> dabei noch<br />

händisch an die Zitzen der Euter<br />

angesetzt. Auf dem „Schölderlehof“<br />

von Michael und Veronika<br />

Staltmayr in Apfeldorf-Wies dagegen<br />

sieht das Melkprocedere ganz<br />

anders aus. Als sich das junge<br />

Ehepaar vor rund drei Jahren <strong>für</strong><br />

<strong>den</strong> Bau eines neuen Laufstalls<br />

entschie<strong>den</strong> hat, wurde im Zuge<br />

dessen ein topmoderner Melkroboter<br />

installiert. Die ersten Tage<br />

und Wochen des Stallbezugs waren<br />

Stress pur. „Für Mensch und<br />

Tier“, geben die bei<strong>den</strong> offen und<br />

ehrlich zu. Kühe, die seit Jahren<br />

nach altem Muster gemolken wur<strong>den</strong>,<br />

mussten schrittweise an das<br />

komplett neue System herangeführt<br />

wer<strong>den</strong>. „Wir haben die ersten<br />

Tage oft bis zu 20 Stun<strong>den</strong> im<br />

Stall verbracht – Tag und Nacht.“<br />

Teilweise wur<strong>den</strong> Halfter angelegt,<br />

um die jeweilige Kuh einzeln in<br />

<strong>den</strong> Melkroboterstand hineinzuführen.<br />

Die Weihnachtszeit Ende<br />

2019 war demnach alles andere<br />

als ruhig <strong>für</strong> die bei<strong>den</strong>. Inzwischen<br />

läuft der Milchviehbetrieb<br />

mit Melkroboter seit knapp einem<br />

Jahr. „Und wir sind wirklich sehr<br />

zufrie<strong>den</strong>“, sind sich Michael und<br />

Veronika einig. Hintergrund: Die<br />

Eltern von Michael Staltmayr sind<br />

beide hauptberuflich anderweitig<br />

tätig. Die Großeltern in die Jahre<br />

gekommen, nicht mehr in der<br />

Lage, körperlich voll mitzuarbeiten.<br />

„Insofern hat es eigentlich nur<br />

diese eine Lösung, die mit Melkroboter,<br />

<strong>für</strong> uns gegeben“, sagt Veronika,<br />

vor kurzem erstmals Mutter<br />

gewor<strong>den</strong> und deshalb auch nicht<br />

in der Lage, ihrem Mann voll und<br />

ganz unter die Arme zu greifen. Zu<br />

Beginn der Laufstall-Bau-Planungen<br />

war Michael Staltmayr jedoch<br />

skeptisch in Sachen Melkroboter.<br />

Erst im Rahmen eines Stallbau-<br />

Seminars in Kaufbeuren, bei dem<br />

auch mehrere Vertreter führender<br />

Melkroboter-Hersteller ihre Produkte<br />

vorgestellt haben, legten<br />

sich seine Zweifel. Spätestens nach<br />

der Besichtigung anderer Höfe mit<br />

diesem modernen System. Heute<br />

sagt der 29-Jährige voll überzeugt:<br />

„Alles richtig gemacht.“<br />

Gemolken wird Tag<br />

und Nacht<br />

Für die derzeit 65 Milchkühe der<br />

kunterbunt gemischten Herde aus<br />

<strong>den</strong> Rassen Braunvieh, Fleckvieh,<br />

Schwarz-Bunt und Rot-Bunt sieht<br />

der Alltag jetzt so aus: Im geräumigen<br />

und luftigen Laufstall<br />

mit Spaltenbo<strong>den</strong> und eingestreuten<br />

Tiefboxen dürfen die Vierbei-<br />

Zwischen <strong>den</strong> Melkvorgängen wird gefressen: Veronika Staltmayr sorgt mit frischem Heu <strong>für</strong> Futternachschub.<br />

52 | <strong>altlandkreis</strong>


Michael Staltmayr zeigt auf <strong>den</strong><br />

Melkroboter-Bildschirm (li.). Die<br />

gemolkene Kuh im Hintergrund<br />

verschwindet regelrecht hinter<br />

modernster Technik.<br />

ner selbst st entschei<strong>den</strong>,<br />

wann und wo sie fressen,<br />

ruhen, schlafen, sich bürsten oder<br />

melken lassen. Der Melkstand des<br />

Roboters ist nämlich rund um die<br />

Uhr – an 24 Stun<strong>den</strong> und sieben<br />

Tage die Woche – zugänglich. Über<br />

aufklappbare „Saloon-Türen“ aus<br />

gebogenen Stahlrohren erreichen<br />

die Kühe zunächst einen kleineren<br />

Wartebereich. Von dort kann<br />

wiederum immer nur eine Kuh<br />

dann in <strong>den</strong> Melkroboter-Stand<br />

hinein. Ob die im Stand stehende<br />

Kuh tatsächlich gemolken wird,<br />

entscheidet letztlich der Computer.<br />

Hintergrund: Jede Milchkuh der<br />

Staltmayrs ist mit einem Halsband<br />

samt Transponder ausgestattet.<br />

Sobald eine <strong>den</strong> Melkroboterstand<br />

betritt, erkennt der PC sofort deren<br />

Name, Geburtsdatum, durchschnittliche<br />

Milchleistung, Kraftfutterverbrauch,<br />

Eutergesundheit,<br />

Milchqualität und eben auch,<br />

wann die Kuh zuletzt beim Melken<br />

war – und wie viele Liter sie dabei<br />

abgegeben hat. „Im Idealfall<br />

wird eine Kuh drei Mal am Tag gemolken,<br />

geht alle 6,5 Stun<strong>den</strong> in<br />

<strong>den</strong> Melkstand hinein“, sagt<br />

Veronika Staltmayr. Kommt<br />

eine Kuh zu oft in <strong>den</strong> Melkstand,<br />

beispielsweise alle zwei, drei<br />

Stun<strong>den</strong>, erkennt der Roboter das<br />

auch, melkt sie nicht und schickt<br />

sie mittels sanftem Klapps auf <strong>den</strong><br />

Rücken wieder aus dem Stand hinaus.<br />

Tatsächlich haben sich die Milchkühe<br />

der Staltmayrs inzwischen<br />

gut an das neue, maximal flexible<br />

Melksystem gewöhnt. „Bis auf<br />

wenige Ausnahmen funktioniert<br />

unser neues System reibungslos<br />

gut.“ Nur drei Kühe scheuen noch<br />

<strong>den</strong> regelmäßigen, selbstständigen<br />

Gang zum Melkroboterstand,<br />

müssen von Michael oder Veronika<br />

Staltmayr geholt wer<strong>den</strong>. Technisch<br />

betrachtet haben die bei<strong>den</strong><br />

dagegen gar keine Einwände zu<br />

bemängeln.<br />

Milchfahrer muss zwei<br />

Mal drücken<br />

Gekostet hat die topmoderne<br />

Melkroboter-Anlage samt<br />

Spaltenschieber (vollautomatischer<br />

Mistroboter), 5000-Liter-<br />

Milchtank, 300-Liter-Wasserboiler,<br />

Transponder-Halsbänder<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 53


<strong>für</strong> alle Kühe, Förderschnecke <strong>für</strong><br />

Kraftfutter sowie Montage und Installation<br />

185 000 Euro. Im Preis inbegriffen<br />

sind auch PC-Programm<br />

und Spezial-App. Der Melkroboter<br />

ist direkt mit dem PC im Stallbüro<br />

verknüpft, obendrein mit dem<br />

PC im Wohnhaus und darüber<br />

hinaus mit <strong>den</strong> Smartphones von<br />

Michael und Veronika Staltmayr.<br />

Sollte mal eine Kuh nicht mehr<br />

aus dem Melkstand gehen, oder<br />

ein technisches Problem auftreten,<br />

ertönt auf <strong>den</strong> Handys der bei<strong>den</strong><br />

ein unüberhörbares Signal. Wobei<br />

die bei<strong>den</strong> selbst dann nicht<br />

immer raus müssen in <strong>den</strong> Stall.<br />

Entweder ist das Problem auf Anhieb<br />

über die Computersteuerung<br />

lösbar, oder auf einem der Kamerabilder<br />

zu erkennen. „Und dann<br />

weniger schlimm, als be<strong>für</strong>chtet.“<br />

Hintergrund: Zusätzlich haben die<br />

Staltmayrs zwei Kameras inklusive<br />

Mikrofon im Laufstall installiert,<br />

sehen und hören <strong>den</strong> Wartebereich<br />

vor dem Melkroboter sowie<br />

die Abkalbebox rund um die Uhr<br />

auf ihrem Display.<br />

Vollautomatisch erfolgt auch die<br />

Reinigung der Melkroboter-Anlage.<br />

Zwei Mal am Tag mit 82 Grad<br />

heißem Wasser und speziellem<br />

Reinigungsmittel. Dazwischen erfolgen<br />

immer wieder kürzere Reinigungsprozesse,<br />

ausschließlich<br />

mit Wasser.<br />

Kleinere Wartungsarbeiten kann<br />

Michael Staltmayr eigenhändig<br />

durchführen. Für <strong>den</strong> großen Service<br />

zwei Mal im Jahr kommen<br />

vom Roboter-Hersteller gebriefte<br />

Fachkräfte. Lediglich die betonierte<br />

Garage, in die der Melkroboter<br />

verbaut wurde, sowie der Maschinen-Raum<br />

der Anlage, muss von<br />

<strong>den</strong> Staltmayrs selbst regelmäßig<br />

gewaschen wer<strong>den</strong>. Aber was<br />

passiert, wenn der Milchfahrer<br />

kommt? „Der muss im Grunde<br />

nur zwei Mal auf einen Knopf<br />

drücken“, sagt Michael. Erst, um<br />

sich anzumel<strong>den</strong>. Abschließend,<br />

um eine vollautomatische Reinigung<br />

der Anlage samt Milchtank<br />

einzuleiten. Falls bei Ankunft des<br />

Milchfahrers gerade eine Kuh gemolken<br />

wird, bricht der Roboter<br />

<strong>den</strong> Melkvorgang trotz Knopfdruck<br />

nicht vorzeitig ab – diese Kuh wird<br />

in gewohnter Manier noch fertiggemolken.<br />

Spart dem Landwirt<br />

Zeit und Kraft<br />

Selbstverständlich müssen Michael<br />

und Veronika Staltmayr trotz<br />

Melk- und Mistroboter nach wie<br />

vor selbst regelmäßig in <strong>den</strong> Stall.<br />

Füttern, Kälber tränken, Tiefboxen<br />

einstreuen, das Drumherum<br />

sauber halten und stets beobachten,<br />

ob das Leben und Treiben im<br />

<strong>Das</strong> Büro im Laufstall: Veronika Staltmayr wirft einen Blick auf die Datenbank<br />

ihrer Milchkühe, die unter anderem Milchleistungen anzeigt.<br />

Roboter-geprägten Laufstall mit<br />

Freianlage gesund, munter und<br />

nach Plan verläuft. In Summe<br />

aber sparen sich die bei<strong>den</strong> viel<br />

Zeit und körperlich schwere Melk-<br />

Arbeit. „Wir sind auch wesentlich<br />

flexibler, müssen nicht – wie bei<br />

festen Melkzeiten der Fall – täglich<br />

um beispielsweise Punkt fünf Uhr<br />

im Stall stehen.“ Und an langen<br />

Tagen harter Feldarbeit macht es<br />

auch nichts aus, dass Michael von<br />

früh bis spät abseits des Hofes<br />

durcharbeitet. Obendrein ist die<br />

vollautomatische Datenanalyse<br />

von jeder Kuh eine echte Bereicherung.<br />

„Im Grunde sind es nur drei<br />

Seiten auf unserem Handy oder<br />

PC-Bildschirm, die alle wichtigen<br />

Informationen unserer Kühe bis<br />

ins kleinste Detail bereithalten.“<br />

In <strong>den</strong> kommen<strong>den</strong> Wochen soll<br />

in Sachen Datenanalyse – die Software<br />

lässt sich beliebig erweitern<br />

– trotzdem ein weiterer Baustein<br />

hinzukommen: Dann erkennt der<br />

Computer der im Melkstand stehen<strong>den</strong><br />

Kuh sogar auf <strong>den</strong> Tag genau,<br />

wann sie fruchtbar ist – und<br />

kann zum idealen Zeitpunkt vom<br />

Tierarzt oder geschulten Landwirt<br />

selbst besamt wer<strong>den</strong>.<br />

Präzise Ansteuerung<br />

ans Euter<br />

Inzwischen ist es 12.46 Uhr, als<br />

Kuh „Burgel“ <strong>den</strong> Melkstand betritt.<br />

Sie schreitet tiefenentspannt<br />

in die Ein-Box-Anlage hinein,<br />

gönnt sich die auf sie abgestimmte<br />

Kraftfuttermischung und lässt<br />

<strong>den</strong> Roboterarm, der von der Seite<br />

sich an ihr Euter annähernd,<br />

werkeln, als wäre es ihr eigenes,<br />

durstiges Kalb. Zunächst steuert<br />

der mit sensiblen Kamerasensoren<br />

ausgestattete Roboter jede<br />

Zitze der Kuh einzeln an, reinigt<br />

sie und melkt kurz vor. Anschließend<br />

greift er nach und nach<br />

die klassischen „Saugnäpfe“ der<br />

Melkanlage, „zapft“ sie an allen<br />

vier Euter-Zitzen an, gibt das Signal<br />

zum Melken und hebt gleichzeitig<br />

die Schläuche der Saugnäpfe<br />

an, damit diese einerseits<br />

nicht auf dem leicht verdreckten<br />

Bo<strong>den</strong> liegen, die Kuh nicht auf<br />

die Schläuche treten kann und<br />

somit auch der Melkvorgang definitiv<br />

nicht unterbrochen wird<br />

aufgrund einer ungewünschten<br />

Störung. Kurzum: Der Roboter<br />

melkt die Kuh fehlerfrei, wie aus<br />

einem Guss. „Früher waren die<br />

Melkroboter mit Lasersensoren<br />

ausgestattet – sobald diese verdreckt<br />

waren, oder die Kuh sich<br />

nochmals bewegt hat, konnten<br />

die Zitzen nicht mehr zielsicher<br />

angesteuert wer<strong>den</strong>.“ Mit diesen<br />

Echtzeitkameras aber funktioniert<br />

das Melken via Roboter absolut<br />

reibungslos.<br />

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november / dezember <strong>2020</strong> | 55


Eine gesunde Winterzeit!<br />

Wünscht die e-motion e-Bike Welt Fuchstal<br />

Liebes Christkind,<br />

ich bin recht viel mit‘m Rad unterwegs,<br />

aber die vielen Hügel, die plagen mich stets.<br />

Zurück ins „normale“ Leben<br />

Aus dem Schlafsack an<br />

<strong>den</strong> Schweißapparat<br />

A gescheites e-Bike, oh des wär‘ schön,<br />

dann lass ich‘s Auto noch öfter stehn.<br />

Mein größter Wunsch - des wär a Traum...<br />

is a Gutschein da<strong>für</strong> unterm Christbaum.<br />

Aber bitte von der e-motion e-Bike Welt<br />

in Fuchstal-Leeder,<br />

da gibt‘s a super Auswahl mit Top-Beratung,<br />

des weiß doch jeder!<br />

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Ich freue mich auf Sie!<br />

Regina Renz mit Team<br />

Herzogsägmühle / Peiting | Fortsetzungsgeschichten<br />

haben Seltenheitswert<br />

im Regionalmagazin<br />

„<strong>altlandkreis</strong>“. Im Falle Armin<br />

Höfling aber machte die Redaktion<br />

ohne zu zögern eine Ausnahme.<br />

Der 44-Jährige lebte bis vor zwei<br />

Jahren noch auf der Straße, schlief<br />

in Waldstücken neben Rastplätzen<br />

im Schlafsack und musste<br />

zusehen, tagein tagaus überhaupt<br />

über die Run<strong>den</strong> zu kommen. Um<br />

<strong>den</strong> Winter 2018 / 2019 zu überleben,<br />

nahm er das Angebot des<br />

Gasthauses in Herzogsägmühle<br />

in Anspruch. Dort fin<strong>den</strong> Obdachlose<br />

kurzfristige Hilfe, können <strong>für</strong><br />

zwei bis drei Wochen übernachten,<br />

bekommen täglich warmes<br />

Essen. Vor allem aber besteht im<br />

Zuge dessen auch die Chance, sich<br />

schrittweise in ein bürgerlich-geregeltes<br />

Leben zurückzuarbeiten.<br />

Leider schaffen es die wenigsten,<br />

sich trotz Betreuung und professioneller<br />

Hilfe aus ihren Ängsten<br />

entschei<strong>den</strong>d zu befreien, oder<br />

von Suchtmitteln nachhaltig Abstand<br />

zu gewinnen. Bei Armin<br />

Höfling – der Gott sei Dank nie<br />

zur Flasche gegriffen hat, weil seine<br />

alkoholabhängigen Eltern ein<br />

abschreckendes Beispiel <strong>für</strong> ihn<br />

waren – ist die Situation anders.<br />

Er hat die schlimmste Zeit seines<br />

Lebens erfolgreich hinter sich gelassen.<br />

„Was mir noch fehlt, ist ein<br />

eigenes Auto“, sagt er und grinst.<br />

Ansonsten aber lebe er wieder ein<br />

„ganz normales“, selbstbestimmtes,<br />

bürgerliches Leben. Eigene<br />

Wohnung, Arbeit in Vollzeit, festes<br />

Einkommen. „Allein der Gang<br />

56 | <strong>altlandkreis</strong><br />

zum eigenen, vollen Kühlschrank<br />

ist ein unbeschreiblich gutes Gefühl“,<br />

sagt Armin Höfling, der<br />

nie wieder zurückmöchte in die<br />

dunkelste Zeit seines Lebens. „Ich<br />

konnte schlecht nein sagen“, berichtet<br />

er über einen Hauptgrund<br />

<strong>für</strong> das, was ihm widerfahren ist.<br />

Frühere Arbeitgeber haben dies<br />

gna<strong>den</strong>los ausgenutzt, ihn zu<br />

immer mehr Überstun<strong>den</strong> verdammt.<br />

Irgendwann bestand sein<br />

Leben nur noch aus Arbeit, Essen,<br />

Schlafen. Die verheerende Folge:<br />

Burnout. Freundin weg. Job weg.<br />

Wohnung weg. Gleichzeitig keine<br />

Familienangehörigen oder engere<br />

Freunde, die einen entschei<strong>den</strong>d<br />

auffangen. Dabei ist Armin Höfling<br />

ein echt freundlicher, bo<strong>den</strong>ständiger<br />

und fachlich kompetenter<br />

Mann. Beim Antreffen im Gasthaus<br />

von vor zwei Jahren hätten<br />

ihn nicht mal die Betreuer als Obdachlosen<br />

eingestuft. Viel zu gepflegt,<br />

viel zu anständig. Insofern<br />

umso trauriger, dass jemand wie<br />

Armin Höfling in einem demokratischen<br />

Sozialstaat wie Deutschland<br />

trotzdem in Windeseile abstürzen<br />

konnte.<br />

Fünf Tage über<br />

je 6,5 Stun<strong>den</strong><br />

Nach seinem mehrwöchigen Kurzaufenthalt<br />

im Gasthaus wurde er<br />

von Herzogsägmühle stationär<br />

aufgenommen – er zog um ins<br />

Kahlhaus, dem sogenannten Clearingbereich.<br />

„Quasi die nächsthöhere<br />

Instanz des Hilfsangebots“,<br />

sagt Armin Höfling. Menschen mit<br />

seelischer Erkrankung, die aus<br />

Kam direkt von der Straße: Armin Höfling klopfte vor rund zwei Jahren<br />

an die Eingangstüre des Gasthauses von Herzogsägmühle.


Hat <strong>den</strong> Sprung zurück ins Berufsleben geschafft: Armin Höfling arbeitet<br />

jetzt als Schlosser. Hier mit Schweißgerät in der Hand.<br />

schwierigsten Lebenssituationen<br />

heraus dort oben ankommen, erarbeiten<br />

mit Sozialarbeitern einen<br />

realistischen Plan, wie es mittelfristig<br />

weitergehen kann und<br />

soll. Höfling, gelernter Schlosser,<br />

weder abhängig von Drogen noch<br />

Medikamenten, möchte in jedem<br />

Falle zurück ins geregelte Berufsleben.<br />

Nur diesmal unter fairen<br />

Bedingungen, ohne gna<strong>den</strong>loses<br />

Ausnutzen. Sein größtes Glück<br />

in diesen Tagen: In der Schlosserei<br />

von Herzogsägmühle wird<br />

zu diesem Zeitpunkt ein neuer<br />

Facharbeiter gesucht. Armin Höfling<br />

bekommt die Chance, sich<br />

dort zu beweisen. Die Frage ist<br />

nur: In welcher Form? Entweder<br />

im Rahmen eines beruflichen<br />

„Clearings“, eine Art sanfte Heranführung<br />

an die Belastung des<br />

beruflichen Wiedereinstiegs. Oder<br />

gleich in Form einer sogenannten<br />

Tagesstruktur: Von Montag bis<br />

Donnerstag jeweils 6,5 Stun<strong>den</strong>,<br />

freitags 4,5 Stun<strong>den</strong> arbeiten, <strong>für</strong><br />

Freizeit- und Privatangelegenheiten<br />

jedoch jederzeit freigestellt<br />

wer<strong>den</strong>. Höfling und die zuständige<br />

Sozialarbeiterin entschei<strong>den</strong><br />

gemeinsam, Stufe eins der<br />

beruflichen Wiedereingliederung<br />

zu überspringen – er beginnt im<br />

Januar 2019, in der Woche nach<br />

Dreikönig, als richtiger Schlosser<br />

mit dieser Fünftage-Woche über<br />

je 6,5 Stun<strong>den</strong>. „Und es hat mir<br />

auf Anhieb richtig Spaß gemacht.“<br />

Einerseits, weil seine neuen Kollegen<br />

und Vorgesetzten ihn herzlich,<br />

respektvoll und auf Augenhöhe in<br />

Empfang genommen haben. Andererseits,<br />

weil er endlich wieder<br />

seiner einst gelernten Tätigkeit<br />

nachgehen konnte. Und die kann<br />

er richtig gut.<br />

Seit März in eigener<br />

Wohnung<br />

<strong>Das</strong> passende Material aus dem<br />

Stahllager streng nach Auftragsplan<br />

zusammensuchen. Auf Länge<br />

absägen und mit Feile, Bandschleifer<br />

oder Flex entgraten.<br />

Bohrungen setzen. Und schließlich<br />

die einzelnen Bauteile zu Treppen<br />

oder Geländer zusammenschweißen<br />

– Armin Höfling beherrscht<br />

alle Arbeitsschritte beinahe so,<br />

als hätte er diese Lebenskrise mit<br />

ungewollter, beruflicher Pause nie<br />

durchschritten. Werkstattleiter Johann<br />

Jakomet bestätigt an dieser<br />

Stelle, „dass wir bei Armin von Beginn<br />

an festgestellt haben, dass er<br />

handwerklich wirklich was draufhat,<br />

uns richtig weiterhelfen kann“.<br />

Und das vom ersten Tag an auch<br />

tut. Der Lohn: Zum 1. Januar <strong>2020</strong><br />

schafft Armin Höfling <strong>den</strong> Sprung<br />

aus der Tagesstruktur, bekommt<br />

eine Vollzeitstelle als Schlossergeselle<br />

über 38,5 Stun<strong>den</strong> die Woche,<br />

befristet auf ein Jahr, und facharbeitergerecht<br />

bezahlt. Mit diesem<br />

neuen, eigenständigen und von<br />

Behör<strong>den</strong> unabhängigen Einkommen<br />

kann er sich zugleich wieder<br />

eine eigene Wohnung leisten. Er<br />

profitiert natürlich vom Netzwerk<br />

des Diakoniedorfs, kommt zum 1.<br />

März <strong>2020</strong> in einer verhältnismäßig<br />

günstigen Wohnung in Peiting<br />

unter und kann seither wieder ein<br />

vollständig eigenständiges Leben<br />

führen. Zum V-Markt oder Aldi<br />

sind es nur zehn Minuten zu Fuß.<br />

Weitere Strecken legt er mit dem<br />

Fahrrad zurück. Zum Beispiel <strong>den</strong><br />

in die Arbeit, was ihn frühmorgens<br />

gleich in Schwung bringt, gleichzeitig<br />

fit und gesund hält. Und<br />

nun? „Hoffe ich, dass mein Vertrag<br />

ein weiteres Jahr verlängert wird“,<br />

sagt Armin Höfling, der sich in der<br />

Schlosserei von Herzogsägmühle<br />

auch ein langfristiges Engagement<br />

gut vorstellen könnte. Hintergrund:<br />

Mit insgesamt vier Mitarbeitern<br />

und fünf Auszubil<strong>den</strong><strong>den</strong> liegt der<br />

Schwerpunkt dieses Betriebes auf<br />

der Ausbildung. Da Werkstattleiter<br />

Johann Jakomet sowie der sehr<br />

erfahrene Geselle Fritz Wildegger<br />

sich dem Rentenalter annähern,<br />

wer<strong>den</strong> mittelfristig ohnehin<br />

Nachfolger gesucht. Die Meisterprüfung<br />

ist Armin Höfling Stand<br />

heute eine Nummer zu groß. „Den<br />

Ausbilderschein möchte ich aber<br />

machen“, sagt der Mann, der vor<br />

zwei Jahren noch draußen auf der<br />

Straße geschlafen hat.<br />

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FROHE WEIHNACHTEN<br />

Ihnen und all Ihren Lieben!<br />

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Wir wünschen Ihnen frohe Festtage im Kreise<br />

aller, die Sie mögen. Unsere Herzenssache ist Ihre Sicherheit im Straßenverkehr. Wir<br />

freuen uns darauf, im neuen Jahr alles Notwendige da<strong>für</strong> <strong>für</strong> Sie zu tun.<br />

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november / dezember <strong>2020</strong> | 57


„B und B“ – ein Vorzeigeverein <strong>für</strong> Inklusion<br />

Chancengleichheit <strong>für</strong> Alle<br />

Peiting / Schönberg | Seit 40 Jahren<br />

lebt Christine Stifter mit Multiple<br />

Sklerose, kurz MS. Als sie zum ersten<br />

inklusiven Klettern eingela<strong>den</strong><br />

wurde, hatte sie nicht wirklich Lust<br />

darauf und dachte sich: „Muss das<br />

wirklich sein?“ Sie raffte sich trotzdem<br />

auf. In der Kletterhalle von<br />

Herzogsägmühle angekommen,<br />

ging es ihr dann wie <strong>den</strong> meisten<br />

anderen auch: Keiner wollte, keiner<br />

traute sich. Letztlich gab sich<br />

Christine Stifter aber einen Ruck,<br />

war sogar die erste, die trotz ihres<br />

schweren, körperlichen Handicaps<br />

die senkrechte Kletterwand<br />

mit Hilfe von Sicherungsgurt und<br />

-Seilen sowie Begleitkletterern<br />

rechts und links von ihr bezwingen<br />

konnte. Erzählt sie heute anderen<br />

MS-Betroffenen von diesem genialen<br />

Gefühl am höchsten Punkt<br />

der senkrechten Wand, staunen<br />

die nicht schlecht. Dabei ist Stifter<br />

bei weitem nicht die einzige, die<br />

von dieser außergewöhnlichen<br />

sportlichen Grenzerfahrung berichten<br />

kann. Bis zum Ausbruch<br />

von Corona haben sich regelmäßig<br />

bis zu 65 Teilnehmer zum inklusiven<br />

Klettern in der Halle von<br />

Herzogsägmühle getroffen. Aus<br />

Reichling, Hohenfurch, Burggen,<br />

Bernbeuren, Peiting, Schongau, ja<br />

sogar bis aus Pöcking kamen die<br />

Teilnehmer. Und das Allerschönste:<br />

Es war immer ein „bunter<br />

Haufen“ aus Menschen mit und<br />

ohne Behinderung, in dem sich<br />

alle wohlgefühlt haben, keiner<br />

diskriminiert, keiner ausgegrenzt<br />

wurde.<br />

Barrierefreiheit nur<br />

auf dem Papier?<br />

Ermöglicht hat dieses regelmäßige<br />

inklusive Treffen der Verein<br />

„Bewegung und Begegnung e.V.“,<br />

kurz „B und B“ oder „BUB“. Er<br />

wurde im <strong>November</strong> 2016 mit<br />

damals sieben Mitgliedern ins<br />

Leben gerufen. Darunter die drei<br />

Vereinsvorsitzen<strong>den</strong> Stefan Jenuwein,<br />

hauptberuflicher Diplom-<br />

Sportlehrer, Klettertherapeut und<br />

Ausschnitt aus dem BUB-Sommerfest: Auch Menschen mit Handicap<br />

können dank Unterstützung von Kletterexperten <strong>den</strong> obersten Punkt einer<br />

Kletterwand erreichen — und die Glocke zum Klingen bringen.<br />

Pädagoge in Herzosgsägmühle,<br />

seine Frau Hauke Jenuwein, ebenfalls<br />

Diplom-Sportlehrerin sowie<br />

Dozentin <strong>für</strong> Bewegungspädagogik<br />

an der Fachakademie in<br />

Rottenbuch und Ingo Hofschröer,<br />

Arbeits- und Erlebnispädagoge<br />

in Herzogsägmühle. Barrierefreiheit,<br />

und damit Chancengleichheit<br />

<strong>für</strong> alle Menschen, gibt es in <strong>den</strong><br />

Augen der drei Experten auch im<br />

Jahr 2021 meist nur auf dem Papier.<br />

„Warum fahren Menschen<br />

mit Behinderung immer an <strong>den</strong><br />

gleichen Urlaubsort? Warum gehen<br />

sie immer ins gleiche Restaurant?<br />

Warum haben sie gar<br />

nicht erst Lust, ein neues Hobby<br />

auszuprobieren?“ Die logische<br />

Antwort: Keine (angemessene)<br />

Barrierefreiheit. Menschen mit<br />

Handicap müssen sich nach wie<br />

vor anpassen, sind ständig auf Hilfe<br />

anderer angewiesen. <strong>Das</strong> nervt.<br />

Und hält viele Menschen mit Behinderung<br />

davon ab, ihr Leben so<br />

zu leben, wie sie es gerne leben<br />

wür<strong>den</strong>. „Und das kann es in einem<br />

so fortschrittlichen Land wie<br />

Deutschland eigentlich nicht sein“,<br />

so die „BUB“-Gründer. Allein das<br />

Inklusive Klettern war bis zum<br />

Ausbruch von Corona ein Paradebeispiel<br />

da<strong>für</strong>, wie bereichernd ein<br />

Leben <strong>für</strong> Menschen mit und ohne<br />

Behinderung sein kann, wenn sich<br />

alle am gleichen Ort <strong>für</strong> die gleiche<br />

Lei<strong>den</strong>schaft treffen. Egal wie alt,<br />

egal ob mit oder ohne Handicap.<br />

„<strong>Das</strong> fühlt sich einfach gut an und<br />

gibt dir wieder Kraft und neuen<br />

Lebensmut“, sagt Christine Stifter,<br />

inzwischen selbst aktives „BUB“-<br />

Mitglied, die auch bei zahlreichen<br />

anderen Aktionen des in der Region<br />

einzigartigen Vereins mit Sitz in<br />

Peiting und Büro in Rottenbuch-<br />

Schönberg aktiv dabei war.<br />

Bergtouren mit dem<br />

Rollstuhl<br />

Unter anderem beim Projekt<br />

„X8“. So heißt das Modell eines<br />

aus Australien stammen<strong>den</strong> Rollstuhls,<br />

30 000 Euro teuer, Allradbetrieben,<br />

mit höhenverstellbarem<br />

Sitz, Joystick zum Steuern und<br />

vier 700-Watt-Elektromotoren – an<br />

jedem Reifen einer. Die Macher<br />

von „BUB“ haben diese geländetaugliche<br />

„Waffe“ <strong>den</strong> Sommer<br />

über <strong>für</strong> ein Pilot-Projekt zur Verfügung<br />

gestellt bekommen: Mit<br />

58 | <strong>altlandkreis</strong>


dem Rollstuhl auf <strong>den</strong> Berg. Genaugenommen<br />

auf die Tannenhütte<br />

im Nordosten von Garmisch-Partenkirchen,<br />

die nach dem Brand<br />

der Gamshütte neugebaut wurde.<br />

Mit barrierefreiem Eingang und<br />

behindertengerechten Toiletten.<br />

Andreas Hertle, Betreiber der Hütte<br />

und selbst Mitglied bei „BUB“,<br />

musste nicht lange überlegen, um<br />

diesem bundesweit einzigartigen<br />

Versuch zuzustimmen. Die Resonanz<br />

der ersten Bergauffahrten<br />

mit dem Rollstuhl: Überragend.<br />

Mal abgesehen davon, dass der<br />

Rollstuhl an allen Tagen ausgebucht<br />

war, brachen einige Fahrer<br />

während der Tour sogar in Tränen<br />

der Freude aus. „Eine Frau, die<br />

bereits als dreijähriges Kind von<br />

einem Auto angefahren wurde<br />

und seither Querschnittsgelähmt<br />

ist, blieb während der Tour mehrmals<br />

stehen und hat vor Freude<br />

und Dankbarkeit zugleich weinen<br />

müssen“, sagt Christine Stifter,<br />

die selbst das X8-Vergnügen hatte<br />

und nach wie vor schwärmt von<br />

„diesem genialen Naturerlebnis“.<br />

Auch deshalb, weil Freunde und<br />

Familie der Rollstuhlfahrer dabei<br />

waren, die Tour gemeinsam beschritten<br />

wer<strong>den</strong> konnte. „Bergerlebnisse<br />

<strong>für</strong> Menschen mit Behinderung<br />

funktioniert sonst, wenn<br />

überhaupt, nur mit der Bahn“,<br />

sagt Stefan Jenuwein.<br />

Der Traum vom<br />

Leuchtturm-Projekt<br />

Spektakulärer k Tiefblick: Dank Gelände-tauglichem li Rollstuhl kommen<br />

Menschen mit körperlicher Einschränkung an <strong>für</strong> sie völlig neue Orte.<br />

Ungewohnter Adrenalinkick, k sowohl bergauf als auch bergab: b <strong>Das</strong> extrem erfolgreiche Piloprojekt mit dem<br />

X8 fand <strong>den</strong> vergangenen Sommer über zwischen Wank-Parkplatz und Tannenhütte statt.<br />

Den Herbst, Winter und Frühjahr<br />

über ruht das X8-Projekt. Stefan<br />

und Hauke Jenuwein, Ingo Hofschröer<br />

und die anderen Mitglieder<br />

von „BUB“ bleiben dagegen<br />

aktiv. „Unser oberstes Ziel ist, trotz<br />

Corona wieder unser Inklusions-<br />

Klettern durchführen zu können,<br />

weil es allen Beteiligten eine Riesenfreude<br />

bereitet.“ An zweiter<br />

Stelle steht die Etablierung des<br />

X8-Projekts. „Wir haben heuer<br />

gezeigt, was es mit diesem Rollstuhl<br />

<strong>für</strong> geniale Möglichkeiten <strong>für</strong><br />

Menschen mit Behinderung gibt.“<br />

Nun wer<strong>den</strong> Geldgeber und Betreiber<br />

gesucht, um Bergauffahrten<br />

mit diesem Spezialrollstuhl<br />

dauerhaft in der Region etablieren<br />

zu können. Und dann wäre da<br />

noch dieser Traum, <strong>den</strong> Jenuwein<br />

und seine Mitstreiter schon seit<br />

Jahren haben: Einen eigenen Ort<br />

schaffen, an dem die Vereinsphilosophie<br />

von „Bewegung und Begegnung<br />

von Menschen mit und<br />

ohne Behinderung“ beispiellos<br />

gelebt wird. Wilfried Knorr, Direktor<br />

von Herzogsägmühle, hat<br />

dem Verein bereits Unterstützung<br />

in Sachen Grundstück zugesichert.<br />

Unterhalb des Diakoniedorfs, direkt<br />

neben dem Gasthaus an der<br />

Staatstraße Richtung Birkland,<br />

stünde eine 14 000 Quadratmeter<br />

große Wiese zur Verfügung, wo<br />

sich das „BUB“-Geschehen in Zukunft<br />

abspielen könnte.<br />

In einer Broschüre haben die<br />

Mitglieder des Vereins ihre Vision<br />

schon mal zu Papier gebracht:<br />

Im Zentrum des Grundstücks<br />

steht eine große Kletterhalle mit<br />

Spezialwand, die sich an alle<br />

Bedürfnisse von Menschen mit<br />

unterschiedlichsten Behinderungen<br />

anpassen lässt, zum Beispiel<br />

durch Einstellung der Neigung.<br />

Drumherum stehen weitere Gebäude<br />

wie Gemeinschaftshaus<br />

samt Küche zum selber Kochen<br />

inklusive Umklei<strong>den</strong>, eine separate<br />

Multifunktionssporthalle, in der<br />

zum Beispiel Parcours, Yoga und<br />

Slacklinen stattfin<strong>den</strong> könnte, ein<br />

See mit niedrigem Wasserspiegel<br />

<strong>für</strong> einfache Wassersportarten<br />

sowie ein Hartplatz <strong>für</strong> Fußball,<br />

Handball und Basketball. „Alles<br />

Träumerei“, betont Stefan Jenuwein<br />

an dieser Stelle nochmals<br />

ausdrücklich, da dieses extrem<br />

kostspielige Projekt noch komplett<br />

in <strong>den</strong> Kinderschuhen steckt. Aber:<br />

„Es wäre bundesweit ein Leuchtturmprojekt<br />

<strong>für</strong> gelebte Inklusion.“<br />

Nächster Schritt dahingehend sei<br />

die Organisation eines Workshops<br />

mit Architekten, Verbands- und<br />

Behör<strong>den</strong>vertretern sowie interessierten<br />

Menschen mit und ohne<br />

Einschränkungen, um auf alle Bedürfnisse<br />

von Menschen mit Handicap<br />

zu 100 Prozent eingehen zu<br />

können.<br />

Mobile Toilette öffnet<br />

neue Türen<br />

Ob die Wunschvorstellungen der<br />

„BUB“-Mitglieder mittelfristig<br />

umsetzbar sind, steht Stand jetzt<br />

in <strong>den</strong> Sternen. Definitiv fix ist<br />

dagegen der Unterhalt einer mobilen<br />

Toilette <strong>für</strong> Menschen mit<br />

Behinderung, die nahezu überall<br />

hingefahren wer<strong>den</strong> kann. Bislang<br />

konnte sie über die Regens-<br />

Wagner-Stiftung <strong>für</strong> Veranstaltungen<br />

gebucht wer<strong>den</strong>. Künftig<br />

über <strong>den</strong> Verein „BUB“. Wie<br />

wichtig eine geräumige, barrierefreie<br />

Toilette ist, deren Zu- und<br />

Eingang sicher nicht zu schmal<br />

ist, hat das X8-Projekt gezeigt.<br />

Hier<strong>für</strong> wurde die mobile Behinderten-Toilette<br />

auf dem großen<br />

Wankparkplatz stationiert. „<strong>Das</strong>s<br />

Menschen mit Handicap jederzeit<br />

ohne größeren Aufwand auf<br />

die Toilette gehen können, ist die<br />

Basis <strong>für</strong> alles“, sagt Stefan Jenuwein.<br />

Welche Möglichkeiten sich<br />

mit dieser Toilette auftun, treibt<br />

dem Vereinsvorsitzen<strong>den</strong> ein verheißungsvolles<br />

Schmunzeln ins<br />

Gesicht: „Es gibt, von der Tannenhütte<br />

abgesehen, nahezu keine<br />

Berghütte mit barrierefreien Toiletten<br />

– aber genug Schotterwege,<br />

über die wir die mobile Toilette<br />

hochtransportieren können.“ Ingo<br />

Hofschröer kümmert sich künftig<br />

um die Verwaltung der mobilen<br />

Behinderten-Toilette. In Kombination<br />

mit dem geländetauglichen<br />

Hightech-Rollstuhl X8 könnten so<br />

auch Bergtouren aufs beispielweise<br />

Hörnle oder Pürschlinghaus <strong>für</strong><br />

Menschen mit Behinderung ermöglicht<br />

wer<strong>den</strong>.<br />

js<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 59


Ganz neue Möglichkeiten – auch nach Corona<br />

Musikunterricht via<br />

Videoschalte<br />

Schongau | Homeschooling – ein<br />

in wenigen Monaten eingedeutschter<br />

Begriff <strong>für</strong> Schulunterricht<br />

„Dahoam“. Corona-Schutz-<br />

Maßnahmen haben Lehrer und<br />

Schüler dazu verdammt. <strong>Das</strong><br />

galt nicht nur <strong>für</strong> Angestellte an<br />

Grund-, Mittel-, Real- und Berufsschulen<br />

sowie Gymnasien. Auch<br />

Musiklehrer mussten sich eine<br />

sinnvolle Alternative überlegen,<br />

um das Lehren eines Instrumentes<br />

nicht von heute auf morgen<br />

an <strong>den</strong> Nagel hängen zu müssen.<br />

„Während des Lockdowns durften<br />

wir erstmal keinen Unterricht vor<br />

Ort geben“, sagt Julia Vogt, die im<br />

Schongauer Musikhaus Kirstein<br />

das hausinterne Musikinstitut leitet.<br />

Schnellstmöglich aber wurde<br />

der Grundstein gelegt, um allen<br />

Schülern wieder Musikunterricht<br />

zu gewährleisten. Nicht in <strong>den</strong><br />

schallgedämmten Räumlichkeiten<br />

in der Bernbeurener Straße. Auch<br />

nicht in <strong>den</strong> Räumlichkeiten in<br />

Schongaus Altstadt. Sondern, wie<br />

im klassischen Schulunterricht<br />

auch <strong>für</strong> längere Zeit der Fall gewesen:<br />

Von zuhause aus. „Einer<br />

unserer Piano Lehrer war zunächst<br />

sehr skeptisch“, erinnert sich Vogt<br />

nur zu gut an die Zeit vor der<br />

ersten Online-Unterrichtsstunde<br />

zurück. „<strong>Das</strong> wird nicht funktionieren“,<br />

so seine Be<strong>für</strong>chtung.<br />

In der Tat gab es im Vorfeld viele<br />

Fragezeichen: Welche Technik<br />

funktioniert am besten? Hält die<br />

Internetverbindung? Kommt der<br />

vom Schüler gespielte Ton unverfälscht<br />

im Homeoffice des Lehrers<br />

an – und umgekehrt? Sind Lehrer<br />

Selfie aus dem Homeoffice: So kann E-Bass-Unterricht via Videoschalte<br />

aussehen. In diesem Falle mit der Webcam eines Laptops.<br />

und Schüler diszipliniert genug,<br />

die 30 Minuten auch ohne „Faceto-Face“-Unterricht<br />

im gleichen<br />

Raum effektiv zu nutzen? Wie sehr<br />

stören Hintergrundgeräusche?<br />

Heute können Julia Vogt und alle<br />

21 Musiklehrer, die als Freiberufler<br />

<strong>für</strong> das Musikinstitut Kirstein arbeiten,<br />

voller Überzeugung sagen:<br />

„Es klappt!“ Und zwar wesentlich<br />

besser als gedacht.<br />

Technische<br />

Ausstattung<br />

In Sachen Ausstattung <strong>für</strong> Musikunterricht<br />

via Videoschalte braucht<br />

es PC, Laptop, Tablet oder Smartphone<br />

mit Front- oder separater<br />

Webcam. Kopfhörer, die direkt am<br />

Endgerät angestöpselt wer<strong>den</strong>.<br />

Selbstverständlich Instrumente,<br />

Notenständer und Notenhefte.<br />

Einen möglichst ruhigen Raum,<br />

der weder von Haustieren noch<br />

Geschwistern oder anderen Familienmitgliedern<br />

gestört wird.<br />

Und, ganz wichtig: Eine stabile<br />

Internetverbindung. Im Vorfeld<br />

ausprobiert haben Julia Vogt und<br />

die Musiklehrer so ziemlich alles.<br />

Videoanrufe über WhatsApp, „was<br />

am wenigsten funktioniert hat“.<br />

Videoanrufe über FaceTime, was<br />

jedoch nur von iPhone zu iPhone<br />

oder iPad zu iPad möglich ist. <strong>Das</strong><br />

in der breiten Bevölkerung noch<br />

eher unbekanntere Programm<br />

„Zoom“, das inzwischen als führend<br />

in Sachen Videokommunikation<br />

gilt „und sich auch <strong>für</strong> <strong>den</strong><br />

Musikunterricht gut eignet“. Noch<br />

zuverlässiger aber war und ist das<br />

altbekannte Programm „Skype“:<br />

60 | <strong>altlandkreis</strong>


Die Töne wur<strong>den</strong> ohne nennenswerte<br />

Verzögerung und in guter<br />

Klangqualität übertragen. Selbst<br />

der im Vorfeld skeptische Pianolehrer<br />

war nach seinen ersten<br />

30 Unterrichtsminuten via Videoschalte<br />

hellauf begeistert.<br />

Drittgrößtes Musikhaus<br />

in Deutschland<br />

Klavier, Keyboard, Akkordeon,<br />

Steirische Ziach, Ukulele, E-Gitarre,<br />

E-Bass, Violine, Klarinette,<br />

Querflöte, Saxophon, Blockflöte,<br />

Gesang, Cajon und Schlagzeug –<br />

von Blechblasinstrumenten abgesehen,<br />

kann im Hause Kirstein<br />

nahezu alles gelernt wer<strong>den</strong>, was<br />

mit Musik zu tun hat. „Wir sind im<br />

Vergleich zu anderen Musikschulen<br />

mehr auf das rockige und poppige<br />

ausgelegt“, sagt Gründer und<br />

Geschäftsführer Klaus Kirstein, der<br />

die schnelle Umstellung vom klassischen<br />

Musikunterricht auf Videoschalte<br />

in Windeseile vorantreiben<br />

konnte, „weil wir die technischen<br />

Voraussetzungen durch unsere<br />

jahrelange Internetkompetenz<br />

schon im Haus hatten“. Hintergrund:<br />

<strong>Das</strong> Musikhaus Kirstein,<br />

von Klaus als Ein-Mann-Betrieb<br />

im Jahre 1987 gegründet, hat sich<br />

über die Jahre hinweg zum drittgrößten<br />

Musikhaus Deutschlands<br />

entwickelt, beschäftigt aktuell gut<br />

150 Mitarbeiter, produziert in Asien<br />

hauseigene Instrumente, veranstaltet<br />

regelmäßig Konzerte und<br />

Workshops mit nationalen und<br />

internationalen Ausnahmekünstlern,<br />

hat super Fachberater im<br />

Verkauf angestellt, die aufgrund<br />

ihrer Praxiserfahrung ganz genau<br />

wissen, wie welches Instrument<br />

klingt und zu bespielen ist. Darüber<br />

hinaus das hauseigene Musikinstitut<br />

mit diesen 21 Lehrern, die<br />

ebenfalls direkten Draht zu <strong>den</strong><br />

Instrumenten im Musikhaus Kirstein<br />

haben. Kurzum: Bundesweit<br />

gibt es in Sachen Kompetenz, Internetkompetenz,<br />

aber eben auch<br />

in Sachen moderner, technischer<br />

Julia Vogt, hier an einem Klavier im Ausstellungsraum sitzend, leitet das<br />

Musikinstitut im Hause Kirstein.<br />

Ausstattung kaum etwas Besseres<br />

als das Musikhaus Kirstein im<br />

Westen von Schongau. Insofern<br />

waren Soft- und Hardware <strong>für</strong> die<br />

Umstellung auf Musikunterricht<br />

„Dahoam“ bereits vorhan<strong>den</strong>.<br />

Zukunftsweisende<br />

Erkenntnisse<br />

Die Be<strong>für</strong>chtung, dass „Face-to-<br />

Face“-Unterricht im <strong>für</strong> Lehrer<br />

und Schüler gleichen Raum sogar<br />

ausstirbt, hat Klaus Kirstein nicht.<br />

Zwar gibt es immer mehr gute<br />

Lehrvideos <strong>für</strong> allemöglichen Instrumente<br />

auf beispielsweise You-<br />

Tube. „Wichtig ist und bleibt aber,<br />

individuell auf <strong>den</strong> Schüler einzugehen.“<br />

Als die Corona-Maßnahmen<br />

gelockert wur<strong>den</strong> über <strong>den</strong><br />

Sommer, wurde der Musikunterricht<br />

im Hause Kirstein zu Teilen<br />

wieder in die top eingerichteten<br />

Unterrichtsräume in Schongau<br />

verlagert. Selbstverständlich mit<br />

Hygienekonzept wie Abstandsmarkierungen<br />

am Bo<strong>den</strong>, Händedesinfektion<br />

an allen Eingängen<br />

sowie Trennwän<strong>den</strong> aus Glas,<br />

die zwischen Schüler und Lehrer<br />

stehen. Rund 20 Prozent sind auf<br />

eigenem Wunsch jedoch im Unterricht<br />

via Video geblieben. Obwohl<br />

die meisten der 270 Schüler aus<br />

Schongau und näherer Umgebung<br />

kommen, somit kurze Wege zum<br />

Unterrichtsraum haben, bringt<br />

diese neue Variante in der Tat viele<br />

Vorteile mit sich: Keine Anfahrtszeit<br />

zum Unterrichtsraum, was<br />

selbst <strong>für</strong> aus Schongau kommende<br />

Schüler und deren Eltern deutlich<br />

weniger Aufwand bedeutet.<br />

Kein standesgemäßer Smalltalk zu<br />

Beginn und Ende der Stunde. „Sobald<br />

die Kamera scharf geschaltet<br />

ist, sind Lehrer und Schüler voll<br />

auf das Wesentliche fokussiert“,<br />

bestätigt Julia Vogt. Und auch in<br />

Sachen Stun<strong>den</strong>-Wechsel – im<br />

Unterrichtsraum stets mit Ein- und<br />

Auspacken sowie Stimmen des<br />

Instrumentes verbun<strong>den</strong> – geht<br />

weniger Zeit verloren. „Ein Klick,<br />

und der nächste Schüler ist bereits<br />

spielbereit in der Leitung.“<br />

Ein weiterer Vorteil: Über die<br />

Kamera bekommen die Musiklehrer<br />

exklusiven Einblick in die<br />

Übungssituation der Schüler, haben<br />

in vielen Fällen erstmals deren<br />

eigene Instrumente gesehen.<br />

Die Trommeln des Schlagzeugs<br />

etwas tiefer, <strong>den</strong> Stuhl da<strong>für</strong> höher<br />

setzen. Keyboard und Piano<br />

von diesem Hersteller etwas anders<br />

einstellen, um <strong>den</strong> perfekten<br />

Klang zu erreichen. „<strong>Das</strong> sind alles<br />

Kleinigkeiten, die unseren Lehrern<br />

nebenbei aufgefallen, aber sehr<br />

wichtig sind“, sagt Julia Vogt.<br />

Insofern hat sich die notgedrungene<br />

Umstellung auf Musikunterricht<br />

via Videoschalte in vielen<br />

Punkten gelohnt. Und deutlich<br />

gezeigt, dass diese Art des Unterrichtens<br />

zukunftstauglich ist. Auch<br />

in Zeiten nach diversen Corona-<br />

Beschränkungen? Klaus Kirstein<br />

ist sich sogar sicher, „dass sich dahingehend<br />

einiges verändern wird<br />

in unserer Branche, weil viele Musiker<br />

gemerkt haben, ganz andere<br />

Möglichkeiten zu haben, um ihr<br />

Können an die Leute zu bringen“.<br />

Künftig wird es keine entschei<strong>den</strong>de<br />

Rolle mehr spielen, ob ein<br />

Musiklehrer ohne Schüler in Berlin,<br />

oder eben mit in Schongaus<br />

Altstadt sitzt.<br />

js<br />

Am klassischen PC-Bildschirm mit separater Webcam wird hier E-Gitarre<br />

unterrichtet. Bewährt hat sich das Programm Skype.<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 61


Schongauer sammelt Christbaumschmuck<br />

Rauschgol<strong>den</strong>gel<br />

aus Stanniolpapier<br />

Schongau | „Bäume leuchtend,<br />

Bäume blen<strong>den</strong>d, überall das<br />

Süße spen<strong>den</strong>d. In dem Glanze<br />

sich bewegend, alt und junges<br />

Herz erregend – solch ein<br />

Fest ist uns bescheret. Mancher<br />

Gaben Schmuck verehret; Staunend<br />

schaun wir auf und nieder,<br />

hin und her und immer wieder.“<br />

Diese Zeilen schrieb Deutschlands<br />

Dichter<strong>für</strong>st Johann Wolfgang<br />

von Goethe im Jahre 1821,<br />

anlässlich einer Weihnachtsfeier<br />

am Hofe von Herzog Karl August<br />

zu Weimar. Über <strong>den</strong> Ursprung<br />

von Weihnachten streiten sich die<br />

Gelehrten bis heute. Eine erste<br />

Erwähnung als „wîhe naht“ findet<br />

sich in der Predigtsammlung<br />

„Speculum ecclesiae“ von 1170.<br />

Nicht viel anders verhält es sich<br />

mit dem Christbaumschmuck,<br />

Werner Zöpf präsentiert die seltenen Julkugeln von 1935.<br />

<strong>den</strong> Goethe in seinen Zeilen so<br />

trefflich beschreibt. Es wird vermutet,<br />

dass die Menschen schon<br />

vor 600 Jahren Äpfel, Backwaren<br />

und Süßigkeiten an <strong>den</strong> „Paradiesbaum“<br />

(Paradeisl) hängten.<br />

Dokumentiert ist, dass im 17. Jahrhundert<br />

die ersten Kerzen an <strong>den</strong><br />

Bäumen der Adeligen brannten.<br />

Elektrische Christbaumkerzen erblickten<br />

im Jahr 1901 das Licht der<br />

Welt, nachdem Präsi<strong>den</strong>t Grover<br />

Cleveland schon sechs Jahre zuvor<br />

<strong>den</strong> Baum im Weißen Haus mit<br />

über hundert elektrischen Kerzen<br />

schmücken ließ. Mitte des 19. Jahrhunderts<br />

tauchten Glaskugeln aus<br />

Thüringen als Schmuck auf und<br />

das berühmte Lametta wurde 1878<br />

in Nürnberg erfun<strong>den</strong>. 2015 wurde<br />

die Produktion von der letzten<br />

deutschen Firma im mittelfränkischen<br />

Roth eingestellt.<br />

Berühmt<br />

gewor<strong>den</strong> sind<br />

die dünnen Fä<strong>den</strong><br />

aus Stanniol auch<br />

durch Loriot, der<br />

Opa Hoppenstedt<br />

sagen ließ: „Früher<br />

war mehr<br />

Lametta!“ Heute<br />

ist das originale<br />

Lametta wieder<br />

heiß begehrt, <strong>den</strong>n mit <strong>den</strong> Kunststoffprodukten<br />

aus China mögen<br />

sich die meisten nicht anfreun<strong>den</strong>.<br />

Der Christbaumschmuck spiegelte<br />

aber auch politische Veränderungen<br />

wider. Während des Ersten<br />

Weltkriegs hingen Bomben, Granaten,<br />

Kriegsschiffe und Zeppeline<br />

am Baum. Die Nationalsozialisten<br />

schmückten einige Jahre später<br />

mit Hakenkreuzen oder platzierten<br />

gleich <strong>den</strong> Kopf von Adolf Hitler<br />

zwischen <strong>den</strong> Tannennadeln.<br />

Keine Communities,<br />

kein eBay<br />

Schon als kleiner Knirps war Werner<br />

Zöpf begeistert vom Christbaumschmuck.<br />

Seit mehr als 40 Jahren sammelt<br />

Werner Zöpf aus Schongau deutschen<br />

Christbaumschmuck. Der<br />

65-jährige Postbeamte im Ruhestand<br />

verfolgt dabei aber keinerlei<br />

kommerzielle Interessen. Schon<br />

als Kind war er vom Leuchten und<br />

Glitzern fasziniert und diese Freude<br />

an <strong>den</strong> bunten Dingen hat er<br />

sich stets behalten. „Ich bin damit<br />

aufgewachsen und durfte irgendwann<br />

auch <strong>den</strong> Christbaum der<br />

Großeltern schmücken. <strong>Das</strong> hat<br />

sich dann immer weiterentwickelt“,<br />

erinnert sich Werner Zöpf<br />

an die Ursprünge seiner Lei<strong>den</strong>schaft.<br />

Er bemüht sich nicht um<br />

Kontakt zu anderen Sammlern<br />

oder Communities im Internet und<br />

er handelt auch nicht auf eBay.<br />

Jahrelang besuchte Werner Zöpf<br />

Weihnachts- und Flohmärkte und<br />

nahm einfach mit, was ihm gefiel.<br />

„Manche Leute wissen aber auch,<br />

dass ich diese Sachen sammle<br />

und mel<strong>den</strong> sich bei mir. Oder ich<br />

gehe zu Wohnungsauflösungen.<br />

Wenn man damit erst einmal anfängt,<br />

hört man nicht mehr auf“,<br />

erzählt Zöpf. So wur<strong>den</strong> immer<br />

mehr Kisten und Kartons mit <strong>den</strong><br />

Weihnachtsutensilien aus vielen<br />

Jahrzehnten gefüllt. So viel, dass<br />

die Stadt Schongau 2016 eine<br />

Sonderausstellung im Stadtmuseum<br />

mit Zöpfs Exponaten füllte.<br />

Ein voller Erfolg. Werner Zöpf hat<br />

gut erhaltene Biedermeierengel<br />

aus Wachs von 1860. Auch die Kugeln<br />

dieser Epoche mit dickwandigem<br />

Glas fin<strong>den</strong> sich in seinem<br />

62 | <strong>altlandkreis</strong>


Besitz. „Heute sehr begehrt und<br />

oft kopiert.“ Damals wurde der<br />

Weihnachtsbaum aus Platzgrün<strong>den</strong><br />

sogar kopfüber an die Decke<br />

gehängt.<br />

Zöpf lagert Krippen aus Papier,<br />

echte Nürnberger Rauschgol<strong>den</strong>gel<br />

aus Stanniolpapier und wertvolle<br />

Figürchen aus Milchglas in<br />

seinen Kisten. Auch die Schmuckstücke<br />

aus <strong>den</strong> dunklen Kapiteln<br />

der deutschen Vergangenheit<br />

befin<strong>den</strong> sich in seiner Sammlung:<br />

„<strong>Das</strong> Reichshauptamt der<br />

SS schaffte <strong>den</strong> Adventskalender<br />

ab und verteilte stattdessen kleine<br />

Kinderbücher zur Weihnachtszeit:<br />

Schiffe zum Basteln oder<br />

Flugzeuge zum Ausmalen. Und<br />

sie haben germanische Runen<br />

auf <strong>den</strong> Kugeln, dem sogenannten<br />

Julschmuck, abgebildet“, sagt<br />

Werner Zöpf zurückblickend. Doch<br />

dieser Schmuck verschwand in<br />

der Nachkriegszeit schnell und da<br />

kaum jemand Geld hatte, wur<strong>den</strong><br />

die Bäume sehr unterschiedlich<br />

und kreativ geschmückt – es wurde<br />

benutzt, was vorhan<strong>den</strong> war.<br />

Die Epochen mischten sich.<br />

Konstant hohe Nachfrage<br />

nach Kugeln<br />

„Dann gab es aber nach und nach<br />

Modeerscheinungen. Wenn die<br />

Leute nun unbedingt kleine Vögel<br />

am Baum haben wollten, wur<strong>den</strong><br />

diese gefertigt. Bei Hamburg waren<br />

zum Beispiel Leuchttürme sehr<br />

beliebt. Aber die Nachfrage nach<br />

Kugeln blieb immer gleich hoch“,<br />

schildert Werner Zöpf die Entwicklung<br />

der letzten Jahrzehnte.<br />

Besonders die feinen Glasarbeiten<br />

aus dem thüringischen Lauscha<br />

seien begehrt. Noch heute wird<br />

dort mit traditioneller Handwerkskunst<br />

gearbeitet. Hin und wieder<br />

kann er sich sogar von Stücken<br />

trennen, aber nur wenn er sie<br />

doppelt hat. Wenn gute Freunde<br />

oder Bekannte nachfragen, gibt er<br />

gerne Auskunft über die Herkunft<br />

der Stücke und macht einen fairen<br />

Preis. Auf eBay wird <strong>für</strong> einzelne<br />

Julkugeln aus dem Jahre 1935<br />

zwischen 50 und 80 Euro bezahlt.<br />

Eine Glaskugel aus der Biedermeierzeit<br />

wird <strong>für</strong> 90 Euro angeboten.<br />

„Meine Sammellei<strong>den</strong>schaft hat<br />

aber in <strong>den</strong> letzten Jahren stark<br />

nachgelassen, <strong>den</strong>n es sind keine<br />

interessanten Dinge mehr auf dem<br />

Markt. Da kommen viele Nachahmungen<br />

aus Fernost, aber die erkenne<br />

ich dank meiner Erfahrung<br />

sofort. Echte Raritäten sind selten<br />

gewor<strong>den</strong>“, schildert er die aktuelle<br />

Lage.<br />

Christbaum bleibt bis<br />

Lichtmess stehen<br />

„Eigentlich habe ich die Sachen<br />

nur gesammelt, damit ich<br />

zu Weihnachten einen schönen<br />

Baum habe, an <strong>den</strong> auch nur echte<br />

Kerzen kommen“, sagt Werner<br />

Zöpf, dessen Augen in diesem Moment<br />

zu leuchten beginnen. Die<br />

Kinder sind erwachsen und aus<br />

dem Haus, aber natürlich kommen<br />

sie an Weihnachten vorbei und<br />

dann wird im Vorfeld gemeinsam<br />

überlegt, wie der Baum aussehen<br />

könnte. Grüne, silberne oder gelbe<br />

Kugeln? Oder vielleicht gemischt?<br />

Die Überraschung und Freude bei<br />

<strong>den</strong> „Kindern“ ist nach wie vor<br />

groß. Ist der Christbaum erst einmal<br />

aufwändig geschmückt wor<strong>den</strong>,<br />

bleibt er bis zur „Lichtmess“<br />

am 2. Februar stehen. „Manche<br />

Leute schmeißen ihre Bäume ja<br />

schon drei Tage nach Heiligabend<br />

weg. <strong>Das</strong> kann ich nicht verstehen.<br />

Ich liebe meinen Christbaum und<br />

erfreue mich viele Wochen daran.<br />

Ende Januar steht die Sonne anders<br />

und das Licht fällt ganz anders<br />

auf <strong>den</strong> Baum“, sagt Werner<br />

Zöpf mit Begeisterung. „<strong>Das</strong> ist der<br />

eigentliche Grund <strong>für</strong> meine Sammelei:<br />

die eigene Freude an Weihnachten.“<br />

Wahrscheinlich plant er<br />

schon jetzt, welcher Schmuck heuer<br />

an <strong>den</strong> Baum kommt. edl<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Über<br />

35<br />

Jahre<br />

Kriegerischer Christbaumschmuck<br />

aus dem Ersten Weltkrieg.<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 63


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Experte Leopold Ressle zum Thema Glühwein<br />

„Ein Produkt aus<br />

Resteverwertung“<br />

Schongau | Weihnachtsmärkte<br />

wer<strong>den</strong> heuer nicht wie gewohnt<br />

stattfin<strong>den</strong> können. <strong>Das</strong> gesellige<br />

Beisammensein zwischen Würstelbude<br />

und Glühweinstand bleibt<br />

höchstwahrscheinlich Coronabedingt<br />

aus. Auf ein wärmendes<br />

Heißgetränk verzichten müssen<br />

die „<strong>altlandkreis</strong>“-Leser aber<br />

nicht. Schließlich gibt es Glühwein<br />

literweise in jedem Supermarkt zu<br />

kaufen. Auch dieses Jahr. Ob am<br />

Mythos „Resteverwertung“ was<br />

dran ist? Wie es um die Qualität<br />

von Glühweinen steht? Leopold<br />

Ressle, 29, hat erst in Südafrika<br />

sowie im bundesweit bekannten<br />

Würzburger Bürgerspital<br />

hospitiert, danach Önologie und<br />

Weinbau an der FH Geisenheim<br />

studiert. Seit März 2019 arbeitet<br />

er im elterlichen Fachbetrieb<br />

<strong>für</strong> Weinhandel namens „Küche<br />

& Keller“, Franz-Rupp-Straße 1<br />

in Schongau-West. Im Interview<br />

spricht er über Trends, preisliche<br />

und geschmackliche Unterschiede<br />

sowie Kaminweine mit Schokola<strong>den</strong>-<br />

und Tabakgeschmack. Und<br />

über einen sehnlichen Wunsch,<br />

der zum Nach<strong>den</strong>ken anregt.<br />

Aus Sicht eines Weinexperten: Darf<br />

Glühwein überhaupt als Wein bezeichnet<br />

wer<strong>den</strong>?<br />

(grinst) Glühwein, wie man ihn<br />

überwiegend aus dem Supermarkt<br />

kennt, ist tatsächlich ein<br />

Produkt aus Resteverwertung. Die<br />

mindere Qualität spiegelt sich im<br />

Preis von rund 2,50 Euro pro Liter<br />

wider.<br />

64 | <strong>altlandkreis</strong><br />

Leopold Reßle aus Schongau hat tWib Weinbau und dÖnologie studiert: t Im<br />

März 2019 stieg er im elterlichen Betrieb „Küche & Keller“ ein.<br />

Gibt es überhaupt qualitativ hochwertigen<br />

Glühwein?<br />

Auf je<strong>den</strong> Fall. Sogenannte Winzer-Glühweine.<br />

Die Trauben da<strong>für</strong><br />

wer<strong>den</strong> vom Winzer selbst<br />

geerntet und gekeltert. Es darf<br />

kein Wasser dazugegeben wer<strong>den</strong>.<br />

Und er muss auf natürliche<br />

Art gesüßt wer<strong>den</strong>. Heißt: Keinen<br />

Industriezucker, sondern Fruktose<br />

und Glukose in Form von reinem<br />

Traubensaft verwen<strong>den</strong>.<br />

Wo gibt es Winzer-Glühwein zu<br />

kaufen?<br />

In Fachgeschäften wie in unserem.<br />

Vereinzelt aber auch in ausgewählten<br />

Supermärkten.<br />

Woran erkenne ich einen guten<br />

Winzer-Glühwein?<br />

Am Preis – ein guter Winzer-<br />

Glühwein beginnt bei rund 4,50<br />

Euro pro Flasche. Und am Etikett,<br />

auf dem auch „Winzer-Glühwein“<br />

draufsteht.<br />

Und geschmacklich?<br />

Grundsätzlich gibt es drei Faktoren,<br />

die einen guten Wein ausmachen.<br />

Erstens: <strong>Das</strong> Terroir, sprich,<br />

wie fruchtbar der Bo<strong>den</strong> ist, auf<br />

dem Reben reifen. Kann er viel,<br />

kann er wenig Wasser aufnehmen?<br />

Gibt es Gesteine, die Mineralstoffe<br />

und Geschmack abgeben?<br />

Zweitens: Die Lage. Und drittens:<br />

Die Wetterverhältnisse. Gut wäre<br />

viel Sonne, jedoch gepaart mit regelmäßigen<br />

Niederschlägen.<br />

Heißt <strong>für</strong> <strong>den</strong> Winzer-Glühwein?<br />

Eine selektive Lese, in dem nicht<br />

alles mitgenommen wird von der<br />

Rebernte, zum Beispiel faule Trauben<br />

aussortiert wer<strong>den</strong>. So entsteht<br />

hohe Qualität mit natürlichem<br />

Geschmack. Konventionelle Glühweine<br />

dagegen schmecken meist<br />

parfümiert, was durch natürliche<br />

Herstellung nicht zu erreichen ist.<br />

Welchen Winzer-Glühwein können<br />

Sie empfehlen?


Einen regelrechten Hype gab es<br />

die vergangenen Jahre um einen<br />

Winzer-Glühwein aus dem fränkischen<br />

Weingut Castell. Da lag<br />

der Flaschenpreis bei bereits 6,50<br />

Euro.<br />

Ob vom Winzer oder konventionell:<br />

Stimmt die im Volksmund häufi g<br />

kolportierte Theorie, von zu viel<br />

Glühwein starke Kopfschmerzen zu<br />

bekommen?<br />

<strong>Das</strong> würde ich nicht sagen, da<br />

Kopfweh von vielen Faktoren abhängt.<br />

Zum Beispiel: Was habe ich<br />

gegessen? Oder zu viel durcheinander<br />

getrunken? Um frischer und<br />

fitter zu sein, sowohl am Abend<br />

des geselligen Beisammenseins<br />

als auch am Tag danach, würde<br />

ich immer Wasser zum Alkohol<br />

trinken. Egal ob bei Bier, Wein<br />

oder Schnaps.<br />

Was gilt es bei der Zubereitung von<br />

Glühwein zu beachten?<br />

<strong>Das</strong>s er beim Erhitzen auf gar keinen<br />

Fall anfängt zu köcheln. <strong>Das</strong><br />

setzt Bitterstoffe frei und sorgt da<strong>für</strong>,<br />

dass sich der Alkohol im Wein<br />

verflüchtigt. Dann ist der Glühwein<br />

im Grunde wertlos, weil er<br />

nicht mehr schmeckt.<br />

Welchen Glühwein-Kauf-Tipp haben<br />

Sie <strong>für</strong> unsere Leser?<br />

Auf je<strong>den</strong> Fall diesen Winzer-<br />

Glühwein vom fränkischen Weingut<br />

Castell. Wobei wir auch sehr<br />

viele „Klassiker“ verkaufen. Weißen<br />

Glühwein, der immer beliebter<br />

wird, oft mit Rebsorten<br />

von Chardonnay oder Sauvignon<br />

Blanc. Roten mit Rebsorten von<br />

Dornfelder, Spätburgunder oder<br />

Merlot.<br />

Vom beliebter wer<strong>den</strong><strong>den</strong> Weißen<br />

abgesehen: Gibt es weitere Glühwein-Trends?<br />

Es kündigt sich gerade ein Hype in<br />

Sachen Rosé-Glühwein an – also<br />

ein Rotwein, weiß gekeltert, woraus<br />

dann Glühwein gemacht wird.<br />

Den habe ich selbst noch nicht<br />

probiert, weshalb ich darauf besonders<br />

gespannt bin.<br />

Weg vom Glühwein, hin zum Klassischen:<br />

Welchen empfehlen Sie<br />

zum Feiertags-Braten?<br />

Wenn es draußen Minusgrade hat,<br />

gönnt man sich weniger gerne<br />

einen runtergekühlten Weißwein.<br />

Zur kälteren Jahreszeit empfiehlt<br />

sich deshalb ganz klar ein kräftiger<br />

Rotwein, auch Kaminwein genannt.<br />

Der eignet sich auch ganz<br />

hervorragend zum Braten. Wenn<br />

die Tannine, die pflanzlichen<br />

Gerbstoffe, passend zum jeweiligen<br />

Fleisch gewählt, sich auf die<br />

Zunge niederlassen, die dann etwas<br />

pelzig wird – einfach Klasse.<br />

Im Detail gibt es schier unendlich<br />

viele Rotweine…<br />

Wie viele Prozentvolumen? Mit<br />

oder ohne Restsüße? Trocken?<br />

Eher Halbtrocken? Oder doch lieblich<br />

bis edelsüß? Letztlich tasten<br />

wir uns mit jedem Kun<strong>den</strong> individuell<br />

an die <strong>für</strong> ihn ideale Sorte<br />

ran.<br />

Was trinken Sie persönlich zu<br />

Weihnachten?<br />

Auf je<strong>den</strong> Fall Rotwein. Einen Primitivo.<br />

Oder einen Petite Verdot.<br />

<strong>Das</strong> sind gute Beispiele <strong>für</strong> richtig<br />

satte Weine, sogar mit Schokolade<br />

und Tabak im Geschmack. Muss<br />

man mögen. Aber <strong>für</strong> mich sind<br />

das Qualitäts-Weine, die richtig<br />

gut schmecken.<br />

Und was wünschen Sie sich nach<br />

diesem Corona-geprägten Jahr im<br />

Besonderen?<br />

<br />

9–18<br />

<br />

9.30 –16<br />

<strong>Das</strong>s die Deutschen in Zukunft sich<br />

mehr Gedanken über Ernährung<br />

machen und mehr Geld <strong>für</strong> Lebensmittel<br />

ausgeben. Ähnlich wie<br />

die Franzosen und Italiener, wo<br />

bewusste Ernährung gelebt wird.<br />

In Deutschland wird immer nur<br />

geschaut, ob das Produkt gerade<br />

im Angebot und möglichst billig<br />

ist. Wo es herkommt, welche Qualität<br />

dahintersteckt, interessiert<br />

viele nicht. <strong>Das</strong> finde ich traurig. js<br />

Riesenauswahl: Beim Rundgang durch <strong>den</strong> Ausstellungsraum von „Küche<br />

& Keller“ schlagen die Herzen von Weinliebhabern höher.<br />

<br />

12.– 14.<br />

<br />

9.30 – 16<br />

Rotwein aus der Holzkiste: Auch in Sachen Verpackungen unterscheidet<br />

sich der Weinfachhandel von klassischer Supermarkt-Ware.<br />

Mittwoch – Freitag von9 – 12und14 – 18 Uhr<br />

Samstag von9.30 – 12.30Uhr<br />

Hoheneggstraße 31 // 86978 Hohenfurch // Tel.: 08861 / 2596996<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 65


Saisonal und regional – Rezepte der Hauswirtschaftereirei<br />

Saftiges Roastbeef<br />

unterm Christbaum<br />

Altlandkreis | Sicherlich ist die<br />

Vorfreude auf die Stade Zeit heuer<br />

nicht so stark ausgeprägt wie<br />

in <strong>den</strong> Jahren zuvor. Die Coronabedingten<br />

Einschränkungen haben<br />

das gesellschaftskulturelle Leben<br />

zu nicht unerheblichen Teilen einschlafen<br />

lassen. Trotzdem steigt so<br />

langsam die Vorfreude auf Weihnachten.<br />

Der Duft aus Omas Küche,<br />

eine Mischung aus Zimt, Nelken<br />

und Vanille. <strong>Das</strong> Schreiben sinnlicher,<br />

motivierender und nach<strong>den</strong>klicher<br />

Weihnachtskarten <strong>für</strong><br />

die engsten Freunde und Familienmitglieder.<br />

Die Suche nach dem<br />

schönsten Christbaum. Und die<br />

Überlegung, welch Festgericht an<br />

Heiligabend sowie am ersten und<br />

zweiten Weihnachtsfeiertag serviert<br />

wer<strong>den</strong> soll. Wer sich nicht so<br />

recht festlegen kann, noch unentschlossen<br />

ist zwischen Fisch, Gans,<br />

Rind oder Fleisch-frei? Die drei<br />

Damen der Hauswirtschafterei helfen<br />

bei der Entscheidungsfindung,<br />

schlagen ein Dreigänge-Menü mit<br />

Käsknödelsuppe als Vorspeise,<br />

Roastbeef mit Fächerkartoffeln als<br />

Hauptgericht sowie Preiselbeer-<br />

Schichtspeise als Dessert vor. Im<br />

Folgen<strong>den</strong> lesen Sie, liebe Leser,<br />

wie es gemacht wird:<br />

Käsknödelsuppe<br />

(Vorspeise)<br />

ZUTATEN:<br />

1 Zwiebel<br />

EL Butter<br />

2 Eier<br />

125 ml Milch<br />

Salz, Pfeffer, Paprikapulver<br />

1 EL Petersilie<br />

150 g geriebener Bergkäse<br />

120 g Semmelbrösel<br />

evtl. Rapsöl zum Ausbacken<br />

ZUM ANRICHTEN:<br />

1 – 1,5 l Fleisch- oder<br />

Gemüsebrühe<br />

Schnittlauch<br />

ZUBEREITUNG: Die Zwiebel schälen<br />

und fein würfeln. In der heißen<br />

Butter andünsten und abkühlen<br />

lassen.<br />

Die Eier mit der Milch und <strong>den</strong><br />

Gewürzen verrühren. Zwiebel, Petersilie,<br />

Käse und Semmelbrösel<br />

zufügen und 30 Minuten quellen<br />

lassen.<br />

Aus der Masse etwa 12 kleine Knödel<br />

formen und diese entweder in<br />

leicht sie<strong>den</strong>dem Salzwasser 15<br />

Minuten ziehen lassen. Oder die<br />

Knödel leicht flach drücken und<br />

in heißem Öl von bei<strong>den</strong> Seiten<br />

goldbraun ausbacken.<br />

Die Knödel in heißer Brühe, mit<br />

Schnittlauch bestreut, servieren.<br />

Roastbeef<br />

(Hauptgericht)<br />

ZUTATEN:<br />

1 Knoblauchzehe<br />

8 EL Rapsöl<br />

grobes Salz, roter Pfeffer<br />

1 EL Kräuter<br />

1 kg Roastbeef<br />

1 EL Rapsöl<br />

66 | <strong>altlandkreis</strong><br />

land<br />

66 | <strong>altlandkreis</strong>


#WeLoveMusic<br />

ZUBEREITUNG: UN<br />

Den<br />

Knoblauch<br />

schälen und fein<br />

würfeln. Mit Öl,<br />

Gewürzen en und Kräutern verrühren.<br />

2 EL Marinade beiseitestellen,<br />

mit dem Rest das Fleisch marinieren<br />

und mind. 2 Stun<strong>den</strong> ziehen<br />

lassen.<br />

<strong>Das</strong> Roastbeef im heißen Öl rundum<br />

kräftig anbraten. Auf ein angewärmtes,<br />

mit Backpapier ausgelegtes<br />

Backblech legen, mit der<br />

restlichen Marinade bestreichen<br />

und im Backofen fertig garen.<br />

Garzeit: 40 bis 50 Minuten bei 140<br />

°C (120 °C Heißluft)<br />

Nach der Garzeit das Fleisch in<br />

Alufolie wickeln und vor dem Aufschnei<strong>den</strong><br />

noch 15 Minuten ruhen<br />

lassen. Dazu passen Fächerkartoffeln.<br />

TIPP: Übriges Roastbeef kalt dünn<br />

aufschnei<strong>den</strong> und mit einer Soße<br />

aus Crème fraîche, Senf, frisch geriebenem<br />

Meerrettich, gewürfelten<br />

Essiggurken, Salz und Pfeffer<br />

anrichten.<br />

Fächerkartoffeln<br />

ZUTATEN:<br />

600 g festkochende Kartoffeln<br />

50 g flüssige Butter<br />

Salz<br />

ZUBEREITUNG: Die Kartoffeln<br />

schälen, größere Kartoffeln längs<br />

halbieren und jeweils eine gewölbte<br />

Seite in engen Abstän<strong>den</strong><br />

einschnei<strong>den</strong>. Nebeneinander in<br />

eine gefettete Auflaufform setzen,<br />

mit der geschmolzenen Butter bestreichen,<br />

salzen und backen.<br />

Backzeit: 40 Minuten bei 200 °C<br />

(180<br />

°C Heißluft)<br />

Preiselbeer-Schichtspeise<br />

(Dessert)<br />

ZUTATEN:<br />

15 g Speisestärke<br />

200 ml Rotwein<br />

400 g Preiselbeeren<br />

80 bis 100 g Cantuccini<br />

400 g Sahne<br />

ZUBEREITUNG: Die Speisestärke<br />

mit 2 EL Rotwein glattrühren. Den<br />

restlichen Rotwein 10 Minuten kochen<br />

lassen. Die Stärke einrühren<br />

und einmal kurz aufkochen. Von<br />

<strong>den</strong> Preiselbeeren 1 EL <strong>für</strong> die<br />

Garnitur beiseitestellen. Die restlichen<br />

Preiselbeeren zum Wein<br />

geben. In vier Dessertgläser füllen<br />

und kühl stellen.<br />

Die Cantuccini grob zerkleinern.<br />

Einige Stücke <strong>für</strong> die Garnitur aufbewahren,<br />

<strong>den</strong> Rest auf <strong>den</strong> Preiselbeeren<br />

verteilen.<br />

Die Sahne steif schlagen. In einen<br />

Spritzbeutel mit Lochtülle füllen<br />

und auf die Cantuccini spritzen.<br />

Mit Preiselbeeren und Cantuccinistücken<br />

verzieren.<br />

js<br />

<strong>Das</strong> Team „<strong>altlandkreis</strong>“ und die<br />

drei Damen der Hauswirtschafterei<br />

wünschen besinnliche, er-<br />

holsame Weihnachten und gutes<br />

Gelingen beim Ausprobieren der<br />

Rezepte! epte!<br />

november er/dez<br />

dezember em e<br />

<strong>2020</strong><br />

| 67<br />

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Handgemachtes von Guido Hosp<br />

Der Holzschnitzer<br />

des Vertrauens<br />

68 | <strong>altlandkreis</strong><br />

Guido Hosp, 81, in seinem Element: Hier schnitzt t er am selbstgebauten<br />

b t<br />

Schnitzbock, der Arbeiten im Stehen ermöglicht.<br />

Bad Bayersoien | Die Lebensgeschichte<br />

von Holzschnitzer Guido<br />

Hosp berührt Herz und Seele. Allein<br />

das Zustandekommen seiner<br />

beruflichen Ausbildung wäre ein<br />

eigenes Kapitel wert. Es beschreibt<br />

eindrucksvoll die wirtschaftliche<br />

und gesamtgesellschaftliche<br />

Entwicklung von Kriegsende bis<br />

heute. Der waschechte Bad Bayersoier,<br />

heute 81 Jahre alt, ist im Jahre<br />

1939 zur Welt gekommen. Den<br />

Zweiten Weltkrieg hat er als kleiner<br />

Bub nicht direkt mitbekommen.<br />

Aber dessen Auswirkungen.<br />

<strong>Das</strong> Bauerndorf Bad Bayersoien,<br />

abgesehen von wenigen Großbauern<br />

und Geschäftsleuten, war<br />

geprägt von schier unbeschreiblicher<br />

Armut. <strong>Das</strong> Elternhaus von<br />

Guido Hosp im Besonderen. Als<br />

kleiner Bub hatte er lange Zeit keine<br />

Schuhe, war selbst im Winter<br />

barfuß unterwegs. „Dann ist man<br />

halt weniger rausgegangen“, sagt<br />

er rückblickend. An Schulbesuche<br />

war ohnehin nicht zu <strong>den</strong>ken.<br />

Die Haustüre des Elternhauses<br />

aber stand als Zeichen der Hilfsbereitschaft<br />

immer offen. „Falls<br />

jemand was brauchte, konnte er<br />

rein.“ Eines Tages traten Feriengäste<br />

aus dem benachbarten Bad<br />

Kohlgrub über die Türschwelle<br />

der Hosps. Im Dorf unterhalb des<br />

Hörnles hatte es im Gegensatz zu<br />

Bayersoien bereits in der früheren<br />

Nachkriegszeit schon Urlauber gegeben.<br />

Je<strong>den</strong>falls fragte einer der<br />

Besucher <strong>den</strong> blutjungen Guido,<br />

was er <strong>den</strong>n beruflich mal wer<strong>den</strong><br />

möchte. „Mei“, so seine eher begeisterungslose<br />

Antwort, „wahrscheinlich<br />

Schreiner, Maler oder<br />

Metzger, was anderes gibt’s ja eh<br />

nicht“. In diesem Moment deutete<br />

der Urlauber nach links oben in<br />

<strong>den</strong> Herrgottswinkel der Stube,<br />

direkt auf das dort hängende Kruzifix<br />

und sagte: „<strong>Das</strong>, lieber Guido,<br />

kann man auch lernen.“ Wie? Wo?<br />

Was? Guido war sofort Feuer und<br />

Flamme. „In der Oberammergauer<br />

Schnitzschule.“ In Zeiten ohne<br />

Smartphone, Internet und überwiegend<br />

ohne Autos und Mopeds<br />

– Kraftfahrzeuge konnte sich in<br />

Bayersoien kaum jemand leisten –<br />

hatte der kleine Guido noch nie<br />

vom Schnitzer-Handwerk aus dem<br />

unweit entfernten Passionsdorf<br />

gehört. Aber er war begeistert von<br />

diesem Vorschlag. Der Urlauber,<br />

der bereits in Besitz eines Autos<br />

war, hockte <strong>den</strong> barfüßigen Guido<br />

auf die Rückbank seines Wagens<br />

und fuhr los. Bereits beim<br />

Einfahren nach Oberammergau,<br />

als sämtliche Lä<strong>den</strong> mit bemalten<br />

Holzfiguren in <strong>den</strong> Schaufenstern<br />

zu sehen waren, wusste der damals<br />

14-Jährige: „<strong>Das</strong> will ich lernen.<br />

Unbedingt.“<br />

Alles auf eine<br />

Karte gesetzt<br />

Tatsächlich wird Guido Hosp aufgenommen<br />

in die Ausbildungsklasse<br />

der O'gauer Schnitzschule.<br />

Zwischen 1955 bis 1959 fährt er<br />

täglich, Sommer wie Winter, mit<br />

dem Fahrrad seines älteren Bruders<br />

bis nach Saulgrub, von dort<br />

weiter mit dem Zug. <strong>Das</strong> Ticket<br />

übernimmt kulanterweise die<br />

Schule <strong>für</strong> ihn, „die viel strenger


Fingerspitzengefühl it und scharfe Klingen sind nicht nur beim Herstellen<br />

dieser Hirtenfigur, die ein Schaf in ihren Hän<strong>den</strong> trägt, gefragt.<br />

und umfangreicher war als heute“.<br />

Die Ausbildung zum Holzschnitzer<br />

und Bildhauer, damals<br />

unter dem großen Lehrmeister<br />

Hans Schweighofer, dauert vier<br />

statt drei Jahre. Obendrein von<br />

Montag bis einschließlich Samstag<br />

über je acht Stun<strong>den</strong> am Tag.<br />

„Was mir letztlich bis heute zu<br />

Gute gekommen ist, weil ich das<br />

Kunsthandwerk bis ins kleinste<br />

Detail erlernen konnte.“ Hinzu<br />

kommt, dass Guido Hosp, eigentlich<br />

Linkshänder, der mit rechts zu<br />

lernen hat (!), von Beginn an gut<br />

ist in seinem Tun. <strong>Das</strong> gibt ihm<br />

nach erfolgreichem Abschluss das<br />

notwendige Selbstvertrauen, existenziell<br />

Alles auf eine Karte zu setzen.<br />

Gepaart mit viel Mut, nimmt<br />

er mit seiner zur gleichen Zeit kennengelernten,<br />

späteren Ehefrau,<br />

eine waschechte Berlinerin, einen<br />

Kredit auf, baut Einfamilienhaus<br />

mit Schnitzwerkstätte und hofft<br />

von Beginn an, durch seine Handwerkskunst<br />

Haus und Grund abbezahlen,<br />

obendrein eine eigene<br />

Familie ernähren zu können. „Wir<br />

hatten bis dato wirklich nichts.“<br />

Doch der Plan geht auf. Einerseits,<br />

weil das kleine Bauerndorf unter<br />

Bürgermeister Anderl Grünwald<br />

aus dem Dornröschenschlaf erwacht,<br />

immer mehr Frem<strong>den</strong>verkehr<br />

nun auch <strong>den</strong> Weg nach<br />

Bad Bayersoien findet. Andererseits,<br />

weil Guido Hosp, der 1978<br />

erfolgreich die Meisterprüfung<br />

absolviert, sicherlich ehrlicher,<br />

besser und zielstrebiger arbeitet<br />

als mancher Kollege. Bis heute ist<br />

er stolz darauf, wirkliche alle seine<br />

Figuren aus eigener Hand zu fertigen.<br />

„Anderswo, auch in Oberammergau,<br />

wer<strong>den</strong> zunehmend maschinell<br />

hergestellte Holzfiguren<br />

gefertigt und verkauft.“<br />

Maschinen findet man in Guido<br />

Hosps Werkstätte te in der Tat vergeblich.<br />

In der Mitte des Raumes<br />

steht ein selbstgebauter stgebauter Schnitzen<br />

im Stehen erbock,<br />

der Arbeiten möglicht. Dahinter eine klassische<br />

sische<br />

Werkbank mit<br />

tausen<strong>den</strong> zern, Dellen, Macken. Dort<br />

schnitzt Guido Hosp seit<br />

mehr als 60 Jahren im<br />

Sitzen. Die 100 Schnitz-<br />

Messer in unterschiedlichen<br />

Größen und<br />

Varianten<br />

stammen<br />

überwie-<br />

e-<br />

gend aus Südtirol,<br />

die neueren<br />

eren<br />

en<br />

aus Japan. „Obwohl<br />

die Deutschen<br />

als technische<br />

Pioniere in<br />

vielen Bereichen<br />

en<br />

gelten, haben sie es<br />

nie geschafft, gute<br />

Krat-<br />

Schnitzmesser herzustellen“, sagt<br />

Hosp, grinst und spannt einen 22<br />

Zentimeter großen Hirten, der ein<br />

Schaf in <strong>den</strong> Hän<strong>den</strong> hält, zwischen<br />

<strong>den</strong> Schraubstock – es fehlen<br />

nur noch wenige Handgriffe,<br />

bis diese Krippenfigur fertig ist.<br />

Jesus-Figuren mit<br />

moderner Deutung<br />

Wie lange er über Idee und Entwurf<br />

in Form von einer Skizze oder<br />

aus Ton bis hin zur fertigen Figur<br />

braucht, ist <strong>für</strong> <strong>den</strong> weltoffenen<br />

Freigeist schwer zu definieren.<br />

Nur so viel: „Um davon leben zu<br />

können, muss man schnell und<br />

gut schnitzen.“ Die kleinsten Figuren<br />

beginnen preislich bei 50<br />

Euro. Die größten, fast Hüft-hoch,<br />

kosten 2000 Euro oder mehr. Neben<br />

Sonderaufträgen <strong>für</strong> Kun<strong>den</strong><br />

aus unmittelbarer Region schnitzt<br />

Guido Hosp auch immer wieder<br />

<strong>für</strong> Menschen aus dem kompletten<br />

deutschsprachigen Raum. Ein<br />

Stuttgarter beispielsweise besitzt<br />

eine riesengroße Krippe, die jähr-<br />

lich erweitert rt wird. Erst kürzlich<br />

hat ihn der Schwabe wieder<br />

e<br />

angerufen: n: „Fünf Sänger in<br />

Tracht, ein großer<br />

Engel,<br />

zwei bis<br />

drei<br />

Gämse,<br />

ein Steinbock.“<br />

Weil<br />

Guido Hosp<br />

zwar heimatverbun<strong>den</strong>, aber nie<br />

direkt im Trachtenverein aktiv gewesen<br />

ist, vergibt er die „Sänger“<br />

bewusst an seinen guten Freund<br />

„Schorsch“, dem er selbst das<br />

Schnitzen beigebracht hat. Der<br />

Mittenwalder sitzt seit 20 Jahren<br />

im Rollstuhl, schnitzt seither Tag<br />

ein Tag aus, um so sein Schicksal<br />

besser verkraften zu können. „Und<br />

er ist damals wie heute Vollbluttrachtler.“<br />

Die anderen Figuren<br />

aber macht Guido Hosp selbstverständlich<br />

selbst. Immer aus Linde<br />

oder Zirbe, weil beide Hölzer sehr<br />

weich, deshalb besonders gut zu<br />

bearbeiten sind. Neben Maria,<br />

Josef, Jesuskind, <strong>den</strong> Heiligen<br />

Drei Königen sowie Hirten mit<br />

Schafsher<strong>den</strong> fin<strong>den</strong> sich in seiner<br />

Werkstätte viele weitere Figuren,<br />

die im Detail oft anders aussehen<br />

und wirken wie gewohnt.<br />

„Ich war noch nie ein Fan von der<br />

klassischen Jesus-Darstellung, wie<br />

er lei<strong>den</strong>d am Kreuz hängt – ein<br />

Ausdruck der Hoffnungslosigkeit.“<br />

Guido Hosp kann nicht nachvollziehen,<br />

dass die Christen bis heute<br />

an diesem Symbol festhalten. ten.<br />

Er<br />

stellt lt die<br />

großen Jesusfiguren<br />

sfigur<br />

uren<br />

lieber er so ähnlich dar,<br />

wie<br />

sie vor rund<br />

1000<br />

0 Jahren in<br />

Zeiten en der<br />

Romanik schon<br />

mal<br />

dargestellt wor<strong>den</strong><br />

sind, „was<br />

sich allerdings lerd<br />

nicht<br />

durchgesetzt et<br />

hat“: Eine<br />

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Ausdruck von Weltoffenheit: Guido Hosp schnitzt auch<br />

exotische Figuren — Diener und Elefant aus dem Orient.<br />

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november er/dezem<br />

dezember ember <strong>2020</strong> | 69


Hand, die nach oben zeigt und uns<br />

Menschen <strong>den</strong> Weg ins Paradies<br />

deutet, hin zum ewigen Leben. Die<br />

andere Hand dagegen nach unten<br />

gerichtet, schützend über die Erde.<br />

Schnitzkurse <strong>für</strong> Kinder<br />

und Erwachsene<br />

<strong>Das</strong>s Guido Hosp mit seinen 81<br />

Jahren immer noch schnitzt, hat<br />

mehrere Gründe. Einerseits liebt<br />

er seine Arbeit nach wie vor ungemein.<br />

„Gerade in Zeiten der Massenindustrie<br />

gibt es mir unglaublich<br />

viel, wenn ein kleiner Junge<br />

eine meiner Figuren in die Hand<br />

gedrückt bekommt und seine Augen<br />

anfangen zu strahlen.“ Die<br />

positiven Rückmeldungen seiner<br />

Kun<strong>den</strong>, die auch heute noch Wert<br />

auf Handgemachtes legen, sei ohnehin<br />

das Schönste überhaupt an<br />

seinem Beruf. Andererseits hat<br />

er mit starken, chronischen Kopfschmerzen<br />

zu kämpfen, von <strong>den</strong>en<br />

er sich ablenken will und muss.<br />

„Nichtstun wäre <strong>für</strong> mich das allerschlimmste,<br />

im Grunde wie tot<br />

sein.“ Deshalb bietet er auch nach<br />

wie vor Schnitzkurse an. Ob Jung<br />

oder Alt, ob allein oder <strong>für</strong> eine<br />

ganze Familie – immer wieder<br />

kommen Interessierte vorbei, um<br />

dieses seltene Kunsthandwerk<br />

sich hautnah anzuschauen, ja sogar<br />

in <strong>den</strong> Grundzügen <strong>für</strong> spätere<br />

Privatprojekte zu erlernen. Eltern<br />

wundern sich manchmal, wenn<br />

sie mit ihren Kindern zur Türe hereinkommen<br />

und diese von Guido<br />

Hosp sofort ein Stück Holz und eines<br />

dieser extrem scharfkantigen<br />

Schnitzmesser in die Hand gedrückt<br />

bekommen. „Keine Sorge,<br />

die machen das schon“, sagt der<br />

erfahrene Experte. Und die Kinder<br />

fangen einfach nach Lust und<br />

Laune an. „Ich beobachte sie kurz<br />

und verhelfe ihnen dann zu einem<br />

stimmigen Gesamtbild.“ Die tollen<br />

Ergebnisse sind selbst <strong>für</strong> Guido<br />

Hosp immer wieder erstaunlich.<br />

„Jedes Kind hat eine Begabung“,<br />

sagt er zum bewährten Kurs-Konzept<br />

„einfach mal machen lassen“.<br />

Nie einen Kaufvertrag<br />

abgeschlossen<br />

<strong>Das</strong> mit der Begabung trifft sicherlich<br />

auch auf seine eigenen<br />

Kinder zu. Drei sind es an der<br />

Zahl. Längst erwachsen und außer<br />

Haus. <strong>Das</strong>s keiner von ihnen<br />

in Vaters Fußstapfen getreten ist:<br />

Traurig einerseits. Nachvollziehbar<br />

andererseits. Die Nachfrage<br />

nach Handgeschnitztem lässt seit<br />

Jahren nach, das große Geld sich<br />

damit nicht mehr verdienen. Nicht<br />

im 21. Jahrhundert, im Zeitalter<br />

der Digitalisierung. Guido Hosp<br />

betrachtet seine Arbeit deshalb als<br />

sein ganz eigenes, persönliches<br />

Lebenswerk, geprägt von Armut,<br />

Fleiß, Beschei<strong>den</strong>heit, aber auch<br />

von beispiellosem Vertrauen in<br />

seine Mitmenschen. Als freischaffender<br />

Künstler hat Guido Hosp<br />

nie einen Vertrag abgeschlossen<br />

mit seinen Kun<strong>den</strong>, nie eine Unterschrift,<br />

eine verbindliche Zusage<br />

verlangt. „Wer Vertrauen aussendet,<br />

bekommt auch Vertrauen<br />

zurück“, lautet sein Motto noch<br />

heute. Paradebeispiel „Sonderauftrag<br />

BMW“: Im Hauptwerk sollte<br />

er eine Woche lang einen Ausstellungsraum<br />

ausgestalten und währenddessen<br />

seine Handwerkskunst<br />

vorführen. <strong>Das</strong>s er währenddessen<br />

auch Werke an Besucher verkauft,<br />

ist ihm freigestellt. Eine junge Familie<br />

kommt schließlich an seinen<br />

Stand, hellauf begeistert von<br />

„Alles Unikate“: Jede Figur, die in der heimeligen Werkstätte von Guido<br />

Hosp ausgestellt wird, ist vom Meister höchstpersölich handgemacht.<br />

70 | <strong>altlandkreis</strong>


seinen Figuren, kann sich jedoch<br />

nicht wirklich <strong>für</strong> eine von zwei<br />

ausgewählten entschei<strong>den</strong>. Hosp<br />

an dieser Stelle: „Nehmt beide<br />

mit, kostenlos, und entscheidet<br />

euch in aller Ruhe – würde mich<br />

natürlich freuen, wenn letztlich<br />

nur noch eine wieder zurückkommt.“<br />

Guido Hosp weiß von<br />

dieser Familie, die mit bei<strong>den</strong><br />

Figuren <strong>den</strong> Stand verlässt ohne<br />

einen Cent dazulassen, absolut<br />

nichts. Keine Adresse, keine Telefonnummer,<br />

ja nicht mal <strong>den</strong> Namen.<br />

„Wir müssen was erledigen,<br />

kommen später aber wieder, versprochen“,<br />

haben sie noch gesagt.<br />

Stun<strong>den</strong> vergehen, von der Familie<br />

fehlt jede Spur. Eine hochrangige<br />

BMW-Mitarbeiterin, die sich<br />

inzwischen zu Hosp gesellt hat,<br />

kann dessen Gottvertrauen in diese<br />

<strong>für</strong> ihn wildfrem<strong>den</strong> Menschen<br />

nicht nachvollziehen. „Abwarten“,<br />

sagt der Bayersoier zuversichtlich.<br />

„Die kommen sicher wieder.“ Als<br />

um 17 Uhr die Ausstellung offiziell<br />

beendet ist an diesem Tag, fehlt<br />

von der Familie nach wie vor jede<br />

Spur. „Die kommen schon noch –<br />

vielleicht ist ja was Wichtiges dazwischengekommen“,<br />

sagt Hosp<br />

zur inzwischen Kopf-schütteln<strong>den</strong><br />

BMW-Mitarbeiterin. Doch er behält<br />

tatsächlich Recht. Gegen 17.45<br />

Uhr kommt die Familie zurück.<br />

Völlig aufgelöst. Sie war in einen<br />

Verkehrsunfall ehrs verwickelt, hätte<br />

es nur<br />

deshalb um ein Haar nicht<br />

mehr<br />

geschafft, ft, Guido Hosp anzutreffen.<br />

fe<br />

Trotz aller Aufruhr haben<br />

sie voller Dankbarkeit arke<br />

keit<br />

eine Figur<br />

gekauft, die<br />

andere unversehrt ehrt<br />

zurückgegeben.<br />

<strong>Das</strong> hat sogar Herz<br />

und Seele der BMW-Mitarbeiterin<br />

berührt.<br />

js<br />

„Obwohl die Deutschen als technische Pioniere gelten“: Die rund 100<br />

Schnitzmesser von Guido Hosp stammen alle aus Südtirol und Japan.<br />

alle <strong>Ausgabe</strong>n online unter<br />

www.<strong>altlandkreis</strong>.de<br />

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<br />

<br />

<br />

<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 71


Ein Angebot des Malteser Hilfsdienstes<br />

Weihnachtsessen <strong>für</strong><br />

einsame Menschen<br />

Weilheim | Jeder kennt das weiße,<br />

achtspitzige Kreuz auf rotem<br />

Grund. Seit der Gründung im Jahre<br />

1953 ist es das Wappen des Malteser<br />

Hilfsdienstes, kurz MHD. Die<br />

katholische Hilfsorganisation wurde<br />

vom Deutschen Caritasverband<br />

und dem Malteseror<strong>den</strong> ins Leben<br />

gerufen und arbeitet nach dem<br />

Leitsatz: „Bezeugung des Glaubens<br />

und Hilfe <strong>den</strong> Bedürftigen.“<br />

Der Souveräne Malteseror<strong>den</strong><br />

selbst existiert schon seit dem 11.<br />

Jahrhundert und ist nicht nur eine<br />

Or<strong>den</strong>sgemeinschaft, sondern<br />

auch ein Ritteror<strong>den</strong>. Die Gliederung<br />

Weilheim kann auf keine<br />

ganz so lange Geschichte zurückblicken.<br />

Seit 2011 gibt es <strong>den</strong> MHD<br />

in der Stadt und die Dienststelle<br />

an der Oderdinger Straße wurde<br />

2014 bezogen. Angeschlossen ist<br />

der MHD Weilheim an die Diözese<br />

Augsburg und arbeitet eng mit<br />

dem MHD Starnberg zusammen.<br />

Leiterin vor Ort ist die 47-jährige<br />

Jutta Zuber. Sie organisiert <strong>den</strong><br />

Einsatz von rund 66 Mitarbeitern,<br />

davon 60 Ehrenamtliche. Die Aufgaben<br />

sind vielfältig: Erste-Hilfe-<br />

Kurse, Fort- und Ausbildung <strong>für</strong><br />

Betreuungs-assistenten sowie<br />

Schwestern- und Pflegediensthelfern.<br />

Bei <strong>den</strong> Wallfahrten zum<br />

Kloster Andechs stellt der MHD<br />

Weilheim <strong>den</strong> Sanitätsdienst.<br />

Eine Einkaufshilfe wird angeboten,<br />

die besonders während des<br />

Corona-Lockdowns ausgesprochen<br />

wichtig und wertvoll war.<br />

Bedürftige bekommen einmal im<br />

Monat sogar ein Lebensmittelpaket<br />

gespendet. Es gibt regelmäßig<br />

einen Mittagstisch und Kaffeenachmittage<br />

<strong>für</strong> Senioren sowie<br />

Bastel- und Handarbeitskurse.<br />

Im Jahr 2019 kam noch eine weitere<br />

Aktion hinzu: Ein Weihnachtsessen<br />

<strong>für</strong> einsame Menschen.<br />

Jutta Zuber, gelernte Verwaltungsfachangestellte,<br />

erzählt, wie<br />

es dazu kam: „Unsere Ehrenamtliche<br />

Hedwig Hein kam auf die<br />

Idee, hier im Haus an Heiligabend<br />

eine Veranstaltung <strong>für</strong> Menschen<br />

zu machen, die ansonsten nieman<strong>den</strong><br />

haben. An einem Gruppenabend<br />

im Sommer 2019 wurde<br />

der Vorschlag dem Sozialen Ehrenamt<br />

präsentiert und alle waren<br />

sofort da<strong>für</strong>. Wir wollten einfach<br />

mal testen, ob unsere Einladung<br />

angenommen wird.“<br />

Von der Idee<br />

zur Tat<br />

Mit einer Anzeige in der lokalen<br />

Zeitung wurde die Idee schließ-<br />

Gute Stimmung beim Weihnachtsessen der Malteser im Jahr 2019.<br />

72 | <strong>altlandkreis</strong>


lich in die Tat umgesetzt<br />

und es meldeten sich<br />

tatsächlich Menschen,<br />

die von dem Angebot<br />

Gebrauch machen<br />

wollten. Außerdem<br />

hat man<br />

beim MHD<br />

ein Portfolio<br />

von einsamen<br />

Senioren, die direkt<br />

angesprochen wur<strong>den</strong>. So<br />

kamen am Heiligen Abend<br />

schließlich elf Menschen zusammen,<br />

von <strong>den</strong>en vier noch<br />

nie mit dem MHD in Kontakt waren.<br />

Wer nicht mobil war, wurde<br />

abgeholt und später wieder heimgebracht.<br />

Die Helfer erklärten sich freiwillig<br />

bereit, die Zeit von 15 bis 20 Uhr<br />

am Heiligabend zu opfern. <strong>Das</strong><br />

Haus und der Speisesaal wur<strong>den</strong><br />

aufwändig weihnachtlich dekoriert.<br />

„Wir haben uns wirklich ins<br />

Zeug gelegt und geschmückt wie<br />

die Irren. Es gab natürlich auch<br />

einen echten Weihnachtsbaum“,<br />

erinnert sich Jutta Zuber. Als die<br />

Gäste eintrafen war alles vorbereitet.<br />

Die Kerzen brannten auf<br />

<strong>den</strong> Tischen und zur Begrüßung<br />

gab es Kaffee, Plätzchen und Lebkuchen.<br />

Auch wenn man sich zunächst<br />

fremd war, kamen die Gespräche<br />

schnell in Gang und die<br />

Mitarbeiter mischten sich unter<br />

die Senioren. Weihnachtsmärchen<br />

wur<strong>den</strong> vorgelesen und bekannte<br />

Lieder gesungen. Es gab sogar<br />

eine Bescherung mit einer kleinen<br />

Aufmerksamkeit <strong>für</strong> je<strong>den</strong> Gast.<br />

Highlight war das festliche Menü<br />

mit Roula<strong>den</strong>, Knödeln, Rotkraut<br />

und Götterspeise zum Dessert.<br />

Natürlich alles unter der Aufsicht<br />

von Helferin Inge Wastian in der<br />

hauseigenen Küche zubereitet.<br />

Dankbare Gäste<br />

und Mitarbeiter<br />

„Wir haben uns bewusst da<strong>für</strong><br />

entschie<strong>den</strong>, schon um 15 Uhr anzufangen,<br />

<strong>den</strong>n unserer Erfahrung<br />

Seit 2014 Dienststellenleiterin in Weilheim: Jutta Zuber.<br />

nach sind gerade die Stun<strong>den</strong> am<br />

späten Nachmittag sehr einsam<br />

<strong>für</strong> die Menschen“, begründet Jutta<br />

Zuber <strong>den</strong> Zeitplan. „Um 20.15<br />

Uhr beginnt das Weihnachtsprogamm<br />

im Fernsehen und bis dahin<br />

waren auch alle wieder zuhause.“<br />

Die Gäste waren sehr bewegt und<br />

manche konnten berichten, dass<br />

sie seit Jahren keine Gesellschaft<br />

an diesem Festtag hatten. Oftmals<br />

leben deren Kinder weit entfernt<br />

und Freunde sind verstorben.<br />

„Es waren schon sehr emotionale<br />

Stun<strong>den</strong> und wir wür<strong>den</strong> es<br />

jederzeit wieder machen“, sagt<br />

Jutta Zuber sichtlich bewegt. „Einige<br />

Teilnehmer haben uns später<br />

sogar noch angerufen und sich<br />

Festlich gedeckter Tisch an Weihnachten<br />

h<br />

2019.<br />

<strong>für</strong> die tolle Deko und die netten<br />

Mitarbeiter bedankt. Es war also<br />

ein voller Erfolg.“ Aber auch die<br />

Helfer im Haus waren dadurch<br />

erfüllt, dass sie <strong>den</strong> Menschen in<br />

Weilheim etwas Gutes tun konnten:<br />

Erich und Inge Wastian, Klaus<br />

Moon, Sylvia Huber, Hedwig Hein,<br />

Maria Saal und Florian Grabow<br />

stellten sich ganz in <strong>den</strong> Dienst der<br />

einsamen Menschen und fuhren<br />

nach dem Festessen glücklich zu<br />

ihren eigenen Familien.<br />

„In Gemeinschaft isst es sich besser.“<br />

So lautet das Credo des Malteser<br />

Hilfsdienstes in Weilheim.<br />

Und genau deshalb gibt es auch<br />

seit Jahren ein Mittagessen <strong>für</strong><br />

Senioren. Mittlerweile hat dieses<br />

Treffen Stammtischcharakter und<br />

ist ausgesprochen beliebt. Doch im<br />

März <strong>2020</strong> suchte die Corona-Pandemie<br />

auch die Malteser heim –<br />

alle Events mussten zum großen<br />

Bedauern abgesagt wer<strong>den</strong>. Zwar<br />

ist es geplant, damit wieder zu<br />

starten und Jutta Zuber hat mit<br />

ihren Helfern unter Berücksichtigung<br />

neuer Auflagen auch einen<br />

Plan ausgearbeitet. Trotzdem<br />

steht nun auch die Zukunft des<br />

Weihnachtsessens <strong>für</strong> einsame<br />

Menschen sprichwörtlich in <strong>den</strong><br />

Sternen. Alle Helfer haben sich<br />

eindeutig <strong>für</strong> eine Wiederholung<br />

ausgesprochen, aber die Pandemie<br />

könnte dem Vorhaben einen<br />

Strich durch die Rechnung machen.<br />

„Wir haben zum Glück alle<br />

Namen und Adressen der Menschen,<br />

die vergangenen Heiligabend<br />

hier waren und können sie<br />

kontaktieren. Im Moment sind wir<br />

mit unseren Planungen am Limit,<br />

<strong>den</strong>n wir können nur langsam<br />

alle Aktivitäten wieder hochfahren.<br />

Wir müssen nun erst einmal<br />

abwarten, wie sich die Situation<br />

entwickelt, der Mittagstisch dient<br />

uns dabei als Testballon“, sagt<br />

Jutta Zuber. Wenn der wieder<br />

reibungslos unter <strong>den</strong> Auflagen<br />

funktioniert, stünde auch dem<br />

Weihnachtsessen nichts im Wege.<br />

Die einsamen Menschen n wür<strong>den</strong><br />

die festliche Veranstaltung auf je<strong>den</strong><br />

Fall wieder begrüßen.<br />

e edl<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 73<br />

Grödner Schnitzereien<br />

IHR FACHGESCHÄFT<br />

IM PFAFFENWINKEL<br />

Dürr OHG<br />

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86978 Hohenfurch<br />

Tel: 08861 - 3407<br />

LADEN-ÖFFNUNGSZEITEN:<br />

Mo - Fr 9 - 12 Uhr und 14 - 18 Uhr<br />

Sa 9 - 12 Uhr<br />

Mittwoch-Nachmittag geschlossen<br />

Ab <strong>November</strong> bis Weihnachten<br />

Alle Samstage 9 - 16 Uhr<br />

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Riesenandrang auf Crescentiakapelle – nur heuer er nicht<br />

Waldweihnacht mit<br />

magischer Anziehungskraft<br />

Dienhausen | Matthäus Unsin versichert:<br />

„Wir haben wirklich noch<br />

nie Werbung da<strong>für</strong> gemacht.“ Es<br />

habe nicht mal eine Randspaltenmeldung<br />

in einer Tageszeitung gegeben.<br />

Und trotzdem pilgerten die<br />

vergangenen Jahre ganze Menschenmassen<br />

in seinen Privatwald<br />

südwestlich von Dienhausen. 1 200<br />

Personen waren es bei gutem<br />

Wetter, stolze 800 trotz Sauwetter,<br />

die sich an Heiligabend rund um<br />

seine Crescentiakapelle versammelten.<br />

„Alles Mundpropaganda“,<br />

sagt Unsin, der sich selbst immer<br />

wieder zwicken muss aufgrund<br />

dieser gewaltigen Selbstdynamik.<br />

Dabei gibt es viele gute Gründe,<br />

diesen magischen, frei zugänglichen<br />

Ort aufzusuchen. Denn<br />

hinter allem, was Besucher dort<br />

entdecken, verbergen sich schier<br />

unglaubliche Geschichten. <strong>Das</strong><br />

größte Wunder ist Matthäus Unsin<br />

selbst widerfahren, verbun<strong>den</strong><br />

mit der schlimmsten und schönsten<br />

Zeit seines Lebens zugleich.<br />

Sein Sohn kam mit einem offenen<br />

Bauchdeckenbruch zur Welt, was<br />

die Ärzte im Schongauer Krankenhaus<br />

gleichermaßen schockierte<br />

wie ratlos machte. So einen Fall<br />

hatten sie noch nie. „Sie sagten<br />

zu mir, dass wir uns auf einen<br />

viel zu frühen Abschied einstellen<br />

müssen“, erinnert sich Unsin<br />

noch genau. <strong>Das</strong> Baby aber war<br />

hellwach, erblickte mit offenen<br />

Augen das Licht der Welt und vermittelte<br />

seinem danebensitzen<strong>den</strong><br />

Vater ein deutliches: „Ich will leben!“<br />

Matthäus Unsin versuchte<br />

alles, erbat beim Ärzteteam eine<br />

74 | <strong>altlandkreis</strong><br />

Militärpfarrer Stefan Bauhofer predigt auffallend zeitgemäß und modern.<br />

schnellstmögliche Verlagerung<br />

in die Haunersche Kinderklinik<br />

nach München. Auch dort waren<br />

die Ärzte zunächst ratlos, sahen<br />

kaum eine Chance, <strong>den</strong> Kleinen zu<br />

retten. Doch ein japanischer Assistenzarzt,<br />

zu Fortbildungszwecken<br />

damals in München stationiert,<br />

bekam von diesem Sonderfall mit –<br />

und kannte entgegen aller anderen<br />

Ärzte tatsächlich einen ähnlichen<br />

Fall aus seinem Heimatland,<br />

war dort sogar beim Operieren<br />

dabei. Daraufhin setzten die Ärzte<br />

in München alles auf eine Karte,<br />

leiteten unter dem Motto „wir<br />

können nichts verlieren“ eine Not-<br />

OP ein. Sie hatten Erfolg – das Leben<br />

des Sohnes von Matthäus Unsin<br />

konnte wie durch ein Wunder<br />

gerettet wer<strong>den</strong>. Und als Zeichen<br />

unendlicher Dankbarkeit errichtete<br />

der handwerklich begabte<br />

Maurer- und Fliesenlegermeister<br />

die inzwischen allseits bekannte<br />

Crescentiakapelle. In erster Linie<br />

<strong>für</strong> sich, die Familie.<br />

Kerzenlicht und<br />

klingende Weisen<br />

<strong>Das</strong> Gelände ist jedoch von Beginn<br />

an frei zugänglich <strong>für</strong> die Öffentlichkeit.<br />

Immer wieder kommen<br />

Radfahrer, Jogger, Wanderer und<br />

Spaziergänger vorbei, machen<br />

Rast und halten Inne. Darunter<br />

auch ein Soldat aus dem Schongauer<br />

Raum, fasziniert von diesem<br />

idyllischen Kraftort, der die<br />

Idee an Matthäus Unsin letztlich<br />

überbrachte: Eine Christmette<br />

<strong>für</strong>s Militär. An Heiligabend. Mitten<br />

in seinem Wald. Direkt neben<br />

der Kapelle. e Warum nicht, dachte<br />

sich<br />

Unsin. So fand am<br />

24. <strong>Dezember</strong><br />

er<br />

2010 die erste Christmette<br />

der Katholischen Militärseelsorge<br />

nicht mehr an einem Stadel in der<br />

Nähe der Altenstadter Kaserne,<br />

sondern eben an der Crescentiakapelle<br />

statt. Damals mit maximal<br />

200 Leuten, die jedoch hellauf<br />

begeistert waren. Die reine Luft.<br />

50 brennende Kerzen, auf dem<br />

kompletten Gelände verteilt, die<br />

Unsin stets persönlich kurz vor<br />

Beginn der Mette anzündet und<br />

so <strong>für</strong> eine unsagbar schöne, warme,<br />

heimelige Stimmung inmitten<br />

des Waldes sorgt. Der Duft von<br />

Glühwein und Plätzchen <strong>für</strong> geselliges<br />

Beisammensein danach.<br />

Der geschmückte Altar. Extra <strong>für</strong><br />

diesen Anlass aufgestellte Sitzbänke<br />

mit Platz <strong>für</strong> mittlerweile<br />

600 Menschen. Die wunderbaren<br />

Weisen einer Bläsergruppe – die<br />

Fliegerhorstkapelle von Kaufbeuren.<br />

Die ideal gewählte Uhrzeit<br />

von 16 Uhr – danach haben auch<br />

jüngere Familien noch genug Zeit<br />

<strong>für</strong>s festliche Abendessen und die<br />

Bescherung. Und nicht zuletzt die<br />

unter die Haut gehen<strong>den</strong> Predigten,<br />

die auffallend weltoffen und<br />

zeitgemäß abgehalten wer<strong>den</strong>.<br />

Die ersten vier Jahre von Militärpfarrer<br />

Martin Roth, seit 2014 von<br />

Militärpfarrer Stefan Bauhofer.<br />

All diese Komponenten machten<br />

die Christmette bei Dienhausen<br />

in kürzester Zeit zur beliebtesten<br />

weit und breit.<br />

In der Tat kommen die Besucher<br />

der Dienhausener Waldweihnacht<br />

bis aus Stötten hinterm Auerberg,


aus Schongau, Peiting und Peißenberg,<br />

aus Apfeldorf, Kinsau<br />

und Denklingen sowie Osterzell<br />

bis Bidingen. <strong>Das</strong> Feld vor dem<br />

Wald dient als großer Parkplatz.<br />

„Da steckt viel Organisationsauf-<br />

wand<br />

dahinter“, sagt Matthäus<br />

Unsin. n. Die Männer der Freiwilligen<br />

Feuerwehren Denklingen<br />

und Dienhausen sind an diesem<br />

Nachmittag mit einem Großaufge-<br />

bot im<br />

Einsatz, koordinieren <strong>den</strong><br />

Parkplatz, sperren umliegende<br />

Wege ab und lotsen Neulinge in<br />

die richtige Richtung. Unsin reiht<br />

Stun<strong>den</strong> zuvor die Sitzbänke auf,<br />

befreit <strong>den</strong> Platz von Schnee, Laub,<br />

Geäst. <strong>Das</strong> Militär schmückt <strong>den</strong><br />

Altar, baut Mikrofonanlagen auf.<br />

Nur ausgerechnet heuer nicht, in<br />

dem Jahr, in dem sich die Christmette<br />

zum zehnten Mal jähren<br />

würde. „Pfarrer Stefan Bauhofer<br />

wollte es ursprünglich unbedingt<br />

durchziehen, weil er Jung und<br />

Alt an Weihnachten nicht alleine<br />

lassen möchte, schon gar nicht in<br />

Zeiten von Corona“, sagt Matthäus<br />

Unsin, der ebenfalls tieftraurig<br />

ist über die endgültige Absage<br />

Mitte Oktober. Doch eine Coronakonforme<br />

Umsetzung, unerheblich<br />

der Infektionszahlen, wäre trotz<br />

Freiluftveranstaltung unmöglich.<br />

Selbst wenn weniger Leute kämen,<br />

Matthäus Unsin hat viele weitere Ge<strong>den</strong>kstätten auf seiner Waldlichtung<br />

errichtet. Diese Glocke hat er in Innsbruck anfertigen lassen.<br />

ist der Platz mit Abstandhaltung<br />

zu klein. Pfarrer Stefan Bauhofer<br />

möchte <strong>den</strong>noch die Kernbotschaft<br />

von Weihnachten übermitteln.<br />

Alternative<br />

aufgrund Corona<br />

Angedacht ist einerseits eine Andacht<br />

zur Heiligen Nacht via Video,<br />

die im Vorfeld auf der Waldlichtung<br />

„St. Crescentia“ aufgenommen und<br />

an Heiligabend auf YouTube sowie<br />

der Homepage der Katholischen<br />

Militärseelsorge www.kmba.de<br />

veröffentlicht wird. Andererseits in<br />

Form eines schriftlichen Impulses,<br />

ausgelegt im Bereich der Crescentiakapelle.<br />

Denn eines ist gewiss:<br />

Auch ohne offizielle Christmette<br />

des Militärpfarramtes wird dieser<br />

magische Ort von Spaziergängern<br />

aufgesucht an Heiligabend. Dann<br />

in jedem Falle anzutreffen: Matthäus<br />

Unsin, der Kerzen anzündet,<br />

Glühwein kocht, Plätzchen bereitstellt<br />

und Alt und Jung von der<br />

wunderbaren Rettung seines Sohnes,<br />

aber auch von anderen, wundersamen<br />

Geschichten erzählt, die<br />

in dieser idyllischen Waldlichtung<br />

einen festen Platz gefun<strong>den</strong> haben.<br />

Sein Sohn ist übrigens kerngesund,<br />

glücklich verheiratet, stolzer<br />

Vater von vier Kindern, baute<br />

bereits mit 25 Jahren ein eigenes<br />

Haus und kann sprichwörtlich „arbeiten<br />

wie ein Tier“. Und alles nur,<br />

weil seine Eltern ihn nicht aufgegeben<br />

hatten.<br />

js<br />

Wir backen<br />

WEIHNACHTEN<br />

Schnitzlergasse 11, 82487 Oberammergau | In der Weide 2, 82497 Unterammergau<br />

www.baeckerei-aurhammer.de<br />

Bis zu 1 200 Menschen nehmen an der Christmette teil.<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 75


Winter-Tipps von Serviceberater Muamer Sehovic<br />

„Reifen und Beleuchtung essenziell“<br />

Nicht nur bei Nacht und düsteren Wintertagen<br />

kommt es sprichwörtlich auf Sehen<br />

und Gesehen wer<strong>den</strong> an. „Voll funktionsfähige<br />

Lichter am Fahrzeug sind immer<br />

überlebenswichtig“, sagt Muamer Sehovic,<br />

der seinen Heuberger-Kun<strong>den</strong> <strong>für</strong><br />

einen sicheren Start in <strong>den</strong> Winter einige<br />

wertvolle Tipps verrät – und unter anderem<br />

einen Fahrzeug-Check empfiehlt.<br />

Wie sieht ein Fahrzeug-Check aus?<br />

Er kostet bei uns 19,95 Euro und beinhaltet<br />

die Überprüfung von Bremsen, Abgasanlage,<br />

Fahrwerk, Beleuchtung<br />

und Reifenluftdruck.<br />

Wichtig<br />

ist auch eine Füllstandsprüfung<br />

von<br />

Öl, Kühl- und Bremsflüssigkeit<br />

sowie der<br />

Scheibenwaschanlage.<br />

Denn ein korrekter<br />

Betriebsmittelfüllstand<br />

erhöht die<br />

Langlebigkeit des<br />

Fahrzeugs.<br />

Was ist beim Reifenwechsel zu beachten?<br />

Die gesetzliche Mindestgrenze des Reifenprofils<br />

beträgt 1,6 Millimeter, wir empfehlen<br />

aber aus Sicherheitsgrün<strong>den</strong>, die Reifen ab<br />

unter 4 Millimeter durch neue mit 8 Millimetern<br />

auszutauschen. Darüber hinaus sollte<br />

ein Reifen nicht älter als sechs Jahre sein,<br />

weil dann die Gummimischung porös und<br />

hart wer<strong>den</strong> kann, was sich negativ aufs<br />

Bremsverhalten auswirkt. Nach dem Reifenwechsel<br />

steht auch ein Update des Reifendruckkontrollsystems<br />

an. Ein optimaler Luftdruck<br />

senkt <strong>den</strong> Kraftstoffverbrauch um bis<br />

zu drei Prozent.<br />

Gerüche und Mikroorganismen wie Schimmelpilze,<br />

Keime oder Bakterien schonend<br />

und effektiv reduziert wer<strong>den</strong>, wodurch sich<br />

die Luftqualität im Fahrzeug deutlich verbessert.<br />

Weitere Pflege-Tipps vor dem Winter?<br />

Da im Winter das Fahrzeug stärker beansprucht<br />

wird als im Rest des Jahres gibt es<br />

einige Grundregeln, welche beachtet wer<strong>den</strong><br />

sollten. Natürlich sind neben der rechtzeitigen<br />

Montage der essenziell wichtigen<br />

Winterreifen (diese sollten spätestens Ende<br />

Oktober montiert sein, damit man auch bei<br />

plötzlich eintretendem Schneefall gewappnet<br />

ist), die Beleuchtung und Scheibenwischer<br />

zu überprüfen, die Batterie zu warten<br />

und das Kühlwasser mit Frostschutzmittel zu<br />

versehen.<br />

Wie bereits erwähnt, sind die Reifen ein essenzieller<br />

Bestandteil des Fahrzeugs. Seit<br />

Ende 2010 besteht in Deutschland die Winterreifenpflicht<br />

bei winterlichen Straßenverhältnissen<br />

(Eis, Glätte und Schneematsch).<br />

Diese Art der Reifen ist <strong>für</strong> niedrige Temperaturen<br />

ausgelegt, da die Gummimischung<br />

auch bei Minusgra<strong>den</strong> ausreichend elastisch<br />

ist, um eine hinreichende Kraftübertragung<br />

zu erreichen. Einen Winterreifen erkennen<br />

man an dem Symbol „M+S“ (Matsch und<br />

Schnee).<br />

Des Weiteren sollte man sich wieder alle notwendigen<br />

Utensilien in das Fahrzeug legen.<br />

Eiskratzer, Scheiben- und Schlossenteiser,<br />

einen Schwamm <strong>für</strong> die Innenseiten der<br />

Scheiben und eventuell einen Handfeger um<br />

das Fahrzeug von Schnee zu befreien. Nicht<br />

wenige Autofahrer erleben im Winter eine<br />

böse Überraschung, wenn Sie die Autotür<br />

öffnen wollen und feststellen,<br />

dass diese festgefroren<br />

ist. Daher sollten unbedingt<br />

die Tür- und Heckklappengummis<br />

mit einem<br />

Fettstift oder Talkum<br />

behandelt wer<strong>den</strong>,<br />

sodass diese nicht zufrieren<br />

können und jederzeit<br />

die Möglichkeit<br />

besteht, in das Fahrzeuginnere<br />

zu gelangen.<br />

Sollte man die Klimaanlage vor dem Winter<br />

überprüfen lassen?<br />

Die Klimaanlage sollte man grundsätzlich<br />

das ganze Jahr über nutzen. Damit verhindert<br />

man ein Festwer<strong>den</strong> der Magnetkupplung<br />

des Klimakompressors. Unser hauseigener<br />

Klimaservice beinhaltet eine Klimafüllung,<br />

bei der die Anlage abgesaugt, auf<br />

NOVEMBER/<br />

Undichtigkeit geprüft und abschließend<br />

neu befüllt wird. Und eine umfassende Reinigung,<br />

bei der unter anderem hartnäckige


Veranstaltungskalender<br />

1. <strong>November</strong> bis 31. <strong>Dezember</strong> <strong>2020</strong><br />

Stand 19.10.<strong>2020</strong> – kurzfristige Absagen, Änderungen und Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie sind möglich!<br />

SO 01.11.<br />

Allerheiligen<br />

STEINGADEN<br />

16.00 Uhr<br />

Musik und Wort „Allerheiligen<br />

im Licht der Auferstehung“ –<br />

geistliche Impulse mit festlicher<br />

Kirchenmusik in der Wieskirche.<br />

Eintritt frei, weitere Infos unter<br />

www.wieskirche.de<br />

ROTTENBUCH<br />

10.00 Uhr<br />

Festgottesdienst zum Hochfest<br />

Allerheiligen in der Pfarrkirche<br />

MO 02.11.<br />

PEISSENBERG<br />

19.00 bis 21.30 Uhr<br />

Tauschabend der Sammlerfreunde<br />

Peiting und Umgebung e.V. in<br />

der Bücherei<br />

DI 03.11.<br />

ALTENSTADT<br />

16.00 bis 18.00 Uhr<br />

Pfarrbücherei geöffnet<br />

20.00 bis 21.00 Uhr<br />

Taizèliederabend in der Basilika<br />

St. Michael<br />

LECHBRUCK<br />

9.00 bis 16.00 Uhr<br />

Wochenmarkt am Rathaus<br />

BAD BAYERSOIEN<br />

13.00 bis 15.30 Uhr<br />

Geführte Halbtageswanderung<br />

„Schönberg Aussiedler Sonnbichl<br />

Rundtour“. Treffpunkt an der<br />

Tourist-Info. Anmeldung am Vortag<br />

bis 15 Uhr in der Tourist-Info unter<br />

08845 / 703062-0<br />

MI 04.11.<br />

SCHONGAU<br />

15.00 bis 19.00 Uhr<br />

Weinhandel Pfalz in der Bernbeurener<br />

Straße 7 geöffnet. Siehe<br />

Anzeige Seite 63<br />

19.30 Uhr<br />

Treffen der GWÖ-Regionalgruppe<br />

AmmerLechLand im Haus4you.<br />

Alle Aktiven und Interessierten sind<br />

herzlich zum Austausch eingela<strong>den</strong>.<br />

Anmeldung unter johanna.<br />

hentschke@ecogood.org<br />

PEITING<br />

14.00 bis 17.00 Uhr<br />

Museum im Klösterle geöffnet<br />

ALTENSTADT<br />

16.00 bis 18.00 Uhr<br />

Pfarrbücherei geöffnet<br />

BAD BAYERSOIEN<br />

14.00 bis 16.00 Uhr<br />

Offene Werkstatt bei Holzschnitzer<br />

Guido Hosp. Siehe Seite 68 – 71<br />

KINSAU<br />

19.00 Uhr<br />

Vortrag von Frau Porsche-Rohrer<br />

„Gesunder Darm – Gesunder<br />

Mensch“ im Frauenbundzimmer<br />

DO 05.11.<br />

SCHONGAU<br />

14.00 bis 18.00 Uhr<br />

Weinhandel Pfalz in der Bernbeurener<br />

Straße 7 geöffnet. Siehe<br />

Anzeige Seite 63<br />

ALTENSTADT<br />

16.00 bis 18.00 Uhr<br />

Pfarrbücherei geöffnet<br />

STEINGADEN<br />

14.00 bis 18.00 Uhr<br />

Kameramuseum in der Fischener<br />

Straße 5 geöffnet<br />

BAD BAYERSOIEN<br />

13.00 bis 15.30 Uhr<br />

Geführte Halbtageswanderung<br />

„Graswang – Schlosspark<br />

Linderhof“. Treffpunkt an der<br />

Tourist-Info. Anmeldung am Vortag<br />

bis 15 Uhr in der Tourist-Info unter<br />

08845 / 703062-0<br />

FR 06.11.<br />

SCHONGAU<br />

7.30 bis 13.00 Uhr<br />

Wochenmarkt auf dem Marienplatz<br />

16.00 bis 18.00 Uhr<br />

Treffen der Krebs-Selbsthilfegruppe<br />

im Gemeindehaus der<br />

Evangelischen Kirche<br />

PEITING<br />

8.30 bis 12.00 Uhr<br />

Bauernmarkt mit frischer Gemüsesuppe<br />

und Bienenwachskerzen<br />

am oberen Hauptplatz<br />

LECHBRUCK<br />

10.30 Uhr<br />

Führung „Folgen Sie <strong>den</strong> Spuren<br />

der Flößer“. Treffpunkt am<br />

Rathaus. Kosten: 4 €, Kinder bis<br />

15 Jahre frei. Anmeldung bis 9 Uhr<br />

unter 08862 / 987830<br />

ROTTENBUCH<br />

11.00 bis 15.00 Uhr<br />

Kässpatzenessen auf der Schönegger<br />

Käse-Alm. Auf Vorbestellung<br />

unter 08867 / 489<br />

SA 07.11.<br />

SCHONGAU<br />

10.00 bis 16.00 Uhr<br />

Weibsdeifi-Markt in der Passage<br />

ROTTENBUCH<br />

11.00 bis 15.00 Uhr<br />

Weißwurst- und Käswurstessen<br />

auf der Schönegger Käse-Alm.<br />

Auf Vorbestellung unter 08867 / 489<br />

SO 08.11.<br />

HERZOGSÄGMÜHLE<br />

9.00 bis 12.00 Uhr<br />

Tauschtag der Sammlerfreunde<br />

Peiting und Umgebung e.V. <strong>für</strong><br />

Briefmarken, Münzen und Ansichtskarten<br />

in der Deckerhalle<br />

KINSAU<br />

14.00 bis 16.00 Uhr<br />

Spielzeugflohmarkt in der Mehrzweckhalle<br />

MO 09.11.<br />

SCHONGAU<br />

8.00 Uhr<br />

Anmeldebeginn <strong>für</strong> die Schongauer<br />

Ausbildungsmesse<br />

„SAM2021“ am 24.03.21. Weitere<br />

Infos und Anmeldeformular ab<br />

heute zum Download unter www.<br />

schongauer-ausbildungsmesse.de.<br />

Siehe Anzeige Seite 6<br />

BIRKLAND<br />

15.30 Uhr<br />

Kinderkino „Hui Buh – <strong>Das</strong><br />

Schlossgespenst“ im Feuerwehrhaus.<br />

Für Kinder ab 6 Jahre.<br />

Eintritt: 1 €<br />

DI 10.11.<br />

SCHONGAU<br />

19.00 bis 20.30 Uhr<br />

Vortrag „Leinöl – Wie lässt es sich<br />

<strong>für</strong> unsere Gesundheit nutzen?“ in<br />

der Volkshochschule. Anmeldung<br />

unter 08861 / 214-191. Eintritt: 7 €<br />

ALTENSTADT<br />

15.30 Uhr<br />

Kinderkino „Hui Buh – <strong>Das</strong><br />

Schlossgespenst“ im Feuerwehrhaus.<br />

Für Kinder ab 6 Jahren.<br />

Eintritt: 1 €<br />

> > > BLUTSPENDETERMINE IM ALTLANDKREIS<br />

Mo, 16. Nov. 16.00 bis 20.00 Uhr Lechbruck, Lechhalle<br />

Mi, 9. Dez. 16.00 bis 20.00 Uhr Reichling, Mehrzweckhalle<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 77


egistrieren,<br />

blutkrebs<br />

besiegen<br />

dkms.de<br />

dkms.de<br />

16.00 bis 18.00 Uhr<br />

Pfarrbücherei geöffnet<br />

LECHBRUCK<br />

9.00 bis 16.00 Uhr<br />

Wochenmarkt am Rathaus<br />

BAD BAYERSOIEN<br />

13.00 bis 16.00 Uhr<br />

Geführte Halbtageswanderung<br />

„Bad Bayersoien – Wetzsteinrücken<br />

– Tiefsee – Naturfreundehaus“.<br />

Treffpunkt an der<br />

Tourist-Info. Anmeldung am Vortag<br />

bis 15 Uhr in der Tourist-Info unter<br />

08845 / 703062-0<br />

17.00 Uhr<br />

St. Martins Fest des Caritas<br />

Kindergarten St. Georg mit<br />

Gottesdienst, Umzug und<br />

Martinsfeuer<br />

KINSAU<br />

09.00 Uhr<br />

Seniorenfrühstück im Rathauscafé<br />

MI 11.11.<br />

SCHONGAU<br />

11.00 bis 17.00 Uhr<br />

Kleiderkammer im Jugendzentrum<br />

Köhlerstadl geöffnet<br />

15.00 bis 19.00 Uhr<br />

Weinhandel Pfalz in der Bernbeurener<br />

Straße 7 geöffnet. Siehe<br />

Anzeige Seite 63<br />

PEITING<br />

14.00 bis 17.00 Uhr<br />

Museum im Klösterle geöffnet<br />

14.30 Uhr<br />

Treffen der Selbsthilfegruppe<br />

„Schlaganfallbetroffene im <strong>Pfaffenwinkel</strong>“<br />

im Alpenhotel<br />

15.00 Uhr<br />

Kinderkino „Hui Buh – <strong>Das</strong><br />

Schlossgespenst“ im Pfarrsaal.<br />

Für Kinder ab 6 Jahren, Eintritt: 1 €<br />

ALTENSTADT<br />

15.30 Uhr<br />

Café (nicht nur) <strong>für</strong> Trauernde im<br />

Bürgerzentrum MIZ<br />

16.00 bis 18.00 Uhr<br />

Pfarrbücherei geöffnet<br />

BAD BAYERSOIEN<br />

14.00 bis 16.00 Uhr<br />

Offene Werkstatt bei Holzschnitzer<br />

Guido Hosp. Siehe Seite 68 – 71<br />

DO 12.11.<br />

SCHONGAU<br />

14.00 bis 18.00 Uhr<br />

Weinhandel Pfalz in der Bernbeurener<br />

Straße 7 geöffnet. Siehe<br />

Anzeige Seite 63<br />

19.00 bis 20.30 Uhr<br />

Vortrag „Der fast verschwun<strong>den</strong>e<br />

Fliegerhorst im Westen Schongaus<br />

– heute Schongau-West“ in<br />

der Volkshochschule. Anmeldung<br />

unter 08861 / 214-191. Eintritt: 7 €<br />

ALTENSTADT<br />

16.00 bis 18.00 Uhr<br />

Pfarrbücherei geöffnet<br />

HOHENFURCH<br />

09.00 bis 18.00 Uhr<br />

Adventsausstellung im Deko-Café<br />

„Oafach Schea“. Siehe Anzeige<br />

Seite 65<br />

STEINGADEN<br />

14.00 bis 18.00 Uhr<br />

Kameramuseum in der Fischener<br />

Straße 5 geöffnet<br />

WILDSTEIG<br />

15.30 Uhr<br />

Kinderkino „Hui Buh – <strong>Das</strong><br />

Schlossgespenst“ im Mehrzweckraum<br />

der Schule. Für Kinder ab 6<br />

Jahre, Eintritt: 1 €<br />

FR 13.11.<br />

SCHONGAU<br />

7.30 bis 13.00 Uhr<br />

Wochenmarkt am Marienplatz<br />

19.00 bis 20.30 Uhr<br />

Vortrag „Vitamin D – Mangel oder<br />

Mode“ in der Volkshochschule.<br />

Anmeldung unter 08861 / 214-191.<br />

Eintritt: 7 €<br />

20.00 Uhr<br />

Hoagarten „Musizieren in Corona<br />

Zeiten“ im Brauhaus. Tickets:<br />

6 € unter www.reservix.de oder<br />

08861 / 9336222<br />

HERZOGSÄGMÜHLE<br />

9.00 bis 12.00 Uhr<br />

Tauschtag der Sammlerfreunde<br />

Peiting und Umgebung e.V. <strong>für</strong><br />

Briefmarken, Münzen und Ansichtskarten<br />

in der Deckerhalle<br />

HOHENPEISSENBERG<br />

15.30 Uhr<br />

Kinderkino „Hui Buh – <strong>Das</strong><br />

Schlossgespenst“ im Haus der<br />

Vereine. Für Kinder ab 6 Jahren.<br />

Eintritt: 1 €<br />

HOHENFURCH<br />

09.00 bis 18.00 Uhr<br />

Adventsausstellung im Deko-Café<br />

„Oafach Schea“. Siehe Anzeige<br />

Seite 65<br />

SCHWABBRUCK<br />

20.00 Uhr<br />

Konzert der Band „VIVID CURLS“<br />

beim Schäferwirt im Kuhstall.<br />

Kosten: VVK 18 €, AK 22 €.<br />

Karten unter 0179 / 5305415 oder<br />

schaeferwirt@me.com<br />

LECHBRUCK<br />

10.30 Uhr<br />

Führung „Folgen Sie <strong>den</strong> Spuren<br />

der Flößer“. Treffpunkt am<br />

Rathaus. Kosten: 4 €, Kinder bis<br />

15 Jahre frei. Anmeldung bis 9 Uhr<br />

unter 08862 / 987830<br />

ROTTENBUCH<br />

11.00 bis 15.00 Uhr<br />

Kässpatzenessen auf der Schönegger<br />

Käse-Alm. Auf Vorbestellung<br />

unter 08867 / 489<br />

SA 14.11.<br />

SCHONGAU<br />

10.00 bis 14.00 Uhr<br />

Weibsdeifi-Markt in der Passage<br />

HOHENFURCH<br />

09.30 bis 16.00 Uhr<br />

Adventsausstellung im Deko-Café<br />

„Oafach Schea“. Siehe Anzeige<br />

Seite 65<br />

ROTTENBUCH<br />

11.00 bis 15.00 Uhr<br />

Weißwurst- und Käswurstessen<br />

auf der Schönegger Käse-Alm.<br />

Auf Vorbestellung unter 08867 / 489<br />

78 | <strong>altlandkreis</strong>


SO 15.11.<br />

SCHWABNIEDERHOFEN<br />

14.00 Uhr<br />

Kinderkino „Hui Buh – <strong>Das</strong><br />

Schlossgespenst“ im Kulze. Für<br />

Kinder ab 6 Jahren, Eintritt: 1 €<br />

KINSAU<br />

10.00 Uhr<br />

Ge<strong>den</strong>kmesse zum Volkstrauertag<br />

in der Pfarrkirche<br />

MO 16.11.<br />

LECHBRUCK<br />

16.00 bis 20.00 Uhr<br />

Blutspen<strong>den</strong> in der Lechhalle<br />

DI 17.11.<br />

ALTENSTADT<br />

16.00 bis 18.00 Uhr<br />

Pfarrbücherei geöffnet<br />

LECHBRUCK<br />

9.00 bis 16.00 Uhr<br />

Wochenmarkt am Rathaus<br />

MI 18.11.<br />

Buß- und Bettag<br />

SCHONGAU<br />

11.00 bis 17.00 Uhr<br />

Kleiderkammer im Jugendzentrum<br />

Köhlerstadl geöffnet<br />

15.00 bis 19.00 Uhr<br />

Weinhandel Pfalz in der Bernbeurener<br />

Straße 7 geöffnet. Siehe<br />

Anzeige Seite 63<br />

PEITING<br />

14.00 bis 17.00 Uhr<br />

Museum im Klösterle geöffnet<br />

ALTENSTADT<br />

16.00 bis 18.00 Uhr<br />

Pfarrbücherei geöffnet<br />

BAD BAYERSOIEN<br />

14.00 bis 16.00 Uhr<br />

Offene Werkstatt bei Holzschnitzer<br />

Guido Hosp. Siehe Seite 68 – 71<br />

DO 19.11.<br />

SCHONGAU<br />

14.00 bis 18.00 Uhr<br />

Weinhandel Pfalz in der Bernbeurener<br />

Straße 7 geöffnet. Siehe<br />

Anzeige Seite 63<br />

ALTENSTADT<br />

16.00 bis 18.00 Uhr<br />

Pfarrbücherei geöffnet<br />

STEINGADEN<br />

14.00 bis 18.00 Uhr<br />

Kameramuseum in der Fischener<br />

Straße 5 geöffnet<br />

FR 20.11.<br />

SCHONGAU<br />

7.30 bis 13.00 Uhr<br />

Wochenmarkt am Marienplatz<br />

SCHWABBRUCK<br />

20.00 Uhr<br />

Konzert der Band „DOBA – Donnerbalkan“<br />

beim Schäferwirt im<br />

Kuhstall. Kosten: VVK 15 €, AK 18 €.<br />

Karten unter 0179 / 5305415 oder<br />

schaeferwirt@me.com<br />

LECHBRUCK<br />

10.30 Uhr<br />

Führung „Folgen Sie <strong>den</strong> Spuren<br />

der Flößer“. Treffpunkt am<br />

Rathaus. Kosten: 4 €, Kinder bis<br />

15 Jahre frei. Anmeldung bis 9 Uhr<br />

unter 08862 / 987830<br />

ROTTENBUCH<br />

11.00 bis 15.00 Uhr<br />

Kässpatzenessen auf der Schönegger<br />

Käse-Alm. Auf Vorbestellung<br />

unter 08867 / 489<br />

SA 21.11.<br />

SCHONGAU<br />

10.00 bis 16.00 Uhr<br />

Fotoausstellung des Fotoclub<br />

Schongau e.V. im Ballenhaus.<br />

Eintritt frei. Siehe Seite 42<br />

10.00 bis 14.00 Uhr<br />

Weibsdeifi-Markt in der Passage<br />

ROTTENBUCH<br />

11.00 bis 15.00 Uhr<br />

Weißwurst- und Käswurstessen<br />

auf der Schönegger Käse-Alm.<br />

Auf Vorbestellung unter 08867 / 489<br />

REICHLING<br />

11.00 Uhr<br />

JAM-Kochen im Gärtnerhof<br />

Sonnenwurzel. Eintritt frei,<br />

Spen<strong>den</strong> zur Deckung der Kosten<br />

willkommen. Anmeldung unter<br />

pfaffenwinkel@slowfood.de. Weitere<br />

Infos unter www.slowfood.de/<br />

pfaffenwinkel<br />

SO 22.11.<br />

SCHONGAU<br />

10.00 bis 16.00 Uhr<br />

Fotoausstellung des Fotoclub<br />

Schongau e.V. im Ballenhaus.<br />

Eintritt frei. Siehe Seite 42<br />

STEINGADEN<br />

16.00 Uhr<br />

Musik und Wort „Orgelimprovisationen<br />

zu Christkönig“ – geistliche<br />

Impulse mit festlicher Kirchenmusik<br />

in der Wieskirche. Eintritt<br />

frei. Weitere Infos unter www.<br />

wieskirche.de<br />

DI 24.11.<br />

ALTENSTADT<br />

16.00 bis 19.00 Uhr<br />

Pfarrbücherei geöffnet<br />

LECHBRUCK<br />

9.00 bis 16.00 Uhr<br />

Wochenmarkt am Rathaus<br />

WEILHEIM<br />

19.30 Uhr<br />

Vortrag „Pflichtteilsansprüche erfolgreich<br />

durchsetzen – Pflichtteilsansprüche<br />

geschickt vermei<strong>den</strong> –<br />

Besonderheiten <strong>für</strong> landwirtschaftliche<br />

Betriebe“ von Caroline Kistler<br />

im Dachs Bräustüberl. Eintritt frei,<br />

siehe Anzeige links oben<br />

MI 25.11.<br />

SCHONGAU<br />

11.00 bis 17.00 Uhr<br />

Kleiderkammer im Jugendzentrum<br />

Köhlerstadl geöffnet<br />

15.00 bis 19.00 Uhr<br />

Weinhandel Pfalz in der Bernbeurener<br />

Straße 7 geöffnet. Siehe<br />

Anzeige Seite 63<br />

19.00 bis 21.00 Uhr<br />

Diavortrag „Galapagos & Ecuador<br />

– Auf Humboldts und Darwins<br />

Spuren“ in der Volkshochschule.<br />

Anmeldung unter 08861 / 214-191.<br />

Eintritt: 7 €<br />

PEITING<br />

14.00 bis 17.00 Uhr<br />

Museum im Klösterle geöffnet<br />

ALTENSTADT<br />

16.00 bis 18.00 Uhr<br />

Pfarrbücherei geöffnet<br />

BAD BAYERSOIEN<br />

14.00 bis 16.00 Uhr<br />

Offene Werkstatt bei Holzschnitzer<br />

Guido Hosp. Siehe Seite 68 – 71<br />

REICHLING<br />

15.00 Uhr<br />

Kinderkino „Komissar Gordon und<br />

Buffy“ im Pfarrheim<br />

DO 26.11.<br />

SCHONGAU<br />

14.00 bis 18.00 Uhr<br />

Weinhandel Pfalz in der Bernbeurener<br />

Straße 7 geöffnet. Siehe<br />

Anzeige Seite 63<br />

ALTENSTADT<br />

16.00 bis 18.00 Uhr<br />

Pfarrbücherei geöffnet<br />

STEINGADEN<br />

14.00 bis 18.00 Uhr<br />

Kameramuseum in der Fischener<br />

Straße 5 geöffnet<br />

FORST<br />

15.30 Uhr<br />

Kinderkino „Hui Buh – <strong>Das</strong><br />

Schlossgespenst“ in der Grundschule.<br />

Für Kinder ab 6 Jahren,<br />

Eintritt: 1 €<br />

FR 27.11.<br />

SCHONGAU<br />

7.30 bis 13.00 Uhr<br />

Wochenmarkt auf dem Marienplatz<br />

20.00 Uhr<br />

Kabarett „Florian Simbecks Comedy<br />

Lounge Nr. 2“ im Brauhaus. Tickets:<br />

22,90 € unter 08861 / 9336222<br />

oder www.reservix.de<br />

november / dezember <strong>2020</strong> | 79


LECHBRUCK<br />

10.30 Uhr<br />

Führung „Folgen Sie <strong>den</strong> Spuren<br />

der Flößer“. Treffpunkt am<br />

Rathaus. Kosten: 4 €, Kinder bis<br />

15 Jahre frei. Anmeldung bis 9 Uhr<br />

unter 08862 / 987830<br />

ROTTENBUCH<br />

11.00 bis 15.00 Uhr<br />

Kässpatzenessen auf der Schönegger<br />

Käse-Alm. Auf Vorbestellung<br />

unter 08867 / 489<br />

WILDSTEIG<br />

11.30 bis 18.00 Uhr<br />

Burger-Tag im Café Peramarta.<br />

Reservierung unter 08867 / 9125730.<br />

Siehe Anzeige Seite 67<br />

KINSAU<br />

14.00 Uhr<br />

Adventsbasar in der Mehrzweckhalle<br />

19.00 Uhr<br />

Nikolausschießen im Schützenheim<br />

SA 28.11.<br />

SCHONGAU<br />

10.00 bis 14.00 Uhr<br />

Weibsdeifi-Markt in der Passage<br />

PEITING<br />

8.00 bis 16.00 Uhr<br />

Verkaufsoffener Adventssamstag<br />

in vielen Peitinger Geschäften.<br />

Adventliche Volksmusik in der<br />

Wallfahrtskirche Maria Egg von<br />

14.30 bis 15.30 Uhr. Eintritt frei,<br />

siehe Anzeige Seite 38<br />

ROTTENBUCH<br />

11.00 bis 15.00 Uhr<br />

Weißwurst- und Käswurstessen<br />

auf der Schönegger Käse-Alm.<br />

Auf Vorbestellung unter 08867 / 489<br />

WILDSTEIG<br />

11.30 bis 18.00 Uhr<br />

Burger-Tag im Café Peramarta.<br />

Reservierung unter 08867 / 9125730.<br />

Siehe Anzeige Seite 67<br />

BAD BAYERSOIEN<br />

15.00 und 17.30 Uhr<br />

Lesung „Der Bayerische Robin<br />

Hood“ mit Stefan Murr und Heinz<br />

Josef Braun in der Gunklstube. Für<br />

Kinder ab 6 Jahren und Erwachsene.<br />

Eintritt: 8 €<br />

SO 29.11.<br />

PEITING<br />

16.00 Uhr<br />

Adventsbesinnung in der Pfarrkirche<br />

St. Michael<br />

DI 01.12.<br />

ALTENSTADT<br />

15.30 Uhr<br />

Café (nicht nur) <strong>für</strong> Trauernde im<br />

Bürgerzentrum MIZ<br />

16.00 bis 19.00 Uhr<br />

Pfarrbücherei geöffnet<br />

LECHBRUCK<br />

9.00 bis 16.00 Uhr<br />

Wochenmarkt am Rathaus<br />

MI 02.12.<br />

SCHONGAU<br />

11.00 bis 17.00 Uhr<br />

Kleiderkammer im Jugendzentrum<br />

Köhlerstadl geöffnet<br />