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Die Malteser-Zeitung 4/2020

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Orden und seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Orden und seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

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Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 4/2020

Gesucht. Eltern auf unbestimmte Zeit

900. Todestag des seligen Gerhard, Ordensgründer

Ordenshaus. Auf in die Zukunft


INHALT

04

16 IMFOKUS

04 Eltern auf Zeit

12 Ein Jahr Krisengruppe

RELIGIONAKTUELL

14 Ein Traum von einer Enzyklika

17

50

LEBENSWERT

16 Krankheit als Lebenschance

MALTESERÖSTERREICH

17 Berichte aus den Bundesländern:

Vielfältige Initiativen und Dienste

54

58

MALTESERWELTWEIT

50 Libanon

51 Radfahren für den Libanon

52 Kenia: Durchatmen in der Krise

MEDIZINAKTUELL

54 Covid-19 auf der Teststrecke

56 Quo vadis Hausarzt?

60 60 62

TAGEBUCH

58 Menschen und Events

GELESENEMPFOHLEN

60 Interessante Neuerscheinungen

RUNDSCHAU

62 Großes Ehrenzeichen

ÜBERBLICK

62 Wir trauern um

63 Termine und Kontakte

Spenden

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Zahlschein!

IHRE SPENDE IST

STEUERLICH

ABSETZBAR

2

DIE MALTESER 4/2020


EDITORIAL

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Leserinnen und Leser,

„Gemeinschaft leben“ war nicht nur der Titel des

Benefizkonzerts im Musikverein, das von Hemma Korinek

Mitte September zugunsten des neuen Malteser Ordenshauses

organisiert wurde, es ist ganz und gar das zentrale Motto des

neuen Ordenshauses. Hier geht es um würdevolles Altern in

einem professionell geschaffenen Rahmen. Es geht darum,

unterstützt durch ehrenamtliche Dienste, Gemeinschaft, Liebe,

Zuwendung, Fürsorge, Pflege und Achtung in einem christlichen

Umfeld erlebbar zu machen.

Dieses Erleben von Gemeinschaft wünschen sich nicht nur

Menschen im Alter, mit Erkrankungen oder mit einem Handicap.

Es sind vor allem Kinder, die sich nach dem Aufgehobensein

in einer Gemeinschaft sehnen. Wie oft hören und lesen

wir über die tragischen Schicksale von Kindern in Ländern der

Dritten Welt? Natürlich sind wir verpflichtet, ihnen zu helfen.

Was aber ist mit den vielen Kindern in Österreich, in unserem

eigenen Land, die dringend ein neues Zuhause, eine neue

Familie suchen?

Allein in Wien sind Tausende Kinder von sozialer Verwahrlosung

betroffen. Finden sie keine Kriseneltern, keine Aufnahme

durch liebevolle Pflegeeltern, kommen sie in Krisenzentren. Ein

solches betreibt unser Hilfswerk Malteser Care. Das ist wunderbar

und als Notmaßnahme besonders wertvoll.

Was wir darüber hinaus brauchen, sind Eltern und Familien,

die dauerhaft bereit sind, Kinder in Not aufzunehmen und wie

ihre eigenen Kinder anzunehmen. Es gibt bereits solche Eltern,

und es ist großartig, wie liebevoll sie ein Kind in der eigenen

Familiengemeinschaft willkommen heißen, auf unbestimmte

Zeit auf seinem Weg begleiten, dem Kind Sicherheit, Rückhalt

und Geborgenheit bieten.

Krisen- oder Pflegeelternschaft ist nicht nur ein Geben und

sicherlich keine Einbahnstraße. Wie Eltern in diesem Heft

beschreiben, ist die Betreuung von bedürftigen Kindern auch ein

großes Glück, ein Geschenk. Es ist ein Weg, um die Familien und

die Glaubensgemeinschaft wachsen zu lassen und zu stärken.

Einen anderen Menschen – ganz gleich welchen Alters und

welcher Herkunft – ein Stück weit begleiten zu dürfen, ist für

beide Seiten etwas Besonderes. Es ist eine innige Erfahrung,

die prägt, die verbindet und die einen guten Nährboden für

wertvolles Neues entstehen lässt.

Lassen wir gemeinsam Gutes entstehen! In diesem Sinne wünsche

ich Ihnen und Ihren Familien einen erfüllten Herbst, und

bleiben Sie bitte gesund!

Norbert Salburg-Falkenstein

Prokurator

IMPRESSUM

Medieninhaber: Souveräner Malteser-Ritter-Orden (Malteserorden),

Großpriorat Österreich, 1010 Wien, Johannesg. 2, Tel.: 01/512 72 44,

E-Mail: presse@malteser.at

Chefredaktion: Katharina Stögner Mitarbeiter bzw. Autoren dieser

Ausgabe: Henriette Blanckenstein, Sonja Bohrn, Fra’ Ludwig Call,

Marie Czernin, Theresia Heimerl, Petra Hellmich, Anne Hensel, Annunziata

Hoensbroech, Katharina Kiecol, Lukas Krupitza, Ina L., Melanie

Manner/Himmelhoch GmbH, Richard Mischak, Katharina und Rochus

Nepf, Magdalena Neumann, Jennifer Pahsini, Otto Pjeta, Doris Pufitsch,

Martina Reichl-Roßbacher, Richard Steeb, Katharina Stögner,

Udo Thianich-Schwamberger, Manuel Weinberger, Anna Weinkammer,

Pia Winkler, Susanne Wick, Petra Wimberger. Text und Lektorat:

Thomas Fisher, Edith Holzer. Fotos: Sonja Bohrn, Dean Calma / IAEA,

Care Management, Dachverband der Wiener Sozialeinrichtungen,

Haus MALTA, Chiara Hoensbroech, IAEA Office of communication,

image asset, jennikoller, Ilse Lahofer, MALTESER Austria, MALTESER

Care, Malteser International, MALTESER Kinderhilfe, MALTESER

Ordenshaus, Katharina Nepf, objektiv subjektiv, Sina Schweikle, Sovereign

Order of Malta – Remo Casilli, Valentina Walderdorff

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige

Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.

Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei

Geschlecht. Gestaltung: Karin Mayer-Fischer, werbeproduktion.at

Druck: Druckerei Robitschek, Schlossgasse 10–12, 1050 Wien.

Offenlegung gemäß §25 Mediengesetz: Berichterstattung

über nationale und internationale Tätigkeiten des SMRO und

seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht der Meinung der

Redaktion entsprechen. Redaktionsschluss: Oktober 2020

DIE MALTESER 4/2020 3


IMFOKUS

ELTERN AUF ZEIT

Wenn Kinder nicht mehr bei den leiblichen Eltern bleiben kann, springen Krisen- und Pflegeeltern ein. Sie geben

den Kindern vorübergehend oder sogar ein Leben lang ein neues Zuhause. Wie das vor sich geht und wie es sich

anfühlt, erzählen Unterstützende und Betroffene in Interviews und sehr persönlichen Berichten.

Frau Reichl-Roßbacher, wie viele Kinder in Österreich

suchen pro Jahr ein neues Zuhause?

Im vergangenen Jahr wurden in Wien 120 Kinder zwischen

null und drei Jahren vermittelt. Kinder, die nach

einer Krisenunterbringung

nicht mehr zu ihren leiblichen

Eltern zurückkehren können

und älter als drei Jahre sind,

kommen in eine Wohngemeinschaft.

Kleinkinder, für

die keine Pflegeeltern gefunden

werden, kommen von der

Krisenfamilie in Kleinkind-

Wohngruppen. Es wohnen jeweils sechs Kinder in einer

solchen Wohngruppe. Sie werden dort inklusiv betreut.

Wie hoch ist der Prozentsatz der Kinder, die bei

den Pflegefamilien bleiben, und wie viele kehren

zu ihren leiblichen Eltern zurück?

Im vergangenen Jahr sind in Wien nur fünf Kinder zu

den leiblichen Eltern zurückgekommen. Grundsätzlich

sollte man die „Leiblichkeit“ nicht überbewerten. Wenn

Kinder fünf, sechs Jahre bei Pflegeeltern wohnen und leben,

entsteht zu ihren Pflegeeltern Bindung. Durch die

regelmäßigen Kontakte zu den Eltern entsteht Beziehung.

Werden Kinder als Babys in Pflegefamilien untergebracht,

kann keine Bindung zu den leiblichen Eltern

entstehen, da sie nicht tagtäglich für sie sorgen können.

Kontakt: Stadt Wien – Kinder- und Jugendhilfe –

Referat für Adoptiv- und Pflegekinder

+43 1 4000-90770

kanzlei-rap@ma11.wien.gv.at

www.wien.gv.at/menschen/kind-familie/adoption/

referat.html

Von Katharina Stögner

Bindung entwickelt sich durch das Zusammenleben.

Beziehung entsteht durch regelmäßigen Kontakt, oft

entsteht gar nicht erst eine tatsächliche Bindung zu den

leiblichen Eltern.

„Kinder sind unsere Zukunft, und daher ist es

unsere Pflicht, sehr genau auf die Bedürfnisse

der Kinder zu schauen und es in den Mittelpunkt

allen Handelns zu stellen.“

Martina Reichl-Roßbacher

Leitung des Fachbereichs Pflegekinder I – Referat für

Adoptiv- und Pflegekinder bei der MA 11 in Wien

In welchem Alter sind

die Kinder, die Pflegefamilien

suchen?

Für Kinder ab dem zweiten

und dritten Lebensjahr

wird es schwierig,

Pflegeeltern zu finden.

Die meisten wollen sehr

junge Kinder und haben Sorge, dass ältere Kinder einen

zu großen Rucksack haben und sie sich dieser Aufgabe

wenig gewachsen fühlen.

Kann sich die Pflegefamilie Alter, Geschlecht und

Herkunft des Kindes aussuchen?

Nein, man kann aber natürlich sagen, ob man ein Kleinkind

oder ein Baby möchte, das Kind soll ja in der Familie

willkommen sein. Problematisch ist es oft, für Kinder mit

Migrationshintergrund eine Pflegefamilie zu finden. Hier

gibt es gesellschaftliche Vorurteile. Pflegeeltern fühlen sich

dieser Situation auch gesellschaftlich oft nicht gewachsen.

Im Jahr 2017 waren in ganz Österreich laut Statistik

Austria 13.617 Kinder und Jugendliche in sozialpädagogischen

Einrichtungen oder in Pflegefamilien untergebracht.

Weitere 35.463 Minderjährige erhielten von

der Kinder- und Jugendhilfe Unterstützung innerhalb

der eigenen Familie. Per Ende 2019 lebten in Wien insgesamt

3.639 Kinder und Jugendliche nicht bei ihren

Eltern. Von diesen hatten 1.864 einen Platz in Wohngemeinschaften,

1.775 lebten bei Pflegefamilien.

4

DIE MALTESER 4/2020


IMFOKUS

Was ist der Unterschied?

Häufig ist nicht ganz klar, was mit „Krisenfamilie“ oder „Pflegeeltern“ gemeint ist. Die Unterschiede

beziehen sich vor allem auf die Dauer und den rechtlichen Rahmen der fürsorglichen Tätigkeit.

Martina Reichl-Roßbacher von der MA 11 in Wien klärt auf und gibt Tipps.

Die Krisenfamilie …

• … nimmt fremde Babys bei sich auf und kümmert

sich um sie, als wären es ihre eigenen Kinder. Die

Aufnahme erfolgt in dem Wissen, das Kind nach einigen

Wochen an liebevolle Pflegeeltern übergeben

oder wieder in seine Familie zurückkehren lassen zu

können – mit Informationen zu Vorlieben, Essverhalten

und sonstigen Aspekten, die sich bei der Krisenfamilie

herauskristallisiert haben.

Die Krisenmutter weiß nie, wann ein Kind kommt

und wie lange es bleiben wird. In der Regel handelt

es sich um ein paar Wochen, im Ausnahmefall bis zu

drei Monate. Erst kurz vor dem ersten Kennenlernen

erfährt die Krisenmutter, aus welchem Grund

die Kinder aus ihrer leiblichen Familie geholt wurden.

Die Krisenpflegemutter erhält die wichtigsten

und notwendigsten Information zum Kind bei der

Unterbringung.

• Eigene Kinder zu haben, ist keine Voraussetzung.

Hat jedoch eine Krisenfamilie eigene Kinder, die

noch zu Hause wohnen, sollten diese nicht mehr

im Kleinkindalter sein. Auch Singles können Krisenelternteil

sein. Sie sollten allerdings keiner

beruflichen Tätigkeit nachgehen, sondern sich

zur Gänze auf das jeweilige Kind oder die Kinder

konzentrieren können. Weiters sollten Kriseneltern

nicht älter als 65 Jahre alt sein und ihr körperlicher

Zustand sollte ihnen die Betreuung eines

kleinen Kindes erlauben. Kriseneltern erhalten

ein Entgelt für ihre Tätigkeit, auch für Pflegeeltern

gibt es die Möglichkeit einer Anstellung.

Pflegeeltern …

• … begleiten ein Kind durch sein Leben und das möglichst

lange. Sie besuchen in der Regel einen sechsbis

zwölfmonatigen Vorbereitungskurs. Im Vorfeld

werden der finanzielle Hintergrund, die Wohnsituation,

der Grund für den Wunsch nach einem Pflegekind

und wie lange dieser Wunsch schon besteht

mit den Pflegeeltern abgeklärt. Auch wird sichergestellt,

dass sich die Pflegeeltern der Für und Wider

einer Pflegeelternschaft bewusst sind.

• Pflegefamilien müssen sehr offen und bereit sein,

ein transparentes Leben zu führen, sodass sich die

Sozialarbeiter und Betreuer ein möglichst umfassendes

Bild machen können. Das erleichtert das

Matching zwischen Kind und Eltern und verhindert

falsche Erwartungshaltungen oder voreilige Entscheidungen.

• Als Pflegeelternteil kann bis zum vollendeten zweiten

Lebensjahr des Kindes Karenz beantragt werden.

Auch Alleinerziehende können eine Pflegeelternschaft

übernehmen. In jedem Fall erhalten

Pflegeeltern sowie andere Eltern auch Familienbeihilfe.

Sie sind – bis auf das Thema Religions-/Glaubensfrage

– in ihrer Entscheidungsfreiheit nicht

gebunden.

• Pflegeeltern sind verpflichtet, die Besuchstermine

mit den leiblichen Eltern am Magistrat einzuhalten.

Sollte sich die familiäre Situation verändern, kann

es vorkommen, dass die Kinder wieder zu ihren

Eltern zurückkommen.

• Das Alter für eine Pflegelternschaft ist abhängig von

der Erfahrung und wird nach der körperlichen und

geistigen Verfassung beurteilt.

DIE MALTESER 4/2020 5


„Entscheide dich aus Liebe zu den Kindern und

nicht, um Kinder zu retten oder um ihre Zukunft

mitzuentscheiden. Genieße die Zeit mit den

Kindern und mache das Allerbeste daraus, gib

ihnen das Gefühl von Geborgenheit, Liebe und

Normalität in einer Familie. Und dann sollte einem

bewusst sein, dass es einen Abschied geben wird.

Schließe ab und freue dich auf die nächste

Herausforderung. Es ist ein ständiges Kommen

und Gehen, aber es ist eine wahre Berufung.“

SONJA BOHRN UND IHR MANN SIND KRISENELTERN

Frau Bohrn, was hat Sie zu der Entscheidung bewogen,

Kriseneltern zu werden?

Als wir vor 16 Jahren unseren Pflegesohn übernommen

haben, dachte ich mir: „Irgendwann bin ich auch eine

Krisenmutter und helfe Kindern.“ Acht Jahre später war es

so weit.

Haben Sie von Beginn an entschieden, dass Sie

beide, Ihr Mann und Sie, Kriseneltern sein wollen?

Mein Mann hat mich von Anfang an unterstützt, war aber

hauptberuflich noch anderweitig beschäftigt. Seit Oktober

2019 ist er mit mir als Krisenpflegevater angestellt.

Wie viele Kinder sind bei Ihnen maximal zeitgleich?

Wir haben beide die „große Anstellung“, wie es in der Magistratssprache

heißt, und sind daher verpflichtet, jeder

zwei Krisenkinder aufzunehmen. Bei uns in der Familie

leben immer für eine bestimmte Zeit vier Krisenkinder.

Die Kinder kommen ja oft sehr plötzlich und unerwartet.

Haben Sie immer eine Grundausstattung parat?

Die Kinder kommen nur untertags zu uns. Zwischen dem

Anruf der Sozialarbeiterin und der Ankunft des neuen

Kindes dauert es etwa eine Stunde. Wir haben genug

Kleidung für Kleinkinder da. Das Bett ist schnell frisch

überzogen und das richtige Pulver fürs Flascherl ist rasch

eingekauft.

Jedes Kind bringt eine andere Geschichte mit. Macht

Sie das nervös?

Nach 65 Kindern sind wir nicht mehr nervös und freuen

uns über jedes Kind, das wir eine bestimmte Zeit lang begleiten

dürfen.

Was ist Ihre persönlich emotionalste Erinnerung bis

jetzt?

Wir hatten fünf Monate lang ein Kind mit besonderen Bedürfnissen,

dessen Chance auf einen Platz bei Pflegeltern

nicht sehr hoch war. Es ist uns mit der Zeit sehr ans Herz

gewachsen. Als sich dann doch eine liebevolle Pflegefamilie

gefunden hat, war unsere Freude besonders groß.

Wie schmerzvoll ist für Sie die Übergabe an die

Pflegeeltern?

Die Kinder werden bei uns in der Familie so aufgenommen,

als wären sie unsere eigenen. Der Abschied tut immer weh,

aber das lasse ich auch zu, weil wir die Kinder in unser Herz

geschlosssen haben. Mit jeder Verabschiedung lernen wir,

besser damit umzugehen und es fällt uns leichter, wenn

ein Krisenkind in eine liebevolle Familie kommt.

Haben Sie freie Wochenenden oder Urlaub?

Die Kinder sind sieben Tage die Woche, 24 Stunden bei uns

in der Familie. Wir können uns aber fünf Wochen im Jahr

Urlaub nehmen – so, wie es in jedem anderen Job auch ist.

Wie geht es Ihnen damit, so öffentlich zu sein?

Kinder, Sozialarbeiter und Pflegeeltern gehen bei

Ihnen ein und aus. Braucht man da nicht manchmal

eine Pause?

Wenn die Sozialarbeiter ein Krisenkind bringen, sind sie

circa fünf Minuten bei uns zu Hause. Das erste Kennenlernen

der Pflegeeltern findet am Jugendamt statt und

wird von den Sozialarbeitern betreut. Die ersten ein bis

drei Tage der Eingewöhnung finden bei uns zu Hause

statt. Wir haben uns nach den vielen Jahren als Krisenpflegefamilie

gut an diese Anforderungen gewöhnt.

6

DIE MALTESER 4/2020


IMFOKUS

fuhren nach dieser Nachricht sofort zum Krankenhaus,

holten die Mutter ab und besuchten die Mädchen im

Krisenzentrum. Am folgenden Tag ging die Mutter zu

ihrem Ehemann zurück und kurz darauf wurde den

Eltern die Obsorge für ihre Kinder entzogen, da die Mutter

nicht bereit war, sich vom Vater zu trennen.

PETRA WIMBERGER AUS WIEN HAT DREI ERWACHSENE

KINDER UND UNGEPLANT ZWEI SYRISCHE MÄDCHEN ALS

PFLEGEKINDER AUFGENOMMEN. EIN GANZ BESONDERER

ERFAHRUNGSBERICHT.

Mein Mann, unsere große Tochter, die damals noch bei

uns wohnte, und ich nahmen im November 2015 eine

fünfköpfige Familie aus Syrien privat bei uns zu Hause

auf. Nach eineinhalb Jahren, in denen wir uns intensiv

um die Familie kümmerten – inklusive Wohnungsbeschaffung

–, wurde der Kontakt von den sehr jungen

Eltern plötzlich abgebrochen.

Grund dafür war zum einen, dass sie einiges an Geld ausbezahlt

bekommen hatten und dachten, sie bräuchten

unsere finanzielle Unterstützung nicht mehr. Vor allem

aber schien der junge Vater und Ehemann unseren Einfluss

nicht zu goutieren. Er wurde immer wieder gewalttätig

gegenüber seiner Frau und unterband alle Versuche

unsererseits, die junge Mutter selbstständiger und unabhängiger

zu machen.

Eskalation und häusliche Gewalt

Zwei Wochen nach dem Kontaktabbruch bekam ich einen

Anruf von einem Krankenhaus, da die junge Mutter von

ihrem Mann geschlagen worden war. Eine Nachbarin hatte

die Polizei und Rettung verständigt. Die drei Kinder

waren vom Jugendamt abgenommen und der Mann auf

freiem Fuß angezeigt worden.

Die beiden Mädchen waren bereits älter als drei Jahre und

kamen in ein Krisenzentrum. Der damals jüngste Bruder

war jünger als drei und wurde in einer Krisenpflegefamilie

untergebracht. Mein Mann, unsere Tochter und ich

Pflegschaft für die Mädchen

Daraufhin beschlossen wir, die beiden Mädchen bei uns

aufzunehmen, um ihnen ein Leben in einer Wohngruppe

– früher sagte man „Kinderheim“ – zu ersparen. Da es

keine anderen Verwandten in Österreich gab und wir die

nächsten Bezugspersonen für sie waren, ging das glücklicherweise

sehr rasch. Mein Mann und ich entschieden

uns die Pflegschaft, nicht die Obsorge zu übernehmen,

weil wir nicht gerichtlich mit den leiblichen Eltern um

die Kinder kämpfen und das Jugendamt als „Puffer“

zwischen uns haben wollten. Auch konnten wir uns aufgrund

unserer Vorgeschichte mit der Herkunftsfamilie zu

diesem Zeitpunkt nicht vorstellen, die Besuchskontakte

ohne die Unterstützung der Sozialarbeiter am Pflegekinderzentrum

mit den Eltern privat zu verbringen.

Die ersten Monate, in denen die beiden Mädchen ganz

bei uns lebten, waren sehr intensiv und verlangten viel

Fürsorge und Traumenaufarbeitung. Es war aber auch

eine wunderschöne und erfüllende Zeit, in der viel Gutes

passierte und sehr viele Wunden heilen konnten. Nach

etwa zwei Monaten nannten sie uns plötzlich „Mama“

und „Papa“ und meinten, sie hätten jetzt zwei Familien.

Besseres Verhältnis zu den leiblichen Eltern

Ich habe noch zwei leibliche Söhne, die allerdings auch

schon erwachsen sind und bereits ausgezogen waren. Für

sie war es am Anfang etwas befremdlich, dass sie so überraschend

neue Geschwister hatten, die natürlich schon

bald gefühlsmäßig auch „unsere“ Kinder waren. Doch

die anfängliche Skepsis war bald vorbei. Der kleine Bruder

der Mädchen kam glücklicherweise auch zu Pflegeeltern,

die perfekt zu ihm passen. Wir sind mittlerweile gut befreundet,

sehen uns regelmäßig und verbringen auch

gemeinsam Urlaube. Das Verhältnis zu den leiblichen

Eltern hat sich deutlich verbessert. Sie leben immer noch

zusammen, haben noch einen Sohn bekommen und erwarten

ein weiteres Kind.

DIE MALTESER 4/2020 7


IMFOKUS

INA L. ALLEINERZIEHENDE MUTTER EINER TOCHTER,

DIE SICH EIN ZWEITES KIND GEWÜNSCHT HAT

(Name von der Redaktion geändert)

„Nicht nur ich, sondern auch viele Pflegeeltern,

die ich persönlich kenne, wollen für das Familienmodell

‚Pflegeeltern‘ gerne Werbung machen.“

Meine leibliche Tochter war damals vier Jahre alt, als

ich meinen Pflegesohn aufgenommen habe. Ich war vom

Vater meiner Tochter getrennt und wollte sehr gerne

ein zweites Kind. Die Pflegeelternschaft hat mich schon

immer interessiert, und ich fand den Gedanken schön,

einem Kind einen guten Start ins Leben zu geben.

Ich war voller Vorfreude an diesem Tag, als ich meinen

Pflegesohn kennenlernen sollte, aber auch sehr aufgeregt.

Mir wurde ein zehn Wochen alter Bub vorgeschlagen.

Meine Gedanken waren: Kann ich nach so kurzer Zeit

wissen, ob es mit uns zwei klappen wird? Was ist, wenn

nicht?

„Er hat einen sehr starken Willen“

Meine Tochter kenne ich in und auswendig. Ich weiß,

was sie braucht. Mein Pflegesohn ist in vielen Dingen so

anders. Er hat einen sehr starken Willen, und das habe

ich schon bei vielen Pflegekindern beobachtet. Ich denke,

es liegt daran, dass sie ganz viel Unsicherheit am Anfang

ihres Lebens haben. Auch habe ich das Gefühl, dass

mein Pflegebub – nicht bewusst – immer wieder austestet

und sich versichern möchte, ob er bleiben darf.

Die Liebe zu ihm ist anders, aber genauso stark wie zu

meiner Tochter.

Pflegeelternschaft – Sinn fürs Leben

Seit mein Pflegesohn da ist, sind wir mehr Familie geworden.

Zugegeben, zwei Kinder sind manchmal viel, aber

ich möchte keine Sekunde auf sie verzichten. Ich kann die

Pflegeelternschaft nur sehr empfehlen. Es ist eine wunderschöne

Aufgabe, die einen manchmal an seine Grenzen

bringt. Aber das macht für mich mein Leben sinnvoll. Ich

habe durch die Pflegeelternschaft so viele liebe Menschen

kennengelernt, und es haben sich wundervolle Freundschaften

entwickelt. Die Stadt Wien unterstützt sehr gut

und bietet viele Möglichkeiten zur Weiterbildung.

KATHI UND ROCHUS NEPF MALTESER-FAMILIE

MIT VIER EIGENEN UND ZWEI PFLEGEKINDERN

„Noah sagte einmal schüchtern zu mir, als eines

unserer eigenen Kinder wütend auf mich war

und meinte, wir Kinder hätten uns Euch Eltern ja

schließlich nicht ausgesucht: ‚Aber ich habe mir

Euch ausgesucht!‘“

Was waren die Beweggründe für euch, Pflegeeltern

zu werden?

Das war ein längerer Prozess für uns. Zwar dauert die

Vorbereitung bei der MA 11 nur ein paar Monate, wir haben

uns aber eineinhalb Jahre Zeit gelassen. Schließlich

haben wir vier eigene Kinder und haben diese Entscheidung

mit den Kindern oft besprochen.

8

DIE MALTESER 4/2020


IMFOKUS

Hat diese Entscheidung etwas mit der Überzeugung

der Malteser zu tun, aus christlicher

Nächstenliebe dort zu helfen, wo Not ist?

„Obsequium Pauperum“ und der Kampf gegen das Achtfache

Elend waren ein großer Baustein bei dieser Entscheidung.

Wir empfanden es als unsere Pflicht, Eltern

beizustehen, die nicht die Chance haben, ihren Kindern

ein sicheres Zuhause zu geben – wenn auch nur auf Zeit.

Denn im Grunde ist es das ja auch. Auch die Dankbarkeit,

als gläubige Christen aufgewachsen zu sein und besonders

als Malteser helfen zu dürfen, waren Motivationen.

Wie alt waren eure eigenen Kindern, als das erste

Pflegekind in euer Leben getreten ist?

Wir hatten bereits unsere vier eigenen Kinder. Inzwischen

sind es zwei Pflegekinder – Noah und Mia. Noah

ist bald zehn und Mia fast fünf Jahre alt. Noah kam zu

uns, als unser jüngster Sohn vier Jahre alt war. Noah war

damals zwei.

Wie rasch haben sich eure Pflegekinder bei euch

als Teil der Familie gefühlt?

Noah war schwer traumatisiert. Im Unterschied zu den

meisten Pflegekindern und Pflegeeltern, die wir kennenlernen

durften, war die Integration in die Familie für ihn

sehr schwierig. Bei Mia war es anders. Sie kam und war dabei.

Es hängt also sehr vom Kind und seiner Geschichte ab.

Wie haben eure Kinder reagiert und wie rasch war

euer Kind in die Familie integriert?

Unsere Kinder haben die Pflegekinder sehr liebevoll aufgenommen.

Es war für sie schon eine spezielle Situation.

Aber wir haben lange und oft mit ihnen darüber geredet.

Außerdem wissen sie genau, dass sie unsere leiblichen

Kinder sind und damit Vorrang haben. Das ist ihnen

sehr wichtig. Dennoch sind die Pflegekinder Teil unserer

Großfamilie.

Gibt es Situationen im Zusammenleben, die anders

sind als mit den leiblichen Kindern?

Es gibt immer wieder solche Situationen. Das ist aber

auch gut so. Schließlich sind Noah und Mia mit der eigenen

leiblichen Familie in Kontakt, und das nimmt die

Sehnsucht. Auch wenn es bei ihrer Herkunftsfamilie außergewöhnlich

schwierig war, so bleiben sie doch ihre

Eltern. Dies zu respektieren muss man lernen. Und das

unterschiedet den Umgang natürlich zu den eigenen

Kindern. In vielerlei Hinsicht sind eigene Kinder sogar

schwerer zu erziehen, weil man emotional ganz anders

involviert ist.

Was sind die bis heute schönsten Momente, die Ihr

mit euren Pflegekindern erlebt habt?

Unsere Pflegekinder sind sich sehr bewusst über ihre

spezielle Situation. Manchmal denke ich mir, dass das

für diese Kinder eine Belastung sein muss. Und dennoch

ist es für sie auch ein Stück Freiheit. Schön sind oft die

entzückenden Aussagen, die sie machen. Noah sagte

einmal schüchtern zu mir, als eines unserer eigenen Kinder

wütend auf mich war und meinte, wir Kinder hätten

uns Euch Eltern ja schließlich nicht ausgesucht: „Aber

ich habe mir Euch ausgesucht!“ Oder die kleine Mia rief

kürzlich ganz laut mitten in einem Supermarkt: „Mami,

ich liebe dich.“ Das erinnert uns daran, wie sehr wir die

Liebe unserer eigenen Kinder als selbstverständlich hinnehmen.

In solchen Situationen wird man doch unendlich

dankbar und demütig.

Welchen Rat würdet ihr Eltern geben, die überlegen,

ein Pflegekind bei sich aufzunehmen?

Erstens: Alle Ängste, die man im Vorfeld rund um Pflegeelternschaft

hat, kann man ruhig über Bord werfen. Dafür

entstehen neue Herausforderungen, mit denen man

vielleicht nicht gerechnet hat. Zweitens: Keine falsche Erwartungen

aufbauen, sondern sich einfach überraschen

lassen. Drittens: Hier geht es nicht um Sozialromantik.

Der Glaube ist unabdingbar.

DIE MALTESER 4/2020 9


IMFOKUS

JENNIFER PAHSINI KAM ALS DREI WOCHEN

ALTES BABY ZU IHRER PFLEGEFAMILIE

„Durch meine Familie ist mir die Möglichkeit

gegeben worden, keine Grenzen nach oben

zu haben, meine Ziele hoch anzusetzen und diese

auch zu realisieren.“

Frau Pahsini, wann haben Sie realisiert, dass Ihre

Eltern nicht Ihre leiblichen Eltern waren?

Da gab es nichts zu realisieren, da ich von Beginn an mit

dem Wissen aufgewachsen bin. Mir wurde immer wieder

erklärt, dass ich eine „Bauchmama“ habe und die mich ab

und zu besuchen kommt. Später wurde mir dann genauer

erklärt, weshalb ich nicht bei meiner Herkunftsfamilie

aufwachsen konnte.

War es für Sie als Kind schwierig, zwei Familien zu

haben?

Als Kind war es für mich nicht schwer – es war eben so,

wie es war. Als ich dann in der Pubertät war, bekam dies

immer mehr Bedeutung. Aber nicht, weil ich nicht wusste,

wohin ich gehöre, sondern vielmehr, weil ich mich

gefragt habe: Von wo komme ich? Mein leiblicher Vater

ist unbekannt und es hat mich bis vor Kurzem noch sehr

beschäftigt, von wo ich eigentlich stamme, woher ich

meinen dunklen Teint habe und meine mandelförmigen

Augen.

Haben Sie das Gefühl gehabt, Ihre Familie, Ihr

Umgang miteinander und Ihr Familienleben

unterscheidet sich von dem der anderen Kinder?

Ich glaube wir haben einen ganz normalen Umgang miteinander

– so wie jede (Groß-)Familie. Wir haben vielleicht

ab und an andere Gesprächsthemen wie eine Namensänderung,

eine mögliche Adoption in der Zukunft oder

einfach zu erfahren, wie unsere Eltern unsere leiblichen

Eltern wahrgenommen haben. Aber ansonsten denke ich,

dass wir uns im Wesentlichen nicht von anderen Familien

unterscheiden.

Fühlt man sich zwischen den Familien emotional

hin- und hergerissen?

Nein, also ich habe mich nie hin- und hergerissen gefühlt.

Vielleicht auch, weil ich nie bei meiner leiblichen Mutter

gelebt habe und dadurch nie wirklich eine Bindung oder

eine Beziehung entstanden ist. Klar hat sie mich in den

ersten Jahren immer wieder besucht, aber das war mehr

so, als würde uns eine Freundin meiner Mama besuchen.

Ich wusste zwar, dass sie meine „Bauchmama“ ist, aber

dennoch hatte ich nicht das Gefühl, als wäre sie meine

Mutter. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich schon, wer meine

Mama ist und wohin ich wirklich gehöre.

Glauben Sie rückblickend, dass etwas in Ihrem

Leben anders verlaufen wäre, wenn Sie nicht in

einer Pflegefamilie aufgewachsen wären?

Ich denke schon, da ich einen ziemlich großen Rückhalt

in meiner Familie erlebt habe und noch immer erlebe,

den mir meine leibliche Mutter wahrscheinlich nicht hätte

geben können. Nicht, weil sie ein böser Mensch ist,

sondern weil sie selbst aus sehr schlechten Familienverhältnissen

stammt und selbst nicht gut gefördert worden

ist. Durch meine Familie ist mir die Möglichkeit gegeben

worden, keine Grenzen nach oben zu haben, meine Ziele

hoch anzusetzen und diese auch zu realisieren.

Wie ist die Bindung zu Ihren Pflegeeltern und wie

die zu Ihren leiblichen Eltern?

Die Bindung zu meinen Eltern ist sehr stark und innig.

Wir verstehen uns total gut und verbringen sehr viel Zeit

miteinander. Ich arbeite mit meiner Mama sogar gemeinsam

in der Krisengruppe 17 bei Malteser Care. Das sagt

doch schon alles! Zu meinen leiblichen Eltern besteht seit

Jahren kein Kontakt mehr. Dieser hat sich irgendwann

aufgehört und ich wollte auch keinen mehr haben, denn

ich habe eine Familie und mit der bin ich sehr glücklich.

Wir danken allen GesprächspartnerInnen für ihre sehr

persönlichen Gedanken und ihre große Offenheit!

10

DIE MALTESER 4/2020


IMFOKUS

KRISEN- UND PFLEGEELTERN – BITTE MELDEN!

Vor allem in Wien werden liebevolle, fürsorgliche und erfahrene Krisen- und Pflegeeltern gesucht.

Die anspruchsvolle Aufgabe wird durch ein kompetentes Begleitangebot unterstützt.

Interessierte Eltern und Elternteile können sich im Rahmen von unverbindlichen Infoabenden beraten lassen.

Darüber hinaus gibt es jederzeit die Möglichkeit, sich per E-Mail oder telefonisch an das Referat für Adoptivund

Pflegekinder zu wenden: Tel. +43 1 4000-90770, E-Mail: kanzlei-rap@ma11.wien.gv.at, Web: www.wien.

gv.at/menschen/kind-familie/adoption/referat.html

Professionelle Unterstützung

Krisen- und Pflegeeltern werden nicht alleingelassen. Ihnen steht Unterstützung über Supervision, Coaching

sowie den Austausch in regelmäßigen freiwilligen Gruppenabenden zur Verfügung. Bei Bedarf wird auch eine

psychologische Betreuung für Familien und Kinder angeboten. Durch den regelmäßigen Kontakt zu den Sozialarbeitern

und mit dem Magistrat ist eine laufende Beratung gewährleistet.

Offen und aufgeschlossen

Wichtige Voraussetzungen, die Krisenfamilien und Pflegeeltern mitbringen müssen, sind Offenheit und die Bereitschaft,

fremde Personen in ihr Familienleben einzubinden. Dazu gehören Sozialarbeiter, Mitarbeitende des

Magistrats, Psychologen und – zumindest passiv – die leiblichen Eltern des Kindes. Einmal pro Monat findet

ein regelmäßiges betreutes Treffen von Pflegeeltern, dem Kind und den leiblichen Eltern in einem der Pflegekinderzentren

des Magistrats statt.

Hilfe durch MALTESER Care

Da es aktuell in Wien zu wenige Plätze bei Kriseneltern oder Krisenfamilien gibt, wurde im Auftrag der MA 11

von Malteser Care die Krisengruppe für Kinder bis zu drei Jahren ins Leben gerufen. In der Krisengruppe leben

die Kinder während der Phase der Krisenabklärung, liebevoll und professionell betreut, gemeinsam mit den

Mitarbeitenden von Malteser Care.

www.malteser.care

DIE MALTESER 4/2020 11


IMFOKUS

„Wir als Krisengruppe erleben immer wieder, dass sich für ‚unsere Kinder‘ die

Krise durchaus auch als eine Chance entpuppen kann. Die ‚Fälle‘, in denen

Familien glücklich zusammenfinden, Eltern, die wieder für ihre Kinder da sind

und Kinderaugen, die wieder leuchten können, geben mir Kraft und Hoffnung,

wenn das nächste Kind mit seinem individuellen Schicksal bei uns ankommt.“

(Michael, Mitarbeiter Malteser Care/Krisengruppe)

EIN JAHR KRISENGRUPPE

Die Krisengruppe der Bis-Dreijährigen von Malteser Care

ist eine Sozialpädagogische Einrichtung im Auftrag der

MA 11 für Kinder ohne intensiven Pflegeaufwand. Im

ersten Betriebsjahr der Krisengruppe wurden 31 Kinder

Von Susanne Wick

betreut und unterstützt. Was es bedeutet, in einer Krisengruppe

tätig zu sein, erzählen einige Mitarbeitende in

kurzen Statements.

„Ich bin stolz, dass ich dieses Pilotprojekt

mit aufbauen durfte und immer noch begleite.

Dank des großen Einsatzes der Mitarbeiter

und Mitarbeiterinnen können wir Kindern mit

schwerem Schicksal in der Krise ein Heim bieten.

Die Herausforderungen waren groß, aber wir

konnten in diesem Jahr viel dazulernen. Wir

haben hier eine Insel geschaffen, wo Kinder

Sicherheit und Geborgenheit erfahren, wenn sie

diese gerade am dringendsten benötigen.“

(Sandra, Leiterin)

„Oft fühle ich mich in der Betreuung

unserer Kinder wie beim Wässern einer

vertrockneten Blume, die aufblüht. Das ist

vermutlich auch das Schönste an unserer

Arbeit.“ (Michi)

„Ich bin sicher, dass ich nicht zufällig in dieser

Organisation mit christlichen Prinzipien und

Ziele arbeite. Warum? Weil jeder Tag gleichzeitig

eine Herausforderung und ein Grund ist,

glücklich zu sein.“ (Daniela)

12

DIE MALTESER 4/2020


IMFOKUS

„Es ist wichtig, den Kindern in der Zeit, in der

sie bei uns sind, möglichst viele schöne Momente

sowie Erlebnisse zu ermöglichen, auch wenn

ich weiß, dass sie bald wieder gehen werden.

Ich bin davon überzeugt, dass positive Erlebnisse

und liebevolle Zuwendung ein Leben lang

Spuren hinterlassen.“ (Raphaela)

„Wenn ein Kind kommt, ist es, als ob auch

für mich als Mitarbeiterin ein neuer kleiner

Lebensabschnitt beginnt. Es heißt ab

sofort die Verantwortung und Fürsorge für

ein Leben zu übernehmen, welches in seinen

jungen Jahren die Welt ganz plötzlich

noch weniger versteht als ohnehin.“ (Ulli)

„Aus der gewohnten ‚Normalität‘ gerissen, getrennt

von ihren Eltern, verwandeln sich Kummer,

Trauer, Angst, Unsicherheit mit jedem

Tag ein Stückchen in Richtung Sicherheit, Entspannung

und Freude. Wir als Team bieten den

Rahmen, die Kinder saugen unsere Angebote

auf und es ist erstaunlich, wie schnell die

Augen der meisten Kinder wieder

leuchten.“ (Irene)

„In unserer Arbeit versuchen wir mit viel

Empathie den Kindern, die aus schwierigen

Lebenssituationen kommen, ans Herz

zu fassen, sie zu verstehen und ihnen das

Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu

geben.“ (Büsra)

„Ich durfte von Beginn an in der Krisengruppe

tätig sein und somit den Start und die gesamte

Entwicklung miterleben. Es ist sehr schön, die

positiven Entwicklungsschritte jedes einzelnen

Kindes miterleben zu dürfen und ihnen bei uns

in ihrer Ausnahmesituation eine sichere Umgebung

und schöne Zeit zu ermöglichen.“ (Steffi)

„Wir bekommen von den Kindern viel zurück – mal

nur ein Lächeln, aber auch feste Umarmungen, die

einen spüren lassen, dass es ihnen bei uns gut geht.

Nach einem Abschied merkt man erst richtig, welchen

Platz das Kind in der Gruppe eingenommen

hat und mit all seinen Eigenschaften ein Ganzes

aus der Gruppe gemacht hat.“ (Lisa)

„Gemeinsam mit den Kindern ihre Gefühle

wahrzunehmen, zu benennen, auszuhalten und

zu verarbeiten, ist selten eine leichte Aufgabe.

Allerdings ist es unglaublich schön zu beobachten,

wie schnell sie sich bei uns wohlfühlen und

Sicherheit verspüren. Ich arbeite von Moment

zu Moment mit den Kindern und bin mir sicher,

dass jeder Moment für sie ein Nährboden für

Chancen im weiteren Leben ist.“ (Theres)

DIE MALTESER 4/2020 13


RELIGIONAKTUELL

VATIKAN NEWS

EIN TRAUM VON EINER ENZYKLIKA

Ist Franziskus blauäugig? Man kann natürlich seine Visionen von einer geschwisterlichen Welt, die er in der neuen Enzyklika

Fratelli tutti vorlegt, belächeln. Doch Bruno Marie Duffé rät dazu, den Text ernst – und wörtlich zu nehmen.

Der französische Geistliche ist der zweite Verantwortliche

im vatikanischen Entwicklungsministerium. Im

Vatikansprech heißt das: Sekretär des Dikasteriums für

ganzheitliche Entwicklung des Menschen. Im Interview

mit Radio Vatikan lädt Duffé lädt dazu ein, sich auf

Franziskus’ Traum von einer einzigen, geeinten Menschheit

einzulassen. Das fängt – unabhängig von einigen

unverantwortlich agierenden Politikern – mit einer

neuen Wertschätzung für die Politik an.

„Es gibt da wirklich einen Appell, die Politik zu rehabilitieren!

Sie darf nicht einfach der Wirtschaft und dem technokratischen

Paradigma untergeordnet sein. Der Papst will die

politische Dimension stärken, und er will den wirklichen

Sinn des Begriffs Volk rehabilitieren: als Schicksalsgemeinschaft,

nicht als von einer Ideologie oder Idee zusammengehaltene

Gruppe. Franziskus will, dass die Demokratie sich

unter den besten Umständen entfalten kann.“

Was baut unsere Gesellschaft auf?

Das geht in Fratelli tutti mit Appellen an Politiker, Wirtschaftsführer

und internationale Institutionen wie die

UNO einher, sich auf Dialog und Geschwisterlichkeit

einzulassen. Doch auch den Einzelnen hat der Papst im

Blick: Jeder sollte sich für das Gemeinwesen engagieren,

sich mitverantwortlich fühlen.

„Das ist wirklich ein starker Aufruf zu einer Neudefinition

von geteilter Verantwortung, bei der sich die Talente

eines jeden entfalten können – und bei der es in dieser

Hinsicht keine Armen, Unnützen gibt. Es gibt in dieser

Perspektive nur Menschen mit einer bestimmten Gabe,

und es ist die Wertschätzung dieser verschiedenen Fähigkeiten,

die eine menschliche Gemeinschaft aufbaut.

Das rührt an eine grundlegende Frage: Was baut unsere

menschliche Gesellschaft denn auf? Sind das nur bestimmte

Interessen, oder geht es da viel fundamentaler

um den Bau eines gemeinsamen Hauses?“

Starke Inspiration: Franz von Assisi

Franziskus heißt nicht nur Franziskus wie der Heilige –

er hat seine neue Enzyklika auch am Vortag des Franziskusfestes

in der Franziskusbasilika von Assisi unterzeichnet.

Deutlicher könnte sein Bezug auf den heiligen

Franz von Assisi kaum sein. Diese Inspiration war übrigens

bei seiner ersten Sozialenzyklika, Laudato si’ vor

fünf Jahren, ganz ähnlich gelagert.

„Man kann feststellen, dass Fratelli tutti gewissermaßen

Laudato si’ fortsetzt: als neues Kapitel eines grundlegenden

Nachdenkens. In den drei Schlüsseltexten von Papst

Franziskus – außer den zwei genannten Enzykliken ist

das auch noch (sein Apostolisches Schreiben) Evangelii

14

DIE MALTESER 4/2020


RELIGIONAKTUELL

gaudium (von 2013) – ist der Bezug auf die Spiritualität

des heiligen Franz von Assisi konstant, wie ein Licht, das

den Weg erleuchtet. Sehr wichtig an der neuen Enzyklika

scheint mir auch die Betrachtung zur Gestalt des barmherzigen

Samariters im Kapitel ‚Ein Fremder am Weg‘.

Sie fordert uns heraus zu Nächstenliebe und einer Spiritualität

der Nähe.“

Die Fernstenliebe

Nah sollen wir uns nun aber nicht nur denen fühlen, die

uns umgeben und – buchstäblich – nahestehen. Sondern

gerade den Fernen, den Fremden, denen, die anders ticken

als wir. Eine Utopie?

„Nein. Das ist einfach ein Ideal, eine Dynamik. Man

sollte es als eine Art Horizont verstehen – es gibt unserem

Vorwärtsgehen einen Sinn und ein Ziel. Dem Papst

ist völlig klar, dass seine Überlegungen idealistisch wirken

können. Aber es gibt da zwei verschiedene Arten

von Idealismus: einen, der im luftleeren Raum schwebt,

und den von Fratelli tutti. Der Text spricht doch ständig

von Gewalt, von Unterdrückung von Menschenrechten.

Er bleibt nicht im Bereich des Nachdenkens,

sondern drängt zum Handeln, zum Engagement. Zur

Verantwortung.“

Erzbischof Silvano Maria Tomasi nahm am 8. November den Eid des neu gewählten Großmeister Statthalter, Fra `Marco Luzzago, entgegen.

Siehe Seite 20-21

ERZBISCHOF SILVANO TOMASI WIRD SONDER-

DELEGAT BEIM ORDEN

Erzbischof Silvano Tomasi, ehemaliger Apostolischer Nuntius,

wurde am 1. November von Papst Franziskus zum Sonderdelegat

beim Souveränen Malteser-Ritter-Orden ernannt.

Gleichzeitig kündigte Papst Franziskus an, dass Erzbischof

Tomasi beim nächsten Konsistorium zum Kardinal ernannt

werden wird. Seit 2007 ist er Konventualkaplan-

Großkreuz des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens.

Der Sonderdelegat wird, als Vertreter des Hl. Vaters, der

Gesprächspartner der Ordensregierung für den Reformprozess

der Verfassung und des Codex sein. Erzbischof

Silvano Tomasi übernimmt das Amt, das Kardinal Angelo

Becciu von Februar 2017 bis Oktober 2020 innehatte.

Weitere Informationen: orderofmalta.int

DIE MALTESER 4/2020 15


LEBENSWERT

KRANKHEIT ALS

LEBENSCHANCE

Wenn der Körper den Ton angibt, dann ist es höchste Zeit hinzuhören. Das und vieles mehr hat mich meine Krankheit gelehrt.

Meine persönliche Krebsgeschichte als Geschichte zum Mutmachen.

Von Magdalena Neumann

Es war im Februar 2019, als ich zufällig einen Knoten in

meiner Brust ertastete. Ein Besuch beim Arzt und einschlägige

Untersuchungen später die Diagnose: Brustkrebs.

Eine Hiobsbotschaft. Dennoch entwickelte sich

das Jahr 2019 für mich zum bisher lehrreichsten und intensivsten

Jahr meines Lebens. Ich entschloss mich für

den schulmedizinischen Weg – das hieß in meinem Fall

Chemotherapie und beidseitige Mastektomie mit sofortigem

Wiederaufbau. Dabei hatte ich die ganze Zeit über

ein klares Ziel vor Augen: Ich wollte bis Ende des Jahres

wieder komplett gesund sein.

Zeit für mich selbst

Meine Therapiezeit sehe ich als eine Auszeit, für die

ich mir sonst nie die Zeit genommen hätte. Mein Körper

hat mich über die Krankheit „eingeladen“, mir die

Zeit selbst zu geben. Diese Chance habe ich ergriffen.

Schon ab dem ersten Tag meiner „Krebsreise“ wollte

ich aus meiner Situation unbedingt etwas für meine

Tätigkeit als Beraterin mitnehmen. Ich hatte plötzlich

die einmalige Möglichkeit, nicht nur zu fühlen, was ein

Mensch in einer solch überfordernden Situation denkt

oder braucht. Ich konnte meine eigene Erfahrung mit

der Krankheit und Therapie in meinen Koffer der Erfahrungsschätze

packen, mitnehmen und weitergeben. So

bin ich jetzt anderen Betroffenen und Angehörigen eine

gute Begleiterin, weil ich genau weiß, wie sich die Hochs

und Tiefs einer Krebserkrankung anfühlen.

Den Körper wertschätzen

Eine der größten Erkenntnisse aus meiner Krankheit:

Nicht ich sage, wo es langgeht, sondern mein Körper

gibt den Ton an. Mir ist jetzt bewusst, wie weit ich vor

meiner Krankheit davon entfernt gewesen war, die Be-

dürfnisse meines Körpers wahrzunehmen. Durch den

Krebs habe ich gelernt hinzuhören und nicht zu ignorieren,

was mein Körper braucht.

Wir haben nur diesen einen Körper und er hat in jeder

Situation – auch in Gesundheit – viel Wertschätzung

verdient. Es ist jederzeit wichtig, einen Gleichklang zwischen

Körper, Geist und Seele zu finden – nicht erst,

wenn eine Krebsdiagnose gestellt ist. Heute unterstütze

ich meine Klienten dabei, einerseits diesen Gleichklang

zu erlangen und andererseits den Fokus auf positive

Gedanken zu richten, um die Kraft und Zuversicht für

schwierige und herausfordernde Zeiten zu haben.

Magdalena Neumann ist

Wirtschaftsrechtlerin und

diplomierte Lebens- und

Sozialberaterin in Ausbildung

unter Supervision.

Die gebürtige Linzerin

weiß genau, wie sich

Schicksalsschläge anfühlen.

Nach dem zu frühen

und völlig überraschenden Tod ihres Vaters erhielt sie

fünf Jahre danach, mit nur 28 Jahren, die Diagnose

Brustkrebs. Heute ist die Beraterin nach erfolgreicher

Therapie wieder voller Tatendrang und begleitet Menschen

ein Stück auf ihrem Lebensweg. Als Lebens- und

Sozialberaterin berät sie Menschen in verschiedensten

Problem- und Entscheidungssituationen, begleitet sie

in Krisen und vor allem bei einschneidenden gesundheitlichen

Diagnosen.

Informationen: www.magdalenaneumann.com

© jennikoller

16

DIE MALTESER 4/2020


LEMALTESERÖSTERREICH

IM GEDENKEN AN

UNSEREN

„HERRN DER

KRANKEN“

Am 3. September 1120 starb unser seliger Bruder Gerhard, Gründer des Johanniterordens, in Jerusalem. Genau

900 Jahre später begingen Mitglieder und ehrenamtliche Helfer des Malteserordens auf fünf Kontinenten diesen

besonderen Jahrestag.

Den Auftakt bildeten die Feierlichkeiten in Scala, dem

vermutlichen Geburtsort Gerhards, mit einer Eucharistiefeier

unter dem Vorsitz von Kardinal Giovanni Angelo

Becciu, Sonderdelegierter des Papstes beim Souveränen

Malteserorden. In seiner Predigt ermahnte der Kardinal

die Ritter und Damen des Ordens nach dem Beispiel des

seligen Gerhard, „einander willkommen zu heißen, zu respektieren

und in Harmonie zu leben, damit ihr Leben als

Gläubige glaubwürdig sei und Früchte der Freude und des

Friedens bringe“.

Diesen Gedanken griff Interimsleutnant Fra’ Ruy Gonçalo

do Valle Peixoto de Villas Boas in seiner Ansprache auf

und führte weiter aus: „Die Mitglieder und Freiwilligen

des Malteserordens in aller Welt sind stolz auf ihre Geschichte

und ihre Tradition, die sie täglich im Einsatz

zur Linderung menschlichen Leids umsetzen. Die Mitgliedschaft

im Malteserorden ist ein Privileg, das wir uns

durch unser tägliches Engagement auch weiterhin verdienen

müssen – der Tradition und dem Beispiel folgend, die

uns unser Gründer, der selige Gerhard, hinterlassen hat.“

Organisationstalent im Dienst der Bedürftigen

In Österreich wurde der 900. Todestag von Fra’ Gerhard

im ganzen Land mit Heiligen Messen gefeiert und seines

Werdegangs gedacht: Als Leiter des Krankenhauses,

das die Amalfitaner zu Ehren Johannes des Täufers in

Jerusalem errichtet hatten, verantwortete Fra’ Gerhard

die Organisation, den Empfang, die Verpflegung und

den religiösen Beistand. Er kümmerte sich um die Kranken

und Mittellosen und war, schon damals so genannt,

„der Herr der Kranken”. Am 15. Februar 1113 erkannte

Papst Paschalis II. Gerhard und die von ihm gegründete

Institution an. Er stellte den Johanniterorden von

Jerusalem unter den Schutz der Kirche und wandelte

ihn in einen religiösen Orden um.

Weit verzweigtes internationales Netzwerk

Von der katholischen Kirche selig gesprochen, hat das

Beispiel von Fra’ Gerhard – inspiriert durch das Gründungsmotto

„tuitio fidei et obsequium pauperum“

(Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen) –

die 900-jährige Geschichte des Malteserordens belebt.

Heute ist der Orden in 120 Ländern der Welt mit medizinischen

und sozialen Hilfsaktivitäten präsent, die

von einem Netzwerk von 13.500 Mitgliedern, 80.000

Freiwilligen und über 40.000 Fachleuten durchgeführt

werden.

DIE MALTESER 4/2020 17


MALTESERÖSTERREICH

Vor dem Flugzeug links steht F. Pallavicini, der junge Mann zwischen den beiden Damen.

ALS WIR NOCH JÜNGER WAREN …

Im Juni besuchte ich gemeinsam mit Hans Lennkh unseren Ordensbruder Friedrich „Freddy“ Pallavicini in Altmünster/

Traunsee. Neugierig fragten wir Freddy: „Welche Erinnerungen an das Leben mit dem Malteserorden begleiten dich

heute noch?” Und Freddy begann zu erzählen …

Von Richard Mischak

Zu Weihnachten 1944 wurde mir mein Auto weggenommen.

So nahm ich meinen zweiten Wagen vom Attersee

und fuhr ohne Papiere auf Nebenstrecken nach Salzburg.

Ich wolle mich frei bewegen und nach Mailand, Rom oder

Brixen fahren. Die besten „falschen Papiere“ bekam ich

vom Leiter der Polizei in Salzburg ausgestellt. Lautend

auf: „Mit Geheimem Befehl nach San Remo.“ Meine

Hoffnungen erfüllten sich, alle Leute bei den Straßenkontrollen

salutierten! Ich hatte freie Fahrt, bin aber nie in

San Remo angekommen, da die Allierten schon vorher in

Verona waren.

Als die Kampfhandlungen des zweiten Weltkriegs in

Norditalien im Mai 1945 beendet waren, fuhr ich zu

meinem Vater nach Rom. Ich wohnte bei meinem Vetter

Hubert, der als Diplomat zuletzt in Kroatien tätig gewesen

war und ebenfalls nach Rom geflohen war. Hubert suchte

Arbeit in Rom, und da konnte ich ihm helfen.

„Wir malen Malteserkreuze auf die Flieger“

Ich kannte sehr viele Jugendliche und einige Geistliche.

Doch die wirtschaftiche Lage in Italien war schlecht und

verwirrend. Mit den Transportschiffen Italiens konnte

die US-Armee nichts anfangen, doch die italienische

Luftflotte war erstklassig – Savoia-Marchetti-SM.

84-Maschinen, fast 100 an der Zahl. Ihr Chef war

Malteser, besuchte mich und schlug vor: „Wir malen

Malteserkreuze auf die Flieger und schenken sie Euch.“

Gesagt, getan, es waren fast ganz neue Maschinen.

Doch was brauchten Italiener noch? Pasta! Woher? Aus

Südamerika kamen 100 Schiffe mit Weizen unter US-

Kontrolle, und der Malteser-Orden, der den Weizen geschenkt

bekam, verteilte die Waren an bedürftige Familien.

Nach einigen Jahren kam man dahinter, dass in dieser

Geschichte auch die italienische Mafia ihre Netze hatte

und dabei gut verdiente.

18

DIE MALTESER 4/2020


MALTESERÖSTERREICH

Buick, oftmals diente er mir auch als Schlafgelegenheit.

„Du musst sofort an die Grenze, nach Oberpullendorf,

denn keiner kann Ungarisch!“, sagte Georg eindringlich.

„So bin ich selbst gefahren“

Während des Jahres 1946 flüchteten viele Bauern mit

Pferden und Leiterwagen aus Ungarn nach Italien. Auch

einige ungarische Aristokraten waren darunter. Allen

gemeinsam war die Angst vor den Kommunisten. Die

Verteilung der aus den USA kommenden Essenspakete

in Italien hat gut funktioniert, doch nicht alle Zwischenstellen

waren vertrauenswürdig. So bin ich selbst gefahren

und habe vor Ort 20 bis 30 Pakete verteilt. Ich kannte

sehr viele bedürftige Familien. Manchmal kamen auch

riesige Geschenkpakete dazu.

Ich war politisch interessiert, kannte den US-Kommandanten

und war mit der italienischen Königsfamilie gut

befreundet. 1947 wurde ich zur Aufnahme in den Orden

eingeladen, sofort als Professritter, doch dies schien mir

übereilt, ich wollte noch abwarten.

Ein Sprung ins Jahr 1956

Ich konnte Ungarisch und war als Dolmetscher überall

sehr gesucht. Ich wohnte bei meiner Mutter in Gmunden.

Sie wollte nicht nach Wien, „es wird uns ja alles weggenommen!“,

sagte sie. In Gmunden erhielt ich einen Anruf

von Georg Fürstenberg. Ich erinnere mich ganz genau

– ich sollte sofort nach Wien kommen. Unser Palais in

Wien war leer, wo sollte ich schlafen?

Ungarn war in den Schlagzeilen der Weltpresse – doch ich

wäre dort sofort eingesperrt worden. Aufstand der ungarischen

Bevölkerung! Russland war zuerst still und hielt

sich zurück. Ich hatte als einziger ein Auto – einen großen

„Eines Tages geschah das Unglaubliche“

In Oberpullendorf wohnte Freiherr Rohonczy, der sich

sehr um die Flüchtlinge kümmerte. Es gab ein Haus an

der Grenze, darin waren die Büros der Grenzwacht untergebracht.

Hier war ein Übergang nach Ungarn noch offen,

alle anderen waren geschlossen. Mein Arbeitsplatz war

am Tisch des Kommandanten. So blieb ich insgesamt drei

oder vier Monate in Oberpullendorf. Etwas später kam

auch Sandor, mein jüngerer Bruder, zu Hilfe.

Nicht nur das Rote Kreuz, sondern auch alle Staatsmächte

verhielten sich derart, dass sie mir keine Schwierigkeiten

machen wollten. Die Bahnverbindungen waren

unterbrochen. Ich fuhr, wie so oft, mit Kohle auf vier

kleinen Lkw über die Grenze. Und eines Tages geschah

das Unglaubliche: Wie immer stand ein Mann in Uniform

an der Grenze, doch diesmal zeigte er plötzlich

„Stop“. „Was soll das?“, fragte ich den Mann, der mich

seit Wochen passieren ließ. Ein Schritt zur Seite zeigte

mir die Veränderung. Ein russischer Panzer stand 80 Meter

von der Grenze entfernt.

„Schickt sie mir, und ich bring’ sie hinüber“

Ich fuhr wieder zurück, doch wie weitermachen? Wir

wollten doch helfen, aber die Verständigung war sehr

schwierig. In Ungarn war Kinderlähmung ausgebrochen

– Impfstoffe waren keine vorhanden. Man ersuchte uns

um Hilfe, aber mit Lieferkontrolle. Keine Telefonate in

Ungarn möglich. Im Kinderspital brauchte man Milch.

Aus Wien wurden Halbliter- oder Einliter-Flaschen gespendet,

doch wie sollten diese nach Ungarn kommen?

Ich sagte: „Schickt sie mir, und ich bring’ sie hinüber.“

Danke, lieber Freddy, für deine wunderbaren Erinnerungen

und deinen unvergleichlichen Einsatz im Sinne der Malteser.

Danke für die erste Lourdes-Wallfahrt, die wir mit dir als

Organisator – und erstmals im Flugzeug statt mit der Bahn

reisend – genießen durften. Es war unvergesslich!

DIE MALTESER 4/2020 19


MALTESERÖSTERREICH

WAHL DES ORDENSOBERHAUPTES

FRA’ MARCO LUZZAGO

ZUM GROSSMEISTER

STATTHALTER DES

MALTESERORDENS

GEWÄHLT

Von Fra’ Ludwig Call

FEIERLICH-

ERFREULICHES

AUS KÄRNTEN

Der 13. August 2020 war ein ganz besonderer Tag für

Ulrich Glaunach Kazenstain, unseren Delegaten für

Kärnten.

Von Richard Steeb

Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie legte er

in der Kirche zum Heiligen Kreuz im Klösterle/

Innerteuchen seine Promesse zum Ehren- und

Devotions-Großkreuzritter in Oboedienz ab. In

seiner Predigt verwies Rektor und Geistlicher Rat

Franjo Vidovic auf Gottes Rufe an jeden Menschen

sowie Gottes Hilfe und reiches Erbarmen,

aus dem wir immer schöpfen dürfen. Delegationskaplan

Emmanuel Longin konzelebrierte, zahlreiche

Freunde und Ordensmitglieder begleiteten den

Delegaten. Im Anschluss an die Feier lud Johanna

Glaunach zu einem köstlichen Mittagessen.

In unserem Heft Nummer

02_2020, mussten

wir leider vom allzu frühen

und letztlich doch

unerwarteten Tod des

80. Großmeisters unseres

Ordens, Fra’ Giacomo

Dalla Torre del Tempio di

Sanguinetto, am 29. April

2020 berichten.

Am 8. November 2020,

konnte trotz der COVID-19

Pandemie und weltweit

steigender Infektionszahlen,

der Große Staatsrat

in Rom tagen. Fra‘ Marco Luzzago wurde hierbei mit großer

Mehrheit zum Großmeister Statthalter des Souveränen

Malteserordens gewählt. Fra‘ Marco Luzzago wurde 1950

in Brescia geboren, 1975 in den Orden aufgenommen und ist

seit 2003 Professritter. Der neugewählte Luogotenente kennt

den Orden und seine Werke sehr gut. Er hat an allen internationalen

Wallfahrten teilgenommen und sich zuletzt im

Großpriorat Rom karitativ engagiert.

Für weitere Informationen: www.malteserorden.at

Eine detaillierte Vorstellung unseres neuen Großmeister

Statthalter folgt in der nächsten Ausgabe von „Die MALTESER“.

20

DIE MALTESER 4/2020


WISSEN

MALTESERÖSTERREICH

SO WIRD EIN NEUER

GROSSMEISTER

GEWÄHLT

Von Fra’ Ludwig Call

• Im Falle, dass der auf Lebenszeit gewählte Großmeister

verstirbt, zurücktritt oder nicht mehr seinen Amtspflichten

als Ordensoberhaupt nachkommen kann,

leitet kraft Verfassung der Großkomtur als Interimistischer

Statthalter den Orden bis zur Wahl eines neuen

Ordensoberhauptes, das heißt eines Großmeisters

auf Lebenszeit oder eines Statthalters des Großmeisters

für ein Jahr. Er hat sich dabei auf die Besorgung

der laufenden Geschäfte zu beschränken. So ist beispielsweise

die Aufnahme neuer Ordensmitglieder

und die Verleihung von Auszeichnungen während

der Sedisvakanz nicht möglich. Des Interimistischen

Statthalters wichtigste Aufgabe ist es, innerhalb von

drei Monaten den Großen Staatsrat einzuberufen,

der die Aufgabe hat, ein neues Ordensoberhaupt zu

wählen. Dies hätte heuer spätestens bis zum 29. Juli

2020 erfolgen müssen. Aufgrund der Coronapandemie

wurde die Zusammenkunft auf 8. November vertagt.

• Mitglieder des Großen Staatsrats sind die Inhaber

der vier Hohen Ämter (Großkomtur/Interimistischer

Statthalter, Großkanzler, Großhospitalier, Rezeptor

des Gemeinsamen Schatzamtes), die weiteren sechs

Mitglieder des Souveränen Rates sowie der Ordensprälat.

Mitglieder sind weiters alle „Professbaillis“, also die

mit dem besonderen Ehrenrang eines Bailli ausgezeichneten

Professritter (derzeit neun). Weiters haben die

Professritter sowie die Damen und Ritter in Oboedienz

(„zweiter Stand“), die nicht einem Großpriorat oder

Subpriorat zugeordnet sind, sondern „in gremio religionis“

(„im Schoß des Ordens“) stehen, je einen Vertreter

zu bestimmen. In weiterer Folge gehören dazu

die Ordensoberen der einzelnen Gliederungen beziehungsweise

gewählte Delegierte. So sind für die sechs

Großpriorate jeweils die Prokuratoren sowie zusätzlich

zwei entsandte Professritter teilnahmeberechtigt. Die

sechs Subpriorate können fünf Leiter (Regenten) entsenden

und die weltweit 48 Assoziationen bestimmen

insgesamt 15 eigene Vertreter und Vertreterinnen. Insgesamt

umfasst der Große Staatsrat rund 60 Personen.

• Das aktive Wahlrecht kann nur von physisch anwesenden

Personen persönlich ausgeübt werden,

Stimmübertragung oder Briefwahl ist nicht zulässig.

• Zum Ordensoberhaupt wählbar sind nach dem derzeit

geltenden Artikel 13 der Verfassung von 1997 alle

Professritter, die folgende Anforderungen erfüllen:

über 50 Jahre alt, mindestens drei Jahre in Ewigen Gelübden

und mindestens zehn Jahre Ordensmitglied,

sonst mindestens zehn Jahre in Ewigen Gelübden.

Zudem müssen sie die Voraussetzungen für den

Adelsrang eines Ehren- und Devotionsritters mitbringen.

Derzeit erfüllen elf Professritter diese Voraussetzungen,

ihr Durchschnittsalter beträgt 83 Jahre.

Die anwesenden Professritter, die Mitglieder des Großen

Staatsrates sind, haben das Recht, einen Dreierwahlvorschlag

zu erstellen, an den der Große Staatsrat

in den ersten drei Wahlgängen gebunden ist. Zum

Ordensoberhaupt gewählt ist, wer die Hälfte der bei

der Wahl Anwesenden plus eine Stimme erreicht.

Die Wahlen finden nach einer Heiligen Messe am

Aventin statt. Gewählt wird schriftlich und geheim.

Die aktiv Wahlberechtigten tragen während

des gesamten Wahlvorganges liturgische Kleidung.

• Nach der Wahl ist, vor der Bekanntgabe des Namens

des neu gewählten Ordensoberhauptes, der Heilige

Vater über die Wahl zu informieren. Nachdem seine

Wahl angezeigt worden ist, legt der Gewählte den feierlichen

Amtseid auf die Verfassung ab.

www.malteserorden.at | www.orderofmalta.int

DIE MALTESER 4/2020 21


XXXXX

Rafael Mariano Grossi, Generaldirektor der IAEO, und Günther Granser,

Botschafter des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens

DER MALTESERORDEN UNTERSTÜTZT DIE

ZIELE DER INTERNATIONALEN ATOMENERGIE-

ORGANISATION ZUR KREBSBEKÄMPFUNG

Der Malteserorden und die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) unterzeichneten ein Kooperationsabkommen im

Bereich internationale Krebsbekämpfung.

Das Dokument wurde von dem Botschafter und Ständigen

Vertreter des Souveränen Malteser-Ritter-

Ordens bei den Vereinten Nationen in Wien, Günther

A. Granser und vom Generaldirektor der IAEO, Rafael

Mariano Grossi – der die Bedeutung dieses Abkommens

betonte – unterzeichnet. Die Unterzeichnungszeremonie

fand am 23. September 2020, in Anwesenheit

aller betroffenen Programmdirektoren, am Rande der

64. IAEO-Generalkonferenz statt.

Das Abkommen legt den Rahmen für die Zusammenarbeit

bei dem sozialen Engagement und bei der Ressourcenmobilisierung

im Zusammenhang mit von der IAEO

unterstützten Aktivitäten in den Bereichen Nuklearmedizin,

Strahlenmedizin, Radioonkologie, Strahlentherapie

und Palliativversorgung fest. „Diese konkreten

Schritte der Zusammenarbeit im Kampf gegen Krebs,

vor allem in Albanien, werden die Beziehungen zwischen

dem Souveränen Malteser-Ritter-Orden und der

IAEO verstärken, um die Weiterentwicklung der Krebsbekämpfung

in den Ländern mit niedrigem oder mittlerem

Einkommen zu unterstützen“ – sagte Botschafter

Granser.

Als konkreten Schritt leistete der Malteserorden bereits

finanzielle Unterstützung für ein technisches

Kooperationsprojekt der IAEO, welches das Ziel hatte,

die Nu klearmedizin und die Strahlentherapie sowie die

Sicherheit von Patienten und Personal im Hauptkrankenhaus

„Mother Theresa“ in Albanien zu verbessern.

Diese Unterstützung ermöglicht dem Krankenhaus,

1.350 Krebspatienten pro Jahr zu behandeln, was

90 Prozent aller behandelten Strahlentherapiepatienten

in Albanien entspricht“ – sagte Christoph Henrich,

IAEO-Programme Management Officer für Albanien.

Die Unterstützung bei der Einführung neuer Techniken

ermöglicht nun die Behandlung komplexer Krebsfälle

und verkürzte Wartezeiten bei der Behandlung.“

22

DIE MALTESER 4/2020


MALTESERÖSTERREICH

Die MALTESER Care GmbH ist langjährig

in der extramuralen Pflege und

Betreuung tätig und sucht für die

mobile Hauskrankenpflege in Wien

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KRANKENPFLEGER/IN

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Bewerbung inkl. Lebenslauf vorzugsweise via

E-Mail an Frau PDL DGKP Ilse Hummer

ilse.hummer@malteser.care oder

jobs@malteser.care

Malteser Care GmbH

Margaretenstraße 22/3, 1040 Wien

www.malteser.care

MALTESER CARE

WENN MENSCHEN

MENSCHEN HELFEN

Aus einer vorbildhaften Mitarbeitenden-Initiative des

Biopharma-Unternehmens Takeda ging eine sehr großzügige

Spende hervor. Sie kommt nun der Unterstützung

betroffener Familien zugute. Danke, Takeda!

Von Susanne Wick

Es begann mit einer zwanglosen Familienplauderei.

Raphaela, eine Pädagogin aus der Kinder-Krisengruppe

von Malteser Care, erzählte ihrer Schwester Melanie, die

bei Takeda Österreich* arbeitet, von ihrem Job. Dass etwa

Malteser Care im mobilen Bereich Familien betreut, deren

Kinder und Jugendliche an schweren Erkrankungen und

Behinderungen leiden. Dass sich diese Familien, sehr oft

alleinerziehende Mütter, zum Beispiel die Anschaffung

zusätzlicher Heilmittelbehelfe oder eine barrierefreie

Adaptierung ihrer Wohnung nicht leisten können und

deshalb dringend auf zusätzliche Hilfe durch Spenden

angewiesen sind. So wie im Fall von Lea.

Es braucht nicht viel, …

Melanie reagierte schnell. Schon am nächsten Tag rief sie

ihren Kollegen bei Takeda, Werner Trebos, an. Werner engagiert

sich schon seit vielen Jahren für soziale Themen

und organisiert im Rahmen von Takeda karitative

Aktionen. Es brauchte keine fünf Minuten, bis für Werner

klar war: Die Spenden aus dem alljährlichen karitativen

Punschfest des Unternehmens sollten diesmal der Familie

von Lea zugute kommen.

„Der Charity-Punsch blickt in unserem Unternehmen

auf eine lange Tradition zurück: Seit mehr als 20 Jahren

‚punschen‘ wir für den guten Zweck, um notleidenden

und bedürftigen Menschen zu helfen. Im Mittelpunkt

dieses Festes stand schon immer der karitative Gedanke.

Leas Geschichte hat uns sehr berührt, daher ist es uns

eine besonders große Freude, Lea und ihrer Familie mit

DIE MALTESER 4/2020 23


MALTESERÖSTERREICH

unserer Spende helfen zu können“,

sagt Werner Trebos.

… um Leid zu lindern

Covid-19-bedingt konnte die symbolische

Übergabe des Spendenschecks

erst im Juni 2020 erfolgen. Mit diesem

Beitrag wurde bereits ein dringend

benötigter Patienten-/Deckenlift

für Lea angeschafft. Wir sagen den

Initiatoren und allen Spendern ein

ganz, ganz herzliches Dankeschön!

SO WIE IM FALL VON LEA

Die Geschichte von Lea aus der Sicht von Malteser Care:

Es gibt immer eine Lösung. Malteser Care hilft professionell

und einfühlsam.

Wir lernten Lea als ein sehr aufgeschlossenes, offenes

und freundliches 13-jähriges Mädchen kennen. Durch

eine Schädigung des Gehirns leidet sie an einer Lähmung

der Arme und Beine und braucht im Alltag umfassende

Unterstützung. In der Kommunikation ist Lea selbstständig.

Sie benötigt aber stets Zeit, um Äußerungen zu

tätigen, kann sich aber dann gut mit ihrem Gegenüber

unterhalten. Sie nimmt ihre Umwelt aktiv wahr, antwortet

auf Fragen und beteiligt sich gerne an Gesprächen.

Leas Vater hatte vor einigen Jahren eine Hirnblutung, lag

danach Monate im Wachkoma und verlor sein Kurzzeitgedächtnis.

Er lebt jetzt in einer betreuten Wohneinrichtung,

wo er sich wohlfühlt, und kommt Lea regelmäßig

besuchen. Lea hat einen neun Jahre älteren Bruder, der

sie unterstützt, so gut er kann.

Leas Mutter musste ihren Beruf aufgeben, um sich um

ihren Mann und Lea kümmern zu können. Aufgrund

dieser enormen Doppelbelastung war sie bald physisch

und psychisch überfordert und am Ende ihrer Kräfte. Sie

nahm mit dem Magistrat für Kinder- und Jugendhilfe der

MA 11 Kontakt auf, die sich wiederum an Malteser Care

wandte. Case-&-Care-Managerin Mirna organisierte umgehend

die passenden und kompetenten Betreuungspersonen,

die die Familie nun schon seit mehreren Jahren

unterstützen und entlasten.

Da Lea erwachsen wird und ihre Pflege und Betreuung

andere Rahmenbedingungen benötigt, sind Lea und ihre

Mutter kürzlich in eine altersgerechte und barrierefreie

Wohnung übersiedelt. Bei ihrer täglichen Pflege hilft

nun ein Patienten-/Deckenlift, der dank der großzügigen

Spende der Takeda-Mitarbeiter angeschafft werden

konnte. Nochmal ein herzliches Danke im Namen von

Lea und ihrer Familie!

* Takeda ist ein patientenorientiertes, wertebasiertes globales biopharmazeutisches Unternehmen mit Hauptsitz in Japan,

das sich für eine bessere Gesundheit und eine bessere Zukunft von Menschen engagiert. Takeda gehört weltweit zu den Top

ten der Pharmabranche. In Österreich ist Takeda der größte Pharmaarbeitgeber und somit ein wichtiger Teil der heimischen

pharmazeutischen Industrie. Rund 4.500 Mitarbeiter tragen täglich dazu bei, dass Medikamente aus Österreich in die ganze

Welt gelangen und Patienten in Österreich Zugang zu innovativen Arzneimitteln von Takeda erhalten. Weitere Informationen:

www.takeda.at

24

DIE MALTESER 4/2020


MALTESERÖSTERREICH

MALTESER CARE

MOBIL, MOBILER, MALTESER CARE

Zwei gute Nachrichten auf einmal: MALTESER Care wurde in den Dachverband der Wiener Sozialeinrichtungen aufgenommen

und ist seit Herbst 2020 mit neuen mobilen Diensten in Wien vertreten.

Von Susanne Wick

Mitte September fand im Festsaal des Wiener Rathauses

die offizielle Aufnahme von Malteser Care in den Dachverband

der Wiener Sozialeinrichtungen statt. Damit ist

Malteser Care einer von den mehr als 80 sozial engagierten

Akteuren, die sich nachhaltig für die Menschen in

Wien einsetzen.

Der Präsident des Dachverbandes, Sozialstadtrat Peter Hacker,

Vizepräsidentin Gabriele Mörk und Geschäftsführerin des

Dachverbandes, Sandra Frauenberger, nahmen den feierlichen

Rahmen zum Anlass, sich bei allen Mitarbeitetenden

der Mitgliedsorganisationen der Wiener Sozialwirtschaft

für ihren Einsatz zu bedanken. „Die Coronapandemie hat

gezeigt, welchen wichtigen Beitrag alle gemeinsam für die

Menschen in Wien leisten“, lautete der Tenor.

Auf Unterstützung vertrauen können

Der Dachverband ist die Kommunikations- und Vernetzungsplattform

der Wiener Sozialwirtschaft. Sozialpolitik hat

in Wien traditionell einen hohen Stellenwert. Menschen,

die sich in schwierigen Lebenslagen befinden, vertrauen

darauf, Unterstützung zu finden. Entscheidend dabei ist,

diese Unterstützung durch optimale Kommunikation zugänglich

zu machen.

Die Mitgliedsorganisationen – nun auch Malteser Care

– aus den Bereichen mobile und stationäre Pflege, Be-

hindertenarbeit, Wohnungslosen- und Flüchtlingshilfe

agieren als soziale Unternehmen, die in Zusammenarbeit

mit der Stadt Wien soziale Dienstleistungen

erbringen. Ziel ist es, die sozialen Leistungen für die

Bürger Wiens bedarfsgerecht zu gestalten und den sozialen

Zusammenhalt in der Stadt zu stärken. Neben

Malteser Care ist das Haus Malta, der Seniorensitz der

Malteser, bereits seit vielen Jahren Mitglied des Dachverbandes.

Malteser Care Hauskrankenpflege als neue

Leistung

Mit der Aufnahme in den Dachverband öffnet sich für

Malteser Care eine weitere Möglichkeit der sozialen

Vernetzung in Wien. „Dies ist vor allem für das Projekt

Malteser Care mobile Dienste in Wien‘ besonders wichtig

und förderlich“, betont Malteser Care-Geschäftsführer

Helmut Lutz. Neben den bekannten Leistungen, die

Malteser Care im mobilen Bereich erbringt, wird ab

dem vierten Quatal 2020 als neue Leistung die mobile

Hauskrankenpflege angeboten. Diese Leistungen werden

bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen durch den

Fonds Soziales Wien (FSW) gefördert.

Wir gratulieren Malteser Care herzlich zur Aufnahme in

den Dachverband und wünschen alles Gute für das erweiterte

Leistungsangebot!

DIE MALTESER 4/2020 25


XXXXX

MEIN KIND IST BESONDERS ANDERS – MIT

DER HERAUSFORDERUNG WACHSEN!

Die Betreuung eines pflegebedürftigen Kindes mit Beeinträchtigung stellt Familien oft vor große Herausforderungen.

Umso wichtiger ist es, von Anfang an kompetente und bedürfnisorientierte Unterstützung zu erhalten – wie etwa

im IEF Care Management beim Institut für Ehe und Familie (IEF).

Von Doris Pufitsch

Schwangerschaft, Geburt, die Mutter- oder Vaterrolle

einzunehmen und das Neugeborene erstmals im Arm zu

halten – Situationen, die unvergesslich und wunderbar

zugleich sind und mitunter mit gemischten Gefühlen und

Sorgen um die Lebensplanung verbunden sein können.

Besondere Lebensumstände erfordern manchmal

besondere Unterstützung

Die Diagnose einer Behinderung des Kindes trifft Eltern

meist besonders schwer. Neben der Sorge um das Wohl

des Kindes tauchen oft unzählige Fragen auf. „Was kommt

da alles auf uns zu? Werden wir das schaffen? Muss ich

das alles alleine schaffen? Lässt sich unsere Situation

mit einem Wiedereinstieg ins Berufsleben vereinbaren?

Welche rechtlichen Ansprüche und finanziellen Unterstützungs-

sowie Fördermöglichkeiten gibt es? Wie sieht

es mit Betreuungsmöglichkeiten und Entlastung aus?“

Umfassende juristische Beratung und Unterstützung

bei Antrags- und Förderverfahren

Das neue Beratungsangebot IEF Care Management am

Institut für Ehe und Familie (IEF) hilft Familien in diesen

herausfordernden Lebenssituationen und bietet

kostenlose, umfassende juristische Beratung und Unterstützung

im Zusammenhang mit der Beeinträchtigung

des minderjährigen Kindes. Das Beratungsteam hilft

Paaren, Eltern und Angehörigen auch über administrative

Hürden wie Antrags-, Pflegegeld- oder Förderverfah-

26

DIE MALTESER 4/2020


MALTESERÖSTERREICH

ren sowie bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Dabei orientiert sich jeder gemeinsame Schritt an der

individuellen Lebenskonzeption der jeweiligen Familie

und an deren Bedürfnissen. Besonders geschätzt werden

unter anderem auch die Vernetzung mit Behörden,

entsprechenden Einrichtungen sowie die Vermittlung

von konkreten Hilfs-, Betreuungs- und Entlastungsangeboten.

Beratung, Begleitung und Vermittlung

Das IEF Care Management nimmt sich Ihrer Anliegen

rund um die Beeinträchtigung Ihres Kindes an und berät

Sie über alle Möglichkeiten zur Entlastung, damit Sie

rasch Unterstützung erhalten.

Informationen unter www.ief.at/care-management

Psychosoziale Beratung unter www.ief.at/beratung

Kraft schöpfen durch „Auszeit“ und Entlastung

Nicht selten erzählen Eltern in der Beratung, dass sie

sich dringend nach einer kurzen „Auszeit“ sehnen, in

der sie Zeit für ihre eigenen Bedürfnisse haben und ihre

Ressourcen wieder aufladen und stärken können. Die Betreuung

des pflegebedürftigen Kindes sei – neben einer

Quelle des Glücks und der Liebe – oftmals eine große Herausforderung,

die viel abverlange und auch mit Verzicht

verbunden sei.

Diesem Wunsch nach Unterstützung und Entlastung

kommt insbesondere der Familienentlastungsdienst von

Malteser Care mit seinen facettenreichen Angeboten für

pflegende Angehörige und Familien in schwierigen Situationen

nach. Die mobile stundenweise Betreuung für

Kinder und Jugendliche mit Behinderung im gewohnten

häuslichen Umfeld findet bei den betreuten Familien

hohen Anklang und erfährt große Wertschätzung. Der

Familienentlastungsdienst wird in Abstimmung mit der

MA 11 angeboten.

Auch bei der Malteser Kinderhilfe steht der Mensch im

Mittelpunkt. Das Hilde Umdasch Haus in Amstetten

ist ein Ort des Wohlfühlens und des Kraft Tankens, an

dem sich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit

hohem Pflegebedarf sowie lebensverkürzender Diagnose

wie zu Hause fühlen können, während sich die Eltern für

einige Zeit erholen und Kraft tanken können. Qualifizierte

Fachkräfte der Malteser Kinderhilfe kümmern sich

in dieser Zeit liebevoll und fürsorglich um die pflegebedürftigen

Sprösslinge und leisten kompetente Pflege und

Betreuung. Neben der Kurzzeitpflege werden auch Langzeitplätze

angeboten.

Ansprechpartnerin IEF Care Management

Mag. Doris Pufitsch

T: +43 664 82 43 629

E: doris.pufitsch@ief.at

Ansprechpartner MALTESER Care

DGKP Ilse Hummer

T: +43 1 361 97 88

E: office@malteser.care

www.malteser.care

Ansprechpartner MALTESER Kinderhilfe

Mag. Petra Hellmich, MA

T: +43 7472 98201

E: office@malteser-kinderhilfe.at

www.malteser-kinderhilfe.at

DIE MALTESER 4/2020 27


MALTESERÖSTERREICH

MALTESER KINDERHILFE

MOMENTE DES GLÜCKS UND DER DANK

Wie viel schon die kleinste Spende bewirken kann, lässt sich immer wieder und besonders deutlich bei der MALTESER

Kinderhilfe sehen. Ob Einnahmen aus Kartenverkäufen für Konzerte, private Geburtstagsspenden, Kranzspenden

durch Hinterbliebene oder Startgelder aus sportlichen Bewerben: Das Geld kommt direkt den Kindern und Jugendlichen

im Hilde Umdasch Haus zugute, die besondere Unterstützung und Betreuung brauchen.

Von Petra Hellmich

Musik fürs Leben

Am 20. und 21. Juni 2020 fand in den Pfarrkirchen St. Marien und Herz Jesu in Amstetten jeweils ein Benefizkonzert

der tiefen Blechbläser des Musikvereins Winklarn statt. Johannes Ettlinger, Tobias Graf, Karl Pöcksteiner, Christian

Zehethofer, Michael Deinhofer und Dominik Haimberger spielten zugunsten der Malteser Kinderhilfe und des

Sterntalerhofs – selbstverständlich unter Beachtung der Covid-19-Regelungen. Beide Konzerte waren ausverkauft. Für

das Hilde Umdasch Haus der Malteser Kinderhilfe wurden auf diese Weise 2.260 Euro „erspielt“. Der Betrag konnte am

4. Juli 2020 im Beisein von Frau Umdasch überreicht werden. Wir sagen herzlich Danke!

Prachtvolles aus dem Garten

Herbstzeit ist Kürbiszeit – auch im Garten der Malteser Kinderhilfe im Hilde

Umdasch Haus. Mithilfe unserer Hausmutter Frau Höttl und unserer ehrenamtlichen

Mitarbeiterin Frau Hager sowie der Unterstützung vieler weiterer

Helfer konnten wir wahre Prachtstücke ernten. Die schönsten Kürbisse

werden über den Herbst unser Atrium im Haus schmücken, die kleinen

Speisekürbisse verarbeiten wir zu Köstlichkeiten. Wir freuen uns schon auf

die gemeinsame Verkostung! Guten Appetit!

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DIE MALTESER 4/2020


MALTESERÖSTERREICH

BARKEIT

Hier eine kleine Auswahl an Beispielen für mehr als gelungene Spenden für die MALTESER Kinderhilfe.

Was gibt es Schöneres, als einem kranken Kind mit lebensverkürzender Diagnose, für das der Alltag oft

unvorstellbar mühsam ist, ein fröhliches Lächeln ins Gesicht zu zaubern und ein paar Momente der Unbeschwertheit

zu schenken …

Early Morning Charity-Turnier

Am 28. Juni um 6:00 Uhr früh war es so weit: 108 Golfende gingen

im Golfclub Swarco Amstetten-Ferschnitz an den Start. Ziel: Abschlag

zugunsten der Malteser Kinderhilfe im Hilde Umdasch Haus.

Das vom Legendario Men’s Club veranstaltete Charity-Turnier wurde

von idealem Wetter und kulinarischen Köstlichkeiten aus dem Hause

Raus-Augsten begleitet. Insgesamt konnten 2.500 Euro erlöst werden,

die den Betreuten im Hilde Umdasch Haus zugute kommen. Ein

herzliches Danke an die Legendarios und die zahlreichen Spender!

Hurra, die CliniClowns waren da!

Zum ersten Mal nach dem coronabedingten

Shutdown konnten die CliniClowns

Anfang Juli das Hilde Umdasch Haus wieder

besuchen. Mit gebührendem Abstand

und Schutzschild musizierten und spaßten

sie mit den Kindern und Jugendlichen der

Malteser Kinderhilfe. Die Begeisterung war

enorm, lenken doch die Stunden mit den

Clowns von der manchmal beschwerlichen

Routine des Alltags ab. Vielen Dank für den

fröhlichen Besuch und auf bald!

Wenn aus Trauer Freude wird

Am 3. September 2020 durfte sich die Malteser Kinderhilfe im Hilde Umdasch

Haus über einen ganz speziellen Besuch freuen. Familie Schmied überreichte

uns einen Spendenscheck über 801 Euro. Dieser Betrag wurde im Rahmen des

Begräbnisses von Ehefrau und Mutter anstelle von Blumen- und Kranzspenden

gesammelt. Unser herzliches Vergelt’s Gott dafür! Im Zuge der Spendenübergabe

konnten sich Herr Schmied und seine Tochter bei einer Hausführung ein

genaues Bild über unsere Arbeit und über die Verwendung der Spendengelder

machen.

DIE MALTESER 4/2020 29


Kinderhilfelauf auf neuen Wegen

Nichts kann dem traditionellen Kinderhilfelauf Amstetten zugunsten der Malteser Kinderhilfe etwas anhaben – auch

nicht Corona. Trotz der Einschränkungen durch Covid-19 fand der Lauf auch dieses Jahr statt. Das Konzept wurde

entsprechend verändert und der neuen Situation angepasst. Vom 1. bis 4. Oktober 2020 wurde mit Abstand gelaufen

und gewalkt – einzeln oder in kleinen Gruppen und auf mehrere Tage verteilt. Die Teilnehmenden meldeten sich über

das Internet an und wählten die Strecken, die sie selbstständig und sicher in ihrem eigenen Umfeld absolvieren wollten.

Insgesamt gingen 957 Laufende an den Start. Das Startgeld kommt, wie jedes Jahr, der Malteser Kinderhilfe zugute.

Neben tollen Tombolapreisen gab es diesmal auch eine Nominierung für das beste Foto oder Selfie während des Laufs.

Die kreativsten Bilder sind auf www.kinderhilfelauf.at und auf Instagram unter #kinderhilfelauf gepostet.

Ein herzliches Danke an alle Teilnehmenden! Auf Wiedersehen 2021!

Eine Überraschung zum Geburtstag

Ein Geschenk der besonderen Art erhielt die Malteser Kinderhilfe von

Andreas Gschnaidtner. Gemeinsam mit seiner Gattin überreichte der engagierte

Niederösterreicher der Malteser Kinderhilfe eine privat gesammelte

Spende von 1.200 Euro. „Ich fahre aus beruflichen Gründen regelmäßig

beim Hilde Umdasch Haus vorbei. Irgendwann wollte ich wissen, was sich

in diesem lichtdurchfluteten, schönen Haus tut und habe mich erkundigt.

Danach war klar, dass ich meinen diesjährigen Geburtstag nutze, um Geld

für das Haus zu sammeln. Heutzutage hat doch schon jeder, was er braucht

und noch viel mehr. Darum freue ich mich, wenn ich mit meinem Geburtstagsgeschenk

Kinder und Jugendliche unterstützen kann, denen es nicht

annähernd so gut geht“, so Andreas Gschnaidtner bei der Spendenübergabe.

Wir sagen Dankeschön und nochmal alles Gute zum Geburtstag!

Falls Sie die Malteser Kinderhilfe mit Ihrer Spende unterstützen möchten, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten.

Alle näheren Informationen dazu finden Sie auf unserer Website unter www.malteser-kinderhilfe.at/spenden

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DIE MALTESER 4/2020


MALTESERÖSTERREICH

MALTESER HERZENSWUNSCH

NOCH EINMAL IN DEN VINSCHGAU …

Innsbruck ist eine wunderbare Stadt und das Zuhause von Herrn Leo*. Er wird hier von seiner Tochter und deren

Ehemann betreut. Die beiden kümmern sich liebevoll um den Vater, der ursprünglich aus Südtirol, aus dem Vinschgau,

kommt. Dorthin wollte Herr Leo – „wenigstens einmal noch“ – zurück. Auf einen Besuch in seine Gartenlaube mit

dem besonderen Ausblick und dem Duft der Kräuter und Pflanzen. Und natürlich durfte auch Katze Jacky nicht fehlen.

Sie erwartete ihr Herrchen schon sehnsüchtig.

Von Lukas Krupitza

Viele schöne Erinnerungen

Die Malteser erfüllten Herrn Leos Herzenswunsch. Schon

zeitig in der Früh war ein kleines Team vor Ort, um ihn

für die Fahrt über den Brenner Richtung Meran abzuholen.

In der Meraner Innenstadt wurden rasch noch ein paar

Erledigungen absolviert, bevor es in Herrn Leos Heimatort

ging. Nach einer kurzen Erholungspause im eigenen

Bett – „Da liegt sich’s nämlich am besten!“ – wurde Herr

Leo von langjährigen Bekannten in seiner Gartenlaube

erwartet. Nach Kaffee mit Kuchen und ausgiebiger Plauderei

ging es gegen Abend wieder auf den Rückweg nach

Innsbruck – mit vielen schönen Erinnerungen im Gepäck

und einem glücklichen Lächeln auf den Lippen von Herrn

Leo.

* Name von der Redaktion geändert

SCHON JETZT FÜR 2021 DAS SCHLOSSHOTEL MAILBERG BUCHEN. Ab 1. März wieder geöffnet!

Heiraten im Schlosshotel Mailberg

DIE MALTESER 4/2020 31


MALTESERÖSTERREICH

HAUS MALTA

AUF IN DIE ZUKUNFT

Es tut sich was im Haus MALTA! Nach der Verabschiedung von Direktor Norbert Bercal in die Altersteilzeit und der

Übergabe der Hausleitung an Mag. Thomas Kissich stehen die Vorbereitungen für den Umzug ins neue Ordenshaus

2021 an. Ein Rückblick und Ausblick mit der „alten“ und „neuen“ Führung.

Von Henriette Blanckenstein

Jeder Abschied ist ein Neuanfang. Das gilt auch für das

Haus Malta und seine Leitung. Norbert Bercal, der am

1. Juli 2020 sein zehnjähriges Jubliäum als Direktor

und Geschäftsführer feierte, freut sich auf eine neue

Herausforderung – seine Altersteilzeit. Er verbringt

sie als nunmehriger Pflegedienstleiter im Haus Malta

und widmet den Rest der Zeit seiner Familie und sich

selbst, besser gesagt: seinem Kunststudium. In Norbert

Bercals Fußstapfen in der Geschäftsleitung von Haus

Malta ist Thomas Kissich getreten. Der erfahrene

Manager von Pflegeeinrichtungen hat die Hausleitung

übernommen und kümmert sich um die Eingliederung

von Haus Malta in das neue Ordenshaus, das 2021

bezugsfertig sein wird. Beide Herren standen für ein

Gespräch über Vergangenes und Künftiges zur Verfügung.

Herr Bercal, woran erinnern Sie sich am liebsten,

wenn Sie an Ihre Zeit im Haus Malta zurückdenken?

Norbert Bercal: Es gibt so viel Schönes, das ich hier erlebt

habe. Ein besonderer Höhepunkt war für mich der

erste Tag, als ich mit Herrn Glaunach (Präsident des

Vereins Haus Malta) ins Haus gekommen bin. Ich wurde

so herzlich aufgenommen! Frau Lobmeyr, damals in

der Verwaltung tätig, die gute Seele des Hauses Malta

und Ansprechperson unserer Bewohner in allen Lebenslagen,

sagte zu mir: „Wir haben um einen guten

Heimleiter gebetet!“ und ich antwortete: „Und ich habe

um eine gute Stelle gebetet.“ Unsere Gebete wurden erhört.

Herr Kissich, wie war Ihr Weg, der Sie ins Haus

Malta geführt hat?

Thomas Kissich: Es war ein durchaus profaner Weg. Ich

wurde von einem Headhunter angesprochen und war

von Haus Malta sofort begeistert. Zwischen meinem

bisherigen Werdegang und den Anforderungen als Geschäftsführer

der zukünftigen Betriebsgesellschaft von

Haus Malta gibt es sehr enge Schnittstellen. Ich komme

ursprünglich aus der Behindertenarbeit, habe Erfahrung

in der Pflege Schwerstbehinderter und im Psychosozialen

Dienst. Berufsbegleitend habe ich Wirtschaft studiert –

mit Schwerpunkt Non Public und Social Management.

Das hat mich zunächst in leitende Funktionen im Behindertenbereich

geführt und in den letzten zehn Jahren in

die Errichtung und Leitung von Pflegeheimen.

Herr Bercal, wenn Sie auf Ihre vergangenen zehn

Jahre zurückblicken – was würden Sie aus

heutiger Sicht anders machen?

Norbert Bercal: Ein Fehler war vielleicht, dass ich oft zu

viel Geduld hatte, zu gutmütig war. Ich habe mir bei

Kündigungen, die manchmal notwendig waren, sehr viel

Zeit gelassen. Ich habe stets an das Gute geglaubt und

war dann manchmal sehr enttäuscht. Die zehn Jahre im

Haus Malta waren für mich eine gute Schule, meine Augen

und Ohren etwas weiter aufzumachen, um schneller

zu reagieren. Trotzdem – und das ist das Christliche in

mir – bleibt das, was im Herzen ist. Im Kloster habe ich

gelernt: „Das Herz befehle“ wie der „Heilige Johannes

von Gott“ sagte. Davon kann ich mich nicht trennen.

Das ist auch gut so, denn das macht Ihre ganz

besondere Menschlichkeit aus. Inwieweit hat

Ihre christliche Grundhaltung Ihre Arbeit

beeinflusst?

Norbert Bercal: Sie hat es mir sehr leicht gemacht, im

Haus Malta Fuß zu fassen. Ich habe mich sehr gefreut,

hier zu finden, was ich gesucht habe: eine Kapelle im

Haus, das aktive Teilnehmen an kirchlichen Festen,

32

DIE MALTESER 4/2020


MALTESERÖSTERREICH

v.l.n.r.: Dir B. Bercal, Mag. T. Kissich

das Beten des Rosenkranzes. So bin ich sehr rasch Teil

der Familie im Haus Malta geworden. Ich sitze gerne

in der Kapelle zum Vorbeten oder auch alleine, um Liturgien

vorzubereiten oder den liturgischen Kalender

zu gestalten. Das alles hat mich geprägt und mir Kraft

gegeben, um alles Weitere zu meistern. Nicht immer

war es leicht. So gab es etwa in der Arbeit mit Angehörigen

den einen oder anderen schwierigen Moment.

Ich verstehe die Ängste und Sorgen von Angehörigen,

die uns ihre Mutter, ihren Vater anvertrauen und von

uns erwarten, dass wir sie gut pflegen und betreuen.

Da kommt es zu intensiven Gesprächen, für die mir das

Gebet zu Gott sehr geholfen hat.

Herr Kissich, was haben Sie von Ihren bisherigen

Tätigkeiten mitgenommen? Worauf kommt es

bei der Einrichtung und Leitung von Pflegeheimen

vor allem an?

Thomas Kissich: Vor allem auf die Liebe zum Detail und

zur Qualität in der Einrichtung der Räumlichkeiten für

die Bewohner, aber auch für die Mitarbeiter. Außerdem

ist auf Arbeitseffizienz zu achten, das heißt die

Wege für die Mitarbeiter in der Pflege sollten so kurz

wie möglich gestaltet werden, um die gewonnene Zeit

den Bewohnern in der Pflege zugutekommen zu lassen.

Und natürlich muss auch die physische und psychische

Herausforderung für das Pflegeteam so gering

wie möglich gehalten werden. Man darf nicht vergessen,

dass zum Beispiel hier im Haus Malta während eines

Achtstunden-Arbeitstages von einer Pflegeperson

etwa 15.000 Schritte zurückgelegt werden.

Welche Themen sind Ihnen im Pflege- und Betreuungsbereich

besonders wichtig?

Thomas Kissich: Das sind zum einen die stetig ansteigenden

demenziellen Erkrankungen und zum anderen,

sehr oft damit einhergehend, psychische Erkrankungen.

Diesbezüglich hat sich bereits der Wiener

Gesetzgeber etwas überlegt und setzt entsprechende

Schwerpunkte in der Förderung. Wir werden dieser

Entwicklung im neuen Haus Rechnung tragen und uns

schwerpunktmäßig der Demenz widmen und entsprechende

Wohngruppen errichten. Pflege ist natürlich

auch immer im Wandel zu sehen. Sie ist meines Erachtens

heute so zu definieren, dass wir im Wohnzimmer

der Bewohner tätig sind und ihnen ein würdevolles

und schönes Zuhause geben mit all der sachlichen,

fachlichen und auch menschlichen Qualität, die wir

bieten können.

Mit dem Ordenshaus steigen Sie in ein neues

großes Projekt der Malteser ein. Wie kann die

Zusammenführung von Haus Malta mit dem

doppelt so großen Ordenshaus gelingen?

Thomas Kissich: Das Thema Überführung und Eingliederung

des kleinen Hauses Malta in den großen neuen

Komplex ist die eine Herausforderung, eine andere die

Umstellung von Papier auf die elektronische Dokumentation.

Außerdem wollen wir die Vorteile des kleinen

Hauses möglichst fortführen. Da hilft das Wohngruppenmodell,

auf das wir gezielt hinarbeiten, indem wir

versuchen, mehrere kleine heimelige Wohneinheiten

zu implementieren. Und dann liegt es natürlich auch

an uns, dieses neue Haus mit dem Leben zu füllen, das

hier jeden Tag gelebt wird.

Mit dem Leitspruch des Ordens „tuitio fidei et

obsequium pauperum“ – „Bewahre den Glauben

und hilf den Armen und Kranken“ – sollte das

gut gelingen …

Thomas Kissich: Auf jeden Fall! Dadurch, dass wir alle

dasselbe Menschenbild vertreten, sehe ich meiner Aufgabe

sehr freudig und auch sehr bereichert entgegen.

Herr Bercal, Sie bleiben dem Haus Malta weiterhin

verbunden – in welcher Form?

DIE MALTESER 4/2020 33


MALTESERÖSTERREICH

Norbert Bercal: Zunächst möchte ich mit meiner Arbeit in

der Pflegedienstleitung möglichst lange weitermachen –

soweit es eben meine eigene Gesundheit zulässt. Ich glaube,

mein Beruf als ausgebildeter Krankenpfleger bei den

Barmherzigen Brüdern ist nicht nur ein Beruf, sondern

eine Berufung gewesen. Ich habe als Spätberufener die

Krankenpflege kennen und lieben gelernt. Das habe ich

auch zu Anfang meiner Tätigkeit im Haus Malta gesagt.

Die Begegnung mit alten Menschen im Haus Malta hat

mir neue Horizonte eröffnet – wie eine neue Liebe. Vielleicht

kommt es daher, dass ich relativ alte Eltern hatte,

weshalb ich „die Alten“ besser verstehen kann?

Gibt es einen Traum, den Sie noch verwirklichen

möchten?

Norbert Bercal: Ja, den gibt es tatsächlich – einen Kindheitstraum!

Ich habe vor einem Jahr das Studium an

einer Kunstakademie begonnen, um neben Malen verschiedene

andere Kunstrichtungen kennenzulernen. Ich

fahre einmal im Monat nach Polen in die Westkarpaten.

Da ist eine Uni für Kunst und Volkskunst.

Das klingt großartig! Viel Erfolg und Freude

damit! Eine letzte Frage noch: Was wünschen Sie

dem neuen Ordenshaus?

Norbert Bercal: Dass die Bewohner glücklich und zufrieden

sind und dass auch weiterhin so eine familiäre

Atmosphäre herrscht wie hier. Und natürlich wünsche

ich mir für die Bewohner, dass wir genügend gutes Personal

haben und dass das Christliche im Haus bleibt,

wir also unsere Philosophie und unseren Glauben leben

können.

Stichwort „familiäre Atmosphäre“: Ist eine solche

auch privat für Sie ein Thema, Herr Kissich?

Thomas Kissich (lacht): Ja, das kann man so sagen. Ich bin

verheiratet und darf mit acht eigenen Kindern im Familienverbund

leben. Neben der Arbeit mit alten Menschen

gibt es nichts Schöneres, als mit Kindern zu leben!

Das sind beste Voraussetzungen für die generationenübergreifende

Zusammenarbeit im neuen

Ordenshaus, in dem auch weitere Werke der

Malteser untergebracht sein werden. Inwieweit

kann es da Synergien geben?

Thomas Kissich: Synergien sind sicher machbar und

denkbar. Unsere oberste Prämisse ist es jedenfalls, die

Würde unserer Bewohner zu erhalten und ihnen mit

dem Respekt gegenüberzutreten, den sie verdienen.

Wenn das von allen Werken und Institutionen, die im

neuen Ordenshaus ihren Sitz haben werden, mitgetragen

wird – und davon bin ich überzeugt –, wird das ein

gutes und sehr erfülltes Gelingen.

Herr Bercal, Herr Kissich, vielen Dank für das Gespräch

und Ihnen beiden alles Gute für die Zukunft!

Danke, Norbert! Herzlich willkommen, Thomas!

„Wir danken Norbert Bercal von ganzem Herzen für seine wunderbare Arbeit im Haus Malta. Er hat es von Anfang

an verstanden, mit seiner ruhigen und kompetenten Art nicht nur die Wertschätzung der Bewohner, sondern auch

seiner Mitarbeiter zu gewinnen. Gleichzeitig heißen wir Thomas Kissich herzlich willkommen. Er bringt viel Erfahrung

und Know-how im Aufbau und Betrieb von Pflegeeinrichtungen mit. Gottes Segen auf Euren Wegen!“, sagt

Ulrich Glaunach (Präsident Haus Malta)

34

DIE MALTESER 4/2020


MALTESERÖSTERREICH

DM 03_2020 Baufortschritt neues Ordenshaus

MALTESER ORDENSHAUS

Es geht zügig voran!

ES GEHT ZÜGIG VORAN!

Von Andreas Mensdorff

Von Andreas Mensdorff

Das neue Ordenshaus wächst und gedeiht. Und weil das Jahr 2020 bald zu Ende geht, wollen wir hier noch einen

Das neue Ordenshaus wächst und gedeiht. Und weil das Jahr 2020 bald zu zu Ende geht, geht, wollen wir wir

Bericht zum Baufortschritt geben – ganz schnell und nur als Checkliste, denn wir müssen gleich wieder auf die

hier hier noch einen Bericht zum Baufortschritt geben – ganz schnell und und nur nur als als Checkliste, denn denn wir wir

Baustelle müssen zurück!

gleich wieder auf die Baustelle zurück!

Stichwort Tätigkeit/Aufgabe Status Status

Altbaubereich

Altbaubereich

Dachsanierung mit

mit

der

der

neuen

neuen

Ziegeleindeckung

Ziegeleindeckung

zum

zum

Großteil

Großteil

abgeschlossen,

abgeschlossen, bestehende

bestehende

Kaminköpfe

Kaminköpfe

fertig

fertig

saniert

saniert

ü ü

Rohbauarbeiten

Rohbauarbeiten Im

im

Inneren

Inneren des

des

Klosterbereichs

Klosterbereichs

abgeschlossen

abgeschlossen

(bis

(bis

auf

auf

einige

einige

Bereiche mit laufendem Betrieb)

ü

Bereiche mit laufendem Betrieb)

Innenausbau begonnen, inklusive Installationsarbeiten

Innenausbau Begonnen, inklusive Installationsarbeiten ü

Bundesdenkmalamt laufende Abstimmung und Begleitung

Bundesdenkmalamt Laufende Abstimmung und Begleitung ü

Neubauteil Dachgleiche erreicht, Rohbau abgeschlossen

Neubauteil Dachgleiche erreicht, Rohbau abgeschlossen ü

Außenhülle Fenstereinbauten und Abdichtungsarbeiten laufen

Außenhülle Fenstereinbauten und Abdichtungsarbeiten laufen ü

Innenausbau Trockenbaumaßnahmen und Installationsarbeiten gehen gut voran

Innenausbau Trockenbaumaßnahmen und Installationsarbeiten gehen gut voran ü

Einrichtung und Detailplanungen gemeinsam mit den künftigen

Einrichtung und Detailplanungen gemeinsam mit den künftigen

ü

Ausstattung Benützern/Bewohnern laufen, Abstimmung mit sanitätsrechtlichen ü

Ausstattung Benützern/Bewohnern Vorgaben

laufen, Abstimmung mit sanitätsrechtlichen

Vorgaben

Elisabethinen sehr guter gemeinsamer Ablauf der Bauaktivitäten am

Elisabethinen Sehr guter gemeinsamer Ablauf der Bauaktivitäten

ü

gemeinsamen Standort

ü

am gemeinsamen Standort

Zeitplan im grünen Bereich, Ziel: Einzug Weihnachten 2021

ü

Zeitplan Im grünen Bereich, Ziel: Einzug Weihnachten 2021

ü

Stand: Oktober 2020

Stand: Oktober 2020

Aktuelle Informationen finden sie auf den Webseiten www.ordenshaus.at und www.hausmalta.at

ü

DIE MALTESER 4/2020 35


XXXXX

ERÖFFNUNG

ENDE 2021

www.ordenshaus.at

MALTESER ORDENSHAUS

Das neue MALTESER Ordenshaus wird als Senioren- und Pflegewohnheim in 1030

Wien ab Ende 2021 die Aufgaben des derzeitigen Hauses Malta übernehmen.

Danke für Ihre Spende, mit der Sie das MALTESER Ordenshaus unterstützen.

IBAN: AT11 2011 1310 0530 1320, BIC: GIBAATWW

Verwendungszweck „Ordenshaus“

Ihre Spende an den Verein Haus Malta ist steuerlich absetzbar!

www.ordenshaus.at

36

DIE MALTESER 4/2020


MALTESERÖSTERREICH XXXX

„Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn

mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt. Du hast ihn als Herrscher

eingesetzt über das Werk deiner Hände, hast ihm alles zu

Füßen gelegt: All die Schafe, Ziegen und Rinder und auch die

wilden Tiere, die Vögel des Himmels und die Fische im Meer,

alles, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht. Herr, unser

Herrscher, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!“

(Psalm 8,6-10)

JOHANNESGEMEINSCHAFT

WAS IST DER MENSCH?

Gerade in Zeiten von Corona erleben wir, wie gut die Natur uns tut. Viele von uns haben die Berge wiederentdeckt

und bemerkt, dass das Wandern für unsere Gesundheit und unseren Geist förderlich ist.

Von Marie Czernin

Ob im Gebirge oder in den Niederungen der Felder

und Wälder: Immer mehr Menschen sehnen sich nach

Entschleunigung. Sie wollen Ruhe und Erholung vom

Stress des Alltags. Oft suchen sie nach etwas mehr. Seit

zehn Jahren organisiert die Johannesgemeinschaft

„Wander-Retreats“ in Heiligenblut und ermöglicht

den Teilnehmenden neben der sportlichen Bewegung

eine spirituelle Erfahrung im Gebet. So können sich

alle als Teil einer Gemeinschaft von Freunden erleben,

die sich auf den Weg gemacht hat. Der Priester, der die

Gruppe begleitet, gibt mit dem Thema des Retreats jeweils

das Ziel vor.

Hochgesteckt und anregend

Diesen Sommer fand das Wander-Retreat unweit von

Klagenfurt auf dem Christofberg statt, von wo aus die

Gruppe das Görtschitztal mit seinen uralten Wehrkirchen

und Pilgerwegen mit den typischen Wegkreuzen erkundete.

Diesmal war das Ziel zwar weit weniger hoch

an Höhenmetern als die letzten Jahre, wo wir – immer

mit Blick auf den Großglockner – in den Hohen Tauern

wanderten und auf den Gipfeln unvergessliche Bergmessen

feierten. Aber Kaplan Albert Reiner von der

Pfarre zur Frohen Botschaft in Wien gab mit seinen

spannenden Impulsen ein hochgestecktes Ziel vor, das

auch in niedrigeren Wandergebieten zum Nachdenken

anregte.

Besondere Berufung

Ausgehend von einer christlichen Anthropologie stellte

uns Kaplan Albert mit dem Psalmisten die Frage:

„Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, des Menschen

Kind, dass du dich seiner annimmst?“ (Psalm 8,5)

Der wunderschöne Pilgerweg nach Diex und nach Maria

Hilf ob Guttaring, wo die Gruppe eine heilige Messe

feierte, inspirierte uns, über die besondere Berufung

des Menschen nachzudenken, gemeinsam mit dem

Psalmisten, der bekennt: „Du hast ihn nur wenig geringer

gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und

Ehre gekrönt.“

DIE MALTESER 4/2020 37


MALTESERÖSTERREICH

SALZBURG

WIR PFLANZEN BIRNBÄUME

Vor einem Jahr haben Alexander, Ammar, Anna-Maria, Paul

und Sophie ihre Ausbildung bei den Maltesern in Salzburg

begonnen. In ihrer Ausbildungszeit ist die Idee entstanden,

symbolisch für jedes Mitglied der Ausbildungsgruppe

einen Baum zu pflanzen. Da entlang der Auffahrt von

Maria Plain Bäume ersetzt werden mussten, packten die

jungen Malteser die Gelegenheit beim Schopf und pflanzten

zehn Birnbäume. Diese Aktion unterstreicht auch die

langjährige, gute Beziehung der Malteser in Salzburg mit

Maria Plain und mit der Familie Moßhammer.

STEIERMARK

EIN NEUER

BARRIEREFREIER

GRUPPENRAUM

Fünf Birnbäume tragen rote Schleifen, mit den Namen der

Ausbildungsgruppenmitglieder. Die anderen fünf Bäume

stehen für die Mitglieder des Bereichs Salzburg, unsere

Herren Kranken und zu Ehren der Muttergottes. Mögen die

Birnbäume wachsen, ebenso wie die Ausbildungsgruppenmitglieder

mit ihren Aufgaben bei den Maltesern gewachsen

sind. Mögen die Birnbäume viele Früchte tragen und

die Menschen erfreuen, ebenso wie unsere Ausbildungsgruppenmitglieder

unsere Herren Kranken immer wieder

von Neuem erfreuen.

Ein Zuhause lebt sich ein, heißt es. Die Coronakrise hat

allen Belangen in unserem Land eine noch nie zuvor dagewesene

Atempause verschafft, welche die Malteser in Graz

allerdings nicht ungenutzt gelassen haben. Es war die Gelegenheit,

in unserem Stützpunkt in Graz endlich alle diese

Hand- und Kunstgriffe zu tätigen, für die im Dienstalltag

meist keine Zeit ist. Es war zugegeben doch eine Herausforderung

bei den Arbeiten auf die korrekte Einhaltung

aller Corona-Präventionsmaßnahmen zu achten, doch es

ist uns gelungen. So haben unter der Leitung von Bereichsleiter-Stellvertreter

Bernhard Pauger als strategischen

Manager und Georg Pirker als geschickten Leiter in

der praktischen Umsetzung eine Gruppe von fleißigen

Maltesern die Zentrale handwerklich im Raumkonzept

überarbeitet. Es war in Graz wohl das größte Anliegen, den

großen Gruppenraum vollkommen barrierefrei umzugestalten.

So kann dieser endlich wieder für die verschiedens-

ten Veranstaltungen genützt werden und das sein, wofür er

bestimmt ist: das Herzstück des sozialen Miteinanders für

alle. Als Bonmot ist ein kleines Kunstwerk am Boden des

Raumes gelungen, wir verfliesten ein achtspitziges weißes

Kreuz, ummantelt von roten Fliesen. Es ist seit Jahrhunderten

das Logo der Malteser und man erkennt uns daran

auf der ganzen Welt. Es soll uns in Graz nun symbolisch

einen festen Untergrund für unsere Arbeit geben, auf dass

wir unzählige schöne Stunden in unserer neu gestalteten

Zentrale verbringen werden!

38

DIE MALTESER 4/2020


Zum 100. Geburtstag „Mit 100 geht’s erst richtig rund. Das ist zum Feiern doch ein Grund.“ Zum Geburtstag von

Ernestine Wichenthaler- Sternbach gratulierten nicht nur die Mitbewohner und Mitarbeiter aus dem Haus Malta, auch

Bezirksvorsteher Markus Rumelhart kam auf Besuch. Natürlich durfte auch die Geburtstagstorte von Küchenchefin

Andrijana Fendrych nicht fehlen.

NEUES AUS DEM

HAUS MALTA

Musikgenuss im Haus Malta Mit Musikstücken aus Spanien, Italien und Südamerika, adaptiert für Gitarre und

Violine, begeisterte das Duo Variando (Vita Activa) die Bewohner im Haus Malta. Danke für die Organisation an Uta

Mayer-Schalburg.

Sommerkonzert im Haus Malta Ein bunter Liederstrauß im Gartensalon für die Bewohner im Haus Malta: Das

traditionelle Sommerkonzert im Haus Malta, mit dem auch schon fast traditionellen Sommergewitter, sorgte für

einen beschwingten und fröhlichen Nachmittag. Es wurde ein bunter Liederstrauß „serviert“ mit Werken aus „Die

Csardasfürstin“, „Gräfin Mariza“ und „Im weißen Rössl“. Aufgespielt wurde von Vita Activa (Team Lechtova).

DIE MALTESER 4/2020 39


MALTESERÖSTERREICH

Monatsmesse Erste gemeinsame

Salzburger Monatsmesse nach der

Coronazeit in St. Michael unter

Wahrung der Hygiene- und Abstandsregeln

NEUES AUS DEM BEREICH

SALZBURG

Imberg-Talk Aglaë Hagg-Thun berichtet von ihrer letzten Reise nach Ghana und

stellt das „Oikocredit“-Konzept vor (sie selbst ist im Vorstand des Unternehmens).

Aufgrund der geltenden Coronaregeln musste sie den Vortrag drei Mal in Serie

halten, sodass die maximal zulässige Personenanzahl im Raum nicht überschritten

wurde.

Malteser im Einsatz Fiebermessen für die Aussteller der Salzachgalerien (Open-Air-Kunstbasar am Salzachufer)

40 DIE MALTESER 4/2020


Sommerfest Das alljährliche Salzburger Malteser-

Sommerfest im Park von Schloss Arenberg: Im

Anschluss an die Heilige Messe mit dem Erzabt von

St. Peter, Korbinian Birnbacher, wurde bei musikalischer

Begleitung durch einem Drehorgelspieler gemeinsam

gegrillt.

NEUES AUS DEM BEREICH

SALZBURG

Im Einsatz für den „VinziBus“ Einmal im Monat engagieren sich die Malteser beim „VinziBus“, wo Bedürftige mit

einer Mahlzeit versorgt werden. In der Zentrale werden belegte Brote und Tee zubereitet. Die Speisen werden in der

Nähe vom Schloss Mirabell an Bedürftige verteilt.

Erentrudisalm Noch vor dem Sommergewitter – Ausflug auf die Erentrudisalm bei über 30 Grad. Gemeinsame Heilige

Messe in der Kapelle sowie Stärkung und Erfrischung im Grünen, bevor das Sommergewitter zum Aufbruch mahnte.

DIE MALTESER 4/2020

41


NEUES AUS DEM BEREICH

OBERÖSTERREICH

Monatsmesse im Linzer Mariendom, der größten

Kirche Österreichs. Die erste gemeinsame Messe, natürlich

mit allen erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen

gemäß den strengen Covid-19-Regeln.

Schokolade für die Bewohner im Haus Rugier – in

den Zeiten, wo Besuchsdienste nicht möglich waren.

Die Freude bei den ersten persönlichen Besuchen im

Sommer war sehr groß.

NEUES AUS DEM BEREICH

WIEN

Salzkammergut Ein Ausflug war für unsere Betreuten im Rolli eine willkommene

Abwechslung vom Alltag zu Hause. Ein Höhepunkt war bei strahlendem

Sonnenschein die Villen-Schiffstour am Attersee auf den Spuren

zum Buch von Marie-Theres Arnbom, „Die Villen am Attersee“. Weiterer

Kulturgenuss wurde uns beim Besuch der Kirche von St. Wolfgang und einer

Führung durch Stift St. Florian zuteil. Und damit wir auch die Natur genießen

konnten, gab es Picknicks an den Seen und eine Wanderung auf der

Postalm, 1.400 Meter über Strobl. Dank streng eingehaltener Hygienevorschriften

kamen alle gesund wieder heim, mit schönen Erinnerungen an

eine Sommerfrische im Heimaturlaub.

42

DIE MALTESER 4/2020


MALTESERÖSTERREICH

Barmherzige Brüder Die Malteser in Wien unterstützen

seit Juni das Krankenhaus der Barmherzigen

Brüder jeden Sonntag bei Covid-19-Testungen und

der Besucher-Triage. Danke allen Ehrenamtlichen,

die diese Aufgaben jede Woche übernehmen.

NEUES AUS DEM BEREICH

WIEN

Besuchsdienste mit Abstand

und Mundschutz und wenn möglich

im Freien sind endlich wieder

möglich.

VinziRast Die Malteser unterstützten die Vinzi Rast im Corti-Haus jeden Montag als ehrenamtliche Köche und versorgen

die Gäste der Notschlafstelle mit immer neuen und frischen kreativen Köstlichkeiten. Die Vinzi-Rast-Notschlafstelle

im Corti-Haus ist die erste aller Vinzi-Rast-Einrichtungen, sie wurde 2004 eröffnet. Hier finden jeden Tag bis zu

60 obdachlose Menschen, Frauen und Männer (oder auch Paare) ein warmes Bett, Frühstück und ein gutes Abendessen,

Kleidung, Dusche, ein WC, Ruhe, Entspannung, Vertrauen, ein Gespräch und Zuwendung. Die Menschen werden angenommen,

wie sie sind. Für sie sind Anerkennung und Würde so wichtig wie für jeden von uns.

DIE MALTESER 4/2020 43


XXXXX

Sicher fahren: Fahrsicherheitstraining In Aussnahmesituationen, unter Zeitdruck und bei jeder Verkehrslage sicher

fahren – dazu braucht es Erfahrung und Übung. Die Malteser legen großen Wert auf gut ausgebildete und sichere Einsatzfahrer.

Daher trainieren wir unser Können regelmäßig in den Fahrsicherheitszentren des ÖAMTC.

NEUES AUS DEM BEREICH

TIROL

Seit zehn Jahren sind die Malteser ein fixer Bestandteil

des Tiroler Rettungsdienstes.

Als kleinste und einzige rein ehrenamtliche Organisation

sind die Malteser in Tirol stolz, Teil dieses großen

Gemeinschaftsprojektes zu sein. In Tirol schloss sich

vor zehn Jahren eine Bietergemeinschaft, bestehend

aus dem Roten Kreuz, dem Arbeiter-Samariter-Bund,

der Johanniter Unfall-Hilfe und den Maltesern, zusammen

um den Rettungsdienst in Tirol gemeinsam

zu meistern. Die Malteser sagen Danke dafür, weiterhin

Teil dieses großartigen Projektes sein dürfen und

freuen sich auf weitere zehn Jahre Rettungsdienst!

Die neue Malteser-Bereichsleitung Tirol/Vorarlberg bedankt sich bei Lukas Krupitza und Florian Schwetz für die

jahrelange großartige Arbeit und das unermüdliche Engagement in der Bereichsleitung!

Von links nach rechts: Gregor Holfeld (neuer Bereichsleiter), Bernhard Enzenberg (neuer Bereichsleiter Stv.), Nikola Schmidinger

(Neue Bereichsleiter-Stv. + Leiterin Rettungsdienst), Lukas Krupitza (alter BL-Stv.), Florian Schwetz (alter Bereichsleiter)

44

DIE MALTESER 4/2020


MALTESERÖSTERREICH

Erstes Kaffeekränzchen nach der coronabedingten Dienstsperre Erstmals ist es wieder erlaubt, ein Treffen mit

Betreuten, unter Einhaltung der Hygieneauflagen, versteht sich. Diese Gelegenheit haben die Malteser in Tirol gleich

genutzt, bei einem gemütlichen Kaffeekränzchen mit Kaffee, Kuchen, Brötchen und Eis. Endlich wieder die Möglichkeit,

von Mensch zu Mensch miteinander zu plaudern. Auch ein Geburtstag wurde nachgefeiert.

Ambulanzdienst Flag Football, die Tiroler Malteser im Einsatz

NEUES AUS DEM BEREICH

TIROL

Rolliwanderung zur Walderalm Das wunderbare Bergwetter in Tirol genießen, das kann man auch mit Rolli und

Rollator! Fünf Rollstuhlfahrer und eine Rollatorfahrerin, sieben „Maltis“ und zwei Kinder marschierten auf die Alm.

Schon an der Mautstraße hat man einen tollen Ausblicke über das Inntal. Die rund zwei Kilometer lange Wanderung

über einen (fast) ebenen Weg zur Walderalm wurde am Ende mit Speckknödln, Kasknödeln oder Würstl belohnt. Nach

Wochen im Lockdown war es ein wunderschöner Tag bei herrlichem Bergwetter, hoch über dem Inntal an der frischen Luft!

DIE MALTESER 4/2020 45


Wörtherseerundfahrt

Wörtherseerundfahrt gemeinsam mit dem Bereich Kärnten, organisiert von einer jungen Malteserin aus der

Ausbildungsgruppe: ein wundervoller sommerlicher Tag und eine willkommene Abwechslung nach so vielen Tagen zu

Hause (durch Covid-19) für viele der Betreuten. Mit dem Bereichspfarrer Clemens Grill wurde in der berühmten

Maria-Wörther-Kirche eine besonders schöne Heilige Messe gefeiert.

NEUES AUS DEM BEREICH

STEIERMARK

Grazer Malteser gemeinsam mit dem steiermärkischen Roten Kreuz im Corona-Einsatz

Während es für alle anderen hieß, zu Hause zu bleiben, halfen viele Freiwillige unermüdlich, um das Gesundheitssystem

am Laufen zu halten ...

... wie auch hier im Grazer Joanneum.

46

DIE MALTESER 4/2020


MALTESERÖSTERREICH

NEUES AUS DEM BEREICH

STEIERMARK

Sommerfest Das Sommerfest der Malteser in der Steiermark wurde auch dieses Jahr ein fulminantes Erlebnis für

unsere Betreuten sowie uns Malteser. Unter Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen feierte mit uns Altbischof Egon

Kapellari die Heilige Messe. Die anschließende Segnung der umgebauten Bereichszentrale und Ehrung der Malteser

war ein besonderer Meilenstein in der Geschichte der Grazer Malteser. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön

an die wunderbare Arbeit von Marie, Ares, Bernhardt, Georg, und Jonathan. Nachdem wir unseren Betreuten seit

Langem wieder von Angesicht zu Angesicht begegnen konnten und auch wir Malteser uns schon lange nicht mehr ausgetauscht

haben, verwandelte sich die Agape in ein stimmungsvolles Gartenfest im Hof vor unserer Bereichszentrale.

Schlossbergspaziergang Immer wieder

neu, spannend zu erkunden und erklimmen

– der Grazer Schlossberg!

Mit dem Lift in Windeseile in die Höhe,

über den Türkenbrunnen zum Chinesischen

Pavillon, vom Bischofssitz über

schmale Wege weiter bis zur Liesl und

schließlich zu einer Aussichtsplattform.

Der Schatten der Kastanien bot sich an,

um zu rasten und zu jausnen, mit einem

herrlichen Fernblick über Graz.

DIE MALTESER 4/2020 47


MALTESERÖSTERREICH

Masken für Rumänien

Übergabe von Schutzmasken an der rumänischen Grenze,

für katholische Diözesen und für ehrenamtliche Mitarbeiter

des Malteser Hilfsdienstes in Rumänien, die in

Altersheimen und Tageszentren tätig sind.

Regelmäßige Malteser Blutspendeaktion –

„Helfen liegt uns im Blut.“

NEUES AUS DEM BEREICH

BURGENLAND

Haus Malta Senioren-Sitz der Malteser,

1060 Wien, sucht zur Verstärkung

unseres engagierten Teams ab sofort

DGKP

(Diplomierte Gesundheitsund

Krankenpflegeperson)

PFLEGEASSISTENTIN

HEIMHILFE

Die konkreten Stellenbeschreibungen

finden Sie unter: www.hausmalta.at

bzw. www.ordenshaus.at

Rückfragen und Bewerbungen mit

vollständigen Unterlagen unter:

malteser@ordenshaus.at

Der Bereich Burgenland organisierte wieder einen

Senioren-Ausflug.

Erstmals nach dem Lockdown: Gemeinschaft erleben.

Vom Wohnheim am Semmering ging es zum gemeinsamen

Ausflug mit der über 100 Jahre alten Schmalspurbahn

durch die malerische Landschaft des Schwarzatals.

48

DIE MALTESER 4/2020


Fronleichnamsmesse im Salzburger Dom mit Erzbischof Franz Lackner und einer kurzen Prozession, natürlich

entsprechend den geltenden Coronaregeln.

FRONLEICHNAM 2020

Bischof Hermann Glettler feierte im Dom zu St. Jakob in Innsbruck

einen festlichen Gottesdienst, gefolgt von einer einfachen

Prozession zur Annasäule, wo in besonderer Weise um Segen für die

Menschen der Stadt und des Landes gebetet wurde. Gemeinsam mit

einer kleinen Abordnung der Ritter vom Deutschen Orden nahm

auch eine kleine Abordnung der Delegation Tirol-Vorarlberg des

Malteserordens an der Heiligen Messe und der Prozession teil.

Steiermark – 60 Tage nach Ostern wird das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ gefeiert.

Nach vielen Wochen, natürlich mit Mundschutz und ausreichend Abstand, kann zu Fronleichnam wieder mit den

Betreuten und gemeinsam mit den Ordensschwestern der Elisabethinen und dem Malteser-Bereichsseelsorger

Bernhard Körner die Heilige Messe gefeiert werden.

DIE MALTESER 4/2020 49


MALTESERWELTWEIT

EXPLOSION IM LIBANON: MALTESER IM

Als am Abend des 4. August zwei aufeinanderfolgende Explosionen den Hafen Beiruts erschütterten, waren Wadiha

Butros Jeries und ihr Mann Rizik Shendi gerade in ihrer kleinen Wohnung in der Altstadt. „Es war schrecklich. Alle

Fenster zersprangen, das Glas fiel auf uns und wir wurden verletzt. Ich wusste nicht, wie mir geschah. Mein Mann

begann zu weinen und wir waren völlig verzweifelt“, berichtet die 84-jährige Wadiha Butros Jeries. Allein kümmert

sich die Rentnerin um ihren 80-jährigen Mann, der an Alzheimer und Diabetes erkrankt ist. In der mobilen Gesundheitseinrichtung,

die kurz nach der Explosion ganz in der Nähe von Wadiha Butros Jeries’ Zuhause aufgestellt wurde,

bekam sie nach der Katastrophe Hilfe von den MALTESERN.

Von Katharina Kiecol

Mit Unterstützung von Malteser International versorgten

Ärzte, Krankenpfleger und Sozialarbeiter der libanesischen

Assoziation des Malteserordens Verletzte nach

der Explosion. Bei dem Unglück kamen 190 Menschen

ums Leben, rund 6.500 Menschen wurden verletzt,

fast 300.000 obdachlos. Zwei Stadtteile wurden quasi

komplett zerstört. Auch drei große Krankenhäuser und

zahlreiche Gesundheitseinrichtungen wurden so schwer

beschädigt, dass ihr Betrieb eingestellt werden musste.

„Normalerweise stehen unsere drei mobilen Gesundheitseinrichtungen,

die wir mit Unterstützung von

Malteser International betreiben, in der Bekaa-Ebene,

im Nord- und im Südlibanon nahe der syrischen Grenze.

Gleich nach den Explosionen haben wir die mobilen

Kliniken für die ersten Tage nach der Katastrophe in einem

Rotationsprinzip in die Stadt bringen lassen, um die

Menschen hier zu versorgen. Der Bedarf an medizinischer

Hilfe, Medikamenten, aber auch psychologischer

Betreuung war riesig. Und ist es immer noch. Viele Menschen

sind nach dieser Katastrophe traumatisiert“, sagt

Rindala Bou Harb, Projektleiterin der mobilen Kliniken

vom libanesischen Malteserorden.

So hilft Malteser International nach der Explosion im Libanon:

Malteser International …

• saniert fünf stark beschädigte Gesundheitseinrichtungen und stattet sie mit Medikamenten und Verbrauchsmaterial aus.

• unterstützt alte Menschen und Menschen mit Behinderungen bei der Instandsetzung und Renovierung ihrer

Wohnungen und stellt ihnen Haushaltsartikel bereit.

• verteilt 500 Hygienesets mit Desinfektionsmitteln, wiederverwendbaren Masken und Seife.

• leistet psychosoziale Unterstützung.

• rehabilitiert die Gesundheitseinrichtung Ain Remmeneh in Beirut und baut die Behandlungskapazitäten aus,

inklusive dem Aufbau einer Zentralapotheke und eines pharmazeutischen Warenlagers im Gebäude.

• führt Aktivitäten zur längerfristigen Ernährungssicherung für die betroffene Bevölkerung in Beirut und Umgebung

durch (Unterstützung von landwirtschaftlichen Produktionsgemeinschaften).

50

DIE MALTESER 4/2020


MALTESERWELTWEIT

RADFAHREN FÜR DEN

LIBANON

EINSATZ

In den ersten Tagen nach der Katastrophe halfen

außerdem rund 200 Freiwillige der libanesischen

Malteser dabei, Wohnungen aufzuräumen,

Schutt von den Straßen zu fegen und

Lebensmittel an Bedürftige zu verteilen.

Ein Charity-Projekt zugunsten der MALTESER im Libanon feiert

sein fünfjähriges Bestehen: Bei „Lebanon on Wheels“ touren seit

2015 radbegeisterte Menschen durch Europa und sammeln Spenden

für behinderte Menschen im Libanon.

Von Udo Thianich-Schwamberger

Bereits vor den Explosionen war die Situation

im Libanon angespannt. Der Zedernstaat befindet

sich in einer schweren Wirtschaftskrise

und gehört weltweit zu den am stärksten verschuldeten

Staaten. Fast die Hälfte der Bevölkerung

lebt in Armut. Offiziellen Angaben zufolge

liegt die Arbeitslosigkeit bei 35 Prozent.

Durch die Coronapandemie hat sich die wirtschaftliche

Situation weiter verschlechtert.

Wadiha Butros Jeries wird nach ihrem Besuch

in der Klinik von zwei Sozialarbeitern der libanesischen

Malteser nach Hause begleitet. Die

ältere Frau ist so aufgeregt, dass die Mitarbeiter

sichergehen wollen, dass alles in Ordnung

ist. Die Medikamente für ihren Mann, die er

dringend benötigt, bringt ein Mitarbeiter aus

der mobilen Klinik anschließend zu ihnen nach

Hause. „Vor allem alte Menschen haben es im

Augenblick sehr schwer. Die Preise für einfachste

Dinge steigen und Medikamente können

sich viele nicht mehr leisten. Wir haben

viel zu tun“, sagt Bou Harb.

Mehr zu den Aktivitäten von Malteser International

finden sie hier: www.malteser.

at/was-wir-tun/malteser-international/

Der 13. Juli 2020 war für Quentin, Eléonore und Rodolphe, drei

junge Studienabsolventen aus Belgien, die für ihr Leben gern

mit dem Fahrrad unterwegs sind, ein ganz besonderes Datum:

An diesem Tag brachen sie zu einer 5.000 Kilometer langen Radtour

auf, die sie von Budapest über Österreich nach Luxemburg

und über Rumänien zurück in die ungarische Hauptstadt führte.

Während ihrer Österreich-Passage wurden sie von Malteser

Austria mit entsprechenden Unterkünften und köstlichem Essen

versorgt.

Viel Kraft, um Leid zu lindern

Die herzliche Betreuung gab den drei Radfahrern viel Kraft, um

ihre Tour erfolgreich zu bewältigen. Schließlich hatten sie ein

ganz spezielles Ziel: Sie wollten mit ihrer Aktion möglichst viele

Menschen in Europa auf das Schicksal von körperbehinderten

Menschen im Libanon aufmerksam machen.

DIE MALTESER 4/2020 51


MALTESERWELTWEIT

Für dieses Charity-Projekt sind bereits seit 2015 mehrere

Radteams aus unterschiedlichen Ländern unterwegs.

Im Namen von „Lebanon on Wheels“ treten sie in die

Pedale und sammeln Spenden, die bedürftigen, jungen

Menschen in Pflegeeinrichtungen eine ordentliche

Ausbildung und Betreuung ermöglichen.

Mit Geldspenden gegen die Not

Dass sich die Lage im Libanon Anfang August durch

die verheerende Explosionskatastrophe im Hafen von

Beirut für die gesamte Bevölkerung massiv verschlechtern

würde, konnten Quentin, Eléonore und Rodolphe

beim Start ihrer Charity-Tour im Juli noch nicht ahnen.

Mittlerweile erlebt das Land eine der schwersten

Wirtschafts- und Finanzkrisen seiner Geschichte. Tausende

Menschen haben ihr Zuhause verloren und sind

schwer traumatisiert. Es mangelt an Versorgungsmöglichkeiten,

Betreuungsplätzen und Therapieeinrichtungen.

Das trifft ohnehin schon kranke und bedürftige

Menschen doppelt hart.

Mit Hilfe von Spendengeldern kann das Leid dieser

Menschen gelindert werden. Darüber hinaus sind begeisterte

Radfahrer herzlich willkommen und eingeladen,

sich „Lebanon on Wheels“ anzuschließen.

Nähere Informationen und Spendenmöglichkeit:

www.lebanononwheels.com

CORONAPANDEMIE IN KENIA

DURCHATMEN IN DER KRISE: DIE

CORONAHILFE VON MALTESER

INTERNATIONAL IN NAIROBI

Die Menschen in den Armensiedlungen der Hauptstadt Kenias arbeiten jeden Tag hart dafür, um sich und ihre Familien ernähren

und die Miete zahlen zu können. Die Coronapandemie hat alles verändert. Katharina Stögner und Anne Hensel haben mit

Martin Schömburg, Länderkoordinator in Kenia bei Malteser International, über die Situation der Menschen in Nairobi gesprochen.

Das Coronavirus hat die ganze Welt auf den Kopf

gestellt. Wie ist die Situation in Kenia?

Martin Schömburg: Trotz beachtlicher wirtschaftlicher

Erfolge in den letzten Jahren zählt Kenia noch immer

zu einem der ärmsten Länder auf der Welt. Die Covid-

19-Pandemie kam hier noch obendrauf. Besonders der

Großstadtbezirk Nairobi, in dem etwa 2,5 Millionen

Menschen in informellen Siedlungen auf einem sehr beengten

Raum leben, hat mit dem Coronavirus und seinen

Auswirkungen zu kämpfen. In den Siedlungen leben

60 Prozent der Hauptstadtbevölkerung auf sechs Prozent

der Fläche Nairobis. Diese erhöhte Bevölkerungsdichte

führt dazu, dass zum Teil fünf bis zehn Personen in einem

Raum leben und schlafen. Das muss man sich einmal

vorstellen. Sie haben nicht genügend Platz, die Belüftung

in den Unterkünften ist schlecht. Dies trägt zu dem

Risiko der Übertragung von Covid-19 in diesen Bezirken

natürlich extrem bei. Gleichzeitig haben viele Menschen

ihre Jobs verloren. Der Lockdown hat gerade die Tagelöhner

im informellen Sektor hart getroffen. Auch jetzt

haben sie noch Probleme, Arbeit zu finden, weil sich das

Vorurteil hartnäckig hält, dass das Coronavirus aus den

Armenvierteln käme. Uns erreichen täglich immer wieder

Meldungen darüber, dass selbst einfache Grundbedürfnisse

nicht mehr abgedeckt werden können. Manche

Familien können nicht einmal mehr die 25 Euro Miete für

die provisorischen Wellblechunterkünfte in den Vierteln

aufbringen.

Sie sind in Nairobi vor Ort und koordinieren die

Hilfsprojekte von Malteser International. Mit

welchen Maßnahmen helfen Sie den Menschen?

52

DIE MALTESER 4/2020


XXXX

Fotos: Malteser International

Martin Schömburg, Malteser International Länderkoordinator in Kenia, während einer Nahrungsmittelverteilung in Nairobi. Hilfe

in der Krise: 700 Haushalte aus den Armenvierteln erhalten von Malteser International genügend Nahrungsmittel für einen Monat.

Schömburg: Zunächst einmal geht es darum, den Menschen

dabei zu helfen, diese schwierige Zeit zu überstehen

und ihre Grundbedürfnisse zu decken. Dafür haben

wir 700 Haushalte ausgewählt, die besonders bedürftig

sind. Dazu zählen dann zum Beispiel Haushalte mit

zum Teil jugendlichen Alleinerziehenden, Schwangeren,

Haushalte mit vielen Kindern unter fünf Jahren, ältere

Menschen ohne eine ausreichende Versorgung oder Menschen

mit Behinderungen. Diese Haushalte versorgen wir

mit Nahrungsmittelrationen, die für einen ganzen Monat

ausreichen. Sie bestehen aus Maismehl, Reis, Bohnen,

Linsen, Öl, Salz, angereicherter Kindernahrung, Wasseraufbereitungsmitteln,

Gesichtsmasken und Seife. Dies

schafft für die Familien und Menschen eine Verschnaufpause,

in der sie sich keine Gedanken machen müssen,

ob sie die nächste Mahlzeit für ihre Kinder bereitstellen

können, sondern in der sie Zeit zum Durchatmen bekommen

und so Kraft schöpfen.

Wie können die Menschen in Österreich diese Menschen

unterstützen?

Schömburg: Schon eine Spende von 25 Euro kann in den

Armensiedlungen Nairobis viel bewirken. Mit solch einer

Spende helfen Sie Malteser International im Kampf gegen

die Pandemie und ihre Auswirkungen in Kenia.

Spenden Sie online:

www.malteser-international.org/de.html

MALTESER-Spendenkonto

IBAN: AT65 2011 1800 8087 0800 | BIC: GIBAATWWXXX

Verwendungszweck: Malteser International – Hilfe für Kenia

INDIVIDUELLE PFLEGE

UND BETREUUNG

IM EIGENEN ZUHAUSE

MALTESER Care ist seit vielen Jahren als kompetenter

Partner für Familien in ganz Österreich tätig. Wir

bieten bestmögliche Pflege- und Betreuungsleistungen

zu Hause an. Unsere diplomierten Gesundheits- und

Krankenpflegepersonen beraten Sie gerne.

Details zu unseren Leistungen unter

+43 1 361 97 88 • office@malteser.care

www.malteser.care

DIE MALTESER 4/2020 53


MEDIZINAKTUELL

COVID-19 AUF DER TESTSTRECKE

Was genau untersucht ein PCR-Test? Was stellt ein Antikörpertest fest? Reicht ein Selbsttest? Wir versuchen auf Basis des

wissenschaftlichen Stands von Oktober 2020 etwas Licht ins „Corona-Dickicht“ zu bringen.

Von Elisabeth Eder, Manuel Weinberger und Udo Thianich-Schwamberger

Sämtliche Disziplinen der Wissenschaft forschen seit

Monaten auf Hochtouren, um die Coronakrise in den Griff

zu bekommen. Mittlerweile weiß man einiges mehr über

das neuartige Coronavirus, bis es zugelassene Impfstoffe

gibt, wird es noch dauern. Es sind allerdings einige Coronatests

auf dem Markt, anhand derer man feststellen kann,

ob man am Virus erkrankt ist oder nicht beziehungsweise

ob man bereits Antikörper gebildet hat.

PCR-Test zum Nachweis einer aktuellen Infektion

Die Abkürzung PCR steht für „Polymerasekettenreaktion“.

Der Test erkennt das Virus oder Teile davon und dient dem

Nachweis einer aktuellen Covid-19-Infektion. Er beurteilt

den Ist-Zustand, kann also innerhalb weniger Tage unterschiedliche

Ergebnisse bringen. Für PCR-Tests werden

in der Regel Proben mittels Nasen- oder Rachenabstrich

entnommen. Der Test ist etwas unangenehm und es kann

zu kleinen Blutungen kommen, die sich aber rasch wieder

verschließen – ähnlich wie Zahnfleischblutungen beim

Zähneputzen.

Mittlerweile gibt es auch Varianten mit Gurgel- oder

Speicheltest. Dabei muss mit einer Kochsalzlösung zwei

Minuten lang hoch und tief im Rachenraum gegurgelt

werden, um aus dem Rachenraum genügend Probemengen

zu lösen. In diesem Fall ist es auch möglich, das Testkit

mitzunehmen und die Probengewinnung durch Gurgeln

zu Hause vorzunehmen, die Auswertung erfolgt jedoch

immer in einem zertifizierten Labor.

Auswertung in speziellen Labors

Bei den derzeit üblichen PCR-Testverfahren werden die

genetischen Informationen des Virus aus geringen Probenmengen

in mehreren Zyklen vervielfältigt. Die Vervielfältigung

ist der Grund, warum es länger dauert als bei

Standarduntersuchungen, bis die Laborergebnisse vorhanden

sind. Die hochempfindlichen Tests werden in speziellen

Labors durchgeführt.

PCR-Tests in der Frühphase der Covid-19-Erkrankung

können – abhängig von der Qualität der Probe – mit

hoher Genauigkeit das Virus nachweisen. Ein positives

Testergebnis bedeutet, dass eine Ansteckung mit SARS-

CoV-2 erfolgt ist. Im Gegensatz zu anderen Testmethoden

können mittels PCR-Test auch erkrankte Personen ohne

jegliche Symptome identifiziert werden. Der Labornach-

54

DIE MALTESER 4/2020


MEDIZINAKTUELL

weis des PCR-Tests dauert etwa vier bis fünf Stunden, der

gesamte Prozess rund ein bis zwei Tage.

Schneller, aber weniger verlässlicher Antigen-Test

Auch beim Antigen-Test wird ein Nasen- oder Rachenabstrich

gemacht, er liefert den Nachweis von viralem Eiweis.

Die entnommene Probe wird allerdings nicht im Labor vervielfältigt,

sondern direkt auf eine sogenannte Testkassette

aufgetragen, die das Ergebnis binnen 15 bis 30 Minuten

anzeigt. Damit liefert der Antigen-Test im Vergleich zum

gängigen PCR-Test schnellere Klarheit. Einen Nachteil hat

er allerdings auch: Die Verlässlichkeit der Testergebnisse

reicht aktuell (Stand: Oktober 2020) noch nicht an den

klassischen PCR-Test heran, der nach wie vor der „Gold-

Standard“ der Testmethoden bleibt.

Antikörper-Tests zum Nachweis einer durchgemachten

Infektion

Antikörpertests überprüfen das Vorhandensein von Antikörpern

gegen ein Virus im Blut. Sie sind somit nicht dazu

geeignet, eine akute Infektion nachzuweisen. Sie können

einen Hinweis liefern, ob die Infektion schon durchgemacht

wurde. Ein positives Testergebnis bedeutet, dass der

Körper bereits Antikörper, also Abwehrstoffe, zum Schutz

vor dem Virus gebildet hat. Da Antikörper erst im weiteren

Infektionsverlauf gebildet werden, können sie frühestens

zwölf bis 14 Tage nach einer Infektion nachgewiesen werden.

Daher sind diese Tests für die Frühdiagnostik nicht geeignet.

Sie liefern aber Hinweise auf die Durchseuchung der

Bevölkerung sowie Verbreitung von „stillen“ Infektionen.

Bei den Antikörpertests gibt es grundsätzlich zwei Methoden:

Entweder erfolgt eine Blutabnahme durch geschultes

Gesundheitspersonal und die Durchführung des Tests auf

speziellen „ELISA“-Testsystemen in einem Labor, oder es

wird selbst ein Schnelltest vorgenommen. Dabei wird im

Selbsttest ein Bluttropfen aus der Fingerkuppe entnommen.

Die Herausforderung bei Antikörpertests liegt darin, dass

der Test genau die zu SARSs-CoV-2 spezifischen Antikörper

im Blut finden muss. Manche Tests können auch

andere Antikörper ähnlicher humaner Coronaviren, wie

SARS-CoV-1 oder MERS-CoV, anstelle von SARS-CoV-2

anzeigen und somit ein falsches Ergebnis liefern.

Nicht ohne ärztliche Befundung!

Die Ergebnisse von Antikörpertests, vor allem Selbsttests,

sollten unbedingt mit einer Ärztin oder einem Arzt

besprochen werden, da für die richtige Interpretation

medizinisches Fachwissen erforderlich ist. Darüber hinaus

ist das Vorhandensein von Antikörpern kein garantierter

Schutz vor einer erneuten Ansteckung, wie bereits mehrere

Fälle von mehrfach hintereinander mit Covid-19 erkrankten

Personen gezeigt haben.

Außerdem scheint es, dass der Antikörpertest auch bei

einem erheblichen Anteil der eindeutig positiv getesteten

Covid-Erkrankten negativ ausfällt. Das ist möglicherweise

ein Hinweis dafür, dass es längerfristig zu einem Verschwinden

der im Zuge einer Infektion gebildeten Antikörper

kommen könnte.

Fehler beim Testen

Die Hauptfehlerquellen sind menschliche Fehler bei der

Testentnahme. Wenn der Abstrich nicht tief genug im

Rachen vorgenommen wird, nicht lange und gründlich

genug gegurgelt wird, wird auch nicht ausreichend benötigtes

Probematerial entnommen. Nicht ordnungsgemäße

Lagerung oder unsachgemäßer Transport kann ebenfalls

zu falschen Testergebnissen beitragen.

Wichtig zu betonen ist darüber hinaus, dass insbesondere

die PCR-Tests nur eine Momentaufnahme des aktuellen

Zustandes wiedergeben. Ein negativer Test bedeutet nur,

dass man zum Testzeitpunkt noch nicht an Covid-19 erkrankt

ist. Sehr wohl kann man die Krankheit aber schon

in sich tragen oder sich kurz nach dem Test anstecken. Aus

diesem Grund befreit ein negativer Test nicht von einer

durch die Gesundheitsbehörden verhängten Quarantäne.

DIE MALTESER 4/2020 55


MEDIZINAKTUELL

TAGEBUCH

QUO VADIS HAUSARZT?

Nicht erst seit der Coronapandemie ist es deutlich spürbar: Es gibt immer weniger niedergelassene Hausärzte.

Die Ansiedlung von Gemeinschaftspraxen in Ballungsräumen und die Einrichtung von Primärversorgungszentren

ist zwar eine interessante Idee, für nicht mobile oder ältere Menschen im ländlichen Bereich jedoch

eine Herausforderung.

Von Otto Pjeta*

Corona hat den Ärztemangel in ländlichen Regionen sowie

die zunehmenden Strukturmängel der ambulanten

ärztlichen Versorgung in bestimmten Gebieten besonders

deutlich werden lassen. So zählten etwa niedergelassene

Hausärzte nicht gerade zu den Erstgereihten in der Verteilungskette

der Coronaschutzausrüstung. Hausärzte, die für

ihre Patienten einen PCR-Test für notwendig erachteten,

wurden am „Coronatelefon“ – salopp formuliert – „abgewimmelt“.

Gerade während der ersten Wochen der Pandemie

wurde Menschen geraten, Ordinationen nur im Notfall

aufzusuchen und nicht unbedingt erforderliche Untersuchungen

zu verschieben. Hilfreiche Auskünfte über das Ergebnis

von Coronatests an den Hausarzt unterblieben.

Wie viele chronisch Kranke konnten aufgrund dieser

Umstände nicht behandelt werden? Wie viele Hausärzte

wurden aufgrund der Nicht-Weitergabe von Testergebnissen

ihrer Patienten einer Gesundheitsgefährdung

durch Covid-19 ausgesetzt?

Hausarztpraxis? Geschlossen

Viele Jahrzehnte hindurch war die ärztliche Betreuung

vor Ort die Aufgabe von „Praktischen Ärzten“. Das hat

sich drastisch verändert. Hausarztpraxen wurden und

werden in großer Zahl aufgrund von Pensionierungen

geschlossen und nicht nachbesetzt. Unattraktive Bezahlung

lässt den Nachwuchs lieber in Krankenhäuser oder

ins Ausland gehen.

Bis vor zehn Jahren wurde der absehbare Ärztemangel

noch als bloßes Verteilungsproblem abgetan, wurden die

Pensionierungszahlen weitgehend ignoriert und das Honorarsystem

im Vergleich zum benachbarten Ausland nur

marginal verbessert. Von Experten entwickelte Modelle

von Gruppenpraxen im Gewerbepark mit Supermarkt

und Nahversorgern und die Einrichtung von Primärversorgungszentren

klangen zunächst vielversprechend.

Mittlerweile zeigt sich, dass diese Versorgung noch nicht

wie erwartet funktioniert und die Einzel- und Gruppenpraxen

mangels Bewerber für einen Kassenvertrag die

Versorgung von Patienten in Zukunft nicht vollständig

erfüllen können.

Wenig Interesse an Primärversorgungszentren

Von den bis 2021 angekündigten 76 Primärversorgungszentren

gibt es, wenn man den Zahlen der Sozialversicherung

Glauben schenken darf, derzeit nur 22. In den

Bundesländern Salzburg, Kärnten und Tirol gibt es zwar

Kandidaten, aber keine Zentren, in Vorarlberg gibt es

nicht einmal Interessenten.

Wen wundert’s? Es besteht eine Unmenge von Vorschriften

und Verpflichtungen für Ärzte in solchen Einrichtungen:

Da ist die Rede von einer Behandlung möglichst

am Tag der Anmeldung und immer vom selben Arzt

die Rede, einer gesonderten Stillberatung auf Verlangen

der Sozialversicherung, einer wirklichkeitsfremden

Diagnose codierung, einer verpflichtenden Übernahme

von Aufgaben des Gesundheitswesens und detaillierten

Aufgabenprofilen im Anhang, in dem eine lange Liste

von Versorgungsaufträgen angeführt wird. Wer immer

sich diesen Vertrag durchgelesen hat, interessiert sich

56

DIE MALTESER 4/2020


Interdisziplinäres Symposion

anlässlich des 60. Geburtstags von

Rektor Geistlicher Rat P. Dr. Franjo Vidović

TAGEBUCH

anschließend – menschlich sehr verständlich

– eher für eine Stelle im Krankenhaus

oder im Ausland, als Partner

in einer Primärversorgungseinheit zu

werden.

Weniger Kassen, viel mehr Privat

Gleichzeitig ist eine rasante Zunahme von Wahlarztpraxen

und Privatpatienten zu beobachten. Während meiner

jahrzehntelangen Tätigkeit als Landarzt mit Kassenverträgen

war ich immer froh, bei einer Behandlung jemandem

ohne Ansehen und Rücksicht auf

seine finanzielle Situation helfen zu

können. Jetzt verliert die Kassenmedizin,

die ein wichtiger Teil des „sozialen

Gesichts“ unserer Gesellschaft ist, laufend an Bedeutung,

verkommt zu einer Basisversicherung für die, die sich

nichts Besseres leisten können. Zuwendung, Zeitressourcen

und eine Medizin ohne Durchschnittslimitierung

sind bei reduziertem Kassenangebot durch Ärztemangel

offenbar der Privatmedizin vorbehalten. Das ist für viele

Menschen, vor allem auch ältere, nicht leistbar.

* Der Autor ist seit 1978 Landarzt in Steinerkirchen a.d. Traun.

GLÜCKWÜNSCHE ZUM GEBURTSTAG

11. und 12. September 2020

Schloss Tanzenberg / Kärnten

HABITUS UND

HALTUNG

Habitus und Haltung

Was haben der Habitus, jener Begriff, den die Soziologie populär

gemacht hat und der das gesamte Auftreten eines Menschen,

aber auch seine halbbewusste Wertewelt umfasst, und

die Haltung, die sich auf Orthopädie wie Moral gleichermaßen

beziehen kann, gemeinsam und was trennt sie?

Diesen Fragen gingen Vertreter verschiedener Disziplinen

im Rahmen des interdisziplinären Symposions anlässlich

des 60. Geburtstags von Pater Franjo Vidovic, seines

Zeichens Rektor des Marianums Tanzenberg, Geistlicher

Rat der Diözese Gurk-Klagenfurt und Magistralkaplan

des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens nach. Der bunte

Strauß der Vorträge enthielt Skizzen zur tragischen

Haltung in der griechischen Tragödie, Überlegungen und

Erfahrungen aus der Welt der Wirtschaft, soziologisch

Grundlegendes, eine himmlische Speisekarte aus dem

Neuen Testament und Stilfragen aus der Fundamentaltheologie.

Auch kritische Aspekte zur besonderen Spannung

zwischen Habit und Haltung im geistlichen Stand

kamen zur Sprache, sei es für den Kleriker oder geistliche

Frauen oder besondere Aspekte des Kärntner Habitus in

seinem Verhältnis zur katholischen Kirche.

Das Symposion wurde würdig eingeleitet durch Grußworte

aus der Pfarre des Jubilars, der Katholisch-Pädagogischen

Hochschule, deren Institut in Kärnten er leitet,

durch den Leiter des Schulamtes, den Kanzler des

Souveränen Malteser-Ritter-Ordens sowie den hochwürdigsten

Herrn Diözesanbischof.

Habitus und Haltung, so wurde durch die unterschiedlichen

Beiträge deutlich, sind schillernde Begriffe, die je

nach Fachdisziplin unterschiedliche Bedeutungsnuancen

haben und gerade dadurch das Feld für einen lebhaften

Diskurs eröffnen, wie ihn der so Gefeierte, Franjo

Vidovic, gerne und seit vielen Jahren in seinen verschiedenen

Lebensumfeldern pflegt.

Theresia Heimerl

Studiendekanin, Institut für Religionswissenschaft

Kath.-Theol. Fakultät der Universität Graz

DIE MALTESER 4/2020 57


TAGEBUCH

GEMEINSCHAFT LEBEN

Für viele MALTESER und Unterstützer das erste Konzert nach der „Coronapause“: Es brachte neben musikalischem

Hochgenuss großzügige Spendengelder für die Errichtung des neuen Ordenshauses.

Von Katharina Stögner

Lange war ungewiss, ob es denn nun wirklich stattfinden

kann. Aber Hemma Korinek, Initiatorin und Organisatorin

des Projekts, ließ sich nicht entmutigen. Sie glaubte

trotz schwierigster Umstände an den Erfolg ihrer Idee.

Die Rede ist von einem Benefizkonzert zugunsten des

neuen Ordenshauses der Malteser – selbstverständlich

unter Einhaltung aller erforderlichen Coronasicherheitsauflagen.

Das Event fand Mitte September unter dem Titel „Gemeinschaft

leben“ im Brahms-Saal des Wiener Musikvereins

statt und versammelte neben dem Flötisten Temo

Kharshiladze und der Pianistin Ketevan Sepashvili als

Moderatorin Ursula Magnes, Musikchefin von radio klassik

Stephansdom, auf der Bühne.

Ein starkes Zeichen würdevollen Miteinanders

Das Konzert war nicht nur ein musikalischer Hochge-

nuss, sondern auch ein deutlich sicht- und hörbares Zeichen

von Gemeinschaft, Zusammenhalt und Solidarität.

Die Gemeinsamkeit an diesem Abend verkörperte, was

zentrales Thema im neuen Ordenshaus ist: würdevolles

Miteinander, in einem christlichen Umfeld, bei Bedarf

unterstützt von professioneller Pflege. Der Reinerlös aus

dem Benefizabend kommt der Errichtung des Malteser

Ordenshauses zugute.

Unser herzlicher Dank geht an den Musikverein, das

Blumenhaus am Dom, den Klavierhersteller Fazioli und

viele andere Sponsoren und Unterstützer sowie an alle

Gäste, die diesen Abend möglich gemacht haben. Danke

auch an all jene, die „Babyelefanten-Tickets“ gekauft

haben. Aus Sicherheitsgründen mussten im Konzertsaal

Plätze freigelassen werden. Diese Leerplätze konnten

als Abstandskarten gekauft und gespendet werden.

Vergelt’s Gott.

58

DIE MALTESER 4/2020


RUNDSCHAU

DIE KÄRNTNER AUF JAHRESWALLFAHRT

Dieses Jahr lud der Kärntner Delegat und Rezeptor des Malteserordens, Ulrich Glaunach Kazenstain, zur traditionellen

Jahreswallfahrt nach Sommereben in die Weststeiermark ein.

Von Marie Czernin

Das Gebiet rund um Ligist sollte keinem Malteser fremd

sein. Immerhin steht dort ein Waldrevier von rund

900 Hektar Fläche im Eigentum des Malteserordens.

Insgesamt umfasst der Waldbetrieb Ligist mit den Revieren

Fürstenfeld, Sommereben, Hebalm und Stubalm

ein Gebiet von 3.500 Hektar. Das Revier wird von Oberforstmeister

Clemens Spörk nach dem Prinzip der ökologischen

Nachhaltigkeit mit viel Sorgfalt gepflegt und bewirtschaftet.

Auf diese Weise soll gewährleistet werden,

dass die Malteser Waldbetriebe auch zukünftig als materielle

Basis für die karitativen Werke und Einrichtungen

des Ordens dienen.

„Nicht mit der Holzhammer-Methode“

Oberforstmeister Spörk führte die aus Kärnten angereisten

Malteser-Pilger durch den Wald von Sommereben

und erklärte das Konzept einer multifunktionellen Waldwirtschaft,

die auf eine natürliche Verjüngung der Baumkulturen

setzt und auf diese Weise eine Verbesserung der

Waldsubstanz ermöglicht: „Unsere Aufgabe ist es, die Natur

zu lenken, den Wald zu beobachten, ob ein Eingriff

funktioniert oder nicht. Aber wir greifen nicht mit der

Holzhammer-Methode in die Natur ein.“

Spörk sprach von der „Resilienz des Waldes“ – ein Begriff,

der aus der neueren Soziologie stammt und die Fähigkeit

von Gesellschaften bezeichnet, externe Störungen zu verkraften.

So sei auch im Waldökosystem von Resilienz die

Rede, wenn man nach einem großen Sturm oder Schneebruch

beobachten kann, wie schnell nach einer solchen

Störung der Wald seine Funktionen wieder erfüllen kann.

Resilienz gegenüber Störungen im Alltag

Bekanntlich kann auch das Pilgern und Wallfahren zu

einer größeren Resilienz gegenüber unvorhergesehenen

„Störungen“ im Alltag beitragen. So führte der Kärntner

Malteser-Seelsorger Monsignore Emmanuel Longin-

Möderndorf in die spirituelle Dimension der Resilienz

ein, indem er den Wallfahrern auf vier Stationen einige

Pilger-Weisheiten mitgab.

Bei der ersten Station ging es um das „Aufbrechen“.

Bei der zweiten Station betrachteten die Wallfahrer das

„Unterwegssein“. Weiter ging es durch den Wald bis zur

dritten Station, wo es um das „Ankommen“ in Jerusalem

als Sehnsucht und Ziel der Wallfahrt ging. Von dieser

Station aus konnten die Pilger schon einen Blick auf

das „himmlische Jerusalem“ – die kleine Waldkapelle –

werfen, wo schließlich die heilige Messe gefeiert wurde.

Zuvor blieben die Pilger noch einmal vor der Kapelle

stehen. Monsignore Longin-Möderndorf sprach bei der

vierten und letzten Station vom „Neuaufbruch“ und zitierte

die Emmaus-Jünger, die dem Herrn auf dem Weg

nach Emmaus begegnen und ausrufen: „Herr, bleibe bei

uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich

geneigt.“ (Lukas 24,29)

DIE MALTESER 4/2020 59


GELESENEMPFOHLEN

„Von diesem Moment

an war nichts mehr, wie es war“ schreibt

Annunziata Hoensbroech. Wenn man als Angehöriger

aus heiterem Himmel vom Schicksal getroffen wird, gibt

es kein Erwachen aus dem Albtraum. Man ist nicht im

falschen Film, es ist der Film, den das Leben einem zumutet.

Nichts ist berechenbar. Wie man solch eine existenzielle

Krise bewältigt, wie man Mut und Hoffnung

bewahrt, widerständig bleibt und seinen Humor behält,

darüber gibt dieses Buch einer couragierten Mutter Auskunft.

Aber es zeigt auch, was man zeitig tun muss, damit

man nicht völlig hilflos dem Schicksal ausgeliefert ist.

Im besten Sinne widerständig bleiben

Auf 200 packenden Seiten begleitet der Leser Caspar, einen

jungen Studenten aus Barcelona, auf seinem Weg.

Mit der Autorin gemeinsam erfahren Sie von Caspars

Unfall, den verheerenden Diagnosen der Ärzte. Das rasche

Erzähltempo nimmt den Leser mit auf eine Reise

durch die Tage der Lebensgefahr, durch viele Krankenstationen

bis hin zu seiner völligen Genesung. Das Buch

zeigt Strategien und beschreibt eine innere Haltung die

auf Mut, Tatkraft und Gottvertrauen aufbaut.

Nicht kapitulieren, eigene Ressourcen erkennen und

mobilisieren, und dem Mut der eigenen Intuition zu folgen,

sind der rote Faden, der sich durch die Geschichte

von Caspars Rehabilitation hindurchzieht.

Ein Liebesbeweis der besonderen Art

Dieses Buch geht jeden etwas an. Jeder ist betroffen.

Entweder als Patient oder als Angehöriger eines Patienten.

Wenn wir nicht für uns selbst sorgen können, dann

sollte es ein uns besonders nahestehender Mensch tun

können. Dies ist nicht nur für die Älteren unter uns wich-

60

DIE MALTESER 4/2020

SCHICKSALSSCHLAG

DER WEG ZURÜCK IST KEIN

SPAZIERGANG

Mein Leben in deiner Hand. Ein Buch über Resilienz, Mut und familiären Zusammenhalt

und die entscheidende Funktion von Vorsorgevollmachten.

Von Annunziata Gräfin Hoensbroech

tig, sondern gerade auch für

unsere jungen oder erwachsenen

Kinder. Jeden kann

ein Schicksalsschlag treffen.

Dann nicht helfen zu können,

ist ein doppelt schweres

Unglück. Die Erteilung

einer Vorsorgevollmacht ist

hingegen Ausdruck höchsten

Vertrauens, ein Liebesbeweis

besonderer Art und

die beste persönliche Absicherung!

Im Anhang des Buches befinden sich Beispiel für Vorsorgevollmachten.

Bitte beachten Sie auch dazu die Homepage

der Autorin www.hoensbroech.com mit juristischen

Hintergründen.

Annunziata von Hoensbroech: „Schicksalsschlag – Der Weg zurück

ist kein Spaziergang“, 207 Seiten, ISBN 978-3-451-60082-1, 18,60

Euro, zu beziehen beim Verlag Herder www.herder.de

GRATIS,

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Liebe Leserinnen und Leser,

Die MALTESER“ ist traditionell gratis und soll es

auch bleiben. Denn es ist uns ein Anliegen, Sie über

unsere Arbeit umfassend zu informieren. Doch die

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GELESENEMPFOHLEN

IN JEDER KRISE STECKT

EINE CHANCE

Krisen zu durchleben, gehört zum Leben dazu.

Von Melanie Manner/Himmelhoch GmbH

Gerade jetzt betrifft das viele Menschen. Die Angst davor

ist weithin spürbar: die Angst vor Jobverlust, die Angst,

an den ungewohnten Herausforderungen zu scheitern.

Doch wie überwindet man ein solches Tief im eigenen

Leben?

Gregor Demblin hat mit „Wie ich lernte, Plan B zu lieben.

Resilienz für Anfänger“ ein Buch geschrieben, in dem er

sehr persönlich seinen Lebensweg schildert und dabei

zeigt, wie er die größte Krise seines Lebens gemeistert

hat. Er erzählt von der Maturareise, auf der er bei einem

Sprung ins Wasser verunglückte. Von seinem Aufwachen

in einem Krankenhaus mit Diagnose Querschnittlähmung.

Und von dem, was danach geschah.

Mit seiner Geschichte will Demblin Mut machen und

motivieren. Denn Krisen bedeuten auch eine Chance.

„Wir klammern uns an das Gewohnte. Aber irgendwann

kommt ein Punkt im Leben, wo Plan A nicht mehr funktioniert

und Plan B her muss.“

„Alles ist noch möglich“

Dreh- und Angelpunkt seiner Geschichte ist daher jener

Moment, in dem Demblin ein Jahr nach seinem Unfall

akzeptieren musste, dass sein altes Leben für immer vorbei

sein würde. „Mir wurde bewusst: Das ist keine Phase.

Der Rollstuhl wird bleiben.

Damals habe ich gesagt:

Ab jetzt mache ich nur

noch Sachen, die mir Spaß

machen. Ich will alles ausprobieren,

was noch möglich

ist. Dann habe ich gemerkt – eigentlich ist alles noch

möglich! Sogar, mithilfe eines eigenen Gerätes, das Gehen

selbst.“

Eindringlich und berührend schildert Demblin, wie es

gelingen kann, mit der Vergangenheit abzuschließen

und offen für Neues zu sein: Dass ein Leben nach einer

Krise anders, aber nicht unbedingt schlechter wird – im

Gegenteil.

Heute verfolgt der vierfache Familienvater und erfolgreiche

Social Entrepreneur mit Beharrlichkeit seine Vision

einer besseren Welt für Menschen mit Behinderung.

Sein Buch macht Hoffnung und motiviert, die eigenen

Krisen als Wendepunkt zu sehen und die Chancen zu ergreifen,

die sich einem dadurch offenbaren.

Gregor Demblin: „Wie ich lernte, Plan B zu lieben. Resilienz für

Anfänger“ story.one 2020, 80 Seiten, ISBN 978-3-903715-02-8,

14 Euro

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 1/2020

MALTESER Herzenswunsch: Ich

möchte noch ein letztes Mal …

MALTESER Care: Damit

niemand „in der Luft hängt“

Ehrenamt als Synonym

für Barmherzigkeit

© Nicusor Floroaica

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

In Memoriam: Fra’ Giacomo Dalla Torre

Weil Nähe zählt: #gemeinsamschaffenwirdas

Im Gebet verbunden trotz „Social Distancing“

Ausgabe 2/2020

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 3/2020

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Malteser Romfahrt: Wir hoffen auf 2021

Malta Tours Unlimited: Pilgertradition seit 1964

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DIE MALTESER 4/2020 61

Spenden an den Malteser Hospitaldienst sind von der Steuer absetzbar!


RUNDSCHAU

GROSSES EHRENZEICHEN

v.l.n.r. LH H. Schützenhöfer, KR M. Auer

Martin Auer wurde von Landeshauptmann Schützenhöfer mit dem Großen Ehrenzeichen des Landes Steiermark ausgezeichnet.

Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer überreichte in

der Aula der Alten Universität drei steirischen Persönlichkeiten

Große Ehrenzeichen sowie fünf Steirern Goldene Ehrenzeichen

des Landes Steiermark. Unter den Ausgezeichneten,

denen das Große Ehrenzeichen des Landes Steiermark verliehen

wurde, war unter anderem der Grazer Bäckerpionier

Martin Auer, der für seine Innovationen und seine Verdienste

um das Bäckereiwesen geehrt wurde.

erweisen und einen großen Dank aussprechen. Wir, das

ganze Land, sind stolz auf sie, da sie sich selbst und ihr

Wirken in den Dienst der Sache gestellt haben. Mein besonderer

Dank gilt auch ihren Familienangehörigen, ihren

Freundinnen und Freunden und nicht zuletzt auch

ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ohne die Unterstützung

dieser Menschen sind Leistung und Erfolg

nur schwer möglich.“

Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer selbst würdigte

die besonderen Leistungen der Ausgezeichneten:

„In der Geschichte unserer Heimat hat es immer wieder

Menschen gegeben, die sich durch ihre Verdienste um

das Gemeinwohl besonders hervorgetan haben. Acht

verdienten Persönlichkeiten wollen wir heute Achtung

Dem Delegaten des Souveränen Malteser-Ritter-

Ordens, Delegation Steiermark, Martin Auer, der sich

nicht nur beruflich, sondern auch im Malteserorden und

im Malteser Hospitaldienst ehrenamtlich unermüdlich

engagiert, einen herzlichen Glückwunsch zu dieser

Auszeichnung.

+ 02. 07. 2020

Johanna Paradeiser

(geb. Baronin Zeßner-Spitzenberg)

Langjähriges Mitglied im MHDA, Bereich Wien

WIR TRAUERN UM


62

+ 22. 07. 2020

Emanuel Graf von Mensdorff-Pouilly

Ehren- und Devotionsritter des Souveränen

Malteser-Ritter-Ordens

+ 31.08. 2020

Stadtrat a. D. KR Mag. Peter Moser

Träger des Kommandeurskreuzes des

Verdienstordens „Pro Merito Melitensi“

+ 04.09. 2020

Michael Tauscher

Langjähriger Betreuter

DIE MALTESER 4/2020

R.I.P.

+ 29.09. 2020

DKFM. Mag. Christine Hohenberg

Mitglied im MHDA, Bereich Salzburg

+ 07.11. 2020

S. E. Botschafter Maximilian Turnauer

Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies

Gratial- und Devotions-Großkreuz-Ritter mit Schulterband

Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens mit dem

Stern für Verdienste um die Republik Österreich

uns des Großkreuzes des Verdienstordens „Pro Merito

Melitensi“ u. a. weiterer nationaler und internationaler

Auszeichnungen


ÜBERBLICK

Termine 2020/2021

Aufgrund der sich laufend ändernden gesetzlichen Bestimmungen rund um Covid-19 werden die Termine

und die Gestaltung einiger traditioneller Aktivitäten wie beispielsweise der MALTESER Punschstand

oder der Kekserlmarkt der MALTESER Kinderhilfe, erst kurzfristig bekannt gegeben.

Bitte entnehmen Sie alle aktuellen Informationen, Termine und Aktivitäten unseren Webseiten:

www.malteserorden.at/veranstaltungen/kalender

www.malteser.at/kalender-monatslistenansicht/

APRIL 2021

29.4.-3.5. Lourdes-Wallfahrt (geplant)

SMOM/MHDA

MAI 2021

7.5.-20.6. Ausstellung

Turiner Grabtuch Linz

SMOM

28. Lange Nacht der Kirchen SMOM

JULI 2021

31. Salzburger Benefizball SMOM

31.7.-7.8. Internationales Sommerlager

(IMS Rom)

SMOM/MHDA

OKTOBER 2021

23.-30. Wallfahrt nach Rom MHDA

JUNI 2021

25. 50-Jahr-Jubiläum Tirol 2021

SMOM/MHDA

26. Aufnahme Tirol 2021

Wiederkehrende Termine

Malteserkirche, Kärntner Straße 37, Wien

„Montag bei den Maltesern“ Heilige Messe, Predigt, Musik, Stille im Zentrum der Stadt, 12 Uhr

Heilige Messe mit Orgelmusik und Predigt Jeden ersten Sonntag im Monat, 10.00 Uhr

Feierliche Vesper mit Eucharistischem Segen Jeden Sonntag, 16 Uhr

KONTAKT

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Großpriorat von Österreich

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

E: smom@malteser.at

I: www.malteserorden.at

MALTESER Austria

Bundeszentrale

Mag. Manuel Weinberger

T: +43 1 512 53 95

E: zentrale@malteser.at

I: www.malteser.at

Malteser International

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

E: smom@malteser.at

I: www.malteser-international.org

MALTESER Care

Helmut Lutz

T: +43 1 361 97 88 Fax 50

Kostenlose Pflegehotline: 0800 201 800

(Mo–So 8.00–20.00 Uhr)

E: office@mcr.or.at

I: www.malteser.care

MALTESER Kinderhilfe

Olivier Loudon, Mag. Petra Hellmich, MA

T: +43 7472 98201

E: office@malteser-kinderhilfe.at

I: www.malteser-kinderhilfe.at

Haus Malta

Dir. Mag. (FH) Thomas Kissich

T: +43 1 597 59 91

E: hausmalta@malteser.at

I: www.hausmalta.at

Johannesgemeinschaft

Priv.-Doz. Dr. Johannes Holfeld

T: +43 1 512 72 44

E: info@jg-online.at

I: www.jg-online.at

DIE MALTESER 4/2020 63


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Mo. – Do. 8 – 17, Fr. 8 – 14 Uhr

„Ein herzliches Vergelt’s Gott für

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