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MK 11/20

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ZKZ 4937

11 I 2020

MAGAZIN FÜR DAS MÖBEL-BUSINESS

Her mit

der Ware!

5 Tipps: Wie Lieferketten auch

im Nachfrageboom funktionieren

Foto: VME

Stellschrauben

für die Zukunft

So macht der Einrichtungspartnerring

VME seine Mitglieder stark

DIENSTLEISTER

LOGISTIK, IT-

SECURITY, CGI

Leicht: 90 Mio. Euro investiert

Dallmaier: Rundum erneuert

Hausmesse Süd: Frische Ware

Garant: Mittelstand reagiert flexibel

AMK: Küche als Anker in Krisenzeiten

Germania: Fokus auf globale Exzellenz


TOP-THEMA/RESTART

Balanceakt:

Supply Chain zwischen

Effizienz und Flexibilität

Nur die wenigsten in der Branche haben im Corona-Jahr damit gerechnet, dass es in

diesem Herbst massive Lieferprobleme geben könnte. Besonders die Möbelindustrie muss

ihre Lieferketten strategisch neu ausloten. Welche Fragestellungen dabei jetzt wichtig

sind, stellt Oliver Rörig, Partner von Dr. Wieselhuber & Partner, in seinem Beitrag heraus.

FLEXIBILITÄT

WERTSCHÖPFUNGSSTRUKTUR

LIEFERANTEN

STANDORTE

22 möbel kultur 11/2020


Die Corona-

Pandemie bringt

Missstände in den

Unternehmen in

der Supply Chain

schneller ans Licht.

Besonders bei den

Lieferketten bedeutet

dies für viele

ein Drahtseilakt

zwischen Effizienz

und Flexibilität.

Die Covid-19 Pandemie führt

zu ganz neuen Herausforderungen

in der Möbelindustrie.

Vielerorts kommt es in der Branche

derzeit zu massiven Lieferengpässen

bei essenziellen Vormaterialien.

So der einhellige Tenor auf den

vergangenen Herbstmessen. Durch

die gesteigerte Nachfrage nach Spanplatten,

Schäumen, Stoffen, Federkernen

und Elektrogeräten, sind diese

teilweise nur schwer zu bekommen.

Mit der Konsequenz, dass sich Lieferzeiten

signifikant verlängert haben.

Die Produktion kommt ins Stocken.

Die Preise steigen.

Schon die von „möbel kultur“

und W&P durchgeführte Umfrage

„Restart Möbelwirtschaft“, die im

Juni/Juli in Industrie und Handel

(„möbel kultur“ 9/2020, S. 24)

durchgeführt wurde, ergab: Im

Hinblick auf die bis zum Sommer

gemachten Corona-Erfahrungen

hatten und haben 94 Prozent der

Händler und 60 Prozent der Hersteller

Engpässe in den Lieferketten

zu beklagen. Doch die Situation hat

sich dramatisch verschärft.

Die Gründe hierfür sind vielfältig.

Nach dem Lockdown im Frühjahr

ist der Bedarf an Möbeln durch

Corona und die damit verbundene

„neue Häuslichkeit“ enorm gestiegen.

Es kommt zu einem regelrechten

Boom – insbesondere die Bereiche

Küche, Wohnen, Schlafen und

Polstermöbel verzeichnen einen

signifikanten Anstieg des Volumens.

Die Folge: eine Unterversorgung

von Rohstoffen. Lieferketten werden

unterbrochen, Sicherheitsbestände

aufgebaut, sodass der Markt

zusätzlich verknappt wird. Oligopolistisch

strukturierte Zuliefermärkte

nutzen zudem die Versorgungsprobleme,

um mit ihrer Marktmacht

Preissteigerungen durchzusetzen.

Covid-19 hat als disruptives

Ereignis die Schwächen klassischer

Lieferketten „entlarvt“: Ein signifikanter

Nachholbedarf in Bezug

aus Robustheit, Resilienz und Agilität

der Lieferketten wird offenbar.

Aus Kostengründen wurden globale

Abhängigkeiten aufgebaut, ohne ein

enges Monitoring, geschweige denn

eine aktive Steuerung der hochkomplexen

Lieferketten zu gewährleisten.

Notwendige Puffer wurden

abgebaut und die Flexibilität damit

marginalisiert. Von diesen Einflussfaktoren

sind sämtliche Lieferketten

betroffen, und damit sowohl

die Funktionsfähigkeit der eigenen

Werke als auch die Versorgung durch

Schlüssellieferanten und deren Vorlieferanten

tangiert. Kein Wunder,

dass für die Teilnehmer der Studie

Lllustration: Shutterstock/Inamar_Stock; Fotos: Shutterstock Maxx-Studio, awf8

EFFIZIENZ

BESTÄNDE

DIGITALISIERUNG

www.webadresse.de

11/2020 möbel kultur 23


VERBÄNDE

Garant-Gruppe: Positive Entwicklung in einem außergewöhnlichen Jahr

Mittelstand reagiert

flexibel auf die Situation

Für die Garant-Gruppe ist die Corona-Pandemie zwar eine Herausforderung, doch die

mittelständischen Handelspartner konnten sich in diesem Jahr besser schlagen, als zunächst

erwartet: mit aktuell 11 Prozent Plus zum Vorjahr. Die Gründe lagen in der

Sortimentsstärke, in der Flexibilität bei der Beratung sowie in der digitalen Kompetenz.

Torsten Goldbecker, Geschäftsführer

Garant-Gruppe, zeigt sich sehr zufrieden

mit dem Webinar-Angebot.

Jens Hölper, Geschäftsführer Garant-

Gruppe, ist stolz auf den Mittelstand,

weil sich dieser äußerst kreativ in der

Pandemie gezeigt hat.

Hendrik Schütte, Geschäftsleitung

Marketing & E-Business, will das

digitale Angebot noch individueller

ausrichten.

möbel kultur: Was hat sich bei Garant

durch die Pandemie sowohl intern als

auch nach außen zu den Handelspartnern

verändert?

Torsten Goldbecker: Zum einen reagieren

wir viel flexibler auf die Situation

inhouse mit flexiblen Homeoffice

Regelungen und digitaler Kommunikation,

zum anderen hat sich das

Bewusstsein für die digitale Kommunikation

aber auch nach außen hin zu

unseren Handelspartnern geschärft.

Diesbezüglich ist die Pandemie ein

echter Treiber, und das nicht nur in

der Verbandszentrale, sondern auch

bei den Handelspartnern. Gleichwohl

haben wir festgestellt, dass

man wichtige Gespräche Face-to-

Face führen muss. Das ist auch gut

so, denn Geschäfte werden immer

noch zwischen Menschen gemacht.

möbel kultur: Sie haben von Verbandsseite

von Anfang an richtig Gas gegeben

und beispielsweise diverse Webinare zu

unterschiedlichen Themen veranstaltet.

Jens Hölper: Dafür waren wir so

gut aufgestellt, dass die Betreuung

unserer Partner nahtlos weiterging.

Unsere Mitgliederbefragung, die wir

nach dem Lockdown durchgeführt

haben, hat uns diesbezüglich sehr

viel positives Feedback eingebracht.

Das war auch eine tolle Anerkennung

für unsere Mitarbeiter, die sich in der

Zeit stark engagiert haben.

Was mich stolz auf den Mittelstand

macht, ist die Tatsache, dass

viele Partner die Zeit sehr kreativ

genutzt haben und ihre Geschäfte

nicht abreißen ließen, sondern digital

weiter beraten haben. Meiner Meinung

nach hat sich gezeigt, dass der

Mittelstand flexibler ist, als so manche

Großflächen der Wettbewerber,

von denen einige einfach zugesperrt

haben. Wie uns von der Industrie

zugetragen wurde, ist selbst Ware

zum Teil nicht mehr angenommen

worden. Das hat sich natürlich negativ

auf die gesamte Wertschöpfungskette

ausgewirkt. Bei unseren Händlern

haben eigentlich ausnahmslos

alle durchgängig Ware angenommen,

weil sie unbedingt weiter montieren

wollten, damit Geld herein fließt.

Der mittelständische Fachhandel hat

sich damit auch für die Industrie als

äußerst verlässlicher Partner erwiesen!

Das hat der Branche insgesamt

schon sehr geholfen, den harten

Lockdown gut zu überstehen.

möbel kultur: Also war die Schockstarre

nur sehr kurz?

Hendrik Schütte: Aus meiner Sicht gab

es drei Faktoren, warum beispielsweise

Online-Planungsangebote

von Erfolg gekrönt waren. Das eine

war das Thema Geschwindigkeit,

sowohl von Verbands- als auch von

Händlerseite. Was normalerweise in

Wochen und Monaten umgesetzt

worden wäre, wurde jetzt in Stunden

und Tagen realisiert. Das hat auch

Auswirkungen darauf, mit welchem

Tempo man künftig auf Veränderungen

reagieren wird. Zweitens waren

die digitalen Lösungen nicht komplex,

sondern sehr praxisnah und

damit sehr gut zugänglich für den

Handel und die Endkunden. Und

drittens wurden optimale digitale

Lösungen mit den Stärken des stationären

Fachhandels verbunden,

nämlich persönliche Beratung und

Planung. Das hat einfach gut zusammen

gepasst und war keine von uns

aufgedrückte, digitale Lösung, mit

der der Handel fremdelt.

möbel kultur: Und wie stark wurden die

Webinare angenommen?

Torsten Goldbecker: Wir haben teilweise

festgestellt, dass wir damit viel

mehr Teilnehmer erreicht haben, als

wenn wir vor Ort Seminare veranstaltet

hätten. Insgesamt haben über 500

Handelspartner daran partizipiert.

Das ist eine wichtige Erkenntnis, dass

man Themen, die man relativ breit

platzieren möchte, auch zukünftig

über solch einen Kanal kommunizieren

sollte.

möbel kultur: Und wie gestaltet sich das für

den Einkauf? Haben Sie überhaupt die Zeit,

sich die vielen virtuellen Präsentationen

anzuschauen, die jetzt von der Industrie

produziert wurden?

Torsten Goldbecker: Das kann nur sehr

fokussiert stattfinden. Zudem sind

die Qualitäten sehr unterschiedlich,

je nachdem wie viel zeitliches und

personelles Invest man dort hineingibt.

Trotzdem ist das eine positive

Entwicklung, weil diese Formate

weiter professionalisiert werden,

auch vielleicht in Richtung Endverbraucher.

Ansonsten ist Einkauf

immer noch ein Face-to-Face-Thema

zwischen Geschäftspartnern.

möbel kultur: Deshalb werden auch

Messen weiterhin sehr wichtig bleiben.

Torsten Goldbecker: Das charakteristische

der Branche ist, dass man die

Produkte nicht einfach nur visualisieren

kann. Es geht um Materialien,

darum, Qualitäten zu unterscheiden.

Die Darstellungen werden

zwar immer besser, aber am Ende des

Tages muss man Produkte in Augenschein

nehmen und anfassen. Die

digitalen Formate sind sicherlich ein

Schritt in die richtige Richtung, aber

sie sind für mich auf dem aktuellen

Niveau nur eine Ergänzung – aber

derzeit eben alternativlos.

möbel kultur: Es wird in diesem Jahr ausnahmsweise

und Corona-bedingt kein

Garant-Partnerforum geben. Wie wollen

Sie dieses kompensieren?

26 möbel kultur 11/2020


Die digitalen Messe-

Formate sind richtig, aber

können immer nur eine

Ergänzung sein.

Torsten Goldbecker

Hendrik Schütte: Die Entscheidung

schmerzt natürlich sehr, weil der

persönliche Kontakt durch nichts

zu ersetzen ist. Neben der eigentlichen

Messeaktivität, neben dem

Warengeschäft wird der Austausch

zwischen Handel, Industrie und Verband

sowie anderen Branchenvertretern

fehlen. Gleichwohl werden wir

für unsere Kollektionsmarkenkonzepte,

die im Mittelpunkt des Partnerforums

gestanden hätten, jeweils

ein eigenständiges, digitales Format

aufsetzen. Das sind keine Ganztagesformate,

weil es zur hohen Auslastung

des Handels aktuell passen

muss. Unsere Händler haben vor dem

Hintergrund der guten Auftragslage

nicht die Zeit, sich einen ganzen Tag

aus dem Geschäft herauszunehmen.

Zudem sind digitale Formate nicht

für ganztägige Informations- und

Präsentationsformate geeignet. Deshalb

werden es kompakte Formate

von ca. 45 Minuten Dauer sein mit

einem hohen Grad an Abwechslung

und Interaktivität.

möbel kultur: Wo produzieren Sie die

Beiträge?

Hendrik Schütte: Wir haben ein eigenes

kleines Garant Broadcasting Studio

im A2-Forum eingerichtet, wo wir

sehr praxisorientierte Lösungen

und professionellen Video-Content

produzieren können. Die Angebote

werden wir zukünftig nicht nur für

Messe-Formate sondern generell als

wichtigen, dauerhaften Baustein in

die Kommunikation mit unseren

Handelspartnern integrieren. Denn

wir glauben, dass sich die Kommunikation

und der Austausch mit unseren

Partnern nachhaltig verändern

wird. Zwar werden die persönlichen

Gespräche auch künftig bleiben, eher

noch an Wertigkeit gewinnen für

bestimmte Themen, aber es wird

darüber hinaus eine regelmäßige

Oben: Aus 8.188 Prospektöffnungen

wurden 113 Filialbesuche

– bei einem Preis von

rund 16 Cent pro Prospektöffnung.

Mit entsprechenden

Tracking-Tools zeigt Garant so

seinen Handelspartnern konkrete

Marketing-Erfolge auf.

Links: Mit ganzheitlichen

Digital-Maßnahmen und

individuellem Content schafft

Garant die Grundlage für

eine emotionale Endkundenansprache

über alle digitalen

Touchpoints hinweg.

11/2020 möbel kultur 27


VERBÄNDE

Die Gesellschafter des VME verkörpern mittelständische Tugenden und

spielen ihre regionale Stärke aus. Insgesamt bilden 200 Unternehmer im

Einrichtungspartnerring VME eine Gemeinschaft. Kl. Foto: VME-Hauptgeschäftsführer

Frank Stratmann setzt darauf, mit einer starken Marke

und digitalen Lösungen die Gesellschafter zu unterstützen.

Das bewertet auch der Aufsichtsratsvorsitzende

Jürgen Karmann entsprechend:

„Wir als Verband sind

bestens aufgestellt. Unsere Investitionen

in der Vergangenheit waren

deshalb extrem wichtig, wie sich

nun gezeigt hat.“

Das schlägt sich auch in den

Zahlen des Jahres 2020 nieder –

bis Ende September sind bis auf

den SB-Bereich alle Handelsformate

und alle Warengruppen im Plus.

Die ersten Gesellschafter können

wegen der Auftragsflut sogar keine

Küchenaufträge mehr für dieses Jahr

annehmen.

VME: Eine Struktur für die Zukunft

Der Erfolg liegt

in der Breite

Für den Einrichtungspartnerring war 2020 logischerweise

ein forderndes Jahr: Mit Lockdown, Re-Opening-Kampagnen,

Homeoffice-Regelungen und der Integration der Union-

Mitglieder war die Zentrale gefordert wie nie. Doch an allen

Fronten haben die Bielefelder stets Ruhe bewahrt, die

laufenden Projekte für die Gesellschafter vorangetrieben

und damit eine sehr gute Basis für die Zukunft geschaffen.

Die Kritiker sind in diesem Jahr

erstaunlich still geworden.

Einigen galt der Bielefelder

Full-Service-Verband als „zu

breit“ aufgestellt – mit zu vielen

Handelsformaten, zu großem

Mar keting-Einsatz und zu vielen

ressourcenintensiven Zukunftsprojekten.

Doch während Wettbewerbsverbände

traditionell allein auf ihre

Einkaufsmacht abstellten, haben die

Bielefelder früh erkannt, dass an vielen

Stellschrauben zugleich gedreht

werden muss, damit die Gesellschafter

auch in Zukunft erfolgreich

agieren können. „Große Häuser,

kleine Häuser, die Marke Interliving

und eine Zentrale mit hervorragenden

Mitarbeitern – die Corona-Zeit

hat gezeigt, wie schlagkräftig der

Einrichtungspartnerring VME aufgestellt

ist, weil wir uns nicht auf

Dritte verlassen müssen. Und weil

wir die Dinge ganzheitlich angehen.

Das haben unsere Möbelhändler in

diesem Jahr sehr deutlich gespürt“,

freut sich VME-Hauptgeschäftsführer

Frank Stratmann. „Konzepte

ohne Unterbau einer ganzheitlichen

Infrastruktur aus Services, Einkauf

und Technologie bringen heute zu

wenig Schlagkraft.“

Bemerkenswert ist vor allen

Dingen, dass kein großes Verbandsprojekt

der Corona-Phase zum

Opfer gefallen ist. So kam beispielsweise

das After Sales Tool zum Rollout,

die „MarketingBOX“ wurde

erweitert und die Schulungs-Plattform

„VME-Learning“ aufgesetzt.

FACTS

❯ Einrichtungspartnerring VME

❯ Gesellschafter: 200 (D, BE, NL, A, CH)

❯ Verbandsmarke: Interliving als

Warenmarke (>95 Prozent aller

VME-Standorte) und Unternehmermarke

(>45 Standorte)

❯ Integration der ehem. Union-

Mit glieder: Möbel Albers, Möbel

Gruber, Möbel Hübner, Möbel

Knappstein, Möbel Ludwig, Maschal,

Rutar, Wohn Schick, Möbel Wallach,

Möbel Wanninger, Werner Wohnwelt

und Wohn-Center Spilger

www.einrichtungspartnerring.com

30 möbel kultur 11/2020


Doch trotz der aktuell guten

Möbelkonjunktur gilt es, sich für

die Zukunft zu rüsten, damit sich

die Händler als Multichannel-

Anbieter positionieren können und

keine weiteren Marktanteile an den

Onlinehandel abgeben müssen. Mehr

denn je benötigen die Einzelhändler

deshalb Unterstützung bei der Digitalisierung,

wozu beispielsweise die

Bereiche PIM, Datenmanagement

und Planungssoftware gehören. Das

kann ein Einzelhändler kaum allein

stemmen. „Wir schaffen es als Verbandszentrale

die Defizite, die ein

Einzelhändler zwangsläufig hat,

weil er nicht auf jedem Gebiet ein

Experte sein kann, auszugleichen.

Und so werden wir zu einer starken

Gemeinschaft“, sagt Stratmann.

Mit dem Aufbau eines Kompetenzteams

für Digitalisierung gab

der Einrichtungspartnerring VME

im November 2019 den Startschuss

für eine nie dagewesene

Digital- Offensive im Verband. Unter

der Leitung von Sebastian Moos als

Chief Digital Officer hat der VME

innerhalb weniger Monate den Fachbereich

„IT & Digitalisierung“ aufgebaut,

der sich in drei Abteilungen

untergliedert.

Und auch mit Interliving ist man

auf einem sehr erfolgreichen Weg

und nicht zuletzt die langfristig angelegte

Testimonial-Strategie hat stark

auf die Marke eingezahlt. „Das war

ein wesentlicher Grund, warum die

Union-Mitglieder sich für den Einrichtungspartnerring

entschieden

haben.“

Denn wie sich die Marke sowohl

als Warenmarke als auch als Unternehmermarke

entwickelt, kann sich

sehen lassen: Die Warenmarke ist

so gut wie durchdistribuiert. Und

das nach so kurzer Zeit. Auch die

Polsterspezialisten haben viel Spaß

an der Verbandsmarke. So haben es

die Gesellschafter in nur drei Jahren

vollbracht, genug Schlagkraft auf

die Sortimente zu bringen. Deshalb

schmiedet der VME auch zunehmend

strategische Partnerschaften

mit der Industrie, beispielsweise

um Dropshipping-Lösungen umzusetzen

und die Lieferzeiten zu reduzieren.

„Nur so können wir unseren

Gesellschaftern zu echten Multichannel-Anbietern

machen. Daran

führt aber kein Weg vorbei, denn

die Verbraucher wollen sich keinen

Kopf machen müssen, wie, wo und

wann sie ihre Ware bekommen“,

sagt Stratmann.

Auch bei der Unternehmermarke

geht es stetig voran – in diesem Jahr

sogar mit einem kräftigen Schwung,

sodass das Interliving-Logo an rund

50 Standorten leuchtet. Die Marke

gewinnt so zunehmend bundesweite

Bekanntheit – auch weil die Testimonials

Interliving mit Humor und

Sympathie repräsentieren. Insbesondere

stimmt die Marken-Chemie mit

Samu Haber, der das Label noch bis

zum 31. Januar 2022 vertritt.

Die Stärke der Verbandsmarke

Interliving war nicht zuletzt ausschlaggebend

für die Union-Mitglieder,

die von dem Leistungspaket

der Bielefelder überzeugt waren. Die

Häuser bringen ein weiteres VK-

Volumen von ca. 500 Mio. Euro ein

und sorgen zudem für einen echten

Interliving-Schub.

„Ein Möbelhändler sollte sich

jetzt fragen, in welchem Konstrukt

er für die nächsten fünf bis zehn

Jahre untergebracht sein möchte.

Und die Herausforderungen für den

Mittelstand sind so groß, dass der

Blick auf die Zukunft nicht durch

historische Verbundenheit getrübt

sein sollte“, mahnt Stratmann.

Ein Local Hero kann eine sehr gute

Zukunft haben, wenn er seine mittelständischen

Tugenden pflegt. Es geht

darum, Kunden zu Fans zu machen.

Illustration: kentoh/shutterstock.com

Das gelingt allerdings nur, wenn die

Kunden eine Beziehung zum Händler

aufbauen, weil sie (mehrfach)

ein herausragendes Einkaufserlebnis

hatten. Der Einrichtungspartnerring

setzt alles daran, um vom Einkauf

über das Marketing bis hin zur Auslieferung

Lösungen für die Gesellschafter

zu entwickeln, die in der

Möbelbranche Maßstäbe setzen.

SASCHA TAPKEN

Ehrlich, authentisch,

ungezwungen: Die neue

Interliving Kampagne

setzt auf Emotionen (l.).

Darüber hinaus wurde

die Zusammenarbeit

mit Samu Haber als

Interliving Testimonial

bis Anfang 2022 verlängert

(u.).

Mit dem Aufbau eines Kompetenzteams

für Digitalisierung

gab der Einrichtungspartnerring

VME im November 2019

den Startschuss für eine nie

dagewesene Digital-Offensive

im Verband. Zu den jüngsten

Entwicklungen gehört die

Schulungsplattform „VME-

Learning“.

11/2020 möbel kultur 31


HANDEL

Frische Fassade mit neuem

Logo: Küche & Wohnkultur

Dallmaier in Donauwörth.

Unten: Engagiertes Verkaufsteam

mit Andreas Gerwek,

Roland Weh, Peter und Heinz

Dallmaier, Jutta Rehmet und

Gerhard Pflanz (v.l.).

Küche & Wohnkultur Dallmaier: In Donauwörth etabliert

Rundum erneuert

Zum 15. Geburtstag hat sich Küche & Wohnkultur Dallmaier

eine Frischekur spendiert. Die 800 qm große Ausstellung wurde

komplett renoviert und auch die Außenfassade hat einen neuen

Anstrich bekommen. Passend zum derzeitigen Nachfrageboom

ist das Alliance-Mitglied damit bestens aufgestellt.

Fotos: Küche & Wohnkultur Dallmaier

Die individuelle Beratung

steht bei Küche & Wohnkultur

Dallmaier an erster

Stelle. Das macht schon der Slogan

„Küchen und Möbel ganz persönlich“

deutlich. Damit hat sich das

Unter nehmen, das 2005 von Heinz

Dallmaier und seinem damaligen

Geschäftspartner gegründet wurde,

an seinem Standort in Donauwörth

etabliert. In den vergangenen 15

Jahren ging es stets aufwärts, auch

aufgrund eines treuen Kundenstamms,

der in der Zeit aufgebaut

werden konnte. Um für die

Zukunft gerüstet zu sein, ist seit

einem Jahr Peter Dallmaier mit an

Bord. Der Sohn von Heinz Dallmaier

war bereits in den letzten

fünf Jahren in der Einrichtungsbranche

tätig, konnte also in der

Zeit einiges an Erfahrung sammeln,

die er nun als Mitgeschäftsführer

in das Familien unternehmen einbringen

kann. Gleichwohl weiß er

um die hohe Verantwortung für die

insgesamt 28 Mitarbeiter, die er

mit diesem Schritt übernommen

hat: „Das ist jetzt natürlich eine

ganz andere Position.“ Ein gut eingespieltes

Team ist wichtig, da Service

in dem Haus großgeschrieben

wird – im Verkauf mit Leistungen

wie Küchenplanung und Aufmaß

vor Ort, Liefer service und Montage

sowie der passenden Finan-

36 möbel kultur 11/2020


zierung. Ausgeliefert wird darüber

hinaus mit eigenen – insgesamt

acht – Schreinern.

Die Passion der Verkaufsmannschaft

ist die persönliche Beratung,

der direkte Kontakt mit den Kunden.

Aktuell stand die Renovierung

der 800 qm großen Ausstellung im

Mittelpunkt, die pünktlich zum verkaufsstarken

Herbst abgeschlossen

werden konnte.

Die wichtigste Warengruppe sind

bei Dallmaier Küchen, die rund 70

Prozent des Umsatzes ausmachen.

Doch das Unternehmen will auch

künftig Vollsortimenter bleiben.

Denn ebenso das Angebot an Wohnund

Esszimmern, die Bereiche

Schlafen, Büro und Homeoffice

sowie Bäder werden von den

Kunden gewünscht. Bei der aktuellen

Modernisierung lag der Fokus

u.a. auf dem Thema Boxspring.

Zudem wurde die Außen fassade

und auch das Logo neu gestaltet.

Um sich vom Wettbewerb zu unterscheiden,

kommen bei Dallmaier

die Alliance-Küchen-Konzepte

„Ambienta-5-Sterne-Küche“ und

„Prisma“ zum Einsatz, im Wohnen

die Exklusivmodelle von „Casada“

sowie das Handelskonzept „Home“.

Insgesamt ist das Einrichtungshaus

bislang recht gut durch die

Corona-Zeit gekommen. Auch während

des Lockdowns wurde der Kontakt

zu den Kunden über Werbung in

der örtlichen Zeitung, Rundfunk und

Facebook gehalten. Zudem hat das

Alliance-Mitglied die Zeit genutzt,

um u.a. Prozesse zu optimieren und

die Website zu aktualisieren. Der

Internetauftritt und die Präsenz in

den sozialen Medien wird für den

Mittelständler immer wichtiger.

Nach der Renovierung präsentiert

sich das Einrichtungshaus

Dallmaier in Donauwörth

passend zum derzeitigen

Nachfragehoch als solider

Mittelständler mit Anspruch.

Aktuell kann auch Dallmaier

davon profitieren, dass sich die Kunden

stärker mit dem Thema Wohnen

und Einrichten beschäftigen und

entsprechend ihren Bedarf decken

wollen. Die Umsatzausfälle aufgrund

des Lockdowns konnten wieder aufgeholt

werden. Bis zum Jahresende

ist deshalb ein Umsatz auf Vorjahresniveau

möglich, heißt es, eventuell

sogar leicht darüber.

EVELYNE BECKMANN

FACTS

❯❯

Küche & Wohnkultur Dallmaier

❯❯

Standort: Donauwörth

❯❯

Größe: 800 qm

❯❯

Geschäftsführung:

Heinz und Peter Dallmaier

❯❯

Verband: Alliance

❯❯

Sortiment: Küchen (70 %), Wohnen,

Essen, Schlafen, Bäder, Büro

www.kueche-wohnkultur.de

11/2020 möbel kultur 37


KÜCHE

BAUKONJUNKTUR

+5,9 %

Die steigende Zahl von genehmigten

Wohnungen (bis Juli 2020: 11.690/+5,9 %)

spricht für eine positive Küchen-Nachfrage.

Nach dem Einbruch von geschätzten

5,4 % im laufenden Jahr wird das

Bruttoinlandsprodukt laut Ifo Institut

2021 wieder um 4,7 % steigen.

AMK-Jahrestagung: Was sich rund um die Küche 2020/21 bewegt

Anker in Krisenzeiten

Corona hat auch den traditionellen Takt der AMK-Jahrestagung

geändert. Nicht im März wie sonst, sondern am 27. Oktober und

online in einer Videokonferenz trafen sich die Mitglieder. In

kompakter Form wurde dabei berichtet, was die

Arbeitsgruppen im vergangenen und laufenden

Jahr beschäftigt hat, die Marktsituation

analysiert sowie eine Einschätzung

über die Konjunkturentwicklung und

weitere Themen im Corona-Jahr

gegeben. Der Grundtenor: Das Thema

Küche als Lebensmittelpunkt ist so

aktuell wie nie.

Die Jahrestagung als Live-Streaming aus

Mannheim: AMK- Geschäftsführer Volker Irle

berichtete diesmal selbst aus den Arbeitsgruppen.

ARBEITSMARKT

6 %

Die Arbeitslosenquote bleibt derzeit mit rund

sechs Prozent niedrig. Ein aus der Kurzarbeit

folgender Anstieg bzw. längerer Lockdown

könnte das Konsumklima allerdings trüben.

BIP

+4,7 %

War man sonst wechselnde

Speaker der verschiedenen

Arbeitsgruppen gewohnt,

referierten diesmal lediglich AMK-

Geschäftsführer Volker Irle sowie Dr.

Oliver Streit und Roland Hagenbucher,

Sprecher der Arbeitsgruppe Marketing

und Öffentlichkeitsarbeit, in der Mannheimer

AMK-Zentrale. Immerhin insgesamt

153 Teilnehmer hatten sich am

Ende zugeschaltet, etwa genauso viel

wie letztes Jahr (160) und ein Zeichen

für das große Interesse an den Themen.

Die wichtigste Botschaft: Trotz

Corona-Krise bleibt auch 2020 für

die deutsche Küchenbranche ein Jahr

des Wachstums und einige Parameter

sprechen dafür, dass die positive Stimmung

weiter anhält und zumindest

zu einem verhaltenen Optimismus

veranlasst: Zu Hause kochen zeigt

sich als langfristiger Trend, die Küche

wird immer mehr zum Statussymbol

und die Baukonjunktur wächst auf

hohem Niveau.

Neben den schon via VdDK veröffentlichten

Umsätzen der Küchenmöbelindustrie

(bis August 2020:

+2,99% im Inland/-3,4% im Ausland)

wurden in der Videokonferenz

auch Zahlen aus dem Handel genannt.

Zunächst die Entwicklung 2019:

Stieg die verkaufte Menge laut GfK

um 3,9 Prozent, konnte der Umsatz

dank höherer Auftragswerte (+2%)

um 6 Prozent zulegen. Noch deutlicher

wird das Trading-up in diesem

Jahr: Bis Ende Juni lag zwar die Anzahl

verkaufter Küchen noch 1,7 Prozent

unter Vorjahr, doch das Umsatzplus

von 0,5 Prozent korreliert mit einem

um 4,3 Prozent gewachsenen Auftragswert

pro Küche. Der Trend zu höherer

Wertigkeit setzt sich nach Einschätzung

von Nobilia-Geschäftsführer Dr. Oliver

Streit in den folgenden Monaten noch

deutlicher fort. Der Durchschnittswert

pro verkaufter Küche liegt derzeit bei

9.635 Euro gegenüber 8.541 Euro

im Jahr 2017 (jeweils abzüglich des

SB-Bereichs, der nicht mehr erfasst

wird). Auch die von der AMK beauftragte

Studie durch das Zukunftsinstitut

bestätigt, dass die „Küche als Anker in

Krisenzeiten“ wahrgenommen wird,

während die GfK die Umschichtung

der Budgets zugunsten des eigenen

Zuhauses und Selberkochens anstelle

von Reisen, Fashion und Außerhaus-Aktivitäten

bestätigt.

Nach dem kurzfristigen Einbruch

im März/April konnte sich die Branche

also schnell wieder erholen. Dabei

haben sich die gewohnten Verhältnisse

allerdings verkehrt: Wurde das Wachs-

40 möbel kultur 11/2020


Inlandsumsatz der deutschen Küchenmöbelindustrie

Inlandsumsatz bis August (in 1.000€): 2019: 1.892.384 2020: 1.948.947

300000

250000

Der Umsatz der deutschen

Küchenmöbelindustrie stellt

sich bislang als „V-Kurve“

dar: Nach dem Corona-bedingten

Einbruch im April/Mai

konnte sich die Branche vor

allem im Inland (s. Grafik)

schnell erholen. Durch den

abgeschwächten Export lag

jedoch der Gesamtschnitt bis

August bei 3,264 Mrd. Euro

(+0,32%).

200000

150000

Januar Februar März April Mai Juni Juli August

Quelle: Statistisches Bundesamt, VdDK, AMK

tum zuvor vom Export stärker als vom

Inlandsgeschäft getragen, war es in diesem

Jahr umgekehrt. Und der Blick auf

die internationalen Märkte zeigt fast

überall Rückgänge. Einzig China macht

derzeit eine Ausnahme. Grund genug,

um den Markt weiterhin intensiv zu

bearbeiten. So prüft die AMK aktuell

die Beteiligung an der Messe AWE in

Shanghai (11. bis 14. März 2021) mit

einem deutschen Pavillon. Die erneute

Gemeinschaftsausstellung auf der KBIS

2021 in den USA muss dagegen durch

Absage der Messe ausfallen.

Was die AMK im vergangenen und

laufenden Jahr außerdem an Themen

bearbeitet hat, fasste Volker Irle in seinem

Bericht aus den Arbeits gruppen

zusammen. Dazu gehören neue bzw.

überarbeitete Merkblätter der AG

Technik & Normung zum Thema

„Hocheinbau von Geschirrspülern“,

„Thermobeschichtete Folienfronten“,

„Koordinationsmaße für Küchen möbel

und -geräte“ oder Qualitätsanforderungen

an Arbeitsplatten aus Naturstein,

Quarzkomposit und Keramik.

Besondere Beachtung gilt dem neuen

EU-Energielabel mit stark veränderter

Klassifizierung, das zum 1. März 2021

für Geschirrspüler, Kühl-/Gefriergeräte

und Weinlagerschränke in Kraft

tritt. Während Lieferanten die Etiketten

seit 1. November ihren Geräten beilegen

müssen, dürfen Händler erst ab

1. März aktiv werden und haben dann

14 Tage Zeit, die Label auszutauschen.

Ein eigenes Thema ist die Erarbeitung

küchenrelevanter Normen in China.

Und die AG Spülen & Zubehör rollt die

Entsorgung der Transportverpackungen

wieder auf: Nach der Verlängerung

des Branchenvertrags mit dem Dienstleister

RKT 2019 gab es nun eine neue

Ausschreibung.

Hohe Reichweiten hat wiederum

die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

der AMK erzielt, insbesondere durch

Interviews mit Volker Irle, die Radiosendern

zur Verfügung gestellt wurden

und durchschnittlich 1,6 Mio. Hörer

pro Stunde einbrachten. Die Pressemitteilungen

zu diversen Themen

sorgten zudem für die Rekordauflage

von 131 Mio. gedruckten Exemplaren.

Als Erfolg wurde überdies der erste

digitale „Tag der Küche“ gewertet, der

mit einem 4-stündigen, abwechslungsreichen

Livestreaming auf Youtube und

Facebook durchgeführt wurde. Auch

das neue Logo und die überarbeitete

Homepage zeugen für ein positives

Update des Branchenevents.

All dies dokumentiert erneut die

Bedeutung der Arbeitsgemeinschaft

Die Moderne Küche. Nicht zuletzt deshalb

konnte die Mitgliederzahl weiter

gesteigert werden: Aktuell 147 Unternehmen

sind es derzeit, wobei gegenüber

sechs Abgängen 2019 neun und

in diesem Jahr fünf neue Mitglieder

dazugekommen sind. Interessant wird

sicherlich auch der am 18. November

stattfindende Online-Workshop zum

Brexit. Die nächste AMK-Tagung ist

für den 15./16. März 2021 geplant,

möglichst wieder live in Mannheim.


HEIKE LORENZ

www.amk.de

Als Livestream wurde

erstmals auch der „Tag der

Küche“ am 26. September

veranstaltet, wobei vier

Stunden lang Talkrunden und

Kochshows bis in die teilnehmenden

Küchenstudios

übertragen wurden.

11/2020 möbel kultur 41


KÜCHEN

40.000 qm modernste Korpusproduktion

und Logistik: Am 27. Oktober wurde

das neue Werk in Gügling offiziell eingeweiht.

Von links: Landrat Dr. Joachim

Bläse und die lokalen Bürgermeister

sowie Kathrin Erdmann, Aufsichtsratsvorsitzende

der Welle Holding,

Ralph Glorim, Vorstand Leicht AG, der

technische Leiter Jürgen Schmitt und

Vorstandschef Stefan Waldenmaier.

Leicht Küchen: Werk 2 läuft an

Neue Maßstäbe

für Losgröße 1

Nur vier Kilometer vom Headquarter entfernt, aber ein Meilenstein in der Firmengeschichte:

Mit dem Werk 2 in Gügling gewinnt Leicht bei seiner individuellen

Serienfertigung erneut an Niveau. 90 Mio. Euro wurden in den zusätzlichen Standort

mit 40.000 qm Hallenfläche investiert. Dabei schafft die hochautomatisierte

Produktion nicht nur die Voraussetzungen für weiteres Wachstum, sondern wird

auch zum Benchmark für mehr Effizienz im Workflow.

Nach der Nullserie im Sommer

laufen seit Oktober in

Gügling, einem Ortsteil von

Schwäbisch Gmünd, die ersten Kommissionen

vom Band. Zwei Jahre

Bauzeit liegen zurück, bis Werk 2

in Betrieb gehen konnte. Endlich,

denn das Stammwerk in Waldstetten

platzte bereits aus allen Nähten. Aber

nicht nur unter diesem Aspekt setzt

die neue Leicht-Produktion Maßstäbe.

Denn mit dem Umzug der

Korpusfertigung inklusive Versand

wurde zugleich der gesamte Workflow

optimiert und entsprechend

effizienter.

Die Mengensteigerungen durch

die zunehmende Varianz im Portfolio

in den letzten Jahren machten

ein neues Fertigungslayout mit

innovativen und zukunftsweisenden

Lösungen erforderlich, so erklärt das

Unternehmen. Der entscheidende

Effekt resultiert dabei aus dem

Zusammenspiel von Robotertechnik

und digitaler Prozesssteuerung. Ein

leistungsfähiges Datenmodell in Verbindung

mit modernster Anlagenund

Transporttechnik ermöglicht es

nun, die Bauteile oder Bauteilgruppen

fast vollständig automatisiert zu

fertigen, sodass diese just in time

für die Montageanlagen angeliefert

werden können. Dieser sequentielle

Fertigungsgedanke sorge dafür, dass

immer nur die Ware in Bewegung

oder im Fertigungsprozess ist, die in

einer definierten Zeitzone benötigt

wird. Es werden also keine Bauteile

in klassischer Lagerfertigung

produziert und zugleich die Durchlaufzeiten

entsprechend verkürzt.

So verbindet das neue Konzept

die Vorzüge der Losgröße-1-Fertigung

mit den wirtschaftlichen Vorteilen

genormter Massenfertigung.

Ein wichtiger Effizienzbaustein ist

dabei der Bereich „Sortierung und

Fotos: Leicht

42 möbel kultur 11/2020


Weil am Standort Waldstetten alle

Flächen ausgereizt waren, wurde

das zweite Werk nötig. Gelegenheit

für das technische Upgrade: Wie im

Reißschlussverfahren werden die

Korpusteile an der großen Sortierwand

durch Roboter „verheiratet“.

Zugrunde liegt ein Algorithmus, der

die jeweils optimalen Stellplätze ermittelt

und diese dann im Sinne der

sequenziellen Fertigung in mobile

Transporteinheiten steckt.

Auch die Montagelinie ist auf neuestem Stand:

Bevor der Korpus zusammengebaut wird, erfolgen

sämtliche Bohr- und Fräsbearbeitungen an den

Bauteilen automatisch.

Reihenfolgebildung“. Die täglich

zu produzierenden Korpusbauteile

werden dabei zunächst in zeitlich

und inhaltlich chaotischer Reihenfolge

im Säge- und Bekantungszentrum

erzeugt. Anschließend

werden sie in einem vollautomatischen

Sortierzentrum von Robotersystemen

in die richtige Reihenfolge

gebracht und zeitnah in mobilen

Transporteinheiten gestaut. Jede

dieser mobilen Transporteinheiten

hat im Sinne des sequenziellen

Fertigungsgedanken einen exakten

Zielort und Zeitzone, da aus anderen

Bereichen andere Bauteile nach

gleicher Logik zugesteuert werden.

In der Möbelindustrie Deutschlands

sei diese Systematik – die quasi im

Reißverschlussverfahren die Prozesse

zusammenfügt – die erste

ihrer Art, betont Leicht-Geschäftsführer

Stefan Waldenmaier. Gerade

weil die Komplexität, wie sie der

Hersteller durch seine individuelle

Küchen-Architektur pflegt und erst

jüngst durch die 86er Korpushöhe

und den neuen Korpuston Carbon

erweitert hat, enorm zunimmt.

Im Werk 1 am Firmenstandort

Waldstetten wird indes die Fertigung

der Fronten und des gesamten

Umfelds verbleiben und sukzessive

zu einem Kompetenzzentrum für

diesen Teilbereich ausgebaut. Die

hier produzierten Bauteile werden

per Shuttle, nach sequenzieller

Logik, ins vier Kilometer entfernte

Werk 2 verbracht und dort mit

dem Korpus „verheiratet“. Ebenfalls

erfolgt der weltweite Versand

vom Standort Gügling.

Bereits seit 2018 als CO2-neutraler

Hersteller zertifiziert, erfüllt

auch Werk 2 diesen Anspruch.

Zur Reduktion der CO2-Emission

wird beispielsweise etwa ein Drittel

der Dachfläche mit PV-Anlagen

ausgestattet. Zur Verbesserung der

Biodiversität sind fast 50 Prozent

begrünt, im Außenbereich sind

weniger Flächen versiegelt worden

und zum Großteil als Blühwiesen

angelegt. Außerdem wird in einer

ersten Phase ein Bestand von über

50 Bäumen angelegt.

Mit der 90 Mio. Euro teuren

Investition will Leicht aber ebenso

die Basis für weiteres Wachstum

schaffen. Auch wenn der bislang so

starke Export (rund 60 % Umsatzanteil)

bedingt durch die Corona-

Krise aktuell rückläufig ist. Insgesamt

werden 2020 voraussichtlich

143 Mio. Euro Umsatz erzielt, was

einem Minus von drei bis vier Prozent

gegenüber 2019 entspricht.

Immerhin blieb aber das Inlandsgeschäft

sehr erfolgreich. Dies

stimmt zuversichtlich, dass es bei

dem Küchenhersteller mit seinen

670 Mitarbeitern (derzeit Platz 6

im Deutschland-Ranking) weiter

aufwärts geht. HEIKE LORENZ

Noch stärker als bisher

will sich die Marke Leicht

mit variantenreichen und

flexibel planbaren Küchen

profilieren. Die moderne

Losgröße-1-Fertigung ist

dafür ein wichtiger Baustein,

dass dies auch wirtschaftlich

möglich wird.

11/2020 möbel kultur 43


INDUSTRIE

Alles an einem Termin:

Ambiente, Christmasworld,

Creativeworld und Paperworld –

vom 17. bis 20. April 2021

in Frankfurt/Main.

International Consumer Goods Show

Persönlich

& virtuell

Als Special Edition veranstaltet die Messe Frankfurt

Mitte April 2021 die Ambiente, Christmasworld,

Creativeworld und Paperwold einmalig gemeinsam.

Die beiden Messemacher Stephan Kurzawski und

Philipp Ferger erläutern in der „möbel kultur“, wie

das hybride Konzept der gebündelten Konsumgütermessen

aussehen wird.

möbel kultur: Herr Ferger, Herr Kurzawski,

die Nordstil war die erste Veranstaltung

der Messe Frankfurt nach dem Shutdown.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Und wie können Sie bei der Planung und

Organisation der kommenden Messen

davon profitieren?

Philipp Ferger: Die vergangene Sommerausgabe

der Nordstil hat uns

gezeigt, dass Messen auch in der

Corona-Zeit möglich und gewünscht

sind und mit entsprechenden

Schutz- sowie Hygienevorkehrungen

in einem sicheren Rahmen stattfinden

können. Klar, im Messealltag

einen Mund- und Nasenschutz zu

tragen und Abstandsregeln einzuhalten,

ist für uns alle noch etwas

gewöhnungsbedürftig. Aber solche

Einschränkungen haben unsere Aussteller

und Besucher gerne in Kauf

genommen. Es überwog eindeutig

die Freude, sich nach der langen

Pause endlich wieder persönlich auf

der Messe treffen zu können. Unser

Schutz- und Hygienekonzept wurde

verantwortungsvoll umgesetzt und

die Branche hält in diesen turbulenten

Zeiten zusammen – dies sind

Erfahrungen, von denen wir bei der

Planung der kommenden Winter-

Nordstil auf jeden Fall profitieren.

möbel kultur: Was hat für Sie den Ausschlag

gegeben, erst wieder im April in

Frankfurt eine Konsumgütermesse zu

veranstalten?

Stephan Kurzawski: Unsere Messen

im Frühjahr sind geprägt von einem

hohen Internationalitätsgrad – und

das sowohl auf Aussteller- als auch

auf Besucherseite. Da die Corona-Pandemie

aktuell jedoch verschärfte

Reiserestriktionen und

Quarantäneverordnungen mit sich

bringt, fehlt einem Großteil unserer

Kunden Planungssicherheit für ihre

Messeteilnahme im ersten Quartal.

Daher haben wir gemeinsam entschieden,

unser Messefrühjahr neu

zu sortieren, in der Hoffnung, dass

sich die Bedingungen für erfolgreiche

internationale Veranstaltungen

bis zum zweiten Jahresquartal

verbessern.

möbel kultur: Die International Consumer

Goods Show – Special Edition wird

die erste Messe sein, auf der Ambiente,

Christmasworld und Paperworld zusammen

an den Start gehen. Was war der

Grund für die gemeinsame Veranstaltung?

Stephan Kurzawski: Uns hat aus großen

Teilen der internationalen

Konsumgüterbranche der Wunsch

erreicht, die Ambiente, Christmasworld,

Creativeworld und Paperworld

stattfinden zu lassen. Denn:

Viele Unternehmen möchten in diesen

turbulenten Zeiten durch einen

Messeauftritt ihre Geschäfte wieder

ankurbeln. Und wir als Veranstalter

tun alles, um dieser Notwendigkeit

mehr denn je nachzukommen. Wie

sagt man so schön: Außergewöhnliche

Situationen erfordern außergewöhnliche

Maßnahmen. Und

diese wird im kommenden April

die International Consumer Goods

Show – Special Edition sein.

möbel kultur: Es ist zurzeit sehr schwierig,

in die Zukunft zu schauen. Dennoch:

Worauf müssen sich die Aussteller dieser

Messe einstellen?

Stephan Kurzawski: Sollte uns das

Corona-Virus im kommenden

April noch beschäftigen, wird

unser oberstes Gebot weiterhin die

Sicherheit und die Gesundheit aller

Messeteilnehmer sein. Hier kommt

unser Schutz- und Hygienekonzept

zum Tragen, das mit den Behörden

abgestimmt ist und alle notwendigen

hygienischen, medizinischen

und organisatorischen Maßnahmen

berücksichtigt. Und dieses hat beispielsweise

auch Auswirkungen

auf die Gestaltung der Hallen und

Messestände. Alle Informationen

hierzu finden Aussteller tagesaktuell

auf den Websites der Messe

Frankfurt und der International

Consumer Goods Show – Special

Edition. Lassen Sie mich eines sagen:

Unsere Hallen sind sehr sicher und

erfüllen sämtliche Kriterien, um

Fotos: Messe Frankfurt Exhibition GmbH

48 möbel kultur 11/2020


Veranstaltungen auch unter Pandemie-Bedingungen

den passenden

Raum zu bieten.

möbel kultur: Und was erwartet die

Besucher?

Stephan Kurzawski: Alle Teilnehmer

können sich auf ein einzigartiges

Messeerlebnis freuen, denn die

einmalige Zusammenlegung der

Ambiente mit der Christmasworld,

Paperworld und Creativeworld

schafft neue geschäftsfördernde Synergien

und ist die beste Antwort auf

die aktuellen Herausforderungen.

Mit der Veranstaltung bieten wir die

Chance auf geschäftliche Begegnung,

Order und Networking in Frankfurt

oder virtuell im Rahmen der Consumer

Goods Digital Days. Diese

finden parallel zur physischen Messe

statt und bieten eine noch breitere

Vernetzung aller Branchenteilnehmer

– auch jenen, die aufgrund

etwaiger Reisebeschränkungen im

April nicht anreisen können.

möbel kultur: Werden Sie den hohen

Standard des Rahmenprogramms halten

können? Was planen Sie?

Stephan Kurzawski: Wir werden natürlich

– soweit es möglich ist –unseren

Besuchern auch in Corona-Zeiten

ein hochwertiges Rahmenprogramm

anbieten. Aber dies wird unter Pandemie-Bedingungen

anders aussehen

als in der Vergangenheit. Wenn

wir die Trend-Sonderpräsentation

als Beispiel nehmen, brauchen wir

hier beispielsweise eine klare Wegeführung.

Die Besucher werden nicht

mehr, wie sie es bisher gewohnt

sind, zwischen den Trends hin und

her wechseln können, sondern werden

bei dem einen Trend eintreten,

durch den zweiten geführt und

müssen am dritten die Präsentation

wieder verlassen.

Unten: Stephan Kurzawski,

Geschäftsleitung der Messe

Frankfurt, weiß, dass sich

viele aus der internationalen

Konsumgüterbranche wieder

Messeauftritte wünschen, um

die Geschäfte anzukurbeln.

möbel kultur: Welche Herausforderungen

sind jetzt für die Messe Frankfurt

am größten?

Stephan Kurzawski: Die Corona-Pandemie

hat uns Messeveranstalter

vor ganz neue Herausforderungen

gestellt, in denen wir aber auch

Chancen für die Zukunft sehen. Es

wird uns deutlich noch mehr Flexibilität

abverlangt als zuvor. Aber

es ist auch die richtige Zeit, Mut zu

beweisen und aktiv neue Messekonzepte

auf den Weg zu bringen.

Momentan befasst sich der Großteil

der Branche – die Messe Frankfurt

eingeschlossen – mit der Entwicklung

hybrider Veranstaltungsmodelle

sowie mit digitalen Erweiterungen

zur klassischen Messeteilnahme. Da

kommt aktuell und auch in Zukunft

noch einiges an Arbeit auf uns zu,

denn unser Anspruch ist hier wie

überall einer der besten zu sein – im

Sinne unserer Kunden.

möbel kultur: Wie ist die Stimmung unter

den Mitarbeitern der Messe Frankfurt?

Wie kann man die Motivation aufrecht

erhalten, obwohl 2020 kaum Veranstaltungen

und die erste in 2021 erst wieder

im April stattfinden wird?

Stephan Kurzawski: Grundsätzlich

sind wir Messemacherinnen und

Messemacher optimistisch eingestellt,

selbst in diesen herausfordernden

Zeiten. Auch wenn

aktuell in Frankfurt kaum physische

Veranstaltungen stattfinden,

heißt das nicht, dass bei der

Messe Frankfurt die Arbeit ruht.

Aktuell befindet sich zwar rund

die Hälfte der Mitarbeitenden am

Standort Frankfurt in Kurzarbeit,

die anderen sind jedoch weiterhin

für unsere Kunden erreichbar. Wir

haben in den vergangenen Monaten

quer durch die von uns betreuten

Branchen eine Reihe von digitalen

Ergänzungsformaten kreiert, wie

beispielsweise digitale Seminare,

Online-Match-making-Plattformen

und Panel- Diskussionen oder auch

Kongressformate mit Live-Streaming.

Messen und auch digitale

Erweiterungen der realen Begegnungsstätte

haben einen langen Planungsvorlauf.

Seit Sommer finden

sukzessive kleinere Veranstaltungen

auf dem Frankfurter Messegelände

statt. Am Standort Hamburg haben

wir die Nordstil veranstaltet, die

Oben: Philipp Ferger, Bereichsleiter

Tendence und Nordstil

sowie zweiter Geschäftsführer von

nmedia, freut sich über eine große

Nachfrage nach der Onlineplattform

Nextrade.

Hypermotion steht als Hybridveranstaltung

im November in Frankfurt

vor der Tür, ebenso die Formnext

und die Cleanzone als digitale

Kommunikationsplattformen. Wir

sind mitten in den Planungen für

die Veranstaltungen 2021. Auch

hierfür werden digitale Formate

integriert, die es vorzubereiten gilt.

Und natürlich hoffen wir alle, dass

sich im kommenden Jahr das Leben

Stück für Stück normalisiert und

wir uns alle wieder von Angesicht

zu Angesicht treffen können. Übrigens

fanden in China zwischenzeitlich

16 Messen der Messe Frankfurt

erfolgreich statt. Und auch in Japan

waren die ersten Veranstaltungen

wieder am Start.

möbel kultur: Die Digitalisierung erfährt

aktuell einen großen Schub. Wie hat sich

Ihre Onlineplattform Nextrade in der

Pandemie weiterentwickelt?

Philipp Ferger: Die Nachfrage nach

Nextrade in der Corona-Zeit ist groß

und wir haben ein starkes Interesse

von Lieferanten und Händlern

weltweit festgestellt. Sicherlich

führen die abgesagten Messen dazu,

dass der Handel vermehrt digital

unterwegs ist. Allerdings haben

wir keinen Vergleich, wie sich das

Online-Portal ohne die Pandemie

entwickelt hätte. Wir sind aber auf

jeden Fall in unserem gesamten

Vertrieb als Messe Frankfurt, insbesondere

mit unserem globalen

Netzwerk aus Tochtergesellschaften

und Vertriebspartnern, schon sehr

weit vorne dabei. Wo andere jetzt

aus der Not heraus digitale Modelle

und Möglichkeiten suchen, haben

wir mit Nextrade bereits eine etablierte

Lösung gefunden.

möbel kultur: Viele Unternehmen investieren

aktuell in virtuelle Showrooms.

Warum können diese auf Dauer Messeauftritte

im Konsumgüterbereich nicht

ersetzen?

Philipp Ferger: Virtuelle Showrooms

sind nützliche Tools, ersetzen langfristig

jedoch weder das persönliche

Gespräch zwischen Lieferanten

und Handel noch die emotionale

Komponente beim Einkauf. Auch

sind die nachhaltige Vernetzung, das

Aufspüren von Neuheiten und die

Sortimentsstärkung viel besser auf

physischen Messen möglich. Lassen

Sie es mich so zusammenfassen:

Digitale Angebote, wie die genannten

Showrooms, werden wichtiger

und werden uns auch sicherlich

nach der Pandemie begleiten. Für

uns steht jedoch fest: eine virtuelle

Zusammenkunft kann die persönliche

Begegnung und das Erleben

von Produkten auf Messen ersetzen,

sondern lediglich sinnvoll ergänzen.

Und hier kommt unser digitaler

Marktplatz Nextrade ins Spiel: Nextrade

treibt das Messegeschäft voran

und hält Geschäftsbeziehungen zwischen

den Veranstaltungen aufrecht,

verlängert Content und Austausch

virtuell über das ganze Jahr hinweg

– und ermöglicht es zudem,

neue Zielgruppen zu erschließen.

Und noch ein Pluspunkt für das

Portal: Es schafft bei realen Messebegegnungen

Ausstellern und Besuchern

mehr Freiräume. Da Händler

365 Tage im Jahr rund um die Uhr

ordern können, bleibt mehr Zeit

für das Wesentliche vor Ort auf der

Messe. Mit dem Launch der Plattform

nutzen wir als erster Messeveranstalter

dieses Potenzial und

gestalten gemeinsam mit starken

Partnern die digitale Transformation

der Branche mit. In Zukunft

wird Nextrade auch mobil per App

nutzbar sein. Auf diese Weise können

Händler beim Ordern direkt vor

Ort auf der Messe Nextrade nutzen.

Damit verknüpfen wir nachhaltig

die persönliche Messebegegnung

mit den digitalen Vorteilen der Plattform.

Und natürlich werden wir

zeitnah auch auf Nextrade virtuelle

Showrooms anbieten, die Lieferanten

jederzeit bespielen können – mit

dem Vorteil, dass die Showrooms

direkt mit Nextrade verknüpft sind

und die Händler direkt aus diesem

heraus ordern können.

https://consumergoodsshow.

messefrankfurt.com

11/2020 möbel kultur 49


IDEEN ZUR

LOOKINSPIRATION

50 möbel kultur 11/2020


Kare legt zur dunklen Jahreszeit ein Verwöhnprogramm zum Thema Wohnen auf. Mit italienischer

Eleganz und glanzvollem Metropolen-Schick. Da stimmen selbst die verschiedenen Grautöne fröhlich.

GEGEN DEN

HERBST-BLUES

/// Polstermöbel stehen neben den Küchen bei den Verbrauchern derzeit ganz

besonders hoch im Kurs. Das gemütliche Loungen, Kuscheln und ja, auch das

Sitzen passen nicht nur zum Herbst, sondern einfach in die unwirtliche Corona-

Zeit, in der man es sich trotz allem schön machen will.

Foto: Kare Design GmbH

11/2020 möbel kultur 51


WESTFALEN/PEOPLE

2

3

1

1 Maske tragen war nicht nur in Bad Salzuflen

Pflicht. Markus Wiemann machte

daraus eine Kür – als Wildkatze aus dem

Osnabrücker Zoo. 2 Neben Modellerweiterungen

sorgten bei dem 3C-Team mit

Jürgen Kleinegesse, Frank Scheddien und

Tanja Roß Neuentwicklungen wie das Multifunktionssofa

„Twister“ und eine Stärkung

der Lederkompetenz mit einer neuen Qualität

in 102 Farben für gute Stimmung.

Meetingpoint Ostwestfalen

Relaxte

Stimmung

4

Auf den Fotos mit unseren Gesprächspartnern

ist kaum zu erkennen, dass

die Herbstmessen in Ostwestfalen

dieses Mal unter anderen Voraussetzungen

über die Bühne gegangen sind.

Jedenfalls war – trotz Abstand – zu

spüren, dass sich alle Beteiligten auf

den persönlichen Austausch gefreut

haben – und froh waren, sich endlich

mal wieder live in die Augen blicken zu

können.

3 Loungige Optiken und Samtstoffe stehen

bei Easysofa derzeit hoch im Kurs, weiß

Produktentwickler Jean-Claude Gertschen.

4 Gute Laune bei der M.O.W.-Truppe, weil das

Timing stimmte. Die beiden Geschäftsführer

Andreas Reibchen und Bernd Schäfermeier,

Projektmanager Maximilian Richter sowie

Kaja Möller von der WAW Werbeagentur

ließen sich auf dem Weg zur M.O.W. 2020

nicht beirren.

58 möbel kultur 11/2020


5

6

5 Ada war in diesem Jahr erstmals auf der M.O.W.mit seinen fünf Marken Ada Austria Premium,

Alina, Trendline, Tom Tailor sowie Chillin‘ vertreten. Bereits am Messedienstag konnten die beiden

Vorstände Simon Bair und Gerhard Vorraber (v.l.) ein positives Resümee ziehen. 6 Immer für eine

Überraschung gut: Benjamin Stewner. Er kam passend zur lebensnahen Präsentation des „Home of

colours“ von Tom Tailor im Blaumann. 7 Tim und Lea Oberwelland führen die Werther Möbelmanufaktur

in die Zukunft.100 Hochwert-Händler zählen inzwischen zum Kundenstamm.

8

7

9

8 Christoph Gwosdz (l.) und

Ricardo López (IMS Group)

profitieren derzeit stark

davon, dass sie in Deutschland

ihre Polstermöbel

fast ausschließlich online

vermarkten. 9 Die Relaxsessel-Linie

„Flexlux“ will

Theca-Vertriebsleiter Thomas

Jäger als Marke etablieren.

10

10 Auf 350 qm zeigte Domo

Collection-Geschäftsführer

Ulf Vietor nicht nur diverse

Polstermöbel-Konzepte mit

raffinierten Funktionen, sondern

auch topaktuell „Looks

by Wolfgang Joop“.

11/2020 möbel kultur 59


WESTFALEN

Herbstmessen in Westfalen: Von gedeckten Farben bis zur Eiche als Dauerbrenner

Das gab es zu entdecken

Die Herbstmessen 2020 in Ostwestfalen waren ein Erfolg – trotz Corona. Nicht nur, weil die Messen überhaupt stattgefunden

haben. Die Industrie hat größtenteils während der Frühjahrs- und Sommermonate ihre Sortimente weiterentwickelt.

Das haben Handel und Verbände honoriert. Selbst wenn keine Innovationsflut zu erwarten war, so hat die „möbel

kultur“ einige interessante Neuheiten entdeckt, die die derzeitige Sonderkonjunktur im Wohnen sicherlich beflügelt.

Einfach QR-Code scannen, PDF

öffnen und die große Analyse

zu den Herbstmessen, die

bereits in der Oktober-Ausgabe

erschienen ist, lesen.

Erst seit 2,5

Jahren ist der

französische

Hersteller

Akante auf

dem deutschen

Markt aktiv.

Seine Spezialität

sind Tische

mit Keramikoberflächen

und Funktionen.

Echt lebensnah: Die Kojen

bei Tom Tailor. Als Vorbild

dienten reale Wohnungen.

Neben der überarbeiteten

Stoffkollektion war Farbe

das große Thema.

Der wichtigste Trend vorab:

Wohnen hat einen neuen Stellenwert

bei den Verbrauchern

bekommen – und davon profitieren

alle Marktteilnehmer. Dazu kommt,

dass oftmals die Durchschnittsbons

gestiegen sind. Viele Kunden kaufen

hochwertiger. Eine positive Entwicklung,

die der Einrichtungsbranche

gut tut. Bei bestimmten Warengruppen,

wie beispielsweise Möbeln für

das Homeoffice, ist in den letzten

Monaten ein echter Bedarf entstanden.

Germania ist hier schon länger

aktiv, Bega hat aktuell nachgelegt.

Auch Polstermöbel laufen derzeit

überdurchschnittlich gut, das Wohnzimmer

als Familienraum rückt wieder

stärker in den Mittelpunkt. Bei

den Farben dominieren gedeckte

Töne wie Curry, Grün oder Bordeaux.

Samt- und Cordstoffe kommen

immer häufiger zum Einsatz.

Das zeigte die riesige Ausstellung

bei Polipol in Diepenau, auch Ada,

3C oder Easysofa setzen auf diese

Trends. Es soll eben gemütlich werden

im Corona-Herbst und -Winter.

Das gilt selbstverständlich auch für

das nach wie vor wachsende Angebot

bei Polster- und Boxspringbetten.

Und von der Tatsache, dass in den

60 möbel kultur 11/2020


Loungig und elegant:

Die Inszenierung bei

BeType (IMS Group),

griffige Leder und

geradlinige Formen.

Kommt bei ES Brand

(Easysofa) gut an:

Gemütliches Sofa

mit Wipp-Funktion.

Ekornes zeigte alle vier

Linien des Konzerns: u.a.

Stressless „Ella“ (l.) ganz

klassisch mit Vintageleder

und erstmals skandinavischer

Look von Qumei (r.).

Volker Schrader präsentierte

mit seinem Trio Mintjens,

Ztahl und HCM Furniture

schicke, aufeinander abgestimmte

Inszenierungen.

11/2020 möbel kultur 61


WESTFALEN

Corona-bedingt auf Abstand,

aber in der strategischen Ausrichtung

im engen Schulterschluss:

Christian Pauly (l.),

Germania-Geschäftsführer, und

Volkmar Halbe, Unternehmensberater

und Koordinator für

Vertrieb und Produkt.

Germania: Profitiert von hohem Onlineanteil

Fokus auf globale Exzellenz

Germania hat erfolgreich einen knallharten Sanierungskurs hinter sich gebracht. Im Zuge dessen

stellte sich das Unternehmen für die hohen Ansprüche der Onlineanbieter neu auf. Die „möbel kultur“

sprach mit Christian Pauly, verantwortlich in der Geschäftsleitung für das Supply Chain Management,

und Volkmar Halbe, Interimsmanager für Vertrieb und Produkt, über die Herausforderungen, diese

Prozess-Exzellenz nun auch ins Ausland zu transferieren.

Fotos: Germania und möbel kultur

möbel kultur: 2020 ist ein verrücktes Jahr.

Inwieweit ist Germania von den Irrungen

und Wirrungen betroffen?

Volkmar Halbe: Man muss zwei Phasen

unterscheiden. In der ersten Phase,

beginnend mit dem 16. März bis

Juni, haben wir online richtig gut

gelegen. Obwohl die Nachfrage aus

dem stationären Handel in diesen

Monaten wegbrach, haben wir das

Werk auf 80 Prozent weiter gefahren.

Mit der Wiedereröffnung der

Möbelhäuser gab es in der gesamten

Der stationäre

Möbelhandel interessiert

sich für Produkte, Onliner

für Dropshipping.

Christian Pauly

Branche einen sehr starken Juli und

August. Daran konnte auch Germania

partizipieren, weil insbesondere

die großen, stationären Häuser sehr

gut geordert haben. Aktuell ist das

Onlinegeschäft prozentual wieder

im normalen Bereich, doch die

Nachfrage im stationären Handel

ist nachhaltig hoch, egal ob wir

über Deutschland, Österreich oder

die Schweiz reden. Etwas anders

gestaltet sich die Situation in den

Anrainerstaaten, weil wir dort zum

einen nicht so stark vertreten sind,

und zum anderen die Lockdowns

in Ländern wie beispielsweise Belgien

oder Frankreich doch deutlich

restriktiver waren. Wenn wir

von boomenden Märkten sprechen,

dann von Deutschland, Österreich

und der Schweiz.

Christian Pauly: Aufgrund unseres

starken Onlineengagements von 45

bis 50 Prozent Umsatzanteil werden

wir also weit besser durch das Jahr

kommen, als zu Beginn der Pandemie

gedacht.

möbel kultur: Gleichwohl haben auch Sie

Kurzarbeit als Instrument genutzt. Wie

lange?

Christian Pauly: Nur sieben Wochen

in der Produktion. Von Seiten des

Staats sind da die richtigen Entscheidungen

getroffen worden,

gerade das Thema Kurzarbeit konnte

schnell und pragmatisch angegangen

werden. Das hat uns sehr geholfen,

obwohl wir es nur sehr kurz in

Anspruch genommen haben.

Volkmar Halbe: Diesen Schritt halte

auch ich für richtig. Ich glaube, dass

sich jetzt einmal mehr zeigt, wer in

der Unternehmensführung gut ist

und wer nicht. Sie wissen ja, dass

Germania zwei, drei Jahre einen

harten Sanierungsprozess durchlebt

hat. In dieser Zeit haben wir

66 möbel kultur 11/2020


gelernt, sehr schnell zu reagieren.

Alles andere ist unverantwortlich

in solchen Situationen. Deshalb

runterbremsen, Kurzarbeit beantragen,

Kosten runterfahren. Der

Werkzeugkasten ist in Krisenzeiten

relativ klar umrissen.

möbel kultur: Mit welcher Sortimentsstrategie

wollen Sie ins nächste Jahr gehen?

Volkmar Halbe: Wir haben uns aus der

Sanierung heraus in den letzten Jahren

schon sehr klar positioniert. Wir

produzieren ausschließlich zerlegte

Ware und sehen uns hier im mittleren

bis oberen Preissegment, weil

wir die Skalenvorteile, die Wettbewerber

generieren, die im Ausland

fertigen, in deutscher Produktion

nicht darstellen können. Anders

ausgedrückt: Wir sind die Edel-

Zerlegten, die in der Positionierung

Preis, Produkte, Preiswürdigkeit,

das Made in Germany auch kapitalisieren

müssen. 95 Prozent der

Teile, die wir fertigen, kommen hier

aus dem Werk in Schlangen. Dabei

wird es bleiben, aber dafür müssen

wir dann einen Mehrwert bieten,

sowohl in der Formensprache als

auch in der Funktionalität, der sich

dann im Preis niederschlägt. Gleichwohl

müssen wir auf der Kostenseite

und logistisch auf dem Punkt

sein. Dabei hat die Sanierung sehr

geholfen. Auf dieser Basis wollen

wir online weiter in die Offensive

gehen, was nicht heißt, dass wir

den stationären Handel vernachlässigen,

aber wir sind davon überzeugt,

dass dem Multi-Channel die

Zukunft gehört.

möbel kultur: Gibt es Verschiebungen in

den Segmenten?

Volkmar Halbe: Unser Fokus liegt weiterhin

auf Garderoben und Wohnen.

Darüber hinaus entwickelt

sich das Thema Bad sehr gut, das

wir vor zwei Jahren hinzugenommen

haben. Und ebenso hat der

Office-Bereich im letzten Jahr schon

durch den Wegfall von Welle einen

Schub bekommen und in diesem

Jahr Corona-bedingt. Immer bezogen

auf den Heimarbeitsplatz bzw.

bis hin zum Semi-Profi-Bereich.

Hiermit werden wir uns nach der

Messe auch noch einmal intensiv

beschäftigen.

möbel kultur: Die Herbstmessen haben

einmal mehr gezeigt, dass der Austausch

wichtig ist und das Begutachten der Produkte

vor Ort.

Christian Pauly: Ja, das gilt für den

stationären Handel, der ein Produkt

auf der Messe ordert, während die

Onliner einen Prozess kaufen.

Volkmar Halbe: Während der stationäre

Händler sich beim Einkauf die

Beschläge, und die Oberflächen etc.

anschaut, fragt der Onlinehändler

nach Dropshipping oder wie er die

Bilddaten bekommt, über welche

Systeme wir verfügen.

möbel kultur: Wie lange braucht ein

Unternehmen aus Ihrer Erfahrung, um

Dropshipping-fähig zu sein?

Christian Pauly: Die erste Frage, die

sich einem Unternehmer stellt, ist,

ob das überhaupt von der Grundstruktur

der Firma funktionieren

kann. Selbst wenn Sie diese Frage

mit Ja beantworten können, braucht

es immer noch zwei bis drei Jahre,

bis die Prozesse alle laufen.

möbel kultur: Produkte sind den Onlineanbietern

also eher egal?

Christian Pauly: Natürlich muss ein

Produkt zur Zielgruppe passen und

die Qualität muss stimmen, aber

die Kommunikation der Onliner

funktioniert völlig anders als im

klassischen Möbelhandel.

Volkmar Halbe: Am Ende des Tages

bekommen wir drei Gigabyte zur

Verfügung und wir müssen diese

Wir sind die Edel-

Zerlegten, die das „Made

in Germany“ auch kapitalisieren

müssen.

Volkmar Halbe

so nutzen, dass wir bei den Suchmaschinen

ganz oben stehen.

Christian Pauly: Letztendlich entscheiden

die Kunden, so argumentieren

Onliner. Ein stationärer Händler hat

diesbezüglich mit ganz anderen Dingen

zu kämpfen, muss die Kojen

dekorieren, die Werbung organisieren

und hat im Zweifel das Lager voll

und muss ein neues Produkt listen,

wenn das andere nicht läuft.

möbel kultur: Das hört sich nach einer

düsteren Zukunft für den stationären

Möbelhandel an.

Volkmar Halbe: Auch der großflächige

Möbelhandel erlebt aktuell Zeiten,

wie es sie lange nicht gab. Wir

hören davon, dass die Frequenzen

relativ normal sind, aber die Entscheidungsgeschwindigkeiten

und

die Einkaufskörbe der Kunden deutlich

gestiegen sind. Und das führt in

der Industrie zu gefüllten Auftrags-

Mit „GW-Lissabon“

bedient Germania den

Homeoffice-Bereich.

Grifflose Fronten in

den Dekoren Eiche

und Graphit und eine

moderne Schreibtischlösung

entsprechen

dem Zeitgeist.

11/2020 möbel kultur 67


HAUSMESSE SÜD

Hausmesse Süd: Solide gearbeitet

Frische

Ware aus

dem Süden

Ruf Betten

Glückwunsch Composium!

Highlight bei Ruf war der wirklich erstaunliche

40. Geburtstag des echten Klassikers

„Composium“: eine Erfolgsgeschichte, die vor

14.710 Nächten startete. Darüber hinaus lancierte

der Bettenspezialist mit „Livera“ ein neues System in

Kombination mit Lack sowie mit „Veronesse“ den „SUV“

unter den Boxspringbetten. Trotz Corona-bedingt weniger

Frequenz, vor allem aus dem Ausland, freute sich Geschäftsführer

Heiner Goossens (Foto) über erfrischende Gespräche,

die „allesamt zukunftsorientiert optimistisch waren.“

Dass überhaupt eine Messe stattfinden konnte, war seiner

Meinung nach richtig. Denn wesentlich für das kommende

Jahr sei die „Umsatzsicherheit in Zeiten unsicherer Rahmenbedingungen.“

Fazit: „Es wurde sehr deutlich, dass wir mit

unseren spannenden Entwicklungen auch künftig eine starke

Markt- und Markenposition besetzen.“ www.ruf-betten.de

Die Hausmesse Süd hatte das Glück, ebenso

wie die Veranstaltungen in Westfalen im

Corona- schwachen Zeitfenster Ende September

über die Bühne gehen zu können. Und auch

wenn die Anzahl der Teilnehmer in diesem

Jahr etwas dezimiert war, so hatten sich

die Hersteller, die ihre Showrooms geöffnet

hatten, wie gewohnt bestens vorbereitet und

einiges an Neuheiten parat. Davon konnte sich

die „möbel kultur“ vor Ort überzeugen.

Rolf Benz

Komplette Wohnbilder

Eine weiche Umarmung“ nennt Rolf Benz das ikonische

Modell „594“, das der Designer Sebastian Herkner

für die Nagolder entworfen hat (unten). Nach dem Motto

„Mix & Match“ kann die Rückenschale im Bezug (Stoff/

Leder) abgesetzt werden. Interessant ist außerdem, dass

die Marke zunehmend auch Kastenmöbel anbietet (neu:

Schrankmöbelsystem „Stretto“, rechts).

Ein sichtbarer Einfluss der chinesischen

Inhaber Kuka, die, auch für den

wachsenden asiatischen Markt, eine

komplette Rolf Benz-Welt abbilden

wollen. Erst Mitte des Jahres wurde

der erste Monobrand-Store in Shanghai

eröffnet. www.rolf-benz.com

ROLF BENZ

76 möbel kultur 11/2020


Hausmesse Süd-

Geschäftsführer Lars

Bornschein freute sich,

dass die teilnehmenden

Hersteller ein positives

Fazit ziehen konnten.

Gwinner

Midcentury-Style

Das Highlight bei Gwinner war „Brera“,

ein sehr modernes, individuelles

Planungsprogramm für Solitärmöbel (oben).

Hier treffen schlichte Hölzer – dunkle oder helle

Eiche – auf Akzentflächen in Gold oder Silber. Damit will der

Hersteller aus Pfalzgrafenweiler mit Brand Managerin Tamara

Gwinner-Henssler und ihrer Mutter Claudia Gwinner- Henssler

(Foto) neue Zielgruppen für sich gewinnen. Zweite Neuheit:

das modulare Planungssystem „Calea“ mit viel Lack, und einer

klaren Linienführung. www.gwinner.de

Rauch

Zweimal ganz „Easy“

In diesem Corona-Jahr, in dem nichts ist wie gedacht, hatte Rauch das

Glück, dass die Transformation des Unternehmens schon recht weit fortgeschritten

ist, so dass u. a. durch den steigenden E-Commerce-

Anteil einiges an Einbußen aufgefangen werden konnte. Zudem profitiert

der Hersteller in Zeiten von Materialknappheit in besonderem Maße von

dem eigenen Spanplattenwerk, erläutert der Geschäftsführende Gesellschafter

Michael Stiehl (r. zusammen mit dem neuen CCO Jochen Arndt).

Weiter geht‘s für Rauch zudem mit dem im letzten Jahr gestarteten Markenrelaunch

und die erforderliche Marktdurchdringung von Rauch „Black“

(neu: „20up Wood“, Foto), „Orange“ und „Blue“. Bislang wurden 180

Studios umgesetzt. In der Produktentwicklung setzen die Freudenberger

darüber hinaus auf die beiden Innovationen „Easy slide“, einer geteilten

Schwebetüren-Laufschiene, die den Transport enorm erleichtert und auf

werkzeuglose Beschläge namens „Easy fix“. www.rauchmoebel.de

Resümee von Lars Bornschein

„Hausmesse Süd überzeugt

in der Corona-Krise“

Der Mut, trotz Coronakrise zu den Ausstellungen

der Hausmesse Süd zu fahren,

wurde belohnt. So lässt sich das Fazit der diesjährigen

Hausmesse Süd zusammenfassen. Von

den Verbänden und Einkäufern die unterwegs

waren kamen jedenfalls sehr positive Feedbacks,

was auch mit einer sehr guten Ordertätigkeit

quittiert wurde. Das Versprechen der Einladungskampagne

lautete „Feinste Ideen. Mit

Lust auf Mehr.“ Ohne zu übertreiben kann man

konstatieren, dass die Aussteller das Versprechen

eingelöst haben. Für den Messebesucher war

bis auf das Maskentragen und das Ausfüllen der

Rückverfolgungslisten kaum ein Unterschied zu

den Vorjahren zu bemerken. In jeder Ausstellung

waren ein hoher Prozentsatz neuer Modellreihen

sowie auf neue Konsumenten-Trends und

Ansprüche ausgerichtete Produktergänzungen

zu sehen. Aus so einer schwierigen Position

heraus in der Lage zu sein, Normalität auszustrahlen

und wichtige Impulse für eine positive

Marktentwicklung zu setzen, beweist die Stärke

der Möbelmarken aus dem Süden.

Bedauerlich bleibt freilich, dass vor allem

Besuche aus dem Ausland kaum möglich waren.

Und auch aus dem Inland war coronabedingt

weniger Fachpublikum unterwegs als sonst. Dies

war jedoch zu erwarten, weshalb die Hersteller

neue Wege beschritten haben um den Möbelhändlern

die Messe-Highlights auf digitalen

Kanälen erlebbar zu machen.

Auf www.hausmesse-sued.de finden Sie die

wichtigsten Neuheiten, sowie zahlreiche Links

zu 360 Grad-Rundgängen durch Ausstellungen,

zu Modellkonfiguratoren oder speziellen

Themen- oder Modell-Landingpages.

Wer dann noch Lust auf mehr hat, kann

immer noch seinen ganz individuellen Messebesuch

realisieren. Denn die Ausstellungen bleiben

fast ein ganzes Jahr bestehen und können nach

Terminabsprache besucht werden. Bis zur

nächsten Hausmesse Süd vom 27. September bis

1. Oktober 2021 (Kernzeit).

11/2020 möbel kultur 77


Nie war eine

leistungsstarke

Gemeinschaft so

wichtig wie heute! Zum

Faktencheck

Der Einrichtungspartnerring VME bietet neben dem professionellen Einkauf

exklusive Handelsmarken wie Interliving und eine Rundum-Vermarktung.

Mit unserer Zukunftsorientierung bieten wir dem mittelständischen

Möbelhandel eine starke Händler-Gemeinschaft.

Werden Sie Teil der Gemeinschaft!

geschaeftsfuehrung@einrichtungspartnerring.com

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