DIE WIRTSCHAFT MS I MS-Land - 24. Nov. 2020

hallomuenster

Macher &Märkte: Akademie

für Friseure Seite 5

Branchen &Betriebe: Auf dem

Wochenmarkt zu Hause Seite 10

Leben &Wissen: Vahrenholt

zur Klimadebatte Seite 20

DIE WIRTSCHAFT

Münster |Münsterland

Mit Beilage

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DAS WIRTSCHAFTSLEBEN IN DEN

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Ausgabe 8/2020

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Nur noch ein Minimum Kontakt

Gastronomen und Hoteliers im Münsterland haben gerade erheblich in Hygiene, Virenschutz sowie Konzepte

für den Außer-Haus-Verkauf investiert –da setzt sie der zweite Lockdown schon wieder massiv unter Druck.

Straßauf, straßab musste die Gastronomie

zum 1. November zusperren. Und so

wirkt ausgerechnet dieses Datum für

eine Neueröffnung in der Branche angesichts

des erneuten Lockdowns wie blanker

Hohn. Doch das Sreetfood-Konzept

von „Knopfsknolle“ in Münster hat das

Potenzial zum coronabedingten Durchstarter:

Kumpir –hier die regionale Ofenkartoffel

–und Stampf mit individuell

ausgewählten Toppings und Soßen „to

go“ im nachhaltigen Mitnahme-Geschirr.

„Den Businessplan habe ich im März

unter Lockdown-Bedingungen entwickelt“,

berichtet Max Sailer.

Der ehemalige Lehramtsstudent

und Selfmade-Gastronom

wollte seine Kumpirund

Bowl-Spezialitäten so

an die Kartoffelgenießer

bringen, dass auch bei steigenden Infiziertenzahlen

und erneutem Lockdown –natürlich

unter Einhaltung der Abstandsregeln in

der Warteschlange und den Hygienevorschriften

–der Laden brummt. „Ganz bewusst

habe ich auf Sitzgelegenheiten verzichtet

und voll auf das Außer-Haus-Geschäft

gesetzt“, erläutert Sailer (Spitzname

„Knopf“), der seine Knollen aus einem Integrationsbetrieb

aus Warendorf bezieht.

Abholen muss der Kunde die Kartoffel-Kulinarik

selbst, ein Lieferservice steht noch

nicht auf Sailers Agenda.

Großgastronom Markus Geßler tritt bereits

aufs Gaspedal: „Ich habe gerade zehn E-

Smarts angeschafft“, berichtet der Betreiber

vonEnchilada, Besitos, Apostound weiterer

gastronomischer Betriebe in Münster. Mit

dem im März vonihm undweiterenGastro-

Kollegen gegründeten Lieferservice

„hungrig.ms“ kann Geßler nicht nur auf

Anfang November eröffnete Max Sailer in Münster seinen eigenen gastronomischen Betrieb. Er hat „Knopfsknolle“ gleich so

konzipiert, dass sämtliche Corona-Auflagen erfüllt werden.

Foto: Knopfsknolle

eine bereits Lockdown-erprobte Infrastruktur

zurückgreifen, sondern will auch Lieferando

den Kampf ansagen: „Im Gegensatz

zum Liefer-Giganten ist unser regionaler

Service zum Selbstkostenpreis für die Gastronomen

zu haben. Und unsereMitarbeiter

fahren auch nicht mehrereAdressen hintereinander

ab. Sprich: Das Essen kommt tatsächlich

warm beim Kunden an“, verspricht

Geßler. „Und machen wir uns nichts vor:

Außer-Haus-Verkauf ist nicht reine Kundenpflege,

man kann auch tatsächlich ein paar

Euro damit verdienen, wenn man gute und

faire Strukturen schafft.“

Überhaupt ist der Sprecher der Innenstadt-

Gastronomen in Münster ein Unentwegter,

wenn es darum geht, seine Branche in die

Zukunft zu geleiten: Mit dem Biergarten vor

dem Schloss und jetzt dem Pop-up-Restaurant

„Wintergarten“ setzt Geßler voll auf die

Digitalisierung. Kontaktdaten hinterlassen,

bestellen bei verschiedenen Restaurants

und bezahlen kann der Gast ausschließlich

via Smartphone. Das System reduziert den

Kontakt zwischen Gast und Personal auf ein

Minimum, perfekt in Corona-Zeiten.

► Fortsetzung auf Seite 2/3

OFFEN GESAGT

Notration

Esist angerichtet: Die Berliner

Politküche hat ein Menü

zubereitet, das den Gastronomen

schmecken dürfte. Jedenfalls,

wie es bisher auf der Speisekarte

steht. Nachdem Rezept

und Zutaten bekannt sind, heißt

es nun Tempo machen, damit

die Adressaten nicht einem finanziellen

Kalorienmangel erliegen.

Der Hunger ist beträchtlich

–und angesichts dessen stellt

sich die Frage, ob die Vorratskammern

für diese Branchen-

Speisung überhaupt ausreichend

gefüllt sind.

Ein Programm von zehn Milliarden

Euro dürfte für ein Gewerbe

mit derart vielen Betrieben und

Beschäftigten kaum reichen. Zumal

niemand weiß, wie lange

die Lokale geschlossen bleiben.

Die Wahrscheinlichkeit, dass

eine prosperierende Branche

über den zunächst abgesteckten

Zeitrahmen des Lockdown light

hinaus von Bund und Land

durchgefüttert werden muss, ist

hoch.

Für die Chefköche in Berlin,

Düsseldorf und Co. geht es aber

nicht nur um die Rettung möglichst

vieler Unternehmen und

Arbeitsplätze, sondern auch um

den Erhalt lebenswerter Innenstädte.

Die fragile Balance aus

Gastronomie, Handel, Ketten

und inhabergeführten Läden

könnte kippen. Und selbst wenn

die staatliche Großkantine den

massiven Ausstoß von finanziellen

Notrationen ausdauernd aufrechthält,

dürfte klar sein, dass

die Strukturen im Gastgewerbe

nach Corona nicht mehr dieselben

sein werden wie vor der

Pandemie. Maike Harhues

2021 rollt die Insolvenzwelle

Fachverband prognostiziert für das Frühjahr einen Anstieg, aber keinen Rekord.

Wann rollt die lange befürchtete Insolvenzwelle

durch die deutsche Wirtschaft?

Während derzeit die Insolvenzzahlen

auf einem 20-Jahrestiefstand

liegen, erwartet der Bundesverband

Credit Management (BvCM) im

Frühjahr einen deutlichen Anstieg der

entsprechenden Verfahren.

Die Zahlen würden aber

deutlich unter dem Rekordniveau

von2004 liegen,

erklärte Dr. Thomas

Kluth, im Vorstand des

Bundesverbandes Credit Management

4 198869 003501

2 0 0 4 8

e.V. für den Bereich Recht zuständig.

Den Anstieg führt der BvCM unter anderem

darauf zurück, dass zum 1. Januar

2021 die Überschuldung wieder ein

zwingender Grund ist, einen Insolvenzantrag

zu stellen. Für die Zahlungsunfähigkeit

ist dies bereits seit dem 1. Oktober

2020 wieder so.

„Andererseits sehen wir erhöhte sektorale

Insolvenzrisiken in den nachfolgenden

Branchen: Automobilbereich (hier:

die Zulieferer infolge mangelnder Konzepte

der deutschen Automobilhersteller

im Hinblick auf die Elektro-Mobilität),

Handel- und Textilhandel (auch mit

Blick auf die Hersteller, denen die Absatzstationen

wegbrechen), Reise- und

Touristikunternehmen, Messe- und Veranstaltungsbetriebe,

Hotelunternehmen

(wenn Einnahmen hauptsächlich aus

Bankett-Geschäft und Tagungen erzielt

werden), Immobilienprojektgesellschaften

und Einkaufszentren mit Bezug zu

den vorgenannten Bereichen und Gastronomie

(immerhin nach Anzahl der

dort Beschäftigten der drittgrößte

Arbeitgeber in Deutschland).“

Allerdings, so ist der BvCM sicher, wird

sich die Anzahl der Insolvenzen auch

2021 weit unter dem Rekordniveau von

2004 mit fast 40 000 Verfahren bewegen.

„Dies mag auch damit zusammenhängen,

dass mit dem Sanierungs-Reformpaket

mit dem darin enthaltenen

Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz,

das spätestens

zum 1. April in Kraft tritt, viele problembeladene

Mittelständler und Konzerne

versuchen werden, eine außergerichtliche

Sanierung hinzubekommen.“

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2 MACHER &MÄRKTE

„Ein harter Schlag ins Kontor“

Hotels wie der traditionsreiche Kaiserhof in Münster mussten ihr Team erneut in die Kurzarbeit schicken.

Ausrechnet das wichtige Geschäft in der umsatzstarken Zeit vor dem Jahresende fällt diesmal aus.

„Wir hatten sehr auf die

sonst gut ausgelastete

dunkle Jahreszeit gehofft.“

Kay Fenneberg, Kaiserhof in Münster

Fortsetzung von der Titelseite

Dichtmachen musste Markus

Geßler vier Wochen nach

der Wintergarten-Eröffnung

zum Lockdown-Beginn aber

trotzdem –wie alle anderen

Betriebe auch.

„Das ist ein harter Schlag ins Kontor. Wir

hatten sehr auf die sonst gut ausgelastete

dunkle Jahreszeit gehofft“, räumt Kay Fenneberg,

Chef des Hotels KaiserhofinMünster,

ein. Dafür hat er sein traditionsreiches

Haus coronabedingt fit und noch sicherer

gemacht, hat in kostspielige Luftfilteranlagen

investiert. „Hinter unserem Haus ist

kein Berg, vor uns kein See. Auch im September

und Oktober

hatten wir

nur ungefähr die

Hälfte des Umsatzes

–wir leben

eigentlich von

Betriebs- und

Weihnachtsfeiern

und großen

Messen.“ Im Moment

keine wirkliche Perspektive, deshalb

hat Fenneberg sein Vier-Sterne-Superior-

Hotel und das Restaurant für die Zeit des

Lockdown light ganz geschlossen, seine 63

Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. „Das ist

auch nicht gerade förderlich für den Team-

spirit. Der musstesich auch nach dem ersten

Lockdown ganz langsam wieder aufbauen“,

schildert der Hotelier und Restaurantbetreiber.„Ganz

ehrlich: Ich rechne mit Normalität

in unserer Branche erst wieder,wennein

Impfstoff für jeden zugänglich ist.“

Planbar ist zurzeit so gut wie nichts für die

Unternehmer: „Ich glaube nicht wirklich,

dass wir am 1. Dezember wieder öffnen dürfen“,

befürchtet Moritz Ludorf. Und wenn,

dann will der Betreiber von Deckenbrock`s

Kleinem Kiepenkerl in Münster in Heizpilze

investieren. Selbst bei acht, neun Grad wollen

die Gäste lieber draußen sitzen, trotz

der weit auseinander stehenden Tische und

der Plexiglastrennwände in den Innenräumen

der GaststätteamSpiekerhof. Am Wochenende

vorLockdown-Beginn sei es noch

einmal so richtig voll gewesen, seine Gäste

würden die Schließung bedauern, ihn aber

im Außer-Haus-Geschäft unterstützen.

„Wenn ich allerdings zehn Hauptgerichtean

die gleiche Adresse liefere, kann ich mir

auch zusammenreimen, dass sich die Leute

zu Hause treffen“, gibt Ludorfzubedenken.

Da frageman sich nicht nur als Gastwirt, ob

es nicht besser sei, wenn die Menschen mit

Kontaktlisten, Masken, Abstand und Handdesinfektion

in Kleinst-Gruppen zu viert in

den Restaurants zusammenkämen.

Von den 4500 Betrieben im Gastgewerbe,

die es im Münsterland gibt, ständen viele –

besonders die kleineren –mit dem Rücken

IMPRESSUM

DIE WIRTSCHAFT Münster /Münsterland

Verlag

Aschendorff Medien GmbH &Co. KG

An der Hansalinie 1-48163 Münster

Geschäftsführung: Dr. Benedikt Hüffer, Dr. Eduard Hüffer,

Marc Zahlmann-Janzen, Dennis Hagen

Ein bedrückendes Bild: Der erneuteLockdown hatKay Fenneberg(r.)gezwungen, den Kaiserhof und

das dazugehörige Restaurant für Wochen zu schließen.

Foto: Kaiserhof

Verlagsleitung Werbemarkt &Anzeigenleitung

Marc Arne Schümann (verantw.)

Verkaufsleitung

Myriam Horstmann

Tel.: 0251 690-908417

Anzeigenverkauf

Frank Micheel

Tel.: 0251 690-908418

Lars Normann

Tel.: 0251 690-908419

Redaktion

Claudia Bakker (verantw.)

Jenny Hagedorn

Druck

Aschendorff Druckzentrum GmbH &Co,, KG

An der Hansalinie 1, 48163 Münster

Auflage 18.000 Exemplare

www.die-wirtschaft-muensterland.de

zur Wand, weil ihnen die liquiden Mittel

ausgingen, weiß Hendrik Eggert. Seinen Betrieb

betrifft das nicht: „Wir persönlich hatteneinen

Top-Sommer,haben gespürt, dass

viele Urlaub in Deutschland gemacht haben

und E-Bike-Touren als Tourismuskonzept

für das Münsterland sehr erfolgreich sein

können“, resümiert der Inhaber des Ringhotels

Landhaus Eggert in Münster-Handorf

und des Fisch-Restaurants Sylt am Bült.

Dass dieser kleine Aufschwung des Sommers

nun mit einer zweiten Schließung erneut

ausgebremst werde, „ist schon sehr,

sehr bitter“, findet Eggert. Die in Aussicht

gestellten Hilfen, „wenn es denn tatsächlich

75 Prozent des Umsatzes des Vorjahresmonats

sind und nicht noch alles Mögliche abgezogen

wird“, hält Eggert für ein faires Angebot.

Und hofft, dass die vonden Ministern

Altmaier und Scholz versprochenen Novemberhilfen

auch wirklich Hilfen im November

sind. „Auf die im ersten Lockdown

in Aussicht gestellten Hilfen habe ich genau

55 Tage gewartet“, berichtet der Unternehmer

und Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes

(DEHOGA) in Münster.

Natürlich beobachteEggert genau, wie sich

die Klagewelle gegendie Lockdown-Bestimmungen

entwickelt. „Sollten wir am 1. Dezember

entgegen der Zusicherungen der

Regierung nicht wieder öffnen dürfen und

eine KlagehätteguteErfolgsaussichten, erwäge

ich diesen Schritt durchaus –schon

aus Verantwortung meinen Mitarbeitern

gegenüber“, erläutert der Hotelier und

Gastwirt.

Gegen die Novemberschließung juristisch

zu Felde zu ziehen, rät der DEHOGA NRW

seinen Mitgliedern zunächst aber nicht.

„Wir halten die 75 Prozent Hilfszahlung angesichts

der schwächeren Umsatzperspektive

für denNovember 2020 zum Vorjahr für

fair“, bewertet Renate Dölling das aktuell

geschnürte Hilfspaket. „Spannend ist dann

meist das Kleingedruckte und wie schnell

und hürdenlos das Geld fließt“, meint die

Geschäftsführerin des DEHOGA Münster.

► Fortsetzung auf Seite 3

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MACHER &MÄRKTE 3

Langfristige Perspektive

NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart geht davon aus, dass die Überbrückungshilfe

für die vom Lockdown betroffenen Betriebe bis Mitte 2021 verlängert wird.

Investition in die Hygieneauflagen: Hendrik Eggert(l.) hatfür die Wintersaison

extra Luftfilteranlagen aufgestellt.

Foto: Landhaus Eggert

Hilfe mit Haken

und Ösen

IHK erhält Tausende von Anfragen.

Fortsetzung von Seite 2

Wann und wie genau –nämlich nur mit Hilfe

eines Steuerberaters –die Unternehmer des

Gastgewerbes die mit zehn Milliarden Euro

veranschlagten Hilfen beantragen können,

wird gerade geklärt. Zu dem Thema laufen in

der IHK Nord Westfalen gerade die Telefone heiß. „Wir hatten 1000

Anfragen allein in der ersten Woche“, sagt Sven Wolf, Teamleiter

Unternehmensförderung bei der IHK. Und betont: „Natürlich rücken

auch jetzt wieder Fragen zur Entschädigung in den Mittelpunkt,

denn viele Unternehmen sind klar am Limit. Nach unserer

aktuellen Umfrage ist bei gut einem Viertel der Unternehmen das

Eigenkapital gefährlich abgeschmolzen, jedes achteUnternehmen

räumte Liquiditätsengpässe ein.“

Im Außer-Haus-Geschäft sieht Wolf durchaus eine Chance für eine

Zukunft der Branche, falls Corona die Menschen noch langebegleitenwird.

Zumal Außer-Haus-Verkäufe–Stand jetztund noch nicht

final bestätigt, wie die IHK betont –nicht zum Ausschluss von der

außerordentlichen Wirtschaftshilfe führten. „Hierbei erzielte Umsätze

von mehr als 25 Prozent der Umsätze des November 2019

werden auf die Umsatzerstattung angerechnet, damit es keine

Überförderung vonmehr als einhundert Prozent des Vergleichsumsatzes

gibt. Für Restaurants wirddie Umsatzerstattung auf 75 Prozent

der Umsätze im Vergleichszeitraum 2019 mit vollem Mehrwertsteuersatz

begrenzt“, erklärt Wolf die Details. Damit werden

Außer-Haus-Verkaufsumsätze mit reduziertem Mehrwertsteuersatz

herausgerechnet. „Doch im Gegenzug werden die Außer-Haus-

Verkaufsumsätze während der Schließung vonder Umsatzanrechnung

ausgenommen, um eine Ausweitung des Geschäfts zu begünstigen“,

ergänzt Wolf und zeigt eine Chance für die Branche

auf, die nichts mehr hofft, als den Fluch des Virus abschütteln und

zu dem Segen der zuvor gepflegten Gastlichkeit zurückkehren zu

können.

Maike Harhues

Gastronomie bedeutet nicht nur, Menschen

satt zu machen, sondern die Branche

bildet einen entscheidenden Standortfaktor

für vitale Innenstädte. Das

räumt auch Prof. Dr. Andreas Pinkwart

ein.Der NRW-Wirtschaftsminister

pocht gegenüber unserer

Autorin Maike Harhues deshalb

in einem Interview darauf,

dass das Gastgewerbe

nicht nur staatliches Geld, sondern vor allem

wieder eine gesicherte Perspektive erhalten

muss.

Obwohl die Gastronomie- und Hotelbranche

–bis auf wenige schwarze Schafe

–viel Geld in die Hand genommen und

die Hygienevorschriften strikt umgesetzt

hat und das Infektionsrisiko hier

als sehr gering eingestuft wird, wird sie

für vier Wochen pauschal mit Berufsverbot

belegt. Können Sie die Kritik an diesem

Vorgehen nachvollziehen?

Andreas Pinkwart: Der exponentielle Anstieg

der Infektionszahlen, wie wir ihn vor

einigen Wochen gesehen haben, hat ein

schnelles Handeln erfordert. Bund und Länder

haben gemeinsam die neuen Maßnahmen

beschlossen, um Kontakte konsequent

zu reduzieren und einer Überlastung des

Gesundheitssystems entgegenzusteuern.

Dies trifft vor allem die Gastronomie, die

Hotellerie und auch den Kulturbereich hart.

Sie können mir glauben, dass die Entscheidung

allen Beteiligten nicht leichtgefallen

ist.

Ist die Gastronomie geschlossen, verlieren

die Innenstädte erheblich an Attraktivität.

Welche Auswirkungen befürchten

Sie für den Einzelhandel und

das Weihnachtsgeschäft und wie kann es

gelingen, die Kunden nach dem Lockdown

wieder vombequemen Online-Sofa-Shopping

loszueisen?

Andreas Pinkwart: Die Bedeutung der

Gastronomie geht weit über ihren wirtschaftlichen

Wert hinaus: Sie prägt auch

unsere Kultur und unser gesellschaftliches

und soziales Leben. Die vielfältige Gastronomielandschaft

in Nordrhein-Westfalen ist

ein Standortfaktor, den wir unbedingt erhalten

müssen. Die Landesregierung hat daher

in der Coronaschutzverordnung festgelegt,

an den Wochenenden vor und nach

Weihnachten Verkaufsstellen des Einzelhandels

ausnahmsweise an mehreren Sonntagen

zu öffnen. Damit kann der Kundenandrang

in Stoßzeiten entzerrt und Infektionsgefahren

vermieden werden.

Die Politik hat ein großzügiges Hilfspaket

geschnürt, das die Branche in

einer Situation trifft, in der sie sich immer

noch nicht von den Folgen des ersten

Lockdowns erholt hat. Was haben

die Hilfen bewirkt?

Andreas Pinkwart: Wir haben nach dem

ersten Lockdown im Frühjahr sehr schnell

und wirksam gehandelt, um den betroffenen

Branchen zu helfen. Die Landesregierung

hat mit dem NRW-Rettungsschirm zügig

Mittel bereitgestellt, um die Unternehmen

bei der Bewältigung dieser nie dagewesenen

Krise zu unterstützen – möglichst

passgenau und auf die individuellen Bedarfe

zugeschnitten. Die Bundesprogramme

haben wir von Beginn zielführend ergänzt

und beispielsweise einen fiktiven Unternehmerlohn

gezahlt. In intensiven Verhandlungen

mit dem Bund konnten wir Verbesserungen

für die Unternehmen bei der Überbrückungshilfe

durchsetzen und machen

auch aktuell Druck, damit die angekündigtenNovemberhilfen

schnell ausgezahlt werden.

Müsste die finanzielle Hilfe nicht bis

über den November hinaus gewährt

werden, auch wenn die Betriebe wieder

öffnen dürfen?

Andreas Pinkwart: Die Unternehmen

brauchen eine langfristige Perspektive. Zuallererst

müssen sie wieder öffnen dürfen

und ihrer ureigenen Aufgabe nachgehen:

der Bewirtung von Gästen. Finanzielle Hilfen

können in der aktuellen Situation

durchaus dabei helfen, durch die Krise zu

kommen. Daher ist es eine gute Nachricht,

dass die bewährte Überbrückungshilfe voraussichtlich

bis Mitte2021verlängert wird.

Mit der erneuten Schließung durch

Bund und Länder hat die Branche damit

zu kämpfen, dass viele Bürger verunsichert

sind, wie groß das Infektionsrisiko

bei einem Besuch der Gastronomie ist.

Was können Sie tun, damit die Branche

nicht gänzlich zum Erliegen kommt?

Andreas Pinkwart: Dass Gastronomie, Hotels

und auch der Kulturbetrieb nun diese

Sonderlast tragen müssen, ist für die Betroffenen

besonders bitter. Sie haben in den

letzten Wochen und Monaten aufwendige

Hygienekonzepte umgesetzt und dafür viel

Geld ausgegeben. Zur Wahrheit gehört aber

auch, dass die Kontaktnachverfolgung an

ihre Grenzen stößt. Es ist bei rund 75 Prozent

der Neu-Infizierten nicht mehr nachvollziehbar,

wosie sich angesteckt haben.

Daher müssen wir uns auf ein Leben mit der

Pandemie einstellen. Die Gastwirte sind

hier mit innovativen Ideen vorangegangen,

wie Apps zur digitalen Gästeregistrierung,

die Verlagerung des Geschäfts in den

Außenbereich oder effizienteEinbahnsysteme.

Ich bin mir sicher,die getätigten Investitionen

werden in den kommenden Monaten,

wenn die Betriebe wieder öffnen dür-

fen, noch von großem Nutzen sein.

Welche Perspektive können Sie Gastronomie

und Hotellerie geben, dass diese

ihren Azubis vermitteln kann, in

ihrem Job einen Beruf mit Zukunft zu sehen?

NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart

Andreas Pinkwart: Die aktuelle Situation

darf nicht dazu führen, den ohnehin schon

großen Fachkräftemangel zu verstärken.

Denn eines ist klar: Auch in Zukunft wird

die Gastronomie und Hotellerie sichereund

abwechslungsreiche Arbeitsplätze schaffen.

Als Landesregierung setzen wir uns gemeinsam

mit anderen Bundesländern gegenüber

dem Bund für ein gezieltes und koordiniertes

Handeln ein, um die Branche noch attraktiver

für die Beschäftigten zu gestalten.

Ein 10-Punkte-Plan liegt dem Bund vorund

bringt Betriebe, Branchenorganisationen,

Kammern, Politik und Verwaltung an einen

Tisch. Die Umsetzung wollen wir in den

kommenden Monaten mit allen Akteuren

vorantreiben.

Herr Minister Pinkwart, wie zuversichtlich

sind Sie, dass die Maßnahmen

des Lockdown light am 1. Dezember enden?

Andreas Pinkwart: Ich bin sehr zuversichtlich,

dass wir mit den getroffenen Maßnahmen

die Infektionsketten unterbrechen

können. Wenn das gelingt, können wir die

weitreichenden Beschränkungen wieder

zurücknehmen.

Foto: JürgenChrist

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4 MACHER &MÄRKTE

Das Münsterland hat Potenzial

Eine Agentur hat imAuftrag von Münsterland e.V. 1444 Menschen zum Image und zu verschiedenen Faktoren

der Region befragt. Die Studie bringt wichtige Erkenntnisse für den Markenbildungsprozess.

Das Münsterland steht offensichtlich für

das gute Leben. Das belegt jetzt eine Markenstudie,

die die Wahrnehmung des

Münsterlandes innerhalb und außerhalb

der Region untersucht hat. Interessanteste

Ergebnisse: 96 Prozent der Münsterländerinnen

und Münsterländer finden,

dass man in der Region gut leben

kann, 82 Prozent sehen hier ihre Zukunft.

Durchgeführt hat die repräsentative

Studie die Agentur Interrogare im

März im Auftrag der regionalen Management-Organisation

Münsterland e.V. Vor

wenigen Tagen wurden die Ergebnisse

auf der digitalen Mitgliederversammlung

des Vereins präsentiert.

Klaus Ehling, Vorstand des Vereins,

fasst zusammen: „Die

Studie zeigt deutlich: Das

Münsterland bietet eine hohe

Kebensqualität L

durch intakte

Städteund Gemeinden in der münsterländischen

Parklandschaft. Hier wollen die Einwohnerinnen

und Einwohner auch in Zukunft

bleiben. Das ist die wichtigste Basis

für eine erfolgreiche Regionalentwicklung

und letztendlich auch für ein erfolgreiches

Regionalmarketing. Denn mit zufriedenen

Einheimischen haben wir die besten Markenbotschafter

für unsere Region.“

Bislang, so Ehling laut einer Pressemitteilung,

habe es noch keine repräsentativeStudie

gegeben, die sich mit dem Image und

der Markenbekanntheit des Münsterlandes

insgesamt auseinandergesetzt hat. Das war

dieses Mal anders: In der Studie wurden

nicht nur touristische, sondern auch kulturelle

und wirtschaftliche Faktoren abgefragt.

82 Prozent der Einheimischen –soein Ergebnis

–finden, dass das Münsterland eine

attraktive Arbeitsregion mit vielen guten

Arbeitgebern ist. 91 Prozent schätzen die

gute Mischung aus Stadt- und Landleben.

80 Prozent finden, dass das Münsterland

ein großes kulturelles Angebot bietet. Und

82 Prozent sind der Ansicht, dass im Münsterland

jeder nach seinen Vorstellungen leben

und sich verwirklichen kann.

„Das sind hohe Zustimmungswertefür eine

Marke“, bestätigt Christine Gerbracht, Projektmanagerin

bei der Bielefelder Agentur

Interrogare, die viele Befragungen im Bereich

Markenbekanntheit durchführt. „Sowohl

die Gesamtbewertung als auch die hohe

Weiterempfehlungsrate und die hohe

Wiederbesuchsabsicht der Befragten zeigt,

dass das Münsterland eine attraktive Region

ist.“

Befragt wurden insgesamt 1444 Personen

aus dem gesamten Bundesgebiet, davon

435mit Wohnsitz im Münsterland. Die Studie

wurde als Online-Befragung durchgeführt.

Menschen außerhalb des Münsterlands beurteilten

die Region –sofernsie sie kannten

–ebenfalls sehr gut: Für 75 Prozent ist das

Münsterland touristisch attraktiv,insbesondere

zum Radfahren (78 Prozent), Reiten

(69 Prozent) und Picknicken (73 Prozent).

72 Prozent stimmten der Aussage zu, dass

man sich im Münsterland willkommen

fühlt, und 80 Prozent finden, dass die Region

viele Möglichkeiten bietet, Naturzuerleben.

Somit gibt die Studie laut Münsterland e.V.

auch einen wichtigen Input für den derzeit

laufenden Markenbildungsprozess der Marke

Münsterland mit dem Claim „DAS GUTE

LEBEN.“: „Wir wollten einen kleinen Blick

in die Köpfe der Einheimischen und auch

der Menschen außerhalb des Münsterlands

werfen, um unsere Arbeit zielgenauer auszurichten

und zu wissen, vonwoaus wir mit

der neuen Markegestartet sind“, sagt Kathrin

Strotmann, zuständig für die Markenkommunikation

beim Münsterland e.V.

„Das Münsterland hat das Potenzial, noch

viel mehr als starkeWirtschaftsregion wahrgenommen

zu werden. Daran müssen wir

arbeiten. Auch nehmen wir für unsere

Arbeit mit, dass die Einwohnerinnen und

Einwohner die Mischung aus Stadt und

Land in der Region schätzen und wir das zukünftig

als Stärke des Münsterlandes mehr

nach außen tragen wollen. Damit haben wir

bereits diesen Sommer mit der touristischen

Kampagne ‚Dein MünsterLand Moment‘ begonnen.“

Darüber hinaus vermarkte man

bereits mit dem Service Onboarding@Münsterland

die Region als attraktiven

Arbeits- und Lebensort für Fachkräfte.

Die Markenstudie ist eine Nullpunktmessung.

Um die Entwicklung der MarkeMünsterland

in den kommenden Jahren weiter

beobachten zu können, sollen weitereMessungen

folgen.

Neben der Markenstudie berichtete der

Münsterland e.V. auf seiner Mitgliederversammlung

auch über die Entwicklung der

Markenprojekte Picknick³ und Service Onboarding@Münsterland

sowie über aktuelle

Förderprojektewie „Schlösser-und Burgenregion

Münsterland“, „Gründergeist

#Youngstarts Münsterland“, „Enabling Networks

Münsterland“, das Münsterland Festival

sowie zu der Kampagne „Dein MünsterLand

Moment“, die gemeinsam mit

Münster Marketing und der Initiativestarke

Innenstadt umgesetzt wurde.

■ WeitereErgebnisse der Studie finden Interessierteauf

www.muensterland.com/markenstudie.

90 Minuten wertvolle

Impulse und Tipps

aus der Praxis

Erster Personal-Kongress im Digitalformat war ein Erfolg.

Corona ließ nur ein kompaktes Online-

Format zu. Aber der Wechsel vom Saal

auf den Bildschirm funktionierte: Über

200 Teilnehmer nahmen am traditionellen

Personal-Kongress teil. Die Veranstalter

Bundesverband mittelständische

Wirtschaft (BVMW) und Aschendorff Medien

hatten ein spannendes und informatives

Digital-Event mit wertvollen Impulsen

und Best-Practice-Erkenntnissen

entwickelt. „Die Resonanz zeigt uns, dass

wir mit dem Format und dem Thema offensichtlich

richtig gelegen haben“, freute

sich Bernd Adamaschek, Regionalleiter

BVMW Münsterland, über die erfolgreiche

Ausrichtung.

Das Leitthema war Corporate

Happiness, es ging um Wertschätzung

und Wertschöpfung.

Keynoter war Dr. Oliver

Haas. Seine These:

Glückliche Mitarbeiter leisten gerne mehr.

Der Expertefür positivePsychologie machte

deutlich, wie wichtig für den Erfolg eines

Unternehmens die persönliche Entwicklung

seiner Mitarbeiter ist. Mitarbeitern muss die

Gelegenheit gegebenwerden, ihrebesonderen

Stärken, innovativen Lösungsansätze

und kreativen Ideen einzubringen. Die Führungskraft

fördert und fordert ihre Mitarbeiter

als „Coach am Spielfeldrand“, erkennt

individuelle Potenziale und schafft so

ein Umfeld, in dem Mitarbeiter zur Höchstleistung

auflaufen können und gleichzeitig

das Wohlbefinden eines jeden Einzelnen gefördert

wird.

Wie dies in der täglichen Umsetzung funktioniert,

zeigtedas Team der Mölders Unternehmensgruppe.

Das Familienunternehmen

mit Sitz Hamburg und über 600 Mitarbeitern

wirdindritter Generation vonFelix

Mölders geführt. An seiner Seite waren

die Personalleiterin Cécile Meyer-Bartsch

und die beiden internen Kulturbotschafter

Falk Noack und Pieter Mint. Eindrucksvoll

Mir einer lebhaften und informativen Diskussionsrunde klang der Personal-Kongress 2020 aus. Oben

v.l.n.r.: Personalleiterin CécileMeyer-Bartsch sowie die beiden Kulturbotschafter Falk Noack und Pieter

Mint (alleMölders-Gruppe); Mittev.l.r.: Bernd Adamaschek (BVMW), Best-Practice-Partner Felix Mölders

(Mölders Gruppe) und Keynoter Dr. Oliver Haas; unten: Gregor Hacke (Aschendorff Medien)

und authentisch berichteten sie von ihrem

Weg zumehr Corporate Happiness. Es war

zu spüren, wie sehr sich die Unternehmenskultur

schon positiv verändert hat und sich

alle gemeinsam auf die weitereEntwicklungen

freuen.

In der abschließenden Diskussionsrunde

wurde klar, dass eine bestärkende Haltung

und ein wertschätzendes Umfeld entscheidende

Faktoren sind, damit Veränderungen

gelingen können. Eine Unternehmenskultur,

die auf Stärken, Sinnhaftigkeit und

Wertschätzung beruht, hat nicht nur auf das

Miteinander positive Auswirkungen, sondern

auch auf messbare Kennzahlen.

Gregor Hacke von Aschendorff Medien

brachte esamEnde des Personal-Kongresses

in einem Fazit aufden Punkt: „Eine gelungene

Veranstaltung im Online-Format –

und doch freuen wir uns jetzt schon auf

nächstes Jahr, dann hoffentlich wieder als

Präsenz-Event.“


MACHER &MÄRKTE 5

Kurz vor dem großen Ziel

In Ahlen geht eine Friseurakademie anden Start. Unter der Regie von Fiol Thormann sollen dort künftig

Auszubildende und junge Nachwuchskräfte ihre Kenntnisse vertiefen und neues Wissen erwerben.

„Die Akademie ist für mich Traum und

Ziel zugleich“, sagt Fiol Thormann. Den

Traum hat die Friseurmeisterin bereits

seit einigen Jahren, dem Ziel ist sie inzwischen

ein Stück näher gekommen. Alles

ist vorbereitet, und eigentlich sollte die

kleine Akademie im November eröffnen.

Die Corona-Pandemie hat das Vorhaben

auf der Zielgeraden verzögert, aber „bald

wird es losgehen“.

Fiol Thormann ist –wie sie selbst

sagt – „Friseurin aus Leidenschaft“.

Vorfünf Jahren machte

sie sich mit ihrem „Friseurhaus“

in Ahlen selbstständig. Der

Nachwuchs im Friseurhandwerk liegt ihr

besonders am Herzen. Deshalb bildet sie

selbst aus und macht Werbung für ihren Beruf.

Und sie möchteAuszubildende, die dieses

Handwerk lernen, über den betrieblichen

Alltag hinaus unterstützen und fördern.

Diese Überlegung führtezum Aufbau

der Akademie mit einem eigenen Salon,

Räumlichkeiten für Seminare und einem

Fiol Thormann im März 2011 auf einer Bühne der

InternationalenHandwerksmesse München. Dort

stand sie in der Endrunde um den Titel „Miss

Handwerk 2011“. Foto: Werbefotografie Weiss

Wohnbereich, der die Möglichkeit bietet,

bei mehrtägigen Lernangeboten „vor Ort“

zu übernachten.

Die Akademie soll die Ausbildung nicht

übernehmen, sondern ergänzen und vertiefen.

„Die Azubis können sich bei uns voll auf

ihre Arbeit konzentrieren und viel Erfahrung

sammeln. Fachkräftestehen ihnen die

ganze Zeit zur Seite. Das gibt Sicherheit“,

betont die Friseurmeisterin und ergänzt:

„Selbstverständlich haben wir auch Kunden.“

Sie hebt hervor,dass die Teilnahme an

den Angeboten kein Bestandteil der Ausbildung

sei, sondern eine „ganz freiwilligeAngelegenheit“.

Die jungen Leute, die in Friseur-Salons

ausgebildet werden, müssen

ihre freie Zeit und auch finanzielle Mittel

einsetzen, um sich in Akademie-Lehrgängen

zusätzlich fit zu machen. Fiol Thormann

kann sich aber durchaus vorstellen,

dass „der Chef oder die Chefin das Interesse

ihrer Azubis unterstützen“, wenn die Akademie

bekannt wird.

Zum weiteren Schwerpunkt sollen sich Seminare

für Friseure entwickeln, die ihre

Ausbildung abgeschlossen haben, im Berufsleben

stehen und sich weiterbilden wollen.

Dabei geht es um die Vermittlung neuer

Trends und Techniken. Geplant sind bis zu

einwöchigeVeranstaltungen in Theorie und

Praxis. Zum Beispiel Tages- seminare für

Hochsteckfrisuren und Styling, zwei Tage

für Farb- und Schneidetechniken.

Produktpartner des Friseur-Handwerks sind

bereits auf die Akademie aufmerksam geworden

und wollen die Räumlichkeiten für

firmeninterne Weiterbildung nutzen.

Fiol Thormann, die aus der Dominikanischen

Republik stammt, engagiert sich über

ihren Salon und die Akademiearbeit hinaus

in Gremien ihrer Berufsorganisation: im

Vorstand der Friseur-Innung Warendorf, im

Berufsbildungsausschuss und im Fachbeirat

des Fachverbandes Friseur und Kosmetik

NRW. Sie kam 2003 nach Deutschland,

machte die Ausbildung zur Friseurin und

qualifiziertesich2011zur Friseurmeisterin.

Ein weiteres Ereignis aus dem Jahr 2011 ist

ihr ebenfalls in besonderer Erinnerung. Fiol

Thormann (damals hieß sie noch Fiol Gon-

Friseurmeisterin Fiol Thormann in einem Schulungsraum ihrer Akademie in Ahlen. Ursprünglich sollteder Betrieb im Herbst

beginnen. Doch Corona sorgt für Verzögerungen.

zales) bewarb sich um den Titel„Miss Handwerk“.

Über ein Coaching wurde sie zunächst

für ein MonatsfotoimHandwerkskalender

„Germany´s Power People“ ausgewählt

und kamanschließend über eine weitere

Auswahlstufe mit fünf anderen Kandidatinnen

bis in die Endrunde des Wettbewerbs,

der auf der Internationalen Handwerksmesse

in München entschieden wurde.

Die Vorstellungsrunde nutztesie damals

bereits, um für ihren Beruf zu werben.

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FRISEURHANDWERK IM MÜNSTERLAND

Die Zahl der Friseurbetriebe im Münsterland hat sich inden

vergangenen Jahren kaum verändert, die Zahl der Auszubildenden

ist aber erkennbar zurückgegangen. Im Jahr 2008 gab

es 1300 Betriebe, im Jahr 2020 (Stand: 10. November) waren

1308 Betriebe in die Handwerksrolle eingetragen. 2008 wurden

in den Friseurbetrieben 796 Lehrlinge ausgebildet, in diesem

Jahr (Stand 10. November) sind es noch 420.


6 FIRMENNEWS

Auf Wachstumskurs

Goldbeck-Niederlassung Münster erwirtschafte imGeschäftsjahr 2019/2020

rund 60 Millionen Euro Bauleistung. Auftragsbuch ist gut gefüllt.

Blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2019/2020 zurück: das Führungsteam der Goldbeck-

Niederlassung Münster mit (v.l.n.r.) Henning Güttler (Leiter Projektmanagement), Oliver Büscher-Brach

(Leiter Planung), Niederlassungsleiter Christian Terwey, Christoph Frie (Leiter Betriebswirtschaft).

Fast 60 Millionen Euro Bauleistung

erwirtschafteten die 48

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

der Goldbeck-Niederlassung

Münster im Geschäftsjahr

2019/2020. Sie erreichten damit nach Mitteilung

des Unternehmens im Vergleich

zum Vorjahr eine Steigerung von fünfeinhalb

Prozent.

„Unsere Zuverlässigkeit und eine ganzheitliche

Planung mit eigener Produktion und

eigener Montage stellt eine Termintreue sicher

–das ist der Schlüssel zum Erfolg“, begründet

Niederlassungsleiter Christian Terweyden

erfolgreichen Jahresabschluss. „Alle

neun Bauvorhaben des abgelaufenen Geschäftsjahres

haben wir –teils deutlich –vor

demvertraglich vereinbarten Termin fertiggestellt.“

Wirtschaftliche Systembauweise und anspruchsvolle

Architektur sei kein Widerspruch.

Als aktuelles Beispiel nennt Terwey

in der Mitteilung den Büscher-Park, eine

Büroimmobilie, die ab dem nächsten Frühjahr

in unmittelbarer Nähe der neuen Niederlassung

rob17.EINS an der Robert-

Bosch-Straße in Münster entsteht.

Eines der größten Projektedes vergangenen

Geschäftsjahres ist der neue Firmensitz von

Aventus in Warendorf. Das neu gegründete

Gemeinschaftsunternehmen der beiden Firmen

Haver&Boecker aus Oelde und Windmöller

&Hölscher mit Sitz in Lengerich ist

auf die Herstellung von Verpackungsmaschinen

für freifließende Schüttgüter spezialisiert.

Der mehr als 10 000 Quadratmeter

große Neubau, bestehend aus Produktion,

Verwaltung, Kantine sowie einem

Showroom, steht laut Goldbeck vier Monate

früher als geplant kurz vor der Übergabe.

„Als mittelstandsnahes Unternehmen sind

die Auswirkungen vonCorona für uns spürbar,dennoch

blicken wir auf einen positiven

Auftragseingang für das kommende Geschäftsjahr“,

so Terwey weiter. Insbesondere

mit dem Neubau der eigenen Niederlassung

fahre sein Team weiter auf Wachstumskurs:

An der Robert-Bosch-Straße in

Münster entstehen auf dem Gelände des

ehemaligen Pebüso-Betonwerks neue Gebäude

mit insgesamt 30 000 Quadratmetern

Bürofläche. Goldbeck Münster hat mit

der Realisierung des ersten Bürogebäudes

mit fünf Geschossen und 6300 Quadratmetern

Nutzfläche im September begonnen.

Nach Fertigstellung Ende 2021 zieht die

Niederlassung in die vierteEtage. Ebenfalls

auf dem Gelände errichtet das Unternehmen

ein Parkhaus, so dass die inneren Bereiche

des Areals autofrei bleiben.

Zu den weiteren Projekten des laufenden

Geschäftsjahres gehören einige Logistik-

Bauvorhaben, darunter eine 30 000 Quadratmeter

große Immobilie in Emsbüren an

der A31.

90 Jahre

Waterkamp

Zwei Standorte, über 70 Beschäftigte,

20 000 Quadratmeter

Böden, 1333 Platten, 4000

Türen und Zargen sowie Millionen

Laufmeter sofort verfügbarer

Bauware: Zahlen, auf die das Familienunternehmen

HolzLand Waterkamp

zum 90-jährigen Jubiläum verweisen kann.

„Die Quantität ist wichtig“, sagt Dirk Waterkamp,

Geschäftsführer in dritter Generation,

„unser wahres Erfolgsgeheimnis aber

sind fachkundige Mitarbeiter und unsere

Neugier auf Neues.“ Diese Tugenden bewahrt

sich das Nordwalder Unternehmen

seit neun Jahrzehnten.

1930 setzteFranz Waterkamp sen. „alles auf

Holz“ und legtemit der Gründung eines Sägewerks

den Grundstein. 1958 stieg Franz

Waterkamp jun. ins Unternehmen ein, seine

Frau Antonia wurde in der Buchhaltung für

den Familienbetrieb tätig. Anfang der 60er

Jahre leitet die „Neugier auf Neues“ den

Wandel ein: Als eines der ersten Unternehmen

Deutschlands lieferteWaterkamp Holz

aus. Mitte der 60er Jahre entstanden erste

Vorläufer der heutigen Erlebnisausstellungen.

1988 war Waterkamp Gründungsmitglied

der HolzLand-Kooperation und firmiert

seitdem als „HolzLand Waterkamp“ –

rechtlich eigenständig und inhabergeführt.

„Wir schauen gerne zurück auf das, waswir

erreicht haben“, sagt Dirk Waterkamp.

„Aber noch lieber blicken wir nach vorne

und arbeiten an innovativen und nachhaltigenHandelsmodellen.“

2008 erhielt Waterkamp

den Dekra-Award für „Best Service im

Handel“, 2018 den HolzLand-Award als

„Bester Händler Deutschlands“. Für seine

Digitalstrategie bekam das Unternehmen

2019 den Innovationspreis Holz verliehen.

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2020


BRANCHEN &BETRIEBE 7

Im Topergebnis

steckt Handwerk

Die Raumfabrik aus Münster wurde mit dem

„Best of Interior Design Award 2020“ ausgezeichnet.

Aus zwei Appartements wird eine Wohnung:

Wände im Erdgeschoss werden

versetzt oder entfernt, das Wohnzimmer

wächst durch maßgefertigte Einbauschränke

sowie Kamin. Die Dusche wird

vergrößert, erhält großformatige Neolith-Fliesen

in moderner Marmoroptik.

Die Kinderzimmer werden ebenfalls renoviert,

bekommen deckenhohe Einbauschränke.

Für die Kernsanierung einer

Maisonette-Wohnung ist die Raumfabrik

aus Münster jetzt mit dem „Best of Interior

Design Award2020“ des Callwey Verlags

ausgezeichnet worden. Der Preis gilt

als wichtigster Wohndesign-Award in der

Innenarchitektur.

Die komplexeste Aufgabe dieser

Sanierung war der Austausch

der alten Wendeltreppe,

die zum Spitzboden

führte, gegeneine neue Faltwerk-Treppe.

Dazu mussten weitereWände

im unteren Geschoss weichen. Neben

Schubladen und Schränken verstaute das

Unternehmen Raumfabrik auch die gesamte

neue Haustechnik in der Treppe. Und

einen Weintemperierschrank gleich mit.

Das Elternschlafzimmer im Spitzboden bekam

eine geschickte Raumaufteilung. Statt

eines Ankleidebereichs fügen sich weiße

Einbauschränke imKniestock des Daches

ein. Für mehr Licht wurde das vorhandene

Dachflächenfenster erweitert. Ein Lowboard

darunter sorgt für einen Sitzplatz.

Neben einer Fußbodenheizung wurde im

Spitzboden unsichtbar auch eine Klimaanlage

integriert. Hochwertige Böden und

Leuchten prägen die gesamte Maisonette-

Wohnung.

Eine Jury hat in Zusammenarbeit mit dem

Magazin „Schöner Wohnen“, dem Bund

Deutscher Innenarchitekten, den BOLD-Hotels

und dem Unternehmen Stein-Salon

Neuhoff die Maisonette-Wohnung aus

Münster prämiert. Nebenanderen Preisträgern

wird das Raumfabrik-Projekt vom 11.

bis zum 29. Januar in einer Ausstellung im

Haus der Architektur in München präsentiert.

Grund genug für unseren Autor Peter

Sauer, sich mit Sven Schöpker, Geschäftsführer

der drei Raumfabrik-Standorte in

Münster, Düsseldorf und Norderney, zu

unterhalten –überdie Auszeichnung,seine

Tätigkeit als Speaker und über Arbeiten in

Zeiten von Corona.

Bei ihrem prämierten Projekt haben Sie

zwei zuvor getrennte Wohneinheiten in

Münster zusammengelegt und mit dem

Prämiert wurde auch der fließende Übergang in der Maisonette-Wohnung in Münster: Stahlglastür,Faltwerktreppe und Kamin

fungieren im Wohnzimmer als explizite Strukturelemente.

Fotos: Max Kruggel

Spitzboden zu einer 214 Quadratmeter

großen Maisonette-Wohnung für vier

Personen umgebaut. Wasist Ihr Erfolgsrezept?

Sven Schöpker: Wirrealisieren individuelle

Räume zum Wohlfühlen nach Maß. Wir

warenfür den Bauherren stets als Ansprechpartner

und Koordinator des Projektes da.

Bei der Raumfabrik werden Projekte nicht

nur geplant, sondern auch mit Handwerksunternehmen

umgesetzt, die unsere langjährigen

Partner sind. Der Kunde lehnt sich

zurück und kann sich auf das fertigeErgebnis

freuen, ohne sich mit der Koordination

der Gewerke beschäftigen zu müssen.

► Fortsetzung auf Seite 8

Mit frei stehender Badewanne, Stauraum und Panoroma-Dachfenster: Der

Spitzdachboden ist jetzt das Schlafzimmer der Eltern.

Wer sagt eigentlich,

dass öffentliche Baumaßnahmen

immer teurer werden als geplant?

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8 BRANCHEN &

Als Speaker gewann Sven Schöpker mit seinem emotionalen Vortrag zum Thema „Mission Geiles Handwerk“ im Oktober 2019 den Award beim 1. internationalen Speaker-Slam in Wiesbaden.

Foto: privat

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für jede Idee eine Lösung finden“

Sven Schöpker schwört auf die spannende Vielseitigkeit des Handwerks.

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Fortsetzung von Seite 7

Das nimmt dem Kunden jede

Menge Arbeit ab. Was

istfür denn für Sie grundsätzlich

das Aund Oeiner

erfolgreichen Innenarchitektur?

Sven Schöpker: Zunächst einmal sollten

die Bewohner im Mittelpunkt der Planung

stehen. Es geht schließlich darum, dass sie

sich später in ihren vier Wänden wohlfühlen.

Wasnützt ein noch so schönes Konzept,

wenn die Kunden unglücklich mit dem Ergebnis

sind.Esist wichtig zu erkennen, was

die Auftraggeber bewegt und wie sie leben.

Daher berücksichtigen wir jeden Wunsch

und versuchen, für jede Idee eine tolle Lösung

zu finden.

2019 haben Sie beim internationalen

„Speaker Slam“ in Wiesbaden mit Teilnehmern

aus 14 Nationen den Winner-

Award bekommen. Für ihre „Mission

Geiles Handwerk“. Warum macht Ihnen

Ihre Arbeit so viel Spaß?

Sven Schöpker: Das Handwerk ist unglaublich

vielseitig und spannend. Die Herausforderung

im Handwerk besteht darin,

auf die Besonderheiten des einzelnen Betriebes

einzugehen. Es gibt kaum einen so

individuellen und spannenden Wirtschaftszweig.

Doch leider wird das Handwerk oft

negativ wahrgenommen. Das möchte ich

mit der „Mission Geiles Handwerk“ ändern.

Und wie konkret?

Sven Schöpker: Ich möchte, dass die Menschen,

die im Handwerk arbeiten oder hier

Handwerksunternehmen sollten klareExpertenfür ihr Gewerk sein, sagt Raumfabrik-Geschäftsführer

Sven Schöpker. Ermöchte das Handwerk besser in der Gesellschaft positionieren. Foto: privat

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eine Ausbildung machen möchten, endlich

die Wertschätzung und Anerkennung erhalten,

die sie verdienen. IchmöchtemeinWissen

und meine gelebte Praxis weitergeben,

damit Unternehmen davon profitieren und

sie ins richtige Licht gerückt werden. Wir

wollen Marktführer werden und Handwerker

inBezug auf Positionierung, Verkauf

und Sichtbarkeit deutlich voranbringen.

Wer sind die Adressaten ihrer Mission

im Einzelnen?

Sven Schöpker: Dazu gehören die Kunden

der Raumfabrik und die der Handwerksunternehmen,

mit denen ich zusammenarbeite.

Außerdem möchte ich junge Menschen

dafür begeistern, ihr Lebensglück in

einem Handwerksberuf zu finden. In den

Coachings machen wir uns Gedanken dazu

und beraten die Unternehmen dahingehend,

wie Handwerk aufgestellt sein muss,

damit Kunden und junge Leute Handwerk

richtig „geil” finden.

Welche Auswirkungen hat Corona auf

Ihre Arbeit?

Sven Schöpker: Ehrlich gesagt haben wir

kaum Auswirkungen durch Corona gespürt.

Wirhaben bei der Raumfabrik mehr Anfragen

denn je erhalten. Gerade im Frühjahr/

Sommer 2020 kamen unglaublich viele

Kunden auf uns zu, die etwas an ihrem Haus

oder in ihrer Wohnung umbauen lassen

wollten. UnsereBranche hat insgesamt von

Corona profitiert. Auch die Handwerksfirmen,

mit denen wir zusammenarbeiten, haben

viele neue Aufträge erhalten.

Worauf kommt es in Zukunft an?

Sven Schöpker: Damit die gute Entwicklung

in unserer Branche auch so weitergeht,

ist es sehr wichtig, sich mit dem Unternehmen

richtig aufzustellen. Eine glasklare

Positionierung ist das Fundament für ein erfolgreiches

Unternehmen. Die meisten

Handwerksbetriebe sind allerdings zu breit

aufgestellt, wodurch sie nicht als Experten

angesehen werden. Bei uns in der Raumfabrik

sind alle Handwerksunternehmen

Experte für ihr jeweiliges Gewerk. Daher

sind wir auch für die Zukunft sehr gut aufgestellt

und klar positioniert.


BETRIEBE 9

Fasziniert von Farben und Formen

Die Goldschmiedemeisterin Gabriele Gote setzt bis heute auf das handwerklich gefertigte Einzelstück.

Schon zweimal wurde ihr Atelier in Billerbeck von der Kammer als bester Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet.

Auf der Südseite des Doms ist es zu finden:

Das Atelier der Billerbecker Goldschmiedin

Gabriele Gote. Ein ehrbares

Handwerk in Kombination mit einem

schönen Namen, flankiert von einer Alliteration

–das klingt wie Musik. Ihr Ladenlokal

ist nicht zu übersehen, denn in

direkter Nachbarschaft befindet sich ein

Renaissancegebäude mit einem unverkennbaren

Specklagen-Mauerverband.

Unweigerlich werden Flaneure

vonder geschmackvoll dekorierten

Auslage angezogen.

Ungewöhnliche Edelsteine

wie beispielsweise ein

Mandaringranat mit seinem zarten Orangetonfangen

den Blick des Betrachters schnell

ein. Schon ist die Neugierde geweckt.

Die Meisterin ihres Handwerks hatte gar

nicht unbedingt vor, sich selbstständig zu

machen. Aber als Anfang der 90er Jahredie

alte Schneiderei zur Vermietung freistand,

drängtesichdieser Schritt auf. „Ich hattesofort

ein gutes Gefühl für diese Räumlichkeitenund

wusste, das kann waswerden“, war

sich Gabriele Goteschnell sicher.Ein halbes

Jahr wurde renoviert, alles in Eigenleistung,

unterstützt von ihrem ebenso kreativen

Mann, dem Fotografen Robert Wilken. Alte

Mauern mussten weichen, neue gezogen

werden, einbruchsichere Fenster wurden

eingebaut, Fliesen verlegt.

Das liegt 30 Jahre zurück und wäre ein guterGrund

für eine Jubiläumsfeier.Unter anderem

coronabedingt, hat sich die kreative

Geschäftsfrau da etwas anderes überlegt,

weil sie als Dankeschön gerne etwas zurückgeben

möchte. Statt Party entschied sie sich

unlängst für eine Projektunterstützung. Sie

spendete 3000 Euro andie medizinische

Kinderschutzambulanz der Vestischen Kinder-

und Jugendklinik in Datteln. „Dieses

Projekt liegt mir sehr am Herzen und verdient

Unterstützung“, sagt sie und erklärt

weiter: „Misshandelte, missbrauchte und

vernachlässigteKinder und Jugendliche bekommen

dort eine gute Begleitung.“

Ihre Meisterprüfung legte sie 1986 an der

Handwerkskammer Münster ab. Zuvor besuchte

sie zweieinhalb Jahre berufsbegleitend

die Abendschule. Keine einfache Zeit,

und „ich glaube, das würde ich heute so

nicht noch einmal machen“. Wohl aber würde

Gabriele Gote diesen Beruf immer wieder

wählen und so lange ausführen, wie es

geht, denn „es ist ein unglaublich kreativer

Beruf und er macht mir viel Spaß“. Ihr Meisterstück?

Das war ein multifunktionales

Collier mit einem Vorder- und einem Rückteil

und einer Mittelbrosche, wobei alles zusammen

als Ensemble oder auch einzeln getragen

werden kann.

Die Begeisterung für dieses edle Handwerk

weiß die erfahrene Goldschmiedemeisterin

sehr gut weiterzugeben. Mittlerweile hat sie

13 jungeFrauen ausgebildet, die sich fast alle

auch Leistungs- oder anderen Wettbewerben

gestellt haben und sich dort vielfach

platzierten. Wovon sie wiederum selber

profitierte: Zweimal wurde sie von der

DasTeam der Goldschmiede Gote: Annelie Hanauer (Azubine), GabrieleGoteund Gesellin

usanne Homan-Kratz (v.l.)

Fotos: Robert Wilken

Von Schmuck umgeben: Goldschmiedemeisterin Gabriele Gote inihrem Atelier an der Südseite des Billerbecker Doms.

Handwerks-Innung in Münster als bester

Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet.

Dass es für sie ein kreativer Handwerksberuf

werden sollte, war für Gabriele Gote

sehr früh klar. „Ich habe als Kind schon immer

gerne gebastelt und gemalt, etwas mit

den Händen gestaltet, geschneidert und gestrickt.“

Nach dem Abitur 1977 waresallerdings

nicht einfach, einen Ausbildungsplatz

zu bekommen. Schließlich bekam sie einen

bei Werner Fischer in Ahlen, seinerzeit Präsident

des deutschen Silber- und Goldschmiedehandwerks.

Dreieinhalb Jahre dauerte die Ausbildung

und dabei gab esbescheidene 130 D-Mark

Monatslohn im ersten Lehrjahr. „Mein kleines

Zimmer, mit wenig Aussicht und dann

noch auf einen Parkplatz, kosteteschon 150

Mark“, erinnert sie sich an ihren Start ins

Berufsleben. Trotz alledem merkte sie

schnell, dass dieses Handwerk „ganz genau

mein Ding ist“. Als Gesellenstück fertigtesie

eine Umhängeuhr an einer Kette, vorne und

hinten aufklappbar, und schloss in der Prüfung

direkt mit der zweitbesten Note ab.

Die Wanderjahre führten sie zum Innungs-

Obermeister Gerhard Tewis nach Aachen.

Zu einem der größten Projektegehörtedort

die Restaurierung des Karlsschreins im

Aachener Dom, an der sie beteiligt war. Anschließend

arbeitete sie drei Jahre inder

Goldschmiede vonMichael Doßler in Münster.

Mittlerweile blickt sie auf 30 Jahre erfolgreiche

Selbstständigkeit zurück, wobei sie

gerne zu verstehen gibt, dass es ein hart und

kontinuierlich erarbeiteter Erfolg ist. „Es

braucht schon einige Jahre, um sich einen

guten treuen Kundenkreis über die Stadtgrenzen

hinaus aufzubauen“, erklärt sie.

Dabei halfen Ausstellungen wie „Blickpunkte“,

die sie unter anderem mit dem Arbeitskreis

„Angewandte Kunst Münster“ – einer

Kooperation vonhochkarätigen Kunsthandwerkern

–über 20 Jahre aneinem Novemberwochenende

in der Handwerkskammer

Münster initiierte oder auch die Teilnahme

an der Landpartie am Schloss Lembeck.

Große Änderungen oder Trends kann Gabriele

Gote rückblickend nicht ausmachen:

„Das ist konstant geblieben. Die Kunden

mögen das Besondere, das handwerklich

gefertigteEinzel-Schmuckstück.“ Etwas anderes

ist bei ihr auch nicht zu bekommen.

Gegen Handelsware entschied sie sich von

Anfang an. Interessant ist aber, dass Kundinnen

heuteöfter etwas für sich selber kaufen,

als es noch vor 30Jahren der Fall war.

Wenn Gabriele Gote anfängt, von der Vielfalt

der Edelsteine zu sprechen, ihren Formen,

Farben und Schliffen, beginnt sie zu

schwärmen: „Die ziehen mich magisch an.

Da könnte ich mich reinsetzen wie Donald

Duck in sein Dukatenmeer.“ Nicht zuletzt ist

es natürlich ihr Stil, ihr Design, ihr Handwerk,

die ihren Schmuck kennzeichnen und

ihn so entsprechend beliebt machen.

Aber es müssen nicht nur Hochkaräter sein,

die sie zu Schmuckstücken verwandelt.

Ebenso gerne verwendet sie Naturkristalle

wie etwa Uwarowit oder Kobalt-Calcid, die

sie mit Holz, Glas, Gummi oder Plexiglas in

Kombination bringt. Auch dürfen esschon

mal Fundstücke vom Strand oder aus dem

Wald sein.

Für den Dom in Billerbeck fertigtesie unter

anderem eine Reliquienkapsel in Messing

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Inkl.Wartung &Verschleiß-Aktion 2

für den seligen Kardinal von Galen.

Ideen und Anregungen holt sich die Meisterin

in ihrem Garten, aus der Natur und den

Jahreszeiten. „Das Spiel der Farben und

Formen fasziniert mich immer wieder aufs

Neue. Da gibt es die besten und unerschöpflichen

Inspirationen“, freut sich die erfahrene

Goldschmiedin. Ulla Wolanewitz

Wasauch passiert:Erliefert

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10 BRANCHEN &BETRIEBE

Um 2Uhr morgens endet die Nacht

Vor 25Jahren stieg die Landwirtin Ulrike Wältermann aus Dülmen ins Marktgeschäft ein und fasste im Ruhrgebiet

mit Produkten aus der Region schnell Fuß. „Im Handel liegt der Segen“, sagt sie noch heute.

Annabelle, Larissa und Stracciatella fühlen

sich pudelwohl in der Welter Aue. Die

blonden Lama-Damen genießen das

münsterländische Grasland in dieser Bilderbuch-Idylle

und vor allem auch die

Grünabfälle, mit denen sie von ihren Besitzern

beglückt werden. „Darauf fahren

die völlig ab“, amüsiert sich Ulrike Wältermann

beim Füttern über ihre Anden-

Kamele, die sich bei ihr wohlfühlen.

Lamas leben am Hof in der Welter Aue: UlrikeWältermann versorgt sie regelmäßig mit Grünabfällen vonihren Marktständen.

Vr25Jahren Vo startetedie staatlich

geprüfte Landwirtin das

Marktgeschäft im Ruhrgebiet

mit dem Verkauf von Wurst,

Marmelade und Bauernbrot

und erweitertedas Angebot später um Obst

und Gemüse. Ihr GatteEdgar blieb zunächst

dem Maurerhandwerk treu. Als sich die erste

Tochter ankündigte, verabschiedete er

sich vom Bau, um den Betrieb weiter mit

auf- und auszubauen. Mittlerweile beschicken

sie gemeinsam zwei große –vorher

waren esauch schon mal fünf –Wochenmärkte.

Ihr doppelseitiger Marktstand ist

auf beachtliche 14 Meter gewachsen.

„Wer auf dem Markt ein paar Schuhe zerschlissen

hat, der bleibt für immer dabei“,

zitiert Ulrike Wältermann die Vorhersage

einer älteren Marktkollegin, der sie

schmunzelnd beipflichten kann. Was den

Reiz ausmacht? „Runter kommen vomHoff.

Immer wieder neue Menschen kennenzulernen,

wasden Horizont erweitert und vor

allem die Nähe zu den Kunden“, zählt die

Obst- und Gemüsehändlerin einigeVorteile

auf. „Nicht zuletzt natürlich, weil damit gutes

Geld zuverdienen ist.“ Das war eben

nicht immer so.

Ihre Mutter hätte esgerne gesehen, wenn

sie Hauswirtschafterin gelernt hätte. „Das

kam aber für mich gar nicht infrage“, bekennt

sie schmunzelnd. „Ich bin mit der

Landwirtschaft groß geworden und wollte

nie etwas anderes werden als Landwirtin.“

1986 startete sie dementsprechend eine

Ausbildung in Kirchhellen auf einem Betrieb

für Milchwirtschaft. „Weg vonzuHause.

Das war auch ganz wichtig für mich“,

blickt sie zurück. „Arbeitsplatz mit Familienanschluss.

Menschlich gesehen war das

ganz klasse. Der Chef hat dafür gesorgt,

dass ich schnell Anschluss fand in der Landjugend“.

Ein weiteres Jahr fern der Heimat

lerntesie in Harsewinkel in einem Sauenbetrieb.

Das große Glück: Hier lerntesie auch

ihren zukünftigen Mann kennen. Anschließend

besuchtesie dieHöhereLandbauschule

und erwarb den Titel zur „staatlich geprüften

Landwirtin“. In Erinnerung geblieben

ist ihr, dass ihr BWL-Lehrer schon damals

in ihrer Klasse prognostizierte: „Nur jeder

Zweite von euch wird später mal einen

Hof im Haupterwerb bewirtschaften.“

Gut ausgebildet, voller Elan und neuer

Ideen übernahm Ulrike Wältermann Anfang

der 90er den Betrieb für Sauenhaltung

und Ferkelaufzucht von den Eltern, wobei

die Zukunft nicht wirklich so rosig aussah.

Wachsen oder weichen war angesagt, flankiert

vonder Frage: Aber wie? Eine Problematik,

mit der sich viele Mitstreiter in ihrer

Branche früher oder später konfrontiert sehen.

„Als wir dann vomSchlachter ein Drittel

des Preises vom Anschaffungswert des

Tieres bekamen, warfür uns klar,dass es so

nicht weitergehen konnte“, nennt sie den

Grund für den Kurswechsel, der sich auszahlte.

Ihr älterer Bruder,der damals schon mit Silberschmuck

einige Märkte beschickte, lieferte

den zündenden Impuls: „Fahr mit regionalen

Produkten ins Ruhrgebiet.Dagibt

es einen großen Bedarf.“ Der Bruder leistete

gleichzeitig Starthilfe, lieh ihr einen Marktstand

–und so stand Ulrike Wältermann

schließlich mit Anfang 20 in Recklinghausen

auf dem Markt am Rathausplatz und

verkaufte Lebensmittel aus der Region. Mit

stetig zunehmendem Erfolg. „Da wurde mir

schnell klar: Im Handel liegt der Segen“, resümiert

sie.

Mittlerweile haben Ulrike und Edgar Wältermann

über 25 Jahre Markterfahrung zu

bieten. Sie haben viele Höhen und Tiefen erlebt

und mussten sich zwischendurch immer

mal wieder neu erfinden. Nein, Corona

hat ihnen nicht negativ in die Karten gespielt.

Ganz im Gegenteil. „Die Verbraucher

kaufen lieber draußen ein. Es wird mehr

Geld für gute Lebensmittel ausgegeben,

auch vonjungen Leuten“, reflektiert die 50-

Jährige. „Ingwer, Kurkuma und Zitronen

sind gerade der Hit wegender Vitamine und

der Antioxidantien.“ An Hilfskräften fehlt es

derzeit auch nicht. Viele jungeLeute bewerben

sich, weil „ein Auslandsaufenthalt derzeit

nicht realisierbar ist und gesunde Ernährung

für sie immer wichtiger wird.“

Diese positiven Auswirkungen für die Wochenmärkte

relativieren sogar die Einbußen,

von dem das zweite Standbein betroffenist.2008

startetesie zusätzlich mit dem

Verkauf von Trockenobst und vielfältigen

Nusssorten auf Wochen- und Weihnachtsmärkten,

Stadt- und Gartenfesten. Dass sie

sich auch damit auf Erfolgskurs befand, bestärkte

die Auszeichnung für die schönste

Hüttendekoration, mit der sie 2008 auf dem

Weihnachtsmarkt in Bochum prämiert wurde.

„Ein Landei im Rampenlicht auf der

Bühne“, flachst sie selbstironisch.

Zu Hochzeiten warensie an einem Wochenende

auf sechs Weihnachtsmärkten vertreten.

In diesen Tagenerreichen sie allerdings

–coronabedingt –täglich neue Absagen.

Die Chefin nimmt‘s gelassen und sieht das

Positivedarin: „Gesundheitsschutz hat ganz

klar Vorrang. Und unsere Töchter freuen

sich schon auf eine ruhigere Adventszeit.“

Schließlich ist der Stressfaktor bei dieser

Knochenarbeit nicht unerheblich. Wenn die

Nacht um zwei Uhr zu Ende ist, wenn durchhalten

bei Wind und Wetter und immerwährende

Zuversicht und Neuorientierungenbei

Lebensmittelkrisen wie EHEC angesagt

sind, dann verordnet der Akku nach 25

Jahren Vollgas schon mal einen Boxenstopp.

Zugunsten der Gesundheit und auch

der Psychohygiene.

Deshalb hält UlrikeWältermann auch nicht

damit hinter dem Berg, dass sie und auch ihr

Mann –beide unabhängig voneinander –einige

Wochen in einer psychosomatischen

Klinik verbrachten, um „mal komplett rauszukommen,

zur Introspektion und um den

Akku wieder aufzuladen. Was jedem von

uns und uns beiden zusammen sehr gutgetan

hat und dafür bin ich sehr, sehr dankbar“,

bekräftigt sie zufrieden mit dem Blick

in ihre paradiesische Gartenoase, die sie –

sehr kreativ –gemeinsam mit ihrem Mann

Edgar auf Vordermann hält. Ebenso zu

schätzen wissen beide auch, dass sie gute

langjährige Mitarbeiter haben, auf die sie

gerade in solchen Zeiten besonders zählen

können.

Ulla Wolanewitz

Foto: Ulla Wolanewitz

Gemeinsam

Zukunft sichern

Wir sind für Sie da.

Auch inschwierigen Zeiten.

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Mit fünf Ständen warder Hof Wältermann zwischenzeitlich auf verschiedenen Märkten gleichzeitig

im Einsatz.

Foto: privat


Anzeigensonderveröffentlichung

Best of Consulting

Unternehmensberatung,

Unternehmensbewertung &Wirtschaftsprüfung

DIE WIRTSCHAFT

Münster |Münsterland


2 BEST OF CONSULTING

Headhunter

auf dem Weg

aus dem

Coronatief

Branchenbefragung

ergibt ein positives

Bild

Die aktuelle Stimmung unter den deutschen

Personalberatern hat sich im Vergleich

zu den Befragungen im März, April

und Juni dieses Jahres merklich verbessert.Das

hat eine Branchenbefragung

des Bundesverbandes

Deutscher Unternehmensberater

(BDU) ergeben. Im

Vergleich zum Tiefpunkt

beim Geschäftsklima im März (Indexwert: -

minus 51,0) ist der Branchenindikator im

September mit minus 8,5 auf den höchsten

Wert im Jahr 2020 gestiegen.

Vor zwei Jahren hatte der Wert allerdings

im Vergleich noch plus 33,0 betragen. In der

aktuellen September-Befragung gaben 43

Prozent der Headhunter an, dass ihrUmsatz

bis September mehr als 40 Prozent unter

Plan liegt. Dieser Anteil ist bei den kleineren

Personalberatern mit 59 Prozent besonders

hoch. Bei den großen Marktteilnehmern

meldete jeder Vierte eine solche Geschäftsentwicklung.

„Wir Headhunter haben uns

aus dem coronabedingten Frühlingstief im

Laufe des Sommers nach oben gekämpft.

Unsere Kunden in den Unternehmen und

Organisationen suchen wieder neue Mitarbeiter,

besonders im Gesundheitswesen,

bei den Professional Services sowie der Versicherungs-

und Chemie-/Pharmabranche.

Aber natürlich bereitet uns die sich wieder

verschärfende Pandemiesituation Sorgen

gen zukönnen.

Die damit häufig verbundenen flexibleren

Arbeitszeiten finden bei 86 Prozent der Personalberater

eine Zustimmung. Dreiviertel

zeigen sich überzeugt, dass sich belastbare

Kunden- und Kandidatenbeziehungen auch

über digitale Tools pflegen und aufbauen

lassen. Immerhin knapp 60 Prozent stellen

fest, dass Homeoffice-Regelungen in den

Kundenfirmen dazu führen, vermehrt begehrte

Kandidaten für weniger attraktive

Standorte für eine Mitarbeit gewinnen zu

können. Die Ergebnisse der BDU-Befragung

zeigen insgesamt deutlich, dass die in den

letzten Monaten gemachten Erfahrungen

mit digitalen Lösungen bei der Suche, Ausim

Hinblick auf die Geschäftsentwicklung

in den

kommenden Monaten“, so

Arne Adrian, Vorsitzender

des BDU-Fachverbandes

Personalberatung. Eine

deutlich schwächere Nachfrage

komme gemäßder BDU-

Befragung aus dem Verkehrund

Gastgewerbe (Anteil

schlecht/sehr schlecht: 76 Prozent),

dem Fahrzeugbau (Anteil schlecht/

sehr schlecht: 76 Prozent) sowie dem Maschinenbau

(Anteil schlecht/sehr schlecht:

53 Prozent).

Jeder fünfteangestelltePersonalberater befindet

sich zurzeit in Kurzarbeit, bei den Researchernund

im Backoffice ist jeder vierte

von Kurzarbeiter-Regelungen betroffen.

Über alle Größenklassen betrachtet, hat es

bei 82 Prozent der Branchenteilnehmer bislang

auf der Hierarchiestufe Berater keine

Personalanpassungen gegeben. Bei dengrößeren

Personalberatungen mit mehr als drei

Millionen Euro Umsatz liegt der Anteil bei

deutlich geringeren 50 Prozent. In dieser

Größenklasse fallen notwendige Sparmaßnahmen

aufgrund der Nachfrageentwicklung

am kräftigsten aus..

Weiterhin: Der überwiegende Teil derBerater

und Mitarbeiter arbeitet aus dem Homeoffice.

Damit machen die Headhunter

positive Erfahrungen. Rund 90 Prozent geben

an, ihre Arbeit auch virtuell gut erledi-

wahl und Gewinnung von Fach- und Führungskräften

nicht nur eine Momentaufnahme

darstellen. 80 Prozent bestätigen,

dass in der Coronakrise wesentliche Bestandteile

der Wertschöpfungskette –zum

Beispiel Kandidaten-Interviews – erfolgreich

auf digitale Methoden verlagert werden

konnten. Und: Dreiviertel der Marktteilnehmer

gehen auch vonderen künftiger

Nutzungund der Etablierung weiterer digitaler

Instrumente aus.

pm

Foto: Colourbox,com

IMPRESSUM

BEST OF CONSULTING

DIE WIRTSCHAFT Münster /Münsterland

Verlag

Aschendorff Medien GmbH &Co. KG

An der Hansalinie 1-48163 Münster

Geschäftsführung: Dr. Benedikt Hüffer, Dr. Eduard Hüffer, Marc Zahlmann-Janzen,

Dennis Hagen

Verlagsleitung Werbemarkt &Anzeigenleitung

Marc Arne Schümann (verantw.)

Verkaufsleitung

Myriam Horstmann

Tel.: 0251 690-908417

Anzeigenverkauf

Frank Micheel,

Tel.: 0251 690-908418

Lars Normann

Tel.: 0251 690-908419

Redaktion

Claudia Bakker (verantw.)

Jenny Hagedorn

Gestaltung/Layout:

Lisa Stetzkamp

Druck

Aschendorff Druckzentrum GmbH &Co,, KG

An der Hansalinie 1, 48163 Münster

Auflage: 18.000 Exemplare

www.die-wirtschaft-muensterland.de

Orientierung für Berufsneulinge

Arbeitgeberkodex des BDU

Nicht immer ist es für Interessenten vor

einem Jobeinstieg in der Unternehmensberatungsbranche

einfach, die individuelle

Unternehmenskultur und das

Arbeitsklima in den Consultingfirmen

einzuschätzen.

Die Entscheidung für oder

gegen die Mitarbeit wird

nicht selten durch mangelnde

Transparenz und fehlende

Bewertungskriterien erschwert.

Eine bessere Orientierung für Berufsneulinge

sowie Quereinsteiger ermöglicht

der gerade veröffentlichteArbeitgeberkodex

des Bundesverbandes Deutscher

Unternehmensberater (BDU).

Dieser beschreibt in neun Punkten, was

Beraterinnen und Berater beim Jobeinstieg

bei BDU-Mitgliedsunternehmen,

die an dieser Initiativedes Branchenverbandes

teilnehmen, erwarten können.

Im Mittelpunkt des Kodex stehen das

wertschätzende und respektvolle Miteinander

in einem Consultingunternehmen.

BDU-Vizepräsident Matthias

Loebich: „Um im Wettbewerb um die Beratertalente

erfolgreich zu sein, müssen

die Consultingfirmen in ihrem Recruiting

mehr denn je ihr Verständnis vonvertrauensvoller

Zusammenarbeit und Verantwortung

für den Mitarbeiter nachvoll-

ziehbar machen. Unser Arbeitgeberkodex

enthält daher beispielsweise auch Aussagen,

welche Unterstützung in unterschiedlichen

Lebensphasen erwartet werden kann

oder welches Verständnis hinsichtlich gesellschaftlicher

Verantwortung in den

Unternehmensberatungen vorliegt.“

Der Kodex wurde auf der BDU-Mitgliederversammlung

2019 verabschiedet. Die teilnehmenden

Mitgliedsunternehmen bekennen

sich ausdrücklich zum Arbeitgeberkodex

und der moralischen Verpflichtung zur

Einhaltung der neun Punkte. Mit welchen

konkreten Leistungen, Angeboten und Initiativen

die Kerngedanken des Kodex in der

Unternehmenspraxis umgesetzt werden,

entscheiden die Consultingunternehmen

ganz individuell. Unternehmensberatungen,

die sich beteiligen, können auf ihren

Webseitendas vomBDU speziell entwickelte

Logo #Lieblingsarbeitgeber verwenden

und damit ganz einfach ihr besonderes Engagement

zum Ausdruck bringen.

pm

Foto: Colourbox.com


BEST OF CONSULTING 3

„Externe Berater bringen

Neutralität ins Unternehmen“

Kai Haake vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater im Interview

Über 150 000 Mitarbeiter erwirtschaften

bundesweit in der Consultingwirtschaft

über 33,8 Milliarden Euro Umsatz.

Von der Unternehmensberatung

über die Strategieberatung und Sanierungsberatung

bis hin zur Personalberatung

sind sie für ihre Kunden zuständig.Der

Bundesverband Deutscher

Unternehmensberater

vertritt die Interessen der

deutschen Consultingwirtschaft.

Dessen Geschäftsführer

Kai Haake erklärt im Interview,

wie man ein gutes Beratungsinstitut erkennt

und warum sich Unternehmen

Unterstützung von außen holen.

Inwiefern trifft die Corona-Pandemie

die Beraterbranche?

Haake: Das kann man so pauschal nicht beantworten,

da das Segment groß ist und

sich sehr unterscheidet. Die Krise trifft vor

allem Berater,die selbstständig oder in kleinen

Unternehmen sind, die größeren Beratungsgesellschaften

eher nicht. Je stärker

die Beratungsleistung zum Kunden hin personenabhängig

ist, desto stärker die Auswirkungen

der Pandemie.

Wie groß ist derzeit die Nachfrage

nach Hilfe von Unternehmen?

Haake: Dashängt insgesamt sehr vomSegment

ab. Wirbeobachteneinen Anstieg von

Sanierungs- und Outplacement-Projekten.

Selbst die Personalberatung hat auch Lichtblicke.

Die Branche hofft insgesamt auf eine

schwarze Null, im vergangenen Jahr hatten

wir einen leichten Umsatzgewinn von fünf

Prozent.

Wasraten Sie Firmen in Zeiten vonCorona?

Haake: Sie sollten versuchen, Sparpotenzial

zu finden und Prozesse auf den Prüfstand

zu setzen. Das kann auch eine neue

strategische Ausrichtung sein. Der Blick von

außen, also durch erfahrene Berater, kann

hier ungemein helfen. Auch das Thema

„Transport und Travel“ sollte überdacht

werden. Muss immer zum Kunden geflogen

werden oder können Termine auch via

Computer stattfinden? In der IT-Beratung

ist der Druck vor allem im Public Sektor

groß.

Warum holen sich Unternehmen

Unterstützung von Unternehmensberatern?

Haake: Das sind vielfältige Anlässe. Beispielsweise

um Know-how, das man im

Unternehmen nicht hat, vonextern dazu zu

holen. Oder um Veränderungen anzustoßen,

etwaVeränderungen im Führungssegment.

Externe Berater bringen zudem Neutralität

ins Unternehmen. Sie sind nicht geprägt

vonbetriebsinternen Vorgängen. Oftmals

wirdexterne Hilfebei Anlässen geholt,

wenn persönliche Gefühle zu sehr eine Rolle

spielen und die Arbeit wieder sachlicher

betrachtet werden sollte.

Welchen Unternehmen raten Sie, sich

Unterstützung von außen zu holen?

Haake: Wir raten, regelmäßig externen

Sachverstand zu holen. Schon bevor ein

Unternehmen ins Wanken gerät. Im Bereich

Personalrecruitment beispielsweise haben

sie ständig Bedarf.

Nach welchen Kriterien sollte eine Firma

ein Beratungsunternehmen auswählen?

Haake: Wie bei jeder Dienstleistung sollte

man sich den Bedarfanschauen und überlegen:

Was ist das Ziel? Welche Veränderung

wird angestrebt? Welches Know-how wird

gebraucht. Mansolltesichzudem auf jeden

Fall verschiedene Angebote einholen und

diese kritisch vergleichen. Die Persönlichkeit

der Berater und das Vertrauen in diese

spielen ebenso eine wichtige Rolle.

Inwiefern hat die Digitalisierung in

die Beraterbranche Einzug erhalten?

Haake: Derzeit massiv.Digitalisierungsprojekte

sind eine der größten Treiber, sowohl

bei Kunden als auch im eigenen Business.

Dabei stellen sich sehr spannende Fragestellungen,

teilweise auch ganz operativ: Wie

kann man Beratungsprojekte überwiegend

virtuell umsetzen, die früher vor Ort bearbeitet

wurden? Kann man in der eigenen

Firma aus dem Homeoffice Teams genauso

gut oder sogar besser

führen als im persönlichen

Umgang?

Anfang 2021werden

Vernetzt denken und zusammenarbeiten: Einerseits alsBerater mit Fachexpertise, aber andererseits auch Externer,Neutraler,

ja sogar alsStörer, der bewusst neue Konzepteund Sichtweisen etabliert, kommen Berater ins Unternehmen.Foto:Colourbox.com

wir dazu auch eine Studie aufsetzen.

Welche Anforderungen bringt der Beruf

mit sich?

Haake: Grundlegende Anforderungen sind

seit Jahren ähnlich. Neben fachlichem

Knowhow sind das Empathie, aber auch

Disziplin oder Reisebereitschaft. Man sollte

beim Kunden aber auch immer seine Neutralität

bewahren, sich mit dem Kunden

nicht gemein machen. Man sollteaber auch

immer technisch up to date sein, ein Auge

dafür haben, welche Tools und Methoden

zur Verfügung stehen. Apropos Reiseaufwand:

Bis Corona warder sehr groß, wasfür

nicht wenige Berater ab Mitte/Ende 30 ein

Grund war, den Beruf zu wechseln.

Wie gut sind die Karrierechancen?

Haake: Unverändert gut. Der BedarfanJuniorconsultants,

aber auch erfahrenen

Quereinsteigern, ist ungebrochen.

Welche Ausbildung und welche (persönlichen)

Kompetenzen sollte ein Berater

mitbringen?

Haake: Vor zehn Jahren waren vor allem

BWL, VWL und Ingenieurwissenschaften

das Nonplusultra. Das hat sich ein wenig geändert.

Das hängt aber auch vom Beratungssegment

ab. Mittlerweile sind auch

Mediziner, Juristen oder Soziologen gerne

gesehen. Das hat auch mit der eigenen

Glaubwürdigkeit zu tun: Wenn etwa ein

Krankenhaus beraten wird, ist die Glaubwürdigkeit

eines Beraters mit medizinischem

Vorwissen natürlich höher.Wie eben

angedeutet, sollte ein Berater Offenheit,

Lernwille, Neugierde und Reisebereitschaft

mitbringen.

Wasist das Besondere an der Tätigkeit

als Berater?

Haake: Es ist ein Beruf mit Doppelfunktion.

Einerseits als Berater mit Fachexpertise,

aber andererseits auch Externer, Neutraler,

ja sogar als Störer, der bewusst neue Konzepte

und Sichtweisen etabliert.

Kann man auch mit durchschnittlichen

Noten Berater werden?

Haake: Ja, es ist gut möglich, mit mittleren

Noten inder Branche Fuß zufassen und

einen guten Job zu machen. Denn nur, wer

im Abitur und auf der Hochschule super

war, bringt ja nicht automatisch alle wichtigenKompetenzen

für den Beraterberuf mit.

Mitentscheidend ist die Komponente

menschliche Fähigkeiten, also vernetzt zu

denken, zu verstehen und wie Prozesse ablaufen.

Jenny Hagedorn















Kai Haake, Geschäftsführer Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU.

Foto: BDU


4 BEST OF CONSULTING

Gründung durch

Nachfolge im Mittelstand

Eine erfolgreiche Unternehmensgründung durch Nachfolge im Mittelstand setzt gerade auch inCorona-Zeiten

besondere Sorgfalt voraus

Jährlich stehen rund 30 000 Unternehmen

in Deutschland vor der Aufgabe, ihre

Nachfolge –zum Beispiel aus Altersgründen

–zuregeln. Für Interessenten, die

ein eigenes Unternehmen gründen wollen,

bietet die Nachfolge in einem mittelständischen

Unternehmen daher eine gute

Einstiegsmöglichkeit in die Selbstständigkeit.

Die Coronakrise rückt die Nachfolgefrage stärker in das Bewusstsein der Unternehmer im deutschen Mittelstand.

Zudem rückt die Coronakrise

die Nachfolgefrage stärker in

das Bewusstsein der Unternehmer

im deutschen Mittelstand

und ihre Verhandlungsbereitschaft

mit Blick auf den Unternehmenswert

wächst. Hierdurch wird ein nochmals erweitertes

Angebot für den Einstieg in eine

bestehende Firma zur Verfügung stehen,

das aber intensiv geprüft werden sollte.

Bei der Firmengründung durch eine Nachfolgeregelung

gilt es vieles zu beachten. Die

Anforderungen an eine besonders sorgfältige

Vorbereitung sind dabei durch Corona-

Einflüsse auf die wesentlichen Betriebsgrundlagen

oder auch den Unternehmenswert

nochmals gestiegen. Der Bundesverband

Deutscher Unternehmensberater

(BDU) hat dies zum Anlass genommen, aktuelle

Erfolgsfaktoren und Praxistipps in

einem kurzen Leitfaden zusammenzustellen.

Die Experten aus dem BDU-Fachverband

Gründung, Entwicklung und Nachfolge

empfehlen, besonders die folgenden sieben

Punkte für eine erfolgreiche Gründung

durch eine Unternehmensnachfolge zubeachten:

► Realistische Selbsteinschätzung des eigenen

Unternehmer-Potenzials vornehmen

► Eine erfolgreiche Strategie für die Unternehmenssuche

entwickeln

► Den Wert des Unternehmens kennen und

schlüssig festlegen

► Mit einer Due Diligence die Unternehmensverhältnisse

prüfen und Vertrag gestalten

► Eine tragfähige Finanzierung ausarbeiten

und an die Refinanzierung denken

► Frühzeitig die Zeit nach der Übergabe

planen

► Den richtigen Sparringspartner für die jeweiligePhase

im Nachfolgeprozess identifizieren

Auch wenn der Kauf eines Unternehmens

manchmal mehr kostet als die Gründung

eines Start-ups: Die Nachfolge-Experten aus

dem BDU sehen trotzdem viele Vorteile. Als

Nachfolger einer bestehenden Firma kann

man auf eine gewachsene Kunden- und Lieferantenbeziehung,

am Markt bewährte

Leistungen, eine qualifizierteund erfahrene

Belegschaft sowie ein belastbares Rating

zurückgreifen. Käufer oder Verkäufer sollten,

wenn sie im Nachfolgeprozess Sparringspartner

einsetzen wollen, auf die Kompetenz

und überprüfbare Referenzen achten.

Werdeder externe Berater nach gängigen

Berufsgrundsätzen und Standards tätig,

gewinne der Auftraggeber durch die zugesicherte

Objektivität, Vertraulichkeit und

angemessene Honorare die notwendige Sicherheit

für eine Zusammenarbeit.

Foto: Colourbox.com

Absicherung steht an erster Stelle

Neue Finanzberaterstudie: Welche Themen die Firmenkunden der Berater am meisten bewegen

Die Absicherung betrieblicher Risiken

steht bei der mittelständischen Wirtschaft

in Deutschland an erster Stelle.

Dies ist ein Schlüsselergebnis des „Plansecur-Report:

Finanzbranche 2020“, der

auf einer Umfrage unter mehr als 100Beratern

der Finanzgruppe Plansecur basiert.

Die Berater sollten Auskunft darüber

geben, welche Themen ihre Firmenkunden

am meisten bewegen.

■ Demnach steht bei 70 Prozent der befragten

Finanzberater imGespräch mit mittelständischen

Firmen die Absicherung gegen

Betriebsrisiken an erster Stelle. Dabei geht

es keineswegs nur um Betriebsunterbrechung

oder ähnliche coronabedingte Folgen,

sondern beispielsweise auch um die

Abwehr von Cyberangriffen. So verzeichnen

immerhin 46 Prozent der Berater eine

rege Nachfrage nach Cyberversicherungen.

Plansecur-Geschäftsführer Johannes Sczepan

stellt fest:„Dem Mittelstand sind die Risiken

unternehmerischen Handelns überwiegend

bewusst und er sorgt vor. Das gilt

für die Absicherung des Betriebs ebenso wie

für die Altersversorgung der Beschäftigten.“

So ist die Versorgung der Mitarbeitenden

und der Entscheidungsträger ein häufiges

Thema im vertraulichen Gespräch zwischen

Finanzberater und Unternehmensleitung,

legt die Plansecur-Studie nahe. Demnach ist

für 58 Prozent der Befragten die Mitarbeiterversorgung

ein wichtiges Gesprächsthema,

für 19 Prozent sogar ein sehr wichtiges.

Die Versorgung auf Entscheiderebene stufen

51Prozent als wichtig und 38 Prozent

als sehr wichtig in der mittelständischen

Wirtschaft ein

Johannes Sczepan erklärt: „Im Mittelstand

hängen betriebliche und privateÜberlegungenhäufig

eng zusammen. Viele mittelständische

Firmen sind inhabergeführt, so dass

sich die Frage nach einer Unternehmensnachfolge

zwangsläufig stellt. Daher ist für

mehr als die Hälfteder Berater die Zeit nach

dem Ausscheiden aus dem Berufsleben bei

der Kundenberatung ein Aspekt, den es zu

berücksichtigen gilt.“

Nicht ganz so beliebt ist hingegen die betriebliche

Krankenversicherung, hat die

Studie ergeben. Die Mehrheit von 53Pro-

zent hält dieses Thema für weniger bedeutsam.

Immerhin gut ein Drittel (36 Prozent)

stufen es als wichtig oder gar sehr wichtig

ein. „Dabei hilft ein überzeugendes Gesundheitsangebot

für die Beschäftigten den

Unternehmen enorm im Kampf gegen den

Fachkräftemangel“, gibt Plansecur-Geschäftsführer

Johannes Sczepan zu bedenken.

Er erklärt: „Eine betriebliche Krankenversicherung

stellt für die Beschäftigten

eine leicht verständliche und flexible Ergänzung

zur privaten Vorsorge dar. Mit dem

freiwilligen Angebot zeigen Unternehmen,

dass ihnen ihreBeschäftigten und deren Gesundheit

am Herzen liegen. Das wird nach

Corona noch wichtiger sein als zuvor, um

sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.“

Die Absicherung betrieblicher Risiken steht bei der mittelständischen Wirtschaft in Deutschland an erster Stelle.Foto:Colourbox.com


BEST OF CONSULTING 5

Chef in jungen Jahren

Verbundprojekt Gründergeist #Youngstarts Münsterland soll Interessenten das Thema

Unternehmensnachfolge näher gebracht werden

Unternehmer und Gründer: Julius Gräler und Elena Siebelt erzählen im Podcast von ihrem beruflichen Alltag und beleuchten das Thema Unternehmensnachfolge aus verschiedenen Perspektiven.

Foto: opwoco Media GmbH

Elena Siebelt ist mit 27 Jahren bereits

Unternehmerin und Gründerin, für Julius

Gräler steht die Unternehmensnachfolge

noch bevor: In den Folgen vier und

fünf des Podcasts „Wie war das bei dir…?

Unternehmensnachfolge im Münsterland“

des Verbundprojektes Gründergeist

#Youngstarts Münsterland kommen

beide zu Wort und beleuchten das

Thema aus zwei unterschiedlichen Perspektiven.

Gleich doppelt spannend ist

die Geschichte der 27-Jährigen

Elena Siebelt aus Bocholt.

Zwar warfür sie schon

lange klar, dass sie dem Beruf

ihrer Eltern folgen wollte, doch trotzdem

kam dann alles schneller und anders,

als sie dachte. 2016 hat sie nicht nur das HotelResidenz

ihrer Eltern übernommen, sondern

wenig später auch noch gegründet: ihr

eigenes Motel, das „Motel B“. Damit verfolgt

sieein digitales Konzept, um ihreZielgruppe

noch zu erweitern und unkompliziertes

Ein- und Auschecken zu ermöglichen. Welche

Rolle ihr Vater noch im Betrieb einnimmt,

warum sie noch ein zweites Hotel im

Garten bauen ließ und welche Ideen sie für

die Zukunft hat,

erfahren Interessierte

inder vierten

Folge des

Podcasts.

Julius Gräler dagegen

steht kurz

vor der Übernahme:

Der 29-Jährige

wird in der Firma

Kootstra Radund

Schiffsreisen

in Münster auf

seinen Vaterfolgen und damit den Familienbetrieb

weiterführen. Diese Entscheidung

war weder für ihn noch seinen Vater eine

Selbstverständlichkeit. Denn ursprünglich

hatte der Münsteraner einen ganz anderen

Karriereweg eingeschlagen und arbeitete

Frank Sibbing, Leiter des Projekts

viele Jahre als Erzieher. Warum er sich

nochmal beruflich umorientierte und welche

Gedanken, Pläne und manchmal auch

ÄngsteerimVorfeld der Übernahme hat, erzählt

Julius Gräler in Folge fünf des Podcasts.

Zu hören gibt es

alle bisher erschienenen

Podcast-Folgen

auf

www.youngstarts-muensterland.com

sowie

auf diversen bekannten

Audio-

Plattformen wie

Spotify, Deezer,

Soundcloud,

Apple Podcast und Google Podcast. Weitere

Folgen sind bereits in Planung.

Hinter der Produktion des Podcasts steckt

das Verbundprojekt Gründergeist #Youngstarts

Münsterland. „Mit unserem Podcast

wollen wir Interessierten das Thema Unternehmensnachfolge

näher bringen und die

Hörer von diesem Schritt begeistern“, betont

Frank Sibbing, Leiter des Projekts

Gründergeist #Youngstarts Münsterland.

Denn das Projekt selbst hat zum Ziel, die

Gründungsintensität im Münsterland zu

stärken und mit zielgruppenspezifischen

Angeboten neue Gründungspotenziale und

Zielgruppen zu erschließen. Mehr Informationen

gibt es auf www.youngstarts-muensterland.com.

Das Projekt wirdimRahmendes EFRE-Aufrufs

„Regio.NRW“ von der Europäischen

Union und dem Wirtschaftsministerium

NRW gefördert. Der Münsterland e.V. setzt

es als Leadpartner gemeinsam mit folgenden

Partnern um: Wirtschaftsförderung

Kreis Coesfeld GmbH (wfc), Wirtschaftsförderung

im Kreis Warendorf (gfw), Technologieförderung

Münster GmbH, TAFH

Münster GmbH, Wirtschaftsförderungsund

Entwicklungsgesellschaft Steinfurt

mbH(WESt)und Wirtschaftsförderungsgesellschaft

für den Kreis Borken mbH (WFG).

Wert und Preis sind nicht dasselbe

Wie der Wert eines Unternehmens richtig ermittelt wird

Das Schlagwort „Unternehmensbewertung“

ist eng verknüpft mit den Aspekten

Nachfolge und Unternehmenskauf. Beides

sind Szenarien, bei denen verschiedene

Beteiligte mit unterschiedlichen Interessen

aufeinandertreffen.

Die Aushandlung dieser Interessen

gleicht nicht selten einem Pokerspiel:

Die eine Partei möchte ihr

Unternehmen, vielleicht sogar ihr Lebenswerk,

zu einem bestmöglichen Preis verkaufen.

Die anderePartei möchteein „wertvolles“

Unternehmen erwerben, das heuteund

in Zukunft Gewinn abwirft. Beide eint: Sie

brauchen einen Preis für das Unternehmen.

Einen Preis, der für beide Seiten den Wert

des Unternehmens repräsentiert.

Also muss das Unternehmen, das ver- beziehungsweise

gekauft werden soll, bewertet

werden. Doch wie soll der Firmenwert einvernehmlich

ermittelt werden? Schließlich

haben Käufer und Verkäufer sehr unterschiedliche

Perspektiven auf das anstehende

Geschäft: Die verkaufende Seite schaut

zurück auf ihre Mühen, die kaufende Seite

blickt erwartungsvoll in die Zukunft.

Man merkt schon, dass die Begriffe Unternehmenswert

und Unternehmenspreis inhaltlich

eng beieinander liegen, und doch

lohnt es sich, hier gedanklich klar zu differenzieren:

Der Wert lässt sich mit wissenschaftlichen

Methoden auf Basis bestimmterAnnahmen

ermitteln, der Preis hingegen

ist das individuelle Verhandlungsergebnis

von Verkäufer und Käufer. In der Praxis

kann der Preis über oder unter dem ermittelten

Wert liegen. Wert und Preis sind nicht

dasselbe. Doch ohne Wert lässt sich kein

Preis ermitteln, also ist die Unternehmensbewertung

ein wichtiger Schritt, wenn man

ein Unternehmen kaufen möchte.

Um den Wert eines ganzen Unternehmens

oder eines Unternehmensanteils zu bestim-

„Mit unserem Podcast wollen wir Interessierten

das Thema Unternehmensnachfolge

näher bringen und

die Hörer von diesem Schritt begeistern.“

men, wird eine

Unternehmensbewertung

vorgenommen.

Neben materiellen

Werten, wie

zum Beispiel

Grundstücken

und Maschinen,

werden auch immaterielle

Werte

wie Marke und

Know-how der Mitarbeiter

dabei bewertet.

Sowohl die Substanz

als auch der Ertrag

werden berücksichtigt.

Individuelle Faktoren wie etwa

Branchenzugehörigkeit und

regionale Unterschiede werden

ebenfalls für die Bewertung herangezogen.

pm


16 BEST OF CONSULTING

Durch Insolvenzplan

erfolgreich saniert

Ein Praxisbeispiel zur Bewältigung auch coronabedingter Unternehmenskrisen

INFOS

Herr Dr. Kreuznacht –aufgrund

der Corona-Pandemie sind viele

Unternehmen in eine akute Schieflage

geraten. Sehen Sie in der erfolgreichen

Sanierung der EBM Ingenieurgesellschaft

mbH ein Paradebeispiel

für die Restrukturierung

von Unternehmen, die durch die

Folgen der Corona-Pandemie in

eine Krise geraten sind oder noch

geraten werden?

Kreuznacht: Grundsätzlich sind

Unternehmenskrisen individuell zubetrachten.

Ähnlich wie bei EBM, wo

strukturbedingte Marktentwicklungen

eine wesentliche Krisenursache darstellten,

sind auch die Folgen der Corona-Pandemie

für die Unternehmen

nicht planbar und häufig nur sehr eingeschränkt

beherrschbar. Die Insolvenzordnung

stellt Instrumente zur

Verfügung, die die Erhaltung von

Unternehmen deutlich erleichtert. Dieses

Instrumentarium haben wir Hand

in Hand mit den Geschäftsführern bei

EBM konsequent eingesetzt. Dies wird

auch bei coronabedingt in eine Krise

geratene Unternehmen oftmals eine

Zukunftsperspektive schaffen können.

Frau Telohe, Herr Neumann: Die

Einleitung eines Insolvenzverfahrens

ist ein sehr weitreichender

Schritt. Welche Überlegungen haben

Sie letztlich dazu veranlasst,

den Insolvenzantrag für EBM zu

stellen?

Rechtsanwalt und Betriebswirt Dr.Frank Kreuznacht, Rechtsanwalt Alexander Vey(beide BBORS KreuznachtRechtsanwälte), Dipl.-Ing. Margit Telohe, B. Eng. Tobias Neumann

(beide EBM) ,Dipl.-Kaufm. Matthias Lührmann (Beckmann Unternehmensentwicklung GmbH

Foto: BBORS

Unternehmen geraten häufig durch interne

Fehlentwicklungen, strategische

Fehlentscheidungen oder externe Entwicklungen

in existenzielle Krisen. Diese

müssen nicht zwangsläufig auf Fehler

des Managements zurückzuführen sein,

sondern können auf langandauernde,

nicht umkehrbare Entwicklungen basieren.

Aber auch kurzfristige für das Management

unabwendbare Ereignisse

können die Ursache für eine Bedrohung

der Bestandserhaltung eines Unternehmens

sein.

Die Corona-Pandemie und

ihre oft erheblichen Folgen

für die wirtschaftliche Entwicklung

auch vorher gut

aufgestellter Unternehmen

führt dieses Unternehmenslenkern und

Bänkern gleichermaßen in einer zuvor

kaum denkbaren Weise vor Augen. Bestehen

in dem Unternehmen dann noch

strukturelle Probleme, ist der Eintritt einer

tiefgreifenden Krise oftmals unvermeidbar.

Der in Münster ansässigen bundesweit agierenden

Ingenieurgesellschaft EBM ist es erfolgreich

gelungen, trotz der Auswirkungen

der Corona-Pandemie ihre strukturelle Krise

im Insolvenzverfahren durch Rechtsanwalt,

Betriebswirt Dr.Frank Kreuznacht von

der Sozietät BBORS Kreuznacht Rechtsanwälte,

Münster, auf Grundlage des erarbeiteten

Insolvenzplan zu überwinden.

Für den Hauptkunden, eine führende deutsche

Textileinzelhandelskette, erbringt die

EBM seit über 50 Jahren exklusiv das Facility-Management

aller Verkaufshäuser in

Deutschland auf Grundlage von Dienstleistungsverträgen

mit langjährigen Laufzeiten.

Die Zusammenarbeit war über Jahrzehnte

von einem fortlaufenden Wachstum geprägt,

was zueiner ständig steigenden Anzahl

der Betreuung von großflächigen Einzelhandelsimmobilien

führte. Durch eine

voranschreitende Veränderung des Käuferverhaltens

–insbesondereder massiven Zunahme

des Internet-Handels und dem Eintritt

neuer Marktteilnehmer im Textilhandel

–ist die Textilbranche seit längerer Zeit in

einer tiefgreifenden Krise und durchläuft

einen nachhaltigen Strukturwandel. Diese

Entwicklung führte zueinem kontinuierlichen

und deutlichen Rückgang der durch

EBM zu betreuenden Immobilien und Flächen.

Umsatz- und Rentabilität des münsterischen

Traditionsunternehmens sanken

entsprechend. Zwar gelang EBM die Erschließung

neuer Tätigkeitsfelder.Dennoch

konnten die notwendigen Personal- und Kapazitätsanpassungen

nicht in hinreichendem

Umfang und in dem erforderlichen

Zeitfenster umgesetzt werden.

Eine zunehmende Verschlechterung der Ergebnissituation

war unvermeidbar. Inden

Jahren 2017 und 2018 erwirtschaftete EBM

so massiveVerluste, dass die Liquiditätssituation

sich zunehmend anspannte. Durch

das Management und die Gesellschafter

wurden unter Einbeziehung der Hausbank

unterschiedliche Möglichkeiten geprüft,

das Unternehmen mit hinreichend frischen

Finanzmitteln auszustatten, um die erforderlichen

Sanierungsmaßnahmen –insbesondere

die Personalanpassungen –umzusetzen

und hierdurch den Bestand des Ingenieurbüros

langfristig zu sichern.

Alle Überlegungen scheiterten letztlich an

den bekannten Problemlagen: Die erforderlichen

Personalanpassungsmaßnahmen

waren arbeitsrechtlich und wirtschaftlich

nicht oder nur mit so erheblichen Mitteln

umsetzbar,dass sie weder durch die Gesellschafter,

noch durch die Hausbank dargestellt

werden konnten. Anpassungen der

Vertragskonditionen warenmit denKunden

nicht umsetzbar.

Bei derartigen Krisensymptomen ist die

Umsetzung einer erfolgreichen Sanierung

außerhalb eines restrukturierenden Insolvenzverfahrens

häufig nicht möglich. Die

rechtlichen Restriktionen führen zu unüberbrückbaren

Hindernissen oder wirtschaftlichen

Belastungen, die nicht finanzierbar

sind, oder deren Finanzierung

durch die Gesellschafter mit massiven Risiken

verbunden ist.

Gestärkt aus der Krise durch Insolvenzplan:

Ende November 2018 stellten die Geschäftsführer

Margit Telohe und Tobias Neumann

Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens

mit dem klaren Ziel, ihr Unternehmen

in diesem Verfahren neu aufzustellen. Mit

Rechtsanwalt, Betriebswirt Dr. Frank

Kreuznacht aus der Sozietät BBORS Kreuznacht

Rechtsanwälte bestellte das Insolvenzgericht

einen Insolvenzverwalter, der

über große Erfahrung in der Restrukturierung

von Unternehmen verfügt und bereits

eine Vielzahl von Betrieben unterschiedlichster

Branchen und Größen erfolgreich

saniert hat. Mit dieser Bestellung folgtedas

Gericht auch dem Wunsch der Geschäftsführung

und maßgeblicher Gläubiger, sodass

die notwendige Vertrauensbasis zwischen

den wesentlichen Beteiligten vonAnfang

an vorhanden war.

Abgestimmt mit dem Insolvenzverwalter

wurde mit der Beckmann Unternehmensentwicklung

GmbH eine auf die Restrukturierung

spezialisierte Unternehmensberatung

durch die Geschäftsführer beauftragt,

die ebenfalls diverse Unternehmen in Insolvenzphasen

begleitet hat. Auf Grundlage

der Erkenntnisse, in deren Gewinnung auch

der Insolvenzverwalter seine Kompetenz

und Erfahrung einbrachte, wurden die notwendigen

Restrukturierungsmaßnahmen

mit den Geschäftsführern Telohe und Neumann

festgelegt. Klar definiertekaufmännische

Eckpunkte waren die Basis für Verhandlungen

mit den Auftraggebern, die das

Ziel verfolgten, die Geschäftsbeziehungen

fortzuführen und –insbesondere bei den

Großkunden –die Konditionen der wirtschaftlichen

Notwendigkeiten anzupassen.

Die hohe Leistungsfähigkeit der EBM in der

Vergangenheit und insbesondere die rechtlichen

Möglichkeiten des Insolvenzverwalters,

sich von nicht wirtschaftlichen Vertragsbeziehungen

trotz langfristiger Laufzeiten

lösen zu können, verschafften dem

Unternehmen eine sehr guteVerhandlungsgrundlage.

Kein Kunde beendete die Zusammenarbeit.

Die Konditionen konnten

zum Teil nennenswert verbessert werden.

Insbesondere mit dem Großkunden aus

dem Textilbereich konnte ein neuer langfristiger

Kontakt vereinbart werden, der

einen Meilenstein für die Sanierung setzte.

Weitere wesentliche Grundlagen für die

Wiedererlangung der Ertragskraft war die

Anpassung der Personalkapazitäten. Hier

warein Personalabbau insbesondereimGeschäftsbereich

des Großkunden erforderlich,

in dem überwiegend Mitarbeiter mit

langjährigen Beschäftigungszeiten und hohen

arbeitsrechtlichen Bestandsschutz tätig

waren. Aber auch für diese Situation stellt

die Insolvenzordnung geeigneteInstrumente

zur Verfügung, die es außerhalb des Verfahrens

nicht gibt. So sind die Kündigungsfristen

–unabhängig von den gesetzlichen

oder vertraglichen –für Arbeitsverhältnisse

auf längstens drei Monatebegrenzt. Sozialpläne

erfahren eine deutliche wirtschaftliche

Beschränkung, was zueiner nachhaltigenReduzierung

der Kosten eines Personalabbaus

beiträgt. Im Verhandlungsweg aber

auch nach Kündigungsschutzklagen konnte

der Insolvenzverwalter Dr. Kreuznacht sozialverträglich

aber insbesondere aus Sicht

der EBM die erforderlichen Reduzierungen

des Personalbestandes erreichen.

Zudem wurden gemeinsam mit Diplom

Kfm. Lührmann von der Beckmann Unternehmensentwicklung

wurden die gesamten

Leistungs- und Kostenstrukturen untersucht,

teilweise verändert und verbesserte

Leistungs- und Kosten-Controlling-Instrumente

implementiert. Hierdurch konnten

die abrechenbaren produktiven Tätigkeitsstunden

nennenswert erhöht und die Kostenreduziert

werden.Durch die Umsetzung

dieser Maßnahmen erreichte EBM bereits

im Jahr 2019 wieder die Gewinnzone und

erzielte ein beachtliches operatives Ergebnis.

Diese positive Entwicklung setzte sich

im Jahr 2020 nachhaltig fort, sodass EBM

noch in diesem Monat gestärkt aus dem Insolvenzverfahren

entlassen werden konnte.

Telohe, Neumann: Natürlich haben

wir den Insolvenzantrag nicht leichtfertig

gestellt. Intensiv haben wir die

Lage der EBM analysiert und Möglichkeiten

geprüft, die auftretenden

Schwierigkeiten außerhalb eines Insolvenzverfahrens

zu beseitigen. Wir kamen

zu dem Ergebnis, dass die strukturellen

und wirtschaftlichen Probleme

aus eigener Kraft nicht lösbar waren.

Unser langjähriger Hauptkunde

sah sich aufgrund der bestehenden

Verträge außer Stande, die Konditionen

anzupassen. Auch die erforderliche

Anpassung der Personalkapazitäten

war aufgrund der arbeitsrechtlichen

Regelungen nicht möglich. Wir

haben daher die Entscheidung getroffen,

die notwendigen Maßnahmen zielgerichtet

in einem geplanten Insolvenzverfahren

umzusetzen.

Dr. Kreuznacht, welche Situation

haben Sie nach Ihrer Bestellung

zum vorläufigen Insolvenzverwalter

in November 2018 bei EBM vorgefunden?

Kreuznacht: Mein Team und ich fanden

einen geordneten Geschäftsbetrieb

vor. Die Geschäftsführer hatten wesentliche

Problemlagen richtig analysiert.

Gemeinsam mit Frau Telohe und

Herrn Neumann wurden die wichtigsten

ersten Maßnahmen festgelegt.

Welche Maßnahmen waren das?

Kreuznacht: Im Vordergrund stand

zunächst die Stabilisierung des Geschäftsbetriebes.

Wichtige Maßnahmen

waren eine umfassende Information

der Mitarbeiter und Kunden. Gerade

eine offene Kommunikation ist die wesentliche

Basis dafür, dass auftretende

Ungewissheiten bezüglich der Leistungsfähigkeit

des insolventen Betriebes

und dessen Verlässlichkeit ausgeräumt

werden können. Die Sicherstellung

einer hinreichenden Liquidität

hatte ebenfalls höchste Priorität. Hierbei

war die Finanzierung der Personalkosten

über die Bundesagentur für

Arbeit, die in Insolvenzsituationen zur

Verfügung gestellt wird, ein wichtiger

Baustein. Ferner haben wir gemeinsam

mit der Geschäftsführung zur Erarbeitung

der kaufmännischen Grundlagen

mit der Beckmann Unternehmensentwicklung

GmbH, eine sanierungserfahrene

Unternehmensberatung beauftragt,

die tiefgründig in kaufmännische

Strukturen und Abläufe einstieg.


GELD &GESCHÄFT 17

Sparer entdecken die Aktie

In der Corona-Pandemie haben mehr Menschen intensiv über ihre Geldanlage nachgedacht. Eine Studie des

Instituts Kantar zeigt jetzt, dass es einen eindeutigen Trend zum verstärkten Engagement in Aktien gibt.

Mit der Anlage des Ersparten in Aktien lassen sich am ehesten gute Renditen erzielen.

Foto: colourbox.de

Abstand statt Gedränge, Urlaub zu Hause

statt Fernreise – die Corona-Pandemie

lässt uns mit einigen alten Gewohnheiten

brechen. Selbst beim Sparen sind jetzt offenbar

viele bereit, andere Wege zu gehen.Seit

Ausbruch der Pandemie hat

sich das Anlageverhalten verändert

– zumindest bei einer

ganzen Reihe von Sparern. Das

ist das Ergebnis einer aktuellen

Umfragedes Instituts Kantar im Auftrag der

Postbank. So nahm jeder zehnte Deutsche

das Krisen-Tief an den Börsen zum Anlass,

ins Wertpapiergeschäft einzusteigen oder

ein Investment aufzustocken. Weitere 18

Prozent haben ihre Anteile gehalten oder

unverändert weiter in einen Fondssparplan

eingezahlt. Interessant dabei: Viele Anleger

kauften vorallem Aktien (62 Prozent). Breit

streuende ETF waren weniger gefragt (40

Prozent), ebenso Investmentfonds (22 Prozent).

Dabei ist ein Investment in Einzelaktien

nicht ohne Risiko. „Wer sein Geld in nur

eine Aktie investiert, kann das eingesetzte

Kapital verlieren, wenn das Unternehmen

pleitegeht“, sagt Niels Nauhauser von der

Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

in Stuttgart. Und das kann selbst bei gestandenen

Firmen passieren, wie das Beispiel

Wirecard zeigt.

Die Lösung: das Geld auf viele verschiedene

Aktien verteilen. „Dann wird das Pleiterisiko

zu einem Wertschwankungsrisiko“, erklärt

der Finanzexperte. Verluste bei einem

Wert können auf diese Weise mit Gewinnen

bei anderen Werten ausgeglichen werden.

Die Wahrscheinlichkeit, alles zu verlieren,

ist deutlich geringer. Dabei gilt: Je mehr

Werte imDepot sind, desto besser.

Die einfachste und günstigste Möglichkeit,

sein Geld zu streuen, sind ETF. Diese börsengehandelten

Fonds bilden einen Index

ab. „Aber nicht alle Indizes sind auch breit

gestreut“, sagt Nauhauser und verweist als

Beispiel auf den Deutschen Aktienindex

Dax, der derzeit nur 30 verschiedene Werte

umfasst. Besser sind ETF, die einen Index

abbilden, der viele Aktien aus verschiedenen

Ländern und Branchen zusammenfasst,

wie zum Beispiel der MSCI World.

„Dieser Index hat eine lange Tradition“, erklärt

Nauhauser.„Und er ist Benchmark für

viele aktiv verwalteteFonds mit weltweitem

Anlageschwerpunkt.“ Was der Name allerdings

etwas verschleiert: Die Mehrheit der

Unternehmen in diesem Index stammt aus

den USA.

Der Grund: Die Gewichtung im MSCI World

werde vom Börsenwert bestimmt, heißt es

im Ratgeber „Anlegen mit ETF“ der Stiftung

Warentest. „Daher sind die USAals Börsennation

Nummer eins ein Schwergewicht im

Index.“

Die Gewichtung nach Börsenwert, die bei

vielen Indizes angewendet wird, führt zu

einer gewissen Verzerrung. Denn der Börsenwert

entspricht nicht notwendigerweise

auch dem Anteil eines Landes oder einer Region

an der weltweiten Wirtschaftskraft.

Ein Beispiel: Gewichtet man nach Marktkapitalisierung,

also Börsenwert, kommen die

USA imweltweiten Vergleich auf etwa 55

Prozent. Legt man aber das Bruttoinlandsprodukt,

also die Wirtschaftskraft zugrunde,

liegt der Anteil der USAweltweitbei nur

etwa 29Prozent, erklären die Stuttgarter

Verbraucherschützer.

Bei den Schwellenländern ist es umgekehrt:

Gewichtet man sie nach Wirtschaftskraft,

kommen sie auf einen Anteil von 39Prozent.

Schaut man nur auf den Börsenwert,

liegt ihr Anteil bei lediglich 15 Prozent.

Der MSCI All Country World Index enthält

zwar auch Unternehmen aus Schwellenländern,

aber auch hier wird nach Börsenwert

gewichtet. Wersich mit diesem Ungleichgewicht

nicht abfinden will, kann sein Welt-

Depot selber bauen, raten die Experten der

Stiftung Warentest.

Doch trotz der wachsenden Tendenz zum

Aktienkauf hat die Studie auch ergeben,

dass trotz Zinsen, die auf historischen

Tiefstständen verharren, die Guthaben auf

den Sparkonten in Deutschland weiter zunehmen.

Statistisch gesehen hatte jeder

Deutsche Ende 2019 genau 26 232 Euro in

Sparprodukten angelegt. Das sind 1152

Euro mehr als noch Ende 2018.Der Anstieg

der Einlagen in klassischen Sparprodukten

spiegelt sich auch in der Sparquotevon 10,9

Prozent wider. Von 100 Euro verfügbarem

Einkommen legten die Bundesbürger 2019

zehn Euround 90 Cent zur Seite. dpa/jst

Envira Amazonia Tropenwaldschutz in Brasilien

ist ein weiteres Projekt. Es schützt denTropenwald

vorAbholzung sowieÜbergriffen auf Rinderfarmen

undfördert dienachhaltige Landwirtschaft

in denlokalen Gemeinschaften.

Klimaschützen–

ökologischenFußabdruckverkleinern

Stadtwerke Münsterbietenmit Münster:CO 2 neutral

CO 2 -Kompensation ganz einfachfür jeden

Münster.Mit derInitiative„Münster:CO 2 neutral“

eröffnendie Stadtwerke Münster alserstes

Stadtwerk inDeutschland Bürgern die Möglichkeit,

Treibhausgas-Emissionen

auszugleichen. „Bereits

im Jahr 2019 haben

wir unsere Emissionen aus

Strom- und Wärmeverbrauch neutral stellen

können“, erläutert Tamara Roberg, Produktmanagerin

fürdas Projektvon den Stadtwerken

Münster.„Nunladen wiralleMünsteraner ein,

ihrenCO 2 -Ausstoß ebenfallszukompensieren,

dennKlimaschutz gelingtnur gemeinsam.“

In kleinen, bewussten Schritten

denCO 2 -Ausstoß vermeiden

Laut Umweltbundesamt verursacht jederDeutsche

jährlich im Schnitt rund 11,6 Tonnen CO 2 .

Es gibt zahlreiche Wege, den CO 2 -Ausstoß

zu verkleinern: Viele nutzen bereits Energie

aus erneuerbaren Quellen, kaufen Produkte

aus der Region oder ihre Kleidung im Second-Hand-Laden.Typisch

fürMünster istz.B.

auch das Umsteigenauf dieLeeze.

Da der CO 2 -Ausstoß jedoch auch mit diesen

Maßnahmen nicht komplett vermieden werden

kann, ist eswichtig, den verursachten Ausstoß

zu kompensieren und somit eine ausgeglichene

Klimabilanz zu erzielen. An diesemPunkt setzen

Das Kochöfen-Projekt inKenia produziert und

vertreibt klima- und gesundheitsfreundliche

Holzkohle-Kochöfen zur Reduktion der Rauchund

Treibhausgase.

Münster:CO 2 neutral

die Stadtwerke Münster an: Mit ihrer Initiative

Münster:CO 2 neutral bieten sie allen Bürgern

eine einfache Möglichkeit, ihren CO 2 -Fußabdruck

auszugleichen durch

die Unterstützungausgewählter

anerkannter Klimaschutzprojekte.

In drei einfachenSchritten

zum CO 2 -Ausgleich

Der ökologische Fußabdruck kann in drei

Schritten neutralisiertwerden:

Im ersten Schritt Im ersten Schritt wird

mit dem online bereit gestellten CO 2 -Ausstoß-Rechner

die persönliche Ausstoß-Menge

errechnet.

Im zweiten Schritt kann das Projekt ausgewähltwerden,

mitdem derAusstoß (inTeilen)

neutralisiertwerdensoll. DieStadtwerkeMünsterkooperieren

zu diesem Zweck mitinsgesamt

drei nachhaltigenUmweltschutzprojekten:Die

Projekte erfüllen mehrere der 17 UN-Sustainable

Development Goals, die zum Ziel haben,

nachhaltigen Frieden und Wohlstand zu fördern

sowie den Schutz unseres Planeten. Alle

Projekte sind jeweils mit dem unabhängigen

Gold Standard-Zertifikatund dem VCS-Zertifikat

ausgezeichnet.

Tipp:

Advertorial

Schenken Siezu

WeihnachteneineUrkunde

über kompensierte CO 2 -Emissionen!

Im dritten Schritt werden die Daten zur

Zahlungsabwicklung eingegeben:Jeder,der an

der Initiative teilnimmt, erhält eine Urkunde

über den geleisteten Klimaschutzbeitrag. Mit

dem Beitrag werden sowohl das ausgewählte

Klimaprojekt als auch ein Verein oder eine

Nichtregierungsorganisation im Münsterland

unterstützt.

Gesunde Umwelt kostetnicht viel

Nicht nur das zu unterstützende Projekt, sondern

auch die Kompensationsmenge kann beliebig

festgelegt werden. Für jede Tonne CO 2 ,

die kompensiert werden soll, wird ein Betrag

InfravestWinpark-Projekt in Taiwan.Mit diesem ProjektwerdeninTaiwanzweiOnshore-Windparks

unterstützt.

von etwa 10 Euro erhoben. Dieser kommt zum

größtenTeileinem jeweiligen Klimaprojekt sowieeinem

lokalen Projekt(derzeitvom NABU)

zuguteund decktaußerdem dieKostenfür den

Verwaltungsaufwand. Machen Sie mit und

sorgen Sie mit Ihrem CO 2 -Ausgleich für ein

grüneresMünster.WeitereInformationenunter

www.gruenerfussabdruck.de


18 NACHHALTIGKEIT –LEBEN &WISSEN 19

Vom CSR-Gedanken überzeugt

Das Kompetenzzentrum Münsterland stellte auf einer Fachtagung in Münster einen neuen Leitfaden vor.

Elf weitere Unternehmen aus dem Münsterland befassen sich intensiv mit Corporate Social Responsibility.

Mit Plattdeutsch um die Welt

Die Journalistin Ulla Wolanewitz aus Nottuln liebt Geschichten aus der Provinz. Jetzt hat die Autorin und

Trägerin des Heimatpreises im Kreis Coesfeld ihr neuestes Buch verfasst: „Muckefuck und Möppkenbraut“.

Audi Business

Das CSR-Kompetenzzentrum Münsterland

hat den Handlungsleitfaden „Innovation,

Unternehmen, Verantwortung –

CSR-Praxis im Münsterland“ veröffentlicht.

Corporate Social Responsibility

(CSR) ist ein Unternehmenskonzept, das

laut Kompetenzzentrum „die gesellschaftliche

Verantwortung im Sinne

eines nachhaltigen Wirtschaftens im

Blick hat“.

In zwei Talkrunden wurde intensiv über CSR gesprochen: So diskutiertenzum Beispiel Helen Swetlik (Druckhaus Dülmen) und Frank Vorwerk (Heinz Vorwerk GmbH, Warendorf,

r.)mit Dr. Udo Westermann vom CSR-Kompertenzzentrum Münsterland.

Foto: Christoph Lux

Neben grundlegenden Informationen

zu CSR und einer

Erläuterung der CSR-Roadmap

als Handlungskonzept

beinhaltet der Leitfaden

auch die Ergebnisse einer durch die Fachhochschule

Münster durchgeführten Unternehmensbefragung

zum CSR-Status im

Münsterland. Und: CSR lebt einerseits von

seinem betrieblichen Nutzen, aber auch als

Grundüberzeugung in den Köpfen. Der Bericht

umfasst deshalb Kurzvorstellungen

der ausgezeichneten Unternehmen als Praxisbeispiele

sowie auch Statements der

CSR-Unternehmensbotschafter. Der Leitfaden

ist kostenfrei verfügbar unter www.csrmuensterland.de.

Vorgestellt wurde der CSR-Leitfaden im

Rahmen der Veranstaltung „CSR konkret –

wie geht das?“ Was Corporate Social Responsibility

im betrieblichen Alltag eines

kleinen oder mittleren Unternehmens bedeutet,

wie CSR sich pragmatisch umsetzen

lässt und was dies alles mit Regionalentwicklung

zu tun hat, darüber diskutierten

Birgit Neyer, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungs-

und Entwicklungsgesellschaft

Steinfurt mbH sowie die drei CSR-

Botschafter Magdalena Münstermann, Thomas

Voßund Daniel Thiekötter.Zudem berichteten

Unternehmer Frank Vorwerk und

Unternehmerin Helen Swetlik über die Motive,

Nutzen undPraxiserfahrungen mit der

Durchführung der CSR-Roadmap. Eine Videoaufzeichnung

der Veranstaltung ist auf

der Internetseite des CSR-Kompetenzzentrums

online.

Wie das Kompetenzzentrum jetzt weiter

mitteilte, wurden im Oktober elf weitereBetriebe

als CSR-Unternehmen Münsterland

ausgezeichnet. Die Unternehmen haben

Rein-elektrisch, mit Hybrid-Antrieb

oder als Verbrenner.

Der neue Audi A3 Sportback TFSI e¹.

Jetzt bei uns bestellbar.

DerneueAudiA3SportbackTFSIe 1 überzeugtals Plug-in-Hybridmit jeder Form desAntriebsdurch eine kraftvolle

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*Kraftstoffverbrauch in l/100km: kombiniert 1,4;StromverbrauchinkWh/100km: kombiniert 13,0;

CO₂-Emissionening/km: kombiniert30. CO₂-Effizienzklasse:A+.

Brillantschwarz, 16"Leichtmetallräder (5-Arm-Aero),2-Zonen-Komfortklimaautomatik,Spurverlassenswarnung,

MMI Radioplus, Licht-/Regensensor, Lederlenkradim3-Speichen-Designmit Multifunktion undSchaltwippen u.v.m.

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JährlicheFahrleistung: 10.000km

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dem Umweltbonus³): €4.500,–

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Braunschweig.Zzgl.Überführungskostenund MwSt.. Bonitätvorausgesetzt.

¹Kraftstoffverbrauchinl/100 km:kombiniert1,5–1,4;StromverbrauchinkWh/100km: kombiniert 13,8–13,0;

CO₂-Emissionen ing/km:kombiniert 34–30. Angaben zuden Kraftstoffverbräuchen undCO₂-Emissionen sowie

CO₂-Effizienzklassenbei Spannbreiten in Abhängigkeit vom verwendeten Reifen-/Rädersatz.

²Das Angebot gilt nurfür Kunden, die zum Zeitpunktder Bestellung bereits, sechsMonateals Gewerbetreibender

(ohnegültigen Konzern- Großkundenvertrag bzw. dieinkeinemgültigenGroßkundenvertragbestellberechtigt

sind), selbstständigerFreiberufler, selbstständigerLand- undForstwirt oder Genossenschaft aktivsind.

³Der Erwerb (KaufoderLeasing)eines neuen Audi A3 Sportback40TFSIe¹durch Privatpersonen,Unternehmen,

Stiftungen,Körperschaften undVereine nach dem 18.05.2016 wird mitdem Umweltbonusgefördert,abdem

04.06.2020 inklusive Innovationsprämie.Das FahrzeugmussimInlandauf den/dieAntragstellerinzugelassen werden

(Erstzulassung)und mindestens 6Monatezugelassenbleiben. Sofern dasFahrzeug nach dem 04.11.2019 erstmaligzum

Straßenverkehr zugelassen wird,beträgt dieHöhedes Umweltbonusinklusive Innovationsprämiefür den

Audi A3 Sportback40TFSIe¹insgesamt 6.750Euro. EinDrittel desUmweltbonuswirdseitens der AUDI AG direktauf

denNettokaufpreis gewährt, zwei Drittel desUmweltbonus(Bundesanteil am Umweltbonus inklusive Innovationsprämie)wirdnachpositivem

Zuwendungsbescheid aufAntragbeimBundesamt fürWirtschaft undAusfuhrkontrolle

(BAFA) unterwww.bafa.de ausbezahlt. DerAntrag aufGewährungdes BundesanteilsamUmweltbonus mussbei

Zulassungnach04.11.2019spätestensein JahrnachZulassung über daselektronischeAntragsformular unter

www.bafa.de eingereichtwerden. Aufdie Gewährungdes Umweltbonus besteht kein Rechtsanspruch unddie Förderungendet

mitErschöpfung derbereitgestelltenFördermittel,spätestensjedochzum 31.12.2025.NähereInformationenzum

Umweltbonussindauf den Internetseiten desBaFaunter https://www.bafa.de/DE/Energie/Energieeffizienz/Elektromobilitaet/Neuen_Antrag_stellen/neuen_antrag_stellen.htmlabrufbar.

AbgebildeteSonderausstattungen sind im Angebotnicht unbedingt berücksichtigt.Alle Angaben basierenauf den

Merkmalendes deutschen Marktes.

Hauptstraße 190, 59269Beckum, Tel.: 02525/80620, info.beckum@auto-weber.com,www.weber-beckum.audi

über zwölf Monate Zeit und Ressourcen in

Strategien für nachhaltiges Handeln investiert.

Begleitet wurden die Unternehmen

durch eine Workshopreihe des CSR-Kompetenzzentrum

Münsterland, die speziell für

kleine und mittlere Unternehmen entwickelt

wurde. Im April machte Corona auch

vorden CSR-Workshops nicht halt, die Präsenz-Workshops

mussten durch Videokonferenzen

ersetzt werden.

Begonnen wurde im Oktober 2019. Mittels

einer CSR-Selbstbewertung wurden die wesentlichen

Themen und wirksamsten Hebel

aus der Vielzahl diskutierter Megatrends

identifiziert. Die Themenbreite erstreckte

sich über die gesamte Vielfalt der betrieblichen

CSR-Handlungsfelder (Arbeitsplatz

und Mitarbeiter, Umweltschutz, Produktverantwortung

und Markt sowie Gemeinwesen).

Die Bewertungsrunden boten

Raum auch für sensible Themen, die sonst

im Alltagsgeschäft untergehen. Oft waren

die Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer

überrascht über die unterschiedlichen

Blickwinkel.

Auf Grundlage dieser Statusfeststellung

wurde eine Vielzahl konkreter Maßnahmen

erarbeitet: vomKarton-Schredder über Job-

Bikes bis zu Bienenwiesen, vonAzubi-Nachmittagen,

jährlichen Mitarbeitergesprächen

zu strukturierten Weiterbildungsprogrammen

und von der Reflektion und Änderung

CSR Unternehmen Münsterland 2018-2020

Foto: colourbox.com

Unternehmen

bellanet GmbH

BerndMünstermann GmbH &Co. KG

BIMECOGarnhandel GmbH &Co. KG

CCCDruck und Medien GmbH

CERVOTEC GmbH&Co.KG

deutz produktionsstudios GmbH

doIT GmbH Raesfeld

Druckhaus Dülmen

Giesker&Laakmann GmbH &Co. KG

Heinz VorwerkGmbH

IngenieurbüroBertels GmbH

Jobfind 4you Personalmanagement

GmbH

KlausHerding GmbH

Lammers Automation GmbH

Landschaftsbau Vornholt GmbH

Ludgerus-Apothekee.K.

LWLL Kliniken Münster und Lengerich

Modehaus ebbers e.K.

Mußenbrock &Partner Wirtschaftsprüfer

und SteuerberatermbB

NaturaHolzbau GmbH

PERGAN GmbH

PHT -BeckumPartner für Hygiene

und TechnologieGmbH

Röwekamp &StumpeGbR Telgte

Shaghafi GmbH

Spaleck GmbH &Co. KG

Thiekötter Druck GmbH &Co. KG

Urlaub &Pflege e. V.

W. Theilmeier GmbH &Co. KG

Ort

Rhede

Telgte

Bocholt

Münster

Münster

Bocholt

Raesfeld

Dülmen

Nottuln

Warendorf

Münster

Gronau

des Umgangs mit Lieferanten bis zum Engagement

für Flüchtlinge. Die Maßnahmen,

die die Betriebe ergriffen haben, sind vielfältig.

Meist ging der CSR-Prozess auch mit

einer verbesserten internen Kommunikation

einher. Ein Großteil der Unternehmen

entschloss sich im Laufe des Prozesses,

einen Leitbild-Prozess anzustoßen beziehungsweise

ein bereits bestehende Unternehmensleitbild

zu reaktivieren.

Wasgesät wurde, lässt sich laut Kompetenzzentrum

nun ernten. Gerade in Corona-Krisen-Zeiten

profitierten die Unternehmen

von den vorgenommenen Veränderungen:

einer verbesserten internen Kommunikation,

der Digitalisierung vonProzessen, den

Vorbereitungen fürs Arbeiten im Homeoffice

und von verbesserten Organisationsstrukturen.

CSR funktioniert dabei nicht im Verborgenen,

CSR ist öffentlich. Alle jetzt ausgezeichneten

Unternehmen haben ihren Prozess

und dessen Ergebnisse in einem CSR-

Report veröffentlicht. Unter www.csr-muensterland.de

sind alle CSR-Reports, der

Leitfaden sowie der Evaluationsbericht der

Fachhochschule kostenfrei abrufbar.

■ Kontakt: Dr.Udo Westermann, CSR-Kompetenzzentrum

Münsterland, Spiekerhof 5,

48143 Münster, Tel. 0251/9731634,

uw@csr-muensterland.de, Infos unter

www.csr-muensterland.de

Rhede

Emsdetten

Borken

Altenberge

Münster,Lengerich

Warendorf

Borken

Rheine

Bocholt

Beckum

Telgte

Rheine

Bocholt

Münster

Telgte

Everswinkel

Branche

Handel (Textil)

Anlagenbau

Handel (Garn)

Druckerei

Fahrradgaragen

Full-Service-Agentur für Werbung,

Kommunikation und Design

IT-Unternehmen

Druckerei

Spedition

Handwerk(Stuck,Putz und

Fassadengestaltung)

Ingenieurbüro

Personaldienstleistung

Handel (Textil)

Automatisierungstechnik

Landschaftsbau

Apotheke

Fachkrankenhaus fürPsychiatrie

Handel (Textil)

Wirtschaftsprüfer/Steuerberater

Handwerk (Holzbau)

Handel (ChemischeHilfsstoffe)

Handel undBeratungfür Betriebe

der Lebensmittelindustrie

Handwerk (Holzbau)

Handel (Schmuckund Uhren)

Maschinenbau

Druckerei

Tourismus:Vermittlung vonReisen

für Pflegebedürftige

Garten- und Landschaftsbau

Mitarbeiterzahl

21

290

11

23

13

16

6

24

170

38

26

17 intern/200extern

80

60

73

10

Lengerich: 980 /Münster: 1050

71

53

70

140

32

14

58

410

60

6Hauptamtliche /

60 Ehrenamtliche

60

Quelle: CSR-Kompetenzzentrum

Münsterland

Sie ist in der Welt rumgekommen. Und

dem Plattdeutschen immer nahe geblieben.

Sie hat Reisereportagen über Aserbaidschan,

Hawaii und die Route 66 geschrieben.

Und Döönekes über Änne und

Therro aus dem Dorf. Ulla Wolanewitz,

58, ist eine journalistische Reisende, deren

schönste Ausflüge kurz hinter ihrer

Haustür beginnen. An der Mühlenstiege

in Nottuln. Da wo alles anfing, bei Tante

Rickermann in der Schneiderwerkstatt.

Mühlenstiege im Stiftsdorf,

ein paar Meter weiter

drehte sich die alte

Wassermühle im Nonnenbach,

quakten die

Frösche inder Plümpsbadeanstalt, gegenüber

die Fabrikantenvilla und etwas weiter

die längst verschwundene Strumpffabrik

Rhode. Ulla Wolanewitz‘ Vater kam aus

Westpreußen, dieMutter aus dem Münsterland.

Vonihm hat sie den Witz,von ihr den

Dialekt. Und natürlich von Tante Rickermann,

der Nachbarin, die nähte und jede

Menge Geschichten draufhatte.

Insgesamt also eine so handwerkliche Nachbarschaft,

dass die praktisch veranlagteUlla

Wolanewitz erst mal selbst einen ordentlichen

Beruf ergriff. Sie wurde Tischlerin.

Was zum Zupacken. Aber doch nicht –auf

ewig –das ganz Richtige für sie.

Zum Journalismus kam sie wie viele Quereinsteiger:

freie Mitarbeiterin, Volontariat

bei einer Wochenzeitung, danach die Freiberuflichkeit.

Was manchem Kommunikationsstudenten

als Traumjob vorschwebt,

hier ist es hartes Brot. Ulla Wolanewitz

übernimmt Redaktionsvertretungen,

schreibt für Lokalzeitungen, Magazine und

Fachzeitschriften. Sie hat den Blick für das

Besondere, für Geschichten aus der Provinz.

Sie dichtet über Pommes-Automaten am

„Eisernen Hammer“ in der Knüste. Oder

über Oma Hölscher, die seit 40 Jahren Bus

fährt. Titel: „Diesel im Blut“.

Dann entdeckt sie den Reisejournalismus

für sich. Pressereisen führen sie einmal um

die Welt. Von Kanada nach Kapstadt, von

NewYork nach Estland. „Ich habe mir da ein

eigenes Netzwerk aufgebaut“, sagt sie. Ihre

Reportagen verkauft sie an verschiedene

Magazine und Zeitungen. Viele Jahre läuft

es gut.

Mittlerweile wird das Geschäft schwerer.

„Vielleicht ist es damit vorbei“, mutmaßt

Wolanewitz im Corona-Jahr 2020. Viele

Journalistische Reisende: Ulla Wolanewitz mit einem Teil der von ihr veröffentlichten Bücher

Medien sparen, viele übernehmen nur noch

Reiseberichte, die von Nachrichtenagenturengeschrieben

werden.Außerdem kooperieren

Zeitungen gerade in jenem Bereich,

die für sie nicht der Kern des Geschäfts sind.

Reiseteile gehören dazu. Ihre Zahl

schrumpft, die Aufträgefür Journalistinnen

wie Ulla Wolanewitz auch.

Doch ihr bleibt die Heimat. Die nächsteNähe,

aus der sie den Leuten aufsMaul schaut.

Sieben Bücher aus und über das Münsterland

hat sie bereits geschrieben. Sechs davon

auf Platt. Angefangen hat sie 1992 mit

einem Buch, das aus ihrer WDR-Kolumne

„Nu sägg doch es söffst“ entstand. „Damals

gabder SendernochGeld für die plattdeutsche

Sprache aus“, erinnert sich Ulla Wolanewitz.

Irgendwann wurde die Sendung

eingestellt –wegen mangelnder Reichweite,

hieß es.

Gerade ist ihr neuer Band im Eigenverlag erschienen.

Es zeigt auf dem Einband eine

Collage von Schwarz-Weiß-Aufnahmen:

schicke Bräute, berittene Schützen, Speismaschinen

vor Siedlungshäusern, Zöpfchenmädels.

„Muckefuck und Möppkenbraut“

heißt es und handelt vom Leben in

„Wirkung hoch 100“

den 50er-Jahren. Ulla Wolanewitz ist dabei

ganz Journalistin. Sie befragt Zeitzeugen,

schreibt ihre Geschichten auf, interessiert

sich für die sonderbareSchwarz-Weiß-Zeit,

die nicht mehr ist.

Ihr Arbeitszimmer unterm Dach liegt immer

noch an der Mühlenstiege. Ulla Wolanewitz

hat im vergangenen Jahr als Privatperson

den ersten Heimatpreis des Kreises Coesfeld

bekommen. Für ihre Bücher, Hörbücher

und Kurzfilme –nicht nur in plattdeutscher

Sprache. Die Ehrewar schön,noch schöner

waren die 2000 Euro, die es dazugab.

Die Zeiten für Autorinnen sind hart. Durch

Corona sind sie noch einmal härter geworden.

IhreBücher gibt es in einigen inhabergeführten

Buchhandlungen im Kreis Coesfeld,

auch pflegtesie früher auf Weihnachtsmärkte

und Basare zugehen. Sie weiß ja,

außerhalb des Münsterlandes versteht sie

keiner.„Aber hier bei uns läuft es sehr gut“,

sagt sie in dem kleinen Laden in Nottuln an

der Stiftskirche, den sie sich für die Weihnachtssaison

mit einem Parkettleger teilt.

Neudeutsch wäredas ein Pop-up-Store.Ulla

Wolanewitz macht daraus ihren „Ik-kuemun-gaoh-Store“.

Günter Benning

Der Stifterverband wählt zwei Projekte der FH Münster für seine Jubiläumsinitiative aus.

Zu seinem 100. Geburtstag hat sich der

1920 gegründete Stifterverband eine

ganz besondere Aktion ausgedacht und

mit der Initiative „Wirkung hoch 100“

Deutschlands beste 100Ideen für das Bildungs-,

Wissenschafts- und Innovationssystem

von morgen gesucht. Über 500

Bewerbungen sind dafür eingegangenen,

aus denen ein unabhängiger Expertenbeirat

nun die Auswahl getroffen hat.

Mit dabei sind gleich zwei

Vorhaben der Fachhochschule

Münster. „xRegions“

und „Nudging for

innovation: Wie wir mit

sanften ‚Stupsern‘ die Dritte Mission befeuern“.

„Diese Anerkennung zeigt, wie intensiv

wir uns mittels Bildungs- und Innovationspartnerschaften

engagieren“, sagt

Carsten Schröder, Vizepräsident für Transfer,

Kooperation und Innovation.

„Mit ‚xRegions‘ möchten wir unser Ökosystem

regionaler Kooperationspartner auch

international mit den Netzwerken unserer

Partneruniversitäten in Brasilien, Chile, Kolumbien,

den USAund Großbritannien verknüpfen“,

erklärt Projektleiter Rolf Laakmann

von der TAFH GmbH, „zum Beispiel

durch internationale Start-up-Initiativen,

Zusammenarbeit im Recruitment, gemeinsame

Weiterbildungsangebote oder Seasonal

Schools mit Studierenden.“

„Nudging for innovation: Wie wir mit sanften

‚Stupsern‘ die Dritte Mission befeuern“

ist das Promotionsprojekt vonEva Sormani,

wissenschaftliche Mitarbeiterin am Science-to-Business

Marketing Research Centre(S2BMRC)

der Hochschule. „Ich möchte

herausfinden, durch welche Anstöße sich

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

dazu motivieren lassen, mehr zur Dritten

Mission beizutragen ohne sie zu drängen

oder monetäre Mittel dafür einzusetzen“,

erläutert die Doktorandin in einer Pressemitteilung

der FH. Die „DritteMission“ von

Hochschulen neben den beiden Kernaufgaben

Forschung und Lehre ist es, gesellschaftliche

Bedürfnisse zu erkennen und

Lösungen anzubieten. „Ich glaube an Nudging:

Ein Nudge ist per Definition subtil,

transparent, kostengünstig und umgehend

wirksam. Nudging ist sobrillant, dass sein

geistiger VaterRichard Thaler 2017 denNobelpreis

dafür erhielt“, sagt Sormani.

Mitte November nahmen Laakmann und

Sormani am digitalen Kick-Off von „Wirkung

hoch 100“ teil. „Es war total inspirierend,die

anderen geförderten Projektekennenzulernen.

Das Programm der Inkubationsphase

von ‚Wirkung hoch 100‘ klingt

sehr vielversprechend“, sind sich die beiden

einig. Denn die Unterstützung durch den

Stifterverband ist nicht allein finanzieller

Natur. Vielleicht noch entscheidender ist

der inhaltliche Input durch die Mitglieder

und die Ressourcen des Netzwerks aus

Unternehmen und Stiftungen, von dem die

geförderten Projekte profitieren werden.

■ Der Stifterverband verkörpert nach eigener

Darstellung seit 1920 die gemeinsame

Verantwortung der deutschen Unternehmen

für eine zukunftsfähigeund lebenswerte

Gesellschaft. DAX-Konzerne, Mittelständler,Unternehmensverbände,

Stifter und engagierte

Privatpersonen –rund 3000 Mitglieder

haben sich im Stifterverband zusammengeschlossen.

JAHRE GARANTIE

Foto: Johannes Oetz

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gültigen Garantiebedingungen, u. a. bei Batterie, Lack und Ausstattung.

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1Die Reichweite wurdenach dem vorgeschriebenen EU-Messverfahren

ermittelt. Die individuelle Fahrweise, Geschwindigkeit, Außentemperatur,

Topografie und Nutzung elektrischer Verbraucher haben Einfluss auf

die tatsächliche Reichweite und können diese u. U. reduzieren.

2Bei umgeklappter Rücksitzbank, nach VDA.

3Der Einsatz von Assistenz- und Sicherheitssystemen entbindet nicht

von der Pflicht zur ständigen Verkehrsbeobachtung und Fahrzeugkontrolle.

4Die Angaben beziehen sich nicht auf ein einzelnes Fahrzeug und sind

nicht Bestandteil des Angebots, sondern dienen allein Vergleichszwecken

zwischen den verschiedenen Fahrzeugtypen.

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18 NACHHALTIGKEIT –

Vom CSR-Gedanken überzeugt

Das Kompetenzzentrum Münsterland stellte auf einer Fachtagung in Münster einen neuen Leitfaden vor.

Elf weitere Unternehmen aus dem Münsterland befassen sich intensiv mit Corporate Social Responsibility.

Audi Business

Das CSR-Kompetenzzentrum Münsterland

hat den Handlungsleitfaden „Innovation,

Unternehmen, Verantwortung –

CSR-Praxis im Münsterland“ veröffentlicht.

Corporate Social Responsibility

(CSR) ist ein Unternehmenskonzept, das

laut Kompetenzzentrum „die gesellschaftliche

Verantwortung im Sinne

eines nachhaltigen Wirtschaftens im

Blick hat“.

In zwei Talkrunden wurde intensiv über CSR gesprochen: So diskutiertenzum Beispiel Helen Swetlik (Druckhaus Dülmen) und Frank Vorwerk (Heinz Vorwerk GmbH, Warendorf,

r.)mit Dr. Udo Westermann vom CSR-Kompertenzzentrum Münsterland.

Foto: Christoph Lux

Neben grundlegenden Informationen

zu CSR und einer

Erläuterung der CSR-Roadmap

als Handlungskonzept

beinhaltet der Leitfaden

auch die Ergebnisse einer durch die Fachhochschule

Münster durchgeführten Unternehmensbefragung

zum CSR-Status im

Münsterland. Und: CSR lebt einerseits von

seinem betrieblichen Nutzen, aber auch als

Grundüberzeugung in den Köpfen. Der Bericht

umfasst deshalb Kurzvorstellungen

der ausgezeichneten Unternehmen als Praxisbeispiele

sowie auch Statements der

CSR-Unternehmensbotschafter. Der Leitfaden

ist kostenfrei verfügbar unter www.csrmuensterland.de.

Vorgestellt wurde der CSR-Leitfaden im

Rahmen der Veranstaltung „CSR konkret –

wie geht das?“ Was Corporate Social Responsibility

im betrieblichen Alltag eines

kleinen oder mittleren Unternehmens bedeutet,

wie CSR sich pragmatisch umsetzen

lässt und was dies alles mit Regionalentwicklung

zu tun hat, darüber diskutierten

Birgit Neyer, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungs-

und Entwicklungsgesellschaft

Steinfurt mbH sowie die drei CSR-

Botschafter Magdalena Münstermann, Thomas

Voßund Daniel Thiekötter.Zudem berichteten

Unternehmer Frank Vorwerk und

Unternehmerin Helen Swetlik über die Motive,

Nutzen undPraxiserfahrungen mit der

Durchführung der CSR-Roadmap. Eine Videoaufzeichnung

der Veranstaltung ist auf

der Internetseite des CSR-Kompetenzzentrums

online.

Wie das Kompetenzzentrum jetzt weiter

mitteilte, wurden im Oktober elf weitereBetriebe

als CSR-Unternehmen Münsterland

ausgezeichnet. Die Unternehmen haben

Rein-elektrisch, mit Hybrid-Antrieb

oder als Verbrenner.

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CO₂-Emissionen ing/km:kombiniert 34–30. Angaben zuden Kraftstoffverbräuchen undCO₂-Emissionen sowie

CO₂-Effizienzklassenbei Spannbreiten in Abhängigkeit vom verwendeten Reifen-/Rädersatz.

²Das Angebot gilt nurfür Kunden, die zum Zeitpunktder Bestellung bereits, sechsMonateals Gewerbetreibender

(ohnegültigen Konzern- Großkundenvertrag bzw. dieinkeinemgültigenGroßkundenvertragbestellberechtigt

sind), selbstständigerFreiberufler, selbstständigerLand- undForstwirt oder Genossenschaft aktivsind.

³Der Erwerb (KaufoderLeasing)eines neuen Audi A3 Sportback40TFSIe¹durch Privatpersonen,Unternehmen,

Stiftungen,Körperschaften undVereine nach dem 18.05.2016 wird mitdem Umweltbonusgefördert,abdem

04.06.2020 inklusive Innovationsprämie.Das FahrzeugmussimInlandauf den/dieAntragstellerinzugelassen werden

(Erstzulassung)und mindestens 6Monatezugelassenbleiben. Sofern dasFahrzeug nach dem 04.11.2019 erstmaligzum

Straßenverkehr zugelassen wird,beträgt dieHöhedes Umweltbonusinklusive Innovationsprämiefür den

Audi A3 Sportback40TFSIe¹insgesamt 6.750Euro. EinDrittel desUmweltbonuswirdseitens der AUDI AG direktauf

denNettokaufpreis gewährt, zwei Drittel desUmweltbonus(Bundesanteil am Umweltbonus inklusive Innovationsprämie)wirdnachpositivem

Zuwendungsbescheid aufAntragbeimBundesamt fürWirtschaft undAusfuhrkontrolle

(BAFA) unterwww.bafa.de ausbezahlt. DerAntrag aufGewährungdes BundesanteilsamUmweltbonus mussbei

Zulassungnach04.11.2019spätestensein JahrnachZulassung über daselektronischeAntragsformular unter

www.bafa.de eingereichtwerden. Aufdie Gewährungdes Umweltbonus besteht kein Rechtsanspruch unddie Förderungendet

mitErschöpfung derbereitgestelltenFördermittel,spätestensjedochzum 31.12.2025.NähereInformationenzum

Umweltbonussindauf den Internetseiten desBaFaunter https://www.bafa.de/DE/Energie/Energieeffizienz/Elektromobilitaet/Neuen_Antrag_stellen/neuen_antrag_stellen.htmlabrufbar.

AbgebildeteSonderausstattungen sind im Angebotnicht unbedingt berücksichtigt.Alle Angaben basierenauf den

Merkmalendes deutschen Marktes.

Hauptstraße 190, 59269Beckum, Tel.: 02525/80620, info.beckum@auto-weber.com,www.weber-beckum.audi

über zwölf Monate Zeit und Ressourcen in

Strategien für nachhaltiges Handeln investiert.

Begleitet wurden die Unternehmen

durch eine Workshopreihe des CSR-Kompetenzzentrum

Münsterland, die speziell für

kleine und mittlere Unternehmen entwickelt

wurde. Im April machte Corona auch

vorden CSR-Workshops nicht halt, die Präsenz-Workshops

mussten durch Videokonferenzen

ersetzt werden.

Begonnen wurde im Oktober 2019. Mittels

einer CSR-Selbstbewertung wurden die wesentlichen

Themen und wirksamsten Hebel

aus der Vielzahl diskutierter Megatrends

identifiziert. Die Themenbreite erstreckte

sich über die gesamte Vielfalt der betrieblichen

CSR-Handlungsfelder (Arbeitsplatz

und Mitarbeiter, Umweltschutz, Produktverantwortung

und Markt sowie Gemeinwesen).

Die Bewertungsrunden boten

Raum auch für sensible Themen, die sonst

im Alltagsgeschäft untergehen. Oft waren

die Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer

überrascht über die unterschiedlichen

Blickwinkel.

Auf Grundlage dieser Statusfeststellung

wurde eine Vielzahl konkreter Maßnahmen

erarbeitet: vomKarton-Schredder über Job-

Bikes bis zu Bienenwiesen, vonAzubi-Nachmittagen,

jährlichen Mitarbeitergesprächen

zu strukturierten Weiterbildungsprogrammen

und von der Reflektion und Änderung

CSR Unternehmen Münsterland 2018-2020

Foto: colourbox.com

Unternehmen

bellanet GmbH

BerndMünstermann GmbH &Co. KG

BIMECOGarnhandel GmbH &Co. KG

CCCDruck und Medien GmbH

CERVOTEC GmbH&Co.KG

deutz produktionsstudios GmbH

doIT GmbH Raesfeld

Druckhaus Dülmen

Giesker&Laakmann GmbH &Co. KG

Heinz VorwerkGmbH

IngenieurbüroBertels GmbH

Jobfind 4you Personalmanagement

GmbH

KlausHerding GmbH

Lammers Automation GmbH

Landschaftsbau Vornholt GmbH

Ludgerus-Apothekee.K.

LWLL Kliniken Münster und Lengerich

Modehaus ebbers e.K.

Mußenbrock &Partner Wirtschaftsprüfer

und SteuerberatermbB

NaturaHolzbau GmbH

PERGAN GmbH

PHT -BeckumPartner für Hygiene

und TechnologieGmbH

Röwekamp &StumpeGbR Telgte

Shaghafi GmbH

Spaleck GmbH &Co. KG

Thiekötter Druck GmbH &Co. KG

Urlaub &Pflege e. V.

W. Theilmeier GmbH &Co. KG

Ort

Rhede

Telgte

Bocholt

Münster

Münster

Bocholt

Raesfeld

Dülmen

Nottuln

Warendorf

Münster

Gronau

des Umgangs mit Lieferanten bis zum Engagement

für Flüchtlinge. Die Maßnahmen,

die die Betriebe ergriffen haben, sind vielfältig.

Meist ging der CSR-Prozess auch mit

einer verbesserten internen Kommunikation

einher. Ein Großteil der Unternehmen

entschloss sich im Laufe des Prozesses,

einen Leitbild-Prozess anzustoßen beziehungsweise

ein bereits bestehende Unternehmensleitbild

zu reaktivieren.

Wasgesät wurde, lässt sich laut Kompetenzzentrum

nun ernten. Gerade in Corona-Krisen-Zeiten

profitierten die Unternehmen

von den vorgenommenen Veränderungen:

einer verbesserten internen Kommunikation,

der Digitalisierung vonProzessen, den

Vorbereitungen fürs Arbeiten im Homeoffice

und von verbesserten Organisationsstrukturen.

CSR funktioniert dabei nicht im Verborgenen,

CSR ist öffentlich. Alle jetzt ausgezeichneten

Unternehmen haben ihren Prozess

und dessen Ergebnisse in einem CSR-

Report veröffentlicht. Unter www.csr-muensterland.de

sind alle CSR-Reports, der

Leitfaden sowie der Evaluationsbericht der

Fachhochschule kostenfrei abrufbar.

■ Kontakt: Dr.Udo Westermann, CSR-Kompetenzzentrum

Münsterland, Spiekerhof 5,

48143 Münster, Tel. 0251/9731634,

uw@csr-muensterland.de, Infos unter

www.csr-muensterland.de

Rhede

Emsdetten

Borken

Altenberge

Münster,Lengerich

Warendorf

Borken

Rheine

Bocholt

Beckum

Telgte

Rheine

Bocholt

Münster

Telgte

Everswinkel

Branche

Handel (Textil)

Anlagenbau

Handel (Garn)

Druckerei

Fahrradgaragen

Full-Service-Agentur für Werbung,

Kommunikation und Design

IT-Unternehmen

Druckerei

Spedition

Handwerk(Stuck,Putz und

Fassadengestaltung)

Ingenieurbüro

Personaldienstleistung

Handel (Textil)

Automatisierungstechnik

Landschaftsbau

Apotheke

Fachkrankenhaus fürPsychiatrie

Handel (Textil)

Wirtschaftsprüfer/Steuerberater

Handwerk (Holzbau)

Handel (ChemischeHilfsstoffe)

Handel undBeratungfür Betriebe

der Lebensmittelindustrie

Handwerk (Holzbau)

Handel (Schmuckund Uhren)

Maschinenbau

Druckerei

Tourismus:Vermittlung vonReisen

für Pflegebedürftige

Garten- und Landschaftsbau

Mitarbeiterzahl

21

290

11

23

13

16

6

24

170

38

26

17 intern/200extern

80

60

73

10

Lengerich: 980 /Münster: 1050

71

53

70

140

32

14

58

410

60

6Hauptamtliche /

60 Ehrenamtliche

60

Quelle: CSR-Kompetenzzentrum

Münsterland


LEBEN &WISSEN 19

Mit Plattdeutsch um die Welt

Die Journalistin Ulla Wolanewitz aus Nottuln liebt Geschichten aus der Provinz. Jetzt hat die Autorin und

Trägerin des Heimatpreises im Kreis Coesfeld ihr neuestes Buch verfasst: „Muckefuck und Möppkenbraut“.

Sie ist in der Welt rumgekommen. Und

dem Plattdeutschen immer nahe geblieben.

Sie hat Reisereportagen über Aserbaidschan,

Hawaii und die Route 66 geschrieben.

Und Döönekes über Änne und

Therro aus dem Dorf. Ulla Wolanewitz,

58, ist eine journalistische Reisende, deren

schönste Ausflüge kurz hinter ihrer

Haustür beginnen. An der Mühlenstiege

in Nottuln. Da wo alles anfing, bei Tante

Rickermann in der Schneiderwerkstatt.

Mühlenstiege im Stiftsdorf,

ein paar Meter weiter

drehte sich die alte

Wassermühle im Nonnenbach,

quakten die

Frösche inder Plümpsbadeanstalt, gegenüber

die Fabrikantenvilla und etwas weiter

die längst verschwundene Strumpffabrik

Rhode. Ulla Wolanewitz‘ Vater kam aus

Westpreußen, die Mutter aus dem Münsterland.

Vonihm hat sie den Witz,von ihr den

Dialekt. Und natürlich von Tante Rickermann,

der Nachbarin, die nähte und jede

Menge Geschichten draufhatte.

Insgesamt also eine so handwerkliche Nachbarschaft,

dass die praktisch veranlagteUlla

Wolanewitz erst mal selbst einen ordentlichen

Beruf ergriff. Sie wurde Tischlerin.

Was zum Zupacken. Aber doch nicht –auf

ewig –das ganz Richtige für sie.

Zum Journalismus kam sie wie viele Quereinsteiger:

freie Mitarbeiterin, Volontariat

bei einer Wochenzeitung, danach die Freiberuflichkeit.

Was manchem Kommunikationsstudenten

als Traumjob vorschwebt,

hier ist es hartes Brot. Ulla Wolanewitz

übernimmt Redaktionsvertretungen,

schreibt für Lokalzeitungen, Magazine und

Fachzeitschriften. Sie hat den Blick für das

Besondere, für Geschichten aus der Provinz.

Sie dichtet über Pommes-Automaten am

„Eisernen Hammer“ in der Knüste. Oder

über Oma Hölscher, die seit 40 Jahren Bus

fährt. Titel: „Diesel im Blut“.

Dann entdeckt sie den Reisejournalismus

für sich. Pressereisen führen sie einmal um

die Welt. Von Kanada nach Kapstadt, von

NewYork nach Estland. „Ich habe mir da ein

eigenes Netzwerk aufgebaut“, sagt sie. Ihre

Reportagen verkauft sie an verschiedene

Magazine und Zeitungen. Viele Jahre läuft

es gut.

Mittlerweile wird das Geschäft schwerer.

„Vielleicht ist es damit vorbei“, mutmaßt

Wolanewitz im Corona-Jahr 2020. Viele

Journalistische Reisende: Ulla Wolanewitz mit einem Teil der von ihr veröffentlichten Bücher

Medien sparen, viele übernehmen nur noch

Reiseberichte, die von Nachrichtenagenturengeschrieben

werden. Außerdem kooperieren

Zeitungen gerade in jenem Bereich,

die für sie nicht der Kern des Geschäfts sind.

Reiseteile gehören dazu. Ihre Zahl

schrumpft, die Aufträgefür Journalistinnen

wie Ulla Wolanewitz auch.

Doch ihr bleibt die Heimat. Die nächsteNähe,

aus der sie den Leuten aufs Maul schaut.

Sieben Bücher aus und über das Münsterland

hat sie bereits geschrieben. Sechs davon

auf Platt. Angefangen hat sie 1992 mit

einem Buch, das aus ihrer WDR-Kolumne

„Nu sägg doch es söffst“ entstand. „Damals

gabder Sender noch Geld für die plattdeutsche

Sprache aus“, erinnert sich Ulla Wolanewitz.

Irgendwann wurde die Sendung

eingestellt –wegen mangelnder Reichweite,

hieß es.

Gerade ist ihr neuer Band im Eigenverlag erschienen.

Es zeigt auf dem Einband eine

Collage von Schwarz-Weiß-Aufnahmen:

schicke Bräute, berittene Schützen, Speismaschinen

vor Siedlungshäusern, Zöpfchenmädels.

„Muckefuck und Möppkenbraut“

heißt es und handelt vom Leben in

den 50er-Jahren. Ulla Wolanewitz ist dabei

ganz Journalistin. Sie befragt Zeitzeugen,

schreibt ihre Geschichten auf, interessiert

sich für die sonderbareSchwarz-Weiß-Zeit,

die nicht mehr ist.

Ihr Arbeitszimmer unterm Dach liegt immer

noch an der Mühlenstiege. Ulla Wolanewitz

hat im vergangenen Jahr als Privatperson

den ersten Heimatpreis des Kreises Coesfeld

bekommen. Für ihre Bücher, Hörbücher

und Kurzfilme –nicht nur in plattdeutscher

Sprache. Die Ehrewar schön, noch schöner

waren die 2000 Euro, die es dazugab.

Die Zeiten für Autorinnen sind hart. Durch

Corona sind sie noch einmal härter geworden.

IhreBücher gibt es in einigen inhabergeführten

Buchhandlungen im Kreis Coesfeld,

auch pflegtesie früher auf Weihnachtsmärkte

und Basare zugehen. Sie weiß ja,

außerhalb des Münsterlandes versteht sie

keiner.„Aber hier bei uns läuft es sehr gut“,

sagt sie in dem kleinen Laden in Nottuln an

der Stiftskirche, den sie sich für die Weihnachtssaison

mit einem Parkettleger teilt.

Neudeutsch wäredas ein Pop-up-Store.Ulla

Wolanewitz macht daraus ihren „Ik-kuemun-gaoh-Store“.

Günter Benning

JAHRE GARANTIE

Foto: Johannes Oetz

Ein Fahrzeug –

doppelter Antrieb.

Der neue Kia Ceed Sportswagon

Plug-in Hybrid.

Kia Ceed Sportswagon Plugin

Hybrid 1.6 GDI

für €31690,–

Abbildung zeigt kostenpflichtige

Sonderausstattung.

„Wirkung hoch 100“

Der Stifterverband wählt zwei Projekte der FH Münster für seine Jubiläumsinitiative aus.

Zu seinem 100. Geburtstag hat sich der

1920 gegründete Stifterverband eine

ganz besondere Aktion ausgedacht und

mit der Initiative „Wirkung hoch 100“

Deutschlands beste 100Ideen für das Bildungs-,

Wissenschafts- und Innovationssystem

von morgen gesucht. Über 500

Bewerbungen sind dafür eingegangenen,

aus denen ein unabhängiger Expertenbeirat

nun die Auswahl getroffen hat.

Mit dabei sind gleich zwei

Vorhaben der Fachhochschule

Münster. „xRegions“

und „Nudging for

innovation: Wie wir mit

sanften ‚Stupsern‘ die Dritte Mission befeuern“.

„Diese Anerkennung zeigt, wie intensiv

wir uns mittels Bildungs- und Innovationspartnerschaften

engagieren“, sagt

Carsten Schröder, Vizepräsident für Transfer,

Kooperation und Innovation.

„Mit ‚xRegions‘ möchten wir unser Ökosystem

regionaler Kooperationspartner auch

international mit den Netzwerken unserer

Partneruniversitäten in Brasilien, Chile, Kolumbien,

den USAund Großbritannien verknüpfen“,

erklärt Projektleiter Rolf Laakmann

von der TAFH GmbH, „zum Beispiel

durch internationale Start-up-Initiativen,

Zusammenarbeit im Recruitment, gemeinsame

Weiterbildungsangebote oder Seasonal

Schools mit Studierenden.“

„Nudging for innovation: Wie wir mit sanften

‚Stupsern‘ die Dritte Mission befeuern“

ist das Promotionsprojekt vonEva Sormani,

wissenschaftliche Mitarbeiterin am Science-to-Business

Marketing Research Centre(S2BMRC)

der Hochschule. „Ich möchte

herausfinden, durch welche Anstöße sich

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

dazu motivieren lassen, mehr zur Dritten

Mission beizutragen ohne sie zu drängen

oder monetäre Mittel dafür einzusetzen“,

erläutert die Doktorandin in einer Pressemitteilung

der FH. Die „DritteMission“ von

Hochschulen neben den beiden Kernaufgaben

Forschung und Lehre ist es, gesellschaftliche

Bedürfnisse zu erkennen und

Lösungen anzubieten. „Ich glaube an Nudging:

Ein Nudge ist per Definition subtil,

transparent, kostengünstig und umgehend

wirksam. Nudging ist so brillant, dass sein

geistiger VaterRichardThaler 2017 den Nobelpreis

dafür erhielt“, sagt Sormani.

Mitte November nahmen Laakmann und

Sormani am digitalen Kick-Off von „Wirkung

hoch 100“ teil. „Es war total inspirierend,

die anderen geförderten Projektekennenzulernen.

Das Programm der Inkubationsphase

von ‚Wirkung hoch 100‘ klingt

sehr vielversprechend“, sind sich die beiden

einig. Denn die Unterstützung durch den

Stifterverband ist nicht allein finanzieller

Natur. Vielleicht noch entscheidender ist

der inhaltliche Input durch die Mitglieder

und die Ressourcen des Netzwerks aus

Unternehmen und Stiftungen, von dem die

geförderten Projekte profitieren werden.

■ Der Stifterverband verkörpert nach eigener

Darstellung seit 1920 die gemeinsame

Verantwortung der deutschen Unternehmen

für eine zukunftsfähigeund lebenswerte

Gesellschaft. DAX-Konzerne, Mittelständler,Unternehmensverbände,

Stifter und engagierte

Privatpersonen –rund 3000 Mitglieder

haben sich im Stifterverband zusammengeschlossen.

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Topografie und Nutzung elektrischer Verbraucher haben Einfluss auf

die tatsächliche Reichweite und können diese u. U. reduzieren.

2Bei umgeklappter Rücksitzbank, nach VDA.

3Der Einsatz von Assistenz- und Sicherheitssystemen entbindet nicht

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20 LEBEN &WISSEN

„Wir können C0 2 beherrschen“

Fritz Vahrenholt hat in Münster studiert, war Umweltsenator in Hamburg und Manager in Energieunternehmen.

Die deutsche Klimawende hält erfür verfehlt –Kernenergie und Kohle sollten nicht ausgeblendet werden.

Manche heften Fritz Vahrenholt das Etikett

„Klima-Leugner“ an. Dabei ist er alles

andere als das. Der ehemalige Hamburger

Umweltsenator und Unternehmensmanager

veröffentlichte 2012 seinen

Bestseller „Die kalte Sonne“, in welchem

er die These aufstellte, der Mensch

sei nur zur Hälfte für die Klimaerwärmung

verantwortlich.

Der Rest gehe auf Sonnenaktivität

und Wolkenbildung zurück,

sagt Vahrenholt. Die

deutsche Energiewende hält

er außerdem für verfehlt,

wie er in einem Interview mit unserem Autor

Arnd Zinkant erklärt.

Sie haben oft den forcierten Ausbau

von Windrädern kritisiert –und neben

dem Vogel- und Fledermaussterben

auch auf die immensen Mengen vernichteter

Insekten hingewiesen. Wie erklären

Sie sich die Gleichgültigkeit auf der

„grünen Seite“?

Fritz Vahrenholt: Dort herrscht die Mentalität:

„Das große Ganze! Wirretten die Welt!

Zur Not eben mit Kollateralschäden.“ Die

Umwelt-Verbände tun sich schwerer.Bis auf

den BUND, der vertritt in etwadie Position:

„Wenn wir das Klima nicht retten,ist dieNatur

inDeutschland sowieso hin.“ Der Nabu

ist da differenzierter,übt zwar keine Fundamental-Kritik

an der Energiewende, gehört

aber dennoch zu jenen, die noch Klagen anstrengen.

Obgleich oft so bezeichnet, sind Sie ja

kein „Klima-Leugner“. Wodurch kam

der Bruch, der Sie in Opposition zum

Mainstream brachte?

Vahrenholt: Ich bin seinerzeit von Jürgen

Grossmann zu RWE geholt worden. Die

wollten eine Tochtergesellschaft für „Erneuerbare“

gründen, weil sie nichts außer Kohle

und Kernkraft hatten. Das war keine

Show, sondern sollte wirklich Ertrag bringen

–und ich sollte pro Jahr eine Milliarde

als Investitionssumme bekommen. Die investierteich

dann in Windparks. Nach zwei

Jahren stelltesichraus, dass die Ertragsziele

verfehlt worden waren.

Wie kam’s?

Vahrenholt: Zu wenig Wind! Damals ging

ich davon aus, dass die Klimaveränderung

schuld daran sei, ganz wie der Mainstream

eben. Dann stellteeine vonmir einberufene

Experten-Taskforce fest: Es liegt an der

Nordatlantischen Oszillation, die sich alle

30 Jahreverändert.Man konntefeststellen,

dass die Nordwinde schwächer wurden, die

in Spanien oder Italien aber stärker.Der Jetstream

wurde nach Süden gedrückt. Also

habe ich in diesen südlichen Ländern investiert

–mit dem Ergebnis: Die in Deutschland

verfehlten Erträge stellten sich hier ein.

So kamen Sie der Sache auf die Spur?

Vahrenholt: MitBlick auf die natürliche Oszillation

des Atlantiks dachte ich nun: Natürlich!

Das liegt doch auf der Hand: Ein

Zyklus!Aberwarum steht das nicht im Weltklimabericht?

Im Folgenden stellte ich fest,

dass es das Phänomen auch im Pazifik gibt,

und fragte mich, warum. In der Fachliteratur

stand zu lesen, dass die Sonne ebenfalls

oszilliert und die ozeanische Strömung beeinflusst.

„Neben Kohlendioxid gibt es noch

andere Klima-Effekte“, so der Tenor eines

Welt-Artikels, den ich daraufhin schrieb:

„Die kalteSonne“. Ich prognostizierte, dass

es auf der Erde nicht wärmer werden wird

–und wurde prompt vombekannten Klimaforscher

Stefan Rahmstorf inLeserbriefen

angegriffen.

Wie lautet nun Ihre persönliche Position

zum Klimawandel?

Vahrenholt: Sie lautet: Ja, CO 2 verändert

das Klima –aber wir können es beherrschen.

Meine eigene Partei, die SPD, erreiche

ich in dieser Fragenicht mehr.Die laden

mich auch nicht mehr ein, sondern distanzieren

sich. So wie hier in Münster in der Lokalzeitung

stand: SPD geht auf Distanz zu

Vahrenholt.

Haben Sie sich ebenfalls vonIhren Genossen

entfernt?

Vahrenholt: Ich glaube, dass die SPD sich

verändert hat, nicht ich. Früher stand die

SPD für Technologie, Forschung, Fortschritt,

Aufstieg durch Leistung. Heutewird

nur noch umverteilt. Zur Zeit der 68er-Proteste

war ich zwar selber links bis zum Abwinken,

aber werwar dasnicht in seiner Jugend?

Früher war die SPD quasi die Partei

der Kohle-Kumpel –heute will sie offenbar

eine zweite grüne Partei werden.

Vahrenholt: …und verliert dabei die Handwerker

und Facharbeiter. Ich habe mit Erschrecken

gesehen, dass in Thüringen mehr

Arbeiter AfD als SPD gewählt haben. Das

sind jene, die jeden Morgen mit dem Auto

in die Stadt fahren müssen und nun hören:

Das geht nicht mehr. Außerdem haben die

noch, weil sie auf dem Land wohnen, eine

Ölheizung. Wenn man denen dann noch

einen Windpark vordie Tür setzt, sagen die:

Ihr könnt mich mal!

Noch einmal zu Ihrem Etikett „Klima-

Leugner“…

Vahrenholt: Das ist Quatsch. Die Bandbreite

der Erwärmung, die das IPCC („Weltklimarat“)

vorhersagt, schwankt zwischen 1,5

und 4,5 Grad bei Verdoppelung des CO 2 -Gehalts.

Das ist mit unseren Prognosen von1,5

Grad am unteren Rand kompatibel. Aber

wenn man nicht gleich das Schlimmste annimmt,

ist man bereits Leugner. Der

Alarmist Schellnhuber sagt: sechs Grad!

Das liegt deutlich außerhalb der IPCC-Prognosen

–aber dennoch findet es jeder in Ordnung.

Das Tempo ist jedoch entscheidend in

Bezug auf die Art, wie wir die Gesellschaft

verändern wollen. Die Panik, in zwölf Jahren

CO 2 auf null zu stellen, führt nur zu exorbitanten

Wohlstands- und Arbeitsplatzverlusten.

Es sieht so aus, als würden Politik und

Klima-Lobby genau diese Panik anstreben.

Liegt das daran, dass sich hier ein

Macht-Hebel bietet?

Vahrenholt: Nun, es ist eine simple Message.

Die haben es geschafft, das Klimageschehen

mit seinen zig Faktoren auf ein einziges

Molekül zu reduzieren. Wenn sie dann

noch die Katastrophe an die Wand malen,

ist es kaum noch möglich, sich gegen Maßnahmen

wie die Zerstörung der heimischen

ZUR PERSON

Er ist, was man heute „umstritten“

nennt. Als studentischer 68er lebte

Fritz Vahrenholt inMünster, studierte

Chemie, promovierte 1974 und war bei

den Jusos aktiv. Nach Stationen beim

Umweltbundesamt in Berlin und ab

1981 als Ministerialrat im hessischen

Umweltministerium war Vahrenholt

von 1984 bis 1990 Staatsrat bei der

Umweltbehörde Hamburg. Später wurde

Vahrenholt Hamburger Umweltsenator

(1991-1997). Danach arbeitete er

für Shell und RWE, jeweils für die regenerative

Sparte. Fritz Vahrenholt

war viele Jahre inHamburg Honorarprofessor

für Chemie.

Fritz Vahrenholt hatgemeinsam mit Sebastian Lüning erneut ein Buch zum Klima verfasst: „UnerwünschteWahrheiten, Was

Sie über den Klimawandel wissen sollten“.

Foto: privat

Auto-Industrie zu wenden. Wenn keiner

glaubhaft gemacht hätte: „Dieses Molekül

bedroht unser Leben“, wäre doch niemand

auf die Idee gekommen, den Verbrennungsmotor

zu verbieten. Oder die Ölheizung.

Oder einen astronomischen Strompreis zu

rechtfertigen.

Obwohl die Industrie leidet und

Arbeitsplätze wegfallen.

Vahrenholt: Das alles hat einen stark religiösen

Hintergrund: Schuld und Sühne –

damit kann man Leute überzeugen. Die

Deutschen sind dafür bekannt, dass sie gerne

die Welt retten.InFrankreich oder anderen

Ländern würde man sagen: Zuerst

kommt unser Land – die Umwelt dann,

wenn andere Staaten auch mitmachen.

Ich möchte zwei Worst-Case-Szenarien

ansprechen. Zunächst die Energiewende:

Wenn die Windräder auf vielleicht

90 000 Stück anwachsen, dazu

eine Deindustrialisierung stattfindet

und viele Arbeitsplätze wegfallen –was

wären die Folgen?

Vahrenholt: Frustration und Enttäuschung,

die brandgefährlich sind. Dann

schlägt die Stunde der Selbstversorger, die

Bargeld und VorrätezuHause horten, wenn

die Blackouts sich häufen. Das wären dann

Zustände wie in Entwicklungsländern, wo

es teils auch noch Stromsperren gibt. Vielleicht

wird esaber doch nicht so schlimm –

denn, was kaum bekannt ist: Es werden

mittlerweile 14 Stromleitungen in Nachbarländer

gelegt. Holland, Luxemburg, Dänemark,

Polen, Österreich, Schweden und

Tschechien. Motto: Wir nehmen alles an

Strom. Das zeigt, die Politik weiß, dass diese

Energiewende nicht funktionieren wird.

Und der Treppenwitz ist: Nachdem die Anti-

Atom-Grünen darauf bestanden, aus Kernkraft

und Kohle gleichzeitig auszusteigen

und auf eine so unsichereEnergie wie Wind

zu setzen, muss unweigerlich die Rückkehr

zur Kernkraft kommen.

Zweites Worst-Case-Szenario: Wenn

die IPCC-Prognose von4,5 Grad Erwärmung

einträfe, was wären die Konsequenzen?

Vahrenholt: Die 4,5 Grad können in diesem

Jahrhundert gar nicht mehr erreicht werden.

Physikalisch unmöglich. Die Messungenzeigennur

einen halb so starken Erwärmungstrend

wie die Modelle. Und um Meter

steigende Meeresspiegel? „Ja –in2000

Jahren“, heißt es dann. Bis 2100 werden es

nicht mehr als 30 bis 50 Zentimeter. Esist

der Trick, die Zeitachse wegzulassen. Und

dann kriegen die Leute natürlich Angst.

Wenn wir diese Erwärmung noch in unserem

Jahrhundert bekämen, wären die Zustände

natürlich katastrophal.

Sie haben einige Alternativen zur

Energiewende aufgezeigt: Neueste Kernkrafttechnologien,

die das Problem des

Atommülls lösen und gleichzeitig Strom

produzieren. Dann die Möglichkeit

einer zukünftigen Kernfusion. Und:

Kohlekraftwerke ohne CO 2 -Ausstoß. Davon

haben die meisten noch nie gehört!

Vahrenholt: Wurde inDeutschland entwickelt

und hier verboten –danach dann nach

Kanada verkauft. Ich denke, wir sollten alle

drei Möglichkeiten parallel verfolgen. Die

deutschen Braunkohle-Werke hätte man

auf CO 2 -frei umrüsten können –was natürlich

Geld kostet, klar, aber billiger als alle

1,5 Kilometer ein Windkraftwerk. Leider

wird heute nur das Abschalten eines Kraftwerkes

als veritable Maßnahme akzeptiert.

Aber auch die Kernkraft muss wieder einbezogen

werden. Der vorhandene Atommüll

ist übrigens recycelbar und könnte Strom

für die nächsten 800 Jahre liefern, und das

ganz ohne Störfall.

Um positiv abzuschließen: Ist wirklich

bewiesen, dass die Erde immer grüner

wird, und auch, dass es am CO 2 liegt?

Vahrenholt: Ja –die Ernte-Erträge werden

daher auch um mehr als 30 Prozent zunehmen.

Pflanzen lieben CO 2 .Das Wachstum

liegt zu 80 Prozent am CO 2 ,zum geringen

Teil auch an der zunehmenden Feuchtigkeit.

Die Leuteglauben immer: Es wirdheißer,also

auch trockener,aberdas Gegenteil

ist der Fall. Eine wärmereWeltführt zu höheren

Verdunstungen der Weltmeere, also

auch zu mehr Regen. Nur vielleicht fürs

Münsterland nicht so toll (lacht).


8 BRANCHEN &BETRIEBE 9

Fasziniert von Farben und Formen

Die Goldschmiedemeisterin Gabriele Gote setzt bis heute auf das handwerklich gefertigte Einzelstück.

Schon zweimal wurde ihr Atelier inBillerbeck von der Kammer als bester Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet.

Foto: www.shutterstock.com

Als Speaker gewann Sven Schöpker mit seinem emotionalen Vortrag zum Thema „Mission Geiles Handwerk“ im Oktober 2019 den Award beim 1. internationalen Speaker-Slam in Wiesbaden.

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„Wünsche berücksichtigen und

für jede Idee eine Lösung finden“

Sven Schöpker schwört auf die spannende Vielseitigkeit des Handwerks.

Fortsetzung von Seite 7

Das nimmt dem Kunden jede

Menge Arbeit ab. Was

istfür denn für Sie grundsätzlich

das Aund Oeiner

erfolgreichen Innenarchitektur?

Sven Schöpker: Zunächst einmal sollten

die Bewohner im Mittelpunkt der Planung

stehen. Es geht schließlich darum, dass sie

sich später in ihren vier Wänden wohlfühlen.

Wasnützt ein noch so schönes Konzept,

wenn die Kunden unglücklich mit dem Ergebnis

sind.Esist wichtig zu erkennen, was

die Auftraggeber bewegt und wie sie leben.

Daher berücksichtigen wir jeden Wunsch

und versuchen, für jede Idee eine tolle Lösung

zu finden.

2019 haben Sie beim internationalen

„Speaker Slam“ in Wiesbaden mit Teilnehmern

aus 14 Nationen den Winner-

Award bekommen. Für ihre „Mission

Geiles Handwerk“. Warum macht Ihnen

Ihre Arbeit so viel Spaß?

Sven Schöpker: Das Handwerk ist unglaublich

vielseitig und spannend. Die Herausforderung

im Handwerk besteht darin,

auf die Besonderheiten des einzelnen Betriebes

einzugehen. Es gibt kaum einen so

individuellen und spannenden Wirtschaftszweig.

Doch leider wird das Handwerk oft

negativ wahrgenommen. Das möchte ich

mit der „Mission Geiles Handwerk“ ändern.

Und wie konkret?

Sven Schöpker: Ich möchte, dass die Menschen,

die im Handwerk arbeiten oder hier

Nutzen Sie IhreWerbemöglichkeit in dem Themenspezial

Erscheinungstermin:

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Handwerksunternehmen sollten klareExpertenfür ihr Gewerk sein, sagt Raumfabrik-Geschäftsführer

Sven Schöpker. Ermöchte das Handwerk besser in der Gesellschaft positionieren. Foto: privat

eine Ausbildung machen möchten, endlich

die Wertschätzung und Anerkennung erhalten,

die sie verdienen. IchmöchtemeinWissen

und meine gelebte Praxis weitergeben,

damit Unternehmen davon profitieren und

sie ins richtige Licht gerückt werden. Wir

wollen Marktführer werden und Handwerker

inBezug auf Positionierung, Verkauf

und Sichtbarkeit deutlich voranbringen.

Wer sind die Adressaten ihrer Mission

im Einzelnen?

Sven Schöpker: Dazu gehören die Kunden

der Raumfabrik und die der Handwerksunternehmen,

mit denen ich zusammenarbeite.

Außerdem möchte ich junge Menschen

dafür begeistern, ihr Lebensglück in

einem Handwerksberuf zu finden. In den

Coachings machen wir uns Gedanken dazu

und beraten die Unternehmen dahingehend,

wie Handwerk aufgestellt sein muss,

damit Kunden und junge Leute Handwerk

richtig „geil” finden.

Welche Auswirkungen hat Corona auf

Ihre Arbeit?

Sven Schöpker: Ehrlich gesagt haben wir

kaum Auswirkungen durch Corona gespürt.

Wirhaben bei der Raumfabrik mehr Anfragen

denn je erhalten. Gerade im Frühjahr/

Sommer 2020 kamen unglaublich viele

Kunden auf uns zu, die etwas an ihrem Haus

oder in ihrer Wohnung umbauen lassen

wollten. UnsereBranche hat insgesamt von

Corona profitiert. Auch die Handwerksfirmen,

mit denen wir zusammenarbeiten, haben

viele neue Aufträge erhalten.

Worauf kommt es in Zukunft an?

Sven Schöpker: Damit die gute Entwicklung

in unserer Branche auch so weitergeht,

ist es sehr wichtig, sich mit dem Unternehmen

richtig aufzustellen. Eine glasklare

Positionierung ist das Fundament für ein erfolgreiches

Unternehmen. Die meisten

Handwerksbetriebe sind allerdings zu breit

aufgestellt, wodurch sie nicht als Experten

angesehen werden. Bei uns in der Raumfabrik

sind alle Handwerksunternehmen

Experte für ihr jeweiliges Gewerk. Daher

sind wir auch für die Zukunft sehr gut aufgestellt

und klar positioniert.

Foto: privat

Auf der Südseite des Doms ist es zu finden:

Das Atelier der Billerbecker Goldschmiedin

Gabriele Gote. Ein ehrbares

Handwerk in Kombination mit einem

schönen Namen, flankiert von einer Alliteration

–das klingt wie Musik. Ihr Ladenlokal

ist nicht zu übersehen, denn in

direkter Nachbarschaft befindet sich ein

Renaissancegebäude mit einem unverkennbaren

Specklagen-Mauerverband.

Unweigerlich werden Flaneure

vonder geschmackvoll dekorierten

Auslage angezogen.

Ungewöhnliche Edelsteine

wie beispielsweise ein

Mandaringranat mit seinem zarten Orangetonfangen

den Blick des Betrachters schnell

ein. Schon ist die Neugierde geweckt.

Die Meisterin ihres Handwerks hatte gar

nicht unbedingt vor, sich selbstständig zu

machen. Aber als Anfang der 90er Jahredie

alte Schneiderei zur Vermietung freistand,

drängtesich dieser Schritt auf. „Ich hattesofort

ein gutes Gefühl für diese Räumlichkeitenund

wusste, das kann waswerden“, war

sich Gabriele Goteschnell sicher.Ein halbes

Jahr wurde renoviert, alles in Eigenleistung,

unterstützt von ihrem ebenso kreativen

Mann, dem Fotografen Robert Wilken. Alte

Mauern mussten weichen, neue gezogen

werden, einbruchsichere Fenster wurden

eingebaut, Fliesen verlegt.

Das liegt 30 Jahre zurück und wäre ein guterGrund

für eine Jubiläumsfeier.Unter anderem

coronabedingt, hat sich die kreative

Geschäftsfrau da etwas anderes überlegt,

weil sie als Dankeschön gerne etwas zurückgeben

möchte. Statt Party entschied sie sich

unlängst für eine Projektunterstützung. Sie

spendete 3000 Euro andie medizinische

Kinderschutzambulanz der Vestischen Kinder-

und Jugendklinik in Datteln. „Dieses

Projekt liegt mir sehr am Herzen und verdient

Unterstützung“, sagt sie und erklärt

weiter: „Misshandelte, missbrauchte und

vernachlässigteKinder und Jugendliche bekommen

dort eine gute Begleitung.“

Ihre Meisterprüfung legte sie 1986 an der

Handwerkskammer Münster ab. Zuvor besuchte

sie zweieinhalb Jahre berufsbegleitend

die Abendschule. Keine einfache Zeit,

und „ich glaube, das würde ich heute so

nicht noch einmal machen“. Wohl aber würde

Gabriele Gote diesen Beruf immer wieder

wählen und so lange ausführen, wie es

geht, denn „es ist ein unglaublich kreativer

Beruf und er macht mir viel Spaß“. Ihr Meisterstück?

Das war ein multifunktionales

Collier mit einem Vorder- und einem Rückteil

und einer Mittelbrosche, wobei alles zusammen

als Ensemble oder auch einzeln getragen

werden kann.

Die Begeisterung für dieses edle Handwerk

weiß die erfahrene Goldschmiedemeisterin

sehr gut weiterzugeben. Mittlerweilehat sie

13 jungeFrauen ausgebildet, die sich fast alle

auch Leistungs- oder anderen Wettbewerben

gestellt haben und sich dort vielfach

platzierten. Wovon sie wiederum selber

profitierte: Zweimal wurde sie von der

DasTeam der Goldschmiede Gote: Annelie Hanauer (Azubine), GabrieleGoteund Gesellin

Susanne Homan-Kratz (v.l.)

Fotos: Robert Wilken

Von Schmuck umgeben: Goldschmiedemeisterin Gabriele Gote inihrem Atelier an der Südseite des Billerbecker Doms.

Handwerks-Innung in Münster als bester

Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet.

Dass es für sie ein kreativer Handwerksberuf

werden sollte, war für Gabriele Gote

sehr früh klar. „Ich habe als Kind schon immer

gerne gebastelt und gemalt, etwas mit

den Händen gestaltet, geschneidertund gestrickt.“

Nach dem Abitur 1977 waresallerdings

nicht einfach, einen Ausbildungsplatz

zu bekommen. Schließlich bekam sieeinen

bei Werner Fischer in Ahlen, seinerzeit Präsident

des deutschen Silber- und Goldschmiedehandwerks.

Dreieinhalb Jahre dauerte die Ausbildung

und dabei gab esbescheidene 130 D-Mark

Monatslohn im ersten Lehrjahr. „Mein kleines

Zimmer, mit wenig Aussicht und dann

noch auf einen Parkplatz, kosteteschon 150

Mark“, erinnert sie sich an ihren Start ins

Berufsleben. Trotz alledem merkte sie

schnell, dass dieses Handwerk „ganz genau

mein Ding ist“. Als Gesellenstück fertigtesie

eine Umhängeuhr an einer Kette, vorne und

hinten aufklappbar, und schloss in der Prüfung

direkt mit der zweitbesten Note ab.

Die Wanderjahre führten sie zum Innungs-

Obermeister Gerhard Tewis nach Aachen.

Zu einem der größten Projektegehörtedort

die Restaurierung des Karlsschreins im

Aachener Dom, an der sie beteiligt war. Anschließend

arbeitete sie drei Jahre inder

Goldschmiede vonMichael Doßler in Münster.

Mittlerweile blickt sie auf 30 Jahre erfolgreiche

Selbstständigkeit zurück, wobei sie

gerne zu verstehen gibt, dass es ein hart und

kontinuierlich erarbeiteter Erfolg ist. „Es

braucht schon einige Jahre, um sich einen

guten treuen Kundenkreis über die Stadtgrenzen

hinaus aufzubauen“, erklärt sie.

Dabei halfen Ausstellungen wie „Blickpunkte“,

die sie unter anderem mit dem Arbeitskreis

„Angewandte Kunst Münster“ – einer

Kooperation vonhochkarätigen Kunsthandwerkern

–über 20 Jahre aneinem Novemberwochenende

in der Handwerkskammer

Münster initiierte oder auch die Teilnahme

an der Landpartie am Schloss Lembeck.

Große Änderungen oder Trends kann Gabriele

Gote rückblickend nicht ausmachen:

„Das ist konstant geblieben. Die Kunden

mögen das Besondere, das handwerklich

gefertigteEinzel-Schmuckstück.“ Etwas anderes

ist bei ihr auch nicht zu bekommen.

Gegen Handelsware entschied sie sich von

Anfang an. Interessant ist aber, dass Kundinnen

heuteöfter etwas für sich selber kaufen,

als es noch vor 30Jahren der Fall war.

Wenn Gabriele Gote anfängt, von der Vielfalt

der Edelsteine zu sprechen, ihren Formen,

Farben und Schliffen, beginnt sie zu

schwärmen: „Die ziehen mich magisch an.

Da könnte ich mich reinsetzen wie Donald

Duck in sein Dukatenmeer.“ Nicht zuletzt ist

es natürlich ihr Stil, ihr Design, ihr Handwerk,

die ihren Schmuck kennzeichnen und

ihn so entsprechend beliebt machen.

Aber es müssen nicht nur Hochkaräter sein,

die sie zu Schmuckstücken verwandelt.

Ebenso gerne verwendet sie Naturkristalle

wie etwa Uwarowit oder Kobalt-Calcid, die

sie mit Holz, Glas, Gummi oder Plexiglas in

Kombination bringt. Auch dürfen esschon

mal Fundstücke vom Strand oder aus dem

Wald sein.

Für den Dom in Billerbeck fertigtesie unter

anderem eine Reliquienkapsel in Messing

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Ideen und Anregungen holt sich die Meisterin

in ihrem Garten, aus der Natur und den

Jahreszeiten. „Das Spiel der Farben und

Formen fasziniert mich immer wieder aufs

Neue. Da gibt es die besten und unerschöpflichen

Inspirationen“, freut sich die erfahrene

Goldschmiedin. Ulla Wolanewitz

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