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Carrossier_2020_08

carrosserie suisse Fachzeitschrift

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Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong><br />

offizielle Zeitschrift<br />

RWX_Titel_<strong>Carrossier</strong>_12-2019.qxp_Layout Die neuen Schweizer Berufsmeister 1 04.11.19 17:07 carrosserie-suisse-Scheibenkonzept<br />

Seite 1<br />

Titelausmarchung an zwei Standorten Reparieren statt Ersetzen als Chance<br />

Schweizer Fahrzeugbau<br />

Erfolg durch Innovation und Flexibilität<br />

RIWAX-Chemie AG<br />

Tannholzstrasse 3 | CH-3052 Zollikofen<br />

office.ch@riwax.com | www.riwax.com


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RWX_Titel_<strong>Carrossier</strong>_12-2019.qxp_Layout 1 04.11.19 17:07 Seite 1<br />

Inhalt<br />

Themen<br />

8/<strong>2020</strong><br />

Inhalt<br />

Dezember <strong>2020</strong><br />

49. Jahrgang<br />

Offizielle Zeitschrift von carrosserie suisse<br />

Organe officiel de carrosserie suisse<br />

Erscheint 8-mal jährlich<br />

Paraît 8 fois par an<br />

Druckauflage 2500 Ex.<br />

Tirage 2500 ex.<br />

Abonnemente /Abonnements:<br />

Jahresabonnement CHF 72.–<br />

Lehrlinge / Studenten CHF 36.–<br />

Ausland CHF 99.–<br />

Einzelnummer CHF 12.–<br />

Abonnement annuel CHF 72.–<br />

Apprentis / Étudiants CHF 36.–<br />

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le numéro CHF 12.–<br />

Bestellungen / Commandes:<br />

T 058 344 95 46<br />

F 058 344 97 83<br />

abo.carrossier@galledia.ch<br />

Herausgeber /Éditeur responsable:<br />

carrosserie suisse<br />

Forstackerstrasse 2B, 4800 Zofingen<br />

T 062 745 90 80, F 062 745 90 81<br />

info@carrosseriesuisse.ch<br />

www.carrosseriesuisse.ch<br />

Redaktion / Rédaction:<br />

Galledia Fachmedien AG<br />

Buckhauserstrasse 24, 8048 Zürich<br />

Henrik Petro, Chefredaktor<br />

T 058 344 98 02<br />

henrik.petro@galledia.ch<br />

Herstellung / Production:<br />

Galledia Print AG, 9230 Flawil<br />

www.galledia.ch<br />

Anzeigenverwaltung und Verlag<br />

Régie des annonces et Édition<br />

Galledia Fachmedien AG<br />

Buckhauserstrasse 24, 8048 Zürich<br />

Fabian Simon, Leitung Medienberatung<br />

T 058 344 98 06<br />

fabian.simon@galledia.ch<br />

Uschi Imhof, Support<br />

T 058 344 98 63<br />

uschi.imhof@galledia.ch<br />

Redaktionsschluss<br />

Bouclage<br />

Nr. 1/2021<br />

26. Januar 2021<br />

Editorial<br />

5 Frischgebackene Schweizer Meister!<br />

Verbandsnachrichten<br />

6 Die neuen Meister CLA und CSP<br />

8 Meister der Fahrzeugschlosser<br />

9 Der Champions-Club der Vorbilder<br />

10 Fusion: Gleich ist es so weit!<br />

11 Neue Marketingmassnahmen im 2021<br />

12 Rezertifizierungen, Verabschiedung<br />

Bildung<br />

14 Förderkonzept für Betriebswirtschaft<br />

15 Simon Mosers Weiterbildungen<br />

16 Kursvorschau: Scheibenkonzept<br />

17 Kursübersicht <strong>2020</strong>/2021<br />

18 QV-Ehrung Zentralschweiz<br />

19 Cerimonia di premiazione Ticino<br />

Technik<br />

20 Bentley Continental GT<br />

Reportage<br />

26 GK Grünenfelder Group<br />

29 Carross. Baldinger, Zbinden Posieux<br />

Rechtshilfe<br />

30 Abwicklung einer Kündigung<br />

Aktive Branche<br />

31 Cromax und AMZ Racing Team<br />

32 GYSO AG: Verabschiedung<br />

32 Neuer Leiter K+L bei Calag<br />

33 CO₂NTRA von Akzo Nobel<br />

34 Reparaturlacksystem Syrox<br />

34 Eriks Tech-Tipps<br />

35 Fahrzeugteile aus Reishülsen<br />

Unter der Lupe<br />

39 Lanz+Marti AG<br />

RIWAX-Chemie AG<br />

Tannholzstrasse 3 | CH-3052 Zollikofen<br />

office.ch@riwax.com | www.riwax.com<br />

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www.riwax.com<br />

carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>3


André Koch AG<br />

Herzlichen<br />

Dank<br />

für die angenehme Zusammenarbeit<br />

während diesem herausfordernden<br />

Jahr, das uns allen viel abverlangt hat.<br />

Ihnen und Ihren Lieben wünschen wir<br />

ein frohes Weihnachtsfest und ein<br />

hoffnungsvolles & erfolgreiches 2021.<br />

Bleiben Sie gesund!<br />

www.andrekoch.ch


Editorial<br />

Berufsmeisterschaften<br />

Drei frischgebackene Schweizer<br />

Meister!<br />

Felix Wyss<br />

Die Schweizer Meisterschaften <strong>2020</strong> sind<br />

bereits wieder Geschichte und haben zwei<br />

junge Fachspezialisten und eine Fachspezialistin<br />

mit der landesweit höchsten Auszeichnung<br />

geehrt. Bei den Fahrzeugschlossern<br />

darf sich Ivan Riebli aus Giswil<br />

OW neuer Schweizer Meister nennen,<br />

gleiches gilt für Dominik Bartlome aus<br />

Schwarzenburg BE bei den Carrosseriespenglern/-innen<br />

und Michèle Korn aus<br />

Froideville VD unter den Carrosserielackierern/-innen.<br />

Alle drei konnten sich<br />

unter zahlreichen herausragenden Leistungen<br />

ins Rampenlicht der Experten arbeiten<br />

und schliesslich am 29. November<br />

im Ausbildungszentrum in Ebikon und in<br />

der Mobilcity in Bern den Sieg erringen. Im<br />

Namen von carrosserie suisse gratuliere<br />

ich den drei neuen Schweizer Meistern<br />

herzlich und möchte auch allen Mitstreiterinnen<br />

und Mitstreitern grosses Lob für<br />

ausserordentlichen Einsatz aussprechen.<br />

Während die Meisterschaften unter normalen<br />

Umständen ein grosses Fest für<br />

alle wären, setzte die Corona-Pandemie<br />

auch diesem Event massiv zu. So fanden<br />

die Wettkämpfe beispielsweise ohne Zuschauer<br />

vor Ort statt. Dafür konnten die<br />

Branche, Angehörige der Finalisten und<br />

weitere Interessierte das Geschehen direkt<br />

per Livestream verfolgen. Zudem<br />

wurde das Möglichste in die Wege geleitet,<br />

um die Schweizer Meisterschaften in<br />

einem schwierigen Jahr medial zugänglicher<br />

zu gestalten. Mit Rückblick darauf<br />

danke ich auch allen Beteiligten, die den<br />

Event mit beachtlichem organisatorischem<br />

Aufwand ermöglichten.<br />

Während sich das Jahr nun dem Ende zuneigt,<br />

können wir nach den Schweizer<br />

Meisterschaften bereits auf das nächste<br />

Highlight blicken. Die Fusion von carrosserie<br />

suisse und FCR zum national tätigen<br />

Verband steht bevor. Per 1. Januar 2021<br />

wird carrosserie suisse durch den Zusammenschluss<br />

gestärkt und voller Elan in die<br />

Zukunft navigieren. Neben personellen<br />

Änderungen, wie einem neuen Regionalverantwortlichen<br />

für die Romandie in Person<br />

von Giovanni Cuttitta, bringt die Fusion<br />

auch Anpassungen im öffentlichen Auftritt<br />

von carrosserie suisse mit sich. So erscheint<br />

die Fachzeitschrift carrossier ab<br />

nächstem Jahr in deutsch-französischer<br />

Ausgabe, der Sprache Französisch wird<br />

also neu gleiche Aufmerksamkeit geschenkt<br />

wie dem Deutschen. Zudem wird<br />

auch der Sprache Italienisch vermehrt<br />

Gewicht zuteil.<br />

Ich freue mich, diese vielversprechende<br />

Zukunft von carrosserie suisse gemeinsam<br />

mit allen Mitgliedern anzugehen und<br />

wünsche Ihnen einen gelungenen Abschluss<br />

des Jahres <strong>2020</strong>. Auf die gemeinsame<br />

Zukunft!<br />

Felix Wyss<br />

Zentralpräsident<br />

Termine und Veranstaltungen<br />

101. DV carrosserie suisse<br />

27. 5. 2021<br />

aftermarket-CH, Branchentreffpunkt<br />

für die Carrosserie- und Garagenzulieferbranche<br />

28.–29.11.2021<br />

carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>5


Schweizer<br />

Meisterschaften <strong>2020</strong><br />

Verbandsnachrichten<br />

Berufsmeisterschaften<br />

Carrosseriespengler/-innen und Carrosserielackierer/-innen<br />

Spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen<br />

Es waren würdige Schweizer Berufsmeisterschaften, die ursprünglich am 16. und 17. Oktober <strong>2020</strong><br />

anlässlich des Branchenevents in Thun hätten über die Bühne gehen sollen und nun für die Berufe<br />

«Carrosseriespengler/-in» und «Carrosserielackierer/-in» am Wochenende vom 28. bis 29. November<br />

stattgefunden haben.<br />

Siegertrio in der Berufssparte «Carrosseriespengler/-in» (v. l.): Manuel Kreuter (Silber), Dominik<br />

Bartlome (Gold), Dylan Almeida (Bronze).<br />

Durchgeführt wurden die Wettkämpfe bei<br />

der «carrosserie suisse academy» im Gebäude<br />

der Mobilcity in Bern. Leider ohne<br />

Publikum. Und auch ohne das traditionelle<br />

gemeinsame Abendessen von Experten<br />

und Kandidaten, was Diana Schlup<br />

bedauert. «Ich glaube schon, dass das<br />

Zusammengehörigkeitsgefühl in diesem<br />

schwierigen Corona-Jahr etwas gelitten<br />

hat», stellt die Chefexpertin der Carrosseriespengler<br />

fest.<br />

Auf die Leistungen der jungen Berufsleute<br />

hatten alle diese Umstände keinen<br />

Einfluss. Das sieht auch Lackierer-Chefexperte<br />

Patrick Balmer so, der seinen<br />

neun Kandidatinnen und den beiden Kandidaten<br />

bereits im Vorfeld der Meisterschaft<br />

ein sehr hohes Niveau und viel<br />

Flexibilität bescheinigt hatte und die diese<br />

Tugenden dann auch schon am ersten<br />

Wettbewerbstag unter Beweis stellten,<br />

als sie aus Platzgründen in zwei Gruppen<br />

aufgeteilt wurden.<br />

Prüfungsaufgaben auf hohem Niveau<br />

Da galt es unter anderem, einen Kotflügel<br />

im Dreischicht-Verfahren zu lackieren<br />

und ihn mit einer zweiten Farbe (Blau<br />

Métallic) zu versehen. Die zweite Gruppe<br />

nahm sich einen mit Dellen versehenen<br />

Kotflügel und eine Motorhaube vor, um<br />

sich beim Spachteln und Füllern zu beweisen.<br />

Am Sonntag, dem zweiten Arbeitstag,<br />

wurden diese Teile wieder hervorgeholt,<br />

geschliffen und im Drei- und<br />

Zweischichtverfahren lackiert und obendrein<br />

mit einem Dekor versehen. Darüber<br />

hinaus musste ein Stossfänger in der<br />

Spot-Repair-Technik repariert und zusätzlich<br />

eine Steinschlag-Schutzfolie<br />

nicht nur angefertigt, sondern auch millimetergenau<br />

angebracht werden. Übrigens:<br />

Eine Parforce-Leistung war der<br />

Wettbewerb nicht nur für die Kandidatinnen<br />

und Kandidaten, sondern auch für die<br />

Experten – statt wie im Normalfall sieben<br />

standen an diesem Wochenende aus den<br />

bekannten Gründen nur drei im Einsatz.<br />

Neben Patrick Balmer und Aurélie Fawer<br />

auch Pascal Lehmann, der den Wettbewerb<br />

gemäss eigener Aussage als «äusserst<br />

enges Rennen» erleben durfte. «Wir<br />

konnten bis zum Schluss nicht voraussagen,<br />

wer ganz vorne dabei sein wird»,<br />

sagt der Weltmeister von 2013.<br />

Wieder Meisterin aus der Westschweiz<br />

Durchgesetzt hat sich schliesslich Michèle<br />

Korn: Die junge Waadtländerin aus<br />

Froideville ist jetzt nicht mehr «nur» Regionalmeisterin,<br />

sondern gleichzeitig<br />

auch Schweizer Meisterin und somit<br />

Hätte es gemäss eigener<br />

Aussage «bei der einen<br />

oder anderen Arbeit<br />

noch besser machen<br />

können»: Dominik<br />

Bartlome, Schweizer<br />

Meister der Carrosseriespengler.<br />

6 carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>


Verbandsnachrichten<br />

Berufsmeisterschaften<br />

Einschweissen eines in verschiedenen<br />

Verbindungstechniken zu nietenden Seitenteils.<br />

Siegertrio in der Berufssparte «Carrosserielackierer/-in» (v. l.): Steve Guntern (Silber), Michèle Korn<br />

(Gold), Samantha Böhm (Bronze).<br />

Nachfolgerin von Aurélie Fawer, heute als<br />

Expertin tätig. «Die vorgegebenen Arbeitszeiten<br />

waren knapp berechnet, aber<br />

ich habe mich sehr gut organisieren können»,<br />

gab die Siegerin später zu Protokoll,<br />

gab aber auch zu, dass nicht alles<br />

rund gelaufen sei: «Mit meinen Finish-Arbeiten<br />

am Kotflügel bin ich unzufrieden,<br />

das hat mich zwischenzeitlich etwas nervös<br />

gemacht.» Die Silbermedaille («Ich<br />

habe nichts verhauen, aber das eine oder<br />

andere ist nicht hundertprozentig gelungen»)<br />

geht an den Berner Steve Guntern,<br />

Bronze holt sich Samantha Böhm. Die<br />

Solothurnerin («Ich wollte wenigstens auf<br />

dem Podest stehen») freut sich über ihr<br />

Die Medaillenränge<br />

Carrosseriespengler/-in<br />

Gold – Dominik Bartlome,<br />

G&G AG, Niederwangen BE<br />

Silber – Manuel Kreuter,<br />

Bartlome AG, Rüschegg Heubach BE<br />

Bronze – Dylan Almeida,<br />

Grimm Center, Petit-Lancy GE<br />

Carrosserielackierer/-in<br />

Gold – Michèle Korn,<br />

Roland Wyniger SA, Lausanne VD<br />

Silber – Steve Guntern,<br />

Schölly AG, Münchenbuchsee BE<br />

Bronze – Samantha Böhm,<br />

Garage Gautschi, Langenthal BE<br />

Resultat, gibt aber auch zu, dass sie als<br />

Zweite der Regionalmeisterschaft nun<br />

gerne Gold gewonnen hätte an diesem<br />

Wochenende.<br />

Überraschung bei der Spengleraufgabe<br />

Für die neun Carrosseriespengler und<br />

-spenglerin Morgane Riva aus Le Lignon<br />

GE – sie verpasste die Bronzemedaille<br />

ganz knapp und wurde Vierte – betrug<br />

die gesamte Arbeitszeit 14,5 Stunden.<br />

Und die begann mit einer Überraschung.<br />

Denn was niemand ausser Chefexpertin<br />

Diana Schlup wusste: So quasi als Ersatz<br />

für die aus dem Programm gestrichenen<br />

Postenarbeiten mussten die jungen Berufsleute<br />

einen Riss an einem Stossfänger<br />

reparieren. Und als weitere Herausforderung<br />

entpuppte sich – neben dem<br />

Einkleben einer Seitenscheibe – das<br />

Kein klarer Favorit<br />

Trotz der Schwere dieser Aufgaben zeigte<br />

sich Diana Schlup vom Verlauf des<br />

Wettbewerbs beeindruckt: «Es war irre<br />

spannend. Die zwei Erstplatzierten und<br />

die beiden Anwärter auf die Bronzemedaille<br />

haben ihre Positionen immer mal<br />

wieder gewechselt», verriet sie nach der<br />

Rangverkündigung. Zum Schluss präsentierte<br />

sich das Podest dann aber auf den<br />

Rängen 1 und 2 genauso wie nach den<br />

Berner Regionalmeisterschaften: Dominik<br />

Bartlome («Das Meiste ist gut herausgekommen.<br />

Ich habe nichts verhauen,<br />

aber ein paar Kleinigkeiten vergessen,<br />

was ich erst bei den Kontrollpunkten bemerkte»)<br />

holte sich Gold vor Manuel<br />

Kreuter. Der HCD-Fan, wie Bartlome Eishockeyspieler<br />

auf höchstem Amateurniveau<br />

und somit an Stress und mentale<br />

Stärke gewohnt, zeigte sich ehrlich erfreut<br />

über seinen Vizemeistertitel: «Ich<br />

habe nicht Gold verloren, sondern Silber<br />

gewonnen», meinte er. Und schob die Erklärung<br />

dafür gleich nach: «Das Löten<br />

und Schweissen ist mir wirklich sehr gut<br />

gelungen, dafür habe ich ein paar Detailarbeiten<br />

vergessen oder falsch ausgeführt.<br />

Unter dem Strich bin ich sehr zufrieden<br />

mit mir und meiner Leistung.»<br />

Ähnlich klingt das Fazit von Bronzegewinner<br />

Dylan Almeida: «Ich muss berücksichtigen,<br />

dass mir meine Lieblingsdisziplin,<br />

das Schweissen, heute nicht perfekt<br />

gelungen ist. Deshalb freue ich mich sehr<br />

über mein Endresultat», sagte der Genfer<br />

Regionalmeister aus der Romandie. ●<br />

Text: Heinz Schneider, Bilder: SwissSkills<br />

Gold: Die Lackiererin<br />

Michèle Korn aus<br />

Froideville (VD) ist nicht<br />

mehr «nur» Regionalmeisterin,<br />

sondern auch<br />

Schweizer Meisterin.<br />

carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>7


Schweizer<br />

Meisterschaften <strong>2020</strong><br />

Verbandsnachrichten<br />

Berufsmeisterschaften<br />

Meisterschaft der Fahrzeugschlosser<br />

Zentralschweizer Doppelsieg<br />

Regionalmeister Ivan Riebli holte sich den Titel mit einem bemerkenswerten Punktevorsprung vor Michel<br />

Nöthiger. Der Vize-Regionalmeister ist somit nun auch Schweizer Vizemeister geworden.<br />

Siegertrio in der Berufssparte Fahrzeugschlosser (v. l.): Michel Nöthiger (Silber), Ivan Riebli<br />

(Gold), Silvan Bruni (Bronze). Foto: SwissSkills<br />

Die Medaillenränge<br />

Fahrzeugschlosser<br />

Gold – Ivan Riebli,<br />

Sutter AG, Lungern OW<br />

Silber – Michel Nöthiger,<br />

Lanz + Marti AG, Sursee LU<br />

Bronze – Silvan Bruni,<br />

Ernst Keller AG, Uetendorf BE<br />

«Wir haben wieder mal die Elite hier im<br />

üK-Zentrum in Ebikon. Für das Einrichten<br />

der Arbeitsplätze am Freitag waren alle<br />

Kandidaten zur richtigen Zeit vor Ort, und<br />

am Samstagmorgen konnte der Wettbewerb<br />

pünktlich gestartet werden. Das<br />

macht mich sehr stolz!» Berufsschullehrer<br />

Peter Bucheli ortet wie gewohnt zahlreiche<br />

Gründe, sich über die Leistungen,<br />

das positive Auftreten und die Performance<br />

«seiner» Fahrzeugschlosser an den<br />

diesjährigen Schweizer Meisterschaften<br />

zu freuen. «Alle neun Kandidaten sind mit<br />

ihren Arbeiten fertig geworden – und alle<br />

haben durchwegs ausgesprochen schöne<br />

Stücke produziert», fasst der Luzerner<br />

seine Eindrücke von den Berufsmeisterschaften<br />

(28. bis 29. November) zusammen.<br />

Eine Einschätzung, die Fahrzeugbauprofi<br />

Stefan Sieber teilt: «Die Arbeiten<br />

waren qualitativ höherwertig als in den<br />

Jahren zuvor. Vielleicht ist das dem Umstand<br />

geschuldet, dass wegen Corona<br />

kein Publikum zugelassen war und die<br />

Konzentration der Kandidaten dadurch<br />

gestiegen ist», vermutet er.<br />

Übrigens: Mit den oben genannten Stücken<br />

meint Peter Bucheli die Anhänger mit<br />

Deichsel im Format von rund 100 × 80 cm,<br />

welche die jungen Berufsleute als zweitägige<br />

Prüfungsarbeit hergestellt haben –<br />

natürlich von Hand und genau nach Bauplan.<br />

Eine Herausforderung, denen die<br />

einen sehr, andere weniger gut begegnet<br />

sind. Immer dabei: rundum erschwerte Bedingungen<br />

auch mit aufgesetzter Maske,<br />

was zur Folge hatte, dass die Schutzbrillen<br />

der Kandidaten stets beschlagen waren.<br />

Nichtsdestotrotz gibt es zum Schluss<br />

einen Zentralschweizer Doppelsieg zu<br />

vermelden. Regionalmeister Ivan Riebli<br />

(«Das Lesen der Baupläne war nicht einfach<br />

und sehr zeitaufwendig») holte sich<br />

den Titel mit einem bemerkenswerten<br />

Punktevorsprung vor Michel Nöthiger.<br />

Der Vize-Regionalmeister, der nun auch<br />

Schweizer Vizemeister geworden ist («Am<br />

Samstagnachmittag ging es bei mir drunter<br />

und drüber, ich war kurzzeitig ein bisschen<br />

verloren»), kämpfte mit einem Handicap,<br />

das nur sehr schwer auszugleichen<br />

war. «Ich habe die Löcher der Alubrücke<br />

falsch gebohrt. Das wurde mir jedoch erst<br />

klar, als ich montieren wollte», fasst<br />

Nöthiger zusammen. Also alles demontieren<br />

und wieder von vorne beginnen.<br />

Was gewesen wäre, wenn ihm dieses<br />

Missgeschick erspart geblieben wäre, darüber<br />

lässt sich nur spekulieren. Fakt ist<br />

aber, dass der Berner Silvan Bruni («Druck<br />

und Stress waren da, dass es zeitlich<br />

reicht, war mir aber schon am Sonntagnachmittag<br />

klar») als Drittplatzierter der<br />

Silbermedaille sehr nahe kam.<br />

Richtig angetan und beeindruckt vom Engagement<br />

der neun jungen Berufsmänner<br />

zeigte sich Ehrengast und carrosserie-suisse-Zentralpräsident<br />

Felix Wyss. «Es tut<br />

in diesen schwierigen Zeiten unglaublich<br />

gut, Ihnen beim Wetteifern zuzuschauen<br />

und festzustellen, mit welchem Esprit und<br />

welcher Freude Sie hier an die Aufgaben<br />

herangehen», sagte er während der Mittagspause<br />

in seiner kurzen Ansprache. Die<br />

Kandidaten quittierten mit Applaus. ●<br />

Text: Heinz Schneider<br />

Bilder: SwissSkills<br />

Nach dem Regionalmeistertitel nun auch die<br />

Goldmedaille an den Schweizer Meisterschaften:<br />

Ivan Riebli.<br />

8 carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>


Verbandsnachrichten<br />

Thema<br />

Nachwuchsförderung<br />

Champions-Club<br />

Der Club der Vorbilder<br />

Rund 30 junge <strong>Carrossier</strong>s – davon sechs Frauen –, die alle an einer Regio- oder Berufsmeisterschaft<br />

teilgenommen haben, bilden zusammen den Champions-Club. Sein Ziel ist, Fachwissen weiterzugeben,<br />

Begeisterung für den Beruf zu wecken und beizubehalten sowie Werdegänge vorzuleben.<br />

Ein Teil des Champions-Clubs. Gemeinsame schöne Erlebnisse, ein Netzwerk und<br />

Freundschaften gibt es als Bonus dazu.<br />

Champions-Club-Mitglied Petra Grieder nahm<br />

2016 an den Schweizer Meisterschaften teil.<br />

Petra Grieder ist Carrosserielackiererin<br />

bei der art-car GmbH in Eiken und zudem<br />

Mitglied im 2018 gegründeten Champions-Club.<br />

Der Verein setzt sich aus<br />

ehemaligen Teilnehmenden einer Meisterschaft<br />

zusammen, also aus Berufsleuten,<br />

die einmal an einer Regio- oder<br />

Schweizer Berufsmeisterschaft in den<br />

drei Berufen Carrosseriespengler/-in,<br />

Carrosserielackierer/-in oder Fahrzeugschlosser/-in<br />

teilgenommen haben –<br />

und auch heute noch mit der Branche<br />

verbunden sind. Es besteht aber auch<br />

die Möglichkeit einer Passivmitgliedschaft.<br />

«Wir sind junge, motivierte und<br />

kompetente Berufsleute aus der ganzen<br />

Schweiz, die gerne die Branche unterstützen<br />

möchten», beschreibt sie die<br />

Mitglieder. «Wir sehen uns als Bindeglied<br />

zwischen Arbeit nehmer und Arbeitgeber,<br />

Jung und Alt, Schülern und<br />

Berufstätigen. Wir setzen uns dafür ein,<br />

dass die nächsten Teilnehmer einer<br />

Meisterschaft schweizweit die gleichen<br />

Chancen haben.» Konkret bedeutet dies,<br />

dass der Club Trainings durchführt. Allerdings<br />

hat Corona ihnen diesbezüglich<br />

zumindest bei den Schweizer Berufsmeisterschaften<br />

einen Strich durch die<br />

Rechnung gemacht – Trainings durften<br />

nicht stattfinden. «Einige von uns waren<br />

als Experten oder per Live-Stream dabei<br />

und fieberten so mit.»<br />

Nachwuchs auf Berufe aufmerksam<br />

machen<br />

Die besten Botschafter sind jene, mit<br />

denen man sich identifizieren kann. So<br />

setzt sich der Champions-Club auch dafür<br />

ein, neue, gute Schüler für die Branche<br />

zu gewinnen, sodass die Arbeitgeber<br />

wieder eine vernünftige Auswahl haben,<br />

wie Grieder erklärt. Das heisst, der Club<br />

ist auch an Berufsmessen, Schulen und<br />

den SwissSkills präsent. «Wir möchten<br />

das Niveau der Ausbildung stärken, zum<br />

Beispiel, indem wir Lehrlinge über zukünftige<br />

Möglichkeiten informieren.»<br />

Damit meint sie vor allem Weiterbildungsmöglichkeiten,<br />

und das geht am<br />

besten, wenn man es vorlebt. «Weil wir<br />

nahe an den Jungen sind, verstehen wir<br />

diese und können die Vorbildfunktion<br />

bezüglich Weiterbildung glaubwürdig<br />

erfüllen.» Das Engagement beruht auf<br />

freiwilliger Basis.<br />

Unterstützt von carrosserie suisse<br />

Der Champions-Club ist in denselben vier<br />

Regionen organisiert wie die Regiomeisterschaften.<br />

Jeder Region steht ein gewählter<br />

Vertreter vor. Diese bilden mit<br />

dem Präsidenten den Vorstand. «In der<br />

dritten Region haben wir zwei Regionalvertreter:<br />

jemanden für den deutschsprachigen<br />

Teil und jemanden für den italienischsprachigen<br />

Teil», erklärt Grieder.<br />

Finanziert wird der Verein hauptsächlich<br />

über die Mitgliederbeiträge, wobei im ersten<br />

Beitrittsjahr noch keine Beiträge fällig<br />

werden. Das Vereinsbudget wird von carrosserie<br />

suisse genehmigt und unterstützt.<br />

«Sonst könnten wir die Unkosten<br />

nicht decken», gesteht Grieder.<br />

Der Champions-Club heisst weitere Mitglieder<br />

herzlich willkommen: «Jeder soll<br />

beitreten, der seinen Beruf liebt und sich<br />

gerne einbringt.» Und je mehr, umso besser:<br />

«Weil wir mit mehr Mitgliedern noch<br />

viel mehr erreichen können. Und weil es<br />

unglaublich hilfreich ist, ein Netzwerk zu<br />

haben, wie wir es bieten. Und ich persönlich<br />

habe echte Freunde gefunden.» ●<br />

Text: Henrik Petro<br />

Bilder: Petra Grieder<br />

carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>9


Verbandsnachrichten<br />

carrosserie suisse<br />

Fusion carrosserie suisse und FCR<br />

Gemeinsam am Steuer Richtung<br />

Zukunft<br />

Die Fusion der beiden Verbände carrosserie suisse und Fédération des <strong>Carrossier</strong>s Romands (FCR) steht<br />

unmittelbar bevor. Ab dem 1. 1. 2021 tritt carrosserie suisse als schweizweiter Verband auf. Im Zuge der<br />

Fusion wurden bereits mehrere Massnahmen getätigt. So ist dies auch die letzte rein deutschsprachige<br />

Ausgabe des «carrossier», bevor die Fachzeitschrift ab Januar im deutsch-französischen Kleid erscheint.<br />

Grünes Licht für den Beschluss gaben<br />

die Delegierten von carrosserie suisse<br />

Anfang November 2019 an der ausserordentlichen<br />

Delegiertenversammlung.<br />

Durch die Fusion zählt carrosserie suisse<br />

ab nächstem Jahr knapp 850 Mitgliederbetriebe.<br />

Mit dem Zusammenschluss<br />

der Verbände zum national agierenden<br />

Verband erhält carrosserie suisse zudem<br />

mit der «Antenne Romande» auch<br />

eine neue Aussenstelle im waadtländischen<br />

Moudon. Diese wird somit Treffpunkt<br />

für alle Verbandsmitglieder aus<br />

der Westschweiz. Die «Antenne Romande»<br />

soll weiter als Empfänger und Sender<br />

für die Anliegen der französischsprachigen<br />

Verbandsmitglieder sein. Die<br />

neue Konstellation bringt zudem personelle<br />

Veränderungen mit sich. So wird<br />

Pierrick Blanchard neuer Bildungsverantwortlicher<br />

für die Romandie. Der<br />

43-Jährige ist gelernter Autolackierer<br />

und übernimmt die Position vom bisherigen<br />

Projektverantwortlichen Ausbildung<br />

Romandie, Federico Vendrici.<br />

Mit der Zusammenführung der Verbände<br />

entstehen neue Möglichkeiten in<br />

mehreren Verbandsbereichen. So stehen<br />

dem künftig nationalen Verband<br />

beispielsweise durch zusätzliche Beiträge<br />

mehr monetäre Mittel zur Verfügung.<br />

Mit diesen können unter anderem<br />

nationale Projekte noch professioneller<br />

vorangetrieben werden. Gleichzeitig<br />

trägt die Fusion dazu bei, die strukturellen<br />

Kosten in einigen Bereichen zu senken.<br />

«Wir haben jetzt die Möglichkeit,<br />

mit einer einzigen gewichtigen Stimme<br />

mit den verschiedenen Institutionen wie<br />

Versicherungen, Leasingunternehmen<br />

und Lieferanten zu verhandeln. Das<br />

stärkt unsere Position», ist Zentralpräsident<br />

Felix Wyss von der gemeinsamen<br />

Zukunft überzeugt.<br />

Kulturen auf dem Prüfstand<br />

Neben vielen positiven Aspekten kann<br />

die Fusion auch Herausforderungen mit<br />

sich ziehen. Hinsichtlich der Umgangsformen<br />

könnten Stolpersteine auftauchen,<br />

da den Westschweizern eine nicht<br />

selten heftigere Diskussionskultur nachgesagt<br />

wird, als dies unter Deutschschweizern<br />

der Fall ist. carrosserie-suisse-Geschäftsführer<br />

Thomas Rentsch<br />

gibt zu bedenken: «Wir müssen uns alle<br />

bemühen und daran gewöhnen, jemandem<br />

zuzuhören, der eine andere Sprache<br />

spricht.» Um die Sprachbarriere möglichst<br />

offen zu halten, ist auch Marc-<br />

Rundum besser<br />

Vorteile der Fusion<br />

Aus Sicht des einzelnen Mitgliedsbetriebes:<br />

››<br />

Image als Carrosseriebetrieb durch nationales Label carrosserie<br />

suisse<br />

››<br />

Gute, starke Ausbildung, um für die Zukunft die nötige Zahl an<br />

qualitativ guten Berufsleuten zu sichern<br />

››<br />

Gestärkte Verhandlungsposition gegenüber Versicherungen,<br />

Lieferanten etc.<br />

Dank der Fusion kann der nationale Verband gegenüber Politik,<br />

Behörden und Marktpartnern als gestärkte Einheit auftreten. Von links:<br />

Federico Ventrici, Felix Wyss, Armin Haymoz, Robert Angelozzi und<br />

Thomas Rentsch.<br />

Aus Verbandssicht:<br />

››<br />

Synergien<br />

››<br />

Mitgliederverwaltung<br />

››<br />

Finanzen / Buchhaltung / Revision<br />

››<br />

Kein Koordinationsaufwand mehr zwischen carrosserie suisse<br />

und FCR<br />

››<br />

Gemeinsame Zeitschrift<br />

››<br />

Schlanke Struktur durch neue Verbandsorganisation<br />

››<br />

Über GAV Förderung der Bereitschaft, Mitglied von carrosserie<br />

suisse zu werden<br />

10 carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>


Verbandsnachrichten<br />

carrosserie suisse<br />

André Perrin im 50-Prozent-Angestelltenverhältnis<br />

in Zofingen im Einsatz. Der<br />

50-Jährige wird einerseits als Übersetzer<br />

von Texten, Korrespondenzen und<br />

Ähnlichem agieren, andererseits aber<br />

auch als Simultanübersetzer an Sitzungen<br />

teilnehmen. Weiter ist mit Giovanni<br />

Cuttitta ein Regionalleiter Romandie für<br />

die Westschweizer Betriebe aktiv, analog<br />

zu Bruno Moser in der Deutschschweiz.<br />

Er betreut als eigener Aussendienstmitarbeiter<br />

die Mitgliederbetriebe aus der<br />

Romandie seit Oktober <strong>2020</strong> und trägt<br />

somit zur Integration in den Gesamtverband<br />

bei. Giovanni Cuttitta nimmt als Regionalleiter<br />

Romandie im Kader von carrosserie<br />

suisse Einsitz und berichtet an<br />

die Geschäftsstelle in Zofingen, die den<br />

Verband auch nach der Fusion verwalten<br />

und führen wird.<br />

Die Fusion bringt aber vor allem positive<br />

Neuerungen mit sich. Zentralpräsident<br />

Felix Wyss betont die «gestärkte Einheit,<br />

mit der man dank der Fusion gegenüber<br />

Politik, Behörden und Marktpartnern auftreten<br />

kann». Zudem ist sich Felix Wyss<br />

der grösseren Ausstrahlung sicher: «Aus<br />

Verbandssicht kommt die nationale Reichweite<br />

auch im Bereich Werbung zum Tragen<br />

und lässt carrosserie suisse attraktiver<br />

gegenüber Inserenten erscheinen.»<br />

Auch auf Ebene der einzelnen Mitglieder<br />

sei der Zusammenschluss entscheidend:<br />

«Daraus resultieren professionellere<br />

Dienstleistungen zur Unterstützung der<br />

Unternehmer, aber man bleibt auch regelmässig<br />

auf dem neuesten Stand, was die<br />

Branche und Technik betrifft.» ●<br />

Isabel Suter<br />

Auftritt in drei Landessprachen<br />

Marketing und Kommunikation<br />

Mit der Fusion zum kommenden Jahr und der damit verbundenen nationalen Präsenz wird carrosserie<br />

suisse den öffentlichen Gesamtauftritt generell um die Sprache Französisch erweitern. Zudem wird dem<br />

Italienischen mehr Rechnung getragen. Dies betrifft Kommunikationsinstrumente wie die Fachzeitschrift<br />

«carrossier», aber auch den allgemeinen Webauftritt.<br />

Jaguar F-Pace<br />

Ein leichter<br />

englischer<br />

Bolide<br />

Nach dem Jaguar XE entschloss sich der britische<br />

Hersteller, auf der gleichen Basis ein SUV zu<br />

ent wickeln – den Jaguar F-Pace. Der «carrossier»<br />

zeigt, welche Materialien die Briten verbaut haben.<br />

2 carrossier Nr. 3-4 / Juli <strong>2020</strong><br />

Technik / Technologie<br />

Jaguar F-Pace<br />

Une voiture<br />

de course<br />

anglaise légère<br />

Après la Jaguar XE, le constructeur britannique a<br />

décidé de développer un SUV sur la même base –<br />

la Jaguar F-Pace. Le «carrossier» montre quels<br />

matériaux les Britanniques ont utilisés.<br />

Jaguar a construit le design<br />

actuel de la F-Pace sur une<br />

longueur impressionnante de<br />

4731 mm et un empattement<br />

de 2874 mm, avec le porte-àfaux<br />

avant serré caractéristique<br />

et un profil fluide.<br />

La grande grille avant est placée<br />

verticalement dans le<br />

courant d›air, ce qui donne au<br />

modèle une stature puissante<br />

et réduit également la traînée.<br />

Le compartiment à bagages<br />

contient 650 litres. Avec son<br />

seuil de chargement bas et<br />

une largeur de chargement de<br />

1255 mm, il est facile à charger.<br />

Selon Jaguar, la carrosserie<br />

est très rigide en torsion et<br />

Der Jaguar F-Pace konnte an den Aachener Karosserietagen als Fertigfahrzeug und als Rohbaucarrosserie contient 80 % d'aluminium –<br />

begutachtet werden.<br />

calculé sans pièces rapportées.<br />

Cela fait de ce véhicule<br />

La Jaguar F-Pace a pu être inspectée en tant que véhicule fini et en tant que carrosserie blanche lors des<br />

journées de la carrosserie d'Aix-la-Chapelle.<br />

utilitaire sport (SUV) un leader<br />

dans son segment.<br />

Das aktuelle Design des F-Pace hat Jaguar auf einer stattlichen Jaguar Land Rover (JLR) a une très grande expérience dans la<br />

Länge von 4731 mm und einem Radstand von 2874 mm aufgebaut,<br />

mit dem charakteristischen knappen vorderen Überhang cant d'introduire pour la première fois cette conception dans la<br />

construction de châssis en aluminium. Cela a permis au fabri-<br />

und einem fliessenden Profil.<br />

catégorie des SUV.<br />

Der grosse Frontgrill steht vertikal im Fahrtwind, was dem Modell<br />

zu einer kräftigen Statur verhilft und zusätzlich den Luft-<br />

modulaire D7a sur laquelle les ingénieurs ont déjà construit les<br />

Le F-Pace est le troisième modèle de la nouvelle plateforme<br />

widerstand reduziert. Der Kofferraum fasst 650 Liter. Mit seiner modèles XE et XF. En conséquence, de nombreuses parties<br />

niedrigen Ladekante und einer Ladebreite von 1255 mm lässt communes se retrouvent dans les structures du corps, par<br />

er sich leicht beladen. Die Carrosserie ist laut Jaguar sehr verwindungssteif<br />

und verfügt über einen Aluminiumanteil von concepteurs s'appuient sur un mélange de matériaux composé<br />

exemple dans les sections de corps «avant» et «avant». Les<br />

80 Prozent – ohne Anbauteile gerechnet. Damit nimmt dieses d'aluminium, d'aciers à haute résistance et de composants en<br />

Produktion<br />

Gefertigt in England<br />

Das SUV wird im Werk Solihul in der Nähe von Birmingham in<br />

England gefertigt und läuft gleichzeitig mit der Sportlimousine<br />

Jaguar XE vom Band. Mit der Aufnahme der F-Pace-Produktion<br />

2016 entstanden rund 1300 Arbeitsplätze.<br />

Production<br />

Fabriqué en Angleterre<br />

Le SUV est fabriqué à l'usine de Solihul près de Birmingham en<br />

Angleterre et sort de la chaîne de production en même temps que<br />

la berline sportive Jaguar XE. Le démarrage de la production de<br />

F-Pace en 2016 créera environ 1300 emplois.<br />

Der «carrossier» erscheint ab der nächsten<br />

Ausgabe im neuen Kleid und zweisprachig.<br />

Der «carrossier»<br />

Das offizielle Verbandsorgan erscheint<br />

ab 2021 neu in einer zweisprachigen<br />

Version mit ergänzenden Elementen in<br />

Italienisch. Das Heft wird umfangreicher,<br />

dafür wird der Erscheinungsrhythmus<br />

auf sechs Ausgaben pro Jahr<br />

angepasst.<br />

Die Erscheinungsdaten:<br />

› 11.2.2021 › 26.8.2021<br />

› 8.4.2021 › 14.10.2021<br />

› 10.6.2021 › 16.12.2021<br />

Radio-Werbekampagne<br />

«… präsentiert vo carrosserie suisse, Ihri<br />

Experte für Carrosserieschäde am Fahrzüüg<br />

– carrosseriesuisse.ch»<br />

Durch den Zusammenschluss zum nationalen<br />

Verband ist carrosserie suisse bestrebt,<br />

die landesweite Präsenz vermehrt<br />

zu stärken und die Bekanntheit bei der<br />

Auch die Website von carrosserie suisse wird<br />

in Zukunft mehrsprachig geführt.<br />

Bevölkerung zu steigern. Dazu wurde<br />

beim Schweizer Radio und Fernsehen SRF<br />

eine umfangreiche Radio-Werbekampagne<br />

lanciert. Im Programm der vier Sender<br />

Radio SRF 1, 3 und dem Tessiner RSI 1 und<br />

3 wurden dieses Jahr bei einer Reichweite<br />

von rund drei Millionen Hörerinnen und<br />

Hörern insgesamt rund 24 Millionen Werbeinhalte<br />

geschaltet. Mit dem Sponsoring<br />

der Verkehrsinformationen werden Automobilisten<br />

zielgerichtet erreicht und motiviert,<br />

direkt einen Carrosseriebetrieb aufzusuchen.<br />

Diese Werbekampagne wird<br />

auch im neuen Jahr fortgesetzt und um die<br />

Romandie erweitert. <br />

●<br />

Isabel Suter<br />

Die in diesem Jahr gestartete Kampagne im<br />

Schweizer Radio SRF1 und SRF3 wird im neuen<br />

Jahr fortgesetzt und um die Romandie erweitert.<br />

carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>11


Verbandsnachrichten<br />

In eigener Sache<br />

Aus der Geschäftsstelle<br />

Verabschiedung Federico Ventrici<br />

Seit 2015 war Federico Ventrici beim FCR<br />

Berufsbildungsverantwortlicher für die<br />

Romandie. Eine seiner wichtigen Aufgaben<br />

in dieser Funktion war die Koordination<br />

zwischen dem FCR und carrosserie<br />

suisse in Sachen Bildung. Tatsächlich<br />

aber kümmerte er sich als «Mann für<br />

alles» um weit mehr. In den fünf Jahren<br />

seiner Verbandstätigkeit konnte Ventrici<br />

viel bewegen in der Berufsbildung,<br />

darunter gehörte auch die Organisation<br />

zahlreicher Kurse sowie das Vorantreiben<br />

von Weiterbildungen – und natürlich<br />

mehr. Der Verband dankt Federico Ventrici<br />

für seinen Einsatz und wünscht ihm<br />

für die Zukunft alles Gute! ●<br />

hp Federico Ventrici, Berufsbildungsverantwortlicher Romandie 2015–<strong>2020</strong>.<br />

Auch wir wurden rezertifiziert<br />

Die folgende Betriebe wurden im Jahr <strong>2020</strong> rezertifiziert:<br />

››<br />

Carrosserie + Garage, 5522 Tägerig, Aargau<br />

››<br />

Carrosserie Maurer GmbH, 5610 Wohlen AG, Aargau<br />

››<br />

Carrosserie - Spritzwerk Küng AG, 5412 Gebenstorf, Aargau<br />

››<br />

Carrosserie Högern AG, 5504 Othmarsingen, Aargau<br />

››<br />

Schöpfer AG, 5630 Muri, Aargau<br />

››<br />

Carrosserie Rank GmbH, 4853 Murgenthal, Aargau<br />

››<br />

Carrosserie J. Nyffeler GmbH, 5603 Staufen,Aargau<br />

››<br />

Carrosserie Moesch AG, 4315 Zuzgen, Aargau<br />

››<br />

Bruno Kalt, 5314 Kleindöttingen, Aargau<br />

››<br />

Hallauer AG, 5512 Wohlenschwil, Aargau<br />

››<br />

EMIL FREY AG, 5745 Safenwil, Aargau<br />

››<br />

Carrosserie Bänziger + Co., 4852 Rothrist, Aargau<br />

››<br />

Carrosserie & Spritzwerk, 5313 Klingnau, Aargau<br />

Auf Grund der Covid-19-Pandemie mussten diverse Rezertifizierungstermine aufs nächste Jahr verschoben werden.<br />

12 carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>


Publireportage<br />

Axalta Coating Systems Switzerland GmbH<br />

Training und die Förderung von Nachwuchskräften<br />

Cromax gratuliert den Gewinnern der SwissSkills Championships <strong>2020</strong><br />

Die besten Carrosserielackierer/-innen der<br />

Schweiz wetteiferten am 28. und 29. November<br />

um die begehrten Medaillen. Als klare<br />

Siegerin stand am Ende Michèle Korn aus<br />

Froideville auf dem Podest, gefolgt von Steve<br />

Guntern aus Hindelbank und Samantha<br />

Böhm aus Kappel. Cromax, eine globale Reparaturlackmarke<br />

von Axalta, einem der<br />

führenden weltweiten Anbieter von Flüssigund<br />

Pulverlacken, war Ausrüster und Lacklieferant<br />

der SwissSkills und hatte die Carrosserielackierer/-innen<br />

im Oktober für die<br />

Meisterschaft trainiert.<br />

Wegen der Pandemie wurden die SwissSkills<br />

Championships in diesem Jahr dezentral und<br />

ohne Publikumsbeteiligung durchgeführt, jedoch<br />

konnte die Schweizer Meisterschaft<br />

hautnah per Livestream verfolgt werden. Aufgrund<br />

der besonderen Situation mussten die<br />

Teilnehmer in diesem Jahr die Aufgaben zum<br />

ersten Mal modular abarbeiten.<br />

Anspruchsvolle Aufgaben mit Cromax<br />

gemeistert<br />

Die Kandidaten hatten die Aufgabe, bei einem<br />

kompletten Vorbau eines Fiat 500 vier Module<br />

in einem vorgegebenen Zeitrahmen zu erledigen,<br />

wobei folgende Ready-Mix-Farbtöne<br />

von Cromax zum Einsatz kamen: Als Grundton<br />

wurde Toyota 070, 3-Schicht-Perleffekt verwendet<br />

und als Dekorfarbton Toyota 8T7,<br />

Blau Metallic. Die Aufgaben waren folgende:<br />

››<br />

Modul A: Kotflügel rechts zweifarbig lackieren<br />

››<br />

Modul B: Applikation eines Schleiffüllers<br />

auf Motorhaube und Kotflügel links<br />

››<br />

Modul C: Motorhaube und Kotflügel links<br />

zweifarbig lackieren und<br />

››<br />

Modul D: Spot Repair auf Stossstange mit<br />

Folienapplikation<br />

Patrick Balmer, Chefexperte der Carrosserielackierer/-innen<br />

freut sich: «Die Meisterschaft<br />

war sehr spannend, alle Teilnehmer hatten ein<br />

sehr gutes Niveau und konnten das Programm<br />

fertigstellen.» Aber auch ausgezeichnete Produkte<br />

sind wichtig für den Erfolg. «Die Meisterschaft<br />

ist gleichzeitig auch immer eine Herausforderung<br />

für die Produkte und deren<br />

Aufbau. Da kann ich Cromax nur gratulieren»,<br />

so Balmer, und ergänzt: «Die Teilnehmer/<br />

Hochmotivierte Teilnehmer/-innen bei der Meisterschaft. (Foto: Cromax)<br />

- innen wurden durch Peter Schär und Fabio<br />

De Giorgi im Vorfeld der Meisterschaft mit den<br />

Cromax-Produkten sehr gut trainiert.»<br />

Cromax-Training machte Teilnehmer fit<br />

Sie profitierten von dem umfangreichen Fachwissen<br />

von Peter Schär, Leiter Training,<br />

Cromax Schweiz, und Cromax-Anwendungstechniker<br />

Fabio De Giorgi sowie den hochentwickelten<br />

Systemlösungen von Cromax,<br />

mit denen sich das Beste aus dem gesamten<br />

Reparaturprozess herausholen lässt.<br />

Unter der fachkundigen Anleitung dieser<br />

Fachleute setzten sich die Lackierer/-innen<br />

am vorletzten Oktoberwochenende mit dem<br />

Thema Lackierung aus verschiedenen Perspektiven<br />

auseinander: Mit den leistungsstarken<br />

Lacksystemen und der innovativen<br />

Farbtontechnik von Cromax lassen sich Zeitaufwand,<br />

Material- und Energiekosten minimieren.<br />

Dabei lernten die Teilnehmer auch die<br />

aufeinander abgestimmten Prozesse und<br />

effizienten Produktsysteme von Cromax kennen,<br />

die alle darauf ausgerichtet sind, die<br />

Produktivität zu steigern.<br />

«Cromax gratuliert den Gewinnern und allen<br />

Teilnehmern der Meisterschaft», so Thomas<br />

Nussbaum, Geschäftsführer von Axalta in der<br />

Schweiz, und erläutert das Engagement des<br />

Unternehmens bei den SwissSkills: «Das Training<br />

und die Förderung von talentierten Nachwuchskräften<br />

unter den Carrosserielackierern/-innen<br />

liegt uns sehr am Herzen, sie<br />

stehen für hervorragende Leistungen und für<br />

die Zukunft der Carrosserie- und Lackierfachbetriebe<br />

in der Schweiz.»<br />

●<br />

Weitere Informationen<br />

über Cromax unter www.cromax.com/ch und<br />

über SwissSkills unter www.swiss-skills.ch<br />

Peter Schär, Leiter Training, Cromax Schweiz,<br />

übergibt der stolzen Gewinnerin Michèle Korn<br />

das von Cromax personalisierte IWATA-Set.<br />

(Foto: Cromax)<br />

carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>13


Bildung<br />

Förderkonzept für Betriebswirtschaft<br />

Vom Handwerker zum Unternehmer<br />

Betriebswirtschaft aktiv erleben<br />

und selber ausführen<br />

carrosserie suisse bietet ein neues Förderkonzept an zur Vermittlung der Grundlagen der Unternehmensführung.<br />

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Praxisbezug und dem direkten Anwenden im Alltag. Im Fokus<br />

stehen Finanz- und Rechnungswesen, Kommunikation, Personal, Marketing, Organisation und Prozesse.<br />

Der Kurs richtet sich einerseits an Unternehmer/-innen,<br />

die wenig betriebswirtschaftliche<br />

Kenntnisse vorweisen können<br />

oder diese auffrischen wollen, und<br />

andererseits an alle Personen im Reparaturgewerbe,<br />

die Fach- oder Führungsverantwortung<br />

tragen oder die planen,<br />

eine solche Aufgabenstellung in der nahen<br />

Zukunft zu übernehmen.<br />

«Die Teilnehmer werden die Betriebswirtschaft<br />

aktiv erleben und selber ausführen»,<br />

erklärt Kursleiter Roland A. Roth<br />

von roth quality service. Roth ist in der<br />

Fahrzeugreparaturbranche gross geworden,<br />

hat sich über die Meisterprüfung bis<br />

zum Bachelor BWL weitergebildet und<br />

arbeitet heute hauptberuflich für einen<br />

grossen Versicherer. Zudem begleitet er<br />

als Berater KMU genau zu den Themen,<br />

die in diesem Kurs im Fokus stehen.<br />

Nicht Vermittlung, sondern Erarbeitung<br />

von Wissen<br />

Die Grundlagen werden durch die einzelnen<br />

Teilnehmer mit E-Learning erarbeitet.<br />

Die Vertiefung der Stoffinhalte erfolgt vor<br />

Ort in grosszügigen Kursräumlichkeiten.<br />

Die Gruppengrösse ist auf rund zehn Personen<br />

pro Kurs begrenzt. Dies ermöglicht<br />

es, Einzel- und Gruppenarbeiten, Kurzpräsentationen<br />

und Videofeedback systematisch<br />

einzusetzen. So kann jeder<br />

Teilnehmer individuelle Lernfortschritte<br />

machen und die eigene Lernmethode verbessern.<br />

«In einem Standardkurs wird man mit<br />

Grundlagen vollgeladen, mehrheitlich<br />

Theorie, mit wenig oder keinen Handlungsinhalten,<br />

mit denen man das Gelernte<br />

direkt umsetzen kann», so Roth. «Bei<br />

mir ordnet ein Teilnehmer alleine oder in<br />

Gruppen die Themenfelder zu. Danach<br />

definiert er selbst Lösungen und Herangehensweisen<br />

an die Lösungen. Und<br />

zwar zu Problemstellungen aus dem<br />

eigenen Betrieb oder Alltag. Diese präsentiert<br />

er alleine oder in Gruppen in der<br />

Klasse.»<br />

Kursleiter Roland A. Roth von roth quality<br />

service agiert seit 44 Berufsjahren in der<br />

Autoreparaturbranche.<br />

Dynamischer Markt fordert neue Inhalte<br />

Mitglieder aus der ganzen Schweiz melden<br />

regelmässig dem Verband ihr Bedürfnis<br />

zum Thema Grundlagenausbildung<br />

in der Betriebsführung an. «Die<br />

Verbandsmitglieder sind sehr unterschiedlich<br />

strukturiert, doch alle sorgen<br />

sich um die Effizienz von Prozessen und<br />

dass sie im Markt durch die in einer hohen<br />

Dynamik stattfindende Kanalisierung<br />

tendenziell weniger Arbeit haben»,<br />

erklärt Roth seinen Ansatz, bei dem die<br />

Teilnehmer genau jene Handlungsfelder<br />

wählen, die ihrer Situation entsprechen.<br />

«Die Marktveränderungen und Aufgabenstellungen<br />

sind stark vernetzt und<br />

weisen eine hohe Dynamik auf. Dies verlangt<br />

von jeder Führungsfunktion zusätzliches<br />

Basiswissen und Zusatzkönnen.<br />

Mit diesen zehn Tagen bieten wir<br />

einen guten Start für die Geschäftsführung<br />

und eine sinnvolle Auffrischung<br />

an.»<br />

Die einzelnen Module<br />

››<br />

Finanz- und Rechnungswesen<br />

››<br />

Kommunikation: Grundlagen NLP (Kommunikationstechniken)<br />

››<br />

Personal<br />

››<br />

Kommunikationspraxis NLP<br />

››<br />

Marketing<br />

››<br />

Organisation & Prozesse<br />

Der Lehrgang «Vom Handwerker zum<br />

Unternehmer» startet am Freitag,<br />

5. März 2021, und dauert bis zum<br />

19. Juni 2021. Es sind 10 Schultage mit<br />

90 Lektionen. Durchgeführt wird er in<br />

den Räumlichkeiten von carrosserie<br />

suisse in Zofingen.<br />

●<br />

Henrik Petro<br />

14 carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>


Bildung<br />

Weiterbildungsangebot<br />

Simon Moser, Niederhauser Fahrzeugbau AG<br />

Von der Berufsmeisterschaft zur<br />

Berufsprüfung<br />

«Es ist wichtig, dass man Fachkräfte im eigenen Unternehmen halten kann und diese in spezifischen<br />

Schulungen weiterbildet», sagt Simon Moser. Durch die Weiterbildung zum Werkstattkoordinator erhielt<br />

er im neuen Job mehr Verantwortung. Das gefiel ihm so gut, dass er bis zur Berufsprüfung weitermachte.<br />

Wer einen Tag vor Heiligabend Geburtstag<br />

hat, muss eben selbst dafür sorgen, dass<br />

es auch unter dem Jahr Grund zum Feiern<br />

gibt. Mit Geburtsdatum 23. Dezember 1994<br />

konnte der gelernte Fahrzeugschlosser<br />

Simon Moser aus Rubigen in den letzten<br />

Jahren mehrere erfolgreiche Aus- und<br />

Weiterbildungen feiern. «Da sich die Nutzfahrzeuge<br />

stetig weiterentwickeln, muss<br />

man am Ball bleiben und darf den Anschluss<br />

nicht verlieren. Die Arbeiten werden<br />

immer komplexer, und dies bei einem<br />

gleichzeitigen Mangel an Fachkräften», so<br />

Moser. Diese Einstellung hat sich gelohnt,<br />

denn bereits mit 25 wurde er Werkstattleiter<br />

bei der Niederhauser Fahrzeugbau AG<br />

in Ostermundigen. Er führt dort im Fahrzeugbau<br />

(«Wir haben auch eine Autogarage,<br />

eine Anhängerreparatur und eine<br />

Service-Abteilung») ein Team mit sieben<br />

Mitarbeitern. Vor zwei Jahren schloss er<br />

den Werkstattkoordinator ab. «Da lernt<br />

man viel über Projektmanagement, allgemeine<br />

Planung und Mitarbeiterführung»,<br />

erinnert er sich. Dieses Jahr folgte der Carrosseriefachmann<br />

im Fachbereich Fahrzeugbau.<br />

«Am meisten konnte ich von der<br />

Hydraulik und Elektrik profitieren, da ich in<br />

diesem Bereich noch am meisten Defizite<br />

hatte. Das Coole an unserer Klasse war,<br />

dass sie aus vielen unterschiedlichen Leuten<br />

aus verschiedenen Branchen zusammengesetzt<br />

war. So konnten wir Erfahrungen<br />

austauschen und voneinander<br />

profitieren. Der ganze Lehrgang ist gelungen,<br />

ich kann ihn jedem weiterempfehlen.»<br />

Weiterbildungsplanung entwickelte<br />

sich fortlaufend<br />

Moser machte sich den Schwung zunutze<br />

und nahm übergangslos die Berufsprüfung<br />

ins Visier, die mit dem eidg. Werkstattleiter<br />

abschliesst. «Das Schwierige<br />

Simon Moser schloss seine Grundbildung zum Fahrzeugschlosser EFZ 2014 ab. Seither hat er es<br />

weit gebracht – dank Weiterbildungen.<br />

an der Berufsprüfung ist, dass man im<br />

Gegensatz zu den Verbandslehrgängen<br />

auf sich allein gestellt ist. Es werden Informationsanlässe<br />

organisiert und besucht,<br />

aber danach muss sich wieder jeder<br />

Einzelne selbst mit den Themen befassen.<br />

Zum Glück unterstützt man sich gegenseitig<br />

unter den Studierenden.»<br />

Er sei ein guter Lehrling gewesen, weil er,<br />

wie Moser sagt, «von guten Arbeitskollegen<br />

begleitet wurde». Das führte ihn bis<br />

an die Schweizer Berufsmeisterschaft.<br />

Nach Lehre und Rekrutenschule war er<br />

zunächst froh, keine Ziele mehr erreichen<br />

zu müssen. «Ich habe jedoch schnell bemerkt,<br />

dass ich noch einen Schritt weiter<br />

kommen möchte. Mein Wissensdurst war<br />

gross, und so entschied ich mich zum<br />

Werkstatkoordinator mit dem Ziel, in naher<br />

Zukunft die Werkstatt in Richtung<br />

Büro zu verlassen.» Am besten dabei gefallen<br />

hat ihm das Thema Recht: «Ein<br />

trockener Stoff, der aber von einem äusserst<br />

guten Dozenten nähergebracht<br />

wurde. Mit dem Einbringen von Alltagsbeispielen<br />

wurde es extrem spannend.<br />

Durchwegs gute Erfahrungen<br />

Beim Carrosseriefachmann sei jeder Teil<br />

spannend gewesen. «Ein grosses Lob an<br />

die Dozenten, die unterschiedlichen Themen<br />

wurden gut vorbereitet und durch alltägliche<br />

Beispiele nähergebracht.» Besonders<br />

beeindruckt hat ihn der Praxiskurs bei<br />

der Carrosserie Rusterholz: «Es ging um<br />

die Herstellung von Gerippekonstruktionen.<br />

Meine Vorkenntnisse waren gut, aber<br />

in dem Kurs wurden sie perfektioniert.»<br />

Man müsse sich aber doch bewusst sein,<br />

dass eine Weiterbildung immer mit einem<br />

Mehraufwand verbunden ist – sowohl<br />

von der Zeit her als auch finanziell. «Aber<br />

je höher das Interesse an der Thematik<br />

ist, umso leichter fällt es einem.» ●<br />

Text: Henrik Petro<br />

Foto: Simon Moser<br />

carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>15


Bildung<br />

Kursvorschau<br />

carrosserie-suisse-Scheibenkonzept<br />

Reparieren statt Ersetzen lohnt<br />

sich – auch für den <strong>Carrossier</strong><br />

Die Kosten von Glasschäden sind in den letzten Jahren stark angestiegen. Die Versicherer wünschen<br />

daher eine höhere Reparaturquote, um diese Kosten zu senken. Das «Scheibenkonzept» ermöglicht dem<br />

<strong>Carrossier</strong>, dem Kunden die Reparatur zu vorteilhaften Bedingungen anzubieten.<br />

Beat Küffer (Mitte) schult die Gruppe direkt am Objekt.<br />

Thomas Ingold (l.) erklärt, worauf der Kursteilnehmer achten muss.<br />

Aufgrund eines grösseren Glasanteils am<br />

Fahrzeug und einer höheren Verkehrsdichte<br />

haben die Gesamtkosten zugenommen.<br />

Assekuranzen möchten dem entgegentreten<br />

und wünschen sich mehr «Reparieren<br />

statt Ersetzen». Jedes carrosserie-suisse-<br />

Mitglied kann sich am Scheibenkonzept<br />

beteiligen. Bedingung ist eine einmalige<br />

Anmeldung und die Teilnahme an einem<br />

halbtägigen, exklusiven Scheibenkurs.<br />

Scheibenreparatur in Theorie und Praxis<br />

Da die Reparatur im Fokus steht, muss ein<br />

teilnehmender Betrieb diese fachgerecht<br />

ausführen können. Der gemeinsam von<br />

carrosserie suisse und Trösch Autoglas<br />

AG durchgeführte halbtägige Kurs besteht<br />

aus einem Theorie- und einem Praxisteil.<br />

Martin Leutenegger von der Leutenegger<br />

Carrosserie & Spritzwerk GmbH<br />

in Flawil SG hat diesen Kurs Ende August<br />

absolviert: «Meine Erwartungen wurden<br />

definitiv erfüllt.»<br />

Im ersten Theorieteil wird den Kursteilnehmern<br />

vermittelt, warum es ein Scheibenkonzept<br />

gibt – nämlich aufgrund des<br />

Verlustes des Scheibengeschäfts an andere<br />

Marktplayer. Weitere Themen sind<br />

Rahmenbedingungen bzw. Konditionen,<br />

wichtige Angaben zur Verrechnung und<br />

die Vermarktung durch den Betrieb bei<br />

den zuständigen Generalagenturen der<br />

Partnerversicherungen. Ebenso werden<br />

die Kursteilnehmer sensibilisiert, dem<br />

Kunden die Möglichkeit einer Reparatur<br />

statt eines Glasersatzes aufzuzeigen.<br />

Der zweite Theorieteil dreht sich um die<br />

verschiedenen Arten von Steinschlägen<br />

und die Machbarkeit von Reparaturen. Den<br />

praktischen Teil leiten in der Regel Beat<br />

Küffer (Deutschschweiz) und Thomas Ingold<br />

(Tessin) von der Trösch Autoglas AG.<br />

Auch für «alte Hasen» ist dieser Kleinkurs<br />

interessant, denn es werden Fachkenntnisse,<br />

Handhabungen und Abläufe aufgefrischt,<br />

indem eine komplette Reparatur bis<br />

ins Detail mit nützlichen Hinweisen erklärt<br />

wird. Im praktischen Teil können die Teilnehmer<br />

die vorgezeigten und vermittelten<br />

Informationen 1:1 anwenden und verschiedene<br />

Steinschläge an Frontscheiben reparieren.<br />

Leuteneggers Fazit: «Alles am Kurs<br />

war interessant, vor allem aber derpraktische<br />

Teil und dass man Fachleuten über<br />

die Schulter schauen konnte, wie sie es<br />

machen. Hinsichtlich Geräten wird man auf<br />

den neusten Stand gebracht. Das führte<br />

dazu, dass wir unser Gerät ersetzt haben.»<br />

Das Geschäft im Haus behalten<br />

Das Scheibenkonzept ist wirtschaftlich interessant<br />

für eine Glasreparatur ausgelegt.<br />

Nochmals Leutenegger: «Der grosse Vorteil<br />

für uns ist, dass jede Glasreparatur – ob<br />

mit Selbstbehalt oder nicht – bei den Partnerversicherungen<br />

ähnlich abge wickelt<br />

wird.» Es kann sich auch positiv auf die<br />

Gewinnung von Neukunden auswirken.<br />

Denn diese würden ihre Scheiben sonst bei<br />

einem der mobilen Mitbewerber reparieren<br />

lassen. Das Know-how zur Scheibenreparatur<br />

wird in Zukunft an Bedeutung zunehmen,<br />

denn die Scheiben werden (u.a. durch<br />

die Kameras der verschiedenen Assistenzsysteme)<br />

immer komplexer, sodass nur eine<br />

fachmännisch ausgeführte Glasreparatur<br />

das gewünschte Ergebis erreicht. Auch für<br />

die Zusammenarbeit mit Versicherungen<br />

macht das Know-how den Betrieb attraktiver,<br />

denn, wie eingangs erwähnt, begrüsst<br />

die Versicherung – auch als Kunde – eine<br />

Reparatur. <br />

●<br />

Text: Henrik Petro<br />

Bilder: Bruno Moser<br />

16 carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>


Bildung<br />

Kursübersicht <strong>2020</strong>/2021<br />

Kursübersicht <strong>2020</strong>/2021<br />

Anmeldungen nehmen wir gerne über unsere Website www.carrosseriesuisse.ch entgegen.<br />

Die Kurse finden Sie stets aktualisiert unter www.carrosseriesuisse.ch > Kursangebote.<br />

Branchenspezifische Berufsbildnerkurse<br />

Kurs Anmeldeschluss Kursdaten Kursort<br />

BBK-carrosserie suisse 2021-01 30.<strong>08</strong>.2021 13.09.–22.09.2021 Bern BE<br />

BBK-carrosserie suisse 2021-02 05.10.2021 19.10.–27.10.2021 Zofingen AG<br />

BBK-carrosserie suisse 2021-03 09.11.2021 23.11.–<strong>08</strong>.12.2021 Zürich ZH<br />

Betriebswirtschaftliche Kurse<br />

Kurs Anmeldeschluss Kursdaten Kursort<br />

Vom Handwerker zum Unternehmer – 05.03.–19.06.2021 Zofingen AG<br />

Restaurierungsberatung IgF<br />

Kurs Anmeldeschluss Kursdaten Kursort<br />

Modul A – Betreuen von Kunden historischer Fahrzeuge 05.02.2021 05.03.–14.<strong>08</strong>.2021 Baden AG<br />

Modul B – Festlegen des Restaurierungsaufwands 06.02.2021 06.03.–13.<strong>08</strong>.2021 Baden AG<br />

Modul C – Abwickeln des Kundenauftrags 10.03.2021 10.04.–29.05.2021 Baden AG<br />

Technik<br />

Kurs Anmeldeschluss Kursdaten Kursort<br />

Arbeitssicherheit Hochvoltsysteme 04.01.2021 14.–15.01.2021 Reiden LU<br />

Arbeitssicherheit Hochvoltsysteme 05.04.2021 15.–16.04.2021 Reiden LU<br />

Arbeitssicherheit Hochvoltsysteme 15.11.2021 25.–26.11.2021 Reiden LU<br />

TOP-Ausbildungsbetrieb<br />

Kurs Anmeldeschluss Kursdaten Kursort<br />

Einstiegskurs – 14.01.2021 St. Gallen SG<br />

Einstiegskurs – 01.02.2021 Basel BS<br />

Einstiegskurs – 02.02.2021 Thun BE<br />

Einstiegskurs – <strong>08</strong>.02.2021 Zürich ZH<br />

Einstiegskurs – 03.03.2021 Luzern LU<br />

Einstiegskurs – 10.03.2021 Brig-Glis VS<br />

Einstiegskurs – 23.03.2021 Bellinzona TI<br />

Einstiegskurs – 25.03.2021 Lausanne VD<br />

Mithilfe des Ausbildungsberichts nachhaltig ausbilden – 10.06.2021 Basel BS<br />

Mithilfe des Ausbildungsberichts nachhaltig ausbilden – 15.06.2021 St. Gallen SG<br />

Mithilfe des Ausbildungsberichts nachhaltig ausbilden – 17.06.2021 Thun BE<br />

Mithilfe des Ausbildungsberichts nachhaltig ausbilden – 23.06.2021 Zürich ZH<br />

Mithilfe des Ausbildungsberichts nachhaltig ausbilden – 01.07.2021 Luzern LU<br />

Mithilfe des Ausbildungsberichts nachhaltig ausbilden – 29.07.2021 Brig-Glis VS<br />

Entdeckendes Lernen – 12.04., 17.05.2021 St. Gallen SG<br />

Entdeckendes Lernen – 15.04., 20.05.2021 Basel BS<br />

Entdeckendes Lernen – 20.04., 25.05.2021 Thun BE<br />

Entdeckendes Lernen – 22.04., 27.05.2021 Bellinzona TI<br />

Entdeckendes Lernen – 27.04., 09.06.2021 Lausanne VD<br />

Entdeckendes Lernen – 28.04., 26.05.2021 Zürich ZH<br />

Entdeckendes Lernen – 29.04., 03.06.2021 Luzern LU<br />

Entdeckendes Lernen – 24.05., 24.06.2021 Brig-Glis VS<br />

carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>17


Bildung<br />

Lehrabschlussprüfungen <strong>2020</strong><br />

carrosserie suisse zentralschweiz<br />

Das Glück auf unserer Seite<br />

Bereits sind wieder ein paar Wochen seit dem Qualifikationsverfahren vergangen – alle Ausweisdokumente<br />

und Schulzeugnisse sind zugestellt. Jetzt liegen die Resultate vor und wir dürfen stolz auf unseren<br />

Berufsnachwuchs zurückblicken, da sämtliche Prüfungen mit Erfolg abgeschlossen wurden.<br />

Mike Holdener (l.), QV-Absolvent <strong>Carrossier</strong><br />

Lackiererei EFZ, Deck GmbH, Morschach, und<br />

Bruno Hübscher, QV-Kommission carrosserie<br />

suisse zentralschweiz.<br />

Die für uns alle völlig unerwartet eingetroffene<br />

neue Situation rund um CO­<br />

VID-19 forderte die gesamte QV-Organisation<br />

von carrosserie suisse inklusive<br />

unseres jungen Berufsnachwuchs in den<br />

vergangenen Monaten.<br />

Es ist mir als verantwortlichem Chefexperten<br />

ein grosses Anliegen, allen beteiligten<br />

QV-Absolventen, Fachexperten und Helfern<br />

zu danken. Jede/r stand persönlich oder im<br />

Hintergrund einer speziellen Herausforderung<br />

in dieser intensiven Zeit gegenüber.<br />

Damian Kupferschmid (l.), QV-Absolvent<br />

Lackierassistent EBA mit seinem Lehrmeister<br />

Stefan Mahler, Carrosserie Luzern AG, Luzern.<br />

Der plötzliche Stopp der laufenden QV-<br />

Vorbereitungen, wie auch die Schliessung<br />

der ÜK-Center und Schulen, beeinflusste<br />

und verunsicherte alle Beteiligten.<br />

Durch eine vorzügliche Unterstützung<br />

des Prüfungsleiters Roger Maurer<br />

(Kanton Luzern) sowie unseres Dachverbands<br />

carrosserie suisse, vertreten<br />

durch Bettina Brändle, und die guten<br />

Voraussetzungen in unserem Ausbildungszentrum<br />

Ebikon, geführt von Marcel<br />

Kaufmann und seinen ÜK-Leitern,<br />

Michael Weber (l.), QV-Absolvent <strong>Carrossier</strong><br />

Spenglerei EFZ, Lisibach Carrosserie AG, Zug,<br />

und Jürg Zurkirchen, Chefexperte carrosserie<br />

suisse zentralschweiz.<br />

durften wir doch das Glück in Anspruch<br />

nehmen, für unsere rund 60 Prüfungsabsolventen<br />

in den entsprechenden<br />

Berufssparten faire und anforderungsgerechte<br />

COVID-19-Voraussetzungen<br />

zu schaffen.<br />

Rückblickend darf unser Expertenteam<br />

mit einem gewissen Stolz erfüllt sein,<br />

dass die Bewältigung dieser Herausforderung<br />

ausserordentlich gut geglückt<br />

ist und es keine erwähnenswerten<br />

Vorkommnisse gab.<br />

Dominik Alves Teixeira (l.), QV-Absolvent <strong>Carrossier</strong> Spenglerei EFZ, mit<br />

seinem Ausbildner Toni Stirnimann, Carrosserie Soland AG, Luzern.<br />

V. l.: Thomas Jauch, Präsident carrosserie suisse zentralschweiz, Ivan<br />

Riebli, QV-Absolvent Fahrzeugschlosser EFZ, Dominik Rohrer, stv.<br />

Werkstattleiter, und Mario Jöri, Werkstattleiter Sutter AG Fahrzeugbau,<br />

Lungern.<br />

18 carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>


Bildung<br />

premiazione neodiplomati<br />

Dies widerspiegelt sich in den Prüfungserfolgen<br />

unserer jungen Berufsleute.<br />

Leider mussten wir aus bekannten Gründen<br />

auf die bereits traditionelle gemeinsame<br />

QV-Auszeichnung in Ebikon verzichten<br />

und werden die besten QV-<br />

Leistungen auf dem Postweg ehren. In<br />

diesem Sinne blicken wir vollen Mutes in<br />

die Zukunft, hoffen und freuen uns, ein<br />

«normales» QV 2021 im nächsten Jahr<br />

wieder durchführen zu dürfen. ●<br />

Jürg Zurkirchen, Chefexperte<br />

carrosserie suisse ticino<br />

Cerimonia di premiazione<br />

neodiplomati carrozzieri<br />

Gilles Fontana (Cugnasco), miglior carrozziere lattoniere AFC, con<br />

Daniele Di Leo, titolare della Di Leo Motors SA a S. Antonino.<br />

Gabriele Manunta (Italia), miglior carrozziere verniciatore AFC, con Riad<br />

Hotlani , maestro di tirocinio della Carrozzeria Remorino SA a Minusio.<br />

I giovani neodiplomati carrozzieri, che<br />

hanno conseguito i migliori risultati alle<br />

procedure di qualificazione dello scorso<br />

mese di giugno, accompagnati dal loro<br />

rispettivo datore di lavoro, sono stati accolti<br />

dal Presidente Leonardo Monzeglio<br />

individualmente su appuntamento distanziato<br />

per attenerci rigorosamente<br />

alle vigenti disposizioni di protezione della<br />

salute.<br />

La cerimonia di premiazione si è svolta<br />

giovedì 19 novembre presso il Centro di<br />

formazione professionale a Giubiasco in<br />

tutta semplicità, senza invitati né aperitivo,<br />

durante la quale il Presidente Leonardo<br />

Monzeglio ha espresso i complimenti<br />

ai giovani per l’ottimo risultato conseguito<br />

agli esami di fine tirocinio con l’invito a<br />

continuare nella formazione professionale.<br />

I datori di lavoro invece sono stati ringraziati<br />

per il loro impegno nella formazione<br />

di apprendisti.<br />

carrosserie suisse ticino ringrazia ESA<br />

Giubiasco, 3M, JASA e Glas Trösch Autoglas<br />

per i ricchi premi messi a disposizione<br />

per la premiazione.<br />

Gli elenchi dei neodiplomati carrozzieri<br />

erano già pubblicati nel «carrossier», edizione<br />

numero 6.<br />

●<br />

Aldo Stoffel<br />

Stefan Peric (Airolo), miglior media esami di assistente verniciatore CFP,<br />

con Michael D’Antino, titolare della Torpedo 2000 SA a Bodio.<br />

Luca Ferreira Cardoso (Lodrino), miglior lavoro pratico di assistente verniciatore<br />

CFP, con Remo Gianoli della Carrozzeria Ferrari Alfons SA a Giubiasco.<br />

carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>19


Technik<br />

Carrosseriereparatur<br />

Bentley Continental GT<br />

Ein britischer Bolide<br />

mit deutschen Wurzeln<br />

Der Bentley Continental GT ist ein edles, schnelles Luxus-Coupé aus deutscher Produktion. Während der<br />

Aachener Karosserietage konnte der «carrossier» Details zur Carrosserie erfahren.<br />

Seit 2003 fertigt der Volkswagenkonzern den Bentley Continental GT. Das Fahrzeug gibt es mit leichten Modifikationen nun schon in der dritten<br />

Generation. (Foto: Bentley)<br />

Seit März 2018 fertigt die Volkswagen-Tochter<br />

Bentley die dritte Generation<br />

des Continental GT, die gegenüber<br />

dem Vorgänger etwas länger und<br />

breiter geworden ist. Die Abmessungen<br />

betragen in der Länge 4850 mm, in<br />

der Breite 1966 mm und in der Höhe<br />

Historie Bentley Motors Ltd.<br />

Die Geschichte der Marke<br />

1405 mm. Der Radstand misst 2851 mm.<br />

Je nach Ausstattung variiert das Leergewicht<br />

zwischen 2165 und 2244 kg. Die<br />

Motorleistung von 467 kW (635 PS)<br />

kommt aus einer Weiterentwicklung des<br />

W12-Ottomotors und wird an vier Räder<br />

abgegeben.<br />

Die Automarke Bentley Motors Ltd. wurde im Januar 1919 im Londoner Stadtteil Cricklewood<br />

von Walter Owen Bentley gegründet, der vorher mit seinem Bruder unter dem Namen Bentley<br />

& Bentley einen Handel für den französischen Automobilhersteller DFP betrieben hatte. Viele<br />

Jahre lang war Bentley lediglich der Markenname für geringfügig modifizierte PW von Rolls-Royce,<br />

nachdem Rolls-Royce Ltd. im Jahr 1931 die damalige Bentley Motors Ltd. übernommen<br />

hatte. Im Zuge des Verkaufs der Markenrechte am Namen «Rolls-Royce» an den BMW-Konzern<br />

wurde Rolls-Royce Motors in Bentley Motors umbenannt. Bentley Motors Ltd. ist ein britischer<br />

Automobilhersteller und offizieller Hoflieferant der britischen Königsfamilie. Das Unternehmen<br />

gehört seit 1998 der Volkswagen AG und der Firmensitz ist seit 2002 in Crewe.<br />

Den Continental GTC (C = Cabriolet) liefert<br />

Bentley seit Mai 2019 ebenfalls in<br />

der dritten Generation aus. Motorisierung<br />

und Fahrleistung sind ähnlich wie<br />

beim Coupé. Auf 100 km/h beschleunigt<br />

der GTC in 3,8 Sekunden. Die maximale<br />

Geschwindigkeit gibt der Hersteller mit<br />

333 km/h an. Wie schon seine Vorgänger,<br />

hat das aktuelle GT Cabriolet ein<br />

Stoffdach und dadurch nur eine Höhe<br />

von 1399 mm. Man beachte: Die fehlende<br />

stabilisierende Dachkonstruktion<br />

wird beim Cabriolet mit Verstärkungen<br />

in der Carrosserie ausgeglichen, was zu<br />

einem Mehrgewicht gegenüber dem<br />

Coupé von 170 kg führt.<br />

Mit einer Leichtbaucarrosserie in Stahlund<br />

Aluminium-Hybridbauweise haben<br />

die Ingenieure die Forderungen nach<br />

Festigkeit und Stabilität bei gleichzeitig<br />

20 carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>


Technik<br />

Carrosseriereparatur<br />

möglichst geringem Gewicht erfüllt. Der<br />

Fahrzeugbauer fertigt den Continental<br />

GT auf der MSB-Plattform (modularer<br />

Standardantrieb-Baukasten), die er auch<br />

beim Porsche Panamera nutzt. Auf dieser<br />

Plattform sind sechs Aufbauvarianten<br />

und vier Radstände geplant, die<br />

alle in einer Fertigungslinie im Werk<br />

Leipzig produziert werden können. Die<br />

MSB-Plattform ist die Basis für den Einsatz<br />

von Stahl- und Luftfederfahrwerken,<br />

für Heck- und Allradkonfigurationen<br />

sowie für verschiedene Getriebe und<br />

Raddimensionen.<br />

Carrosserie aus drei Modulen<br />

Die Carrosserie der MSB-Plattform<br />

setzt sich aus den Modulen Vorderwagen,<br />

Boden Mitte und Hinterwagen zusammen.<br />

Die Leichtbaucarrosserie besteht<br />

zu 65 Prozent aus Stahl- und zu<br />

31 Prozent aus Aluminiumbauteilen. Die<br />

gesamte Aussenhaut mit Motorhaube,<br />

Kotflügeln, Türen, Seitenteilen hinten<br />

und das Dachpaneel fertigt der Autobauer<br />

aus dem Leichtbauwerkstoff Aluminium.<br />

Die Heckklappe ist in Kunststoff<br />

ausgeführt. Auch der Vorderwagen besteht<br />

aus Aluminiumblechen und die<br />

Federbeindome sowie die Stirnplatten<br />

am Längsträger vorne werden als Aluminium-Druckgussteil<br />

angeliefert. Der<br />

Stossfängerquerträger vorne mit den<br />

beiden Crashboxen wird als geschraubtes<br />

Alu-Systemteil montiert.<br />

In der Carrosseriestruktur kommen vermehrt<br />

warmumgeformte Stahlbleche<br />

zum Einsatz. Sie finden sich in der A-<br />

und B-Säule ebenso wie im Dach rahmen<br />

von der A-Säule oben bis zur C-Säule<br />

oben. Als Verstärkungen im Bodenbereich<br />

sind seitlich am Tunnel innen und<br />

zusätzlich vor den Sitzquerträgern<br />

höchstfeste Blechteile integriert. Neu im<br />

Carrosseriebau ist der Einsatz warmumgeformter<br />

Bleche im gesamten<br />

Schwellerbereich, was wegen der leichten<br />

Aluminium-Aussenbeplankung erforderlich<br />

ist.<br />

Sicherheit in der Fahrgastzelle<br />

An der unlackierten Rohbaucarrosserie<br />

ist von der Stirnwand bis zum Fersenblech<br />

im Fond der vielfältige Einsatz von<br />

Stahlblechen verschiedenster Güten<br />

sowie Aluminiumblechen, -strangpressprofilen<br />

und -gussteilen zu erkennen.<br />

Der Vorderwagen ist in Aluminiumbauweise gefertigt. Bleche, Druckgussbauteile und Strangpressprofile<br />

werden genietet, verschraubt, geschweisst oder geclincht.<br />

Das Seitenteil hinten ist ein grosses, komplexes Bauteil, das sich von der A-Säule über Schweller<br />

und Dachrahmen bis zum Heckabschluss erstreckt.<br />

Die grossen Aluminiumtüren gewähren einen leichten Zugang zum leistungsstarken Luxus-Coupé.<br />

Gut sichtbar auch die höchstfesten Verstärkungen (dunkle Bleche) an Tunnel und Stirnwand.<br />

carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>21


Technik<br />

Carrosseriereparatur<br />

Im Türöffnungsbereich wird das Seitenteil<br />

mittels Rollfalzen an die Stahlstruktur gefügt.<br />

Um Verschiebungen zu vermeiden, wird das<br />

Aluminiumbauteil durch Knabberpunkte fixiert.<br />

Die Carrosserie des Bentley Continental GT hat eine Aussenbeplankung aus Aluminium und eine<br />

Stahlstruktur innen.<br />

Bentley Continental GT<br />

Das erste Modell unter VW<br />

Der Continental GT (GT = Gran Turismo)<br />

ist ein Luxus-Coupé des britischen Herstellers<br />

Bentley Motors Limited, einer<br />

Tochterfirma der Volkswagen AG. Er ist<br />

der erste Bentley, der unter der Regie<br />

von Volkswagen entwickelt wurde. Viele<br />

Fahrzeugteile stammen aus dem<br />

VW-Baukasten, zum Beispiel der W12-Zylinder-Motor,<br />

in diesem Fall mit Turbolader.<br />

Auch der Allradantrieb, die Luftfederung,<br />

das Automatikgetriebe und die<br />

Fahrzeugelektrik/-elektronik kommen<br />

von bestehenden Konzernmodellen.<br />

Serienmässig erhielt die erste Generation<br />

des Modells unter anderem eine Volllederausstattung,<br />

Schaltwippen am Lenkrad,<br />

ein Infotainmentsystem mit Navigationssystem,<br />

einen DVD-Spieler, ein<br />

12-Kanal-HiFi-System und eine Multizonen-Klimaautomatik.<br />

Präsentiert wurde<br />

die erste Generation 2003 in Genf, gefertigt<br />

von 2003 bis 2011.<br />

Die zweite Generation des Bentley Continental<br />

GT wurde im Herbst 2010 in Paris<br />

vorgestellt. Sie wurde in ihrer Grösse und<br />

Optik nur wenig verändert. An der Front<br />

wurden die Scheinwerfer sowie die Stossfänger<br />

überarbeitet. Am Heck sind flacher<br />

gestaltete Rückleuchten und eine geänderte<br />

Heckklappe zu erkennen. Der Zwölfzylinder<br />

leistete jetzt 423 kW (575 PS), und<br />

es wurde ein V8-Ottomotor mit Doppelturboaufladung<br />

und 373 kW (507 PS) Leistung<br />

angeboten.<br />

Die dritte Generation des Bentley Continental<br />

GT wird seit März 2018 im Porsche-Werk<br />

gefertigt.<br />

Nur mit einer Materialgrafik als «Wegweiser»<br />

kann der <strong>Carrossier</strong> zuverlässig<br />

den Einbauort jedes einzelnen Materials<br />

bestimmen.<br />

Die Stirnwand besteht aus hochfestem<br />

Stahlblech, das auf der Innenseite ein<br />

warmumgeformter, höchstfester Querträger<br />

zusätzlich verstärkt. Dieser Stirnwand-Querträger,<br />

eine Entwicklung von<br />

Porsche, hat grossen Einfluss auf die<br />

Crash-Eigenschaften. Er ist als komplex<br />

geformtes Rohr ausgelegt und aus<br />

einem borlegierten Stahl mit 1500 MPa<br />

Zugfestigkeit gefertigt.<br />

Zwar gibt es bereits hochfeste Bor-<br />

Stahlrohre dieser Art. Doch in der Form,<br />

Krümmung und Querschnittsveränderung<br />

kann man dies als Pionierarbeit<br />

bezeichnen. In einem Hot-Blow-Forming-Verfahren<br />

verändern die Fahrzeugbauer<br />

das Vierkantrohr in glühendem<br />

Zustand in Form und Querschnitt.<br />

Hierfür erwärmen sie das Bauteil auf<br />

950 °C und formen es mit 950 bar um.<br />

Anschliessend schrecken sie das Bauteil<br />

mit Wasser ab.<br />

Im Carrosseriebereich «Boden Mitte»<br />

treffen am Tunnel oben ein warmumgeformtes<br />

Blech, seitlich ein hochfestes<br />

Blech und das Bodenblech aus Aluminium<br />

zusammen. Zudem sind die Sitzquerträger<br />

als Strangpressprofilen<br />

(Alu) und der Tunnelabschluss im Anschluss<br />

zum Fersenblech als Druckgussbauteil<br />

(Alu) ausgeführt. Auch im<br />

Hinterwagen setzt sich dieses Konstruktionsprinzip<br />

fort: mit leichten Aluminiumblechteilen<br />

in den Flächen und<br />

höchstfesten Strukturstahlblechen (z.B.<br />

Radhaus, teilweise Längsträger und<br />

Stossdämpferaufnahme).<br />

Seitenteil hinten<br />

Das Seitenteil hinten wurde im Gespräch<br />

mit den Ingenieuren der Carrosserieentwicklung<br />

als «echte Herausforderung»<br />

bezeichnet. Das betrifft sowohl<br />

die Produktion dieses Aluminium-Blechteils<br />

als auch dessen Befestigung an<br />

der Carrosseriestruktur des Bentley<br />

Continental GT.<br />

Besagtes Teil hat im fertigen, umgeformten<br />

Zustand die ungefähren Abmessungen<br />

von 310 cm Länge und 120 cm Höhe<br />

sowie eine Ziehtiefe von 25 cm. Genau<br />

genommen, ist es ein Carrosserieaussenhautteil<br />

als Seitenwand und<br />

Dachrahmen sowie ein innenliegendes<br />

Blechteil, das die A-Säule innen und den<br />

Schweller verblendet. Zusätzlich wird<br />

die Komplexität dieses Blechteils durch<br />

eine auffällige, scharfe Designkante in<br />

der Fläche über dem Radhaus, die vom<br />

Fuss der B-Säule über den Radlauf bis<br />

zum Heckabschluss verläuft, erhöht.<br />

Zum genauen Umformverfahren der<br />

Blechplatine zum Blechteil «Seitenwand<br />

hinten» war nur zu erfahren, dass die Aluminium-Platine<br />

vor dem Tiefziehen auf<br />

350 °C vorgewärmt wird.<br />

22 carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>


Technik<br />

Carrosseriereparatur<br />

Die Anbindung dieses grossen Alu-<br />

Blechteils an die Stahlstruktur der Carrosserie<br />

erfolgt mit unterschiedlichen<br />

Fügeverfahren: An der A-Säule und am<br />

Schweller unten kommen das Stanznieten<br />

und das Verschrauben zum Einsatz.<br />

Im Bereich des Heckabschlussbleches<br />

wird das Clinchen angewendet. Im grossen<br />

Türöffnungsbereich mit hinterem<br />

Seitenfenster(!) wird die Anbindung mittels<br />

Rollfalzen und einem Klebstoffeintrag<br />

durchgeführt. Hier wird das Seitenteil<br />

teilweise über zwei pressgehärtete<br />

Stahlbleche gefügt. Weil sich hier<br />

das Blechteil mit dem weichem Klebstoff<br />

eintrag, der erst im KTL-Prozess<br />

aushärtet, nach dem Rollfalzen verschieben<br />

kann, wird es im Türöffnungsbereich<br />

durch die neue Fixiertechnologie<br />

des «Knabberns» gehalten. Mit bis zu 15<br />

Knabberpunkten pro Seite wird das Seitenteil<br />

lokal geprägt und fixiert. Dadurch<br />

ist ein Verschieben bis nach dem KTL-<br />

Prozess sichergestellt.<br />

Um die Seitenwände mit dem Dachpaneel<br />

verbinden zu können, ist ein aufwendiger<br />

Spannprozess in der Fertigung<br />

notwendig. Mit der Fügetechnik des Laserschweissens<br />

wird dann eine Verbindung<br />

Seitenwand/Dachplatine erzeugt,<br />

die als Kante an der Carrosserie fast<br />

unsichtbar bleibt.<br />

Überwiegend kalte Fügetechnik<br />

Wie aufgezeigt, werden beim neuen<br />

Bentley Continental GT Bauteile aus<br />

Stahl und Aluminium sowie Alu-Druckguss<br />

gefügt. Gerade für das Verbinden<br />

der Seitenteile aus Aluminium mit der<br />

hochfesten Stahlstruktur haben die Ingenieure<br />

das Rollfalzen wiederentdeckt.<br />

Zusätzlich sorgt ein Klebstoffauftrag für<br />

Festigkeit und isoliert die Materialien<br />

Stahl und Aluminium. Als weitere Fügeelemente<br />

werden FDS-Schrauben,<br />

Stanznieten, Widerstandsschweisspunkte<br />

und Clinchpunkte in den Carrosseriebau<br />

eingebracht. Ergänzend kommen MIG-<br />

Lötnaht, MAG-Schweissen und Laserschweissen<br />

dazu. Mit einem Klebstoffauftrag<br />

auf ca. 130 m gewinnt die<br />

Carrosserie nochmals an Festigkeit,<br />

Stabilität und Torsionssteifigkeit.<br />

Der Carrosseriebau des Bentley Continental<br />

GT, der in vielen Bereichen mit<br />

dem des Porsche Panamera übereinstimmt,<br />

zeigt die aktuelle Entwicklungsstufe<br />

beim Materialmix. Mit Klebstoff<br />

und «kalten» Fügetechniken lassen sich<br />

anscheinend alle Stahl und Aluminiummaterialien<br />

sicher verbinden. Dadurch<br />

eröffnen sich neue konstruktive Möglichkeiten<br />

für die Ingenieure – es entsteht<br />

der Carrosseriebau als «Spaceframe»<br />

im Multimaterialmix. ●<br />

Text und Bilder: Jürgen Klasing<br />

Paint PerformAir<br />

powered by AkzoNobel<br />

EINSPARPOTENZIAL<br />

ERHÖHUNG KABINENKAPAZITÄT<br />

durch Verkürzung von Abluft- und Trocknungszeiten<br />

von 20 %<br />

bis 35 %<br />

BASISLACK<br />

von 20 %<br />

bis 35 %<br />

KONVENTIONELLER KLARLACK<br />

von 10 %<br />

bis 15 %<br />

FEUCHTIGKEITSHÄRTENDER KLARLACK<br />

von 20 %<br />

bis 30 %<br />

ENERGIEKOSTEN SENKEN DURCH TROCKNUNG<br />

bei feuchtigkeitshärtenden Lacken<br />

von 80 %<br />

bis 100 %<br />

EINSPARUNG VON FINISHKOSTEN<br />

von 20 %<br />

bis 25 %<br />

Darauf dürfen Sie gespannt sein –<br />

starke Betriebe und große Emotionen!<br />

Der Paint PerformAir öffnet uns nicht nur die Tür zur Lackierkabine,<br />

sondern auch zu den ganz besonderen Erfolgsstories unserer Kunden.<br />

Schauen Sie rein, in Kürze auf unserem YouTube-Kanal.<br />

carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>23


Verein zur Förderung der Carrosserieberufe<br />

Der Verein bezweckt die Förderung und die Wahrung der Berufsinteressen im Carrosseriegewerbe. Der VFCB<br />

unterstützt mit seinen Mitteln die Berufs- und Weiterbildung der Carrosserieberufe.<br />

Goldpartner<br />

Fahrzeugexpertisen und Wertschätzungen<br />

Zusammen sind wir stark<br />

André Koch AG


Silberpartner<br />

Bronzepartner<br />

GCS Schweiz AG<br />

Zusätzliche Marken<br />

carrosserie suisse und der VFCB danken ihren Mitgliedern und Gönnern für die<br />

wertvolle Unterstützung zum Wohle der zukünftigen <strong>Carrossier</strong>s!


Reportage<br />

Fahrzeugbau<br />

GK Grünenfelder Group<br />

Gütertransport der Zukunft dank<br />

Schweizer Fahrzeugbau<br />

Die Schweiz leistet Pionierarbeit. Seit dem 7. Oktober sind die ersten schweren Lastwagen von Hyundai<br />

mit Wasserstoffantrieb auf Schweizer Strassen unterwegs, mindestens weitere 25 werden bis Ende Jahr<br />

folgen. Die Aufbauten stammen von der GK Grünenfelder Group.<br />

Einer der ersten zehn in der Schweiz ausgelieferten und von der GK Grünenfelder Group aufgebauten Hyundai Xcient Fuel Cell.<br />

In einer beispiellosen Zusammenarbeit<br />

verschiedener wichtiger Akteure wird in<br />

der Schweiz das weltweit erste Wasserstoff-Gütertransport-Ökosystem<br />

etabliert.<br />

Sozusagen gleichzeitig wachsen<br />

Tankinfrastruktur, Abnehmermarkt und<br />

der Import geeigneter Lastwagen. Drei<br />

Tankstellen mit nachhaltig produziertem<br />

Wasserstoff sind in Betrieb und die ersten<br />

zehn Hyundai Xcient Fuel Cell Wasserstoff-LKW<br />

wurden am 7. Oktober im Verkehrshaus<br />

der Schweiz, Luzern, an Kunden<br />

übergeben, weitere werden noch<br />

dieses Jahr folgen. Deren Aufbauten<br />

stammen ausschliesslich von der GK<br />

Grünenfelder Group an den Standorten<br />

Kriessern (GK Grünenfelder AG) und<br />

Pratteln (Frech Hoch Nutzfahrzeuge AG).<br />

An beiden Standorten arbeiten je sechs<br />

bis acht Fahrzeugschlosser und Mechaniker<br />

an den Hyundai-Trucks.<br />

Erste Charge mit Kühlaufbauten<br />

Die ersten zehn Fahrzeuge wurden alle<br />

mit Kühlkofferaufbau für Kältetransport<br />

mit Kühlvorhang und Hebebühne ausgestattet.<br />

Weil es sich um ein sehr grosses<br />

26 carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>


Kundenspektrum handelt, wurde eine<br />

Standardlösung gewählt, die sehr flexibel<br />

eingesetzt werden kann. Die jetzt im Bau<br />

befindlichen und auch künftigen Fahrzeuge<br />

sind bereits individuell an die Kunden<br />

angepasste Kühl- und Trockenfrachtfahrzeuge.<br />

«Aktuell haben wir zehn Fahrzeuge in<br />

Kriessern und Pratteln in Produktion»,<br />

erzählt Philippe Köppel, CEO GK Grünenfelder<br />

AG & Frech Hoch Nutzfahrzeuge<br />

AG. «Weitere sind im Engineering.»<br />

Das Interesse sei breit und wenn<br />

die Unternehmen, die einzelne Fahrzeuge<br />

in ihre Flotten integrieren, sehen,<br />

dass Wasserstoff funktioniert, werden<br />

weitere Bestellungen folgen. «Die Vorteile<br />

sind teils schon frappant», fügt Albert<br />

Grünenfelder, Gruppenleitung und<br />

Finanzen, an.<br />

Die Wasserstofftanks (rechts im Bild) werden an der Stirnwand des Aufbaus befestigt. Dazu<br />

braucht es eine dafür verstärkte Aufbaustruktur. Diese wurde von GK Grünenfelder entwickelt.<br />

Hyundai Hydrogen Mobility (HHM) beschafft,<br />

schlüsselfertig vorbereitet und<br />

den Kunden vermietet. Alle Wartungskosten<br />

sind in der Kilometerpauschale<br />

inbegriffen.<br />

Dies führt nun dazu, dass GK Grünenfelder<br />

Group im Hintergrund die Bedürfnisse<br />

des jeweiligen Endkunden abholt, unter<br />

Berücksichtigung der technischen<br />

Möglichkeiten die Umsetzung plant und<br />

dem Joint Venture HHM offeriert. HHM<br />

rechnet die Kosten in die Kilometerpauschale<br />

ein und offeriert diese wiederum<br />

dem Endkunden. Ist dieser einverstanden,<br />

Pay per use: Wenn einer bestellt<br />

und ein anderer bezahlt<br />

Damit sie Wasserstofffahrzeuge überhaupt<br />

in den Markt bringen konnten, durften<br />

die Betriebskosten nicht viel höher<br />

sein als bei einem Diesel-LKW. Deshalb<br />

entschied man sich für ein Pay-per-use-<br />

Modell (Kilometerpauschale), bei dem die<br />

Kunden sicher sein können, dass sie keine<br />

unerwarteten Zusatzkosten zu tragen<br />

haben. Schliesslich handelt es sich um<br />

eine komplett neue Technologie, zu der<br />

noch kaum Erfahrungswerte existieren.<br />

Die Fahrzeuge werden vom Joint Venture<br />

Albert Grünenfelder, Leitung GK Grünenfelder<br />

Group und Finanzen<br />

Philippe Köppel, CEO GK Grünenfelder AG &<br />

Frech Hoch Nutzfahrzeuge AG<br />

GK Grünenfelder Group<br />

Im Porträt<br />

Die 1948 aus einer Hufschmiede hervorgegangene<br />

GK Grünenfelder in Kriessern SG<br />

gehört zu den grösseren Fahrzeugbauunternehmen<br />

der Schweiz. Zum Produktportfolio<br />

gehören Anhänger, Aufbauten und Sattelanhänger<br />

aller Gewichtsklassen für Trockenfracht-,<br />

Stückgut- und Kühltransporte sowie<br />

Sonderfahrzeuge für die Strasse und das<br />

Werksgelände. Daneben werden Fahrzeuge<br />

und Container für die humanitäre und militärische<br />

Logistik hergestellt. Im April 2017 wurde<br />

die Fahrzeugbau-Abteilung von Frech-<br />

Hoch Nutzfahrzeuge in Pratteln übernommen<br />

und beide Unternehmen in der GK Grünenfelder<br />

Group zusammengeführt. Die rund 75<br />

Mitarbeiter verteilen sich auf 50 in Kriessern<br />

und 25 in Pratteln. Am Stammsitz in Kriessern<br />

im St. Galler Rheintal befinden sich Engineering,<br />

Kommunikation, Projektleitungen, Chassis-<br />

und Stahlbaukomponentenfertigung, in<br />

Pratteln das Kompetenzzentrum für Kühlkofferfertigung<br />

(Verklebung und Konfektionierung).<br />

Die Endfertigung erfolgt an beiden<br />

Standorten. Der TOP-Ausbildungsbetrieb<br />

bildet jedes Jahr zwei Fahrzeugschlosserlernende<br />

aus.<br />

1976 gründet Albert Grünenfelder sen. auf der<br />

Suche nach neuen Märkten zusammen mit<br />

Esmat Al-Saady das Joint Venture CGS (Consolidated<br />

Grünenfelder Saady) und baut als<br />

Erstes ein Werk in Riyadh. Zu den ersten Kunden<br />

gehören unter anderem Schweizer Firmen,<br />

die ebenfalls im Mittleren Osten tätig<br />

sind. Heute beschäftigt die CGS Gruppe in<br />

Riyadh, Jeddah, Dammam und Bahrain ca. 750<br />

Personen aus über 20 Nationen und ist einer<br />

der grössten Produzenten von Kühlfahrzeugen<br />

und Kühlhäusern im Mittleren Osten.<br />

Infos: www.cgs.com.sa<br />

Eine der drei modernen Werkhallen der GK<br />

Grünenfelder AG in Kriessern.<br />

2017 wurde die Fahrzeugbau-Abteilung von Frech<br />

Hoch Nutzfahrzeuge AG in Pratteln übernommen.<br />

carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>27


Reportage<br />

Fahrzeugbau<br />

Aufbau als Tankgerüst<br />

Im Grundsatz kämen die LKW-Chassis mit<br />

ihren Aufbauschnittstellen den europäischen<br />

Herstellern schon sehr nahe, so<br />

Grünenfelder. Was die Hyundai-LKW<br />

aber unterscheidet, ist ihr Wasserstoffantrieb.<br />

Dass die Gastanks deutlich mehr<br />

Raum einnehmen als ein herkömmlicher<br />

Dieseltank, war eine besondere Herausforderung.<br />

Gelöst wurde sie so, dass die<br />

Tanks zwecks Überführung an eine Hilfskonstruktion<br />

geschraubt werden und<br />

danach vom Aufbauer an der Stirnwand<br />

des Aufbaus (zwischen Fahrerhaus und<br />

Aufbau) befestigt werden. Eine Lösung,<br />

die sowohl Platz als auch Gewicht spart.<br />

Weil nun dort, wo normalerweise die Kältemaschine<br />

untergebracht ist, kein Platz<br />

mehr dafür ist, wurde der Kühlkofferaufbau<br />

vorne auf dem Dach mit einer Nische<br />

versehen, in welche die Kältemaschine<br />

nun platziert wird. Das kostet zwar etwas<br />

Ladevolumen, doch herkömmliche, in der<br />

Frischelogistik übliche Rollgitter finden<br />

trotz reduzierter Innenhöhe vorne Platz.<br />

Lieferanten der Kältetechnik sind aktuell<br />

Carrier und Frigoblock. «Jedes Fahrzeug<br />

für jeden Kunden ist ein eigenes Projekt»,<br />

erklärt Grünenfelder. «In der jetzigen<br />

Phase gibt es wenige Kunden, die mehrere<br />

Fahrzeuge identisch ordern», ergänzt<br />

Köppel. «Jedes Projekt benötigt eine eigene<br />

Planung und Arbeitsvorbereitung<br />

mit eigener Zeitplanung.» Grünenfelder<br />

bestätigt: «Unseren jungen Mitarbeitern<br />

wird es nicht langweilig.»<br />

Der Aufbau fertig auf dem Chassis verschraubt. Gut zu erkennen auch die Aussparung oben am<br />

Koffer für die Kältemaschine. Sieben Gastanks fassen Wasserstoff für gut 400 km Reichweite.<br />

beginnt GK (resp. FH) mit dem Aufbau, der<br />

am Ende aber von HHM bezahlt wird. «Je<br />

nach Ausstattung des Aufbaus ergeben<br />

sich verschiedene Produktionszeiten und<br />

somit unterschiedliche Kosten», fügt<br />

Köppel hinzu.<br />

Kurze Durchlaufzeiten<br />

Die Durchlaufzeit ab Anlieferung des<br />

LKW-Chassis beträgt ausstattungsabhängig<br />

zwei bis drei Wochen – gleich<br />

lang, wie ein herkömmlicher Aufbau bei<br />

GK/FH benötigt. Dies ist möglich, weil<br />

heute dank CAD-Verfahren das Engineering<br />

bereits bei der Bestellung beginnt<br />

und der Aufbau in Modulbauweise vorproduziert<br />

wird. «Wir durften ein ganzes<br />

Aufbausystem entwickeln, das die Tragefunktion<br />

der H₂-Wasserstofftanks übernimmt.<br />

Es ist an sich schon eine Innovation,<br />

dass wir dies mit den hohen<br />

Anforderungen an Stabilität, Gewicht und<br />

Isolationswert auch geschafft haben», so<br />

Grünenfelder. Nur mit einer Taktproduktion<br />

sei es möglich, innert kurzer Zeit<br />

möglichst viel Fahrzeuge auf die Strasse<br />

zu bringen. Wenn das Hyundai-Fahrgestell<br />

eintrifft, werden die vorproduzierten<br />

Aufbausysteme mit Hilfsrahmen und Hebebühne<br />

montiert. Der Einbau der Kälteanlage<br />

sowie die Montage von Anbauteilen<br />

nach Kundenwünschen gehören zu<br />

den Endmontagearbeiten.<br />

Auf die Frage, was den Aufbauten gemeinsam<br />

ist, antwortet Albert Grünenfelder:<br />

«Sie sind viereckig und weiss.» Was<br />

er damit meint: Es sind alles Kofferaufbauten<br />

aus Paneelen in Sandwich-Bauweise<br />

– und damit hat sich die Gemeinsamkeit<br />

schon, da jedes Projekt seine<br />

eigenen Spezifikationen hat. Äusserlich<br />

sehen alle Kofferaufbauten auf der Strasse<br />

gleich aus, doch die eigentliche Qualität<br />

(oder Kompetenz) liegt im Aufbau der<br />

Sandwich-Paneele. Dieser wird genauso<br />

geheim gehalten wie das Rezept für Appenzeller<br />

Käse.<br />

Zertifizierter Aufbauer<br />

Der Erstkontakt kam vom Förderverein H2<br />

Energy aus. «Als renommierter Fahrzeugbauer<br />

im Kühlfahrzeugbereich haben wir<br />

aktuell den Vorteil, dass wir schon lange<br />

bei diesem Projekt dabei sind», antwortet<br />

Grünenfelder auf die Frage, ob sie ein Monopol<br />

auf die Wasserstofflastwagen hätten.<br />

«Wir sind ein von Hyundai zertifizierter<br />

Hersteller und Aufbauer – im Moment<br />

auch der einzige.» Die Zertifizierung habe<br />

dabei nichts mit dem Antrieb zu tun, sondern<br />

mit aufbauspezifischen Punkten. «In<br />

den Antrieb greifen wir nicht ein», so Grünenfelder.<br />

«Wir schauen, dass wir mit unserer<br />

Kernkompetenz – das sind die Aufbauten<br />

– die Fahrzeuge betriebstüchtig<br />

machen. Ein grosser Teil der Zertifizierung<br />

ist der Sicherheit geschuldet, konkret der<br />

Betriebssicherheit des Fahrzeugs, indem<br />

wir garantieren, dass die Befestigungspunkte<br />

der Komponenten die Beschleunigungswerte<br />

aushalten – und zwar über<br />

eine lange Lebensdauer hinaus.» Weil es<br />

sich bei den Tanks um hoch entwickelte<br />

Bauteile handelt und der Aufbauer diese<br />

am Aufbau befestigt, muss er auch den<br />

Nachweis erbringen, dass die Konstruktion<br />

sicher ist. Dazu Köppel: «Die ganze<br />

Aufbaustruktur ist auf diese Schnittstelle<br />

ausgerichtet und verstärkt.» Zudem wurden<br />

die Mitarbeiter im Umgang mit Wasserstoff<br />

geschult.<br />

Philippe Köppel ist zuversichtlich, dass sich<br />

diese Technologie durchsetzen wird: «Es<br />

wurde ein wichtiger Pflock in diese Richtung<br />

eingeschlagen und sie wird sich sukzessive<br />

weiterentwickeln, mit der Anzahl<br />

Lastwagen, Tankstellen und der Wasserstoffproduktion.<br />

Wir sind in der Lage, kurzfristig<br />

zu reagieren, auch weil wir an zwei<br />

Standorten abgestützt sind. Wichtig ist,<br />

dass wir sehr viele Teile der Wertschöpfungskette<br />

inhouse im Betrieb haben und<br />

so kurzfristig und flexibel reagieren können.<br />

Und es macht uns natürlich auch<br />

stolz, bei so einem innovativen Projekt mitarbeiten<br />

und mitwirken zu dürfen.» ●<br />

Text: Henrik Petro<br />

Bilder: GK Grünenfelder, Petro<br />

28 carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>


Reportage<br />

Fahrzeugbau<br />

Carrosserie Baldinger AG<br />

Ultra-Light-Chassis jetzt auch für<br />

Mercedes-Benz Sprinter<br />

Das Baldinger-Ultra-Light-Chassis ist für den Mercedes-Benz Sprinter erhältlich. Sprinter-Kunden<br />

können ab sofort von allen Vorteilen des innovativen Schweizer Qualitätsprodukts der Traditionsmarke<br />

Baldinger Fahrzeugbau profitieren.<br />

Der erste realisierte Ultra-Light-Chassis-Aufbau<br />

auf einem Mercedes-Benz Sprinter hat<br />

eine Kastengrösse von 4200×2050×2280 mm<br />

sowie einen Dachspoiler.<br />

Das neu entwickelte Baldinger-Ultra-<br />

Light-Chassis (ULC) setzt mit seiner<br />

Markteinführung neue Massstäbe in der<br />

Leichtbauweise im Fahrzeugbau: Neben<br />

der höheren Nutzlast sowie den praktischen<br />

Vorzügen (Ergonomie), die der Niederrahmen<br />

bietet, besticht das innovative<br />

Schweizer Qualitätsprodukt mit besonders<br />

hoher Wirtschaftlichkeit: Die neu<br />

entwickelte Singleachse mit Zwillingsrädern<br />

garantiert dank einer Luftfederung<br />

nicht nur enorm hohen Fahrkomfort, sondern<br />

auch minimalsten Reifenverschleiss<br />

und Wartungsaufwand.<br />

Das ULC mit einer beeindruckend tiefen<br />

Ladekante von lediglich 640 mm und<br />

einer fast konkurrenzlosen Nutzlast ist<br />

jetzt auch für den Mercedes-Benz Sprinter<br />

erhältlich. «Damit können wir unsere<br />

sprichwörtliche Markenkompatibilität<br />

erneut unter Beweis stellen», so Rolf Käser.<br />

Durch eine optionale Absenkvorrichtung<br />

kann das Heck des Fahrzeugs auf<br />

480 bis 550 mm abgesenkt werden. Der<br />

erste Mercedes-Benz Sprinter mit Baldinger-ULC<br />

ist bereits ausgeliefert worden.<br />

«Der Kunde hat sich eine Variante<br />

mit Kastenaufbau, Hebebühne und Anhängerkupplung<br />

gewünscht», so Käser.<br />

«Selbstverständlich haben wir dies bei<br />

Baldinger Fahrzeugbau umgesetzt, wie<br />

alle anderen individuellen Kundenwünsche.»<br />

So ist das ULC mit Anhängerkupplung,<br />

Heckrampe oder Hebebühne sowie<br />

Hecktüren lieferbar.<br />

Weitere Merkmale sind dreifache Alu-Zurrschienen,<br />

Hebebühne und 1065 kg Nutzlast.<br />

Die maximale Aufbaulänge mit einem<br />

Baldinger-ULC und dem Mercedes-Benz<br />

Sprinter beträgt über sechs Meter, die<br />

Nutzlast maximal 1400 kg. «Weil das Ultra-Light-Chassis<br />

ohne Radkästen auskommt,<br />

profitiert der Kunde in jedem Fall<br />

von der voll nutzbaren Ladefläche des<br />

Aufbaus.»<br />

●<br />

Michael Gehrken, Competentia<br />

Zbinden Posieux SA<br />

Leichter Sattelschlepper mit Auflieger für trans-auto ag<br />

Seit über 50 Jahren hat sich die trans-auto ag<br />

aus Tafers FR auf alle Aspekte von Abfall und<br />

Entsorgung spezialisiert.<br />

Für die Konstruktion des zum Transport<br />

von Gastro-Abfällen und Gefahrgut mit<br />

einer Auffangvorrichtung ausgerüsteten<br />

Aufliegers zeichnete die Zbinden Posieux<br />

SA verantwortlich. Geliefert hat den modernen<br />

Iveco Daily die Garage Kolly SA.<br />

Der Sattelauflieger der Marke Zbinden<br />

Typ SA-97/6,5 mit einer bis 1000 kg ausgerichteten<br />

Trösch-Hebebühne wurde<br />

mit einer seitlichen Schiebeplane sowie<br />

einem Schiebeverdeck ausgestattet.<br />

Dies ermöglicht es der trans-auto ag,<br />

den neuen Daily auch für Transport und<br />

Servicedienstleistungen von mobilen<br />

Toi lettenanlagen einzusetzen – einem<br />

weiteren wichtigen Standbein des Freiburger<br />

Unternehmens. Der neue Iveco<br />

Daily der trans-auto ag verfügt über eine<br />

Nutzlast von 3825 kg, wobei die Innenmasse<br />

des Laderaums (6400×2400×<br />

2030 mm) optimal Raum für alle Transporte<br />

bieten.<br />

●<br />

Redaktion: Henrik Petro<br />

carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>29


Rechtshilfe<br />

Kündigung<br />

Das Expertenteam der Walder Haas Berner AG, Advokatur & Notariat in Zofingen und Sursee,<br />

Tel. 062 745 00 45, ist für Mitglieder der carrosserie suisse da.<br />

Abwicklung einer Kündigung<br />

Ausgangslage<br />

Matthias führt seit Jahren einen Carosseriebetrieb.<br />

Bis vor einigen Monaten konnte<br />

er sich nicht beklagen, die Auftragsbücher<br />

waren stets voll und er hatte zudem das<br />

Glück, dass er sich auf zuverlässige und<br />

pflichtbewusste Angestellte verlassen<br />

konnte. Nun steht er aber vor dem Pro blem,<br />

dass die Aufträge zunehmend ausbleiben.<br />

Er sieht die einzige Lösung darin, einen seiner<br />

fünf Mitarbeiter zu entlassen. Nach<br />

langem Überlegen kommt er zum Schluss,<br />

Christoph per Ende November zu entlassen.<br />

Christoph ist seit drei Jahren bei Matthias<br />

als Autolackierer angestellt. Da Matthias<br />

bisher noch nie einen Mitarbeiter<br />

entlassen musste, stellt er sich die Frage,<br />

wie er die Kündigung am besten abwickelt<br />

bzw. auf was er dabei achten muss.<br />

Expertenrat<br />

Die Kündigung hat schriftlich zu erfolgen<br />

und sie muss am letzten Arbeitstag vor<br />

Beginn der ordentlichen Kündigungsfrist<br />

im Besitz des Empfängers sein (Art. 48.2<br />

GAV-VSCI). Massgebend ist nicht das Datum<br />

der Sendungsaufgabe, sondern der Zeitpunkt<br />

des Eintreffens beim Empfänger. Das<br />

Arbeitsverhältnis kann vorliegend auf das<br />

Ende eines Monates mit einer Kündigungsfrist<br />

von zwei Monaten gekündigt werden<br />

(Art. 48.4 GAV-VSCI). Damit Matthias seinen<br />

Angestellten Christoph per Ende November<br />

2019 entlassen kann, muss die Kündigung<br />

bis spätestens am Montag, 30. September<br />

2019, im Besitz von Christoph sein. Matthias<br />

hat nun grundsätzlich zwei Möglichkeiten:<br />

Er kann die Kündigung per Post versenden<br />

oder sie persönlich übergeben.<br />

Entscheidet sich Matthias dafür, die Kündigung<br />

per Post zu versenden, so ist zunächst<br />

wichtig, dass er sie per Einschreiben<br />

versendet. Denn das Risiko von Verzögerungen<br />

bei der Postzustellung trägt der<br />

Kündigende und er hat im Bestreitungsfalle<br />

zu beweisen, dass die Kündigung<br />

rechtzeitig – d.h. vorliegend am letzten<br />

Arbeitstag vor Beginn der ordentlichen<br />

Kündigungsfrist – bei Christoph zugegangen<br />

ist. Von einer Zustellung per A-Post<br />

Plus ist abzuraten, denn das Bundesgericht<br />

hat festgestellt, dass A-Post-Plus-Sendungen<br />

den effektiven Empfang mangels<br />

Empfangsbestätigung nicht nachweisen<br />

(BGE 142 III 519 und 144 IV 57). Wenn Christoph<br />

die Annahme des eingeschriebenen<br />

Briefes verweigert, gilt die Kündigung am<br />

Tag der Weigerung als zugestellt. Ist Christoph<br />

am Tag der Zustellung nicht zu Hause<br />

und holt er die eingeschriebene Kündigung<br />

anschliessend während der siebentägigen<br />

Abholfrist nicht ab, gilt das Kündigungsschreiben<br />

in der Regel ab dem Tag nach<br />

dem erfolglosen Zustellungsversuch als<br />

zugestellt. Vorsichtigerweise sendet Matthias<br />

das Kündigungsschreiben aber so ab,<br />

dass die Kündigung auch bei einer Abholung<br />

am letzten Tag der Abholfrist rechtzeitig<br />

zugeht.<br />

Entscheidet sich Matthias hingegen für die<br />

persönliche Übergabe der Kündigung, hat er<br />

den Vorteil, dass er auch am letzten Arbeitstag<br />

Christophs vor Beginn der Kündigungsfrist<br />

kündigen kann. Es ist wichtig, dass er sich<br />

den Empfang der Kündigung von Christoph<br />

quittieren lässt. Wenn Christoph sich weigert,<br />

die Kündigung entgegenzunehmen bzw. den<br />

Empfang der Kündigung zu quittieren, so<br />

nützt ihm dies nichts, denn eine ausdrückliche<br />

Annahmeverweigerung gilt als Empfang.<br />

Da Matthias jedoch im Bestreitungsfalle die<br />

Beweislast für die Rechtzeitigkeit der Kündigung<br />

trägt, wird empfohlen, die Annahmeverweigerung<br />

von einem oder zwei Zeugen<br />

bezeugen zu lassen. Anschliessend ist durch<br />

Matthias ein Gesprächsprotokoll anzufertigen,<br />

in welchem er festhält, dass die Kündigung<br />

rechtzeitig erfolgte, Christoph jedoch<br />

deren Annahme verweigerte, und dass dies<br />

von den vorgenannten zwei Zeugen bezeugt<br />

werden kann. Dieses von ihm und den Zeugen<br />

unterschriebene Gesprächsprotokoll ist<br />

anschliessend zusammen mit der eigentlichen<br />

Kündigung per eingeschriebenen Brief<br />

an Christoph zuzustellen.<br />

Sollte die Kündigung vorliegend – aus<br />

welchen Gründen auch immer – nicht<br />

am letzten Arbeitstag vor dem Beginn der<br />

ordentlichen Kündigungsfrist (d.h. am<br />

30. September 2019) im Besitz von Christoph<br />

sein, so hat dies nicht die Ungültigkeit<br />

der Kündigung zur Folge. Das Arbeitsverhältnis<br />

verlängert sich diesfalls jedoch auf<br />

den nächstmöglichen Kündigungstermin,<br />

d.h. auf den 31. Dezember 2019. ●<br />

WIR KENNEN DIE BRANCHE,<br />

NUTZEN SIE UNSER WISSEN.<br />

PK MOBIL Tel. +41(0)31 326 20 19 pkmobil.ch<br />

Die Pensionskasse des Schweizer Mobilitätsgewerbes<br />

Die Mitglieder von carrosserie suisse befinden sich in der glücklichen Lage,<br />

mit der PK MOBIL eine «eigene» Pensionskasse zu haben.<br />

30 carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>


Aktive Branche<br />

Cromax und AMZ Racing Team<br />

Cromax und AMZ Racing Team der ETH Zürich<br />

Kooperation um ein drittes Jahr verlängert<br />

Nach dem Schleifen und Reinigen der Carbonschicht folgte ein<br />

Nass-in-Nass Grundierfüller mit Kunststoffadditiv, dann wurde lackiert.<br />

farbe), sowie einer speziellen<br />

roten Perlmutteffektfarbe<br />

lackiert. Seit seiner Gründung<br />

nimmt das AMZ Racing Team<br />

jedes Jahr mit einem neuen<br />

Prototyp an den Wettbewerben<br />

der Formula Student in<br />

ganz Europa teil. Formula<br />

Student ist ein international<br />

anerkannter Motorsportwettbewerb,<br />

der sich an Studierende<br />

aus aller Welt richtet.<br />

Wegen der Pandemie wurden<br />

<strong>2020</strong> alle Rennen abgesagt,<br />

somit hat sich AMZ im Sommer<br />

auf die Montage, eine<br />

längere Testphase des neuen<br />

Rennwagens und den Wissenstransfer<br />

zwischen Alumni<br />

und den neuen Teammitgliedern<br />

konzentriert. ●<br />

Ursprünglich geplant für April<br />

<strong>2020</strong>, wurde die Lackierung<br />

des neuen Chassis zwei Monate<br />

später unter Einhaltung<br />

der vom BAG empfohlenen<br />

Massnahmen erfolgreich<br />

durchgeführt. Das Design von<br />

«alvier», dem nach dem bekannten<br />

Schweizer Berg im<br />

Kanton SG benannten AMZ-<br />

Elektro-Rennwagen, wurde<br />

von den ETH-Studenten entwickelt.<br />

Gemeinsam mit den<br />

Axalta-Mitarbeitern Clint<br />

Kaufmann, Technischer Leiter,<br />

und Fabio De Giorgi, Anwendungstechniker,<br />

wurde<br />

«alvier» im Axalta Training<br />

Center in Pratteln für den<br />

Lackierprozess vorbereitet.<br />

AMZ wollte bei der Farbauswahl<br />

Konti nuität zeigen, und<br />

somit waren sich die ETH-Studenten<br />

schnell einig, dass sie<br />

die gleichen bewährten Farben<br />

von 2018 und 2019 wieder<br />

ein setzen wollten. So<br />

wurde «alvier» mit StarLite,<br />

Axaltas Autofarbe des Jahres<br />

2018 (eine weisse Perlmutt-<br />

Die ETH-Studenten legten in<br />

Pratteln Wert auf jedes Detail.<br />

NetFinish<br />

Die Schleifmittelinnovation<br />

auf Diamantbasis.<br />

Bis zu 40-fach<br />

höhere Standzeit.<br />

Geschafft: Die Beteiligten wünschen «alvier» in seinem neuen weissroten<br />

Perlmutt-Farbtrimm viel Glück für die kommende Rennsaison.<br />

gyso.ch<br />

carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>31


Aktive Branche<br />

GYSO AG / Calag Carrosserie Langenthal AG<br />

GYSO AG<br />

Verabschiedung in den wohlverdienten Ruhestand<br />

Beinahe 14 Jahre war Fred<br />

Friederich als technischer<br />

Verkaufsberater im Aussendienst<br />

in der Region Bern, Freiburg<br />

und im Wallis für die<br />

Firma GYSO AG unterwegs.<br />

Immer das Wohl der Kunden<br />

im Auge, hat er gekonnt die<br />

Produkte zum unverzichtbaren<br />

Werkstattbegleiter in seinem<br />

Gebiet gemacht und dabei<br />

stets die Firma loyal und professionell<br />

repräsentiert.<br />

«Wir werden nicht nur sein<br />

positives Wesen und seinen<br />

Schalk, sondern auch seinen<br />

beispiellosen Einsatz und das<br />

grosse Know-how vermissen.<br />

Die Geschäftsleitung und das<br />

gesamte Team der GYSO AG<br />

wünschen Fred von Herzen<br />

nur das Allerbeste sowie eine<br />

glückliche und vor allem gesunde<br />

Zukunft!», sagt Peter<br />

Moser, Bereichsleiter Automotive,<br />

und fährt fort: «Gleichzeitig<br />

freuen wir uns sehr, dass<br />

wir mit Stephan Bieri einen<br />

erfahrenen Profi und Kenner<br />

der Branche für uns gewinnen<br />

konnten. Als diplomierter Autolackierer<br />

mit vielen Jahren<br />

Berufspraxis sowie mehrjähriger<br />

Aussendiensterfahrung<br />

kann er unsere Kunden auf<br />

dem gewohnt hohen Niveau<br />

seines Vorgängers betreuen<br />

und weiterhin fachmännisch in<br />

ihrem Alltag begleiten.» Damit<br />

dieser Wechsel für die Kunden<br />

so reibungslos wie möglich<br />

verlaufen konnte, absolvierte<br />

Bieri eine intensive Einschulung<br />

in Kloten und bereiste<br />

mehrere Monate gemeinsam<br />

mit Fred Friederich das Verkaufsgebiet<br />

für eine saubere<br />

Stabsübergabe. ●<br />

aftermarket-CH 2021<br />

Äusserst erfreuliche Resonanz<br />

Die Organisatoren der Leitmessen<br />

der Nutzfahrzeug- und Automobilbranche,<br />

transport-CH/<br />

aftermarket-CH vermelden drei<br />

Wochen nach Start der Ausschreibung<br />

«eine in diesem Umfang<br />

nicht erwartete Resonanz».<br />

Der Stand der Voranmeldungen<br />

liegt über den Erfahrungswerten<br />

der letzten Austragungen<br />

der transport-CH. Hierzu trägt<br />

auch die Tatsache bei, dass<br />

mit den Messen vom 10. bis<br />

13.11.2021 auch der «Branchenevent<br />

GO!» des Carrosseriegewerbes<br />

stattfindet. Besonders<br />

erfreulich sei, dass neben traditionellen<br />

Ausstellern der transport-CH<br />

– darunter auch zahlreiche<br />

Unternehmen aus dem<br />

Aftermarket-Bereich, den Branchentreffpunkt<br />

nutzen wollen.<br />

Von links: Bereichsleiter Automotive Peter Moser, Fred Friederich und<br />

dessen Nachfolger Stephan Bieri.<br />

Calag Carrosserie Langenthal AG<br />

Neuer Leiter Carrosserie und<br />

Lackierung bei Calag<br />

Die Calag Carrosserie Langenthal<br />

AG stellt Sven Kammer<br />

als neuen Leiter für den<br />

Bereich Carrosserie & Lackierung<br />

und als neues Geschäftsleitungsmitglied<br />

vor.<br />

Kammer startete in der neuen<br />

Position am 1. Dezember<br />

<strong>2020</strong> und trägt nun zugleich<br />

die Verantwortung für die Bereiche<br />

Carrosserie Nutzfahrzeuge,<br />

Carrosserie bis 3,5 t<br />

und Lackierung. Zudem ist er<br />

Mitglied der Geschäftsleitung<br />

Sven Kammer ist neuer Leiter<br />

Carrosserie und Lackierung bei der<br />

Calag Carrosserie Langenthal AG.<br />

bei der Calag Carrosserie<br />

Langenthal AG.<br />

Sven Kammer ist gelernter<br />

Autolackierer und Carrosseriespengler<br />

mit abgeschlossenem<br />

NDS in Unternehmensführung/Betriebswirtschaft<br />

HF. Zuletzt war er in leitender<br />

Funktion bei AMAG Solothurn<br />

tätig. Er bringt eine langjährige<br />

Erfahrung im Carrosserieund<br />

Lackierbereich sowie<br />

aus mehrjähriger Tätigkeit<br />

im Verband carrosserie suisse<br />

mit. Kammer tritt in die<br />

Fussstapfen des bisherigen<br />

Stelleninhabers Roger Huber,<br />

der die Geschäftsleitung des<br />

neuen AMAG Carrosserie<br />

Center Wettswil übernommen<br />

hat. <br />

●<br />

32 carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>


Aktive Branche<br />

Akzo Nobel Car Refinishes AG<br />

Akzo Nobel Car Refinishes AG<br />

Mit CO₂NTRA gemeinsam für den Klimaschutz<br />

AkzoNobel hat eine Initiative<br />

ins Leben gerufen, um gemeinsam<br />

mit seinen Kunden<br />

aktiv etwas für die Umwelt<br />

zu tun. Das Ziel von CO₂N­<br />

TRA ist eine effizientere Belieferung,<br />

die Verpackungen<br />

und ganz besonders Emissionen<br />

während des Transportes<br />

reduziert. Zudem wird<br />

über die Organisation «Plant<br />

for the Planet» bei der Umstellung<br />

auf eine Wochenbelieferung<br />

für jede Woche ein<br />

Baum gespendet. Mit CO₂N­<br />

TRA möchte AkzoNobel innerhalb<br />

eines Jahres 40 000<br />

Bäume pflanzen.<br />

Simon Handke, Marketingleiter<br />

AkzoNobel DACH: «Wir<br />

Simon Handke, Marketingleiter<br />

AkzoNobel DACH, erklärt, warum<br />

AkzoNobel einen Fokus auf<br />

Nachhaltigkeit setzt.<br />

wollen etwas tun, damit wir<br />

auch in Zukunft noch die Natur<br />

geniessen können. Deshalb ist<br />

es wichtig, den Klimaschutz in<br />

die eigenen Hände zu nehmen,<br />

und hier ist der erfolgversprechendste<br />

Weg der, den wir<br />

gemeinsam gehen!»<br />

Damit teilnehmende AkzoNobel-Kunden<br />

ihr Engagement<br />

werbewirksam für ihre eigenen<br />

Kunden einsetzen können,<br />

liefert AkzoNobel ein<br />

umfassendes Marketingpaket,<br />

bestehend aus Flyern,<br />

Postern, Aufstellern und vielem<br />

mehr. Auf einer Webseite<br />

können die Kunden die Fortschritte<br />

der Initiative beobachten,<br />

denn hier entsteht<br />

parallel ein digitaler Wald, der<br />

die Baumpflanzaktionen sowohl<br />

bildlich als auch in Zahlen<br />

wiedergibt. Dazu Handke:<br />

«40 000 Bäume sind ein ganzer<br />

Wald! Und der steht für<br />

Natur, frischen Sauerstoff –<br />

und die Hoffnung, die Umwelt<br />

so zu erhalten, wie wir sie<br />

heute kennen.»<br />

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carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>33


Aktive Branche<br />

Axalta Coating Systems / André Koch AG<br />

Axalta Coating Systems GmbH<br />

Ein neues PW-Reparaturlacksystem<br />

namens Syrox<br />

Vollständig auf europäischen<br />

Formulierungen basierend,<br />

eignet sich das komplette<br />

und kompakte PW-Reparaturlacksystem<br />

für Carrosserie-<br />

und Lackierfachbetriebe<br />

jeder Grösse, die nach einer<br />

einfachen und wirtschaftlichen<br />

Alltagslösung für unterschiedliche<br />

Arbeitsumgebungen<br />

suchen. «Bei Syrox<br />

dreht sich alles um die einfache<br />

Anwendung, sowohl bei<br />

der Farbtonfindung, im Mischraum,<br />

als auch in der Spritzkabine.<br />

Die unkomplizierte<br />

Handhabung zieht sich durch<br />

alle Produkte der Marke Syrox.<br />

Das ist es auch, was uns<br />

von anderen Marktteilnehmern<br />

unterscheidet. Wir haben<br />

alles, was Reparaturlackierer<br />

brauchen, und nichts,<br />

was sie nicht brauchen», erklärt<br />

Thomas Nussbaum, Geschäftsführer<br />

von Axalta in<br />

der Schweiz. Die Handhabung<br />

aller Produkte sei leicht<br />

zu erlernen und die Applikation<br />

unkompliziert. Neuen<br />

Nutzern würden die Anwendungsmethoden<br />

schon beim<br />

ersten Einsatz angenehm vertraut<br />

vorkommen. Vor allem<br />

das Design der Basislackflaschen<br />

stellt eine Premiere in<br />

der Reparaturlackbranche<br />

dar. Die speziellen Dosierdeckel<br />

sollen ein aussergewöhnlich<br />

genaues Dosieren<br />

bis hin zu einem einzigen<br />

Tropfen ermöglichen. Auf der<br />

Syrox-Website können Nutzer<br />

auf Videos mit prak tischen<br />

Vorführungen, Produktinformationen,<br />

herunterladbare<br />

Plakate, technische Datenblätter<br />

und weitere wertvolle<br />

Informationen zugreifen:<br />

www.axaltacs.ch/syrox.de●<br />

André Koch AG<br />

Schnelle Hilfe garantiert<br />

Wer schnell mal Hilfe braucht,<br />

ist bei Eriks Tech-Tipps genau<br />

richtig. In einfachen nachvollziehbaren<br />

Schritten zeigt und<br />

erklärt Anwendungstechniker<br />

Erik van Dorp einzelne Abschnitte<br />

aus dem Lackierprozess.<br />

In seinen kurzen Videotipps<br />

klärt der Techniker dabei<br />

grundlegende Fragen, zum<br />

Beispiel: Wie entfette ich richtig?<br />

Wie finde ich raus, welche<br />

Erik van Dorp,<br />

Techniker bei<br />

AkzoNobel<br />

Füllergraustufe passt und wie<br />

verhindere ich Fehler beim<br />

Auftrag von Wasserbasislack?<br />

Die Videoreihe (in englischer<br />

Sprache) startet jetzt mit drei<br />

Support-Videos – Lesonal-<br />

Kunden und Abonnenten sowie<br />

Zuschauer des Youtube-<br />

Kanals können sich schon in<br />

Kürze auf viele weitere Tech-<br />

Tipps freuen.<br />

●<br />

Die QR-Codes führen direkt zu einem der drei Videos auf Youtube.<br />

Die handlichen Basislackflaschen von Syrox sind in verschiedenen<br />

kleineren Grössen erhältlich und müssen vor Gebrauch nur kurz von<br />

Hand aufgeschüttelt werden.<br />

André Koch AG / Audatex Solera<br />

Repanet Suisse und Audatex beschliessen<br />

Partnerschaft<br />

Die 1966 in Deutschland gegründete<br />

und mittlerweile zum<br />

amerikanischen Solera-Konzern<br />

gehörende Audatex bietet diverse<br />

Lösungen für intelligentes<br />

Schadenmanagement an. Um<br />

das Schadenreparatur-Netzwerk<br />

Repanet Suisse noch besser auf<br />

aktuelle und zukünftige Marktbedürfnisse<br />

auszurichten, geht<br />

die André Koch AG leistungsfähige<br />

Partnerschaften ein. Mit<br />

dieser neusten Partnerschaft<br />

zwischen Audatex und Repanet<br />

Suisse arbeiten zwei Markteilnehmer<br />

zusammen, die im Bereich<br />

«Digitales Schadenmanagement»<br />

in dieselbe Richtung<br />

stossen. «Daraus können nicht<br />

nur unsere André-Koch-Kunden<br />

sowie Netzwerk-Partner einen<br />

Nutzen ziehen, sondern insbesondere<br />

auch unsere Firmenkunden<br />

wie Versicherungsgesellschaften,<br />

Leasing-Provider<br />

und Flottenbetreiber, die ihre<br />

Fahrzeugschäden in unserem<br />

Repanet-Suisse-Netzwerk beheben<br />

lassen», kommentiert André-<br />

Koch-CEO Enzo Santarsiero.<br />

34 carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>


Aktive Branche<br />

Seat<br />

Seat<br />

Fahrzeugteile aus Reishülsen<br />

Reis ist das beliebteste Nahrungsmittel<br />

der Welt – und<br />

könnte nun die Automobilindustrie<br />

revolutionieren.<br />

Denn Seat testet im Rahmen<br />

eines Pilotprojekts den Einsatz<br />

von Reishülsen als Rohstoff<br />

für Fahrzeugteile. Die<br />

Basis dieses innovativen Pilotprojekts<br />

bildet der neue,<br />

umweltfreundliche Kunststoffersatz<br />

Oryzite. Mit diesem<br />

Material möchte Seat<br />

eine nachhaltige Alternative<br />

zur Verwendung von Kunststoff<br />

in seinen Fahrzeugen<br />

entwickeln. Dieses neuartige<br />

Rohmaterial wird aktuell auf<br />

seine Tauglichkeit für die Fertigung<br />

von Ausstattungselementen<br />

für den Seat Leon<br />

getestet. Im Rahmen des laufenden<br />

Pilotprojekts wird nun<br />

ein Material getestet, das aus<br />

Reishülsen, Polyurethanen<br />

und Polypropylen besteht.<br />

Seat erprobt mit dieser Mischung<br />

zunächst die Fertigung<br />

von Fahrzeugteilen, die<br />

bislang rein aus Kunststoffen<br />

bestehen. Dazu gehören beispielsweise<br />

Teile der Heckklappe,<br />

der doppelte Ladeboden<br />

oder der Dachhimmel.<br />

Äusserlich lassen sich die<br />

neuen Fahrzeugteile nicht von<br />

den konventionellen unterscheiden.<br />

Durch ihre Leichtbauweise<br />

wiegen sie allerdings<br />

deutlich weniger. ●<br />

Durch das jüngste Pilotprojekt mit Oryzite unterstützt Seat die<br />

Forschung nach modernen, erneuerbaren Materialien.<br />

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36 carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>


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carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>37


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38 carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>


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carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>39


Unter der Lupe<br />

Lanz+Marti AG<br />

Lanz+Marti AG Sursee<br />

62 Jahre innovativer Fahrzeugbau<br />

Seit 1958 konstruieren, schlossern und lackieren in Sursee über 80 geschulte Mitarbeitende Lastwagenaufbauten<br />

und Anhänger. An der letzten transport-CH 2019 überraschte der TOP-Ausbildungsbetrieb<br />

Lanz+Marti AG mit einem innovativen Elektroanhängerkonzept.<br />

Sie ziehen in der Geschäftsleitung der Lanz+Marti AG in dieselbe Richtung (v.l.): Rinaldo Stalder,<br />

Adrian Marti und Roland Peter.<br />

Am letztjährigen Schweizer Nutzfahrzeugsalon<br />

war der Prototyp «E-Motion»<br />

eine der grossen Überraschungen. Dabei<br />

handelte es sich um einen von der Lanz+­<br />

Marti AG ausgestellten Zwei-Achs-Anhänger<br />

mit Hybridachse. Die elektrische<br />

Universalachse wandelt anfallende<br />

Bremsenergie in Strom um und speichert<br />

diesen in einem Akkupaket. Die gespeicherte<br />

elektrische Energie kann über<br />

diese Achse wieder als Antriebsbewegung<br />

abgegeben werden, etwa in Beschleunigungsphasen<br />

oder an Steigungen.<br />

«E-Motion» zeigte eindrücklich die<br />

Innovationskraft nicht nur des Schweizer<br />

Unternehmens, sondern auch der hiesigen<br />

Fahrzeugschlosserzunft. Wir unterhielten<br />

uns am Geschäftssitz in Sursee<br />

mit den drei Geschäftsleitungsmitgliedern<br />

Adrian Marti, Rinaldo Stalder und<br />

Roland Peter. Rinaldo Stalder, Leiter<br />

Technik & Produktion, erklärt: «Beim gezeigten<br />

Prototyp handelte es sich um ein<br />

fassbares Muster mit verbauten Komponenten,<br />

die wir diesen Sommer funktional<br />

mit einer Systemsteuerung verbunden<br />

haben. Jetzt im Winter führen wir Fahrversuche<br />

und Messungen durch. An der<br />

transport-CH 2019 wollten wir bei unseren<br />

Kunden abholen, ob das Projekt<br />

überhaupt Potenzial hat. Die Antwort<br />

lautet Ja.» Geschäftsleiter Adrian Marti<br />

fährt fort: «Im nächsten Schritt werden<br />

wir mit innovativen Kunden Kooperatio­<br />

Rund 70 der<br />

insgesamt 80<br />

Mitarbeitenden:<br />

«Gemeinsam<br />

können wir<br />

Grosses schaffen!»<br />

40 carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>


Das seit 1961 kontinuierlich gewachsene Areal der Lanz+Marti AG in der<br />

Industriezone Sursee. Infolge Modernisierungsbedarf und um den Platz<br />

besser nutzen zu können, sind diverse Neubauten geplant.<br />

Der an der transport-CH 2019 in Bern gezeigte Prototyp «E-Motion».<br />

Adrian Marti (l.) und Marcel Amstutz (Leiter Fahrzeugbau) durften das<br />

Label TOP-Ausbildungsbetrieb in Empfang nehmen.<br />

Fahrzeugschlosser ist nicht nur bei der Lanz+Marti AG eines der<br />

wichtigsten Berufsbilder im Fahr zeugbau.<br />

nen eingehen, um unser Produkt live im<br />

Alltag testen zu können. Denn solange<br />

wir nicht beweisen können, dass man mit<br />

unserem Anhänger effizienter wird,<br />

bleibt er nur eine gute Idee.»<br />

Flexibilität als Stärke<br />

Stalder öffnet den Fokus: «Als markenunabhängiger<br />

Hersteller können wir<br />

bei den LKW-Produzenten nicht viel bewirken.<br />

Aber als Anhängerbauer können<br />

wir auf den Aufbau und das Design des<br />

Chassis Einfluss nehmen und so an anderer<br />

Stelle wirken. Der Anhänger per se<br />

leistet nämlich auch einen wesentlichen<br />

Beitrag zum CO₂-Ausstoss.»<br />

Roland Peter, Leiter Verkauf und Marketing,<br />

setzt das Projekt in Relation: «Unsere<br />

Kundschaft fährt meist eine Mehrmarkenstrategie.<br />

Also müssen wir unabhängig<br />

vom ziehenden Lastwagen Lösungen für<br />

alle Marken anbieten. Unser Kipperaufbau<br />

etwa passt auf die Fahrgestelle aller<br />

Hersteller. Nur die Schnittstelle ist jeweils<br />

individuell. Bei den Anhängern ist es noch<br />

extremer, sie müssen heute an diese Marke<br />

angehängt werden können und morgen<br />

an jene, ohne dass man ein Programmiertool<br />

zur Hand nehmen muss.» Peter ergänzt:<br />

«Der Markt verändert sich in zwei<br />

Richtungen. Flexibel und indivi duell bleiben<br />

ist die eine, Standardisieren und Vergünstigen<br />

die andere. Wir haben uns für<br />

die Flexibilität entschieden.» Das sei eine<br />

grosse Herausforderung und verlange<br />

auch ein Umdenken. «Was wir zwar schon<br />

Lanz+Marti AG<br />

Im Porträt<br />

vorher gemacht haben, aber worin wir<br />

vielleicht etwas mutiger geworden sind,<br />

ist die Suche nach Innovationen, die es<br />

noch nicht gegeben hat oder die man verbessern<br />

kann.» Marti ergänzt: «Wir sind<br />

Adrian Marti (hier neben der Universalachse des<br />

«E-Motion»-Prototyps) ist 2016 ins Unternehmen<br />

eingetreten und seit 2018 Geschäftsleiter.<br />

Die Lanz+Marti AG in Sursee LU ist ein Familienunternehmen<br />

mit Tradition, Erfahrung<br />

und höchsten Qualitätsstandards: Seit 62<br />

Jahren wird hier das ganze Herzblut in innovativen<br />

Fahrzeugbau gesteckt. Dabei werden<br />

präzis und ideenreich Kundenwünsche in<br />

robuste und effiziente (Spezial-)Fahrzeuge<br />

um gesetzt, angefangen bei Kasten- und Blachen<br />

auf bauten über Kippbrücken bis hin zu<br />

Sat tel aufliegern. Über 80 geschulte Mitarbeitende<br />

beraten, konstruieren, schlossern,<br />

lackieren, prüfen, reparieren und helfen auch<br />

auf der Suche nach Ersatzteilen und Occasionen.<br />

Gegründet wurde die Firma 1958 durch<br />

Walter Lanz und Robert Marti, die sich mit<br />

drei Mitarbeitern ins Abenteuer Lanz+Marti<br />

stürzten. 1961 wird Land im Industriegebiet<br />

von Sursee gekauft und darauf eine neue<br />

Schlosserei errichtet. Bis 1970 wächst das<br />

Unternehmen auf 70 Mitarbeitende an, weitere<br />

Hallen für Schlosserei, Malerei, Fertigmontage,<br />

Arbeitsvorbereitung und Materiallagerung<br />

werden gebaut. 1993 übergibt<br />

Robert Marti den Betrieb an Sohn Ruedi Marti.<br />

1997 wird das Unternehmen ISO 9001 zertifiziert<br />

und im Jahr 2000 mit einer topmodernen<br />

CAD-Anlage aufgerüstet. 2003/2004<br />

weitere Neubauten und Übernahme des<br />

Mammut- Kipper-Programms der Carrosserie<br />

Brühwiler AG. 2014 ein Höhepunkt der erfolgreichen<br />

Lehrlingsausbildung: Zum ersten Mal<br />

kommt der Schweizer Berufsmeister der<br />

Fahrzeugschlosser aus Sursee. 2018 hält mit<br />

Adrian Marti die dritte Generation Einzug in<br />

die Geschäftsleitung. Die AG ist zu 100 Prozent<br />

im Besitz der Familie Marti, aufgeteilt auf<br />

die Mutter und die drei Söhne, die alle im<br />

Unternehmen tätig sind.<br />

carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>41


Auch Lackierer werden benötigt, wobei die Anforderungen im Fahrzeugbau<br />

nur bedingt mit jenen eines «normalen» Autospritzwerks vergleichbar<br />

sind. Darum soll künftig auch in diesem Bereich ausgebildet werden.<br />

Im Fahrzeugbau wird viel konstruiert. Dies geschieht heute mit<br />

modernen CAD-Anlagen.<br />

Der Schweizer Fahrzeugbau zeichnet sich vor allem durch individuelle<br />

Lösungen aus.<br />

Ohne Elektrik geht schon längst nichts mehr. Kabelstränge werden<br />

immer komplexer.<br />

Und am Ende verlässt ein solches Fahrzeug die Werkshallen, fast<br />

ausschliesslich geschaffen mit den eigenen Händen.<br />

per se nahe am Kunden und wissen, welche<br />

Wünsche er hat. Wir versuchen, ihm<br />

mit unserem Know-how aufzuzeigen,<br />

dass es in dieser Richtung auch etwas<br />

Neues gibt. Wir wollen den Kunden das<br />

Leben möglichst einfach machen. Mit dem<br />

Hybridanhänger wagen wir mehr, indem<br />

wir etwas wirklich Innovatives hinstellen,<br />

wofür wir noch nicht wirklich einen Kunden<br />

haben.»<br />

Partizipativer Kreativprozess<br />

Marti beschreibt den Entstehungs- und<br />

Verbesserungsprozess: «Wir legen schon<br />

früh Fahrpläne und Zyklen fest, in denen<br />

wir immer wieder anhand eines fixen<br />

Zeitrasters eine Standortbestimmung vornehmen.<br />

Auch bei Innovationen wie dem<br />

Elektroanhänger arbeiten wir zirkulär mit<br />

verschiedenen Mitarbeitern und Teamleitern,<br />

mit denen wir uns fragen, wo Entwicklungen<br />

durchgeführt und Prozesse optimiert<br />

werden können.» Stalder ergänzt:<br />

«Die besten Innovationen sind meist zusammengesetzt<br />

aus verschiedenen Ideen<br />

verschiedener Personen. Es ist der Austausch,<br />

den wir sehr gut pflegen und der<br />

schliesslich zu Ideen und Verbesserungen<br />

führt. So wird es auch im Unternehmen<br />

besser mitgetragen. Jede Idee wird ernst<br />

genommen und geprüft.» Für Peter ist die<br />

Planung essenziell: «Wie viel Geld und Zeit<br />

wollen wir in etwas investieren? Wie ist der<br />

Zeitplan? Der ist besonders wichtig, denn<br />

man findet immer einen Grund, etwas nicht<br />

zu machen. Dabei gehen wir sehr zielgerichtet<br />

und strukturiert vor. Wir sind kein<br />

Thinktank, sondern müssen ein Produkt<br />

herstellen, das verkäuflich ist. Schlussendlich<br />

bezahlt uns der Kunde und nicht der<br />

Staat oder eine Uni.»<br />

Regionalität als Chance<br />

Eines der Kernprodukte der Lanz+Marti<br />

AG sind Zwei-Achs-Drehschemelanhänger,<br />

eine in der Schweiz besonders beliebte<br />

Auslegung. Roland Peter macht<br />

sich keine Sorgen, kopiert zu werden: «In<br />

der Schweiz gibt es so viele Nischen, in<br />

denen man sich positionieren kann, man<br />

darf nur nicht den Anspruch haben, europaweit<br />

zu produzieren. Und wenn man<br />

dann doch kopiert wird, kommt man mit<br />

der nächsten Innovation.» Dabei sei nicht<br />

die Grösse der Innovation matchentscheidend,<br />

wie Stalder erklärt: «Wir erarbeiten<br />

viele kleine Verbesserungen, teilweise<br />

nur für einen einzelnen Kunden, die ihm<br />

einen klaren Vorteil bieten, aber anderen<br />

wiederum nicht. Unser Anspruch ist es,<br />

den Kunden immer wieder individuelle<br />

Lösungen zu bieten.»<br />

Harte Nachfolgeregelung<br />

Als vor über zwei Jahren der damalige<br />

Inhaber und Geschäftsleiter Ruedi Marti<br />

unerwartet verstarb, war die Nachfolgeregelung<br />

zwar angedacht und aufgegleist,<br />

aber noch nicht abgeschlossen.<br />

Sein Sohn und heutiger Geschäftsleiter<br />

Adrian Marti blickt zurück: «Was uns auszeichnet,<br />

ist die Flexibilität, die wir damals<br />

42 carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>


Innovation im Detail heisst, Bewährtes immer wieder zu hinterfragen und zu verbessern.<br />

an den Tag legten. Wir waren mutig und<br />

wagen heute mehr bezüglich Innovationen.»<br />

Peter ergänzt: «Es war darum wichtig,<br />

mit unserem Anhänger an der transportCH<br />

ein klares Zeichen im Markt zu<br />

setzen.» Stalder, am längsten in der Geschäftsleitung,<br />

meint dazu: «In einem Familienunternehmen<br />

ist ein Patron eine<br />

Identifikationsfigur, innen wie aussen.<br />

Schon Ruedi Marti damals und auch Adrian<br />

heute lässt uns genug Raum für neue<br />

Kräfte, die weiterkommen möchten. 2017<br />

hatten wir die Gesamtstrategie des Unternehmens<br />

durchleuchtet und darüber<br />

nachgedacht, wie wir uns in den nächsten<br />

fünf Jahren entwickeln möchten. Die<br />

Transformation war also schon eingeleitet,<br />

als Ruedi Marti im August 2018 verstarb.<br />

Das Kader war so aufgestellt und<br />

die Kompetenzen waren so verteilt, dass<br />

wir funktionieren und das Tagesgeschäft<br />

weiterführen konnten.» Marti bestätigt:<br />

«Den erfolgreichen Übergang haben wir<br />

einem guten Team und einer guten Mannschaft<br />

zu verdanken. Gleichzeitig konnten<br />

wir dadurch auch neue Wege gemeinsam<br />

beschreiten und Veränderungen durchführen,<br />

die positiv wahr- und gut aufgenommen<br />

wurden.»<br />

Stalder anerkennt, dass die Firma damals<br />

wie heute wirtschaftlich gut dasteht, was<br />

in jenem Moment sehr wichtig war.<br />

«Nichtsdestotrotz war es eine relativ fordernde<br />

Zeit für alle. Es war sowohl für<br />

alle Mitarbeiter schwierig wie auch für die<br />

Kunden, die plötzlich nicht nur einen Ansprechpartner,<br />

sondern auch einen<br />

Freund verloren hatten. Ich habe 13 Jahre<br />

mit Ruedi Marti zusammengearbeitet<br />

und es war nicht so, als wäre ein Patriarch<br />

weggegangen, sondern ein fassbarer<br />

Chef, welcher immer auf Augenhöhe<br />

kommunizierte und einen unterstützte. So<br />

sind wir auch heute im gesamten Unternehmen<br />

unterwegs, wir sind sehr nahbar,<br />

hands on.» Marti pflichtet ihm bei: «Unsere<br />

Türen stehen immer offen und wir<br />

suchen immer mit den Mitarbeitern Lösungen.<br />

Von ihnen fordern wir umgekehrt<br />

aber auch, dass sie selbst mit Lösungen<br />

kommen.» Stalder unterstreicht den<br />

Teamgeist: «Wir drei allein bringen kein<br />

Fahrzeug auf die Strasse, dazu brauchen<br />

wir die Mannschaft von 80 Leuten, von<br />

denen jeder eine Aufgabe hat, wie in einem<br />

Getriebe. Zusammen können wir<br />

wortwörtlich Grosses schaffen.»<br />

Den Jungen eine Perspektive geben<br />

Adrian Marti absolvierte nach seiner Matura<br />

eine Lehre als Konstrukteur, danach<br />

studierte er Maschinenbau am Campus<br />

Horw und nach einer Reisepause trat er<br />

2016 eine frei gewordene Stelle innerhalb<br />

des Unternehmens an. Auf die vergangenen<br />

zwei Jahre im Unternehmen<br />

angesprochen, meint er: «Ich habe das<br />

Gefühl, dass es eine Art Generationenwechsel<br />

gegeben hat.» Denn nicht nur die<br />

Geschäftsleitung wurde verjüngt. Steht<br />

ein Stelleninhaber vor seiner Pension,<br />

wird er wenn möglich durch einen deutlich<br />

jüngeren Mitarbeiter ersetzt, der parallel<br />

dazu auf die Position vorbereitet<br />

wird. «Eine generische Verjüngung»,<br />

nennt dies Peter. «Das macht es ja auch<br />

interessant für Junge, die Lernenden und<br />

ehemaligen Lernenden, denen wir eine<br />

Perspektive geben können, im Unternehmen<br />

zu wachsen. Den Jungen, die wollen,<br />

muss man etwas anbieten, ansonsten<br />

suchen sie sich einen anderen Weg, und<br />

zwar eher von der Branche weg.» Doch<br />

Stalder sieht auch einen Konflikt: «Wir<br />

wollen die Jungen motivieren, fordern<br />

und fördern – und trotzdem sind wir ein<br />

Handwerksbetrieb, in dem wir nicht nur<br />

Häuptlinge gebrauchen können.» Seine<br />

Lösung: «Viele Spezialisierungen, in denen<br />

man sich entwickeln kann.»<br />

Lehrlingsmarketing ein Muss<br />

Bei der Lanz+Marti AG werden nebst zwei<br />

bis drei Fahrzeugschlossern EFZ pro Jahr<br />

alle vier Jahre auch ein/eine Konstrukteur/-in<br />

EFZ ausgebildet. Ab 2021 soll es<br />

auch eine Lehrstelle für Carrosserielackierer/-innen<br />

EFZ geben, so zumindest<br />

der Plan.<br />

«Wir müssen schon intensiv Lehrlinge<br />

suchen», gibt Peter zu. «Wir nutzen Digitalmarketing<br />

und nehmen an der Zentralschweizer<br />

Bildungsmesse Zebi teil. Dabei<br />

ist wichtig, dass jeden Tag mindestens<br />

ein Lernender an der Messe ist. Denn<br />

schlussendlich ist es Mund- zu-Mund-<br />

Propaganda, unsere Zunft ist ja nicht so<br />

gross. Und der Fahrzeugschlosserberuf<br />

ist auch nicht wirklich so bekannt wie etwa<br />

Sanitär oder Heizungsmonteur. Wir haben<br />

auch das Budget dieser Berufsverbände<br />

nicht. Es sind aber immer qualitativ gute<br />

und gesunde Menschen, die sich bewerben<br />

und aus denen wir auswählen können.»<br />

Zudem meldet sich das Unternehmen<br />

bei den Lehrstellenparcours der<br />

Stadtschulen an, bei denen die Schüler<br />

zwei Stunden reinschauen und daraufhin<br />

eine Schnupperlehre machen können.<br />

Stalder erklärt, dass für die Schnupperlehrlinge<br />

ein Programm zusammengestellt<br />

wird: «Wir geben ihnen Arbeiten, sie<br />

müssen selbst ein Modell schweissen und<br />

sehen in alle Bereiche rein. Es ist schwierig,<br />

direkt an Schulen ranzukommen, denn<br />

die Lehrer und Schulleitungen sind zu<br />

sehr damit beschäftigt, ihre Schüler durch<br />

die neun Jahre Schule zu bringen.»<br />

Individuelle Zielsetzungen im<br />

Mitarbeitergespräch<br />

Zur Personalführung gehören wiederkehrende<br />

Standortbestimmungen mit den<br />

Mitarbeitern, bei denen man auch die Entwicklung<br />

anschaut und individuelle Zielsetzungen<br />

festlegt. «Damit zeigen wir<br />

auch Perspektiven auf», so Marti. «Für<br />

den Mitarbeiter, der das will, ist das wichtig,<br />

aber auch für uns, denn wir müssen<br />

unsere Leute selbst ausbilden, das macht<br />

niemand für uns. Wenn man Arbeitskräfte<br />

sucht, gibt es kein Riesenangebot auf<br />

dem Arbeitsmarkt. Daher ist es besonders<br />

wichtig, dass man jene, die man ausbildet,<br />

auch behalten kann.»<br />

Mit Ausnahme im Corona-Jahr werden<br />

Mitarbeiteranlässe organisiert wie Skifahren,<br />

ein Familientag an einem Samstag,<br />

Weihnachtsessen oder die einzigartige<br />

Grill Pool Challenge. Peter versichert:<br />

«Es findet quartalsweise immer etwas<br />

statt, aber ungezwungen, der Fun-Faktor<br />

steht im Vordergrund. Und es muss niemand<br />

kommen, der nicht will. Wir wollen<br />

ein gutes Umfeld haben, sodass die Leute<br />

nicht jeden Morgen unglücklich zur<br />

Arbeit kommen, sondern gerne – und<br />

somit auch länger bleiben. Wir entwickeln<br />

nicht nur Produkte und das Unternehmen,<br />

sondern auch Mitarbeiter.» ●<br />

Text: Henrik Petro<br />

Bilder: Lanz+Marti, Petro<br />

carrossier Nr. 8 / Dezember <strong>2020</strong>43


In eigener Sache<br />

Umweltschonende<br />

Verpackungsfolie<br />

aus rezyklierten<br />

Altfolien<br />

Unsere Welt ist voll von Plastik.<br />

Kein Wunder, wird das Thema nicht nur hierzulande<br />

intensiv diskutiert. Auch Zeitschriften erreichen die<br />

Leserinnen und Leser in einer schützenden Folie aus<br />

Kunststoff. Obwohl es die ökologischste Lösung wäre,<br />

keine Folie zu verwenden, ist in den meisten Fällen<br />

eine schützende Folierung der Zeitschriften zwingend<br />

(Versandvorschriften der Post).<br />

Galledia hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt,<br />

was man als Dienstleister im Bereich Folierung<br />

optimieren könnte, und nach unbedenklicheren<br />

Materialien gesucht. Deshalb freut es uns, dass Sie<br />

jetzt eine Zeitschrift mit einer umweltschonenden<br />

Eco-Folie erreicht. Die Verpackung besteht zu mindestens<br />

50 Prozent aus rezyklierten Altfolien.<br />

Im Vergleich zu konventionellen Folien verbraucht die<br />

Eco-Folie bereits in der Herstellung weniger fossile<br />

Energieträger und verursacht hierdurch einen geringeren<br />

CO 2<br />

-Ausstoss. Die Eco-Folie der Galledia kann<br />

immer wieder dem Kunststoffkreislauf (z. B. im Gemeindewerkhof)<br />

zugeführt werden. Dadurch werden<br />

weitere Mengen an Plastikabfall reduziert.<br />

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Musse beim<br />

Lesen.

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