SOZIALE VERANTWORTUNG

MediaplanetVerlagDeutschland

Und die Frage: Wie wollen wir leben? Hier erfahren Sie mehr.

EINE UNABHÄNGIGE KAMPAGNE VON MEDIAPLANET

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SOZIALE VERANTWORTUNG

Und die Frage: Wie wollen wir leben?

NICHT VERPASSEN:

Viva con Agua Warum

ein engagiertes Leben ein

gutes Leben ist – sechs

Persönlichkeiten berichten.

Seite 12-13

Milky Chance Wie die

international erfolgreiche

Band ihre Arbeit nachhaltig

gestaltet und damit ihren

CO 2 -Abdruck senkt.

Seite 14-15

Victoria van Violence

Die bekannte Aktivistin

schreibt über ihren

veganen Alltag.

Seite 22

Sozialverband Deutschland

Mit dir. Für alle.

Gegen soziale Kälte.

www.soziale-kaelte.de

#gegensozialekaelte

• Wir wirken an einer sozialeren

Politik und einer sozialeren

Gesetzgebung mit.

• Wir setzen uns dafür ein,

soziale Missstände in der

Gesellschaft aufzuheben.

• Wir wirken durch unsere

Gemeinschaft gegen

Vereinsamung.

• Wir beraten und vertreten

unsere Mitglieder in allen

Bereichen des Sozialrechts.

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werden!


2

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IN DIESER AUSGABE

06

Christoffel Blindenmission

Wie Blindheit und Sehbehinderungen

weltweit verhindert werden können.

Eigenständig Verantwortung

übernehmen.

Gemeinsam handeln.

09

Gemeinsam gegen Einsamkeit

Wärme durch Gemeinschaft als

Mittel gegen soziale Kälte und

Pandemiesorgen – so gelingt es.

17

Hoffnung schenken

Kinder sind seit Menschengedenken

in den häufigsten Fällen diejenigen,

die am meisten unter Krisen leiden.

Das darf nicht sein!

Senior Project Manager: Sarra Gläsing Geschäftsführung:

Richard Båge (CEO), Philipp Colaço (Managing Director),

Franziska Manske (Head of Editorial & Production),

Henriette Schröder (Sales Director) Designer: Ute Knuppe

Mediaplanet-Kontakt: redaktion.de@mediaplanet.com

Coverbild: Viva con Agua/Milky Chance

Alle mit gekennzeichneten Artikel sind keine

neutrale Redaktion der Mediaplanet-Redaktion.

facebook.com/MediaplanetStories

@Mediaplanet_germany

Please recycle

FOTO: GREGOR ERDMANN

Sarra Gläsing

Key Account

Sustainability &

Social Responsibility,

verantwortlich

für den Inhalt dieser

Ausgabe

Liebe Leserinnen,

liebe Leser,

ein Jahr voller unerwarteter Ereignisse

und vieler Herausforderungen neigt

sich dem Ende zu. Ein Jahr, welches uns

gezeigt und gelehrt hat, wie wichtig es ist

aufeinander Acht zu geben, sich zu unterstützen

und gemeinsam stark zu sein.

Die Corona-Umstände haben uns allen

viel abverlangt. Jeder von uns muss

momentan mit Einschränkungen leben.

Die wohlmöglich Schlimmste von allen:

Der Verzicht auf soziale Kontakte und die

fehlende Nähe zu unseren Liebsten.

Den kranken Großeltern, denen

wir nicht beistehen können. Die lang

geplante Hochzeit mit allen Freunden

und Verwandten, die nicht stattfinden

konnte. Die Familie im Kreissaal oder

aber auch die fehlende Möglichkeit des

Abschiednehmens.

Ungeachtet dessen, sollten wir dem

Jahr 2020 jedoch nicht nur schlechtes

abgewinnen, sondern auch das Wesentliche

nicht aus den Augen verlieren

und vor allem dankbar sein. Dankbar

dafür, dass es uns Lesern dieser Ausgabe

verhältnismäßig gut geht, im Vergleich

zu vielen anderen Menschen dieser Welt,

die jeden Tag um genug zu Essen und das

Überleben bangen.

Dankbar dafür, dass wir es auch wieder

gemeinsam aus der Krise schaffen werden.

Denn eines ist gewiss: Nach jedem

Sturm folgt auch wieder Sonnenschein!

Gerade Krisensituationen zeigen uns

immer wieder, wie wertvoll und notwendig

es ist Verantwortung zu übernehmen,

als Gesellschaft gemeinsam an einem

Strang zu ziehen und wieviel wir dadurch

erreichen können.

Daher möchte ich mit dieser Ausgabe

einen besonderen Fokus auf die Helden

des Alltags legen. Nämlich auf diejenigen,

die sich Tag für Tag für unser aller

Wohl einsetzen und sich für eine bessere

Gesellschaft engagieren. Diejenigen, die

von Herzen geben!

Wir sollten unserem Umfeld und den

Menschen, mit denen wir uns umgeben

öfter mal Danke sagen, mehr Wertschätzung

aussprechen und nicht alles für

selbstverständlich nehmen. Öfter mal

die Mama anrufen und fragen, wie es ihr

geht. Dem besten Freund sagen, wie gern

wir ihn haben oder auch dem Partner

einmal mehr sagen, wie sehr wir ihn

lieben.

Soziale Verantwortung fängt bei jedem

Einzelnen von uns an und wirklich jeder

kann etwas zum Gemeinwohl beitragen.

Dazu braucht es nicht einmal Geld,

sondern vielmehr den Willen Gutes tun

zu wollen.

Jeder hat die Möglichkeit, sich auch

ohne viel Aufwand für die Gesellschaft

einzusetzen und Verantwortung für sein

eigenes Handeln zu tragen. Das fängt

allein damit an, einem älteren Menschen

in der Bahn den Sitzplatz anzubieten

oder seinen Müll nicht einfach auf die

Straße zu werfen.

Vor allem heißt Verantwortung aber

jetzt auch: Abstand wahren, auf Hygiene

achten und – da wo es eng wird – eine

Alltagsmaske tragen.

Ich hoffe, dass der ein oder andere

Leser durch diese Ausgabe dazu animiert

wird, seine Berufung in einem Ehrenamt

zu finden, dieses Jahr vielleicht lieber zu

Spenden anstatt zu Schenken oder sich

über soziale oder nachhaltige Projekte in

seiner Umgebung zu informieren.

Aber vor allem hoffe ich, dass Sie

gesund bleiben und trotz der Lage eine

schöne Weihnachtszeit im engsten Kreis

der Familie verbringen können.

FOTO: CLAUDIA DEWALD

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit GAiN entstanden.

Raissa aus Israel ist 93 Jahre alt. Sie sagt:

„Ich bin dankbar, dass mein Kopf gut funktioniert,

er ermöglicht mir Ausflüge in meiner Fantasie,

auch wenn mein Körper schwach ist.“

Am Ende des Lebenskonzerts

Holocaustüberlebende in Israel brauchen Hilfe

Raissa kommt aus der Ukraine. Als Kind hat sie dort

Schlimmes erlebt: Bombenhagel, Flucht, Hunger

und Kälte. Trotz allem geht die ehemalige Pianistin

auch am Ende ihres Lebens noch aufrecht. Sie versucht,

die Schrecken des Alters nicht zu ernst zu nehmen.

Gründe dafür hätte sie genügend. Das Leben in Israel ist nicht

immer das, was sich die eingewanderten Holocaustüberlebenden

erträumten. Viele müssen am Ende ihrer Tage wieder

um das tägliche Überleben kämpfen. Ihre Rente ist gering,

die Anerkennung als unterstützungswürdige Holocaustüberlebende

gelingt nicht allen, die Mieten und die Lebensmittel

sind teuer.

Das lohnt sich nicht mehr!

Raissa hatte schon ihre Koffer gepackt und freute sich auf

ihre neue günstigere Sozialwohnung. Wenige Tage vor dem

Umzug ruft die Behörde bei ihr an: „Leider müssen wir Ihnen

mitteilen, dass Sie die beantragte Sozialwohnung nicht

erhalten können.“ Raissa fragt zurück: „Ja, aber warum denn

nicht?“ Die Behörde: „Na ja, äh, Sie sind in einem Alter, in dem

es sich ja nicht mehr lohnt, äh ...“ So lebt sie eben weiter auf

wenigen Quadratmetern, deren Miete einen großen Teil ihres

kleinen Finanzbudgets verschlingt. Am Ende des Monats

überlegt Raissa oft, ob sie sich die nötigen Medikamente für

Global Aid Network

(GAiN) gGmbH ist ein weltweit

tätiges Mitmach-Hilfswerk,

das viele Ehrenamtliche

ermutigt, ihre soziale Verantwortung

wahrzunehmen.

ihre Gicht- und Arthrosebeschwerden leisten oder sich doch

lieber einmal ein ordentliches Stück Fleisch oder eine Musik-

CD kaufen soll. Musik war immer Raissas Leidenschaft. Auch

bei den wöchentlichen Treffen der Holocaustüberlebenden

hat sie lange Klavier gespielt, bis ihre Gicht zu stark wurde. Die

Treffen müssen in Zeiten von Corona leider ausfallen und werden

sehnlichst vermisst.

Wie Patenschaften helfen

Immer wenn Sébastien von GAiN vorbeikommt, freut sich

Raissa riesig. Und das liegt nicht nur an dem Lebensmittelgutschein,

den er mitbringt. Raissa ist dankbar, weil sie durch

das Patenschaftsprogramm Hilfe und Aufmerksamkeit erhält.

Viele andere Holocaustüberlebende sind einsam, auf sich allein

gestellt und leben in unglaublicher Armut. Patenschaften

helfen dabei, diesen alten Menschen ihre Sorge um Essen, Medizin

und Hilfsmittel abzunehmen. Noch sind 189.500 Holocaustüberlebende

in Israel am Leben, 45.000 unter ihnen gelten

als arm. Jetzt ist die Gelegenheit, ihnen ihre letzten Tage zu

erleichtern. Patenschaften helfen dabei.

Patenschaften@GAiN-Germany.org

Weitere Informationen: GAiN-Germany.org


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Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit DAHW DEUTSCHE LEPRA- UND TUBERKULOSEHILFE entstanden.

FOTO: SIEGFRIED HERRMANN

3. DEZEMBER: Internationaler

Tag der Menschen mit Behinderung

Am Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung – jedes Jahr am 3. Dezember – sollen die

Menschen in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden, die mit einer Behinderung leben müssen.

Auch die DAHW, Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, möchte anlässlich dieses Tages die öffentliche

Wahrnehmung und die Anerkennung von Menschen mit Behinderung fördern und deren Beiträge wie auch

das Erreichte feiern.

Text DAHW

Der Intention der Vereinten

Nationen, die 1993 diesen weltweiten

Gedenk- und Aktionstag

ins Leben gerufen hat, kann sich die

DAHW nur anschließen. Die Aufklärung

der Bevölkerung und das Thema „Integration

von Menschen mit Behinderung

in die Gesellschaft“ ist heute aktueller

denn je. Die Gleichberechtigung und die

volle Teilhabe am Gesellschaftsleben

für benachteiligte Menschen ist ein Ziel,

an dem auch die DAHW, Deutsche Lepraund

Tuberkulosehilfe, in ihren Hilfsprojekten

arbeitet.

Für ein Leben in Würde

Laut Studien der Weltgesundheitsorganisation

WHO leben 15 Prozent aller Menschen

weltweit mit Behinderungen. Rund vier

Millionen Menschen leiden infolge einer

Lepra-Erkrankung an einer Behinderung.

Ihr größtes Ziel ist es, selbstbestimmt und

in Würde leben zu können – genauso wie

Menschen ohne Behinderung.

Aus der Lepra-Arbeit kennt die DAHW

das Leid von Menschen mit Behinderung

nur zu genau. Sogar in Ländern mit

hohem Bildungsstand und funktionierenden

Sozialsystemen ist es schwierig, den

Betroffenen eine normale Teilhabe am

gesellschaftlichen und beruflichen Leben

zu ermöglichen.

So bekommt der Begriff Inklusion für

Leprakranke eine besondere Bedeutung.

Inklusion beschreibt das Recht auf Teilhabe

in der Gesellschaft für alle Menschen und

übersetzt Zugehörigkeit. Inklusion verwirklichen,

das bedeutet: Jeder Mensch wird

akzeptiert und ist gleichberechtigt, dabei

ist es ganz normal, verschieden zu sein.

Zusammen mit 178 Ländern hat sich

auch Deutschland für eine „inklusive

Entwicklung“ verpflichtet, indem

die entsprechende Resolution ratifiziert

wurde. Inklusion ist gleichberechtigte

und selbstbestimmte Teilhabe in

allen Lebensbereichen. Mit der Vorstellung

der nachhaltigen Entwicklungsziele

(auf englisch Sustainable Development

Goals, SDG; fünf der insgesamt

17 Ziele beziehen sich direkt auf

Menschen mit Behinderung), wurde

übereingestimmt, niemanden zurückzulassen.

In den weltweiten Umsetzungen

dieses Ziels, müssen Menschen

mit Behinderung als das wahrgenommen

werden, dass sie sind – effektive

Anwälte des Wandels, deren Beiträge

enorme Leistungen und Vorteile

erbringen.

Über die DAHW:

Im Jahr 1957 in Würzburg von einem

Journalisten als Lepra-Hilfswerk gegründet,

unterstützt die DAHW Deutsche Lepra- und

Tuberkulosehilfe e. V. heute rund 80 Programme

und Projekte in mehr als 20 Ländern,

um armutsbedingte und vernachlässigte

Krankheiten in Afrika, Asien und Lateinamerika

zu bekämpfen und die Gesundheits-

und Lebenssituation der betroffenen

Menschen langfristig zu verbessern. Dazu

fördert DAHW die Forschung sowie die Ausund

Weiterbildung von Fachpersonal und

Gemeindehelfer*innen, liefern medizinisches

Gerät und andere Materialien, sind in der

Fallfindung, Diagnose und Behandlung von

Betroffenen aktiv sowie in der Aufklärung,

Stigma-Bekämpfung und dem Empowerment

(Ermächtigung) von Menschen mit

Behinderung.

dahw.de


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DIE INKLUSIONSARBEIT DER DAHW

Empowerment von Menschen mit Behinderung auf drei Ebenen

Die eigenen Interessen gegenüber anderen

Menschen, Gemeinschaften und Gesellschaften

eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt

vertreten zu können – das ist das Ziel

von Empowerment, der Selbstermächtigung von

benachteiligten Menschengruppen.

Zu diesen benachteiligten Menschengruppen

zählen auch die 1,5 Milliarden Menschen mit

Behinderungen oder Beeinträchtigungen, die den

Vereinten Nationen (UN) zufolge auf der Erde

leben. Die 2008 in Kraft getretene UN-Konvention

über die Rechte von Menschen mit Behinderung

sichert auch ihnen die volle Integration und Teilhabe

am Leben ihrer Gemeinschaften zu. Doch

nach wie vor bestehen vielfältige Barrieren.

Um sie abzubauen und das nachhaltige

Entwicklungsziel der Agenda 2030 der vollen

Partizipation aller Menschen zu erreichen, darf

Behinderung nicht mehr länger als ein Problem

des Individuums verstanden werden, sondern

vielmehr als Folge von umweltbedingten und

sozialpolitischen Umständen, die Bedürfnisse und

Belange von Menschen mit Behinderung nicht

gleichberechtigt und inklusiv berücksichtigen.

Dieser Perspektivwechsel ist heute die Grundlage

aller Programme und Projekte der DAHW

Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, und das

Empowerment von Menschen mit Behinderung

auf drei Ebenen ein zentrales Element (siehe

Grafik).

... auf individueller Ebene

... Die auf Begünstigten individueller unserer Ebene Inklusionsprojekte

Die Begünstigten unserer Inklusionserhalten

individuelle Hilfe zur Sicherung ihrer

projekte erhalten individuelle Hilfe

Lebensgrundlage und für (mehr) Mobilität und

zur Sicherung ihrer Lebensgrundlage

Unabhängigkeit, und für (mehr) beispielsweise Mobilität durch und die Aus­

Unabhängigkeit, stattung mit Rollstühlen beispielsweise

oder Krücken, die Finandurch

zierung die von Rehabilitationsmaßnahmen Ausstattung mit Roll-odestühlen

oder Krücken, die Finan-

wiederherstellenden Operationen, den Bau von

zierung von Rehabilitationsmaßnahmen

barrierefreien

oder

Toiletten

wiederherstellenden

und Wasserstellen oder

Operationen, den Bau von barrierefreien

Toiletten und Wasserstellen

oder durch die Vermittlung von

Behindertenausweisen.

durch die Vermittlung von Behindertenausweisen.

... auf kommunaler Ebene

Seit ... auf Jahren kommunaler verfolgen wir in Ebene unseren Inklusionsprojekten

den Ansatz der gemeindenahen inklu­

Seit Jahren verfolgen wir in unseren

Inklusionsprojekten den Ansatz

siven Entwicklung (Community Based Inclusive

der gemeindenahen inklusiven

Develeopment, Entwicklung CBID), (auf um englisch das Selbstbewusstsein

Community

Menschen Based Inclusive mit Behinderung Develeopment,

zu stärken.

der

Wir CBID), unterstützen um das sie Selbstbewusstsein

beim Aufbau und der Arbeit

der Menschen mit Behinderung zu

von Selbstvertretungsorganisationen, die sich

stärken. Wir unterstützen sie beim

für

Aufbau

die eigenen

und

Rechte

der Arbeit

in ihren

von

Gemeinschaften,

Selbstvertretungsorganisationen,

und Gesellschaften einsetzen. die

Gemeinden

sich für die eigenen Rechte in ihren

Gemeinschaften, Gemeinden und

Gesellschaften einsetzen.

... auf staatlicher Ebene

Als ... auf Expert*innen staatlicher für Inklusion Ebene und Entwicklungszusammenarbeit

betreiben wir Lobbying und

Als Expert*innen für Inklusion und

Entwicklungszusammenarbeit betreiben

wir Lobbyarbeit, um auf globaler

Advocacy, um auf globaler (WHO, UN), europäischer

(WHO, (EU) UN), und nationaler europäischer (BMZ, Gesundheitsministerien)

nationaler Ebene (Bundesministerium die Bedürfnisse von Menschen für

(EU) mit wirtschaftliche Behinderung im sozialen Zusammenarbeit Kontext, im Gesund­ und

Entwicklung, Gesundheitsministerien)

heits ­ und Wirtschaftssektor sichtbar zu machen,

Ebene die Bedürfnisse von Menschen

auf

mit

politische

Behinderung

Prozesse

im

Einfluss

sozialen

zu nehmen

Kontext,

und

strukturelle im Gesundheits- Veränderungen und voranzutreiben.

Wirtschaftssektor

sichtbar zu machen, auf politische Prozesse

Einfluss zu nehmen und strukturelle

Veränderungen voranzutreiben.


75

Prozent

weltweit

Blindheit und Sehbehinderungen

sind häufig vermeidbar

Christoffel-Blindenmission weist auf Mangelversorgung hin

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Weltweit leben 253 Millionen Menschen mit schweren Sehbehinderungen

oder sind blind. Für 75 Prozent von ihnen – das

sind 190 Millionen Frauen, Männer und Kinder – Ihre Behinderung

wäre vermeidbar oder könnte behandelt werden. Darauf

weist die Christoffel-Blindenmission (CBM) am heutigen Welttag

der Menschen mit Behinderungen hin. Doch mangelnde Gesundheitsversorgung

verhindert oftmals Vorsorge und Behandlung.

Grauer Star und nicht ausgeglichene Sehfehler gehören zu den

häufigsten Ursachen von Blindheit und starken Sehbehinderungen.

Bei Grauem Star, auch Katarakt genannt, ist die Linse getrübt.

Sie kann mit einer einfachen Operation durch eine künstliche

Linse ersetzt werden. Betroffene können so ihr Augenlicht

wiedererlangen. Eine Brille oder eine Lupe kann

denen helfen, die starke Sehfehler haben. Andere Ursachen wie

Diabetische Retinopathie und Grünen Star können Augenärzte

nicht heilen, aber – frühzeitig erkannt – gut behandeln und damit

den Sehverlust stoppen. Vorsorge und Behandlung schenken

also Augenlicht.

In Entwicklungsländern jedoch können sich viele Menschen

einen Arztbesuch nicht leisten, weil sie zu arm sind. Außerdem

fehlt es gerade in ländlichen Regionen oft an medizinischem

Personal. Kurz gesagt: Armut führt zu Blindheit. Die CBM arbeitet

daran, diese Wirkungskette zu durchbrechen. Dafür stärkt sie

aktiv lokale Strukturen und sorgt für eine bessere Gesundheitsversorgung

in den ärmsten Regionen der Welt.

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Blind, weil der

Arztbesuch zu teuer ist

Ziel: bessere medizinische Versorgung

in Entwicklungsländern

Dr. Rainer Brockhaus ist Vorstand der

Christoffel-Blindenmission (CBM)

Warum sind immer noch so viele

Menschen unnötig blind?

Brockhaus: Millionen von Menschen

sind blind oder stark sehbehindert,

weil sie arm sind und in einem Entwicklungsland

leben. Sie können sich einen

Besuch beim Arzt schlicht und ergreifend nicht leisten. Hinzu kommt,

dass es in vielen Regionen der Welt Augenärzte oft nur in den größeren

Städten gibt, wo die Landbevölkerung kaum hinkommen kann.

Die CBM bekämpft schon seit Jahrzenten

vermeidbare Blindheit. Was tun Sie konkret?

Brockhaus: Die einfachste und wirkungsvollste Hilfe ist die Finanzierung

von Augenbehandlungen. In unseren Partnerkrankenhäusern

in Entwicklungsländern erhalten auch arme Patienten die notwendige

medizinische Hilfe. Dank der CBM-Spenderinnen und -Spender

haben wir beispielsweise schon 15 Millionen Operationen am Grauen

Star ermöglicht und Menschen so ihr Augenlicht wiedergeschenkt.

Außerdem finanzieren wir sogenannte Außeneinsätze: Hier fahren

Ärztinnen und Ärzte aus den Krankenhäusern regelmäßig in abgelegene

Regionen, um die Menschen dort zu untersuchen und Augenprobleme

frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Nicht zuletzt

engagiert sich die CBM bei der Aus- und Weiterbildung von medizinischem

Personal in Entwicklungsländern.

Was möchten Sie mit Ihrem Engagement erreichen

und was erhoffen Sie sich für die Zukunft?

Brockhaus: Langfristiges Ziel muss eine flächendeckende medizinische

Versorgung in jedem Land der Welt sein, die für alle zugänglich

ist und die sich jeder leisten kann. Um das zu erreichen, ist auch die

deutsche Entwicklungszusammenarbeit gefragt. Sie muss sich noch

mehr als bisher für die Stärkung von Gesundheitssystemen in armen

Ländern einsetzen. Nur so schaffen wir es, dass kein Mensch mehr

durch eine vermeidbare starke Sehbehinderung dauerhaft beeinträchtigt

ist oder gar unnötig erblindet.

Zwei Tage, die das

Leben verändern

Ein Geschenk: Lydia Maundé aus Malawi

bekommt ihr Augenlicht zurück

Lydia Maundé steht vor der großen Tafel an der Wand. Doch obwohl

die Zeichen des Sehtests direkt vor ihrem Gesicht sind, kann die Frau

aus Malawi sie nicht erkennen. Die 56-Jährige ist fast blind. Sie kann

nur noch hell und dunkel unterscheiden. Seit fünf Jahren.

Organisiert wurde der Sehtest von einem lokalen Projektpartner

der Christoffel-Blindenmission (CBM) und die Mitarbeiter geben der

Frau Hoffnung: Sie hat Grauen Star und mit einer Operation kann

sie ihr altes Leben wiederbekommen. Lydia Maundé war zu diesem

Zeitpunkt bei allem auf Hilfe angewiesen. Sie konnte nicht mehr

selbst kochen. Auch an die Landwirtschaft, die ihr zuvor ein kleines

Einkommen sicherte, war schon lange nicht mehr zu denken. Doch

sie wusste nicht, warum sie nichts mehr sehen konnte. Die nächste

Augenklinik ist 70 Kilometer entfernt und der Frau fehlte schlicht das

Geld, um dorthin zu kommen oder eine Behandlung zu zahlen.

Kleiner Eingriff, große Wirkung

Mit etwas Hilfe der CBM ist das aber

kein Problem: Wenige Tage nach dem

Sehtest holt sie ein Wagen des Projektpartners

und bringt sie ins Krankenhaus.

Die Frau schwankt zwischen

Angst und Zuversicht: „Ich glaube, dass

eine Operation das Beste für mich ist“,

sagt sie noch vor dem Operationssaal

sitzend und will doch umdrehen, als

die Tür aufgeht und sie an der Reihe ist. Die Ärztin kann die Kleinbäuerin

aber überzeugen, dass alles gut wird und tauscht bei dem

kurzen Eingriff die eingetrübte Linse des rechten Auges gegen eine

künstliche aus. Eine Nacht noch muss sich die Patientin gedulden.

Als der Verband auf dem ersten Auge entfernt wird, ist ein Moment

Stille. Dann bricht Lydia Maundé in Lachen aus. Freude und Ungläubigkeit

stehen ihr ins Gesicht geschrieben. Sie kann wieder sehen.

Jetzt kann sie die Operation am zweiten Auge gar nicht abwarten.

Der Eingriff ist bereits am Nachmittag und nach einer weiteren Nacht

in der Klinik wird sie wieder nach Hause gebracht. Mühelos steigt sie,

zwei Tage nachdem der Geländewagen sie abgeholt hat, aus dem

Auto und läuft zu ihrem Haus. „Ich bin so froh, meine Enkel sehen zu

können und endlich wieder unabhängig zu sein“, freut sie sich. Kurz

darauf hat sie auch schon eine ihrer Ziegen auf dem Arm und ist umringt

von ihren Enkeln und dem halben Dorf.

Das beste Weihnachtsgeschenk

Ein selbstständiges Leben führen. Alleine einkaufen gehen. Das Enkelkind wiedersehen.

Solche Erfahrungen und Momente erscheinen unbezahlbar. Doch Augenlicht ist bezahlbar:

In den von der CBM geförderten Projekten in Entwicklungsländern kostet eine

Operation am Grauen Star im Schnitt nur 30 Euro. Wer dieses Weihnachten ein ganz

besonderes Geschenk machen will, schenkt einem armen Menschen das Sehen und

spendet eine Augen-OP.

Mehr Informationen unter www.cbm.de/bestegeschenk

Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE46 3702 0500 0000 0020 20 · BIC: BFSWDE33XXX


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Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit CARITAS entstanden.

Sei gut, Mensch!

Text Teresa Wieland

Die Studentin, die für die alte Nachbarin

einkauft, der Kollege, der seine

Mutter pflegt, die Freiwilligen, die

ein Zeltlager organisieren: Jeder

kennt sie. Personen, die sich auf die

eine oder andere Weise für andere

einsetzen. Jedes Gemeinwesen lebt

von Menschen, die bereit sind sich zu

engagieren.

Seit einigen Jahren werden engagierte Menschen

immer häufiger verächtlich als „Gutmenschen“

bezeichnet. Sie gelten als naiv und weltfremd, übertrieben

tolerant und hilfsbereit. Dieses gute Verhalten

durch den Begriff „Gutmensch“ herabzusetzen

und die Engagierten auf diese Weise geringzuschätzen,

ist nicht akzeptabel. Die Aufforderung „Sei gut,

Mensch!“ lädt alle ein, aktiv zu werden. Das heißt,

Menschen beizustehen, ganz konkret und auch politisch,

die Unterstützung brauchen. Und sich entschieden

gegen Herabsetzung und Diffamierung

guten Handelns zu wehren. Nicht umsonst wurde

„Gutmensch“ 2015 zum Unwort des Jahres gewählt.

Die Caritas will ausdrücklich nicht den moralischen

Zeigefinger heben, sondern das gesellschaftliche

Miteinander in den Mittelpunkt rücken. Dieses Miteinander

gelingt nur mit der Unterstützung jedes

Einzelnen. Jede und jeder Einzelne kann etwas tun,

um die Zivilgesellschaft zu stärken.

Viele Menschen fühlen sich angesichts der Digitalisierung,

Globalisierung und Corona-Pandemie

und den damit einhergehenden Veränderungen

in ihrer Arbeits- und Lebenswelt verunsichert

und orientierungslos. Die Sorgen um die eigene

Existenz führen bisweilen dazu, dass die Bereitschaft

zur Toleranz abnimmt. Für viele Menschen

liegt die Lösung darin, sich von anderen abzugrenzen.

Für das Miteinander einer Gesellschaft

ist dies schwierig. Es braucht Menschen und

Akteure, die sich für gesellschaftlichen Zusammenhalt

und eine aktive Zivilgesellschaft

stark machen. Einer dieser „Gutmenschen“ ist

Klaus B., der sich in einer Einrichtung für

Menschen mit Behinderung engagiert. Da wird

gemeinsam gekocht, aber auch draußen mit einer

Trommelgruppe im Wald geprobt. Er ist einer, der

sich solidarisch zeigt mit Menschen, die Unterstützung

benötigen.

Es gibt deutschlandweit viele Haupt- und

Ehrenamtliche, die dies tun. In Organisationen

wie der Caritas, aber auch in kleineren Vereinen

und Initiativen. Indem sie sich mutig gegen

Ausgrenzung und Diffamierung stellen, positionieren

sie sich auch bewusst politisch. Sie sind

weder leichtgläubig noch naiv. Ganz im Gegenteil,

es sind Menschen, die anpacken und ihre Zeit

und Aufmerksamkeit für andere einsetzen. Die

Caritas will Haltung zeigen. Ein guter Mensch zu

sein und Nächstenliebe zu leben darf nicht

verunglimpft werden. Nur gemeinsam mit vielen

können wir alle den Zusammenhalt stärken.

Sei gut, Mensch!

FOTO: DCV/JULIA STEINBRECHT, KNA

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Gutmensch

Jemand, der für

Vielfalt trommelt.

Sei gut, Mensch!

Die ganze Geschichte: SeiGutMensch.de


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Wärme durch Gemeinschaft als Mittel

gegen soziale Kälte und Pandemiesorgen

Es wird immer kälter in Deutschland, aber muss es auch so bleiben? Wer bei dieser Formulierung nur an den einkehrenden

Winter denkt, übersieht eines der größten Probleme unserer Gesellschaft: die soziale Kälte. Während der graue, nasskalte, dunkle

November ohnehin schon auf die Gemüter der Menschen schlägt und Auslöser von Novemberdepressionen werden kann, kommt

durch Lockdown-Maßnahmen und seit Monaten andauernde Kontaktbeschränkungen ein weiterer Aspekt zum Thema Einsamkeit

hinzu. Doch kalt war es in Deutschland schon vor der Pandemie.

Text Lukas Knochel

Das öffentliche Leben ist

lahmgelegt, viele Menschen

sind gezwungen, in ihren vier

Wänden zu bleiben und sich

abzuschotten, um eine Verbreitung des

Coronavirus einzudämmen. Während im

Sommer zumindest Treffen im Freien

meist in irgendeiner Form noch erlaubt

waren, wird es nun bei kälteren und

ungemütlicheren Bedingungen immer

schwerer, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten.

Doch nicht erst die anhaltende Pandemie

hat in Deutschland für immer

weiter ansteigende Einsamkeit, soziale

Kälte und Ungerechtigkeit gesorgt. Seit

Jahren geht die Schere zwischen Arm

und Reich immer weiter auseinander.

Trotz internationaler Bewegungen für

Gerechtigkeit und Feminismus und

gegen Rassismus werden Frauen, ethnische

Minderheiten und sozialschwache

Gesellschaftsgruppen benachteiligt und

teilweise vergessen.

In einem Land, in dem noch immer 25

Prozent der Beschäftigen Mindestlohn

erhalten, Frauen für die gleiche Arbeit

oft noch immer weniger verdienen

oder Menschen mit Behinderung am

Arbeitsmarkt noch immer benachteiligt

werden, muss man auch heute noch von

einer Gesellschaftsstruktur der Kontraste

sprechen.

Allein und einsam durch

die Pandemie

Gerade die aktuelle Pandemie durch

SARS-CoV-2 hat aufgezeigt, wie wenig

auf essenzielle Teile der Gesellschaft

geachtet wird. Medizinisches Personal

wie Pflegekräfte sind ein Rückgrat der

aktuellen Virusbekämpfung. Sie pflegen

die Alten, stellen sich in erster Linie dem

Virus und isolieren sich aus Schutz von

ihrer Familie. Und trotzdem ist die Vergütung

und Überlastung von Pflegekräften

noch immer mangelhaft. Pflegende

Angehörige werden kaum unterstützt,

und ohnehin werden immer mehr ältere

Menschen in die Altersarmut gedrängt.

So sitzen nun in ganz Deutschland

Menschen isoliert von der Außenwelt,

allein mit ihren finanziellen und

zwischenmenschlichen Sorgen in ihren

Wohnungen oder ihren Zimmern im

Pflegeheim. Selbst medizinische Dienste

werden aktuell nur selten persönlich

ausgeübt. Alleinerziehende, die nach

wie vor oftmals finanziell deutlich

FOTO: SARRA GLÄSING

schlechter dastehen als Menschen, die in

einer Familienform leben, haben durch

geschlossene Schulen und Kitas kaum

Zeit, Geld zu verdienen, ohne die Erziehung

ihrer Kinder zu vernachlässigen.

Gemeinschaft durch Ehrenamt

Die Kontaktbeschränkungen sorgen

somit in weiten Teilen der Bevölkerung

für eine Potenzierung der ohnehin anhaltenden

sozialen Ungerechtigkeiten.

Einsamkeit verbreitet sich und isoliert

Menschen nicht nur körperlich, sondern

auch psychisch. Um diese Herausforderungen

so gut es geht zu überstehen,

braucht es ehrenamtliches Engagement.

In vielen kleinen Ortsverbänden, von

Privatpersonen oder den großen

Verbänden gibt es dafür glücklicherweise

immer mehr Angebote, einsame

Menschen zu betreuen, überlastete

Familien oder Alleinerziehende zu

unterstützen und gemeinsam einen Weg

durch die Krise zu finden.

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Jetzt ehrenamtlich

engagieren!

Gemeinsam gegen

Einsamkeit.

© Daisy Daisy - stock.adobe.com

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Sozialverband Deutschland


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23.11.20 16:40


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FÜR

DEN

GUTEN

SWAG

Ein engagiertes Leben ist ein

erfülltes Leben. Gleichzeitig sollen

Aktivismus und Engagement

Spaß machen, um positiven

gesellschaftlichen Wandel nicht

mit dem erhobenen Zeigefinger

herbeizuführen. Viva con Agua

nennt diesen Ansatz „All Profit“,

denn alle sollen etwas vom

Engagement haben: Von den

Engagierten selbst, bis zu

den Menschen die durch die

Wasserprojekte von Viva con

Agua unterstützt werden.

Dieser Gedanke überzeugt.

Immer mehr Menschen setzen

sich für die Vision „Wasser für

alle“ ein. Was motiviert diese

Menschen soziale Verantwortung

zu übernehmen?

JULE

DOHRMANN MOGLI

Ehrenamt, soziales Engagement, Freiwilligenarbeit.

Begriffe, die mir zum ersten Mal in amerikanischen Serien

begegneten, meist für College-Bewerbungen oder

die Optimierung des Lebenslaufs. Aber darum soll es

hier nicht gehen. Dies ist kein Plädoyer für Altruismus,

sondern eine Liebeserklärung an alle Menschen, die

soziale Verantwortung übernehmen. Die sich mit ihren

Mitmenschen und für die Umwelt einsetzen, die laut

sind und nicht nachgeben. Die Welt ist nicht gerecht,

Ressourcen sind nicht fair verteilt und jeden Tag

fliehen Millionen Menschen vor Krieg und Armut. Ich

kann meine Augen nicht mehr davor verschließen, ich

kann meine Empathie nicht abschalten, ich kann nicht

zusehen, wenn Ungerechtigkeit ignoriert wird, und

ich kann nicht darauf warten, dass sich etwas ändert,

während ich selbst nichts verändere.

Seit zehn Jahren gibt es das Menschenrecht auf Wasser.

Aber die bloße Existenz dieses Menschenrechts

bedeutet nicht, dass dies auch für jeden Menschen auf

der Welt Realität ist. Viva con Agua hat mir gezeigt, dass

ich etwas verändern kann, ohne den moralischen

Zeigefinger zu erheben, dass ich andere Menschen mit

Freude und Spaß für ein existenzielles Menschenrecht

begeistern kann. Durch Musik, Kunst und Sport werden

besondere Verbindungen mit Menschen weltweit

geschaffen, und zusammen können wir so die Vision

„Wasser für alle“ unterstützen. Dies ist eine Liebeserklärung

an alle Menschen, die sich zusammen mit mir für

den Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen

einsetzen, die Viva con Agua unterstützen und sich

auch in Pandemiezeiten nicht unterkriegen lassen, die

mit Freude und Energie diesen Verein unterstützen

und nicht aufgeben, bis der letzte Brunnen gebohrt und

das letzte Klo gebaut ist.

Was bedeutet soziale Verantwortung für mich? Die Politik

und die Bildungssysteme überall auf dem Planeten

versäumen es, uns über den wahren Zustand der Welt

aufzuklären. Sie scheitern daran, Stigmata zu überwinden,

unsere Diversität zu repräsentieren und die

Menschheit zu vereinen.

Viele Menschen beziehen ihre Nachrichten ausschließlich

über soziale Medien. Das bedeutet, dass sie in hohem

Maße durch Algorithmen gefiltert werden. Die Dokumentation

„The Social Dilemma“ hat kürzlich wieder einmal

die kollektive Aufmerksamkeit darauf gelenkt, wie wir alle

in unseren eigenen Blasen stecken. COVID-19 hat uns den

realen Kontakt genommen und uns noch mehr isoliert.

Kunst kann die fehlende Verbindung sein, eine Brücke

zwischen diesen Blasen, denn jeder konsumiert Kunst.

Künstler haben die Möglichkeit, übergreifend Informationen

zu verbreiten. Deswegen steckt meine Message

in allem, was ich tue.

Warum mache ich Kunst? Weil ich Angst überwinden

will – meine eigene und die der anderen. Ich glaube,

dass Angst die Wurzel alles Bösen in der Welt ist. Jede

falsche Entscheidung, jeder Krieg lässt sich auf jemanden

zurückführen, der Angst hatte. Ich versuche, mutig

zu sein, indem ich mich verletzlich mache, in meiner

Kunst und auf allen meinen Plattformen. Verletzlichkeit

kreiert Empathie und Verbindung – und das braucht

unsere Welt. Ich spüre die Verantwortung, nicht nur

künstlerisch tätig zu sein, sondern auch über Themen

zu sprechen, die mir wichtig sind: Menschenrechte,

Gleichberechtigung, (Female) Empowerment, Klimawandel,

Homophobie, Rassismus, Nachhaltigkeit. Ich

bin in vielerlei Hinsicht privilegiert, also versuche ich,

mein Privileg und meine Plattform zu nutzen, um

Grenzen zu verschieben.

FOTOS: VIVA CO AGUA

FÜR EINE WELT

OHNE DURST!

Viva con Agua setzt sich für

den Zugang zu sauberem

Trinkwasser und – in Zeiten von

Corona besonders wichtig – für

Hygienemaßnahmen für alle

Menschen ein.

Wer schon einmal bei einer Aktion von

Viva con Agua dabei war, merkt schnell:

Dieser gemeinnützige Verein und sein

internationales Netzwerk stecken voller

guter Laune, voller motivierter und engagierter

Menschen, voller Musik und Leidenschaft.

Auf über 200 Musikfestivals

und etlichen Konzerten ziehen ehrenamtliche

Supporter mit ihren Tonnen

und Fahnen los und sammeln Spenden

in Form von Becherpfand. Die Ehrenamtlichen

organisieren Floßrennen,

Tischtennisturniere oder Flohmärkte, es

gibt Sofakonzerte, Kunstausstellungen

und Sportevents. Die Aktionen sind so

bunt wie die Organisation selbst, denn

Viva con Agua verfolgt einen besonderen

Ansatz: Engagement soll Spaß

bringen – und jeder soll von seinem

Engagement profitieren können.

Bei all der Lebensfreude, die Viva con

Agua ausstrahlt, steht eine Sache stets

im Mittelpunkt: Wasser. Der Grundgedanke

WASSER FÜR ALLE – ALLE

FÜR WASSER begleitet die Arbeit

von Viva con Agua seit der Gründung

im Jahr 2006 bei allen Projekten

und Aktionen. Durch die auf freudvolle

Weise gesammelten Spenden

konnten bisher bereits drei Millionen

Menschen in den Projektgebieten (z. B.

in Uganda, Mosambik, Nepal, Indien

oder Äthiopien) erreicht werden. Es

profitieren also alle: diejenigen, die sich

engagieren, genauso wie die Menschen

in den Projektländern, deren Lebenssituation

sich durch den Zugang zu

sauberem Trinkwasser und sanitärer


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FOTO: PHILIPP WULK

ROGER

REKLESS

Soziale Verantwortung bedeutet für mich in erster

Linie eine Erkenntnis. Die Erkenntnis, dass man mit

seinen Handlungen in seinem Rahmen tatsächlich

Dinge verändern kann und dafür auch Verantwortung

trägt. Große Veränderungen in der Welt beginnen

im kleinen Kreis. Es ist wie der Stein, der ins

Wasser geworfen wird. Eine punktuelle Aktion kann

weite Kreise ziehen. Das bedeutet auch, zu begreifen,

dass man Teil von etwas Größerem ist. Man ist Teil

einer Gesellschaft und kann einen Beitrag leisten,

damit sich diese als Gemeinschaft betrachtet. Gesellschaft

würde ich in diesem Zusammenhang sogar als

die globale Gesellschaft der Menschheit verstehen.

In dem Moment, in dem ich mich als Teil von allem

begreife, werde ich meinem eigenen Verhalten noch

mehr Gewicht beimessen.

Wer soziale Verantwortung übernimmt, hat verstanden,

dass das eigene Verhalten und die eigene

Einstellung die Gemeinschaft beeinflusst und dass

die soziale Verantwortung darin besteht, diesen Einfluss

positiv gestalten und die Gemeinschaft weiterbringen

zu wollen. Das schließt den Erhalt und den

achtsamen Umgang mit unserer Umwelt ein, da sie

die Existenz der Gemeinschaft erst ermöglicht.

All das bedeutet Arbeit – und individuellen Einsatz,

denn diese Erkenntnis ist noch lange nicht so weit

verbreitet, wie sie sein sollte. Ich bin bereit dafür. Ich

arbeite stetig an mir selbst, um der Verantwortung

gerecht zu werden, die diese Erkenntnis mit sich

bringt. Und ich nutze meine Kunst in all ihren

Ausprägungen dazu, sie sichtbar zu machen.

ANNA

GREBHAHN

Ich engagiere mich, weil ich Verantwortung übernehmen

möchte für meine Generation und alle, die nach

mir leben. Mir erscheint eine nachhaltige Entwicklung

und somit intra- und intergenerationale Gerechtigkeit

als das Wichtigste, an dem wir hier auf der Welt gemeinsam

arbeiten können. Und hey – wir leben doch alle

gemeinsam hier! Also sollten wir uns auch umeinander

sorgen und versuchen, Gerechtigkeit zu schaffen,

mindestens in Bezug auf grundlegende Rechte wie den

Zugang zu Wasser und Sanitäranlagen. Insbesondere

der Zugang zu Wasser ist schließlich die Grundlage für

das Leben an sich.

Soziale Verantwortung zu übernehmen, bedeutet für

mich persönlich, auf mehr Gerechtigkeit hinzuarbeiten.

Und wisst ihr was? Bei Viva con Agua macht das auch

noch richtig viel Spaß, weil wir Aktivismus mit den

schönsten Dingen im Leben wie Musik, Kunst oder

Sport verbinden.

MIKA

ECKHARDT

Für mich sind viele elementare Dinge absolut selbstverständlich:

Wasser kommt aus dem Hahn, wenn

ich mal muss, gehe ich ein paar Meter auf die nächste

Toilette und danach wasche ich mir die Hände. Mit

Seife. Weil das aber nicht überall auf unserer Erde

so ist, spüre ich die Verantwortung, mein Privileg zu

nutzen und mich für eine Veränderung einzusetzen.

Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der die

Menschen nicht nur ihr eigenes Wohl vor Augen

haben und in der soziales Engagement ein genauso

alltägliches Phänomen wie Erwerbsarbeit ist. Auf

dem Weg dahin halte ich es für wichtig, dass alle, die

dasselbe Ideal einer gerechten Weltgemeinschaft

verfolgen, mit gutem Beispiel vorangehen. Viva con

Agua bietet mir die Möglichkeit, dieses Engagement

freudvoll auszuleben, indem beispielsweise das

Spendensammeln nicht durch Bilder von Leid und

Armut geprägt ist, sondern von der positiven Energie

von Festivals und Konzerten. Ich kann also Aktionen,

die mit viel Spaß und guter Stimmung verbunden

sind, mit dem Engagement für eine bessere Zukunft

verknüpfen. Außerdem steht hinter Viva con Agua

ein riesiges Netzwerk an inspirierenden Menschen

und Organisationen. Teil dieses Netzwerks zu sein,

bedeutet auch, dass ich überall in Deutschland und

Umgebung, aber auch beispielsweise in Uganda,

Nepal oder Malawi Menschen kennenlernen kann,

die dieselben Werte und Ziele verfolgen.

Grundversorgung deutlich verbessert. Viva

con Agua bezeichnet sich deshalb selbst als

ALL-Profit-Organisation.

Doch die Ausbreitung der Corona-Pandemie

ist aktuell nicht nur für uns eine extreme

Herausforderung. Gerade in anderen Teilen

der Erde können die Folgen von COVID-19

die Gewährleistung des Menschenrechts

auf Wasser gefährden. Deshalb ist in dieser

aktuellen Notsituation Prävention wichtig.

Wasser-, Sanitär- und Hygienemaßnahmen

können helfen, Menschen in Ländern wie

Nepal oder Uganda gesund zu halten, sie zu

schützen und dadurch die lokalen Gesundheitssysteme

zu unterstützen.

Aktuell haben weltweit 579 Millionen

Menschen keinen Zugang zu sauberem

Trinkwasser und rund zwei Milliarden

Menschen leben ohne sanitäre Grundversorgung.

Diese Menschen will Viva

con Agua erreichen – und nutzt dafür die

universellen Sprachen Musik, Kunst und

Sport. In Deutschland genauso wie in den

Projektländern.

Viva con Agua und sein internationales

Netzwerk profitieren vom Engagement vieler

Unterstützer. Wer sich einbringen will, kann

das auf verschiedene Weise tun. Dank der

ausgegliederten Social-Business-Unternehmen

Viva con Agua Wasser GmbH,

Goldeimer gGmbH und die Viva con

Agua Arts gGmbH ist es jedem möglich,

die Vision WASSER FÜR ALLE – ALLE

FÜR WASSER im Alltag mit dem Kauf

von sozialem Mineralwasser, sozialem

Klopapier oder Kunstwerken zu supporten.

Zudem kann sich jeder im Pool der

Ehrenamtlichen registrieren, bei Konzerten

oder Festivals dabei sein, Fördermitglied

werden oder eine eigene Spendenaktion

aufziehen. Die Möglichkeiten, sich im Vivacon-Agua-Kosmos

zu engagieren, sind quasi

unbegrenzt – be part of the family!

SPENDENKONTO:

Empfänger: Viva con Agua

IBAN: DE58 2005 0550 12681 351 81

BIC: HASPDEHHXXX


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FOTO: ANTHONY MOLINA

„Musik für

Mensch und Umwelt“

Milky Chance ist eine international erfolgreiche Band, die erkannt

hat, welche Auswirkungen die Musikbranche auf die Umwelt und den

Klimawandel hat. Mit dem Ziel, der Klimaneutralität so nah wie möglich

zu kommen und ihren CO 2 -Abdruck zu senken, gestalten sie ihre Arbeit

nun Stück für Stück nachhaltiger und umweltbewusster. Im Interview

erzählen sie, welche Veränderungen sie bereits vorgenommen haben

und wie ihre Zukunftspläne aussehen.

Text Sarra Gläsing

Clemens

beim Globalen

Klimastreik

von Fridays for

Future 2019

Als Band unterstützt ihr soziale

Projekte, wie zum Beispiel

Viva con Agua, doch was genau

bedeutet für euch soziale

Verantwortung?

Wir alle sind Teil einer Gesellschaft,

die nur gut funktionieren

kann, wenn wir solidarisch miteinander

leben und füreinander

einstehen. Soziale Verantwortung

zu übernehmen, heißt für

uns als Band, Sprachrohr zu sein.

Reichweite schafft Verantwortung.

Deshalb empfinden wir es

als Notwendigkeit, Organisationen

wie z. B. Viva con Agua oder

SOS Mediterranée in ihrer Arbeit

zu unterstützen und ihnen Gehör

zu verschaffen.

Ihr engagiert euch für mehr

Nachhaltigkeit in der Musikbranche

– zwei Sachen, die

nicht häufig in einem Satz fallen.

Wie passt das zusammen

und inwiefern setzt ihr das

bereits bei euch um? Welche

Änderungen habt ihr vorgenommen

und was steht bei

euch noch auf dem Plan?

Wir finden, dass das eigentlich

ziemlich gut zusammenpasst.

Wir stecken doch alle im Zwiespalt,

wenn es um Nachhaltigkeit

geht, egal ob als Individuum oder

als Gesellschaft. Keine Branche

ist bisher 100 Prozent nachhaltig,

aber alle sollten darauf hinarbeiten

es zumindest annähernd zu

FOTO: DANNY JUNGSLUND

Milky Chance

in Lissabon

zum Start der

„tickets for trees“

Initiative, „Mind

the Moon“-Tour

2020

werden, dazu gehört natürlich

auch die Musikindustrie. Es ist

klar, dass wir nicht so weitermachen

können wie bisher, etwas

muss sich endlich ändern. Wir

glauben, dass die Musikbranche

dabei ein Vorreiter und Teil der

Lösung sein kann – und muss.

Der allererste Schritt war für uns,

die Klimakrise auch als solche

zu benennen und zum Thema

z. B. in Interviews zu machen.

Wir haben dann versucht,

unseren eigenen Negativbeitrag

zu verstehen, also, wie groß ist

eigentlich der Fußabdruck, den

wir als Band hinterlassen? Dazu

haben wir uns Hilfe geholt und

unsere Nachhaltigkeitsmanagerin

an Bord geholt. Wir waren uns

außerdem direkt einig, dass wir

unseren Prozess so transparent

wie möglich auf unserem Blog

teilen wollen, damit andere davon

profitieren können. So richtig

konkret wurde es dann z. B. mit

der Umsetzung von Secondhand-

Merchandise, wo wir unseren

Fans angeboten haben, ihre alten

Shirts vor Ort bei den Konzerten

per Siebdruck bedrucken zu

lassen. Ein großer Teil der CO 2-

Bilanz eines Konzerts entsteht

aus der Anreise der Fans, weshalb

wir als Kompensation unsere

Tickets-for-Trees-Initiative

gestartet haben, indem wir für

jeden Konzertbesucher einen

Setzling in einem Aufforstungsprojekt

finanzieren. Wir sind

außerdem vom Konzept „Think

globally – act locally“ überzeugt,

weshalb gerade die Unterstützung

von lokalen Organisationen

für uns wichtig ist. Auf der „Mind

the Moon“-Tour durch Europa im

Frühjahr haben wir mit verschiedenen

kleinen NGOs Aktionen

geplant und z. B. einen Nachmittag

lang mit den Trash Heroes in

Zürich Müll gesammelt. Die Tour

selbst nachhaltiger zu gestalten,

ist natürlich auch Teil davon.

Unsere Lichtshow besteht z. B.

ausschließlich aus energiesparenden

LEDs und wir schicken

mittlerweile unseren Green Rider

vorab an die Veranstalter, in

dem wir z. B. um das Aufstellen

von Wasserspendern bitten oder

auf die Nutzung von Ökostrom

hinweisen usw. Wir sind trotzdem

noch ziemlich am Anfang

unseres Prozesses und haben

auch schon einige Rückschläge

einstecken müssen, bleiben aber

dran und haben schon einen

Haufen an Ideen, die wir noch

umsetzen wollen.

Wie sind eure Insider-Erfahrungen,

was das Nachhaltigkeitsbewusstsein

bei Musikern

und Veranstaltern betrifft? Ist

das unter Branchenkollegen

ein häufiges und verbreitetes

Thema oder habt ihr vielleicht

sogar schon einmal nachteilige

Erfahrungen gemacht, was das

Booking betrifft?

Zumindest in unserem engeren

Kreis haben wir das Gefühl,

dass das Bewusstsein für das

Thema da ist und auch schon

einige coole Projekte umgesetzt

werden. Vor allem bei Festivals

gibt es ja schon einige tolle

Beispiele, wie einfach die CO 2

-

Bilanz drastisch gesenkt werden

kann. Gerade im Gespräch mit

anderen Künstler(inne)n haben

wir gemerkt, dass man sich gerne

gegenseitig hilft und Erfahrungen

miteinander austauscht.

Benachteiligung beim Booking

haben wir bisher nicht erlebt.

Bereiche wie Touring und Veranstaltung

müssen ganz neu

gedacht werden. Auch ihr seid

berufsbedingt viel unterwegs.

Habt ihr schon einmal darüber

nachgedacht, auf Übersee-

Konzerte und das Fliegen zu

verzichten, um eine bessere

Ökobilanz zu erzielen?

Klar haben wir darüber nachgedacht,

ob es nicht am sinnvollsten

wäre, ganz aufs Touren oder

zumindest das Fliegen zu verzichten.

Nun leben unsere Fans aber

auf der ganzen Welt, und darauf

zu verzichten unsere Musik live

mit ihnen zu teilen, ist für uns

undenkbar. Wir beschäftigen uns

mit dem Thema Nachhaltigkeit

ja mit dem Ziel, weiterhin die

Möglichkeit zu haben, Konzerte

zu spielen und das zu tun, was wir

lieben. Eine nachhaltige Musikbranche

muss nicht zwingend

von großflächigem Verzicht

geprägt sein. Es gibt viele Wege,

die Ökobilanz einer Tour zu verbessern,

ohne auf internationale

Touren gänzlich zu verzichten,

z. B. durch effiziente Routenplanung

oder „Slow Tourism“. Sobald


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man sich näher mit dem Thema

beschäftigt, wird außerdem

schnell klar, dass es z. B. sehr viel

schädlicher wäre, wenn man die

Fans dazu drängen würde, zu uns

zu reisen anstatt andersrum.

Wie sieht es mit eurer Merchandise-Produktion

aus?

Woher kommen eure Sachen,

woraus werden sie hergestellt

und von wem sind sie gemacht?

Neben unserem Secondhand-

Merchandise-Projekt haben wir

uns dazu entschlossen, für unsere

Europa-Tour 2020 eine reduzierte

Auswahl an Merch-Artikeln

herstellen zu lassen, zwei

Shirts, Hoodie und eine Wasserflasche.

Die Textilien wurden aus

GOTS- und Öko-Tex-zertifizierter

Biobaumwolle, vegan und fair

hier in Europa produziert. Wir

haben außerdem einen Teil der

Einnahmen an gute Zwecke wie

Viva con Agua gespendet. Wir

mussten uns allerdings leider

sehr ärgern, als die Shirts dann

einzeln in Plastik verpackt bei

uns ankamen, aber auch solche

Rückschläge gehören eben zum

Lernprozess dazu. Nächstes Mal

stellen wir sicher, dass auf so was

komplett verzichtet wird.

Welche Verantwortung trägt

die Musikbranche und welchen

Beitrag kann diese eurer

Meinung nach leisten, um

nachhaltiger zu werden?

Die Musikbranche hat unserer

Meinung nach eine besondere

Rolle, weil sie zum einen großes

Gehör bekommt und es zum

anderen schafft, Themen emotional

zu transportieren. Musik ist

immer schon Teil von sozialen

Bewegungen gewesen. Das ist

nichts Neues. Genauso wenig wie

die Klimakrise ein neues Thema

ist. Die Dringlichkeit und Dimension

dieser Krise war jedoch nie

so groß wie jetzt, weshalb wir

auch die Musikbranche – so wie

alle Industrien – in der Verantwortung

sehen, jede Möglichkeit

zu nutzen, diese Krise nicht komplett

eskalieren zu lassen.

Wer ist für euch ein Vorbild im

Bereich Nachhaltigkeit?

Vor allem unser nahes Umfeld,

Familie und Freunde inspirieren

uns dazu, nachhaltiger zu leben.

Es motiviert auch zu sehen, wie

viel sich schon verändert hat. Im

Großen und Ganzen ist aber die

Bewegung an sich unser Vorbild,

mit allem, was dazugehört, seien

es „Fridays for Future“-Demonstrationen

mit Tausenden Teilnehmern

oder sei es zu sehen,

wie das Thema auch in der Weltpolitik

langsam ankommt.

Wie steht ihr zu dem Gedanken,

mit der Produktion von CDs

und Platten aufzuhören und alles

komplett auf digitale Wege

umzustellen und anzubieten?

Das ist sowieso die Zukunft, aber

es steht auch gar nicht fest, dass

die digitale Umstellung unbedingt

so viel klimafreundlicher

ist. Die Energie zum Betreiben

von Servern oder die Herstellung

von Smartphones sind auch

ressourcenintensiv. Wir fragen

uns, ob eine nachhaltig hergestellte

Platte vielleicht sogar

klimafreundlicher wäre, als ein

Album etliche Male zu streamen.

Das wäre doch mal ein interessantes

Thema für eine Studie.

Die Corona-Krise macht auch

vor der Musikbranche nicht

halt. Viele Ländergrenzen sind

geschlossen, Veranstaltungen

und Reisen untersagt. Stattdessen

gibt es Angebote für

digitale Live-Konzerte. Wie

habt ihr diese Veränderungen

erlebt und könnt ihr eventuell

positive Dinge aus dieser Zeit

beibehalten? Seht ihr vielleicht

sogar neue Möglichkeiten für

mehr Nachhaltigkeit dadurch?

Als Band wünschen wir uns

nichts mehr zurück, als wieder

auf die Bühne gehen und

live spielen zu dürfen. Für

uns sind Streaming-Konzerte

keine Dauerlösung, sondern die

Begegnung auf Konzerten und

Festivals ist von unschätzbarem

Wert für Kunst und Kultur.

Zu Beginn der Pandemie hatten

wir noch größere Hoffnungen,

dass diese Krise zumindest eine

Chance für die Debatte um das

Klima sein könnte. Mittlerweile

müssen wir aber zugeben, etwas

ernüchtert von den Entwicklungen

zu sein. Wir sind auch

enttäuscht darüber, wie wenig

FOTOS: ANTHONY MOLINA

Wert auf die Veranstaltungsbranche

und die die in ihr tätig sind,

gelegt wird. Wir würden uns z. B.

wünschen, dass Unternehmen

nur dann vom Staat gerettet

werden, wenn sie sich z. B.

Auflagen einer ökologisch

nachhaltigen Entwicklung

verschreiben. Die Corona-Krise

scheint leider nicht das große

Wachrütteln bewirkt zu haben,

welches wir für die Klimakrise

dringend brauchen. Immerhin

haben wir aber nun die Gewissheit,

dass sich Dinge ändern

können, wenn es zwingend

erforderlich ist.

Second-hand

Merchandise

durch Siebdruckverfahren,

„Mind

the Moon“-

Europa-Tour

2020

Milky Chance

bei einer

Cleanup-

Aktion mit den

Trash Heroes

in Prag, „Mind

the Moon“-

Europa-Tour

2020

@milkychance_

official

milkychange.com

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit SOS MEDITERRANEE entstanden.

Menschenleben retten ist Pflicht

Text Petra Krischok

Fast jeden Tag ertrinken

Menschen auf der Flucht über

das Mittelmeer. In diesem

Jahr sind im zentralen Mittelmeer

bereits mindestens 720

Kinder, Frauen und Männer

ertrunken, die Dunkelziffer

liegt weit höher.

Klaus Vogel, Kapitän der Handelsschifffahrt

und Historiker, hat vor fünf

Jahren die zivile Seenotrettungsorganisation

SOS MEDITERRANEE gegründet:

„Es ist unmenschlich und skandalös,

schutzsuchende Menschen im Mittelmeer

wissentlich ertrinken zu lassen. Wir

wollen keine derart tödliche europäische

Außengrenze. Denn auf dem Mittelmeer

wird Recht gebrochen. Das ist inakzeptabel

und Europa unwürdig.“

Die Pflicht, Schiffbrüchige auf See zu

retten, ist im Völkerrecht verankert. Doch

die zivilen Seenotrettungsorganisationen

wurden 2020 durch die Festsetzung ihrer

Rettungsschiffe viele Monate lang davon

abgehalten, Menschen aus Seenot zu retten.

Auch SOS MEDITERRANEE konnte

über vier Monate lang nicht mit ihrem

Rettungsschiff, der Ocean Viking, in den

dringend notwendigen Einsatz fahren.

„Rettungsschiffe wie die Ocean Viking

können der humanitären Katastrophe auf

dem Mittelmeer begegnen“, sagt Verena

Papke, Geschäftsführerin von SOS MEDI-

TERRANEE Deutschland. „Unsere Arbeit

ist unverzichtbar, denn die staatliche

europäische Seenotrettung wurde aus politischen

Gründen Schritt für Schritt eingestellt.

So werden die vielzitierten Werte

Europas zur Makulatur.“ Denn statt selbst

zu retten, bezahlt die EU Libyen, mit ihrer

Küstenwache die flüchtenden Menschen

abzufangen. Sie werden nach Libyen in

Internierungslager zurückgebracht – in

den Kreislauf aus Gewalt und Ausbeutung.

„Das ist Völkerrechtsbruch, keine

Rettung!“, empört sich Verena Papke.

Das zentrale Mittelmeer ist zur tödlichsten

Fluchtroute der Welt geworden.

Und auch im Winter fliehen verzweifelte

Menschen weiter in überbesetzten,

seeuntauglichen Booten und geraten in

Seenot. „Nahrung und Wasser sind meist

nach 24 Stunden verbraucht“, berichtet

Verena Papke. „Die leistungsschwachen

Motoren versagen, Wasser dringt ein, die

Menschen sind stark unterkühlt und in

der langen Dunkelheit orientierungslos

und in Todesangst.“

An Land wird bei Unfällen vom

Rettungsteam nicht gefragt, ob jemand

den Unfall selbst verschuldet hat, woher

ein Unfallopfer kommt oder wohin es

will. Nichts anderes tun die zivilen

Seenotretter: Sie sind die Sanitäter des

Mittelmeeres, sie retten Menschenleben,

weil die Staaten sich aus ihrer Verantwortung

gezogen haben. Seit ihrer Gründung

2015 hat SOS MEDITERRANEE 31.799

Menschen vor dem Ertrinken gerettet.

Für diese Arbeit ist die gemeinnützige

Nichtregierungsorganisation auf die

Unterstützung der Zivilgesellschaft

angewiesen. Auf Menschen, die ihre

humanitären Werte nicht über Bord

gehen lassen wollen. Die Hilfsorganisation

SOS MEDITERRANEE finanziert ihr

Schiff und ihre Arbeit über Spenden.

Helfen Sie mit, Kinder, Frauen und

Männer im Mittelmeer vor dem

Ertrinken zu retten. Spenden Sie jetzt!

SOS MEDITERRANEE

IBAN: DE 04 1005 0000 0190 4184 51

BIC: BELADEBEXXX

Stichwort: Hilfe für Menschen in Seenot

FOTO: ANNA PSAROUDAKI


16

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Kinder

verdienen

es, Kinder

zu sein

FOTO: LUCIAN COMAN/SHUTTERSTOCK

Text Lukas Knochel

Kilometerweit barfuß durch triste

Landschaften laufen, um zur

Schule zu kommen. Du weißt

noch nicht mal, ob es heute

Abendessen gibt, wenn du den zweistündigen

Fußmarsch zurückgeschafft

hast. Doch du weißt trotzdem, dir geht

es besser als so vielen anderen Kindern

in deinem Heimatland. Im Hinterkopf

immer die Gedanken an die beste Freundin,

die letzte Woche an den Folgen einer

Durchfallerkrankung verstorben ist und

schmerzlich vermisst wird.

Was klingt wie ein dramatischer Anfang

eines Kinofilms, ist in den sogenannten

Dritte-Welt-Ländern Alltag für die Kinder.

Die Bundeszentrale für politische Bildung

in Deutschland gibt an, dass täglich

31.000 Kinder an den Folgen von Armut

und Unterernährung sterben.

Millionen von Kindern wird ihre Kindheit

genommen. Sie werden Opfer von

Krieg, Prostitution, Kinderarbeit oder

Sextourismus. Auch schlechte Hygienebedingungen

und der Mangel an ärztlicher

Grundversorgung sorgen immer

noch dafür, dass Lungenentzündungen

und Durchfallerkrankungen weltweit zu

Millionen vermeidbaren Todesfällen bei

Kindern führen.

Hin und wieder branden politische

Debatten in Europa oder Nordamerika

auf, wie den Kindern geholfen werden

könnte, wenn große Katastrophen passiert

sind oder Krankheiten ausbrechen.

Meist nur ein kurzweiliger Scheinwerfer

auf ein andauerndes Problem.

Kinder aus den ärmsten Regionen der

Welt haben weder Zugang zu Bildung

noch zu ärztlicher Versorgung. Von Freizeit

ganz zu schweigen. Die Eltern müssen

unterstützt werden, damit die ganze

Familie über die Runden kommt. Es bleibt

kein Platz dafür, den Gedanken an eine

schulische Ausbildung zu verschwenden.

Die Wege sind zu weit, die Zeit ist zu kostbar.

Es ist einer dieser viel beschriebenen

Teufelskreise, aus denen nur die wenigsten

der Kinder rauskommen.

Umso wichtiger sind die gemeinnützigen

Organisationen, Projekte und auch

einzelne Bemühungen, für Veränderung

zu sorgen und zu helfen. Es kann ganze

Generationen verändern, wenn Schulen

gebaut werden, ja schon allein, wenn eine

grundlegende medizinische Versorgung

aufgebaut wird. Effektiv sind die, die

nachhaltig helfen. Wird die direkte

Versorgung von Kindern mit weitreichenden

Projekten zu Herausforderungen wie

Klimawandel, Armut und Ressourcenverbrauch

vereint, können Kinder über

Generationen hinweg gerettet werden.

Alle Kinder verdienen es, Kinder zu

sein!

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© Maurice Ressel

Mein Arzt kommt

aus Deutschland

German Doctors helfen

ehrenamtlich

in Armutsregionen.

Ohne Ihre Spende geht es nicht: www.german-doctors.de


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Gemeinsam Hoffnung schenken

Was lehrt uns die weltweite

Corona-Pandemie? Im besten

Fall einander zu helfen, wenn

es drauf ankommt. Denn

aktuell bedroht uns alle – ob

in Europa, Asien oder Afrika

– dieselbe Gefahr. Wenn wir

also nur eines aus dieser

Ausnahmesituation lernen,

sollte es Solidarität sein. Als

ein Zeichen von Empathie

und Mitmenschlichkeit, als

Botschaft des Zusammenhalts

ist sie unverzichtbar für unsere

Gesellschaft.

Text Lukas Knochel

Seit Menschengedenken sind

Kinder diejenigen, die am meisten

unter Krisen leiden. Aktuell

wachsen abertausende Mädchen

und Jungen in Flüchtlingslagern

auf. Unter ihnen auch Kinder, die Krieg und

Gewalt erfahren haben. Viele mussten den

Verlust naher Angehöriger oder Freunde

miterleben und tragen seither selbst Verletzungen

und unsichtbare Narben im Inneren.

Wie Hilfsorganisationen berichten,

lebte im Jahr 2019 fast jedes fünfte Kind

in einem Konfliktgebiet. Ihr Alltag findet

zwischen Gewalt, Armut und Krankheiten

statt. Corona-Vorschriften wie Abstandhalten

und regelmäßiges Händewaschen

sind für sie fernab der Realität. Hier fehlt es

schon an Seife und fließendem Wasser oder

gar einer sicheren Mahlzeit am Tag.

Was hingegen vorhanden ist, sind Existenzängste.

Diese Kinder brauchen dringend

Schutz und Sicherheit. Doch ohne

Hilfe schafft es keines von ihnen, selbstbestimmt

und gesund aufzuwachsen.

Mancherorts sprechen wir schon heute

von einer verlorenen Generation. Aber die

Lage ist nicht hoffnungslos: Denn Kinder

sind stark. Sie sind resilient. Sie können

schwere Schicksalsschläge verkraften,

wollen leben und lernen und haben Wünsche

für ihre Zukunft. Vorausgesetzt, dass

wir sie sehen, ihnen zuhören und ihnen

Vertrauen schenken. Dieses Vertrauen

in ihre Fähigkeit, das Leben zu meistern,

ist für Kinder Ansporn und Starthilfe

FOTO: SAVE THE CHILDREN

zugleich. Und: Es ist ein Zeichen von Mitmenschlichkeit.

Für jene, die unverschuldet

in Kriege, Armut oder andere Krisen

geboren werden. Denn jedes Kind hat das

Recht auf Zukunft, egal, wo es geboren

wird. Schauen wir also hin. Geben wir den

Kindern die so dringend benötigte Hilfe

und den Schutz, damit sie ihr Potential

entfalten können.

Hier ist auch die Unterstützung von

Unternehmen und Privatpersonen, die

aktiv werden und sich für Verbesserungen

einsetzen wollen, wichtig. „Gerade in

besonderen Zeiten wie diesen fühlen sich

Unternehmen unter Umständen unsicher

aufgrund der wirtschaftlichen Lage. Doch

in der Corona-Krise gibt es viele Kinder,

die dringend unsere Unterstützung

benötigen“, weiß Tobias Volker Knaup,

Jungunternehmer aus Darmstadt. Mit

vereinten Kräften ist es möglich, dafür zu

sorgen, dass Mädchen und Jungen in

Geborgenheit aufwachsen und Zusammenhalt

spüren. Dafür, dass sie wieder

träumen und unbeschwert wünschen

können.

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IHR UNTERNEHMEN

FÜR KINDER IN NOT

Spenden statt schenken –

Ihre Weihnachtsspende 2020

SPENDEN SIE JETZT:

IBAN: DE92 1002 0500 0003 2929 12

Stichwort: Aktion Weihnachtsspende

oder online unter:

www.savethechildren.de/weihnachtsaktion

© Francesco Alesi / Save the Children

Kinder in Not haben existenzielle Sorgen. Ihr

größter Wunsch? Oft einfach ein Dach über dem

Kopf, nicht mehr hungern müssen, wieder in die

Schule gehen können. Wir wollen, dass Kinder frei

von Existenzängsten aufwachsen, dass sie viele

Wünsche und Träume haben können – für sich

und für ihre Familien. Mit der Teilnahme an der

Aktion Weihnachtsspende helfen Sie, Kinder so

gut zu versorgen, dass sie wieder träumen und

viele fantasievolle und kindliche Wünsche

haben können. Gerade jetzt in Zeiten von Corona

brauchen Kinder weltweit ganz besonders unsere

Unterstützung. Ihre Unternehmensspende kann

Kinderwünsche retten!


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Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit ZIVILER FRIEDENSDIENST entstanden.

COVID-19: Friedensarbeit in fragilen

Staaten muss weitergehen

In Krisen- und Konfliktregionen besteht die Gefahr, dass sich Konflikte

durch die Pandemie verschärfen.

Text Martina Rieken, Koordinatorin Öffentlichkeitsarbeit Konsortium Ziviler Friedensdienst

Die Corona-Pandemie trifft die

Gesellschaften fragiler Staaten

besonders hart. Die Gesundheitsversorgung

steht vor dem

Kollaps. Schwierige Lebensbedingungen

begünstigen die Ausbreitung des Virus

und führen zu einer Zunahme sozialer

Spannungen und häuslicher Gewalt.

Konflikte werden durch Versorgungsengpässe,

Einkommensverluste und Ängste

verschärft. Manch autoritäres Regime

missbraucht die präventiven Maßnahmen

gegen das Virus, um Meinungsfreiheit

und Menschenrechte weiter

einzuschränken. All das bildet einen

gefährlichen Nährboden für Gewalt.

Gerade jetzt ist es also wichtig, die

Friedensarbeit fortzuführen und lokalen

Partnern zur Seite zu stehen – um Konflikte

zu entschärfen, Unruhen vorzubeugen

und Menschenrechte zu schützen.

Lokale zivilgesellschaftliche Organisationen

leisten einen entscheidenden

Beitrag dazu, die Folgen der Pandemie

abzufedern. Sie setzen sich auch unter

eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten

für die Rechte verletzlicher Gruppen ein.

Vielerorts füllen sie staatliche Versorgungslücken,

etwa bei der gesundheitlichen

Aufklärung. Auch die Arbeit des

Zivilen Friedensdienstes (ZFD), einem

Programm für Gewaltprävention und

Friedensförderung in Krisen- und Konfliktregionen,

geht weiter. ZFD-Fachkräfte

unterstützen ihre Partnerorganisationen

dabei, die Friedensarbeit anzupassen und

aufrecht zu erhalten, häufig durch mobile

und virtuelle Kommunikationswege.

In Timor-Leste informiert die Organisation

Ba Futuru die Bevölkerung über

COVID-19-Gefahren und -Schutzmaßnahmen.

„Wir arbeiten sonst viel im

direkten Kontakt mit unseren Zielgruppen

und sind dafür im ganzen Land

unterwegs“, sagt ZFD-Fachkraft André

de la Chaux. „Solche Veranstaltungen

sind aber derzeit nicht erlaubt. Deshalb

sind wir auf virtuelle Möglichkeiten

FOTO: BA FUTURU

Die Organisation Ba Futuru setzt schon

immer auf kreative Wege. In Zeiten

von COVID-19 allerdings vor allem im

virtuellen Raum

umgestiegen.“ Trotz der Ungewissheit,

die mit der Pandemie einhergeht, ist er

im Land geblieben. Als Medienpädagoge

bringt er für die Umstellung auf digitale

Inhalte das nötige Handwerkszeug mit.

„Für meine direkten Kolleginnen und

Kollegen erstelle ich kleine Tutorial-

Videos, die erläutern, wie sie diverse

Programme und Apps im Homeoffice

einsetzen können. Auch eine kleine E-

Learning-Einheit zum Thema Fake und

Hoax News ist in Planung.“

Auch das Ausmaß häuslicher Gewalt

ist vielerorts explodiert. In Bolivien

herrschen strenge Ausgangssperren.

Besonders Frauen und Kinder sind ihren

Peinigern so oft schutzlos ausgeliefert.

ZFD-Partner Centro Juana Azurduy

(CJA) steht ihnen trotz aller Einschränkungen

bei. Das Team aus Juristinnen

und Psychologinnen hat Notrufnummern

eingerichtet. Es berät Betroffene

– seit Oktober auch wieder im Büro

– und bringt Straftaten zur Anzeige.

Um das Schweigen über die Gewalt zu

brechen, klärt CJA über die sozialen

Medien und einen eigenen Radiosender

auf. Zusammen mit anderen Organisationen

fordert CJA die Regierung regelmäßig

auf, Frauen, Jugendliche und Kinder

während der Ausgangssperre besser vor

Gewalt zu schützen.

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© Omar Chimère Diaw

Friedensarbeit unter Corona-Bedingungen?

Das geht!

Zum Beispiel mit Street-Art von Omar Chimère Diaw,

dessen Graffiti in Guinea für COVID-19 sensibilisieren.

Warum das den Frieden fördert

und Gewalt vorbeugt?

Mehr erfahren und weitere Beispiele:

www.ziviler-friedensdienst.org/corona-pandemie


Lesen Sie mehr auf sozialeverantwortung.info 19

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit WELTHUNGERHILFE entstanden.

Mit Gemüse gut gewappnet

Für tausende Menschen in Afghanistan bedeuten die Folgen

der Corona-Pandemie Arbeitslosigkeit, oft sogar Hunger.

Die 50-Jährige Zia Gul hatte Glück: Weil sie im letzten Jahr

mit Unterstützung der Welthungerhilfe einen Gemüsegarten

angelegt hat, haben sie und ihre Familie auch in dieser unsicheren

Zeit genug zu Essen.

Text Stefanie Glinski

Unermüdlich lockerte Zia Gul

Erde und legte frische Beete

an, als sie in ihren neuen Beruf

als Gemüselandwirtin startete.

Vor einem Jahr hatte die 50-Jährige eine

Schulung der Welthungerhilfe besucht

und Saatgut erhalten. Schon wenige

Monate später sah Zia Gul die Resultate

in ihrem Küchengarten: frische Tomaten,

Auberginen, Paprika, Zwiebeln und

Kräuter. Damals konnte sie nicht ahnen,

welchen Lohn sie im darauffolgenden

Jahr für ihre Mühe erhalten würde.

Corona brachte Hunger

Während Zia Gul im Frühjahr wieder mit

dem Gemüseanbau begann, erreichten

beunruhigende Nachrichten ihr kleines

Dorf in der afghanischen Provinz Herat.

Zehntausende WanderarbeiterInnen, die

jahrelang im Iran gelebt hatten, überquerten

die Grenze. Im Nachbarland

war das Corona-Virus ausgebrochen. Es

ging schnell, bis auch in Herat die ersten

Infektionen gemeldet wurden. Angst breitete

sich aus, denn eine gute Krankenversorgung

gibt es hier nicht. Das Stadtzentrum,

Schulen und Regierungsgebäude

schlossen.

Für tausende Menschen in Afghanistan

bedeuten die Folgen der Pandemie

nun Arbeitslosigkeit, oft sogar Hunger.

Lebensmittelpreise schießen in die Höhe

und Importe bleiben aus. Auch in Zia

Guls Dorf standen plötzlich viele ohne

Arbeit und ohne jedes Einkommen da.

„Wir sollten in unseren Häusern bleiben,

damit wir uns nicht anstecken.

Es verbreiteten sich Gerüchte über das

Virus, niemand wusste, was der Wahrheit

entsprach.“

Genügend Essen dank Gemüsegarten

Etwas Verlässliches gab es jedoch: Zia

FOTO: WELTHUNGERHILFE/GLINKSI

Projektteilnehmerin Zia Gul bei der Kräuterernte

in ihrem Gemüsegarten.

Guls Gemüsegarten. Er bot und bietet der

zehnköpfigen Familie in dieser unsicheren

Situation genügend und dazu

gesundes Essen – außergewöhnlich schon

zu normalen Zeiten. Denn über 40

Prozent der Bevölkerung in Afghanistan

können sich nicht ausreichend und

ausgewogen ernähren, bis zu 26 Prozent

der Kinder zeigen Anzeichen von

Mangelernährung. Im vergangenen

Herbst konnte Zia Gul vom verkauften

Gemüse sogar etwas Geld sparen. Auch

das hilft der Familie jetzt aus der Not.

„Niemand hätte ahnen können, dass uns

solch ein Virus treffen würde. Aber dank

des Gartens waren wir so gut auf die Krise

vorbereitet, wie es überhaupt möglich

ist“, sagt Zia Gul. „Meine Arbeit ist zu

Hause, also bin ich nicht arbeitslos

geworden. Meine Kinder können nicht

zur Schule – dafür helfen sie mir jetzt mit

der Ernte“, lächelt Zia Gul.

WELTHUNGERHILFE

Als eine der größten privaten Hilfsorganisationen

in Deutschland setzt sich

die Welthungerhilfe seit ihrer Gründung

dafür ein, dass alle Menschen

die Chance auf ein selbstbestimmtes

Leben ohne Hunger und Armut haben.

Sie leistet Unterstützung im Katastrophenfall.

Darüber hinaus ermöglicht sie

LOREM IP SUM

gemeinsam mit lokalen Partnerorgani-

DOLOR SIT

ihr Leben dauerhaft zu verbessern.

Um ADUNT

ihre Arbeit erfolgreich zu verwirk-

sationen in fast 40 Ländern Menschen,

lichen, ist die Welthungerhilfe auf die

Unterstützung von Spenderinnen und

Spendern angewiesen.

Neben einer klassischen Spende gibt

es auch die Möglichkeit, die Welthungerhilfe

testamentarisch zu bedenken.

Mit schon einem Prozent Ihres Nachlasses

können Sie in den Projekten Großes

bewirken und über den Tod hinaus den

Ärmsten der Armen Hoffnung schenken.

Fordern Sie unverbindlich den

kostenlosen Testamentsratgeber

an.

Marc Herbeck

Telefon 0228 – 22 88 602

marc.herbeck@welthungerhilfe.de

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Zukunft

gestalten

Bedenken Sie die

Welt hungerhilfe in Ihrem

Testament und sichern Sie

so die Lebensgrundlage

vieler Menschen in Not.

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Testamentsratgeber gibt

Ihnen Anregungen zur

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Friedrich-Ebert-Straße 1

53173 Bonn

Telefon 0228 2288-600

www.welthungerhilfe.de/vererben


20

Lesen Sie mehr auf sozialeverantwortung.info

Engagierte Unternehmen und

Organisationen stellen sich vor

OEKO-TEX®– aus Verantwortung für eine nachhaltige(re) Zukunft

Text Johanna Biegalla

Georg Dieners

Generalsekretär

OEKO-TEX®

Mit ihrer fast 30-jährigen Erfahrung

ist die in der Schweiz ansässige

OEKO-TEX® Association weltweit

führend darin, es Konsumenten und

Unternehmen zu ermöglichen, unseren

Planeten durch verantwortungsvolles

Handeln zu schützen. Bestehend aus 18

unabhängigen Mitgliedsinstituten und

Kontaktbüros in weltweit über 60 Ländern,

bietet OEKO-TEX® standardisierte

Lösungen, mit denen Kunden aus dem

Textil-, Mode- und Leder-Bereich ihre

Herstellungsprozesse optimieren können

und somit dazu beitragen, hochwertige

und nachhaltige Produkte auf den Markt

zu bringen. Aktuell nutzen über 16.000

Hersteller, Marken und Handelsunternehmen

in mehr als 100 Ländern die Standards

von OEKO-TEX®. Ihre Labels wie

der STANDARD 100 sowie der LEATHER

STANDARD by OEKO-TEX® stehen für

eine hohe Produktsicherheit und garantieren,

dass alle Bestandteile eines Textilbzw.

Lederproduktes auf Schadstoffe

überprüft worden und somit humanökologisch

unbedenklich sind. Somit dienen die

OEKO-TEX® Labels Millionen Menschen

rund um den Globus nicht nur als Orientierung

für ihre Kaufentscheidungen,

sondern bieten ebenfalls Vertrauen und

Transparenz. Die Mission der Association

ist es, Vertrauen in Textilien und Leder

sowie deren Produktion zu schaffen und

damit Verbrauchern und Unternehmen

ein Höchstmaß an Sicherheit zu bieten.

Zum Produktportfolio der 1992 gegründeten

OEKO-TEX® Association gehören

drei Produktlabel und Zertifizierungen,

eine Zertifizierung für Produktionsstätten,

ein Analysetool für Produzenten

sowie eine Zertifizierung für Chemikalien.

Mit dem jüngsten Zugang MADE IN

GREEN by OEKO-TEX®, bietet der

Zertifizierer seit 2015 ein nachverfolgbares

Label, das Textilien und Lederwaren

kennzeichnet, die nicht nur in umweltfreundlichen

Betrieben unter sozial

verantwortlichen Arbeitsbedingungen

hergestellt wurden, sondern zusätzlich

auch auf Schadstoffe überprüft und somit

nicht gesundheitsschädlich sind. Das

MADE IN GREEN by OEKO-TEX® Label

vereint die Zertifizierung nach dem

bekannten Label STANDARD 100 sowie

STeP by OEKO-TEX®, einem Zertifizierungssystem

für Produktionsstätten.

Dank eines QR-Codes bzw. einer eindeutigen,

individuellen Produkt-ID können

Konsumenten direkt zurückverfolgen, in

welchen Ländern und Produktionsbetrieben

der gekennzeichnete Artikel produziert

wurde. So erhält der Verbraucher

unmittelbar und direkt vor Ort alle

detaillierten Informationen zu einem

Artikel und kann sich so vergewissern,

dass er nachhaltig und fair konsumiert.

Alle Informationen

über MADE

IN GREEN by

OEKO-TEX® und

STANDARD 100 by

OEKO-TEX® finden

Sie hier

oeko-tex.com

Gemeinsam vorsorgen.

Besser helfen.

Der Katastrophe

immer eine Spende

voraus!

Spendenkonto:

D62 3702 0500

0000 1020 30

Jetzt Förderer

werden unter:

Aktion-Deutschland-Hilft.de

Gemeinsam vorsorgen. Besser helfen.

Der Katastrophe immer eine Spende voraus!

Text Manuela Roßbach

Aktion Deutschland Hilft gibt es

seit fast zwei Jahrzehnten – und

ich erinnere mich an die Gründung,

als wäre es gestern gewesen.

Inzwischen haben sich unserem Bündnis

23 Hilfsorganisationen angeschlossen.

Die Idee ist dieselbe geblieben: Jede

Bündnisorganisation leistet genau die

Hilfe, die sie am besten leisten kann. Und

jede kann ihr ganz besonderes Wissen

einbringen.

Seit 2001 konnten wir rund 2.400 Hilfsprojekte

in 130 Ländern umsetzen und

damit das Leid von Millionen Menschen

lindern. Das tun wir bis heute. Wir helfen

nach Tsunamis, Erdbeben und Wirbelstürmen,

wir stehen Familien auf der

Flucht ebenso zur Seite wie hungernden

Kindern, Frauen und Männern.

Doch wir helfen den Menschen nicht nur

in der akuten Not nach einer Katastrophe.

Ein wichtiger Bestandteil unserer weltweiten

humanitären Hilfe ist es, durch

Katastrophenvorsorge-Projekte Leid zu

verhindern, noch bevor es geschieht.

Naturkatastrophen nehmen weltweit

zu. Teils ist das dem Klimawandel

geschuldet. Die ärmsten Länder leiden

oft am meisten unter den Folgen. Umso

wichtiger ist es, Menschen in Risikogebieten

besser auf Naturkatastrophen vorzubereiten

– damit Erdbeben, Tsunamis,

Stürme oder Dürren nicht zu humanitären

Katastrophen werden.

Es gibt viele Beispiele für Katastrophenvorsorge.

Erdbebensicheres Bauen

rettet Leben. Getreidespeicher wappnen

gegen Hunger. Hygieneprojekte bekämpfen

Seuchen wie Corona. Schulungen

helfen Kleinbauern, sich besser auf

Dürren vorzubereiten. Und: Sie ist effizient.

Jeder Euro, der in Vorsorgeprojekte

fließt, spart später Geld beim Wiederaufbau

und der akuten Nothilfe.

Die aktuelle Pandemie hat uns allen

gezeigt, wie Katastrophen von einem Tag

auf den anderen alles verändern können.

Keiner weiß, wann die nächste passiert.

Doch wenn sie passiert, müssen wir bereit

sein. Lassen Sie uns gemeinsam schneller

sein als die Katastrophe. Ihre Spende von

heute kann morgen Leben retten!

Übrigens: Eine regelmäßige Spende

gibt uns mehr Planungssicherheit für

unsere weltweiten Hilfsprojekte. Und Sie

helfen immer genau dort, wo Hilfe am

schnellsten gebraucht wird!

Manuela Roßbach

geschäftsführende

Vorständin von

Aktion Deutschland

Hilft

Explosion

im Beiruter

Hafenviertel.

FOTO: KIRCHE IN NOT

Libanon am Abgrund –

Hilfe für die Opfer der Explosionskatastrophe

Text Tobias Lehner

Am 4. August brach über Beirut die

Katastrophe herein. Eine der größten

nichtnuklearen Explosionen der

Menschheitsgeschichte riss die Stadt

in Trümmer. Die Folge: Rund 200 Tote,

über 6.500 Verletzte, mehr als 300.000

Obdachlose. Der Libanon, schon vorher

geschwächt durch Politik- und Wirtschaftskrise,

steht am Abgrund. Viele

Libanesen haben sich schon vor der

Explosion die Frage gestellt: Gehen

oder Bleiben? Der Druck zu Neuanfang

im Ausland hat sich weiter verstärkt.

Das gilt auch für die Angehörigen der

christlichen Gemeinde in Beirut. Das

christliche Viertel liegt nahe am Hafen,

dem Explosionsort. Es ist darum besonders

schwer getroffen.

Kirchliche Anlaufstellen sind

für die Menschen da

Doch es gibt vereinzelte Lichtblicke in

Beiruts Trümmerfeld. Neben zahlreichen

Hilfsorganisationen sind die kirchlichen

Mitarbeiter vor Ort und versorgen die Menschen

so gut sie können. Eine von ihnen

ist Schwester Rita. Sie arbeitet im „Schutzzentrum

für Mütter und Kinder“. Ihre

Einrichtung hat vor der Explosion etwa

120 Familien betreut, jetzt sind es 500. Es

gibt eine Suppenküche und eine Ausgabestelle

für Nothilfepakete. Darin sind zum

Beispiel Konserven, Hygieneartikel und

andere Kleinigkeiten für den persönlichen

Bedarf. Tausende Menschen sind darauf

angewiesen. Nun, zu Beginn des Winters,

stehen im Schutzzentrum und den benachbarten

Häusern dringende Reparaturen

an – Dächer müssen abgedichtet, neue

Fenster eingesetzt werden. „Die Lage ist

dramatisch, weil die meisten Menschen

nichts haben. Aber wir halten zusammen“,

sagt Schwester Rita. Doch ohne Unterstützung

aus dem Ausland geht es nicht.

Helfen Sie den Überlebenden der

Explosionskatastrophe im Libanon!

• 25 Euro füllen ein Nothilfepaket für eine

Familie für einen Monat.

• 50 Euro unterstützen die Hilfe von

Schwester Rita für alleinerziehende

Mütter und ihre Kinder.

• 250 Euro helfen, Wohnungen und

öffentliche Einrichtungen im christlichen

Viertel Beiruts instandzusetzen.

KIRCHE IN NOT

LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509

0300 0002 1520 02

BIC: GENODEF1M05

Online-Spende:

spendenhut.de

Verwendungszweck:

Libanon

kirche-in-not.de


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22

Lesen Sie mehr auf sozialeverantwortung.info

„Influencer

sind wir alle!“

Ich habe jetzt auch mal diese

vegane Wurst gekauft und du

hast Recht, die schmeckt fast

wie die Leberwurst, die ich

schon immer esse. Hat nur

weniger Fett und ist gesünder.“,

entgegnete mir mein Opa neulich

am Esstisch.

Text Victoria Müller

Mein Opa isst nun also auch mal

die vegane Wurst, weil sie ihm

genauso schmeckt und für ihn

ein gesundheitliches Plus hat.

Thema war die besagte vegane

Wurst einige Monate zuvor

und wurde damals noch vehement abgelehnt.

Veganismus ist oftmals noch ein schwieriges

Thema. Vegane Ernährung wird mit Mangelerscheinungen,

geschmacklosen Tofu-Klumpen

und Körnern gleichgesetzt. Aber die Zeiten sind

definitiv vorbei – spätestens seit mein Opa sich

genüsslich die vegane Leberwurst auf seine Stulle

schmiert. Und damit ist er nicht alleine. Letztes

Jahr lag der Absatz veganer Produkte weit höher

als in den Jahren davor. Im Jahr 2019 wurden 1,22

Milliarden Euro Umsatz mit veganen und vegetarischen

Lebensmitteln erzielt. Zum Vergleich

waren es 2017 noch rund 736 Millionen Euro. Auch

die Zahl der Veganer:innen steigt stetig. Laut

aktuellen Studien leben in Deutschland zwischen

1,13 und 2,6 Millionen Menschen vegan. Zum

Vergleich: Noch 2008 gaben bei der Nationalen

Verzehrsstudie II weniger als 80.000 Menschen an,

sich vegan zu ernähren.

Veganismus hat angesichts des Klimawandelns,

steigender Bevölkerungszahlen und anderen

Faktoren eine unbedingte Daseinsberechtigung.

Denn häufig können pflanzliche Lebensmittel

ressourcenschonender produziert werden, sparen

CO 2 und Wasser ein. Es ist übrigens ein moderner

Mythos, dass für den Tofu Burger Regenwälder

abgeholzt werden. Denn tatsächlich landet das

meiste weltweit angebaute Soja in den Futtertrögen.

70 bis 75 Prozent der weltweiten Sojaernte

sind für die industriellen Fleischproduktion

bestimmt. Tatsächlich stammen die Sojabohnen

für den menschlichen Verzehr überwiegend aus

Europa und Kanada und für das Tofuwürstchen

wird somit kein Regenwald abgeholzt.

Rund

1,3

Millionen Menschen in Deutschland

leben vegan oder verzichten weitgehend

auf tierische Produkte.

Rund 8 Millionen Menschen in Deutschland

leben bereits vegetarisch.

„Aber wenn du jetzt nur noch diese Wurst isst,

musst du aufpassen, dass du keine Mangelerscheinungen

bekommst“, feixt meine Oma lachend

Richtung Opa. Ein Thema, mit dem VeganerInnen

sich immer wieder konfrontiert sehen und das man

durchaus (unabhängig der eigenen Diät) immer

Ernst nehmen sollte. Tatsächlich ist es so, dass

über die vegane Ernährung oftmals nicht genug

Vitamin B12 aufgenommen wird. Dieses kann man

aber sehr leicht supplementieren. Das ist dann aber

häufig das Totschlagargument gegen den Veganismus

– Stichwort: unnatürlich! Eigentlich könnten

wir B12 über Obst und Gemüse aufnehmen, denn

die Böden waren mal voll mit den Bakterien, die

B12 produzieren. Durch ausgelaugte Böden und

einer sterileren Umwelt können wir B12 aber nicht

mehr über diesen natürlichen Weg bekommen. Das

gilt übrigens für Tiere genauso, denn das B12, das

man über Fleisch zu sich nimmt, wird häufig auch

einfach supplementiert.

„Übrigens, die Schwarzwälder Kirschtorte eben

war auch vegan!“, überrascht meine Mutter den

halben Tisch. „Das glaube ich nicht!“, entgegnet

mein Opa schon fast entsetzt. „Hättest du das

vorher gesagt, hätte ich wohl nicht probiert. Die war

aber echt lecker. Machst du die nochmal?“ Essgewohnheiten

sind letztlich auch nur Gewohnheiten.

Häufig spielen unsere Gedanken und Emotionen

dabei eine wichtige Rolle. Im Bezug auf pflanzliche

Kost muss man sich vielleicht manchmal überraschen

lassen, auch mal etwas Neues ausprobieren

und andere Wege einschlagen. Denn das Schöne

dabei ist, vegane Ernährung tut wirklich niemandem

weh – weder Tier, noch Mensch.

Victorias

Patenschwein

Tinkerbell im

Tierheim Berlin

@victoria

vanviolence

victoriavanviolence.com


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Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND entstanden.

FOTO: FEDOROVACZ/SHUTTERSTOCK

Backen mit Herz

Wer kann ihr schon widerstehen, der süßen Verführung? Wenn es in der Küche nach

frischem Gebäck duftet, läuft uns allen das Wasser im Munde zusammen. Süßes

schmeichelt der Seele und tut einfach gut. Mit ein paar Tricks ist es dabei ganz einfach,

sich für die Tiere in der Landwirtschaft starkzumachen.

Text Verena Jungbluth, Chefredakteurin | Leitung Veganismus beim Deutschen Tierschutzbund

Betörender Duft zu allen Gelegenheiten

– Kuchen bringt

Menschen aller Generationen

zusammen, verzaubern unsere

Geschmacksknospen und sind mit

zahlreichen Erinnerungen verbunden.

Ob es das wohlgehütete Familienrezept,

der zeitlose Klassiker oder die neueste,

gerade angesagte Trendkreation ist, ein

Fest oder Geburtstag ohne Torten und

Cupcakes ist für die meisten Menschen

völlig undenkbar.

Tierliebe fängt beim Essen an

Bis heute ist es für die meisten Menschen

selbstverständlich, beim Backen tierische

Zutaten zu verwenden. Schließlich sind

die Rezepte erprobt und das Ergebnis

schmeckt einfach köstlich. Jeder hat mindestens

einen Lieblingskuchen und freut

sich jedes Jahr erneut auf die traditionellen

Weihnachtsplätzchen – und genau das

soll auch so bleiben. Aber tatsächlich gibt

es heute genügend Gründe, den Konsum

tierischer Produkte zu hinterfragen. Denn

genau jetzt in diesem Moment leiden

Milliarden Tiere, verschwinden Arten und

ächzt die Erde unter unserem Raubbau

an der Natur. Unsere Ernährungs- und

Lebensweise hat direkte Auswirkungen

auf die Tiere sowie Menschen weltweit,

die Umwelt, das Klima, die globalen

Ressourcen und die gesamte biologische

Vielfalt. In der heutigen Produktion

unserer Lebensmittel liegen die größten

Tierschutzprobleme unserer Zeit. Eier,

Milch, Käse, Fleisch und Fisch sind nicht

nur Lebensmittel. Es sind Teile oder

Produkte von Tieren, die einmal geatmet,

deren Herzen geschlagen haben – und

das in einem System, das ihre Bedürfnisse

völlig missachtet. Dabei liegt es in der

Macht jedes Einzelnen, etwas dagegen

zu tun und ein Zeichen zu setzen – durch

einzelne vegane Mahlzeiten oder eine

gänzlich pflanzliche Lebensweise. Denn

Tierschutz beginnt in unserem Alltag und

Tierliebe fängt beim Essen an.

Weil jede Mahlzeit zählt

Auf pflanzliche statt tierische Zutaten zu

setzen, bedeutet nicht, auf kulinarische

Vielfalt oder Geschmackserlebnisse zu

verzichten. Im Gegenteil: Neben unzähligen

herzhaften Gerichten sind auch

Kuchen und Torten im Handumdrehen

ohne tierische Zutaten zubereitet. Denn so

vielfältig wie die Rezeptkreationen sind

auch die pflanzlichen Alternativen für

Milch, Sahne, Butter und Ei. Von Hafer-,

Soja- und Mandel- über Reis- und Cashewbis

hin zu Kokos- oder Haselnussdrinks

– die pflanzlichen Milchalternativen bestechen

allein schon durch ihre Bandbreite.

Unabhängig von der individuellen

Geschmacksnote eignen sie sich durch die

Bank weg wunderbar als Milchersatz in

Kaffee oder im Müsli und ersetzen die Kuhmilch

im Kuchenteig einwandfrei. Darüber

hinaus gibt es verschiedene Barista-Editionen,

die sich wunderbar aufschäumen

lassen und so auch den Cappuccino oder

Latte macchiato völlig tierleidfrei auf die

Kaffeetafel bringen. Ergänzt wird die

Drinkpalette durch Sahnealternativen, die

sich wunderbar für Cremes und den Teig

oder – wenn sie als aufschlagbar gekennzeichnet

sind – als Sahnehaube für den

Kuchen eignen. Auch vegane Margarine

gibt es in zahlreichen Varianten, und

eingeweichte Leinsamen, Fruchtmus, Sojamehl

oder Ei-Ersatzpulver ersetzen die

Eier im Kuchenteig tadellos. Es gibt heute

keinen Grund mehr, die pflanzlichen Produkte

nicht einfach mal auszuprobieren.

Es ist an der Zeit, dass jeder zumindest

einmal darüber nachdenkt, ob es denn

wirklich immer das Ei oder die Kuhmilch

sein muss und ob ein Kuchen, den jeder im

Handumdrehen auch vegan zubereiten

kann, es wirklich wert ist, dass dafür Tiere

leiden und sterben müssen. Für uns ist es

doch ein Leichtes, mal etwas Neues auszuprobieren,

die so beliebten alten Rezepte

kreativ abzuwandeln und einen Blick über

den eigenen Tellerrand hinaus zu wagen.

Für die Tiere geht es um ihr Leben.

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© agneskantaruk – stock.adobe.com


MENSCHENRECHTE

WAHRHEIT ODER FAKE?

Die digitale Welt verändert unseren Alltag – und auch die

Arbeit von Amnesty International. Mitarbeiter Sam Dubberley analysiert

Videos und Fotos, um Menschenrechtsverbrechen aufzudecken.

derzeit 120 Ehrenamtliche, Studierende an Universitäten

in vier Kontinenten. Er bildet die jungen Menschen aus,

damit sie für Amnesty Bildmaterial im Internet sichten

und herausfinden, was auf den Videos und Fotos tatsächlich

zu sehen ist. „Viele Täuschungen können ganz schnell

aufgedeckt werden: Jemand postet ein Video und behauptet,

es zeige ein Selbstmordattentat in Syrien. Wir finden

dann aber heraus, dass das Video bereits vor drei Jahren

erschien und aus dem Irak stammt“, erklärt Dubberley.

SAM DUBBERLEY

„Wir sehen täglich Bilder des Schreckens.

Um Traumatisierungen vorzubeugen, werden unsere

Ehrenamtlichen fortlaufend von uns betreut.“

Achtzehn Gefangene knien im Wüstensand, die Hände

gefesselt, die Köpfe in schwarze Säcke gehüllt.

Männer mit Maschinenpistolen treten heran und

erschießen die Gefangenen. Bilder des Schreckens. Im

Sommer 2017 tauchte dieses Video auf und verbreitete

sich blitzschnell im Netz. Wer hatte es hochgeladen? Wer

sind die Gefangenen, wer die Mörder? Zeigen die Bilder

tatsächlich eine Hinrichtung oder ist die Szene gestellt?

„Solche Videos sind für unsere Arbeit ungemein wichtig

geworden“, sagt Sam Dubberley. Der gebürtige Brite

arbeitet in Berlin für das internationale Krisenteam. „Viele

Amnesty-Berichte sind durch gepostete Bilder und Videos

überhaupt erst möglich geworden. Aber wir hinterfragen

alles.“

Verbrechen dokumentieren

mit einem Klick

Dank Smartphone mit Kamera können potenziell Menschen

weltweit journalistisch arbeiten. In Ländern ohne

freie Presse ist das besonders wichtig: Nur ein Klick – und

ein Verbrechen ist dokumentiert. Ein weiterer Klick – und

es ist online. Aber genauso schnell kann auch eine Fälschung

in Umlauf gebracht werden. Dubberley hat deshalb

ein Netzwerk zur Überprüfung digitaler Bilder ins Leben

gerufen. Das Digital Verification Corps (DVC) umfasst

Besondere Kennzeichen helfen, eine Aufnahme zu lokalisieren:

„Wir sehen zum Beispiel im Hintergrund eine auffällige

Moschee oder eine merkwürdige Anordnung von

Bäumen. Danach können wir auf Satellitenbildern suchen,

um den Ort einer Aufnahme genau zu bestimmen.“

Hinrichtungsvideo schreibt

Rechtsgeschichte

Amnesty kann Opfern von Menschenrechtsverletzungen

nur dann glaubhaft eine Stimme verleihen, wenn die Informationen

auch stimmen. Das ist umso wichtiger, als

Machthaber immer häufiger dazu übergehen, unbequeme

Nachrichten als Fake News zu denunzieren, um die

öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Das Hinrichtungsvideo mit den 18 Gefangenen konnte

dank digitaler Recherchearbeit verifiziert werden und hat

Rechtsgeschichte geschrieben. Der Internationale Strafgerichtshof

in Den Haag hat erstmals einen Haftbefehl

aufgrund eines Internet-Clips erlassen.

Nur mit Ihrer Unterstützung funktioniert unser Einsatz!

Stärken Sie unsere Arbeit für die Menschenrechte auch in

Zukunft und bedenken Sie Amnesty in Ihrem Testament.

Vielen Dank.

Bestellen Sie unseren kostenfreien Ratgeber zur

Nachlassplanung unter: www.amnesty.de/inzukunft

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