Paracelsus Today

SchobaPartnerGmbH

Dezember 2020

DAS MAGAZIN DER PARACELSUS PRIVATUNIVERSITÄT FÜR SALZBURG UND NÜRNBERG

PARACELSUS

TODAY

3

Dezember 2020

Künstliche

Intelligenz

Ein digitaler Gesundheitsassistent

beschert Jama Nateqi den Titel

Österreicher des Jahres im

Bereich Forschung

NEUER SCHUB

EVER Pharma

kooperiert mit PMU

IM GESPRÄCH

Primaria mit 44 Jahren

am Uniklinikum


EDITORIAL

Bleiben Sie

in Bewegung!

Lockdown! Schon wieder. Abriegeln, Isolieren,

Abstand halten, Unterbindung von Kontakten zwischen

Menschen. Damit haben wir lernen müssen zu

leben - zeitweilig, nicht für immer. Diese Zeilen wurden

mitten im zweiten Lockdown geschrieben und wollen

aufmuntern. Es geschieht so viel Gutes in unserer

Gesellschaft, auch in Krisenzeiten. 2020 war das Internationale

Jahr der Pflegenden. Die gesellschaftliche Bedeutung

der Pflege muss in Corona-Zeiten wahrlich

nicht mehr betont werden, das Bewusstsein dafür ist geschärft

und Tausende haben in diesem Jahr Großartiges

geleistet. Auch Ärztinnen und Ärzte und viele andere

in diesem Land. Dafür gebührt Anerkennung.

Stolz ist die Uni auf ihren Alumnus Jama Nateqi. Er

hat einen digitalen Gesundheitsassistenten „erfunden“,

der auf Basis Künstlicher Intelligenz Personen digital

auf das Corona-Risiko testen kann. Die Stadt Wien

setzt diesen „Assistenten“ im Kampf gegen das SARS-

CoV-2-Virus bereits ein. Mittlerweile hat Nateqi zahlreiche

Auszeichnungen eingeheimst. Lesen Sie darüber

in diesem Heft.

Mit interessanten Geschichten aus der Welt der Paracelsus

Universität und ihrer Partner wollen wir zeigen,

dass die Wissenschaft weltweit immer Entwicklungen

vorangetrieben und Lösungen gefunden hat.

Der mit 85 Jahren älteste der drei aktuellen Medizin-Nobelpreisträger,

Harvey James Alter, hat seine

Hepatitis-Forschungsarbeit über 50 Jahre in einem

Satz zusammengefasst: „Man weiß zwar noch nicht,

wohin man gehen wird, aber man bleibt immer in Bewegung.“

Bleiben Sie gesund und optimistisch!

Inhalt

Ihr Dr. Gottfried Stienen

Chefredakteur

10

Spotlight Premiere in der Pharmazie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .4

FocusOn Der Medizin-Nobelpreis rückt drei Forscher in den Fokus, die den Hepatitis-Virus identifizierten. . . . . . . . . . . . . . .6

Promotion In Salzburg und Nürnberg feierten auch in Corona-Zeiten die Absolventinnen und Absolventen des

Humanmedizinstudiums ihren Abschluss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10

Alumni Jama Nateqi ist „Österreicher des Jahres“ im Bereich Forschung. Er studierte an der Paracelsus Universität in Salzburg .12

Inside Im Ruhestand: PMU-Gründungsrektor Herbert Resch und Kanzler Michael Nake verabschiedeten sich im Herbst

2020 quasi im Doppelpack . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .16

Education Er ist mehrmaliger „Teacher of the Year“ am Institut für Anatomie und Zellbiologie: Martin Hudelmaier . . . . . .18

Research Die Paracelsus Universität und das Unternehmen EVER Pharma wollen die Pharmazie in Salzburg etablieren 20

VeryPersonal Die Universitätsklinik für Kinder-und Jugendpsychiatrie wird von weiblicher Hand geführt. Primaria

Belinda Plattner schreibt auch Kinderbücher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26

Update Die Pille hat das Leben von Millionen Frauen und Paaren verändert und feiert ihren 60. Geburtstag . . . . . . . . . . . . 28

Friends Rudolf Brenner hat Unternehmergeist und Mut. Nun baut er eine Goldfabrik und schätzt die Arbeit der

Paracelsus Universität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34

Pointof View Werden Patientinnen und Patienten digitale Medizin annehmen? Gedanken von PMU-Vizerektor

Wolfgang Söllner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38

26

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3


SPOTLIGHT

Impressum

Fotos: PMU/wildbild

Gelungener Einstand

Freude herrschte bei zwei „Premierenfeiern“ an der Paracelsus

Universität: Während der Universitätslehrgang Early Life Care

seine ersten Masterabsolventinnen hervorbrachte, feierte man im

Pharmaziestudium die ersten Bachelors.

HARMAZIE-PIONIERE … Ein großes

Ereignis im kleineren Rahmen und

unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen

wie Sicherheitsabstand,

Einlassregelungen und permanenter

Maskenpflicht, fand am 9. Oktober

2020 statt: Die 22 frisch gebackenen

Bachelors der Pharmazie und somit Pioniere

des 2017 am Standort Salzburg

gestarteten Pharmaziestudiums erhielten

in einer akademischen Feier im

Jörg Rehn Auditorium der Paracelsus

Universität ihre Dekrete überreicht.

Mehr dazu unter: https://bit.ly/34Ji4FW

... UND ELC-DEBÜTANTINNEN. Der

Universitätslehrgang Early Life Care

(ELC), eine Kooperation von Paracelsus

Medizinischer Privatuniversität

und St. Virgil Salzburg, erlebte am 26.

September 2020 eine Premiere. In einer

Abschlussfeier im EVER Pharma

Auditorium der Paracelsus Universität

feierten 23 Absolventinnen ihren Abschluss

als Master in Early Life Care.

Trotz der Einschränkungen durch CO-

VID-19 freuten sich alle im Saal und im

Live-Stream an den Bildschirmen mit

den Pionierinnen des Jahrgangs 2016.

Mehr dazu unter: https://bit.ly/3kXkBCY

Paracelsus Today

Paracelsus Today ist das Magazin der

Paracelsus Medizinischen Privatuniversität

in Salzburg

Auflage: 32.150 Stück

Medieninhaber und Herausgeber:

Paracelsus Medizinische Privatuniversität

Salzburg - Privatstiftung,

Strubergasse 21, 5020 Salzburg, Tel.

+43 (0)662/24200, www.pmu.ac.at

Verlag: Magazinmanagement und

Verleger: Schoba & Partner GmbH,

Friaulweg 4, 8042 Graz,

www.schoba.at, Geschäftsführerin:

Mag. Eva Schoba

Chefredakteur: Dr. Gottfried Stienen

Chefin vom Dienst: Sabine Ritzinger

Art-Direktion: Erich Schillinger

Mitarbeiter/-innen dieser Ausgabe:

Andreas Aichinger, Wolfgang Bauer,

Prof. Joachim H. Ficker,

Sabine Ritzinger, Ilse Spadlinek,

Dr. Gottfried Stienen

Fotos: i-Stock, Giulia Iannicelli, Klinikum

Nürnberg, Nobel Media, Rudi

Ott, SALK, Michael M. Vogel, Symptoma,

wild&team fotoagentur gmbh,

philor/Harald Klemm, Johns Hopkins

University

Coverfoto: wildbild

Hersteller: Walstead Leykam Druck

GmbH & Co KG, Bickfordstraße 21,

7201 Neudörfl

Alle Angaben ohne Gewähr. Haftung

für Irrtümer und Änderungen ausgeschlossen.

Satz- und Druckfehler

sowie alle Rechte vorbehalten.

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Pappas Tirol GmbH, Pappas Steiermark GmbH; 0800 727 727; www.pappas.at


Ein

Virus

mit

„W

ir bekamen dort jeden

Morgen neben der

normalen

Stationswäsche

auch die

OP-Wäsche. Da gab

es manche Teile, die mit Blut getränkt

von der Ansteckung mit einer Viruserkrankung,

die jetzt wieder in den Blickpunkt

gerückt ist: Hepatitis C.

Erste Verdachtsmomente.

Bereits im Jahr 1883 war die norddeut-

waren, insbesondere bei den teilweise

schwer verletzten Unfallopfern. Wir

sortierten sie dann nach Farben und

Material mit bloßen Händen, Handschuhe

gab es dafür nicht.“ Diese für

heutige Ohren überaus verstörenden

Erinnerungen beziehen sich auf einen

Studentenjob in der Wäscherei einer

deutschen Unfallklinik, irgendwann

Anfang der 1970er-Jahre. Gesammelt

wurden sie von der Deutschen Leberhilfe,

einem Verein, der sich als Informationsschnittstelle

zwischen Ärzten

und Patienten versteht. Und auch die

anderen Krankengeschichten machen

nachdenklich. Sie handeln von verschmutzten

Spritzen, Zahnbehandlungen,

Plasmaspenden, Bluttransfusionen

und einem Polizisten,

der bei einem Einsatz verletzt

sche Hansestadt Bremen zum Schauplatz

zunächst mysteriöser Erkrankungen

geworden. Unter den Arbeitern einer

lokalen Schiffbaugesellschaft war

eine Gelbsucht-Epidemie – Hepatitis

wurde seit der Antike durch die Gelbfärbung

von Haut und Augen („Ikterus“)

charakterisiert – ausgebrochen.

Als einzige Gemeinsamkeit aller Erkrankten

kam letztlich nur eine Ursache

in Frage: eine mit Pockenlymphe

durchgeführte Impfung. Gut 80 Jahre

später machten US-Forscher ebenfalls

eine zunächst unerklärliche Beobachtung:

Über 30 Prozent aller Menschen,

die am offenen Herzen operiert worden

waren – und entsprechend viele Blutkonserven

benötigt hatten – erkrankten

an Hepatitis. Schließlich konnte

dieses Problem durch eine simple Maßnahme

wird. Eines haben all diese Erfahrungsberichte

wenigstens deutlich einge-

und Erinnerungen

bremst werden: den Verzicht auf „kom-

gemeinsam: Sie erzählen merzielle“ Blutkonserven von

Pro-

FocusOn | Der Weg zur Erforschung des Hepatitis-C-Virus lag versteckt und

war voller Sackgassen. Der Medizin-Nobelpreis 2020 rückt jetzt drei Forscher,

die ihn dennoch gefunden haben, in den Fokus. Und mit ihnen eine gefährliche

Krankheit, die weltweit noch immer einen hohen Blutzoll fordert.

Autor: Andreas Aichinger • Illustration: Elmehed für Nobel Media • Foto: iStock

Harvey J.Alter, Michael Houghton und

Charles Rice (v.l.n.r.) wurden für die Identifikation

des Hepatitis-C-Virus mit dem

Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

6

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fi-Blutspendern und deren Ersetzen

durch Blut von freiwilligen Spendern.

Letztere steckten sich beim Blutspenden

nämlich naturgemäß deutlich seltener

an als Vielspender. So wie bei den

Schiffsbauern des Jahres 1883 lag somit

auch hier der Verdacht auf ein infektiöses

Geschehen nahe.

Australisches Antigen & Hepatits B.

Die Umstellung der Blutspenderauswahl

sei die „effektivste Maßnahme in

der Geschichte der Hepatitis-Bekämpfung

überhaupt“ gewesen, sagt einer,

der damals dabei war. Und der für seine

Forschungstätigkeit vor wenigen

Wochen mit dem Nobelpreis für Medizin

2020 ausgezeichnet worden ist: der

US-amerikanische Virologe und Transfusionsmediziner

Harvey J. Alter. Anfangs

war der 1935 in New York geborene

Alter Teil jener Forschungsgruppe

gewesen, die 1965 im Blut eines australischen

Ureinwohners ein besonderes

Antigen entdeckt hatte. Dieses entpuppte

sich schließlich als Oberflächenprotein

der Hülle des Hepatitis-B-Virus

und wurde zum Ausgangspunkt

erster Hepatitis-Tests. Der Leiter

der Forschungsgruppe, der Biochemiker

Baruch Samuel Blumberg, erhielt

für seine Arbeit rund um die infektiöse

Leberentzündung Hepatitis B im Jahr

1976 den Nobelpreis für Medizin. Harvey

Alter hingegen musste noch satte

44 Jahre warten, bis es auch bei ihm

selbst soweit war: Gemeinsam mit Michael

Houghton und Charles M. Rice

wurde er für die Identifikation des Hepatitis-C-Virus

mit dem Medizin-Nobelpreis

2020 ausgezeichnet.

Infektion mit fatalen Folgen.

Leberentzündungen können zwar auch

durch Alkoholmissbrauch, Umwelttoxine

oder Autoimmunerkrankungen

ausgelöst werden, die Hauptursache

sind jedoch Virusinfektionen. Sprich:

Hepatitis B und Hepatitis C. Letztere Erkrankung

nimmt in ungefähr 50 bis 80

Prozent der akuten Infektionen einen

chronischen Verlauf. Laut dem „Global

Hepatitis Report“ der Weltgesundheitsorganisation

WHO lebten im Jahr

2015 weltweit rund 71 Millionen Menschen

mit einer chronischen HCV-Infektion.

Wird eine Infektion nicht behandelt,

entwickelt ein signifikanter

Teil Leberzirrhosen, ein kleinerer Teil

auch Leberzellkrebs. Die Folgen sind

laut Schätzungen rund 400.000 Hepatitis-C-Tote

pro Jahr. Für Österreich

vermutet man, dass etwa 0,3 Prozent

der Bevölkerung und somit etwa

27.000 Menschen an chronischer Hepatitis

C erkrankt sind. Der häufigste

Übertragungsweg hierzulande ist die

gemeinsame Verwendung von Nadeln

durch Drogensüchtige. Mangelt es an

Hygiene, können auch Tätowierungen,

Piercings, Akupunktur und unter Umständen

auch sexuelle Aktivitäten zum

Problem werden. Die beschriebene

Transfusions-Hepatitis hingegen konnte

bis zur Jahrtausendwende in vielen

Teilen der Welt nahezu eliminiert werden.

Nicht A, nicht B.

Nachdem ab Mitte der 1970er-Jahre

auch die durch verunreinigtes Wasser

oder Nahrung übertragene Hepatitis A

– sie hatte unter anderem als „Soldatengelbsucht“

seit Jahrhunderten die Armeen

der Welt heimgesucht – nachgewiesen

werden konnte, schöpfte auch

Harvey Alter Hoffnung. Im Glauben,

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endlich der wahren Ursache für die

früheren Blutkonserven-Ansteckungen

auf die Spur gekommen zu sein,

untersuchte er seine über Jahre aufgebaute

Blutproben-Bank abermals. Aber

Fehlanzeige: Der Löwenanteil entfiel zu

seiner Enttäuschung weder auf die

A- noch auf die B-Variante. In der Hoffnung

auf absehbare Klärung etikettierte

Harvey Alter die mysteriöse Erkrankung

schließlich als „Non-A-Non-B-

Hepatitis“ – und landete wieder in

einer Sackgasse. Die aufkeimende Frustration

des heutigen Nobelpreisträgers

manifestierte sich 1988 auch in einem

launigen Gedicht Alters:

I think that I shall never see

This virus called non-A, non-B

A virus I cannot deliver

And yet I know it‘s in the liver

A virus that we often blame,

But which exists alone by name

No antigen or DNA

No little test to mark its way. …

Ironie der Medizingeschichte.

Die eigentliche Identifikation des gesuchten

Virus sollte nur ein Jahr später

einem anderen Wissenschafter gelingen.

Und zwar dem britischen Virologen

und Biochemiker Michael Houghton,

der damals für das kalifornische

Pharma-Unternehmen Chiron tätig

war. Seinem Team gelang es 1989, DNA-

Fragmente aus dem Blut infizierter

Schimpansen zu isolieren, von denen

einige mutmaßlich von dem unbekannten

Virus herrührten. Durch Abgleich

mit Antikörpern von Hepatitis-Patienten

konnte schließlich ein positiver

Klon gefunden werden, der nach

weiteren Arbeiten einem neuen RNA-

Virus zugeordnet werden konnte. Dieses

Virus wurde nunmehr Hepatitis-C-Virus

(HPC) getauft, und ein entsprechender

Test entwickelt. Es zeigte

sich, dass jede einzelne der „Non-

A-Non-B“-Blutproben Harvey Alters

„Die Heilung von Hepatitis C

ist bei fast allen Patienten

ohne relevante Nebenwirkungen

möglich – und zwar

in einem Bruchteil der

früher notwendigen Zeit.“

Assoc.-Prof. Dr. Elmar Aigner,

leitender Oberarzt der Universitätsklinik

für Innere Medizin I mit Gastroenterologie

und Hepatologie in Salzburg

tatsächlich das Hepatitis-C-Virus enthielt.

Der US-amerikanische Virologe

Charles Rice – der Dritte im Bunde der

Medizin-Nobelpreisträger 2020 – steuerte

schließlich noch den Nachweis bei,

dass allein das HPC-Virus ausreicht,

um Hepatitis zu verursachen.

Beeindruckende Erfolgsgeschichte.

Heute ist Hepatitis-C ein perfektes Beispiel

dafür, dass manche Erreger auch

ohne Schutzimpfung effektiv bekämpft

werden können. Sofern eine Erkrankung

rechtzeitig diagnostiziert wird,

kann sie in der Regel innerhalb weniger

Wochen erfolgreich mit antiviralen

Medikamenten therapiert werden.

„Nach langen Jahren der Behandlung

mit Heilungsraten um 50 Prozent bei

gleichzeitig schweren und lebensgefährlichen

Nebenwirkungen, ist inzwischen

die Heilung bei fast allen Patienten

ohne relevante Nebenwirkungen

möglich“, bestätigt auch Elmar Aigner,

leitender Oberarzt der Universitätsklinik

für Innere Medizin I mit Gastroenterologie

und Hepatologie in Salzburg,

„Und zwar in einem Bruchteil der früher

dafür notwendigen Zeit.“ Aigner, der

auch Dekan für Humanmedizin der Paracelsus

Uni und Vorstandsmitglied

der Österreichischen Gesellschaft für

Gastroenterologie und Hepatologie

(ÖGGH) ist, weiter: „Die Heilung der Hepatitis

C ist tatsächlich eine beeindruckende

Erfolgsgeschichte der medizinischen

Forschung. Hepatitis C stellt

nach wie vor die einzige chronische Virusinfektion

dar, die heilbar ist. Und

zwar wirklich im Sinne der Virus-Elimination.“

Learnings des Nobelpreisträgers.

Mit heute 85 Jahren ist Harvey Alter

der älteste des Nobelpreisträger-Trios.

Und so ist es durchaus bemerkenswert,

was gerade er als Fazit seiner „50-Jahre-Saga“

(O-Ton Alter) in der Hepatitis-C-Forschung

weitergeben will. Einerseits

unterstrich Alter anlässlich der

Nobelpreis-Pressekonferenz des National

Institutes of Health (NIH), an dem er

den Großteil seiner akademischen Karriere

gearbeitet hat, den hohen Stellenwert

einer nicht unmittelbar zielgerichteten

Forschung. Alters Devise:

„Man weiß zwar noch nicht, wohin man

gehen wird, aber man bleibt immer in

Bewegung.” Gleichzeitig ist der Nobelpreisträger

auch ein Paradebeispiel für

einen wirklich langen Forschungsatem.

Noch 2013 kommentierte Alter seine

frühe Lebensentscheidung, nicht beim

späteren Hepatitis-B-Nobelpreisträger

Blumberg geblieben zu sein, so: „Ich

hätte vielleicht den Nobelpreis mit ihm

teilen können, aber das ist hochspekulativ.

Ich bereue es nicht, diesen Weg

nicht eingeschlagen zu haben.“ Immerhin

zu 50 Prozent richtig lag Alter indes

bereits 1989 mit einer Textzeile aus

einem weiteren Hepatitis-Gedicht: „Für

mich wird es keinen Nobelpreis geben.

Aber es gibt ja noch andere Viren am

Horizont.“Ω

8

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vb-rb.de

Eines Tages

will ich Euer

Held sein.

Wir finden, die Welt braucht mehr Zuversicht.

Deshalb unterstützen wir alle, die den

Mut haben, ihre Zukunft selbst in die Hand

zu nehmen. Gemeinsam schauen wir nach

vorn und sagen: Morgen kann kommen.

Wir machen den Weg frei.

meine Volksbank

Raiffeisenbank eG


Mit Abstand

das Größte

Promotion | Feiern in Corona-Zeiten?

Ja, aber sicher! Die Absolventinnen

und Absolventen des Medizinstudiums

in Salzburg und Nürnberg

genossen ihren Ehrentag trotz Abstand

und Sicherheitsmaßnahmen.

Fotos: PMU/wildbild; Klinikum Nürnberg/Giulia Iannicelli

Studieren und Studienabschluss

stellten die

Jahrgänge 2015 des

Studiums der Humanmedizin

in Salzburg

und Nürnberg in diesem

Jahr vor große Herausforderungen.

Sie werden ihr letztes Studienjahr

wohl immer als „Corona-Zeit“

in Erinnerung behalten.

Doch trotz oder auch wegen aller

Widrigkeiten hatten auch sie

sich, wie alle Abschlussjahrgänge,

eine würdige Feier verdient.

Unerwartetes in Nürnberg. Neue

Wege beschritten dagegen ihre

Kolleginnen und Kollegen am

Standort Nürnberg: mit einer

akademische Feier eine Woche

zuvor in der ungewöhnlichen

Kulisse des Nürnberger Max-

Morlock-Stadions. Rund 300

„Fans“ aus Familienmitgliedern,

Freundeskreis, Ehrengästen und

Universitätsangehörigen gratulierten

unter freiem Himmel und

mit reichlich Platz zum Abstandhalten.


Ω

Mehr dazu unter:

https://bit.ly/36oxJge

In Salzburg

wurde Indoor unter strengen Sicherheitsmaßnahmen

gefeiert.

Bewährtes in Salzburg. Die frisch

gebackenen Ärztinnen und Ärzte

der Paracelsus Universität am

Standort Salzburg feierten am 25.

September 2020 in bewährter

Manier im Hangar-7 – allerdings

Pandemie-bedingt in kleinerem

Rahmen und mit ausgefeiltem

Sicherheitskonzept. Der traditionelle

Einmarsch der Würdenträger

und Doctores mit blauem gebrandetem

Mund-Nasen-Schutz

unterschied sich doch sehr von

dem vergangener Jahre.

Mehr dazu unter:

https://bit.ly/3ldRdsB

Am Standort Nürnberg

diente das Max-Morlock-Stadion

als Freiluft-Location.

10

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Aufgetischt für

1.000 obdachlose

Menschen

Ein festliches Menü an Weihnachten – das ist nicht

für alle Menschen eine Selbstverständlichkeit. dm

drogerie markt und BIO AUSTRIA richten gemeinsam

mit 25 Wärmestuben und Notschlafstellen in ganz Österreich

Festessen aus: Rund 1.000 obdachlose Menschen

erwartet ein Drei-Gänge-Menü mit besten Zutaten

aus dem dmBio Sortiment und Lebensmitteln

von regionalen Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern.

► Beim Kochen im Haus Elisabeth im vergangenen Jahr:

Harald Bauer (dm Geschäftsführer) mit Manuela Habersatter und

Martina Strimitzer (beide dm Mitarbeiterinnen) sowie Susanne Maier

(Geschäftsführerin BIO AUSTRIA).

Ein Jobverlust, eine schwere Krankheit, psychische Probleme,

eine Sucht – die Ursachen, warum Menschen in eine

Abwärtsspirale geraten, sind vielfältig und niemand ist davor

restlos gefeit. Wenn Betroffenen dann ein Netz an Familie

und Freunden fehlt, das einen auffängt, stehen sie oft

auf der Straße. Verschiedene Anlaufstellen sind dann gefragt.

„Wir alle wissen, dass sich täglich zahlreiche Helfer

für obdachlose und armutsgefährdete Menschen einsetzen

und das mit vollem Elan. Die Unterstützer waren und sind

– wie wir alle – heuer besonders gefordert. Mit den Festessen

wollen wir einen kleinen Beitrag leisten“, sagt dm Geschäftsführer

Harald Bauer.

BIO-ZUTATEN FÜR 25 EINRICHTUNGEN

© dm / GRÜNWALD

► Produktübergabe in Wels: Michael Schuster (dm Gebietsmanager) und Gertraud Grabmann

(Obfrau BIO AUSTRIA) mit Bettina Reichhold und Petra Wimmer (beide Soziales Wohnservice Wels).

lichst regional die benötigten frischen Bio-Lebensmittel

zu den Küchen im ganzen Land. Dort wird dann ein

weihnachtliches Festmahl für die Gäste von Wärmestuben

und Notschlafstellen vor Ort zubereitet. Wir hoffen,

dass wir dadurch dazu beitragen können, möglichst

vielen Menschen in schwieriger Lage zu einem schönen

und wärmenden Weihnachtserlebnis zu verhelfen“, sagt

Gertraud Grabmann, Biobäuerin und Obfrau von BIO

AUSTRIA.

UNTERSTÜTZUNG IN DER FILIALE

Nach dem Erfolg im vergangenen Jahr lädt dm auch heuer

Wärmestuben und Notschlafstellen ein, gemeinsam ein

Festessen für 1.000 obdachlose Menschen umzusetzen. Dafür

stellt dm Dekoration sowie Produkte aus dem dmBio

Sortiment zur Verfügung. Unser Partner BIO AUSTRIA ergänzt

auch in diesem Jahr die Einkaufsliste um Frischwaren.

„Unsere Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern liefern mögdm

Kunden können in den dm Filialen mit einer Spende

von 5 Euro einen Beitrag leisten. Als kleines Dankeschön

gibt es für die Unterstützer einen schönen Anhänger aus

Filz (solange der Vorrat reicht). Sollte mehr gespendet

werden, als zur Finanzierung der Festessen benötigt

wird, fließt das zusätzliche Geld im kommenden Jahr in

soziale Projekte in ganz Österreich.


„ G

egenstand der Symptoma

GmbH ist die Erbringung

von EDV- und Internetdienstleistungen.“

Hinter

diesem nüchternen und

unspektakulären Eintrag im Österreichischen

Handelsregister steht eine ungewöhnliche

Erfolgsstory: die eines

Mannes, der auszog, die medizinische

Diagnostik mittels Künstlicher Intelligenz

zu vereinfachen und zu beschleunigen,

sowie Fehldiagnosen bei Patienten

entgegenzuwirken. Sein Name ist

Jama Nateqi.

Von Wurzeln und Wünschen. Der Hang

zur Medizin begleitet den gebürtigen

Deutschen seit Kindertagen. Aufgewachsen

in Hannover als Sohn afghanischer

Eltern, hatte er im Alter von

fünf Jahren seinen in Afghanistan lebenden

Großvater das erste Mal getroffen.

Als dieser wenige Monate danach

an einer Krankheit starb, die in Deutschland

wahrscheinlich heilbar gewesen

wäre, reifte in Jama der Wunsch, Arzt zu

werden: „Doch mein Traum hat sich mit

der Zeit gewandelt. Im Alter von sechs

Jahren wollte ich Hausarzt werden,

während des Zivildienstes Augenarzt

und im Studium schließlich Neurochirurg.

Jetzt baue ich halt einen künstlichen

Arzt.“ Auf die datenwissenschaftliche

Seite der Medizin zog es Jama

schon früh. Das Start-up namens Symptoma

gründete er mit seinem langjährigen

Geschäftspartner, dem Physiker

und Entwickler Thomas Lutz, bereits

während des Studiums an der PMU.

Dass der Arztkittel dem Business-Outfit

weichen musste, bereut der

Mediziner nicht: „Ich bin in meiner Rolle

mehr als glücklich. Auf der einen Seite

kann ich als Mediziner etwas Gutes

tun. Auf der anderen kann ich als Unternehmer

das Gute wirtschaftlich

nachhaltig skalieren und damit hoffentlich

einen Beitrag für die Zukunft

der Medizin leisten.“ Sein Anspruch,

Vom Symptom

zur Diagnose

Alumni | Der Mediziner Jama Nateqi hat einen ungewöhnlichen

Karriereweg beschritten: Mit seinem

Unternehmen Symptoma ist der PMU-Absolvent der

gefragte Anbieter eines innovativen digitalen Gesundheitsassistenten

– und kürzlich ausgezeichneter „Österreicher

des Jahres“ im Bereich Forschung.

Autorin: Sabine Ritzinger • Fotos: PMU/wildbild; Symptoma

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toma und ihn zeugen inzwischen vom

Erfolg.

„Ich habe die einmalige

Möglichkeit mit Symptoma

einen wichtigen Beitrag

für das Gesundheitssystem

zu leisten und mit meinen

Stärken Gutes zu bewirken.“

Dr. Jama Nateqi,

Gründer und Miteigentümer

von Symptoma

Ärzten einen verlässlichen Zugang zum

universellen medizinischen Wissen zu

verschaffen, beruht auch auf Statistik:

Demnach sei jede siebente Diagnose

weltweit entweder falsch oder komme

zu spät. Wären alle Diagnosen zur richtigen

Zeit korrekt, könnten jährlich 1,5

Millionen Menschen gerettet werden.

„Wir haben die größte Krankheitsdatenbank

der Welt etabliert – mit mehr

als 20.000 Ursachen und Milliarden

Symptomen, Risikofaktoren und Statistiken.

Damit können Nutzer jetzt nicht

nur Symptome eingeben, sondern auch

Freitext und Suchwörter“, erklärt der

37-Jährige.

Inspiration POL. Die Idee zur E-Health-

Lösung Symptoma kam ihm beim Problemorientierten

Lernen (POL) an der

Paracelsus Universität: Bei dieser Lernform

erarbeiten die Studierenden in

Kleingruppen anhand einer Patientengeschichte

selbstständig einen klinischen

Fall – von der Anamnese über die

Untersuchung bis hin zur Behandlung.

„Um zu einer guten Einschätzung der Erkrankung

zu kommen, braucht es viel

Literatur und jede Menge Zeit – und

selbst dann ist es schwierig, sich eine

endgültige Übersicht zu verschaffen. Ich

habe, vereinfacht gesagt, eine Abkürzung

für die Recherche gesucht“, beschreibt

er die Entstehungsgeschichte.

Dass aus der zündenden Idee ein eigenes

Unternehmen mit einem umfassenden

Datensystem auf Basis Künstlicher

Intelligenz und unzähliger medizinischer

Publikationen, Patientenakten

und Patientenberichten werden sollte,

hatte der Medizinstudent zu dieser Zeit

wohl nicht ahnen können. Auch nicht,

dass seinem Start-up und ihm selbst

weltweit so viel Aufmerksamkeit und

Anerkennung zuteil werden würden.

Zahlreiche Auszeichnungen für Symp-

Morgenmensch und Vielarbeiter. Der

Weg von der anfänglichen Suchmaschine

für Krankheiten für Ärzte zum

vielbeachteten intelligenten Chatbot

für den breiten Einsatz bei Medizinern,

in Kliniken und in der Bevölkerung, basiert

auf 14 Jahren intensiver Forschungs-

und Entwicklungsarbeit. Mit

der umfangreichen Datenbasis und der

höchsten Treffergenauigkeit am Markt

(laut internen, externen und Peer-Review-Studien)

ist Symptoma inzwischen

ein weltweit gefragter Partner

und hat Niederlassungen am Attersee,

in Wien und Salzburg. Auf der kostenfreien

Webseite symptoma.at bzw.

symptoma.com können Ärzte und Patienten

Symptome und Suchwörter zu

mehr als 20.000 Erkrankungen und in

36 verfügbaren Sprachen eingeben. Die

künstliche Intelligenz stellt weiterführende

Fragen und listet schließlich jene

Krankheiten auf, die als Ursache für die

Symptome infrage kommen – sortiert

nach Wahrscheinlichkeit.

Um sein umfangreiches Arbeitspensum

zu bewältigen, startet der Umtriebige

seinen Arbeitstag zwischen ein

und zwei Uhr in der Früh. Nach Meditation

und Sport – zum Beispiel

Schwimmen im Attersee bei jedem

Wetter und zu jeder Jahreszeit – steigt

Nateqi ins Tagesgeschäft und erste Meetings

ein. Sein Team besteht aus Miteigentümer

Thomas Lutz, Datenwissenschaftlern,

Informatikern, Medizinern,

Designern, Datenschutzbeauftragten

und Controllern. Medizinische Direktorin

ist PMU-Alumna Stefanie Gruarin

(ehemals Klein) aus dem allerersten

Jahrgang (2003) der PMU. Leiter der

Forschungsabteilung ist Simon Lin – ein

weiterer der insgesamt vier PMU-Alumni

im Unternehmen. Rund 70 Personen

weltweit, 30 davon in Österreich, arbeiten

inzwischen für das Unternehmen. >

paracelsus today 3 | 20

13


International im Geschäft. Mittlerweile

wurde und wird Symptoma in rund 36

Forschungsprojekten mit annähernd

100 Institutionen weltweit validiert

und weiterentwickelt, darunter mehr

als 30 Kliniken. Die Themenpalette ist

umfangreich: So geht es unter anderem

um die Auswertung von EKG- und

EEG-Daten, um individuelle Behandlungsschritte

in der Epilepsie oder die

Risikoerkennung einer lebensgefährlichen

Sepsis. Ein wichtiges medizinisches

Einsatzgebiet des Chatbots sind

Infektionen: Wenn man weiß, welcher

Erreger vorliegt, können das richtige

Antibiotikum verabreicht und Resistenzen

vermieden werden. Auch der

Bereich ‚Rare Disease‘ ist eine bedeutsame

„Mission“: Jeder Zehnte hat vermutlich

eine seltene Krankheit. Doch

nur 25 Prozent der Betroffenen haben

ihre Diagnose erhalten – und das im

Schnitt nach sieben bis zehn Jahren

Leidensweg.

Der neueste „Wurf“ ist ein Corona-Chatbot,

der von Symptoma seit

Ende Jänner 2020 auf COVID-19 trainiert

wird. „Wir haben über viele Wochen

hinweg nächtelang Lösungen für

den Markt validiert und es hat sich ausgezahlt“,

sagt der Unternehmer. Aufträge

der Europäischen Kommission, der

Bundesregierung, von Kliniken und

Krankenanstalten waren der Lohn. Der

Mit Thomas Lutz

(re.) verbindet

Jama Nateqi eine

mittlerweile 18

Jahre dauernde

Freundschaft und

Zusammenarbeit.

Symptom-Checker gilt als weltweit

erste Lösung auf Basis Künstlicher Intelligenz,

die Personen digital auf ein

Corona-Risiko testen kann. So setzt

auch die Stadt Wien den digitalen Gesundheitsassistenten

seit kurzem im

Kampf gegen das SARS-CoV-2-Virus

ein und will damit die Hotline 1450 entlasten.

Bürger geben ihre Symptome

via Computer oder Smartphone ein

und beantworten gut 20 Fragen. Die

auf dieser Basis erstellte Bewertung

gibt Auskunft über das persönliche CO-

VID-19-Risiko. Ist dieses erhöht, ist ein

diagnostischer PCR-Test vorgesehen.

Die Resonanz innerhalb der ersten 24

Stunden nach Bekanntgabe durch die

Stadt Wien war enorm: Der Chatbot

musste rund 1,5 Millionen Fragen und

Antworten bearbeiten.

„In Zeiten der Präzisions-medizin

wird jede

Krankheit zu einer seltenen

und die Künstliche Intelligenz

eines der wichtigsten

Instrumente des Arztes.“

Dr. Jama Nateqi,

Gründer und Miteigentümer

von Symptoma

Mut zur Erfüllung. Dass Nateqi – kurz

nach seiner Hochzeit mit Antonia – vor

wenigen Wochen von der Tageszeitung

Die Presse zum „Österreicher des Jahres

2020“ in der Kategorie Forschung

gewählt wurde, ist eine weitere Zutat

zum Glück. Die Auszeichnung erfüllt

auch seine Almer Mater mit großem

Stolz. Und wie sieht es umgekehrt aus?

Hat die Paracelsus Universität das gehalten,

was sich der gebürtige Deutsche

erwartet hatte? „Auf jeden Fall!

Schon zu meiner Zeit, im zweiten Jahrgang,

war ihr ständiger Wille da, sich

selbst, das Curriculum und das didaktische

Konzept zu verbessern“, erklärt

der PMU-Alumnus. Und lobt weiter: „Es

werden – auf fachlicher, persönlicher

und infrastruktureller Ebene – alle Voraussetzungen

für ein anspruchsvolles

und hochwertiges Studium in kurzer

Studiendauer geschaffen.“ Auch die

Möglichkeit, das Forschungstrimester

im Ausland zu absolvieren, in seinem

Fall war es die Yale University, sei sehr

attraktiv.

Was kann er den Studierenden der

PMU mit auf den Weg geben? „Ich

möchte raten, sich immer mit einem

Fuß in die großen Trends der Medizin

einzuarbeiten, um diese eines Tages mit

der eigenen Spezialisierung mitgestalten

zu können“, erklärt der Alumnus.

Präzisionsmedizin werde in Zukunft

noch wichtiger werden und um den einzelnen

Patienten zu verstehen, brauche

es eine riesige Datenmenge, Künstliche

Intelligenz und Digitalisierung. Als

Trendsetter kann er auch folgenden

Tipp glaubwürdig vermitteln: „Habt

keine Angst und den Mut, vertraute

Pfade zu verlassen und neue Wege zu

gehen, um die eigenen Stärken und Interessen

auszuleben, der wissenschaftlichen

Neugier zum Wohle des Patienten

freien Lauf zu lassen und Erfüllung

im Beruf zu finden.“ Immerhin hat er

diese Lebenseinstellung seit seiner Jugend

erfolgreich vorgelebt. Ω

14

paracelsus today 3 | 20


..

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Dein Immunsystem *

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Funktion des Immunsystems bei.

Ganz allgemein empfehlen wir eine ausgewogene Ernährung und eine

gesunde Lebensweise. Empfohlene Verzehrseinheit: ein Glas (250 mL)

pro Tag.

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H erbert Resch

hatte als Rektor 18 Jahre lang die Geschicke

der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität

(PMU) geleitet und Meilensteine

in Lehre, Forschung und Patientenversorgung

gesetzt. Anfang Juni 2020

hatte er das Amt an seinen Nachfolger

Wolfgang Sperl übergeben. Corona-bedingt

spät, aber umso freudiger, feierte

der Gründungsrektor am 17. September

2020 gemeinsam mit Familie, Freunden,

Ehrengästen, Kooperationspartnern, der

neuen PMU-Führung und Universitätsangehörigen

seine Emeritierung. Das

Abschiedsfest im Hangar-7 fand unter

strengen Sicherheitsvorkehrungen und

mit einer beschränkten Anzahl von Personen

statt.

Langjährige Weggefährten zollten dem

Freund persönlich Respekt; darunter Kanzler

Michael Nake, Rektor Wolfgang Sperl,

Vizerektor Wolfgang Söllner vom Standort

Nürnberg, Landeshauptmann-Stellvertreter

und PMU-Stiftungsrats-Vorsitzender

Christian Stöckl sowie Anthony Windebank

von der Mayo Clinic, der mit seiner

Gattin aus den USA eingeflogen war.

Andere, wie PMU-Mäzen und -Partner

Hansjörg Wyss aus Kalifornien, Ram

Shrestha vom Dhulikhel Hospital in Nepal

und John Geibel von der Yale University

in Connecticut/USA, übermittelten

ihre Abschiedsworte per Videobotschaft.

Neben einem Gemälde des bekannten

Künstlers Johann Weyringer konnte Herbert

Resch weitere kostbare Erinnerungsstücke

mit nach Hause nehmen:

Landeshauptmann Wilfried Haslauer

überreichte ihm das Große Ehrenzeichen

des Landes Salzburg, Reschs langjähriger

Kooperationspartner und Freund Anthony

Windebank im Namen der Mayo Clinic

die Auszeichnung als „Distinguished

Collaborator in International Medical

Education“.

„Herbert Resch war eine Schlüsselfigur

in der Gründungsphase

der PMU. Er hat die generelle Fähigkeit,

ein Ziel fest in den Fokus

zu nehmen und mit Kraft und

Ausdauer zu verfolgen – und er

war stets ein Chef mit Herz und

Verstand.“

Michael Nake über Herbert Resch

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paracelsus today 3 | 20


Goodbye

mal Zwei

Inside | Sie waren ein kongeniales

Duo und verließen

binnen weniger Monate den

Ort ihres langjährigen Wirkens:

PMU-Gründungsrektor

Herbert Resch und Michael

Nake, Kanzler seit den Anfangstagen

der Paracelsus

Universität, verabschiedeten

sich in den Ruhestand.

„Auf Michael Nake war stets Verlass:

auf sein Verhandlungsgeschick, sein

gutes Gespür, seine vertrauenschaffende

Art und seinen ausgeprägten

Gestaltungswillen. So gelang der

Aufbruch zu neuen Ufern, deren Dimensionen

in der Gründungsphase

der PMU nicht abschätzbar waren.“

Herbert Resch über Michael Nake

M ichael Nake,

der als Kanzler die Paracelsus Universität

seit ihren Gründungstagen mitaufgebaut

und -gestaltet hatte, war Ende September

offiziell durch seine Nachfolgerin Lydia

Gruber abgelöst worden. Seinen Übertritt

in den Ruhestand beging er mit einem

Fest an seiner langjährigen Wirkungsstätte.

Auch bei dieser Feierlichkeit waren

der reduzierte Kreis an Gästen und

ein striktes Sicherheitskonzept der Pandemie

geschuldet. Die Familie des scheidenden

Kanzlers war vollzählig, gesund

und gut gelaunt nach Salzburg angereist.

„Du warst mehr als ein guter Kanzler,

Du warst auch ein starker ,PMU-ler´: ausgleichend,

weise, beruhigend, immer vorbildlich

vorbereitet. Du bist als Mann mit

Format und Handschlagqualität bekannt,

sowohl intern, als auch im Salzburger

Raum und bundesweit“, lobte Rektor

Sperl. Und dessen Vorgänger Herbert

Resch ließ den langjährigen Weggefährten

in einer Laudatio als „großartigen

Mitstreiter und Freund mit gutem Gespür,

Verlässlichkeit und Loyalität“ hochleben.

Vizerektor Wolfgang Söllner vom

Standort Nürnberg war mit einer Videobotschaft

zugeschaltet und bedankte

sich im Namen der Paracelsus Universität

am Standort Nürnberg und des Klinikums

Nürnberg beim „Spiritus Rector“

der Gründung der PMU in Nürnberg. Nakes

Nachfolgerin Lydia Gruber überreichte

gemeinsam mit Gottfried Stienen,

Leiter der Abteilung Unternehmenskommunikation

und Fundraising – und ebenfalls

Mitarbeiter der ersten Stunde, Geschenke

zum Abschied. Landeshauptmann

Wilfried Haslauer hatte dem

Gefeierten aufgrund seiner hohen Verdienste

und der Wichtigkeit der Paracelsus

Universität am Wissensstandort Salzburg

bereits im April 2016 den Berufstitel

Hofrat verliehen.

Ω

paracelsus today 3 | 20

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Woran liegt es, dass die

Umstellung auf digitale

Lehre und E-Learning in

Corona-Zeiten an der Paracelsus

Medizinischen

Privatuniversität (PMU) gerade in der Anatomie

so problemlos erfolgen konnte? Für Jan

Pruszak, Vorstand des Instituts für Anatomie

und Zellbiologie an den Standorten Salzburg

und Nürnberg, liegt die Antwort auf der

Hand: „Kaum ein anderes Fach hat eine so

bildhafte Komponente. Dazu kommt, dass

bildgebende Verfahren bei uns seit Jahren

auch ein international erfolgreicher Forschungsschwerpunkt

sind.“ Zu beschreiben,

wie das Spezialistenteam um Felix Eckstein

solche Bildverarbeitungsmethoden selbst

entwickelt hat, würde zu weit führen. Der

ehemalige Institutsleiter setzt jedoch die Arthrose-Forschung

in der Abteilung für Bildgebungs-basierte

und funktionelle muskuloskelettale

Forschung auch heute fort. Aus dreidimensionalen

CT- oder MRT-Daten werden

Rekonstruktionen vor allem des Knie-Gelenkknorpels

erzeugt, in denen man Veränderungen

mit hoher Genauigkeit am lebenden

Menschen messen und analysieren kann. Ziel

ist die Erprobung neuer Medikamente, um

die Struktur des geschädigten Gelenks zu erhalten

oder gar zu verbessern.

Bewährte Features. „Zu einem guten Teil sind

es diese ‚visualisierten Geschichten‘, die wir

unseren Studierenden online zur Verfügung

stellen“, erzählt Anatom Martin Hudelmaier,

„darauf haben wir schon vor Corona großen

Wert gelegt.“ Der Privatdozent arbeitet seit

vielen Jahren am Institut und ist für seine engagierte

Lehre von den Studierenden bereits

mehrmals zum „Teacher of the Year“ gewählt

worden. Die „visualisierten Geschichten“ sind

aber nur Teil eines ganzen Bündels an webbasierten

Angeboten: So werden 3-D-Bilder aus

klinischen CT- oder MRT-Datensätzen zum

Teil selbst hergestellt, teils stammen sie aus

offenen Kommunikationsplattformen. „Die

Leistung der Algorithmen besteht darin, die

in den Schnittbildern erhaltenen Grauwerte

zu einem dreidimensionalen Körper zusammenzusetzen“,

erklärt Hudelmaier. Seit Längerem

gehören auch Filme zum Online-Portfolio.

Dazu werden während der Präparierkurse

einzelne Präparationsschritte gefilmt

und in Eigenregie sogar nachvertont, um den

Vortrag möglichst fehlerlos wiederzugeben.

„Das klingt wie bei einem Telekolleg“, meint

der Lehrende nicht ohne Stolz, „das könnte

man überall hinstellen.“

Der Körper in 3-D. Als anschauliches Beispiel

nennt der Wissenschafter die Darstellung von

Gefäßsystemen – spannend vor allem deshalb,

weil sie von Patient zu Patient oder bei Spendern

unterschiedlich sind und durch Kontrastmittel

in der Computertomographie besonders

gut sichtbar gemacht werden können.

„Wenn man den Studierenden den Trunckus

coeliacus (Gefäßstamm im Bauchraum, der

Magen, Leber, Pankreas und Milz versorgt und

relativ kompliziert aufgebaut ist) mittels

3-D-rekonstruiertem Bild von allen Seiten –

schon vor dem Präparierkurs – zeigen kann,

so ist das sehr wertvoll. Es entsteht eine gute

Vorstellung, wie das beim Präparat oder Patienten

aussieht. Ich vergleiche das gerne mit

der Aussage von Michelangelo, er habe die Figur

seines David schon vorher im Gestein gesehen.

Genauso funktioniert die Anatomie:

Man hat eine dreidimensionale Vorstellung

des menschlichen Körpers. Früher mussten

der zukünftige Arzt, der Radiologe, der Chirurg

einzelne CT-Schnittbilder dreidimensional

im Kopf zusammensetzen – nun helfen

dabei all diese visuellen Darstellungsmethoden.“

Die Mischung macht´s. Auch wenn die Corona-Zeit

vorbei sein wird, möchte Martin Hudelmaier

die digitalen Komponenten in der

Lehre beibehalten. Doch er sieht darin Licht

und Schatten: „Meine Überzeugung hat sich

verstärkt, dass alle diese Möglichkeiten zwar

eine Ergänzung sind, die Präsenzvorlesung jedoch

nicht ersetzen können. Es ist ein großer

Vorteil der Online-Lehre, dass die Studierenden

an Stellen, wo sie nachdenken müssen,

anhalten können. So kann jeder die Vorlesung

in seiner individuellen Geschwindigkeit

Mittels Bildern aus klinischen

CT- oder MRT-Datensätzen

bietet Martin Hudelmaier

seinen Studierenden

eine dreidimensionale Vorstellung

der menschlichen

Anatomie.

18

paracelsus today 3 | 20


Michelangelos Erbe

Education | Martin Hudelmaier lehrt seit Jahren

am Institut für Anatomie und Zellbiologie der

Paracelsus Universität. Durch den verstärkten

Einstieg in die digitalisierte Lehre hat der Dozent

selbst viel gelernt, sagt er – und sieht in der

digitalisierten Lehre Licht und Schatten.

Autorin: Ilse Spadlinek • Foto: PMU/wildbild

durchgehen. Aber die Interaktion mit den Studierenden

leidet natürlich. Wenn ich beim

Vortrag im Hörsaal fragende Gesichter sehe,

weiß ich, dass etwas nicht angekommen ist

und kann nachhaken. Ideal ist eine Kombination:

So könnte unser XR-Student (ein breitflächiges

digitales System für die Fern- und

Hybridlehre) eine Vorlesung live mit Publikum

aufzeichnen; dafür stellt die XR-Plattform

mit mobiler App und Webauftritt den

digitalen Inhalt bereit. Ich meine also: Wichtig

ist die aufgezeichnete Vorlesung mit Interaktion

und im Nachklang die Wiederholung, es

gehört beides zusammen.“

„Michelangelo sagte, er habe die Figur seines David

schon vorher im Gestein gesehen. Genauso funktioniert

die Anatomie: Man hat eine dreidimensionale

Vorstellung des menschlichen Körpers.“

Priv.-Doz. Dr. med. Martin Hudelmaier,

wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrender am Institut für Anatomie

und Zellbiologie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität

Vom Wert des Begreifens. Spätestens jetzt

stellt sich eine Frage, die schon vor Jahren für

Diskussionen gesorgt hat: Machen die vielen

digitalen Möglichkeiten die klassische Lehre

am Präparat in der Anatomie nicht überflüssig?

Martin Hudelmaier dazu: „In der deutschen

Sprache gibt es das schöne Wort ‚begreifen‘,

was bedeutet, dass man etwas verstanden

hat. Zu diesem Verstehen gehört auch

das Begreifen mit Händen – so funktioniert

unser Gehirn. In einer TV-Sendung wurden

unlängst digitale und Präsenz-Lernkonzepte

verglichen, auch anhand einer Mitschrift auf

einem Tablet und einer handschriftlichen

Aufzeichnung auf Papier. Interessant war,

dass man sich genau merkt, wo man ein bestimmtes

Wort auf welcher Seite auf dem Papier

geschrieben hat – das ist eine räumliche

Information. Diese Information geht auf dem

Tablet verloren, dort gibt es sie nicht. Weil

aber in unserer menschlichen Denkart die

Räumlichkeit stark verankert ist, brauchen

wir sie auch zum Lernen.“ Nun ist es in verschiedenen

Ländern schon seit Jahrzehnten

üblich, dass Medizinstudierende nicht am

menschlichen Präparat üben. Die Erfahrung,

selbst zu präparieren und zu „begreifen“, fehlt

diesen Studierenden jedoch, und sie holen sie

oft später nach. Es ist wohl so, dass man auch

ohne Präparierkurs Arzt oder Ärztin werden

kann – aber mit dem Lernen am menschlichen

Körper wird man möglicherweise der

bessere Arzt.

Ω

paracelsus today 3 | 20

19


Friedrich Hillebrand (oben)

und Wolfgang Sperl (unten)

freuen sich über die Ausweitung

der Kooperation von

EVER Pharma und PMU.

Ein starker

Partner der

Pharmazie

Die Paracelsus Universität

hat sich bei ihrer Gründung

2002 zur Aufgabe

gemacht, als private Institution

im universitären

Bereich und Gesundheitswesen motivierte

junge Leute zu exzellenten Humanmedizinerinnen

und -medizinern

auszubilden und Forschung zu betreiben.

Das Studienangebot ist seither stetig

angewachsen, zum Beispiel kam 2007

die Pflegewissenschaft als grundständiges

Studium hinzu. Inzwischen ergänzen

zahlreiche Universitätslehrgänge, Doktoratsstudien,

diverse Weiterbildungsangebote

und seit 2017 das Studium der

Pharmazie das Bildungsportfolio. Als

„jüngstes Kind“ rückt die Pharmazie nun

vermehrt in den Fokus der internen

und externen Öffentlichkeit.

Research | „Der Gesundheit

verpflichtet“, lautet der

Leitsatz des Pharmaunternehmens

EVER Pharma.

Dies ist einer der Beweggründe,

mit der Paracelsus

Medizinischen Privatuniversität

zusammenzuarbeiten.

Autor. Gottfried Stienen • Fotos: wildbild

Freudiger Anlass. Der 10. September

2020 wird als wichtiger Tag in die Annalen

der Universität eingehen. Das

namhafte Unternehmen EVER Pharma

übernahm mittels großzügiger finanzieller

Unterstützung die Patronanz des

Auditoriums im Haus D der Paracelsus

Universität. Das jüngste, modern ausgestattete

Gebäude ist vorwiegend der

Pharmazie und ihrer Lehre und Forschung

gewidmet. Das „EVER Pharma

Auditorium“ wurde von Friedrich Hillebrand,

Mitinhaber der EVER Pharma

Gruppe, und PMU-Rektor Wolfgang

Sperl feierlich eröffnet – gemeinsam

mit dem emeritierten Gründungsrektor

Herbert Resch und Pharmazie-Vorständin

Johanna Pachmayr sowie zahlreichen

Gästen. Natürlich wurde in Zeiten

der Corona-Pandemie auf die

Einhaltung aller entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen

geachtet.

Gemeinsamer Weg. Die Eröffnung war

letztlich auch ein sichtbares Zeichen

für die Zusammenarbeit und das Zusammenrücken

von EVER Pharma und

Paracelsus Medizinischer Privatuni-

20

paracelsus today 3 | 20


versität. Denn geographisch nur rund

40 Kilometer getrennt, beschreiten beide

Partner schon seit längerer Zeit gemeinsame

Wege. So gibt es seit mehr

als einem Jahrzehnt gemeinsame Forschungsarbeit

mit Instituten der Paracelsus

Uni und Abteilungen der Salzburger

Landeskliniken – Universitätsklinikum

der PMU. Die Projekte in der

Grundlagenforschung und die Auftragsforschung

haben bereits wissenschaftlich

interessante Ergebnisse gebracht.

Die Forschungsabteilung von

EVER Pharma und das Institut für Pharmazie

konnten gemeinsam mehrere

Forschungsprojekte im Bereich Produktinnovation

und -verbesserungen

realisieren. Zum Beispiel arbeiten die

PMU-Forschenden im Rahmen eines

von der FFG geförderten Projekts an der

Optimierung von Substanzen zur Parkinson-Therapie

mit. Darüber hinaus

„Wir würden uns sehr freuen,

an der PMU ausgebildete

Pharmazeutinnen und Pharmazeuten

künftig für unser

stetig wachsendes Unternehmen

gewinnen zu können.“

Dr. Friedrich Hillebrand,

Vorsitzender der EVER Pharma

Gruppe und Miteigentümer

erforscht man gemeinsam die Zusammensetzung

und Stabilisierung flüssiger

Arzneiformen. Studierende des 2017 gestarteten

Pharmaziestudiums haben inzwischen

auch die Möglichkeit, ihre Industriepraktika

im global tätigen Pharmaunternehmen

zu absolvieren.

Eine Herzenssache. Warum geht nun

EVER Pharma ausgerechnet mit der

Paracelsus Uni Hand in Hand? „Als innovatives

und zukunftsorientiertes Unternehmen

und gemäß unserem Leitsatz

,Der Gesundheit verpflichtet´, liegt

uns die Förderung erstklassiger Forschung

und Ausbildung besonders am

Herzen“, erklärt Friedrich Hillebrand die

Hauptmotivation für den Ausbau der Zusammenarbeit.

„Die PMU steht für exzellente

Forschung sowie Aus- und Weiterbildung

auf höchstem Niveau. Daher

wird die bewährte Kooperation laufend

vertieft und ausgeweitet.“ Lob und ein

Vertrauensvorschuss von einem Mann,

der als Vorsitzender der EVER Pharma

Gruppe mehr als 40 Jahre Erfahrung in

der Pharmabranche in den Bereichen

Entwicklung, Herstellung und Vermarktung

mitbringt. Bis 2009 war er CEO der

EBEWE Pharma, eines auf Onkologie

und Neurologie spezialisierten Unternehmens,

das er 30 Jahre lang aufbaute

und leitete, bis es an Novartis veräußert

wurde. Hillebrand trägt übrigens einen >

Schön, mit wirklich

jedem anstoßen

zu können

Erhältlich

unter

stiegl-shop.at

Strohgelb in der Farbe, ausgewogen

im Geschmack und zart gehopft:

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Braukunst auf höchster Stufe.


Doktortitel der Technischen Chemie von

der Universität Wien.

EVER Pharma

Das weltweit tätige Pharmaunternehmen EVER Pharma mit Hauptsitz

in St. Gilgen/Unterach legt seinen Fokus auf Forschung, Entwicklung

und Herstellung von injizierbaren Arzneimitteln für Neurologie, Intensivmedizin

und Onkologie. Der Forschungs- und Entwicklungstätigkeit

wird mit einem Budget von etwa 25 Millionen Euro eine besondere

Bedeutung beigemessen. Das Unternehmen konzentriert sich dabei

auf klinische und nichtklinische Grundlagenforschung im Bereich

neuronaler Erkrankungen (Cerebrolysin) und Produktinnovationen im

Bereich komplexer injizierbarer Arzneimittel. Dies geschieht in eigenen

Forschungseinrichtungen und Kooperationen mit nationalen und

internationalen Forschungsinstituten.

In über 70 Ländern werden die EVER-Medikamente weltweit

durch eigene Gesellschaften und Repräsentanzen in den Kernmärkten

vertrieben. Eine Exportquote über 95 Prozent zeugt von der starken

internationalen Ausrichtung von EVER Pharma. Als Technologieführer

in der Herstellung steriler Arzneimittel gilt EVER Pharma als Spezialist

für Ampullenpräparate, Injektionsfläschchen und Fertigspritzen.

Das Unternehmen investiert in neue, moderne Produktionsanlagen

zur Ausweitung der Kapazität sowie in die Sicherung der Qualität

der Arzneimittel.

Weltweit arbeiten täglich rund 1000 EVER Pharma-Mitarbeiterinnen

und -Mitarbeiter daran, die Gesundheit von Patientinnen und Patienten

zu verbessern sowie das Arbeiten des medizinischen Fachpersonals

sicherer zu gestalten. Stetige Investitionen in die Weiterbildung

und die Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, vor allem

im Bereich Forschung und Entwicklung, stärken weiterhin die Wettbewerbsfähigkeit

der EVER Gruppe.

Mehrdimensionaler Nutzen. Rektor Wolfgang

Sperl sieht in EVER Pharma einen

wertvollen Partner auf mehreren Ebenen:

„Wir sind sehr dankbar, dass dieses renommierte

Unternehmen die Patronanz für

das Auditorium im Haus D übernommen

hat und damit auch die Infrastruktur der

Universität großzügig fördert. Dies ist eine

erfreuliche Erweiterung der bereits bestehenden

Kooperation in Lehre und Forschung.“

Das Pharmaziestudium der PMU

mit seiner forschungsbasierten Lehre profitiere

vom Input aus der Praxis. Gleiches gelte

für die Grundlagenforschung, die sich

den Erfahrungsschatz des Pharmakonzerns

in Forschung, Entwicklung und Herstellung

von Pharmazeutika mit ins Boot

holen könne. Da die Paracelsus Universität

zu rund 90 Prozent mit privaten Geldern

finanziert wird, benötigt sie die Unterstützung

von Förderern, Mäzenen und wissenschaftlichen

Partnern. EVER Pharma ist

mit anderen Unternehmen maßgeblich am

Gedeih der Pharmazie beteiligt. Nicht zuletzt

auch deshalb, weil das Unternehmen

mit Gründung der Pharmazie einen Lehrstuhl

an der PMU übernommen hat.

Gelebte Interdisziplinarität. Eine Besonderheit

an der Paracelsus Universität im Zusammenhang

mit der jungen Pharmazie

wird erst in einigen Jahren wirksam werden.

Am Campus in Salzburg wird die

Trias aus Humanmedizin, Pflegewissenschaft

und Pharmazie gelebt und weiter

ausgebaut: in fächerübergreifenden Vorlesungen,

im persönlichen Miteinander und

im gedanklichen Austausch. Das ist zukunftsweisend.

Die Universität sieht es als

ihre Verantwortung, mit dem Geld ihrer

Förderer junge Menschen bestmöglich

ausgebildet in das Berufsleben zu führen

und durch Forschung Wissenszuwachs im

Gesundheitsbereich zu generieren. Zum

Wohle der Patientinnen und Patienten,

heute und in der Zukunft.

Ω

22

paracelsus today 3 | 20


Ludwig van Beethoven könnte heute hören

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Gibt es ein bildgebendes

Verfahren für die Psyche?

Kann man Psychotherapie

digitalisieren?

Ja, man kann, sagt Günter

Schiepek, Leiter des Instituts für Synergetik

und Psychotherapieforschung

der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität.

Und der deutsche Psychologe,

der auch an der Ludwig-Maximilians-Universität

München lehrt, kann

das belegen. Aber der Reihe nach: 1998

leitet der damals 40-jährige Wissenschafter

ein Forschungsprojekt am Universitätsklinikum

der RWTH Aachen.

Im Zentrum des Interesses stehen damals

Prozess-Evaluationen von psychotherapeutischen

Behandlungen. Und besonders

nichtlineare Merkmale und

Musterveränderungen – so genannte

selbstorganisierende Musterwechsel.

Anfangs werden diese mit Papier und

Bleistift dokumentiert. Schiepek erinnert

sich: „Ich war erstaunt, wie klar

sich diese Muster abgezeichnet haben.“

Und langsam keimt eine neue Idee: Die

Erkenntnisse sollen nicht nur wissenschaftlich

verwertet werden, sondern

den Patienten in Zukunft bereits während

der Therapie zugutekommen.

Die Gunst der Stunde. Das Internet

boomt gerade – und schafft die Voraussetzungen.

Günter Schiepek im Gespräch

mit Paracelsus Today: „Wir

haben dann begonnen, das so zu programmieren,

dass man das bereits im

Verlauf einer Therapie analysieren und

visualisieren kann.“ Daraus entsteht

Schritt für Schritt ein webbasiertes Visualisierungstool

für Monitoring und

Steuerung von Veränderungsprozessen

im Rahmen von psychotherapeutischen

Behandlungen. „Die Prozess-Thematik

ist für uns sehr zentral, weil im Gehirn,

in der Psyche, in der sozialen Interaktion

permanent Prozesse ablaufen“, erklärt

Schiepek. Das neue Tool tauft er

„Synergetisches Navigationssystem“,

Research | Wenn psychische Veränderungsprozesse

digital sichtbar werden, tun sich für Patienten

und Therapeuten neue Möglichkeiten auf. Günter

Schiepek erklärt, was hinter seinem wissenschaftlichen

Tool namens „SNS“ steckt.

Autor: Andreas Aichinger • Foto: Michael M. Vogel

Psychotherapie mit

App

24

paracelsus today 3 | 20


kurz SNS. Begrifflicher Hintergrund:

Die Synergetik ist die Theorie und Lehre

vom Zusammenwirken von Elementen

innerhalb eines komplexen dynamischen

Systems und wurde ursprünglich

vom deutschen Physiker Hermann Haken

aus der Lasertheorie entwickelt.

Die Begegnung mit Haken hatte auch

den jungen Schiepek nachhaltig geprägt:

Er überträgt die Synergetik-Erkenntnisse

aus der Physik auf bio-psycho-soziale

Systeme und auf Prozesse

in Psychotherapie und Psychologie.

Personalisierter Datenffluss. Was theoretisch

klingt, hat gut zwei Jahrzehnte

später längst Auswirkungen auf die

therapeutische Praxis. „Ich habe erstmals

das Gefühl, dass ich damit und

überhaupt den Weg gefunden habe,

meinem Ziel näher zu kommen. Und die

Zwänge in den Griff zu kriegen und so

mein Leben zu verändern und wieder

lebenswerter zu machen.“ Dieser Eintrag

einer Patientin direkt im SNS macht neugierig.

Und zeigt gleichzeitig, wie das Synergetische

Navigationssystem „gefüttert“

wird: nämlich mit Selbsteinschätzungen

entlang einer ganz individuellen Systemmodellierung.

Konkret werden auf den

jeweiligen Fall abgestimmte Fragen (beispielsweise:

„Heute wurde ich von der

Depression mitgerissen“) formuliert, die

dann tagesaktuell von den Patienten via

Smartphone-App in ihrer Intensität bewertet

werden. Das Resultat ist ein kontinuierlicher

Strom personalisierter Daten,

die vom SNS anschaulich visualisiert

werden können. Schiepek: „Mit

den generierten Daten können wir Therapien

dokumentieren und monitoren,

aber auch optimieren.“ Und weiter: „Der

Therapeut hat gar nicht viel Arbeit damit,

die Daten werden ihm praktisch

vor die Füße gespült.“

Vielfältig einsetzbares Tool. „Alle!“,

antwortet der Autor zahlreicher Fachbücher

auf die Frage, welche Formen

der Therapie als Anwendung infrage

kommen. Und zwar unabhängig von

der Diagnose und der konkreten therapeutischen

Vorgehensweise, wie er sagt.

Auch jenseits von Depressionen oder

Angststörungen sei nahezu jede Psychotherapie-Indikation

„ein Fall für das

Prozessmonitoring“. Das Prinzip ist immer

ähnlich: Durch Musterwechsel

sichtbar gemachte Übergänge – meist

das Resultat wichtiger Erfahrungen

oder Entscheidungen der Patienten –

dienen entweder als Frühwarn-Indikatoren

oder zeugen umgekehrt von Fortschritten.

Angewendet wird das SNS –

es wird von Schiepeks CCSYS GmbH

vertrieben, die Jahreslizenz kostet 1500

Euro – bereits in Deutschland, Dänemark,

den Niederlanden – und natürlich

am Universitätsklinikum in Salzburg.

Hier an der Christian-Doppler-Klinik

sind die Universitätsklinik

für Psychiatrie, Psychotherapie und

Psychosomatik und ihr Vorstand Wolfgang

Aichhorn der wichtigste klinische

und wissenschaftliche Partner. Ein

Partner, der zudem die Mitarbeiter von

Schiepeks Institut finanziert und Infrastruktur

zur Verfügung stellt.

Bildgebung für Psyche und Hirn. In der

Digitalisierung und Personalisierung

der Psychotherapie liegt für den Leiter

„Mit den generierten Daten

können wir Therapien dokumentieren

und monitoren,

aber auch optimieren.“

Univ.-Prof. DDr. Günter Schiepek, Leiter

des Instituts für Synergetik und Psychotherapieforschung

der Paracelsus

Medizinischen Privatuniversität

des Instituts für Synergetik und Psychotherapieforschung

ausdrücklich eine

Chance. O-Ton Schiepek: „Manche Therapeuten

meinen, dass dadurch die echte

menschliche Beziehung irgendwie

verloren geht. Aber das Gegenteil ist der

Fall.“ Erfahrungen würden zeigen, dass

sich Patienten dank der modernen Methoden

sogar besonders wahrgenommen

fühlen. Apropos Wahrnehmung: Dem

Deutschen, der einst selbst in Salzburg

studiert hat, ist es wichtig, dass auch das

zweite zentrale Arbeitsfeld seines Instituts

gesehen wird: die Neurowissenschaft,

speziell die Neurobiologie der

Psychotherapie. Die Fragestellung: Wie

funktioniert das Gehirn im Lauf einer

Psychotherapie, wie verändert es sich

dabei? „Das ist ein großes Thema“, sagt

der Universitätsprofessor. Und während

er das SNS als eine Art „bildgebendes Verfahren

für die Psyche“ preist, kann er in

diesem Fall auf handfeste Hirnbildgebung

setzen. Sprich: Gehirnscans mit Hilfe

der funktionellen Magnetresonanztomographie

(fMRT) im Therapieverlauf.

Mit SNS gegen Corona. „Psyche, soziale

Interaktionen, Neurodynamik – alles,

was mit Psychotherapie zu tun hat.“

Während Schiepek am Ende des Gesprächs

die breite Aufstellung seines Instituts

auf einen kurzen Nenner bringt,

rückt auch noch die Corona-Krise in

den Fokus. „Wenn es nicht anders möglich

ist, kann das Synergetische Navigationssystem

eine Therapie auf Distanz

unterstützen“, erklärt Schiepek. Und

das sei jenseits von Corona auch für

Länder mit schlechter Psychotherapie-Infrastruktur

interessant. Nachsatz:

„Das SNS hat selbst einen therapeutischen

Effekt und ist auch selbst ein Therapieinstrument.

Das passt sehr gut zu

dieser Corona-Krise.“ Und die Zukunft?

Für die hat der Institutsleiter auch noch

ein großes Ziel: einen Psychotherapie-Studiengang

als „viertes Standbein“

der Paracelsus Universität. Ω

paracelsus today 3 | 20

25


Ärztin mit Fantasie

und Humor

VeryPersonal | Belinda Plattner übernimmt als neue

Primaria und Nachfolgerin von Leonhard Thun-

Hohenstein die Leitung der Universitätsklinik für

Kinder- und Jugendpsychiatrie in Salzburg.

Autor: Wolfgang Bauer • Foto: SALK; PMU/wildbild

„Die Qualität der Versorgung verbessert sich, wenn das Team

auch wissenschaftliches Interesse zeigt und forscht. Denn das

ermöglicht einen besseren Zugriff auf neue Methoden.“

Priv.-Doz. Dr. Belinda Plattner,

designierte Vorständin der Universitätsklinik

für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Salzburg

Belinda Plattner mag Kinder

und Jugendliche mit all ihren

Facetten. Sie arbeitete

viele Jahre im Jugendstrafvollzug

mit jugendlichen

Straftätern und verstand es, auch mit

den „harten Jungs“ eine gute Beziehung

aufzubauen. Als Kassenärztin für Kinder-und

Jugendpsychiatrie in St. Johann

im Pongau wiederum betreute sie

ein anderes Patientenklientel, nämlich

vorwiegend kleinere Kinder und Volksschüler.

Hier war es gefragt, das Interesse

der Kinder zu wecken und den Besuch

in der Ordination freundlich und

möglichst unterhaltsam zu gestalten.

„Was niemals fehlen darf, sind eine Prise

Fantasie und Humor – und vor allem

Respekt vor den kleinen Patienten“,

sagt die Dozentin. So erklärt sie den

Kindern unter anderem durch das Erzählen

von Geschichten, wie ihnen geholfen

werden könnte.

Bestes Behandlungsklima. Belinda

Plattner wird am 1. Februar nächsten

Jahres die Nachfolge von Primar Leonhard

Thun-Hohenstein an der Universitätsklinik

für Kinder- und Jugendpsychiatrie

antreten, weil dieser in Pension

gehen wird. Die designierte Vorständin

freut sich auf die Herausforderung, begegnet

ihr aber auch mit gewissem Respekt.

„Ich werde nach bestem Wissen

und Gewissen versuchen, ein optimales

Behandlungsklima für die Patienten

und ein gutes Arbeitsklima für das

Team zu schaffen“, sagt sie. Die Universitätsklinik

an der Christian-Doppler-Klinik

kennt sie gut, war sie doch als

26

paracelsus today 3 | 20


1. Oberärztin bereits sechs Jahre lang

die Stellvertreterin des Vorstands. Zuletzt

leitete sie eine Praxis für Kinderund

Jugendpsychiatrie in St. Johann im

Pongau. Die 44-Jährige ist überzeugt,

dass ihr die Erfahrungen aus dem niedergelassenen

Bereich an der Uniklinik

zugutekommen werden. „Ich machte

die Erfahrung, dass die Angebote der

Kinder- und Jugendpsychiatrie im Innergebirg

genauso gut angenommen

werden wie in einer Großstadt. Da gibt

es keine speziellen Vorbehalte auf dem

Land“, sagt Plattner.

Krise statt Krankheit. Belinda Plattner

wurde in der Schweiz geboren und

wuchs in Wien auf, wo sie mit dem Medizinstudium

begann und dieses an der

Stanford University in Kalifornien abschloss.

Bereits bei der Inskription war

für sie klar, dass sie der berufliche Weg

einmal in die Psychiatrie führen werde.

Nach ihrer Dissertation stand fest, dass

es der Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie

werden sollte. Eine Disziplin,

die ähnliche Erkrankungen aufweist

und mit ähnlichen therapeutischen Ansätzen

arbeitet wie die allgemeine Psychiatrie.

Doch Kinder haben im Allgemeinen

eine bessere Prognose, weil sie

sich am Beginn der Entwicklung befinden,

erklärt die Ärztin. Sie bewertet die

Beschwerden der Kids weniger im Sinne

einer klassischen psychiatrischen

Erkrankung, sondern vielmehr als Krisen

eines Lebensabschnitts, der besondere

Herausforderungen bietet. „Kinder

können ihr Umfeld nur sehr eingeschränkt

aktiv mitgestalten. Die Gesellschaft

setzt voraus, dass sie sich an die

von den Erwachsenen vorgegebenen

Lebensumstände anpassen. Es steht außer

Frage, dass hier die Grenzen der Belastbarkeit

von Kindern öfter überschritten

werden“, betont sie.

Forschung ermöglichen. Nach Ansicht

der Ärztin soll das Hauptaugenmerk

Im Dienst für

Kinder- und

Jugendseelen

Die Universitätsklinik für Kinder-

und Jugendpsychiatrie wird seit

2009 von Prim. Univ.-Prof. Dr.

Leonhard Thun-Hohenstein geleitet.

Der gebürtige Wiener studierte

an der Universität seiner

Heimatstadt Medizin, gelangte

nach zahlreichen Stationen und

Ausbildungen (zum Beispiel zum

Kinderfacharzt und zum

Facharzt für Kinder- und Jugendneuropsychiatrie)

1993 an

die Landeskrankenanstalten

Salzburg. 2007 habilitierte er im

neuen Sonderfach Kinder- und

Jugendpsychiatrie an der Paracelsus

Medizinischen Privatuniversität.

Im gleichen Jahr wurde

er zum Leiter der Abteilung für

Kinder- und Jugendpsychiatrie

und 2009 zum Vorstand der Universitätsklinik

für Kinder- und

Jugendpsychiatrie berufen. Er

engagiert sich seit vielen Jahren

als Lehrender im Medizinstudium

der Paracelsus Universität.

Ende Jänner 2021 wird sich Leonhard

Thun-Hohenstein in den

Ruhestand verabschieden.

der Universitätsklinik für Kinder- und

Jugendpsychiatrie unter ihrer Leitung

zwar auf der Versorgung der Kinder

und Jugendlichen liegen, doch auch

Forschungsaktivitäten sollen nicht zu

kurz kommen. „Die Qualität der Versorgung

verbessert sich, wenn das Team

auch wissenschaftliches Interesse zeigt

und forscht. Denn das ermöglicht einen

besseren Zugriff auf neue Methoden“,

sagt die künftige Klinikchefin. Aktuelle

und geplante Forschungsprojekte umfassen

eine Kooperationsstudie mit

dem Neuroscience Institut des Salzburger

Uniklinikums, außerdem Studien zu

Internetverhalten und zu sozialen Medien

sowie zu Phytopharmakologie und

Darmmikrobiom – um nur einige zu

nennen.

Wichtiger Ausgleich. Belinda Plattner

lebt mit ihrer Tochter und ihrem Partner

in Salzburg und findet ihren Ausgleich

im kreativen Schreiben von Kindergeschichten.

Ein erstes von ihr verfasstes

Kinderbuch wird in Kürze bei

Verlagen eingereicht. „Außerdem koche

und backe ich gerne und viel. Ein gutes

Essen im Kreise der Familie oder mit

Freunden ist wie Balsam für die Seele“,

erzählt die Dozentin. Darüber hinaus ist

sie begeisterte Schwimmerin und interessiert

sich für Zeitgeschichte. Als kritische

Beobachterin nimmt sie eine gewisse

Überlastung der Kinder und Jugendlichen

in unserer Gesellschaft wahr,

etwa durch die Schule. Sind die Kids

auch durch Corona überfordert? Ja und

nein, sagt Plattner. „Einerseits können

sie Ängste entwickeln und an der Kontaktarmut

in Zeiten eines Lockdowns

leiden. Aber auf der anderen Seite meistert

ein Großteil der Kinder die durch

die Pandemie entstandenen Herausforderungen

besonders vorbildlich,

häufig sogar besser als Erwachsene:

zum Beispiel, wenn es um das Tragen

von Masken oder um das Home Schooling

geht.“

Ω

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Update | Die Pille feiert ihren 60.

Geburtstag. Sie steht für sichere Verhütung

und sexuelle Freiheit, hat aber

auch Schattenseiten. Und viele Mütter.

Sex mit

Blister

Autor: Andreas Aichinger

D er 18. August 1960 war mit gleich zwei Ereignissen

von großer Tragweite ein wirklich historischer Tag. Einerseits

kam es in einem Nachtclub auf der Hamburger

Reeperbahn zum ersten Auftritt der Beatles außerhalb

Großbritanniens. Ebenfalls am selben Tag vor 60 Jahren

wurde in den USA erstmals ein Produkt („Enovid“) verkauft,

das das Leben von Millionen Frauen und Paaren grundlegend

verändern sollte. Gemeint ist die erste Form der hormonellen

Empfängnisverhütung, die als „Antibabypille“

oder kurz „Pille“ Geschichte schreiben sollte – wenn auch

anders als die „Pilzköpfe“ aus Liverpool. In Österreich wurde

ein ähnliches Produkt („Anovlar“) mit jedoch bereits reduzierter

Hormondosis erstmals im Jahr 1962 zugelassen.

Zwei Väter & ihr Schicksal. Als Pionier der hormonellen

Verhütung gilt ein heute weitgehend vergessener Österreicher:

der 1885 geborene Innsbrucker Physiologe Ludwig Haberlandt.

Er konnte im Tierversuch den ersten wissenschaftlichen

Beweis dafür erbringen, dass eine Verhütung mittels

Hormonen möglich ist. 1919 zeigte Haberlandt, dass die

Transplantation von Eierstöcken trächtiger Kaninchen auf

nicht-trächtige Tiere bei diesen den Eisprung unterdrücken

konnte – das Prinzip der Pille war geboren. Bald wuchs jedoch

die Kritik an seiner Forschung rund um eine „Antikindertablette“,

am Ende nahm sich der auch als „Großvater der

Pille“ bezeichnete Haberlandt das Leben. Mehr Erfolg, Anerkennung

und Prominenz waren hingegen dem 1938 aus Österreich

in die USA geflohenen Chemiker Carl Djerassi vergönnt:

1951 gelang es dem als „Mutter der Pille“ geehrten

Djerassi, das erste oral wirksame Gestagen zu synthetisieren.

Zwei Mütter & ein dunkles Kapitel. Während der gebürtige

Wiener Djerassi in Mexiko forscht, kommt es in den USA

zu einer folgenreichen Begegnung: Die Krankenschwester

und engagierte Frauenrechtlerin Margaret Sanger lernt bei

einer Party den Bostoner Endokrinologen Gregory Pincus

kennen. Als dieser die theoretische Möglichkeit einer Verhütungspille

bejaht, wendet sich Sanger an ihre langjährige

Mitstreiterin, die wohlhabende Biologin Katharine Dexter

McCormick. Diese unterstützt ab 1953 die letztlich erfolgreiche

Forschung von Pincus mit zwei Millionen US-Dollar.

Doch während der Erfolg von „Enovid“ ab 1960 eine klare

Sprache spricht, mehren sich in den letzten Jahren auch die

Zweifel an manchen Motiven Margaret Sangers. Besonders

problematisch erscheint aus heutiger Sicht Sangers Befürwortung

von Zwangssterilisationen und Eugenik, die bekanntlich

von den Nationalsozialisten als „Rassenhygiene“ zu

einem traurigen Höhepunkt getrieben wurde.

Sexuelle Befreiung & sittliche Zucht. Die Grundmotivation

von Sanger hingegen, zahllosen Frauen Leid und Abtreibungen

zu ersparen, sollte sich als goldrichtig erweisen. Anfangs

noch fast verschämt als „Mittel gegen Menstruationsbeschwerden“

vermarktet und lediglich an verheiratete Frauen

mit Kindern abgegeben, entfaltete die Pille ab den späten

1960er-Jahren ihr volles gesellschaftliches Potenzial. Endlich

wurde Sexualität nicht mehr von ungewollten Schwangerschaften

überschattet, die sexuelle Lust emanzipierte sich

von der Fortpflanzung. Und genau das rief Gegner auf den

Plan, nicht zuletzt in der Katholischen Kirche. Höhepunkt

war die „Pillen-Enzyklika“ Humanae Vitae von Papst Paul

28

paracelsus today 3 | 20


Der Chemiker, Autor und

Exil-Österreicher Carl

Djerassi konnte 1951 das

erste oral wirksame

Gestagen synthetisieren.

VI. im Sommer 1968, in der unter anderem vor einer „Aufweichung

der sittlichen Zucht“ gewarnt wurde. Doch auch

zahlreiche Gynäkologen warnten in einer „Ulmer Denkschrift“

vor den möglichen Folgen: „Das Überhandnehmen

der sexuellen Thematik in allen Bereichen unserer Gesellschaft

signalisiert für viele Fachleute die Verkümmerung

und Blockierung echter Liebesfähigkeit.“

Nutzen & Schattenseiten. Der Zug der Zeit war jedoch nicht

aufzuhalten. Die mit den jeweiligen Wochentagen beschrifteten

Pillen-Blister wurden zu Fixstartern in den Handtaschen

und Hygienebeuteln von immer mehr Frauen. Sexualität

durfte sorgenfrei Freude versprühen, Abhängigkeiten

in Partnerschaften konnten ebenso reduziert werden wie

Abtreibungen. Doch die große Pillen-Party hatte von Anfang

an auch eine Schattenseite. Zwar zählt die Pille heute zu

den sichersten und auch am häufigsten verwendeten Methoden

der Empfängnisverhütung und wird von vielen

Herstellern in unterschiedlichen Ausprägungen angeboten.

Doch obwohl die Hormon-Dosierungen seit den Anfängen

deutlich reduziert werden konnten, birgt hormonelle Verhütung

für Frauen nach wie vor teils ernste gesundheitliche

Risiken:

Lust oder Unlust? Dazu gehören nicht zuletzt ein erhöhtes

Thrombose-, Bluthochdruck- und Brustkrebsrisiko. Da die

Pille speziell bei Raucherinnen zu einer potenziell gefährlichen

Verengung der Blutgefäße führt, wird ihnen überhaupt

von einer Einnahme abgeraten. Generell sollte die Pille nur

von gesunden Frauen verwendet werden, da sie auch Auswirkungen

auf Herz und Kreislauf haben kann. Speziell

Frauen mit Thrombose- oder Embolie-Risiko sollten ebenfalls

von einer Einnahme absehen. Zu den möglichen Nebenwirkungen

gehören – neben Gewichtszunahme, Übelkeit,

Zwischenblutungen und sexueller Unlust – aber vor allem

auch Depressionen. Besonders Teenager dürften laut einer

dänischen Studie aus dem Jahr 2016 gefährdet sein, durch

die Pille negativ in ihrer Stimmung beeinflusst zu werden.

Und noch ein Aspekt wird immer wieder diskutiert:

Moderne Alternativen. Die Partner- Präferenzen einer Frau,

die hormonell verhütet, könnten durch die Pille manipuliert

werden. Tatsächlich dürfte ein Einfluss auf die Bewertung

von männlicher Attraktivität und auf den Geruchssinn bestehen.

Immer wieder gibt es Berichte, wonach Frauen ihren

Partner nach dem Absetzen der Pille plötzlich „nicht mehr

riechen können“ – die resultierenden Probleme liegen auf

der Hand. Als Alternative mit einer wesentlich geringeren

und gezielt lokalen Hormonabgabe bieten sich heute Hormonspiralen

an, die mittlerweile zu den beliebtesten Formen

der Langzeitverhütung zählen. Für eine gewisse Pillenmüdigkeit

sorgt in den letzten Jahren aber auch die Tatsache,

dass immer mehr junge Frauen gar nicht mehr in ihre natürlichen

hormonellen Abläufe eingreifen wollen. Wohl aus

Konsequenz daraus werden auch Kondome wieder verstärkt

genutzt, mit dem Schutz vor HIV und anderen Geschlechtskrankheiten

als wichtigem Benefit. Eines aber lässt sich nach

60 Jahren mit Sicherheit sagen: Die „Pille“ hat wirklich

Geschichte geschrieben. Und sie stellt dabei wohl sogar die

Beatles in den Schatten.

Ω

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Der Wolf im Schafspelz

Bodycheck | Atemwegsinfekte sind im Herbst und Winter häufig. In der

Regel handelt es sich um „harmlose“ Virusinfektionen. Aber Achtung:

Auch potenziell folgenschwere Erkrankungen, wie neuerdings COVID-19,

können mit ähnlichen Symptomen beginnen.

Fotos: iStockphoto; privat

Symptome und Verlauf:

Bis zu 50 Prozent der Patientinnen und

Patienten, die sich mit dem SARS-CoV-

2-Virus infiziert haben, leiden unter

Husten, Fieber, Schnupfen und Störungen

des Geruchs- und Geschmackssinnes.

Seltener treten Halsschmerzen,

Kopf- und Gliederschmerzen auf. Luftnot

weist auf eine Virus-Pneumonie

hin. Appetitlosigkeit, Übelkeit und Bauschmerzen

sind nicht selten die einzigen

Symptome. Ab der zweiten Krankheitswoche

können pulmonale, kardiale,

neurologische und weitere Komplikationen

hinzukommen.

Diagnostik:

Als sehr spezifisch für eine COVID-

19-Erkrankung gilt ein plötzlich einsetzender

Verlust des Geruchs-und

Geschmackssinnes. Die Diagnosesicherung

erfolgt durch sachgerechten Abstrich

aus Nase und/oder Rachenraum.

Goldstandard ist die PCR-Analyse, alternativ

sind Antigen-Schnelltests verfügbar. Schon beim

Verdacht auf COVID-19 sind Schutz- und Quarantänemaßnahmen

konsequent umzusetzen.

Therapie:

Die Therapie der COVID-19-Erkrankung ist bislang eine

überwiegend symptomatische. Bei Komplikationen wie respiratorischer

Insuffizienz

(Atemversagen) im Rahmen

der Viruspneumonie

oder anderen Organ-Komplikationen

ist eine stationäre

Therapie bis hin zu einer

komplexen Intensivtherapie

erforderlich. Bei

respiratorischer Insuffizienz

kann eine Therapie mit

Dexamethason den Verlauf

günstig beeinflussen.

Die Effekte einer antiviralen

Therapie sind bislang

enttäuschend.

Prävention:

Die konsequente Beachtung

von Maskenpflicht,

Händehygiene und Reduktion

von Sozialkontakten

auch im privaten Bereich

ist heute auch für junge

Menschen ohne Risikofaktoren

selbstverständlich! Wer selbst Symptome entwickelt,

die auf eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus hinweisen

könnten, sucht telefonisch ärztlichen Rat (in Österreich unter

der Telefon-Hotline 1450) und begibt sich unmittelbar in

Selbstquarantäne. Die ersten Impfstoffe befinden sich im

Zulassungsverfahren und werden für das 1. Quartal 2021 erwartet.


Ω

Der Autor:

PROF. DR. JOACHIM H. FICKER ist Ärztlicher Leiter der Klinik für Innere Medizin

3, Schwerpunkt Pneumologie am Klinikum Nürnberg, Universitätsklinik der Paracelsus

Medizinischen Privatuniversität. Er ist bekannt für seine wissenschaftliche

Tätigkeit auf den Gebieten schlafbezogene Atmungsstörungen, chronisch-obstruktive

Lungenerkrankung (COPD), Emphysem und Lungenkarzinom.

30

paracelsus today 3 | 20


EMMENTALER

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Bereits am 18. Oktober 2019

hätte die Welt das tun sollen,

was sie heute ohnedies

machen muss: und

zwar den Expertinnen und

Experten der Johns Hopkins University

genau zuhören. Die renommierte Eliteuniversität

aus Baltimore hatte an

diesem Tag nämlich zu einer Pandemie-Übung

nach New York geladen,

um ein Szenario durchzuspielen, das

aus heutiger Sicht geradezu gespenstisch

klingt: Ausgehend von Fledermäusen

und weitergegeben über Schweine

ist in Brasilien ein neuartiges Coronavirus

auf Menschen übergesprungen. Die

resultierende Pandemie führt zu 65

Millionen Toten rund um die Erde und

gigantischen wirtschaftlichen Schäden.

Nicht zuletzt, weil noch keine Impfung

verfügbar ist – soweit die Übungsannahme.

Während diese auch als „Event

201“ (www.centerforhealthsecurity.org/

event201) bekannte Simulationsübung

unvermeidlicherweise auch Verschwörungstheoretiker

beflügelt, lässt sich im

Rückblick eines mit Sicherheit sagen:

Die Johns Hopkins University (kurz:

JHU) hatte und hat das Ohr am wissenschaftlichen

Puls der Zeit.

Im Auge des Titanen. Gut einen Monat

vor der Übung reist Jürgen Osterbrink

– zum wiederholten Mal – nach Baltimore.

Doch der Vorstand des Instituts

für Pflegewissenschaft und -praxis der

Paracelsus Universität hat keine Pandemie

im Kopf, sondern eine Kooperation

mit dem „Titanen der medizinischen

Versorgung“, wie er es ausdrückt.

Und tatsächlich genießen neben der

Johns Hopkins School of Medicine auch

die Bloomberg School of Public Health

und die School of Nursing – Osterbrinks

zentrales Objekt der kooperativen

Begierde – einen Weltruf. „Da habe

ich mir schon gedacht, wie das wohl

werden wird“, erzählt der Instituts-Chef

lachend im Gespräch mit Paracelsus

Today. Doch die Bedenken

lösen sich rasch in Luft auf: „Die Arme

waren ganz weit offen.“ Und das hat einen

guten Grund: Man hat sich längst

bei vielen Gelegenheiten kennen und

schätzen gelernt.

ICN & WHO-CC als Wegbereiter. Zum

einen hatte Jürgen Osterbrink bereits

als Mitglied des Direktoriums des Weltbunds

der Pflege (International Council

of Nurses, ICN) mit Sitz in Genf erste

Kontakte geknüpft. Zum anderen fungiert

Johns Hopkins auch als eine Art

Weltzentrale für die Collaborating Centers

der Weltgesundheitsorganisation

WHO. Das Salzburger Institut für Pflegewissenschaft

und -praxis ist bekanntlich

seit Jänner 2016 ein solches

WHO-CC, und das sogar als Erstes unter

pflegewissenschaftlicher Leitung

im deutschsprachigen Raum. Jedenfalls

ein weiterer Anknüpfungspunkt

für den begnadeten Netzwerker. Osterbrink:

„Ich war dann mehrere Male vor

Ort und habe unsere Leistungskraft

Best of Baltimore

Die renommierte Johns Hopkins

Universität (JHU) in Baltimore

(US-Bundesstaat Maryland) wird in

Rankings stets den besten Hochschulen

der Welt zugerechnet. Die

JHU brachte US-Präsidenten (Woodrow

Wilson), Nobelpreisträger (Joseph

Erlanger) und Top-Unternehmer

(Michael Bloomberg) ebenso

hervor wie medizinische Errungenschaften,

etwa den Defibrillator.

Speziell am East Baltimore Campus

im Osten der Stadt sind die School of

Medicine samt Johns Hopkins Hospital,

die School of Nursing und die

Bloomberg School of Public Health

konzentriert. Internationale Berühmtheit

erlangte die Universität

in den letzten Monaten aber vor allem

auch als Botschafterin der weltweiten

Covid-19-Daten. Das bereits

im Jänner 2020 erstmals veröffentlichte

Covid-19-Dashboard (http://

coronavirus.jhu.edu/map.html) und

generell die Online-Ressourcen der

Universität rund um die Corona-Krise

(http://coronavirus.jhu.edu) machen

sie zu einer der zentralen Anlaufstellen

während der aktuellen

Pandemie.

32

paracelsus today 3 | 20


vorgestellt. Die Chemie hat gestimmt

und es haben sich sehr schnell gemeinsame

Forschungsinteressen und Themen

herauskristallisiert. Das war letztlich

der Grund, wieso wir zusammengekommen

sind.“ Die erfreuliche Folge

ist ein mehrjähriger Kooperationsvertrag

mit der JHU, mit der Johns Hopkins

School of Nursing. Die Vereinbarung

sieht eine Kooperation in Form

gemeinsamer Forschungsprojekte in

Pflegewissenschaft und Public Health

ebenso vor wie den Austausch von Graduate

Students und Lehrenden. Der

Vertrag wurde im September 2019 unterzeichnet,

im Oktober fand die eingangs

erwähnte Simulationsübung

statt, und dann kam das Jahr 2020 und

mit ihm SARS-CoV-2.

Dateninstanz JHU. Das Covid-19-Dashboard

des Centers for Systems Science

and Engineering (CSSE) der Johns Hopkins

University kennt mittlerweile die

ganze (Fach-)Welt. Unter http://coronavirus.jhu.edu/map.html

werden Daten

Ein großer

Wurf

Inside | Die Blicke der Welt-

öffentlichkeit sind in Zeiten

der Corona-Krise gebannt

auf die neuesten Zahlen der

Johns Hopkins Universität

gerichtet. Was nur wenige

wissen: Das Institut für Pflegewissenschaft

und -praxis

ist Kooperationspartner der

renommierten US-Uni.

Autor: Andreas Aichinger

Foto: Johns Hopkins University

aus aller Welt gesammelt und anschaulich

aufbereitet. Entwickelt wurde

das Echtzeit-Daten-Interface von

der JHU-Ingenieurin Lauren Gardner,

die es nicht zuletzt durch tägliche Zugriffszahlen

im Milliardenbereich zu

weltweiter Prominenz gebracht hat.

Die Wissenschafterin hinter den Corona-Daten

– die etwa in Deutschland

hinsichtlich der Quellen-Auswahl aber

auch schon kritisch hinterfragt wurde

– soll übrigens im Februar zur Digitalisierungskonferenz

„Darwin’s Circle“

nach Wien kommen. Wirklich bemerkenswert

ist, dass das Covid-19-Dashboard

bereits am 22. Jänner 2020 erstmals

veröffentlicht wurde. Auch Jürgen

Osterbrink hatte schon zu Jahresbeginn

in einem Mail an Studierende und Mitarbeiter

auf Dashboard und JHU-Expertise

hingewiesen. Durchaus zum anfänglichen

Erstaunen der Empfänger.

Gemeinsame Schwerpunkte. Die wissenschaftliche

Dimension der Kooperation

zwischen der Johns Hopkins Unversität

in Baltimore und der Paracelsus

Universität in Salzburg bewegt sich

indes rund um drei Themenschwerpunkte:

Zum Ersten soll es um ein transatlantisches

Projekt zur Entwicklung

von Qualitäts-Indikatoren in der Pflege

gehen. Das von Assistenzprofessorin

Manela Glarcher betreute Projekt soll

sich um die Frage drehen: Was macht

die Qualität einer guten Versorgung

überhaupt aus – und wie lässt sich diese

messen? Auch die zweite Thematik

„Schmerz“ entspricht einem langjährigen

Forschungsschwerpunkt von Osterbrinks

Institut. Ansatzpunkt ist dabei

die Tatsache, dass es in den USA – im

Gegensatz etwa zu Deutschland – noch

keinen Expertenstandard „Schmerzmanagement

in der Pflege“ gibt. Der

dritte Bereich schließlich wird Palliative

Care sein. Bedingt durch die Corona-Krise

hat sich allerdings das Timing

der Kooperation verschoben, personeller

Austausch und wissenschaftliche

Zusammenarbeit sollen im Sommersemester

2021 so richtig loslegen.

Crème de la crème. Die neue Kooperation

mit der renommierten Johns Hopkins

Universität zeigt, dass das Institut

für Pflegewissenschaft und -praxis der

Paracelsus Medizinischen Privatuniversität

auch in Zukunft konsequent

auf weltweite Vernetzung setzen wird.

Neben der Tätigkeit für die Weltgesundheitsorganisation

existiert bereits

eine jahrelange intensive Zusammenarbeit

mit der University of North Florida

und der Old Dominion University

in den USA, sowie der University of

Adelaide in Australien und der Khon

Kaen University in Thailand. Die jüngste

Kooperation mit Johns Hopkins ist

für den Institutsvorstand dennoch etwas

Besonderes. Jürgen Osterbrink: „Es

freut mich persönlich wirklich sehr,

dass wir mit dieser Universität einen

doch sehr großen Wurf geschafft haben.“Ω

paracelsus today 3 | 20

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Werfen wir einen kurzen

Blick zurück in

die Geschichte: Goldrausch

nennt man

eine Periode der

verstärkten Einwanderung in ein Gebiet,

in dem es entweder verheißungsvolle

Mengen an Gold oder zumindest

Gerüchte über solche Vorkommen gibt.

Damit assoziiert werden Bilder von

verwegenen, oft skrupellosen (vorwiegend)

Männern, die mit dem Schürfen

nach Gold ihr Leben bestreiten wollten.

Der erste bekannte Goldrausch der Geschichte

wurde Ende des 17. Jahrhundert

durch Funde in Brasilien ausgelöst,

in Amerika gab es gegen Ende des 18.

Jahrhunderts mehrere davon. Gibt es

einen solchen nun tatsächlich auch

hierzulande? „Die Suche nach Edelmetallen

explodiert“, sagt Rudolf Brenner,

geschäftsführender Gesellschafter und

Mehrheitseigentümer des Edelmetallhändlers

philoro. Die Fragilität des Finanzmarktes,

die Zinssenkungen seit

mehreren Jahren, die Liquiditätsschwemme

und Inflationsängste hätten

das Interesse an Gold befeuert. Dieses

Edelmetall sei quasi das „Fieberthermometer

der Wirtschaft“.

Der neue Glanz

des Goldes

Friends | Unsichere wirtschaftliche Zeiten lösen

oft ein besonders gesteigertes Interesse der

Menschen an Gold aus. Das ist nicht neu. Neu ist

die aktuelle Intensität –schon wird das Wort

„Goldrausch“ in den Mund genommen.

Autor: Gottfried Stienen • Fotos: philoro/Harald Klemm

Goldene Zeiten. Umfragen von Marktforschungsinstituten

haben den Ruf

des Goldes als sicherer Hafen für Finanzanlagen

bestätigt. „In Zeiten einer

Pandemie ist Gold wertbeständig, das

war es aber auch schon während der

Finanzkrise vor einigen Jahren. Zudem

ist Gold physisch zu haben und es gibt

Sicherheit“, erklärt der Geschäftsmann

und spricht von einer Rückbesinnung

auf Realwerte. Derzeit kaufe die ganze

Welt Gold: kleine Sparer, Institutionen,

Zentralbanken. „China ist derzeit der

philoro-Chef Rudolf

Brenner will künftig

auch in Österreich

Gold fertigen.

34


mit Abstand größte Goldkäufer. Die haben

einen fast unheimlich großen

Goldhunger“, erzählt der ausgebildete

Betriebswirt. Er hat nach vielen Jahren

Tätigkeit im Anlagebereich der Deutschen

Bank und bei anderen Geldinstituten

eine „heimliche Liebe“ zu Realwerten

verspürt. Der in Leipzig in der

damaligen DDR Geborene hatte schon

immer Gold als ultimatives Veranlagungsinstrument

angesehen; der

Grundkauf seiner Großmutter vor Jahrzehnten

mit einem Vierfach-Dukaten

machte ihm den Wert des Edelmetalls

bewusst.

Goldland Österreich. 2011 hat er mit seinen

damaligen Partnern als Start-up

mit Schwerpunkt auf Edelmetallen

(Gold, Silber Platin, Palladium) begonnen.

Heute ist philoro einer der größten

Komplettanbieter von Gold im deutschsprachigen

Raum. Gegenwärtig laufen

Brenners erfolgreiche Geschäfte in 13

in- und ausländischen Filialen, darunter

Schweiz, Deutschland und Hongkong.

Sein nächster Coup könnte Österreich

in gewisser Weise zu einem

„Goldland“ machen. „Die Fertigung unserer

Goldprodukte geschieht derzeit in

der Schweiz, mehr als 70 Prozent der

gesamten Goldproduktion an Barren

und Münzen kommt von den Eidgenossen“,

betont Brenner. Nun wird in Niederösterreich,

in der Nähe von Korneuburg,

auf einem riesigen Areal eine

eigene Goldfabrik mit Hochsicherheitslager

errichtet – Investitionskosten:

rund 50 Millionen Euro. Dann wird

„Gold made in Austria“ hergestellt, natürlich

auch mit eigener philoro-Linie.

Was wird derzeit so gekauft? Produkte

der Münze Österreich, etwa der Philharmoniker,

aber auch eigene wie ein

philoro-Barren. „Die Zentralbank kauft

massiv Gold; Hedgefonds, Privatinvestoren

und viele Sparer tun dies ebenfalls.

Privatpersonen besitzen momentan

doppelt so viel Gold wie die Österreichische

Nationalbank, wobei diese

rund 280 Tonnen gut gesichert gelagert

hat“, beschreibt der philoro-Chef

die aktuelle Situation. Ein Ende dieses

Runs auf Gold ist nicht in Sicht.

Goldrausch-Revival. Rudolf Brenner ist

Unternehmer. Als solcher ist er auch

auf die Paracelsus Medizinische Privatuniversität

aufmerksam geworden

und schätzt den Mut, eine private Universität

mit unternehmerischem Geist

gegründet und etabliert zu haben. „In

Zeiten einer Pandemie ist der Wert von

Gesundheit mehr denn je unstrittig“, betont

er. Die Ausbildung von Ärztinnen

und Ärzten sei mehr als sinnhaft und die

Entwicklung der Uni mit rund 350 Beschäftigten

bemerkenswert. Stichwort

Arbeitsplätze: Mit dem Bau der Goldfabrik

von philoro wird es diese für rund

100 Menschen geben. „Als Unternehmer

will ich Arbeit schaffen, ich zahle hier

meine Steuern und will den Wirtschaftsstandort

Österreich mit dieser

hohen Lebensqualität absichern helfen“,

bekennt Brenner. Für 2021 ist die Eröffnung

einer Filiale in New York geplant,

denn: „Die US-Märkte haben das Gold

wiederentdeckt.“ Der nächste Goldrausch

in Amerika? Nach einigen Jahrhunderten

vielleicht in einer anderen

Form und hoffentlich zivilisierter. Ω

Ein herzliches Dankeschön den Freunden und Förderern

ACM austrian capital management GmbH | Agrana Zucker GmbH | Aicher, Max | Alumni Club der Paracelsus Universität | Angelini Pharma Österreich

| Apomedica | Ball Beverage Packaging Ludesch Corporation | Bayer Austria Ges.m.b.H. | BTU Beteiligungs GmbH | Capital Bank | Commend

Österreich GmbH | DBS Gesellschaft für digitale Bildsysteme m.b.H. | Die Hayward Privatstiftung | dm drogeriemarkt GmbH | DOLL Bauunternehmen

GmBH | DS Smith Packaging Deutschland Stiftung & Co. KG | | EVER Neuro Pharma GmbH | Frey, Andrea | G. Hinteregger & Söhne Baugesellschaft

m.b.H. | Gassner GmbH | Gebro Holding GmbH | Gebrüder Woerle Ges.m.b.H. | Greither, Andreas | Hagleitner Hygiene International GmbH |

Hansjörg Wyss Foundation | Herba Chemosan | Hinteregger Immobilien OG | HYPO Salzburg | Jacoby GM Pharma | Johnson & Johnson Medical Products

GmbH | M. Kaindl OG / Kaindl Flooring GmbH | KASTNER | Kellerhals, Helga | Koller, Norbert | KS Pharma GmbH | Kuhn Holding GmbH | Kuhn,

Irmgard | Kuhn, Stefan | Kwizda Pharmahandel GmbH | Lethmate Stiftung | Lukesch, Edith | MED-EL Elektromed. Geräte GesmbH | Melasan Produktions-

& Vertriebsges.m.b.H. | Miele GesmbH | Moosleitner Ges.m.b.H | NUTROPIA PHARMA GmbH | Österreichische Lotterien GesmbH | Pappas Holding

GmbH | Paracelsus Rotary Club | Rangnick, Ralf | Rauch Fruchtsäfte GmbH & Co OG | Red Bull - Mateschitz, Dietrich | Richter Pharma AG | Rhedey

Internationale Transporte Ges.m.b.H. | Roche Austria GmbH | SALLMANN GmbH | Salzburg AG für Energie, Verkehr und Telekommunikation |

Salzburg Aluminium AG | Salzburger Sand- und Kieswerke Gesellschaft m.b.H. | Salzburger Sparkasse Bank AG | Schön Holding SE & Co. KG | Schröcksnadel,

Peter | Schülke & Mayr GmbH | Schwarzbraun, Familie | Sedlmayer, Felix | Senoplast Klepsch & Co GmbH & Co KG | Siemens AG Österreich

| Siemens Healthcare Diagnostics GmbH | SPAR Österreichische Warenhandels-AG | Stahlwerk Annahütte Max Aicher GmbH & Co KG | Stieglbrauerei

zu Salzburg GmbH | teampool personal service gmbh | Train, Detlef | von Schilgen, Eva Maria | VR - meine Raiffeisenbank eG, Altötting-Mühldorf

(D) | Winkler, Fritz Wolfgang und Winkler-Berger, Helga | Zürcher Kantonalbank Österreich AG

paracelsus today 3 | 20

35


Freundschaft

in Zeiten von

Corona

Outside | Als langjähriger Freund und Partner

der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität

durfte Anthony Windebank von

der Mayo Clinic natürlich nicht fehlen, als

Gründungsrektor Herbert Resch im Herbst

2020 seine Emeritierung feierte.

Autorin: Sabine Ritzinger • Fotos: PMU/wildbild

Der Neurologie-Professor

und ehemalige Dean der

Mayo Medical School

war trotz Corona-Pandemie

mit Gattin Karen

Weavers nach Salzburg gejettet, um

Herbert Resch für die mehr als 20-jährige

Freundschaft und Zusammenarbeit

zu danken. Mit im Gepäck hatte

Anthony Windebank eine Auszeichnung

der berühmten Mayo Clinic: Der

emeritierte PMU-Rektor wurde als

„Distinguished Collaborator in International

Medical Education“ gewürdigt.

Eine Auszeichnung, die laut Windebank

„sehr selten verliehen wird“. Dass

er bei der Abschiedsfeier seines Freundes

im Hangar-7 auch selbst zu großen

Ehren kommen würde, ahnte er zu diesem

Zeitpunkt noch nicht: Landeshauptmann

Wilfried Haslauer verlieh

dem US-Gast für seine Unterstützung

und wertvolle Partnerschaft das Ehrenzeichen

des Landes Salzburg.

Anthony Windebank kam mit einer Auszeichnung

für Herbert Resch nach Salzburg

und wurde von Landeshauptmann

Wilfried Haslauer (li,) mit einer hohen

Ehrung überrascht.

Frühe Verbundenheit. In seiner Festrede

ging Windebank auf die Anfänge der

Paracelsus Universität ein, die zugleich

den Start der Beziehungen zur Mayo

Clinic und ihrer Medical School bedeuteten.

Es begann mit einem Zusammentreffen

des Unfallchirurgen Robert

Cofield, zu dieser Zeit Dean der Mayo

Medical School of Graduate Medical

Education, und seinem Fachkollegen

Herbert Resch auf einem Kongress an

der Mayo Clinic. Cofield erzählte dem

Kollegen über das Modell der Mayo

Medical School, die – fast 100 Jahre

nach der Gründung der Mayo Clinic –

über Spendengelder aufgebaut worden

war. Über diesen Kontakt lernten sich

Windebank und Resch schließlich kennen,

tauschten sich erstmals in einer Telefonkonferenz

aus und fassten rasch

Vertrauen zueinander. Der damalige

Dean der Mayo Medical School wurde

nach Salzburg eingeladen, um das

Mayo-Modell vorzustellen. Dieser Be-

36

paracelsus today 3 | 20


such vor 21 Jahren sollte der erste von

zahlreichen Aufenthalten Windebanks

in Salzburg sein und ihn zum bekennenden

Österreich-Liebhaber machen.

Gang und Ober-Gangster. Im Gegenzug

flogen Mitglieder des Gründungsteams

der PMU mehrfach nach Rochester

(Minnesota), um das Curriculum der

Mayo Medical School zu studieren. Der

spätere Ehrenrektor der Paracelsus Universität,

Julian Frick, lebte gar sechs Monate

lang im Untergeschoss der Mayo

Medical School, besuchte Vorlesungen,

diskutierte mit Fakultätsmitgliedern

und Studierenden und schrieb am Lehrplan

für die künftige Salzburger Medizinuni.

„Es war eine Gang of Seven, die

die Vision einer exzellenten Salzburger

Medizinuni hatte – und Herbert Resch

war der Chief Gangster“, erzählte der

US-Ehrengast dem Publikum. Und fügte

schmunzelnd hinzu: „Now the university

is booming, and he is the GOD-

FATHER.“ Der Vertrauensvorschuss an

die Salzburger habe sich schließlich

auch für die amerikanische Seite bewährt.

Der 2012 verstorbene Julian

Frick hatte Anthony Windebank noch

2010 die Ehrendoktorwürde für besondere

Verdienste um die Paracelsus Medizinische

Privatuniversität verliehen.

Verbunden in die Zukunft. Die Studierenden

sind die wichtigste Basis für Medical

Schools, betonte der Mayo-Professor.

Jene der Paracelsus Universität seien inzwischen

weltweit für ihre hohe Qualität

bekannt. „Wir konnten über die Jahre bereits

mehr als 150 PMU-Medizinstudierende

im Rahmen ihres Forschungstrimesters

an der Mayo Clinic begrüßen.

Unsere Fakultät liebt diese jungen

PMU-Abgesandten und stufte sie von

Beginn an als einige der Weltbesten ein:

Sie sind freundlich, blitzgescheit und

enthusiastisch – und auf dem Weg zu

großartigen Ärzten“, schwärmte Windebank.

Darüber hinaus sei der Input

der PMU-Studierenden sehr befruchtend.

Die Mayo-PMU-Kooperation werde

auch unter dem neuen Rektor Wolfgang

Sperl in bewährter Weise fortgeführt

und solle speziell in der

regenerativen Medizin und im Bereich

Künstlicher Intelligenz vertieft werden.

Eine Ehre und Auszeichnung für die

vergleichsweise junge Salzburger Medizinuni

und ihre Universitätskliniken:

Immerhin führt die renommierte, 1889

gegründete Mayo Clinic, seit Jahren die

Rankings der US-Kliniken und medizinischen

Fachbereiche an.

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Wirkungen informieren Gebrauchsinformation, Arzt und Apotheker.

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Point of View

Der

digitale

Zwilling

in der

Medizin

In seiner – hier vekürzt

wiedergegebenen – Festrede

für die Absolventinnen

und Absolventen am

Standort Nürnberg sprach

PMU-Vizerektor Wolfgang

Söllner über digitale Medizin

und ihre künftige

Bedeutung.

Foto: Rudi Ott

utomatisierte Laborbefunde sind heute Standard, ebenso durch Algorithmen

ausgewertete EKG und Thorax-Röntgen-Befunde. Digitale

Expertensysteme, welche auf der Basis eingegebener Symptome

und Befunde eine Diagnose erstellen und einen leitliniengestützten

Therapievorschlag machen, bestehen bereits für einige Erkrankungen.

Implantierte Mikrochips liefern in Echtzeit biologische Daten

an das Expertensystem, Therapien erfolgen mittels implantierter Medikamentenpumpen

oder intrakardialer und auch intrazerebraler Elektroden.

Humanoide Roboter unterstützen die Pflege und Betreuung autistischer Kinder

– Ärzte werden in Zukunft auf viele dieser Hilfsmittel nicht verzichten

können und wollen. Sie können helfen, Fehler zu vermeiden und seltene

Krankheiten zu erkennen.

Zukunftsfragen. Aber wünschen Patientinnen und Patienten eine solche digitale

Medizin und werden sie sie annehmen? Digitale Expertensysteme bieten

zweifellos Vorteile, wie stark verkürzte Wartezeiten, größere diagnostische

Sicherheit, ein besseres Monitoring der Therapie und der Nachsorge

sowie eine bessere Vernetzung der Behandelnden. Aber werden kranke

Menschen ausreichend Vertrauen in solche Maschinensysteme entwickeln?

Werden diese Systeme in der Lage sein, kranke Menschen ausreichend emotional

zu unterstützen? Werden sie Umweltfaktoren bei der Entstehung und

Aufrechterhaltung von Krankheiten ausreichend berücksichtigen?

Digitaler Zwilling. Ich zweifle sehr daran, auch wenn humanoide Roboter inzwischen

Emotionen erkennen und gelernt haben, darauf mimisch und verbal

zu reagieren. Aber letztlich werden sie nicht auf die individuelle Person

des Patienten eingehen können – weder bei der Diagnose, noch bei der Behandlung

und schon gar nicht in der Beziehung zum Patienten. Neben dem

analogen Menschen wird es einen „digitalen Zwilling“ geben: mit allen verfügbaren

Daten zu Krankheiten, zum Erbgut, zur familiären Situation und

zum Lebensstil. Die Medizin, die diesen digitalen Zwilling behandelt, wird oft

als personalisierte Medizin bezeichnet – aber nur die persönliche Behandlung

des analogen Menschen verdient diese Bezeichnung wirklich.

Analoges Gegenüber. Patienten wünschen sich in existentiellen Krisen, die

durch chronische und schwere Krankheiten ausgelöst werden, im Arzt ein

kompetentes analoges menschliches Gegenüber. Dazu wird es uns Ärzte weiter

brauchen, liebe Absolventinnen und Absolventen. Sie werden gebraucht

werden, jetzt und in der Zukunft. Sie werden bessere Hilfsmittel in die Hand

bekommen, die sehr rasch entwickelt werden und sich durch Maschinenlernen

weiterentwickeln. Sie werden sich ständig fortbilden müssen, um die

Stärken und Schwächen dieser Expertensysteme zu verstehen und anzuwenden.

Und Sie werden die Folgen für die Medizin, für die Patienten und

ihre Rolle als Ärztinnen und Ärzte immer wieder kritisch reflektieren müssen.

Es wird Ihnen mit Sicherheit nie langweilig werden.

Ω

Die vollständige Rede Prof. Söllners finden Sie unter https://bit.ly/3ePtX1F.

38

paracelsus today 3 | 20


De|le|fant

[del fant] Substantiv, m.

1

+ elephantus 2

1

kommunikatives Wesen, das selten alleine kommt

2

langlebiger Dickhäuter, der sich an alles erinnert

XIBU DISINFECT hybrid

spendet Händedesinfektionsmittel in Krankenhausqualität –

und Anwendungsdaten (in die Cloud)

HAGLEITNER HYGIENE ÖSTERREICH GmbH

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des Gesundheits wesens

Wir bringen Künstliche Intelligenz in die klinische Routine

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und ganze Geschäftsmodelle grundlegend. Neue Technologien

wie Künstliche Intelligenz (KI) ermöglichen es,

große Datenmengen schnell und präzise auszuwerten

und in Entscheidungen zu überführen. Dieser Fortschritt

wird dazu beitragen, Präzisionsmedizin auszubauen,

die Gesundheitsversorgung neu zu gestalten und die

Patientenerfahrung zu verbessern.

Siemens Healthineers ist weltweiter Spitzenreiter bei

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Uns inspiriert, dass der Einsatz von KI entscheidende

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präzise Behandlung

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Mit unserer Expertise in Künstlicher Intelligenz, unseren

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kuratierten medizinischen Datensätzen und einer

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Intelligenz vorzudringen.

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