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Erna Kronshage

wird am 12. Dezember

1922 in Senne II, Kreis

Bielefeld (heute Bielefeld-

Sennestadt) als 11. und

jüngstes Kind einer Großfamilie

geboren, die dort

eine kleine Landwirtschaft

betreibt.

Nach der Schulzeit, ab

1937, arbeitet sie dort als

angestellte „Haustochter

im elterlichen Betrieb“ mit,

wodurch sie gleichzeitig dienstverpflichtet ist - und nicht zum

„Pflichtjahr“ oder „Arbeitsdienst“ abkommandiert wird.

Als sie sich im Herbst 1942

jedoch plötzlich dieser Dienstverpflichtung

wohl wegen

einer Überforderungssituation

verweigert, wird sie am 20.

Oktober 1942 nach einer

amtsärztlichen Untersuchung

in die Provinzial-Heilanstalt

Gütersloh eingewiesen, wo adhoc

eine Schizophrenie diagnostiziert

wird, die dort durch

Mitarbeit in Garten und Hauswirtschaft

sowie quälenden

Schocktherapie-Serien

„behandelt“ wird, bei denen

epileptische Krampfanfälle

durch Cardiazol-Injektionen zur

inneren Entspannung ausgelöst

werden.


Der Direktor der Heilanstalt Gütersloh, Dr. Hartwich, stellt den

Antrag auf „Unfruchtbarmachung“ wegen dieser

Schizophrenie-Diagnose gemäß dem „Gesetz zur Verhütung

erbkranken Nachwuchses“ von 1934, wogegen der Vater Adolf

Kronshage als der Sorgeberechtigte der noch minderjährigen

Erna vehement Einspruch erhebt und auch die Diagnose

insgesamt bezweifelt.

Das Erbgesundheitsobergericht Hamm weist die Beschwerden

des Vaters am 22. Juli 1943 gegen einen Beschluss des

Erbgesundheitsgerichtes Bielefeld vom 29. März 1943 auf

„Unfruchtbarmachung“ endgültig zurück, so dass die

Zwangssterilisation am 4. August 1943 in einem Gütersloher

Krankenhaus erfolgt. Wiederholte Aufforderungen des Vaters

zur Entlassung seiner Tochter aus der Provinzial-Heilanstalt

werden ignoriert.

Stattdessen geht im Laufe

von Luftschutzevakuierungen

zur

Schaffung von Bettenkapazitäten

für Lazarett- und

Krankenhauszwecke in der

Heilanstalt Gütersloh am 12. November 1943 ein

Deportationstransport von 50 Frauen und 50 Männern in die

damalige Gauheilanstalt Tiegenhof bei Gnesen im besetzten

Polen, die unter dem mit den deutschen Besatzern

kollaborierenden Anstaltsdirektor Dr. Victor Ratka eine der

NS-Mordanstalten im deutsch besetzten Polen wird - in der

wahrscheinlich ca. 5.000 Patienten getötet werden.


In der Vernichtungsanstalt „Tiegenhof“ verstirbt Erna

Kronshage nach 100 Tagen Aufenthalt am 20. Februar

1944 an „Vollkommener Erschöpfung“, wie es die dort

ausgestellte Sterbeurkunde ausweist. Das ist die damals

übliche Umschreibung des gezielten „Euthanasie“-

Mordes durch eine fettlose Ernährung mit einer leichten

Barbiturat-Überdosierung nach dem sogenannten

„Luminal-Schema“, das von Prof. Dr. Hermann Paul

Nitsche extra zum allmählichen verdeckten Töten

entwickelt wurde.

Der Leichnam wird auf

Antrag der Eltern 630

Bahnkilometer rücküberführt

zum Bahnhof Kracks –

direkt auf das Rangiergleis

gleich neben dem Bauernhof

der Kronshages… Und

am 05.03.1944 findet die

Beisetzung statt auf dem

„Alten Friedhof“ in Senne II/

heute Sennestadt.

Am 06.12.2012 wird

an der Bahn-/Straßen-

Kreuzung Verler Str./

Sender Str./Krackser

Straße

in Sennestadt

ein Stolperstein gelegt


in unmittelbarer Nähe

des Elternhauses Erna

Kronshages.

Weitere Hinweise auf:

eddywieand-sinedi.de

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