Stahlreport 2020.12

markushuneke

75. Jahrgang | Dezember 2020

STAHLREPORT

Nachrichten aus Handel, Produktion und Verarbeitung

12

20

„Der Stahlhandel

ist widerstandsfähig“ | S. 30

Interview mit BDS-Vorstand Oliver Ellermann

Steiler Entwicklungspfad | S. 8

Wie die Wachstumsstrategie von

Schwarzwaldeisen aufgegangen ist

Eine Karriere im Stahlhandel | S. 16

Interview mit Franz-Günter Kleine


Betonstahl richten, schneiden und

biegen




Flexibel






Rotorrichtsystem ermöglicht zahlreiche

Formen der Automatisierung.

Wir bieten maßgeschneiderte

Lösungen für die Bearbeitung großer

Drahtdurchmesser vom Coil und einen

schnellen Durchmesserwechsel.


EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser,

jeden Freitag sagt mir mein Mailprogramm, ob ich eine gute Woche hatte. Ob ich „fokussiert“ war oder

abgelenkt. Es schlägt mir auch vor, welche meine „wichtigen Kontakte der Woche“ waren und fragt mich, ob

ich diese wichtigen Kontakte, sofern es neue sind, nicht in mein Adressbuch kopiert haben möchte. Das ist

ungemein praktisch, denn ich finde das Anlegen neuer Kontakte, das Herüber- und Hineinkopieren der

benötigten Daten, eine lästige Sache.

Diese kleinen Helferlein gibt es mittlerweile im Schwarm: In beinahe jedem Programm, auf jeder Website

poppt ein „virtual Assistant“ auf oder öffnet sich ein „Chatbot“. Was man an diesen „Tools“ ablesen kann, ist

eine zunehmend durchkonstruierte Kommunikation. Customer-Relationship-Software weist auf Kunden hin,

die sich lange nicht gerührt haben, Virtual-Meeting-Software bietet an, nach dem Meeting alle noch schnell zu

befragen, wie es war. War im beruflichen Umfeld oft die Mail noch der Goldstandard, rutschen nun – Corona

sei dank – andere Dienste in den Mainstream. Microsoft Teams, Zoom & Co. sind keine Exoten mehr, die nur

Nerds nutzen.

Oft wird beklagt, dass dabei der persönliche Kontakt auf der Strecke bleibt. Wenn im Online-Meeting alle

gleichzeitig reden, weil man nicht mehr so gut mitbekommt, wer wann etwas sagen möchte, und man

schließlich feststellt, dass man mit den anderen nicht noch kurz beim Rausgehen sprechen kannn – dann ist

das wirklich etwas, das fehlt.

Andererseits ist auch der Gewinn durch Teams & Co. groß: Man muss nicht für jede Besprechung eine

Dienstreise planen, vieles lässt sich online erledigen und externe Gesprächspartner sind per Videoschalte

meist schneller zu erreichen als mit einem Vor-Ort-Termin. Auch für Veranstaltungen ist das Onlineformat

eine Alternative, wie beispielsweise für den BDS-DigiDay im kommenden Januar 2021 (s. 47) oder BDS-

Seminare (S. 31).

Vermutlich wird sich herausstellen, dass das, was als Mangel der reinen Online-Kommunikation empfunden

wird, wieder seinen Platz einnehmen wird, wenn Corona einmal vorbei ist. In welcher Form, wird sich zeigen.

Denn dass Menschen miteinander persönlich sprechen, ist keine romantische Schwärmerei, sondern hat eine

zentrale Funktion – die etwas auch für den beruflichen Erfolg und letztlich für den Unternehmenserfolg

Wesentliches ist.

Welche Bedeutung das persönliche Gespräch für die Mitgliedsunternehmen in der Pandemie hatte, beschreibt

auch BDS-Vorstand Oliver Ellermann im Interview zum Jahresabschluss (ab S. 28). Und auch für den

Stahlhandel als Branche ist das Persönliche wichtig, wie Franz-Günter Kleine, Head of Germany Switzerland,

ArcelorMittal Stahlhandel GmbH, im Interview mit dem Stahlreport (ab S. 16) herausstreicht.

Ein besinnliches Weihnachstfest und einen guten Jahreswechsel wünscht Ihnen

Markus Huneke

Chefredakteur Stahlreport

Stahlreport 12|20

3


Inhalt Stahlreport 12 2020

30

„Wir sind hervorragend aufgestellt“

Wie der Stahlhandel durch die Pandemie kommt

Wegen der Corona-Pandemie wird auch der Stahlhandel dieses Jahr mit einem

voraussichtlich deutlichen Rückgang abschließen. Die Branche wird aus

dieser Phase aber mit einem geschärften Profil hervorgehen, ist BDS-Vorstand

Oliver Ellermann überzeugt. Die Gründe erläutert er im Interview ab S. 30.

8

Erfolgsmodell Kundennähe

Strategie der Schwarzwaldeisen-

Gruppe geht auf

Mit dem Alleinstellungsmerkmal „Kundennähe“

macht die Schwarzwaldeisen-Gruppe ernst: Seit

2008 setzt das Unternehmen auf eine

Mehrstandort-Strategie. Wie die Nähe zum

Kunden sich auszahlt lesen Sie ab S. 8.

„Der Stahlhandel wird

seine Berechtigung behalten“

Interview mit Franz-Günter Kleine

16

Das muss man erstmal nachmachen: über vier

Jahrzehnte im Stahlhandel vorne mit dabei. Doch nun

ist Schluss. Franz-Günter Kleine, Head of Germany/

Switzerland bei ArcelorMittal Stahlhandel, geht in den

verdienten Ruhestand. Er ist sich sicher: Auch in

Zukunft ist der Stahlhandel eine Branche, die

Charakter verlangt (ab. S. 16).

4 Stahlreport 12|20


PERSÖNLICHES

6 Kurznachrichten

STAHLHANDEL

8 Schwarzwaldeisen – Gewachsen, nicht gewichen

12 Klöckner – Digitaler Umsatz weiter gestiegen

14 Heine & Bleck – Ein Blankstahl-Erfolg

16 Franz-Günter Kleine – Eine Karriere im Stahlhandel

STAHLVERARBEITUNG

18 Immer mehr Möglichkeiten für Ultrakurzpulslaser

STAHLPRODUKTION

20 ArcelorMittal: Grüner Stahl aus Hamburg

ANARBEITUNG & LOGISTIK

22 Progress – Bewehrungsmodule maßgenau vorfertigen

24 Bomar – Effektive Werkstückentgratung

26 Nissen & Velten – Nicht jeder Umsatz ist ein guter Umsatz

BDS-RESEARCH

28 Kein Herbstblues im Stahlhandel

34

Kunde verweigert

Abnahme – was tun?

Zwei Beispiele, warum es

für Stahlhändler dabei

oft gut aussieht

Wenn Kunden die Abnahme

bestellter Ware verweigern,

dreht sich der anschließende

Streit oft um die Frage, ob ein

Vertrag überhaupt geschlossen

wurde. In vielen Konstellationen

liegt aber die Beweislast

eigentlich nicht beim Händler,

sondern beim Käufer. Warum,

erläutert Rechtsanwalt

Dr. Thorsten Hauröder, Henseler

& Partner Rechtsanwälte mbB

(S. 34).

BDS-KOMMUNIKATION

30 „Unsere Branche ist widerstandsfähig“ – Interview mit Oliver Ellermann

BDS-BERUFSBILDUNG

32 BDS-eLearning – Stahlhandels-Knowhow für Auszubildende

33 BDS-Seminare – Neue Formate

BDS-RECHT

34 Ist eine Auftragsbestätigung bindend? Zwei Beispiele.

MESSEN UND MÄRKTE

36 Termine

37 Messekalender

38 Bauindustrie – Wohnungsbau bleibt Stabilitätsanker

40 Maschinenbau – Mühsam bergauf

43 Appell der Drehteile-Industrie – Mehr Produktion nach Europa holen!

WISSENSWERTES

44 3D-Druck-Projekt erhält Auszeichnung

45 BME-Symposium – Einkäufer müssen Zukunft neu denken

46 SMS group: Neuer Campus bündelt Kompetenzen

LIFESTEEL

48 Edelstahl-DeLorean – „Zurück in die Zukunft“ in neuem Look

50 Impressum

Stahlreport 12|20

5


Persönliches

Kurznachrichten

Bild: Bauindustrie/Eurovia

Bauindustrie

Tim Lorenz

ist neuer Vorstandsvorsitzender des Wirtschafts-

und Rechtsausschusses (WRA) und

zugleich Vizepräsident

Wirtschaft des

Hauptverbands Deutsche

Bauindustrie

e.V. (BAUINDUS-

TRIE). Der CEO der

Eurovia GmbH

(Eurovia Deutschland/Vinci)

übernimmt

das Amt von

Marcus Becker

(Geschäftsführer bei Kondor Wessels Bouw

Berlin GmbH) der den WRA seit 2012 geleitet

hatte. Tim Lorenz übernahm 2018 den

Vorsitz der Eurovia-Geschäftsführung, deren

Mitglied er bis dahin seit mehreren Jahren

war. Neben Lorenz gehören Klaus Pacher

(Geschäftsführer und Vorstand Technik der

Köster Holding SE) und Thomas Löw

(Geschäftsführer der W. Markgraf GmbH &

Co KG) als Stellvertretende Vorsitzende

sowie Uwe Niebergall (Technischer

Bereichsleiter Mitte der Ed. Züblin AG),

Andreas Bischoff (Kaufmännischer Leiter

Bereich Nord, Wayss & Freytag Ingenieurbau

AG) und Jörg Muschol (Leiter der Niederlassung

Dresden, Dreßler Bau GmbH) als

weitere Vorstandsmitglieder zu dem Gremium.

SHS-Gruppe

Dr. Karl-Ulrich Köhler

ist mit Wirkung zum 1. Januar 2021 zum neuen

Vorsitzenden der Geschäftsführung der SHS –

Stahl-Holding-Saar sowie zum Vorstandsvorsitzenden

der Unternehmen Saarstahl AG, der AG

der Dillinger Hüttenwerke und der DHS – Dillinger

Hütte Saarstahl AG durch das Kuratorium

der Montan-Stiftung-Saar bestellt worden.

Dr. Köhler war ehemals CEO von

ThyssenKrupp Steel und Tata Steel und bis 31.

Oktober Vorsitzender der Geschäftsführung

der Rittal GmbH. Seit 2019 ist er Mitglied im

Kuratorium der Montan-Stiftung-Saar.

„Dr. Köhler ist sicherlich einer der erfahrenen

Vertreter der deutschen Stahlindustrie und

wir sind erfreut, dass wir ihn für diese

anspruchsvolle Aufgabe in einem überaus

schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld

gewinnen konnten", erklärte Reinhard Störmer,

Vorsitzender des Kuratoriums der Montan-Stiftung-Saar.

Karl-Ulrich Köhler werde

sich umfassend mit der Weiterentwicklung

der saarländischen Stahlindustrie befassen

und dabei die Bereiche Strategie, Portfolio

und Innovation sowie Finanzen verantworten.

Der bisherige Vorsitzende der SHS-Geschäftsführung,

Vorsitzende der Vorstände der beiden

Unternehmen und Finanzvorstand Tim

Hartmann hat seine Ämter im Einvernehmen

niedergelegt, teilte der Konzern mit.

VDE Mobility

Dr. Ralf Petri

hat die Leitung des neuen Geschäftsbereichs

VDE Mobility des Verbands der Elektrotechnik

Elektronik Informationstechnik e.

V. übernommen. Mit VDE Mobility bündelt

der Verband seine

Aktivitäten im Mobilitätsbereich.

Hierzu

zählen Normen und

Anwendungsregeln,

beispielsweise für

die Ladeinfrastruktur

von E-Fahrzeugen,

das Prüfen und

Zertifizieren von

Ladeinfrastrukturen

und Batterien, aber auch die Wissenschaft,

beispielsweise mit Studien der Fachgesellschaften.

Bild: VDE/Uwe Noelke

Bundesverband Deutscher

Baustoff-Fachhandel (BDB)

Johannes Richter

ist seit dem 1. November für das Präsidium

des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-

Fachhandel kooptiert worden. Eine Nachbesetzung

sei sinnvoll gewesen, da Julian Tintelnot

zum 31. Oktober aus dem Gremium

ausgeschieden ist, teilte der Verband mit.

BDB-Präsidentin Katharina Metzger zeigte

Bild: Karsten Stahlhandel

Karsten Stahlhandel

Jörg Karsten

hat am 15. November seinen 80. Geburtstag

gefeiert. Der Gründer und Seniorchef der

Karsten Stahlhandel GmbH, Grevenbroich,

blickt auf eine lange und erfolgreiche Karriere

im Stahlhandel zurück. 1940 in Danzig geboren,

seit dem vierten Lebensjahr aber im niederrheinischen

Grevenbroich verwurzelt, hat

Jörg Karsten seine Berufslaufbahn bei Mannesmann

Stahlhandel in Köln begonnen und war dort für Ford zuständig.

Nach einer Station beim ebenfalls in Köln ansässigen

Stahlhandelsunternehmen Blass war er Anfang der 1970er-Jahre

anschließend beim Ratinger Stahlkontor Hahn im Außendienst tätig –

das 1980 von Mannesmann übernommen wurde und heute eine Niederlassung

von thyssenkrupp Schulte ist. 1983 gründete er mit 43

Jahren sein eigenes Unternehmen in der Heimatstadt Grevenbroich.

Erfolgreich: Die Karsten Stahlhandel GmbH, spezialisiert auf ein breites

und tiefes Sortiment an Lang- und Flachprodukten, etablierte sich

schnell am Markt und verzeichnete ein stetes Wachstum. Meilensteine

sind die 1997 und 2008 realisierten Neubauten insgesamt dreier

Lagerhallen, inklusive eines modernen Hochregallagersystems. 2010,

mit 70 Jahren, hat Jörg Karsten die Geschäftsführung seines Unternehmens

in die Hände seiner einzigen Tochter Iris Karsten, gegeben. Die

Diplom-Kauffrau und Betriebswirtin Stahlhandel (BDS) lenkt das Unternehmen

seitdem erfolgreich in das Zeitalter der Digitalisierung.

Gemeinsam mit seiner Frau Ingrid Karsten – die beiden sind seit über

50 Jahren verheiratet – hat der Unternehmer viele konjunkturelle

„Aufs und Abs“ gemeistert und sein Unternehmen durch einige Wirtschaftskrisen

geführt. Noch heute ist der leidenschaftliche Jäger,

Weinanbauer und Landwirt der Karsten Stahlhandel GmbH eng verbunden.

Als Geschäftsführer auf Lebenszeit verfolgt er die Entwicklung

des Unternehmens vom Alterssitz in der Eifel sowie häufig auch vor

Ort in Grevenbroich und erstellt noch selbst täglich die Auswertungen

des Verkaufs.

„Mein Vater ist ein Unternehmer, der die Kaufmannsehre hoch hält“,

sagt Iris Karsten. Er habe immer nach dem alten Kaufmannnsmotto

„Ein Mann ein Wort!“ gehandelt. Diese Kaufmannsehre hat er auch

allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weitergegeben. „Unsere Kunden

schätzen Karsten Stahlhandel für die Zuverlässigkeit und Bündelung

aller Auftragspositionen in einer Lieferung zum gewünschten Lieferzeitpunkt

– und für den engen, freundschaftlichen und herzlichen

Kontakt, den wir mit allen Kunden, Lieferanten, Werken und

Geschäftspartnern pflegen“, so Iris Karsten.

6 Stahlreport 12|20


Bild: Boschert

Bild: Günther + Schramm

sich sehr erfreut

über die Bereitschaft

von Johannes

Richter, sich im Präsidium

für die

berufsständische

Interessenvertretung

des Fachhandels

zu engagieren.

Boschert GmbH & Co. KG

Jean-Sébastien Sitter

wird neuer Geschäftsführer bei Boschert. Ab

dem 1. Januar 2021

steht Jean-Sébastien

Sitter neben Manuel

Lang an der Spitze

des Blechbearbeitungs-Spezialisten.

Sitter folgt Peter

Kunz nach, der nach

32 Jahren als

Geschäftsführer in

den Ruhestand geht.

Im kommenden Jahr feiert das Unternehmen

seinen 75. Geburtstag.

Günther + Schramm GmbH

Wolfgang Dörr

ist nach 15 Jahren aus der Geschäftsführung

der Günther + Schramm GmbH ausgeschieden.

Seine Tätigkeiten als Geschäftsführer

Vertrieb für den Oberkochener Stahl- und Aluminiumhändler

werden nun auf mehrere

Schultern verteilt, so das Unternehmen.

Gemeinsam mit Bernd Seibold und Hubert

Baier agierte Wolfgang Dörr auf Ebene der

Geschäftsleitung. Bisher verantwortete jeder

der drei Geschäftsführer einen wesentlichen

Aufgabenbereich.

Wolfgang Dörr begann seine Karriere als Auszubildender

zum Kaufmann im Groß- und

Außenhandel bei Günther + Schramm. In den

Das ehemalige Trio der Geschäftsleitung: Wolfgang

Dörr (l.) gemeinsam mit Bernd Seibold (r.)

und Hubert Baier

Bild: BDB

90er-Jahren baute er die Abteilung Anarbeitung

bzw. Lohnfertigung auf und aus. Ebenfalls

übernahm er den Aufbau und die Leitung

der Abteilung „JustInTime“. Seit 2005 bekleidete

der geprüfte Wirtschaftsinformatiker

Wolfgang Dörr – er erlangte 1983 außerdem

ein Wirtschaftsdiplom – schließlich die Position

des Geschäftsführers. Sein Ziel war es

stets, die Abwicklung beim Kunden bestmöglich

umzusetzen und Just-in-time-Projekte

erfolgreich zu realisieren, so das Unternehmen.

VDMA

Karl Haeusgen

ist zum neuen VDMA-Präsidenten für die

kommenden vier Jahre gewählt worden. Er

tritt damit die turnusgemäße Nachfolge von

Carl Martin Welcker

(Alfred H. Schütte

GmbH & Co. KG) an,

der das Amt seit

2016 ausübte und

nicht wiedergewählt

werden konnte.

Haeusgen ist Vorsitzender

des Aufsichtsrats

und Miteigentümer

der HAWE

Hydraulik SE mit Sitz in Aschheim im Landkreis

München.

Bild: VDMA

Nach dem Studium der Betriebswirtschaft in

St. Gallen, Schweiz, war Karl Haeusgen als

Assistent des Vorstands im Bereich Materialwirtschaft

bei der MAHO AG, Pfronten

sowie bei der Barmag Far East Ltd., Hong

Kong, einem Tochterunternehmen des

damaligen deutschen Textilmaschinenherstellers

Barmag AG tätig. Anschließend war

Haeusgen bei HAWE in verschiedenen Positionen

für die Ressorts Vertrieb, Marketing,

Unternehmensentwicklung, Qualität und

Organisation zuständig. Von 1996 bis 2019

war er Mitglied der Geschäftsführung bzw.

Sprecher des Vorstands der HAWE Hydraulik

SE.

Karl Haeusgen ist seit vielen Jahren im VDMA

engagiert, er ist Mitglied im engeren Vorstand

und im Hauptvorstand des VDMA, von

2008 bis 2014 war Haeusgen Vorstandsvorsitzender

des VDMA Bayern. Seit 2013 ist er

Vize-Präsident des VDMA. In das Amt des

Vizepräsidenten wurde abermals der Familienunternehmer

Henrik Schunk gewählt. Er ist

seit Juni 2018 VDMA-Vizepräsident und war

bereits zuvor stark im Verband engagiert.

Neu als Vizepräsident gewählt wurde Bertram

Kawlath, geschäftsführender Gesellschafter

der Schubert & Salzer Firmengruppe.

Bauindustrie

Udo Berner

ist für weitere zwei Jahre zum Vorsitzenden

des Ausschusses großer Unternehmen

(AGU) im Hauptverband

der deutschen

Bauindustrie

gewählt worden.

Udo Berner ist

Geschäftsführer der

Wolff & Müller Holding

GmbH und

Bild: Bauindustrie/Wolff & Müller

nimmt dieses Amt

seit 2018 wahr. Als

Stellvertretende Vorsitzende

wurden Jörg Rösler, STRABAG, und

Lars Luderer, Goldbeck, gewählt.

Lienhard Thress

ist am 9. November 2020 im Kreise seiner

Familie gestorben. Fast 50 Jahre

hatte der Unternehmer, Ehemann und

Vater als Seniorchef in der Verantwortung

und an der Spitze der Bad Kreuznacher

Julius Thress GmbH & Co. KG

gestanden. Nach

dem Tod seines

eigenen Vaters

Julius Thress hatte

er das Stahlhandelsunternehmen

1955 übernommen

und weitergeführt.

Sein unternehmerisches

Wirken war

immer geprägt von

Weitsicht, Pflichtbewusstsein und Verlässlichkeit,

würdigten ihn die Geschäftsführung,

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

des Unternehmens. Er habe immer Zeit

für ein persönliches Gespräch und ein

offenes Ohr für alle Anliegen gehabt.

Besonders am Herzen habe ihm die Ausbildung

junger Menschen gelegen. Durch

die Investitionen und den Umzug 1997 an

einen neuen Standort schuf er, zusammen

mit seinem Sohn Julius Thress, die

Voraussetzungen für die Stärke und Leistungsfähigkeit

des Logistikunternehmens

Thress mit heute über 100 Ausbildungsund

Arbeitsplätzen.

Stahlreport 12|20

7


Stahlhandel

Bericht

Garant für zufriedene Kunden: Schwarzwaldeisen liefert Bestellungen komplett mit dem eigenen Fuhrpark aus.

Schwarzwaldeisen – Erfolgsmodell Kundennähe

Gewachsen, nicht gewichen

Wachsen oder weichen – vor dieser Alternative stand Schwarzwaldeisen, als Steffen Auer das Unternehmen seines

Vaters 2008 übernahm. Das baden-württembergische Stahlhandelsunternehmen blickte zwar damals auf eine lange

und erfolgreiche Tradition zurück. Doch die Zeit war reif, sich den Herausforderungen des Marktes neu zu stellen.

Heute haben die Brüder Ingo und Steffen Auer das Unternehmen zu einer erfolgreichen Stahlhandelsgruppe mit einer

großen lokalen Kundennähe entwickelt.

Nicht Stahl – die chemische

Industrie war sein tägliches Geschäft:

Als Steffen Auer, Doktor der technischen

Chemie und bis dahin CEO der

Novartis-Divisionen Tschechien und

Slowakei, seinen aktuellen Job aufgab

und als Geschäftsführender Gesell-

schafter in die Schwarzwald Eisenhandel

GmbH & Co. KG einstieg, war

das ein Schritt zurück zu den Wurzeln.

Zusammen mit seinem Bruder Ingo

Auer ist er mit Schwarzwaldeisen,

dem Unternehmen seines Vaters, im

Stahlhandel aufgewachsen.

„Wir haben das Sortiment

deutlich erweitert. Das war

die wichtigste Voraussetzung dafür,

schneller zu werden“.

Steffen Auer

Kundenbefragung

war ernüchternd

Schwarzwaldeisen hatte seine Stärken

damals traditionell im Baustahl.

Mit Stammsitz in Lahr am Rande des

Schwarzwalds wurden mit 50 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern vor

allem metallverarbeitende Betriebe

im Umkreis beliefert. Um herauszufinden,

wie das Unternehmen eigentlich

dastand, war mit das Erste, was

Steffen Auer anschob, eine Kundenbefragung.

Wie schnitt man ab bei

Sortiment, Abwicklung, Preis und

Lieferung?

„Es war schnell klar, dass wir

unsere Startegie drastisch anpasen

mussten“, so Steffen Auer. Denn

es stellte sich heraus, dass die Kunden

den Wettbewerb nicht nur beim

Sortiment oft für besser hielten,

8 Stahlreport 12|20


Die Gruppe wächst weiter

Der Erfolg der Schwarzwaldeisen-

Gruppe ist auch ein Erfolg der Zusamsondern

dieser auch in der Abwicklung

und bei der Lieferung schneller

war.

Das Resultat der Marktbefragung

war ernüchternd. Wie, so fragte sich

Steffen Auer damals gemeinsam mit

dem Führungsteam des Unternehmens,

konnte man das Steuer herumreißen?

„Wir standen vor der Perspektive,

entweder in absehbarer

Zeit schließen zu müssen – oder aber

zu investieren und zu wachsen“,

blickt er zurück. „Wir haben uns für

letzteres entschieden“.

Lieferversprechen: 24 h

Ganz oben auf der Agenda standen

dabei Verfügbarkeit, Produktauswahl

und Liefergeschwindigkeit. Kunden

sollten verfügbare Lagerware spätestens

am Tag nach der Bestellung

geliefert bekommen.

Investiert wurde zugleich in das

Personal. Um die internen Abläufe zu

beschleunigen, wurde die Mitarbeiterzahl

deutlich aufgestockt. „Früher

haben wir bis zu einem Tag gebraucht,

um Kunden ein Angebot überhaupt

herauszugeben. Heute erstellen wir

ein Angebot innerhalb von zwanzig,

dreißig Minuten“, so der Geschäftsführende

Gesellschafter.

Zu den Investitionen in Sortiment

und Geschwindigkeit kamen weitere

„externe“ Investitionen. Wie der

Zufall es wollte, bot sich gleich 2008

unter anderem die Gelegenheit, in

Herbholzheim, knapp 20 km südlich

vom Unternehmenssitz in Lahr, den

Maschinenpark eines Stahlbauers

zu übernehmen und dessen Halle

„Wir fahren zu jedem Kunden, auch in

die entlegensten Winkel, ob im

Schwarzwald oder im Westerwald.

Das macht kein Konzernhändler, mit

einem weit entfernten Lager.“

Ingo Auer

anzumieten. Steffen Auer griff zu –

und hatte damit auf einen Schlag

ausreichend Lagerfläche für die Sortimentserweiterung

im Trägerbereich

zur Verfügung sowie den ersten

Schritt in die Anarbeitung getan.

Bilder: Schwarzwaldeisen

Keine halben Sachen

Wenn schon, denn schon, dachte

man sich in Lahr vielleicht damals

– und ging ebenfalls 2008 parallel

den Bau einer neuen Hochregalanlage

am Standort Lahr an, welche

2012 fertiggestellt wurde. „Die Investitionen

waren Teil einer langfristig

angelegten Strategie“, legt Steffen

Auer dar. Die Errichtung der Hochregalanlage

war damit ein logischer

Schritt, schließlich ist die Intralogistik

ein entscheidendes Element in der

Lieferkette zum Kunden. Wenn es

da hakt oder zu langsam geht, kann

das auf Dauer auch das beste Sortiment

nicht kompensieren. Doch eine

auf dem Papier einleuchtende Strategie

auch wirklich umzusetzen und

damit das Risiko großer Investitionen

auf sich zu nehmen – dazu braucht

es auch unternehmerischen Mut.

Wie sich schnell herausstellte,

zahlte sich der Mut aus. Innerhalb

von vier Jahren, von 2008 bis 2012,

wuchs der Umsatz des Unternehmens

um nahezu 30 % auf 30,5 Mio. €

– und das mit dem Krisenjahr 2009

dazwischen. Bis heute ist die Gruppe

in den vergangenen zwölf Jahren im

Schnitt um jährlich über 10 %

gewachsen.

menarbeit der beiden Auer-Brüder.

Nachdem Steffen Auer das Familienunternehmen

2008 übernommen

hatte, ist 2014 auch Ingo Auer als

zweiter Geschäftsführender Gesellschafter

eingetreten. „Wir verstehen q

Stahlreport 12|20

9


Stahlhandel

Bericht

q uns, wir denken in die gleiche Richtung

und stimmen in vielen grundsätzlichen

Auffassungen überein“,

bestätigt Ingo Auer.

Die Brüder trieben das Wachstum

voran. Der Maschinenpark wurde

modernisiert und eine neue Säge-Bohranlage

sowie eine Strahl- und Konservierungsanlage

angeschafft. 2014

boten sich dann Gelegenheiten, die

von keiner Strategie vorherzusehen

waren. Die Altenkirchener Kuss-

Gruppe ging in Insolvenz und die Freiburger

Stahlhandel GmbH (FSH), ein

Joint-Venture der ThyssenKrupp

Schulte GmbH und Eisen Glatt ging

in die Brüche. Schwarzwaldeisen übernahm

den Stahlbereich von Kuss und

mietete 10.000 m 2 Hallenfläche der

ehemaligen FSH an.

„Diese beiden Investitionen in

einem einzigen Jahr zu stemmen, war

schon ziemlich sportlich“, so Steffen

Auer rückblickend. Von 2013 auf 2014

stiegen die Erlöse auf knapp über 50

Mio. € – ein satter Sprung von knapp

50 %. „Vom Volumen her sind wir

damit in eine andere Liga aufgestiegen“,

ordnet Ingo Auer die Zukäufe

ein.

Kundennähe ist keine Worthülse

Mit den Zukäufen verfolgt das Unternehmen

eine Mehr-Standort-Strategie

und unterscheidet sich damit von so

gut wie allen anderen Wettbewerbern

in der Region. Während andere meist

einen einzigen, großen Standort

haben, setzt Schwarzwaldeisen voll

auf lokale Präsenz mit großer Kundennähe.

Das ist der entscheidende

Unterschied, sich im Markt anders

als andere aufzustellen. Diese Nähe

schätzen die Kunden, oft kleine und

mittlere metallbearbeitende

Unternehmen.

Auch die

eher unrentablen

kleinlosigen Aufträge

werden

abgewickelt –

mit der Absicht,

dass der Kunde

dies auch mit

größeren Folgeaufträgen

honoriert.

So hat Schwarzwaldeisen im

Lauf der Jahre viel Umsatz hinzugewonnen.

Das Sortiment ist voll auf die Kundenstruktur

kleiner und mittlerer stahlverarbeitender

Betriebe ausgerichtet.

Von Qualitäts- und Edelstählen über

Rohre bis zu Blechen, von Blankstahl,

Profilen und Betonstahl bis zu Alu-Produkten

hält Schwarzwaldeisen alles

vor, was Metallbauunternehmen vor

Ort brauchen. Aber auch Industriekunden

werden versorgt, für die auf

„Langfristiges Denken

und, bei aller Abwägung,

eine hohe Risikobereitschaft

gehört zu unserem

Selbstverständnis bei

Schwarzwaldeisen.“

Steffen Auer

Wunsch spezieller Bedarf vorgehalten

wird.

Über die vier Standorte Lahr, Freiburg,

Karlsruhe und Bad Säckingen

wird die Schwarzwaldregion mit dem

eigenen Fuhrpark in Südbaden, der

Nordschweiz und im Elsass versorgt.

Die Regionen Westerwald und Eifel,

Rhein-Main und Köln werden über

die weiter nördlich

gelegenen

Standorte von

Westerwald &

Hürlimann Stahlhandel

Ransbach-Baumbach,

Al tenkirchen

und Andernach

beliefert. Kunden

können sich den

Stahl sägen, bohren,

strahlen und

konservieren lassen, es werden Langlöcher

gefräst, in der Biegerei wird

der Betonstahl bedarfsgerecht für den

Einsatz auf der Baustelle bearbeitet.

Langfristige Partnerschaften

zahlen sich aus

Zum Selbstverständnis der inhabergeführten

mittelständischen Stahlhandelsgruppe

gehört auch die Pflege

langfristiger Partnerschaften, sei es

bei Ausrüstern oder im Stahleinkauf.

Seit über 30 Jahren arbeitet das Unter-

Ein wichtiges Standbein: Anarbeitungsdienstleistungen wie das Sägen und Bohren, aber auch Strahlen und Konservieren gehören zum Programm.

10 Stahlreport 12|20


nehmen mit dem Einkaufsverbund

Nordwest zusammen – eine Partnerschaft,

die seit dem Wachstum der

Gruppe noch enger geworden ist. Beim

ERP-System setzt man seit vielen Jahren

auf eNVenta von Nissen & Velten,

bei der Logistiksoftware auf KASTOlogic/KASTOmobile.

Das zahlt sich aus, etwa bei der

Integration neuer Standorte in das

Unternehmen. So konnte das Hochregallager,

das mit dem Zukauf des

Karlsruher Stober-Standorts dazukam,

innerhalb von nur zwei Tagen ans

System angeschlossen werden. „Das

geht nur, wenn alle Prozesse und

Daten einheitlich aufgesetzt sind“,

sagt Steffen Auer.

Die Strategie ist aufgegangen

Die vorerst letzten Schritte der Wachstumsschritte

hat Schwarzwaldeisen

erst jüngst vollzogen. Im vergangenen

Jahr wurde das Andernacher Unternehmen

Hürlimann Stahlhandel integriert.

Zusammen mit Westerwaldstahl

entsteht damit der Westerwald Hürlimann

Stahlhandel. In diesem Jahr sind

zwei Standorte des Stahlhandelsunternehmens

Stober mit insgesamt 50

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

dazugekommen, ein Biegebetrieb im

Badischen Kippenheim nahe des eigenen

Unternehmensitzes in Lahr und

ein Stahlstandort in Karlsruhe. Die

Schwarzwaldeisen-Gruppe im Überblick

Die Schwarzwaldeisen-Gruppe ist in mehreren Bereichen aktiv. Neben dem Stahlhandel gehören auch

der Handel mit Objekttüren und -Toren sowie Arbeitsschutzprodukten zur Gruppe.

Geschäftsbereiche

• Stahl:

- Schwarzwaldeisen (Lahr, Freiburg, Bad Säckingen, Karlsruhe)

- Westerwald Hürlimann Stahlhandel (Altenkirchen, Ransbach-Baumbach, Andernach)

• Türen und Tore:

- SchwarzwaldElemente (Lahr, Stockach, Konstanz)

- Eurodoor Schweiz AG (Basel)

• Arbeitsschutz:

- Kaman Liebherr Arbeitsschutz GmbH (Freiburg, Lahr, Ettlingen, Lörrach)

Entwicklung

2008: Übernahme Eisen Dattler (Lörrach)

2008: Übernahme von Maschinen und Anmietung Halle eines Stahlbauunternehmens (Herbolzheim)

2011: Umzug Standort Hochrhein von Lörrach nach Bad Säckingen

2014: Übernahme Stahlhandel Kuss-Gruppe und Gründung Westerwaldstahl (Altenkirchen, Ransbach-

Baumbach)

2016: Gründung SchwarzwaldElemente (Stockach, Konstanz)

2019: Zusammenschluss Westerwaldstahl und Hürlimann zur Westerwald Hürlimann Stahlhandel

GmbH & Co. KG

2019: Gründung Eurodoor Schweiz AG (Basel/Aesch)

2020: Übernahme Bereich Betonstahl Willi Stober GmbH & Co. KG (Kippenheim)

2020: Übernahme Walzstahl und Edelstahl/NE Willi Stober GmbH & Co. KG (Karlsruhe)

Mitarbeiterzahl der Schwarzwaldeisen-Gruppe

ist damit auf mittlerweile

rund 350 gestiegen, das Umsatzvolumen

liegt damit bei rund 110 Mio. €.

Mit diesen Zahlen vor Augen kann

man sagen: die Wachstumsstrategie

ist aufgegangen. 2

[ Kontakt]

Schwarzwald Eisenhandel

GmbH & Co. KG

Carl-Benz-Straße 11

77933 Lahr/Schwarzwald

+49 7821 5805-0

www.schwarzwald-eisen.de

Stahlreport 12|20

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Stahlhandel

Bericht/Nachricht

Klöckner & Co – Ergebnis im dritten Quartal deutlich verbessert

Digitaler Umsatz weiter gestiegen

Klöckner & Co hat im dritten Quartal 2020 ein operatives Ergebnis (EBITDA) vor wesentlichen Sondereffekten von

40 Mio. € erzielt (Q3 2019: 26 Mio. €). Damit liegt der Konzern am oberen Ende seiner eigenen Prognosespanne. Das

Konzernergebnis verbesserte sich auf -5 Mio. € nach -23 Mio. € im Vorjahreszeitraum. Neben positiven Preiseffekten

waren dem Konzern zufolge die mit dem Transformationsprogramm Surtsey forcierten Digitalisierungs- und

Restrukturierungsmaßnahmen maßgeblich für die positive Entwicklung.

Durch ein äußerst stringentes

Net Working Capital-Management

erzielte der Konzern eine Mittelbindung

zum 30. September mit 1,1

Mrd. € deutlich unter dem Vorjahreswert

von 1,4 Mrd. €. Entsprechend

sanken auch die Nettofinanzverbindlichkeiten

um rund ein

Drittel auf vergleichsweise niedrige

427 Mio. € (30. September 2019:

634 Mio. €).

(Q3 2019: 30 %) gesteigert. Damit

hat Klöckner & Co den für das Jahresende

ausgegebenen Zielanteil von

40 % bereits übertroffen. Ein wesentlicher

Treiber des beschleunigten

Wachstums war demnach der Kloeckner

Assistant, eine KI-getriebene

Applikation für die nahezu vollständige

Automatisierung des Vertriebs.

„Die erste Welle der Pandemie haben wir

erfolgreich bewältigt und für die zweite Welle

sind wir durch die digitale Transformation

und das Projekt Surtsey gut gerüstet.“

Gisbert Rühl, Vorstandsvorsitzender Klöckner & Co SE

Digitales Jahresziel

bereits übertroffen

Der über digitale Kanäle erzielte

Umsatzanteil wurde weiter auf 42 %

Weiter gewachsen ist dem Konzern

zufolge auch die offene Industrieplattform

XOM Materials. Der kumu-

Ausblick 2020

[ Kontakt]

Klöckner & Co SE

47057 Duisburg

+49 203 307-0

www.kloeckner.com

Europa

>-15%

Tatsächliche

Stahlnachfrage

USA

>-15%

Bauindustrie

Maschinen- und

Anlagenbau

Energiesektor

Automobilindustrie

Schiffbau

Bild: Klöckner & Co SE, Präsentation vom 3.11.2020

12 Stahlreport 12|20


lierte Gesamtwert der Verkäufe über

die Plattform (Gross Merchandise

Value – GMV) von XOM Materials

betrug im bisherigen Jahresverlauf

bereits 64 Mio. €. Einen wesentlichen

Beitrag zum Anstieg habe die neue

eProcurement-Lösung zur Automatisierung

des Beschaffungsprozesses

von XOM-Kunden geleistet.

Aufgrund der steigenden COVID-19-

Infektionszahlen bleibe die Unsicherheit

im Hinblick auf die weitere

Absatzentwicklung im Jahr 2020

bestehen. Bedingt durch saisonale

Effekte erwartet Klöckner & Co für

das vierte Quartal 2020 einen niedrigeren

Absatz und Umsatz als im

Vorquartal. Dennoch rechnet das

Unternehmen – aufgrund der weit

fortgeschrittenen Digitalisierung und

der konsequenten Umsetzung des

Transformationsprojekts Surtsey –

mit einem EBITDA vor wesentlichen

Sondereffekten von 75 bis 95 Mio. €.

Darüber hinaus erwartet Klöckner &

Co einen deutlich positiven Cashflow

aus betrieblicher Tätigkeit. 2

Vierter Dienstleister mit NW Connect ausgezeichnet

SE Padersoft erhält Nordwest-Gütesiegel

Der ERP-Anbieter ist mit dem Nordwest-Gütesiegel NW Connect

ausgezeichnet worden. „Es freut uns, dass wir SE Padersoft mit

NW Connect auszeichnen konnten. Das Unternehmen passt gut zu

unserer Digitalisierungsstrategie und hat schon einige unserer Handelspartner

im Bereich der ERP-Systeme erfolgreich angebunden“,

sagte Martin Reinke, Nordwest-Hauptbereichsleiter IT & E-Business.

Das Paderborner Softwarehaus ist mittlerweile der vierte Dienstleister,

der diese Auszeichnung erhält. Durch das Gütesiegel müssen

sich Nordwest-Handelspartner nicht mehr darum kümmern, ob ihre

Warenwirtschaftssysteme auf dem aktuellsten Stand sind und verschiedene

Prozesse, wie elektronische Bestellungen, abbilden. Sie

können sich ganz auf das von Nordwest vergebene Gütesiegel verlassen,

so die Verbundgruppe.

Um das Gütesiegel zu erhalten, muss eine Reihe von Kriterien erfüllt

werden. Möglich sein müssen unter anderem Anbindungen an den

Nordwest-eSHOP, elektronische Bestellungen, Bestellbestätigungen,

Lieferscheine sowie Rechnungen, Lagerbestandsabfragen online

sowie Schnittstellen zu NW365.DATACONNECT. „Nur wenn diese

V.l.n.r: Martin Reinke und Nadine Falkenroth (Nordwest), Artur Geist und

Sandra Saake (SE Padersoft), Thomas Cramer (Nordwest).

Kriterien vollständig erfüllt sind, können unsere Handelspartner an

der Digitalisierung ganzheitlich teilhaben und gelassen in die Zukunft

sehen“, so Thomas Cramer, Bereichsleiter E-Business & IT-Beratung.

„Sie erhalten damit die Sicherheit, dass das verwendete Warenwirtschaftssystem,

die digitalen Prozesse zwischen ihnen und Nordwest

abbilden kann.“

Bild: Padersoft

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Stahlreport 12|20

13


Stahlhandel

Bericht

Rund 4.000 t bevorratet Blankstahlspezialist Heine & Bleck.

30 Jahre Heine & Bleck in Hermsdorf

Ein Blankstahl-Erfolg

Es war eigentlich eine Rückkehr: Als Armin Bleck und Aribert Heine 1990 in einem Wittenberger Café

die Gründung von Heine & Bleck beschlossen, knüpften sie damit an eine lange Tradition an, die bis in

die Zeit vor dem 2. Weltkrieg zurückreicht. Der Erfolg hat ihnen Recht gegeben: Die Heine& Bleck

GmbH mit Sitz in Hermsdorf hat sich zu einem der führenden Blankstahlspezialisten in

Mitteldeutschland entwickelt. In diesem Jahr feiert das Unternehmen sein 30-jähriges Bestehen.

[ Kontakt]

Heine & Bleck GmbH

Oststraße 5

07629 Hermsdorf

+49 36601 9269-0

www.heine-bleck.de

Den Anstoß damals hatten zwei Einkäufer des damaligen

Volkseigenen Betriebs VEB Reinsdorf gegeben: Ein

Blankstahl-Geschäft aufziehen – mit dieser Idee waren

Norbert Dietrich und Frank Mende kurz nach der Wende

auf Andernach & Bleck zugegangen. Ob man sich vorstellen

könne, für das künftige Unternehmen Material zu liefern?

Lange Tradition in Mitteldeutschland

Andernach & Bleck, dieser Name hat im Osten Deutschlands

eine weit, bis vor den 2. Weltkrieg zurückreichende Tradition.

In der Vorkriegszeit war die Region rund um Leipzig

ein wichtiges Absatzgebiet des Unternehmens. Mit Aufkommen

des „Real existierenden Sozialismus“ war mit

diesem Kapitel jedoch Schluss – allerdings nur vorübergehend,

wie sich herausstellen sollte.

Nach dem Fall der Mauer bot sich mit der Initiative

der beiden VEB-Einkäufer – die in dem zukünftigen Unternehmen

übrigens als Vertriebsverantwortliche tätig sein

sollten – eine Gelegenheit, die Geschichte weiterzuschreiben.

Als Armin Bleck, Inhaber des Hagener Blankstahlspezialisten

Andernach & Bleck, dann auch Heine + Beisswenger

ins Boot holte, schloss sich ein weiterer Kreis. Denn auch

das Baden-Württembergische Stahlgroßhandelsunternehmen

war, wie Andernach & Bleck, in der ersten Hälfte des

vergangenen Jahrhunderts in Leipzig mit einem Lagerstandort

ansässig.

So kam es, dass sich Armin Bleck und Aribert Heine,

Mitinhaber von Heine + Beisswenger, 1990 in einem Wittenberger

Café neben der Schlosskirche trafen, um die

Gründung der Heine & Bleck GmbH zu beschließen.

Gemeinsam wollte man an eine erfolgreiche Vergangenheit

anknüpfen und glaubte man an eine ebenso erfolgreiche

Zukunft. „Wir sind stolz darauf, dass wir direkt nach der

Wende unseren Standort in den neuen Bundesländern

gemeinsam aufgebaut und in den letzten 30 Jahren erfolgreich

weiterentwickelt haben, sodass Heine & Bleck nun

ein wichtiges Kompetenzzentrum der H+B-Gruppe für

Blankstahl ist“, sagt Mattias Heine, Vorstand und Gesellschafter

von Heine + Beisswenger und Mitglied der

Geschäftsleitung von Heine & Bleck.

Hohe Wiederempfehlungsquote

Schon bald zeigte sich, dass die beiden Unternehmer den

richtigen Riecher gehabt hatten und sich die Heine & Bleck

GmbH in der gesamten mitteldeutschen Region zu einem

Blankstahlanbieter mit hervorragendem Ruf entwickelte.

Mit den beiden Muttergesellschaften Andernach & Bleck

und Heine + Beisswenger kann die Heine & Bleck GmbH

14 Stahlreport 12|20


Sägedienstleistungen sind bei Heine & Bleck ein wachsender Bereich.

Bilder: Heine & Bleck

auf ein umfassendes Blankstahlportfolio mit hoher Qualität

zugreifen. Das ist bei Kunden ein Argument.

„Unsere Kunden fragen immer wieder speziell nach

Andernach & Bleck-Blankstahl. Diese Produkte haben einfach

einen sehr guten Ruf im Markt. Sie haben eine gute

und verlässliche Qualität und sind sehr gut zu verarbeiten“,

sagt Heine & Bleck-Niederlassungsleiter Stefan Täschner.

Die Weiterempfehlungsquote ist hoch. Über diesen Weg

hat sich das Unternehmen sogar international einen Namen

gemacht, mit Kunden vor allem in Tschechien, aber auch

Litauen, Schweden, Bulgarien und Kroatien.

Bevorratet werden am Standort in Hermsdorf – mit

seiner Lage direkt an A4 und A9 logistisch sehr gut angebunden

– rund 4.000 t. Der überwiegende Teil davon sind

gezogene Blankstahlgüten, für einzelne Anwender werden

aber auch gewalzte und geschmiedete Güten vorgehalten.

Ein Bereich der in den letzten Jahren gewachsen ist, sind

Täschner zufolge rostfreie Stähle.

Die Kunden des 15-Mitarbeiter-Betriebs kommen aus

allen Branchen – von Automotive- und Landmaschinen-

Unternehmen über Medizintechnik, Hydraulikanwendungen

und Magnettechnik bis hin zu Elektroindustrie, Stahlbau

und Messtechnik. „Es gibt im Grunde keinen Bereich, den

wir nicht bedienen“, sagt Täschner.

Liefern, während andere noch überlegen

„Unsere Stärken sind unsere großen Bestände und eine

hohe Verfügbarkeit. Wir bieten Material überwiegend im

3-m-Bereich an, in dem Umfang sucht das in der Region

seinesgleichen“, betont Täschner. „Wir legen jedoch nicht

nur viel Wert auf eine hohe Qualität, sondern zugleich

auch auf eine hohe Reproduzierbarkeit dieser Qualität. Für

Kunden ist das oft entscheidend, denn so laufen die Verarbeitungsprozesse

nahezu störungsfrei“, erläutert Täschner

weiter. Neben der hohen Produktqualität ist für Täschner

– einen erfahrenen Blankstahlexperten, der vor drei Jahren

als Niederlassungsleiter zu dem Unternehmen gestoßen

ist – die Kundennähe entscheidend. „Wir registrieren natürlich

die gegenwärtigen Entwicklungen etwa bei der Digitalisierung

und integrieren auch dort, wo es sinnvoll ist,

neue Prozesse – etwa im Dokumentenmanagement. Für

uns ist die persönliche Erreichbarkeit aber immer noch

sehr wichtig. Wir haben einen sehr guten Kundenkontakt,

sind flexibel und können Entscheidungen schnell treffen.

Das ist ein großes Plus. Während andere noch überlegen,

liefern wir oft schon die erste Tonne“, lacht Täschner.

Zukunft mit Kunden gemeinsam gestalten

Gemeinsam mit den Kunden will das Unternehmen auch

die Zukunft gestalten. Überstürztes Handeln ist bei den

beiden Geschäftsführern Carsten Bleck und Matthias Heine

allerdings nicht angesagt. „Es macht keinen Sinn, eine einseitige

Strategie zu entwerfen, die den Kunden nicht entspricht.

Das wird keinen Erfolg haben. Wir beurteilen

unsere weitere Entwicklung vielmehr in engem Kontakt

mit unseren Kunden“, sagt Carsten Bleck.

So könnten künftig neben den 3-m-Längen noch weitere

Längen ins Programm kommen und das Portfolio erweitert

werden. Erst kürzlich sind 42CrMo-Sechskantstangen

sowie der Wälzlagerstahl 100Cr6 dazugekommen. „Das

ist ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Stefan Täschner.

Platz genug für künftiges Wachstum ist jedenfalls vorhanden.

Es besteht dem Unternehmen zufolge jederzeit

die Möglichkeit, den Standort um ein Hochregallager und

eine weitere Halle für Lagerung oder Anarbeitung zu erweitern.

Vorerst hat jedoch Covid-19 einen Strich durch alle

Pläne gezogen, auch durch den einer Jubiläumsfeier. Doch

die Schubladen, die coronabedingt erstmal geschlossen

wurden, können schnell wieder geöffnet werden. Die Voraussetzungen

in Hermsdorf sind jedenfalls geschaffen. 2

Stahlreport 12|20

15


Stahlhandel

Interview/Nachricht

Franz-Günter Kleine geht in den Ruhestand

Eine Karriere im Stahlhandel

Genau 47 Jahre wird Franz-Günter Kleine im Stahlhandel tätig gewesen sein, wenn er am Ende

dieses Jahres aus dem aktiven Dienst ausscheidet. In den fünf Jahrzehnten hat der zuletzt als

Head of Germany Switzerland, Downstream Solutions bei ArcelorMittal Stahlhandel tätige

Lüner die Branche aktiv mitgestaltet. Trotz aller Herausforderungen: Der Stahlhandel wird auch

in der Zukunft seine Berechtigung in der Wertschöpfungskette behalten, ist er sich im Interview

mit dem Stahlreport sicher.

Herr Kleine, Sie waren 18 Jahre

alt, als Sie mit einer Ausbildung zum

Groß- und Außenhandelskaufmann in

das Berufsleben eingestiegen sind.

Warum haben Sie sich damals für den

Stahlhandel entschieden?

Als Lüner bin ich in der Nähe von

Dortmund aufgewachsen. Zum Zeitpunkt

meiner Berufswahl war Dortmund

die Stadt des Stahls, der Kohle

und des Bieres. Die große Bandbreite

der Stahlwerke, der Maschinenbauer

und des Handels und letztendlich die

Internationalität der Geschäfte haben

den Beruf für mich interessant

gemacht. Damals gab es noch die

Hoesch Export AG, breit aufgestellt,

in jedem Land vertreten. Jeder wollte

nach der Ausbildung nach Atlanta,

dem US-Standort des Konzerns. Wobei

dann meist Nigeria angeboten wurde

– übrigens der Auslöser, mich für das

Controlling zu entscheiden. (Kleine

lacht)

Welche Stationen haben Sie in Ihrer

beruflichen Vita durchlaufen?

Mein Werdegang im Stahlhandel war

auch durch die vielen Anpassungen

und Übernahmen in der Stahlindustrie

geprägt. Der Markt war immer im

Wandel und in Bewegung. Nach der

Ausbildung und dem Wehrdienst

begann meine berufliche Laufbahn

im Controlling der damaligen Hoesch

Handel AG. Nach einigen Jahren führte

mich mein Weg dann in die operativen

Bereiche der KruppHoesch Stahlhandel

GmbH, der Stinnes Stahlhandel

GmbH sowie zur Knauf Interfer SE.

Heute bin ich bei der ArcelorMittal

Stahlhandel GmbH tätig. Die große

Klammer waren immer die Flachprodukte,

über die verschiedenen Verantwortungsbereiche

vom Brennbetrieb

und Stahl-Service-Center (SSC)

über ein Kaltwalzwerk bis hin zur

Geschäftsfeldleitung und die Ge -

schäftsführungen verschiedener

Stahlhandelsunternehmen. Alles was

mich rund um den Menschen und die

Technik interessiert hat, habe ich in

meinem Job gefunden.

Sie waren Ihr gesamtes Berufsleben

im Stahlhandel tätig, das ist eine lange

Zeit. Was hat sich aus Ihrer Sicht in

der Branche im Laufe der Zeit am meisten

gewandelt?

47 Jahre sind eine lange Zeit auf die

ich gerne zurückblicke. Höhen und

Tiefen gab es viele, die Zeit war auch

durch Konsolidierungen geprägt. Im

Laufe der Jahre haben sich die Lieferstrukturen

deutlich verändert, Hersteller,

SSC und Stahlhandel sind

innerhalb der Lieferketten verstärkt

zu Wettbewerbern geworden. Die

Anarbeitungstiefe und damit die

Ansprüche an die Produkte hat in den

meisten Produktgruppen zugenommen,

die Anforderungen an den Handel

sind hierdurch gestiegen und alles

hat just-in-time zu erfolgen. Durch die

Einführung der verschiedenen Qualitätsmanagementsysteme

hat die Prozessorientierung

einen hohen Stellenwert

bekommen und die internen

Abläufe über Jahre, auch im Hinblick

auf Qualität, Arbeitssicherheit,

Umwelt, Energie und Kosten, positiv

verändert.

Eine Hürde, die aus meiner Sicht

in der Lieferkette übrigens noch

genommen werden muss, ist eine

durchgängige eindeutige Identifikation

der Produkte vom Werk bis zum

Verbraucher. Das würde viele Prozesse,

die heute noch nötig sind, um

alle Daten einheitlich zur Verfügung

zu haben, überflüssig machen. Auf

die gesamte Branche bezogen, kann

man sagen, dass im Laufe der Jahre

Spezialisierung und Wettbewerb

immer mehr zugenommen haben.

Gibt es auch Bereiche, die sich eigentlich

gar nicht oder nicht wesentlich

verändert haben?

Seit vielen Jahren unterliegt unser

Geschäft einem hohen Kostendruck.

Viele technische Veränderungen

konnten die Produktivität steigern

und Abläufe so optimieren, dass der

Personalbedarf, auch dem demografischen

Wandel geschuldet, kontinuierlich

angepasst werden konnte. Die

Zusammenarbeit mit Transportunter-

16 Stahlreport 12|20


Wie muss sich der Stahlhandel aus

Ihrer Sicht heute aufstellen, um die

großen Herausforderungen in Zukunft

zu bewältigen – zum Beispiel bei Klimaschutz

und Digitalisierung?

Der Stahlhandel wird, wie auch die

Werke, seinen Beitrag zum Klimaschutz

leisten. Bereits heute werden durch die

Ausstattungen der großen Lagerhallen

mit LED-Beleuchtungen und einer

modernen Lkw-Flotte CO 2 -Emissionen

reduziert. Die Digitalisierung hat bereits

Einzug gehalten und die Corona-Pannehmen

war schon immer ein wichtiger

Baustein. Aber ein wes entlicher

Punkt bleibt unverändert: Qualifiziertes,

motiviertes Personal über alle

Funktionsbereiche bleibt der Schlüssel

zum Erfolg in der Zusammenarbeit

mit Lieferanten, Dienstleistern und

Kunden.

Würden Sie den Stahlhandel heute

jungen Nachwuchskräften empfehlen?

Warum?

Ich sehe auch heute im Stahlhandel

noch sehr viel Potenzial für junge

Nachwuchskräfte, ihr eigenes Profil

zu entwickeln. Eine Kombination aus

kaufmännischen und technischen

Anforderungen macht den Reiz aus.

Neben dem Vertrieb gibt es viele Bereiche,

in denen interessante Aufgaben

warten – Personalwesen, IT, Betrieb

und Logistik und vieles mehr.

„Der Stahlhandel bleibt eine Branche

die auch zukünftig Charakter verlangt.

Keine Anonymität, sie lebt auch

weiterhin von Verbindungen.“

Franz-Günter Kleine, Head of Germany Switzerland,

ArcelorMittal Stahlhandel GmbH

nicht so richtig wahrgenommen werden.

Stahl als innovativer Werkstoff

und die Rolle des Stahlhandels inklusive

der tiefen Anarbeitung müsste

stärker in die Öffentlichkeit gestellt

werden. Der Stahlhandel bildet in verschiedenen

Berufen aus und wird auch

in der Zukunft seine Berechtigung in

der Wertschöpfungskette behalten.

demie hat gezeigt, wie schnell mit mobilen

Arbeitsplätzen reagiert werden

konnte. Es geht nicht darum Trends

hinterherzulaufen. Wir müssen eigene

Lösungen finden, die Möglichkeiten

zur Mehrwertschaffung bieten. Wir

befinden uns alle auf einer interessanten

Reise, aber hierfür werden auch

begeisterte Menschen benötigt.

Bild: privat

Könnte sich die Branche für den Nachwuchs

attraktiver aufstellen? Wie?

Schon zu meiner Anfangszeit wurde

viel Wert auf eine gute Ausbildung

gelegt, es gab engagierte Qualifizierungsprogramme.

Heute sind die

Unternehmen in der Branche aber insgesamt

weiter, auch durch die Weiterbildungsmöglichkeiten

des BDS,

wie das Fernstudium zum Betriebswirt

(BDS).

Ich sehe aber noch immer, dass

wir als Branche bei jungen Menschen

Was machen Sie mit der freien Zeit in

Zukunft?

Ich glaube, diese Antwort gibt erst

einmal jeder der am Wendepunkt zwischen

Arbeitswelt und Ruhestand

steht: Viel Zeit mit der Familie verbringen,

wenn möglich wieder reisen,

gerne auch etwas mehr Bewegung.

Vielleicht versuche ich, mein Golf-

Handicap zu verbessern. Aber wichtig

bleibt für mich – und natürlich wünsche

ich das auch allen Anderen –

Gesundheit. 2

Eurometal-Statistik für die ersten neun Monate

EU-Stahllieferungen rückläufig

In den ersten neun Monaten des Jahres 2020 gingen die Lieferungen

von Stahl-Service-Centern (SSC) in der EU 16,1 % zurück.

Die Lieferungen der lagerhaltenden Stahldistribution in der EU gingen

im gleichen Zeitraum 11,9 % zurück. Das meldete der europäische

Verband für den Vertrieb und den Handel mit Stahl, Rohren und

Metallen Eurometal.

Die Lieferungen von Bandprodukten sind dem Verband zufolge dabei im

September 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,7 % zurückgegangen,

verglichen mit -1,5 % im August. Die Lagerreichweite der europäischen

SSC lag im September bei 59 Tagen, verglichen mit 73 Tagen

im September 2019. Ebenfalls im September sind die Lagerbestände auf

den Indexwert 94 gefallen, verglichen mit 114 im September 2019

(Durchschnitt 2015 = Index 100).

In der lagerhaltenden Stahldistribution der EU ging der Versand im

September 2020 im Jahresvergleich insgesamt um 2,1 % zurück. Nur

bei Stabstahl, warm- und kaltgewalzten Flacherzeugnissen sei ein

positiver Trend zu verzeichnen gewesen. Die Lagerbestände fielen

im September auf einen Index von 83, verglichen mit einem deutlich

höheren Index von 92 ein Jahr zuvor (Durchschnitt 2015 = Index

100). Die Lagerreichweite pendelte sich im September 2020 bei 68

Tagen ein, verglichen mit 74 Tagen im September 2019.

Stahlreport 12|20

17


Stahlverarbeitung

Bericht

Innovative Laserbearbeitung

Immer mehr Möglichkeiten für

Ultrakurzpulslaser

Durch die fortschreitende Miniaturisierung und den Einsatz von High-Tech-

Materialien stoßen konventionelle Fertigungsverfahren zunehmend an ihre

Grenzen. Mit sinkender Strukturgröße und zugleich steigenden Anforderungen an

Präzision, Gratfreiheit und Flexibilität können Ultrakurzpulslaser ihre Stärken

ausspielen. Die Deggendorfer GFH GmbH hat sich in den vergangenen Jahren als

Experte auf dem Gebiet der Bearbeitung mit Ultrakurzpulstechnologie etabliert.

Bilder: GFH GmbH

Mit der GL.smart der

GFH GmbH ist die

Herstellung von

Mikropräzisionsteilen

mittels Laser -

drehen möglich.

Ultrakurzpulslaser bieten aufgrund

des berührungslosen Abtrags

sowie des sehr geringen Wärmeeintrags

beste Voraussetzungen für eine

hohe Bauteilqualität. In der Produktion

kommen diese Laser überall

dort zur Anwendung, wo kontrollierte,

hochpräzise Bearbeitung

reproduzierbar gefordert ist. Dem

Laser eröffneten sich daher immer

neue Einsatzmöglichkeiten in unterschiedlichsten

Industrien, zum Beispiel

in Medizintechnik, Elektronikfertigung,

der Werkzeugindustrie

oder bei der Fertigung von hochpräzisen

mechanischen Uhren. Die GFH

GmbH aus Deggendorf ist einer der

globalen Marktführer und technologischen

Vorreiter in der Konzeption

und Konstruktion von hochpräzisen

Lasermikrobearbeitungsanlagen

mit Ultrakurzpuls-Lasern.

Präzise mit dem Laser drehen

und bohren

Ein Schwerpunkt des Unternehmens

liegt auf der stetigen Weiterentwicklung

des „Werkzeugs“

Laser, mit dem sich bereits heute

ganz unterschiedliche Prozesse vom

Schneiden über das Drehen und

Bohren bis zum Strukturieren innerhalb

geringster Toleranzen und

ohne Verschleiß realisieren ließen,

so das Unternehmen. Lasertechnik

von GFH steigere nicht nur die Produktivität

in der Serienfertigung,

sondern lege auch den Grundstein

für innovative Herstellungsverfahren

und zukünftige Fertigungsansprüche.

„Dank unserer innovativen

Lösungen konnten wir uns auch

während und nach dem Lockdown

gut auf dem internationalen Markt

behaupten“, erklärt Florian Lendner,

Geschäftsführer der GFH GmbH.

„Unsere neu entwickelte Laserdrehmaschine

GL.smart kommt dort zum

Einsatz, wo die konventionelle

Schleiftechnik an ihre Grenzen stößt.

Sie besticht nicht nur mit höchster

Präzision, sondern auch mit Flexibilität

und Produktivität gepaart mit

einem innovativen und modernen

Maschinendesign aus schwarzem

Glas.“ 2

[ Kontakt]

GFH GmbH

Großwalding 5

94469 Deggendorf

+49 991 290 92-0

www.gfh-gmbh.de

„Dank unserer innovativen Lösungen

konnten wir uns auch während und nach

dem Lock down gut am internationalen

Markt behaupten.“

Florian Lendner,

Geschäftsführer GFH GmbH

18 Stahlreport 12|20


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12|20

19


Stahlproduktion

Bericht/Nachrichten

Bundesumweltministerin informiert sich bei ArcelorMittal

Grüner Stahl aus Hamburg

Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Michael Westhagemann, Wirtschaftssenator in

Hamburg, haben sich in einem virtuellen Austausch mit dem ArcelorMittal-Management am Standort

Hamburg über den Stand des Projekts H2H („H2 aus Hamburg“) informiert.

Bei dem Projekt, mit dem der

Stahlhersteller im vergangenen Jahr

startete, soll erstmals der Einsatz

von Wasserstoff in der Stahlherstellung

großtechnisch umgesetzt werden.

Ziel ist, die CO 2 -Emissionen

des Konzerns in Europa bis zum

Jahr 2030 um 30 % zu senken. Um

das zu erreichen, hat ArcelorMittal

bereits mehrere Projekte in Vorbereitung

– darunter am Standort

Hamburg. Bereits ab 2025 ist die

Produktion von 100.000 t Stahl auf

Wasserstoffbasis geplant. Bis 2050

will ArcelorMittal vollständig klimaneutral

werden.

In Hamburg produziert Arcelor-

Mittal schon seit über 50 Jahren

Stahl über die Direktreduktion von

Eisenerz mit Erdgas, womit bereits

etwa nur die Hälfte an CO 2 -Emissionen

im Vergleich zum traditionellen

Hochofenprozess anfällt. In einer

neuen Direktreduktionsanlage plant

der Stahlhersteller in Hamburg nun

den Einsatz von Wasserstoff –

zunächst über Dampfreformierung

von Erdgas, bis ausreichend grüner

Wasserstoff zur Verfügung steht,

um Stahl klimaneutral herzustellen.

CO 2 -arme Stahlgüten von Salzgitter AG

Erste Bramme für „grünen“

Flachstahl produziert

Die Salzgitter AG hat die erste CO 2 -

arme, grüne Stahlbramme im Werk Peine

produziert. Der Konzern werde seinen Kunden

damit noch vor Ende 2020 „grüne“

Flachstahlprodukte in einem differenzierten

Abmessungs- und Gütenspektrum anbieten.

Der CO 2 -Fußabdruck dieser Produkte

sei 75 % kleiner als derjenige aus konventioneller

Produktion. Nach dem Umbau

einer Stranggießanlage sei es jetzt möglich,

die Nchfrage nach solchen Werkstoffen zu

bedienen, so der Konzern. Die Brammen

werden anschließend bei der Salzgitter

Erstmaliger großtechnischer Einsatz von Wasserstoff in der Stahlherstellung: Das ist

das Ziel von Projekt H2H – „H2 aus Hamburg“ von ArcelorMittal

Die Salzgitter AG hat die erste CO 2 -arme, grüne Stahlbramme im Werk Peine produziert.

Flachstahl GmbH zu Warm- und Kaltband

ausgewalzt. Diese umweltfreundlichen

Stahlprodukte sind für alle gängigen Ver-

Der grüne Wasserstoff soll mit Hilfe

von Elektrolyse erzeugt werden.

Um den Bau der neuen Direkt -

reduktionsanlage umzusetzen und

die Produktion mit Wasserstoff in

Zukunft wirtschaftlich zu betreiben,

sei der Ausbau erneuerbarer Energien

in großem Umfang ebenso notwendig

wie der Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur

und die finanzielle

Anschubförderung für die Produktion

von nahezu CO 2 -freiem

grünen Stahl, erklärte der Stahlhersteller.

Info:

https://deutschland.arcelormittal.com

wendungszwecke einsetzbar, wie beispielsweise

im Fahrzeugbau, im Bauwesen und in

Industrieanwendungen.

Bild: Salzgitter AG Bild: ArcelorMittal

20 Stahlreport 12|20


CO 2 -Rechner von Wuppermann

Stahl nachhaltig einkaufen

CO 2 -Rechner von Wuppermann zur Errechnung eigener Einsparungen

Der Leverkusener Stahlverarbeiter

Wuppermann setzt an seinen Standorten in

den Niederlanden und Österreich ein neues

Verfahren bei der Bandverzinkung ein, das

bis zu 43 % CO 2 -Emissionen einsparen soll.

Ein CO 2 -Rechner auf der Website des Unternehmens

ermittelt jetzt, wie viel CO 2 pro

Tonne feuerverzinktem Bandstahl die Kunden

tatsächlich individuell einsparen können.

Die Herstellung von feuerverzinktem Bandstahl

mit dem Heat-to-Coat-Verfahren von

Wuppermann verursacht deutlich geringere

CO 2 -Emissionen als herkömmliche Kaltband-Verzinkungsverfahren.

Zu diesem

Ergebnis kommt eine Studie des Fraunhofer-Instituts

für Umwelt-, Sicherheits- und

Energietechnik (UMSICHT), die Wuppermann

im Sommer 2020 beauftragt hatte.

„Wir sind stolz auf die gute Ökobilanz unserer

Bandverzinkung“, so Johannes Nonn,

Vorstandssprecher bei der Wuppermann

AG. „Mit der Veranschaulichung der konkreten

Einsparungen kann der CO 2 -Rechner auf

unserer Website als Entscheidungsgrundlage

für einen nachhaltigen Stahleinkauf

dienen.“

Wuppermann-CO 2 -Rechner:

https://bit.ly/co2rechner-niederlande

https://bit.ly/co2rechner-austria

Fraunhofer Studie:

https://bit.ly/wuppermann-studie

Grafik: Wuppermann

Im Oktober 2020

wurde mehr Rohstahl

weltweit produziert

Die weltweite Rohstahlproduktion für die 64

Länder, die dem Weltstahlverband (worldsteel)

Bericht erstatten, lag im Oktober 2020

bei 161,9 Mio t, ein Anstieg von 7,0 %

gegenüber Oktober 2019.

Rohstahlproduktion weltweit

China 92,2 Mio. t 12,7 %

Japan 7,2 Mio. t -11,7 %

Südkorea 5,9 Mio. t -1,8 %

Deutschland 3,4 Mio. t -3,1 %

EU 12,6 Mio. t -5,6 %

USA 6,1 Mio. t -15,3 %

GUS 8,4 Mio. t 4,7 %

Ukraine 1,6 Mio. t 5,9 %

Türkei 3,2 Mio. t 19,4 %

Aufgrund der anhaltenden Schwierigkeiten, die die COVID-19-Pandemie mit sich bringt, sind viele dieser

Zahlen des Monats Schätzungen, die mit der Produktionsaktualisierung des nächsten Monats revidiert

werden können.

Rohstahlproduktion in

Deutschland weiter rückläufig

In Deutschland wurden im Oktober

3,4 Mio. t Rohstahl hergestellt. Damit lag

die Erzeugung zum ersten Mal seit Februar

wieder über dem entsprechenden Vorjahresmonat.

Im bisherigen Jahresverlauf

(Januar-Oktober) wird die Rohstahlproduktion

im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um

annähernd 14 % unterschritten, berichtete

die Wirtschaftsvereinigung Stahl.

Rohstahlproduktion in Deutschland von Januar bis Oktober 2020

Rohstahl gesamt 29.144 -13,9%

Oxygenstahl 19.488 -17,4%

Elektrostahl 9.656 -5,8%

Roheisen 18.137 -16,6%

Warmgewalzte Stahlerzeugnisse 25.639 -12,9%

Januar bis September in Tonnen Veränderung zum Vorjahreszeitraum in Prozent

Stahlreport 12|20

21


Anarbeitung

und Logistik

Bericht

Durch die minimale Anzahl an Bewehrungselementen und das schnelle Ausrollen wird die Verlegung beschleunigt und vereinfacht.

Eisenbiegerei Katmet investiert in effiziente Vorfertigung

Bewehrungsmodule maßgenau vorfertigen

Die polnische Firma KATMET ist eine der größten Eisenbiegereien in der Region Danzig, im Norden von Polen. Neben

herkömmlicher Bewehrung hat sich das familiengeführte Unternehmen auf vorgefertigte Bewehrungsmodule

spezialisiert. Im August 2020 hat der polnische Biegespezialist eine neue vollautomatische „BAMTEC Evolution“

mit Einzelstangenzuführung in Betrieb genommen.

[ Kontakt]

progress Maschinen &

Automation AG

Julius-Durst-Straße 100

39042 Brixen, Italien

+39 0472 979100

info@progress-m.com

www.progress-m.com

Katmet Sp. z o.o.

Ul. Garncarska 2

83-000 Pruszcz Gdański

+48 660 425 100

www.katmet.pl

In enger Zusammenarbeit mit der BAM AG realisiert

Progress Maschinen & Automation, ein Unternehmen

der PROGRESS GROUP, zugeschnittene Bewehrungslösungen,

welche nicht nur ein Projekt bei Katmet

umfasst, sondern auch effiziente Produktion erlauben.

Das Projekt umfasst eine komplette vollautomatische

Produktionslinie zur Herstellung von Bamtec-Bewehrungselementen

für den polnischen Markt. Die neue

Technologie ist ein hocheffizientes und rentables System

zur Planung, Herstellung und Montage von gerollten

Bewehrungselementen, so der Hersteller. Die neuen

Bewehrungslösungen schafften einen enormen Mehrwert

für die regionale Bauindustrie.

Bereits nach wenigen Wochen zog die Eisenbiegerei

ein positives Zwischenfazit. Die Bamtec-Methode hat

die Montagezeit um 80 bis 90 % verkürzt, die Qualität

verbessert und gleichzeitig Einsparungen beim verwendeten

Betonstahl erzielt. Außerdem garantiert das

neue System eine einfache Positionierung, genaue Stab -

längen und eine ergonomische Arbeitsweise auf der

Baustelle.

Erprobte Bewehrungstechnologie

Die Bamtec-Bewehrungstechnologie ist weltweit verbreitet

und eines der wirtschaftlichsten Verfahren zur

Bewehrung von Stahlbetondecken und Bodenplatten

im Hochbau. Angesichts der optimierten Planung und

der computergesteuerten Produktion wird der Einbau

der gerollten Bewehrungselemente auf der Baustelle

deutlich vereinfacht. Diese neue Technologie sorgt für

eine höhere Produktivität und einen geringeren Platzbedarf,

so die Progress Maschinen & Automation AG.

Gerollte Bewehrungselemente-Produktion

Die Katmet-Anlage besteht aus einer Richt- und Schneidemaschine

sowie einem Schweißsystem und fertigt

ein maßgenaues Bewehrungselement. Der Schneidevorgang

erfolgt elektromechanisch. Anhand einer Greif-

22 Stahlreport 12|20


Katmet ist auf vorgefertigte Bewehrungsmodule spezialisiert. Der Hauptsitz befindet sich in der polnischen Stadt Praust.

Betonstahl wird bei Katment in Zukunft gerollt und nicht geflochten.

Bilder: Progress

„Meiner Meinung nach wird sich der Markt für

Betonstahl in Richtung der maximalen Vorfertigung

entwickeln. Dies werden möglichst große,

geschweißte oder gebundene Bewehrungen sein, die

aus mehreren Elementen zusammengesetzt sind.“

Piotr Romanik, Junior-Geschäftsführer Katmet

und Positioniereinheit werden die produzierten Stäbe

der Bamtec-Schweißanlage zugeführt. Nach dem

Schweißvorgang wird das Bamtec-Element zu einer

Rolle aufgerollt. Jedes Bewehrungselement wird maßgeschneidert

vorgefertigt, um eine hohe Qualität und

maximale Flexibilität zu erhalten.

Piotr Romanik, Junior-Geschäftsführer von Katmet,

schaut zuversichtlich in die Zukunft und will noch einiges

bewegen: „Bamtec ist auf dem polnischen Markt

noch nicht bekannt. Gleichzeitig steigen die Arbeitskosten

und es wird immer schwieriger qualifizierte

Arbeitskräfte zu finden. Hierdurch sehen wir eine Nische

für vorgefertigte Bewehrungslösungen wie Bamtec. Dies

war schlussendlich ein entscheidender Grund, weshalb

wir uns entschlossen haben, diese Partnerschaft in

Gang zu bringen.“ 2

Stahlreport 12|20

23


Anarbeitung

und Logistik

Bericht/Nachichten

Bilder: Bomar

Bürstenentgrater von Bomar und Exactcut

Effektive und funkenfreie Werkstückentgratung

Der Bandsägenhersteller BOMAR und der Kreissägenproduzent Exactcut bedienen ihre Märkte auch mit Lösungen

zur effizienten Entfernung von Werkstückgratenden. Frisch vorgestellt haben die Unternehmen nun die

Bürstenentgrater Orbital 250 NS und Orbital 250 TB. Beide Bürstenentgrater dienen zur weichen und funkenfreien

Entfernung von Werkstückgraten. Mit diesen Entgratern können sowohl Profil- als auch Vollmaterialien bis 120 mm

Durchmesser zügig bearbeitet werden.

[ Kontakt]

BOMAR Germany GmbH

Augustastraße 85

58452 Witten

+49 2302-98 407 41

www.bomar-germany.de

Der Bürstenentgrater Orbital 250 NS wird in

erster Linie zum halbautomatischen Entgraten der Stirnseiten

von Rohren, Profilen und Vollmaterial aus Stahl

eingesetzt. Auch für gebogene Werkstücke kann der

Entgrater genutzt werden. Die Drehbewegung des Bürstenkopfes

erfolgt um die Längsachse des Materials,

wobei die Außen- und Innenkanten des Werkstücks

komplett entgratet werden. Durch die Konzeption mit

zwei Bürstenschächten kann beispielsweise die Durchführung

von zwei aufeinanderfolgenden Arbeitsschritten

ohne Maschinenumrüstung erfolgen.

Jede Werkstückkante sauber entgraten

Der Bürstenentgrater Orbital 250 TB dient zur halbautomatischen

Entgratung von Aluminiumteilen und eloxierten

Profilen. Dabei kommt bei diesem Entgrater die

bewährte Twin-Belt-Technik zum Zuge, bei der ein rotierender

Segment-Bürstenkopf das Werkstück planetenartig

umkreist und jede Werkstückkante aus allen Richtungen

erreicht. Das Hauptmerkmal dieser Technologie

besteht darin, die Stirnflächen zu entgraten, ohne dass

das Werkstück abgerollt werden muss. Der Anwender

kann bei beiden Entgratertypen jeweils zwischen einem

Antrieb mit zwei fest einstellbaren Drehzahlen oder

einem stufenlos frequenzgeregelten Antrieb wählen –

wobei der frequenzgeregelte Antrieb eine optimale

Anpassung des Entgratungsvorgangs für unterschiedliche

Werkstückmaterialien sowie Bürstenarten unterstützt.

Einfache Bürstenwartung

Trotz der kompletten Einhausung dieser Entgrater

besteht zu Servicezwecken ein leichter Zugang zu den

Bürsten. Beide Maschinen sind für eine Verankerung

im Fundament ausgelegt. Eine frei positionierbare

Absaugeinrichtung AL-KO mit Filtrationszylindern und

integrierter Staubaufnahme zwecks Abfallsammlung

steht optional zur Verfügung.

Die Zielgruppen für diese Maschinen sind Kleinbetriebe

und Schlossereien sowie Unternehmen mit hoher

Serienproduktion und vollautomatischer Fertigung. 2

24 Stahlreport 12|20


Sharp Products setzt auf Anlage von Schwarze-Robitec

Präzision beim Rohrbiegen

Der amerikanische Rohrlösungsanbieter

Sharp Products aus Wisconsin hat

mit einer vollelektrischen Rohrbiegemaschine

von Schwarze-Robitec seine Produktionskapazitäten

erweitert. Mit der CNC

160 E TB MR habe man zudem die Anforderungen

des Kunden nach höchster Präzision

erfüllt.

Sharpe Products aus New Berlin, Wisconsin,

ist spezialisiert auf das Biegen und

Umformen von Rohren für Industrie und

Gewerbe, auf Laserschneiden und weitere

Fertigungsdienstleistungen. Das Portfolio

erstreckt sich von gebogenen Rohren mit

engen Radien bis hin zu symmetrischen

Rohrbögen, stets unter Einhaltung strenger

Toleranzen. Kundenindividuelle Anfertigungen

erfordern in der Produktion Maschinen,

die besonders präzise arbeiten. Nur so

Die CNC 160 von Schwarze-Robitec

erzielt selbst bei dünnwandigen

Rohren genauste Biegeergebnisse.

kann Sharpe Products seinen Kunden hochqualitative

Ergebnisse liefern. Mit der vollelektrischen

Rohrbiegemaschine CNC 160

E TB MR von Schwarze-Robitec könne

Sharpe Products die nötige Präzision

gewährleisten.

Die Rohrbiegemaschine bearbeitet Rohre

mit einem Durchmesser von bis zu 160 mm

(6 inch) aus Baustahl, Edelstahl, Aluminium,

Messing, Kupfer, Titan und anderen Metallen.

Selbst bei dünnwandigen Rohren

erziele sie genauste Biegeergebnisse.

[ Kontakt]

Schwarze-Robitec GmbH

Olpener Straße 460–474

51109 Köln

Tel. +49 221 89008-0

www.schwarze-robitec.com

Bilder: Schwarze-Robite

Durch Anbringen einer Sicherheitsplakette

macht Eurotech kenntlich, dass die Arbeitsmittel

ordnungsgemäß gemäß UVV funktionieren.

Eurotech bietet

UVV-Abnahme

Eurotech, Spezialist für Vakuum-Hebeund

-Transporttechnik, bietet jetzt auch

Komplettleistungen rund um die

Abnahme von Leichtüberkranungen und

Hebegeräten im Rahmen der Unfallverhütungsvorschriften

(UVV) an. Zu den Leistungen

gehört die Abnahme von Hebegeräten

nach DIN EN 13155 sowie von

Leichtüberkranungen bis maximal

1.000 kg nach DGUV 52 (BGVD 6) aller

Hersteller. Mit der Abnahme, die einmal

jährlich vor Ort beim Kunden oder am

Stammsitz in Geislingen vorgenommen

wird, hat Eurotech zudem die Wartung und

Reparatur der Arbeitsmittel sowie die Optimierung

und Problemlösung im Angebot.

Info: www.etvac.de

Bild: Eurotech

Langfristige Strategie weiter umgesetzt

Vernet-Behringer ganz in Gruppe integriert

Die Behringer GmbH hat 100 % der

Anteile von Vernet Behringer (VB) übernommen,

meldete das Unternehmen im

Oktober. Die Integration des französischen

Herstellers von Anlagen für den Stahlbau in

die Behringer-Gruppe sei Teil einer langfristigen

und gemeinsamen Ausrichtung der

beiden Unternehmen. Seit 1996 ist die

Behringer GmbH der wichtigste Anteilseigner

und strategische Partner von VB, insbesondere

für die Lieferung von Bandsägen,

welche in die von VB entwickelten, automatischen

Säge-Bohr-Anlagen integriert sind.

Dieser engere Zusammenschluss soll es VB

ermöglichen, seine Entwicklung in Frankreich

und auf internationaler Ebene fortzusetzen

und größere technologische Projekte

durchzuführen, um so den

wachsenden Erwartungen seiner Kunden

nach immer stärker integrierten und automatisierten

Anlagen weltweit gerecht zu

werden. Diese Fusion werde es erlauben,

technologische, industrielle und finanzielle

Synergien zu entwickeln, um den Anforderungen

des verschärften globalen Wettbewerbs

gerecht zu werden und die Transformation

in Richtung „Industrie 4.0“ zu

beschleunigen, so das Unternehmen.

www.behringer.net

Stahlreport 12|20

25


Anarbeitung

und Logistik

Bericht

„Kundenbewertung“ in eNVenta

Analytics: Die Y-Achse steht für das

Risiko, die X-Achse für die Rentabilität

und die Größe der Punkte für den

jeweiligen Umsatz eines Kunden.

Screenshot: N&V

Nissen & Velten baut eNVenta Analytics aus

Nicht jeder Umsatz ist ein guter Umsatz

Mit der neuen Funktionalität „Kundenbewertung“ baut das Softwarehaus Nissen & Velten das Modul

eNVenta Analytics seines ERP-Systems aus. Sie erlaubt es, die Kundenprofitabilität differenziert zu

bewerten und bei Bedarf Maßnahmen abzuleiten. eNVenta Analytics unterstützt die Tätigkeit des

Vertriebs mit einer ganzen Reihe von digitalen, analytischen Methoden.

[ Kontakt]

Nissen & Velten

Software GmbH

Goethestraße 33

78333 Stockach

+49 7771 879-0

www.nissen-velten.de

Der Handel muss seine knappen Ressourcen möglichst

effektiv einsetzen. Dies gilt insbesondere auch

für die kostenintensiven Bereiche Logistik und Vertrieb.

Gute Kunden sind rentabel, wenig preissensibel und

langfristige Geschäftspartner. Die Kundenerfolgsrechnung

ist ein Instrument, diese „wertvollen“ Kunden zu

identifizieren. Gleichzeitig dient sie dazu, jene Kunden

zu erkennen, die einen geringen oder sogar einen negativen

Beitrag zum Unternehmenserfolg beisteuern.

Bei der Kundenerfolgsrechnung werden die einem

Kunden zurechenbaren Kosten und Erlöse einander

gegenübergestellt und ein Kundendeckungsbeitrag

ermittelt. Da es sich dabei allerdings um eine Momentaufnahme

handelt, müssen bei der Ableitung von Maßnahmen

weitere Faktoren berücksichtigt werden, so

der ERP-Anbieter. Ein solcher Faktor ist die Risikoeinschätzung.

Im Handel sind dies beispielsweise das

Retouren-Risiko, das Bonitätsrisiko beziehungsweise

das Zahlungsverhalten und die Kundenzufriedenheit.

Erfolgsrechnung mit

Risikoeinschätzung kombiniert

Die neue Funktionalität „Kundenbewertung“ von

eNVenta Analytics führt deshalb die Kundenerfolgsrechnung

und die Risikoeinschätzung zu einer gemeinsamen

Betrachtung zusammen. Von besonderer Bedeutung

ist dabei, dass die Kunden unterschiedlicher

Segmente, Branchen oder Bedarfsprofile nicht gemischt,

sondern in Relation zur jeweiligen Vergleichsgruppe

betrachtet werden. So wird etwa der Privatkunde nicht

mit dem Geschäftskunden und der Industriekunde nicht

mit dem Handwerksbetrieb gleichgesetzt.

Auf diese Weise lassen sich Nissen & Velten zufolge

relevante Fragen beantworten: Hat ein Kunde einen

schlechten Deckungsbeitrag aufgrund vieler Lieferungen

mit geringem Wert, einer hohen Retouren-Quote oder

einer zu hohen Rabatteinstufung? Verursacht er hohe

Vertriebskosten aufgrund vieler Angebote, aber nur

weniger kleiner Aufträge? Mit eNVenta Analytics lässt

sich die Analyse einer Kundengruppe, aller Kunden

eines Außendienstmitarbeiters oder auch eines Kunden

in einer Gruppe sowie von umsatzstarken oder umsatzschwachen

Kunden vornehmen, so der Anbieter weiter.

Aus der Übersicht heraus können nun interaktiv einzelne

Fälle betrachtet und im Detail analysiert werden. Ausreißer

und Problemfälle ließen sich schnell identifizieren

und hinsichtlich der Ursachen beurteilen.

Das Modul eNVenta Analytics bietet damit nun insgesamt

sechs Funktionsbereiche, die zum Teil auf Künstliche

Intelligenz beziehungsweise maschinellem Lernen

basieren: Neben der Kundenbewertung sind das die

Kundenbeobachtung, die Vorhersage Kundenverlust,

die Produktempfehlungen, die Preisoptimierung und

die kundenspezifische Preisvorhersage. Die neue Funktionalität

ist mit Version eNVenta ERP 4.3 zum Jahresende

2020 verfügbar. 2

26 Stahlreport 12|20


Smartphone-Anwendung „Timer“ von Kaltenbach.Solutions

Schnittzeit-Katalog für bessere Sägen-Auslastung

Wenn es um die konkrete Leistung

von einzelnen Sägen geht, ist der Stahlhandel

genauso wie die Stahlverarbeitung bisher

meist auf reine Schätzwerte angewiesen.

Auch erfahrene Mitarbeiter können

dazu nur ungefähre und immer auch subjektiv

gefärbte Angaben machen.

KALTENBACH.SOLUTIONS hat für dieses

Problem jetzt eine einfache Anwendung

entwickelt, die direkt über das Smartphone

verfügbar ist. Der innovative „Timer“ verbindet

die Anforderungen von Betriebsdaten-

und Maschinendatenerfassung zu

einer integrierten Lösung und passt zu allen

Sägemaschinen, ganz unabhängig von

ihrem Alter oder dem Hersteller.

Um die Schnitt- und Rüstzeiten auf dem

Smartphone zu zeigen, werden die aktuellen

Zeiten zunächst über eine an der Sägemaschine

angebrachte „boosterBOX“

erfasst. Die Bediener erstellen damit im

nächsten Schritt ihren individuellen

Schnittzeit-Katalog. Bei einer Säge können

die Schnittzeiten für mehrere hundert

Materialien festgehalten werden. Ein solcher

Schnittzeit-Katalog ermöglicht die präzise

Planung von Arbeitsschritten und hilft

dabei, kostensparende Entscheidungen zu

treffen.

Seit Anfang November verwenden führende

Unternehmen der Stahlbranche die mobile

webbasierte IoT-Technologie für ihre Sägemaschinen

– mit nachweisbarem Erfolg, so

das Unternehmen. Der „Timer“ helfe ihnen

dabei, präzise zu planen und schnell zu entscheiden,

welche Materialien auf welcher

Der „Timer“ von Kaltenbach.Solutions zeigt

aktuelle Sägedaten auf dem Smartphone.

Bild aus der PDF nehmen

Säge bearbeitet werden sollten. Außerdem

erleichtere die neue Lösung das Überprüfen

von Maschinen-Einstellungen, die

Durchführung von Benchmarks und die

Ermittlung echter Kosten. Besonders zufrieden

sind die Kunden dem Unternemen

zufolge mit der intuitiven Bedienbarkeit und

der unkomplizierten Plug & Play-Installation

innerhalb von 15 min. Da Kaltenbach.Solutions

den „Timer“ als Mietmodell anbietet,

entfallen hohe Investitionskosten, schon in

kurzer Zeit entstehe ein messbarer Mehrwert.

www.kaltenbach-solutions.com

Bild: Kaltenbach.Solutions

Neue Online-Veranstaltungsreihe

für Maschinenbauer

Transfluid bei „Netzwerk

Maschinenbau Südwestfalen“

Hightech-Maschinenbauer transfluid

aus Schmallenberg war im November

gastgebendes Unternehmen von „NEMAS

vor Ort digital“. Die digitale Veranstaltungsreihe

ist ein neues Format des „Netzwerk

Maschinenbau Südwestfalen“. In 45

min präsentieren sich dabei Maschinenbau-Unternehmen

mit ihren Produkten

und Dienstleistungen – digital, kompakt

und mit dem Ziel einer besseren Vernetzung

der Anbieter und Lieferanten.

„Nemas vor Ort“ bietet zur Förderung von

Austausch und Diskussion zudem eine

Vielzahl thematischer Schwerpunkte.

Aktuelle Branchenthemen werden ebenso

besprochen wie beispielsweise die Nutzung

bestimmter Maschinen oder etwa

Fragen der Personalentwicklung. Die neue

Veranstaltungsreihe stoße gerade in Zeiten

von Corona auf wachsendes Interesse,

so das Unternehmen. Schwerpunkte der

Präsentation von transfluid-Geschäftsführer

Produktion/Vertrieb Ludger Bludau

waren die Themen Digitalisierung und

Automatisierung. In seinem kompakten

Online-Beitrag ging es vor allem um die

Speicherung und Digitalisierung von spezifischem

Wissen in einer Wissensdatenbank

sowie die professionelle Bedienung

und Einrichtung von Robotern ohne Programmierkenntnisse.

Auch das automatische

Rüsten kompletter Werkzeugsysteme

stand auf der Agenda.

Info: www.transfluid.de

www.nemas-sw.de

Hohe Nachfrage nach WIG-Elektroden

Wolfram Industrie erweitert Produktionskapazitäten

Im Herbst 2020 haben in Nußdorf

die Bauarbeiten für den neuen Firmensitz

der Gesellschaft für Wolfram Industrie mbH

begonnen. Auf Grund der anhaltend guten

Nachfrage in allen Geschäftsbereichen, insbesondere

im Elektrodengeschäft, sowie

der Erweiterung der Servicedienstleitungen

sei die Vergrößerung dringend notwendig

geworden, so das Unternehmen. Der

Neubau bietet mit einer Nutzfläche von

7.000 m² etwa 40 % mehr Platz als die derzeitige

Unternehmenszentrale in Traunstein.

Parallel begannen im Oktober 2020

auch die Arbeiten für den Ausbau des

Schwesterunternehmens Bayerische

Metallwerke GmbH in Dachau. Die Gesamtinvestitionssumme

beträgt etwa 20 Mio. €.

www.wolfram-industrie.de

Stahlreport 12|20

27


BDS

XXXXX Research A XXXXX

Neueste Zahlen aus dem Bereich Research

Kein Herbstblues im Stahlhandel

Der Start ins Jahr 2020 verlief für die deutsche Stahldistribution recht ordentlich. Die Stimmung in

der Wirtschaft hatte sich etwas aufgehellt und man hatte den Eindruck, dass Nachholeffekte vom

Jahresende 2019 das Geschäft beflügelten. Dann kam „Corona“ und die Welt veränderte sich.

Immerhin war der Stahlhandel weitaus weniger negativ betroffen als andere Wirtschaftszweige.

Im Herbst konnten teilweise sogar bessere Absätze erzielt warden als im Jahr zuvor.

Die Marktlage ist jedoch gespalten und variiert je nach Abnehmerbranche.

Jörg Feger, Bereichsleiter

Research im

Bundesverband

Deutscher Stahlhandel

(BDS), berichtet

zusammenfassend

angesichts der ihm

bis einschließlich

Oktober 2020 vorliegenden

Zahlen.

Fragen zur

Statistik

beantwortet im

Bundesverband

Deutscher Stahl -

handel (BDS) Jörg

Feger, Prokurist

und Bereichsleiter

Research:

Feger-BDS@

stahlhandel.com

Foto: privat

Lagerabsatz

Der Jahresauftakt 2020 verlief für die

Branche recht dynamisch: Im Januar

wurden 975.000 t Walzstahlfertigerzeugnisse

abgesetzt. Dies entspricht

einem Plus von 2,4 % im Vergleich zum

Januar 2019. Mit knapp 937.000 t lag

auch der Februar über dem Vorjahresmonat.

Ursache hierfür war unter anderem

die niedrige Bestandslage in Händlerund

Verarbeiterlagern zum Jahreswechsel.

Noch dynamischer liefen die

Geschäfte im März, und dies trotz der

sich mit Wucht entfaltenden Corona-

Pandemie samt eingeleiteter Maßnahmen

zur Monatsmitte. Es wurden fast

1 Mio. t Walzstahlfertigerzeugnisse

abgesetzt.

Da schon größere Teile der stahlverarbeitenden

Industriezweige, allen

voran der Fahrzeug- und Maschinenbau,

Einbrüche im Auftragseingang

verzeichnet und Kurzarbeit angemeldet

hatten, ist anzunehmen, dass viele

Kunden aus Gründen der Versorgungssicherheit

über ihren aktuellen Bedarf

bestellt haben.

Im April und Mai traf dann

„Corona“ auch die deutsche Stahldistribution

mit erheblicher Wucht. Die

Absatzrückgänge lagen in diesen beiden

Monaten im Vergleich zu den Vorjahresmonaten

um durchschnittlich

zwischen 20 und 30 %.

Dieser Negativtrend konnte im Juni

gestoppt werden. Auch der Juli verlief

recht ordentlich. Enttäuschend hingegen

zeigte sich der August mit einem

Lagerabsatz von 815.000 t. Allenthalben

wurde berichtet, dass sich die

Urlaubszeit mehr als gewöhnlich

bemerkbar machte. Die Gegenbewegung

erfolgte im September. An 22

Arbeitstagen wurden in Summe

931.000 t verbucht. Der Oktober zeigte

sich sogar ausgesprochen stark. Mit

980.000 t Lagerabsatz wurde die Vorjahrestonnage

um 5 % übertroffen.

Besonders erfreulich war die Entwicklung

bei Bandblech, Kaltgewalztem

und Oberflächenveredeltem Blech.

Nach wie vor ist festzuhalten, dass

sich die Auftragslage je nach Abnehmerbranche

deutlich unterscheidet.

Die Bauwirtschaft ist immer noch das

Zugpferd der Konjunktur, der Automobil-

und Maschinenbau hängen in

weiten Teilen zurück. So konnte der

Lagerabsatz bei Betonstahl in den ersten

zehn Monaten des Jahres fast zweistellig

zulegen während bei Blechen

zum Teil deutliche Rückgänge zu beobachten

waren.

Lagerbestand

Im Dezember 2019 wurden 2,03 Mio. t

Lagerbestand gemeldet – der niedrigste

Jahresendbestand seit 1996. Im Januar

erfolgte dann ein moderater Aufbau,

der bei allen Produktgruppen zu beobachten

war. Ungewöhnlicherweise

reduzierte sich im Februar der Bestand

wieder ein wenig. Die Monate März,

April und Mai zeigten krisenbedingt

nicht den saisonal üblichen Aufbau

der Bestände. Auch zwischen Juni und

Oktober veränderten sich die Läger

kaum. Am 31. Oktober 2020 lag der

Bestand mit 2,12 Mio. t um 4,5 % niedriger

als im Oktober 2019.

Lagerreichweite

Die durchschnittliche Lagerreichweite

bei Walzstahlfertigerzeugnissen lag

im Jahr 2019 bei 2,7 Monaten bzw. 81

Tagen. Damit bewegte sie sich in etwa

auf dem Niveau des Vorjahres. Im

Januar und Februar 2020 lag die Lagerreichweite

bei guten Absätzen und wei-

terhin sehr geringen Beständen bei

niedrigen 2,2 Monaten bzw. 66 Tagen.

Im März war sie aufgrund des hohen

Lagerabsatzes sogar noch etwas niedriger

und belief sich auf 2,1 Monate.

Die starken Rückgänge der Lagerabsätze

im April und Mai ließen die

Lagerreichweiten in die Höhe schnellen.

Im Laufe des Sommers nahmen sie wieder

die gewohnten Dimensionen an.

Im Oktober lag die Reichweite vor dem

Hintergrund guter Absätze und niedriger

Bestände bei 2,2 Monaten. Dies

entspricht 66 Tagen (vgl. Abbildung 1).

Lagerverkaufspreise

Den Angaben des BDS-Marktinformationsverfahrens

für durchschnittliche

Verkaufspreise im kleinlosigen Bereich

zufolge gaben die Preise in den meisten

Monaten des Jahres 2019 bei nahezu

allen Produkten nach. Diese Rückgänge

waren bei Rohren und den meisten

Flachprodukten ausgeprägter als bei

Langprodukten. Gegen Ende des Jahres

konnten vereinzelt auch wieder leichte

Preissteigerungen festgestellt werden.

Diese Tendenz setzte sich am

Anfang des Jahres 2020 fort. Gerade

im Februar und März konnte ein teilweise

spürbarer Preisaufbau festgestellt

werden, der sich, unterschiedlich

ausgeprägt, über alle Produktgruppen

erstreckte.

Der April zeigte sich hingegen

uneinheitlich. Teilweise wurden leichte

Preisrückgänge festgestellt. Dies war

auch im Mai der Fall. Im Juni wurden

bei allen Produktgruppen sinkende

Verkaufspreise beobachtet. Dieser

Trend setzte sich mit einigen Ausnahmen

im Juli und August fort. Im September

und Oktober legten die Verkaufspreise

bei fast allen Produkten

zu (vgl. Abbildungen 2 und 3). 2

28 Stahlreport 12|20


Lagerabsatz und Lagerreichweite der Stahldistribution Abb. 1

n Absatzindex (2007 = 100)

140

120

100

80

60

40

20

0

90

Ø

2016

97

Ø

2017

94

Ø

2018

90

Ø

2019

88

78 75 81 81 75

Ø

2020

n Lagerreichweite in Tagen

200

180

160

94

98 100

89

94

89 93

98

140

82 82

74

120

68

54

100

54

80

60

40

72 72 114 66 66 63 87 96 78 72 78 69 66

20

0

Okt. Nov. Dez. Jan. Feb. März April Mai Juni Juli Aug. Sep. Okt.

2019 2019 2019 2020 2020 2020 2020 2020 2020 2020 2020 2020 2020

Absatz und Lagerreichweite

der

Stahldistribution

Preisentwicklung bei Langprodukten Abb. 2

160

Index (Januar 2010 = 100)

Preisentwicklung

bei Langprodukten

150

140

130

120

110

100

90

Formstahl Breitflanschträger Stabstahl Betonstahl in Stäben Betonstahlmatten

Preisentwicklung bei Flachprodukten und Rohren Abb. 3

Index (Januar 2010 = 100)

150

140

130

120

110

100

90

80

1. Q. 2010

2. Q. 2010

3. Q. 2010

4. Q. 2010

1. Q. 2011

2. Q. 2011

3. Q. 2011

4. Q. 2011

1. Q. 2012

2. Q. 2012

3. Q. 2012

4. Q. 2012

1. Q. 2013

2. Q. 2013

3. Q. 2013

4. Q. 2013

1. Q. 2014

2. Q. 2014

3. Q. 2014

4. Q. 2014

1. Q. 2015

2. Q. 2015

3. Q. 2015

4. Q. 2015

1. Q. 2016

2. Q. 2016

3. Q. 2016

4. Q. 2016

1. Q. 2017

2. Q. 2017

3. Q. 2017

4. Q. 2017

1. Q. 2018

2. Q. 2018

3. Q. 2018

4. Q. 2018

1. Q. 2019

2. Q. 2019

3. Q. 2019

4. Q. 2019

1. Q. 2020

2. Q. 2020

3. Q. 2020

4. Q. 2020

1. Q. 2010

2. Q. 2010

3. Q. 2010

4. Q. 2010

1. Q. 2011

2. Q. 2011

3. Q. 2011

4. Q. 2011

1. Q. 2012

2. Q. 2012

3. Q. 2012

4. Q. 2012

1. Q. 2013

2. Q. 2013

3. Q. 2013

4. Q. 2013

1. Q. 2014

2. Q. 2014

3. Q. 2014

4. Q. 2014

1. Q. 2015

2. Q. 2015

3. Q. 2015

4. Q. 2015

1. Q. 2016

2. Q. 2016

3. Q. 2016

4. Q. 2016

1. Q. 2017

2. Q. 2017

3. Q. 2017

4. Q. 2017

1. Q. 2018

2. Q. 2018

3. Q. 2018

4. Q. 2018

1. Q. 2019

2. Q. 2019

3. Q. 2019

4. Q. 2019

1. Q. 2020

2. Q. 2020

3. Q. 2020

4. Q. 2020

Preisentwicklung bei

Flachprodukten und

Rohren

Quelle: BDS

Quartoblech Bandblech Kaltgewalztes Blech OV Blech Quad. & RE-Rohr Nahtloses Rohr

Stahlreport 12|20

29


BDS

Interview

Foto: BDS/mh

Interview mit Oliver Ellermann

„Unsere Branche ist widerstandsfähig“

Corona everywhere – fast jedes Thema wird in diesem besonderen Jahr darauf hin abgeklopft, welche Auswirkungen

der Virus darauf hat. Der Stahlhandel-Jahresrückblick ist da keine Ausnahme. Wie die Branche bisher durch die Krise

gekommen ist und welche Fragen die Mitgliedsunternehmen in der Pandemie an den BDS hatten und haben,

beschreibt Oliver Ellermann, Vorstand des BDS, im Interview mit dem Stahlreport.

Corona hat der Wirtschaft

weltweit enorme Einbußen gebracht,

auch in Deutschland. Wie stark war

und ist der Stahlhandel von der Pandemie

betroffen?

Oliver Ellermann: Wir müssen diese

Frage nach Abnehmerbranchen

getrennt betrachten: Den größten

Treffer mussten Automotive und

Fahrzeugbau und somit die SSCs

innerhalb der Stahldistribution hinnehmen.

Leider hat es den Maschinenbau

mit den artverwandten

Industrien ebenfalls schwer erwischt.

Dies hatte massive Auswirkungen

auf diejenigen Stahlhändler, die sich

mit den hierfür relevanten Produktgruppen

be schäftigen. Allerdings

schwächelte der Maschinenbau

bereits im Herbst 2019, da war für

uns alle der Virus noch kein Thema.

Die Bauwirtschaft ist bis zur Stunde

gut durch diese Phase durchgekommen.

Auch das baunahe Handwerk

konnte sich somit behaupten.

Hat die „2. Welle“ genauso gravierende

Auswirkungen wie der Beginn

der Pandemie im März?

Nein, wir sahen zuletzt sogar einen

ordentlichen November, sowohl

arbeitstäglich als auch in Summe.

Eine Besonderheit stellt für uns die

aktuelle Beschaffungssituation und

das Kaufverhalten unserer Kunden

zum bevorstehenden Jahreswechsel

dar. Eventuell haben wir es mit kurzfristig

steigenden Einkaufspreisen

auf der Werksseite und mit Hamsterkäufen

auf der Kundenseite zu

tun. Ein zeitgleiches Auftreten dieser

Effekte sorgt vielleicht für einen kleinen

Pseudo-Boom, der sich als nicht

nachhaltig herausstellen könnte.

Wie sind die weiteren konjunkturellen

Aussichten für die Branche?

Sehen Sie Licht am Konjunkturhorizont?

Es herrscht doch keine Dunkelheit!

Die Bauindustrie mit dem baunahen

Handwerk wird uns bis weit über

das Jahr 2021 hinaustragen, da sind

sich Verbände und Institute so einig

wie selten zuvor. Der Maschinenbau

berappelt sich langsam wieder und

auch vom Automobil- und Fahrzeugbau

hört man, dass die Abrufe

schrittweise wieder zurückkommen.

Wie sehen Sie den Stahlhandel in der

Pandemie insgesamt aufgestellt? Ist

die Branche resilient genug, um diese

Krise unbeschadet, vielleicht hier und

da auch gestärkt, zu überstehen?

Wir werden im aktuellen Jahr 2020

wohl einen Rückgang von 6 % zum

30 Stahlreport 12|20


Vorjahr hinnehmen müssen. Das ist

ärgerlich, aber da haben wir schon

viel schlimmere Zeiten gesehen.

Unsere Produktions-, Anarbeitungsund

Lagerkapazitäten standen unseren

Kundenbranchen immer zur

Verfügung. Auch im Vertrieb sowie

im Einkauf und in der Abwicklung

gibt es nichts zu meckern. Wir sind

als Stahlhandel in Deutschland hervorragend

aufgestellt und werden

mit einem geschärften Profil aus

dieser Phase hervorgehen.

uns in eine hoffentlich bald einsetzende

Post-Pandemie-Phase führen

wird.

„Unsere Widerstandsfähigkeit zeigt sich

vor allem darin, dass wir die Lieferketten

aufrechterhalten haben: Beschaffungsseitig

und absatzseitig sind wir nicht ein einziges

Mal in Schwierigkeiten geraten!“

Gibt es aus Ihrer Sicht Bereiche im

Stahlhandel, die sich durch die Pandemie

dauerhaft ändern oder schon

geändert haben?

Zum Glück wurde in den Bereichen

Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz

in den letzten zwanzig Jahren

viel getan, daher waren wir gut vorbereitet.

Neu ist für den Bereich der

Büroarbeit das Thema Homeoffice/

Mobile Office. Hier konnten zum

Teil echte Quantensprünge erzielt

werden. Es ist anzunehmen, dass

wir nach der Pandemie auch weiterhin

von dieser Möglichkeit

Gebrauch machen werden.

Es gab seit März Momente, in denen

sich auch weit einschneidendere

Konsequenzen für Gesellschaft und

Wirtschaft abzeichneten. Was hat

Ihnen persönlich in solchen Momenten

Hoffnung gemacht, dass die

Krise überstanden werden kann?

Der Zusammenhalt der Menschen

in Deutschland ist nach wie vor

hoch. In vielen Gesprächen mit den

Stahlakteuren vor Ort oder am Telefon

konnte ich mich von der optimistischen

Grundhaltung überzeugen,

die unsere Branche antreibt.

Das Jahr 2021 spielt dabei eine

Rolle als Übergangsjahr, welches

In Krisenzeiten besteht allgemein

ein erhöhter Informations- und Kommunikationsbedarf.

Es gab viele

kurzfristige Änderungen und Maßnahmen

der Politik, Unternehmen

mussten immer wieder schnell handeln.

Wie hat der BDS auf die Corona-

Pandemie reagiert?

Wir sind zunächst chronologisch vorgegangen,

um die dringendsten Fragestellungen

zu beantworten: Wie

gehen wir kunden- und lieferantenseitig

mit möglichen Einschränkungen

um? Welche Auswirkungen

könnten arbeitsrechtlich auf uns

zukommen? Wie ist überhaupt die

Stimmung und wie sind die Erwartungen?

Das lief zuerst über Umfragen

und Rundschreiben per Post und

E-Mail. Darüber hinaus konnten wir

mit Webinaren den vorrangigen Klärungsbedarf

bedienen. Ein Kernthema

war sicherlich das Insolvenzaussetzungsgesetz

in Verbindung mit dem

WKV-Rettungsschirm. Hier konnte

sich der BDS als Impulsgeber in

Zusammenarbeit mit den Kollegenverbänden

hervortun, um in einer

schwierigen Lage eine für alle Beteiligten

vertretbare Lösung herbeizuführen.

Welche Auswirkungen hatte und hat

die Pandemie auf die berufliche Weiterbildung

des BDS?

Inhaltlich zunächst keine. Fraglich

ist, auf welchem „Vertriebsweg“ die

Inhalte den Lernenden zukünftig

erreichen werden. Da wir vor Jahren

das BDS-Fernstudium digitalisiert

haben und seit Ende 2018 für die

Azubis in Deutschland ein modulares

Programm im E-Learning auf-

bauen, haben wir hier die Nase

vorne. Deswegen wird der BDS Themen

wie Prüfbescheinigungen, Lkw-

Fahrer als Vertriebsmitarbeiter oder

Krisenbewältigung im Stahlhandel

im neuen Jahr 2021 auch online

anbieten können. Anders stellt es

sich bei den Produktseminaren dar,

welche zwingend einen Stahlwerksbesuch

erforderlich machen. Hier

ist die Präsenz ein integraler

Bestandteil, der nur unzulänglich

durch Digitales ersetzt werden kann.

Dies betrifft auch unser Azubi-

Knigge-Seminar oder die erfolgreichen

Verkauf-Trainings, die aufgrund

von Rollenspielen und

Praxisteilen ohne die analoge Anwesenheit

kaum durchführbar sind.

Corona hat viel Unsicherheit

gebracht. So gut wie alle Messen

und Veranstaltungen wurden verschoben

oder abgesagt, unter anderem

gleich zweimal die Tube. Das

aktuelle Jahr ist nun so gut wie vorbei.

Wie geht der BDS ins kommende

Jahr?

Das Thema Messen und Veranstaltungen

bleibt auch nächstes Jahr

noch schwierig und wir werden vermutlich

noch einige Absagen erleben.

Bei der Blechexpo im November

2021 sind wir aus heutiger Sicht

nicht mit einem Gemeinschaftsstand

dabei. Und auch zum Stahlhandelstag,

der ursprünglich für den September

2021 in Magdeburg geplant

war, können wir noch keine Prognose

abgeben.

Angesichts der Situation haben

aber auch wir eine Onlineveranstaltung

für das kommende Jahr entwickelt:

Wir haben unseren „Digi-Day“,

wie sollte es auch anders sein, nach

dem großen Erfolg im Jahr 2019 digitalisiert:

Das Format findet am 28.

Januar 2021 vormittags als Livestream

statt, vor allem, um allen

Beteiligten sichere Rahmenbedingungen

in Pandemiezeiten anbieten

zu können. Wir haben wieder ein

abwechslungsreiches Programm

zusammengestellt mit spannenden

Inhalten rund um die Digitalisierung

im Stahlhandel.

Herr Ellermann, vielen Dank für das

Gespräch.

Stahlreport 12|20

31


BDS

Berufsbildung

BDS-eLearning

Stahlhandels-Knowhow für Auszubildende

Auszubildende haben viel zu lernen: Wie man sich im beruflichen Alltag zurechtfindet, gut mit den

Kolleginnen und Kollegen zurechtkommt – und nicht zuletzt eine Menge Stahlhandels-Fachwissen.

Für das Letztere steht den Nachwuchskräften mit dem BDS-eLearning für Auszubildende nun ein

geeignetes Lernprogramm zur Verfügung – bei dem auch die Unternehmen profitieren.

Was genau ist eigentlich Formstahl? Welche Verfahren

zur Blankstahlherstellung gibt es – und was

bedeuten sie für die Eigenschaften des Produkts? Diese

und viele weitere Fragen kommen im Betriebsalltag

jeden Tag auf Auszubildende zu. Auch wenn sich die

überwiegende Zahl der Unternehmen mit der Ausbildung

Mühe gibt und etwa interne Weiterbildungen anbietet

sowie Betreuerinnen und Betreuer an die Seite der jungen

Leute stellt – in der systematischen Aneignung des

nötigen Branchenwissens bestehen oft Lücken. Gerade

wenn es um Wissen geht, das im eigenen Haus nicht

im Fokus steht, etwa Produktbereiche oder Anarbeitungsdienstleistungen,

die nicht angeboten werden,

fehlen den Auszubildenden diese Bereiche.

In diese Lücke springt das BDS-eLearning-Programm

für Auszubildende, das der Verband aktuell entwickelt

und das Mitgliedsunternehmen des BDS ab sofort nutzen

können.

Wie es funktioniert

Für das eLearning-Programm hat der BDS sich alle relevanten

Themen des Stahlhandels vorgenommen und

mundgerechte Lerneinheiten daraus entwickelt – etwa

die Lerneinheit „Betonstahl“, „Blankstahl“, „Stahlherstellung“

und „Werkstoffprüfung“. Derzeit sind rund

zehn Lerneinheiten fertiggestellt, insgesamt sollen es

im Laufe des kommenden Jahres rund 40 bis 50 Einheiten

werden, eingeteilt in die Bereiche „Werkstoff-

kunde“, „Produktkunde“ und „Verfahren“. Jede Einheit

enthält die drei Bausteine Wissensvermittlung, Wiederholung

und Überprüfung. Zur Verfügung gestellt

werden die Einheiten unternehmensindividuell auf

einer eigens gestalteten Lernplattform. Die Inhalte sind

für Auszubildende somit jederzeit verfügbar – egal ob

auf dem Smartphone, zu Hause auf dem Tabelt oder auf

dem Rechner im Unternehmen.

Ausbildungsverantwortliche

behalten den Überblick

Aber auch für die Ausbildungsverantwortlichen und

die Unternehmen ist das eLearning-Programm von Vorteil.

Über die Lernplattform können Sie sich Analysen

und Berichte zum Stand des Lernfortschritts ihrer Auszubildenden

ansehen und benachrichtigt werden. Damit

steht ein hervorragendes Instrument zur Steuerung des

Lernens zur Verfügung, das als Grundlage für die individuelle

Betreuung der Auszubildenden dient. Das Lernen

kann so besser begleitet werden, Defizite und Stärken

schneller erkannt und behoben bzw. besser gefördert

werden.

Wer das BDS-eLearning-Programm kennenlernen

möchte, kann es mit einer vierwöchigen Demoversion

ausgiebig testen. 2

Weitere Infos & Link zur Demoversion unter

www.stahlhandel.com/elearning

32 Stahlreport 12|20


Jetzt auch Online-Veranstaltungen im Programm

Neue Seminare, neue Formate

Die Berufsbildung bleibt auch in Corona-Zeiten ein wichtiges Thema. Das BDS-Seminarprogramm

greift die aktuellen Entwicklungen auf und ergänzt die Präsenzveranstaltungen um neue Online-

Formate. Neben neuen Themen wie „Der kundenorientierte Auslieferungsfahrer“ sind im kommenden

Jahr weiterhin Stahlhandels-“Klassiker“ wie das bewährte Stahlkundeseminar Teil des

Seminarangebots. Einige Seminare in der Vorschau.

Prüfbescheinigungen

und Produkthaftung

19.01.2021 | Online-Seminar

BDS-Mitglieder: € 349,00 | regulär: € 499,00

Die technische und wirtschaftliche Bedeutung von

Prüfbescheinigungen gemäß DIN 10204 nimmt ständig

zu. Heute wird kaum mehr ein Stahlerzeugnis

ohne eine solche Bescheinigung vertrieben.

Ungewöhnlichen Zeiten begegnen –

mit Krisen und Stress klarkommen

26. und 28.01.2021 | Online-Seminar

BDS-Mitglieder: € 569,00 | regulär: € 729,00

Ab morgen im Homeoffice – mit Corona müssen sich

auch im Stahlhandel viele Mitarbeiter/innen auf eine

schlagartig veränderte Arbeits- und Lebensumgebung

einstellen.

Stahlkunde

16.-18.02.2021 | Dortmund

BDS-Mitglieder: € 819,00 | regulär: € 1.009,00

Stahl ist überall. Nur mit Hintergrundwissen aber

gelingt es, die Vielfalt dieses wichtigsten industriellen

Werkstoffs zu erkennen und damit die Gründe für

den ihm innewohnenden Nutzen zu erklären.

Der kundenorientierte

Auslieferungsfahrer

26./27.02.2021 | Online-Seminar

BDS-Mitglieder: € 429,00 | regulär: € 579,00

Vertrieb – das ist nicht nur das direkte Verkaufsgespräch

am Telefon oder im Außendienst. Vertrieb findet

vielmehr immer statt, wenn Kontakt zu Kunden

besteht!

Das komplette Jahresprogramm, alle Informationen & Anmeldung zu den Seminaren unter

www.stahlhandel.com/seminare

Alle Informationen zum BDS-Fachmagazin online

Stahlreport bekommt eigene Webseite

Der Stahlreport, das BDS-Fachmagazin für Handel, Produktion &

Verarbeitung, hat einen eigenen Webauftritt bekommen. Unter

www.stahlreport.com sind ab sofort alle Services rund um die Fachzeitschrift

online zugänglich – vom Abo-Angebot über ein Heftarchiv bis hin zu den

Mediadaten für Anzeigenkunden. Zur neuen Webseite gehört auch ein Messeund

Veranstaltungskalender, der kontinuierlich aktualisiert wird und über

speziell für den Stahlhandel und verwandte Branchen relevante Termine

informiert – egal ob am Rechner im Büro oder auf dem Smartphone oder Tablet

unterwegs oder zuhause. Im übersichtlichen, modernen Design bündelt der

BDS mit www.stahlreport.com alle Informationen rund um das Fachmagazin.

www.stahlreport.com

Stahlreport 12|20

33


BDS

Bericht

Wenn die Abnahme verweigert wird: „Das können wir doch sowieso nicht beweisen!“

Ist eine Auftragsbestätigung bindend?

Verpflichtet bereits die Auftragsbestätigung zur Abnahme und Zahlung des Kaufpreises? Immer wieder kommt es

vor, dass Stahlhändler mit ihren Abnehmern nicht nur über Details in einem Kaufvertrag wie die Einhaltung von

Lieferfristen, Berechtigung von Zuschlägen, etc. streiten. Vielmehr wird von Käuferseite häufig der Vertragsschluss

gänzlich bestritten. Dann stellt sich für den Stahlhändler die Frage, ob er gegen den Käufer einen Anspruch auf

Abnahme des Stahls und Zahlung des Kaufpreises hat. Rechtsanwalt Dr. Thorsten Hauröder, Henseler & Partner

Rechtsanwälte mbB, gibt Auskunft.

Konstellationen solcher Fälle

sind mannigfaltig und stets eine

Frage des Einzelfalls. Auf alle Situationen

kann an dieser Stelle daher

nicht eingegangen werden. Auch stellen

sich solche Fragen in der Regel

nicht, wenn bereits Teilmengen geliefert

und bezahlt wurden. Probleme

tauchen allerdings dann auf, wenn

sich der Käufer weigert, überhaupt

einen Abruf zu tätigen und damit

eine Lieferung auszulösen.

Hierzu zwei Beispiele aus den

letzten Monaten, die Gegenstand von

Rechtsstreitigkeiten vor zwei Landgerichten

waren. Stahlhändler A verhandelt

mit dem Bauunternehmer B

über die Lieferung bestimmter Mengen

Betonstabstahl und Betonstahlmatten

zu einem bestimmten Preis.

Als Festlaufzeit wird ein bestimmtes

Enddatum vereinbart bzw. es wird

vereinbart, dass der Betonstahl bis

zu einem bestimmten Datum vollständig

abgenommen werden muss.

Wenn die Abnahme

verweigert wird

Wie in der Praxis allerdings häufig

anzutreffen, schließen der Stahlhändler

A und der Bauunternehmer B

darüber keinen schriftlich fixierten

Kaufvertrag, den beide Parteien mit

ihrer Unterschrift unterzeichnen.

Vielmehr erfolgen die Korrespondenz

und die Verhandlungen per E-Mail,

telefonisch und/oder anlässlich persönlicher

Besprechungen. Nachdem

sich die Parteien – aus Sicht des

Stahlhändlers – über die wesentlichen

Vertragsbestandteile wie zu liefernde

Menge und Kaufpreis verständigt

haben, lässt der Stahlhändler

dem Bauunternehmer eine Auftragsbestätigung

zukommen. Der Bauunternehmer

erhält diese Auftragsbestätigung

auch, reagiert darauf jedoch

nicht. Mehrere Monate ziehen ins

Land. Ein Abruf seitens des Bauunternehmers

erfolgt hingegen nicht.

Daraufhin ruft der Stahlhändler den

Bauunternehmer an und fragt, wann

denn mit dem ersten Abruf zu rechnen

sei. Der Bauunternehmer erwidert,

es sei doch überhaupt kein Kaufvertrag

zustande gekommen, sodass

er zur Abnahme auch nicht verpflichtet

sei. Wer hat Recht?

Wer kann was beweisen?

In rechtlicher Hinsicht sind diese

Fragen in der Regel leicht zu beantworten.

Ein Vertrag kommt durch

Angebot und Annahme zustande.

Anhand der Korrespondenz und

Absprachen muss dann lediglich

geprüft werden, in welcher Erklärung

oder Handlung das Angebot und wo

die Annahmeerklärung lag.

Darauf kommt es allerdings häufig

und zwar insbesondere im Rahmen

einer gerichtlichen Auseinandersetzung,

also im Rahmen eines

Gerichtsprozesses, nicht an. Denn

dort sind die entscheidenden Fragen:

Wer kann was beweisen? Wem

34 Stahlreport 12|20


Foto: Henseler & Partner

„Überspitzt formuliert läuft es darauf hinaus, dass

nicht der Stahlhändler den Vertragsschluss beweisen

muss, sondern vielmehr der Käufer den fehlenden

Vertragsschluss beweisen muss.“

Rechtsanwalt Dr. Thorsten Hauröder, Henseler & Partner Rechtsanwälte mbB

Diese Umstände werden allerdings

häufig in einem Prozess unstreitig

sein. Der Stahlhändler muss hier

also nichts beweisen.

Demgegenüber muss der Bauunternehmer/Käufer

beweisen,

z dass er dem Inhalt des Bestätigungsschreibens

unverzüglich, in

der Regel innerhalb einer Woche,

widersprochen hat,

z dass der Inhalt des Bestätigungsgelingt

der Beweis und kann sich

somit durchsetzen?

Die gerade dargestellte Konstellation

ist hierbei für den Stahlhändler

sehr häufig von großem Vorteil, da

er einen Vertragsschluss anhand

einfacher Kriterien beweisen kann.

Dies behandelt die Rechtsprechung

unter dem Stichwort „kaufmännisches

Bestätigungsschreiben“.

Auftragsbestätigung

kann ausreichen

Grundsätzlich gilt: Das Schweigen

auf eine Erklärung bedeutet keine

Zustimmung. Aber: Das Schweigen

auf ein kaufmännisches Bestätigungsschreiben

führt sehr wohl zu

einer Zustimmung und damit häufig

zu einem Vertragsschluss.

In der Regel muss der Stahlhändler

beweisen, dass anlässlich eines

bestimmten Telefonates oder eines

persönlichen Treffens ein Vertrag

zustande gekommen ist. Dieser

Beweis wird ihm häufig nicht gelingen.

Denn wenn der Käufer/Bauunternehmer

dies bestreitet, dann entsteht

in einem Prozess häufig eine

Pattsituation. Und diese Pattsituation

geht zulasten desjenigen, der

den bestimmten Umstand, hier also

den Vertragsschluss, beweisen

muss.

Lässt allerdings der Stahlhändler

dem Bauunternehmer im

Anschluss an das Telefonat oder

das Gespräch eine Auftragsbestätigung

zukommen, dann wird diese

unter bestimmten Voraussetzungen

von der Rechtsprechung als sogenanntes

kaufmännisches Bestätigungsschreiben

angesehen. Erfolgt

darauf kein Widerspruch, dann gilt

der Vertrag als geschlossen und

zwar auf Grundlage der Auftragsbestätigung.

Im Gerichtsverfahren

kommt es dann darauf an, wer was

hierfür beweisen muss.

Der Stahlhändler muss beweisen,

z dass beide Parteien Kaufleute sind,

z dass zwischen den Parteien Vertragsverhandlungen

stattgefunden

haben,

z dass der Stahlhändler ein Bestätigungsschreiben

unmittelbar nach

den Verhandlungen versendet hat

und dieses dem Bauunternehmer

zugegangen ist.

schreibens in erheblichem Umfang

von dem Inhalt der vorherigen Vertragsverhandlungen

abweicht.

Meistens wird bereits unstreitig sein,

dass ein Widerspruch nicht erfolgt

ist. Dann hilft dem Käufer nur, dass

er den letzten Aspekt beweisen kann.

Dieser Beweis wird ihm in der Regel

nicht gelingen.

Wenn der Käufer durch das

Gericht damit konfrontiert wird,

lenkt er häufig ein – so auch in den

oben erwähnten Gerichtsverfahren

vor den Landgerichten. Der Stahlhändler

konnte sich also durchsetzen

und erreichte die Abnahme des

Betonstahls sowie Zahlung des Kaufpreises.

Merken Sie sich also: Liegt eine

Auftragsbestätigung seitens des

Stahlhändlers vor und hat der Käufer

dieser nicht innerhalb einer

Woche widersprochen, stehen die

Chancen für den Stahlhändler sehr

gut, sich vor Gericht mit einer Klage

durchzusetzen. 2

Stahlreport 12|20

35


Messen

und Märkte

Termine

Foto: Messe Düsseldorf, Constanze Tillmann

wire und Tube 2022

Nach der Absage der internationalen Weltleitmessen wire und Tube 2020 aufgrund des aktuellen Covid-19-Infektionsgeschehens,

finden die nächsten Auflagen turnusgemäß vom 9. bis 13. Mai 2022 statt. „Wir freuen uns darauf,

Aussteller und Besucher wieder persönlich in Düsseldorf willkommen zu heißen“, sagte Daniel Ryfisch, Project

Director wire / Tube & Flow Technologies. „Corona hat gezeigt, dass die Digitalisierung viele Vorteile mit sich bringt.

Aber sie kann persönliche Begegnungen, Gespräche und Kontakte nicht ersetzen.“ Wie gewohnt wird die wire in den

Hallen 9 bis 17 und die Tube in den Hallen 1 bis 7.0 zu finden sein. Unternehmen, die auf der wire und Tube 2022

ausstellen möchten, können sich bereits ab Ende März 2021 anmelden. Der offizielle Anmeldeschluss liegt im Sommer

2021. Die genauen Daten werden von der Messe Düsseldorf noch bekannt gegeben.

www.tube.de

www.wire.de

EuroBLECH 2021

verschoben

Die nächste Euroblech findet turnusmäßig

erst wieder 2022, vom 25. bis 28. Oktober,

statt. Das teilte der Veranstalter, Mac

Brooks Exhibitons,

im November 2020

mit. Diese Entscheidung

sei im Hinblick

auf die Covid-19-

Pandamie nach

Gesprächen mit Ausstellern

und Partnern

getroffen worden. Im

kommenden Jahr soll

eine Reihe von digitalen Events stattfinden.

Genauere Informationen zum Zeitplan der

Veranstaltungen will das Euroblech-Team

noch bekanntgeben.

www.euroblech.de

Digital in NRW

Online-Workshop

„Agil führen“

Unter dem Motto Digital in NRW findet am

11. Dezember 2020 von 10 bis 12:30 h der

Online-Workshop „Wie agile Führung richtig

funktioniert – auch im Home-Office“ statt.

In diesem Online-Event wird Führungskräften

ganz konkret und praxisnah vermittelt,

was agile Führung ausmacht und wie sie –

auch beim digitalen Arbeiten zwischen

Home & Office – erfolgreich gelingen kann.

www.digital-in-nrw.de

DGM-Online-Live-Fortbildung

Ermüdungsverhalten

metallischer Werkstoffe

Vom 23. bis 25. Februar 2021 findet die

Online-Fortbildung „Ermüdungsverhalten

metallischer Werkstoffe“ der Deutschen

Gesellschaft für

Materialkunde e.V.

(DGM) statt. In der

Fortbildung werden

die verschiedenen

Aspekte der Thematik

Materialermüdung

auf der Basis

der zugrundeliegenden

werkstoffkundlichen

Vorgänge dargestellt

und die sich

daraus ergebenden

Konsequenzen für

den Werkstoffeinsatz und die -Auslegung

aufgezeigt. Durch die Vorträge mit Vorlesungscharakter

werde ein solides Grundverständnis

unter Berücksichtigung des multidisziplinären

Charakters des Themas

vermittelt.

Anmeldung und weitere Infos unter

https://bit.ly/dgmermuedungsverhalten

DGM

Titan und Titanlegierungen

Vom 17. bis 18. März 2021 findet die

online-Fortbildung „Titan und Titanlegierungen“,

veranstaltet von der Deutschen

Gesellschaft für Materialkunde (DGM), statt.

Die Fortbildung wendet sich primär an

Metallkundler, Ingenieure und Techniker

aus Forschung, Entwicklung, Herstellung

und Anwendung sowie Vertrieb, die sich mit

Titan und seinen Legierungen vertraut

machen wollen. Neben einführenden Vorträgen

über metallkundliche Grundlagen wird

auf Herstellung, Verarbeitung und Eigenschaften

der Titanlegierungen eingegangen.

Darüber hinaus werden klassische und

neuere Anwendungen des Titans vorgestellt.

www.dgm.de

36 Stahlreport 12|20


Messekalender

Datum Messe Ort Info

11.12.2020 Wie agile Führung richtig funktioniert – auch im Home-Office online www.digital-in-nrw.de

13.-15.01.2021 BAU Online, Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme München www.bau-muenchen.de

28.1.2021 BDS-DigiDay online www.stahlhandel.com

21.-24.02.2021 Internationale Eisenwarenmesse Köln www.eisenwarenmesse.de

23.-27.02.2021 METPACK, Weltleitmesse für Metallverpackungen Essen www.metpack.de

25.2.-3.3. Interpack – Processing & Packaging Düsseldorf www.interpack.de

2.-5.03.2021 INTEC, Internationale Fachmesse für Werkzeugmaschinen, Fertigungs- und

Leipzig www.messe-intec.de

Automatisierungstechnik

2.-5.03.2021 Z, Internationale Zuliefermesse für Teile,

Leipzig www.zuliefermesse.de

Komponenten, Module und Technologien

9.-12.03.2021 EuroBLECH, Internationale Technologiemesse für Blechbearbeitung

verschoben auf Oktober 2022

Hannover www.euroblech.com

16.-18.03.2021 EuroCIS, The Leading Trader Fair for Retail Technology Düsseldorf www.eurocis.com

17.-18.03.2021 Titan und Titanlegierungen online www.dgm.de

17.-19.03.2021 Made in Steel Mailand/Italien www.madeinsteel.it

23.-26.03.2021 METAV, Internationale Messe für Technologien der Metallbearbeitung Düsseldorf www.metav.de

12.-16.4.2021 CeMAT 2021 Hannover www.hannovermesse.de

12.-16.4.2021 Hannover Messe 2021 Hannover www.hannovermesse.de

14.-16.04.2021 DST Dreh- und Spantage Südwest Villingen- www.DSTsuedwest.de

Schwenningen

4.-6.05.2021 SENSOR + TEST, Messtechnik-Messe Nürnberg www.sensor-test.de

4.-7.05.2021 Control, Internationale Fachmesse für Qualitätssicherung Stuttgart www.control-messe.de

5.-6.05.2021 Stainless 2021 Brünn www.stainless2021.com

18.-20.5.2021 Aluminium Düsseldorf www.aluminium-exhibition.com

18.-20.05.2021 Fastener Fair, Internationale Fachmesse der Verbindungs- und Befestigungsbranche Stuttgart www.fastenerfair.com

26.-29.05.2021 Lamiera Mailand www.lamiera.net

8.-10.06.2021 CastForge, Fachmesse für Guss- und Schmiedeteile mit Bearbeitung Stuttgart www.messe-stuttgart.de/castforge

8.-11.06.2021 Moulding Expo, Internationale Fachmesse Werkzeug-, Modell- und Formenbau Stuttgart www.messe-stuttgart.de/

moulding-expo

8.-11.06.2021 SawExpo - Die Fachmesse für Säge- und industrielle Trenntechnik Friedrichshafen www.sawexpo.de

22.-24.06.2021 LogiMAT, Fachmesse für Intralogistik-Lösungen und Prozessmanagement

Stuttgart www.logimat-messe.de

Verschoben von März auf Juni

7.-12.9.2021 IAA – Internationale Automobilausstellung München www.iaa.de

13.-17.09.2021 SCHWEISSEN & SCHNEIDEN, Weltleitmesse Fügen, Trennen, Beschichten Essen www.schweissen-schneiden.com

4.-9.10.2021 EMO Milano, Die Welt der Metallbearbeitung Mailand www.emo-milano.com

5.-7.10.2021 11. Internationale Zulieferbörse (IZB) Wolfsburg www.izb-online.com

5.-7.10.2021 Parts2clean, Internationale Leitmesse für industrielle Teile- und Oberflächenreinigung Stuttgart www.parts2clean.de

5.-8.10.2021 Motek, Internationale Fachmesse für Produktions- und Montageautomatisierung Stuttgart www.motek-messe.de

12.-14.10.2021 DeburringEXPO, Leitmesse für Entgrattechnologien und Präzisionsoberflächen Karlsruhe www.deburring-expo.de

26.-29.10.2021 Blechexpo, Internationale Fachmesse für Blechbearbeitung Stuttgart www.blechexpo-messe.de

8.-10.11.2012 56. Symposium Einkauf und Logistik Berlin www.bme.de

30.11.-2.12.2021 Stainless Steel World Conference & Expo Maastricht www.stainless-steel-world.net

18.-21.01.2022 SWISSBAU Basel www.swissbau.ch

25.-28.01.2022 NORTEC, Fachmesse für Produktion Hamburg www.nortec-hamburg.de

4.-8.04.2022 MACH, Internationale Fachmesse für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnologie Birmingham www.machexhibition.com

Verschoben von Januar 2021 auf April 2022

26.-29.04.2022 PaintExpo, Weltleitmesse für industrielle Lackiertechnik Karlsruhe www.paintexpo.de

26.-29.04.2022 IFH Intherm Nürnberg www.ifh-intherm.de

3.-6.05.2022 Control, Internationale Fachmesse für Qualitätssicherung Stuttgart www.control-messe.de

9.-13.05.2022 wire und Tube 2022, Internationale Fachmesse für Rohr, Röhren, Herstellung und Verarbeitung

Düsseldorf www.wire.de

sowie internationale Messe der Draht- und Kabelindustrie

www.tube.de

21.-23.06.2022 LASYS Fachmesse für Systemlösungen für die Laser-Materialbearbeitung Stuttgart www.messe-stuttgart.de/lasys

13.-17.09.2022 AMB, Internationale Ausstellung für Metallbearbeitung Stuttgart www.messe-stuttgart.de/amb

14.-17.09.2022 GaLaBau, Internationale Leitmesse für Planung, Bau und Pflege von Urban-, Grün- und Nürnberg www.galabau-messe.com

Freiräumen

4.-7.10.2022 Motek, Internationale Fachmesse für Produktions- und Montageautomatisierung Stuttgart www.motek-messe.de

25.-28.10.2022 EuroBLECH, Internationale Technologiemesse für Blechbearbeitung Hannover www.euroblech.com

Stahlreport 12|20

37


Messen

XXXXXXXXXX

und Märkte

Bericht

Baugewerbe: Auswirkungen der Corona-Pandemie in 2021 spürbar

Wohnungsbau bleibt Stabilitätsanker

„Nachdem die Bauwirtschaft dank der hohen Auftragsbestände zu Jahresbeginn glimpflich durch das Jahr 2020

gekommen ist, sind unsere Erwartungen für das kommende Jahr deutlich verhaltener. Aktuell gehen wir von einem

Umsatzrückgang von rund 1 % aus, nachdem wir das laufende Jahr mit einem Umsatzplus von knapp 2 % abschließen

werden.“ Dies erklärte der Präsident der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB), Reinhard Quast, anlässlich des

Deutschen Baugewerbetages, dem Spitzentreffen der Bauwirtschaft , im November.

Demnach rechnet der Verband

für 2020 mit einem Jahresumsatz

von 138 Mrd. €. Hierin spiegele

sich die gute Umsatzentwicklung

im ersten Halbjahr mit einem Plus

von nominal 2 % (real ca. -1 %) wider.

Für 2021 erwartet der Verband

einen Umsatzrückgang von 1 % (real

3 bis 4 %).

Wirtschaftsbau entwickelt

sich rückläufig

Während die Perspektive für den

Wohnungsbau auch für 2021 insgesamt

aufwärtsgerichtet bleibt,

entwickelt sich der Umsatz des

Wirtschaftsbaus im kommenden

Jahr rückläufig mit einem Minus

zwischen nominal 2,5 und 3,5 %,

sagte Quast. „Seit März liegt die

Nachfrage in jedem Monat unterhalb

des Vorjahresniveaus. Kumulativ

fehlen zum Vorjahr fast 6 %.

Das entspricht einem Ordervolumen

von gut 1,3 Mrd. €“, führte Quast

aus. Insbesondere der Wirtschaftshochbau

habe im Jahresverlauf deutlich

nachgelassen. Ursache sei unter

„Im Wirtschaftsbau haben sich die Corona-Auswirkungen

deutlich niedergeschlagen. Unternehmen

stellen sich die Frage, wieviele Büros in Zukunft

überhaupt noch gebraucht werden.“

Reinhard Quast, Präsident Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB)

38 Stahlreport 12|20


Quellen: ZDB, Deutscher Baugewerbetag 2020

anderem, dass eine langfristige

Investitionssicherheit angesichts der

Corona-Pandemie häufig nicht mehr

gegeben sei.

Für den Wirtschaftsbau rechnete

er für 2020 insgesamt mit einem

Umsatz, der nominal auf Vorjahresniveau

bei gut 49 Mrd. € liegt und

real einen Rückgang von ca. 2,5 %

bedeutet.

Öffentlicher Bau

Der Präsident des Spitzenverbandes

der Bauwirtschaft machte auf die

besondere Rolle der öffentlichen

Hand in der jetzigen Situation aufmerksam:

„Die öffentliche Hand

muss ihre Bauherrenfunktion jetzt

aktiv wahrnehmen. Von hier muss

der Ausgleich für den Wirtschaftsbau

erfolgen.“

Quast begrüßte, dass die aktuelle

Haushaltsplanung an dem Investitionshochlauf

im Infrastrukturbereich

festhält und für die nächsten Jahre

das Niveau von 18 Mrd. € fortschreibt.

Er forderte gleichzeitig, vor allem im

Straßenbau zügig konkrete Projekte

zu vergeben: „Investitionshochlauf

auf der einen Seite und weniger Aufträge

auf der anderen Seite – das

passt nicht zusammen!“Für 2020

rechnet der Verband im öffentlichen

Bau mit einem Umsatz von knapp 38

Mrd. Euro. Das entspricht einem Plus

von 3 %. 2

Baugewerblicher Umsatz im Wirtschaftsbau

alle Betriebe

Mrd. €

60,0

50,0

40,0

30,0

20,0

10,0

0,0

45,2

27,3

17,9

49,2 49,2 47,6

29,2 28,5 27,4

20,1 20,7 20,3

IST 2018 IST 2019 Prognose 2020 (Nov 20)

Prognose 2021

(Nov 20)

Wirtschasbau Wirtschashochbau Wirtschaseau

Baugewerblicher Umsatz im öffentlichen Bau

alle Betriebe

Mrd. €

40,0

35,0

30,0

25,0

20,0

15,0

10,0

5,0

0,0

34,6

28,0

36,6 37,8 37,1

29,2 30,0 29,1

6,7 7,4 7,8 8,0

IST 2018 IST 2019 Prognose 2020

(Nov 20)

Prognose 2021

(Nov 20)

Öffentlicher Bau Öffentlicher Hochbau Öffentlicher Tieau

Starke Einbußen im Auftragseingang

Werkzeugmaschinenindustrie revidiert Produktionsprognose

Im dritten Quartal 2020 sank der

Auftragseingang der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie

im Vergleich zum Vorjahreszeitraum

um 29 %. Dabei gingen die

Bestellungen aus dem Inland um 26 %

zurück, die Auslandsorders verloren 30 %.

Das meldete der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken

im November.

Von Januar bis September sank der Auftragseingang

um 33 %. Die Inlandsaufträge

notierten 27 % unter Vorjahr. Die Auslandsorders

verbuchten 36 % weniger. „Nachdem

die Konjunkturindikatoren im dritten

Quartal angestiegen sind, schwindet die

Hoffnung auf kurzfristige Besserung zusehends.

Der Auftragseingang im dritten

Quartal bleibt auf dem niedrigen Niveau der

Vormonate“, kommentiert Dr. Wilfried

Schäfer, Geschäftsführer des VDW (Verein

Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken),

Frankfurt am Main, das Ergebnis.

Nach Abnehmern betrachtet ist die Elektronikindustrie

dem VDW zufolge einer der

wenigen Gewinner in der aktuellen Krise.

Dies gelte auch für die Medizintechnik, Lüftungstechnik

oder konsumnähere Bereiche

wie die Lebensmittel- und Verpackungsindustrie.

Die Automobilindustrie hingegen

ist von der Krise ebenfalls stark getroffen,

so der VDW weiter. Sie profitiere zwar von

der stark anziehenden Nachfrage im Reich

der Mitte. Der Strukturwandel zu neuen

Antrieben werde jedoch immer spürbarer,

Investitionsbudgets werden zunehmend

verlagert.

Vor diesem Hintergrund revidiert der VDW

seine Produktionsprognose für das laufende

Jahr und rechnet nunmehr mit einem

Rückgang von etwa 30 %. Bezogen auf das

Produktionsvolumen bedeutet dies einen

Verlust von 5 Mrd. €. Das Volumen von

dann knapp 12 Mrd. € liegt aber 2 Mrd.

über dem der Finanzkrise 2009/2010. „Die

Branche wird erst mittelfristig wieder zum

Niveau von 2019 zurückkehren“, so Schäfer.

Weitere Infos: www.vdw.de

Stahlreport 12|20

39


Messen

XXXXXXXXXX

und Märkte

Bericht

Maschinenbau-Konjunkturausblick November 2020

Mühsam bergauf

Den Maschinenbau haben die zahlreichen Corona-Lockdowns am Jahresbeginn mit voller Breitseite

getroffen, ab April schlugen die schwachen Orders durch. Inzwischen scheint die Wende zumindest im

Auftragseingang erreicht zu sein. Auch wenn das Bestellniveau aktuell noch immer deutlich unter dem

des Vorjahres liegt – es geht wieder bergauf. Angesichts der wieder stark steigenden Fallzahlen sei

allerdings damit zu rechnen, dass es von nun an – nicht nur im Maschinenbau – zögerlicher vorangeht.

Auch Rückschläge seien nicht ausgeschlossen, stellt der VDMA im November-Konjunkturausblick fest.

In den ersten neun Monaten

des Jahres verfehlte die Produktion

ihr Vorjahresniveau um 13,7 %, meldete

der VDMA. Das erste Quartal

mit einem Fertigungsniveau 7,6 %

unter Vorjahr hat dabei im Wesentlichen

die Fortsetzung der Rezession

reflektiert, in welche die Branche

bereits 2019 geraten war. Im April

und im Mai war die Produktion dann

mit minus 26,4 und 27,4 % extrem

unter Druck. Wegen nationaler und

internationaler Lockdowns waren

zahlreiche Lieferketten gerissen oder

zumindest stark angespannt.

Entspannung durch Nachholeffekte

im Juni

Im Juni fiel das Produktionsminus

mit 5,9 % dann schon weniger stark

aus, konstatiert der VDMA. Ende

Mai hatte es mit dem Ende des ersten

Lockdowns in Deutschland und in

wichtigen anderen Märkten eine

deutliche Entspannung beim Thema

Lieferketten gegeben. Dadurch kam

es in vielen Unternehmen zu Nachholeffekten.

Im September hat die Produktion

nach vorläufigen Berechnungen

lediglich um 9,1 % unter Vorjahresniveau

gelegen – wobei angesichts

Im Juli machte sich erstmals

der seit April deutlich

abgesackte Auftragseingang

in der

Produktion bemerkbar.

Sie verlor im 3. Quartal

nach vorläufigen

Berechnungen 13,7 %

gegenüber dem Vorjahr.

der starken Einbrüche im Auftragseingang

im zweiten Quartal eher

eine deutlich zweistellige Minusrate

zu erwarten gewesen sei.

Die Auslastung der Maschinenkapazitäten

entwickelte sich entsprechend.

Sie sackte von einem

gerade noch als „befriedigend“ anzusehenden

Niveau im Januar (84,1 %)

auf eine Quote von 77,3 % im April

ab, fiel dann im Juli noch einmal auf

76,1 %, um im Oktober wieder leicht

auf 77,8 % zu steigen. Ein Grund für

den Anstieg könnten verringerte

Fertigungskapazitäten einiger Unternehmen

sein. Denn der Auslastungsgrad

ist durch das Verhältnis von

aktueller Auslastung zu betriebsüblich

(noch) vorhandener Vollauslastung

definiert.

Maschinenexporte leiden stärker

als weltweiter Warenhandel

Die Exporte von Maschinen und

Anlagen aus Deutschland verfehlten

ihr Vorjahresniveau in den ersten

acht Monaten des Jahres preisbereinigt

um 15,2 %. Zum Vergleich: Der

weltweite Warenhandel ging dem

VDMA zufolge im gleichen Zeitraum

real nur um 7,9 % zurück. Hier zeige

sich wie so oft, dass der Handel mit

Investitionsgütern deutlich volatiler

40 Stahlreport 12|20


ist als beispielsweise der mit Konsumgütern.

Die einzelnen Maschinenbaubranchen

verzeichneten genauso

wie die unterschiedlichen Märkte

eine heterogene Exportentwicklung.

in Summe. Bereiche wie Nahrungsmittel-

und Verpackungsmaschinen

und Fördertechnik konnten sich in

den letzten Monaten jedoch deutlich

vom Maschinenbau abkoppeln. Hier

spielen die hygienische Verpackung

von Lebensmitteln, die stark gefragt

ist, sowie das boomende Geschäft

der Versandhändler in die Karten

der Firmen. Auch Hersteller von

Luftreinigern können volle Auftragsbücher

vermelden. q

Die deutschen Werkzeugmaschinen-Exporte

lagen im Zeitraum

Januar bis August 2020

um 32,3 % unter ihrem

Vorjahresniveau, und

das, obwohl sie bereits

im vergangenen Jahr ein

Minus in Höhe von

7,4 % verbuchten.

Maschinenbau: Beeinträchtigung in den Lieferketten

Angaben in Prozent der auswertbaren Rückmeldungen

Auf der anderen Seite vermochte die

Coronakrise die Nachfrage nach

Landtechnik nicht zu stoppen: Die

Hersteller aus Deutschland konnten

das Niveau aus dem Vorjahreszeitraum

Januar bis August nahezu halten

(Rückgang: -0,7 %).

Maschinenbau-Sparten entwickeln

sich sehr unterschiedlich

Die Verunsicherung durch die

Corona-Krise habe sich in vielen

Fachzweigen des Maschinenbaus

deutlich niedergeschlagen, stellt der

VDMA fest. Während einige auf

einen Erholungspfad zurück gefunden

hätten, steckten andere Bereiche

immer noch tief in den roten Zahlen.

Vergleichsweise stabil

stellt sich auch die

Bautätigkeit dar, sodass

baunahe Bereiche wie

Armaturen und Aufzüge

und Fahrtreppen

profitieren.

Schon zu Beginn des Jahres befanden

sich automobilnahe Fachzweige

wie Werkzeugmaschinen, Präzisionswerkzeuge,

Teile von Kunststoffund

Gummimaschinen sowie Robotik

und Automation konjunkturbedingt

im Abschwung. Diese Sparten

laufen nach wie vor deutlich

schlechter als der Maschinenbau

Quellen: VDMA

Umsatz in Deutschland nach Fachzweigen

Reale Veränderung in Prozent, Januar – September 2020/2019

Verfahrenstechnik

Landtechnik

Armaturen

Fördertechnik

Allgemeine Luftttechnik

Nahrungsm.u.Verpm.

Druck- und Papiertechnik

Kunststoff- u.Gummimasch.

Fluidtechnik

Antriebstechnik

Robotik u. Automation

Baumaschinen und Baustoffanlagen

Präzisionswerkzeuge

Werkzeugmaschinen

Auftragseingang Maschinenbau

140

130

120

110

100

90

80

70

60

Ø Maschinenbau

-11%

Preisbereinigte Indizes, Basis Umsatz 2015 = 100

-50 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 50

Inland Ausland

2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020

Gleitender 12-Monats-Durchschnitt

Originalindizes

Stahlreport 12|20

41


Messen

XXXXXXXXXX

und Märkte

Bericht

q Orders gewinnen

langsam wieder an Boden

In den ersten drei Quartalen lag der

Auftragseingang 15 % unter Vorjahresniveau.

Die härtesten Rückgänge

waren im April und im Mai zu verzeichnen.

Seitdem geht es im Verlauf

zögerlich wieder bergauf, hält der

VDMA fest.

Bei der Prognose für 2021 ist der

Chefvolkswirt des VDMA, Dr. Ralph

Wiechers, noch vorsichtiger, denn

unverändert bestehen zahlreiche

Risiken. Weiterhin sei auch der

Strukturwandel in der Automobilindustrie

ungeachtet steigender Verkaufszahlen

für viele Maschinenbauer

eine große Herausforderung.

Und wenn die Produktion im kommenden

Jahr immer noch deutlich

unter dem schon niedrigen Niveau

von 2019 bleibe, können die Maschinenkapazitäten

und die Stammbelegschaft

noch immer nicht wirklich

ausgelastet agieren, warnt der

VMDA.

Der Verband sieht aber auch

Chancen. Laut der 8. Corona-Blitzumfrage

des VDMA bestehen die

größten Chancen für Maschinenbauer

darin, dass ein Impfstoff zügig

bereitgestellt werden kann. Als im

Vergleich leichter kalkulierbar sehen

die Unternehmen der Branche demnach

die Beschleunigung von Digitalisierung

und Automation. Einer

der wenigen positiven Effekte der

Pandemie ist der, dass viele

Geschäftsfelder nun zügiger digitalisiert

werden, so der VDMA. 2

Die Unsicherheit in der

Wirtschaft nimmt zu,

und genau das ist Gift

für die Nachfrage nach

Investitionsgütern.

Entwicklung der deutschen Maschinenproduktion

Reale Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent

10

In den kommenden Monaten dürfte

sich die zwischenzeitliche, vornehmlich

von China ausgehende

Belebung jedoch wohl etwas

abschwächen.

5

0

-5

-10

1,2

-1,2

1,1

0,8

-0,3

3…

2,1

-2,6

2,0

Prognose

Ausblick unsicher, Chancen

vorhanden

Die Produktion ist im vierten Quartel

dem VDMA zufolge durch die vorhandenen,

besser als ursprünglich

erwarteten Auftragseingänge mehr

oder weniger stark vorherbestimmt.

Ein geringerer Produktionsrückgang

als mit den ursprünglich vom

Maschinenbauverband prognostizierten

-17 % für 2020 sei möglich.

Es blieben allerdings immer noch

Unwägbarkeiten.

-15

-17,0

-20

Schätzung

2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021

Maschinenbau: Aufwärtschancen der konjunkturellen Belebung

Angaben in Prozent der auswertbaren Rückmeldungen (N = 510)

2021 dürfte das

schwierigere der beiden

Jahre werden.

Quellen: VDMA

Maschinenbau: Abwärtsrisiken der konjunkturellen Belebung

Angaben in Prozent der auswertbaren Rückmeldungen (N = 510)

42 Stahlreport 12|20


Bilder: Verband der Deutschen Drehteile-Industrie

Wegen der Krise im Automobilbereich und den Folgen der Corona-Pandemie schrumpft die Zulieferindustrie stärker als bisher prognostiziert und erholt sich

nur schleppend.

Verbandspräsident der Drehteile-Industrie empfiehlt Umdenken

„Wir müssen wieder mehr

Produktion nach Europa holen“

Wegen der Krise im Automobilbereich und den Folgen der Corona-Pandemie schrumpft die Zulieferindustrie stärker als

bisher prognostiziert und erholt sich nur schleppend. Der Verband der Deutschen Drehteile-Industrie (FMI) empfiehlt,

lokalen Lösungen wieder mehr Vorzug zu geben und Produktion nach Europa zu holen.

Um die neuen Herausforderungen

zu bewältigen müsse nun schnell

und gezielt gehandelt werden, sagt

Hermann Rumpel, Vorsitzender des

Verbands der Deutschen Drehteile-

Industrie. Dabei seien sowohl Unternehmen

als auch die Politik gefragt.

Reshoring bringt mehr Vorteile

als Nachteile

Unternehmen sollten ihre Beschaffungsstrategie

unter Betrachtung

der wirklichen Gesamtkosten der

Teile und der Umweltbelastung neu

bewerten. Dieser Fokus gibt lokalen

Lösungen den Vorzug, auch wenn

Unternehmen Aufträge bisher aus

Kostengründen ins außereuropäische

Ausland verlagerten. „Ein solches

Reshoring bringt deutlich mehr

Vor- als Nachteile, und die europäische

Wirtschaft profitiert mit“, ist

Rumpel überzeugt und zählt die positiven

Aspekte auf: „Arbeitsplätze in

Europa bleiben erhalten, wir verhindern

den Abfluss von Know-how,

Lieferketten werden beherrschbarer,

Produktionsstillstände unwahrscheinlicher,

Lagerkosten sinken,

und die kürzeren Wege schonen

Klima und Umwelt. Auch eine enge

Zusammenarbeit zwischen Lieferanten

und Kunden wird so einfacher

und günstiger.“

„Wir müssen nicht nur die Elektro -

mobilität neu bewerten, sondern

vor allem weg von der ‚Geiz ist Geil‘-

Mentalität und die Produktion

wieder verstärkt zurück nach

Deutschland und Europa holen.“

Hermann Rumpel, Vorsitzender des Verbands

der Deutschen Drehteile-Industrie

Darüber hinaus rät Rumpel den Unternehmen

zur Zusammenarbeit. Hier

helfe zum Beispiel der Austausch in

Verbänden. „Die Unternehmen müssen

sich auf ihre Stärken besinnen,

sich breit aufstellen und immer die

Zukunft im Blick behalten“, sagt der

Verbandsvorsitzende.

Politik muss Industrie flankieren

„Die Zulieferindustrie kann sich nicht

aus eigener Kraft aus dem historischen

Konjunkturtief befreien“, sagt Rumpel.

Deshalb sieht der Drehteileverband

die Politik in der Pflicht und fordert

eine strategische Begleitung der Industrie.

„Neben einem Konjunkturprogramm

für die Post-Corona-Zeit brauchen

wir eine neue Industriepolitik

und massive Investitionen in die Infrastruktur“,

sagt der Vorsitzende. Dazu

gehören der Ausbau von Verkehrswegen

und Kommunikationsnetzen,

eine Anpassung und Angleichung der

Steuerpolitik im europäischen Umfeld

sowie der Abbau und die Vereinfachung

von bürokratischen Hürden

wie beispielsweise der A1-Bescheinigung

oder der Datenschutzgrundverordnung

(DSGVO). 2

www.drehteileverband.de

Stahlreport 12|20

43


Wissenswertes

Berichte

Gewinnerlächeln: Schubert Additive Solutions erhält den Smart Solution Award 2020 und wird von Marcus Schindler (3.v.l.) und Jörg Brenner (4.v.l., beide

Geschäftsführer der Schubert Additive Solutions GmbH) entgegengenommen. Es gratulieren Jurymitglied Dr. Petra Seebauer (Geschäftsführerin der Euroexpo

Messe- und Kongress-GmbH und Mitherausgeberin des Fachmagazins Logistik Heute), Jurymitglied Harald Geimer (Partner bei PwC, l.), Jurymitglied Dr. Patric

Spethmann (Vorstand/COO für IT und Logistik, Marc O’Polo AG, 2.v.r.), Laudator Jan Axt (Vice President Automotive SCM Strategy & Innovation, Continental

AG, 2.v.l.) und Laudator Tobias Buxhoidt (Gründer & CEO parcelLab GmbH, r.)

Bild: Euroexpo

Supply Chain Management Award 2020

3D-Druck-Projekt erhält Auszeichnung

Der Haushaltsgerätehersteller Electrolux hat den Supply Chain Management Award 2020 gewonnen. Dieser wurde zum

15. Mal von dem Fachmagazin LOGISTIK HEUTE und Strategy&, PwC, vergeben. Sieger des Smart Solution Awards ist

Schubert Additive Solutions. Die Preisverleihung im November fand im Rahmen des 8. Internationalen Supply-Chain-

Gipfels EXCHAiNGE statt – erstmals digital während der Online-Messe Hypermotion Digital Experience durchgeführt.

Beim renommierten Logistik-

Award hatte das Publikum ein Wörtchen

mitzureden. Bei der Preisvergabe

in Frankfurt konnten die zur

Auswahl stehenden acht Kandidaten

für den Supply Chain-Award live

mitbewertet werden. Das Publikumsvoting

floss wie schon in den

Jahren zuvor in die Jurywertung ein.

Die Jury – Supply-Chain-Praktiker,

renommierte Wissenschaftler, Consultants

und Fachmedienvertreter

– traf dann die Auswahl aus den

nach der Publikumsauditierung ausgewählten

Finalisten.

Preisträger Electrolux

Im Fokus des Electrolux-Siegerprojekts

steht der Umbau der Supply

Chain hin zu einer größeren Kundenorientierung.

Dazu hat das Unternehmen

Optimierungen in sieben

Bereichen entlang der gesamten Lieferkette

vorgesehen: zur Steigerung

von Service, Flexibilität und Transparenz

bei gleichzeitiger Kontrolle

der Bestände. Die Lösungen reichen

von einer agilen Supply-Chain-Organisation

und einer intensivierten

Zusammenarbeit mit dem Forschungsbereich

über die Nutzung

digitaler Tools in der Produktion bis

hin zur verstärkten Integration von

Lieferanten. Electrolux zählt zu den

weltweit führenden Hausgeräteherstellern

und betreibt in Europa 15

Produktionsstätten sowie 41 Lager

mit 12.000 Mitarbeitern in Produktion

und Supply Chain.

„Die Transformation von einer traditionellen

Supply Chain hin zu einem kunden- und

servicegetriebenen Supply-Chain-Modell fällt

keinem Unternehmen leicht.“

Jan Axt, Laudator & Vice President Automotive SCM

Strategy & Innovation von Continental

44 Stahlreport 12|20


Mit dem Siegerprojekt werde „eine

strukturiert aufgesetzte ganzheitliche

Supply-Chain-Transformation“

honoriert. „Electrolux sei auf besten

Weg, diese Aufgabe hervorragend

zu meistern“, sagte Laudator Jan Axt,

Vice President Automotive SCM Strategy

& Innovation von Continental.

Click & Print gewinnt

Smart Solution-Award

3D-Teile on demand – das ist das

Projekt von Schubert Additive Solutions

(SAS). Die Bauteile werden

dabei über die Part-Streaming-Plattform

Partbox angeboten. Elektronische

Konstruktionsdaten lassen sich

dabei aus einem digitalen Lager in

Sekundenschnelle auf der ganzen

Welt abrufen und herstellen. Solch

einen Zugriff auf geprüfte und vom

Hersteller zertifizierte Druckdaten

macht das junge Spin-off der Gerhard

Schubert GmbH Verpackungsmaschinen

(Crailsheim) möglich. Benötigt

werden dafür nur ein handelsüblicher

Kunststoff-3D-Drucker und

die PartBox. Diese hat einen LTE-

Zugang und ist direkt und sicher mit

dem digitalen Lager verbunden. Formatteile,

Ersatz- und Verschleißteile

lassen sich von jedem in jeder

gewünschten Losgröße selbst produzierem.

Motto: „Click & Print“ –

Auswählen und Drucken. SAS kann

auf über 120.000 additiv hergestellte

Bauteile im eigenen Haus zurückgreifen.

Die Lösung von Schubert zeigt

großes Potenzial, die Supply Chain

und Lagerung für Ersatzteile zu revolutio-nieren.

Gleichzeitig legt das

Unternehmen großen Wert auf die

Wahrung des intellektuellen Eigentums

bei der Nutzung seiner Part-

Streaming-Plattform, der Partbox.

Das kann eine zukunftsfähige

Lösung sein, insbesondere bei einer

wachsenden Nachfrage nach kundenindividuellen

Produkten und der

daraus resultierenden Variantenvielfalt.

Innovationskraft und Potenzial

haben die Jury überzeugt, Schubert

mit dem Smart Solution Award

2020 auszuzeichnen“, sagte Jurymitglied

Harald Geimer, Partner bei

PwC Management Consulting. 2

Weitere Infos unter

www.exchainge.de

55. BME-Symposium Einkauf und Logistik

Einkäufer müssen

Zukunft neu denken

Über vier Tage hinweg diskutierten mehr als 1.200 Teilnehmer auf

dem 55. BME-Symposium Einkauf und Logistik DIGITAL die

Megatrends in Einkauf, Logistik und Supply Management. Zentrales

Ergebnis der virtuellen Fachkonferenz: Die Corona-Krise zeige, wie

anfällig globale Lieferketten sind. Deshalb müsse das Risikohandling

völlig neu durchdacht werden.

Die Pandemie erhöht den

Handlungsdruck – sowohl bei Global

Playern als auch bei Klein- und Mittelunternehmen.

Sie ist aber nicht

nur Herausforderung, sondern auch

Chance zur Veränderung, so der

Tenor auf der Fachkonferenz. Der

Einkauf nehme in dieser Transformation

die Rolle des erfolgreichen

Krisenmanagers ein. Professionellem

Supply-Management sei es zu

verdanken, dass es in der Corona-

Krise bisher zu keinen dauerhaften

Produktionsstörungen, Lieferverzögerungen

oder -ausfällen gekommen

ist. Das ist die weitere Bilanz des

BME-Symposiums, das im November

erstmals digital stattgefunden hatte.

Neue Aufgabe für den Einkauf

In den täglichen Plenen, virtuellen

„Coffee Talks“ und Chat-Foren sowie

den Statements der 60 namhaften

Referenten aus Politik zeigte der

Meinungs- und Erfahrungsaustausch

ferner, dass auf den Einkauf neue

Aufgaben zur erfolgreichen Überwindung

der Pandemie zukämen.

Es gehe vor allem um die Sicherstellung

der eigenen Lieferfähigkeit,

dem Beobachten der Finanzsituation

von Lieferanten, der Stärkung von Lieferketten

sowie dem konsequenten

Einsatz digitaler Technologien. Nur

dann, so der einhellige Tenor unter

den Symposiumsteilnehmern, lasse

sich Zukunft neu denken.

Mit Blick auf die Logistik wurde

auf dem Symposium zudem herausgearbeitet,

dass in diesem Bereich

nach Corona nichts mehr so sein

werde wie zuvor. Viele logistische

Knotenpunkte wie Häfen und Flughäfen

seien geschlossen oder in ihren

Betriebsabläufen drastisch eingeschränkt,

Frachtkosten explodierten,

Luftfracht sei kaum verfügbar und

Container würden knapp.

Das nächste, dann 56. Symposium

Einkauf und Logistik des BME soll im

kommenden Jahr wieder als Präsenzveranstaltung

durchgeführt werden:

vom 8. bis 10. November 2021 in Berlin.

2

[ Kontakt]

Bundesverband Materialwirtschaft,

Einkauf und Logistik e.V. (BME)

65760 Eschborn

+49 6196 5828-0

www.bme.de

Stahlreport 12|20

45


Wissenswertes

Bericht

Investition in die Zukunft: SMS group errichtet in Mönchengladbach einen zentralen Standort für 1.500 moderne Arbeitsplätze.

Bild: Renderings Hartmann Architekten

SMS group investiert in zentralen Standort

Neuer Campus bündelt Kompetenzen

Die Maschinen- und Anlagenbau-Gruppe für die Stahl- und NE-Metallindustrie SMS group errichtet in Mönchengladbach

einen neuen zentralen Standort. Mit dem symbolischen ersten Spatenstich haben die Bauarbeiten zum Campus in

Mönchengladbach im Oktober offiziell begonnen. Mit dem neuen Campus will das weltweit tätige Unternehmen die

Zugkraft der Wachstumsfelder Service und Digitalisierung nutzen, um seine technologische Vorreiterrolle ausbauen.

Auf dem Mönchengladbacher

Betriebsgelände entsteht ein Technologie-,

Service- und Digitalisierungscenter,

das 1.500 moderne

Arbeitsplätze bereitstellen wird. Ab

2023 soll dort die Kompetenz von

zuletzt fünf Standorten der Region

zusammenkommen. Bereits heute

beschäftigt die SMS group in Mönchengladbach

mehr als 1.200 Mitarbeiter.

„Wir sehen das enorme Wachstumspotenzial,

das sich aus dem

Zusammenspiel von technischem Service

und digitalen Lösungen ergibt.

Mit dem Campus werden wir diese

Technologien mit unseren Produktbereichen

eng vernetzen und Spezialisten

aus aller Welt über die virtuelle

Infrastruktur zu interdisziplinären

Teams zusammen bringen“, erklärte

CEO Burkhard Dahmen.

hat uns gezeigt: Konzentriert arbeiten

können wir überall. Dennoch

brauchen wir für kreative Prozesse

auch ein gemeinsames Umfeld, in

dem wir uns inspiriert fühlen. Durch

die offene Architektur entwickeln

wir auch unsere Unternehmenskultur

und machen uns als Arbeitgeber

für die Anforderungen der Fachkräfte

stark.“

Der SMS Campus wird sich über

rund 44.000 m² Bruttogrundfläche

erstrecken und aus fünf Modulgebäuden

bestehen. Den Kern der

Anlage bildet der überdachte Innenhof,

der als Treff- und Kommunikationspunkt

fungiert.

Den „Arbeitsplatz der Zukunft“

– auch für den Standort in Hilchenbach

– entwickelt SMS aktuell zu -

sammen mit den Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern. Die Befragung der

Belegschaft laufe bereits. Die Ergebnisse

sollen in die Entwicklung der

Raumgestaltung und Infrastruktur

einfließen. Im kommenden Jahr feiert

das Unternehmen sein 150-jähriges

Firmenjubiläum. 2

[ Kontakt]

SMS group GmbH

40237 Düsseldorf

+49 211 881-0

www.sms-group.com

Offene Architektur fördert

gemeinsames Arbeiten

Mit einem modernen Raumkonzept

soll der neue Campus eine Atmosphäre

schaffen, die kreatives und

gemeinsames Arbeiten fördert, erläuterte

Torsten Heising, Mitglied der

SMS-Geschäftsführung: „Der aktuell

hohe Anteil von mobilem Arbeiten

Gemeinsamer Spatenstich für den neuen SMS-Campus (v.l.n.r.): Torsten Heising (CFO,

SMS group GmbH), Holger P. Hartmann (Architekt und Generalplaner), Hans Wilhelm Reiners

(Oberbürgermeister Mönchengladbach), Peter Peskes und Elke Paul (Betriebsräte),

Heinrich Weiss (Vorsitzender des Gesellschafterausschusses SMS Holding GmbH),

Marco Kubiak (Projektleiter), Burkhard Dahmen (CEO, SMS group GmbH).

Bild: SMS group

46 Stahlreport 12|20


Lifesteel

Bericht

Die großen Hecktriebwerke, die am

Zurück-in-die-Zukunft-DeLorean angebracht

sind, würden die Ästhetik der sauberen

Dachlinie aufbrechen, sagt Angel

Guerra. Aber was ist, wenn sie am Heckdiffusor

angebracht würden?

Hommage an den DMC DeLorean, die Zeitmaschine aus „Zurück in die Zukunft“

Das Fahrzeug einer Generation

- in aktuellem Look

„Zurück in die Zukunft“, das war der Film seiner Kindheit: Angel Guerra, 1982 geboren, drei Jahre

bevor der Science Fiction-Erfolg auf die Leinwand kam, war so nachhaltig begeistert von dem

DeLorean darin, dass er später Autodesigner wurde. Mit einer Hommage an das futuristische

Fahrzeug, das die DeLorean Motor Company 1981 auf den Markt brachte – und dessen Außenhaut

ganz aus unlackiertem Edelstahl bestand – sorgt er derzeit für Aufsehen.

Vorderansicht des

DeLorean 2021:

Die charakteristischen Flügeltüren

im Edelstahlkörper sind vierzig Jahre später

natürlich immer noch vorhanden. Durchgeführt

hat der Designer das Projekt in den letzten

drei Novemberwochen 2020 – von Entwurf

und 3D-Modellierung über das Rendering

bis zur Postproduktion.

Kein Blitzschlag mehr nötig:

Die moderne Variante des DeLorean

kann im Konzept des Designers

ans Stromnetz angeschlossen werden.

48


„Die Szene, in der ich zum

ersten Mal sah, wie der DeLorean

die Rampe von Doc Browns Lastwagen

hinunterfuhr, hat mich so schockiert

und fassungslos gemacht wie

Marty McFly selbst. Von diesem

Moment an war das, was meine persönliche

Reise in die Zukunft sein

sollte, vorherbestimmt: die professionelle

Arbeit als Designer für verschiedene

Automarken und das Entwerfen

von Superautos wie dem

Rimac Concept 2“, erzählt Angel

Guerra auf seiner Webseite.

2021 ist der 40. Jahrestag der

Herstellung des DeLorean DMC12.

„Als Dank an dieses Fahrzeug, als

Hommage an die Maschine, die mich

irgendwie in die berufliche Zukunft

brachte, von der ich als Kind träumte,

beschloss ich, ihm mit einem Projekt

in meiner Freizeit Tribut zu zollen“,

sagt der spanische Designer. Professionell

gestaltete er den DeLorean

neu und passte ihn vier Jahrzehnte

Marty McFly:

„Wollen sie mir sagen,

sie bauten eine Zeitmaschine

aus einem

DeLorean?“

später an die automobile Welt an.

„Dies ist ein Dankeschön an eine

Ikone und einen Film, die meine

Kindheit geprägt haben. Dies ist auch

ein neuer DeLorean für die Generation

meines Sohnes, der im kommenden

Jahr auf die Welt kommt“,

erzählt er weiter.

All die Jahre habe er nie einen einzigen

Designvorschlag gesehen, der

auf diesem Original-DeLorean von

1981 basiert habe – obwohl sowohl

das Auto als auch der Film, der es

weltberühmt gemacht hat, immer

noch in der kollektiven Vorstellung

einer ganzen Generation verankert

sei. Abgesehen davon habe er auch

in einer eigenen Zeitmaschine aus

diesem „verdammten Jahr“ 2020 entkommen

wollen. Dieses Projekt sei

ein persönliches Projekt und nicht

kommerziell mit der Marke DeLorean

Motor Company oder dem Film

„Zurück in die Zukunft“ verbunden,

sagt Ángel Guerra. Es sei ein Tribut

an die Gestaltung. 2

Doc: „Ich dachte

mir: Wenn man schon

eine Zeitmaschine in

einen Wagen einbaut,

dann bitteschön mit

Stil“.

Stahlreport 12|20

49


Lifesteel

XXXXX Nachricht A XXXXX

Impressum

Bilder: Cleveland Bridge

Bei Cleveland Bridge hergestellter wetterfester Stahl

Standortaufnahme der Stelle, an der die

Carrington Bridge über den Fluss Severn

installiert wird.

Dillinger: Premiere bei der Carrington Bridge

Brücke leicht gemacht

Die Tragkonstruktion für die Stahlbetondecke

besteht aus zwei Stahlträgerpaaren

mit Stahlverstrebungen.

Beim einem der größten Infrastrukturprojekte der Region rund um Worcester,

England, hat der Einsatz von Dillinger-Stahl die Bauzeit der Carrington-Brücke enorm

verkürzt. Beim dem Neubau der Brücke hatte die beauftragte Cleveland Bridge UK

Ltd. vorgeschlagen, statt des geplanten wetterfesten Stahls der Güte S355 den Markenstahl

DIWETEN 460+M von Dillinger einzusetzen. So konnte die ursprünglich als

Sechs-Feld-Konstruktion geplante Brücke in eine Drei-Feld-Konstruktion abgeändert

und damit die reine Bauzeit um sieben Wochen verkürzt werden.

Möglich machte dies der thermomechanisch gewalzte, wetterfeste Feinkornstahl

durch seine – verglichen mit einem Stahl der Güte S355 – um 30 % höhere Streckgrenze,

die eine Verringerung der eingesetzten Blechdicken in analoger Höhe erlaubt.

Die entsprechend dünneren Bleche erfordern kleinere Schweißnähte und senken

dadurch nicht nur das Schweißvolumen und den Verbrauch an Schweißzusätzen, sondern

auch den Fertigungs- und Prüfaufwand. Durch seine chemische Zusammensetzung

bietet Diweten 460+M zudem erhöhten Widerstand gegen atmosphärische Korrosion,

sodass er dauerhaft wartungsfrei ist und weder einen Erst- noch

Instandhaltungsanstriche benötige, so der Stahlhersteller.

Der wetter- und zugleich höherfeste Stahl Diweten 460+M ist mit der überarbeiteten

EU-Normenreihe EN 10025-2 bis 6:2019 nun auch in Europa zugelassen. Der Auftrag

an Cleveland Bridge zum Bau der Carrington Bridge umfasste Fertigung, Lieferung

und Errichtung der 873 t schweren Stahlbaukonstruktion sowie die während der

Montage der Brücke erforderlichen temporären Arbeiten bei der Brückenmontage.

www.dillinger.biz

STAHLREPORT

Nachrichten aus Handel,

Produktion und Verarbeitung

Offizielles Organ des BDS-Fernstudiums

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

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zuzüglich Versandspesen und Mehrwertsteuer.

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ende möglich. Für die Mitglieder des BDS und die

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ISSN 0942-9336

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50 Stahlreport 11|20


BERUFSBILDUNG 2021

SEMINARE BEIM BDS

SEMINARTHEMA TERMIN ORT

PRÜFBESCHEINIGUNGEN 19.01.2021 ONLINE

UNGEWÖHNLICHEN ZEITEN BEGEGNEN – 26. UND 28.01.2021 ONLINE

MIT KRISEN UND STRESS KLARKOMMEN

STAHLKUNDE 16.-18.02.2021 DORTMUND

DER KUNDENORIENTIERTE AUSLIEFERUNGSFAHRER 26.–27.02.2021 ONLINE

ROHRE UND ROHRZUBEHÖR 08.–10.03.2021 PADERBORN

STAHLEINKAUF KOMPAKT 13.–14.04.2021 DUISBURG

MEHR UMSATZ, ERTRAG UND KUNDEN II (VERKAUF II) 19.–20.04.2021 HAMBURG

QUALITÄTS- UND EDELSTAHL 22.–23.06.2021 OSNABRÜCK

BLANKSTAHL 28.–29.06.2021 LUDWIGSBURG

STAHLEINKAUF KOMPAKT 07.–08.09.2021 DUISBURG

MEHR UMSATZ, ERTRAG UND KUNDEN I (VERKAUF I) 13.–14.09.2021 KÖLN

„LADIES FIRST“ – DIE ARBEITSWELT 27.–28.09.2021 MÜNSTER

DER FRAU IM STAHLHANDEL

AUSZUBILDENDE IM FOCUS 18.–19.10.2021 MANNHEIM

NACH DER AUSBILDUNG IST VOR DEM ARBEITSLEBEN 20.–21.10.2021 MANNHEIM

BETONSTAHL 09.–10.11.2021 KEHL

STAHLEINKAUF KOMPAKT 07.–08.12.2021 DUISBURG

Diese Übersicht gibt den aktuellen Stand der Seminarplanungen wieder. Änderungen sind vorbehalten. Über weitere Details

sowie zu den Anmeldemöglichkeiten informieren Sie sich bitte unter www.stahlhandel.com.

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