ST:A:R_9

geraldkofler

Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R

04Z035665M – P.b.b. Verlagspostamt 1060 Wien • Adresse: 1060 Wien Capistrangasse 2/8 • office@star-wien.at • Europa € 3,00

Zitko

VIENNAFAIR

Galerien

Ficker2

Boris Marte – Kontakt

AUTOST/A/R – David Staretz

Jan Tabor

Prix & Podmirseg

Harry Seidler

E P – Kosak Hall

Architekt Andreas Treusch

ST/A/R PRINTMEDIUM WIEN

Nr. 9/2006 3,– Euro


2 ST/A/R

Buch I – Künstlerhaus

Nr. 09/2006

HERAUSGEBERAGGLOMERAT

DAVID STARETZ – AUTOST/A/R

CHRISTINE BÄRNTHALER – ARCHITEKTURAKTIVISTIN

RUDOLF GERNGRAS – WARAN OBDACHLOS

ELISABETH PENKER – EP POSITIONS

JAN TABOR – DAS BUCH DES FLANEURS

GABRIELE PETRICEK – SCHRIFTSTELLERIN

DIETER SPERL – LITERATUR

WLADIMIR JAREMENKO TOLSTOJ – PERFORMANCEMÖNCH

ALEXANDER SOBOLEV – RUSSISCHER KORRESPONDENT

VALIE AIRPORT – PERFORMANCENONNE

THOMAS REDL – KÜNSTLER

ANDREAS LINDERMAYR – TAGEBUCH

WERKSTATT WIEN –IMMER DABEI

ANGELO ROVENTA – ARCHITEKT

HEIDULF GERNGROSS – LÖST SICH IN EIN AGGLOMERAT AUF

REDE ZUM JUBILÄUM DER 3JAHRE ST/A/R-FEIER

PROF.DR. KLAUS WEIBEL

PRIV.DOZ. DR. KLAUS WEIBEL

KUNSTHISTORIKER UND -THEORETIKER

MÜNCHNER DES JAHRGANGS 1961W

STUDIUM DER KUNSTGESCHICHTE UND

POLITOLOGIE AN DER FU BERLIN

FORSCHUNGSSCHWERPUNKTE:

AVANTGARDE-STRÖMUNGEN

IN DER BILDENDEN KUNST IN

SKANDINAVIEN UND ÖSTERREICH

FILMGESCHICHTE UND -THEORIE

DIVERSE GASTPROFESSUREN:

SITUATIONISMUS UND AKTIONISMUS

FRAGEN DER ETHIK IN DER KUNST

GEDÄCHTNIS UND ERINNERUNG

PUBLIKATIONEN (AUSWAHL):

– LEITBILD LETHE. BILDENDE KUNST

IM KONTEXT DER GEDÄCHTNIS-

FORSCHUNG (I. V.)

– FIKTIONALITÄT : WAHRHEIT /

KUNST : GESCHICHTE (BERLIN 2002)

– ORIGINALITÄT? EPIGONALITÄT? ANLEITUNG ZUM ENDGÜLTIGEN

VERGESSEN VERALTETER FRAGEN (FRANKFURT AM MAIN 1999)

PROF .DR. KLAUS WEIBEL

DR. WEIBEL

ANDREAS LINDERMAYR

ST/A/R-TAGEBUCH

19. 1. 06 Do 17 Uhr 35

heute wieder um 0°,

N0-Strömung, aufgelockert

bewölkt.

In Moskau sind vergangene Nacht Menschen erfroren.

Man gab aber nur die Opferzahl durch und

nicht, daß es großteils Obdachlose waren - was

sich ja von selbst versteht.

Die Metro-Stationen sind ab ein Uhr früh geschlossen

- wohin dann? Die Stadtverwaltung gab

die Anordnung, vorübergehend, solange die extreme

Kälte anhält - es hat zur Zeit Minus

Dreißig Grad in Moskau - alle Obdachlosen die

Nacht über in geheizten Räumen unterzubringen.

Bei Tag haben sie ohnehin wieder die Metro, die

in Moskau eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges

ist. Das war ein Prestige-Projekt der Sowjet-

Ära. So etwas Prachtvolles gibt es auf der

ganzen Welt kein zweites Mal.

Nicht nur die erhabenen Dimensionen fallen ins

Auge, auch die quasi neubarocke Ausstattung,

die eine luxuriöse Note abgibt.

Bei uns ist die U-Bahn keine Sehenswürdigkeit,

mit Ausnahme bestimmter Stationen, wie Volkstheater.

Da gibt es ein bißchen was zu sehen.

Auch auf der Station Landstraßer-Hauptstraße,

FOTO: ALEXANDRA MILLNER

Westbahnhof, Südbahnhof, etc., - kein Vergleich

zu Moskau.

Für einen Obdachlosen ist das sowieso uninteressant,

für ihn zählt, daß er sich dort tagsüber

aufhalten kann, unter gewissen Voraussetzungen.

Er darf nicht schlafen, er sollte sich

nicht vor aller Augen übergeben und seine Notdurft

sollte er auf einer U-Bahn-Toilette verrichten

und nicht mitten auf einem Gang oder

einer Treppe.

Die Station Karlsplatz ist auch die Nacht über

zum Teil offen und in den ehemaligen Telefonzellen

und am Gitter vorne, wo der Zugang zur U1

sich befindet, liegen immer etliche Obdachlose

herum, Nacht für Nacht, teils in Schlafsäcken,

teils in Decken gehüllt, teils Auf Pappendeckel

und mit Lumpen zugedeckt, je nachdem, was dem

einzelnen Betroffenen zur Verfügung steht.

Vergangene Nacht dürfte ein neuer Obdachloser

am Karlsplatz dazugekommen sein.

Daß es sich dabei um einen Durchreisenden handelt,

der kein Hotelzimmer mehr gefunden hat,

ist eher nicht anzunehmen. Jedenfalls entdeckte

ich auf meinem Gang durch die Unterführung, vor

zur Oper u. a. einen Schlafenden, dessen Decken

ganz sauber waren. Sowohl die Decke, auf der

er lag, als auch die Decken mit denen er sich

zudeckte. Auch seine Reisetasche, die er griffbereit

hinter seinem Kopf abgestellt hatte,

wirkte ordentlich und sauber. Aha, dachte ich

mir, ein frisch Delogierter! Ich konnte mir

diesen Anblick anders nicht erklären.

Im ausgehenden Mittelalter mochte es Narrenschiffe

gegeben haben, mit denen die Wahnsinnigen

in die Fremde geschickt, dem puren Zufall,

dem Gottesurteil ausgeliefert wurden. Heute

gibt es U-Bahnstationen für diverse soziale

dropouts. Die Wahnsinnigen werden mittlerweile

interniert.


Nr. 09/2006

Buch I – Künstlerhaus ST/A/R 3

Editoral

3 Jahre ST/A/R Städteplanung / Architektur / Religion

Kunst /Architektur / Auto / Literatur / Wahre Werte / Landleben / Stadtleben / Straßenleben

Gegründet von Heidulf Gerngross, Angelo Roventa und Thomas Redl

Eine Tour de Force durch 3-jähriges Kunst-, Architektur-, Kulturleben und Privatleben in

Wien, Österreich, und stückweit in Budapest, Bukarest, St. Petersburg, Rekawinkel.

1128 Seiten als Jetzt Archiv, als Mnemorationsraum, als Speicher aktuellen Lebens.

Druckerschwärze und Zeitungspapier sind das Medium.

Die Themen und Inhalte sind so breitgefächert wie ungezügeltes freies Leben:

ST/A/R Stars/Art/Realization Vorlieben in der Kunst und sonst wo ST/A/R Solidarität/

All/Revolution Leben mit Freunden, Begleitern, Geliebten, ehemalige Geliebten, den

eigenen Kinder und den Kinder von anderen, Wärmespeicher, Momente des Gleichklangs

ST/A/R Stau/Arbeitslosigkeit/Rezession sträunende Jugendliche, Geldprobleme,

Überlebenskreativität, keine Wohnung, essen nur mittags ST/A/R Städteplanung/

Architektur/Religion ein archaischer Monolith aus Beton schwimmend im Altaussee, eine

Basilika dell´Arte im Herzen Europas, Karl Marx Hof II, Architektur als mögliche Form

und nicht als Machtpräsentation ST/A/R Saint Tropez/Admond/Rekawinkel und ein

glückliches Ende von Romeo und Julia.

Im Hier, im Jetzt, am richtigen Ort, zum richtigen Zeitpunkt und doch kann jedes Wort ein

Vorurteil sein, jedes Bild eine Fehlinterpretation.

Thomas Redl, 1. April 2006

„Derjenige der lebt, ruht sich nicht aus und weiß nicht, ob es glücklich oder elendig,

höllisch oder paradiesisch ist. Er lebt und das ist alles.“

Antonin Artaud

.

star lebt immer einen tag

Foto: Andrea Baczynski

SINA, die Tochter von Thomas Redl, kurz vor Ihrem 8. Geburtstag


Städteplanung / Architektur / Religion Buch I – Künstlerhaus

ST/A/R 5

KÜNSTLERHAUS k/haus k/haus

ARCHETYPUS

Das erste Wort hat gar nichts mit

Noahs Schinakel zu tun, sondern

leitet sich vom altgriech. Adjektiv

archaios 3 her, das schlicht alt bedeutet.

Typos/Typus wiederum meint in

der antiken Philosophie das Urbild,

das ähnlichen oder verwandten

Dingen oder Individuen zugrunde

liegt. In der Psychologie des Freud-

Rivalen C. G. Jung sind A. ererbte,

im kollektiven Unbewussten bereit

liegende Bilder, die Gestaltungen

menschlicher Grunderfahrungen

sind und zusammen die genetische

Grundlage der Persönlichkeitsstruktur

repräsentieren. In der

Umgangssprache wird Archetyp auch

mit der Bedeutung Inkarnation oder

Verkörperung verwendet. So ist etwa

Hans Moser in seinen Filmen der

A. des raunzenden und nörgelnden

Wieners. ED

LEKTÜRE C.G.Jung:

Der Mensch und seine Symbole, hrsg.

v. Marie-Louise von Franz/Joseph L.

Henderson/Jolande Jacobi/Aniela Jaffé,

Solothurn und Düsseldorf 1995

:ANMERKUNG 1 Die Arche Noahs

kann als der Archetypus der mobilen,

analogen, alternativen und hybriden

Architektur gesehen werden. Sowie des

Hausboots, des Ozeanluxusdampfers

und dessen fortgeschrittenen

Variante, des Kreuzfahrtschiffs, nach

einer erfolgreichen Fernsehserie als

Inbegriff des Traumschiffs. Laut Altem

Testament, 1. Mose (14-16), erteilte Gott

Noah folgenden Bauauftrag: „Mache

dir eine Arche von Tannenholz; aus

lauter Zellen sollst du die Arche

machen, und verpiche sie inwendig

und auswendig mit Pech. Und so sollst

du sie machen; dreihundert Ellen sei

die Länge der Arche, fünfzig Ellen ihre

Breite und dreißig Ellen ihre Höhe;

nach der Elle sollst du sie fertig stellen.

Ein Dach aber sollst du oben an der

Arche machen, und die Türe der Arche

sollst du an der Seite anbringen. Ein

unteres, ein zweites und ein drittes

Stockwerk sollst du darin machen.“JT

:ANMERKUNG 2 In seiner

programmatischen Schrift „Vers

une architecture“ von 1921, die eine

Art Bibel der modernen Architektur

wurde, erklärte Le Corbusier das

Schiff, den Ozeanluxusdampfer,

zum verbindlichen Vorbild für die

funktionalistische Architektur. Er und

viele andere Architekten verwendeten

Schiffsmotive als Symbole der

Modernität. JT

:ANTONYME Mutationen, bedingte

Reflexe

:SYNONYME Prototyp

:ASSOZIATIONEN/KONNEXE

Artefakt

:LINKS A, Adam, Ur, Urhütte

ARCHIQUANT

Der Archiquant ist ein Meisterwerk,

nicht von mir – von der Natur.

Ich hab mich an ihn erinnert.

Heidulf Gerngross

Der Archiquant ist potentielle Energie.

Seine Breite B ist sein Radius R, die

Tiefe T ist der Goldene Schnitt. HG

ANMERKUNG 1 Ein Archiquant

ist ein Viereck, dessen eine

Langseite konvex, wohingegen die

andere Langseite konkav – elegant

– gekrümmt ist. Die Ecken sind

– ebenfalls elegant – abgerundet.

Diese derart definierte Fläche dient

als Muster für verschiedene und

unterschiedlich große Module, die

zur Herstellung von verschiedenen

praktischen und unpraktischen

Gegenständen dienen sollen. In

zahlreichen Prototypen existieren

bereits Taschen, Sessel, Tische,

Regale, Tableaus, etc. Neuerdings

verhandelt Heidulf Gerngross

mit einer Bausstofffirma über die

Herstellung von archiquantförmigen

Ziegeln. Der Massenproduktion und

–verwendung der Archiquantziegel

misst Gerngross große kulturpolitische

Bedeutung bei. Sein A. sei, sagt er, das

„Rechteck des 21. Jahrhunderts“, das

die „Hakenkreuz-Architektur“ des 20.

Jahrhunderts, wie er die gesamte, am

orthogonalen Prinzip ausgerichtete

Architektur, einschließlich

Funktionalismus, bezeichnet, ablösen

soll. JT

:ANMERKUNG 2 Heidulf Gerngross,

geboren 1939, gelernter Tischler,

Absolvent der TU Graz, ist der

letzte authentisch gebliebene und

authentisch aussehende Proponent

des „Austrian Phenomenon“. Seine

unbegrenzt erscheinende Produktion

von Entwürfen und Ideen, die an

der Grenze zwischen Utopie und

Pragmatismus oszillieren, besteht

meistens aus unverwirklichten

Projekten. Einige wenige, dem

architektonischen Experiment dennoch

verpflichtete Realisierungen gibt es

auch: Die Friedrich-Kiesler-Schule

in Wien-Leopoldstadt (Zubau, 1996)

etwa oder die Wiener Loftsiedlung

in Wien-Floridsdorf (1997), deren

Wohnfläche nominell unter der

Schwelle der Bauförderung bleibt,

die Loft-Wohnungen aber so

beschaffen sind, dass sie später durch

geringfügige bauliche Ergänzungen

wesentlich – von 95 auf 127

Quadratmeter – erweitert werden

können. Beide Bauwerke zeichnen

sich durch strenge Orthogonalität

aus. Zu den aufregenden (noch)

nicht verwirklichten Projekten

zählen die Halle „Basilica dell’arte“

in Größe und Form eines Hangars

am Grenzschnittpunkt der Länder

Österreich, Ungarn und Slowakei

(2003) und der „Karl-Marx-Hof 2“,

eine Wohnhausanlage mit rund 100

Container-Wohnungen (2005), in der

die Erfahrungen mit dem „Wiener

Loft“ verarbeitet wurden. Diese

Projekte sind in Zusammenarbeit

mit dem Vorarlberger Architekten

Angelo Roventa und dem Wiener

Architekten und Baumanager

Peter Bogner

Markus Spiegelfeld entstanden.

Dessen Planungsbüro „Werkstatt

Wien“ ermöglicht Gerngross eine

Existenz als freier, forschender und

tastender Architekt, nachdem er als

Berufsarchitekt Konkurs anmelden

hatte müssen. Gerngross verfasste

mit dem 1978 veröffentlichten

„Volksbuch“ einen der ersten

Computer-generierten Romane der

Welt. 2002 repräsentierte Gerngross

die österreichische Architektur auf der

Architekturbiennale 2002 in Venedig.

H.G. hat sechs Kinder: Tillmann

(geboren 1963), Nora (geboren 1964),

Edelgard (geboren 1977), Rudolf

(geboren 1981), Gloria (geboren 1988),

Vinzenz (geboren 2004). H.G. gibt

die Undergroundzeitung S/T/A/R

Städteplanung/Architektur/Religion

heraus. Dort bildet er manchmal seine

Kinder auf der Coverseite ab. JT

:LEKTÜRE Heidulf Gerngross:

Volksbuch, 1978

:ANTONYME orthogonale

geometrische Figuren und

stereometrische Körper

:ASSOZIATIONEN/KONNEXE

Barock, Weltf ormel, Passstücke von

Franz West, Architron

:LINKS Austrian Phenomenon, Maß,

Utopie, Privatkonkurs, Modulor

ARCHITEKT

Es gibt unzählige Definitionen

des Architekten. Die meisten sind

Selbstdefinitionen, das heißt, die

Angehörigen dieses Berufsstandes

beschaffen sich ihre Einschätzungen

selbst. Diese Selbstbilder sind

oft ungemein pathetisch und

wirklichkeitsfremd. Eines der

schönsten derartigen Selbstbilder ist

das berühmte Bonmot von Adolf Loos,

wonach der Architekt ein „Maurer mit

Latein“ sei. Also ein gebildeter, sogar

klassisch gebildeter Handwerker. Einer,

der baut und der auch weiß, was Opus

incertum oder Opus recticulatum ist.

Da dies die heutigen Architekten nicht

wissen und nicht zu wissen brauchen

– Praxis am Bau samt Mörtelmischen

und Wändemauern wird nicht mehr

verlangt – ist die Bonmot-Definition

von Loos von einer nur residualen

Schönheit. Die Fremdbilder des

Architekten schwanken zwischen

tiefstem Despekt und höchstem

Respekt. Zwischen Architekten

als ungebildeten Vollidioten und

allmächtigen Welterbauern. JT

ARCHITEKT II

In seinem „Wörterbuch der gemeinen

Phrasen“ (um 1850) vermerkt Gustav

Flaubert unter dem Stichtwort

„Architekten“: „Alles Schwachköpfe. –

Vergessen immer die Treppenhäuser.“

JT

ARCHITEKT III

Friedrich Nietzsche schreibt in den

„Weltgeschichtlichen Betrachtungen“:

„Der Architekt stellt weder einen

dionysischen, noch einen apollinischen

Zustand dar: hier ist es der große

Willensakt, der Wille, der Berge

versetzt, der Rausch des großen

Willens, der zur Kunst gelangt. Die

mächtigsten Menschen haben immer

die Architekten inspiriert; der Architekt

war stets unter der Suggestion der

Macht. Im Bauwerk soll sich der Stolz,

der Sieg über die Schwere, der Wille

zur Macht versichtbaren; Architektur

ist eine Macht-Beredsamkeit der

Formen“. JT

ARCHITEKT IV

„Der Architekt – wer und warum

er ist“: Unter diesem Titel schreibt

Frank Lloyd Wright: „ Er ist ein

nimmermüder Beobachter, stets damit

beschäftigt, die Natur zu erforschen.

Er sieht, dass alle Formen in der

Natur voneinander abhängig sind,

dass – entsprechend den Gesetzen

der Schöpfung – eine aus der anderen

entsteht. Ein kleiner Teil der Natur

verkörpert sich in jedem seiner

Entwürfe. Was er wahrnimmt und in

sich selber erkennt, wird später von

der Wissenschaft bestätigt. Er sieht die

Ideen der Natur und ihre manifesten

Wirkungen. Der Dichter in ihm ist es,

der seinen größten Wert ausmacht. Die

tiefe Naturhaftigkeit des eigenen Seins

ist wesentliche Bedingung für einen

großen Architekten und Voraussetzung

für die Größe eines Menschen. Erwartet

von ihm ein System der Philosophie

und der Ethik, das sich als Synthese

der Gesellschaft und der Zivilisation

erweist.“ JT

:QUELLE Bernhard H.F.Taureck:

Nietzsche-Abc, Leipzig 1999; Gustave

Flaubert: Wörterbuch der gemeinen

Phrasen, Frankfurt am Main 2005;

Sherman Paul: Louis H. Sullivan. Ein

amerikanischer Architekt und Denker,

Berlin/Frankfurt a. M./Wien 1965

:LEKTÜRE Maria Welzig/Gerhard

Steixner: Die Architektur und ich.

Eine Bilanz der österreichischen

Architektur seit 1945, vermittelt durch

ihre Protagonisten, Wien/Köln/Weimar

2003

:ANMERKUNG 1 „Lauter Dummköpfe.

Vergessen immer auf die Treppen“,

heißt es in einer anderen Übersetzung.

Es ist nicht ganz klar, ob es sich bei den

aphoristischen Eintragungen Flauberts

um seine eigene Auffassung oder

eine vorgefundene und festgehaltene

handelt. Bemerkenswert allerdings ist,

dass Stiegen den Architekten zu allen

Zeiten Schwierigkeiten bereiteten. Leon

Battista Alberti (1401-1472), einer der

wichtigsten Architekturtheoretiker,

rät, auf die Stiegen gänzlich zu

verzichten; falls es nicht geht, dann

sollen sie ausgelagert werden, denn

„die Stiegen verhauen die Schönheit

des harmonischen Grundrisses.

Die Abneigung der Architektur

gegen Stiegen dürfte atavistisch

sein. Als Architekturlehrer an zwei

Kunstuniversitäten bin ich ständig

mit dem Unwillen der Studenten

konfrontiert, mit Stiegen, Elevatoren

oder Rampen zu arbeiten.

:ANMERKUNG 2 Das Apollinische ist

das Streben nach Ordnung und Form,

das Bedachte, Harmonische, Erhabene.

Das Dionysische ist das Rauschhafte,

Ekstatische, Trunkene, Unergründbare.

Diese Aufteilung wurde von Friedrich

Schelling eingeführt und von Nietzsche

popularisiert. Indem Nietzsche dem

Architekten sowohl das dionysische als

auch das apollinische Prinzip abspricht,

spricht er ihm den Status des Künstlers

ab, denn das Künstlerische könne,

laut Schelling, nur einem dieser zwei

Prinzipien entspringen. Nietzsche

führt ein drittes Prinzip ein, den

„Willen zur Macht“, der den modernen

Künstler, vor allem den Baukünstler, zu

konstituieren vermag. Den Machtwillen

bezieht der Architekt, so kann man

Nietzsche interpretieren, aus dem Sieg

über die Gravitation. Der Sieg über die

Gravitation, der Urknall der Architektur,

begann in der neolithischen Zeit

mit dem Aufstellen langer Steine,

Menhiren genannt, die größer waren

als die größten Menschen, viel größer,

verbracht aus der horizontalen in

die vertikale Lage. Und nicht mit der

Urhütte, wie Vitruv vermutet.

:ANMERKUNG 3 Auch Le Corbusier

vertritt die gravitätische Betrachtung

der Architektur. In seinem 1923

erschienenen Buch „Vers une

Architecture“ schreibt er: „Die

ZUM BUCH KÜNSTLERHAUS

KÜNSTLERHAUS –

HAUS DER MÖGLICHKEITEN

Das Künstlerhaus ist frei.

Es orientiert sich nach dem lebensfrohen Motto:

Die Kunst ist frei und die Kreativität ist unbegrenzt!

Jan Tabor erzählte den ST/A/R-Herausgebern, er werde ein „Buch des

Flaneurs“ zum vorliegenden ST/A/R beitragen. Jedoch, er arbeitet

noch an dem Kunstbuch „die enzyklopädie der wahren werte“ und

dem Doppelkatalog MEGA und bereitet aus Zeitmangel nun das erste

„Buch des Flaneurs“ erst für die nächste ST/A/R-Ausgabe vor. Mit

neuen theoretischen, künstlerischen, praktischen und philosophischen

Einsichten.

Für diese ST/A/R-Ausgabe heißt das Buch Künstlerhaus. Tabor sandte

uns einen Auszug des im Juni erscheinenden Buches „die enzyklopädie

der wahren werte“ und bat die auch mit dem Künstlerhaus sehr vertraute

Seit Jahren lebt das Künstlerhaus weit unter allen vorstellbaren budgetären

Mindestlimits. Und dennoch: jede unkonventionelle Ausstellung, die

nirgends sonst wo in Wien möglich ist, manchmal sogar nirgendwo sonst

auf der Welt, geht ins Künstlerhaus. Tobt sich aus, lässt sich an, wird nie

fertig, blüht, macht von sich reden, kurzum: ob AusstellungsmacherInnen

oder AusstellungsbesucherInnen – das Haus zieht Menschen an, denen

die Norm-Ausstellungsbetriebe rundherum inzwischen zur Norm geworden

sind.

Dafür sorgt Peter Bogner, künstlerischer Direktor des Künstlerhauses, den

man kürzlich als einzigen nicht von einer politischen Partei unterstützten

Kandidaten im Dreier-Vorschlag für die Leitung der Österreichischen Galerie

im Belvedere bemerkte.

Im Künstlerhaus spielt sich ab, was das Museumsquartier vor zehn,

fünfzehn Jahren erfüllte, als letzteres noch nicht glatt poliert, wohldotiert

und trendy programmiert war. Zunächst noch wenig bemerkt, übernahm

das Künstlerhaus vor einigen Jahren bereits die subversive, energetisch

und kreativ kraftvolle Rolle unter den Ausstellungshäusern der Stadt,

und ist ihre frischeste Ausstellungsstätte geworden. Das Künstlerhaus

realisiert Ausstellungen abseits steriler und bloß durch Vorberichte über

stolze Versicherungswerte angekündigte Mainstream-Schauen von immer

denselben angestellten KuratorInnen. Wo sonst wären Ausstellungen

wie DIE RESERVE DER FORM, mega, manifeste der anmaßung, UPDATE,

Abstraction Now, NIEMANDSLAND, den fuß in der tür, POSTSCRIPT, Kunst,

verbaut, sightseeing, GLOBAL TOOLS, Die Enzyklopädie der wahren Werte

und viele mehr möglich gewesen. Wo sonst? Man muss es sich leisten, die

Ausstellungen im Künstlerhaus zu sehen. ST/A/R redet davon, viele gehen

hin, das Künstlerhaus ist im Gespräch.

Es kreirt Ideen, die in dieser Stadt wachsen und in der Luft liegen.

Es ist im Diskurs mit Architekten, Bildhauern, Designern, Malern,

Medienkünstlern, Modeschöpfern, Philosophen, Wissenschaftlern, etc.,

Ob Antiquitätenmesse oder Icke Mike Clubbings in der Passagegalerie:

Das Künstlerhaus ist, wo sich die Szenen treffen.

Peter Bogner ist entschlossen, weiterhin die Entwicklung des

Künstlerhauses voranzutreiben und das kreative Potential dieser Stadt im

Künstlerhaus zu zeigen und zu aktivieren; trotz knappster Finanzen.

Als Kennerin der Ausstellungsaktivitäten in Wien möchte ich dieses

sprießende Potential nicht missen.

Gabriele Petricek

Baukunst ist die erste Manifestation

des Menschen, als dieser sich nach

dem Vorbild der Natur seine eigene

Welt schuf: er erkannte damit die

Naturgesetze an, die Gesetze, die unsere

Menschen-Natur regieren, unsere Welt.

Die Gesetze der Schwere, der Statik

und Dynamik zwingen sich auf durch

die unausweichliche Alternative: halten

oder einstürzen“.

In der „unausweichlichen Alternative“

ist der Gegensatz zwischen dem

apollinischen und dionysischen Prinzip

enthalten. Le Corbusier schreibt

außerdem: „Die Kathedrale ist kein

Werk der bildnerischen Kunst; sie ist

ein Drama: sie ist Kampf gegen die

Erdenschwere, ein Sinnenerlebnis

gefühlsmäßiger Art“.

:ANMERKUNG 4 „Vers une

Architecture“ wurde von Hans

Hildebrandt ins Deutsche übersetzt und

unter dem Titel „Kommende Baukunst“

1926 veröffentlicht. „Baukunst“,

obwohl dieser Begriff im Französischen

faktisch nicht vorkommt. Später, 1963,

nachdem der Begriff „Baukunst“ vor

allem durch seine Profanierung im

Dritten Reich unzeitgemäß geworden

war, wurde der Titel in „Ausblick auf

eine Architektur“ geändert. In den

frühen 1980er Jahren, an der Schwelle

zur Postmoderne, wurde in Wien der

Versuch unternommen, die Begriffe

„Baukunst“ und „Baukünstler“ zu

rehabilitieren – erfolglos.

:ANMERKUNG 5 Louis Henry Sullivan,

von dem das berühmte, oft Ludwig Mies

van der Rohe zugeschriebene Postulat

der Moderne „form follows function“

stammt, war ein leidenschaftlicher

Verfechter des Baudekors, des

Ornaments. Er hielt Dekor, die „Kraft

des Ornaments“, unerlässlich für die

Emotionsbildung am Bau und daher

für eine Funktion der Architektur.

Die Emotionsqualität hielt er für

ein Zeichen der demokratischen

Architektur. Adolf Loos, der das

Ornament für „vergeudete arbeit“

hielt (und aus diesem Grund die

Großschreibung ablehnte), dürfte

von Sullivans „Moral des Ornaments“

nicht viel gehalten haben. 1918 wurde

er von dem österreichischen, in

Amerika lebenden und bei F.L.Wright

arbeitenden Architekten Rudolf

Schindler gebeten, bei der Herausgabe

von Sullivans theoretischer Schrift

„Kindergarten Chats“ in Österreich

oder Deutschland zu helfen. Loos blieb

Schindler eine Antwort schuldig.

:ANTONYME Baukünstler,

Konstrukteur, Ingenieur, Statiker

:SYNONYME Baumeister, Demiurg,

Gott

:LINKS Macht, Dekor

ARCHITEKTENBERUF

Der Beruf des Architekten ist in

eine Krise geraten. Falls er nicht

schon immer in der Krise war. Die

Berufskrise des Architekten kann

auch als die Krise der Baukunst

verstanden werden. Der Beginn der

modernen Krise lässt sich aufs Jahr

genau rückdatieren: 1851. Damals fand

in London die erste Weltausstellung

statt. Sie wurde in einem Gebäude

untergebracht, das wie ein neues

Weltwunder verehrt wurde und

weiterhin wird, obwohl es nicht mehr

existiert; der Kristallpalast. Es war

ein Bauwerk, das die Welt noch nicht

gesehen hatte. Sein Schöpfer, Joseph

Paxton, war kein Architekt, ja nicht

einmal ein Ingenieur. Er war ein

Gärtner. Das war ein Schock, von dem

sich die Architektenschaft bis heue

nicht erholen konnte. Damals entstand

jene Deklassierung des Architekten, an

der dieser Stand noch immer laboriert.

Damals kam es zur endgültigen

Aufteilung in Prachtbau und Nutzbau,

der Architekt und der Ingenieur

leben und arbeiten seither in zwei

verschiedenen Bereichen. Sie sind zwar

voneinander abhängig, der Ingenieur

(Bauingenieur, Statiker, Haustechniker

etc.) mehr nominell als faktisch, der

Architekt sowohl nominell als auch

faktisch. Der Ingenieur also viel

weniger als der Architekt. Mittlerweile,

etwa durch die neuen Richtlinien und

Gesetze der EU, dürfen die Ingenieure

die (traditionellen) Leistungen des

Architekten wahrnehmen. Umgekehrt

ist es nicht möglich. Dazu kommt die

schlichte Tatsache, dass die Bauherren

– von einem Einfamilienhaus-Klienten

bis zu den Managern von Konzernen

– bei Fragen der Architektur mitreden

können (glauben es zu können)

und auch mitreden. Dies ist bei den

technischen Aspekten des Bauens

höchstens marginal möglich. Die

Deklassierung des Architekten ist

eine vielfache: durch Bauherren,

Baubehörden, öffentliches und

politisches Interesse, Abhängigkeit

von Technikern, Überforderung durch

neue Technologien. JT

:LEKTÜRE Ákos Moravánszky: Die

Erneuerung der Baukunst. Wege zur

Moderne in Mitteleuropa 1900-1940,

Salzburg 1988

:ANMERKUNG 1 Die Antwort der ➜

Schriftstellerin und Kulturjournalistin Gabriele Petricek gebeten, ob nicht

sie den von ihm zu schreiben beabsichtigten Text über die Qualitäten des

Künstlerhauses schreiben könnte.

ST/A/R bedankt sich herzlich bei Gabriele Petricek, und in geringerem

Maße bei unserem „Flaneur“ Jan Tabor.

ST/A/R-Redaktion

Vielleicht ist mein Wohlwollen dem Künstlerhaus gegenüber deshalb

so intensiv, weil ich vor einigen Jahren die Gelegenheit hatte, dort eine

Ausstellung durch den Wiener Architekten Albert Wimmer zu machen

die „wimmer-cooper-gerngross“ hieß; und in vielen Ausstellungen dort,

insbesondere in den von Jan Tabor kuratierten, immer wieder ein Stück

meiner Dokumente erscheint…

Heidulf


6 ST/A/R

Buch I – across

Nr. 09/2006

THE INTERNATIONAL

CONTEMPORARY ART FAIR

FOCUSED ON CEE

6. – 9. APR. 06

MESSEZENTRUMWIENNEU / VIENNA / AUSTRIA

ÖFFNUNGSZEITEN: DO, FR 12 – 19 UHR, SA 11 – 19 UHR, SO 11 – 18 UHR

OPENING HOURS: THU, FRI 12 AM – 7 PM, SAT 11 AM – 7 PM, SUN 11 AM – 6 PM

WWW.VIENNAFAIR.AT


Nr. 09/2006

Buch I – Künstlerhaus ST/A/R 7


Architekten auf die Deklassierung war die Flucht

in die Utopie und die von Nietzsches „Willen zur

Macht“ angefachten Allmachtsphantasien. „Aus

Willen baut er sich sein Wall, erobern will er die

centripetalen Luftgeister, dehnen und sprengen

den Aethermantel, der ihn umsargt, Haut um Haut

zerspelzen und höher und reiner steigen aus jedem

dieser entwickelten Reste ... Tausend nackte Seelen,

tausend Mindere und Verminderte harren der Tore,

die klaffen sollen, Himmelreiche auf Erde, Heimat,

trautester Träume heiligste Erfüllung.“ So der

expressionistische Architekt und Dichter Hermann

Finsterlin 1919 in „Gläserne Kette“. Etwa gleichzeitig,

1920, denkt Hans Hansen in „Der Bahnhof“

über den Beruf des Architekten nach: „Ein freier

Architekt ist ein Architekt, der frei ist, in Dienste

eines Bauherrn zu treten, um eine Möglichkeit zu

haben, von der Freiheit als Architekt Gebrauch zu

machen. Es gibt also keine freien Architekten ... Jeder

Architekt kennt seine Freiheit und weiß, dass sie eine

vielfach maskierte Sklavenschaft und Herrschaft ist“.

:ANMERKUNG 2 Heute noch heißt in England eine

populäre Fußballmannschaft Crystal Palace. ED

ARCHITEKTENGRUPPEN

Österreich ist in jeder Hinsicht ein phänomenales

Land, besonders in der Architektur. Es wird

hochgeschätzt und es neigt zur Selbstüberschätzung.

„In Österreich gibt es eine enorme Dichte an

topqualifizierten Architekten. In der Architektur

spielen wir in der Champions League“. (Hermann

Eisenköck, Architekt, Juni 2004). Derart

schmeichelhafte Bewertungen sind weder neu noch

ausschließlich österreichisch. 1970 befand Peter

Cook: „In den vergangenen zehn Jahren kamen

wahrscheinlich mehr interessante junge Architekten

aus Österreich als aus einem anderen Land.“ Dieses

Qualitätszeugnis stellte er im Zusammenhang mit

der von ihm kuratierten, in London und New York

gezeigten Ausstellung „Experimental Architecture“

auf. Aus Österreich hatte Cook die damals sehr

jungen Gruppengenies Coop Himmelblau,

Haus Rucker Co und Zünd up sowie die jungen

Einzelgenies Hans Hollein, Walter Pichler, Raimund

Abraham und Friedrich St. Florian eingeladen.

Seinem Katalogbeitrag gab er den in Österreich gern

zitierten Titel „The Austrian Phenomenon“. JT

ARCHITEKTENGRUPPEN II

Österreich ist ein kleines und glückliches Land,

das überfüllt ist mit Talenten aller Art, besonders

mit Architekten. Da hier eine deutliche Diskrepanz

zwischen der Masse der arbeitssüchtigen Architekten

und der Menge der Arbeitsmöglichkeiten für

sie besteht, kommt es zu einem spezifisch

österreichischen Talentestau, zu einem katalytischen

Überdruck mit spezifisch österreichischen

Auswirkungen. Die wohl auffälligste Konsequenz des

Talentedruckes ist die phänomenale Vermehrung

von kleinen Architektengruppen mit synthetischen

Namen, die manchmal so hübsch und bunt sind, als

handelte es sich um Popmusic-Bands: Querkraft,

Alles wird gut, the nextENTERprise oder pool. Oder:

BKK3 (einst Baukünstlerkollektiv 1, von dem sich

pool abspaltete), the POOR BOYS enterprise (aus

dem the nextENTERprise entstanden ist), propeller z,

RATAPLAN, STADTGUT, artec, SPLITTERWERK,

x-architekten, HOLODECK, urban fish, the limit

(die vor dem Zerfall der Gruppe the unit hieß),

one room, sofa architekten, PARADISO, L.O.V.E.,

gaupenraub+/-, silberpfeil-architekten, SPAN, asarchitecture,

superreal, f+b-b architekten, heri&salli,

t hoch n architekten oder BEHF (von denen sich eine

Gruppe unter dem Namen BWM Architekten und

Partner getrennt hat). Dieser Gruppenname kann

witzig, wohlklingend, programmatisch, beiläufig,

bedeutungsschwer, angeberisch, selbstironisch,

poetisch und wie auch immer sein. Verbindlich

festzustellen, wie viele Architektengruppen in

Österreich aktuell tätig sind, ist kaum möglich. Ihre

Anzahl ändert sich ständig, Tendenz stark wachsend.

Die Schätzungen bewegen sich zwischen maximal

100 und minimal 30 – je nachdem wie streng die

Kriterien für die Definition der Gruppe sind. Welche

der geschätzten Zahlen man auch nimmt: Es sind

genug, um das Erscheinungsbild der aktuellen

Architektur in Österreich maßgebend zu prägen.

ED: Erich Demmer

HG: Heidulf Gerngross

JT: Jan Tabor

ARCHITEKTENGRUPPEN III

Die Gruppen zeichnen sich durch erstaunliche

Mannigfaltigkeit an architektonischen Standpunkten

und Auffassungen aus, die jede dieser Gruppen

mehr oder weniger erfolgreich für sich zu finden

und in Bauwerke umzusetzen versucht. Jede Gruppe

hat ihre eigene kleine Geschichte, die Anzahl

und Zusammenstellung ihrer Mitglieder variiert

genauso wie die Art, wie sie miteinander arbeiten,

agieren und sich nach außen hin darstellen. Trotz

zahlreicher Gemeinsamkeiten hat jede Gruppe ihren

eigenen Charakter, der ihrer Architekturauffassung

im Allgemeinen und ihren konkreten Arbeiten im

Besonderen anzumerken ist. JT

:ANMERKUNG 1 Das Phänomen ist so eindeutig,

dass es verdient, als eine Welle bezeichnet zu

werden. Nicht eindeutig hingegen ist, ob man von

einer Neuen Welle reden kann oder von der Zweiten

Welle. Also von der Erneuerung einer Tradition

oder gar von der Fortsetzung jener Welle, die in den

späten 1960er Jahren gleichsam aus dem Nichts

entstanden ist und umgehend erreichen konnte, die

Architektur in Österreich neu zu definieren und sie

an die Spitze des damals aktuellen internationalen

Architekturdiskurses zu heben. Obwohl diese erste

Welle so rasch wieder verschwand, bereits um 1973,

wie sie entstanden ist, kann die österreichische

Architektur die damals errungene Position

zumindest partiell halten. Alles deutet darauf hin,

dass es sich um eine neue Welle handelt, die mit der

vorangegangenen nicht viel gemeinsam hat.

:ANMERKUNG 2 Den direkten Weg wählen

immer mehr Absolventen. Um die Strapazen

des Anfangs leichter zu ertragen und den

Übergang vom Studenten- ins Berufsleben zu

erleichtern, bilden sie, gleichsam versuchsweise,

oft nebenberuflich, kleine Arbeitsgemeinschaften

beziehungsweise Aktionsgemeinschaften. Sie

bereits als Architekturbüros zu bezeichnen, hieße

zu übertreiben. Die Architektengruppen haben

meist drei bis sechs Mitglieder, aber keine nominelle

Hauptperson. Die Beziehungen untereinander

werden mehr freundschaftlich als partnerschaftlich

praktiziert, wodurch auch ein gruppenspezifischer

Umgang mit der Architektur entstehen kann. Das

äußere Zeichen der Gruppe ist ein künstlicher

Name, den sich die Gruppe zulegt, unter dem sie

dann am Architektenmarkt agiert. Die Bildung

und die Benennung der Gruppe ist in Österreich

eine wirksame Maßnahme in der Strategie der

Aufmerksamkeitsfindung geworden.

:ANMERKUNG 3 Die Gruppenbildungen

in Österreich sind ein unbeständiges und

uneinheitliches, letztlich unfassbares Phänomen.

Grob geschätzt existieren gegenwärtig rund 100

Büros, die unter einem Gruppennamen tätig

sind. Davon gibt es rund 25 Architektengruppen,

die tatsächlich beruflich aktiv sind und jene

Merkmale aufweisen, durch die sie sich, trotz

aller Überschneidungen, von konventionellen

Architektenbüros unterscheiden. Diese echten

Architektengruppen haben ein ausgeprägtes

Programm und eine ausgeprägte, oft radikale

Auffassung von Architektur(qualität) und vom

Architektenberuf. Dazu gehört, dass sie die

Entwurfsarbeiten gemeinschaftlich abwickeln . Dies

geschieht oft in der Überzeugung, dass sie dadurch

nicht nur bessere konkrete Lösungen erreichen,

sondern auch neue und originelle Formen finden

und erfinden, die man als gruppenspezifische

Qualitäten bezeichnen und schätzen kann – im Sinne

einer Strategie der Differenzierung (des Angebots am

Leistungsmarkt für Architekten).

:ANMERKUNG 4 Die Gruppenzusammenarbeit

hat einen offensichtlichen Vorteil: Sie vermag bei

den jungen Architekten die ihnen noch fehlenden

Erfahrungen und Fertigkeiten auszugleichen, was

von vielen Auftraggebern offensichtlich positiv

anerkannt wird. Der Gruppengeist fördert die

Lust an Verspieltem, an Ungewöhnlichem, an

Zusammenarbeit mit Künstlern, Designern und

anderen Spezialisten. Er fördert das Interesse

für andere kreative Sparten, die sich abseits des

traditionellen Arbeitsfeldes des Architekten befinden

oder entwickeln. Aus diesem Grund werden in

einigen Gruppen bildende Künstler etc. integriert.

Ihre Denkweisen sind für die Gruppendynamik

und letztlich die Eigenwilligkeit der Resultate

wichtig, die wiederum wirksam wird in der

Strategie der Aufmerksamkeitsfindung und der

Unterscheidbarkeit. Mit dem zunehmenden Erfolg

verschiebt sich die gruppenspezifische Struktur

Richtung konventionelles Architekturbüro, wobei der

ursprüngliche Gruppenname meist beibehalten wird.

Ein historisches Beispiel: Coop Himmelb(l)au.

:ANMERKUNG 5 Um 1990 hat die jetzige

zweite Welle eingesetzt. 1989 wurde die Gruppe

BKK-Baukünstlerkollektiv gegründet, 1993

RATAPLAN und 1994 propeller z. Das Phänomen

Gruppenbildungen unter Phantasienamen, die

erste Welle, also jene Erscheinung, die Peter

Cook 1970 zu verblüffen vermochte, war in jeder

Hinsicht wesentlich anders, weil die politischen

und kulturellen Bedingungen in den 1960er Jahren

grundsätzlich anders waren. Die Unterschiede

beginnen damit, dass die Gruppennamen früher

einen anderen, programmatischen, mitunter auch

kämpferischen oder provokativen Beiton hatten: Coop

Himmelblau, Missing Link, Zünd up, Haus Rucker

Co, Salz der Erde ... wesentlich mehr waren es nicht,

einzig übrig geblieben ist Coop Himmelblau, jetzt

Coop Himmelb(l)au.

:ANMERKUNG 6 Einer der konstituierenden

Bestandteile des österreichischen Phänomens ist die

merkwürdige Diskrepanz zwischen der „enormen

Dichte an topqualifizierten Architekten“ und der

bescheidenen Dichte an Baugelegenheiten für diese

Toparchitekten, vor allem für die neuen unter ihnen.

Jedes Jahr verlassen beinahe 600 Absolventen

eine der sechs akademischen Ausbildungsstätten

in Österreich. Im Schuljahr 2002/2003 waren es

575 Absolventen. Sie haben, vereinfacht dargelegt,

zwei Möglichkeiten, ihre Berufskarrieren als

selbständige Architekten zu beginnen. Sie können

zuerst in einem etablierten Büro arbeiten und die

staatliche Zivilingenieurprüfung ablegen, die eine

Voraussetzung für selbständige Arbeit ist, um

dann eigene Büros gründen zu können. Oder sie

können ohne solche Umwege gleich den Markt für

Architektenleistungen aller Art oder zumindest die

Architektenszene betreten.

Für die Strategie der Aufmerksamkeitsfindung

scheinen Eigennamen weniger günstig zu sein

als Phantasienamen. Diese sind vor allem als

Imagenamen konzipiert, die den Eindruck des Neuen

und Unverbrauchten, des jugendlichen Elans und der

frischen Originalität vermitteln. Warenmarken, Logos

und Trademarks gleich, sind die phantasiereichen

Namen ein Ausdruck eines Zeitgeistes, der auf

Aufklebern steht. Auch bei eindeutigen Nicht-

Gruppen werden Gruppennamen immer beliebter.

:ANMERKUNG 7 Völlig fehlen den jetzigen

Gruppen jener Zynismus und Zorn, die Peter

Cook 1970 als Bestandteile des österreichischen

Phänomens ausmachte. Es war ein Zynismus der

zornigen Träumer, ein produktiver Zynismus,

dem die durchaus realistische Einsicht zugrunde

lag, dass man sich bauend mit utopischen Ideen

ohnehin nicht durchsetzen werde können. Um so

kühner konnten dann die Visionen und frecher die

Provokationen sein. Die Tatsache des Nicht-Bauen-

Dürfens wurde kurzer Hand in das Nicht-Bauen-

Wollen umgepolt, in eine Haltung, gegen die sich

allerdings schon damals einige wichtige Proponenten

der österreichischen Architekturrebellion vehement

stemmten. In ihrem Manifest „Gegensätzliches zur

Lage“ im Katalog der Ausstellung „konfrontationen“

stellte die Gruppe Missing Link 1974 fest: „Nur

kein Erfolg! Erfolg ist verdächtig. Wer wird schon

eine schöne Außenseiterposition aufs Spiel setzen?

Der Untergrund pervertiert ohnehin früher oder

später zur Staatskunst. Außenseiter das sauber

sanfte Ruhekissen; Der elegante Sidestep in Analyse;

Theorie, die sich selbst reinwäscht, sakrosankt;

Die Reservate der Frustration stehen offen; Nicht-

Bauen als sakrale Haltung“. Die Bauaussichten

für junge Architekten haben sich vor allem in den

1980er und 1990er Jahren wesentlich verbessert.

Vorübergehend, wie sich bald zeigen sollte. Neue,

hervorragend ausgebildete Jahrgänge stoßen zu

den Architektenmassen und vergrößern den bereits

entstandenen riesigen Stau an unterbeschäftigten

jungen Architekten (wobei in Österreich als

ausgemacht gilt, dass alle Architekten unter

siebzig als jung zu gelten haben). Die Folge des

österreichischen Talentestaues ist die erstaunliche

Zahl und Vielfalt von Gruppen und Kleinstbüros.

Mit oder ohne Phantasienamen. Zynismus und Zorn,

Provokationen, Visionen und Manifeste gehören

nicht mehr zum Aufmerksamkeits-Repertoire der

heutigen Gruppengründer. Sie wollen bauen. ■

„die enzyklopädie der wahren werte“ (Hg. Jan Tabor

u.a. erscheint Ende Juni im Passagen Verlag.)


8 ST/A/R

Buch I – Künstlerhaus

Nr. 09/2006

Inhaltsangabe

Buch 01 -

Künstlerhaus,

Seite 1–8

Buch 02 -

Galerien,

Seite 9–16

Buch 03 -

20ger Haus,

Seite 17–24

Buch 04 -

Aktuelles,

Seite 25–32

Buch 05 -

Andreas Treusch,

Seite 33–40

Buch 6 -

Otto Zitko,

Seite 41–48

Buch 07 -

KONTAKT,

Seite 49–56

Buch 08 -

Ludwig v. Ficker,

Seite 57–64

Buch 09 -

AUTOST/A/R,

Seite 65–72

Buch 10 -

Harry Seidler,

Seite 73–80

Buch 11 -

Waran,

Seite 81–88

Buch 12 -

Grand Prix,

Seite 89–96

STAR IST MUEDE

Buch 13 -

PID Wien,

Seite 97–104

Buch 14 -

EP positions

Seite 105–112

Buch 15 -

Architektur,

Seite 113–120

Buch 16 -

3 Jahre ST/A/R,

Seite 121–128

ST/A/R ist eine Sammlung von Versuche objektiver Betrachtung, subjektiven Eindrücken aus

eigenen wie aus fremden Lebensfeldern, narrativen Elementen aus dem unmittelbaren Umfeld

und aus weiter entfernt, Schauplätzen der Kunst, der Architektur und des Stadtlebens / Landlebens,

ohne diese Lebensintensitäten in Kategorien aufzusplittern.

ST/A/R Kunstsiebdruckmappe

ST/A/R hat eine Kunstdruck-Edition

herausgegeben.

Künstler mit denen ST/A/R eng

zusammenarbeitet, haben Siebdrucke im

Format einer Doppelseite (45 x 60 cm)

gestaltet: Andrea Baczynski, Franz Graf,

Thomas Redl, Otto Zitko.

Gedruckt bei Kunstsiebdruck Andreas Stalzer

Zu beziehen bei ST/A/R, Verein für

Städteplanung/Architektur/Religion.

Impressum

ST/A/R Printmedium Wien

Europäische Zeitung für den direkten kulturellen Diskurs

erscheint 3-4 Mal jährlich, Nr. 07/2005, 09/2006, Erscheinungsort Wien,

5. April 2006

Medieninhaber:

ST/A/R, Medieninhaber: Verein für Städteplanung/Architektur/Religion

A–1060 ST/A/R, Wien, Verein Capistrangasse für Städteplanung/Architektur/Religion

2/8

Herausgeber: A–1060 Wien, Heidulf Capistrangasse Gerngross, 2/8Thomas Redl

Gesamtredaktion: Herausgeber: Heidulf Heidulf Gerngross, Gerngross, Thomas Thomas Redl Redl

Redaktion: Gesamtredaktion: Heidulf Heidulf Gerngross Gerngross, (Architektur, Thomas Kunst, RedlÜberleben),

Thomas Redaktion: Redl Heidulf (Kunst, Gerngross Architektur, (Architektur, Kultur, Philosophie), Kunst, Überleben), Angelo Thomas Roventa

(Architektur), Redl (Kunst, Kultur, Michaela Philosophie), Mair (Kultur, Angelo Literatur), Roventa Herbert (Architektur), Wulz (Medien,

Kultur), Christine Peter Bärnthaler O. Ferstl (Architektur), (Gastrosophie) Michaela Mair (Kultur, Literatur),

Korrespondenz: Herbert Wulz (Medien, Angelo Kultur), Roventa Jan (Rumänien) Tabor, Gabriele Petricek

Organisation Korrespondenz: & Produktion: Angelo Roventa Michaela (Rumänien) Mair, Thomas Redl

Artdirektion Organisation & Grafik: Produktion: Mathias Michaela Hentz Mair, Thomas Redl

Grafische Artdirektion Mitarbeit: & Grafik: Thomas Mathias Redl, Hentz Bernhard Garnitschnig

Druckvorbereitung: Grafische Mitarbeit: Michael Thomas Rosenkranz, Redl, Dominic, Mathias Albert, Hentz

Worldwide Daniel Podmirseg, Foto: Andrea Christine Baczynski Bärnthaler

Cover: Druckvorbereitung: Heidulf Gerngross, Michael Outfit: Rosenkranz, ÜberLebens-Eigenkreation

Mathias Hentz

Cover Worldwide Foto: Foto: ST/A/R Andrea 2005Baczynski

Transkription: Cover: Otto Zitko Suzie Wong, Michaela Mair

Druck: Transkription: Herold Michaela Druck und Mair Verlags AG, Wien

Vertrieb: Druck: Herold ST/A/R, Druck Morawa und Verlags AG, Wien

Aboservice: Vertrieb: ST/A/R, starabo@morawa.com

Morawa

Bezugspreis: Aboservice: starabo@morawa.com

3,- Euro (inkl. Mwst.)

Bezugspreis: 3,- Euro (inkl. Mwst.)

Kontakt: office@star-wien.at

Kontakt: office@star-wien.at

ST/A/R ist ein Gesamtkunstwerk und unterliegt

ST/A/R ist ein Gesamtkunstwerk und unterliegt dem Urheberrecht.

dem Urheberrecht.

Andreas Ban wünscht nachfolgende

Veröffentlichung:

Liebe ST/A/R Gemeinde!

Zu schnell geschossen, Akte

geschlosssen. In der letzten Ausgabe

wurde ich als neuer Mitherausgeber

angekündigt. Aufgrund mancher

Unvereinbarkeiten lege ich diese zurück.

Ich wünsche dem ST/A/R Team rund

um Heidulf Gerngross und dem Projekt

an sich alles Gute und viel Glück auf

dem weiteren Weg.

Sterne strahlen oft in anderen Farben.

Andreas Ban


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch II – Galerien ST/A/R 9

Thomas Baumann

Hannah Dougherty

Judith Eisler

Martin Eiter

Berta Fischer

Maria Hahnenkamp

Isabell Heimerdinger

Jirí Kovanda

Brigitte Kowanz

Robert Lucander

Dorit Margreiter

Anna Meyer

Julian Opie

Fritz Panzer

Florian Pumhösl

Ugo Rondinone

Esther Stocker

Otto Zitko

Viennafair:

Stand Nr. A 0 180

Brigitte Kowanz:

Lichtinstallation

„SPATIUM“ im Foyer

ˇ

des Messegebäudes

Julian Opie, This is Kiera, Nr. 8, 214 x 106 cm, 2004

Jirí Kovanda:

Vernissage, 7. April, 18h.

Gemeinsame Eröffnungen

der Galerien in der

Eschenbachgasse.


10 ST/A/R

Buch II – Galerien

Nr. 09/2006

Vienna Artweek 06

gallery night 7. April

7 - 9 PM

Vienna Artweek 06

gallery breakfas t

8. April starting 9 AM

aktuelle

Ausstellung:

Stand

A 0103

RUTH SCHNELL

Beyond the Screen 06

all targets defined

ST/A/R GOES TO AFRIKA

GALERIE

GRITA INSAM

An der Hülben 3,

1010 Wien

Tel *5125330 Fax

15 DW

www.

AFRIKA

ECONOMY CLASS

http://economyclass.sonance.net

initation & koordination : barbara husar / michael lampert / alexander nikolic / lukas pusch

ines agostinelli * jesper james alvaer * bella angora / www.bellaangora.net * robert spiess / www.

allerart.at * pia arnström * alfredo barsuglia / www.alfredobarsuglia.com * alexandra baumgartner

* lutz bielefeldt * alexander brenner / barbara schurz * bernhard cella / www.ostblick.at *

eva chytilek * ines doujak * tina van duyne / www.t-vd.net * angela dorrer / www.andorrer.de *

christian eisenberger * ella esque * equaleyes / www.equaleyes.org * christian falsnaes / www.

falsnaes.com * clemens fürtler * judith fegerl / www.judithfegerl.net * karin frank / www.karinfrank.

at * patrizia gapp / www.pgapp.net * birgit graschopf / www.birgitgraschopf.com * michael gumhold

* stefan hafner * cornelia hefel / www.corneliahefel.com * florian herzog * max hochstätter *

christoph holzeis * barbara husar / www.husar.tk

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/ www.dieangewandte.at/landschaftsdesign * michael lampert * jan lauth / alex

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roventa/garnitschnig/wulz *anja salamonowitz / www.anjasalomonowitz.com * stylianos schicho

angelika schuster / tristan sindelgruber / www.schnittpunkt-film.com * deborah sengl / www.ertarn.at

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AFRIKA

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land vorarlberg kultur abteilung * kunsthalle wien project space / www.kunsthallewien.at

foto leutner / www.leutner.at * ratioform / www.ratioform.at * S/T/A/R


Nr. 09/2006

anzeige_star 27.03.2006 16:22 Uhr Page 1

Buch II – Galerien ST/A/R 11

Hans Weigand Ausschnitt: Helden am Stadtrand 2006

GABRIELE SENN galerie

Schleifmühlgasse 1A 1040 Wien, Austria T +43 1 5852580 F +43 1 5852606 e-mail: galerie.senn@aon.at www.galeriesenn.at


Städteplanung / Architektur / Religion Buch II – Galerien

ST/A/R 13

AUSSTELLER EXHIBITORS

20.21 Galerie Edition Kunsthandel Essen 3A0705

2Meta Gallery Bucharest 3A1406

Galerie 3 Klagenfurt 3A1108

Galerie 422 Gmunden 3A0602

acb gallery Budapest 3A1506

Galerie Hohenlohe & Kalb Wien 3A0503

Galerie Hollenbach Stuttgart 3A1105

Galerie Andreas Huber Wien 3A1503

Galerie Hummel Wien 3A0504

I-20 Gallery New York 3A1404

Galerie Schuebbe Project Düsseldorf 3A0802

Galerie Michael Schultz Berlin 3A0904

Gabriele Senn Galerie Wien 3A0302

Galerija Skuc Ljubljana 3A1409

SPACE / Galéria Priestor Bratislava 3A1505

THE INTERNATIONAL

CONTEMPORARY ART FAIR

FOCUSED ON CEE

6. – 9. APR. 06

MESSEZENTRUMWIENNEU

Galerie Altnöder Salzburg 3A0603

Galerie Grita Insam Wien 3A0103

Spielhaus-Morrison Galerie Berlin 3A0805

Aidan Gallery Moskow 3A0206

Galerie Appel Frankfurt/Main 3A0901

Galerie Arka Vladivostok 3A0604

Galerie Martin Janda Wien 3A0406

Priska C. Juschka Fine Art New York 3A0110

Georg Kargl Fine Arts Wien 3A0305

Galerie Steinek Wien 3A0701

Stella Art Gallery Moscow 3A0202

Suzanne Tarasieve Paris Paris 3A0403

ACCESS

HALL A

ACCESS

HALL A

artmark Galerie Spital am Pyhrn 3A1412

Galerie Auden Bad Homburg 3A1008

Baukunst-Galerie Köln 3A1102

Galerie Benden & Klimczak Viersen 3A1004

Knoll Galerie Wien/Budapest 3A0608

Galerie Kosak Hall Wien 3A1005

Christine König Galerie Wien 3A0204

Galerie Krinzinger Wien 3A0301

Galerie Peter Tedden Düsseldorf 3A0702

Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Innsbruck 3A0506

Thrust Projects New York 3A0106

Galerie U7 Frankfurt/Main 3A1411

A1501

A0101 A0102 A0103 A0104 A0105 A0106 A0107 A0108 A0109 A0110

A1401

A1402

A1403

Galerie Bleich-Rossi Wien 3A0408

The Breeder Athens 3A0101

Projektraum Viktor Bucher Wien 3A0905

Buchmann Galerie Berlin 3A0401

büro für Kunst Dresden 3A0704

Galerie Krobath Wimmer Wien 3A0108

Galerie Kunstbüro Wien 3A0106

Galerie Lang Wien Wien 3A0703

layr:wuestenhagen contemporary Wien 3A1504

Galeria Le Guern Warszawa 3A0407

upstairs berlin Berlin 3A1410

Vintage Galéria Budapest 3A0607

Galerie Voss Düsseldorf 3A0806

Galerie ATC Weihergut Salzburg 3A1002

Galerie Judith Walker Weizelsdorf 3A1101

A1502

A1503

A1504

A0201 A0202 A0203 A0204 A0205 A0206 A0207 A0208 A0209

A0301 A0302 A0303 A0304 A0305 A0306 A0307

A1404

A1405

A1406

c.art; Prantl & Boch Dornbirn 3A0605

Contemporary Art Centre Vilnius Vilnius 3A0107

Charim Galerie Wien 3A0502

Galerie Chobot Wien 3A0803

Galerie Lelong Zürich 3A0506

Galerie Eugen Lendl Graz 3A0405

Galerie Lindner Wien 3A0804

lokal_30 Warszawa 3A1405

Galerie Welz Salzburg 3A1103

Wetterling Gallery Stockholm 3A0801

Wilkinson Gallery London 3A0304

Galerie Hubert Wolfrum Wien 3A1007

A0401 A0402 A0403 A0404 A0405 A0406 A0407 A0408

A0501 A0502 A0503 A0504 A0505 A0506

A1407

A1408

Croatian Art Gallery Zagreb 3A1403

Galerie Crone Berlin 3A0105

Galerie Heike Curtze Wien 3A0903

Galeria Czarna Warszawa 3A0307

MAM Mario Mauroner Contemporary Art Wien 3A0501

Marlborough Fine Art London 3A0902

Galerie Martin Mertens Berlin 3A1413

Galerie Meyer Kainer Wien 3A0303

Zvono Gallery Beograd 3A1402

faksimile digital Wien Foyer A

Wohlleb & Wohlleb Wien Foyer A

A0601 A0602 A0603 A0604 A0605 A0606 A0607 A0608 A0609

A0701 A0702 A0703 A0704 A0705 A0706

A1409

Erika Deák Gallery Budapest 3A1408

Display - space for contemporary art Praha 3A0207

Distrito Cu4tro Madrid 3A0201

DNA Die neue Aktionsgalerie Berlin 3A1106

Galerie Robert Drees Hannover 3A1001

Galerie Edition & Artelier Graz 3A0505

Engholm Engelhorn Galerie Wien 3A0203

Galerie Johannes Faber Wien 3A0606

lukasfeichtner Galerie Wien 3A0601

Frame Projects Wien 3A1507

Frey Galerie Wien 3A1104

Galerie Six Friedrich Lisa Ungar München 3A0402

Galica arte contemporanea Milan 3A0404

Gandy Gallery Bratislava 3A1501

H‘Art Gallery Bucharest 3A0209

Galerie Ernst Hilger Wien 3A0706

Galerie Mezzanin Wien 3A0104

Galerie nächst St. Stephan Wien 3A0306

Galerie Michael Neff Frankfurt 3A0302

Galeria Noua Bucharest 3A1401

Nusser & Baumgart Contemporary München 3A0609

Galéria Plan B Cluj 3A1502

Galerija Gregor Podnar Ljubljana 3A0208

Galeria Posibila Bucharest 3A1407

Program Gallery Warszawa 3A0205

Raster Warszawa 3A0307

Remont Gallery Beograd 3A0109

Galerie Jette Rudolph Berlin 3A0204

Galerie Lisa Ruyter Wien 3A0102

Galerie Karin Sachs München 3A1107

Galerie Frank Schlag & Cie Essen 3A1006

Galerie Schmidt Reith i.A. 3A1003

INSTITUTIONEN INSTITUTIONS

Art Cluster | Wien

BA-CA Kunstforum | Wien

MUMOK | Wien

Kunst im öffentlichen Raum c/o MA7 | Wien

Kunstraum Innsbruck | Innsbruck

Universität für angewandte Kunst Wien | Wien

Museum Arterra | Berndorf

City Gallery Prague | Prague

Museum of Contemporary Art Zagreb | Zagreb

Muzeul National de Arta Contemporana | Bucharest

Museum of Contemporary Art Belgrad | Belgrade

Moderna galerija Ljubljana | Ljubljana

Ludwig Museum Budapest – Museum of Contemporary Art | Budapest

Institute of Contemporary Art | Sofia

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INSTITUTIONS

VIP LOUNGE

MEDIA ZONE

INSTITUTIONS

STAGEZONE

POWERED by

RELAX

ZONE

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VIENNAFAIR THE INTERNATIONAL CONTEMPORARY ART FAIR FOCUSED ON CEE, 6.- 9. April 2006 ... MessezentrumWienNeu ... 106

Galerien ... aus dem In-u. Ausland ... präsentieren Ihre KünstlerInnen ... zeitgenössische Kunst ...Schwerpunkt Ost- und Südosteuropa

... umfangreiches Rahmenprogramm der VIENNAFAIR 06 u.a. art sessions: video - performance - music, Kunsthallewien project space,

Karlsplatz - The meeting place in the city after the VIENNAFAIR.

OPENING HOURS THU, FRI 12 AM - 7 PM, SAT 11 AM - 7 PM, SUN 11 AM - 6 PM

www.viennafair.at


KHPS_STAR0604_f 21.03.2006 14:22 Uhr Seite 1

april 2006

Fotos: Ellie Wyckoff (4), Christoher Just, Vyhnalek. Design: nordnordwest.at

project space karlsplatz

Lange Nacht – jede Nacht. Eine Zone

der Debatte, der Satire, der Theorie und

des schrägen Entertainments – u.a. mit

Kultur- und Literatur-Talks, Vorträgen, Tango

Tanzkursen und DJ-Line-ups.

highlights

konzert.

01.04., 21 Uhr

TUstudents - live in concert.

Informatik komponiert: experimentell & unterhaltsam …

performance.

13.04., 21 Uhr

Eidgenössische Gunst UFO’ s aus Genf – jetzt in der Gunsthalle!

Ein Spiel von Robert Maierhofer, Tomak, Josef Zekoff.

literatur.

20.04., 20 Uhr

TEA FOR THREE. Klaus Nüchtern und Daniela Strigl diskutieren mit Paul Jandl Literarisches.

university link.

12., 19., & 26.04., 19 Uhr

die angewandte. Ein Kooperationsprojekt der Universität für angewandte Kunst Wien und

der Kunsthalle Wien. Immer Mittwochs.

video – performance – music.

06. - 09.04., täglich 16 - 24 Uhr

art sessions. Kunsttreff nach der VIENNAFAIR.

EINTRITT FREI | Öffnungszeiten: Täglich 16 - 24 Uhr | So/Mo 13 - 19 Uhr | Treitlstraße 2, A-1040 Wien | Infoline: +43 -1-52189-33 | www.kunsthallewien.at


Nr. 09/2006

Buch II – Galerien ST/A/R 15

art sessions

Der Kunsttreffpunkt nach der Messe im

Zentrum der Stadt.

4.–9. April 06, täglich bis 24.00

Kunsthalle Wien, project space Karlsplatz

Ab dem 4.4. 2006 ab 16h werden täglich Videoarbeiten

von verschiedenen KünstlerInnen gezeigt, welche

speziell für dieses Projekt ausgewählt wurden. Die

schon längst inhalierten Begriffe wie Multimedia und

Interdizsziplinarität werden nun auf ihre Relevanz hin

geprüft. Die sehr unterschiedlichen Arbeiten überwinden

durch die starke Präsenz der Protagonisten, durch die

Verwendung von allgegenwärtigen Material, also found

footage und durch starke Referenzen zu Musik und

theatralen Formen, die traditionelle Ebene der rein

selbstreferentiellen Hinterfragung des Videos, ohne

Befragungen des Mediums gänzlich auszuklammern.

The meeting place

in the city

after the VIENNAFAIR

Infoline: +43 (1) 521 89 33

www.kunsthallewien.at

04. – 09. April 2006

täglich

16:00 – 24:00 Uhr

.4.2006 23h-24h

h Jah“ Gordon

“turn” new order,

Thomas Draschan

album: waiting for the sirens’ call

warner brothers records

video producer: michael shamberg

directed: thomas draschan

Courtesy the artists

sikperformance

+Screening

24h

unterhaltung mit

didi neidhart

is*ka/münchen)

: Janine Gordon

liefern. Die New

004 im Pariser

ritt unter ihrem

n der US-ameriämpft,

in die sie

ock-Szene, auf

voller Intensität

New York. She

t art world esta-

Swiss Institue in

two solo exhibits

tos of gang culwhich

has been

ST/A/R 3 Jahre

Performance

Live-Auftritte

Kunstvideos

Präsentation der ST/A/R Zeitung 09

"turn" new order,

Thomas Draschan

ViennAfair@KUNSTHALLEwien

project space

ART SESSIONS

im Kunsttreffpunkt nach der Messe

im Zentrum der Stadt

6. - 9. April 2006

album: waiting for the sirens' call

warner brothers records

video producer: michael shamberg

directed: thomas draschan

Courtesy the artists

KUNSTHALLE wien project space karlsplatz,

Treitlstraße 2, A-1040 Wien

Infoline: +43-1-521 89-33,

www.kunsthallewien.at

Täglich

4.4. – 9.4. 2006

16.00 - 21.00 h

Artsessions Videoscreening

mit Beiträgen von:

Franz Amman, Athanasios Argianas,

Thomas Draschan, Gabríela Fridriksdóttir,

Michael Gumhold, Marlene

Haring, N.I.C.J.O.B., Lisa Junghanß,

Selja Kameric, Zenita Komad, Mahony,

... im dez. 2005 schlug mir michael shamberg vor ein video für New Orders song

"TURN" zu machen: Carte Blanche", also eine arbeit ohne vorgaben.

für mich eine gelegenheit dinge zu machen die ich im rahmen meiner sonstigen

arbeit auch verfolge (stichwort "found footage"). mit dem entschiedenen vorteil

Christian Mayer, Simon Reitstätter,

einen legalen soundtrack zu haben.

Harald Scherz, Ivana Smiljanic

die "bebilderung" möchte einen möglichst stark erweiterten assoziationsraum

zur musik und dem liedtext zu schaffen.

das video beginnt mit einem fahrenden auto welches sich traumartig und synchron

zum sound bewegt.

DJ’s und Live Music

Fest / Performance

Dienstag, 4.4.2006

21.30 – 23.00 h

Visual-Audio Lounge

audiovisual by harald scherz/

einiges.org

Mittwoch, 5.4.2006

21.30 h

„Pollada HÌpermedial“

Kochperformance

Rainer Prohaska mit Martin Sägmüller

und Konstantin Demblin;

23.00 h

DJ DFKT

Donnerstag, 6.4.2006

Beim ST/A/R Pressestand erwartet den Besucher eine

zusehends gleitet die sache ins psychedelische (junge leute schlucken pillen)

Orginalgrafi k von Hans BIWI Lechner aus dem weltumfassenden

konzeptionellen Projekt „Der gemeinsame Nenner“.

Städteplanung / Architektur / Religion

21.00 – 24.00 h

gala du guy the guy

t.b.a

(Stefan Geissler,Christian Egger

a.k.a guy the guy)

Kimberly + Clark

(Manuel Gorkiewicz,Christian Egger)

Beauties of the night

(Manuel Gorkiewicz, Markus Krottendorfer,

Christian Egger)

guy the guy solo

Freitag, 7.4.2006

21.00 h

Artsessions – Visual-Audio Lounge

23.00 - 24.00 h

Janine „Jah Jah“ Gordon

Musikperformance

24.00 h

schallplattenunterhaltung

mit didi neidhart

(skug/wien, dis*ka/münchen)

„mutant disco, cosmic fox

& bastard-pop“

Buch XVII - BIWI SISYPHOS ST/A/R 129

Samstag, 8.4.2006

21.00 h

Star Magazine 3 Jahresfeier

DJ und Liveperformance

darauf entflechten sich mikro-dramaturgische szenen: ein mann und eine ent-

BIWI verteilt 2.000 ST/A/R-Zeitungen bei der VIENNAFAIR, 6.–9. April 06

täuscht aussehende frau, ein junges mädchen leiten eine assoziationskette von

hinweisen auf zwischenmenschliche beziehungen ein ...

Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XVII - BIWI SISYPHOS ST/A/R 129

forming a 40 min

nished CD, “The

/mcjahjah

unterhaltung mit

o, cosmic fox &

AUSSTELLUNG bis 5. MAI 2006

Dienstag - Freitag 14. 30 - 19. 00

Atelier & Gallery AREA 53

Gumpendorfer Straße 53

A-1060 Vienna / Austria

Phone: +43 676 621 56 60

www.AREA53.org

Capistrangasse 3

A-1060 Wien

T/F: +43 1 586 02 37

art@galerieandreashuber.at

www.galerieandreashuber.at


16 ST/A/R

Buch II – Galerien

Nr. 09/2006

8. APRIL – 20. MAI 2006

GALERIE NÄCHST ST. STEPHAN ROSEMARIE SCHWARZWÄLDER

ERÖFFNUNG FREITAG 7. APRIL 2006 18 – 22 Uhr

Viennafair

6 April 12 – 19 Uhr

7 April 12 – 19 Uhr

8 April 11 – 19 Uhr

9 April 11 – 18 Uhr

Stand A0306

Mobil ++43 664 33 88 173

6 – 9 April 2006

ADAM ADACH HERBERT BRANDL ERNST CARAMELLE HEINRICH

DUNST HELMUT FEDERLE BERNARD FRIZE KATHARINA GROSSE

IMI KNOEBEL MANFRED PERNICE KARIN SANDER JÖRG SASSE

ADRIAN SCHIESS JESSICA STOCKHOLDER GÜNTER UMBERG

Grünangergasse 1/2, A-1010 Wien, Tel +43 1 512 12 66, Fax +43 1 513 43 07, galerie@schwarzwaelder.at

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Städteplanung / Architektur / Religion

Buch III – 20er Haus ST/A/R 17

Respekt fürs 20er Haus

Als wichtiges Baudenkmal des 20: Jahrhunderts kann dieses Gebäude mit der Kunst des 20. Jahrhunderts wahrscheinlich in eine so gute Symbiose

treten wie kein anderes Bauwerk in Wien. Ich glaube, dass es das einzige Zeugnis der österreichischen Architekturgeschichte ist, in dem die Idee

der Transparenz dermaßen weit getrieben wurde. Mit dem 20 er Haus schließt sich daher eine große Lücke, denn nichts braucht so viel Luft

rundherum wie zeitgenössische Kunst.

Gerbert Frodl, Thomas Trummer

© Galerie Belvedere


18 ST/A/R

Buch III – 20er Haus

Nr. 09/2006

Max Beckmann,„Liegende Frau mit Buch und Schwertlilien”, 1931, Öl auf Leinwand

Fritz Wotruba, „Große Sitzende (Kathedrale)”, 1949, Kalkstein

Kunst in der Österreichischen

Galerie Belvedere von 1920 bis 2003

Rudolf Schwarzkogler, „2. Aktion“,

1965–66, Auswahl aus insgesamt sechzig SW-Fotografien

Die Absicht, Kunst der Gegenwart zu sammeln, war

der Österreichischen Galerie Belvedere gleichsam in

die Wiege gelegt. Das Museum, das heute neben der

Sammlung des 20. Jahrhunderts über reichhaltige Bestände

aus Spätgothik, Barrock und 19. Jahrhunderts verfügt, wurde

ursprünglich als „Museum Moderner Kunst” konzipiert. Bereits

1851 begann das K. K. Ministerium für Cultus und Unterricht,

eine Sammlung zeitgenössischer Kunst aufzubauen. Die 1897

gegründete Secession drängte verstärkt auf die Schaffung eines

Museums moderner internationaler Kunst und tätige Ankäufe,

die sie als Widmungen für eine solche antizipierte Moderne

Galerie reservierte. Der Gunst der frühen Käuferstunde verdanken

wir heute, dass Werke, wie Vinzent van Goghs „Ebene von

Auvers” oder einige französische Impressionisten damals zu

noch erschwinglichen Preisen angekauft wurden, die sich der

österreichische Staat heute wohl nicht mehr leisten könnte.

Tatsächlich wurde 1903 die Moderne Galerie eröffnet und sollte

solange vorübergehend in den Räumlichkeiten des Unteren

Belvederes und der dazugehörigen Orangerie untergebracht

bleiben, bis ein bereits geplanter Neubau zur Verfügung stehen

würde.

Franz Smola

Auszug aus dem Text „nach Schiele und Klimt, Kunst in der

Österreichischen Galerie Belvedere von 1920 bis 2003”

Gelatine, „o.T.”, 2003, Mischtechnik, Plastilin, Fotocollage auf Holz

Alle Fotos © Galerie Belvedere


Nr. 09/2006

Buch III – 20er Haus ST/A/R 19

20er Haus –

Ein Zeugnis moderner Zeitgeschichte

Arsenalstraße, Schweizergarten, Niemandsland hinter den Ostbahngleisen – das ist jenes

auserkorene Eck von Wien, in das sich nicht einmal Wiener gerne verirren. Und es ist die

einzige Stelle des Stadtgebietes, an der sich ein Innenbezirk anmaßt, über die magische

Barriere des Wiener Gürtels überzuschwappen; dritter Bezirk, Landstraße, doch das weiß fast

niemand.

1958 Brüssel

Begonnen hat die materielle Exsistenz des 20er Hauses nicht in Österreich, sondern in Belgien.

Nicht als Museum, sondern als temporäres Ausstellungsgebäude. 1957 schreibt der Bund

einen nationalen Wettbewerb für den österreichischen Pavillon auf der Weltausstellung in

Brüssel 1958 aus. Karl Schwanzer ging als Gewinner hervor.

„mit minimalem Aufwand sollte maximaler Effekt erzielt werden”, wir Schwanzer später

einmal in seinem Buch „Architektur aus Leidenschaft" schreiben.

Karl Schwanzer selbst wendet sich expressiv verbis von der Suprematik des Materiellen und

von der Überbewertung des Ökonomischen ab: „die humanistische Idee, die den Menschen

zur Mitte und zum Mars jedes zivilisatorischen und geistigen Fortschrittes prägt, war

Ausgangspunkt des Programmes”.

Nach Wien

Ende 1958 erzielt die österreichische Regierung Einigkeit über das neue Zuhause des

preisgekrönten Gebäudes und gelangt zu dem Schluss, den Pavillon im Schweizergarten

vor dem Areal des Wiener Arsenals aufzubauen. Karl Schwanzer adaptiert den Pavillon zu

musealen Zwecken, verschließt das Erdgeschoß thermisch und verändert maßgeblich alle

Fassaden des Gebäudes.

Anfang 1960 beginnen unweit des noch jungen Südbahnhofs die Stahlbauarbeiten am

neuen Museum des 20. Jahrhunderts, rund zwei Jahre später ist das Gebäude im Groben

fertiggestellt.

Über die Ureröffnung des Gebäudes am 21. September 1962 mit der Ausstellung „Kunst von

1900 bis heute” unter dem DIrektor Werner Hoffmann wird berichtet, das neue Museum für

die Kunst im 20. Jahrhundert stelle einen solchen Einbruch in die Wiener Museumstradition

dar, „daß man sich unwillkürlich beim ersten Betreten des Museums wie auf exteritorialem

Boden vorkommt.”

Wojciech Czaja

Auszug aus dem Text „Das 20er Haus als Exponat seiner eigen Wanderausstellung”

Das neue 20er Haus

Zum Projekt von Adolf Krischanitz

© Galerie Belvedere

Das 20er Haus steht heute vor der Problematik, nichr mehr den heutigen Ansprüchen bzw.

dem Stand der Technik zu entsprechen. „Zum jetzigen Zeitpunkt”, erklärt Architekt Adolf

Krischanitz, „erfüllt das Gebäude nicht mehr die Vorraussetzungen für einen modernen

Museums- und Austellungsbetrieb.” Die ausstehende Generalsanierung bezieht sich daher

sowohl auf eine technische Sanierung des Bestandes als auch auf eine Vergrößerung der

Nutzfläche und gleichzeitiger Wertsteigerung der Ressource „20er Haus”.

Draußen scheint die Sonne. Man betritt das Haus, und dieses Betreten hat eine unglaubliche Eleganz. Hier geht es nicht um Material, hier geht es nicht um den

manifesten Baukörper an sich, hier geht es vielmehr um den Raum, der durch die Hülle des 20er Hauses generiert wird. Diese Qualität gilt es zu erhalten,

denn nur in einem Milieu der Leichtigkeit und Luftigkeit kann Kunst artgerecht atmen.

Adolf Krischanitz


Städteplanung / Architektur / Religion Buch III – 20er Haus

ST/A/R 21

Thomas Redl O.T. 2006, Tusche auf Papier, 59,5 x 74 cm Galerie Julius Hummel, Thomas Redl - Arbeiten auf Papier, Ausstellung bis 27. 5. 2006, A- 1010 Wien, Bäckerstrasse 14


22 ST/A/R

Buch III – 20er Haus

Nr. 09/2006

AUS:

ALPHAVERSIONEN

LIESL UJVARY

729

Ich versuche mir die Tränen wegzuwischen, reibe mir aber

dabei nur Schmutz in die Augen. Ich fange abermals an

zu weinen. Überleg dir mal, wie du rauskommst. Wie du

wirklich rauskommst.

721

Wer bist du? Du gehörst nicht hierher. Du könntest reden!

Du gehörst nicht hierher. Versteck dich! Sie werden dir das

Mark aus den Knochen saugen.

723

Wenn du fragst: Ist dieser Ort real? wirfst du damit ein sehr

schwieriges Problem auf. Das ist eine einfache Anlage ...

Aber es sieht doch wie Wasser aus? Es fliesst etwas seltsam.

Es würde meinen Durst nicht löschen ... Warum wollen wir

überhaupt Realität fingieren? Mist. Die Strasse wirkt so laut,

so vulgär. Musik spielt – einige der unterschwelligen Effekte

sind sehr raffiniert. Mir kommt hier alles eigenartig vor, von

der natürlichen Luft bis zur Farbe des Tageslichts.

738

Plan A könnte klappen. Plan A ist der Falschspielertrick.

Es ist ja mein Spezialgebiet. Im Park ist die Luft immer

noch kühl und feucht. Die Pappeln treiben Knospen. Klick.

Oh Scheisse. Warum gerade ich? Wie bin ich bloss in

diesen Schlamassel hineingeraten? Irgendwas ist hier faul.

Todeszone. Es ähnelt einer Falle. Ein Licht flackert auf, lässt

die Schatten erzittern.

747

Bist du bereit? Ja. Bin mit der Lektüre durch. Es ist die

brillanteste, schrecklichste Sache, die mir seit Jahren

untergekommen ist. Lichter, Sirenen, nächtliche Dunkelheit.

Stammhirne werden mit Nanoelektroden ausgerüstet und

ihre Eigner in lebende Marionetten verwandelt. Ich kämpfe

auf der richtigen Seite, also spielt es keine Rolle.

748

Ich will jede Einzelheit wissen. Jede kleine Sache,

die möglicherweise die Aufmerksamkeit auf mich

lenken könnte. Ich hab schon früher von einer solchen

Geschichte gehört, anderswo. Klick. Die Leitung ist tot.

Elektromagnetischer Impuls ... Etwas dieser Art. Muss das

Zentrum zur Schadenskontrolle finden. Ist sie unversehrt?

Voll programmiert? Kalter Blick. Sie ist zu weich für diesen

Job. Aber ich bin dabei, mich anzupassen. Es werden keine

Berichte über Exzesse nach aussen dringen. Weder so

noch so. Glaubst du, sie kommt damit klar? Bis jetzt hält

sie sich gut. Man gewöhnt sich daran, loszulassen und

weiterzumachen. Nach einer Weile.

752

Ich glaube, die wollen uns nur dort haben, wo sie uns im

Auge behalten können. Wir sollen unsere Rollen erfüllen.

Gib mir ein Stichwortverzeichnis. Und zeig mir Waffen.

Der Gang ist menschenleer und grau. Ist da jemand? Ja?

Nein? Ertappt. Wenn ich nur wüsste, ob sie mich wirklich

lückenlos überwachen. Scheisse, ist das kalt hier draussen.

Etwas blitzt grell auf, gleichzeitig ist ein lauter Schlag zu

hören. Oh, ihr werdet das noch bereuen! Ihre Augen liegen

tief in den Höhlen. Sie sieht aus, als hätte sie seit Tagen

nicht geschlafen. Und ihre Stimme klingt seltsam flach und

emotionslos.

753

Plötzlich scheinen sich ringsum Möglichkeiten aufzutun,

unbegrenzte Perspektiven, Horizonte der Macht. Läuft es

darauf hinaus? Kommunikationsnetz aktivieren! An der

Heimatfront, zu Hause, wie siehts da aus? Ist alles noch an

seinem Platz? Immerhin bin ich in einem Zustand, der es

mir erlaubt, meine Informationen weiterzugeben. Wo bleibt

die Spannung? Ich gebe der leisen Stimme meine übliche

Antwort.

754

Atme. Das ist es. Du brauchst Luft. Atme! Warum habe ich

das Gefühl, dass etwas fehlt? Gefahr! Strukturelle Schäden!

Nicht weitergehen! Oh, es ist ein erstaunlicher Slum, mit

Sauberkeit kombinierter Verfall. Mal sehen. Welchen

Körper soll ich einsetzen? Eine Arbeit wie meine erfordert

Konzentration und Urteilskraft. Bin ich eine Realperson?

Ihre Stimme klingt angespannt. Von dieser Sache sind einige

heikle Dinge betroffen. Spitzentechologie und mögliche

wichtige Durchbrüche.

756

Ich muss mich nur eine Zeitlang zurückziehen und über

gewisse Dinge nachdenken. Ein Rest von Paranoia ist

geblieben. Die Dinge fühlen sich jetzt viel besser an. Ein

LITERATUR zusammen

gestellt von Dieter Sperl

Happy End wäre keine schlechte Sache. Bin im Krieg.

Warte nicht. Wieder läuft es auf einen Persönlickeitstest

hinaus ... Völlige Konzentration auf eine bestimmte

Aufgabe. Nun, ich nehme, was ich kriegen kann. Bereit

für subvokale Kommentare, Notizen, während wir in

Aktion sind. Jetzt bin ich einer von ihnen. Verdammt. Na

und wenn schon.

757

Gesprächsfetzen, die mir entgegen wehen. Jetzt macht

sie ganz auf harmlos. Sind die Farben, die ich sehe,

die gleichen, die du siehst? Wenn du an einer Rose

schnupperst, nimmst du dann den gleichen wundervollen

Duft wahr wie ich, wenn ich an der Blume rieche? Die

Antwort lautet: Nein. Unsere subjektiven Welten stimmen

oft überein oder überlagern sich an bestimmten Stellen.

Dadurch werden Kooperation, Beziehungen und sogar

komplexe Zivilisationen möglich. Doch die tatsächlichen

Wahrnehmungen und Gefühle einer Person bleiben für

immer einzigartig. Weil es jeden von uns nur einmal

gibt, weil wir uns auf fundamentale Weise immer fremd

bleiben.

701

Memische Toxine erfordern keinen physischen Kontakt.

Sie verbergen die Wahrheit vor uns! Die Symptome

variieren von Stadt zu Stadt. Im Netz lassen sich Unfälle,

Gerüchte und Anekdoten korrelieren. Warum ich? Was

habe ich getan? Meine Schmerzzentren werden betäubt.

Ich brauche Hilfe. An diesem Ort geht es nicht um

gleiche Rechte, sondern um Mitgefühl. Ich schalte auf den

autonomen Ohne-Wiederkehr-Modus um. Als wäre ich

ich ... und gleichzeitig nicht ich. Gefahr bin ich keine, von

mir ist nichts Verrücktes zu erwarten. Ich habe nur einige

eigene Interessen, das ist alles. Das Stimmprofil reicht von

vorsichtig bis paranoid. Sanfte Finger tasten mich ab – sie

berühren hauptsächlich das Gehirn, aber auch Herz, Leber

und Rückgrat. Der Vorgang ist mir vertraut, ich habe ihn

schon oft erlebt. Doch diesmal spüre ich nicht ohne Sorge

die Unterströmung: Kräuselungen aus Emotionen und

halbbewussten Erinnerungen. Was passiert, wenn das

Original stirbt?

702

Gefühle und Erinnerungsblitze, die meisten von ihnen

sehr kurz, steigen aus dunklen, unbewussten Regionen

des Gedächtnisses. Einige von ihnen fühlen sich an

wie ein Vorausahnen der Vergangenheit, andere wie

Erinnerungen an die Zukunft.

705

Sie ballen die Fäuste und knurren. Gleich wird sich die

rationale Situationsbewertung gegen die Höhlenreflexe

durchsetzen ... Und dann verändern sich die Geräusche.

Die hämmernde Musik setzt ein und alles ist wieder

normal. Ich lasse meine improvisierte Waffe sinken. Das

ist alles. Es dauert einige Sekunden, bis ich wieder denken

kann ... Manche halten das für unsere Zukunft.

706

Ich versuche es mit einem Trick. Ich halte nach

sehr kleinen Mustern Ausschau und drehe an den

Elementen hin und her, bis sie körnig werden und

chaotisch fluktuieren. Zuerst scheint es sich nur um

ein Durcheinander aus bunten Punkten zu handeln,

doch dann fallen mir erste Muster auf. Dort! Dann – ein

kurzes Stechen an der rechten Schläfe. Wo bin ich? Wie

lange bin ich ohne Bewusstsein gewesen? Man wollte

mich reparieren ... Hat es geklappt? Ich habe keine

Schmerzen, aber das bedeutet nichts. Arme und Beine

scheinen zu funktionieren. Ich taste nach der Seite ... wo

vorher klaffende Wunden waren, spüre ich jetzt hartes

Narbengewebe. Ich hinke ein wenig.

707

Ist dir gerade etwas aufgefallen? Keine Pflanzen an

diesem Ort. Rampen, Spiralen und schräge Platten aus

Beton formen den Platz. Wir befinden uns bereits auf

gefährlichem Territorium. Was ich anzubieten habe,

sind nur Mutmassungen. Ich fahre mit den Echtzeit-

Aufzeichnungen fort. He, ich bin nicht schlecht, wenn es

um körperlichen Einsatz geht. Ich hoffe wirklich, dass es

klappt. Durch Mengen huschen, drinnen und draussen,

schnell die Kleidung wechseln, verschwinden und

wieder erscheinen ... Das zu tun, worin man gut ist.

Los gehts.

Liesl Ujvary, Wien. Texte, Bilder, Musik.

„alphaversionen“ soll 2006 im Sonderzahl Verlag

erscheinen.

http://ujvary.adm.at


Nr. 09/2006

Buch III – 20er Haus ST/A/R 23

DER RISS

JÜRGEN BENVENUTI

Helfen Sie mir, bitte.“

Ich war in Eile. Die Geschäfte

schlossen um sieben und ich wollte diesen

Anzug kaufen, den ich am Tag zuvor im

Schaufenster gesehen hatte. Ich drehte

mich um, bereit, höflich aber bestimmt abzulehnen, was

immer von mir verlangt wurde, als ich die beiden sah. Sie

saß in einem Rollstuhl und starrte auf die Schwingtüren

der U-Bahnstation. Er stand mit hängenden Schultern

neben ihr.

„Der Lift ist defekt“, sagte der Mann. „Würden Sie so

nett sein und mir helfen, den Rollstuhl nach unten zu

tragen?“

Ich war verunsichert. Ich warf einen Blick auf die Uhr.

Kurz vor sieben. Anzug oder Rollstuhl? Ich gab mir einen

Ruck, setzte ein etwas steifes Lächeln auf und trat einen

Schritt näher.

„Danke“, sagte der Mann, „vielen Dank.“

Ich machte eine nichts sagende Geste und musterte das

seltsame Pärchen aus den Augenwinkeln. Er war ungefähr

dreißig, mit kurzem Haar und glatt rasiertem Gesicht.

Seine Kleidung sah alt und billig aus, war aber sauber.

Seine Füße steckten in abgestoßenen Turnschuhen. Seine

Hände lagen an den Griffen des Rollstuhls. Er hatte derbe

Hände, Hände, die gar nicht zu seiner feingliedrigen

Gestalt passten. Es waren braungebrannte Hände mit

kurzen, abgebissenen Fingernägeln. Auf solche Details zu

achten gehörte zu meinem Job.

Er schob den Rollstuhl durch die kleine Halle bis vor

zur Kante. Ich beugte mich nach unten, hängte die Tasche

mit dem Laptop nach hinten, über meine Hüfte. Dann

hoben wir den Stuhl an. Er war erstaunlich leicht. Ich

hatte ihn mir wesentlich schwerer vorgestellt. Die Frau,

die nach wie vor geradeaus starrte, wog offensichtlich nicht

viel. Ich betrachtete sie, verstohlen, so, wie man einem

Kranken mit einem auffälligen, entstellenden Makel auf

der Straße nachblickt; scheinbar desinteressiert, aber jedes

Detail aufsaugend. Sie mochte so um die zwanzig sein,

obwohl sie älter wirkte. Sie hatte stumpfes braunes Haar,

das ihr in einem Pagenschnitt in die Stirn fiel. Ihr Gesicht

wirkte ausgemergelt, ihre schmalen Finger hielten eine

Zeichenmappe aus rotem Karton.

Als wir beim ersten Treppenabsatz angekommen waren,

machten wir eine Pause. Ich tastete nach meinem Laptop,

deutete dann auf die Mappe und sagte: „Zeichnen Sie?“

Langsam drehte sie ihren Kopf, fast wie in Zeitlupe, und

schaute mir in die Augen. „Interessieren Sie sich dafür?“,

fragte sie und hob die Mappe. „Oder wollen Sie nur höflich

sein?“

Ich machte den Mund auf, schloss ihn wieder. Mir

wurde klar, dass ich mich nicht für ihre Zeichnungen

interessierte. Sie tat mir leid, und so, wie sie die Mappe an

sich drückte, vermutete ich, dass die Zeichnungen wichtig

für sie waren. Ein wenig beneidete ich sie auch. Immerhin

gab es in ihrem Leben etwas, an dem offensichtlich ihr

Herz hing.

„Ich habe früher ein bisschen gemalt“, sagte ich,

und bereute es sofort. Früher, das war eine andere Zeit.

Damals hatte ich noch illusorische Träume gehabt. Keine

Träume von Geld und Ruhm, sondern Träume von

Selbstverwirklichung und Zufriedenheit. Auf Letzteres

hatte ich verzichten müssen, aufs Geld nicht. Es füllte das

Loch in mir nur zum Teil.

„Die U-Bahn kommt“, sagte der Mann. „Wir sollten uns

beeilen.“

Wir hoben den Rollstuhl wieder an und hasteten die

Treppe hinunter. Mittendrin wäre ich beinahe gestolpert. Ich

spürte eine Hand, die sich auf meinen Unterarm legte. Ich

blickte hoch, sah ein Lächeln in ihrem Gesicht. Ich lächelte

zurück.

In der U-Bahn war es heiß. Alle Sitzplätze waren

belegt. Wir standen eingeklemmt zwischen Frauen mit

großen Taschen und Männern in Anzügen mit adrettem

Haarschnitt.

„Wenn Sie wollen, können Sie sich meine Zeichnungen

anschauen“, sagte die Frau.

Zwei oder drei Leute drehten sich zu uns um. Es war

mir ein wenig peinlich. Die beiden sahen so seltsam aus,

so anders. Er mit seiner billigen Kleidung, sie in ihrem

Rollstuhl, die Mappe auf den Knien. Ich richtete meinen

Krawattenknoten, blickte mich verlegen um. „Na ja“, sagte

ich, „wenn ich Zeit habe, irgendwann mal...“

„Wo wohnen Sie?“

Ich begann zu schwitzen. Was ging es diese Frau an, wo

ich wohnte?

Ich sagte es ihr.

„Wir wohnen ganz in der Nähe“, sagte der Mann. „Wenn

Sie mitkommen wollen, müssen wir bei der nächsten Station

aussteigen.“

Ich dachte nach. Ich hatte nichts vor. Ich wollte mir

eine Dokumentation über Yachtbesitzer anschauen, aber

die würde ohnehin in wenigen Wochen wiederholt werden.

Mit Rita hatte ich nichts ausgemacht, und die Aussicht auf

einen weiteren einsamen Fernsehabend war nicht wirklich

verlockend.

„In Ordnung“, sagte ich schließlich. „Ich schaue mir die

Zeichnungen gerne an.“

Oben, auf der Straße, ging ich ein paar Schritte hinter

ihnen. Sie müssen Geschwister sein, dachte ich. Die Gesten,

die kleinen Berührungen, die Blicke. Irgendwie wusste ich,

dass die beiden keine sexuelle Beziehung hatten. Dafür

gingen sie zu rücksichtsvoll miteinander um.

Schließlich landeten wir vor einem herunter

gekommenen Mietshaus. Der Verputz war stellenweise

abgeblättert. Der Eingangstür hätte ein neuer Anstrich

nicht geschadet. Das Klingelbrett war aus der Verankerung

gerissen.

„Haben Sie noch Kraft?“, fragte mich der Mann. „Es gibt

keinen Lift.“

Ich lächelte, sagte, das sei kein Problem.

Wir trugen den Rollstuhl drei Treppenabsätze hinauf.

Insgeheim fragte ich mich, wie sie es anstellten, wenn ihnen

niemand dabei half. Wahrscheinlich in zwei Etappen. Zuerst

die Frau, dann der Rollstuhl, oder umgekehrt.

Im Endeffekt war ich ziemlich außer Atem, als wir oben

angelangt waren. Er schob den Rollstuhl zu einer himmelblau

bemalten Tür, holte einen Schlüsselbund aus seiner Jeans

und sperrte auf.

Ich betrat die Wohnung. Sie war klein, vielleicht

fünfundvierzig Quadratmeter. Der Boden bestand aus altem,

rissigem Parkett. Die Wände waren in einem blassen Blau

gestrichen. Von der Decke hing eine nackte Glühbirne.

„Setzen Sie sich“, sagte der Mann.

Ich schaute mich um, entdeckte ein Sofa mit

verschlissenem Cordbezug.

Die Frau rollte zu mir herüber. „Mein Name ist Clara“,

sagte sie.

Ich nannte ihr meinen Namen, sagte dann: „Ist er Ihr

Bruder?“

„Hans? Ja, das ist mein Bruder.“

Ich nickte und legte die Laptoptasche neben mich. Ich

fühlte mich unwohl hier

drin, in dieser engen,

peinlich sauberen Wohnung.

Neben dem Fenster standen

einige Blumentöpfe

auf dem Boden, in der

gegenüberliegenden Ecke

befand sich eine Staffelei.

„Wollen Sie etwas

trinken?“, fragte Hans.

Ich nickte, froh über die

Ablenkung.

Hans verschwand hinter

einer Tür. Die Küche,

vermutete ich.

Jürgen Benvenuti

Geboren 1972 in Bregenz,

lebt als freier Schriftsteller in Wien. Bisher neun

Kriminalromane und Thriller veröffentlicht,

zuletzt „Kolibri” (Haymon, 2005).

„Was machen Sie, beruflich, meine ich?“, fragte Clara.

Sie schien sich ein wenig erholt zu haben. Ihre Gesichtszüge

wirkten weicher als vorhin in der U-Bahn. Ihre Augen

glänzten.

„Ich bin Fotoredakteur.“

„Bei einer Zeitung?“

„Bei einem Wellness-Magazin. Aber nicht so einem, wie

Sie denken. Es ist eine seriöse Zeitschrift.“

Sie nickte. Ich ärgerte mich über mich selbst, weil ich

mich verteidigt hatte. Was war schlecht an der Tatsache,

Redakteur eines Wellness-Magazins zu sein? Nichts, wenn

man essen wollte. Und ich war sehr hungrig.

Hans kam mit einem Glas Wasser zurück. „Tut mir

leid, dass ich Ihnen nicht mehr anbieten kann“, sagte er.

Aber es schien ihm nichts auszumachen, nur Wasser im

Haus zu haben.

„Kein Problem“, sagte ich. Ich nahm das Glas und trank

es in einem Zug leer.

„Noch eins?“, fragte Hans und nahm mir das Glas aus

der Hand.

Ich schüttelte den Kopf. Ich fühlte mich immer unwohler.

Es war eine Schnapsidee, dass du hierher gekommen bist,

sagte ich mir. Wärst du lieber in dieses Geschäft gegangen

und hättest den Anzug gekauft, den du nicht brauchst. Rita

hätte Augen gemacht, wenn du...

„Wollen Sie jetzt meine Zeichnungen sehen?“, fragte

Clara.

Ich blickte hoch, aus den Gedanken gerissen. Die

Zeichnungen, mein Gott, diese verdammten Zeichnungen

hatte ich glatt vergessen. „Gerne“, sagte ich und stand auf.

Clara rollte zur Staffelei. Ich ging neben ihr her,

versuchte, mir im Kopf ein paar wohlwollende Sätze

zurechtzulegen. Die Zeichnungen würden scheußlich sein,

davon war ich überzeugt, der übliche Hobbymalermist,

aber ich wollte Clara, und auch Hans, nicht vor den Kopf

stoßen. Die beiden taten mir leid.

Clara schlug das erste Blatt um.Ich warf einen kurzen Blick

darauf und trat einen Schritt zurück. Ich bemerkte Hans,

der neben mir stand und mich erwartungsvoll anschaute.

Ich wandte mich wieder der Zeichnung zu. Es war eine

Landschaftsszene. Ein angedeuteter See, flankiert von drei

knochigen Bäumen, inmitten einer von Felsen gesprenkelte

Wiese. Über allem hing ein bleifarbener Himmel mit

bedrohlichen Wolken, aus denen Blitze zuckten. Ich hatte

mich geirrt. Clara verstand ihr Metier, kein Zweifel. Ganz

hinten, halb von einem Baum verborgen, war eine Frau

auszumachen, die mit ausgebreiteten Armen nach oben

schaute, als warte sie darauf, von einem Blitz getroffen zu

werden. Ich spürte, wie sich meine Nackenhaare sträubten.

Etwas Verstörendes ging von dieser Zeichnung aus. Es war

wie der Blick in einen Spiegel, der nichts reflektierte.

Ich schwieg. Ich wusste nicht, was ich hätte sagen

sollen. Ich ging zum Sofa, nahm meine Laptoptasche und

eilte zur Tür.

„Sie können jederzeit wiederkommen“, sagte Hans. Er

war anscheinend unbeeindruckt von meiner Reaktion und

meiner Unhöflichkeit.

Ich murmelte etwas Unverbindliches, im festen

Bewusstsein, nie wieder einen Fuß in diese Wohnung mit

dem seltsamen Geschwisterpaar und der unheimlichen

Zeichnung zu setzen. Auf dem Weg nach unten beschloss

ich, gleich morgen früh den Anzug zu kaufen.

Foto: Tina Glaser 2005 ©


24 ST/A/R

Buch III – 20er Haus

Nr. 09/2006

Zu Besuch bei Thomas Feichtner in seinem neubezogenen

Atelier, Linz Hirschgasse, März 2006

www.feichtner.at

Foto: Thomas Redl 2006


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch IV – Aktuelles ST/A/R 25

…Ein Künstler braucht immer jemanden, der

für ihn kämpft. Dazu muss man sich mit seiner

Arbeit total identifizieren, denn nur dann kann

man sie anderen auch ehrlich vermitteln. Das

ist oft ein langwieriger Prozess, daher begleiten

wir unsere Künstler auch viele Jahre. …

Interview mit

GABRIELE WIMMER

Galerie Ulysses

Foto: Sepp Dreisinger

Thomas Redl: Die Galerie Ulysses hat eine lange Tradition. Was ist die

aktuelle und zukünftige Ausrichtung der Galerie? Was ist das Konzept und der

Schwerpunkt der aktuellen Ausstellung?

Gabriele Wimmer: Die Ausrichtung der Galerie sieht man in der aktuellen

Ausstellung ... an der RINGSTRASSE. Mit dieser Ausstellung wird unser

neues Schaufenster beworben und ich zeige eine Auswahl von Künstlern,

die wir vertreten, die europäische Avantgarde - u.a. Rainer, Pichler, Lassnig,

Prachensky, Hollegha, mit denen uns eine langjährige Zusammenarbeit und

Freundschaft verbindet; sowie Karel Appel, Antonio Saura und Emilio Vedova.

Qualität ist immer das Kriterium, nach dem wir unsere Künstler aussuchen. Es

gibt in der Ausstellung Schwerpunkte, wie z.B. den berühmten spanischen Maler

Antonio Saura (1930-1998), den wir in der nächsten Saison in einer großen

Einzelausstellung vorstellen werden. Er hat das Informel mit einer spezifisch

spanischen, expressiven Dramatik verbunden. Seine Bilder, die dem Abstrakten

Expressionismus nahestehen, haben einen Hang zum Dämonischen, seine

Farben sind auf Schwarz-Weiss Kontraste reduziert und die menschliche Figur

ins Abstrakte aufgelöst. Ein weiterer Schwerpunkt ist dem 1995 verstorbenen

österreichischen Bildhauer Rudolf Hoflehner gewidmet, der in den 1960er

Jahren in Österreich und international große Anerkennung genossen hat und der

es verdient wieder mehr gepflegt zu werden. Daraus ersehen Sie die Generation,

um die es mir im besonderen geht.

Was die Zukunft betrifft, wird sich zeigen, ob wir den ein oder anderen Künstler

finden, der etwas eigenständiges macht, das uns so sehr interessiert, dass wir

bereit sind, einen langen Weg gemeinsam zu gehen.

T.R.: Sie haben über lange Jahre Arnulf Rainer betreut.

G.W.: Ich habe bei ihm begonnen, da ich während meines Studiums bei ihm einen

Job als Ateliersekretärin hatte; das war 1968 und ich war 20 - diese Generation hat

mich dann geprägt. Später habe ich das Künstlermanagement professionalisiert.

Durch Rainer habe ich John Sailer kennengelernt, dessen Partnerin in der Galerie

Ulysses ich dann später wurde. Durch das Training bei Rainer hatte ich es in der

Galerie mit den Künstlern leichter.

T.R.: Warum ist es sinnvoll, wenn ein Künstler exklusiv von einer Galerie betreut

und vertreten wird und gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Erfolg eines

Künstler und seiner Loyalität zu einer Galerie?

G.W.: Ein Künstler braucht immer jemanden, der für ihn kämpft. Dazu muss man

sich mit seiner Arbeit total identifizieren, denn nur dann kann man sie anderen

auch ehrlich vermitteln. Das ist oft ein langwieriger Prozess, daher begleiten wir

unsere Künstler auch viele Jahre. Und dass wir damit erfolgreich waren, sieht

man heute - viele versuchen unser Programm zu kopieren. Für den Künstler

rentiert sich Loyalität gegenüber einer Galerie in jedem Fall, denn nur dann ist

die Galerie auch bereit, sich für ihn total einzusetzen. Die besten Beispiele dafür

sind Roy Lichtenstein und Jasper Johns, die zeitlebens von Leo Castelli vertreten

wurden - sie und Castelli wurden dafür belohnt. Auf Künstler, die Galerien

mehrmals wechseln, reagiert der Markt negativ und diejenigen, die am liebsten

aus dem Atelier verkaufen, schaden sich selbst langfristig am meisten, weil sie

weniger ernst genommen werden und sich kein Marktpreis etablieren kann.

T.R.: Die österreichische, vor allem die Wiener Galerieszene hat sich sehr breit

entwickelt in den letzten 20 Jahren, wie sehen sie diese Entwicklung?

G.W.: Einige Kollegen machen sehr gute Arbeit, aber viele versuchen auf den

fahrenden Zug aufzuspringen, weil sie glauben, mit Kunst das schnelle Geld

machen zu können. Ich kriege täglich Anfragen von Galerien, die ich gar nicht

kenne, die einen meiner Künstler wollen. Mit den rasanten Preissteigerungen,

die immer kolportiert werden, muss man sehr vorsichtig umgehen. Gemessen

an der Zahl aller bildenden Künstler ist es nur ein verschwindender Prozentsatz,

bei denen die Preise langfristig steigen, das ist auch einer der Gründe, warum

wir so vehement das Folgerecht bekämpft haben. Lediglich 0.2% aller auf dem

internationalen Auktionsmarkt getätigten Umsätze bezogen sich im Jahr 2005

auf Kunstwerke, die mehr als 1 Million Dollar erzielt haben.

T.R.: Es findet jetzt Anfang April die 2 int. Kunstmesse in Wien statt. Sie haben

sich entschieden, nicht bei der Messe dabei zu sein, aus welchen Gründen?

G.W.: Eine Messebeteiligung hat für mich nur im Ausland Sinn. Ich sehe keinen

Sinn darin, vom 1. Bezirk für drei Tage in den 2. Bezirk zu übersiedeln, um dort

dann die Leute zu treffen, die sowieso zur mir in die Galerie kommen. Generell

meine ich, dass es insgesamt zu viele Messen gibt, aber sie haben sich leider als

Events mit Unterhaltungswert etabliert; ich glaube es geht zunehmend weniger

um die Kunst. Es wird auch nur mehr über Geld geredet, statt über die Qualität von

Kunstwerken. Was die heurige Messe betrifft, haben wir uns

dieses Jahr entschieden die Messebesucher vom Prater in

den ersten Bezirk einzuladen… an die RINGSTRASSE.


26 ST/A/R

Buch IV – Aktuelles

Nr. 09/2006

Foto: Andrea Baczynski

Karel

Hans

Anthony

Rudolf

Wolfgang

Hans

Friedrich

Maria

Josef

Walter

Markus

Karl

Arnulf

Franz

Antonio

Andreas

Emilio

Fritz

Rudolf Hoflehner

... an der RINGSTRASSE

1. April – 23. Mai 2006, Di. – Fr. 12–18h, Sa. 10–13h

Walter Pichler Hans Hollein Arnulf Rainer Wolfgang Hollegha


Nr. 09/2006

Buch IV – Aktuelles ST/A/R 27

Appel

Bischoffshausen

Caro

Hoflehner

Hollegha

Hollein

Kiesler

Lassnig

Mikl

Pichler

Prachensky

Prantl

Rainer

Rosei

Saura

Urteil

Vedova

Wotruba

Antonio Saura

in der GALERIE ULYSSES

1010 Wien, Opernring 21, Tel. 0043 1 587 12 26, ulysses@galerie-ulysses.at

Andreas Urteil Markus Prachensky Anthony Caro Maria Lassnig


Städteplanung / Architektur / Religion Buch IV – Aktuelles

ST/A/R 29

Andrea Baczynski, 2006, UNAM (Universidad Nacional Autónoma de México), Mexico City


30 ST/A/R

Buch IV – Aktuelles

Nr. 09/2006

Idealvorstellungen von gelebter Kreativität?

Das Büro Buchegger, Denoth, Feichtner in Linz

Ein Interview mit Thomas Feichtner

Thomas Redl (T.R.): Herr Feichtner. gleich zu Beginn die

Frage: Was bedeutet Design?

Thomas Feichtner (T.F.): Ich glaube für Design

gibt es keine richtige oder falsch Definition. Design ist für

manche alleine die Gestaltung von Produkten, für andere eine

künstlerische Ausdrucksform. Sicher ist der kulturelle Wert von

Design. Design definiert Neues. Ich wehre mich aber vehement

gegen die Definition, Design sei eine Art Marketingtool für

Unternehmen.

T.R.: Was ist so schlecht an dieser Definition?

T.F.: Sie degradiert Design zur Dekoration. Wir verstehen

gestaltete Produkte als neue Produkte, was als solches nicht

stimmt. Design ist kein Erfolgsrezept für ein Unternehmen.

T.R.: Aber es trägt zum Erfolg eines Unternehmen bei?

T.F.: Ein Unternehmen, dass sich dazu entscheidet einen

Designer zu engagieren, sollte sich im klaren sein dass es sich

zunächst mit Kreativität bereichert. Das kann mitunter eine

gravierende Veränderung bedeuten. Viele Unternehmen sind für

diese Dinge in Wirklichkeit gar nicht bereit.

T.R.: Sie meinen die Unternehmen seien gar nicht offen genug.

Sondern wollen ihre Produkte einfach nur gestaltet?

T.F.: Ja, genau. Einfach nur gestaltet. Wir haben in dieser

Richtung viele Erfahrungen sammeln können. 1999 zwei

Jahre bevor ich mit Bernhard Buchegger und Michael Denoth

die Buchegger, Denoth, Feichtner GmbH gründete war

ich Chefdesigner von dem Sportartikelerzeuger Head. Die

Designabteilung entwickelte Produkte eigentlich auf hohem

Niveau. Der wirtschaftliche Erfolg ließ aber in manchen

Bereichen zu wünschen übrig.

T.R.: Warum?

T.F.: Ganz einfach. Die Kommunikation wurde von Chicago

aus geleitet. Unsere Abteilung hatte keine Möglichkeiten die

Kommunikation zu beeinflussen. Manche Produkte wurden gar

nicht oder nur unzulänglich kommuniziert. Dann wurde für

mich schnell klar, Design und Kommunikation sind nur dann

wirklich erfolgsversprechend wenn sie aus einer Hand kommen.

So beschlossen Bernhard Buchegger , Michael Denoth und ich die

Buchegger, Denoth, Feichtner zu gründen.

T.R.: Wie haben Sie sich eigentlich kennen gelernt?

T.F.: Lustigerweise nicht über die Kunstuniversität Linz, obwohl

wir zur gleichen Zeit studiert dort haben. Bernhard Buchegger

und Michael Denoth beendeten gerade ihr Studium der visuellen

Kommunikation bei Professor Freudenreich, den ich sehr schätze.

Die beiden gewannen zahlreiche Studentenwettbewerbe. Ich

würde fast sagen, um die Beiden herrschte damals schon eine Art

Hochschulmythos. Wir kannten nur unsere Arbeiten voneinander

und kamen per Zufall in einer Bar ins Gespräch Wir schmiedeten

bald Pläne für ein gemeinsames Studio. 3 Monate später zogen

wir in die Räumlichkeiten an der Promenade in Linz.

T.R.: Warum der Standort Linz?

T.F.: Wir wussten Linz ist fast zu klein und dachten anfangs

auch an eine größere Stadt. Dennoch schien uns der Beginn in

Linz einfacher als vergleichsweise in Wien.

T.R.: Sozusagen als Außenseiter?

T.F.: Ja, genau, Nachdem wir aber gleich zu Beginn viele

Design- und Werbepreise bekommen hatten, waren wir in Wien

fast bekannter als in Linz. Da lag es schon fast auf der Hand auch

in Wien ein Büro zu eröffnen. Die Buchegger, Denoth, Feichtner

net GmbH. Unser Antrieb war niemals der unternehmerische

Erfolg. Aus uns sprudelten nur so die Ideen, ohne einen

konkreten Auftraggeber zu haben. Ich höre uns noch immer, wie

wir ständig sagten: Das wäre doch eine coole Idee für adidas oder

IBM usw. Also fragten wir einfach an und bekamen den Auftrag

eine Kampagne umzusetzen und schon waren wir Unternehmer.

Eine Idee umzusetzen ist schon ein Unternehmen.

T.R.: Das klingt so einfach.

T.F.: Ist es fast auch. Wir wollen uns auch heute nicht von

Auftraggebern unseren Werdegang diktieren lassen.

T.R.: Sie meinen Kunden diktieren Ihnen Ihre Karriere?

T.F.: Indirekt schon. Macht man eine Sache in einer bestimmten

Branche gut, wird man auch weiterhin Aufträge aus dieser

Branche bekommen. Natürlich sagt da niemand nein und lehnt

einen weiteren Auftrag ab. Umso wichtiger ist eine ständige

Neuorientierung.

T.R.: Wenn Sie sich ständig neu orientieren, was möchten Sie

erreichen. Was sind Ihre Ziele?

T.F.: Wir haben eigentlich nicht vor irgendwelche Ziele zu

proklamieren. So wie „ In 10 Jahren sind wir die Nummer eins

und so…“ Vielmehr folgen wir unseren Idealvorstellungen von

gelebter Kreativität wie zum Beispiel: Sich selbst treu zu bleiben.

Erst etwas zu präsentieren, wenn man es selbst für richtig und

gut befindet. Niemanden, weder einen Kunden, noch einen

Konsumenten für dumm zu verkaufen. Das hat steht’s Gültigkeit

in Design und Kommunikation.

T.R.: Ja, will das nicht Jeder?

T.F.: Klar will das jeder. Doch wer kennt das nicht? Sie haben

Zeitdruck, ein knappes Budget usw. Nichts ist dann verlockender,

als auf die Schnelle halbfertige Dinge zu präsentieren zumal sie

schon wissen der Kunde wird ohnehin fasziniert sein. Das ist

nicht unsere Art. Einer unserer ersten Kunden pflegte zu sagen:

Kompromiss ist der schnellste Weg zur Mittelmäßigkeit. Das

hätte er besser nie gesagt. Denn von da an zitierten wir ihn selbst,

bei jeder Präsentation.

T.R.: Wer war dieser Kunde?

T.F.: Das war Tyrolia im Jahr 2000. Damals begann unsere

Zusammenarbeit mit einer Produkteinführungskampagne in

Japan. Später betreuten wir die gesamte Kommunikation bis hin

zur Gestaltung der Produkte.

T.R.: Sie sind Designer und Werber, aber auch Künstler. Welche,

dieser Berufe dominiert in Ihrem Leben?

T.F.: Für mich ist es fast nebensächlich was dominiert. Ich

unterscheide nicht in diesen Disziplinen oder Kategorien, denn

über alldem steht die Kreativität. Das Denken und Trennen

zwischen Design und Kommunikation kommt, meiner Meinung

nach, aus den Akademien und zahllosen Fachhochschulen.

Jede Studienrichtung steckt ihr Gebiet sauber ab um jedem

Kompetenzverlust vorzubeugen. Das überträgt sich in unser

Denken.

T.R.: Wie sehen Sie die Entwicklung der österreichischen

Designausbildung?

T.F.: Eher kritisch. Im Moment schießen Designschulen,

Lehranstalten, Fachhochschulen für Design wie die Pilze aus

dem Boden. Ich vermute, dass muss ein richtiges Business sein.

Vor 5 Jahren noch hatte Österreich etwa 20 Absolventen der

Studienrichtung Industrial Design der Angewandten in Wien

und an der Kunstuni in Linz gemeinsam. Heute, durch die

zahlreichen Ausbildungsmöglichkeiten, absolvieren geschätzte

600 Schüler eine Designausbildung jährlich.

T.R.: Das ist doch eigentlich zu begrüßen?

T.F.: Sicherlich, auch ich freue mich an dem regen

Interesse an Design. Dennoch, die rückläufige Zahl der

AXIOME

produzierenden Unternehmen in Osterreich, also somit auch

der Auftraggeber steht einer exponentiell wachsenden Zahl

an Designern gegenüber. Das führt zwangsläufig zu einem

Verdrängungskampf.

T.R.: So wie bei Werbeagenturen schon seit den 90ern?

T.F.: Schlimmer. Der Unterschied liegt im Detail.

Werbeagenturen benötigen ein großes Team um Kampagnen

erfolgreich umzusetzen. Denken Sie alleine an die Schaltung

der Werbung in den einzelnen Medien. Das bedeutet, um große

Aufträge bewerben sich auch die wenigen großen Agenturen. Im

Design ist eine einzige Person in der Lage ein großes, komplexes

Projekt umzusetzen. Das bedeutet, um einen Auftrag bewerben

sich hunderte One-Man-Shows. Ich befürchte einen Wettbewerb,

der generell Schaden an dem Berufsbild des Designers nimmt.

T.R.: Sie beschreiben eigentlich die Zukunft der

Designausbildungen in einem düsteren Bild. Sehen sie auch einen

Ausweg?

T.F.: So düster möchte ich das eigentlich nicht sehen. Im

Graphic Design sehen wir ja auch, dass es funktioniert. Mit

Aufkommen der grafischen Gestaltung am Computer in den

90ern befürchteten alle Grafiker das Ende ihres Berufes. Doch

die Akademien fokussierten die Konzeption und Kreativität

der visuellen Kommunikation, weniger die handwerkliche

Umsetzung. Das hob auch das Niveau in Österreich.

T.R.: Sie meinen die Designausbildung an den Akademien sollte

sich verändern? Den Fokus auf Kreativität setzten?

T.F.: Ja. Design ist natürlich auch ein Thema von Ergonomie,

Material- und Fertigungstechnik, Konstruktion usw., aber in

erster Linie ist es eine künstlerische Tätigkeit mit Entscheidungen

aus dem Bauch. Entwicklungen die die Designausbildung eher

den technischen Fakultäten zuzuschreiben, betrachte ich daher

eher skeptisch. Es ist ausschließlich die Kreativität die einen

Designer unterscheidet. Ich glaube fast alle Designausbildungen

sind zu stark technik orientiert im Vergleich zur Gewichtung von

Kreativität.

T.R.: Kreativität als Allheilmittel?

T.F.: Das einzige Heilmittel. Ich spreche von dem Ende der

industriellen Revolution in Europa. Die Übermacht Asiens

wird bald nicht mehr alleine auf das Produzieren beschränkt

sein. Auch in allen künstlerischen Disziplinen ist Asien auf der

Überholspur. Kreativität ist Europas Vorsprung und Zukunft.

T.R.: Das ist ein interessanter Ansatz - Kreativität und damit

verbunden Design im weitesten Sinne auch als wirtschaftliche

Perspektive Europas gegenüber dem asiatischen Raum

wahrzunehmen.

T.F.: Erlauben Sie mir, Produktdesign mit Modedesign zu

vergleichen. Würde ein Modedesigner an sein Werk gehen wie

ein Produktdesigner, würde er nach Materialien suchen die

möglichst allen klimatischen Anforderungen entspricht: Formen

suchen, die alle Körperöffnungen leicht zugänglich macht und

vieles mehr. Herauskommen würde ein Strampelanzug mit ein

paar Taschen und Reißverschlüssen. Ich übertreibe jetzt natürlich

- doch Mode ist mehr. Mode ist eine andere Art an Kreativität,

nicht tiefgründig sondern erheiternd und kurzlebig.

Mode ist europäische Kreativität. Egal durch welche Stadt dieser

Welt sie shoppen, Sie werden fast nur europäische Modemarken

finden. Anders gesagt, wie viele exklusive amerikanische,

japanische, chinesische oder indische Modemarken kennen sie?

Aber sicherlich kennen Sie viele französische und italienische.

Sehen Sie, Kreativität ist Europas Zukunft.

T.R.: Meinen sie wir denken in Österreich zu praktisch?

T.F.: Ja, Design ist auch die Faszination an Form und Style. Das

wird schnell vergessen oder als zu selbstverständlich genommen.

T.R.: Buchegger, Denoth, Feichtner veröffentlichte Anfang des

Jahres die Broschüre Living mit Beispielen aus den Bereichen Möbel,

Geschirr, Besteck usw. Warum dieser Schritt? Und erlauben Sie mir

die Frage: Haben wir nicht schon genug Design?


Nr. 09/2006

Buch IV – Aktuelles ST/A/R 31

Kunst am Bau-Projekt von Bele Marz & Gilles Mussard

Marktplatz in Opfikon, Schweiz

Der Entwurf erstreckt sich über die dem gesamten Platz zugewandte

Seite der Garageneinhausung und ist in zwei Schichten aufgebaut:

einem ca. 3m hohem und annähernd 17m langem Bildband, das sich wie

eine Art Sockel an der Außenhaut des Gebäudes entlang zieht, sowie

die Bespielung der Lichtfelder im oberen Bereich des Bauwerks. Das

Bildprogramm beginnt an der Außenhaut der Sockelzone und setzt sich

in den unterschiedlich großen Öffnungen der Fassade fort. Ziel ist es den

Eindruck einer durchgehenden Bildwand zu vermitteln, die das gesamte

Gebäude durchzieht und im oberen Bereich nur mehr auszugsweise durch

die Fensteröffnungen zu sehen ist. Wie auch bei anderen Projekten wird

die Linie zur Umsetzung eines Entwurfes herangezogen. Hier wird der

Themenbereich Wasser aufgegriffen. Die Vorlage des Bildsujets wird

verfremdet, in die Länge gezogen. Gleichzeitig wird die Bildposition in

Schräglage gesetzt, um die Bewegung von Wasser zu suggerieren. Das

gläserne Sockelband evoziert den Eindruck des Schwebens, während das

Fließen des oberen Bereichs das Bauwerk in Bewegung versetzt und dem

Ensemble eine visuelle Dynamik verleiht. Ein zusätzlicher Tiefeneffekt

resultiert bei einer Glasstärke von 18mm auch durch die Verwendung

von satiniertem Glas als Oberfläche. Die Bildträger der Fensterzone sind

aus opakem Bildmaterial, das in der Sockelzone eine optische Ergänzung

findet. Konzipiert und ausgeführt wurde der Entwurf von Bele MARX

& Gilles MUSSARD in der neuen Technologie Photoglas, die von dem

Künstlerpaar in Kooperation mit Partnern erfunden wurde.

Zum künstlerischem Konzept von Bele Marx & Gilles Mussard

Die Künstler beschäftigen sich mit der Veränderung der

räumlichen Wahrnehmung eines Gebäudes. Sie entwickeln

«FARB-LICHTSKULPTUREN», die neue Funktionsmöglichkeiten

und Raumerlebnisse schaffen. Kunst- und Naturlicht ist Teil der

Auseinandersetzung, um visuelle Veränderungen sowohl im Innen- als

auch im Außenraum zu bewirken. Die künstlerische Arbeit thematisiert

das Spektrum des Lichts und der Farbe in Verbindung mit dem Raum. Die

Lichtquelle ist der «Motor» der Skulptur, synergetisch mit den Farben

verknüpft, erzeugt sie durch projizierte «Farbschatten» einen aktiven,

pulsierenden Raum, der sich gleichzeitig durch Reduktion der Lichtquelle

zu einem passivem Raum verändern lässt. Wird Naturlicht miteinbezogen,

so unterliegt die Farb-Lichtskulptur, ähnlich der Sonnenuhr, einem

zyklischen Verlauf. Die visuelle Raumwahrnehmung verändert sich mit

dem Stand der Sonne und mit dem daraus resultierenden Lichteinfall

ergibt sich ein Spiel mit Licht und Schatten.

Das Team entwickelt Kunstprojekte und realisiert Arbeiten für den

architektonischen Bereich, wie Fassadenentwürfe, Kunst am Bau-Aufträge

oder Pilotprojekte für den Außenraum.

Bele Marx, 1986-89 Studium der Malerei an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien bei

Maria Lassnig. 1989-2001 in Paris und Wien. 1993-95 Studium der Fotografie (Ecole des Arts

Decoratifs in Paris). Ab 1988 Einzelausstellungen und Beteiligungen an Ausstellungen. Seit 1993

auch als Fotografin tätig.

Gilles Mussard, Studium der verschiedenen Theatertechniken und Regie. Experimentelles

Arbeiten im Bereich Video, Theater, Tanz, experimenteller Film und Musik. Seit 1988 Realisierungen

von Film, Video und Theater. Viele der Filme wurden in Kultursendungen (La sept-

ARTE, CANAL+ etc.) ausgestrahlt. Zahlreiche Auszeichnungen für Film, Video und Theater.

Bele Marx und Gilles Mussard gründeten 1997 PHOTOGLAS und arbeiten seit diesem

Zeitpunkt intensiv zusammen.

T.F.: Erst einmal: Warum dieser neue Schritt? Der Schritt

ist nicht ganz neu, im Gegenteil. Wir erinnern uns wieder an

Design der Wiener Werkstätten. Industrie-Design ist Design

von industriell gefertigten Produkten. Aber es hat wenig Sinn

Industriedesign für Massenprodukte zu machen, wenn die

Industrie abwandert. Viel interessanter sind die Aufgaben

des Designs in manufakturellen Strukturen. Wir haben vor

unserer Haustüre interessante Betriebe, die seit Jahrhunderten

im traditionellen Handwerk produzieren. Darin sehe ich ein

großes Potential. Sie erinnern sich vielleicht wie Alessi Anfang

der 80er begann, mit Alessandro Mendini oder Michael

Graves zusammenzuarbeiten. Damals war Alessi eine kleine

Familienmanufaktur, heute ist sie ein Konzern. Die Broschüre

Living beschränkt sich auf Produkte die manufakturell hergestellt

werden. Es geht vordergründig um die Form. Der Stuhl Axiome

entstand aus der Faszination an der Form.

T.R.: Was ist mit dem ewigen Grundsatz: Form Follows Function?

T.F.: Das ist ein Spruch, den sich Techniker erzählen, wenn sie

versuchen Design zu erklären. Da wären wir bei dem Beispiel des

Strampelanzugs. Form Follows Nothing klingt da schon besser.

T.R.: Woher beziehen sie ihre Inspiration für Stühle wie den

Tablechair oder das Geschirr Falco?

T.F.: Eine schwierige Frage, sicherlich ist das was sie Inspiration

nennen ein Produkt unserer Eindrücke und unseres Umfeldes

in dem Licht der Kreativität. Karl Lagerfeld, ich verehre seine

pragmatische und ironische Denkweise, sagte einmal: „Kreativität

ist eine Frage des Wissens.“ Das kann ich nur unterstreichen,

denn wer Neues schaffen möchte, sollte erst das Alte kennen.

Bernhard Buchegger, Michael Denoth und ich sind großartige

Partner, Freunde und gegenseitige Inspiration. Aber auch meine

Frau. Vor ca. 2 Jahren arbeitete meine Frau Simone gemeinsam

mit Zumtobel Staff und Zaha Hadid an dem Luster Vortexx. Ich

war bei dieser Sache nur Zaungast, wir lernten aber durch sie

das Mailänder Designerduo Savaya & Moroni kennen. Damals

präsentierten sie in Ihrem Schauraum an der Via Manzoni das

Thema Barock´n Roll. Zaha Hadid, Dominique Perrault, Jean

Nouvel und natürlich William Sawaya stellten aus. Aus diesen

Gesprächen lernten wir welche Faszination Design haben

kann. Dies war sicher auch eine bedeutende Wende in unserem

Denken. Auch der 89 jährige Altmeister Ettore Sottsass, so lustig

es klingen mag, war wie ein Jungbrunnen für uns.

Wir fühlen auch in Österreich eine Art Umbruch. Wie ein Teil

einer Gegenbewegung. Eine Renaissance, die seinen Ursprung

nicht im Bauhaus sieht.

T.R.: Eine Gegenbewegung gegen etwas Bestimmtes?

T.F.: Wenn Sie so wollen, gegen das praktische Denken, gegen

das gewöhnliche im Umfeld des Designs, eine Bewegung, die

auch in unseren aktuellen Arbeiten sichtbar wird.

T.R.: Eine abschließende Frage, Was haben wir in Zukunft von

Buchegger, Denoth, Feichtner zu erwarten?

T.F.: Anfang Februar bringt das New Yorker Designmagazin

clear einen Beitrag über unsere Arbeiten. Das Magazin clear

wird weltweit vertrieben, wir erwarten uns dadurch ein enormes

Echo. Vergangene Woche waren wir zu Besuch bei Ron Arad

in London. Ich bewundere seine Art wie er Design, Kunst und

Architektur miteinander verbindet. Vielleicht ergibt sich mit ihm

eine zukünftige Zusammenarbeit im Bereich der Grafik. Er hat

uns auch angeboten unsere Arbeiten im Royal Collage of Art in

London auszustellen. Das wäre sehr spannend. Des weiteren

Planen wir eine Wanderausstellung für kommenden Winter.

Als Destinationen sind Wien, Düsseldorf, Mailand, Zürich und

Warschau in Planung. Unsere Zusammenarbeit mit unseren

Kunden wie adidas, Swarovski, Fischer usw. werden sicherlich

weiterhin spannend und bereichernd.

Interview am 23.Februar 2006


32 ST/A/R

Buch IV – Aktuelles

Nr. 09/2006

Mit Sicherheit mehr Kompetenz.

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Facility Management.

Österreichische Fernwärmegesellschaft m.b.H. • Argentinierstraße 23 • A-1040 Wien

Tel: 01-501 40-0 • Fax: 01-501 40-250 • office@ofwg.at • www.ofwg.at


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch V – Andreas Treusch ST/A/R 33

ANDREAS TREUSCH

TREUSCH architecture

GEWINNT DAS NEUE ARS-ELECTRONICA CENTER IN LINZ

ANDREAS

TREUSCH

ST/A/R ARCHITEKT

ANDREAS TREUSCH


34 ST/A/R

Buch V – Andreas Treusch

Nr. 09/2006


Nr. 09/2006

Buch V – Andreas Treusch ST/A/R 35

Generalunternehmer für Air Cargo Center und FH Wels

Fotos: Rupert Steiner / Skizzen: A. Treusch


Städteplanung / Architektur / Religion Buch V – Andreas Treusch

ST/A/R 37

Renderings: Treusch/oln, zoom vp

Ars Electronica Center, Linz – Bauherr Stadt Linz, Siegerprojekt des EU-Wettbewerbes

ddd


38 ST/A/R

Buch V – Andreas Treusch

Nr. 09/2006

Nadja Sailer

Nadja Sailer

Body and soul


Nr. 09/2006

Buch V – Andreas Treusch ST/A/R 39


40 ST/A/R

Buch V – Andreas Treusch

Nr. 09/2006

Renderings: Treusch/oln, zoom vp

Anna Maja

➌ Claire Jones • Robert Kern • Marcus Kettl • ➒ Dejan Kokanovic • ➏ Anette Pessenlehner • ➐ Sabine Ratzinger • ➋ Judith Rezaei • ➑ Nadja Sailer

• ➓ Bernd Scheffknecht • Thomas Schrittwieser • ➎ Johann Strasser • Andreas Treusch • ➊ Steffi Uhlmann • ➍ Christoph Wellenzohn • Brigitte Zdouc











Städteplanung / Architektur / Religion

Buch VI – OTTO ZITKO ST/A/R 41


42 ST/A/R

Buch VI – OTTO ZITKO

Nr. 09/2006


Nr. 09/2006

Buch VI – OTTO ZITKO ST/A/R 43


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VI – OTTO ZITKO

ST/A/R 45

Otto Zitko

Privatsammlung Innsbruck

Courtesy: Galerie Elisabeth und Klaus Thoman, Innsbruck

© Fotos: Helmut Eberhöfer, Hall/Tirol


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VI –


OTTO ZITKO

ST/A/R 47


48 ST/A/R

Buch VI – OTTO ZITKO

Nr. 09/2006


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch VII – KONTAKT ST/A/R 49

Zarin Series (Woman without Men), 2005

Rapture, 1999

„Das wirkliche ‚Land‘ ist da,

wo du hingehst, nicht da wo

du bist.“ (Rumi)

Women of Allah, Speechless, 1996

BESCHRIEBENE KÖRPER zu den Fotoarbeiten und Filmen von Shirin Neshat

Religion und Gewalt, Sexualität und Verhüllung, Nationalität und

Geschlecht, Ethnizität und Islam sind große Themenkomplexe, die

in der Arbeit von Shirin Neshat auftauchen. Ihre Sicht auf der Frau im

fundamentalistischen Islam, konkret im Iran, ist aber nicht auf die Darstellung

ethnischer Identität zu reduzieren, zu vielschichtig ist ihr Werk, zu komplex

und subtil ist ihr Blick. Shirin Neshat (1957 geboren), im säkulisierten Iran

aufgewachsen, hat sich sehr früh, 17-jährig von ihrer Heimat gelöst, um in den

USA Kunst zu studieren. 1990 kehrte sie für einen Besuch in den Iran zurück,

gerade nach dem Ende des ersten Golfkrieges, in ein Land, das sich massiv

durch die islamische Revolution verändert hat. Die Berührung mit ihrer

„alten Heimat“ war ein entscheidender Impuls für ihrer zukünftige Arbeit

und wesentlich für ihr Verhältnis und Verständnis des fundamentalistischen

Islamismus. Unter diesen Eindrücken entstand die Fotoserie Women of Allah

(1993-1997), eine großformatige Serie von Schwarzweiß Fotografien. Shirin

Neshat ist daruf selbst abgebildet, im Tschador verhüllt, mit Schußwaffen

als Zitat militanter Aggresion. Die Bewaffnung, die die Frau als Kämpferin

auszeichnet, scheint in eigenartiger Weise die Frau selbst zu bedrohen.

Auf den Fotos ist die Haut der Abgebildeten mit zeitgenössicher Lyrik

in Farsi überschrieben und es wirkt so, als wären die Texte in die Körper

eingeschrieben; erst bei genauerer Betrachtung sieht man, das die Texte

auf die Fotos gemalt sind. Das Ornanemt der Schrift wirkt wie ein weiterer

Schleier vor der Person, ein Schleier, den sie nicht ablegen kann, da er in

ihre Existenz eingeschrieben ist. Indem der weibliche Körper Träger von

Geschichte wird, thematisiert Shirin Neshat in dieser Arbeit die Frage,

inwieweit „Körper als Speicher, Körper als mnemotischer Raum“ funktioniert.

Neben den Fotoarbeiten verweisen die in den letzten 10 Jahren entstandenen

Film- und Videoarbeiten in komplexer Form auf eine Gesellschaftsstruktur,

die in ihren traditionellen Werten und ihrer archaischen Religionsauffassung

repressiv agiert, sich der modernen Welt verschließt und in diesem Rückzug

zu ersticken droht.

Die Fotoarbeiten wie die Filme besitzen trotz der vielfältigen kulturellen

Belegungen und Codes unmittelbare magische Wirkung und führen uns in

eine Welt, die uns fremd und gleichzeitig sehr nahe erscheint.

Thomas Redl

Beschriebene Koerper

Shirin Neshat

SHIRIN NESHAT wurde im Museum der Moderne,

Salzburg gezeigt; zur Ausstellung ist ein Katalog im

Steidl Verlag, Göttingen erschienen.


50 ST/A/R

Buch VII – KONTAKT

Nr. 09/2006

Francois Morrellet, Relache no.1blanc, 1992, Kreide auf Mauer, Acryl und Öl auf Leinwand, Aluminium, Neonröhren, Bänder auf Leinwand, ©VBK, Wien, 2006, Courtesy

Sammlung Lenz Schönberg, vor dem Objekt Herr Häusler (Museum der Moderne), Foto: Andreas Thaler 2006

Schnee und Zero

Heinz Mack, Sahara Projekt, 1968 (im Hintergrund seine

Lichtstelen), Foto: Mack – Kunst in der Wüste, Institut für

moderne Kunst, Nürnberg 1969,

Courtesy Sammlung Lenz Schönberg

Aus einem der großzügigen Fenster des

Museumsgebäudes blickt man auf einen frisch

verschneiten Skulpturengarten - trotz Mitte

März. In den wohltemperierten Räumen

vergisst man die widrigen Temperaturen und

ertappt sich dabei, die Stille und Unberührtheit

dieses Anblicks als die atmosphärische

Erweiterung einer Ausstellung zu empfinden,

die ihresgleichen sucht. Die Sandskulptur am

Beginn wirkt so weich wie der gerade frisch

gefallene Schnee, die kreisförmigen Spuren die

ein mechanisches, sich permanent drehendes

Gerät im Sand zeichnet, sind ein Zitat an Zeit

und Wiederholung und erinnern an einen

japanischen Zengarten. Die Ausstellung öffnet

sich mit den rhythmisch exakt gehängten

Arbeiten in den Räumen subtil und schrittweise.

Die wenigen Besucher - das Quotendenken

einmal beiseite gelassen - stören die Ruhe nicht,

die die Arbeiten ausstrahlen. Was hier zu sehen

ist, ist eine höchstqualitative Auswahl von

Bildern und Objekten aus der ZERO Bewegung

und weiterfolgend Künstler, die von Zero

beeinflusst sind. Die Ausstellung widmet sich

in einer konzentrierten Form jenen Künstlern,

deren Interesse sich auf die weitgehend

monochromen Ausdrucks-möglichkeiten richtet.

Im Mittelpunkt dieser nonfigurativen, in vielerlei

Hinsicht tief spirituellen Kunst, stehen Aspekte

zu Zeit und Raum, die durch die Akzentuierung

auf einzelne Künstlerpersönlichkeiten

hervorgehoben werden.

Die ZERO Bewegung ist 1958 in Düsseldorf

entstanden, gegründet von Otto Piene und

Heinz Mack , Günther Uecker stieß ein Jahr

später dazu, es entstand darauf in kurzer Zeit

in ganz Europa eine internationale Strömung

mit bedeutenden Künstlern - Yves Klein

und Arman (Paris), Lucio Fontana und Piero

Manzoni (Mailand), Jean Tinguely (Bern), Jef

Verheyen (Antwerben), Vasarely (Ungarn/

Paris). Auf breiten Basis verkündeten gleich

gesinnte Künstler und Künstlergruppen

mit großer Intensität ihren provozierenden

Kunstanspruch. Otto Piene beschrieb Zero als

„die unmessbare Zone, in der ein alter Zustand

in einen unbekannten neuen übergeht“ , im

Zero-Manifest 1963 wurde formuliert „Zero ist

die Stille. Zero ist der Anfang. Zero ist rund.

Zero dreht sich. Zero ist der Mond. Die sonne ist

Zero. Zero ist weiss. Die Wüste Zero. Der Himmel

über Zero. Die Nacht - . Zero fliesst. ...“ Mit Zero

schlägt der Kunst die Stunde Null, ein neuer

Geist beflügelt die Gleichgesinnten, parallel

dazu brechen gesellschaftliche Strukturen auf. Es

wird eine neue Einheit von Natur und Mensch,

von universaler Energie und neuer Technologie

angestrebt. Utopische Pläne entstehen, es

wird Himmel und Erde, Wasser und Feuer

mit einbezogen. Es entsteht eine Kunst aus

Farbe und Licht, elementaren Elementen und

Naturmaterialen, Bewegung und meditativer

Stille. In ihrer Reduktion und Radikalität stoßen

sie in immaterielle Dimensionen vor.

Der Sammler Gerhard Lenz wurde von

dieser„empathischen Spiritualität“ entzündet

und begann Mitte der 60er Jahre Zero Kunst

zu sammeln, die Sammlung umfasst heute über

50 Künstler mit mehr als 500 Werken. Darunter

befinden sich zahlreiche Schlüsselwerke von

Yves Klein, Lucio Fontana, Günther Uecker,

Heinz Mack und Piero Manzoni bis zu Gotthard

Graubner, Roman Opalka und Arnulf Rainer.

Thomas Redl

Heinz Mack, Lamellenrelief, 1961, Aluminiumfolie, Holz,

Foto: Scheiber, Köln, Courtesy Sammlung Lenz Schönberg

Günther Uecker, Sandspirale, Foto: Andreas Thaler 2006,

Courtesy Sammlung Lenz Schönberg

ZERO. Künstler einer europäischen Bewegung

/ Sammlung Lenz Schönberg 1956-2006

Museum der Moderne Salzburg, Mönchsberg

verlängert bis 2. Juli 2006

Andreas Thaler fotografierte für ST/A/R die Ausstellung ZERO

andreasthaler.com

Gerhard von Graevenitz, Kinetisches Objekt: 16 schwarze Blöcke auf

Weiß, 1968 -1970, Foto: Andreas Thaler 2006,

Courtesy Sammlung Lenz Schönberg


Nr. 09/2006

Buch VII – KONTAKT ST/A/R 51

Kunst von privat

zu öffentlich -

Kontakt Erste Bank

Interview mit Boris Marte von Thomas Redl und Heidulf Gerngross,

März 2006

Thomas Redl: Jetzt ist ja gerade die

aktuelle Ausstellung „Kontakt …

aus der Sammlung der Erste Bank-

Gruppe“ im Mumok, Museum Moderne

Kunst Wien. Wie hat sich diese Sammlung

entwickelt? Wie ist die Entstehungsgeschichte?

Boris Marte: Also, es gibt drei

Entstehungsgeschichten, die alle ineinander

wirken. Die eine Entstehungsgeschichte

ist, dass die Unternehmungen der Erste

Bank-Gruppe im Ankauf von Kunst eine

^

lange ^

Tradition haben. Die Erste Bank, die

^

tschechische Bank Ceská Sporitelna, die

slowakische Bank Slovenská Sporitel’na

haben alle über die letzten Jahrzehnte

gesammelt, allerdings nicht immer

nach klaren Kriterien, sodass wir mit

Sammlungsstöcken konfrontiert sind,

die nicht wirklich eine klare Zielrichtung

haben. Wir haben all die angekaufte

Kunst mit Hilfe von Rainer Fuchs vom

Museum Moderner Kunst evaluiert und

auf Basis dieser Erkenntnisse und der

geographischen Ausdehnung der Erste

Bank-Gruppe ein neues Konzept erstellt,

das wir jetzt verwirklichen, und zwar mit

einem unabhängigen Sammlungsbeirat,

^ der ^ die ^ Ankaufsentscheidungen trifft.

Das sind Jirí Sevcík aus Prag, ^

Branka

Stipancić aus Zagreb, Adam Szymczyk

aus Polen, Silvia Eiblmayr und Georg

Schöllhammer aus Österreich. Diese fünf

Leute haben komplett freie Hand. So ist

unsere Sammlungspolitik entstanden,

und im Mumok zeigen wir jetzt die ersten

eineinhalb Jahre dieser Tätigkeit. Es ist

eine sehr junge Initiative, mit der wir

der Verantwortung gegenüber den alten

Sammlungen, die in deser Bankengruppen

zu Hause sind, und gegenüber dem

künstlerischen Schaffen der letzten vierzig,

fünfzig Jahre gerecht werden wollen.

Die zweite Geschichte: Wir haben in den

zentral- und osteuropäischen Ländern

unabhängige Kulturbüros aufgebaut, die

so genannten „tranzit“-Büros, die den

Auftrag haben, mit dem zur Verfügung

gestellten Unterstützungs- bzw.

Sponsorengeld komplett autonom und

unabhängig Infrastrukturleistungen vor

Ort zu erbringen. Das heißt, wir haben

über Netzwerke die Szenen fokussiert und

ihnen angeboten, für die künstlerische

Produktion vor Ort Mittel zur Verfügung

zu stellen ohne uns einzumischen. Es

ist ihnen vollkommen überlassen, nach

lokalen Prioritäten zu handeln. Nicht

Wien gibt Befehl, was zu machen ist,

sondern die Prager, die Budapester, die

Bratislava entscheiden, was für sie im

lokalen Kontext wichtig ist. Die Sammlung

steht also nicht im luftleeren Raum als

etwas, das unabhängig von den anderen

Unterstützungs- und Supportleistungen

in Wien präsentiert wird, sondern diese

Kunstwerke kommen alle aus einem

lokalen Kontext, der sozusagen vom

Postkommunismus bzw. Kommunismus

geprägt ist. Und die Arbeit, die diese

lokalen Kulturbüros leisten, ist, genau

diese Zeit aufzuarbeiten bzw. jetzt

Kunstproduktionen zu ermöglichen.

T. R.: Das heißt, es ist nicht nur klassische

Sammlertätigkeit, sondern auch ganz

konkrete Förderungstätigkeit.

B. M.: Richtig, und damit komme ich

jetzt zum dritten Punkt. Wir haben uns

auch auf die Philosophie der Sammlung

geeinigt, dass wir neben dem Ankauf die

lokale Präsentation der Kunstwerke und

die Erforschung der Kunstentwicklung in

diesen Ländern seit 1945 als mindestens

so wichtig ansehen wie den Ankauf selbst.

Das heißt, dass wir uns immer auf den

lokalen Kontext beziehen und auf die

Bedürfnisse dort. Wir heben es nicht davon

ab, wir geben quasi die Kunst dann zurück,

weil viele der Arbeiten eben in keinem

Museum präsent sind. Nicht nur das, sie

sind ja auch in keinem westlichen Museum

präsent, die europäische Kunstgeschichte

des Ostens wird von den westlichen

Museen nur marginalst wahrgenommen.

Wir empfinden es daher als unseren

Auftrag, als unsere Verantwortung,

wenn man schon ein Unternehmen ist,

das in dieser Region arbeitet, die dortige

Kunstentwicklung herauszuheben und in

einer möglichst professionellen Art eine

Privatsammlung aufzubauen. Genau dieses

Defizit der Nichtpräsentation und der

Nichtbesprechung, der Nichtkanonisierung

der östlichen Kunstgeschichte seit 1945

ist mit allen uns möglichen Mitteln zu

bearbeiten. Und da gelingen uns schon

erste Schritte.

T. R.: Das ist sozusagen auch Feldforschung,

und im klassischen Sinne übernimmt

die Erste Bank-Gruppe eine kulturelle,

gesellschaftliche Funktion.

B. M.: Ja, ich sage immer, dass

sich dieses Konzept von anderen

Sammlungskonzepten unterscheidet.

Wir werden nie kaufen, horten oder eine

eigene Galerie betreiben, sondern wir

werden immer ankaufen, bearbeiten und

an die Öffentlichkeit zurückgeben. Unsere

Zielrichtung ist von privat zu öffentlich,

nicht von privat zu privat. Wir werden

auch die wesentlichen Werke nicht in

unseren Räumen haben, sondern sie

sollen in Museen, in den Galerien vor Ort,

in den Interventionen der KuratorInnen,

die vor Ort gemacht werden, präsent

sein und der Öffentlichkeit zugänglich

sein. Das unterscheidet uns von anderen

Sammlungskonzepten, die von überall

her Kunst sammeln, sie dann im 1. Bezirk

in Wien zeigen und sonst nirgendwo,

und wenn man sie ausleihen will, ist das

ein riesiges Problem. Wir machen genau

das Gegenteil, wir holen sie zusammen,

um auch die Wertsteigerung dieses

Gemeinsamen damit zu verbinden, aber

wir spielen sie sofort wieder zurück. Wir

wären sehr froh, und da gibt es sehr gute

Chancen, wenn die nächste Ausstellung

mit Werken dieser Sammlungen in Belgrad

stattfindet.

Heidulf Gerngross: Mir scheint das auch

ziemlich ein menschliches, strategisches

Konzept. Da ist schon eine Geschichte

dahinter, das beutelt man nicht so aus dem

Wir haben uns auch auf die Philosophie der Sammlung

geeinigt, dass wir neben dem Ankauf die lokale Präsentation

der Kunstwerke und die Erforschung der Kunstentwicklung in

diesen Ländern seit 1945 als mindestens so wichtig ansehen wie

den Ankauf selbst.

Ärmel. In welcher Form wirkst du persönlich

an diesem Konzept mit?

B. M.: Es sind vor allem die vielen

Kontakte eben, die vielen Netzwerke, die

vielen Gespräche, es sind die Menschen,

die hier mitarbeiten, die sich alle mit

eingebracht haben. Ich bin sozusagen

der Katalysator für Ideen, wo wir dann

die Reflexionsphasen betreiben, die

Produktionsphasen haben und auch

die Überzeugungsarbeit kanalisieren,

die natürlich auch in einem so großen

Unternehmen wie die Erste Bank

notwendig ist. Also alle diese Prozesse

zu steuern und sie zu moderieren, die

richtigen Leute zu finden, die sich dann

auch mit dem identifizieren, was man tut,

die Netzwerke zu lokalisieren und auch

mit ihnen zusammenzuarbeiten, das ist so

dieser moderative, gestaltende Einsatz, der

von uns hier ausgeht.

H. G.: Wer hat dieses Wort “Kontakt”

kreiert? Das muss ja auch aus einem geistigen

Konzept entstanden sein.

B. M.: Ja, „Kontakt“ kommt aus einem

Werk von Julius Koller aus den 60er

Jahren, das sich „Anti Happenings“ nennt.

Wir haben dieses Wort in seiner Kunst

entdeckt und haben es dort herausgehoben.

Es war damals ein politisches Wort, weil

eben der Kontakt nicht möglich war.

Julius Koller hat es auch bewusst für den

gesellschaftlichen Kontakt verwendet, für

den gesellschaftlichen Dialog, für den

Kontakt unter den Menschen zwischen

Ost und West, zum Ufo sozusagen, in die

Utopie hinein. Er hat ja sehr stark diese

Ufonautengeschichte betrieben, und daraus

kommt das Wörtchen „Kontakt“. Und wir

haben gesagt, dass dieser Kontakt heute

seinen politischen Inhalt nicht verloren hat,

obwohl es ein anderer ist.

H. G.: Wer ist wir?

B. M.: Wir, unser Team sozusagen.

Wir als Bank, die in einer Region tätig

ist, mit so vielen Sprachen, so vielen

unterschiedlichen Religionen, mit so vielen

unaufgearbeiteten Konflikten (zwischen

Slowaken und Tschechen, zwischen Serben

und Kroaten, zwischen Bosniern und

Serben, zwischen Rumänen und Ungarn,

zwischen Ungarn und Serben etc.) bewegen

uns in einer Region, wo Verständigung

keine Selbstverständlichkeit ist. Auch

zwischen Österreich und der Slowakei ist

im kulturellen Bereich noch überhaupt kein

Kontakt, keine Beziehung da, sondern nur

ein stark ökonomisch dominierter. Was

wir hier machen, und das ist eigentlich

unsere tägliche Arbeit, ist das „in Kontakt

bringen“ von Menschen, von denen wir

glauben, dass sie über die Grenzen hinweg

zusammenarbeiten könnten. Deswegen

passt dieses Wort „Kontakt“, das in den

60er Jahren seinen Sinn hatte und auch

im 21. Jahrhundert noch seinen Sinn hat,

weil es immer diesen menschlichen Bezug

aufmacht.

H. G.: Es ist ja auch so, dass wir mit unserer

ST/A/R-Zeitung über das Wort „Kontakt“

intensiver in Kontakt getreten sind, und

dieses Wort auch wirklich einen Kontakt und

Diskurs zwischen KünstlerInnen und eurer

Initiative ausgelöst hat. Zwischen der Erste

Bank und Herbert Brandl zum Beispiel, denn

diese „Kontakt“-Seiten, die ihr uns in unserer

Zeitung ermöglicht habt, um „Kontakt“

publik zu machen, hat Brandl später

bearbeitet, und wir sind dadurch wieder bei

euch gelandet. Es ist etwas Positives, einen

Zusammenschluss zu finden, der durch dieses

Wort, das eigentlich von einem Künstler

ausgegangen ist, initiiert worden ist.

Wir werden nie kaufen, horten

oder eine eigene Galerie

betreiben, sondern wir werden

immer ankaufen, bearbeiten

und an die Öffentlichkeit

zurückgeben.

Unsere Zielrichtung ist von

privat zu öffentlich, nicht von

privat zu privat.

B. M.: Ich finde dieses Projekt, das mit

euch entstanden ist, symbolisch, weil so

ist unsere Arbeit. Es entstehen plötzlich

Projekte, irgendwo in Zentraleuropa,

die etwas mit uns zu tun haben, die wir

aber gar nicht mehr wahrnehmen, nicht

mehr im Griff haben, die kommen dann

über eine andere Schleife zurück. Das

Schöne ist, mitzuerleben, was da an

den verschiedenen Ecken und Enden in

zahlreichen Projekten, Büros und

Programmen auch tatsächlich ➜ entsteht.

Und ich finde ja, hinter „Kontakt“


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VIII – KONTAKT

ST/A/R 61


54 ST/A/R

Buch VII – KONTAKT

Nr. 09/2006


steht eigentlich eine existentialistische

(humanistische) Philosophie, es hat schon

etwas sehr Philosophisches. Emanuel

Lévinas zum Beispiel: das Andere als Teil

des Eigenen, und das Gesicht als Bild für

die Individualität des Anderen, den man

dadurch akzeptiert. Oder Martin Buber

mit seinem „Ich und Du“, sozusagen die

Beziehungen zwischen Menschen, auf

Basis derer eine Gesellschaft beruht, der

ganze Dialog, die Individualität kann ja

eigentlich nur im Dialog mit dem Anderen

entstehen. Insofern hat dieses „Kontakt“

eine sehr starke Wurzel in der (westlichen)

Philosophie oder in der europäischen.

Die Geschichte des Wortes „Kontakt“

ist ja auch lustig: es ist noch gar nicht

so alt und kommt eigentlich eben aus

den 60er Jahren, weil es vorher nur in

der Physik als der Kontakt zwischen

zwei elektrischen Impulsen verwendet

wurde. Erst im Zuge des Aufbruchs der

Gesellschaft, als man nicht mehr nur die

Ehe oder das Verwandtschaftsverhältnis

kannte, sondern auch menschliche, nicht

gleich legitimierte, Beziehungen jenseits

dessen, fand das Wort „Kontakt“ Eingang

in eine zwischenmenschliche Beziehung.

Etymologisch finde ich das sehr interessant.

T. R.: Es gibt ja den „Report“, euer Magazin

für Kunst und Zivilgesellschaft. Dort

findet man Bild- und Textmaterial aus

den 60er Jahren, ich glaube, vieles aus

der Tschechoslowakei, wo dieses Gefühl,

die Philosophie der 68er Jahre, dieser

Aufbruch einer Gesellschaft sehr stark

spürbar wird. Da findet eine Aufarbeitung

einer Szene, von der man eigentlich nichts

gehört hat, der Prager Szene in den 68ern,

statt. Das ist ein sehr interessanter Aspekt.

B.M.: Das ist auch das, was uns sehr

oft begegnet. Das kennen wir ja auch

aus unserer eigenen Geschichte, dass

im Zuge der rapiden Modernisierung

Man wünscht sich eben diese Romantik, dass das, was man tut,

auch einen Wert hat. In tief- oder neokapitalistischen Zeiten ist

das vollkommen abhanden gekommen.

dieser Transformationsgesellschaften

vieles nicht wahrgenommen wird. Und

manchmal bricht es dann über in eine

unausgesprochene, aber spürbare Nostalgie

der Solidarität, die man damals als

Gesellschaft gegenüber einem feindlichen

Staat mit seiner Geheimpolizei hatte und

kannte, und es entstanden horizontale

Solidaritäten, die es heute in dieser Form

nicht mehr gibt. Dieses „gemeinsam

irgendwo hinfahren“, gemeinsam gegen

etwas zu sein und trotzdem in diesem

allgemeinen Kompromiss zu leben, eine

gewisse Gleichheit zu empfinden, weil

es allen irgendwie so geht, das ist weg.

Deswegen ist diese Zeit jetzt plötzlich

Teil einer Nostalgie, die zurückkommt,

natürlich ohne dass man sich das System

wieder zurückwünscht, das ist keine Frage.

Man wünscht sich eben diese Romantik,

dass das, was man tut, auch einen Wert hat.

In tief- oder neokapitalistischen Zeiten ist

das vollkommen abhanden gekommen.

T. R.: Ich glaube nicht, dass diese Nostalgie

sich nur auf die osteuropäischen Länder

beschränkt. Ich habe auch ein nostalgisches

Gefühl, wenn ich sehe, dass zwanzig junge

Leute mit anpacken, weil jemand Hilfe

braucht. Auch wir haben die Nostalgie, „wie

war das damals in den 60er, 70er Jahren?“,

wo die menschlichen Netzwerke einfach

offener, kommunikativer waren.

B. M.: Absolut, sozusagen in einer

natürlicheren Dynamik drinnen. Jetzt

hat man sehr stark mit Brüchen und

Dynamiken, die durch viele Entwicklungen

und Gleichzeitigkeiten Parallelitäten

schaffen, zu tun, die man verarbeiten

soll. Schon aufgrund der damals komplett

anderen Produktionsverhältnisse und

auch Mediensituation, gab es ganz

andere Kommunikationsverhältnisse.

Diese waren nicht dominiert von Vielem

auf einmal, sondern man konzentrierte

sich auf Weniges sehr. Das finde ich

einen interessanten Zugang zu vielen

Erklärungen, warum manches heute so ist,

wie es ist.

Zur Kulturpolitik: es ist schon ein großes

Problem, dass öffentliche Gelder sich

langsam von Produktionsprozessen zu

Repräsentationsprozessen umschichten,

und für die Produktion immer weniger

übrig bleibt. Wir müssen aber wieder

den Schritt von den repräsentativen

Formaten hin zu den produktiven schaffen.

Da ist auch manche Kulturinstitution

schuld, weil sie diesen Weg mitgeht, und

auch für ihre eigenen repräsentativen

Notwendigkeiten immer mehr Geld

braucht, während die produzierenden

Einheiten dahindarben. Das ist ein großes

Problem der Kulturpolitik allgemein, dass

sie diesen Shift nicht versteht und aufgrund

der Kurzatmigkeit und Kurzfristigkeit

der kulturpolitischen Interessen dem

vollkommen verfällt. Das halte ich für eine

sehr gefährliche Entwicklung zum einen.

Das zweite, das man sagen muss, ist, dass

zunehmend Modernisierungsprozesse

entkoppelt sind. Es ist im Osten extrem

der Fall und bei uns immer mehr,

dass man Modernisierungsprozesse

im Ökonomischen hat, aufgrund der

notwendigen Geschwindigkeiten der

Ökonomie, aber nicht im selben Ausmaß

im Sozialen oder im Kulturellen, und

damit hinken diese Bereiche immer etwas

hinterher.

Das Drama im Osten ist derzeit, dass man

produziert, reformiert und macht und

tut, die Wohlfahrts- und Kultursysteme

aber verändern sich überhaupt nicht.

Die kulturellen Institutionen leiden

unglaublich darunter, dass auf sie nicht

das selbe Augenmerk gelegt wird wie bei

der Entwicklung der Ökonomie. Es kommt

immer mehr zum Auseinanderklaffen.

Es konnte in den letzten zehn Jahren

irgendwie aufgefangen werden, weil sich

alles ein bisschen verändert hat. Jetzt

langsam wird es in den Ländern spürbar,

dass sie zum Teil überhaupt keine

kulturelle Infrastruktur haben, keine soziale

Infrastruktur, aber eine unglaubliche

ökonomische Dynamik, keinen

Arbeitsmarkt, keine Wohlfahrtsstaatlichkeit,

keine Spitäler und kaputte Museen.

Deswegen setzen wir ja auch mit unserem

Programm ein und sagen, dass es jetzt

nicht darum geht, dass wir in Bratislava

tausend Rosen blühen lassen. Es geht

darum, dass man infrastrukturelle Leistung

ermöglicht, um genau dieses Defizit

aufzufangen. Wenn wir irgendeine Rolle

spielen können, wenn wir irgendeine

Verantwortung haben, dann ist es genau

das.

T. R.: Das ist ja ein Fundament einer

Zivilgesellschaft, wenn man es so definieren

will.

B. M.: Absolut.

Zur Kulturpolitik: es ist schon ein großes Problem, dass öffentliche Gelder sich langsam von

Produktionsprozessen zu Repräsentationsprozessen umschichten, und für die Produktion immer

weniger übrig bleibt. Wir müssen aber wieder den Schritt von den repräsentativen Formaten hin

zu den produktiven schaffen.

Kulturpolitik:

es ist schon

ein großes

Problem,

Pawel Althamer, Kosmonauta, 1995


Nr. 09/2006

Buch VII – KONTAKT ST/A/R 55

Artist’s atelier in bushes at the amusementpark. Irkutsk / Tatooed man in front of railway station. Novosibirsk

Komsomolsky district at the outskirts of Yekaterinburg / Girl smoking in the staircase. Yekaterinburg

II World War soldiers monument. Tomsk / Gangster’s grave. Yekaterinburg

Hotel. Moscow / Street. Novosibirsk

Rafal Milach

Young Russia / 2006

Das heutige Rußland ist ein Land der großen Kontraste. Ökonomische und

kulturelle Unterschiede sind die konstanten Elemente des all täglichen Lebens.

Mit dem Zerfall der Sowjetischen Union verkündeten viele Republiken ihre

Unabhängigkeit, und viele von denen, die immer noch Teil der Russischen

Föderation sind, wurden immer mehr zu Seperatisten.

Indem sie diese turbulenten Zeiten und das Chaos der Übergangszeit für sich

nutzten, konnte eine kleine Gruppe von Geschäftsleuten und Banden führern

gigantische Vermögen erwerben, während gewöhnliche Russen sich mit mit

wachsenden ökonomischen Problemen und der Bürokratie konfrontiert sehen.

Junge Russen scheinen jenseits dieser Fakten zu existieren. Sie konsumieren

bereitwillig westliche Popkultur. Sie sind die Generation der Veränderung und

ihre Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit wird stärker und stärker.

Flat in Komsomolsky district at the outskirts of Yekaterinburg / Soviet block houses at the outskirts

RAFAL MILACH

geboren 1978, Fotokünstler und freier Fotojournalist mit Sitz in Warschau/Polen

Kulturkontakt artist in residence program - Wien, Österreich (2006)

VII/Altemus - workshop for photojournalists from Eastern Europe - Frankreich (2004)

ITF (Institute for Creative Photography) - Opava, Tschechische Republik (2003)

Academy of Fine Arts - Katowice, Polen (2002)

Ecole Superieure Estienne - Paris, Frankreich (2000)

Einzelaustellungen (Auswahl)

The Grey - Photoespana 2003, Galeria de Arte Gema Lazcano - Madrid, Spanien (2003)

New works exhibition by Mio Photo Awardees of 2001, Light Garden Gallery - Osaka, Japan (2002)

The Grey - Photographic Gallery PF, Culture Center Zamek - Poznan, Polen (2002)

Gruppenausstellungen (Auswahl)

Photographs by Next Generation Young Portfolio Acquisitions 2004+2005, Kiyosato Museum of

Photograhic Arts - Japan (2005+2006)

The Grey - Teil von “Europa Jetzt”, Ausstellung im MAK (Museum für Angewandte Kunst) - Wien,

Österreich (2004)

Preise (Auswahl)

Newsweek Poland Photo Award - Polen (2005)

Mio Photo Award - Osaka, Japan (2005)

BZ WBK Press Photo Award - Polen (2005)

Newsweek Poland Photo Award - Polen (2004)

Polish Press Photo - Polen (2003)

3. Biennale of Photography “To love a man” - Polen (2003)

www.rafalmilach.com


56 ST/A/R

Buch VII – KONTAKT

Nr. 09/2006


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch VIII – Ludwig v. Ficker ST/A/R 57


58 ST/A/R

Buch VIII – Ludwig v. Ficker

Nr. 09/2006


Galerie Elisabeth & Klaus Thoman


Nr. 09/2006

Buch VIII – Ludwig v. Ficker ST/A/R 59


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VIII – Ludwig v. Ficker

ST/A/R 61

Rudolf Polanszky, Hypertransforme Skulptur, 2004/2005

In meiner Arbeit versuche ich durch Verzerrung und Überdehnung eben jener mentalen Vorstellungsmuster eine Veränderung des

Grundmaterials zu erzielen und mich dem Gefängnis der biologistisch-adaptiven Sinnbedingungen zu entziehen. Meine Arbeit ist

so ein Ausdruck eines quasi Perpetuums der dauernden Umorganisierung über meine mentale Inventionsmaschine. Je mehr ich auf

sinngebende Hinweise im Material und seiner Verwendungsweise verzichte, umso mehr muss die „Inventionsmaschine“ leisten, um

eine Ordnung als Verstehensbrücke des „Neuen“ zu erfinden.

Das „Hinausweisende“ der „transaggregaten Struktur“ bleibt selbst natürlich immer „Innen“ und so sind als Objekte meiner Arbeit

die hergestellten „Kunststücke“ meine verbleibenden Außenstellen.


62 ST/A/R

Buch VIII – Ludwig v. Ficker

Nr. 09/2006

Tamuna Sirbiladze, Die Witwe (Ficker gewidmet) / The Widow (dedicated to Ficker), 2005, acrylic, pencil, spit, marker on canvas, 180 x 200 cm


Nr. 09/2006

Buch VIII – Ludwig v. Ficker ST/A/R 63

Franz West, Neurosa, 2003


64 ST/A/R

Buch VIII – Ludwig v. Ficker

Nr. 09/2006


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch IX - AUTOST/A/R ST/A/R 65

AUTOST/A/R

DAVID

DAVID STARETZ

fotocredits: SALOMEA KROBATH

REDIGIERT, SCHREIBT UND FOTOGRAFIERT DEN

AUTOST/A/R


66 ST/A/R

Buch IX - AUTOST/A/R

Nr. 09/2006

YOU DRIVE ME CRAZY !

David Staretz über die höchste Disziplin des Autofahrens: Das Beifahren

Von Männern hört man bisweilen aufrichtige Selbstkritik,

nämlich die entwaffnende Offenbarung: “Ich bin ein sehr

schlechter Beifahrer”.

Naja, eigentlich meint er damit: “Es ist unerträglich, alle die

ich kenne fahren schlechter als ich”.

Bei aller Koketterie: Die Furcht des Beifahrers ist eine echte.

Ob das jetzt mehr über den Beifahrer, (die Beifahrerin) oder

über den Fahrer aussagt, ist vorerst nebensächlich. Selten

ist man einem Menschen so alltäglich, blank und endgültig

ausgeliefert wie beim Autofahren. (Beim Motorradfahren

ist man wenigstens noch ein Teil der Gewichtsverlagerung.

Selten allerdings, dass man davon profitierte.)

Aber erst mal ein Geständnis: Ich bin ein schlechter Beifahrer.

Als mich unlängst ein Bentley-Chauffeur vom Flughafen

Manchester abholte (klingt großspurig, gehört aber bloß zu

einer anderen Geschichte), entschuldigte ich mich dafür, so

klassentrennend in den Fond zu klettern: “You know, Leonard,

I prefer not to sit in a driver’s seat without a steering wheel in

front of me”. Erst bei näherer Erläuterung verstand er meine

gesteigerte Phobie vor Beifahren im Linksverkehr. Danach

unterhielten wir uns über die korrekte Art des Bremsens,

wobei es darum geht, den Fuß exakt im Moment vor dem

Stillstand vom Pedal zu nehmen, um ein Gegenschaukeln des

Wagenkörpers zu verhindern. Ich versuche, Autofahrer immer

in kalmiernde Themen zu verwickeln, obwohl das hier, by the

way, nicht nötig gewesen wäre. Leonard fuhr völlig korrekt,

umsichtig, flüssig und schob ungefähr dreieinhalb Meter

Motorhaube vor uns her. Ich spielte an der Bordbar herum.

Beifahren im üblen Sinne geht noch viel tiefer als Angst.

Es beginnt damit, dass selbst professionelle Chauffeure

(speziell meine ich Kleinbusfahrer) nicht in der Lage sind,

Zwischenstufen in der Heizung/Klimaanlage zu erkennen.

Beschwert man sich in einer Handypause des Fahrers über

Hitze, wird man wortlos niedergefroren, bittet man bibbernd

um Warmluft, lodern bald Flammen aus den Luftgittern.

Schlimme Erlebnisse als Beifahrer: Der Ramadan lag in

den letzten Zügen. Unser Fahrer kaute seine Betelnuss

mit glasigen Augen. Noch fünf Stunden Pistenfahrt bis

nach Niamey, der Hauptstadt des Niger. Im Niger gibt es

einundzwanzig Giraffen. Eine davon lief so knapp vor das

Auto, dass ich ihren Kopf nicht sah. Der Mann bremste brutal,

das Tier entkam um Zentimeter. “Ich schlafe wie ein Messer”,

sagte er unnötigerweise.

Ich habe Fieber. Die Fotografin übernimmt den Peugeot

Kombi, den wir von einem Kairoer Familienunternehmen

ausgeliehen hatten. Europcar- Suzukis und Avis-Visas hatten

wir verschmäht, stattdessen einen dreiseitigen, in optisch

betörendem Arabisch verfassten Leihvertrag unterschrieben.

Darin war weder von funktionierenden Stoßdämpfern noch

von einer Fahrzeugversicherung die Rede gewesen, wie an

uns einen Tag später erklärte. Ich werde nie den Anblick des

Familienpatriarchen vergessen, finsterer Flaschengeist mit

Turban, Kaftan und Krummschwert, als man uns im völlig

verbeulten Auto in den Hof zurückschleppte: Irgendwie war

uns ein Schlagloch vors Auto gelaufen oder so, jedenfalls

wich meine Fahrerin aus nach links und aus nach rechts und

aus und aus und konnte nicht aufhören, bis wir, geradezu

mit Erleichterung, wie ich mich erinnere, über einen

Erdhügel in die Wüste geworfen wurden. Als wir neben dem

rauchenden Wrack aufstanden, drückte mir ein Eseltreiber

den Zigarettenanzünder in die Hand, der aus dem Auto

geschleudert worden war. Das sind so Gesten.

Frauen. Nichts persönliches hier, rein statistisch. Sie hatte

irdenwas mit Umwelt zu tun, aber künstlerisch. Sie besaß

ein Landhaus in der Toskana und wir fuhren in den nächsten

Ort, um etwas Geschmackloses für den hundertjährigen

Geburtstag ihrer Mutter zu kaufen. Sie fuhr

grottenschlecht, nämlich häßlich. Wäre der Nissan Micra

ein Hund gewesen, hätte sie den Tierschutzverein am Hals

gehabt. Der Schalthebel: Eine Unkrautwurzel. Das Gaspedal:

Der Ex-Mann. Dann überholte sie, als wären Kurven aus

Transparentmaterial.

Frage: Wann kommt der Zeitpunkt beim Beifahren, wo man

gesellschaftliche Konventionen überwindet und um sein Leben

zu kämpfen beginnt? Ich meine – man will sich doch nicht

aus Höflichkeit umbringen? Naja, Tycho de Brahe schon, aber

er musste nicht Autofahren. Er starb nach dem Festessen mit

Peter Vok Ursinus Rozmberk, weil er, der Hofetikette folgend,

nicht gewagt hatte, die Tafel vor dem Gastgeber zu verlassen

oder gar nach dem Klo zu fragen. Das ist aber jetzt eine andere

Liga.

Ein Auto von außen wirkt völlig homogen, im großen

Unterschied zum komplizierten Psycho-Mechanismus, der

drinnen abläuft. Allein die Luft! Wunderbaum, Memphis

light, Alkofahne und das was seit letztem Weekend alles am

Boden klebt.

Die Macht des Fahrers ist fast unumschränkt, die Einflußnahme

des Beifahrers erstreckt sich in der Regel auf erschrockene

Ausrufe oder nörgelnde Versuche von Besserwisserei, die ihm

nichts helfen, sondern Dinge höchstens verschlimmern. Wie

schön also, wenn alle Ängste und Sublimierungen obsolet

werden:

Wenn man sich in den heißen Sitz kuscheln kann wie

in orientalisches Samtgepölster. Voll Vertrauen und

Zuversicht blickt man auf die sachverständige Person, einen

konzentrierten, angewandt schnellen Profifahrer, der vollig

ungerührt, in nahezu zeitversetzter Besonnenheit, den Wagen

durch ein Furioso aus Kurven, Kuppen, Amateurverkehr und

Tunnelröhren jongliert wie ein Pinball Wizard.

In der schwindenden Disziplin angewandten Beifahrens

sind also folgende Tugenden erwünscht: Ein hervorragender

Pilot (eine ausgezeichnete Pilotin), ein demutsvoller aber

kompetenter Beifahrer, ein Fahrzeug, in dem das alles Sinn

macht und idealerweise eine Straße, die ein musikalisches

Thema erkennen lässt.

Gute Chauffeure sind rar; wir sprechen jetzt nicht von

ausgebildeten Limousinenkutschern, die immer einen

Putzlappen im Ärmel stecken haben, sondern von handwerklich

korrekten, zügigen Drivern, die flotte Melodien auf geeignete

Fahrbahnen komponieren, vorzugsweise im befreundeten

Ausland, vorzugsweise Nachts. Erfahrung zeigt, dass dies

besser keine Rennfahrer sein sollten, welche im allgemeinen

zur Hysterie neigen und manchmal über den Rand abgehen,

weil sie auch im Alltag alles racen und besiegen müssen, was

sich bewegt.

Dem in seiner Wesenheit passiven Beifahrer imponiert

vielmehr die sparsame Fahrweise eines professionellen

Testfahrers mit seinen pragmatischen, nachvollziehbaren

Bewegungen, die er sparsam und mit der Ruhe, wie sie

im Auge eines Orkans herrschen muß, vollzieht. Scharfes

Bremsen schafft mehr Vertrauen als zögerliches Hinschleifen;

im herzhaften Beschleunigen

kann Stabilisierung erkannt werden, knappe Lenkbewegungen

haben Vollzugs-Charakter und sind gut nachvollziehbar. Die

fünfhundert PS eines Lamborghini Gallardo werden zum Tool,

das eine klassische Ästhetik der Geschwindigkeit zurechtfeilt

am Rande der Physik. Das geht dann

folgendermaßen: Er hat sich den Wagen gut hergerichtet, auf

korrekte Sitzposition und Spiegeleinstellung gestimmt, und

scheinbar leidenschaftlos treibt er den Wagen voran. Aber

ein feines Lächeln scheint über allem zu liegen, was er tut,

wie er den Schalthebel zart und aufreizend langsam führt in

der Relativgeschwindigkeit, als würde er Holz nachlegen im

Kamin. Es dämmert, es hat geregnet, die Fahrbahn ist schnell

und abschüssig. Wir müssen meinen Nachtzug erreichen.

Wie in die Führungsnut einer Slotcar-Schiene eingehängt,

heftet sich der hochklassige Wagen auf die Fahrbahn; ohne zu

bremsen setzt der Fahrer den Wagen in schnelle Biegungen,

offenbar analysiert er jede Kurve bereits aus ihren Ansätzen

heraus, was man an seinem gefestigten Einschlag erkennt, der

kaum nachkorrigiert werden muß. Er kennt alle Fähigkeiten

des Autos

wie ein guter Tischler seinen Hobel. Er hält den Wagen

auf Zug, er holt ihn dank fulminanter Leistung und Allrad-

Haftung wie am Faden aus den Kurven, man meint den

Groundeffekt zu spüren, mit dem der Gallardo zu Boden

gesogen wird, in die Haftung, in den Speed, in die nächste

Gerade. Nichts scheint den Piloten zu überraschen, denn

er reagiert vorausschauend, schlimmstenfalls in Echtzeit. Er

führt den Wagen auch jenseits von Tempo 200 auf halbe

Reifenbreite genau; in den Gebirgsetappen würde ich mich

hüten, den Ellbogen rauszustrecken, denn die Holzbarrieren

sind in Rechtskurven nur wenige Zentimeter entfernt. Er ist

konzentriert aber locker, er scheint stets zwanzig Prozent

Sicherheit einzupolstern und obwohl wir richtig schnell

unterwegs sind, lehne ich mich entspannt in die Sitzschale

und habe Freude, den Rhythmus mitzuswingen, als könnte

ich auch etwas zur Musik beitragen.

Dabei fällt mir ein Gedicht von Bert Brecht ein, dessen Inhalt,

weit über das Lenkrad hinausreicht: (s. folgende Seite)

BERTHOLD

berthold


Nr. 09/2006

Buch IX - AUTOST/A/R ST/A/R 67

Der Insasse

BRECHT

brecht

Als ich es vor Jahren lernte

Einen Wagen zu steuern, ließ mich mein Lehrer

Eine Zigarre rauchen; und wenn sie mir

In dem Gewühl des Verkehrs oder in spitzen Kurven

Ausging, jagte er mich vom Steuer.

Auch Witze erzählte er während des Fahrens, und wenn ich

Allzu beschäftigt mit Steuern, nicht lachte, nahm er mir

Das Steuer. Ich fühle mich unsicher, sagte er.

Ich, der Insasse, erschrecke, wenn ich sehe

Daß der Lenker des Wagens allzu beschäftigt ist

Mit Lenken.


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch IX - AUTOST/A/R ST/A/R 69

ZUM GEBRAUCH

An dieser Stelle wird der AutoST/A/R in regelmäßiger Folge das aktuelle ST/A/R-Auto präsentieren. Es wird nach den strengen Kriterien der

ST/A/R-Autoredaktion ausgewählt, die sich auf folgendes Anforderungsprofi l gründen: Availability. Fahrtüchtigkeit. Geschmackssicherheit. Alles

weitere fi ndet sich im Test. Dass wir gleich zu Anfang der Serie auf den Mazda 6 gekommen sind, erklärt sich schlüssig: er repräsentiert

eine vertretbare Mitte des Autogeschehens, wirkt repräsentabel aber nicht verschmockt, versucht keine Imagetalons auszuspielen, ist kräftig

motorisiert, aber auf der sparsamen Seite (8 Liter Diesel/100 km) und verkörpert in seiner Genealogie das Wieder-Erstehen einer fast

gescheiterten Marke. Sowas imponiert uns immer.

ST/A/R - AUTO MAZDA 6

SPAR SCHNELLER, ER WAR TEUER GENUG!

Der neue Mazda 6 mit 143 Diesel-PS steht für eine neue Mittelklasse-Generation: sparsam, von mir aus aber bitte mit Spaß!

Wie er von der Kupplung

geht, so unverblümt

und matter-of-factly,

sagt schon eine Menge über

den Wagen aus: Er ist kraftvoll

beim Beschleunigen, schlüssig

im Lenken, zupackend beim

Bremsen.

Man wird als Fahrer, als

Passagier ernst genommen,

man darf sich aufwendig

ins Cockpit praktizieren mit

dreidimensional verstellbarem

Lenkrad und Sitz, man hinterlässt

Fingerabdrücke auf echtem

Klavierlack, lenkt in Leder, aber

auch die Passagiere dürfen

am korrekten Vorankommen

teilhaben: Die Fernbedienung

zum (aufpreispfl ichtigen)

Navigationssystem kann

entnommen und auch von den

Rücksitzen aus bedient werden,

um den Fahrer zu entlasten. Ein

schlauer Zug.

Der Dieselmotor greift

kräftig in die Speichen 143

Diesel-PS sind anders als

gleichwertiges in Benzin,

weil das Drehmoment früher

ansetzt, dampfmaschinenhaft,

nur ein weniges über Standgas.

Das erlaubt substanzielles,

entspanntes Fahren bei

niedrigen Drehzahlen, und der

Selbstzünder ist so gut gelagert

und gedämmt, dass er kaum

ins Dröhnen kommt.

Somit gewinnt der Wagen auch

Leichtfüßigkeit, sobald er im

Freiland gefordert wird, er hängt

gut am Gas, was dem Fahrer ein

gutes Gefühl der Verbundenheit

vermittelt, das er beim Bremsen

noch deutlicher bestätigt fühlt:

Der Mazda6 verzögert exzellent.

Dafür und für die unverfälschten

Lenkeigenschaften benötigt es

auch ein präzises, aufwendiges

Fahrwerk. In diesem Fall

handelt es sich um klassische

Güte: Doppelte Querlenker

vorne, aufwendige Mehrlenker-

Achse hinten. Früher hätte man

so etwas nur Alfa Romeo oder

BMW zugedacht.

Was man am Mazda6 kritisieren

könnte, ist eine gewisse

Umständlichkeit bei Sekundäroder

Tertiärbedienung. Er

bietet solche Detailfülle, dass

es schwierig geworden ist,

eine schlüssige Hierachie

und Übersichtlichkeit unter

den Schaltern einzuführen.

Grundsätzlich gilt aber, dass

man sich, so wie er sich als

Großserienmodell über die

Jahre bewährt hat, auf der

sicheren Seite befi ndet. In der

aktuellen Pannenstatistik, die

der deutsche Automobilclub

ADAC heute veröffentlicht hat,

setzt Mazda wieder Maßstäbe.

In der Mittelklasse holt sich

der Mazda6 den Titel als

pannensicherstes Fahrzeug.

Die renommierte deutsche

Konkurrenz (Audi A4, BMW

3er oder Mercedes C-Klasse)

erreicht nur die Plätze zwei bis

vier.

Noch ein Tip von Heidulf: Steckt

bloß nicht Handy und SmartCard

in die selbe Jackentasche!

Text & Fotos: David Staretz

ZUM MODELL:

Der Mazda 6, in seiner Grundform bereits

seit drei Jahren auf dem Markt, ist

zusammen mit dem Kompakt-Modell

3 der Grund, warum Mazda wieder in

der Gewinnzone fährt, nachdem zuvor

nur ein Unterkommen bei Ford

die Fortführung der Marke garantieren

konnte.

Inzwischen ist Mazda wieder so selbstbewußt

geworden, dass man die erfolgreiche

Rotary-(Wankelmotor-)Story weiterführen

konnte (RX-8) und selbst im

Breitenfach der Passat-Klasse punktet

und noch unbekümmert zulegt: Die Top-

Sportversion MPS hat Vierradantrieb

und 260 Turbo-PS.

Wir konzentrieren uns hier aber auf

den Mazda 6 CD143 GT, dessen aufwendige

Typenbezeichnung uns insofern

sympathisch wird, als sie gleich

die Motorleistung in PS beinhaltet. CD

steht für Comfort-Diesel. Teuer erkauft

wird das Sportkürzel GT, das hier für ein

(unten aufgelistetes) Ausstattungspaket

steht, mit dem unser Testwagen aufgewertet

ist.

Einen Bonus bringt der serienmäßige

Diesel-Partikelfilter (den das

Schwestermodell Ford Mondeo noch

schuldig bleibt). Dadurch kommt man

beim Kauf von Haus aus in den Genuss

der staatlichen Förderung von 360

Euro.

Das Modellangebot umfasst nach wie vor

drei Karosserievarianten die viertürige

Stufenhecklimousine, den Fünftürer

Sport und die Kombiversion Sport

Combi. Unverändert im Programm bleiben

weiterhin die drei Benzinmodelle

(1,8i, 2,0i und 2,3i) und eine allradgetriebene,

top ausgestattete Sport

Combi-Variante. Der neue Mazda6 ist

weiterhin in drei Ausstattungsvarianten

Der AutoStar vergibt an den Mazda6 CD 143 GT:

9 von zwölf möglichen STARS.

mazda

erhältlich. Das Facelift bringt aber neue

Features. Denn ab sofort sind für den

Mazda6 unter anderem auch Licht- und

Regensensor, Ledersitze und die Smart-

Card (schlüsselloses Zugangs- und

Startsystem) zu haben.

Preis unseres Testwagens: 33.571 inkl.

Metalliclackierung.

Ausstattungsextras (Beispiele):

ABS und ABD (elektron.

Bremskraftregelung), Anti-Schleuder

DSC, Antischlupf TSC, Gurtstraffer

vorne, Isofix-Kindersitzbefestigung hinten,

zwei Airbags vorne, Seitenairbags

und 4 Fensterairbags. Vordersitze gegen

Aufprall-Nackenverletzungen konstruiert..

Fahrersitz und Lederlenkrad

höhenverstellbar. Bordcomputer.

Lichtsensor. CD-Player. Regensensor.

Rücksitzlehnen 60:40 umklappbar.

Tempomat. Notrad.

Im Ausstattungspaket GT sind Dinge

enthalten wie 6fach-CD-Wechsler,

BOSE-Premium-Audiosystem (7

Lautsprecher), Breitreifen, elektr. verstellbarer

Fahrersitz mit Memory,

Navigationssystem, Sitzheizungen,

Xenon-Scheinwerfer und die Smart-

Card zwecks schlüsselfreiem Öffnen

und Versperren. (Achtung: In der selben

Tasche getragen wie das Handy, kann

die SmartCard zum Wagenstillstand

durch Systemabsturz führen.)

Technische Daten:

Vierzylinder-Dieselmotor, 143 PS

(105 kW) bei 3500/min. Maximales

Drehmoment: 360 Nm bei 200/min.

Sechsganggetriebe, Vorderradantrieb.

O-100 km/h in 9,5 sec, Vmax 203 km/h.

ECE-Norm-Verbrauch bei Stadtzyklus/

Land/gesamt: 7,5/5,1/6,0 Liter Diesel.

Verbrauch im STAR-Test: 8,2 Liter

Diesel.

Andere Dieselversionen:

* Mazda 6 CD120 ab 23.330 Euro

(Partikelfilterbonus bereits berücksichtigt)

* Mazda 6 CD143 ab 26.630 Euro

(Partikelfilterbonus bereits berücksichtigt)

Benzinmodelle:

* Mazda 6 1,8i ab 21.990 Euro

* Mazda 6 2,0i ab 25.290 Euro

* Mazda 6 2,3i GT ab 32.390 Euro

www.mazda.at


70 ST/A/R

Buch IX - AUTOST/A/R

Nr. 09/2006

showgirls

Car Show Girls

Sie beseelen kaltes Blech im Lichterglanz der Autosalons.

Von David Staretz

Autos und Frauen, die zweitälteste Geschichte der Welt. Ihrer seit der Jungblechzeit

angestammten Rolle als Geschmacksverstärker für Männerphantasien hat noch keine

Emanzipation beikommen können.

Tokyo, San Francisco, Genf, Turin, Frankfurt, Detroit und auch Wien die Hübschen stehen,

drehen, räkeln sich auf den Autosalons der Welt, Standbein, Spielbein, immer thematisch

gekleidet, dramatisch frisiert und mit einer Schutzschicht aus MakeUp und hautfarbenen

Stützstrümpfen versehen. Ihr Fortbewegungsmittel ist die Drehscheibe, ihr Erscheinungsbild

ist darauf ausgelegt, halbwegs unter Top zu bleiben, damit das Auto nicht völlig abfällt,

was mitunter schon vorkommt. Hoppla, das Auto! Synthetisch angestrahlter Metalliclack

wirkt supertot von allen Seiten, das Auto braucht den Menschen (obschon, es liebt ihn

nicht), und dieser Mensch muß auf delikate Weise weiblich sein oder zumindest Luca di

Montezemolo, sonst macht das alles keinen Sinn.

Das weltweite Seite-3-Genre “Fotomädchen” fi ndet am Auto entlang noch seine

glaubwürdigste Ausformung, immerhin macht das Girl die Türen auf, versenkt sich

pfl anzenhaft ins Gestühl, demonstriert das Öffnen verschiedener Mechanismen und vergißt

dabei nie, nie und abermals nie auf das Lächeln. Die rein sexualästhetische Ausrichtung

einer Strip-Show wird somit auf funktionale Weise ins Auto ausgelagert, zumal die Mädchen

mit einer Minimal-Kompetenz ausgestattet sind, die ihnen beispielsweise das Umlegen von

Sitzlehnen oder demonstratives Schminken in Außenspiegeln zugesteht.

Die Disziplin dieser Mädchen, die in einem Käfig aus Blicken und Kameraobjektiven gefangen

sind, ist bemerkenswert. Sie scheinen, während sie sich in der Scheinwerferhitze winden,

einem induktiven Härteverfahren unterzogen zu sein: Sie denken jetzt gewiß nicht an ihre

Rolle der Frau als Ware (in der Objektwelt der Männer gleich hinterm Auto angesiedelt);

sie denken bloß so wenig wie möglich und so viel wie erträglich. Daher also rühren ihre

Ferne suchenden Blicke, ihr entrücktes Lächeln - und was in ihren Augen schalkhaft blitzt,

sind bloß Refl exe der Scheinwerfer und Blitzlichter. Manchmal werden sie von sparsamer

Choreografi e bewegt, der sie auf musikalische Weise folgen, oder von den Zurufen der

Fotografen, also Männern, die eine Kamera oder was Videokleines dabei haben.

Dabei werden in ihren Köpfen folgende und ähnliche Überlegungen zentrifugiert:

“Verdammt, diese knallengen Overknee-Plastikstiefel machen mich verrückt, das juckt wie

Gipsbein”, oder: “Mist, an mir rutscht etwas unaufhaltsam hinab, aber wenn ich das rechte

Bein auf dieses komische Rohr stelle, kann ich mich auf grazile Weise über das Flügeldings

biegen und der dürren Libby ins Ohr fl üstern, ob sie mir die Perückennadel rauspult, dann

kann ich versuchen, damit mein gelbes Plastikdings an die Schärpe zu pinnen ... wenn

ich nur nicht so viel Mineralwasser getrunken hätte ... was will der Kretin mit dem dicken

Rohr? Ich soll herzlich lächeln? Was heißt herzlich, du Pfl aume, siehst du nicht, dass mein

Zwanzig-Deka-MakeUp auf Dauerkrampf eingetrocknet ist und gleich in Stücke zerspringt,

sobald ich nur ein Zähnchen mehr zeige? ... Was hat diese Libby? Warum verdreht sie die

Augen, das stand doch gar nicht im Vertrag ... oh, eingeklemmt? Blöde Pute, wie soll ich an

den Schiebedachknopf ran, ohne mein Teil zu verlieren? ... Gleich kommt der musikalische

Teil, wo wir Pantomime von Verkehrszeichen machen ... was war das noch gleich, erst

Baustelle, dann Kreisverkehr, dann Autobahn. Wenn das bloß keinen Stau gibt ...”Die

rein sexualästhetische Ausrichtung einer Strip-Show wird somit auf funktionale Weise ins

Auto ausgelagert, zumal die Mädchen mit einer Minimal-Kompetenz ausgestattet sind,

die ihnen beispielsweise das Umlegen von Sitzlehnen oder demonstratives Schminken in

Außenspiegeln zugesteht.


Nr. 09/2006

Buch IX - AUTOST/A/R ST/A/R 71

Die Disziplin dieser Mädchen, die in einem Käfig aus Blicken und Kameraobjektiven gefangen

sind, ist bemerkenswert. Sie scheinen, während sie sich in der Scheinwerferhitze winden,

einem induktiven Härteverfahren unterzogen zu sein: Sie denken jetzt gewiß nicht an ihre

Rolle der Frau als Ware (in der Objektwelt der Männer gleich hinterm Auto angesiedelt);

sie denken bloß so wenig wie möglich und so viel wie erträglich. Daher also rühren ihre

Ferne suchenden Blicke, ihr entrücktes Lächeln - und was in ihren Augen schalkhaft blitzt,

sind bloß Refl exe der Scheinwerfer und Blitzlichter. Manchmal werden sie von sparsamer

Choreografi e bewegt, der sie auf musikalische Weise folgen, oder von den Zurufen der

Fotografen, also Männern, die eine Kamera oder was Videokleines dabei haben.

Dabei werden in ihren Köpfen folgende und ähnliche Überlegungen zentrifugiert:

“Verdammt, diese knallengen Overknee-Plastikstiefel machen mich verrückt, das juckt wie

Gipsbein”, oder: “Mist, an mir rutscht etwas unaufhaltsam hinab, aber wenn ich das rechte

Bein auf dieses komische Rohr stelle, kann ich mich auf grazile Weise über das Flügeldings

biegen und der dürren Libby ins Ohr fl üstern, ob sie mir die Perückennadel rauspult, dann

kann ich versuchen, damit mein gelbes Plastikdings an die Schärpe zu pinnen ... wenn

ich nur nicht so viel Mineralwasser getrunken hätte ... was will der Kretin mit dem dicken

Rohr? Ich soll herzlich lächeln? Was heißt herzlich, du Pfl aume, siehst du nicht, dass mein

Zwanzig-Deka-MakeUp auf Dauerkrampf eingetrocknet ist und gleich in Stücke zerspringt,

sobald ich nur ein Zähnchen mehr zeige? ... Was hat diese Libby? Warum verdreht sie die

Augen, das stand doch gar nicht im Vertrag ... oh, eingeklemmt? Blöde Pute, wie soll ich an

den Schiebedachknopf ran, ohne mein Teil zu verlieren? ... Gleich kommt der musikalische

Teil, wo wir Pantomime von Verkehrszeichen machen ... was war das noch gleich, erst

Baustelle, dann Kreisverkehr, dann Autobahn. Wenn das bloß keinen Stau gibt ...”Die

rein sexualästhetische Ausrichtung einer Strip-Show wird somit auf funktionale Weise ins

Auto ausgelagert, zumal die Mädchen mit einer Minimal-Kompetenz ausgestattet sind,

die ihnen beispielsweise das Umlegen von Sitzlehnen oder demonstratives Schminken in

Außenspiegeln zugesteht.

Die Disziplin dieser Mädchen, die in einem Käfig aus Blicken und Kameraobjektiven gefangen

sind, ist bemerkenswert. Sie scheinen, während sie sich in der Scheinwerferhitze winden,

einem induktiven Härteverfahren unterzogen zu sein: Sie denken jetzt gewiß nicht an ihre

Rolle der Frau als Ware (in der Objektwelt der Männer gleich hinterm Auto angesiedelt);

sie denken bloß so wenig wie möglich und so viel wie erträglich. Daher also rühren ihre

Ferne suchenden Blicke, ihr entrücktes Lächeln - und was in ihren Augen schalkhaft blitzt,

sind bloß Refl exe der Scheinwerfer und Blitzlichter. Manchmal werden sie von sparsamer

Choreografi e bewegt, der sie auf musikalische Weise folgen, oder von den Zurufen der

Fotografen, also Männern, die eine Kamera oder was Videokleines dabei haben.

Dabei werden in ihren Köpfen folgende und ähnliche Überlegungen zentrifugiert: “Verdammt,

diese knallengen Overknee-Plastikstiefel machen mich verrückt, das juckt wie Gipsbein”,

oder: “Mist, an mir rutscht etwas unaufhaltsam hinab, aber wenn ich das rechte Bein auf

dieses komische Rohr stelle, kann ich mich auf grazile Weise über das Flügeldings biegen

und der dürren Libby ins Ohr fl üstern, ob sie mir die Perückennadel rauspult, dann kann

ich versuchen, damit mein gelbes Plastikdings an die Schärpe zu pinnen ... wenn ich nur

nicht so viel Mineralwasser getrunken hätte ... was will der Kretin mit dem dicken Rohr? Ich

soll herzlich lächeln? Was heißt herzlich, du Pfl aume, siehst du nicht, dass mein Zwanzig-

Deka-MakeUp auf Dauerkrampf eingetrocknet ist und gleich in Stücke zerspringt, sobald

ich nur ein Zähnchen mehr zeige? ... Was hat diese Libby? Warum verdreht sie die Augen,

das stand doch gar nicht im Vertrag ... oh, eingeklemmt? Blöde Pute, wie soll ich an den

Schiebedachknopf ran, ohne mein Teil zu verlieren? ... Gleich kommt der musikalische Teil,

wo wir Pantomime von Verkehrszeichen machen ... was war das noch gleich, erst Baustelle,

dann Kreisverkehr, dann Autobahn. Wenn das bloß keinen Stau gibt ...”


72 ST/A/R

Buch IX - AUTOST/A/R

Nr. 09/2006

Endlich malt einer so abstrakt, wie die Welt wirklich ist. Clemens Fürtler, 39, setzt Kurven in Öl und porträtiert

Speed als Stilleben Geschwindigkeit als Rasenstück in Schräglage

Der junge Maler Clemens Fürtler hat ein künstlerisches

Thema entdeckt, das auf ideale Weise geeignet ist, das

Gegenständliche an die Abstraktion heranzuführen:

Geschwindigkeit; also: gebundene Geschwindigkeit, also:

Die Geschwindigkeit in der Kurve. Seit man weiß, dass

selbst das Licht mit Lichtgeschwindigkeit die Kurve kratzt,

nähert sich Tempo dem Gestus, dem Armschwung, der

Biegung. Erst die Kurve fordert eine Relativierung, eine

Diszplinierung und Formhaltung der Geschwindigkeit ein.

Geschwindigkeit ist heute überall Fürtler ist kein

Speedfreak, ihm reicht ein Leihroller auf Griechenland

oder ein Opel Corsa in Wien, um seinen Blick so kühl

beobachtend ins Tempo zu stellen, als wäre das ein

Rasenstück von Dürer.

Schließlich ist er kein leichtfertiger Angaser: Sein Diplom

hat er auf der Wiener Hochschule für Bildende Künste

gemacht, was ihn nicht davon abhielt, einen brauchbaren

Beruf zu beherrschen. Der gelernte Tapezierer könnte

magere Zeiten handwerklich aufpolstern, doch dank

seiner Perfomance, dank respektabler Ausstellungen und

kundiger Sammler hat er es geschafft, (fast) von der Kunst

allein zu leben. Das ist allemal eine Leistung, wenn man

sich wie Fürtler von In-Crowd und Vernissagengeschehen

fernhält und lieber das bohemienhafte Leben eines Dandy

2006 führt In seiner große Junggesellenwohnung, die

umgeben ist von drei Fassadenbalkons, von denen aus

man wie von der Kommandobrücke eines Ozeanliners

über die Gestade des Wiener Naschmarktes blickt.

Fürtler hat Neigung und Talent zur Größe, wie auch sein

Opus Magnum zu erkennen gibt, eine vier mal vier Meter

große, vielschichtige Abstraktion einer Modelleisenbahn,

kombiniert mit einer Modellautobahn. “Die verschiedenen

Fahrzeuge, die sich darauf strombetrieben bewegen,

generieren mittels Funkkameras unzählige Bilder, die

dem Betrachter über eine Projektion Eingang in diese

Verkehrswelt schaffen”, sagt Fürtler über seine Bildgene

rierungsmaschine.

Und weiter kreist sein Schaffen um das vielschichtige

Thema Verkehr: In verblüffender Manier gelingt es ihm,

die Ansichten aus seinem Mini-Moloch ins Gewaltige

zu steigern, indem er die Modellsicht vergößert, die

Perspektive grätscht oder den betörenden Nachtlichteffekt

(die Anlage ist mit hunderten Lämpchen bestückt) in Film,

Foto, oder zuletzt auch in großformatigen Ölgemälden

interpretiert.

Unlängst probte das Modell selbständig den Untergang,

als der Haupthaken der Aufhängung brach und die

Konstruktion zu Boden krachte. Doch Fürtler baut

ungeknickt weiter, schließlich hat die Weltstudie schon

eine mittlere Sprengung überstanden, die der Künstler

kameragerecht inszenierte, als das Modell lieblich zu

werden drohte.

Denn darin liegt ja das Spannende an Fürtlers Kunst: Im

Lernen, Entwickeln, Erweitern des Sichtfeldes nach außen

und innen. Insofern kann sich der Künstler wunderbar von

seinem Thema forttragen lassen, auf eine Reise, auf der er

den Betrachter mitnimmt.

Mehr über Clemens Fürtlers Bilder unter www.fuertler.com bzw. clemens@fuertler.com

Die Preise rangieren zwischen 2.200 Euro für mittlere und 7000 Euro für große Formate.

Öl auf Leinwand 105 x 70 cm


Harry Seidler

25. Juni 1923 - 9. März 2006


EINER DER

BEDEUTENDSTEN

ARCHITEKTEN IN

DER GESCHICHTE

AUSTRALIENS,

HARRY SEIDLER,

IST AM 9. MÄRZ, 82

JÄHRIG IN SYDNEY

VERSTORBEN.

SEINEN

ENTHUSIASMUS

FÜR ARCHITKEKUR,

SEIN STREBEN

NACH

SCHÖNEN UND

FUNKTIONALEN

GEBÄUDEN HAT ER

SICH BIS INS HOHE

ALTER BEWAHREN

KÖNNEN.

ST/A/R WÜRDIGT

SEIN WERK UND

SENDET GRÜSSE

ÜBER DAS WASSER

– NACH SYDNEY

UND AN DIE NEUE

DONAU.

QV1 Office Tower, Perth, Western Australia, 1987-1991

RAIA Architecture Design Award 1992

RAIA Commendation, Civic Design Award, 1992

RAIA Commercial Architecture Award, 1992


Harry Seidlers Wohnhausanlage an der Neuen Donau erscheint fremd,

freundlich, aber fremd, ein wenig wie ein Strandhotel, einladend aber

doch den Bewohnern vorbehalten.

Nicht unähnlich erweist sich das Verhältnis der Wiener

Architekturszene gegenüber der Person Harry Seidler. Aus einem–

zugegeben – kurzfristig angesetzten Rundruf in der Szene mit der Bitte um

Wortspenden, Erinnerungen, Eindrücke zu Harry Seidler kam großteils

Schulterzucken zurück. „Man müsste sich mit seinem australischen und

internationalen Werk näher beschäftigen, um hier einen Beitrag leisten

zu können, persönlich habe man keinen Bezug zu Harry Seidler“ waren

sich die, die auf den Appell geantwortet haben, einig. Nicht, dass man

ihm sein Gastspiel in Wien nicht gegönnt hätte, nein, die Szene zeigt

sich durchwegs freundlich, aber eben doch verschlossen.

In Wien geboren, wurde Harry Seidler 1938, nach Einmarsch

der Deutschen Truppen in Österreich, von seinen vorausschauenden

Eltern mit einem Studentenvisa nach England geschickt. Er sollte

am Cambridge Polytechnikum einen Ingenieur Kurs belegen, endete

schließlich jedoch aus einem Zufall heraus in der Fachrichtung

Architektur. Zwei Jahre später, 1940, wurden er und sein Bruder von

den Engländern als „feindliche Ausländer“ inhaftiert, von dort aus nach

Kanada verschifft, wo er nach 18 Monaten Haft schließlich freigelassen

wurde und Architektur zu studieren begann. Mit einem Stipendium

gelang es Seidler, die Master Titel bei Walter Gropius und Marcel Breuer

an der Harvard University zu erlangen. Diese elternlosen Studienjahre,

der direkte Kontakt zur Moderne und vor allem der Wirkkreis der

damaligen Architektur Elite Gropius, Breuer, später auch Alvar Alto

und Oscar Niemeyer, bei welchen er arbeitete, legten die Basis, mit

welcher er wenige Jahre darauf Australien für sich in den Bann ziehen

sollte.

Harry Seidler mit Marcel Breuer vor Seidlers Baustelle der Australischen Botschaft in

Paris, 1976.

Als seine Mutter Rose ihn 1948 mit dem Angebot, ein Haus

für sie zu bauen nach Australien lockte, konnte Seidler trotz seiner

Faszination um die Wolkenkratzer Metropole New York nicht ablehnen.

„Ich war 24 Jahre alt. Das ist exakt, wonach man strebt, nicht für andere

zu arbeiten, sondern selbst zu versuchen ...“ So entstand 1948-50 Harry

Seidlers erstes Haus, das „Rose Seidler Haus“, das erste Gebäude im Stil

der klassischen Moderne in Australien, klare gerade Linien, fließende,

offene Räume, Glasfassade, hell und hoffnungsvoll... es war sein Haus.

Was Seidler in Harvard von den großen Meistern gelernt hatte, konnte

er hier im Vertrauen seiner Mutter in gebaute Realität umsetzen, eine

Homage an seine Lehrer.

Designklasse von Walter Gropius, dem Gründer des Bauhauses an der Harvard University,

1946. Harry Seidler ist in der Mitte des Bildes, mit Kravatte. Links von ihm sitzt IM Pei.

Rose Seidler Haus, 1948-1950, Turramurra, Sydney.

Harry Seidlers erstes Haus. Seit 1988 ist das Haus im Besitz des Historic Houses Trust of

NSW und als Museum geöffnet. Harry Seidler erhielt 1951 die Sir John Sulman Medal für

die Planung und Errichtung des Hauses. Mit diesem Haus eröffnete Harry Seidler seine

fulminante Karriere als Architekt in Australien.

Harry Seidler (2. v. li) mit Oscar Niemeyer (2. v. re) in Rio de Janeiro, 1948.


HOCHHAUS UND WOHNPARK NEUE DONAU WIEN


Seidler hatte nicht vor, in Australien zu bleiben. Doch dem Haus

sollte ungeahnte Bedeutung zukommen. Während in Europa und den

USA die Moderne in einen theoretischen und intellektuellen Kontext

eingebettet war, fiel Harry Seidlers Erstlingswerk in Australien auf

jungfräulichen Nährboden. „... plötzlich kamen sie alle, ... einfache,

durchschnittliche Leute, die das Haus gesehen hatten, sagten „Ich

möchte ein Haus wie dieses“. Ich war jung, hatte unversehens ca. 12

Aufträge. ... Was für ein Land. Ich habe mich nie wieder umgedreht

und bin geblieben.“ Harry Seidler stand mit seiner modernen Linie

allein. Er wurde bewundert, nicht jedoch kopiert und blieb der Moderne

treu, auch durch die Postmoderne hindurch, beständig und bestimmt,

gegen jede Kritik und jeglichen Trend erhaben. Mit dem „Australia

Square“, einem Bürogebäude Nahe der Oper in Sydney begann 1961

Harry Seidler’s Epoche der Hochhäuser, mit welcher er die Silhouette

Sydneys maßgeblich prägte. Es folgten Aufträge quer durch Australien,

in Europa (Australische Botschaft in Paris) und Asien (Hong Kong

Club & Offices).

PLANUNGSSTADTRAT RUDI SCHICKER:

“Mit Harry Seidler verliert die Architekturwelt

einen ihrer Großen. Seidler hat sich besonders

um den sozialen Wohnbau verdient gemacht,

mit Wien ist er in den letzten Jahren stets

verbunden gewesen. Er hat nicht nur das

Gesicht seiner zweiten Heimat Sydney geprägt,

sondern auch in Wien mit dem Bau an der

Reichsbrücke ein weithin sichtbares Zeichen

gesetzt. Mit ihm zu arbeiten war eine Ehre und

Herausforderung”

Die Australische Botschaft in Paris, 1973-1977. Nur ca. 400 m vom Eiffel Turm entfernt steht die 26.000 m2 große zwei flügelige Botschaft mit freiem Blick auf Eiffel Turm und Seine. Die

Stahlbetonkonstruktion (Pier Luigi Nervi) überspannt 16 m freitragend Lobby und Ausstellungsräume im Erdgeschoss.

Der Kontakt mit Österreich, Wien im speziellen, wurde Ende der

80er Jahre, als Harry Seidler längst international als herausragender

Architekt anerkannt war, durch Bürgermeister Helmut Zilk wieder

aufgenommen. 1989 erhielt er die Goldene Ehrenmedaille der

Bundeshauptstadt Wien und nahm in Folge auch das Angebot der

österreichischen Staatsbürgerschaft versöhnlich an. Schließlich – 1993

– im 70. Lebensjahr, erhielt Harry Seidler durch Planungsstadtrat

Hannes Swoboda die Beauftragung zur städtebaulichen Entwicklung

der Wohnhausanlage an der Neuen Donau, einer seiner bedeutendsten

und größten Aufträge. Seidlers Konzept dazu war nicht unumstritten.

Während links der Wagramer Strasse die ersten geradlinigen Glasfassaden

aufgerichtet wurden, brach Harry Seidler auf rechter Hand mit der

Wiener Tradition. Sein Bebauungskonzept war einfach. Jede Wohnung

sollte einen freien Blick auf das Donauwasser haben, dazu Balkon,

Garten oder Terrasse. Maximale Wohnqualität als Direktive für den

Städtebau, keine Blockbebauung mit uneinsehbaren Höfen, sondern

freigestellte, lose arrengierte Bauklötze, die auch der dahinter liegenden

Bebauung Sichtkorridore auf die Donauinsel frei geben. Auf der linken

Seite der Wagramer Strasse hat die Komplettierung und Schichtung

der Baukörper im letzten Jahrzehnt eine Ciry hervorgebracht. Rechts,

war das Versprechen Harry Seidlers ein anderes - Wohnpark, wohnen

mit Freiräumen, Lebensräumen. Dies und ein baulicher Verweis auf

sein Lebenswerk ist ihm mit Sicherheit gelungen.

WOHNBAUSTADTRAT WERNER FAYMANN:::

“Die besten und namhaftesten Architekten der Welt,

die anderswo nur Konzern- und Versicherungsgebäude

oder Bankzentralen errichten, planen und bauen in

Wien große Projekte des sozialen Wohnbaus. Architekturstars

wie Jean Nouvel, Coop Himmelb(l)au und Harry

Seidler entwerfen Wohnbauten auf höchsten architektonischen

Niveau, in denen Familien mit Durchschnittseinkommen

leben. Denn Wohnen in Wien soll leistbar

bleiben.”

Überreichung der Goldenen Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien an Harry Seidler durch

Bürgermeister Helmut Zilk in Anwesenheit von Penelope Seidler, 1989.

WOLFGANG VASKO (VASKO & PARTNER INGENIEURE)... zu Harry

Seidler, habe ich ihn doch als äußerst kompetenten und zielstrebigen

Architekten in Erinnerung:

Im Zuge der Errichtung des “Hochhauses Neue Donau” habe ich Herrn

Seidler in Australien besucht, wo ich die Gelegenheit hatte,

einige seiner Hochhäuser von ihm geführt, zu besichtigen.

Sein Verständnis für die Bautechnik, welches bei Architekten nicht selbstverständlich

ist, war sehr beeindruckend, weil er seine Bauwerke immer

als Ganzes aus Architektur, Tragwerk, Bauphysik und Haustechnik gesehen

hat. Wir hatten in ihm einen Partner, der unsere Argumente würdigte und

gleichzeitig seine Vorstellungen kommunizieren konnte. Besonders angenehm

habe ich die Zusammenarbeit mit Harry Seidler beim OMV-Wettbewerb

in Wien in Erinnerung. Anlässlich des Besuches in seinem Büro in

Sydney habe ich den kollegialen Umgang mit seinen Mitarbeitern, die er

sehr freundschaftlich behandelte, gespürt.

Harry Seidler war aber auch ein Familienmensch, was sich in seinem besonders

guten Verhältnis zu seiner Frau Penelope und seiner Tochter

widerspiegelte. .... Wir hätten sehr gerne noch wenigstens ein Projekt mit

Harry Seidler in Wien bearbeitet.


HANNES SWOBODA:::

Kennen gelernt habe ich Herrn Seidler über Herrn Bürgermeister

Zilk, der ihm 89 die Goldene Ehrenmedaille der Stadt Wien

überreichte. Daraus entstand die Überlegung Harry Seidler

in Wien eine Planung anzubieten. Nach einem Besuch und

Besichtigung seiner Bauten in Australien entschieden wir uns

für die Beauftragung des Wohnparks an der Donau.

Was ich an Harry Seidler immer bewundert habe ist, dass

er einer jener aus Wien Vertriebenen war, der eine große

Sehnsucht hatte zurück zu kommen, sich mit der Geschichte

und Heimat zu versöhnen. Auch dass er es sehr schätzte, in

unserem multikulturellen, mitteleuropäischen Ambiente zu

arbeiten.

Besonders angetan war ich von seiner menschlichen Wärme

und Herzlichkeit und seiner sozialen Komponente. Er hatte

großes Bestreben im sozialen Wohnbau zu arbeiten, nicht für

private Bauträger oder Unternehmer und war sehr bemüht, in

diesem Bereich Qualität zu schaffen. Er hat die Großzügigkeit,

die er gewohnt war aus den weiten Räumen Australiens, das

Offene, Licht, Freiräume, mit nach Wien gebracht und in

seinen Planungen berücksichtigt – und dies im Rahmen der

Leistbarkeit.

Harry Seidler hat ein bemerkens- und bewundernswertes

Leben vorgelebt, ist unbeirrt und fruchtbar durch die Wirren

der Zeit geschritten und hat mit seiner Überzeugung einen

gesamten Kontinent in seiner architektonischen Entwicklung

über viele Jahrzehnte hindurch angeführt. Er hinterläßt seine

Ehefrau und Partnerin Penelope, die ihn seit 1958 begleitet

hat, sowie seine beiden Kinder, Polly und Timothy.

Wien wird in den kommenden Jahren ein weiteres Harry

Seidler Projekt vorzeigen können, die in Planung befindliche

Wohnhausanlage Thürnlhofstraße in Wien Simmering. (ST/A/R)

MAG. FRANZ HAUBERL, GENERALDIREKTOR ARWAG AG:::

Kennenlernen von Harry Seidler

Eines Freitags mittags wurde ich seitens der Stadtplanung Wien kontaktiert,

ob ich heute nachmittag einen ausländischen Architekten Grundzüge des

geförderten, sozialen Wohnbaus Wiens aus Sicht eines Bauträgers erklären

könne. Ich habe zugesagt, als Treffpunkt wurde das Cafe Landtmann vereinbart.

Wir trafen uns zum vereinbarten Zeitpunkt und ich begann unverzüglich

mit meinen Ausführungen. Harry Seidler lauschte sehr nachdenklich, meinte

kurz und lapidar dazu “das ist einmalig auf der Welt, wie in Wien Wohnbau

gemacht wird”. In seiner schlichten, einfachen aber äußerst kompetenten Art

bedankte sich Harry Seidler mit den Worten “wir sollten gemeinsam etwas

machen”, lächelte und ging mit der Bemerkung “wir sehen uns bald wieder”.

Dem war auch so. Einige Wochen später wurde mit den Planungsarbeiten für

den Wohnpark Neue Donau und das Hochhaus Neue Donau begonnen.

Nächste Episode: Hochhaus

Es war eine exzellente Eigenschaft Harry Seidler´s für einen Bauträger, dass er

alle seine Planungsabsichten immer wieder vorgestellt und diskutiert hat. Im

Zuge der Besprechung über die Gestaltung der Fassade wurde einvernehmlich

als Farbe brilliantes Weiss gewählt. Ich habe den Wunsch geäußert, dass

bei Ausformulierung die Spitze des Hochhauses ein unverkennbares Outfit

anzustreben ist. Harry Seidler nahm sich dieses Themas unverzüglich an und

in einem gemeinsamen Abendgespräch haben wir Vorschläge und Gestaltungsmöglichkeiten

diskutiert. Dieses Gespräch war insofern für mich sehr

eindrucksvoll, weil Harry Seidler den Eindruck vermittelte, bei diesem Thema

wirklich mitarbeiten zu dürfen. Dies war nur eine der vielen menschlichen

Eigenschaften, die Harry Seidler immer wieder eingesetzt hat und ihn damit

auch auszeichneten. Das Ergebnis dieses Abendgespräches wurde 1:1 umgesetzt.

DIESER BEITRAG WURDE GEFÖRDERT VOM:

Wohnservice Wien

Service rund ums Wohnen

Beratung, Information, Betreuung – Wohnservice Wien, ein

Tochterunternehmen der Stadt Wien und des wohnfonds_wien, ist der

Ansprechpartner für alle Fragen rund ums Wohnen. Die kostenlosen

Serviceleistungen reichen von der Wohnberatung im geförderten

Wohnbau, über die Mieterhilfe bis hin zu Veranstaltungen.

Wohnberatung - von der Wohnungsübergabe bis zur

Schlüsselübergabe

Das Wohnservice Wien bietet Wohnungssuchenden Unterstützung ab Beginn

ihrer Suche. Wohnungssuchende finden hier einen Überblick über den

geförderten Wohnungsmarkt in Wien: Miet- und Genossenschaftswohnungen,

Eigentumswohnungen sowie sanierte Wohnungen. Zudem werden Ratsuchende

über Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten informiert. Die Beratung ist

kostenlos, eine Terminvereinbarung nicht notwendig.

Natürlich gibt es die Informationen über das aktuelle Wohnungsangebot und

Zukunftsprojekte im geförderten Wohnbau auch rund um die Uhr im Internet. „Per

Mausklick“ können sogar Wohnungen reserviert werden. Mit dieser europaweit

größten transparenten Wohnbörse für geförderte Wohnungen setzt das

Wohnservice Wien neue Maßstäbe in Bürgernähe.

Werner Faymann Mieterhilfe – am Telefon und vor Ort

Das Mieterhilfe-Telefon ist die einzige Einrichtung in Wien, bei der man rasch und

kostenlos auf alle Fragen zum Thema Wohnen Antwort bekommt. Wohn- und

Mietrecht sowie Anfragen zu Betriebskostenabrechnung und Mietzinserhöhungen,

Mietverträgen und Wohnungsweitergaben sowie Gemeindewohnungen stehen hier

im Mittelpunkt.

Das Haus von Harry & Penelope Seidler, Killara, Sydney, 1966-67. Ausgezeichnet mit dem

Wilkinson Award, RAIA, 1967.

Marketing & Public Relations - Wir bringen die Themen zu Ihnen.

Wohn- und Lebensqualität sind untrennbar miteinander verbunden. Die

Wohnbauförderung der Stadt Wien macht qualitätsvolles Wohnen in Wien leistbar.

Damit Wohnungssuchende rechtzeitig über aktuelle Projekte im Sozialen Wohnbau

informiert werden, sorgt der Bereich „Marketing & PR“ für umfassende Information:

Auf der Homepage, durch Medienkooperationen (beispielsweise „Wohnkurier“,

„Wohn-Krone“) und im Rahmen von Veranstaltungen.

CREDITS:

Archivfotos H.S.

© Harry Seidler Associates

Wohnpark Neue Donau

© Harry Seidler / Eric Sierins (S 76/77)

Zilk, H.S.

© Presse u. Informationsdienst der Stadt Wien

Alle weiteren Projekte

© Harry Seidler Associates,

Alle Informationen zum geförderten Wohnen

Wohnservice Wien

1020 Wien, Taborstraße 1–3

Wohnberatung Tel.: 01/24 503-100

Mieterhilfe Tel.: 4000/8000

Montag bis Freitag von 08.00 Uhr bis 20.00 Uhr

www.wohnservice-wien.at

Wir bedanken uns bei den Herren Faymann, Schicker,

Swoboda, Hauberl, Vasko für die Wortspenden, bei

Harry Seidler Associates Australien und dem

Wohnservice Wien für die Bereitstellung des Bild- und

Archivmaterials. Besonderen Dank dem Wohnservice

Wien für die Förderung dieses Beitrages.


HARRY SEIDLER, ROSE SEIDLER HOUSE, 1952


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XI – WARAN ST/A/R 81

BILDUNG IST AUCH NUR EINE EINBILDUNG.

SIEBEN MILLIONEN ÖSTERREICHER KÖNNEN

NUN MAL NICHT LÜGEN.


82 ST/A/R

Buch XI – WARAN

Nr. 09/2006

Großer Preis von Monaco

Alexander Wurzen( nach dem Rennen is imma des Cockpit voll

angschissen)- wir berichteten. …und das Rennen aus Verzweiflung

abbrach.

Und nun zum Fußball:

Hickersberger stand im Abseits des heiligen Hanappis, und

sprach zu einer Milliarde Rapidlern,

„Österreich ist Frei, nur ich nicht;“

Verschwenden sie nicht ihre Zeit, nützen sie, sie. Beginnen sie noch heute…

Zeit ausnützen/Freunde ausnützen, einfach alles ausnützen.

oder Plan B:„Wir gehen in dieNationalbank, holen Papier,

diePressplatten, Hologramme, Wasserzeichen, Kippefekte,

Münzprägemaschienen, und so weiter. Sobald wir aber das

notwendige Equipement haben, gründen wir unsere eigene

Sekte. Was sagt ihr dazu?“

„Todsicherer Plan, wir gehen alle zusammen drauf.“

Na was denkst Duden?

Innigsten Dank an meine Hängebusenfreundin,

Anna Superbowlika

zum Eingra4en

Kreislaufflash in Bangladesch

Blowjob contest( inkl. Workshop)

Anmeldung unter: 0676/6036263

Verlangenach Pavel

Graphit im Schritt. Phallobst von Gestern.


Nr. 09/2006

Buch XI – WARAN ST/A/R 83

Buon Giorno- John Porno,

„Magst du mit mir ausgehen?“ Fragte er seine Kerze.

Pedophiliph Morris,

Jörg Haida & Al Kaida

Sick and destroy

&

Sigfried and Roy

I wonna be- like Bruce Lee

I also wonna go,- with Marylin Monroe

But I am in bed,- with Right sad Fred

Sajonara- Che Guevara

Diagnose: Psychose, schamanisch Depressiv

etwas zu 3st - Meine Schwester aus Polyester

Edelstahl Gerngroß

plastic is fantastic

Was ich mir außer der Mafia, im nächste Jahr vornehme…

1.) doppelt so viel rauchen

2.) früher Schlafen gehen, länger aufbleiben

3.) keine Onenightstands mehr

4.) Bier mit Wasser verdünnen

5.) Dem Flex den

Rücken kehren,

6.) und mir auf die

Schultern klopfen

17:00 ORF1: Star Dreck

17:30 ORF2: Der Bulle von Ölz

18:30 ORF3: Ali Baba und die vierzig Rhoipal

20:15 ORF4: Steffi Graf von Montechristo

„Cadillac mich doch am Arsch, ich will die Nachrichten sehen.“

Appropos, die sieben Weltwunder:

die Freiheitstatue

der Gaza Streifen

die hängenden Schrebergärten von Montenegro

der rote Teppich

der eiserne Vorhang

der Leuchtturm von Alexandra Meisnitzer,

und der Koloss von Rhodos

...da hab ich aber so meine 2fell

Kuwait for me.

There is noRway out.

Heilige Kühe sind Rinderwahn,

und Delphine sind schwule Haie.

…das war Rainer Schwachsinn, von Confetti TiVi

Friedensnobelpreis im Kiffen.

I cut your dreads, and cook them.

Kanickel ist eine Legierung,

und ist nicht mit vögeln verwandt.

„Das Paradies ist auf Erden,

aber Paranoia auch.“

Erst wenn die letzte

Frau entjungfert

ist,

der letzte Schwanz

gelutscht,

die letzte Line

gezogen ist,

wird sich die

Freiheit einstellen

die ich meine.

von William Blake

Schmück dich nicht mit fremden Federn- alter Indianerspruch

Wer verzapft all diesen Schwachsinn?

Satanische PerVerse

Bitte Vorsicht, Rauchen kann zu unkontrollierter Errektion führen!

Achtung, diese Zeilen werdenVideoüberwacht!

Vorsicht Stufe!

Karriere mit Karies

hungern statt herumlungern

sex mit fünfundvierzig

alles ist möglich.

Nackt sind alle Menschen gleich( im Oasch).


Städteplanung / Architektur / Religion Buch XI – WARAN

ST/A/R 85

Wie hast du

ParaneuJahr verbracht?

Im Arsch, von meiner

Ex. PoPoesie....

Anal- yse...total verkatert

im Anus, aber

unersätlich, was

Politiker betrifft.

Mein Nebenjob ist Paul McCartney,

aber nenn mich einfach Angel.

Früher tat ich mir desöfteren so schwer im umgang mit Geld, jetzt aber berühre ich gar keines mehr. Das hilft mir.

Die rote Farbe auf den Zehneuroscheinen macht übrigens unfruchtbar, sie taugen aber noch als Verhütungspflaster.

und für alle jene die es noch nicht wissen,

seit dem 7. 4. 2004 nach Christus, hat Geld seinen Wert verloren,

es gibt einfach zuviel davon.

Vom Bettelmönch zum Battlemönch.


86 ST/A/R

Buch XI – WARAN

Nr. 09/2006

Die Stadt gehört wir

Zutritt nur für

Unbefugte

Freie Radikale &

gefettigte Setsäuren

Wellness meets Jazz

Jeder kann Jesus sein,

nur ich nicht.


Nr. 09/2006

Buch XI – WARAN ST/A/R 87

Apokalyptus Zuckerl

Viktor Klimawandel ist im Wechsel, und steht auf Janett Jacksn.

Unsere Atmosphäre wird zu einer Mikrowelle.

Bushdoktor bedeutet Frauenarzt,

aber das Gegenteil von Mirkrowelle ist ein Zunami.

„…so, jetzt wißt ihr auch was ein Sportgummi ist.“

Von der Massenhypnose,

zur Gedankenkontrolle,

bis hin zur Dokumentenbeleidigung.

Wurschtigkeitsgefühl macht auch satt.

Ist autogenes Training, ohne Führerschein eigentlich, illegal?

Open your legs, and piss emotionally!

Du stinkreicher Sandler,

mit deinen dreckigen Gedanken,

fahr zur Hölle, und nimm mich mit.

Sobald das Burgenland autonom wird,

werde ich auswandern.

Denn ich liebe dich, und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt. Zeigen sie mehr

Spaß an den ehelichen Pflichten. Woanders werden schließlich schwule Hunde

gehängt, und homosexuelle Männer erschoßen.

Warum?-Waran?- Wieso?

„Herr Angeklagter, stimmt es das sie betrunken, mit einer brennenden Zigarette Ins Bett gingen und dadurch den Brand

verursacht haben?“

„Nein Herr Richter, das stimmt so nicht ganz. Als ich mich schlafen legte, brannte es schon.“

„Herr Angeklagter, sind sie Berufstätig?“

„Nein.“

„Also sind sie nicht beschäftigt?“

„Oh doch, ich bin beschäftig. Jedes Kind kann sich beschäftigen. Aber ich bin einfach wirklich zu Beschäftigt, um anständiger Arbeit nachgehen zu

können.“

„Herr Angeklagter, wo glauben sie eigentlich wo sie hier sind?“

„Betthupferl, Starmania?- keine Ahnung.“

Selfmade Sandler

Vom Bauern zur fünf Dollar Nutte.

Beruflich eine Null, aber ein Bürohengst im Bett


88 ST/A/R

Buch XI – WARAN

Nr. 09/2006

Unendliche Oberweiten wir schreiben das Jahr..........0hundert60

Die porno industrie blüht, sie hat ihren zweiten frühling.

Eigentlich bin ich gar kein echter Schriftsteller, ich will einfach nur Geschichte schreiben,

und da es meine eigene sein sollte, schreibe ich sie halt. Ich würde mich eher als Dichter

bezeichnen, viel dichter als alle andernen.

Vom Club der dichten toten

Es war einmal ein Prinz, und dieser gab eine Heiratsannounce in einer herkömmlichen

Tageszeitung auf. Er erhofte sich eine Lebensabschnittspartnerin, die ihn nicht wegen seines

Geldes wollte. Sein Inserat lautete deshalb: Ich arbeitslos und obdachlos, suche Gleichgesinnte.

Wenn du mit mir deine Freizeit verbringen willst, dann melde dich mit Foto. Habe kein

finanzielles Interesse, weil es für die Klostersuppe ja auch reicht, wenn man nur genug betet.

Nach einer Woche hatte er zwei Briefe im Postkasten. Einen von einem Asylanten, der gerade in

Schubhaft war, und ihn nur heiraten wollte, um die Staatsbörgerschaft zu erlangen.

Der zweite Brief war zufällig von einer Sandlerin, die nicht einmal mehr am Foto, noch Zähne

im Mund hatte.

Für Letztere fuhr der Prinz extra nach Ungarn und kaufte ihr eine günstige Zahnprotese.

Und von da an, sah man die Frau nur noch lächeln, weil sie so stolz auf ihr neuen Zähne war.

Stefandaswar Wahnsinn…

Geliebte Carmen Elektra Bregenz,

reite mich bis in den Sonnenuntergang. Ich will in dir mein Glück finden, und dich küssen an

Orten die du nicht kennst. An Stellen die es gar nicht gibt.

Hauch mir ins Ohr, und mein Ohrwurm wird breit&steif. Nuckel in allen Sprachen die du

kennst. Laß dich trinken und einatmen. Sex bedeutet Frieden. Holen wir uns den Nobelpreis.

Du öffnest deine Schenkel, und bist glatt und unrassiert, bitte brunz mir auf den Bauch. Laß

es uns treiben- rammeln wie damals.Schnackseln bis es uns beiden kommt, bis zum umfallen.

Liebe deinen Körper! Dein Busen schmeckt so gut, und deine kleine Mumu, macht mich froh.

Bleib weiter so fesch.

Hab dich lieb

Stefandasisteine Frechheit…

BE WATER MY FRIEND (BRUCE LEE)


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XII – Grand Prix ST/A/R 89

ÖSTERREICHPOLITIK

ST/A/R BEDANKT SICH BEI DER UKRAINISCH/RUSSISCHEN KÜNSTLERGRUPPE POPAL FÜR DEN KÜNSTLERISCHEN BEITRAG

FÜR UNSER ÖSTERREICH

Kärnten/Koroška


90 ST/A/R

Buch XII – Grand Prix

Nr. 09/2006

Die Kulturaktivistin und Galeristin VALIE AIRPORT

präsentiert Künstler Ihrer Gryasnaya Galereya: kaospilot@monochrom.at

SERGEJ TETERIN MEDIENKÜNSTLER, PERM

http://www.teterin.ru/index_en.htm

Movie Mincer

Movie Mincer was constructed by Russian media

artist Sergey Teterin in 2004. An old soviet mincer

is used as a laptop-connected device to manually

generated video streams (mincer > laptop > beamer >

screen). No special video-software is required. No video at all - just a real

‘moving pictures’. Movie Mincer uses brilliant and free graphic viewer

XnView v.1.80 [www.xnview.com].

Movie Mincer is a hand-made artistic tool with great potential:

[A] MINCED CINEMA (lowtech art performance)

Movie mincer allows to show motion pictures by turning the mincer’s handle

reviving and paroding the atmosphere of the first performances from the very

dawn of cinema era. Each movie represents a set of JPEG pictures projected

in series which corresponds literally to the “moving pictures” definition. Your

brain combines these pictures, and you see real movie

on the screen!

Movie Mincer regains much of cinematography’s

primary charm, fascination of rough and genuine

illusion of “fast changing pictures”. It produces “root”

movie with frequency of shots 10-15 per second, creating

true illusion of cinema, which is not available neither in

modern cinema nore on DVD. Therefore it’s interesting

to show forgotten and swept by new technologies films,

such as early movies by Bunuel and Dziga Vertov.


Nr. 09/2006

Buch XII – Grand Prix ST/A/R 91

MIKHAIL A CREST

Thick clothing for those not capable of bearing, grasping with the strength

of perception

In creating the impending collapse, they fail to multiply their finesse

In a landscape of an inimitable eructation of works

Are seen waters of matchless breadth

Their rise limits not their absence; their fall holds not their volume in

bounds

The world is filled with their inescapable complexion; there is no more

perfected tradition

In the inexhaustible fullness of being – save the exceptional event

of naming alone, the unpalatable consequence of its loss

Of refinement of its apperception of the accessible,

when doubt is lost in the opening of the seen.

In anticipation of the reliable support of the undisseminable

presupposing a disinclination towards an unsupported perfection of vision

silence is the most important of librettos of all its undying operas.

* 1969 Leningrad

-paintings of various subjects

1990-1991 intermediate works

-prints of cross formed stamps

-extraction of a heap from a crossformed hole

-earthen cross kite

-cross table in the Egyptian House,

Saintpetersburg

-analysis of turning an image „a life a life“

-exhibition of crosses, cross-cookies, Necropolis

of Masters of Arts \ Museum of City Sculpture,

Saintpetersburg

-“X-meeting“ with Jean-Lucien Guillaume,

croix-rousse, Lyon

-exhibition and food crosses, 12, rue du griffon,

Lyon

-food crosses, cross-pills - version of the project

„real prospect - materials and tools“, URDLA,

Lyon

- „Territorial equivalence“, Villa Gillet, Front

Régional des Art Contemporains, Lyon

- „method“,Porin Taidemuseo and Keravan

Taidemuseo, Finnland

1993 - end of creative activity in the field of fine

arts

The internal periods:

-circular graphic combinatoric systems

-full closed solar cycles

-aerotest ArXeNeKrOHeN

-xstand

-view and vertical plumb at the cathedral of

smolnij monastery, St. Petersburg

-273 no-discs, manufactury of CD-production

- A heap, Duplo1 Gallery, St. Petersburg

-snow ball, a soundtrack (21min 13sec.),

mikhailovskij garden, Saintpetersburg

-153 fishes \49 days of opposition to amber,

Prague - sold out

Activities in „gryaznaya galereya“,

Saintpetersburg

- noisebazar\ before a hole

- accumulation 273

- vividly


Städteplanung / Architektur / Religion Buch XII – Grand Prix

ST/A/R 93


94 ST/A/R

Buch XII – Grand Prix

Nr. 09/2006

Wladimir Jaremenko-Tolstoj • Deutsch von Valie Airport

DAS FEGEFEUER

oder GANTENBEINS OFFENBARUNG

PERSONEN:

Karin Koller –

ORF-Korrespondentin in Moskau

Utotschkin – Moskauer Intellektueller,

enger Freund von Karin Koller

Ingeborg Bachmann –

österreichische Schriftstellerin und

Feministin

Max Frisch (Gantenbein) –

Schweizer Schriftsteller

Heinrich Böll –

deutscher Schriftsteller

Kellner, Mädchen, Feuerwehrmänner,

Sanitäter, Ärzte

ERSTER AKT

1. BILD

In der Mitte der Bühne steht ein Bett. An

der Wand hängt eine Österreich-Karte.

Auf dem Tischchen neben dem Bett

eine Flasche Bier. Im Bett lieben sich

Utotschkin und Karin Koller. Karin sitzt

auf Utotschkin und bewegt sich heftig vor

und zurück. Eine Zeitlang ist nur ein

Stöhnen und Seufzen zu vernehmen.

Karin Koller: Weißt du was, du bist so

was von einem Alptraum!

Utotschkin: Ich, ein Alptraum?

Karin Koller: Genau. Ein Alp!

Utotschkin: Nein, du bist einer!

Karin Koller: Nein, du!

Utotschkin: Und warum bin ich ein

Alptraum?

Karin Koller: (erhebt sich) Es kann

nicht so weitergehen! Ich hetze mich

den ganzen Tag in der Arbeit ab,

rotiere wie ein Hamster im Rad, heute

haben wir drei Reportagen gemacht:

über die Wahlen, über den Absturz

der TU-154 von der Fluggesellschaft

„TRANS-AERO“ und ein Interview

mit dem Gouverneur des Nischnij

Nowgoroder Verwaltungsbezirks. Ich

bin todmüde!

Utotschkin: Na gut, dann komme ich

eben in deinem Mund.

Karin Koller: Nein! Ich mache das

nicht!

Utotschkin: Ist das so was wie ein

Prinzip für dich?

Karin Koller: Ja, ich habe das nie einem

Mann gemacht, und dir, Utotschkin,

mache ich´s auch nicht!

Utotschkin: (setzt sich auf) Erkläre

mir, wieso nicht.

Karin Koller: Ich will nicht, und basta!

Utotschkin: Du hast es bloß noch nie

probiert, es schmeckt aber gut. Probier

mal! (nimmt sie an der Hand)

Karin Koller: Tu ich nicht! (reißt sich

los) Laß mich!

Utotschkin: Geh, probier es!

Karin Koller: Hör auf!

Utotschkin: Vielleicht gefällt es dir?

Karin Koller: Sicher nicht!

Utotschkin: Probier es doch! Schlecke

zuerst nur einmal. Hm?

Karin Koller: Wenn du meinst...

(bückt sich rasch und richtet sich ebenso

schnell wieder auf) Zufrieden?

Utotschkin: Der erste Schritt ist getan.

Der zweite folgt sogleich. Wie heißt es

so schön in dem Sprichwort: Übung

macht den Meister.

Karin Koller: Ich habe es dir schon

gesagt, ich will das nicht!

Utotschkin: Dann mache es mit der

Hand. Du weißt, mit einem Steifen

kann ich nicht einschlafen.

Karin Koller: Na gut (beugt sich

hinunter).

Utotschkin: Ah, gut. Jetzt in den

Mund. Ja, so. So ist es richtig. Du

schaffst es. Ja, so. So ist es gut. Ahhhh!.

Hör nicht auf, ich komme gleich.

Paß auf und schlucke runter.

Karin Koller: (zieht den Kopf zurück)

Nein!

Utotschkin: (zieht sie zu sich) Komm!

Komm! Aaaa…

Karin bricht in Husten aus und dreht

sich zur Seite. Utotschkin klopft ihr auf

den Rücken.

Utotschkin: Hast du dich verschluckt?

Karin Koller: Eklig! Scheußlich! Es

schmeckt salzig!

Utotschkin: Trink einen Schluck

Bier (greift nach der Flasche auf dem

Tisch)

Karin Koller: (nimmt einen tiefen

Schluck) Jetzt geht es wieder.

Utotschkin: Na siehst du, und du hattest

Angst davor!

Karin Koller: Weißt du was, du hast

nichts als Sex im Kopf! So geht es

nicht immer weiter! Es wäre besser,

du würdest über etwas Intelligentes

reden!

Utotschkin: Irgendwie fällt mir nichts

ein.

Karin Koller: Dann streng dich an!

Utotschkin: (stöhnt demonstrativ)

Warte… Ich strenge mich jetzt an!

(bemüht sich auf gekünstelte Art,

gibt seltsame Laute von sich) Gleich,

gleich…

Karin Koller: Na? Komm schon!

Utotschkin: Opp! Ich hab’s! Ich

glaube, mir ist was eingefallen! Laß

uns über Ingeborg Bachmann reden!

Karin Koller: (erfreut) Au ja! Hast du

ihre Bücher gelesen?

Utotschkin: Habe ich. Eines. Den Roman

„Malina“.

Karin Koller: Und?

Utotschkin: Nichts und.

Karin Koller: Hat er dir nicht gefallen?

Utotschkin: Nein.

Karin Koller: Warum nicht?

Utotschkin: Es ist, das schlechteste

aller Werke, die ich gelesen habe.

Karin Koller: Nicht doch! Was soll

daran schlecht sein?

Utotschkin: Alles! Es gibt kein Sujet

und keinen Stil. Ich verstehe nicht,

aus welchem Grund die Bachmann so

berühmt ist. „Malina“ ist das einzige

Buch, das sie geschrieben hat!

Karin Koller: Nein, aber es stimmt,

dass sie nur einen Roman veröffentlicht

hat. Sie schrieb auch Lyrik,

Erzählungen und Hörspiele. Außerdem

war sie mit vielen bekannten

Schriftstellern des deutschsprachigen

Raumes befreundet, mit Max Frisch,

Heinrich Böll und anderen.

Utotschkin: Stop! Mir dämmert

allmählich, worum es wirklich geht.

Sie war mit ihnen im Bett?

Karin Koller: Mein Gott, bist du

ordinär!

Utotschkin: Antworte! Hat sie mit

ihnen geschlafen?

Karin Koller: (gereizt) Sie hatte eine

Liebesbeziehung mit Max Frisch.

Heinrich Böll traf sie manchmal.

Utotschkin: (erfreut) Ich wusste es!

Nun ist mir alles klar. Du musst nicht

weiterreden.

Karin Koller: Idiot! Du kapiert gar

nichts! Du bist einfach zu primitiv!

Utotschkin: Ich bin nicht primitiv.

Ich bin naiv. In meiner Naivität

dachte ich, dass es literarisierte

Tiefgänge, Gedanken gäbe, die ich

nicht verstehe. Ich habe mir den Kopf

darüber zerbrochen. Ich habe ihren

idiotischen Roman zweimal gelesen

und versucht, darin mir verborgene,

tiefgehende Gedanken zu finden, und

nun begreife ich: es gibt nicht die leiseste

Spur davon! Die Wirklichkeit ist

ganz einfach! Sie hat mit berühmten

Schriftstellern gebumst und wurde

selbst berühmt!

Karin Koller: Schon wieder nur Sex,

worauf alles für dich hinausläuft!

Vielleicht sollten wir lieber über Geld

reden? Dich bewegen doch nur zwei

Dinge: Geld und Sex!

Utotschkin: Auch gut, reden wir über

Geld!

Karin Koller: Nein, reden wir über

Ingeborg Bachmann!

Utotschkin: Einverstanden. Nur um

das Geld kommst du nicht herum!

Karin Koller: Was hat Geld damit zu

tun?

Utotschkin: Was heißt, was hat Geld

damit zu tun? Du hast mir gestern

die neuen Euromünzen gezeigt. Auf

der 1-Euromünze ist Mozart abgebildet,

auf der 2-Euromünze Ingeborg

Bachmann.

Karin Koller: Und?

Utotschkin: Aha... Und nun behaupte,

dass euch Österreichern die Bachmann

nicht doppelt so viel wert ist wie

Mozart.

Karin Koller: Mag schon sein, für

manche vielleicht, ja.

Utotschkin: Alles klar!

Karin Koller: Nichts ist dir klar. Ingeborg

Bachmann hatte ein mehr als

ungewöhnliches Schicksal. Du weißt,

dass sie infolge eines Brandes ums

Leben kam?

Utotschkin: Weiß ich, in Rom. Sie war

Kettenraucherin und schlief mit einer

brennenden Zigarette ein.

Karin Koller: So lautet die offizielle

Version ihres Todes. Ich weiß mehr.

Ich kann dir die Geschichte erzählen,

wenn du mir fest versprichst, mich

nicht durch deine dämlichen Bemerkungen

zu unterbrechen. Dann

wirst du, hoffe ich, die sehr wohl

vorhandenen Gedankengänge und Tiefen

in ihrem Roman verstehen. Aber

du hältst den Mund! Versprochen?

Utotschkin: (interessiert) Ich verspreche

es.

Karin Koller: Ich habe meine Dissertation

über Max Frisch geschrieben…

Utotschkin: Das ist ja interessant…

Karin Koller: Schweig! Du hast

versprochen, mich nicht zu unterbrechen.

Also, in meiner Dissertation

ging es um Max Frisch. Mein Professor

erzählte mir, dass in der Schweiz

die Nichte des Schriftstellers lebe, und

schlug mir vor, sie zu aufzusuchen.

Ich ermittelte ihre Adresse und Telefonnummer

in Lausanne, rief sie an

und vereinbarte, sie zu besuchen. Mit

einem Reisestipendium von der Uni

machte ich mich auf den Weg in die

Schweiz.

Frischs Nichte erwies sich als nette

alte Dame mit auffallend blauen Augen,

die mich bei sich aufnahm. Wir

sprachen an den langen Herbstabenden

viel über Literatur. Eines Abends,

genau an dem Tag vor meiner Abreise

nach Wien, fragte sie mich: „Karin,

wissen Sie alles über Max und Ingeborg?“

„Ich habe gelesen, dass sie

nach der Scheidung der Ehe von Max

Frisch mit seiner ersten Frau Constance

von Meyenburg zusammen

lebten, sie heirateten jedoch nicht“,

antwortete ich und stellte sofort die

Gegenfrage: „Wissen Sie, warum

nicht?“ „Ich kenne den Grund“,

antwortete sie geheimnisvoll. „Aber

das ist eine lange Geschichte, meine

Liebe.“ „Ich bitte Sie, erzählen Sie

mir doch irgendetwas, was nicht in

den trockenen offiziellen Biographien

steht. Ich sehe es Ihren Augen an,

dass Sie etwas wissen.“ „Oh, ja.“ Die

alte Dame lächelte. „Es war eine große

Liebe...“

Sie verstummte, als würde sie zögern,

nicht wissen, was sie tun sollte. Dann

erhob sie sich, verließ das Zimmer

und kehrte kurz darauf mit einem

dünnen Heft in der Hand zurück.

„Hier“ sagte sie, „das können Sie

heute Nacht lesen, morgen früh

geben Sie es mir zurück und reisen

ab. Max hat in seinem Testament die

Veröffentlichung dieses Textes verboten.

Ich verstehe ihn. Es sind höchst

persönliche Aufzeichnungen. Nun,

gehen Sie schon auf Ihr Zimmer und

lesen Sie!“

Kaum im Zimmer schlug ich eilig

das Heft auf. Es war eine Art Tagebuch,

das mit Unterbrechungen über

fünfundzwanzig Jahre geführt worden

war. Der Titel: „Gantenbeins Offenbarung“...

2. BILD

Der Bühnenmittelteil beginnt sich

langsam zu drehen, die Hinterbühne

mit einem Bett wird sichtbar, auf dem

die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann

liegt. Auf ihr der Schweizer Schriftsteller

Max Frisch. An der Wand hängt eine

Reproduktion von Pablo Picassos „Guernica“.

Max Frisch gibt einen lauten lang

gezogenen Schrei von sich.

Max Frisch: _-__________________

___!

Ingeborg Bachmann: Bist du schon

fertig?

Max Frisch: Ja.

Ingeborg Bachmann: Ich brauche eine

Zigarette! Als hätte ich hundert Jahre

nicht geraucht! (zieht eine Zigarette

aus der Packung, lässt sich auf das

Bett fallen und raucht sich die Zigarette

an) Tut das gut! Ich bin wieder

Ich selbst. Mir ist, als würde ich mich

beim Sex auf unbegreifliche Weise

verlieren. Eine hysterische Verzweiflung

erfasst mich. Seltsam, dabei

bin ich weder eine Hysterikerin noch

Pessimistin. Ich verstehe nicht, woher

dies kommt! (Pause)

Max Frisch: Ingeborg!

Ingeborg Bachmann: Was?

Max Frisch: Wir sollten Kinder haben.

Ingeborg Bachmann: Unsinn, Max!

Du bist betrunken…

Max Frisch: Nein, ich bin nicht betrunken.

Ich meine es ernst.

Ingeborg Bachmann: Max, ich will

keine Kinder!

Max Frisch: Ingeborg…

Ingeborg Bachmann: Was?

Max Frisch: Werde meine Frau!

Ingeborg Bachmann: Hör mit diesem

Schwachsinn auf! Wir sind erwachsene

Menschen!

Max Frisch: So, hör mir zu! (nimmt

sie an der Schulter)

Ingeborg Bachmann: Bitte, laß das!

(schüttelt seine Hand ab)

Max Frisch: Ich liebe dich!

Ingeborg Bachmann: Dein Denken

gelangt über die gesellschaftlichen

Kategorien des Bürgertums nicht

hinaus.

Max Frisch: Läßt sich Liebe

irgendwelchen Kategorien zuordnen?

Ingeborg Bachmann: Du bist unausstehlich

heute!

Max Frisch: Verzeih, ich möchte mir

nur über unsere Beziehung Klarheit

schaffen.

Ingeborg Bachmann: Bist du unzufrieden?

Max Frisch: Möglich…

Ingeborg Bachmann: (dämpft die

Zigarette aus und raucht sich eine

neue an) Ich habe gesehen, wie du

mir gefolgt bist… (seufzt) Max, ich bin

daran nicht interessiert. Merk dir ein

für alle Mal: ich mache, was ich will,

treffe wen ich will und wann ich es

will. Unabhängig davon, ob du mir

nachstellst oder nicht. Ist das klar?

Max Frisch: (leise) Ja…

Ingeborg Bachmann: Henry hat

dich auch bemerkt. Du machst dich

lächerlich!

Max Frisch: Und wenn schon. Ohne

die Erfahrungen des Sich Lächerlichmachens,

kann ein Schriftsteller

keine ernsten Dinge schreiben. Ich

plane einen neuen Roman. Und du

wirst die Hauptperson darin sein.

Allerdings unter anderem Namen,

du bist Schauspielerin und meine

Ehefrau. Ich möchte dir das Buch

zum Geschenk machen. Es wird von

uns handeln.

Ingeborg Bachmann: Schauspielerin?

Ha… Und wer bist du dann?

Max Frisch: Ich bin blind. Genauer,

ich stelle mich blind, um deine Lügen

nicht sehen zu müssen, gleichzeitig

habe ich die Möglichkeit, dir und

jedem deiner Schritte auf bequeme

Weise zu folgen, ausgestattet mit

einer Armbinde für Blinde und einem

schwarzen Stöcklein, mit dem ich am

Randstein klöpple und auf Menschen

und Gegenstände einsteche…

Ingeborg Bachmann: Ein Blinder, der

heimlich beobachtet, ein Voyeur…

Max Frisch: Ja genau, ein Voyeur! Das

Wort wird in die Literatur eingehen.

Bei uns in den französischen Kantonen

der Schweiz gibt es Perverse,

die in öffentlichen Toiletten spannen,

in der Umgangssprache nennt man

sie auch „Spanner“ oder „Spechtler“.

Mein Roman wird das erste voyeuristische

Werk sein. Eines Tages, in

vielen Jahren vielleicht, wird das in

Mode kommen. Voyeurismus wird

neben dem Futurismus und Surrealismus

zu einem der zahlreichen

„-ismen“ zählen…

Ingeborg Bachmann: Und dann

wird dir der Nobelpreis post mortem

verliehen…

Max Frisch: Der Nobelpreis wird nicht

postum vergeben.

Ingeborg Bachmann: Ich weiß…

(zündet sich die nächste Zigarette an)

Würdest du ihn wollen?

Max Frisch: Nein, ich lege keinen

Wert darauf.

Ingeborg Bachmann: Warum nicht?

Max Frisch: Ich bin viel zu konservativ.

Man wird ihn mir ganz einfach

nicht zuerkennen. Davon bin ich

absolut überzeugt.

Ingeborg Bachmann: Ich würde ihn

annehmen. Mit Freuden sogar. Das

ist mein insgeheimer unausgesetzter

Wunsch. Ich habe natürlich noch kein

großes Werk geschrieben, so wie du,

Fortsetzung auf www.tolstoi.ru


Nr. 09/2006

104 ST/A/R

Petricek: „Daniel, er läßt Dich nicht

diplomieren.“ Das war die Dir übermittelte

Botschaft.

Podmirseg: In der letzten ST/A/R-Zeitung

stellte ich gemeinsam mit Lukas Göbl Projekte

von uns vor. Sein Diplom, dann mein erstes

Gebäude, das ich gemeinsam mit Helmut

Holleis und Doris Steinacher realisiere,

und eben unser Researchprojekt VIBRA, an

dem wir an der Angewandten, Studio Prix,

gearbeitet haben. Bei diesem Projekt hatten

wir die Universität als geistige Herkunft nicht

genannt. Das war der Grund.

Petricek: Die Idee wurde von

Architekturkritiker Jan Tabor an Prix

herangetragen. Ich weiß, dass er mit ihm vor

längerer Zeit darüber gesprochen hat.

Podmirseg: Das Projekt gibt es sogar schon

seit den sechziger Jahren. Der Begriff VIBRA,

zusammengestellt aus den Anfangsbuchstaben

Vienna und Bratislava, ist eine Kreation von

Tabor. Es geht in meinem Fall aber nicht um

eine Urheberschaftsverletzung, sondern darum,

dass im ST/A/R-Report die Quellenangabe

unvollständig war. Es gibt keinen Anspruch der

Angewandten als Erfinder der VIBRA-Idee.

Petricek: Wann hast Du mit diesem Projekt

begonnen?

Podmirseg: Vor eineinhalb Jahren begannen

wir das Researchprojekt VIBRA an der

Angewandten. Das erste, was wir unternahmen,

Lukas Göbl und ich, wir packten die Kamera

und unsere Rucksäcke, sind vom Stephansdom

zu Fuß ins Zentrum von Bratislava gegangen.

Ein Dreitages-Marsch.

Petricek: Sind die beiden Städte für Euch durch

das Gehen schon zusammengewachsen?

Podmirseg: Nicht nur durch das Gehen.

VIBRA ist Realität, VIBRA happens. Wir haben

bis jetzt irrsinnig viele Leute in Bratislava

kennengelernt und festgestellt, dass junge

Architekten drüben wesentlich mehr Energie

und Lust haben beim Arbeiten. Sie sind nicht so

autoritätslastig und schätzen Meinungsfreiheit

wesentlich mehr, sind viel weltoffener, freier

und vielfältiger in ihrer eigenen Idee, Wien

und Bratislava zusammenwachsen zu lassen.

Viele fühlen sich jedoch überrannt, weil die

Osterweiterung bis jetzt hauptsächlich einseitig

wirtschaftlich motiviert ist.

Petricek: Zurück zum Anfang. Was geschah

nach Erhalt der Hiobsbotschaft?

Podmirseg: Ich hatte mit Prix kurz nach

der Veröffentlichung gesprochen und mich

entschuldigt. Er sagte, wir würden noch

darüber sprechen. Drei Wochen darauf kam die

Nachricht, nicht diplomieren zu dürfen. Seither

habe ich drei Briefe an Prix mit dem Ersuchen

um ein persönliches Gespräch gerichtet,

worauf er nicht reagierte. Das ist für mich eine

persönliche Geschichte, die mich sehr trifft.

Eine Studentenkarriere zu unterbrechen, und

nicht einmal den Kontakt mit dem Studenten

aufzunehmen, nicht die Gelegenheit zu geben,

sich zumindest rechtfertigen zu können, finde

ich ...

Petricek: Fühlst Du Dich der Willkür des

Meisters ausgeliefert?

Podmirseg: Ja, das ist Willkür.

Petricek: Heidulf, wie hast Du reagiert?

Gerngross: Ich bin betroffen, dass jemand,

der in der ST/A/R-Zeitung veröffentlicht,

dann einfach nicht diplomieren darf und habe

Buch XII – Grand Prix ST/A/R 95

Buch XIII - AUTOST/A/R

Prix sofort ein E-mail geschickt, stellen wir das

im nächsten ST/A/R richtig, stellen wir klar,

dass das VIBRA-Projekt in der Meisterklasse

Prix bearbeitet worden ist. Auf das E-mail kam

keine Antwort. Vier Wochen später dann ein

Brief, in dem das Büro Coop Himmelb(l)au

die ST/A/R-Zeitung, die es freundlicherweise

im Paket zu 20 Exemplaren abgenommen

hat, und als ST/A/R-Gönner gegolten hat,

abbestellt. Und ich wollte gerade die Coop-

Architekten „umerziehen“ – das ist schade für

diese junge Generation, dass sie nicht mehr

gratis zum ST/A/R kommen.

Petricek: Dass 20 ST/A/R-Zeitungen weniger

verkauft werden, ist zu ertragen. Das Diplom

eines Fehlers wegen nicht ablegen zu dürfen,

ist schwerwiegend. Will Prix mit Dir überhaupt

nicht mehr sprechen, Daniel? Und was ist mit

Deinem Projektpartner Lukas Göbl passiert?

Podmirseg:: Der Göbl scheißt sich nix – er

hat sein Studium kurz vorher beendet, er ist

Magister – ich trage die Konsequenz. Zwar

wurde ihm über einen Anwalt ein Brief von

der Uni geschickt, jedoch ohne Angabe eines

Rechtsgrundes, gegen welchen er oder wir

verstoßen hätten. Auf Prix warte ich nicht

mehr. Zweieinhalb Monate Engagement um

Ersuchen eines persönlichen Gesprächs ist mir

zu lang. In diesem Zeitraum baut Gerngross

20 Schnellhäuser. Mit Göbl gab es einen

zweimonatigen Kommunikationsschaden,

mit Prix ein Kommunikationsvakuum.

Wenn Du kurz vorm Diplom bist, und Dir

Kommunikation verwehrt wird, das zieht Dir

im ersten Moment wirklich den Boden unter

den Füßen weg. Aber die letzten zwei Monate

waren für mich sehr konstruktiv. Weil ich mir

intensiver die Frage stellen mußte, was ist

Architektur für mich, was ist die Angewandte

für mich, was ist Prix überhaupt für mich?

Wie mache ich weiter? Auf persönlicher und

auf beruflicher Ebene waren die zweieinhalb

Monate sehr konstruktiv. Damit hat mir Prix zu

einer größeren Selbstbestimmtheit verholfen.

Petricek:Heißt das, Du wirst Dein Studium

nicht abschließen?

Podmirseg: Ich schließe mein Studium ab.

Petricek: Wirst Du mit dem Projekt VIBRA

als Diplomarbeit weitermachen?

Podmirseg: Ja, ich werde.

Petricek: Überhebt sich

ein fast fertig gewordener

Architekturstudent nicht

sowieso an einem derartigen

Riesenprojekt?

Gerngross: Das hängt von

der geistigen Führung ab

und welche Informationen er

bekommt. Wir, der Architekt

Angelo Roventa und unser

Team Werkstatt Wien, haben

dieses Problem auch behandelt

und versucht, durch kulturelle

Aktivitäten zwischen und

neben den Städten Wien und

Bratislava Attraktionspunkte

zu schaffen, die ein kulturelles

Zusammenwachsen forcieren. Die Basilica

dell’ Arte, eine riesige Kathedrale für

Großskulpturen, die an den Grenzen von

Slowakei, Ungarn und Österreich errichtet

werden soll, ist ein Projekt, an dem wir

kontinuierlich weiterarbeiten. VIBRA muss

ja nicht eine Megastadt sein, die das Resultat

dieser Bemühungen ist. Es gibt ein riesiges

Feld, um hier das Wachstum zwischen den

Städten zu pflegen, auch das geistig-seelische.

Petricek: Also, man lässt zusammen

wachsen, was aus einem natürlichen Bedürfnis

heraus zueinander geht, sich ergibt aus

verschiedensten Aktivitäten auf verschiedenen

Ebenen.

Gerngross: Es drückt sich praktisch schon

dadurch aus, dass junge Studenten aus

Bratislava bei mir anfragen, ob sie da mithelfen

und arbeiten können.

Petricek: Um manifest zu werden mit Bauten,

mit Architektur, mit Strukturen, bedingt es

ja eines politischen Willens oder politischer

Beschlüsse auf beiden Seiten.

Gerngross: Ich glaube gar nicht, dass die

Politiker in dem Sinn die entscheidende

Rolle spielen. Die Aktivität soll durchaus von

Architekten und Leuten kommen, denen das

eine Herzensangelegenheit ist, die dann von

Politikern aufgenommen werden soll. Wenn

ich die Basilica dell’ Arte erwähnt habe, eine

Kunsthalle für Großskulpturen, das wäre eine

Kultstätte, die man an den Grenzen der Länder

errichtet, die zur Zusammenführung auf

geistiger Ebene führt und die von Politikern

natürlich unterstützt werden soll. Da ist die

Kraft von Prix auch ein Bestandteil. Dass er

mitgestaltet, ist ja nur wünschenswert.

Podmirseg: Ich finde sehr gut, dass Du

sagst, das sei nicht ein Job der Politiker,

das glaube ich auch. Dieser großen

wirtschaftlichen Geschwindigkeit, die

einhergeht mit der Globalisierungsidee,

muss eine ernstzunehmende soziokulturelle

Bewegung entgegengestellt werden. Die Arbeit

besteht darin, Energien zu erkennen und sie

freizusetzen.

Petricek: Zum eigentlichen Problem: Es drängt

sich auf, dass hinter der Diplomverweigerung

von Prix noch etwas anderes steckt.

Podmirseg: Nein, das glaube ich

nicht. Als ich ihm sagte, welch

großes Anliegen mir das Projekt ist,

hat er das sehr gern angenommen.

Er meinte, es würde ihn freuen,

wenn ich daraus eine Diplomarbeit

machte. Was dahinter ist, kann

ich nur vermuten, weil es einen

strategisch gut kontrollierten

Informationskanal gibt und die

Studenten relativ selten wissen,

worum es wirklich geht. Als

Grund ist für mich nur die

Nichterwähnung des Entstehens

des Projektes in der Meisterklasse

Prix ersichtlich.

Gerngross: Und das haben

wir von der Redaktion aus auch

angeboten richtigzustellen. Ich

glaube, es liegen andere geistigseelische

Stimmungen dahinter,

die ich für eine Art Machtgebrauch

von Prix halte. Ich glaube, dass er seine Macht

gebraucht hat, indem er ihm verbietet, das

Diplom zu machen. Das hat natürlich tiefere

Gründe, die mit der Gesamtentwicklung des

ganzen Prix’schen Werkes zu tun haben, mit

seiner ganzen Art des Dekonstruktivismus. Wie

er zum Weltarchitekten geworden ist und wie

sein Freiheitsgrad, den er erreicht und errungen

hat, heute schon gang und gäbe ist, und er

nicht mehr diese Rolle im architektonischen

Raum spielt, die jetzt von einer anderen

Haltung getragen wird, dass er selbst im

eigenen Feld noch übertrumpft worden ist,

durch die unheimliche dekonstruktivistische

Geschmeidigkeit einer Zaha Hadid, die ihn,

Prix, Tom Mayne und selbst den Frank O.

Gehry eigentlich zu relativen Figuren macht in

diesem Fluß der Arbeit, die Hadid konzipiert,

mit ihrem egomanischen Dekonstruktivismus.

Seine Rolle hat Prix gespielt und es ist so ähnlich

wie der Verfall des kommunistischen Systems.

Die Befreiung der Arbeiterklasse ist o.k., dann

aber will man das System erhalten, und diese

Systemerhaltung braucht unheimliche Macht,

die sich jetzt in diesen Kleinigkeiten ausdrückt.

So kann ich das für mich erklären. Ich würde

mich gern mit Prix darüber unterhalten.

Petricek: Deine Erklärung ist eine Möglichkeit,

lässt sich aber schwer vorstellen, dass Prix dies

einen Architekturstudenten büßen lässt?

Gerngross: Vielleicht verbreite ich eine

gewisse Haltung, die ihm in die Quere kommt.

Eine Haltung, die keine Macht darstellt, aber

eine gewisse Energie ausstrahlt, und er ist der

Mensch, der, was öffentliche Positionierung

betrifft, ganz bewusst in Wien eine Hierarchie,

eine “Architekturdiktatur“ darstellt, die

bemerkt wird. Er ist in vielen Gremien dabei, er

bestimmt z.B. ob Kleingartenhäuser finanziert

werden oder nicht. Und die Wiener Politiker

sind natürlich auch froh und stolz, dass sie den

Weltarchitekten Prix dort sitzen haben, der

Nr. 09/2006

ST/A/R - REPORT VERHINDERT DIPLOMZULASSUNG

REALITY SHOW TEIL 1

Universitätslektor* übermittelt schreckliche Nachricht des Meisterprofessors an einen Studenten:

Alexandr Alexev

Dekadenz

MIT GABRIELE PETRICEK, PODMIRSEG UND GERNGROSS

Alexev Österreichisches Roulette

entscheiden kann, wie diese Kleingartenhäuser

ausschauen, obwohl es hunderte von Wiener

Architekten gibt, die sich wirklich intensiver

mit Wohnbau beschäftigt haben.

Petricek:Das Duell spielt sich also auf einer

ganz anderen Ebene ab: Bedeutung, Macht. Du

hast Dich ja völlig freigespielt davon.

Gerngross: Ich hab da Glück gehabt.

Petricek: Nur die gängigen Strukturen werden

davon oft nur angekratzt, nicht durchbrochen.

Gerngross: Die Dekonstruktivisten haben

schon einen Freiheitsgrad gezeigt. Nämlich,

dass man festgefahrene Haltungen brechen

kann, man die Form irgendwie in den Raum

hinauspulvern kann, seine eigenen seelischen

Befindlichkeiten irgendwie darstellen.

Dieser Darstellungsmanierismus ist eine Art

persönliche Freiheit. Aber sie haben weder

etwas, was funktionell ist, was konstruktiv

ist, gebracht. Die Zaha Hadid hat da schon

noch eine ganz schöne Eleganz in dieses

Ding hineingebracht. Damit hat sie andere

Architekten, wie Prix, in den 90ern ein

Weltvorbild, übertrumpft. Man darf diese

Stimmungen ja nicht unterschätzen, Wer hat

heute einen gewissen geistigen Einfluß, und

wo steht der des Meisterlehrers

Prix heute?

Podmirseg: Wenn man in

so einer Situation in einer

Meisterklasse ist – muß man sich

einfach bewusst machen, dass man

nicht beigebracht bekommt, seine

eigenen Träume zu realisieren

oder zu leben. Ich will jetzt nicht

sagen, dass wir keine Träumer

haben in der Schule, ich glaube

aber, einige leben den falschen

Traum, nicht ihren eigenen.

Gerngross: Die Tatsache, dass der

Podmirseg das Diplom jetzt nicht

bei Prix machen darf, dagegen

kann ich nichts einwenden. Die

Realität ist perfekt. Die ist so. Nur

möchte ich schon, dass das auch

für alle Studenten sichtbar wird,

dass die wissen, wenn sie sich in

so eine Meisterklasse begeben,

was ihnen blühen kann. Das ist alles. Und das

Blühen ist o.k.

Petricek: Es wär ja eine Revolte denkbar. Es

könnte sich ja auch Solidarität mit Dir ergeben

unter Deinen Mitstudenten.

Podmirseg: Mit der Solidarität ist das immer

so eine Sache. Die Angst, sich selbst damit in

Missgunst zu bringen überwiegt.

Gerngross: Das ist das Mühl-Kommunen-

Syndrom.

Podmirseg: Es gibt bei einigen ein großes

Potential an negativer Energie, an Ärger über

System und (Kommunikations-)Struktur,

aber der Aufenthalt in der Meisterklasse ist

zumeist begründet in Finalität. Und die ist

verantwortlich für Selbstaufgabe, Angst oder

Ohnmacht.

Petricek: Ein so offensichtlicher

Machtmißbrauch sollte doch die Solidarität

jener beschwören, die unmittelbar damit zu

tun haben.

Gerngross: Ja es ist aber genau umgekehrt.

Es hat ihm ja ein Lektor, vielleicht vom

Meister befohlen, diese schreckliche Nachricht

übermittelt.

Podmirseg: Ich habe kürzlich Leute von

meiner Klasse und aus den Klassen von Gregg

Lynn und Zaha Hadid getroffen und es war

schön, zu sehen, wie viel unbefangener die

Studenten von Hadid und Lynn die Situation

beurteilen können. Aber es gibt auch einige

aus unserer Klasse, die versucht haben, die

Dinge so zu sehen, wie sie sind, und ich

glaube, die erkennen, was da gespielt wird, wie

das Machtsystem funktioniert und dass sich da

was verändern kann. Weil verändern können

diese Dinge nur Studenten.

Petricek: Daniel, ich wünsch Dir ein

fulminantes Diplom, wo immer es stattfinden

wird. Wir werden uns am Laufenden halten,

wie sich die Geschichte weiterentwickelt.

Ende Teil 1


96 ST/A/R

Buch XII – Grand Prix

Nr. 09/2006

SOLARDUSCHE

KONRAD FREY

erhält nach Beschluss einer hochkarätigen

Jury den ST/A/R-Architekturpreis 2005.

Die Preisfeierlichkeiten finden im Sommer

2006 im Zuge eines Architekturdiskurses

mit Jan Tabor, Daniel Podmirseg, Thomas

Redl und vielen anderen persönlich geladenen

Gästen statt.

Auf 1200m Seehöhe, keine Leitungsenergie vorhanden; QUELLWASSER + SONNE + WARMWASSERSTELLE für Älpler: Holzfäller, Jäger,

Wanderer, Pilz- und Beerensammler........

Besteht aus im Handel erhältlichem Kompaktaggregat mit 2qm Kollektor und 100 Liter Wasserspeicher. Verkleidung durch Holzarbeiter

mit Stangen und Rinden

Der Duschplatz ist durch schneckenförmig geführten Sichtschutz nicht eingesehen.

ST/A/R -ARCHITEKTURPREIS 2005


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XIII – PID Wien ST/A/R 97

ST/A/R berichtet

PRESSEINFORMATIONSDIENST (PID)

Die Kommunikationsagentur der Stadt Wien.

Information als Service – der Presseund

Informationsdienst im Wiener Rathaus steht dafür.

Informationen und Service für die BürgerInnern

einer so großen Stadt wie Wien

müssen aktuell, verständlich und serviceorientiert

sein. Der Presse- und Informationsdienst

der Wien (PID) informiert über

alle Kommunikationsschwerpunkte der

Stadt, produziert Broschüren und andere Medienprodukte

über aktuelle Themen und informiert in den wien.at-Medien

über Entwicklungen in der Stadt. Er bietet aktuelle,

zielgruppenspezifische Informationen, Service für die

WiennerInnen und hat ein breites Medienportfolio. Er ist

wichtiger Ansprechpartner in allen Kommunikationsfragen

nach innen und außen.

LF_01_Cover.qxd 28.02.2006 11:20 Uhr Seite 1

W_01_Cover 28.02.2006 11:22 Uhr Seite 1

Forschen

& Entdecken

Leben

& Freude

City & Life

Für Wienerinnen & Wiener in ihren besten Jahren.

Das Magazin für mehr Spaß und mehr Zukunft.

Nr. 01/2006 Pbb Erscheinungsort: Wien – Verlagspostamt 1110 Wien, 06Z036636, DVR: 0000191

Kinder & Co

Das Magazin für kluge Köpfe.

Nr. 01/2006 Pbb Erscheinungsort: Wien – Verlagspostamt 1110 Wien, 06Z036637, DVR 0000191

Nr. 01/2006 Pbb Erscheinungsort: Wien – Verlagspostamt 1110 Wien, 06Z036705M, DVR 0000191

Die Seiten rund um die ersten zehn Lebensjahre.

Nr. 01/2006 Pbb Erscheinungsort: Wien – Verlagspostamt 1110 Wien, 06Z036635, DVR: 0000191

Sprachförderung

im Kindergarten

Rein & raus …

• Kindesobsorge: Wer im

Scheidungsfall weiterhilft

• Porträt: Zu Besuch bei

Pflegemama Verena Skrob

• wien.at-Community:

Mitgestalten & Gewinnen

Mobil – für immer!

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Auf in die Community

Wohnen für Generationen

Welcher Urlaubstyp bin ich?

Club wien.at: Mitgestalten & Gewinnen

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... und was die

Fruchtfliege

damit zu tun hat

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98 ST/A/R

Buch XIII – PID Wien

Nr. 09/2006

www.wien.at

Täglich aktuell informiert / Service, Tipps und Grätzlnews aus der Stadt

Infos für WienerInnen, Interessierte, JournalistInnen und TouristInnen


Nr. 09/2006

Buch XIII – PID Wien ST/A/R 99

6. Neue Magazine

1. Einige Zahlen:

Der Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien (PID) gibt

eine Vielzahl von eigenen Medien heraus. Diese sind unter dem

Sammelbegriff „wien.at“ bekannt.

für Eltern, Jugendliche und Jungebliebene; für Tierfreunde,

Wissensinteressierte und Zuwanderer.

Gratis Abo - Bestellhotline: 277 55

PID

2. wien.at – „Das Infoblatt Ihrer Stadt“

ist die kostenlose Zeitschrift der Stadt Wien für alle Wienerinnen

und Wiener. Auf 24 Seiten finden sich etwa aktuelle Berichte aus

Wien, spannende Geschichten und Gewinnspiele. Die Publikation

geht monatlich an alle 950.000 Wiener Haushalte.

PRESSEINFORMATIONSDIENST

3. wien.at aktuell – Das Magazin für

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Unter dem Motto „Information ist Motivation“ kommunizieren

wir mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt

Wien. In unserem Magazin informieren wir über aktuelle interne

Ereignisse, Jobausschreibungen und vieles andere mehr.

wien.at aktuell stellt eine wichtige Plattform im Prozess der

Verwaltungsmodernisierung dar und dient der Förderung der

„Corporate Identity“ der Bediensteten der Stadt Wien. Die

Zeitschrift erscheint monatlich in einer Auflage von 130.000 Stück.

Sie geht sowohl an aktive als auch im Ruhestand befindliche

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

4. Internet: www.wien.at

5. wien.at rk - rathaus-korrespondenz

Die rk-Redaktion sendet im Jahr rund 4.000 Artikel

an österreichische Medien.

Der Internet-Auftritt der Stadt Wien - www.wien.at - ist mit

43.000 Seiten einer der umfangreichsten unseres Landes. Bis

zu 20 Millionen Seitenabrufe pro Monat (2004).


Städteplanung / Architektur / Religion Buch XIII – PID Wien

ST/A/R 101

LF_01_Cover.qxd 28.02.2006 11:20 Uhr Seite 1

W_01_Cover 28.02.2006 11:22 Uhr Seite 1

Leben

& Freude

Für Wienerinnen & Wiener in ihren besten Jahren.

Nr. 01/2006 Pbb Erscheinungsort: Wien – Verlagspostamt 1110 Wien, 06Z036636, DVR: 0000191

City & Life

Das Magazin für mehr Spaß und mehr Zukunft.

Nr. 01/2006 Pbb Erscheinungsort: Wien – Verlagspostamt 1110 Wien, 06Z036705M, DVR 0000191

Hund,

Katz & Co

Alles rund um unsere liebsten Gefährten.

Nr.01/2006 Pbb Erscheinungsort: Wien – Verlagspostamt 1110 Wien, 02Z031551M

Forschen

& Entdecken

Das Magazin für kluge Köpfe.

Nr. 01/2006 Pbb Erscheinungsort: Wien – Verlagspostamt 1110 Wien, 06Z036637, DVR 0000191

Echte Osterhasen

Reisen mit Haustieren?

Baby-Boom in Schönbrunn

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Alle Infos rund ums Tier

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Neue Stadt Wien-Magazine

Für jeden Menschen, die Info die er braucht

Relaunch

Informationen genau dann zu geben, wann die Menschen sie brauchen,

ist das Ziel der neuen Zeitschriften der Stadt Wien. Sie sollen die

Wienerinnen und Wiener künftig durch wichtige Lebensabschnitte

begleiten. Mit drei neuen, so genannten Lebenslagenmagazinen, einem

neuen Wissenschaftsmagazin und zwei bestehenden Magazinen, die neu

gestaltet wurden, startet die Stadt Wien ins Frühjahr. Insgesamt werden

also sechs Zeitschriften die bestehende Medienpalette des Presse- und

Informationsdienstes der Stadt Wien ergänzen. Jedes der Magazine

erscheint vier Mal im Jahr und kann kostenlos angefordert werden.

Kinder & Co

Die Seiten rund um die ersten zehn Lebensjahre.

Nr. 01/2006 Pbb Erscheinungsort: Wien – Verlagspostamt 1110 Wien, 06Z036635, DVR: 0000191

Welt Hund,

& Katz Stadt & Co

Zusammen Alles rund um leben unsere in Wien. liebsten Gefährten.

Nr.01/2006 Pbb Erscheinungsort: Wien – Verlagspostamt 1110 Wien, 02Z031551M

Bosanski/Hrvatski/Srpski English Türkce ¸

Nr. 01/2006 Pbb Erscheinungsort: Wien – Verlagspostamt 1110 Wien, 06Z036634, DVR 0000191

„Welt & Stadt" – Zusammen Leben -in Wien.

richtet sich an Zuwanderer und Zuwanderinnen, also alle neuen

Wiener und Wienerinnen. Es gibt Informationen und Services zu neuen

Gesetzen, Sprache, Bildung, Gesundheit, Bewältigung des Lebensalltags,

Wellness, Sport und Ernährung.

„Hund Katz & Co" – das Tiermagazin.

Die bereits bei allen TierbesitzerInnen beliebte Tierschutzzeitung

„Hund, Katz & Co" erscheint in neuer Aufmachung. Sie bietet unter

anderem spannende Reportagen aus der Tierwelt und Wissenswertes

für TierhalterInnen.

Die neuen Lebenslagen-Magazine

„Kinder & Co"– Die Seiten rund um die ersten Lebensjahre.

Das Magazin richtet sich an Eltern von Kindern zwischen 0 und 10

Jahren.

„City & Life" – Das Magazin für mehr Spaß und mehr Zukunft,

richtet sich an junge Menschen zwischen 10 und 16 Jahren.

Echte Osterhasen

Reisen mit Haustieren?

Baby-Boom in Schönbrunn

Allgemeine Info

Jeder kann in den neuen Stadt-Wien-Medien die Informationen finden,

die für seinen individuellen Lebensbereich gerade von besonderem

Interesse sind. Konkrete Dienstleistungen und Angebote der Stadt Wien

stehen im Mittelpunkt, aber auch Expertentipps, Veranstaltungen und

viel Praktisches ergänzen das Angebot.

„Leben & Freude" – Für Wiener & Wienerinnen in den besten Jahren,

Richtet sich an „Junggebliebene"

Das neue Special Interrest Magazin

„Forschen & Entdecken"– das Magazin für kluge Köpfe.

Mit dem Magazin „Forschen und Entdecken – das Magazin für kluge

Köpfe" geht man Geheimnissen der Wissenschaft, Forschung und

Technologie auf den Grund. Interessierte Laien bekommen hier fundierte

und verständliche Auskunft.

Sprachförderung

im Kindergarten

• Kindesobsorge: Wer im

Scheidungsfall weiterhilft

• Porträt: Zu Besuch bei

Pflegemama Verena Skrob

• wien.at-Community:

Mitgestalten & Gewinnen

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Azra Merdzan kam vor

14 Jahren aus Bosnien

nach Wien und berät

heute MigrantInnen.

Kommunikation ist alles

Alle Infos rund ums Tier

ExpertInnen des Wiener

Veterinäramtes helfen

Helpline 4000/8060

Jedes Magazin erscheint viermal im Jahr. Die Lebenslagenmagazine

haben einen Umfang von 32 Seiten, das Wissenschaftsmagazin von

32 bzw. 40 Seiten, das Tiermagazin 16 Seiten.


102 ST/A/R

Buch XIII – PID Wien

Nr. 09/2006

Kommunikation „Gestern“ (Amtsdeutsch)


Nr. 09/2006

Buch XIII – PID Wien ST/A/R 103

Kommunikation „Heute“

– unbürokratisch

– rasch

– verständlich

– klar

– serviceorientiert

28

4 – Geschriebenes Wort – E-Mail

5 – Beispiele

4.1.12 Reaktionszeit

Eine schnelle

Nachricht über das

Eintreffen der

E-Mail schafft Zeit

für die Bearbeitung.

3 Elektronische Post mindestens einmal täglich bearbeiten.

3 Innerhalb von zwei Arbeitstagen reagieren und gegebenenfalls mitteilen, dass die

Antwort länger dauert (z.B. Weiterleiten an andere Dienststelle).

3 Den Erhalt einer E-Mail bestätigen und die voraussichtliche Bearbeitungsdauer

angeben.

Beispiel:

Ihre E-Mail ist eingelangt und wird bearbeitet. Dazu ist es notwendig, auch Informationen

von anderen Dienststellen einzuholen. Wir sind bemüht, dies so

schnell wie möglich zu erledigen und werden Ihnen voraussichtlich bis zum

…Datum... antworten.

3 Antwort nicht übereilen, vollständig antworten.

Tipp

Der Vorteil der E-Mail als schnelles Medium soll bei der Bearbeitung nicht verloren

gehen.

Automatische Antworten (Lesebestätigung und Übermittlungsbestätigung) nur

gezielt einsetzen.

E-Mail ist kein Online-Medium. Es gibt eine zeitliche Verzögerung, die unterschiedlich

lange und auch vom Attachment abhängig ist.

Wenn ein Zustellversuch misslingt, wird man vom Provider nach spätestens drei

Tagen benachrichtigt.

Überflüssige und veraltete Wörter und Phrasen 30

E-Mail 31

Bescheid 32

Brief 34

Formular 36

4.1.13 Themenorientiertes Arbeiten – Projekte

Überlegen Sie abhängig von Arbeitsplatz, Projekt, Projektgröße und -dauer sowie der

MitarbeiterInnenstruktur für bestimmte Bereiche andere Plattformen einzurichten,

wie z.B.

– zusätzliche Outlook-Postfächer mit sprechenden themenorientierten

Bezeichnungen

– »vieW4«.

3 Informieren Sie sich – nach Bedarf – über neue Entwicklungen und Möglichkeiten.

4.1.14 Grenzen des E-Mail-Verkehrs

Senden Sie lustige Werbespots oder Kettenbriefe nicht weiter, weil sie Leitungen

und Speicherplatz unnötig belasten. Das Versenden von sexistischen oder pornografischen

Darstellungen ist im Magistrat generell verboten und zieht persönliche

disziplinäre Konsequenzen nach sich.

4

1 – Wie spricht Wien?

Verständlichkeit verbindet

»Das Projekt ›Wien spricht anders‹ unterstützt unser aller Ziel, die Stadtverwaltung

zu einem Dienstleistungskonzern umzugestalten. In vielen Bereichen ist das schon

gelungen, wird das Zugehen auf die Bürgerinnen und Bürger täglich gelebt – das

zeigt auch das gute Zeugnis, das uns die Studie Leben in Wien ausstellt.

Dem Amtsdeutsch ade zu sagen und sich an den Bedürfnissen unserer Kundinnen

und Kunden auch im sensiblen Bereich der Kommunikation zu orientieren, ist ein

weiterer und wichtiger Beitrag dazu.«

Bürgermeister Dr. Michael Häupl

»Sprache ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel. Sprache kann aber auch

Quelle von Missverständnissen, Informationsmangel und Verärgerung sein, sowohl

mit unseren Kundinnen und Kunden als auch innerhalb der Organisation. Bewusstseinsbildung

für den richtigen Umgang mit Sprache ist deshalb eine wichtige und

angesichts der Größe und Komplexität des Magistrats auch schwierige Aufgabe.

Umso mehr freue ich mich über die Ergebnisse des Projekts.«

»Jetzt gilt es sie auch umzusetzen.«

Magistratsdirektor Dr. Ernst Theimer

1.1 Wien spricht anders 6

1.2 Wien spricht geschlechtergerecht 6

»Zufriedene Kundinnen und Kunden – das wünschen wir uns alle. Kommunikation

kann dazu beitragen – wenn sie sich am Gegenüber orientiert und bemüht ist, Sachverhalte

allgemein verständlich und präzis darzustellen. Rund hundert engagierte

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Bereichen der Stadtverwaltung

haben in diesem Leitfaden Anregungen dafür zusammen gefasst. Für

viele Kolleginnen und Kollegen mag das eine oder andere darunter bereits zur

Routine gehören. Für andere wird es ›anregend‹ sein und soll ihnen Mut zu einem

neuen Umgang mit Sprache machen.«

Chefredakteur Rudolf Mathias, MA 53, Presse- und Informationsdienst

ST/A/R: Man hatte immer ein unangenehmes Gefühl bei Amtsterminen und Behördenwegen - lange Wartezeiten,

komplizierte Formulare und Amtsschimmel. Reformen der Wiener Magistrate führten zu einem modernen

Dienstleistungssystem und haben angenehme, kundenorientierte Strukturen geschaffen.

Demokratische Prozesse zeigen sich unter anderem auch in der Veständlichkeit und Demokratisierung der

Sprache auf allen Ebenen der Gesellschaft - die Stadt Wien ist auf dem besten Weg dorthin.


104 ST/A/R

Buch XIII – PID Wien

Nr. 09/2006

WIEN SPRICHT OFFEN

Gratis-Abo:

enjoyvienna@netway.at

WIEN IM HERZEN EUROPAS

Wien gilt weltweit als eine der bestverwalteten Städte. In der Kommunikation

mit den BürgerInnen nimmt der Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien

– kurz PID genannt - einen europäischen Spitzenrang ein. Was für Wien im

Bereich der Kommunikationsarbeit als ‚selbstverständlich’ gilt, ist europaweit ein

Vorzeigemodell mit „funktionierenden Kommunikationsstandards".

Wien ist einzigartig

Weltweit ist Wien bislang die einzige Stadt mit den meisten Verbindungsbüros im

Ausland. Vertreten mit Außenstellen in 11 Ländern verfügt die Bundeshauptstadt

damit über ein optimales Lobbying-Netzwerk mit zentralem Headoffice in Wien.

„Das Um und Auf einer gut funktionierenden Kommunikationsabteilung ist das

‚auf dem Laufenden und über praktisch alles informiert zu sein’", sagt PID-Chef

und Bereichsleiter für Stadtkommunikation und Medien Fred Vavrousek. „Wir

müssen über die Nachbarn Bescheid wissen und das gilt natürlich auch umgekehrt."

Wien-Büros in ganz Europa ...

Die Verbindungsbüros vor Ort (in Belgrad, Bratislava, Bukarest, Budapest,

Krakau, Laibach, Moskau, Prag, Sarajevo, Sofia, Zagreb) sind Vermittler und

Anlaufstelle für Wirtschafts-, Tourismus- und Presseanfragen. Jährlich werden

7.000 Aussendungen über Wien veröffentlicht, zwei Drittel davon direkt in

den Zeitungen der jeweiligen Region. Diese internationalen Standbeine funktionieren

reibungslos. Im Auftrag der Stadt Wien übernehmen die Büros unter

anderem Aufgaben wie Medien- und Delegationsbetreuung, Projekthilfe vor Ort

sowie den ständigen Informationsaustausch zwischen den Städten.

20 Jahre strategische Auslandsarbeit

Bereits in den 80er Jahren entstanden die ersten Verbindungsbüros der Stadt

Wien - mit der Vision, ein optimales Netzwerk aufzubauen. Der Hintergedanke

dabei war: den Fuß in der Tür eines wichtigen Wirtschaftsraums der zukünftigen

EU zu haben. Dadurch ist es einfacher, Dinge abzuwickeln und den

Städte-Informationsaustausch voranzutreiben. Mit der jahrelangen intensiven

Auslandsarbeit ist es dem Presse- und Informationsdienst gelungen, eine

Kommunikationsplattform aufzubauen und Wien als Drehscheibe zum Osten zu

platzieren.

Pressearbeit und Auslandsaktivitäten

Die Auslandskommunikation umfasst auch starke Medienarbeit: das

Internetauslandsjournal, das neben einer deutschen und englischen Version auch

in 11 weiteren Sprachen umfangreiche Informationen zu verschiedenen Stadt-

Wien-Themen bietet, das zweisprachige Printauslandsjournal „Enjoy Vienna",

Länder- und Städtefolder, zahlreiche Medienkooperationen, Pressekonferenzen

und - aussendungen, klassische JournalistInnenbetreuung und Events wie die

Wien-Tage, Bälle und Fachveranstaltungen.


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XIV – EP positions ST/A/R 105

Gilbert Bretterbauer

Gilbert Bretterbauer

Gilbert Bretterbauer, “o.T. (Teppich) 2006, Galerie Kosak Hall, Wien

GaLERIE KOSaK HaLL Wiedner Hauptstrasse 46 1040 Wien office@kosakhall.at

ViennAfair 2006

www.kosakhall.at T: ++43 1 5485279

Gilbert Bretterbauer, Heidulf Gerngross, Elisabeth Penker, Florian Morlat, Alexander Petlura, Henrik Plenge Jakobsen


106 ST/A/R

Buch XIV – EP positions

Nr. 09/2006

BRUTAL Ornamenatal

Das Ornament war schon immer Teil der Kultur der Menschheitsgeschichte, es

verschwand nur am Anfang des 20. Jahrhunderts und zu Beginn der Moderne aus

der westlichen Kultur. Während des 20. Jahrhunderts wurde so die fundamentale

Beziehung der Kultur zum Ornament (und zur Natur) durch die Logik der

Industrialisierung ersetzt. Loos meinte, dass "das Ornament nicht länger als

organischer Teil unserer Kultur gesehen werden [könne] und deshalb auch

nicht länger Teil unserer Kultur ist". Somit wurde das Ornament und die Kultur

voneinander getrennt und eine Verbindung zwischen architektonischer Praxis und

der Kultur der Moderne hergestellt.

Die Entwicklung der Richtung des Brutalismus (béton brut) kann als logische Folge

dieses Ansatzes gesehen werden. Der Beton wird hier nicht herkömmlich verputzt,

sondern, nach dem Lösen der Gussformen vom Beton bleibt die rauhe natürliche

Oberflächenstruktur als Endprodukt erhalten. Der Brutalismus in der Architektur

ist in Bezug zum Ornament von daher interessant, als dass seine Philosophie von

der Reinheit der Form (Struktur) und des Materials parallel zum Strukturalismus in

der Literatur und der Philosophie, sowie zum Minimalismus in der Kunst gelesen

werden kann. In den späten 1960er und am Anfang der 70er Jahre gab es einen

allgemeinen wirtschaftlichen und sozialen Verfall in der westlichen Hemisphäre:

Viele Regierungen errichteten in dieser Zeit soziale Wohnbauten aus Beton,

da dieses Material einerseits recht billig war und andererseits die Gebäude als

nationale Machtdemonstrationen präsentiert werden konnten. Man glaubte, dass

diese großen Bauten dem Vandalismus eine kleinere Angriffsfläche bieten würden.

Ironischerweise sind diese Sozialbauten Hauptangriffsziele für Graffiti.

Die mechanische Produktion und das Ornament wurden als unvereinbar gesehen,

und so wurde die Einführung einer homogenisierten Massenproduktion,

insbesondere die Standardisierung von Gebäudeteilen, stark vorangetrieben.

Diese objektivistische und funktionalistische Logik lehnte so unter anderem die

Exklusivität der Künste, insbesondere die des "Expressionismus" ab. Da dieser sich

um individuelle Selbstverwirklichung und gegen einen Universalismus aussprach,

während die Moderne nach der Vereinigung aller Künste und KünstlerInnen

verlangte, um Kunst für den einfachen (Arbeiter-) Menschen zu machen und

nicht nur für die Bourgeoisie. In der Architektur wird dies durch einfache und

funktionale Gebäudetypen ablesbar, welche den kunstvoll und stark dekorierten

Stil der vorangegangenen Jahrhunderte ablösen. Das Versagen der brutalistischen

Architektur ist jedoch ein perfektes Beispiel dafür wie sich die modernistische

Architektur und Ideologie von der Arbeiterklasse, die sie eigentlich erreichen

wollte, entfremdet hat.

In der Vergangenheit stand das Ornament für selten und kostbar, während

der Moderne wurde es alltäglich und billig. Nun waren vielmehr unverzierte

Gegenstände selten und kostbar. Loos meinte, dass die heutigen, verzierten

Gegenstände sich so billig verkaufen würden, weil sie schlecht gemacht wären

und fehlerhafte Qualität und schlechtes Material hinter der Maske der Dekoration

verstecken würden: "Wertlose Gegenstände sind immer reich verziert, ein

wertvoller Gegenstand hingegen ist gut gemacht, ordentlich und sauber, rein und

gesund, seine Nacktheit zeugt von der Qualität des Herstellers (...)."

Oben: Pablo Bronstein, “Stage Design in the Style of Francisco Bibiena”

2005 (ink on paper) 20x30cm, courtesy Herald St. London

Was Loos und Le Corbusier jedoch nicht bedacht hatten war, dass wenn etwas so

fundamentales wie das Ornament unterdrückt wird, dann wird es als hybride Form

zurückkehren. Selbst in der brutalistischen Architektur ist die Oberflächenstruktur

abhängig von der Struktur der hölzernen Gussformen. Hier wird die Oberfläche

zum Ornament. Wenn wir nun also die Moderne rekonstruieren, so können wir

diese hybriden Formen des Ornaments im politischen und ästhetischen Diskurs

nicht ausser Acht lassen, zum Beispiel in religiösen Ritualen, folkloristischer

Kultur und anderen kulturellen Zwischenformen.

Alexander Petlura “Last Tango” 2004 C-Print (30 x 45cm)

Jim Isermann, Installationsansicht: Deitch Projects, NYC. 2005

Die KünstlerInnen in Brutal Ornamental nehmen unterschiedliche und oft konträre

Positionen zum (Post-) Modernen Diskurs und zu seinen Widersprüchlichkeiten

ein. Nicht alle KünstlerInnen setzen sich in ihren Arbeiten mit dem Ornament

auseinander. Vielmehr verbildlichen die Arbeiten die Unterdrückung des

Ornaments und die Rückkehr des Hybriden. Keine der Arbeiten kann als rein postminimalistisch,

post-konzeptionell oder expressionistisch gelesen werden.

Michael Hall (Übersetzung Ruby Sircar)

Künstlerinnen:

Nobuyoshi Araki, Gilbert Bretterbauer, Pablo Bronstein, Andreas Fogarasi, Jim

Isermann, Florian Morlat, Elisabeth Penker, Henrik Plenge Jakobsen, Arnulf

Rainer, Markus Selg und Francis Upritchard. Galerie Kosak Hall (Wien)


Nr. 09/2006

Buch XIV – EP positions ST/A/R 107

Links: Installationsnsicht: ”Brutal Ornamental“ Jim Isermann Elisabeth Penker,Gilbert Bretterbauerl Elisabeth Penker, 2005

Galerie Kosak Hall, Wien

unten: Elisabeth Penker, “De-Grammatical: Rhythm and Language Transformation” HTTP Gallery, London Mai 2005

curated by Tobi Maier

De-Grammatical

D e - G r a m m a t i c a l

Elisabeth Penker

For the past few years, Austrian artist Elisabeth

Penker has been exploring the spatial dynamics

that occur in the relation between objects and

sound. In her solo show at this not-for-profit space

consecrated to "technologically termed praxis," she

investigates rhythm and musicality by rearranging

phonetic units in a process inspired by First Nation

languages. With the multichannel sound installation

“Die Bildhauerin” (The Sculptor (fem.)), 2005,

the artist breaks the grammatical structure of the

title words into units, or "morphemes," which

become the basis of a minimal composition that

resonates in and shapes the surrounding space.

Backed by pre-recorded vocals and the echoing

sound of two stonemasons chiselling into a wall,

Penker's performance on the show's opening

night took place on Sonic Structure (portable

instrument), 2005, a geometric construction

vaguely resembling a keyboard, made of wood

and covered with industrial flooring. Any sounds

made on this structure are amplified by means of

a number of microphones set at different heights

that allow any performer to produce music with

wooden blocks and sandpaper. Having examined

Luigi Russolo's "Futurist Manifesto" of 1912 and,

in particular, his experiments with noise, Penker

successfully rephrases the old avant-garde formula

through an orchestra that, although organized with

instruments made of industrial materials, is able

to involve those forces embedded within the most

sophisticated sonic structure of all—linguistics.

—Diana Baldon (originally published Artforum,

June 2005)


Städteplanung / Architektur / Religion Buch XIV – EP positions

ST/A/R 109

Young ST/A/R Project:

Katja Strunz

Katja Strunz

Katja Strunz

1970 geboren, lebt in Berlin

Einzelausstellungen

2006 Galerie Giti Nourbakhsch, Berlin; Gavin Brown's enterprise, New York

Haus Esters, Krefeld; 2005„Ta Pedia Tou Pirea“, Art Statement, Art Basel, Basel;

2003 „Time of the season“, Modern Institute/ Doggerfisher, Edinburgh;

Els Hanappe Underground, Athen; „Land, Land!“, mit Rivane Neuenschwander, Helen Mirra,

Kunsthalle Basel, Basel; 2002 „Zeittraum“, Galerie Giti Nourbakhsch, Berlin;

2001Gavin Brown´s enterprise, New York; The Modern Institute, Glasgow

2000 Galerie Giti Nourbakhsch, Berlin; 1997 „country“, ehemaliges Offizierscasino, Karlsruhe


110 ST/A/R

Buch XIV – EP positions

Interview: Artist Ian Rosen and Art Critic Minoru Shimizu:

March 11 - March 27, 2006 (Tokyo) ( Tokyo)

Nr. 09/2006

Ian Rosen: My work consists, quite literally, of nothing. This

statement is meant to be understood as a simple statement of fact.

"Nothing" is meant in its common, vague sense, and the statement

itself is not intended as a subject for examination. My intent is to

explore a progressive alternative to post-conceptual practice.

With regards to the exhibition under discussion, please see attached

an installation view from my exhibition with Galerie Kosak Hall / the

Haus Wittgenstein. This image is meant to accompany critical text

written about the work.

A brief explanation... The image is originally from 1972, from a

book written by Berhard Leitner on the Haus Wittgenstein. It is

interesting to note that the image was digitally manipulated by Leitner

for reproduction - several elements were removed from the original

photograph in order that the image might better serve Leitner's

argument.

My use of the image as an installation view is in no way meant to

invoke appropriation. The image is reproduced as a straightforward

installation view of my exhibition with Galerie Kosak Hall. Additional

installation views of my exhibition exist and range in time period from

the 1970's through the early 1990's.

That this exhibition took place is based, in part, on an understanding

between myself and the gallery - the Haus Wittgenstein was not

involved in the process of exhibition organization; no formal

announcement was made, there was no exhibition schedule, opening

reception, etc..

Minoru Shimizu: Looking at your works, I would like to begin with

these lines of yours:

And my intent is to try to clarify what this progressive alternative

to post-conceptual practice can be. As you know there have been a

number of artists, especially photographers, who use so called 'found

photographs'. It is no novelty. Let us remind of many modernist

photographers who never wanted to intervene between the world

as it is and their photographs. To be 'nothing' is their ideal because

the ethic and authenticity of modern photography lay in capturing

the unembellished reality just as it is. The photographer had to be

as transparent and 'nothing' as possible, thus reducing any artistic

intention or manipulation to zero. Or we can think of contemporary

artists like Christian Boltanski, Fiona Tan, Thomas Ruff... and others

who use found photographs in order to express their artistic concepts.

I think you don't belong to these artists, but rather to those artists

who use found photographs in order to express 'nothing' and just to

present them as they are.One of these artists is Tacita Dean. Recently,

I incidentally read an interesting essay about Dean's work FLOH,

consisting of found photographs that Dean edited and reformed in

an artist-book. Regarding the method Dean uses in the book, and in

comparison to other artists who also use found photographs, George

Baker recapitulates as follows:

"In fact, returning to FLOH, we can now say a lot to clarify what Dean

was NOT doing.

She was not using found photographs to de-skill photography, nor was

she reflecting on the difference between family photographs and other

kinds of photographs. She was not appropriating formerly well-known

images to change their established signification, nor as she producing

an anthropological study. This was not an archive that claimed a false

documentary status, nor was it in any clear way a fictional enterprise

or an investigation of fiction. The photographs, in other words, were

not really found or presented for any immediate apparent ulterior

motives. 'What you see is what you see': they are just there, collected

in the book.(OCTOBER 114, p.102)"

I would formulate that Dean's work deals not with the found

photographs themselves, nor with any contexts or concepts outside of

them, but with how we look at them. What you see is what you see

--but What do you see when you see photographs? How do you see

when you find some photographs more interesting than others? What

are you doing when you see photographs?

Like the title of Szarkowski's famous book, 'Looking at Photographs'

is her theme. Besides, "found photograph" seems now to be a very

actual theme in contemporary art, in so far as a lot of publications and

exhibitions have appeared in these years one after another (Robert

Flynn Johnson ANONYMOUS - enigmatic images from unknown

photographers. 2004; Thomas Walther OTHER PICTURES, 2000;

SNAPSHOTS - the eye of the century. 2004 etc.)

Does your concern have anything to do with this theme of looking at

photographs? I have seen just three of your found photographs,

somewhat somber and taciturn, deserted scenes. What made you select

these photographs? What attracted you? How will you install them?

Ian Rosen: The images are not meant to be installed outside the

context of the present and possible future discussions about my work...

they are to appear, for the time being, exclusively in print or other

media; i.e., the internet, journals, etc...As stated in my first mail to

you, the images are meant to supplement critical text written about my

work.

To date, I have considered my work within a broader context than

that of the photographic, though as I have used found photography

it seems reasonable to consider my work within the context of a

discussion about photographic practice.

I am comfortable with stating that the present project may serve to

prompt consideration of the questions you mention : "What do you

see when you see photographs" and "What are you doing when you

see photographs?" . That said, I believe my use of found photography

to be vastly different from that of the artists you mention and that of

photo-conceptualists practicing in the past and present day.

At this point it may be useful to consider a few statements of fact

about the exhibition which prompted this discussion.

From my first mail to you : "That this exhibition took place is based

on an understanding between myself and the gallery ; no formal

announcement was made, there was no exhibition schedule, opening

reception, etc... " Following the understanding and agreement reached

between myself and the gallerist involved in the organization of

the exhibition, it was not in any way necessary to present one or a

series of images....As I was subsequently invited to participate in the

present project, I found myself considering how one would present

documentation of such an exhibition - a natural enough consideration

when working within the magazine format. Given my understanding

and knowledge of the use of photography within conceptual art

practice, it seemed, possibly, reasonable to use photographs to

document the exhibition. But this would only be interesting if such

use were to function in a radical manner; i.e., were to extend the

boundaries of what may considered photo-documentation.

I, too, take for granted the considerations mentioned by Baker in

OCTOBER; however my work differs from that of Dean's (and

Yuki Kimura's and other like artists) in so far as it bears an explicit

relationship to matters of fact outside the photograph itself. Where

my work is interesting, I believe in its assertion that photographs may

serve to document a practice which consists, quite literally, of nothing.

The Haus Wittgenstein images, as a group or individually, serve

to document the exhibition. In light of certain basic matters of fact

relating to the history of each image in relation to the exhibition itself,

I believe that I am putting forward a progressive understanding of

what photographic, and, more generally, art practice, may be.

I find the practice of Dean and the like to ultimately exist as so much

guilty pleasure and my work is intended to present a radical answer to

such practice.

Minoru Shimizu: Your action is comparable - not identical - to

Duchamp's, isn't it? You have found some photographs, as Duchamp

found some readymade objects.Then you declare that they are

documentation of your exhibition, as Duchamp declared that they

are to be regarded as artworks.The process of artistic presentation is

upset, for critical text and photographic documentation are prior to the

exhibition itself, which exists only negatively.

Hence: "That this exhibition took place is based on an understanding

between myself and the gallery ; no formal announcement was made,

there was no exhibition schedule, opening reception, etc... " [...] it

was not in any way necessary to present one or a series of

images.... and you wrote [...] it seemed, possibly, reasonable to

use photographs to document the exhibition. But this would only

be interesting if such use were to function in a radical manner;

i.e., were to extend the boundaries of what may be considered

photo-documentation. Photo-documentation is based on realism

that a photograph documents what existed in reality. An interesting

complication begins here. Photography was at the beginning no

artistic, no creative activity. It was just a documentation of reality

that was 'ready' there (but still not ready 'made' in so far as the

reality cannot fully be regarded- as human made). Photographic

documentation survives so long as we can believe that the

documented reality is simple and virgin, not manmade/readymade,

for, if so, then any photo-documentation would nothing but a

selection of readymades. You quit this belief. Your exhibition need

not take place in reality, and you use found photographs of which

authenticity one can never be sure (as one of your found photos

is already digitally manipulated). Thus, your found photographs

are completely readymades and it is understandable that you

are writing: I believe that I am putting forward a progressive

understanding of what photographic, and, more generally, art

practice, may be.

Now, I have a question: That you can use Wittgensteinhausimages

as photo-documentation of your exhibition is due to the

indexicality of photography. After Pierce a photograph is an index

sign which is a physical trace of something and it remains to be

the index sign even if this something is not known. Therefore, a

photograph can be of anything. A photo can be of Wittgensteinhaus

and of your exhibition. Duchamp realized that a readymade could

not be of arbitrary selection. 'Anything' can be a readymade object,

but for this 'any'-ness, a readymade needs specific qualities: perfect

indifference and neutrality. As you know, Duchamp paradoxically

manipulated some readymades in order to realize these qualities.

How about your works? 'Any' photograph can be a

found=readymade photograph, but for this 'any'-ness what is

needed? or not needed?

Ian Rosen: My intent is neither for this photographic

documentation to be understood as existing prior to the exhibition

[itself] nor for the exhibition to be understood as existing only

negatively.

The chosen images were-in fact- originally produced within

a relatively wide range of time. The previously mentioned

agreement between the gallery and myself was made in 2004. This

discussion is taking place now. These are some of the basic matters

of fact relating to the history of each image in relation to the

exhibition [and my practice] itself to which I refer in my previous

mail. And it is these facts, some of which I have previously stated

explicitly -in addition to other considerations- that served as the

basis for my image selection.

Rather than suggest that the images and the final form of this

text exist prior to the exhibition, I am proposing a more radical

understanding of what an exhibition and, by extension, critical text

and photographic-documentation may be.

Certain negative statements of fact; e.g., "there was no exhibition

schedule, opening reception, etc...", may contribute to such a

reading. Such a reading is, in any event, not unreasonable from the

outset; however, it is not my intent to present documentation of an

exhibition which did not take place in reality but, rather, to suggest

a possible reconsideration of what it might mean for an exhibition

to take place in reality. And again, to bring the discussion back to

the photographic, it would be fair to state that this may prompt a

reconsideration of what photo-documentation may be.

Minoru Shimizu: Thank you for that you have formulated your

intention clearly as: I am proposing a more radical understanding

of what an exhibition and, by extension, critical text and

photographic-documentation may be.

But I think that any presentation, any text and any photograph can

be regarded as an exhibition, a critical text and a photographic

documentation, only if you declare or give any sign of being

'exhibited', being a text 'on' X and a document 'of' X. These notions

escape any definition because they are of nominal character,

aren't they? I find the point very abstract and too general, so for

the moment I can see nothing to comment. it is rather my intent

to suggest a possible reconsideration of what it might mean for

an exhibition to take place in reality. And [...], it would be fair

to state that this may prompt a reconsideration of what photodocumentation

may be.

Are you suggesting your consideration would be in the line of

Jean Baudrillard's "The Gulf War did not take Place"? ' War' with

'Exhibition' replaced? If so, who would care? "The Iraq war did

not take place in reality" would be a provocative assertion that will

concern many people. But an art exhibition?

Let us suppose that for an exhibition one needs only a sign (for

example, a label with a title) that something is 'being exhibited',

and that the exhibition needs for its distribution and existence in

future (art history) some magazine articles, critical texts and visual

documentations.... What will you add?

Returning to your three photographs: the only concrete things.

You use them in order to document your exhibition, which will


Nr. 09/2006

Buch XIV – EP positions ST/A/R 111

exhibit just what may be constitutive for an exhibition. But how and in

which qualities are they showing what an exhibition is to be?

Ian Rosen: I intend for my exhibition to be understood as existing in

reality- existing in 1972 and 1989 and 1990, the years in which the

documentary photographs were taken. This is meant to suggest the

possibility of the exhibition existing at any time at all. In so far as

the conception of reality in which such a statement is understood as

valid is mine and in so far as this conception of reality runs counter,

I believe , to what would commonly be understood as simple and

virgin reality, I believe that it fits your description of the readymade...hence

the photo-documentation fits your description of readymade

as it serves to document a reality which would generally be

perceived of as conceived rather than obvious. I believe that this is an

analogous situation to the one presented in your reading of my work

in which an exhibition which need not exist is documented. In both

cases reality is complicated through the existence of photographic

documentation. I would suggest that the "any"-ness that is required

of some-thing to fit the description of a readymade is supplied, in

this case, by the photo-documentation's relationship to a conceived

of reality... this relationship between the photos and reality is made

explicit by the stated dates, their relationship to various apparently

empty places (and parts) within the Haus Wittgenstein and the stated

digital manipulation of one photo, all of which may serve to move

the found photographs into a more ready-made state. Your version of

reality-one in which my exhibition is to be understood as non-existing

is different from mine, but I do not think that this has much bearing

on whether or not the photo-documentation is to be conceived of as

readymade. As to what I mean by progressive practice, at least in this

instance, it seems as though we have agreed that I used photographic

documentation to extend the boundaries of what may be considered

photo-documentation.

Minoru Shimizu: In both cases reality is complicated through the

existence of photographic documentation.

As to what I mean by progressive practice at least in this instance,

it seems as though we have agreed that I used photographic

documentation to extend the boundaries of what may be considered

photo-documentation.

Now, one interesting characteristic of your found photos is that they

are almost lacking any exhibited objects. An empty room and empty

corridor -- We find nothing to behold. Maybe some would notice that

the room belongs to Wittgensteinhaus. They would think that you had

there a show, though in the photograph nothing is to be seen as any

artistic works. People would ask you : "What did you exhibit?" "In

what did your show consist?" How would you answer? By the way,

why don't you use more photographs to document 'your' exhibitions?

Ian Rosen: In answer to the question : "In what did your show

consist?", I would state "nothing". I would like to point out the many

difference between each found image ;e.g. I deliberately chose an

exterior, night view...And though I only sent you three images, I

have actually selected 5 images to serve as photo-documentation

of the exhibition. In the context of our discussion, I thought that 3

was enough...not too few and not too many...One of the remaining

images- which I will send you shortly- foregrounds a hand-rail in

the Wittgenstein Haus; my choice of a photograph which focuses

on an "object" was deliberate in that it may serve to complicate the

matter for a viewer who may be tempted by so much "emptiness" to

ask about the lack of objects... 5 is still a relatively small number of

images...I did not give this too much consideration...it simply seemed

like more than enough visual material. At this point, I do not intend to

use all 5 images to supplement this dialogue...

And if we are to follow the line of thought regarding the readymade

nature of the photo-documentation under discussion, then Duchamp's

words may also be relevant, "I realized very soon the danger of

repeating indiscriminately this form of expression and decided to limit

the production of "Readymades" to a small number..." I think that this

speaks more to my use of found-photographs in future projects than it

does to this one project; nevertheless...it does make sense to see this as

informing my choice of a small number of images...

Minoru Shimizu: In answer to the question : "In what did your show

consist?"I would state "nothing".

Night scene, exterior and an utility object -- your selection shows

clearly your intention to "nothing", that is to say, normally impossible

places (and object) for an exhibition. But how do you find if you

would state "My show consists in anything." The found photographs

are not arbitrary, they tend to 'nothing', but still you declare they are

documentations of an installation and the Wittgensteinhaus is not

nothing. What kind of role does this reference to Wittgensteinhaus

play in the exhibition of "nothing"? Is it important for your concept, or

rather facultative?

Duchamp's words may also be relevant, "I realized very soon the

danger of repeating indiscriminately this form of expression and

decided to limit the production of "Readymades" to a small number..."

I have thought of it, too. This was because of the principle of

readymade to be totally indifferent and neutral. Do you require the

same qualities of your found photographs?

Ian Rosen: As I said before, "nothing" is meant in a vague, literal sense. I do

not want to place much emphasis on the word itself, as to do so would make

its meaning a focus of this discussion and conceptualize things in a way I

am trying to avoid. Perhaps "anything" would do just fine...but I sense that

"nothing" works better.

As far as my use of the Witgenstein Haus is concerned, the gallerist with

whom I work is based in Vienna. I like idea of dis-placing things by having

the exhibition exist not only at / with the gallery but also at the Wittgenstein

Haus. Personal reasons aside (my fondness for Wittgenstein, my respect

for the space itself and ...) it seems that, if we are to follow the readymade

interpretation of my use of photo-documentation, that the associations that

come with the Haus may serve a similar function as text on a readymade...

in conjunction with the dates...etc...I am not particularly concerned with

what, exactly, these associations may be because, again, I do not intend to

conceptualize matters...

I have thought of it, too. This was because of the principle of readymade to

be totally indifferent and neutral. Do you require the same qualities of your

found photographs?

Maybe not of the photographs themselves but, perhaps, of my practice in

general. So...limiting the number of times I utilize found-photographs may

serve a purpose given the ready-made reading.

Minoru Shimizu: I like idea of dis-placing things by having the exhibition

exist not only at / with the gallery but also at the Wittgenstein Haus. It

seems that, if we are to follow the readymade interpretation of my use of

photo-documentation, that the associations that come with the Haus may

serve a similar function as text on a readymade...in conjunction with the

dates...etc.

Having read these lines I still find 'anything' more suitable to describe

your action. You are using found photographs that stand in some historical

and temporal contexts, and you displace them to a pesudo-documentary

function. They are brought not to nothing, but dislocated to outside of the

presumed contexts. Bringing something to nothing and displacing it to a

different thing are separate actions: annulation and dislocation. That is to

say, "The Gulf War took place in Hawaii" instead of "The Gulf War did not

take place". In difference to Duchampian readymades that will be of total

indifference and neutrality, also of undefinable nothing, your readymade

photographs will be something, which is fragmented and dislocated, thus

differing from the normal context. Duchamp suspends the question 'Is

this (i.e.a readymade object) art?' because a readymade object is made

to be nothing. You are trying to complicate the question 'Is this (i.e. your

installation) an exhibition?' because the readymade photographs do show

something, which show something different from our expectation.

Ian Rosen

Galerie Kosak Hall, Vienna

Installation view

Photograph: Berhard Leitner, Haus Wittgenstein, 1972

Photograph: Berhard Leitner, Haus Wittgenstein, 1999

Ian Rosen: I do not believe that what I am presenting is

pesudo-documentary. Given the readymade line of thought

in relation to what we allow a photo to be (via Pierce) it

seemed to me as though this move was possible - that we

were not dealing with the pseudo. Perhaps, in this case

neither pseudo nor actual is applicable...with regards to what

the photos are doing. if not, then perhaps things become

uninteresting....and too abstract to be of interest.

I am trying to engage rather than rely upon this nothing

which serves as the foundation of art practice postconceptual.

I believe that, in this instance, my use of found

photographs actually achieves this goal of engagement...

hence the fair designation of progressive to my work.

Minoru Shimizu: Given the readymade line of thought in

relation to whatwe allow a photo to be (via Pierce) it seemd

to me as though this move was possible - that we were not

dealing with the pseudo.

I agree with 'neither pseudo nor actual' quality - or strategy.

I had an impression too that the word 'pseudo' is not right in

the place. My use of found photographs actually achieves

this goal of engagement...hence the fair designation of

progressive to my work.

This goes without saying. And how do you find your works

in relation to Duchamp's readymades? In the last mail I have

tried to make out some differences. What would

you respond to them?

Ian Rosen: We think of the photos as readymades of

a readymade...which I think follows : Photographic

documentation survives so long as we can believe that the

documented reality is simple and virgin, not manmade/

readymade, for, if so, then any photo-documentation would

nothing but a selection of readymades. You quit this belief.

What does it mean to be a readymade at a remove? The

photos become the text on the exhibition as the text was on

the object in Duchamp. The exhibition, and more generally,

my practice, is meant to consist of nothing and perhaps the

photos help neutralize it in much the same way the additions

to objects helped neutralize them for Duchamp.

The focus again shifts to the exhibition itself but I do not

see this as trapping us in a discussion about wall text, etc...

Rather, we are left to deal with an exhibition / practice which

consists of nothing...

Conclusion 3/27/06

Ian Rosen, lives and works in Tokyo

Minuro Shimizu has written and edited monographs from

Wolfgang Tillmans, Gerhard Richter, James Welling. u.a.


112 ST/A/R

Buch XIV – EP positions

Nr. 09/2006

Henrik Plenge Jakobsen “Let them Eat Cake”

FLUC2

“Live/Not Live”

So. 9. April Start 20 Uhr

Black Flash, Colore Blind, Christian

Egger, Elisabeth Grübl, Peter Szely

www.fluc.at

GaLERIE KOSaK HaLL Wiedner Hauptstrasse 46 1040 Wien office@kosakhall.at

Galerie Kosak Hall Wiedner

Hauptstrasse

Wien office@kosakhall.at


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XV – ARCHITEKTUR ST/A/R 113

DER LEOPOLDSESSEL

DESIGN: HEIDULF GERNGROSS WERKSTATT WIEN MIT PAUL SPIEGELFELD

Foto: ST/A/R 2006

Der Leopoldsessel wurde für die

Neugestaltung der Büroräume des

Leopold Museums entworfen.

Er wird im Rahmen der VIENNAFAIR

von der Galerie Kosak Hall

ausgestellt.

Hergestellt wird der Sessel von

Braun Lockenhaus GmbH –

http://www.braunlockenhaus.at


114 ST/A/R

Buch XV – ARCHITEKTUR

Nr. 09/2006


Nr. 09/2006

Buch XV – ARCHITEKTUR ST/A/R 115

SPRECHEN ÜBER ARCHITEKTUR

ARCHITEKTURKONGRESS

Ein Symposion der Zentralvereinigung

der Architekten Österreichs

31.3.-2.4.2006 in den Prunkstallungen

im Unteren Belvedere in Wien

Planung und Gestaltung beschäftigen sich mit Wachstum – sei es im Gartenbau,

im Wohnbau, in der Neu- und Umgestaltung der Städte….

Welche gemeinsamen Perspektiven finden sich also zwischen Architektur und

Landschaftsgestaltung?

Inhalt und Programm dieser Veranstaltung war es, anhand von zeitgenössischen

Projekten internationaler Fachleute dieses grüne Feld der Symbiose und gegenseitiger

Ergänzung zu beleuchten. Es geht um die Ökologie der Stadt, wie um

die Architektur in der Landschaft.

„Gärten können Paradiese sein

was entspräche der Hölle?“, so Hans Hollein, Präsident der Zentralvereinigung

der Architekten Österreichs.

Ziel des Symposions war es, mit internationalen Architekten und Landschaftsarchitekten

wie z.B. Francine Houben( mecanoo, Delft, Walter Hood, Oakland,

USA, Stig Andersson, Kopenhagen Impulse für die lokale Szene zu

bringen. homepage www.ZV.Kongress. at

Die Tagung sollte dazu beitragen, neue Sichtweisen der Bedeutung der Landschaftsgestaltung

für die gebaute Architektur zu unterstreichen.

“Die zentrale Frage, der wir uns stellen müssen ist: Wie gehen wir mit dem

uns anvertrauten Lebensraum um. Ja, ich meine die Architektur und ich meine

die Architektur jenseits des umbauten Raumes - des Raumes dazwischen. Ich

glaube, dass die zentrale Herausforderung heute die Architektur des Zwischenraums

ist. Dieser Herausforderung stellen wir uns mit diesem Symposion”, so

Kunststaatssekretär Franz Morak zur Intention der Architekturtagung.

Gegenwärtige Tendenzen und das Erbe der Moderne zeigte Diego Villasenor

mit Arbeiten aus Mexiko, die das Erbe der Moderne berücksichtigen “under

LatinoAmerican light“.

Implantate und neue Nutzungen zeigte Lisa Switkin von „Field Operations“,

New York mit dem Projekt „High Line“ (Nachnutzung einer Stadtautobahn in

New York)

Kultureller Transfer : Der Berliner Landschaftsarchitekt algerischer Herkunft

Kamel Louafi wird dazu seine Projekte zwischen Berlin und Saudiarabien

zeigen.

Architektur als kubistische Landschaft am Stadtrand von Barcelona präsentieren

die Architekten Andreu Arriola und Carmen Fiol.

Maria Auböck und Janos Karasz wünschten für die Situation in Österreich, dass

mehr Impulse für das integrative Zusammenwirken der Plaungsdisziplinen

möglich werden :

„Gärten entfalten im Spannungsfeld zwischen Natürlichem und Artifiziellem

unseren Möglichkeitssinn! Ihr Wachstum bietet permanente Veränderung in

Tages-, Jahres- und Lebenszyklen. Freiräume sind eine Chance unsere Imagination

zu entfalten.“

GROW!

CURRENT TENDENCIES

IN ARCHITECTURE AND LANDSCAPE

MÄRZ 31 – APRIL 2_2006

EIN KATALOG ÜBER DIESEN KONGRESS ERSCHEINT 2006


Städteplanung / Architektur / Religion Buch XV – ARCHITEKTUR

ST/A/R 117

TIME DE LUX von Hofstetter Kurt – neue permanente Installation im medien.KUNSTLABOR / Kunsthaus Graz

time no time_01 – experimente am ereignishorizont

XXLux von Barbara Doser und Hofstetter Kurt – PARALLEL MEDIA – Experimentalvideo Uraufführung medien.KUNSTLABOR / DIAGONALE 06

TIME DE LUX: Eine serielle Installation von Monitoren – ein Fries „enstatischer Bewegtbilder“ als horizontale Zeitlinie an der Wand, deren Bilder sich fortwährend via Internet online mit der momentanen Morgen- und Abenddämmerung auf der Erde regenerieren. Die Rotation der

Erde, d.h. die Zeit bzw. die Änderung des Lichts am Ereignishorizont zwischen Tag und Nacht bestimmt ihre Bewegung. Die Bilderfahrung ist von der enstatischen Bewegung im Himmelsgeschehen geprägt. Im Gegensatz zu Video kann die Zeit parallel zum Bild vergehen, ähnlich wie

bei der Erfahrung eines Tafelbildes – ambient. Die Zeit der Wahrnehmung wird zur Wahrnehmung der Zeit. Niemand weiß was im nächsten Augenblick passiert. Hofstetter Kurt, 2006

XXLux: Ein Screening ekstatischer Momente, die bei der Bewegtbildgenerierung mittels Video Feedback Technologie am Ereignishorizont wahrnehmbarer Bild- und Klangwelten entstehen. Die Ekstase der Bewegung/Reizüberfl utung überfordert das menschliche Wahrnehmungsvermögen.

Die Bilderfahrung fällt in das inhaltliche Vakuum der Wahrnehmung und katapultiert den Betrachter in die Freiräume seiner Vorstellungen. Verdichtete Zeit leuchtet nach. PARALLEL MEDIA – Barbara Doser und Hofstetter Kurt, 2006

time no time_01: Eine Licht/Raum/Zeit Intervention die im Öffentlichkeitsprofi l des medien.KUNSTLABORS eine wichtige Kontur hinterlassen wird. Das medien.KUNSTLABOR als Laboritorium für aktuelle Medien arbeitet an einer Positionierung der Kunst im Zeitalter der

automatisierten Information. Gerade im Bereich der Kunst löst das Internet viele Forderungen die an die Medienkunst in der Zeit von 1985-1995 gestellt wurden, ein. Das Internet als dezentrales, interaktives, globales, transparentes und spartenübergreifendes Environment ist nicht

so leicht zu toppen. Unter diesen Voraussetzungen ist eine erforderliche Neupositionierung der Kunst keine leichte Aufgabe. Nur globale Konzepte wie bei Hofstetters Sunpendulum und dessen Folgeinstallationen wie TIME DE LUX können parallel zum Internet bestehen. Alternativen

können nur durch solche Perspektiven, die außerhalb des automatisierten Informationssystems stehen, erzeugt werden. Enstatische und ekstatische Endpunkte einer Bewegung wie im Projekt “time no time_01” von PARALLEL MEDIA – Barbara Doser und Hofstetter Kurt helfen uns

diese Position einzunehmen. Das medien.KUNSTLABOR bietet dadurch neben der kritischen Auseinandersetzung mit dem Internet auch einen Ansatz, die Medienkunst neu zu positionieren. Franz Xaver, medien.KUNSTLABOR / Kunsthaus Graz

www.sunpendulum.at/parallelmedia


118 ST/A/R

Buch XV – ARCHITEKTUR

Nr. 09/2006

„Dieses Projekt wird von der Europäischen Union,

von Bund und Land Kärnten kofinanziert“

H o l z b a u i n K ä r n t e n

Napoleonstadel

N A P O L E O N S T A D E L

proHolz Kärnten

Napoleonstadel – Kärntens Haus der Architektur

Holzbau in Kärnten II, die Fachpublikation vom Napoleonstadel – Kärntens Haus der Architektur und proHolz Kärnten, gibt Einblick in die Welt

des Holzbaus. Im Nachfolgewerk der erfolgreichen Publikation „Holzbau in Kärnten“ werden 31 Objekte aus dem öffentlichen und privaten

Holzbau illustriert und beschrieben.

Monika Unegg PR • Medien und Kommunikation • Millonigweg 2 • 9073 Klagenfurt • T +43 463 292450 • F +43 463 292451 • M+43 664 2436797 • unegg-pr@happynet.at


Nr. 09/2006

Buch XV – ARCHITEKTUR ST/A/R 119


120 ST/A/R

Buch XV – ARCHITEKTUR

Nr. 09/2006

Albert Mayr, “moving balcony” (bewegliche Skulptur), Brigittenau, 2005

jonnyhawaii@gmx.at


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XVI – 3 Jahre ST/A/R ST/A/R 121

3 Jahre ST/A/R –REVIEW

ST/A/R ist ein Zeitungspapier für den direkten kulturellen Diskurs

Wir beabsichtigen nicht, wie das bisher geschehen ist, wie das in der Regel der Fall und wie das immer die Sache

von Zeitungen war, eine Realität zu vermitteln, einen Blickwinkel, eine Interpretation, die Illusion von dem, das

es nicht gibt, zu erzeugen, sondern im Gegenteil: vor den Blicken einige Bilder erscheinen zu lassen, unzerstörbare,

unbestreitbare Bilder, die den Geist unmittelbar ansprechen. Alles, was der magnetischen Faszination des Visuellen

und der Sprache angehört und der augenblicklichen Jetztrealität in einen erweiterten architektonischen wie

atmosphärischen Raum zu setzen, als Gedankengebäude, durch das man hindurch schreitet wie durch Seiten eines

Buches – in einem Gedächtnisraum memorierend – als Erinnerungsspeicher der Gegenwart.

Thomas Redl

ST/A/R Städteplanung/

Architektur/Religion

Start Februar 2003 - Präsentation der ersten ST/A/R Zeitung / 40 Seiten / 15. April 2003, (Geburtstag von Gloria 15,

Sina 5) / Fest am Mozartplatz Wien zusammen mit der Galerie LacANDona // Juni 2003 / Herausgabe ST/A/R 02 /

64 Seiten / mit der Architekturprozession Wien Naschmarkt Mozartplatz/// Anfang Dezember 2003 - ST/A/R 03 /168

Seiten / großes Fest im Architekturzentrum Wien – Az W //// 1. Mai 2004 – ST/A/R 04 / mit 160 Seiten – Europa

Jetzt Performance im MAK mit 2000 Besuchern und 50 Künstlern aus Zentral- und Osteuropa ///// Oktober 2004 /

ST/A/R 05 / 144 Seiten, Präsentation in der Kunsthalle Wien Karlsplatz und Präsentation bei der Architektur Biennale

in Bukarest ////// April 2005 / ST/A/R 06 / 144 Seiten gezeigt und verteilt auf der ViennAfair /////// September

2005 / ST/A/R 07 / 176 Seiten / Präsentation im MOYA Wien //////// Dezember 2005 / ST/A/R 08 / 112 Seiten

/ präsentatiert im Künstlerhaus Wien im Zuge der Ausstellung Enzyklopädie der wahren Werte ///////// April 2006

/ 3 Jahre ST/A/R / ST/A/R Ausgabe 09 / Präsentation auf der Viennafair und Performance in der Kunsthalle Wien

project space Karlsplatz //////////

ST/A/R Städteplanung/Architektur/Religion gegründet von Heidulf Gerngross, Thomas Redl und Angelo Roventa.

Im fortwährenden Lärm fällt eine Sekunde zu Boden und plötzlich herrscht Stille und nichts mehr existiert.

T. Redl / 5.Januar 2003


122 ST/A/R

Buch XVI – 3 Jahre ST/A/R

Nr. 09/2006

Die Fläche ist die Algebra des Raumes, Heidulf Gerngross, 1 2 3 Raum, um 1990

Aus dem Katalog „wimmer cooper gerngross“,


Nr. 09/2006

Buch XVI – 3 Jahre ST/A/R ST/A/R 123

©Künstlerhaus Wien, 2001; ISBN 3-900926-10-7, siehe Sergej Volgin, Gerngrossarchitektur – Weltarchitektur, österreichischrussisches Zeug, Wien / St.Petersburg


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R

Thomas Redl, Druckerschwärze auf Zeitungspapier, 2006, 40 x 57,5 cm


126 ST/A/R

Buch XVI – 3 Jahre ST/A/R

Nr. 09/2006

METASCHMUCK von Oliver Roman

Foto: Andrea Bazcynski

Willpower 2001, Marmor und Flugzeugaluminium 45 cm

Vertrauenssame 2000,

Edelstahl und Pappmaché, ∅ 85cm

SIEBENHIRTEN: Pavillon HELICOPTER 2005, 9x9 m, Höhe 7m

Peno 2004, Eiche 200 x 43 x 43cm


Nr. 09/2006

Buch XVI – 3 Jahre ST/A/R ST/A/R 127

The stararchitects

Peter Eisenman (USA)

and Wolf D. Prix (AUT)

discuss the MAK’s

(museum of applied Art)

exhibitionprogramm on

the last ST/A/R-page.

Prototypen für die Containersiedlung „Karl-Marxhof 2“ von der Architektengruppe:

Roventa – Gerngross –Werkstatt Wien, Bericht im nächsten ST/AR

Containerhouses prototypes for the social housing project

„Karl-Marxhof 2“ designed by the architects:

Roventa – Gerngross –Werkstatt Wien, more nextw ST/AR


128 ST/A/R

Buch XVI – 3 Jahre ST/A/R

Nr. 09/2006

What next

Gregor Eichinger, Peter Noever, Walter van Beirendonck und Dirk van Saene. Vienna 2006 Photo © Annelies Oberdanner / courtesy: Myung-Il Song

WHAT

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MAK o muerte, there is no alternative. Wolf D. Prix

The most exciting program in the last 50 years! Peter Eisenman

MAK 2006 MAK VIENNA EXHIBITIONS BACK TO A. design now. austria ALEXANDER RODCHENKO. Spatial Constructions UKIYO-E RELOADED. The MAK Collection of Japanese Colored

Woodblock Prints … AFTER BINDER. Joseph Binder’s Influence on Graphic Design FIRST DESIGN AND FINAL OBJECT. Drawings by Viennese Gold and Silversmiths FRAGILE REMNANTS. Egyptian

Textiles of Late Antiquity and Early Islam YVES KLEIN. Air Architecture THE SOUL REMAINS THE SAME. Creating Spaces in the MAK MICROSTORIES AUSTRIA. Short Films by Austrian Media

Universities JENNY HOLZER. XX CHAPEAU! Dieter Roth: Sculptural Fingerwear CANTILEVER-CHAIRS. Architectural Manifesto and Material Experiment BERNHARD MÜNZENMAYER.

Transformations of the Göss Paraments TONE FINK. Textile PROTOTYPES — NEXT GENERATION. Industrial Design from Linz HERNAN DIAZ ALONSO. Xefirotarch SUSANNE HAMMER: SHORT

STORIES. Jewelry 1996–2006 A BOOK IN THE TRUE SENSE. Johannes Gachnang in his Role as a Publisher 100 BEST POSTERS 05. Germany Austria Switzerland HANDLE WITH CARE. Contemporary

Ceramics From Austria RE-PRESENTED. The MAK Ceramics Study Collection Elke Krystufek. LIQUID LOGIC. The Height of Knowledge and the Speed of Thought Josef Hoffmann Museum, Brtnice

– A joint branch of the Moravská galerie, Brno, and the MAK Vienna JOSEF HOFFMANN – CARLO SCARPA. On the Sublime in Architecture LECTURES CHANGING ARCHITECTURE as of January 2006 MAK

ACADEMY February/March 2006 EVENTS BLICKFANG 13.–15.10.2006 MAK DAY 26.10.2006 EVERY TUESDAY MAK NITE ©

MAK CENTER LOS ANGELES EXHIBITIONS SYMMETRY THE GEN(H)OME PROJECT EVENTS FINAL PROJECTS OF THE MAK CENTER ARTISTS AND ARCHITECTS-IN-RESIDENCE March and

August 2006 AUSTRIAN ELECTRONIC MUSIC CONCERT March and August 2006 MACKEY APARTMENTS RENOVATION OPENING May 2006 SOUND. AT THE SCHINDLER HOUSE 2006 24.06./29.07./25.08.2006

MAK ARCHITECTURE TOUR 15.10.2006 8TH ANNUAL MAK DAY 04.11.2006 MAK SALON Dates to be announced

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