ST:A:R_10

geraldkofler

Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R

Nr. 10/2006

pierre solages

du

04Z035665M – P.b.b. Verlagspostamt 1060 Wien • Adresse: 1060 Wien Capistrangasse 2/8 • office@star-wien.at • Europa € 3,00

Interview Pierre Soulages

AUTO ST/A/R

Literatur

Design

Aktuelle Architektur

Bildende Kunst

Art/Brut Center Gugging

economy class


ST/A/R PRINTMEDIUM WIEN 3,– Euro


2 Nr. 10/2006

Buch I – Sommer

ST/A/R

Prof. Klaus Weibel

Rede zum 3 Jahres Jubiläum von ST/A/R,

der Zeitung für Städteplanung Architektur Religion

am 8. April 2006 in der Kunsthalle am Karlsplatz, Wien

(Transkription)

_________

Sehr geehrter Staatssekretär Morak,

hochverehrte Exzellenzen,

lieber Heidulf Gerngross, lieber Thomas Redl

und das gesamte Herausgeberagglomerat

sehr verehrte Gäste,

liebe Freundinnen und Freunde:

HERAUSGEBERAGGLOMERAT

Thomas Redl – Künstler

David Staretz - AUTOST/A/R

Rudolf Gerngras - Waran

Dieter Sperl - Literatur

Wladimir Jaremenko Tolstoi - Generalsekretär der apostolischen Kirche

Valie Airport - Flugbegleiterin

Andreas Lindermayr - ST/A/R Tagebuch

Werkstatt Wien - immer dabei

Herbert Wulz - Datenkoordinator

Elisabeth Penker - EP positions

Angelo Roventa - PriesterArchitekt

heidulf gerngross - kleingeschrieben

gesegnet von Arsenik, Bischof von Wien

7 8 9

Vodoo Archiquant Hocker

Wie könnte man eine

Jubiläumsveranstaltung besser eröffnen

als mit dem mir nachhaltig in Erinnerung

gebliebenen Hörbucherlebnis von

Umberto Ecos »Das Foucaultsche Pendel«?

Umberto Eco lässt in seinem Roman seinen

Protagonisten mit einiger Emphase über

die Gedächtniskunst des Mittelalters

und der Renaissance sprechen. Es heißt

dort: »Das hier ist besser als das wahre

Gedächtnis, denn das wahre Gedächtnis

kann bestenfalls lernen, sich zu erinnern,

nicht aber zu vergessen.« Der Protagonist,

der in seiner ironischen Emphase die

Techniken der Gedächtniskunst, wie wir

sie seit Ciceros »De oratore II«, Quintilians

»Institutio oratoria, XI« und der Schrift

»Ad Herennium libri IV« kennen, in

»schnelle Bilder« kleidet, beendet seine

Rede auf die Gedächtniskunst mit einer

sehr sophistischen Bemerkung: »Es gibt

keine Technik des Vergessens, wir sind

immer noch bei den zufallsbestimmten

Naturprozessen: Gehirnverletzungen,

Amnesien, manuelle Improvisationen,

was weiß ich, eine Reise, der Alkohol, die

Schlafkur, der Selbstmord.«

Also wie könnten wir dich vergessen,

Heidulf, wie könnten wir deine

kompilierten Bücher, deine rhizomatischen

Zugangscodes, deine tausend Plateaus je

vergessen?

Wir wollen also die Frage Friedrich

Nietzsches »Wer spricht« aufgreifen und

auf ST/A/R anwenden. Michel Foucault

drückt es folgendermaßen aus: »Für

Nietzsche handelt es sich nicht darum,

was Gut oder Böse in sich seien, sondern

wer bezeichnet wurde oder vielmehr

wer sprach, als man, um sich selbst zu

bezeichnen, agathos sagte, und deilos,

um die anderen zu bezeichnen. Nämlich

in dem, der den Diskurs hält und noch

tiefer das Sprechen besitzt, versammelt

sich die ganze Sprache. Auf jene Frage

Nietzsches: Wer spricht? antwortet

Mallarmé und nimmt seine Antwort

immer wieder auf, indem er sagt, dass das,

was spricht, in seiner Einsamkeit, seiner

zerbrechlichen Vibration, in seinem Nichts

das Wort selbst ist, nicht die Bedeutung

des Wortes, sondern sein rätselhaftes und

prekäres Sein.« Genau dieses rätselhafte

und prekäre Sein des Phänomens, das

wir ST/A/R nennen, interessiert uns, das

unbezeichnete und unvoreingenommene

Sein in den deliriumsartigen Schleifen

und rhizomartigen Wachstumsschüben.

Herzlichen Glückwunsch hierzu.

In seinem berühmten Artikel »Avant-

Garde and Kitsch« aus dem Jahre 1939

vertritt Clement Greenberg die These – und

diese Haltung bringt ST/A/R nachhaltig

zum Ausdruck – , dass Kunst sich dem

Niedergang der Kultur durch Konsumismus

verweigern müsse. Greenberg sah Kitsch

und Konsumismus als Synonym und

Kunst und Kitsch als unvereinbar an. Er

holte gleichfalls zum Angriff auf den

Akademischen Kunstbetrieb aus, wenn er

davon sprach, dass Kitsch grundsätzlich

akademisch sei: »All kitsch is academic,

and conversely, all that is academic is

kitsch.« Während dieser Satz aus dem

Zusammenhang gegriffen, selbst für unsere

an allerlei Polemik gewöhnten Ohren,

problematisch zu sein scheint, wird er dann

einleuchtender, wenn wir erkennen, dass

Greenberg den akademischen Kunstbetrieb

des 19. Jahrhunderts im Auge hat und

dieser polemische Angriff dem ewigen

Konventionalismus und Lehrbetrieb mit

seinen Vorstellungen vom Erlernen der

Kunst galt. Man möchte Agnes Husslein –

»Musée d‘Orsay, Wien« – diesen Essay noch

einmal schenken und sich mit Greenberg

seufzend zurücklehnen: ein Museum für

Kitsch in Wien, endlich! Greenberg glaubte

daran, dass moderne Kunst einen kritischen

Kommentar zur Erfahrung mit und von

Welt beisteuern kann und sollte.

Dies verbindet ihn mit der negativen

Dialektik Theodor Adornos, der zu gleichem

Thema Ähnliches forderte. Nämlich: »Nach

Auschwitz könne man keine Gedichte mehr

schreiben.« Was beide meinen, ist, dass

Kunst immer eine aufgeklärte, kritische,

konstruktive wie dekonstruktive Haltung

gegenüber Gesellschaft spielen sollte.

Der alte Satz der Linken »Wo stehst, du

Kollege?« bekommt Bedeutung. Heidulf:

Unser Herz schlägt links!

Ich könnte Ihnen jetzt weiterhin

stundenlang launische Textversatzstücke

aus anderen Texten aneinander reihen,

indem ich die Namen austausche und sie

leicht umstelle. Das, was ich bisher erzählt

habe, stammt aus einem Aufsatz für eine

Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim

und gilt der Einführung eines befreundeten

Künstlers. Aber ich dachte, es passt ganz

schön. Doch ist zynisch, diese gängige

Methode auf jemanden wie Heidulf

Gerngross anzuwenden. Sie passt nicht, sie

ist nicht angemessen, sie ist unehrenhaft

und linkisch.

Als mich Frau Dr. Millner per e-Mail in

Shanghai erreichte und mir dann zwei

Tage später die Zeitung per FED-EX ins

Hotel schickte, stimmte ich umgehend

zu. Ich mag es, von China nach Europa

einzufliegen und entweder in Rom, Paris

oder Wien zu landen. Ich kenne Heidulf

Gerngross schon seit einigen Jahren vom

Sehen, wie man sich halt so kennt. Er war

mir nie unsympathisch, ich mochte ihn für

sein Chaos und seine Konfusion, aber so

richtig ernst habe ich ihn nie genommen

– zu deliriumsartig, zu chaotisch und zu

genial, zu schwierig für Bobos wie mich.

Manche von Ihnen werden sich an das

Buch von David Brooks erinnern. Wir sind

liberal, kreativ und reich. Wir haben eine

erstklassige Ausbildung, Erfolg im Beruf

und tragen den Luxus des Understatements

zur Schau. Wir verbinden den Wohlstand

und Karrierismus der Bourgeoisie mit der

Unkonventionalität und dem Idealismus des

Bohemians.

Ich stand also in meinem Zimmer des Peace

Hotels, über dem pulsierenden Bund, der

spektakulären Uferpromenade Pushis,

Shanghai, und blickte auf Pudong. Ich

rauchte einer der kubanischen Zigarren,

die mir Chris, ein Mädchen, ins Zimmer

gebracht hatte. Kurz bevor sie sich

verabschiedete, steckte ich mir eine dieser

Zigarren an. Ich dachte, ich lese nicht

richtig: Guantanamorino. Ich fragte Chris,

ob sie wisse, was Guantanamo sei? Sie

war bestürzt, fragte, ob sie etwa nicht

schmeckten, es wären kubanische, sehr

gute kubanische, sie hätte mir eine Freude

machen wollen. Ich ließ es – nicht ohne

mich lächelnd bei ihr zu bedanken und

meine Schuld zu begleichen. Jetzt stand ich

also vor dem Fenster, paffte eine Zigarre

aus Guantanamo und dachte an Alexandra

Millner, an Heidulf Gerngross und an ST/A/

R. If you can trust a stranger, follow me!

Lou Reed besingt es einmal für New

York: »You can‘t see any stars in the New

York sky, they are all on the ground.« In

Shanghai sieht man keine Sterne, selbst

wenn nach ein Uhr nachts die Lichter

Pudongs ausgehen. Ich beobachte, wie ein

beleuchtetes Kreuzfahrtschiff am Bund

anlegt. Ich sehe, wie die Passagiere der

»Silver Shadow« das Schiff verlassen – wie

sie den Bund überqueren und in die Lichter

der Nanjing Lu, Shanghais kilometerlange

Shopping-Meile, eintauchen und sich dann

abrupt in der Menschenmenge verlieren.

Schon vor hundert Jahren, als Franzosen,

Briten und Amerikaner im kolonialen

Shanghai das Sagen hatten, galt die

Nanjing Lu als Mischung aus Broadway und

Oxford Street. In den Straßen flaniert eine

gestylte Schickeria, neureiche Chinesinnen

führen tagsüber beim Shopping ihre edle

Designergaderobe aus. Die Kleidung ist

europäisch, das Essen ist chinesisch. Wenn

Sie so lange in China sind, suchen Sie die

Enklaven der Amerikaner im Ritz oder im

Restaurant Element Fresh.

Wenn ich meine China-Eindrücke vor dem

Hintergrund meiner aktuellen Erfahrungen

bedenke, was könnte es für hier und jetzt

bedeuten? Städtebau, in einer Form,

die selbst die kühnen Studien eines Rem

Kohlhaas konservativ erscheinen lassen.

Ich denke an die endlosen Taxifahrten auf

den Autobahnen durch die Stadtlandschaft.

Hier hat man augenscheinlich »Blade

Runner« in der Realität verbaut, mit den

farbig unterstrahlten Autobahntrassen.

»Blade Runner«, erinnerte ich mich,

gilt in vielfacher Weise als Blaupause

für zentrale Aspekte des Großstadt-,

Moderne- beziehungsweise Postmoderne-

Diskurses der letzten zwanzig Jahre. Die

Intimität der Straße, die sich einstellt, wenn

Harrison Ford seinen rituellen Asien-Snack

einnimmt, trifft auf kühne Entwürfe der

Stadtarchitektur. Das Thema »Erinnern«

trifft auf die Frage nach dem künstlichen

Menschen. Vermüllung und Labyrinthisches

treffen auf Erlösungsphantasien und

Gefühlsirritationen. Das Zeichenhafte

der Stadt trifft auf organische Formen

der Architektur. Ich sehe auf den Jin Mao

Tower, wie er – trotz der Fluglichter im

Nebel – seine Spitze in den Wolken verbirgt.

– Religion? Mit großem Erstaunen hatte ich

mit einem Journalisten gesprochen, der mir

unaufgefordert mitteilte, er sei Katholik.

Was bedeutet dies, er sei gläubig und ginge

zur Kirche und die Menschen in Shanghai

würden eben nicht, wie westliche Medien

dies schilderten, zum Gott des Reichtums

beten. Seltsam. »Just be rich« hieß eine

Ausstellung von Kristian Hornsleth.

Seltsame Koinzidenz, manche von Ihnen

werden wissen, was ich meine.

Ich hatte vor einigen Tagen in Beijing mit

einer bezaubernden Sängerin mittags

Nudeln gegessen, zu denen sie mich

einlud, weil ich mal wieder kein Geld

in den Taschen hatte. Wir hatten uns

über ihre Reisen durch Afrika und ihre

anstehende Reise von Tibet bis Pakistan

unterhalten. Wir unterhielten uns auch

über Zhou Xuan, eine legendäre Sängerin

und Schauspielerin, die 1957 mit 37 Jahren

starb und bis heute zu den Kultstars Chinas

gehört. Der Film »Street Angel« von 1937

war einer ihrer frühen großen Erfolge. In

diesem Film singt sie die beiden bis heute

sehr populären Songs »Wandering Singing

Girl« and »Song of the Four Seasons«. Bis

1949 hatte sie bereits über 200 Platten

aufgenommen. Viele von Ihnen werden

sich an den Soundtrack von »In the Mood

for Love« erinnern, dort gibt es ein Lied

von ihr, das durch den Film noch einmal die

Herzen der internationalen Kulturliebhaber

erreichte.

Meine Zigarre glomm ihrem Ende entgegen

und ich hatte an vieles gedacht, aber

nicht an die eigentliche Rede. Vielleicht,

weil Shanghai so überwältigend war,

dass man sich ständig lost in time and

space fühlte, und weil ich beschlossen

hatte, mich diesem ständigen Energiefluss

vollständig auszuliefern. In China besagt

ein Sprichwort: Du musst immer in acht

Richtungen gleichzeitig gehen. Ich dachte

an Heidulf Gerngross, machte mir eine

Notiz und zog mich an. Ich verließ das

Hotelzimmer und ordnete meine Gedanken

– neu, hoffnungslos, planlos, grenzenlos.

Jetzt bekomme ich das Zeichen zum

Aufhören, das ich eigentlich vorhin

erwartet hatte. Ich hoffe, ich habe Sie nicht

allzu sehr gelangweilt. Vielleicht noch ein

letztes akademisches Bonmot:

»Erinnern und Speichern kann nicht

grenzenlos funktionieren. Ist die Kapazität

erreicht, der Speicher des Gehirns oder des

Rechners überfüllt, befreit sich bekanntlich

das Gedächtnis von Mensch und Maschine

von Überflüssigem. Erinnern ohne

Vergessen macht das Leben unmöglich, so

Nietzsche in seiner Frühschrift ›Vom Nutzen

und Nachteil der Historie für das Leben‹,

aber er wusste auch, dass das Gedächtnis

sich dem Willen zu vergessen nicht beugt,

denn gerade, was nicht aufhört weh zu

tun, bleibt in Erinnerung. Im griechischen

Mythos fanden die Menschen Erlösung von

quälenden Erinnerungen in der Lethe, dem

Fluss des Vergessens, und im bedeutendsten

Tempel des antiken Athen stand ein Altar

des Vergessens. Die Erleichterung des

Gedächtnisses galt als göttliche Kunst, wie

sie noch im Aphorismus Nietzsches fortlebt:

Wirf dein Schweres in die Tiefe! Mensch

vergiss, Mensch vergiss! Göttlich ist des

Vergessens Kunst!«

Bevor ich es vergesse, meine Damen und

Herren, der Archiquant! Ob Dreieck,

Würfel, Archiquant oder Kreis, ob eckig,

rund oder oval: Formen erkennen und

unterscheiden für Kinder ab einem Jahr.

Heidulf wird Sie im Anschluss darüber

ausführlich informieren. Nur so viel: Was

Umberto Eco über das Kunstwerk sagt,

würde ich gerne auf den Archiquanten

übertragen: »In diesem Sinne also ist

das Kunstwerk [der Archiquant], eine

in ihrer Perfektion eines vollkommen

ausgewogenen Organismus vollendete und

geschlossene Form, doch auch offen,

kann auf tausend verschiedene Arten

interpretiert werden, ohne dass eine

irreproduzible Einmaligkeit des Phänomens

davon angetastet würde. Jede Rezeption ist

so eine Interpretation und eine Realisation,

da bei jeder Rezeption das Werk in einer

originellen Perspektive neu auflebt.«

Verwendete Literatur:

Umberto Eco. Das Foucaultsche Pendel.

München: Hanser 1989.

Michel Foucault. Die Ordnung der Dinge.

Frankfurt am Main: Suhrkamp 1971.

Barbara Straka: Auf der Suche nach der

verlorenen Zeit oder:Blick zurück nach

vorn? Art of Memory in der finnischen

Kunst Ende der 90er Jahre. http://www.

artists.fi/triennial2/straka2.htm


ST/A/R

Buch I – Sommer

Nr. 10/2006 3

ST/A/R 10

Sommer 2006

Sommerloch

Städteplanung / Hitze / Realität

Die Erde trauert unter dem Asphalt

35 Grad Durchschnittstemperatur / Ozonbelastung in Europas Städten / in Dresden trocknet die Elbe aus /

an der italienischen Adriaküste misst das Wasser 28 Grad / in New York brennt der Asphalt / Hitzestau / Wien

hat zu wenig Bäume / das Kapital pflanzt keine Bäume, baut keine Brunnen / die Politik macht Sommerfrische

und/oder sitzt in klimatisierten Räumen / manch einer aus der Politelite begibt sich zur zwanglosen

Unterhaltung auf Jachten und lächelt permanent / in den Büros, in denen aufgrund des wirtschaftlichen

Druckes durchgearbeitet wird, leiden die arbeitenden Menschen / und der Transit wird nicht reduziert,

die CO 2-Emission nicht verringert //

Wann reagiert man auf die akute Situation? / Wenn Spanien zur Wüstenlandschaft wird und das Mittelmeer

konstant Badewannentemperatur hat? / Der Umgang mit der Erde und die Einstellung zu ihr wird wesentlich

werden für die Möglichkeiten und Gestaltung unserer Zukunft. ///

Gerade wird in einer Werbekampagne Österreich neu erfunden, und dieses Österreich gehört den Frauen oder

genauer formuliert einem Medienkonzern / eine neue Zeitung, die im Titel impliziert, dass sie Österreich

repräsentiert und verkörpert, trifft damit die Aussage, dass alle bisherigen Printmedien Österreich nicht

darstellen / ST/A/R existiert unbeirrt weiter und ist ein medialer Raum des kulturellen Energiefeldes Österreich /

denn nicht alles, was auf Werbeplakaten postuliert wird, hat einen Bezug zur Realität /

ST/A/R wünscht Österreich alles Gute. ////

Diese Nummer ist wie gewohnt ein Gang durch Kunst, Kultur, Architektur, Stadtleben, Betrachtungen

zur Mobilität, Literatur, Jugendkultur, Landleben – ein besonderer Moment war die Begegnung und das

Interview mit Pierre Soulages, einem der wesentlichen Vertreter der klassischen abstrakten Malerei aus

Frankreich, hier in Wien – während des Interviews entstand auch das Coverfoto.

In naher Zukunft wird es eine Kooperation von ST/A/R mit fritz-kola (Hamburg), dem europäischen

Gegenstück zu CocaCola, geben. ST/A/R wird zukünftig in allen Lokalen, in denen fritz-kola serviert wird,

als Lektüre zur Verfügung stehen. Wir starten ab Oktober in Berlin und Hamburg.

Dieser Nummer ist eine Sonderausgabe über die Vorarlberger Architekturszene beigelegt (48 Seiten in

S/W), entstanden in Kooperation mit dem Vorarlberger Architektur Institut.

Thomas Redl, Wien, 07/08/2006

„Die Wunder sind da, in den Momenten, wo wir nicht verschüttet sind.“

Thomas Redl 2005

Andrea Baczynski Bund Shanghai, 2006


ST/A/R Buch I – Sommer Nr. 10/2006 5

ST/A/R HUMAN Architekturpreisverleihung auf der Strosiz im Juni 2006

H

Die ST/A/R HUMAN Skulpturen wurden von

Atelier Kerbler Modellbau in der berühmten

Kerblerpräzison hergestellt.

www.arch-model.at

U

M

AN

I´m not a women

I´m not a man

I´m a human

EP positions

Konrad Frey, 2005 Robert Pretsch, 2004

Solardusche, Strosiz

Kapelle Anna und Jakob

Langenwang, Steiermark

Die das Fest betreuenden Förster:

Max Hochreiter und

Harald Angerer, mit ihren Familien

Fotos © 2006, Gerry Kofler


6 Nr. 10/2006

Buch I – Sommer

ST/A/R


ST/A/R

Buch I – Sommer

Nr. 10/2006 7

LEOPOLD MUSEUM mit 350.000 Jahresbesuchern weiterhin Nr. 1

im Wiener MuseumsQuartier

ein entwurf der st/A/R Art Direktionn


Buch I – Sommer

ST/A/R

8 Nr. 10/2006

Inhaltsangabe

Buch 01 -

Sommer,

Seite 1–8

ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Interview Pierre Soulages

AUTO S/T/A/R

Literatur

Design

Aktuelle Architektur

Bildende Kunst

Art/Brut Center Gugging

economy class

04Z035665M – P.b.b. Verlagspostamt 1060 Wien • Adresse: 1060 Wien Capistrangasse 2/8 • office@star-wien.at • Europa € 3,00

3,– Euro

ST/A/R PRINTMEDIUM WIEN


pierre solages

Nr. 10/2006

du

Buch 02 -

Leben,

Seite 9–16

17

Buch II – Leben

ST/A/R Nr. 10/2006

T homas Redl: Zu Beginn etwas aus

ihrer Biographie, Herr Soulages.

Sie haben 1948 am Salon des Réalités

Nouvelles teilgenommen und an der

Wanderausstellung Große Ausstellung

französischer abstrakter Malerei in

Deutschland ...

Pierre Soulages: Im Salon des Réalités

Nouvelles wollte ich anfangs nicht

ausstellen, weil es vor allem ein Salon

der Geometrischen Abstraktion war. Ich

habe mich aber dann trotzdem beteiligt,

weil es sehr sympathische Leute waren,

die mich darum gebeten haben. Und

bei diesem Salon hat Dr. Domnick aus

Stuttgart 7 oder 8 Maler für die Große

Ausstellung französischer abstrakter

Malerei eingeladen. Für das Plakat

der Ausstellung wurde eines meiner

Bilder ausgewählt. Von den geladenen

Künstlern war ich der Jüngste, da waren

noch Kupka, Doméla, Herbin, Hartung,

Schneider, Francis Bott - Kupka wäre

heute 140 Jahre alt. Meine Kamaraden

aus der Galerie waren Hartung und

Schneider - Schneider wäre jetzt 110

Jahre alt. Ich erinnere mich, dass

mehrere Künstler, darunter Francis Bott

zum Beispiel, zu Domnick gesagt haben:

„Du kannst doch nicht einen so jungen

Künstler nehmen.“ Ich war 27, und nach

dem Krieg war 27 nicht viel, weil dieser

uns ja einige Jahre gekostet hat.

T. R.: Wie war die Stimmung zu dieser

Zeit, welche Strömungen gab es?

P. S.: Zu dieser Zeit gab es alle

möglichen, verschiedenen Strömungen

in Paris. Es gab die figurativen Maler,

die engagierten Maler, wobei ich jene

meine, die von der kommunistischen

Partei unterstützt wurden, eben sehr

politisierte Maler. Dann gab es die

Surrealisten, die in ganz Amerika

bekannt waren, und auch die Abstrakten

Geometrischen. Man sprach nicht viel

von den Abstrakten Geometrischen,

sie waren ein bisschen im Schatten zu

diesem Zeitpunkt. Und da gab es auch

noch die Ecole de Paris. Man erfand den

Begriff ‚Ecole de Paris‘, um ausländischen

Künstlern zu ermöglichen, mit

französischen gemeinsam auszustellen,

mit französischen Malern wie Chagall,

Soutine, Modigliani, Picasso, Juan Gris,

Matisse, Fernand Léger, Bonnard. Man

wollte ja nicht ‚französische Malerei‘ oder

‚Pariser Maler‘ sagen. Und außerdem

denken die Franzosen nicht so, in

Frankreich sind die Museen prinzipiell

für jeden offen, egal ob Ausländer oder

Franzose. Nur in Amerika ist es so, dass

Museen für Inländer reserviert sind, in

Washington wie auch in New York. In

Frankreich waren sie glücklicherweise

immer offen. Also entwarf man das

Konzept der Ecole de Paris. Und mit der

Zeit entwickelten Maler wie Bazaine,

Manessier, Pignon einen Stil, der

aus einer kubistischen, fauvistischen

Tradition erwuchs. Die Maler in der

von Dr. Domnick ausgesuchten Gruppe

kamen nicht aus der Tradition der

Ecole de Paris. Wir waren anders, wir

kamen auch nicht aus der Tradition der

Geometrischen Abstraktion, aus der Zeit

Kreis/Viereck oder Abstraktion/Kreation,

die große Bewegungen vor dem Krieg

waren. Wir waren anders und wurden

ziemlich ignoriert, zu diesem Zeitpunkt

noch nicht sichtbar, aber wir waren Teil

der Abstraktion. Und diese Ausstellung,

die durch Deutschland gewandert ist,

war wichtig für die Deutschen und auch

für uns, weil wir gezeigt haben, was

in der ganzen Periode passiert ist, die

durch den Nationalsozialismus verdeckt

worden war. Kurze Zeit nach dieser

Ausstellung war ich dann Mitglied einer

Gruppe, die ZEN49 hieß.

T. R.: Es hat ja zu Beginn der 50er Jahre

dann auch Kontakte zur Österreichischen

Avantgarde gegeben, also zu Markus

Prachensky, Arnulf Rainer, Monsignore

Otto Mauer.

P. S.: 1953, also 5 Jahre nach der

Wanderausstellung in Deutschland,

bekam ich einen Telefonanruf eines

Herrn Monsignore Otto Mauer, der

mich fragte, ob er mit 3 jungen Künstlern

mein Atelier besuchen könnte, und

das waren Rainer, Prachensky und

Hundertwasser. Ich glaube, sie sind ein

Jahr später, 1954, wiedergekommen,

wieder mit dem Bischof oder Erzbischof

von Wien oder so.

T. R.: In weiterer Folge gelangte ihre

Kunst auch nach Amerika, und sie

lernten die Künstler Kline, Motherwell,

de Kooning, Rothko kennen. Sie hatten

auch 1954 ihre erste Einzelausstellung

in Amerika.

P. S.: Ja, aber ich stellte schon 1949 in

Amerika aus, in der Galerie Betty Parson,

und die Ausstellung hieß Painted in

49. Kline war zu diesem Zeitpunkt

ein figurativer Maler, ganz und gar

nicht abstrakt. Die amerikanischen

Künstler haben alle diese Ausstellung

gesehen, an der 5 französische Maler

beteiligt waren, unter anderem Vasarely,

Hartung, Schneider. Von diesem

Augenblick an hatte ich Kontakte zu

amerikanischen Händlern, und es

folgten auch weitere Ausstellungen,

die in Amerika zirkulierten. In Paris

kannte man damals die amerikanischen

Maler nicht, erst später. Ab 1953/54

hatte ich eine Galerie in New York,

die Galerie Kootz, die sich sehr aktiv

um mich gekümmert hat. Ich habe in

dieser Galerie 12 Jahre lang ausgestellt.

1957 war ich das erste Mal in Amerika

und habe de Kooning, Motherwell und

die meisten der amerikanischen Maler

persönlich kennen gelernt, nur Pollock

nicht, der war schon tot, den konnte

ich nicht treffen. Einmal war ich sehr

erstaunt. Ich sprach mit de Kooning

und sagte zu ihm: „Du musst eine Reise

nach Paris machen.“ Und der sagte

zu mir: „Ich kann nicht. Ich bin kein

Amerikaner, ich habe keine Papiere, ich

bin staatenlos.“

T. R.: Zu Rothko hatten sie lange

Kontakt, und es entwickelte sich auch

eine Freundschaft.

P. S. Ich kann ihnen erzählen, wie ich

Rothko kennen gelernt habe, nämlich

auf einer Party, die der damalige

Konservator des Museum of Modern

Art, für mich gegeben hat. Die meisten

amerikanischen Maler waren anwesend,

und sie waren sehr erstaunt, dass ich

eher groß und kräftig bin. Franzosen

sind ja Zwerge. Wir hatten uns zuerst

nichts zu sagen, und nach 10 Minuten

oder einer viertel Stunde haben wir zu

reden begonnen, und sie haben zu mir

gesagt: „Sie könnten American Football

spielen.“ Daraufhin habe ich geantwortet:

„Nein, ich bin Rugbyspieler.“ Zu dieser

Zeit war ich auch Rugbyspieler. Auch

das verblüffte sie, weil Europa für sie

ein Ort der kultivierten, verfeinerten

Menschen war. Und sie selbst sahen

sich im Gegensatz dazu als stark und

kräftig, sie praktizierten den Kult der

Virilität. Diese Unsinnigkeiten dauerten

ungefähr eine viertel Stunde. Und dann,

Rothko, er saß in einem Sofasessel und

fing mit sonorer Stimme zu sprechen

an, und er sagte: „Ah, Europa. Europa,

das ist ein Alptraum. Ich habe eure

Museen gesehen, wo Männer mit

Nägeln in blutenden Händen gezeigt

werden. Ich habe blutende Männer

gesehen mit Dornenkronen. Ich habe

Männer gesehen mit Pfeilen überall

und Blut. Ich habe Frauen gesehen,

die abgeschnittene Köpfe auf Tabletts

tragen, und überall Blut, das fließt.

Europa, was für ein Alptraum, die

Konzentrationslager, die Gaskammern,

die Krematorien. Europa, das ist ein

Alptraum.“ Und ich, ich fühlte mich als

Europäer angegriffen. Dann hat er etwas

hinzugefügt, was mir gefallen hat: „Was

ich mag, ist das Vogelgezwitscher.“ Und

ich habe geantwortet: „Ich war noch

nicht in allen amerikanischen Museen,

aber ich habe in euren Museen, im

Metropolitan zum Beispiel, Männer mit

Licht, das vom Bild

zu dir kommt

Also was ist ein

Kunstwerk? Es ist ein

Objekt, geschaffen von

einem Menschen, das

fähig ist zu zeigen, was

investiert wurde

Interview mit Pierre Soulages

Buch 03 -

Europa,

Seite 17–24

17

Buch III – Europa

ST/A/R Nr. 10/2006

+ die architektur des würfels

Vortrag, anlässlich der Vernissage des f.e.a.-Würfels

(f.e.a. = forum experimentelle architektur)

Als einfachste Form der dritten Gegenstandsdimension entsteht aus dem

zweidimensionalen Quadrat der dreidimensionale Würfel, lateinisch

Kubus.

Das Verhältnis Oberfläche zu Volumen ist umso besser, je größer der

Würfel ist.

Bei 10-facher Kantenlänge ergibt sich ein 10-fach besseres

Verhältnis.

Bei Gebäuden heisst dies, eine wesentlich bessere

Energieeffizienz.

Seine Ungerichtetheit lässt den Kubus stabil wirken, er ruht

sicher und erhaben auf dem Boden.

Aus diesem Grund wurden immer wieder

Befestigungsanlagen aber auch Grabmäler mit kubischer

Form errichtet.

Wie etwa in Buchara, Usbekistan, das Tor zur Zitadelle

und das Samaniden-Mausoleum.

Aus dem Lösboden gegraben, bestimmen Innenhöfe

eine Bauern-Siedlung in der Nähe von Tonguan in

China.

L-förmige Treppen führen entlang der Hofwände nach

unten, in die Atrium-Wohnungen.

Oben sind Äcker und Wiesen.

Vom Flugzeug aus gesehen wirken die leeren

Volumen in der ebenen Landschaft als kubische

Negativform.

Erhabenheit sugerierende Atribute passen

natürlich auch gut für Kunstbehältnisse, wie hier

im Museumsquartier das Leopold Museum oder

während der Schweizer Expo.02 der Monolith von

Jean Nouvel.

Dieser befand sich während der Landesausstellung auf dem Murtensee, 200m vom Hafen Murten entfernt.

Mit seiner idealen, rostigen Würfelform von 34m Seitenlänge, stand er für die

ausserhalb der Zeit liegende Welt der

Ideen.

Vom Ufer abgesondert und rostig, zeugte er gleichzeitig von der Vergänglichkeit und dem Zerfall der materiellen Welt.

In seinem Inneren wurden drei Panoramen kombiniert:

Hier wurde mit dem bewegten, computergesteuerten Rundbild der Gegenwart, dem historischen Schlachtenbild und dem

inszenierten Rundblick auf die Stadt Geschichte und Fiktion, Zeit und Wahrnehmung in Frage gestellt.

[Martin Tschanz,

Neue Zürcher Zeitung, 13.05.2002

Der Kubus war auch ein wesentlicher Teil der Formensprache von Louis Kahn.

Die freistehende Bibliothek von Exeter in New Hampshire

wirkt durch ihre gewollte Elementarhaftigkeit, die eine zeitlose Gültigkeit verkörpert.

Der Ziegel-Kubus, von einem gleichmäßigen Fensterraster durchbrochen, betont die Massivität des Bauwerkes.

Die zentrale Halle wird von den mit eingeschriebenen Kreisöffnungen durchbrochenen Beton-Seitenflächen eines Würfels

gebildet.

Durch diese riesigen Kreisöffnungen fällt der Blick auf die Holzbrüstungen der Geschoße.

Das Bauwerk kommt in seiner Erscheinung als Volumen zur Geltung.

Zwei leicht zueinander gedrehte Holzkuben, auf unverrückbar im Hang verankerten Sockeln aus Bruchstein, bilden Kahns Haus für

die Familie Norman Fisher, in Hatboro, Pennsylvania.

Sicherheit gebend und keinem Stil verpflichtet, stehen sie als Artefakt der Landschaft gegenüber, zu der über große Eckfenster

der Bezug hergestellt wird. In Rotterdam schaffte Piet Bloom mit seinen auf die Spitzen gestellten, als Pfahlbauten errichteten

Wohnwürfeln eine Touristenattraktion.

Diese Art den Würfeltypus zu verwenden fand jedoch keine Nachahmer.

Sol LeWitt

gestaltete Kunstwerke durch die mehrmalige Verwendung gleicher Einheiten mit standardisierten Dimensionen in absoluter

Symmetrie. Als Pionier der konzeptionellen Kunst, fertigte er würfelförmige Leerräume, die durch schlanke Aluminiumkonturen

definiert werden.

Ein würfelförmige Leerraum

ist auch der den Innenraum erweiternde f.e.a.-Würfel:

eine filigrane, kubische Konstruktion, flexibel mit wechselnder Erscheinungsform und spannenden Schattenwurf

soll durch wechselnde Bespielung von Künstlerinnen und Künstlern, Architektinnen und Architekten, mit Bedeutung gefüllt werden.

ST/A/R zu Besuch im f.e.a. – forum experimenteller architektur

Buch 04 -

Kunst,

Seite 25–32

Buch IV – Kunst

ST/A/R Nr. 10/2006

Am 28. Juni wurde das Museum Gugging als weltweit

einzigartiges Art / Brut Center eröffnet. Das Museum ist als Ort

konzipiert, an dem sich die Art Brut mit anderen Kunstrichtungen

treffen, ergänzen und auch messen wird können, ein Treffpunkt

für Diskussion und Diskurs. Schwerpunkt bleibt dabei die

Präsentation der Werke der Gugginger Künstler. Dem Museum

steht eine Ausstellungsfläche von rund 1.300 m2 zur Verfügung.

Darüber hinaus gibt es eine Bibliothek, ein Bildarchiv, Lager- und

Arbeitsräume für Kuratoren sowie einen Multimediaraum.

Dem Museum wird noch ein Museumsshop angeschlossen sein,

ein Café-Restaurant soll 2007 in Betrieb gehen. Das Museum

ist in das Art / Brut Center Gugging integriert, zu dem noch die

Galerie der Künstler aus Gugging, das Offene Atelier Gugging,

Arbeitsräume sowie eine Veranstaltungshalle, die „Villa“, für

Symposien, Konzerte und Ähnliches zählen.

Die Eröffnungsausstellung

„Blug - vier Jahrzehnte Kunst aus Gugging“

präsentiert rund 650 Arbeiten, Zeichnungen, Malereien, Objekte

und auch Radierungen der international bekannten Art Brut

Künstler August Walla, Oswald Tschirtner und Johann Hauser,

sowie auch jener gegenwärtig im Haus der Künstler lebenden, zu

nennen sind da: Johann Fischer, Johann Garber, Franz Kernbeis,

Johann Korec, Heinrich Reisenbauer, Arnold Schmidt, Günther

Schützenhofer und Karl Vondal. Sowie jene aus den 70er Jahren,

wie Josef Bachler, Josef Blahaut, Anton Dobay, Franz Gableck,

Rudolf Horacek, Franz Kamlander, Fritz Koller, Rudolf Limberger,

Otto Prinz, Philipp Schöpke und Erich Zittra.

„Blug“, der Titel dieser ersten Ausstellung, ist einer Arbeit von

Franz Kernbeis entnommen und bedeutet „Pflug“ - Der Acker

ist bestellt!

Die Ausstellung dauert vom 30. Juni - 14. Jänner 2007.

Anschließend soll sie auf Welttournee gehen.

Zur Schau ist das Buch „Blug. Gugging - ein Ort der Kunst“ im

Brandstätter-Verlag erschienen.

Informationen

Museum Gugging - Art / Brut Center, 3400 Maria Gugging /

Klosterneuburg, Hauptstraße 2,

Ausstellung „Blug“: 30. Juni - 14. Jänner 2007.

Das Museum ist Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr (im

Winter bis 17.00 Uhr) geöffnet, die Galerie Dienstag bis Samstag.

Normalität ist der Ausgangspunkt

Art / Brut Center in Gugging eröffnet

Interview mit Johannes Feilacher,

dem Leiter des Museums Gugging

ST/A/R: Seit den 70er Jahren hat sich

unter der Leitung von Dr. Navratil

hier in Gugging ein Künstlerzentrum

entwickelt, das Sie übernommen und

weitergeführt haben. Wie war die

Entwicklung seit dem Beginn und auch

während der letzten fünfzehn Jahre?

Johannes Feilacher: Navratil hat in

den 60er Jahren über Testzeichnungen

zufällig Talente entdeckt, die er Jean

Dubuffet vorgestellt hat, der die

Werke zur Art Brut gezählt und damit

gleichzeitig anerkannt hat. Navratil hat

dann in Richtung Kunst weitergearbeitet,

wobei er stets Psychiatrie und Kunst

verbunden hat. 1965 hat er ein erstes

Buch herausgegeben, das vorwiegend

auf zeitgenössische Künstler gewirkt

hat (Arnulf Rainer, Franz Ringel,

Peter Pongratz, ...), nicht jedoch auf

die Psychiater. 1970 fand die erste

Ausstellung in Wien statt. Danach gab

es einzelne, verstreute Ausstellungen

und ab dem Jahr 1979 auch Tourneen.

Es folgte die erste Präsentation im

Museum des 20. Jahrhunderts.

Schließlich kam es 1971 zur Gründung

des damals so genannten Zentrums

für Kunstpsychotherapie. Navratil

hatte einen alten, kleinen Pavillon

umwidmen können und hat dort jene

Leute angesiedelt, die sich schon vorher

als Talente bewiesen haben und noch

einige andere dazu. Dieser kleine

Pavillon wurde im Jahre 1981 eröffnet.

1983 hat mich Navratil hierher geholt,

weil er einen Nachfolger gesucht hat.

Drei Jahre später ist er in Pension

gegangen. Das erste, was ich getan habe,

war, das Zentrum umzubenennen, in

Haus der Künstler. Mich interessierte

immer das Talent des Einzelnen

und nicht seine private oder sonstige

Krankengeschichte. Wenn jemand eine

Behinderung oder Erkrankung hat,

ist das etwas Privates und hat in der

Öffentlichkeit nichts zu suchen. Das

Haus der Künstler ist eine Institution,

die einzelne Künstler fördert, die

das selber nicht können, einzelne

Talente, die aufgrund irgendwelcher

Schwierigkeiten nicht fähig sind, ihre

eigene Arbeit zu vermarkten oder

sie herzuzeigen. Ich bin im Prinzip

immer ein Helfer der Künstler

gewesen und habe im Laufe der

Zeit verschiedene Institutionen

gegründet. Eine der wesentlichen

war ein Förderverein, um auch

Leute anstellen zu können. Das

zweite war, dass ich einen privaten

Vertrag ausgearbeitet habe, in dem

die Künstler zu Besitzern einer

Kommanditerwerbsgesellschaft

werden konnten. Ich wollte eine

Galerie gründen im Sinne einer

Produzentengalerie, wo die Künstler

selber die Besitzer sind. Das war damals

einmalig und ist es auch heute noch,

dass eine Gesellschaft im Besitz von voll

besachwalteten Personen ist, die alle

nur durch ihre Rechtsanwälte vertreten

sind. Das allein hat drei Jahre gedauert,

bis alles hieb- und stichfest war. Der

nächste Schritt war die Befreiung aus

der Psychiatrie, das Haus war ja noch

ein Pavillon der Klinik. Im Jahre 2000

wurde es völlig unabhängig.

ST/A/R: Mit der Eröffnung des

Museums ist ein bestimmter

Höhepunkt erreicht, und ein einmaliges

europäisches Zentrum für Art Brut

entstanden.

J. F.: Europäisch ist richtig. Es gibt zwar

eine klassische museale Sammlung, die

kleine Ausstellungen zeigt, nicht sehr viel

Platz hat und sehr monoklonal arbeitet,

das heißt, primär klare klassische Art

Brut zeigt und sonst nichts. Dann gibt es

einige Museen zeitgenössischer Art, die

auch kleine Departments dabei haben,

wie in Dublin oder in Lille, dann gibt es

ein Visionary Art Museum in Baltimore,

das war’s. Aber dieses Museum wird das

erste für Art Brut sein, das aber nicht

nur für Art Brut da sein soll, sondern

es soll den Weg, den wir seit 20 Jahren

verfolgen, nämlich die Art Brut mit

Mainstream Art zu mischen und zu

zeigen, dass Art Brut eine Richtung der

Kunst ist, wie viele andere auch, dass sie

weder besser noch schlechter ist, aber

mindestens gleich gut. Das können wir

hier in diesem Haus zeigen. Natürlich

ist der Schwerpunkt Gugging, eine

Hälfte von 1300 - 1400 Quadratmetern

Ausstellungsfläche wird immer

Gugging sein, aber nicht immer die

selben Künstler zeigen, sondern auch

verschiedene Sammlungen und Arbeiten

aus verschiedenen Zeiten. Parallel dazu

kommen z. B. Themenausstellungen,

25

Buch IV – Kunst

ST/A/R Nr. 10/2006

Normalität

Buch 05 -

Design,

Seite 33–40

33

Buch V – Design

ST/A/R Nr. 10/2006

T homas Redl: Für den ‚Twista’, der

von der Firma Eternit produziert

wird, hast du vor kurzer Zeit den ‚red

dot-Designpreis’ bekommen. Wie war

deine Entwicklung als Designer?

Martin Mostböck: Schon während

meines Studiums Mitte der 80er Jahre

habe ich versucht, kleinere Projekte, d.

h. Möbel, gleich selbst umzusetzen. Ein

Möbel zu bauen, kann sehr schnell gehen.

Die Umsetzung - vom Entwurf über die

Skizzen bis zum fertigen Produkt - kann

in wenigen Tagen geschehen. Das war

der Ansatz, so habe ich

begonnen. Dann gab

es eine kontinuierliche

Entwicklung bis zum

Entwurf

serienmäßiger

Möbel.

T. R.: Du hast eigentlich Architektur

studiert. Siehst du deinen

Aufgabenbereich in dem Sinne, wie die

Architekten es früher wahrgenommen

haben, d. h. ein Haus zu bauen und

auch die Möbel dafür zu entwerfen?

Wie siehst du die Verbindung zwischen

Architektur und Design?

M. M.: Architektur und Design ist

im Wesentlichen das selbe. Es wird

nur ein zusätzlicher Begriff benützt,

um das Entwerfen von Möbeln oder

Gebrauchsgegenständen zu definieren.

Wenn man Italien betrachtet, dann

sieht man, dass Designer oder Gestalter,

wie z. B. Sottsass oder Castiglioni,

aus der Architektur kommen. Sie

sind aus unterschiedlichen Gründen

in das Design gegangen. Ich habe

zwischen der Gestaltung eines Hauses

und der Gestaltung eines Sessels nie

sehr viel Unterschied gesehen. Das

Anforderungsprofil bzw. -programm ist

ein anderes. Im Wesentlichen ist es aber

ähnlich.

T. R.: Du hast nach deinem Studium

an der TU-Wien mehrere Jahre bei

COOP-Himmelblau

mitgearbeitet.

Was waren deine Aufgabengebiete

und welche Erfahrungen hast du in

diesem international renommierten

Architekturbüro gemacht?

M. M.: Die Aufgabengebiete waren

vielfältig: Hochbau, Konstruktion,

Städtebau und Design. Ich habe dort

diverse Wohnbauten mitentwickelt: in

Wien ein Hochhaus, den

Gasometer und die

Remise im zweiten Bezirk. Gleichzeitig

habe ich Projekte, wie z. B. ein

Milchglas oder eine Uhr, für einen

amerikanischen Produzenten gemacht.

Von der Großform bis zur Kleinform,

Mikro- und Makrostrukturen.

T. R.: Neben dem ‚Twista’ gibt es

auch andere Sessel, die mit Preisen

ausgezeichnet wurden oder in die

MAK-Designsammlung aufgenommen

worden sind. Wenn man deine

Biographie liest, so erkennt man, dass

es viele glückliche und langfristige

Kooperationen mit Produktionsfirmen

gibt. Das ist ja sehr wesentlich, wenn

man Design realisieren will. Wie

gestaltet sich deine Zusammenarbeit

mit den Produktionsfirmen?

M. M.: In der Biographie stehen aber

nur die gelungenen Kooperationen, es

gibt auch unglückliche. Das Wichtigste

im Umsetzungsprozess eines Produktes

ist der Dialog mit der Firma. Am

besten ist es, wenn man einen direkten

Ansprechpartner im Unternehmen hat,

eine Person, mit der man das Projekt

konkret umsetzen kann, nicht nur in

Bezug auf das Produkt selbst, es muss

darüber hinausgehen. Es sind Gespräche

mit dem Produzenten zu führen, die

außerhalb des Entwurfsprozesses liegen,

eine Auseinandersetzung mit den

beteiligten Personen selbst und vor allem

mit der Philosophie des Unternehmens

ist notwendig. Nur

so kann man Design

erfolgreich umsetzen.

Ich suche die lang-

fristige

Kooperation.

Nicht der schnelle

S c h u s s , s o n d e r n

die

langfristige

Auseinandersetzung

mit einem Unter-

nehmen

interessiert

mich. Der Dialog

ist das Wichtigste

dabei. Wenn man

zum

Beispiel

terminlich

schwer

zusammenkommt,

wird es auch beim Entwerfen schwierig,

man entwirft ja meist in Schüben. Diese

Schübe müssen dann, wenn sie passiert

sind, auch umgesetzt werden. Es geht

um eine Annäherung an das Gegenüber,

weil immer beide Seiten Fragen haben.

Wenn das Produkt beim Start nicht direkt

Interview mit Martin Mostböck

Vom Möbel zum gebauten Haus

Twista, variables Gestaltungselement, produziert von

Eternit, reddot design award winner 2006

Buch 6 -

Literatur,

Seite 41–48

41

Buch VI – Literatur

ST/A/R Nr. 10/2006

Vorwort

Schrift wechSel

D. Sperl

S

prache konstruiert und organisiert das Verhältnis

zu der von uns bewusst wahrgenommenen und

ausserhalb von uns gedachten Wirklichkeit. Dabei

ist und erzeugt Sprache selbst eine eigene Wirklichkeit,

eine selbständige energetische Entität, ein Wesen, mit

Milliarden von Armen, allen Möglichkeiten laufender

Selbst-Setzungen und –überschreitungen, Erweiterungen,

Umformungen. Sprache geht in ihrer allgemeinen

Form als auch in ihren individuellen Ausprägungen

Kooperationen mit anderen ein, sie verliebt sich

gewissermassen oder verweigert sich,

setzt Preferenzen, Machtansprüche und

Grenzen, ist in einem ständigen Fluss

und Austausch mit allem Lebendigen.

Sprache erzeugt bewegliche, fragile

Landschaften, in denen wir uns

durch das Leben bewegen und sie ist

gleichzeitig das Werkzeug, mit dem

wir navigieren. Sprache trennt also

scheinbar, was nicht zu trennen ist, um

funktionale Felder zu erzeugen. Sie

ist ein Teil von uns, sie ist gleichzeitig

vollständig unabhängig von uns.

Denn sämtliche gesprochenen oder

geschriebenen oder auch nur gedachten

Äusserungen leben auch ein von uns

unabhängiges Leben. Wer weiss schon,

wohin sie gehen? Und wer weiss schon,

woher sie gekommen sind? Produziert

ein situatives Umfeld notwendigerweise

die zu sprechenden Sätze und Worte? Inwiefern sind

wir also selbstbestimmt oder benützt uns die Sprache als

Wirt, um zu reisen und sich zu erweitern? Sind Gedanken

Besatzungsmächte?

Wir bestehen aus vielerlei offensichtlichen

Verhaltensaufführungen und Verhaltensverführungen, aus

Programmschwerpunkten, die uns gewohnheitsmässig

durch die Gegend steuern. Von denen wir jedoch kaum

bewusst wissen, nach welchen Gesetzmässigkeiten sie

auftreten, in welchen Wirkungszusammenhängen sie

in der Tat zu uns stehen. Wir fragen uns selten, welche

Programme wir verwenden möchten, in welcher Intensität,

wie folglich unsere Sprache aussehen, aufblühen und

wo sie enden oder hinreichen soll, um was zu erreichen?

Welches sind beispielsweise die von uns selbst am

meisten gestellten Fragen, und wie genau sehen diese

aus? Und wie lauten unsere bevorzugten Antworten

darauf? Fragen und Antworten ergeben gemeinsam die

gegenwärtigen Koordinaten unserer Biografie (= die unter

dem Namen der jeweilen Person gewöhnlich auftretenden

Handlungsmuster, Orientierungspunkte, Verkehrstafeln,

für Funktionszusammenhänge herausgeschnittene

Weg- und Weltzusammenfassungen). Die Grenzen der

Sprache sind die Grenzen unserer Welt, hat Wittgenstein

gesagt, es sind jedoch bloss die Grenzen der von uns

bewusst wahrgenommenen Verhältnisses zu der von

uns (und anderen) selbst erzeugten ausserhalb von uns

gedachten Wirklichkeit. Manchmal weiss die Sprache und

artikuliert sie mehr als der Benützer bewusst weiss, ist

permanent an grössere Felder angeschlossen als an unsere

Wie-bekomme-

ich-einen-

Espresso-aus-dem-

Automaten-Ego-

Cockpit-Fragestellung. Sämtliche sprachlichen

(energetischen) Ausdrücke erzeugen ununterbrochen

ein uns persönlich übersteigendes Gesamtbewusstsein,

eine Art Superorganismus, eine ständige fluktuierende

Bewegung. Um unsere Grenzen zu verstehen, müssen wir

uns unsere Sprachverwendungen genauer ansehen, die

Fensterscheiben, die wir kreieren und alsann benützen.

Operiere ich nun in einem Coaching Diskurs, spreche

ich einem NLP-Practioner ähnlich? Wir sollten eine

Auswahl so bewusst wir nur irgend möglich treffen,

unsere Verhaltens-Programme verstehen, ihre Kräfte,

die ja auch unsere Kräfte sind, sie, wenn notwendig und

möglich, upzudaten, zu vergrössern, sie mit anderen

kurzzuschliessen, um eine grössere Beweglichkeit

unseres Bewusstseins zu erlangen. Die Beweglichkeit des

Bewusstseins erzeugt unsere lebbaren Freiheitsgrade. Die

Literaturseiten im ST/A/R - Schriftwechsel - sind diesem

Wunsch und dieser Vision nach Beweglichkeit und

Erweiterung zugeneigt.

Feel the taste of diversity & celebrate it.

literatur

Von Fragen und

Erinnerungslücken

Gerhard Jaschke

Seneca

Seneca hat recht, nur allzuleicht läßt man sich von einem Wort

verführen, etwas anderes zu schreiben, was man eigentlich wollte.

Manche Wörter sind ja wie Stopschilder, insgesamt handelt es sich

bei ihnen um Verkehrszeichen, Warn- und Gebotstafeln, diesen

oder jenen Weg nicht zu gehen, dieses oder jenes Feld zu meiden.

Wird doch zu leicht aus dem Gras ein Sarg! Stelle Spiegel auf

und neue Wörter fallen wie automatisch aus dem vorhin noch so

scheinbar Ganzen. Leben taucht im Nebel unter, Roma läßt sich

behände gegen den Amor tauschen. Jeder möge es sich richten,

wie er glaubt.

Das Verbotene reizt, das war schon immer so.

Was sagt Montaigne? „Mein Lehrer war so klug, mir Virgil, Lukrez

und Plautus zu verbieten; das steigerte mein Interesse an ihnen

beträchtlich.“

Die fremden Gedanken munden wie Kirschen aus Nachbars

Garten. Laßt uns von diesen Früchten viele mit nach Hause

nehmen.

Ich schloß mit ihm Freundschaft. Er wurde mir zu einem guten

Freund. Auf ihn kann ich mich verlassen. Er ist mir eine Stütze.

Er ist mir stets hilfreich. Auf diese Freundschaft bin ich stolz. Und

was sagt er?

„Der Grund unserer Freundschaft? Weil gerade er es war – weil

gerade ich es war. Alles Übrige geht über meinen Verstand.“

Der Verstand als Horizont unseres Daseins. Das im Unendlichen

auslaufende Meer an Einfällen. Der Schlußstrich unter unsere

Existenz. Ein Ende am Anfang über uns wie der Horizont, der

darüber hinausgeht. Es weht Gesichte herbei. Zu ergründen gibt es

nichts. Was meint Ihr, Montaigne? „Wir suchten uns, ohne uns zu

kennen.“

Von anderen Fragen

Habe ich etwa zu danken, daß ich auf der Welt bin?

Habe ich den Damen Vortritt zu lassen?

Habe ich auf meine Uhr zu schauen, fragt mich irgendjemand

nach der Zeit?

Gewiß, ich stelle mir Fragen.

Gewiß, ich halte Wort.

Gewiß, ich schnüre mir die Schuhe.

Aber sonst?

Bin ich vielleicht ein Hellseher wie Sie?

Oder bin ich gar schon im Bild, um etwas sagen zu müssen?

Bin ich gar so schön wie Sie?

Stehe ich demnach ebenfalls unter Kostümierungszwang?

Hält die Pappnase noch? Sehe ich einigermaßen intelligent aus?

Verkörpere ich also das, was Sie sich vorstellen?

Haben Sie Übung im Beisammensein, im Mitmenscheln?

Tun Sie sich nur keinen Zwang an.

Berühren Sie nur ruhig jede Menge Peinlichkeiten, reden Sie

schlichtweg bloß so vor sich hin.

Kann denn das die Möglichkeit sein?

Wollen Sie um jeden Preis als erster das Ziel erreichen?

Schämen Sie sich nicht? Wer will denn heute schon Sieger sein?

Sie vielleicht?

Von den Erinnerungslücken

Eines Nachts erwachte Kraut und wollte von alldem nichts wissen,

nichts gewußt haben, wollte mit alldem nichts zu tun haben, gar

nichts mehr zu schaffen haben. Ja, war es das? Tatsächlich dachte

er dies und nichts anderes. Aber wann will es schon gelingen?

Wann? Wann denn nur? Er blickte um sich, als hätte er hier etwas

verloren. Aber was hatte er schon hier, hier schon!, verloren? Was

könnte er bloß hier verloren haben? Er wußte es nicht. Absolut

nicht. Irgendwann einmal war hier etwas. An das dachte er. So

eine Art Ausgangspunkt vielleicht? Ein Knotenpunkt für diverse

Grenzüberschreitungen?

Er überlegte. Das muß es gewesen sein! Nichts anderes. An dies

dachte er, als er eines Nachts, mitten in der Nacht, plötzlich

erwachte und von alldem nichts wissen wollte.

Ein Stöckelschuh wanderte über die Leinwand.

Passanten winkten ihm zu.

Gerhard Jaschke, 1949 in Wien geboren. Freischaffende literarischkünstlerische

Tätigkeit seit Beginn der 70er Jahre. Einzelveröffentlichungen

(z.B.: VON MIR AUS, Illusionsgebiet Nervenruh, Schlenzer), Beiträge in

Anthologien u. Zeitschriften. Ausstellungen. Gemeinschaftsarbeiten mit Ingrid

Wald. Mitbegründer und Herausgeber der Zeitschrift für Literatur und Kunst

Freibord. Lehrbeauftragter an der Akademie der bildenden Künste. Duettduelle

mit Werner Herbst.

Buch 07 -

Waran,

Seite 49–56

49

Buch VII – Waran

ST/A/R Nr. 10/2006

Arbogast is worried about the Rove‘s powers.

Hillary will get caught fucking chipmunks, or Kennedy will be seen meeting with

Osama in Vienna. Check the Drudge honey wagon to see whether it hasn‘t started

already. Boston will be nuked by Iranoterrorists. We‘ve won the pennant and won

the Superbowl a few times so it‘s time to go to heaven. All nine members of the

Supreme Court will be gassed by Islamic fundamentalists, and Romney will have

to declare martial law until Congress with an armed martial standing at the end

of each row can approve a new court in an up or down vote. There‘s a lot of time

between now and November 2006. Yes, I understand Arbo‘s point but wish it isn‘t

that bad.

Ihr Lederschwuchteln, ihr

Weissgänger, ihr B-free Teelefonierer, ihr Götter auf

weiss, ihr Dünnbäuchigen, gebt uns euer Geld oder

wenigstens eure Fitnesskarte.

Joe Harris: ok, be purple my friend, and feelgood, arab

is watching you with pizza and kebab

--------------------------------------------------------------------------------

die gefälschten

tagebücher des adolf H.

es spricht der waheliche drogenkoordinator wiens:

hannes weibl

ich habe truppen. ich habe kämpfer. ich habe dünschiß

mit SS.

ich habe leute die ohne mit der wimper zu zücken,

töten.( auch massen)

ihr seit beschränkt in eurer legislative, exekutive,

judikatur...ihr könmnt es lesen, ihr lest es! eure augen

lügen nicht, aber die hornhaut könnte jeden moment

schmelzen, s....

wir können sie ersetzten, aber nur wir. auch eure

nierenprobleme gehen mir am arsch vorbei: i have

kidneys, more than dead bones. that means much, if

you are a noncheker, i can kill you in one secund, you

dont recognize it. even you are finished right now. i tell

you brother , your existenz is nothining, zero, you are

an agent now, when you read this. so follow the line.

and keep it as real, otherwise you are dead, finished,

broken.

vienna is a kapitalistik city of love and rosetten. i

love them. i kss them and take some licks. if your

dick now gets stiff, or your pussi gets wetten das?

its no problem if you have male and female

attribution. than you are normal. i give yo..you the

hormons you need.

ihr wisst doch alle die indianer stammen von den

russen ab. oder kennt ihr vera russwurm nicht?

...gloria hat den archequanten mitentwickelt...

alfred busenbauer,... usola stenzl( pseudonüm)ursula

stengel

sc ottenring, fc ottakring- ottagringo.-civilisation heals

the nation.

save the planet. kill yourself...

Buch 08 -

China,

Seite 57–64

57

Buch VIII – China

ST/A/R Nr. 10/2006

Der Zeit - und Licht Künstler Hofstetter Kurt mit seiner

Miniatur “nature is cool” die er aus seinen Entdeckungen zur

einfachsten Konstruktion des Goldenen Schnittes entwickelte.

siehe wissenschaftliche Publikationen in Forum Geometricorum

ISSN 1534-1178 und ST/A/R 05/Buch 14 Anleitung zur

Konstruktion des Archiquant nach Hofstetter Kurt.

nature is cool Hofstetter Kurt

Unser Cafe Kafka, Juli 2006 Foto © Heidulf Gerngross

Buch 09 -

AUTOST/A/R,

Seite 65–72

65

Buch IX – Auto S/T/A/R

ST/A/R Nr. 10/2006

FERTIGT FÜR SEINE FRAU VIKTORIYA SITOCHINA EINE KRONE,

ST/A/R Nr. 09/2006

REdIGIERT, SCHREIbT UNd FOTOGRAFIERT

autost/a/r

dAVId STARETz

MaZDa DEsIGNWorKsHoP

VoLKsWaGEN CraFtEr

FIat GraNDE PuNto

LaNDroVEr BJ. 74

st/a/r-GaME FÜr arCHItEKtEN uND sCHrEIBtIsCH-raCEr

autost/a/r

Buch 10 -

Werkstatt Wien,

Seite 73–80

73

Buch X – Werkstatt Wien

ST/A/R Nr. 10/2006

Sozialer Wohnbau Sturzgasse Johnstrasse 75 Wohnungen, ein Supermarkt,

Grün- und Spielflächen im Hof In den Obergeschossen freie Sicht zur Gloriette

alle Wohnungen haben schon Mieter und Käufer gefunden

ST/A/R gratuliert allen Beteiligten ...

Erstes Archiquantfenster im Sozialen Wohnbau

Buch 11 -

EP positons,

Seite 81–88

81

Buch XI – EP positions

ST/A/R Nr. 10/2006

Zlatan Vukosavljevic

Fortsetzung Seite 88

Z latan selected by Elisabeth Penker

Buch 12 -

Economyclass,

Seite 89–96

89

Buch XII – Economy Class

ST/A/R Nr. 10/2006

economy class

I m April dieses Jahres ging die partizipative Kunstschau ECONOMY

CLASS mit 100 Positionen zeitgenössischer Kunst auf eine ad-hoc

organisierte Reise nach Nairobi. Im Handgepäck und sozusagen

im last minute – Angebot verschifften Barbara Husar, Michael

Lampert, Alexander Nikolic und Lukas Pusch Kunst und

KünstlerInnen nach Afrika, um österreichische

Positionen des Kunstbetriebs in der Ferne zu

inszenieren. In gleicher Weise wie die

ECONOMY CLASS bestimmt war durch die

Begrenzung von Mitteln, Vorlaufzeit und

Transportmöglichkeiten, so gab sie auch

den Blick frei auf die angeblich festgelegten

Mechanismen des internationalen Kunst-

und Ausstellungsaustausches. Gezeigt

wurden u. a. die Ortstafel-Dokumentation

“Artikel 7” sowie bildnerische Arbeiten von

Tanja Ostojic (25 peaces / EU-Unterhose),

Otto Zitko, Deborah Sengl, Christian

Eisenberger, Karin Frank, Siggi Hofer,

Simon Haefele und monochrom.

http://economyclass.sonance.net/

neuer Ort / neue Ausstellung STRANGE CARGO

economy class zu Gast im neuen 0>port im mq

Von 7. bis 16. September findet im neuen Transaktionsraum 0>port

die Ausstellung STRANGE CARGO statt.

Auch bei der Schau STRANGE CARGO treten Produktion, Prozess,

Kommunikation und Community in den Vordergrund und lassen zu

erwartende museale Reproduktion ebenso zurück wie die Physis

des einzelnen Kunstwerks.

Eine seltsame Ladung also, die im neu strukturierten

QUARTIER FÜR DIGITALE KULTUR aus,- ver- und umgeladen wird.

Eingechecked werden und wurden Proben österreichischer Positionen,

Konfrontationen afrikanischer Kunst, Netzkunst- und Kultur (Grischinka Teufl,

Sonance Network, ubermorgen.com, equaleyes.org, olfactory, Ella Esque,

Judith Fegerl... ) sowie Mitgebrachtes und Eingeschmuggeltes.

Eröffnet wird STRANGE CARGO mit Moh Hamdaouis Telekitchen

`what you see is what you eat´ und Barbara Husars drink `kill me quick´

am 7. September.

Vorläufigen Schlusspunkt findet STRANGE CARGO am 16. September in der

Ovalhalle gemeinsam mit dem Festival der Netzkulturen „paraflows“.

Opening

7. September 19:00, 0>port, Quartier für Digitale Kultur, MQW

Visuals weltweit erstmals vom neu entwickelten VJ-Pult (designed

von Equaleyes und Red Bull)

16. September 20:00, Finnisage Ovalhalle, MQW

Im Rahmen von Paraflows

www.0port.at

economyclass.sonance.net

www.paraflows.at

economy class

Impressum

ST/A/R Printmedium Wien

Europäische Zeitung für den direkten kulturellen Diskurs

Erscheint 4 x jährlich, Nr. 10/2006, 10. August 2006,

Erscheinungsort Wien.

In dieser Ausgabe ist ein 48-seitiges Sonderheft über Vorarlberger Architektur beigelegt.

Medieninhaber:

ST/A/R, Verein für Städteplanung/Architektur/Religion

A–1060 Wien, Capistrangasse 2/8

Herausgeber: Heidulf Gerngross, Thomas Redl, Angelo Roventa, Dieter Sperl, Herbert Wulz

Gesamtredaktion: Heidulf Gerngross, Thomas Redl

Redaktion: Heidulf Gerngross (Architektur, Kunst, Überleben), Thomas Redl (Kunst,

Architektur, Kultur, Philosophie), Angelo Roventa (Architektur), Dieter Sperl (Literatur),

Herbert Wulz (Medien, Kultur), Michaela Mair (Kultur), Jan Tabor (Architektur), Gabriele

Petricek, Rudolf Gerngross, Herbert ‚Horacio’ Oberascher (Landleben), David Staretz

(Auto), Andreas Lindermayr (Stadtleben), Elisabeth Penker (Kunst)

Auslandskorrespondenz: Angelo Roventa (Rumänien), Valie Airport (Russland), Wladimir

Jaremenko Tolstoj (Russland)

Organisation & Produktion: Michaela Mair, Thomas Redl

Artdirektion & Grafik: Michael Lampert

Grafische Mitarbeit: Mathias Hentz, Thomas Redl

Druckvorbereitung: Michael Rosenkranz

Interviewlektorat: Michaela Mair

Worldwide Foto: Andrea Baczynski, 2006

Cover Foto: Thomas Redl, 2006, Portrait Pierre Soulages

Druck: Herold Druck und Verlags AG, Wien

Vertrieb: ST/A/R, Morawa GmbH.

Aboservice: starabo@morawa.com

Bezugspreis: 3,- Euro (inkl. Mwst.)

Kontakt: office@star-wien.at

ST/A/R ist ein Gesamtkunstwerk und unterliegt dem Urheberrecht.

ST/A/R wird gefördert von: Bundeskanzleramt und Stadt Wien.

ST/A/R dankt allen BeitragslieferantInnen, MitarbeiterInnen, KünstlerInnen,

UnterstützerInnen und FreundInnen.

Impressum

Sonderausgabe VAI

04Z035665M – P.b.b. Verlagspostamt 1060 Wien • Adresse: 1060 Wien Capistrangasse 2/8 • office@star-wien.at

Sonderheft/2006

ST/A/R PRINTMEDIUM WIEN

ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

V-A-I


Foto: Ignacio Martínez, Montagesituation

Andreas F. Lindermayr Stadtphilosoph

Aus meinem Tage- und Nachtbuch

28. 5. 06 So 17 Uhr 15

jetzt wieder etwas Sonne, vorhin regnete es leicht - Aprilwetter irgendwie. 18°

Der Da Vinci Code ist auch als Film ein Mega-Seller. Das Buch verkaufte sich bereits 40 Millionen mal.

Gestern Nacht endlich sah ich den Film im für dieses Sujet artgerechten Kino-Center in der Lugner City.

Eine dümmliche, aber für Durchschnittsverbraucher recht unterhaltsam aufbereitete Unterhaltung.

Zum Thema: Jesus hat gevögelt und Maria Magdalena war seine Frau. Zu diesem eigentlich alten

Thema, das schon lange unter dem Ladentisch kolportiert wird, kommt die Gralsgeschichte, die sich

im Zusammenhang mit der vorliegenden Erzählung recht populär erhellt. Das Böse ist das Opus Dei,

vor allem jene verstiegenen Repräsentanten dieser Organisation, die in strenger asketischer Zucht

ihr Lebensideal sehen, um dadurch und mithilfe althergebrachter Rituale, wie sie seit Konstantin

festgelegt sind, ihre eigene, männlich-sadomasochistische Macht, als die Macht Gottes auf Erden zu

festigen und auszubauen. Die Aufdeckung des Gralsgeheimnisses würde ihre dunklen Machenschaften ans Licht bringen, würde

zeigen, daß Jesus - Nachfahren hat. Und so fängt das Abenteuer damit an, daß Sophie, die Enkelin jenes alten Mannes, dessen

entstellte Leiche im Louvre aufgefunden wurde, Tom Hanks, den amerikanischen Semiologen, der nach Paris gerufen wird, um an

der Aufklärung des Ritual-Mordes mitzuhelfen, vor der Verfolgung durch einen Opus-Dei-Kommissar schützt. Zuletzt, nach vielen

glücklich überstandenen Gefahren, bei dem Versuch den Da Vinci Code zu entziffern, stellt sich heraus, daß Sophie die direkte

Nachfahrin von Jesus Christus ist. Und das ist wohl der springende Punkt.

Das Buch sei wesentlich interessanter als der Film, wurde mir von mehreren Seiten versichert. Trotzdem dürfte es nicht mit dem zu

vergleichen sein, was Umberto Eco ab seinem ersten Bestseller “Der Name der Rose” geglückt ist.

Aber Dan Browns Bestseller erhebt keine derart hohen Ansprüche und dürfte schon deswegen viel leichter zu lesen sein. Leichte,

unterhaltsame Lektüre für jeden also, der es schon immer gewußt hat, daß Jesus eigentlich auch nur ein Mensch war wie du und ich.


ST/A/R Buch II – Leben

Nr. 10/2006

9

Licht, das vom Bild

zu dir kommt

Interview mit Pierre Soulages

Thomas Redl: Zu Beginn etwas aus

ihrer Biographie, Herr Soulages.

Sie haben 1948 am Salon des Réalités

Nouvelles teilgenommen und an der

Wanderausstellung Große Ausstellung

französischer abstrakter Malerei in

Deutschland ...

Pierre Soulages: Im Salon des Réalités

Nouvelles wollte ich anfangs nicht

ausstellen, weil es vor allem ein Salon

der Geometrischen Abstraktion war. Ich

habe mich aber dann trotzdem beteiligt,

weil es sehr sympathische Leute waren,

die mich darum gebeten haben. Und

bei diesem Salon hat Dr. Domnick aus

Stuttgart 7 oder 8 Maler für die Große

Ausstellung französischer abstrakter

Malerei eingeladen. Für das Plakat

der Ausstellung wurde eines meiner

Bilder ausgewählt. Von den geladenen

Künstlern war ich der Jüngste, da waren

noch Kupka, Doméla, Herbin, Hartung,

Schneider, Francis Bott - Kupka wäre

heute 140 Jahre alt. Meine Kamaraden

aus der Galerie waren Hartung und

Schneider - Schneider wäre jetzt 110

Jahre alt. Ich erinnere mich, dass

mehrere Künstler, darunter Francis Bott

zum Beispiel, zu Domnick gesagt haben:

„Du kannst doch nicht einen so jungen

Künstler nehmen.“ Ich war 27, und nach

dem Krieg war 27 nicht viel, weil dieser

uns ja einige Jahre gekostet hat.

T. R.: Wie war die Stimmung zu dieser

Zeit, welche Strömungen gab es?

P. S.: Zu dieser Zeit gab es alle

möglichen, verschiedenen Strömungen

in Paris. Es gab die figurativen Maler,

die engagierten Maler, wobei ich jene

meine, die von der kommunistischen

Partei unterstützt wurden, eben sehr

politisierte Maler. Dann gab es die

Surrealisten, die in ganz Amerika

bekannt waren, und auch die Abstrakten

Geometrischen. Man sprach nicht viel

von den Abstrakten Geometrischen,

sie waren ein bisschen im Schatten zu

diesem Zeitpunkt. Und da gab es auch

noch die Ecole de Paris. Man erfand den

Begriff ‚Ecole de Paris‘, um ausländischen

Künstlern zu ermöglichen, mit

französischen gemeinsam auszustellen,

mit französischen Malern wie Chagall,

Soutine, Modigliani, Picasso, Juan Gris,

Matisse, Fernand Léger, Bonnard. Man

wollte ja nicht ‚französische Malerei‘ oder

‚Pariser Maler‘ sagen. Und außerdem

denken die Franzosen nicht so, in

Frankreich sind die Museen prinzipiell

für jeden offen, egal ob Ausländer oder

Franzose. Nur in Amerika ist es so, dass

Museen für Inländer reserviert sind, in

Washington wie auch in New York. In

Frankreich waren sie glücklicherweise

immer offen. Also entwarf man das

Konzept der Ecole de Paris. Und mit der

Zeit entwickelten Maler wie Bazaine,

Manessier, Pignon einen Stil, der

aus einer kubistischen, fauvistischen

Tradition erwuchs. Die Maler in der

von Dr. Domnick ausgesuchten Gruppe

kamen nicht aus der Tradition der

Ecole de Paris. Wir waren anders, wir

kamen auch nicht aus der Tradition der

Also was ist ein

Kunstwerk? Es ist ein

Objekt, geschaffen von

einem Menschen, das

fähig ist zu zeigen, was

investiert wurde

Geometrischen Abstraktion, aus der Zeit

Kreis/Viereck oder Abstraktion/Kreation,

die große Bewegungen vor dem Krieg

waren. Wir waren anders und wurden

ziemlich ignoriert, zu diesem Zeitpunkt

noch nicht sichtbar, aber wir waren Teil

der Abstraktion. Und diese Ausstellung,

die durch Deutschland gewandert ist,

war wichtig für die Deutschen und auch

für uns, weil wir gezeigt haben, was

in der ganzen Periode passiert ist, die

durch den Nationalsozialismus verdeckt

worden war. Kurze Zeit nach dieser

Ausstellung war ich dann Mitglied einer

Gruppe, die ZEN49 hieß.

T. R.: Es hat ja zu Beginn der 50er Jahre

dann auch Kontakte zur Österreichischen

Avantgarde gegeben, also zu Markus

Prachensky, Arnulf Rainer, Monsignore

Otto Mauer.

P. S.: 1953, also 5 Jahre nach der

Wanderausstellung in Deutschland,

bekam ich einen Telefonanruf eines

Herrn Monsignore Otto Mauer, der

mich fragte, ob er mit 3 jungen Künstlern

mein Atelier besuchen könnte, und

das waren Rainer, Prachensky und

Hundertwasser. Ich glaube, sie sind ein

Jahr später, 1954, wiedergekommen,

wieder mit dem Bischof oder Erzbischof

von Wien oder so.

T. R.: In weiterer Folge gelangte ihre

Kunst auch nach Amerika, und sie

lernten die Künstler Kline, Motherwell,

de Kooning, Rothko kennen. Sie hatten

auch 1954 ihre erste Einzelausstellung

in Amerika.

P. S.: Ja, aber ich stellte schon 1949 in

Amerika aus, in der Galerie Betty Parson,

und die Ausstellung hieß Painted in

49. Kline war zu diesem Zeitpunkt

ein figurativer Maler, ganz und gar

nicht abstrakt. Die amerikanischen

Künstler haben alle diese Ausstellung

gesehen, an der 5 französische Maler

beteiligt waren, unter anderem Vasarely,

Hartung, Schneider. Von diesem

Augenblick an hatte ich Kontakte zu

amerikanischen Händlern, und es

folgten auch weitere Ausstellungen,

die in Amerika zirkulierten. In Paris

kannte man damals die amerikanischen

Maler nicht, erst später. Ab 1953/54

hatte ich eine Galerie in New York,

die Galerie Kootz, die sich sehr aktiv

um mich gekümmert hat. Ich habe in

dieser Galerie 12 Jahre lang ausgestellt.

1957 war ich das erste Mal in Amerika

und habe de Kooning, Motherwell und

die meisten der amerikanischen Maler

persönlich kennen gelernt, nur Pollock

nicht, der war schon tot, den konnte

ich nicht treffen. Einmal war ich sehr

erstaunt. Ich sprach mit de Kooning

und sagte zu ihm: „Du musst eine Reise

nach Paris machen.“ Und der sagte

zu mir: „Ich kann nicht. Ich bin kein

Amerikaner, ich habe keine Papiere, ich

bin staatenlos.“

T. R.: Zu Rothko hatten sie lange

Kontakt, und es entwickelte sich auch

eine Freundschaft.

P. S. Ich kann ihnen erzählen, wie ich

Rothko kennen gelernt habe, nämlich

auf einer Party, die der damalige

Konservator des Museum of Modern

Art, für mich gegeben hat. Die meisten

amerikanischen Maler waren anwesend,

und sie waren sehr erstaunt, dass ich

eher groß und kräftig bin. Franzosen

sind ja Zwerge. Wir hatten uns zuerst

nichts zu sagen, und nach 10 Minuten

oder einer viertel Stunde haben wir zu

reden begonnen, und sie haben zu mir

gesagt: „Sie könnten American Football

spielen.“ Daraufhin habe ich geantwortet:

„Nein, ich bin Rugbyspieler.“ Zu dieser

Zeit war ich auch Rugbyspieler. Auch

das verblüffte sie, weil Europa für sie

ein Ort der kultivierten, verfeinerten

Menschen war. Und sie selbst sahen

sich im Gegensatz dazu als stark und

kräftig, sie praktizierten den Kult der

Virilität. Diese Unsinnigkeiten dauerten

ungefähr eine viertel Stunde. Und dann,

Rothko, er saß in einem Sofasessel und

fing mit sonorer Stimme zu sprechen

an, und er sagte: „Ah, Europa. Europa,

das ist ein Alptraum. Ich habe eure

Museen gesehen, wo Männer mit

Nägeln in blutenden Händen gezeigt

werden. Ich habe blutende Männer

gesehen mit Dornenkronen. Ich habe

Männer gesehen mit Pfeilen überall

und Blut. Ich habe Frauen gesehen,

die abgeschnittene Köpfe auf Tabletts

tragen, und überall Blut, das fließt.

Europa, was für ein Alptraum, die

Konzentrationslager, die Gaskammern,

die Krematorien. Europa, das ist ein

Alptraum.“ Und ich, ich fühlte mich als

Europäer angegriffen. Dann hat er etwas

hinzugefügt, was mir gefallen hat: „Was

ich mag, ist das Vogelgezwitscher.“ Und

ich habe geantwortet: „Ich war noch

nicht in allen amerikanischen Museen,

aber ich habe in euren Museen, im

Metropolitan zum Beispiel, Männer mit


10 Nr. 10/2006

Buch II – Leben

ST/A/R

Nägeln in blutenden Händen gesehen.

Ich habe blutende Männer gesehen mit

Dornenkronen, die an den Wänden

hängen.“ Ich habe genau wiederholt, was

er vorher gesagt hatte, denn ich hatte im

Metropolitan die selben Eindrücke. Also,

da war dann schon ein kleines Lächeln.

Und ich habe hinzugefügt: „Aber ich

habe noch nicht die indianischen Museen

gesehen.“ Das hat dann jeder verstanden.

Danach ist Rothko aus seinem tiefen

Sessel aufgestanden, vorher hatte er ja

mit der Stimme eines Rabbiners oder

Priesters gesprochen, und hat mir die

Hand gegeben und gesagt: „Du kommst

morgen zum Lunch zu mir.“ So habe

ich Rothko kennen gelernt. Ich habe

auch die meisten der amerikanischen

Maler kennen gelernt, Motherwell zum

Beispiel hat mich in Paris in meinem

Atelier besucht. Er wollte sogar, dass

ich mit ihm in sein Atlelier, das er in

St. Jean de Luz gemietet hatte, zum

Malen komme. Ich bin jedoch nicht

hingegangen. Also, das waren meine

Verbindungen zu den amerikanischen

Malern, sympathische und gute. Die

amerikanische Kritik war gegen Europa

gerichtet: Alles was europäisch war,

wurde als negativ angesehen.

T. R.: Es gibt Begriffe, die im

Zusammenhang mit ihrer Malerei

auftauchen, mit denen man sie

einzuteilen versuchte: beispielsweise

‚abstrakter Expressionismus‘, ‚informelle

Malerei’ oder ‚gestische Malerei‘ ...

P. S.: All das sind Etiketten, und Etiketten

sind dazu da, zerrissen zu werden. Ich

wollte nie Expressionist sein. Ich habe

1948 in dem Katalog zu der Domnick-

Ausstellung etwas geschrieben, und es

gibt dazu eine These einer deutschen

Kunsthistorikerin - Marie Amélie

Kaufmann, die hat geheiratet und heißt

jetzt Marie Amélie Kaufmann zu Salm-

Salm - über die Beziehungen, die es

zwischen Frankreich und Deutschland

gleich nach dem Krieg gegeben hat.

Und da zitiert sie zum Expressionismus,

was sie in den Archiven von Domnick

gefunden hat, einen Brief, den ich

Domnick geschickt habe, und wo ich

schreibe: „Das Wesen meiner Malerei

ist die Relation zwischen dem Gesamten

und den Farben,“ - das ist nicht neu, das

haben viele bereits vorher gesagt, aber ich

habe hinzugefügt: - „woraus sich der Sinn

bildet und auflöst, den man ihm

verleiht.“ Und das ist überhaupt

nicht expressionistisch, weil

es das expressionistische

Projekt der Kommunikation

ausschließt. Und ich sagte auch,

dass die Realität eines Werkes

durch eine dreifache Beziehung

besteht: zwischen dem Werk

selbst, den Zeichen des

Schaffenden und dem, der es

betrachtet. Der, der es anschaut,

ist nicht immer der selbe. Und

natürlich verändert sich das

auch über die Jahrhunderte.

Außerdem ist das die einzige

Erklärung, warum man zum

Beispiel mesopotamische Kunst

liebt. Diese Ideen sind mir

gekommen, als ich im Louvre

war. Ich mochte den Rücken

einer mesopotamischen Figur

aus schwarzem Basalt. Das hat

mich tief berührt. Ich sagte

mir: „Ich habe nicht die gleiche

Religion wie dieser Mensch,

der diese Skulptur geschaffen

hat, ich weiß nicht, warum er

diese Skulptur gemacht hat; vielleicht

war es, um einem Gott oder König zu

würdigen, den ich nicht kenne. Er lebte

in anderen sozialen Strukturen als ich.

Also was ist jetzt ein Kunstwerk? Es

ist ein Objekt, geschaffen von einem

Menschen, das fähig ist zu zeigen, was

investiert wurde.“

T. R.: Nun gibt es bei diesen 3 Elementen

auch den Faktor Zeit. Und es gibt den

Begriff, den sie formulierten: ‚in der

Materie gefangene Zeit‘. Also spielt

Zeit eine wesentliche Rolle in Bezug

auf das Werk, den Schaffenden und den

Rezipienten, wie zum Beispiel auch im

Gesamtwerk von Rothko und Newman.

P. S.: Um sich nicht in der Philosophie

zu verlieren, ist man besser konkret. Am

besten gehen wir von einem aktuellen

Schwarz ist die Farbe

vor dem Licht, es ist

das, was vor dem

Licht kommt. Es ist

eine Ursprungsfarbe,

kommt vor den Farben.

Ich glaube, Schwarz ist

eine Farbe, die uns sehr

tief berührt.

Werk aus. Mein Werk mit Schwarz

zum Beispiel: da ist nicht das Schwarz

wichtig, sondern die Reflektion des

Lichtes auf dem Schwarz, und das Licht

verändert sich durch das Schwarz. Und

wenn man so ein Bild anschaut, dann

sieht man, dass man nicht das Schwarz

sieht, man sieht das Licht des Bildes

auf sich zukommen, und der Raum des

Bildes entsteht vor dem Bild neu. Der

Peinture 81 x 65 cm, 1949 Öl auf Leinwand 81 x 65 cm

Fotonachweis: Photoatelier Laut, Wien © VBK, Wien, 2006

Sammlung Essl, Inv. Nr. 2813

Platz des Bildes an sich ist an der Wand,

in der Wand, aber nicht davor. Und du,

wenn du schaust, dann bist du im Raum

des Bildes. Das ist eine neue Weise,

Malerei zu verstehen. Und jetzt fangen

die Leute an, das zu verstehen; aber ich

mache das schon lange, ich habe damit

1979 begonnen. Und wenn man den

Ort der Betrachtung wechselt, kann man

dieses Bild neu sehen, und was man

dann sieht, ist in dieser Form, in diesem

Moment wieder die exakte Realität. Die

Relation zur Zeit besonders bei dieser

Art von Bildern ist wichtig.

In der aktuellen Ausstellung, die bei der

Sammlung Essl zu sehen ist, sind viele

Sachen vermischt, eine Essl-Kollektion.

Der wichtigste Teil der Ausstellung

ist die Essl-Sammlung meiner Bilder.

Im Gesamten aber habe ich über 1400

Bilder gemalt.

T. R.: Gestern bei der Eröffnung der

Ausstellung war ich sehr beeindruckt

vom größten Bild, eine Monochromie in

Schwarz. Es hat für mich eine sehr starke

Körperlichkeit und auch ein Gewicht

und eine Räumlichkeit. Und der zweite

Aspekt - die Distanz: wenn man näher

ist oder weiter weg, das Bild ermöglicht

jedes Mal eine andere Wahrnehmung.

P. S.: Ich höre das gerne. Von weitem

sieht es aus wie ein schwarzes Viereck.

Wenn man näher kommt, fängt man

an, Formen und Licht zu sehen, Licht,

das vom Bild zu dir kommt. Das ist der

Moment, den ich mag, weil in diesem

Augenblick ist der Raum des Bildes vor

dem Bild, und was du siehst ist Licht,

das vom Bild zu dir kommt.

T. R.: Ich habe empfunden, auch von

weiter weg, von 20 oder 30 Meter

Entfernung, dass die schwarze Fläche

lebt.

P. S.: Das ist sehr gut. Das schmeichelt.

Es gefällt mir, das zu hören.

T. R.: Zu dieser Art von Malerei ist ja ein

neuer Begriff entstanden: ‚Outrenoir‘.

P. S.: Ja, ich habe diesen Begriff

entwickelt. Also wir sagen zum Beispiel

manchmal ‚jenseits des Rheines/outre-

Rhin‘ oder ‚outre-Manche/jenseits

des Ärmelkanals‘, um über England

zu sprechen. Und wenn ich

schreibe ‚outrenoir‘, dann

ist gemeint, was sie vorher

beschrieben haben. Wenn wir

sagen ‚Ultraschwarz‘, meinen

wir schwärzer als schwarz,

‚outre‘ meint etwas anderes.

T. R.: Jetzt spielt ja nicht nur

die Reflektion des Lichtes

eine Rolle, sondern auch

ein mögliches geheimes,

verborgenes Licht.

P. S.: Es ist das Licht, das

mich interessiert. Ich bin noch

immer auf diesem Weg. Und

das Schwarz war für mich

schon immer wichtig, sogar als

ich noch Kind war, malte ich

schwarz. Ich tauchte meinen

Pinsel in das Tintenfass, um

Bilder zu malen. Man gab mir

Farben, ich bevorzugte aber

Schwarz. Und ich glaube, dass

das Schwarz eine sehr wichtige

Farbe ist. Bevor wir geboren

werden, bevor wir das Licht erblicken,

sind wir im alle im Schwarzen. Schwarz

ist die Farbe vor dem Licht, es ist das,

was vor dem Licht kommt. Vor dem Licht

war die Erde im Dunkeln. Es ist eine

Ursprungsfarbe, kommt vor den Farben.

Wenn man die ersten Zeichnungen

der Menschen betrachtet, das ist 320

Jahrhunderte her, das Christentum

und ebenso die monotheistischen

Religionen sind vielleicht 20 oder 26

Jahrhunderte alt. Die Bilder, von denen

ich spreche, sind 320 Jahrhunderte alt.

Die Menschen sind für Jahrhunderte

immer wieder zu den dunkelsten Orten

der Erde hinuntergegangen, in tiefe,

dunkle Höhlen. Und womit haben sie

dort gemalt? Mit Schwarz, nicht mit

Weiß, obwohl Weiß überall zu finden

ist. Man muss nur einen Stein nehmen,

und es geht schon. Ich glaube, Schwarz

ist eine Farbe, die uns sehr tief berührt.

T. R.: Es ist ja auch der Nachthimmel

schwarz, und wenn man die Erde

verlässt, ist der Kosmos, der universelle

Raum, schwarz.

P. S.: Ja, und die Welt endet im

Schwarzen, die schwarzen Löcher sind

das Ende unseres Sterns. Das ist das,

was ich im Kopf habe. Bevor wir geboren

werden, sind wir im Schwarzen; man

sagt ja oft statt ‚Er ist am soundsovielten

geboren‘,‚Er erblickte das Licht der

Welt am soundsovielten‘. Und dass die

Menschen an diese dunklen, schwarzen,

tiefen Orte der Erde gegangen sind, um

mit Schwarz zu malen, darüber sollte

man nachdenken.

T. R.: Schwarz steht ja auch für das

Unbewusste, im freudschen Sinne die

‚Black Box’, für die unergründlichen

Dinge in der menschlichen Seele.

P. S.: Bestimmt.

T. R.: Für unser Bewusstsein brauchen

wir Licht, auch um das Schwarz in

unserer dualen Welt wahrzunehmen.

P. S.: Wenn das Licht aber vom Schwarz

selber kommt, dann ist das auch sehr

interessant. Wie sie vorher gesagt

haben.

T. R.: Belegt man das Licht mit dem Weiß

und die feste Materie mit dem Schwarz,

dann sind das die Pole, zwischen denen

wir leben und hinein geboren werden.

P. S.: Aber das Licht aus dem Schwarz

ist nicht irgend ein Licht.

T. R.: Das ist ein wundervolles

Interview.

P. S.: Was sie über ihre Erfahrung mit

meinem großen, schwarzen Bild bei der

Sammlung Essl gesagt haben, hat mich

sehr gefreut. Das war ein guter Moment

für mich.

T. R.: Ich wünsche ihnen eine gute

Ausstellung und noch viel Gesundheit

und Glück für die Zukunft, für sie und

ihre Frau.

P. S.: Danke.


ST/A/R

Buch II – Leben

Nr. 10/2006 11

Biographie

Pierre Soulages wurde am 24. 12. 1919

in Rodez, Südfrankreich, geboren.

Im Jahre 1939 wird er an der Ecole

Nationale Supérieure des Beaux-Arts

aufgenommen. 1942 heiratet er Colette

und zieht 1946 mit ihr nach Courbevoie

bei Paris. 1948 nimmt er am Salon

des Réalités Nouvelles und an der

Wanderausstellung Große Ausstellung

französischer abstrakter Malerei in

Deutschland teil. 1953 besuchen ihn

österreichische Maler wie Arnulf Rainer

und Markus Prachensky, begleitet von

Monsignore Otto Mauer. 1954 findet

die erste Einzelausstellung in den USA

bei Samuel Kootz statt. 1960-61 wird

in der Kestnergesellschaft (Hannover),

im Museum Folkwang (Essen), im

Gemeentemuseum Den Haag und im

Kunsthaus Zürich eine erste retrospektive

Wanderausstellung gezeigt. 1967 findet

die erste Retrospektive in Frankreich

statt, im Pariser Musée National

d’Art Moderne. Es folgen zahlreiche

Ausstellungen in den führenden Museen

der Welt. Anfang 2007 wird im neu

renovierten Musée Fabre in Montpellier

eine Dauerausstellung von Soulages’

Hauptwerken eröffnet.

In Österreich wurden seine Werke

bereits in 4 Einzelausstellungen

gezeigt: 1962 Radierungen in der

Galerie im Griechenbeisl, Wien.;

1978 Arbeiten auf Papier in der

Galerie Ulysses, Wien; 1980 die

selbe Ausstellung im Salzburger

Künstlerhaus; und 1991 Soulages,

neue Werke im Museum

Moderner Kunst Stiftung Ludwig

Wien. Soulages hat auch an

etlichen Gruppenausstellungen in

Österreich teilgenommen. 2006

bekommt er das Österreichische

Ehrenzeichen für Wissenschaft

und Kunst verliehen.

Fotos: Thomas Redl

Derzeit sind Soulages’ Arbeiten bis 03. 09. 2006 bei der Einzelausstellung

Painting the Light in der Sammlung Essl zu sehen.

Peinture 223 x 223 cm, 20 mai 2000, Öl auf Leinwand 223 x 223 cm ,

Fotonachweis: Archiv des Künstlers © VBK, Wien, 2006 Sammlung Essl, Inv. Nr. 4810


ST/A/R Buch II – Leben Nr. 10/2006 13

Andrea Baczynski – Time of the East, Shanghai, 2006


14 Nr. 10/2006

Buch II – Leben

ST/A/R

Thomas Strobl – Malerei

Die ganze Idiotie dessen

– sich zu formulieren –

die ganze geistige Konstellation

zu verarbeiten

(irgendwie), wäre ja

ohne die Reflexion nicht

möglich.

Und wenn sich alles so

einfach durch sich selbst

teilen lassen würde, wäre

ich ja schon fertig mit

diesem Auftrag oder dieser

Aufgabe, mir so lange

den Kopf zu zerbrechen

bis etwas zerbricht ohne

wirklich zu zerbrechen

daran.

Thomas Strobl 2006

Schwester Maria # 1, Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm, 2005

Den Blick der anderen sich aus den Augen malen

Man könnte versuchen, verschiedene Arten gegenständlicher Malerei danach zu unterscheiden,

welche Absicht sie mit ihrem Gegenstand verfolgen. Es gibt Malerei, die sensibel reagieren will

auf den Gegenstand, die beschreibend einer gesehenen Wirklichkeit gerecht werden möchte.

Andererseits gibt es Malerei, die agieren will, die etwas kreieren möchte, herbeischaffen, vielleicht

sogar möglichst schnell. Ferner gibt es beispielsweise Malerei, die den Gegenstand behandelt,

um die Grenzen der Malerei zu erforschen, oder um zu spielen etc.

Es gibt aber auch eine Art von Malerei, deren Hauptabsicht darin besteht, einen bestimmten

Gegenstand zu bewältigen: ihn in eine Form zu bringen, um ihn zu überwinden, mit ihm

fertigzuwerden (so, wie man versucht, mit einem Schock fertigzuwerden oder mit einem

schmerzlichen Erlebnis): eine Anstrengung der Gegenwehr, Geste der Renitenz, des Ankämpfens,

getragen von der Sehnsucht des Schlußmachens.

Auszug aus dem Katalogtext “Werkschau” Herbert Lachmayer/ Robert Pfaller 1995

Thomas Strobl: geboren 1967 in Linz; studierte

Malerei an der Hochschule für künstlerische und

industrielle Gestaltung Linz; seit 1996 als Freischaffender

Maler und Grafiker tätig; lebt seit

2004 in Wien;

zahlreiche Ausstellungen, Ausstellungsbeteiligungen,

Filmvorführungen, Performances;

Mitglied bei Sixpackfilm Wien.

www.8ung.at/strobl

Atelier: 1170 Wien, Sautergasse 3

Blur, Öl auf Alumium, 50 x 50 cm, 2005

Portraitreihe “Selbstportrait”, Fotografie, 1973 - 2005


ST/A/R

Buch II – Leben

Nr. 10/2006 15

Ein archaisch-architektonisches Meisterwerk

Die Seebühne vom Bildhauer Hans Kupelwieser in Lunz am See,

ausgezeichnet mit dem Österreichischen Baupreis 2005

Kupelwieser

Visualisierung: Günther Dreger

Bei Kupelwiesers Meisterwerk „Seebühne“ wird

der ganze See Resonanzraum für den Ton, für den

auftretenden Künstler, und die Landschaft rund um den

See wird die malerische Kulisse, die sich unmerklich im

Laufe der Dämmerung ändert und damit seine eigene

Dramaturgie zeichnet. Die Verbindung von Kultur und

Natur ist in diesem Fall in einer genialen Weise gelungen.

„Eingetaucht im See, in der Spiegelung des Berges,

breitet sich jeder Ton aus wie eine unsichtbare Welle am

Wasserhorizont und findet dort seinen Raum, wie er ihn

auch in uns sucht, und findet er ihn dort, so gehen der

Innen- und Außenraum in Vibration zueinander, und es

verschwinden die Grenzen – jene Distanz zwischen Akteur

und Zuhörer, Mensch und Natur, und es spielt kein Rolle

mehr, wo und was man ist, diesseits oder jenseits, feste

Materie oder Äther, denn letztlich ist alles eins.“

Daten zur Seebühne:

Wettbewerb: September 2002, ausgeschrieben von

Kulturabteilung NÖ, kunst im öffentlichen raum

Thomas Redl

Planungsbeginn: Dezember 2002; Fertigstellung: Juni 2004

Künstlerisch skulpturales Konzept: Hans Kupelwieser, Wien,

Lunz; Mitarbeit Günther Dreger

Tragwerksplanung, Statik: Peter Resch, Werkraum Wien

Architektonische Umsetzung: Monika Trimmel, Werkraum Wien

Bauherr: Gemeinde Lunz

Jan Tabor über das Werk:

Hans Kupelwieser, der aus Lunz am See stammt und mit

diesem Ort eng verbunden ist, ist ein Bildhauer, der wie

ein Architekt denkt. Die wirklich guten Bildhauer denken

heutzutage so. So, wie gute Architekten heutzutage wie

Bildhauer denken. Von Kupelwieser ist die Seebühne und ihre

futuristische Ästhetik und ihre praktische Doppelbedeutung:

wenn nicht gespielt wird, kann gebadet werden: klassisches

freies Gewässerbaden mit sitzen, liegen, wasserspringen,

schwimmen – Seebühnebad.

Kupelwiesers Doppelmeisterwerk, dem die hochästhetische

Bau- und Kunstwerksidee zugrunde liegt, wurde vom

„Werkraum Wien“, einer Gruppe von Statikern und

Konstrukteuren, die wie Künstler denken, in die konstruktive

und funktionelle Wirklichkeit kongenial umgesetzt. Die

Form und die Ästhetik: weniger Hightech, mehr Apparat.

Artefactum sollte man es vielleicht nennen – wegen der

Archaik der Stiege im Hang, Typus Amphitheater und des

Floßes, Typus Ponton. Pontonus wie Nautillus: versenkbar im

Seewasser, wenn der Herbst kommt und die Badegäste gehen,

und auftauchbar, wenn der Frühling zurückkehrt und mit ihm

das Festival – Wellenklänge – und seine Musiker.

Vor der Vorstellung wird eine kleine Wasserpumpe

eingeschaltet, sie pumpt das Seewasser in eine große Wanne,

und diese hebt das Flugdach, das bis dahin so über die Stiege

gelegt war als wäre es kein Dach, sondern die Haut der

Stiege, in die luftige Höhe. Dann sitzen sie alle, Musiker und

Musikliebhaber, im Trockenen und erwarten das Konzert.

Alljährlich findet im Sommer auf der Seebühne das Festival

Wellenklänge statt. Intendantin: Suzie Heger

www.wellenklaenge.at

www.derbaupreis.at

Hans Kupelwieser auf der Seebühne

Endlich in Lunz am See!

Neben der Seebühne bietet Lunz am See jenen

Charme, den die Tourismusvermittler immer mit

„sanften Tourismus“ kommunizieren möchten

– keine Bausünden und geringe Bebauung generell,

traumhafte Wasserqualität des Sees, eine weitgehend

unberührte Natur und unweit im Ötscherland Wanderund

Bergsteigmöglichkeiten. Sommerfrische war, bevor

Tourismus ins Allgemeinbewusstsein schlüpfte, einmal

ein schönes Wort und mit einer Qualität verbunden

die heute rar ist. Lunz am See bietet diese Qualität

noch. Der Bootsverleih am See ist ein lebendiges

Beispiel dafür, um 2 Euro pro Stunde kann man ein

buntes Holzruderboot aus den 70er Jahren mieten und

mit der Seele baumelnd über das Tiefgrün

des Sees gleiten.

Sympathische Übernachtungsmöglichkeiten gibt es

mehrere: Privatpensionen und Urlaub am Bauernhof.

Sonntagsvormittag waren wir frühstücken am

Bauernhof „Glockriegl“ bei Peter und Herta

Grasberger: auf der Hausbank im Grünen bekamen

wir frisch geernteten Pfefferminztee, selbstgemachtes

Joghurt, weiche Eier, Bauernspeck, Bauernbrot und

wunderbaren Schafkäse – welch ein Glück. Die Familie

Grasberger vermietet auch Zimmer, bis jetzt war das

Haus immer voll, vielleicht haben wir beim nächsten

Mal Glück.

„Glockriegl“, Peter & Herta Grasberger,

Weissenbach 7, A-3293 Lunz am See

weitere Informationen unter www.lunz.at

Fotos: Heinz Kupelwieser


16 Nr. 10/2006

Buch II – Leben

ST/A/R

Nicht in Mörbisch, nicht in Salzburg sondern in Unter-Oberndorf im Wienerwald trafen sich

15 Künstler im Rahmen des “72 Stunden Joanelli Festes” - organisiert von Thomas Krösbacher

(Joanelli, 1060 Wien) - um die von ihnen in der Landschaft verteilten Kunstwerke gebührend zu

feiern. Die Veranstaltung fiel vor allem durch eine in sich ruhende Selbstgenügsamkeit angenehm

auf. Die Gäste, vorwiegend aus der “inneren Szene Wien”, assimilierten sich mit der Landschaft,

den Arbeiten und den Leuten vor Ort - angestrengtes Quotendenken wurde in der Hitze des

Sommers in Wien zurückgelassen. Freiwillige Feuerwehr und ortsansässige Gastronomie (Gasthaus

Familie Spanseiler) rundete das Bild zu einer seltenen Idylle ab.

Teilnehmer: Georg “Gogo” Bernhard / Thomas Draschan / Sofia Goscinski / Harald Grünauer

/ Mona Hahn / Philipp Haselwanter / Martin Kitzler / Wolfgang Obermair / Georgi Piralishvili /

Thomas Redl & Martin Vlk / Karin Sulimma / Stefan Waibel / Mounty R. P. Zentara / Christian Zillner.

Organisiert und kuratiert wurde das bis 15. August laufende Projekt von der Gallery AREA 53

(Mounty R. P. Zentara, Karin Sulimma).

Auf der Westautobahn in Preßbaum abfahren und westwärts weiter bis nach Unter-Oberndorf, dort folgt

man der Beschilderung Gasthaus Spanseiler.

Weitere Informationen bei: Gallery AREA 53 (phone. +43 676 621 56 60) und

JOANELLI bar cafe (Gumpendorferstr. / Ecke Joanellig., 1060 Wien)

Künstler auf Landpartie ist eine jährliche Initiative der Galerie AREA 53.

n Riccione Sommer 1939, Thomas Redl & Martin Vlk

Fotos: © Martin Vlk 2006

Verspannung, Martin Kitzler

Salzsee, Karin Sulimma

Zeppelin, Thomas Draschan

Foto © Mounty R. P. Zentara

Ring, Harald Grünauer

Wiese mit Objekten, Blickrichtung Westen

Eisenkäfig, Mounty R. P. Zentara

Fotofachlabor Kadmon GmbH

unsere Leistungen: Dia und Colornegativentwicklung, Duplikate,

Scans und Vergrößerungen

Telefon / Fax: 01/523 51 82

e-mail:offi ce@kadmon.at

1070 Wien, Lindengasse 7

www.kadmon.at


ST/A/R Buch III – Europa

Nr. 10/2006

17

ST/A/R zu Besuch im f.e.a. – forum experimenteller architektur

+ die architektur des würfels

Vortrag, anlässlich der Vernissage des f.e.a.-Würfels

(f.e.a. = forum experimentelle architektur)

Als einfachste Form der dritten Gegenstandsdimension entsteht aus dem

zweidimensionalen Quadrat der dreidimensionale Würfel, lateinisch

Kubus.

Das Verhältnis Oberfläche zu Volumen ist umso besser, je größer der

Würfel ist.

Bei 10-facher Kantenlänge ergibt sich ein 10-fach besseres

Verhältnis.

Bei Gebäuden heisst dies, eine wesentlich bessere

Energieeffizienz.

Seine Ungerichtetheit lässt den Kubus stabil wirken, er ruht

sicher und erhaben auf dem Boden.

Aus diesem Grund wurden immer wieder

Befestigungsanlagen aber auch Grabmäler mit kubischer

Form errichtet.

Wie etwa in Buchara, Usbekistan, das Tor zur Zitadelle

und das Samaniden-Mausoleum.

Aus dem Lösboden gegraben, bestimmen Innenhöfe

eine Bauern-Siedlung in der Nähe von Tonguan in

China.

L-förmige Treppen führen entlang der Hofwände nach

unten, in die Atrium-Wohnungen.

Oben sind Äcker und Wiesen.

Vom Flugzeug aus gesehen wirken die leeren

Volumen in der ebenen Landschaft als kubische

Negativform.

Erhabenheit sugerierende Atribute passen

natürlich auch gut für Kunstbehältnisse, wie hier

im Museumsquartier das Leopold Museum oder

während der Schweizer Expo.02 der Monolith von

Jean Nouvel.

Fenster des f.e.a. im MQ

Dieser befand sich während der Landesausstellung auf dem Murtensee, 200m vom Hafen Murten entfernt.

Mit seiner idealen, rostigen Würfelform von 34m Seitenlänge, stand er für die ausserhalb der Zeit liegende Welt der

Ideen.

Vom Ufer abgesondert und rostig, zeugte er gleichzeitig von der Vergänglichkeit und dem Zerfall der materiellen Welt.

In seinem Inneren wurden drei Panoramen kombiniert:

Hier wurde mit dem bewegten, computergesteuerten Rundbild der Gegenwart, dem historischen Schlachtenbild und dem

inszenierten Rundblick auf die Stadt Geschichte und Fiktion, Zeit und Wahrnehmung in Frage gestellt.

[Martin Tschanz,

Neue Zürcher Zeitung, 13.05.2002

Der Kubus war auch ein wesentlicher Teil der Formensprache von Louis Kahn.

Die freistehende Bibliothek von Exeter in New Hampshire

wirkt durch ihre gewollte Elementarhaftigkeit, die eine zeitlose Gültigkeit verkörpert.

Der Ziegel-Kubus, von einem gleichmäßigen Fensterraster durchbrochen, betont die Massivität des Bauwerkes.

Die zentrale Halle wird von den mit eingeschriebenen Kreisöffnungen durchbrochenen Beton-Seitenflächen eines Würfels

gebildet.

Durch diese riesigen Kreisöffnungen fällt der Blick auf die Holzbrüstungen der Geschoße.

Das Bauwerk kommt in seiner Erscheinung als Volumen zur Geltung.

Zwei leicht zueinander gedrehte Holzkuben, auf unverrückbar im Hang verankerten Sockeln aus Bruchstein, bilden Kahns Haus für

die Familie Norman Fisher, in Hatboro, Pennsylvania.

Sicherheit gebend und keinem Stil verpflichtet, stehen sie als Artefakt der Landschaft gegenüber, zu der über große Eckfenster

der Bezug hergestellt wird.

In Rotterdam schaffte Piet Bloom mit seinen auf die Spitzen gestellten, als Pfahlbauten errichteten

Wohnwürfeln eine Touristenattraktion.

Diese Art den Würfeltypus zu verwenden fand jedoch keine Nachahmer.

Sol LeWitt

gestaltete Kunstwerke durch die mehrmalige Verwendung gleicher Einheiten mit standardisierten Dimensionen in absoluter

Symmetrie. Als Pionier der konzeptionellen Kunst, fertigte er würfelförmige Leerräume, die durch schlanke Aluminiumkonturen

definiert werden.

Ein würfelförmige Leerraum

ist auch der den Innenraum erweiternde f.e.a.-Würfel:

eine filigrane, kubische Konstruktion, flexibel mit wechselnder Erscheinungsform und spannenden Schattenwurf

soll durch wechselnde Bespielung von Künstlerinnen und Künstlern, Architektinnen und Architekten, mit Bedeutung gefüllt werden.

Nicole Sabella : Das Rohe und das Schöne


18 Nr. 10/2006

Buch III – Europa

ST/A/R

ATLANTEN

Meisterwerk des Slowakischen Künstlers Jan Fekete


ST/A/R

Buch III – Europa

Nr. 10/2006 19

KARIATYDEN

Träger der Architektur

Karin Grausam Foto © Heidulf Gerngross


ST/A/R Buch III – Europa Nr. 10/2006 21

STAR Architekten – driendl*architects

Atlanten und Schnecken im Stift Klosterneuburg


22 Nr. 10/2006

Buch III – Europa

ST/A/R

LOD 2006 – Landscapes of desire – 16. Int.

Schloss Fertörákos, Ungarn 14. – 29. Juli 2006

Foto ©2006 Szymon Olszowski

The incredible Caro Fekete-Kaiser, initator of the wonderful

transnational LOD symposium in front of the first archiquant

house – ADAM&EVA – made in Fertörákos fertörákos

powered by IVF, Bratislava*IMFUNDISO, South Africa*NDU, St.Pölten*BKAKunst, Wien*Gemeinde Fertörákos


ST/A/R

Buch III – Europa

Nr. 10/2006 23

Kunstsymposium – KulturAXE

www.kulturaxe.com

Jan Fekete


24 Nr. 10/2006

Buch III – Europa

ST/A/R

Schnackansax

für Jan Tabor

von Gabriele Petricek

dia zwai Schnackankörpar varschmiagt zum allain

Ainzig Saum an Saum aufgabäumt Fuß in Fuß varschlaimt

dia Häusar statischa Ankarung Körpar in Varwindung

allarlangsamst innigst ain parsonifiziartar Kuß

gablähtas Harmoniaflaisch im Rausch Vulvan und Panissa

zarglaicht das Schnackanganza im Schnackanglanza

viskos langsam langsam immar waitar kain Untarlass

Gaduld ain Wonnig Langsam varzwait zuzwait im Vargass

das Schlaims im Zärtlich das Fühlartanzas so innig

varlaibt übarwölbt gaschaukalt gatriaban varschwört

so fain ain Schnirkalfast

dia zwai Schnirkalschnackan varschmust im

Glaichschmirgal Rand an Rand varfugt gänzlich Mund

in Mund varschlungan dia Molluskanandan hintanaus

gaardat Laibar varschnackt varzückt allarlangsamst

zaitgalupt ain wohltampariartas Körpargafüga gadahnta

Anmut im Glaichmaß Gliad und Vagina varwandt das

Schnirkalschnack im Schnackanschlaim klabrig langsam

langsam mahr noch kain Abrupt Hingaba ain Himmlisch

Langsam varzwaigt awig im Aifar dar Glitschatüda so haiß

varliabt übarbordat baschwingt gabohrt varzwittart so

alagant ain Schnacksalfast im Schnackantampo,

Schnirkelschneckenpaar in Velika Polana, Slowenien

von 10.06.2006 16:45:08 – 11.06.2006 12:23:25

johannka


ST/A/R Nr. 10/2006

Buch IV – Kunst

25

Normalität ist der Ausgangspunkt

Art / Brut Center in Gugging eröffnet

Normalität

Interview mit Johannes Feilacher,

dem Leiter des Museums Gugging

ST/A/R: Seit den 70er Jahren hat sich

unter der Leitung von Dr. Navratil

hier in Gugging ein Künstlerzentrum

entwickelt, das Sie übernommen und

weitergeführt haben. Wie war die

Entwicklung seit dem Beginn und auch

während der letzten fünfzehn Jahre?

Johannes Feilacher: Navratil hat in

den 60er Jahren über Testzeichnungen

zufällig Talente entdeckt, die er Jean

Dubuffet vorgestellt hat, der die

Werke zur Art Brut gezählt und damit

gleichzeitig anerkannt hat. Navratil hat

dann in Richtung Kunst weitergearbeitet,

wobei er stets Psychiatrie und Kunst

verbunden hat. 1965 hat er ein erstes

Buch herausgegeben, das vorwiegend

auf zeitgenössische Künstler gewirkt

hat (Arnulf Rainer, Franz Ringel,

Peter Pongratz, ...), nicht jedoch auf

die Psychiater. 1970 fand die erste

Ausstellung in Wien statt. Danach gab

es einzelne, verstreute Ausstellungen

und ab dem Jahr 1979 auch Tourneen.

Es folgte die erste Präsentation im

Museum des 20. Jahrhunderts.

Schließlich kam es 1971 zur Gründung

des damals so genannten Zentrums

für Kunstpsychotherapie. Navratil

hatte einen alten, kleinen Pavillon

umwidmen können und hat dort jene

Leute angesiedelt, die sich schon vorher

als Talente bewiesen haben und noch

einige andere dazu. Dieser kleine

Pavillon wurde im Jahre 1981 eröffnet.

1983 hat mich Navratil hierher geholt,

weil er einen Nachfolger gesucht hat.

Drei Jahre später ist er in Pension

gegangen. Das erste, was ich getan habe,

war, das Zentrum umzubenennen, in

Haus der Künstler. Mich interessierte

immer das Talent des Einzelnen

und nicht seine private oder sonstige

Krankengeschichte. Wenn jemand eine

Behinderung oder Erkrankung hat,

ist das etwas Privates und hat in der

Öffentlichkeit nichts zu suchen. Das

Haus der Künstler ist eine Institution,

die einzelne Künstler fördert, die

das selber nicht können, einzelne

Talente, die aufgrund irgendwelcher

Schwierigkeiten nicht fähig sind, ihre

eigene Arbeit zu vermarkten oder sie

herzuzeigen. Ich bin im Prinzip

immer ein Helfer der Künstler

gewesen und habe im Laufe der

Zeit verschiedene Institutionen

gegründet. Eine der wesentlichen

war ein Förderverein, um auch

Leute anstellen zu können. Das

zweite war, dass ich einen privaten

Vertrag ausgearbeitet habe, in dem

die Künstler zu Besitzern einer

Kommanditerwerbsgesellschaft werden

konnten. Ich wollte eine Galerie gründen

im Sinne einer Produzentengalerie, wo

die Künstler selber die Besitzer sind.

Das war damals einmalig und ist es

auch heute noch, dass eine Gesellschaft

im Besitz von voll besachwalteten

Personen ist, die alle nur durch ihre

Rechtsanwälte vertreten sind. Das allein

hat drei Jahre gedauert, bis alles hiebund

stichfest war. Der nächste Schritt

war die Befreiung aus der Psychiatrie,

das Haus war ja noch ein Pavillon der

Klinik. Im Jahre 2000 wurde es völlig

unabhängig.

ST/A/R: Mit der Eröffnung des

Museums ist ein bestimmter Höhepunkt

erreicht, und ein einmaliges

europäisches Zentrum für Art Brut

entstanden.

J. F.: Europäisch ist richtig. Es gibt zwar

eine klassische museale Sammlung, die

Collection de l’art brut in Lausanne/

Ch, die kleine Ausstellungen zeigt,

nicht sehr viel Platz hat und sehr

monoklonal arbeitet, das heißt, primär

klare klassische Art Brut zeigt und

sonst nichts. Dann gibt es einige

Museen zeitgenössischer Art, die auch

kleine Departments dabei haben, wie

in Dublin oder in Lille, dann gibt es ein

Visionary Art Museum in Baltimore,

das war’s. Aber dieses Museum wird das

erste für Art Brut sein, das aber nicht

nur für Art Brut da sein soll, sondern

es soll den Weg, den wir seit 20 Jahren

verfolgen, nämlich die Art Brut mit

Mainstream Art zu mischen und zu

zeigen, dass Art Brut eine Richtung

der Kunst ist, wie viele andere auch,

dass sie weder besser noch schlechter

ist, aber mindestens gleich gut. Das

können wir hier in diesem Haus

zeigen. Natürlich ist der Schwerpunkt

Gugging, eine Hälfte von 1300 - 1400

Am 28. Juni wurde das Museum Gugging als weltweit

einzigartiges Art / Brut Center eröffnet. Das Museum ist als Ort

konzipiert, an dem sich die Art Brut mit anderen Kunstrichtungen

treffen, ergänzen und auch messen wird können, ein Treffpunkt

für Diskussion und Diskurs. Schwerpunkt bleibt dabei die

Präsentation der Werke der Gugginger Künstler. Dem Museum

steht eine Ausstellungsfläche von rund 1.300 m2 zur Verfügung.

Darüber hinaus gibt es eine Bibliothek, ein Bildarchiv, Lager- und

Arbeitsräume für Kuratoren sowie einen Multimediaraum.

Dem Museum wird noch ein Museumsshop angeschlossen sein,

ein Café-Restaurant soll 2007 in Betrieb gehen. Das Museum

ist in das Art / Brut Center Gugging integriert, zu dem noch die

Galerie der Künstler aus Gugging, das Offene Atelier Gugging,

Arbeitsräume sowie eine Veranstaltungshalle, die „Villa“, für

Symposien, Konzerte und Ähnliches zählen.

Die Eröffnungsausstellung

„Blug - vier Jahrzehnte Kunst aus Gugging“

präsentiert rund 650 Arbeiten, Zeichnungen, Malereien, Objekte

und auch Radierungen der international bekannten Art Brut

Künstler August Walla, Oswald Tschirtner und Johann Hauser,

sowie auch jener gegenwärtig im Haus der Künstler lebenden, zu

nennen sind da: Johann Fischer, Johann Garber, Franz Kernbeis,

Johann Korec, Heinrich Reisenbauer, Arnold Schmidt, Günther

Schützenhofer und Karl Vondal. Sowie jene aus den 70er Jahren,

wie Josef Bachler, Josef Blahaut, Anton Dobay, Franz Gableck,

Rudolf Horacek, Franz Kamlander, Fritz Koller, Rudolf Limberger,

Otto Prinz, Philipp Schöpke und Erich Zittra.

„Blug“, der Titel dieser ersten Ausstellung, ist einer Arbeit von

Franz Kernbeis entnommen und bedeutet „Pflug“ - Der Acker

ist bestellt!

Die Ausstellung dauert vom 30. Juni - 14. Jänner 2007.

Anschließend soll sie auf Welttournee gehen.

Zur Schau ist das Buch „Blug. Gugging - ein Ort der Kunst“ im

Brandstätter-Verlag erschienen.

Informationen

Museum Gugging - Art / Brut Center, 3400 Maria Gugging /

Klosterneuburg, Hauptstraße 2,

Ausstellung „Blug“: 30. Juni - 14. Jänner 2007.

Das Museum ist Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr (im

Winter bis 17.00 Uhr) geöffnet, die Galerie Dienstag bis Samstag.

Tel.: +43 (0) 664 8490695

Web: http://www.gugging.org


26 Nr. 10/2006

Buch IV – Kunst

ST/A/R

Quadratmetern Ausstellungsfläche wird

immer Gugging sein, aber nicht immer

die selben Künstler zeigen, sondern auch

verschiedene Sammlungen und Arbeiten

aus verschiedenen Zeiten. Parallel dazu

kommen z. B. Themenausstellungen,

die blindest bestückt werden können,

mit zeitgenössischer Kunst, Tribal Art

oder was auch immer. Diese Vernetzung

ist eine ganz wichtige Sache, die wir bis

jetzt in New York praktiziert haben, in

der St. Etienne oder im Palazzo Ducale

in Mailand, aber hier in einem Zentrum,

Von den Künstlern gestalteter Eingang, Haus der Künstler

wo das auch permanent stattfinden

kann, das ist weltweit einmalig.

ST/A/R: Jetzt ist dieses Zentrum auch

gleichzeitig ein Produzentenhaus, es

gibt ja das Haus der Künstler, und auch

hier im Museum wird gearbeitet. Eine

Verbindung zwischen Tätigsein und

auch Präsentation ...

J. F.: Ja, es ist vor allem ein lebendiges

Zentrum, hier wird gearbeitet, es gibt

Ateliers, eine eigene Galerie, das heißt,

hier passiert etwas. Da wird nicht nur

hergezeigt, sondert da gibt es auch

Action, hier können Verbindungen

zwischen Sammler, Betrachter und dem

Künstler entstehen.

ST/A/R: Wie kommen Sie eigentlich zu

den neueren Künstlern?

J. F.: Durch einen Findungsprozess.

Es ist genauso schwierig, einen guten

Art Brut Künstler zu finden, wie es

schwierig ist, überhaupt einen guten

Künstler zu finden. In der Art Brut gibt

es sicher nicht mehr Talente als in jeder

anderen Kunstrichtung auch. Das ist

eine Frage des Qualitätsanspruchs. Es ist

sehr schwierig, wirklich hervorragende

Talente zu finden. Das Problem besteht

vor allem darin, dass solche Begabungen

fast nie erkannt werden, sie sich selber

kaum zeigen, dass sie sich selber

nicht präsentieren, wie der normale

Mainstream Art Künstler, der auch

immer eine sehr starke narzisstische

Ader hat. Viele arbeiten einfach im

Untergrund und für sich selbst.

ST/A/R: Die Art Brut Künstler arbeiten

auch für sich selbst?

J. F.: Nicht alle. Manche brauchen

einen Anstoß. Die wissen gar nichts

von ihrem Talent. Wir bekommen zwar

viele Empfehlungen, die aber fast nie

unseren Vorstellungen entsprechen, da

sie oft von Menschen

kommen, die einer

Durchschnittsästhetik

anhängen. Am

einfachsten findet man

einen guten Art Brut

Künstler, indem man im

Mistkübel stöbert. Was

die meisten Menschen

nicht erkennen können,

weil es ihnen zu neu,

zu fremd, zu anders

ist, findet man im

Mistkübel.

ST/A/R: Und wie

kommen Sie zu den

Mistkübelzeichnungen?

J. F.: Zufällig oft.

Natürlich schaue ich auch

nach. Aber häufig sind

es viele, viele Kontakte,

die irgendwann einmal

fruchten. Allerdings

glaube ich, dass sich

noch viel mehr Leute an

uns wenden und hierher

kommen werden, wenn

es uns gelungen ist, klar zu

vermitteln, dass wir unser Know How

allen anbieten, die Begabung zeigen.

Wir haben Künstler aus Deutschland,

die hier als Artists in Residence arbeiten,

ein offenes Atelier, welches täglich 12

Leute aufsuchen, die zum Teil aus Wien

kommen, aber auch aus verschiedenen

anderen Gegenden, einige aus der

Psychiatrie. Manchmal sind Schriftsteller

anwesend, die das Flair der Stimmung

genießen und in der Gruppe schreiben.

Dieses offene Atelier ist natürlich auch

eine Screening-Methode, um Talente

zu orten. Das größte Problem jedoch

erzeugen nicht die Talente, sondern

durchwegs jene, die mit ihnen umgehen,

weil sie sie zu beeinflussen versuchen.

Das ist genau das Falscheste, was man

tun kann.

ST/A/R: Das bedeutet auch, dass die

Arbeiten zumeist falsch verstanden

werden?

J. F.: Die Rezeption geschieht großteils

unter psychologischen, psychiatrischen,

psychopathologischen oder unter

sozialen Aspekten. Das ist falsch. Seit

zwei Jahrzehnten versuche ich, Leuten

das Sehen zu ermöglichen. Sie sollen

einmal ihr Hirn ausschalten und

einfach das sehen, was gerade zu sehen

ist und nicht ihre eigenen Vorurteile

benutzen, um das Bild gelb, rot oder

braun einzufärben. Wenn man eine

Ausstellung macht und vorne drauf

schreibt Zeichnungen von Schizophrenen,

dann sehen die Leute alles, nur nicht

die Zeichnungen. Macht man jedoch

eine ganz normale Kunstausstellung,

mit Künstlern die halt niemand kennt,

wie wir das in Italien beispielsweise

praktiziert haben, werden die Arbeiten

plötzlich ganz klar als zeitgenössische

Kunst erkannt und auch als solche

rezipiert. Das Problem ist, vor allem hier

in Wien und in Österreich, das Vorurteil,

mit dem viele auf diese Bilder zugehen.

ST/A/R: Das Vorurteil des Kontextes?

J. F.: Ja, genau, und ich versuche, die

Storys auszuschalten. Wenn ich eine

Story brauche, um Bilder zu sehen, dann

bin ich blind, dann interessiert mich

Literatur oder irgendetwas anderes, aber

sicher nicht das Bild.

ST/A/R: Kommen die Künstler

ausschließlich aus dem psychiatrischen

Umfeld?

J. F.: Prinzipiell kommen Art Brut

Künstler nicht primär aus einem

psychiatrischen Umfeld, aber zu

einem großen Teil ist dies schon so

der Fall. Die meisten sind Außenseiter

in der Gesellschaft, mit ganz wenigen

Ausnahmen. Einige können sich selber

Es ist genauso schwierig

ein guter Rezipient, wie

ein guter Künstler zu

sein.

managen und sind trotzdem Art Brut,

werden auch von Dubuffet anerkannt.

Aber alle haben eines gemeinsam, sie

interessieren sich nicht für Kunst. Das

ist das ganz Wesentliche. Ihre Werke

sind nicht durch Kunst beeinflusst. Sie

sind durch das Leben beeinflusst, durch

ihre Umgebung, durch ihre sozialen

Schmelzer, Haus der Künstler

Kontakte, aber nicht durch Kunst. Das

ist auch das Wertvolle daran. Das ist

das, worum andere Künstler 20 Jahre

lang raufen. 10 Jahre versuchen sie,

die eigene Kunst aufzubauen, dann

brauchen sie die nächsten 10 Jahre, um

alles wieder abzubauen. Wenn man viel

Glück hat, ist man dann dort, wo man

vorher war.

ST/A/R: Ästhetisch gesehen gibt

es einerseits eine Verbindung zu

Kinderzeichnungen, zu deren

ursprünglicher Kraft, und auch zur

primitiven Kunst, was Bildsprache,

Darstellung, Ikonografie betrifft.

J. F.: Stimmt nicht ganz.

Kinderzeichnungen haben eine

klare Symptomatik, das heißt, ein

bestimmtes Alter bringt bestimme

Kinderzeichnungen hervor. Natürlich

gibt es auch bei den Kindern besondere

Talente, aber die sind genauso selten

wie unter Erwachsenen. Ich glaube,

dass es echte Kinderkunst gibt, diese hat

jedoch nichts damit zu tun, was man

im Kindergarten oder in der Schule zu

sehen bekommt, denn dabei handelt

es sich zumeist um altersspezifische

Symptome.

ST/A/R: Kunst wäre demnach eine

Verrückung von Mustern?

J. F.: Wenn man Zeichnungen von

psychisch Kranken hernimmt, dann

weisen diese zu 99 Prozent Symptome

auf, die einander ähneln. Wenn jemand

einen bestimmten Wahn hat, zeichnet er

ähnlich wie ein anderer, der den selben

Wahn hat. Das hat auch nichts mit Kunst

zu tun. Künstler ist der, der es schafft,

über das Symptom hinauszukommen

und eine Individualität zu erschaffen.

Kopffüßler zeichnen Kinder, zeichnen

Schizophrene, zeichnen Leute mit

Schlaganfällen, zeichnen konventionelle

Künstler. Wenn Sie sich eine Tschirtner-

Zeichnung ansehen, und es handelt sich

dabei um einen Kopffüßler, dann wissen

Sie, BUMM, das ist ein Tschirtner.

Das heißt, Sie denken nicht über den

Inhalt nach, sondern Tschirtner hat

eine Individualität geschaffen, die weit

über das Symptom Kopffüßler hinaus

geht. Dann würde ich es Kunst nennen.

Meine subjektive Vorstellung von Kunst

ist, dass ein Werk einmalig sein soll.


ST/A/R

Buch IV – Kunst

Nr. 10/2006 27

ST/A/R: Weil es eine ganz spezifische

Kraft besitzt?

J. F.: Genau darum geht es. Wenn Sie

die Theorien von Mondrian lesen, dann

müsste jeder Kunst machen können.

Man schreibt Regeln auf, wie etwas zu

handhaben ist, damit es Kunst wird,

und hält sich anschließend daran. Aber

Mondrian bricht diese von ihm selbst

aufgestellten Regeln in jedem einzelnen

Bild. Er bricht sie immer, und genau

dieser kleine Bruch, dieser Unterschied

ist es, der seine Kunst und Individualität

ausmacht. Als Künstler muss man etwas

erweitern, muss man etwas verändern,

Neues schaffen. Das ist das Wesentliche,

dieses Darüberhinausgehen.

eignet man sich eine Ästhetik in den

ersten zwanzig Lebensjahren an. Das

hängt davon ab, wie viel man sieht,

was man sieht und wie das, was man

sieht, konnotiert ist, ob beispielsweise

die Eltern oder die Lehrer etwas positiv

oder negativ anschauen, und was daraus

resultiert. Erst dann kann man als

Rezipient, wenn man Talent besitzt,

weitergehen. Es ist genauso schwierig

ein guter Rezipient, wie ein guter

Künstler zu sein.

ST/A/R: Gibt es in der Art Brut

eine erkennbare Entwicklung, einen

künstlerischen Fortschritt, wenn

man von Patterns ausgeht, die wir

wahrnehmen, und die von den Künstlern

J. F.: Worte sind Symbole und werden

direkt oder indirekt verwendet. August

Walla und Johann Fischer arbeiten

beispielsweise damit. Fischer fing

allerdings erst vor 10 Jahren an, ins Bild

zu schreiben. Die Schrift ist ja auch ein

grafisches Element und dominiert zum

Teil die Arbeit von August Walla. Das

Erzählen spielt gegenwärtig bei Karl

Vondal eine große Rolle.

ST/A/R: Es entstehen ganze

Kosmologien. Die künstlerische Arbeit

hat auch einen starken kommunikativen

Charakter, sie bringen ihre

Weltwahrnehmung auf ein Medium.

Damit haben sie einen Anschluss, der

in anderen Bereichen nicht so gegeben

ist.

ST/A/R: Es muss dafür natürlich auch

die Leute geben, die solches erkennen.

J. F.: Das ist überall so.

ST/A/R: Weil Sie vorher gemeint haben,

dass ein „herkömmlicher“ Künstler seine

Kunst 10 Jahre aufbauen, dann wiederum

die selbe 10 Jahren lang abbauen muss,

um vielleicht seine Individualität oder

etwas darüber hinaus reichendes zum

Ausdruck und zum Vorschein bringen

zu können, auch der Rezipient ...

J. F.: Der Rezipient muss die selbe

Entwicklung durchmachen. Normal

verändert oder erweitert werden?

J. F.: Jeder gute Art Brut Künstler macht

eine Entwicklung durch wie jeder

andere Künstler auch. Aber das einzige,

was die Art Brut Künstler gemeinsam

haben, ist, dass sie, stilistisch gesehen,

nichts gemeinsam haben. Alle arbeiten

völlig individuell und unabhängig

voneinander. Inhalte wiederholen sich

überall, nur die Formen sind anders.

ST/A/R: In einzelnen Arbeiten spielt

das Wort eine wichtige Rolle, damit wird

eine Verbindung von Darstellung und

Beschreibung geschaffen.

J. F.:: Im Prinzip ist jede Kunst

Kommunikation, zumindest indirekt.

ST/A/R: Es gibt auch Pläne, wie sich

das Zentrum weiter entwickeln soll, mit

einem Veranstaltungsraum.

J. F.: Für den auch bereits ein Programm

für das nächste Jahr vorbereitet wird,

mit musikalischen Veranstaltungen,

Symposien, Vorträgen und Lesungen.

Dieses Zentrum soll auch am

Wochenende besucht werden können.

Man kann hier im Wienerwald spazieren,

danach geht man ins Restaurant essen,

lässt die Kinder am Spielplatz, schaut

sich die Ausstellung an, kauft sich etwas

im Shop, geht in die Galerie, kauft

sich ein Bild, am Abend besucht man

ein Konzert und hinterher trinkt man

einen Schluck Wein. Danach geht man

befriedigt nach Hause. Das ist das Ziel,

es soll auch ein Ort des Lebens sein.

Deswegen will ich auch ein Restaurant.

Genauso gehört ein Shop dazu, in dem

es die größte Auswahl von Art Brut

Büchern weltweit geben soll.

ST/A/R: Abschließende Frage: Wenn

Bilder verkauft werden, wie viel bekommt

davon der Künstler?

J. F.: Der Künstler besitzt einmal seine

eigene Galerie. Er stellt sich selber

seine Galeristin an und hat einen

Kommissionsvertrag. Bisher hatte der

Künstler 30 Prozent von der Summe

abgegeben. Seit es diese größere Galerie

gibt, mussten wir den Prozentsatz auf

die galerieüblichen 50 Prozent anheben.

Macht die Galerie einen Gewinn, gehört

dieser natürlich wieder dem Künstler.

Er hat die selben Konditionen wie jeder

andere freischaffende Künstler.

Das Gespräch führten Thomas Redl

und Dieter Sperl

Farbfotos: Gerald Kofl er © 2006, Impressionen vom Eröffnungsabend des Museums

S/W Fotos: Thomas Redl © 2006

August Walla Zimmer,

Haus der Künstler


ST/A/R Buch IV – Kunst Nr. 10/2006 29

Padhi Frieberger, mit Huik Taylor, 1960, Selbstauslöser - Aufnahmen

Summer of Love - Psychedelische Kunst der 60er Jahre KUNSTHALLE wien bis 17. September 2006

Internationale KünstlerInnen | International Artists: Isaac Abrams, Ant Farm, Archigram, Richard Avedon, Thomas Bayrle, Cecil Beaton, Lynda Benglis, Mark Boyle/Joan Hills, Bernard Cohen, Öyvind Fahlström, Richard Hamilton, Robert Indiana, Abdul Mati Klarwein,

Yayoi Kusama, John McCracken, Verner Panton, Nam June Paik, Adrian Piper, Lucas Samaras, Peter Sedgley, Graham Stevens, USCO, Andy Warhol, James Whitney, Joshua White, Thomas Wilfred, Jud Yalkut, La Monte Young, u.a.

Österreichische KünstlerInnen | Austrian Artists: Raimund Abraham, Christian Ludwig Attersee, Heinz Frank, Padhi Frieberger, Ernst Fuchs, Coop Himmelb(l)au, Hans Hollein, Haus-Rucker-Co, Marcel Houf, Friedensreich Hundertwasser, Johann Jascha, Isolde Joham,

Max Peintner, Walter Pichler, Klaus Pinter, Arnulf Rainer, Alfons Schilling, Christian Skrein, Zünd-Up


30 Nr. 10/2006

Buch IV – Kunst

ST/A/R

„Salzburg via New York“ - ein Reisebericht von Herbert Wulz

Cool und testosteronhaltig ist die Air am Hangar 7, beeindruckend die Konstruktion, perfekt das Service.

Aber nicht Air & Kulinarik sind das Thema dieses Nachmittags, sondern Art.

Die HangART-7 Edition 4 präsentiert vom 8. Juli bis zum 25. August 2006

New York Contemporary : Art Times Squared

Am in der Hitze flimmernden Parkplatz lärmt und

riecht es nach Airport. Wo sind die Bilder von John

Lurie und die Kunst in diesem Besser-Schneller-Schöner,

ist die zentrale Frage während unserer Ankunft. Hier

versteckt? Zwischen Flugzeugen, Autos und den

anderen Objekten der wackeren Erfolgsgesellschaft?

Tatsächlich hier - sogar bei freiem Eintritt. Der

rasche Blick von außen erlaubt nicht mehr viel, das

Hormonprogramm wirkt am ganzen Gelände. Sehr

rasch spielt unser Kompass verrückt, und wir finden uns

am Rande eines Flughafens in einer Bar mit perfekten

Drinks wieder. Es ist so heiß an diesem Julitag, willig

folgen wir daher allem, was cool ist. Draußen flitzen

Yellow Cabs über den Asphalt, vermutlich laden sie die

Salzburger nach New York ein, oder was auch immer.

Sieben Künstler, sieben Kuratoren, ein Katalog, eine

Zeitung und eine Stadt. Nach sehr erfolgreichen

Ausstellungen mit Künstlern aus Österreich, China

und Spanien wird nun, es ist die Edition 4, mit New

York erstmals eine einzige Stadt ins Visier genommen.

HangART-7 legt den Fokus auf den Big Apple.

Es wird zum Abflug gerufen, die Führung beginnt,

cool schälen wir uns von der Couch und hauchen uns

in den Hangar. Autos, Flugzeuge, Autos, Helikopter

und Paneele mit Kunst. Immerhin, die Kunst hat

ihren eigenen Sektor, nicht wie in der Kreissparkasse,

aufgelockert zwischen dem Wichtigeren verteilt.

Schnell finde ich John Lurie, besser bekannt als Musiker

oder Darsteller in Filmen wie „Stranger then Paradise“

oder „Down by Law“. In Luries Arbeiten gibt es eine

ganze Menagerie von Tieren. Seltsame Bemerkungen

wie „New York is for idiots“ oder „If you marry me,

we can live here“ geben seinen Aquarellen die (von

mir) erwartete Botschaft. Sie wirken ehrlich und

empfindsam. Seine Tiere sind nicht die Geschöpfe aus

Kindertagebüchern, sondern hartgesottene Biester

mit mythischen Dimensionen. Er ist mein Bestätigungs-

NewYorker, die anderen kenne ich noch nicht. John

Lurie, geboren 1952 in Minneapolis, kuratiert von

Alanna Heiss.

Bradley Castellanos steht am Abgrund der Fotographie.

In „Bad Country“, schräg gegenüber eines F1-Boliden,

mixt er Malerei mit Fotographie. Ein Spezialist für

Innen- und Außenansicht mit toxischer Pinselführung.

Bradley Castellanos, geboren 1974 in Hartford CT,

kuratiert von Dan Cameron.

Der bekannte Kurator Jeffrey Deitch bringt Kehinde

Wiley in den Hangar. Er thematisiert mittels eines

in Europa beinahe ausgestorbenen Genres, der

Porträtmalerei. Passing/Posing fügt Afroamerikaner in

eine Tradition der Malerei ein, aus der sie in der Regel

ausgeschlossen waren. Wiley malt mit fotorealistischer

Genauigkeit. Das Resultat seiner Vorgangsweise nennt

er Anti-Porträt-Malerei. Kehinde Wiley, geboren 1977

in Los Angeles.

Viel los ist in der Welt von Dasha Shishkin. Sie

indiziert eine Vielzahl von Assoziationen. Vorder- und

Hintergrund scheinen sich zu widersprechen. Bei Tod,

Sex, Konsum und Gewalt überlässt sie es dem Betrachter

die verschiedenen Elemente in Zusammenhang zu

bringen.

Das ist mir im Moment zuviel Arbeit, vor allem wenn

die Vermutung dräut, dass ihre Welt nicht zur Gänze

zu entschlüsseln ist. Dasha Shishkin, geboren 1977 in

Moskau, kuratiert von Simone Subal.

Zachary Clement ist dynamisch und expressionistisch,

seine Bilder sind Selbstporträts. Er malt, weil er sich

gut dabei fühlt. Friede und Harmonie sind nicht

spürbar, wozu auch. Die Heftigkeit bringt einen ins

Lot und aktiviert das dritte Auge. Aufgewachsen ist er

in einer kleinen Stadt in Nebraska. „Komplett isoliert

von jeglicher kreativen Schiene“, wie ich dem Katalog

entnehme. Mir kommt das bekannt vor, alles: der

Umgang mit der Schiene und die Malerei. Ich denke

- er wahrscheinlich nicht - an Egon Schiele und Edvard

Munch. Zachary Clement, geboren 1974 in Omaha,

kuratiert von Ombretta Agro Andruff.

Die Werke von Ed Rath sind bestimmt vom Verlangen

nach einer besseren Welt. Einer Welt, in der jeder ein

erfülltes Leben führen kann. „The Everyday World“

oder „Milk and Honey“ erzählen dies mit gelebter

Erfahrung. Allerdings und hochinteressant: das Ganze

ist mit Präzision geträumt. „Elements of Disaster“

erinnert an die Rückseite des Träumens. Lady Liberty

vor zwei brennenden Türmen. Ed Rath is an angry

young man, angry old man; could have been better,

could have been worse ..., kuratiert von David Reed.

Die Ideentafeln von Jules de Balincourt holen mich im

New York von Ed Rath wieder ab. Ich sehe ein Bild - er

nennt es „Untitled (Diptych)“ - und denke an Berlin.

Nicht ein einziges Versatzstück erinnert daran. Es ist

die Mitte einer Stadt, weit und flach die Hierarchie.

Eine Passage später vernehme ich, dass er tatsächlich

dort gelebt hat. Wie macht er das? Ich suche,

suche weiter, gehe zurück, experimentiere mit der

Perspektive usw. Tja, es ist das gute, alte Tafelbild,

aber was macht er da. Hinter dem gewollt naiven Stil

verbergen sich engagierte, politische Kommentare.

Faktisches, Beliebiges und Buntes sind die Bausteine.

Der Narration folgt die Warnung vor einem

posthumanistischen Zeitalter auf dem Fuß. Rätselhaft,

das hat aber gesessen. Jules de Balincourt, geboren

1972 in Paris, kuratiert von Joao Ribas.

Leider müssen wir jetzt gehen - Termin in Salzburg.

Freundliches Händeschütteln, freundliche Atmosphäre,

cool eben, mehr als cool. Klar wir kommen wieder,

ich will aber hinauf ins Krähennest. Heute leider

geschlossen.

Auf der Rückfahrt verweigere ich das Steuer. Thomas

konzentriert sich auf Salzburg, ich blättere im

schwarzen Büchlein „Hangart-7 Art & Air“. Gleich zu

Anfang die Welt von Jules de Balincourt. Cooler Tag,

wir sind voll guter Dinge.

Curators :

Ombretta Agró Andruff :

Dan Cameron :

Jeffrey Deitch :

Alanna Heiss :

David Reed :

Joao Ribas :

Simone Subal :

Artists

Zachary Clement

www.basis-wien.at

Bradley Castellanos

Kehinde Wiley

John Lurie

Ed Rath

Jules de Balincourt

Dasha Shishkin

w

u

l

z

www.hangart7.com

Ed Rath, Elements of a Desaster

Air & Art, Lioba Reddeker führt durch New York


ST/A/R

Buch IV – Kunst

Nr. 10/2006 31

Les grands spectacles II Kunst auf der Bühne

Sommerausstellung im Museum der Moderne Salzburg

Die aktuelle Sommerausstellung - zweiter Teil der Ausstellungstrilogie Les

Grands Spectacles - im Museum der Moderne Salzburg ist eine theater- und

kunstgeschichtlich gut strukturierte Schau zur Entwicklung des Spannungsfeldes

Bühne und Bildende Kunst seit der Jahrhundertwende des letzten Jahrhunderts.

Exemplarisch werden wichtige Entwicklungsschritte vom Ende des 19.

Jahrhunderts bis heute gezeigt. Die Auswahl der präsentierten Arbeiten basiert

auf zwei Konstanten: der veränderten Wahrnehmung von Raum und der

veränderten Wahrnehmung von Bewegung; unter anderem sind Arbeiten zu

diesem Thema von Oskar Schlemmer, Fernand Leger. El Lissitzky, Jean Dubuffet

und Friedrich Kiesler sind zu sehen. Die Neudefinierung des Bühnenraums und

die Neuentdeckung des Körpers im Spannungsfeld zwischen Befreiung und

Mechanisierung werden thematisiert. Bühnengestaltungen von zeitgenössischen

Künstlern wie Fritz Wotruba, Jean Tinguely bis Jörg Immendorff, Robert Longo

und Karel Appel, realisiert bei den Salzburger Festspielen, vermitteln die enge

Verbindung von Bildender Kunst und Bühne. Die Aktionisten sind natürlich auch

vertreten mit Günter Brus und Hermann Nitsch - wie üblich mit einem seiner

Orgien-Mysterien-Theater (Videodokumentation).

Campingsarg versus Schlingensiefs Hodenpark im Kampf um die letzte

Bühne als möglicher Attraktor. Der in Salzburg lebende Künstler und Literat

Max Bläulich hat einen zusammenklappbaren Campingsarg installiert, laut

beigelegtem Prospekt in Bauhäusern zu kaufen, der die Frage nach dem „letzten

Raum“ aufwirft. Dem gegenüber ist Schlingensief mit seiner Installation chicken

balls - der Hodenpark vertreten als eingeübte standardisierte Provokation.

Spekulativ eingesetzt drängt sich die Frage auf, ob diese Ausstellung es

notwendig hat, Schlingensiefs Zitatemix als Medienereignis einzusetzen.

Während der Eröffnungsrede baute Schlingensief an seiner Installation

– ein Störungsakt mit Hammer & Bohrmaschine.

Charles Kaltenbacher kommentiert: Schlingensief in den 90er Jahren als

imposanter, eloquenter Surfer auf der angesagten Welle des sozialen

Engagement (5 Millionen Arbeitslose - ich kümmere mich darum) aufgetreten,

zeigt sich hier als Parsifal mit Hoden, den das Volk gefälligst zu beachten hat.

Das Thema der Hoden wurde übrigens von Matthew Barney in seiner Cremaster-

Serie in den 90er Jahren thematisiert.

Welch Leichtigkeit im Spannungsfeld

zwischen Objekt, Akteur und Bühne möglich

ist, zeigt eine frühe Videoarbeit von Franz

West - Passstücke in Gebrauch, Titel De

Cohen Kabo West, 1983/84 -, welche die

Schwere aktionistischer Opferhaltung mit

Leichtigkeit überwunden hat und spielerisch

den „galanten Wiener Charme“ Wests zeigt,

mit dem er international reüssierte.

Salzburg allgemein:

Die Ausstelung läuft bis 8.10.2006

Ein umfangreicher Katalog ist

erschienen.

Nach dem Ausstellungsbesuch sitzt man im hirschgeweihbestückten, von Matteo

Thun gestalteten Museums-Cafe-Restaurant und wartet eine 1/2 Stunde auf das

mehrmals georderte Bitter Lemon während draußen die Salzburger Schützen mit

Böllerschüssen die Festspiele mit Donnerlärm eröffnen und daran erinnern, dass

in den nächsten Wochen Salzburg ein Laufsteg von Reich, Schön, Einflussreich und

kulturbeflissen ist. Auf die Stadt blickend ertappt man sich dabei, Erleichterung

zu verspüren bei dem Gedanken, den Ort zu verlassen, an dem Dirndlkleid und

Strapse eine äußerst lukrative Symbiose eingehen.

Thomas Redl

Franz West Filmstills aus „De Cohen Kabo West” , 1983/84

Max Bläulich Campingsarg Installation

Christoph Schlingensief in Aktion

Günther Brus Kostüme zu „Das schlaue Füchslein”

Sächsische Staatsoper Dresden, 1994

Adolf Luther

Bühnenbild zu Tristan und Isolde, Frankfurter Oper

1977, © Adolf Luther, Adolf Luther-Stiftung, Krefeld

Jean Dubuffet

Aufführung von „Coucou Bazar“ in Turin, 1978

Fotografi e, Collection Fondation Dubuffet, Paris © VBK Wien, 2006


32 Nr. 10/2006

Buch IV – Kunst

ST/A/R

Heike Weber Foto: Ellie Wyckoff, (c) Kunsthalle Wien 2006

Heike Weber, BODEN LOS, Installation im Foyer der Kunsthalle Wien, Museumsquartier bis 31. Oktober 2006

Foto: Reimo Rudi Rumpler, (c) Kunsthalle Wien 2006


ST/A/R Buch V – Design

Nr. 10/2006

33

Interview mit Martin Mostböck

Vom Möbel zum gebauten Haus

Thomas Redl: Für den ‚Twista’, der

von der Firma Eternit produziert

wird, hast du vor kurzer Zeit den ‚red

dot-Designpreis’ bekommen. Wie war

deine Entwicklung als Designer?

Martin Mostböck: Schon während

meines Studiums Mitte der 80er Jahre

habe ich versucht, kleinere Projekte, d.

h. Möbel, gleich selbst umzusetzen. Ein

Möbel zu bauen, kann sehr schnell gehen.

Die Umsetzung - vom Entwurf über die

Skizzen bis zum fertigen Produkt - kann

in wenigen Tagen geschehen. Das war

der Ansatz, so habe ich

begonnen. Dann gab

es eine kontinuierliche

Entwicklung bis zum

Entwurf serienmäßiger

Möbel.

T. R.: Du hast eigentlich Architektur

studiert. Siehst du deinen

Aufgabenbereich in dem Sinne, wie die

Architekten es früher wahrgenommen

haben, d. h. ein Haus zu bauen und

auch die Möbel dafür zu entwerfen?

Wie siehst du die Verbindung zwischen

Architektur und Design?

M. M.: Architektur und Design ist

im Wesentlichen das selbe. Es wird

nur ein zusätzlicher Begriff benützt,

um das Entwerfen von Möbeln oder

Gebrauchsgegenständen zu definieren.

Wenn man Italien betrachtet, dann

sieht man, dass Designer oder Gestalter,

wie z. B. Sottsass oder Castiglioni,

aus der Architektur kommen. Sie

sind aus unterschiedlichen Gründen

in das Design gegangen. Ich habe

zwischen der Gestaltung eines Hauses

und der Gestaltung eines Sessels nie

sehr viel Unterschied gesehen. Das

Anforderungsprofil bzw. -programm ist

ein anderes. Im Wesentlichen ist es aber

ähnlich.

T. R.: Du hast nach deinem Studium

an der TU-Wien mehrere Jahre bei

COOP-Himmelblau mitgearbeitet.

Was waren deine Aufgabengebiete

und welche Erfahrungen hast du in

diesem international renommierten

Architekturbüro gemacht?

M. M.: Die Aufgabengebiete waren

vielfältig: Hochbau, Konstruktion,

Städtebau und Design. Ich habe dort

diverse Wohnbauten mitentwickelt: in

Wien ein Hochhaus, den

Gasometer und die

Remise im zweiten Bezirk. Gleichzeitig

habe ich Projekte, wie z. B. ein

Milchglas oder eine Uhr, für einen

amerikanischen Produzenten gemacht.

Von der Großform bis zur Kleinform,

Mikro- und Makrostrukturen.

T. R.: Neben dem ‚Twista’ gibt es

auch andere Sessel, die mit Preisen

ausgezeichnet wurden oder in die

MAK-Designsammlung aufgenommen

worden sind. Wenn man deine

Biographie liest, so erkennt man, dass

es viele glückliche und langfristige

Kooperationen mit Produktionsfirmen

gibt. Das ist ja sehr wesentlich, wenn

man Design realisieren will. Wie

gestaltet sich deine Zusammenarbeit

mit den Produktionsfirmen?

M. M.: In der Biographie stehen aber

nur die gelungenen Kooperationen, es

gibt auch unglückliche. Das Wichtigste

im Umsetzungsprozess eines Produktes

ist der Dialog mit der Firma. Am

besten ist es, wenn man einen direkten

Ansprechpartner im Unternehmen hat,

eine Person, mit der man das Projekt

konkret umsetzen kann, nicht nur in

Bezug auf das Produkt selbst, es muss

darüber hinausgehen. Es sind Gespräche

mit dem Produzenten zu führen, die

außerhalb des Entwurfsprozesses liegen,

eine Auseinandersetzung mit den

beteiligten Personen selbst und vor allem

mit der Philosophie des Unternehmens

ist notwendig. Nur

so kann man Design

erfolgreich umsetzen.

Ich suche die langfristige

Kooperation.

Nicht der schnelle

S c h u s s , s o n d e r n

die langfristige

Auseinandersetzung

mit einem Unternehmen

interessiert

mich. Der Dialog

ist das Wichtigste

dabei. Wenn man

zum Beispiel

terminlich schwer

zusammenkommt,

wird es auch beim Entwerfen schwierig,

man entwirft ja meist in Schüben. Diese

Schübe müssen dann, wenn sie passiert

sind, auch umgesetzt werden. Es geht

um eine Annäherung an das Gegenüber,

weil immer beide Seiten Fragen haben.

Wenn das Produkt beim Start nicht direkt

Twista, variables Gestaltungselement, produziert von

Eternit, reddot design award winner 2006


34 Nr. 10/2006

Buch V – Design

ST/A/R

in das vorgegebene Profil hineinpasst,

so kann der Umsetzungsprozess helfen,

einander näher zu kommen. Dieses

Näherkommen definiert mitunter ein

ganz anders Profil als ursprünglich

vorgesehen. Man erkennt Stärken

und Schwächen besser und kann

sich ergänzen. Dabei muss es klare

Richtlinien geben, das Ziel muss

gemeinsam definiert werden.

T. R.: Du hast ja auch eine Lehrtätigkeit

an der TU-Wien am Institut für

Raumgestaltung und Entwerfen.

Was versuchst du den Studenten zu

vermitteln?

Architektur und Design

ist im Wesentlichen

das selbe. Es wird

nur ein zusätzlicher

Begriff benützt,

um das Entwerfen

von Möbeln oder

Gebrauchsgegenständen

zu definieren.

M. M.: Mir geht es vor allem darum,

gemeinsam mit den Studenten Dinge

umzusetzen, die sie auf einen Weg

bringen, den sie auch alleine gehen

können. Dabei kann ich mit meiner

Erfahrung helfen und unterstützen.

„Wie schaut das richtige Berufsleben

als Designer aus?“ ist

die zentrale Frage.

Beim letzten Programm

an der TU-Wien

namens ‚Cubes’ waren

Würfel zu gestalten,

die im Wesentlichen

D e n k e r z e l l e n

formulieren sollten.

Zum Start hat jeder sein

eigenes Entwurfsprojekt

gemacht. In der Folge

wurden Vierergruppen

gebildet, diese haben

dann jeweils einen

Würfel im Maßstab 1:1

umgesetzt. Das Resultat

wurde bei Zumtobel im

Schauraum präsentiert.

Das hat sehr gut

funktioniert und sowohl

bei den Stundenten als

auch den Lehrtätigen

große Begeisterung

ausgelöst.

T. R.: Gab es auch den

direkten Kontakt zu

Zumtobel?

M. M.: Nein, das nicht, aber über

Sponsoring wurden Mittel organisiert.

Ein Tischler wurde beauftragt, die

Grundgerüste zu konstruieren, und in

der Folge haben die Studenten dann ihre

Projekte selbst umgesetzt. Die Würfel

im Ausmaß von 3 x 3 Metern haben

wirklich sehr gut ausgesehen.

Thurner Fashion, Eisenstadt, Intereurdesign

wie eine statische Welle erscheinen zu

lassen. Für die Rückwand und

die Paneelwände des Geschäftes

habe ich aus der Produktion

von Braun Lockenhaus einige

Fertigteile, die Rückenlehnen

eines Sesseltyps, benutzt. Diese

doppelt zusammengeführt und

seriell verwendet definieren

wie eine Klammer den Raum

und bilden eine Art statischen

Vorhang, der wirklich an Stoff

erinnert, an Stoff, der auf

weibliche Haut fällt.

T. R.: Aktuell in Bau ist ein Haus,

das du entworfen hast. Welche

Art von Haus ist es?

M. M.: Das ist ein Einfamilienhaus,

ebenfalls im Burgenland, in

Oberpullendorf. Das Grundstück

ist kompliziert, weil es eine

lange Ausrichtung hat und in

die falsche Richtung verläuft. Im

Entwurfsprozess, über Studienund

Arbeitsmodelle, habe ich

eine Art Wellendachlandschaft

entwickelt. Eine Welle, die das

Licht richtig in das Haus hineinführt.

Der Entwurf ist sehr stark vom

Bauplatz dominiert und ist eine

Auseinandersetzung mit Licht und mit

von Licht durchfluteten Räumen.

T. R.: Was hast du zukünftig vor?

Garcia, produziert von Braun Lockenhaus,

aufgenommen in die MAK Design Sammlung

M. M.: Die Arbeit an diesem Haus ist

noch nicht abgeschlossen. Es gibt ein

weiteres Projekt mit der Firma Eternit

und es wird auch eines mit der Firma

Braun Lockenhaus geben.

T. R.: Das heißt, es gibt eine kontinuierliche

Fortsetzung der Zusammenarbeit mit

Partnern, mit denen du seit langem

zusammenarbeitest?

M. M.: Genau so ist es.

T. R.: Wir wünschen viel Erfolg bei

deinen zukünftigen Kooperationen.

T. R.: Du hast im Burgenland

auch Interieurdesign für ein

Modegeschäft gemacht. Was waren

die wesentlichen Akzente deiner

Arbeit?

M. M.: Dieses Modegeschäft

wurde zuletzt in den 80ern

umgebaut. Ich habe während des

Entwurfsprozesses an eine Art von

Welle gedacht. Die Ursprungsidee

war ein Bild von einem Kleid, das

sehr faltig und sehr körperbetont

anliegt. Diese Metapher war der

zündende Funke, dieses Geschäft

Haus M, Arbeitsmodell, Einfamilienhaus

Oberpullendorf Burgenland

Gebrauchsgegenständen


ST/A/R

Buch V – Design

Nr. 10/2006 35

Leda & Swan, AES+F 2005, Edelstahl, Neon, Ed.: 3+2AP, 375 x 165 x 315 cm Foto: Herbert Wulz © 2006

Bei der Eröffnung der Austellung „RUNDUMSCHLAG“ in der Galerie Ruzicska Salzburg am 21. Juli 2006 leuchtete neben

anderen Arbeiten im Garten das Objekt LEDA & SWAN, von der russischen Künstlergruppe AES+F. www.ruzicska.com

Leda & Swan

www.braunlockenhaus.at


ST/A/R Buch V – Design Nr. 10/2006 37

LANGLEBIGE SCHÖNHEIT.

Als Eternight geboren, als CLASSICA perfektioniert: Unsere neue Fassadentafel zeichnet sich durch

lasierte Oberflächen, durchgefärbte Beschaffenheit, eigene Designsprache, immense Tiefe,

formale Schlichtheit, edle Patina und farbliche Vielfalt aus. Da kann man einfach schöner bauen.

www.eternit.at

designed

for lifetime


38 Nr. 10/2006

Städteplanung / Architektur / Religion

Buch V – Design

ST/A/R

Studie zu den Funktionen der Correalistischen Möbel,

New York, 1942

Friedrich Kiesler

1890 Geboren am 22.9. im damaligen österreich-ungarischen Czernowitz

(heute Ukraine).

1908 Übersiedlung nach Wien. Architekturstudium an der Wiener Technischen

Hochschule und an der Akademie der Bildenden Künste.

1924 Realisiert im Rahmen der „Internationalen Ausstellun g neuer

Theatertechnik“ in Wien die Raumbühne sowie das Träger- Legersystem, ein

neuartiges Ausstellungssystem.

1925 Einladung Josef Hoffmanns, die Theatersektion der „Exposition

Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes“ in Paris zu gestalten.

Kiesler selbst bezeichnet seine Ausstellungsarchitektur als visionären Entwurf

für eine schwebende Megastadt und prägt den Begriff Raumstadt.

1926 Auf Einladung von Jane Heap, Herausgeberin der avantgardistischen

Zeitschrift The Little Review, übersiedelt Friedrich Kiesler nach New York und

installiert dort die „International Theatre Exposition“ im Steinway Building.

1928 Mitbegründer der neu gegründeten Designervereinigung AUDAC

Respekt

(American Union of Decorative

fürs

Arts and Craftsmen).

20er Haus

1930 Die AUDAC organisiert die Ausstellung „Home Show“ mit einer

Ausstellungsgestaltung und der Gestaltung eines Büroraums von Kiesler.

Als wichtiges Baudenkmal 1933 Für die Modernage des 20: Jahrhunderts Furniture Company kann dieses gestaltet Gebäude er die gesamte mit der Kunst des 20. Jahrhunderts wahrscheinlich in eine so gute Symbiose

treten wie kein Ausstellungsfläche anderes Bauwerk und in entwickelt Wien. Ich das glaube, Space dass House, es das begehbare einzige Zeugnis Modell der eines österreichischen Architekturgeschichte ist, in dem die Idee

Einfamilienhauses. Kiesler nimmt die Einladung der Familie Mergentime an, die

der Transparenz Einrichtung dermaßen ihrer weit Wohnung getrieben zu entwerfen. wurde. Mit Die dem Fertigstellung 20 Haus erfolgt schließt bis sich 1936. daher eine große Lücke, denn nichts braucht so viel Luft

rundherum wie zeitgenössische Kunst.

Gerbert Frodl, Thomas Trummer

1937 Gründung des Laboratory for Design Correlation an der Architekturfakultät

der Columbia University.

Kiesler auf dem

Metabolism Chart,

New York 1947,

Foto: Ben Schnall

Alle Abbildungen:

© 2006 Österreichische

Friedrich und Lillian

Kiesler Privatstiftung

1939 Veröffentlichung „On Correalism and Biotechnique. A Definition and Test

of a New Approach to Building Design“ im Architectural Record. Der Begriff

Correalism wird zum Leitmotiv Kieslers Theorie.

1942 Einladung von Peggy Guggenheim, für ihre neue Galerie Art of This

Century die komplette Umgestaltung der Räumlichkeiten zu entwerfen.

1957 bis 1965 Gemeinsam mit Armand Bartos Entwicklung und Umsetzung des

Shrine of the Book in Jerusalem. Es handelt sich um die Aufbewahrungs-stätte

für die am Toten Meer gefundenen alttestamentarischen Schriftrollen.

1965 Friedrich Kiesler stirbt am 27.12.

Kiesler in der Art of This Century Galerie,New York 1942

Foto: © Berenice Abbott, comerce graphics ldt.


ST/A/R

Buch V – Design

Nr. 10/2006 39

FRIEDRICH KIESLER –

MÖBELENTWÜRFE EINES WELTDENKERS

Freischwinger Nr. 2

Der für die Wohnung von Charles und Marguerite Mergentime

1933 geplante, aber nie umgesetzte Stahlrohrfreischwinger,

wird nach einer signierten Zeichnung Friedrich Kieslers von den

Wittmann Möbelwerkstätten erstmals hergestellt.

Friedrich Kiesler war Architekt, Designer, Bühnenbildner, Künstler

und Theoretiker. Sein Schaffen war grundlegend und von Beginn an

inderdisziplinär, sein Gesamtwerk und seine Theorien waren radikal und

revolutionär. Er lebte großteil seines Lebens in New York und führte

dort am Puls der Zeit eine kritische Diskussion mit der zeitgenössischen

künstlerischen und architektonischen Avantgarde und entwickelte in dieser

Auseinandersetzung seine visionäre Position.

Kiesler entwarf Bühnenbilder, Möbeleinrichtungen, gestaltete Ausstellungen

und fomulierte Thesen zu einer ganzheitlichen, kritisch-funktionalen Designund

Architekturtheorie. In der Architektur entwickelte er das Endless House

– ein raumzeitliches Kontinium, das die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum

auflöst.

Zentral in seinem Werk war seine Überzeugung, dass der Mensch sich in

einem flexiblen und dynamischen Kräftefeld befindet. Daraus ergab sich eine

Gestaltungs- und Lebenshaltung, in der eine Endgültigkeit, eine Absolutheit

der Form nicht erreicht werden kann. Die Wechselwirkung der Kräfte, sichtbare

wie unsichtbare, bedingt eine Dynamik, die er mit dem Begriff Correalismus

bezeichnete und in zahlreichen Publikationen erläuterte.

Ausgehend vom Menschen in all seinen Bedürfnissen, glaubte Friedrich

Kiesler an die Verantwortung des Kreativen, durch Forschung und Werk

an der dynamischen Entwicklung unserer Umwelt wesentliche Impulse zur

Verbesserung beisteuern zu können.

Die Re-Edition seiner Möbelentwürfe trägt nicht nur zur Wiederentdeckung

dieser wichtigen Künstlerpersönlichkeit bei, sondern zeigt vor allem die

Aktualität seines Werks und seiner Ideen.

Correalistisches Instrument

Dieses multifunktionale Möbel war Teil einer ungewöhnlichen Ausstellungsgestaltung für die Galerie Art of This Century von Peggy Guggenheim 1942 in New York.

In unterschiedlichen Positionen und Kombinationen verwendet, ergeben sich bis zu 18 verschiedene Verwendungsmöglichkeiten.

Re-Edition by Wittmann

1997

Die Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung

wird gegründet und widmet sich der Erforschung des

architektonischen, künstlerischen und theoretischen Schaffen

Kieslers. Die Wittmann Möbelwerkstätten werden Stifter und

ermöglichen, mit Hilfe weiterer privater Gönner, den Erwerb

der umfassenden Bestände von Kieslers Witwe und zweiter Frau

Lillian durch die Republik Österreich und der Stadt Wien.

Fotos © Wittmann Möbelwerkstatt,

Schauraum - Akademiehof bei der Wiener Secession,

Friedrichstrasse 10, 1010 Wien - www.wittmann.at

2002

Die Correalistischen Möbel werden in Zusammenarbeit mit der

Kiesler Stiftung wieder hergestellt und erstmals im Wittmann

Schauraum in Wien präsentiert.

2004

beschließt die Kiesler Stiftung gemeinsam mit den Wittmann

Möbelwerkstätten die Re-Edition der Party Lounge, Bed Couch

und des Freischwingers Nr. 2, als Ergänzung der Correalistischen

Möbel.

2005

wird die Re-Edition Friedrich Kiesler präsentiert.

Bed Couch

Durch die einfache Teilung des Sitz- und Schlafmöbels in eine kurze und lange Rückenlehne

ergeben sich zwei Sitzsituationen – bequemes Liegen oder aufrechtes Sitzen. Ausgeführt wurde

dieser Entwurf Friedrich Kieslers erstmals für die Wohnung Mergentime in New York 1935.


40 Nr. 10/2006

Buch V – Design

ST/A/R

Waran betrachtet das correalistische Möbel von Heidulf Gerngross,eine

Weiterentwicklung der großartigen Kieslerschen hundsknochenartigen Möbel aus dem vorigen Jahrhundert,

die derzeit bei Wittmann wieder hergestellt werden.


ST/A/R Buch VI – Literatur

Nr. 10/2006

41

VORWORT

Sprache konstruiert und organisiert das Verhältnis

zu der von uns bewusst wahrgenommenen und

ausserhalb von uns gedachten Wirklichkeit. Dabei

ist und erzeugt Sprache selbst eine eigene Wirklichkeit,

eine selbständige energetische Entität, ein Wesen, mit

Milliarden von Armen, allen Möglichkeiten laufender

Selbst-Setzungen und –überschreitungen, Erweiterungen,

Umformungen. Sprache geht in ihrer allgemeinen

Form als auch in ihren individuellen Ausprägungen

Kooperationen mit anderen ein, sie verliebt sich

gewissermassen oder verweigert sich,

setzt Preferenzen, Machtansprüche und

Grenzen, ist in einem ständigen Fluss

und Austausch mit allem Lebendigen.

Sprache erzeugt bewegliche, fragile

Landschaften, in denen wir uns

durch das Leben bewegen und sie ist

gleichzeitig das Werkzeug, mit dem

wir navigieren. Sprache trennt also

scheinbar, was nicht zu trennen ist, um

funktionale Felder zu erzeugen. Sie

ist ein Teil von uns, sie ist gleichzeitig

vollständig unabhängig von uns.

Denn sämtliche gesprochenen oder

geschriebenen oder auch nur gedachten

Äusserungen leben auch ein von uns

unabhängiges Leben. Wer weiss schon,

wohin sie gehen? Und wer weiss schon,

woher sie gekommen sind? Produziert

ein situatives Umfeld notwendigerweise

SCHRIFT WECHSEL

die zu sprechenden Sätze und Worte? Inwiefern sind

wir also selbstbestimmt oder benützt uns die Sprache als

Wirt, um zu reisen und sich zu erweitern? Sind Gedanken

Besatzungsmächte?

Wir bestehen aus vielerlei offensichtlichen

Verhaltensaufführungen und Verhaltensverführungen, aus

Programmschwerpunkten, die uns gewohnheitsmässig

durch die Gegend steuern. Von denen wir jedoch kaum

bewusst wissen, nach welchen Gesetzmässigkeiten sie

auftreten, in welchen Wirkungszusammenhängen sie

in der Tat zu uns stehen. Wir fragen uns selten, welche

Programme wir verwenden möchten, in welcher Intensität,

wie folglich unsere Sprache aussehen, aufblühen und

wo sie enden oder hinreichen soll, um was zu erreichen?

Welches sind beispielsweise die von uns selbst am

meisten gestellten Fragen, und wie genau sehen diese

aus? Und wie lauten unsere bevorzugten Antworten

darauf? Fragen und Antworten ergeben gemeinsam die

gegenwärtigen Koordinaten unserer Biografie (= die unter

dem Namen der jeweilen Person gewöhnlich auftretenden

Handlungsmuster, Orientierungspunkte, Verkehrstafeln,

für Funktionszusammenhänge herausgeschnittene

Weg- und Weltzusammenfassungen). Die Grenzen der

Sprache sind die Grenzen unserer Welt, hat Wittgenstein

gesagt, es sind jedoch bloss die Grenzen der von uns

bewusst wahrgenommenen Verhältnisses zu der von

uns (und anderen) selbst erzeugten ausserhalb von uns

gedachten Wirklichkeit. Manchmal weiss die Sprache und

artikuliert sie mehr als der Benützer bewusst weiss, ist

permanent an grössere Felder angeschlossen als an unsere

Wie-bekomme-

ich-einen-

Espresso-aus-dem-

Automaten-Ego-

Cockpit-Fragestellung. Sämtliche sprachlichen

(energetischen) Ausdrücke erzeugen ununterbrochen

ein uns persönlich übersteigendes Gesamtbewusstsein,

eine Art Superorganismus, eine ständige fluktuierende

Bewegung. Um unsere Grenzen zu verstehen, müssen wir

uns unsere Sprachverwendungen genauer ansehen, die

Fensterscheiben, die wir kreieren und alsann benützen.

Operiere ich nun in einem Coaching Diskurs, spreche

ich einem NLP-Practioner ähnlich? Wir sollten eine

Auswahl so bewusst wir nur irgend möglich treffen,

unsere Verhaltens-Programme verstehen, ihre Kräfte,

die ja auch unsere Kräfte sind, sie, wenn notwendig und

möglich, upzudaten, zu vergrössern, sie mit anderen

kurzzuschliessen, um eine grössere Beweglichkeit

unseres Bewusstseins zu erlangen. Die Beweglichkeit des

Bewusstseins erzeugt unsere lebbaren Freiheitsgrade. Die

Literaturseiten im ST/A/R - Schriftwechsel - sind diesem

Wunsch und dieser Vision nach Beweglichkeit und

Erweiterung zugeneigt.

Feel the taste of diversity & celebrate it.

D. Sperl

LITERATUR

Von Fragen und

Erinnerungslücken

Gerhard Jaschke

Seneca

Seneca hat recht, nur allzuleicht läßt man sich von einem Wort

verführen, etwas anderes zu schreiben, was man eigentlich wollte.

Manche Wörter sind ja wie Stopschilder, insgesamt handelt es sich

bei ihnen um Verkehrszeichen, Warn- und Gebotstafeln, diesen

oder jenen Weg nicht zu gehen, dieses oder jenes Feld zu meiden.

Wird doch zu leicht aus dem Gras ein Sarg! Stelle Spiegel auf

und neue Wörter fallen wie automatisch aus dem vorhin noch so

scheinbar Ganzen. Leben taucht im Nebel unter, Roma läßt sich

behände gegen den Amor tauschen. Jeder möge es sich richten,

wie er glaubt.

Das Verbotene reizt, das war schon immer so.

Was sagt Montaigne? „Mein Lehrer war so klug, mir Virgil, Lukrez

und Plautus zu verbieten; das steigerte mein Interesse an ihnen

beträchtlich.“

Die fremden Gedanken munden wie Kirschen aus Nachbars

Garten. Laßt uns von diesen Früchten viele mit nach Hause

nehmen.

Ich schloß mit ihm Freundschaft. Er wurde mir zu einem guten

Freund. Auf ihn kann ich mich verlassen. Er ist mir eine Stütze.

Er ist mir stets hilfreich. Auf diese Freundschaft bin ich stolz. Und

was sagt er?

„Der Grund unserer Freundschaft? Weil gerade er es war – weil

gerade ich es war. Alles Übrige geht über meinen Verstand.“

Der Verstand als Horizont unseres Daseins. Das im Unendlichen

auslaufende Meer an Einfällen. Der Schlußstrich unter unsere

Existenz. Ein Ende am Anfang über uns wie der Horizont, der

darüber hinausgeht. Es weht Gesichte herbei. Zu ergründen gibt es

nichts. Was meint Ihr, Montaigne? „Wir suchten uns, ohne uns zu

kennen.“

Gerhard Jaschke, 1949 in Wien geboren. Freischaffende literarischkünstlerische

Tätigkeit seit Beginn der 70er Jahre. Einzelveröffentlichungen

(z.B.: VON MIR AUS, Illusionsgebiet Nervenruh, Schlenzer), Beiträge in

Anthologien u. Zeitschriften. Ausstellungen. Gemeinschaftsarbeiten mit Ingrid

Wald. Mitbegründer und Herausgeber der Zeitschrift für Literatur und Kunst

Freibord. Lehrbeauftragter an der Akademie der bildenden Künste. Duettduelle

mit Werner Herbst.

Von anderen Fragen

Habe ich etwa zu danken, daß ich auf der Welt bin?

Habe ich den Damen Vortritt zu lassen?

Habe ich auf meine Uhr zu schauen, fragt mich irgendjemand

nach der Zeit?

Gewiß, ich stelle mir Fragen.

Gewiß, ich halte Wort.

Gewiß, ich schnüre mir die Schuhe.

Aber sonst?

Bin ich vielleicht ein Hellseher wie Sie?

Oder bin ich gar schon im Bild, um etwas sagen zu müssen?

Bin ich gar so schön wie Sie?

Stehe ich demnach ebenfalls unter Kostümierungszwang?

Hält die Pappnase noch? Sehe ich einigermaßen intelligent aus?

Verkörpere ich also das, was Sie sich vorstellen?

Haben Sie Übung im Beisammensein, im Mitmenscheln?

Tun Sie sich nur keinen Zwang an.

Berühren Sie nur ruhig jede Menge Peinlichkeiten, reden Sie

schlichtweg bloß so vor sich hin.

Kann denn das die Möglichkeit sein?

Wollen Sie um jeden Preis als erster das Ziel erreichen?

Schämen Sie sich nicht? Wer will denn heute schon Sieger sein?

Sie vielleicht?

Von den Erinnerungslücken

Eines Nachts erwachte Kraut und wollte von alldem nichts wissen,

nichts gewußt haben, wollte mit alldem nichts zu tun haben, gar

nichts mehr zu schaffen haben. Ja, war es das? Tatsächlich dachte

er dies und nichts anderes. Aber wann will es schon gelingen?

Wann? Wann denn nur? Er blickte um sich, als hätte er hier etwas

verloren. Aber was hatte er schon hier, hier schon!, verloren? Was

könnte er bloß hier verloren haben? Er wußte es nicht. Absolut

nicht. Irgendwann einmal war hier etwas. An das dachte er. So

eine Art Ausgangspunkt vielleicht? Ein Knotenpunkt für diverse

Grenzüberschreitungen?

Er überlegte. Das muß es gewesen sein! Nichts anderes. An dies

dachte er, als er eines Nachts, mitten in der Nacht, plötzlich

erwachte und von alldem nichts wissen wollte.

Ein Stöckelschuh wanderte über die Leinwand.

Passanten winkten ihm zu.


42 Nr. 10/2006

Buch VI – Literatur

ST/A/R

Geschichten vom traurigen Mann und

der Frau, die nach Hause gehen wollte

Bernadette Schiefer

Kind, das Feiglinge liebte

Händl Klaus

Hafen

Die Frau ist am Hafen gesessen.

Der Mann hat zur Frau gesagt, dass

er froh ist, dass er nicht nur das tun

kann, was er will. Er benennt Vögel

und hat keine Zeit, die Frau durch

die Stadt zu führen. Die Frau ist

am Hafen gesessen und hat Wein

getrunken. Sie hat die Flaggen der

Schiffe betrachtet und die Windungen

der Seile gezählt. Sie hat eine Nelke

für den Mann in den Steg geritzt. Die

Frau hat den Mann gesehen, wie er

sie gesucht hat. Du musst wissen, wie

es ist, wenn ich verloren gehe, hat

die Frau gesagt. In ihrem Traum ist

der Mann tot und die Frau streicht

mit der Hand die Erde weg und legt

sich unter den Arm des Mannes und

der Mann schläft nur und die Frau

hält ihren Atem an und wacht. Mann

und Frau träumen voneinander.

Sie träumen, dass sie tot sind und

schlafen und es keine Zeit mehr gibt,

die man versäumen kann.

Verloren

Der traurige Mann steht am Fenster.

Eben hat er eine Flasche Wein

geöffnet. Gegenüber sitzt die Frau im

Café. Er sieht ihr zu, wie sie liest und

aus dem Fenster blickt. Der Mann

schenkt ein Glas Wein für sich ein

und ein Glas für die Frau, die im Café

sitzt. Er sieht, wie die Frau im Café eine Zigarette aus

ihrem Päckchen nimmt und nach ihrem Feuerzeug

sucht. Der Mann greift nach seinem Feuerzeug in der

Hemdtasche. Er blickt auf das dunkelblaue Feuerzeug

in seiner Hand. Der Mann und die Frau haben sich

getrennt, aber der Mann vergisst es ständig.

Trost

Ein Mann und eine Frau sitzen in einem Café. Der

Mann sieht der Frau zu, wie sie weint. Die Frau sieht

den Mann durch einen Tränenschleier. Der Mann

beugt sich zur Frau und will ihre dunklen Gedanken

abfangen wie einen Schmetterling. Er öffnet die

Tischlade und holt Taschentücher heraus. Der Mann

sagt: Es ist schwer, wenn du weinst, nicht auch zu

weinen. Er wischt sich eine Träne aus den Augen.

Wein nicht, sagt die Frau, und streicht dem Mann

über das Gesicht. Sie kann nicht aufhören, Sehnsucht

nach ihm zu haben.

Giraffen

Die Frau und der Mann sitzen in einem Café. Die

Frau sagt: An dem Tag, an dem ich aufgehört habe,

an dich zu denken, habe ich dich gesehen. Du bist

mit einer Frau in einem Café gesessen, sie hat

geraucht. Du hast dich nach vor gebeugt.

Du hast gelacht. Du hast nicht gewusst, ob du mich

ansprechen sollst. Du hast mich nicht angesprochen.

Du hast mich nicht angesprochen, sagt der Mann.

Ich trug ein türkises T-Shirt und atmete flach, sagt

die Frau. An diesem Tag gab es keine Engel und die

Wolken sahen aus wie Giraffenhälse. Der Kellner

kam und brachte Tierblut und niemand wollte es

trinken. Die Frau hat geraucht. Eine Zigarette nach

der anderen hat sie aus der Schachtel gezupft. Sie hat

stundenlang auf den Namen der Zigaretten gestarrt

und ihr ist kein Reim dazu eingefallen.

Bernadette Schiefer, geb. 1979 in Wien, aufgewachsen in Mank,

Nö. Studium der Philosophie und Höheren Lateinamerikanischen

Studien in Wien und Irland. Absolventin der Akademie für

Angewandte Fotografie in Graz, wo sie auch lebt.

Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien.

Reise mit Engel. Nirgendwohin, Skarabäus 2002;

Kleine Erzählungen am Rande, Triton 2003;

Nichts wird dir fehlen, Edition NÖ, 2005.

Schmetterling

Foto: Bernadette Schiefer

Der traurige Mann steht am Fenster. Er sieht der

Frau im Café zu, wie sie raucht. Die Frau im Café

schreibt einen Brief. Der Mann stellt sich vor, dass die

Frau den Brief an ihn schreibt. Die Frau weiß nicht,

was sie schreiben soll. Einmal hat sie es gewusst,

aber jetzt weiß sie es nicht, weil der traurige Mann

verloren gegangen ist. Sie hat zu ihm gesagt, dass

einen das Leben von nichts abhält.

Der traurige Mann steht am Fenster und wartet

auf den Brief, der nicht für ihn sein wird. Die Frau

wird im Brief schreiben: Das sind alles nur meine

verrückten Gedanken über dich, aber die sind gut

so. Sie wird auf das Briefpapier einen Schmetterling

malen. Der Mann und die Frau werden den Brief

gemeinsam lesen. Dort hab ich einen Schmetterling

gemalt, wird die Frau sagen. Und der Mann wird mit

einem Finger über den Schmetterling streichen und

mit demselben Finger über ihre Lippen streichen und

sagen, dass ihre Lippen ein roter Schmetterling sind.

Die Frau wird lachen und sagen, dass nur der traurige

Mann so Sachen sagen kann, weil nur der traurige

Mann so viel Wein trinkt.

Händl Klaus, geboren 1969 in Rum/Tirol, lebt in Wien, Berlin

und Port am Bielersee. Er arbeitet als Schauspieler (z.B. in Filmen

von Jessica Hausner, Michael Haneke, Franz Novotny u.a.), drehte

mehrere Filme, schrieb Hörspiele (Kleine Vogelkunde, ORF 1996,

Hörspiel des Jahres) und das Libretto zur Oper Häftling von Mab

von Eduard Demetz (UA 2002).

Für sein Prosadebüt Legenden (Droschl 1994) erhielt er den Robert

Walser Preis und den Rauriser Literaturpreis. ›Theater heute‹

wählte ihn 2004 zum besten Nachwuchsautor des Jahres.

Hanni war ein wildes Kind mit nachsichtigen Eltern. Sie

schmierte die Möbel mit Nachtcreme ein, um die Kratzer

zu tilgen, die sie im Übermut zog. Sie wurde nicht

geschlagen und zerstückelte ruhig die Blumen und Fische, die

in der Wohnung waren, sie zündelte im Bett der Eltern und half

ihnen beim Löschen. Weil man sie in Frieden ließ, prägte sich

ein scharfes Denken aus. Bald war Hanni hochbegabt. Im Mai

wurde sie zehn. Sie kam in eine Höhere Schule. Während die

Mitschüler turnten...und sangen, brütete Hanni über der Zukunft.

Ihr ging es um...eine bessere Welt. So blieb sie mit ihren Lehrern

allein, die sie bald...bestaunten, dann ertrugen. Ines, Hermann,

Ralf und Beatus, im klassischen Tanz wie als Maler, Erfinder

und Jungunternehmer am Leben gescheitert, fanden ihr Heil im

schulischen Alltag. Einmal gebrochen und seither verschlossen,

gaben sie nichts als den Lehrstoff von sich, ...sture Regale aus

knarzendem Holz. Darin täuschte sich Hanni. Sie suchte...doch

Halt unter den Lehrern. Denn sie war klug, aber einsam. Aber die

Lehrer wichen...ihr aus, ledig geblieben, äußerlich frei, dabei...

ängstlich, also scheu, dauernd vom Leben...bedroht, drum...auf

Abstand bedacht, aus Angst vor Nähe...und weiteren Fehlern.

Hanni hingegen, ein Kind, lebte gern. Die Stimmen der Lehrer

und ihre Gesichter, die Formeln und Schlüsse, die sie draus zogen,

ihre Gesetze, begeisterten Hanni, das frühreife Kind. Die Lehrer,

gebildet, ein sicherer Hafen, strahlten sie an, ...wie sie glaubte.

Sie jedoch hielten das emsige Mädchen...für ein ernstes Problem,

dem sie sich vorsichtig näherten. Denn...als Lehrer standen sie von

vornherein in seiner Schuld. Sie schätzten seinen Wissensdurst

und waren aber auf der Hut vor dieser...unbekannten Größe,

die sie forsch bedrängte, ob es nun...die Wirtschaft sei, Physik,

Philosophie. Sie setzte ihnen zu. Überstunden brachen an, und

Hanni wollte...mehr. Die Lehrer dachten nach. Sie neigten zu

Verfolgungswahn. Auf offener Straße um Kleingeld gebeten,

antworteten sie schroff...mit der Uhrzeit. Mit Absicht verstanden sie

einiges...falsch, um zu entkommen. Ehe sie redeten, schluckten sie

mühsam, verschluckten sich dran und schluckten erneut, stockten

und schluckten und schwiegen erschrocken. Sie strengten sich

an...und zuckten zusammen. Selber zerfahren und bleich, standen

sie an ihre Tafel gepreßt, um mit der Kreide zu knirschen ...oder

hockten verstockt hinterm Pult. Sie schwitzten unter diesem Kind,

dem Eifer, seiner Einsamkeit. Sie lag doch auf der Hand. Hanni

war verliebt. Sie sagte nicht, in wen. Es waren ihre Lehrer. Mit

bohrenden Fragen zur Asymmetrie, die sie tief...und tiefer trieb,

tarnte sie die Zärtlichkeit, die in ihr wütete. Sie war zu jung, um...

aufzugeben. Zahl um Zahl, versteckte Maschen, reihte Hanni...

aneinander, eine Schlinge, die sie auswarf. Wie also...das Wasser

wirke, frage sie sich...und die Lehrer. Es war still. Es wirkte im

Stillen. Es wurde den Lehrern zu...viel. Hanni stieß an ihre

Grenzen. Sie sah, wie sie sich...verhielten. Sie entschuldigten... sich

lahm, bat Hanni sie zu Hausaufgaben in...den Garten ihrer Eltern,

die in Scheidung...lebten. Umso glühender forderte Hanni...ihre

Freundschaft ein. Sie hielten sich bedeckt. Doch sie durchschaute...

sie. Die Lehrer waren feig. Sie ging behutsam...vor. Mit Hanni

stand...ein Wackerstein am Ufer. Sie wolle...das Wasser erforschen,

so Hanni, den Ursprung des Lebens...berechnen. Die Bäche, das

Meer, wie es fließe, die Strömung, der strömende Regen...standen

nach Hanni für Strom. Sie sah ihre Lehrer als knisternden Teich.

Wie man, frug sie, Strom erzeuge...aus der Wasserkraft ? Sie wollte

die Lehrer umarmen. Man ließ sie mit ihren Zahlen...allein. Gierig

las sie Heraklit...und Volta. - Ich will es euch zeigen ! rief sie...auf

einmal. Seht meinen Mut ! Ich ermutige euch. - Sie wollte wie eine

olympische Fackel die Lehrer...entzünden. Sie folgten ihr stumm.

Furchtsam erblickten sie Bäume und Masten, den Waldrand und...

die Elektrizität. Einen der Masten erkletterte Hanni. Die Lehrer

erstarrten. Sie schwiegen. Ausgelassen winkte...das Kind. Es

wollte an...den Drähten schaukeln, dem sirrenden Strom. Hier

war es eisig, und spränge es nicht in den nächst...en Sekunden,

wäre es...zu spät. Es schwang sich...also auf. Es durfte nicht...den

Stromkreis schließen, es mußte...ein Stücklein weit fliegen und

stieß mit erhobenen Händen, um nach der nackten Leitung zu

fassen, sich von der letzten Sprosse ab...juchzend empor, hing

zwar am Draht, aber schwenkte...zurück. Die Zehen streiften...den

Masten: den Tod. Ein Funke, groß wie sie, sprang...auf Hanni über.

Sie blendete...drunten die Lehrer. Die Leitung schnalzte...Hanni

hoch. Sie fiel...auf die Drähte und hing...darin. Sie konnte nicht

weinen, ihr fehlte der Atem. Die Lehrer sanken ins Gras. Sie über...

gaben sich. Rettet mich, dachte das Kind. Nichts war zu hören, die

Stimme ein Hauch...wie alles andere auch. Die Luft stand still. Der

Draht war warm. Hanni flammte auf und starb. Die Lehrer zogen

sich traurig zurück.


ST/A/R

Buch VI – Literatur

Nr. 10/2006 43

Conditio humana

Walter Grond

«Dies ist die Schuld des Schicksals:

niemand wird durchs Schicksal schuldig!»

Seneca, Oedipus

Romanauszug

Wir verbringen...

Winzige Öltropfen spritzen auf, da der

Fischkutter unruhiges Wasser durchschneidet,

treffen den Vogel, der über dem Fangeimer

am vorderen Deck flattert und nun, um der

Bugwelle auszuweichen, im engen Bogen zum

Kajütendach hochfliegt. Sein Kreischen dringt

nicht an das Ohr des Skippers, halb taub vom

Dröhnen der Schiffsmotoren steht der am

Steuerrad, in Falllinie unter dem Vogel, der das

ölige Nass aus seinem Gefieder zu schütteln

versucht. Während im Bord-Fernseher die

Frühnachrichten beginnen, beißt der Skipper

ein Stück von seinem belegten Brot, mit Blick

auf das Echolot steuert er, keine Untiefe vor

sich, zum Hafen.

Vom Fenster seines Arbeitszimmers aus

folgt Paul Clement der Möwe, die nach dem

missglückten Krabbenraub zum Ufer hin gleitet.

Ein Folgetonhorn weckte ihn aus dem Schlaf,

kurz nach Halbsieben, pünktlich wie jeden Tag,

wenn die Pendler-Fähre in den nahen Hafen

einläuft. Die Kinder sind noch im Bett. Dort

unten, wo einmal satte Wiesen lagen, zwängt

sich die Strasse zwischen dem Wasser und der

Häuserzeile hindurch, kein Fluss eigentlich,

sondern ein gemauerter Durchstich vom Hafen

zu den alten Fabrikgründen. Zu dieser Jahreszeit

sind nicht nur die einzeln verbliebenen Weiden

entlaubt, es zeigt auch das Menschengemachte

seine ganze Gebrechlichkeit, die Laternen den

Rost, das Schutzglas die Sprünge, dahinter die

Schlieren von verschmorten Insekten, und die

Strasse ihr Inneres, dort an der Baustelle, wo die

Maschinen den Asphalt aufschnitten, Halden

von Schutt und Müll.

Inzwischen taucht vom Hafen her ein

Lastkahn auf, ein antiquiertes Modell, dessen

ungedämmte Motoren hier oben das Fensterglas

zum Vibrieren bringen. Da der Nebel bis über

die Wasseroberfläche einfällt, verschwinden

gar die roten Positionslichter, die Stadt am

anderen Ufer taucht ins Nichts. Dann lösen

sich Schwaden aus dem gestaltlosen Grau, und

über dem Wasser bilden sich kleine Wölkchen.

Rasch hebt sich der Nebel, ein Sog entsteht,

reißt ein Loch, durch das Lichtbündel dringen.

Darin drehen sich Dunstfetzen, bis der Nebel

noch höher steigt, sich die Öffnung weitet,

und der Himmel zum Vorschein kommt,

helles Blau. Eine barocke Bühne, auf der alles

weit voneinander weg rückt, von einem Licht

getroffen, wie Paul Clement es nur aus dem

Orient kennt, es fällt seitwärts auf Häuser,

Lagerhallen und Schlote, während deren

abgewandte Seite im Dunkeln bleibt.

Gerade fällt der Nebel wieder ein, schließt sich

der Schleier über der Stadt, da lässt ein Pfeifton

den Staunenden am Fenster aufhorchen. Ein

zweites, ein drittes Mal, ein schriller Klang. Paul

Clement blickt auf die Uhr, schon sieben, gewiss

Arbeitsskizze – W. Grond

seine geschiedene Frau, die dienstags die Kinder

zur Schule bringt. Er muss ihr noch mitteilen,

dass er in Kürze verreisen wird, sie soll, wenn

sie die Kinder zu sich nimmt, den beiden nicht

wieder diese Nurse vorsetzen, eine Tamilin, die

kein Wort mit den Kleinen spricht.

Er löst sich aus der Fensternische, geht hinüber

zum Arbeitstisch, sucht nach dem Telefon, im

Durcheinander von Notizen und Karten, bis

ihm eine aufgeregte Stimme aus dem Hörer

entgegen schlägt: „Paul, bring du die Kinder

zum Bus, ich bin schrecklich in Eile!“

„Nein, heute nicht“, erwidert er, in die

Redaktion müsse er, mit dem Fotografen die

Motive besprechen, lenkt das Gespräch auf seine

bevorstehende Reise.

„Du fährst fort?“

„Nach Ägypten, auf den Spuren Flauberts,

sein Reisetagebuch wird neu aufgelegt, sie

wollen eine Reportage von mir.“

„Und die Kinder?“

„Ich kann den Auftrag nicht ablehnen.“

Ihr tiefes Durchatmen kennt er, sie wird

unwirsch. Bestimmt wird sie ihm gleich die

Energie vorhalten, die ihr das Geschäftsleben

abfordert, seine Unentschlossenheit beklagen,

dass er sich nur durchs Leben schwindle, auf

eine arrogante Weise begnügsam, und doch

unerträglich eingebildet, wenn er sie immer

noch seine Frau nenne, obwohl sie längst

von ihm geschieden ist, sich andauernd über

Tatsachen hinweg setze.

„Fünf vor acht“, sagt sie aber nur, „sei du

pünktlich vor der Haustür.“

Ein triumphierendes Lächeln legt sich um

Clements Mund. Ein Unglücklicher ist er nicht,

eher ein Gleichgültiger. Man kann ihn nicht

auffällig nennen, von durchschnittlicher Größe,

schlanker Statur, er ginge als Hugenotte durch,

ein alemannischer Typ. Fügt sich, bald fünfzig,

ins Leben, nicht unklug, hat seinen Witz nicht

verloren. Bereist, um nicht ängstlich zu werden,

seit zwanzig Jahren den Orient. Und wartet

seit Wochen, ehe er die beiden Kinder weckt,

allmorgendlich auf Natalie Keddie, beobachtet,

wie die junge Frau, die er flüchtig vom

Ladentisch kennt, am Gehsteig auftaucht und

bis zur Höhe des Gemischtwarenladens herauf

schlendert, einem Gespenst aus den Wolken

gleich an seinem Fenster vorbei zieht.

Für die junge Frau in ihren Jeans und

der roten Strickjacke spürt Clement eine

wilde Bewunderung. Sie bleibt stehen, die

unvermeidliche Zigarette im Mund, hält die

Hand vor die Brust und hüstelt, ihre Bronchien

sind chronisch entzündet. Ihr Haar ist wirr nach

oben gebunden, und so desorientiert sie auch

wirkt, quert sie unversehens die Straße, bewegt

sich geschickt zwischen den Autos hindurch.

Fast andächtig betrachtet Clement ihre

schlanken Beine, den langen Hals, die schmale

Hüfte, die zierlich wirkenden Füße, ist

verwundert, dass er keine Vorstellung von ihrem

nackten Körper hat. Bevor sie den Laden betritt,

zertritt sie die Zigarette auf dem Asphalt, greift

mit verächtlicher Miene nach dem Türgriff.

Nicht zum ersten Mal nimmt sich Paul Clement

vor, Natalie einen zusätzlichen Job anzubieten,

sie könnte sich während seiner Reisen um

die Kinder kümmern, gelegentlich wird er sie

darauf ansprechen. Nicht heute, ein Seliger,

dem Aufschub gewährt ist, sinniert er vor

dem Badezimmerspiegel, gerade als ihm die

Rasierklinge eine Wunde ins Kinn ritzt.

...den Sonntagnachmittag

bei Flaubert.

Kaum sind Kleopátra, die Neunjährige, ein

wenig feist um die Hüften, und ihr um zwei

Jahre jüngerer Bruder aus dem Haus, nimmt

Clement das ägyptische Reisetagebuch zur

Hand und macht es sich auf dem Sofa seines

Arbeitszimmers bequem. Nicht unsüffisant

lässt er sich ins Jahr 1849 zurück versetzen, da

Flaubert mit dem Schiff in Alexandria landet,

von dort bis nach Wadi Halfa weiter reist und

das halb arabische, halb europäische Treiben

in seinem Notizbuch festhält. Den Mann im

Teehaus beschreibt, in weißen Beinkleidern,

mit Tarbusch auf dem Kopf und grüner

Brille auf der Nase, die ihm das Aussehen

eines phantastischen Tieres gibt, halb Kröte,

halb Truthahn. Die Beduinin, die auf dem

Markt Trauben verkauft, ihre männlichen

Arme, ihr Gesicht ziemlich platt, die Zöpfe

mit Bändern durchflochten, mit Fett lackiert.

Das herankommende Kamel, von vorn, in

Verkürzung, den Fellachen dahinter und zwei

Palmbäume, im Hintergrund die ansteigende

Wüste.

In kühlem Tonfall hält Flaubert seine

Beobachtungen fest, ein Bruder all dessen,

was lebt, aber voll Abscheu gegenüber der

Menschheit. Was er vermischt sieht, beschreibt

er als Welten, die doch nur nebeneinander

bestehen, und nur, weil sie sich fremd bleiben,

einen Reiz aufeinander ausüben.

Dass Flaubert ein Jahrzehnt nach seiner

Ägyptenreise einen Roman über den modernen

Orient ins Auge fasst, berichten zwei Chronisten

des Pariser Salons. Inzwischen ist er nämlich

mit Edmond und Jules de Goncourt befreundet,

die all ihre Begegnungen mit ihm aufzeichnen.

Ihren Notizen nach fahren die beiden Brüder

am 29.März 1862 nach Croisset, wo Flaubert

mit seiner Mutter und einer Nichte lebt, mit

der Eisenbahn bis nach Rouen und den Rest

des Weges mit der Droschke, und erreichen

zu Mittag das Haus, das am Ufer der Seine

liegt, man wähnt sich hier weniger an einem

Fluss, als in einer Meeresbucht. Die Brüder

beschreiben die Zypressen, die das Anwesen

absäumen, ein ehemaliges Kloster, das Flauberts

Vater, ein Chirurg, kurz vor seinem Tod

kaufte, auch die Kähne, die an den Fenstern

vorbeiziehen, und den Abhang,

der hinter dem Haus ansteigt. Wir

verbringen den Sonntagnachmittag

bei Flaubert, erstaunt über die

vergoldete indische Göttin, die

den Kamin seiner Schreibstube

schmückt, und über die Seiten eines

Romans auf dem Tisch, die fast nur

aus Streichungen bestehen. All die

weiß getäfelten Räume sind mit

Andenken aus dem Orient überfüllt,

mit Teppichen, Amuletten, Waffen,

Musikinstrumenten, sogar zwei

Mumienfüße gibt es, die Flaubert aus

einer Grotte entwendete, und auf dem

runden Arbeitstisch mit der grünen

Decke steht ein krötenförmiges

Tintenfass.

An jenem Nachmittag sitzt Flaubert

im Türkensitz auf dem Schlafdiwan

und gibt seinem heftigsten Wunsch

Ausdruck, einen, wie er sich

ausdrückt, Roman über den Orient

im schwarzen Kleid zu schreiben. Er

malt sich Szenen von europäischer

Heuchelei und orientalischer

Verderbtheit aus, die in Paris,

Konstantinopel und auf dem Nil spielen sollen.

Vergleicht seine Vorstellung mit einem Schiff,

auf dem an Deck ein Türke in Dusautoy-

Kleidern lustwandelt, während im Schiffsbauch

sein Harem gehorsam auf ihn wartet.

Spricht von Köpfen, die wegen einer bloßen

Laune rollen, von europäischem, jüdischem,

moskowitischem und griechischem Gesindel,

von einem französischen Chemiker, der sich in

der Libyschen Wüste zum archaischen Beduinen

verwandelt. Berauscht sich an den krassesten

Gegensätzen, die das Aufeinanderprallen

von Morgen- und Abendland nach sich

zieht. Während nämlich der Orient zivilisiert

werde, verwildere Europa wieder, das erzeuge

befremdliche Widersprüche und biete Stoff für

ein unabsehbares Bild des Lebens, das er durch

eine martialische Handlung, der gegenseitigen

Vernichtung aller Figuren, zusammenzuhalten

gedenkt.

Jenen Roman bringt Flaubert nie zu Papier.

Beim Beiseite-Legen der Goncourt-Tagebücher

malt sich Paul Clement den Abschied des

jungen Gustave vom Haus an der Seine aus,

fünfzehn Jahre vor jenem Nachmittag mit den

Brüdern Goncourt, im Jahr 1849, als er, ein

unbekannter Provinzschriftsteller, seine Reise

nach Ägypten antritt, und ihn die Tränen und

das schmerzverzerrte Gesicht seiner Mutter

beinahe zerreißen, er sich daraufhin in Essund

Saufgelage stürzt, ein Bordell aufsucht,

in der Oper bourgeoise Spießer beargwöhnt

und in einem Salon über den herannahenden

Sozialismus diskutiert.

Im Orient sucht Flaubert, was er zu Hause

vermisst, und verspricht doch der Pariser Hure,

sie bei seiner Rückkehr erneut zu besuchen,

ja hat in Croisset die gespitzte Feder neben

das Blatt Papier gelegt, um, einmal zurück

an seinem Schreibtisch, den begonnenen

Absatz ohne Verzögerung beenden zu können.

Als er den Fuß auf ägyptische Erde setzt,

langweilen ihn die Tempel nicht weniger

als die Kirchen der Bretagne, und die ihm

liebsten Stunden im Orient verbringt er mit

Kurtisanen. Indes, fünfzehn Jahre später, da

er längst wieder im Haus seiner Mutter lebt,

zusammen mit seiner Nichte, der Tochter

seiner verstorbenen Schwester, in diesem

strengen, bürgerlichen Haushalt, normannisch

sparsam, unweit der neuen Fabrikschlote, der

Getreidebörse, der Kolonialwarenläden, Banken,

Baumwollwebereien und Bergwerke, fasziniert

Flaubert die Aussicht auf einen Roman, der

davon handelt, was ihn doch eigentlich abstößt:

die moderne Barbarei, die freche Ungeniertheit,

der religiöse Irrsinn, die menschliche

Dummheit.

Was für ein Trotzkopf, ein Bürokrat der Seele,

genau und zugleich widersprüchlich! Am Abend

nach seiner Romanvision tanzt Flaubert den

Idioten des Salons, zieht, so die Brüder Goncourt,

wilde Grimassen und verwandelt sich in eine

Karikatur, ähnlich wie er einst als Kind in die

Haut des Knaben schlüpfte, einer imaginären

Person, die er mit einem Schulkameraden

erfand, mit Gesten eines Automaten, die beim

Betreten einer Kathedrale abgehackt und schrill

lachend ausruft, Schön ist sie, diese gotische

Architektur, sie erhebt die Seele, ja das ist schön!

Stundenlang die ärztlichen Plädoyers seines

Vaters parodiert, Prozesse um ungeklärte

Todesfälle, Leichenreden auf lebende Personen,

auch Gedichte macht, am Ende sogar ein Hotel

der Farcen unterhält, in dem das Fest der Scheiße

gefeiert, und wo in den Korridoren der Befehl

ausgegeben wird, Drei Eimer Scheiße auf

Zimmer 14! Zwölf Godemichés auf 8!

Das Fremde herbeisehnend, vor dem er sich

doch eigentlich ängstigt, weiß Flaubert eine

Freiheit vor sich, deren Folgen kaum zu

ermessen ist. Ist tiefsinnig und verwirft diesen

Tiefsinn, ist lebenshungrig trotz drückender

Müdigkeit, überdrüssig bei ungebrochener

Neugierde.

Walter Grond, geb. 1957, lebt in Aggsbach Dorf/

Wachau, Romancier, Essayist, Herausgeber,

Netzwerker.

Buch zuletzt: Drei Männer, Novelle, 2005. Aktuelle

Projekte: www.readme.cc (Viertuelle Bibliothek), www.

lesenamnetz.org (Bücher und Websites).


ST/A/R Buch VI – Literatur Nr. 10/2006 45

Fische vom Land ins Meer treiben, Sebastian Weissenbacher

(www.weissenbacher.net)

Memory & Wahrheit

Heraklitos meint, man könne nicht zweimal in denselben

Fluss steigen. Kratylos beteuert, man kann es auch nicht

einmal tun. Durch die Möglichkeit des Vokabellernens

wird das kindliche Gemüt wahrheitsfähig und nähert sich

Ann Cotten, geboren 1982 in Ames, Iowa, lebt seit 1987 in Wien.

Verfasserin von Prosa und anderen Formaten, im Frühjahr 2007

erscheinen die Fremdwörterbuchsonette.

gleichzeitig dem Denken des Greisen an. Dieses Spiel

hilft Ihnen, sich selbst und Ihr Kind vor Annahmen der

Identität zu schützen und kritisiert mit Ihnen gemeinsam

den Begriff der Wiederholung. Memory wird daher auch

in Alters- und Pflegeheimen sehr gerne gespielt.

Schneiden Sie zu diesem Zweck die 30 Kärtchen aus und

montieren Sie sie am besten auf Kartonkärtchen gleicher

Größe, falls Sie Karton zur Hand haben. Achten Sie dabei

darauf, dass die Rückseiten der Kärtchen

ununterscheidbar sind. Legen Sie die Kärtchen in einer

ansprechenden Formation auf eine ebene Fläche mit dem

Rücken nach oben aus. Man deckt reihum jeweils drei

Kärtchen auf und nach Betrachtung wieder zu. Gelingt

es per Glück oder Wissen, ein Trio der drei aufeinander

verweisenden Kärtchen zu lüpfen, so werden diese

entfernt und die Spielerin darf nochmal. Wer am meisten

Dreiergruppen unter den Nagel gerissen hat, wenn die

ebene Fläche leergeräumt ist, hat gewonnen, im Grunde

ist dieses Spiel aber eher ein Quartett.

Ann Cotten

Ein Satz

Ferdinand Schmatz

Aus: Durch Leuchtung

Schau: Liese geht auf die Wiese und pflückt sich

ein Blümchen. Die Sonnenstrahlen erwecken sie,

das Blümchen ein Gänschen, das passt sich ihr an,

schmiegt, schnattert nicht, es wiegt. Sie und uns. Ihr

ruhendes Drängen allein macht satt an Lust.

Und Franz? Der erinnert sich an sie, er hielt ein

Foto in der Hand, auf dem er abgebildet lieb im

Gras sitzt, und er beschreibt: die Grashalme reichten

mir fast bis zur Stirn, eine Dotterblume verdeckte

die rechte Wange, ein Baum verdunkelte den

Hintergrund, der Wind strich über mich vom Hügel

herunter, dass die Gräser zitterten, ich lächelte, das

war der Weg der Verführung, unschuldig berührt. Es

wirkte, das spürte ich, ich sah bereits mit dem Wind

auf mich und mein Lächeln herab, durchgehend, ja,

durch mich durch ging es durchgehend posierlich.

Das Mädchen, am Foto nicht zu sehen, am Abhang

unterhalb der Wiese in meinem Blickraum,

schwebte durch. Ihre langen Haare ...

Die Klarheit der Idee, jener ungreifbare Kristall im Nebel,

steht im süßen Widerspruch zum Bildnis, das er selbst von

sich, etwas verwischt hatte. Es gibt so Tage, sagte er zu sich,

wo du weißt, dass nichts von Bedeutung ist, aber alles, was

du anfasst, die Bestimmtheit hat, was zu bedeuten. Und?

Du findest keinen Weg, die Idee, die der Sache zu Grunde

liegt, zu erahnen, geschweige denn, zu wissen, was sie

ist. Woher sie kommt, sie, fragst du, gar nicht so einfach

in den Tagdunst hinein, und antwortest, als würdest

du so etwas wie einen Horizont an Einsicht oder gar an

Gewissheit sehen, ganz bestimmt:

Sie stammt, weißt du, aber verziehst verächtlich den Mund,

vom Bild her, das in uns schlummert, der Kern ist im

Apfelkristall, ganz allgemein und ganz speziell, von dem

Bild drinnen und dem Bild draußen, fraglos und wie. Aber

wie wirklich?

Woher stammte sie, und von wo kommen sie gerade her,

ins Bild gleichsam, fragte er, und blickte auf das Foto und

auf Professor Pokieser, der an seinem Bettrand stand.

Pokieser wollte ihm keine Antwort geben, ich weiß es

nicht, das hätte ihm zu tiefgründig geklungen, und so

antwortete Franz professionell oberflächlich korrekt – sich

selbst. Sie hieß Liese, das Mädchen da, vor, unter halb von

mir, das sehe ich doch, noch ... - und Pokieser tat nicht

einmal erstaunt, so dass Franz nichts übrig blieb, als selbst

weiter zu tun: Ein Mädchen ..., Liese, Elisabeth, Lieschen?

Nein, so hat sie nicht geheißen, sie war etwas, das ich nicht

benennen kann, nicht benennen will, das genügt. So, sagte

Pokieser, aber meinte er Liese oder die Situation, in der

er seine Handlungen setzte. Was sie war, nun, sicher da

war sie, darüber hinaus, innen ein Bild und mehr, so wie

das Nichts, wahrscheinlich rein - und die Sünde auch, so

traumwahr da, und hat genügt.

Leuchten wir also anders und in die Gegenwart hinein,

stellte Pokieser in Aussicht, griff in seine Tasche und

reichte Franz das Kuvert mit den Aufnahmen über den

Bettrand hinweg:

In diesem Schatten, den ihre Hände als

Hundekopfkonturen auf die Wand warfen, hielt er das

Kuvert mit dem Befund und den Bildern hoch: das

Röntgenbild, das durch die Bestrahlung seines Leibes

hergestellt wurde. Was nicht zum Durchleuchten

war, schirmten sie mit den Bleiwesten ab, das hatte

Franz erwartet, brach sich an der Bauchdecke oder

am Knochengerüst, je nachdem, und still blickten sie

nun auf das Resultat der Brechung, auf das grünmatte

Zeichenfeld. Dieses zu betrachten, hieß, es zu lesen.

Wo sich die Zuordnungen im Sichtbaren wie von selbst

ergaben, erübrigte sich jedes Schauen. Sie lasen das Bild,

und die einzige Bedeutung, die es hatte, war es als ganzes

Zeichen. Missbildungen waren nicht auszunehmen, aber

Wucherungen brechen unangemeldet ein, das hatte Franz

gelesen, sie haben keine Botschaft im voraus, sie schließen

sich mit dem, was sie bedeuten, in dem Moment wo die

Bedeutung aufleuchtet, kurz. Das ist der Tod. Aus. Anfang.

Der Professor nahm sein Lexikon, das neben dem

Spitalsbett auf dem Tischchen mit Obst, den Zeitungen

und der leeren Glasvase, lag, zur Hand, sagte, darf ich?!,

blätterte darin, und in Danja, die leise das Zimmer betreten

hatte und im Hintergrund die Szene betrachtete, löste

sich ein kleiner Sturm von Verlangen, von Sehnsucht

nach etwas an Einsicht, von dem sie glaubte, es zu

haben, vergraben in sich zu - wissen. Ja, zu fühlen war

es jedenfalls, ist es und umso gefährlicher, umso für

sie gefährdender erschien ihr der Moment dieses

Wohlempfindens aus Nebel, Verwirrung und Leidenschaft,

die wie eine Erinnerung durch sie glitt, und was noch

schlimmer war, auf sie einwirkte wie Lust. Was machte der

Kerl da mit Franz. Und mit mir.

Die Lust ist exzessiv, aber Ekstase blamiert unser Können,

ist das die Freiheit, die Blamage, fragte sie still in das Buch

hinein, das Pokieser in ihrer Erinnerung aufschlug. Hatte

sie geseufzt. Gestöhnt. Franz blickte hoch und winkte ihr

zu. Pokieser legte das Buch weg, sagte, wir besprechen das

später und verließ das Zimmer.

Auch Franz las in ihrem Gesicht, in ihren Augen,

ihrem Blick mit und bemerkte wieder einmal, dass

er nichts als lese und lese, und so wesentlich eben

war das, aber ob es sein Wesen, gar als Bildermacher

oder Gegenständemacher, eben ausmachte, gar eine

Lustaufnahmemaschine zu sein, ein Subordnerbübchen,

das nur registriert und verschiebt, das, was es aufgreift,

sieht, sammelt, deformiert und neu zusammensetzt, wie

das wissen...

Aber die Röntgenbilder, die Röntgenstrahlen, die gehen

doch eins zu eins unter die Haut und die Durchsicht

ist klar gegeben, da brauchst du nichts aufgreifen und

weiterverwenden, das ist Original, das sich vom anderen

abhebt, jedem das seine, da kannst du machen was du

willst, aber um es hervorzuheben, muss das andere

abgedunkelt werden, da hilft nur Blei.

Abschirmen mit Blei, abschirmen an sich, fragte Danja

weiter, hatten sie das vor, dich abzuschirmen, und du

dich auch mit der Liese auf der Wiese? Er verneinte,

nein, keineswegs, ich strahlte einfach so raus in die

Welt, so wie ich als Bub immer strahlte, ganz offen, im

Haus wie auf der Wiese, oder auf der Strasse, am Ring

in Wien, also auf der Ringstrasse, wo ich stand und den

vorbeimarschierenden Soldaten zuwinkte, damals in den

x-Jahren, unserem Heer, oho, ich in der Lederhose und mit

dem Lächeln von Liese auf der Wiese, ein Kind der Nation,

ein Volksvorzeigeknäbchen, dennoch oder deswegen ein

irgendwie verlorener Gegenwärtiger, Stiller. Und dort,

im Stillen, fühlte ich auch einen Schatten auf meiner

Herzeigeseele, von der ich nicht wusste, dass sie ein solche

war oder ein solches Bild des Was-auch-immer-Getreuen,

des Braven halt abgab. Ein Bild von mir, das von außen

kam, und auch festgehalten wurde, in einem Film, den ich

vor kurzem zufällig im Fernsehen sah. Ich bin also eine Art

Dokument - geworden oder war es von Anfang an.

Aber das Röntgen, das Röntgen, wie der Herr Professor

Pokieser es eben nicht sagt, der, der das Krankenzimmer

vorher verlassen hat, Danja, denn der sagt ja nie etwas,

das gibt und zeigt uns die Sicht nach innen, und das,

nur um zu helfen. Das rief Skepsis hervor, in beiden,

in Franz und Danja, nur nicht zu sehr auf sich helfen

lassen zu vertrauen. Worauf Franz aus seinem Gedächtnis

hervorkramte: Es gibt drei Strahlungsarten, die mit dem

griechischen Alphabet bezeichnet wurden - Alpha, Beta,

Gamma, so heißen sie. Und die Intensität der Strahlen ist

steigend von Alpha über Beta zu Gamma, so wird es immer

gefährlicher, erwähnte er vor Danja, und die fragte sich,

wie sie was mit der Intensität anfangen sollte, wenn sie die

Ekstase in Frage stellte.

Wiederum wusste Franz nicht, was sie genau dachte,

aber dass sie dachte und zweifelte, das ahnte er. Er stellte

deswegen nicht sie in Frage, eher sich, und fühlte es,

heiß, in sich brodeln. Dieses Empfinden bündelte sich zu

einer Art innerer Strahlung zusammen, die sich über den

Magensäften zu Kegelspitzen formten und dann als sich

ausdehnender Ballon, bis zur Gurgel hochstiegen und sich

dort festzusetzen oder hin und her zu schwappen schienen.

Die Hitze spürte er in den Ohren, sie raste dort mit

einer Tonstärke, die wahre Leibhaftigkeit annahm - aber

messbar dürfte das ganze nicht sein, diese Psychostrahlung

unter der Haut und nicht aus ihr heraus tretend, diese

Umschnürung des inneren Angstpakets -

...

Na ja, Beschreibung ist das nicht, Franz metaphorisierte

gerne, sprach in Bildern, ein wenig schiefen. Das Gänschen

begann plötzlich doch zu schnattern. Ist das deine Absicht,

ein inneres Feuer hervorzulocken, über die verwortakelte

Formulierung, setzte Danja, die Liese auf der Wiese, nach,

und Franz horchte in sich, der Ton ließ nach, die Wellen

stiegen vom Hals in den Mund hoch, entfleuchten von

dort, mit dem Atem gings dahin, und er war wieder in der

Lage, zu artikulieren:

Willst du meine Meinung zu den Aufnahmen hören,

wie das gemacht wird, worum es geht, Abbildung

oder Nachbildung, dann muss ich auf Aristoteles

zurückgreifen, ja, zur Poetik des Aristoteles und nicht zum

Strahlenschutzgesetz, forderte Franz weder Danja noch

Pokieser, der ja gar nicht mehr im Raum war, sondern

sich selbst heraus. Ohne jede Vorbereitung auf dieses

Thema. Danja schwieg da lieber, ihr Lächeln dazu erfolgte

unsichtbar, drinnen in ihr lächelte sie, es ging durch den

Körper, durch die Rippenbögen und das Muskelfleisch,

es zog, auch darunter, wo nichts war, spürte sie den Zug

dieses Lächeln, ach wenn die wüssten, Aristoteles und

Liese auf der Wiese, das Tragische, Arkadien, das Wissen

von dort, an sich, und ich!

- Aber wirklich nicht so wie ich, wo ich beim Psychotext

den Baum zeichnete, verästelte, ineinander wuchernde

Zweige, eine Krone der Wirrniss, der Stamm kerzengerade,

schlank, aber mächtig, und dann der Boden, der Grund,

die Ebene, ein Strich, noch geradliniger gezogen als

der Stamm, darunter nichts, Nichts, ... er strebt nach

Höherem, hat aber keine Grundlagen, sagte die Stimme

der Bezirkspsychologin vom Arbeitsvermittlungs- und

Beratungsamt, ja so war ich und bin ich, aber Liese auf

der Wiese und Aristoteles, das Danja, das ging so, nämlich

unter die Haut, und es kam von draußen:

Ferdinand Schmatz, Dichter und Essayist, lebt in Wien. Studium

der Germanistik und Philosophie in Wien. 1983-1985 Lektor in Tokyo.

Herausgeber des Nachlasses von Reinhard Priessnitz. 1995-1996 Juror

beim Bachmann-Wettbewerb. 1999 Christine Lavant Lyrik-Preis. 2002

Anton Wildgans-Preis. 2004 Georg Trakl-Preis.

Veröffentlichungen (zuletzt): das grosse babel,n. gedicht (1999);

portierisch. roman (2001); tokyo, echo oder wir bauen den schacht zu babel,

weiter. gedicht (2004); Felicitas Leitner und der verlorene Rettungsring.

Hörspiel, (ORF 2004).


46 Nr. 10/2006

Buch VI – Literatur

ST/A/R

Freier Fall

Wolfgang Mörth

Als sich die Lage meines Unternehmens

Anfang 1997 dramatisch verschlechtert

hatte, und ich mit meinen Nerven

ziemlich am Ende war, beschloss ich kurzerhand

nach Vals in die vor einem Monat neu

eröffnete Felsentherme zu fahren, um mich

dort für zwei Tage von meinem nicht mehr zu

unterdrückenden Hass auf ein paar Kollegen,

Geschäftspartner und Bankdirektoren zu

reinigen. Ich hatte viel von Peter Zumthors

Neubau gehört, überhaupt war Zumthor

in Bregenz, wegen seines umstrittenen

Kunsthausbaus, seit Jahren schon ein dankbares

Gesprächsthema gewesen. Ich, für meinen Teil,

bewunderte ihn für seine Fähigkeit, einmal für

gut befundene Ideen auch unter Druck und

gegen Widerstände durchzusetzen.

Ich kam am 16. Jänner gegen Mittag in Vals

an, am Nachmittag des folgenden Tages

reiste ich wieder ab. Das genügte, um mein

Leben wieder auf die Schienen zu stellen.

Alle, die jetzt glauben, das habe etwas mit

der speziellen Atmosphäre zu tun gehabt,

die in der Felsentherme herrschte, muss ich

enttäuschen. Der Aufenthalt dort hat mir

zweifellos geholfen, ich schätzte auch das Fehlen

von Chlorgeruch und Kindergebrüll, doch zu

einer derart fundamentalen Änderung meiner

Haltung hätten die „Sorgfalt und Poesie“ sowie

die „radikale Ästhetik und Formensprache“ * der

Architektur allein niemals führen können. Mein

Erweckungserlebnis, um es einmal pathetisch

auszudrücken, hatte ich an einem anderen Ort,

und aus einem anderen Grund.

Der drohende Konkurs und die damit

zusammen hängenden Enttäuschungen

hatten mich aufgewühlt und geschwächt.

Ein Zustand, der aus heutiger Sicht auch

seine Vorteile hatte. Lang gepflegte innere

Barrieren begannen durchlässig zu werden.

Ich fühlte mich sozusagen offen auch für

Ungewöhnliches, für eine verhängnisvolle

erotische Begegnung zum Beispiel, oder

für die leichtsinnige Überschätzung meiner

körperlichen Fähigkeiten, sogar die Möglichkeit,

nicht mehr nach Hause zurück zu kehren,

sondern mich von Zürich aus nach Übersee

abzusetzen, zog ich in Erwägung. Zeichen des

Ausnahmezustands, in dem ich mich befand,

war auch der Umstand, dass ich mein Auto zu

Hause stehen hatte lassen und mit öffentlichen

Verkehrsmitteln angereist war. Man muss

immerhin dreimal umsteigen, um von Bregenz

nach Vals zu kommen, aber selbst das nahm

ich stoisch hin. Die letzte Strecke ab Ilanz saß

ich ganz hinten in einem fast leeren Bus und

stierte geistesabwesend in die Schluchten des

Valsertales hinunter.

An der Rezeption des Hotels ließ ich mir die

Benutzungsregeln der Badeanlage erklären

und erfuhr, dass ich Glück hatte, denn am

Donnerstag stehe den Hotelgästen das Bad bis

24 Uhr zur Verfügung. Da ich also genügend

Zeit für mein Wellnessprogramm haben

würde, beschloss ich, noch ein wenig Luft zu

schnappen.

Ich bin nie ein Spaziergänger gewesen, also

keiner, der herum schlendert, um sich die

Gegend anzuschauen, sondern ich brauchte

immer schon ein Ziel, auf das ich lossteuern

konnte. Deshalb erkundigte ich mich bei einem

Ortsansässigen nach einem bewältigbaren

Wanderweg und bekam auch einen brauchbaren

Tipp. Mit dem Sessellift hinauf zur Bergstation

Gadastatt und über Furt nach Zervreila. Dort

könne ich mir einen Schlitten ausleihen und

auf der acht Kilometer langen Straße wieder

herunter nach Vals rodeln. Aber ich solle mich

beeilen, in ein paar Stunden beginne es zu

schneien.

Die Doppelsessel der uralten Liftanlage

holperten derart über die Stützrollen, dass mich

nach einer Weile das Gesäß schmerzte. Mein

Sitz hatte die Nummer 60. Daran erinnere

ich mich gut, denn das ist mein Jahrgang,

außerdem gehören Zahlen zu meinem Beruf.

Die Fahrt hinauf dauerte 11 Minuten.

Es waren zwar einige Schifahrer unterwegs,

aber so weit ich sehen konnte, war sonst

keiner der Sessel besetzt. Auch später, auf

meinem Fußmarsch, begegnete ich keiner

Menschenseele.

Ich trug festes Schuhwerk und einen

einigermaßen warmen Mantel. An Handschuhe

und Kappe hatte ich nicht gedacht. Schlimmer

wäre ich ohne Sonnenbrille dran gewesen, denn

hier heroben auf etwa 1800 Meter war ich Licht

und Strahlung schutzlos ausgeliefert.

Der Weg führte am Westhang entlang

eineinhalb Stunden Richtung Süden und stieg

dabei noch etwa 200 Höhenmeter an. Zunächst

war es noch frühlingshaft warm in der Sonne,

später dann zogen von Westen her Wolken

über den Kamm und es wurde schlagartig

kälter. Jetzt ärgerte ich mich, dass ich nicht

besser ausgerüstet war. Der Ärger brachte

mich fast zum Weinen. Ich schlug den Kragen

meines Mantels hoch, stopfte die Hände tief

in die Taschen und stellte mir vor, wie ich hier

heroben wie ein dummer Tourist im Schnee

stecken bleiben und schließlich erfrieren

würde. Andererseits wäre das eine spektakuläre,

fast symbolische Art gewesen, mich aus

meiner Misere zu verabschieden. Abseits

jedes ausgetretenen Pfades, erstarrt zu einem

grotesken Mahnmal, womöglich mit einem

Brief in der Tasche, in dem die Schuldigen an

meinem Tod unmissverständlich beim Namen

genannt wären, würde man mich in einem

der hintersten Schweizer Bergtäler auffinden.

Während ich durch die Schneelandschaft

stapfte, textete ich in Gedanken an meiner

Anklageschrift herum, und je länger ich

nach dem stichhaltigsten Ausdruck für mein

Bedürfnis nach Rache suchte, desto mehr wurde

daraus eine abschließende, mit Allem und

Jedem abrechnende Rede an die Menschheit.

In meinem Zorn übersah ich den Weg, das

Wetter, die Zeit. Plötzlich stand ich zwischen

ein paar Almhütten am höchsten Punkt meiner

Wanderung und erschrak, als ich den Stausee

unter mir liegen sah. Diese Mauer und diesen

See hatte ich hier nicht erwartet. Es war das

Unerwartete, das mich erschreckte. Noch dazu

in dieser Form. Ein unter enormem Druck

stehendes Bauwerk, das seinen Bauch dem

Wasser, dem Eis, dem Berg entgegen wölbte.

Gigantische potentielle Energie, lautlos wie

der Schnee, der inzwischen fiel. Von allen

Seiten waren kleine Lawinen auf die Eisfläche

gerutscht. Weiter hinten rumpelten die

Schneebretter von den tagsüber aufgeweichten

Hängen. Zervreila. So hieß alles hier. Der

Staudamm, der See, der gottverlassene Ort.

Auch das Gasthaus, in dem ich mich später

aufwärmen, einen Früchtetee trinken und

mir für 11 Franken einen Schlitten ausleihen

würde. Ich kam dort an, als der Bus aus Vals

gerade eine Horde Touristen ablud. Als einer

der ersten, so als gehörte ich dazu, betrat ich

das Lokal. Ich setzte mich zu Fremden an den

Tisch, lächelte verbindlich, bestellte mit den

anderen zusammen mein Getränk, blätterte

in einer Illustrierten. Unauffällig. Nach einer

halben Stunde brach ich gemeinsam mit ein

paar anderen wieder auf. Die Wirtin sollte mich

als Mitglied der Gruppe wahrnehmen.

Da die anderen den Eindruck erweckten, sie

hätten Erfahrung mit der Strecke, und würden

daher schneller rodeln als ich, beschloss

ich, sie voraus fahren zu lassen. Ich setzte

mich auf meinen Schlitten und wartete. Es

hatte aufgehört zu schneien, deshalb war die

Staumauer jetzt auch von hier aus deutlich

zu sehen. Das Gasthaus lag etwa 60 Meter

unterhalb des Mauerscheitels. Als ich ihn vor

einer dreiviertel Stunde überquert hatte, war

die Hütte durch den Schneeschauer hindurch

nicht zu erkennen gewesen. Auch dieses

Wesen (das ist die beste Bezeichnung, die mir

einfällt) nahm ich erst wahr, als ich es schon

fast erreicht hatte. Es saß auf dem talseitigen

Geländer über der tiefsten Stelle des Abgrunds,

hatte die Schultern hochgezogen, die Arme

auf dem Geländer abgestützt und die Füße

auf die untere Stange gestellt. Dann, als ich

auf seiner Höhe angekommen war und es

immer noch nichts von meiner Anwesenheit

bemerkt zu haben schien, reagierte ich auf

diesen Impuls. Von Planung konnte keine

Rede sein. Es kam mir einfach in den Sinn.

Beiläufig sozusagen. Diesem Impuls ging nichts

voraus, was ich eine bewusste Entscheidung

genannt hätte, zumindest keine, die mit dem

Folgenden zu tun hatte. Ich weiß noch, dass

ich mit ganz alltäglichen, für mich typischen

Fragestellungen beschäftigt war. Zum Beispiel,

wann dieser Mensch denn nun endlich auf

mein Näherkommen reagieren und in welcher

Art ich ihn dann grüßen würde. Ich suchte

nach einem Tonfall, der sowohl diesem

ausgesetzten, unwirtlichen Ort als auch meiner

eher zurückhaltenden Art entsprach. Doch es

kam zu keinem Gruß, denn das Wesen drehte

sich nicht um. Selbst als es meine Schritte

schon hören hätte müssen, blieb sein Kopf,

über den die Kapuze eines matt roten Anoraks

gezogen war, zum Abgrund hin gesenkt. Es trug

eine ausgebleichte, blaue Trainingshose und

Turnschuhe. Zu wenig bei dieser Kälte. Durch

die Kleidung glaubte ich, einen schmächtigen

Körperbau zu erahnen. Es hätte sich sowohl um

eine Frau, um einen zierlichen Mann als auch

um einen Jugendlichen handeln können. Aus

der Haltung war es nicht eindeutig abzulesen.

Wären die folgenden Sekunden nach einer

anderen Choreografie verlaufen, dann wüsste

ich es vielleicht, oder hätte zumindest Stoff für

ein paar Verdachtsmomente. So machte ich,

ohne etwas zu wissen, und eigentlich, ohne

etwas zu wollen, einen Satz nach vorn. Doch

statt auf einen Widerstand zu stoßen, fuhr

meine Hand ins Leere. Ganz leicht streiften

meine Fingerspitzen gerade noch die Kapuze

des Anoraks, dann knallte ich von der Wucht der

eigenen Trägheit umgerissen mit der Brust auf

das Geländer. Ich suche nicht nach Ausflüchten,

doch Tatsache ist: Mein Stoß und sein Sprung

ereigneten sich zeitgleich. Unsere Bewegungen

waren von perfekter Symmetrie. Ein Beobachter

hätte mich zweifelsfrei für einen Mörder

Günther Kaip, geboren 1960, lebt in Wien,

schreibt Lyrik, Prosa (Erzählung, Roman), Wort-

Bildarbeiten. Auch Kinderbücher. Zahlreiche

Buchveröffentlichungen: zuletzt Nacht und Tag, Ritter

Verlag, Der Schneemann (Kinderbuch, illustriert von

Angelika Kaufmann) NP-Verlag.


ST/A/R

Buch VI – Literatur

Nr. 10/2006 47

gehalten, doch es gab keinen Beobachter, nicht

einmal mein potentielles Opfer selbst konnte

etwas von meinem versuchten Anschlag geahnt

haben.

Ich rappelte mich hoch, peinlich berührt, so als

hätte ich gerade den Ball auf dem Elfmeterpunkt

verfehlt, und setzte meinen Weg fort, als

wäre nichts geschehen. Ohne dem Körper

nachzuschauen, ohne mich umzudrehen, ohne

einen Gedanken an die möglichen Motive für

diesen Affekt zu verschwenden, ging ich weiter.

Nur eines tat ich, weil ich es immer schon getan

hatte. Ein harmloser Zähl- oder Messtick. Ich

zähle die Sekunden mit. Auf meine innere

Taktfrequenz kann ich mich verlassen. Ich

zähle mit, bis der Computer hoch gestartet ist,

bis der Kaffee durch die Maschine gelaufen ist,

bis meine Sekretärin im Vorzimmer endlich

das Telefon abhebt. Alles hat seine Zahl, alles

braucht seine Zeit. Von meinem vergeblichen

Stoß an zählte ich also mit. 1 – 2 – 3 – 4 – 5

– 6. Bei 6 hörte ich den Aufprall. Es war ein

Krachen, deutlich als das Durchschlagen der

Eisdecke jenes Beckens zu erkennen, in den der

Bach am Fuß der Mauer gefasst war. Während

ich mich entfernte, berechnete ich überschlägig

die Fallhöhe. Ich berücksichtigte dabei auch

die Zeit, die der Schall benötigte, um mein

Ohr zu erreichen, das heißt, ich zog von 6 eine

halbe Sekunde ab, und kam auf etwa 145 Meter.

Spätere Recherchen ergaben eine tatsächliche

Bauhöhe von 151 Meter.

1 – 2 – 3 – 4 – 5 – 6. Das war auch der

Vorsprung, den ich den anderen Rodlern ließ,

bevor ich mich selbst abstieß.

Abgesehen von der Tatsache, dass mir bei

der rasanten Talfahrt auf der steilen Straße

beinahe ein Daumen, die Nase und beide Ohren

abgefroren wären, verlief der Aufenthalt in

Vals sehr erfreulich. Was man sich über die

Atmosphäre in der Felsentherme erzählte, war

nicht übertrieben. Schummriges Licht und

sphärische Klänge, Urgestein und Blütendüfte,

dazu warmes Wasser. Selbst auf einen eher

nüchternen Menschen wie mich hatte diese

Kombination die voraus gesagte Wirkung.

Einige Stunden lang wechselte ich wie in Trance

von einem Höhlenbecken ins andere und

schwebte bewusstlos in verschiedenen Bäuchen

der Erdenmutter. Auch das Durchlaufen der 6

düsteren Schwitzkammern fühlte sich an wie

das Eindringen in ein immer früheres Stadium

der Existenz. In der 6-ten und letzten Kammer

atmete ich bereits den heißen Urnebel ein,

der aus vulkanischen Tiefseeschloten strömt.

Danach aß ich im Restaurant etwas das Capuns

hieß, ein mit Mangoldblättern umwickeltes

Gemisch aus Spätzleteig und Bündnerfleisch,

überbacken mit Bergkäse. Dazu trank ich einen

ganz ordentlichen Shiraz. Das Hotelzimmer war

nicht der Rede wert, der Schlaf allerdings tief

und traumlos.

Auch später träumte ich nicht von fallenden

Körpern oder von Wasserleichen, kein Geist

versuchte sich im Schlaf an mir zu rächen.

Ich hatte mir ja nichts zu Schulden kommen

lassen. Dieser Sturz geschah unabhängig von

meiner Anwesenheit, unabhängig von meinem

Willen, ich hatte lediglich aktiven Anteil an

einem Augenblick, in dem zwei Menschen

gleichzeitig erkennen, wozu sie wirklich fähig

sind. Die folgenden Wochen und Monate sollten

zeigen, was diese Erkenntnis in meinem Leben

bewirken würde. Ich hatte nicht das Gefühl,

etwas Entscheidendes an meinem Verhalten

habe sich geändert, und doch schienen sich

die Dinge plötzlich wie von selbst zu fügen.

Zum einen waren in den zwei Tagen meiner

unangekündigten Abwesenheit gravierende

Konflikte zwischen einigen von denen

entbrannt, die sich sonst gegen mich verbündet

hatten, andererseits schien die Gelassenheit

und Jovialität, die ich jetzt an den Tag legte,

dazu zu führen, dass jeder einzelne glaubte, ich

hätte etwas gegen ihn in der Hand. Es dauerte

nicht lange, und meine ärgsten Gegner im

Management segneten meine Konzepte ab,

die Gesellschafter erklärten sich bereit, noch

einmal Geld nachzuschießen und auch die

Direktoren der Banken sprachen auf einmal

statt von Schulden von Risikokapital. Folge war,

dass die von mir schon lange empfohlenen

Maßnahmen nun endlich umgesetzt werden

konnten. Alles ging noch schneller als ich

gehofft hatte. Das Geschäft entwickelte sich

derart gut, dass schon ein halbes Jahr später

die Vorarlberger Nachrichten von einer neuen

Blüte des Unternehmens und von sicheren

Arbeitsplätzen schrieben. Wir waren über dem

Berg, und ich war der ehemalige Schwächling,

der zwei Tage an einem unbekannten Ort

untergetaucht und von dort als unverwundbarer

Held zurückgekehrt war.

Alles wäre perfekt gewesen, hätte es da nicht

dieses eine beunruhigende Detail gegeben. Aus

meinem allgemeinen Mess- und Zähltick war

nämlich ein spezieller geworden. Wann immer

eine Pause entstand, in der mein Geist nicht

beansprucht war, zählte ich jetzt auf 6. Jeden

offenen Raum zwischen den Geschehnissen

zerlegte ich in 6 Sekunden lange Einheiten. Das

fiel niemandem auf, auch ich konnte anfangs

gut damit leben, aber mit der Zeit bekam das

Ganze doch eine zwanghafte Note. Wenn ich

zum Beispiel bei Rot an einer Ampel stand und

das Umspringen auf Grün fiel nicht genau mit

einem dieser 6-er-Intervalle zusammen, dann

konnte es passieren, dass ich das Hupen meines

Hintermannes ignorierte und solange stehen

blieb, bis ich durchgezählt hatte. Oder abends

beim Fernsehen. Ich schaffte es immer seltener,

länger als 6 Sekunden einem Programm zu

folgen, ohne weiter zu zappen, was natürlich

zu Konflikten mit meiner Frau und meinen

Kindern führte, solange, bis man mir die Macht

über die Fernsteuerung entzog. Ich könnte

jetzt noch eine ganze Reihe von mehr oder

weniger amüsanten Gelegenheiten anführen,

bei denen mich diese Zählerei in unangenehme

Situationen brachte, ich gebe auch gerne zu,

dass ich bereits fest mit einer Entwicklung hin

zu echten psychischen Problemen rechnete, aber

es kam dann Gott sei Dank anders.

Es war bei der inoffiziellen Eröffnung des

KUB, zu der ich als eines der ersten Mitglieder

der Gesellschaft der Freunde des Kunsthauses

persönlich eingeladen war. Natürlich

beeindruckten mich die „Sorgfalt und Poesie“

sowie die „radikale Ästhetik und Formensprache“ *

der Architektur, etwas irritiert war ich lediglich

vom Geruch nach feuchtem Beton, der das

ganze Haus noch immer erfüllte. Was mir beim

Betreten der Halle im Erdgeschoss jedoch als

erstes ins Auge fiel, waren die Lampenschirme,

nämlich große umgekehrte Kelche, die an

langen Pendeln von der Decke hingen. Im

Vorfeld war ja oft das Worte „sakral“ gefallen,

mich wunderte daher nicht, dass ich eine

ähnliche Lampenform aus meiner Zeit als

Ministrant in der Herz-Jesu-Kirche kannte.

Überrascht war ich allerdings, als mir bei

diesem Anblick schlagartig die Ordnungszahl

meiner frühen religiösen Existenz in den Sinn

kam: 60 geteilt durch 11.

Zur Erklärung: Meistens im Verlauf des

Wortgottesdienstes, auf den Stufen vor dem

Altar kniend, versank ich damals in einen

Zustand interesseloser Betrachtung. Mein

Blick streifte dabei über den Hochaltar und

die Apsisfenstergeschichten hinauf zur

nüchtern getünchten Decke und schließlich

an der Kette entlang herunter bis zu diesem

Lampenschirm in Form eines umgekehrten

messingfarbenen Kelchs. Er hing genau über

dem Volksaltar und pendelte, von der Zugluft

bewegt, einmal mehr und einmal weniger

hin und her. Dabei löste sich die ehrfürchtige

Haltung meiner Hände jeweils langsam auf,

der rechte Zeigefinger rutschte an das linke

Handgelenk, und ich begann, ohne etwas

damit zu bezwecken, meist sogar, ohne es zu

bemerken, diese Bewegung mit Hilfe meines

Pulsschlages zu vermessen. Über den Ursprung

dieser Angewohnheit kann ich wenig sagen.

Sie muss sich irgendwann am Übergang vom

Kind zum Jugendlichen herausgebildet haben,

vielleicht als Folge meiner Andacht, vielleicht

auch als ihr Auslöser. Das Messergebnis jedoch

war verblüffend klar. In 60 Herzschlägen waren

stets exakt 11 Pendelbewegungen enthalten, im

Ruhepuls meiner tiefsten Meditation war also

die mysteriöseste aller Primzahlen eingelagert,

die Schnapszahl, die Zahl der Narren, der

Maßlosigkeit und der Sünde, worüber ich

damals allerdings noch nicht viel wusste.

Wer ein wenig Sinn für mathematische

Zusammenhänge hat, ahnt vielleicht, worauf

die Sache hinaus läuft. Ich mache es kurz:

Die Schwingungsdauer der Kirchenlampe

betrug 60/11 also 5,45 (periodisch) Sekunden.

Das entspricht ziemlich genau der Fallzeit

des Körpers vom Scheitel der Staumauer des

Zervreilasees hinunter auf die Eisfläche des

Bachs. (Wenn Sie zur Probe diese Zeit in die

Formel für den freien Fall einsetzen, werden

Sie sehen, dass dabei die richtige Mauerhöhe

herauskommt.) Das Zahlenverhältnis also, das

sich aus der Länge des Lampenpendels in der

Herz-Jesu-Kirche und meiner Herzfrequenz

ergab, spielte auch dort an der Staumauer

eine entscheidende Rolle. Als ich diese

Übereinstimmung erkannt hatte, verschmolz

die Erinnerung an den Fall meines Engels

mit der an den Schwung des Lichts über dem

Altar, ganz im Sinn von Galileo Galilei, zu

einer harmonischen Gesetzmäßigkeit, und die

lästige Zählerei hörte auf, noch bevor sie sich

zu einer Psychose auswachsen konnte. Ich war

froh, denn jetzt machte es mir nichts mehr

aus, im nächsten und auch in den folgenden

Jahren wieder nach Vals in die Felsentherme zu

fahren, samt Wanderung und anschließender

Rodelpartie, immer im Jänner, allerdings nie

mehr allein.

*zitiert nach www.archinform.net

Wolfgang Mörth, geboren in Bregenz. Autor und

Filmemacher. Auszeichnungen u.a.: Einladung

zum Ingeborg Bachmannpreis (1991), Harder

Literaturpreis, Vorarlberger Landesstipendium,

Max von der Grün Preis. Letzte Arbeiten: Locus iste,

Dokumentarfilm (mit Robert Polak) 2004; Revue

Revue, Theatertext für das Aktionstheater Ensemble

Wien 2005. Mitherausgeber der literaturzeitschrift

www.miromente.at. Lebt und arbeitet in Bregenz.


48 Nr. 10/2006

Buch VI – Literatur

ST/A/R

Kugelrot in Not

Petra Coronato

Florette war das verlöschende Rot in der Dämmerung.

Ich stand Ecke Hermannplatz, wo wir uns verabschiedet

hatten, und sah ihrem roten Wollmantel hinterher,

dessen Farbe auf eine eigenartige Weise schwächer wurde, es

war ein Zerfall der Farbigkeit zu beobachten, wie kann eine so

kräftige Farbe so zerbrechlich sein, fragte ich mich, und noch ein

paar Meter weiter, und das Rot ihres Mantels war vergangen und

hatte sich grau in das Grau der Umgebung aufgelöst, und das

ist ein Bild, das vor Augen du dich nur in dein Schicksal fügen

kannst, sagte ich mir, und heute würde ich dasselbe sagen, und

damals war es der Moment, in dem mir klar wurde, dass ich

Florette liebte.

Ich, das ist Eleonore Prohaska, gemeldet in Berlin Schöneberg.

Auf der Weihnachtsfeier habe ich Florette meinen Ausweis

gezeigt. Wir waren beide noch nicht lange in der Putzkolonne.

Unsere Chefs hatten das gemütliche Beisammensein auf

Heiligabend verlegt, weil wir doch alle eine Familie seien, wie sie

sagten. Wir durften den Geföhnten lauschen, wie sie ein Loblied

auf unsere Gebäudereinigungsfirma sangen, wobei sie sich

von der Konkurrenz die Parole ausliehen: Es macht Spass, mit

modernster Technik und Chemie ein Gebäude schöner zu machen.

Wir erfuhren staunend, dass wir im nunmehr fast vergangenen

Jahr Lust auf Leistung bewiesen und die Kolonnenführerinnen

sich verausgabt hätten. Wir wurden Zeugen, wie den Geföhnten

ein gemeinsam erspartes grosses Geschenk überreicht wurde,

wie die Kolonnenführerinnen sich gegenseitig kleine Präsente

übergaben, und wie die Beschenkten sehr zu ihrer Qual und zur

Schadenfreude der Zuhörer gereimte Verse vortragen mussten.

Auf unserer Seite begann Werner mit Marina zu flirten, doch

wenn sie darauf einging, machte er einen Rückzieher und sagte:

Der Klaus ist doch dein König. Der war bei der Müllabfuhr

und sagte: Gebäudereinigung und Strassenreinigung, das sind

zwei ganz verschiedene Welten! Florette hat ihre Zoten in der

Gastronomie gelernt, wo sie viele Jahre als einzige Frau unter

Männern lebte, da die Köche, hier ich, die Spülmiezi. Marina

begann, die Jungdynamischen nachzuahmen, wie sie uns

neue Anweisungen gaben. Marina hatte eine abgebrochene

Tanzausbildung und eigentlich noch Gesangsunterricht

hinzunehmen und Schauspielerin werden wollen, aber dann

wurde sie bloss wieder schwanger, und das wars dann mit den

Brettern der Welt, und darüber ist Marina ein wenig alkoholisch

geworden, und jetzt war sie betrunken und bemühte sich

irgendwie spanisch zu wirken, und wir riefen olé! und Marina

ging zum Tango und mit einer kurzen Anspielung auf den

Stierkampf zum Flamenco über, und das war nun wirklich

Marina, ihre kleine Vorstellung nur für uns, wir mochten

Marina, wir hatten Marina richtig gern, wir applaudierten und

verlangten, dass uns Marina noch mehr Szenen vorspielt.

Am langen Tisch der Geföhnten waren sie inzwischen auch

bei den Betriebsanekdoten angekommen, und brüllten

und lachten und kreischten. Ich sagte, möchte mal wissen,

was für die am Putzgeschehen so lustig ist. Nun hatten die

Geföhnten beschlossen, sich unters Volk zu mischen, und die

schweigende Debora, von Florette auch Debil oder die wandelnde

Altkleidersammlung wegen ihrer optischen Nähe zur Kelly-

Family genannt, Debil mit Ambitionen zur Kolonnenführerin

und scharf auf den Aussendienstleiter, Debil sah ihre Stunde

gekommen. Debora kann hervorragend den Eindruck erwecken,

es sei geputzt worden, eine Nachahmung des geputzten Raumes

erzeugen, sagte Florette, Debora kennt noch festangestellte

Petra Coronato, geb. 1956, Studium Philosophie & Geschichte. (D).

1993 – 2003 Romanprojekt tongue tongue Hongkong, mit zahlreichen

Veröffentlichungen und Veranstaltungen in D-A-CH (zuletzt:

MATRIX LOUVRE. Zweckloses Unbehagen, Ritter 2002).

Seit 1996 freie Schriftstellerin, lebt in Berlin/Wien.

http://www.kunstradio.at/BIOS/coronatobio.html

http://www-gewi.uni-graz.at/nabl/intercity/coronato.htm

Zeiten an festen Häusern, war an der Uni angestellt, die

Universität war mein letzter Arbeitgeber, sagte Debora, und der

Geföhnte sagte, schon möglich, dass unsere Kolonne da auch

mal hingerät. Damit ist ja klar, wohin der Geföhnte nach der

Feier gerät, sagte Florette und forderte mich auf, mit ihr vor die

Tür zu gehen, um eine V2 durchzuziehen, ihr Name für den

Joint, weil das V eine Tütenform und Florette die Angewohnheit

hatte, immer 2 Joints direkt hintereinander zu rauchen, bevor

dann erst wieder nach einer grösseren Pause nachgelegt wurde.

Schnee, ganz viel Schnee, und es schneite noch immer. Im

Viktoria-Park fuhren sie in der weissleuchtenden Dunkelheit

Schlitten. Wir sassen weiter oben am Hang unter einer alten

Buche, deren Zweige bis auf den Boden hingen. Wie war das mit

Frau Holle, fragte Florette, und ich sagte, du springst in einen

Brunnen und bist in einer anderen Welt. Vielleicht hätten wir

nur wegen der Anwesenheit des vielen Schnees glücklich sein

können, aber Florette war schon dabei, den nächsten Joint zu

drehen, anscheinend war Heiligabend Kampfkiffen angesagt.

Florette sagte, das ist dann die ultimative Bombe und bläst uns

das Hirn weg wie seinerzeit den Blumauern. Hier hätte ich

eigentlich nachfragen sollen, aber jetzt fiel mir ein, dass ich

als Kind hatte Polizistin werden wollen. Dann hätte ich meine

schreckliche Familie verhaften und für immer wegsperren

lassen können. Meine Familie ist böse, hinterhältig und gemein.

Florette sagte, Darling, du hast doch gar keine Familie. Das ist

wahr. Ich weiss nicht, warum ich Florette das alles erzählte. Ich

sagte, dass ich aus dem Heim ausgerissen sei, und die Polizei hat

mich zurückgebracht. Da war es vorbei mit dem Polizistentraum,

ich wollte jedenfalls kein Kinderfänger werden. Und was ist dann

aus dir geworden? fragte Florette, und ich sagte: Nichts. Aus mir

ist nichts geworden. Einmal Putzfrau, immer Putzfrau. Florette

sagte: Eine Krise in der Idylle. Wie kann man nur so blond und

so blauäugig und dabei so melancholisch sein!

Nachdem ich mit Florette geschlafen hatte, ging es mir besser.

Wir blieben einfach so lange im Bett, bis ich eine gänzlich

andere Perspektive auf mein Leben gewonnen hatte. Plötzlich

schien alles machbar. Wir diskutierten viel. Florette nannte

mich Eleonora, Leonora, Nora und Leo. Und doch blieb ich

immer gleich deutsch, während Florette ihre Identität wechselte,

indem sie sich einmal um sich selbst drehte. Wenn ich an

einem Tag glauben sollte, sie sei nie woanders als in Berlin

gewesen, behauptete sie am nächsten Tag, sie sei mit tausenden

Einwanderern erst nach dem Mauerfall in die Stadt gekommen,

um ihr Glück zu machen. Woher gekommen? Florette suchte am

Himmel, zeigte in eine Richtung: von dort! und erfand sogleich

neue Geschichten. Ich bezweifle, dass sie mit Napoleon oder

doch mit jemandem, der ihm nahestand, verwandt war.

Florette sagte: Wir sind Tagelöhner in der Festung Europa. Wir

sollten uns selbständig machen. Ich sagte, sind wir nicht schon

selbständig genug? Wir bringen unsere Putzmittel mit. Florette

träumte von einer Internationalen Agentur für die Vermittlung

von preussischen Frauentugenden, nach Vorbild eines Berliner

Salons sollten sich die Interessierten ihre Perle gleich vor Ort

aussuchen können. Ich sagte, du glaubst, sie werden sich einer

französischen Hure wie dir anvertrauen, aber natürlich, sagte

Florette, jetzt ganz die aus Frankreich zugewanderte Hugenottin:

Wer war preußischer als wir, nachdem euer Frédéric le Grand

so frankophil war? Ich sagte, mon amour, ich brauch nicht noch

die Puffmutter, ich brauch eigentlich überhaupt keine Mutter

mehr. Und du wirst dick und häßlich werden, so fett, dass du im

Bett deinen Arsch nicht mehr bewegen kannst. Florette sagte, in

Sachen Faulheit im Bett sei ich ja wohl kaum zu übertreffen.

Wir kamen oft zu spät und in der Putzkolonne hatte

eine geheimnisvolle Veränderung stattgefunden, eine

innerbetriebliche mentale Verschiebung, wenn nicht gar was

ärgeres, die Wirtschaftslage oder so. Jedenfalls fanden wir eines

Morgens keine freien Plätze für uns und gehörten nicht mehr

dazu. Die Kollegen hatten das Gebiet neu unter sich aufgeteilt

und verteidigten ihr Revier. Unseren Job waren wir los.

Florette hat dann im Fernsehturm-Restaurant auf dem

Alex bedient. Ich sass wie in einem Karussel an einem der

numerierten Tische auf der sich drehenden Plattform. Zur

Linken schob sich die Aussicht nach hinten weg, zur Rechten

zog ich an Tresen und Türen und mehrmals auch an Florette

vorbei, die keine Zeit für mich hatte. Wenn ich die Szenen

zusammensetzte, die mir nacheinander erschienen, während

ich langsam meine Geliebte umkreiste, glaube ich, dass sie

in Geschäfte verwickelt war. Beim Weggehen sagte ich: Die

Unterwelt trifft sich ja ziemlich hoch oben. Florette sagte, ich sei

bloss neidisch, weil ich es nie weiter bringen würde als Muttchen

das Handtäschchen zu entreissen. Und nicht einmal das! Ich

stand in Wilmersdorfer Vorzimmern herum und behauptete, ich

habe das Putz-Gen, ja, Gnädige Frau, stellen Sie sich vor, man

hat das Putz-Gen gefunden, unsere Familie hat das Putz-Gen,

sagte ich, es ist erblich, aber ich bekam den Job trotzdem nicht.

Und eines Tages verschwand Florette.

Es war der Sommer, in dem die Sonne ihre runde, begrenzte

Form aufgab und sich über den ganzen Himmel spannte.

Wolken verdampften augenblicklich, der blaue Himmel wurde

weiß. Werden wir alle zu Afrikanern, fragte die BZ und hatte

blonden Deutschen mit blauen Augen die Gesichter braun

angemalt. Nachts stand die Hitze unbeweglich in den Häusern,

Florette wollte hinaus, ins Freie. Madame geht noch aus, sagte

ich, im Negligé, macht ja nix, rennen ja in Berlin jetzt alle im

Nachtgewand rum, weil sie nicht schlafen können. Am nächsten

Tag wurden Aufführungen von spontanen Regentänzen

gemeldet. Die Stadt wartete auf einen Wetterumschwung, ich

allein wartete auf Florette. Das Telefon blieb stumm, die Post

kam zurück, in ihrem Zimmer wohnte ein Russe, und an ihrem

Arbeitsplatz hatte man noch nie etwas von einer Florette gehört.

Es war, als ob sie sich in Luft aufgelöst hätte. Aus diesem Nichts

heraus plötzlich der Typ, der hinter ihr her war und mit mir

diskutieren wollte, ob die Nachforschung noch Sinn macht, ob

er nicht aufgeben solle, dann aber entschied, niemals aufhören

zu können, sich nach dem Mäderl zu sehnen. Das ist eine

stramme Maid! Vielleicht meinten wir nicht dieselbe Person.

Auch an guten Ratschlägen fehlte es nicht: Suchst du immer

noch deine Florette? Wenn du mich fragst, vergiss es, gib auf.

Florette ist tot. Dieser Wahn ist mir nicht erspart geblieben.

Ich wollte es nicht glauben und bin mir gar nicht so sicher,

ob ich Florette nach jener Nacht nicht noch gesehen habe. Ich

habe sie sogar so oft gesehen, dass ich an den Trugbildern fast

verzweifelt bin. Ich entdeckte Menschen in der Ferne, die ihr

ähnlich waren, beim Näherkommen aber zu anderen Personen

wurden. Studierte ich jedoch die Gesichtszüge meiner alten

Bekannten länger, die bis dahin alle so gar nichts von Florette

an sich gehabt hatten, so wurde die Affinität immer grösser.

Florette und ihre Wandlungsfähigkeit, sie hatte von vielen

etwas, deshalb hatten viele etwas von Florette. Meine private

Fahndung wurde dadurch nur umso fanatischer. Ich hatte keine

Kraft mehr, und doch fühlte ich mich zwanghaft immer wieder

Richtung Hermannplatz gezogen, als ob ich dort noch einmal

jenes erste Bild und mit ihm Florette wiederfinden könne. Es

war schon dunkel, als ich mich über das Geländer der Kottbusser

Brücke lehnte, und es wäre gelogen zu behaupten, es sei im

Landwehrkanal etwas Rotes geschwommen. Es war in der

schwarzen Tiefe nichts, ich sah allenfalls rot vor Erschöpfung.

Ich hörte ferne Sirenen sich nähern. Eine Hand legte sich von

hinten auf meine Schulter. So wie im Fernsehen, wenn der

Kommissar dem Bankräuber beim Aufschweissen des Tresors

eine Weile zugeschaut hat, Guten Abend, der Einbrecher dreht

sich um, nimmt gleich die Hände hoch und gibt auf. Ich gab

auch irgendwie auf, als Frau Smith, die Hauswartsfrau, vor mir

stand. Über die Brücke fuhr jetzt sehr viel rote Feuerwehr. Der

Lärm machte es unmöglich zu verstehen, was Frau Smith sagte,

als sie mir die rote Billardkugel gab. Ich wollte alles wissen,

Florettes Botin am Ärmel zurückhalten und zwingen, mir

Auskunft zu geben, aber Frau Smith war nicht mehr da, als ich

aufschaute. Ich habe seitdem so oft und lange über die Botschaft

nachgedacht, bis ihre Bedeutung gänzlich verblasste und

nurmehr das Rot der Billardkugel übrigblieb. Wer weiss, ob es

sich überhaupt je um eine Mitteilung gehandelt und Florette der

Absender gewesen war. Wenn Florette gar nicht fort und immer

noch irgendwo da wäre, würde ich sie ohnehin nicht erkennen,

weil sie nicht mehr dieselbe ist. Florette ist nun vermutlich

einer der Menschen, die ich kaum anschaue, weil sie keinerlei

Ähnlichkeit mit Florette haben. Heute glaube ich, das ist die

Wahrheit ihres Verschwindens.

Und vielleicht muß auch ich eine andere werden.

Desktopfoto Nr. 1

von Gabriele Petricek, 6.12.2005.

Schriftstellerin u. Kulturpublizistin.

Schriftwechsel Nr. 1, supported by

Wien

Kultur


ST/A/R Buch VII – Waran

Nr. 10/2006

49

Arbogast is worried about the Rove‘s powers.

Hillary will get caught fucking chipmunks, or Kennedy will be seen meeting with

Osama in Vienna. Check the Drudge honey wagon to see whether it hasn‘t started

already. Boston will be nuked by Iranoterrorists. We‘ve won the pennant and won

the Superbowl a few times so it‘s time to go to heaven. All nine members of the

Supreme Court will be gassed by Islamic fundamentalists, and Romney will have

to declare martial law until Congress with an armed martial standing at the end

of each row can approve a new court in an up or down vote. There‘s a lot of time

between now and November 2006. Yes, I understand Arbo‘s point but wish it isn‘t

that bad.

Ihr Lederschwuchteln, ihr

Weissgänger, ihr B-free Teelefonierer, ihr Götter auf

weiss, ihr Dünnbäuchigen, gebt uns euer Geld oder

wenigstens eure Fitnesskarte.

Joe Harris: ok, be purple my friend, and feelgood, arab

is watching you with pizza and kebab

--------------------------------------------------------------------------------

die gefälschten

tagebücher des adolf H.

es spricht der waheliche drogenkoordinator wiens:

hannes weibl

ich habe truppen. ich habe kämpfer. ich habe dünschiß

mit SS.

ich habe leute die ohne mit der wimper zu zücken,

töten.( auch massen)

ihr seit beschränkt in eurer legislative, exekutive,

judikatur...ihr könmnt es lesen, ihr lest es! eure augen

lügen nicht, aber die hornhaut könnte jeden moment

schmelzen, s....

wir können sie ersetzten, aber nur wir. auch eure

nierenprobleme gehen mir am arsch vorbei: i have

kidneys, more than dead bones. that means much, if

you are a noncheker, i can kill you in one secund, you

dont recognize it. even you are finished right now. i tell

you brother , your existenz is nothining, zero, you are

an agent now, when you read this. so follow the line.

and keep it as real, otherwise you are dead, finished,

broken.

vienna is a kapitalistik city of love and rosetten. i

love them. i kss them and take some licks. if your

dick now gets stiff, or your pussi gets wetten das?

its no problem if you have male and female

attribution. than you are normal. i give yo..you the

hormons you need.

ihr wisst doch alle die indianer stammen von den

russen ab. oder kennt ihr vera russwurm nicht?

...gloria hat den archequanten mitentwickelt...

alfred busenbauer,... usola stenzl( pseudonüm)ursula

stengel

sc ottenring, fc ottakring- ottagringo.-civilisation heals

the nation.

save the planet. kill yourself...


50 Nr. 10/2006

Buch VII – Waran

ST/A/R

a b c d e f g hi j k l m n o p q r s t u v w x y z

a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z

ST/A/R

Wiener

B e z i r k s

b l a t t

Leasing

Dagobert Fuck, System Kollapse

...habe mir unabsichtlich die Pulsadern

aufgeschnitten, und bin aus dem fünften

stock gestolpert. Aber es sollte einfach

nicht sein.

Wie soll ich das bloß meinen Kollegen im

Büro klarmachen.

Zu gewinnen gibt’s dann eine Weltreise

mit: Mahatma Ganja, Mutter Theresa

Orlovsky, Mona Lisa Simpson, Steve

Wonderbra, Robin Fut, Peter Macintosh,

Oliver Dschingis Kahn, Nora Jones, und

den Rolling Stones.

Ford Knox 4WD- ein gramm für zehn

euro..succeed...!!

SAUFEN

das Hobby zum beruf machen

Beim Seifenblasen könnt ich soooo rumkugeln.

Seepferdchen reiten auf Kugelfischen.

Vom Kugelfischen bekommt er

Seifenblasen.

Minority Report

Schau mich nicht an wenn ich mit dir

rede!

ich hab goldene Eier, aber hängs nicht

gleich an die große Glocke

ich bin nachtblind auch untertags...

Nichts persönliches, aber ich kann dich

nicht leiden( sehen)

Ich bin dein Todfeind.

minority report. rudi spielt tom cruise

turbo.

Papst Benedict nicht richtig. Der Schleich

Christ sich. Verdammen im ewigen Arschlochficken.

seit derr virgin megastore zugefotz hatt

wewe glücklich pfurze. pavel baxabt behandelt

mich wie einen Hitlerjungen.

Die beste Wixvorlage ist der hundert Euro

Schein, er hat mir die welt erklärt. bei mir

ist er schon ganz weiß, und klebrig, und

pickt an jeder wand, so wie das restliche

geld der ganzen welt, von jedem land der

Schein, wixen macht nämlich freiheitlich.

Rudi ist eigentlich eine Bitterschokolade,

mit gefrorenem Sperma, von Stefan Weber.

-für Retortenbabys, weil Steffi will die

ganze Welt überbevölkern, und die Kinder

spielen dann Fußball und wixen den ball

ins Tor. und...

be real, be steel, like a lion

in saigon. fuck rudi, rudi

must die. Love me, but

leave me. i´m tired, very

tired, my friend.

verthinken in Gedanken. think about

i lost my brain in the taxi

San Sebastian Baxant, Papst Johannes Paul Baxant,

Die steirische Leiche.

hell-mad zilk, jörg high-there, fred sinno, whats up?,

puschemi guraz...

Jugo Proksch, Bosovo Albaner Linton Crazy Johnson,.,,.,..

..,. ,,.

östrer reich ist frei

der kasperl ist wieder da.

hipp hipp hurrarei......raise dead,

Al capuccino, der psychopate teil drei.

Untalentierte talentsucher treibens mit

J. Lo Budget( jeniffer lopez) sollte meinen leichenstarrenpenis noch einmal in

den mund nehmen.

Mein hemoriedepiercing bekommt meine kleine schwester condolliccia rice.

Arnold schwarzenegger sollte noch ein paar nette worte sagen, und sich begnadigen.

Cause jesus was a nigger. Be such an ashole- spreed your wings and fly away.


ST/A/R

Buch VII – Waran

Nr. 10/2006 51


Florence (Die Muta von Mary

Lulu) liebt mich so wie ich sie.

Sexsucht ist nicht heilbar, Liebe

schon. Mein Erzfeind ist und

bleibt Herwig... Lass die Finger

von meiner Frau –

du verdammte Sau

Stefan Weber ©

Kalimero Kaiser Nero - Cobra übernehmen

Sie - Ungustl 1 an Ungustl 2 - Gotteslästerung

ist Ehrensache - ungläubiger Abfall - Ich liebe

nur Mich(i) - Chucky die Mörderbitch - was

ich tue geht keinen was an - Haupsache ich

heirate heute noch - Franz Hantl trainiert

wieder - Soudcheck im Puff - unerträgliche

Leichenstarre in der U4 - Mir fällt ein Stein

vom Herzen genau auf den grossen Zeh

was kann ich für euch tun ? Geld macht sexy.

Be like Rudi my friend - (Bruce

Willis Lee) Mein Vater ist Eddy

Murphy und meine Mutter

Pamela Andersrum. Meine

Tochter heisst Discovery und

meine Gerngrossmutter heisst

Gloria und bedeutet für mich

Goldhamster.


ST/A/R Buch VII – Waran Nr. 10/2006 53

Tote leben länger

besonders die Sänger

Ich mache Musik für den Endsieg

Meine Brüder werden immer müder und ich kann

nicht schlafen

Meine Energie zwingt die Mädels in die Knie

Ich krieg bei die Alimente Prozente

Wennst depat bist hau ich dir die Zähnt ein

Gerngross ist mein Größenwahnsinn. Mit meinem

Gehänge treib

ich alle in die Enge. Pavel heiß ich und Nutella scheiß

ich

Freunde der Blasmusik ich vertrage sicher keine Kritik

Ich bring dich um

ich mach den Finger krumm

Ich werde dich erlösen von all dem Bösen

Auf deiner Beerdigung leg ich den Rest der

Belegschaft um

Alle Huren außer Mama

Bei mir gibt`s immer Ramba Zamba

Mit meinem Waffenarsenal feg ich die Erde kahl

Mein Hausverstand setzt alles in Brand

Und hab ich dann die Menschheit um die Ecke

gebracht

wird einmal Urlaub gemacht. Wer leben will glaubt

an mich

liebe Welt ich liebe dich

Das Leben sagte zu mir hier kommst du nicht lebend

raus

Denken liegt mir nicht drum schreib ich dieses

Gedicht

Die ganze Kohle bekommt der Pole

dann gehn die Kröten flöten

wir haun des Knedl am Schädl

Durch die Mäuse bekommen wir Filzläuse

den Rest der Knete kriegt Tante Grete

der Alkohol bietet ungeahnte Möglichkeiten

Sekt macht meinen Tag perfekt

Bier weckt in mir die Neugier

Am nächsten Tag ich der Alkoholvergiftung erlag

Florence gib mir noch eine Chance

Aller Laster Anfang ist das Nummernschild

Du bist total süß-sauer Mir kommt`s gleich hoch

No sleep to Broklyn

Die Bestie Mensch

Glück ist wenn man nicht von sich besessen ist. Paver

hat kein Glück

Rudi schon, aber der ist von mir besessen. Du wilder

Hengst ich werde

dich noch zureiten. Du bist die schnellste Hand vom

Mexikoplatz

Meine Feinde nennen mich den oaschwoamen

Schweden meine Freunde

nur Schwuchtlpeter

Liebe das Leben wie eine leere Schuhschachtel

Verweigere den Wehrdienst und besetze ein Haus

Laß Gras rüberwachsen und mach keine Faxen

Diddl- Dodl- Heidudldulf

Ru- Ru- Rudi

Schwu- Schwu- Schwuchtl

Die Baxants planen einen Banküberfall denn sie sind

in der Überzahl

Mein Drogenkonsum durchbricht bald die

Schallmauer

Get the flow Keep it real Love is a stranger

Sex ist Krieg bei dem beide Seiten gewinnen können

Tu mir einen Gefallen und laß die Hüllen fallen

First of all I wonna thank all the ladies who keep me

fresh

In the future I will stay a Lutscher. When I was born

they called me

the peacemaker. The world is turning and my pussy is

burning

When I say Ping you say Bong. Loose your time

suicide is a crime

Eat the bitch. See the rainbow we have to go

Yankee dudl forever Rudl. Money makes the night

sunny

Let`s chill. We are family I got all my sisters with me

Die Stewardess macht Streß. Deine Pflicht kennst du

nicht

Helmut Kohl hat Kohldampf. Beckenbauer pinkelt an

die Berliner Mauer

Sport gehört verboten sowie Geldnoten

Ein Strandbad für Agranat. Meine Freundin heißt

Arschtritt, mein Chef

Elender und mein Hund Gschissener

Meinen Job hab ich an den Nagel gehängt so wie Jesus

Endlich ausspannen in der Lobau. Schamhaare sind

Stoßdämpfer

Als ich zu dem Schas sagte verzieh dich hatt er mir ins

Gesicht geschlagen

'Der Duft der großen weiten Welt

Ich mach Kompott aus dir (Marie LaLeLu)

Bin harmoniesüchtig

USA

Einmal salsatanzen bitte

Cha Cha Cha in

Ich schicke jedem Brillenträger meine Schläger.

Die prügeln euch windelweich über den großen Teich

In iGod we trust alle Amerikaner in den Knast

Alles Banane

Bleib auf den Hoden der Realität

Junkies marschieren im Stechschritt die Armee der

Finsternis

join the army believe in Arnie

lonesome callboy

Mein Vater ist zum 3. mal Mutter geworden

Mein Bruder ist ein Boxenluder

Toni Polster Freilandeier

limitierte Stückzahl

Rudi arbeitet im Kohlebergwerk in der Capistrangasse

beim Führer

Arrest für Inzest lebenslängliche Einzelhaft für die

Habsburger

Ich hau dir die Nase blutig Asoul ist viel zu mutig

und Rudi zu nuttig

Blondinen können sich bei mir bedienen. Ich hab mir

ein bißchen was auf die Seite

gelegt also ein kleines Vermögen zusammengespart

auf der Samenbank

Gab es im Golfkrieg nur 18 Löcher

Man braucht ein drittes Standbein/Standbeidl

Damit hab ich Nichts zu tunfisch

10dag Seepferdchenleberkäse

dancefloorence Zicke Zacke

Schneeflitchen. Dornmöschen, Raprunzl. Aschenfutl

Ach wie gut das niemand weiß daß ich immer

Hackenkreuze scheiß

Ich pinkel Dinkel

Es gibt mehr Fragen als Antworten

Der Sinn des Lebens ist 42

Vom Tellerwäscher zum Geschirrspüler

Bin im Stand

Bin Nutznieser habe Heuschnupfen

Sein Ruf eilte ihm voraus und seine Vergangenheit

holte ihn ein

Eminem ist plemplem

Laut Umfrage hat Rudi einen Saumagen und einen

Pferdeschwanz und übernatürliche Kräfte

(Kiloweise Ganja Anm. der Redaktion)

Bin im Geräteschuppen einen spliffen

Schamlippizaner

Beidlinger Hauptstraße

Ganz spontan leg ich mich mit euch allen an

Niemand hat mir zu sagen wie ich mein Leben zu

leben habe besonders nicht Nimma

Agnes ist ein Wagnis

nackte Tatsachen in der Sauna

Cola hilft bei Spermaflecken

Blonde leben besser

Bei jedem Taxi heb ich das Haxi

steinreich = stoned, rich

call the police I need peace of mind

Helfen sie der Polizei verprügeln sie sich selber

Planet der Waffen

Ich zünde gleich eine Sexbombe

Meine Schulden sind auch deine Schulden

Vivienne I`m your man Gähn Schnarch

zzzzzzzzzzzzz

Politik belügt das Volk

Es lebe Karl Moik

Rudi in die Ecke scheißen Pavel dann die Scheiß

umkreisen

the hot Weber sisters ausgreifenstein

Hundescheiße läßt uns den grauen Alltag vergessen

und die braune Vergangenheit lebt wieder in uns auf

Wir sind doch alle Nazis im tiefsten Unterbewußtsein

Alle sind nur auf das eigene Vorurteil aus. Skinheads

haben sich die Haare wachsen lassen und der

Anschluß ist zum Greifen nahe. 'Der Papst war

Hitlerjunge und ist es geblieben. Der Herzstich bei

Jesus

war überflüssig. Er hatte keines Jerusalem ist zu

bequem

Punkfood ist wieder voll im kommen

Die Leute sollen wieder anständig grüßen sonst treten

sie die gute alte Zeit mit Füßen

Rassisten sind Zivilisten

AKH bleibt Gewalt erzeugt Gewalt

Organisiere Massenschlägereien in ganz Europa

Hey Hey My My Rudi G. will never die

This is the story of Jonny Rotten the king is gone but

he is not forgotten

out of the black into the blue

Ich rauche gerne Panzergras und danach laß ich einen

Eierschas

Pavel heiß ich und auf euch scheiß ich. Ihr seid mir

alle sowas von egal ich sag es nicht nocheinmal

Lego formte mein Ego und Rudi meine Nudi

Frauen sind der schönste Zeitvertreib. Ja auch ich

mach für Geld die Beine breit

Mein Weg ist noch weit aber ich lass mir Zeit. Nur

ned hudln lieber

Rudlbudan

Hörner abstossen gemeint Arschgeweih

Deutschland wartet auf den Anschlußtreffer

Salz auf der Haut

Pfeffer im Arsch Tomaten auf den Augen

Gurkerl im ‘Ohr

Kotze im Mund eine Einkaufsstraße in der Nase

und Schimmelkäse auf der Angelrute nicht umsonst

nennt man mich das Burgfräulein vom Burggarten

Graz darf nicht Venedig werden Das Trettboot

ist voll

Ohne Grenzen gibt es keine ‘Freiheit

Wir d.h. die Partei und ich sind für 250sprachige

Ortstafeln

Freibier Marihuana zum Abwinken und Steuererlaß

für Politiker

Niemand wird ewig einen hochkriegen das Rohr

neigt zum Biegen

Eine Orgelpfeife steht neben der anderen

Bauer sucht Sau Drecksau mit Ringelschwänzchen

Ein Joint, ein guter Joint das ist das Beste was es gibt

auf der Welt

Meine Waschmaschine hat ein Schleudertrauma

Die Domina hat ein Peitschenschlagsyndrom

Im Vatikan stellen sich die Nutten hinten an

join the caravan of love

We are all prostitutes

There`s a light in the darkness of everybodies life

Weust an Oasch host wie a Bergwerk weust a

Wahnsinn bist füa mi steh i auf di

Eine Ananas für Annanass

Radieschen für Lieschen

Dünnschiß kann

Leben retten

Mutter Theresa steht auf Reza

Rejo träumt vom Damenklo

Das Attentat auf Bruno löste den 3. Weltkrieg aus

Wer sich tätowiert verliert

OCB THC JOB RIZZLER

ÖBB TNT JOOP RASTA

Rasta Schutta Spagetti Sajonara

Habe die Achtung von mir selbst verloren

Bin Hobbyastronaut

Rudi braucht ein neues Fernrohr

Sex mit Kindern sollte verboten werden

UDO Würgens Harald Junkie Die Queen

fährt mit der Bim nach Simmering

Sebi de wix

Meine Komplexe müssen das

Land verlassen

Kuhfladenbrot macht Wangen rot die heilige Milka

Kuh ist tot

Luzifer schläft nicht watch out

Til Schweiger ist silber reden ist Goldberger

Ich liebe eine ‘Toni Polsterschlacht

In der Jauchengrube vergess ich meine gute

Kinderstube

RUDI ist der einzige Mensch der weiß was er tut aber

keine Ahnung hat was er macht. Pavel hat seine

ganze Energie verpulvert und ich kann wieder die

Suppe

auslöffeln.

Die Schadensminimierung der Regierung bringt

Steuererleichterungen für Multimilliardäre wie Heidul

f

Die Gier ist ein Fluch

die Bibel ist ein dickes Buch Jesus riecht nach

verwesus unsterblich verliebt glaube nicht das

es ihn gibt

Die Alimente spar ich mir für die Rente möchte reich

sterben und ewig leben

Jeder Vaterschaftstest ist wie ein Fest

Masturbieren geht über studieren und

kostet auch nix

Rudi möchte allen Tschechen und Polen einen

runterholen Er will euch nicht verkohlen auch mir

hat er alles gestohlen Wer ihn zum Freund hat

braucht keine Freundin mehr. Der Zeitaufwand ist

unermesslich und enorm

Finanziell geht`s ihm wie Willhelm Tell. In seiner

Weltanschauung dreht sich alles um gute Verdaung

An alle Koksdealer: ‘Nehmt den Mund nicht zu voll

sonst kommt ihr nicht durch den Zoll

Alle

Schmerzgrenzen werden geöffnet Mein Essen

kannst vergessen Der Stacheldrahtsalat schmeckt

doch ein bißchen fad

Last mich zurück in

den Knast

Nur dort war ich glucklich Check mir auf die

Schnelle eine 4Mann Zelle

Der Freiheitsentzug ist ein Betrug kriminell

wird man schnell

Stehe mit einem Fuß im Grab und mit dem anderen

im Knast

Kann den Sensenmann nicht abschütteln Marie

‘Lou ist besoffen wie ein Turnschuh Sie läßt mich

einfach nicht in Ruh Ihre Fahne ist nur Schikane

In Wirklichkeit ist sie die uneheliche Schwester

von Prinz Charles. Er hat Schlappohren sie einen

Schlapphut

Sie bringt mich auf die Palme weswegen ich soviel

qualme. Wenn sie nicht Vernunft annimmt mach ich

aus ihr peruanisches Gulasch. Das Gurkerl hab ich

schon gewaschen

EIN MÄDCHEN

STEH AUF UND KÄMPFE WIE

Du hast ein großes Herz und einen noch größeren

Penis mit dem spielst du Tennis

Aufschlag Gerngross Vorteil WARAN Wetzen

statt gleiten

Rudi, die Raupe Nimmersatt zieht ihre Schleimspur

durch die Stadt kein Ziel aber viel Gefühl 5

Frauen paralell jetzt fordere ich dich zum Duell

Bist wie ein Schanigarten mit einem Harten. Alles

Oaschauswischerei du bist und

bleibst ein Adabei. Vergiß das Hakeln du mußt nur

mit dem Hintern wackeln.

Werde nie wieder lange fuckln Dein Dackelblick

ist doch nur ein Trick

Im Polizeicomputer bist du ein guter (Dealer)

Du hast das gewisse Etwas

Klimaanlage, GPS, elektrische Fensterheber und

schnüffelst gerne Superkleber

Dein Joystick ist ziemlich dick ein richtiges

Prachtstück aber schlecklich

Privatpirat Freizeitworkoholic WOW das

nenn ich Hormonstau Mach`s gut

tschau

Deine Falten können die Nation spalten. Du glaubst

du bist immer noch in der Schule und schwänzt jeden

Tag Ich liebe deinen Zahnbelag

Heute ist es richtig Molekühl

Randgruppen werden an den Rand des Wahnsinns

gedrängt

Minderheiten sollten ihren Horizont weiten und mal

paragleiten

Schlitzohren Schlitzaugen

Der ganze Frust macht richtig Lust aufs Leben

Jeder Wixer der Hand an sich legt wird exkomuniziert

und muß doppelte Vergnügungssteuer zahlen.

Kondome sind chefarztpflichtig und können nicht von

der Steuer abgewetzt werden. Leistung muß belächelt

werden

Jeder Arbeitnehmer muiß ein Mittagsschläfchen

machen. Löhne und Gehälter werden nicht ausbezahlt

ein ehrliches DANKE muß genügen. Der Staat spart

für uns. Konsum ist strafbar und Tabak wird

endlich illegal und unleistbar

TYRANO SAURUS FLEX WARAN GERNGROSS

HAT LOKALVERBOT

Möchte zu zweit einschlaften und zu dritt aufwachen

vermehret euch

Ehestand Krankenstand Griechenland

I love my cunt and my cunt loves me Andreas

Berger steht auf Stefanie Werger Bin so

kanalfixiert

Habe alle Neurosen und Komplexe dem Rudi

geschenkt. Er macht Geld draus

Kain und Pavel

Vivienne renn

Franziska Pflaum war mein feuchtester Traum

WERD SIE IMMER LIIIIIIIEBEN

EINE WELTREISE: in jedem Hafen eine andere

Braut und jeder häng ich ein

Kind an Rudi kümmert sich dann um den Rest

Flieg mir in die Arme Zieh dich aus und mach das

Beste draus

ÖSTERREICH

DÜNNPFIFF FÜR

Peter Westentaler Frust auf die Heimat

Sie säuft wie ein Loch immer noch unter ihrem

Hut steckt viel Mut

Alle Damen warten aufs Absahnen sie macht

Revolution durch Komunikation

Sie braucht Lokalverbot wie einen Bissen Brot Ihr

größter Wunsch ein

Weihnachtspunsch. Der Wein legt sie jeden Tag a

ufs neue rein

Ihre Kinder hat sie erzogen wie Rinder Ariane

hat eine Fahne

Florence versetzt mich in Trance Herwig schaut

aus wie Inspektor Derrick

Bezwinge deine Augenringe Reite mit Heidulf in

den Sonnenuntergang und

fang ein neues Leben an und sollte der Sensenmann

einmal kommen wird er sagen: Du nicht , du hast dich

dein Leben lang daneben benommen

Ich verscheuer die ganze Kirchensteuer Alle

Pfaffen sind schwule Affen

Nonnen haben an Sexapeal gewonnen Benedikt

hat noch nie gefickt

Der Vatikan verabschäut den Islam Das neue

Testament hab ich verbrennt

Pimkle nur in den Herrgottswinkel (90Grad)

Beten kann die Welt retten

Glaube an einen rachsüchtigen, schadenfrohen,

narzistischen Gott, der sich am

Elend jedes einzelnen aufgeilt und wenn man ihn

braucht abseilt

Er will uns alle nur in den Selbstmord treiben weil er

seinen Fehler einsieht und die

Erde für sich allein beansprucht. Die Bibel ist eine

heilige Wixvorlage bis ans Ende aller Tage.

Die Menschen rotten sich aus und er macht sich einen

Spaß daraus.

Er ist ein Kinderschänder mit einem Dauerständer

Vom Anbeginn der Zeit

ging er immer zuweit Damit ist jetzt Schluß für

jeden Engel eine Kokosnuß

und für ihn einen Kopfschuß

Meine Liebe zu LSD oder wie Rudi mir sein Grab

schaufelte

Coca Cola ist der ur Runterholer sowie Rudi Waran

Baxant

mit dem

Anal Fatal

von

Dr.Stephan Weber

HEUTE IST DER 23.02.2006

Rudi 13, und Clemens 15 Jahre

Der Diktator (Niki Lauda) steht auf

einem Hügel. Er blickt aufwärts und

schreit:„ komm, oh ewig leuchtendes

licht, ewiges feuer verbrenne mich.

lass mich eins sein mit deiner natur.“

Gleichzeitig sieht man eine Atombombe, gezündet

vom iranischen Diktator( Mahmud Ahmedinejad).

Brief von Cassius C lay (boss der nigerianischen

mafia/ Österreich) an Bill Cosby

To my friend bill cosby

I am sorry for trouble, shoot by car, for your son.

I thought the too much weed of you made conflict

on street. I shit on your Nigerian mafia style. You

know who iam . i am nigerian mafia leader of

spreeding brown sugar over moses hair, for relaxiation

not for death, but i will take three years of

prison, now am fiftysix and i am finished.

Cassius Clay- not only musican#

Die wahrheit muss gesagt warden:

„wegen dir musste jem. Sterben, im afro dorf, you

want to blow me away,i show you my real power,

du hast nur ein problem , dass dein sohn schwul

ist, und vielleicht HIV-positiv, denkst du noch an

gott. liebt er dich ? ich bin gefährlich ? und du

versorgst stadtteile wiens mit heroin, du bist ein

gefährlicher mann. You are a bushman. But remember

not only bushman think anticlockwise…

.S

zene: die diktatoren sitzen auf sesseln und bedienen

computer und chatenen gemeinsam, und

sprechen laut.

4Diktatoren: Quincy Jones, niki lauda, ursula

stenzl , Cassius Clay/ inkl. 2Stimmen

Quincy Jones:

Canna, bis auf uns , deaf des wissen= explicit

…Bedrohung des Puplikums..

„Wir sind ein Kollektiv, wir haben ein kollektives

Gehirn, wir denken im Kollektiv. Ihr dürft

jetzt nicht an Feuer denken- denn wenn ihr an

Feuer denkt, zündet unser iranischer Freund und

Genosse, Mahmud Ahmedinejad eine atombombe-

target: Wien Heldenplatz.

Könnt ihr oder wollt ihr euch einfach nicht

entspannen, wir haben Hypnotiseure die eine

ständige Schlaflosigkeit, die nach vier Tagen zu

einer völligen nervlichen Vegetativen und lokal

Hirndisfunktionen, bishin zu ewigen Krampf

und Epilepsie anfallen führen. Könnt ihr euch

vorstellen so ein Leben zu führen. Ist euch dieser

Kollektive Suizid bewusst? Oder das Wasser? Ihr

wollt euch entspannen? Ihr wollt in andere Länder

reisen? Sind euch vierzig tausend Kilometer Wasser

hoch, eigentlich bewusst? Glaubt ihr surfen

macht dann noch spaß?

Oder die Luft? Ihr wollt Häuser bauen? Es wird

Luftwind entstehen, da wird Granit zu Feinstaub!

Glaubt ihr da kann jemand sein Gesicht behalten?

Ihr fühlt euch existent? Für wie lange? Für das

leben eurer Kinder auch noch? Oder nur für den

nächsten Atemzug? Wollt ihr das licht ausschalten?

Dann macht die Augen zu!“

40.000 Meilen hoch Wasser.

be water my friend (bruce lee).

die Gravitation kann sich ändern,

das sollte jedem Bewußt sein.

Kommentar von ex-Schiespringer Goldberger-----

-- www.andigoldberer.at

Luft, Feuerwasser, Erde;

Wir könnten vögelnd die Aidskrise bekämpfen, ist

euch das klar.

…mit einer Leichtigkeit.

Wienerlied: nach Johann Strauss Senior: Iraner

schreiben von links nach rechts eine versklavte

für humane Denkensweise nicht wiederspuckende

turka cola folklora nich identifizierbarer

schrift in dubiose omnisexuellen chatforen: wir

alle haben eine

atombombe im

oasch.

…halt den

Mondstein fest

und spür die Kraft..

-------------------------------------------------------

---------

Präsenzdienst, Zivildienst

Ihr verstümmelt und tötet jugendliche Geister…

okay!!!

eye for eye

Ich schlage zurück- das Imperium schlägt zurück.

„Ich werde sämtliche, mir zu Verfügung stehende

Militärmittel aneignen, wenn es sein muss auch

mit Gewalt. Wir haben M16 und , Kalaschnikow

für Nahkampftötungen.

Weiter steht mir in Absprache mit dem iranischem

Präsidenten und dem israelischem, leider

an einem Schlaganfall erkranktem und schwer

mitgenommenem, Ariel Sharon( mein Bruder ich

liebe dich) eine Atombombe zur Verfügung. Dies

ist keine literarische Nichtigkeit, und wir stellen

hiermit ein Ultimatum für den Weltfrieden. Ich

mach euch alle platt. Pusch emi guraz NATO,

UNO, WWF, USA, Genfer Konvention, Aserbeidschikistan.-

Ich hab euch eh alle lieb…

Und in dreißig Tagen, wenn dann noch immer keine

Ruhe ist, ihr Lausbuben, dann mach ich euch

alle zu Burenwurscht.

Also denkt über mich nach denn ich habe ur viel

Macht, viel mehr als ihr, viel mehr als alle Mullahs,

alle Mullahs zusammen. Ich fick euch alle, denn

ich habe Informationen.

Ihr könnt mich nicht töten.

Denn ich bin selber Mullah.“

Nostrrawije winettwo

-------------------------------------------------------

---------

Cosa Nostra…eure Vulkane

Una grande familia.

Die wahrheit muss ans tageslicht/nachtschatten

------------------------------------------------------

--------

Kein leugnen der Wahrheit,- weil die Wahrheit

muss gesagt werden, damit unsere Mitmenschen

an die Sache mit destruktivem Enthusiasmus

herangehen können.

Ode an king mao nachkomme von pharaoh tut

ench amun……..i talk much about the atomic

bomb with him, die warheit muss gesagt werden

5.) Sie vietnahmen alles mit, die Franzosinnenwir

sind USA Freunde- USA for Africadu

schwuler Cowboy, du geiler Bock, ich liebe

dich, wir alle lieben dich,

… nimm mich. Egal wie, so wie es dir gerade

gefällt,… spür meinen Atem, den Hauch unendlicher

Einsamkeit, den Hauch der Verwesung. Blas

mir ins Gesicht, reib dich an mir, und drück ab.

…be a shame(haar).. blowing in the wind, my

dirty old dick.

… walk for machinery…

Be such an ashole

loose _ontrol, and be a member of scientology.

Lynch the antijewis, homophobien, fick dich selbst

in oasch, du ragga, reaggae, dance hall, MC Mothefucking

bixenklescher Schwulenfeindlicher-

I cut your dreads and cook them.

i cut your rastalocks for homer homy.

Don’t go to the camera

We burn it down. We know where you live, we

know where we from. We follow your steps, and

when you fall asleep, your motherfucking as burns

like Mr. Burns. We burn down your house, we

rape your motherfuckin white bitch. Your children

get in slavery, and so it goes on.

Adolf hitla junior

Fuck! Yeah, he is Black.

Meine Vorhaut ist mir heilig,

und heilige Kühe sind Rinderwahn.

Be a dog! A hot dog. Than at least I feed you, with

any stuff you want….. be a good friend of mine

Ich erkläre mich(Quincy Jones):

Ich bin ein Drittewelt k.a. ok.e ;) wir reiben an

Gulaschnockerln und leiden an in Oaschsteckenden

Eiernockerlschaasn. Iran. Ich rufe Opa um 20

uhr an.

Ich und Florian??? Who the fuck is…?

-------------------------------------------------------

---------

würstelbudan.das winer wahrzeichen

Eine würstelstand romanze zwischen zwei schwulen,

einem schwarzafrikaner nigerianischer

herkunft asylant in schubhaft der Ma 24/12.

und einem weißen österreicher.

weihnnachtsmann plediert auf steinigung

des jüdischen deserteurs

wir lieben euch alle.

Keine vorurteile, nur nicht zu schnell

handeln, abwarten und tee trinken

Earl grey

Bier ist wie Scheisse- stark und eigenmächtig.-zitat

Ende

Für mich, also persönlich- die Wahrheit

muss gesagt werden.

Assosatztionen- Worter nützen sich

ab- wie Werkzeuge,- sie sind schwer

Vorbelastet, und werden missverstanden.

----------------------------------------

------------------------

„…wem läuft da nicht ein Schauer

über den RehRücken? Das ist einfach

nur noch primitiv… ich bin

zwar etwas senil,- Persil- eventuell

geht manuell.

FM4 hat mir heute mit Zynismus

und Sarkasmus den Krieg erklärt. Sie

stehlen meine Ideen, und deswegen hat dieser

Radiokanal mir Rechenschaft zu geben. Oder

Einblick in die Machenschaften dieses Senders zu

geben.

und mir dem Redaktor dieser Sendung und dem

Kommentator habe ich noch eine Rechnung offen.

Deren Tötung b.z.w. Zungenabschneidung wurde

bereits in Auftrag gegeben.

Obwohl ich es mir nicht erklären kann….

Obwohl in Absprache könnte man über ein

finanziell, für mich rentables, Geschäft sprechen.

Anstatt uns in zynisch und sarkastischer Ungeübtheit,

Unwissenheit, Blödheit zu üben. Uns

nachzuäffen wie es die primitive Schauspielkunst

in den geistig unterentwickelten, unterernährten

primitiven Ländern so üblich ist.

Okay, ihr seit zwar unterentwickelte Primaten aber

ihr habt die Kohle, und an dieser bin ich interessiert.

Ich saug euer Gehör mit einem von tiven Elementen angetriebenem Staubsauger aus

radioakeuren

Gehirnwindungen, dann seit ihr Beethoven,

und hört nicht einmal den grossen Knall.

Ihr betet für mich und Kebap gibt’s dann überall

umsonst. Weiters fordere ich einen roten

Mercedes zum gratis Ess & Drink mix Laden.

Weiters besuche ich mit einer staatlich geförderten

Leibeigenschaft die besten Buffs in Bratislava.

Weiters wird der derzeitige Drogenhandel zu 80%

auf mich überschrieben. Was bedeutet: zu hundert

Prozent banka- Brasil, banka- Peru, banka Sicilliano-

con fidel castro`s cuba. Putin( Russland ),

Sharon( Israel), Steve Wonder( Los Angeles)…

Steve you are blind, cause you saw the light, it was

to much for you, my friend, the light blindet you.

Keep the fire, even you watch me, even you smell

my puhbs,- you are finished.

But your music makes me fuck my little doughter.

Ihr moralischen Schweinderln.

-------------------------------------------------------

Ursula Stenzel. Sie hat Fehlgeurteilt in mehreren

protokolarisch aufgenomenen, archivarisch feststellbaren

Dokumenten.

z.B.: Zeit im Bild, Universum( das Nilpferd rechts

hinten), Mini Zip, gayhotline-atv.

Ich bin da Rosettenking- maniac of the year 1943.

Die Spezialisten die aus dem Bulgarisch, Rumänischem,

ein wenig Kaukasus kommen, zeigen eine

hohe Motivation for killing a whole not for about

5000 euro. …so ist youre pleasure.i`m making

pressure, I`m mafia, I have much power, power to

let kill, by machinery, by heart, lever,

Don’t follow me, im _not’ ….. don’t disturb,

otherwise your system breaks down, i m engineer

high quality, but your blood is delicious, like sophisticated

red wine-but you must live my friend,

fight again with your eternal power,i watch you, i

learn, i smoke weed, lsa , lsd, my mind is superiour.

I don’t fight you, you give me key. Nobody

can kill you except your own system.”

-------------------------------------------------------

---------

Heute ist der 9.3.2006

Neue stellungnahme: ich wollte mit meiner provocation

nicht töten, b.z.w. die veranlassung etwaiger

foltermethoden veranlassen, sondern meine

provokation diente ganz alleine zu einem neustart

dr disskussion. Ich habe euch nig. Mafia gezeigt

das mich meinungen bezüglich antischwulen, und

antijüdischen meinungen verstören. Sehrwohl gab

es opfer. So wurde in sechs laden marijhuanna

Gefunden, und meines wissens eine nicht

beachtliche menge an kokain beschlagnahmt, so

lieber freund schech, wieso karikaturisierst du

mich, sehe ich aus wie ein transsexueller? Bin

ich zu schwul für dich? Bis du vielleicht verliebt

in mich(i)? es tut mir leid. Und sogar tränen

drücken mich. Warst du doch mit mir im

kamera club in offensichtlicher treue, zur

cosa


54 Nr. 10/2006

Buch VII – Waran

ST/A/R

Bild von ADAM


ST/A/R

Buch VII – Waran

Nr. 10/2006 55

be-O-bach-Ten

Jörg Haider ist schwul, ich war letzte nacht mit ihm im bett, und wir haben

durchgekokst. Es war einfach herrlich.

Mit einem Brad for dem Kopf.

Glaubst du an Wiedergeburt?

Ich täte es dir wirklich wünschen.

Dank dir macht sogar die einsamkeit wieder sinn.

Der gerngrossglockner ist ausgebrochen, er war doch ein vulkan(vulva).

Und auch wir werden aus dem Alltag ausbrechen.

Cosa nostra Damus

Freiheit ist kein menschenrecht- seltsam oder?

Der dritte weltkrieg wurde abgeblasen.

Dank dolly busta( rhymes)

Und wir alle heben die recht hand zum altbewährtem hitlergruß.

Die rechte hand von H.C.Strache.

Gebts euch die handys und vertragts euch wieder.

Eigentlich bin ich ja ganz anders, nur ich komme leider so sellten dazu.

Jugo Boss

Achtung: falsches Falschgeld ist im umlauf.

Ich schwöre auf meine Ahnen,- Stammbaum fällen

und wasche meinen Beidl in Unschuld.

Wo ein Wille ist, da ist auch ein Dancefloor.

Der weg ist nicht das ziel, vom leben versteh ich ziemlich viel.

Blood on the dâncefloor

Wer mich kreuzigt, der wird sich das Kreuz verreißen.

Liebe Lisa Mona,

Ich entschuldige mich hiermit offiziell für jedes wort das über meine

Negerlippen kam, und distanziere mich von schwulenfeindlichen

meinungsforschern. Obwohl es mir mit jedem wort todernst war, schwöre

ich auf die gelben Seiten es nie wieder zu tun, Also es mir selber zu

machen. Vor Gott und meiner ganzen Familie.

Freunde der Nacht, es ist vollbracht. Familien gehen auseinander,

wie Feuersalamander.

Steine fallen vom Herzen, ...

Ich bin wie das Gesetz,- überall

Kaum war ich im Gefängniss fühlte ich mich zum ersten mal so richtig

frei.

Edi Finger Jr.

Making of

Panikmache- Hassprediger- Fitnessguru

Gottesanbieter- inSekten- u.v.m.

Alles Bullshit- red bullshit

.

Was ist scneller, Licht oder Gedanken?

Cyborgstdumirdeinhandy?

Ps.: schreib ein buch über kosmische liebe, oder du kannst unsere

freundschaft vergeßen.

Du Hampelmann.

Hiermit kündige ich dir die freundschaft, mein Blutsbuder. Die ewigen

jagdgründe sind zu einem reservoir zusammengeschrumpft. Und jeder

indianer ist schwerer alkoholiker.

Morgen ist heute, und gestern ist vorbei.

Diese unerträgliche leichenstarre.

Wozu worte?, spielen sie karten.

Protokoll Ganslwirt:

Hansi geht auf die Toylette.

Rudi raucht eine Marlboro.

Design oder nicht sein

Könntest du mir finanziell zwischen die Beiene greifen?

Mutant Chronicles

Halb mensch, halb joint

An meine engste freundin, die japanerin Fut zu eng.

An meinen ängsten Freund, ...

Geld sollte man ausgeben, bevor es einen belaßtet

Noch zehn freiminuten...

Verschlossene Gesselschaft, zutritt nur für unbefugte.

Ihr könnt mich kreuzweise, waren seine letzten worte, und billy the kid

wurde nie wirklich alt.

Canna bis auf uns deaf des wissen.

And tell it all your friends:“ the king is back in town“

You son of a bush.

Die erde ist eine Grube- kiss me when i´m thinking.

Bild von ADAM

Wieviel profil hat ihre scheiß Meinung? Heute schon gerubbelt? Und wie

soll ich das bloß meinen kollegen im büro klarmachen?

Selbstlose Selbstbefriedigung ist der erste schritt zur besserung.

Be water my girlfriend..

Von meinem Hong Kongenialem Partner, Bruce Lee

Temperatour de france


56 Nr. 10/2006

AMS

BEMÜHT

Pflegemitschrift aus vier Jahren AMS Betreuung

Buch VII – Waran

ST/A/R


ST/A/R Buch VIII – China

Nr. 10/2006

57

nature is cool Hofstetter Kurt

Der Zeit - und Licht Künstler Hofstetter Kurt mit seiner

Miniatur “nature is cool” die er aus seinen Entdeckungen zur

einfachsten Konstruktion des Goldenen Schnittes entwickelte.

siehe wissenschaftliche Publikationen in Forum Geometricorum

ISSN 1534-1178 und ST/A/R 05/Buch 14 Anleitung zur

Konstruktion des Archiquant nach Hofstetter Kurt.

Unser Cafe Kafka, Juli 2006 Foto © Heidulf Gerngross/Nokia Handyfoto


58 Nr. 10/2006

Buch VIII – China

ST/A/R

Stein und Design – die besten Pflaster

mit Werkstatt Wien, Peneder und CHV GUNTHERSTRA

Das Paradach eine großartige Österreichische Erfindung

Peugeot 107 HDI

Dieses Auto erfüllt alle Anforderungen um uns künftig

als DAS ST/A/R AUTO zu begleiten.

Kurzantwort nach einem David Staretz Test:

Leicht, wendig, kostengünstig, modern und vierttürig.

Der Peugeot mit dem kleinen Dieselmotor erklärt uns

die Welt: mehr als 40 kw muß der Spass nicht haben!

11,5 von 12 möglichen ST/A/R Gütesternen!

Neubau Fertigstellung 2006 Bauzeit 2 Monate

Bürohaus erbaut schon 1996 !!

Peneder Halle 8x24 meter

Axo - gezeichnet von Dipl.Ing. Sebastian Schmid


ST/A/R

Buch VIII – China

Nr. 10/2006 59

er von Wien bauen eine neue Halle

SSE 10 1220 Wien

www.sgd.at

ENTWURF :

Diese Augen lügen nicht – Peugeot 107 HDI

Foto David Staretz©2006


ST/A/R Buch VIII – China Nr. 10/2006 61

www.peneder.com

120000 m 2 Paraschalen mit 25 Meter Spannweite.

Ein Projekt mit Peneder für China – der ´Stadtattraktor

Dieses Projekt wurde im Rahmen eines Lehrauftrages von

Angelo Roventa und Heidulf Gerngross im Studio 3, Professor

Volker Giencke, an der Universität Innsbruck entworfen und

wird bei der geplanten Ausstellung im Bejing Royal Art Museum

dem Chinesischen Volk als Österreichische Wirtschafts- und

Geistesleistung präsentiert.

Zu danken ist den beratenden Professoren des Instituts für

Holzbau, Prof. Flach, und des Instituts für Stahlbetonbau, Prof.

Feix, dem Konstrukteur der Trasse der Magnetschwebebahn in

Shanghai.

Besonderen Dank den mitwirkenden StudentInnen Christoph

Eigentler, Gorana Eres, Salha Fraidl, Christian Gneist, Alfred Juen,

Christian Obrist, Robert Reichkendler, Andreas Ried, Alexander

Stich.

stephansdom

kolosseum_forum romanum

Grössenvergleiche Kollosseum, Gizeh, Stephansdom

gizeh pyramiden


62 Nr. 10/2006

Buch VIII – China

ST/A/R

Künstler der GRYASNAYA GALERYA NA MARATA

iftaf – institut für transakkustische forschung

bragofon, erstes stadium der Tinctura Artis “ tabu ”

fotos by gerald

kofler © 2006

iftaf – stefan nussbauer fixiert noise bazar, 25.07.2006

Владимир Яременко-Толстой: Ха-ха, Михаил, вы имеете наглость утверждать,

будто бы в современном искусстве всё ещё существует табу!?!

Михаил Акрест: Это вполне возможно. Всё дело в том, что понимать под словом

«табу». Но даже если табу в современном искусстве не существует, то мы его

тогда создадим.

Владимир Яременко-Толстой: Подумайте, на что вы замахиваетесь? Все

уже давно устали от художественных провокаций в искусстве, а сами эти

провокации давно перестали быть табу, то есть, на самом деле в искусстве

уже позволено всё…

Михаил Акрест: Владимир, возможно, вы правы и все табу в искусстве уже

действительно разрушены, но, не боюсь повториться, мы создадим новое табу!

Владимир Яременко-Толстой: Вероятно, под словом «табу» вы понимаете нечто

иное?

vadis

acrest

Михаил Акрест: Ни в коем случае, под табу я понимаю именно табу! Но учтите,

что табу может принимать различные формы…

Владимир Яременко-Толстой: Какие же, например?

Михаил Акрест: Например, форму тинктуры! Тинктуры – это сложные

художественные произведения концептуального плана с интерактивными

функциями. Они создаются для инспирации художественного процесса. Общее

название – tinctura artis, это латынь.

TINCTUR ARTIST

Владимир Яременко-Толстой: То есть, напиток для художников, JOPArtist как я понимаю?

Михаил Акрест: Совершенно верно. Пока что нам удалось дистиллировать

три сорта тинктур – «химическая женитьба», «suprematum auri» и «cubus

radicalis», созданных нами по оригинальным рецептам. В данный момент мы

начинаем работу над тинктурой «табу».

joping von vadis

Владимир Яременко-Толстой: Но ваши тинктуры – это обычный дистиллят, водка,

доморощенный самогон, вульгарный алкоголь.

JOPA = RUSS.:

valie AIRPORT

Михаил Акрест: Это не так. Давайте возьмём водку и сравним её с

тинктурой. Если водка коллективизирует сознание ее потребителей, то

тинктура наоборот призвана влиять на индивидуализацию вектора восприятия


ST/A/R

Buch VIII – China

Nr. 10/2006 63

ST. PETERSBURG MIT VALIE AIRPORT IN WIEN

acrest & valie airport planning

revolution in russian art

planning revolution in russian art

NATURARCHIQUANT AUS RUSSLAND

Valentin, Noisse Bazar

Hary Wetterstein und Hans Tschiritsch

Gäste der GRASNAYA GALEREYA

Noise Bazar

Andi Luft

ARSCH

Stefan nussbaumer see next ST/A/R

Stefan Nussbaumer see next ST/A/R


64 Nr. 10/2006

Buch VIII – China

ST/A/R

HORACIO grüsst ST/A/R

aus seinem Hof Castanheira da Ribeira, Aruchella Portugal

LANDST/A/R

Wolfi


ST/A/R Buch IX – Auto ST/A/R

Nr. 10/2006

65

AUTOST/A/R

DAVID STARETZ

FERTIGT FÜR SEINE FRAU VIKTORIYA SITOCHINA EINE KRONE,

REDIGIERT, SCHREIBT UND FOTOGRAFIERT

MAZDA DESIGNWORKSHOP

VOLKSWAGEN CRAFTER

FIAT GRANDE PUNTO

LANDROVER BJ. 74

ST/A/R-GAME FÜR ARCHITEKTEN UND SCHREIBTISCH-RACER

ST/A/R Nr. 09/2006


66 Nr. 10/2006

Buch IX – Auto ST/A/R

ST/A/R

Concept Cucunft

Mazda Designstudien

Concept Cucunft

Seit sich Mazda nach einigen Jahren Schrecksekunde und mit großer Hilfe durch Ford von finanziellen Problemen

erfangen hat, ist man wieder selbstbewußt geworden: Die Produkte stimmen, man ist gut aufgestellt, der MX-5 hat

nichts von seiner erstaunlichen Einzigartigkeit verloren, die Rotary-Engine ist nach wie vor ein vitales Thema und in

drei Designstudios widmet man sich der Kür, Zukunftsvisionen zu planen und auf die Räder zu stellen als sogenannte

Concept Cars.

Wenn die Japaner künstlerisch werden, steht mindestens eine

Philosophie der Gegensätzlichen Harmonien dahinter, wie sie aus

dem Göttlichen Drama des vierzehnten Jahrhunderts überliefert

wurde, und die Farbe des Wagens entspricht genau dem Schimmer

eines hochpolierten Fuguhiki-Messers im Abendlicht von Miyajima.

Doch, das mit der Messerfarbe stimmt wirklich, wie Atsuhiko Yamada

beteuert, den alle Joe nennen, weil er dem Mazda-Designcenter

in Yokohama vorsteht. Sein Concept Car namens Senku verläuft

völlig ungebremst durch Scheibenwischer von vorn nach hinten.

Die Schiebetüren orientieren sich an den Papier-Schiebewänden in

Großmutter Yamadas Haus. Nettes Detail: Die Automatik-Stufenwahl

bewerkstelligt man durch Fingerauflegen dort, wo die jeweiligen

Symbole in Leder eingestanzt sind.

(All das war unlängst auf Mallorca zu sehen bei einem Mazda-Design-

Workshop zum aktuellen State of Art.)

Was der Name von Concept Car Nummer zwei, Sassou bedeutet:

Thinking forward. Hm. Peter Birtwhistle ist bereits seit 1999

Chefdesigner im Mazda-Studio Oberursel, er hat den Kodex also

voll drauf: „Der Wagen, angesiedelt am entry level for young

buyers, verpflichtet sich dem Kumadori-Augen-Make-up, das sich als

Mystery-look des Kabuki-Theaters herausgebildet hat.

Gleichzeitig ist das Auto sehr translucent ausgelegt, Lichtlinien

akzentuieren das Auto bei Tag und bei Nacht. Per USB-Stick kann

man die schon tags zuvor per Internet ausgetüftelte Fahrtroute ins

Navigationssystem des Autos übertragen, samt vorprogrammierter

Musik, Haltestopps, Sightseeing ...“. Nichts ist schlimmer als gute

Menschen, die sich alles so schön ausdenken, wie es nie sein wird.

Dennoch: Der Sassou gilt als Urmodell für den real erscheinenden

Mazda 2.

Etwas straffer zur Sache geht Franz von Holzhausen, ein

sonnengesträhnter Surfer-Boy, der dem Studio Nummer drei in

Kalifornien vorsteht. Er war in seiner Laufbahn schon an NewBeetle-

Concept, am Audi TT, am Pontiac Solstice und am neuen Opel-GT-

Concept beteiligt. Sein Mazda-Kabura-Concept bedient sich bei den

unverdächtigen Elementen Fire&Ice. Umso mehr ist der Name zu

würdigen: er bedeutet nichts weniger als : „Klang des ersten Pfeiles,

mit dem die Schlacht beginnt“. Kabura. Fusion of sharpness and

mellowness. Der Wagen mit den ausgeprägten Formen hat heuer

bereits einen großen Designpreis gewonnen und, was noch mehr

zählt: junge Designschüler werteten den chromfreien Kabura als

Nummer 1 auf der heurigen Detroit Motorshow.

Mazda Kabura

Franz von Holzhausen:

Der Kabura verfügt über einen behende wirkenden Rumpf als

kraftvolles Statement, sowie über gespannte Oberflächen. Jede Linie

fließt in die andere ein, es gibt keine offenen Enden. Die Radkästen

sind eng über die Räder gezogen, alles soll an ein Spinnennetz

erinnern, das zwischen den Ankerpunkten aufgespannt ist.“

Zwei-Liter-16V-Benziner, Sechsgang-Handschaltung. Ein neuartiges

Leder-Substrat, das aus eingeschmolzenen Turnschuhen gewonnen

wurde, ist Hauptbestandteil des Cockpits. Dieses Material kann in

jeder Farbe, jedem Design hergestellt werden. Rechts gibt es eine

versteckte Bonus-Tür zum bequemeren Einstieg nach

hinten. Sie wird über Berührung aktiviert und

gleitet, ähnlich wie eine „Pocket door“ in die

Hauswand verschwindet, nach hinten in den

Wagenkörper.


ST/A/R

Buch IX – Auto ST/A/R

Nr. 10/2006 67

Mazda Senku

Atsuhiko Yamada: „Die Räder sind groß und möglichst weit außen an den Ecken platziert,

was dem Design diesen fließenden Look verleiht. Den verstärkten wir mit einer straffen,

hochpolierten Form, die Dynamik und Eleganz verkörpern soll.“

Der Senku wird von einer Rotary-(Drehkolben-)maschine angetrieben.

Auf Berührung gleiten die beiden Schiebetüren weit nach hinten und

geben einen generösen Einsteig frei. In einen Teil des Glasdaches

sind Solarzellen eingelassen, sie versorgen das Hybrid-System mit

zusätzlicher elektrischer Energie. (Im Langsamfahrbereich wir der

Senku rein von Elektromotoren betrieben.)

Mazda Sassou

Peter Birtwhistle: „Der Sassou verkörpert ein mögliches B-

Segment-Car für urbane Singles, die auf dayily basis commuten.

Das Exterieur wirkt leichtgewichtig und aerodynamisch; innen

herrschen Flexibilität, Hi-Tech und Interaktivität. Dank USB-Stick

lässt sich das Auto für tägliche Ansprüche konfigurieren.“

Angetrieben von einem 1,3-l-Turbodiesel mit automatischer Stop-andgo-Abschaltung.

Sechsgang-Automatik mit Doppelkupplung. Mittels

USB-Stick soll die Möglichkeit bestehen, daheim Musik oder Navigations-Ziele

downzuloaden und ins Bordsystem einzuspeichern. Die Rücksitze können mittels

Compressed-Air-Morphing für einen oder zwei Passagiere konturiert werden.

Franz von Holzhausen

Peter Birthwhistle

Atsuhiko Yamada


ST/A/R Buch IX – Auto ST/A/R Nr. 10/2006 69

VW Crafter 35 HR-Kasten TDI

Zeit und Raum

und lauter Freunde

Man öffnet die große Doppeltüre und da

ist nichts. Nur die angewandte Leere, der

schiere Raum auf Rädern. Das bleibt nicht

lange so.

Die Durchdringung von Raum mit dem Raum, um

mit den Kunstphilosophen zu sprechen, ist das

Anliegen des Crafter, das sich im richtigen Leben

natürlich wesentlich prosaischer ausdrückt: So

viele Freunde hatte man noch nie. Und sie müssen

alle übersiedeln oder endlich die Couch von der

Oma holen oder den Kleiderständer quer durch

das Land geführt wissen. Bisher hatte man gar

keine Ahnung, wer aller ein Wochenendhaus

besitzt!

Der Volkswagen Crafter steht in der Tadition

dieser ungemein schnellen Lieferfahrzeuge und

Kleinbusse, die man auf der Wechselautobahn

bergab (und immer häufiger auch bergauf)

formatüberquellend im Rückspiegel kleben hat.

Es sind diese Fahrzeuge, derentwegen ich gegen

Tempo 160 bin, denn man sieht ihnen nicht

an, ob sie leer sind oder vollgepackt bis unters

Dach, aber das macht einen großen Unterschied,

was Bremsweg und Kurventauglichkeit betrifft.

Man kann sie also nie richtig einschätzen,

denn die mögliche Differenz zwischen leer und

beladen beträgt eineinhalb Tonnen. Aber diese

Lieferkästen scheinen grundsätzlich immer

schnell unterwegs zu sein.

Jetzt, selber gefahren, wissen wir auch, warum:

Erstens die Sitzposition. Der Fahrer thront

auf professionellem Schwebesitz, der jede

Bodenunebenheit feierlich ausschwingt. Durch

die große Windschutzscheibe sieht man alles in

Cinemascope, man überblickt den Verkehr, die

Welt, das Leben wie auf Wolke sieben.

Dabei ergibt sich aber, dass die ideale Fußhaltung

Pedal to the metal ergibt, rein orthopädisch.

Alles andere als Vollgas bedeutet Anstrengung,

ungewohntes Lupfen des Rists.

Man mag das nicht.

Das Layout des Crafter ist spektakulär: Großer

Radstand, extreme Spurweite, Reifen von

sportlichen Dimensionen (bis zu 285/65 R16),

Heckantrieb (durch Antischlupfregelung

gebändigt), 136-Diesel-PS (partikelgefiltert),

Sechsganggetriebe. Blattfeder vorne, Starrachse

hinten. Im unbeladenen Zustand liegt der

Schwerpunkt wesentlich tiefer, als es aussieht.

Speziell das Superhochdach mit seiner Lichten

Weite von 2-Meter-16 wirkt wesentlich

umfalldramatischer, als es ist. Massive Bremsen

(zwei Bremssättel pro Rad) werden elektronisch

geregelt, aus dem Pkw-Baukasten übernahm

man den elektronischen Bremsassistenten,

der Hektik am Pedal erkennt und gleich noch

fester zupackt. Antischlupfregelung und

das Stabilitätsprogramm ESP verleihen ein

Sicherheitsgefühl, mit dem man dennoch

sorgsam umgehen muß. Relativ oft spürt man

elektronische Eingriffe, nichts wischt so leicht

wie ein leichtes Lastenbus-Heck.

Der Wagen mit seinen 2000 kg Eigengewicht

darf mit 1,5 Tonnen beladen werden und läuft

locker Tempo 140. Man merkt bald, dass die

aggressive Optik des LT-Bus-Nachfolgers rundum

nicht besonders beliebt ist, irgendwie scheint

schon die schiere Präsenz in Rückspiegeln den

Stinkefinger zu aktivieren.

In seiner überkompletten Grundausstattung

(Airbag, Fesnterheber, el. Spiegel, Schwingsitz

etc., kostet der Crafter 35.200 Euro. Es lohnen

sich aber 1.576 Euro Mehrausgabe für die

ausgezeichnete Klimaanlage, denn das Einladen

von Nachbarsöhnchens neuer Schlagzeuggarnitur

war wieder ziemlich schweißtreibend.

volkswagen

Der AutoStar vergibt an den VW Crafter 35 HR-Kasten TDI:

10 von zwölf möglichen STARS.


70 Nr. 10/2006

Davids LandRover 88 Pickup Bj. 74

Buch IX – Auto ST/A/R

ST/A/R

Die Referenzkiste

Mein Zweitauto, das mir das Auto erklärt

Die Referenzkiste

Kein Oldie, keine Rührung, keine Sentimentalitäten. Nur das Auto an sich. Alte Landrovers

sind keine Sammlerstücke, sondern lediglich alte Gebrauchsfahrzeuge. Mein Landrover,

mit bank bleckendem unter abgeschrammten Lack, hat die Anmutung eines zerspielten

Matchbox-Autos. Irgendwas muss dem Vorbesitzer aufs Dach gefallen sein. Aber das ist

lange her, denn ich fahre den Wagen auch schon bald 25 Jahre.

Was nicht aus Leichtmetall ist, erkennt man gleich am Rost. Oder am Auspuffklang.

Auf der Ladefläche (1,30 x 1,20 m) führe ich eine gigantische Luftsäule spazieren und hin

und wieder einen Eiskasten, den ich seit neuneinhalb Jahren versuche auf der

Müllbehörde zu entsorgen am vorletzten Freitag eines ungeraden Monats.

Das ist die vordergründige Aufgabe meines Landrovers, so kennt man ihn

zwischen Niederfladnitz, der Heimat von Freddy Quinn, und Retz, dem

einzigen Ort der Welt, wo man meinen Namen

auf Anhieb richtig schreibt.


ST/A/R

Buch IX – Auto ST/A/R

Nr. 10/2006 71

Das eigentliche Wesen dieses Wagens gründet natürlich viel tiefer. Wie beim

Kapitän, der hin und wieder in seiner Geheimkladde nachliest, wo nichts weiter

steht als „Backbord = links. Steuerbord = rechts“, so beruht halt alles, wonach

ich jegliche Autos seit fünfundzwanzig Jahren teste und beurteile, auf diesem

Referenzauto. Mit dem Landrover stimme ich mich monatlich auf den

Kammerton naja der Testberichterstattung ein.

Ja, dieser Grundton ist tief gestimmt.

Er erklärt meine Großzügigkeit gegenüber den

Versäumnissen modernen Automobilbaus und meine

peinlich unterwürfige Bewunderung neuzeitlich niedriger

Verbrauchs- und Abgaswerte. Andererseits wird jetzt klar,

warum ich mit ästhetisch hochgespannten Karosserien

ganz schlecht zurechtkomme. Kotspritzer auf einem

Audi A4: Ein Reparaturfall. Eine Beule im Kotflügel eines

Renault Mégane: Totalschaden.

Im Gegensatz dazu profitiert ein Landrover von jeglicher

Kaltverformung im Aluminiumblech. Jede Schramme macht

ihn dank härtender Molekularlverschiebung

widerstandsfähiger. Genaugenommen ist

er schon so sehr zur Natur zurückgekehrt, dass sie

ihn als ihresgleichen erkennt und mit ihren Gaben

belohnt. Wie wesentlich Graspflaster, Lehmkitt

und Schlammpackungen zur Fugendichtung,

Lärmdämmung und Schraubensicherung beitragen

können, brauche ich nicht sonderlich zu betonen.Moos

in der Schiebefensterführung gleitet und dichtet

zugleich. Die versifften Zündkabel schmecken den Mardern offenbar zu gewöhnlich.

Der unterm Sitz vergessene Reithelm meiner Tochter half hingegen einer ganzen

Mäusegeneration über den Winter; was sie mit der Styroporfüllung gemacht

haben, weiss ich nicht.

Ein wichtiges Utensil für den Motorjournalisten ist der Bleistift. Mit ihm

verstopfe ich die Benzinleitung zum Vergaser und starte durch, falls der

Motor abgesoffen ist, weil die Schwimmernadel nicht dichtet.

Mit der Bleistiftspitze drücke ich in die Reifenventile, um Luft

aus den Reifen zu lassen. (Alter Geländefahrertrick für besseren

Grip, ich mach das aber nur, damit die unwuchtigen Reifen

nicht so gnadenlos aufpempern.) Und mit der Bleistiftmine

ziehe ich eine Kurzschluss-Linie in der Verteilerkappe als

praktische Magie gegen’s Anspringen, wenn ich ihn partout

nicht gestohlen haben möchte.

Seit das Lenkrad nicht mehr so abschreckend grauslich

pickt, nachdem ich es neu lackierte, habe ich Bedenken. Das

öffentliche Interesse steigt. Man spricht mich immer öfter auf

das Auto an, wenn ich mir wieder einmal ein Autobahnpickerl

in die Großstadt geleistet habe. Manchmal stecken kleine Zettel im

Schiebefenster („Habe Interesse an Ihrem Auto. Zahle bar! Tel 0664 ....“),

die ich dann gern hinter die Scheibenwischer rostiger Ladas oder aufreizender

Bentleys stecke. Dann erfreue ich mich an dem Gedanken über die wunderbaren

Freundschaften, die ich damit stifte ... Ok., das ist halt so eine Art von Humor.

Landroverfahrerhumor.

Noch ein paar Worte zur Typologie: Der Typ 88 (das bezeichnet den Radstand

in Zoll), also der kurze Landrover, wurde in Österreich praktisch nur als Canvas-

Top angeboten. Der putzige Pickup mit alu-blecherner Dreisitzerkabine ist in

Österreich äusserst selten zu finden. Mein Landrover traf 1975 von Solihull

direkt in Unterstinkenbrunn ein. Hier wurden ihm Lenkrad und Pedale nach

links versetzt. Im Auftrag des Erstbesitzers hatte man eine Betonplatte in die

Ladefläche gegossen - zwecks Hinterachsbeschwerung. Als Ausgleich bekam er

zwei zusätzliche Federblätter ins Kreuz gespannt – Wildfütterung spezial.

Jetzt, wo diese

Features rückgebaut sind, entdecke ich den

Sinn dieser Maßnahmen. Bereits feuchtes

Gras lässt die Räder druchdrehen und

verlangt nach Allradantrieb. Dazu muss

man einen gelben Knopf mit Wucht in

den Fahrzeugboden drücken. Weil ich

ein zur Technik freundlicher Mensch sein

möchte, mache ich das nie mit dem Fuß,

sondern mit dem … naja, irgendwie mit

dem Genick: Meistens bin ich danach so

krumm verschossen, daß ich drei Tage lang

für einen höflichen Menschen gehalten

werde.

FIKA


72 Nr. 10/2006

Buch IX – Auto ST/A/R

ST/A/R

Filzstift-Ferrari gegen Marker-McLaren

Das Auto-STAR-Rennfahrspiel für Architekten, Arithmeten, Asketen.

Und überhaupt alle, die Karopapier und zwei verschiedenfarbige Stifte besitzen.

ST/A/R GAME

Schwarz durfte beginnen, besetzte die Pole und fand eindeutig

die bessere Linie als Rot, das aus dem Windschatten

musste. Dramatik in der letzten Runde: Schwarz fliegt fast

raus, muss korrigieren, Rot geht auf Kampflinie, Schwarz

rettet den Vorsprung ganz knapp ins Ziel.

Rennstreckenplanung © DAVID STARETZ

Man zeichnet einen tollen Rennkurs.

Dann fixiert man Start und Ziel.

Münzewerfen für die Pole Position.

Der anfängt, fährt ein Kastel weit. Der zweite auch.

Und jetzt zum Spielprinzip: Die beim letzten Zug

gefahrene Strecke wird (in Kastel-Koordinaten) immer

neu übertragen. Das ergibt den Mittelpunkt für den

nächsten Zug, der immer ein Kastel weiter links,

rechts, vor oder hinter dem Mittelpunkt anzielen darf,

genausogut den Mittelppunkt selber. Man hat also

(samt Mittelpunkt) immer eine von 5 Möglichkeiten,

je nachdem wie sehr man lenken, bremsen oder

beschleunigen möchte.

Tricky! Je schneller, desto weniger Lenkmöglichkeit,

wie im richtigen Leben! Klug sein mit den Bremsen!

Hier ist zur Demonstration eine Situation

herausgezoomt: Der Fahrer ROT befindet sich im

„dritten Gang“ in einer Rechtskurve, man muß also

die Koordinaten vom vorigen Zug übernehmen: zwei

Kasteln nach rechts, drei nach oben. Das eingerahmte

Umfeld des neuen Mittelpunktes zeigt, wohin man

wahlweise fahren darf.

Viel Spaß!

Zwei Regeln noch: Wer rausfliegt setzt 3x aus und

fährt an der Unfallstelle mit 1 wieder an.

Und: Die Spur vom Vordermann darf nur drei Mal

nachgefahren werden, dann heißt es ausschwenken.

Theoretisch können so viele spielen wie es Buntstifte

gibt, mehr als vier wird aber eher chaotisch.


ST/A/R Buch X – Werkstatt Wien

Nr. 10/2006

73

Erstes Archiquantfenster im Sozialen Wohnbau

Sozialer Wohnbau Sturzgasse Johnstrasse 75 Wohnungen, ein Supermarkt,

Grün- und Spielflächen im Hof In den Obergeschossen freie Sicht zur Gloriette

alle Wohnungen haben schon Mieter und Käufer gefunden

ST/A/R gratuliert allen Beteiligten ...


74 Nr. 10/2006

Buch X – Werkstatt Wien

ST/A/R

ÖsterreichPolitik

Fotos © 2006 wladimir jaremenko-tolstoj,

aichholzgasse 1120 wien

Österreich wählt ST/A/R


ST/A/R

Buch X – Werkstatt Wien

Nr. 10/2006 75

Die Baustellen sind die Knospen der Stadt

Fotos: Heidulf Gerngross mit seinem Nokia Handy

Plannung Werkstatt Wien

Wohnbau Johnstrasse/Sturzgasse


ST/A/R Buch X – Werkstatt Wien Nr. 10/2006 77

Die Baustellen sind die Knospen der Stadt – aus einer guten Zusammenarbeit entsteht ein guter Bau

Fassade Johnstrasse – Planung Werkstatt Wien

Liftanlage von

Baubeginn 2005 – Fertigstellung demnächst


78 Nr. 10/2006

Buch X – Werkstatt Wien

ST/A/R

Napoleonstadel

N A P O L E O N S T A D E L

KÄRNTENS HAUS DER ARCHITEKTUR

Diese Projekt wird von der

Europäischen Union, von Bund

und Land Kärnten kofinanziert.

“KÄRNTEN ENTDECKT”

Architekturtage 9. u. 10. Juni 2006

WOLFSBERG

SPITTAL

a.d. DRAU

FELDKIRCHEN

VILLACH

KLAGENFURT

VÖLKERMARKT

© GRAPHIK u. KONZEPTION, ARCH+MORE

GERHARD KOPEING, Markus Schaller


ST/A/R

Buch X – Werkstatt Wien

Nr. 10/2006 79

In nachbarschaftlicher Liebe

Fenstersturz (siehe Buch III Seite 17)

Fenstersturz

Jan Tabor hat mich in nachbarschaftlicher Liebe gebeten,

diese Aktion seiner fea, seines Forum für experimentelle

Architektur, zu eröffnen. Sie nennt sich „Fenstersturz“,

weil er für seinen Raum, für den Raum des fea eben, ein

Fenster zur Verfügung hat. Und wenn man als Tscheche

Eine Defenestration des 21. Jahrhunderts im Wiener

Museumsquartier drückt keine illegitime Wut gegen die

herrschende Macht aus, sondern bewegt sich im Rahmen

des bürokratisch erlaubten Spielraums zur aktionistischen

Transzendenz eines gegebenen Raumes.

und beständiger Kritiker des Mächtigen schon einmal

ein Fenster zur Verfügung hat, dann muss geradezu

zwangsläufig auch ein Fenstersturz stattfinden.

Der Prager Fenstersturz, den jeder irgendwie kennt,

aber wahrscheinlich nicht weiß, dass es laut wikipedia

vom 10. Juli 2006, drei Prager Fensterstürze gab, am

30. Juli 1419, am 23. Mai 1618 und am 10. März 1948.

Diese Prager Fensterstürze haben bereits als eine sich

anscheinend perpetuierende Tätigkeit die wunderbare

Gattungsbezeichnung „Defenestration“.

Ich unterstelle Jan Tabor, dass er es war, der diese

wunderbare Bezeichnung „Defenestration“ wikipedia

untergejubelt hat.

Mit der heutigen Eröffnung dieser Installation haben

wir es also mit der historisch begründeten und damit

auch inhaltlich legitimierten, wahrscheinlich ersten

„Defenestration“ des 21. Jahrhunderts zu tun.

Die Camouflage verdeckt, dass hier dem Hausbesitzer sein

Recht auf Fruchtgenuss entzogen wurde, dass sein Besitz

gestört wurde, dass von einer Denkmalbeschädigung die

Rede sein könnte.

Wie gesagt, alle diese, die Ordnung der Dinge störenden

Insultationen verbergen sich parasitär hinter der

Camouflage.

Ist doch das Parasitäre die akut und langfristig

notwendige Strategie der Bewältigung einer Geschichte,

die sich zunehmend selbstreproduzierend weiterbaut.

Deshalb erfreuen wir uns nicht nur an den schönen

Kastanienblättern und –blüten, die den tristen Raum des

Parkplatzes des Museumsquartiers attraktivieren. Wir

erkennen auch die von diesen heutigen Kulturtechniken

verborgene oder geborgene kritische Kraft der

Defenestration oder eben des Fenstersturzes.

Als kollegialer Nachbar, lieber Jan Tabor, gratuliere ich

Aber:

Diese Defenestration ist heute kein wirklicher Sturz

zu dieser Manifestation und wünsche mir viele weitere

Defenestrationen in der ganzen Stadt.

des Menschlichen mehr durch die für die zivilisierte

baukünstlerische Einbringung von Licht und Luft in

Gemäuer geschaffenen Öffnungen. Denn:

Dietmar Steiner, Az W

In Zeiten der Herrschaft des Simulakrums kann heute

diese Defenestration keine reale mehr sein.

In Zeiten der Herrschaft des Sublimen kann heute diese

Defenestration keine tatsächliche mehr sein.

Oder anders gesagt:

Wenn und wo realer Widerstand sinnlos und zwecklos

wird, dann ist nur die List der Camouflage zur Rettung des

Eigenen fähig.

Az W immer dabei

www.azw.at


80 Nr. 10/2006

Buch X – Werkstatt Wien

ST/A/R

Österreichische Ingenieurbaukunst im Oman

Die erste Eisenbahnbrücke im Oman als Zufahrt zur Al Hoota Schauhöhle.

Diese schlichte einfache elegante Brücke entstand in Gemeinschaftsarbeit der Österreichischen

Firmen Werkstatt Wien, Spiegelfeld Architekturmanagment und dem weltweit bekannten

Ingenieurbüro FCP – Fritsch, Chiari & Partner ZT Gmbh.

Im Bild der Bauleiter und Höhlenforscher Dipl.Ing. Heinz Holzmann, Initiator des Unternehmens Oman.


ST/A/R Buch XI – EP positions

Nr. 10/2006

81

Zlatan Vukosavljevic

Z latan selected by Elisabeth Penker

Fortsetzung Seite 88


82 Nr. 10/2006

Buch XI – EP positions

ST/A/R

Titel: Einfach! Architektur aus Österreich. Just! Architecture from Austria

Autoren: Walter Chramosta / Manuela Hötzl / Bart Lootsma / Antje Mayer / Jan Tabor / Ute Woltron

Untertitel: Die Wahl der Kritiker. Critics´ Choice

Sprache: deutsch / englisch

Verlag: Haus der Architektur

Einfach! Architektur aus Österreich

Die Wahl der Kritiker

Just! Architecture from Austria

Critics’ Choice

Herausgeber: Franz Schneider

Brakel GmbH + Co KG

Nieheimer Straße 38

D-33034 Brakel

Telefon / Phone: +49 5272 608-0

Telefax / Fax: +49 5272 608-300

www.fsb.de info@fsb.de

Idee und Konzept:

FSB, Wolfgang Reul

Redaktionsbuero, Manuela Hötzl, Antje Mayer

Heisser

ST/A/R TIPP Einfach!

Architektur aus Österreich

Ohne Zweifel hat die zeitgenössische österreichische Architektur in den vergangenen Jahrzehnten einen hohen internationalen

Stellenwert erlangt. Aber gibt es sie überhaupt, die österreichische Architektur? Und wenn ja, was ist für sie charakteristisch?

Für die Produktion von Architektur waren der Standort und seine Identität sicherlich stets ein wesentliches Initial für

ihre Entstehung. Die Architekturkritiker Walter Chramosta, Manuela Hötzl, Bart Lootsma, Antje Mayer, Jan Tabor und Ute

Woltron stellen eine sehr persönliche Auswahl von neueren Projekten in Österreich vor, anhand derer sie regional Typisches

festzumachen versuchen; keine medial gehypten Stararchitekturen, sondern kleine, feine Bauten. Dieses Buch ist ein Versuch,

die ausgetretenen Pfade der „Hochglanz-Architekturkritik“ für einen Augenblick zu verlassen. Ein bewusst unvollständiges,

humorvolles Buch, mit zuweilen sympathisch detailversessenen Blicken auf Architektur in Österreich.

Walter Chramosta

Manuela Hötzl

Bart Lootsma

Antje Mayer

Jan Tabor

Ute Woltron

Ermöglicht hat dieses Werk der ostwestfälische Türklinkenhersteller FSB Franz Schneider Brakel GmbH + Co KG als ein

Dankeschön an die vielen Architekten Österreichs, die immer wieder zum jeweils aktuellsten FSB-Handbuch greifen und daraus

ihre Wahl treffen. Auf die Frage „Was

macht Architektur wertvoll?“ schreibt

der langjährige FSB-Freund Gernot

Guth aus Linz Folgendes: „Es ist die

Konzentration auf das Wesentliche

– das Einfache. Was nicht heißt,

dass das einfach ist. Aber ‚Einfach!

Architektur aus Österreich‘.“ So

oder ähnlich könnte man auch

die Produkte von FSB bezeichnen.

Denn „Hand-Werkzeuge“ von FSB

– Türdrücker, auch Klinken genannt,

Knöpfe, Griffe und seit einiger Zeit

auch Accessoires – sind nichts

anderes: Einfach! Türklinken aus

Brakel.

Projekte von cukrowicz.nachbaur, Marte.Marte Architekten ZT GmbH, Philip Lutz Architektur, Allmeinde Architecture, Martin

Scharfetter, AllesWirdGut, Weichlbauer/Ortis, Pichler & Traupmann, Günter Lautner und Nicolaj Kirisits, Sepp Müller, Eichinger

oder Knechtl, ARTEC Architekten, ARGE Eisenköck / Zinganel, Adolph H. Kelz, INNOCAD, HOLODECK.a

Wien grüsst den Norden

coming soon: Die fritz-kola

ST/A/R connection

Das Ende des Monopols

0,33 Liter in Glasmehrwegflasche only

83,3 mg Koffein und ein Hauch Zitrone

Mirco und Lorenz hatten noch nie Respekt vor

irgenwem oder irgendwas. Mit fritz-kola treten sie gegen

Colamonopole und Plastikschrott an.

Auf dem Weg zur Nummer eins lautet das Motto:

Durchhalten ist alles

Hamburg grüsst den Süden


ST/A/R

Buch XI – EP positions

Nr. 10/2006 83

Der Klassische kleine Eissalon den es nicht mehr gibt

- es gibt ihn, es gibt ihn – in der Langegasse 56

ST/A/R TIPP FÜR HEISSE TAGE : MANGO–YOGI

Shopbesitzer Ewald Wieser ist freundlich überraschte Gesichter gewohnt. Zwei

Französinnen die unlängst das Geschäft besuchten meinten in Paris wäre das in jeder

Hinsicht eine Sensation – sowohl die Feinheit des Eises, als auch das Flair des Kleinen

Salons. Als Musikstudent verkaufte er Eis im Schlosspark Schönbrunn. Heute beliefert

seine Firma Eismanufaktur über 70 Eissalons und Gastronomiebetriebe. Er erfindet Jährlich

mehrere neue Eissorten – wie etwa die Wellnesssorte Aloe-Vera-Pfirsich, das EnergyEis Red

Woolf oder das belebende GrünteeEis MATCHA.

www.eismanufaktur.at

Eiskünstler

Ewald Wieser

beim Chillati

Donnerstag

Eis Clubbing


ST/A/R Nr. 10/2006 85

WIEN Favoriten Terrassenhaus – Buchengasse

250

SOZIALER WOHNBAU MIT 250 WOHNUNGEN – bezugsfertig Sommer 2008

Ein dichter Sockel schafft

stadträumlich Nähe;

die aufragenden Solitäre

sichern Freiraumqualität,

Ausblick, Durchblick

und Besonnung.

Ein einfaches

Modulsystem als Prinzip

der Grundrisse, ermöglicht

die Aneinanderreihung

unterschiedlichster

Grundrisstypen.

Jede Wohnung verfügt dabei

über einen großzügigen

privaten Freiraum.

Vielfältige gemeinschaftliche

Freiflächen unterschiedlicher

Qualitäten als Dach

und Hausterrassen,

sowie introvertierte

Gebäudeeinschnitte als

vertikale Gärten.

Rüdiger Lainer + Partner Architekten

www.lainer.at – Wettbewerbsgewinner

Foto © Stephan Klammer

KONTAKT:

HEIMBAU UND EISENHOF

1150 Wien, Tannengasse 20

Tel: 981 71/35

info@heimbau.at

www.heimbau.at

Luft, Licht und Grünräume im Stiegenhausbereich

S/TA/R gratuliert den Bauträgern und Architekten


86 Nr. 10/2006

Buch XI – EP positions

ST/A/R

An unserem Werk sollen sie uns messen und an unserem Handeln.

Helmut Hödl, Technischer Betriebsleiter&Prokurist

Skizze Air Cargo Cennter, Andreas Treusch

Glöckel Holzbau

Hornbach, St. Pölten

Air Cargo Center und Handling Center West, Flughafen Wien, Architekt Dipl.Ing. Andreas Treusch

www.gloeckel.at


ST/A/R

Buch XI – EP positions

Nr. 10/2006 87

Franzobels „hunt” als Auftakt eines Zentrums für radikales Volkstheater

HausruckTheater

Zeittheater am Kohlebrecher

Nach dem Nestroypreis 2005 für

Franzobels Erfolgsstück „hunt oder

Der totale Februar“ stellt der Verein

Theater im Hausruck das neue Zentrum

für radikales Volkstheater vor. Der

Kohlebrecher in Kohlgrube / Wolfsegg,

ein imposantes Industriedenkmal aus

der Blütezeit des Braunkohlebergbaus,

wird zur Kulisse für zeitgenössisches

Theater rund um Themen aus Politik

& Gesellschaft, (Zeit)Geschichte und

Gegenwart. Nach der diesjährigen

Wiederaufnahme von „hunt“ folgen 2007

und 2008 die Stücke „zipf“ und „lenz“,

ebenfalls aus der Feder Franzobels: in

Summe eine Trilogie, die verdrängte

Ereignisse der regionalen Zeitgeschichte

zu packenden Theatertexten verdichtet.

Regisseur Georg Schmiedleitner will

auch in den kommenden Jahren mit

dem HausruckTheater brennende

Themen der jüngeren Geschichte rund

um den Kohlebrecher in Szene setzen

und Impulse für eine breit angelegte

Diskussion geben. Franzobels Triologie

begreift sich als radikales Volkstheater.

Radikal im Sinne von: formale und

inhaltliche Zeitgenossenschaft, klare

Abgrenzung von folkloristischem Theater,

deklarierte Verwurzelung in der Region

– durch die Wahl der Themen, durch die

Organisationsform und die Beteiligung

vieler Menschen im Hausruck.

Peter Weinhäupl (Eigentümer

Kohlebrecher, kfm. Dir. Leopold Museum):

„Der Brecher ist eine 20 Meter hohe,

22 Meter lange und 9 Meter breite,

seit 1922 bestehende Kohlebrechund

Sortieranlage. Er befi ndet sich

im 1968 stillgelegten Bergbauareal

der Bergwerkskolonie Kohlgrube in

Wolfsegg/OÖ. Nach dem Ende des

Braunkohlebergbaus wird der Brecher

zum Symbol für den Niedergang der

Region. Eine Architekturskulptur mitten

im Wald, um die sich niemand kümmerte:

in keinem Architekturführer erwähnt,

aus dem Bewusstsein der Bevölkerung

gelöscht, als Schandfl eck abgestempelt,

im Wald versteckt. Die Aura des Ortes und

die Form begeisterten mich. Die Rettung

dieses Bauwerks war schon Grund genug

für einen Erwerb. Auch mein Bruder

Wolfgang, Architekt in Wien, war von der

Betonspinne fasziniert. Beide ersteigerten

wir das Gelände und begannen auf eigene

Faust mit Renovierungsarbeiten. 2003

bewies die Eröffnung des Festivals der

Regionen am Brechergelände, welche

Strahlkraft der Betonsolitär besitzt. Die

öffentlichkeitswirksame Abwicklung des

Festivals kann als Initialzündung für das

darauf folgende Theaterprojekt ‚hunt oder

Der totale Februar’ verstanden werden.

Der vormalige Schandfl eck wurde zum

allseits geschätzten Symbol einer Region

mit Industrie- und Arbeitskultur.“

www.hausrucktheater.at


88 Nr. 10/2006

Buch XI – EP positions

ST/A/R

Lou Anne Greenwald on Zlatan Vukosavljevic

Like a true military intervention, Zlatan

Vukosavljevic’s installation at the MAK Center’s

Mackey Apartments relied upon the powers of

perception to activate a network of relationships

between objects, architecture and the public, creating

a territory of engagement. Vukosavljevic’s interest

is in the representation of architectural intervention

and in the case of this project specifically, the ways in

which the military has historically occupied territory

— physically, theoretically and psychologically. The

spatial strategies of such occupation may be likened

to the strategies of Minimalist sculpture. The artist

quotes Carl Andre in this regard, “I wanted very much

to seize and hold the space of the gallery — not

simply fill it, but seize and hold that space.”(Phyllis

Tuchman, ”An Interview with Carl Andre” Artforum,

June 1970,, 61). Just as the quintessential Minimalist

cube occupied a space in order to activate not only

the viewer’s perception but also his/her behavior,

military intervention, broadly speaking, is intended

as a temporary intervention which produces order

through the activation of people’s perceptions

and the adaptation of their behavior. Space can be

defined as territory when objects and architecture

intervene. When inside and outside are established,

the resulting psychology of security and vulnerability

can be activated. In the case of military intervention,

architecture and technology combine to establish

zones of protection and danger, the very presence of

which creates a response of fear and defensiveness.

Tactics are developed experimentally in response to

perceived or imagined situations of danger and threat.

Until the threat is actualized, the defense mechanism

remains theoretical and yet it is self-perpetuated in

an endless cycle by the constant perception of threat

and the innate response towards self defense. As seen

in the Cold War, the threat of military assault feeds

the drive and determination to produce weapons

of greater impact regardless of the real and existing

need for such. The cycle of production is fed by fear

and intimidation, anticipating a moment that is yet to

come. The artist relates this endless loop of theory

and experiment to the indeterminate dichotomy of

“which comes first - concept or praxis?”

Zlatan Vukosavljevic wants to stage the organization

of military experiments, recreating a moment when

theory is put to the test. His installation of sculptural

and architectural objects mark a territory and activate

a field through the reverberations of association.

Drawing upon a diverse range of references to art

history, politics, architecture and military technology,

Vukosavljevic plotted an installation that overlaid the

suburban domestic space of the Mackey Apartments

and established points of contrast and connection from

which the viewer could construct a web of associations.

From the romantic image of 19 th century casemates

(underground tunnels used for securing soldiers and

weapons and facilitating undetected movement —

today they are mostly preserved as historic sites for

tourists) to the nostalgic objects of 20 th century doit-yourself

defense products such as bomb shelters

made popular during the Cold War, Vukosavljevic’s

sculptural objects remind one of the days when

military intervention was territorial and heroic verses

contemporary times when such intervention is virtual

and suspect.

Vukosavljevic’s installation reflected the spirited

response of some Americans at the start of the Cold

War in the 1960s when the threat of nuclear weapons

for mass destruction spurred individuals to action,

inspiring the widespread construction of underground

shelters equipped with food, water and survival

supplies to protect a family in the case of attack. The

artist cites the start of the Cold War as a shift away

from the heroic and monumental presence of the

military toward a military presence that is imminent,

pervasive, invisible and mediated.

“Our present houses are too strongly under

the influence of the past and its outlook on

life. Fear dictated originally the form and spirit

of the house. The behavior of our ancestors

was overshadowed by constant defense

reactions against real and imaginary enemies.

The emphasis of the historian upon war and

its physical heroism proves the tremendous

need to counteract these fear complexes. …

All rooms will become part of organic unite,

instead of being small separate boxes with

peepholes.”

- R.M. Schindler (excerpt from Care of the

Body, Los Angeles Times, May 2 1926)

Architecture is the backbone of social infrastructure. It

provides basic shelter; organizes social, economic and

civic functions and thus it is a reflection of individual

and collective ideals. Architectural intervention is

a political act. It is an act of aggression aimed at

impacting the space, its function and ultimately its

occupants. To intervene in architecture is therefore

not only a physical act but also a psychological one.

Vukosavljevic’s installation at the Mackey Apartments

applied a militaristic mask to the domestic architecture

of an apartment building. Activating the entire

site including the normally un-seen spaces (i.e. the

basement and rooftop), his installation re-presented

the strategies of military architecture and technology

of the 19 th and early 20 th centuries. Borrowing from

structures such as the World War II concrete bunker,

the camouflage tent and the self-assembled reflector,

Vukosavljevic presented a military map that was

almost romantic in its nostalgia for a bygone era — a

time when power was established through physically

intimidating landmarks rather than through state

of the art media and nuclear technology. With

the placement of sculptures and constructions of

industrial materials, he seized the site, re-organizing it

as occupied territory and re-defining its occupants as

subjects to its order.

A tower of reflectors perched upon the highest point

of the roof announced to the residential neighborhood

that a temporary transformation had taken place.

Modifying the stark white silhouette of the building,

the tower seemed to suggest the capability of sending

and receiving signals from an invisible source. It was

planned that during the course of the exhibition

opening, a Los Angeles Police Department helicopter

would hover overhead and illuminate the reflectors

thereby completing the sculpture both physically and

psychologically. Beaming a searchlight downward,

a vertical line would be “drawn” between the static

object of the tower and the moving, fleeting object of

the helicopter. The helicopter’s presence was another

sort of intervention in the site and the surrounding

neighborhood. It was at once a sign of protection and

intimidation, like the tower itself.

This mode of working is typical to Vukosavljevic’s

practice. His sculptural objects and installations are

not fixed and complete in themselves. Rather they

invite the participation of the viewer physically,

intellectually and psychologically. In the case of

some of his sculptural works, the viewer is invited to

insert his/her body into a furniture-like object, thus

becoming the material link that completes a form.

Of course this completion relies upon the viewer’s

participatory behavior, so that completion of the work

is in his/her hands — it depends upon their complicity.

At the same time, the work is made performative by

the viewer’s participation which inevitably generates

new associations and meanings. Vukosavljevic is

interested in this expanding web of associations which

only adds to the already complex chain of references

he has constructed in preparing the work.

At the other end of the building — the basement

— Vukosavljevic placed objects that suggested a

temporary encampment with a secret passageway

apparently cut out from under the floorboards of

the building leading to the concrete bunker in his

apartment. A make-shift ladder, industrial light

and blanket folded on the basement floor provided

evidence of a temporary occupant. More markedly, an

ominous black rubber flag was erected here claiming

the space as occupied territory. Reminiscent of the

anarchist’s flag which stood for the negation of all

flags in a protest of authority and hierarchy, this flag

which appeared repeatedly around the site, was an

object of contradiction. Stilled in a half-wave as the

dense rubber collapsed under its own weight, the flag

was simultaneously a sign of rebellion and authority.

Immediately above in Vukosavljevic’s apartment living

room, a concrete bunker had been constructed. Nearly

eight feet tall and four feet wide, the bunker’s dense

mass was punctuated by a long, narrow, horizontal

slit window near its top providing an opportunity

for occupants to peer outside. Its stark form and slit

window was a sly nod to the design of its immediate

surroundings — the R.M. Schindler-designed

Modernist interior punctuated by clerestory windows.

The bunker which appeared to accommodate about

four people was reminiscent of the do-it-youself

family bomb shelters made popular in the 1960s in

the United States. It was made all the more surreal

on the evening of the exhibition opening when the

living room and the adjacent kitchen were filled with

guests enjoying delicacies prepared by the artist’s wife.

Several visitors were “hunkered down,” eating in

Schindler’s built-in dinette — a strange visual analogy

to the bunker. Concrete

bunkers built during

World War II not only

served as fortifications

for weapons, soldiers

and civilians, they also

served as civic symbols

of power and defense.

They dominated the

cityscape with an air

of authority, providing

both security and

surveillance and they

evoked both fear and

compliance in their subjects below. Similarly, this

bunker evoked a sense of unease as it dominated

the domestic terrain of its context and exposed the

extreme gesture of its apparent occupant.

Just outside the living room Vukosavljevic constructed

a camouflaged tent creating a “secret” enclosed space

in an already private outdoor courtyard. A large

sheet imprinted with the color, texture and pattern

of the courtyard’s gravel was stretched over upright

poles. Enclosed on all sides, this space was invisible

when viewed from above — it blended in with the

landscape. Making a wry commentary on Schindler’s

use of natural materials to create a sense of enclosure

outdoors, Vukosavljevic succeeded in simulating

natural materials to create an enclosed space outside.

Vukosavljevic’s work makes us conscious of the ways in

which our everyday surroundings can be interpreted

as occupied or marked, and the ways that we respond

psychologically and behaviorally to such cues. The

subtle, or not so subtle strategies of architecture,

especially military architecture, to affect a psychological

impact through physical, spatial intervention engages

a cyclical response pattern similar to the artist’s central

debate- which comes first-concept or praxis ? Are

we intimidated by the boundaries that secure us?

Or does our insecurity necessitate the need for such

boundaries? As viewers in Vukosavljevic’s installation,

we are provided an overview-a historical and decontextualized

of the potential

relationship between architecture and the psyche.

Lou Anne Greenwald, Los Angeles

Zlatan Vukosavljevic, Smoke signals, 2006

ST/A/R QUICK Shortnews: NEWS: Weltfotojournalist

modernismus = imperalismus

Peter Korrak erweitert das Herausgeber Agglomerat

Peter Korrak erweitert das

Herausgeberagglomerat


ST/A/R Buch XII – Economy Class

Nr. 10/2006

89

economy class

http://economyclass.sonance.net/

Im April dieses Jahres ging die partizipative Kunstschau ECONOMY

CLASS mit 100 Positionen zeitgenössischer Kunst auf eine ad-hoc

organisierte Reise nach Nairobi. Im Handgepäck und sozusagen

im last minute – Angebot verschifften Barbara Husar, Michael

Lampert, Alexander Nikolic und Lukas Pusch Kunst und

KünstlerInnen nach Afrika, um österreichische

Positionen des Kunstbetriebs in der Ferne zu

inszenieren. In gleicher Weise wie die

ECONOMY CLASS bestimmt war durch die

Begrenzung von Mitteln, Vorlaufzeit und

Transportmöglichkeiten, so gab sie auch

den Blick frei auf die angeblich festgelegten

Mechanismen des internationalen Kunstund

Ausstellungsaustausches. Gezeigt

wurden u. a. die Ortstafel-Dokumentation

“Artikel 7” sowie bildnerische Arbeiten von

Tanja Ostojic (25 peaces / EU-Unterhose),

Otto Zitko, Deborah Sengl, Christian

Eisenberger, Karin Frank, Siggi Hofer,

Simon Haefele und monochrom.

economy class

neuer Ort / neue Ausstellung STRANGE CARGO

economy class zu Gast im neuen 0>port im mq

Von 7. bis 16. September findet im neuen Transaktionsraum 0>port

die Ausstellung STRANGE CARGO statt.

Auch bei der Schau STRANGE CARGO treten Produktion, Prozess,

Kommunikation und Community in den Vordergrund und lassen zu

erwartende museale Reproduktion ebenso zurück wie die Physis

des einzelnen Kunstwerks.

Eine seltsame Ladung also, die im neu strukturierten

QUARTIER FÜR DIGITALE KULTUR aus,- ver- und umgeladen wird.

Eingechecked werden und wurden Proben österreichischer Positionen,

Konfrontationen afrikanischer Kunst, Netzkunst- und Kultur (Grischinka Teufl,

Sonance Network, ubermorgen.com, equaleyes.org, olfactory, Ella Esque,

Judith Fegerl... ) sowie Mitgebrachtes und Eingeschmuggeltes.

Eröffnet wird STRANGE CARGO mit Moh Hamdaouis Telekitchen

`what you see is what you eat´ und Barbara Husars drink `kill me quick´

am 7. September.

Vorläufigen Schlusspunkt findet STRANGE CARGO am 16. September in der

Ovalhalle gemeinsam mit dem Festival der Netzkulturen „paraflows“.

Opening

7. September 19:00, 0>port, Quartier für Digitale Kultur, MQW

Visuals weltweit erstmals vom neu entwickelten VJ-Pult (designed

von Equaleyes und Red Bull)

16. September 20:00, Finnisage Ovalhalle, MQW

Im Rahmen von Paraflows

www.0port.at

economyclass.sonance.net

www.paraflows.at


90 Nr. 10/2006

Buch XII – Economy Class

ST/A/R

2 3 4

1 check in :: 2 chill out :: 3 student artwork, buru buru art institute :: 4 street factory :: 5 in patrick mubays

studio, godown art center :: 6 arttalk, kenyatta university, department of fi ne arts :: 7 on chinese street from

mombasa to nairobi :: 8 view from presidents offi ce, kcc tower :: 9 aufbau der ausstellung, alliance francaise ::

10 führung durch die economy class ausstellung :: 11 exhibition, ground fl oor :: 12 künstlerkataloge, dvds und

videos von economy class wurden an die mediathek des godown art center übergeben :: 13 sarafi nas day

photos :: barbara husar, simon häfele, michael lampert

ines agostinelli, jesper james alvaer, bella angora, roman spiess, pia arnström atzgerei, alfredo barsuglia, alexandra baumgartner, lutz

bielefeldt,eric binder, gustav böhm, alexander brenner / barbara schurz, bernhard cella, eva chytilek,emanuel danesch, ines doujak,

tina van duyne, angela dorrer, christian eisenberger, ella esque, equaleyes, christian falsnaes, clemens fürtler, judith fegerl, karin frank,

1

patrizia gapp, birgit graschopf, michael gumhold, mario grubisic, stefan hafner, cornelia hefel, fl orian herzog, christoph holzeis, katherina

hofer, siggi hofer,barbara husar, regina hügli, thomas jelinek, luisa kasalicky, moussa kone, landschaftsdesign, michael lampert, jan lauth

/ alex gelny, anita land / gerald zahn, lena lee, edgar leissing, bianca lingg, constantin luser, d.max, kazimir malevich, medienkunstlabor,

bady minck, esther moises, monochrom, lukas moosmann, netznetz, alexander nikolic, ekaterina obermair, markus oberndorfer, ocelle

ruhm/bachmann/kuthan ocpa buechel & buechel, olfactory, tanja ostojic, pooool, poolbar, bella prinz, lumplecker und steidl, fl orian pumhösl, bernhard rappold, christian reder, alexandra reill, david

rych, angelo roventa/garnitschnig/wulz, anja salamonowitz, stylianos schicho, angelika schuster / tristan sindelgruber, deborah sengl, sonance,julia starsky, st/a/r, supercamp, robert svoboda, mario

terzic, grischinka teufl , übermorgen, octavian trauttmansdorff, peter wehinger, harald wilde, michael wilhelm, david wiltschek, niki witoszynskyj, jan von wegen, franz rudolf, franz und hella wostry,

yuval, otto zitko, daniela zeilinger, +error, ST/A/R

initiation and coordination: barbara husar / michael lampert / alexander nikolic / lukas pusch economyclass@eroticunion.org

credits: alliance francaise , nairobi :: the godown art center, nairobi :: österreichische botschaft, nairobi :: bundesministerium für auswärtige angelegenheiten, wien

universität für angewandte kunst, wien / www.dieangewandte.at :: akademie der bildende künste, wien / www.akbild.ac.at :: land vorarlberg, kultur abteilung / www.vorarlberg.at

kunsthalle wien, project space / www.kunsthallewien.at :: foto leutner / www.leutner.at :: ratioform / www.ratioform.at :: sonance artistic network / www.sonance.net :: ST/A/R

12

11

10

Economy Class

Alexander Nikolic spricht mit Katherina

Zakravsky über das Projekt, das im April

2006 mit einer Ausstellung in Nairobi,

Kenia, begann.

Katherina Zakravsky: Seinerzeit machte Catherine

David doch dieses Projekt über „arabische

Repräsentationen“, weil sie der Meinung war,

„Kunst“ sei etwas Westliches, das es in der

arabischen Kultur so nicht gibt. Wie ist das mit

„Afrika“, diesem Namen, der zugleich ein Kontinent

und ein Phantom zu sein scheint?Ich könnte auch

fragen: Wieso heißt ein Projekt, das in Nairobi

stattfand, „economy class“?

Alexander Nikolic: Schau dir mal die homepage an,

economyclass.sonance.net.

Deine erste Frage, könnte ich paradox beantworten,

Kunst in unserer Perspektive gibt es in Afrika nicht.

Afrika ist selten präsent in unserer Rezeption als Ort

der Kunst, eher ein Ort der Gewalt, des Hungers,

der postkolonialen Ausbeutung, der Prostitution,

Aids und des Drogenhandels. Was aus Afrika zu uns

kommt, ist in erster Linie eine Bedrohung.

Ja, Kunst aus Afrika gibt es. Von Masken über

Holzfi guren. Kitsch und Krempel. Die fantastischen

Performances von Kendell Geers, Arbeiten von

Fernando Alvim, und etlichen anderen. Die Biennalen

von Johannesburg und Dakar sind auch bei uns

bekannt, auf die Triennale von Luanda müssen wir

derzeit leider noch warten. Afrika ist vielschichtig.

Zakravsky: Und sicher auch dynamisch. Da fragt

sich, ob Elemente aus afrikanischen Kulturen in

das westliche Kunst-Institut eingeschleust werden

oder umgekehrt Elemente der westlichen Kunst

übernommen werden. Sofern es noch westliche

Kunst ist in Zeiten der Globalisierung.

Nikolic: In unserer Veranstaltung waren ja über

hundert verschiedene Positionen zu sehen.

So gesehen, hatte es schon ein Volumen, das

so manche Biennale übersteigt. Abgesehen

vielleicht von dem Fakt, dass alle Arbeiten

handgepäckstauglich sein mussten. Wir, Barbara

Husar, Michael Lampert, Lukas Pusch und ich

reisten Economy Class nach Nairobi, so wie jeder

andere europäische Tourist.

Zakravsky: Damit hatte der Titel diesen Verweis auf

die normale Verkehrpraxis zwischen dem „Westen“

und Afrika. Aber wie sehen die afrikanischen

Künstler vor Ort diese Besucher? Wie muss man

sich die TeilnehmerInnen vorstellen?

Nikolic: Die Rezeption vor Ort war unterschiedlich.

Erstens gab es neben der Ausstellung, der

Eröffnung, auch Präsentationen an zwei

Universitäten und zwei Präsentationen vor Ort. Die

Alliance Francaise als Ausstellungsort funktioniert

etwa vergleichbar mit dem, was das MAK für Wien

ist. Dort laufen täglich einige hundert Personen

durch, weil dort eine französische Mediathek

beheimatet ist, und auch Sprachkurse stattfi nden...

Innerafrikanische gegenseitige Künstlerbesuche

oder Ausstellungen sind selten und fi nden auf

verschiedenen Ebenen statt. Wer in Ostafrika

international arbeitet, arbeitet schon auf einem

anderen Niveau. Von lokalen Strukturen wie dem

Godown Art Center werden Workshops organisiert,

die auch von wenigen internationalen KünstlerInnen

in Anspruch genommen werden. Das wird jetzt

hoffentlich mehr werden, wobei auch unsere

Homepage und unsere noch zu aktivierende Mailing-

Liste helfen sollen, solche Informationen weiter zu

verbreiten. (derzeit Infos unter economyclass@

eroticunion.org)

Von kenianischen KünstlerkollegInnen gab es viel zu

hören. Viele waren glücklich, endlich wieder andere

Stile als die abstrakte Malerei zu sehen, welche

derzeit das um und auf zu sein scheint. Alles was

nicht abstrakte Malerei ist, lässt sich derzeit in

Nairobi nicht verkaufen.

Was grundsätzlich zu sagen wäre ist, dass wir in der

Kunst offensichtlich einen ganz anderen, offeneren

Umgang mit Sexualität haben. Manche Arbeiten,

wir haben ja nicht kuratiert in dem Sinn, wurden

als Provokation angesehen. Tanja Ostojics Arbeit

mit der EU-Unterhose weckte bei vielen Interesse

und sorgte bei der Eröffnung für lustige Erregung

unter dem anwesenden Diplomatenchor. Und

auch die diskursive Ebene war bestens besucht.

Grundsätzlich muss ich sagen, dass unser Angebot

zu kommunizieren sehr gut angenommen wurde.

Was auch dazu führte, schon im Vorfeld angedachte

Interventionen vor Ort zu schärfen, zu realisieren

und auch zu versuchen, nachhaltige Kooperationen

einzugehen.

Zakravsky: Du hast also gemeint, dass sexuelle

Inhalte in Nairobi sozusagen noch als sie selbst,

also leicht provokant und nicht nur als müde formale

Anspielung rüberkamen. Die Reaktion auf die

EU-Hose klingt aber ein wenig so, als ob hier die

Europäer wie Exoten-Freaks belacht würden.

Nikolic: Ich kann nur sagen, dass sie ein Lächeln

in den Gesichtern der Besucher produzierte, und

dass ich bemerkte, dass manche Besucher teilweise

wiederkamen, um ihren Freunden die EU-Unterhose

zu zeigen. Ob ich jetzt deswegen mehr oder weniger

als exotischer europäischer Freak gesehen wurde,

kann ich leider nicht beantworten.

Zakravsky: Mir gefällt dieses Bild von den

Diplomaten, denn dies Bild gibt ihrer Tätigkeit

ja sozusagen ein Logo und vielleicht haben sie

sich dadurch ja eher motiviert gefühlt, die EU zu

vertreten, die sich ihnen sozusagen als doppelte

Allegorie präsentierte – also Anspielung auf

Courbets selbst schon allegorischen Unterleib

„Ursprung der Welt“ und dann nochmals bekleidet

als david-artige Allegorie Europas.

Nikolic: Ich meine, die Art, wie Weiße in Nairobi

nicht exotisch wirken, ist jene als UNO Mitarbeiter,

als NGO Mitarbeiter oder als Sextourist. Also die

weiße Frau in der EU-Unterhose steht dort noch für

mehr.

Zakravsky: Die Diplomaten vor der Unterhose waren

westliche Vertreter in Afrika oder umgekehrt oder

beides?

Nikolic: Europäische und der russische Vertreter

waren anwesend, wenn es schon so wichtig

erscheint.

Zakravsky: Weil ich mich nach der spezifi sch

afrikanischen, wenn es sie gibt, Rezeption des

Bildes frage. Kannst du abgesehen von diesem

Beispiel noch andere Beispiele nennen, wie

afrikanische Künstler auf europäische Kunst

reagierten und umgekehrt?

Nikolic: Grundsätzlich kann ich noch über eine

Arbeit berichten, welche vor Ort entstand, die Arbeit

„Vienna Voodoo“ von Lukas Pusch, die in einer

Kollaboration mit lokalen Künstlern und mir eine

besondere Dimension entwickeln konnte.

Zakravsky: „Vienna Voodoo“ ist ja schon ein

seltsam hybrider Titel, weil er das Wienerische

sozusagen afrikanisiert und das durch einen

synkretistischen Kult, der immer schon jenseits von

Afrika stattfi ndet und besonders viele Projektionen

bei Westlichen auslöst.

Nikolic: Was wir vor Ort machten ist ja nur ein Teil

dieser sich entwickelnden Serie oder Edition. In

Nairobi verständigten wir uns darauf, Lukas bei

seiner Performance zu unterstützen, und daraus

ist ein gewisses Potenzial entstanden. Wenn ich

sage „wir“, meine ich Hopkins, Mwelu, Otieno

und mich. Lukas’ Idee war der Versuch, unsere

Perspektiven, unsere verschiedenen Welten in

einem Photo zu vereinigen. Den weißen Mann

auf Inspektionsrundgang in seiner kolonialen

Hinterlassenschaft. Der weiße Mann, neben

schwarzen Prostituierten, neben AIDS Kranken,

mittendrin in der Scheiße, statt nur dabei...

Zakravsky: Das ist also eine Intervention und eine

Provokation.

Nikolic: Daraus hat sich jetzt eine angehende

Kooperation entwickelt. Julius Mwelu und Fred

Otieno leben im größten Slum von Nairobi, und

dokumentieren seit einigen Jahren das Leben und

Sterben ebendort. Mit

einem Teil des Erlöses von

Lukas’ „Vienna Voodoo

Edition“ wollen wir ein

Projekt unter dem Namen

„Slum TV“ initiieren, wo

wir Videokameras, einen

Schnittcomputer und

einen Projektor für unsere

lokalen Partner erwerben

wollen. Die sollen ihnen

dazu dienen, so etwas wie

ein monatliches lokales

Nachrichtenformat zu

produzieren, und in Mathare

zu zeigen.

Zakravsky: Was genau ist

die Edition, ein Video, ein

einzelnes Foto oder eine

Fotoserie? Und wie wird es

präsentiert?

Nikolic: Es wird aus

mehreren Medien

bestehen. Lukas ist ja

ein ausgezeichneter

Landschaftsmaler, und eine

Fotoserie wird sicher auch

Teil seiner Edition sein.

Gemeinsam planen wir dazu

noch ein Büchlein und ein

Video. Videonachrichten aus

Mathare wird es hoffentlich

ab Herbst/Winter 2006/07

auch geben, im digitalen

Archiv des CAMP Projektes.

http://camp-project.eu

13


ST/A/R

Buch XII – Economy Class

Nr. 10/2006 91

DIESES GETREIDEFELD IST ALLEN MENSCHEN GEWIDMET DIE DURCH AUSÜBUNG VON GESELLSCHAFTLICH ODER

POLITISCH LEGITIMIERTER GEWALT IHRER WÜRDE UND RECHTE BERAUBT VERLETZT GEFOLTERT ERMORDET WER-

DEN ES SOLL JEDEN DARAN ERINNERN RECHTZEITIG UND ENTSCHIEDEN GEGEN RÜCKSICHTSLOSIGKEIT TEIL-

NAHMSLOSIGKEIT MITLÄUFERTUM GRAUSAMKEIT TERROR UND GEWALT AUFZUTRETEN UND ENTGEGENZUWIRKEN

EUGEN HEIN & BIRGIT HEIN-KRIZEK

WETTBEWERBSBEITRAG „GEDENKSTÄTTE FÜR DEN DEPORTIERTEN NACHBARN“ IN WIEN - ASPANG

EIN GETREIDEFELD

im Stadtgebiet Wien befremdet. Manche werden es ablehnen, manche

werden es tolerieren, manche werden es mögen. Es ist ein Feld von

lebenden Organismen – somit ein lebendes Zeichen dafür, dass sich

Befremdliches, wenn es Schutz durch die Verantwortlichen genießt, in

dieser Stadt existieren kann. Das Getreidefeld soll bis zum Jahr 2045

bestehen bleiben.

Im Gedenkjahr 2045 werden es andere sein, die darüber benden, ob

das Feld weiter erhalten werden soll - was das Konzept zwar erlaubt,

aber nicht fordert, und was eine weitere Finanzierung notwendig

machen würde - oder ob das Feld eliminiert werden, und an seiner

Stelle etwas anderes entstehen soll.

EINE TEXTZEILE

wird in Sandstrahltechnik auf einem 100m langen Betonstreifen am

nordwestlichen Feldrand – gegenüber der Aron-Menczer-Schule

angebracht (siehe Widmung oben). Der 56cm breite Betonstreifen ist

niveaugleich mit dem Weg entlang der Schule. Er ist der Randstreifen

des Weges und damit die Grenze zum Feld, und man muss den Blick

zu Boden richten, um den Wortlaut im Abschreiten lesen zu können.

Der Text beginnt im Nordosten und endet im Südwesten des Weges.

Der Betonstreifen mit diesem den Weg begleitenden Text soll auch

nach 2045 bestehen bleiben. Somit bliebe er seinerseits, sollte

entschieden werden das Feld zu beseitigen, Erinnerung an eine

Gedenkstätte, welche 39 Jahre lang eine „lebende Erinnerung“ an den

deportierten Menschen war.

Das Projekt wurde von der Jury mit 0:12 Stimmen in der ersten Runde

abgelehnt.


ST/A/R Buch XII – Economy Class Nr. 10/2006 93

Grundsätzlich spricht alles dafür, die Menschen erst einmal das tun zu lassen was sie wollen, denn jede Einschränkung erzeugt Unlust.

Bettina Dessau und Bernulf Kanitscheider

Eine Moral, für die der Körper keine Strafe mehr ist, die Erde kein Jammertal, das Leben

keine Katastrophe, das Vergnügen keine Sünde, die Frauen kein Fluch, die Intelligenz keine

frivole Anmaßung und die Wollust kein Grund zur Verdammnis.

Michel Onfray, aus dem Buch Traité d´athéology. Physique de la méthaphysique.


94 Nr. 10/2006

Buch XII – Economy Class

ST/A/R

Bischof Asenik der neue Bischof der Österreichischen Apostolischen Kirche in Wien, mit

dem Kirchengeneralsekretär Wladimir Jaremenko-Tolstoj weiht die von ST/A/R Architekt

Angelo Roventa initierte ST/A/R Sonderausgabe VAI

im Pygmaliontheater in der Alserstrasse 43


ST/A/R

Buch XII – Economy Class

Nr. 10/2006 95

5

6 7

Vienna Voodoo Lukas Pusch

Nach der Vernissage von Economy Class gingen Alexander

Nikolic und ich nach Mathare, dem größten Slum von Nairobi

mit rund 700 000 Einwohnern. Wir wollten dort meine Kunst-

Performance realisieren. Drei Tage im mit Scheiße, Kadavern

und Aids-Kranken übersäten Morast Mathares. Im weißen

Smoking.Der Europäer auf Inspektion seiner kolonialen

Hinterlassenschaft. Schulklassen sprangen auf und sangen

“Welcome “ und “Thank you for visiting our class”.

Ich verteilte Bonbons und ließ mir vom Schuldirektor die nassen

und fensterlosen Schulräume zeigen. Wir besuchten illegale

Dschanga-Brauer am Nairobi River, deren schnapsähnliches

Gesöff oft die einzige Einnahmequelle in den Slums ist und

bei häufigem Konsum zur Erblindung führt.

Die Smoking-Performance ist Teil meiner Vienna Voodoo Serie

und soeben als eigene Foto Edition erschienen. Ich wollte

damit zwei Welten auf einem Bild vereinen.

Die Perspektiven wechseln. Kapitalistischer Realismus.

Jene Realitäten vereinen, die sonst durch Grenzzäune und

Sperranlagen getrennt sind. Die Bewohner im Slum freuten

sich, wenn sie mich im Anzug sahen.

Sie waren nicht schockiert. Im Gegenteil, ich

symbolisierte für sie Normalität. In ihrer

Realität ist jeder Weiße reich. Für sie war

der schöne Anzug eher Ausdruck des

Respekts als der Provokation. Unser Blick

auf Afrika ist maximal ein mitleidiger.

Hungernde Kinder. Krieg. Aids. Wir

kommen darin nicht vor und wenn als

Samariter , Humanitäre Hilfstruppen oder

Ärzte ohne Grenzen. Sozialarbeiter.

Julius Mwelu und Fred Otieno leben im

Slum. Sie sind dort aufgewachsen.

Sie arbeiten als Filmer und Fotografen,

dokumentieren das Leben und Sterben

im Slum. Sie schreiben eine Geschichte

des Slums. Eine Geschichte, die sonnst

niemand schreibt. Gemeinsam mit Nikolic

und Sam Hopkins dokumentierten sie

meine Slum-Performance.

Was als “Making of Vienna

Voodoo” begann, entwickelte

sich mit zahlreichen Interviews

zu einer kleinen Dokumentation

über Probleme und Perspektiven

in Mathare und einem ersten

gemeinsamen Test für unser nächstes

9

8

Vienna Voodoo

SLUM-TV Alexander Nikolic und Lukas Pusch

In Rio, Sao Paulo und anderen Megacities gibt es sie bereits.

Regionale Fernsehsender, Community Fernsehen aus dem

Slum. Bildverkehr und Iconoclash in beide Richtungen. “Reich

und Schön” trifft “Arm und Hässlich”.

Der Fotograf und Fussballer Julius Otienu ist Anfang zwanzig

und lebt in Mathare, einem der größten Slums in Afrika.

Fotografieren und filmen bedeutet für ihn seine Freunde

wieder sehen. Freunde die bereits tot sind.

Gestorben wie die Fliegen. An AIDS, Suff, Drogen, Dreck.

Das Leben ist hart in den Slums. Filmen und fotografieren ist

die einzige Erinnerung. Die Aufwertung von Menschen bei

denen es allen egal ist ob sie krepieren oder nicht. Geschichte.

Eine Geschichte die keiner schreibt.

Die Geschichte von Menschen die nicht existieren, nicht

interessieren.

SLUM-TV wird ein Netzwerk kleiner mobiler operativer

Einheiten. Eine Kamera, ein Schnittplatz und ein Videobeamer.

Untergebracht bei MYSA (Mathare Youth Sport Association)

im Zentrum des Slums. Eine selbstproduzierte Wochenschau

im Monatsrythmus. Die Regiesseure sind Julius Otienu, Fred

Mwelu und ihre Freunde. Die Darsteller ebenso. Das “Best of”

wird es dann bei uns zu sehen geben. Auf slum-tv.org.

Sonst nur im Slum, wo es teilweise weder Strom noch fliesend

Wasser gibt.


96 Nr. 10/2006

MAK Outdoor

Buch XII – Economy Class

ST/A/R

MAK-Terrassenplateau von Peter Noever

und Lemurenkopf von Franz West

Initiativen des MAK die den

Öffentlichen Raum bereichern

Skizze für den Terrassenbau

von Peter Noever, Direktor MAK

www.mak.at

Weitere Magazine dieses Users