ST:A:R_11

geraldkofler

ST/A/R PRINTMEDIUM WIEN

ST/A/R

Nr. 11/2006

Arnulf Rainer

Interview Arnulf Rainer

Aktuelle Architektur

Biennale Venedig 2006

AUTO ST/A/R

Literatur

Barock mit Jan Tabor

Aktuelle Kunst

04Z035665M – P.b.b. Verlagspostamt 1060 Wien • Adresse: 1060 Wien Capistrangasse 2/8 • office@star-wien.at • Europa € 3,00

Städteplanung / Architektur / Religion

3,– Euro


2 Nr. 11/2006

Buch I – Erstes Buch

ST/A/R

HERAUSGEBERAGGLOMERAT

Thomas Redl – Künstler

David Staretz - AUTOST/A/R

Rudolf Gerngross - Waran

Dieter Sperl - Literatur

Wladimir Jaremenko Tolstoi - Rechristianisator der Neandertaler

Lukas Goebl - schaffender Architekt

Valie Airport - Flugbegleiterin

Andreas Lindermayr - ST/A/R Tagebuch

Werkstatt Wien - immer dabei

Herbert Wulz - Datenkoordinator

Elisabeth Penker - EP positions

Christian Denker - Philosoph

Angelo Roventa - freischaffender Architekt

Heidulf Gerngross - Der heilige Avatar

gesegnet von Arsenik, Bischof von Wien

7 8 9

Betreff: ST/A/R HUMAN

Architekturpreis

Editorial:

„Denken ist jammern”

Antwort vom Preisträger Konrad Frey:

Wenn ein Architekt geehrt wird, sind die

Mithelfer und die Ermöglicher mit geehrt:

....meine Frau Bärbl, die seinerzeit, nachdem

sie unsere ersten Kinder zu Bett gebracht

hatte, mit dem weiteren schon im

Bauch, um 10Uhr abends per Autostop

in den Zeichensaal kam, mit einem Korb

Verpflegung für die Nachtstunden. Sie ist

bis heute bei Konzepten und wichtigen

Entscheidungen dabei.

....dann jene Auftraggeber, die sich mit

uns auf das Abenteuer Bauen eingelassen

haben, was immer eine Art Erstbesteigung

mit ungewissem Ausgang ist.

“enlightened Patron“ nennt man sie in

England.

....und auch Heidulf Gerngross hat an der

Dusche seinen Anteil, als Anreger seinerzeit

in Graz: ......die Orientierung nach

dem Weltmaßstab, ..... die Verdichtung

auf die knappste Form,....die Kraft in der

Poesie.

All das drückt sich auch in der von

Gerngross konzipierten Trophäe

ST/A/R Human” aus.

Angelo Roventa empfängt Jedermann. in der Alten Naturrschau Dornbirn

– im zukünftigen Sitz des VAI (Vorarlberger Architektur Institut)

anlässlich der Ausstellung Österreichische Architekturtage 2006.

Details in der ST/A/R-Ausgabe 10

Andreas F. Lindermayr

Stadtphilosoph

Aus meinem Tageund

Nachtbuch

14. 9. 06 Do 17 Uhr 25

sonnig und warm wieder - ca 25°

Auf der BA/CA bin

ich in Nähe meiner

Betreuerin, die gerade

die Geldflüsse eines Mannes

unter die Lupe nahm, der

seine Kinder mit Sparbüchern

versorgt, gesessen und habe

zugewartet und zugewartet

und beobachtet, was in mir und

um mich herum passiert. In mir

brodelte eine Stinkwut auf das

Ganze. Auf eine Wirtschaft,

für die der Geldverkehr den

Lebensatem bildet - und auf alle

Repräsentanten dieses vorgeblich

alleinseligmachenden Lebenstils,

wie gewisse Herren einer

gewissen Partei, denen es nun

gelungen ist, Flöttl junior für ihre

Zwecke zu instrumentalisieren.

Übrigens ziert Flöttl jr´s

aufgedunsenes Konterfei zur Zeit

das Cover von News.

Nach einiger Zeit des

Zuwartens betraten zwei junge

Zigeunerinnen die Bank-Filiale

und setzten sich an einen Schalter

im Eingangsbereich, wo sie

sich dem Augenschein nach in

irgendeiner Geldsache beraten

ließen. Der Filialleiter oder

Stellvertreter des Filialleiters gab

kurz vorher an seine Mitarbeiter

eine Warnung durch. Es hätten

sich Ausländer angekündigt, die

irgendwelche Tricks anwenden.

Eh dumm. Aber auch unglaublich

frech, weil sie dann auch noch

Forderungen stellen würden, die

durch nichts gedeckt sind.

So in etwa ging die Rede, gefolgt

von einem Geplauder und

Gemurmel das nun die Runde

durch den Kontor machte.

Ich bin fast zwanzig Minuten

gesessen, bis ich es wagte,

an die sehr relaxed wirkende

und wie es schien, genüsslich

die Finanzlage ihres Kunden

beleuchtende Sachbearbeiterin

die Frage zu richten, wie lange

das noch dauert. Bei dem Fall,

den sie gerade bearbeitete,

ging es um tausende Euros, die

angelegt wurden. In meiner

Sache wäre es lediglich um

eine Mahnung gegangen, die

zweite innerhalb eines Monats,

aufgrund eines Aussenstandes,

wie im Mahnschreiben

geschrieben steht, von 296

Euro. Über ihren Brillenrand zu

mir auf meinen Schleuderstuhl

blickend, erwiderte nun die

Sachbearbeiterin seelenruhig,

daß sie auf jeden Fall noch

fünfzehn bis zwanzig Minuten

braucht. Draussen herrschte ein

spätsommerliches Traumwetter.

Auf das hinauf erhob ich mich

und ging unverrichteter Dinge,

mit der Ankündigung, es morgen

wieder zu versuchen.


ST/A/R

Buch I – Erstes Buch

Nr. 11/2006 3

Jenseits der Vergänglichkeit

Guten Morgen Weltstadt Wien

Weltstadt Wien

Nachdem die sommerliche Hitze abgestreift ist, hat uns ein wunderschöner Herbst getröstet und die

Melancholie um die verstrichenen Sommertage erträglich gemacht. Man erwacht im pulsierenden

Leben einer Stadt, die ihr Selbstbewusstsein auf neue Weise zelebriert, so als ob sie wie alltäglich sich immer

im Herzen Europas befunden hätte und ebenda ihren vitalen Pulsschlag zeigt – ein lebendiges Zentrum im

Schnittpunkt westlicher und östlicher Hemisphäre, kulturell wie wirtschaftlich, sozial wie gesellschaftlich – ein

lebendiges und vielfältiges Zentrum der Kunst, der Architektur, der Musik, des Theaters und des intelektuellen

Lebens. Und gerade jetzt gibt uns diese Stadt die Möglichkeit, sich mit ihr zu versöhnen und bietet jemand

wie mir, der an einem Tag gleichzeitig in Rom, New York und Marakesch sein möchte, Momente der Ruhe

und des Angekommenseins zu erleben. „Versöhne dich mit der Welt“ steht an der Wand meines freudschen

Ruhezimmers.

Natürlich befinden wir uns nicht mehr im Renaissancemodell der Cita Ideale. Wir leben im 21. Jahrhundert,

mit allen Faktoren und Symptomen unserer Zeit, und sind in das Hier und Jetzt gestellt mit der

Herausforderung dieses Jetzt schöpferisch zu gestalten.

Vergänglichkeit – sic transit gloria mundi

Zeitung ist eines der flüchtigsten Medien, heute gedruckt morgen schon als Unterlage zum Malen oder

als Wickelpapier für den frisch gekauften Fisch verwendet. Dennoch versucht man all seine Energie, seine

Konzentration und seine Weltwahrnehmung auf dieses dünne kaum haltbare Papier zu bringen, um für einen

Moment Leben festzuhalten. Nach dem Erscheinen der Nummer beginnt man wieder von vorne und versucht

den Stein des Sysiphus wieder auf den Berg zu schleppen.

Vielleicht ist gerade das Bewusstsein dieser Flüchtigkeit eine entscheidende Qualität.

Diese Nummer zeigt einen lebendigen Fokus auf das künstlerische, architektonische, literarische, allgemein

gesprochen, kulturelle Leben dieser Stadt, Österreichs, Mitteleuropas: Bilder einer Reise mit Jan Tabor zu

Barockkirchen in Tschechien, ST/A/R Team Eindrücke von der Architekturbiennale Venedig, Kunstaktivitäten

im Hangar-7 Salzburg, Auto ST/A/R mit und von David Staretz, Architekten Portraits über Nehrer-Medek

und Heinz Lutter, Kleingartenpreis und Wohnbauinitiativen der Stadt Wien, Erwin Wurm im Interview,

Galerie Brunnhofer – ein Ort für junge engagierte Malerei, El Penkers EP Positions für Künstler, Positionen

und Tendenzen, Warans Nicht-Kunst, Dieter Sperls aktuelle Literaturauswahl Schriftwechsel, ein Bericht über

Verdauung des neuen ST/A/R Philosophen Christian Denker.

Aus einer intensiven Begegnung mit Arnulf Rainer ist ein 8-seitiger Beitrag entstanden – ein ausführliches

Gespräch mit ihm und ein Fotoessay von Andrea Baczynski.

Arnulf Rainer hat die ST/A/R Kunstedition um ein Werk erweitert. Das Coverbild ist eine neue Parafotografie

von ihm exklusiv für ST/A/R.

Thomas Redl, Wien, 04/11/2006

Foto: Martin Vlk, © 2006


ST/A/R Buch I – Erstes Buch Nr. 11/2006 5

Daß wir vor kurzem erst zu

sein begonnen haben,

schmerzt keinen von uns;

nur daß es zu Ende geht, ist

schade. Diese begrenzte

Dauer – solang mund geht

auf und zu, solang luft geht

aus und ein – ist unser

Thema ...

Ernst Jandl

Titel u. Auszug a. d. Frankfurter Poetik-Vorlesung. Luchterhand SL 567/1985, S.7

Das Öffnen und Schließen des Mundes

Ausstellung von 24. November 2006 bis 27. Jänner 2007

Öffnungszeiten: Montag – Freitag, 15.00 – 18.00 Uhr, Samstag 10.00 – 13.00 Uhr

Galerie Julius Hummel

A-1010 Wien Bäckerstraße 14 Tel. 512 12 96 Fax 512 12 96-4

K.APPEL S.BECKETT G.BRUS T.CASSINI

V. EXPORT P.FRIEBERGER K.I.GOLDBLAT

S.GOSCINSKI F.GRAF M.HOUF R.INDIANA

Z.KOMAT B.KUUII J.J.LEBEL R.LICHTENSTEIN

MAN RAY F.X.MESSERSCHMIDT O.MUEHL

A.RAINER T.REDL G.RÜHM CH.SCHLINGENSIEF

V.SCHWEGLER K.SULIMMA A.TESAREK

A.WARHOL T.WESSELMANN F.WEST


6 Nr. 11/2006

Buch I

ST/A/R

Architektur und Verdauung

von Dr. Christian W. Denker

Verdauungsvorgänge haben

grundlegende Bedeutung für die

Entwicklung von Architektur. Doch

wie hängt das, was man im Bereich

der Architektur tut, zusammen mit dem, was

dabei im Bereich der Verdauung herauskommt?

Und wie verhält es sich umgekehrt?

Unser Wissen über die wechselseitigen

Abhängigkeiten zwischen Verdauung und

Architektur ist derzeit leider noch sehr

beschränkt. Insbesondere die wissenschaftliche

Forschung trägt hier noch ihre Kinderschuhe

- ja, im Grunde bleibt noch alles zu tun.

Die geringe Beachtung der Verdauung für die

Bewertung von Baukunst kontrastiert scharf

gegen ihre Bedeutung in der tatsächlichen

Arbeit von Architekten. Die Gestaltung

von ansprechenden Verdauungsräumen

bzw. Küchen und Essräumen. Besonders

wichtig sind Verdauungsvorgänge für

die architektonische Gestaltung im

Bereich sogenannter Bedürfnisstätten,

d. h. insbesondere der Gestaltung von

Pissoirs(Bild: Pissoirs), Aborten(Bild:

Abort), Gemeinschaftsklosetts (Bild:

Gemeinschaftstoiletten) und Donnerbalken

u. a.(Bild: Donnerbalken), sei es nun im

öffentlichen oder im privaten Raum. Die

von Gerhard Steixner entworfene öffentliche

Bedürfnisanstalt im Wiener Bezirk Meidling

macht deutlich, daß gelingende Architektur

verdauungsfördernd wirkt und deshalb das

Geschehen auf dem Markt wohltuend belebt.

ST/A/R beglückwünscht die Einrichtung

der Toilette als einen wichtigen Schritt zur

Beförderung der Lust am ästhetischen Denken

in der Stadt Wien!

Aber sehen wir einmal genauer hin: Worin

begründet sich eine positive Verbindung

von Architektur und Verdauung? Es

liegt ja auf der Hand, dass die physische

Verfassung des Verdauungsapparates uns

wichtige Anhaltspunkte für die Gestaltung

von Gebäuden gibt, sei es im Hinblick

auf ihre Ästhetik, ihre Nutzbarkeit oder

ihre metaphysische Bestimmung(Bild:

Kahn). Im großzügigen Umgang mit

verschiedenartigen Raumgestaltungen spiegelt

sich das Verständnis für die Besonderheiten

der einzelnen Verdauungsabschnitte wider,

denn ein Gebäude kann einen Menschen

umschließen wie der Verdauungstrakt die

Nahrung. Ein Eingangsbereich kann dabei

an einen Mund, ein Durchgangsraum

bzw. Flur an die Speiseröhre erinnern. In

Arbeits- und Versammlungsräumen mögen

Assoziationen zum Magen anklingen,

in Aufenthaltsräumen vielleicht an den

Dünndarm, in Abstellkammern an den

Appendix, in Trockenräumen an den

Dickdarm und in Müllauswurfschächten an

das Rektum. Auch feiert die organische Falte

- typisches Konstruktionselement verschiedener

Abschnitte des Verdauungsapparats - in

der Architektur Triumphe und zwar nicht

erst seit dem Barock. Dabei hat die Form

von Falten - besonders der französische

Philosoph Gilles Deleuze unterstreicht dies

mehrfach - nicht allein Auswirkungen auf die

organische Gestalt der Architektur, sondern

ebenso auf die Entwicklung geistiger Kultur:

Was in der Seele geschieht, repräsentiert das,

was in den Organen geschieht und erhält

in der Architektur einen neuen Bezug zum

menschlichen Leben. Die Bezugnahme von

Architektur auf geologische Gegebenheiten

ist gleichzeitig ein Dialog mit unserem

Verdauungstrakt.

Einen weiterer Ansatzpunkt für Überlegungen

zum Zusammenhang zwischen Architektur

und Verdauung ist unser Körpergefühl. Kunst

und besonders Filmkunst bietet mancherlei

Ansatzpunkt zum verbesserten Verständnis der

Bezüge zwischen Architekten und ihrer Arbeit.

Ein Paradebeispiel dafür ist Peter Greenaways

Film Der Bauch des Architekten aus dem Jahr

1987(Bild). Sie erinnern sich vielleicht an seine

Handlung: Ein weltbekannter amerikanischer

Architekt reist auf dem Höhepunkt seiner

Karriere nach Rom. Er ist dort eingeladen,

um eine Architekturausstellung auszurichten.

Allerdings sieht er sich von den römischen

Kollegen zunehmend ins berufliche und

private Abseits gedrängt. Zugleich ringt er

mit immer seltsameren Magenschmerzen.

Ein Arzt diagnostiziert ihm unheilbaren

Magenkrebs. Abends, am Pantheon, entblößt

er daraufhin seinen Bauch mit den Worten: “Er

beißt sie nicht, nur mich. Jesus wäre auch an

Magengeschwür gestorben, hättet ihr ihn nicht

vorher gekreuzigt!” und bricht unter Schmerzen

zusammen. Nachdem ihm nicht nur seine

Frau, sondern auch die Ausstellung endgültig

genommen worden ist, stürzt er sich bei deren

Eröffnung vor den Füßen seiner schwangeren

Frau in den Tod.

Bringt Verdauung die Kreativität zum Erliegen

oder behindert eine gestörte Kreativität die

gesunde Verdauungstätigkeit? Was zählt in

der Architektur, Bauch oder Hirn? Erinnern

wir uns, daß laut Wittgenstein als Ort der

Gedanken ebenso gut das Papier, auf dem wir

schreiben, der Mund, der spricht, oder das

Gehirn in unserem Kopf bezeichnet werden

kann . Architektur soll uns ein sinnliches

Wohlgefühl zu vermitteln. Wenn sie den

Bauch verachtet, so unterstreicht sie oftmals

nichts weiter als die somatischen Störungen

des verantwortlichen Architekten. Kulinarische

Genussfähigkeit und wohlproportionierte

Architektur bilden eine Einheit. Soll Verdauung

bzw. Architektur gelingen, muß Material mit

Freude geformt werden. Die Verwendung

freudloser Proportionen führt schnell zu

unnötigen Störungen und Verzögerungen.

Diese wiederum führen im Extremfall gar

zu Krankheit und Zusammensturz. Viele

Arbeitsprozesse sind nötig, damit ein Architekt

zufrieden und erleichtert auf das Ergebnis

seiner Mühen blicken kann. Zeitdruck, Stress,

Enge, Unachtsamkeit und Erfolgsdruck sind

nur einige der vielen Gründe für Fehlleistungen

bei der Erledigung von Toilettengeschäften

sowie auch von Architekturaufträgen.

Verstopfungsarchitektur ist ein eindeutiges

Anzeichen für den Eintritt von Dekadenz.

Ganze Weltreiche sind mit solcher Architektur

zugrunde gegangen. Die Verdauungsstörungen

eines Architekten können das Lebensgefühl

kleinerer und größerer Menschengruppen

schwerwiegend und dauerhaft schädigen.

Somit komme ich zum letzten Punkt meiner

Ausführungen: den Verdauungsfreuden

der Benutzer von Architektur. Wir haben

es verstanden: Jede Rezeption ist eine

Interpretation einer gleichsam offenen

und geschlossenen organischen Form,

einmalig in ihrer Ausgewogenheit . Dieser

Punkt ist deshalb besonders wichtig, weil

ja die Qualität architektonischer Gestaltung

in einer demokratischen Gesellschaft

ganz weitgehend von der Verdauung des

Architekturbenutzers abhängt bzw. abhängen

sollte. Spätestens seit Baumgartens Versuch

einer wissenschaftlichen Erforschung

von Empfindungen tritt die körperliche

Sinnlichkeit des Zuschauers in das Zentrum

der Ästhetik. Dass die Verdauungstätigkeit

hier von zentraler Bedeutung ist, leuchtet ein.

Hunger, Durst, Völlegefühl oder Durchfall

behindern nicht nur die Freude ästhetischer Tätigkeit,

sondern unsere Genussfähigkeit überhaupt. Empirische

Untersuchungsergebnisse fehlen noch weitgehend, aber

es kann als gesichert gelten, dass unsere ästhetische

Lust an einem Gebäude in unmittelbarem

Zusammenhang mit unserer Verdauungsfreude

steht.

Christian W. Denker

Wollen sie mehr über den Forschungsstand

zum Einfluß von Verdauung auf Architektur

wissen oder einen Beitrag dazu leisten, so

senden Sie bitte den Fragebogen ausgefüllt an

folgende Anschrift:

ST/A/R-Forschungsstelle für Philosophie und

Verdauung,

Capistangasse 2/8, A-1060 Wien

Abdruck in freundlicher

Zusammenarbeit mit der Fa. Trenka


ST/A/R

Buch I

Nr. 11/2006 7

Bitte kreuzen Sie an:

Mein ästhetische Lust

Bei Verdauungsstörungen Ich esse gerne ist besonders scharf

nimmt mein Interesse an in wohlproportionierten Palästen. bei Durchfall.

Architektur ab. ❑ Ja ❑ Nein ❑ Ja ❑ Nein

❑ Ja ❑ Nein

nimmt mein Interesse an in wetterschiefen Hütten.

bei Verstopfung.

Architektur zu. ❑ Ja ❑ Nein

❑ Ja ❑ Nein

❑ Ja ❑ Nein

bleibt mein Interesse an hier und dort. beim Erbrechen.

Architektur gleich. ❑ Ja ❑ Nein

❑ Ja ❑ Nein

❑ Ja ❑ Nein

Ich interessiere mich für Architektur und Verdauunng

❑ schon immer ❑ ab Heute


Vorname:____________ Alter: ___________________ Beruf: _____________________

mail: ________________________________ Familienstand: _____________________

Der Bau unseres Verdauungstraktes ist funktional und schön.

Eine ausgewogene Ernährung hält unsere organischen Funktionen

in einem sensiblen Gleichgewicht. Doch wie leicht geraten diese

feinsinnigen Proportionen aus dem Lot!

Seit 1909 sorgt das pharmazeutische Unternehmen

Trenka weltweit für harmonische Verhältnisse im Darm.

Die anatomischen Grundlagen der ästhetischen Freude werden

damit verstärkt. Auch deshalb vertrauen Architekturliebhaber

in aller Welt auf die Wirkung der Produktlinie EUCARBON®

Sie finden diesen Fragebogen auch unter: http://www.christian.denker.com/verdauung)

Der Denkerdrink

Man kann sich darüber streiten, was das Besondere

an fritz-kola ist: der höchsterlaubte Koffeingehalt

oder der Hauch Zitrone. Der Koffeingehalt

pro 0,33l Flasche fritz-kola liegt bei 83,3mg Koffein

und schlägt damit locker jede Allerwelts-Cola. Zum

Vergleich: Die typische 0,33 Liter große Cola-Dose hat

zwischen 30 und 40 mg Koffein. Wir von ST/A/R haben

noch nie oder nur in ganz speziellen Situationen

verstanden, warum man sich mit einem, irgendeinem

Weniger, wofür und wozu auch immer, zufrieden

geben kann. Das heißt, es bleibt uns nur mehr

der „Hauch an Zitrone“ wofür wir Voten können. Wir

tun es, wenn gleich wir auf der Zitronenseite nicht so

ganz und spontan zu unserer Identität finden wollen,

eher aus Manier und instinktiven Respekt vor den

Zitronen, denn aus sinnlicher Kritik.

fritz-kola wird ausschließlich in Glasmehrwegflaschen

abgefüllt. Plastik und Blech sind nicht angesagt. Ein

klares und deutliches JA hierzu aus der ST/A/R-Redaktion.

Wir werden die Macher - Lorenz Hampl und

Mirco Wiegert - für den Red-STAR nominieren. Mehrere

Gründe sprechen dafür, der gewichtigste ist aber

folgende in Wien-Spittelberg auch als fritz-Menü

bekannte und von mir mehrmals erfolgreich getestete

Kombination: man nehme respektive bestelle

eine fritz-kola mäßig kalt und nippe dazu eine Glas

Frizzante, Prosecco oder ähnliches. Der Hauch von

Frische geht direkt ins Denken, die Sinne setzen sich

durch. Die ideale Denkertrinke. Geeignet für den

spontanen Gebrauch vor und nach Sonnenuntergang.

Wenn fritz-kola nach Wien kommt und den

Süden grüßt so bringen wir den ST/A/R doch

in den Norden haben wir uns gedacht und

auf europäisch verbindlich bei fritz-kola

angerufen, Termine absolviert und

Konzepte ausgetauscht. Folgende

Idee nimmt nun Platz im europäischen

Zeitungs- und Getränkevertrieb:

Denken und

Trinken gehören zusammen.

fritz-kola liegt weiterhin

voll im Trend: Nicht süßlich

verklebt und blech und bull,

sondern fein, hauch und

frisch. Im Detail funktioniert das so:

Die ST/A/R-Zeitungen fahren in einem Container und

mit dem Zug von Wien nach Hamburg. fritz-kola-Extraklasse

natürlich. Dort werden sie von den fritz-kola

Kollegen abgeholt und in das sogenannte Zwischenlager

gebracht. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dies

war einer der Knackpunkte bei den Verhandlungen,

wer schickt seine Zeitungen schon gerne in ein Lager?

Nur weil ihnen in der Folge dann sehr rasch geholfen

wird, die richtigste, gewissermaßen die allerrichtigste,

LeserIn zu finden, haben wir dem dann doch aus vollem

Herzen zugestimmt. Lorenz Hampel, Mirco Wiegert

und deren Freunde geben ST/A/R als Goodies zu

jeder fritz-kola Lieferung in Deutschland dazu. Dadurch

entsteht WinWin, ein ganz kostbares Gut. Europäischer

Nord-Süd-Nord WinWin, gleich

in zwei Genres - dem

Trinken und dem

Lesen. Die fritz-kola

KonsumentIn

bekommt im Res- taurant ihrer

Wahl immer seine

hochinteressanteste

Zeitung. Die Lektüre

wird durch Kof-

fein und dem

„Hauch von Frische“ optimal

unterstützt. Wir Wiener

wissen da s e h r

genau

Bescheid.

Zeitung, Körper und Café ist eine seit Jahrhunderten

perfekt harmonierende Mischung. Nicht nur

dann wenn es um die Verdauung geht. Wir meinen

das könnte schon etwas mit Koffein zu tun haben,

denn es hilft dem Redakteur die LeserIn am Leben

zu erhalten. Die muntere und selbsttätig funktionierende

und nicht die durch allerlei Teaser-Zeug bei

Laune gehaltene LeserIn ist doch die wahre FreundIn

der Redaktion. In der Regel blättert sie elegant und

aufmerksam durch die Seiten, immer interessiert am

Zusammenhang und immer im Stande den sogenannten

inneren Dialog zu führen. Im Gegensatz dazu der

Müde. Immer will er mit Information versorgt werden

- um nicht zu sagen gefüttert werden - fast nichts

kann er selber finden. Ja man muss sagen, im besten

Fall schwimmt er einen durchs Blatt.

Wir von der ST/A/R-Redaktion empfehlen daher fritzkola

nicht nur um sich beim Lesern sinnlich arretieren

zu können. Der Hauch von Frische und die gute Dosis

Koffein erlauben uns auch beim Informationsdesign

völlig neue Wege zu beschreiten. fritz-kola kann

als biochemische Lupe eingesetzt werden. Sie wirkt

vor Ort und kann individuell justiert werden. Die

fritz-kola Genießer bleiben während der gesamten

Zeitungslektüre frisch, so zumindest das Kalkül. Wir

können daher auch komplexere Zusammenhänge abbilden.

Kurz und gut, den ST/A/R gibt es nun auch in Deutschland:

fritz-kola bringt ihn nach Hamburg. Christian

Denker, unserer ST/A/R-Verdauungsphilosoph und

Redaktions-Hamburger begleitet die ST/A/R-Zeitungen

in die Hansestadt. Dort hat der Stern seines

Herzens, Anni Harm, alle Kneipen zwischen Kiez

und Langenhorn fachfrauisch durchtestet. Unglaublich

aber wahr: Sie traf dabei Leute, die

Leute kennen, die von Leuten gehört haben

in deren Gaumen noch keine fritz-kola

gesprudelt hat! Das soll sich ändern Weiteres

unter :

www.fritz-kola.de und

www.star-wien.at

Herbert Wulz


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch II - Arnulf Rainer ST/A/R 9

ARNULF RAINER

Sept. 2006

Fotoportrait von Andrea Baczynski


10 ST/A/R

Buch II - Arnulf Rainer

Nr. 11/2006

Foto: Andrea Baczynski, 2006

Jenseits der

Eitelkeit

Gespräch mit Arnulf Rainer

Arnulf Rainer mit frühen Face Farces Arbeiten

Thomas Redl: Meine erste Frage ist:

Wie war die Situation Anfang der 50er

Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg? Welche

Aufbruchsstimmung war da? Wie war die

Atmosphäre in dieser Zeit?

Arnulf Rainer: Die Stimmung war Aufbruch.

Sie sagen es selbst. Man hat ja vorher

nichts gehabt, vor dem Krieg und im Krieg

hat es ja keine Moderne Kunst gegeben.

Zuerst war der Art Club, dann die Wiener

Phantasten, und dann hat Monsignore Otto

Mauer seine Galerie Nächst St. Stephan

gegründet. Viele sind wieder verschwunden,

in den Untergrund oder wo auch immer

hin, aber sie sind verschwunden. Dann

wurde der Strohkoffer, ein Lokal, eingerichtet,

und da haben viele abends getrunken

und sich vollkommen versoffen. Das war

dann nur mehr eine Alkoholikerrunde.

T.R.: Sie haben 1949 mit Ernst Fuchs

und mit anderen Künstler zusammen die

Hundsgruppe gegründet.

A.R.: Ja wir sind beim Art Club nicht zugelassen

worden. Wir waren denen zu unseriös,

nicht genügend ernsthaft. Jetzt haben

wir unseren eigenen Verein gegründet. Das

passiert ja öfter im Leben. Und da haben

wir halt nach einem Namen gesucht, und

wir haben gesagt: Hundsgruppe ist der passende

Name - wir sind einfach die streunenden

Hunde als Künstler. Gruppe 67

oder 33 oder was weiß ich, das haben ja

nur Literaten gemacht, die waren ja alle so

harmlos.

T.R.: Sie haben dann bald begonnen in der

Galerie Nächst St. Stephan auch auszustellen,

beim Otto Mauer.

A.R.: Ja, Otto Mauer hat seine Galerie

gegründet, ca. 1953/54. Da haben wir die

ersten Einzelausstellungen gehabt. Nicht

nur ich natürlich, sondern eine Reihe

von Künstlern. Nicht die Phantasten, der

Phantastische Realismus und Art Club

waren nicht dabei.

T.R.: Aber alles, was die neue Avantgarde

war, hat sich dort versammelt.

A.R.: Nicht die neue, überhaupt die

Avantgarde hat sich dort versammelt. Es

hat Eröffnungen gegeben und so weiter.

Und da sind die Leute gekommen, man

hat nur sehr wenig ausgeschenkt, da sind

sie nur wegen der Kunst gekommen, nicht

wegen dem Freibier.

T.R.: Wenn man jetzt die Zeit der 50er

Jahre in Ihrer Arbeit betrachtet, haben Sie

in einem sehr schnellen Tempo verschiedene

Vokabulare der Moderne bearbeitet,

beginnend von diesen phantastischen,

surrealistischen Zeichnungen bis zu

den Mikroserien, Zentralfigurationen,

Proportionsordnungen, ...

A.R.: ..., Blindzeichnungen, ja, und so weiter.

T.R.: Es war eine Phase des Testens verschiedener

...

A.R.: Nein, ich habe einfach zu viele Ideen

im Kopf gehabt und habe dann immer so

schnell gewechselt. Ich habe mir gesagt: 20,

30 Werke sind genug, jetzt muss ich eine

neue Idee haben. Man hat ja damals nicht

damit gerechnet, dass man überhaupt ein

Künstler ist, der etwas verkauft. Die Kunst

hat man aus einem selbst, aus der geistigen

Erfahrung heraus und für die geistige

Erfahrung gemacht.

T.R.: Es hat in Ihrem Werk ja diesen zentralen

Punkt gegeben, wo die Übermalung stattgefunden

hat. Es war ein radikaler Schnitt,

auch kunstgeschichtlich betrachtet.

A.R.: Das war nicht so radikal, das war allmählich.

Man hat damals kein Geld gehabt,

und die alten Bilder auf dem Flohmarkt

waren billiger als die neuen Leinwände. Da

hat man sich die alten Bilder gekauft und

hat drübergemalt. Dann hat man bemerkt:

Das ist ja ganz interessant, wenn da etwas

darunter ist, das ist ja gar nicht so gleichgültig.

Und da habe ich sozusagen die

verschiedenen Strategien des Übermalens

entdeckt, langsam.

T.R.: Sie haben ja auch Ihre eigenen

Arbeiten übermalt.

A.R.: Ich habe auch immer wieder meine

eigenen überarbeitet. Als es dann soweit

war, dass es bekannt war, haben mir sogar

Kollegen die Bilder gebracht. Auch heute

bringen noch viele Künstler die Bilder und

sagen, sie wollen übermalt werden. Die

meisten sind aber technisch so schlecht,

dass die Übermalung dann mitsamt der

anderen Malerei heruntergeht. Ich muss

das ganz ablehnen. Es geht nur mit den

besten technischen Materialien.

T.R.: Aber es ist doch ein radikales Element,

zu übermalen, auch seine eigene Arbeit

fast bis zum Schwarz abzudecken. Es ist

natürlich auch eine Positionierung, ein

Statement.

A.R.: Ja, sicher. Ich habe den Pinsel genommen

und so lang gearbeitet bis das Bild ganz

schwarz war. Man kann sich heute nicht vorstellen,

wie die materielle Situation damals

war. Ich habe keine Förderung bekommen,

weil ich als verrückt gegolten habe bei der

Gemeinde Wien. Die meisten Künstler

haben von Aufträgen gelebt, in Sozialbauten

haben sie irgendwelche scheußlichen

Figuren hingefräst oder so, das hat es für

mich nicht gegeben. Ich bin Schnee schaufeln

gegangen für die Gemeinde Wien,

nachts hat man ein paar Groschen mehr

bekommen. So hat man sich durchschlagen

müssen in dieser furchtbaren Wiener Stadt.

Dann wie Otto Mauer gekommen ist, hat

sich sehr vieles geändert. Die ÖVP hat die

Moderne und damit uns akzeptiert. Es sind

immer wieder Förderungen gekommen,

und die Sozialisten haben sich nicht mehr

so schimpfen getraut auf die St. Stephan-

Künstler. Aufträge haben sie nach wie vor

keine gekriegt.

T.R.: Also, Otto Mauer war eine zentrale

Figur und ein zentraler Förderer in dieser

Zeit.

A.R.: Er hat Einfluss gehabt. Er war während

des Krieges eingesperrt, das war

damals sozusagen jemand, den man sehr

respektiert hat.

T.R.: Ich habe verschiedene Texte gelesen,

die Sie geschrieben haben.

A.R.: Die widersprechen sich alle. Haben

Sie es bemerkt?

T.R.: Ja. Ein Element, das mich besonders

interessiert, ist diese Schilderung des

Übermalens, dass das Bild durch den langsamen

Vorgang des Übermalens in den,

wie Sie schreiben, großen Ozean zurückgeführt

wird, in diese Unsichtbarkeit.

A.R.: Das ist ein poetisches Bild. Zu poetischen

Bildern lassen sich nicht viele

Erklärungen geben.

T.R.: Ich habe es so wahrgenommen und

interpretiert, dass das Bild an sich sehr

viele Informationen hat, und durch dieses

prozesshafte Übermalen wird es in einen

Zustand der Ruhe zurückgeführt.

A.R.: Die Informationen werden komprimiert

und sind dennoch da.

T.R.: Das heißt, die Informationen sind wie

eine Hintergrundschwingung vorhanden.

A.R.: Sie sind auf jeden Fall eine

Hintergrundschwingung, und deswegen

geht das alles mit dem Übermalen auch

sehr langsam.

T.R.: Weil das Bild hat ja dann nichts mehr

Narratives.

A.R.: Nein, es hat nichts Narratives. Mehr

oder minder ist auch keine Figur mehr

erkennbar oder nur mehr schlecht erkennbar.

T.R.: Eigentlich hat es mit Leere und Fülle

gleichzeitig zu tun, wenn man es so wahrnimmt.

A.R.: Ja, sicher.

T.R.: Ich habe auch dieses Pintorarium-

Manifest von 1959 gelesen.

A.R.: Das ist schon 9 Jahre später.

T.R.: Da sprechen Sie von verschiedenen

Begriffen. Einmal von Schwarzmalerei, einmal

von Langsamkeit und von Malerei als

visuelle Kontemplation. Und dann taucht

noch ein Satz auf, den ich sehr interessant

finde, wo sie schreiben: „Die wirkliche

Malerei kommt erst, nur die Zukunft der

Malerei ist des Interesses wert.“ Wie gültig

ist dieses Manifest fast 50 Jahre später,

kann man sich darauf noch beziehen?

A.R.: Inzwischen ist ja Zeit vergangen. Die

wirkliche Malerei von mir ist später erst

gekommen. Was da Zukunft ist, hat sich in

den nächsten Jahrzehnten dann herauskristallisiert.

T.R.: Es ist ja so, dass ihr Werk der letzten

50 Jahre immer Werkgruppen und

Werkkomplexe aufweist, grob eingeteilt

in die monochromen Übermalungen, die

Kreuze, die Face Farces, die gestischen

Übermalungen, die Fingermalereien. Ist

das eine mögliche Kategorisierung Ihres

Werkes?

A.R.: Ja, es gibt 298 Serien, manche sind

größer, manche sind kleiner. Es gab

damals in den 70er Jahren, glaube ich, eine

Zeitschrift, die die 100 ersten festgehalten

hat. Ich arbeite in Serien, und um alle herauszufinden,

da braucht es einen ganzen

Jahrgang an Kunsthistorikern, und die sind

beschäftigt.

T.R.: Als Werkgruppe hat es auch die


Nr. 11/2006

Buch II - Arnulf Rainer ST/A/R 11

Kreuze gegeben, da findet eine Änderung

des Formates statt, weg vom klassischen

Rechteck oder Quadrat zu einer neuen

Form.

A.R.: Zu verschiedenen Varianten der

Kreuzform.

T.R.: Und das Kreuz ist natürlich in unserer

westlichen Hemisphäre auch stark religiös

belegt.

A.R.: Sicher. Ein Zeichen, ein Symbol,

wenn Sie wollen.

T.R.: Ist das eine Auseinandersetzung mit

religiösen Themen.

A.R.: Eine Auseinandersetzung auch mit

Religion, ja, mit der Theologie und vor allem

eine Auseinandersetzung mit Mystik.

T.R.: Schwarz spielt ja in der Mystik eine

zentrale Rolle.

A.R.: Ja, sehr. Wenn Sie Johannes vom

Kreuz lesen - „Die dunkle Nacht der Seele“,

so heißt sein Hauptwerk - da können Sie

sehr viel nachlesen, was mich inspiriert

hat.

T.R.: Es hat auch die Auseinandersetzung

mit psychopathologischen Situationen

gegeben, mit Grenzsituationen und das

Interesse an Malerei von psychisch Kranken

und dann auch die Malereiversuche mit

Affen. Besteht eine Nähe zu Antonin Artaud

und zu seiner Art zu zeichnen?

A.R.: Artaud war in einer psychiatrischen

Klinik, hat paranoide Symptome gehabt,

aber das hat nicht nur Artaud, das haben

sehr viele Künstler. Im Gegenteil, je mehr

einer ein Genie ist, umso mehr ist er auch

irgendwie Berufsparanoiker.

T.R.: Artaud schreibt davon, dass er als

Ungeübter zeichnet, er zeichnet sozusagen

unkontrolliert und will gar nicht geübt

sein.

A.R.: Das schon, aber er hat auch keine

Akademie. Das ist noch keine besondere

Sache. Er hat sehr gut gezeichnet, ausgesprochen

gut, mit sehr viel Nervenintensität,

das stimmt ohne weiteres. Damals hat man

aber sein zeichnerisches Werk überhaupt

nicht gesehen und nicht gekannt. Das ist

erst viel später zu uns gedrungen.

T.R.: Wie Sie schon erläutert haben, haben

Sie neben der Übermalung der eigenen

Malerei auch kunstgeschichtliche Motive

überarbeitet, zum Beispiel von Rembrandt

oder Canova bis zu Landschaftsstichen

oder floralen Motiven und Motiven aus der

Fauna aus historischen Büchern.

A.R.: Ja, die alte Kunst oder die alte Grafik,

das hat mich immer sehr aufgereizt, es zu

überarbeiten. Das gehört ja zum großen

Komplex der Überarbeitungen, aber nicht

zur Auslöschung. Ich wollte immer auch

noch, dass das alte trotzdem, sogar besser

aufscheint als vorher.

T.R.: Dann hat es ja auch den Schritt gegeben

der Malerei mit den Fingern und den

Füßen, also diesen Schritt weg von traditionellem

Werkzeug.

A.R.: Auch das ist eine Serie von mir, wo

ich nur mit den Fingern gemalt habe oder

auch mit den Füßen in Farbe getrampelt

habe, und da gibt es Bilder, und die Bilder

sprechen für sich.

T.R.: Das ist aber auch das bewusste

Verlassen von traditionellen Wegen.

A.R.: Bewusstes Verlassen der traditionellen

Pinselmalerei sicher auch.

T.R.: Gibt es hier eine Verbindung zum

Aktionismus.

A.R.: Bei mir ist immer der Endzweck

das Bild, nicht die bloße Aktion. Und das

Bild ist nicht nur eine Dokumentation

der Aktion, wie es bei vielen Bildern der

Aktionisten, wie bei Nitsch zum Beispiel

der Fall ist, sondern es ist das Bild das

Haupt- und Endwerk. Es geht nie um das

wie es gemacht wird. Mir geht es schon darum,

aber der Betrachter, der darf gar nicht

mehr erfahren. Ich darf Ihnen auch nicht

allzu viel verraten, weil sonst klammern

sich die Leute an das, wie es gemacht wird

und nicht an das fertige Bild. Der Künstler

will durch das Bild sprechen und nicht

durch irgendwelche Gerüchte, wie er malt.

T.R.: Also bei Nitsch ist es so, dass jetzt die

Fragmente seiner Aktionen in den Museen

gelandet sind, und ursprünglich ging es

doch um die Aktion.

A.R.: Ja, jetzt ist es ein Reliquienhandel

oder, wie man auch dazu sagen kann,

Souvenirhandel geworden. Es kommen

auch bei mir jetzt dauernd Anfragen, also

auch nach meiner Malerkleidung, meinem

Malermantel, den Schuhen und so weiter,

und ich gebe das sehr ungern aus der Hand,

weil durch Nitsch ist so ein Trend gekommen,

dass man das in die Vitrine gibt. Und

das ist etwas für Spezialisten. Vielleicht,

dass ich dem Essl oder, sagen wir, anderen

großen Sammlern etwas zukommen lasse,

aber sonst mag ich diesen Handel mit

Paletten, Künstlersouvenirs und so weiter

nicht.

T.R.: Es ist die Frage, was das noch mit

Kunst zu tun hat.

A.R.: Es darf nur ein Souvenir sein, es

darf nicht extra dafür gemacht sein, das

ist klar. Ja, Kunst, schauen Sie, bei großen

Künstlern wird immer auch in der Vitrine

irgendetwas gezeigt, eine Palette meistens.

Das ist eine eigenartige Sache, aber das hat

sich halt so herausgebildet, und scheinbar

sind die Leute darauf neugierig.

T.R.: Jetzt findet aktuell eine Ausstellung

in der Galerie Ulysses statt. Frau Gabriele

Wimmer hat mir kurz das Konzept erklärt:

und es werden aus 5 Jahrzehnten Malereien

gezeigt, das heißt ein Querschnitt vom

Schaffen, der zu sehen sein wird.

A.R.: Ja, ich habe die Bilder noch nicht

genau gesehen, die sie ausgesucht hat.

Ich war nicht dabei. Es ist ein Querschnitt

durch meine Malerei.

T.R.: Es hat mit der Galerie Ulysses und

auch mit Gabriele Wimmer eine lange

Zusammenarbeit gegeben, und sie hat

über lange Zeit auch das Management und

die Organisation für Sie im nationalen und

internationalen Rahmen gemacht.

A.R.: Als Studentin

hat sie bei mir angefangen,

sozusagen als

Ateliersekretärin. Das

hat sich immer weiter

entwickelt bis zur

Organisation von eigenen

Ausstellungen im

In- und Ausland.

T.R.: Wenn man sich so

Ihre Ausstellungsbiographie

anschaut, gibt

es diesen Schritt, der

nach Amerika führte,

Ankäufe vom Museum

of Modern Art, vom

Guggenheim, auch

eine Retrospektive im

Guggenheim. Das war

zu dieser Zeit sicher

auch ein revolutionärer

Schritt eines österreichischen

Künstlers,

über den nationalen

und deutschsprachigen

Boden hinauszugehen.

A.R.: Kein revolutionärer Schritt, sondern

ein wichtiger Schritt war das. Man

ist immer unglücklich, wenn man in so

einem kleinen Land lebt. Es hat ja damals

die Globalisierung schon begonnen. Vor

allem die Amerikaner, die haben sich mit

allem, was in der Kunst auch außerhalb von

Amerika wichtig war, auseinandergesetzt,

um Ausstellungen zu machen.

T.R.: Es war sicherlich ein wichtiger Schritt,

auch was den Kunstbetrieb betrifft, nach

Amerika zu gehen und dort die Sachen zu

zeigen.

A.R.: Naja, Kunstbetrieb. Ein Künstler

arbeitet natürlich, und dann werden seine

Bilder gezeigt. Sicher, das ja.

T.R.: Im MAK Wien findet derzeit eine

Ausstellung mit Ihren Werken statt. Was

wird da gezeigt?

A.R.: Ich habe immer meine Plakate und

meistens auch die Einladungen selbst entworfen

und gezeichnet. Und im Laufe der

50 Jahre sind hunderte Blätter entstanden,

immer mit Schrift natürlich, weil das ist bei

so etwas das Wichtigste, und das ist jetzt

entdeckt worden. Ich habe natürlich nicht

sehr viele oder nicht alles mehr, aber noch

einiges. Und da hat Peter Noever gesagt,

jetzt überrunde ich alle anderen und zeige,

dass der Rainer eigentlich ein großer

Schriftkünstler ist, ein Schreibkünstler.

T.R.: Verstehe. Und dann gibt es auch das

Projekt mit Freud, das im November im

Sigmund Freud-Museum eröffnet wird.

A.R.: Es gibt auch das Freud-Projekt. Das

sind Porträts, 25 Porträts von Sigmund

Freud von mir ausgewählt und überarbeitet.

T.R.: Besteht ein Naheverhältnis zu

Sigmund Freud?

A.R.: Sigmund Freud war für mich sehr

wichtig, als ich als Sechzehnjähriger, das

war natürlich schon nach dem Krieg, auf

die Traumdeutung gestoßen bin und sie

verschlungen habe, und Träume beobachtet

habe und alles und so weiter. Und ich habe

natürlich diese Interpretation von Freud als

Methode geschätzt. Ob das immer gestimmt

hat oder nicht, kann ich nicht beurteilen,

aber als Methode, die Aufmerksamkeit und

alles das, das hat mich sehr fasziniert. Ich

habe mir gedacht, jetzt mache ich einmal

eine Art Traummalerei. Also unbewusst,

ich gehe immer nur nach dem nächsten

Schritt, ich weiß nicht, wie es aufhört ...

T.R.: Sind da die Ozeanbilder entstanden?

A.R.: Ja genau, die sind damals etwa 2 Jahre

nach der Traumdeutung entstanden.

T.R.: Es hat auch ziemlich früh Kontakt

zu Maria Lassnig gegeben. War das eine

wesentliche und gegenseitige Inspiration?

A.R.: Das auch. Die hat mich verführt, ich

war noch Mittelschüler, wissen Sie, ich war

17. Sie war 27 und ich 17. Da können Sie

sich ja vorstellen, wie das ist.

T.R.: Das war sozusagen auch die erste

Begegnung mit Moderner Kunst.

A.R.: Nein, ich habe schon längst mit 17

Jahren den ganzen Surrealismus gekannt,

da war sie noch Boeckl-Schülerin, im Boeckl-

Fahrwasser sozusagen, nicht Schülerin von

ihm.

T.R: Aber es war prägend.

A.R.: Es war wichtig. Dort in Klagenfurt

waren wir immer zusammen, und es hat

sonst nichts gegeben. Dadurch waren wir

auch auf uns angewiesen, man hat sich

gegenseitig beobachtet und so weiter.

T.R.: Ich habe in Ihrer Biographie gelesen,

dass Sie irgendwann mit dem Fahrrad nach

Kärnten gefahren sind.

A.R.: Ja, wie die Russen gekommen sind.

Wie die Russen gekommen sind, war ich 14

Jahre alt, und da hätte ich zum Volksstürmer

einrücken sollen, in den Schützengraben,

die Russen aufhalten. Ausgerechnet im

Burgenland, in diesem flachen, nichts

sagenden Land. Da habe ich gesagt: Das

mache ich nicht, im Burgenland, da halte

ich die Russen nicht auf, das ist es mir nicht

wert. Und ich habe mich auf ein Rad gesetzt

und bin noch schnell über den Semmering,

habe schon den Geschützdonner gehört,

und bin sozusagen mit dem Rad nach

Kärnten abgehauen.

T.R.: Es sind, soweit ich gelesen habe, in

dieser Zeit Aquarelle entstanden von eher

menschenleeren Landschaften. Gibt es

davon noch etwas?

A.R.: Das weiß ich nicht, ich habe mir

nichts davon aufgehoben, vielleicht gibt

es sie irgendwo noch. Sie sind sicher nicht

sehr gut.

T.R.: Mich hätten sie interessiert.

A.R.: Ich halte sie für belanglos.

T.R.: Ihre Begegnung mit dem Schulischen

war immer ein bisschen problematisch.

Sie sind ja auf die Akademie gegangen, da

waren Sie einen Tag, dann waren Sie auch

auf der Angewandten.

Hand- und Fingermalerei, 1984/85, Öl auf Karton, auf Holz, 51 x 73,5 cm, Courtesy Galerie Ulysses


Städteplanung / Architektur / Religion Buch II - Arnulf Rainer

ST/A/R 13

ST/A/R Edition 05, Farbfotografi e, 45 x 60 cm

Arnulf Rainer, Parafotografi e, 2006, als Grundlage diente ein Portrait von Andrea Baczynski


14 ST/A/R

Buch II - Arnulf Rainer

Nr. 11/2006

A.R.: Ja, immer die Aufnahmsprüfung

gemacht, den Betrieb ein bisschen gesehen

und schon wieder weg, weil das habe ich

nicht ausgehalten dort.

T.R.: Also war sozusagen auch in der

Angewandten eine Situation, die für Sie

nicht befruchtend war, oder dieses ganze

System.

A.R.: Ja, ich habe schon meine ersten

Schriftentwürfe gemacht dort, und der

Dozent, der hat das überhaupt nicht verstanden

und gewürdigt. Wenn der gewusst

hätte, dass ich einmal eine Ausstellung im

MAK habe, hätte er vielleicht die Ohren

gespitzt. Und da habe ich gesagt: Wenn der

kein Verständnis dafür hat, dann habe ich

da nichts zu suchen, weil ich liefere mich

solchen Sachen nicht aus.

Übermalung, 1961, Öl auf Rolloleinwand, 96 x 58 cm

T.R.: Also es war ein akademischer

Manierismus, der dort geherrscht hat?

A.R.: Nein, das war kein Manierismus, so

kann man es nicht nennen. Es war so ein

bisschen, wie halt in der Nachkriegszeit der

ganze Betrieb war, so eine abgestandene

Moderne.

T.R.: Um in die Jetzt-Zeit zu gehen. Jetzt

gibt es eine Strömung von, ich würde

sagen, neofigurativer Malerei, das geht

von Hubert Schmalix, Alex Katz bis zur

Leipziger Schule, die sehr illustrativ ist.

Wie sehen Sie diese Strömung, dieses neue

Aufkommen des Figurativen?

A.R.: Schauen Sie, die Vielfältigkeit in der

Kunst hat wahnsinnig zugenommen. Es

gibt keine dominierenden Strömungen

mehr, und weil es etwa 100 Mal so viele Maler

gibt als nach dem Krieg, müssen sie sich

natürlich aufteilen. Der eine macht das, der

andere macht das, und das wird dann sofort

eine Strömung. Aber große Philosophie darf

man daraus nicht machen. Das ist eine reine

Stilrichtung. Der eine bevorzugt das, der

andere das. Genauso wie es Sammler gibt,

die etwas Bestimmtes bevorzugen, oder es

gibt welche, die alles quer durch sammeln,

das ist verschieden. Und Galerien gibt es

auch, die alles quer durch machen. Ich habe

gehört, die Figurativen verkaufen besser

und leichter als die Nicht-Figurativen, und

die technischen Medien-Künstler müssen

hauptsächlich von Stipendien leben. Gut,

so ist es halt, und das sind ja die äußeren

Umstände.

T.R.: Ich sehe es persönlich als redundant,

dieses Neuaufflammen des

Illustrativen, Figurativen, das teilweise ins

Kabarettistische geht von den Motiven her.

A.R.: Ja, sicher ist da Ironie dabei und ein

bisschen absichtliche Willkür als Stil, ein

bisschen trashig. Da gibt es die verschiedenen

Stile, aber das darf man nicht als

Hauptströmung der Zeit betrachten.

T.R.: Wir sind jetzt in einem Pluralismus,

wo die verschiedensten Dinge parallel passieren.

Zurückkommend auf Ihre Arbeit:

Woran arbeiten Sie aktuell?

A.R.: Darüber kann ich

nie sprechen, weil sonst

ist es schon aus. Wenn

ich darüber spreche,

dann mag ich es schon

nicht mehr machen.

Verstehen Sie?

T.R.: Es hätte mich

brennend interessiert.

A.R.: Das soll Sie ja

auch brennend interessieren,

aber eben weil

es ein Geheimnis ist.

T.R.: Dann reden wir

über die letzten 5 Jahre.

A.R.: Das hat ja immer

noch mit den heutigen

Sachen zu tun. Also,

ich lasse niemand in

mein Atelier, überhaupt

nie, das ist grundsätzlich

nicht möglich. Es

haben sich schon viele

geärgert oder vor den

Kopf gestoßen gefühlt,

oder auch Verkäufe

haben nicht stattgefunden.

Aber, schauen

Sie, ich mag nicht über

angefangene Bilder, die

da herumstehen, reden,

das ist mir peinlich.

T.R.: Das Atelier ist

sozusagen ein heiliger

Gral.

A.R.: Das ist kein heiliger Gral, sondern

es ist wie in einem Restaurant, da können

Sie auch nicht immer in der Küche herumschnüffeln.

Das ist nicht heilig, sondern

das stört einfach die Arbeit.

T.R.: Nach den Arbeiten, die fast vollständige

Übermalungen waren, großteils in

Schwarz, die einen radikalen Punkt definierten,

hat es wieder eine Entwicklung

gegeben, wo das Bild offener geworden ist.

Hat dieser Moment der fast vollständigen

Übermalung einen Endpunkt fixiert, wo es

eigentlich nicht mehr weiter gegangen ist?

A.R.: Natürlich ja, in gewissem Sinn schon.

Ja, Schwarz in Schwarz, mehr können Sie

nicht machen. Nur ich komme auch immer

wieder oft darauf zurück. Es reißt mich wieder

ins Schwarz hinein, das kann ohne weiteres

sein, oder in eine andere Farbe.

T.R.: Das ist sozusagen eine Konstanz, die

sich quer durch das Werk zieht.

A.R.: Ja, aber auch durch den Kontrast des

Gegenteiligen.

T.R.: Es gibt in Ihrem Oeuvre auch ein

druckgrafisches Werk.

A.R.: Ja, das druckgrafische Werk hat eine

größere Bedeutung für mich als für andere

Künstler, aber nicht die Lithografie, sondern

nur die Radierung.

T.R.: In der Radierung gibt es Werke

bei Ihnen, die sich in verschiedene

Arbeitszyklen einteilen, wo verschiedene

Stadien definiert sind.

A.R.: Also man kann auf einer druckgrafischen

Platte etwas machen, und dann kann

man wieder darüber arbeiten. Das hat diesen

Vorteil - das ewige Überarbeiten, dass

die jeweiligen Zustände sozusagen dokumentierbar

sind durch die Drucke.

T.R.: Aber sind die Zwischenergebnisse

auch als Bild definiert.

A.R.: Ja, sicher sind sie definiert. Es muss

sich aber auch derjenige, der es auf der

Wand hat, bewusst sein, dass es ein zweites

Stadium gibt oder ein Stadium, das

vorher war, und ein Stadium, das nachher

kommt. Das muss ihn in dauernde Unruhe

versetzen. Wie hat das vorher ausgeschaut,

wie sieht das nachher aus? Deswegen kaufen

die Leute bei mir nie eine Druckgrafik,

sondern sie haben dann die Lebensaufgabe,

dass sie den Vorzuständen und den späteren

Zuständen nachjagen.

T.R.: Das folgt eigentlich einer ähnlichen

Struktur wie bei den Übermalungen, wo es

um ein prozessorientiertes Werk geht.

A.R.: Ja, das ist ein Prozess, orientiert ist es

nicht, aber ein Prozess.

T.R.: Über die aktuellen Arbeiten, gelingt

es mir ja nicht, etwas zu erfahren. Gibt es

in der nächsten Zeit, also 2007, größere

Ausstellungsprojekte?

A.R.: Es gibt heuer noch ein

Ausstellungsprojekt im Burda Museum

in Baden-Baden. Das nächste ist in 2

Wochen in Saragossa, da habe ich den

großen Goya-Preis gewonnen, da findet

auch eine Ausstellung statt. Dann gibt es

in Innsbruck etwas einer Kunsthalle der

Raika, glaube ich. Ja, es ist dauernd was

los, und das Wichtigste ist wahrscheinlich

das Rainer-Museum, das in meinem

Geburtsort Baden entstehen soll. Mitten im

Zentrum steht das sogenannte Frauenbad,

ein klassizistischer Tempel, da haben nur

Frauen baden dürfen, und das habe ich mir

ausgesucht als Rainer-Museum. Aber geboren

bin ich nicht im Frauenbad selbst, sondern

einige Gebäude weiter hat die Kaiserin

Zita damals eine Entbindungsstation für

Künstler errichtet, es war am Ende des 19.

Jahrhunderts, und dort bin ich geboren.

Aber das Gebäude ist, glaube ich, abgerissen,

das gibt es nicht mehr. Deswegen wird

es in diesem klassizistischen Tempel ein

Rainer-Museum geben. Das ist das wichtigste

Projekt, und da wird schon dauernd verhandelt

und es werden Verträge gemacht

und so weiter.

T.R.: Wann ist geplant, dass es eröffnet

wird?

A.R.: Die Verträge sind schon gemacht,

aber das Gebäude muss umgebaut werden.

Ich schätze, dass es in etwa einem

Jahr eröffnet wird. Es ist aber nicht so, dass

sie die Bilder ankaufen, sondern sie leihen

sich jedes Jahr eine neue Serie aus, die dort

dann ein Jahr hängt. Dadurch soll auch der

ganze Fremdenverkehr von Baden einen

ganz neuen Schwung kriegen, und das sind

scheinbar auch die Überlegungen dieser

Gemeinde. Auf jeden Fall eine kunstfreudige

Stadt, die sich darauf beruft, dass große

Künstler dort geboren wurden.

T.R.: Jetzt sind Ihre Lebensorte einerseits

hier im oberösterreichischem Sauwald und

andererseits in Teneriffa. Hier im Sauwald,

der zum Innviertel gehört, ist ein zurückgezogener

Ort, den Sie schon sehr lange

als Ihren Hauptwohnsitz gewählt haben.

Ist das hier ein Rückzugsort und auch ein

Kraftort für Sie?

A.R.: Ein Kraftort ist es nicht. Es ist zwar

ein Granitort, und man muss viel Kraft

haben, dass man die Steine aufhebt.

Eine harte Arbeit, starke Personen diese

Granitbehauer. Schauen Sie, man wird

immer abgelenkt, herausgerissen aus seiner

Arbeit, und jetzt habe ich mir gedacht:

Jetzt setze ich mich dorthin an diesen Ort,

den finden die Wiener nicht so leicht.

T.R.: Verstehe, das ist ein gutes Argument.

A.R.: Jetzt hat sich aber herausgestellt, dass

durch die modernen Ortungssysteme, das

Navigationssystem, die Leute mich finden.

Die geben Atelier Rainer ein, und dann werden

sie da hergeführt, aber erst in der letzten

Zeit. Jetzt mache ich das meistens so,

dass ich mich als mein eigener Hausknecht

verkleide und immer mit einer Mistgabel in

der Hand. Unvorbereitete Besuche werden

nur vom Hausknecht empfangen und weitergeschickt,

oder sie müssen etwas arbeiten,

zum Beispiel die Äpfel auflesen, oder

die Bäume gehören gepflegt und gestutzt.

Sie sollten eine Baumschere und eine Säge

mitbringen, anders geht es nicht.

T.R.: Also der Ort der Stille ist schon entdeckt

worden. Und Ihr Winterwohnsitz ist

Teneriffa geworden.

A.R.: Mir ist es hier zu kalt. Wir haben ja 10

Grad weniger als in Wien. Die Kälte setzt

einem zu. Jetzt gehe ich im Winter, wenn

es kalt wird, nach Teneriffa.

T.R.: Inspiriert Sie die Landschaft dort, dieses

Vulkangebiet.

A.R.: Ja sicher, das Vulkangebiet, das

inspiriert, ich habe auch eine Serie darüber

gemacht, und ich habe gerade eine

Ausstellung jetzt auf der Nachbarinsel Gran

Canaria mit diesen Arbeiten.

T.R.: Sind das Malereien oder

Fotoarbeiten?

A.R.: Das sind Fotoarbeiten, ich arbeite jetzt

sehr viel mit Foto und Fotoüberarbeitung,

nicht reine Fotos, sondern Fotoüberarbeitungen.

Ich habe sozusagen die Fotografie

dort unten für mich entdeckt, aber was

ich mache, ist nicht Fotografie, wie sie die

Berufsfotografen machen, sondern die so

genannte Parafotografie, da wird mit Licht

und mit Farbe gestaltet. Dadurch dass man

verschiedene Farblinsen, Farbfolien und

so weiter vor die Kamera hält, kommen

lauter unwirkliche Farben hinein. Das

schaut dann nicht so aus wie die ganzen so

genannten Fotografen fotografieren.

T.R.: Es ist ein Abstraktionsgrad.

A.R.: Es ist so, wie ich male, es schaut aus,

so wie ich male. Ich kann auch gegen das

Licht, gegen die Sonne fotografieren. Alle

Sünden, die die Fotografen peinlichst vermeiden

wollen, das sind meine Stärken

geworden.

T.R.: Ist das ein neues Medium für Sie

geworden, und wann ist das Interesse daran

entstanden?

A.R.: Seit 3, 4 Jahren ist das ein neues Medium

für mich, aber ich habe immer schon in

Kombination mit Malerei und Fotografie,

auch durch diese Selbstdarstellungen, ausgiebig

gearbeitet und die überarbeiteten

Fotografien gemacht. Und jetzt stehe ich

hinter der Kamera und nicht davor, und

das ist mein neues Medium. Außerdem

gehe ich schon fast gegen die 80 zu, und

man muss sich in diesem Alter vorbereiten

auf den Rollstuhl, muss sich der Künstler

vorbereiten auf den Rollstuhl. Der schöpferische

Impuls lässt ja nicht nach, auch

wenn man im Rollstuhl sitzt. Jetzt muss

man eine Technik entwickeln, wie man im

Rollstuhl arbeiten kann. Wie es der Matisse

gemacht hat, vom Bett aus zu malen, mag

ich es nicht machen. Und da gibt es eben


Nr. 11/2006

Buch II - Arnulf Rainer ST/A/R 15

die Möglichkeit der Parafotografie, das wird

erst eine große Aufblüte haben, sobald ich

einmal rollstuhlfähig bin.

T.R.: Wir hoffen, dass die Malerei, die mit

Stehen zu tun hat, für Sie noch lange möglich

ist.

A.R.: Sie sind gegen die modernen Medien,

da kann ich nichts machen.

T.R.: Nein, bin ich nicht. Ich wünsche

Ihnen einfach noch viel Zeit zum Malen.

Nochmals auf die Fotografie zurückkommend:

Sie haben in der Fotografie lange

Zeit mit Ihrer eigenen Person gearbeitet,

die eigene Person als Motiv.

A.R.: Gleichzeitig war ich auch Darsteller.

T.R.: Also auch das Experimentierfeld

von gestischen oder auch psychischen

Situationen …

A.R.: ... und mimischen Situationen. Es

sind tausende Fotos von mir gemacht worden,

entweder selbst aufgenommen, jedes

100. ist dann nur genommen worden, oder

eben durch einen Fotografen. Das war aber

nicht eine Beschäftigung mit der eigenen

Person, sondern mit den Möglichkeiten

des Ausdrucks durch Mimik, durch die

Nervenstränge und so weiter.

T.R.: Es ist nicht um die Identität der eigenen

Person gegangen?

A.R.: Wenn es um die Identität geht, dann

haben Sie immer ein soziales Gesicht. Das

ist ja ein Blödsinn, das ist fad, aber es gibt

Künstler, die so arbeiten.

T.R.: Also der Körper und das Gesicht als

mögliches Ausdrucksmittel?

A.R.: Als Ausdrucksmedium, ja. Die

Fotografie dokumentiert das.

T.R.: Dann haben Sie ja auch eine Serie

mit Totenmasken gemacht. Bei den

Totenmasken ist die Präsenz des Todes

doch ganz real. Ist die Auseinandersetzung

mit dem Tod ein wesentliches Element in

dieser Serie?

A.R.: In meinem Alter muss man sich

damit auseinandersetzen. Ja, da bereitet

man sich halt vor. Sie müssen planen:

Wer macht Ihre Totenmaske? Wer macht

das Totenfoto? Wie kann ich das machen?

Wie kann man als Lebender von sich eine

Maske mit schon geschlossenen Augen

machen und die dann bemalen? Und die

Leute wundern sich dann: Nachdem er

schon tot war, hat er das noch bemalt. Das

ist eine Problematik, sehr widerspruchsvoll,

aber der Künstler muss sich eben mit

Widersprüchen auseinandersetzen.

T.R.: Ja, aber die Arbeiten mit diesen

Totenmasken, das war ja schon in den 70er

Jahren, wo Sie damit begonnen haben.

A.R.: Ja, ich habe mein eigenes Gesicht

nicht mehr sehen können durch die

Selbstdarstellungen. Da habe ich gesagt:

Ich möchte etwas anderes - den friedvoll

Ruhenden. Und Modell habe ich keines

gefunden, das wirklich eine so friedvolle

Ruhe ausstrahlen könnte. Es ist sehr schwer,

so jemanden zu finden. Jetzt habe ich mir

gedacht: Ich nehme einfach die Totenmasken,

die sind auf jeden Fall entspannt, die haben

einen entspannten Ausdruck.

T.R.: Ich habe mich in der letzten Zeit

auseinandergesetzt mit Menschen, die im

Schlaf- oder Traumzustand fotografiert

sind. Das hat vielleicht eine Parallelität zu

Ihren Totenmasken, wo es auch um den

Wesensausdruck geht und die aktuelle

Gestik oder Mimik ganz wegfällt. Es ist ein

Moment in einem entspannten, oder man

kann auch sagen, herausgenommenen

Zustand.

A.R.: Da sind Sie Spezialist

für Schlafende, für Fotos von

Schlafenden geworden. Das

gibt es noch nicht, da machen

Sie ein Buch darüber, das wäre

wirklich eine gute Idee. Nur

ob die Schlafenden Sie immer

eintreten und davonschleichen

lassen?

T.R.: Ich fotografiere ja nicht.

Ich mache das mit Foundage-

Material.

A.R.: Ach so, es gibt aber sehr

wenig gutes Material. Also ich

rate Ihnen lieber, nehmen Sie

sich ein Modell und leben Sie

mit dem Modell zusammen.

Wenn es dann schläft, wenn es

dann genügend Vertrauen hat,

dass es neben Ihnen schläft,

dann fotografieren Sie es. Das

ist ein viel kürzerer Weg. Es

gibt sehr wenige Schlafende,

Fotos von Schlafenden, sehr,

sehr wenig. Und dann weiß

man nicht, ob es nicht gestellt

ist. Gestellte Fotos gibt es

natürlich genug, aber wirklich

Schlafende? Oder Sie nehmen

sich eine Fotografin, und Sie

erlauben ihr, wenn Sie schlafen,

dass sie Aufnahmen von

Ihnen macht, das ist auch möglich.

Aber in dem Moment, wo

sie zu laut ist und Sie aufweckt,

gilt es schon nicht mehr.

Andrea Baczynski: Aber das ist

sehr schwierig, ganz leise zu

sein. Es macht immer Klack.

A.R.: Das ist gar nicht schwierig.

Man muss einfach leise

sein und muss in der Nacht aufstehen.

Das Schwierigste sind

immer die Lichtverhältnisse,

da wird nicht viel Licht sein.

Da muss man mit einer langen

Belichtung arbeiten,

sonst werden Sie aufgeweckt.

Und ich sage Ihnen: Nach ein

paar Wochen haben Sie sich schon daran

gewöhnt, da können Sie dann ...

T.R.: ... ständig fotografiert werden. Ich aber

bin in der Position, dass ich sage, dass im

Grunde genommen alles schon abgelichtet

worden ist.

A.R.: Überhaupt nicht. Überhaupt nicht.

T.R.: Oh ja, die Welt ist schon so abgelichtet.

A.R.: So viel gibt es noch. So viel gibt es

noch zu entdecken. Wenn Sie nicht etwas

finden, dann dürfen Sie nicht fotografieren,

wenn Ihnen nicht etwas einfällt.

T.R.: Es gibt einen unglaublichen Fundus

an Fotomaterial, auf den man als Künstler

zurückgreifen kann.

A.R.: Es gibt so viel, das nicht fotografiert

worden ist. Fotografie hat noch viele

Möglichkeiten.

T.R.: Ich danke für das Interview, es war

sehr interessant.

A.R.: Es war ausführlich.

A.B.: Das ist doch alles gute Substanz

gewesen.

Arnulf Rainer in seinem Wiener Atelier

Wie sich etwa der Traum im Tiefschlaf fortsetzt, so

ist die Übermalung die Entwicklung dieses Selbstgesprächs

in ein Schweigen. Ein kommunizierbares, denn

sonst würden mir andere nicht vor allem jene Bilder

entreißen, welche ich aus reiner Selbstkommunikation

schaffe, und von denen ich hoffe, sie eines Tages zum

Ausdruck einer gänzlichen Ruhe führen zu können,

eben jenes Tiefschlafs oder pränataler Geborgenheit oder

ewigen Friedens oder wie immer man das nennt.

Arnulf Rainer, Textauszug aus „Das ganz dunkle Bild“,

Hirndrang, Verlag Galerie Welz Salzburg, 1980

Es hat mehrere Begegnungen mit Arnulf Rainer gegeben. Andrea

Baczynski und ich trafen Rainer in Wien und an seinem Wohnsitz

im Innviertel, OÖ. In diesem Zuge ist ein Fotoessay von Andrea

Baczynski entstanden.

Diese Fotos dienten Arnulf Rainer als Grundlage für seine

neuen Parafotografien. Ganz aktuell entstanden sind

sie teilweise im ST/A/R erstveröffentlicht – Cover und

Doppelseite. Die Doppelseite zeigt die aktuelle ST/A/R

Edition 05 von Arnulf Rainer.

Parafotografie * **

*Parafotografie

Foto: Andrea Baczynski, © 2006


16 ST/A/R

Buch II - Arnulf Rainer

Nr. 11/2006

Foto: Andrea Baczynski

ARNULF RAINER

18. Oktober – 22. November

Di–Fr 12h bis 18h · Sa 10h bis 13h

Wien 1010 · Opernring 21

Telephon: (01) 587 1226 · Fax.: (01) 587 2199


ST/A/R Buch III - Aktuelle Kunst

Nr. 11/2006 23

Museumsschau von Thomas Sturm in Brasilien

Ausstellung: As Lágrimas de Eros* (August/September 2006)

Museo de arte Sacra in Belém, Pará, Brasil

Bacu (Bachus), Acryl auf Leinwand, 40cm x 50cm, 2006

Im aktuellen Diskursfeld über das Verhältnis

von Malerei und Fotografie markiert der

österreichischer Künstler Thomas Sturm eine

Position, die sich zwar schlüssig auf gegenwärtige

Rezeptionsansätze wie Realismus und Figuration

beziehen lässt, allerdings auch in einem sehr

spezifischen Entwicklungszusammenhang gesehen

werden muss.

Damit ist sowohl die Langfristigkeit seiner

entsprechenden Formulierungen als auch die

Grundlage der Ikonografie seiner Bilder gemeint.

Beide Aspekte definieren Sturm als einen Maler, der

schon seit den frühen 1990er Jahren Fragen nach der

eigenen Identität und der persönlichen Erinnerung

in einem medial geprägten Spiegel der Malerei

formulierte.

Das bisherige Oeuvre des nunmehr in Berlin

lebenden Künstlers charakterisiert sich als eine dichte

Abfolge von Zyklen, Serien und Einzelbildern, die

bei aller stilistischer Eigenheit vom Künstler immer

auf den Aspekt des Bildgegenstandes fokussiert

sind. Sturm hat es dabei in den letzten fünfzehn

Jahren geschafft, sich ein technisches Repertoire zu

erschließen, das sämtliche Verhältnismöglichkeiten

zwischen Malerei und Fotografie für das jeweilige

ikonografische Anliegen optimal nützen kann.

In diesem Sinne ist das bisherige Werk auch von

keinem progredierenden Entwicklungsmodell

gekennzeichnet. Techniken werden verschiedentlich

eingesetzt, zurückgestellt, neu aufgegriffen und in

der Versuchsanordnung Malerei analysiert. Hieraus

resultieren Bilder, die die Malerei immer auch als

eine Metaebene in der Bearbeitung von Wirklichkeit

vermitteln. Realitätsfragmente bezeugen Individuelle

und kollektive Bezüge zu einer Welt, der sich Sturm

mit ganz unterschiedlichen Aufmerksamkeiten stellt.

Thomas Sturm ist der Maler seiner Bilder. Damit

ist vor allem ein Hinweis auf das hohe Maß der

Authentizität in der bisherigen Werkgeschichte

gemeint. Abseits einer romantischen Beschwörung

von „inneren“ Bildern steht jede Werkgruppe

in unmittelbarem Zusammenhang mit seiner

Persönlichkeit.

Die Bilder vermitteln Sehnsüchte, Träume und

Ängste, die zwischen lustvollen und obsessiven

Gedanken durchgespielt werden. So ergibt sich

eine Bildwelt, die von Thomas Sturm vieles erzählt,

ohne etwas zu verraten. Gerade dieses Wechselspiel

macht seine Arbeiten so spannend und vielschichtig

und positioniert sie als einen souveränen und

international orientierten Beitrag der österreichischen

Gegenwartskunst.

Martin Hochleitner, 2006

Textauszug aus „Der Maler und seine Bilder - Zum

Begriff der Malerei im Werk Thomas Sturms“

Thomas Sturm

Geboren 1967 in Gmunden/ Österreich

Lebt in Berlin & Gmunden

Studium an der Kunstuniversität Linz,

Zahlreiche Einzel- und

Gruppenausstellungen im

internationalen Raum

* Die Ausstellung ist benannt nach dem

gleichnamigen Buch „Die Tränen des Eros“

von Georges Bataille

www.thomas-sturm.at

Die Tränen

Birthday present, Wachsskulpturen mit Acryl,

H 40cm, 2006

VER, Leinwände auf Fototapete, 340cm x 380cm, 2006

Kunst.Messe.Linz.2006

Landesgalerie Linz

2 5.- 26. N o v e m b e r 2 0 0 6

Skulptur + Junge Kunst Galerie 422 _ artmark Galerie _ Galerie Brunnhofer _ Galerie

Eder _ Galerie Figl _ Künstlergilde Salzkammergut/Kammerhofgalerie Gmunden

Künstlervereinigung MAERZ _ Oberösterreichischer Kunstverein _ Kunstverein Fa.

Paradigma _ Galerie Pehböck _ Galerie Rytmogram _ Galerie in der Schmiede

Galerie Thiele _ Galerie Zauner zu Gast: Think Tank-Ausstellung „Place(s)“, 2006


24 Nr. 11/2006

Buch III - Aktuelle Kunst

ST/A/R

Ed Templeton, Dildo on Desk, 2002

Courtesy der Künstler/the artist und/and Roberts & Tilton, Los Angeles

AMERICANS

MEISTERWERKE AMERIKANISCHER FOTOGRAFIE VON 1940 BIS HEUTE

03|11|06 – 04|02|07

Teilnehmende KünstlerInnen:

Diane Arbus|Richard Avedon|Larry Clark|Bruce Davidson|Robert Frank|Lee Friedlander|Peter Hujar|Helen Levitt|Ryan McGinley|Gordon Parks|Rosalind Solomon|Ed Templeton|Burk Uzzle

Museumsplatz 1, im

, A-1070 Wien | Tägl 10–19 Uhr, Do 10–22 Uhr | Infoline +43-1-52189-33 | www.kunsthallewien.at


ST/A/R

Buch IV - Extended Play Positions / Edited by Elisabeth Penker

Nr. 11/2006

25

POST-AUTONOMY / DAVID GOLDENBERG

6th Sharjah International Biennale, Sharjah

David Goldenberg and Wim Salki “How to be a perfect guest”, UAE, 2003

With “How to be a perfect guest” the artists intend to generate interactions and creative responses. The huge inflated

“sofa-stairs” are complemented by an office with computers, where the visitors can interact with artists and thinkers

from around the world. These send in material and thoughts via e-mail about how it would be possible to re-invent art

nowadays. The responses can be printed out, put on the wall or taken by the participants.

The artists are assisted by a group of art students from Sharjah.

Symposium on post-autonomy by David

Goldenberg at Tate Modern London

The current stage in PA

Now that the term post-autonomy is clearly embedded, with a brief history, it is now

possible to begin to chart both forwards and backwards the actual implications and

traces of what belongs to this notion post-autonomy.

However, the current stage of development in understanding PA is focused in on

the development of the domain of PA as an actual, concrete space, as opposed to

examining the sources leading up to PA, the problematisation of the term PA or its

theorisation. While the current understanding of this space of PA, is as a completely

new model of art that breaks with the Euro-centric tradition of art. The current platform

for its formation is on the PA website chat room that encourages human-to-human

discussion and free exchange of information. This text is intended to chart this current

thinking.

A brief introduction

I became interested in the notion of post-autonomy from 1998. And between 98 until

approx 03/04 much of my practice consisted in thinking through what is PA, and

whether PA existed as more than a term, vague theory, or something tangible enough

to commit substantial time and effort to realising.

The notion of PA is difficult and requires considerable effort to open up, since there is

a resistance to working with the notion.

While the notion of PA taps into a recent tradition - that includes the theorists Lingner,

Luhmann and Ranciere - which problematizes and questions the "body of the Eurocentric

tradition of art." My understanding of this tradition is that now that a particular

historical moment is complete Vis a Vis the shape of art through the development of

its autonomy, it is now possible to evaluate this body. What these theorists share, is

a dissatisfaction with the trajectory of this Euro-centric tradition, and a need to look at

inventing different possibilities and trajectories. I therefore understand post-autonomy

to occupy this space outside the completion of this historical moment of a Euro-centric

tradition of art that allows us to free up a space for these different possibilities.

What PA therefore introduces is a possibility of developing a complete understanding

of a model of art through "constructing another model" - (without contradicting myself,

the overall shape or available map of the European Global art industry remains

invisible) - with the possibility of fundamental change. This takes us beyond the cul de

sac and defeatism of much recent institutional critique and critical practices.

As a notion the term is ambiguous but an ambiguity that allows movement. Not only

does the term suggest the possibility of exiting whatever it is we understand as a

tradition built on Autonomy, but also the completion of whatever it is we understand

as Autonomy. Further more the term suggests not only the possibility that we no

long have Autonomy, or even a forgetting of what Autonomy is, with the possibility of

rethinking Autonomy or thinking about another notion or fundamental term to replace

Autonomy. Whatever PA implies, what is clear is the suggestion that we are now offered

the possibility of a fundamental rethinking of a contemporary cultural practice, using

or rejecting what we require from the current model to build another model, in other

words, it suggests that we build a new model on our own terms?

A Year of festivities to celebrate the launch of the era of post-autonomy

In the summer of 2005 I announced the beginning of a year of festivities to launch the

era of post-autonomy.

The announcement signalled a shift in working with post-autonomy, instead of "thinking

about PA" there was now a tangible break with the old model and celebration of entry

into another moment, the era and domain of PA.

Up to this point many of the projects were word based. The notion of PA, its shape,

space, understanding was composed out of language and made up of words, a mental

construct or abstraction that bore very little relationship to the existing context -

These works or activities took the form of lecture performances or text as art works

- concerned with fleshing out the theoretical space of post-autonomy and articulating

basic questions about the make up of that space - What is post-autonomy? Is postautonomy

an actual practice? Is post autonomy an actual term we can go onto use?

It is important to realise that the use of text and language could be seen to be more

than words on paper or a theorization of a practice. It could be seen as an actual

process of dematerialisation of the physical attributes we associate with the tradition

of European art. In other words, the use of language could be seen as a process

of "stripping away" the current tradition of the Euro-centric tradition of art back to

a point where it is possible to begin rethinking and rebuilding a new model. Then it

is a question of asking how far back do we need to go in order to begin building a

new model? So not only are we faced with the question of asking how far back do

we need to go, we are also faced with speculating on how do we actually build a new

model. If we propose to speculate on breaking with a Euro-centric model of art we are

also confronted with the problem that no new model has been constructed since the

invention of the tradition of a Euro-centric art in the 18th century.

But then it occurred to me that this process could be taken much further, where it is

possible to go beyond the existing use of language, to test out the very thinking we

embody to understand and shape art. So many of the activities and events between

05-06 can be seen to be preoccupied with this "process of stripping away thinking and

practices linked to the European tradition" whether these activities take the form of

walks, discussions, on-line activities, 48 hr wakes - activities preoccupied with locating

gaps to work in or actions staging the forgetting of ideas.

Nevertheless, the thorny problem remains, how do we know if post-autonomy

constitutes an actual term? How do we know whether it constitutes a real practice?


26 Nr. 11/2006

Buch IV - Extended Play Positions EP

ST/A/R

the future once the model of a Euro-Centric tradition is completed and

finished, decoupled from Western Expansionism, but reformulated

against the backdrop of the Global.

We tend to forget that the existing system of Euro-centric art is

relatively young, but having said that, is this system or model the

best model we require at this point in time? Is there a possibility of

developing a completely different model or even improving on this

model? With the series of projects titled post-autonomy I have staged

"thought experiment's" that has sought to speculate on embodying just

such a new model.

So the critics of PA have posed the wrong question, which they have

posed in terms of a continuity and repetition of a Euro-centric tradition

- i.e. "What does a post autonomous practice look like?" And, "what

is the relationship between post-autonomy and the tradition of a Eurocentric

art tradition?" This is just a sign of a lack of nerve, a means of

closing down the argument and potential of PA.

Now that the construction of PA appears to have travelled beyond its

beginning we now need to ask how do we actually use PA?

The launch of the 2nd PA website and publication of the first PA reader.

How do we decide whether the time is ready for post-autonomy to start? If we are

truthful there is of course no way of knowing, all we need to do is to decide it is time

to start, and simply begin. There requires a commitment to entering and working

solely with the issues and domain of post-autonomy (in that respect there is a close

association with the thinking and spirit of Spinoza)

With that in mind, the announcement to begin the era of post -autonomy allowed the

possibility to cross over an invisible threshold into a mental space occupying the actual

space of post-autonomy.

This moment of entering into the domain of post-autonomy triggered off several

processes. If we go along with the idea that post-autonomy concerns itself with the

process of locating a point to start to rethink and reinvent a practice, then the actual

material, which made a particular sense within the context of a European tradition,

suggests a different sense within this new domain, particularly the relationship

between text, thinking, practice or non-practice.

Once we enter into that space or domain, what is that space we have entered? How

do we recognise what is there and navigate around it? If we break with the thinking,

language and logic of a Euro-centric tradition what logic do we resort to make this

space understandable? If we enter the domain or space of PA what we are faced with

is a tangible sense of disorientation, which is perfectly natural. We have entered and

started the process of orientating ourselves, we are looking for the language or tools

to navigate ourselves in that space to start to recognise attributes to build up that

domain.

Post-Autonomy website - http://www.postautonomy.co.uk/blog

In March I launched the second website dedicated to PA, with the assistance of Stefan

Beck. The website functions as a space to collect texts useful to understanding PA,

and a space for regular on-line long distance discussions speculating on building

PA around the notion of participation and communication. To date there have been

discussions with the Gao brothers, Basekamp, Ccred, Interactingarts, Verena kuni,

aihpaf. And extensive on-going detailed discussions on the formation of developing an

understanding of PA.

www.postautonomy.co.uk

Post-Autonomy reader

In October the first Reader on PA was published, and offers a useful cross section of

the various platforms where discussions and writings on PA have taken place during

these early stages in the formation of PA. With excerpts from the PA chat room,

interactingarts wiki page, and specially commissioned essays etc. With texts by David

Goldenberg, Stefan Beck, Miss Gunst, Aahron, Detlev Fischer, Michael Lingner, Kurd

Alsleben.

If we take that further, if we start to look at the possibility of a break, by building a

completely new model, then not only do we need to rethink the idea of continuity and

repetition with the former model of a Euro-centric tradition of art, it is necessary to

think about the notion of work. If the notion of before and after i.e. repetition and

continuity, and relationship of text to practice ceases, and we are in the moment of

building a new model then the logic of what constitutes an idea of a work within this

context breaks down, or rather is premature, since the process of building that new

model is still in progress. The process of building and thinking through that new model

is the work.

Linking post-autonomy with the development of a new model of art

Once we move onto recognizing and accepting post-autonomy as an actual term and

theoretical space, how do we then go onto test out claims for post-autonomy in actual

concrete terms? If post -autonomy is to exist within the real world in competition with

the art industry, and against the context of the socio-political world, what form is postautonomy

to assume in that world?

So far the notion of post-autonomy has been paired or equated with developing a

new model. That directly addresses the apparent problems posed by Globalisation

and the role a Euro-centric practice is seen to play within that process, in so far that

European art is part of the process of spreading European values and life styles. These

problems have been recognised for quite sometime but so far no one has sought to

find a solution. If that is the case maybe we need to find our own solutions, in other

words, artists need to take an active moral responsibility for their own practice. So

the development of this new model we speculate to be equivalent to taking place in

David Goldenberg “Jump into deep water”, Shedhalle,

Zurich, Switzerland, 2006

David Goldenberg, Lives and works in London, UK

David Goldenberg has been active as an artist on the international scene since the early 1990's. Exhibitions include among others: Century City, Tate Modern,

London, UK; Open congress, Tate Britain, London, Uk; Superstore, Laurie Genilliard, London, UK; Charlie's Place, Annely Juda, London, UK; Miniatures, Milch & the

agency, London, UK; Curating post-institutions, ICA, London, UK; Dive into deep water, Shedhalle, Zurich, Switzerland; 6th Sharjah International Biennial, Sharjah,

UAE; Out of space, Kolnischer kunstverein, Koln, Germany; Host, Tramway, Glasgow, Scotland. Fordham gallery at Netwerk vzw/centrum voor hedendaagse kunst.

Aalast, Belguim; Les Marveilles du Monde, Museum of Fine art, Dunkurque, France; STRUKTUR, artist:network, New York, NY, USA; Copy-fight, Centre d'Art Santa

Monica, Barcelona, Spain; Anthology of art, Kunst und Austelungshalle der Bundersrepublik Deutschland, Bonn, Germany; CDZ, Reingunggesellschaft Halle fuer

kunst Reichenbachstr 2, Luenenburg, Germany; Soft logics, Kuenstlehaus, Stuttgart, Germany; Flexplek, Begone grond, Utrecht, The Nederlands.

David Goldenberg (center) and Wim Salki (left)

with students, 6th Sharjah Biennale.

Work can be found in the following publications: Post Autonomy, Gutleut Verlag; New media in late 20th Century, Thames & Hudson; Installation art, Thames &

Hudson; 100 reviews backwards, Pub Alberta press; Netwerk annual; 6th Sharjah International Biennial; Art Anthology, Du Mont Literatur und kunst verlag, Cologne;

Team Compendium, Pub Kellner; Whose afraid of red, white and blue; Pub Article Press; White Window: shared work, Pub KIAD.


ST/A/R

Buch IV - Extended Play Positions EP

Nr. 11/2006 27

Die Künstlerin und Theoretikerin Irene Lucas Ferrandez lebt in Wien, Alicante und Maastricht. In ihrer Dissertation “Supervision of

Paradise” formuliert sie alternative Formate in visual criticism als Ausstellungskonzept um die soziokulturelle und ökologische Realität des

Residentialtourismus an der Costa Blanca(Südspanien). Seit 2006 ist sie “Theory Research Fellow” an der Jan van Eyck Academy in Maastricht,

in Zusammenarbeit mit dem Forschungsprojekt „Woman culturing migrating Strategies“ der Gruppe FO/GO LAB.

Ausstellungen 2006: Supervision of Paradise, fabrics on new European communities, Ojo Atomico, Madrid; Movilities FO/GO lab, Künstlerhaus

Stuttgart; Vortrag an der Akademie der bild. Künste, Wien; Vortrag an der JVE Academy Maastricht.

ilucas@gmx.at

Reference Material, La Voz Eco by Irene Lucas in [fem.] ADDITIVES edited by FO/ GO lab, Vienna 2006


ST/A/R Buch IV - Extended Play Positions EP Nr. 11/2006 29

Bildteil.verortet

Medien und die Spatialisierung sozialer Handlungen

kuratiert von gangart

Zentralsparkasse Favoriten, 8.–10. Juni 2006

Medienwerkstatt Wien

in Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst Wien / Medientheorie

Bildteil zur Sozialen Sicherheit: Arbeit und die Logik der Logistik

mit Sergio Bologna, Laura Horelli, Dariusz Kowalski, Kamen Stoyanov, Vanessa Redak

Bildteil zu Auswärtigen Angelegenheiten: Medienterritorium Nahost

mit Rashid Masharawi, Thomas Edlinger, Stefanie Wuschitz, Dana Charkasi

Bildteil zu Inneren Angelegenheiten: Aneignung / Enteignung

mit Manfred Neuwirth, Elisabeth Guggenberger/Helmut Voitl, Cornelia Kogoj, Gerda Lampalzer

Die Geographie der industriellen Formationen wird sukzessive von einer anders konnotierten überlagert, der Geographie der

Infrastrukturen, des Verkehrs, des Handels, des Tourismus. Sie erfasst auch die Verschiebung zweier ihrer konstitutiven

Komponenten. Einerseits verändert sich in Folge von neuen Arbeits- und Produktionsbedingungen die Raum/Zeit-

Wahrnehmung, da die private die (präkarisierte) Arbeitssphäre absorbiert; und andererseits generiert die globale

Ökonomisierung räumlicher Ressourcen eine faktische Transformation des Territoriums, des physischen und gebauten Raumes.

Bildteil.verortet fokussiert mit den vorgestellten Videobeiträgen und Vorträgen auf die Wechselwirkung beider Aspekte, der

Raumwahrnehmung und der Raumproduktion. Medienarbeiten und Diskurs thematisieren, wie Gesellschaften ihre Territorien

hinsichtlich Ökonomie, Sicherheit, Strategie und Lebensunterhalt produzieren und organisieren, und reflektieren die nivellierende

und indifferente Normierung, die Logik der Logistik.

www.gangart.org/bildteilweb/bildteiltitel.htm www.medienwerkstatt-wien.at www.dieangewandte.at/bildendeundmedialekunst/medientheorie image: gangart, intervention on found xerocopy


30 Nr. 11/2006

G A L E R I E N

MUSEEN / INSTITUTIONEN

Ö S T E R R E I C H

P R O G R A M M

S E P - D E Z . 2 0 0 6

WIEN

01 ARCH & ART GALERIE PALINA

Lange Gasse 4/2, 1080 Wien

T: 01/4089453, mobil: 0664/6447858, F: 01/4089453

palina@gmx.net, www.arch.art.galerie-palina.at

Mo - Fr 14 - 19 Uhr und nach Vereinbarung

Sep - Dez Programm auf Anfrage

02 GALERIE ARIADNE

Fleischmanngasse 1, 1040 Wien

T: 0664/876 54 69

galerie@ariadne.at, www.ariadne.at

- 23 Sep Beatrice Dettmann. forêt de la dame

26 Sep - 21 Okt Loui Janelle

24 Okt - 18 Nov Göltl, Zauner, Franke, Helmerdig, Seyerlein

21 Nov - 23 Dez Künstler der Galerie

03 GALERIE ART FLOW

Greinergasse 21/5, 1190 Wien

T + F: 01/ 3784042

hetzer.maria@aon.at

Sep

Galerie geschlossen

02 Okt - 30 Nov Innen und Außen in Bildern

04 ARTMARK GALERIE

Singerstraße 17,Eing. Grünangergasse, 1010 Wien

T: 01/512 98 80, F: 01/ 512 98 80 4

wien@artmark.at, www. artmark.at

Di - Fr 12 - 18, Sa 11- 14 Uhr u. auf Anfrage unter 0664/3948295

14 Sep - 07 Okt Heinz Göbel, Hermann Kremsmayer

12 Okt - 09 Nov Franco Ionda, Joseph Heer

16 Nov - 22 Dez A. Marchetti-Lamera, S. Emmelmann, M. Hartnagl, N. Kajiura, S.Osterider

05 ARTOTHEK-GALERIE

Schönlaterngasse 7a, 1010 Wien

T: 01/512 94 76

info@artothek-galerie.at, www.artothek-galerie.at

Di + Mi 12 - 18, Do 10 - 20, Fr 10 - 18 Uhr

05 Sep - 05 Okt Amina Broggi. Die Gefallenen

10 Okt - 09 Nov Kamen Stoyanov. Places where the world breaks away

14 Nov - 14 Dez Nikola Hansalik

06 GALERIE ATRIUM ED ARTE

Lerchenfelderstraße 31, 1070 Wien

T: 01/522 87 38, F: 01/522 87 384

office@atrium-ed-arte.at, www.atrium-ed-arte.at

Di - Fr 14 - 18:30, Sa 11 - 14 Uhr

09 Sep - 16 Dez Miriam Schünke. Terror totale - ein Wüstenstück

29 Sep - 04 Nov «und +»-Küstlerbücher des Buches «und» der KünstlerInnen und AutorInnen

der Galerie

07 GALERIE AUGUSTIN

Lugeck 3, 1010 Wien

T: 01/512 62 70. mobil: 0676/7000 482, F: 01/512 62 70

galerieaugustin-wien@aon.at, www.galerie-augustin.com

Di - Fr 11 - 13, 14 - 19, Sa 11 - 15 Uhr

13 Sep - 07 Okt Walter Strobl. stadt / still - leben

13 Okt - 04 Nov Patricia Karg. Vitale Farbigkeit in Bild, Skulptur und Glas

08 Nov - 02 Dez Prof.Max Spielmann (1906-1984). Ein Leben für die Kunst - zum 100.Geburtstag

08 GALERIE BEI DER ALBERTINA, ZETTER

Lobkowitzplatz 1, 1010 Wien

T: 01/513 14 16, F: 01/513 76 74

zetter@galerie-albertina.at, www.galerie-albertina.at

Mo - Fr 10 - 18, Sa 10 - 13 Uhr

22 Sep - 12 Okt Malerei-Bildhauerei-Design

20 Okt - 31 Jan Kiki Kogelnik. stricty Kiki perfectly Kogelnik

09 BETRIEBSRAUM GALERIE

Grünangergasse 1, 1010 Wien

T: 01/513 6996, 0676/ 6060700

betriebsraum@gmx.net, www.betriebsraum.net

tägl. 10 - 20 Uhr

01 Sep - 13 Sep Chuen Chu

14 Sep - 10 Okt John White. Artificial Hatch

12 Okt - 08 Nov Renate Lohrmann. Retrospektive

09 Nov - 06 Dez Victor Morrison. Australische Landschaften

07 Dez - 30 Dez Gruppenausstellung diverser Galeriekünstler

10 GALERIE BLEICH-ROSSI

Dominikanerbastei 19, 1010 Wien

T: 01/8901902, F: 01/8901902-15

galerie@bleich-rossi.at, www.bleich-rossi.at

Di - Fr 12 - 18, Sa 11 - 14 u. n. V.

ab 22 Sep: Di - Fr 11 - 18, Sa 11 - 16 Uhr

22 Sep - 11 Nov Mischa Reska

17 Nov - Jan Kalin Lindena

11 RUDOLF BUDJA GALERIE / ARTMOSPHERE WIEN

Freyung 4, Palais Kinsky, 1010 Wien

T: 01/533 98 58, F: 01/533 98 58-28

wien@artmosphere.at, www.artmosphere.at

Di - Fr 11 - 19, Sa 10 - 13 Uhr

Sep - Dez Programm auf Anfrage

12 CHARIM GALERIE

Dorotheergasse 12, 1010 Wien

T: 01/512 09 15, F: 01/512 09 15-50

charim@charimgalerie.at, www.charimgalerie.at

Di - Fr 11 - 18, Sa 11 - 14 Uhr

15 Sep - 11 Nov Ivan Bazak. Huzulen und Tiroler

24 Nov - 17 Jan Lisl Ponger. Beute

13 GALERIE CHOBOT

Domgasse 6, 1010 Wien

T: 01/512 53 32, F: 01/512 20 38

chobot@utanet.at, www.kunstnet.at/chobot

Di - Fr 13 - 18, Sa 11 - 16 Uhr

14 Sep - 25 Okt Bruno Gironcoli - Alfred Hrdlicka u. deren Schüler Herbert Flois, Maria

Bussmann - Ben Siegel

Skulpturen anlässlich 35 Jahre Galerie Chobot

09 Nov - 23 Dez Karl Anton Fleck. Filmmontagen

14 GALERIE HEIKE CURTZE

Seilerstätte 15/16, 1010 Wien

T: 01/5129375, F: 01/ 5134943

heike.curtze@vienna.at, www. kunstnet.at/curtze

Di - Fr 11 - 18, Sa 12 - 14 Uhr

15 Sep - 14 Okt Klaus Pinter. La conquête de l´air / Au goût baroque

24 Okt - Dominique Evrard

Nov - Dez Programm auf Anfrage

15 ENGHOLM ENGELHORN GALERIE

Schleifmühlgasse 3, 1040 Wien

T: 01/585 73 37, F: 01/ 585 73 37 10

office@engholmengelhorn.com, www.engholmengelhorn.com

Di - Fr 13 - 19, Sa 11 - 15 Uhr

15 Sep - 31 Okt Mark Hosking. Disconnected

Nov - Dez Programm auf Anfrage

16 GALERIE WOLFGANG EXNER

Galerie für junge und aktuelle Kunst

Rauhensteingasse 12, 1010 Wien

T: 512 99 17, F: 512 52 65

office@galerie-exner.at, www.galerie-exner.at

Mo - Fr 11 - 18, Sa 11 - 17 Uhr

- 10 Sep 15 Künstler - 50 Exponate. Junger Sommer 2006

14 Sep - 09 Okt Reinhard Blum, Johannes Haider, Claudia Hirtl, Antonio Marra, Zekerya Saribatur.

Reflexionen

14 Okt - 06 Nov Martin Praska. Neue Bilder

09 Nov - 04 Dez Programm auf Anfrage

08 Dez - 08 Jan Adolf Frohner, Karl Hikade, Martha Jungwirth, Josef Mikl, Drago Prelog.

Ausgewählt

17 GALERIE JOHANNES FABER

Brahmsplatz 7, 1040 Wien

T + F: 01/505 75 18

office@jmcfaber.at, www.jmcfaber.at

Di - Fr 14 - 18, Sa 11 - 17 Uhr u. n. tel. V.

16 Sep - 02 Dez Lou Bonin-Tchimoukoff. Flowers & Plants. Photographs 1928/29

09 Dez - 03 Feb Recent Acquisitions. Photographs 1840-2006

18 LUKAS FEICHTNER GALERIE

Seilerstätte 19, 1010 Wien

T: 01/5120910

info@feichtnergallery.com, www.feichtnergallery.com

Di - Fr 10 - 18, Sa 10 - 16 Uhr

15 Sep - 11 Nov Bianca Regl. Picture postcards from a neon

wilderness

24 Nov - 20 Jan Miao Xiaochun, RongRong & Inri, Chi Peng, Muchen & Shao Yinong. another

world

19 GALERIE FRANZKE

Himmelpfortgasse 15 - Innenhof, 1010 Wien

T: 0664/ 112 8042

sabine.franzke@aon.at, www.galeriefranzke.at

Di - Fr 13 - 18, Sa 10 - 15 Uhr

15 Sep - 14 Okt Arnulf Rainer. XXI Rotationen

17 Okt - 25 Nov Cristina Fiorenza. Baku-Detroit Cuts

30 Nov - 13 Jan Programm auf Anfrage

20 GALERIE FREY CONTEMPORARY ART

Gluckgasse 3, 1010 Wien

T+F: 01/ 5138283, mobil: 0664/ 120 4610, 0664/ 2039697

art@galerie-frey.com, www.galerie-frey.com

Mo - Fr 11 - 19, Sa 10 - 16 Uhr

EndeSep - Nov Jens Lorenzen. Neue Arbeiten

Nov - Jan Harald Gangl. Arbeiten 2005-2006

21 GALERIE GABRIEL

Seilerstätte 19, 1010 Wien

T+F: 01/ 512 78 02

info@galerie-gabriel.com

Mo - Fr 10 - 18, Sa 10 - 16 Uhr

14 Sep - 11 Nov Sigmar Polke. Grafik der letzten 10 Jahre

24 Nov - 10 Feb Triptychon (Beuys,Polke,Schnabel,Kounellis etc.)

22 GALERIE GANS

Kirchberggasse 4, 1070 Wien

T+F: 01/ 8959497

office@galerie-gans.at, www.galerie-gans.at

Di - Fr 11 - 18, Sa 11 - 16 Uhr

20 Sep - 25 Okt Lesie De Melo. Spuren

08 Nov - 08 Dez Ulli Wagendorfer. Fotografie

13 Dez - 13 Jan Weihnachtsausstellung

Buch IV - Extended Play Positions EP

23 GALERIE GERERSDORFER

Währinger Straße 12, 1090 Wien

T: 01/3108484

office@gerersdorfer.at, www.gerersdorfer.at

Do - Sa 11 - 20 Uhr

21 Sep - 14 Okt Anna Stangl. Hunde ziehen vorbei

19 Okt - 11 Nov Franz Ringel, Christian Frank. Fieberköpfe

16 Nov - 24 Dez Paul Flora. Neue Zeichungen & Radierungen

24 GALERIE HASLINGER

Gumpendorferstraße 134-136, 1060 Wien

T: 0650/9695197

haslinger@ctr.co.at, www.galerie-haslinger.at

Mo - Fr 14 - 19 Uhr

06 Okt - 06 Nov Magdalena Pfeifer. NaOH + HCL = NaCl + H2O

10 Nov - 30 Dez Franz Wieser. INOX

25 GALERIE ERNST HILGER

Dorotheergasse 5, 1010 Wien

T: 01/512 53 15, F: 01/513 91 26

ernst.hilger@hilger.at, www.hilger.at

Di - Fr 10 - 18, Sa 10 - 16, Do 10 - 20 Uhr

- 30 Sep Erró, Henning, Kolar, Nitsch, Oberhuber, Rotella, Sachs, Staudacher. assemblage

- collage -decollage

05 Okt - 04 Nov Mel Ramos

09 Nov - 09 Dez Eduard Angeli

14 Dez - 21 Jan Programm auf Anfrage

25 HILGER CONTEMPORARY

Dorotheergasse 5, 1010 Wien

T: 01/512 53 15-30, F: 01/512 53 15-32

contemporary@hilger.at, www.hilger.at

Di - Fr 10 - 18, Sa 10 - 16, Do 10 - 20 Uhr

- 30 Sep Ian Burns

05 Okt - 04 Nov Tour, a splice of life - Cape Town to Miami

09 Nov - 09 Dez Massimo Vitali

14 Dez - 21 Jan Daniele Buetti

26 SIEMENS_ARTLAB

Dorotheergasse 12, 1010 Wien

T: 01/512 53 15 30, F: 01/ 513 91 26

artlab@hilger.at, www.hilger.at

Di - Fr 12 - 18, Sa 10 - 14, Do 12 - 20 Uhr

- 30 Sep Ivana Franke, Saso Vrabic

05 Okt - 04 Nov Nobuhiko Numazaki & Valentin Hirsch

09 Nov - 09 Dez Coelestin Engels & Roland Fritz

27 GALERIE HIMMELPFORTE

Himmelpfortgasse 17, 1010 Wien

T: 01/513 97 01, F: 01/513 97 01 20

s.i@h17.at, www.galeriehimmelpforte.at

Di - Do 11 - 18, Sa 11 - 14 Uhr

Sep - Dez Programm auf Anfrage

28 GALERIE HOFSTÄTTER

Bräunerstraße 7, 1010 Wien

T: 01/512 32 55, F: 01/512 16 6

office@galerie-hofstaetter.com, www.galerie-hofstaetter.com

Di- Fr 11 - 18, Sa 10 - 14 Uhr

- 14 Okt best of... Marc Adrian, Adolf Frohner, Bruno Gironcoli, Franz Hubmann, Otto

Muehl

03 Nov - 23 Dez Marc Adrian. dreaming doll - magic doll

29 GALERIE HOHENLOHE

Bäckerstraße 3, 1010 Wien

T: 01/512 97 20, F: 01/512 74 19

galerie@galeriehohenlohe.at, www.galeriehohenlohe.at

Mo - Fr 11 - 18 Uhr u. Sa 11- 15 Uhr

12 Sep - 11 Nov Roland Kollnitz

16 Nov - 30 Jan Imogen Stidworthy

30 GALERIE ULRIKE HROBSKY

Grünangergasse 6, 1010 Wien

T: 01/513 76 76, F: 01/513 76 09

galerie@hrobsky.at, www.hrobsky.at

Di, Mi, Fr 13- 18, Do 13 -20, Sa 11 - 15 Uhr od. nach tel..V.: 0676/5183201

14 Sep - 17 Okt Evelyn Gyrcizka, Gerhard Müller

19 Okt - 25 Nov Armin Göhringer. Holzobjekte

02 Dez - 13 Jan Ursula Bohren, Claudio Magoni

31 SHOWROOM GALERIE HROBSKY

Grundsteingasse 40, 1160 Wien

T: 0676/518 32 01

Fr 16 - 19, Sa 12 - 15 Uhr

03 Nov - 30 Nov Andrej Pirrwitz. Fliehende Feen. Fotografie

32 GALERIE ANDREAS HUBER

Capistrangasse 3, 1060 Wien

T + F: 01/586 02 37

art@galerieandreashuber.at, www.galerieandreashuber.at

Di - Fr 14 - 18, Sa 11 - 15 Uhr

13 Sep - 25 Okt Kaucyila Brooke. Vitrinen in Arbeit

Nov - Dez Programm auf Anfrage

33 GALERIE JULIUS HUMMEL

Bäckerstraße 14, 1010 Wien

T: 01/512 12 96, F: 01/512 12 964

galerie.hummel@chello.at

Di - Fr 15 - 18, Sa 10 - 13 Uhr

15 Sep - 07 Okt Künstler der Galerie (Talking heads)

13 Okt - 11 Nov Amedeo Modigliani-Alphabet der Liebe

17 Nov - 30 Dez Ray, Muehl Nitsch, Rainer, Schwarzkogler, Warhol u.a. Das Öffnen und

Schliessen des Mundes

34 GALERIE IG BILDENDE KUNST

Gumpendorfer Straße 10-12, 1060 Wien

T: 01/ 5240909

galerie@igbildendekunst.at, www.igbildendekunst.at

Di - Fr 13 - 18 Uhr

06 Sep - 20 Okt MESSart: S.Lodh, Manmeet; SV Damenkraft: K. Daschner, S.Marte, G.Müller,

C.Nemec. Performance & Practice

24 Nov - 15 Dez Arbeiten der Mitglieder der IG Bildende Kunst

35 GALERIE GRITA INSAM

An der Hülben 3/Seilerstätte, 1010 Wien

T: 01/512 5330, F: 01/512 5330-15

office@galeriegritainsam.at, www.galeriegritainsam.at

Di - Fr 11 - 18, Sa 11 - 16 Uhr

- 05 Sep Ken Lum. Untitled

14 Sep - 14 Nov Denny, Giezendanner GRRR, Gomes, Kawamata, Kintera, Löfdahl, McBride, Rios,

Schneider, Schuster Van Wamerdam. Shift

23 Nov - 06 Jan Lynne Cohen, Candida Höfer

36 GALERIE MARTIN JANDA RAUM AKTUELLER KUNST

Eschenbachgasse 11, 1010 Wien

T: 01/585 73 71, F: 01/585 73 72

galerie@martinjanda.at, www.martinjanda.at

Di - Fr 13 - 18, Sa 11 - 15 Uhr

13 Sep - 14 Okt Lois & Franziska Weinberger

25 Okt - 25 Nov Day by Day

06 Dez - Jan Gregor Zivic

37 GEORG KARGL FINE ARTS

GEORG KARGL BOX

Schleifmühlgasse 5, 1040 Wien

T: 01/585 41 99, F: 01/585 41 999

office@georgkargl.com

Di - Fr 11 - 19, Do 11 - 20, Sa 11 - 15 Uhr

15 Sep - 04 Nov Artschwager, Muehl, Nauman, Richter. Prints & Multiples (Fine Arts)

Nadim Vardag (Box)

09 Nov - 13 Jan Mark Dion (Fine Arts, Andreas Fogarasi (Box)

38 KNOLL GALERIE WIEN

Gumpendorfer Straße 18, 1060 Wien

T: 01/5875052, MOBIL: 0664/1810848, F: 01/5875966

knollgalerie@aon.at, www.kunstnet.at/knoll

Di - Fr 14 - 19, Sa 11 - 15 Uhr

20 Sep - 05 Nov Little Warsaw. Sculptures

08 Nov - 13 Jan Natascha Niktin, Akelei Sell. Photographs

39 CHRISTINE KÖNIG GALERIE

Schleifmühlgasse 1A, 1040 Wien

T: 01/585 74 74, F: 01/585 7474-24

christine.koenig@chello.at, www.artfacts.net/koenig, www.kunstnet.at/koenig

Di - Fr 11 - 19, Sa 11 - 15 Uhr

15 Sep - 04 Nov Constantin Luser. Panoptikum

15 Sep - 04 Nov Fighting Poland - Künstlervideos der Galerie lokal_30, Warschau (Third Room)

10 Nov - 13 Jan Karin Kneffel

40 GALERIE KOSAK HALL

Wiedner Hauptstraße 46, 1040 Wien

T: 01/ 585 2020, F: 01/ 585 2021

office@kosakhall.at, www.kosakhall.at

Mi -Fr 13 - 19, Sa 11 - 16 Uhr

15 Sep - 28 Okt Alexander Petlura

Nov - Dez Programm auf Anfrage

41 GALERIE KRINZINGER

Seilerstätte 16, 1010 Wien

T: 01/5133006 , F: 01/ 5133006 33

galeriekrinzinger@chello.at, www.galerie-krinzinger.at

Di - Fr 12 - 18, Sa 11 - 16 Uhr

14 Sep - 14 Okt Ann-Kristin Hamm. Hot Spring...

Dibbets, Förg, Hersberger, Koether, Krieg, McKenzie, Oehlen, Lasker,

Nattermüller, Owens, Rae, Saul, Zandvliet. ...in Autumn

19 Okt - 18 Nov Valery Koshliakov

23 Nov - 20 Jan Frank Thiel

42 KRINZINGER PROJEKTE

Schottenfeldgasse 45, 1070 Wien

T: 01/512 81 42

krinzingerprojekte@gmx.at, www.galerie-krinzinger.at

Mi - Fr 15 - 19, Sa 11 - 14 Uhr

20 Okt - 22 Dez Exportable Goods. Works from Denmark (Gruppenausstellung)

43 KRO ART GALLERY

Getreidemarkt 15, 1060 Wien

T: 01/5030532, F: 01/ 5872098

office@kroart.at, www.kroart.at

Di - Fr 14 - 19, Sa 11 - 15 Uhr

28 Sep - 03 Nov Giuseppe Spagnulo. der Vulkan

09 Nov - 22 Dez Arturo Carmassi. Was bleibt

44 GALERIE KROBATH WIMMER

Eschenbachgasse 9, 1010 Wien

T: 01/585 74 70, F: 01/585 74 72

galerie@krobathwimmer.at, www.krobathwimmer.at

Di - Fr 13 - 18, Sa 11 - 15 Uhr

13 Sep - 21 Okt Judith Eisler. Anhauchen

25 Okt - 02 Dez Dorit Margreiter

06 Dez - 20 Jan Berta Fischer

45 GALERIE LANG WIEN

Seilerstätte 16, 1010 Wien

T: 01/512 20 19, F: 01/512 20 19 10

glw@netway.at, www.glw.at

Di - Fr 12 - 18

14 Sep - 14 Okt Katja Praschak. Beach Points

17 Okt - 17 Nov Erna Grünseis-Frank. Venedig undsoweiter

23 Nov - 22 Dez Meisterzeichnung VI

46 LAYR:WUESTENHAGEN CONTEMPORARY

An der Hülben 2, 1010 Wien

T: 01/524 54 90, F: 01/523 84 22

office@layrwuestenhagen.com, www.layrwuestenhagen.com

Di - Fr 11- 18, Sa 11 - 16 Uhr

14 Sep - 11 Nov Gruppenausstellung. Elend - Zur Frage der Relevanz von POP in Kunst, Leben u.

öffentlichen Badeanstalten

23 Nov - 20 Jan Andrea Witzmann

layr:wuestenhagen garage: Annelies Oberdanner

47 GALERIE LINDNER

Schmalzhofgasse 13/3, 1060 Wien

T: 01/ 913 44 58, 0676/601 13 22, F: 01/ 913 44 58

galerie.lindner@chello.at, www.galerie-lindner.at

Di - Fr 14 - 18 Uhr

14 Sep - 25 Okt Peter Niedertscheider. Bildzeitraum

09 Nov - 22 Dez Sabine Richter. pradoxa

48 GALERIE MAGNET

Himmelpfortgasse 12, 1010 Wien

T + F: 01/513 10 59

magnet.wien@aon.at

Mo - Fr 10 - 13, 14 - 18, Sa 11 - 14 Uhr

01 Sep - 31 Okt Berg, Boeckl, Kolig, Mahringer u.a. Klassische Moderne

Nov - Dez Programm auf Anfrage

49 GALERIE MARIE-CHRISTIN MARSCHALEK

Amerlinggasse 17, 1060 Wien

T: 01/5813444, 0676/ 3093753, F: 01/581344418

galerie@mc-marschalek.at, www.galerie-mc-marschalek.at

Di - Fr 11 - 18, Sa 11 - 15 Uhr

13 Sep - 14 Okt Iris Flexer. Malerei. Wegzeichen in Raum u. Zeit

25 Okt - 18 Nov Marie-Christin Marschalek. Photographie. Verwirrungen

30 Nov - 23 Dez Verschiedene Künstler der Galerie. Weihnachts-ausstellung mit vielen künstler.

Geschenken

50 MARIO MAURONER CONTEMPORARY ART VIENNA

Weihburggasse 26, 1010 Wien

T: 01/904 2004, F: 01/904 2004 44

office@galerie.mam.com, www.galerie-mam.com

Di - Fr 11 - 19, Sa 11 - 16 Uhr

Sep - Dez Programm auf Anfrage

51 GALERIE MEYER KAINER

Eschenbachgasse 9, 1010 Wien

T: 01/585 72 77, F: 01/585 75 39

info@meyerkainer.com, www.meyerkainer.com

Di - Fr 13 - 18, Sa 11 - 15 Uhr

12 Sep - Ende Okt Marcin Maciejowski

Nov - Dez Jorge Pardo

52 GALERIE MEZZANIN

Getreidemarkt 14 / Ecke Eschenbachgasse, 1010 Wien

T: 01/526 43 56, F: 01/526 91 87

mezzanin@chello.at, www.mezzaningallery.com

Di - Fr 13 - 18, Sa 11 - 15 Uhr

13 Sep - 14 Okt Christina Zurfluh. paintingghosts

25 Okt - Dez Alexander Wolff

53 GALERIE NÄCHST ST. STEPHAN

ROSEMARIE SCHWARZWÄLDER

Grünangergasse 1/2, 1010 Wien

T: 01/512 12 66-0, F: 01/513 43 07

galerie@schwarzwaelder.at

www.schwarzwaelder.at, www.kunstnet.at/st-stephan

Mo - Fr 11 - 18, Sa 11 - 16 Uhr

15 Sep - 04 Nov Adam Adach. Stille Beobachtung

24 Nov - 13 Jan Riss/Lücke/Scharnier A., konzipiert von Heinrich Dunst

54 GALERIE PEITHNER-LICHTENFELS

Sonnenfelsgasse 6, 1010 Wien

T + F: 01/587 37 29, Mobil: 0699/135 737 30

galerie@peithner-lichtenfels.at

www.peithner-lichtenfels.at, www.kunstnet.at/peithner-lichtenfels

Di - Fr 10 - 18, Sa 10 - 16 Uhr

08 Sep - 30 Sep Eva Hradil, Albrecht Zauner

06 Okt - 13 Nov Robert Hammerstiel

17 Nov - 21 Dez Österreichische Kunst auf Papier

55 PROJEKTRAUM VIKTOR BUCHER

Praterstraße 13/1/2, 1020 Wien

T + F: 01/212 69 30

projektraum@sil.at, www.projektraum.at

Di - Do 14 - 19, Fr 10 - 15 Uhr u. n. tel. V.

21 Sep - 20 Okt Benny Dröscher, Mads Gamdrup, Marianne Therese Gronnow, Marie Romer

Westh. Young Art from Denmark

09 Nov - 01 Dez Katia Razumovsky. Monat der Fotografie

56 GALERIE LISA RUYTER

Wiedner Hauptstraße 23-25, 1040 Wien

T: 01/505 61 00, F: 01/505 54 25

info@galerielisaruyter.com, www.galerielisaruyter.com

Di - Fr 13 - 19, Sa 11 - 15 Uhr

Sep - Dez Programm auf Anfrage

57 GABRIELE SENN GALERIE

Schleifmühlgasse 1A, 1040 Wien

T: 01/5852580, F: 01/5852606

galerie.senn@aon.at, www.galeriesenn.at

Di - Fr 13 - 19, Sa 11 - 15 Uhr

15 Sep - 28 Okt Barbara Mungenast

10 Nov - 24 Dez Maria Brunner

58 GALERIE SLAVIK

Himmelpfortgasse 17, 1010 Wien

T: 01/513 48 12, F: 01/5130748

galerie.slavik@vienna.at, www.galerie-slavik.com

Di - Fr 10 - 13, 14 - 18, Sa 10 - 17 Uhr

- 09 Sep Künstler der Galerie. Intern. Schmuckkunst

14 Sep - 14 Okt Kodré, Heindl, Seto, Lippuner. Herbstlese. Japan. Lackobjekte

17 Okt - 11 Nov Heindl, Kodré, Kutschera, Machacek, Rahs, Schmeiser. Österr. Schmuckkunst

14 Nov - 27 Jan Winterreise. Intern. Schmuckkunst

59 GALERIE STEINEK

Eschenbachgasse 4, 1010 Wien

T + F: 01/5128759

galerie@steinek.at, www.galerie.steinek.at

Di - Fr 13 - 18, Sa 11- 15 Uhr

13 Sep - 20 Okt Robert Barry

24 Okt - 02 Dez Ilse Haider

60 GALERIE STEINEK KUNSTHANDEL

Himmelpfortgasse 22, 1010 Wien

T: 06991 9423751

galerie@steinek.at, www.galerie.steinek.at

Di - Fr 14 - 18 Uhr

14 Sep - 14 Okt Franz Ringel. Fieberkopf

61 GALERIE SUPPAN CONTEMPORARY

Habsburgergasse 5, 1010 Wien

T: 01/535 535 4, F: 01/535 535 435

info@suppancontemporary..com, www.suppancontemporary.com

Mo - Fr 10 - 18, Sa 10 - 12.30 Uhr

Sep - Dez Programm auf Anfrage

62 GALERIE ULYSSES

Opernring 21, 1010 Wien

T: 01/587 1226, F: 01/587 2199

ulysses@galerie-ulysses.at, www.kunstnet.at/ulysses

Di - Fr 12 - 18, Sa 10 - 13 Uhr

Sep

Sepp Dreissinger. ...arme poeten & andere seiltänzer

Okt

Arnulf Rainer. Bilder aus drei Jahrzehnten

Nov

Karel Appel. In Memoriam

63 GALERIE V & V

Bauernmarkt 19, 1010 Wien

T: 01/535 63 34, F: 01/810212140

vundv@aon.at, www.kunstnet.at/v+v

Di, Mi 14 - 18.30, Do 14 - 21, Fr, Sa 11 - 18 Uhr u. n. tel. V.

- 13 Sep Karen Pontoppidan. an dich gedacht

15 Sep - 28 Okt Doris Betz. Für Leib u. Seele... Schmuckkunst

02 Nov - 03 Dez Martina Mihulka. Kleider machen Leute

02 Nov - 03 Dez Blanka Sperkova. Drahthüllen

05 Dez - 14 Jan Jahresrückblick 2006

64 GALERIE V & V LINDENGASSE

Lindengasse 5, 1070 Wien

T: 01/535 63 34

Mi - Fr 12.30 - 18.30, Sa 11 - 17 Uhr

Mitte Sep - Lilli Ploskova, Nikolay Sardamov. Lila Pix

65 KUNSTHANDEL WIDDER

Johannesgasse 9-13, 1010 Wien

T + F: 01/512 45 69

office@kunsthandelwidder.com, www.kunsthandelwidder.com

Di - Fr 11 - 18, Sa 10 - 15 Uhr

Sep - Dez Neuerwerbungen

Öle, Aquarelle & Pastelle von Willy Eisenschitz

66 GALERIE HUBERT WINTER

Breite Gasse 17, 1070 Wien

T: 01/524 09 76, F: 01/524 09 769

office@galeriewinter.at, www.galeriewinter.at

Di - Fr 11 - 18, Sa 11 - 14 Uhr

07 Sep - 23 Sep Aoki, Fujimori, Ito, Kuma, Sejima/Nishizawa.

SOBY ō. Skizzen von 6 japan. Architekten

27 Sep - 04 Nov Danica Phelps

08 Nov - 02 Dez Birgit Jürgenssen

07 Dez - Jan Marcia Hafif

67 GALERIE WOLFRUM

Augustinerstraße 10, 1010 Wien

T: 01/512 53 98-15, F: 512 53 98-57

wolfrum@wolfrum.at

Mo - Fr 10 - 18, Sa 10 - 17 Uhr

08 Sep - 07 Okt Mario Dalpra. Neue Arbeiten

Michael Aichhorn (Graph. Kabinett)

13 Okt - 25 Nov Roman Scheidl

Gottfried Salzmann (Graph. Kabinett)

01 Dez - 01 Jan Blaas, Stangl, Farasset, Spira, Schluderbacher

Valentin Oman (Graph. Kabinett)

68 AKADEMIE DER BILDENDEN KÜNSTE WIEN

Schillerplatz 3, 1010 Wien

T: 01/58816-0, F: 01/5877977

info@akbild.ac.at, www.akbild.ac.at

Tägl. 11 - 18

20 Okt - 03 Dez Jutta Koether, Silke Otto-Knapp

Okt - Dez Projekte von Studierenden der Akademie

69 ATELIERHAUS DER AKADEMIE DER BILDENDEN KÜNSTE WIEN

Lehárgasse 8, 1060 Wien

T: 01/58816-0, F: 01/5877977

info@akbild.ac.at, www.akbild.ac.at

Mo - Sa 11 - 18 Uhr

17 Nov - 03 Dez Kuratorenprojekt 2006

70 ARCHITEKTURZENTRUM WIEN

Museumsplatz 1, im MQ, 1070 Wien

T: 01/522 31 15-23, F: 01/522 31 17

office@azw.at, www.azw.at

Tägl. 10 - 19, Mi 10 - 21 Uhr

dauerhaft a_schau. Österr. Architektur im 20.u. 21 Jht.

23 Okt Dominique Perrault Architecture

14 Sep 09 Okt Atlantic Wall. In Beton gegossener Wahn - 12000 deutsche Bunker am Meer

26 Okt 13 Nov Bauherrenpreis 2006

16 Nov - 05 Feb s2arch. 9 Projekte für Johannesburg

71 BA-CA KUNSTFORUM

Freyung 8, 1010 Wien

T: 01/5333726, F: 01/ 5333718

office@ba-ca-kunstforum.at, www.ba-ca-kunstforum.at

Sa - Fr 10 - 19, Fr 10 - 21 Uhr

06 Sep - 05 Nov Markus Lüpertz

15 Nov - 18 Feb Marc Chagall. Meisterwerke 1907-1922

ST/A/R

72 BASEMENT

Grundsteingasse 8/34-35 2.Hof, 1160 Wien

T: 0699/ 19230722, 01/19230722, F: 01/ 9230722

claudia-maria.luenig@chello.at, www.cml-katalyst.com

Mi - Fr 17 - 20, Sa, So 16 - 20 Uhr oder nach Vereinbarung

13 Sep - 01 Okt Fuchs, Blum, Schwertsik, White, Kavdanksa, Iordanova, Bila-Guenther, Wodtcke.

Global fusion - Close up 2006

03 Nov - 25 Nov Aghasyan, Vereschak, Zinets, Grabovan, Bersan, Tsibakhashvili, Lapiashvili,

Osepaishvili, Djekshenbaev, Ratushendko. Transborder_exclusion/inclusion

73 DREIZEHNZWEI

Lambrechtgasse 13/2, 1040 Wien

T: 01/9437181

dreizehnzwei@gmx.net, www.dreizehnzwei.cjb.net

Di, Do, Fr 16.30 - 19, Sa 11.30 - 14 Uhr

22 Sep - 28 Okt Stefan Lux, Katarina Matiasek

Nov - Dez Programm auf Anfrage

74 HOFMOBILIENDEPOT - MÖBEL MUSEUM WIEN

Andreasgasse 7, 1070 Wien

T: 01/ 524 33 57, F: 01/ 524 33 57 -666

info@hofmobiliendepot.at, www.hofmobiliendepot.at

Di - So 10 - 18 Uhr

04 Okt - 07 Jan Zappel, Philipp! Die Welt der Kindermöbel

permanent Sissi im Film - Möbel einer Kaiserin

75 KINDERMUSEUM - SCHLOSS SCHÖNBRUNN ERLEBEN

Schloss Schönbrunn Westtrakt, 1130 Wien

T: 01/ 811 13 239, F: 01/81113-333

reservierung@schoenbrunn.at, www.schoenbrunn.at

Sa, So + Fei 10 - 17 Uhr (Gruppen: Mo - Fr 09 - 13 Uhr u.n.tel.V.)

- 10 Sep Kaiserliche S(z)eitenblicke

16 Sep - 12 Nov Die Baumeister von Schönbrunn

18 Nov - 07 Jan Religion im kaiserlichen Alltag

76 KÜNSTLERHAUS

Karlsplatz 5, 1010 Wien

T: 01/587 96 63, F: 01/587 87 36

office@k-haus.at, www.k-haus.at

Di - So 10 - 18, Do 10 - 21 Uhr

- 17 Sep Bernard Schultze u. Parallelwelten. DeNatura

22 Sep - 29 Okt Lisa Huber, M. Kohler-Heilingsetzer. Tonschnitt

03 Nov - 03 Dez Fotogramme

15 Nov - 14 Dez Peter Sellars. New Crowned Hope

14 Dez - 14 Jan Ona B.

77 KUNSTHALLE EXNERGASSE

Währingerstraße 59/2/1, 1090 Wien

T: 01/4012141, F: 01/4012167

kunsthalle.exnergasse@wuk.at, www.kunsthalle.wuk.at

Di - Fr 14 - 19, Sa 10 - 13 Uhr

07 Sep - 07 Okt Autogena, Friedman, Lulic, Nemes, Pask, Potrc, Ressler, Yang. Strategic

Questions

19 Okt - 18 Nov Becker, Bennett, Bergmann, Grübl, Köpcke, P-Orridge, Red, Roush, Taanila,

Weisser. Ear Appeal

78 KUNSTHALLE WIEN

Museumsplatz 1, 1070 Wien

T: 01/521 89-33, F: 01/521 89-1260

office@kunsthallewien.at, www.kunsthallewien.at

Tägl. 10 - 19, Do 10 -22 Uhr

- 17 Sep Summer of Love. Psychedelische Kunst der 60er Jahre

- 15 Okt Dorothy Iannone, Lee Lozano. Seek the Extremes..

13 Okt - 25 Feb Raymond Pettibon

03 Nov - 04 Feb Americans, Meisterwerke amerikan. Fotografie von 1950 bis heute. Ein kritischer

Blick

79 KUNSTHAUSWIEN

Untere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien

T: 01/712 04 95, F: 01/712 04 96

info@kunsthauswien.com

www.kunsthauswien.com, www.kunsthauswien.at

Tägl. 10 - 19 Uhr

- 01 Okt HR Giger. Giger in Wien

12 Okt - 25 Feb Sante D´Orazio. Photographs

80 KUNSTRAUM NOE

Herrengasse 13, 1014 Wien

T: 01/9042111, F: 01/9042112

office@kunstraum.net, www.kunstraum.net

Di, Mi, Fr 11 - 19, Do 11 - 20, Sa 11 - 15 Uhr

08 Sep - 12 Sep Rainer Prohaska. Local/Food - Restaurant Transformable

06 Okt - 23 Dez Aasan, Breitz, Gröting, Marhöfer, Monk, Nicolai, Schuster, Wieland, Wolff,

Würmell u.a. Klartext Berlin

81 LIECHTENSTEIN MUSEUM. DIE FÜRSTLICHEN SAMMLUNGEN

Fürstengasse 1, 1090 Wien

T: 01/319 57 67-252, F: 01/319 57 67-255

info@liechtensteinmuseum.at, www.liechtensteinmuseum.at

Fr - Mo 10 - 17 Uhr

permanent Die Fürstlichen Sammlungen

17 Nov - 19 Mär Unter dem Vesuv. Kunst u. Künstler vom 17.bis zum 19.Jht. in Neapel und seinem

Umfeld aus der Sammlung Harrach

82 MAK - ÖSTERREICHISCHES MUSEUM FÜR ANGEWANDTE KUNST / GEGENWARTSKUNST

Stubenring 5, 1010 Wien

T: 01/711 36-0, F: 01/7131026

office@MAK.at, www.MAK.at

DI (MAK NITE©) 10-24, Mi-So 10-18, 24.+31 Dez: 10-15 Uhr, 25 Dez geschl.

04 Okt - 21 Jan Tone Fink. Textil

18 Okt - 18 Feb Protypes - Next Generation

25 Okt - 04 Mär Hernan Diaz Alonso. Xefirotarch

08 Nov - 25 Mär Susanne Hammer. Short Stories

15 Nov - 25 Feb Johannes Gachnang als Verleger

22 Nov - 10 Dez 100 besten Plakate 05 Dt.land, A, CH

83 MUMOK, MUSEUM MODERNER KUNST STIFTUNG LUGWIG

Museumsplatz 1, 1070 Wien

T: 01/52500-0, F: 01/52500-1300

info@mumok.at, www.mumok.at

Di - So 10 - 18, Do 10 - 21 Uhr

- 29 Okt Joseph Beuys. Aus der Sammlung des MUMOK

- 26 Nov Review - 25 Jahre Österr. Stiftung Ludwig

20 Okt - 11 Feb Erwin Wurm, Franz Gertsch

15 Dez - 04 Mär Peter Dittmer. Die Amme

15 Dez - 28 Mai Wiener Gruppe, Wr. Aktionismus, Fluxus u. Konzeptkunst aus der Sammlung

84 NAC/HABRES + PARTNER

Hollandstraße 7, 1020 Wien

T: 01/522646533, F: 01/522646566

office@nacpool.at, www.nacpool.at

Di - Fr 15 - 20 u. nach Vereinbarung

projectspace nac/vis-à-vis

Hollandstraße 10, 1020 Wien

T: 01/522646533, F: 01/522646566

office@nacpool.at, www.nacpool.at

Di - Fr 15 - 20 u. nach Vereinbarung

06 Sep - 14 Okt Madga Tothova

21 Sep - 10 Okt 1.Viennabiennale (projectspace)

24 Okt - 25 Nov Carmen Malin

24 Okt - 25 Nov Laura Samaraweerová (projectspace)

29 Nov - 10 Jan Eric M. Kressnig

85 ÖSTERREICHISCHE NATIONALBIBLIOTHEK - PRUNKSAAL

Josefsplatz 1, 1010 Wien

T: 01/534 10 464, F: 01/534 10 257

oeffentlichkeitsarbeit@onb.ac.at, www.onb.ac.at

Di - So 10 - 18, Do 10 - 21 Uhr

- 31 Okt Küchenkunst und Tafelkultur. Kulinarische Zeugnisse aus der Österr.

Nationalbibliothek

01 Dez - 14 Jan Christ ist geboren. Prachthandschriften zum Weihnachtsfest

86 ÖSTERR. NATIONALBIBLIOTHEK IM PALAIS MOLLARD

Herrengasse 9, 1010 Wien

T: 01/534 10 464, F: 01/534 10 257

oeffentlichkeitsarbeit@onb.ac.at, www.onb.ac.at

Mo - Mi, Fr - Sa 10 - 14, Do 15 - 19 Uhr

permanent Globenmuseum, Esperantomuseum

87 ÖSTERR. NATIONALBIBLIOTHEK - PAPYRUSMUSEUM

Heldenplatz, Neue Burg, Mitteltor, 1010 Wien

T: 01/534 10 464, F: 01/534 10 257

oeffentlichkeitsarbeit@onb.ac.at, www.onb.ac.at

Sep: Mo,Mi-Fr 10 - 16 Uhr; Okt-Dez: Mo,Mi-Fr 10 -17 Uhr

- 30 Nov Mit den Griechen zu Tisch in Ägypten

Permanente Ausstellung

88 SECESSION - VEREINIGUNG BILDENDER KÜNSTLERINNEN

Friedrichstr. 12, 1010 Wien

T: 01/587 5307, F: 01/587 5307-34

office@secession.at, www.secession.at

Di - So 10 - 18, Do 10 - 20 Uhr

22 Sep - 12 Nov Julie Ault, Martin Beck. Installation

22 Sep - 12 Nov I-DIRECT ONTOLOGY

24 Nov - 22 Jan Stan Douglas, Judith Hopf, Midori Mitamura

89 STRABAG KUNSTFORUM

Strabag Haus, Donau-City-Straße 9, 1220 Wien

T: 01/224 22 1848, F: 01/224 22 1847

kunstforum@bauholding.at, www.strabag-kunstforum.at

Mo - Do 09 - 17, Fr 09 - 13 Uhr

22 Sep - 13 Okt Drago Persic. Art Award 2/2006

20 Okt - 17 Nov Deborah Sengl. Art Award 3/2006

24 Nov - 19 Jan Sevda Chkoutova. Art Award 4/2006

90 WESTLICHT. SCHAUPLATZ FÜR FOTOGRAFIE

Westbahnstraße 40, 1070 Wien

T: 01/5226636, F: 01/5231308

info@westlicht.com, www.westlicht.com

Di, Mi, Fr 14 - 19, WestLicht Eve© Do 14 - 21, Sa,So, Fei 11- 19 Uhr

12 Sep - 22 Okt World Press Photo 06

07 Nov - 14 Jan Nobuyoshi Araki. Diaries (Love by Leica)


ST/A/R

Buch IV - Extended Play Positions EP

Nr. 11/2006 31

BORN TO BE

A STAR

Bereits im Titel der

Ausstellung Born to be

a Star (2004) wurden

die Ambivalenzen zwischen

der Sehnsucht nach einem

authentischen Subjekt und

dem durch die Medienkultur

forcierten Imagetransfer

aufgegriffen. Der Konzeption

neuer Strategien in der

Auseinandersetzung mit dem

Star- und Individualitätskult

widmet sich die Publikation

Born to be a Star, welche als

weitere Aspekte des Projektes

die Ausstellungsreihe The

Sound of your Eyes (2006)

und Veranstaltungen von

MusikerInnen und PerformerInnen im temporären Projektraum

Star/o/mat in der K/Haus Passagegalerie einbezieht. Die

Publikation funktioniert als Analyse der im Kontext zum Projekt

Born to be a Star aufgeworfenen Themen rund um Starsysteme,

Antistarkult, Genderclash, Popfeminismus, elektronische Sounds,

performative Strategien und prekäre Produktionsbedingungen.

Neue Akzente gegenüber einer für das Identitätsmarketing

durchlässigen Medienrealität geraten in einer Gegenüberstellung

mit dem künstlerischen Authentitzitätsdiskurs ins Spiel.

Spannende Optionen in der Inszenierung und Konstruktion von

Gegenentwürfen zu den in der Pop- und Populärkultur gehypten

Role-Models und Stargenerierungen gelangen durch post- und

popfeministischen Kunstproduktionen zum Zug.

Jutta Koethers Überdenken der Potentiale der Punkperformance

löst komplexe Impulse der Verführung und Konfrontation aus.

Die performativen Strategien in der Selbstinszenierung der Diva

zwischen Femme Fatale und Femme Fragile skizziert Katarina

Matiasek in dem Text über ihre gemeinsam mit dem elektronischen

Soundkünstler Scanner produzierten Soundvideoinstallation

Diva. Auf die Symptome der Post-Star Ära bezieht sich Jutta

Koether in der Textmontage Shirly in der sie sich mit dem

Aspekt des Starwerdens und dessen Wandel befasst. Gabriele

Werner weist auf die möglichen Metaphern für Identitäts- und

Subjektkonstruktionen hin, die durch das Projekt Born to be a

Star angeboten werden. Die Frage: Wie subkulturell ist meine

Körperintelligenz?, stellt die Reality Researcherin Nina Stuhldreher.

Die zunehmende Bedeutung der Intuition im soziokulturellen Feld

wird von Nina Stuhldreher unter anderem zum Ausgangspunkt

ihrer performativen Kulturkritik. In Dieter Lesage Porträt der

Künstlerin, DJ und Magazinherausgeberin Ina Wudke mit dem

Titel Wudtke’s Way. Everything that Ina does wird akribisch das

Image der Künstlerin als Kulturinvestorin nachgezeichnet, welches

gleichzeitig die Ökonomien kreativer Prozesse widerspiegelt. Justin

Hoffmann verfolgt am Beispiel der postfeministischen Frauenband

Chicks on Speed wie es gelingen kann, in die Rolle von Musikstars

zu schlüpfen und dabei selbst Stars zu werden. Welche Rolle der

urbane Raum in der performativen Markierung einer individuellen

Zeitlichkeit spielen kann, gelangt im Text A Monument for the

Invisible von Cecilie Hogsbro Ostergaard zum Ausdruck.

Publicityträchtige Medienformate bilden ebenso Angriffspunkte

wie Bezüge zu einer Social(Art)History, welche die

Handlungsspielräume künstlerischer Produktivitäten aufzeigen.

Die Ambition erneut Normativitätszwänge zu entschärfen, stellt

sich durch eine Auseinandersetzung mit der Verwertungslogik des

Starsystems auf der performativen Ebene ein.

Mit Beiträgen von:

‘a room of one’s own’, Monica Bonvicini, Anna Ceeh, Chicks On Speed,

Helen Cho, Michelle Deignan, Chilo Eribenne, Christina Ertl/Tobias Hassels,

Female Obsession Spezial, Anita Fricek, Christine Gloggengiesser, Kim

Gordon, Elisabeth Grübl, Grübl & Grübl, Renée Green, Ursula Hübner,

Judith Huemer, Jutta Koether, Katarina Matiasek/ Scanner, Ursula Mayer,

Mike Mills, Begoña Muñoz, Muntean/ Rosenblum, Elisabeth Penker, Anu

Pennanen, Jennifer Reeder, Bernadette Reiter/Theresa Dirtl, Isabel Reiß,

G. Rizo, Nicolas Roeg/Donald Cammel, Constanze Schweiger, Ann-Sofi

Sidén, Studio 3+3, Nina Stuhldreher, Tracy+The Plastics, Rita Vitorelli,

Monika Vision, Justene Williams, Ina Wudtke/Birgit Wudtke, Ina Wudtke/

Inga Svala Thorsdottir. Nummer Zwei: Ein Beitrag von Cosima Rainer mit

Victor Alimpiev/Sergey Vishnevsky, Laura Cottingham/Leslie Singer, Meike

Schmidt-Gleim, Cosima von Bonin, Amelie von Wulffen Sadie Benning/

Kathleen Hanna und Wolf Koenig/ Roman Kroitor. Texte: Peter Bogner,

Justin Hoffmann, Cecilie Høgsbro Østergaard, Jutta Koether, Dieter Lesage,

Nina Stuhldreher, Katarina Matiasek, Christina Nemec, Elisabeth Penker,

Karin Pernegger, Ursula Maria Probst, Raimar Stange, Cosima Rainer, Isabel

Reiß, Gabriele Werner u.a.

Hrsg. Ursula Maria Probst, Peter Bogner/K-Haus, Wien. Schlebrügge Editor, 160

Seiten, ca. 130 Abb., Wien 2006, ISBN 3-900926-15-8, ISBN 978-85160-081-0.

On the occasion of the recent publication of BORN TO BE

A STAR catalogue Julie A. Ryan writes about and talks with

Ursula Maria Probst.

Katarina Matiasek/Scanner,

Diva, 2004

Begoña Muñoz, Let’s play Hippies,

2003

Constanze Schweiger, Die DJ und

wer dahinter steht, Electric Indigo,

2004

Elisabeth Grübl, UG, 2000

Female Obsession Spezial,

Curatorial Work, 2003-2006,

Videoperformance

Elisabeth Penker, The Untitled

Instrument, (Die Bildhauerin), 2004

Monica Bonvincini, Damaged, 2001

a birth-rite, as in born to be. Today seeking stardom is a serious pursuit

in and of itself, as serious as any lifetime goal. But to ‘Be Something’

regularly precedes wanting to ‘Do Something’. Elliot Mintz is the 60-

something year old PR guide and confidant for Paris Hilton, positions he

also held with the late John Lennon. When asked about the juxtaposition

of these two seemingly disparate personalities Mintz offered that “In his

eyes he (Lennon) once stood for the dreams and values of a generation.

And now he represents an heiress (Hilton) who, well, stands for the

dreams and values of a generation.” (Kyle Pope; New York Times, August

27, 2006)

Probst has a candid way of describing her work as a connector of

music performances, art exhibitions and writing. Her choice to work

independently and to fill some gaps she sees in the Vienna art and music

scenes adds vitality and diversification.

Julie A. Ryan: How would you describe the current Vienna music scene?

Ursula Maria Probst: There are a lot of female bands like Pantskirt, First

Fatal Kiss, SV Damenkraft, “z.B.: …”, Silicone Pumpgun, Chick Wings or

Agenda Lobkov in Vienna now. It’s really a very good feeling recognizing

that they become more and more professional and international. Two

weeks ago there was a big festival organized by Fiber at the Fluc.

JAR: What is your relationship to that scene?

UMP: I’m not really involved in the scene because I’m always a kind

of outsider, but I organized a lot of performances at the K/Haus

Passagegalerie and I write sometimes critiques about music in Spike or in

Fiber.

JAR: You are an independent curator by choice. Why do you prefer this

freelance way of working?

UMP: The freelance way of working is also a kind of obsession. For the

last three years I worked the whole time on different projects. I was at the

same time organizer etc. for different events at the K/Haus Passagegalerie,

curator for a project in public space and I have written art criticism and

texts for exhibition catalogues. But, I prefer to be independent and I enjoy

the great luxury to do what I want to do.

JAR: Did you study art history… Or?

UMP: Yes, I studied art history and wrote my masters thesis was on

Louise Bourgeois. This was also the reason why I started to work as an art

critic.

JAR: What do you mean that you started to work as art critic because of

your study of art history?

UMP: In 1998 there was an exhibition in Vienna in which Louise

Bourgeois participated, so I decided to write a review. This was the first

time, and so I continued because I thought it was and it is important to

write more articles about women artists.

JAR: Did you ever meet Louise Bougeois?

UMP: I was in New York at her studio in 1993 and I met her several times.

JAR: In New York this autumn 23% of solo shows are by women (Jerry

Saltz; The Village Voice, October 2, 2006) compared to 19% women in

2005. How do you feel about women being exhibited in Vienna?

UMP: That was the main reason why I started to work as an art critic and

curator. I wanted to support women the best way I know how. I noticed

that also in big exhibitions in Vienna there is a lack of women. The artists

“a room of one’s own” produced interesting works in this context. The

other model is the artist as cultural worker like Ina Wudtke.

JAR: How do you think about organizing events in the art/music context?

UMP: I was surprised that people who visit music events are not

really interested in art at the moment. For some events I organized

performances or videos from artists, punk concerts and DJ’s on one

evening and it was really interesting to notice how the DJ’s struggled with

the artists for space. But there exists a kind of power that is produced this

way and also a cultural dynamic. On the other side, people are fascinated

by places in an art context.

JAR: What projects are you currently working on?

UMP: I’m working on the exhibition project The Sound of your Eyes with

Ursula Hübner, Elisabeth Penker, Anita Fricek, Edith Payer, Ursula Mayer

and Female Obsession Spezial at the K/Haus Passagegalerie. I am also

preparing a workshop about journalism in Kiev, preparing an art concept

for Fluc and writing on different texts

for artists and magazines.

Curated in 2004 by Ursula Maria Probst

at K/Haus Wien, BORN TO BE A STAR

captured a certain zeitgeist of what is

now an absolutely saturated media fame

frenzy. The exhibition played to various

degrees of fame and the infamous

from the rock star and the princess to

the earnest and the posers. The theme

explored the thinness of stardom and

Ursula Maria Probst

the egalitarian implication for fame as

Chicks On Speed, Blop, 2004

Jennifer Reeder, The Plasic Rainbow,

2003

Jutta Koether, Shirly, 2002


32 Nr. 11/2006

Buch IV - Extended Play Positions EP

ST/A/R

Hans Peter Kuhn in der Tonspur

Klanginstallation ab dem 29. Oktober 2006 im MQ/q21 t ä g l i c h 1 0 : 0 0 - 2 0 : 0 0 h

Soundline - Hyogo Prefectural

Museum of Modern Art, Kobe

Marzahn - bei Licht besehen... Berlin 1999

Hans Peter Kuhn (D) ist Gast der TONSPUR im

MuseumsQuartier und wird eine Klanginstallation

für die TONSPUR_passage entwerfen, die

dort bis Ende Januar 07 zu hören sein wird. Gemeinsam

mit seiner Frau, der Malerin und Performerin

Junko Wada (J), erarbeitet er während

ihres Aufenthaltes, unterstützt vom Tanzquartier

Wien, ein neues Tanzstück.

Aktuell ist Hans Peter Kuhn mit 3 neuen Lichtund

Klanginstallationen bei den Musiktagen in

Donaueschingen und mit einem 18 m hohen

leuchtenden Fragzeichen in der Liverpool Biennial

vertreten.

Heiersturm

Paderborn, 2003

www.hanspeterkuhn.com www.estatic.it

www.junkowada.de

Labyrinth - sonambiente, Berlin 2006

Aus der Tiefe - Galerie e/static Torino

? - Liverpool Biennial 06

Junko Wada

Hans Peter Kuhn bei

den Proben

Tanzquartier Wien

AQUARIUM - Klangkunstforum Berlin, 2000

TONSPUR für einen öffentlichen raum

TONSPUR_passage

Klangarbeiten im MuseumsQuartier Wien

Die Reihe TONSPUR präsentiert Klangarbeiten internationaler Künstler im öffentlichen Raum des MuseumsQuartier Wien.

Ihre mehrkanaligen, das übliche Stereobild aufhebenden Kompositionen erschaffen faszinierende Klangarchitekturen und

begehbare Tonräume.

TONSPUR ist ein quartier21-Projekt von Georg Weckwerth und Peter Szely und startete im September 2003 in der Arena21.

Mit der TONSPUR_passage zwischen MQ-Haupthof und -Staatsratshof wurde ein permanenter Spielort etabliert.

Der visuelle Grundbass zur TONSPUR_passage stammt von Esther Stocker.

www.tonspur.at

| www.georgweckwerth.org | www.szely.org

Betreiber der Tonspur

Peter Szely/ Musiker /

Klangarchitekt

Georg Weckwerth/

Kurator / Künstler

Künstler der TONSPUR: Oliver Bokan, Andres Bosshard, Miha Ciglar, Alvin Curran, Christof Cargnelli, [dy’na:mo], Syl. Eckermann, Ulrich Eller, Silvia Fässler, Klaus Filip, Elmar

Fröschl, Bernhard Gál, Anja Grauf, Oliver Hangl, Ferdinand Harnoncourt-Unverzagt, Franz Hautzinger, Miha Horvat, Robert Jacobsen, Hans Peter Kuhn, Ulrich Kurt Kühn, Augusta

& Kalle Laar, Bernhard Loibner, Tobi Maier, maschek., Norbert Math, Samo Pecar, Elisabeth Penker, Hans-Jürgen Poetz, Michal Rataj, Billy Roisz, Martin Siewert, Sigtryggur Berg

Sigmarsson, Sylva Smejkalova, Andrea Sodomka, Peter Szely, Thilges3, Ulrich Troyer, Erdem Tunakan, Eva Ursprung, Zlatan Vukosavljevic, Junko Wada, Miki Yui, Mia Zabelka.

Photos: gerhardkasner.de (4), Shigefumi Kato, Hans Peter Kuhn, Georg Weckwerth, Alexandra Wolkowicz


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch V - WARAN

ST/A/R 33

Liebes fl ex, seit zehn jahren bin ich dauerfett. Ihr müsst mir helfen, alles was ich brauche ist ein bier nach dem anderen, und

Liebes deli- türke stirb langsam 3

Ich hab nichts gegen kanaken, die sind wie kakerlaken, einfach grindig.

Mit kara mustafa, muha-mad ali

Die kurden sind die guaden. Owa die inda wean blinda, wie belinda.

Lieber stefan, bitte halt´s maul bevor ich mir meine schlizohren aufreiße.

Ich scheiß dir ins maul, ich drisch dich. Windelweich du eierschädel b.z.w. -schaaß.

Dear jörgel, thank you for beeing my friend. We care for each other. Take a lick of joe.

hagi in string tangas. Dann tanz ich ab wie die sau.

Dear Mr. President donald duck dich! Ich druck dich. Gscheit durch, in der zeitung.

Hab durchgemacht. Die ganze nacht in die hose. Das ging ordentlich

daneben, kann auch ins auge gehen.

Alexander wurzen hat mich beschissen. Und ich habe gekichert.

Kichererbsenschaaß

Supra dynschiß, herkules scheiße. Cooler als hercooles,

aber schnuddeliger als satan hussein, der auf

eigenen willen begnadigt wurde, obwohl er fan der

todesstrafe ist.

Toyo-ta-g der offenen tür-ke stirb, krepier,

zigeinersackl.

Kiss me quick, i´m comming, watch out, bitch!

Paranoja forever, allianz der aliens, die nächte

des wahnsinns. nebel des grauens

Michael Nuntschacko jackson

Mein affe heißt tarzan, du schuft, du

fotzenknecht ruprecht.

Drogen sind auch nur menschen,

und wollen genauso wie wir

respektiert und lieb gehabt

werden. Heroin macht

unglaublich fi t im

schritt( siehe klaus

krankenhaus)

Kokain macht

arrogant und sexy.

Und bringt dich um

dein gefühl. Siehe

otto müll.

Otto ottifant

– fl ohbeidel, sex ist

überfl üssig.,so wie Luft

zum Atmen

G-punkt ist wie Atlantis man

muss ihn einfach fi nden.

I need Kukident Please push

the button and send me a tom cruise

missle for Schüssel

Peter pan ist mein freund. Und nennt sich

heute the king of pop. Einmal gepoppt

niemehr gestoppt

Bruno groening soll scheißen gehen, und

nicht mehr so viel schimpfen.

Do it like we do it on another discovery

channel

Make it real and kiss me like Madonna di

caprio

Alle Frauen sind Raketen im Bett, und ich hab

eine purshing zwei zwischen den arschbacken.

und nur Blondinen können kochen

Um ehrlich zu sein müsste ich lügen

Bin unsterblich verliebt in mich selbst.

Titti Kaka- hakuna matatta

Hottentottenkönig Rudi hat wegen der Hochzeit zugesagt,

und wird antreten als kampfschwein mike iron butterfl y tyson.

Fliegen um die scheiße kryson.

Der Tonipolsterabend fi ndet heute statt

Gang Bang im Flex. Mit meinem crysler zum kreisler. Du drehst

dich im kreisel.

Werde dir treu sein auch wenn ich dich betrüge. Ich bin glatt wie

ein aal, total loyal.

Royal fl ashback

Was uns verbindet ist KomponentenKleber,( kontinenten kleber)

You make me feel like a natural women- woo man

Don´t call the doctor Don´t call the preacher Don´t call the callboy

Ask for the policia patricia

Feel the power you are my fl ower-power like schoppenhauer shopping city dubai

Vitamin c zapferl, eine stöpseln, dir hängen die wortfetzen im gesicht...

Bussi pussy tschuldigung wortwitz

Braunschweig wenn ich rede. Niki kannst du das radio Lauder drehen.

Niki luder. Ficki lauder. Sei leisa minelly. Erros ramazotti schmußt mit

carotti und pavarotti. Besondere kennzeichen: Jodelt beim blasen. Motto:

aufmucken, sperma schlucken.

Deppert gucken- tischerl rucken an rucken.

Sagts nicht immer schwabos zu den osterreichern, wir sind auch nur

schweinderln.

Zum drüberstreuen noch ein bisschen streusand in die augen. Babara streusand.

Ihr seit´s zum denken zu deppert, und zum wixen zu blad. Zu doof zum blödeln.

Furzegal, besser als ein stoa am schädel. I hob ka knedel. Ihr werdet schon noch sähen, wir sprechen uns noch. gusch schleich dich, ich muß wieder auf die straße der

tieffl ieger. Sieg heidl. Burnheidl. Bladl wach, und hockn staat, und dauerfett im ehebett. Ich bin der heiratsschwindler des jahres. Soviel scheiße wie ich hat noch keiner

geschluckt. Siempre Siemprie Alimente i hau dir die Zähnt ein.

Ich halte alles für möglich, aber prinzipiel wird schon nichts geschehen, aber grundsätzlich wollte ich gar nichts sagen, einfach nur schreiben.und euch die zeit vertreiben, weil

ihr seids alle zum Speiben

Großkotzige Ars chgeigen ich will mich an euch reiben

Securities haben immer so ein Gfries

Kopfschuß mausetot Morgenrot SPÖ killed FPÖ


34 ST/A/R

Buch V - WARAN

Nr. 11/2006

1.)Honig

2.)- gibts ja

3.) ja

4.) wie soll ich das wissen? ich bin kein ausserirdischer

5.) architektur = krieg & frieden

6.) das treiben, das dahintreiben

7.) mit zucker ( gluchose).

8.) ich plane nicht

9.) ein hirngespinst

10.) der sinn

11.) ja

12.) gestern

13.) da papa wird’s schon richten. Er hat meine weltreise als studium finanziert.

14.) die realität ist perfekt.

15.) vieles ist möglich.

16.) ich halte nichts, die sind so.

17.) ja.

18.)----wo ist das?

19.) ja.

20.) sehr gerne.

21) TUTTI FRUTTI.

22.) z.B. augen ausstechen.

23.) du irrst.

24.) sehr schwer.

25.) ...am.

26.) ja.

27.) –geduld!

28.) ich bin der heilige avatar. Ehrenmönch der appostolischen kirche.

29.) 1. nein oder ja.

30.) zedernholz, drei hacken.

31.) es gibt keine freizeit, oder nur.

32.) in den usa hab ich lebensversicherungen verkauft und verschenkt.

33.) durchs waschen.

34.) wenn man es nicht mehr merkt.

35.)was es wiegt, das hat es- ich bin weltkrieg.

36.) sitze, sitzen, sitzen,...

37.) ja 1:0

38.) ich bin germane, ein heidewolf.

39.) jenseits von zeit und glück.

40.) gleich groß.

41.) atmen.

42.) genießen.

43.) daily.

44.) wie geht´s jimmy?

45.) 1. aso - man lügt immer selbst.

46.) 1. nein, 2. nein.

47.) ----so.

48.) 1. weiß ich nicht- genieß was du genießen willst.

49.) ich wähle nicht.

50.) 1. dann gibt´s keine wahlen- breche wem brechen gebührt.

51.)- heidulf gerngroß, der heilige avatar.

52.) jede.

53.) durch geist körper und seele.

54.) das alter heilt alle wunden.

55.)hab ich vergessen, diese möglichkeit kenne ich noch nicht.


Nr. 11/2006

Buch V - WARAN


Städteplanung / Architektur / Religion Buch V - WARAN

ST/A/R 37

Deutschland wartet auf den

Anschlusstrefffer


38 ST/A/R

Buch V - WARAN

Nr. 11/2006

Ossi S. MuÇin

Ossi S. MuÇin

Ich Ossi. S.MuCin geboren am

11.09.1958 in Istanbul. Ich habe in

meinem Leben so alle Job´s durch

gemacht die es gibt. Ganz Hagenbrunn

habe ich reich gemacht durch meine

Spengler, Kfz- Lackierer Tätigkeit.

Nebenbei habe ich meine Künstlerischen

Tätigkeiten verfolgt und nie aufgegeben.

Und mich modernst weitergebildet.

Musik, Design b.z.w. Architektonische

Meisterleistungen vollbracht.

Für meinen großen Fokus brauche ich

auch ein großes Areal sprich Schloß

(1Euro), Grundstück samt See und

Bergen. Da ich in der Lage bin über

eine Werkstätte zu verfügen, von da

aus ich arbeiten kann und meine 36

Spezialberufe, die ins Künstlerische

wachsen, ausüben kann. Da ich keine

andere Wahl habe muß ich mich public

machen, obwohl ich lieber im Untergrund

tätig bin.

Außerdem bin ich Veranstalter im

Derwisch, und habe dort schon 56

Veranstaltungen positiv getätigt. Hiermit

lade ich alle Leute ein die, die neue

MuCin Mega CD mit zu produzieren.

Jeden Mittwoch im Derwisch( bringt eure

Instrument mit).

Mit 29 habe ich meine Schwester verloren.

Sie wurde auf der Baumgartner Höhe

niedergespritzt, Nur weil sie für einen

Moment die Nerven verlor.

Wir alle haben eine wahre Künstlerin

verloren. Nun verfolge ich all das was ihr

vorbehalten blieb mit einem mörderischen

Drang weiter.

Ich habe am lerchenfeldergürtel nr. 29 eine öffentlich

zugängliche werkstatte geschaffen. Es wird dort täglich

von 10 bis 19 uhr gekünstelt, gearbeitet musiziert,

oder was auch immer. Schauen sie vorbei, und lassen

sie sich sehen.

Ossmans art reservoir. galerie / atelier/ werkstatt

Lerchenfeldergürtel 29, vorbei an den völlig zerfetzten

postkästchen, und im innenhof dann rechts. Prinzipiell

ist alles verkäuflich!


Nr. 11/2006

ST/A/R 39

Gegenwart :

Cafe Derwisch ist Kultur, Gastronomie, Chillout, Party ...

Vermittler von Musikkursen : Musikschule Multikulti -

Hauptsächlich Saz und Gitarre - Räumlichkeit im selben Haus

Musikabende zum Teil spontan / zum Teil organisiert .

Eigene Musikgruppen welche sich hier formieren und proben .

Filmabende / Partys

Kinder lernen Saz

Memo legt mit Hand an

Zukunft :

Derwisch

Wöchentlicher Club :

Club Derwisch ab 24 Nov 2006 jeden Freitag :

mixed Oriental Lounge / Live Musik + Live Mitschnitte / Video

Projektion / Freier Eintritt /

Verwirklichung eigener und Fremder Projekte . Unterstützt durch

den Verein Kultuthaus Derwisch und Verein IKA !

Musikarbeit mit Kindern

Weitere Aktivitäten im Haus :

Musikkurse : unterstützt durch Vereine IKA und Kulturhaus

Derwisch : Gruppenunterricht - 50 Eur/mon 1 x pro Woche

Memo

Verein IKA : Verein für Interkulturellen Austausch und

Bereicherung der Wiener Kunst und Musiksszene

Verein Kulturhaus Derwisch : Verein zur

Unterstützung kultureller Tätigkeiten .

Shisha-Lounge

Kathi

Musik Studio IKA : Betrieb ab November

2006 : Studio zu günstigen Konditionen

geführt vom Verein IKA .

Video Produktionen IKA : Video Studio

zu günstigen Konditionen geführt vom

Verein IKA

Ziele : Kulturstätte / Plattform / CD+Video

Produktionen / Eigene Bands / Eigene

Tanzgruppen

Der Aufnahmeraum im Studio

Rudi

Veranstaltungen (auch extern) u.s.w

www.cafederwisch.com

Lerchenfelder Gürtel 29

Tel.: 492 61 10

Öffnungszeiten: 14 00 –04 00

U-Bahn Station:

U6 Thalia Strasse

Das Studio im Umbau

Jan Maria

Party

Pavel Baxant

San Sebastian

Baxant


40 ST/A/R

Buch V - WARAN

Nr. 11/2006


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch VI - in situ

ST/A/R 41

Einladung

ST/A/R Performance

im MAK

am Do. 7.12.2006

(Freitag Feiertag)

18:00 Kunstauktion im Vortragssaal

20:00 Performances – Modeschau / Kunstvideos/

Performancekünstler aus Paris / Priesterweihe /

Präsentation ST/A/R 12 /

22:00 Live Musik – Rumänische Jazzband /

Dl’s / Bar / Videos

MAK Säulenhalle + Galerie

MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Stubenring 5, A-1010 Wien

Die ST/A/R Performance findet anläßlich des 3-jährigen Bestehens von ST/A/R statt,

gleichzeitig wird die ST/A/R-Zeitung 12 präsentiert.

Über den Wirkungsraum von über 3 Jahren sind bis dato 12 Nummern erschienen mit einer Gesamtseitenanzahl von 1.416 Seiten. In

diesem Archiv sind sehr viele Künstler, Architekten, Designer, Literaten und kulturell Tätige unterschiedlichsten Couleurs gespeichert;

von international renommierten Personen wie Franz West, Arnulf Rainer, Coop Himmelblau, Ferdinand Schmatz bis zu jungen noch

großteils unbekannten Künstlern, Architekten, Literaten.

Dieses über viele kulturelle Branchen und unterschiedliche gesellschaftliche Strukturen gehende Klientel von ST/A/R soll sich gemeinsam

an einem Ort treffen und damit das schöpferisch energetische Potential spürbar machen, das sich aktuell in Wien, Mitteleuropa,

Europa befindet, ungeachtet der verschiedenen Genres und gesellschaftlichen Couleurs.

Somit stellt die ST/A/R Performance einen schöpferisch, energetischen Raum in situ dar.


42 ST/A/R

Buch VI - in situ

Nr. 11/2006

ST/A/R Kunstedition

Thomas Redl

Andrea Baczynski

Franz Graf

Otto Zitko

Thomas Redl, O.T., 2003, Rollenoffsetdruck und Siebdruck auf Zeitungspapier

Andrea Baczynski, The Thirteen Classics, Beijing/China, 2005, mehrfärbiger Siebdruck auf Papier

Franz Graf, Vorderseite: O.T., Rückseite: Werde..., 2005; Doppelseitiger Siebdruck auf Zeitungspapier

Otto Zitko, O.T., 2006, Siebdruck auf Folie

ST/A/R hat eine Kunstedition herausgegeben

KünstlerInnen, mit denen ST/A/R eng zusammenarbeitet, haben Siebdrucke im Format

einer ST/A/R-Doppelseite (45 x 60 cm) gestaltet:

Thomas Redl, Andrea Baczynski, Franz Graf, Otto Zitko.

Gedruckt bei Kunstsiebdruck Andreas Stalzer, Wien.

Die Edition ist in einer eigens angefertigten Mappe zusammengefasst und kostet gesamt 1.200 euro (inkl. MwSt)

Zur aktuellen ST/A/R Nr. 11 ist eine neue Edition herausgegeben worden:

Arnulf Rainer, Parafotografie (45 x 60 cm), abgebildet auf den Seiten 12-13

Zu beziehen bei ST/A/R. Capistrangasse 2/8; 1060 Wien; email: redl@star-wien.at


Nr. 11/2006

Buch VI - in situ ST/A/R 43

RAINER ÜBER FREUD

Die Ausstellung wurde im Herbst 2005 konzipiert. In der Folge wählte Arnulf Rainer 27 Freud-Porträts aus, die ihm die Sigmund Freud Privatstiftung

zur Verfügung stellte. Die Ausstellung dokumentiert Rainers Zugang zum Begründer der Psychoanalyse: „Ich wollte Freud ins Gesicht blicken“.

„Arnulf Rainers Schaffen scheint auf den ersten Blick dem Sigmund Freuds kontradiktorisch. Spürt Freud der Wahrheit nach und dem Ursprung der Triebe,

indem er Schicht für Schicht von dem entfernt, womit das Unbewusste das scheinbar Unerträgliche vergräbt, erscheint Rainer als der große Zudecker, Verhüller,

Übermaler. In Wahrheit tut er jedoch nichts anderes als Freud: Indem er mehr und mehr verdeckt, was ihm unwichtig ist, schält Rainer den Kern des Wesentlichen

heraus. Sein Überzeichnen ist ein Akzentuieren und Verdeutlichen.“ Walter Persché, Österreichisches Kulturforum Prag

Mit dieser Ausstellung setzt das Sigmund Freud Museum die 1989 begonnene Richtung fort, die Beziehung zwischen Psychoanalyse und Kunst zu

thematisieren.

23. Nov. 2006 – 19. März 2007 • Täglich 9-17 Uhr • Sigmund Freud Museum • Wien IX, Berggasse 19 • www.freud-museum.at


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VI - in situ

ST/A/R 45

1. 15 APRIL 2003 2.

3. 4. 5.

6. 7. 8. 9. 10. AUGUST 2006

Über den Wirkungsraum von über 3 Jahren sind bis dato 11 Nummern erschienen mit einer

Gesamtseitenanzahl von 1.416 Seiten. In diesem Archiv sind sehr viele Künstler, Architekten, Designer,

Literaten und kulturell Tätige unterschiedlichsten Couleurs gespeichert; von international renomierten

Personen bis zu jungen noch großteils unbekannten Künstlern, Architekten, Literaten ......


46 ST/A/R Buch II - in situ

Nr. 11/2006

Attention!

Immer wenn

Sie den ST/A/R

in den Händen

halten, können

Sie ein Feuer

entfachen!

ST/A/R bietet: Panoramadoppelseiten / Doppelseiten / Einzelseiten /

1/2 Seiten / 1/3 Seiten / / Herausnehmbare 4-seitige Beiträge und 8-

seitige Bücher (auch Mehrdruck) /// ST/A/R erscheint 4 x jährlich /

Auflage 10.000 / österreichweiter Vertrieb /Für nähere Informationen

rufen Sie Heidulf Gerngross 0664 5213307 (0–24Uhr erreichbar)!!!

vinissimo

Als Oase im Dschungel unterschiedlichster Schnell- und Fertigküchen

ist das Vinissimo schon länger bekannt. Durch

den neu engagierten Koch Bernhard Riedl (Schüler von

Gerold Kulterer, Restaurant Vincent) hat das Vinissimo noch weiter

gewonnen und die Speisekarte hat sich interessant erweitert. Das

Repertoire bietet feine italienische Küche verbunden mit österreichischer

Küche, und das täglich frisch gekochte Mittagsmenü ist für

jeden, für den Mittagessen mehr als Schnellnahrungsaufnahme in

der zu kurz angesetzten Pause ist, wie eine sinnliche Reise ins Land

der lukullischen Genüsse.

Ein kurzer Auszug aus dem Mittagsangebot:

Steirische Rahmsuppe mit Schwarzbrot, darauffolgend klassische

Rindsroulade mit Wurzelrahmsauce und Kerbelspirali oder Kürbis-

Artischokengröstl mit Lauch-Weißweinfondue (vegetarisch), alternativ

zur Suppe kann man immer frischen Blattsalat mit Balsamico-

Olivenöl oder mit Schilcheressig-Kernöl bzw. das Dessert wählen;

am nächsten Tag wird gebratenes Fischfilet mit Kräuterlinguine und

Kohlrabigemüse serviert, um tags darauf zum geschmorten Kalbtafelspitz

mit getrüffeltem Erdäpfelpüree zurück zu kehren.

Das Mittagsmenü kostet nur 6,60 euro und die Weinauswahl ist wie

gewohnt sehr umfangreich, und man freut über die fachkundige

Weinberatung und die treffsichere Weinempfehlung.

Zur Weihnachtszeit bietet das Vinissimo für Weihnachtsfeiern spezielle

Menüs in unterschiedlichen Ausführungen inklusive Weinbegleitung

für kleinere Gruppen bis hin zu größeren Gruppen von

über 40 Personen.

Mittagsmenü zwischen 12.00 und 14.00,

Abendküche von 18.00 bis 22.00,

dazwischen kalte Schmankerl und hausgemachte Kuchen.

vinissimo

Franz Haslinger, Vinothek & Bistro

Windmühlgasse 20/52, A-1060 Wien

Tel: +43-1-586 48 88

www.vinissimo.at

Als besondere Geschenksidee wartet ein

„flüssiger Adventkalender“ mit

Gewürztraminer Grappa Jahrgang 2000

von Mariell


Nr. 11/2006

Buch VI - in situ ST/A/R 47

Gott

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ISBN 3-579-05498-8

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48 ST/A/R

Buch VI - in situ

Nr. 11/2006

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office@werkstattwien.at


ST/A/R Buch VII - Literatur

Nr. 11/2006

49

Auszüge aus dem Cut-Up-Fieber von Wolfgang Sysak, Rosarotes Rauschen von Alexandra

Turek, zwei Lithografien von Christine Huber, Die andere Stimme der Terroristin von August

Staudenmayer, Pariser Passagen von Bettina Galvagni, Die Freuden der Jagd von Ulrich

Schlotmann, Die Dakini-Dialoge, Aufzeichnungen aus dem Himalaya von Peter Pessl, Coca

Cola und das Ende der Kindheit von Wolfgang Hermann, ein Screenshot von Liesl Ujvary.

SCHRIFT WECHSEL

HITZE ODER REGEN

Dieter Sperl

Sein bislang letztes Buch, das der Schriftsteller zu schreiben, die wie die Hitze sein sollten,

vor mehr als zwei Jahren abgeschlossen und die an besonders heißen Tagen über dem

alsdann einem Verlag zur Veröffentlichung Asphalt schwebte, oder die wie schnelle und

angeboten hatte, kam ihm nun, da es endlich überraschende Regenschauer vom Himmel

publiziert war und vor ihm auf dem Tisch lag, kommen sollten, - berauschend und erfrischend.

weit von ihm fortgerückt vor, und voll von Jedes literarische Buch müsse stets sinnlich

Verlangen und Sehnsüchten, die mit ihm kaum sein und glaubhaft aus Körpersäften bestehen,

noch etwas zu tun hatten.

hatte er seiner Frau gegenüber bemerkt, einen

Beim Wiederlesen schien es ihm sogar, als sozialen Raum durchqueren müsse es überdies,

ob er die möglichen Wirkkräfte der einzelnen um letzten Endes ins Offene zu weisen, wie ein

kleinen Prosastückchen überhaupt nicht mehr Flugzeug, das mit seiner vielfältigen Besatzung

nachvollziehen könne, so fremd waren sie ihm am Himmel eine Kondensspur ziehe, die man

geworden. Diese Partikel noch zu schreibender Minuten später nicht mehr ausmachen könne.

Geschichten oder noch auszuformender

Und etwas, das wahrhaftig universell über jeden

Rhythmen schlugen wohl zu Anfang seines gerade gelesenen Satz hinaus treibe, müsse

Buches eine gemeinsame, wenn auch bloß immer zugegen sein, sagte er, eine Art von

atmosphärische Richtung vor, verliefen sich Leere als Botenstoff, unmissverständlich spürbar,

jedoch, von Seite zu Seite immer häufiger, um sichtbar in jedem Ausdruck, absolut offen und

am Ende im Niemandsland ihrer Möglichkeiten beweglich. Was in seinem Buch zu lesen stand,

zu versanden. Seiner Frau gegenüber hatte er waren dagegen eher mit Politik voll geschriebene

die Veröffentlichung als sentimentales Gerümpel Gesichtszüge, die in ihren Bedeutungshorizonten

bezeichnet, als unverständliche Sehnsuchtsgegend, relativ festgezurrt waren. Dennoch machte der

die er dem Leser aufgetischt hatte. Aber als er Schriftsteller ein zufriedenes Gesicht, als er

vor mehr als vier Jahren mit dem Buch anfing, sein Buch betrachtete, während an der Wand

hatte er sich vorgenommen, Geschichten rechts von seinem Schreibtisch ein stilles

LITERATUR

2 CUT-UPS

Wolfgang Sysak

Wolfgang Sysak, geboren 1958, lebt nach Aufenthalten in Brighton,

Amsterdam und Berlin heute in Wien. Jazz-Gitarre-Studium am Konservatorium

der Stadt Wien. Musikprojekte in England und Österreich (Dick Damage,

Sprays, Version City Bronx, Blue Chip, Nova Express, pvc sound & lyric

constructions). Schreibt derzeit Lyrik und Kurzgeschichten (Veröffentlichungen

in Literaturzeitschriften und Anthologien, Publikationsliste siehe

http://members.chello.at/pvc_sound_and_lyric/).

rhombusartiges Sonnenstück erschien, das in

jenem Moment, da er es bemerkte, auch schon

wieder verschwand. Daraufhin schrieb er die

folgende Notiz auf das Deckblatt seines Buches:

Jeder Augenblick, der auf mich zutritt, ist noch nie

gelebt worden zuvor, solcherart frei von Vorstellungen,

- und zugleich ewig während.

ALS STRUKTURDETERMINIERTE SYSTEME

SIND WIR VON AUSSEN PRINZIPIELL

NICHT GEZIELT BEEINFLUSSBAR, SONDERN

REAGIEREN IMMER IM SINNE DER EIGENEN

STRUKTUR. SO KANN ICH NICHT STEUERN,

WIE MEINE WORTE WIRKEN: JEDER

LIEST, WAS ER ODER SIE LIEST, DAFÜR

TRAGE ICH KEINE VERANTWORTUNG!

NICHT DIESER TEXT LEGT FEST, WAS

SIE LESEN, SONDERN IHRE STRUKTUR,

IHRE JEWEILIGE BEFINDLICHKEIT. DABEI

OBLIEGT ES JEDOCH ALLEIN MIR, KEINEN

UNSINN ZU VERZAPFEN, DENN ICH BIN

SELBST VERANTWORTLICH FÜR DAS, WAS

ICH SCHREIBE, BLOSS BIN ICH NICHT

VERANTWORTLICH FÜR DAS, WAS SIE LESEN.

(Humberto Maturana)

>> sperl@star-wien.at


50 Nr. 11/2006

Buch VII - Literatur

ST/A/R

Rosarotes Rauschen

Alexandra Turek

Du hörst nichts außer dich und deinen Körper,

schwerelos und ganz, Wellendruck und nichts,

ganz ganz ganz, ein Treiben und wie du dich

immer wieder hineinsetzt, in die nächste Woge, ins Meer

und ins Salz.

Die Stimmen vom Strand, weit weg, du liegst

benommen im Sand und siehst das Leben wie aus einer

großen rosaroten Ohrmuschel vorübersausen.

Unterdessen, an der Strandbar, einige Menschen im

modischen Schwimmgewand, man hört „Leila“, und

„Knock, knock, knockin` on a heaven`s door.“

Auf den Tischen, halbverzerrte dicke Fritten, dazwischen

Pappbecher und Kaffee Frappé, kalt und milchig, und,

woran erinnern sie sich noch?

Satt und grell ist das grüne Licht der Insel, fleischig und

gierig wie ein starkes Lebensgefühl, und grün, so grün ist

es dort, der Geruch so intensiv wie das Grillgewürz aus

Nachbarsgarten, etwas was picken bleibt und wiederkehrt

mit jeder kleinen Brise, wie Öl und Fett, Gewürz und Salz.

Wir trinken davon und über uns die Fieberhitze. Ich lass

dich auf heißen Zehenspitzen hupfen, leg dich wieder in

den Sand, lass dich nichts mehr spüren, ich reiß dich fort,

während andere reden und es draußen brodelt, fünf Euro

für den Sonnenschirm, blau ist der Himmel und grün

ist mein Dorf, der weiße Kalk wie eine herausgeputzte

Stadtfassade.

Der Individualtourist, der, der sich gestern mit dir

ein Taxi geteilt hat, begegnet dir auf ungewohnten

Wegen, und erst nach kurzem Überlegen bringt er ein

leises, halbherziges Hallo über die Lippen, er zögert, das

merkst du genau, für mehr als einen kleinen Augenblick,

er ist müde und abgekämpft, vom Reisen gezeichnet,

seinen Status möchte er nicht verraten und keine

Staatsbürgerschaft teilen, hier am vollem Strand. Nachts

sitzt er allein mit einem Buch am Strand, beharrlich auf

der Suche nach seiner Robinsoninsel.

Anderswo werden Geschäfte gemacht, es wird gerannt.

Flink bewegen sich athletische Kellner zwischen engen

Familientischen hin und her, schupfen gegrilltes Essen

hin und her, weiße Hemden blitzen zwischen zermürbten

Gesichtern auf, noch eine Karaffe Wein, ein kleiner

Augenschein, wie in einer Abendvorstellung, in der der

Schauspieler sein Publikum immer wieder anspricht bis er

ihm ein kurzes müdes Lächeln abringt.

Am Strand posiert ein wunderhübsches Mädchen mit

langem seidigem schwarzem Haar und macht dabei ein

komisches Gesicht. Drei junge Männer mit einem Bier in

der Hand. Alte dicke Frauen reden laut am Wegesrand. Du

schreibst geheime Zeichen in den Sand, du hörst das Meer,

die Menschen, ein Gemurmel wie von weitem her.

Plötzlich bist du in einem dichten Wald und gehst

wieder auf weichem Sand. Da irgendwo da hinten liegt

deine Herberge. Da irgendwo da draußen sollte dein

Zuhause sein.

Du hörst es wieder Rauschen, von oben her. Es ist das

Lied des Windes in den Baumzipfeln, das gedämpfte

Heulen eines Hundes in der Ferne, nimm mich bei der

Hand, ich fürchte mich im Dunkeln, wo nichts ist außer

mein Atem, mein nackter Fuß der dumpf in den Sand

tritt, und rundherum nur Luft voll Rosmarin und Pinien

und dunkles Grün, eindringlich und dicht wie ein wildes

gehetztes Tier das deinen Weg kreuzt.

Dort wo die Lichter brennen ist alles ausgemacht. Dort

Die Freiheit ist eine

Seeräuberbeute, ein Handschlag

für diesen Augenblick, komm, lass

uns weiter dreist Handelswege

durchbrechen.

wo die Wege enden, sitzen fremde Männer am Lagerfeuer

um sich aufzuwärmen. Sie lieben harte Getränke, sie

lieben lange Geschichten im Wind. Der Hintergrund, ein

Schiff mit schlaffem schwarzem Segel, bedrohlich wie ein

verlassenes Piratenboot.

Voll oder leer, wild oder sanft,

laut oder teilnahmslos, subjektiv

still spreche ich aus meiner

Meeresblase.

Des langen Reisens müde

ist die Meute gestrandet um zu stehlen

und brandzuschatzen, ja, Hasenblutrot am

Horizont und grün glänzt das Gold wie die

zehn menschengroß hohe Galionsfigur des Bootes,

Zickzackkurs, Flintenbüchsen, ein Ende wie ein

Enterhacken.

Die Sterne funkeln still, die Beute wird am Tag gemacht.

Rasch wird eingesammelt, sie werden zu Gefangenen

gemacht und mit einem dicken Seil zusammengepackt.

Einige Frauen verziehen das Gesicht, ein kleiner kurzer

Riss wie bei einer Notlüge. Sich selbst überlassen, seufzen

all die Verlassenen und erheben schreckliche Klagen,

warum ist gerade uns dies geschehen? Sag es, und dein

Durst löscht sich mit süßem Tone.

Ganz langsam tut sich ein leises menschliches Raunen

zusammen. Die Vor und Nachteile von ein und derselben

Sache werden wiederholt aufgezählt. Es ist rot am

Horizont. Wer hat Recht, die da oben oder die da unten?

Es ist kalt, denken sich nun auch jene, die sich bereits eine

neue Route zurechtgelegt haben, und: Was wird weiter mit

uns geschehen?

Derart eingeschlossen, werden die Lagernden schnell

von Krankheiten befallen, sie waschen und pflegen sich

nicht mehr. Mit Tüchern am Kopf schützen sie sich vor der

Tageshitze, mit Tüchern umleiben sie ihre müden Körper

im Schlaf.

Jäger ziehen durch die Wälder und erledigen rasch und

sauber ihre Beute. Hinterm Baum, ein Versteck so groß

wie ein Mensch und ein Kind, das seinen Fuß zögernd

ins kalte Meerwasser tut. Medusenschaum, nur noch ein

Traum.

Am späten Nachmittage, ein starkes klares Licht. Eine

Möwe verfolgt majestätisch das Schiff, ihr weiter Bogen

lässt sie den Himmel hoch gleiten.

Die Freiheit ist eine Seeräuberbeute, ein Handschlag

für diesen Augenblick, komm, lass uns weiter dreist

Handelswege durchbrechen. Und Feste feiern wie sie

fallen, überschwänglich Siege zählen.

Es werden Hölzer aufgestellt, das fette Fleisch am Spieß

gebraten. Wein fließt in Strömen und Bier wird gebracht.

Du liegst am Strand und träumst von tausend zarten

Langustenschwänzen. Ein Totentanz, die feinen kleinen

Knochen aufgeteilt. So liegst du also da, meine Schöne.

Ich hab an süße Früchte grad gedacht und an am Galgen

baumeln, abgeschlagene Köpfe, aufgespießt, an weite

Bögen, Basaltgrotten und Schlupfwinkel, das Fernrohr

fest in der Hand erkunden wir die nächste Insel. Das Wort

Schatz und dein Leuchten in den Augen, du Glasauge, du.

Schläfrig sein, keine Ordnung mehr, nur Öl.

Vorher oder nachher salzen? Erlösung,

ein Gebet zum Meeresgott. Kein

Geburtsort mehr, meine Bibliothek

ist leer, kein Wort, der Seemannstod.

Ich schieß im Finstern blind in die

Mannschaft, spricht der Pirat, damit sich die

Übriggebliebenen wieder freuen können. Ist mir doch

egal, sagt das Meerungeheuer. Mein Freund, ich bin

untröstlich. Schildkrötenbrot. Flaschenpost. Weißt du wie

viele Schätze immer wieder ein und ausgegraben werden?

Mein Herz, blaugrün, klar, tief. Unterscheiden heut und

morgen. Der Durst, der Wind, der Zufluchtstort. Ein Schiff

mit dem Namen Idylle fährt vorbei. Goldmanschetten, das

Modewort. Angenehm, kein Rauschen, kein Ort.

Alexandra Turek, geboren 1971 in Wien. Seit 2001 Assistenzen

an verschiedenen Wiener Theatern, Hauptaugenmerk Regie und

Dramaturgie. Schreibt Lyrik und Kurzprosa.

Lithografien

Christine Huber

Christine Huber

geb. 1963 in Wien, lebt in Wien

und Mörbisch / Burgenland.

Lyrik, Libretti, visuelle Poesie,

Lithografie. Mitwirkung in der

Alten Schmiede, von 1994-

2005 im Rahmen der Reihe

“Textvorstellungen”, seit 2005

im Rahmen des club poetique

bei der Reihe “DICHTFEST”.

Publikationen (Auswahl): “das

doch das bauschen kennt”

(edition ch, Wien 2001); “über

maß und schnellen” (mit

Lithografien; Das Fröhliche

Wohnzimmer Edition 2006).

Zusammenarbeiten mit

Komponisten aus dem Bereich

Neue Musik, zuletzt: Mitarbeit

am Libretto zu “BEGEHREN”

(Beat Furrer, Graz 2005); “to

navigate is to construct” (gem.

mit Alexander Stankovski; ORF

/ Kunstradio 2006). Seit 2006

Generalsekretärin der GAV

(gem. mit Gerhard Jaschke).


ST/A/R

Buch VII - Literatur

Nr. 11/2006 51

Die andere Stimme der Terroristin

Anmerkungen zu GUDRUN ENSSLIN, RAF-Mitglied und Selbstmörderin

August Staudenmayer

Bei mir redet man sowieso nur gegen die

Wand. Ich kann nicht reden, wenn man

nicht auf mich hört. Ich kann nur reden,

wenn man nicht auf mich hört. Ich will mich vor

allen Dingen umdrehen dabei können. Ich will

Platz dafür haben. Ich rede auch gegen Wände.

Ich habe Nächte lang gegen Wände geredet. Ob

die Anderen auch gegen Wände reden, weiß ich

nicht. Sie tun jedenfalls so. Nein, sie tun

jedenfalls bei mir so. Mit den vielen

Bedeutungen, die ein Satz haben kann, hatte ich

nie umgehen können. Und wenn schon. Da

sagte jemand etwas, und ich suchte mir aus, was

er damit meinte. Vor allem saß ich als Kind

nicht halbnackt auf einem Tisch und ließ mich

von Verwandten erwartungsvoll beobachten. Ich

hatte einiges drauf. Nur bei großen Schmerzen

musste ich hin- und herlaufen, aber auch nur

am Anfang, später ertrug ich sie einfach, hielt

sie einfach aus, lenkte meine Gefühle in eine

andere Richtung. Dafür bekam ich dann

Fernsehverbot. Bei Liebes- und Gewaltszenen

sagte niemand etwas aus meiner Familie, ich

spürte aber, dass sie vor allem meinen Vater

beklemmten, die Liebesszenen. Bei

Gewaltszenen blühte er künstlich auf, als wäre

im Glashaus die Sonne aufgegangen. Meine

Mutter zeigte bei Gewaltszenen eigentlich keine

Reaktion, jedoch bei Liebesszenen begann sie

meistens zu weinen, oder wenigstens wässerten

ihre Augen. Natürlich wurde ich oft belohnt,

wenn ich kluge Dinge zu etwas, was gerade im

Fernsehen lief, sagte. Hierbei wurde sehr

penibel unterschieden, was gut oder schlecht für

den Ruf der Familie war. Mit Bestrafungen

konnte ich immer rechnen, wenn ich nicht

genügend nachdachte. Das Denken wurde aber

immer wichtiger, weil ich meinen Gefühlen

nicht mehr traute. Also stellte ich mir vor, dass

ich alles denken konnte. Nur wenn ich

manchmal einen Gedanken ausplapperte,

konnte es gefährlich werden. In der Schule wie

zuhause, es war überall dasselbe, später auch auf

der Arbeitsstätte. Wenn ich den Mund

Ich will euch gefährlich

bleiben. Einer Gefahr

gegenüber muss man

immer aufmerksam sein.

aufmachte, ging’s los. Ich musste mich

anschließend oft entschuldigen, meistens

wusste ich gar nicht wofür. Wenn ich mit

keinem mehr redete, sondern nur mehr dachte,

konnte ich mir viele Probleme ersparen. Später

würde ich dafür als sozial inkompetent

abgestempelt werden. Dabei wusste ich genau,

was ich von meiner Umwelt wollte, nur konnte

ich es denen nicht sagen, die es anging.

Vielleicht wird man von außen gesprochen,

wenn man nicht mehr spricht. Lieber in sich

eingeschlossen, als von den Anderen

ausgeschlossen. Lieber ein- für allemal in sich

eingeschlossen, als ein- für allemal von den

Anderen ausgeschlossen. Aber Worte –

gesprochene wie gehörte – haben auch

lebenswichtigen Nährwert. Trotzdem – stumm

zu sein, konnte ich mir gut vorstellen. Vielleicht

auch taub, oder taubstumm, nein, eher nur

stumm, dafür aber ernstlich. Schlucken und

Verdauen sind nicht dasselbe. Schlucken konnte

ich viel, aber verdauen nicht. Dazwischen blieb

einiges liegen und faulte vor sich hin. Damit

spürt man halt einen Teil von sich nicht mehr.

Dieser Teil wird sozusagen taub, gefühllos,

stumm kann man dazu eher nicht sagen. Die

Verbindung ist eben dadurch beträchtlich

gestört. Es gibt keinen Fluss mehr, kein

Durchströmen, es liegt gewissermaßen ein

Damm dazwischen, eine Sperre. Und in diesem

Bereich, zwischen Geschluckthaben und

Nichtverdauenkönnen, sieht man alles. Sogar

den Tod eines Familienangehörigen, oder den

Selbstmord. Überall viele Tränen. Wie oft hatte

ich Vater oder Mutter in Gedanken sterben

lassen und geweint. Am Grab hätte ich alles

zugegeben, alle Schuld gestanden, um endlich

verdauen zu können. Einen Selbstmord jedoch

habe ich mir nie nur denken können. Vielleicht

habe ich deshalb so große Angst vor ihm.

Einmal hatte ich laut darüber nachgedacht, weil

kein Platz mehr in mir dafür war, oder der

Gedanke selbst zu groß war. Meines Vaters Zorn

brach über mich herein. Ich war drauf und dran,

neue Schuld auf mich zu laden. Ich hatte mir

immer vorgestellt, dass meine Illusionen Geisel

wären und ich in Geiselhaft. Die Illusion, dass

einmal alles vorbei und alles nur mehr schön für

mich sei, war die größte und brachte – als Geisel

genommen – die größte Selbstverachtung, den

größten Selbsthass ein. Wenn ich mich nicht,

mit allen Mitteln niederdrückend,

selbstbeherrschte, würde ich diese schönste

Illusion verlieren, einfach draufgehen, einfach

verrecken. Da tut man schon einiges, dass das

nicht passiert. Selbstmord oder nicht, wenn ich

einmal gestorben bin, werden sie alle an

meinem Grab stehen und weinen. Keiner wird

sich als erster wegzugehen trauen. An meinem

offenen Grab werden sie plötzlich einsehen, wie

Aber Worte – gesprochene

wie gehörte – haben

auch lebenswichtigen

Nährwert.

Schuppen wird es von ihren Augen fallen, dass

sie eigentlich mein ganzes Leben lang vor einem

offenem Buch gestanden hätten, in dem sie nur

zu lesen und einige Male umzublättern

gebraucht hätten. In eurem Gewissen möchte

ich nicht stecken. Aber noch atme ich. Zwar

schwer, aber ich atme noch. Wer weiß, wie

lange. Wenn sich einmal meine Brust

unbekümmert heben kann, ist meine Nase

verstopft; ist meine Nase mal frei, fühlt sich

mein Brustraum total verklemmt an. Aber ich

atme noch. Noch komme ich durch. Mit meinen

Augen habe ich nur im Freien Schwierigkeiten.

Wenn es so etwas gibt, habe ich „Augen für

geschlossene Räume“. Wenn mein Blick nicht

abschweift, kann ich ihn halten, und er mich,

und wir können uns vertrauen; im Bund zu dritt

findet sich die Wirklichkeit ein. Mein Vater

brachte ohne weiteres mein Bild von der

Wirklichkeit ins Wanken. Mit ihm stand und fiel

es. Und meistens fiel es, wenn es gerade schön

war. Tränen sind kein guter Mörtel für brüchige

Wirklichkeiten. Für die Liebe etwa? Wen ich

alles abgöttisch geliebt hatte. Mindestens alle,

die ich abgrundtief gehasst hatte. Mein Gesicht

und mein Körper gehörten mir. Ich hatte geteilt.

Meine Sprache gehörte euch, aber meine

Körpersprache gehörte mir. Und als Draufgabe

gehörte euch noch mein Lächeln. Lächeln ist ein

guter Mörtel für brüchige Wirklichkeiten. Aber

welches! Tränen trocknen aus, Liebe versiegt, in

der Wüste steht alles, was ich will. Ihr sollt mich

nicht saftig und kräftig kriegen, sondern

ausgemergelt und vertrocknet. Wenn ihr mich

haben wollt, müsst ihr mich erst vor dem

Überleben retten. Und wenn ich mitten in

eurem Versuch abspringe und zurücklaufe, habt

ihr kein Recht, mich zu halten. Denn was wisst

ihr denn schon? Ich will euch gefährlich bleiben.

Einer Gefahr gegenüber muss man immer

aufmerksam sein. Kaum dreht man sich weg,

lässt die Augen fallen, schnappt sie zu.

Gefährlich bleiben, ich meine, nicht mit

Selbstmorddrohungen, sondern wirklich. Eine

konkrete Gefahr darstellen. Für Leib und Seele,

Mitmensch und Land, für das ganze System, für

das aufzubauen so viele geschuftet hatten. Und

vor allem als Gefahr ernst genommen werden.

In diesem Sinn als Wirklichkeit nicht wackeln.

Voll und stabil gefährlich sein. Jaja, das hält, das

ist echte deutsche Gefährlichkeit. Da kann man

draufklopfen, da kann man auch mal mit ‘ner

Angst von ‘ner ganzen Stadt rüber, zu hundert

Prozent in Deutschland gefertigt. Aus uns

Kindern wurden gefährliche Maschinen. Und

nicht am Ende aller Tage, sondern am Anfang.

Was mir alles verboten wurde, was gefährlich

sei; ich glaube, Kinder waren keine darunter.

Erwachsene schon. Genau erklärt, warum

welche Männer gefährlich sind. Genau erklärt,

warum welche Frauen gefährlich sind. Da blieb

nicht viel über für die unbekümmerte Hingabe.

Bleibt man schon lieber in festen Schranken.

Auslieferung. Wie sieht das denn aus? Nicht vor

den Anderen. Gut angezogen bedeutet gut

entwickelt. Kleider machen Leute. Arm, aber

sauber. Ein Leben lang sauber bleiben.

Versprochen? So sauber, wie das Grab der

Eltern; aber welches Leben lang? Sauberkeit, das

erste Recht der Armen wurde gewährt.

Wahrscheinlich aus Angst vor Seuchengefahr

der Reichen. Was sich unter dem sauberen

Mäntelchen abspielte, war jedem egal. Wie viel

schmutziges Blut aus Wunden floss. Wo die

Wunden herkamen, sagte ich nicht. Ich hatte

damit ja auch nichts zu tun, für meine

Verletzungen zu haften, Verantwortung zu

übernehmen. Ich war sowieso ausgeliefert. Ich

wollte nur nicht allein sein. Verfolgten sie mich,

wie einen Film; sie hätten garantiert nichts

gesehen. Ja, wo verletzt die sich denn?, hätten

sie sich gefragt. In einem Film von der heilen

Welt sieht man das nie. Verletzt- und

Alleingelassenwerden kommen nur in einer

subtilen Dramaturgie vor. Jedoch nie in einer

schwer beladenen Pathetik. Es waren auch nur

ganz kleine Beschimpfungen und

Zurückweisungen, Erniedrigungen und

Demütigungen, Erpressungen und Drohungen.

Vaters immer wiederkehrende Sprüche. Und

Mutters immer

wiederkehrende Sprüche. Bild : Dieter Sperl

Sie wurden des

Beschwörens nicht müde.

Und des Herabwürdigens.

Jedoch wenn man tot ist,

und das Grab noch nicht

zu, haben sie alle von

Trauer erleuchtete

Gesichter und blicken auf

einen herab oder hinauf, je

nachdem, weil dann – dann

verwechseln sie einen

gleich mit Gott. Im Leben

haben sie uns nicht einmal

für Menschen gehalten.

Diese Gnade kommt zu

spät. Erst einmal heraus zu

finden, wer man ist, um

anschließend sich für ein

gutes Leben einzurichten,

dafür wird einem keine Zeit

gelassen. Obwohl sie

eigentlich in Hülle und

Fülle vorhanden wäre. Sich

eine bessere Welt zum

Leben zu verschaffen, wird

ja als geradezu schamlos

angesehen. Das gäbe das

Leben uns nicht auf. Was

dann? Vielleicht

weiterleiden. Nur nicht sich

anhören, was dieser jene,

dieser ganz spezielle

Mensch zu sagen hat.

Einfach nicht hinhören. Aber trotzdem genau

aufpassen, auf jedes Wort, jeden Laut, jede

Geste, dass man sofort losschlagen kann,

unterbinden, verhaften, wenn’s mal nicht genau

ins Schema passt. Gott behüte – das Schema.

Was ich schon über das göttliche Schema

nachgedacht habe. Ich kann mich nicht daran

gewöhnen, dass die Fügung über mich kommt.

Vielleicht als Beifügung. So zum darüber

Nachdenken. Je weniger man irgendwo dazu

gehört, desto mehr glaubt man, unbedingt damit

verbunden zu sein.

Ist das die Bedeutung des Sprichworts: Blut ist

dicker als Wasser? Oder: Blut zieht immer? Man

kann sich aus gewissen Fesseln nicht befreien.

Vor allem dann nicht, wenn sie gezogenes Blut

sind, das von Schlägen her rührt. Was noch dazu

jeder in der Familie sehen kann. Dann beginnt

der Hass stärker zu binden als alles Andere.

Hass bindet alle Kräfte. Ich glitt immer wieder

an der Wand ab, sobald ich dazu gehören wollte.

Ich hatte – obwohl ich es immerfort anders

versuchte – für jeden Schritt einen Gegenschritt

einprogrammiert. Für jede Maßnahme eine

Gegenmaßnahme. Für jeden Entwurf einen

Gegenentwurf. Und immer gleich in derselben

Sekunde. Ich hatte überhaupt keine Vorstellung,

wie etwas funktionieren sollte. Politik? Eine

Weltanschauung? Darunter verstand ich,

wie man die Welt aus großen Kinderaugen

ansieht. Arm, aber sauber. Meine Argumente

entsprangen viel mehr dem Gefühl für Sprache,

als dem Gefühl für Gerechtigkeit. Aber ich

musste immer wieder nachdenken über die

Probleme um mich. Weil man es MUSS als

junger, aufgeschlossener Mensch. Weil man

den Thesen der Alten etwas entgegen halten

musste. Jeder eigene, von mir selbst erfühlte

Schritt, wäre aufgeflogen als subversiver

Schritt gegen den Vater, die Übermacht. In

Wirklichkeit brauche ich gar keinen Platz, null

Raum. Rückentfaltung. Der Film ist verkehrt

eingespannt. Ist schon gut so, in der ganz

engen Gebärmutter der eigenen Vorstellung.

Jeder Schritt, wenn ich ihn wirklich gemacht

hätte, hätte den Vater umgebracht. Die

Illusion, dass da nichts wäre, wogegen ich

einschreiten müsste, war die Geisel, mit der

ich mich beherrschte. Wenn ich nicht spurte,

bestand die Gefahr, sie zu verlieren. Ohne

Illusion ist Nichts. Die Selbstbeherrschung

ist der erwachsene Teil in mir. Sonst hat

er nichts gelernt, nichts entwickelt. Meine

Selbstbeherrschung ist die einzige Berechtigung,

als erwachsen zu gelten. Das In-Zaum-

Halten des Hasses. Immer haarscharf an der

Messerklinge vorbei. Ich habe keine Ahnung,

wenn ich von der Besseren Welt spreche. Ich

kann mir vorstellen, was andere damit meinen.

So geschärft ist mein Denken. Ich denke das

alles. Aber wenn mir „Bessere Welt“ einfällt,

zieht sich mein Herz zusammen.

August Staudenmayer; geboren 1961 in

Herzogenburg, NÖ.; lebt seit fünfzehn Jahren als

Autor und Werbetexter in Wien.

Regelmäßige Radio-Publikationen im ORF auf Ö 1

(„Texte“, „Beispiele“, „Literaturminiatur“) und Ö 3

(„Einfach zum Nachdenken“) seit 1996.

Publikationen: „Waldschallers Einsatz“, Ritter Verlag,

2005; „Der Strandgutsammler“, Tyrolia Verlag, 2002.


ST/A/R

Buch VII - Literatur Nr. 11/2006 53

Die Dakini-Dialoge.

Aufzeichnungen aus dem Himalaya

Peter Pessl

Einige wenige, unvollständige

Anmerkungen zum Schreiben

der „Dakini - Dialoge“:

Was mir vorkam, aufschien, schon lange

vor dem eigentlichen Reisen durch einige

entlegenere Gegenden Nordindiens,

wie Spiti, Lahaul, Ladakh, war die Idee

einer “Reisesprache”, die aus Notizen

vor Ort, präzisen und schwankenden,

ernsthaften und gespielten, zahlreichen

Aufzeichnungen, Scheinaufzeichnungen

auch, Erlebnissen, Scheinerlebnissen

freilich, vagen Zeichnungen, Fotos, sich

abzeichnend, die Chance eines Noch einmal

- Erzählens ermöglichen sollte, eines sanften

Vorsprechens, jenseits, aber sich immer

gewiss, der Zerstörtheit, Unmöglichkeit

des Erzählens, der Unbrauchbarkeit der

Erzählformen für den Erkenntnisgewinn,

ein im Porösen balancierendes Sprechen,

Aussprechen, Vorsprechen, das Prosagedichte,

Gedichte, Kataloge, Bildliches aufnimmt

und sich anverwandelt und spottet jedem

Erkenntnisgewinn. Einigermassen wichtige

Überlegungen waren: Das Fremde ist

das Eigene (vice versa). Das Unbekannte

ist immer bekannt (vice versa). Es gibt

keine Fakten. Erkenntnisgewinn ist dem

Menschen nicht möglich. Nichts existiert.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind

eins. Aussenwelt und Innenwelt sind eins und

gemeinsam Illusion. Traum. Wahn. Wie man

will. Wenn es gelänge, mit den verschärften

Möglichkeiten einer “Reisesprache”, mit

„Des unbetonten Materials“

18. August, mittags, heißer Vorplatz der Ugyen

Sanag Chöling Gompa, Pavese liegend (und

klappernd mit der Rendite), die blaue Dakini

sich vor uns in immenser Größe ausbreitend:

raumgleich!

Was aber vorkam im Themenpark: „Feste,

Rituale, Sprache und Gegensprache Spiti“ war,

zum ersten Mal, die Schreckensbilanz einer noch

gar nicht beendeten, eben erst begonnenen

Reise, die Erzählreise (visiere ich an): Pavese

kritisierte mir die (angstvolle) Sprache meines

Reiseberichts, wie er es nannte, als leicht,

allen Mitteln, die Körper, Rede und Geist

so zur Verfügung stehen, das Gewebe der

Illusion zu durchlöchern, es schiene hindurch

die ursprüngliche Wirklichkeit, würde ein

buddhistischer Lama sagen, die offene Leere

ist. Also Aushebelung der Scheinwirklichkeit

mittels der zumindest momentweise

aufblitzenden Wirklichkeit. Also das

Schreiben naturgemäss als Meditation, als

spirituelle Praxis. So die spielerisch und

leichthin ausgesprochene Annahme.

In den Ländern des Himalaya-Raumes,

Indien, Tibet, Nepal usw. bedeutet eine Dakini

(Sanskrit: “Himmelstänzerin”) ein Wesen, das

im Bereich der Gottheiten und Geistwesen,

aber auch als erleuchtete menschliche

Praktizierende und Lehrerin auftreten kann.

Im tantrischen Vajrajana - Buddhismus stellt

sie eine der drei Wurzeln der religiösen Praxis

dar.

In Peter Pessls Dakini - Dialogen ist

die Dakini die ebenso fiktive wie reale

Reiseführerin auf einer Expedition des

Erzählers in das im Norden Indiens, an der

Grenze zu Tibet gelegene Spiti - Tal. Zugleich

ist sie seine Übersetzerin vom Gesehenen

und Erlebten zum Beschriebenen, sowie

von den vertrauten Geistern und Dämonen

des eingenen Inneren zu den unbekannten

Gottheiten, Geistern und Legenden des

Himalaya. Verwandt scheint sie den

geflügelten Musen und Genien der westlichen

Mythologie als Botin, Förderin der Künste und

Wissenschaften, als schöpferisches weibliches

Prinzip.

schlimmer als das: leichtgläubig, Informationen

gestreut, und Standardbericht, ein schüchterner

Mörder sei ich vor einem rauchenden

Menschen-Schornstein (sagte er dann),

Abb. „Der Geist des klaren Lichts“

und, beim ersten Ansturm des Angstvollen

merkwürdig stoisch, plan (abgedreht) in den

Anwendungen, Waschungen der Sprache und

nasses Idiom, als ernsthafter Sammler von den

freigelegten Dingen und Ereignissen desavouiert,

worauf ich antwortete (Bammel), dass diese

Verfahrensweise mit Behelfsnamen in Netzen

(der Wissbegier), die bei der folgenden

Treibjagd vor die Ausgänge des Sprachwaldes

gespannt, schiere Zufallsnamen sind, dass

diese Verhaltensweise des unbetonten Materials

mir einzig und allein für diesen einen

Bericht unserer in Unsummen gezählten

Sommerreise eingefallen sei (und mich

beherrsche), (unbetont) meine Verzweiflungen

und Krankheiten, Widerstände und Totschlag

ignorierend als die einzig menschenmögliche,

richtige, Reisesprache, während sie außerhalb

davon (in meinem üblichen Handwerk), dem

Mordmetier, auf der O-Lichtung,

Abb. „Der Geist des klaren Lichts“

stumme Tastatur, bei einer Million Grad Plus

(und Minus!), bei der Motor-Ramme, auch

mit glücklicher Hand mit Sicherheit zu nichts

zu gebrauchen sei, (wäre sie sonst nicht)

sie würde mich vorschnell zu langweilen

beginnen (Appell), wäre nicht fortsetzbar,

(obwohl es bei mir kaum je Fortsetzungen von

einmal gezeigten Tötungen gibt), nicht aus

Geldgründen, Niedertracht, Neid vor einem

Spiegel, und nicht aus dem Vorwand (der

Blindheit) einer geschlossenen Menschen-

Identität, das Auf- und Abräumen stünde im

Mittelpunkt, des Tellers, der Erzählung (von Reif

Häresie), (das ist) Sammeln und Zerstreuen

(sooft) in einem, immer nahe am Abbruch,

an der Kippe, Gespinst, und das (fallende)

Reisen, das Berichten über das scheinbare,

fallende Reisen, so habe er (Pavese) es genannt,

während wir doch in Wahrheit nirgendwo seien,

hingelangten, hinkämen, (sofern die Silben)

Abb. „Der Geist des klaren Lichts“

von den Schallquellen nirgendwo ankämen,

stillstünden, einem Zaunpfahl gleich auf der

Weide stehen wir still, eine schwarze Stele

seien wir, ein Totenmal, das Reisen aber nur

ein Vorwand (Schlag), Karnevalsbühne und

Folie für das Zerstreuen, jedes Mittelpunkts,

jedes Anhaftens an einem Mittelpunkt,

oder Normpunkt (Gegenschlag), wie Pavese

verstand, das Sprechen über (scheinbar) weit

entfernte Menschen-Figuren und Menschen-

Begebenheiten (die so heißen, weil sie nämlich

nicht Tiere und Pflanzen, Gesteins- oder

Erdbegebenheiten sind) nur ein Versuch des

Versteckens, des Abschweifens, verzweifelt

Abfallens von jedem menschenmöglichen

Resultat, „von der verfluchten Recherche nach

Resultat“, wie Pavese es aussprach, aber ein

Versuch der gelingt!, sodass der Leser, der

ein Mauler, Minutenleser sei (Affe), an der

Schmauchspur festhalten könne

und an dem traurigen Menschenverstand, (am

Limit schrammend) nicht merke, dass doch

eigentlich nichts gekommen sei, vorgekommen

sei nichts, sondern alles sei, vorwärts und

rückwärts radiert, das Zeichenpapier zerrissen,

verschwunden in diesem Zahn-Bericht, in

seinen schwammigen Körper-Barrieren,

isolierten Sprech-Quartieren, Inseln,

Bruchholz, alles (und nichts) aufgezählt,

rückwärtsgezählt, mit diesem Triumph-Bericht

nicht benannt, sondern eindeutig umbenannt

sei, zurückgezählt an den Abbruch der

Menschen-Existenz, an dem Kälte herrsche, das

unmenschliche Heulen, Nebel (Inexistenz), dass

dieses namenlose Berichten eine Vermischung

zwischen dem Erfundenen und dem

Tatsächlichen sei, im Fließen des Menschenlebens

der Schrift, das es (ja!) gar nicht gäbe, keines von

beiden (nein!), was es gäbe sei Wahn, wo die

Bedeutung kreuzt,

Abb.„Jhula über den Pin-Fluss“ (79)

Löschen dieses Wahns, wieder Wahn (wann),

„wann werde ich dort eine Wirkzahl finden, die

Primzahl Quintessenz?“, so fragte Pavese (sagte

ich sagte sie), käme (ich) die Böschungen mit

den Gedankenströmungen herab, mit den Eseln

links und rechts an einer roten Leine, Singvögel

Circen für dich und die anderen Wolkenfrauen

in einem roten Netz, mit dem blauen Lamm

in den Armen (belämmert), nachdem ich den

tief unter uns im Talboden fließenden Pin

in einer Jhula, einer Metallkiste an einem

den Fluss überspannenden Seil mittels eines

zweiten, eines Zugseils (unter Geistesangriffen)

überquert hatte, den Wiesenhang (als ob nie

etwas geschehe, als ob nie etwas geschehen sei)

durch die (möglichen) Felder im zunehmenden

Nachmittagswind hinaufgewandert war, der

dort im Erzählsommer jedesmal aufkommt und,

tobend,

Abb. „Phurpu“ (80)

bis zum Sprechmorgen bleibt, (dann und wann)

aus den, im engsten Umkreis, völlig verschieden

schmeckenden Gebirgsbächen Zeichen trank,

gemeinsam gehend und sprechend, während

du flüsterst: „für alles zahlt man!“, und „für

alles schafft man an!“, mit den Buchen, den

„starken Kerlen“ (wie es heißt), einer kleinen

Spielgruppe des Drukpa Kagyupa-Ordens19 (wie

meine Dakini gerne sagt), oder des Nyingmapa-

Ordens, wie ich gestern verstand, die als

halbnomadische, schamanische Schausteller

(schwebend), Tranceorakel (mit ihren Tieren)

unterwegs zwischen Spiti und Ladakh, den

sie schon dringend erwartenden Einwohnern

die buddhistische Lehre in Form von

Theateraufführungen, Spielen, antiken Chören

und Ritualen vorbringen, und, (ist es nicht) wie

in jedem Sommer, zur Vorbereitung des (von

ihnen)

Abb. „Lhalung, Ser-Lakhang“ (81)

nur mehr im abgelegenen Pin-Tal aufgeführten

Pho-Bar Rdo Gcog-Rituals, „das Brechen des

Steins“, (ist es nicht vorbei), einen schweren

Quader, der einer kleinen Stele in Ton

und Ausführung gleichkommt, aus den

umliegenden, völlig wüsten Bergen auf ihren

Rücken zum Ritualplatz schleppen, während

die blaue Wesensdakini mir erzählt, dass dieses

Ritual zur Befreiung der Menschen des Tales

von den dämonischen Kräften (selbst) von dem

schon besprochenen tibetischen Mahasiddha

Thang-stong-Gyalpo gestiftet worden sei

(Depots), der mit ihm Dämonen aus den

Fundamenten seiner eben erst errichteten und

von diesen Dämonen (wiederum selbst) über

Nacht wieder zum Einsturz gebrachten Klöster

vertrieben hatte, wie die meisten der Feste

und Rituale der Einwohner Spitis am Ende

des Sommers (der Erntearbeit) und im kurzen

Herbst,

Abb. „Tormas“ (82)

noch vor dem Einbrechen eines halbjährigen

Winters, in dem nichts mehr ginge, gefeiert

werden (und sind), (ist es nicht) die Hochzeiten

im November, wonach man sich (für die kalten

Monate) in die Häuser zurückziehe zu Cha,

Chang und Arrak, also gesalzenem Buttertee,

Gerstenbier und Schnaps, dem (indischen)

Spaß- und Tränenaufgebot der TV-Anlagen

(die ich sah), die (bei Solarzellen) auf den

Flachdächern zunehmend angebracht sind,

wenn aber (sie) ausgesetzt dem Wüten des

Wetters, den ganzjährig wirksamen Geistesgiften,

Krankheiten selbst hervorbrächten, die für ihre

magische Heilkunst berühmten Nyingmapa-

Lamas von Kungri sie mit eigens dafür

angefertigten und in einem Torma-Schrank

im Kloster das Jahr über streng verschlossen

gelagerten Tormas aus getrocknetem und

bemaltem, mit geheimen Mantras20 aktiviertem

Gerstenbrei,

Abb. „Der Geist des klaren Lichts“ (83)

die sie einnähmen, heilten, und, wie sie (seit

Jahrhunderten erfolgreich) glauben, von den

in sie eingedrungenen Krankheitsdämonen

befreien (richtiggestellt), diesen vorläufigen Sieg

über jene Dämonen (wiederum selbst), denn

einen anderen gäbe es nicht, denn was aufkomme

löse sich, was verschwinde käme immer wieder

zurück, aber feierten sie mit dem Da Chang-Fest

im Februar, bei dem ein Pfeil von einem Dach

aus in Richtung des Flusses geschossen werde,

(wie es hieß) alle sechs bis sieben Jahre feierten

sie Sonchok, die „Nach-Tod-Zeremonie“, zu

der sie mir (unter dem Titel: „zur Rede stehen“)

mit den Handzeichen eigene umfangreiche

Belehrungen zu Körper, Rede und Geist gab, das

Jahr ihrer Geistesfeste aber endet mit dem Gyalto-

Fest Ende Dezember, Losar, das Neujahrsfest,

feierten sie wie die Tibeter, im März, Thon

Thon,

das Ende des Höllen-, des Himmelswinters, wie

man will, wie sie mit Fußzeichen anzeigte, im

April, Lapsol, die Anrufung der Gottheiten, nach

der Aussaat des Getreides, und (im Flüstern

evakuiert) (vom Ruin) Pavese erwähnte noch

im November die Gutor-Feste, die böse Geister

(woher und wohin?) vertreiben und eine gute

Zukunft vorbereiten sollen (was immer, ein

Anland?, das sei, sein könne), in Tabo Chakhar

genannt, was aber die weltlichen Feste, er

sagte (sagte sie), die Körperfeste, betrifft, ist

das beste Namkhar, ein Reiterfest, bei dem in

der Verwaltungshauptstadt Kaza im Herbst

die Geschicklichkeit auf den kleinen, den

schnellsten Pferden gezeigt und fröhliche

Besucher herbeikämen aus allen, den vier

Landesteilen Sham, Pin, Bhar und Thud, „es

genügt mir, dass ich glaube zu sprechen!“,

antwortete Pavese, „es muss nicht sein!“, sei

doch: „nach meinem langen Totsein das Ohr

am Fuß und der Mund in den Därmen, Erde am

Leichenkörper der Anschauung!“

„Die Daikini-Dialoge“ von Peter Pessl

erscheinen im Ritter Verlag.

Zu bestellen unter :

ISBN 978-3-85415-397-9

Peter Pessl, geb. 1963 in Frankfurt/M.,

seit 1984 freier Schriftsteller und seit Beginn der 90er

Radiokünstler, lebt nach Jahren in Graz, Südsteiermark,

Wien, Latium seit 1999 wieder in Wien. Beiträge in

Anthologien und Literaturzeitschriften.

Zahlreiche Publikationen. Bisher im Ritter Verlag erschienen:

„Blumarine“. Letzte Erzählungen zur Revolution (1998)


54 Nr. 11/2006

Buch VII - Literatur

ST/A/R

Pariser Passagen

(Chroniken, Teil 1: 2005-2006)

Bettina Galvagni

Yom Kippur

Kleine Mädchen in schwarzen Samtkleidern mit weißen

Strümpfen, in der an Jugenstilkurhäuser erinnernden Synagoge

von Hector Guimard in der rue Pavée. Ich verbringe ein

Drittel der Zeit mit Beobachten, ein Drittel mit Weinen, ein

Drittel mit beinahe neutralen Gedanken an einem geöffneten

Fenster im Treppenhaus. An dem Fenster hat der Herbst

etwas Frühlingshaftes, und es ist, als würde selbst die Luft um

Vergebung der Sünden bitten. Am späteren Nachmittag entdecke

ich Gila Lustiger an der Balustrade im zweiten Stock, und

plötzlich fühle ich mich vollkommen allein, in dieser Synagoge,

deren Architektur zart wie eine Pflanze ist, in dieser Straße, dieser

Stadt...

Tod eines Grashüpfers

Drei Tage lang hatten wir ein süßes Haustier: einen städtischen

Grashüpfer. Er kletterte über Lebensmittel und Bücher, und

abends machte er kleine Spaziergänge auf der Wand. Nachts

schlief er in meinem Zimmer, auf dem Boden neben dem Bett.

Heute morgen sah ich ihn reglos dort liegen. Nur die diaphanen

Fühler bewegten sich leicht, als berührten sie die Tasten eines

winzigen Instruments. Ich nahm das Tierchen in meine Hand

und streichelte es. Die Fühler wichen sanft-wie-Algen-im-Meer

vor mir zurück, die Augen blieben zwei starre schwarze Punkte.

Gegen Mittag starb der Grashüpfer in meiner Hand, und ich legte

die Leiche in eine Schachtel.

Free Zone

Ich sah „Free Zone“ zusammen mit zwei anderen Kinobesuchern

spätabends im Kino „Montparnasse Bienvenüe“. Der Film

beginnt mit dem bekannten Pessach-Lied „Had Gadia“, gesungen

von Chava Alberstein. „Had Gadia“ erzählt in hyperbolischen

Wiederholungen von dem vielfachen Unglück, das mit dem Kauf

eines Lammes begonnen hat. Rebecca – Natalie Portman - sitzt in

einem Taxi und weint-bis-zum-Ende-des-Liedes. Aus irgendeinem

Grund hat die Verbindung dieses Liedes mit diesem Gesicht

eine starke Wirkung auf das Bewußtsein: als ob man etwas Sehr

Wichtiges (über Schönheit oder Trauer) verstehen würde... Der

erste Teil des Films ist voller Superimpositionen, die Rebeccas

zerbrochene Liebesgeschichte in einen Fieberphantasien-Grad-an-

Unwirklichkeit tauchen.

Sainte Anne

Die Straßen im Park des berühmt-berüchtigten psychiatrischen

Krankenhauses Sainte Anne sind alle nach Künstlern und

Schriftstellern benannt, es gibt einen Parc Charles Baudelaire,

eine Rue André Breton usw. Obwohl es jetzt eiskalt ist (und zwar

noch viel kälter als an anderen Orten der Stadt – nicht umsonst

heißt die nächstgelegene Métro-Station Glacière), sind die Bäume

im Parc Charles Baudelaire noch immer grün und fröhlich wie

fleischfressende Pflanzen. Nun, da ich das alles zum ersten Mal

sehe, empfinde ich etwas von dem, was ich empfand, als ich

Steinhof zum erstenmal sah, vermischt mit jener heimlichen

Resignation, die selbst die-noch-immer-grünen-Blätter-im-

Parc-Charles-Baudelaire-hinter-ihrer-Fröhlichkeit ausstrahlen...

Damals, als ich Steinhof zum erstenmal sah, war mein Leben

noch nicht so eingefroren gewesen wie jetzt – jetzt bin ich eine

Art kleines rotes Eichhörnchen im ironischen Parc Charles

Baudelaire: eine erwachsene Frau in der herbstlichen Epiphanie

eines Zentrums für Geisteskranke, dessen Inneres anziehend

und unheimlich ist... Meine Haare sind rot wie die Blätter-dienicht-rot-geworden-sind,

und ich kann nicht mehr „ein Mädchen

imitieren“. Später, bei Glacière, steigt eine blondgelockte Frau, die

ein faszinierendes Gesicht hat, mit mir zusammen in die Métro

ein, ihre Haut ist so glatt wie ein Eislaufplatz vor dem Auftritt

einer Eiskunsttänzerin - und auch in sie kann ich mich nicht

verwandeln, sie nicht imitieren, obwohl sie eine Frau-und-kein-

Mädchen-mehr ist.

Violett

Heute mittag, in der Synagoge, waren wieder die zwei kleinen

Schwestern da, die den gleichen Daunenmantel haben (die eine

der Schwestern erinnert mich irgendwie an Anne Frank – ich

liebe es, ihr Gesicht zu betrachten, das klug und undurchdringlich

ist) – dieser Mantel ist von einem so sublimen Violett, wie

ich es niemals zuvor gesehen habe, einem matten Violett, das

gleichzeitig graudurchsichtig ist wie die Wolken und wie der

Montparnasse-Turm (mein Fixpunkt in dieser Stadt).

Mara

Die Schwester eines Mädchens aus meiner Klasse, Mara, spielte

Cello am Konservatorium – Mara hatte ein wachshelles Gesicht

und rehbraunes Haar, meistens zu einem Schwanz gebunden,

große rehbraune Augen, sie war sehr real (determiniert,

selbstbewußt, fröhlich, unabhängig wie eine Katze), und wenn

sie in das Innere des Konservatoriums verschwand, verwandelte

sie sich in reinen Glanz... Ich fand nun heraus, daß Mara seit

einigen Jahren in England lebt und unter anderem bei Benjamin

Wallfisch studierte, dem Sohn von Anita Lasker-Wallfisch, die in

Auschwitz in Alma Rosés Orchester Cello gespielt hatte.

Anouk Aimée

Am Ausgang des Madeleine-Theaters wartete ich zusammen mit

einem jungen Mann und seiner Mutter auf Anouk Aimée. Ich

hörte den jungen Mann flüstern: „Anouk Aimée ist heute, mit

ihren siebzig Jahren, noch immer eine femme fatale.“ Ich vermied

es, den Mann im Kamelhaarmantel genauer anzusehen. Er war

mir unsympathisch, er sah neureich aus. Als Anouk Aimée – ganz

in Schwarz - erschien, lief die Mutter des Mannes sofort auf sie

zu und sprach mit ihr. Dann stand ich plötzlich allein vor Anouk

Aimée und dachte an das rote Seidenwickelkleid, das sie gerade in

dem Stück (einem völlig uninteressanten Stück) getragen hatte.

Ich fragte leise: „Madame Aimée, dürfte ich bitte ein Autogramm

von Ihnen haben.“ Sie lächelte. Ich sah in ihr Gesicht, das

Gesicht von Myriam in „La petite prairie aux bouleaux“. Ihre

dunklen Augen glänzten, sie wirkte ruhig, und wie in ihren

Filmen bemerkte man sofort ihre ironische Intelligenz. Sie

fragte mich, woher ich sei... Sie war da, in der dunklen Straße

vor dem Theater, wie eine brennende Kerze, und dann war sie

weg. Ich fühlte mich allein und irgendwie dumm. Ich dachte,

daß es furchtbar traurig sei, jemanden um ein Autogramm zu

bitten. Und ich dachte, daß Anouk Aimée zwar da, aber auch

nicht da war. Lichtjahre trennten uns in dem Moment, in dem wir

aufeinandertrafen, auf der dunklen Straße vor dem Madeleine-

Theater. Ah ja, ich sagte ihr, daß ihre Darstellung Myriams in

„La petite prairie aux bouleaux“ mich sehr beeindruckt hatte.

Sie freute sich wirklich darüber. Es war kalt, und es schneite ein

... was jedoch dieses „Ich“

anbelangt, dieses erzählende,

persönliche, fiktive Ich, es ist

nichts anderes als ein Huhn-dasdie-Körner-aufpickt-die-gerade-vorihm-liegen,

ein neutrales Huhn;

manchmal fühlt es etwas, wenn es

ein Korn aufpickt, und oft fühlt es

nichts... B.G.

wenig. Als ich die Rolltreppe zur Métro hinunterstieg, fragte ich

mich, wo in Paris Anouk Aimée wohnte, was für ein Buch sie

gerade am Abend im Bett las, ob sie eine Katze hatte (ich denke

nicht), ob sie jetzt ein Bad nehmen würde (in einem Interview

hatte sie einmal behauptet, sie dusche nie, sie liebe es, lange zu

baden). Sie ist ein Mensch, eine Frau... aber, wie soll ich sagen,

auch ein wenig mehr.

Kleptomanie

Mein Nachmittag im Salon du Livre endete sehr erfolgreich:

sieben gekaufte und sieben gestohlene Bücher. Ich war krankhaft

stolz darauf. Jemand hatte mir einmal erklärt, daß Buchmessen

vor allem dazu da seien, daß man Bücher stehle! Ich beschloß,

daß zumindest meine erste Pariser Buchmesse zu diesem Zweck

da sein sollte, und so konzentrierte ich mich von Anfang an auf

die Planung meines Verbrechens. Ich sah mir alle möglichen

Stände an, und da ich etwas blaß aussah, fächelten mir einige

Verleger und Buchhändler mit ihren Büchern etwas Luft zu... Erst

am israelischen Stand erklärte mir eine der Buchhändlerinnen,

was es mit den kleinen runden grünen Aufklebern auf sich hatte...

Wenn man ein Buch bezahlte, wurde einer von diesen Aufklebern

auf das Buch geklebt, damit das Sicherheitspersonal am Ausgang

gestohlene Bücher sofort identifizieren könne (die Verkäuferin

am deutschen Stand war allerdings schlampig: obwohl ich W.G.

Sebalds Buch gekauft hatte, versah sie es nicht mit einem dieser

konfettigrünen Aufkleber; vielleicht hatte sie eine dunkle Ahnung,

daß ich kurz vorher Barbara Hahns Buch über Hannah Arendt...

eingesteckt hatte). Ich lächelte die Buchhändlerin an. Ich war

sicher, daß man mich nicht erwischen würde. Ich überlegte ruhig,

welchen Ausgang ich wählen sollte. Ich verließ die Halle nach

einem Mann-der-durchsucht-wurde, mit dem sanften Lächeln

einer Jungfrau.

Hélène Cixous erinnert mich an

Bettina von Arnim

Ich hatte mir schon immer gewünscht, einmal an einem

Séminaire von Hélène Cixous teilzunehmen. Vorher war ich mit

einer Freundin in einer Bäckerei verabredet. Wir tranken Tee und

unterhielten uns auf deutsch. Eine dunkelgelockte Frau stürzte an

unseren Tisch und schrie, wir sollten diese schreckliche Sprache

leiser sprechen. Ich sprach sehr leise, denn mir war schlecht.

Ein paar Minuten später schrie die Frau noch lauter, wir sollten

überhaupt aufhören, diese Sprache zu sprechen. „Je ne peux

plus. Je ne veux plus l’entendre. Jamais plus.“ Ich wußte sofort,

wovon sie sprach, war aber so schockiert, daß ich anfing zu zittern

und „Pourquoi?“ hervorstieß, obwohl ich es wußte. Es war, als

müßte ich das Wort hören, um es ertragen zu können. Auschwitz.

Die Frau bekam beinahe einen hysterischen Anfall, hielt sich

die Ohren zu und stülpte sich ihre Mütze über den Kopf. Die

Bäckerei war voller Leute..., und die Frau konnte sich nicht mehr

beruhigen. Wir wußten nicht, was wir tun sollten. Vor allem

konnten wir nicht sagen, daß es auch Juden gab, die deutsch

sprachen.

Es regnete in Strömen, als wir an der Station Cité Universitaire

aus dem RER stiegen. Hélène Cixous sprach in der Maison

Heinrich Heine zum Thema Rêver et oublier, im Zusammenhang

mit Derrida, natürlich. (Offensichtlich träumt sie von Derrida,

so wie Hannah Arendt von Adorno träumte.) Mir war furchtbar

schlecht, als wir die Maison Heinrich Heine erreichten. Aber

dann sah ich Hélène Cixous dort sitzen, in diesem verglasten

Teil des Hauses, an dem die Regentropfen leise abperlten. Ich

war beinahe glücklich... Ihr intensives Gesicht, die Augen, die

sie so schminkt, als ob sich über dem Auge jeweils ein zweites

unsichtbares Auge befände – im übrigen ist sie schrecklich

gekleidet, und sie ist dünn und voller Kraft, und ihre Stimme ist

klar und auf zärtliche Weise energisch wie die einer Sängerin,

die Mahler singt. Am Anfang fiel es mir schwer, ihren Gedanken

zu folgen, aber dann bildete alles eine Einheit – der Regen, das

Glas, Hélène, ihre Sätze -, und ich war krank, und Hélène war die

Ärztin-mit-den-richtigen-Medikamenten.

In der ersten Pause lief ich zu ihr, um „Voiles“ und „L’Amour

même dans la boîte aux lettres“ signieren zu lassen. „Comment

vous vous appelez?“ „Bettina“ „Vous avez de la chance.“ Sie

begann, in eines der Bücher zu schreiben. „Pourquoi?“ stieß

ich schüchtern hervor. „Pour votre nom, Bettina.“ „Je déteste ce

nom.“ „Mais c’est Bettina“, sagte Hélène und blickte mich an.

„Quelle Bettina?“ fragte ich, obwohl es klar war, wen sie meinte.

„Bettina von Arnim, bien entendu!“ „Oui...“ Ich setzte mich

wieder hin und las die Widmung im ersten Buch: „Pour Bettina

la bonne et la douce.“ Ich schloß die Augen, und dann hatte ich

ein eigenartiges Gefühl, wie in dem Moment, als ich in „L’Amour

même“ gelesen hatte: „On a fait l’amour.“

Die Anästhesistin

Vor der „Untersuchung“ befand ich mich in einem

Krankenhauszimmer, das einer „Box“ glich. Dort mußte ich

mir ein OP-Kleid aus hellblauem, vollkommen durchsichtigem

Papier anziehen. Dann führte man mich in einen abgedunkelten

grauen Untersuchungsraum voller Monitore und Schläuche.

Das erste, was ich dort wirklich wahrnehme, ist die schreckliche

Schönheit der Anästhesistin. Sie ist nicht mehr ganz jung, blond,

groß, ihr Gesicht ist anziehend, und ihre feminine, elegante

Haltung erinnert an Catherine Deneuve in „Die letzte Metro“.

Sie lächelt vor sich hin, und sie hält diese Spritze in der Hand

(sie läßt etwas von der transparenten Flüssigkeit darin durch die

Nadel tropfen), diese sterile perfekte Spritze, die sie zur Königin

über Leben und Tod macht, zu meiner Königin über Leben

und Tod. Am liebsten wollte ich sie anschreien: „Warum sind

Sie auf so schreckliche Weise schön?“ Sie war plötzlich verärgert

(wie schön ist eine schöne Frau, wenn sie sich aufregt), weil die

Untersuchung von ihren Kollegen nicht ordentlich vorbereitet

worden war. Sie schrie-herum-ohne-die-laszive-Sanftheit-einerschönen-Frau-einzubüßen:

„Mais je ne peux pas travailler

comme ça!“ Ihr weißer Mantel war leuchtender als das Kostüm

von Padmé Amidala aus „Star Wars“. Als ich schließlich auf

dem Untersuchungsbett lag und sie in einer einzigen perfekten

Geste ein Venflon legte und die Spritze mit der transparenten

Flüssigkeit ansetzte, haßte ich sie dafür, daß sie mich unbewußt

dazu zwang, sie zu verehren. Mit ihrer selbstbewußten

halbdunklen Schauspielerinnenstimme wünschte sie mir

„einen schönen Traum“, fügte dann aber gleich hinzu: „Oder

imaginieren Sie etwas, was Sie unbedingt tun oder erreichen

wollen, und machen Sie im Schlaf den ersten Schritt in diese

Richtung!“ Ich schlief ein, und später hatte ich einige Mühe,

wieder aufzuwachen. Der Aufwachraum war unirdisch und leer

– und plötzlich saß ich, meinen Regenmantel auf den Knien,

mitten im Gang der Station. Wenn ich Tee trinken und Zwieback

essen könne, ohne umzufallen, meinte die Krankenschwester, sei

alles gut. Eine große Ärztin mit kurzen grauen Locken und einem

bezaubernden Lächeln und einer Stimme-die-einem-Heimweheinflößte-nach-irgendetwas

blieb vor mir stehen und sagte:

„Sie sind gesund, wo also liegt das Problem... Sie wollen sich

zerstören, nicht wahr?“ Woher weiß sie das, fragte ich mich...

BETTINA GALVAGNI, geboren 1976 in Bozen. Derzeitiger Wohnort:

Paris. Veröffentlichungen: „Melancholia“, Residenz Verlag, Salzburg,

Wien 1997 (Roman); „Persona“, Luchterhand Literaturverlag, München

2002 (Roman). Beiträge in Anthologien, Zeitschriften und Zeitungen

(Italien, Österreich, Deutschland, Schweiz, Kroatien, Polen, USA).

Österreichisches Staatsstipendium für Literatur 1987/88,

Ernst-Willner-Preis 1997, Rauriser Literaturpreis 1998.


ST/A/R

Buch VII - Literatur

Nr. 11/2006 55

Die Freuden der Jagd

Ullrich Schlotmann

Der Mann der in den Wald hineingeht denkt insgeheim/im

Stillen dies (für sich) – „richtig ist: es schießt – mir nichts/dir

nichts – ‚wie ein Blitz’ – mir durch den – in dieser Hinsicht – ‚in

puncto: Funkenflug/& was das Zünden von Ideen anbelangt’ –

nicht eben unterbelichteten – ‚sprich: Mangel keineswegs leidenden/

(sonstige) Defizite mitnichten aufweisenden’ – Dez – dies: ach, wie

groß ist (doch) die Jagd, wie (unermesslich) magnifik sind (nicht)

deren Freuden (doch)“ – im Vergleich zu: (eben) jenen – „(eher)

schlichten/im Prinzip – (mehr als) deprimierenden“ – Dingen des

täglichen Lebens, mit denen man sich ansonsten

herumzuschlagen und abzuplagen hat und die Zeit totzuschlagen

(sich) gezwungen sieht?! Allein (schon): das Halali – „wenn es

geblasen auf (original) Jagdhörnern/nicht (etwa) auf Tröten, die

denen ähneln, die dir (kalt) lächelnd von (fetten) Mamsellen auf

Jahrmärkten – genauer: an (schäbigen) Schießbuden (ebenda) als

Trostpreis ausgehändigt werden, nachdem du ein Magazin/nach

dem anderen – ‚stinksauer über die mit Vorbedacht verstellten

Visiere’ – verballert/in den (zappelnden) Kugelfang gejagt hast“ –

das Wann die Hunde losgelassen und – last/(but) not least: das

Wann die Jagd zu Ende & vollbracht – „Herrschaften, versetzt es

unsereins & unsresgleichen nicht – Hand aufs Herz:

(automatisch) in einen der Ekstase (durchaus) vergleichbaren

Zustand – und: um wie viel mehr nicht (auch) den Vierbeiner an

unserer Seite?“ Dieser nehme – „im Prinzip: jeder Terrier, jeder

Golden Retriever und – allen voran: der – im Normalfall – (sehr)

ambitioniert zu Werke gehende/wie ein Berserker sich zuweilen

gebärdende Irish Setter – ‚ein Irr-/& Derwisch vor dem Herrn –

(ganz) klar: ohne (jede) Konkurrenz unter den Totverbellern, der

seinesgleichen nicht hat im Kreis der auserkorenen/für die Jagd

sich (überhaupt nur) eignenden Rassen’ – jeder (halbwegs)

normale Schweißhund, der sein Herz (noch) am rechten Fleck,

nimmt“ – doch (sehr genau) wahr: den (enormen) Gänsehautfaktor

– „sag ich (jetzt) mal“ – der Situation – „heißt es: auf, zu Pferd – ’s

geht los! – hoch zu Ross dem Reineke Fuchs nach, im

(gestreckten) Galopp dem Isegrim hinterdrein!“ Freudig erregt

Wesentlichen – sich vom

mittelhochdeutschen sweiß her/oder

(auch) vom swet der alten Sachsen ab.

Beides habe – „lehren uns die

Etymologen – und wir wollen ihnen – da/

in dem Punkt – (einmal) Glauben

schenken“ – nicht nur die Bedeutung von aus den Poren des

Körpers austretendes Feuchtes, sondern sei auch im Sinne von

sprudelndes Blut überliefert und – „eine Zeit lang (zumindest)“ –

(durchaus) gebräuchlich gewesen – „eine Art (von) tabuisierender

Umschreibung (wohl)“ – in welcher sie – „bis auf den heutigen

Tag“ – in der Jägersprache erhalten. Demnach sei ein

Schweißhund jemand – „oder besser (gesagt): etwas“ – der – „bzw.

das“ – (stark) auf Blut abfahre – „wittert er (nur) geringste

Mengen (davon), schon ist (bald) kein Halten mehr, er muss

jenen, der (da) so verheißungsvoll tropft, (unbedingt) haben/ihm

den Garaus machen, koste es, was es wolle, kein Vertun – in der

(vorbezeichneten) Sache. Mit der Nase auf dem Boden geht es

(bald schon) – ‚ohn (allzu) großen Verzug’ – dahin, wie an der

Schnur gezogen – rasch: auf/& davon – im Kopf (mutmaßlich)

Bilder, die in dunklem/fast schwarzem Ochsenblutrot gehalten

und den einen/oder anderen – unter Umständen – an die

(kranken) Orgien/Mysterienspiele eines Hermann Nitsch (etwa) –

‚des selbst ernannten Masters of Schlachtabfall’ – gemahnen

mögen. Jeden einzelnen (von ihnen) macht der Ruch und macht

das (leidenschaftliche) Verlangen – danach: desjenigen, der (da)

so (unverschämt) gut duftet, (möglichst) bald/in der

(aller)kürzesten Zeit habhaft zu werden, (völlig) kirre zwischen

den (gespitzten) Ohren, sie drohen, sollten sie die (dazugehörige)

Person, das (dazugehörige) Stück Wild (etwa) nicht (gleich) zu

fassen bekommen/nichts zwischen ihre (gottverdammten)

Beißerchen kriegen, (relativ) unverhohlen – damit: stante pede –

närrisch zu werden/(komplett) blöde – wobei: dies das

Allerschlimmste (wohl) – bei weitem – (noch) nicht wäre!“ Einmal

habe man – „mit eigenen Augen“ – mit ansehen müssen, wie

(irgend)etwas in der Richtung. Jetzt geht alles (sehr) schnell/

(alles) seinen (gewohnten) Gang. Ein Rad fasst in das andere –

was getan werden muss: (das) wird getan, es gibt keinen

Aufschub (mehr), wozu (denn) auch sollte der gut sein? Die

Hunde: (sie) sind (schon) ganz außer Rand & Band – über Stock

geht es (dahin)/& (über) Stein, zügig – huiii, wie (da) die Fetzen

fliegen!“ – und um die (spitzen) Eckzähne (herum), lasse sich

(wahrheitsgemäß) anfügen, der (nasse) Zungenlappen schlabbere –

„und der Schaum des Speichels rührt. Das Ho-ho-ho! der Treiber/

deren – (ganz) behäbiger – Sing/Sang (irgendwo) fernab – plus:

das (dazugehörige) Schlagen von Holz an Holz/mit (hölzernen)

Prängeln gegeneinander: es gibt (dazu) den – mehr/oder weniger

– gleichmäßigen Takt an/mischt sich mit den ersten/(noch) etwas

(sehr) zaghaften Versuchen der Gewehre/wächst sich (schließlich)

zu einem (ganz) exorbitanten – ja: infernalen Krawall aus. „Und

erst (später) am Abend klingt es (langsam) – ‚nach/& nach’ –

ab/(es) verebbt (gemach), bevor es (dann) – ganz/& gar – zum

Stillstand kommt (...). Ruhe ist – mit einem Mal – wieder – ‚und

Friede eingekehrt’ – Stille legt sich – ‚wie ein samtenes Bahrtuch/

die pechschwarze Nacht (etwa)’ – über das (ganze) Land. Das

(nun) also war das (große) Halali der Parforcejagd – hat man das

auch einmal mitgemacht. Der Hirsch, der das Signal vernahm, er

warf (zunächst) auf – ‚das: ja’ – verhoffte (auch wohl) – doch: nur

(für) kurz, dann wusste er (irgendwo) tief in seinem Inneren –

jawohl: er hat verspielt/’s ist aus! Solch ein Hirsch weiß nur

(all)zu gut, was die Stunde und – vor allen Dingen: wem sie

letztmalig geschlagen – mehr noch: (er) schickt sich, wie es sich

(für ihn) doch geziemt, in sein Schicksal, das unvermeidlich. Das

Blatt – ‚in dem Fall’ – bietet er dem Schuss des Waidmanns dar –

vernehmen Mann & Hund (da) den Gruß des Waldhorns – und:

erwidern ihn auf ihre/ihnen (jeweils) eigne Art & Weise. All die

Pointer, Deutsch-Drahthaar und (div.) Teckel fangen – „wie auf

ein geheimes/verabredetes Kommando (hin)“ – an, mit den (weit)

herauslappenden Leckern zu hecheln, die Männer schwenken

(dazu) mit den Hüten in den Lüften herum, die Pferde wiehern

(übermütig), (sie) steigen auf den Hinterhufen und strullen mit

sattem/(derb) pladderndem Strahl ein letztes Mal in die

quatschnassen Furchen der Felder – es ist – alles/in allem – eine

ziemliche Anspannung zu konstatieren/(förmlich) wie mit

Händen zu greifen. Quirlig sind die Terrier, tummeln

umeinander – so: wie die agilen/höchlich vif-alerten

Quecksilberperlen tun, die dem Fieberthermometer entsprungen,

da es zu Bruch ging/auf dem Küchenboden aufschlug – ähnlich:

giftig – im übertragenen Sinn – „(ganz) unangenehme – ja: fatale

Folgen – unter Umständen – für denjenigen zeitigend, der mit

den einen (entweder)/oder den anderen in Berührung kommt.

Fühlen Sie (doch) nur (einmal): ihnen beult der Puls die Ohren –

die Schwanzspitze: (sie) pumpt (heftigst)/zittert (richtiggehend) –

wie wenn: sie (elektrisch) aufgeladen wäre.“ Dementsprechend

schwer sei sie (aber) auch zu handhaben, die Meute von

frisierten/(denkbar) hochgezüchteten Vierbeinern, die mehr

gemein/& in common habe mit (irgendwelchen) scharf gemachten

Handgranaten – als mit: (ganz) normalen – Durchschnittstölen/

halbwegs (zumindest noch) ansprechbaren Exemplaren. „Es sind

(eben)/& bleiben diese – im Grunde (genommen) – (doch):

Schweißhunde und keine (verzärtelten) Kuscheltiere.“ Das habe

(nun) nichts damit zu tun, dass sie bei der Jagd (besonders) stark

schwitzten – „das auch, schon“ – aber: leite die Bezeichnung,

unter der sie (hier) alle (kurzerhand) subsumiert würden – im

solch ein Rasender – „der weder ein wusste/noch aus (mehr)“ –

sich (selbst) – „und zwar: mit Haut & Haaren“ – aufgefressen

habe – „ja: Sie haben mich (richtig) verstanden“ – rasend vor

(unstillbarem) Verlangen/(ganz) außer sich vor (maßlosem)

Haben-/Happa-Happa-machen-Wollen – „aber: Nicht-Können.“

Er habe (zunächst) – (ganz) harmlos – am (eigenen) Schwanz zu

knabbern begonnen – „das hat einem (aber) noch nicht (wirklich)

zu denken gegeben/allenfalls einen zweiten, neiderfüllten Blick

riskieren lassen“ – dann sei es (alsbald) jedoch die (krachenden)

Knorpel des Rückgrats entlanggegangen – bis hin – schließlich:

zu den (knirschenden) Zähnen am entgegengesetzten Ende, die

sich letzt (gar) selbst zermalmt hätten – zermahlt: zu feinem,

gipsartigem Staub – „(...) da ist man (dann) doch (etwas) stutzig

geworden.“ Wer – „wie ich“ – Augenzeuge geworden solch

abnormer Szenen, die – „in guter/alter Splatterfilmmanier

unterlegt mit ekligen/(wirklich) obszön klingenden Saug-/&

Schlotzgeräuschen“ – selbst den Hartgesottensten unter den

Snuff-Enthusiasten – über kurz/oder lang – an dessen – (ganz)

persönliche – Schmerzgrenze (heran)führten – „ich weissage

Ihnen“ – der halte seinen Hund nun/& in Zukunft nicht (mehr)

allzu kurz an der Leine/sehe (vielmehr) zu, dass dieser – dann/&

wann – (auch) etwas anderes als die eigenen Knochen zu fressen

bekomme. Hier/& jetzt sei (also) nicht die (rechte) Zeit/der

(passende) Ort (zudem) nicht – dazu: den Hund zu übertriebener

Zurückhaltung anzuleiten, so/oder so. „Ihm sollte (jetzt) nicht –

auf Biegen/oder Brechen – absoluter Gehorsam abverlangt

werden, nein – losgekoppelt/& (einfach mal) machen lassen!“ – heiße

(vielmehr) die Devise & Losung, die momentan angesagt – „da: es

losgeht, der Hund (schon) anzieht – im Hintergrund bläst

jemand: Gute Jagd – oder (auch): Auf, auf zum fröhlichen Jagen –

es röhrt (tief) in ihm (drinnen) noch einmal, dann erstirbt (auch)

dies (bald) ganz. Wie zum Zeichen – ja: ich will, bin (nun) mit

allem, was geschehen soll/& (noch) kommen mag, (auch)

einverstanden, habe (sowieso) vor langer Zeit schon meinen Frieden

mit Gott & der Welt gemacht – geht der Hirsch steif – nichts/

destotrotz: (auch) majestätisch & voller Würde – ‚wie kein

Zweiter’ – in die Knie – bereit: die Sterbesakramente – ‚das

Abendmahl, die letzte Ölung (etc.)’ – zu empfangen. Das

Gestänge, das er – ‚das (ganze) vergangene Jahr über’ – zu solch

imposantem Ausmaß geschoben, scheint ihm (plötzlich) schwer

wie Blei (zu sein) – er muss sich (nun einmal) hinlegen/alle viere

von sich strecken, unbedingt. Prall ist der Bauch und dunkel die

Naht, entlang der eröffnet wird – gasende Darmschlingen kullern

heraus! Ja: (wahrhaft) groß & einzigartig sind die Freuden der

Jagd. Größer (noch) ist kein Ding – ‚sowohl: im Himmel/als auch:

(hier) auf Erden’ – schal schmeckt alles andere, schal &

abgestanden (danach).“ Und habe einer (erst einmal) Blut geleckt –

in dem (herkömmlichen) Sinn – „schmeckt dem der Schnaps aus

dem Flachmann nicht mehr – ernsthaft: will der (gar) nichts

anderes (mehr) haben“ – und sei dem – „aus meiner Sicht“ –

(wohl) nichts (mehr) hinzuzufügen – so: wie er die Dinge sehe.

Ulrich Schlotmann, geb. 1962.

Veröffentlichungen im Maas und Ritter Verlag.


56 Nr. 11/2006

Buch VII - Literatur

ST/A/R

Coca Cola und das Ende der Kindheit

Wolfgang Hermann

Etwas wie ein Riss ging mit einemmal durch Herrn Funirs

Kindheit. Beim Fangenspielen, beim Versteckspiel,

beim Schnitzen von Pfeil und Bogen hörte er jemanden

ihm ins Ohr flüstern: „Das sind Kinderspiele, aber du bist

doch kein Kind mehr. Wie lächerlich du bist, hier im Versteck

hinter dem Schuppen.“ Dieser Jemand war er selbst, und

seine Einflüsterungen wurden immer gemeiner. Es waren

Sommerferien, das Gras stand hoch in den Wiesen. Herr

Funir rannte durch die Wiesen, versteckte sich hinter einem

alten Birnbaum. Er legte seine Wange an die rauhe Rinde

des Baums und spürte sich selbst. Die Wange an der Rinde

des Baums ist meine Wange, dachte es in ihm. Und er fühlte

Übereinstimmung mit dem Baum, mit der Wiese, mit seinem

Hiersein in diesem Augenblick, an dieser Stelle. Ein Windhauch

berührte seine nackten Arme und er bekam eine Gänsehaut

vor Glück. Für einen langen Augenblick war er nichts als

Übereinstimmung, als glückliches Ja zu diesem Ort, zu dieser

Welt, die ihn aufnahm. Aus diesem Augenblick näherte sich

ein Schatten, ein taubes Gefühl in der Magengrube, etwas, das

schwieg und doch deutlich sprach. Herr Funir wußte nicht, was

es war, aber er begriff, daß er Abschied nehmen würde von der

Welt des Versteckspiels im hohen Gras, von den Lichtbahnen in

den Ritzen zwischen den Brettern im Schuppen.

Als Herr Funir an der Haustür läutete, öffnete seine Mutter.

Gleich beim ersten Schritt ins Haus wußte Herr Funir, daß

etwas anders war. Etwas Fremdes lag in der Luft, war es ein

Geruch? Er betrat das Wohnzimmer und erkannte seinen Vater.

Herr Funir senior war aufgeräumt, er trug sein Besuchsgesicht.

Auf dem Sofa saßen eine fremde Frau und ein Mädchen, das

etwa so alt war wie Herr Funir. Die beiden kamen aus einer

anderen Welt, das sah Herr Funir sofort.

Herr Funir wurde der fremden Frau vorgestellt. Er reichte ihr

die Hand. Fast hätte er sie zurückgezogen, so kalt, so wächsern

fühlte sich die ihre an. Die Augen dieser Frau waren blau und

kalt. Das war Tante Teofila. Herr Funir sah sie zum erstenmal.

Das Mädchen war seine Cousine Elfi. Er hatte gewußt, daß er

eine Tante und eine Cousine hatte und daß sie in der Stadt Wien

lebten. Aber daß Tante und Cousine aus Fleisch und Blut waren,

das hatte er nicht gewußt.

Na, fragte Tante Teofila und sah ihn durchdringend an, was

machst du so den ganzen Tag?

Herr Funir wußte nicht, was er darauf antworten sollte. Was

sollte er schon den ganzen Tag machen? Es war Sommer, das

Gras stand hoch in den Wiesen, Freunde warteten auf Herrn

Funir. Die Schule war weit weg, wenn auch nicht so weit, daß sie

nicht als kleiner Stich immer wieder durch seinen Kopf zuckte.

Herr Funir fragte, ob er etwas zu trinken bekäme. Und

zwar meinte er nicht das übliche Leitungswasser, sondern

ein Glas von der Limonade, die Mutter Funir für besondere

Gelegenheiten irgendwo versteckt hielt.

Mutter Funir wußte, woran ihr Sohn dachte und sah ihn

komplizenhaft an. Jetzt war der Weg für Herrn Funir frei, und er

sprach mutig das Zauberwort aus: Coca Cola. Gibt es Coca Cola,

fragte er.

Tante Teofila zögerte keinen Augenblick. Wie ein Tonband

sagte sie mechanisch: „Coca Cola ist die Vorstufe zum

Rauschgift!“, und sah Herrn Funir durchdringend an. Cousine

Elfi nickte gehorsam. Herr Funir sah Mutter Funir an, die

verunsichert war. Herr Funir senior nützte die Gelegenheit, um

seine Autorität zu demonstrieren: „Der Bub braucht keine Coca

Cola. Himbeersaft ist sowieso besser gegen Durst.“

Zufrieden nickte Tante Teofila, und auch Cousine Elfi

nickte. Mutter Funir ging in die Küche und brachte einen Krug

Himbeersaft. Herr Funir hasste Tante Teofila, und er fand

Cousine Elfi blöd.

Vater Funir öffnete eine Flasche Rotwein und kredenzte

seiner Schwester Teofila ein Glas. Frau Funir lehnte wie immer

ab, sie trank lieber ein Glas Himbeersaft mit Herrn Funir und

ihrer Nichte Elfi.

Herr Funir hat Tante Teofila und Cousine Elfi seitdem nicht

wiedergesehen. Tante Teofilas Ausspruch über Coca Cola hat

er nie vergessen. Später erzählte Mutter Funir, Tante Teofila

schlafe mit ihrer Tochter Elfi in ihrer kleinen Wohnung am Rand

der Stadt Wien in einem Bett. Da war Herr Funir erwachsen,

und auch Cousine Elfi mußte erwachsen sein. In Tante Teofilas

Leben gab es keinen Mann. Und auch in Elfis Leben gab es

keinen Mann. Sie war wie ihre Mutter Lehrerin geworden. Später

sah Herr Funir auf einem Foto die dreißigjährige Elfi. Sie hatte

die kalten, schönen Augen ihrer Mutter, mit der sie das Bett

teilte.

Geistergespräch

Herr Funir ist auf Besuch bei Abdullah. Abdullah fragt: Wie

geht es dir? Es geht, sagt Herr Funir, es geht. Du siehst

aus, als wärest du ohne Seele hier, sagt Abdullah. Ja,

ich sehe es: Du bist nicht bei dir. Deine Seele hast du irgendwo

vergessen. Erinnerst du dich?

Ja, im Flugzeug war mir, als ziehe man mir die Haut ab, sagt

Herr Funir. Das war vor einem Monat. Meinst du, die haben was

mit mir gemacht?

Hier in eurem kleinen Land ist alles sehr nett, sagt Abdullah.

Im Haus gibt es Licht, Wasser und Strom. Die Wege zum Haus

und in der Stadt sind asphaltiert, man kann gehen, ohne daß

man fällt. Man kann erschütterungsfrei mit dem Auto fahren.

Aber man geht und spürt es nicht. Überhaupt sehe ich hier viele

Gespenster. Ich sehe sie auf der Straße, sie grüßen einander,

sie gehen und stehen, ohne daß sie es merken. Und während

sie miteinander reden, denken sie an etwas anderes. Nein, sie

denken nicht, sie werden gedacht. Ja, sagt Abdullah und zeigt

seine schönen weißen Zähne, sie werden gedacht.

Sie werden gedacht, fragt Herr Funir. Wer denkt wen?

Setzt ihr hier nicht hundertmal euren Namen unter ein

Papier und nennt es Vertrag und Grundbuchauszug und

Kontoauszug und Kredit? Und spürt ihr nicht eine seltsame

Befriedigung, wenn ihr solche Papiere unterschreibt? Ich

glaube, ihr unterschreibt zu oft. Man kann nicht soviele Papiere

unterschreiben und leben wollen, als wäre nichts. Diese Papiere

sind Geister und jede Unterschrift bindet euch an einen neuen

Geist.

Du übertreibst, Abdullah, sagt Herr Funir.

Wenn du meinst, sagt Abdullah, und ist ein bischen beleidigt.

Aber schau dich doch an, sagt er. Bist du etwa glücklich, so wie

du jetzt dastehst? Ich sehe doch, was los ist. Du bist nicht hier

und bist nicht dort. Du bist heute hohl wie ein Gespenst. Geh

zurück zum Flughafen und hole deine Seele ab!

Wie denn, fragt Herr Funir.

Sei doch kein Kind, sagt Abdullah. Bei uns weiß jeder Mann,

wie er seine Seele zurückholt. Er setzt sich hin und wartet. Und

wenn die Seele da ist und er sie spürt, dann geht er und ist

glücklich. Auch hier in diesem Kleine-Kästchen-Land kann ein

Mann glücklich sein. Er muß nur gehen, wenn er geht, essen,

wenn er isst, und lieben, wenn er liebt. Abdullah schaut Herrn

Funir an. Ja, ihr tut nicht, was ihr tut. Ihr geht und denkt an

Geschäfte. Ihr esst und denkt an Geschäfte. Ihr schläft mit einer

Frau und denkt an eine andere. Das ist die Krankheit, die euch

zu Gespenstern macht.

Jetzt sieht Herr Funir deutlich wie durch ein Gestänge, wie

durch Unterholz hindurch, wovon Abdullah redet. Er sieht durch

die Wände der gepflegten neuen Häuser hindurch das kleine

rohe Gestell des Lebens der Menschen, die leben und sich nicht

kennen und nicht wissen, was sie für sich tun können. Und er

sieht sich selbst, wie er sich verzweifelt ans Leben klammert, wie

er zittert vor Todesangst. Was willst du festhalten, fragt Abdullah,

schau dem Tod ins Auge - Abdullah verwendet Metaphern -,

schrei ihn herbei, den Tod, schrei: Komm, Tod, herbei, komm,

Herzinfarkt, herbei! - und du wirst sehen, der Tod kommt nicht.

Herr Funir denkt an die Worte im Hagakure: „Stell dir

jeden Morgen aufs neue vor, daß du bereits tot bist. Halte dich

jeden Morgen, wenn dein Geist friedvoll ist, ohne Unterlaß

für tot, denke über verschiedene Arten des Todes nach, stelle

dir deine letzten Augenblicke vor, wie von Pfeilen, Kugeln und

Schwertern in Einzelteile zerfetzt zu werden, von einer Woge

weggespült, in ein rasendes Feuer springend, von einem Blitz

erschlagen, in einem großen Erdbeben untergehend, von einer

schwindelerregenden Klippe stürzend, an einer tödlichen

Krankheit leidend oder plötzlich tot umfallend.“ Da wird Herrn

Funir warm an den Fußsohlen und warm an den Händen. Siehst

du, sagt Abdullah, jetzt ist deine Seele in dich zurückgekehrt.

Du hast Glück gehabt! Manchmal dauert es sehr lange, bis die

Seele in den Körper zurückkehrt, und manchmal kommt sie nie

zurück. Jetzt, wo du deine Seele wieder hast, kann ich dir das

ruhig sagen.

Abdullahs kleiner Sohn kommt mit einem strahlenden

Lächeln herein und springt seinem Vater auf den Schoß. Siehst

du, sagt Abdullah, bei den Kindern ist noch alles beisammen,

Seele und Körper sind noch nicht getrennt. Deshalb ist das

Kindermachen und das Kinderhaben das Schönste auf der Welt.

Du solltest auch ein Kind machen! Nimm dir eine Frau und

mach ihr ein Kind! Du wirst sehen, das ist der Kitt, der alles

zusammenhält.

Auf dem Nachhauseweg spürt Herr Funir noch immer die

Wärme an den Fußsohlen und Händen. Er weiß, daß er eben

Zeuge eines Zaubers war. Alles war ganz einfach, und daß es so

einfach war, das war der Zauber daran.

Desktopfoto Nr. 2 , von Liesl Ujvary, 6.09.2006. Schriftstellerin: Texte, Bilder, Musik

Wolfgang Hermann, geb. 1961 in Bregenz, Studium in Wien,

anschließend lange Auslandsjahre, u.a. in Frankreich und Japan. Seit

dem ersten Prosabuch „Das schöne Leben“ (Hanser 1988) zahlreiche

Bücher, zuletzt: „Fliehende Landschaft“, Roman (2000); ins tagesinnere,

Gedichte (2002); „Das japanische Fährtenbuch (2003); Das Gesicht in

der Tiefe der Straße“ (2004); „Herr Faustini verreist“, Roman (Deuticke

2006).


ST/A/R Buch VIII - Galerie Brunnhofer

Nr. 11/2006

57

Galerie Brunnhofer

Ein Ort für junge zeitgenössische Kunst

Die Galerie Brunnhofer Linz ist einer der engagiertesten Orte für

zeitgenössische Kunst in den Bereichen Malerei, Installation und

Objektkunst in Oberösterreich. Durch rege Messebeteiligung im

europäischen Raum ist es der Galerie gelungen ein über Österreich

hinausgehendes Netz an Kunstinteressenten und Sammlern aufzubauen.

Dadurch wird jungen Künstlern die Möglichkeit eröffnet im europäischem

Kontext präsent zu sein.

Thomas Redl: Was ist der Schwerpunkt und das

Programm deiner Galerie?

Stefan Brunnhofer: Meine Frau Elisabeth und

ich haben 1998 eine Galerie gegründet mit dem

Schwerpunkt zeitgenössischer, junger Kunst dabei

besonders Malerei, Skulptur und Installation. Wir

versuchen, jungen Künstlern und Künstlerinnen

die Möglichkeit zu geben, sich am internationalen

Kunstmarkt zu positionieren.

T.R.: Aktuell wird eine Ausstellung mit Arbeiten

von Josef Danner eröffnet und damit gleichzeitig

die neuen Galerieräume. Wie sehen die neuen

Galerieräume aus?

S.B.: Ursprünglich haben unsere KünstlerInnen auf

ca.450m”präsentiert mit einer Raumhöhe von 4,5m.

Wir haben aber festgestellt, dass dieser, fast museal

wirkender Raum zwar für viele Kunstwerke ideale

Bedingungen bot, gleichzeitig aber auch ebensoviele

überforderte. So haben wir uns entschlossen,

die Galerieräume im selben Gebäude in den

sogenannten “Altbau“ zu verlagern.

Nach 3-monatiger Umbauvase haben wir jetzt auf

100m2 Ausstellungsfläche, 4 fensterlose quadratische

Räume geschaffen die ideale Bedingungen für unser

Galerienprogramm bieten.

T.R.: Vom Standpunkt Linz ausgehend bist du auf

vielen Messen vertreten. Welche Messe sind für dich

wichtig?

S.B.: Gerade wenn man von einem Standort aus

wie Linz agiert sind Messeauftritte ein wichtiger

Bestandteil der Galerientätigkeit. Für unsere Galerie

die sich wie erwähnt besonders um zeitgenössische

junge Kunst kümmert sind Messen wichtig die sich

auch vorwiegend dieser Thematik aufgeschlossen

zeigen. So gehen wir momentan auf Messen wo

“junge Kunst“ für eine Bewerbung die Voraussetzung

ist bzw. wo es Schwerpunkte für “junge Kunst“ gibt.

Das heißt, Galerie spezialisiert auf junger Kunst,

Alter der eingereichten KünstlerInnen nach oben

beschränkt usw. Leider gibt es davon

zu wenige. Durch unsere Auftritte

auf adäquaten Messen in Frankfurt,

Köln, London, Miami, Berlin

konnten wir unsere KünstlerInnen

in wichtigen großen internationalen

Sammlungen und Galerien

unterbringen.

T.R.:Welche Künstler werden durch

deine Galerie vertreten und welche

sind der Schwerpunkt?

S.B.: Vertretene KünstlerInnen der Galerie sind:

W.D.Bauer, Lucia Dellefant, Josef Danner, Moritz

Götze, Aurelia Gratzer, Judith Huemer, Ronald

Kodritsch, Oliver Kropf, Inge Kracht, Anton

Petz, Birgit Sauer, Christoph Schirmer, Manfred

Schluderbacher, Elisabeth Sonneck, Thomas Sturm,

Kurt Straznicky, Christa Mayrhofer.

Die Hauptschwerpunkte sind zur Zeit: Lucia

Dellefant, Moritz Götze, Aurelia Gratzer, Inge Kracht,

Anton Petz, Birgit Sauer, Christoph Schirmer,

T.R.:Neben der Galerie betreibst du auch einen

Skulpturengarten? Was zeigst du dort?

S.B.: Der Skulpturengarten ist eine permanent

wachsende Ausstellung. Der Großteil der Skulpturen

wird angekauft und soll ständig erweitert werden.

Es gibt keine besonderen Schwerpunkte bis auf

die Witterungsbeständigkeit. Zu sehen sind z.B.

Skulpturen von Erwin Reiter, Tone Fink, Theo

Blaickner, Thomas Kühnapfel, Alfred Hrdlicka, Birgit

Sauer, u.a. Weiters gibt es beim Skulpturengarten

auch eine permanente Ausstellung auf 150m” mit

Arbeiten unserer GaleriekünstleInnen und weiters

ausgewählte Arbeiten u.a. von Hubert Schmalix,

Siegfried Anzinger, Alois Mosbacher, Anselm

Glück, Alfred Klinkan, Hans Fronius, Markus

Prachensky, Peter Sengl. Geöffnet wir nur nach tel.

Terminvereinbarung.

Aktuelle Ausstellung – Josef Danner

„Die Fortsetzung des Alltags mit anderen Mitteln”

Bis 25 November 2006

Ursprünglich der „abstrakten“ Linie der „Neuen Wilden“ zugeordnet, hat sich

die Arbeit Josef Danners sowohl als Maler , als Texter und Grafiker sowie als

Gestalter von Plakatinstallationen im öffentlichen Raum zunehmend konzeptuell

entwickelt. Kontinuierlich fließen Textelemente in die bildnerische Arbeit ein.

Anstatt „Natur“ werden gesellschaftlich produzierte Mythen und deren mediale

Darstellung in Sprache und Bild zum Ausgangspunkt der Reflexion.

Unter Nutzung neuer technischer Medien und des „Sampelns“ von Bildmaterial

entsteht ein persönliches Universum, das durch überraschende Kombinationen

von Bild und Sprache den Betrachter intellektuell auf quasi „surrealistische“

Weise herausfordert. So gewonnene „ virtuelle Bilder “ können wieder

Ausgangspunkt für Transformationen in Malerei und Zeichnung sein oder

auch direkt als Druckgrafik das Spektrum der „Malerei“ erweitern.

Danners ursprüngliche bildnerischeTechniken wie Malerei und Zeichnung

werden also nicht aufgegeben sondern kontinuierlich auf „ neue Füße“

gestellt.

Zur Serie „Strange Angels“

Ansicht der Galerieräume mit Arbeiten von Josef Danner

2001 wurde damit begonnen, stark emotional besetzte Bilder aus dem Fundus

des uns von Tag zu Tag geleitenden medialen Nervenkitzels zu sammeln ,

einige davon zu scannen und mittels diverser Computerprogramme soweit zu

abstrahieren, daß sie eine quasi archetypischen Verdichtung erreichten.

Zentral kristallisierte sich die Figur des Feuerwehrmannes als “apokalyptischer

Held” und “katastrophischer Schutzengel” heraus.

Ich begann eine Serie über diesen Themenkreis zu malen, wobei mich besonders

das Spannungsfeld zwischen der technischen Exaktheit der Computerbilder

und dem Pathos der “expressiv” gemalten Bilder interessiert.

Galerie Brunnhofer

A-4020 Linz, Hafenstraße 33

Tel.: 0043 (0)664 / 38 18 104

FAX: 0043 (0)732- 77 83 21-75

Öffnungszeiten:

Di bis Do 10.00 – 17.00 Uhr

Fr 10 – 15.00, Sa 10 – 13.00

und nach tel. Vereinbarung

mail: art@brunnhofer.at

homepage: www.brunnhofer.at/galerie

Aktuelle Termine (Ausstellungen/Kunstmessen)

Galerie Brunnhofer, Josef Danner, 12.Okt.06 – 25.Nov.06

Art Fair Köln, 1.Nov.06 – 5.Nov.06

Kunst.Messe.Linz, 24.Nov. – 26.Nov.06

Galerie Brunnhofer, Manfred Schluderbacher, 6.Dez.06 – 12.Jän.07

Galerie Brunnhofer, Birgit Sauer, 16.Jän.07 – 3.März 07

Art Los Angeles, 25.Jän.07 – 28.Jän.07

Mark Moore Gallery, Aurelia Gratzer, Christoph Schirmer,

LA-USA 31.März 07 – 12.Mai 07

Galerie Brunnhofer, Moritz Götze, 14.März 07 – 30.April 07

Galerie Brunnhofer, Mark Moore Gallery Artists, 10.Mai 07 – 30.Juni 07

Josef Danner

1955 in Amstetten / Niederösterreich geb.

Studium Germanistik, Geschichte und

Philosophie in Wien;

in den 80er Jahren Mitglied diverser

Musikgruppen: „Molto Brutto“,

„Ganslinger“ (Kassettenproduktionen&

CD’s, 2 LP’s Plattenedition „Singles-Club“);

Einzel- & Gruppenaussstellungen im

europäischen Raum.

Studienaufenthalte in Paris und Island.

Lebt und arbeitet in Niederösterreich,

Wien und im Burgenland.

Arbeiten des Künstlers befinden sich

sowohl in öffentlichen (Museum des 20.

Jhdts., MUMOK Wien, Neue Galerie

Graz, NÖ Landesmuseum St.Pölten,

Neue Galerie Linz) als auch in privaten

Sammlungen (Museum des Stiftes

Admont, Generali Foundation etc.)

Aus der Serie “Strange Angels“ 2005-06,

Mischtechnik / Lw., 258x183cm


58

Buch VIII - Galerie Brunnhofer

ST/A/R

Christoph Schirmer

„Distorted Heroes“ - 2006

Bildbearbeitungsprogrammen erstellt, sondern vom Künstler während des

Arbeitsprozesses kognitiv übersetzt.

Klassische malerische Lösungen per se werden so um computergenerierte

Darstellungsweisen ergänzt und um virtuelle Wahrnehmungsformen

erweitert.

Über die Arbeiten

Florian Steininger, Kurator BA-CA Kunstforum - 2005

Christoph Schirmers Malereibegriff fügt sich in jene optische Matrix ein, die

jenseits des guten alten Guckkastenprinzips zu finden ist. Die Farbmaterie

befindet sich oft reliefhaft auf der Oberfläche, verstärkt durch eine grelle,

ins psychedelische kippende Farbpalette, die das aggressive Pulsieren

des Bildes intensiviert. Anstelle des beschaulichen Blickes in die Bildtiefe

wird die Netzhaut des Betrachters aggressiv attackiert, ähnlich den optisch

flimmernden Effekten von Timessquare-Reklameschildern oder leuchtend

flirrenden Flipper- und Spielautomaten in Las Vegas oder in Bowlinghallen.

“Meersau”, Acryl auf Leinwand, 180 x 150 cm, 2006

CHRISTOPH SCHIRMER

Christoph Schirmer entnimmt die einzelnen (Anti-

) Heldendarstellungen seiner Bildkompositionen

von virtuellen Medien, wie etwa DVDs oder Computeranimationen.

Diese werden einerseits durch den Vorgang

der Malerei an sich entfremdet und andererseits durch die

Entfernung aus der ihnen zugedachten und üblicherweise

bekannten Umgebung in einen neuen Kontext gestellt.

Zusätzlich kommt es auf dem Bildträger zu einem

Zusammentreffen von Charakteren, Objekten und

Elementen, das der „virtuellen Realität“ nicht entspricht,

sondern der persönlichen Imagination Schirmers

entspringt.

In den malerischen Flächenlösungen ist eine

gewisse „digitalisierte Visualisierung“ spürbar.

Diese werden jedoch nicht mit Hilfe von digitalen

1979 geboren in Vorau / Steiermark

1998 Aufnahme an der Akademie der bildenden Künste,

Wien

1998–03 Studium Institut für Wissenschaften und

Technologien in der Kunst, Wien

Institut für Geographie und

Regionalforschung, Wien

1999–04 Studium Malerei und Grafik, Akademie der

bildenden Künste Wien

Lebt und arbeitet in Wien

Schon in den späten 1990er Jahren spielt die Farbe als Materie eine

übergeordnete Rolle. Schirmer „deponiert“ Acrylfarbe in schlierenartigen

Konstellationen auf den Bildträger, die sich zu Netzen und Farbknäueln

verdichten. Er übersteigert damit Jackson Pollocks Drip-Painting-Verfahren,

indem der Blick in die Tiefe durch die Materialschlacht an Farbe verdeckt

wird. Auch Pollock hat sich mittels der geklecksten, teils materiell

sedimentierten Farbe auf der Leinwand von der sensiblen malerischen

Qualität entzogen, an jenen Stellen, wo aber die dünnflüssige Farbe von dem

Textil der Leinwand aufgesogen wurde, sind höchst sensible malerische

Zonen entstanden.

In den aktuellen Arbeiten reduziert Schirmer diesen radikalen materiellen Farbauftrag. Wenn

auch manchmal die Acryl- und Lackschicht erhabene Stellen aufweist, tendiert der Maler reine

Farbzonen malerisch zu verarbeiten. Vibrierende farblich fein nuancierte Bildzonen entstehen, die

dem Werk eine neue räumliche Spannung verleihen. Dieser malerischen Räumlichkeit wirken die

emblematischen Figuren und Motive entgegen, sowohl in ihrer zweidimensionalen Wirkung als

auch in der inhaltlichen Aussage. Dennoch intendiert Schirmer eine abstrakte Komposition, in der

Figuration und rein malerische Bereiche selbstverständlich ineinander übergehen können oder im

Dialog zu einander stehen.

Der Künstler zählt zu jener Generation, die selbstverständlich diametrale Modi miteinander

vereinbaren kann. Die akademisch anmutende Trennung von Figur und Abstraktion gehört

der Geschichte der Moderne an, in der ja Narration und das Thema der menschlichen Figur

anachronistische Inhalte waren. Neo Rauch, Daniel Richter oder Franz Ackermann sind jene

internationalen Beispiele, bei denen dieser freie Umgang in der Malerei manifestiert wird. Wie

auch sie referiert Schirmer in einer komplex verschlüsselten Bildsprache über den Alltag, die

Jugendkultur, den sozialen Zwang, den Industrie und Werbung der Gesellschaft aufoktruieren.

In seinen Arbeiten um 2002/03 übt Schirmer mit seiner Malerei noch ironische Kritik an den

gesellschaftlichen Umständen der westlichen Zivilisation, wie etwa in dem Werkblock: Beautiful

People – The Have Nots. Gezeigt werden Symbole der kapitalistischen und ästhetischen Macht:

Kleidung, Autos, Designer-HIFI-Geräte, schicke Bars und Gucci-Girls versus der Tristesse der No-

Future-Generation am Rande der Verarmung, Kriminalität und der Selbstaufgabe.

In den neuesten Werken möchte sich der Künstler mehr auf die strukturell-kompositorischen

Herausforderungen des Tafelbildes an sich konzentrieren und die gegenständlichen Motive noch

deutlicher als malerische Chiffren gemeinsam mit den abstrakten Zonen verweben.

Christoph Schirmers künstlerische Position vereint in direkter sowie sensitiver Weise die

Ikonografie der Jugendkultur und des Alltags mit komplexen Herausforderungen an das Medium

Malerei per se.


ST/A/R

Buch VIII - Galerie Brunnhofer

Nr. 11/2006 59

Bei Schirner kommt es beim Bildträger zu einem Zusammentreffen

von Charakteren, Objekten und Elementen, das der „virtuellen

Realität“ nicht entspricht, sondern der persönlichen Imagination

Schirmers entspringt.

“Hacker im Fleisch”, Acryl auf Leinwand, 180 x 150 cm, 2006


ST/A/R Buch VIII - Galerie Brunnhofer Nr. 11/2006 61

“Mr. And Mrs. B’s Time Window“, Acryl, Farbstift, Kreide / 176 x 237cm, 3-teilig, 2006

DIE WELT HINTER DEN DINGEN

Zu den jüngsten Arbeiten von Inge Kracht

„Wir müssen wieder gute Nachbarn der nächsten Dinge werden

und nicht so verächtlich wie bisher über sie hinweg

nach Wolken und Nachtunholden hinblicken.“ (Friedrich Nietzsche)

In erster Linie war die Neue Sachlichkeit an der Dingwelt selber interessiert. Das Objekt an sich war das

Primäre, und seine Isolierung und Formalisierung mit den Mitteln der Kunst das Ziel. Wieland Schmied

postuliert fünf entscheidende Momente, die die neusachliche Kunst charakterisieren. „(1) Die Nüchternheit

und Schärfe des Blicks, eine unsentimentale, von Emotionen weitgehend freie Sehweise; (2) die Richtung des

Blicks auf das Alltägliche, Banale, auf unbedeutende und anspruchslose Sujets… (3) einen statisch festgefügten

Bildaufbau… (4) die Austilgung der Spuren des Malprozesses, die Freihaltung des Bildes von aller Gestik der

Handschrift; und (5) schließlich eine neue geistige Auseinandersetzung mit der Dingwelt.“ 1)

Auch bei Inge Kracht (1957 in Dülmen/Westfalen geboren) steht der banale Alltagsgegenstand im Zentrum

des Interesses, wird zum Ausgangspunkt für ihre künstlerische Arbeit. „Die Dinge teilen sich in manchen

Momenten mit einer besonderen Eindringlichkeit und Intensität mit. Sie veranlassen mich, über ihre Existenz

nachzudenken. Wenn ich mich mit den Dingen auseinandersetze, den sogenannten alltäglichen, gewöhnlich

sichtbaren, entwickeln sie eine Eigendynamik, erscheinen verändert, als gäbe es eine Welt hinter der Welt.

Am Ende ist es der Versuch nicht das Ding abzubilden, sondern das, was es ausgelöst hat“, so Inge Kracht

und malt Bilder, die versuchen, hinter den Augenschein der Gegenstände zu gelangen, wobei sie sich auf

Immanuel Kants Konzept des „Dings an sich“ bezieht. „Wir erkennen ein Ding als Gegenstand unserer

Wahrnehmung nur so, wie es uns eingekleidet in den Ausbauungsformen Raum und Zeit, in den Kategorien

und Verstandesgesetzen so erscheint. Wie es an sich beschaffen ist, werden wir niemals erkennen.“ 2)

Inge Kracht setzt sich mit den Wechselwirklungen zwischen Raum und Zeit, Materie und Metaphysik

auseinander. Die meisten ihrer jüngsten Arbeiten bestehen aus drei Teilen: (1) die „sachliche“ Darstellung

der Dinge, (2) Ornament und Muster und (3) die monochrome – oft kalligrafisch erweiterte - Fläche. Das

Ornament – Alois Riegl, einer der wichtigsten Vertreter der „Wiener Schule der Kunstgeschichte“, forderte

bereits 1893 die Anerkennung des rein künstlerischen Wesens des Ornaments und die Loslösung vom

Gebrauchsgegenstand – entwickelt sich bei Inge Kracht aus dem in einer geradezu hyperrealistischen

Schärfe dargestellten Gegenstand, welcher von der Künstlerin am PC zerteilt, gespiegelt, verzerrt und

als neu entwickelte Form in intensiver Farbigkeit auf die Leinwand übertragen wird. „Ich stelle mit

einem Ornament oder Muster einen Bezug zum Wesen des Gegenstands her und konstruiere eine Idee,

beziehungsweise eine vorgestellte Struktur, auf deren Ordnung, die zu erkennen ich versuche, alles,

was ist, basiert,“ erklärt Inge Kracht, „ich empfinde das Ornament auch als einen anderen Blick auf die

Gesetzmäßigkeit und Ordnung die in allen Dingen dieser Welt verborgen ist.“

Der dritte Teil, die monochrome Fläche, beruhigt. In der Malerei markiert die Monochromie einen

Grenzbereich. Im strengen Sinn begriffen, beschränkt sie sich auf einfarbige, in Helligkeit und Tonalität

kaum variierende Bilder. Das Spektrum individueller Gestaltung ist reduziert und es fehlt an expliziten

Bezügen zur außerbildlichen Realität. Teilweise überzieht Inge Kracht ihre monochromen Flächen in

Spiegelschrift - für den Betrachter, wenn überhaupt, nur schwer entschlüsselbar, für die Künstlerin, die

seit ihrer Kindheit diese Art der Schreibens praktiziert, eine Selbstverständlichkeit – mit komplexen

Texten aus Büchern, die sie gerade liest.

Die Bilder von Inge Kracht sind Metaphern für philosophische Fragestellungen und ein Versuch einer

neuen/anderen Leseart von „Realität“.

Angelika Gillmayr

1)

Wieland Schmied: Neue Sachlichkeit und Magischer Realismus in Deutschland 1918-1933, Hannover 1969, S. 26

2)

Ding an sich – nach Immanuel Kants „Kritik der reinen Vernunft“, zitiert aus „Philosophisches Wörterbuch“,

Stuttgart 1974, S. 124

Inge Kracht

1957 in Dülmen/Westf., Deutschland geboren, Hauptwohnorte jeweils für einige Jahre in

Wuppertal, München, Hanau/Main, Regensburg, Hanau/Main, Linz-A., Langenargen-D

1983-85 Studium an der Akademie der bildenden Künste, Wien, MK für Tapiiserie

1985-86 Studium an der Hochschule für angewandte Kunst, Wien,

Studienrichtung Graphik/Malerei

1986-91 Studium an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung

in Linz, Prof. F. Riedl, Diplom 1991

1991-96 Unterrichtstätigkeit an der HBLA für künstlerisches Gestalten, Linz

1993-97 Assistentin an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung

Linz, MK Textil

Seit 1997 freischaffend tätig

Lebt und arbeitet in Langenargen (D)


62 Nr. 11/2006

Buch VIII - Galerie Brunnhofer

ST/A/R

Aurelia Gratzer

Dieses Zitieren, das gerade in der jungen aufkommenden Malerei der neuen Figuration immer wieder im

Gegenstand aufkeimt, wendet Aurelia Gratzer hier bewusst auf einer anderen Ebene an, man könnte fast

sagen auf einer intellektuellen Meta-Ebene. Es sind nicht die im Jugendkult basierenden „Aha-Erlebnisse“ der

Gegenstandswelt, die in ihren ruhigen Bildern, die von der Raumproblematik geprägt sind, auftreten, sondern

es handelt sich hier um die Übersetzung der Malereigeschichte des letzten Jahrhunderts in ihre eigene Malerei.

Biographie

1978 geboren in Hartberg / Steiermark

1997 Aufnahme an der Akademie der

bildenden Künste, Wien

1997–03 Studium Institut für Wissenschaften und

Technologien in der Kunst, Wien,

Universität Wien

Studium der Mathematik, Universität Wien

1999–04 Studium Malerei und Grafik, MS Schmalix

Lebt und arbeitet in Wien

“Mutters Wiederkehr”, Acryl auf Leinwand, 2006, 150 x 150 cm

Über die Arbeit - 2005

von Eva-Maria Bechter

Die Bildwelt von Aurelia Gratzer ist eine rein Malerische. Die Problemstellungen der

Malereigeschichte werden in ihren Bildern reflektiert und finden ihre Lösung in einer

sehr subjektiven Vorgehensweise. War die Malerei über Jahrhunderte dazu da, ein Abbild

der Realität – einen so genannten Blick aus dem Fenster – auf die Leinwand zu bannen, so

stellt gerade Aurelia Gratzer ganz bewusst diese Abbildhaftigkeit in Frage.

Ausgang ihrer Werke sind Fotografien – teils selbst gemachte, teils aus Zeitschriften

entlehnte. Die Räume, die uns entgegentreten, sind Mittel zum Zweck. Die zentralperspektivische

Wiedergabe der Räumlichkeiten wird zerlegt in einzelne Flächen. Fein

säuberlich erarbeitet sie sich, gleichsam eines Drehbuches, die Vorgehensweise ihrer

Malerei, in der die Vorlage aufgeteilt wird in flächige Zitate der Malerei, die dann wieder in

eine eigene, spannende Dreidimensionalität umgewandelt wird. Der Zufall findet hier kaum

einen Platz, auch wenn Aurelia Gratzer in jüngster Zeit das Abweichen dieses vorgegebenen

Plans bewusst zulässt.

“Backdraft”, Acryl auf Leinwand, 50 x 50 cm

In einer langsamen, in Schichten aufgebauten Maltechnik wird nun die Zentralperspektive

überführt: Die linearen Merkmale der Perspektive werden nicht verändert, und doch

wirken sie beim Betrachter unlogisch, abweichend von der vorgegebenen Realität. Die

Stuhlbeine in der Werksreihe der „Sitzgruppe“ lassen keine erkennbare Tiefenwirkung

zu, genauso wenig wie die reduzierte Farbwahl hierzu beiträgt. Während ihrer Studienzeit

in der Meisterklasse Schmalix hat Aurelia Gratzer die Problematik der Flächigkeit noch

mit Hilfe der Figur gelöst, wobei auch diese – genauso wie in den neuen Arbeiten der

Raum – Mittel zum Zweck war. In einer Zusammenfügung von Farbnuancen hat sie die


ST/A/R

Buch VIII - Galerie Brunnhofer

Nr. 11/2006 63

“Daphne 1”, Acryl auf Leinwand, 150 x 150 cm

Figur von ihrer Funktion gelöst und in einer an die Intarsientechnik

erinnernden Aneinanderreihung von ornamentalen Ebenen mit dem

Hintergrund verschmolzen. Die Wahrnehmung steht in der Kunst

Aurelia Gratzers immer im Mittelpunkt. Nicht nur die Wahrnehmung

des Betrachters ihrer Bilder, sondern auch ihre eigene. Basierend auf

der urtümlichsten Interpretation der Erkenntnis, arbeitet sie überdies

oft mit Hilfe der eingeprägten Erinnerung. Ihre ornamentalen

Muster gehen so auch immer wieder auf gesehene und bewusst

eingeprägte Erlebnisse zurück. Die Frage der Veränderung solcher

Wahrnehmungen stellt Aurelia Gratzer – die vor ihrem Studium der

Kunst am „Institut für Wissenschaft und Technologie in der Kunst“

Mathematik studiert hat – nicht nur sich selbst sondern auch dem

Rezipienten ihrer Malerei.

Ist es Zufall, in den gegebenen Farbnuancen so etwas wie ein Bild von

Mark Rothko zu erkennen? Die Verehrerin dieses Malers des „Colour

Field Paintings“ möchte mit genau diesen Zitaten der Malerei der

Thematik des so genannten „Es erscheint wie ein…“ selbstbewusst

entgegentreten. Man kann sich noch so bemühen einen Künstler zu

„imitieren“, man wird immer die subjektive Handschrift erkennen.

Diese Wahrheit steckt in den unterschiedlichsten Schichten und

Flächen von Aurelia Gratzers Malerei. Das Werk „Who is afraid of red,

realism and Cy?“ aus dem Jahre 2005 geht schon im Titel auf diese

Problematik ein. Der Fries, der den Tisch säumt, auf dem eine Vase

mit Callas steht, erinnert in der Maltechnik an die feinen mit Bleistift

ausgeführten Kritzeleien des amerikanischen Malers Cy Twombly.

Darunter meint der Kenner der Malerei des zwanzigsten Jahrhunderts

eine Art Reminiszenz an Gerhard Richter zu erkennen.

Dieses Zitieren, das gerade in der jungen aufkommenden Malerei der

neuen Figuration immer wieder im Gegenstand aufkeimt, wendet

Aurelia Gratzer hier bewusst auf einer anderen Ebene an, man könnte

fast sagen auf einer intellektuellen Meta-Ebene. Es sind nicht die

im Jugendkult basierenden „Aha-Erlebnisse“ der Gegenstandswelt,

die in ihren ruhigen Bildern, die von der Raumproblematik geprägt

sind, auftreten, sondern es handelt sich hier um die Übersetzung der

Malereigeschichte des letzten Jahrhunderts in ihre eigene Malerei.

Auch die Farbschichten der neueren Malereigeneration. Ihre Farben

sind erdig, sind teils bevorzugte Nuancen von ihr und bedingen sich

aus ihren Nachbarflächen.

In der Malerei von Aurelia Gratzer steckt sehr viel Tiefgang, sehr viel

Reflektion und es bietet sich an, sich genauer mit dem Gesehenen

auseinander zu setzen. Ein flüchtiger Blick auf das Werk wird nicht

genügen.


64 Nr. 11/2006

Buch VIII - Galerie Brunnhofer

ST/A/R

Anton Petz

„Demo”, Öl auf Leinwand 240 x 205 cm

Die Genauigkeit malerischer Unschärfe

Zur Malerei von Anton Petz als Gegenentwurf zur TV-Realität

In einer Wirklichkeit, in der die Suche nach dem eigenen Standort im Hagel massenmedial vermittelter

Bilder und Botschaften, problematisch und schwierig geworden ist, stellt sich auch für den bildenden

Künstler die Frage nach dem realistischen Bild neu. Die klassische Position der Moderne, eine Gegenwelt

zur gesellschaftlichen Realität aufzubauen, funktioniert in ihrer reinen Oppositionshaltung nicht mehr. Die

Frage nach dem Darstellungsgegenstand und die Umsetzung mit bildlichen Mitteln muss neu angegangen

werden. Wenn die Wahrnehmung und das Bewusstsein von Wirklichkeit massgeblich von der Dominanz

massenmedialer Bilder geprägt sind, dann liegt es nahe, den Prozess des Bildermachens selbst, die Frage

nach dem Realismusgehalt von Bildern ins Zentrum künstlerischer Aufmerksamkeit zu rücken.

Die Herausforderung liegt darin, das vorhandene Material der Wirklichkeit, all diese Bilder, die uns täglich

ins Wohnzimmer gebracht werden, und all diese vermeintlichen Fakten und Nachrichten, die uns täglich ein

Gefühl der Informiertheit suggerieren, direkt in die Kunst einfließen zu lassen. Durch den künstlerischen

Zugriff darauf wird es transparent, und somit zur Reflexion geeignet und porös gemacht.

Anton Petz konzentriert sich dabei auf die Bedeutung und Wirkung von massenmedial, vor allem durch

das Fernsehen verbreiteter Bilder, und er verfolgt damit eine der wichtigsten Bedingungen unserer

Realitätswahrnehmung.

Im Zentrum seiner Bestandsaufnahme stehen verschiedene Darstellungen von Menschenmengen. Es

geht dabei nicht um konkrete Ereignisse in der Weltgeschichte oder um politisch nachvollziehbare und

einzuordnende Vorgänge und Zusammenhänge, aber jeder Betrachter, der jene Arbeiten von Anton

Petz sieht, wird unweigerlich an Nachrichtenbilder des UN-Sicherheitsrates, der Börse, an Bilder von

Großdemonstrationen oder an Aufnahmen überfüllter Flüchtlingsschiffe erinnert. Die gemalten Bilder

beabsichtigen keine nähere Kennzeichnung der Einzelpersonen. Die gestisch und schnell gesetzten

Pinselstriche erschaffen eine farbmächtige Welt aus Waagrechten, Senkrechten und Diagonalen, aus

vereinzelt runden und kreisförmigen Elementen, die mit beeindruckendem Schwung zielsicher und

ganzflächig gesetzt sind. Geht man nahe an die Leinwand heran, lässt sich kein mimetisches Abbild mehr

finden, der Betrachter befindet sich in einem Farb- und Formenraum, der die Wahrnehmung vollständig

umgreift. Tritt er aber zurück von der Leinwand, so setzt der Wiedererkennungseffekt dieser uns zwar

vertraut anmutenden Bilder ein, deren Farben und formale Gestaltung jedoch deutlich von der Überschärfe

des gepixelten Fernsehbildes abweichen.

Kompositorisch variiert Anton Petz bei seinen großformatigen Leinwandbildern zwischen zwei

Herangehensweisen. Die erste Herangehensweise besteht darin, eine raumgreifende und ganzflächige, an

das All-over eines Jackson Pollock erinnernde Ausgestaltung der Leinwand vorzunehmen, wie zum Beispiel

bei dem Bild „große Demo“. Aus der Menschenschar, die von verborgenen Verursachern in einen Rhythmus

versetzten wurde, ragen die hochgehaltenen Plakate, Fahnen und Demostrationstransparente wie Akzente

heraus. Darauf sind jedoch keinerlei Schriftzeichen zu entziffern, geschweige denn zu lesen: Das Zeigen

wird thematisiert, nicht der Inhalt. Ähnliches kann beim Bild „Börse I“ auch festgestellt werden, wo Monitore

und von den Menschen in den Händen gehaltene Papiere die Informationsträger darstellen. Aber auch hier

wird die Information lediglich behauptet und nicht tatsächlich vermittelt. Eine vergleichbare Funktion haben

die Schriftstücke im Bild „UN-Sicherheitsrat“.

Die zweite Herangehensweise besteht darin, dass Anton Petz ein Bildzentrum

vorgibt, um welches sich die Menschen gruppieren, dies ist z. B. der Fall bei der

Arbeit „Brunnen“, oder er bildet ein fokussierendes Zentrum, in welchem die

Menschen sich befinden, wie bei der Arbeit „Boatpeople“. Das gemeinschaftliche

Agieren der Massen ist das Thema, kompositorisch und malerisch auf

beeindruckende und überwältigende Weise gelöst. Dabei bleibt das Bezugssystem

immer das Verhältnis von Gesellschaft und Einzelindividuum, das sich formal

zum Beispiel in dem Bild „Brunnen“ durch die Wiederaufnahme der Kreisform

des großen Brunnens in den zahlreichen kleinen Kreisen der Wassergefäße der

Wartenden spiegelt.

Der Raum, den Anton Petz erzeugt, ist nicht statisch, sondern aktiv. Dies ist wenig

überraschend bei den Naturlandschaften, aber um so ungewöhnlicher bei den

Innenräumen, deren Architektur wie bei einem futuristischen Bild ein dynamisches

Eigenleben zu entwickeln scheint. So hat der Betrachter zum Beispiel bei dem Bild

„Börse I“ den Eindruck nach innen stürzender, kippender Monitorwände oder bei

„UN-Sicherheitsrat“ evoziert der runde Tisch eine heftige Kreisbewegung, die wie eine

zentrifugale Kraft direkt auf die im Bild gruppierten Menschen einwirkt. Konzentration

und Diffusion halten sich dabei das Gleichgewicht. Es entsteht ein klar gegliedertes

Kompositionsgerüst, gegen das der gestische Pinselstrich Schläge auszuteilen scheint.

Diese rufen jedoch faktisch die rhythmisierte Struktur und Komposition der Bilder

erst hervor. Die Energie schlägt zwischen der nervösen Einzelbewegung und dem

Eindruck eines ganzflächigen Bildes hin und her. Die Bildidee wird bei Anton Petz

mit der Bildstruktur in eine stimmige Deckung gebracht und die Eigendynamik des

gesamten Bildkonstruktes somit thematisiert. Ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken

daher die die Bilder bestimmenden Kräfte, denen nicht nur die gemalten Bildsubjekte,

sondern auch wir als Betrachter ausgeliefert sind.

Judith Bader / Städtische Galerie Traunstein

Biographie

1962 geboren in Graz, lebt in München

1981-87 Studium an der Akademie der Bildenden Künste, Wien

1987 Würdigungspreis des Bundesministeriums

Akademiefreundepreis

Auslandsstipendium Madrid

1993 - 97 Gastprofessor , Akademie der Bildenden Künste, Wien

1996 Anerkennungspreis, Bauholding Kunstpreis für Malerei,

Klagenfurt

1997 Plakatgestaltung, „Große Kunstausstellung“,

Haus der Kunst München

seit 2001 Mitglied des Beirats, Kunstverein Rosenheim

www.brunnhofer.at/galerie


ST/A/R Buch IX - Reise

Nr. 11/2006

65

Reise zur Biennale 2006 im

Golf TDI „El Diabolo“ des Architekten

Fritz Göbl Krems von Krems-Wien

nach Kötschach-Mauthen / Timau /

Venedig / Duino / Trieste / Ljubljana /

Neusiedl / Wien.

Biennale Team alphabethisch:

Dede, Mahsuni, Architekt; TR

Gerngross, Heidulf, Architekt; A

Goebl, Lukas, Architekt; A

Tolstoi, Wladimir, Generalsekretär; RU

Ulrich, Oliver, Architekt; D


ANKUNFT IN VENEDIG

Diesel von SHELL, Kaffee von ILLY,

Zigarillos von MOODS, Haargel von

WELLA, Creme von NIVEA, Golf von

VOLKSWAGEN.

ST/A/R dankt den AHNEN.


66 Nr. 11/2006

KÖTSCHACHER DOM

Buch IX - Reise

ST/A/R

Vorläufer der digitalen Architektur von Greg Lynn

POLINIK

Bar/ Hotel

Erlenhof

YVONNE

Grundstücksuche für einen Archiquantstein von Heidulf Gerngross vor dem Kötschacher Dom


ST/A/R

Buch IX - Reise

Nr. 11/2006 67

ÖSTERREICHPOLITIK

WAHL

ST/A/R gratuliert den

GRÜNEN

und allen anderen

Politikern auch

WIESE IN KÖTSCHACH

GRAFIK: Gustl & Schnauffi


ST/A/R

Buch IX - Reise Nr. 11/2006 69

ASOU GEATS

Diese Seiten sind eine neue Ära der Bildgeschichte.

GoeblGerngross

Tischlbonger Deutsch

Hinweis für Linguisten

DA „8“ TIMAU

Hinweis für Karibiktouristen

In der Bar da„8“ in TIMAU frühstückte das ST/A/R- Biennale- Team Grappa, Vino,

Averna, Speck, Formaggio, Cafelatte, Aqua ...

PFLICHTFOTO

von Wladimir Tolstoi

Die freundliche Signora

Nandini schenkte dem

Biennale-Team die

Tischlbonger Lokalzeitung

„asou geats“.

A MI GO

er ist das Symbol für das ST/A/R- Biennale- Team

SEHEN SEHEN SEHEN Maozetung


70 Nr. 11/2006

Buch IX - Reise

ST/A/R

HOFSTETTER KURT CLOSED THE CIRCLE

Foto: Barbara Doser

After 7 years of work to

install 12 Sunpendulum

Time-Eyes (video cameras

facing the sky) in 12 time

zones around the earth

Hofstetter Kurt has finally

installed the 12th and last

Time-Eye on the Marshall

Islands. On August 24th the

„Closing of the Circle“ - event

was celebrated at Majuro.

www.sunpendulum.at

Thanks to he Austrian National

Tourist Office for supporting -

not just Austria even Mozart was

present in the big Sunpendulum

event.


ST/A/R

Buch IX - Reise

Nr. 11/2006 71

Photo von WT Bauch von HG


72 Nr. 11/2006

Buch IX - Reise

In memoriam In memoriam Zelko Zelko Wiener Wiener (4.7.1953 (4.7.1953 - 19.9.2006) - 19.9.2006)

ST/A/R

Zelko Wienerr

“Heute “Heute denke denke ich, dass ich, dass es darum es darum geht, geht, eigene eigene

Arbeitsvorgaben Arbeitsvorgaben zu entwickeln zu entwickeln und dass undder dass Wunsch der Wunsch

nach gesellschaftlicher nach gesellschaftlicher Resonanz Resonanz zudem zudem mit vielmit Arbeit viel Arbeit

verbunden verbunden ist; mitist; demitWarten Warten darauf darauf ist es also ist esnicht

also nicht

getan. getan. Ich habe Ichentschieden, habe entschieden, dass meine dass Arbeit meine relevant Arbeit relevant

ist. Dasist. istDas die Basis ist dieund Basis Triebfeder und Triebfeder meines meines Tuns.” Tuns.”

(Artist statement (Artist statement 1998) 1998)

www.zeitgenossen.info

w w w. z w e w i t w. g e z n e o i t s g s e n o . c s o s me n . c o m

GE EL LA AS S SE EN NH HE EI TI T GE

E

DDU UL LD DL LI EI EB BE EV VI SI SI I ON

N

L L U U S S T T K K U U N N S S T T R R E E F F L L E E X X I I

O N N C C O M M U U N N I T I T Y Y E E N N TT

W I C I C K K L L U U N N G W I S I S S E E N N P P E E RR

F F E E K K T T I I O N N F F O R R S S C C H H U U NN

G E E N N D D L L O S S I I G K K E E I T I T H H O F F F NN

U U N N G E E N N G A A GE GE M E E N N T T L L E E I DI D

E E N N S S C C H H A A F F Td Td uu

w e w iwl lemw i si lsl my ou i s s y ou


ST/A/R Buch X - Biennale

Nr. 11/2006

73

Biennale 2006

1. Preis

Den ersten Preis der

Nationalpavillons gewinnt die

öffentliche Toiletteanlage -

made in Italy (Architekt unerwähnt)

ST/A/R gratuliert


74 Nr. 11/2006

Buch X - Biennale

ST/A/R

1. Preis

für die von Jan Tabor

persönlich getestete

wasserlose Toilettanlage mit

Kotförderband aus Edelmetall.

Der Ehrenmönch der

apostolischen Kirche

würdigt den 1.Preis.

Kulturfotos: Wladimir Jaremenko Tolstoj ©

Erleichtert und

zufrieden verlässt Gina

Lollobrigida das ST/A/R

Heiligtum .


ST/A/R

Fotos und Bericht vom

ST/A/R Biennale Team (v.l.n.r):

Mahsuni Dede, TR

Oliver „Gerhard“ Ulrich, D

Lukas „Gustl“. Goebl, A

Heidulf „Schnauffi“Gerngross, A

Wladimir Tolstoj, RU

Buch X - Biennale

Nr. 11/2006 75

Edelmensch

im roten Teppich

Schlafquartiere in Venedig

Der Architekt Oliver “Gerhard” Ulrich auf der Terasse seines deutschen

Pavillons.

Die Architekten Gerngross und Göbl beim Vorschlaf vor dem französischen

Pavillion, worauf sie von den französischen Freunden mit Drogen gefüttert, in

einen Tiefschlaf versetzt und in Hängematten gelagert wurden.


ST/A/R Buch X - Biennale Nr. 11/2006 77

ALMUTH SPIEGLER

Es war einmal ein fremder Fürst auf

Besuch in Venedig. Seine Ankunft in

feinstem weißen Leinen, gehüllt in

würzig duftenden Tabakrauch und

gekrönt von dunkel schimmerndem

Glas auf dem Gesichtserker gelang

derart strahlend, dass die Umstehenden

verstummten und ihre Fackeln

erhoben zum blitzenden Gewitter, um

den Augenblick besser bewahren zu

können.

Der Fürst brachte reichlich Gaben

mit aus seinem gebirgigen Lande,

darunter ein prächtig geheimnisvolles

Spielzeugmodell, eine Art trojanisches

Pferd, von dem niemand wusste, was

sich darin verbarg. Und er gab ein großes

Fest zu seinen Ehren, die Schatzkisten

waren von der Heimat reichlich gefüllt.

Die Einladungen ließ er prägen auf

kostbares Edelmetall und von Vasallen

verteilen. Wer sie erhielt, bekam Einlass

in den Palazzo, wo der Fürst mit engstem

Gefolge im ersten Stock opulent tafelte,

trank und Geschäfte machte.

Wenn die Luft zu stickig wurde, traten

die Edlen hinaus auf den Balkon

und blickten amüsiert hinab auf die

erwählten Vertreter des Volkes, wie sie

zu ebener Erde für ihre Herren tanzten.

Denn die Musik war so laut, der Wein

so schlecht und teuer, dass fast nichts

anderes zu tun übrig blieb.

Außer Pizza essen am Markus platz

und die Architekturbien nale samt ihrer

Proponenten das sein zu lassen, was sie

ist.

Netzwerke sind immer horizontal,

könnte man meinen. In Venedig

schafften es Österreichs Biennale-

Gesandte trotzdem, eine “Network”-

Party hierarchisch steil aufzustellen. Aber

so sind sie, die Alpenland-Architekten.

Auch ohne Turmverbau schaffen sie es,

im Ausblick beschränkt zu sein.

almuth.spiegler@diepresse.com

KONRAD FREY

Leiden Architekten an einer Störung des

Realitätssinnes, zu glauben, dass Meta-

Cities des 21.Jahrhunderts ein Manifest

der Architekturbiennale 2006 brauchen

können?

In der Sommerakademie Salzburg mit

Jakob Bakema haben Wolfgang Prix,

Konrad Frey, Heidulf Gerngross u.a. 1966

physische Stadtmodelle entworfen und –

infiziert auch von den genialen Zeichen

“City in Space” und Flugzeugträger im

Marchfeld – geglaubt, was Brauchbares

für die Stadtentwicklung vorzuschlagen.

“Altspatz” war damals die von Walter

Pichler eingebrachte Kennzeichnung

für Zurückgebliebene. Und 1925

hat Le Corbusier den Kiesler gefragt:

“Beabsichtigen Sie, die Stadt von

Zeppelinen abzuhängen?”

In der Tat haben sich die Städte dann

anders entwickelt. Und ohne Architekten

zu fragen.

Haben wir daraus was gelernt?

Wiedereinmal war es Manuela Hötzl,

die die erste Grundsatzkritik zum

Biennaleauftritt Österreichs ausspricht

(Architektur & Bauforum 15. Sep. 06).

Und Walter Titz hat in der Kleinen

Zeitung am 8. September etwas

nachgelegt. Zu diesem Anlass noch

einige Anmerkungen:

Wo bleiben die Aufträge aus den

Megacties?

Ist es das Nicht-wahr-haben-wollen

unseres Nicht-mehr-gebraucht-werdens,

wenn wir mit einer Ausstellung von

„Form, Raum, Netz“ so tun, als wär´

nix? Oder sehe ich nur die Relevanz

dieser Präsentation für Singapur oder

Sao Paolo nicht?

Eine Frage wird im Österreichpavillion

schon gestellt. Nämlich die nach dem

Rollenverlust der Architektenschaft,

insbesondere als Stadtgenerator. Und

die Antwort wird gleich mitgebracht.

Durch Jahrhunderte haben Baumeister

Hauptrollen gespielt. Die Ratlosigkeit

gegenüber der Marginalisierung ist noch

größer als in anderen Berufen, die nicht

mehr gebraucht werden. Aber das kann

im Rummel schon mal leicht übersehen

werden. So ist die Ratlosigkeit und die

schon chronische Realitätsverweigerung

(fast) des ganzen Berufsstandes ungewollt

die durchaus nützliche Message dieser

Biennale.

Was wäre also interessanter und

spannender, als neue Strategien für die

eh nicht mehr so neue Wirklichkeit zu

thematisieren.

In Wirklichkeit sind wir schon froh, wenn

uns Wirtschaft oder Politik irgendwo ein

Platzerl zur Verfügung stellen und einer

als Hofnarr der Gesellschaft ein Gebäude

zum kulturellen Kitzel hinstellen darf.

Wissen Sie, dass die Behörden in Venedig

jeglichen Versuch, aktuelle, auch nur

temporäre Architektur zur Biennale,

außerhalb der definierten Räume

aufzustellen, autoritär unterbinden? (so

2004: Gerngross fragen).

Wie lange kann das noch gehen, dass

wir unsere eigene Irrelevanz betreiben?

Wie lange noch zuwarten mit kritischer

Selbstbefragung und Strategien zu neuer

Positionierung?

Ich polemisiere nicht. All das wird schon

seit langem von Toten und Lebenden

aus den eigenen Reihen weisgesagt. Der

Österreich-Pavillon ist der letzte Beweis.

Was haben sie aus dem gewaltigen

Bild des Flugzeugträgers gemacht:

ein niedliches Pappmodell auf das

der Besucher hinabblicken kann. Oh

Graus!

Ich hatte vom Österreichbeitrag zu

diesem Zukunftsthema erwartet, dass

über Architektur und Stadtplanung

Hinausweisendes gebracht wird.

Warum hat man nicht In- und

Auslandsösterreicher geholt, die

aktuell relevantes vorzuzeigen

haben: zu kybernetischem Denken;

Netzwerkdenker jenseits von Design;

Algorithmendenker; Planer, die sich mit

dem Unplanbaren auseinandersetzen;

oder – last but not least – über „nonarchitecture“-Projekte

schon vor 40

Jahren im Grazer Zeichensaal..........?

Oder mal eine Architekturausstellung

ohne Gebäude?

Österreich hätte die Chance gehabt,

auch als Land ohne Megacity in der

Weltaufmerksamkeit der Biennale

intellektuelle Kompetenz vorzustellen.

Und Fragen zum Thema zu machen, wie

etwa:

· Ist das vom Biennaledirektor

angekündigte “Manifest für Städte

des 21. Jahrhunderts” tatsächlich ernst

gemeint?

· Warum ist die moderne Stadtplanung

so daneben gegangen?

· Gibt es den Architekten als

Stadtgenerator noch?

· Ist die Ausbildung großer Stadtgebilde

ihrem Wesen nach planbar/steuerbar?

· Ist die Planung von oben herab

überhaupt wünschenswert?

· Wie müssen wir umlernen, um unsere

Fähigkeiten - außer zur Verschönerung

wenigstens punktuell wirksam

einzubringen?

· Was könnten Strategien für die neue

Wirklichkeint sein?

· Was für Projekte machen Konsulenten

aus Österreich in Megacities?

Aber wahrscheinlich ist die

Österreichschau eh ganz treffend: so ist

es eben.

“Too old to help” hat James Joyce als 20-

jähriger zum 37-jährigen William Butler

Yeats gesagt.

JAN TABOR HAT UNS VERSPROCHEN

Polinik, der schönste Berg der Welt in Kötschach-Mauthen

Arsenale 2006

Die Realität ist perfekt und das ist die Gerechtigkeit. DIE REALITÄT IST GERECHT. - Avatar

Göbl fragt Gerngross: „Wos sogst du zur Biennale 2006?“

Gerngross sagt: „Man lernt immer.“

Gerngross fragt Göbl: „Was sogst du zur Biennale 2006?“

Göbl sagt: „Biennale ist gut, Kötschach ist besser.“

Göbl fragt Tolstoij: „Wos sogst du zur Biennale 2006?“

Tolstoi sagt: „2002 war besser im Österreichpavillon.“

Tolsoi fragt Mahsuni: „Wos sogst du zur Biennale 2006?“

Mahsuni sagt: „Wie gewohnt.“

Mahsuni fragt Olli Ulrich: „Wos sogst du zur Biennale 2006?“

Olli Ulrich sagt: „ Ich habe schon besser geschlafen.“

Dichteskulpturen der Weltstäde London, Sao Paolo, Mexico City


78 Nr. 11/2006

Buch X - Biennale

ST/A/R

Yael Reisner and her husband Peter Cook

meet the austrian biennale team.

Heidulf Gerngross zeigt den aktuellen ST/A/R 10 während sich Peter Cook am

österreichische Biennalebuch STADT = FORM RAUM NETZ festhält.

Peter and Heidulf remember their common time at the UCLA in 1968/69.

*

17 years married

Hans Hollein

“Air Craft Carrier” 1964

Museum of Modern Art New York


ST/A/R

Buch X - Biennale

Nr. 11/2006 79

Biennale commissioner Wolf D. Prix

Österreich

Pavillon

Diebstahl

der

Illusionen*

Friedrich Kiesler

“City In Space” 1925

Nachbau 2006

WÜRSTELNETZWERK 2006

von Architekt

Professor Eichinger oder

Andrea Börner, Bärbel Müller

*

Bilder

Hans Hollein

“Flugzeugträger”

Entmystifizierung 2006

und Text von Göbl, Gerngross, Ulrich, Tolstoi, Mahsuni

Senf

Ehre wem Ehre gebührt


735

515

Die Capella Verticale ist ein Betonturm in dessen Inneren der Besucher über Holzsprossen 5 Meter na

Die Abgeschlossenheit bietet ihm Schutz vor der Aussenwelt und die Möglichkeit zur inneren Einkehr,

im Sinne der mittelalterlichen Eremitenhöhlen.

Die Schräge des Turmes erlaubt kein Sitzen oder aufrechtes Stehen, sondern erzwingt eine statisch un

Körperhaltung zwischen Knien und Lehnen.

Der Sehschlitz am Knickpunkt zwischen Besucher- und Glockenturm

ermöglicht einen begrenzten Ausblick auf die Moorlandschaft am Fusse des Turms.

Vor dem Abstieg läutet man die Glocke über Kopf, deren Schallwellen sich in der Röhre nach oben und

So geläutert verlässt man den Ort der Isolation und Geborgenheit, um wieder in den Alltag einzutauche

18

80 Nr. 11/2006

Buch X - Biennale

ST/A/R

Capella Verticale

Walchsee / Tirol

© 2006 sputnic

SPUTNIC

Die Capella Verticale ist ein Betonturm in dessen Inneren der Besucher über Holzsprossen 5 Meter nach oben steigt.

Die Abgeschlossenheit bietet ihm Schutz vor der Aussenwelt und die Möglichkeit zur inneren Einkehr,

im Sinne der mittelalterlichen Eremitenhöhlen.

Die Schräge des Turmes erlaubt kein Sitzen oder aufrechtes Stehen, sondern erzwingt eine statisch unsaubere

Körperhaltung zwischen Knien und Lehnen.

Der Sehschlitz am Knickpunkt zwischen Besucher- und Glockenturm

ermöglicht einen begrenzten Ausblick auf die Moorlandschaft am Fusse des Turms.

Vor dem Abstieg läutet man die Glocke über Kopf, deren Schallwellen sich in der Röhre nach oben und unten ausbreiten.

So geläutert verlässt man den Ort der Isolation und Geborgenheit, um wieder in den Alltag einzutauchen.

Capella Verticale

Geisteshöhe 7,35 m

Gebetshöhe 5,15 m

ST/A/R Freund Architekt Norbert Steiner · sputnic baut Architekturgeschichte


ST/A/R Buch XI - Russland

Nr. 11/2006

81


82

Nr. 11/2006

Bischof Arsenik

(Alexey Zubakov)

geb. 17.04.1963 in der sowjetischen

Provinzstadt Pskov als Sohn eines

kommunistischen Parteiführers und

einer Parteisekretärin. Nach der Matura

studierte er Geschichte der KPdSU am

Pädagogischen Institut in Pskov.

Nach einer Erscheinung der

Gottesmutter von Kazan im Dorf

Malaja Tolba im Jahre 1981, wo

er ein Praktikum als Schullehrer

absolvierte, entschloss er sich,

sich in der dortigen Russischorthodoxen

Kirche taufen zu

lassen.

1986 geht er in das

Priesterseminar nach Leningrad

(St. Petersburg). Danach wurde

sein Vater degradiert und für

3 Jahre als Professor für

Marxismus-Leninismus an die

Havanna-Universität nach Kuba

geschickt.

Am 16.06.1991 wurde Alexey

Zubakov durch den Bischof Prokl

von Wolga zum Diakon geweiht.

Am 29.06.1997 weihte ihn der

Bischof Evtichij von Sibirien zum

Priester.

Im Jahre 1997 geht er nach

Deutschland ins Iov-Potschaevskij

Kloster. Wenige Monate später sandte

ihn der Bischof Mark von Deutschland

nach Kopenhagen um dort die Russischorthodoxe

St. Nikolaus Kathedrale zu

betreuen.

1999 wird er nach Wien gesandt.

Buch XI - Russland

Kunst und Kirche

ST/A/R

Apostolische

Kirche

Nach der Oktoberrevolution 1917

in Russland wurden alle Kirchen

verboten und verfolgt. Erst im Jahre

1943 während des Militärkampfes

mit Großdeutschland um die

Herrschaft in Europa erlaubte Josef

Stalin die Russische orthodoxe Kirche

um den Patriotismus zu stärken. Aus

sibirischen Lagern wurden 2 Bischöfe

nach Moskau gebracht um eine neue,

dem kommunistischen Staat gehorsame,

Kirchenhierarchie zu etablieren. Der

Rest der Bischöfe und Priester blieb im

Untergrund. Erst nach dem Zerfall der

Sowjetunion bekam die Untergrund-

Katakombenkirche staatliche Anerkennung

in Russland. Am 13.Mai 2000 wird in

Moskau die Russische Apostolische Kirche

vom Justizministerium registriert. Die

von Stalin ins Leben gerufene Russische

Orthodoxe Kirche wird nach wie vor

vom russischen Staat kontrolliert und

gesteuert.

Die Christlich-Apostolische Kirche

greift auf die Traditionen der Zeiten vor

der Spaltung der Christlichen Kirchen

in Östliche Griechisch-orthodoxe

und Westliche Römisch-katholische

zurück.

Die Priester der Apostolischen

Kirche werden durch

bischöfliche Handauflegung

geweiht.

Angelo Ro

Im Jahre 2001 geht er nach Russland ins Optima-Puschkin Kloster.

Im Jahre 2002 weiht er nach einem Vortrag von Heidulf Gerngross

im Russischen Museum den Archiquant und das Volksbuch in der

Kathedrale an der Basiliusinsel in St. Petersburg.

Am 1.Mai 2004 anlässlich der EU-Erweiterung weihte er im MAK eine

Palette ST/A/R 04 - Zeitungen.

Am 26.05.2006 wird er durch den Metropoliten Vitalij von Moskau

und Kolyma zum Bischof von Wien und West-Europa geweiht.

Seit 11.06.2006 beginnt er seine Tätigkeit in Wien und gründet die

Apostolische Kirche Österreich. Am selben Tag weihte er das

Pygmalion-Theater in der Alserstrasse 43.

Am 17.06 wird das Russische Lyzeum in der

Liechtensteinstrasse, 12 geweiht.

Am 26.08.2006 wird im Palais Liechtenstein in Wien Architekt

Angelo Roventa zum Diakon der Apostolischen Kirche geweiht.

Diakon Igor Metel wird zum Priester geweiht. Wladimir

Jaremenko-Tolstoj wird zum Psalmenleser und Unterdiakon

geweiht.

Am 27.08.2006 wird Architekt Heidulf Gerngross im Palais

Liechtenstein in Wien zum Ehrenmönch der Apostolischen

Kirche ernannt unter dem Namen „Der heilige Avatar“.

Am 29.08.2006 werden Heidulf Gerngross, Horia X. und

Forin Y. in den Katakomben von Zistersdorf zu Ehrenmönchen

und Unterdiakonen geweiht. Am gleichen Abend wird Angelo

Roventa an Rande eines niederösterreichischen Maisfeldes zum

Erzdiakon der Apostolischen Kirche geweiht.

Am 06.09.2006 wurde der „Christlich-Apostolische

Kulturverein“ von österreichischen Behörden bewilligt.

Text von W. Tolstoj: Generalsekretär der Apostolischen Kirche

Besuch beim „noch Priester“ Arsenik nach einem vermeintlichem

Attentat in St. Petersburg – Labung mit Fruchtsäften und Coca-Cola.

Rechts Tolstoj und Gerngross


ST/A/R

Buch XI - Russland

Nr. 11/2006 83

venta am Weg zum Pater-Angelo

Ehrenmönch Heidulf Gerngross - der heilige Avatar

Bischof Arsenik weiß(t) den Weg

Der Jung-Oligarch Andrej Melnichenko und seine

Frau Alexandra (ehem. Miss Jugoslawia). Getraut

von Arsenik im Jahr 2005 in Cap d‘Antibes

Tolstoj als Neandertaler anlässlich der Ausstellung

„Heidulf von Kärnten“ Klagenfurt - Napoleonstadl 1999


ST/A/R Buch XI - Russland Nr. 11/2006 85

Hansjörg Tengg der österreichische Oligarch

hat eine Erscheinung ... oh Angelo...


86 Nr. 11/2006

Mit der Ausstellung „Sweet Home

Vienna“ im Oberen Belvedere

präsentiert Peter Pongratz zwei neue

Werkgruppen von Bildern, Zeichnungen

und Skulpturen der Öffentlichkeit.

Pongratz, Gründungsmitglied der von

Otto Breicha 1968 ins Leben gerufenen

Gruppe „Wirklichkeiten“, wurde 1940

in Eisenstadt geboren, wuchs in Graz

auf und stand mit der Literaturszene des

Forum Stadtpark in engem Kontakt; so

etwa mit Wolfgang Bauer, Peter Handke

oder Gerhard Roth, deren Werke er

immer wieder bildnerisch begleitete.

Pongratz setzte sich von Beginn an

mit wesentlichen künstlerischen

Oppositionsfeldern des 20.

Jahrhunderts auseinander und gilt als

früher Vertreter des postmodernen

Künstlertypus. Wissenschaftlichethnologische

Rückgriffe auf Urbilder der

Stammeskunst sind dabei ebenso wichtig

wie die Kunst der Geisteskranken.

Seine archaische Formensprache mit

expansiver Gestik stehen Kinderkritzelei,

Art-Brut, Graffiti und teilweise auch den

Comics der Pop-Art nahe.

Die jüngste Serie „Sweet Home

Vienna“ verknüpft in schriller

Buntheit, aber auch in monochromer

Gestaltung Figurendarstellungen mit

Wort- und Satzfragmenten. Zugleich

ist diese Werkgruppe jedoch ein

bissiger Kommentar gegen die sich

priesterlich gebenden Experten der

Kunstinstitutionen und ihre gläubigen

Gemeinden. Eine heitere Gegenwelt zu

diesen Stadtansichten bilden die in den

Neunzigerjahren auf der Insel Korcula

entstandenen arkadischen Garten-Bilder.

Ergänzt wird die Schau mit einigen

Skulpturen aus Eisen, Holz und

Kunststoff, die ebenfalls ihren

Entstehungsort in Dalmatien haben.

Buch XI - Russland

ST/A/R

PETER PONGRATZ

Peter Pongratz.

Sweet Home Vienna

Neue Arbeiten 1998 - 2006

Oberes Belvedere.

01. November 06 bis

04. Februar 07

Oberes Belvedere


ST/A/R

Buch XI - Russland

Nr. 11/2006 87


88 Nr. 11/2006

Buch XI - Russland

ST/A/R

Heidulf wird zum Ehrenmönch

Der heilige Avatar

Heidulf, Horia, Forin - Ehrenmönche

Bischof

Arsenik


ST/A/R Buch XII - Barock

Nr. 11/2006

89

Barock

ST/A/R Hinweis

Grenzenlos - Zeitenlos

Klöster im Herzen Europas

20.Okt.06 – 12.Jän.07

Ausstellungszentrum im Ringturm,

WIENER STÄDTISCHE Versicherung

A-1010 Wien, Schottenring 30

Photo: „Gustl“ Göbl

Die Veranstaltungsreihe ARCHITEKTUR

IM RINGTURM präsentiert Klöster

aus Mitteleuropa (Österreich,

Tschechien, Polen, Slowakei, Ungarn,

Slowenien). Die Ausstellung versteht

sich als Beitrag zu einer Weitung

der Sicht auf die gemeinsame

Geschichte und Kultur Mitteleuropas.

Sie vermittelt anhand zahlreicher

Fotos von Prof. Gerhard Trumler und

einer einfühlsamen historischen

Begleitung die Faszination der

Grenzenlosigkeit und Zeitenlosigkeit

der mitteleuropäischen Klosterwelt.

An der Architektur und künstlerischen

Ausstattung gerade der Klöster wird

dieses grenzenlose Europa sichtbar.

Künstler wie Auftraggeber agierten

international – somit sind die

Klosterbauten auch Zeugnisse einer

großen grenzenlosen Kunstlandschaft.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog beim

Verlag Christian Brandstetter, Wien

Barocke Mitteilung von Architekt Heidulf Gerngross


90 ST/A/R

Buch XII - Barock

Nr. 11/2006

Archiquant

Photo: HG

Kirche P. Maria Krtinska

Architekt Giovanni Santini-Aichel

Das Forum experimenteller Architektur f.e.a. übernimmt die geistige Führung im postdestruktiven Zeitalter.


Nr. 11/2006

Buch XII - Barock ST/A/R 91

„das forum

experimenteller

architektur“ (fea)

mit Jan Tabor hat eine

Initiationsreise zu zwei

Barock-Kirchen in

der Nähe von Brünn

veranstaltet – Santini

Bauten.

HG: „Ich ging in die

Kirche ca. 2 Minuten.

Der Grundriss war eine

Massage - erster Raum,

zweiter Raum, dritter

Raum, vierter Raum und

zurück.

Die dicken Wände

vibrieren – der Himmel

erscheint zwischen

den Gesimsen wie ein

Vorhimmel zum Himmel.

Die Außenwelt vibriert

mit den Wänden, der

Innenraum ist mit

der ganzen Welt in

Verbindung. Und die

Mitteilung heisst:

„Eine zwei Meter

dicke Wand hat mehr

Weltkontakt als eine

Glashaut.

H.G “natural born architekt”


Buch XII - Barock Nr. 11/2006 93

ST/A/R Buch XII - Barock Nr. 11/2006 93

ST/A/R

Inspiration im SINNREICH Atelier De Es Schwertberger . Webgasse 41 . A-1060 Wien . www.dees.at


94 ST/A/R

Buch XII - Barock

Nr. 11/2006

*

17 years married

WAUNZ - 2-geschossige Wohnkapsel. H. G. 1967

ST/A/R - Netzwerk im Östereich- Pavillon


Nr. 11/2006 Buch XII - Barock ST/A/R 95

Friedrich Kiesler

“City In Space” 1925

Nachbau 2006

Hans Hollein

“Flugzeugträger”

Entmystifizierung 2006

*

Bilder und Text von Göbl, Gerngross, Ulrich, Tolstoi, Mahsuni

ST/A/R bedankt sich bei Gregor Eichinger für seine Netzwerkanregung (man lernt immer)


96 ST/A/R

Buch XII - Barock

Nr. 11/2006

Der selige JAN TABOR zeigt uns die WELT


ST/A/R Buch XIII - Auto ST/A/R

Nr. 11/2006

97

David Staretz

AUTOST/A/R

Redigiert, schreibt und

fotografiert

Ranking: Top five of ...

Quadfahren mit Rotax

Skoda Roomster

Bei Ron Dennis in England

Mercedes-McLaren-Prototyp

Alle Fotos: David Staretz


98 Nr. 11/2006

Buch XIII - Auto ST/A/R

ST/A/R

ranken, aber richtig

Knappe, klare, feine Listen: Die Top-Rankings von AUTOSTAR.

Best & Worst, Eleganz, Genie und Peinlichkeit.

Einmal müssen selbst die letzten Dinge klargestellt werden.

Die 5 überflüssigsten Dinge am Auto

1. Reservereifen (solange man ihn nicht braucht)

2. Privatsender im Radio

3. Haltegriff, fahrerseitig

4. Duftzerstäuber, Wunderbäume

5. Händler-Aufkleber

Die 5 besten Road-Songs

1. Bruce Springsteen: Thunder Road

2. Townes van Zandt: Racing in the Street

3. Larry Barrett: Old Black Car

4. R.E.M.: Drive

5. Bruce Springsteen: Nebraska

Die 5 besten Filme übers Auto

1. LeMans

2. Bullitt

3. Driver

4. Duell

5. Traffic

Die 5 besten Erfindungen im Auto

1. Lenkrad

2. Retourgang

3. Handbremse

4. ABS

5. Audi Multitronic-Getriebe

Die 5 schönsten Autos der Welt

1. Bugatti Atlantic

2. Cisitalia 202

3. Ferrari 250 GT SWB Berlinetta

4. Alfa Romeo Bertone

5. Jaguar XJ6 Serie II

5 sexiest Cars

1. Chevrolet Corvette 67-74

2. Ford Cobra

3. Jaguar E

4. Chrysler Viper

5. Ferrari 356 GTB

Die 5 guthässlichsten Autos der Welt

1. Citroen Ami 6

2. Ford Anglia 105E

3. Renault 15 TL

4. VW 411 LE

5. DKW F 12

Die 5 unpeinlichsten Autos der Welt

1. NSU Ro 80

2. Citroen DS 19

3. Audi 80

4. Land Rover 88

5. Bugatti T 35

Die 5 unnötigsten Erfindungen

1. Massagesitze

2. Cabrio-Windschott

3. Heizdrähte in der Frontscheibe

4. Vans

5. Lenkradheizung

5 mal verzichtbarstes Zubehör

1. Schockfarbene Scheibenwischerspoiler

2. Auto-Perser

3. Gehäkelte Klopapierrollenschoner

4. La Cucharacha-Hupe

5. Lenkradbezug mit Akupressurnoppen

Die 5 falschgeschriebensten Autonamen

1. Porsche Boxter

2. Skoda Oktavia

3. Lambhorgini Uracco/Diabolo

4. Huyndai Triburon/Galopper

5. Alfa Spyder

Die 5 unmöglichsten Autonamen

1. Gurgel Xavante XT

2. Daf Daffodil

3. Citroën Xsara Picasso

4. Hindustan Ambassador Mk II

5. Ssangyong Musso

Die 5 aufregendsten Autonamen

1. Iso Grifo Lusso Coupé

2. Bizzarini GT Strada 5300

3. Monteverdi High Speed Hemi

4. Cadillac Fleetwood Eldorado

5. Aston Martin Shooting Brake

Die 5 besten Auto-Ingenieure

1. Ferdinand Porsche

2. Ettore Bugatti

3. Béla Barenyi

4. Andre Citroën

5. Alec Issigonis

Die 5 größten Flops

1. Ford Edsel

2. DeLorean DMC-2

3. Aston Martin Lagonda

4. Alfa Romeo Arna

5. Saab Sonett 2

Die 5 Top-Designer

1. Sergio Pininfarina

2. Battista Farina

3. Jean Bugatti

4. Giorgio Giugiaro

5. Giovanni Bertone

Die 5 schlechtesten F1-Fahrer Österreichs

1. Walter Stuppacher

2. Dieter Quester

3. Hans Binder

4. Harald Ertl

5. Jo Gartner

5 beste Tricks gegen Diebstahl

1. Reste von Abschleppseil vorne

2. Tragbare Öllache unterlegen

3. Je 2.0 bar Reifenluft auslassen

4. Mit Kalk “wird verschrottet” oder MA 48 draufpinseln

5. Grindiger Lenkradbezug aus Kunstfell

Skulptur „Federleicht“ von David Staretz, Ausstellung im KONTOR STARETZ Liechtensteinstrasse 11, 1090 Wien


ST/A/R Buch XIII - Auto ST/A/R

Nr. 11/2006 99

Quad – zweispurig Motorradfahren

Durch den Fluß und in die Wälder

Kanadas: ATVs sind nützlich,

machen Spaß und lassen die

Natur näher kommen, als man

bisweilen wünscht

Das Aufsteigen geht wie beim Motorrad, nur

besser: Man findet ein stabiles Trittbrett

vor. Umfallen kann man garantiert nicht.

Aus generöser Höhe lässt man sich gelassen

über die breite Sitzbank fallen. Sofort kommt ein

verbessertes Gefühl auf, eine Art cowboymäßiges

Vorhandensein: So einer bin ich, breitbeinig,

vorgeneigt, doppelt entschlossen mit angewinkelten

Ellbogen. Helm drüber und Visier zack.

Rotax, also: BRP, was für Bombardier Recreational

Products steht, hat nach Kanada eingeladen, in die

Urheimat der All Terrain Vehicles. Nach kurzer

Einschulung entlässt man mich ins weite Land

rund um Valcourt.

Über sparsame Fingerbewegungen wird der

Motor gestartet, ein leiser Tuktuk, und der Rest ist

Gasgeben und Bremsen.

Man drehthier nicht am Lenkergriff wie beim

Motorrad, sondern schiebt einen Regelhebel mit

dem Daumen vor, was den einleuchtenden Vorteil

besitzt, nicht schwankungsabhängig am Gas zu

melken. Gebremst wird per Fuß (rechts) und

per Hand (links), und grundsätzlich gleichzeitig.

Grundsätzlich darf man auch nie vom Trittbrett

steigen, die Einklemmgefahr ist groß.

Man muss dem Fahrzeug vertrauen mit seinen

dreidimensional karierten Gummiwalzen, und gern gibt man sich der

Lenkung hin, die sich den leichtesten Weg garantiert selber sucht. Hier

offenbart sich am deutlichsten der Unterschied zwischen schwerem

Gerät wie dem M 650/800 und einem 400-ccm-Leichtgewicht: Beim

massigen ATV mit seiner Brachialleistung von maximal 63 PS hat man

Passagierrolle, während der 400er eher unter Fahrereinfluss steht, was

eigene Akrobatik betrifft.

Das Terrain hier im kanadischen Outback ist sumpfig, durchsetzt

von Waldeinsprengseln, was oft präzises Heranfahren zwischen die

Bäume voraussetzt. Große Erleichterung: der Retourgang. Er wird,

wie beim Automatikauto, mittels Gang-Shifter eingelegt, der sich

hier rechts am Tank befindet. Die riemenscheibengesteuerte CVT-

Automatik funktioniert in jeder Situation präzise und verlässlich.

Auch in den Sumpfpassagen empfiehlt sich dosiertes Dranbleiben.

Einige der Fahrzeuge in unserer Fahrgruppe sind mit Seilwinde

ausgestattet, was man gern zur Kenntnis nimmt. Manchmal gelingt

es, zwischen den ausgefahrenen Spuren zu bleiben, was die Gefahr

des Aufsitzens verringert. Manchmal schalte ich den Allradantrieb

aus, um Unterschiede festzustellen. Aber erst meinem Vordermann

gelingt ein eindrucksvolle Demonstration, als er eine Schlammpassage

versehentlich mit reinem Hinterradantrieb durchwühlt. Meine Kamera

ist heute noch nicht ganz sauber.

Vom Wesen der Quads:

Sie stehen für unkomplizierte Bedienbarkeit, erstaunliche

Geländetalente, relativ geringe Anforderungen an das Können der

Fahrer. Es gibt Moped- und Motorradversionen, insofern herrscht

Helmpflicht. Wer sich auf die bisher mögliche Anmeldung als

landwirtschaftliches Zugfahrzeug beruft und keinen Helm aufsetzt, ist

selber schuld. Österreich ist im Business dick dabei: Das Rotax-Werk

in Gunskirchen mit seinen mehr als fünftausend Mitarbeitern und

einem Output von bislang sechs Millionen Motoren ist ein Big player

der Branche. Die Fertigung der BRP-ATVs (der Hersteller nennt sie

CanAm) läuft allerdings in Valcourt, Kanada, und später in Juarez,

Mexico, womit man den Verlockungen einer Billiglohn-Produktion

folgt.

ATVs sind funktionsgeladen und man wünschte sich vielleicht ein

ausgeprägteres Design. Die zahlreichen Konkurrenten schauen alle

gleich aus, technisch zählen die BRP-Quads als besonders raffiniert und

sportgeeignet. Die flüssigkeitsgekühlten Viertakt-Einzylinder-Motoren

werden zwischen 175 und 650ccm angeboten und sind meist mit

Variatorgetriebe (CVT: continuous variable transmission) ausgestattet.

Rotax-Motoren gelten als drehmomentstark und zuverlässig.

Vom Propellerschlitten zum Ski-doo

Joseph-Armand Bombardier war ein Erfinder im edison’schen

Sinne, zu einer Zeit, als es auf technischen Gebieten noch mehr

Fragen als Antworten gab. Wer in den schneereichen Weiten rund

um Montreal aufwuchs steckte bereits tief in einem Problem. Der

junge Bombardier experimentierte schon als vierzehnjähriger mit

luftschraubengetriebenen Kufenfahrzeugen, wovon

ein ausgezeichnetes Firmenmuseum in seiner

Heimat Valcourt (Quebec) Zeugenschaft ablegt.

Mit kettengetriebenen Schneefahrzeugen gelang

Bombardier schließlich auch ein finanzieller

Durchbruch. Das Unternehmen wurde 1942 von

Bombardier unter dem Namen L’Auto-Neige

Bombardier Limitée gegründet. Eine der ersten

Acquisitionen war die deutsch-österreichische

Motorenfabrik Rotax, deren Hauptwerk sich heute

im öberösterreichischen Gunskirchen befindet.

Rotax-Motoren treiben Bombardier Ski-doos, Seedoos,

Can-Ams (Quads) seit fünfzig Jahren.

Zwei Begriffs-erklärungen: Rotax setzt sich

zusammen aus Rotation Axle, Ski-doo ist ein

Scheibfehler, den man dem richtig gemeinten

Ski-dog vorzog, und BRP wurde 2003 vom

Großkonzern (Flugzeug- und Bahnhersteller)

Bombardier Aerospace herausgekauft, um sich

gewinnträchtig auf das Kerngeschäft Schneemobile,

ATV (All Terrain Vehicles) und Wasserfahrzeuge zu

konzentrieren.

Heute ist BRP international hervorragend aufgestellt,

seine Produktpalette umfasst Sturzhelme, Karts,

Rotax-Engines, die Außenbordermarken Johnson

und Evinrude (die durch den neuen Besitzer in

kürzester Zeit in die Gewinnzone rückgeführt

wurden), sowie Ski-doos, Sea-doos (und Kleinboote)

sowie Quads, mit denen man sich hinter

Umsatzriesen wie Polaris, Honda, Yamaha e. a.

auf Platz sieben weiß, während sich Schneemobile,

Personal Watercrafts, Sport Boats und Ultralight-

Motoren in ihrem Marktumfeld jeweils auf Platz eins

behaupten.

Außerdem beliefert man BMW und Aprilia mit

Rotax-Motoren.

Straßenzugelassene Can-Am ATVs, allradgetriebene

Viertakter mit 400 bis 800 ccm, mit Leistungsoutput

zwischen 28 und 62 PS, erreichen zivile

Höchstgeschwindigkeiten bis Tempo 140.


ST/A/R Buch XI - Russland Nr. 11/2006 101

Ich bin zwei Autos

Der neue klare Skoda Roomster

gefällt durch schlankes Design und üppige Talente

Fotos: David Staretz

Roomster, also Rummsta, das

ist wieder so ein Radikalbegriff

aus der Namens-Jukebox teurer

Spezialagenturen. Kaum modern, schon

veraltet. Synthetische Namen wie Avensis,

VelSatis, Astra, Meriva gehen dem Käufer

ums Maul, biedern sich unverfänglich an.

Dabei ist der wagen selber wohltuend

spröde, bewußt ungefällig, markant und,

das ist heute die schönste Tugend: schlank.

Wo heute das Aufgeblähte die

konturlosen Designtrends vorgibt, sich

die Autos ihren Besitzern und deren

ernährungsproblematischen Kindern

anbiedern, ist der Roomster eigentlich

nüchtern, obwohl man sich gern die

Banderole vorstellen möchte:

ICH BIN 2 AUTOS.

Thomas Ingenlath, der Designer, der

sich aus der damals jungen Audi-

Designer-Generation (A2, TT) zum Skoda-

Designchef (und nunmehrigen Leiter des

neuen Konzern-Designstudios in Potsdam)

entwickelt hat, skizziert die Roomster-Idee

auf der Dinner-Serviette: “Vorne kann man

sich die Kanzel eines Passagierflugzeuges

vorstellen, dynamisch zurückgebürstet,

aber sehr stabil. Betrachten Sie den

markanten Aufschwung an der B-Säule.

Und den hinteren Karosserieteil kann

man sich ganz gut als Haus vorstellen:

Aufrecht, geräumig, gut zugänglich und

mit Aussicht”.

Tatsächlich haben die Rücksitzpassagiere

einen leicht erhöhten Überblick.

Insgesamt wird die befreite Atmosphäre

noch durch das (aufpreispflichtig)

durchgehend freie Glasdach erhellt,

das sich über zwei leichte Schubrollos

dimmen, aber nicht völlig verdecken lässt.

Ich fuhr den Roomster 1,4 mit dem 86-

PS-Benziner, was vielleicht nicht die

klügste Wahl bedeutete. Der Motor gefällt

zwar in der Stadt, aber Dieselverwöhnte

vermissen das bullige Drehmoment bei

Kellerdrehzahlen. Das interessanteste

Triebwerk kommt leider erst Anfang

nächste Jahres raus, der aus dem Fabia

bekannte und bewährte 105-PS-TDI.

Vorerst müssen sich Dieselfreunde mit

dem 80-PS-TDI begnügen sowie mit zwei

weiteren Benzinern zu 64 und 105 PS.

Auch ein 70-PS-TDI wird erwartet sowie,

im Jahre 2007, ein 105 PS starker 1,6-l-

Benziner mit 6gang-Tiptronic.

Gerade um den sechsten Gang würde man

heute schon sehr bitten, denn der 86-PS-

Wagen, wie ich ihn fuhr, verlangt gerade

auf der Autobahn, wenn man Tacho 140

eingeregelt hat, nach Abschwächung der

Geräuschkulisse. Die jetzt anliegenden

viertausend Touren entfalten sich

sprunghaft zum Crescendo, ab Tempo

125 wird die Geräuschkulisse zum

bestimmenden Thema, dem man durch

erhöhte Radiolautstärke nur kurzzeitig

beizukommen glaubt.

Man merkt: Schalldämmung

(Entkoppelung des Motorlärms) ist nach

wie vor teuer.

Auch die Farbe holte nicht alle

Möglichkeiten raus: Rot lässt im

RoomST/A/R

Heckbereich nicht die Feinheiten der

eigenwilligen Heckleuchtengestaltung zur

Geltung kommen.

Der besprochene Wagen kostet in

der Grundausführung 18.430€, dazu

summieren sich im ST/A/R-Testwagen

noch Posten wie: Ablagepaket um

55,–. Es beinhaltet zwei offene Ablagen

hinten, ein flexibles Abstellfach am

rechten Radhaus sowie Ablagefläche

an den hinteren Seitentüren. Dieser

Posten ist symptomatisch für die heute

aktuelle Aufpreisgestaltung. Geboten

werden Extras, die so selbsterklärend

und nachhaltig vernünftig wirken, dass

man gerne den einmaligen Betrag zulegt.

Ähnliches gilt für die Abschaltbarkeit des

Beifahrerairbags zwecks Kindersitz (55,-),

das Brillenfach im Dach (15,–), die coole

Dachreling (165,–), das elektronische

Stabilisierungsprogramm ESP (415,–), die

elektrischen Fensterheber hinten (180,–,

noch ganz gut verzichtbar), den Klapptisch

um 30 Euro oder die Kopfstütze für den

hinteren Mittelsitz (verzichtbar, aber 30

Euro sind andererseits nicht viel Geld).

Ungern wird man, dank psychologischer

Unterstützer durch den netten Herrn in

Nadelstreif und rosa Krawatte, auf das

innovative Kurvenlicht verzichten wollen

(465,– da lässt man sich nicht lumpen),

oder auf das kleine Lederpaket mit dem

zwingenden namens Dynamic, das

Dreispeichen-Lenkrad, Schalthebelknauf

und Handbremsgriff umfasst (Euro 335,–).

Wer einmal mit dem Navigationssystem

vertraut war, wird nicht auf das

Anbaukästchen Via Michelin verzichten

wollen, das allerdings reichlich scheppert

(735,_). Das Panoramadach ist ein Must

um 735,–, beheizbare Scheibenwaschdüsen

sieht zwar keiner, bewähren sich aber

im Winter! Um vorausschauende 20

Euro wohlfeil. Bleiben noch Tempomat

(140,–, autobahn-baustellenerprobt) und

die Teppichfußmatten, die man mit ein

bisserl Handeln gratis umsonst kriegt

(womit man sich über 45 ersparte Euro

ins Fäustchen freuen kann). Beim Unterschreiben

des Kaufvertrages blinzelt man etwas nervös

über 21.965 Euro, aber was soll’s, ist ja nur die

einmalige Zahlung.

Ja, so kommen die Autos ins Haus: Immer

teurer als geplant. Jedoch: Als österreichischer

Käufer kann man sich über die Fahrersitz-

Höhenverstellung, das automatische Tagfahrlicht,

4 Airbags und das CD/MP3-Radio grundfreuen.

Wer flexible Innenräume liebt, kann den

Roomster sozusagen als Anbau-Mansarde

betrachten. Bis zu zwanzig verschiedenen

Sitzpositionen lassen sich angeblich durchspielen,

einen Preis für den, der das wirklich ausprobiert.

Man kann aber drauf vertrauen, dass alles

ganz leicht zu bedienen ist und sich die

kompliziertesten Konstellationen, die Standuhren

und ältere Familienangehörige beinhalten, zu aller

Zufriedenheit ausführen lassen.

Das Herzstück des Roomsterfahrens ist die

ausgezeichnete Servolenkung, die sich dem

Tempo anpasst und beim Rangieren fast von

selbst kreiselt. Insofern liebt man die abklappbare,

höhenverstellbare Mittelkonsole als Ellbogen-

Anlehnung und Gesamtstabilisierung. Nett, aber

verzichtbar: Der piepsende Parkassistent. Noch

ein Wort zum Kurvenlicht: tatsächlich handelt

es sich dabei um die beiden eh vorhandenen

Nebelscheinwerfer, die bei jeweiligem starken

Lenkeinschlag aktiviert werden und so zum

Beispiel das Einfahren in eine nächtliche

Schrägparklücke aufs freundlichste erhellen.

Der Roomster stellt sich in der Liga der Vernunft-

Vans gegen so Langweiligkeits-Klassiker wie

Opel Meriva, Zafira, Renault Scenic, aber auch

gegen den Kommunalcharme eines VW Caddy

und wie die Postlieferanten alle heißen. Insofern

hat der Roomster wirklich einen neuen Trend

angerissen: Das neocoole Crossover-Fahrzeug

für die Feuilleton-LeserInnen mit Landhaus, das

Transportmodul für die Designerboutiquen in der

urbanen Einkaufszone.

Denn Skoda hat es seit Fabia und Octavia immer

gut verstanden, klares, ganz leicht unterkühltes

Design zu schaffen, das sich nicht anbiedert und

jegliche Art von eigenen Projektionen zulässt

wie ein gutes Bild, das sich erst im Kopf des

Betrachters fertig stellt.

Das Instrumentarium ist sehr gut ablesbar,

alle Hebel und Schalter leicht zu bedienen und

keineswegs überdesignt. Die Zahl und Anordnung

der Ablagen ist klug überlegt, die Sitze straff und

komfortabel, auf langen Reisen kann man sich

bisweilen am Dach-Haltegriff hochziehen, den

man generöserweise auch dem Fahrer spendiert

hat.

Der Zugang nach hinten mit den großzügig

herausgearbeiteten Türen (mit vertikal versenkten

Außengriffen) hat etwas Herrschaftliches, die

Sitzposition ist, zusammen mit Längs- und

Neigungsverstellung, generös.

Der Verbrauch unseres 86-PS-Testwagens blieb

deutlich unter zehn Litern, Reichweiten von knapp

sechshundert Kilometern sind pro Tankfüllung

zu erzielen. Schönes Detail: Die ausklappbaren

Plastikhaken im Laderaum. Daran lassen sich

Plastiksackerln aufrecht festhängen.

Wir vergeben an den Skoda Roomster zehn von

zwölf ST/A/R-Sternen.

Roomster


102 Nr. 11/2006

Buch XIII - Auto ST/A/R

ST/A/R

Daimler-Benz McLaren Edition 722

Daheim bei Dennis

In seinem PARAGON, einer Denk-, Test- und Autofabrik auf allerhöchstem Standard,

sorgt Mc-Laren-Chef Ron Dennis für HiTech und saubere Schreibtische.

Mensch sieht immer Proportionen,

auch wenn er es nicht weiß”, sagt

“Der

Ron Dennis, der Eigentümer und

Geschäftsführer von McLaren. Er steht vor einer

auf Himmel, Wiese und Wasseranlage reduzierten

Ideallandschaft, die sich außerhalb der imposanten

Glasfassade befindet und von einer Zufahrtsstraße namens

Ron’s Drive durchmessen wird. Wir befinden uns auf

dem sogenannten Boulevard, der diesen geschwungenen

Weg im Inneren des skelettierten Gebäudes fortsetzt und

zugleich eine Hall of Fame offenbart. Hier stehen einige

der erfolgreichsten CanAm- und Formel1-Renngeräte,

genealogisch zurückreichend bis zu Bruce McLarens

erstem Rennfahrzeug, auf dem der Australier bereits mit

fünfzehn Jahren seine ersten Rennen fuhr.

Zurück zu Ron Dennis. Mit großer finanzieller

Anteilnahme von Mercedes hat er hier in Woking (etwa

eine Chauffeurstunde vom Londoner Zentrum entfernt)

von Norman Foster eine Denk- und HiTech-Fabrik

errichten lassen, die bereits architektonisch das Programm

vorgibt. Das Paragon genannte Gebäude ist nur elf Meter

hoch, aber achtzehn Fingertrakte sorgen für gleichmäßige

Lichtaufnahme. Die gesamte Anlage ist künstlich oder

natürlich taghell, im Zweifel weiß, nur die durchwegs

schlanken Menschen heben sich schwarzgekleidet ab. Alles

ist clean, auf geradezu absurde Weise aufgeräumt, wie für

einen James-Bond-Dreh vorbereitet. Jeder schreibtisch hat

Direktzugang zum Müllschlucker. Angeblich macht Ron

Dennis selber die Schließrunde und schmeißt alles ins

Loch, was liegen geblieben ist.

Nur eine kleine Zelle ist dem Bösen zugeeignet: Wie im

Purgatorium stehen blaßgrün beleuchtete Menschen auf

engstem Raum hinter Glas versperrt, schecklicher Qualm

umhüllt sie, ihre Mundwinkel glühen bei jedem Atemzug:

Raucher. Der diskrete Besucher tut, als hätte man nichts

gesehen.

Die erwähnten Proportionen der flachen, schwungvoll

dahinstrebenden Glas- und Stahlkonstruktion gehen

übrigens vom Maß 1,8 Meter aus, das entspricht der

Länge einer japanischen Tatami-Matte. Alle wesentlichen

Elemente strukturieren sich nach diesem Maß. “No

single thing will jump out on you. That’s partly where the

elegance of the building lies”.

*

Umso deutlicher springt hervor, weshalb wir diesmal

hier eingeladen sind: Der neue Mercedes-Benz SLR

McLaren 722 Edition, ein Evolutionsmodell des vor zwei

Jahren präsentierten Supersportcoupés. Er lauert hier

mit hochgespannter Einstiegstür auf einer Drehscheibe,

während Drinks uns Canapeés gereicht werden.

Der SLR entsteht in Woking unter der Verwendung von

Highend-Komponenten, die bei DaimlerChrysler und

McLaren hergestellt werden: Der 5,5-Liter V8 stammt von

AMG aus Affalterbach, wo er nach dem Grundsatz “One

man one engine” hergestellt wird.

Die Rohkarosserie aus Kohlefaser und

Glasfaserkunststoffen wird bei McLaren Composites in

Portsmouth (Südengland) gebacken. Lackiert und montiert

wird hier in Woking, der Wagen wird buchstäblich mit der

Hand gebaut.

Die Edition 722 ist um geringes stärker ausgelegt,

modellstrategische 26 PS, die den Wert auf jetzt 650

steigern. Die auf 150 Stück limitierte Kleinserie hat ein

dynamischeres Fahrwerk, verbesserte Aerodynamik und

betont sportliche Innenausstattung. Sie ist mit historischer

Konnotation aufgeladen: 7:22 war die Startzeit des

legendären Siegerteams Moss/Jenkinson bei der Mille

Miglia 1955, die sie auf einem Mercedes-Benz 300 SLR

bestritten.

Dieser Namensverpflichtung begegnet man mit Werten

wie 337 km/h Höchstgeschwindigkeit (SLR: 334 km/h) oder

0-100 in 3,6 Sekunden (SLR: 3,8). Erstaunlich, was 26 PS

noch ausrichten können.

Wie ernst man Eventualitäten wie die neue

Fahrwerksabstimmung nimmt, zeigt ein kurzer Blick

ins Allerheiligste: auf einer computergesteuerten

Stempelanlage durchläuft gerade ein Formel1-Chassis die

virtuelle Monza-Strecke. Die Versuchsanordnung erinnert

an einen Boxring. Jedesmal, wenn die virtuellen Curbs

überfahren werden, geht ein massiver Schlag durch den

Wagen. Straffere Federraten und Stoßdämpferkennungen

„Umso deutlicher springt

hervor, weshalb wir diesmal

hier eingeladen sind...

sogen für erhöhte Fahrstabilität. Um zwanzig Prozent

verringerte Wankbewegungen zusammen mit

neuen 19-Zoll-Alu-Schmiede-Rädern ermöglichen

höhere Kurvengeschwindigkeiten. Auch die Bremsen

konnten durch den größeren Durchmesser verstärkt

werden. Die Keramik-Brembos erreichen dramatische

Verzögerungswerte in der 34-Meter-Liga (aus Tempo 100).

Im hauseigenen Windkanal, der Tornados über ein

rasendes Stahlband schickt (in der F1 sind die freistehend

drehenden Räder ein enormer Messfaktor) wurden

Downforce erhöht und cW-Wert gesenkt. Eine markante

Spoilerlippe in der Bugkante (Airsplitter) sorgt für besseren

Airflow, wozu natürlich der völlig glatte Unterboden


ST/A/R Buch XIII - Auto ST/A/R

Nr. 11/2006 103

beiträgt sowie Radspoiler vor der Hinterachse. Der elektrisch bis zur Luftbremse verstellbare Heckspoiler

erhöhnt die Downforce an der Hinterachse um weitere fünfzig Kilo, das wären dann insgesamt 172 kg.

Im Cockpit erkennt man körpernahe Schalensitze mit auffälligen Kontrastnähten im 300-SL-Rot, die 722-

Prägung auf den Kopfstützen und rote Sicherheitsgurte. Schalt- und Handbremshebel sind mit griffigem

Wildleder bezogen, beim Lenkrad kommen zwei Ledersorten zum Einsatz. Auch der Instrumentenblock

wurde neu gestaltet. Der Werkstoff Carbon drängt an der Mittelkonsole zur puristischen Sichtbarkeit.

Das Edition-Modell ist trotz aller Maßnahmen um 44 kg leichter geworden. Die inszenierte Übergabe

des SLR McLaren an Millionäre beinhaltet eine hochdramatische Sound- und Filmshow, viel Rauch

und eindrucksvolle Lichteffekte. Auf einer hauseigenen Teststrecke werden die Käufer eingewiesen und

Cheftester Goodwin erzählt mir von eindrucksvollen Szenen, in denen er sechzigjährige Damen am Steuer

des SLR nicht aus seinem Windschatten wichen.

In Österreich hat man etwa null komma neun Mal die Chance, der Edition 722 ansichtig zu werden,

gefahren von Herrschaften, die 556.800 Euro dafür ausgegeben haben, was, damit man sich richtig was

vorstellen kann, in alter Währung etwa 6,7 Millionen Schilling entspricht.

Daheim bei Dennis

Mercedes – McLaren


104 Nr. 11/2006

Buch XIII - Auto ST/A/R

ST/A/R

Wollt ihr ein WIRKLICH teures Auto sehen? Diesen Prototyp fuhr und fotografierte ich

in Südafrika anlässlich der Arbeit über das offizielle SLR-McLaren-Buch. Er diente als

fahrendes Labor für die letzten Fragen: Wie gewöhnen wir der Carbon-Motorhaube das

Vibrieren bei Tempo 300 ab? Wie kriegen wir bei nämlicher Geschwindigkeit das Waschwasser auf

die Scheibe? Er war wild verkabelt, alles Technische lag roh zutage. Das Camouflage-Design des

damals noch inoffiziellen Autos stammte von Technikern, die mit Duct-Tape zugange waren.

Christian Ludwig, der deutsche Tourenwagen-Meister, machte die Abstimmunngsfahrten. Man

hatte eine verlassene Rennstrecke irgendwo im Niemandsland ausfindig gemacht, mit Steilkurven

und hölzernen Leitschienen. Bei Tempo 240 in der Randzonenkinematik erklärte er mir:

„Totaler Wahnsinn, was wir hier machen. In der Formel1 würden sie sich das nie trauen!“ (Alle

Tourenwagenfahrer haben einen F1-Komplex.) Ich gab ihm recht und hoffte, dass ich einem Abflug

über die Kurvenrampe wenigstens noch einen Genuss abgewinnen würde. Diese Landschaft!

Später waren wir in Kyalami zugange, aus dem Hubschrauber heraus versuchten wir, den Wagen

zu filmen. Der Pilot hatte massiv zu tun, mit dem Helikopter scannte er die Strecke ab, bei Start

und Ziel knüppelte er die Maschine über den Goodyear-Bogen, ohne Platz zu verschenken. Immer

hinter dem SLR-McLaren her. Später, als die Verkaufsmodelle erschienen, war ich enttäuscht über ihr

handzahmes Aussehen.

Exklusiv für ST/A/R von David Staretz

Mercedes-McLaren-Prototyp


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XIV - Vinzenz

ST/A/R 105

Vinzenz

du

Hutdesign und

Produktion von

Heidulf Gerngross

Marke Huflattich

für HutAtelier

Viktoriya

Sitochina

Lederergasse 4

1080 Wien

ST/A/R - Gewinnspiel

Wer ist der berühmte österreichische Architekt auf diesem Bild?

O Otto Wagner

O Adolf Loos

O Wolf D. Prix

O Robert Pretsch

O J.B. Fischer von Erlach

O Heinrich Freiherr von Ferstel

O Friedensreich Hundertwasser

Foto: Boris „FIFTY“ Steiner

Ankreuzen und gewinnen!

Schneiden Sie entlang der gestrichelten

Linie und schicken Sie die Karte an das

ST/A/R Redaktionsbüro:

ST/A/R - Wien

Capistrangasse 2/8

A - 1060 WIEN

Aus allen richtigen Einsendungen verlosen

wir tolle Preise:

- ein ST/A/R Abo

- ein Abendessen mit dem berühmten

Architekten (falls noch lebendig)

- jeweils ein Exemplar aller bisherigen

ST/A/R - Ausgaben (11 Zeitungen)


106 ST/A/R

Buch XIV - Vinzenz

Nr. 11/2006

Diplom SS 2005 an der Universität für angewandte Kunst Wien bei Wolf D. Prix

Lukas O. Goebl

Teilnahme an Wettbewerben in Tartu, Grafenegg, Wien, Krems

Kreierte mit Lucas Kulnig den YOUNG - ST/A/R

Mitglied des ST/A/R- Herausgeberagglomerats

www.explicit-architecture.com

Ausstellungen in Lyon, Wien, Bratislava, Kosice...

lukas@arch-goebl.at

Zeichnet an Stadtutopien in verschiedenen Maßstäben

+43 676 6174500

Baut mit Fritz Göbl und Rex Bolecek ein Museum für Adolf Frohner, Ernst Krenek... in Krems

Arbeitet mit der Industriellenvereinigung und mit Daniel Podmirseg an der Vernetzung von Bratislava und Wien


Nr. 11/2006

Buch XIV - Vinzenz ST/A/R 107

Bauherrenpreis 2006

Bauherrenpreis 2006

der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs

Ppag Architekten

LOBENDE ERWÄHNUNGEN

(P_29) (P_13) Kirche Einfamilienhaus Gallpach, PA1 OÖZurndorf, Bgld

Kath. Bettina Pfarramt Stimeder Gallspach mit Diözese Linz

Pfarrer Ppag Architekten Mag. Johann Gmeiner

Arch Ernst Beneder und Anja Fischer

(P_29) Kirche in Gallpach, OÖ

Kath. Pfarramt Gallspach mit Diözese Linz

Pfarrer Mag. Johann Gmeiner

Arch Ernst Beneder und Anja Fischer

der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs

der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs

Der Bauherrenpreis 2006 – vergeben von der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs – würdigt Bauvorhaben, welche in

der Verwirklichung ihrer Bauaufgabe, der Ausführung, der architektonischen Gestalt, in ihrem gesellschaftlichen Engagement und

innovatorischen Charakter als vorbildlich zu bezeichnen sind – exzeptionelle Lösungen, die auf Grund intensiver Kooperation von

Bauherren Der Bauherrenpreis und Architekten 2006 – zustande vergeben gekommen von der Zentralvereinigung sind.

der Architekten Österreichs – würdigt Bauvorhaben, welche in

Hinter der Verwirklichung jedem realisierten ihrer Bauaufgabe, Projekt steht der nicht Ausführung, nur ein Architekt, der architektonischen sondern auch ein Gestalt, Bauherr. in ihrem Große gesellschaftlichen Bauwerke, qualitätsvolle Engagement und

du

Architektur, innovatorischen beispielgebender Charakter als Städtebau vorbildlich beruhen zu bezeichnen ebenso sind auf einem – exzeptionelle – oft gemeinschaftlichen Lösungen, die auf – Konzept Grund intensiver und einem Kooperation artikulierten von

Bedürfnis Bauherren als und auch Architekten auf der künstlerischen zustande gekommen und kreativen sind. Potenz des Entwerfers. Im Idealfall steigern sich Vision des Architekten

und Hinter des jedem Bauherrn realisierten zu exemplarischen Projekt steht Resultaten. nicht nur Diese ein Architekt, oft wesentliche sondern Rolle auch des ein Bauherrn Bauherr. Große zu erkennen Bauwerke, und qualitätsvolle

durch einen Preis

anzuerkennen, Architektur, beispielgebender war – vor beinahe Städtebau 40 Jahren beruhen – die Idee, ebenso die auf wir einem der – Zentralvereinigung oft gemeinschaftlichen der Architekten – Konzept Österreichs und einem zur artikulierten

Verwirklichung Bedürfnis als auch brachten. auf der künstlerischen und kreativen Potenz des Entwerfers. Im Idealfall steigern sich Vision des Architekten

Hochkarätige und des Bauherrn Jurien zu beurteilen exemplarischen nicht primär Resultaten. Bauwerke, Diese sondern oft wesentliche Prozesse Rolle und Resultate des Bauherrn eines zu dialektischen erkennen und Vorgangs durch einen zwischen Preis

Architekt anzuerkennen, und Bauherrn, war – vor der beinahe sich in 40 qualitätsvoller Jahren – die und Idee, zukunftsweisender die wir in Zentralvereinigung Architektur niederschlägt Architekten – oft gegen Österreichs große zur Widerstände.

Verwirklichung Die Verbundenheit brachten. mit dem ausgezeichneten Bauherrn – der nicht notwendigerweise nur der Geldgeber, sondern etwa

auch Hochkarätige der Nutzer Jurien oder beurteilen Ideenspender nicht sein primär kann, Bauwerke, der für das sondern Konzept Prozesse und seine und Durchsetzung Resultate eines Verantwortliche dialektischen – Vorgangs wird gewürdigt. zwischen

Seit Architekt 1967 begleitet und Bauherrn, dieser der Preis sich der in Zentralvereinigung qualitätsvoller und nun zukunftsweisender die österreichische Architektur Architekturentwicklung niederschlägt – – oft er gegen wird im große In- und Widerstände.

oft Die kopiert Verbundenheit – ist mit somit dem gültiges ausgezeichneten Zeugnis und Bauherrn Dokumentation – der nicht für notwendigerweise die wirkenden Kräfte nur der in der Geldgeber, Gestaltung sondern und etwa

Ausland

Formulierung auch der Nutzer unserer oder Umwelt. Ideenspender sein kann, der für das Konzept und seine Durchsetzung Verantwortliche – wird gewürdigt.

Aus Seit 132 1967 Einreichungen begleitet dieser österreichweit Preis der Zentralvereinigung hat die Jury – Hans nun Hollein, die österreichische Wien (Vorsitz) Architekturentwicklung Marta Schreieck, Wien, – Thomas er wird im van In- den und

Valentyn, Ausland oft Köln kopiert – 15 Bauherrenpreise – und ist somit gültiges und acht Zeugnis lobende und Erwähnungen Dokumentation vergeben. für die wirkenden Kräfte in der Gestaltung und

Formulierung unserer Umwelt.

Aus 132 Einreichungen österreichweit hat die Jury – Hans Hollein, Wien (Vorsitz) Marta Schreieck, Wien, Thomas van den

(P_15) Fertigungshalle Obermayr

(P_62) Wirtschaftskammer Niederösterreich, St. Pölten

Valentyn, Köln – 15 Bauherrenpreise und acht lobende Erwähnungen vergeben.

Obermayr Holzkonstruktionen GmbH

Wirtschaftskammer Niederösterreich

DI Hans Christian Obermayr und DI Bernhard Obermayr

Präsidentin KR Sonja Zwazl / Kammerpräs. KR Franz Wiedersich

Architekten: (P_15) Fertigungshalle F2 Architekten ZT Obermayr GmbH, Markus Fischer, Christian Frömel

Architekten: (P_62) Wirtschaftskammer Rüdiger Lainer + Partner Niederösterreich, ZT GmbH St. Pölten

Obermayr Holzkonstruktionen GmbH

Wirtschaftskammer Niederösterreich

(P_23) DI Hans BTV-Stadtforum Christian Obermayr Innsbruck und DI Bernhard Obermayr

(P_70 Präsidentin und P_102) KR Sonja Loisium Zwazl & Loisium / Kammerpräs. Hotel u. KR Weinkunstgarten Franz Wiedersich Loisium

BTV Architekten: Bank für F2Tirol Architekten und Vorarlberg ZT GmbH, AGMarkus Fischer, Christian Frömel

Loisium Architekten: Weinvisionen, Rüdiger Lainer Weinbau + Partner Steininger, ZT GmbH Loisium Hotel, Raiffeisen-Holding NÖ-Wien,

Konsul Direktor Peter Gaugg /Direktor Mag. Matthias Moncher

Weingut Bründlmayer

Architekt: (P_23) BTV-Stadtforum Heinz Tesar Innsbruck

Tuula (P_70 und Dkfm. P_102) Gerhard Loisium Nidetzky & Loisium Hotel u. Weinkunstgarten Loisium

BTV Bank für Tirol und Vorarlberg AG

Karl Loisium Steininger Weinvisionen, / Annemarie Weinbau Haimerl Steininger, / Mag. Loisium Susanne Hotel, Kraus-Winkler Raiffeisen-Holding NÖ-Wien,

(P_24) Konsul Wiener Direktor Stadt- Peter u. Gaugg Landesbibliothek-Tiefspeicher

/Direktor Mag. Matthias Moncher

Dr. Weingut Kurt Miesenböck Bründlmayer / Mag. Willi Bründlmayer

Wiener Architekt: Stadt- Heinz u. Tesar Landesbibliothek, MA 34

Architekten Tuula und Projekt Dkfm. 70: Gerhard Steven Holl Nidetzky mit Sam/Ott-Reinisch

Ing. Rudolf Kaizler

Architekten Karl Steininger Projekt 102: / Annemarie ko a la Landschaftsarchitekten

Haimerl / Mag. Susanne Kraus-Winkler

Architekten: (P_24) Wiener Hempel Stadt- Architekten u. Landesbibliothek-Tiefspeicher

ZT GmbH

Dr. Kurt Miesenböck / Mag. Willi Bründlmayer

Wiener Stadt- u. Landesbibliothek, MA 34

(P_70) Architekten Wiener Projekt Stadthalle 70: Steven Holl – Neubau mit Sam/Ott-Reinisch

Halle F

(P_ Ing. 39) Rudolf Haus_H Kaizler

Wiener Architekten Stadthalle Projekt 102: Betriebs- ko a la und Landschaftsarchitekten

Veranstaltungsges.mbH – Projekt:

Mag Architekten: a . Verena Hempel u. Mag. Architekten Stefan Halvax ZT GmbH

Dir. DI Helmut Jerabek / Dir. Prof. Dr. Gerhard Feltl / Dir. Peter Gruber

Architekten: Caramel Architekten

Architekten: (P_70) Wiener Dietrich/Untertrifaller Stadthalle – Neubau ZT GmbH Halle F

(P_ 39) Haus_H

Wiener Stadthalle Betriebs- und Veranstaltungsges.mbH – Projekt:

(P_42) Mag a . Besucherzentrum Verena u. Mag. Stefan im Österr. Halvax Parlament

(P_86) Dir. DI Wohnbau Helmut Jerabek ›Look‹ / Dir. Prof. Dr. Gerhard Feltl / Dir. Peter Gruber

Republik Architekten: Österreich Caramel Architekten

BUWOG Architekten: GmbH Dietrich/Untertrifaller ZT GmbH

Nationalratspräsident Dr. Andreas Kohl / Parlamentsvizedir. Dr. Sigurd Bauer Dr. Gerhard Schuster

Parlamentsdirektor (P_42) Besucherzentrum Dr. Georg im Posch Österr. Parlament

Architekt: (P_86) Wohnbau Gert Mayr-Keber ›Look‹

Architekten: Republik Österreich Geiswinkler & Geiswinkler Architekten ZT GmbH

BUWOG GmbH

Nationalratspräsident Dr. Andreas Kohl / Parlamentsvizedir. Dr. Sigurd Bauer (P_92) Dr. Gerhard Architektonische Schuster Begleitplanung S 35, Brucker Schnellstraße

(P_43) Parlamentsdirektor Uniqa Tower Dr. – Neubau Georg Posch der Konzernzentrale

ASFINAG Architekt: Gert BMG Mayr-Keber Pernegg

Uniqa Architekten: Versicherungen Geiswinkler AG & Geiswinkler Architekten ZT GmbH

DI Franz Lenz

Präsident KR Herbert Schimetschek / Vorstandsdir. Dr. Gottfried Wanitschek

Architekt: (P_92) Architektonische Alfred Bramberger Begleitplanung S 35, Brucker Schnellstraße

Vorstandsdir. (P_43) Uniqa Dr. Tower Andreas – Neubau Brandstetter der Konzernzentrale

/ DI Ernst Morgenbesser

ASFINAG BMG Pernegg

Architekten: Uniqa Versicherungen Heinz Neumann AG und Partner ZT GmbH

(P_114) DI Franz T-Center Lenz St. Marx

Präsident KR Herbert Schimetschek / Vorstandsdir. Dr. Gottfried Wanitschek mm Architekt: Liegenschaftsbesitz Alfred Bramberger GmbH

(P_57) Vorstandsdir. Gartenstadt Dr. Andreas Roland Brandstetter Rainer-Siedlung, / DI Ernst St. Pölten Morgenbesser

CEO DI Thomas Jakoubek

Alpenland Architekten: Siedlungsgenossenschaft, Heinz Neumann und Partner St. Pölten ZT GmbH Wohnungsgenossenschaft mbH,

Architekten: (P_114) T-Center Architektur St. Consult Marx ZT GmbH – Domenig/Eisenköck/Peyker

WET Wohnbauges.mbH

mm Liegenschaftsbesitz GmbH

Dir. (P_57) LH Gartenstadt a.D. Mag. Siegfried Roland Ludwig Rainer-Siedlung, / Prok. Mag. St. Robert Pölten Rintersbacher

(P_120) CEO DI Buchhandlung Thomas Jakoubek Wiederin

Direktor Alpenland Wilhelm Siedlungsgenossenschaft, Gelb / Dir. KR Ferdinand St. Pölten Rubel Wohnungsgenossenschaft mbH, Bücher Architekten: Wiederin, Architektur Studienverlag Consult ZT Markus GmbH Hatzer, – Domenig/Eisenköck/Peyker

Tiroler Sparkasse

Architekten: WET Wohnbauges.mbH

Roland Rainer mit Johanna Rainer, Wallner & Partner ZT GmbH

Mag. Thomas Wiederin / Markus Hatzer / DI Stephan Bstieler

Dir. LH a.D. Mag. Siegfried Ludwig / Prok. Mag. Robert Rintersbacher

Architekt: (P_120) Rainer Buchhandlung Köberl Wiederin

(P_60) Direktor Wohnhausanlage Wilhelm Gelb / Nussberggasse

Dir. KR Ferdinand Rubel

Bücher Wiederin, Studienverlag Markus Hatzer, Tiroler Sparkasse

AIV Architekten: Generali Roland Versicherungs Rainer mit AG Johanna Rainer, Wallner & Partner ZT GmbH

Mag. Thomas Wiederin / Markus Hatzer / DI Stephan Bstieler

Dir. Klaus Edelhauser

Architekt: Rainer Köberl

Architekt: (P_60) Wohnhausanlage Hans Peter Petri Nussberggasse

AIV Generali Versicherungs AG

Dir. Klaus Edelhauser

Architekt: Hans Peter Petri

LOBENDE ERWÄHNUNGEN

(P_13) Einfamilienhaus PA1 Zurndorf, Bgld

Bettina Stimeder

(P_51) Gläserne Fußgängerbrücke

Neubaugürtel, Wien

BM Ing. Richard Lugner

Arch Bulant & Wailzer

(P_51) Gläserne Fußgängerbrücke

(P_85) Neubaugürtel, Hotel am Wien Bahnhof Innsbruck

Raiffeisen BM Ing. Richard Evolution Lugner Develop. GmbH

DI Arch Hellia Bulant Mader-Schwab & Wailzer

Arch Manzl/Ritsch/Sandner

(P_85) Hotel am Bahnhof Innsbruck

Raiffeisen Evolution Develop. GmbH

DI Hellia Mader-Schwab

Arch Manzl/Ritsch/Sandner

(P_98) Fußgängerunterführung FLUC_2,

Bock Wagner OEG, Martin Wagner

Arch Klaus Stattmann

(P_99) (P_98) Wohn- Fußgängerunterführung und Bürohaus Fotostudio FLUC_2,

Kaindl-Hönig, Bock Wagner OEG, Szbg. Martin Wagner

Stephan Arch Klaus Kaindl-Hönig Stattmann

Arch Forsthuber / Scheithauer

(P_99) Wohn- und Bürohaus Fotostudio

Kaindl-Hönig, Szbg.

Stephan Kaindl-Hönig

Arch Forsthuber / Scheithauer

(P_118) Centrum_Odorf, Tirol

IIG Innsbruck Immobilien GmbH

Prok. Ing. Helmut Rofner

Arch Froetscher / Lichtenwagner

(P_118) Centrum_Odorf, Tirol

(P_132) IIG Innsbruck Dokumentationsarchiv Immobilien GmbH des

Österr. Prok. Ing. Widerstandes, Helmut Rofner Wien

Dr. Arch Brigitte Froetscher Bailer / Lichtenwagner

Arch Falkeis & Falkeis.Senn

(P_132) Dokumentationsarchiv des

Österr. Widerstandes, Wien

Dr. Brigitte Bailer

Arch Falkeis & Falkeis.Senn


Städteplanung / Architektur / Religion Buch XIV - Vinzenz

ST/A/R 109


110 ST/A/R

Buch XIV - Vinzenz

Nr. 11/2006

* siehe Seite 120


C M Y CM MY CY CMY K

Nr. 11/2006 Buch XIV - Vinzenz ST/A/R 111

* siehe Seite 120


112 ST/A/R

Buch XIV - Vinzenz

Nr. 11/2006














* siehe Seite 120



































































Simens Elin

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ST/A/R Buch XV - Nehrer + Medek Nr. 11/2006 113

NEHRER + MEDEK

Manfred Nehrer führt das WERK von NEHRER + MEDEK mit neuen Partnern fort...

Aus NEHRER + MEDEK wurde ab 2004 NMPB (NEHRER + MEDEK † + Pohl + Bradic)

MANFRED NEHRER

von 1982–1990 Präsident der Architektenkammer

seit 1996 Präsident des Künstlerhauses

30 Jahre Architektur im Kontext


114 Nr. 11/2006

Buch XV - Nehrer + Medek

ST/A/R

Sanierung/ Erweiterung der alten Tabakfabrik

RAFFINIERTE HÄNGEKONSTRUKTION

Höhere technische Bundeslehranstalt Wien Ottakring 1997

N M: Gekonnter Umgang mit ALT und NEU!


ST/A/R

Buch XV - Nehrer + Medek

Nr. 11/2006 115

1999

Bauherr: Bundesimmobiliengesellschaft

Projektleiter: Herbert Pohl, Wolfgang Huber

Statik Albau: Fritsch, Chiari & Partner

Statik Neubau: Wolfdietrich Ziesel

Künstlerischer Beitrag: Waltraud Cooper

sämliches Bild- und Textmaterial aus dem Buch NEHRER + MEDEK, Verlag Anton Pustet

1988 Time Square Wien


ST/A/R Buch XV - Nehrer + Medek Nr. 11/2006 117

1. Preis 2006 Volksschule Montelaa (Baubeginn Mai 2007)

Manfred Nehrer: Die städtebaulichen Anforderungen werden in unserer Arbeit immer bedeutender.


118 Nr. 11/2006

Buch XV - Nehrer + Medek

ST/A/R

Hauptschule Zistersdorf 1986

Ein Konzept von Nehrer + Medek: Kluge Konstruktionen ermöglichen eine Summe von Funktionen.

Statik: Wolfdietrich Ziesel

Widmung an Heidulf Gerngross im Buch Nehrer + Medek

Lieber Manfred: Nicht nur eurer Werk,

sondern auch deine Handschrift ist schön und

großzügig! H.G.

Reinhard Medek - Freund und Partner über den Tod hinaus

Manfred Nehrer


ST/A/R

Personalhochhaus “Klinotel”

Buch XV - Nehrer + Medek Nr. 11/2006 119

Bauherr: Republik Österreich, Stadt Wien, ARGE AKH

Projektleiter: Herbert Pohl, Günter Seegerer

Konsulent für Hochhausplanung: Harry Seidler

Statik: Emmerich Friedl, Hubert Rinderer

Künstlerischer Beitrag: Manfred Walkolbinger 1999


120 Nr. 11/2006

Buch XV - Nehrer + Medek

ST/A/R

winner

Wilhelmskaserne

Wohn- und Bürobebauung.

Städtebaulicher Wettbewerb,

1. Preis 2005.

Realisierung:

Wohnbereich: gemeinsam mit

Otto Häuslmayr. Walter Ifsits,

Walter Stelzhammer.

Bürohaus: NMPB. Baubeginn 2007.

Fertigstellung 2008

*

Fachhochschule St. Pölten

Entwurf 2005

Baubeginn Jänner 2006

Fertigstellung Juli 2007

PORR & Siemens

Generalunternehmer und Betreiber

für 25 Jahre


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XVI - Lutter

ST/A/R 121

SHOP FÜR ARCHITEKTUR

Stararchitekt

HEINZ LUTTER

HEINZ LUTTER


122 ST/A/R

Buch XVI - Lutter

Nr. 11/2006

1070 Wien, Schottenfeldgasse 23

Hervorragende Tischlerarbeiten der Werkstätte Walder fü

Tischlerei, 9931 Ausservillgraten 42 ; Telefon 04843/54 77; Mobil

0664/160 15 38 Herr Walder; E-Mai


Nr. 11/2006

Buch XVI - Lutter ST/A/R 123

Interview:

ST/A/R: Es freut mich, daß Du in unser Büro gekommen bist,

um für Star a bisserl was aus Deinem Leben und von Deiner

Arbeit zu erzählen. Du hast etwas ganz Neues gemacht. Du

hast im 7. Bezirk einen Shop für Architektur eröffnet. Magst

Du uns erzählen, was Du damit bezweckst?

Lutter: Ja, also paß auf, die Idee war so, ich hab oben im

letzten Geschoß ein Büro gemietet und das Erdgeschoßlokal

war leer, frei. Ich bin immer wieder dort vorbeigekommen

und hab reingeschaut und mir gesagt ‚das ist interessant, was

läßt sich damit machen?’ Also hab ich mich erkundigt, bin

auch hineingegangen und hab von drinnen rausgeschaut.

Da hab ich gesehen, das ist ziemlich städtisch, da gibt’s eine

Kreuzung, da ist viel los, da ist Verkehr, da fahren viele Autos.

Ich hab mir gedacht, ‚ich weiß net, das taugt mir, das hat

was’. Dann hab ich mich mit einer langjährigen Mitarbeiterin

zusammengesetzt: ‚Weist Du Michi, wir sollten irgendwas

machen da unten, das reizt mich, das ist spannend. Wir sitzen

da oben im Elfenbeinturm, wir Architekten, machen auf elitär

und sofisticated und finden uns selbst so richtig gut, aber

wenn zehn von uns miteinander sitzen, dann ist das gar nicht

zum auszuhalten! Ich jedenfalls habe damit oft ein Problem.

Also: Raus aus dem Elfenbeinturm! Machen wir an Shop für

Architektur, wo wir Architektur verkaufen’.

ST/A/R: Was verkauft man denn da und wie geht das denn?

Lutter: Was wir verkaufen sind die geistigen, immateriellen

Leistungen die unsere Hirne erbringen. Wenn Du sonst zum

Architekten gehst, dann sagt der Dir: ‚das dauert ein Jahr

wenn ich anfange und kostet viel Geld’. Er verkauft ganze,

fertige Produkte. Wir dagegen sezieren unsere Leistungen,

wir schneiden sie auf, wie in einer Computer-Tomographie.

Unsere Leistung besteht aus vielen verschiedenen Leistungen

und die verkaufen wir, einzeln. Wir haben das Geschäft auf

das eingerichtet, was einer braucht, der ein Projekt macht.

Wurst was! Oft geht’s um Grundstücke, um Fragen der

Bauordnung und Anschlüsse, die vielen, vielen Dinge, die

ein Projekt mit sich bringen kann. Was mach ich, wenn ich

eine Terrasse auf dem Dach bauen oder einen Kleingarten

ausbauen will? Brauch ich da die Baupolizei, den Eigentümer

oder einen Rechtsanwalt?

ST/A/R : Da braucht es dann geschultes Personal das

Antworten gibt...

Lutter: Im Shop sitzt eine Mitarbeiterin, die bei mir jahrelang

als Architektin gearbeitet hat. Die weiß vieles und den Rest

müssen wir erarbeiten. Wir wissen ja nicht überall sofort

Bescheid, aber einiges wissen wir schon.

ST/A/R: Und dann verkauft Ihr Eure Informationspakete dort

direkt zu festen Preisen?

Lutter: Sobald wir wissen worum es geht klären wir Preise ab.

Wenn ich mir etwas anschaue vor Ort, dann kostet das fünfzig

oder hundert Euro, wie auch immer, wir machen das dann

vorab aus. Dann gibt es eine Beratung nach Bedarf, ich stehe

zur Verfügung um Fragen zu besprechen.

03:51:ST/A/R: Wonach fragen Dich Deine Kunden?

Lutter: Wie kann ich eine Stiege einbauen um zwei

Wohnungen zusammenzulegen? Welche Materialien sollte ich

für bestimmte Arbeiten verwenden? Welche Alternativen gibt

es zu meinen Plänen? Soll ich diese oder jene Räumlichkeit

kaufen, ist sie ihren Preis wert?

ST/A/R: In Wien ist euer Shop für Architektur sicher eine

einmalige Einrichtung?

Lutter: Ich glaube in Österreich, wir sind jedenfalls die Ersten.

ST/A/R: Abends veranstaltet Ihr Informationstreffen im Büro?

Lutter: Wir schauen abends oft Filme an. Das Programm

orientiert sich an Themen, die unsere Gäste interessieren. Wir

kooperieren dabei mit einer Rechtsanwaltskanzlei, die machen

die rechtliche und wir die architektonische Beratung. Gerade

hatten wir eine Veranstaltung zum Thema Dachterrasse.

Was kann und was darf gemacht werden? Demnächst stellen

wir eine Arbeit von der Weimarer Bauhausuniversität aus.

Der Vorsteher des 7. Bezirks der Thomas Blimlinger hat das

eingefädelt.

ST/A/R: Hat er dazu die Initiative ergriffen?

Lutter: Dem Blimlinger gefällt was ich mache, weil es im

Bezirk viele leere Geschäftslokale gibt. Teils sind die Mieten

sehr hoch, teils erscheinen die Lokale nicht als attraktiv.

Der Bezirk hat sich mit dem Thema beschäftigt und dazu

verschiedene Entwürfe gemacht. Die wurden bei uns

ausgestellt.

ST/A/R: Das freut mich, daß Du mit Deinem Geschäft

Initiative im Kleinbereich ergreifst. Wir brauchen ja mehr

als immer nur Weltarchitektur. Wie paßt das zu Deinen

bisherigen Aktivitäten?

Lutter: Angefangen habe ich ja als alternativer Architekt, mit

biologischen und ökologischen Wohnhäusern. Diesen Weg

habe ich dann verlassen.

ST/A/R: Was war der Grund?

Lutter: Mir schien das damals als zu aufgesetzt. Das war die

Zeit der sogenannten Edelgrünen, der bürgerlichen Grünen.

Die wollten, daß jedes Haus wie ein Dorf aussieht. Alles

sollte ökologisch ausschauen. Das war mir zu dogmatisch.

Es hat auch noch nicht hingepaßt. Alles hat mehr gekostet,

aber es war nicht klar, wie sich das amortisieren sollte. Es

etwas besser geworden, aber es gibt ja immer noch zu wenig

Förderung. Ich hab das dann jedenfalls verlassen und mich

in den neunziger Jahren mit der Gestaltung von Restaurants

als Erlebnisbereich beschäftigt. Orte an denen man Tanzen,

Essen, trinken und Musik machen kann. Das hat sich in

der Kärntnerstrasse ergeben, wo wir ein geschossiges Lokal

gestaltet haben.

ST/A/R: Worum ging es Euch dabei?

Lutter: Mit verschiedenen Künstlern haben wir versucht ein

Thema zu entwickeln. Was ist das Thema Essen? Was kann

das alles? Was gibt es für Genüsse, was gibt es für harte und

was gibt es für weiche Früchte? Das haben wir umgesetzt

in Architektur. Wir haben uns auch mit Inszenierung

auseinander gesetzt. Wo soll und will der Gast gesehen

werden? Und wo nicht? Neben dem Funktionellen haben wir

Gefühlswelten berücksichtigt und inszeniert. Da hat es ein

paar Lokale gegeben, in denen wir diesen Weg gegangen sind.

Leider hat halt der Betreiber nicht das Geschick gehabt, diese

Lokale entsprechend zu führen.

ST/A/R: Zwischen Auftraggeber und Architekt muß ein

harmonisches Zusammenspiel bestehen. Wenn das Herz des

Auftraggebers nicht dabei ist, dann ist es sinnlos, überhaupt

etwas zu machen.

Lutter: Die Beziehung kann durchaus kontrovers sein. Das

kann ja Energie erzeugen. Wenn der Auftraggeber immer nur

sagt „Ja, ja, paßt eh, ja, ja, paßt eh“ ist das meistens schlecht.

Grad wenn der manchmal dagegen ist, aber bereit ist, mit mir

zu kämpfen, dann kann was Gutes rauskommen.

ST/A/R: Mit dem Statikbüro von Helmut Locher arbeitet ihr

auch schon lange zusammen?

Lutter: Seit der Zeit des Alternativprojektes in der

Schottenfeldgasse 78. Wir haben das zusammen gemietet,

das Haus dahinten, gemeinsam mit anderen befreundeten

Architekten und Künstlern. Wir haben das gemietet um

zu schauen das wir miteinander was machen. Das hat sich

dann nicht so entwickelt, wie ich das geglaubt hab. Aber die

Querverbindung mit dem Locher ist sehr stark geworden und

natürlich sind die Projekte dann gut gelaufen, weil man im

Haus miteinander kommunizieren konnte.

ST/A/R: Und was kam danach?

Lutter: Dann sind andere Aufträge gekommen. Besonders die

Dachwohnungsgeschichte hat mich sehr beschäftigt und mir

die spezielle Wiener Situation klarer gemacht. Das Wiener

Bürgerhaus oder die Gründerzeithäuser, das ist alles sehr

lieb und wertvoll, sodaß man nichts verändern darf oder soll.

Irgendwann hat es dann diesen Gewaltakt gegeben, diese

Provokation der Spitalgasse: ‚So, jetzt zeig ich Euch, daß man

durchhaus auf ein Gründerzeithaus was draufsetzen kann,

was mit dem Haus zunächst einmal gar nichts zu tun hat“.

Die Immanenz, die Überzeugung, daß über jede Fensterachse

eine Gaube gehört, ist in Frage zu stellen. Nicht daß ich

gegen die Erhaltung der Bauten wäre oder Zusammenhänge

ablehne, aber man muß das differenziert sehen und bei jedem

Haus kann das anders sein. Wir haben dann die Auftraggeber

ein bißchen überrumpelt.

ST/A/R: Die Auftraggeber verstanden die Pläne wohl nicht so

genau?

Lutter: Natürlich nicht, keiner hat so ganz genau gewußt was

da passiert. Wir haben das Projekt eingereicht, dann haben wir

es zurückbekommen und haben eine Auswechslungsplanung

gemacht. Über die haben wir rübergezeichnet und es hat

keiner mehr so wirklich erkannt, was das für ein Projekt war,

weil das zunächst ja ganz blöd und banal ausgeschaut hat.

Wir haben dann diese Holzleinenzeichnung gemacht, die in

der Auswechslungsplanung nicht so ganz leicht zu erkennen

war. Daraus haben sich dann andere Dachgeschoßprojekte

ergeben.

ST/A/R: Dann hast Du auch Wettbewerbe gewonnen?

Lutter: Wenn Bauherren Architekten suchen, aber nicht

wissen wen, dann schreiben sie mitunter kleine Wettbewerbe

aus, zum Beispiel für Einfamilienhäuser, auf eine sehr positive

Art und Weise. Da habe ich mitgemacht und gewonnen.

ST/A/R: Wie beschreibst Du nach 30 Jahren Tätigkeit Deine

Zufriedenheit mit Wien?

Lutter: Also selbstständig arbeite ich ja erst seit zwanzig

Jahren.

ST/A/R: Das bedeutet aber schon was, also das ist schon zu

schätzen!

Lutter: Ich sags so: es wir viel geraunzt und gejammert. Ich

tu das überhaupt nicht. Ich find das im Grunde ziemlich

super was hier passiert, mit all den Facetten die Wien hat.

Ich war gerade zehn Tage in China, da ticken die Uhren

anders. Über das was wir hier täglich diskutieren, etwa eine

Überhöhung von 50 cm, fangen die gar nicht erst zu reden

an. Aber mittlerweile habe ich gelernt mit den Behörden

umzugehen, sehe das Positive und find einen Weg. Früher bin

ich ein bisserl aggressiv aufs Amt gegangen. Das hab ich jetzt

überhaupt nicht mehr, sondern gehe gerne hin und suche

auch Rat: ‚du wie geht das, wie mach ma das?’

r Heinz Lutter

l walder.tischlerei@utanet.at


Städteplanung / Architektur / Religion Buch XVI - Lutter

ST/A/R 125

Lutters Dachlandschaften

Fotos: Anna Blau

Ihr Spezialist für Planung, Fertigung und Montage im Bereich Glasdächer und Glasfassaden.

Mit eigenen Aluminiumprofi len sind wir unabhängig von Systemlieferanten.

Unser Know-How ist Ihr Erfolg. Spezielle Projekte werden nach Naturmaß gefertigt.

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Geschäftsleitung: Ing. Johannes Eßmeister

Mobil +43 676 83 88 16 00


ST/A/R FREUT SICH ÜBER DIE GELUNGENE ZUSAMMENARBEIT!!!

Meidlinger Hauptstrasse 15 / Arndtstrasse 89, Wien 12 Fotos: Margherita Spiluttini


126 ST/A/R

Buch XVI - Lutter

Nr. 11/2006

Fotos: Margherita Spiluttini

Albertgasse 35. Wien 8

Die Adaptierung der bestehenden Räumlichkeiten zu

einem modernen Büro für die Conwert Immobilien


Nr. 11/2006 Buch XVI - Lutter

ST/A/R 127

Dachgeschoßausbau

Meidlinger Hauptstrasse 15 / Arndtstrasse 89, Wien 12

Haus W

Einfamilienhaus, Wien 13

Lutters

elegante

Innenräume


128 ST/A/R

Buch XVI - Lutter

Nr. 11/2006

Danke

Haus K

coming

soon….


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XVII - Kleingartenpreis ST/A/R 129

WIEN

WIEN

Wohnbaustadtrat

Werner Faymann

P h o t o : w w w. k o r r a k . c o m


130 ST/A/R

Buch XVII - Kleingartenpreis

Nr. 09/2006

Preisverleihung Kleingartenpreis 2006

Photowettbewerb: „Mein Stückchen Erde – Grün-Oasen in der Stadt“

Immer dabei:

Die Siegerpreise gestiftet von:

Ing Wilhelm Wohatschek

Kleingartenzentralverband

Chefredakteur

Christoph Dichand

3.

1.

Dir. Walter Zambelli,

BA-CA

2.

Christian Oxonitsch, Landtagsabgeordneter

und Gemeinderat

Wohnbaustadtrat Werner Faymann

1. Preisträger

Familie Wanieczek

2. Preisträger

Bürgermeister Michael Häupl

Peter Korrak besuchte die Preisträger in ihren Kleingärten

Familie Monese

Familie Krüger

3. Preisträger


Nr. 09/2006

Buch XVII - Kleingartenpreis

1. Preis

Rosemarie Monese

23 Punkte Kleingartenverein Landstrasser Gürtel,

3., Ghegastraße 2, Parzelle 53, 321 m 2

2. Preis

Peter Wanieczek

13 Punkte Kleingartenverein

10., Rudolfshügel - Friesenplatz,

Parzelle 21 210 m 2

Jury

Jurysitzung zum „Kleingartenpreis der Stadt Wien“

(abgehalten am 12.09.2006)

(Von l. nach r.:) Ing. Wilhelm Wohatschek, Zentralverband

der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter; Sandra

Auer, Wohnservice Wien GmbH; Christian Schantl, Büro der

Geschäftsgruppe für Wohnen, Wohnbau und Stadterneuerung;

Christian Oxonitsch, Landtagsabgeordneter und Gemeinderat,

Vorsitzender des Wiener SPÖ Gemeinderatsklubs; Mag.

Claudia Nekvasil-Kelnhofer, Wohnservice Wien GmbH; Martina

Schimek, Wohnservice Wien GmbH; August Pribil, Bank Austria

Creditanstalt; nicht im Bild ST/A/R-Photograph Peter Korrak

3. Preis

Brigitte Krüger

Größe Kleingarten

11 Punkte Kleingartenverein Rosental,

14., Heschweg 239 / D 350 m 2


Städteplanung / Architektur / Religion Buch XVII - Kleingartenpreis

ST/A/R 133

Wer kümmert sich um die Wiener…

Stadtrat Faymann und Bürgermeister Häupl

Alle Informationen zum Angebot des geförderten

Wohnbaus in Wien erhalten Wohnungssuchende

im Wohnservice Wien.

Alle Fotos: Peter Korrak für Wiener Wohnen. Büro: Stadtrat Faymann

Persönliche Beratung:

Montag bis Freitag von 8.00 – 20.00 Uhr,

1020 Wien, Taborstraße 1-3.

Telefonisch: 24 503-100

Internet: www.wohnservice-wien.at


134 ST/A/R

Buch XVII - Kleingartenpreis

Nr. 09/2006

Patent 22, ein Konzept für ein ökonomisches und

NEU!

Dieses Projekt wird in Wien 22 in der Podhagskygasse realisiert und hat in einer Gemeinschaftsarbeit von Werkstatt Wien

Wohnbaumanagementges.m.b.H den Bauträgerwettbewerb, unter dem Motto „Neue Siedlerbewegung“ gewonnen


Nr. 09/2006

ST/A/R 135

individuelles Kleingartenhaus der Werkstatt Wien

office@werkstattwien.at

NEU!

Patent 22

Spiegelfeld Architektur Management und „ÖSG“ Stadtentwicklungs- und

Visualisierung: Magic Boltrik


136 ST/A/R

Buch XVII - Kleingartenpreis

Nr. 09/2006

Haus kr35

Noch bevor wir die Kleingärten als Markt entdeckt haben, haben wir uns gezielt die Frage gestellt, wie klein

kann ein Haus sein, ohne auf ein zeitgemäßes Raumgefühl verzichten zu müssen. Viele von uns sind in

überdimensionierten Einfamilienhäusern aufgewachsen, die ihren Besitzern dann im Alter über den Kopf

wachsen. I Projektteam Haus kr35 m Lebenszyklus eines Hauses wird der zur Verfügung stehende Raum höchstens 20

Jahre lang wirklich ausgenutzt. In den restlichen Jahren steht der größte Teil leer, weil die Kinder nicht mehr zuhause

wohnen oder weil andere Veränderungen im Leben eingetreten sind. Eine Ressourcenverschwendung die auch aus

ökologischen Gründen keinen Sinn macht.

Seit der Umwidmung der Kleingärten für ganzjähriges Wohnen, war es für uns nahe liegend dort unsere sol-Hauskonzepte

umzusetzen. Kleine Häuser zu bauen haben wir also nie als eine Einschränkung empfunden, sondern immer als kreative

Herausforderung.

Da wir in der Regel nicht für Millionäre bauen, zeigt sich die Qualität im kreativen Umgang mit den vorhandenen

Ressourcen. Dies betrifft einerseits die finanziellen Möglichkeiten der Auftraggeber, andererseits die eingesetzten

Materialien, wie Holz als nachwachsender Rohstoff, der Energieverbrauch, sowie die ästhetische Gestaltung der Häuser.

Unsere Kunden schätzen den Umstand, dass sol Niedrigenergiehäuser sind. Sie sind aus Holz gebaut, was auf lange

Sicht eine Reihe von Vorteilen bietet. Holz schafft ein angenehmes Raumklima, das die Luftfeuchtigkeit auf natürliche

Weise reguliert, frei von Schadstoffen und Chemie. Das gezeigte Haus kr35 ist ein Kleingartenhaus in wunderschöner

Waldrandlage des Wienerwaldes

Architekturbüro planhaus/Kleingartenhaus kr35

Projektteam Haus kr35: Claudia Pöllabauer-Tscherteu, Wolgang Leeb, Christoph Schaumberger

www.planhaus.at • Schiffamtsgasse 10 • 1020 Wien

Architektin Dipl. Ing. Claudia Pöllabauer-Tscherteu

Haus kr35


ST/A/R Buch XVIII - MAK

Nr. 11/2006

137

Foto: Andrea Baczynski

„Don Giovanni ist ein Wiener“

Ch. L. Attersee

Wiener Städtische feiert Mozartjahr

mit monumentaler Ringturm Verhüllung von Attersee

Der Ringturm, die Zentrale der Vienna Insurance Group im Zentrum von Wien, war für sechs Wochen

das weltgrößte malerische Monument: Die Wiener Städtische realisierte damit ein Projekt des

österreichischen Malers Christian Ludwig Attersee, der für die Verhüllung des Ringturms ein eigens

geschaffenes Don Giovanni Sujet für eine etwa 4.300 Quadratmeter riesige Netzfolie geschaffen hat.


138 Nr. 11/2006

Buch XVIII - MAK

ST/A/R

Architektur mit den Winden

Ausstellungsort: Napoleonstadel – Kärntens Haus der Architektur

Dauer der Ausstellung 10. – 30. November 2006

Eröffnung mit Vortrag von Gion A. Caminada, am Do 9. November 2006

Die Ausstellung steht unter der Patronanz der Arbeitsgemeinschaft Alpenländer, ARGE ALP

Gion A. Caminada „Cul zuffel e l’aura dado”

Kuratiert von Bettina Schlorhaufer

Gion Caminada ist einer der Hauptvertreter der aktuellen Schweizer

Baukultur und genießt hohes internationales Ansehen. Seit etwa

zehn Jahren setzt er sich mit seinem Heimatort Vrin in der Val

Lumnezia auseinander, wo er nicht nur als Architekt und Dorfplaner

fungiert, sondern auch auf politischer Ebene tätig war.

Nachdem die Gemeinde Vrin immer mehr Einwohner durch

Abwanderung verlor, wurden Strategien erarbeitet, die dem

weiteren Sinken der Bevölkerungszahl entgegenwirken und damit

den Weiterbestand des Dorfes auf der Basis seiner agrikulturellen

Struktur sichern sollten. Die Rationalisierung der landwirtschaftlichen

Methoden hatte aber zur Folge, dass für die bäuerliche Produktion neue

Wirtschaftsbauten errichtet werden mussten. Ihre architektonische

Gestaltung stammt von Gion Caminada, der mit seinen Entwürfen

auch dafür verantwortlich zeichnet, dass das geschlossene historische

Ortsbild von Vrin und das der benachbarten Weiler nicht wie andernorts

zerstört wurden. Für seine Heimatregion entwickelte er Bauten, deren

Ästhetik genauso hoch ist wie ihre Traditionsverbundenheit und ihre

Funktionalität. Die Gemeinde ist aufgrund ihrer für den gesamten

Alpenraum vorbildlichen Baukultur mit mehreren Preisen ausgezeichnet

worden, zuletzt mit dem Arge-Alp-Preis 2004.

Neben einer Vielzahl von Wirtschaftsbauten und Wohnhäusern tragen

auch das Schulhaus von Duvin und das „Unterhaus“, ein Mädcheninternat

der Klosterschule von Disentis, Gion Caminadas architektonische

Handschrift. Jüngst trat er mit dem Umbau des kleinen Hotels Alpina in

Vals hervor.

Der romanische Titel der Ausstellung, „Cul zuffel e l’aura dado“, kann als

„Architektur mit den Winden“ übersetzt werden. Die Schau steht also ganz

im Zeichen von Luftbewegungen, die wie zwei höchst unterschiedliche

programmatische Strömungen auf das Schaffen Gion Caminadas

einwirken: „Zuffel“ ist die traditionelle Bezeichnung der Einwohner von

Vrin für einen rauen, stürmischen, aber nicht allzu kalten Wind aus dem

Süden. Er bläst von den Bergspitzen und der angrenzenden Hochebene

Greina in die Val Lumnezia herunter (in unseren Breiten mit der Dramatik

eines Föhnsturmes vergleichbar). „L’aura dado“ ist trotz ihres lyrischen

Namens kein mildes Lüftchen. Sie ist eher eine kalte, bissige Brise, die

aus dem Norden über die entlegenen Orte des Tales hereinfegt. Jede der

beiden Luftströmungen bringt unterschiedliche Informationen in das Tal

oder führt zu einer spezifischen Prägung der hier lebenden Menschen und

der sie umgebenden Natur.

„Cul zuffel e l’aura dado“ ist ein Ausstellungstitel mit viel Poesie, und

dennoch ist er als Summe der Aspekte zu verstehen, die Gion Caminada

am Weg vom Schreiner zum Architekten begleitet und beeinflusst haben.

Als anerkannter Baukünstler ist er 1999 einem Ruf an die renommierte

ETH, die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, gefolgt, wo er

seither eine Assistenzprofessur innehat.

Die Personale bietet einen Überblick über das Gesamtwerk Gion

Caminadas und gibt Einsicht in seine Leitgedanken über Dorfplanung

und Landschaftsschutz. In Verbindung mit seinen Bauten und Projekten

zeigt die Schau auf, wie Gion Caminada Entwurfsprozesse gestaltet und

vorbereitet, indem er sozioökonomische Grundlagenforschung betreibt

und so „Bau-Aufgaben“ zuerst auf analytischem Weg löst. Anhand einer

Vielzahl von detailliert dargestellten Bauprojekten dokumentiert die

Ausstellung darüber hinaus, welche beispielhafte Gestaltungsvielfalt

durch Gion Caminada im massiven Holzbau entstanden ist und was

für – vielfach unterschätzte – Ausdrucksformen die Materialien Beton

und Ortbeton annehmen können. Neben Plänen und Modellen dienen

die durchwegs von Lucia Degonda stammenden Fotografien zur

geschlossenen Präsentation der realisierten Bauvorhaben.

Zur Ausstellung ist eine gleichnamige Monografie im Quart Verlag/

Luzern erschienen. Die Publikation enthält neben den Plänen von Gion

Caminada und den Fotografien von Lucia Degonda Texte von Bettina

Schlorhaufer, Gion A. Caminada, Peter Schmid, Leo Tuor, Martin

Tschanz, Walter Zschokke, Peter Rieder und Jürg Conzett (ISBN 3-907631-

69-2, ca. CHF 78,–/EUR 49,–).

Foto: Lucia Degonda

Ausstellung und Buch

entstanden mit freundlicher

Unterstützung von:

Gemeinde Meran

Autonome Provinz Bozen – Südtirol

Autonome Region Trentino - Südtirol

Südtiroler Sparkasse AG

Stiftung Südtiroler Sparkasse

Stiftung Ars Rhenia

Stiftung Pro Helvetia

Kanton Graubünden

Tischlerei Höller, Leifers

ETH Zürich

Stadtgemeinde Imst

Vorarlberger Architekturinstitut

Bündner Kunstmuseum Chur

Gion A. Caminada

Geboren 1957 in Vrin

Ausbildung zum Bauschreiner

Besuch der Kunstgewerbeschule

Nachdiplomstudium Architektur ETH

Architekturbüro in Vrin

Seit 1998 Assistenzprofessor an der ETH in Zürich

für Architektur und Entwurf

Werkverzeichnis

Orts- und Gestaltungsplanung, Vrin

Um- und Neubau Gemeindehaus, Vrin

Neubau Gemeindehalle, Vrin

Neubau Schulhaus, Duvin

Wohnhäuser und Ställe, Val Lumnezia und

Surselva

Wohnhaus Walpen, Blatten/VS

Telefonkabine, Vrin

Schlachthaus für Direktvermarktung, Vrin

Totenstube (Stiva da morts), Vrin

Umbau Hotel Alpina, Vals

Neubau „Unterhaus“, Mädcheninternat der

Klosterschule, Disentis

Auszeichnungen

Auszeichnung vorbildhafter Bauten im Kanton

Graubünden 1994 und 2001, Geißenalp, Vrin;

Wohnhaus Segmüller, Vignogn; Schule, Duvin

SAB Preis der Schweizer Arbeitsgemeinschaft für

das Berggebiet

Bruckmann Umweltpreis, München

Eidgenössischer Preis für freie Kunst

Architekturpreis für Bauökologie, Gemeindehalle,

Vrin

Prix Lignum, Ställe und Schlachthaus, Vrin

Internationaler Preis für Neues Bauen in den Alpen

von „Sexten Kultur“, Orts- und Gestaltungsplanung,

Vrin; Schule, Duvin

Anerkennungspreis der Graubündner Regierung

Holzbaupreis Graubünden, Stiva da morts

Arge-Alp-Preis 2004, „architektur-formen-alpengestalten“,

Orts- und Gestaltungsplanung, Vrin

Verschiedene Preise bei Architekturwettbewerben

ST/A/R ist auch im Az W Wien und im Napoleonstadel Klagenfurt erhältlich • ST/A/R ist auch im Az W Wien und im Napoleonstadel Klagenfurt erhältlich • ST/A/R ist auch im


ST/A/R Buch XVIII - MAK

Nr. 11/2006 139

16.11.2006 - 05.02.2007 π Un jardin d’hiver*, präsentiert

„Bottom up. Bauen für eine bessere Welt“

9 Projekte für Johannesburg π Mi, 15.11.2006, 19 Uhr: Eröffnung

Mit der Ausstellung „Bottom up. Bauen für eine bessere Welt. 9 Projekte für Johannesburg“ wird das Herbst/

Winterprogramm des Az W erneut Ästhetik und soziales Engagement als wesentliche Auseinandersetzung von

Architektur fokussieren. Eine Pionierleistung des Az W war 2003 die Ausstellung „just build it!“ über das mittlerweile

legendäre „Rural Studio“ von Samuel Mockbee in Alabama. Mit dieser Ausstellung wird der weiteren Entwicklung dieser

Bewegung Rechnung getragen und die neun bislang realisierten Projekte der Architekturfakultäten der technischen Universitäten

Innsbruck, Graz und Wien, der RWTH Aachen, des Instituts für Raum und Design, Architektur, der Kunstuniversität Linz

sowie der Fachhochschule Kuchl, die in den Jahren 2004-2006 geplant und in den Townships von Johannesburg gebaut

wurden, gezeigt.

„Bottom up. Bauen für eine bessere Welt“

AZ W

Architekturzentrum Wien

Museumsplatz 1

1070 Wien

T: +43 1 522 31 15

office@azw.at

www.azw.at


ST/A/R

Nr. 11/2006

Thomas Redl aus der Serie „Existenzblätter“, 2006, S/W Kopie und Tusche auf Papier


142 Nr. 11/2006

sb0316_Schaumt210x297abf.qxd 01.04.04 12:21 Uhr Seite 1

Buch XVIII - MAK

ST/A/R

Zapfhähne wissen:

S A L Z B U R G E R S T I E G L . B r a u k u n s t a u f h ö c h s t e r S t u f e .

Demner, Merlicek & Bergmann

Interne Mitteilung an das barocke Leben vom 27. Sept. 2006: ST/A/R gratuliert dem Künstler RICHI für die ENTLASSUNG aus dem (8wöchigem)

ALKOHOLKNAST. Wir grüßen das Empfangskomitee in der Eisernen Zeit am Naschmarkt mit Magarita die Schöne den legendären KULTURPAPST

Kurti Kalb und dem Künstler Rudolf Polansky


ST/A/R Buch XVIII - MAK

Nr. 11/2006 143

Foto und Text Gabriele Petricek

Fontana di Trevi von Nicola Salvi erbaut von 1732 bis 1762

Das Rauschen der Fontäne beherrschte den Platz, der zunächst ein mächtiges Geräusch gewesen war, dem er näherkam, es anschwellen hörte, es aushorchte, ihm nachging, bis er

davor stand. Lamper schaute das Sprühen, Schäumen, Gischten und Spritzen, das er zwar von in unkontrollierte Tiefen sich stürzenden Wasserfällen kannte, nie zuvor hingegen

derart meisterlich domestiziert gesehen hatte. Das vielmehr seine Vollendung erst erfuhr, durch jene den Brunnen eng umstehenden Häuser, die das Ganze zu einem gewaltigen,

beeindruckenden Naturereignis bauschten, ein Schauspiel, dem die Seitengassen beredt Echos sprudelten. Lamper studierte die grob gebrochenen Steinformationen, Platten, die sich

übereinander geschoben, gegeneinander geprallt zu sein schienen, geborsten, die nun die Wege des Wassers führten, das sogar hinauf zu fließen schien, wilde Wasser, die den Stein

muldeten, ihn schürften, schliffen. Das Steinwerk ahmte die Eigenschaft des Wassers, ja, der Wolken und des Himmels, wie überhaupt den Charakter alles Ephemeren. Und wie

kunstfertig herausgemeißelte Gewächse diesen Stein aufbrachen, denen nebenbei Ruderalpflanzen gesellten, deren Samen angeweht und im Stein tief geankert, dieser Künstlichkeit

durch Wuchs und Willen spotteten, ganz natürlich sie übertrumpften. Und wie sich diese grotesken, schroffen Steinschübe und schnaubenden und stäubenden Flügelpferde und

Menschenfiguren dem barocken Plan fügten. Wie sich weiter oben doch alles gewissenhaft und vollendet zu einer beruhigten, gleichwohl lebhaften, allemal glattpolierten und

wohlbemessenen Fassade durchsetzte und gliederte. Lisenen, Säulen, Fensterausschnitte, Nischen. Gebändigt die Natur. Gewaltig die Ordnung. Und ein Gleichgewicht hielt alles in

Schwebe. Endlos das Rauschen.


144 Nr. 11/2006

Im Rahmen der Kooperation

Buch XVIII - MAK

MAK ART SOCIETY und Schoellerbank

my favourite object –Künstler und Architekten zeigen ihre Lieblingsobjekte im MAK

ST/A/R

Die neu ins Leben gerufene MAK-Reihe KÜNSTLER IM FOKUS zeigt

essentielle Werkgruppen maßgeblicher zeitgenössischer Künstler

in konzentrierten Einzelpräsentationen für jeweils sechs Monate.

Beginnend mit „Rainer, sonst keiner! Überschriftungen.“

präsentiert das MAK einen der international bedeutendsten

österreichischen Künstler.

Ein bisher nie gezeigter Teil des Werkes von Arnulf Rainer sind die von ihm

für nahezu alle seine Ausstellungen selbst gestalteten Plakate. In

seinem mehr als fünf Jahrzehnte umspannenden Oeuvre entwickelte er

unterschiedlichste Werkgruppen, die weltweit in hunderten Einzel- und

Gruppenausstellungen präsentiert wurden.

„Rainer, sonst keiner! Überschriftungen.“ gibt einen Einblick in Arnulf

Rainers beeindruckendes kalligrafisches Werk.

11. Oktober 2006 bis 4. März 2007 • MAK, Stubenring 5, 1010 Wien

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