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Nr. 13/2007 Buch I - Wolf Günther Thiel

ST/A/R 3

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FORUM EXPERIMENTELLER ARCHITEKTUR / f.e.a. Wien: fenstersturz 6

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Städteplanung / Architektur / Religion Buch I - Wolf Günther Thiel ST/A/R 5

INTERNATIONALE MESSE FÜR

ZEITGENÖSSISCHE KUNST

MIT FOKUS ZENTRAL- UND OSTEUROPA

26 - 29 APRIL 2007

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Edek Bartz, Artdirector Viennafair


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch IV – Fleck

ST/A/R 25

ST/A/R

congratulazioni

Foto: © Tana Hojcova, Bratislava

Fleck

Exstaatssekretär

Franz Morak wählte

Dr. Robert Fleck

zum Kommissär der

Biennale 2007


26 ST/A/R

Buch IV – Fleck Nr. 13/2007

ST/A/R – Gespräch mit Robert Fleck

Elisabeth Penker und Heidulf Gerngross

Robert Fleck

Foto: © Daniela Stern

Heidulf Gerngross (H.G.): Robert

Fleck hat uns die Möglichkeit gegeben

mit Ihm ein STAR-Interview zu fuhren

und wir sitzen jetzt im Atelier der

Küche von Herbert Brandl und wollen

die Beweggründe wissen, die dazugeführt

haben, dass er jenen Künstler

ausgewählt hat für die Biennale.

Vielleicht kann man gleich mit der

ersten Frage beginnen ohne dich zu

kennen, weil mich sehr überrascht

hat, du bist Kurator und unmittelbar

kurze Zeit später warst du schon mit

deiner Entscheidung da. Wie bist du

zu deiner Entscheidung gekommen,

zu Herbert Brandl.

Robert Fleck (R.F.): Es war so,

dass ich überhaupt nicht irgendwie

gerechnete hätte mit dieser

Aufgabe für Österreich und die

Biennale, weil ich mich ja im

Februar 2000 sehr heftig gegen

die Schwarz/Blau-Koalition ausgesprochen

hatte .Mitte Juli 2006

kam auf einmal dieser Anruf mit

der Anfrage von Seiten des Büros

von Franz Morak, Staatssekretär

für Kunst und Medien, auf mein

Handy. Ichwar im Lenbachhaus

in München. Ich war im Saal den

Kandinskys und auf einmal kommt

die Frage, ob ich den Biennale-

Pavillon machen wurde .ich habe

mir gedacht, das gibt es gar nicht,

habe gesagt ich werde es mir

überlegen und als ich aufgehängt

habe, war mir nach 5 Sekunden

alles klar. Dann hat es 3 Monate

gedauert bis zum 12. Oktober bis

das ganze bekanntgegeben werden

konnte, deshalb haben wir zugleich

mich als Biennale-Kommissär und

Herbert Brandl als den Künstler

bekanntgegeben. Dazwischen

waren die Wahlen und mein Name

sollte nicht im Wahlkampf ein

Politikum werden. Es wurde dann

keine Polemik, aber das hätte losgehen

können. Franz Morak hat ja

wirklich etwas gewagt damit, ausgerechnet

mich zu fragen. Ich habe

im Juli 2006 einige Menschen

um Rat gefragt, die gerade in

politischer Hinsicht moralische

Instanzen für mich sind, ob ich

dieses Angebot annehmen dürfe.

Sie haben mir alle zugeredet, es

zu tun. Da mein Name aber erst

nach der Wahl bekanntgegeben

werden sollte, hatte ich von Mitte

Juli bis Mitte Oktober Zeit, mir

den Pavillon zu überlegen. Ich

habe Herrn Morak erst aber Mitte

September getroffen und ihm

gesagt, dass ich Herbert Brandl

vorschlage. Er hat sich extrem korrekt

verhalten, hat gesagt er will

eigentlich den Namen gar nicht

wissen, ich sei darin völlig unabhängig.

Meine Entscheidung für

Brandl kam von weither. Ich habe

wirklich überhaupt nicht gedacht,

dass diese Aufgabe, was den österreichischen

Pavillon betrifft, jemals

auf mich zukommt. Mit meiner

Position vom Februar 2000, das

schien mir damals sicher, hätte ich

mir für immer alles in Österreich

verbaut. Die Entscheidung für

Brandl hat mit Folgendem zu tun:

ich war 1999 auf der Biennale,

wie jedes Mal, die Schwestern

Hohenbüchler, Wochenklausur,

Rainer Ganahl und Peter Friedl

waren die Künstler im Pavillon.

Peter Friedl hatte die Garage vor

dem Biennale Pavillon gebaut;

Da war ich ganz lang im Pavillon,

und ich fand das ganze irgendwie

überhaupt nicht gut. Ich fand z.B.

dass die Schwester Hohenbüchler

weit unter ihren Wert geschlagen

waren. Zwei Wochen

später hatten wir eine große

Ausstellungseröffnung von Maria

Lassnig in Nantes, wo ich mich an

der Kunsthochschule um das Post-

Graduate-Programm kümmerte,

war, und am Tag danach war am

anderen Ende von Frankreich, in

Issoire, die Eröffnung einer Brandl-

Ausstellung. Da sind wir, auch

meine Frau und unsere Tochter,

ich in der Nacht hingefahren, weil

ich die Eröffnungsrede halten musste.

Es war sehr schönes Wetter

und mitten in der Ausstellung

von Brandl habe ich dann irgendwie

zu meiner Frau gesagt: „das

wäre mal ein guter Pavillon in

Venedig!“ Ich hatte so ein Erlebnis

im Pavillon, traf Raymond Hains,

einen Mitbegründer des Nouveau

Réalisme, ehemaligen Freund von

Yves Klein, just im österreichischen

Pavillon, er sah mich entsetzt an:

„qu’est-ce que c’est triste, tout cela!

toute cette Biennale“ (wie traurig

und düster ist das alles, die ganze

Biennale). Hains ist jetzt vor zwei

Jahren gestorben, ist für mich

eine ganz zentrale Figur gewesen,

jemand, der eine unglaubliche

Erfahrung gehabt hat, er kannte

noch den Matisse und hatte die

Biennale in den für die Biennale

so wichtigen 60er Jahren erlebt,

weil er lange in Venedig gelegt

hat. Nun standen wir da im österreichischen

Pavillon und er sagte

zu mir: ‘diesmal ist die Biennale

zum Depressionen bekommen’.

Er schlug vor, ausserhalb der

Biennale Mittagessen zu gehen.

Wir sind dann herausgegangen

aus den Biennale-Geländer und

beim Hinausgehen hat er immer

nur gesagt: „Das ist alles zum

Depression bekommen, diese ganze

Biennale.“ Auf einmal stand


Nr. 13/2007 Buch IV – Fleck

ST/A/R 27

da der dänische Pavillon, in dem

Jason Rhoades – mit dem Dänen

Peter Bonde – ausstellte. Da habe

ich zu Hains gesagt, da gehen wir

jetzt noch schnell durch, und als

Hains rauskam, er war 75 Jahre

alt damals, ist er total aufgeblüht

durch die Arbeit von Jason Rhoades

und hat gesagt: „Jetzt habe ich Lust,

Kunst zu machen!“ Das kann ein

Biennale-Pavillon leisten.

Jetzt im letzten Sommer, das war

so witzig, denn es durfte nichts

bekannt werden. Ich hatte mit

Herbert Brandl – wir hatten schon

länger nicht so richtig Kontakt

– einen Atelierbesuchstermin ausgemacht.

Aber durfte nicht merken,

worum es geht. Ich mir aktuelles

Material über insgesamt etwa 15

österreichische Künstlerinnen und

Künstler besorgt, um mir einen

Pavillon mit einer oder einem von

ihnen – statt Brandl – zu überlegen,

war aber immer wieder zur

Idee „Brandl“ zurückgekehrt. Nun

durfte er nicht merken, worum es

ging, denn die Pressekonferenz

war erst einen Monat nach meinem

Atelierbesuch und es durfte

nichts an die Öffentlichkeit dringen.

Ich kann mich erinnern, wie

wir draußen gesessen sind vor seinem

Atelier, und da war der Rene

Schweiger da und er hat auf einmal

Herbert gefragt: „Was würdest Du

denn am liebst machen jetzt?“, und

Brandl hat gesagt: „Eine richtig

große Ausstellung, aber das ist ja

leider aktuell nicht in Sicht“, und

ich durfte mir nichts anmerken

lassen. Dann war die Wahl am 1.

Oktober und die Pressekonferenz

am 12.Oktober angesetzt, und ich

konnte den Herbert erst am Tag vor

der Pressekonferenz im Vertrauen

fragen, ob er den Biennale-Pavillon

machen wurde.

Elisabeth Penker (E.P.): War es

wirklich so, hat man es niemanden

erzählen können?

R.F.: Wir hatten im September

2006 sogar unseren

Betriebsausflug der Hamburger

Deichtorhallen nach Wien, waren

zwei Tage in der Stadt, alle unsere

17 Mitarbeiter der Deichtorhallen

wussten es, dass mir Staatssekretär

Morak das Kommissariat des österreichischen

Biennale-Pavillons

vorgeschlagen hatte. Wir trafen

auch viele Wiener Kollegen, und

alle Mitarbeiter aus Hamburg

hielten still, wir hatten alle darauf

eingeschworen, unter keinen

Umständen etwas zu sagen. Wir

waren beim Heurigen mit Kollegen

vom MUMOK, und keiner aus

Hamburg hat ein Wort über die

Biennale verloren.

Am Tag vor der Pressekonferenz

war ich schon in Wien, habe Brandl

in der Früh angerufen: „ich komme

morgen wie geplant zu Dir

ins Atelier“ – der Termin war nur

deshalb fixiert, damit Brandl sich

nichts anderes vornimmt für den

12. Oktober um 11 Uhr und an der

Pressekonferenz teilnehmen kann,

von der er noch gar nichts wusste.

„Du, ich komme morgen mit

jemanden (das war gelogen...) und

ich möchte noch vorher etwas mit

dir besprechen, können wir uns

heute noch im Kaffeehaus treffen?“

So haben wir uns einen Tag

vor der Pressekonferenz getroffen

und irgendetwas zu reden angefangen,

ich war total aufgeregt und

habe plötzlich zu Brandl gesagt:

„Wir müssen etwas ganz anderes

besprechen: willst die Biennale

machen, den Pavillon?“. Er hat das

im ersten Augenblick überhaupt

nicht versanden. Es kam so aus

heitern Himmel, dass er gesagt

hat: „wenn Ihr Euch das überlegt...“

Ich habe geantwortet: „Wir

überlegen uns das nicht, morgen

ist die Pressekonferenz um 11.00

Uhr und da sollst Du schon dabei

sein.“ So blieb alles dicht bis zur

Pressekonferenz. Ich muss dazu

sagen, dass Staatssekretär Morak

mir in all dem freie Hand gelassen

hatte und sich überhaupt extrem

korrekt verhielt.

E.P.: Weshalb genau hast Du Dich

für Brandl entschieden?

R.F.: Ich hatte im Jahr 2003

zum ersten Mal mit einem

Nationalpavillon an der Biennale

von Venedig zu tun, und zwar für

die Franzosen. In Frankreich gibt

es ein Gremium, eine Kommission,

da sind etwa 11 Leute drin und

die wählen den Künstler oder

die Künstlerin aus, der oder die

sich dann einen Kurator sucht.

Es ist also umgekehrt zum österreichischen

Verfahren. Im Jahr

2003 haben mich die französischen

Verantwortlichen einfach

so in die Kommission ernannt,

Ich muss dazu sagen, dass Staatssekretär Morak mir in all

dem freie Hand gelassen hatte und sich überhaupt extrem

korrekt verhielt.

und darauf hin musste ich zum

ersten Mal überlegen, was für

den Nationalpavillon Sinn macht.

Weil das überlegt man sich ja

nicht vorher, so abstrakt ohne

Anlass. Ich habe damals Annette

Messager in Paris zufällig auf der

Straße getroffen und fand, dass

sie, die schon 60 Jahre alt war, so

gut drauf war, dass man meinte,

sie sei eine junge Künstlerin. Ich

habe ich dann gefragt ob ich sie

zusammen mit Anri Sala für den

Nationalpavillon vorschlagen könne,

wie sie das finden würden, weil

die beiden sich durchaus verstehen.

Darauf hat sie geantwortet: „Bei

so einer wichtigen Sache, wenn

man jemanden vertraut, sollte man

im ganz vertrauen.“ Das fand ich

einen wahnsinnig guten Satz. Dann

habe ich sie alleine vorschlagen.

Ihre Nominierung haben wir in

der Kommission dann nur knapp

durchbekommen, zum Schluss gab

es eine Stimme mehr für sie. Da

musste ich heftig argumentieren,

der andere Vorschlag betraf einen

relativ jungen Künstler.

Da hatte ich mir ein Argument

zurechtgelegt, dass eigentlich, was

bei einem Biennale-Pavillon in

Venedig der Fall sein kann, wenn

er funktioniert, ist, das es eine

definitive Bestätigung des internationalen

Niveaus für den Künstler

ist. Die besten Nationalpavillons

sind jeweils weniger ein Forum,

wo man Künstler entdeckt, sondern

wo jemand bestätigt wird.

Als Hans Haacke 1993 den deutschen

Pavillon bespielte, sagte

man sich: „Das ist wirklich ein

wichtiger Künstler.“ Gute Pavillons

funktionieren in Venedig oft so.

Die Deutschen haben das oft hervorragend

verstanden, mit Beuys

1976 etwa, viele wussten schon

von Beuys, plötzlich war er ein

zentraler Künstler. Polke hat 1988

so funktioniert und z.B. 2001

Gregor Schneider. Das war sozusagen

mein Argument für den

Vorschlag „Annette Messager“

bei den Franzosen, und das war

auch zentral für das Durchspielen

dessen, ob das geht, ob das Sinn

macht mit Herbert Brandl 2007 im

österreichischen Pavillon. Ich habe

relativ viele Leute vorher international

gefragt, ohne zu sagen, worum

es geht. Was Brandl, wer das ist,

was er macht, dass weiß irgendwie

fast jeder aufgrund der Präsenz bei

den Kunstmessen und in wichtigen

Malereiausstellungen. Ich habe

oft gehört, dass Leute sagen: „Ja,

Brandl beobachte ich schon lange,

jetzt wird man sehen, welche

Dimension dieses Werk definitiv

hat“.

H.G.: Hast Du auch überlegt, ande-

Österrreichischer Pavillon | Eröffnung 8. Juni, 18 Uhr | Komissär: Robert Fleck | Büro: office@biennale07.at | Tel.: +43(1)407 14 78

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Städteplanung / Architektur / Religion Buch IV - Fleck ST/A/R / /R 37

Buch IV - Fleck

Foto: Franz Schachinger

400 x 320 cm, 2007


30 ST/A/R

Buch IV – Fleck Nr. 13/2007

re Künstler einzuladen?

R.F.: Ich habe es wie gesagt geistig

mit einigen durchgespielt. Herbert

Brandl ist mit Abstand nicht der

österreichische Künstler mit der

grössten internationalen Präsenz.

Aber die Fachleute wissen, was er

macht und verbinden damit eine

Erfahrung. Es hat auch keinen

Sinn, einen Künstler in Venedig im

Pavillon zu zeigen, der gerade in

der ganzen Welt Ausstellungen hat.

Das kann für den Künstler auch

zuviel sein und ihm zu diesem

Augenblick eher schaden.

Der Pavillon hat für viele Künstler

unglaublich positive Dinge ausgelöst.

z.B. in diesem Jahr, in der

internationalen Ausstellung, die

Robert Storr kuratiert, sind drei

Österreicher vertreten, und sie

haben alle – Valie Export, Rainer

Ganahl und Franz West – schon im

Pavillon ausgestellt. Das ist irgend-

wie typisch. Maria Lassing hätte

nie so rasch wieder in Wien Fuß

gefasst, als sie 1979 aus Amerika

zurückkam, wenn sie nicht 1980

den Pavillon gemacht hätte. Für

Franz West war das 1990 unglaub-

lich wichtig, vor allem mittelfristig.

Auch für Rockenschaub 1993.

Gruppenausstellungen funktionie-

ren im Nationalpavillon weniger in

diesem Sinn, sie haben eine andere

Bedeutung.

H.G.: Du sprichst viel von

Geschichte.

R.F.: Das ist ein Nebeneffekt dessen,

dass ich drei Monate über-

legen konnte und eigentlich mit

niemanden reden durfte über die

Überlegungen für den Pavillon. In

dieser Zeit konnte ich mich mit der

Geschichte der Biennale sehr auseinandersetzen.

Es ist auch inter-

essant zu sehen, welche Pavillons

haben funktioniert. Auch was

mich sehr interessiert hat, waren

die Geschichten, wie eigentlich

so Ausstellungen in den Pavillons

entstehen. Wie eine Ausstellung

da drinnen entsteht, weil das ist

ein ganz anderer Vorgang als eine

normale Ausstellung, weil ganz

andere Dinge im Spiel sind. Die

diese Pavillons sind so eigenartig,

weil es gibt nichts anderes als den

Ausstellungsraum. Es gibt kein

Lager, keine Toilette, kein Wasser,

kein Strom, kein Büro, keinen

Tisch, um die Kataloge zu präsentieren.

Es sind ganz eigenartige

Bauten. Alles, was es im Museum

neben den Ausstellungsräumen

gibt, gibt es da eigentlich alles

nicht. Auch wie so ein Beitrag für

den Pavillon entsteht in dem Sinn:

wann fahren die Künstler hin usw.

Ich hatte gerade in der letzten

Zeit recht viel gemacht mit Fischli

& Weiß, sie hatten mir erzählt,

wie sie 1995 die Arbeit für den

Pavillon entwickelt. Auch mit Hans

Haacke, an dessen Retrospektive

für Hamburg und Berlin wir gerade

arbeiteten. Die haben alle so

Geschichten über Venedig, wie

man auf den Pavillon kommt, wie

es ist, dahinzufahren im Winter

ohne Ausstellung und vor diesen

leeren Pavillon zu stehen. Sehr oft

kommt von der Reise her irgendwie

das Konzept. Über das Umgehen

mit der Geschichte der Biennale ist

mir dann erst aufgefallen, dass die

Pavillon ursprünglich eine nichtstaatlich

Veranstaltung waren. Das

mit den Pavillons hat damit begonnen,

weil es eine Jury gab und da

waren die venezianischen Künstler

so mächtig. Die Belgier haben sich

1905 damit beholfen, indem sie

jemanden gefunden haben, der

ihnen einen provisorischen Pavillon

vor das Ausstellungsgebäude stellte,

so dass sie nicht mehr von der

Jury aus Venedig abhängig waren

und eine autonome Ausstellung

machen konnten. Die Biennale

war von der ersten Ausgabe 1895

sehr wichtig für die Künstler, und

auf einmal gab es da ein Mittel,

dabei nicht abhängig zu sein

von der venezianischen Jury. So

haben dann im nächsten Jahr die

Engländer das Kaffeehaus gemietet,

dass ist der heutige britische

Pavillon, und Ungarn errichtete

den nächsten Pavillon 1909.

Eigentlich waren die Pavillons

also eine Art Sezession gegenüber

dem Hauptgebäude: „wir können

jetzt frei sein und wir machen uns

unabhängig von der Jury.“ Erst in

den 20er und 30er Jahren wurden

nationale Pavillons von den

Staaten gebaut. Der österreichische

Pavillon ist ein Beispiel dafür.

Der deutsche Pavillon entstand

ursprünglich noch privat finanziert

von den bayerischen Künstlern vor

dem ersten Weltkrieg. Hitler ist

1934 auf die Biennale gefahren,

gleich nach der Machtergreifung,

und hat dann beschlossen, dass der

deutsche Pavillon neu gebaut wird,

mit einem staatlichen architekto-

nische Programm. Vorher war das

nicht der Fall.

H.G.: Vorher hat es gar keinen

österreichischen Pavillon gegeben.

R.F.: Als die Ungarn ihren

Pavillon gebaut haben, 1909, da

wollten sofort die Künstler in

Wien auch einen Pavillon haben.

Josef Hofmann war schon in die

Überlegung dafür einbezogen. Es

ist dann nicht zustande gekommen.

Dann gab es den ersten

Weltkrieg und in den 20er Jahren

war es ein ständiges Thema, dass

unbedingt ein österreichischer

Pavillon her müsse. Das war immer

ein großes Leitthema, wobei nie

das Geld zustande gekommen ist

für so einen Pavillon. Vor diesem

Hintergrund ist zu verstehen,

warum Engelbert Dollfuss

bald nach der Ausschaltung des

Parlaments beschloß, einen

Pavillon zu machen. Im Jänner

1934 gab es den Wettbewerb,

und Anfang Mai war schon die

Eröffnung der Biennale. Josef

Hoffmann hatte glaube ich nur

zwei Tage Zeit, um den Pavillon zu

entwerfen. Das ging sehr schnell.

Der österreichische Pavillon ist

also schon ein staatlicher Akt.

Bei dieser Biennale 1934 wurde

direkt gegenüber der griechische

Pavillon eröffnet, was auch so ein

faschistische Regime war, und

Mussollini hat aus Dollfuss, Hitler

und den Griechen den Auftritt

einer faschistischen Internationale

inszeniert. Zugleich bleibt bis heute

bestehen, dass man nur dank

eines Nationalpavillons innerhalb

einer Großausstellung eine Art von

Jury freier Ausstellung machen

kann. Der künstlerische Leiter

der gesamten Biennale hat auf

die Auswahl und die Gestaltung

der Ausstellungen in den

Nationalpavillons keinen Einfluss.

E.P.: Wie habt Ihr Brandls

Ausstellung erarbeitet?

R.F.: Was irgendwie die Erfahrung

ist mit Herbert Brandl, ist, für so

einen Pavillon ist man ganz beson-

ders zusammengeschweißt. Man

weiß, man geht ein grosses Risiko

ein und muss da durch. Das schafft

schon irgendwie etwas ganz tolles

Gefühl.

In der Geschichte der Pavillons ist

ja die Idee einer Einzelausstellung,

oder nur zwei Künstler zu berufen,

erst sehr spät aufgekom-

men. Zuerst waren es immer

Ausstellung, wo zwanzig bis

vierzig Künstler im jeweiligen

Nationalpavillon ein bis höchstens

vier Bilder pro Künstler zeigten.

Einer der ersten, die damit bra-

chen, war Josef Hoffmann, der

Architekt des Pavillons, der dann

selber im österreichischen Pavillon

Kommissär war, von 1948 – 1956.

Da hat er sich für jede zweite

Biennale ausbedungen, dass er

nur zwei Leute beruft. Die erste,

die er gemacht hat, 1948, war die

meist beachtete österreichische

Biennale-Beteiligung überhaupt,

mit Egon Schiele, der schon 30

Jahre verstorben und international

und national überhaupt noch

nicht anerkannt war, mit Fritz

Wotruba, einem Emigranten,

und dann hatte Hoffmann auch

noch den jugoslawischen Pavillon

bekommen, weil der leer stand,

und hat da die erste Retrospektive

überhaupt von Oskar Kokoschka

(gleichfalls einem Emigranten)

gezeigt. Das war ein international

ein Bombenerfolg und wurde in

Österreich heftig kritisiert, weil die

Künstlerverbände gesagt haben,

wir wollen alle dabei sein. Alle vier

Jahre durften die Verbände dann

die Beschickung unter sich ausmachen.

Im deutschen Pavillon

hat zum ersten Mal ein Künstler

den ganzen Pavillon alleine

bespielt, das war 1972 und zwar

mit Gerhard Richter. Ich habe ein

Interview gefunden mit dem damaligen

Kommissar des deutschen

Pavillons, Dieter Honisch, dem

Leiter der Neuen Nationalgalerie

in Berlin. Er musste damals groß

argumentieren, warum er nur

einen Künstler zeigt. Er hat damals

gezeigt, wenn der Pavillon dank

einer Einzelausstellung eines

Künstlers internationalen Erfolg

hat, bringt es dem Ansehen der

gesamten Kunstwelt des Landes

und damit allen Künstlern des

Landesetwas auf dem internationalen

Terrain. Seither hat man die

nationalen Pavillons in Venedig

als etwas ganz was Einmaliges für

Einzelausstellungen entdeckt.

H.G.: Mir kommt es jetzt vor,

das was Du jetzt gesagt hast,

passt direkt eigentlich zu

Brandls Arbeiten. Wie Du diese

Malerei in einem größeren

Kulturzusammenhang siehst und

welche kulturellen Informationen

diese Malerei für die Besucher

haben kann. Wie bist Du das erstes

mal auf die Arbeiten auf Herbert

Brandl gestoßen?

R.F.: Das war, als ich mithelfend

fast täglich in der Galerie nächst

St. Stephan war, es war in Wien die

Galerie schlechthin, damals wurden

die Ausstellungen der wenigen

guten Galerien in Wien so beachtet

und spielten so eine Rolle wie heute

Museumsausstellungen. Da kam

die neue Künstlergeneration mit

Kogler, Anzinger, Schmalix und

anderen. Aber auf einmal gab es

in der Ballgasse die Galerie Peter

Parkesch, dass war gerade die Zeit,

als ich nach Paris gegangen bin.

Peter Pakesch versammelte ganz

andere, ebenso junge Künstler

um seine Galerie, Rockenschaub,

Brandl und andere (bald auch

Franz West). Und in diesem

Zusammenhang bin ich eines

Tages mit Heidemarie Caltik, die

damals in der Galerie nächst St.

Stephan gearbeitet hat und für viele

junge Künstler sehr wichtig war

(heute ist sie Kuratorin für Design

im MAK), zu Herbert Brandl gefahren,

in die Südsteiermark. Er hatte

dort ein Haus, ein ganz kleines

Haus ohne Heizung. Da haben wir

einen Tag verbracht. Das war interessant

zu sehen und ich erinnere

mich noch genau.

Da hat man gespürt, worum

es ihm geht, wie er die Malerei

angeht. Das war völlig anders als

bei Anzinger und Schmalix, die

aus der Akademie der bildenden

Künste gekommen sind. Man hat

bei Brandl stark z.B. die Nähe zu

Rockenschaub gemerkt, die ja bei

den ersten Ausstellungen auch da

war und letztlich bis heute ganz tief

drinnen sitzt. Was ein ganz anderes

herangehen an Malerei als ein

klassisches ausmacht. Die hatten

bei Peter Weibel studiert, in der

einen oder anderen Form. Weibel

hat ihnen letztlich gesagt, dass man

doch wieder irgendwie mit Malerei

umgehen kann, wenn sie das schon

unbedingt wollen, aber die Malerei

sei eben jetzt auch nur ein Medium

wie alle anderen. Und die haben

ja alle ein medienkünstlerisches

Verständnis der Malerei, vor allem

auch Brandl. Überhaupt nicht so

dieses klassische. Die Idee war, das

völlig frei anzugehen und sehr zeitgemäß,

sozusagen dass das gemalte

Bild irgendwie effizienter sein

kann als ein Medienbild, solche

Diskussionen hatten wird damals.

H.G.: Siehst Du das eigentlich


Nr. 13/2007 Buch IV – Fleck

ST/A/R 31

als Bruch der österreichischen

Malereigeschichte?

R.F.: Peter Pakesch hat die

Kontinuität mit Richard Gerstl

immer wieder betont. Und es war

die Zeit der Wiederentdeckung

der Wiener Jahrhundertwende,

damals war der Brand dem teils

nahe, mit den Madonna-Bildern

zum Beispiel. Zu Klimt etwa

schon wahnsinnig nahe. Was

dann auch wichtig war, war wie

auf der „Documenta 9“ von 1992

der Jan Hoet, ihr künstlerischer

Leiter, Brandls Bilder in eine Reihe

gehängt hat mit Isa Genzken und

Gerhard Richter. Das war genial.

In dem riesen Zirkus der documenta

wurde das nicht so sehr

wahrgenommen, aber es hat total

gut miteinander funktioniert, diese

Arbeiten. Für Brandl war es sehr

wichtig. Da hat man gesehen, das

man sich den österreichischen

Kontext gar nicht überlegen muss

bei seiner Arbeit, sondern dass seine

Malerei da mitspielen kann.

H.G.: Es gibt einen Katalog

aus Graz, wo der Brandl eine

Ausstellung gemacht hat. Da habe

ich ihn mit dem Richter verglichen

und gemerkt, dass er sphärischer

ist als der Richter. Der pragmatischer,

konstruktiver, deutscher ist.

R.F.: Systematisch – und bei Brandl

ist sehr interessant, dass seine

Malerei nicht systematisch ist.

H.G.: Durch alle Facetten, wo alle

Facetten auftauchen.

R.F.: In den letzten Jahren waren

auf Kunstmessen immer wieder

Bilder von Herbert Brandl zu

sehen, und ich kann ich mich auf

zwei oder drei Situationen erinnern,

wo das irgendwie echt bombig

war. Deshalb gab es ein Projekt

für eine grosse Ausstellung in der

Reina Sophia in Madrid, für das wir

uns überlegt haben, ob wir es nicht

in den Deichtorhallen auch zeigen

könnten. In Österreich gibt es

relativ viele Positionen, wo jemand

den Pavillon sofort aus dem Stand

bespielen kann.

In diesem Rahmen war der Brandl

für mich immer irgendwie einer

der möglichen. Wir hatten nie

die Gelegenheit, richtig etwas

Gemeinsames zu machen. Es

waren so einzelne Punkte. Ich

kann mich erinnern, er war bei der

Paris-Biennale 1985 und da sind

wir uns über den Weg gelaufen in

Paris und haben irgendwie eine

Zeit verbracht, und ich musste

einen Katalogtext dafür schreiben,

davon habe ich eine kleine zweiteilige

Zeichnung mit Horizont

zuhause, die meine Vorlage zum

Schreiben. Etwas anders war die

Hundertjahresausstellung der

Wiener Sezession im April 1998,

da habe ich versucht Arbeiten

von Künstlern, die seit 1898 in

der Sezession ausgestellt hatten,

zurückzuholen und zu konfrontieren

quer durch die Generationen.

Auf einmal hatten wir auch eine

Matisse-Leihgabe und da habe

ich mit Herbert ausgemacht, wir

hängen auf die Wand zuerst den

Matisse und dann kommt er und

sucht sich ein Bild von sich aus,

das er daneben hängt. Das wurde

grossartig, aber auch ruhig. Die

Ausstellung ist dann vier Monate

gelaufen und es blieb immer total

interessant, den Brandl neben

einem Matisse zu sehen.

H.G.: Welche andere historische

Konfrontation könntest du Dir mit

Brandl vorstellen.

R.F.: Eher möglichst, frei. Ich habe

nicht den Eindruck, dass das mit

„Eins was man sofort hat, ist das der Kunsthandel, der ist

natürlich bei so einen Nationalpavillon schon sehr beteiligt,

das merkt man sofort.“

Expressionismus zu tun hat.

H.G.: Kannst Du mit anderen

Malern so ein Konfrontation andenken?

R.F.: Wir haben jetzt, bei der

Vorbereitung des Pavillons

in Venedig, eine total witzige

Situation. Brandls Bilder haben

ja keine Titel, aber er hat für sich

selbst Bezeichnungen für das

Umgehen mit dem Bildern im

Atelier. Da heißt jetzt ein neues

Bild, das sicher ein Zentralbild

für den Pavillon wird, „Sam

Francis“. Das ist echt witzig. Aber

man dürfte es nie neben einen

Sam Francis hängen. Eines kleineres

grünes ist völlig schräg,

Brandl nennt es „den Matta“. Es

hat auch einen witzigen Aspekt

von Matta. Man hat ja oft diese

Arbeit in Galerieausstellungen

mit Christopher Wool und Albert

Oehlen verglichen, zwei grossartigen

Malern aus Brandls

Generation. Das stimmt auch.

Diese Bezüge zeigen auch, dass

es ein Werk von hoher internationaler

Dimension ist. Das ist der

wichtigste Bezug. Das hat übrigens

Hans Ulrich Obrist vielleicht als

erster im aktuellsten Kunstbetrieb

ganz vielen Leuten beigebracht,

dass Brandl eine solche Dimension

hat, das war 1992/93. Im gleichen

Jahr hat auch Ulrich Loock, damals

Direktor der legendären Kunsthalle

Bern, Brandl als Maler aus der

Wiener Szene herausgegriffen

und mit ihm eine Retrospektive

gemacht. Das hat die internationale

Situation etabliert und auch die

weitere Entwicklung von Herbert

Brandl sehr beeinflusst. Ich habe

damals übrigens Brandls Berner

Katalog aus meinem Budget als

Bundeskunstkurator – es war meine

erste Tat in dieser Funktion...

– bezahlt, weil er sonst nicht finanzierbar

gewesen wäre.

E.P.: Was spielt bei Arbeiten

von Brandl der Umgang mit

Fotografien für eine Rolle?

R.F.: Das wusste ich überhaupt

nicht, das hätte ich nie gedacht.

Aber das habe ich erst jetzt erfahren,

dass er unglaublich viele

Fotos macht und dann mit so einer

Erinnerung an die Fotos arbeitet,

also nicht als Vorlage, aber doch

so, dass es eben nicht diese völlige

Freiheit eines rein abstrakten

Malers gibt. Es gibt da schon eine

Nähe, wenn man dann die Fotos

sieht, die eine Rolle gespielt haben

für dieses oder jenes Bild, dann ist

es auch völlig evident. Aber vom

gemalten Bild her, also von allein

auf die Idee kommen, dass da

Fotografie eine solche Rolle spielt,

das geht glaube ich überhaupt

nicht.

H.G.: Mir kommt vor, dass die

Bilder vom Brandl so eine unheimliche

Interpretationsmöglichkeit

bieten. Eine Serie von Gedanken

die von Schmutz bis zum

Sonnenschein oder abstrakt, diese

Breite das finde ich das bedeutende

an den Werken.

R.F.: Derzeit ist z.B. auch interessant,

da es auf einmal auf der

internationalen Szene wieder so

eine Art Grenze gibt zwischen figurativen

und abstrakten Ansätzen.

Bei Brandl gibt es diese Grenze

nicht, das finde ich wichtig und

interessant. Wenn man jetzt in

Deutschland ist, hat man den

Eindruck, dass es wirklich wieder

diese zwei Lager gibt, die

Figurativen und die Abstrakten,

wie in den 50er Jahren, es ist

ganz komisch. Das überschreitet

Brandl sehr souverän, und gerade

darum ist es wichtig, dieses Werk

jetzt international gross zu zeigen.

Da spielt bei Brandl dieses

Herkommen aus der steirischen

Avantgarde-Situation der 70er

Jahre eine Rolle, das kommt schon

aus der Schule, er hat ja einen

Gymnasiallehrer gehabt, Wolfgang

Denk, der ein wichtiger Grazer

Konzeptkünstler war.

Brandl ist ja als

Konzeptkunstausgebildet, auch

später bei Weibel.

H.G.: Er war glaube ich auch in der

Ausstellung „Kontextkunst“.

R.F.: Wir haben das jetzt gemerkt,

als wir am Modell versucht haben,

wie man hängen könnte, dass

man eine totale Rockenschaub-

Ausstellung aus Brandls Bildern

machen könnte.

E.P.: Worum geht es jetzt?

R.F.: Das Eine ist bei der Biennale

von Venedig ganz anders als sonst,

dass die Leute ganz anders reagieren.

An dem Nachmittag nach der

Pressekonferenz im Oktober habe

ich ungefähr fünfzig Leute angerufen,

weil man die Pressearbeit ja

gleich beginnen und die wichtigen

Leute der Kunstwelt ja gleich anrufen

muss. Der Effekt einer solchen

Nachricht für einen Biennale-

Pavillon ist unglaublich, die einen,

die das gut finden, die schreien

buchstäblich am Telefon: „Das ist

ja super!“ Das hat man sonst bei

einer Ausstellung nie in dieser

Form. Manche Leute sind fuchsteufelswild,

das spaltet sich sehr bei

der Biennale. Insgesamt ist es eine

der ganz wenigen Ausstellungen,

bei denen man die herkömmlichen

Publikumskreise und die

Kunstwelt überschreitet, also wo

man den Eindruck hat, selbst

Leute, die sich nicht für Kunst

interessieren, wissen, was die

Biennale von Venedig ist. Gleich

nachdem die Anfrage aus dem

Büro Morak kam, habe ich im Juli

des Vorjahres die Kultursenatorin

in Hamburg gefragt, weil ich von

ihr die Erlaubnis brauchte – sie

ist Vorsitzende des Aufsichtsrats

in den Deichtorhallen. Sie ist eine

norddeutsche protestantische

Aristokratin, zeigt deshalb fast

nie Emotionen, sie war spontan

gerührt und sagte: „Das ist der

Ritterschlag!“ Man hat wirklich

eine riesen Verantwortung, für den

Künstler und irgendwie auch für

das Land, für die Künstler im Land,

dass sie prinzipiell kollektiv erst

genommen auf dem internationalen

Terrain.


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch V - MARS ST/A/R 33

ARS

M-ARS Landung

am 26. April 2007

M-ARS, der Kunstsupermarkt ist ein

neues Konzept für einen niedrigschwelligen

Zugang zur Kunst.

• M-ARS ist der erste Supermarkt für

bildende Kunst in Österreich.

• M-ARS überträgt das von Supermärkten

gewohnte Einrichtungsdesign und

die günstigen Preise auf den Kunstmarkt

und erleichtert so den Zugang

zu zeitgenössischer bildender Kunst.

• M-ARS bietet KünstlerInnen einen

klaren und einfachen Einstieg in den

Kunstmarkt.

• M-ARS bietet Qualität, verbürgt durch

ein Kuratorium aus ExpertInnen.

Die Produktpalette des Kunstsupermarkts:

Originale für alle!

Das M-ARS Angebot erstreckt sich über

alle Sparten der Bildenden Kunst in einer

Preisspanne zwischen 9,90 Euro und

899,90 Euro. Wie im Supermarkt finden

sich die Werke in Regalen und verschiedenen

Abteilungen. Ein kleiner Lounge-

Bereich lädt zum Verweilen ein.

Otto und Elke Normalverbraucher

kaufen Kunst statt Krempel

Durch M-ARS ist es nicht mehr notwendig

sich mit Reproduktionen aus dem

Möbelhaus im Wohnzimmer zufrieden zu

geben, denn genug KünstlerInnen bieten

im Kunstsupermarkt für jeden Geschmack

und jede Geldbörse ihre Originale an.

Das Eintrittsticket für junge

KünstlerInnen in den Kunstmarkt

Durch die unbürokratische Bewerbung

über die M-ARS Website, das deutlich

besseres Erlösverhältnis für KünstlerInnen

als im Galeriebusiness und die Förderung

des Austausches untereinander können

KünstlerInnen ihre Produkte einer breiten

Zielgruppe zugänglich machen.

Qualitätssicherung durch das

M-ARS ExpertInnen-Kuratorium

Zahlreiche in- und ausländische ExpertInnen

– KunsthistorikerInnen, KünstlerInnen,

KuratorInnen von den großen Österreichischen

Museen und ProfessorInnen

der Kunstuniversitäten – wählen aus und

sichern so die Qualität von M-ARS.

M-ARS Der Kunstsupermarkt

Westbahnstraße 9 (Ecke Bandgasse),

1070 Wien

T 0699-196 82 744

office@m-ars.at

www.M-ARS.at

Öffnungszeiten:

Mo bis Mi 10–19 Uhr, Do und Fr 10–21 Uhr,

Sa 10–18 Uhr

www.M-ARS.at


34 ST/A/R

Buch V - MARS Nr. 13/2007


Nr. 13/2007 Buch V - MARS

ST/A/R 35

BUCHTIPP: Cages, Mounty R. P. Zentara

Das Buch zeigt einen Überblick über

Mounty R. P. Zentaras Arbeiten

der letzten Jahre. Schwerpunkte

sind Lichtinstallationen im Innenund

Außenraum. „Cage“ tritt als

Metapher und Thema auf. Das

Buch gewährt Einblick in Zentaras

Arbeitsmethodik und zeigt die

Entwicklung seiner Arbeit bis zu den

Lichtinstallationen.

Skizzen, Entwürfe und Fotos

dokumentieren die realisierten

Projekte.

Einführender Text von Andreas

Spiegl und eine Kurzgeschichte von

Hanno Millesi begleiten die Arbeit.

Das Buch erscheint Ende Mai 2007 bei Bucher

Druck Verlag, Hohenems

Zweisprachig (Deutsch - Englisch)

80 Seiten, 4-färbig, umfangreich bebildert

ISBN 978-3-902525-80-2

Preis: 20,–

R. P. Zentara

Scanning, Karl Marx Hof

Borderline, Studio AREA 53

Parted pillar, Galerie Staltzer

Textauszug von Andreas Spiegl:

Mounty R. P. Zentaras Arbeiten stützten sich auf diese

Metapher des Käfigs als Blickmaschine. Seine Käfige sind

Blickfänger. Sie adressieren das Auge, um die Problematik des

Blicks vorzuführen. Wo immer er seine Käfige auslegt oder

ausgräbt: Er geht dabei vor wie ein Archäologe, der Käfige an

alltagskulturellen Orten findet und damit die blinden Flecken

markiert, die bislang verdeckt haben, was man nicht sehen

wollte und nun doch finden musste.

Light cages Semper Depot


Städteplanung / Architektur / Religion Buch V - MARS ST/A/R 37

ZAPPEN ZAPPEN

von Gerhard Johann Lischka

Von überall her bestürmen uns Botschaften in Form avancierter technischer Boten, die uns auch als Satelliten rund um den Globus wie eine

VMegamaschine fest im Griff haben. Diese ständig sich ändernde, Aktualität darstellende und uns in eine dünne Atmosphäre tauchende Zone ist die

Erscheinung der Welt als Sample, an dem wir – sowohl Rezipienten als auch Produzenten – partizipieren. Mit unzähligen Programmen locken uns

in immer naturalistischer präsentierten Bildern und Tönen die Apparate, um uns als interaktive Teilnehmer in einem virtuellen Netz einzufangen.

Diese die Globalisierung kreierende Situation ist eine Zapping-Zone, das Begreifen des Scheins als mentales Dasein. Wir werden durch diese neurale

Fülle, die niemand zu bewältigen imstande ist, zwar fast unfähig Entscheidungen zu treffen; aber immerhin ist das Angebot so verführerisch, dass wir

aus Vielem wählen können. Diesen Überfluss müssen wir als Freiheit der Wahl verstehen und als Möglichkeit der Selbstdarstellung: der Differenz auf

einer bunten Palette von Intentionen. Wir zappen, um uns durch „mental building“ nach eigenem Geschmack in Form halten.

Der befreiende Moment des Zappens ist paradoxer Natur. Zum einen wählen wir aus einem geradezu unübersehbaren Meer von Information etwas

unserem Interesse Entsprechendes aus. Ob uns dieses befriedigt, zeigt sich erst nach einer gewissen Zeit. Auf jeden Fall ist dieses Angebot in seinem

Design, seinem Inhalt etc. konventionell, es entspricht dem der Zeit konformen Display, dem Stil unserer Tage.

Dann bedeutet Zappen, dass wir uns bereits in einer anderen Zone befinden: dem Bereich freier Gestaltung und der Suche nach neuen Formen in den

zur Verfügung stehenden Medien. Wir bewegen uns dann in der Kunst und ihrer utopisch angehauchten Atmosphäre.

Hier sind die Formen offen und experimentell in dem Sinne, dass sie zur Disposition stehen. Auch wenn in Kunstwerken

eine ideale Form gefunden wurde, sie muss von den Rezipienten

erkannt werden.

Schliesslich bedeutet Zappen, dass wir primär Rezipienten sind, die durch ihre Präsenz Inhalte produzieren. So werden

wir selber zu Usern und Mediatoren im globalen Netz. Hier verdichtet sich die Zapping-Zone zum Bewusstsein in der

Bewegung. Wir sind Surfer auf den Wogen der Information, rufen das Gewünschte ab und präsentieren unsere Ideen in

Bild, Text und Ton. Ein globaler Marktplatz auf dem jede/r seine „Ware“ anbieten kann.

Von der Küste aus kann man die Surfer – die wir sind – beobachten. Viele Wogen ziehen an ihnen vorbei. Sie schwingen

sich aufs Brett, wenn sie die richtige, ihnen adäquate Welle vor sich haben. Dann lassen sie sich so lange auf ihrem Kamm

tragen, bis sie an Kraft verloren hat. Ist die Welle sehr hoch und bildet einen Tunnel, so verschwinden sie in diesem.

Die Wogen verebben immer, wir hatten uns mit ihnen verbunden. Und bereits schwimmen wir erneut denjenigen Wellen

entgegen, die uns zu tragen versprechen. Für kürzere oder längere Zeit, doch immer bewegt durch die eigene und des Meeres Bewegung.

Vorwort zu G.J.Lischka (Hrsg.) ZappingZone, Bern 2007

ursula blickle

videolounge video des

monats april:

Fotos

Lida Abdul, Painting, 2004, © und/and Courtesy die Künstlerin/the artist

Lida Abdul, Global Porn, 2002, © und/and Courtesy die Künstlerin/the artist

Ellen Cantor, Barbie London: trouble in space, 2001, © und/and Courtesy die

Künstlerin/the artist

Illya Chichkan, song, 2004, © und/and Courtesy der Künstler/the artist

Carola Dertnig, Gemeindebauvideo, 2005, © die Künstlerin/the artist,

Courtesy Galerie Andreas Huber

Anna Jermolaewa, Crash-Test, 2002, © und/and Courtesy die Künstlerin/the

artist

William Kentridge, Memo, 1993, © und/and Courtesy der Künstler/the artist

Muntean/Rosenblum, To Die For, 2002, © und/and Courtesy die Künstler/the

artists

Takeshi Murata, Melter 2, 2003, © der Künstler/the artist

N.I.C.J.O.B., MALE TROUBLE (fear of fear), 2002, © die Künstler/the artists,

Courtesy Kunstbuero

Nina Rike, Trickadell_Picobello, 2006, © und/and Courtesy die Künstlerin/the

artist

FACTBOX STAR:

ursula blickle videoarchiv

Die Kunst des Sehens: Forschen – Lehren – Lernen

NEU seit März 2007: über 1.000 Werke von 450 Künstlern

6 Arbeitsstationen, 5 Touchscreens

Eine Kooperation von

URSULA BLICKLE STIFTUNG, KUNSTHALLE wien und Universität

für angewandte Kunst Wien.

_____________________________________________________________

Das ursula blickle videoarchiv befindet sich an den drei Standorten

der Kooperationspartner und ist zu den jeweiligen Öffnungszeiten frei

zugänglich.

Als digitale Handbibliothek bietet das Archiv kompetente Informationen

über neueste Tendenzen in der Videokunst sowie eine Künstlerplattform

mit österreichischer Schwerpunktsetzung. Zielpublikum sind Studenten,

Kunsthistoriker aber auch ein interessiertes Publikum dem Recherche

und Forschungsarbeit mit dem Medium Video ermöglicht werden soll.

Modernste Technologie an bequemen Monitorsichtungsplätzen erlaubt

dem Benutzer einen unmittelbaren Zugriff auf derzeit über 1000

Künstlervideos, die in voller Länge gesichtet werden können.

Das ursula blickle videoarchiv beinhaltet Titel von über 450 nationalen

und internationalen Künstlern wie: Ellen Cantor, Nathalie Djurberg,

Harun Farocki, Susi Jirkuff, William Kentridge, Peter Kogler, Tracey

Moffatt, Muntean/Rosenblum, Marcel Odenbach, Nam June Paik, Erwin

Wurm, Heimo Zobernig.

Online sind die Daten unter www.ursulablicklevideoarchiv.com abrufbar.

_____________________________________________________________

ursula blickle videoarchiv

Kostenfrei zugänglich über Sichtungsstationen an den Örtlichkeiten der

drei Kooperationspartner

Foto: ursula blickle videoarchiv, © Kunsthalle Wien, 2007

Jesper Just

“IT WILL ALL END IN TEARS”

2006

35 mm on DVD, 20:00 min. ed.

7 + 2AP.

Collection of the Louisiana

Museum of Modern Art, Courtesy

Perry Rubenstein Gallery, New

York, and Galleri Christina Wilson,

Copenhagen

Copyright © Jesper Just 2000

- 2006

Gerald Bast (Rektor, Universität für angewandte Kunst Wien), Ursula Blickle

(Förderin), Gerald Matt (Direktor, Kunsthalle Wien) in der ursula blickle

videolounge, Foto: Rüdiger Ettl, © Kunsthalle Wien, 2004

Museumsplatz 1 im MQ,

1070 Wien, Infoline +43-1-52189-33,

www.kunsthallewien.at

Täglich 10 – 19 Uhr, Do 10 – 22 Uhr

Oskar Kokoschka-Platz 2,

A-1010 Wien,

Tel +43-1-711 33-2160,

www.dieangewandte.at

Mo – Do 10 – 18 Uhr, Fr 10 – 16 Uhr

Mühlweg 18,

D-76703 Kraichtal, Tel +49-7251-60919,

www.ursula-blickle-stiftung.de

Während der Ausstellungen: Mi 14 – 17 Uhr, So 14 – 18 Uhr

Ab Herbst 2007

Kontakt und Info:

www.ursulablicklevideoarchiv.com

videoarchiv@kunsthallewien.at

KUNSTHALLE wien ursula blickle videolounge

Monatlich wechselndes Programm zeitgenössischer Videokunst –

Eintritt frei!

video des monats April: Jesper Just

video des monats Mai: Zhou Xiaohu (China)


UrsUla Blickle stiftUng


38 ST/A/R

Buch V - MARS Nr. 13/2007

G A L E R I E S T E I N E K

Ausstellungen

27. April bis 1. Juni 2007: MATTHIAS

HERRMANN “Old News & New News”

5. Juni bis 6. Juli 2007: Groupshow “Les

uns et les autres”

10. Juli bis 10. August 2007: PAUL ALBERT

LEITNER

Art Fairs

8.-22. April 2007 : ART COLOGNE Halle 4.2

Stand C8-D9

26.-29. April 2007 : VIENNAFAIR Stand 901

10.-13. Mai 2007: KUNSTART Bolzano

Gudrun Kampl im Oberen Belvedere, Wien

“Johann Lukas von Hildebrandt”

bis 2. September 2007

Katarzyna Kozyra at Brooklyn Museum, NY

“Global Feminism”

bis 1. Juni 2007

auf Ihren Besuch freuen wir uns.

G A L E R I E S T E I N E K

Eschenbachgasse 4

1010 Wien

T/F + 43 1 512 87 59

galerie@steinek.at

Dienstag bis Freitag 13-18 Uhr und

Samstag 11-15 Uhr

viktor bucher

VIENNAFAIR 26 - 29 April 2007

Halle A, Stand A 1107

Mit:

Zoé Byland, Hadrien Dussoix,

Christian Eisenberger,

Sissi Farassat, Sonja Gangl,

G.R.A.M., Marianne Therese Grønnow,

Julie Hayward, Markus Wilfling, Fabio Zolly

Foto: projektraum viktor bucher

projektraum viktor bucher

1020 wien, praterstrasse 13/1/2

tel / fax +43 1 2126930

projektraum@sil.at

www.projektraum.at

Aktion anlässlich ARTCOLOGNE 2006: Christian

Eisenberger wird von Markus Wilfling “einbalsamiert”


Nr. 13/2007 Buch V - MARS

ST/A/R 39

guidowbaudach.com


40 ST/A/R

Buch V - MARS Nr. 13/2007

Foto: maupi/Christian P. Saupper

KUNST IST KÄUFLICH

M-ARS Landung!

26. April 2007

Kunst ist

käuflich!

M

Ab 26. April 2007, Westbahnstraße 9, 1070 Wien. www.M-ARS.at

Öffnungszeiten: Mo bis Mi 10–19 Uhr, Do und Fr 10–20 Uhr, Sa 10–18 Uhr


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch VI – KONZETT ST/A/R 41

PHILLIP KONZETT

Stargallerist

Foto: Andrea Baczynski, 2007

PHILLIP KONZETT


42 ST/A/R

Buch VI – KONZETT Nr. 13/2007

ST/A/R-Gespräch

Phillip Konzett

Handyfoto: Heidulf Gerngross, Foto gedehnt

Jack Bauer

Zenita Komad

Rudolf Polanszky

Lukas Pusch

Anton Herzl

Gerngross: Herr Konzett, warum haben sie

gerade diese vier Künstler ausgewählt, die wir

im STAR anlässlich der Vienna Fair präsentieren.

Konzett: Die Auswahl ist eigentlich keine

Auswahl, sondern es ist – so wie man als

Sammler vorgeht – was einem persönlich

anspricht. Es kommt ausschließlich auf den

Inhalt der Arbeiten an...ob es dann zu einer

Freundschaft oder bloß zu einer persönlichen

Geschäftsbeziehung kommt, bleibt

offen. Ich habe kein Problem damit, wenn

die Künstler von anderen Galerien vertreten

werden. Ich sehe mich nicht als Monopol

und setzte mich auch nicht auf die Künstler

drauf, was ja heute international mit Verträgen

und mit allem drum und dran passiert.

Das ist nicht meine Intention, sondern

ich möchte eigentlich nur Begleiter des

Künstlers sein und nicht der Galerist. Ich

verstehe meine Galerie hier als Kunsthandel

und möchte den Menschen die Welt der

Kunst – so wie ich sie verstehe – zeigen.

Gerngross: Die einzige Frau, die beim

Konzett in dieser Gruppe vertreten ist, ist die

Zenita Komad. Wie bist du dazu gekommen,

dass der Konzett deine Kunstwerke ausgewählt

hat und du im Rahmen seiner Sammlung und

Galerie ausstellen kannst?

Zenita: Ich habe Philipp Konzett als Sammler

kennen gelernt, zuerst hat er begonnen

Zenita-City zu sammeln. Dann sind

wir Freunde geworden.

Gerngross: Jetzt komme ich zum Lukas

Pusch. Es freut mich, dass er in dieser Gruppe

ist. Mir ist er ja bereits seit den frühen

90iger Jahren bekannt… als er die russischen

„Küchengespräche” in Moskau organisiert

hat… wie bist du in diese Gruppe hineingerutscht

ist und mit welchen Kunstwerken

hast du den Konzett beeindruckt…

Lukas Pusch: Das war eine lustige Geschichte.

Ich war gerade aus Russland

zurückgekommen und hatte bei Walther

König auf der Cologne Fine Art meine

Sibirische Edition präsentiert. Die hat

Philipp zufällig gesehen und mir dann mit

Gerhard Sommer gleich zwei abgekauft.

Nach zwei Tagen war die gesamte Edition

verkauft. Am Abend haben wir uns dann

bei einer Party getroffen und gefeiert...

und sind später noch in eine Bar weiter

gezogen. Irgendwann um 5 in der Früh,

nach ein, zwei Flaschen Vodka und einigen

Flaschen Wein und Champanger waren

wir doch ziemlich besoffen. Jedenfalls war

Philipp nur noch bedingt ansprechbar und

wusste sein Hotel nicht mehr... Ich konnte

mich zumindest noch erinnern, dass ich

in der Gästewohnung vom Walther König

über seinem Buchladen untergebracht

war... und hab ihn dann einfach mitgenommen...

Am nächsten Morgen ist dann die

Lebensgefährtin vom König ins Gästezimmer

gekommen und sieht mich mit nem

fremden Typen im Bett liegen.

Naja... das war sozusagen der Einstand.

Gerngross: Also es ist wirklich eine schöne

Gemeinsamkeit, aber ich weiß nicht, ob es

Jack Bauer auch so weit gebracht hat, aber

ich kenne den Jack Bauer auch schon sehr

lange. Er ist auch wieder ein Geheimtyp der

Kulturszene, schon seit 10 Jahren, ich kenne

sogar ein paar Werke von ihm, die mich sehr

beeindruckt haben – mit ganz einfachen

Zeichenstrichen. Es verbindet mich noch etwas

intensives mit dem Bauer, weil ich letztens

beim Begräbnis seines Vaters war, der dann

plötzlich tot war und ich fahre mit einem

kleinen Smart zurück über Niederösterreich

und wie ich so über dem Berg komme, springt

mir ein Hirsch in mein Auto und der Hirsch

war dann auch tot. Ich bin lebendig gewesen

und freue mich, dass ich jetzt den Bauer fragen

kann, wie er seine Situation mit dem Konzett

sieht.

Bauer: Mit Phillip sind mir auch schon

viele gastronomische Exzesse passiert

was allerdings nicht zu Beginn unserer

Bekanntschaft so war. Wir hatten ein

nüchternes Aufeinandertreffen auf der

Wiener Kunstmesse zweitausendirgendwas

woraufhin er mich in der Brigittenau

besucht und großzügig unterstützt hat.

Jahre danach ergab sich eine Freundschaft.

Seine Geschwindigkeit und seine Intuition

hat mich immer beeindruckt... dass ist auch

der Mechanismus aus dem meine Arbeit

besteht.

Gerngross: Und Herr Polanszky?

Polanszky: Bevor ich Philipp Konzett zum

ersten Mal traf, war mir der Name Konzett

durch verschiedene Künstler schon ein

Begriff: „Konzett kommt morgen”, oder

ähnliches konnte ich immer wieder hören.

Ich dachte an eine typische Erscheinung

der Kunstwelt, (zu der ich ein gemischtes

Verhältnis habe) der sich über das Sammler-

und Käufertum wichtig macht. Nach

unseren späteren häufigen Begegnungen

musste ich meine Meinung revidieren und

habe Herrn Konzett als besonders kompetenten

Kunstunternehmer mit Haltung

und Prinzipien, zu denen er steht kennen

gelernt.

Gerngross: Der STAR ist eine Zeitung, welche

die Wiener- und die österreichische Kunstszene

– diese Wien Energie, die sich so über Österreich

und weltweit ausbreitet – zeigen möchte.

Wir glauben, dass ist ein gutes Energiefeld.

Vielleicht kann uns jeder einzelne fünf Namen

von Künstlern nennen, die ihm unmittelbar

einfallen, welche die Wien-Energie verbreiten.

Konzett: Das fällt mir nicht schwer, weil ich

nur österreichische Künstler sammle. Vor

allem merkt man, dass Österreich immer

schon Energie versprüht hat – angefangen

mit Gerstl, Kokoschka, dann der Aktionismus

mit Brus, Muehl, Schwarzkogler,

Nitsch und natürlich die jetzige Generation

IM ABSTRAKTEN LIEGT DAS KONKRETE

DES ABSOLUTEN.

ANTON HERZL 2003

War während des Gesprächs nicht anwesesend.

mit Franz West und die nachkommende

Generation wie Gelatin oder Elke Krystufek,

die alle eine gewisse typische österreichische

Radikalität haben. Österreich

ist ein interessantes Sammelland, wo der

Bürger das Schöne liebt und die Künstler

nichts wirklich Schönes produzieren. Somit

sammelt der Bürger nicht und kauft lieber

irgendwelche abstrakten Farbkleckse von

Malern, die zur Zeit des Wiener Aktionismus

in der Galerie St. Stephan in religiöser

Hinsicht befriedigt haben. Mir gefällt, dass

es eine Gegenposition in Österreich gibt

– da muss man natürlich Arnulf Rainer

komplett herausnehmen, der war mit seinen

schwarzen Übermalungen ein Vorläufer

der Aktionisten.

Gerngross: Zenita vielleicht kannst du uns

ein paar Namen nennen, wo du glaubst, dass

die eine Rolle spielen?

Zenita: Auf diese Frage muss ich mich

ein bisschen genauer vorbereiten – ...ich

schicke euch ein Email.

Gerngross: Vielleicht fällt dem Jack Bauer

jemand ein, den er da noch erwähnen kann.

Bauer: Ich kann da nur die eigene Darmflora

erwähnen, die da in meiner Umgebung

ist – das sind meine Freunde, die sozusagen

auch meine Kunst – irgendwie meine

Korrespondenz sind z.B. Anton Herzl,

David Ebner und Christopf Gantner, mit

denen ich die Pokerrunde gemacht habe

und als zusätzlichen Namen würde ich

den Mann erwähnen, der mit mir immer

in Kambodscha ist, wo wir unser Unwesen

treiben – auch künstlerisch – das ist der

Ronald Kodritsch. Flora Neuwirth ist eine

alte Bekannte von mir – auch aus der Steiermark

– und von der Zenita Komad redet

in letzter Zeit jeder.

Gerngross: Nun zu Herrn Polanszky Ihre

Bekanntschaften gehen ja bis zu Kurt Kalb

zurück, der noch immer als Lebenskünstler im

Hintergrund der Wiener Szene steht.

Polanszky: Eine besonders originelle Bemerkung

von mir ist natürlich die, dass ich

völlig ignorant bin und mich mit anderen

Künstlern überhaupt nicht beschäftige. Ich

kann hier gar keine Namen nennen.

Gerngross: Lukas was meinst Du?

Lukas: Also ich tu mir irgendwie schwer,

nur Wiener zu nennen. Ich habe lange

Jahre in Deutschland und Russland gelebt.

Es fällt mir schwer zu sagen was jetzt die

wichtigeren Einflüsse wären... Aber Wien

war immer auch ein Schmelzpunkt. Gerade

auch für Osteuropa. Und ich merke dass

sich in Wien in den letzten Jahren, v.a. seit

der EU einiges positiv verändert hat... auch

im Kunstbetrieb.

Gerngross: Wie ist es dazu gekommen, dass

man da Bilder von dir sieht, wie du in Afrika

stehst, mitten in einem Armenviertel in einem

weißen Smoking mit Mascherl und einer

schwarzen Hose und hier mit der Bevölkerung

Kontakt suchst. Vielleicht kannst du uns aus

diesem persönlichen bereich etwas erzählen.

Lukas: Das war meine Performance „Vienna

Voodoo” letztes Jahr in Kenia. Ich

war damals zum erste mal in Schwarzafrika

und wollte aus dieser Situation etwas

machen. Also dachte ich sei das, was du

bist – weißer Mitteleuropäer aus gutem

Hause, der nicht hilft. Darauf hin bin

ich mit weißem Smoking durch Mathare

marschiert. Das ist der größte Slum von

Nairobi mit rund 700.000 Leuten. Ich

wollte 2 Bildebenen zwei Realitäten auf

eine bringen. Ohne zu moralisieren. Aus

der Dokumentation der Performance ist

jetzt das Folgeprojekt Slum-TV entstanden.

D.h. wir gründen einen eigenen TV-Sender

in Mathare. Gemeinsam mit den Künstlern

Alexander Nikolic, Sam Hopkins und

MYSA. Die Leute in Mathare waren übrigens

von meinem Smoking begeistert, die

waren froh darüber, dass sich jemand so

schön anzieht, wenn er zu ihnen kommt.

Gerngross: Wie siehst du dich als Vergleich

zu den Künstlern, weil ja die Verdichtung

zwischen Künstler, Kunstsammler, Kunstm-


Nr. 13/2007 Buch VI – KONZETT

ST/A/R 43

acher, Kunstverbreiter und Vernetzer eine sehr

enge ist?

Konzett: Ich sehe mich überhaupt nicht

als Künstler. Es wäre eine Beleidigung

für die Menschen, die da sitzen. Künstler

kreiren etwas, was noch nicht existent ist.

Ich glaube, dass ist ein ganz wesentlicher

Punkt, was Kunst ausmacht und meine

Sammlungstätigkeit bestimmt. Jeder

Mensch hat eine andere Sicht, die mich

interessiert. Mich interessiert kein Künstler,

der alles in einen Topf wirft, einmal

umrührt und das Ganze dann so zum Verspeisen

herausgibt. Vor allem auf Messen

spüre ich das oft. Deswegen bin ich sicher

kein Künstler, ich kann nicht komplett

etwas Neues bringen. Aber vielleicht habe

ich die Gabe, zu erkennen was Qualität hat

und neu ist.

Gerngross: Jack Bauer was bist du von Beruf?

Bauer: Künstler!

Gerngross: Zenita du!

Zenita: Das ist immer anders – ich sage immer

was anderes. Manchmal sage ich auch

nichts.

Gerngross: Lukas du!

Lukas: Kleingewerbetreibender!

Gerngross: Konzett, kannst du uns vielleicht

jetzt noch sagen, was ist jetzt das Ungemeine

der Künstler?

Konzett: Man kann eigentlich schwer über

vier verschiedene Positionen sprechen,

sondern man sollte auf die Vienna Fair

oder zu mir in die Galerie kommen, sich

über jeden einzelnen Künstler erkundigen

und seine eigene Meinung bilden.

Gerngross: Jack Bauer sag bitte noch 4 Sätze!

Bauer: Der erste Satz wäre: „Das Wetter

heute ist sehr schön”.

Der zweite Satz ist: „Ich bin irrsinnig neugierig

auf diese Kunstmesse, wo

wir präsentiert werden”.

Der dritte Satz wäre: „Ich möchte endlich

einmal dieses Kunstmagazin von dir in die

Hand bekommen.”

Der vierte Satz wäre: „Gute Nacht!”.

ST/A/R: Herr Polanszky, an welchen

Werken Arbeiten Sie zur Zeit?

Polanszky: Der soziale Aspekt von Kunst

beschäftigt mich nicht sehr. Nicht, dass

mich das überhaupt nicht trifft, nur ich beschäftige

mich nicht in meiner Arbeit damit.

Sondern meine Arbeit ist eher auf eine völlig

individualistische Qualität ausgerichtet,

einer anarchistischen, nahezu assoziativen

Qualität und gegen viele Anpassungen

gerichtet sein muss, da wir eine Art Arbeitshypothese

entwickeln im Laufe der Zeit,

die sich mit der Entwicklung überhaupt

beschäftigt. Ich bin darauf gekommen, dass

die Evolution – ein berühmtes Wort – die

Kunst auch nicht ausspart. Meine These

ist einfach, dass die Strategie der Evolution

zum Teil Kunst ist, weil dort Informationen

auf einer ganz anderen Ebene übertragen

werden. Und diese Informationsübertragung,

über das, was man Kunst jetzt

nennen will, ist das, was mich sehr interessiert.

Dadurch entwickle ich dauernd aus

dem, was ich tue, immer etwas Neues. Das

neue ist sozusagen der Aspekt, der Gewinnung

von Informationsmaterial für mich,

der mich weiter arbeiten lässt. Die Begriffe

habe ich dem natürlich ein bisschen

angepasst. Ich nenne z.B. diese Objekte, die

Hr. Konzett hier stehen hat im allgemeinen

Modelle für transaggregate Strukturen. Das

klingt sehr hochgetrieben, ist aber etwas

ganz was einfaches. Als Modelle bezeichne

ich etwas, was für etwas steht. Es ist ein

Vorentwurf, irgendwas, irgendwie – und

vor allem nichts Bleibendes ist im Grunde

– da bleibt alles modellhaft. Jedes Kunstwerk

ist eine Art Erinnerung an einen Entwicklungsprozess,

der bleibt. So gehe ich

da gar nicht inhaltlich formal auf das ein.

So gewinnt man dann auch die Formen

natürlich die neuen, aus dem, das man aus

alten irgendwelche erzeugt und so weiter.

Und dadurch ist die Beschäftigung mit

Information anderer Kunst sehr gefährlich,

wie der Hr. Konzett schon angemerkt hat,

weil man dann sehr viel Information anderer

übernimmt. Aber unter dem Aspekt

der eigenen Entwicklung, die ja überhaupt

nicht da koordinieren muss usw. Also da

spare ich mich komplett aus, das ist so meine

Arbeitshypothese. Das heißt, Kunst als

evolutive Strategie. Das beziehe ich nicht

auf die Entwicklung unserer Individualität.

Der interessante Aspekt ist, dass der Individualismus

bei der Betrachtung völlig ausgespart

wird – der wird vorausgesetzt. Aber

der ist ja nicht Voraussetzung, der muss

ja definiert werden. Und er definiert sich

ja durch das Arbeiten daran. Und eine der

besonderen Aussagen über das Individuelle

ist eben eine abstrakte Darbietung, wie

etwas herzustellen, was im Allgemeinen

als Kunst bezeichnet wird. Das kann sehr

variant sein, wie man sieht. Dazu muss ich

noch sagen, wir sind keine Gruppe – wir

sind eine Ansammlung von Leuten, die aus

irgendeiner Art von Aspekten der Betrachtung

von Hrn. Konzett ausgewählt wurden.

Aber das ist auch variabel.

ST/A/R: Aber ich finde, es passt sehr gut mit

dem Sammlungsansatz von Philipp Konzett

zusammen. Also, was so signifikant bei ihm

ist, dass er sich nicht auf bestimmte Kulturkreise

bezieht, sondern auf diese Container, wo

Information gesammelt wird.

Phillip Konzett, wie ist es zustande gekommen,

dass du aus unterschiedlichen Kulturkreisen

Kunst sammelst und daher auch diese Vorreiterrolle

in Österreich einnimmst im Bezug auf

die Ausstellung im MUMOK?

Konzett: Das ist vielleicht etwas

außergewöhnlich für österreichische Verhältnisse,

aber es war international üblich,

dass – wie zum Beispiel die deutschen

Expressionisten im 20. Jh – Kunst aus

unterschiedlichen Kulturkreisen nebeneinander

aufgestellt wurde. Damit bin ich

nicht der Erste, sondern das ist mein Zugang

als Sammler. Im MUMOK musste ich

natürlich die Stammeskunstobjekte zeigen,

weil es für mich rein geschichtlich interessant

ist. Man lebt ja schon als Kind von

verschiedenen Geschichten z. B. aus Afrika,

Märchen aus dem Orient; das Fremde war

wichtig, weil als Kind entwickelt man – wen

man Sammler ist – ein gewisses Interesse

an der Welt. Die Welt unterscheidet

sich ja durch die Kultur. Jedes Dorf hat

eine andere Tracht, jeder Mensch schaut

etwas anders aus, aber die innere Seele ist

bei fast allen gleich. Das Ausdrücken der

Sehnsüchte, der Liebe, ist ein menschlicher

Trieb und das interessiert mich. In Borneo

ist der Ritus – die Kopfjagd – eine lebensnotwendige

Sache und das führt dann

wieder zum Aktionismus. Beim Töten

muss man Mut aufbringen, dass man

irgendjemanden den Kopf abschlagen kann

und den als Trophäe mit nach Hause bringt

und sagt: „schaut’s ich habe es geschafft,

ich habe ihm den Schädel abgehackt!” Es

ist eine Überlebensstrategie, die bis ins

20 Jahrhundert reicht. Wenn man selber

nicht töten kann, stirbt man. Wenn man

sich anschaut, über welche Themen heute

Krieg geführt wird, ist das eine moderne

Form der Kopfjagd. Ich will darauf nicht

politisch eingehen, aber künstlerisch ist es

der Wiener Aktionismus, der mich dadurch

sehr beschäftigt hat. Die Aktionisten

mussten sich aus der Notwendigkeit des

geistigen Überlebens in den 1960er Jahren

ausdrücken. Sie wollten das vielleicht nicht

in dieser Radikalität, aber sie mussten es,

weil sie sonst ignoriert worden wären. Niemanden

hat Kunst interessiert. Die Leute

haben so weitergelebt wie vor dem Zweiten

Weltkrieg, es musste ausgebrochen werden

und klarerweise in Form einer Revolution.

Der Mensch des 21. Jahrhunderts ist auch

interessant, trotz der kulturellen Revolution

1968 gibt es rückläufige Meinungen,

aber überbleiben tut ja immer nur der

Fortschritt und nicht der Rücklauf. Wien

um 1900 – allseits gelobt – wurde ja auch

von ganz wenigen Menschen getragen,

die anderen haben es nicht verstanden.

Deswegen ist es wichtig, jungen Künstlern

Möglichkeiten zur Präsentation zu bieten.

Es freut mich daher sehr, dass es so viele

verschiedene künstlerische Positionen gibt

und zahlreiche Museen sowie Galerien, die

ihren Beitrag dazu leisten. Da wird wirklich

viel gemacht.

Gerngross: Ich erinnere mich noch an ein

letztes Gespräch, wo du einige wichtige Sätze

über deine Beziehungen zu den Banken

gesagt hast und vielleicht könnten wir jetzt das

Thema Bank noch einmal bringen. Vielleicht

fällt dir da noch etwas ein – ich erinnere mich

nicht mehr genau, aber es war hoch spannend

und du als Sammler wirst ja mit den Banken

mehr zu tun haben als die Künstler. Vielleicht

kannst du über deine Bankbeziehungen einen

kurzen Satz sagen.

Konzett: Das ist relativ schnell gesagt: ab

und zu bekomme ich Anrufe, das mein

Konto nicht gedeckt sei. Das Problem kennt

jeder, aber das Bankenproblem ist wieder

ein anderes. Als ich ab einem gewissen

Zeitpunkt angefangen habe zu sammeln,

haben Banken, Versicherungen, Institutionen

sowie große Kunstsammler sehr

modische Kunst gekauft. Ich habe mich

hauptsächlich um das gekümmert, was

ja selbst der österreichische Staat zu dem

Zeitpunkt Mitte der 1980er Jahre und in

den 1990er Jahren nicht gesammelt hat.

Das war ihre eigene Kultur – das hat mich

immer so schockiert. Da habe ich gesagt:

„für was muss ich etwas sammeln, was

die Banken sammeln? Ich sammle das,

was keiner sammelt.” Heute muss man

sehr viel Geld dafür zahlen – zum Beispiel

musste das MUMOK die „Sammlung

Friedrichshof” erwerben – 30 Jahre zu

spät – und so ist das mit vielen anderen

Dingen. Die Ludwig Stiftung kauft jetzt

drei Skulpturen von Franz West um Euro

600.000,00, weil sie zu blöd waren, das

vor 15 Jahren zu tun. So ist das halt immer

in Österreich. Der Vergleich hat weniger

mit den Banken als mit den Sammlungen

der Banken zu tun, die eben wieder denselben

Fehler begehen.

Gerngross: Hr. Konzett hat um 14.00 Uhr

einen Steuerberatertermin, aber wir können

das Gespräch einfach fortführen.

ST/A/R: Weil wir jetzt von Banken gesprochen

haben – wie siehst du die Erste Bank

Sammlung von der Entstehungsgeschichte her?

Konzett: Ich tue mir da sehr schwer, weil

ich die Entstehungsgeschichte nicht kenne.

Ich habe mir die Ausstellung angeschaut

und kenne den Katalog, natürlich ist eine

gewisse Problematik dahinter – man hat

sich ein Thema ausgesucht und das in

relativ kurzer Zeit, mit guten und ganz tollen

Künstlern – aber man spürt, dass halt

von allen Künstlern ein paar Werke gekauft

wurden. Man hat jetzt also eine Sammlung

– aber meine Vorstellung von Sammlern

beginnt mit dem ersten Katalog, mit dem

ersten Plakat, mit der Entwicklung jedes

einzelnen Künstlers und gerade die Banken

sammeln Werke, die sie präsentieren können

und auf das wertvollste – die Information

– verzichten. Im Wiener Aktionismus

hat es gar keine Werke gegeben, sondern

nur die kleinen Katalögchen, das Le Mare

von Günther Brus war die erste Publikation

mit Texten von Prisnic und Nitsch, das

Informationsmaterial zu jedem Künstler

ist mir abgegangen. Die Ausstellung im

MUMOK über den Wiener Aktionismus

und Sprache hat genau auf das Rücksicht

genommen. Das Dokumentationsmaterial,

das der Künstler selbst gemacht hat, steht

im Mittelpunkt und die Werke hängen als

Beisatz daneben. Wichtig ist, nicht nur,

große Werke anzukaufen, sondern das man

die Sammlung mit Infomaterial verständlich

macht.

Gerngross: Du hast ja eine riesige Sammlung

als Privatmann, die Bank hat eine Sammlung,

die vielleicht weniger Wert hat, als deine. Die

haben jetzt in den Osten erweitert und vielleicht

Millionengewinne gemacht oder Milliardengewinne

gemacht und der Prozentsatz,

den sie für die Kunst aufwenden, ist ja nicht

sehr groß. Siehst du da nicht ein Potential,

dass gerade solche Leute wie du Banken in

ganz anderer Weise unterstützen könnten, um

hier, sagen wir wesentlich intensiver noch neue

Künstler zu zeigen und vorzustellen:

Konzett: Die Bedeutung einer Sammlung

hat nichts mit dem Wert zu tun. Die

Banken sammeln ja nur teure anerkannte

Kunst. Ich habe Dinge erworben, die

eigentlich nicht anerkannt, nicht modern

und auch dementsprechend nicht so teuer

waren. Man muss ja nur einmal diesen

Zwang sehen, den man heute hat, auch

in Österreich – es will der Herr Schröder

unbedingt einen Gursky, der Her Köb

hat Gurksy gekauft um Wahnsinnsgelder

– und dieser Druck, der auf solchen Direktoren

dann lastet, geht natürlich auf Kosten

der jungen Kunst. Das ist ja vollkommen

klar. Der Private – das ist, oft in allen Ländern

so – konzentriert sich – wie ich – auf

ein ganz kleines Feld. Meine Aufgabe ist

es nicht, im Breiten zu sammeln. Ich hatte

die Möglichkeit innerhalb von 20 Jahren

eine Aktionismussammlung aufzubauen,

die wirklich wesentlich ist, heute geht das

nicht mehr, weil es zu wenig Material gibt

– das nicht mehr verfügbar ist – weil sie

international auf einmal enorm anerkannt

sind und dadurch an Wert gewonnen

haben. Jetzt ist aber nicht der finanzielle

Wert wichtig, sondern der qualitative Wert

der Sammlung. Banken wenden enorme

Geldsummen auf. Die Deutsche Bank hat

von allen Kunststars der Welt Riesenwerke

gekauft, das ist natürlich nur ein Prozentsatz

oder ein Promillesatz von dem, was

sie verdienen. Heute ist sehr viel Kapital da

und es wird mehr, aber es verbessert die

Kunst nicht. Es geht nur um den Umgang

mit dem Geld. Der Unterschied zur

Ersten Bank ist die Sammlung der Generali

Foundation – die haben sich sehr stark

auf ein Gebiet konzentriert, das ist eine

Sammlung, die auch für mich sehr interessante

Aspekte aufweist, weil sie nicht nur

Meisterwerke anschaffen und sich damit

rühmen möchten, sondern es geht hier um

Werkblöcke. Sie haben zum Beispiel einen

der größten Werkblöcke mit Begleitmaterial

von VALIE EXPORT gekauft – niemand

hat mehr die Möglichkeit eine umfassende

Ausstellung über ihr Werk ohne die Generali

Sammlung zu machen. Man muss

den Wert einer Sammlung von Geld her

oder den Wert einer Sammlung vom Inhalt

her unterscheiden.

Gerngross: Es geht hier kunterbunt zu – mir

fällt jetzt gerade der Name Franz Graf ein,

weil er noch nicht erwähnt wurde und ich ihn

als Künstler ziemlich schätze und weiß, dass

die Zenita auch beim ihm jahrelang studiert

hat und er für mich eine schon hervorragende

Rolle als Lehrer eingenommen und ein freies

Feld eröffnet in der Kunsterziehung hat und

vielleicht kann uns die Zenita kurz etwas über

diesen Werdegang oder ein paar Worte sagen,

die wichtig waren für ihre Entwicklung.

Zenita: Der Franz ist in erster Linie ein

großartiger Künstler, ein Mystiker, ein

Eremit, ein zurückgezogenes Wesen, der

seine Zurückgezogenheit für ein paar Jahre

aufgegeben hat, um sein Wissen und seine

Kraft und sein Konvolut an Unaussprechlichem

an seine Studenten weiter zu geben.

Begonnen hat das Studium bei ihm so,

dass er seinen Studenten erklärt hat, das

es nichts zu erklären gibt und auch keine

Vorgaben. Alle mussten ins kalte Wasser

springen. Sein Argument war: „In eurem

Leben wird euch niemand erklären, was ihr

zutun habt, eure Werkzyklen müssen aus

euch selbst entstehen.” Insofern war die

Basis für dieses Studium, dass Nichts. Und

aus diesem Nichts und dieser enormen

Freiheit ist für einige dieser Klasse eine

irrsinnige Kraft entstanden. Ich bin aber

für ihn sehr froh, dass er sich jetzt wieder

in sein Werk zurückgezogen hat, weil er die

Intensität der Zurückgezogenheit für dieses

braucht. Ich bin sehr glücklich, dass erlebt

haben zu dürfen.

Gerngross: Ich bin jetzt etwas gerührt, weil sie

aus diesem Werdegang so erzählt hat, dass es


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VI – KONZETT ST/A/R 45

CAIMANG ALIGATEUS KROKOZART

ZENITA KOMAD

ZENITA KOMAD

ANTON HERZL

„Ein Dandy ohne Intellekt ist nur ein Parvenu“ H. Lachmayer

Foto: KISELEV 2006

Fotos: © Heiri Heifl inger; oben:

©

Tina Herzl

ZENITA-CITY

AT THE ART BRUSSELS REPRESENTED

BY GALLERY KRINZINGER AND GALLERY SUZANNE TARASIEVE

20 - 23 April 2007

www.artbrussels.be

ZENITA-CITY AT THE VIENNA FAIR REPRESENTED

BY GALLERY SUZANNE TARASIEVE ,GALLERY KRINZINGER , GALLERY KONZETT AND REGINA GALLERY

26. bis 29. Apr 2007

http://antonherzl.at/forumOSEIMOS

www.viennafair.at

ZENITA-CITY

SCHINDLER HOUSE

Los Angeles, CA 90019

USA

www.zenita-city.at


46 ST/A/R

Buch VI – KONZETT Nr. 13/2007

RUDOLF POLANSZKY


Nr. 13/2007 Buch VI – KONZETT

ST/A/R 47

novii russkii - neue russen, Tusche auf Papier

LUKAS PUSCH

VIENNA VOODOO


48 ST/A/R

Buch VI – KONZETT Nr. 13/2007

JACK BAUER

KONZETTRIEREN SIE SICH AUF DEN STERN

Fotos: © Tina Herzl

Vier Vorhänge: Jack Bauer 2007, 210 x 160 cm, Acryl auf Baumwollgewebe, KISMET,

SYMPATHY FOR Z, HYSTERIAN, O.T.


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch VII - MAK & Angewandte ST/A/R 49

MAK und

Angewandte

erstmals gemeinsam

auf der VIENNAFAIR

Halle A, Stand A 1201–1203

together at the VIENNAFAIR

Foto: © Sabine Hauswirth/MAK 2006

together at the ViennaFair

Peter Noever, Direktor MAK

Gerald Bast, Rektor Universität für angewandte Kunst


50 ST/A/R

Buch VII - MAK & Angewandte

Nr. 13/2007

MAK und Angewandte erstmals ge

Die Angewandte versteht sich als ein dynamisches,

national und international anerkanntes

Kompetenzzentrum

für Architektur, Design, Konservierung/Restaurierung, Kunstwissenschaften,

bildende und mediale Kunst sowie Kunstvermittlung.

The Angewandte regards itself as a nationally and internationally recognized, dynamic competence center for

architecture, design, conservation/restoration, art-related science, the fine and media arts, and art education.

Christian Ludwig Attersee / Klaus Bollinger / Veronique Branquinho / Roland Burgard / Rudolf Burger /

Alison Jane Clarke / Hartmut Esslinger / Georg Glaeser / Zaha Hadid / Fons Matthias Hickmann / Johanna Kandl /

Bernhard Kleber / Brigitte Kowanz / Gabriela Krist / Liane Lefaivre / Otto Lorenz / Walter Lürzer / Greg Lynn /

Ernst Maczek-Mateovics / Gerhard Müller / Paolo Piva / Wolf D. Prix / Barbara Putz-Plecko / Christian Reder /

Gabriele Rothemann / Sigbert Schenk / Ruth Schnell / James G. Skone / Mario Terzic / Alfred Vendl /

Manfred Wagner / Peter Weibel / Gabriele Werner / Erwin Wurm

Universität für angewandte Kunst Wien

University of Applied Arts Vienna

Oskar Kokoschka-Platz 2, A-1010 Vienna, Austria

Phone (+43-1) 711 33-2160

Fax (+43-1)/711 33-2169

E-mail: pr@uni-ak.ac.at

www.dieangewandte.at

Das MAK ist der Ort der KUNST.

Hier wird heute das entwickelt, worauf sich das Morgen gründet.

The MAK is the site of ART.

The powerful ideas created here today will serve as models for tomorrow.

Foto: Peter Kainz/faksimile digital

Unterstützung für Künstler kam in der Vergangenheit von der Kirche, vom Staat und von den

Reichen. Den beiden Ersteren aber kommen die Gelder und Letzteren die ästhetischen

Maßstäbe abhanden. Support for artists has come in the past from the church, the state,

and the rich. But the first two are losing their budgets, and the third are losing their

aesthetic standards. Dennis Meadows Zukunftsforscher / Futurologist, Durham, New Hampshire/USA

Der geistige Wert von Kunst hat keinen Preis. Schafft mehr Milliardäre! The spiritual value

of art is priceless. Make more billionaires! Chris Burden Künstler / Artist, Los Angeles

Dreht das Licht ab, wenn die Kunst aus ist … Nein, die Kunst ist nicht tot, sie schläft nur,

… When art is over, turn out the lights … No, art isn’t dead, it’s only sleeping, …

Vito Acconci Künstler / Artist, New York

Das Beste für die Kunst ist, dass sie die große Krise hat. Having the big crisis is the best

thing that can happen to art. Arnulf Rainer Künstler / Artist, Vienna

MAK Stubenring 5, A-1010 Vienna, Austria

Phone (+43-1) 711 36-0, Fax (+43-1) 713 10 26, E-mail: office@MAK.at, www.MAK.at

Artistic intervention by LAURA KIKAUKA, especially created for the VIENNAFAIR 2007


Nr. 13/2007

Buch VII - MAK & Angewandte ST/A/R 51

meinsam auf der Vienna Fair 2007

„Exercise in Schmaltz”; Foto by L.Kikauka 2007

Crotchet baby slipper*fake eyelashes*“caution high

voltage” sign*plastic spiral disc*spring loaded

octopus*mouse chewed “Leonardo Divinci” bubble

gum*glitter jesus and skirted prayer girl*metal star

medallion*mini leopard belt*clown’s head*nixie tube

& Russian box*fine toothed asian comb*2 plastic

peaches*white gummed note binder rings*untaxable

„Funny Farm Disco“ Foto: Lary 7, 2005

eyeballs bubble game*plaster scene mosaic*Happy St.

Pattys pom pom*Black clip on mustache*Red & white

bird*Orange reflector*Pink & lace flower

corsage*“Do not Disturb/Maid please make my

room” sign*“I don’t bite, valentine” 3D winky blink

bug*orange spider web*“Rum pa pa pum”

pin*mixed white sequin strings*toy band aid box with

toy scissors*tiny orange air

vest*red flat fish*“fortified

bridge” glass slide*glow in

the dark squid*gold

chains*long red

fingernails*dinosaur/tiger on

wheels*silver sequin belt

buckle & moray

backdrop*metal wired brush

& black spiders*mini

Campbell’s soup can*“I heart

no name” matches*toy pizza

slice*wrestler cork & half a

boot*eye patch*floral

bouquet hook*multi swirled

high bounce ball*wooden

figurine*iridescent strip with

fish in shell*gold glitter fabric

& stars*ceramic clown with

balloons pin*“Let’s bug out

valentine” 3D winky blink

bug*“My picture and word

book”*red flower with screws & lugs*green

dog stencil*glow bright hair extensions*wooden

medallion & cowboy body part*green acrylic

cast of palm & glitter*autographed puzzle

piece*misc. sequin bits*empty plastic birth

control case & plastic numbers*iridescent

stuffed heart*unfinished cat mosaic*broken

walking eyeball*metal globe, old world*feather

strip with bird*seahorse vase*pipe cleaner

figure*Christmas bell corsage*fat spider*green

hat*“this is the living end” slogan with

puzzle*mystery blue spiral plastic*orange plastic

“o” with lugged wire*sports confetti*pink

wooden matches with yellow tips*mother of

pearl jewel & tinsel*misc. green/blue/gold

sequin bits*petrified black & white belt*mini

mushroom*black hook & swirl

pin*mammogram band & plastic club*“What’s

the buzz valentine?” 3D winky blink

bug*wooden scroll & braiding

instructions*flower & rubber worm*leopard skin

& sponge bob pin*pyramid balls and blue witch

finger*red hat pin*happy face suspender

strap*daisy hair pin & green whistle*empty

perfume bottle & embroidered pepper

dispenser*misc. blue beats sewn to

sequins*asian spot light ornament & bottle tab

chain link*multi coloured pom pom & winky

blink abstract*needle threader & green

„Amused by Gemuse”; Foto: Gordon Monahan 2005

KONZEPT: Gerald Bast, Peter Noever; STANDGESTALTUNG: Marcus Bruckmann, Christian Ruschitzka

Abteilung Industrial Design, Universität für angewandte Kunst Wien

vines*“I’m buggy for you, valentine” 3D winky blink

bug*Iridescent trim & green rubber alien*“Safe

guard” cell phone/handi warning alert card*cased

blue sand key ring*“ToolZall” case & led

gizmo*laminated snake skin, quartz rock &

dice*bubble pack & retractable magnifying

lens*kinder vanity doll furniture*“The best pickle ever

heard” blue jar lid*fake antique toy metal gun & 50

pfennig*glass slide*misc. pink & coral things*white

sequins, golf tee, dice & “created by” cloth*“new

material only”, jaguar metal sign, screw & plastic key

rings*confetti & blue beaded things sewn to

cloth*blue glitter flower key chain, crochet flower &

trim*“testing Clips” at 5 amps- in packaging*red,

white & blue shoelace, toy basketball post &

baby*metal “Florida” coaster*“your name printed

here” plastic coin saver*tiki ornament & wood

beaded bracelet*gold metal heart frame & plastic

praying angle*teeth sample & snail shell*cut off

finger tips from woolen glove*wooden computer

ornament & teeth sample*original, un-signed “Happy

New Year 2007” card & envelope from Peter

Noever*spiral calendar & savings bank*plastic

grapes*Christmas mosaic ball ornament*Out door

fireplace*3-d bird in egg scene*dried up number

tape*3 bit teether ring*open halved transistor

radio*heavy metal and bead necklace*cat on its back

& green pom pom frame*rolling wood lady

bug*abstract plastic dot sheets in 5 colours*Iron On

knee patch (in vintage packaging)*Yellow baby’s

bed*Red, white and blue rope cluster*Strange beige

scull head*Green seahorse holder*Moscow metal

plate*Woven white baby pants*“Stop” tape & paper

curls*red adjustable wolf*bulk wooden animal

pieces*almost clean white gloves*girl relief partially

receipt: 06.20.02*purple pom pom fringe*toy

watch*Warhol soup can business card

holder*Note pad*“Don’t make me crawl” 3D

winky blink bug*orange whistle*green frosted

plastic donut*mystery parts of spring doll*mini

mouse hook*“I’d walk a mile for a giraffe”

sample*16mm film strip*wax dog*lingerie

guard*silver leaf jewels*“Do Not Eat” Silica Gel

(lg. blue text)*plastic egg*moving eyeball*plastic

cow & “Do Not Eat” Silica Gel (sm. b&w

text)*keychain shoe*mystery radish cart*yellow &

pink triangular things*magnifying lens*thin floral

belt*empty birth control carton*“Bug me anytime

valentine” 3D winky blink bug*bunny’s foot*red

stencil disc*mustard flower curtain hook*red

nibbled shoe stretcher*purple squirt ring*ape and

Laura Kikauka has been exhibiting installation work, electro-mechanical sculpture,

and performing since the early 1980s.

The “Funny Farm” is her working & living space in Meaford, Ontario and Berlin,

Germany. It has been represented in parallel with Kurt Schwitters “Merzbau” in

venues such as Haus der Kunst, Munich, Sprengel Museum, Hannover, as well as

other versions at Hamburger Bahnhof, Berlin, Schirn Kunsthalle, Frankfurt, MAK

Vienna, DNA gallery, Berlin and the Power Plant, Toronto. For each installation she

establishes highly specific visual (and often audio) language that blends the increasingly

overlapping worlds of high and low art forms.

In general Kikauka’s ‘excessive aesthetic’ is comparable to urban archeology, and

addresses issues of consumer culture, the question of good & bad taste, and celebrates

failure in a humourous & ironic manner.

Laura Kikauka gestaltet einen Stand mit unzähligen Objekten

und Gegenständen aus ihrer Sammlung. Es sind vor allem gesammelte

Alltagsgegenstände, mit denen die Künstlerin den Raum

transformiert – bunt, schrill, chaotisch, doch geordnet.

So thematisiert sie Sammeln, Konsum, Kunst – Aspekte, die im

Kern einer Kunstmesse stehen und dennoch scheint Kikaukas

Arbeit wie eine Gegenposition zum Kunstmarkt.

Sammeln heißt bei Kikauka nicht Anhäufen von Kunstwerken,

sondern führt über den mittelbaren Weg der Verwertung stets

zur Erschaffung von Kunst. (Bodo Mrozek)


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VII - MAK & Angewandte

ST/A/R 53

MAK

Highlights MAK 07

UNIVERSITÄT FÜR

angewandte

ANGEWANDTE KUNST WIEN

Fotos: faksimile digital/peter kainz

James Turrell: „MAKlite“, permanente Außeninstallation 1998/2004, MAK Wien

Foto: © Margherita Spiluttini /MAK

An der Wiener Ringstraße, städtebaulich wie institutionell das Zentrum Wiens, entstanden nach ihrer Fertigstellung 1865 eine Reihe

öffentlicher Bauten in der Stilvielfalt des Historismus. Am Ring wird regiert, werden Aufmärsche abgehalten, Studenten unterrichtet,

Opern gesungen und wird Theater gespielt; der Ring bietet Erholungsraum im Grünen und er versammelt etliche Schätze des Landes. Das

MAK, von Heinrich von Ferstel im Stil der florentinischen Renaissance entworfen, wurde als erster Museumsbau am Ring 1871 eröffnet.

Mit seiner umfangreichen wie vielfältigen Sammlung und seinen wegweisenden Aktivitäten zählt es zu einem der bedeutendsten Museen

angewandter und zeitgenössischer Kunst.

MAK-Ausstellungen

#3 PADHI FRIEBERGER

OHNE KÜNSTLER KEINE KUNST

23.10.2007–30.03.2008

MAK-Schausammlung

Gegenwartskunst

MAK JETZT

WOLF D. PRIX/COOP

HIMMELB(L)AU

BEYOND THE BLUE

12.12.2007–27.04.2008

MAK-Ausstellungshalle

#2 ALFONS SCHILLING

SEHMASCHINEN 007

24.04.–30.09.2007

MAK-Schausammlung

Gegenwartskunst

Los Angeles: Schindler House und Mackey Apartements Das MAK Center for Art

and Architecture (Rudolph M. Schindler, Studio und Wohnhaus, 1921/22), 1994 von Peter

Noever gegründet, präsentiert Innovationen in Kunst und Architektur sowie neue Tendenzen

und interdisziplinäre Entwicklungen. Die Mackey Apartements (Rudolph M. Schindler, 1939)

wurden 1995 durch die Republik Österreich angekauft und im Rahmen der MAK-Schindler

Initiative als erstes österreichisches Künstlerhaus in den USA begründet.

MAK-Expositur Geymüllerschlössel Das Geymüllerschlössel, das authentische

Biedermeier-Ensemble, präsentiert sich als Gesamtkunstwerk, in dem Natur und Kunst, aber

auch historische und zeitgenössische Positionen in Dialog treten: 1997 hat Hubert Schmalix

seine Skulptur „Der Vater weist dem Kind den Weg“ im Park der Anlage errichtet und

2004 wurde der Skyspace „The other Horizon“ des amerikanischen Künstlers James Turrell

aufgestellt.

MAK-Gegenwartskunstdepot Gefechtsturm Arenbergpark

Das bereits seit 1995 bestehende MAK-Gegenwartskunstdepot präsentiert mittlerweile die

gesamte Gegenwartskunstsammlung des MAK.

Josef Hoffmann Museum, Brtnice Das Geburtshaus Josef Hoffmanns in Brtnice,

Tschechische Republik, für das sich das MAK seit den frühen 90er Jahren engagiert, wurde

mit Beginn 2006 zum Josef Hoffmann Museum – eine gemeinsame Expositur des MAK Wien

und der Moravská galerie, Brno.

Philip Johnson – Wiener Trio Seit 1998 befindet sich Philip Johnsons „Wiener Trio“ am

Franz-Josefs-Kai/Schottenring. Philip Johnson hat das Objekt 1996 für die Ausstellung

„Turning Point“ im MAK konzipiert.

Donald Judd – Stage Set Donald Judds „Stage Set“ ist Ausdruck einer kompromisslosen

Vision zwischen Kunst und Architektur. Innerhalb eines 7,5 x 10 x12,5 m dimensionierten

Stahlgerüsts sind sechs verschiedenfarbige Stoffbahnen in unterschiedlicher Höhe

angebracht. Donald Judd hat das „Stage Set“ im Jahr 1991 anlässlich seiner Ausstellung

„Architektur“ für das MAK entwickelt. Seit 1996 befindet sich die Skulptur im Wiener

Stadtpark.

Franz West – Vier Lemurenköpfe

Die „Vier Lemurenköpfe“ wurden anlässlich der Ausstellung „Franz West: Gnadenlos“ im

HELD

TOGETHER

WITH WATER

KUNST AUS DER

SAMMLUNG VERBUND

09.05.–16.09.2007

MAK-Ausstellungshalle

MAK-VORTRAGSREIHE CHANGING ARCHITECTURE:

Hernán Diáz Alonso / Eric Owen Moss / Günther Domenig / Zaha Hadid / Zaera-Polo / Greg Lynn / James Turrell / Peter Eisenman /

Lebbeus Woods / Rem Koolhaas / Thom Mayne / Jeffrey Kipnis

Jahr 2001 an der neben dem MAK befindlichen Stubenbrücke

aufgestellt.

James Turrell – MAKlite

Die permanente Außeninstallation (1998/2004), des

amerikanischen Künstlers James Turrell verleiht dem Gebäude

eine neue Dimension sinnlicher Wahrnehmung. Durch dieses

dauerhafte, aber ungreifbare Kunstwerk kehrt das MAK

seine Inhalte nach außen und kommuniziert in die städtische

Umgebung wortlos, aber umso präziser die komplexen

Verhältnisse, Bewegungen und Kräfte, die das Leben

menschlichen Geistes schafft.

MAK MORGEN

Chris Burden – URBAN LIGHT

Achse / Wien Zentrum / Stadtpark / MAK / Wien Mitte

Projekt Urban Light: Michael Embacher, Peter Noever

Der Künstler illuminiert mit seiner Installation

bzw. Groß-Skulptur den städtisch-öffentlichen

Raum. 150 original historische gusseisern-ziselierte

Straßenlaternen aus Los Angeles sollen kolonnadenartig

vor dem MAK postiert werden; Burdens städtebaulichkünstlerische

Intervention zeichnet einen neuen Leitstrahl,

verbindet das nahe beim Zentrum gelegene MAK mit dem

dynamischen Stadtteil rund um Wien Mitte.

CAT – Contemporary Art Tower

Mit dem Projekt CAT (Peter Noever/Sepp Müller/

Michael Embacher) wurde eine radikal neue

programmatische Strategie zur Präsentation

zeitgenössischer Kunst entwickelt. Ziel ist es,

im 1942/43 errichteten Gefechtsturm Arenbergpark die

Sammlung des 21. Jahrhunderts aufzubauen.

the entire MAK

in a BAG

Design: Peter Noever / MAK

Künstler: Martin Walde © MAK 2007

Peter Noever, Sepp Müller, Michael Embacher: Modell CAT, 2000

Die Angewandte versteht sich als eine Stätte der freien künstlerischen und wissenschaftlichen Artikulation, als Ort des offenen Disputs und

als Entwicklungslabor künstlerischer Visionen, die in der Gesellschaft der Zukunft ihre Wirkung entfalten sollen und werden. Der Anspruch,

eine der besten Kunstschulen der Welt zu sein und zu bleiben, ist untrennbar verbunden mit der konsequenten Arbeit an der permanenten

Weiterentwicklung unserer Qualitätsstandards und der steten Erneuerung des kreativen Potentials sowie am kompromisslosen Eintreten für

die Freiheit der Kunst und der Wissenschaft.

„Die primäre Funktion einer Universität war und ist die Produktion von Veränderung durch Kreation und Transformation von Ideen und

Wirklichkeiten“.

£ Institut für Architektur

£ Institut für Bildende und Mediale Kunst

£ Institut für Design

£ Institut für Konservierung und Restaurierung

£ Institut für Kunstwissenschaften,

Kunstpädagogik und Kunstvermittlung

£ Institut für Kunst und Technologie

£ Zentrum für Kunst- und Wissenstransfer

£ Universitätsbibliothek

£ Sammlungen und Oskar Kokoschka-Zentrum

£ Kostüm- und Modesammlung

Jahresausstellung “The Essence 2006”

Show Angewandte 2006

Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien

Zur Zeit studieren 1800 HörerInnen aus 49 Ländern an der Angewandten und werden u.a. von Lehrenden wie Christian

Ludwig Attersee, Klaus Bollinger, Veronique Branquinho, Roland Burgard, Rudolf Burger, Alison Jane Clarke, Hartmut

Esslinger, Georg Glaeser, Zaha Hadid, Fons Matthias Hickmann, Johanna Kandl, Bernhard Kleber, Brigitte Kowanz, Gabriela

Krist, Liane Lefaivre, Otto Lorenz, Walter Lürzer, Greg Lynn, Ernst Maczek-Mateovics, Gerhard Müller, Paolo Piva, Wolf D.

Prix, Barbara Putz-Plecko, Christian Reder, Gabriele Rothemann, Sigbert Schenk, Ruth Schnell, James G. Skone, Mario Terzic,

Alfred Vendl, Manfred Wagner, Peter Weibel, Gabriele Werner oder Erwin Wurm unterrichtet.

Die Ergebnisse der künstlerischen Prozesse werden der Öffentlichkeit in über 250 Ausstellungen jährlich in den Räumlichkeiten

der Universität, aber auch in den bedeutendsten Museen und Galerien der Gegenwartskunst im In- und Ausland

präsentiert.

Veranstaltungshighlights der Angewandten im Juni 2007

MODESHOW ANGEWANDTE 2007

21. Juni

Stadthalle Wien

A Symposium on the Future of Fashion

THE DEATH OF TASTE

In Kooperation mit dem London College of Fashion/University of the Arts London

22. und 23. Juni

MAK Wien, Weiskirchnerstraße 3, 1010 Wien

Jahresausstellung

THE ESSENCE 2007

Ausgewählte Projekte und Arbeiten von Studierenden der Angewandten

Eröffnung: 28. Juni

Ausstellungsdauer: 29. Juni bis 15. Juli

MAK Wien, Weiskirchnerstraße 3, 1010 Wien

Internationales Architektursymposium

28. und 29. Juni 2007

MAK Wien, Weiskirchnerstraße 3, 1010 Wien

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen unter:

www.dieangewandte.at

Kontakt: Universität für angewandte Kunst Wien

Oskar Kokoschka-Platz 2; 1010 Wien, Austria; T: +43 1 711 33 DW 2160; F: +43 1 711 33 DW 2169; E-mail: pr@uni-ak.ac.at, Internet: www.dieangewandte.at


54 ST/A/R

Buch VII - MAK & Angewandte

Nr. 13/2007

www.dieangewandte.at

GEGENWARTS

KUNST IN D

GERALD BAST Rektor Universität für angewandte Kunst Wien

GEGENWARTSKUNST

IN DIE REGIERUNG!

Peter Noever und Gerald

Bast starteten gemeinsame

Kunstoffensive

Z-Filiale Günther Domenig / Ein

Ministerium für die Kunst

Projektion auf die Feuerwand der

Universität für angewandte Kunst

Wien

© Karl Michalski/MAK

Teilnehmende Künstler der Aktionsnacht:

Patrick Baumüller & Severin Hofmann mit Heribert Reich,

Franz Kapfer, Michael Kienzer, kozek hörlonski, Brigitte

Kowanz, Hans Kupelwieser, Marko Lulic, Constantin Luser/

Lukas Galehr/Matthias Makowsky, Otto Mittmannsgruber,

Arnulf Rainer, Eva Schlegel, Martin Strauss und Karl-Heinz

Ströhle, Jochen Traar, Josef Trattner, Hans Weigand, Erwin

Wurm u.a.

Mit einer Pressekonferenz und einer

anschließenden Aktion im öffentlichen

Raum starteten Peter Noever, Direktor

MAK, und Gerald Bast, Rektor der

Universität für angewandte Kunst Wien,

am 4. September 2006 die Initiative

„GegenwartsKunst in die Regierung“,

da der politische Diskurs im Vorfeld zur

Nationalratswahl 2006 die Kunst nur

am Rande streifte. Um eine Fortsetzung

der Kunstpolitik des Verwaltens und

Bewahrens zu verhindern, forderten

Bast und Noever: „Die kunstpolitische

Depression in Österreich muss ein Ende

haben.“

Ein Aktionspapier subsumierte die

zentralen Forderungen der Initiative:

ein „Ministerium für Gegenwartskunst“,

eine „Österreichische Nationalstiftung

für Gegenwartskunst“, einen „Design

Award of the Year“, eine Neuausrichtung

der Kunstberichterstattung im öffentlichrechtlichen

Rundfunk und eine

Neupositionierung des Kunstunterrichts

im Schulsystem.

Eine Plakataktion, Flyer und

Transparente provozierten im Vorfeld der

Nationalratswahl Aufmerksamkeit. Eine

AKTIONSNACHT mit Podiumsgesprächen

und zahlreichen Künstlerbeiträgen am

21. September 2006 im MAK-Garten

war ein Höhepunkt der Initiative. Nach

der Nationalratswahl verliehen Bast

und Noever ihrem Anliegen mit dem

Offenen Brief an die Politik „Quo vadis,

Bundesministerium für Gegenwartskunst“

nochmals Nachdruck.

Traar, Josef Trattner, Hans Weigand, Erwin

Wurm u.a.

Projektion Erwin Wurm

© Karl Michalski/MAK

Aktionsnacht im MAK-Garten, 21.

September 2006

© Karl Michalski/MAK

GEGENWARTS

KUNSTIN DIE REGIERUNG

GEGENWARTS

KUNSTIN DEN ORF!

GEGENWARTS

KUNSTIN DIE SCHULEN!

ÖSTERREICHISCHE NATIONALSTIFTUNG FÜ

GEGENWARTS

KUNST!

PETER NOEVER

Direktor MAK

GERALD BAS

Rektor Universität für angewandte Kunst Wi


Nr. 13/2007

Buch VII - MAK & Angewandte ST/A/R 55

IE REGIERUNG!

PETER NOEVER Direktor MAK

www.MAK.at

Kunstaktion „GegenwartsKunst in die

Regierung“

Transparent am MAK

Gegenwartskunstdepot,

Gefechtsturm Arenbergpark 2006

© MAK/Rüdiger Andorfer

Gespräch mit Künstlern (v. li.) Josef Trattner, Martin Strauss,

Karl-Heinz Ströhle, Andrea Schurian (Moderation), Otto

Mittmannsgruber, Marko Lulic und Michael Kienzer. © Karl Michalski/MAK

!

R

T

en

Kunstaktion „GegenwartsKunst in die Regierung“

initiiert von Gerald Bast und Peter Noever, Wien 2006

© Karl Michalski / MAK


56 ST/A/R

Buch VII - MAK & Angewandte

Nr. 13/2007

Wien ist die Geschmacksdiktatur der Bürokraten.

Wien ist die Geschmacksdiktatur der Bürokraten.

Wien ist ist wenn wenn international international renommierte renommierte Designer und Designer Künstler und in Künstler in

Gestaltungsentscheidungen ignoriert ignoriert und übergangen und übergangen werden! werden!

Wien ist ist wenn Bürokraten darüber darüber entscheiden, entscheiden, was schön ist! was schön ist!

Wien ist

ist

wenn

wenn außergewöhnliche

Architekten

Architekten

Wettbewerbe

Wettbewerbe

gewinnen und

gewinnen

gefällige Architekten bauen dürfen!

gefällige Wien ist wenn Architekten Kräfte, die die bauen Stadt dürfen! nach vorne bringen könnten, ausgegrenzt

Wien werden. ist wenn Kräfte, die die Stadt nach vorne bringen könnten, ausge

Wien ist wenn Wien alles ist Künstlerische die Geschmacksdiktatur bezweifelt der werden Bürokraten.

werden.

darf, nicht aber die

Unfehlbarkeit der Wien ist Stadtpolitik!

wenn international renommierte Designer und Künstler in

Wien ist wenn

Gestaltungsentscheidungen

alles Künstlerische

ignoriert und übergangen

bezweifelt

werden!

werden darf, nicht aber d

Wien ist wenn ohne nachvollziehbare Grundlagen

Wien ist wenn Bürokraten darüber entscheiden, was schön ist!

Unfehlbarkeit

getroffen werden!

der Stadtpolitik!

Wien ist wenn außergewöhnliche Architekten Wettbewerbe gewinnen und

Wien gefällige Architekten bauen dürfen!

ist ist wenn wenn der Gestaltungsentscheidungen Bildungsauftrag von Museen und Universitäten ohne nachvollziehbare hintergangen Gru

Wien ist wenn Kräfte, die die Stadt nach vorne bringen könnten, ausgegrenzt

getroffen wird! werden!

werden.

Wien ist wenn alles Künstlerische bezweifelt werden darf, nicht aber die

Wien ist

ist

wenn

wenn

ambitionierte Kunstprojekte in Mühlen der Stadtverwaltung

Unfehlbarkeit der Bildungsauftrag der Stadtpolitik! von Museen und Universitäten hin

zerrieben werden! Wien ist wenn Gestaltungsentscheidungen ohne nachvollziehbare Grundlagen

wird!

getroffen werden!

Wien ist wenn mit monarchistischer Selbstgefälligkeit über wichtige künstlerische

Wien ist wenn der Bildungsauftrag von Museen und Universitäten hintergangen

Wien Projekte ist hinweggegangen wenn wird! ambitionierte wird! Kunstprojekte in den Mühlen der Stadtver

Wien ist wenn ambitionierte Kunstprojekte in den Mühlen der Stadtverwaltung

zerrieben Wien ist wenn werden! Kunstinstitutionen Kitsch vor die Nase gestellt wird!

zerrieben werden!

Wien ist wenn mit Selbstgefälligkeit über wichtige künstlerische

Wien ist wenn mit monarchistischer Selbstgefälligkeit über wichtige k

Sehr geehrter Herr

Projekte

Stadtrat

hinweggegangen

Schicker,

wird!

Projekte hinweggegangen

Wien ist wenn Kunstinstitutionen

wird!

Kitsch vor die Nase gestellt wird!

Wien ist wenn Kunstinstitutionen Kitsch vor die Nase gestellt wird!

Das MAK und die Sehr Universität geehrter Herr Stadtrat für angewandte Schicker, Kunst haben Ihnen Projekte für Gestaltung und

Beleuchtung ihres Das Außenraums MAK und die Universität präsentiert. für angewandte Internationale Kunst haben Ihnen Designer Projekte für Gestaltung und Künstler und wurden dazu

ausgewählt. Die Beleuchtungsprojekte ihres Außenraums präsentiert. werten Internationale die Ringstraße Designer auf und Künstler und schaffen wurden dazu die dringend

ausgewählt. Die Beleuchtungsprojekte werten die Ringstraße auf und schaffen die dringend

nötige Verbindungsachse nötige Verbindungsachse zwischen zwischen dem dem Neubauareal Wien Wien Mitte Mitte und dem und tatsächlichen dem tatsächlichen

Stadtzentrum. Stadtzentrum.

Sie haben diesen Projekten zugestimmt und Ihre Unterstützung zugesagt.

Sie haben diesen Die Projekten zuständigen Magistratsabteilungen zugestimmt und wollen Ihre nun davon nichts wissen zugesagt.

und lehnen ab, weiter

Die zuständigen darüber Magistratsabteilungen zu verhandeln. Stattdessen wollen werden dem nun MAK davon und der nichts Universität wissen für angewandte und lehnen es ab, weiter

Kunst kitschige Reproduktionen von alten Straßenlaternen vor die Türe gestellt, ohne

darüber zu verhandeln. Diskussion, Stattdessen ohne Argumente. werden Einfach so. In dem guter MAK alter Tradition. und der Universität für angewandte

Kunst kitschige Reproduktionen Wir wenden uns an die Öffentlichkeit, von alten weil Straßenlaternen dieses Vorgehen Methode vor hat! die Künstler Türe und gestellt, ohne

Kultureinrichtungen legen Projekte vor, denen vorgeblich zugestimmt wird. Dann sorgt man

Diskussion, ohne dafür, Argumente. dass sie in der Einfach Magistratsbürokratie so. In guter aufgerieben alter werden, Tradition. indem sich keiner mehr

Wir wenden uns zuständig an die fühlt. Öffentlichkeit, weil dieses Vorgehen Methode hat! Künstler und

Kultureinrichtungen Wir wenden legen uns Projekte an die Öffentlichkeit, vor, denen weil die vorgeblich Stadt es immer zugestimmt schon so gemacht wird. hat mit Dann ihren sorgt man

dafür, dass sie in kreativen der Magistratsbürokratie Kräften.

aufgerieben werden, indem sich keiner mehr

zuständig fühlt.

Sehr geehrter Herr Stadtrat Schicker,

Das MAK und die Universität für angewandte Kunst haben Ihnen Projekte für Ges

Beleuchtung ihres Außenraums präsentiert. Internationale Designer und Künstler

ausgewählt. Die Beleuchtungsprojekte werten die Ringstraße auf und schaffen die

nötige Verbindungsachse zwischen dem Neubauareal Wien Mitte und dem tatsäc

Stadtzentrum.

Sie haben diesen Projekten zugestimmt und Ihre Unterstützung zugesagt.

Die zuständigen Magistratsabteilungen wollen nun davon nichts wissen und lehne

Wir wenden uns an die Öffentlichkeit, weil wir gegen die systematische Ausgrenzung der

darüber zu verhandeln. Kreativität protestieren! Stattdessen werden dem MAK und der Universität für ang

Kunst Wir wenden kitschige uns an Reproduktionen die Öffentlichkeit, weil von die alten Stadt es Straßenlaternen immer schon so gemacht vor die hat Türe mit ihren gestellt, o

Diskussion,

kreativen Kräften.

ohne Argumente. Einfach so. In guter alter Tradition.

Wir

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uns

uns

Gerald an die

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Bast Öffentlichkeit,

die Öffentlichkeit,

Rektor Universität für weil angewandte wir gegen

weil dieses

Kunst die systematische

Vorgehen

Peter Noever Direktor Ausgrenzung

Methode

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hat! Künstle

Kultureinrichtungen Kreativität protestieren! legen Projekte vor, denen vorgeblich zugestimmt wird. Dann s

dafür, dass sie in der Magistratsbürokratie aufgerieben werden, indem sich keiner

zuständig fühlt.

Impressum:

Wir wenden uns an die Öffentlichkeit, weil die Stadt es immer schon so gemacht h

Universität für angewandte Kunst Wien; Für den Inhalt verantwortlich: Rektor Gerald Bast; Oskar Kokoschka-Platz 2, A-1010 Wien; Tel. (+43-1) 711 33 2160; F: +43-1-711 33 2169;

E-mail: pr@uni-ak.ac.at; Internet: www.dieangewandte.at

kreativen Kräften.

Gerald Bast Rektor Universität für angewandte Kunst

Peter Noever Direktor MAK

MAK ; Für Inhalt verantwortlich: Peter Noever, Direktor MAK; Stubenring 5, A-1010 Wien; Tel. (+43-1) 711 36-0; Fax (+43-1) 711 33 2169; E-Mail: office@MAK.at; www.MAK.at

Wir wenden uns an die Öffentlichkeit, weil wir gegen die systematische Ausgrenzu

Kreativität protestieren!


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VIII - Trans-TUTU ST/A/R / /R 57


58 ST/A/R

Buch VIII - Trans-TUTU

Nr. 13/2007

ich arbeite, zum nulltarif. das kotzti mich

an. ich brech euch das genick, und sag es

war ein missgeschick. mobilisiert euch!

es ist zu spät zum wetzen. alles wiederholt

sich -wir werden jeden tag neugeboren.

wir werden beschißen. von unten

nach oben. die zeit war stehen geblieben,

für einen moment der unruhe. bisl

schwach auf da brust, du hendl ficker.

scheiß schulterklopfer schwuchteln.

...alter server...

habe keinen dunst, von der kunst.und

wenn es ein wort für liebe gäbe, würde

ich´s euch nicht veraten. ihr ziehts

sowießo alles nur durch den dreck. lecktz

mich!

es gibt sprachen die kann keiner

verstehn, die mußt sprechen. das

wochenende bleibt grau. ich zieh euch

die kohle aus der tasche, so schnell

könnts gar nicht schaun. am liebsten

schnorr ich euch um chick an.

mit meinem falschen grinser, bin ich

immer live dabei. vertrau auf deinen killerinstinkt!

du daumenlutscher. gehörgeschädigter

flachwixer, du stadtbeidl. -gib

endlich auf!

please don´t strip her mind.

die zukunnft kann kommen, aber ich

werd´nicht mehr dabei sein. ich mach

da nicht mehr mit, beim- heal the

world-FUCK. heal yourself- bitch! ich

scher mich einen dreck um euch. euer

ist-zustand ist nur noch lächerlich, und

keine mühe wert. ich gebe mich geschlagen,

und habe euch aufgegeben wie

einen brief der nie ankommen wird. ich

komme in euren träumen, und wenn ihr

aufwachen solltet, werdet ihr mich längst

vergessen haben. der krieg ist aus. es ist

vorbei. wir haben es verabsäumt in der

gunst der stunde zu checken. wir sitzen

im selben boot. zum glück kann ich

schwimmen. nicht einmal eine fut kann

ich gscheit schlecken.

entweder es gibt ein nichts,

oder es gibt kein nichts.

aber es gibt sicher kein beides.

außer uns zwei.

wir teilen uns eine seele.

wie mann und frau.

Du dumme Sau.


Nr. 13/2007

Buch VIII - Trans-TUTU ST/A/R 59

ich den weg gehen muß- ich kann dich nicht mitnehmen, und

ich den weg gehen muß- ich kann dich nicht mitnehmen, und

lasse dich in einer welt zurück wo guter rat nicht überflüßig isthabe

die welt länger gesehen als du- spare dir denn vergebliche

mühe, und dir kein leid, und besinne dich dein.- halte dich zu

gut, böses zu tun.-hasse die theologischen kannengießer. scheue

niemanden so viel als dich selbst.- wenn du seine unschuld

ehrst, löset er gemach seine zunge und wird dir vernehmlicher

sprechen- nicht alle wolken tragen wasser. sorge für deinen

leib, doch nicht so, als wenn er deine seele wäre. gehorche der

obrigkeit, und laß die anderen über sie streiten.- misstraue der

gestikulation, und gebärde dich schlecht und recht. hilf und gib

gerne, und wenn du nichts hast, so habe den trunk kalten wassers

zur hand. -sag nicht alles was du weißt, aber wisse immer

was du sagst. -sitze nicht dort wo die spötter sitzen, den sie sind

die elendsten unter allen kreraturen.


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VIII - Trans-TUTU

ST/A/R 61

waran2705@yahoo.de

-psychonnauten- kosmoproleten-ich liebe moneten

-schweigepflichtschulen- kindergärtner, baumschüler

Die Frauen können einen fertig machen, damit das nicht passiert gib dich

geschlagen in allen Lagen. Schwanz ab – runter mit der Männlichkeit –

fick dich ins Knie. Mein Schwanz läutet alle 2 Minuten – mein Arschloch brennt

und Lola rennt.

0650/4989086

inthemaze@gmx.at


Nr. 13/2007

Buch VIII - Trans-TUTU ST/A/R 59

ich den weg gehen muß- ich kann dich nicht mitnehmen, und

ich den weg gehen muß- ich kann dich nicht mitnehmen, und

lasse dich in einer welt zurück wo guter rat nicht überflüßig isthabe

die welt länger gesehen als du- spare dir denn vergebliche

mühe, und dir kein leid, und besinne dich dein.- halte dich zu

gut, böses zu tun.-hasse die theologischen kannengießer. scheue

niemanden so viel als dich selbst.- wenn du seine unschuld

ehrst, löset er gemach seine zunge und wird dir vernehmlicher

sprechen- nicht alle wolken tragen wasser. sorge für deinen

leib, doch nicht so, als wenn er deine seele wäre. gehorche der

obrigkeit, und laß die anderen über sie streiten.- misstraue der

gestikulation, und gebärde dich schlecht und recht. hilf und gib

gerne, und wenn du nichts hast, so habe den trunk kalten wassers

zur hand. -sag nicht alles was du weißt, aber wisse immer

was du sagst. -sitze nicht dort wo die spötter sitzen, den sie sind

die elendsten unter allen kreraturen.


62 ST/A/R

Buch VIII - Trans-TUTU

Nr. 13/2007

sista rude

ich bin schon wieder drinnen. das grauslichste ist wenn eine muschi nach nix riecht, und das

arschloch nach pfirsich. dann kommt mir persönlich das kotzen. da muß was nach scheiße riechen,

damit ich überhaupt geil werde. die brokerln ausse schlecken. verstehst, die zeit verlangt danach,

weil vorher einfach nix wahr. capise. glasige augen. mein rekord waren hundert chick am tag. mein

schweigen wurde erhört. fly emirates.

still schweigen statt laut denken. als ob es daß wert wäre. hirntod überlebt. im normalfall werden

träume war. wie beschütze ich die welt vor mir selbst? wie werde ich mein mich loß, ohne mich

davon zu trennen? wie alt können baby´s werden? aber um bei der wahrheit zu bleiben:

vergewaltigt euch weiter gegenseitig, und spürt die sinnhaftigkeit die ihren halt verloren hat. alles

ist wie es sein soll, aber es könnte durchaus anders sein. ich denke du kommst zurecht, und ordnung.

es ist meine schuld zweigleisig zu gehen. aber deine früchte werden kinder tragen, und deine

wurzeln versteinern, um die welt erstarren zu lassen. -das kühl von unten das mich niemals erfrieren

lassen wird. um auszubrechen aus diesem teufelskreis bedarf es keiner großen kraftanstren-

gung. was du mir gezeigt hast war nicht von dieser welt. je tiefer ich in mich gehe , desto mehr Falle

ich in ein loch.


Nr. 13/2007

Buch VIII - Trans-TUTU ST/A/R 63

wer war froh , dass es Dich gab?

Egal, ob man es mag, doch es kommt der Tag

wo einer fragen wird, was den Menschen an dir lag.

Drum stell´ Dich seinem Blick,

versuche keinen Trick,

Du lügst dir keinen Fluchtweg frei ins Grab.

Er lässt Dir keine Ruh´, fragt unerbittlich:” Du , gib mir Antwort, wer war froh, dass es Dich gab?”

Und du, du blickst zurück, betrachtest dein Geschick,

ein Scheiterhaufen, der geduldig brennt.

Jedes Wort zerbricht, doch trifft´s die Sache nicht,

Visionen, die man fürchtet und erkennt.

Die Gesichter Deiner Lieben durch die Zeit,

verdunkelt und umwölkt von Traurigkeit.

Gib mir Antwort ...

„Hörts’

endlich auf

zu saufen!“

Bitte! Danke.


64 ST/A/R

Buch VIII - Trans-TUTU

Nr. 13/2007

BEIM ONANIEREN

DAS ATMEN NICHT

VERGESSEN!!

...und ein Taschentuch bereit halten


Städteplanung / Architektur / Religion

Wiener Aktionismus

Buch IX - Wendy & Jim ST/A/R 65

mir@lo-res.org

Fotos: Theo Altenberg

Theo Altenberg


66 ST/A/R

Buch IX - Wendy & Jim Nr. 13/2007

„Radikal-positiv vs. aggressiv“

Interview mit Wendy & Jim

von Mirjana Rukavina

Letzten Sommer ist ein großer,

dünner Mann mit blonden Haaren

in weißen Jeans langsam und

abwesend durch den Hof im Museums

Quartier gewandert. Das war „Jim”. Ich

war zu dieser Zeit Artist in Residence im

Museums Quartier und die Idee für dieses

Interview entstand.

In den letzten Jahren haben Wendy & Jim

mit ihrer avantgardistische Mode international

auf sich aufmerksam gemacht. Und

wenn „die Avantgarde immer gefordert

hat, Kunst ins Leben und das Leben in die

Kunst zu bringen.“ (Gertraud Lechner);

dann sind Wendy&Jim sicher diejenigen

die das schaffen.

Wendy & Jim ist als Modelabel seit 1997

in Wien tätig und arbeitet sowohl im

Mode- als auch im Kunstkontext. In diesen

beiden Kontexten zuarbeiten trifft nicht

nur den Zeitgeist in der Mode [z.B Junya

Watanabe (Japan), Fabric Interseason

(Wien)] sondern auch in der Musik/Kunst/

Film/Theater/Architektur/Design…gibt

es wieder fließender Übergänge und

neue Kategorien die dazwischen liegen

entwickeln sich.

Die Köpfe die hinter den Modeduo

stecken sind Helga Schania und Hermann

Fankhauser. Beide haben bei Helmut

Lang an der Universität für Angewandte

Kunst in Wien studiert und sind seit

1998 als Modelabel tätig. Neben kontinuierlichen

prêt-à-porter Teilnahmen in

Pariser erarbeiten Wendy und Jim auch

gerne eigene Kollektionen und künstlerische

Projekte wie Installationen und

Performances die in Galerien und Museen

gezeigt werden.

Mirjana Rukavina: „Personal Jesus“,

„Risk“, „Memories“…sind Titeln eure

Modekollektionen, können aber auch

Titeln künstlerischer Projekten sein. Wie

weit spielt euer interdisziplinärer bzw.

transdisziplinärer Ansatz von Kunst bei

der Entwicklung eurer Kollektionen eine

Rolle?

W&J: Wir verwenden gerne einen

Arbeitstitel für unsere Kollektionen. Es ist

so leichter, Dinge und Ideen zu sammeln

und zu prüfen, ob sie passen, oder nicht.

Relativ häufig arbeiten wir mit Slogans

oder Titeln aus der Musik.

Wenn der bekannte Modefotograf Nick Knight

(Showstudio, London) ein Pferd schlägt und

quält für das Video- und Editorial shooting

wird dies von der Modewelt als innovativ

und schockierend gefeiert; im Wiener

Aktionismus und z.B. bei Herman Nitsch

ist diese visuelle Sprache schon seit den 60er

Jahren bekannt. Wenn Martin Margiela

eigene Modekollektion in Theater gezeigt hat

und Models zwischen das Publikum gesetzt

hat, waren Leute (und sind noch immer) tief

berührt. Wir wissen aber, dass das schon lang

bekannte Regiekonzepte und Begriffe aus dem

Theater sind. Missbraucht Mode vielleicht

Kunst, was denkt ihr?

W&J: Das Modepublikum ist manchmal

sehr einfach zu beeindrucken und bei

einigen Designern genügt schon eine

Pyro-showeinlage, um von sich reden zu

machen. Aber meistens halten wir das

für Ablenkungsmanöver weil die Mode

schlecht ist. Ich glaube, dass Mode einen

anderen „Sockel“ hat als Kunst, dass der

Filter des Publikums ein anderer ist, und

deshalb können gleiche in Kunst und

Mode völlig verschieden gelesen werden.

Die gleiche Aktion ist einmal Kunst, ist

aber in der Mode nur Beiwerk eine Krücke

oder einfach ein Showeffekt.”

Ihr entwickelt vorwiegend Männer

Kollektionen. Aus der Perspektive der Modefotografin

sehe ich es als eine viel größere

Herausforderung sich mit Männerkollektionen

international in der Mode zu positionieren.

Warum habt ihr euch den „Mann“ als

Hauptprotagonist ausgesucht?

W&J: Uns fällt die Beschäftigung mit

Männermode leicht, weil wir gerne

„grob designen“ und uns eher schwer

tun mit sehr feinen Details. Wir sind

Outline Designer, uns interessiert die

gesamte Haltung, die Ausstrahlung

der Kollektion und die Modernität der

Silhouette manchmal mehr als winzige

Details oder feine Veränderungen. Für die

perfekte technische Umsetzung haben wir

Fachleute. In der Mode für Frauen geht

es oft ums Verzieren und das ist nicht so

sehr unser Metier.

Die Designer N. Ghesquiere / Balenciaga

„… like to confuse people, to throw them slightly

off balance“. Bei eurer Kollektionen spüre ich

auch Rebell, das passt eigentlich sehr gut zum

japanischen Markt, wo ihr auch verkauft.

In Japan wo Traditionalismus und hoch

entwickelte Technologie stark im Kontrast

stehen, sind die Ausdrucksformen von jungen

Leuten auch viel rebellischer „motiviert“.

Welches Bild, welchen Identifikationspunkt

oder Schein vermittelt ihr?

W&J: Es ist schwierig für uns selbst

zu wissen, wie wir in Japan wirken.

Jugendliche tragen dort sehr viel und gerne

unsere Kleidung. Unser Anspruch ist

radikal und positiv aggressiv. Ob es jedoch

in Japan so gelesen wird… Ich glaube,

wir stehen mit unserem klaren Design

in Kontrast zu den sonst so überladenen

Kleidungsstücken und zum Über-Design

in der japanischen Welt und das fällt auf.

Die Studienrichtung Modedesign auf der

Universität für angewandte Kunst in Wien,

wird schon seit einiger Zeit von belgischen

DesignerInnen vertreten. Einmal hat

mir eine Studentin aus dieser Klasse in

Wien erzählt, italienische DesignerInnen

können Studierende dieser Klasse nicht mit

Bewunderung erfüllen. Die Modeszene in

Wien ist hochgradig vom belgischen Design-

Phänomen beeinflusst. Warum gerade

belgisches Design?

W&J: Da handelt es sich um eine

aufstrebende Gruppe einer jüngeren

Designergeneration, die schon erfahren

und bekannt genug sind, als Professoren

zu arbeiten, andererseits aber auch noch

genug Zeit dafür haben, die vielleicht

den bekannten anderen Designern schon

fehlt.

Die Wiener Modeszene beobachte ich

als fleißigen „Info pool“. Die Mode-

Produzentinnen bemühen sich sehr oft

darum, eine Aura von konzeptuellen

Intellektualismus in ihren Kollektionen zu

verbreiten. In euren Kollektionen vermisse

ich nicht „Eros, Beauty & Flair“. Welches

Verhältnis habt ihr zu italienischen und/oder

französischen Mode-Design?

W&J: Wir haben auch manchmal das

Gefühl, dass das Wiener Design sehr

verkopft und theoretisch ist, so wie der

italienische Menschentyp von Designern

eher kurvig, die Mode eher sexy ist.

Aber das sind Vorurteile, es gibt fast in

jedem Land auch einen Designer, den

wir persönlich sehr schätzen. Wir haben

uns bewusst dazu entschieden, unsere

Kollektionen in Paris zu zeigen und nicht

in New York oder Mailand. Paris steht für

die Offenheit der Avantgarde und Kunst

gegenüber.

Eure letzte Kollektion „ss07“(Spring/

Summer) hat mich sehr beeindruckt und

in „andere Welten“ bewegt. Eine eurer

Kollektionen heißt „new shit“. Habt ihr

irgendwann von Mode genug und wollt

ihr noch etwas anderes mit euren Leben

machen?

W&J: Danke! wahrscheinlich werden wir

nie etwas anderes machen, Mode können

wir am besten.

Mirjana Rukavina.

Künstlerin und Modefotografin.

Siehe auch Seite 68 & 71


Nr. 13/2007 Buch IX - Wendy & Jim

ST/A/R 67


Städteplanung / Architektur / Religion Buch IX - Wendy & Jim ST/A/R 69

PRISONERS’ INVENTIONS

BY ANGELO & TEMPORARY SERVICES

This project was a collaboration with Angelo, an incarcerated artist. He illustrated

many incredible inventions made by prisoners to fill needs that the

restrictive environment of the prison tries to supress. The inventions cover

everything from homemade sex dolls, condoms, salt and peper shakers to

chess sets. We collaborated on this project with Angelo for over two years. We

had many additional collaborators who made a book, exhibition of re-created

inventions and a prison cell possible.

“When first approached with the idea of illustrating examples of inmate inventiveness,

I was skeptical, thinking that there would be little of real interest

to depict. When I set my mind to the task, though, I recognized the surprising

range of inventions and innovations that I had witnessed. I had just become

so used to it all that the uniqueness no longer registered.”

The drawing and the image

are a part of the recreation

of Angelo’s cell. Angelo

measured his entire cell, and

made the drawing, so that a

copy could be built.

copyright 2002 K.Kennefi ck

Foto: Mirjana Rukavina, Model: Patricia Kaiser-AMT (www.amtvienna.com) , Bildnachbearbeitung: Iztok Brodnjak

Mirjana Rukavina ist Künstlerin und Modefotografin. Ihr fotografisches Auge und konzeptuelles Verständnis von Popkultur wird ihr sowohl als Modefotografin wie als Videokünstlerin die Türen in beiden

Genres weit öffnen. Ihre Videos wurden bei den internationalen Filmfestivals (Diagonale Graz, Austria; Zero Visibility Festival of Electronic and Arts, Vilnius, Rome & Ljubljana; The 6th Element Latvian Center

for Contemporary Art Riga, Latvia; Kyoto Biennale Goethe Institute Kyoto, Japan; Alternative Video Film Festival Belgrade, Serbia; Vidarte Festival Internacional de Video y Artes Electrónicas, Mexico City, Mexico)

gezeigt. Für das slowenische Staatsfernsehen (RTV SLO) produzierte sie die monatliche TV-Sendung „Terminal“, über audio-visullen Kulturen und der digitalen Medien in Kunst. Ihre Video und Photo-Installationen

waren in Museen und Galerien in Slowenien, USA, Österreich, England und Deutschland vertreten. Sie lebt in Wien und Maribor/Sl und hat an der Akademie der bildenden Künste in Wien Malerei

studiert.

www.mirjanarukavina.net

Mirjana Rukavina

Mirjana Rukavina

Installation view at MASS MOCA PRISONERS’ INVENTIONS,

Angelo & Temporary Services 2004

http://www.temporaryservices.org

This page offers an overview of the project thus far.


70 ST/A/R

Buch IX - Wendy & Jim Nr. 13/2007

TEMPORARY SERVICES

GROUPS AND SPACES

www.groupsandspaces.net is a web site maintained

by Temporary Services, a group of three

people based in Chicago. It lists the names and

locations of a variety of groups from all over

the world. Temporary Services ressurrected

the site as a research tool to develop a list of

groups to include in their book Group Work

(Printed Matter, 2007). They continue to add

to the Groups and Spaces database and keep it

active to benefit all those interested in group

work culture. This is an excerpt of what can be

found on Groups and Spaces. Please send your

additions and updates to Temporary Services:

servers@temporaryservices.org

Groups of 3 or more persons in art or artsrelated

collaboration

#:

0100101110101101.org

24/7 - Various locations

The 8th of March - Bulgaria

16 Beaver Group – New York, NY

The 404 - Canada, UK and US

A:

AAA Corp. - Marseille, France

A-Clip – Berlin, Los Angeles, London

Action Against Racism in the Arts (1978-1981) - NY, NY

Actual Size Artworks - Wisconsin

AES – Moscow, Russia and Brooklyn, NY

African Commune of Bad Relevant Artists (AFRICOBRA) - Various

locations

Las Agencias – Madrid, Spain

Allegoric Postcard Union – Utrecht, Netherlands

An Architektur – Berlin, Germany

Ant Farm (1968-1978) – San Francisco, CA

Anti Gravity Surprise – Chicago, IL

ARC group – London, UK

Archigram - London, UK

Arde Arte – Argentina

Art & Language – Coventry, UK

Art in Hidden Places of Falmouth - Falmouth, UKArt Kits International

- Bristol, UK

Art of Change

Art Positive - Madison, WI

Art Strike Action Committees (ASAC) - San Francisco, CA and

Baltimore, MD, USA; London, UK; Allihies, County Cork, Ireland;

Montevideo, Uruguay

Artist Placement Group – London, UK

Artists’ Call against Intervention in Central America (1983-1986)

- Chicago, New York and other cities

Artists for the Homeless

Artists Meeting for Cultural Change (AMCC) (1975-1978) - NY,

NY

The Artists Village, Singapore - Singapore

Artworkers Coalition (1969-1971) – New York, NY

a.titolo - Torino, Italy

B:

Bank – London, UK

BankMalbekRau – Copenhagen, Denmark

BASEKAMP – Philadelphia, PA;

Beige

Bernadette Corporation – New York, Berlin

Be something - Brooklyn, NY and other location;

Big Hope - Berlin, Germany and Budapest, Hungary

Big Tail Elephant - Guangzhou, China

BijaRi – São Paulo, Brazil

BGL - Montreal, Canada

Black Emergency Cultural Coalition (Begun in 1968) - NY, NY

BLOC (Build, Learn, Organize, Create) - Troy, NY and other locations

Blue Noses – Various cities in Russia

Boat People - Sydney, Australia

Booklyn - Brooklyn, NY

Border Art Workshop/Taller de Arte Fronterizo - San Diego, CA

Boyle Family – London, UK

Bread & Puppet Theater - Glover, Vermont

Buga Up (Billboard Utilizing Graffitists Against Unhealthy Promotions)

(1980-?) - Sydney, Australia

Bureau D’Etudes – Paris and Strasbourg, France

C:

Calc (Casqueiro Atlantico laboratorio cultural) - Navia - Asturias,

Spain

c.cred (Collective CREative Dissent) - London, UK

CAMEL - NY, NY

Campbaltimore - Baltimore, Maryland

Carbon Defense League - Pittsburgh, PA

Career Day Team - Chicago, IL

Carnival Knowledge (1982 -1984/5) - NY, NY

Los Carpinteros - Havana, Cuba

Center for Land Use Interpretation - Culver City, CA

Center for Parascientific Research - Various locations

Center for Urban Pedagogy (CUP) – NY, NY

Chance of Showers - Chicago, IL

CHAos (2005) - Chicago, IL

Chicago County Fair - Chicago, IL

Chicago Teaching Artists Collective - Chicago, IL

Civic Studio - Grand Rapids, MI

CLUBSProject - Melbourne, Australia

COLAB (Collaborative Projects, Inc.) (started in 1978) – NY, NY

Collective Actions (late 70s / early 80s) - Moscow, Russia

Colectivo Cambalache - various locations

Colectivo Muralista Brigada Ramona Parra - Chile

Common Places & Center for Getting Ugly - Tampa, FL

Commons Service Group - Grenoble, France

Conservas - Barcelona, Spain

Contra Filé - São Paulo, Brazil

Copenhagen Free University – Copenhagen, Denmark

Cremer Projects - London, UK

Critical Art Ensemble - various locations

Criticalartware - Chicago, IL

Crveni Peristil - Croatia

Cuckoo - Auckland, New Zealand

Culture and Conflict Group - Dublin, Ireland & NY, NY

D:

Damp - Melbourne, Australia

Danger Museum - Asia and Europe (according to their web site)

Deflowered Collision - Bangkok, Thailand, Stuttgard, Germany, Boston,

USA and Caracas, Venezuela

Department for Public Appearances - Munich, Germany

The Department of Ecological Authoring Tactics, Inc. (DoEAT) - San

Diego, CA

Derivart - Barcelona, Spain

Dispute Resolution Services (1990s) - Los Angeles, CA

DOC - Rio de Janeiro, Brazil

Dumbeyes - Milwaukee, WI

Duplus - Argentina

Dynamite - Grand Rapids, MI & Champaign/Urbana, IL

E:

echo system - Pittsburgh, PA & Los Angeles, CA

Den Eksperimenterende Kunstskole (The Experimental Art School)

(1961-1968) – Copenhagen, Denmark

Electronic Disturbance Theater (also called Electronic Civil Disobedience)

Empiracy - Cincinnati, OH and NY, NY

End of the Ladder - Chicago, IL

EPOXY Art Group (1982-1988) - NY, NY

Escape Program - Moscow, Russia

Etcetera Collective - San Diego, CA

Everyday Places - Ann Arbor and Detroit, MI

e-Xplo - NY, NY

EXZYT - Paris, France

F:

Factory of Found Clothes (Gluklia, Natalia Pershina and Tsaplya,

Olga Egorova) - St. Petersburg, Russia

Fallen Fruit - Los Angeles, LA

Fakir - Mexico City, Mexico

The Family (also known as Black Mask or Up Against the Wall,

Motherfucker) (1960s and 1970s) - NY, NY

Feel Tank - Chicago, IL

Feminist Art Workers - Los Angeles, CA

Flat Pack 001

Fluid Movement - Baltimore, Maryland

Fluxus

Flying City - Seoul, South Korea

Forced Entertainment - Sheffield, UK

Forcefield - Providence, RI

Free Soil - various locations

Free Walking - Chicago, IL

Freud’s Dream Museum - St. Petersburg, Russia

Friends of William Blake - NY, NY

Future Farmers - various locations

G:

Galeria Chilena (started as a nomadic space, but became a group)

- Santiago de Chile and NY

General Idea

Gelitin - Vienna, Austria

Goat Island - Chicago, IL

Gob Squad - Nottingham, UK & Berlin, Germany

Gorgona - Zagreb, Croatia

Glowlab - Brooklyn, NY

G-Rad - Grand Rapids, MI

Gran Fury - NY, NY

Group Material (1979-1996) - NY, NY

Group of Six Artists - Zagreb, Croatia

Grupo Cronica y Lolas_Cronicas - Tucuman, Argentina

Grupo Empreza - Goiânia, São Paulo and Macapá, Brazil

Grupo Poro - Belo Horizonte, Brazil

Grupo Um - Rio de Janeiro, Brazil

Grupo Urucum - Macapá, Brazil

Gruppo A-12 - Genova, Italy

Gruppo Parole e Immagini - Schweiz, Switzerland

Grupo de Arte Callejero - Buenos Aires, Argentina

Guerilla Art Action Group (GAAG) (1969-1976) - NY, NY

Guerilla Girls - NY, NY

Guerrilla Art Action Group (1969-1976) - NY, NY

H:

Haha - Chicago, IL & Cambridge, MA

The Haide Group - Russia

Hay! Market Research (2002) - Chicago, IL

Heavy Trash - Los Angeles, CA

A Home For Clouds - online art community

Henry the Eighth’s Wives - UK

I:

Icelandic Love Corporation - Reykjavik, Iceland

ICOLS (International Corporation of Lost Structures) - Various

locations

iKatun - Boston, MA

Illegal Art - NY, NY

Incident.net

Instant Coffee - Toronto & Vancouver, Canada

Institute for Advanced Architecture - NY, NY & Chicago, IL

Institute for Applied Autonomy - various locations, United States

Institute for Infinitely Small Things - Boston, MA

Institute of Failure - Chicago, IL and Sheffield, UK

Intermedia - Vancouver, Canada

International Corporation of Lost Structures - various locations

International Curators Program Antwerp (ICPA) - Antwerp,

Belgium

International Movement for an Imagist Bauhaus (IMBD)

InterReview - Los Angeles, CA

Intersystems (late 60s / early 70s) - Toronto, Canada

in_versor - Porto Alegre and Rio Grande do Sul, Brazil

The Invisible Inc. - Sydney, Australia

Irwin - Ljubljana, Slovenia

K:

Kannonklubben (1967-1968) - Copenhagen, Denmark

Kill Your Television (KYTV) - Singapore

King Mob – London, UK

Kleines Postfordistiches Drama - Germany & Switzerland

KNEKTIV - Cleveland, OH

Knifeandfork - Los Angeles, CA and NY, NY

KOD (1970s) - Novi Sad, Serbia

Kultainen timantti (Golden diamond) - Various locations in Finland

L:

Laboratorio curatorial 060 - Mexico City, Mexico

Laboratory of Insurrectionary Imagination - London, UK

LAPD (Los Angeles Poverty Department) (1985) - Los Angeles,

CA

Late Night Off-Center - Sautee Nacoochee, GA

Law Office - Chicago, IL

Learning Group - various locations

Leipziger Kamera - Leipzig, Germany

LIGNA - Hamburg, Germany

Liminal Performance Group - Portland, Oregon

Little Warsaw - Budapest, Hungary

Los Angeles Urban Rangers - Los Angeles, CA

Love and Devotion - Umeå, Sweden

LTTR - Brooklyn, NY

Lucky Pierre - Chicago, IL

Lumpen - Chicago, IL

M:

Madame Binh Graphics Collective (1975-1985) - Chicago, IL,

Jersey City, NJ and NY, NY

Makrolab - Ljubljana, Slovenia and other locations

Maj 75 - Croatia

Manoa Free University - Vienna, Austria

Map3 - US & Italy

Material Exchange - Chicago, IL

Medical Hermeneutics - Moscow, Russia

Meme-Rider Media Team - Anchorage, Eugene, Tampa, New York,

London and New Brunswick

Mess Hall - Chicago, IL

Milhaus - Milwaukee, WI

Mobilivre-Bookmobile – Montreal, Canada and Philadelphia, PA

MORPH - Budapest, Hungary

Moscow Portraits - Serbia, Montenegro, USA, Slovenia, Croatia

and Russia

The M.O.S.T. - Portland, OR

Moxie - Dublin, Ireland; www.moxiedublin.blogspot.com

MPD Export - The Netherlands & Switzerland

Muhomor - Moscow, Russia

Multistory Complex

N:

N55 - Copenhagen, Denmark

Neasden Control Centre - London, UK

NeMe - Cyprus

Neue Slowenische Kunst (NSK) - Ljubljana, Slovenia

New York Correspondence School (1962-73) - New York, NY

Next Question - Alfred and Brooklyn, NY

New Beginings - Malmoe, Sweden

Newsense enterprises - Cleveland, OH

New Stupids - St. Petersburg, Russia

Nomads + Residents - Various locations

Northland Poster Collective - Minneapolis, MN

Nsumi - NY, NY

NYC Surveillance Camera Players - NY, NY

O:

Ocular Lab - Melbourne, Australia

Oda Projesi - Istanbul, Turkey

OHO Group (1966-1971) - Slovenia

OODA Group - Midwest, United States

Otabenga Jones & Associates - Houston, TX

Otolab - Milano, Italy

Otto - Copenhagen, Denmark

P:

p-10 - Singapore

PAD/D ((Political Art Documentation/Distribution) (1980-1988)

- NY, NY

Pages - Tehran, Iran

Paper Rad - Easthampton, MA

Parfyme Deluxe – Brooklyn, NY and Copenhagen, Denmark;

Park Fiction - Hamburg, Germany

People’s Republic of Delicious Foods - Chicago, IL

pFARM - Woodstock, NY

People Interested in Making Psychogeography Sexy (PIMPS)

- Tempe, AZ

Pink Bloque (2001-2005) - Chicago, IL

Planning and Spontaneity (PIPS) - Providence, Rhode Island

The list continues online. A second list of

groups of 1 or 2 people can also be found at

www.groupsandspaces.net.


Nr. 13/2007 Buch IX - Wendy & Jim

ST/A/R 71

A COFFEE WITH A SCULPTURE

„WHAT’S MODERN ART, WHAT’S PRIMITIVE ART”

BY ELISABETH PENKER AT THE Café Savoy

Linke Wienzeile 36, 1060 Wien, Mo. - Fr. 17-02h, Sa. 09-02h

Idee: Elisabeth Penker / Foto: Mirjana Rukavina / Model: Lisa Gassner - AMT (www.amtvienna.com)/ Modedesign: Awareness & Consciousness / Bildbearbeitung: Brodnjak


72 ST/A/R

Fotobeitrag von Theo Altenberg

Buch IX - Wendy & Jim Nr. 13/2007

Harald Szeemann aktiv

Joseph Beuys am Friedrichshof

Fotos: Theo Altenberg


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch X - Aktuelle Kunst 01 ST/A/R 73

KOWANZ

GRAF

KOWANZ GRAF

Ausstellung von 13. April 2007 bis 30. Juni 2007

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 15.00 bis 18.00 Uhr

Samstag, 10.00 bis 13.00 Uhr

Galerie Julius Hummel

A-1010 Wien Bäckerstraße 14 Tel. 5121296 Fax 51212964 galerie.hummel@chello.at


74 ST/A/R

Buch X - Aktuelle Kunst 01 Nr. 13/2007

Neue Galerie für junge Kunst in Linz eröffnet

Die Galerie Simone Feichtner wurde Beginn 2007 eröffnet und hat mit drei Ausstellungen ein interessantes Spektrum

geboten: SOME PORTRAITS, SOME LANDSCAPES, Arbeiten von Paul Kranzler und Andrew Phelps; ENTBEHRUNGEN DER

VORKRIEGSZEIT, Präsentation und Performance von Ben Ross; ALLE TAGE WIEDER, Arbeiten von Lisi Schörghofer

Performance Ben Ross, Oma Ross alias Adele Bloch Bauer

Thomas Redl: Was waren deine Beweggründe, die dich

dazu veranlasst haben eine Galerie zu eröffnen und

warum wurde der Standort Linz gewählt?

Simone Feichtner: Ich wollte nach dem

Studium in Linz bleiben. In Linz gibt es neben

der Kunstuniversität einige beachtenswerte

Kulturfesitvals, Museum- und Kunstprojekte,

wie das AEC, das Lentos oder die Landesgalerie,

ist aber ist mit „richtigen“ Galerien nicht gerade

überversorgt. Für mich ist diese Galerie ein Sprung

ins kalte Wasser, aber in Linz ist, meiner Meinung

nach, jetzt der richtige Zeitpunkt ein solches Projekt

anzugehen. 2009 ist Linz Kulturhauptstadt Europas,

da wird sich vieles Bewegen und wo auch die Galerie

miteingebunden sein wird.

Hinter dieser Galerie steht kein primäres monetäres

Interesse. Ich möchte meine Künstler seriös begleiten

und sehe mich als Partner nicht als Kunst-Händler.

Mir macht es unglaublichen viel Spaß mit Künstlern

gemeinsam für die Galerie Projekte zu entwickeln. Da

ist viel Spannendes in arbeit.

Thomas Redl: Was ist die Programmatik und

Ausrichtung der Galerie?

Simone Feichtner: Junge zeitgenössische Kunst,

es geht darum mit Künstler zu wachsen. Mir ist

es wichtig ein sehr freundschaftliches Verhältnis

zu den Künstlern zu pflegen, die ich vertrete. Wir

probieren jetzt ein paar Sachen aus, aber ich möchte

mich nicht auf nur ein Medium wie Malerei, Video

oder Fotografie festzulegen, da viele junge Künstler

interdisziplinär arbeiten. Die Qualität der Arbeiten

muss stimmen, generell lassen die Räumlichkeiten

alles zu und ich bin für alles offen.

So hatten wir eine spektakuläre Performance mit

Ben Ross und eine viel beachtete Fotoausstellung mit

Andrew Phelps und Paul Kranzler.

Thomas Redl: Die Galerie besteht seit Jänner 2007,

und es waren bis jetzt drei Ausstellungen. Wie sind die

Reaktionen? Welche Künstler vertritt die Galerie und

welche Medien sind zu sehen?

Simone Feichtner: Die Eröffnungsausstellung war mit

den preisgekrönten Fotografen Andrew Phelps und

Paul Kranzler. Die Reaktionen waren überwältigend

und durchwegs positiv. Ehrlich gesagt habe mit einem

so großen Interesse und so toller Unterstützung der

Medien aber auch andere Kulturinstitutionen und

Galerien nicht gerechnet. Das gibt mir das Gefühl,

dass Linz auf so eine Galerie gewartet hat.

Thomas Redl: Was ist die Zukunftsvision der Galerie?

Simone Feichtner: Begleitend zu unserm

Ausstellungsprogramm sind einige Publikationen in

Arbeit. Messebeteiligungen sind geplant.

Ich freue mich ganz besonders auf die Ausstellung

von Haruko Maeda, einer japanischen Künstlerin.

Haruko hat sich jetzt seit über einem halben Jahr

intensivst Vorbereitet und ganz neue Arbeiten für die

Galerie Simone Feichtner produziert. Die Eröffnung

ist am 11. Mai 2007.

Galerie Simone Feichtner

Hirschgasse 17 | 4020 Linz | Tel.: +43(664)5088584

mail@galeriefeichtner.at | www.galeriefeichtner.com

Öffnungszeiten: Di.–Fr. 12–18 Uhr; Sa. 11–16 Uhr

Paul Kranzler, Land.Jugend, 2004, Baryt-Print, 100 x 130 cm

Andrew Phelps, ohne Titel, 2005, C-Print, 40 x 50 cm

Haruko Maeda, Pet III 2007, Öl auf Leinwand, 190 x 145 cm


Nr. 13/2007 Buch X - Aktuelle Kunst 01

ST/A/R 75

Galerie Brunnhofer zeigt Moritz Götze

Ausstellung „Harte Schule“ bis 04.05.2007 – Linz / VIENNAFAIR 07 – Stand A 1416

Unterwegs III, 2007, Öl auf Leinwand, 80 x80 cm

weitere Ausstellungen

31.03.07 - 12.05.07 Aurelia Gratzer, Christoph Schirmer, Christoph

Schmiedberger in der Mark Moore Gallery - Los Angeles - CA

08.05.07 - 29.06.07 “Live and work in USA”, John Flack, Jennifer

Nehrbass, Alison Schulnik, Ali Smith, Simon Willems, Cindy Wright.

13.09.07 - 27.10.07 Ivo Lucas (D)

06.11.07 - 07.12.07 Oliver Kropf (A)

Die Erstürmung (nach Anton v. Werner) - 2007, Emailmalerei, 180 cm

geplante Kunstmessen 2007

Art Los Angeles; Tease Art Fair - Köln; Liste Köln; Viennafair; KunStart-Bozen;

Berliner Kunstsalon; Kunst-Messe-Linz, Miami

Künstler der Galerie: Lucia Dellefant (D), Josef Danner (A), Moritz Götze

(D), Aurelia Gratzer (D), Ronald Kodritsch (A), Oliver Kropf (A), Ivo Lucas

(D), Inge Kracht (D), Christa Mayrhofer (D), Anton Petz (A), Birgit Sauer (A),

Christoph Schirmer (A), Manfred Schluderbacher (A), Elisabeth Sonneck (D),

Kurt Straznicky (A)

Galerie Brunnhofer /

A-4020 Linz, Hafenstraße 33 / fon +43(0)664/38 18 104 / art@brunnhofer.at / www.brunnhofer.at/galerie

SALON

FÜR

Di. - Fr. 14-19h

Mondscheing. 11

A-1070 Wien

KUNST

BUCH

Bernhard Cella | www.ostblick.at | Room Nr.7


Städteplanung / Architektur / Religion ST/A/R 77

Weltenkosmos Thomas Redl 2007, Tusche auf Papier


78 ST/A/R Nr. 13/2007

Buch X - Aktuelle Kunst 01

SELBSTTRAGENDE GEGENWARTEN

von Dr. Christian W. Denker

Das Idealisieren bestehe nicht, versichert

Nietzsche, in einem Abziehen oder Abrechnen

des Kleinen, des Nebensächlichen. Ein

ungeheures Heraustreiben der Hauptzüge

sei vielmehr das Entscheidende. Andere

Züge verschwänden darüber. Kunst gliche

einer rauschhaften Vergewaltigung der Dinge.

Nietzsche trifft einen wunden Punkt.

Zwar ist Kunst nicht immer gewalttätig,

aber die Dinge scheinen uns dennoch ausgeliefert

zu sein. Wir verwenden sie nach

unserem Gutdünken und denken uns oft

nichts weiter dabei. Doch manchmal schrecken

wir auf. Wohnt den Dingen nicht etwas

Geistiges inne - gar ein eigener Wille -,

der dann seinen Ausdruck findet, wenn wir

ihn nur bemerken? Kienzer verstreut Formen

in einer Gegenstandswelt, welche uns

ein schemenhaftes Bild unserer Selbst entgegenzuhalten

scheint. Aber ist der Schein

nicht trügerisch? Ist die Trennung zwischen

uns und den Objekten nicht vollkommen?

„Ohne Titel“, 1993, Glas, Silikon

Kämen wir den Dingen näher, würden wir

unseren Körper in ein Feuer werfen? Was

wir sind, erkennen wir nicht. Die Dinge und

wir selbst sind uns bestens bekannt und

doch bleibt eine Fremdheit, die bisweilen als

unüberwindlich erscheint.

Wir rätseln über die Welt, erforschen sie mit

besten Ideen und Gerätenwobei wir unsere

Selbstsicherheit riskieren. Vielleicht wundern

wir uns über die unbedenklichen Artgenossen,

denen Brecht eine glänzende Verdauung

und unfehlbare Urteile zuschrieb.

Denken die denn wirklich nicht über die

nächste Mahlzeit hinaus? Denken, das ist

eine seltsame Angewohnheit, die nicht immer

die Ergebnisse zur Folge hat, die wir

gerne hätten. Ganz im Gegenteil! Besonders

dann, wenn wir Gewissheit suchen, verunsichern

wir uns und unser Umfeld leicht.

Dagegen finden unsere Gedanken unerwarteten

Halt, werden sie in die undurchdringlichen

Nebel der freien Spekulation gelenkt.

Dort, wo Beständigkeit fehlt, entdeckt unser

inneres Auge die Landschaften der wilden

Fantasie. Manch einer fürchtet sich vor der

Reise in unbekannte Bereiche des Daseins,

aber wir alle verstehen die Metapher von

„Ohne Titel“, 1995, Spiegel, Glas, Lack

(Privatsammlung)

den „ewigen Jagdgründen“. Freude an der

Ungewissheit krönt die menschlichen Irrungen,

gibt ihnen Sinn und schmückt die

Brücke zwischen Gefühl und Verstand.

Abwesenheit, Auflösung, Ende und Tod

werden erträglich - entgegen der logischen

Einsicht. Unser Wissen über die Endlichkeit

unseres Lebens bringt uns den Dingen

näher. Kienzer: Das Material ist im Prozess,

es ist selbst flüchtig. Wo eben noch

Holz war, da stapelt sich nun Aluminium.

Wie im Rausche bewegen wir uns durch

den Raum: weinend, lachend, lebend. Es

ist doch alles ganz gediegen, die Dinge

sind doch wie sie sind und sie erscheinen

uns doch auch so! Aber der Zweifel an der

Beständigkeit der Welt bleibt doch. Ach,

könnten wir nur in das Innere der Dinge

hineinkriechen, um ihre Konstruktion zu

überprüfen! Bringt denn die Wissenschaft

hier keine Klarheit? Die Erfolge der Ausforschung

der Dinge sind gering, sie erinnern

an Bohrungen in Richtung auf den Erdkern:

ein oberflächliches Kratzen. Wer weiß

denn mit Sicherheit zu sagen, ob der Mann

im Mond nicht in Wirklichkeit 20 Kilometer

unter dem Schwarzen Meer Wohnung

bezogen hat? Wäre die Durchbohrung der

Erde zwischen den Polen gelungen, so bliebe

unser Wissen doch endlich. Wären die

Dinge aus Glas, so wären wir doch unfähig,

ihre innere Struktur zu begreifen („Ohne Titel“,

1993, Glas, Silikon, S. 104 oder „Hide

away“, 2002, 15). Das gilt übrigens genauso

für ihre äußere Struktur, also ihre Oberfläche,

welche unsere Körper erreichen und

sinnlich berühren. Sein, Selbst und Sprache

werden haltlos, je weiter unsere Sinne

in das Niemandsland der Grenze zwischen

uns und den Gegenständen vordringen. Wir

meinen wohl die Grenze überschreiten zu

können, aber tatsächlich bleibt sie uns unerkennbar.

Wir wissen nicht einmal zu bestimmen,

wo denn das Äußere sich von dem

Inneren trennt. Kunst stiftet hier Sinn. Wo

wissenschaftliche Erklärungen sich in Details,

Religion in spekulativer Metaphysik,

Geschichte in geistreichen Anekdoten verlieren,

da macht uns die Kunst deutlich, was

sich jeder Anschaulichkeit entzieht („Das

Innen-Außen-Problem, blau kariert“, 2003,

S. 18). Was wir zur Kunst erklären, ist umgeben

von einer Welt, in der wir Orientierung

gefunden haben. Die Welt ist wohl ein

bleibendes Rätsel, aber gemessen an dem,

was die Kunst uns bedeutet, ist diese Welt

in erklärbarer Ordnung. Vielleicht sind alle

Tatsachen hinfällig, vielleicht ist die Wahrnehmung

irriger Schein, vielleicht ist die

Suche nach Sinn ohne Bedeutung. Aber das

Schöne am Leben ist ja dies: Es geht einfach

weiter, jedenfalls im Augenblick. Die Gegenwart

trägt sich selbst. Die Dinge sind geordnet.

Unser Zweifel findet Widerstand in

Prozessen, die nicht von unserer Gegenwart

abhängen. Unsere Zweifel finden Widerstand

in der Kunst.

Die Welt mag so unerklärlich sein, wie die

Grenze zwischen uns und den Dingen unbestimmbar

ist. Aber die einfache Tatsache

das Menschen, Kunst zu schaffen, beweist,

dass uns eine Welt gegeben ist,in welcher

wir leben und formen. Die Dinge verändern

sich mit uns selbst. Sie sind geborgen in

unseren Personen und im Umgang mit den

Dingen kommen wir uns selbst näher. Den

willkürlichsten, mutwilligsten und fahrlässigsten

Umgang mit der Welt vermag die

Kunst zu erfassen. Die Trennung zwischen

sinnvollen Feststellungen und unverständlichem

Quatsch findet hier ihren Ort („Ex

Kathedra“, 1993, S. 127).

Der Gegensatz zwischen uns und den Dingen

wird durch die Kunst nicht überwunden.

Zwar berührt Kunst einerseits unser Inneres

(und zwar das, über was wir mit Wittgenstein

besser schweigen). Andererseits ist die

Skulptur ein Ding, ist ein Ding, ist ein Ding.

Die Kunst greift über, auf den Ort, an welchem

sie erscheint und wird zu einem Detail

der Beziehung zwischen uns und dem

Raum überhaupt. Das gilt für die Regionen,

welche wir in unserer Vorstellung erkunden

und für die Gegenwart unserer lebensweltlichen

Erfahrung. Deshalb können wir an

Kienzers Skulptur die Trennungs- und Verbindungslinien

zwischen dem Geschehen

innerhalb und außerhalb des Stiftes erspüren.

Kunst lenkt unsere Wahrnehmung in

Bahnen, die den Strukturen entsprechen,

die unser Denken bestimmen und formen.

Aber Kunst regt auch dazu an, diese Bahnen

zu verlassen und die Welt auf eine Weise

zu betrachten, in der wir sie sonst nicht

gesehen haben. Kienzer leitet das Licht des

verlorene Form

Tages an den Ort unserer Aufmerksamkeit.

Zwar kann wohl jedes beliebige Fensterloch

dieser Aufgabe gerecht werden, doch lenkt

nicht jedes einfallende Licht unsere Aufmerksamkeit

auf den Bezug unserer Selbst

zur Welt (was nichts daran ändert, dass jedes

einfallende Licht zum Kunstwerk erhoben

werden KÖNNTE). Wie alle anderen Dinge

gibt uns Licht einen einzigartigen Zugang

zur Welt, wenn wir es nur als solchen erleben

(*). Aber wenn jedes Ding einzigartig

innerhalb seiner speziellen Umwelt ist, wie

zeichnen wir dann ein Kunstwerk gegenüber

anderen Dingen aus?

Anders als die anderen Dinge ist ein Kunstwerk

auf die Erklärung der Einzigartigkeit

unseres persönlichen Zugangs zur Welt ausgerichtet.

So kann Kienzers geformtes Licht

Prozesse der Einkehr und des Ausgangs untermalen

und dabei zu einem Sinnbild für

„Die Dinge sind, wie sie sind“,

sagen die einen, „Die Dinge sind, was wir aus

ihnen machen“, sagen die anderen. Die Sonne

geht unter und die Sonne geht auf. Der Lauf

unseres Lebens ändert nicht den Lauf der

Dinge und die alten Leiden enden, wenn die

neuen Leiden kommen. Was können wir schon

tun, wenn unsere Verdauung gegen unseren

Denkapparat revoltiert?

Widersprüche zwischen Geist und Körper lassen

sich beheben. Seit 1909 vertrauen Menschen

in aller Welt der befriedigenden Wirkung der

Produktlinie HYPERLINK “http://www.trenka.

at/index.php?option=com_content&task=view&i

d=18&Itemid=32”EUCARBON® aus dem Hause

Trenka. Wir leben nicht vom Brot allein und

glückliche Menschen denken über die nächste

Malzeit hinaus.

Foto: www.JoritAust.com©2007


Nr. 13/2007 Buch X - Aktuelle Kunst 01 ST/A/R 79

Bezüge zwischen unserem Spüren und Denken werden. Es kann selbstverständlich

auch ganz etwas anderes symbolisieren, ummalen oder beleuchten. Was Kunst wirklich

zeigt, hängt davon ab, wie wir sie erleben.

(*) Deshalb wäre es ein Irrtum zu glauben, dass etwa ein Druck aus einer Bildserie von Andi

Warhol kein Original sei. Der Unterschied zwischen zwei Bildern ergibt sich nicht aus ihrer

materiellen, genetischen oder dinglichen Beschaffenheit, sondern aus dem Bezug zu einer

Umwelt, in welchen wir – einzigartige Personen – das Bild als solches erkennen.

INTERVIEW MIT MICHAEL KIENZER

Denker: Haben Deine Arbeiten einen Bezug zur Verdauung?

Austellungsansicht (Admont)

Kienzer: Ein Aspekt von Skulptur, der mich beschäftigt, ist der momentane Zustand von

Materialien. Diese Zustände setze ich in Bezug zu Abläufen, die durchaus langfristig sein

können. Dabei interessieren mich entstehende Spannungen zwischen verschiedenen

Teilen der Skulpturen. Ich arbeite mit verschiedenen physikalischen Kräften. Gravitation,

Auftrieb, Kontraktion und Erdanziehung sorgen dafür, dass meine Skulpturen nicht

auseinanderfallen, sie geben Haltbarkeit. Für mich ist eine Arbeit dann interessant, wenn

sie Spannungen zwischen den Kräften spürbar macht. Solche Spannungen ergeben sich

besonders aus dem materialen Tiefgang von momentanen Zuständen. Das Auftreten

solcher Spannungen sehe ich als ein elementares Geschehen, dass sowohl für meine

Arbeit, als auch für Verdauungsvorgänge kennzeichnend ist. Verdauung ist ja auch mit

materiellen Spannungen verbunden, die unser Verständnis von Raum und Zeit wesentlich

bestimmen. Als ständiger Prozess ist Verdauung elementar und wichtig. Die Spannungen,

die uns während der Verdauung begegnen, finden sich in der Kunst wieder.

Denker: Hast Du dazu ein konkretes Beispiel?

Kienzer: Materielle Spannungen finden sich besonders offensichtlich in meinen Arbeiten

mit Klebebändern und Gummibändern, aber auch in den mit Helium gefüllten Ballonen.

Konzeptuelle Verbindungen erscheinen in meinen Arbeiten, in denen Text ein wesentlicher

Bestandteil ist, besonders in den Glas-Text-Skulpturen, in welchen ich mich mit ephemeren

Ausdrucksformen beschäftige. Worte sind für unseren Bezug zur Welt elementar und

Verdauung ist es auch. Es ist also nicht überraschend, dass es Übergänge zwischen dem

einen und dem anderen gibt. Wie gesagt, ich arbeite an momentanen, provisorischen

Zuständen und schon deshalb interessiere ich mich für Worte, die das unterstreichen:

‚vorübergehend’, ‚vorläufig’, ‚ab und zu’, ‚zwischendurch’, die diese Zustände beschreiben,

weil das für mich auch sehr viel über Skulptur aussagt oder darüber, wie ich an Skulpturen

herangehe.

Denker: Verdauung bringt ja etwas zum Verschwinden, bringt aber auch etwas hervor. Wir

bewegen und positionieren uns da zwischen zwei Polen. Ich denke dabei an deine Arbeit

„verlorene Form“: Diesen Stapel aus Aluminium, aus abgegossenen Holzscheiten, der auf

etwas hinweist, was nicht mehr da ist, aber einen Materialwert besitzt. Was hat Dich zu

dieser Arbeit motiviert?

„Hide-away“, 2002, Glas, 210 x 140 x 160 cm, (Sammlung Museum für

Angewandte Kunst, Wien)

Kienzer: Die wesentliche Motivation für die „Verlorene Form“, war ein Transfer zwischen

Wärme und Kälte. Holz steht ja für Wärme - konkret und metaphorisch - und wenn

man das dann abgießt in so ein kaltes, wenig sympathisches Material wie Aluminium,

dann passiert mehr, als wenn man zum Beispiel eine Flasche abgießt. Der Charakter des

Gegenstands ändert sich komplett mit dem Material. Wenn ich ein Stück Holz abgieße, ist

das keine Reproduktion des Holzes, sondern verkehrt den Gegenstand in sein Gegenteil.

Holz ist ja ein vergleichsweise wertloses Material, gemessen am Preis des Aluminiums.

dererseits ist es eines der wertvollsten Güter überhaupt. Es geht daher auch um einen

Transfer zwischen Leben und Tod.


80 ST/A/R

Buch X - Aktuelle Kunst 01 Nr. 13/2007

ON THE COUCH

CARTOONS

AUS DEM NEW YORKER

23. März – 24. Juni 2007

Sigmund Freud Museum · 1090 Wien · Berggasse 19

T + 43 1 319 15 96 – 0 · www.freud-museum.at

Täglich 9 - 17 Uhr · daily from 9 a.m. to 5 p.m.

Führungen gegen Voranmeldung · Guided tours by appointment


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XI - Literatur ST/A/R 81

Eine Kinokarte von Lucas Cejpek, ein Gedächtnis-

LITERATUR

Tractat von Wolfgang Sysak, Populäre Panoramen

von Brigitta Falkner, zwei Manifeste von Michaela

Falkner, Gedanken zu Träumen von Bettina Klix,

weitere Pariser Passagen von Bettina Galvagni,

Kaffeehausbegegnungen von Hanno Millesi,

ein Textgeplänkel von Sophie Reyer und

ein Screenshot von Petra Coronato.

UNTERIRDISCHE FANGARME

Dieter Sperl

In einer merkwürdigen, möglicherweise

hinter meinem Rücken entstandenen

Redeweise beschleicht mich das bestimmte

Gefühl, ich, der ich noch gar nicht vollständig

zugenäht worden bin mit den Stricken des

Lebens, obwohl längst über vierzig, könnte

vielleicht zum Wunder Mensch, dieser

ununterbrochen nach Verhaltensoptimierungen

heischenden Überlebensmaschine, gar nichts

Entscheidendes hinzufügen. Dieser Gedanke,

sofern er manchmal in mein Bewusstsein

tritt, stimmt mich dann fast immer eine Zeit

lang ziemlich traurig, und ich ziehe mich als

Folge davon in meine auswendig gelernten

und jederzeit abrufbaren Handlungen zurück

oder falle in mein überirdisches, an der

Kippe zu seinem individuellen Verschwinden

befindliches Lächeln. Dass man an einem

scheinbar x-beliebigen Punkt an einem scheinbar

x-beliebigen Ort in den so genannten eigenen

Schädel hinein geboren wird, in welchem

bloß wenige Jahre nach der erfolgreichen

persönlichen Geburt schon die ersten echten

Blumen zu riechen beginnen, habe ich in meinen

besten Momenten tatsächlich hinnehmen und

verstehen können, aber bestimmt auch gleich

viele Male nicht, wie ich hier, der Wahrheit

gemäß, hinzufügen möchte. Vergissmeinnicht,

Nelken und Buschwindröschen waren, soweit

ich mich erinnern kann, der Reihe nach

aufgetreten, zu denen ein individueller Zugang

aufgebaut werden musste. Farben streckten ihre

Hände nach mir aus und Düfte verzauberten

meine Nasenschleimhäute. Der im Freien

oft dazugehörige Wind versetzte mich häufig

in eine von mir zumeist als unauffallend

wahrgenommene Wirklichkeit. Und so stehen wir

in unseren Wirklichkeitsbehauptungen stets auch

auf der besonderen Seite des Lebens, winken

manchmal beiläufig den vorbei fliegenden

Passagierflugzeugen zu und machen uns so

unsere Gedanken. Welche Lebensversicherung

haben wir eigentlich abgeschlossen? Und wann

war das? Wie viele Jahre können noch mit uns

als Beitragszahler rechnen? Wann wird das letzte

Bedeutungsraumschiff in unserem Gehirn seine

Zelte abgebrochen haben? Was bedeutet dieser

Augenblick dann überhaupt?

Wenn man sich nun tatsächlich bemüht, diese

Fragen so klar wie möglich zu sehen, wird man

bemerken, dass es knapp vor dem Entstehen oder

dem Begreifen und gleichzeitigem Durchsetzen

möglicher Erkenntnisse immer einen Moment

gibt, in welchem diese wie Seifenblasen

zerplatzen (als habe es sie nie gegeben) und

menschenleere Bewegungen sichtbar werden,

bis man überwachsen ist, bemoost, mit Vögeln

auf den Schultern, frei von Erschöpfung oder

Aufregung, mit unterirdischen Fangarmen, die

keine bestimmte Form mehr haben, sich, wenn

es notwendig ist, verlängern oder verbreitern,

und sich wie ein Blutstrom bewegen, und man

ist dieser Strom und ist gleichzeitig man selbst:

Momente höchster Güte.

>> sperl@star-wien.at

Schriftwechsel


82 ST/A/R

Buch XI - Literatur

Nr. 13/2007

Eine Kinokarte

(Phantasie

Lukas Cejpek

und Pornographie)

Ich habe mir den Film Romance von Catherine Breillat

in einer Videothek ausgeliehen, die französische

Originalfassung mit englischen Untertiteln, und für

mich übersetzt. Ich habe sofort verstanden, daß Paul kein

Geschlecht hat. Da war seine Freundin Marie noch nicht

im Bild. Am Anfang des Films wird Paul geschminkt,

ich glaube, von einer Frau – man sieht nur ihre Hand

und auf ihrem T-Shirt japanische Schriftzeichen, die

unübersetzt bleiben. Die Farben Weiß und Rot und

Schwarz dominieren: Pauls (und Maries) schwarzes Haar,

sein (und ihr) weißes Gesicht (ihre gemeinsame Wohnung

ist weiß, nicht nur das Bett), und sein rotgeschminkter

Mund (das rote Kleid, mit dem sie sich schließlich auf

ihn setzt, um schwanger zu werden, beim ersten Mal).

Im japanischen Theater wird das Gesicht des Schauspielers

(die Frauen werden von Männern dargestellt)

weiß geschminkt, um es beschriften zu können, schreibt

Roland Barthes in seinem Bild-Text-Buch Das Reich der

Zeichen. Der Mann spielt die Frau nicht, sondern bedeutet

sie nur. Die Frau ist eine Idee (und keine Natur). Maries

Gesicht ist verwischt (die Strähne, die ihr ins Gesicht

fällt). Das Filmplakat zeigt ihre Hand zwischen ihren

Schenkeln, den Mittelfinger in der Scham, die mit einem

roten X verdeckt (oder hervorgehoben) oder ausgelöscht

wird (x-rated heißt pornographisch). Marie sagt, daß

sie die Beine gekreuzt hält, wenn sie masturbiert. Und

wenn sie sich ficken läßt, dann nur von hinten. Damit

sie nicht sieht, wer sie fickt (das Gesicht). Ich möchte

ein Loch sein, sagt sie. Je mehr es klafft, je obszöner

es ist, umso mehr bin ich es (nichts). Ich verschwinde

im Verhältnis zu dem Schwanz, der in mir ist, sagt sie,

während die 23 Zentimeter Rocco Siffredis in ihr sind.

(Rocco Siffredi ist laut Wikipedia einer der bekanntesten

Pornodarsteller der Welt, mit einer Vorliebe für Analsex.)

Willst du einer Frau in den Arsch, mußt du zuerst in ihren

Kopf eindringen, sagt er im Interview mit der Weltwoche.

Ein großer Schwanz ist für die Glaubwürdigkeit (einer

Szene) durchaus hilfreich. Die Autorin und Regisseurin

Catherine Breillat hat ihn zum ersten Mal als Schauspieler

engagiert, in der Rolle von Maries erstem richtigen Mann,

weil der erste Mann noch nicht an seiner Männlichkeit

zweifeln mußte. Ich glaube, sagt Catherine Breillat im

Interview mit der taz, daß die Sprache der Liebe, also

die menschliche Sexualität, nicht so sehr zum Bereich

des Animalischen, sondern vor allem zum Bereich des

Denkens gehört. Warum interessiert uns der Sex ganz

unabhängig von der Fortpflanzung? Weil wir uns dabei

eine andere Identität, Existenz und Zukunft vorstellen

können. Rocco Siffredi hat sehr viel Phantasie aufbringen

müssen, um sechs Stunden lang neben Caroline Ducey

(Marie) seine Erektion halten zu können. Ich habe mir

fünfzig Millionen Phantasien zurechtgebastelt, um keinen

Hänger zu bekommen. Am Schluß blieb mir der Blick der

Kameraassistentin, der Einzigen, die mich ansah.

(Aus dem Romanprojekt Wo ist Elisabeth?)

Lucas Cejpek, geboren 1956 in Wien, Studium der Germanistik in

Graz (Wahn und Methode. Robert Musils Mann ohne Eigenschaften

als Kulturtheorie), lebt als freier Schriftsteller, Theater- und

Hörspielregisseur in Wien.

Essays (Diebsgut), Romane (Keine Namen), Gesprächsbücher

(Zettelwerk). 1998 ist seine Poetik mit dem Titel 16.000 Kilometer.

Selbstbeschreibung erschienen.

1 FOTO X 1 GEDICHT

Wolfgang Sysak

Wolfgang Sysak, geboren 1958, lebt nach Aufenthalten in Brighton,

Amsterdam und Berlin heute in Wien. Jazz-Gitarre-Studium am Konservatorium

der Stadt Wien. Musikprojekte in England und Österreich (Dick Damage,

Sprays, Version City Bronx, Blue Chip, Nova Express, pvc sound & lyric

constructions). Schreibt derzeit Lyrik und Kurzgeschichten (Veröffentlichungen

in Literaturzeitschriften und Anthologien, Publikationsliste siehe

http://members.chello.at/pvc_sound_and_lyric/).


Nr. 13/2007

Buch XI - Literatur ST/A/R 83

Populäre

Panoramen

Brigitta Falkner

Angenommen, ich würde allmählich schrumpfen, wie der Typ

in dem Film, der bei einer Bootsfahrt in einen radioaktiven

Nebel gerät, The incredible shrinking man, der unaufhaltsam

schrumpft, und wäre, derweil ich hier sitze und die

vorbeifahrenden Züge zähle, auf die Größe einer Stubenfliege

geschrumpft, wobei ich nun winzige Äuglein hätte, keine

Facettenaugen, sondern um den Faktor zweihundert

verkleinerte Linsenaugen mit einer Pupillenweite von

fünfundzwanzigtausend Nanometer, und die vorbeifahrenden

Züge infolge der Lichtbeugung an den Pupillenrändern

nur noch schemenhaft wahrzunehmen in der Lage wäre,

erst bei näherer Betrachtung das gelbe Ding am Boden als

Banane identifizieren oder den Mann neben mir als den

Mann von vorhin wiedererkennen, die Bemerkung über den

epistemologischen Referenzrahmen indes schon nicht mehr

verstehen würde, weil die Schrumpfung der Membrane – so

wie der Ton einer Trommel mit einem kleinen Durchmesser

heller klingt, als der Ton einer großen Trommel – eine

Frequenzverschiebung nach oben zur Folge hätte, der hörbare

Frequenzbereich somit um etwa das Vierzehnfache, um den

Faktor der Quadratwurzel aus zweihundert hinaufgerutscht

wäre, was bei zwanzig Schwingungen pro Sekunde,

welche die untere Hörschwelle markieren, einen Wert von

zweihundertachtzig Hertz ergäbe, wobei das Pfeifen einer

Lok noch im Bereich der für mich hörbaren Frequenzen,

der normale Sprechton mit einer Frequenz von zweihundert

Hertz indes schon darunter läge und vom Brummen einer

Fliege kaum noch zu unterscheiden wäre, The incredible

shrinking man also über ein geradezu phänomenales Gehör

verfügen müsse, dem Supergehör der Kryptonier vergleichbar

(unsereins wäre, hätte er superempfindliche, mit superfeinen

Rezeptoren ausgestattete Ohren, vom Dröhnen der

aufeinanderprallenden Luftmoleküle längst schon ertaubt),

wenn er Frequenzen von zwanzig Hertz noch wahrzunehmen

vermag, während eine trampelnde Kinderschar meinen

winzigen Körper schon erbeben lassen würde, wie eine

Elefantenhorde, was indes als unzulässiger Vergleich

gelten muß, da Elefanten auf Zehenspitzen gehen, wobei

ihnen die elastischen Fettpolster hinter den Zehenspitzen

als Stoßdämpfer dienen. Feinste Bodenschwingungen

vermögen diese sensiblen Tiere gleichsam mit ihren

Fußsohlen zu hören. Manchmal, wenn ich das Ohr an meine

Eisenbahnschiene lege, wo der Schall sich superschnell

fortfpflanzt, den Schwingungen im Metall lausche und warte,

gelingt es mir, die Ankunft eines herannahenden Zuges auf

die Sekunde genau vorauszusagen.

Brigitta Falkner, geb. 1959 in Wien. Lebt in Wien. TOBREVIERSCHREIVERBOT

– Palindrome, Ritter-Verlag, Wien – Klagenfurt 1996; Fabula rasa oder Die methodische Schraube,

Ritter-Verlag, Wien – Klagenfurt 2001; Bunte Tuben – Anagramm, Urs Engeler-Editor, Basel

2004. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, Arbeiten für den Rundfunk,

Ausstellungen.

copyright Brigitta Falkner ©


Städteplanung / Architektur / Religion Buch XI - Literatur

ST/A/R 85

ZWEI MANIFESTE

Michaela Falkner

Stoßkraft und Signalcharakter des Manifests sind aktivistisch

geprägt: Anstoß nehmen! Manifeste operieren an der Grenze

zwischen Kunst und Leben, berauschend durch die Radikalität

und Phantasie einer Person, die Offenbarung eines Willens – per

Manifest Stellung beziehend.

Manifest 09

Ich kommandiere zehntausend

Mann prahle ich – Warlord and

Warlady

Es war nach den Manövern dörrt die

Nasenschleimhaut und trocknet den Mund

in Pervertierung dieser reichlich eklektisch

geratenen Stadt.

Laternenglas zerschmettern.

In Sehnsucht über die Welt kommen.

Erschrecken ist leichter als singen.

Die Geschichte die ist hier zu Ende.

„Ich bin verprügelt worden.“

„Zeig mir das Loch in deinem Schädel zeig.“

Laufen und gelegentliche Sprünge sind erlaubt

verfahren wie vereinbart.

Fliegen scheißen beispielsweise.

Ein Dritter schließlich meint „Das war nicht

entscheidend“.

Der Stadtteil im Norden flog am Donnerstag in

die Luft tags zuvor klammheimlich noch drehen

in Wahrheit aber mit schroffen Kopfwendungen

sich absondern.

In einer schwermütigen Fernsehsprache

„Mother do you think they got the Bomb?”.

„Ich war nie im selben Raum mit ihnen selten

dass Menschen mit mir sprechen manchmal

rede ich einen ganzen Monat mit niemandem es

sagt sich so leicht dass die Welt ein Dorf.“

Innerhalb dieses rabiaten Rahmens „Das war

wunderbar“ flüstern.

A little bit stronger.

A little bit thicker.

A little bit.

Nein hier wäre nicht der Ort an dem das Gute

mit dem Schönen verhandelte.

Das ist kein Liebeslied.

Krepiert ist das feine Unbehagen vor langer

langer Zeit.

Das publikumsträchtige Element drückt sich in

Legenden aus auf einem Hügel über der Stadt

und gegen jede Form von Schlamperei.

Auf der Suche nach unangemessenen

Gegenständen ungeschützt der Sonne

aussetzen.

Zurückweisung muss mit Sonnenbrand

vergolten werden.

Unter Androhung von Repression stellen

Hinterherweinen durch ausufernde Lektüre

aneignen.

Geschichten monumentalisieren bis in den Juni

hinein.

„I declare War on You.“

Stühle umwerfen Unterarme brechen

Flüssigkeit aus dem Gehirn über die Nase

austreten lassen nein es tut einem nicht gut hier

in diesem Zimmer zu warten.

Bestaunen in Ermangelung eines Zeugen

verschafft die Inszenierung dennoch keine

glaubhafte Vorstellung wie es denn gewesen

sein könnte im Grobkörnigen zu den

Aufständischen überlaufen unter sich begraben

der verbliebene chronologische Halt.

Kommt als Heldengeschichte daher verfolgen

und verbeißen Heimatstadt das innovative

Potential einer Großaufnahme die Anmutung

einer Überforderung Guess whos coming.

Das Zahnschema erheben Berge von Kleidern

und Essensresten.

A little less Hot.

Mein Name sei gepriesen.

My Christmas Vacation.

Bring the Boys home.

Vorhut.

One Day come along one fine Song.

Was aber passiert wenn einer verliert von einer

ähnlichen Reinheit des Herzens kündet einem

hoheitlichen Akt folgend in jemandes Herz

gelangt und seine Faust in diese Stadt schlüge?

„Mich sehen und jubeln“ sanft erschöpften

Beifall spenden.

„Jenseits von Beherrschung gibt es keinerlei

Einverständnis.“

Sorgfältig zugerichtet.

Was ist eine Nachricht was eine Danksagung?

Gewaltaufreizung Vorstoß Sprung meinetwegen

Feldzug aber Vaterland gibt es keines.

Runter mit dem Kopf.

Fertig aus.

I have a Dream.

(Ein Text zum Irak-Krieg)

Manifest 11

Schwarz ist die Nacht mit

zwei drei simplen Parolen

– Measuring your own Grave

Strafe muss sein Missratenes beseitigen bringt

die Außenminister zu mir Namen Bilder Briefe!

Der einfache Steinsockel.

„The greatest Story ever told“ war etwas in der

Geschichte ursprünglich nicht Vorgesehenes.

Tollheit jenseitiger Furor das Orchester

energisch aufpeitschen es ist dies der

ergreifendste Moment des Abends.

Das Verbrechen liegt darin dass Ihr nur durchs

brutalst eingestrichene Stück watet spartanisch

in Szene gesetzt und heraus kommt ein Monster

allenfalls Referenzen.

Vom Einzug der Überschwänglichkeit in dieser

Welt es „Verfassung“ nennen.

Ein Schnitt quer über das Gesicht ein Stich ins

Kinn ein tiefer Stich ins Fußgelenk.

Die Zugabe endet mit einer Version von „Und

das künftige Elend beweinen können“.

Jedes Mal aufs Neue zwei

drei Sätze ernst nehmen

mitten in Gesprächen zu

Boden fallen.

Bereits abgedrehte Sequenzen.

Mit bloßen Händen geschworen bindet schnell

ab wird sehr hart und leuchtkräftig.

Gereinigt plan geschliffen spiegelblank poliert

die Oberfläche für nachfolgende Rituale

empfindlich machen.

Bei Neonlicht kommt es auf den

Konzentrationsgrad der Säure an.

Schraffuren so setzen dass in ihnen das

Zähflüssige dominiert gekalkt gekreidet oder

weiß eingefärbt nahm Ich den Schädel mit und

nun trage Ich die Farben zurück.

Jemand an der Grenze hüfthoch im gelben

Wasser nur entgeistert schaun die Lähmung

noch verbergen sich drängen und schieben.

Oh immerzu diese Überschwänglichkeit!

Die wärmsten Plätze im inneren des Haufens

fortwährend tauschend.

Schlachtplatte ein Abenteuer wittern über

die Welt kommen Schotterpisten das ist die

alltägliche Hackordnung unter Hunden ganz

großes Kino.

Bang Bang.

Vielleicht durch Mitklatschen in Schwingung

versetzen lassen dann Zweitausendneun.

Abbinden blau etwas dumm dastehen

strategische Interessen vernarbt Volk steht auf

Sturm bricht los.

Alle drei Minuten den Platz mit dem Nachbarn

tauschen mögen das Spiel so lange wiederholen

bis alle im inneren Kreis tot oder das Orchester

ungeduldig wird.

Unsichere Kantonisten bisschen Drama

geschmückt demjenigen vorbehalten die

gleichen Namen verwenden zum Zweck der

Drangsal vereint.

Unterwürfigkeit korpulente

Kontrollmechanismen.

Schenkt mir ein Abenteuer!

Dem Format ordentlich zuarbeiten.

Steht ganz still Ich mag das.

Runter mit dem Kopf.

Welcome welcome.

Schaden nehmen auf der Suche nach der

avanciertesten Tonspur.

Und wenn Ihr dann noch immer im Trüben

fischet?

Fragen stellt über Mikrophon.

Lange dumme Geschichten erzählt.

So ist dies der herzloseste Film seit langem.

I have a Dream!

Doch die aus meinen Liedern bin Ich nicht.

Bang Bang.

Nur eine Träne auf dem Antlitz deutet Opferung

im Séparée an: Was soll das noch werden mit

uns?

Jedes Mal aufs Neue zwei drei Sätze ernst

nehmen mitten in Gesprächen zu Boden fallen.

Eine Laune Spontangabe einfach das erledigen

von Dingen Europa herunterreden.

Schwarz ist die Nacht mit zwei drei simplen

Parolen.

Nun geht hinaus und sagt es allen anderen!

(Ein Text zum EU-Außenministertreffen in Klosterneuburg)

Michaela Falkner, geboren 1970 lebt und arbeitet

in Wien. Promoviert in Politischer Psychologie.

Dekliniert in ihren Arbeiten Taktiken der

Konfrontation, Pathos und Utopie.

A Fucking Masterpiece (Czernin-Verlag, 2005);

Falkner II. Eine Moritat in 17 Bildern (Czernin-Verlag,

2006); The Execution of Ludwig. Eine theatralische

Hymne (Performance & Installation, MAK, Wien,

2006); Yearning Creatures (2007) Ein Zyklus an

Texten, Manifesten, Performances & Interventionen;

An Angel went up in Flames. Eine theatralische Hymne

(2007), 11-teiliges Video.

Die »Enzyklopädie des Wiener Wissens«

Träum nicht!

Bettina Klix

Einmal hatte sie mit einer älteren Freundin darüber

gesprochen, wann Träume vorzuziehen waren.

„Hast du denn noch nie Angst gehabt, dass der

Traum von einer Sache besser ist als sie selbst?“,

fragte diese sie.

„Natürlich, ich habe es auch schon erlebt. Aber

wenn der Traum falsch war, was verliere ich dann

schon?“, meinte die Jüngere, ohne wirklich zu

wissen, was sie sagte.

„Sehr viel. Und der Traum muss gar nicht falsch

gewesen sein. Ich weiß, dass es nicht so einfach

ist. Aber dreh es doch mal um. Wenn sich jemand

deinen Geschmack schon bis in jede Einzelheit

vorgestellt hat, warum sollte er dich noch kosten

wollen?“, fragte die Freundin.

„Hast du denn schon mal erlebt, dass der Traum

übertroffen wurde?“

„Ja, und das war so schön, dass ich gar nicht wagte,

daran zu glauben. Und als ich es endlich glaubte,

war es schon wieder vorbei. Trotzdem hat die

Geschichte mir eine Hoffnung hinterlassen. Ich

habe keinen Namen dafür. Es ist bestimmt nichts,

was sich weitergeben lässt.“

„Würdest du mir eine solche Erfahrung wünschen?“,

fragte sie beklommen und fühlte sich nicht bereit

dafür.

„Wenn du stark genug bist, die Erfüllung zu finden

und dann alles wieder zu verlieren und nichts davon

behalten zu können?“

„Das klingt ja grauenhaft!“

***

Sie träumte einfach zu viel und nicht nur nachts.

Natürlich hatte sie auch Träume, während sie schlief

und nicht zu knapp. Aber die waren da, wo sie

hingehörten, sie bewachten, was sie sollten oder sie

weckten, wenn es nötig war, aus der Gefahr.

Sie dachte manchmal darüber nach, was die beiden

Arten von Träumen unterschied, aber vergleichen

konnte sie natürlich nur ihre eigenen.

Sie wusste, dass nicht viele Menschen ihre

Nachtträume erinnerten. Und wenige Menschen

kannte sie so gut, dass diese ihr ihre Träume

erzählten. Und noch seltener geschah es, dass

ihr jemand einen Tagtraum anvertraute. Wohl

deswegen, weil der, der ihn hatte, dafür so eindeutig

die Verantwortung trug wie für einen Nachttraum

nicht.

Und doch vergaß sich das während des Träumens

tagsüber so leicht. Und nicht nur, wenn sie im

Bett lag. Würde sie es sonst so oft getan haben?

Irreführend war es auch gewesen, dass sie immer

schon ermahnt worden war, wenn sie nicht

aufpasste: Träum nicht! Oder wenn sie etwas

abwesend war oder nur so schien: Träum nicht so

viel! Wenn sie vielleicht nur bei sich war. So wurde

ihre Welt abgesteckt, ohne dass sie das selbst tat.

Es gab eine Verwandtschaft zwischen Traum und

Lüge, die schwer zu fassen war. Der Nachttraum

schien nicht zu lügen, höchstens wenn sie einen

so strengen Maßstab anlegte, dem auch kein

menschliches Gefühl standhalten würde.

Bei Tagträumen war das ganz anders. Sie wusste,

dass sie manchmal träumte, um nicht sehen,

nicht sprechen oder nicht lügen zu müssen, aber

irgendwie tat sie träumend doch oft genau das. Es

gab niemanden, dem sie die Erlaubnis abtrotzen

musste, solange sie nicht völlig untauglich für

das Leben wurde. Sie spürte auch nicht, was sie

dabei verlor, weil es sich so oft wie eine Belohnung

anfühlte. So schickte sie die Suchbilder ihrer

Träume hinaus, ohne zu wissen, was sie tat.

Es war eine Art von Wunschdenken, oder auch

schon Wunschwissen. Vielleicht ließ es sich gar

nicht mehr vergessen, vielleicht konnte sie ihre

Wünsche gar nicht so bei sich haben, wie sie wollte,

als etwas, was ihr gehörte und niemanden etwas

anging, solange sie es nicht äußerte. Licht schien gar

nicht mehr nötig, das von außen kam oder in das die

Wünsche hinausgehen mussten.

***

Was unter der Haut geschlafen hatte zu entdecken

- danach waren die beiden Träumer süchtig

geworden.

Nach diesen Stunden oder Minuten, in denen sich

die Körper nicht schuldig fühlten.

Es war dann absurd, etwas Schönes verstecken zu

wollen.

Es schien verrückt, dass sie sich eben noch

voreinander schützen mussten.

Und doch veränderte es sie nicht genug, und die

Angst kehrte zurück.

Es war eben doch nur ein Traum, dachte er.

Ich darf nichts besitzen, glaubte sie.

Und wenn sie zu schnell aufwachten, gab es

manchmal sogar Streit, wessen Traum es gewesen

sei.

Sie waren beide zu sehr davon überzeugt, dass etwas

so Schönes nicht auch noch wahr sein könne. Und

wenn die Wahrheit einfach unbestreitbar stark war,

leugneten sie lieber die Schönheit.

Aus Angst, verrückt zu werden.

Sie waren zwar süchtig. Aber nach etwas, von dem

sie nicht wussten, was es war.

Und nicht, ob sie es jemals wieder bekommen

konnten.

So wie nur wenige Menschen - und selbst diese auch nur

selten

- einen schönen Nachttraum nach einer

Unterbrechung weiterträumen können.

So fürchteten sie, ihren Tagtraum nicht gemeinsam

fortsetzen zu können.

Deshalb auch träumten sie immer eine Weile

getrennt weiter, das war viel leichter.

***

Vielleicht war es leichter, sich von einem Traum zu

befreien, wenn nur einer ihn träumte.

Dann konnte dem Träumer jeder andere Mensch

helfen - wenn dieser nur nicht denselben Traum

hatte.

Wenn aber zwei denselben Traum nährten, ihn

aber weder leben, noch aufgeben konnten,

genügte es nicht, dies zu bemerken.

Es reichte auch nicht, wenn nur einer

aufwachte.

Sie müssten wirklich beide aufhören zu

träumen.

Das war schwer festzustellen: dass

weitergeträumt wurde.

Auch ohne Aufsicht, ohne Absicht.

Denn die beiden getrennten Leben konnten so

aussehen, als hätten beide sich abgefunden oder

etwas Besseres gewählt.

Oder es schien, jeder habe einen neuen Traum

begonnen.

Nur Krankheiten, Unfälle, Rückfälle

konnten dann zeigen, dass keiner von

beiden befreit war.

Aber wem wurde es gezeigt? Da

müsste auch jemand hinsehen,

aber es gab niemanden außen.

Ein halbes Begreifen half nicht.

Dann nahmen die Warnzeichen nur zu.

Manchmal überlebte das einer nur mit Bettina Klix, Autorin und Sozialpädagogin, lebt in

Mühe.

Berlin und Darmstadt.

Letzte Veröffentlichungen in Anthologien: Mein

Oder beide, aber weit voneinander entfernt,

heimliches Auge, Konkursbuch 2006/2007. Die Rampe,

ohne sich helfen zu können.

Porträt Elfriede Czurda, Stifterhaus, Linz, 2006.

Minutentexte, The Night of the Hunter, Brinkmann und

Bose, Berlin, 2006.

publication PN°1

im Verlag Bibliothek der Provinz:

Band I

Matthias Marschik

Band II

Peter F. N. Hörz

Band III

Christian H. Stifter

Band IV

Natalia Wächter

MASSEN, MENTALITÄTEN, MÄNNLICHKEIT

Fußballkulturen in Wien

ISBN 3 902416 03 3

15/21 cm, 162 Seiten, mit Abb., 18 € / 30 sfr

KUNDE VOM VOLK

Forschungen zur Wiener Volkskultur im 20.

Jahrhundert

ISBN 3 902416 05 X

15/21 cm, 134 Seiten, 15 € / 25 sfr

GEISTIGE STADTERWEITERUNG

Eine kurze Geschichte der Wiener

Volkshochschulen, 1887–2005

ISBN 3 902416 06 8

15/21 cm, 184 Seiten, 18 € / 30 sfr

WUNDERBARE JAHRE? JUGENDKULTUR IN WIEN

Geschichte und Gegenwart

ISBN 978 3 902416 09 4

15/21 cm, 176 Seiten, mit z.T. farbigen Abb.,

22 € / 38 sfr

Band I

Matthias Marschik

MASSEN, MENTALITÄTEN, MÄNNLICHKEIT

Fußballkulturen in Wien

Enzyklopädisches Stichwort:

Importiert als Schulspiel zur Ertüchtigung der männlichen Jugend in den 1880er Jahren, wurde

der Fußball um 1890 von in Wien tätigen Engländern aufgegriffen. Im Spannungsfeld zwischen

bürgerlich-ökonomischem und sozialdemokratisch-politischem Fußball entstand ein weites Feld

eines genuinen Arbeiterfußballs, der fast die ganze männliche Wiener Bevölkerung in seinen

Bann zog und dabei als Popularkultur im Dreieck Wien-Prag-Budapest spezifisch wienerische

Eigenschaften entwickelte.

Mit dem Verbot des sozialdemokratischen Sportes im Februar 1934 wurde die bürgerlichzweckfreie,

kapitalistische Variante des Fußballs durchgesetzt. Die Ära des Nationalsozialismus

brachte zwar massive Eingriffe in Sportkonzepte und -praxen mit sich, die Massenkultur des

Wiener Fußballs tangierte sie aber kaum. In einem Zusammenspiel von resistentem Fußball

und instrumentalisierendem Regime blieb dieser Sport ein Wiener Phänomen und wurde zu

einer wesentlichen Form des Aufbegehrens gegen die ›Deutschen‹. Auch noch der dritte Endrang

bei der WM 1954 war Ergebnis der Wiener Mischung aus letztem Einsatz und ballverliebtem

Scheiberlspiel.

Erst Ende der 1950er Jahre begannen veränderte Rahmenbedingungen die Wiener Fußballpraxen

im Sinne einer »Verösterreicherung« zu beenden. Dieser Prozess wurde bald darauf durch eine

»Europäisierung« weitergeführt, die den Wiener Fußball in die zweite Reihe zurückstufte. Mit einer

kurzen Unterbrechung an der Wende von den 1970er zu den 1980er Jahren musste sich der Wiener

Fußball seitdem mit einem Schattendasein und einer meist nur mehr lokalen Präsenz bescheiden.

Doch trotz mäßiger Leistungen, massiven Zuschauerrückgängen und der Einbettung in

europäische bzw. globale Strukturen, die ihm nur mehr Chancen des Reagierens auf internationale

Entwicklungen offen lassen, ist der Wiener Fußball nicht untergegangen: Finden wir seine

konkreten Manifestationen nur mehr im lokalen Fußball und im Stadthallenturnier, lebt er ideell

in den Mythen und Geschichten rund um den Fußball weiter und diese Traditionen und Mythen

haben in der enormen alltagskulturellen Bedeutung des Wiener Fußballs ebenso ihren Niederschlag

gefunden, wie sie (bislang) dem Phänomen Frank Stronach Paroli boten: »Seine« Austria ist noch

immer die launische Diva wie ehedem und die kampfbereite Rapid ist ihr eherner Widerpart.

Band III

Christian H. Stifter

GEISTIGE STADTERWEITERUNG

Eine kurze Geschichte der Wiener Volkshochschulen, 1887–2005

Enzyklopädisches Stichwort:

Das zentrale Anliegen der zu Beginn des 19. Jahrhunderts gegründeten ersten Volks-Universitäten

auf Wiener Boden – der Volkshochschulen – scheint wenig von seiner einstigen emanzipatorischen

Bedeutung verloren zu haben. Nach wie vor, und womöglich mehr denn je, kommt der Demokratisierung

des Zugangs zu Wissen, Bildung und Kunst eine wichtige gesellschaftliche Bedeutung zu. Obwohl

Wissenschaft und Technik tief in unsere lebensweltlichen Zusammenhänge vorgedrungen sind,

die mediale Berichterstattung über Wissenschaft zu einer ungeheuren Informationsdichte geführt

hat und das öffentliche Bildungswesen auf grundsätzlicher Chancengleichheit beruht, nimmt die

kognitive und soziale Kluft zwischen dem Expertenwissen und dem Wissensstand der breiten

Bevölkerung tendenziell eher zu denn ab.

Ähnlich wie vor mehr als hundert Jahren, als höhere Bildung und akademisches Wissen einer

verlag@bibliothekderprovinz.at

kleinen gesellschaftlichen Elite vorbehalten waren, stellen sich auch heute vor dem Hintergrund

der »Informationsgesellschaft« vielfältige Herausforderungen für eine emanzipatorische

Erwachsenenbildung.

Das große historische Verdienst der freien Wiener Volksbildung liegt darin, die traditionelle Kluft

zwischen Experten und Laien erstmals in der Geschichte Österreichs durch eine institutionalisierte

Form allgemein zugänglicher Volksbildung überbrückt zu haben. Die »geistige Stadterweiterung«

(Eduard Leisching) führte zu einer Demokratisierung von Bildung und Wissen in einer bisher nie

da gewesenen Qualität und Quantität.

Der vorliegende Band behandelt die wissenschaftszentrierte Erwachsenenbildung, wie sie in

Wien gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Reaktion auf die vielfältigen

Herausforderungen der Moderne entstanden ist, und zeichnet deren Entwicklungsgeschichte bis in

die Gegenwart nach.


86 ST/A/R

Buch XI - Literatur

Nr. 13/2007

Pariser Passagen

(Chroniken, Teil 2: 2006)

Bettina Galvagni

Der Gott der Tiere

Es war früher Nachmittag, als ich beschloß, zu meinem

Schneider zu gehen. Ich zog grüne Schuhe an, auf die

ein gelbes Reh aufgeklebt war, und wickelte die Haare

schützend um mein Gesicht. Der Schneider nähte an

meiner Jacke, als die Stimme einer Frau näherkam. Die

sanfte Stimme einer Verrückten, dachte ich, und gleichzeitig

die Stimme einer Katze, die von einem Vogel gebannt ist.

Sie sprach von Blumen... „Haben Sie nicht gesehen, wieviele

Blumen ich auf meinen Balkon gestellt habe, für Sie (sie

meint den Schneider), wenn Sie in den Himmel sehen.“

In diesem Moment erschien die Frau des Schneiders...

Die Stimme sagte zu der Frau des Schneiders: „Oh, Sie

sind sehr hübsch heute. Bestimmt kommen Sie gerade

von Ihrem Liebhaber.“ Alle lachten, ich fing auch an zu

lachen... Mitten in dem Lachen kommt sie

näher und fragt

den Schneider, ob die Länge ihrer Hosen passe. Er sagt

nein. Nun sieht sie mich an, das heißt, nein, sie sieht die

Schuhe-mit-dem-gelben-Plastikreh an. Ich sitze auf dem

Tisch, auf dem die Nähmaschine steht. Ich sitze immer da,

ohne mich je zu fragen, ob es unanständig sei, da zu sitzen,

und trinke Wasser. Ich bitte den Schneider jedesmal um

Wasser, denn ich komme immer mit letzten Kräften zu

ihm. Plötzlich sage ich: „Na ja, die Länge ist an der Grenze.“

Ich versuche es zu erklären... Die neueste Mode, die jungen

Mädchen undsoweiter. Ich sehe sie an. Sie ist nicht mehr

jung, aber sie ist faszinierender als ein großartiges Buch und

faszinierender als Scarlett-Johansson-im-Kino-anzusehen.

Nun steht sie vor mir, mit ihrem Haar-das-grau-ist-wiegrauer-Schnee

- und meint: „Sie gleichen einem Engel. Und

wahrscheinlich sind Sie auch ein wenig pervers.“ Sie ist die

Frau eines berühmten, verschlossenen Drehbuchautors

und hatte selbst eine kleine Rolle in „Der Ball der Vampire“

gespielt: eine alte Verrückte... „Wenn Sie nicht diese Schuhe

getragen hätten“, gesteht sie mir später, „hätte ich niemals

angefangen, mit Ihnen zu sprechen.“ Nun aber lädt sie

mich zu einer Tasse Tee ein, bei sich und ihrem Mann,

dem berühmten, todkranken Drehbuchautor. Ich bleibe bis

Mitternacht bei ihnen – aber ich wünschte, ich könnte für

immer dort bleiben.

Alila

Amos Gitais Film „Alila“ führt nicht von einem Raum in

einen anderen, weiter hinten gelegenen, sondern zeigt

alle Räume zugleich und nacheinander (die Räume der

nicht-ganz-dichten Leute, die in jenem Haus zwischen Tel

Aviv und Jaffa wohnen), und Ronit Elkabetz als Verrückte

ist herrlich, ihre quietschende Stimme, ihre endlosen

schwarzen Haare – ja, ihre bizarre Schönheit! Natürlich

verstehe ich, wie ich glaube, den Unterschied zwischen

polanskischem Onirismus und Gitais hastiger Sublimierung

der Realität – ein Film von Polanski ist wie ein Schloß,

man geht von Zimmer zu Zimmer, ständig öffnet sich eine

weitere Tür, solange, bis man sich vermeintlich in eine der

Personen verwandelt, die durch alle diese Türen durchgeht.

Hier bleibt man draußen, man schaut von außen in das

Haus, das natürlich auch kein Schloß ist und wo sich

nirgends eine romanhafte Handlung abspielt. Wer mehr

über die Mysterien von sich öffnenden Türen wissen will,

sollte unbedingt Joseph Brodskijs „Ufer der Verlorenen“

lesen.

„Ich werde mein unlebbares Leben leben“

Der Artikel, der an der Vitrine des Kinos „Arlequin“

angebracht war, pries Lajos Koltais Film „Être sans destin“

als den einzigen narrativen Film, der mit Claude Lanzmanns

Dokumentation „Shoah“ vergleichbar sei (aber Zeitungen

schreiben immer solche Dinge). Niemals, denke ich, als ich

den Film sehe. Nur Imre Kertesz’ Sprache... Seine luziden

Sätze fallen wie Sterne mitten in den Horror. Vor allem der

Satz am Schluß des Films: „Ich werde mein unlebbares

Leben leben.“ Dieser Satz durchstieß mein Herz wie ein

Schwert. Ich weinte, weinte, weinte, vor Schmerz und vor

Glück.

Nach dem Film, in der eigenartigen Toilette dieses Kinos,

hörte ich eine Frau am Handy sprechen, sie sagte: „Guten

Tag, Madame... Ich glaube, sie waren in demselben Konvoi

wie ich... sie waren in Rheims verhaftet worden... ich habe

sie wiedergefunden!“ Aber die Frau, die dann erschien, als

ich mit meinen eingetrockneten Tränen am Waschbecken

stand, war nicht sehr alt – zu jung für das, wovon sie

erzählte. Da sah ich eine andere Frau, eine alte Frau...

Sie schien es zu wissen. . Sie trug die klassischen Kleider-

einer-älteren-Dame, nicht ausgeprochen elegant – einen

kurzen Mantel in Tannennadelfarbe -, aber sie trug sie

mit Würde – und ich schaute sie an und fühlte, daß sie

„unzerbrechbar“ war und auch ...sanft. Ich wusch mir die

Hände und das Gesicht mit kaltem Wasser und verließ

die Toilette. Draußen, ein wenig später, vor der Fondation

Cartier, zerpickte ein Rabe die Gedärme einer toten Taube;

ein Teil der Gedärme war auf dem Gehsteig verstreut und

bewegte sich wie Würmer. Als ich näherkam, zog der Rabe

sich diskret zurück.

Die Party der Tiere

Harold Brodkey hatte einmal die Absicht gehabt, einen

Roman mit dem Titel „The Party of Animals“ zu schreiben.

Diesen Titel liebe ich so, als ob es sich hierbei um den

absoluten Archetyp der Poesie handelte. Party: Spaß, Gefahr,

Risiko, Passion – und Tiere: die königlichsten Wesen der

Erde – jede Dichtung sollte nur ihnen gewidmet sein. Denn

sie schaffen es, Schmerz zu ertragen, ohne verrückt zu

werden.

Christiane Cohendy als Hélène Althusser

In dem Stück „Le Caïman“ des jungen Autors Antoine Rault

wird in minutiösem Stundentakt die Nacht protokolliert, in

der der Philosoph und École-Normale-Supérieure-Professor

Louis Althusser in seinem Apartment in der rue d’Ulm

seine Frau umbrachte. Der Professor verliert auf sublime

Weise den Verstand, während seine Frau, brillant gespielt

von der aparten Christiane Cohendy, auf sublime Weise

zunehmend an weiblicher Autonomie und Souveränität

gewinnt – wenngleich sie vor Verzweiflung eigentlich schon

vor der Tötung getötet wurde... Ich bin keine Feministin!

„Ein Journalist fragte mich: Warum

schreiben Sie? Ich fragte ihn:

Warum trinken Sie Wasser?“

Aber ich muß Ihnen sagen: ich habe noch nie ein Stück

– ein kulturelles Produkt – gesehen, das die moderne

Aufopferung der intellektuellen Frau gegenüber dem

intellektuellen Mann auf eine so sublime Weise gezeigt

hätte. Das reicht von: ganze Werke abtippen, umschreiben,

Korrespondenz führen, dem Meister Arbeitslisten erstellen,

ihn ermutigen, wenn er verzweifelt, ihn zwingen zu arbeiten,

wenn er nie-mehr-arbeiten-will, aushalten, daß er eine

Geliebte hat, daß er möglicherweise zwei Geliebte hat, Trost

spenden, wenn er mit einer Geliebten Probleme hat, sexuell

bereitstehen, für die Wohnung, das Geld, den äußeren

Schein aufkommen, immer präsentabel sein, unmögliche

Gäste empfangen, Legionen von schlaflosen Nächten auf

sich nehmen, die eigene Depression niederkämpfen, um

seiner

mehr Platz zu lassen... Hat ein intellektueller Mann

(mit Ausnahme von Leonard Woolf) jemals so etwas für eine

intellektuelle Frau getan?

Alles an diesem Stück war jedenfalls sublim-sublim-sublim!

Dazu paßte die Bühne voller weißer Bücher und weißer

Blätter und voller espace wie in neorealistischen Balletten.

Claude Rich ist stark, aber Christiane Cohendy! Sie ist

intelligent, auf temperamentvolle und subtile Weise erotisch

anziehend - also sensuelle -, rothaarig, hellgeschminkt, digne

dans sa douleur

und menschlich.

Clarice Lispector:

„Warum trinken Sie Wasser?“ *

„Mir scheint, wenn man sich selbst so viel Schmerz zufügt,

um ein Kunstwerk zu schaffen, dann ist es nur, um zu

überleben. Warum würde man sich so viel Schmerz

zufügen, um ein Kunstwerk zu schaffen?

Ich glaube, es ist, um zu überleben.“

„Ich schreibe einfach. So, wie man lebt. Deshalb habe ich

es, wann immer ich in Versuchung geriet, aufzuhören zu

schreiben, nie geschafft. Ich habe nicht die Berufung eines

Selbstmörders.

Ein Journalist fragte mich: Warum schreiben Sie? Ich fragte

ihn: Warum trinken Sie Wasser?“

Olga Borelli: „Wenn sie ausging, kam sie erschöpft zurück:

sie setzte sich hin, zündete sich eine Zigarette an und

schaute noch einmal alles durch, was sie getan hatte, sie

machte ihre Buchhaltung, notierte in ihrer Agenda die

nächsten Dinge, die zu erledigen waren. Es gibt allerdings

eine Sache, die sie niemals notiert hatte: schreiben.“

Fleur Jaeggy und die Schwäne

Fleur Jaeggy liebt vor allem Katzen. Aber für „Proleterka“

hatte sie sich in den Norden zurückgezogen, um mit einem

Schwan Freundschaft zu schließen, ihn jeden Tag zu

besuchen und mit ihm zu sprechen. Dabei entstand, wie

gesagt, das eisklare Buch „Proleterka“, das natürlich eine

andere Geschichte als die der Freundschaft mit dem Schwan

erzählt. Ich hatte Fleur Jaeggy in Wien kennengelernt,

und wir sprachen manchmal am Telephon miteinander.

Als sie aber in Mantua aus „Proleterka“ las und auf ihre

tröpfchenzählerhaft-enigmatische Weise den Fragen nach

„autobiographischen Hintergründen“ auswich, die der

Moderator ihr stellte, wagte ich es nach der Lesung nicht, zu

ihr zu gehen. Stattdessen kaufte ich mir in der Stadt ein paar

Minuten vor Ladenschluß eine Kette aus durchsichtigem

Bergkristall, die mich an Fleur-die-Schwäne-und-das-

Schreiben erinnern sollte. Einige Jahre später unternahm ein

Freund von mir einen kleinen Ausflug mit Fleur Jaeggy. Als

ich davon erfuhr, rief ich ihn an und fragte wie eine Spionin:

„Und, und, wie war sie?“ Der Freund antwortete, leise

lächelnd: „Weißt du, sie erinnerte mich an dich – an dichwie-du-sein-wirst-wenn-du-älter-bist...

Sie ist so zerbrechlich

wie du!“ Ich hatte immer gedacht, ich sei nicht wie Fleur, ich

sei wie Françoise aus „Die seligen Jahre der Züchtigung“,

das heißt, ich würde enden

wie Françoise – denn natürlich

bin ich nicht-wie-Françoise.

„Magische Verwandlung“:

Anatoli Vassilievs „Voyage d’Onéguine“

in den Ateliers Berthier

Hans-Georg Gadamer hatte einmal behauptet, daß sich

im Theater eine „magische Verwandlung“ vollziehe. Diese

schien Anatoli Vassilievs „Voyage d’Onéguine“ von Anfang

an verfehlt zu haben...

Eigentlich wollte ich mich gar nicht auf das Zuschauergerüst

setzen, denn bereits vor der Aufführung befand sich das

ganze Theater in einer künstlichen Partystimmung... Und

während des ganzen ersten Teils habe ich das Stück und

die Schauspieler und den Regisseur aus tiefstem Herzen

gehaßt! Ich fragte mich die ganze Zeit, was Gérard Haddad,

einer der bekanntesten Pariser Psychoanalytiker, der unter

den Zuschauern saß, psychoanalytisch darüber dachte!

Ich haßte, wie gesagt, alles: Rußland, die Poeten, den

Alkohol, den statuenhaften Körper der nackten Frau, die

Phantasmen, die Tiere, die Maiblumen, den Wind! Es war

heiß... All dies gipfelte in der Vision des weißen Klaviers!

Mein Gott, dachte ich, nicht einmal Chagall hätte sich ein

weißes Klavier erlauben können! Es war heiß, und ich wollte

von nichts etwas wissen... Die Schauspielerinnen dumme

Ballerinen! Eine erbärmliche Ausstattung, russischer

Kitsch! Stupide Symbole! Nichts berührt, und es gibt kein

Forschreiten der Handlung, keine Entwicklung. Und dann,

plötzlich, evozierte alles, obwohl es immer noch auf die

selbe Weise existierte, genau das das Gegenteil dessen, was

es zu sein schien! Von einem Moment auf den anderen

sah man unerhörte, delierierte, schockierende Details,

Leiden-im-Wunder und Wunder-im-Leiden, Schauspieler,

die sich in Tiere verwandelten! Als ob plötzlich, bei einem

Abendessen, eine Torte explodierte, und man weiß nicht, ob

der Schaum, der austritt, lustig oder lebensgefährlich oder

möglicherweise beides ist. Ball der Tiere! Apotheose wie in

„Der Zauberberg“!

Später las ich ein Interview mit einer jungen Schauspielerin,

die Heiner Müllers „Medea“ unter Vassiliev gespielt hatte

– sie sagte, es gebe drei Arten schauspielerischer Intonation:

die „exklamative“, die „narrative“ und die „affirmative“ – und

natürlich habe Vassiliev für „Medea“ die affirmative gewählt

(für „Onéguine“ aber wohl doch die exklamative)...

*Übersetzung: B.G.

BETTINA GALVAGNI, geboren 1976 in Bozen. Derzeitiger Wohnort:

Paris. Veröffentlichungen: Melancholia, Residenz Verlag, Salzburg, Wien

1997 (Roman); Persona, Luchterhand Literaturverlag, München 2002

(Roman). Beiträge in Anthologien, Zeitschriften und Zeitungen (Italien,

Österreich, Deutschland, Schweiz, Kroatien, Polen, USA).

Österreichisches Staatsstipendium für Literatur 1987/88,

Ernst-Willner-Preis 1997, Rauriser Literaturpreis 1998.


Nr. 13/2007

Buch XI - Literatur ST/A/R 87

Viennazetat

Hanno Millesi

Der Kellner blickt mich aus erstaunten, gleichzeitig aber

auch verletzten Augen an, macht kehrt und taumelt wie

ein von einer unerwarteten Rechten seines Gegners schwer

getroffener Boxer Richtung Kaffeemaschine. Seine wackligen

Bewegungen machen mich betroffen und zwingen mich, das Lokal

zu verlassen, ehe er Gelegenheit hat, zurückzukehren.

Wenn ich ehrlich bin, ist es zunächst nur so ein Gefühl, das mir

nahe legt, unverzüglich wegzugehen. Die Zusammenhänge begreife

ich erst vor der Türe. Was war geschehen? Unmittelbar bevor

ich mein lange ersehntes Ziel erreicht hatte, von diesem Kellner

respektiert und als so etwas wie ein „das Übliche“-Gast anerkannt

zu werden, war mir nichts Unpassenderes eingefallen, als meine

gewohnte Bestellung überraschend abzuändern. Wie konnte es dazu

kommen? Die Erklärung liegt darin, dass es mit meiner Gesundheit

an diesem Tag nicht zum Besten stand, und ich die Leichtsinnigkeit

beging, Rücksicht darauf zu nehmen.

Nunmehr stehe ich wieder auf der Straße, ohne einen Ort, an dem

ich mich wohl fühle und nach wiederholten Besuchen willkommen

geheißen werde, einen Ort, zu dessen alltäglichem Erscheinungsbild

ich gehöre. Das würde mir schon reichen, um zufrieden zu sein.

Diese Zufriedenheit könnte dann von mir abstrahlen und die

Atmosphäre im gesamten Lokal bereichern. Sie ginge auf die

anderen Gäste und sogar auf das Personal über.

Als nächstes versuche ich es mit der Filiale einer Kaffeehauskette.

Beim Anblick der Auswechselbarkeit von Einrichtung, Dekoration,

Angebot und Bedienung, in gewisser Weise sogar der Gäste, befällt

mich ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Hier kennt man mich

nicht und legt zweifellos auch keinen Wert darauf, mich kennen zu

lernen.

Dennoch gibt sich die uniformierte Kellnerin, nachdem sie

eine Tasse Kaffee vor mich hingestellt hat, die größte Mühe,

den Eindruck zu erwecken, ich stünde bereits nach so kurzer

Zeit unmittelbar davor, in den Kreis der beliebtesten Gäste

aufgenommen zu werden. Als ob es dafür lediglich der

entsprechenden Voraussetzungen bedürfe.

Ungefragt erzählt sie eine Geschichte aus ihrem Arbeitsalltag.

Jemanden an den Details des eigenen Lebens teilhaben zu lassen,

gilt als Angebot eines Vertrauensverhältnisses. Mir hingegen dient

die Geschichte als Hinweis darauf, dass gar kein Interesse daran

besteht, Vertrauen aufzubauen, sondern ganz einfach irgendwo

beschlossen wurde, Vertrauen habe hier und jetzt zur Verfügung zu

stehen.

Ich höre den Schilderungen der zu der Filiale und seiner

Ausstattung gehörenden Kellnerin gelassen zu und erfahre, wie sich

der Kaffeehaus-Alltag, trotz der penibel auf Einheitlichkeit ausgerichteten

Erscheinungsform des Unternehmens, in den einzelnen Filialen

unterschiedlich gestaltet.

Während die Kellnerin mir das anvertraut, nicke ich freundlich und

verständnisvoll. Am Waschbecken auf der Toilette finde ich weder

Armaturen noch Papierhandtücher. Auf einem Schild schwärmt ein

Hersteller von perfekter Hygiene aufgrund absoluter Berührungslosigkeit.

Bei meinem zweiten Besuch in der Filiale der Kaffeehauskette – mit

dem zweiten Besuch entpuppt man sich als potentieller Stammgast

–, habe ich den Eindruck, von der Bedienung nicht erkannt zu

werden, obwohl ich mich auf denselben Platz setze wie beim

letzten Mal. Erst als ich auf mich aufmerksam mache, werde ich

wahrgenommen.

Möglicherweise handelt es sich um eine andere Kellnerin. Die zum

Verwechseln ähnlich sehende Uniform, dieselbe Funktion, mit den

gleichen Bewegungen ausgeführt; der Mensch scheint allerdings

ein anderer zu sein. Ich sage scheint, weil ich es nicht mit Sicherheit

sagen kann. Vielleicht liegt der Irrtum ja bei mir.

Jedenfalls erkennt mich die Kellnerin zunächst nicht, was gar

nicht so einfach herauszufinden ist. Genau wie ihre Kollegin, oder

vielleicht ja doch sie selbst bei meinem letzten Besuch, bemüht sie

sich, unmittelbar nachdem sie mich bemerkt hat, den Anschein

zu erwecken, als hätte ich bereits vor meinem Eintreffen, also vor

einer eventuellen Begegnung mit ihr, zu diesem Lokal und seiner

scheinheiligen Atmosphäre gehört.

Überrascht bin ich erst, als sie mir, sobald sie ein paar Augenblicke

erübrigen kann, weil es im Lokal ruhiger geworden ist, ebenso

unaufgefordert wie haargenau die gleiche Geschichte erzählt, die

mir bei meinem letzten, also ersten Besuch erzählt wurde. Wer nun

annimmt, dieses Verhalten hätte mich überzeugt, es mit ein- und

derselben Person zu tun zu haben, deren Gesicht ich mir lediglich

nicht gemerkt hätte, irrt. Mir kommt wahrscheinlicher vor, dass es

sich um eine andere Person, aber dieselbe Strategie handelt. Eine

Strategie, der zufolge für einen Gast, den man zum ersten Mal im

Lokal begrüßt, eine auf Vertrauen ausgerichtete, in Wahrheit jedoch

abschreckende Annäherung vorgesehen ist.

Ich überlege mir, ob die Geschäftsführung die weiblichen

Angestellten nach einem bestimmten Typ Mensch aussucht;

auch äußerlich. Vielleicht handelt es sich um in die Jahre

gekommene Liebesverhältnisse des Direktors. Aus diesem Grund

entsprechen die Kellnerinnen ausnahmslos einem vom Direktor für

Liebesverhältnisse bevorzugten Typ Frau.

Als kleines Dankeschön beschäftigt die Unternehmensleitung sie,

sobald sie als Geliebte des Direktors nicht mehr in Frage kommen,

in einer der Filialen der Kaffeehauskette. Vielleicht dürfen sie sich

sogar aussuchen, in welcher sie Dienst tun. Zumindest am Anfang.

Mit der Zeit ist es ihnen ohnehin egal.

Schließlich muss ich mir eingestehen, dass mir der Gedanke, die

Filiale der Kaffeehauskette weiterhin zu besuchen, unerträglich ist.

Nicht so sehr aufgrund einer von mir empfundenen

Missachtung meiner Person und der

darin enthaltenen Kränkung, sondern

weil ich die immer wieder erzählte

uninteressante Geschichte keinesfalls

ein weiteres Mal hören möchte.

Vorübergehend bin ich im Lokal

eines sehr vornehmen älteren Ehepaars

untergekommen. Die beiden sind ganz

anders als das einander zum Verwechseln ähnlich

sehende Personal in der Filiale. Sie möchten eigentlich weder von

mir etwas wissen, noch irgendetwas über sich erzählen. Sie dulden,

dass ich in ihrem Lokal sitze und kommentieren dieses Bedürfnis

mit Schweigen.

Er spricht überhaupt nur, wenn sie ihn dazu auffordert. Eine

Zeit lang habe ich angenommen, sie erteile ihm so etwas wie die

Erlaubnis zu sprechen; offenbar findet er es aber nur einfach nicht

der Mühe wert. Manchmal, wenn sie in der Küche verschwindet,

murmelt er ein paar unverständliche Worte in sich hinein. Er ist

groß gewachsen und strahlt etwas Abweisendes aus. Man möge

nicht auf die Idee kommen, ihn zu strapazieren. Ich glaube, dass er

mich einigermaßen sympathisch findet, da ich mich unauffällig und

anspruchslos verhalte. Wenn er mir den Kaffee bringt, bedanke ich

mich jedes Mal, beim Zahlen gebe ich ein großzügiges Trinkgeld,

als würde ich ihn dafür entlohnen, mich in Ruhe zu lassen und mir

keine Geschichten aus seinem Arbeitsalltag zu erzählen.

Die Zurückhaltung seiner Persönlichkeit scheint bei ihr in Energie

umgewandelt. Sie ist klein gewachsen und dynamisch. Während

meiner ersten Besuche vermittelte mir ihr Blick ein Gefühl, als

verdächtige sie mich irgendeiner Missetat oder einer Absicht, für die

ich mich eigentlich schämen sollte. Ich atme auf, sobald sie sich in

die Küche zurückzieht, um eine der kleinen Speisen zuzubereiten,

die sie und ihr Mann anbieten. Ich habe mir schon überlegt, die

eine oder andere als eine Art Friedensangebot bei ihr zu bestellen,

konnte mich allerdings bislang noch nicht dazu überwinden. Ich

stelle mir vor, sie könnte es mir übel nehmen, ihnen zusätzliche

Arbeit aufzuhalsen. Würde ich die Speise dann auch noch loben,

käme das der Verhöhnung ihres Berufes und ihrer Person

gleich. Trotz oder vielleicht sogar aufgrund ihrer Strenge, kann

ich mir kaum etwas Schöneres vorstellen, als von ihr anerkannt

und als Gast willkommen geheißen zu werden. Stattdessen hat

Erst als ich auf mich

aufmerksam mache, werde ich

wahrgenommen.

mir die Ablehnung, die ich von ihrer Seite erfahre, zu einem

unausgesprochenen Bündnis mit ihrem Mann verholfen.

Eines Tages tritt dieser an den Tisch, an dem ich Platz genommen

habe, und hält mir eine zusammengefaltete Zeitung hin. Ich bin es

nicht gewohnt, etwas zu erhalten, nachdem ich nicht gefragt habe,

aber ein rührendes Element in dieser Geste lässt mich zugreifen

ohne darüber nachzudenken. Seinem Gemurmel entnehme

ich, dass er die jeweils neueste Ausgabe vorsorglich hinter der

Kaffeemaschine versteckt, da sie bereits häufig lädiert oder sogar

gestohlen worden sei. Man müsse darüber nichts wissen, sagt er mit

einem Nicken des Kopfes in Richtung Küche, und ich weiß, dass er

seine Frau meint. Von diesem Moment an sind wir Komplizen.

Als ich mich gestern nach der Zeitung erkundigt hätte, habe er

sofort begriffen, dass es sich bei mir ebenfalls um einen Interessenten

handle. Das Eigenartige ist, dass ich mich überhaupt nicht nach

einer Zeitung erkundigt habe. Gestern bin ich nicht einmal hier

gewesen. Auf diesen Umstand hingewiesen, würde er mit Sicherheit

lächeln, sofern seine Mimik eine solche Dramatik zuließe.

Stattdessen dreht er sich um und geht Richtung Kuchentheke.

Bei dem Blatt handelt es sich um die Nachrichten des Dachverbandes

der landesweiten Schachvereine. Ich interessiere mich nicht für

Schach. Ich habe dieses Spiel immer für eine überschätzte,

lediglich aufgrund eines vermeintlich intellektuellen Flairs populäre

Beschäftigung gehalten. Der Kellner muss mich verwechseln. Und

das passiert ausgerechnet in dem Moment, in dem so etwas wie ein

Vertrauensverhältnis zwischen uns Gestalt anzunehmen begann.

Ab jetzt wird er mir regelmäßig eine Zeitung bringen, die mich

überhaupt nicht interessiert und mich dennoch davon abhält,

einfach nur dazusitzen und meinen Gedanken nachzuhängen.

Ich kann den Kellner, der gleichzeitig der Wirt, der Ehemann der

Wirtin ist, nicht einmal auf seinen Irrtum aufmerksam machen, da

ich ihn damit einer groben Nachlässigkeit überführen würde. Oder

ich müsste behaupten, mich von heute auf morgen nicht mehr für

dieses Spiel begeistern zu können, von dem Fachleute sagen, eine

ungeheure Tradition sei daran geknüpft. Ein Sinneswandel, der

geradezu danach schreit, Misstrauen zu erwecken. Ich beschließe,

dieses Kaffeehaus nicht mehr zu besuchen.

Stattdessen versuche ich es mit einem Lokal ganz in der Nähe

meines Wohnhauses. Ich habe bisher einen Bogen darum

gemacht, da es mir auf den ersten Blick hässlich und unbequem

vorgekommen ist. Ich wollte aber auch nicht gesehen und als hier

ansässiger Mensch erkannt werden, der es offenbar

vorzieht, ganz woanders Kaffee zu trinken.

Nach den Erfahrungen der letzten Wochen

bin ich zu einem Verhalten bereit, das

ich vor kurzem noch für aussichtslos

gehalten hätte.

Und ich kann mich nicht beklagen.

Vielmehr scheint sich ein Sprichwort zu

bewahrheiten, wonach der sicherste Platz

unmittelbar im Schatten der Gefahr zu finden ist.

Zwar ist die Einrichtung in der Tat unansehnlich und alles andere

als gemütlich – vielmehr fühlt man sich wie in einer Kulisse, einer

billigen Ausstattung, die ein Kaffeehaus markieren soll, und von

irgendwoher dringt fortwährend Radiomusik –, andererseits werde

ich seit meinem dritten oder vierten Besuch wie jemand behandelt,

der schon einige Male hier gewesen ist. Man begrüßt mich, und,

da kaum Gäste in dieses Kaffeehaus kommen, kann ich bei jedem

Besuch am selben Tisch Platz nehmen. Selbstverständlich wissen

die Leute hier nichts über mich, und das ist mir auch lieber, was sich

aber unmöglich bestreiten lässt, ist die Tatsache, dass es sich bei mir

um jemanden handelt, der immer wieder hier anzutreffen ist. Wenn

es so weitergeht, wird sich daran auch nichts ändern.

Ich beginne mich an meine Umgebung zu gewöhnen und

emotionale Beziehungen herzustellen. Zur Kellnerin, einer jungen

Frau, die ganz alltägliche Garderobe trägt, keine, die sie als Personal

ausweist – gerade so als befänden wir uns bei ihr zu Hause –, zu

den beiden elegant gekleideten Herren, die sicherlich am Gericht zu

tun haben, das sich in dieser Straße befindet, und zu der Studentin,

die offenbar aus ihrer viel zu kleinen Wohnung oder dem Chaos in

ihrer WG geflüchtet ist um hier zu lernen.

Eine besondere Beziehung verbindet mich mit dem älteren Mann,

der jeden Tag, jedenfalls immer wenn ich das Kaffeehaus besuche,

in der Nische beim Fenster sitzt. Er ist das, was ich werden möchte:

lebendiges Inventar. Seine gekrümmte, über Zeitungsartikel,

Illustriertenseiten und Kreuzworträtsel gebeugte Gestalt gehört zur

Identität dieses Lokals. Mich hat er, glaube ich, noch nicht bemerkt.

Er ist zu sehr mit sich beschäftigt. Aber schließlich kann mich auch

das übrige Inventar nicht bemerken, während ich es fortwährend

beobachte und bereits ein paar Einzelheiten weiß. Der alte Mann

beispielsweise sieht sehr schlecht und muss alles Geschriebene

ganz knapp vor seine Augen halten. Jedes Mal wenn er etwas

unterstreicht oder einen Begriff in das Raster des Kreuzworträtsels

einträgt, sieht es aus, als rieche er an der Tischplatte. Außer mir fällt

das niemandem auf. Alle sehen darüber hinweg. Jeder nimmt den

alten Mann, wie er eben ist.

Ab und zu wird der alte Mann von einem fürchterlichen

Hustenanfall geschüttelt. Ein solcher Anfall beginnt mit einem

unscheinbaren Räuspern und steigert sich allmählich zu einem

beängstigenden Dröhnen, einem hysterischen Würgen, unter das

sich grollende Laute mischen. Zwischendurch ist immer wieder

schrilles Kreischen zu hören, quietschende Geräusche, die direkt

aus dem Inneren dringen, als melde sich eine ganz andere Ausgabe

des alten Mannes in dieser bedrohlichen Situation zu Wort. Ein

anderer als der, den ich hier im Kaffeehaus sitzen sehe. Obwohl ich

überzeugt davon bin, dass da nichts wirklich Gefährliches passiert,

denke ich mir ab und zu, diesmal könnte es zuviel für ihn werden.

Irgendwann wird er am Höhepunkt eines solchen Anfalls, wenn

man glaubt, es ziehe ihm die Gedärme durch den Hals aus dem

Körper, verstummen und in sich zusammensacken. Unzweifelhaft

werden sich augenblicklich Menschen, die zu diesem Kaffeehaus

gehören, von dem der alte Mann ein Bestandteil ist, um ihn

kümmern. Ich selbst möchte an dem Tag, an dem es soweit ist,

allerdings nicht anwesend sein. Der Gedanke, daneben zu sitzen,

wenn der alte Mann an seinem eigenen Husten erstickt und stirbt,

ist mir unerträglich. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, in

Zukunft nicht mehr in dieses Kaffeehaus zu gehen.

Hanno Millesi, geb. 1966 in Wien. Studium an der Universität Wien

und der Hochschule für Angewandte Kunst Wien.

Bisher erschienen (Auswahl):

Disappearing - Rückzugsvarianten, Ritter Verlag, Wien/Klagenfurt,

1998; Primavera, Ritter Verlag, Wien/Klagenfurt 2001; Traumatologie

(gem. m. Klaus Mosettig), Triton Verlag, Wien 2002; Im Museum der

Augenblicke, Triton Verlag, Wien 2003; Kalte Ekstasen, (gem. m. Max

Boehme), Sensationsverlag, Wien 2004; Ballverlust (gem. mit Stefan

Lux), Schlebrügge Editor, Wien 2005; Mythenmacher, Literaturverlag

Luftschacht, Wien 2005; Wände aus Papier, Literaturverlag Luftschacht,

Wien 2006.


88 ST/A/R

Buch XI - Literatur

Nr. 13/2007

zweisam

Sophie Anna Reyer

Hättest die Hoffnung aufgegeben dass der Schmerz.

Aber ein besserer Kauvorgang.

Beliebtere Verdauung.

Mundgerechterer Schmerz sage ich.

Verabreicht in zugeschnittenen Happen die nicht an den Lippen

bröckeln.

Vorgekaut vielleicht sagst du. Pürrierter Trauerbrei.

Und wenn ich die Pudelmütze aufgesetzt in Stirn und Nacken

gezogen: Bin ich dein Schlumpf der Traurigkeit.

Die verkniffenen Hinschauaugen.

Es geht schnell die Packung liegt auf dem Tisch auf wie

selbstverständlich und zur Sicherheit sagt sie und malt kleine Kreise

in den gelben Kalender hakt Tage ab notiert Geschlechtsverkehrsdaten

sagt sie zur Sicherheit sagt sie noch einmal zur Sicherheit auf der

Liste ist angekreuzt dass kein Kinderwunsch ob sie da richtig und

du nickst die Zunge im Hals angeschwollen ist dick verschluck sie

nicht jetzt nicht die Pille ist eine weiße Mandel hinter einer Glasfolie

du könntest sie gleich hier du drückst sie aus der Packung und kein

Zögern wirfst den Kopf in den Nacken Wasser ins Glas und in den

Schlund kippen und trinken und würgen.

Denkst nicht.

Hinter den großen Fenstern fahren Autos.

Verregnete Straßen.

Ins Bett sacken. Seine Hände liegen in den Mulden meiner

Schlüsselbeine.

Die Augenringe hängen mir schwer im Gesicht sage ich. Und:

Also nicht mehr in diesem Leben.

Auf dem Herd röchelt eine Espresso-Maschine. Die Decke

erdrückt meine Schultern.

Er schmiegt mir die Nase an den Eiterhals. Reibt und reibt.

Nennt mich: Babyface.

Und ich dachte ich hätte gearbeitet sage ich.

Das macht also dann dreizehn Euro und die Nachuntersuchung

schau sagst du dir es ist gar nicht schlimm die Gefühle bleiben im

Bauch stecken und schieben sich nicht rauf bis ins Gehirn schau du

blätterst in deinem Kalender gut und der vierte ob es irgendwelche

Nebenwirkungen und sie lächelt mit zusammengezogenen

Augenbrauen und hinter den Fenstern der Regen fällt ohne dass du

ihn hörst.

Mir ist so voll dass ich leer bin.

Der Wind verweht dir den Saum des Mantels um die Füße das linke

Auge tränt Pfützen am Boden und daheim wirst du Kaffee aufstellen

und mit dem Schwamm über die rote Anrichte der Küche wischen

die bebröstelten Frühstücksteller in den Geschirrspüler räumen den

Klirrgeräuschen nachhören als wären sie das einzig echte und er wird

auf dem Küchentisch sitzen das Blatt bekritzelt haben wird dann

langsam aufstehen und dich in eine Umarmung würgen und du

wirst wieder lächeln und die Pflichttermine des Tages abgehen wie

selbstverständlich.

Mir schwillt alles zu sage ich. Die Nippel zwei Nadeln die mir in

den Pullover stechen. Der Bauch spannt sich und wabert so um

mich herum.

Ich wollte nie eine Frau sein.

Als ob das eine Lösung wäre sagt er und startet den Laptop.

Ein Kind läuft vor der Straßenbahn her und es drückt dich in den

Sessel wie das juckt in den Achseln zwei Tage haben sie gesagt dann

wird‘s dich wieder ausbluten wie gewöhnlich wir wollen doch nicht

dass Ihr Zyklus und du hast genickt genickt und schaun Sie wenn Sie

am Freitag die nächste Pille einnehmen dann werden Sie in 20 Tagen

die Menstruation haben Sie verstanden du nickst mir leeren Augen

ein Tropfen rinnt an der beschlagenen Scheibe herunter hinter dem

Fenster schau da ist nicht einmal ein Schmerz den Schmerz machst

doch nur du keine Gefühle das Kind läuft vor der Straßenbahn her

und der Rucksack wippt ihm im Rücken und die Haare sind fettig

und dunkelbraun und es dunkelt sich langsam an die Scheibe der

Straßenbahn heran.

Kalt.

Dir gefriert jede Träne an der Wange.

Er drückt mir die Tasse Tee in die stumpfen Hände. Bricht ab

von der Karottenschokolade.

Lässt ein Bad ein das wieder kalt wird.

Gefühle stecken im Raum. Ausgekotzt.

Und dem Kind bläst der Wind die Haare aus dem geröteten Gesicht

der Mund verkniffen als würde es sich die Lippen einsaugen und es

läuft vor der Straßenbahn her und der Wind bläht ihm die Ärmel des

Rollkragenpullovers und ob Sie einen Kinderwunsch nein sagst du ich

habe keinen und das Medikament eine Mandel hinter Plastik die du

rausdrücken musst und mit einem Schluck und hinunter spülen und

gleich ist es vorbei hinter dem Fenster Regen und Autos der Himmel

pisst grau auf die Stadt herab und es bläht dir den Bauch du lehnst

den Kopf an die Fensterscheibe das Kind von hinten es läuft läuft

der Straßenbahn davon die steht und es freut sich und läuft vor der

Straßenbahn her bis es das nächste Grau verschluckt hat und du nur

wird brennen

in den Fenstern

zum Treppenhaus hin

und nach Mandarine

mehr den Tropfen hast der an der beschlagenen Scheibe herunter rinnt

und der Schmerz dringt nicht vor bis ins Herz ins Hirn die Gedanken

eingefroren.

Und: Er schaut Film. Das rechte Auge leicht geschwollen. Macht

dann Kaffee.

Öffnet die Türe zum Gang. Ins Treppenhaus rauchen.

Die Pille hinter der weißen Glasfolie und der Wind verweht dir den

Mantel um die Füße und ein Vogel scheißt dir auf den Kopf süßlicher

Geruch nach Kot es geht schnell einfach schlucken und Sie haben ja

keinen Kinderwunsch Frau nein ich habe keinen hinter dem Fenster

die verlorenen Scheinwerferlichter der Autos grelle Quadrate in

verregnetem Grau Regen überzieht dir den Blick mit wässrigen Rillen

und die Tränen traun sich nicht raus aus deinen Augen da ist kein

Schmerz er steckt dir im Kopf sickert nicht durch zu den Herzrändern

in die Hirnwindungen und du wirst wieder die Pflichttermine des

Tages abhaken in deinem Kalender und Kalorien zählen laufen

gehen denk daran du hast keinen Kinderwunsch und wenn‘s dir nur

nicht dieses Gefühl von Wasser in den Waden Eiter um die Eierstöcke

aber es war doch ganz einfach in den Schlund kippen und Wasser

nachschütten und würgen und die Mandel drückt sich durch die

Speiseröhre und du hast keinen Kinderwunsch und es verweht dir den

Mantel um die Füße grauer Tag.

Aufstehen.

Bleib liegen sagt er. Draußen verhängt der Regen die Stadt trink

den Tee sagt er und schiebt mir Rippchen Karottenschokolade

zwischen die Lippen.

Der gelbe Kalender liegt auf dem Tisch und sie malt kleine Kreise um

Zahlen herum nämlich Geschlechtsverkehrsdaten und um wieviele

Stunden zu spät du denn und zur Sicherheit sagt sie und du kannst

auf einmal nicht mehr schlucken nur nicken und nicken und die

Zunge lahmgelegt und drückst die Mandel aus der Verpackung raus

und runterspülen mit Wasser das geht doch ganz leicht -

Ich dachte ich hätte gearbeitet. Dass mir die Abgründe nicht

mehr.

Seine Hand ruht sich aus auf meinem Hinterkopf. Bin ich also

doch der Schlumpf des Schmerzes sage ich kleines Leid mit

Pudelmütze. Er lacht sich Falten um die Nase.

Streicht mir mit den breiten Händen das Haar hinter die Ohren.

Und das Jucken an den Nippeln die Waden voll Wasser

melonengeschwollener Bauch sie haben gesagt zwei Tage dann wird

sich alles aus dir rausspucken rausbluten aber Sie haben doch keinen

nein bitte geben Sie mir die Bittermandel in Plastik mir steckt nur der

Kehlkopf

fest und du versuchst zu schlucken aber es kommt nur ein

Nicken heraus -

Und du und ich wir wären Kinder und würden vor den

Straßenbahnen herlaufen mit federnden Schritten Luftzug im

Haar keuchend aber als wärn uns Sprungfedern aus den Sohlen

gewachsen und du würdest meine Hand nehmen und mich

nach vorne ziehen und prusten und Schleim spucken, Schlumpf

meines Schmerzes, sagt er.

Und wir würden nicht erwachsen werden und du Babyface und

wir wären alte Kinder mit vielen Falten und du wärst keine Frau

sagt er.

Und dann: Lange seinen Rücken anschauen. Drücke ich den

Schaukelstuhl immer wieder mit den Füßen vom Boden weg.

Wippbewegung. Ein Tropfen auf der Fensterscheibe. Der

Himmel ist schwer von soviel Regen.

Seine hochgezogenen Schultern, kleiner Buckel zu Beginn der

Wirbelsäule.

Der Tag steckt.

Nie wieder essen wie schwer einem solche Augen sein können

dumpfe Schritte um die Kniekehlen eine Lähmung kannst nichts

mehr abbiegen und bei jedem Schritt hältst dich am Geländer fest

ziehst dich die Stufen hinauf Licht wird brennen in den Fenstern

zum Treppenhaus hin und nach Mandarine wird es riechen nach

dem Thunfischgericht vom letzten Abend an dem er die Vorhänge

zugezogen im Knien das bisschen Fleisch am Arsch angespannt und

dann sich über dich und in dich hinein geborgen gebogen und alle

Öffnungen geschlossen mit dem Entzücken seiner bloßen Haut dich

später in der Umarmung an den Nabel gedrückt nasser Spermageruch

und gefurzt und gelacht hat und

und du erzählt hast.

Im Schock geht man den Alltag ab wie gewöhnlich.

Du riechst wie eine Zimtschnecke sagt er. Weihnachtsgebäck.

Können Tränen auftauen sagt er.

Besserer Kauvorgang. Das schafft auch deine Verdauung.

Sophie Anna Reyer, geboren am 20.12.1984. Erste lyrische Versuche

mit 17 Jahren. Studiert Germanistik und Komposition bei Clemens

Gadenstätter auf der Musikuniversität Graz. Arbeit mit der literarischen

Gruppe “labyrinth”- Komposition elektronischer Musikstücke.

2005 wurde der Lyrikband “geh dichte”

bei EYE-Literatur der

Wenigerheiten veröffentlicht, 2006 die Komposition „ichsplitter“

für 2

Bassklarinetten und Elektronik beim Grazer Hörfest uraufgeführt.

Seit 2006 publiziert Sophie Reyer in verschiedenen

Literaturzeitschriften.

Schriftwechsel Nr. 3, supported by

Wien

Kultur

Desktopfoto Nr. 3 , von Petra Coronato, Berlin, 10.3.2007. Schriftstellerin: Texte, Fotos.


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XII - mel contemporary ST/A/R 89

mel contemporary

die neue exzeptionelle Galerie

für moderne Kunst in Wien 1

Virgilius Moldovan „Rembrandt der Wegweiser“, Höhe 280 cm, Silicon,

Kunstwerk des Monats im ORF-Treffpunkt Kultur/November 2006


90 ST/A/R

Buch XII - mel contemporary Nr. 13/2007

Von der mel factory

zur

Galerie mel contemporary

Genau vor einem Jahr – im April 2006 - öffnete die Galerie mel

contemporary mit der Ausstellung „Wirklichkeiten“ das Tor zur

Kunstwelt am Schubertring, Wien 1.

Die Auswahl der Bilder und Objekte sowie der KünstlerInnen für diese

Ausstellung stand bereits programmatisch für die Philosophie und kunstund

gesellschaftspolitische Ausrichtung des M.E.L – Kunsthandels.

Gezeigt wurden neben Werken der „alten“ Wirklichkeiten (Martha Jungwirth,

Wolfgang Herzig, Kurt Kocherscheidt, Peter Pongratz, Franz Ringel, Robert Zeppel-

Sperl), Alfred Hrdlicka, Arnulf Rainer, Jürgen Messenssee, Herwig Zens deren

Aktualität und Radikalität immer noch hochbrisant ist, auch „junge“ KünstlerInnen,

wie z.B. Adi Brunner, Mario Dalpra, Oscar Holub, Jo Kühn, Virgilius Moldovan,

Thomas Nemec, Martina Reinhart, Brigitte Sasshofer und Heimo Wallner, die unser

Programm des „virtuellen Realismus“ präsentieren.

Insgesamt gab es seitdem 12 weitere Ausstelllungen (siehe Kasten) eine notwenige

Parallelaktion zum „erdrückenden“ Mozartjahr in Form der Ausstellungsund

Veranstaltungsreihe „Im Schatten Mozarts“, sowie eine kunstpolitische

Intervention im öffentlichen Raum durch die Verteilung von 8000 zweisprachigen

Straßenschildern „Kärntner Straße/Koroska cesta“ in der Wiener Innenstadt.


Seit Juli 2006 gibt es vis à vis die Kunstbuchhandlung mel edition und das „Kleinste

Antiquariat von Wien“ (Peter Matejka) am Schubertring 10 mit ausgewählten

Kunstbüchern und bibliophilen Raritäten, sowie monatlichen Lesungen

renommierter AutorInnen.

„Die Galerie mel contemporary und der M.E.L.- Kunsthandel verstehen den

Kunstmarkt als raumzeitliches Ereignis der multiplen gesellschaftlichen Bewertung

der Kunstwerke, der Kunstprozesse, der kunst-situativen Kontexte, der individuellen

Stellungnahmen, der persönlichen und kollektiven

Genüsse und Frustrationen, der (un-)erfüllbaren

Hoffnungen und suggestiven Verführungen.“ R.S.

VERANSTALTUNGEN 2006

Aktion „Denkmal-Sprachmal“ von Jürgen Schiefer „Kärntner Straße/Koroska

‹Aktion

cesta“ in der Wiener Innenstadt am 19. Juli 2006

Foto: Thomas Lehmann

Wie alles begann…

Die neue Galerie mel contemporary ist natürlich nicht aus dem

Nichts entstanden - seit 1998 gibt es die mel factory im 14.

Wiener Gemeidebezirk - ein „Art space” in einer ehemaligen

Fabrikshalle als die ideale Präsentationsfläche für ein

vielfältiges, abwechslungsreiches Programm mit Austellungen,

Lesungen, Musik und Performances, sowie Symposien und

Veranstaltungsreihen. Neben Künstlern aus Österreich wurden

auch immer wieder KünstlerInnen aus China, Japan, Mexiko,

USA und Kuba präsentiert. Auf diesem Kunsthumus wuchs das

Gesamtprojekt der mel contemporary. Viele der Projekte wurden

in enger Zusammenarbeit mit dem Verein „webbrain“ entwickelt

und durchgeführt. Einen Überblick der Projekte finden Sie unter:

http://members.vienna.at/webbrain/

Ab Mai 2007 werden auch in der mel factoy wieder interessante

Ausstellungen und performances stattfinden

(siehe Vorschau letzte Seite).

„Wirklichkeiten“

(6.4.- 15.5.2006)

„Das Radierte Tagebuch“

Herwig Zens

(25.5.-16.6.2006)

„Papiere“

Jürgen Messensee

(28.6.-30.7.2006)

„Fine Art Brut“

Adi Brunner, Astrid Hofstätter, Oscar Holub

(8.9.-25.9.2006)

„Im Schatten Mozarts“

Jo Kühn, Adrian Moldovan, Virgilius Moldovan, Sybille-Maria

Pfaffenbichler, Jürgen Schiefer, Christoph Theiler, Otto Brusatti,

Kurt Palm, Urs Hefti, Georg Biron

(13.10-17.11.2006)

„Neue Arbeiten“

Ernst Ferdinand Wondrusch

(30.11-17.12.2006)

„Weihnachtsausstellung“

Astrid Hofstätter l Oscar Holub l Joseph Kühn l Thomas Nemec l

Martina Reinhart l Hari Schütz l Herwig Zens I Wolfgang Glechner l

Grafiken & Bücher l

Modedesign: Hüte, Schuhe ...

(18.12. 2006 - 09. 01. 2007)

„Silvesternachtstraum“

(31.12.2006)


Nr. 13/2007 Buch XII - mel contemporary

ST/A/R 91

Von der

Ökonomisierung des

Kunstmarkts zur

„Agonie der Kunst“….

Heidulf Gerngross im Gespräch mit Galerist und

Kunsthändler Reinhold Sturm

Heidulf Gerngross (H.G.):

Die erste Frage ist, warum man in der

heutigen Zeit, wo es so viele Galerien gibt,

noch eine zusätzliche Galerie eröffnet?

Reinhold Sturm (R.S.):

In gewisser Weise ist es eine ökonomische

Verrücktheit. Die Galerien schießen wie die

Schwammerln auch aus dem Wiener Boden.

Dabei fällt auf, dass die ökonomische

Unterordnung der Kunst unter das System

der weltweiten Ökonomie weit fortgeschritten

ist. Und dass – wie es weltweit der Fall

ist – viele Galerien versuchen Geldaneignungsmaschinen

zu werden. Sie erfüllen

meist den historischen Kern der Galeristentätigkeit

nicht mehr – wie es in den 70. /80.

Jahren zumindest der Anspruch war. Einige

der Künstler, die wir vertreten, sind deswegen

zu uns gekommen, weil sie eine ähnlich

kritische Auffassung, wie ich zu dieser

Entwicklung haben. Es geht mir also in der

Kunstvermittlung der Galerietätigkeit, nicht

so sehr um Gelderwerb und die Berühmtheit

des Galeristen, als um die Präsentation

spezifischer Standpunkte zu künstlerischen

Inhalten und Formen unserer Zeit.

H.G.: Ja, aber es ist doch so, dass jede Galerie

irgendwie Berühmtheit erlangen will,

genauso wie ein Künstler, damit sie sich am

internationalen Markt sozusagen darstellen

kann und das wird ja nicht der Hintergrund

sein, das man das nicht will?

R.S.: Na ja, aber wie auch schon der leider

kürzlich verstorbene Kritiker und Theoretiker

der Postmoderne Jean Baudrillard in

dem Artikel „Agonie der Kunst“ formuliert

hat, geht es seit den späten 80–iger Jahren

vor allem darum, dass die Kunsttätigkeit

und der Kunstmarkt sich innerhalb des

globalisierten Weltmarktes eingebettet haben,

und dass sich das zu einer Event– und

zu einer Konsumkultur entwickelt hat.

Baudrillard, der ursprünglich als einer

der Väter der Simulation und damit der

modernen Kunst verehrt wurde, hatte es

sich mit dem Artikel „Agonie der Kunst“

am Kunstmarkt dann derart verdorben,

dass er von Künstlern und Museen nicht

mehr eingeladen wurde. Er hat ja letztlich

behauptet, dass es überhaupt unsinnig

wäre, sich mit Kunst noch zu beschäftigen.

Er hat wahrscheinlich erkannt, dass – wie

ich es nennen würde – die „Barockisierung

der Kunst“ – das heißt die Aufgabe jeder

Autonomie und Widerständigkeit – nicht

nur das Ende der Geschichte, sondern auch

den Selbstmord der Kunst bedeutet. Dieser

defätistischen Auffassung – so wahr ihr

Kern auch ist – bin ich nicht, daher haben

wir eine Galerie gegründet.

H.G.: Aber vielleicht ist doch diese Integration

von Kunst, Künstler, Sammler, Galerist,

Netzwerkmacher etwas, das mehr und

mehr zusammenwächst und der Sammler

und der Galerist immer gleichwertiger dem

Künstler wird?

R.S.: Ja, es ist sicherlich ein Welttrend

im Zuge der Globalisierung, dass also die

Vernetzungsthematik und damit die scheinbare

Gleichwertigkeit aller ökonomisierten

Effekte immer stärker gefragt ist, wobei

man bedenken muss, dass die Künstler, die

eigentlich immer mehr zu „Rohstoffproduzenten“

werden, den geringsten Anteil an

dieser Thematik haben. Sie sind das Aushängeschild

und die Produzenten für den

Markt und werden nur insoweit beachtet als

sie auch in diesem Markt als Markennamen

gelten – „money follows branding“. Man

kann es z.B. an Damien Hirst zeigen, dass

es nicht nur darum gehen kann, Jesusbilder

mit Models nachzustellen und zu fotografieren,

irgendwelche Köpfe zu vergolden,

oder Tierleichen einzubalsamieren, sondern

dass es offensichtlich darum geht,

dass ein Hirst als Luxusmarke weltweit äußerst

gut vermarktbar ist und riesige Profite

gemacht werden können. Das widerspricht

historisch gesehen zumindest der Intention

der Avantgarde der Modernen Kunst.

H.G.: Warum bewerten Sie heute einen

Duchamp oder Malewitsch höher als z.B.

einen Damien Hirst?

R.S.: Die Avantgarde der Modernen verstand

sich als Ersatz der Religion und als

eine säkularisierte, prophetische Bewegung

zur Entwicklung eines besseren Lebens,

bzw. war sie, wie Duchamp, sarkastisch

desillusioniert. Laut Walter Benjamin tritt

die moderne Kunst mit dem Anspruch an,

eine Utopie zu formulieren, den Menschen

aufzurütteln, seine sinnliche Wahrnehmung

weiter zu entwickeln und generell

die Weltutopie zu befördern. Nach 1945,

„Der Kunstmarkt als

verpönter/begehrter

Ort der Kunstwelt ist

als imaginärer Ort

der ökonomischen

Bewertung und damit

der gesellschaftlichen

Verdinglichung und

Entfremdung, der

unreine Ort der

unreinen Welt für

die “reine“ Kunst.“

R.S.

spätestens 1970, hat der Weltmarkt die

Kunst entdeckt, die Spekulation und die

Kunst sind zu einem gigantischen Geschäft

geworden – man spricht davon, dass der

Kunstmarkt seit 1970 sich in den Umsätzen

vertausendfacht hätte. Dieser Kunstmarkt,

der die Kunst immer weiter von

ihren ursprünglichen Zielen abgebracht

hat, entspricht seinem fortgeschrittenem

Wesen. Er ist heute eben im wesentlichen

eine Luxusgüterproduktion, wie die Produktion

von Yachten, Autos etc. die von den

entsprechenden Kreisen, ohne Kenntnis

des Inhaltes oder der Technik konsumierbar

und zu Spekulations– und Prestigeobjekten

gemacht worden sind.

Zusätzlich entwickeln sich Künstler zu integralen

Faktoren kapitalistischer Produktion,

Innovation und Vermarktung – wie schon

Andy Warhol eindrucksvoll bewiesen hat.

H.G: Kommen wir mal nach Österreich.

Gibt es Ihrer Meinung nach österreichische

Künstler, die in diesem globalen Spiel

von Bedeutung sind und deren Werke im

Kunstbereich auch von der ökonomischen

Seite her eine bedeutende Rolle spielen?

Wen würden sie da nennen?

R.S.: In Österreich gibt es nicht sehr viele

international bekannte Künstler – wir sind

ein kleines Land, welches in der Nazizeit

seine Intellektuellen vernichtet und vertrieben

hat. Aber Arnulf Rainer, Elke Krystufek,

die Wiener Aktionisten und die Neuen

Wilden sind zumindest in den USA nicht

unbekannt.

Kunstmärkte sind üblicherweise lokale

Märkte, nur wenige schaffen den Weg zum

Weltmarkt, welcher sich im Gleichschritt

mit der Globalisierung extrem schnell auch

in Asien (China, Indien, Korea, Japan..)

und Lateinamerika entwickelt. Aber so wie

es nur einen Weltkapitalismus – welcher

alle historischen Bande und Werte auflöst

– gibt, so gibt es nur eine WESTLICHE

(katholische) Kunst… jetzt weltweit.

H.G.: Können Sie als Galerist und Sammler

eine Hierarchie oder eine Liste, ein Paar

Namen nennen von Künstlern, die unmittelbar

in Wien wirken oder die für Sie von

Interesse sind?

R.S.: Wir haben mittlerweile durch das letzte

Jahrzehnt eine erfolgreiche Zusammenarbeit

mit hervorragenden Künstlerinnen

und Künstlern entwickeln können.

Ganz vorne steht sicher Jürgen Messensee,

der einer der tiefgängigsten österreichischen

Maler ist und auch oft als „Philosoph

der Malerei“ bezeichnet wird, weil

er eben den ursprünglichen Anspruch,

Sinnlichkeit und Denken zu verbinden,

auf sehr präzise und originelle Weise

über Jahrzehnte realisiert hat. Darüber

hinausgehend gibt es natürlich bei uns

auch weitere ausgezeichnete

Maler wie Peter Pongratz oder

Franz Ringel, die einen großen

Namen in Österreich haben.

Das sind Maler, die in äußerst

Galerist und Kunsthändler Reinhold Sturm

elaborierter Art und Weise die Tradition der

„ART Brut“ weiterentwickelt haben. In der

Bildhauerei sind Gerda Fassel und Monika

Verhoeven hervorzuheben. Einzigartig in

seiner Art ist auch Virgilius Moldovan mit

seinen Riesenfiguren aus Silicon, die überall

Anstoß erregen. Im Wesentlichen sind

das alles Künstler – ich habe nur einige davon

genannt, die durch unsere Galerie mel

contemporary vertreten sind – die einen

inhaltlich–formalen Anspruch an die Kunst

im Sinne einer Verwirklichung des Humanismus

in der Kunst haben. Sie haben

alle eine unverwechselbare eigenständige

Bild–Sprache in ihrer Kunst entwickelt,

eine Nichtbeliebigkeit ihrer Kunstwerke

erreicht, bei einem distanzierten Verhältnis

zu den Ökonomisierungsnotwendigkeiten

– die natürlich in jedem Beruf stecken.

H.G.: Gründet sich Ihre Auswahl von

Künstlern auf Kriterien, oder ist das eine

rein sensible Hirnauswahl, oder wie passiert

so eine Auswahl, dass man sich für

einen Künstler entscheidet, den man dann

sammeln will?

R.S.: Die Auswahl basiert auf Überlegungen

mit kunst–theoretischem Hintergrund,

die wir am besten mit den Worten

“virtuellen Realismus“ charakterisieren

könnten. Die Realität des Virtuellen im

Realen (vergleichbar mit dem Virtuellen in

der Quantenphysik – abstrakt, weil durchdacht

– real weil ein Teil unserer Realität

– ohne Transzendenz oder Esoterik) d. h.

eine figurative Kunst im Wesentlichen, die

sich mit Gedanken und Formen beschäftigt,

die unsere Sinnlichkeit und Gedanken

verändern und weiterentwickeln. Kunst, die

also Ansprüche an uns stellt, die über das

normale Geschwätz, Gerede und Geschaue

hinausgeht. Diese Kunst ist sicherlich eine

anstrengende Kunst. Das ist eine Kunst

mit der man sich beschäftigen muss, wenn

man sie verstehen will, aber das ist die Voraussetzung

für jeden entwickelten Kunst–

Fortsetzung auf Seite 94

begriff in den letzten tausend Jahren in

Europa. Das bedeutende Kunstwerk ist


Städteplanung / Architektur / Religion Buch XII - mel contemporary ST/A/R 93

Die Galerie mel contemporary vertritt folgende Künstler/innen

BALAVAT

Astrid Hofstätter

Jürgen Messensee

Malwerkstatt Graz / Adi Brunner

Heimo Wallner

Jürgen Schiefer

Gerhard Aba

Oscar Holub

Franz Ringel

Thomas Nemec

Joseph Kühn

Lui Dimanche

Peter Pongratz

Ernst Ferdinand Wondrusch

Virgilius Moldovan

Zenita Luis

Linde Waber

Gerda Fassel

Mario Dalpra

Isabelle Mühlbacher

Monika Verhoeven

Herwig Zens


94 ST/A/R

– wie schon von Aristoteles bis Raul

Hausmann zum Dadaismus betont wurde

– immer ein politisches Werk. Politisches

Werk deswegen, weil es gegen übliche Vermassung

und Unterdrückung und gegen

die Verflachung der Kommunikation zu

emotionellen „High“ – Zuständen gerichtet

ist.

H.G.: Können Sie sich vorstellen, dass Galeristen

in Hinsicht auf die Vermarktungsstrategien

auch Künstler beeinflussen, um

sie noch marktgerechter zu machen in eine

Richtung?

Buch XII - mel contemporary Nr. 13/2007

freue ich mich auch, dass Peter Pongratz

und Franz Ringel noch diesen Herbst bei

uns ausstellen werden. Viele Künstler,

die in den 70–iger Jahren im Umfeld der

„Wirklichkeiten“ standen, wie der Herwig

Zens oder Linde Waber oder eben der Lui

Dimanche sind mittlerweile in unserer

Galerie präsent. Dieser Umstand macht

nach unserer Meinung eine Strömung mit

vielen Nebenflüssen in der Kunst sichtbar.

Dazu zählen die älteren genannten Künstler,

sowie auch die jüngeren Künstler: in

diesem Zusammenhang seien beispielhaft

Astrid Hofstätter, Martina Reinhart, Judith

Zillich, Mario Dalpra, Oskar Holub, Josef

Kühn und Heimo Wallner genannt. Diese

Künstler der jüngeren Generation wie die

genannten der „Wirklichkeiten“, vertreten

eine ähnliche Konzeption von Wirklichkeit

„Hier wird das Lebensschicksal von KünstlerInnen

der Marktanarchie oder der persönlichen

Sammlerleidenschaft von Kunst-Kunden, also dem

Popanz des Geldes geopfert. Dieses Lustbenzin

(Geld) vermag die Gier und die Begeisterung, die

Lust und das Leiden, den Wert und den Unwert

der Kunst in den kunstsensiblen Persönlichkeiten

anzutreiben.“ R.S.

R.S.: Ja, wie die Kunstgeschichte der letzten

Jahrzehnte zeigt, ist auch der Kunstmarkt

kein spontaner, sondern von Kapitalgruppen

und deren Marketingspezialisten designter

Markt, wo gigantische Profite winken.

Eine große Schicht von Kunstkäufern kauft

die Kunst nur deswegen, weil es heute hip

ist, weil es modern ist, Werke vom „must

have“ – Künstler XY zu besitzen. Das viele

Geld, das man hat, den fünften Mercedes

und siebten Jaguar im Stall, das verlangt

nach zusätzlichem Glanz, zusätzlichem

Prestigewert – man zeigt sich heute mit

Gegenwartskunst als Fernseh– und Fotohintergrund.

Modern, wohlhabend und

doch von der Masse unterschieden – das ist

Distinktionsprofit mit der Kunst. Also diese

Leute haben es nicht notwendig ein Kunstverständnis

zu entwickeln, sondern für sie

reicht es, sich beraten zu lassen. Es gibt ja

auch Kunstberater, ähnlich wie es Bankberater

gibt, die diesen Leuten die Kunstwerke

mit der entsprechenden Performance

empfehlen.

H.G.: Es schaut also so aus, dass der Galerist

und Sammler schon eine integrative

Persönlichkeit sein muss, die das Kunstgeschehen

mit der Ökonomie auf eine wohl

temperierte Art verbindet. Haben Sie da

Vorbilder die Sie vielleicht nennen können,

die ähnlich gearbeitet haben?

R.S.: Ja, ein großes Vorbild, historisch

gesehen, ist Dr. Otto Breicha, der ja auf

der einen Seite die Künstler gefördert hat,

was zu seiner Zeit – in den 70–iger Jahren

– vielleicht noch etwas einfacher war als

heute. Zusätzlich hat er das Neue durch

kunsttheoretische und kunstkritische Texte

zu vermitteln versucht.

In Erinnerung an Dr. Breicha haben wir bei

unserer Eröffnungsausstellung der neuen

Galerie im 1. Bezirk neben Werken der historischen

„Wirklichkeiten“ (Peter Pongratz,

Franz Ringel, Wolfgang Herzig, Robert

Zeppel–Sperl, Kurt Kocherscheidt und

Martha Jungwirth), die Breicha 1969 zum

ersten Mal in der Secession dem Publikum

vorgestellt hat, auch jüngere Künstler als

die sog. „Jetzigen Wirklichkeiten“ kontrastiert.

Dies um zu zeigen, dass dieser

künstlerische Wirklichkeitsbegriff von Dr.

Breicha damals, wie auch heute ein interessanter

Ansatz ist, um Kunst zu sammeln

bzw. Künstler zusammen auszustellen, und

um bestimmte Kunstpositionen kritisch

zu bearbeiten. In dem Zusammenhang

und Kunst. Auch insoweit ist Dr. Breicha

ein Vorbild gewesen, als ich mich theoretisch

mit Kunst auseinandergesetzt habe

und einige Artikel und Katalogtexte in den

letzten Jahren publiziert habe.

H.G.: Ist das Tätigkeitsfeld der mel contemporary

und des MEL–Kunsthandels auf

die reine Ausstellungstätigkeit und auf die

Galerie beschränkt?

R.S.: Nein, in keiner Weise, wir haben mit

der neuen Kunstbuchhandlung mel edition

auch eine Präsentationsfläche für die von

uns herausgegebenen Kunstbücher – in

den letzten Jahren haben wir mehr als 10

Bücher auf den Markt gebracht – ua. mit

Originaldrucken von Herwig Zens und

Heimo Wallner und Scherenschnitten von

Jo Kühn, außerdem vertreten wir nun auch

die Edition von Andreas Stalzer, um dem

Siebdruck den ihm zustehenden Stellenwert

am Kunstmarkt zu geben.

H.G.: Ist das Publizieren jetzt eine Art

Selbstklarmachung oder Selbstbestärkung,

um ihre Tätigkeit in Worte zu kleiden, oder

ist es eine Unterstützung für die Künstler

nämlich, dass das schriftliche Wort auch

notwendig ist, um sie am Kunstmarkt bekannter

zu machen.

R.S.: Voriges Jahr hatte ich die Gelegenheit

für Jürgen Messensee einen Katalogtext

zu schreiben, anlässlich einer Ausstellung

die bei uns stattfand. Jürgen Messensee

behauptete vor Publikum, dass sei der beste

Text der jemals zu seinen Werken verfasst

worden ist, darauf bin ich natürlich besonders

stolz. Was aber auch zeigt wohin mein

theoretisches Bemühen geht – in die Kunstvermittlung

und damit Entwicklung von

Kategorien zum besseren Kunstverständnis.

Ich habe auch über Virgilius Moldovan

– einen unserer Bildhauer – einen entsprechenden

Katalogtext verfasst und werde

auch zu den im Herbst erscheinenden

Katalogen zu den Ausstellungen von Franz

Ringel und Peter Pongratz entsprechende

Texte verfassen, um zu versuchen deren

Kunst auch in schriftlicher Form dem Publikum

näher zu bringen. Ich werde heuer

auch noch ein eigenes Buch zum Thema

Kunstmarkt & Ökonomie herausgeben,

Reinhold Sturm vor einem Bild von Jürgen Messensee im Danubiana-Museum

um die Diskussion in diesem Bereich zu

forcieren.

H.G.: Das klingt spannend – ich hoffe wir

werden bald einen Text zum Vorabdruck

im S/T/A/R bekommen…

R.S.: Aber gerne doch…

Ein kurze Etymologie zur mel-o-sophie

Was Sie schon immer über m-e-l wissen wollten,

oder wie die Galerie mel contemporary zu ihrem Namen kam.

MEL kam bereits in der Antike vor siehe MELBOMENE – Muse der Tragödie und Lyrik und

Melos das Lied und wurde im Rahmen der diversen spätmittelalterlichen Rechtschreibreformen

leider mit dem stummen (funktionslosen) H angereichert – siehe Mehlpapp und dadurch zur

Unkenntlichkeit entstellt.

Als Neoanglisme und Modewort seit geraumer Zeit weltweit als email unterwegs, nicht zu

Verwechseln mit Emailgeschirr…

Immer diese unnötigen Abkürzungen?

+Meine erste Liebe, +Musik, Essen, Literatur, +mein erstes Lächeln???

oder doch ein semiotisches Wortspiel mit verborgener Botschaft?

Um etwaige verschwörerische Spekulationen schon im Keim zu ersticken,

lüften wir das sagenumwobene Geheimnis.

Es ist mit MEL so, wie mit der Kunst - sie entsteht im Auge des Betrachters, welcher dazu

verdammt ist, hat er keinen Kunstvermittler zur Verfügung, die Sinngebung selbstvorzunehmen.

MELK

MEL-KEN

MELCHISITEC

MELANSANI

MEL-TAU

MELBOMENE

ME(H)L

MEL-A-NOM

MEL-BOURNE

MEL-CHIOR

MEL-ANGE

MEL-O-DRAM

MEL-O-DIE

MEL_O_DIÖS

MEL_ODY

MEL-ISSE

MEL-DUNG

MEL-DE-AMT

MEL_DE_ZETTEL

MEL-DEN

MEL-A-NIE

BECH-A-MEL

CA-MEL

I-MEL-DA

EMAIL- email

KA-MEL

FEIN-ME(H)L

GROB-ME(H)L

SO_JA_ME(H)L

GRAM-MEL

BAM-MEL

RAM-MEL

RUM-MEL

BUM-MEL

SIM-MEL

KRÜM-MEL

SCHIM_MEL

SEM-MEL

SCHUM-MEL

FIM-MEL

KAR-MEL-ITER

KARA-MEL

KÜM-MEL

HIM-MEL

HUM-MEL

LÜM-MEL

FUM-MEL

LA-MEL-LE

MEL-VILLE

ROM-MEL

BOM-MEL…


Nr. 13/2007 Buch XII - mel contemporary

ST/A/R 95

Kunstbuchhandlung mel edition

mel edition, Tel.: 0664/8559692, meledition@mel-art.com, 1010 Wien, Schubertring 10

Mo-Fr 15:00–18:00 Uhr, Do 15:00–20:00 Uhr

Seit Juli 2006 gibt es auch die Kunstbuchhandlung mel edition und

das „Kleinste Antiquariat von Wien“ (geführt von Peter Matejka) am

Schubertring 10 mit ausgewählten Kunstbüchern und bibliophilen

Raritäten, sowie monatlichen Lesungen renommierter Autorinnen und

Autoren.

Im exquisiten Sortiment: artifizielle Scherenschnitte und illustrierte

Kunstbücher von Jo Kühn, Herwig Zens und von Heimo Wallner,

sowie seltene Kunstbücher und Kataloge mit Originaldrucken von

den „Wirklichkeiten“ (ua. Wolfgang Herzig, Kurt Kocherscheidt,

Peter Pongratz, Franz Ringel, Robert Zeppel-Sperl), … und weitere

belletristische Raritäten und sonst teilweise vergriffenen Büchern.

Darüber hinaus gibt es noch einige Rest-Exemplare des zweisprachigen

Straßenschildes „Kärtner Straße/Koroska cesta“ von Jürgen Schiefer.

<

Neue Bücher im Verlag

MEL–Kunsthandel

„Der kleine Mirko“ von Peter Matejka

und Hans Trummer, Illustration

Peter Pongratz mit 23 Zeichnungen

und 22 Vignetten auch als limitierte

Luxusausgabe (50 Exemplare) mit

einem eingebundenen Siebdruck.

„Der Tod auf Urlaub“ – Wegen

Urlaub geschlossen! – von Heinz

Janisch, Illustrationen von Herwig

Zens, als Luxusausgabe in limitierter

Auflage von 100 Exemplaren mit einer

Radierung „Der Tod in der Disco“ von

Herwig Zens.

„Heilige Hochzeit“ – die Kulturgeschichte der Fiesta de Toros von Rainer Bischof mit einer Originalzeichnung von

Herwig Zens erschienen im Böhlau Verlag.

Mehr zu den Büchern finden Sie unter www.mel-art.com/ mel edition/ bzw. Neuerscheinungen.

BuchBeratung

Im kleinsten Antiquariat Wiens, geführt von Peter Matejka,

fi nden Sie 3000 ausgesuchte Titel zu Preisen von 1,00 bis 1000,00 Euro.

Peter Matejka und Jürgen Bischof (mel edition) beraten Sie gerne!

Montag - Freitag, 15.00 - 19.00 Uhr

Oder nach telefonischer Terminvereinbarung:

Peter Matejka 01/817 68 60

Jürgen Bischof 0699/1924 94 71

Das kleinste Antiquariat Wiens in der Kunstbuchhandlung mel edition

1010 Wien, Schubertring 10

Lesungen

Peter Matejka mit Gerhard Jaschke

Do, 3.5, 19h

Jürg Jegge (CH)

„Die Krümmung der Gurke“

Mi, 6.6., 19h

Heinz R. Unger

„In der verkehrten Welt“


96 ST/A/R

Buch XII - mel contemporary Nr. 13/2007

Das mel-contemporary-Team, v.l.n.r.: Iris Maier, Irmgard Sturm, Reinhold Sturm, Sonja Hofstätter, Jürgen Bischof, Jo Kühn

Galerie mel contemporary - Programmvorschau 2007

8.05. – 25.05. Heinz Lechner – „Reflektionen“ – Fotoarbeiten

31.05. – 25.06. Jürgen Schiefer – „seismic garden“

5.07. – 19.07. Andreas Stalzer & Isabelle Mühlbacher – „TRANS-FERRE“ – Schiff-Installation

26.07. – 16.8. Balavat – „die kunst, die alte sau, und der weisse hase“ – Objekte & Performance

13.09. – 04.10. Martin Dickinger – „works“

9.10. – 31.10. Franz Ringel – neue Arbeiten

6.11. – 07.12. Peter Pongratz – neue Arbeiten

10.12. – 11.01.2008 Heimo Wallner – „works and performance“

mel factory - Programmvorschau 2007

Hägelingasse 5, 1140 Wien; Garteneingang (U3, 49-er Hütteldorferstr./ Kendlerstr., S- Breitensee)

16.05. – 25.05. Katharina Razumovsky & Julius Mende –

„Die sexuelle Welle” – Performance & Malerei

25.05. Künstler-Fest

28.07. Balavat –factory Sommerfest

14.09. – 18.09. Jovanna Popic – “sputnik” – installation & works

21.09. – 23.09. Fritz Bergler – neue Arbeiten

mel-art contemporary wird gepowert by:

kreativ-plakatierer und urbaner volxkünstler

mag. rudolf hübl

+43 699 1865 4593

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www.viennaposterservice.at.tt

weitere Informationen und Details zu unseren KünstlerInnen und den

Veranstaltungen entnehmen Sie bitte www.mel-art.com

oder unseren Ankündigungen und den Newsletters.

Kontakt:

Galerie mel contemporary

Schubertring 9–11, 1010 Wien

Eingang: Christinengasse 2

Öffnungszeiten: Mo-Fr 16-19 Uhr, Do 16-20 Uhr

office@mel-art.com

www.mel-art.com Tel.: +43 (0) 664 855 96 99

Mit freundlicher Unterstützung von

Kunst- & Kreativbusiness

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mel edition X

bis 3.5.: Lui Dimanche – „Leben ist Zeit, die vergeht“

Schubertring 10

Fotografi en

Schwarzenbergplatz

mel conte mporary

Christinengasse 2

Redaktion mel-ST/A/R:

Text: Jürgen Bischof, Gestaltung: Mathias Hentz,

Bildvorbereitung: Sonja Hofstätter,

Fotos: Matheo Karlic / mel contemporary

Aktuelle Ausstellung

bis 3.5.: Lui Dimanche – Fotografi en

„Leben ist Zeit, die vergeht“


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XIII - Albert Wimmer ST/A/R 97

Stadien

Bahnhöfe

Wohnbauten

Konferenzzentrum

Urban Design

ST/A/R-Architekt

Albert Wimmer

Wimmer

Architektur ist Lebenselixier


98 ST/A/R

Buch XIII - Albert Wimmer Nr. 13/2007

KLAGENFURT


Nr. 13/2007 Buch XIII - Albert Wimmer

ST/A/R 99

KRAFTWERK FREUDENAU

„Das meiste, was ich über die Moral des Menschen weiß, verdanke

ich dem Fußball.“ Albert Camus, Torwart bei Racing Universitaire (1930)


Städteplanung / Architektur / Religion Buch XIII - Albert Wimmer ST/A/R 101

INNSBRUCK

SALZBURG

EURO 2008 STADIEN


102 ST/A/R

Buch XIII - Albert Wimmer Nr. 13/2007

BAHNHOF WIEN PRATERSTERN

HAUPTBAHNHOF WIEN

© Hotz/Hoffmann • Wimmer


Nr. 13/2007 Buch XIII - Albert Wimmer

ST/A/R 103

ODEONGASSE, WIEN 2

Im Puls der Stadt


104 ST/A/R

Buch XIII - Albert Wimmer Nr. 13/2007

MONTELAA

ZENTRALER PARK

MARTHA SCHWARTZ INC.

VILLE VERDI

PLEASURE STRIP

WWW.AWIMMER.AT

elf.zwei


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XIV - Piotr ST/A/R 105

EIN KNABBERN IM WALDE

Hochspezialisierte Baumernte ma schi nen schlichten Wälder pixelweise. Sie vermessen millimetergenau und vermitteln Daten per E-

Mail und Inter net. Wir über prüften den Stand der Tech nik anhand des Ponsse Buffalo Dual mit Mercedes motor und Acht rad an trieb.

Kaum merklich bewegt der junge Waldarbeiter seine

Finger. Doch im Panoramablickfeld unserer klimatisierten

Glaskabine wird ein ganzer Wald gelichtet – sukzessive

und äußerst kontrolliert. Was dem jungen Mann sein

gekrümmter Finger, ist in der Auslegung der rund neun Meter

langen Maschine ein ge waltiger Kranarm, dessen diffiziles

Zangenende sich gerade um eine mittelschlanke Fichte legt. Von

hier herinnen fast unhörbar, wird der Baum mittels Sägeblatt

gekappt, hochgehoben, zur Begutachtung des Stammkernes

weggekippt und sofort mit einer Rasanz durch die Greifzange

gezogen und zerkleinert, wie man sie in dieser Leichtigkeit

nur mit Soletti-Knabbern vergleichen kann. Chhhh, wird der

Baum beim Durchziehen von Ästen abgeschält wie das Soletti

von Salzkristallen, und die gesägten Stücke fallen rack, rack,

rack zu Boden, exakt abgelängt auf vier Meter, wie sie zuvor in

den Bordcomputer eingegeben worden waren. Zuletzt wird der

ungenießbare Wipfel ausgespuckt: Pfft!

Auf dem Bildschirm erscheinen in großen Lettern alle relevanten

Daten, denn die Fichte wurde in Echtzeit exakt vermessen, klassi

fiziert, all ihre Daten (Güte, Herkunft, Verwendung) wurden

ge speichert und versendet – an den Waldeigentümer, an das

Sägewerk.

Moderne Walderntegeräte, wie sie von den marktbeherrschenden

Anbietern John Deere, Timberjack, Valmet oder eben Ponsse,

dem Marktführer aus Finnland, angeboten werden, sind

hochspezialisierte und ausgefeilte Geräte, in ihrer weitreichenden

Funktion fahrbare Kleinfabriken, die ihre Aufgaben auch unter

schwierigen Umständen erfüllen.

Ein Spezialist, der mit diesen Geräten hantiert, muss folgende

Berufsprofile erfüllen: Forstmann, Säger, Informatiker, Schlosser,

Elektroniker. Er muss mit GPS, Navigation, Internet, Datenerfassung

und modernstem Controlling umgehen. Er muss auch

eine Liebe zum Wald aufbringen, gerade hier. Was er nicht mehr

muss: sich einer gefährlichen, den Körper stark und einseitig

belastenden Tätigkeit widmen. Das erledigt das Gerät für ihn,

umweltschonend und kosteneffizient, was bei fallenden Holzpreisen

umso mehr ins Gewicht fällt.

Als Neuwert repräsentiert allein die Maschine, hier der Universalist

Ponsse Buffalo Dual, einen Wert von rund 400.000 Euro

als Harvester (in der beschriebenen Funktion). Mit wenigen

Handgriffen kann der Kranausleger gegen einen sogenannten

Rückezug getauscht werden (nochmals 250.000 – 270.000

Euro), mit dem die gefällten Stämme aus dem Wald zur nächsten

mit Lastzug befahrbaren Straße gebracht werden.

Peter Konrad, Geschäftsführer der Gebrüder Konrad GmbH

in Krottendorf (Steiermark), hat sich sein berufliches Rüstzeug

in Deutschland geholt und sein Wirkungsgebiet bis Slowenien

und Rumänien erweitert. Vor einigen Jahren ist er in seine

Heimat zurückgekehrt, um mit neuem Schwung und Knowhow

hierzulande Ponsse-Maschinen zu verkaufen. Doch mehr

noch versteht er sich als Schlägerungsunternehmer, der seinen

hochmodernen Maschinenpark anbietet, um Schlägerungen

vorzunehmen, Wälder zu lichten, Einschlagsbestände

auszuputzen oder auch Sturmschäden aufzuräumen. Dank

seiner Maschinen und seines Fachwissens kann er dabei äußerst

selektiv und schonend vorgehen: Der Fünfzehntonner rollt

auf acht angetriebenen Rädern über den Waldboden, wobei er

das abgeschälte Aststreu als Fahrunterlage ausnützt. Mit einer

Reichweite von zehn Metern in den Wald hinein können die

lediglich drei bis vier Meter brei ten Fahrgassen entsprechend weit

auseinandergelegt werden.

Der Motor der Mercedes-Benz OM-Baureihe leistet 180 Kilowatt

(ca. 245 PS). Der schallgekapselte Sechszylinder-Diesel arbeitet

nach dem hochmodernen Pumpe-Düse-Direkteinspritzungs verfahren,

was hohe Effizienz und optimale Verbrennung verspricht.

Ein Turbolader mit gekühlter Luftzufuhr steigert Wirkungsgrad

und Abgasgüte. Dank elektronischer Motorregelung entwickelt er

sein extrem hohes Drehmoment von 900 Newtonmetern schon

konstant zwischen 1200 und 1600 Touren.

Daraus erklärt sich auch das unaufgeregte Raunen, mit dem der

Harvester gleichmütig vor sich hinarbeitet, ohne irgendwelche

Anstrengungsgipfel erkennen zu lassen. Noch weniger merkt der

Betrachter von den hochdiffizilen Vor gängen im so genannten

Harvesterkopf, der robusteste Technik mit geringstem Gewicht,

präzises Messinstrumentarium mit schonender Baumbe hand lung

vereinen muss – natürlich unter allen Naturgegebenheiten, bei

jeder Witterung. Eine spezielle Gentle-Drive-Funktion verspricht

schonende Behandlung des Stammes für Splinthölzer.

Das elektronische Vermessungssystem – Ponsse nennt es Opti

4G – basiert auf dem Standrad-Betriebssystem Windows. Es

erlaubt den wichtigen Datentransfer der Holzlisten direkt vom

Harvester ins Büro, ins Sägewerk, und deren Auswertung und

Archivierung. Dank der Verwendung von GPS GIS während

der Aufarbeitung (via Satelliten und elektronischer Bestandskarten)

kann der Fahrer jederzeit seine genaue Position im Wald

erkennen, somit auch die Lage der Rückegassen und die Grenzen

der Waldeigentümer und Bestände. Acht Baumarten, sechzehn

Sorten und sechzehn Qualitätsstufen können hier berücksichtigt

und individuell vorbearbeitet werden.

Via E-Mail werden die Holzlisten versendet, Tastatur und Maus

machen die Eingabearbeit so unkompliziert wie im Büro – mög -

licherweise, dank ausgefeilter Ergonomie und aufwendiger

Hydraulik-Bestuhlung, noch bequemer. Radio Steiermark

plätschert aus den Lautsprechern und übertönt dank der erstaunlichen

Geräuschdämmung das Krachen des Holzes. „Ein Harves

terfahrer muss mehr Funktionen bedienen als ein Jet-Pilot“,

umreißt Peter Konrad den Anforderungskatalog.

Hohe Wertbeständigkeit und geringes Reparaturaufkommen sind

enorm wichtig für eine Maschine, die zwanzigtausend Festmeter

in der Saison benötigt, um sich zu amortisieren. Im Notfall,

sollte mal was klemmen, kann der Mann auch direkten Kontakt

mit Experten der Ferndiagnostik aufnehmen, um ein Problem

in Echtzeit zu orten, eventuell sogar zu beheben. Auf diesem

Gebiet hält sich Ponsse einiges zugute. Allerdings hilft die tollste

Hightech nichts, wenn, wie im aktuellen Fall, etwas Wichtiges

klemmt: die Fahrertür. Sie ließ sich auf beharrliche Weise nicht

öffnen, so dass dem Fahrer zwecks Vor führung nichts anderes

übrig blieb, als schließlich durchs Schie be dach in den Harvester

zu turnen. Das stand noch nicht im Berufsbild.

David Staretz, Autor der Autorevue & Auto-ST/A/R, freier Journalist

Vor kurzem erschienen „Lenk mich doch. Geschichten rund ums Auto“

bei Deuticke.


106 ST/A/R

Buch XIV - Piotr Nr. 13/2007

ARTmART

25. April – 1. Mai07

www.artmart.at

Das Künstlerhaus

k/haus zeigt vom 25.

April bis zum 1. Mai

2007 über 2000 Werke von über 200 KünstlerInnen.

ARTmART heißt die Ausstellung und hat sich die

experimentelle Auseinandersetzung mit den etablierten

Kunstmarktstrukturen zum Thema gemacht.

Mit dieser Ausstellung präsentiert sich das traditionsreiche

Wiener Ausstellungshaus unter der Leitung von Peter

Bogner erneut als eine offene, Interdisziplinarität und

Diskurs pflegende Institution.

Die mehr als 2000 Werke werden ausgestellt, getauscht

und zum Einheitspreis von je 70 Euro verkauft.

ARTmART bietet einen Kunstmarkt für Einsteiger – und

ein Experimentierfeld für KünstlerInnen und neue

KäuferInnen.

Die beiden Kuratoren Lorenz Seidler und Christian

Rupp adaptierten das Erfolgsmodell der CHEAPART

Gallery aus Athen für Wien. Neben 120 österreichischen

KünstlerInnen werden 70 KünstlerInnen aus Griechenland

auch persönlich anwesend sein. Desweiteren nehmen

KünstlerInnen aus Deutschland, Finnland und Rumänien

teil.

ARTmART ist ein Umschlagplatz für Ideen und Werke,

ein Forum für persönlichen Austausch und Kontakte,

und markiert den Beginn einer europaweiten Kooperation

von KünstlerInnen, die mit ihrem Publikum und der

gesellschaftlichen Gegenwart aktiv kommunizieren wollen:

persönlich und über ihre Werke.

Als eigene KuratorInnen, die Qualität und Bandbreite

junger, zeitgenössischer Kunst gewährleisten, agierten

für die Auswahl der KünstlerInnen Andreas Kristof,

Dana Charkasi, Elsy Lahner, Elisabeth Fritz, eSeL,

Christian Rupp, Gerald Grestenberger, Iris Andraschek,

Lucas Gehrmann, Natalia Weiss, Peter Bogner, Peter

Weibel, Ursula Maria Probst, Brigitte Kowanz, Christian

Reder, Erwin Wurm, Heimo Zobernig, Hans Scheirl,

Matthias Herrmann, George Georgakopulos, Dimitrios

Georgakopulos, Romelo Pervolovici und Marcus Lerviks.

Sie wurden eingeladen je fünf KünstlerInnen für die

Teilnahme an ARTmART zu nominieren

Jedem Künstler wird eine „Wandbreite“ von 70 cm

zugewiesen. Die KünstlerInnen beschließen innerhalb

der Vorgaben selbst, welche Werke / Editionen / Auflagen

sie präsentieren – und welche Werke sie untereinander

tauschen wollen.

Teilnehmende KünstlerInnen sind u.a. Anja Manfredi,

Deutschbauer & Spring, Nikolaus Gansterer, Oswald

Oberhuber, Udo Fon (Badbeuys), Anita Fricek,

monochrom, Judith Fegerl, elffriede, Oliver Hangl,

Christian Eisenberger, Ubermorgen, Karin Frank, Clemens

Leuschner, female obsession, Abbé Libansky, Markus

Hofer, Moussa Kone, Ona B., Franz Xaver, David Moises,

K.U.L.M. und Kamen Stoyanov.

Montag, 23. April, 20:30 Uhr

ARTmART: meet the artists!

social gettogether - everybody welcome!

Location: Otto-Wagner-Pavillon, 1010, Karlsplatz-Passage

Dienstag, 24. April 2007, 22:00 Uhr

ARTmART performance

JuxusHimmel: “TRY + TERROR”

Location: Otto-Wagner-Pavillon, 1010, Karlsplatz-Passage

Mittwoch, 25. April 2007, 13:00 Uhr

Eröffnung

Afford Art! First come, first buy ...!

Freitag, 27. April 2007, 18:00 Uhr

ARTmART audio night 1

Coti K.

iftaf – Institut für Transakustische Forschung

Sonntag, 29. April 2007, 16:00 Uhr

ARTmART Lecture

16:00 Uhr „reflecting ARTmART“

a.o. Univ. Prof. Mag. Dr. Tasos Zembylas:

anschließend Diskussion

18:00 Uhr artists´ videos

Montag, 30. April 2007, 18:00 Uhr

ARTmART audio night 2

feat. Nikos Stavropoulos, wechselstrom

Dienstag, 1. Mai 2007, 12:00 Uhr

ARTmART final shopping day

2nd chance to get canceled

reservations! (ab 16 Uhr)

You can always buy art during events and during

regular opening hours!

(fr - di 12 – 20 Uhr, mi - do 12 – 21Uhr)

Freier Eintritt zur Ausstellung & allen Events!









Infos zum Az West und zum „Call for Papers“ unter www.azw.at!

Az West, Flachgasse 35 – 37, 1150 Wien, Öffnungszeiten: Mi – So: 14 – 20 Uhr (nur zu Ausstellungszeiten) Eintritt frei!


Nr. 13/2007 Buch XIV - Piotr

ST/A/R 107

UNBEGRENZTE DESIGNMÖGLICHKEITEN MIT

Individuelle Architektur mit Glasfaserbeton von Rieder Smart Elements

Festspielhaus Bregenz mit “fibre C” geplant von den ST/A/R-Architekten Dietrich/Untertrifaller

Mit der Glasfaser verstärkten Betonplatte „concrete skin“, aus dem Material [fibreC] (abgeleitet von engl. „glassfibre“ und „concrete“),

bietet Rieder eine moderne Lösung für zeitgemäße Architektur und Innenraumgestaltung. Firmengründer Wolfgang Rieder stellt sich mit

diesem High-tech Produkt den Herausforderungen moderner Architektur des 21. Jahrhunderts und deren Bedarf nach nachhaltigen Lösungen.

Der neue Werkstoff [fibreC], der 2007 einen weiteren internationalen Innovationspreis gewonnen hat, ermöglicht eine nur durch die

Phantasie des Planers beschränkte Gestaltungsfreiheit in Bezug auf Formbarkeit, Farbe, Oberfläche und Einsatzgebiet. [fibreC] steht für

Beton in einzigartiger Qualität, der sich vor allem durch Authentizität, Individualität und Langzeitbeständigkeit auszeichnet.

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A-5751 Maishofen

Tel.: +43 / (0)6542 / 690-49

e-mail: office@rieder.cc

Fax.: +43 / (0)6542 / 690-28


Städteplanung / Architektur / Religion


STAR_1bis23 1

26.06.2003, 6:39:00 Uhr

Städteplanung / Architektur / Religion


Städteplanung / Architektur / Religion

Jan Tabor, Architekturtheoretiker, Slowakei/Wien


Städteplanung / Architektur / Religion



Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R


mit:

Krystufek

Gironcoli

Berkhemer

Wien

Kunsthalle

Volksbuch

Brown

Cecily

Eva & Adele

Architektur Biennale Venedig

Peichl

Gustav

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Partner + Vasko

Werkstatt Wien

Architekten

Junge / SPAN

in Down-Town Gumpendorf

Ess-Kapaden

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Städteplanung / Architektur / Religion Buch XIV - Piotr ST/A/R 109

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ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

ViennAfair

Goria 17 - ST/A/R-Model

ST/A/R PRINTMEDIUM WIEN

Nr. 06/2005 3,– Euro

Städteplanung / Architektur / Religion

Printmedium Wien

Gloria

15. April 2003

GLORIA, 15:

SCHUTZPATRONESSE BEI LACANDONA

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ST/ /A/ /R

Städteplanung / Architektur / Religion

Heidulf

ViennaFair

ST/A/R 1

Einblicke:

Architektur-,

Kunst- und

Literaturszene

Heidulf

Otto Kapfinger

Hermann Czech

Helmut Richter

Volker Giencke-Studio 3

Konrad Frey

Interview John Sailer

LacANDona-worldwidefotos

Abschied von Wolfi Bauer

Pop Mircea

6Bezirk – der6Sinn

Dieter Sperl

ST/A/R PRINTMEDIUM WIEN Nr. 7/2005 3,– Euro

ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Printmedium Wien € 2

Sommer 2003

GLORIA, Schülerin der HAK Tulln

04Z035665M – P.b.b. Verlagspostamt 1060 Wien • Adresse: 1060 Wien Capistrangasse 2/8 • offi

fice@star-wien.at • Europa € 3,00

Nr. 8/2005 3,– Euro

Aktuelle Kunst

Architektur

Literatur

Stadtleben

Landleben

ST/A/R PRINTMEDIUM WIEN

Buch I – Wahre Werte 1

ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Interview Markus Prachensky,

Franz Graf, Herbert Brandl,

Peter Sellars, Superstars, k/haus,

ZV-Bauherrenpreis, Venedig,

PPAG Loospreis, Russland, USA

Erscheinungsort Wien, Nr. 03, 2003-04

Städeplanung / Architektur / Religion

5,- Euro

04Z035665M – P.b.b. Verlagspostamt 1060 Wien • Adresse: 1060 Wien Capistrangasse 2/8 • office@star.at • Europa € 3,00

Nr. 04, II Quartal 2004

ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R PRINTMEDIUM WIEN

EUROPA JETZT

3,– Euro

Foto: Mounty R.P.Zentara

04Z035665M – P.b.b. Verlagspostamt 1060 Wien • Adresse: 1060 Wien Capistrangasse 2/8 • office@star-wien.at • Europa € 3,00

ST/

Städteplanung /A

/ Architektur /R/

Religion

Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 1

ST/A/R

du

Art Fair

Zitko

LacANDona

Ortner & Ortner

Fröhlich& Locher

Prix & Podmirseg

Melnikov / Wiener Städtische

Die Ficker 2

ST/A/R PRINTMEDIUM WIEN

Nr. 8/2006 3,– Euro

04Z035665M – P.b.b. Verlagspostamt 1060 Wien • Adresse: 1060 Wien Capistrangasse 2/8 • office@star-wien.at • Europa € 3,00

Interview Pierre Soulages

AUTO S/T/A/R

Literatur

Design

Aktuelle Architektur

Bildende Kunst

Art/Brut Center Gugging

economy class

ST/A/R PRINTMEDIUM WIEN

pierre solages

3,– Euro

Nr. 10/2006

KUNST

ARCHITEKTUR

GASTROSOPHIE

ST/A/R PRINTMEDIUM WIEN

Mediacooparation Remont - ST/A/R

Beograd - Wien

Mario Grubisic, m.grubisic@gmx.net

Mediacooparation Remont STAR


110 ST/A/R

Buch XIV - Piotr Nr. 13/2007


GK_star-Viennafair134x205_E2 18.04.2007 18:30 Uhr Seite 1

Nr. 13/2007 ST/A/R 111

Buch XIV - Piotr

Galeria Plan B

www.plan-b.ro

Miklós Onucsán, Rainbow, 2006

Photography, 33 × 48 cm

G E O R G K A R G L

AT VIENNAFAIR

26–29/04/2007

Clegg & Guttmann

Die Sieben Brücken von Königsberg

(Die Offene Bibliothek, Duisburg), re-contextualized

A Social Sculpture

The Seven Bridges of Königsberg was an Open Public Library which

shares the structure of the system of bridges of Königsberg. That is why

the library has a certain mathematical property, which Euler pointed to;

when the library is full of books they cannot be arranged alphabethically,

from A to Z, starting from a certain place in the library and encompassing

the entire structure. As a result, The Seven Bridges of Königsberg is a

library which resists order, an anarchist library. Any systematic arrangement

of the material in the library must be partial or ambiguous.

Clegg & Guttmann, Die sieben Brücken von Königsberg, 1999/2005, Courtesy Georg Kargl Fine Arts, Vienna

Schleifmühlgasse 5, 1040 Vienna, T+4315854199, www.georgkargl.com

Shahryar Nashat Monument for a Cone, mixed media, steel scaffolding, nylon net, 438 x 949 x 400cm, 2007

VIENNAFAIR, Zone 1, Elisabeth Kaufmann, Booth AZ016, April 25 – April 29, 2007

preview: Wednesday, April 25, 3pm, Messzentrum WIENNEU, A-1020 Wien

Galerie Elisabeth Kaufmann, Müllerstrasse 57, CH-8004 Zürich, tel-fax +41 43 322 01 15, www.elisabethkaufmann.com

Georges Adéagbo, Marc Bauer, Anita Di Bianco, Erwin Bohatsch, Keren Cytter, Walter Dahn, Hanne Darboven, Silvie Defraoui, Hadassah

Emmerich, Jan Fabre, Gloria Friedmann, Yesim Akdeniz Graf, G.R.A.M., James Hyde, Yuri Leiderman, Shahryar Nashat, Jos Näpflin,

Pavel Pepperstein, Eran Schaerf, Daniel Schibli, Lucy Skaer, Anselm Stalder, Claudia Wieser, Estate Martin Disler www.martin-disler.ch

Stephan Lugbauer im nächsten ST/A/R

Galerieappartement Dr. Christian Denker – Goldegggasse 5 · Wien 4, + 43 680 301 4887

Amelie Teichgräber, Zeichnungen, Aquarelle und Tonskulpturen, 1 bis 27 Mai 2007


112 ST/A/R

Buch XIV - Piotr Nr. 13/2007

Perndl+Co

cream

crea:m

CREATIVE ECONOMY MAGAZINE 05

Volle Netze Wie Netzwerke in der Kreativwirtschaft für Profit sorgen // Festhalten Porträt Zenita Komad // Drei Jahre forum mozartplatz

Ein Rückblick // Qualität ist alles Kleinunternehmer in der Fotobranche // (Un)endlich Österreich Neue Bahnen im Tourismus //

Neugier wecken Agnes Husslein im Porträt // Mut haben voneinander zu profitieren Wirtschaft und Kunsthochschulen im Gespräch

Bestellen unter: www.forum-mozartplatz.at und www.creamagazine.at


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XV - Forum Frohner ST/A/R 113

Adolf

1934 - 2007

F R O H N E R

Buch XV - Forum Frohner

© Wladimir Jaremenko Tolsoj


114 ST/A/R

Buch XV - Forum Frohner Nr. 13/2007

Kulturprojekt Minoritenkloster

Krems-Stein

Planung und Bauleitung: Architekt Fritz Göbl

mit Alexander Bolecek, Lukas O. Goebl und

Karl Weidum

Das ehemalige Minoritenkloster in Krems–

Stein wird adaptiert, revitalisiert und erhält

einen Zubau im ehemaligen Klostergarten.

Der Gesamtkomplex wird durch diesen

Umbau aus seinem Jahrhunderte dauernden

Dornröschenschlaf geweckt und somit

der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

„Mit diesem Projekt wird die erfolgreiche

niederösterreichische Kulturpolitik konsequent

weitergeführt: Für das Publikum, für die

Künstler und in enger Kooperation mit der

Wirtschaft. Jeder in die Kultur investierte Euro

kommt dem Land vielfach zugute: wirtschaftlich,

aber auch als langfristige Investition in

Mentalität und Geist“, betont Landeshauptmann

Dr. Erwin Pröll.

Das Kloster öffnet seine Tore, symbolisch wie

auch inhaltlich und architektonisch. Durch

moderne Eingriffe behauptet sich die ehemalige

Klosteranlage im Stadtbild und verweist

gleichzeitig auch auf ihre lange Tradition,

geprägt durch verschiedene Stile und Epochen.

Der historischen Schichtung wird eine

weitere hinzugefügt. Der Umbau wird in

Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt

umgesetzt. Eine denkmalpflegerische Befundung

liegt vor und weist der Architektur den Weg,

Tradition und Moderne zu verbinden und somit

Brücken zwischen der Vergangenheit und der

Zukunft zu bauen.

Typologisch handelt es sich beim

Minoritenkloster Krems-Stein um eine

zweigeschossige Vierflügelanlage, die an der

Nordseite der Minoritenkirche angebaut ist. Die

Bausubstanz reicht bis in das Mittelalter zurück,

das heutige Erscheinungsbild wurde allerdings

durch die Umbauten des Barocks geprägt.

Die erste urkundliche Erwähnung des Klosters

stammt aus 1253, die Weihe der Klosterkirche

fand 1264 statt.

Strukturell lässt sich das Projekt in drei Bereiche

gliedern: Minoritenkirche, Minoritenkloster

und den Neubau im Klostergarten. Die Kirche

wurde bereits 2004 von Architekt Fritz Göbl

in Zusammenarbeit mit Architekt Reinhardt

Gallister zum Klangraum Krems, gemäß den

Anforderungen einer modernen Spielstätte,

umgebaut und ist schon seit zwei Jahren in

Betrieb. Die gesamte Anlage wird funktional

optimiert und bietet Raum für diverse öffentliche

und halböffentliche Funktionen. Namentlich

sind dies Frohner-Forum, Ernst-Krenek-

Dokumentation, Museum Stein und NÖ-Festival

Ges.m.b.H.

Über ein zentrales, dem Minoritenplatz

zugewandtes Foyer, welches als Verteiler

fungiert, gelangt man zu den verschiedenen

Teilbereichen der Anlage. Der Klosterhof, der

über den historischen Kreuzgang erschlossen

wird, soll in seinen ästhetischen Urzustand

rückgeführt, jedoch mit modernen Eingriffen

funktional optimiert werden und bietet Raum

für diverse Veranstaltungen im Freien. Der

Klostergarten wird durch gartengestalterische

Eingriffe aufgewertet und dem Besucher

zugänglich gemacht.

Der Neubauteil, die Ausstellungshalle des

Frohner-Forums, ist im Klostergarten im

Anschluss an das zentrale Foyer situiert.

Ein Glasgang verbindet und kontrastiert die

beiden massiven Bauteile (Alt und Neu). Im

Zwischenraum zwischen Alt und Neu sind

zwei Patios konzipiert, in welchen Skulpturen

aufgestellt werden sollen.

Die Ausstellungshalle selbst orientiert sich

klima- sowie lichttechnisch an internationalen

Standards und soll für Kunstwerke einen

starken, wie auch gleichzeitig zurückhaltenden

Rahmen bilden. Eine den Sichtbetonwänden

vorgesetzte Schale ist für die Hängung und

Montage der Bilder ausgeführt, kann als Variable

beliebig gestaltet werden und sichert eine

maximale Flexibilität im Ausstellungsbetrieb.

Im Obergeschoss des Altbaues wird die Ernst-

Krenek-Dokumentation und das Museum Stein

über die Prunkstiege erschlossen.

Um eine großzügige Raumlösung zur

Präsentation des musikalischen Oeuvres des

Musikers zu gewährleisten, werden diverse

Zwischenwände entfernt.

Das Museum Stein wird im Westtrakt

des Klosters situiert. Die bestehenden

Räumlichkeiten werden zur optimalen

Präsentation über die alte Handelsstadt Stein

umgebaut.

Die puristische Philosophie des Bettelordens

der Minoriten wird in eine adäquate

Architektursprache übersetzt, welche mit

einfachen und authentischen Materialien und

Formen operiert. Die Räume sollen weder

selbstbewusst noch selbst bestimmt wirken,

sie sollen selbstverständlich wirken. Die zur

Verwendung kommenden Materialien ziehen

sich durch das gesamte Projekt und werden

den spezifischen Situationen angepasst. Alle

Materialien sind natürlich und unverfälscht

verwendet. Farben werden nur dort angewendet,

wo sie aus historischer Sicht Sinn machen.

Über Jahrhunderte wurden die Bauwerke den

ständigen Veränderungen der kulturellen

Bedürfnisse der Menschen angepasst. Diese

Tradition soll hier exemplarisch weitergeführt

werden mit dem Ziel, eine Synthese zwischen

Alt und Neu anzustreben und formal und

inhaltlich die verschiedenen Epochen zu einer

neuen Einheit verschmelzen zu lassen.

© Lukas O. Goebl


Nr. 13/2007 Buch XV - Forum Frohner

ST/A/R 115

FROHNER-FORUM / KUNSTHALLE

Eröffnung: September 2007

Der 1934 in Groß-Inzersdorf (Niederösterreich) geborene und 2007 in Wien

verstorbene Maler, Zeichner, Grafiker und Bildhauer Adolf Frohner ist einer der

bedeutendsten Künstler Österreichs mit internationalem Renommee. Das in Krems-

Stein geplante Frohner-Forum wird nicht nur Werke Frohners zeigen, sondern

dient auch der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst. Geplant sind

Ausstellungszyklen, die neben der Präsentation der Arbeiten Frohners aus seinem

gesamten Schaffensbereich auch Begegnungen mit Werken der internationalen Kunst

möglich machen werden, so zum Beispiel eine Ausstellung mit den Objekten von

Joseph Beuys.

Das Frohner-Forum erweitert das Spektrum der Kunsthalle Krems um einen

lebendigen Ausstellungsort, der eine Vielzahl von Veranstaltungen zum

zeitgenössischen Kunstschaffen beitragen wird. Mit diesem Forum wird die

Kunstmeile Krems, die sich von Stein bis Krems ausdehnt, im Bereich des

Minoritenplatzes eine weitere hochkarätige Institution erhalten.

Goebl Bolecek

Architekten

© Oliver Ulrich

Göbl

Architekt

© Lukas O. Goebl

Puhl

Polier

© Lukas O. Goebl

Weidum

Bauleiter

© Lukas O. Goebl


Städteplanung / Architektur / Religion Buch XV - Forum Frohner ST/A/R 117

ST/A/R - Foto von

Wladimir Jaremenko Tolstoj im Atelier

von Adolf Frohner kurz vor seinem Tod

beim Besuch von Heidulf Gerngross

und Lukas Goebl.

ist tot

lebt

Frohner-Forum

© Goebl/ Ulrich

© Wladimir Jaremenko Tolsoj


118 ST/A/R

Buch XV - Forum Frohner Nr. 13/2007

Adolf Frohner im Interview mit

Heidulf Gerngross und Lukas Goebl

im Dezember 2006

L.G.: Hast du noch ein Kammerl auf der Universität?

A.F.: Nein, ich bin kein Künstler der auf Kammerl

reflektiert, sondern wenn dann auf Hallen, so wie die

Frohner Forum Halle.

H.G.: Wie ist es zu der Halle in Krems gekommen?

A.F.: Alle großen Sachen passieren nebenbei. Es gibt

keine große ideologische Vorkämpferei, es ist auch

nicht mein Wunsch gewesen, sondern es war eine

Spontanreaktion nach einer Ausstellungseröffnung,

die ich in Langenlois hatte und die vom Herrn

Landeshauptmann Pröll eröffnet wurde, den ich

vorher schon kannte und zu dem ich ein recht gutes

Verhältnis habe.

Wir sind nachher, wie soll es sonst sein, in

Langenlois bei gutem Wein gesessen und haben

getrunken und geredet und haben die Welt

auseinander genommen und sie auf unsere Art

wieder zusammengesetzt. Und dann habe ich gesagt:

„Jetzt bringe ich etwas ins Spiel, was möglicherweise

von Euch weggeschnitten wird, wie sieht es aus, in

Weißenkirchen gibt es den Theissenhofnerhof, der

ist sehr schön und steht ohnehin leer, könnten wir

da nicht eine Art Frohner-Museum errichten. Pröll

meinte: „Das würde ich dir nicht raten. Der Hof ist

denkmalgeschützt und besteht aus lauter kleinen

Kammerl. Ich kenne deine Bilder, das sind ja sehr

große Bilder, die haben ein bestimmtes Pathos, und

brauchen Platz.“ Es wurde nichts daraus. Er rief

aber dann einen Landesbeamten an und beauftragte

ihn, sich darum zu kümmern. „Macht mir einmal

Vorschläge und redet mit dem Frohner, was man da

machen kann.“

Und das muss schön langsam, so wie durch den

Melita Filter, getropft sein zu dem, was es jetzt

geworden ist. Das ganze war also sehr undramatisch.

Alle großen Sachen passieren

nebenbei.

Dann war es ein Antrag, das heißt ich muss noch

sagen, dass das Landesmuseum in St. Pölten, von

mir ungefähr hundert Arbeiten, sehr viel graphische,

besitzt. Das klingt nach irrsinnig viel, aber sie haben

den Zyklus „Metamorphosen“ gekauft, das sind 49

Plakatübermalungen, sie haben den Adalbert Stifter-

Zyklus gekauft, das sind zehn große Arbeiten auf

Papier, damit ist man allein schon auf 60. Dann

haben sie aber immer, der Dr. Rössl hat, als sie noch

in der Herrngasse waren, immer Sachen von mir

gekauft, nicht nur für das Museum, sondern auch

privat und sein Vater auch. Es war also nicht nur

Interesse an einem Landeskünstler, sondern auch an

einem Künstler. Da ist mir auch viel lieber, als wenn

er jetzt einen Auftrag erledigt und sagt: „Wir haben

etwas gekauft“. Es ist eine sehr lange Freundschaft

schon …

H.G.: Ich kenne ihn auch. Ich habe auch etwas

gemacht, es war in Krems eine große Ausstellung

vor der Uni…

A.F.: Und ich habe dann gesagt, ich bringe ihm,

wenn es ein Museum wird – gegen den Namen habe

ich mich immer gewehrt, denn ich finde … Sie tun

jetzt telefonieren und ich hole mir einen Wein …

H.G.: Okay, … Wie ist es dazu gekommen, dass

der Auftrag zum Büro Göbl gekommen ist, um das

Museum zu machen?

A.F.: Das ist ziemlich einfach erklärbar. Architekt

Fritz Göbl hat die Minoriten-Kirche zu einer

Mehrzweck-Musik-Halle, dem Klangraum Krems

umgebaut, und diese Halle, jetzt Halle Forum

Frohner, die man mir angeboten hat, befindet sich

in der Nähe der Minoriten-Kirche, genauer gesagt im

Garten des ehemalingen Minoritenklosters.

H.G.:War das ein Wettbewerb, den dein Vater

(Architekt Fritz Göbl) gewonnen hat?

Ich will das Tote nicht, sondern

ich möchte ein Museum das

lebendig ist. Ein Museum hat man

früher bekommen wenn man

tot war. Nun versuche ich das

möglichst weit hinauszuschieben,

das mit dem sterben und möchte

solange ich lebe in diesem Forum

agieren.

L.G.: Vor drei Jahren hat mein Vater, damals war ich

nicht dabei, da habe ich gerade auf der Angewandten

herumgekasperlt, gemeinsam mit meinem Kollegen

Alex Bolecek, der auch Co-Entwerfer des Frohner

Forums ist den Wettbewerb zum Umbau der

Minoritenkirche gewonnen.

A.F.:Am Minoriten-Platz wird das Museum stehen.

Wenn du willst kannst du das Bild haben.

Das ist die Vorderfront, durch die man hineingeht.

Ein Glasgang führt in die Räume, die auch dann

zu mir gehören. Hier in diese Patios kann man

Fontainen reintun...

L.G.: Das Büro Göbl hat also den Wettbewerb

zum Umbau der Kirche gewonnen. Es war zu

diesem Zeitpunkt noch nicht so klar, was man

mit dem Kloster macht. Dann war die Idee da,

die Niederösterreichische Festival-Ges.m.b.H, ein

Museum über die Handelsstadt Stein und eine Ernst

Krenek Dokumentation im Kloster unterzubringen.

Das ist passiert und irgendwann kam dann noch die

Anfrage vom Dr. Rössl: „Habt ihr keinen Platz für

den Frohner in dem ganzen Museumsverband?“.

Im Teissenhofner Hof wäre dies ja nicht möglich

gewesen, denn, wie du schon gesagt hast, in den

alten kleinen Kammerln kommen diese großen

Werke nicht zur Geltung. Dann haben wir das

Ganze nochmals untersucht und im Klostergarten

im Anschluss an das zentrale Foyer einen Platz

gefunden. Der Neubau der Frohnerhalle sitzt nun

axial auf den Minoritenplatz und fügt sich wunderbar

in das alte Ensemble ein.

H.G.: Wie wird dieses Museum aussehen? Wird das

auch so eine Egoarchitektur?

L.G.: Nein. An dieser Stelle, in diesem Kontext,

geistig und historisch haben wir keinen Sinn in einer

formalen Überformulierung gesehen. Das Kloster

ist ein sehr puristisches, das haben ja die Minoriten

erbaut, also ein Bettelorden. Alles ist sehr einfach, um

nicht zu sagen primitiv dort. In diesem Sinne haben

wir weiter gedacht und gebaut. Die Frohnerhalle ist

eine Betonkiste, ein richtiger Bunker...

Im Innenraum haben wir großen Wert darauf gelegt,

dass die Materialen eine Nähe zu den Werken Adolf

Frohners aufweisen. Ausserdem kommen eher

primitive, im Museumsbau unorthodoxe Materialien

zum Einsatz. Zum Beispiel ist die Decke aus

Heraklithplatten, welche normalerweise im Tief- und

Garagenbau eingesetzt werden und sich durch ihre

formale Nähe zu den frühen Matzatzenbildern vom

Frohner auszeichnen. Der Beton hat auch keine

Sichtbetonqualität, der „schiache“ Beton passt einfach

besser zum Adi...

H.G.: Wann wird es fertig?

L.G.: Für Ende September ist die Eröffnung des

Frohner Forums geplant., die anderen Teile des

gesamten Projekts werden dann später eröffnet.

H.G.:Das ist schon 2007!

A.F.: Ja, aber das muss sein! Ich fahre nachher weg,

ich habe meinen Urlaub geplant.

H.G.: Wohin?

A.F.: Nach Sült.

L.G.: Das kann an dieser Stelle festgehalten werden.

Es wird fertig!

H.G.: Wie ist die Auswahl der Bilder dort? Ist das

eine Essel-Sache oder eine Art Landesmuseum?

A.F.: Ich habe mich geweigert das Wort Museum

zu verwenden. Museum ist ein Begriff der

Spätbürgerlichkeit des 19. Jahrhunderts. Da hat

man halt immer wieder was Schönes, was Statisches

gesammelt und hat es in Räume gegeben und dann

die Tür zugemacht. Man konnte es besichtigen und

dann war es tot.

Ich will das Tote nicht, sondern ich möchte ein

Museum das lebendig ist. Ein Museum hat man

früher bekommen wenn man tot war. Nun versuche

ich das möglichst weit hinauszuschieben, das mit

dem sterben und möchte solange ich lebe in diesem

Forum agieren.

Forum ist ein Platz, da kann man alles machen.

Ich möchte z.B. die Erstausstellung soll sein, grob

ausgedrückt, von jedem Dorf ein Hund, denn

ungefähr so viele Sachen haben sie.Dann stellt man

vor, die Phase des österreichischen Aktionismus, die

Ablöse vom Aktionismus zur Prefiguration, dann zur

extremen Figuration, zur extremen Kontaktaufnahme

mit der Werbung und das Gegenideal von schönen

Frauen zu machen. Wenn man früher einen

Kühlschrank verkaufen wollte, musste eine nackte

Frau darauf sitzen und ich habe gesagt, von meiner

nackten Frau, die darauf sitzt, wird nie jemand

einen Kühlschrank kaufen, also sozusagen das

Gegenmodell des Ganzen, weil ich gemerkt habe, die

Werbung richtet sich eigentlich nach der Brieftasche

des Mannes und dann habe ich gesagt, jetzt mache

ich das, wie ich eben das verstehe und das heißt, es

ist Warenpornographie, was da vorgeht.

Alle diese Phasen in meiner Kunst, wie die zu

einer Art religiösen Mythologie kommen werden

am Anfang vorgestellt. Und dann möchte ich

etwa alle vier Monate das wieder verändern, z. B.

die Nachfolgeausstellung, das habe ich bereits

ausgemacht, wenn das im September anfängt,

dann gehen wir vielleicht im Februar eine

Frühjahrsausstellung an, die heißt Aktionismus und

das Rundherum, informell der Expressionismus,

das informellste das damals war, der in Österreich

nur Kurzzeit war, eine reine Ausstellung über

Aktionismus.

Dann mache ich vielleicht etwas, ich habe selbst

photographiert seit 50 Jahren, Hauswände. Auf den

Hauswänden findest du alle Botschaften der Welt.

Heute noch findest du am Stephansdom 05. Wer

weiß, was 05 bedeutet, weißt es du?

L.G.: Widerstand.

A.F.: Ja, aber 0, das ist O, und 5 steht für E, also

OE ist gleich Ö, also Österreich. Wenn sie den

erschwischt hätten, der das hingeschrieben hat,


Nr. 13/2007 Buch XV - Forum Frohner

ST/A/R 119

hätten sie ihn aufgehängt. Dann ist auch noch das

Maß eines Brotlaibes dort. Also die Botschaften der

Welt wurden immer auf die Hauswände geschrieben.

H.G.: Ja, überhaupt. Die Botschaften sind ja auch

in der Architektur gelegen, bis die Gutenbergbibel

gekommen ist, die das dann in Schrift übersetzt hat,

der Architektur wurde das ja genommen…

A.F.: Wie die russische Besatzung, ich habe

gefunden, auf einmal kommt in unser lateinisches

Weltbild das kyrillische Schriftbild, und die

Häuserzeichnungen waren ganz anders.

Ich wollte einmal ein Buch machen, wo ich sage, in

Simmering in der Hauptstrasse Nummer 35 beim

linken Kellerfenster gibt es einen Leger zu sehen.

Wenn Sie einen Picasso sehen wollen, fahren Sie

nach Währing, den gibt es in der Gasse soundso.

Ich wollte so etwas aufbereiten, dass es die Kunst

jederzeit, wenn man schauen kann, jeder Zeit zu

sehen gab und gibt.

H.G.: Was ich noch sagen will, dieser Kontakt zur

Architektur. Ich bin heute am Westbahnhof gewesen

und habe diese Arbeit von dir mit meinem Handy

fotografiert.

Kannst du vielleicht etwas zum Westbahnhof sagen?

ein weggeworfenes Bild, das ist der Sessel für Joseph

Beuys, alle diese Dinge will ich auch als Objekte

zeigen. Aber du willst etwas anderes wissen, schau,

da hast du den Westbahnhof und das, was ich dazu

geschrieben habe.

Das berühmte Foto, wo ein

schlimmer Bub an die Wand FUT

schreibt und dann kommt der

brave und macht AUTO daraus.

H.G.: Aha, das ist beim Westbahnhof. Wer hat diese

Stellen vorn gemacht?

A.F.: Wo. Vorne?

H.G.:Ja, vorne. Vor dem Westbahnhof.

A.F.: Das weiss ich nicht, aber das ist ganz was

anderes.

Aber das ist meine Arbeit, das gehört auch

präsentiert. Da ist was geschrieben dazu.

Das hat die Almuth Spiegler geschrieben, das hat sie

blöd geschrieben, sie hat geglaubt, es wird abgeglast,

dabei wurde nur eine Glasbarriere errichtet,

H.G.: Wir können keinen Blödsinn schreiben, denn

es ist ja authentisch, was du sagst ist drinnen. Das ist

ja das Wesen der Zeitung, dass wir nicht kritisieren

und über dich schreiben, sondern das, was ist,

festhalten.

A.F.: Diese Präservative an den Büchern sind

ärgerlich.

L.G.: Tolstoi, mach ein Foto von dem.

A.F.: Da sind Texte über mich, da gibt es vorne Bilder

von mir zu sehen. Die Klasse, Tätigkeit des Lehrens...

H.G.: Das Bild ist schön.

A.F.: Nero hat da einen Text geschrieben über die

Lehrtätigkeit, das Lehren selbst, der hat mir ziemlich

getaugt.

Da ist der Text „Zeichen an der Wand“, der ist

wichtig. Da sind Bilder aus dem Aktionismus.

L.G.: Wann war das?

A.F.: Was weiss ich, 1962.

H.G.: Was bist du für ein Jahrgang?

A.F.: 34er.

Das geht bis zu den Kreuzigungsbildern, und hinten

gibt es auch noch ein paar Fotos. Das berühmte Foto,

wo ein schlimmer Bub an die Wand FUT schreibt

und dann kommt der brave und macht AUTO daraus.

Meine ganze Lehrtätigkeit mit allen Gastprofessoren

und Studenten ist drinnen. Von den 150 die ich zum

Diplom gebracht habe, ich will nicht sagen, dass ich

allen 150 eine Chance gebe, aber ich nenne sicher

keine sechs, wo ich sage, die schaffen es sowieso.

Man weiss nie.

Es gibt keinen Kanon von dem

man sagen kann, das wird Kunst.

Kunst kann auch das Gegenteil

werden von dem was man glaubt.

A.F.: Schau, das habe ich in Russland fotografiert, ein

Bild einer Kirche.

H.G.: Genau das waren die Inspirationen in meiner

Jugend, die kleinen Kapellen in Kärnten, wo es

genauso ausgeschaut hat.

A.F.: Und davon habe ich viele. Ich würde gern

einmal 100 Fotos – aber 100 ist eine blöde Zahl – 99

Fotos ausstellen in der Halle. Ein Maler betrachtet die

Wand.

H.G.: Schön, es ist ja so, dass du wahrscheinlich

dein Spektrum, das in viele Epochen aufgeteilt ist

sozusagen, dass du das hintereinander zeigen kannst.

A.F.: Nachdem ich nicht so viel reden will, weil ich

doch faul bin …

H.G.: Dann rennt dir nichts weg, das habe ich schon

gemerkt …

A.F.: Dann will ich euch zeigen, dass das was

du verlangt hast von mir jetzt gerade, schau, die

verschiedenen Objekte, die ich gemacht habe,

Dinge die nebenbei entstehen, heißt das. Das ist

das Haus für den Max Ernst, das ist Venedig im

Waldviertel, das ist die Annatant als Ikone, das ist

damit nicht alle stinkenden Hunde und die Windeln

hinten liegen.

Die Spiegler hat einen guten Artikel über die

Biennale geschrieben. Sie war einmal ein Liebling

von mir. Ich hatte eine Ausstellung im Kunstforum

von der BA-CA, ich kannte sie nicht, aber sie hat

eine himmlische Kritik geschrieben und dann habe

ich mich bedankt und ich habe sie eingeladen, oder

sie hat mich eingeladen in ihr Elternhaus, und dann

waren wir sehr gut. Dann hatte ich eine Ausstellung

in der Galerie am Stein und ich habe sie gezwungen,

dort die Ausstellungseröffnung zu machen und das

hat sie gemacht. Warum sie jetzt so hingehauen

hat, auf mich? Vielleicht hat ihr das der Herr

Fleischhacker befohlen?

Was mich noch interessiert zu sagen ist, dass meine

Lehrtätigkeit, die sich doch über Jahre hingezogen

hat ….

H.G.: Es sind doch einige Leute aus deiner Tätigkeit

als Professor herausgekommen. Kannst du vielleicht

ein paar Maler nennen die aus deiner Schule

gekommen sind?

A.F.: Das werde ich nicht, ich werde Niemanden

bevorzugen. Ich habe ungefähr 100 oder 150 Schüler

gehabt. Ich muss ja nicht, ich liefere Informationen

und ihr schreibts einen Blödsinn….

L.G.: Seit wann bist du nicht mehr auf der Universität

und warum? Wie ich dort studiert habe, also noch

vor 2 Jahren bin ich mit dir hin und wieder im Lift

gefahren.

A.F.: Seit 2005 im Grunde. Emeritiert habe ich

natürlich schon früher, musste ich ja, denn das

geht ja bei uns gesetzlich, wenn ein Maler 68 ist,

gehört er weg. Ein Wissenschaftler auch, die wissen

dann nichts mehr, die werden deppert, was ein

Schwachsinn ist. Bei den Medizinern ist das anders.

Ich kann mir vorstellen, dass ein Chirurg mit 82

nicht mehr so gut operiert wie in jüngeren Jahren.

Ich habe mich dann um meine Klasse, die dann

ausgeschrieben wurde, als Vertragsprofessor

beworben und habe die noch mal für drei Jahre

bekommen. Ich bin 2005 vollkommen ausgestiegen

und ich habe kein Kammerl dort. Ich verweigere auch

jede Zusammenarbeit mit der Schule, wenn mich

Studenten fragen, denn ich dürfte ja noch Diplome

abnehmen, das mache ich nicht. Denn ich will meine

Nachfolgerin, Kandl heisst sie, nicht… die hat zwei

Klassen jetzt und hat eigentlich gesagt, dass sie

keinen Wert darauf legt, dass die Studenten da sind,

die sollen daheim arbeiten. Ich will mich nicht in

ihrer Lehrmeinung einbringen.

Ich weiss dass Kunst in der Form nicht lehrbar ist.

Es gibt keinen Kanon von dem man sagen kann, das

wird Kunst. Kunst kann auch das Gegenteil werden

von dem was man glaubt.

Fortsetzung folgt...

Am 24. 1. 2007 ist Adolf Frohner plötzlich gestorben.

Das gesamte Interviews erscheint in einer ST/A/R

Sonderbeilage anlässlich der Eröffnung des Frohner-

Forums Ende September 2007.


120 ST/A/R

Buch XV - Forum Frohner Nr. 13/2007

Ab

September 2007

auf der Kunstmeile

Krems

Wir bedanken uns beim Land Niederösterreich, bei der

Kunsthalle Krems, bei der Firma Renner, bei Architekt

Fritz Goebl, und bei der Firma Schmuck für das

Zustandekommen dieses ST/A/R Frohner Abschieds. Und

hoffen auf sein Weiterwirken im neuen Frohnerforum.

Adolf Frohner zeichnete und schenkte dem ST/A/R - Team für

die ST/A/R - Auktion eines seiner letzten Werke mit dem Titel

„Wir wollen Kinder zusammen haben“.

Wir bedanken uns bei Adolf Frohner.

© Wladimir Jaremenko Tolsoj

Abschied von Adolf Frohner


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XVII - AUTO-ST/A/R ST/A/R 129

Foto: Bentley / Fotobearbeitung: David Staretz

David Staretz schreibt, redigiert und fotografiert den Auto-ST/A/R


130 ST/A/R

Buch XVII - AUTO-ST/A/R Nr. 13/2007

Harald Gehmachers Karmann Ghia

Fotos: David Staretz

VÖLLIG UN-PER-FAKED

Innenliegender Außenspiegel, Heizgebläse-Turbo und Ofensilber-Lack: Harald Gehmachers VW Coupé ist beseelt

vom Witz der Reduktion.

Wenn man gelegentlich nach

meinem Lieblingsauto fragt,

dann gebe ich selten die richtige

Antwort, denn es hieße mühsam

und ungelenk zu beschreiben, was

man bestenfalls hier im ST/A/R würdig

darstellen kann. Sagte ich einfach

„ein gewisser Karmann Ghia“, ginge

die Antwort überhaupt völlig am

Wesen der Sache vorbei. Denn in der

kollektiven, erbarmungslosen Kindheit

steht der VW KG als absolutes Lulu-

Auto eingraviert, eine Art rollendes

Damenhandtäschchen, hoffnungslos

überziseliert und untermotorisiert. Selbst

Sammler schrecken davor zurück – die

Rostnester sind noch immer nicht zur

Gänze erforscht, die Blüten treiben aus

den tiefsten, unerreichbaren Sicken. Und

das fertige Ergebnis eines zweifarblakkierten,

weißwandbereiften Karmann

Ghias zeigt eben nie mehr als einen

solchen. Und dann kam Gehmacher.

Allein die Gabe, das wahre Potenzial

dieses Zweisitzers zu entdecken, ist

bewundernswert. Es wäre zu hoch gegriffen,

Harald einen umfassenden Plan

zu unterstellen. Es gibt keine Zwanzig-

Jahres-Pläne beim Autorestaurieren.

Schon gar nicht, wenn das Ergebnis

nicht vorhersehbar sein konnte. Es

gab noch nie etwas Gleichartiges: Aus

einem hoffnungslos schickgemeinten

Sahneschnittchen (in diesem Fall ein

billiger, glanzloser Gebrauchtwagen)

formte Harald Gehmacher ein kompromissloses

Kunstwerk. Damit zelebriert

er die gesamte wunderbare Aufregung

des Autofahrens, alles Streben nach

Schönheit, nach Eleganz, nach

Offenbarung, und sein Objekt, ein Zeit

und Weg durchdringender Raumkörper,

verbindet das unvermeidliche Scheitern

mit dem passionierten Dranbleiben,

denn Harald Gehmacher gibt nicht auf,

er kämpft am Material, an der Form, und

jedes Jahr um die technische Zulassung.

Und selbst damals, als ihm einer seitlich

reingefahren war und der Mann von der

Versicherung konnte das Ding auf keiner

Liste mehr finden, was bedeutet, dass

der Wagen schon dann als Totalschaden

gilt, wenn nur ein Blinker-Cellon hin

ist, selbst damals kam irgendwo ein

Lichtlein her und der Gutachter sagte:

„Naja, immerhin ist ein Radio drin,

somit kann ich Ihnen zweitausendfünfundert

Schilling gutschreiben“. Harald

Gehmacher ist Lampen-Hersteller der

künstlerischen Art mit einem kleinen

sehenswerten Laden in der Lerchenfelder

Straße, er ist nicht für das Big Business

geschaffen, aber er weiß, was er tut.

Mit diesem reinen Destillat eines

Volkswagen Karmann Ghia, hat er ein

Meisterwerk geschaffen, weit über handwerkliche

Belange hinaus, aber in jedem

Detail begründet. Denn der Sportwagen

ist keineswegs fancy, jede Modifikation

ist technisch nachvollziehbar. Und: er

entzieht sich jeglicher Oldtimerisierung;

sie würden Harald mit nassen Tüchern

aus den Karmann-Ghia-Clubs jagen,

mit ihren polierten Chromstoßstangen

und sinnfreien Luftgitterchen. Harald

als einziger die wahre Schönheit des

Wagens erkannt und die reine Form

herausgearbeitet. Dabei ging er beispielsweise

so weit, die Regenleisten

vom Dach zu schneiden, was ihm eine

Schrecksekunde bescherte, als ihm

einfiel, dass Autos hier punktgeschweißt

sind. Zur Sicherheit versteifte er den

Wagen von innen her mit einem massiven

Stahlkäfig, was das Einsteigen schon

rein körperlich vor Alltäglichkeit bewahrt.

In letzter Konsequenz von Leichtbau und

Reduktion fielen nicht nur Stoßstangen

und Radkappen, es wurde alles angebohrt,

was nicht wie ein tragendes Teil

aussah und der Außenspiegel wanderte

konsequenterweise nach innen. Diese

jahrelange Bearbeitungsdichte, wonach

kein Quadtratzentimeter unbearbeitet

blieb, lässt den Wagen solide gedengelt

wie ein Sarazenenschwert erscheinen.

Gemäß der Erkenntnis, dass ein Teil

immer nur neben, aber nie auf einer

Schweißnaht bricht, ist der Wagen mittlerweile

unverwundbar. Bei alledem ist

es imponierend, wie Harald sein Auto

völlig ungerührt bewegt, ohne besondere

Bedachtnahme. Da wird richtig Gas gegeben,

und der Beifahrer meint zu spüren,

wie sich die stark negativ gestürzten

Hinterreifen gegen die Kurve stemmen.

Harald

Gehmacher

im innenliegenden

Außenspiegel

Der Motor ist leicht frisiert, aber auf

die Art und Weise, dass Technikern

und anderen Langweilern die Haare zu

Berge stehen: Das Lüftergebläse wurde

einfach zum Soft-Turbo umfunktioniert,

Heizluft wird statt zu verweichlichten

Passagieren direkt in die beiden

Sportvergaser geblasen, was einfacher

klingt, als es in der Praxis zu verwirklichen

war. Einzige Frivolität, die er sich

leistet: einen Schminkspiegel unter der

rechten Sonnenblende. „Meine Frau

mochte das Auto nicht besonders, als wir

uns kennenlernten. Ich war so nervös,

dass ich alles falsch machte. Immer ging

etwas schief, wenn sie dabei war. So

dachte ich, vielleicht kann sie ein Spiegel

beschwichtigen“. Lackiert ist der Wagen

mit mattem Silberglanz per Pinsel, was

der stromlinierten Karosserie das allzu

Glatte nimmt. Viele Details erfreuen

mit humorvoll genialen Lösungen, die


Nr. 13/2007 Buch XVII - AUTO-ST/A/R

ST/A/R 131

so fortgeschritten ausgefuchst sind,

wie wenn Philharmoniker einander

Pointen mit ihren Instrumenten

zuspielen. Insofern ist der Wagen

auch ein kompliziertes Hygrometer

für Gehmachers Befindlichkeiten:

„Wenn es mir gut geht, wie jetzt, ist

es für mich das schönste Auto. Aber

wenn ich schlecht drauf bin, ist es nur

ein schiacher Scherm, an dem ich

leide und für den ich mich unentwegt

entschuldigen möchte.“ Die benzingeschwängerte

Luft hier drin riecht wie

zündfähig am schieren Krach des ungedämmten

Resonanzgehäuses. Tacho

140 bestürmt alle Sinne. Gehmacher

steuert so konzentriert, dass ihm

manche Sätze zu Boden fallen wie

Beilagscheiben. Er hat einen Auftrag.

Er lenkt ein Auto, das alle Moden und

Gezeiten verschmäht. Am Silberlack

prallen Eitelkeiten ab wie Sternspritzer,

die robbenglatte Schnauze durchbricht

das Eis der Konventionen. Anders als

alles was ich kenne, streben sämtliche

Veränderungen an diesem Fahrzeug

auf einen Fluchtpunkt der ehrenvollen,

unperfekten Absolutheit zu. π

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Bengt Fallström von David Staretz

SMAHRT

Auch die Kunst des

Kleinseins kommt nicht an

einer Verlängerung vorbei.

Der Smart sieht aus wie

immer, ist aber um 19 cm

länger und um 90 Prozent

neuteiliger. So what?.

Die neunzehn Zentimeter

bewirken

1. einen um fünf Zentimeter längeren

Radstand, somit geringeres

Längsnicken beim Schalten, Bremsen

und Kanaldeckeln,

2. das Ende des ohnehin grenzwertigen

Quer-Einparkens,

3. größeren Laderaum und schnellen

Handtaschenplatz hinter den

Sitzlehnen.

4. ähnelt der neue Smart seinem seit

acht Jahren unveränderten Vorgänger

so stark, dass man ohne Vorwarnung

keine Unterschiede erkennen würde.

(Der Türgriff ist jetzt waagrecht.)

Dabei hat man den Wagen so umgekrempelt,

dass man laut Smart-Geschäftsführer

Ulrich Walker von neunzig Prozent

Neuteilen sprechen kann, die den Wagen

sicherer, agiler und umweltfreundlicher

machen sollen. Vor allem soll er endlich

den finanziellen Turnaround einleiten,

wobei er nun wie ganz am Anfang völlig

auf sich allein gestellt ist, ohne Roadster,

ohne Forfour.

Dabei helfen ihm neue, stärkere Motoren,

die die Höchstgeschwindigkeit auf 145

statt 136 km/h einregeln.

Um das zu ermöglichen, wurde der

Hubraum der Benziner von 0,7 auf 1,0

Liter vergrößert. Jetzt mobilisiert das

Basismodell bereits 61 und sein starker

Bruder 71 PS, wobei beide mit durchschnittlich

4,7 Litern zufrieden sind, wie

die Vorgängermotoren auch. Obendrauf

gibt es eine freche, etwas laute Turbo-

Variante, die mit 84 PS mehr leistet

als früher der Smart Brabus. In 10,9

Sekunden erreicht man so Tempo 100

und verbraucht, wenn man dies nicht allzuoft

exerziert, dennoch nicht mehr als

4,9 Liter.

Demnächst wird auch wieder ein Diesel

angeboten. Der Selbstzünder bleibt

bei bewährten 0,8 Liter Hubraum, leistet

nun 45 PS und kommt mit 3,4

Normlitern aus, womit er das amtierende

Dreiliter-Auto wäre. Der CDI

wird die Hundert in rund 19 Sekunden

erreichen und die in Österreich erlaubte

Höchstgeschwindigkeit nicht strafrelevant

überschreiten: 135 km/h.

Die Karosserie- und

Ausstattungsvarianten sind klassisch

auf Limousine/Cabrio sowie die

Ausstattungsversionen Pure, More und

Passion abgestimmt. Die Basisversion

hat ein Kunststoffdach, wertgesteigerte

Versionen verfügen über durchsichtiges

dunkles Polycarbonat.

Man kann damit auch zwischen

Servolenkung (Pulse, Passion) und keiner

Servolenkung wählen. Leider hat

man sich aber immer noch nicht über

eine direktere Übersetzung getraut, die

den Smart richtig wendig machen könnte.

Nach wie vor zählen Tridion-

Sicherheitszelle, Frontairbags,

Gurtstraffer, ESP, ABS und

Bremsassistent zu den anspruchsvollen

Sicherheitsfreatures. Im Passion ist sogar

die Klimaanlage serienmäßig.

Nach allen Betrachtungen über den neuen

Smart bleibt die Frage offen, wie er in

einer gelungeneren Variante aussehen

hätte können, alle Einschränkungen wie

Fußgängerschutz, Crash-Anforderungen

und Herstellungskosten einbezogen. Ein

bisschen mehr Designmut hätte man

sich wohl erlauben dürfen. π

Smart in Madrid. 19 cm mehr Länge

nehmen nichts von seiner Wendigkeit,

verbieten aber das quer Einparken


Städteplanung / Architektur / Religion Buch XVII - AUTO-ST/A/R ST/A/R 133

ST/A/R-Test: BMW 118d E87 Advantage

SOLO FÜR SEMIKOLON

Der Einser-BMW, ein Instant-Klassiker im Straßenbild, ein singulärer Fall von

Hinterrad-Beharrung samt fortschrittlichster Elektronik. Jetzt auch als Dreitürer.

Bei dem kleinen Erfolgsdiesel 118d

handelt es sich um den schwächeren

der beiden angebotenen

Dieselmotoren: 2 Liter Hubraum, 16

Ventile, Common Rail Direkteinspritzung,

elektronisch. BMW überlässt nichts dem

Zufall oder etwa gar der Konkurrenz,

schon gar nicht beim Diesel: Verstellbarer

Turbo, Intercooler, 122 PS und 280 Nm

Momentenmaximum schon bei 2000

Touren. Via Sechsgang-Getriebe stemmt

er sich auf 201 km/h und erreicht Tempo

Hundert in 10 Sekunden. Der Listenpreis

beträgt 24.940,–, aber wer glaubt schon an

Listenpreise angesichts der verheißungsvollen

Welt teurer Luxus-Extragüter, deren

zwingendste allein schon im appetitlichen

“Österreich-Paket” verschnürt sind:

Fußmatten in Velours, Beifahrersitz-

Höhenverstellung, Klimaautomatik,

Skisack, Nebelscheinwerfer und Radio

BMW Business. All das zusammen um

kompakte 900 Euro, man muß schon

blöd sein, darauf freiwillig verzichten

zu wollen, das klar zu machen, braucht

es nur einen mittelmäßig gerissenen

Autoverkäufer. Versteht er sein Fach richtig,

muss man, inklusive Xenon-Licht,

HiFi-Lautsprecher-System, Tempomat

und Österreich-Paket rund 30.000

Euro veranschlagen. Aber da locken

noch das Paket Dynamik oder das Paket

Komfort. Gratis ist nur das Raucherpaket.

Immerhin, in diesen Zeiten.

Der Einser-BMW steht einerseits für

BMWs Sündenfall (man hatte sich jahrelang

geweigert, in die Kompaktklasse

abzusteigen) und andererseits für BMWs

Stärke und Konsequenz: Man hat nicht

auf den geradezu verbittert durchgehaltenen

Hinterradantrieb verzichtet.

Dazu muss man eingestehen, dass der

Einser ein unverwechselbares Semikolon

im sonst eher indifferenten Straßenbild

darstellt. Schön ist er nicht, aber markant

wie alle hochwertigen Genußmittel, die

sich einer schnellen Süße entsagen, die

schnell schal wird.

Moderne Regel-Elektronik hat zudem

eine Eingriffstiefe erlangt, die es zur

zweitrangigen Frage macht, ob ein Auto

vorn oder hinten angetrieben wird.

Kennt ihr das leichte Schwindelgefühl,

wenn man vom Gas geht und der

Tempomat übernimmt? Als würde einem

der Boden unter den Füßen weggezogen.

Tempo 140 ist ein guter Richtwert unter

Ausnützung der Toleranzen. Im 6. Gang

entspricht das ausgeruhten 2300 Touren.

Anfangs steht der Verbrauchswert vielleicht

noch auf 6,9 Litern, am Ende der

Reise wird er auf 6,4 gesunken sein.

Leider ist der Tempomathebel falsch

herum eingestellt, daran habe ich mich

tausende Kilometer lang nie gewöhnt.

Beim Anziehen sollte Beschleunigen

sein, stattdessen muss man ihn vordrücken,

was nur intellektuell klappt.

Aber Nachdenken ist nicht beliebt im

Automatismus des Voranglühens. Auch

der Sitzhebel der Höhenverstellung liegt

zu nahe am Irrtum, und ansatzlos versinkst

du, obwohl du nur die Rückenlehne

verstellen wolltest, auf Höhe Tischkante,

blickst gerade noch übers Lenkrad hinweg.

Das so was erlaubt ist.

Langsam bekomme ich den elektronischen

Blinker in Griff, das Ding, das nicht

einrastet, aber auf Doppelklick löscht.

Das Servo-Prinzip des Einmal-Antippens

und Dreimal-Blinkens findet allerdings

schnell Gefallen.

Allerdings nervt der Startknopf mit der

Zeit. Das ist halt kein hochkarätiger Exote,

den man elektrisch hochfahren lässt, um

ihn dann mit Freude und Genugtuung zu

zünden. Es ist vielmehr ein Alltags-Tool

für umstandsfreie Bedienung und in der

Eile kriegt man leicht die Reihe falsch mit

Zündschlüssel in die Nut stecken und

dann STARTKNOPF, vor allem umgekehrt

möchte man immer den Schlüssel

rausziehen, dabei muss man aber erst

noch den Startknopf abdrücken.

Der Dieselmotor verliert sich in

Unhörbarkeit und imponiert durch

hohes Drehmoment schon vom

Anfahren weg. Ich schätze die elegante

Turbocharakteristik, das Durchreichen

durch die Gänge geschieht mit Kraft aus

vollen Händen. Über 140 wirkt der Motor

allerdings etwas angestrengt, es sammeln

sich auch Windgeräusche in den

Seitenpartien. Neuerdings gibt es diesen

Sprung öfter zu bemerken, zuletzt beim

Toyota Prius, der wird ab 141 geradezu

hysterisch.

Die Freude am Fahrwerk ist ja tief in

BMWs Firmenphilosophie eingraviert;

dass die Lenkung von Antriebsaufgaben

befreit ist, mag jeder bemerken, der

überhaupt für sich reklamieren kann, in

einer Blindverkostung die Antriebsräder

herauszufinden. Ich wäre mir da selber

gar nicht sicher. Insofern muss man der

aufwändigen Mehrlenker-Hinterachse in

Leichtbauweise ihre Qualitäten abnehmen

– wenn es brenzlig wird, hofft man

ohnehin auf ESP und DSC und alle

Heiligen Halbleiter..

Da tolle Xenon-Licht ist aufpreispflichtig,

verfügt aber nicht über Scheinwerfe

rhöhenverstellung, was nervt, wenn der

Abblendstrahl werkstattmäßig zu hoch

einjustiert ist, was dir keiner nachsieht.

Beams der Rache treffen dich.

NEU dazu: BMW 1er dreitürig

Nun hat man erst einmal 200.000 sicher

verkaufte Exemplare abgewartet, um die

aktuelle Dreitür-Variante nachzuschieben,

mit freiwillig sportlich erschwertem

Zugang zum Rücksitz.

Wer nämlich eh nur zu zweit fahren

möchte und Gepäck dorthin verstaut, wo

es nach hinten gehört, der kann sich an

der optischen Raffinesse der beschleunigten

Flanke, an ihrem tief liegenden

Schwerpunkt und der rahmenlosen

Seitenscheibe erfreuen und mag sich ein

wenig an den All Time Best of Ugly, das

kühne M-Coupé, erinnert fühlen.

Der Einser als Labor des schnellen

Reagierens auf Konsumenten-

Bedürfnisse erfreut jetzt (auch in den

fünftürigen Versionen) mit neu aufgepeppten

Vierzylinder-Direkteinspritzer-

Motoren, die das Benzingemisch

geradezu molekular der Verbrennung

zuführen, was Magerbetrieb über

die gesamte Drehzahlbreite erlaubt,

und mit einer neuen Generation

von Vierzylinder-Dieselmotoren: Mit

Common-Rail-Einspritzung, VNT-

Turbolader, motornahem Partikelfilter,

Bremsenergie-Rückgewinnung, Auto-

Start-Stop-Funktion und Schaltpunkt-

Empfehlung

Insgesamt konnte durch die konzertierten

Maßnahmen der Benzinverbrauch

um zwanzig, der Dieselverbrauch um

fünfzehn Prozent gesenkt werden. Ein

beispielgebendes Mustertriebwerk vor

den Vorhang: Der 120i neu mit 170 PS ist

ein richtiger Haudrauf (0-100 in 7,7 sec),

benötigt aber bei einem Leistungsplus

von 20 PS um vierzehn Prozent weniger

Benzin als der Vorgänger (im EU-

Zyklus).

Der 1er ist immer noch der einzige

Hecktriebler im Kompaktsegment,

was ihm als Sportlichkeit angerechnet

wird, im Grunde aber dank aller

Regel-Elektronik heute schon vernachlässigbar

ist. Viel mehr als der längste

Radstand oder die aufwändigste

Hinterachse seiner Klasse wiegen die

umfangreichen Ausstattungsfeatures.

Er bietet Curtain-Kopfairbags vorn

und hinten, Runflat-Bereifung, Reifen-

Pannen-Anzeige, Car-Key-Memory

oder einen zustandsgerechten Service-

Countdown. Gegen Aufpreis gibt es

kaum Obergrenzen, was Bi-Xenon-Licht,

adaptives Kurvenlicht, Kommunikationsund

Navigationssysteme betrifft,

sowie USB-Schnittstellen für externe

Unterhaltungselektronik.

Heraus tritt der 130i: Der

Reihensechszylinder mit Magnesium-

Alu-Kurbelgehäuse und Valvetronic

bringt alles überragende 265 PS, die sich

im Dreitürer nun wirklich supersportlich

präsentieren können.

BMW

Die ST/A/R-Jury verleiht dem 1er-BMW zehn von zwölf Sternen.

Die fünf aktuellen Motorvarianten

BMW 130i: Reihensechszylinder-Benzinmotor mit Doppel-VANOS

und VALVETRONIC, Hubraum: 2.996 ccm, Leistung: 195 kW/265 PS, max.

Drehmoment: 315 Nm, 0–100 km/h:

6,0 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h (elektronisch abgeregelt),

Durchschnittsverbrauch EU: 8,3 Liter/100 Kilometer.

BMW 120i: Reihenvierzylinder-Benzinmotor mit Direkteinspritzung (High

Precision Injection), Hubraum: 1.995 ccm,

Leistung: 125 kW/170 PS, max. Drehmoment: 210 Nm, 0–100 km/h: 7,7 Sekunden,

Höchstgeschwindigkeit: 224 km/h, Durchschnittsverbrauch EU: 6,4 Liter/100

Kilometer.

BMW 118i: Reihenvierzylinder-Benzinmotor mit Direkteinspritzung (High

Precision Injection), Hubraum: 1.995 ccm,

Leistung: 105 kW/143 PS, max. Drehmoment: 190 Nm,

0–100 km/h: 8,7 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h,

Durchschnittsverbrauch EU: 5,9 Liter/100 Kilometer.

BMW 120d: Reihenvierzylinder-Dieselmotor mit Common-Rail-

Einspritzung und VNT-Turboaufladung, Dieselpartikelfilter,

Hubraum: 1.995 ccm, Leistung: 130 kW/177 PS, max. Drehmoment: 350

Nm, 0–100 km/h: 7,5 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 228 km/h,

Durchschnittsverbrauch EU: 4,9 Liter/100 Kilometer.

BMW 118d: Reihenvierzylinder-Dieselmotor mit Common-Rail-

Einspritzung und VNT-Turboaufladung, Dieselpartikelfilter,

Hubraum: 1.995 cm3, Leistung: 105 kW/143 PS, max. Drehmoment: 300


134 ST/A/R

Buch XVII - AUTO-ST/A/R Nr. 13/2007

REISEKOLUMNE

DAVID AUS DEM KOFFER

Brief aus Monte Carlo. Maserati Quattroporte mit neuem

Automatikgetriebe

quattroporte

Schon wieder

Motorpanne

Selber in Monte Carlo

Monte Carlo wird von

Aufzügen erschlossen.

Man geht dazu diekt in

den Fels hinein und lässt sich

elevieren. Die gefliesten Zugänge

demonstrieren die Harmlosigkeit eines

Kinderplanschbeckens in pastellenem

Babyblau, Rosa und Hellgrün. Da kann

einem nichts Kriminelleres einfallen

als eine Münze aufzuheben, die

jemand verloren hat. Besser: Lass sie

liegen. Fünf Kameras sehen dich an.

Monte Carlo ist wie ein geschlossener

Club. Man erwartet, dass die Gäste

adäquat gekleidet sind, wie die

Homepage schon auf der ersten

Seite klarstellt. Das Verhältnis von

Polizei zu Bürger ist eins zu zwanzig.

Ergebnis: Es gibt so gut wie kein

Verbrechen (jedenfalls keine von der

hemdsärmeligen Sorte). Es gibt keine

Tags, keine Graffiti.

Das Altmodische hat hier Dauersaison

gebucht. Was in Galerien unter

Moderner Kunst firmiert, muß schon

Parkskulptur Fiat 500

Curd Jürgens, Porfirio Rubirosa und

den Kublai Khan gelangweilt haben:

Die Erfindung der abstrakten Skulptur

nach Henry Moore, die Dekonstruktion

des Körperlichen à la Armand.

Die Stadt ist so teuer, dass man Angst

hat, stehen zu bleiben. Für Autos ist

das ohnehin unerschwinglich. Jeder

Parkplatz ist vermerkt und registriert,

Wildparker werden des Landes

verwiesen. Oft sieht man Luxusautos,

mit einer Staubschicht bedeckt. Sie

repräsentieren die Tatsache, dass

ihr Besitzer bei der Parkplatzsuche

mehr Glück hatte, als er im Casino

erwarten konnte. Der Besitzer des

zebragestreiften Fiat 500 hat offenbar

den Kunstweg gewählt. Vielleicht

hofft er, als moderne Skulptur

durchzukommen. Sonst bleiben

nur die teuren Hotelgaragen. Oder

man kommt mit einem Gerät, so

phantastisch, wild und rar, dass man es

vor dem Eremitage oder dem Hotel de

Paris schrägparken kann. Einfach dem

Portier den Schlüssel zuwerfen!

Doch diese Art von High Life ist für

die Neureichen. Die Monegassen und

Monegassinnen (darf ich nur einmal

Monegeusen schreiben? Danke, war

mir ein blödsinniges Anliegen) sind

teuer aber konservativ gekleidet.

Eine frühe Erinnerung an Monte

Carlo: Wir stehen, eine ausgelassene

Journalistenrunde, auf dem Achterdeck

eines Oldtimerbusses und trinken

während der Fahrt Champagner. Der

Gastgeber schmettert sein Glas in die

Loew’s-Kurve. Es war eine Zeit, wo

man sowas noch ganz in Ordnung

fand. Wahrscheinlich waren die

siebziger Jahre einfach so. Im Lear Jet

wurde wie wild kampfgeraucht, sobald

die Reiseflughöhe erreicht war.

Das Casino. Es gibt ein Hinterzimmer.

Wahrscheinlich liegt dahinter noch

Hintereres, doch was ich hier sah,

genügte: Schmales blondes Mädchen,

schwarze Hose, weiße Bluse, kein

Schmuck, lehnt mit dem Rücken zum

Spieltisch und klappert gelangweilt

mit einem Set von bierdeckelgroßen

Jetons. Jedes ist 50.000 Franc wert.

Der Chefcroupier hat etwas im Gesicht,

was längst über den Begriff Nase

hinausreicht. Dunkelblau und von

Adern zerfurcht. Gern hätte man dem

Druck der schweren Brille die Schuld

gegeben.

Jose Carreras sang zur Präsentation des

Lamborghini Diablo. Lee Iacocca war

auch da, er hatte sein Liebe zu Italien

entdeckt und Chrysler schien auf

ungefährdetem Höhenflug.

Ein Zimmer im Monte Carlo Beach

Hotel kostet heute vierhundert Euro

in der Vorsaison, allerdings muss man

sich über die Brüstung rauslehnen,

um das Meer zu sehen. Aufwändige

Hinweise mit grafischen Darstellungen

warnen davor, sich auf den Balkon

auszusperren. Offenbar ist das schon

öfter passiert. Was für ein Schicksal:

Gefangen vor Zimmer 444.

Ein Österreicher, hört man, hat hier im

Fürstentum sein Glück mit Schuhen

gemacht. Und zwar mit solchen

Patenten, die heimlich sieben bis zehn

Zentimeter größer machen. Man sieht:

Es gibt immer noch sowas wie die

Zündende Geschäftsidee.

Auf der offiziellen Monaco-Homepage

wird man mit offenen Armen

empfangen, man erfährt sofort, was

man für eine Einwanderung benötigt:

Viel Geld. Allerdings muss man

tatsächlich kaum Steuern zahlen. Es

sei denn, und jetzt kommt der Haken,

wenn man etwas produziert – und das

kann dann auch geistiges Eigentum

sein – das ins Ausland verkauft wird.

Dann möchte der Staat die Hälfte

mitkassieren.

Es gibt oberhalb von Monte Carlo ein

Hochplateau mit einem Kirchlein samt

Parkplatz davor. Von dort aus kann

man durch einen Felsspalt auf die Stadt

schauen, wie man das sonst nur vom

Hubschrauber aus erlebt, wenn man in

Nizza gelandet ist und sich den Heli-

Shuttle leistet.

Franz Wurz, Österreichs einstige und

kommende Formel1-Hoffnung, macht

hier gern seine Freeclimber-Übungen.

Viele wohnen, wie auch Karl

Wendlinger, eher bescheiden in einem

Hochhaus über der Stadt. Ein Blick

in eine der zahlreichen Auslagen von

Maklerbüros macht schnell deutlich,

Blick vom Balkonzimmer 444


Nr. 13/2007 Buch XVII - AUTO-ST/A/R

ST/A/R 135

was Billigwohnen hier bedeutet: Ein

Zwei-bis-drei-Zimmer-Appartement

mit Balkon kostet 2.500.000 Euro.

In alten Schillingmillionen sind das

vierunddreißig.

Die Stadt ist so dicht getürmt,

dass manche Häuser wie für eine

holländische Puppenschau gebaut

scheinen. Dieser schmale asphaltierte

Pfad, der sich am Loew’s Hotel

zum Casino hochschlängelt, ist ein

wesentlicher Teil der Formel-1-Strecke.

Im Grunde ist alles Operette hier. Nur

wenn es sich staut, wird Monte Carlo

so öd wie alle Altstädte, denen die

Autos bei den Ohren rauskommen.

Die häusliche Behaglichkeit Monte

Carlos, dieses Gefühl, als wäre alles

unter einem schützenden Dach, hat

auch mit dem Klima zu tun. Elf Grad

hier sind etwas völlig Heimeligeres

als elf Grad bei uns. Hier herrscht so

eine sympathische Grundwärme, die

einen nie verlässt, garniert mit einer

üppigen Vegetation: Jede Verkehrsinsel

sieht aus wie Gilligans Island, jeder

Hotelgarten ist ein botanisches

Ereignis. Nachts wird alles angestrahlt,

was irgendwie anstrahlenswert ist.

Eine Beregnungsanlage hat geleckt.

Über den Gehsteig läuft eine Pfütze.

Ein alter Mann im lila Pastellanzug

wird mit Hilfe von acht Schaulustigen

über diese glitschige Pfütze geleitet.

Weiter vorn bleibt ein BMW Cabrio

stehen, der Boxerhund auf dem

Beifahrersitz hat diesen typisch

gelangweilten Reicher-Hund-Blick.

Der Motor hat elektronische Probleme,

man hört, wie er sich ständig verkutzt

und dann abstirbt. Eine hübsche Frau

sitzt neben dem Hund. Sie weiß, was

zu tun ist: Dreimal Neustart in Abfolge.

Dann läuft er wieder rund. Voodoo

modern in Monte Carlo.

Der richtige Ort, um hier den Maserati

Quattroporte zu präsentieren, so

ausgestattet, wie ihn die Reichen

lieben: Mit einer modernen,

altmodischen, geschmeidigen Schaltenunter-Last-Automatik.

Kraftfluss ohne

Punkt und Komma.

Man erwartet sich damit vor

allem in den USA sowie in den

Hoffnungsmärkten Dubai, Japan,

China, Russland eine deutliche

Verkaufssteigerung (um dreißig

Prozent). Konkret sollen 5700

Quattroportes die Fabrikation

verlassen, das wären siebzig Prozent

der Maserati-Gesamtproduktion.

Das Sechsgang-Automatikgetriebe, das

ein gewaltiges Motorendrehmoment

von 460 Nm und Höchstdrehzahlen

bis 7200 Touren verkraften muss,

wurde zusammen mit ZF neu

entwickelt. Der technische Eingriff

ist relativ tief, denn anstelle der

bisher verbauten Transaxle-Position

des Getriebes an der Hinterachse

musste nun vorne Raum für das

Automatikgetriebe geschaffen werden.

Dennoch konnte man einen idealen

Gewichtsausgleich (49:51) herstellen.

Ivan Capelli, der ehemalige Ferrari-

Pilot, steht beratend zur Seite und

lobt jetzt speziell die unmittelbare

und präzise Art des Einlenkens in

Kurven, die dem Fahrer ein gutes

Sicherheitsgefühl vermittelt. Er zeigt

das mit einem Prospektblatt in der

Hand.

Tatsächlich macht der Quattroporte

Automatic einen harmonischen

Eindruck auf höchstem Niveau. Die

400 PS des 4,2-Liter V8 werden ideal

verwaltet, denn das Getriebe reagiert

fast unmerklich und versteht es, den

Motor verständnisvoll zu interpolieren,

was im Normalbetrieb ein komfortables

Gleiten erlaubt, aber sobald man

die Teufel weckt, geht der Wagen

mit bösem Groll kompromisslos

voran, wobei die Schaltvorgänge, also

vor allem das Runterschalten, mit

höchster Effektivität und gepflegter

Dramatik vorgenommen werden.

Dampf ohne Unterbrechung, Schalten

unter fugenlosem Kraftschluss, so

etwas dient sogar noch dem Komfort.

Allerdings schlagen Bodenwellen

und Kanaldeckel erstaunlich polterig

durch, was Fahrer und Passagiere

trotz luxuriösester Ausstattung

daran erinnert, in einem Maserati zu

sitzen. Allerdings tun das auch die

Verbauchswerte: Im Kombiverbrauch

stehen reichlich 14,7 Liter an, doch das

ist immerhin ein knapper Liter weniger

als in der Version DuoSelect.

Trotzdem kosten beide Versionen

gleich viel Geld: Euro 133.772,–. Soviel

betragen hier manche Monatsmieten.

Ex-Formel1-Rennfahrer

Ivan Capelli demonstriert

richtiges Lenken


136 ST/A/R

Buch XVII - AUTO-ST/A/R Nr. 13/2007

Foto: David Staretz

Bika

Russische Modistin in der Josefstadt,

Hutatelier Viktoriya Sitochina - Josefstädter Straße 38


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XVIII - INTERNE ST/A/R 137

“THE PETLURA MUSEUM” 120X 180 Cm C-Print

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Courtesy: Michael Hall ConTemporary


138 ST/A/R

Buch XVIII - INTERNE Nr. 13/2007


Nr. 13/2007 Buch XVIII - INTERNE

ST/A/R 139

Elisabeth Grübl / 8000 hz

8000 hz / Ausstellung Ear Appeal / Kunsthalle Exnergasse

Im Gegensatz zu visueller Wahrnehmung können wir unsere Ohren bei Schallwellen nicht einfach schließen. Der gesamte menschliche Körper ist Resonanzkörper von Frequenzen, die sich über

Luftmoleküle und Materie im Raum ausbreiten, Raum beanspruchen und im resonierenden Raum wahrnehmbar werden. In der Arbeit 8000 hz wird das Verhältnis zwischen Raum, Materie und Ton

abstrahiert, existenziell reduziert und auf eine äußerst konzeptuelle und minimalistische Ebene geführt. Die verwendeten Materialien Glas und Pressholz formen einen platonischen, nicht-begehbaren

Würfel, der eine technologische Apparatur zur Erzeugung eine künstlichen Tons beherbergt. Aus einer optischen Leere und tektonischen Unbenutzbarkeit wird das Schallfeld extrahiert, ein Raum, in

dem mit Hilfe von Materie Schallwellen entstehen und begrenzt werden. Das technische Gerät im Inneren, ein Funktionsgenerator, produziert eine unnatürliche Frequenz ohne Obertöne von 8000 hz,

ein so genannter Sinuston, der selbst dann noch wahrgenommen wird, wenn er nicht mehr aktiv zu hören ist. Zum Vergleich: der Grundtonbereich der menschlichen Stimme beträgt 100 bis 1000 hz.

Der Sinuston von 8000 hz würde bei hoher Lautstärke ein extrem unangenehmes Körpergefühl bewirken. Die Apparatur im Inneren des Raumkörpers verweist durch die sichtbare Klangquelle auf die

Konstruktion des Tones und lässt den Ton hörbar imaginieren. Doreen Mende (Kuratorin Ear Appeal)


Städteplanung / Architektur / Religion Buch XVIII - INTERNE ST/A/R / /R 141

Buch XVIII - INTERNE

HOFSTETTER KURT: TwiLight Pendulum - space installation @ TENT / Witte De With museum - International Film Festival Rotterdam 2007 | http://www.sunpendulum.at/tlp-space.html HOFSTETTER KURT


142 ST/A/R

Buch XVIII - INTERNE Nr. 13/2007

© VG Bild-Kunst, Bonn

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Buch XVIII - INTERNE Nr. 13/2007

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