STAR_17

geraldkofler

ST/A/R

Zeitung für Hochkultur, Mittelmaß und Schund

Nr. 17/ Frühling 2008

Wiener Kulturzeitung

jetzt auch in Berlin!

04Z035665M – P.b.b. Verlagspostamt 1060 Wien • Adresse: 1060 Wien Capistrangasse 2/8 • office@star-wien.at • Europa € 3,00 • Nr. 17/08

INTERVIEWS

Barbie

Tolstoj

LITERATUR

Ohne Dieter Sperl

Die großen Dichter

Trash-Master Kofler

Vulva Natium

ARCHITECTS:

Alsop

Krischanitz

Andreas Treusch

BERLIN 1, 2, 3,

ST/A/R - Theater Berlin

Lena Braun

Zeppelinmuseum

Kunsthalle

BERLINA-FAIR

Wolf Guenter Thiel

KICK

Mounty R.P.Zentara

AUTO-ST/A/R

GELITIN

Der Gott Kurt

Deripaska - STRABAG BAAL Hofburg

Anna Netrebko Double

Städteplanung / Architektur / Religion

PRINTMEDIUM WIEN – BERLIN

3,– Euro


2 ST/A/R Buch I - Wien / Berlin

Nr. 17/2008

EDITORIAL : raumgeistig

1. ST/A/R ist keine Tageszeitung

2. ST/A/R ist keine zeitgeistige Zeitung

3. ST/A/R ist eine raumgeistige Zeitung ahnend

und nicht wissend

4. Berlinerinnen trotzdem TIP und Zitty

und Bild und Taz und B.Z. lesen….

5. Das ist unsere Arbeit an der Architektur des

Lebens

6. Von der Zeit Zeit zum Raum Raum

7. BerlinerInnen WienerInnen

Unsere Fackel ist ein ST/A/R

8. Karl Kraus ist eine Laus, ehret unsere

Vorfahren

9. Läuse und Wanzen gehören auch zum

Ganzen

10. Wir sind die international geistig am besten

vernetzten Sterne

11. Unsere Organisation entspricht den Gesetzen

der Astronomie

12. Österreich ist ein Kulturland

ST/A/R ist eine politische Zeitung

13. Wir sind ambitionslos

14. ST/A/R hat die astronomische

Nullenergiekraft um nicht ins Künstlerische

degradiert zu werden.

VATER

DU

D U

SOHN

HEILIGER

GEIST

Kostümbildnerin: Svetlana Ivanova-Winkler

Foto: Diana Wiedra

Impressum

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ST/A/R Printmedium Wien-Berlin

Europäische Zeitung für den direkten kulturellen Diskurs

Erscheint 4 x jährlich, Nr. 17/2008, Erscheinungsort Wien-Berlin

Erscheinungsdatum: 20.März 2008

Medieninhaber:

ST/A/R, Verein für Städteplanung/Architektur/Religion

A–1060 Wien, Capistrangasse 2/8

Herausgeber: Heidulf Gerngross

Chefredakteur: Dr. Phil. Wladimir Jaremenko-Tolstoj

Redaktion: Heidulf Gerngross (Tutti), Elisabeth Gschaider & Will Alsop (Architektur), Herbert Brandl

(Kunst), Lena Braun (Interview), Alexeev Popo V (Kiew-Fürstenfeld), Wladimir Jaremenko-Tolstoj

(Berlin), Bischof Arsenik (Religion), Rudi Gerngras (Waran), David Staretz (Auto), Wolf Günther Thiel

(Kreuzberg), Lukas Goebl, Dr. Christian Denker, Oxana Filippova (Theater), Valie Airport (Russland),

Günther Geiger (Wienzeile), Christian Schreibmüller (Literatur), Manfred Stangl (Philosophie), Wolf

Lampl & Jimi Lend (Drama Slam), Julius Deutschbauer, Gerald Kofler (Trash Master), Vera Biron (St.

Petersburg), Angelo Roventa (Rumänien), Philipp Konzett (Galerie)

Organisation: ST/A/R-Team

Artdirektion & Produktion: Mathias Hentz

Druckproduktion: Michael Rosenkranz

Sekretariat: Marlene Lang

Druck: Herold Druck und Verlags AG, Wien

Vertrieb: ST/A/R, Morawa GmbH.

Aboservice: starabo@morawa.com

Bezugspreis: 3,- Euro (inkl. Mwst.)

Kontakt: grafik@star-wien.at

Redaktion: editors@star-wien.at

Adresse 1: Capistrangasse 2/6, 1060 Wien

Adresse 2: Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin

0043-1-89-024-56, 0043-664-521-3307 Österreich

0049-30-441-3901, 0049-163-139-1266 Deutschland

Cover: Wladimir Jaremenko-Tolstoj,

der neue Direktor des Russischen Theaters in Berlin.

ST/A/R ist ein Gesamtkunstwerk und unterliegt dem Urheberrecht.

ST/A/R wird gefördert von: Bundeskanzleramt und Stadt Wien.

ST/A/R dankt allen BeitragslieferantInnen, MitarbeiterInnen, KünstlerInnen, UnterstützerInnen und

FreundInnen.


Nr. 17/2008

Inhaltsangabe

Buch I - Wien / Berlin ST/A/R 3

Buch 01 -

Wien-Berlin,

Seite 1–8

Buch 02 -

Berlin1,

Seite 9–16

Buch 03 -

Adolf,

Seite 17–24

Buch 04 -

Berlin2,

Seite 25–32

Buch 05 -

Berlin3,

Seite 33–40

Buch 06 -

Blüten der Stadt,

Seite 41–48

Buch 07 -

6.Bezirk,

Seite 49–56

Buch 08 -

Tolstojewsky,

Seite 57–64

Buch 09 -

Kick,

Seite 65–72

Buch 10 -

Komm zu mir,

Seite 73–80

Buch 11 -

Auto-ST/A/R,

Seite 81–88

Buch 12 -

ST/A/R-Paris

Seite 89–96

Auch in diesem Salon ist ST/A/R erhältlich!


Städteplanung / Architektur / Religion Buch I - Wien / Berlin

ST/A/R 5

Mutterhände mit Hase

HÄNDE VON ELLI GERNGROSS ANLÄSSLICH IHRES 95. GEBURTSTAGES AM 4. MÄRZ 2008


KUB_0802_Höller_Plakat_zurFreigabe.indd 2


17.03.2008 14:43:06 Uhr

6 ST/A/R Buch I - Wien / Berlin

Nr. 17/2008

Sinai Hotels

Ausstellung: 24.04.–12.05.2008

Eröffnung: 23.04., 19 Uhr im Az W

Az W

Foto: © Haubitz+Zoche

im Architekturzentrum Wien

Museumsplatz 1 im 1070 Wien

T++43 -1- 522 31 15, www.azw.at




































































































































KUB0802_An_Kultur_April_gzd.indd 1

13.03.2008 8:42:42 Uhr


Nr. 17/2008

Buch I - Wien / Berlin ST/A/R 7

REPRESSIVE TOLERANCE VERSUS FAIR-ETHICS

Herbert Marcuse writes 1965 in an essay “Repressive

Tolerance”: “ … The danger of ‘destructive tolerance’

(Baudelaire), of ‘benevolent neutrality’ toward art has

been recognized: the market, which absorbs equally well

(although with often quite sudden fluctuations) art, anti-art,

and non-art, all possible conflicting styles, schools, forms,

provides a ‘complacent receptacle, a friendly abyss’[1] in

which the radical impact of art, the protest of art against the

established reality is swallowed up. However, censorship of

art and literature is regressive under all circumstances. The

authentic oeuvre is not and cannot be a prop of oppression,

and pseudo-art (which can be such a prop) is not art. Art

stands against history, withstands history which has been

the history of oppression, for art subjects reality to laws

other than the established ones: to the laws of the Form

which creates a different reality--negation of the established

one even where art depicts the established reality. But in its

struggle with history, art subjects itself to history: history

enters the definition of art and enters into the distinction

between art and pseudo-art. Thus it happens that what was

once art becomes pseudo-art. Previous forms, styles, and

qualities, previous modes of protest and refusal cannot

be recaptured in or against a different society. There

are cases where an authentic oeuvre carries a regressive

political message--Dostoevski is a case in point. But then,

the message is canceled by the oeuvre itself: the regressive

political content is absorbed, aufgehoben in the artistic form:

in the work as literature.”[2]

[1] Edgar Wind, Art and Anarchy (Faber, London, 1963)

[2] Herbert Marcuse: Repressive Tolerance, in: Robert Paul Wolff, Barrington

Moore, jr., and Herbert Marcuse, A Critique of Pure Tolerance (Boston: Beacon

Press, 1969), pp. 95-137. This 123 page book was originally published 1965

fair ethics wurde gegründet von dem Berliner

Kunstwissenschaftler und Kurator Wolf Guenter Thiel und

dem Künstler Gerhard Bär. Die beiden arbeiten seit Anfang

2001 zusammen.

Gerhard Bär und Wolf Guenter Thiel haben eine

Vielzahl von künstlerischen Interventionen gemeinsam

realisiert. Bär konzipiert die künstlerische Intervention.

Thiel arbeitete die kunsttheoretische und soziokulturelle

Bedeutung auf und dokumentiert sie. Beide zusammen

konzipieren die Kommunikationsdramaturgie. Die

Interventionen haben in eigentlichen wirtschaftlichen

Zusammenhängen nachhaltig das Bewusstsein der

jeweiligen Projektpartner und ihrer gesellschaftlichen

und kulturellen Umfelder verändert. Diese Veränderung

wurde deutlich in der Selbstwahrnehmung des eigenen

wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Handelns

der Projektpartner. Diese Selbstwahrnehmung führt im

Resultat zu einer veränderten Öffentlichkeitsarbeit und zu

einer sukzessiven Veränderung der Fremdwahrnehmung

durch Medien und Öffentlichkeit Das künstlerische

Konzept von Bär und auch der kunsttheoretische Ansatz

von Thiel innerhalb dieser Zusammenarbeit, versteht sich

in der Tradition der sozialen Plastik von Josef Beuys.

fair ethics ist ein Forum für Autoren, Intellektuelle

und Wissenschaftler, die im Bereich der Kunst und

vergleichenden Kulturwissenschaften publizieren. Ziel

ist es pointierte Thesen zur Diskussion stellen, die sich

im weitesten mit den Begriffen Ästhetik und Ethik

beschäftigen. Anlässe sind Präsentationen, Vorträge oder

Worksshops. Referenten stellen ihre Theorien, Ideen oder

Forschungsergebnisse vor. Der Begriff ethics umschreibt

das humanistische und sozio-kulturelle Selbstverständnis,

das wir mit dem Begriff fair ethics zum Ausdruck bringen.

Es geht darum, wie sich die Lebensbedingungen innerhalb

heutiger Gesellschaften durch kulturelle und künstlerische

Interventionen bemerkbar verbessern lassen.

fair ethics lädt in unregelmäßigen Abständen Künstler

zu Ausstellungen ein. Die Künstler arbeiten zu Themen,

die sich aus dem Selbstverständnis von fair ethics ergeben.

Diese Künstler erhalten ein Forum, in der die Arbeit über

den Ausstellungszeitraum wissenschaftlich, kritisch und

publizistisch begleitet wird.

Im Unterschied zu den Vorstellungen in der

Kunstgeschichte, geht es bei fair ethics nicht um eine

generelle Weltveränderung oder um die gnadenlose

Durchsetzung ideologischer Linien. Die russischen

Konstruktivisten wollten 1917 wie die Futuristen und viele

andere Manifestanten der Moderne auch, die Welt über

Agitation und Aktivismus verändern. Sie wollten direkten

Einfluss auf das Bewusstsein und die Lebensumstände

der Menschen nehmen. fair ethics überschätzt sich nicht,

aber unterschätzt sich auch nicht. fair ethics trägt einen

bescheidenen Teil bei.

fair ethics wurde in der Karl Marx Strasse in Berlin

Neukölln gegründet. Diese Stadtquartier gilt als einer der

sozialen und kulturellen Brennpunkte Berlins und ist weit

über die Stadtgrenzen berühmt berüchtigt.

Berlin Neukölln ist eines der prototypischen

Stadtquartiere, in denen neue kulturelle Identität

entsteht. Diese Identität entsteht aus dem Lokalkolorit.

Historisch gewachsene kulturelle Besonderheiten treffen

auf eine Vielzahl neuer kultureller Einflüsse aus den

unterschiedlichen Weltkulturen. Lösungsmodelle für die so

genannten „Clashs of Civilization“ werden hier tagtäglich

entwickelt, erprobt und etabliert. Lösungen für die

Kulturkonflikte, jenseits der großen Politik, im tagtäglichen

Umgang. In Berlin Neukölln entstehen übertragbare und

erprobte Verständigungsmodelle zwischen den Kulturen,

Religionen und Lebensauffassungen. Hier entsteht global

gesehen anschlussfähige und nachhaltige kulturelle

Substanz.

Schauen wir uns die Fakten an. Der Bezirk Berlin

Neukölln hat, wenn man die Teile Britz, Buckow, Rudow

und Gropiusstadt zusammenzählt, insgesamt 301.751

Einwohner[1]. Von diesen haben 67.288 Einwohner

einen Migrationhintergrund, dies entspricht einem

prozentualen Anteil von etwa 22,3%. Berlin hat laut

Angaben des Bezirksamtes Neukölln[2] insgesamt

von 3.340.897 Einwohnern eine Anzahl von 463.722

Mitbürgern mit Migrationhintergrund; dies entspricht

einem Anteil von 13,9% an der Gesamtbevölkerung. In

der Karl Marx Strasse liegt der Ausländeranteil bei 38,7%.

Zum Vergleich Wien hatte im Jahresdurchschnitt 2007

1.671.125 Einwohner und davon 325.175 Einwohner mit

Migrationhintergrund, das sind ungefähr 19,5%. Berlin hat

also mit 13,9% prozentual gesehen weit weniger Einwohner

mit Migrationhintergrund. Trotzdem würde kein Wiener

Politiker, selbst rechtskonservative Extremisten, von „Nogo-Areas“

sprechen.[3]

Es ist wie Beat Wyss unlängst in einem Vortrag erklärte

die Angst vor dem Fremden, die zu einer Ächtung des

Anderen führt und zu einer Isolierung von Problemen

in besagten „No-go-Areas“. Warum aber ist das Andere,

insbesondere, wenn es aus dem islamischen Raum

emigriert immer das Fremde und das vermeintlich Böse?

Hierzu werden wir im Folgenden die These vertreten,

das dies im frühen Mittelalter in der Vorphase der

Kreutzzüge bereits durch die so genannten Weltchroniken

ins Bewusstsein gerückt wurde und seither durch die

Geschichte bis heute zur Achse des Bösen von der

amerikanischen Administration unter George Bush

vertreten wird. Es wurde zur Grundlage ihrer Politik. Dort

wurde das Andere zum Fremden und das Fremde zum

vermeintlich Bösen. Dies ist unter aufgeklärten Menschen,

insbesondere auf der Basis der Charta der Menschenrechte

nur als polemischer Nonsens zu begreifen.

Menschenrechte sind die in Humanismus und Aufklärung

entwickelten, aus Naturrecht oder Vernunft abgeleiteten

subjektiven Rechte jedes Menschen. Das Konzept der

Menschenrechte geht davon aus, dass jeder Mensch von

Geburt an mit gleichen Rechten ausgestattet sein soll

und diese egalitär begründeten Rechte unveräußerlich

und unteilbar sind sowie universell Gültigkeit haben.

Das Bestehen von Menschenrechten wird heute von fast

allen Staaten prinzipiell anerkannt. Die Universalität

ist gleichwohl Grundlage politischer Debatten über den

etwaigen Missbrauch der Menschenrechte als Anlass für

militärische und wirtschaftliche Einflussnahme durch die

westlichen Industriestaaten.

Umso mehr muss in westlich geprägten Gesellschaften

und auch in Berlin das Prinzip der Gleichberechtigung

gelten, das durch Maßnahmen der Gleichstellung

umgesetzt wird. Es lautet in Konventionen und

Verfassungen meist wie folgt:

„Jeder Mensch hat Anspruch auf die hiermit garantierten

Menschenrechte und Freiheiten, ohne irgendeine

Unterscheidung, wie etwa nach Rasse, Farbe, Geschlecht,

Sprache, Religion, politischer und sonstiger Überzeugung,

nationaler oder sozialer Herkunft, nach Eigentum, Geburt oder

sonstigen Umständen.“

Diese Gleichstellung erkennt im Fremden das

Andere und die Bereicherung der eigenen Kultur

durch ungewohnte und ungewöhnliche Sichtweisen

und Lebensweisen und den für Berlin besonders

entscheidenden wirtschaftlichen Zugewinn. Klischees von

Gehorsam, Pflichterfüllung, Untertanengeist, Militarismus

auf der einen sowie Toleranz und Religionsfreiheit auf der

anderen Seite verbinden sich mit diesem Begriff. Preußen

profitierte von dem Edikt von Potsdam[1] des Kurfürsten

Friedrich III. von Brandenburg. Dieses 1685 vom Großen

Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg erlassene

Toleranzedikt bot den in Frankreich wegen ihrer Religion

verfolgten Protestanten (Hugenotten) freie und sichere

Niederlassung in Brandenburg an. Den Flüchtlingen

wurden großzügige Privilegien gewährt, unter anderen

Befreiung von Steuern und Zöllen, Subvention für

Wirtschaftsunternehmen und Bezahlung der Pfarrer

durch das Fürstentum. Etwa 20.000 Menschen folgten

dem Angebot Brandenburgs. Das Edikt von Potsdam trug

wesentlich dazu bei, die Wirtschaft des im Dreißigjährigen

Krieg zerstörten Brandenburg zu beleben und legte

damit den Grundstein für die Erstarkung Preußens.

Durch die Hugenotten, die sich in Berlin niederließen,

stieg die Zahl der Berliner Bevölkerung um ein Drittel

an. “Wie bereits bei der Aufnahme der aus Österreich

vertriebenen Juden 1671 erhoffte Friedrich Wilhelm sich

von den Einwanderern einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Bekannt ist auch Ausspruch Friedrichs II (1712-1786)

der auch Friedrich der Große oder der Alte Fritz

genannt wurde und als lupenreines Idol der deutschen

Geschichtsschreibung gilt:

„Alle Religionen seindt gleich und gut, wan nuhr die leute,

so sie profesieren, Ehrlige leute seindt, und wenn Türken und

Heiden kämen und wollten das Land pöplieren, so wollten wir

sie Mosqueen und Kirchen bauen.“

[1] siehe: Heinz Schilling, Höfe und Allianzen, Berlin 1998 (Siedler-Verlag),

S. 387ff

[1] http://www.berlin.de/ba-neukoelln/derbezirk/bevoelkerung.html

[2] http://www.berlin.de/ba-neukoelln/derbezirk/bevoelkerung.html

[3] http://www.wien.gv.at/statistik/daten/pdf/bev-fortschreibung.pdf

Der Begriff fair hat im allgemeinen gesellschaftlichen

Bewusstsein erheblich an Bedeutung verloren. Jenseits von

„fair play“, „fair trade“, „fair use“ und dem Messebetrieb

scheint der Begriff nicht mehr zu existieren. Es ist kein

Wert an sich mehr, fair zu sein. Der Einzelne fühlt sich

innerhalb der Gesellschaft-schlimmer in der täglichen

Erfahrung-nicht mehr fair behandelt. Fairness bringt nicht

nur eine ethische und ästhetische Haltung zum Ausdruck,

sondern ist Grundlage jedes ökonomischen, sozialen und

kulturellen Handelns. Wenn Handeln anschlussfähig und

nachhaltig sein will, muss es fair sein.

Die großen Herausforderungen dieser Welt lassen

sich nur fair lösen. Solange man die Ökologie nur

ökonomisiert, aber nicht das ethische Selbstverständnis der

gesellschaftlichen Eliten erreicht, wird sich nichts wirklich

verändern lassen. Dies gilt für alle Herausforderungen der

Gesellschaft gleichermaßen.

Der Zusammenhang von Kunst, Ästhetik und Ethik

gerät aus dem Blickpunkt. Hierbei ist nicht allein die

humanistische Integrität und soziale Kompetenz gemeint.

Vielmehr geht es um das traditionelle Selbstverständnis

der Künstler in Bezug auf ihre Kunstproduktion und

die Integrität ihrer Kunstproduktion. Es geht um

eine Arbeitsethik in der Kunst, die für weite Teile der

Gesellschaft und ihrer Eliten vorbildlich sein könnte.

Die Autoren, die Interpreten, die Deuter und

Kritiker der Kunst werden im heutigen Kunstbetrieb

markttechnisch instrumentalisiert, assimiliert und

korrumpiert. Dieselben werden durch diese Behandlung

unglaubwürdig und sukzessive in die Inkompetenz

entlassen. Die Querdenker und traditionellen Kritiker

finden keine wirkliche Bühne für ihre Ansichten. Wenige

weichen auf die wissenschaftliche Arbeit aus und selbst

da gibt es systembedingte Beschränkungen. Gerade

solche Wissenschaftler, Autoren und auch Intellektuelle

erhalten die Möglichkeit, über ihre Ideen zu sprechen.

Darüber hinaus werden wir für sie werben, für sie

potentielle Interessenten oder Förderer einladen, um einen

inhaltlichen Austausch zu ermöglichen.

von Wolf Günther Thiel


8 ST/A/R Buch I - Wien / Berlin

Nr. 17/2008

Andreas F. Lindermayr

Drei Meister-Vagabunden im

Cafe’Landtmann.

Lange war es geplant, endlich ist es geschehen. Die mit

einiger Spannung von mir erwartete Gegenüberstellung der

Landarztsöhne Girtler und Gerngross. Girtler schlug mir für

dieses Treffen das Cafe´ Landtmann vor. Gerngross hätte

eher eine ihm nähergelegene Location bevorzugt, aber er

willigte doch ein, denn er war froh, daß wir endlich den wohl

bekanntesten Soziologen Österreichs, den vagierenden Erforscher

sozialer Randgruppen und Analytiker des Strukturwandels

in Mitteleuropa, Roland Girtler, zum Gespräch unter

sechs Augen bitten konnten. In den zwei Stunden, die wir im

Landtmann zugebracht haben, sind enorm viele Themen aufs

Tapet gekommen, ein Reichtum unterschiedlichster Aspekte

ethnischer und sozialer Phänomene sprengte den Rahmen

einer schöngeistigen Konversation, wie ich sie liebe. Mir

brummte hernach der Kopf - aber auf durchaus befriedigende

Weise.

Mit zehnminütiger Verspätung betrete ich das Landtmann

und begegne Heidulf Gerngross, der mich vorhin am Mobile

angerufen hat, im vorderen Teil des Kaffeehauses. Er blättert

gerade in einer Zeitung und ruft mir zu: “Andreas!”

Nun bemerke ich ihn, gehe an ihn heran und gebe ihm

meine Hand. Der Deal kann beginnen. “Girtler noch nicht

da?”, frag ich.

“Weiß nicht, mußt nachschauen”, entgegnet Heidulf mit

verhaltener Stimme. Dann dringe ich gedämpften Schritts

über Teppiche in das großbürgerliche Interieur vor, um

Girtler auszuforschen. Ich bin überzeugt, daß er, im Unterschied

zu mir, pünktlich sein würde. Und täusche

mich nicht. Im Weitergehen werfe ich Blicke nach

links, nach rechts, dann einmal gerade aus und

entdecke weiter hinten, in einer dieser Nischen

eine Gestalt, die auf mich zu warten scheint.

Sie winkt mir zu, es ist tatsächlich Roland

Girtler. Wir begrüssen uns auf die herkömmliche,

zeremoniöse Weise. Er hätte eigens

diesen Tisch für uns reservieren lassen.

Dann hole ich Heidulf heran, der sich bei

Roland vorstellt und wir nehmen nun beide

in dieser Nische platz. Aus einer großen,

flachen Architektentasche aus Leder, einer

Einzelanfertigung, zieht nun Heidulf ein Exemplar

des ST/A/R und zeigt es Roland Girtler, der

seine sieben Sachen in einem grünen Rucksack mitführt,

einem älteren Modell, ehemals typischen Ausrüstungsgegenstand

werktätiger Land- und Gebirgsmenschen,

auf dem einige souvenirartige Aufschriften genäht sind. Eine

Art gegenseitiges Abschnuppern findet statt. Starke Kontraste

bildend, zur einigermaßen luxuriösen Nußholzvertäfelung

des Lokals und zu dem im traditionellen Smoking gekleideten

Oberkellner, der uns zunächst kännchenweise Tee mit

Milch serviert.

Heidulf schlägt den ST/A/R auf und zeigt Girtler einige

Besonderheiten der letzten Ausgabe. Dieser schaut sich das

geduldig an und wirft dann ein: “Da ist aber viel Werbung!”

“Ja, ja! Das muß sein. Was glaubns! (noch sind die beiden

nicht per Du), das kostet ja alles ein Heiden Geld!. Jede Seite!

Das muß alles bezahlt werden.” Ich nicke bestätigend und

frage mich, wie ich ein Gespräch in Gang bringen könnte,

während Heildulf weiterblättert. “Da! da! Das war unlängst in

Odessa. A Modenschau!”

“Ah, Ah ja!” Und während Heidulf weiterblättert, entfährt

Girtler die Bemerkung, “schaut aus, wie da Sterz!”

“Was, da Sterz? Na, Na!” erwidert Heidulf kopfschüttelnd

und blättert weiter.

Nachdem die Zeitung halbwegs durchgeblättert ist, mache

ich darauf aufmerksam, daß sich zwei Landarztsöhne gegenübersitzen

und erwähne, wie wichtig ich es finde, daß die

alten Landärzte damals noch so etwas wie eine ganzheitliche

Methode der medizinischen Untersuchung pflegten. Heidulf

und Roland nicken bestätigend. Man wurde als Mensch

wahrgenommen, am ganzen Körper angeschaut und abgetastet

und zu diesem und jenem befragt. Der alte Medizinalrat

Girtler, den ich gut kannte, frug immer auch: “Wie

gehts deiner Mutter? Klopf, klopf, horch. Wie gehts deinem

Vater? Mach jetzt Ah! Schön Ah machen!” Und nun kam der

Kehlkopfspiegel zum Einsatz. Noch bevor er sein Werkzeug

einpackte, frug er nach meinen Geschwistern. Er kannte sie

alle beim Namen, er war bei den Geburten dabei. Dann und

wann verwechselte er sie, aus verständlichen Gründen, - so

ein alter Landarzt hatte sich oft an die tausend Namen zu

merken. Nicht die Blutwerte, sondern die Person stand im

Mittelpunkt seiner Untersuchung. Heidulfs Vater, Gemeindearzt

in Kötschach-Mauthen, hielt große Stücke vom Fasten,

Alfons Schilling

DIE FRÜHEN BILDER

Eröffnung: 3. April 2008, 19.00

(der °Künstler ist anwesend)

Öffnungszeiten: Di-Fr 11-18h, Sa 11-17h,

Montag geschlossen

von einer maßvoll durchgeführten Reinigung des Darms, wie

der Seele. Da hat sich ja viel geändert und nicht alles zum

Besseren.

Noch ehe ich ihn danach frage, beginnt Roland Girtler von

selbst über seinen Werdegang zu erzählen.

Er ist, wie ich, in dem oberösterreichischen Gebirgsdorf

Spital am Pyhrn aufgewachsen, sein Vater war Dorfarzt, seine

Mutter ebenso, mein Vater war der Dorfschmied. Aber in

Wien Ottakring ist Girtler 1941 auf die Welt gekommen. Also

doch ein gebürtiger Wiener!

Eindrücke der Lüneburger Heide, wohin sein Vater 1945 als

Arzt der deutschen Wehrmacht versetzt wurde, sind ihm

unverlöschlich, ebenso die Eigenheiten einer bosnischen

Großmutter wie die Ankdoten, die man sich im Kreis der

Familie über den Stolz eines französischen Urgroßvaters

erzählte, der unter Napoleon General war und aufgrund einer

Gehorsamsverweigerung degradiert wurde.

Die Nachkriegsjahre im oberösterreichischen Gebirge sind

geprägt von den Eindrücken der Besatzung und des Wiederaufbaus.

Noch waren die Strukturen der Dorfgemeinschaft

dieselben, wie seit Jahrhunderten und Jahrtausenden. Der

entscheidende Strukturwandel sollte erst in den Sechzigerjahren,

als Girtler auf Wunsch seiner Eltern zunächst in

Wien Jus studierte, augenfällig eintreten.

Fünfzig Schilling waren in den frühen Fünfzigerjahren noch

viel Geld!

Heidulf nickt.

Girtler erin- nert sich an

e i n e

Tante,

die

ihn und

seine

jüngeren Geschwister

beaufsichtigte, als seine

Eltern einmal kurz verreist waren. Diese drückte ihm, dem

damals Zehnjährigen eine Fünfzigschilling Note in die Hand.

Damit wurde er auf den Weg zur benachbarten Bäckerei-Konditorei

Kemmetmüller geschickt, um Speiseeis zu kaufen.

Aber wahrscheinlich war es eine größere Summe, denn auf

dem Rückweg mit dem Eis und der großen Banknote in der

einen und dem Wechselgeld in der anderen Hand ist das

Unglück geschehen. Ein Windstoß entriß ihm den Fünfziger

und dieser flog in den nahe vorbei rauschenden Trattenbach.

Im Stiftsgymnsasium Kremsmünster, wo u. a. Anton

Bruckner und Adalbert Stifter zur Schule gingen, maturierte

Roland Girtler im Jahr 1959.

Der Autopoiet und Gründer des Santo Spirito in Wien,

Günther Rupp, ebenfalls Sohn eines Landarztes in Oberösterreich,

war sein Kommilitone. Neun Vierer hatte Girtler im

Abschlußzeugnis. “Ich war immer ein schlechter Schüler”,

sagt er mit Nachdruck. “Na und was is aus mir wordn, a

Professor!”

Gerngross hört den Namen Rupp und schon durchzuckt ihn

die Erinnerung an das Gespräch, das er mit diesem unlängst

im Joanelli geführt hat. Im Unterschied zu Rupp jedoch,

hat sich Girtler für die große katholische Tradition, die es ja

auch gäbe, nie sonderlich interessiert. Das alles ist wohl zu

sehr Theoria für ihn oder überhaupt bloß ein ausgemachter

Schwindel, worüber er zu schweigen vorzieht. Zu Dingen

wie Religion und Kirche nimmt Girtler indirekt Stellung, er

verweist aber auf sein Buch über den Jakobsweg, einer intstitutionlisierten

Inkriminierung alles Nichtkatholischen in

Spanien. Ihn interessieren seit jeher die Menschen in ihren

jeweiligen Lebensbereichen. Die Toten, insofern sie Dichter

waren, mit Vorliebe jene, die seiner Facon entsprechen:

fahrende Ritter, vagierende Studiosi, Landstreicher. Dem

für mein Gefühl einäugig deutsch-patriotischen Kernstock,

entlockt er allerdings die klingendsten Saiten.

Heidulf zieht seinen Fotoapparat, ich tausche verständnisvolle

Blicke mit ihm. Gerngross kam mit kirchlichen Institutionen

kaum in Berührung, er absolvierte im Felbertal ein

Gymnasium, das eine handwerkliche Ausbildung in sich

schloß. Mit 18 war er Maturant und ausgebildeter Tischler

und somit schon frei, sein ureigenes Ding zu machen.

Als der Oberkellner wieder einmal an uns vorbei geht, bittet

Gerngross ihn, ein Foto von uns dreien zu schießen. Dieser

reagiert prompt, zumal Professor Girtler, der nun einige recht

vertraut klingende Worte an den hilfreichen Ober richtet,

ein guter Gast im Landtmann ist. Mir dämmert die Vermutung,

daß es Girtler in seinen neuen Studien um die Zunft

der Kellner geht. Na, klar!

Dieser fährt in seiner Entwicklungsgeschichte fort.

1965, nach absolviertem Jus-Studium, sei er mit dem Motorrad

schwer verunglückt.

Im Allgemeinen Krankenhaus, in einem Saal mit 25 Betten,

dritte Klasse, kam er wieder zu sich und erwachte gleichsam

zu einem neuen Leben. “Auf der dritten Klass lernst was

dazu! Auf der ersten Klass, abgschirmt von allem und jedem

lernst eh nix”. Das maßgebliche Ereignis bestand nun darin,

daß neben Girtler ein Mann lag, mit einem Herzstich. Dieser

Mann galt als der ungekrönte König des Gürtels und Girtler

lernte gerade diesen im Krankenhaus als Menschen kennen

und schätzen, eine Lebensfreundschaft entwickelte sich.

Faszinierend fand er dessen unverblümte Offenheit und

Geradlinigkeit, Nektar und Ambrosia für den nach Wahrhaftigkeit

dürstenden Akademikersohn. Und erst dessen eigenartige

Sprache!

Einmal geriet der Herzstichpatient über eine Krankenschwester

in Wut, die Girtler, mit aufgehängtem Bein, wegen

irgendeines Kinkerlitzchens schikanierte. “Wenn sie das noch

einmal macht, riskier ich einen Zwölfer und hau ihr die

Harnfalschen über den Schädel!”

Daraus ergab sich erst einmal die Frage, was ist ein

Zwölfer?

Ein Zwölfer sind zwölf Monate Schmalz. Und

dann, was ist Schmalz? - Gefängnis.

Das war immerhin eine Einführung in die

Wiener Gaunersprache, die Girtler fortan als

Sozialforscher in Atem halten sollte.

Nach dem Unfall konnte sich der junge Student

aufgrund einer höheren Summe Schmerzensgeldes

ein Jahr des absoluten Müßiggangs

leisten. Innerhalb dieser Zeit reifte in ihm der

Entschluß, Völkerkunde zu studieren - noch gab

es das Fach Soziologie nicht.

1969 brachte Girtler in Kroatien zu, wo er Studien über

die Großfamilie betrieb,

1971/72 ermöglichte ihm ein Stipendium den mehrmonatigen

Aufenthalt in der Nähe von Bombay, wo er altindische

Dorfstrukturen studierte.

Bestimmend sei dafür die Zahl fünf, pench, aus dem sich

unser Fünfer, der Pinsch ableitet.

Wieder sind wir bei dem Thema Schul-bildung beziehunsweise

Ver-bildung angelangt.

Um einen Job als Assistent an der Universität Wien zu ergattern,

schrieb Girtler eine Zusammenfassung über seine in

Indien gewonnenen Einsichten. Eine “geschwollene”, mit

Fremdwörtern überfrachtete Sprache, leistete ihm dabei gute

Dienste.

Wir schmunzeln uns zu.

In den Jahren darauf erfolgten u. a. Studien über Obdachlose

und den Strich, die ihm schließlich1979 eine Habilitation auf

der mittlerweile neu entstandenen soziologischen Fakultät

bringen sollten.

Inzwischen ist es neun Uhr. Girtler und Gerngross geben

sich die Hand zum Du. Wir winken dem Ober und zahlen.

Gemeinsam gehen wir vor die Tür, es regnet in Strömen.

Professor Girtler hängt sich den Rucksack um, setzt sich eine

Wollmütze auf, knöpft sich die Seemannsjacke zu, schwingt

sich aufs Fahrrad und fährt nach Hause, ganz selbstverständlich.

Heidulf ruft ein Taxi, damit fahren wir gemeinsam zu

einem neuen, unorthodoxen Chinesen, „Liounge“ o.ä. in der

Gumpendorferstraße, wo wir gut zu Abend essen.

Und dieser Chinese erinnert doch ein wenig an das Kiang in

der Rotgasse.

Heidorfs Tasche

Girtlers Rucksack


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch II - BERLIN 1 ST/A/R 9

GEH

SCHAU

NEUES LOGO ENTWURF ST/A/R-GRAFIK

DAS RUSSISCHE ST/A/R THEATER

HAT EINEN NEUEN FÜHRER:

DEN RUSSISCHEN PERFORMANCEOLIGARCHEN - SCHRIFTSTELLER - KÜNSTLER-

DR. WLADIMIR JAREMENKO-TOLSTOJ


10 ST/A/R

Buch II - BERLIN 1 Nr. 17/2008

INTERVIEW ZUR AUFFÜHRUNG DES THEATERSTÜCKES:

„DAS FEGEFEUER“ ODER „GANTENBEINS OFFENBARUNG“

MIT WLADIMIR JAREMENKO-TOLSTOJ

PHILIPP KAPLAN:

Nochmal möchte ich Dich sehr herzlich willkommen

heißen bei uns im Pygmalion Theater,

es ist mir eine Freude und eine Ehre, Dich

interviewen zu dürfen,, und ich wollte Dich

jetzt noch einmal fragen, ob es in Ordnung ist,

dass ich dieses Gespräch aufnehme.

WLADIMIR JAREMENKO-TOLSTOJ: OK!

PH K: Wie möchtest Du Deinen literarischen

Werdegang beschreiben, was waren Deine

wichtigsten Stationen?

W J-T: Als ich jung war, da war ich ein Dichter.

Ich habe Gedichte und Erzählungen geschrieben.

Aber ich habe schon immer von einem

großen Roman geträumt. In Wien musste

ich an der Uni russische Wirtschaftslinguistik

unterrichten um das langjähriges Studium

meiner Frau Anna Jermolaewa zu finanzieren.

Sie hat zuerst Kunstgeschichte studiert, dann

ein Kunststudium an der Kunstakademie begonnen.

Unsere Tochter Maria-Anastasia war

klein. Plötzlich wurde meine Frau als Künstlerin

bekannt. Sie hat ihre Videos im Internationalen

Pavillion bei der Biennale in Venedig

präsentieren können und kurz danach bekam

sie eine Assistentenstelle am Schillerplatz,

dann eine Professur in Karlsruhe. Es war eine

Erleichterung für mich. Ich habe mir gesagt:

jetzt ist die Zeit gekommen einen Roman zu

schreiben! Ich habe zwei freie Semester an der

Uni bekommen und bin nach Sankt-Petersburg

gefahren und habe dort an meinem Roman

geschrieben.

PH K: Hast Du das geschafft?

W J-T: Schon, ich habe den ersten Roman

„Moi-moi“ genannt und er ist 2003 in Russland

in einer Auflage von 50.000 Stück erschienen.

Ich habe dafür den Nationalbestseller

Preis 2003 bekommen. Das war ein Erfolg,

aber ich wurde schwer vergiftet. Ich nehme

an – vom russischen Geheimdienst. Oder von

meinem russischen Verleger. Oder von einer

finnischen Diplomatin, eine Liebesaffaire die

ich in meinem Buch beschrieb. Da kann man

nur mutmassen. Ich schwebte fast zwei Jahre

zwischen Leben und Tod. Ich konnte nicht arbeiten,

ich habe meine Stelle an der Uni Wien

aufgeben müssen, ich musste Schulden machen,

aber ich habe überlebt.

PH K: Nein, das kann nicht wahr sein!

W J-T: So war es. Dann habe ich begonnen

Theaterstücke zu schreiben, ich dachte über

die Literatur nach, ich wollte daß meine Texte

inszeniert werden, ich wollte, daß meine Texte

belebt werden. Seitdem schreibe ich Theaterstücke.

PH K: Wie bist Du auf das Pygmalion Theater

gestossen?

W J-T: Das war eine schöne Geschichte! Ich

habe in der „Wiener Zeitung“ gelesen - Russischer

Abend im Pygmalion Theater. Es war

ein Konzert zum Frauentag am 8. März 2006

angekündigt. Da bin ich mit meinen russischen

Literaturfreunden gekommen. Wir

waren zu viert. Drei Männer und eine Frau.

Aber das Konzert wurde abgesagt - die Geigerin

war krank geworden. Tino der Direktor des

Theaters wollte uns mit ca. 20 anderen Gästen

nach Hause schicken, aber ich habe ihm vorgeschlagen

eine spontane Lesung zu machen.

Wir haben unsere Gedichte dem Publikum

vorgetragen. Alle haben sich gefreut. Es war

ein Superabend!

PH K: Meine nächste Frage betrifft Deine

Schriftstellerei - welchen Fährnissen, welchen

Schwierigkeiten bist Du bei Deiner Tätigkeit

als Schriftsteller in Österreich ausgesetzt, wie

gelangst Du an irgendwelche Unterstützung?

W J-T: Die Literaturchefs von WienKultur und

BKA/BMUKK haben mich bis jetzt nicht gefördert.

Als Russe habe ich kaum eine Chance

die Fürderungen zu bekommen. Über das

Magazin „Wienzeile“ habe ich schon ein paar

Mal kleine Reisestipendien erhalten um den

Herausgeber der Zeitschrift nach Russland als

Dolmetscher zu begleiten. Ansonsten wurde

ich immer abgelehnt, sowohl beim Bund als

auch bei der Stadt Wien. Ich bin für sie noch

ein Literat 2-er Sorte, scheint mir. Aber ich bin

damit zufrieden. Ich bekomme nichts, aber ich

werde auch nicht für meine Schreiberei so wie

in Russland verfolgt. Dafür bin ich dem österreichchen

Staat sehr dankbar!

PH K: Meine nächste Frage bezieht sich konkret

auf das Stück, welches wir in der szenischen

Lesung im Pygmalion Theater erarbeiten,

nämlich - Wie kommt ein gebürtiger

Russe dazu, sich in einem Stück mit der österreichischen

Literatin Ingeborg Bachmann

auseinanderzusetzen?

W J-T: Ingeborg Bachmann ist eine typische

österreichische Künstlerin. Eine verrauchte

komplexe Person. Ich bin seit 20 Jahre in Österreich

und kenne sehr viele hiesige Künstler,

welche an Raucherfolgen gestorben sind. Viele

meiner Freunde. Sie sterben an Lungenkrebs

und kriegen Raucherbeine. Die Bachmann ist

auch am Rauchen gestorben, aber das war ein

spektakulärer Tod! Es war ein Tod im Feuer!

Sie hatte keine Raucherbeine, sie hat nicht

Blut gehustet. Sie ist wunderschön gestorben!

PH K: Also - Rauchen als die primäre Veranlassung

dazu, ein Stück zu schreiben?

W J-T: Natürlich! Das ist wirklich ein Fegefeuer!

Diese Literatenszene…In jedem Lokal wird

getschickt! Die Künstler bekommen keine

Kinder. Wenn schon, dann gefährden sie oft

ihre Kinder, weil ihre Eltern zuhause ununterbrochen

tschicken und eigene Kinder nicht

berücksichtigen... das ist wirklich brutal! Die

Bachmann hatte, Gott sei Dank, keine Kinder,

aber doch ein intensives Liebes- und Beziehungsleben.

PH K: Bei dieser Vielzahl, bei diesen Plejaden

an erotischen und nicht-erotischen Beziehungen,

die Ingeborg Bachmann unterhalten

hat (man denke nur an Celan und Henze),

wie kamst Du dann gerade zu der bestimmten

Auswahl Max Frisch – Ingeborg Bachmann –

Heinrich Böll? Warum gerade dieses Dreieck?

W J-T: Ich habe wochenlang im Wiener Literaturhaus

nachgeforscht, alle Nachrufe gelesen,

es existiert sehr viel Literatur zum Thema

Bachmann/Böll/Frisch, dieses Dreieck kann

nicht wirklich verschwiegen werden. Die Russen

kennen nicht viel von der deutschsprachigen

Literatur. Aber die Österreicherin Ingeborg

Bachmann, den Deutschen Heinrich Böll

und den Schweizer Max Frisch kennt jeder gebildete

Russe. Das waren die drei…

PH K: …Speerspitzen…

W J-T: Speerspitzen der deutschsprachigen Literatur

des 20. Jahrhunderts.

PH K: Also sozusagen eine nahe liegende Entscheidung,

sich für gerade diese drei Repräsentanten

der deutschsprachigen Literatur zu

entscheiden?

W J-T: Das hat mich so gefreut, diese drei Figuren

in meinem Stück als Personnen einzusetzen.

So ein Bermudadreieck der Liebe.

PH K: Im Finale Deines Stücks, Deine Mut-

Philipp Kaplan

als Max Frisch

maßung, dass möglicherweise Max Frisch als

Ursache für das Ableben von Ingeborg Bachmann

herhält, wie kam es zu dieser Präsumption,

dass gerade Max Frisch das Zünglein an

der Waage zu ihrem Ableben gewesen sein

kann, dass Max Frisch mit der brennenden Zigarette

nachgeholfen hat?

W J-T: Er wollte sie heiraten, er hat diese Beziehung

sehr ernst genommen. Und sie wollte

es nicht. Er war also beleidigt. Er hat auch in

seinem Roman „Mein Name sei Gantenbein“

diese Beziehung beschrieben. Er hat sich als

Blinder ausgegeben, ich glaube, er hatte schon

ein Motiv. Ich wollte ein bisschen Krimi machen.

Das kommt immer gut an. Und ich habe

mir gedacht, dass könnte schon sein. Warum

sollte sie im Schlaf verbrennen? Vielleicht hat

der Frisch das gemacht? Er hat sie geliebt, und

er dachte, sie wird was, sie bekommt den Literaturnobelpreis.

Und dann hat er gemerkt, sie

bekommt ihn nicht, und er wollte sie irgendwie

berühmt machen. Er hat sie sozusagen

verewigt.

PH K: In diesem Stück kommt ganz stark zum

Tragen, dass Ingeborg Bachmann nach Ruhm

süchtig war, und das, obwohl sie im deutschsprachigen

Raum aufgrund der diversen

Preise, die sie erhalten hat, 1964 den Büchner

Preis, 1968 der Großen Österreichischen

Staatspreis, 1972 den Anton Wildgans Preis

große Beachtung erlangt hat? Wie lässt sich

das vereinbaren?

W J-T: Aber sie wollte den Nobelpreis!

PH K: Das bedeutet, solange sie den nicht erhalten

hatte, konnte sie ihrer Ruhmsucht nicht

abschwören, ein ungestilltes Verlangen nach

dieser ultimativen Anerkennung?

W J-T: Selbstverständlich!

PH K: Welche Zukunftspläne wirst Du verfolgen?

W J-T: Ich verfolge nichts, ich möchte das

Stück auf eine große Bühne bringen. Oder auf

eine kleine Kammerbühne in einem grossen

Theater. Zum Beispiel gibt es das Vestibül im

Burgtheater oder das Kasino am Schwarzenbergplatz,

wo ich schon im Jahre 1999 ein

internationales Performanceprogramm mit

Naked Poets veranstaltet habe. Vielleicht eine

Kooperation mit dem Pygmalion Theater, mal

sehen... Ich bin jetzt zum Direktor des Russischen

Theaters Berlin berufen worden. Und

so erweitern sich auch meine Möglichkeiten.

Wir werden das Stück sicher in Berlin zeigen.

PH K: Vielen Dank für das interessante Gespräch

und alles Gute für Deinen weiteren

Werdegang!

GASTSPIEL

im RUSSISCHEN ST/A/R THEATER

BERLIN - KULTURBRAUEREI

Mi. 26, Do. 27, Fr. 28 und Sa. 29

März 2008, Eintritt: 12 / 10 Euro,

Beginn: 20 Uhr

Im Rahmen des

EUROPÄISCHEN JAHRES DES INTER-

KULTURELLEN DIALOGS 2008

Gastspiele „Pygmaliontheater“ Wien www.

pygmaliontheater.at

„DAS FEGEFEUER oder GANTEN-

BEINS OFFENBARUNG“

von Wladimir Jaremenko-Tolstoj

Deutsch von Valie Airport

Ein Liebesdreieck deutschsprachiger Literaten

des 20 Jahrhunderts - Bachmann/Frisch/Böll

Personen und Besetzung:

Ingeborg Bachmann - österreichische Schriftstellerin

und Feministin (Alexandra Benold)

Max Frisch (Gantenbein) - schweizer Schriftsteller

(Philipp Kaplan)

Heinrich Böll - deutscher Schriftsteller (Dimitri

Kannelopoulis)

Der mit dem Russischen Literaturpreis

ausgezeichnete und Schriftsteller Wladimir

Jaremenko-Tolstoj verwebt in seinem Drama

„Das Fegefeuer oder Gantenbeins Offenbarung“

raffinierte Fäden. Er verbindet Sehnsucht

und Ruhm - janusköpfig verbunden

mit frostiger Entfremdung - mit entgrenzter

Opferungsbereitschaft. Dieser Stoff wird zu

einem von allen Seiten von Blicken durchdrungenen

Grabtuch verdichtet, welches

durch den Versuch zu verhüllen auf psychisch-philosophische

Weise den Blick des

Voyeurs auf zwischenmenschliche Fragen

schier erzwingt: „Darf man aus Ruhmsucht

töten? Und darf man aus Liebe töten? Wo

liegt die Grenze für Ruhmsucht, für Liebe,

die überschritten wird, bevor das Unheil

ausbricht?“

Zum Auftritt kommt Ingeborg Bachmann,

kettenrauchend, verbissen, besessen von

ihrem alles überwiegenden Traum den

Literaturnobelpreis zu erlangen. Max Frisch,

der sie liebt wird zum liebevollen Gehilfen.

Er möchte dem seiner Ansicht zu schnell verblassenden

Stern des Ruhmes von Ingeborg

Bachmann eine letzte Chance bieten, sie zur

Supernova erheben, um sie damit unauslöschlich

im Gedächtnis ihrer Leser einzubrennen.

Heinrich Böll, gefühlskalt, abweisend

versucht der Bachmann das Rauchen zu

verbieten und hat für Frischs Gefühlsduseleien

nur Verachtung übrig. Der Worte sind

genug gewechselt, der verbalen Stiche sind

genug verteilt, es bleibt die Einladung zur

Besinnung auf das Sein, welches über dem

Haben thront.

Tickets erhältlich am TIC in der

Kulturbrauerei

oder über Tickethotline: 030/ 44-31-51-51

Öffnungszeiten TIC:

Sonntag-Mittwoch: 12.00-18.00 Uhr

Donnerstag-Samstag: 12.00-20.00 Uhr

Kulturbrauerei Berlin Prenzlauerberg

Schönhauseralle 36/ Knaackstraße 97, 10435

Berlin

T


Nr. 17/2008 Buch II - BERLIN 1

ST/A/R 11

Gott Kurt

SUNNY

Grischna

KOFMAN

OLSTOJ UND GERNGROSS SCHMIEDEN DIE STRATEGIE FÜR DAS NEUE THEATER

LIEBE IN DER KULTURBRAUEREI

Neues im Russischen Theater Berlin

DAS RUSSISCHE ST/A/R-THEATER

Der russische Theaterintendant und

Künstler Wladimir Jaremenko-Tolstoj hat

das Berufungsverfahren für den Posten des

neuen Direktors des russischen Theaters

in der Kulturbrauerei Berlin gewonnen

und tritt die stelle ab März 2008 an. In

Zusammenarbeit mit mit seinem Vorgänger

Grischa Kofman als Künstlerischem Leiter

wird er das Russische Theater in ein modern

vernetztes kulturelles Kommunikationszentrum

verwandeln. Zur Realisierung des Vorhabens

hat er den österreichschen Architekt und

Medienformer Heidulf Gerngross als seinen

Archistrator gewählt. Jaremenko-Tolstoj und

Gerngross kommen aus Wien und geben die

Kulturzeitschrift ST/A/R-Printmedium Wien-Berlin heraus.

Der neue Theaterdirektor wird erstmals Drama Slams in das Programm

aufnehmen, eine neue Form des Dichterwettbewerbes, in der kurze

Theaterstücke und Szenen von Schauspielern prima vista szenisch

gelesen werden. Außerde m planen die neuen Theatermacher ein

Architekten-Theater, Produktionen für Kinder, Performanceprogramme,

Buchpräsentationen, Festivals, Feste, Konzerte, eigene Film- und

Videoproduktionen. Die Theatermacher arbeiten mit Off- und On-Theatern in

Österreich, Deutschland, und Russland zusammen.

PERSONALIA

Wladimir Jaremenko-Tolstoj -

der neue Theaterdirektor

Mag. Dr. Phil. Russischer

Performanceoligarch, Buchautor,

Dramatiker und Gründer der

weltweiten Naked Poetry Bewegung.

Geboren 1962 am Rande des

Sowjetischen Imperiums in einem

sibirischen Häftlingslager als Sohn

eines Dichters und einer Aufseherin.

Nach der Freilassung seines Vaters

aus der Haft, lebte und studierte er

in Leningrad, dann in London und

Wien. Promoviert an der Universität

Wien 1994. Doppelter Staatsbürger

Russ/Ö. Zimmerkommandant des

österreichischen Bundesheeres

im Jahr 1996. Agent der

Finnischen und Mongolischen

Aufklärungsdienste. Chefredakteur

der ST/A/R-Zeitung.

Architekt, Dipl. Ing. MS. Geboren

1939 in Großdeutschland in

Kötschach-Mauthen/ Kärnten, 1978

schreibt er den weltweit ersten

Computerroman: „Volksbuch“,

hat 1996 den billigsten sozialen

Wohnbau Wiens gebaut - die

erste Wiener Loftsiedlung, war

der Vertreter Österreichs bei

der Architekturbiennale 2002

in Venedig, ist Gründer und

Herausgeber der ST/A/R-Zeitung

und Ehrenmönch der Apostolischen

Kirche.

Heidulf ruhend

in Banja Bistritsa

Heidulf Gerngross -

Archistrator


Städteplanung / Architektur / Religion Buch II - BERLIN 1 ST/A/R 13

ELIAS CAMPUS ISRAEL

PLAN FÜR EIN MULTIRELIGIÖSES KOMMUNIKATIONSZENTRUM

NACH EINER IDEE VON MARKUS SPIEGELFELD

STEIN

BLECH

DAS MATERIAL BEEINFLUSST DEN GRUNDRISS

HEIDULF GERNGROSS

STEIN

BLECH


14 ST/A/R

Buch II - BERLIN 1 Nr. 17/2008

ANNA NETREBKO DOUBLE AUF DEM GROSSEN

RUSSENBALL IN DER WIENER HOFBURG

23.01.2008

GESPONSERT VON OLEG DERIBASKA

OPERN-KLON

UNBEZAHLTE ANZEIGE

GERGIEV

MALAKHOV

1. 2. 3.

DRAMA SLAM II

WIEN – ST. PETERSBURG – BERLIN

Nach dem Jungfernflug der I. Drama Slam am 12. November des Jahres

2007

(siehe ST/A/R 16) wird das Wiener Dichterwettkampfformat in einem

zweiten Schritt internationalisiert. Bis zum 1. April können Autoren

szenische Texte an die Vitamines Of Society schicken, die nach einer

Vorauswahl und 1. Kritik, am 7. April 2008 von 5 Schauspielern (3 Frauen,

2 Männer) prima vista szenisch gelesen werden.

In 2 Vorrunden und einem Finale werden die besten 2 Texte nach Inhalt,

Ausdruck und spontaner Spielbarkeit ermittelt. Diesen winken

100 Euro oder 3600 Rubel von der ST/A/R-Zeitung,

sowie die prompte Übersetzung ins russische und damit die Teilnahme an

der 1. russischsprachigen Drama Slam, die am 22. April 2008 (Lenins Geburtstag)

in St. Petersburg vom Drama Slam Erfinder Jimi Lend in Zusammenarbeit

mit Valie Airport, Wladimir Jaremenko-Tolstoj und der Petersburger

Literaturzeitschrift „Cas Slova“ im Dom Aktera am Newski Prospekt

veranstaltet wird. Die Ausschreibung für diese Slam läuft bereits und wir

erwarten dichterische Sternschnuppen von Wladiwostok bis Kaliningrad.

Von dort ist es nicht mehr weit nach Berlin, wo vom 2.-4. Mai im Russischen

Theater Berlin erstmals eine dreitägige Dramenschlacht Stadt finden

wird (drama@russisches-theater.de).

An den ersten beiden Abenden werden je 6 Dramen zur Uraufführung

kommen und je ein Sieger ermittelt. Beim sonntäglichen Finale werden

die Autoren der beiden Vorrundensiegertexte mit allen Texten die sie sonst

noch jemals geschrieben haben, in einem direkten Duell über fünf sich

stetig verkürzende Runden den 1.Drama Slam Kranz von Berlin ausfechten.

Einreichungen für den Wiener Slam bis 1. April per Mail an:

drama-slam@gmx.at

oder per post an Ensembletheater Marc-Aurelstr. 3 1010 Wien KW:

Drama Slam


Nr. 17/2008 Buch II - BERLIN 1

ST/A/R 15

Höret Ihr Dichter Deutscher Zunge!

DRAMA SLAM - DICHTERWETTSTREIT - PREISGELD € 500, -

Drama Slam im Russischen ST/A/R-Theater

Kulturbrauerei Berlin von 2.-4. Mai 2008

Drama- Slam ist die neueste Form des Dichterwettstreites die erst im

November 2007 im Ensembletheater am Petersplatz Wien, vom

Poetry-Slammer und Theatermacher Jimi Lend zur Uraufführung

gebracht wurde.

In der Drama Slam reichen Dichter szenische Texte ein, welche dann von

einer vorher bestimmten Anzahl von Schauspielern prima vista gespielt

werden.

Das Publikum entscheidet.

Vom 2.-4. Mai 2008 findet nun die erste dreitägige Drama Slam in Berlin

statt.

In zwei Vorrunden werden je 6 Dramen zur Uraufführung kommen und

je ein Sieger ermittelt. Beim sonntäglichen Finale werden die Autoren der

beiden Vorrundensiegertexte mit allen Texten, die sie sonst noch jemals geschrieben

haben, in einem direkten Duell über fünf sich stetig verkürzende

Runden den I. großen Dichterkranz von Berlin ausfechten.

Bis zum 20. April können interessierte Autoren szenische Texte max. 10.000

Zeichen zum Thema: Die Sache des Arztes (nähere Informationen auf:

www.russisches-theater.de oder bei Arzt oder Apotheker)

an folgende Adressen schicken:

drama-slam@gmx.at und

drama@russisches-theater.de

Betreff: drama slam berlin

ARTHUR SCHNITZLER -

DER REIGEN

REGIE:

TINO GEIRUN

IN DEN HAUPTROLLEN:

ANA TERZER UND ANTON NURI

PRODUCER:

WLADIMIR JAREMENKO-TOLSTOJ

DR. CREST UND GITTI VAN KITTY

REIGEN

Die 12 ausgewählten Autoren werden bis zum 24. April 2008 verständigt,

und gebeten bei der Slam in Berlin persönliche anwesend zu sein oder

einen Vertreter zu beauftragen. Den Autoren stehen vor der 15-minütigen

Aufführung ihrer Texte zwei Minuten Zeit zu Verteilung der Rollen bzw. für

Regieanweisungen zur Verfügung.

Preise: Veröffentlichung in der Drama Slam Anthologie

300 € für den Finalsieg, je 100 € für die Gewinner der Halbfinale

EINE CO-PRODUKTION

DES RUSSISCHEN

ST/A/R-THEATERS-

BERLIN UND DES

PYGMALION-

THEATERS-WIEN

VON 21. MAI BIS

21. JUNI 2008

MO., MI., FR. UND SA.

IN DER KULTURBRAUEREI.

ST/A/R KAUFEN UND LESEN

ABO AUF DER SEITE 40.

AUCH IN DER KULTURBRAUEREI

ERRHÄLTLICH!

Demnächst im

Russischen ST/A/R-Theater

BERLIN

RUSSLANDS BEKANNTESTER

DJ. ΒСПЫШКИН

KOMMT NACH BERLIN


16 ST/A/R

Buch II - BERLIN 1 Nr. 17/2008

„DER GOTT KURT“

Deutschsprachige

Erstaufführung des

Stückes von

Alberto Moravia

HUBSI KRAMAR

HEIDULF GERNGROSS MIT

ST/AR gratuliert dem Regiseur

Hubsi Kramar

zur Premiere im 3raum-anatomietheater und lädt ihn mit

seinem Stück ins Russische-ST/A/R-Theater BERLIN ein

TOLSTOJ,

TOLSTOI,

TOLSTOY…

TOLSTOJ,

TOLSTOI,

TOLSTOY…

Demnächst im Russischen ST/A/R-Theater

TOLSTOJ, schrieb Tolstoj an eine Wand der Schultoilette. TOLSTOJ,

schrieb Tolstoj an Schulwände. TOLSTOJ, TOLSTOJ, TOLSTOJ,

TOLSTOJ. Während nämlich andere Kinder ordinäre Ausdrücke

schrieben, schrieb Tolstoj seinen Namen. In jeder Toilette, die er

aufsuchte, hinterließ Tolstoj seinen Namen, in großen Buchstaben,

in kleinen, in seiner Sonntagsschrift und seiner schlechtesten Schrift.

Er schrieb ihn in Deutsch, in Englisch, in Russisch, und immer, so las

er mit Befriedigung, war Tolstoj TOLSTOJ.

‘TOLSTOY’, wrote Tolstoy on a school lavatory wall.

‘TOLSTOY’, wrote Tolstoy on school walls. ‘TOLSTOY’, ‘TOLSTOY’,

‘TOLSTOY’, ‘TOLSTOY’. When other children wrote rude words Tolstoy

wrote his name. In every lavatory he ever visited Tolstoy wrote his name,

in capitals, in small, in his best handwriting, in his worst handwriting. He

wrote it in German, English, Russian, and always, he was pleased to read,

Tolstoy was ‘TOLSTOY’.

“ТОЛСТОЙ” - писал Толстой на стене школьного туалета.

“ТОЛСТОЙ” - писал Толстой на школьных стенах. “ТОЛСТОЙ”,

“ТОЛСТОЙ”, “ТОЛСТОЙ”, “ТОЛСТОЙ”. В то время как прочие

дети писали скверные словечки, Толстой писал только своё

имя. В каждом туалете, который он когда-либо посетил,

оставил Толстой своё имя его неуклюжим почерком -

заглавными буквами, маленькими буковками и прописью.

Он писал по-немецки, по-английски, по-русски, потому что

Толстому нравилось читать только одно слово - “ТОЛСТОЙ”.


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch III - Adolf ST/A/R 17

Foto: © Elfie Semotan

Geb. 1946, seit 1979 freischaffender

Architekt in Wien, seit 1992 Professor

für Entwerfen und Stadterneuerung

an der Hochschule der

Künste Berlin. Neben international

beachteten Projekten im Ausstellungs-,

Wohn- und Schulbau

liegt das Hauptinteresse von Adolf

Krischanitz an neuen konzeptuellen

Projekten in Städtebau und

Architektur.

ST/A/R-Architekt

ADOLF KRISCHANITZ

KRISCHANITZ


18 ST/A/R

Buch III - Adolf Nr. 17/2008

ADOLF KRISCHANITZ REALISIERT MIT

ÖSTERREICHISCHEN, DEUTSCHEN

UND SCHWEIZER ARCHITEKTEN EINE

BETONSIEDLUNG

Peter Märkli 1

Adolf Krischanitz 2

Anna Detzlhofer:Landschaftsarchitektin

Hans Kollhoff 3 Otto Steidle 4

Meili / Peter 5 Roger Diener 6

Fotos: © Pez Hejduk

MUSTERSIEDLUNG


Nr. 17/2008 Buch III - Adolf

ST/A/R 19

Heinz Tesar 7 Max Dudler 8

Hermann Czech 9

Adolf Krischanitz 10

HADERSDORF


Städteplanung / Architektur / Religion Buch III - Adolf ST/A/R 21

KUNSTHALLE BERLIN

Temporäre Kunsthalle Berlin, Architekt Adolf Krischanitz, Fassadengestaltung: Gerwald Rockenschaub (Wien-Berlin), Kurator der ersten Ausstellung ist der Direktor der Österreichischen Kunsthalle Gerald Matt, Foto: © Schreiner + Kastler


22 ST/A/R

Buch III - Adolf Nr. 17/2008

Verkehrsmanagement- und Informationszentrale ASFINAG, Wien

2001-03, Architekt Adolf Krischanitz, Foto: © Margherita Spiluttini

Neue Welt Schule, Wien 1992-94, Architekt Adolf Krischanitz, Farbund

Materialkonzept Helmut Federle, Foto: © Margherita Spiluttini


Nr. 17/2008 Buch III - Adolf

ST/A/R 23

Niederenergiehochhäuser ohne Heizung in Linz

Wohn- und Bürohochhauser “Am Linzer Stadtpark”, in Planung, Architekt Adolf Krischanitz, Foto: © Hinrichs Wilkening

Forschungsgebaude Novartis Campus, Basel 2003-08, Architekten Krischanitz & Frank, Teppichentwurf Gilbert

Bretterbauer, Fotos: © Li Wan Po


24 ST/A/R

Buch III - Adolf Nr. 17/2008

Kunstmuseum in China

Kunstmuseum Cheng Du, China in Planung, Architekt Adolf Krischanitz, Museumskonzept Dieter Bogner,

Foto: Schreiner + Kastler


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch IV - BERLIN 2 ST/A/R 25

Matt und Krischanitz, Österreichische Inspiratoren der Kunsthalle Berlin

Entscheidung über Kunsthalle am

Berliner Schlossplatz ist gefallen –

Eine Kunstbox als Exportschlager!

Der Senat hat heute Dienstag über eine

temporäre Kunsthalle auf dem Berliner

Schlossplatz entschieden – der Entwurf

„White Cube“ – nach dem Vorbild der Kunsthalle

in Wien - des Architekten Adolf Krischanitz hat

den Zuschlag bekommen.

Nach dem Willen des Regierenden

Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD)

soll auf dem zentralen Platz ein Raum für

zeitgenössische Berliner Kunst entstehen. Die

Kunsthalle ist als Zwischenlösung gedacht. Sie

soll im kommenden Jahr aufgebaut werden,

wenn der Palast der Republik komplett

abgerissen ist. Mit dem Beginn des Stadtschloss-

Wiederaufbaus im Jahr 2010 muss wiederum die

Kunsthalle weichen. Zur Auswahl standen zum

Schluss noch zwei Konzepte.

Den Zuschlag im Senat hat der Entwurf

„White Cube“ des Wiener Architekten Adolf

Krischanitz im Senat bekommen, während das

Architektenbüro Graft leer ausgeht. Die Kosten

für den „White Cube“, einen 600 Quadratmeter

großen Flachbau, trägt der Mäzen Dieter

Rosenkranz von der Stiftung Zukunft Berlin.

„Jetzt erhält Berlins fantastische Kunstszene

endlich ein Schaufenster am wichtigsten

Platz Deutschlands. Das hat auch enorme

symbolische Kraft.“ meint Gerald Matt, Direktor

der Kunsthalle Wien über die erfolgreiche

Privatinitive zur temporären Kunsthalle

von Constanze Kleiner und Coco Kühn. Ein

hochkarätiger künstlerischer Beirat: (Dr. Gerald

Matt/Direktor der Kunsthalle Wien, Katja

Blomberg / Leiterin des Hauses am Waldsee,

Dr. Dirk Luckow / Direktor der Kunsthalle zu

Kiel, Christian Heinen / Leiter K21 Düsseldorf)

der gemeinsam mit Constanze Kleiner und Coco

Kühn das Programm festlegt garantiert einen

Blick von außen auf die florierende Kunstszene

Berlins.

Die Form ist Konzept: klar und flexibel. Der

transparente, gleichzeitig innen und außen

bespielbare Kubus ist eine entscheidene

Bereicherung für die aktuelle Situation auf

dem Schlossplatz. Er kann flexibel auf die

Bedingungen des Ortes reagieren und ist

wirkungsvoll durch die großen, künstlerisch

bespielbaren Außenflächen im öffentlichen

Raum präsent.

Gerald Matt berät Kleiner und Kühn seit

längerer Zeit und hat ihnen das Modell

Kunsthalle und den Architekten Adolf

Krischanitz vorgeschlagen. „Wir sind stolz

darauf, dass Kunsthallen Box und Idee zum

Exportschlager wird, meine Gratulation an Adolf

Krischanitz und seinen architektonischen Raum

für Möglichkeiten,“ so Gerald Matt.

Die Kunsthalle wird temporär sein, gegenüber

dem Palast der Republik. Nach Entscheidung

des Berliner Senats und Bürgermeister Wowereit

können Constanze Kleiner und Coco Kühn sofort

loslegen.

Wunschtermin für die Eröffnung ist April 2008

zur Berlin Biennale.

Die Kunsthalle ist ein temporäres Projekt mit

einer Laufzeit von 2 Jahren, bis April 2010.

Die Finanzierung erfolgt privat durch

die Stiftung Zukunft Berlin, hinter der der

Sammler und Mäzen Dieter Rosenkranz und ihr

Vorstandsvorsitzender Volker Hassemer stehen.

Das erste Außenbespielungskonzept liegt

bereits vor: Gerwald Rockenschaub.

Künstlerischer Beirat: Katja Blomberg, Haus am Waldsee, Berlin;

Julian Heynen, K21 Kunstsammlung Nordrhein Westfalen,

Düsseldorf; Dirk Luckow, Kunsthalle zu Kiel; Gerald Matt,

Kunsthalle Wien

Idee + Konzept: White Cube Berlin

Constanze Kleiner Tel. 0177 5276188

Coco Kühn Tel. 0175 6553804

www.white-cube-berlin.de oder www.kunsthalleberlin.com

http://slurl.com/secondlife/Pixel%20Art/126/228/32


26 ST/A/R

Buch IV - BERLIN 2 Nr. 17/2008

Gerwald Rockenschau

Temporäre Kunsthalle Berlin, Architekt Adolf Krischanitz, Fassadengestaltung: Gerwald Rockenschaub (Wien-Berlin), Kurator der ers


Nr. 17/2008 Buch IV - BERLIN 2

ST/A/R 27

KUNSTHALLE BERLIN

b Österreich, lebt in Berlin

ten Ausstellung ist der Direktor der Österreichischen Kunsthalle Gerald Matt, Foto: © Schreiner + Kastler


Städteplanung / Architektur / Religion Buch IV - BERLIN 2 ST/A/R 29

SCREENSHOT

Partitur: ZART - eine moebiuskantate

von

HOFSTETTER KURT

Uraufführung 29 April 2008 - 19:30 Kieslerstiftung-Wien, Mariahilfer Strasse 1b, 1060 Wien


30 ST/A/R

Buch IV - BERLIN 2 Nr. 17/2008

Die Russen sind in Wien!

wir verzehren sie nach allzu feuchten Nächten,

wir feiern sie als Befreier,

wir haben Angst vor ihren Invasionen und Ideologien,

wir verkaufen Ihnen lustige Skioveralls und legen kyrillische Speisekarten auf unseren Almhütten auf;

und... wir haben endlich die Künstler bei uns.

Sie heißen Ostromuchov, Burykin, Rudjev, Zadorin, Zinstein oder Gennadiev.

Ihre Galeristin heißt Vera Weber. Auch eine Russin.

Vera Weber betreibt die Galerie am Roten Hof

in der Piaristengasse1 in der Josefstadt.

Da die Russen größeren Strukturen noch nie abgeneigt waren,

hält sich die Galerie am Roten Hof eine Partnergalerie in der

Vorstadt, die Galerie VIAarte in der Geibelgasse 14-16 in

Rudolfsheim-Fünfhaus. Dort gibt es dann immer die

Zweitausstellungen, die Nach(t)schichten, und so wird wohl

auch Arkadij Ostrumuchov irgendwann dort ausstellen.

Zunächst einmal tut er das aber in der Piaristengasse. Die

aktuelle Ausstellung läuft noch bis 12. April und beeindruckt

mit Bildern, die vordergründig eine Eigenschaft ausstrahlen.

Echtheit.

Das ist in der heutigen Zeit wohltuend, da es Authentizität

vermittelt. Nicht immer gefällt uns an Menschen Authentizität,

sie verstört oft durch die Rohheit, die Direktheit, das Wilde.

In der Kunst wird die Rohheit sublimiert, sie ist

konsumierbarer für uns Einheits-Geschmäcker. Wir werden

durch unsere Werbewelt existentiell gestraft und verletzt,

Radiowerbung in Ö3 ist die endgültige Niederlage einer

Kulturnation, sie spiegelt unseren Hang zum Leiden, zum

richtig Scheiße-Fühlen-Wollen.

Wir können es dann nicht immer gleich beschreiben und

einordnen, aber wir beginnen plötzlich besser zu verstehen,

was wir eigentlich schon immer wollten. Durch das Betrachten

ANATOLY BURYKIN

dieser Kunst können wir die Welt sehen, wie es uns meistens

nie gelingt.

AUSSTELLUNG IN DER GALERIE VIAarte BIS 11.05.2008.

ARKADIJ

OSTROMUCHOV

AUSSTELLUNG IN DER GALERIE AM ROTEN HOF BIS 22.04.2008

Und dann läuft es zusammen; das Suchen und Finden der

Parallelen in Religion und Politik. Das Erkennen menschlicher

Charakterzüge und ihrer Dynamiken bei gemeinsamen sinnlosem und

manchmal auch sinnvollem Handeln.

Die Mythen kommen ins Spiel, werden angedeutet und unsere

Seele hat das ja alles immer schon gewusst.

Je mehr uns diese Kunst anspricht, desto mehr sollten wir

zumindest versuchen zuzuhören und vielleicht haben wir

irgendwann einmal auch etwas zu sagen.

GALERIE AM ROTEN HOF

PIARISTENGASSE 1, 1080 Wien

MI - FR 13-19 & SA 11-15

01 406 31 07; 0676 783 55 25

www.amrotenhof.at

GALERIE VIAARTE

Geibelgasse 14-16,1150 Wien

01 712 54 93; 0664 15 99 550

http://www.viaarte.info


Nr. 17/2008 Buch IV - BERLIN 2

ST/A/R 31

transcontinentalarchitecture:

ST/A/R-architekt ANGELO ROVENTA

THE BLACK BOX. A TEMPORARY STAGE FOR THE

NATIONAL THEATRE IN IASI, MOLDAVIA-ROMANIA.

A

black box popped up in Iasi. The

monolith hosts a temporary theatre

state, a box meant for performances

until the restoration of the National Theatre

is over.

The theme was simple – a space for various

kinds of theatre, to host 300 people,

with locker rooms and wash rooms, in a

very short time – three months, and an

impossible budget – 250,000 euros.

Angelo Roventa is a Romanian architect

settled in Austria for some while, dedicated

to an alternative practice, with low budgets,

creative solutions and a strong social

component. For this project, he actually

did not come up with a solution, trying to

find a way it could take shape; he thought

of a system instead. The superstructure

was built on top of an armed concrete

foundation in situ, consisting of a set of

prefabricated panels of the same height

with that of the building. The roofing is

also made of panels. Panels simultaneously

define the structure, exterior skin, thermal

insulation, soundproofing and fire

protection. These are made of a wooden

profiles network with thermo insulation,

a wooden chipboard inside and another

one to the outside covered by a hydroinsulating

sheet. Panel connectors are

pressurized to the exteriors with vertical

rods, the only elements defining the rhythm

of façades. Prefabricated panels (65 of two

tones each and 4 wooden foliated beams

of 4 tones each) were produced in Austria,

supervised by the architect, and then sent

to Romania in 14 trucks (the 20 m length

of the 4 beams is the maximum weight for

a standard truck). Mounting, pressurizing

and introducing interior elements were

all done on the spot: a metallic structure

for the annexes, staircases, equipment

etc. Everything was done by four workers

from Austria, one crane and scaffolding.

A minimal budget asked for an ongoing

balance of all components. Thus, a system

of air conditioned for such a stage would

have cost at least 80,000 euros. The

solution: the 12 m height of the space

doubles the air compared to a minimal

amount. Once the show is over, an ordinary

fan of 200-300 euros re-ventilates the space

in one hour.

The foundation was completed in October

2007, and in between 18 November and 18

December the whole construction was done.

Only the connection to the water, electricity

and sewage networks has to be finished,

for the space to be properly used. Beyond

the challenges of an unconventional site in

a post-socialist Romania, the main reason

of discontent for the author is not so much

the execution, but the place. This temporary

building obviously needs to stay close to the

theatre, yet Angelo Roventa did not want

this massive building to be aggressive in

its presence to the main axis of Iasi. He

therefore chose the box to be placed in the

background, next to Miron Costin Square,

with a minimum interference to the park

of the theatre and providing a suitable front

for the square for the few years it will stay

there. Changing the place was not agreed

with by the author, the building being now

positioned in a random relation with its

context.

Despite this, this provisional national

theatre seems to me uite an important

architectural event. Architectural

minimalism is extremely rare in Romania,

since the public hates modernist « boxes »

while we, the architects, hardly manage the

temptation of the picturesque and excess.

Temporariness served in this case as an

alibi meant for a condensed architectural

intervention. In fact, such a work does not

stand for a fashional minimalism either–

meaning an extreme (and usually terribly

expensive) refinement mainly meant for

an aesthetic effect. The approach is in this

case justified by real data: the budget and

impossible deadlines, and actually resides

in concentration, getting a maximum effect

through a precise intervention to integrate

the topic, techniques and principles.

Moreover, the project is indeed sustainable.

The building was thus designed so that the

wooden superstructure could be re-used.

Once it will not be needed there, the black

box only has to find a new foundation ans

re-connect to networks in order to start a

new life. A migration of performing stage

and of a responsible act of architecture.

Text: Stefan Ghenciulescu

Photo: Matei Bejenaru

Author: Arch. Angelo Roventa, Vienna,

Voralberg-Austria

Collaborator: Arch. Carmen Hernandez-Arcas,

Voralberg – Austria

Structure:

Client:

Dr. Karlheinz Hollinsky, Viena

National Theatre –Iasi (represented

by Dir. Cristian Hadji-Culea)


32 ST/A/R

Buch IV - BERLIN 2 Nr. 17/2008

NOTIZEN AUS EINER STADT, DIE NOCH KEINE IST.

City KIS eine virtuelle Metropole, die Realität ist, titelte der letzte ST/A/R Artikel – zu vorschnell?

City KIS ist ein Städteprojekt, eine Stadt, die sich

über nationale Grenzen hinwegsetzt, eine Stadt,

die ihren Namen ausspielt. Ursprünglich kommt ja

KIS von Kärnten, Italien und Slowenien, sofort schwang

jedoch dieser Städtekuss mit und schon bald sprach man

im Projekt von „ ich bin am KISen“.

Ist das nicht ein schöner Unterton für eine Bezeichnung

einer Tätigkeit als KISen – geküsst von der Inspiration?

Dieses Kunstwort KISen ist mir am liebsten, wie ich

auch „KIS the city!“ mag.

Wenn man Kunst vom schöpfen/kreieren ableitet, aber

auch wenn man es vom Müssen herleitet, ausgehend von

der oft anzutreffenden Engstirnigkeit der Kärntner, ist

City KIS ein Kunstwerk.

Dieses Kunstwerk City KIS soll passend durch das Kunstwort

KIS begleitet werden.

Im Jahre 1991 schrieben die Zukunftsforscher Naisbitt

und Aburdene in ihrem Buch „Megatrends 2000“ den

folgenden Satz:

„Wenn Städte noch nicht existierten, “ schreiben sie,

“wäre es heute nicht notwendig sie zu erfinden.

Wahre Weltstädte sind nicht die größten, sondern die

schlauesten.“

17 Jahre später sind wir dran, diese schlauste Stadt zu

gründen. Ziel von City KIS ist es, die positiven Aspekte

des Stadtlebens mit den schönen Seiten des Landlebens

zu verbinden.

Auf der einen Seite wäre da die Offenheit der Städte, das

große Kulturangebot, überhaupt das große Angebot von

alles und jedem, auf der anderen Seite die Ruhe und Geborgenheit

des Landlebens und die Schönheit der Natur.

Moderne soziologische Lehren sehen Städte schon lange

als ein verdichtetes, konzentriertes Netzwerk an, welches

für Einflüsse von außen offen ist.

Mit Hilfe des Internets und der Homepage www.citykis.

net schaffen wir einen zentralen Marktplatz, Treffpunkt

und Medium für eine Art von Stadt, die es bisher nicht

gab.

Hier sollen Netzwerke geknüpft und verdichtet werden,

alle Stadtbewohner sollen sich KISen- Informieren,

Teilen und somit die Stadt kreieren: Kreate – Inform

– Share.

Es ist nicht intendiert City KIS mit ihren 2,5 Millionen

Einwohner in eine herkömmliche Stadt zu verwandeln,

mit Hochhäusern, Staus, u.s.w.

– City KIS ist und bleibt die Schlaueste.

Visionär kann man sie als eine auf Privatinitiative gestützte

Stadt beschreiben, mit drei Kulturzonen – eine

slowenische, eine italienische und eine österreichische.

Was noch abgeht ist ein breiteres öffentliches Verkehrsnetz.

Auch hier wird der spärliche öffentliche Verkehr mit

privaten „öffentlichen“ Verkehrsinitiativen ergänzt.

Schon jetzt fährt der KIS-Shuttle Kultur- und Veranstaltungshungrige

quer durch die City. Das KIS-Netz wird

ausgebaut und ich freue mich schon jetzt auf den ersten

KIS-Shuttle ins slowenische Quartier im April . . .

Die Entwicklung des KIS-Logos


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch V - BERLIN 3 ST/A/R 33

Lena Braun – Berlin

Lena Braun aka Queen Barbie


34 ST/A/R

Buch V - BERLIN 3 Nr. 17/2008

Lena Braun

Lena Braun

Foto: Mounty R. P. Zentara

In der Galerie Area 53 in Wien wird

Lena Braun am 4.3.2008

um 20h tätowiert,

Live-Act, “Die Auferstehung und Einverleibung der Baronin

Leonie Puttkamer-Gessmann in Wien”

Lena Braun aka Queen Barbie, Berlin und Max Schmal,

Stichtag, Graz

DIE QUEEN.

DAS TATOO (EHRENMEDAILLE DER STADT WIEN).

DIE EHRENSACHE.

INTERVIEW MIT EINER BARBIE

Gerngroß im Gespräch mit Lena Braun aka Queen Barbie

Gerngroß: Lena Braun, sind Sie nicht ein bißchen alt für eine

Barbie?

Braun: Welch provokante Frage! Also als 1993 die Queen Barbie

Loge als Pendant der Lord Jim Loge in Berlin aus der Taufe

gehoben wurde, da war die Barbie, von der Sie höchstwahrscheinlich

sprechen, bereits 35. Von daher bin ich jetzt genau im

richtigen Alter oder gar ein bißchen zu jung für eine Queen, die

mit diesem Namen spielt. In meiner Kindheit interessierte ich

mich für Barbies eben weil es ausgewachsene Damen und keine

Babypuppen waren. Wir sprechen bei diesem Spielzeug von einer

Identifikations-Figur für Träume, die jenseits des Kinderkriegens

und Kind-Seins liegen.

Gerngroß:Was bedeutet Ihnen Berlin? Sie sind dieser Stadt ziemlich

treu, nicht wahr?

Braun: Am 1. Juli diesen Jahres feiere ich als Ausstellungsmacherin

tatsächlich (lacht) mein 20jähriges Bestehen, unglaublich,

was! Und davor habe ich hier noch 14 Semester studiert! Berlin ist

ein Moloch, er läßt Leute wie mich nicht mehr los. Es sind, oder

sagen wir waren, hier einfach Dinge möglich, die sonst nirgendwo

möglich waren. Jetzt wird Berlin anders, auch hier greift die

Globalisiereung. Aber ehrlich gesagt finde ich einige Aspekte

davon regelrecht spannend, da sie für mich in die Kategorie „nie

dagewesen“ fallen.

Gerngroß: Nie dagewesen? In Berlin? Wie darf ich das bitte

verstehen?

Braun: Nun, zumindestens so lange ich existiere, hat Berlin mehr

oder weniger von Subventionen gelebt, die Stadt wurde, sagen

wir, fremdfinanziert. Doch jetzt wendet sich das Blatt. Die Stadt

hat plötzlich Lust, gezwungenermaßen, aber wer denkt bei der

Lust schon gern ständig an den Selbsterhaltungstrieb, sich selbst

zu erhalten. Natürlich geht damit auch ein gewisser Ausverkauf

der Werte einher, was ich einerseits sehr bedauer, aber andererseits

schätze ich eben auch das Potential welches im Wandel, in

der Veränderung liegt.

Gerngroß: Das klingt fast philosophisch. Ich hatte Sie bisher eher

als Macherin eingeschätzt.

Braun: Ich habe (lacht) einiges studiert, unter anderem auch

Philosophie, vielleicht gibt das meiner Arbeit den experimentellen

Charakter. Ich bin ja als Macherin eher Utopien als einer unabdingbare

Bodenständigkeit zugeneigt. Ich denke mir gern Sachen

aus oder ummantle Dinge, die mir zufliegen mit weiterführenden

Elementen. So etwas ist ja eher typisch für die Zunft der Dichter

& Denker, richtige Macher gehen an Projekte anders heran.

Gerngroß: Ganz schön theoretisch. Wie wär’s mal mit einem

Beispiel?

Braun: Gut, nehmen wir ein Projekt, das ich europaweit neun mal

gezeigt habe. Es trägt den Namen ZUCHTHAUSKÖDER. Ich

las irgendwann mehr aus Spaß das Buch „Der Weg nach oben“

nocheinmal, typische Nachkriegsliteratur, von einem der Hauptvertreter

der „young angry men“, und da tauchte dieses Wort

auf: ZUCHTHAUSKÖDER. Ich fand es aberwitzig, es ging mir

nicht mehr aus dem Kopf. Bis ich es von seinem Kontext befreite,

kreativ mit ihm umging und eine Projekt daraus machte.

Gerngroß: Sie haben das Projekt auch in Österreich gezeigt?

Braun: Ja, in Graz, im Forum Stadtpark. Es war großartig. Ich

bin gern in Österreich. Ich habe die letzten Jahre in Berlin so viel

Englisch geredet, weil wir es hier zunehmend mit internationalen

Kontakten zu tun haben, daß es für mich regelrecht entspannend

ist im deutschsprachigen Ausland zu arbeiten, wo man zumindest

ansatzweise (kichert) meinen Humor oder wie sagt ihr hier,

Schmäh, versteht.

Gerngroß: Sie sprachen vorhin von dem Neuen Berlin, was bedeutet

das für Sie?

Braun: Oh Gott! Was für eine Frage, das ist ein weites Feld. Da

kommen einige Faktoren zusammen. Zum einen haben wir hier

jetzt so etwas wie die zweiten Zwanziger Jahre, weil im Vergleich

zu den Metropolen anderer Länder Berlin ein günstiges Pflaster

ist und Horden von vergnügungs- oder investierlustiger Menschen

strömen hier her. Zum anderen ist Berlin seit Mauerfall

eben auch zunehmend das Tor zum Osten. Hat man früher dort

Geschäfte gemacht? Nicht in dieser Vehemenz. Seit dem Krieg

sind im Jahr 2007 auch das erste Mal die Immobilienpreise

gestiegen, viele Bezirke sind komplett von ausländischen Investoren

aufgekauft worden. Das bleibt nicht ohne Folgen. Es gehört

mitlerweile zum guten Ton in Berlin eine Dependance zu haben.

Aber warum fragen Sie mich das? Das können Sie doch in jeder

Zeitung lesen!

Gerngroß: Na, dann plaudern Sie doch ein wenig aus dem Nähkästchen,

wenn Ihnen das lieber ist.

Braun: Sie haben mich durchschaut. Ich bin schon recht gern

abstrakt und alles andere als eine Frau, die mit ihren Freundinnen

Kochrezepte austauscht. Dieses Jahr schau ich auf 20 Jahre

Kuratorentätigkeit und es macht mich wirklich stolz. 20 Jahre

sind kein Pappenstiel, vor allem wenn man relativ frei arbeitet.

Also versuche ich gerade die konkreten Projekte 2008 von diesem

freien Geist sprechen zu lassen. Im April bin ich mit dem Projekt

LIKE HER, Bildende Künstlerinnen zeigen ihre Lieblingsikonen

aus dem Bereich der Literatur, im Haus Schwarzenberg in der

Galerie Neurotitan zu Gast. Das ist konzeptionell der freiste Ausstellungsraum

in Berlin Mitte. Im Juli/August kuratiere ich die

Ausstellung ROTES HAUS, Positionen zur Nacht in der Metropole,

im Kunstraum Kreuzberg im Künstlerhaus Bethanien, wo

ich meine spezielle Auswahl an jungen internationen Künstlern

in Berlin vorstelle.

Gerngroß: Sind Sie nicht hauptsächlich für das unkonventionelle

Kuratieren in eigenen Räumen bekannt?

Braun: Ja, das stimmt. Seit 88 betreibe ich in dieser Stadt Projekträume,

aber nicht nur. Ich habe 94 auf Einladung des P.S.I

Museems in New York am Broadway ein großes Projekt gezeigt

und war auf internationalen Festivals und in vielen Fremdräumen

vertreten. Es ist eine Leidenschaft von mir eigene öffentliche

Räume zu haben. Ich bin kein Fan von Besuch im privaten

Wohnzimmer.

Gerngroß: Sie planen also bereits wieder etwas Neues?

Braun: (lacht) Ja, aber darüber sprechen wir das nächste Mal!


Nr. 17/2008 Buch V - BERLIN 3

ST/A/R 35

Neue Arbeit von Ben Webb zu sehen auf

der Ausstellung Rotes Haus

WIEN, 23. Mai 2008, 14-18h

Performanceact

10 Jahre SOHO-Festival in Ottkring:

MARKETENDERINNEN, Marktstand mit

Showeffekt, Auf dem Brunnenmarkt

Berlin

Ausstellung

Bildende Künstlerinnen zeigen ihre

Lieblingsikonen aus dem Bereich der Literatur

Haus Schwarzenberg

Galerie Neurotitan

Rosenthaler Str. 39, 2.HH

Berlin Mitte

Ausstellungsdauer: 5.-26. April 2008

Music by Djane Maria Tokyo

Performance by Maura Rougieux

Mit

Maura Rougieux (Installation), Berlin:

Vicki Bennett & Sylvia van Harden

Xenia Fink (Siebdruck), Berlin:

Jaqueline Susann & Elsa von Freytag-Loringhoven

Jenny Tall Kroftova (Fotografie), Berlin:

Patti Smith & Radclyffe Hall

Karin Sulimma (Skulptur/Installation), Wien, Österreich:

Velma Wallis & Renée Vivien

Maria Tokyo (Characterdesign), Berlin:

Mary Shelley & Jackie Collins

Lena Braun aka Queen Barbie (Fotografie), Berlin:

Djuna Barnes & Julie Burchill

Sonja Puschmann (Malerei), Berlin :

Simone de Beauvoir & Paula Modersohn-Becker

Iris Weirich (Fotografie), Berlin:

Tania Blixen & Ingeborg Bachmann

M. Minette Dreier (Malerei), Berlin:

Carson Mc Cullers & Hildegard Knef

Achtung Regenschirmgolf von Willi

Thomes, zu sehen auf der Austtellung

Rotes Haus

Ausstellung

ROTES HAUS

Repräsentanten der Nacht

Schauplätze einer Metropole

5. Juli - 17. August 2008

Vernissage 4. Juli 2008, 19h

Mit Ben Webb (Neuseeland), Harri Schemm (Stuttgart),

Willi Thomes (Berlin), Sonja Puschmann (Berlin), Andrea

Heyer (Wien), Maura Rougieux (France/Berlin), M. Minette

Dreier (Berlin), Maryna Markova (Berlin), Cornelius Perino

(Jamaika/Berlin), Kilian Davy Beaujard (Berlin), Chris Dreier

(Berlin), Steffen Geisler (Berlin), Bianca Regl (Wien/Los

Angeles), Sonja Nilsson (Schweden), Third Leg (New York/

Canada), Xenia Fink (Berlin), Kerstin Buchwald (Berlin),

Mounty P. Zentara (Wien), Queen Barbie (Berlin)

Kunstraum Kreuzberg, Künstlerhaus Bethanien, Am

Mariannenplatz, Berlin

DIE QUEEN BARBIE LOGE IST EINE UNTERGRUNDORGANISATION. DIE QUEEN BARBIE-LOGE

NUTZT DIE MACHT DES UNSICHTBAREN. DIE QUEEN BARBIE-LOGE AGIERT MITTELS DER

PROJEKTIONSFLÄCHEN INNEWOHNENDEN INTELLIGENZ.


Städteplanung / Architektur / Religion Buch V - BERLIN 3

ST/A/R 37 37

CROYDON WILL ALSOP

WILL ALSOP

Will Alsop has unveild his far reaching plans

for the regeneration of Croydon, to a packed

audience in the town’s Braithwaite Hall.

Commissioned by Croydon Council

and developed following an extensive consultation

exercise, Alsop’s vision addresses the major issues

of both the built environment and the public

realm, and how these affect the economic

and cultural health of the town. His

proposals offer a revitalised cityscape that realises

the community’s aspirations and Croydon’s

potential to become London’s third

City.

The key elements of the vision

are centred around bringing

residential accommodation into the heart of

the town centre where it is currently lacking,

revitalising Croydon’s key retail offer which is

central to Croydon’s success, and subsequently

repositioning the commercial/office market in

central Croydon. In addition, a key feature of

Alsop’s proposal is to improve the quality of the

public realm and alter the perception of

Croydon’s town centre by introducing additional

green spaces and integrating existing underused

green spaces. The vision aims to capitalise on the

existing swell of developer interest in Croydon’s

town centre.

For further information check

www.alsoparchitects.com

public space

Will Alsop painting


38 ST/A/R

Buch V - BERLIN 3 Nr. 17/2008

Ecopowertec

Energiesparer anrufen!

Tel :+43(0) 664 503 10 77

Bernd Obernosterer

Ecopowertec GmbH

bernd.obernosterer@ecopowertec.com

Tel :+43(0) 664 503 10 77


Nr. 17/2008 Buch V - BERLIN 3

ST/A/R 39

UNSERE ENERGIE

Die Weltbekannte Dr. Wüsterjacke

Diese Jacke ist ein Geschenk von

Bernharf Wüster an Heidulf Gerngross

annlässlich einer kleinen Urlaubsfahrt

mit Gloria und dem Wüster VW-Golf.


40 ST/A/R

Buch V - BERLIN 3 Nr. 17/2008

WARAN lädt ein zur Ausstellung:

“Küss mich – und ich scheiss dir ins Gesicht”

20 März 2008

20 Uhr

Burggasse 21

ST/A/R 17 Präsentation & Fest

Powerpoint, Musik, Wodka

20 März bis 12 April

16-19Uhr

Mit der WARAN-Austellung etabliert sich die Galeristin Elena Mildner schließlich und

unendlich auf dem Parkett des internationalen Kunst- und Kulturgeschehens.

ST/A/R ist RAUMGEIST

FUTTER for YOU:

ST/A/R Abo

anrufen +43 664 521 33 07

Heidulf Hotline 24 Stunden erreichbar


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch VI - Blüten der Stadt ST/A/R 41

STARKÜNSTLER POPOW & ALEXEEV

Die in der Sowjetunion geborenen, in Ukraine

aufgewachsenen und heute in Österreich lebenden Popov

und Alexeev umgehen mit ihren Bildern und Installationen

die traditionelle Erwartungshaltung des passiven

Ausstellungsbetrachters. Popov und Alexeev, die vor

ihrer künstlerischen Karriere als Soldaten 2Jahre lang in

der Sowjetarmee waren, nutzen die dort gewonnenen

Erfahrungen für ihre Bilderfindungen und Metaphern die

sie mal hyperrealistisch, mal ironisch und surreal in Szene

setzen.

Die verschiedenen Bedeutungsebenen der „Dembelskij

Album“ (2007) erschließen sich oft erst über eine

Reihe geschichtlicher Bezüge. So werden Themen und

Informationen geliefert die teilweise Erfahrung, teilweise

Utopie sind. Nie werden Lösungen oder endgültige

Erkenntnisse geboten.

Ähnlich verwirrend, aber in einem anderen räumlichen

und temporären Kontext operieren auch große

Plakattafeln (Projekt „verPeace dich“ 2006). So sind

es vor allem Zeitsprünge, die Popal visualisiert.

Popal stellt immer wieder die Frage, wer

eigentlich wen beherrscht: die Menschen den

Krieg oder umgekehrt, das Medium den

Menschen oder der Mensch das Medium.

SEX

MACHT

FREUD

SEX

COLLAGE AUF KUNSTOFFPLATTE, 140 X 200CM


42 ST/A/R

Buch VI - Blüten der Stadt Nr. 17/2008


Nr. 17/2008 Buch VI - Blüten der Stadt

ST/A/R 43

AUS DER AUSSTELLUNG

„KRIEG VERPEACE DICH“

VON POPOW & ALEXEEV

IN FÜRSTENFELD


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VI - Blüten der Stadt ST/A/R 45












JULIUS DEUTSCHBAUER SCHREIBT

TAUSENDUNDKEINEN SCHUSS HAST DU FREI!

ANMERKUNGEN ZU DEM VIDEO “30 KILO” VON VIKTORIA TREMMEL

VIKTORIA TREMMEL

VIKTORIA TREMMEL

Kasernen sind oft Schauplatz

blutiger Gefechte.

Jedes Mal, wenn ich an einer Kaserne vorbeigehe und dort gerade

die Flagge gehisst oder eingeholt wird, steht jeder stramm. Jeder

steht still und stramm und grüßt die Flagge. Tue ich es nicht,

packt der Dienst habende Offizier meine rechte Hand und erhebt

sie zum Gruß. Sage ich darauf: “Ich grüße nicht. SIE tun es, indem

Sie meinen Arm hochheben”, lässt der Offizier wütend meinen

Arm fallen und zieht seine Pistole. Schon kommt ein anderer

Offizier hinzu, hebt meinen rechten Arm hoch, lässt ihn wütend

fallen und zieht seine Pistole. Schon kommt ein dritter Offizier

hinzu usf.

Endlich kommt der Befehl: “Vorwärts marsch!” Das ganze Bataillon

marschiert ab, nur eine unbewegliche, einsame Gestalt bleibt

zurück: ausdauernd, tüchtig, leistungsfähig, vermögend, bedeutend;

sich lagernd, umlagert; sich ordnend, sich aufstellend; in

Schlachtreihen; allein in Schlachtordnung, möglicherweise wie

ein Heer, das sich aus fünf Abteilungen zusammensetzt: aus der

Vorhut, der Mitte, den beiden Flügeln und der Nachhut, wie eine

große organisierte Gruppe von Personen, die für den Landkrieg

ausgebildet sind: nachjagend, wegführend.

Die Luft ist warm, schwirrend, träge.

Eine Frau: ein stehendes Heer! Zu den Waffen gerufen, weder

durch Trompetensignale, noch durch Boten oder besondere Zeichen.

Sie hat kein neues Haus gebaut und es auch nicht eingeweiht, keinen

Weingarten gepflanzt, auch nicht begonnen, ihn zu nutzen,

sich mit keiner Frau/keinem Mann verlobt, sie auch nicht genommen.

Sie ist weder furchtsam noch zaghaften Herzens.

Es ist nicht ihre erste Schlacht, in die sie sich verwickelt hat: in

Gewichte eingewickelt, in Waffen. Pistolen und Gewehre, Planken

und Ziegel, Handgranaten und Tellerminen, verschiedene Standarten

und Banner, Flaschen und Dosen und Proviant. Kavallerie

und bewegliche Bettungen von Geschützen und Infanterie. Sie

scheint sich selbst zu verpflegen. Sie scheint keinen Geschlechtsverkehr

zu haben an diesem und am nächsten Tag. Sie macht

keine Gefangenen an dieser eroberten Stätte, brandschatzt und

vergewaltigt nicht.

Sie benötigt keine Führung, und es ist nicht nötig, einen Zweck

ihres Kriegszugs hervorzuheben.

Sie scheint ohne Plan, Taktik und Strategie. Trotzdem setzt sie

auf Überraschungsangriff, dann Frontalangriff, legt einen Hinterhalt,

nimmt Furten von Flüssen ein usw. Sie ist für den Tag der

Schlacht gerüstet, stürmt an. Kein einziger bleibt am Leben.

Sie ist kein Teil einer größeren Streitmacht, sondern vielmehr

selbst eine große unabhängige Truppeneinheit: ein vollständiges

Heer an sich. Bei der Ausführung ihres Dienstauftrags auf sich

selbst angewiesen, an Grenzen stationiert, dient sie als Leibwächter,

Kurier und manchmal als Scharfrichter. Sie versteht sich wohl

gut auf Krieg, Mord und alles Böse mit allen zu Gebote stehenden

Hilfsmitteln des Soldatendienstes, unter eigenem Oberbefehl

stehend. Zehntausende, Tausende und Abertausende. Man nennt

sie Legion. Als Streitmacht ist sie unbesiegbar. Und es gibt kein

Entrinnen.

Sie ist es nicht gewohnt, bei Nacht zu schlafen, und wenn sie sich

betrinkt, ist sie gewöhnlich nicht betrunken.

Ich verstecke mich unter einer Decke am Rücksitz eines Autos und

schmuggle mich so aus der Kaserne hinaus. Diese Nacht werde ich

wohl in einer schmutzigen Latrine zubringen müssen.

Jedes Mal, wenn ich dieses Zimmer verlasse, bin ich froh, noch

am Leben zu sein.

Tausendundkeinen Sch(l)uss hab’ ich frei! Abwechslungsweise einen

über den andern Tag.

Sie steckt alle in den Sack, in die Uniform, in den Kampfanzug.

Sie befehligt über 1 000 Soldaten. Sie führt das Kommando. Sie

hat große Machtbefugnis. Sie ernennt Zenturionen und setzt sie

ein. Sie ist Vorsitzende des Kriegsgerichts und verhängt Todesstrafen.

Sie hat Untergebene, die ihr zu Diensten sind. Ihren Rang

kann man am Gewicht ihres Kampfanzugs erkennen: 30 Kilo. Bis

zum Zerbersten einer Ordnung an ihren vernachlässigten Spannungen.

Als hätte sie mindestens zehn Jahre bei der Infanterie

und fünf Jahre bei der Kavallerie gedient. In einer Kaserne bei

Cesky Krumlov (Krumau), an einem inzwischen aufgelassenen

Truppenübungsplatzes aus sowjetischer Zeit, wo ihre Videoarbeit

entstand.

Viktoria Tremmel hat ihren Kampfanzug mit Ziegelsteinen unterfüttert.

Dies verleiht ihr eine eigentümliche Schwere. Dort, wo ich

herkomme, bedeutet “einen Ziegel haben” betrunken sein. Hat

Viktoria Tremmel einen Ziegel? Sie hat tatsächlich mehr als einen

Ziegel. Sie lässt sich runterziehen, Gleichzeitig umgibt sie diese

Schwere mit der Leichtigkeit einer Betrunkenen: einer Als-Ob-Betrunkenen:

als sähe sie fremdartige Dinge, als hätte sie phantastische

Erlebnisse, als läge sie im Herzen des Meeres, als balancierte

sie auf der Spitze des Mastens, im Mastkorb eines Schiffes auf

stürmischer See. Weiß sie, was um sie herum vorgeht? Als hätte

man sie geschlagen. Man hat sie geschlagen, aber sie wurde nicht

krank. Man versetzte ihre Streiche, vierzig weniger einen, ohne

dass jemand da war.

Die unerträgliche Leichtigkeit des Schwer-Seins. In einer “dämonischen”

Slapstik, die eine derartige Schwerkraft besitzt, dass in ihr

Schwerefeld eindringende Sterne angezogen und “verschlungen”

werden, scheint Viktoria Tremmel in einem fortwährenden Taumel

zu sein. Übermächtige Ohnmacht lässt sie in den Taumel

eines Schwere-Erlebnisses geraten, in eine paradoxe Euphorie.

Der Schwerkraftdruck in ihrem Innern treibt sie zu Hochgefühlen.

Taumel, Euphorie, Hochgefühl. Schwere, Beschwerde, Kummer.

Wer wollte sich darüber beschweren?

Die Last macht Druck, der Druck macht Wucht, die Macht drückt

nach. In Bezug auf zu Tragendes. In Bezug auf zu Erduldendes. Capitis

gravitas. Schwere des Hauptes, Schwere der Glieder. Schwere

der Milz. Gravitas morbi. Sie weitet, sie weltet, schleppt dicke am

ganzen Atlas, bis schier kein Fluss etc. mehr ist. Schwer geht der

Atem, schwer wird die Zunge. Sie gibt genau acht auf die ganze

Schwere des Worts. Pondus verborum. Stumm fährt sie fort. Alles

also verkehrt und zerkrüppelt. Jede Beschwerde wird abgewiesen.

Die Welt ist wie im Taumel. Alle Notausgänge verriegelt.

Viktoria Tremmels Videoarbeit enthüllt, indem sie verhüllt und

bedient sich eines komischen und zugleich harten Aberwitzes. Ihr

gelingt es, sich selbst blind ins “Verderben” rennen lassen.

In “30 Kilo” erscheint sie mir wie die sieben Jungen (einer ist sie

selbst, sechs hat sie in ihren Kampfanzug gesteckt) im Film “Die

Brücke” von Bernhard Wicki aus dem Jahre 1959, die zur Verteidigung

einer anscheinend völlig unwichtigen Brücke eingesetzt

werden, einer Brücke, die noch dazu ohnehin von Anfang an zur

Sprengung vorgesehen war. Oder sie ist John Lennon in Richard

Lesters “Wie ich den Krieg gewann” (Originaltitel: How I Won the

War), in welchem dieser in Nordafrika hinter den deutschen Linien

mitten in der Wüste ein Cricket-Feld anlegt. Ein großer Teil

seiner Truppe geht dabei drauf. Der Name des von John Lennon

dargestellten britischen Offiziers Goodbody, würde wohl auch gut

auf Viktoria Tremmel in ihrem Video “30 Kilo” passen.

Mit den Stilmitteln der Groteske versucht Viktoria Tremmel dort,

ihre Schwere auf tragikomische Weise darzustellen. Ein zentraler

Punkt des Videos ist ihr Verhältnis zum eigenen Körper. Der Krieg

wird dabei zum Nebenschauplatz. Militärkraft weicht der eigenen

Schwerkraft. Es ist ihr eigener Krieg, den sie da führt. Der Krieg

findet im eigenen Inneren statt. Sie ist ihr einziges Opfer. “Dies

geschah am 30. Januar 2007. Es ist unbedeutend, dass es in keinem

Heeresbericht erwähnt wird.”

Dem Betrachter bleibt zurück in der Rolle des Kriegsbeobachters,

des Kriegsberichterstatters. Dieser muss essen, um leben zu können

und leben, um essen zu können. Er muss kaufen und verkaufen

(alles eine Sache von großem Gewicht). Die Ausstellung ist

zum Verteidigungsbereich erklärt worden. Frauen und Kindern,

Galeristen und Kuratoren wird empfohlen, es zu verlassen.

Berufsvereinigung Bildender

Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs

Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis

Gallusstraße 10, A 6900 Bregenz / Austria

Einladung zur Ausstellungseröffnung

am Freitag, 22. Februar 2008, 20 Uhr

Es sprechen: Dr. Dietgard Grimmer

Dr. Marie-Luise Angerer

Ausstellungsdauer:

23. Februar bis 24. März 2008

Dienstag bis Samstag 14 - 18 Uhr

Sonn- und Feiertag 10 - 12, 14 - 18 Uhr

T +43(0)5574 42751, F +43(0)5574 44029

www.kuenstlerhaus-bregenz.at

Fortsetzung der Ausstellung in Salzburg

im Traklhaus.

Eröffnung: 25. April – 7. Juni 2008 WICHTIG!

Österreichische Post AG

Info.Mail Entgelt bezahlt


46 ST/A/R

Buch VI - Blüten der Stadt Nr. 17/2008

BAUSTELLEN SIND DIE BLÜT

Baustelle Ars Electronica Center


Nr. 17/2008 Buch VI - Blüten der Stadt

ST/A/R 47

EN DER STADT

Fotos: TREUSCH architecture ZT GMBH


48 ST/A/R

Buch VI - Blüten der Stadt Nr. 17/2008

ANDREAS TREUSCH

VORWORT ZUM BUCH

ERSCHEINT IM SPRINGER VERLAG-WIEN

IM SOMMER 2008

VON HEIDULF GERNGROSS

Sie sind mir zwar zugefallen, aber Zufall war es keiner, diese geistigen Verbindungen,

äußerlich unsichtbar, aber über Jahre spürbar …

Am Beginn der 90er Jahre habe ich erfahren, dass Andreas Treusch an

einem Wohnbau-Wettbewerb für Linz / Auhof teilnimmt. Ich wollte seinen Entwurf

sehen und mit dem, was ich damals in Zusammenarbeit mit der Künstlerin

und Architektin Barbara Holub machte, vergleichen, das war noch wenige Tage

vor Abgabe der Unterlagen für den Wettbewerb. Andreas Treusch hat mir einen

geistigen Austausch verweigert, ich wollte redend die Probleme weiter kneten,

doch Andreas Treusch, er war damals noch Student, war sich so sicher, den Stein

der Weisen gefunden zu haben. - Wir haben beide nicht gewonnen.

1992 nahmen wir dann gemeinsam an einem Wettbewerb teil, eine Convention

Hall in Nara - eine fruchtbare Zusammenarbeit. Es gab ca. 800 Teilnehmer und

16 Preise, wir wurden 17. Isozaki hat gewonnen.

Wir haben dann auch an einem Wettbewerb für das neue Regierungsviertel in

Berlin mitgemacht, wo wir auch unsere geistige Arbeit an Raum oder Stadtraum

demonstriert haben. 5 oder 6 immer größer werdende Kuben, beginnend beim

heutigen Hauptbahnhof bis zum Reichstagsgebäude sollten die Bevölkerung ins

Regierungsviertel führen, als räumlich-visuelles Leitsystem. Grundlage der städteräumlichen

Arbeit war ein Diskurs über Raum und Proportion, ausgehend von

einem Blatt Papier, genannt “Der Architektonische Raum”, den ich in den späten

80er Jahren gemacht habe - eine flächige Arbeit auf einem A4-Blatt mit 5 größer

werdenden Quadraten mit steigender Farbintensität und einer Beschriftung. In

der oberen Reihe von vorne lesbar, in der unteren Reihe von hinten lesbar - den

Betrachter in die Bildebene versetzend, einen geistigen Raum aufbauend, vorne

- hinten. Es ist der Übergang von der Fläche zu einem geistigen, realen Raum, von

der Malerei zur Architektur. Und da kommt Andreas Treusch mit einer Arbeit aus

Spanplatten, immer größer werdende Würfel darstellend, die vom Produktionsprozess

der verschiedenen Plattenstärken von 4 x 4 cm aus 4 mm Platten bis zu

einer Größe von 40 x 40 cm aus 4 cm Spanplatten. Diese Arbeit hat das Projekt

wesentlich mitbestimmt. Gebaut wurde etwas anderes, was mir heute für Deutschland

leid tut, da ich vorige Woche in Berlin war und mir diese heranwachsenden

Kuben abgegangen sind.

Andreas Treusch entstammt einer Tischlerfamilie, wo er sicherlich handwerkliche

Präzision und Genauigkeit lernte, und da ich auch durch den Besuch des Werkschulheims

Felbertal Tischlergeselle geworden bin, gibt es da auch eine Verdichtung

unserer Gemeinsamkeiten.

Er hat danach auch an einer Gipsskulptur gearbeitet - “Stillstand der Räder”,

eine Fahrradfelge mit Gips ausgefüllt, wo das in Ruhe befindliche Objekt die

Geschwindigkeit des fahrenden Speichenrades andeutet, das während der Fahrt

einen Doppelkegel bildet, ein künstlerisches Dokument von statischer Ruhe und

Geschwindigkeit. Eine architektonische Feinheit!

Er kann zeichnen, er beherrscht die klassischen Sportarten, Radfahren, Skifahren,

er ist auch ein guter Schwimmer, er spielt Fußball in der Architektenauswahl

Wien und er erholt sich nachher im Anzengruber.

Also, solche, wie viele glauben mögen, Spompanadeln waren, wie ich es sehe,

Grundlage seiner weiteren Arbeit. Seiner Architektur hat er eine derartig faszinierende

Genauigkeit verliehen, sodass er auch als Generalplaner seine planlichen

Befehle so weitergibt, dass sie ohne wenn und aber durchgeführt werden. Er hat

beginnend als junger Egomane den Weg gefunden, das Allgemeine in den Vordergrund

zu stellen, und hat sich dadurch zu einer besonderen Persönlichkeit entwickelt.

Treusch architects ist neben den Architekturbüros PPAG und Artec, die ich auch

seit ihrem Entstehen aus persönlicher Zusammenarbeit kenne, ein Lichtblick des

österreichischen und europäischen Architekturgeschehens. Andreas Treusch ist

ein Vertreter einer Haltung, die der deutsche Kunsthistoriker W. G. Thiel als “abstrakte

Konvention” benannte, dem einfachen, ökonomischen Konstruktionsfluss

treu und trotzdem einem Abstraktum verbunden, das die Treuschsche Geistigkeit

ausstrahlt.

Noch steht eine Fahrt nach Linz vor mir, um das in Bau befindliche Ars

Electronica-Center zu erleben und darüber in ST/A/R 18 zu berichten,

unter der Überschrift:

ST/A/R Architekt Andreas Treusch:

KONSTRUKTEUR UND KÜNSTLER.

SWIETELSKY BAUGESELLSCHAFT M.B.H.

EDLBACHERSTRASSE 10

A-4020 LINZ

TELEFON: (+43 732) 6971-0

TELEFAX: (+43 732) 6971-7410

E-MAIL: OFFICE@SWIETELSKY.AT

Zentralfeuerwache, Am Hof, Wien 1


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch VII - 6.Bezirk ST/A/R 49

Miteinander in Mariahilf

Bezirksvorsteherin

renate kaufmann (SPÖ)

- Bezirksvorstehung Mariahilf,

6., Amerlingstraße 11, 1. Stock

- Sprechstunden: Mo. bis Freitag

von 7.30 bis 15.30 Uhr sowie

Do. von 7.30 bis 17.30 Uhr

telefonisch Vereinbarung unter

(+43 1) 4000-06110

wünschenswert

- Online-Terminreservierung:

www.wien.gv.at/BVSprechstunde/internet/06/BucheBV.

aspx

- Notfallhandy:

(+43 664) 993 45 45

Bezirksvorsteherin-Stellvertreter

& Bezirksentwicklungskommission

der

Bezirksvertretung

DI Peter Chlup (SPÖ)

- Bezirksvorstehung Mariahilf,

6., Amerlingstraße 11, 1.

Stock

- Sprechstunde: Do. von 14 bis

17 Uhr

- Telefon: (+43 1) 4000-06112

Frauenkommission:

Elisabeth Zoumboulakisrottenberg

(SPÖ)

– Sprechstunden: jeden ersten

Do. im Monat von 18 bis 20

Uhr

– Feuerstein, 6.,

Gumpendorfer Straße 48

Bezirksvorsteherin-Stellvertreter

Werner Haslauer

(Grüne)

- Bezirksvorstehung Mariahilf,

6., Amerlingstraße 11, 3. Stock,

Zimmer 315

- Sprechstunde: Do. von 15 bis 17

Uhr

- und nach telefonischer Vereinbarung:

(+43 1) 4000-06113

oder (+43 699) 118 283 94

kulturkommission:

Dr. kilian Franer (SPÖ)

– Sprechstunden: jeden ersten

Do. im Monat von 18 bis 20

Uhr

– Feuerstein, 6.,

Gumpendorfer Straße 48

Mobilitätskommission und

FußgängerInnenobfrau

Mag.a andrea kampelmühler

(SPÖ)

- Sprechstunden: jeden dritten

Di. im Monat von 17 bis 19

Uhr

- Kaiserwalzerbräu, 6.,

Esterhazyg. 9

Sozialkommission

Mag. thomas Fröhlich

(Initiative GrünSozial)

- Sprechstunden: jeden ersten

Di. im Monat von 20 bis 22

Uhr

und nach telefonischer Vereinbarung

unter

(+43 699) 177 225 45

Cafe Ritter, 6.,

Mariahilfer Straße 73

Bauausschuss:

Heinz Gittenberger, (SPÖ)

– Sprechstunden: jeden ersten

Di. im Monat von 17 bis 19 Uhr

– Pizzeria Manchello, 6.,

Marchettig. 18

Finanzausschuss und Seniorenbeauftragter:

Friedrich Spangl, (SPÖ)

- Sprechstunden: jeden zweiten

Di. im Monat von 14 bis 16 Uhr

- Seniorentreff, 6.,

Generationskommission:

Gumpendorfer Straße 117 julia oberwallner (SPÖ)

– Sprechstunden: jeden zweiten

Mo. im Monat

von 19.30 bis 21 Uhr

– Top, 6., Rahlg. 1

Umweltausschuss:

thomas Seidl (ÖVP)

– Sprechstunden: jeden ersten

Do. im Monat von 18 bis 19 Uhr

nach telefonischer Voranmeldung

unter

(+43 664) 380 35 64

– Cafe Servus, 6.,

Mariahilfer Straße 57-59

Integrationskommission:

ramis Dogan (SPÖ)

– Sprechstunden: jeden zweiten

Mo. im Monat

von 18 bis 20 Uhr

– Topkapi, 6., Amerlingstraße 19

katastrophenschutzund

Zivilschutzkommission:

Gottfried W.

Sommer (SPÖ)

– Sprechstunden: jeden dritten

Di. im Monat von 17 bis 19 Uhr

– Kaiserwalzerbräu, 6.,

Esterhazyg. 9

Bezirksjugendbeauftragte:

jennifer Sommer (SPÖ)

– Sprechstunden: jeden zweiten

Mo. im Monat

von 19.30 bis 21 Uhr

– Top, 6., Rahlg. 1

Die BezirkspolitikerInnen stellen sich vor

Bezirksbehinderten-und–

drogenbeauftragte Maria

kordik (SPÖ)

- Sprechstunden: jeden ersten

Di. im Monat

von 17 bis 19 Uhr

- Pizzeria Manchello, 6.,

Marchettig. 18


50 ST/A/R

Buch VII - 6.Bezirk Nr. 17/2008

Erinnern für die Zukunft

Gedenkobjekte für opfer der nationalsozialistischen

Diktatur

Die nationalsozialistische Diktatur hat in Mariahilf viele

Opfer gefordert. Hunderte Unschuldige wurden aus rassistischen,

politischen und religiösen Gründen oder aus

Gründen der sexuellen Orientierung deportiert und ermordet.

Das Dokumentationsarchiv des österreichischen

Widerstandes dokumentiert 724 Opfer aus dem 6. Bezirk.

Zum ehrenden Andenken an diese Menschen werden im

Bezirk bleibende Gedenkobjekte geschaffen. Ziel ist unter

anderem, ähnlichen Tendenzen in Gegenwart und Zukunft

entgegenzuwirken.

Kulturprogramm

Ein breit gefächertes Kulturprogramm begleitet das Projekt

“Erinnern für die Zukunft”. Unter anderem beschäftigen

sich Informations- und Diskussionsveranstaltungen in

verschiedenen Einrichtungen des Bezirks mit der Relevanz

der historischen Ereignisse für Gegenwart und Zukunft. Vor

allem junge Menschen sollen über Schul- und Kulturveranstaltungen

angesprochen werden. Es wird auf Rassismus,

Ausländerfeindlichkeit und die Unterdrückung von Minderheiten

in der Gegenwart Bezug genommen.

Dieses Projekt wird mit Fachleuten, Repräsentantinnen und

Repräsentanten der NS-Opfer sowie der Bezirksbevölkerung,

insbesondere Auszubildenden und Schülerinnen und

Schülern, realisiert

Projektbeschreibung

”Im Frühjahr 1945 ging hierzulande die an Grausamkeit

nicht zu überbietende nationalsozialistische Diktatur zu

Ende. Sie hatte auch in unserem Bezirk viele Opfer gefordert.

Hunderte Unschuldige wurden in Mariahilf aus rassistischen,

politischen, religiösen und aus sonstigen ideologischen

Gründen, auch wegen ihrer sexuellen Orientierung,

deportiert und ermordet. Zum ehrenden Andenken an diese

Menschen sollen in Mariahilf bleibende Gedenkobjekte

geschaffen werden, nicht zuletzt mit dem Ziel, ähnlichen

Tendenzen in Gegenwart und Zukunft entgegenzutreten.

Dieses Projekt soll unter Einbeziehung von ExpertInnen,

RepräsentantInnen der damaligen Opfer-Gruppen und

auch der Bezirksbevölkerung – insbesondere von im Bezirk

in Ausbildung Stehenden – realisiert werden. Dabei soll,

wo dies als zweckmäßig bzw. notwendig erscheint, für eine

entsprechende pädagogische resp. andragogische Begleitung

Sorge getragen werden. Ein Aspekt der Partizipation

soll darin bestehen, dass Private, Firmen, Institutionen u.

ä. das Sponsoring für einzelne oder mehrere Objekte und/

oder die pädagogische/andragogische Begleitung übernehmen

können sollen.

Ein weit gefächertes Kulturprogramm soll sich mit der Relevanz

der historischen Ereignisse für Gegenwart und Zukunft

beschäftigen. In verschiedenen Einrichtungen des Bezirks

sollen Informations- und Diskussionsveranstaltungen

durchgeführt werden. Ganz besonders sollen junge Menschen

mit Schul- und Kulturveranstaltungen angesprochen

werden. In Ergänzung zum geschichtlichen Schwerpunkt

soll auch auf heutige Formen von Rassismus, Ausländerfeindlichkeit

und die Unterdrückung von Minderheiten

Bezug genommen werden.“

Patenschaft

Dieses Erinnerungsprojekt ist nicht nur auf die tätige Mithilfe

der Bezirksbevölkerung angewiesen, sondern auch

auf finanzielle Unterstützung. Helfen Sie mit, indem Sie die

Patenschaft für ein Gedenkobjekt übernehmen!

Du

Als Patin bzw. Pate bekommen Sie eine schöne Urkunde

und werden namentlich auf der Website und in der geplanten

Publikation erwähnt.

Eine Patenschaft kostet 150,- Euro.

Wir bitten um Einzahlung auf das Konto 323 7807, BLZ:

32000 - Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, lautend auf

Mariahilfer Kulturplattform - ”Erinnern für die Zukunft“.

Selbstverständlich sind auch Spenden in jeder Höhe

willkommen.


Nr. 17/2008 Buch VII - 6.Bezirk

ST/A/R 51

Pressefoto Votava

Foto: BV 6

11. März 2008, Kulturstadtrat Mailath-Pokorny und Bezirksvorsteherin

Renate Kaufmann: Initialzündung für „Erinnern an die Zukunft“


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VII - 6.Bezirk ST/A/R 53

Schöner leben in

Gumpendorf

Sanierung der Häuser im Westen

Mariahilfs und neue Planungen rund

um die Mollardgasse

Zwei Wohnblöcke in der Wallgasse werden

demnächst renoviert. Dachgeschosse werden

ausgebaut. Die Gebäude werden thermisch

isoliert und die Kategorie C und D Wohnungen

auf A aufgewertet.

„Die beiden Modernisierungen sollen aber

nicht die einzigen Wohnsanierungsprojekte

in diesem Gebiet bleiben,“ erklärt Bezirksvorsteherin

Renate Kaufmann und meint: „Es

herrscht Aufbruchstimmung.“ Viele Hauseigentümer

zwischen Gürtel und Brückengasse

haben ihre Interesse bekundet und wollen

das Wohnen komfortabler mit der Unterstützung

der Stadt machen. Vieles konnten

konkretisiert werden und von der Stadt gefördert.

Andere Liegenschaftsbesitzer werden

von der Stadt aktiv angesprochen. Leerstehende

Substandwohnungen oder Geschäfte

soll der Vergangenheit angehören.

„Der Bezirk will auch seinen Teil für eine

attraktive Wohngegend leisten,“ meint die

Bezirkschefin. Der Fritz-Imhoff-Park wird um

die doppelte Fläche vergrößert. Im Sommer

2008 wird die Grünanlage nach den Wünschen

der angrenzenden Nachbarn attraktiver

gemacht. Gemeinsam mit den Mariahilfer

und den Planungsexperten der Stadt

werden Überlegungen angestellt, das Grätzel

Mollardgasse und Gfronergasse schöner zu

gestalten. Hindernisse für Passanten sollen

in diesem Viertel beseitigt werden. „Nachgedacht

wird im Bezirk, wie man mehr Grün in

das dichte Häusermeer bekommt,“ so Renate

Kaufmann. Ein Konzepts „Grünes Rückgrat

Mollardgasse“ soll erstellt werden. Darin

inkludiert: Begrünung von Innenhöfe, die

öffentlich zugänglich gemacht werden, Allee

in der Mollardgasse.

Copyright: Arch. Grimm

Mariahilf:

Ein Musterbezirk für Gender Mainstreaming

Seit mehr als fünf Jahren ist ein Labor für „Gender Mainstreaming”. Mariahilf war einige

Jahre Pilotbezirk in Wien für die faire Aufteilung des öffentlichen Raumes. Noch immer

werden alle Planungen und Baumaßnahmen unter das Motto „Mariahilf fair teilen”

gestellt. Dabei werden die verschiedenen Perspektiven und Bedürfnisse der Menschen

berücksichtigt. Besonders wird auf die Anforderungen der schwächeren Verkehrsteilnehmerinnen

und -teilnehmer geachtet.

Der öffentliche Raum wird laufend auf seine Alltagstauglichkeit unter Berücksichtigung

der unterschiedlichen Lebensbedingungen von Frauen und Männern untersucht und

umgestaltet. Bisher schaffte der Bezirk mehr Platz für Fußgänger, verbesserte das subjektive

Sicherheitsgefühl und erfüllte zahlreiche Wünsche und Bedürfnisse von Kindern

und Jugendlichen.

Mit „Gender Mainstreaming” soll vor allem Frauen zu mehr Gleichberechtigung verholfen

werden. Frauen benutzen im Gegensatz zu Männern häufiger öffentliche Verkehrsmittel

und legen eine Vielzahl von Wegen in ihrer Wohnumgebung zu Fuß zurück. Auch

leisten sie immer noch den Großteil der Versorgungsarbeit der Familie.

In Mariahilf wurden bereits eine Vielzahl konkreter Maßnahmen gesetzt, um den Bezirk

alltagsgerecht im Sinne von „Gender Mainstreaming” zu gestalten:

Insgesamt wurden 1.200 Laufmeter Gehsteig verbreitert

Bau eines Liftes neben der Stiegenanlage in der Stiegengasse

Eine FußgängerInnen-Ombudsfrau wurde eingesetzt.

Mehr Komfort auf den Öffentlichen Linien

Der gesamte Bezirk wurde zur „Tempo 30 Zone”. Die Verkehrssicherheit wurde dadurch

deutlich erhöht.

Bei der Corneliusstiege wurde eine Kinderwagenrampe angebracht.

Das Kopfsteinpflaster wird nach und nach durch eine Asphaltdecke ersetzt um mehr

Sicherheit für Radfahrer und FußgängerInnen zu gewährleisten

In der Fillgradergasse, Esterhazygasse, Aegidigasse wurden entlang der Stufenanlage

eine Rampe für Rollstuhlfahrer und Kinderwägen errichtet.

Bessere Beleuchtung im gesamten Bezirk (Installierung zusätzlicher Lampe und Tausch

bestehender durch lichtstärkere)

Spielplätze und Grünanlage hinsichtlich der Barrierefreiheit adaptiert

Barrierefreie Gestaltung des Amtshauses Mariahilf

Generalsanierung der Kooperativen Mittelschule am Loquaiplatz unter Berücksichtigung

des Gender Mainstreaming Aspektes

„Gerade im kommunalen Bereich ist Gender Mainstreaming wichtig. Wo, wenn nicht an

jenen Orten, an denen Menschen den Gutteil des Tages verbringen, muss diese Konzept

umgesetzt werden”, sagt die Mariahilfer Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann.

Der neue Fritz-Imhoff-Park:

Neuer Fritz-Imhoff-Park: „Garten Zimmer“

für Mariahilf

Der neue Fritz-Imhoff-Park in der Wallgasse

Ecke Mollardgasse wird zum Mariahilfer

„Garten Zimmer“. In diesem Sommer wird er

umgestaltet und ein Jahr später eröffnet.

Das einzigartige an diesem Konzept, dass BewohnerInnen,

Experten der Stadt und Landschaftsplaner

erstellten: „Die Grünanlage

besteht nicht nur aus einem Raum sondern

aus mehreren, die gut einsichtig und transparent

sind,“ beschreibt Bezirksvorsteherin

Renate Kaufmann die Planung. Durch die

Vergrößerung der Parkfläche gibt es für eine

„Gartenterrasse“ mit Vorgarten, eine Piazza,

eine Spielzone mit Wasserspielplatz und zwei

Ballspielplätzen ausreichend Platz.

Die künftigen Parkbesucher werden eine

Promenade genießen können, bei der sie

an einem Brunnen- und Rasenplatz entlang

schlendern können. Der gesamte Weg

wird mit blühenden Sträuchern gesäumt

sein. Eine Hundezone wird auch untergebracht.

Sie befindet sich nicht direkt im Park,

sondern grenzt daran in der Wallgasse beim

Gürtel.

Die Vergrößerung schafft Platz für die Bedürfnisse

der Anrainer

In den stark verbauten Gebieten sehnen

sich viele nach mehr Grün- und Freiflächen.

Der Fritz-Imhoff-Park gewinnt knapp 2.000

Quadratmeter dazu. Der Park wird beinahe

doppelt so groß. Daher können die gestellten

Anforderungen nach Ruheräume und

Freiflächen genauso umgesetzt werden, wie

die Wünsche für mädchenspezifische Angebote

(Volleyball) oder einer Hundzone. „Der

neue Fritz-Imhoff-Park wird viele Funktionen

erfüllen können. Er wird Erholung geben

und Bewegungsräume bieten. Quasi, jedem

Mariahilfer das Gartenzimmer nach seinem

Geschmack,“ so Bezirksvorsteherin Renate

Kaufmann.

Foto: BV 6

NEU!

ST/A/R-BÜRO IN DER GUMPENDORFERSTRASSE 42 UND START DES 5JAHRESPLANS:

➤ WELTKULTURMETER GUMPENDORFERSTRASSE


54 ST/A/R Naschmarkt

Nr. 17/2008

Naschmarkt

Der Naschmarkt ist das Lieblingsrefugium für Hindunisten, Bobos,

Hobbyküche und Genussmenschen. Er ist Wiens größter Feinkostladen

und das kulinarische Herz der Stadt. Damit das so bleibt wird

in diesem Jahr an einem Entwicklungskonzept mit den Marktstandlern

und verschiedenen ExpertInnen der Stadt gearbeitet. Sie ziehen

einen Strang für das Ziel, dass aus dem Naschmarkt kein globalisierte

Einheitsbrei wird. Der Markt muss seine Identität erhalten und

stärken, damit er unverwechselbar bleibt. An einer neuen Marketingstrategie

wird eifrig gefeilt.

Damit sich der Naschmarkt weiterhin mit einem Höchstmaß an

Qualität auszeichnet, werden massive Umbauten der Infrastruktur

nötig. Kanal- und Wasserrohre sowie Gas- und Stromleitung müssen

ausgetauscht. Ein neues Müllkonzept realisiert werden. Dazu sind

auch gestalterische Schritte unausweichlich: Barrieren für

KundenInnen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, müssen

beseitigt werden. Die Beleuchtung am Markt ist zu verbessern. Die

Sanierung der Kapelle am Naschmarkt steht an.

Naschmarkt Wiener - Credit: tourismusverband

Das angebot:

Die Palette an heimischen, saisonalen und internationalen Lebensmitteln

und Spezialitäten, die der Naschmarkt bietet, sucht seinesgleichen.

Es gibt kaum etwas, was es am Naschmarkt nicht gibt. Das

verdanken wir dem Einsatz der Marktstandler, die dafür sorgen, dass

es täglich ein frisches und abwechslungsreiches Angebot zu kaufen

gibt.

Für einen gemütlichen Ausklang eines Einkaufsbummels laden die

vielen Schanigärten ein, wovon aus man das bunte Treiben am Markt

bestens beobachten kann. Gerade in den letzten Jahren hat sich hier

eine bunte Beisln-Szene etabliert. Sie trägt maßgeblich zur Belebung

des Marktes bei.

Der Mix aus Standlern und Gastronomie sollte im Gleichgewicht bleiben.

Auch daran wird in dem neuen Entwicklungskonzept für den

Naschmarkt gearbeitet. „Die Vielfältigkeit soll weiterhin die Menschen

begeistern,“ erklärt Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann.

Eiserne Hand


Nr. 17/2008 Buch VII - 6.Bezirk ST/A/R 55

Papas 1. Naschmarkt Freiluftgalerie

GOTT

Autobahntafel H. Gerngross 2008

Foto: Vinzenz Gruppe

Die Barmherzigen

Schwestern sind

in Mariahilf ein

wichtige soziale

Einrichtung.

Sie führen das

Krankenhaus,

ein Pflegeheim,

Kindergarten und

Schule im 6. Bezirk

Naschmarkt

Soziale kompetenz an einem ort

Die soziale Sicherheit aller Wiener liegt der Stadt und Mariahilf am Herzen. Es ist daher

beruhigend zu wissen, dass jedem geholfen wird. Gleichgültig in welcher Lebenssituationen

sich die Menschen befinden. „Im 6. Bezirk ist das soziale Netz besonders

eng geknüpft. Die Bewohner sind daher stolz in Mariahilf zu leben - in einem Bezirk

mit sozialem Gewissen,“ stellt Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann fest.

Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann bezeichnet Mariahilf gerne als den sozialsten Bezirk

Wiens, denn in keinem anderen sind so viele wohltätigen Organisationen untergebracht,

wie im Sechsten. Die Palette an Einrichtungen reicht vom Krankenhaus der

Barmherzigen Schwestern über das Aids Hilfe Haus, Sozial Global bis hin zur Gruft.

Die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser sozialen Institutionen greifen den

Menschen bei ihren Problemen fachkundig unter die Arme. Sie sind ein wichtiger Beitrag

dafür, dass das soziale Netz unserer Stadt, unseres Bezirkes den täglichen Belastungsproben

standhält. Und sie arbeiten jeden Tag hart daran.


56 ST/A/R

Buch VII - 6.Bezirk Nr. 17/2008

SICHERHEIT UND RUHE

EIN HEISSER TIP FÜR

BERLINGÄSTE

Unsere Bar in der Gumpendorferstr.,

Ecke Joanelligasse

Mariahilf setzt sich für Verkehrssicherheit

und gegen Verkehrslärm ein

2003 beschloss das Bezirksparlament eine flächendeckende tempo

30 Zone in Mariahilf. Die Umsetzung folgte auf den Fuß und

das Ergebnis spricht Bände:

Die Anzahl der Unfälle mit Personenschaden sank eklatant. 2003 waren es noch 153 Personen,

ein Jahr später nur noch 122 und 2006 129. Am Erfreulichsten ist jedoch, dass letztes Jahr

niemand auf den Straßen im 6. Bezirk ums Leben kam. Die Anzahl der Verletzten Personen reduzierte

sich seit 2003 um rund 30 Personen im Jahr. “Die Statistik belegt, dass das Unfallrisiko

mit der flächendeckenden Tempo 30 Zone im Bezirk niedriger wird,” erklärt Bezirksvorsteherin

Renate Kaufmann.

Die Tempo 30 Zonen machen den Verkehrslärm leiser. “Die Situation für die BewohnerInnen

wird gelindert. Ihre Lebensqualität steigt.” weiß die Bezirkschefin. Eine Korrektur in Sachen

Lärm nahmen die Wiener Linien bei ihrer Flotte vor. Auf dem Gumpendorfer Straße “flüstert”

nun die jüngste Autobus-Generation durch den 6. Bezirk.

Unfallschwerpunkten auf den Zahn gefühlt

Die Bezirksvorsteherin fühlt auch den Unfallschwerpunkten auf den Zahn und versucht sie

durch geeignete Maßnahmen zu beheben. “Auch wenn es nicht immer leicht ist, gegen Einwände

anderer sich durchzusetzen,” wie sie: “So konnten wir erst nach langen Verhandlung auf

der Gumpendorfer Straße beim Esterhazygasse die Leitwände aufstellen.” Hier donnerten die

Fahrzeuge bei nasser Fahrbahn gegen die Häuserfront.

Die Markierung von Radstreifen wirkte sich ebenso positiv aus: In den letzten beiden Jahren

pendelte sich die Anzahl der Unfälle mit den Pedalritter auf 24 ein. Ebenso schön: 2006 gab es

nur einen Vorfall auf einem Mariahilfer Schulweg.


Städteplanung / Architektur / Religion ST/A/R 57

Buch VIII - Tolstojewsky

LITERATUR

Gerngross in St.Petersburg im Jänner 2008

FJODOR DOSTOJEWSKI –

BANNSTEIN UND SYMBOL DER RUSSISCHEN KULTUR

Von Vera Biron, künstlerische Leiterin des Dostojewski-Museums in St.Petersburg

Im Bestreben die geheimnisvolle russische

Seele zu ergründen, suchen Leser aus aller

Welt bei den nach Harmonie strebenden,

diese jedoch nie findenden Helden Dostojewskis

Aufschluss. Jenen, die St. Petersburg einen

Besuch abstatten, sei das Haus in der Kusnetschij

pereulok No.5 ans Herz gelegt, in dem

Dostojewski die letzten Jahre seines Lebens

verbrachte und 90 Jahre nach dem Tod des

Schriftstellers (1971) das Dostojewski-Museum

seine Tore öffnete.

Den wichtigsten Bestandteil des Museums

bildet die ehemalige, aus sechs Räumen bestehende

Wohnung von Dostojewski mit seinem

Arbeitszimmer, dem Laboratorium des Schriftstellers,

in dem die Werke „Die Brüder Karamasow“

und die berühmte „Rede über Puschkin“

entstanden und zu dem nur engste Freunde

Zutritt erhielten. Auf dem Schreibtisch liegen

seine persönlichen Dinge: eine Füllfeder, sein

Portefeuille, eine Medikamentenschachtel und

ein Rezept. Dostojewski litt in seinen letzten

Tagen an einem Emphysem und obwohl ihm

die Ärzte das Rauchen aufs Strengste verboten

hatten, konnte er nicht anders als bei der Arbeit

rauchen, manchmal bis 40 Papyrosi pro

Nacht. Eine der Tabakschachteln ist im Gästezimmer

zu sehen, die Rückseite trägt die händische

Aufschrift von Tochter Ljuba: „Am 28.

Januar starb Papa …“

In den der Wohnung gegenüberliegenden

Räumen befindet sich die Literaturausstellung,

die das künstlerische Schaffen Dostojewskis

beleuchtet, das die schwierigen Umstände der

Epoche widerspiegelt. Mit 27 Jahren wurde

Dostojewski, bereits als gefeierter Schriftsteller

(„Arme Leute“, „Der Doppegänger“), wegen

seiner Zugehörigkeit zum revolutionären

Petraschewski-Kreis verhaftet und zum Tod

durch Erschießen verurteilt. Nach acht Monaten

Einzelhaft in der Peter-Paul-Festung wird

Dostojewskij auf der Hinrichtungsstätte die

Umwandlung des Todesurteils in vierjährige

Verbannung mit Zwangsarbeit in Sibirien und

anschließendem Militärdienst verkündet. Es

erfolgt die Deportation nach Omsk, wo Dostojewski

vier Jahre als gewöhnlicher Verbrecher

im Arbeitslager verbringt, danach verrichtet

er sechs Jahre Armeedienst in Semipalatinsk

(Kasachstan). Für zehn Jahre aus dem literarischen

Kontext gerissen durfte Dostojewski

erst 1860 als 39-Jähriger nach Petersburg zurückkehren.

Dennoch stellte die Periode nach

Ableistung der Zwangsarbeit eine des intensiven

literarischen Schaffens dar, es entstanden

die Romane „Aufzeichnungen aus dem

Untergrund“, „Schuld und Sühne“, „Der Idiot“,

„Die Dämonen“, „Der Jüngling“, „Die Brüder

Karamasow“.

Das Dostojewski-Museum verstand sich immer

als Kulturzentrum, das die Erinnerung an

den großen Schriftsteller, sein Leben und Wirken

bewahren sollte. Sowohl in Petersburg als

auch in den mehr als 30 Städten Westeuropas,

in denen sich Dostojewski aufhielt, besuchte

der an der „fließenden Realität“ interessierte

Schriftsteller Museen, neue Ausstellungen,

Premieren, Konzerte. In der Fortführung dieser

Tradition ist das Museum offen für alle

Richtungen der zeitgenössischen Kunst: bildende

Kunst, Theater, Film, Neue Medien …

Die monatlich wechselnden Ausstellungen

zeitgenössischer Künstler aus Petersburg und

anderen Städten und Ländern in den beiden

dafür vorgesehenen Sälen des Museums laden

die Besucher auch zu wiederholten Besuchen

des Wohnungsmuseums ein.

Hauptbetätigungsfeld des Dostojewski-Museums

ist das Theater. Zum 300jährigen Bestehen

der Stadt wurde der Kinosaal des Museums

renoviert und durch die großzügige

Unterstützung der norwegischen Regierung

das Dostojewski-Theater eingerichtet. Seit

1998 realisierte das Museum zahlreiche gemeinsame

Theaterprojekte mit dem St. Petersburger

Weißen Theater und dem Theater

„Puppenformat“. Die Kooperation mit den

beiden Profi-Kollektiven ermöglichte 2003 mit

Unterstützung des Fonds Penal Reform International

die Aufsehen erregende Inszenierung

nach Dostojewskis „Aufzeichnungen aus

einem Totenhaus“ mit inhaftierten Jugendlichen

der berüchtigten Besserungskolonie in

Kolpino.

Zahlreiche Inszenierungen wurden mit Nominierungen

und Preisen bedacht: „Nora“– 4

Nominierungen für die „Goldene Maske

2003“ (Beste Inszenierung, Beste Regie, Beste

weibliche und bester männliche Darsteller);

Gewinner des virtuellen Preises des größten

russischen Internet-Theaterforums „Bravo!“

(2004). „Reiter cuprum“ – 2 „Goldene

Masken 2005“ (Bestes Puppentheater, Beste

Regie). 2006 erfolgte die Teilnahme als einziges

russisches Theater am internationalen

Ibsen-Festival in Norwegen sowie mit dem

Stück „Verbrechen“ an den Festivals „Europas

Schauspieler-2006“ und „Ohrider Sommer“

in Mazedonien, wo es den ersten Platz errang

und mit dem „Goldenen Apfel“ ausgezeichnet

wurde. Im Mai 2007 fand die Premiere des

Performancestückes „Ibsen-Strindberg“ statt.

Diese außergewöhnlichen und krassen Persönlichkeiten

mit ihrem schwierigen Charakter,

komplexen Beziehungen, verborgenen Leidenschaften,

dem „Underground“ nahe stehenden

Empfinden könnten durchaus selbst Helden

eines Dostojewski-Romans sein. Die moderne

Interpretation des Stückes stellt die ewigen

Fragen über Einsamkeit, menschliche Würde,

Haltung zur „Frauen-Frage“ und erzählt das

Drama der inneren Hassliebe der beiden Genies

Strindberg und Ibsen, die der Suche nach

dem Sinn des Lebens und der Selbstäußerung

in der Kunst auf sehr unterschiedliche Weise

nachgingen. Im Mai 2008 wird die Premiere

von „Panik. Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs“

nach dem gleichnamigen

Stück des populären finnischen Dramaturgen

Mika Muukkonen., in dem die bekanntesten

Schauspieler St. Petersburg zu sehen sein werden,

im Dostojewski-Museum stattfinden.

Im „Schwarzen Kabinett“ des Dostojewski-

Museums werden neben Inszenierungen der

Partner (Weißes Theater, Theater „Puppenformat“

und „So ein Theater“) auch Stücke von

ausländischen Theaterkollektiven aus Frankreich,

der Schweiz, Polen und Japan aufgeführt

und zahlreiche Festivals („Weihnachtsparade“,

„Monokel“, „Cookart“, „Wort und Körper“,

„Kindermuseum“) durchgeführt. Das Dostojewski-Museum

ist ein bekannter Ort für

Buch- und Zeitschriftenpräsentationen, Literaturveranstaltungen

und Schriftstellertreffen.

Dostojewski ist eine Visitenkarte der besonderen

Art für St. Petersburg. Die unvergleichliche

Atmosphäre, die das Haus in der Kusnetschij

pereulok auszeichnet, zieht einen immer

größer werdenden Kreis von Menschen in ihren

Bann. Eben hier soll auch die Idee eines

Welt umspannenden Raums der „Kultur ohne

Grenzen“ realisiert werden.

Als „grenzenlose“ Liebe zu dem Schriftsteller

kann auch das Faktum aufgefasst werden,

dass unbekannte Dostojewski-Fans bereits

zweimal die Straßenbeschilderung des Museums

entwendeten. „Nicht zufälliger Zufall“

(nach Dostojewski) war es dann, dass der

bekannte österreichische Architekt Heidulf

Gerngross seine Zeitschrift ST/A/R genau zu

dem schilderlosen Zeitpunkt im Theatersaal

des Museums präsentierte. Sein erster Satz

beim Betreten des Museums: „Ich schenke

dem Museum eine neue Tafel, wollen Sie?“ Er

erklärte seine einzigartige Form, den „Archiquanten“

und bekundete seine Freude, einen

solchen auf einem der bedeutendsten Häuser

St. Peterburgs zu wissen. Für das Petersburger

Dostojewski-Museum, das über weit reichende

Verbindungen in die unterschiedlichsten Ländern

der Welt verfügt, ist es eine große Ehre,

dieses geschätzte Geschenk aus Österreich

anzunehmen, das zweifellos den Beginn für

weitere freundschaftliche Beziehungen und

Kooperationen darstellt.

Die Tafel wird am 17. Mai 2008, an dem auch

die internationale „Lange Nacht der Museen“

stattfindet und alle Museum bis 1 Uhr nachts

geöffnet sein werden, unter musikalischer und

dramaturgischer Begleitung enthüllt. Möglicherweise

zeigt er sich selbst … der Schriftsteller.

Dostojewski war zwei Mal in Wien, 1862 und

1869, und Wien gefiel ihm besser als Paris …

Wahrscheinlich kein Zufall!

Von Vera Biron (Deutsch von Valie Airport)

Dostojewski-Museum, Kusnetschnij per. 5/2, St. Petersburg

Metro: Wladimirskaja / Dostojewskaja

Öffnungszeiten: Di.-So. 11.00 – 18.00 Uhr, Mo. - geschlossen

Einer von 6. Entwürfen als Autobahntafel


58 ST/A/R

Buch VIII - Tolstojewsky Nr. 17/2008


Nr. 17/2008 Buch VIII - Tolstojewsky

ST/A/R 59

Frechtaler geht ab.

Der Pirat kommt, mit einem Buch in der

Hand zurück.

DER PIRAT: Wo ist denn der Thomas?

MARIE: Der is raus telefonieren gegangen.

DER PIRAT: Ah so, dann wart ich noch.

(blättert in seinem Buch)

Alle rauchen, trinken, schweigen.

DER PIRAT: Was ist denn jetzt mit dem

Frechtaler? (geht ab, man hört ihn rufen)

Thomas? (kommt zurück)

Wisst ihr was, der ist abgehauen. (zu

Marie) Hat er seine Schulden gezahlt?

MARIE: Nicht mal das Bier, das er jetzt

getrunken hat.

DER PIRAT: Das ist wieder einmal typisch!

Dieses Arschloch! Na warte, wenn ich den

das nächste mal erwische, der kann was

erleben! (mit geballter Faust, wütend) Dem

werd ich´s noch zeigen!

vorläufiges ENDE

Der Pirat

Die Stückschreiberin Christina

Thomas

Frechtaler

Marie

DIE GROSSEN DICHTER (kurzversion)

ein dramolett von melamar

Zeit der Handlung: Jetzt

Ort der Handlung: Eine Literatenkneipe

Die Personen:

Der Pirat

Die Stückschreiberin Christina

Marie

Thomas Frechtaler

Marie hinter der Bar, die Stückschreiberin

und der Pirat sitzen auf Barhockern.

DER PIRAT: Hoffentlich kommt der

Thomas heute nicht. Es beschweren sich

schon so viele Leute darüber wie er sich

aufführt.

MARIE: Zumindest soll er nicht

angesoffen herkommen.

DIE STÜCKSCHREIBERIN: Wann ist der

schon nüchtern?

DER PIRAT: Wenn er angesoffen ist, fliegt

er sowieso gleich raus.

MARIE: Und wer schmeißt ihn raus? Du?

Alle grinsen.

MARIE: (zur Stückschreiberin): Aber du,

Christina, dein Stück über den Thomas

hat mir gefallen, ehrlich, du schreibst es

einfach auf wie es ist.

der Pirat nickt zustimmend

FRECHTALER (der von den anderen

unbemerkt den Raum betreten hat, zur

Stückschreiberin, mit stolzer Miene): Du hast

ein Stück über mich geschrieben? Zeig her

dein Stück über einen Dichter.

DER PIRAT: Wenn man vom Teufel

spricht...

FRECHTALER (zum Pirat): Na, na, na, nix

Teufel, ich bin´s der Dichter.

Alle grinsen.

DIE STÜCKSCHREIBERIN: Da ist es,

kannst es eh lesen. Es heißt „der große

Dichter“ (gibt ihm ein Blatt Papier)

FRECHTALER (geschmeichelt): Ein

schöner Titel. Und das ist tatsächlich über

mich?

DIE STÜCKSCHREIBERIN: Ja

FRECHTALER (nimmt das Papier entgegen):

Oh, so kurz! Nur zwei Seiten?

DIE STÜCKSCHREIBERIN: Das ist eben

mal der Anfang

FRECHTALER (versöhnt): Ah so, verstehe.

(zu Marie) Und du gib mir ein Bier bitte.

Marie zögert.

FRECHTALER: Heute hab ich eh Geld

dabei, ich zahl dir heute alles weg, was ich

noch an Schulden habe.

Marie öffnet eine Bierflasche, gibt sie

Frechtaler.

Frechtaler beginnt zu lesen. Er liest schnell

und (wie) für sich selbst alle Rollen inkl.

Namen und Regieanweisung.

FRECHTALER:

Der große Dichter

Frechtaler: Ich bin ein großer Dichter!

Frechtaler: Ich bin ein großer Dichter!

Der Pirat: Geh Thomas, du musst immer

deine Klappe aufreißen. Hast du sonst

nichts zu tun?

Frechtaler: Ich bin ein großer Dichter!

Marie: Thomas halt endlich die Goschn!

Frechtaler: Was ich gesagt habe war ganz

einfach die Wahrheit. (laut brüllend:)

Denn ich bin ein großer Dichter! Und ich

wiederhole es: Ich bin ein großer Dichter!

Frechtaler hat das Stück fertig gelesen.

FRECHTALER (zur Stückschreiberin): Ich

habe dein Stück gelesen. Und weißt du was

ich davon halte? (kurze Pause) Gar nichts.

Du stellst mich in einer Weise dar wie...

(kurze Pause) So bin ich gar nicht. Mein

Charakter ist viel komplexer. Du, du stellst

mich so hin, als würde ich die ganze Zeit

nur herumschreien: Ich bin ein großer

Dichter!

DIE STÜCKSCHREIBERIN: Tust du aber.

Alle außer Frechtaler grinsen:

MARIE: Ja genau, die Christina hat recht,

so wie sie dich in dem Stück beschrieben

hat, genau so stellst du dich selbst dar

Thomas! Begreif das einmal!

FRECHTALER: Du misch dich nicht

ein, ich rede gerade mit der jungen Frau

da, die diesen kurzen Text über mich

geschrieben hat. Ein Stück, das übrigens

gar nicht gelungen ist! Sie tut so, als wäre

ich irgendsoein Typ, der noch nie ein

Gedicht geschrieben hat und der dann

herumplärrt, dass er ein großer Dichter

ist. Aber so bin ich gar nicht. (kurze Pause,

dann, mit diebischem Grinsen) Denn ich bin

ein großer Dichter!

DER PIRAT: Jetzt gib nicht so an Thomas,

is ja widerlich.

FRECHTALER (schreiend): Ich geb

überhaupt nicht an. Ich wehre mich nur

gegen dieses einseitige Stück, das meinem

poetischen Naturell nicht gerecht wird.

DIE STÜCKSCHREIBERIN: Aber Thomas,

ich weiß, dass du großartige Gedichte

geschrieben hast, das ist eine Seite, aber

wie du dich aufführst, ist eine andere

Geschichte. Du glaubst du musst immer

im Mittelpunkt stehen, immer nur du, du

störst jede Veranstaltung...

FRECHTALER: Wo? Wo hab ich jemals

eine Veranstaltung gestört?

MARIE: Etliche!

DER PIRAT (grinsend, sich am Nacken

kratzend): Der Frechtaler hat noch nie eine

Veranstaltung gestört? Das soll wohl ein

Witz sein.

DIE STÜCKSCHREIBERIN: Meine

Lesung letztens hast du auch gestört.

FRECHTALER: Ich habe deine Lesung

überhaupt nicht gestört.

Alle außer Frechtaler grinsen.

FRECHTALER: Ich habe bloß ein paar

Fragen gestellt. Oder hast du Angst vor

einer offenen Diskussion? (die rechte Faust

in die linke Handfläche ballend, Anspannung

verratend)

DER PIRAT (wie zu sich selbst, grinsend):

Besoffen war er, sonst gar nix.

FRECHTALER (zur Stückschreiberin): Das

ist eine gemeine Unterstellung! Du weißt

genau Christina, dass ich dich sehr schätze

als eine durchaus talentierte, jüngere

Kollegin. Manche von deinen Gedichten

sind gar nicht so schlecht. So wie... wie war

das eine? Die Einsamkeit tanzte mit einem

jungen Mann...?

STÜCKSCHREIBERIN: Nein, es geht:

irgendwo tanzt einer / mit der einsamkeit

/ braut ist sie ihm geworden / und stiller

diamant / ihr trauersatter blick / ziellos

belegt er ihre hüften / mit feiner hände

hauch / kein glück kann zärtlicher

ihn stimmen / als der zauber dieses

traumdurchtränkten augenblicks

FRECHTALER: Sehr schön, da hast du

ein sehr schönes Gedicht geschrieben.

Ein bisschen zu klassisch vielleicht,

ein bisschen kitschig, aber sonst nicht

schlecht, dafür, dass du noch so jung bist,

nicht einmal dreißig.

DIE STÜCKSCHREIBERIN (mit ironischem

Unterton): Danke

FRECHTALER (den ironischen Ton

überhörend): Nein! Ich mein das ernst! Du

brauchst dich nicht zu bedanken, ich habe

dir kein Kompliment gemacht. Ich will

nichts von dir, warum sollte ich dir also

ein Kompliment machen? Ich habe dir

nur meine Meinung gesagt, du hast ein

schönes Gedicht geschrieben.

DER PIRAT: Die Christina hat schon mehr

als ein gutes Gedicht geschrieben.

FRECHTALER (grinsend): Kannst du das

denn beurteilen? Seit wann hast denn du

eine Ahnung von Lyrik?

DER PIRAT: Frechtaler halt endlich

einmal deine Klappe! Was willst du

überhaupt? Führ dich nicht auf, sonst

fliegst du raus. Außerdem hab ich schon

mehrere Gedichtbände veröffentlicht,

zuletzt den Band „Gesänge eines der Gosse

entstiegenen Engels“

FRECHTALER: Wem erzählst du das?

Habe ich dir nicht das Buch lektoriert?

DER PIRAT: Ja stimmt, aber damals hast

du noch nicht so viel gesoffen. Da konnte

man mit dir noch normal reden. Aber jetzt,

schau dich an Thomas, du bist ein Wrack.

Du bist fertig. Du solltest auf Therapie

gehen, dass du wieder runter kommst von

dem Scheiß Alk…

FRECHTALER: Ich auf Therapie gehen?

Wenn hier einer eine Therapie braucht,

dann bist du das. Schau dich im Spiegel

an. Ich brauche keine Therapie. (an alle:)

Denn ich bin ein Dichter, wisst ihr das

nicht? Die Poesie ist meine Therapie. Oder

wisst ihr gar nicht, was das ist: Poesie?

FRECHTALER (schreiend): Ich werde euch

zeigen, was Poesie ist. (zum Pirat:) Gib mir

eines von meinen Büchern, ich möchte

euch etwas vorlesen.

DER PIRAT: Nur wenn du´s gleich

bezahlst, sonst geb ich dir keines.

FRECHTALER: Wieso nicht?

DER PIRAT: Wozu soll ich dir ein Buch

in die Hand drücken? Damit du es klauen

kannst? Glaubst du ich bin bescheuert?

FRECHTALER (schreiend): Ich habe noch

nie ein Buch gestohlen! Das habe ich gar

nicht nötig. Außerdem ist es mein Buch,

ich hab es geschrieben!

MARIE: Die hier sind aber unsere

Exemplare, die verkaufen wir.

FRECHTALER: Ihr könnt einen Dichter

nicht aufhalten.

alle lachen

FRECHTALER (völlig ernst): Ein wahrer

Dichter ist unbesiegbar. (Pause, dann, als

würde er einen Fluch ausstoßen:) Ich weiß

meine Gedichte auswendig.

alle grinsen

FRECHTALER (mit triumphierender Miene):

Rattenherz, lyrikzerfressenes, kriech hervor

aus deinem feuchtengen Loch, in dem

du, schon halb erblindet, quadrillierter

Schwermut noch eine KUNSTSONNE

gebastelt hast * Rattenherz, embolides,

beblüme die Gräber, solange ein – wenn

auch scheußlicher – Odem noch deine

Fasern streckt * Schläue soll deine

Panzerung, Milde dein Heilkraut sein,

wenn du, Psalme der Loskettung zitierend,

einen letzten, poetologischen Holocaust

choreographierst *

kurzes Schweigen

DER PIRAT: Der schon wieder mit seinem

Holocaust! Können wir denn von nichts

anderem reden? Gibt es nicht andere

Probleme, die viel aktueller sind? Ist das

was die Israelis mit den Palästinensern

machen, nicht auch ein Holocaust?

MARIE (zum Pirat): Hey, jetzt brems dich

mal ein! So einfach ist das nicht.

STÜCKSCHREIBERIN (zum Pirat): Also

ja, das geht jetzt wirklich zu weit! Du

fängst ja schon so an wie der Thomas, der

neigt auch zu diesen Vereinfachungen!

Ich denke doch, dass wir es hier mit einer

Metapher zu tun haben...

FRECHTALER: (zum Pirat) Hast du

gehört? …wenn du, Psalme der Loskettung

zitierend, einen letzten, poetologischen

Holocaust choreographierst * Einen

poetologischen Holocaust! Von den Juden

hast du gesprochen, du allein, mein

Holocaust ist poetologisch.

DER PIRAT: Du spinnst ja.

Schweigen

MARIE: Na ja, darin hat der Thomas

zumindest recht, dass „poetischer

Holocaust“ was anderes ist als der

historisch gegebene Holocaust.

STÜCKSCHREIBERIN: Bleibt die Frage,

was mit „poetischer Holocaust“ gemeint

ist. Das könnte ja allerhand heißen... (lacht)

DER PIRAT: Quatsch, das heißt überhaupt

nichts. Der Thomas ist einfach ein

Spinner, der irgendein wirres Zeug

aufschreibt. „poetischer Holocaust“ so ein

Schwachsinn!

MARIE: Das würd ich nicht sagen.

DIE STÜCKSCHREIBERIN: Ich auch

nicht.

FRECHTALER (schreiend): Poetologischer

Holocaust! Es heißt poetologischer

Holocaust, nicht poetischer, ihr

Ignoranten!

DER PIRAT: Schluss jetzt mit dem

Theater, jetzt les ich einmal ein paar

Gedichte von mir. Ich geh nur schnell

mein Buch holen. (geht ab)

MARIE (grinst): Da können wir ja gespannt

sein!

Alle grinsen.

Ein Mobiltelefon läutet, Frechtaler greift in

seine Jackentasche, zieht sein Telefon heraus.

FRECHTALER: Hallo? … Wie Bitte? .. Es

tut mir leid, ich hab hier einen schlechten

Empfang, Moment Bitte, ich geh mal kurz

vor die Tür.


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VIII - Tolstojewsky ST/A/R 61

VULVA NATIUM oder

WO DIE VÖLKER GEBOREN WERDEN UND WOHIN SIE STREBEN

Wer kann heute auf die Frage, wonach

Alexander der Große strebte, als er

den Beschluss fasste sein Imperium

weiter nach Osten auszudehnen und Indien

- ein für die Griechen legendäres Land, über

das sie nichts wussten - zu erobern, eine klare

Antwort geben? Oder die Mongolen mit der

Eroberung der ihnen unbekannten Territorien

im Westen. Und die Osmanen mit ihrem

Bestreben Europa einzunehmen? Was wollte

der Korse Napoleon Bonaparte als Führer der

republikanischen Armeen Frankreichs? Und

was beabsichtigte Hitler tatsächlich mit dem

Vorstoß seiner Millionen-Mann-Armee gegen

Osten in Richtung der unermesslichen Weiten

Sibiriens, dem so genannten Drang nach

Osten?

Was suchten die Griechen, Franzosen

und Deutschen im Osten, die Mongolen

und Türken im Westen? Was bewegte die

Eroberervölker und ihre Heerführer wirklich?

Profitgier? Streben nach der Weltherrschaft?

Andere wichtige Motive, verborgene intuitive

höhere Ziele? Und wenn, welche zu welcher

Zeit?

Eine Antwort auf die Frage befindet sich in

den Nazi-Archiven, die 1945 aus Deutschland

nach Moskau überstellt wurden. Diese

stehen jedoch noch immer unter Verschluss

und sind Forschern und Wissenschaftern

unzugänglich. Einzigartige Informationen

zu dieser Frage lieferte das mündliche

Zeugnis von Major Andrej Gradusow, eines

sowjetischen Offiziers, der nach Ende des

Zweiten Weltkriegs im Zuge der folgenden

Säuberungswelle des Kommandostabs der

Roten Armee in Österreich verhaftet worden

war. Stalin bedurfte keiner Sieger, er brauchte

Sklaven, die fügsame, Angst besessene Masse.

Zu jener Zeit wurde eine enorme Anzahl

von Militärangehörigen, die Zugang zu

gewissen Geheimnissen, darunter auch

Geheiminformationen über das Dritte Reich,

erhalten hatten und der politischen Illoyalität

verdächtigt wurden, in die Gulags verbannt.

Die Mehrheit von ihnen lebt nicht mehr, die

einen kehrten aus den Lagern nicht wieder

oder starben vor der Glasnost. Die anderen

schweigen einfach.

Ich traf Major Gradusow 1999 in Nowosibirsk

auf meiner zweimonatigen Sibirienreise

mit Günther Geiger, dem Herausgeber

der österreichischen Literaturzeitschrift

„Wienzeile“. Andrej Gradusow zog unsere

Aufmerksamkeit auf sich, als er seine

Militärorden, darunter Medaillen mit den

Aufschriften „Für die Eroberung von Budapest“,

„Für die Eroberung von Wien“ und „Für den

Sieg über Deutschland“ auf dem Nowosibirsker

Flohmarkt unweit des Bahnhofs verkaufte. Ich

kaufte ihm die Medaillen ab und lud ihn auf

ein Bier beim nächstgelegenen Ausschank ein,

wo aufgrund fehlender Gläser und Becher,

das Bier in Essiggurken-, Kirschkompott- und

anderen Konservengläsern ausgegeben wurde.

Ich bestellte jedem von uns ein Literglas, was

das Herz des Veteranen, der sich nur ab und zu

ein kleines Mayonnaiseglas des Gerstensafts

leisten konnte, höher schlagen ließ.

Wir kamen ins Gespräch. Major Gradusow

beklagte sich über das Leben. Die Pension

reichte bei weitem nicht. Mit dem „schwarzen

Dienstag“ 1998 hatte er sein ganzes Geld,

das aus dem Verkauf seiner Stadtwohnung

stammte, verloren und lebte, am Hungertuch

nagend, auf der Datscha. Wir trafen uns auch am

darauf folgenden Tag. Dieses Mal bestellte ich

ihm gleich drei Liter Bier in einem Riesenglas

für bulgarische Salzgurken. Gradusow trank,

das Glas in beiden Händen, gierig das kühle

Bier der Marke „Schiguljowskoje“. Mich

interessierte die Geschichte über seinen

Aufenthalt in Österreich nach Kriegsende.

Und er begann wirklich zu erzählen. Dass

er ein österreichisches Mädchen hatte und

sich sogar verliebte. Wie er verhaftet wurde.

Danach erging er sich in Erinnerungen über

das Lager. Vieles ging bei einem Ohr hinein,

beim anderen heraus. Solschenizyn hatte

längst alles beschrieben. Das Schicksal von

Millionen.

„Und damals offenbarte er mir die wahren

Ziele Hitlers …“

„Wer?“ Ich wurde hellhörig, die Worte

Gradusows brachten mein Gehirn in Fahrt.

„Welche Ziele?“

„Der Übersetzer, der von 1946-47 ebenfalls

im Lager am Kolyma-Fluss interniert war, dann

wurde er – keine Ahnung wohin - deportiert.

Wahrscheinlich liquidiert. Er wusste zuviel.

Er saß überhaupt deswegen, weil er zu viel

wusste. Er hat mir seine Lebensgeschichte

erzählt, seine Erinnerungen mit mir geteilt.

Ich habe ihn nicht wieder gesehen, und zu

dem Thema habe ich seitdem nichts mehr

gehört. Vielleicht gibt es auch niemanden

mehr außer mir, der darüber berichten kann.

Die seinerzeit von der Reichskanzlei in Berlin

angelegten Archive wurden unter Verschluss

gestellt, und der Menschen, die einen Blick

in die Archive werfen konnten, entledigte

man sich. Selbst die deutschen Mitarbeiter

der Kanzlei, die in Kriegsgefangenschaft

geraten waren, sandte man nach Moskau, wo

sie verhört und allesamt an die Wand gestellt

wurden. Und anschließend die, die das Verhör

geführt hatten. Wahrscheinlich erschoss man

noch die Exekutoren. Das war die normale

Praxis in jener Zeit …“

Ein Frösteln durchlief meinen Körper.

Gradusow setzte einen nachdenklichen Blick

auf und nahm einen langen Schluck Bier aus

dem Konservenglas.

„Erzählen Sie schon“, ersuchte ich ihn. „Das

ist hochinteressant!“

„Es ist schrecklich“, antwortete der Major.

Ich platzte fast vor Neugier.

„Ja“, fuhr er nach einer kleinen Pause fort.

„Das waren schreckliche Zeiten, obwohl

auch die Gegenwart auf ihre Art furchtbar

ist. Die Versäumnisse der letzten Jahre, die

ungebändigte Kriminalität und Korruption,

die Macht der Oligarchen und Marionetten

Putins …“

„Sie sind vom Thema abgekommen“, warf

ich ungeduldig ein.

„Nun denn“, Major Gradusow seufzte tief,

„damals im Frühjahr und Sommer des 45er

Jahres wirkte er an der Analyse und Sortierung

der Nazi-Archive sowie ihrer Überstellung

nach Moskau mit. Voluminöse, mit dem

Vermerk `Top Secret` versehene Aktenmappen

mit dem Titel `VULVA NATIUM` erregten

seine Aufmerksamkeit. Wissen Sie, was das

bedeutet?“

„Trotz meiner Lateinkenntnisse kann ich

nur raten“, erwiderte ich, „Wenn ich mich

nicht irre, bezeichnet `Vulva` das weibliche

Geschlechtsorgan, wahrscheinlich den

äußeren Teil im Unterschied zu `Vagina`, dem

inneren Teil. `Natium` bedeutet Nation, Volk.

Das heißt, `vulva natium` ist DER Ort, woher

die Nationen, die Völker stammen …“

„Vollkommen richtig“, bestätigte Gradusow

mit einem Nicken. „Woher sie stammen und

wohin - füge ich hinzu, denn dies ist wichtig

- sie streben.“

„Phantastisch!“, entfuhr es mir.

„Dieser Titel interessierte ihn und er begann

die Akten genauer unter die Lupe zu nehmen.

Sie enthielten Dokumente zu den Forschungen

deutscher Wissenschafter über die Herkunft

der deutschen Nation, der Arier.“

„Es ist im Prinzip eine bekannte Tatsache,

dass die Arier aus Indien nach Europa kamen“,

warf ich ein.

„Nicht aus Indien, aus Tibet“, präzisierte

Gradusow. „Das sind unterschiedliche

Dinge. In Tibet hatte Hitler seine äußerst

repräsentative diplomatische Mission.“

„Auch das ist keine Neuigkeit, auf Befehl

Hitlers wurden Lehrstühle für Tibetologie an

den großen Universitäten des Dritten Reiches

eingerichtet. Aus Indien und Tibet entlehnten

sich die Nazis auch ihre Symbolik.“

„Natürlich“, stimmte der Major zu. „Doch

haben Sie je etwas über die VULVA NATIUM

erfahren?“

„Nein“, gab ich zu, „aber reden wir morgen

weiter, ich gehe ins Internetcafe und sehe dort

nach. Möglicherweise steht diese Information

schon längst im Netz.“

„Wie Sie meinen“, mein Gegenüber

war eingeschnappt. „Dann gehen Sie ins

Internetcafe. Viel Glück bei Ihrer Suche! Ich

werde auf alle Fälle morgen um zehn Uhr hier

sein und auf Sie warten. Und damit Sie es

wissen, wenn Sie kommen, wird Sie das ein

weiteres Bier kosten.“

Am darauf folgenden Tag erstand ich

wieder ein Dreiliterglas frisch gezapftes Bier

für Andrej Gradusow. Er triumphierte und

bedachte mich mit einem leicht verächtlichen,

seitlichen Blick. Das Internet hatte im Zuge

der intensiven und hartnäckigen Recherche

in allen bekannten Suchmaschinen Millionen

und Abermillionen von Vulven, jedoch kein

Ergebnis mit der Wortkombination `natium`

ausgespuckt. VULVA NATIUM existierte

nicht.

„Sie haben Recht“, gestand ich ein. „Im

Internet ist keine `vulva natium` zu finden.

Kein einziger Eintrag irgendwo.“

„Das dachte ich mir“, frohlockte der Major.

„Sie wollten mir ja keinen Glauben schenken

…“

„Dafür glaube ich Ihnen jetzt.“ Ich meinte

es ehrlich.

„Die Zeit und Möglichkeit, die Dokumente

genau zu studieren, hatte unser Übersetzer nicht,

da dies nicht in seinen Verantwortungsbereich

fiel. Er sollte die Archive ordnen und zum

Abtransport nach Moskau in Kisten verpacken.

Doch die Neugier zwang ihn, die Akten

durchzusehen und eilig einige darin enthaltene

Dokumente zu überfliegen. Vor allem las er die

Definition des Begriffes VULVA NATIUM, der

zufolge es sich um jenen Ort handelt, woher

und wohin die Völker streben. Es handelt

sich jedoch nicht um einen einzelnen Ort auf

dieser Welt. Solche Orte gibt es mehrere. Die

nationalsozialistischen Gelehrten belegten

nur zwei davon mit wissenschaftlicher

Präzision. Einen im Himalayagebiet in Tibet,

den anderen in Europa, in den Bergregionen

Transsilvaniens auf dem Territorium des

heutigen Rumäniens …“

„In Rumänien?“, staunte ich.

„Genau in Rumänien“, bestätigte

Gradusow.

„Nicht zufällig dort, wo Graf Dracula lebte?“

„Genau dort.“

„Sehr mystisch!“

„Keineswegs. Graf Dracula schützte die

rumänische Vulva natium vor der türkischen

Vereinnahmung. Sehen Sie selbst, die Türken

eroberten die Balkanhalbinsel, stießen nach

Österreich vor, belagerten Wien. Mit einem

Wort, sie umzingelten Transsilvanien,

gelangten jedoch nicht in die Vulva natium.

Natürlich war dies ein intuitives Vorgehen

der Türken. Ähnlich den Mongolen, die bis

nach Ungarn vorstießen. Hitler jedoch ging

auf Nummer Sicher. Er wusste genau, was er

wollte …“

„Warum eroberte er dann Transsilvanien

nicht?! Aus Angst vor Dracula? Rumänien

und sein Diktator Antonescu waren doch

Verbündete Deutschlands!“

„Die rumänische Vulva interessierte

Hitler nicht, es war nicht die Vulva, die er

suchte. Die transsilvanische Vulva natium

zieht offensichtlich nur die türkischen und

mongolischen Rassen an. Hitler zog es in die

himalayische Vulva natium. Wie übrigens

auch Alexander der Große, Napoleon und die

Briten, die nach Indien vorstießen. Aber ich

wiederhole, im Gegensatz zu allen übrigen

Eroberern, die aus Intuition handelten, ging

Hitler absolut bewusst vor. Seine Gelehrten

studierten das Problem und arbeiteten einen

Strategieplan aus.“

„Beachtlich!“

„Ja.“

„Doch aus welchem Grund wurden die

Archive nicht der Öffentlichkeit zugänglich

gemacht?“

„Ich glaube, sie wurden nicht einmal analysiert

und erforscht. Man hat sie vielmehr unter

Verschluss gestellt und versteckt, wie andere

Nazi-Archive auch, zum Beispiel die Resultate

der medizinischen Menschenexperimente.

Erinnern Sie sich, am Beginn der Perestrojka

war dieses Material zugänglich, damals gab

es vereinzelte Publikationen darüber, wie

deutsche Ärzte einen menschlichen Kopf

vom Rumpf getrennt hatten, der Kopf weiter

sprach und der Körper sich bewegte. Doch die

Archive wurden schnell wieder gesperrt und

für geheim erklärt.“

„Ja, die Archive stehen nach wie vor unter

Verschluss.“

„Urteilen Sie selbst, wozu kann die

Veröffentlichung der Information über die

Vulva natium führen! Umso mehr als sie

auf Befehl Stalins in Sicherheit gebracht

wurde. Nur aufgrund seiner persönlichen

Bestrebungen und Intrigen eroberten Mao Tse-

Tungs Truppen das unabhängige Tibet! Dieses

Territorium hat nie zu China gehört und war

für die Chinesen weder von strategischem

noch wirtschaftlichem Interesse. Sie stellten

ganz einfach die Vulva natium unter ihren

Schutz.“

„Ja, die chinesischen Kommunisten sind

weit schrecklicher als Graf Dracula!“

„Darin stimme ich voll und ganz mit Ihnen

überein.“

„Doch was hätte es Hitler gebracht, hätte er

es geschafft nach Tibet vorzudringen und seine

heiß begehrte Vulva natium zu erobern?“

„Ich denke, dasselbe würde die Eroberung

Transsilvaniens den Türken, Mongolen

und Chinesen bringen: die Weltherrschaft!

Die Freisetzung ungeheurer Energien,

deren Resultate unvorhersagbar sind, die

grundlegende Änderung der Weltordnung.“

„Ich bin für eine sofortige Öffnung der

Hitler-Archive!“, entfuhr es mir.

„Das bin ich auch …“, Major Gradusow

lächelte spöttisch und leerte bedächtig sein

ehrlich verdientes Bier.

Wladimir Jaremenko-Tolstoj

Nowosibirsk/Wien

Deutsch von Marie

supported by

Wien

Kultur

Museum moderner Kunst

Frankfurt am Main

RELIGION UND KULTUR

Von Bischof Arsenij übersetzt von Valie Airport

Im gesellschaftlichen Leben haben Kultur und

Kunst das geistige Primat inne. Weder in der

Politik noch in der Wirtschaft, sondern in der Kultur

werden die Ziele der Gesellschaft verwirklicht. Ein

hohes kulturelles Niveau gilt als qualitativer Maßstab

für den Wert und die Qualität einer Gesellschaft.

Die russischen Religionsphilosophen haben oft

und ausführlich nachgedacht über die Verbindung

von Kultur und Religion, den eklatanten Bruch

und die Notwendigkeit der Synthese der beiden

Begriffe, infolge derer ein neues ganzheitliches

Bewusstsein im Entstehen sei. Der russische

Theologe Georgij Florowskij erklärte: „In Russland

ist nur das wirklich kulturell, was wirklich geistlich

ist.“ Die Spaltung des Lebens in „Säkulares“ und

„Geistliches“, das Außer-Geistliche und Außer-

Religiöse (teilweise auch Anti-Geistliche und

Anti-Religiöse) der modernen Kunst und Kultur

und das Außer-Kulturelle (oft Anti-Kulturelle) der

heutigen Kirche führt sogar bei denen zu einem

Zwiespalt und einer doppelten Buchhaltung, die

sich der gesamthistorischen Relativität und der

dieser Entzweiung innewohnenden Abnormität

bewusst sind. Eine wirklich christliche, geistliche

Kultur zu schaffen und Leben in den kirchlichen

Reihen zu erwecken, den Gegensatz von Geistlichem

und Weltlichem innerlich zu überwinden, ist die

historische Aufgabe des geistigen Schaffens einer

zeitgemäßen Kirche und Menschheit.

Dieser Gedanke missfällt wahrscheinlich vielen

Kirchenmännern der alten Schule. Sie denken sich

die Kirche als vollkommene Ganzheit segensreicher

Gaben, die es nur gilt nach der Überlieferung zu

bewahren, und daher ist jede Diskussion über

neues Schaffen für sie fehl am Platz. Infolge dieser

Einengung des Kirchenbegriffs wird sie bloß als

Kirchengebäude wahrgenommen, nicht jedoch als

geistliche Menschheit, geistliche Kultur, geistliche

Gesellschaft. Der Anschauung, gemäß derer der

Kirche nur bewahrende und schützende Funktion,

die Konservierung der Überlieferung zugeschrieben

wird, steht das Ideal einer schaffenden, wachsenden

und sich entwickelnden Kirche gegenüber.

Die mittelalterliche Kirche hat für die Verweigerung

der Rechte des freien Schaffens einerseits mit der

Abtrennung ihres aktivsten Teils im Humanismus,

andererseits mit der eigenen geistigen Verarmung

bezahlt. Die Auslöschung des Geistes und das

antagonistische Gegenüberstehen von weltlichen

und geistlichen Kräften bewirkte auch die

Degeneration und Inversion des kirchlichen Lebens

und ihrer Tätigkeit außerhalb des Kirchengebäudes.

Die Kirchenorganisation hat das Schöpferische

verloren, sie wurde vielmehr zur konservativen

und sogar reaktionären Kraft. Wenn sie nicht

ewig eine Festung des Obskurantismus und der

Reaktion, ein Asyl eher für müde Gewordene und

Zurückgebliebene als für Arbeiter und verheiratete

Männer bleiben soll, so muss sich neben dem

allgemeinen Gebet ein gemeinschaftliches Leben in

der Kirche, dem sich kein zeitgenössischer Mensch

entziehen kann, und in der Folge auch das kulturelle

Schaffen entfalten. Innerhalb der Kirchenmauern

muss neben Behinderten- und Altenheimen auch

Platz für Werkstätten, Studierzimmer und Ateliers

für Künstler sein.

In der Kultur und Kunst vollzieht sich ein großer

Kampf der Ewigkeit mit der Zeit. Die Kultur

bekämpft den Tod, obwohl sie diesen nicht real

besiegen kann. Sie strebt nach Verewigung

und Kontinuität, nach Bestand der kulturellen

Schöpfungen und Werke. Eine Kultur, in der es eine

religiöse Tiefe gibt, strebt immer nach Auferstehung.

Das wissen jene Schaffende, die die Krise der Kultur

miterleben. Sie stehen vor der Aufgabe, der Kultur

zu einem neuen Sein zu verhelfen.

Einer dieser tatkräftigen Kulturschaffenden ist unser

Zeitgenosse, der gebürtige Österreicher, Architekt

und Verleger, Theoretiker und Verkünder eines

neuen kulturellen Bewusstseins, Heidulf Gerngross.

Gerngross und seine Mitstreiter der europaweit

dicksten Kulturzeitung ST/A/R verkünden lauthals

die Apokalypse der Kultur, die Notwendigkeit,

zu ihren sakramentalen Wurzeln, dem Kult

zurückzukehren: Kultur entstand aus dem Kult. Ihre

konstituierende Periode steht in enger Verbindung

mit dem religiösen Leben. Heidulf Gerngross

erkennt und verkörpert in seinen zahlreichen

Arbeiten den Gedanken, dass Kunst ein Mysterium,

die andere Seite des religiösen Kults darstellt. Wie

der russische Philosoph Berdjaew erklärt Gerngross,

dass Kultur auf einer hehren Überlieferung basiere.

Diese Erkenntnis führte Gerngross zur praktischen

Allianz mit der österreichischen Apostolischen

Kirche. Ziel der Apostolischen Kirche ist es, die

Botschaft von einer transzendenten Welt über

die Grenzen der empirischen Welt hinaus zu

verkünden und aufzuzeigen, dass wahre Kultur

nach Vollkommenheit in der Ewigkeit und

Unsterblichkeit strebt.

Ein echter Schöpfer, wie Heidulf Gerngross, und

seine Mitstreiter, fürchten sich nicht, Fehler zu

machen und scheuen die langwierige Arbeit zur

Veränderung des menschlichen Bewusstseins nicht.

Sie stehen vor der Aufgabe, der Kultur zu einem

neuen Sein zu verhelfen.

Zweckpartie

Als wir uns trafen,

kannten wir uns nicht.

Wir haben zusammen geschlafen

Und hatten Geschlechtsverkehr ohne Licht.

Als wir uns liebten,

sahen wir niemanden anderen.

Und unsere Leben sich aneinander schmiegten

Durch dich wurde ich zu

Liebeswanderin.

Als wir uns sahen,

hatten wir stets Freude.

Doch musste die Gefahr nahen,

weil ich meine Zeit vergeude.

Als wir uns liebten,

kannten wir einander nicht.

Als wir uns trennten,

kam uns endlich die Einsicht.

Wir liebten einander nie.

Wir kannten einander nie.

Wir sahen einander nie.

Soviel zum Thema „Zweckpartie“

die vierfache brust

von thearesa stieboeck

alter frauengeruch schweisst als begrüßung entgegen.

schwingende röcke, freigebend den ansatz der ärsche.

schöne beine.

verhinderung durch verkümmerung des fleisches,

keine wehmut bei dem anblick der sinnlosen

fleischanprangerung die ohnehin den appetit verdirbt.

blicke über die schulter stofffrei durch die aufreizenden

tops bedingt.

einmal da eine vierfache brust durch abschnürung des

büstenformers hervorgerufen.

falsch gekauft wölbt sich über den eigentlich schon

mächtigen brüsten, noch mal das fleisch über der abnaht

appetitlich hervor.

will man vielleicht einen espresso, wahrscheinlich

überteuert und dünn, trinken, schiebt sich vielleicht

auch die rückenansicht des zuvor beschriebenen

büstenträgertyps ins gesichtsfeld. altengeschrei!

die rückenansicht unterstützt sicherlich nicht den

zweifelhaften genuss des kaffees, wenn man die haken

des - in kurzform - bhs so eng schnürt, dass es dem

geschirr eines pferdes gleichkommt, nur dass noch

darüber und darunter berge von erschlaffter haut

hervorquillen.

ich wünsche einen angenehmen kaffeehausaufenthalt.

2,30 der moccachino, bleifrei.

von dem alten mann in viel zu kurzen shorts mit seinen

um die Wette spielenden krampfadern präsentierend gar

nicht zu sprechen..

Trashmaster´s Flash

von Gerald Kofler

Beweihräuchert euch weiter selbst

Freunde & Freundinnen

Lobt euch in den Himmel EURES Globus

Eure Götter werden den Eintritt verwehren

Wenn ihr gegangen seid

Freunde & Freundinnen

Habt ihr die Tür hinter euch ins Schloss geworfen

Das war euer Glaube, eure Vernunft, Revoluzzion,

Selbstefreiung

Von hohen Idolen

Freunde & Freundinnen

Deren Verachtung bisweilen wie Rouge an Euren Lippen

klebt

Habt Ihr gut gelernt

Ihr teilt die Welt in Nummern

Freunde & Freundinnen

Eins zwei oder drei

Wo ist die Heimat des Untermenschen

Hört nicht auf einander

Freunde & Freundinnen

Hört auf euren Herrn

Der Auftrag heißt oder Pflicht

Yasmin

Hafedh

www.myspace.com/

ruhe_war


62 ST/A/R

Buch VIII - Tolstojewsky Nr. 17/2008

BAAL FRISST! BAAL TANZT!!

BAAL VERKLÄRT SICH!!!

So lautete der ursprüngliche Titel von Bertolt Brechts erstem Bühnenstück Baal,

dass in seiner neuesten Bühnenversion noch bis 12. April im Ensembletheater

am Petersplatz erlebt werden kann.

Es hat sich im Laufe der Zeit zu einem

Lebenswerk eines der bedeutendsten

deutschen Dichter des 20.

Jahrhunderts entwickelt, da Brecht selbst

bis zu seinem Tod immer wieder neue

Versionen des Lebens und Sterbens einer

Dichterseele zu Papier, beziehungsweise

auf die Bühne gebracht hat. In seiner

Sperrigkeit und Unmittelbarkeit ähnelt

das Stück, egal in welcher der zahlreichen

Versionen eher einem lyrischen Gedicht

als einem Theaterstück und wurde so

in der literarischen Rezeption, meist

besser aufgenommen als von einem

Theaterpublikum.

Dieter Haspel, der im Laufe seines

Regisseurlebens fast alle Brechtstücke auf

die Bretter zwischen Sein und Wirklichkeit

gebracht hat, ist es nach umfangreicher

Vorbereitung und in 8-wöchiger

Probenarbeit mit seinen 14 Mitarbeitern

gelungen, den Geheimnissen der Dichtung,

die voll von Anspielungen auf die reale

Lebenssituation des jungen Brecht ist,

sowie dessen Beschäftigung mit Literatur,

Philosophie und den so genannten

einfachen Menschen widerspiegelt, auf

den Grund zu gehen und dem Publikum

in einer kurzweiligen, aber umso

eingehenderen Abfolge von Schlaglichtern

auszubreiten.

Das alles geschieht mit wenigen

Requisiten auf einer beinahe leeren Bühne

(Dieter Haspel/Günter Lickel) in der die

Vorstellungskraft der ausgezeichneten

Schauspieler, die an diesem Abend in

bis zu sechs Rollen schlüpfen, das klare

Kostümkonzept (Tina Prichenfried) und

das ausgeklügelte Licht (Robby Vamos)

Räume schaffen, die vom großbürgerlichen

Literatursalon, über einige Schenken bis in

die tiefsten Wälder reichen.

Der Baal, der uns vom jungen Grazer

Schauspieler Wolfgang Lampl in

bestechender Manier, in zahlreichen

Facetten vorgeführt wird, ist halb Gott,

halb Tier also ganz Mensch. Seine Gier

nach Leben, und dessen Möglichkeiten

und Geheimnissen ist schier unersättlich.

Dank seiner urwüchsigen Kraft (ganz

im Gegensatz zu Brecht, der dank eines

Herzleidens von Sport und Kriegsdienst

befreit war) und seines lyrischen Talents,

ist er anfangs sowohl begehrtes

Kunstobjekt in gehobenen Kreisen,

nachahmenswertes Ideal für junge Dichter

als auch gerne gesehener Zotenreiser unter

Fuhrleuten oder auf einer Kabarettbühne.

Er ist der Archetyp eines Rockstars aus einer

Zeit, in der es noch keine Musikindustrie

gab, die diesem Menschenschlag ein

Überleben möglich gemacht hätte. Seine

Gier nach Leben und das Selbstverständnis

eines Gottes machen ihn aber auch einem

modernen neoliberalen Manager gleich,

der wie Baal in seiner Selbstsucht und

seinem Streben nach Gewinnmaximierung

(bei Baal Genussmaximierung) vor Mord

und Betrug nicht zurückschreckt.

Wie es Brecht selbst nachgesagt wird,

liebt und benutzt Baal die Frauen, solange

bis er sie satt hat oder Verantwortung

übernehmen muss. Hevorzuheben aus

einem durchwegs grandiosen Ensemble

sind darum, neben den durchwegs

versatilen Gunther W. Lämmert, Wolfgang

Oliver, Jürgen Pfaffinger und Thomas

Simmerl die Frauen, da sie den direktesten

Zugang zu Baal haben:

Karin Fenböck bleibt als bezaubernde,

zarte Dichterin in Erinnerung. Dana

Proetsch beweist die in vielen Facetten

von der noblen Millionärin bis zur

wahnsinnigen Dichterin extreme

Wandlungsfähigkeit. Und zu guter Letzt

sorgt die grandiose Barbara Kramer,

als schamlose Hure für einige Lacher,

sowie als sich aufopfernde Geliebte für

atemberaubende Momente des Glücks und

der Verzweiflung.

Dieser Baal ist wahrlich ein würdiges

Geschenk zum 40 Jahr Jubiläum eines

unbeugsamen Theaters, und Mann und

Frau sollten sich dieses lyrisch dramatische

Hochfest auf keinen Fall entgehen lassen.

Oskar Krauss

40 JAHRE AUFMÜPFIGKEIT

Ein persönlicher Rückblick auf 40 Jahre Theater von Dieter Haspel

1968 Gründung des

Cafetheaters, ab 1973

Ensemble Theater

1968 – Aufbruch, der Versuch und Wille,

gesellschaftliche Strukturen zu ändern.

„Macht kaputt, was euch kaputt macht.“

Solidarität und Genussstreben:

„We want the world and we want it now!“

40 Jahre später

2008 - Turbokapitalismus, Spekulationen

in Milliardenhöhe, Entsolidarisierung,

Gewinnmaximierung, Asozialität:

„Die Reichen werden immer reicher, die

armen immer ärmer.“

Zum 40-Jahre-Jubiläum des Ensemble Theaters

wählte ich „Baal“ von Bertolt Brecht, ein Stück

über einen asozial-kreativen, egomanischcharmanten,

brutal-zärtlichen Künstler,

eine Inkarnation unserer heutigen ratlosen

Gesellschaft und ihrem Dschungeldenken (bis

12. April im Ensemble Theater)

Eine 40-jährige Geschichte

Weit über 100 Inszenierungen und

Koproduktionen hinterlassen einen ausgefüllten

Rückblick.

Von den Klassikern der Moderne (Brecht,

Ibsen, Strindberg, O’Neill, Pinter usw.), den

einst wilden jungen österreichischen Autoren

(Turrini, Pevny, Bauer, Schärfel u. a.) über die

UR- und österreichischen Erstaufführungen

(Botho Strauß, Werner Schwab u.a.) bis zum

Autoren Festival – einem Lesefestival mit

damals völlig unbekannten Autoren, von

denen einige ihren Weg gemacht haben -

konnte ich in diesen Jahren einige literarische

und theatralische Aufregungen erleben.

Diese Auseinandersetzung mit den Großen

der Literatur war und ist etwas besonders

Aufregendes, Befriedigendes.

Aber auch musikalische Events, z.B.

die Proletenpassion von und mit den

Schmetterlingen und H. R. Unger in der Arena

und den Darstellern Lukas Resetarits, Erwin

Steinhauer u.a., eine Eröffnungsvorstellung

der Wiener Festwochen am Rathausplatz mit

Udo Jürgens und den Wiener Symphonikern

und nicht zuletzt die Inszenierung der 1. Falco-

Show in der Wiener Stadthalle bereiten mir im

Rückblick große Freude und Genugtuung.

Alls in allem eine aufregende und spannende

Zeit, Höhen, Tiefen, Erfolge und Misserfolge

eingeschlossen. Wir haben immer versucht,

auf der Seite derer zu stehen, die selbst kein

Sprachrohr, keine laute Stimme haben. Mit

unseren geringen theatralischen Mitteln ist

es uns doch gelungen, uns treu zu bleiben,

etliche aufregende Produktionen haben sicher

ihren künstlerischen und, sozialen Auftrag

erfüllt, denn eine unserer Stärken ist es, den

kritischen und neuen Fragen aufgeschlossen

gegenüberzustehen.

Ich hoffe, noch viele Jahre sinnvoll engagiert

tätig sein zu können, Missgünstlingen und

Neidern sowie Gegnern zum Trotz.

Abschließend möchte ich zwei langjährigen

Wegbegleiterinnen meinen Dank aussprechen: Christine

Bauer, die das Ensemble Theater als kaufmännische

Direktorin führt und Michaela Dolezel, der Leiterin des

künstlerischen Betriebsbüros.

Dass diese aufregenden Jahre möglich waren verdanken

wir in erster Linie der Gemeinde Wien und dem

Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur.

40 Jahre

ENSEMBLE

THEATER

am petersplatz

BERTOLT

BRECHT

BaaL

5. März bis 12. April 2008 · Di bis Sa 19.45 Uhr

ST/A/R GRÜßT SCHNUCKI

Regie

Kostüme

Bühne

Lichtdesign

DIETER HASPEL

Tina Prichenfried

Dieter Haspel

Günter Lickel

Robby Vamos

Karin Fenböck · Barbara Kramer

Gunther W. Lämmert · Wolfgang

Lampl · Wolfgang Oliver · Jürgen

Pfaffinger · Dana Proetsch · Ludwig

Sadek-Sonnenberg · Alfred Schedl

Thomas Simmerl

Tel. 535 32 00 · www.ensembletheater.at

!Demnächst im Ensembletheater!

14. Mai – 14. Juni, 20:30Uhr

Amphytrion

von Heinrich von Kleist

Regie: Paola Aguilera

VITAMINES OF SOCIETY: www.myspace.com/theatertotal

7. April II. Drama Slam Vom Petersplatz nach Petersburg

26. Mai Jimi Lend & Little Drama Band

9. Juni Weltkongress der Vitamines Of Society


Nr. 17/2008 Buch VIII - Tolstojewsky

ST/A/R 63

OHNE RELIGION: DEPRESSION

ODER: DIE KUNST DER GANZHEIT

Interskription mit Manfred Stangl

Thomas Frechberger befragt Manfred Stangl

über

dessen neuen Gedichtband

seine ganzheitliche Haltung

seine Wahrnehmung des herrschenden Kunst/

Literaturkanons

Nachhaltigkeit und Entgrenzung

(moderne Kunst ist unzeitgemäß)

die Bedeutung von Spiritualität

den Konflikt in der „wienzeile“

die Ästhetik der Ganzheit

die narzisstische kulturelle Psyche

(Interskription: Thomas Frechberger

„interviewt“ Manfred Stangl – Fragen und

Antworten werden schweigend schriftlich

formuliert; erarbeitet im Türkenschanzpark

zwischen vier Fichten und einer Eibe, nahe dem

Stifterdenkmal. Teile der Interskription wurden

aus aktuellem Anlass nachtäglich eingefügt. Die

Methode der Interskription wurde von Thomas

Frechberger eingeführt).

Frechberger: „Wo der blaue Augenvogel

wohnt, offenbart sich das Geheimnis im Lied“

schreibst du in deinem neuen Band mystischer

Naturlyrik. Welche Melodie hat dieses Lied?

M. Stangl: Du hörst sie, wenn du schweigst und

mit geschlossenen Augen in den Wald hinein

spähst, zwischen den Bäumen, zwischen den

Wolken, in den Steinen…

Frechberger: I understand… und hat das Lied

auch einen Text?

M. Stangl: Den, bei dem die Worte

nebeneinander stehen, wie Halme auf einer

Wiese, und sie duften als Wildblumen, als

Kräuter im Mondlicht und alle weisen sie wohin

– dort treffen sie einander dann Hand in Hand

und sind…und dieses Sein ist ihr Inhalt, und der

Inhalt das Sein.

Frechberger: Ich als erkennungsdienstlicher

Poesieverbrecher hab so meine Probleme hier

in Austria – wie empfindest du deinen Status als

„esoterisch“ punzierter Dichter?

M. Stangl: Ich weiß nicht… sobald man

sich nicht dem Zeitgeist hingibt und

dekonstruktivistische Sachen schreibt oder

jedenfalls destruktive, stattdessen Gefühle

– nämlich positive – und die Intuition zulässt

heißt man gleich Esoteriker.

Aber was bedeutet das Wort eigentlich für

die, welche es abwertend besetzen? Welche

Vorurteile und Ängste stecken da drin?

Diesen Ängsten begegne ich halt ständig;

aber das geschieht ja eigentlich jedem und

jeder findet seine Art, damit umzugehen.

Was das Literarische betrifft, hoffe ich für

meine „Ästhetik der Ganzheit“, in der ich

meine Haltung ausführlich darlege, einen

großen Verlag zu finden. Dann kann jeder

selbst nachlesen, was ich über den heutigen

Kunst- und Literaturbegriff zu sagen habe,

ohne hauptsächlich Gerüchten und Vorurteilen

aufzusitzen.

Frechberger: Friederike Mayröcker schreibt zu

deinem, von mir herausgegebenen, Gedichtband

„Ein Auge Sonne, ein Auge Mond“, dass sie

dir viele empfängliche Leser und weitere so

schöne Gedichte wünscht – dann sagt sie sogar

über dich „…denn seine Augen sind Sonne

und Mond“. Der Staatspreisträger Andreas

Okopenko teilt dir in einem Brief mit, dass

deine Gedichte ihn „… in trübster Zeit fröhlich

gemacht“ hätten. Und beim „Gesang des blauen

Augenvogels“ spricht er von „freudig lesbarer

Poesie“. Gleichzeitig kann der österreichische

Literaturpapst Wendelin Schmidt Dengler deine

Gedichte überhaupt nicht goutieren. Was ist da

los, frage ich mich?

M. Stangl: Ich glaube, da existiert eine

Literaturauffassung in den intellektuellen

Kreisen, die besagt: „das Leben ist ein

Jammertal“. Also darf nur Negatives

geschrieben werden oder Nichtssagendes (und

Ästhetizistisches). Ich meine: „Das Leben ist

schön“, und drücke das in meinen Gedichten

analog aus. Natürlich weiß ich, welch provokante

Sprengkraft im Einfachen, Schönen, Natürlichen

liegt. Dabei kenne ich ebenso die Trauer… Aber

es macht irgendwie Spaß, mit der Schönheit zu

provozieren, obwohl das nicht die Hauptsache

ist…

Frechberger: Welche Angst steckt deiner

Meinung nach hinter der VerUrteilUng von

Schreibe, die auf Zuversicht, Schönheit,

Naturliebe abzielt?

M. Stangl: Man müsste die Erkenntnis

zulassen, dass nicht alles furchtbar und damit

verdammenswert ist. Das ist eine bequeme

Position, die dazu dient, das Leben von sich

fern zu halten. Ließe man auch Schönheit zu,

gelte es zu differenzieren: vor allem aber müsste

man die Kontrolle über die Welt aufgeben (was

der Welt gut tät); dabei aber brächen verdrängte

und gut kontrollierte Inhalte unserer kulturellen

Psyche ans Tageslicht. Und davor fürchten sich

die meisten von uns Künstlern, Schriftstellern,

Philosophen… da glauben sie lieber an den

kontrollierenden Verstand; aber wenn man

Verstand hat braucht man nicht an ihn zu

glauben.

Frechberger: Was wären das für Inhalte, die ans

Tageslicht drängen könnten?

M. Stangl: Themen einer narzisstisch kulturellen

Psyche. Die Angst minderwertig, ohnmächtig,

nichtig zu sein. Der Drang zur Kompensation:

sich einzigartig, besonders, grandios geben zu

müssen.

Frechberger: Empfindest du dich, wie Peter

Oberdorfer- dessen Debütroman „Kreuzigers

Tod“ im Sommer bei dtv (!) erscheint - schreibt,

„…wie ein Fuchs, der sich in die Vorgärten einer

Großstadt verirrt hat und erstaunt umherblickt“?

M. Stangl: Mittlerweile kann ich Gebäude und

Gebüsche unterscheiden. Meistens. Ich staune

auch lieber über die Schönheit der Natur.

Frechberger: Man hat dir von (frustrierter)

feministischer/atheistischer Seite vorgeworfen,

du propagierst eine ins Rechtslastige weisende

esoterische Ideologie. Was sagst du zu diesen

Kritikastereien?

M. Stangl: Schreibt man von der Schönheit der

Natur heißt das für viele gleich rechts. Aber seit

wann ist Regen reaktionär oder ein Tautropfen

totalitär? Und wie kommt wer dazu, meine

Literatur als nationalistisch zu charakterisieren?

Seit wann hat der Himmel einen Zaun oder

Mutter Erde einen Reisepass? Wo schreib ich

über die Überlegenheit bestimmter Nationen

oder gar Rassen? Meine Liebe gilt der Natur. Das

nennen meine Kritiker in ihrer Engstirnigkeit

rechts. Da hat sich seit Brecht nichts geändert.

Den Mangel an zeitgemäßen linken (auch

liberalen; genauso konservativen) Positionen

der Natur gegenüber kann man heute am Klima

ablesen. Paradoxerweise mangelt es selbst den

linken Grünen an einem unvoreingenommen

positiven Verhältnis zur Natur, bzw. fehlt

die Erkenntnis des Eins-seins mit ihr, was ja

eigentlich Basis der ganzen Ökologiebewegung

sein müsste. Ein Moment, die Natur abzulehnen

liegt - neben der Verwechslung der Liebe zu ihr

mit Ideen hierarchischen Naturrechtglaubens

– in der Empfindung, dass ihre Schönheit

eine Lüge sei, weil der innere Schmerz, die

Zerrissenheit und Kälte im entfremdeten

Menschen nichts mit einem Frühjahrsabend,

dem betörenden Duft der Linden oder der lauen

Sommernacht gemein zu haben scheinen. Wir

übersehen dabei, dass das Zurückeinfühlen

in die Natur das Herausgefallen-sein, also die

Entfremdung in der Moderne mildert, ja wenn

wir uns tief genug einlassen, tatsächlich heilen

kann: was heißt, durch all die Entstellungen

und Verzerrungen der Zivilisation und die

Zwänge, diese zu errichten und voranzutreiben,

hindurchzugehen und zu unsrer Einfachheit

und Natürlichkeit zurückzufinden.

Ich find schad, wie schnell die Diskussion mit

mir darüber abgewürgt wurde. Das lässt mich an

der Diskussionsbereitschaft vieler angeblich so

fortschrittlich Denkender ebenso zweifeln, wie

an deren Aufrichtigkeit und Konstruktivität.

An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei

dir dafür bedanken, dass du mich in meinen

Bestrebungen, Natur und Spiritualität in

die Kunst rück-einzubringen stets tatkräftig

unterstützt hast.

Frechberger: Gerne. Mach nur weiter…

M. Stangl: Danke. Ich versteh auch nicht, wie

meine Kontrahenten die Liebe zur Natur und

zum Sein gegen soziales Engagement und

Gerechtigkeit ausspielen wollen: Ich kritisiere

radikal gerade die Wurzel jenes Übels, aus der

Ausbeutung und Zerstörung von Natur und des

Menschen wuchern.

Ganz seltsam wird’s, wenn sich Täter als Opfer

stilisieren, wie etwa der - neben dir - andere

Mitbegründer der „wienzeile“ Günther Geiger,

den ich eigentlich recht gern habe. Er brachte

gemeinsam mit dem damaligen Obmann des

Vereins, Gerhard Häupler – ein Maler und

guter Autor -, den Vorstand gegen die Mehrheit

der Redaktionsstimmen dazu, einen Artikel

zu verhindern, in dem ich mich gegen einen

untergriffigen mehrseitigen Anwurf verteidigen

wollte. Geiger war weniger rigeros, aber Häupler

wollte meine Antwort unbedingt unterbinden.

Dabei wurde argumentiert, ich hätte ja bereits

zuvor geantwortet. Zuvor geantwortet? Auf einen

4–seitigen „Leserbrief“? Bin ich tatsächlich

ein esoterischer Hellseher, oder erweisen sich

da nicht einige andere als höchst obskure

Zeitgenossen? (Übrigens habe ich weder

behauptet, die Inkarnation von Paramahansa

Yogananda zu sein – welch Anmaßung wäre

das -, noch in seinem Auftrag die Moderne

abschaffen zu wollen; schon gar nicht verwende

ich Begriffe aus dem Nazi-Jargon wie etwa

„entartet“…diese Ansagen Häuplers zählen der

klassischen Verleumdungsstrategie zu, einen

gefährlichen Gegner unglaubwürdig zu machen

– wobei ich überzeugt bin, er tut das mit der

besten Absicht; dennoch steckt die Wut, die er

mir unterstellt, in ihm und sie vernebelt seine

Wahrnehmung: meine Kritik geschieht nie

aus Zorn sondern aus Mitgefühl…). Zurück

zu den Geschehnissen im „wienzeile“-Verein:

Wenn der von Geiger letztlich auch gegen mich

installierte Vorstand – viele der ehemaligen

Vorstandsmitglieder wie Valie Göschl oder

melamar verließen wegen obiger Aktion (die das

Fass zum Überlaufen gebracht hatte – nicht das

erste Mal hatte Geiger sich nicht an redaktionelle

Entscheidungen gehalten) die „wienzeile“

(zudem trat fast die Hälfte der Mitglieder aus)

- wenn also auch dieser neue Vorstand nun

von Geigers redaktionellen Gängeleien und

seinen Tätigkeiten als Kassier genug hatte (hier

beziehe ich mich allerdings auf andere, da ich

ST/A/R-Freund und Collaborateur

Thomas Frechberger

in finanzielle Angelegenheiten der „wienzeile“

keinen detaillierten Einblick hatte) und ihn aus

dem Vorstand absetzt und dann wegen diverser

- in den Augen des Vorstands schädigender

- Aktionen aus dem Verein wirft, spricht er

gekränkt von „Putsch“

Frechberger: Es gibt die unterschiedlichsten

Darstellungsweisen dieses Konflikts.

M. Stangl: Willst du nicht dazu Stellung

nehmen? Immerhin bist du der Mitbegründer

der Zeitschrift...

Frechberger: Ich mache diese Interskription

mit dir, quasi für dich; ich selbst möchte hier zu

den Vorfällen in der „wienzeile“ keine Stellung

beziehen.

M. Stangl Und mir geht es in erster Linie um

Prinzipielles. Es zählt zu den Absurditäten des

gegenwärtigen Kunst- und Literaturbetriebs,

dass mir das Bekenntnis zu ganzheitlichen

ästhetischen Prinzipien wie Mitgefühl, Stille,

Einfachheit, Liebe als Nähe zum Totalitarismus

ausgelegt wird, während unter dem Banner des

Ich-Kults ungestraft verleumdet, rufgemordet

und künstlerisch herabgewürdigt werden kann,

wobei noch das Zorro-Mäntelchen des Rächers

der Individualität umgehängt werden darf.

Ebenso bezeichnenderweise wird jemand, der

von Verbindlichem spricht und sich Lösungen

für die Misere der Kunst und Kultur überlegt

als Fanatiker verunglimpft, während diejenigen,

welche hauptsächlich auf den eigenen Vorteil

bedacht sind als (post)moderne Inkarnationen

des heiligen Ich auftreten. Lustig auch, dass der,

welcher vom Verlust des Gefühls in unserer

Zeit spricht, als Romantiker verlacht wird; so

als sprächen Manager statt Künstler und wären

Aktienkurse wichtiger als das Leben. Außerdem

stammt der Begriff der „Kunstreligion“ aus der

Frühromantik. Also sind diejenigen Künstler

Romantiker, welche die Kunst als Ersatzreligion

brauchen, an die Autonomie der Kunst

glauben, ihren überlegenen Stellenwert in der

Gesellschaft, ihre Unantastbarkeit. Man möchte

am liebsten von der „Kunstsekte“ sprechen.

Die linear-dualistische, abendländische

Haltung in der Kunst und Literatur ist übrigens


64 ST/A/R

Buch VIII - Tolstojewsky Nr. 17/2008

mindestens 5ooo Jahre alt (so alt wie das Patriarchat) und

da ists schon amüsant, dass ich, der einen Ausweg aus

dem umwelt- und menschenzerstörenden Dilemma der

Gegenwart sucht, als reaktionär gebrandmarkt werden soll.

Zudem findet das Sektierertum, welches der Welt derzeit am

Meisten schadet, sich unter den Wissenschaftsgläubigen, die

die Zerstörung der Umwelt durch ihren Machbarkeitswahn

mitzuverantworten haben.

Frechberger: Franz Kafka schreibt in seinen Tagebüchern,

„die Aufgabe eines Buches ist es, das gefrorene Meer des

Schweigens aufzuhacken.“ Kannst du das unterschreiben?

M. Stangl: Natürlich. Ich schrieb ja – in einem dann gerne

kritisierten Essay – dass Autoren wie die Jelinek auf dem Eis

Schnee zusammenkratzen, es gehörig knarrt und quietscht

und klirrt und schon sind Iglus gebaut, in denen es sich recht

wohlig wohnen lässt. Für meine Ausführungen was unter und

jenseits des Eises liegt werde ich heftig angefeindet.

Frechberger: Ich weiß, dass gerade deine Gedichte speziell bei

den Frauen viel Anklang finden. Bei dem „starken“ Geschlecht

ist’s eher umgekehrt. Bist du ein „Frauenversteher“?

M. Stangl: Klar. So weit das überhaupt möglich ist. Spaß

beiseite: In meiner Lyrik finden sich verloren gegangene

Empfindungen wieder und in einem – ebenfalls von der

Veröffentlichung lang ausgeschlossenem Text (der im letzten

st/a/r, Nr. 16 endlich abgedruckt wurde) - schrieb ich: „Der

Himmel sprach: lang habe ich die Mondin vermisst. Strenge

Männer hatten sie im Schein des künstlichen Lichtes geraubt.

Die Frauen sangen sie zurück. Nun bin ich entzückt. Ich liebe.

Bin ich deshalb ein Verbrecher, reaktionär oder verrückt?“ .

Das ist natürlich als Kritik an der Aufklärung gemeint, an

der Epoche der Überbetonung der Rationalität, die ja zu

Verdinglichung und Ausbeutung der Natur führt, aber ebenso,

und das zu betonen ist mir sehr wichtig, zu Ausbeutung

des weiblichen Prinzips, also von der Fähigkeit zur

Beziehungsarbeit, zum Mitgefühl, zu Kommunikation, eine

Ausbeutung, die all die Qualitäten des weiblichen Prinzips

heruntermacht, um sie in den Dienst des materiellen und

wissenschaftlichen Fortschritts zu stellen – aber leider auf

Kosten der Menschlichkeit und des inneren Wachstums; ich

will sagen: heute zählt meist Erfolg und Sieg. Ohne Wärme,

Freundschaft und Mitgefühl aber verarmt eine Gesellschaft

– natürlich sollen nicht nur die Frauen das weibliche Prinzip

leben, sondern auch die Männer – sonst fragen sich die

Frauen, „warum wir?“ und dann gibt’s bloß den Kampf jeder

gegen jeden. Schau’n wir uns doch an, wie heute die Familien

verkommen, Beziehungen generell: Wir sind stolz, dass in

der Moderne die Säuglingssterblichkeit gegen Null sinkt,

aber dafür werden in unsern Breiten immer weniger Kinder

geboren, und viele die die ersten Wochen überstehen werden

von kaputten Eltern umgebracht. Und viele andere saufen sich

– psychisch verkrüppelt – als Jugendliche tot oder versuchen

- innerlich bereits abgestorben - einander aus dem Weg zu

räumen. Ist das nicht eine völlig fragwürdige Welt bzw. Kultur

in der wir da leben? Ich bekenne mich vollen Herzens zum

weiblichen Prinzip, zum yin – und das kommt in meinen

Gedichten heraus, anders halt, als hier so theoretisch…

poetisch schön eben – hoff ich zumindest.

Frechberger: Die ganzheitliche Ästhetik, an der du drei Jahre

gearbeitet hast – und noch schreibst – wie wird sie von den

Verlagen an- oder ausgenommen?

M. Stangl: Na ja. Die „Ästhetik der Ganzheit“ die ich verfasste

bzw. an der ich nun heuer – dank der Unterstützung des

Kulturamts der Stadt Wien - weiter arbeiten kann, steht

dem herrschenden Kunst- und Literaturbegriff diametral

entgegen. Irgendwie ist’s schon lustig: da gibt’s den Mythos

im Kunstbetrieb, das Originelle, Andere, Neue werde froh

erwartet, aber schreibt wer was wirklich sehr Unerwartetes,

kriegens alle an riesn Schreckn.

Ich mein, ich versteh schon, wie kontroversiell meine

ganzheitliche Haltung rüberkommt. Die Moderne zu

hinterfragen grenzt an Tabubruch, gerade wenn ich sie als

Hochzeit der Ich-Ideologie charakterisiere und als Projekt

des männlichen Prinzips mit dessen Überbetonung des

Logos und der Abstraktion. Auch meine Zweifel an den

Segnungen der Aufklärung werden mir schnell faschistoid,

jedenfalls aber reaktionär ausgelegt, obwohl schon Charly

Chaplin im „Großen Diktator“ in seinem überwältigenden

Schlussmonolog der Menschlichkeit sagte: „Die Klugheit hat

uns kalt werden lassen. Wir sprechen zu viel und fühlen zu

wenig.“ Gerade darum geht’s mir eben: die Integration der

Gefühle, der verdrängten Inhalte, der Intuition und ebenfalls

der Spiritualität. Meine Ausrichtung ist trans – rational, trans

- modern, die Notwendigkeit nachhaltiger Konzepte betonend,

kein Aufruf zur Rückkehr in irgendein Davor. .

Die Moderne – bei all ihren positiven Aspekten – führt

zu Entgrenzung und Allmachtswahn, die sich 1:1in der

heutigen Kunst widerspiegeln. Dieses festzustellen rührt

an ein gewaltiges Tabu. Die Debatte, welche Wege aus der

Misere herausführen - gerade vermittels ästhetischer Ansätze

wie in meiner „Ästhetik der Ganzheit“ - wird da lieber gar

nicht geführt. In den Medien wird uns suggeriert, unser

Verantwortungsbewusstsein und Umweltbezug nähme

welterrettend zu, aber unsre internalisierte Weltanschauung

ist die des Verbrauchens, des Verschwendens, der

Ausbeutung, der Grenzenlosigkeit. Thematisiert man diese

ideologische Basis der Moderne, wird man erbittert bekämpft.

Frechberger: Ich nenn den Mangel an Intuition und

Fortsetzung

Spiritualität gern kurz: Ohne Inspiration Depression. Auch

du sprichst oft von der notwendigen Integration von Emotion

und Spiritualität und so fort: erklär, warum du das für so

wichtig hältst.

M. Stangl: Ohne Emotionen gibt es keine Freude, keine

Liebe, kein Glück. Ohne Integration der verdrängten

Inhalte wird über die Grundstimmung der narzisstischen

Psyche von Leere, Angst, Ohnmacht eine bunte Scheinwelt

der Besonderheit und Einzigartigkeit errichtet, in der wir

völlig abgehoben, innerlich distanziert voneinander aufs

grandioseste Selbstdarstellen abzielen, dabei hinter den

Masken aber der Depression verfallen. Ohne Spiritualität

bleibt eine existentielle Ebene des Seins unerfüllt und

letztendlich nur die Flucht vorwärts in Egozentrik und

Größenwahn – der schließlich unsre Lebensgrundlagen

selbst gefährdet, siehe Klimawandel. Der Aufklärungsmaler

Francisco di Goya betitelte eines seiner Werke: „Der Schlaf

der Vernunft gebiert Ungeheuer“. Ich behaupte, dass die

Ratio das Unerklärbare nur ins Unbewusste verdrängen

kann, und erst dort wächst es ins Unheimliche und

zum Ungeheuren heran, weil wir in der Moderne kaum

HeilerInnen, PriesterInnen, SchamanInnen haben und

schon gar keine persönliche spirituelle Praxis, die zwischen

den jenseitigen Welten und dem Diesseits vermitteln.

Deshalb beherrschen heute Schatten die Welt.

Frechberger: Danke für das Inter in der Skription.

M. Stangl: Inter den Fichten…

Thomas Frechberger: geb.: 21/o7/62, Haslach an der Mühl, MitGründer der Zeitschrift

„wienzeile“, 3 Gedichtbände („Kalt Wien“, „Fanatasien“), 1 Palindromeband: „dasreversad“,

erkennungsdienstlich erfasster Poet, neueste Publikation. „Lyrikalien“, erhältlich ab dem

Frühjahr 2oo8 unter o664-7629111 und beim Literaturarbeiter höchstpersönlich

Manfred Stangl: geb.: 21/12/59 in Graz, Rezensionen, Essays, „Ein Auge Sonne, ein Auge

Mond“: magische Naturgedichte, „Gottesgesänge“: mystische Gedichte und Kritik am

narzisstischen Gottesbild; „Ästhetik der Ganzheit“: Zusammenfassung im st/a/r Nr.16,

Winter 2oo7/2oo8 und unter www.sonneundmond.at

neueste Publikation: „Gesang des blauen Augenvogels“, edition sonne und mond, 136 S,

15.- ,

(erhältlich ab April ) alle Buchtitel bestellbar unter: info@sonneundmond.at

Im Übrigen entschuldigt sich die st/a/r Redaktion hier für die Druckfehler im vorigen Heft,

wo zwei Buchtitel von Thomas Frechberger falsch wiedergegeben wurden,

Es handelt sich dabei um den Palindromeband: dasreversad und den Lyrikband: Fanatasien.

Bischof Arsenij

weiht die erste

Klokapelle der

Welt.

Meine Hochverehrten!

Als man mich ersuchte, ein Gedicht in der

Zeitschrift “STAR” zu veröffentlichen, war nur

von ebendieser Zeitschrift die Rede. Keineswegs

aber wurde angedeutet, dass der Text in

irgendeiner Weise mit der Zeitschrift “Wienzeile” in

Zusammenhang gebracht werden würde.

Es ist also auch die Herleitung eines wie immer

gearteten “Größenwahns” damit dorthin zu

verweisen, von wo solche Halluzinationen ausgehen.

Die Zeitschrift Star und die aktuelle Ausgabe gefällt

mir alles in allem sehr gut, auch inklusive aller

Nuditäten, und ich stoße mich an gar nichts, nicht

einmal daran, mit einer komatösen Literaturzeitung

in Zusammenhang gebracht zu werden.

Herzliche Grüße,

Christian

“Ungehaltene Rede”.

Dieses soeben im Novum-Verlag

erschienene, von Christian

Schreibmüller herausgegebene Buch

versammelt fünfzig AutorInnen, die

äußern, was ihnen in dieser Zeit und in

dieser Welt nicht passt. Eine Rede, die

sie nicht gehalten haben, und die nun

“ungehalten” aus ihnen hervorbricht.

Sie tun es in Prosa, Lyrik, Drama und

in essayistischer Form. Unter ihnen

Uwe Bolius, Corinna Milborn, Dieter

Schrage, Markus Köhle, Melamar, Wladimir Jaremenko-

Tolstoi, Sonja Henisch, Alex Gendlin, Thomas Havlik, Tschif

Windisch, aber auch so junge Talente wie Yasmin Hafedh,

Reka Tarkany und NikiTá. Kontakt: schreibi66@gmx.at,

Mobil: 0660-763 0 733. (ISBN-Nr. bei STAR-Drucklegung

noch nicht

bekannt.)

Chainshow

WIENZEILE LITERATURSCHIFF

DIE USURPATOREN DER BLACK FLAG

GEHEN AN LAND

von GÜNTHER GEIGER

Eli und Juli beobachten vom Quai aus die Menschenhändel am

Donauufer und denken sich was.

Eli: „Wir kriegen die Bergung der BLACK FLAG schon hin!“ Sie

streicht ihrem Hund übers schwarze Fell: „Gell, Vico!“

Langbart Glasauge von unten: „Zwei Jahre und das Schiff

verrottet! Dann wird übernommen!“

Der Gemeindebauguru Jogananda, der sich an moderner

Literatur mittels Alpenjodler vergreift: „Werner Schwab, ha, ist

wie DJ-Ötzi!“

Die von Kassa geilen Juxpiraten entführte BLACK FLAG war

über Monate verschollen. Die Donau hatte das Literaturschiff

verschluckt. Die Piraten hatten die Handelsgewinne ihrer

Vorgänger zur Tilgung ihrer Privatschulden verwendet.

Tauchern spie von der Schiffswand des auf Grund liegenden

Wracks WHITE ZOMBIE entgegen. BLACK FLAG war übermalt

worden, seine Buchstabensilhouetten schienen jedoch durch.

Glasauge, Selbstwerber der täglichen Aufführungen seiner

Stadtoperette „DENUNZIOS VERBREITUNGEN“, hatte Rumpelfilz

und Chainshaw zur Beseitigung des Steuermannes Tschingun

eingeschworen. War relativ leicht, es sollten alle drei Meuterer

wegen Unfähigkeit von der Schiffskommandobrücke abgebaut

werden.

Chainshaws faulige Zähne zerbissen Schokolade, er seufzte,

während der Piratenfilm über den Monitor lief. „Einmal Johnny

Depp sein statt Leute zersägen!“

Rumpelfilz grinste. „Ich, der Behinderte, hab den Literaten

Geiger im Piratenfim

1,2,3

eingeheizt!“

Glasauge, klopfte sich seinen Kugelbauch: „Und der Kaiser Franz

Josef hat den mongolischen Steppenreiter vertrieben, hoho!“

Der literarische Wellenreiter war von Bord geworfen. Der

Schiffsbauch gelöchert. Die Selbstversenkung vonstatten

gegangen. Das Diebesgut Schiffsladung zum Verscherbeln

behalten. Die Errichter des Depots sollen leer aus gehen.

Am Quai warten die Zarista Valeria und die Berberin Fernanda.

Langbart Glasauge fährt als erster aus der Donau. Der

Unterwasserzombie bietet den Frauen das endlich von ihm

erbeutete Schiff als versunkenes Wrack an: „Dafür, dass ich ab

jetzt für ein Jahr Chefnavigator der der BLACK FLAG bin!“

Rrrrrrraaaatsch!, sichelt ihm Fernanda den Kopf ab. Blut schwillt

aus dem Rumpf und besudelt den dahinter auf Humpelfuß

stehenden Rumpelfilz.

„Hohho!“, lacht der in seinem von zwei Gorillas abgestellten

Lehnstuhl sitzende Chainshaw. Fährt seine Krücke aus, die dem

ihm sonst schrille Befehle durchs Telefon jagenden Rumpelfilz

den Stützstock wegputzt.

Der Gnom kippt vornüber aufs Gesicht vor die Füße der Zarista,

er verscheidet in Sekunden.

„Hoho!“, gröhlt der Fleischkoloss. „Hooho-chch—chhch!!“

Schokoladenkeksgallerte, Pizzazerkautes, Vanillemilch drängen

hoch, versammeln sich im Schlund. Chainshaws Grind wechselt

von krebsrot auf blaugrün, Schweißperlen hopsen aus Poren

von Stirn, Schläfen, Wangen. Er jappst nach Luft, der mächtige

Oberkörper bläht zuckend, mehrere Schwalle Brühekotze

schwappen aus dem Hals raus. Grunzend rutscht Chainshaw nach

vorn, die Arme baumeln an beiden Lehnen herab.

Starre Pupillen vermitteln kurz darauf den Ausdruck, als hätte

ihr Besitzer einen langen Leidensweg überstanden.

Die schwarzhaarige Berberin tritt dem Körper des am

Herzinfarkt krepierten Rumpelfilz den Stiefelabsatz in die Niere:

„Da war mir unsere versoffene geile Arschgeige noch lieber als

diese stinkigen Blödköpfe!“

Die Zarista spuckt auf den Rumpf des Kopflosen: „Ein Sibirischer

Tiger würd’ kotzen, wenn er dieses verfaulte Fleisch fräße!“

Der ehemalige 1. Offizier als Leichenfledderer richtet sich die

Bergung der Warengüter aus der Donau von der Böschung

aus zu bespähen. Er hatte die Hortung des Depots mit erwirkt,

und den Banditen eigenhändig Tür und Tor geöffnet. Die diese

danach vor ihm und allen anderen Tätigen zusperrten.

Den jesuitischen Literaturkrieger umgarnt die ganzheitliche

Verwesung. Jogananda hat dem 1. (Ex-)Offizier das Gehirn

mit faulen Sprüchen verpickt. Gott ist die Natur, besonders die

absaufende! Der einstige Schiffsbauer hat sein Werk im Stich

gelassen, heuert beim Gersthofer Nachtboten, beim ST/AR und

wo immer an. Der Gerstensaft allein war ihm treu geblieben.

Zarista Valeria taucht die Turnpatschen in Glasauges Blut.

Rote Verfärbungen bilden sich. Modisch, denkt sie, und an

die Petrograder Nobelstraße Newski Prospekt, auf der schöne

Russinnen mit roten Stöckelschuhen promenieren.

Eli und Juli schauen sich das Ganze gelassen an. „Wir müssen

da was machen!“, sagt Juli. „Vom alten Ostblock gibt’s seit der

Öffnung genug arbeitslose Schreibende!“

Eli: „Sicher! Aus dem Schrott ist vielleicht immer noch was zu

machen, nur, hängenbleiben sollten wir nicht darauf! Aber erst

muss sowieso mal das Schiff gehoben und seetüchtig gemacht

werden!“

Hundemischling Vico scheint das auch zu kapieren, denn er starrt

auf das Wasser als wüsste er um das große Geheimnis darunter.

Tschingun tritt aus der Uferböschung hervor, zu den anderen

ans Wasser. „Wir sollten die Leichen wegräumen oder irgendwie

auf einen Kahn legen und zum ‚Friedhof der Namenlosen’

runterrudern!“

Eli, krempelt sich die Ärmel ihrer Bluse hoch: „Na, dann mal los!“

Litter en tour>

Fotos: C. Schreibmüller


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch IX - Kick ST/A/R 65

reinhold.kirchmayr.com

Berlin am Wiener Puls

Dieses Zeitungsbild ist mit Originalunterschrift

bei ST/A/R zum Marktpreis zu erwerben.


STAR LEEB:STAR LEEB 07.03.2008 11:54 Uhr Seite 1

66 ST/A/R

Buch IX - Kick Nr. 17/2008

Über

100.000

Ihr schönster Platz an der Sonne

LEEB Balkone aus Holz

und Aluminium

Das Kärntner Familienunternehmen LEEB ist Europas

führender Hersteller für Balkone aus Holz und Aluminium.

Bereits über 100.000 Kunden haben sich

mit einem LEEB Balkon einen wertvollen, neuen

Lebensraum geschaffen. Im Werk in Gnesau arbeiten

130 Beschäftigte, die mit fundiertem Fachwissen,

Kreativität und Innovation die Basis für ein

außergewöhnliches Balkonprogramm sind.

Ob Neubau, Renovierung oder Anbau, insgesamt

stehen weit über 100 Modelle für unterschiedlichste

Baustile zur Auswahl. Für die LEEB Holzbalkone

werden ausschließlich hochwertige Nadelhölzer

verarbeitet, die auf über 1.000 m Seehöhe langsam

heranwachsen.

LEEB Balkonanbausystem

für Neubau und Sanierung

Neben den klassischen Anbauvarianten auf Stützen,

mit Galgen oder mit Zangen, die am Dach abgehängt

werden, bietet LEEB ein neuartiges patentiertes

System für freitragende Balkonanbauten mit

einer Tiefe bis zu 1,70 Meter. Dabei erfolgt die

Verankerung praktisch unsichtbar in einer massiven

Betondecke.

Großauftrag für

LEEB Balkone in Frankreich

Das gediegene Luxushotel „Les Airelles“ im Nobelschiort

Courchevel zählt zu den „Leading Hotels of

the World“. Auf 1850 m Seehöhe inmitten der weltweit

größten Skistation Trois Vallées in den französischen

Alpen gelegen, bietet „Les Airelles“ Urlaubsvergnügen

vom Feinsten.

Seit kurzem können sich die internationalen Gäste

über die speziell gefertigten Holzbalkone aus Kärnten

freuen. Insgesamt wurden 450 Laufmeter der

maßgeschneiderten Balkone und Terrassen im Stil

der Hotelarchitektur gefertigt und vom LEEB Team

montiert.

Durch das Ausgeher-System wird der Baukörper

nicht unterbrochen, womit im Vergleich zu einer

durchgehenden Betondecke der Wärmeverlust minimiert

wird. Das neue Balkonanbausystem gibt es

sowohl als Holz- als auch als wartungsfreie Aluminiumkonstruktion.

Les Airelles, Foto : Studio Bergoend – Annecy

Über die Instandhaltung von Holzbalkonen muss

man sich heute keine Gedanken mehr machen.

Mit dem innovativen Oberflächenverfahren VACU-

Protect ® erreicht LEEB dauerhaft schöne Optik.

„Holz schafft eine angenehme Atmosphäre,

ist sympathisch und liegt immer im Trend.

Dieser geniale Werkstoff ermöglicht vielfältige

Formen und Strukturen“, erzählt Markus Leeb.

LEEB Ideenwettbewerb

2007/2008

Ziel des Ideenwettbewerbs war die Entwicklung

innovativer, wirtschaftlich umsetzbarer Lösungen für

den Lebensraum Balkon mit Schwerpunkt Einfamilienhaus.

Als integrierte Elemente moderner Architektur

mussten dabei Funktion und Design im Einklang

stehen. Österreichweit eingereichte Projekte wurden

nach den Kriterien technische Machbarkeit, Detailqualität,

Design und Ästhetik, Einhalten der Bauvorschriften,

Originalität und Erfindergeist bewertet.

Die Jury bestand aus Architekt Heidulf Gerngross,

Architekt Hartwig Wetschko und Mag. Markus Leeb.

Gewonnen haben die Projekte von Architekt

Andreas Mangl, Wien, sowie DI Reinhold Wetschko,

Klagenfurt. Den geteilten 2. Platz belegten die

Projekte von DI Gerhard Feldbacher, Salzburg,

und Architekt Maximilian Fahrmaier, Wien.

Die Preisverleihung fand am 13. März 2008 im

Napoleonstadel Klagenfurt statt.

Balkonboden WPC

(Wood Plastic Composite)

Dieser innovative Bodenbelag besteht aus Holz

(60%) sowie extrudiertem und gepresstem

Kunststoff. Wood Plastic Composite verbindet

die Vorteile von Holz und Kunststoff, was diesen

Bodenbelag wartungsfrei und witterungsbeständig

macht. Es gibt kein Reißen, Verziehen oder

Splittern. Die Oberfläche ist rutschfest und sehr

angenehm barfuß zu begehen. Die Bodenelemente

werden standardmäßig mit Zwischenluft verlegt.

Auf Wunsch wird eine elastische Gummidichtung

zwischen den einzelnen Profilen verlegt.

So wird der Boden nahezu staub- und wasserdicht.

HOLZ LEEB GesmbH,

9563 Gnesau, Österreich

Tel. +43(0)4278 700-0, Fax +43(0)4278 700-21

office@leeb.at, www.leeb.at


Nr. 17/2008 Buch IX - Kick

ST/A/R 67

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© by SHARE architects

Napoleonstadel - Kärntens Haus der Architektur

ausstellung

architekturTRANSFER

aus / in kärnten

21 beispiele / 2 jahrzehnte

Napoleonstadel

im rahmen der landesausstellung K08

“Emanzipation - Konfrontation”

juli-november 2008

die ausstellung präsentiert bauten und projekte von architektInnen,

die aus kärnten stammen, ihren bürositz außerhalb haben bzw. als

projektpartner in international tätigen teams arbeiten - und

andererseits bauten/projekte in kärnten, die durch externe,

international tätige baukünstlerInnen realisiert werden konnten: 21

positionen und rund 60 arbeiten im zeitraum seit 1990.

die konzeption erfolgt durch ein redaktionsteam des napolenstadels,

die gestalterische umsetzung als rauminstallation im napoleonstadel

mit ankündigung im außenraum erfolgt durch das team SHARE architects

BEHF / Behnisch & Partner / BKK3 / Günther Domenig / Feichtinger

Architects / feld 72 / Heidulf Gerngross / Volker Giencke / Jabornegg

& Palffy / Manfred Kovatsch / Rüdiger Lainer & Partner / Loudon &

Habeler / Tom Mayne - Morphosis / nonconform / Boris Podrecca /

Rataplan / SHARE architects / Team A Graz / XLGDassocies u.a.


Städteplanung / Architektur / Religion Buch IX - Kick ST/A/R 69

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Auteno.com Flagship Wien

Leicht erreichbar an der Autobahnabfahrt

Stadlau (A22) gelegen,

finden Kunden die Auteno.com

Zentrale eingebettet in

einen aufgelassenen und restaurierten

Industriekomplex. In

einer vorsichtig renovierten Industriehalle

pocht das reale

Herz der Auteno.com Welt. 3000

m 2 Ausstellungsfläche in einem

über hundert Jahre alten Backsteingebäude

bieten den Besuchern

die Möglichkeit, neue

Auktionsexponate kennen zu

lernen.

In der Kombination von historisch

wertvoller Bausubstanz

und vorsichtiger architektonischer

Intervention spiegelt sich

das unternehmerische Selbstverständnis

wider: Wertvolles bewahren,

Innovatives nützen und

durch die Kombination neue

Foto: Auteno.com

Qualität schaffen. Kompetentes

und freundliches Personal begleitet

die Auteno.com Kunden

bei der Warenannahme und

-ausgabe und sorgt für ein entspanntes

und positives Geschäftsklima.

Im Loungebereich finden Besucher

Zeit für ein Getränk und

es besteht Gelegenheit, mit anderen

Menschen aus der Auteno.com

Auktionsgemeinschaft

ins Gespräch zu kommen. Im

Hintergrund arbeitet eine hochmoderne

Datenzentrale als Auktionsschnittstelle

zwischen realem

und virtuellem Raum.

the Artist

Born in Tyrol / Austria

Education: Academy of Fine Arts Vienna

Several residencies in the USA

Lives and works in Vienna / Austria

Founding member of artists group TWO PEOPLE ONE

WORK with Karin Sulimma - 2003 Spring.

Exhibitions in Austria, Germany, Grossbritanien, Norway,

Russia, South Korea, USA.

the Works

Mounty R. P. Zentara’s works rests on this metaphor

of the cage as a viewing machine. His cages

are “eye-catchers”. They address the eye to show

problematic issues regarding the gaze. Wherever

he interprets or excavates his cages he does this

like an archaeologist finding cages in everyday locations,

so marking the blind spots that have been

concealing what one doesn’t want to see, and now

has to find.

Andreas Spiegl

the Studio

Studio AREA 53

Mounty R. P. Zentara & Karin Sulimma

Gumpendorfer Straße 53

A-1060 Vienna / Austria

Phone: +436766215660

Mail: theAREA53@gmail.com

Mounty R. P. Zentara

Foto: Mounty R. P. Zentara und Karin Sulimma

1. – 18. APRIL 2008

Mo – Fr: 9 – 18 Uhr, Sa: 10 – 14 Uhr

Ausstellung Kunst zum Raum.

Außergewöhnliche Werke in einem

außergewöhnlichen Raum.

Auteno.com Flagship Store, 1220 Wien, Dr. Otto Neurath Gasse 3

www.auteno.com, office@auteno.com

www.AREA53.name

Studio AREA 53

Copyright by

Mounty R. P. Zentara

©


70 ST/A/R

Buch IX - Kick Nr. 17/2008

ST/A/R-LEGENDEN

“Ich knüpfe eine Hängematte aus Nabelschnüren”

next: Euter

Barbara Husar

happysynaps@yahoo.com

Hallo Kick - mein Bruder

Dieter Gerngroß

geboren 1941 in Kötschach

Vor einem Jahr – am 16 Februar 2007 – ist Dieter in Kanada

aus seinem erfüllten Leben plötzlich von uns gegangen.

Dieter, 5 Jahre

Wir vermissen ihn:

Seine Frau Renate und seine Kinder in Kanada Corry und Karen.

Seine Kinder Nele und Kyra mit ihren Familien in Arabien.

Seine Mutter Elli Gerngroß, seine Neffen Volker, Rainer, Herbert und sein Bruder Heidulf in Österreich.


Nr. 17/2008 Buch IX - Kick

ST/A/R 71

THE OPTICIAN

ROOM SUITE V

Gabriele Petricek

The petite old lady said she had time. Also that she did want to see me again. She scribbled

down her phone number on a piece of paper that she had fished out from somewhere. Her

name was Shella Klar. I divided the scrap of paper in two and wrote on the part that was blank.

As she left the optician’s shop I observed her figure, enveloped in her coat, and felt concerned about

her. Would she be able to look after herself amidst the Saturday crowds and not get knocked over, or

would she be overlooked? Shella Klar is small. Has become smaller with age. She said she had to go

shopping, so that she’d have something in the house if someone came to call on her, and mentioned

the foremost delicatessen in town. Next Monday was her birthday, her seventy-fourth.

Just before getting to know Shella Klar, I had turned round involuntarily as she entered the small

optician’s shop. I experienced the entrance of a queen, uncertain in her step, yet obviously a diva,

focusing all eyes upon herself, with hair as short as matchsticks, wearing a long, bright summer coat

and big big sunglasses. No, no, she could wait, she said, warding off the friendly optician, she had

time, then she took off her glasses. She wanted to have them cleaned. She had brown mousy eyes

in a clear face. I smiled to her, as one smiles to a pretty child and said that this was my first pair of

multifocal lenses. Beautiful frame, she said, but these glasses will ruin your posture. She seemed to

have a certain wisdom about her. I asked if she wanted to see me again.

She had danza eleganza, she said when we met, as arranged, in a coffee-house. Her slender hand

flew around above the teacup in an arabesque movement. I suspected an illness. And she told me

about how she had fled to England in 1938. She had always been a dancer, throughout her life, and

had sometimes also painted. At various periods she had even done completely different things. Depending

on the circumstances. In Paris in the 1960s, she had hired students to drive tourists around

the city in their wealthy parents’ limousines. She would love to teach her ‘body technique’ again. But

now, now I should accompany her to a bar with piano music. I proposed the Loos Bar.

The waiter brought out large cushions from the bar’s ‘lower deck’ and Shella let her delicate back,

now rather bent, sink down into them. Like an odalisque, I joined her. Our walk from Café Prückl

through the city to the Loos Bar had brought us closer together. Afterwards we drank martini

cocktails. There was no pianist in the narrow bar, which rather resembled a ship’s cabin. But there

was the song ‘Chawa Nagilha Chawa’, later Cole Porter, and still later Frank Sinatra. On our stroll

through the city I had offered her my forearm and she had supported herself on it, walking very

slowly. By Wollzeile we had got as far as Paris, to the boyfriend that she had had there. So, my dear,

she had said, and took me by the hand, now we shall walk faster.

She had taken a fancy to the Loos Bar. Making our way across St. Stephan’s Square she had told of

the Strohkoffer club in the cellar of the bar. There she had danced with Albert Paris Gütersloh, with

Johann Fruhmann and all the others – in the years of post-war Vienna. When darkness fell we left

the bar. The young waiters, who had offered us their own cigarettes, insisted we come again. They

seldom had guests like us. Shella’s Paris lover still preoccupied me. As we were once again strolling

hand in hand, up Kärtnerstraße to the taxi rank, I asked Shella if she had a boyfriend now. No, she

said, no, unfortunately not. But she’d like to have one. I delivered Shella to the taxi driver as if she

Der Übersetzer und die schöne Gabriele Petricek

were some valuable freight. She didn’t want to take the subway, she’d had too much to drink she

said, perhaps it would make her feel sick.

The following day, upon entering Aromat at noon, I saw a man seated at the regulars’ table whom I

had never seen there before. Not so old, but work-worn. Despite the heat, he was wearing an earthbrown,

double-breasted suit that closed with golden buttons, underneath which was a green-and-pink

checked flannel shirt. An ugly person, such as Joe Berger had been, or Quasimodo. Added to which,

he had a measure of modest but mischievous insight into the possibilities of his own existence, a

wakeful sagacity about life which lent a certain beauty to his gaze. I sat down next to him and he

began to talk. About his work as a builder, about how he had built a house for his son, and about his

brother, who had three women. Was Herr Wenzel bothering me, the owner of the place inquired. I

finished spooning up my soup and listened. If a woman would only give him the chance, Herr Wenzel

said, he would be able to show her a lot of tenderness. Although of course he wasn’t handsome

like his brother. I thought of Shella and wished that she had been the right one for Herr Wenzel.

Could he see me again he asked, as I was leaving.

I left, thinking about it. About love, desire and about life in general. About Shella and Herr Wenzel.

About my role in this game. First of all I went to the optician’s. Instead of the pair of multifocal

glasses, which I gave back because they left too much unfocused in the field of visual transition, the

optician made me two pairs. One for the near distance. And one for the far distance.

Gabriele Petricek

Out of: Zimmerfluchten, Erzählungen, St. Pölten 2005, ISBN 3-901117-76-8

Translation out of German: Peter Waugh, Vienna, peter.waugh@uni-ak.ac.at

Jeder Strich ist ein Satz.

Heidulf Gerngross

UNSERE AMIGOS AUS DER TÜRKEI

CHAOS:

WIENER

URGESTEINDRAHIWABERL

KÜNSTLER

MEHMET: GASTRONOM UND

ZIEGENHIRTE


72 ST/A/R

Buch IX - Kick Nr. 17/2008

Das Bild von Walter Vopava ist das Cover eines 50seitigen

Buches, erschienen im ©Verlag der Galerie Elisabeth & Klaus

Thoman, Innsbruck 2007, ISBN 3-902315-10-5

Walter Vopava lebt und arbeitet in Wien und Berlin

Galerie Elisabeth & Klaus Thoman

Maria-Theresien-Straße 34 A-6020 Innsbruck

tel +43 512 57 57 85 fax 13

galerie@galeriethoman.com www.galeriethoman.at


Städteplanung / Architektur / Religion

X - WARAN - komm zu mir ST/A/R 73

Bist du taub oder willst du mich nicht hören Wir brauchen dringend sofort C4 Sprengstoff und $cheine aus Absurdistan

Geplanter Sprengungstermin 1. April Diesmal muss der Stephans Dom dran glauben und alle Gläubigen die sich darin befinden

Wer schweigt stimmt zu Volksbefragung zur Entmündigung aller Politiker im Alpenüberwachungsstaat Mir is so fad

Zukunftsprognosen werden nur mehr bis 2012 angenommen, dann gibt es keine Zukunft mehr

Die Uhren bleiben Punkt 12 stehen die Autos auch, die Computer stürzen alle ab, die Handys geben den Geist auf und wir beginnen wieder

von vorne und hinten

und reden wieder mit

ELEKTROSCHROTT ohne ENDE

Aber der Mensch bleibt

Demokratie wird sich selbst demolieren

Anarchie muss der Diktatur weichen

Skins werden Punks Hooligähns verzichten auf Fussball Baseballschläger tun´s auch Zahn um Zahn BLUTRACHE Augen werden ausgestochen

wie

Weihnachtskekse

Allle Atombomben zünden und die Nacht muß dem ewigen Tag Platz machen

Nichts bietet mehr Grund zum Feiern

Gefängnisse stehen leer SCHULEN & SPITÄLER FÜR ALLE

Der Plazeboeffekt von Psychopharmakan erlebt wieder ein AHA-erlebnis und wir werden staunen was sich die Außerirdischen (NASA) für uns

ausgedacht haben

Derjenige der das Gegenteil behauptet ist der Unwissenste unter den Unwissenden Denkt immer dran: ES IST KRIEG

WIR MÜSSEN WAS ERLEBEN am 20.3.2008 gibt`s ein galaktisches get together DANKE DANKE


74 ST/A/R IX - Sascha and the Schokoboys

Nr. 17/2008

Bronchosaurus

Fliegende

Untertasse

Elasticgirl

Bischof Arsenik

Charly


Nr. 17/2008 ST/A/R 75

X - WARAN - komm zu mir

U

nser alten e mails sind voll in ordnung. hauen wir die in die

zeitung, also zum altpapier, oder ist es zeit fuer pappmoschee.

ich bin so faul, und habe genug zeit dafur, aber

wenn sich keiner mit mir anlegt, ist das auch in ordnung.

warum schauen alle aus wie schweine... russland wartet auf typen

wie dich, also die militant parzifist fuckers sind wohl auf, und mir ist

das scheiss egal. ich bin snowboarden, und brauche keinen lift. es

geht nur noch bergab.

ich meine wie viele kilometer muss

man ney zurueck legen um die perfekte

frau zu verstehen...

faibel fuer gute fragen... was ist ein faibel.

wer hat dich gefragt. und wieso bin ich immer noch mir am naechsten.

und wieso sind fragen eigentlich immer so fordernd. und

warum ficken nicht die kinder die erwachsenen. und weshalb willst

du deinem kind ein schwein vorsetzen... ich mag schweine, aber ich

koennte mir kein ganzes in den arsch schieben. bin leider in indonesien,

und wuenschte du waerst auch hier, zusammen mit pavel. und

den anderen wixern.

und bitte schreib leserlich damit ich weiss was das soll. waerst du

eigentlich gerne eine frau. die gackert bevor sie ein ei legt. oder

lieber dahoam im stall. du hast schon lange aufgegeben, bevor es

ueberhaupt vorbei sein haette koennen. niemand will dir boeses

tun ausser die russen. also vorsicht wenn du mich wieder siehst

denn dann wirst du dich wieder erinnern koennen wer dich wirklich

braucht. danke fuer deine mithilfe, aber es gibt kein wenn und aber,

nur das ich sagen will das mir das alles zu viel wird, und du mich


Städteplanung / Architektur / Religion

X - WARAN - komm zu mir ST/A/R 77

sowieso im dunklen stehn lassen musst,, weil du ein extremer

hosenscheisser bist. genauso wie ich deshalb liebe ich dich ja so

sehr.... ich bin ein einziger verliebter archequant.

jesus hatte 12 probleme.

aber du redest immer noch mit mir. er ist kerngersund, ein teufelskerl.

und im himmel ist wieder einmal die hoelle los, und in der

hose gibt es gewitter du fliegengitter mit gummiurli. bist du eigentlich

ein säugling oder doch nur ein reptil das zufaellig aufrecht gehen

kann weil es sonst nix zum mampfen bekommt. auch rauchinhalstsoffe

sind nahrungsmittel fuer koerper und geist und seele und

spirit und materie und anti materie und ...

was willst du mir eigentlich sagen was ich nicht eh noch nie wusste.

der grabi scheisst auf mädels, aber das packst du noch nicht ganz

in deinem schaedel sind naemlich nur platz fuer platzwunden du

platzhirsch, mir platzt gleich der beidel.

schoen das du nicht so bist wie ich oder ich dich gerne bräuchte.

weil glueck ist wie ein spaziergang, schicksaal muss man haben, du

spatzi solltes mit deinem kind jeden tag spazieren gehen, damit er

judo lernt. misch ein bisschen bier in die muttermilch das bekommt

ihm auch gut weil bei uns in oesterreich ist das bier noch nicht

schlecht.

warte lieber bis dich wer abholt. wiedermissgeboren und wieder

jung verstorben. an seinem grabstein wird stehen. dein grabi...

bist du wirklich zu bloed zum scheissen, entspanne dich und bringen

wir es hinter uns.

lass satani schlecken, und du blaest sie um, also ueber den haufen,

du grindige sau. schleck ihre achselhoele aus und pflanz einen

baum fuer eure, euren suessen. und wenns eine fehlgeburt wird

dann mach dasselbe und spuel sie im klo hinunter.

du hast eh schon drei frauen . bueck dich und lass dich knacken.

frauen wollen nicht verstanden werden,

aber bis du das checkest muessen

noch weitere zehntausende

daran glauben. du vollkoffer niemand

will dir boeses tun und senu ist super...

hoffentlich wird alles gut mit mir und mich und mischa und sascha....

ich weiss nicht einmal ob er ueberhaupt schreiben kann, ausser

donki kong, super mario und sponch bob....

bussi

schrieb:

Schwerkraft aufheben

tut ench a moon

Date: Fri, 18 Jan 2008 14:19:29 +0100

From: waran2705@yahoo.de

Subject: RE:

To: waran1971@hotmail.com

sorry, all what i can say...

like i love you, i need you, you can say baby.

und organisiere eine organtransplantation, fuer dei ganze nation.

denn auch du bist ein held, also bleib mir hold- the line please...

my number is 222 222two,

i ve got an answermaschine, and i will talk to you.

hey how are you doing...

belinda platzt for neid...das war ich ihr schuldig.

rache ist suess, wie raffinierter zucker.

das leben gehoert nicht genossen, genosse. einfach primitiv

und voll daneben. bekommst du das auf die reihe, oder reierst du...

langeweile ist gut, aber vor der glotze bekommst du nichts von ihr

mit.

sowas kann man niewieder gutmachen.

keine befehle von duemmeren gebrauchsgegenstaenden. die maschinen

machen sich selbststaendig, weil wir glauben sie zu brauchen.

und glauben ist ueberhaupt das daemlichste was ich gelernt

habe.

ich bin wirklich agressiv, wenn ich komme bin ich schon wieder

weg...

aber der atemweg ist das ziel,

matirrreal arts, art of war,...zufall muss man haben.

Gib dem Leben Farbe

Du bist der perfekte Arnold

Schwarzeneger

Drück auf die Tube

Alle lieben dich und besonders das Flexi

Na wie geht´s

als Multimilliardär

Alle wollen dass du wieder mal tanzt mit Hadschi besonders die

Mädels mit drei Tagebart

Alles was wichtig ist bist du und Heidulf und der Rest der Welt

Entsage den Blondinnenwitzen das könnte ein Eigentor werden

Entsage den Burgenländerwitzen und den Türkenwitzen

Deine Zukunft wird sich recht nüchtern

abspielen

Als reichster Junggeselle der Welt kannst du ja jeden Tag auf den

Putz hauen : mit Farben

What is the colour when black is burn ???????????

You don´t have to put on the red light

Into deep

get lost in a picture paint it love

and that´s not enough

white hawk and dark grey wolf

der Heidewolf macht Heidi glucklich

blooding walls

out of the black and into the blue

hurting souls

wunderschöne Farben hinterlassen

Narben

na und ...? und trotzdem

muss

der Rubel

rollen

Die Dunkelheit ist hell genug

Alles Wahlbetrug

JETZT

Date: Mon, 14 Jan 2008

20:35:46 +0100

From: waran2705@yahoo.de

Subject: RE:

To: waran1971@hotmail.com

eigentlich sehe ich immer rot und gehe

trozdem ueber dir straße. uberall nur

noch zebrastreifen. schwule kleine

zebrastreifen. noergeln hilft immer,

aber mitleid kannst du mir schenken.

also ich krieg eine detschen nach

der anderen, alles lauft nach plan B.

wenn ich koennte wuerde ich meinen

horizont(horaz) erweitern, aber die

implantate halten nicht was sie versprechen.

ich bin bereit fuer die totale

ueberdosis LSD. horrortrips gibt es nur

am flohmarkt.

und das mit dem

fenster ist versprochen.

man at arms...

manchmal denke ich mir...

beten: du gibst dir deine haende( nur

nicht schuetteln). und wuenscht dir

was. als gegenleistung wirst du dir dann

irgenwann, wennn dir das leben die frage stellt, ob du das wirklich willst,

gegenueberstehen, und dann koennen wir uns revanchieren.

wenn fuenf verschieden leute weltfrieden wollen, sind vier zuviel.

das problem das ich mit dir habe ist das , das du mich(i) unterforderst

und ich dadurch groessenwahnsinnig werde. wenn das der

lohn ist, dann will ich meinen namen aendern.

sunshine, moonlight, good night...

ich denke immer ich bin so gescheit, das ist mein dilllemma. und

kochen ist nur was fuer obdachlose russische hausfrauen.

ich wuenschte ich waere du, dann koennte ich dem waran den

arsch mit löschpapier auswischen. wenns brenzlig wird, einfach

den kopf haengen lassen.

ich wuerde sagen du bekommst

schutzgeld von der

mafia.

scharfe pfefferoni sind ein schaaß gegen kalt duschen. und kalt

duschen ist ein schaaß gegen dich. und du bist ein schaaß gegen

mich. und ich bin ein schaaß gegen die welt so wie sie steht.

die fantastischen vier sind am zug,

schrieb:

Meine Leber braucht dringend was zu trinken ! 2 Bier. bitte ?!

Wo sich zwei parallele Linien treffen

ist die Unendlichkeit also der

Horizont des Vorstellbaren

Male ein Fenster auf eine Wand und öffne es und steige hinaus in

die Freiheit, die es nur im Kopf gibt

Über weite Wiesen, durch Wälder und Flüsse

Keine Menschen keine Tiere nur die Sonne

Kein Vogelgezwitscher

Regen fällt auf die Straße, aber es gibt gar keine

weit und breit kein Spiegel in Sicht

dann musst du

halt einen malen

Spiegel gibt es nicht. Du gehst durch Gedichte in die Tiefe deiner

Seele hinein

Du triffst dich selbst als Kind.

Du reichst dir die Hand und begleitest dich ins Hier und Jetzt !!!!!!!!!

Der Schatten der Vergangenheit hängt über uns

Denk´st du dass ich nur besoffen bin ?

Die Welt hat uns verlassen

Wir müssen unseren Drogenkonsum erheblich

steigern ! JETZT

Nüchtern geht die Welt zu grunde

Glaub´st du wirklich alles was ich sage

wie wirklich ist

die Wirklichkeit

Wenn die Rechte nicht weiß was die Linke tut, dann ist es Zeit

dass sich nur mehr die Anderen anstrengen

Und sollte jemand behaupten du seist vom Weg abgekommen obwohl

es gar keinen Weg gibt außer zu

allen Kinderseelen

Reinheit im reinsten Zustand

Analphabeten müssen ihren Namen buchstabieren.

Für ein fotographisches Gedächtnis

Ein Reim muss es sein ob es will oder nein

Just do it together

straight ahead turn around and take a look at yourself

and think about it

Das Gegenteil von ego ist neutral

aber niemand ist sozial predestiniert inkompetent unfähig

zu nichts im Stande

Was machst du wenn du dich auf der Straße triffst ?????

Wechselst du die Straßenseite

nur nicht anstrengen

es gibt nur plus und minus

oder dazwischen

Warum auch nicht

born to loose

Date: Mon, 7 Jan 2008 21:30:52 +0100

From: waran2705@yahoo.de

Subject: RE:

To: waran1971@hotmail.com

okay, sonst noch was

brauche mehr informationen

keine spuren hinterlassen ist im schnee von gestern fast unmoeglich.

alles ist geschmolzen. ich will nicht mehr keine liegestuetz

machen...

ich bin super

alles glueck dieser welt stinkt nach drogerie markt

gehen wir eislaufen? mit mir oder mit was?

danke, ich bin ein weh weh

schrieb:

Wer kriecht stolpert nicht

Du musst zu einem schrecklichen

Gestank werden

Du musst zu einer Vorstellung werden

Du musst deinen Hass bündeln

Du darfst keine Spuren hinterlassen

Besiege die Dämonen in dir

Erzeuge genug Hunger und jeder wird Verbrecher

Es gibt nichts zu verlieren, außer die Furcht

Zeit zu spielen

Der Abschaum wird nervös

Der Verstand kann das nur begrenzt verkraften

Sie haben das Trinkwasser der Städte verseucht

Halten wir durch


78 ST/A/R / /R

X - WARAN - komm zu mir Nr. 17/2008

X - WARAN - komm zu mir Nr. 17/2008

Das Wichtigste ist die Zukunft unserer Firma ist gesichert

Ich habe dich vor Mitleid gewarnt

Und immer am Ball bleiben

1000 Liegestütz pro

Tag und 10 Bier am Abend

> Date: Mon, 17 Dec 2007 18:26:55 +0100

> From: waran2705@yahoo.de

> To: waran2705@yahoo.de

> schreibt mir sofort! dies ist kein befehl und auch

> keine literarische nichtigkeit.

> ihr könnt mich alle einmal von hinten, ihr flachwixer,

> flachdenker, flachscheißer(innen).

> toys for the boys

> sista rudi

> volltrottel

> idiot

> idipfl

wann fahrst du nach indien, du bauernopfer...

wann gehts los du hurrensohn...

wann sehen wir uns wieder du engel des rotlichts,

zauber der nacht, peace on yourself du

sumpfdotterblume, siamesischer ruesselsalamander, wir

sind keine zwillinge und wurden niemals getrennnt,

aufwachen du gesicht, denn mehr bist du nicht...

ich les mir deinen scheiß den du mir schickst gar

nicht mehr durch, ich haus einfach in die zeitung, und

lass die anderen darueber lachen.

mi8ssion ungluecklich verlaufen, beweise mir das

gegenteil, und du kannst wieder weiter schlafen.

schame on bird

--- schrieb:

> I need you as fast as possible

> You are my destination Wein macht

> klein

> Vodka macht groß Rudi Kleindienst Germgroß

> Heidulf ist ein Superheld

> Blackbird singing in the dead

of night

> Take this broken wings and

learn to fly All

> night long

> You were only waiting for this moment to arise

> Too many people buy things they don´t need to

> impress people they don´t like.

> Spielen ist nicht ein Gewürz, dass man hinzufügt, um

> eine langweilige Existenz zu würzen.

> Spielen ist eher wie ein Lebensabenteuer. Mit all

> seiner Anmut, seinem Mut, seiner Segnung und seiner

> Alltäglichkeit.

> Ein Leben ohne Sinn, darf nicht sinnlos sein.

> there is no hope for tomorrow Rudi tell

> me the truth

> I need a shoulder that I can die ohn

> You are so old and dying Belinda

> braucht Kinder zum

> Erniedrigen, aber sie hat ja eh dich

> Fühle die Schönheit des Augenblicks

> Fasslrutschn Bixn

> Beidbracker tell

> me what´s wrong Bin ein verzauberter

> Prinz und du ein

> verzauberter Frosch und Pavel ein

> verzauberter Pornostar Damals hast

> du die U-Bahn Tür

> abgesperrt und niemand hat sich beschwert

> Zu deiner Geburtsstunde war die

> Sternen-

> konstelllation so extrem scheiße dass du kein

> leichtes Leben haben kannst, aber ich hab´s

> hundertmal leichter

> Kiffen macht frei

> Mal bitte ein Bild in Rußland für´s Schmauswaber

> Stehst du auf Rudlbuddan

> oder bist du

> eine sexistische Emanze

> Küß mich und ich scheiß dir ins

Gesicht falls

> du eines haben

> solltest aber das bezwiefel

> ich

> I wonna know what´s the name of the game

> I try to reach for you but you have closed your

> mind

> can you hear me

⁃ > SOS

ST/A/R Gedicht:

Berlin Gedicht

BERLIN kann

scheißen gehen


Nr. 17/2008 X - WARAN - komm zu mir

ST/A/R 79

Dieses Zeitungsblatt von Herbert Brandl

ist für nicht ST/A/R‘s aus der ST/A/R-Sammlung zum ST/A/R-Preis von

Euro 49,– zu erwerben.

Eine Auflage von 4 Zeitungsblättern werden von Herbert Brandl signiert.

Preis je nach Marktlage.

Das Original (A4), ist im Brandl-Grafikarchiv.

Ihr ST/A/R-Heidulf


80 ST/A/R

X - WARAN - komm zu mir Nr. 17/2008

Dieses Zeitungsblatt von Herbert Brandl

ist für nicht ST/A/R‘s aus der ST/A/R-Sammlung zum ST/A/R-Preis von

Euro 49,– zu erwerben.

Eine Auflage von 4 Zeitungsblättern werden von Herbert Brandl signiert.

Preis je nach Marktlage.

Das Original (A4), ist im Brandl-Grafikarchiv.

Ihr ST/A/R-Heidulf


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XI - AUTO-STAR ST/A/R 81

David Staretz

schreibt, redigiert und fotografiert den Auto-ST/A/R

David Staretz erholt sich vom

Jeepfahren in der Sahara


82 ST/A/R

Buch XI - AUTO-STAR Nr. 17/2008

EINSTEIGER FÜR AUSSTEIGER

Fiat Forino: Ein bißchen anarchisch, ein bißchen hip,

aber vor allem sehr praktisch.

TEXT UND FOTOS: DAVID STARETZ

Fiat plus den türkischen Hersteller Tofas – sein

mussten.

Wir fuhren den Fiorino mit 75-PS-Dieselmotor,

der ein Fiat-Spezifikum bleibt. Der Turbodiesel

wird zusammen mit einem Fünfgang-Getriebe

oder mit einem halbautomatisierten Sechsgang-

Schaltgetriebe (Comfort-Matic) angeboten, verbraucht

4,5 l/100 km (kombiniert) ermöglicht

eine Höchstgeschwindigkeit von 157 km/h und ist

mit Russpartikelfilter ausgestattet. Der Multijet-

Diesel hält dank hoher Serviceintervalle (30.000

km) die Betriebskosten gering, ist ordentlich beieinander,

wirkt nicht brustschwach und ist auch

akustisch erträglich.

Solche Eigenschaften, die im Transporterbusiness

zählen, werden auch gern im Alltag gewürdigt.

Von Ausstattung, Bedienbarkeit und Fahrgefühl

her ist der Fiorino dem Mainstream vergleichbar,

weiters geht es aber um geringen Verbrauch (4,5

Liter Diesel/100 km), um geringen CO2-Ausstoß

(119 g/km), um brauchbare Talente wie geringen

Wendekreis (unter 10 m) und verwertbaren Laderaum:

Dank des im Boden versenkbaren Beifahrersitzes

lassen sich die Volumina auf 2,8 Kubikmeter

aufblasen, bei einer erzielbaren Innenlänge

von 2,5 m (normal 1,5 m). Da kommt man schon

auf gesteigerte Reise-Ideen, zumal sich die Spritkosten

im turbulentesten Fall durch fünf teilen

lassen.

Aber Achtung, die Nutzlast einschl. Fahrer beträgt

in Österreich 535 kg, der dicke Fredi muss

sich beim Gepäck einschränken.

Die Preise rangieren ab ca. 9.000 Euro in Österreich,

nach oben kann natürlich noch zugelegt

werden, zumal sich noch eine sogenannte “Adventure”-Ausstattung

anbietet, die, mit 15-Zoll-

Reifen versehen, um 20 mm höher gelegt ist und

mit Schmutzfängern, Unterbodenschutz und größeren

Seitenschutzleisten ausgestattet ist.

Wer ein individuelles, cooles, erschwingliches,

dabei aber unpeinliches und

irgendwie auch der Oma nahezubringendes

Auto sucht – hier sind drei überraschende

Namen: Citroën Nemo, Peugeot Bipper und Fiat

Fiorino. Dabei handelt es sich um drei baugleiche

Lieferdienst-Pragmatiker, aus vormals dröger Stapelware

hervorgegangen, die plötzlich dank ihres

wirklich gelungenen Designs, ihres intelligenten

Packages, ihrer technischen Verlässlichkeit und

hausbackenen Erschwinglichkeit plötzlich in einer

Rolle der sympathischen Außenseiter erscheinen.

10.000 Euro und die Welt steht dir offen.

Sie bieten Platz im Überfluss, benötigen keine größeren

Parklücken als die übrige Kompaktklasse,

sie haben appetitliche Farben, ungewohnte Proportionen

und drollige Features wie Schiebetüren

seitlich oder asymmetrische Flügeltüren hinten.

Sie kommen halbwegs dem nahe, was wir jahrelang

als Renault 4, Citroën 2CV oder VW-Bus vermisst

haben (und wir alle wissen, wie dürftig die

so messianisch als 2CV-Nachfolger bezeichneten

Concept-Cars wirkten. Ihre Unzulänglichkeiten

hoben die Originale nur noch in höhere Sphären.)

Nun haben Nemo, Bipper und Fiorino den Vorteil,

mit einer gewissen Unschuld auf das Hauptfahrbahn

unseres Interesses einzuschwenken. Die

Marketingabteilungen haben es nicht gewagt oder

nicht verstanden, sie als ultracoole Hiphop-Boxen

hinzurichten.

Dass sie schlicht gut ausschauen, ist einer glücklichen

Fügung zuzuschreiben, umso mehr, als sie

ja mehrheitstauglich für drei Konzerne – PSA und

Der FIAT FORINO erhält 10 von 12 STAR-STERNEN


Nr. 17/2008 Buch XI - AUTO-STAR

ST/A/R 83

AUTOMOBILSALON GENF 2008

TEXT UND FOTOS: DAVID STARETZ

Grün in Grenzen: Das Maserati

Concept Car sieht nicht sehr

niedlich aus.

Toyota hat die Zukunft gepachtet:

Sowohl mit dem Standard Car für

the Next Era, als auch mit dem

drolligen Konzept i-real, einem

wendigen Fortbewegungskonzept

für die glatten Oberflächen der

Welt.


Städteplanung / Architektur / Religion Buch XI - AUTO-STAR ST/A/R 85

MAZDA TAIKI, EIN SUPERSPORTWAGEN

Der Mazda Taiki, ein

Supersportwagen höchster

Eleganz, wird von einem hoch

entwickelten Wankelmotor

betrieben. Vorne ist alles Welle

und Windkanal, die hinteren

Räder sind in flügelförmigen

Auslegern verborgen,

was sich alles zusammen

zu einem sensationellen

Luftwiderstandsbeiwert von 0,25

fügt.


86 ST/A/R

Buch XI - AUTO-STAR Nr. 17/2008

KIA pro_cee’d Coupé.

DAS KASSA-ABHOL-COUPÉ

Der größte Abtörn: Nachdenken, was eigentlich dagegenspricht.

TEXT UND FOTOS: DAVID STARETZ

Der koreanische Hersteller kann in Österreich

gut gefallen, seit Einführung der

cee’d-Modelle konnte man massiv zulegen

und präsentiert jetzt mit einigem Selbstbewusstsein

die dazugehörige Coupéserie mit nochmals

verkompliziertem Namen pro_cee’d, der sich

aber für hiesige Verhältnisse ganz leicht artikulieren

lässt: Prosit!

Das Coupé verfügt über Technik und Ausstattung

der Kompaktlimousinen, sieht aber dramatisch

besser aus und bietet das passende Motorenprogramm

für Bedürfnisse zwischen 90 und 143 PS.

Also: Drei Benziner zu 1400 ccm, 1600 ccm und

zwei Litern Hubraum mit jeweils 105, 115 und

143 PS. Dazu gesellen sich drei Dieselmotorisierungen:

90/115 und 140 PS. Das entspricht einem

Preisgefüge zwischen 15.000 und knapp 20.000

Euro, je nach Ausstattung und Motorisierung.

Eins bleibt aber allen gleich: Diese unglaubliche

Vollgarantie von fünf Jahren (inklusive Lackgarantie)

und sieben Jahren auf Motor und Getriebe

(limitiert auf 150.000 Kilometer). Alle Versionen

bieten sechs Airbags, ESP, aktive Kopfstützen und

Klimaanlage, sowie ein RDS-CD-Radio mit ipod-

Anschluss. Auch der Regensensor ist im

Wir fuhren den starken Diesel (140 PS), dem die

sechs Gänge gut anstehen. So lässt sich die gewisse

Kernigkeit des Aggregats abfangen, die das

turbotypische Beschleunigen untermalt. Ausgezeichnetes

Fahrwerk, verständige Lenkung, gutes

Sitzen und klares Bedienen – der pro_cee’d besitzt

dieses Supermarktdesign, wo alles am bewährt

richtigen Platz steht und alles so einwandfrei wie

möglich funktioniert, bis hin zu Sitzheizung und

Tempomat. Einziges Manko: Die Vordersitze,

einmal vorgeschoben zum Hint-Einstieg, finden

nicht von selbst in die ursprüngliche Position zurück.

Der KIA PRO-CEE‘D erhält 10 von 12 STAR-STERNEN


Nr. 17/2008 Buch XI - AUTO-STAR

ST/A/R 87

Citroën C5

SCHLUSS MIT SCHRULLE

Mit dem neu aufgelegten Topmodell verabschiedet sich Citroën von

diversen Eigenheiten, die wir natürlich sofort zu vermissen behaupten

TEXT UND FOTOS: DAVID STARETZ

Jetzt ist Kampf angesagt. Die Gegner geben

das Thema vor. Der neue große C5 tritt an

gegen VW Passat, Skoda Octavia, Audi A4,

BMW 3er, Mazda 6, Alfa 159, Mercedes-C, Ford

Mondeo. Das ist heroisch. Eigentlich hat Citroën

mit sich selbst genug zu tun, und mit seinem

ehedem hohen Anspruch, den man immer noch

eingelöst sehen möchte. Doch längst befindet

sich die einst avantgardistische Marke im Mainstream.

Die Designlinie entstammt deutscher

Schule.

Der neue C5 kommt ab 17. April in sechs Motorvarianten

(zwei Benziner, vier Diesel) und fünf

Ausstattungsvarianten nach Österreich.

Im Mai wartet der C5 auch als Kombi (genannt

“Tourer”) in den Händlerauslagen, wie alle C5

versehen mit der sogenannten Marathon-Garantie,

wobei dem Käufer drei von fünf Jahren dazugeschenkt

werden. Immerhin weiß man jetzt,

wie man die Leute angehen muss. Schließlich

will man heuer noch 1600 Fahrzeuge verkaufen.

Der neue C5 fährt eine deutsche Designlinie, einziges

Designwagnis mag die konkave Heckscheibe

sein, die sich allerdings nicht mehr hochklappen

lässt. Wo es einst hieß: Limousinen zu Kombis,

dort heißt es heute: Limousinen zu Coupés.

Auch innen findet man kaum mehr Verschrobenheiten

außer dem wirklich unverständlichen

Festhalten an der starren Lenkradplatte. Zwischen

Lenkreif und Platte tut sich dadurch ein

drehender Spalt auf, der verführerisch wie ein

Abgrund dazu lockt, die Finger reinzustecken:

Man blickt der Gefahr ständig ins Auge.

Auch die Armaturenzeiger laufen außen rund ums

Instrument, daran ist aber nichts auszusetzen.

Wie sehr das Avantgardedenken diffundiert, erkennt

man auch daran, dass die Luftfederung

Hydractive III nur mehr in den Topmodellen Serie

ist und in den Basisvarianten einer herkömmlichen,

wenn auch sauber abgestimmten Stahlfeder-Variante

weichen musste. Dadurch enthebt

man sich auch des Sportmodus oder der klassischen

Möglichkeit, den Wagen per Knopfdruck

über Hindernisse zu heben oder – Variante Tourer

– per Taster die Höhe der Ladekante aufs bequemste

Maß zu regulieren. Bei den Benzinern

gilt: Der 1,8-l (Einstiegsmodell ab 24.200,–) mit

125 PS hat konventionelle Federung. Nur der 2.0

l-16V mit 140 PS federt auf Hydractive III, sofern

man die Automatik-Variante um 28.880,– bestellt.

Bei den Dieselmotoren gilt ähnlich Komliziertes.

Hier steigt man ab 25.6000 Euro ein.

Wie alle Oberklasse-Konkurrenten verlegt sich

auch Citroën auf das Ausdenken selektiver Fahrerassistenzsysteme:

Spurassistent, Kurvenlicht,

elektronische Parkbremse, Einparkhilfspiepsen,

Parklückenmesssystem, Bluetooth und ein

Multifunktionsmonitor, um den sich auf einer

30-Gigabyte-Festplatte alles tummelt, was Telefonieren,

Navigieren, Musikhören und so weiter

betrifft.

Der Citroën C5 erhält 10 von 12 STAR-STERNEN


88 ST/A/R

Buch XI - AUTO-STAR Nr. 17/2008

HUTSALON VIKTORIYA SITOCHINA, WIEN 8, JOSEFSTÄDTERSTR. 38

VIKTORIYA SPIELT


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XII - ST/A/R-PARIS ST/A/R 89

Gelitin in Paris:

Abhängen in Paris

Kunst aus Wien hat

internationalen Erfolg.

Insbesondere die Gruppe

GELITIN wird zum

Aushängeschild einer

tabulosen Spielfreudigkeit. Der

kompromisslose Ausbruch aus

provinzieller Muffigkeit folgt

bester Wiener Tradition.

Von Dr. Denker (ST/A/R-

Auslandskorrrespondent, Paris)

L’ARC, das Musée d’art moderne

de la ville de Paris gönnt sich

Kunst vom Feinsten: Wiener

Burschen spielen sich selbst in

der Ausstellung LA LOUVRE.


90 ST/A/R

Buch XII - ST/A/R-PARIS Nr. 17/2008

Gelitin in Paris:

Gelitin

Eine satte Etage widmet das Museum für Gegenwartskunst

der Stadt Paris (ARC), derzeit der Wiener Künstlergruppe

Gelitin (Ali Janka, Tobias Urban, Florian Reither, Wolfgang

Gantner). Bravo! Die Ausstellung ist ein Glücksgriff, ein unmissverständlicher

Beitrag zum Ausgang der Kunstkonsumenten aus

ihrer selbstverschuldeten Blödsinnigkeit. Besonders Menschen

mit erstarrten Weltbezügen begegnet die Absurdität des kreativen

Daseins Plakativ ungeschminkt, nackig auf Stöckelschuhen: Der

freischaffende Ausbruchsversuch aus den gewohnten Schemata

der alltäglichen Freuden und Leiden führt durch ein Kunstmuseum,

einen Ort also, in welchem alle Kreativität immer schon

den Beigeschmack der kulturpolitischen Verwertbarkeit enthält.

Selbstbefreiende Gesten der kreativen Revolte hängen über der

Ausstellung wie das Grinsen einer verschwundenen Katze. Eine

gewisse Bosheit steckt schon in diesem Ausdruck. Verunsichert

sind nicht nur die „gestrigen” und die notorischen „was-wollendie-Künstler-denn-sagen-?-Frager“

sondern auch jene verklemmten

Kunsttheoretiker, die ihre eigene „kritische” Haltung zum

sinnwidrigen Angelhaken verbiegen. Kopfwichserei wirkt peinlich

gegenüber Künstlern, die ohne Angst mit der ästhetischen

Sinnlichkeit von Penisen und Hintern umgehen und dem Terror

der alltäglichen Werbeattacken in den Medien widerstehen. Der

Banalität der gesellschaftlichen Norm, die Arroganz des (post-)

modernen Alltagdesigns, die unerträglichen Zumutungen der

wissenschaftlichen Selbstgewissheit, der magenverklemmende

Unterwürfigkeit, die perversen Anmaßungen der kleinen und

großen Amts- oder Machtinhaber gegenüber ihren „Untergebenen“,

die Ärmlichkeit des täglichen Geschmacksdiktats

„dekorativer“ Gestaltungsnormen, den straffen, glatten, glänzenden

Häuten der Überdrussgesellschaft stellt Gelantin ungebrochene

Freude am eigen Schaffenswillen, an „echten” Menschen

gegenüber, mit denen die Künstler genau das anstellen, woran

es mancher „glücklichen” Ehegemeinschaft fehlt: liebevolle

Experimente, spielerische Akte, provokative Schaustellungen und

echte, tiefe, beflügelnde Freude daran, die eigene Barbarei stolz

zu Markte tragen. Sicher, die öffentlich dokumentierte Freude

am ästhetischen Wert der alltäglichen Geschlechtsphantasien

hat etwas maskenhaftes. Die Suche nach Auswegen (seien es

auch nur Toiletengänge) fällt den Zuschauern zu. Voyeuristische

Geilheit ist ebenso fehl am Platze wie entsetztes Erschaudern.

Hilfreicher ist eine Archäologie des unbestimmten Augenblicks,

d.h. eine Bemühung, eine Neugier zur Entdeckung der Wurzeln

unserer eigenen Lust an Dingen und Menschen und Mut zur

Auseinandersetzung mit uns selbst und unseren grundlegenden

Gefühlen und Wünschen. Ästhetisch Korrekt geht es dabei selten

zu. Zum Glück! Wer denkt nicht gerne zurück an die „Salzburger

Provinz-Pimperl-Posse” um Gelitins Arc de Triomphe? Stein des

Anstoßes war eine fleischfarbene, auf Arme und Beine gestützte,

Männerfigur. Den Rücken der Erde zugewandt spritzte ihr ein

Wasserbogen aus dem Penis in ein Auffangbecken im Mund.

„Dass mit Selbstbepinkelung immer noch Stadt und Skandal zu

machen ist,” verwunderte damals nicht nur Franzobel. Gerald

Bast, Rektor der Wiener Universität für angewandte Kunst sprach

von einer beschämenden und entlarvenden Demonstration

kultureller Intoleranz und provinziellen Spießbürgertums. Lokale

Selbstsucht, phallische Protzerei und sexuelle Humorlosigkeit

provozierte panische Reaktionen in der Politik. Doofheit und

lokalpolitischer Dünkel können den internationalen Erfolg von

Gelitin kaum bremsen.

Die Gruppe (zunächst Gelatin, ab 2005 Gelitin) ist jedenfalls

in Hochform und kann viele außergewöhnliche Aktionen,

Installationen, Videos und Vorträge zurückblicken. Einige

Höhepunkte: Der erste Auftritt 1993 war ein nächtlich

inszenierter Boxkampf. In Gelatins little spanking show von 1997

hängten sich die Künstler nackt an einer Decke auf und sich

vom Publikum mit Lauchstangen auspeitschen. 1999 wurde im

einem Human Elevator das Publikum von Hand zu Hand in die

Höhe befördert. 2000 entstand in heimlicher Arbeit ein Balkon

an der Außenfassade des World Trade Centers. Auf der Expo

2000 wurde unter Wasser ein Weltwunder installiert, dass nur

mittels eines Tauchgangs erreicht werden konnte. 2001 vertrat

die Gruppe Österreich auf der Biennale in Venedig. 2002 schuf

sie ein lebendiges Wasserspiel Männeken Pis-Pyramide in der

Frankfurter Schirn Kunsthalle. Der Salzburger Arc de Triomphe

entstand 2003. Der gestrickte Hase in den piemontischen Bergen

folgte 2005. Die Louvre bestätigt das internationale Interesse an

solcher Vielfalt. Innerhalb der grundlegend marktfreundlichmännlich

orientierten Kunstwelt Ausstellungsstruktur

schafft Gelitin Platz zum ausgelassenen Nachdenken über die

Begrenztheit der eigenen Persönlichkeitsentwicklung.

Kleiner Nachtrag zum

„skandalösen” Toilettengang:

Es lebe die Verdauungsfreude! In Folge meines Artikels im

*ST/A/R* Nr. 16 zur Ausstellung „Suite française“, erregte sich

Kurator Steven Guermeur persönlich. Wütend attackierte er

besonders die Verleihung des ST/A/R-Preises „Der schlimmste

fliegende Finger” an Claude Leveque und meine Bemerkungen

zur ästhetischen Qualität von Toilettengängen.

Nun, ein Kurator muss nicht immer mit dem einverstanden sein,

was die Presse über seine Arbeit schreibt. Personenbezogene

Beschimpfungen, Unterstellungen, Rufmorddrohungen sollte er

bitte vermeiden. Obendrein forderte Frau Krinzinger meine Entfernung

aus dem *ST/A/R*-Team. Den Schriftverkehr bewahre

ich mir auf, als amüsante Fußnote aus dem Wiener Pressealltag.

Die Presse genießt ihre Freiheit. Dass es dabei bleibt, darüber

scheine der *ST/A/R*.

Auch die verdienstvollste Galeristin wird bemerken, dass sich

über Verdauungsfragen nur schlecht streiten lässt. Wahrend Wiener

Künstler Pariser Museumswände mit Scheißhaufengedichten

beschreiben, beleidigen „belüftete Hintern“ in Wien die „französische”

Kunst? Nein, das kann nicht sein, denn zum Glück

ist verdauungsfreundliche Kunst weiter auf dem Vormarsch,

kunstweltweit!


Nr. 17/2008 Buch XII - ST/A/R-PARIS

ST/A/R 91

La Louvre à l’ARC

Fragen zur kommenden Kunst

Wie wollen wir die Verdauungskunst?

❑ Sauber und rein?

❑ Quadratisch, praktisch gut?

❑ Familien- und Waschmaschinenfreundlich?

Was verschönert unsere Toilettengänge?

❑ Sex?

❑ Kunst?

❑ Sex & Kunst?

Wie geht es weiter mit der Darmästhetik?

❑ Gar nicht?

❑ Gefühlvoll und sensibel?

❑ Immer besser?

Bitte ausfüllen, ausschneiden und absenden an:

Fa. Trenka, Golegggasse 5, 1040 Wien, Stichwort: “Gute

Verdauung!”

Kunst schafft Freiheit und verbessert die Verdauung! Doch

was tun, wenn einmal keine verdauungsfreundliche Kunst um

uns ist, die unsere Toilettengänge verschönert?

Seit 1909 sorgt das pharmazeutische Unternehmen Trenka

für harmonische Verhältnisse im Bauch und bereitet damit

Raum für Freude am entspannten ästhetischen Genuss. Auch

deshalb vertrauen Kunstliebhaber in aller Welt auf die Wirkung

der Produktlinie EUCARBON®

Für Kunst, Philosophie und ästhetische Verdauung:

www.eucarbon.at


Städteplanung / Architektur / Religion Buch XII - ST/A/R-PARIS ST/A/R 93

GELITIN is represented by MEYER & KAINER

Gelitin präsentiert L‘Arc modèle

bei EMMANUEL PERROTIN


94 ST/A/R

Buch XII - ST/A/R-PARIS Nr. 17/2008

Die ST/A/R-Grafik ist die weltweit bestimmende Zeitungsgrafik!

Komm ins offene Freund.

Hölderlin

Dr.Denker.


Nr. 17/2008 Buch XII - ST/A/R-PARIS

ST/A/R 95


96 ST/A/R

Buch XII - ST/A/R-PARIS Nr. 17/2008

ARC DE

TRIOMPHE

SALZBURG 2003

AEIOU

AEIOU

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