ST:A:R_21

geraldkofler

Printmedium Wien – Berlin

ST/ /A/ /R

Zeitung für Hochkultur Mittelmaß und Schund

Nr. 21/ Frühling 2009

KUNST

ARCHITEKTUR

LITERATUR

VIENNAFAIR

04Z035665M – P.b.b. Verlagspostamt 1060 Wien • Adresse: 1060 Wien Capistrangasse 2/8 • office@star-wien.at • Europa 3,00 • Nr. 21/09

Städteplanung / Architektur / Religion

IRENE ANDESSNER

3,– Euro


Irene Andessner als Marlene Dietrich


2 ST/A/R

Buch I - Marlene Nr. 21/2009

EDITORIAL :

Heidulf Gerngross

Verlässliche

Geseze der

ächten

Kunstwerke

Joulia Strauss’ Portrait von Friedrich Hölderlin,

2006; „Verlässliche Geseze der ächten

Kunstwerke“ aus: Friedrich Hölderlin. „Anmerkungen

zur Antigonä“

Elfriede Gerstl lebt


Nr. 21/2009 Buch I - Marlene

ST/A/R 3

Inhalt

Buch I - Seite 1–8

Marlene

Impressum

Buch II - Seite 9–16

Erste tranzit

Buch III - Seite 17–24

ST/A/R-Galerie

Recherche und Archiv: Marcus Hinterthür

Buch IV - Seite 25–32

WARAN

ST/A/R Printmedium Wien:

Creativ Organisation: Heike Nösslböck

Erscheint 4 x jährlich, Nr. 21/2009,

Druck: Herold Druck und Verlags AG, Wien

Erscheinungsort Wien-Berlin

Vertrieb: ST/A/R, Morawa GmbH, Firma Hurtig und Flink

Erscheinungsdatum: Mai 2009

Bezugspreis: 3,- Euro (inkl. Mwst.)

Medieninhaber:

Kontakt: office@star-wien.at

ST/A/R, Verein für Städteplanung/Architektur/Religion

Adresse: Capistrangasse 2/8, 1060 Wien

A–1060 Wien, Capistrangasse 2/8

0043-(0)664-521-3307 Österreich

Herausgeber: Heidulf Gerngross

Cover: Irene Andessner; I.M.Dietrich, #1, 2001;

Redaktionelle Mitarbeit: Heidulf Gerngross, Wladimir Jaremenko- Lightbox 100 x 80 cm; Courtesy: Viennafair/Galerie Brunnhofer

Tolstoj, Marcus Hinterthür, Rudolf Gerngroß (Waran), Dr. Christian ST/A/R wird gefördert von: Bundeskanzleramt und Stadt Wien.

Denker und Brigitte Bercoff (Paris-Brüssel-Wien), Valie Airport ST/A/R ist ein Gesamtkunstwerk und unterliegt dem Urheberrecht.

(Russland), Angelo Roventa (Architektur), Andreas Lindermayr ST/A/R dankt allen BeitragslieferantInnen, MitarbeiterInnen,

(Stadtphilosoph), Ruth Goubran.

KünstlerInnen.

Organisation: ST/A/R-Team

ins_STAR_MUSA:Layout Artdirektion & Produktion: Mathias 1 Hentz 02.03.2009 18:07 Uhr Seite 1

Druckproduktion: Michael Rosenkranz

Buch V - Seite 33–40

Hinterthuer

Buch VI - Seite 41–48

ANGELO

Buch VII - Seite 49–56

BIG-ART

NEUES JUGENDMAGAZIN

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www.schau.co.at

Michaela Leutzendorff Pakesch • Herausgeberin

Sabine Kienzer • Chefredakteurin

stark bewölkt

flüchtige Erscheinungen des Himmels

Abbildung: Siegrun Appelt, „Clouds“, 1996

Andreas F. Lin der Mayr

7 Jahre Stahlstadt Linz, IV

Nach meiner Zeit beim Bundesheer kehrte ich Juni 1976 wieder in den Atomreaktorbau der

VÖEST-ALPINE in Linz zurück. Mir war von vornherein klar, dass ich niemals Technischer Zeichner

bleiben würde.

Die Entwicklung um mich herum, betrachtete ich mit wachsender Skepsis. Einige meiner Kollegen

waren schon 1976 mit 19, 20 Jahren Väter, sie heirateten, gründeten eine Familie, nicht zuletzt,

weil es seit Kreisky Geld vom Staat dafür gab. Es lastete ein Tabu darauf, zu hinterfragen, warum

jemand mit 18 schon sein ganzes bevorstehendes Leben, beratschlagt von Banken und Gewerkschaften,

bis zur Pensionierung verplante.Als gäbe es gar nichts anderes! Ich konnte mich mit

halbwegs Gleichgesinnten, etwa potentiellen Indienfahrern, nur darüber wundern. Gegen jene

Häuslbauer-Mentaltiät, wie sie damals gerade groß als von den staatlichen Institutionen abgesegneter

Lebensentwurf im Kommen war, hegte ich eine tiefgreifende Abneigung. Mir war nach

unendlich mehr.

De facto gab´s zunächst aber nur eines: Abhängen am Zeichentisch, tagein, tagaus, Jahr für Jahr.

Von irgendwas musste man ja leben! So dämmerte ich in vager Hoffnung auf ganz was anderes,

unzählige farb- und geruchlose Bürotage dahin, bis ich im Mai 79 so mürbe und morsch geworden

war, dass ich wie ein fauler Zahn aus allem herausfiel, was mir Halt und Stütze, freilich einen

falschen Halt und eine falsche Stütze gab. Mein Vater rotierte, als er von meinem Ausscheiden aus

der VÖEST mitbekam.

Beim Militär gedachte ich, Bergrettungsdienst bewährt, tapferen, freimütigen Menschen zu begegnen.

Die mochte es vielleicht vereinzelt noch in irgendwelchen Enklaven gegeben haben, da, wo

ich hinversetzt wurde, traf ich keinen. Was mir tatsächlich von Anfang an beim Heer entgegentrat,

waren die kleinen, töricht tückischen Machtspiele, wie sie mir seit den Tagen des Kindergartens

auf die Nerven gingen, - hier fand ich sie auf die Spitze getrieben. Fortgesetzte Interesselosigkeit

an den Abartigkeiten eines Grundwehrdienstes versetzten meinen Ausbildner derart in Rage, dass

er mich von Hörsching in die so genannte Strafkompanie nach Langenlebarn versetzen ließ. Dort

herrschte unter blitzblanken Gewehrläufen und peinlichst observierter Sauberkeit, Hauptmann

Stinkwut, glühender Pseudo-Wagnerianer und offensichtlich gescheiterter Bodybilder, der dir bei

geringster Abweichung von seinen hinaus gebrüllten Befehlen, den Arsch aufzureissen drohte.

Vom Gymnasium für Berufstätige in der Spittelwies, das ich ab September 76 Abend für Abend

besuchte, erhoffte ich mir naiv eine Vertiefung beziehungsweise Erweiterung meiner humanistischen

Bildung. Ich gedachte weltfremd und edelmütig, mich an der Weisheit Brüste zu laben. Aber

mit Ausnahme zweier älterer Professoren, waren alle Lehrer nur daran interessiert, ihr Programm

rasch abzuwickeln. Konkret ging es ja lediglich um das Nachholen der Matura, nicht um die Hochschulreife

per se, sondern nur um einen Zettel als Beleg für eine solche Reife.Die lange Zeit bis

dorthin sollte uns in den Deutschstunden durch Witze-erzählen versüßt werden. Die „Amseln“ (

von AMS - Arbeitermittelschule) hätten es ohnedies schwer genug. Das war zunächst richtiggehend

lustig, wurde aber ab dem Moment schier unerträglich, da sich die Witze zum dritten und vierten

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MUSA

Mal wiederholten. Godot ließ grüssen. Gewaltig! Samuel Beckett und Co. waren auch die Wenigen

in dieser Entwicklungsphase, die mich wirklich was angingen.

Als ich im Juni 76, frisch aus der „Strafkompanie“ ins Büro im Stahlbau der VÖEST in Linz

zurückkehrte, empfing mich der Senior-Chef, Hochschulabsolvent, mit einem Grinsen. Er reichte

mir nach kurzem Zögern seine kalte Hand mit den sehr bemerkenswerten Worten: „Meuhoiden

und Auzaahn! Vastehst? „ Und mit Nachdruck ,“Hamma uns vastaund´n?“ Was blieb mir anderes

übrig, als zähneknirschend Ja zu sagen und mich auf meinen Arbeitsplatz zurückzuziehen.

Das Jasagen indes fiel mir in der Folge immer schwerer, zumal die Geschäfte mit der Atomkraft

boomten, ohne dass die Sicherheitsrisiken, vor allem menschlich-moralischer Natur, sich nur

um einen Deut verringert hätten. Mir wurde der Abstellring anvertraut, der für den Wechsel der

Brennelemente erforderlich ist. Bemerkenswert die Form dieses Gestells, es erinnert mit seinen

acht Speichen an das buddhistische Dharma-Rad. Ich fühlte mich daran festgenagelt in ewiger

Wiederholung des Gleichen. Sein Karma erfüllen und tun, was man nicht lassen kann? Ich konnte

mich nicht damit abfinden. Ein Projekt jagte das andere. Auf Grafenrheinfeld folgte Grohnde,

dann Iran 1, gleich darauf Iran 2. Dass das Schah-Regime wackelte, tat den lukrativen Geschäften

keinen Abbruch. Als es so weit kam, dass man sogar Atomkraftwerke im brasilianischen Urwald

errichtete, weit über allen Köpfen einer angestammten Bevölkerung hinweg, machte ich kein

Hehl mehr daraus, dass mir die Sache stinkt und

sprach im Büro offen über meine Bedenken. Die

höheren Angestellten, die vor lauter Gier nach

noch mehr Provisionen fast schon zu erblinden

drohten, nahmen ohnehin kaum Notiz von meinem

Vorhandensein. Nach erfolgreich geführten

Verhandlungen mit dem TÜV vergnügten sie sich

in der Regel bei üppigen Geschäftsessen. Roger

Whitaker stand als Beruhigungsmittel für blank

liegende Nerven hoch im Ansehen. Die kleinen

Angestellten, Familienväter, geduckt vor Existenz-

Angst, redeten sich alle darauf hinaus, dass man

froh sein müsse, überhaupt Arbeit zu haben. Das

also ist der wahre Stand der Demokratie, 30 Jahre

nach Hermann Göring, dachte ich mir und dröhnte

mich zu mit Punk Rock.

Im Mai 79 fasste ich unter Furcht und Zittern den

freien Entschluss, der VÖEST den Rücken zu kehren

und wagte nach ein paar Monaten Arbeitslosigkeit

den Schritt, so gut wie mittellos, nach Wien

zu gehen. Peter Altenberg und Egon Friedell, die

ich zu dieser Zeit mit glühenden Ohren las, übten

eine viel stärkere Faszination auf mich aus, als alle

hochgestochenen Reden über Atomkraftwerke,

die von einem hochdekorierten Fachidioten als die

Kathedralen der Zukunft ausgerufen wurden.


Städteplanung / Architektur / Religion Buch I - Marlene

ST/A/R 5

Exklusiv Exklusiv bei bei M-ARS: bei M-ARS: Stars Stars von heute von heute und von und morgen von morgen

Herbert Herbert Brandl Brandl

Herbert Brandl

Joerg Auzinger Joerg Auzinger

Joerg Auzinger

Luca Faccio Luca Faccio

Luca Faccio

Walter Vopava Walter Vopava

Walter Vopava

72 ST/A/R

72 ST/A/R

72 ST/A/R

Buch IX - Kick Buch IX - Kick Nr. 17/2008 Buch Nr. 17/2008 IX - Kick Nr. 17/2008

Otto Zitko Otto Zitko

Otto Zitko

Franz Graf Franz Graf

Franz Graf

Stefan Haring Stefan Haring

Stefan Haring

Städteplanung / Architektur / Religion Städteplanung / Architektur / Religion Städteplanung Franz Graf / Architektur / Religion Franz Graf

Franz ST/A/R Graf 21 ST/A/R 21

ST/A/R 21

Marko Zink Marko Zink

Marko Zink

Michael Marcovici Michael Marcovici

Michael Marcovici

Franz Graf, O.T. , Inkjet-Print, Franz 2005 Graf, O.T. , Inkjet-Print, 2005

Franz Graf, O.T. , Inkjet-Print, 2005

Alice Pichler Alice Pichler

Alice Pichler

ST/A/R „ST/A/R - Schnitte“ - - Schnitte“

Das Bild von Walter Vopava Das Bild ist das von Walter Cover eines Vopava 50seitigen ist das Cover eines 50seitigen Das Bild Galerie von Walter Elisabeth Vopava & Klaus ist Galerie das Thoman Cover Elisabeth eines & 50seitigen Klaus Thoman

Buches, erschienen im Buches, ©Verlag erschienen der Galerie im Elisabeth ©Verlag & der Klaus Galerie Elisabeth & Maria-Theresien-Straße Klaus Buches, erschienen Maria-Theresien-Straße 34 im A-6020 ©Verlag Innsbruck der Galerie 34 Elisabeth A-6020 Innsbruck & Klaus

Thoman, Innsbruck 2007, Thoman, ISBN Innsbruck 3-902315-10-5 2007, ISBN 3-902315-10-5 Thoman, Innsbruck tel +43 512 2007, 57 ISBN 57 85 3-902315-10-5

tel fax +43 13 512 57 57 85 fax 13

Walter Vopava lebt und Walter arbeitet Vopava in Wien lebt und Berlin arbeitet in Wien und Berlin galerie@galeriethoman.com Walter Vopava galerie@galeriethoman.com lebt und www.galeriethoman.at

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Berlin

Galerie Elisabeth & Klaus Thoman

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tel +43 512 57 57 85 fax 13

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Herbert Herbert BRANDL, BRANDL, Franz Herbert Franz GRAF, BRANDL, GRAF, Kurt HOFSTETTER, Kurt Franz GRAF, Kurt Eva SCHLEGEL,

HOFSTETTER, Eva SCHLEGEL, Eva SCHLEGEL,

Walter Walter VOPAVA, VOPAVA, Otto Walter ZITKO Otto VOPAVA, ZITKO und Heimo und Otto Heimo ZOBERNIG ZITKO ZOBERNIG und und Heimo viele und ZOBERNIG viele andere! andere! und viele andere!

Michaela Michaela Konrad Konrad

Michaela Konrad

Samstag Samstag 09.05.2009 09.05.2009 Samstag ab 10:00 ab 09.05.2009 10:00 Uhr Uhr ab 10:00 Uhr

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6 ST/A/R

Buch I - Marlene Nr. 21/2009

INTERNATIONALE MESSE FÜR

ZEITGENÖSSISCHE KUNST

MIT FOKUS ZENTRAL- UND OSTEUROPA

7 - 10 MAI 2009

MESSE WIEN

MESSEPLATZ 1, 1020 WIEN / ÖSTERREICH

ÖFFNUNGSZEITEN: DO/FR 12.00 - 19.00, SA 11.00 - 19.00, SO 11.00 - 18.00

www.VIENNAFAIR.at


Nr. 21/2009 Buch I - Marlene

ST/A/R 7

Die VIENNAFAIR ist die internationale Messe für zeitgenössische Kunst mit Fokus auf Zentral- und Osteuropa: Warum wurde dieser Fokus gewählt?

Bekanntlich reichen die Beziehungen zwischen Österreich und den zentral-osteuropäischen Ländern im Donauraum historisch weit zurück. Aus dieser

gemeinsamen Tradition heraus existiert in Österreich auch großes Interesse an der Kunst aus den CEE-Ländern.

Was bietet die VIENNAFAIR diesbezüglich im Vergleich zu anderen Messen?

Die VIENNAFAIR ist die einzige Kunstmesse der Welt, die auf den Raum Zentral- und Osteuropa fokussiert. Die Messe zeigt einen umfassenden Überblick

über zeitgenössische Kunst aus dieser Region und zieht damit Kunstsammler aus aller Welt nach Wien. In diesem Jahr sind 29 Galerien aus Zentralost-

und Südosteuropa vertreten – das ist ein neuer Beteiligungsrekord.

Gibt es aktuelle Trends bei der zeitgenössischen Kunst aus CEE?

Ja, die gibt es. Ich stelle zum Beispiel fest, dass die „junge“ Kunst aus CEE/SEE immer stärker durch Videokunst und Kunstinstallationen geprägt ist.

Welche Highlights gibt es in diesem Jahr bei der VIENNAFAIR?

Die insgesamt fünfte Ausgabe der VIENNAFAIR ist wieder ein perfekter Mix aus umfassender Kunstschau und einem interessanten Rahmenprogramm

für kunstinteressierte Besucher. Bei den Podiumsdiskussionen in der Messe Wien kommen Stars aus der internationalen Kunstszene wie Matthew Higgs,

Jérome Sans, Dan Cameron oder Gianni Jetzer zu Wort. Die Themen sind Wien als Ort innovativer kultureller Produktion und Präsentationsformen zeitgenössischer

Kunst.

Warum darf man die VIENNAFAIR 2009 auf keinen Fall versäumen?

Weil man sonst ein ganzes Jahr darauf warten muss, bis die größte internationale Kunstmesse Österreichs mit mehr als 1.000 Künstlern wieder stattfindet.

Und das ist definitiv verlorene Zeit.

Edek Bartz, Exhibition Director/VIENNAFAIR


8 ST/A/R

Buch I - Marlene Nr. 21/2009

johAnnEs Vogl, ghosTlighT, 2008

JOHANNES VOGL /

ANN COTTEN

20.06.–31.7.2009, Eröffnung: 19.06.2009, 19 uhr

GALEriE MArTiN JANdA

A-1010 WiEn, EschEnbAchgAssE 11, Di – fr 13 – 18 uhr, sA 11 – 15 uhr

T +43-1/585 73 71, gAlEriE@mArTinjAnDA.AT, WWW.mArTinjAnDA.AT


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch II - KONTAKT tranzit ST/A/R 9

Archiquantdesign,

Stoffmuster, Brunnen

und Klapptisch

Archiquantskulptur

von Herbert Flois

Design: Heidulf Gerngross

Visualisierung: Kurt Caballero


10 ST/A/R

Buch II - KONTAKT tranzit Nr. 21/2009

Sevda Chkoutova

Sevda Chkoutova zitiert einen alten bulgarischen Spruch: „Eine junge,

erblühende Frau verblüht in dem Augenblick, in dem sie der Finger eines

Mannes berührt.” Tief patriarchalisch geprägt charakterisiert er ein ganzes

Zeitalter in dem die junge Frau alleingelassen wird mit einer Vielzahl von

Erwartungen und meist dann ernst gemeinten und brutal durchgesetzten

Ansprüchen. Allgegenwärtiger Widerspruch nicht nur im eigenen Erfahren des

Erwachsenseins, erwachsen den eigenen Träumen, mehr noch dem Anhaften

an über Generationen überlieferter und Glaubensdogmen unterworfener

Unterdrückung des Menschlichen. Die sexuelle Motivation als Urkraft und

stärkste Triebfeder der Natur, verwirkt in einen dichten, mehrdimensionalen

Stoff, schwer zu entwirren in jugendlichen Jahren zumal aufoktroyieren, selten

selber erfahren. Der Traum der kleinen Prinzessinnen ein Schloss zu bewohnen,

experimentierend mit der erotischen Ausstrahlung des eigenen Körpers, bewegt

sich hinab in dessen Kerker. Die eigene in ihrer Unschuld gründende Macht

ahnend, versetzt mit comic-haften Elementen, Synonyme für den projizierten

Abgrund, an dem sie sich permanent bewegen, zerfließen sie in einem sich

fragmentarisch in die tiefe arbeitenden Raum.

Ausgehend von in Annäherung an den Photorealismus erarbeiteten

überdimensionalen Figuren, verdichten sich die Zeichnungen in aufwendig

detailierten Bereichen. Die kompositionsaufbauende, dynamische, ungehemmte

Linie in Graphit und Buntstift verschränkt sich zu üppig-barocken und

feingliedrig-floralen Mustern und wird somit wiederum zum Ausdruck des

Flüchtigen.

„Momentaufnahmen der Fantasie, der Angst, dem Kummer und der Freude“

der ProtagonistInnen, wie die Künstlerin die Zeichnungen verbalisiert: „Es mag

sein, dass es voller Ironie und Parodie ist, aber es ist da, denn die Frau ist da!“

[reinhard muxel – memux]

galerie chobot, 1010 wien, domgasse 6,

tel. 0676/520 70 96, tel/fax 01/512 53 32,

e-mail: chobot@utanet.at,

internet: www.kunstnet.at/chobot,

geöffnet: di-fr 13-18, sa 11-16


Buch II - KONTAKT tranzit

Buch II - KONTAKT tranzit

Nr. 21/2009 ST/A/R 11

ST/A/R 11

Those familiar with the Czech and

Slovak art scenes may recognize the

name Stano Filko. And very likely

those same people would, without

hesitation, and mostly based on

his initial oeuvre, place him in the

1960s context – rightfully so. Few

recall, however, what exactly it was

that this artist did back then, and

perhaps only a handful of Slovak

art historians know what he’s been

working on during the past ten

years, since his return from exile in

the United States (1983 – 1989).

Nevertheless, Filko is now finding

himself back in the spotlight of

Slovak art.

Cloned Identity

Stano Filko

At the end of the 1960s Filko was an emerging star – not

only in Slovakia but also in the Czech lands. He gained

recognition at prestigious European exhibitions such as

Frank Popper’s Cinetisme, Spectacle, environment (Grénoble,

1968); he was invited to Documenta VII; he was mentioned in

every important foreign review of contemporary Czechoslovak

art at that time (Padrta, Popper, Restany) and in books by Frank

Popper and Udo Kultermann, among others.

Despite this, the extent of Filko’s work is so little known that a

condensed interpretation would be pointless. Instead, let’s now

spend some time remembering a few of the areas he was involved

in.

In the 1950s and 1960s, Filko painted, made assemblages (socalled

“accumulages” or “altars of reality”) and, together with Alex

Mlynárčik and Zita Kostrová, invented the first Happsoc (1965)

– a practically inexplicable action something like a happening,

conceptual art, and a proclamation all rolled into one.

His “altars of reality” combined various materials/objects,

shards of mirror, photographs and daily objects. As time passed,

the works were slowly added to and eventually expanded into whole

environments. From 1966, Filko began including electronic media

such as slide projection, radio and sound in the environments,

bridging the gap between pure phenomena and information

sources. Pierre Restany referred to him as an “architect of

information.”

In 1967, at Gallery Karlovo Náměstí, Filko advanced to the role

of spiritual action artist when he employed every artistic gesture

in the canon, working with the entire gallery environment. At

that time he was also collecting photographic material (found

photographs taken from magazines, books and newspapers) that

reflected his peculiar areas of interest, ultimately publishing it all

in the crude series Associations. He also put out his own music,

and the catalogue he published in 1970, Stano Filko, Oeuvre II, is

in its own right a conceptually sophisticated project.

In the 1970s, his installations and actions shifted slightly, away

from the social, political and sociological reality of the freer 1960s

to values more emotional and spiritual in nature. Around that

time, written text began to play a more crucial role in his work (White Space in

White Space, 1973-1977). The texts were not merely background or addition. In

fact, they became an independent element that gradually developed into a new

discipline called Text Art. They are notable for their deconstruction of standard

orthography and for their characteristic syntax. Understanding the origins and

specific features of Filko’s Text Art, as well as categorizing it within the context of

conceptual language, would require a lengthy study. Filko focused on combining

and harmonizing rationality, sensitivity and emotion, and then transformed the

texts, allowing them to assume a greater homogeneity (see texts “Emotion, Clear

Emotion, White Space in White Space,” 1977, and “Transcendence,” 1978).

His American works from the 1980s and 1990s pared down to a kind of modern

primitivism, strengthening the symbolic and spiritual dimension of his work

through the simplification of means, which further developed into a complicated

personal iconography. In order to understand Filko’s installations from that time,

it is important to notice the increasing number of texts that no longer relate to the

individual projects. They represent a perpetually developing study dealing with

numerous phenomena, and play a defining role in his iconography.

But the theme that most closely approaches Filko’s person/body is the construction

of his own identity, the symbolic reconstruction of his own ego following each of

his three self-declared clinical deaths (1945, 1952, 1984). He takes the experiment

further by cloning his ego through various name mutations: Stano Filko (1937-

1977), Stan Fylko (1978-1987), Stan Phylko (1988-1988/1989), Phylko (1988-1997),

and Phys (1998-present). In addition to the theme of his personal identity, which

dates all the way back to the 1960s (My Birthplace, 1968/1978), Filko also sought to

unravel the motif of Woman/Venus/Sheherezade and the continuously recurring

point of infinity/space/time cosmos.

Now he has once again begun to initiate new groups and projects, as he did in the

1960s and 1970s when he formed Filko-Mlynárčik, and Filko-Laky-Zavarský. One

of his recent joint projects is a strong conceptual and visual partnership with the

much younger artist Boris Ondreička.

Due to the nearly forty-year-long absence of any exchange between Slovakia

and the rest of the European art scene, there is a distinct imbalance between the

significance and originality of Filko’s works and the recognition they have achieved

outside Slovakia, or even in his homeland. The generation that emerged in the

1960s was without a doubt the one that suffered most from this neglect.

The influence that political, cultural and social circumstances had on Filko’s

work during different periods could form a chapter of its own. His mutually


Städteplanung / Architektur / Religion Buch II - KONTAKT tranzit ST/A/R 13

Scenarist, De-Nominator-Z -Reincarnation-Birth (no date), photo Jiří Thyn

Fylko 1978, Filko

1976 November 1979,

Transcendency, Colour

photograph + white

paint 7,7x 11 cm

Multiple pneumatic tire, photo,

original 1958- ŠUP, Shakra-orangecreativity-Red-

revolution, exhibition

1968

untitled, 2008

PHYS

LP Cosmos, postavangard-postvanguard, 33, Happsoc – 4, 1967-1971, Stano

Filko. 2-sided LP, Cosmos Espace Univers, postavangard-postvanguard, 33,

Happsoc – 4, 1967-1971, Stano Filko


14 ST/A/R

Buch II - KONTAKT tranzit Nr. 21/2009

tranzit is a network working independently in Austria,

the Czech Republic, Hungary and Slovakia since 2002.

The network has a polycentric structure as a collective of autonomous

local units cooperating across various borderlines – between

nations, languages, media, mentalities and histories.

Each tranzit works under its own conditions in a variety of local

contexts, using different formats and methods such as critical platforms,

exhibitions and other artistic settings (musical, poetical, literary,

performative...), lectures, discussions, publications, research,

mediation and non-conformist education.

tranzit generates deep experience in the local artistic and intellectual

biotopes in relation with continuity, a re-assessment of contemporary

history (arising chiefly from the artistic catharsis of the

1960s and ‘70s) and in challenging the canons, geographies and

master narratives of postwar European (art) histories. The aim of

tranzit is to act translocally, i.e. in constant dialectics in between local

and global cultural narratives.

tranzit’s experience with self-organized activities in progressive cultures

is dates back to the totalitarian society of the 1970s and ‘80s and

have continued through the hypertransformational period and the

comprehensive reform of all strata of society in the 1990s and up to

the present.

tranzit is engaged in numerous side projects, such as Monument to

Transformation in Prague, the Július Koller Society in Bratislava and

Vienna and The Free School for Art Theory and Practice in Budapest.

tranzit’s main financial support comes from the Erste Group Banks in

Austria, Czech Republic, Hungary and Slovakia.

www.tranzit.org

KONTAKT

tranzit

Kontakt. The Arts and Civil

Program of Erste Group in

Central Europe

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Nr. 21/2009 Buch II - KONTAKT tranzit

ST/A/R 15

Thomas Redl, „von schwelle zu schwelle“, Installation; Chiesa di San Lio, Venedig

Thomas Redl, Still aus dem Film „von schwelle zu schwelle", 2009

von schwelle zu schwelle

man benötigt oft die ganze kraft, nur um die eigene einheit zu erhalten, um sein Sein in dieser welt zu

bewahren und in der ganzheit zu bleiben. // ich lege meinen kopf zwischen zwei wörter zur ruhe, an einem

ort, den es hier nicht gibt. / mnemosyne. gedächtnispalast. (mnemonik des schmerzes. an den körperrändern.

mnemonik des glücks. gelegt in den wohlgefühlen.) / unverborgenheit. // ein zweites leben. in dem einen. die

architektur des lebens neu zu bauen als aufgabe der traums in der realität. stück für stück. / der bebende

körper wünscht sich leben. aufgerüttelt / im sekundenschlaf auf der autobahn finden wir ruhe. // atmen. im

jetzt. atem für atem. licht für licht. behütet die welt abgehen. / zwischen dir und dir ist nur ein moment. am

ort der wörter. an ihrem rand. an der befindlichkeit des seins. an deinem ort. der dich kennt. und den du

kennst. //

die namen, die ich nicht erinnere, sind eine erleichterung. / das vergessen hat kein gewicht. /

es gibt keinen mangel.

Auszug aus der Textskizze zum Film „von schwelle zu schwelle" , Thomas Redl 2009

„von schwelle zu schwelle„, Installation mit Film, Wasserbecken, Rückwand

Die Installation beruht auf einem Stahlbecken mit schwarz gefärbtem Wasser, welches als „black mirror“ dient.

Auf der installierten Rückwand hinter dem Becken wird der Film „von schwelle zu schwelle“ auf den Kopf

gestellt projeziert. Der Film spiegelt sich seitenrichtig auf der Wasseroberfläche und wird dadurch lesbar.

Großteils in S/W gehalten, besteht der Film aus Bildern, die Teil unseres kollektiven Bildgedächtnisses sind.

Der Titel der Arbeit bezieht sich auf den Gedichtzyklus „von Schwelle zu Schwelle“ von Paul Celan.

Kamera: Gerald Kofler, Vertonung: Thomas Nordwest.

Ausstellungsprojekt „détournement venise“ ; Juni bis Oktober 2009


16 ST/A/R

Buch II - KONTAKT tranzit Nr. 21/2009

Archiquantskulptur

Der grossartige Herbert Flois


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch III - ST/A/R-Galerie ST/A/R 17

WestLicht. Schauplatz für Fotografie

1070 Wien, Westbahnstraße 40

www.westlicht.com Viennafair 09 Stand 1507


18 ST/A/R

Buch III - ST/A/R-Galerie Nr. 21/2009

KUNSTHALLE wien

Sommer der Fotografie

Thomas Ruff. Oberflächen, Tiefen

Das Porträt. Fotografie als Bühne

21. Mai – 13. September 2009 3. Juli – 18. Oktober 2009

Ein Fotoparcours der besonderen Art: Fünf Monate lang zeigen wir Einblicke in den menschlichen Alltag und Ausblicke ins Weltall;

Studien über Inszenierung und Schnappschuss, Maskierung und Entlarvung...

Gerald Matt, Direktor

Zwei umfangreiche Ausstellung widmen sich diesen Sommer der Fotografie, speziell dem Porträt in der Fotografie.

Thomas Ruff gehört zu den wichtigsten Fotografen der Gegenwart, dessen Oeuvre so unterschiedliche Bereiche umfasst wie den

Menschen, die Architektur, den Kosmos und das Internet. Die Kunsthalle Wien zeigt in einer umfangreichen Einzelausstellung an die

150 Werken und gewährt damit einen umfassenden Einblick in das vielfältige Schaffen des Künstlers.

Den roten Faden der Ausstellung bilden das scheinbare Gegensatzpaar von Oberfläche und Tiefe und dessen variantenreiche

Ausformungen. Neben seiner Serie von großformatigen Porträts der 1980er Jahre, für die Ruff internationale Bedeutung erlangte, und

den auf Handlungsanweisungen beruhenden Architekturaufnahmen von Herzog & de Meuron stehen seine aktuellsten Serien der

cassini und zycles im Zentrum der Schau.

Thomas Ruff, Porträt (S. Weirauch), 1988, C-Print/

Diasec, 210 x 165 gerahmt / 82 11/16 x 64 15/16 in.

framed, Courtesy der Künstler / the artist © VBK,

Wien 2009

Das Porträt. Fotografie als Bühne erzählt eine Geschichte des fotografischen Portraits von den 1980ern Jahren bis heute, die

das Verhältnis von Fotograf und Fotografierten in seinen vielfältigen Erscheinungsformen untersucht. Dabei geht es ebenso um die

Selbstdarstellung des Aufgenommenen vor der Kamera wie seine Inszenierung durch den Aufnehmenden hinter der Kamera. Die Linse

der Kamera ist das Brennglas, das Maskierung wie Entlarvung gleichermaßen produziert. Gezeigt werden Künstlerstars von Nan Goldin

bis Robert Mapplethorpe.

kunst diskurs: +++ Wie sieht die Fotografie der Zukunft aus? +++ Fotografie im Zeitalter von Digitalisierung und

Nanotechnologie +++ Wie sieht die Fotoszene in Österreich aus? +++ Warum gibt es kein Fotomuseum in Österreich? +++

Zukunft der Fotografie?

Fr, 3. Juli 2009, 19 Uhr

Welche Anforderungen werden an sie gestellt, welche

Hoffnungen an sie herangetragen?

Diskussion mit: Martin Guttmann (Künstler, Wien), Matthias

Herrmann, (Künstler und Professor für Fotografie, Akademie der

bildenden Künste, Wien), Thomas Seelig (Sammlungskurator

Fotomuseum, Winterthur, CH), Rita Vitorelli (Chefredakteurin

Kunstmagazin spike, Wien), Andrea Witzmann (Künstlerin, Wien).

Weitere Veranstaltungen zum Thema: www.kunsthallewien.at

Fotokultur in Österreich

Part I: Fehlt ein Fotomuseum in Österreich?

Mo, 14.09.2009, 19 Uhr

Mit Monika Faber (Leiterin Fotosammlung Albertina), Rainer Iglar

(Fotohof Salzburg), Urs Stahel (Direktor Fotomuseum Winterthur),

Gerald Matt (Direktor Kunsthalle Wien).

Part II: Fotoszene Österreich – ein Sonderfall?

Mo, 21.09.2009, 19 Uhr

Mit Lukas Beck (Fotograf), Peter Coeln (Westlicht, Wien),

Johannes Faber (Galerie Faber).

Museumsplatz 1, A-1070 Wien, Infoline: +43-1-52189-33, Öffnungszeiten: täglich 10 – 19 Uhr, Do. 10 - 22 Uhr

Exkursion

JAHRESRINGE -

Aktueller Holzbau in Niederösterreich

Fr, 5. Juni 2009

Nähere Info unter

ORTE,

Steiner Landstr. 3,

3504 Krems-Stein,

T 02732 78374

office@orte-noe.at

www.orte-noe.at

GALERIE STRICKNER

Ausstellung - Thomas Feuerstein

Planet Paradies

Vernissage: 30. April 2009 von 19 bis 21 Uhr

Ausstellungsdauer: 1. Mai bis 6. Juni 2009

Öffnungszeiten: Di bis Fr von 16 bis 19 Uhr, Sa von 11 bis 13 Uhr

und nach telefonischer Vereinbarung

VIENNAFAIR

2009

HELMUT MARK

EINZELPRÄSENTATION

HALLE A, STAND A1402

Galerie Strickner Fillgradergasse 2/7 • 1060 Wien • Tel: 0680 201 44 52

office@galeriestrickner.com www.galeriestrickner.com


Nr. 21/2009 Buch III - ST/A/R-Galerie

ST/A/R 19

Rothkrebschen

ART CONTEMPORARY

MÄZENBIER

WELTNEUHEIT

Rothkrebschen fördert Kunst

Jeder Genuss eines Mäzenbieres trägt mt 10% zur Dotierung des jährlich vom

Institut für erweiterte Kunst vergebenen

PRIX ARS ROTHKREBSCHEN bei.

Einzigartige Kräuterinhaltsstoffe wie Kümmel,Nelke,Galgant,Malve,

Kardamom,Koriander und Tausendgüldenkraut verwandeln den Geschmack

des Mäzenbieres in eine wildromantische Reise durch eine

sagenumwobene Sommeridylle.

Die Rückseite des Etikett´s der Rothkrebschen 0,33L Flasche wurde

von 20 zeitgenössischen KünstlerInnen gestaltet und ist in Form

eines exklusiven 9er Karton´s, der

SAMMLUNG ROTHKREBSCHEN erhältlich.

Das Rothkrebschenbier wurde entwickelt von:

Hannes Langeder - www.johannes-L.net

Patrick Baumüller - www.p-baumueller.com

in Kooperation mit:

Institut für erweiterte Kunst, Obere Donaulände 11, 4020 Linz

www.ifek.at

Stiftsbrauerei Schlägl

www.schlägl.co.at

Gönn Dir Deinen Schluck Kunst

Grand Hotel Café zum Rothen Krebsen

www.roterkrebs.net

www.Rothkrebschen.at


Städteplanung / Architektur / Religion Buch III - ST/A/R-Galerie ST/A/R 21

Cat-Notation /

Joulia Strauss und Martin Carlé

Buchpräsentation am ZKM Karlsruhe:

am 14 Mai um 20 Uhr

Joulia Strauss und Martin Carlé im Gespräch mit

Peter Weibel und Diana Baldon

ISBN 978-3-88396-258-0

Joulia Strauss, “Dynamic set of Cat Faces”, 2 c-prints,

13 x 60 cm, Auflage 5, 2008

Joulia Strauss, „Zoo der Mathematischen Operationstiere“, c-print, 40 x 170 cm, 140 x 580 cm, Auflage 5, 2009

Durchsetzungsfähiger Hypodorischer Pluskampffisch, Übergreifende Dorische Summenkatze (an der Bar),

Unverzichtbarer Mixolydischer Wurzeladler, Kathartische Hypolydische Divisionsschildkröten, Depressiver Lydischer

Minushund, Chauvinistischer Hypophrygischer Integralschwan, Euphorischer Phrygischer Multiplokationsoktopus

Joulia Strauss und Moritz Mattern. Standbilder aus dem Video “TK News-4” , 3:30 min, PAL, 2008

www.jouliastrauss.net

Foto: André Jenchen

Foto: André Jenchen


22 ST/A/R

Buch III - ST/A/R-Galerie Nr. 21/2009

Als ich Klaus Weibel erzählte ...

Von der Schizophrenie zur kollektiven Autosuggestion

Als ich Klaus Weibel davon erzählte,

das ich einen Aufsatz über das Projekt

Klaus Weibel schreiben würde, indem

es im Allgemeinen um die Zukunft des Kinos

und im Besonderen um den Bruch in der

Wahrnehmung bezüglich desselben gehen

würde, war er nicht besonders verwundert

und riet mir, die Kontroverse zwischen

Platon und Aristoteles nachzulesen. Er sagte:

Für ihn sei das Kino heute nichts anderes als

die Höhle Platons. Er führte in Anlehnung an

die Schilderung des Sokrates wie folgt aus:

„Einige Menschen sind von Geburt an in einer

dunklen Höhle so festgebunden, dass sie

immer nur auf die ihnen gegenüberliegende

Höhlenwand blicken können, die lediglich

durch einen über ihnen angebrachten Schlitz

beleuchtet wird. Die Wahrnehmung der

Welt außerhalb ihrer Höhle beschränkt sich

für die an die Höhle gefesselten Menschen

also auf unscharfe, flackernde Schatten von

künstlich erzeugten Figuren von Lebewesen

und Dingen die ihnen gezeigt werden. Da

sie nichts anderes wahrnehmen, halten

die Menschen diese Schattenbilder für

die wirklichen Dinge.’’ Nun ist mein alter

Freund ja nur eine Kunstfigur und man

könnte ihm zu Gute halten, als solche könne

man ihm die Unschärfe seiner polemischen

Übertragung verzeihen, doch interessanter

war sein Punkt, den er daraus entwickelte.

Die Ideengeschichte sei die ewige

alternierende Meinung zu gleichen oder

ähnlichen Phänomenen. Er würde schätzen,

man solle die Antwort Aristoteles auf Platon

analysieren und diese auf das Phänomen

anwenden. Nun dies hatte eine gewisse

Schlüssigkeit. Platon und Aristoteles waren

beide keine Skeptiker und als solche der

Überzeugung, dass mit Denken und Sprache

die Struktur des Seins zu erfassen sei. Beide

hätten das Kino gemocht nur wahrscheinlich

unterschiedliche Filme. Unterschiede gibt

es aber in den Erkenntnismethoden. Im

Gegensatz zu Platon ist Aristoteles Empiriker

und verteidigt ausdrücklich die Fähigkeiten

der Sinne uns sicheres Wissen zu vermitteln.

Erst die Vernunft, als Summe der Sinne,

vermittle uns ein einheitliches Bild der

Wirklichkeit. Nach Aristoteles verfügen wir

mit unserer Vernunft über das Vermögen zur

unmittelbaren und irrtumsfreien Erfassung

der Welt. Ich solle mich einmal ins Kino

setzen und versuchen vernünftig zu sein!

Jetzt hatte ich also eine Antwort. Die Zukunft

des Kinos basiere auf der Vernunft! Dies wurde

mir von einer Kunstfigur, und eine solche ist

Klaus Weibel ohne Zweifel, zugesprochen.

Dies bedeutet im Umkehrschluss ein

Schatten erklärt dem Angebundenen, er

ist angebunden und außerdem solle er die

Höhle verlassen und die wirkliche Welt

betrachten, sprich vernünftig sein. Wenn ich

Sie bisher noch nicht verwirrt habe, dann

lassen Sie mich dies endgültig nachholen.

Weibel ist eine erfundene Figur, ein fiktiver

Protagonist in einem Realszenario, das

sich in Zusammenhängen des Films, der

Literatur, des Theaters und der Kunst

unabhängig von Systemzwängen, da als

Kunstfigur, bewegt und mehr und mehr in

Realszenarien erscheint. Er bewegt sich in der

Realität, indem er beispielsweise Reden hält

und verhält sich zu den unterschiedlichen

Systemen. Es ist eine wandelnde,

personifizierte Institutionskritik, die von mir,

dem Autor erzählt und mit Hilfe eines Teams

in der Realität umgesetzt wird. Im Jahr 2006

ist sein Hauptaktionsfeld Wien. Darüber

hinaus bewegt er sich ständig als Reisender,

als bezahlter Kunstexperte und Professor

für Kunstgeschichte, wie ein Söldner durch

die Welt. Ein dynamischer Endvierziger, der

meist mit seiner jüngeren Lebensgefährtin

Chantal Sainte Croix, die Vorzüge des Lebens

eines Bohemians genießt und dabei die

Ansprüche eines Borgoise an andere stellt. Er

kann im Unterschied zu anderen Beteiligten

natürlich jederzeit vernünftig sein und ist dies

seinem Wesen entsprechend auch. Die Figur

ist ein Sympathieträger, da sie genau die

Kritik äußert, die normale Systemabhängige

nicht äußern dürfen und Systemopfer nicht

glaubwürdig äußern können, er ist ein

Antiopportunist. Klaus Weibel kann dies und

er tut dies auch, immer wieder öffentlich,

sei es verbal oder schriftlich, in öffentlichen

Veranstaltungen als Redner, auf Podien oder

bei kleineren halböffentlichen oder privaten

Anlässen. Hierbei ist die Kunstfigur als solche

nicht ersichtlich und die Betroffenen werden

nicht vorher und nicht nachher darüber

aufgeklärt. Er erscheint meist als cooler Typ.

Das bei solchen Gelegenheiten gefilmt wird

ergibt sich von selbst. Ich meine, wo wird

den heute nicht mit Digi-cams gefilmt.

Bei öffentlichen Anlässen können es auch

Digi-Beta oder Beta-Kameras sein, ohne das

dies auffällt, außerdem ist Chantal Sainte

Croix eine Videokünstlerin, die sowieso

immer, wenn es ihr bei Auftritten ihres

Lebensgefährten zu langweilig wird, beginnt

mit ihrer Digi-cam zu filmen. Hierdurch

entsteht mit der Zeit ein Fundus und

mithin ein Archiv an Filmmaterial. Daneben

erscheinen zunehmend real publizierte Texte

von nämlichem Autor, es gibt publizierte

Interviews und Menschen, die ihn real

treffen und seine Existenz bezeugen können

und bezeugen werden, da sie nicht über seine

reale Nicht-Existenz aufgeklärt werden. Klaus

Weibel lebt und wird immer lebendiger. Was

aber meint er damit, wir sollten ins Kino

gehen und versuchen vernünftig zu sein?

Lassen sie uns also versuchen vernünftig zu

sein!

Greil Marcus schreibt 1996 in „Lipstick

Traces“ über Guy Debord: „Für Debord

war die Gesellschaft des Spektakels die

moderne Gesellschaft schlechthin, in keiner

Hinsicht natürlich, ein interessenbestimmtes

Konstrukt, aber dessen ungeachtet

unveränderlich vollständig:»Realität erhebt

sich mit dem Spektakel, und das Spektakel

ist real«.” Guy Debord (1931-1994) war

französischer Autor, Filmemacher, Künstler

und Situationist. Er prägte mit seinen Büchern,

Aktionen und Artikeln den Situationismus,

und befasste sich mit den Möglichkeiten

eines experimentellen Kinos, das die

Zuschauerreaktion und den abgedunkelten

Kinosaal in die Vorführung mit einbezog:

Einer seiner Filme bestand aus Stille und aus

einem minutenlangen Schwarzbild, das ab

und zu ins Weiße wechselte, wobei Zitate über

Jugend oder Revolution, und Gesetzestexte zu

hören waren (Hurlements en faveur de Sade,

das Geheul stellten dabei die lautstarken

Proteste des empörten Publikums dar).

Rudolf Walther schreibt am 3.6.2002 in der

Frankfurter Rundschau: “Sein Hauptwerk Die

Gesellschaft des Spektakels (1967) liest und

kennt kaum mehr jemand, aber überall ist

permanent und mit Verweis auf Debord von

»Spektakelgesellschaft«, »Spaßgesellschaft«,

»Kultur- und Theaterspektakeln« die Rede.

Dem Subversiven seines Denkens wurde

der Stachel gezogen”. Klaus Weibel würde

- in Anlehnung an seinen Freund Jean

Beaudrillard - sagen, es fehlt die Sehnsucht

nach dem „Splitter vom wahren Kreuz“. Er

mag den Song von Benny Spellman »Lipstick

Traces on a Cigarette?« und er mag das

gleichnamige Buch von Greil Marcus. Er

ist die Integrationsfigur, die wir gerne sein

würden. Die Figur ist so entwickelt, das er

die kulturelle Bewegungen, die kaum Spuren

hinterlassen haben und die wir lieben, in den

Diskurs einführt. Diese Bewegungen mögen

die Gesellschaft nicht nachhaltig geprägt

haben, aber sie haben das Bewusstsein

von vielen verändert und haben Menschen

geprägt.

Die Situationisten waren eine solche Bewegung

europäischer Avantgarde Künstler, die an der

Schnittstelle von Kunst und Politik, Kunst

und Wirklichkeit operierten und sich für die

Realisierung der Versprechungen der Kunst

im Alltagsleben einsetzten. Sie waren immer

mehr an Subversion, an den Metaebenen

und Verwirklichung von Leidenschaften

interessiert als an den Ideologien, Moden

und den aktuellen Stars, die sie alle als Teil

des Spektakels ablehnten. Nicht nur in den

Befürwortern und Vertretern der bestehenden

Ordnung, sondern besonders in einer

verwässerten, konsumierbaren (Schein-)

Kritik am Bestehenden, die letztlich nur

sein Fortbestehen ermöglicht, sahen sie ihre

Opponenten. Sie forderten unter anderem,

dass das Leben selbst zum Kunstwerk werden

sollte. Genau diese Überlegungen haben wir

unabhängig von Situationismus für dieses

Sabine Jelinek Kontakt:

Sabine Jelinek ist in Wien geboren, lebt und arbeitet

in Wien und Linz und ist im Zuge eines Atelier-

Stipendiums im April, Mai und Juni 2009 in Rom,

sabine-jelinek@chello.at

Camp-Präsenz und Freiheitsobsession – sich verwandeln und verwandeln zu lassen beschreibt Sabine

Jelineks Kunstproduktion. In ihren Blickinszenierungen vermag die Künstlerin der „Erscheinung“ von

Wirklichkeit ein Spektrum von Sichtweisen

abzugewinnen – vom „bloßen Schein“ des

Passageren, über den gleichsam „kalten

Sachblick“ aufs Phänomen bis zur ironischen

Verklärung und fancy-glamour. Geschmacksintelligenz

ist bei Sabine Jelinek

spiegelhaft-reflexiv und bis zum Fetisch hin


Nr. 21/2009 Buch III - ST/A/R-Galerie

ST/A/R 23

Projekt angestellt. Die Situation zu erzeugen,

eine künstliche Autoritätsfigur zu evozieren

und sie dann zur Eskalation zu bringen. Alle

Situationen sind einmalig, unwiederholbar

und äußerst anspruchsvoll zu spielen.

„Life“ und mit der Möglichkeit, das reale

Menschen, das Geschehen sabotieren oder

verunmöglichen. Das Scheitern ist mit

gedacht und gewollt, dieses Scheitern an der

Realität, sei es das der Figur Weibels, des

Schauspielers, des angespielten Zuschauers

oder des Angegriffenen sind im Filmmaterial

dokumentiert und werden ungeschnitten

belassen. Das Scheitern an der Realität ist

ein entscheidender Moment. Aber Realität,

was ist Realität?

Klaus Weibel schlägt uns die aristotelische

Vernunft vor. Er verweist uns auf den Film

Bennys Video des Regisseurs Michael Haneke

aus dem Jahre 1992. Benny, ein zwölfjähriger

Junge lebt in der Höhle der neuen Medien.

Sein Zimmer ist mit elektronischen Geräten

aller Art vollgepackt. Der Blick aus dem

Fenster ist nur durch einen Bildschirm

möglich. Im Zimmer sind Videokameras

installiert, die das Geschehen aufzeichnen.

Als Benny eines Tages von einem Mädchen

besucht wird, ist das der Beginn eines

tödlichen Spiels. Sie spielen beide mit einer

zur Tötung von Schweinen verwendeten

Pistole. Zunächst fordert Benny das Mädchen

spielerisch auf, auf ihn zu schießen. Das

Mädchen weigert sich. Als sich das Spiel

umkehrt, hat es für das Mädchen tödliche

Folgen. Die Szene wird von den im Zimmer

befindenden Kameras aufgenommen. Benny

erfährt eine Läuterung, indem er nicht an

der Video-Vorstellung seiner Tat verhaftet

bleibt, sondern sich dem Sinn dieser Tat

öffnet. Über die schwierige Loslösung von

den medialen Fesseln erfahren wir anhand

von Andeutungen: Allerdings ist die Welt

des Sinns der Sinne für Benny keineswegs

göttlich, sondern zutiefst menschlich. Das

Unumkehrbare seiner Tat öffnet ihm die

Augen der Vernunft.[1]

Platon hatte in seiner staatsutopischen

Schrift “Politeia” die These vertreten, dass

Schlechtes und Verbrecherisches auf der

Bühne zu sehen, die Menschen ihrerseits

schlecht und verbrecherisch mache.

Aristoteles hatte hingegen eingewendet, dass

das Gegenteil der Fall sei. Platons Angst vor

der negativen Medienwirkung setzte er die

Hoffnung auf eine rationale Bewältigung

und daher positive Medienwirkung entgegen:

Die Menschen würden dadurch, dass sie sich

mit dem Schwierigen und Problematischen

auseinander zusetzen haben, nicht selbst

schwierig und problematisch, sondern

geübt im Umgang mit Schwierigem und

Problematischem. Dies erinnert mich an eine

Diskussion mit einer Frau, die ich nicht kannte,

in der Küche eines Freundes in Wien und die

Diskussion über „Hundstage“ von Ulrich

Seidel, im Gegensatz zu „Sommer Vorm

Balkon“ von Andreas Dresen. Hundstage,

sei kalt und unmenschlich, voyeuristisch

und zynisch, Dresen jedoch zeichnete die

Charaktere weicher, verletzlicher, in ihrer

romantischen und menschlichen Art und

gefiele ihr viel besser. Ich argumentierte

anders, ich mochte beide Filme, mir blieb

Hundstage jedoch stärker in Erinnerung, da

ich die Unversöhnlichkeit des Geschehens

und die

Aber ist das die Realität oder kann dies

die Realität sein? Kann Film überhaupt

Realität abbilden? Wie aber können wir

Realität abbilden, oder wie können wir

unsere Sinneswahrnehmungen in Film

umsetzen? Bei der Entwicklung der Figur

Weibel haben wir immer wieder nach

Möglichkeiten gesucht Fiktion in Realität zu

implementieren und dadurch Realitäten zu

schaffen, verlaufsoffen und möglicherweise

eben zum Scheitern verurteilt. Pate stand

hier weniger die Forderung der Dogme 95

: Zeitliche oder lokale Verfremdung ist

verboten – d.h. der Film spielt hier und

jetzt, auch wenn sich Szenen immer hier

und jetzt abspielen, nur das sie nicht mit

gecasteten Schauspielern hier und jetzt

ablaufen, sondern Schauspieler im Spiel mit

real existierenden und real angesprochenen

Personen, die weder Amateurschauspieler

sind, noch solche sein wollen. Als Drehorte

kommen ausschließlich Originalschauplätze

in Frage, auch wenn wir natürlich Requisiten

ergänzen und der Regisseur ist natürlich in

seiner Rolle auch erheblich beschränkt, er

kann zwar im Vorhinein den Schauspieler

instruieren, kann aber im Verlauf weder

helfend noch korrigierend eingreifen. Im

direkten Gegensatz zu Dogme 95 ist dieses

Projekt individuell, nur dass das Individuum

ein komplementäres Kollektiv, das sich

wie ein offenes Autorensystem das seine

Akteure in Impulsumgebungen bringt.

Ähnliche Bestrebungen gab es schon in

den 1950er Jahren mit der aus Frankreich

stammenden Nouvelle Vague und dem 1962

veröffentlichten Oberhausener Manifest.

Es kommt jedoch ein wesentlicher Faktor

hinzu, der Erfahrungsfaktor. Wir erinnern

uns an den Film „The Game“ von David

Finchen. Der Film handelt von einem sehr

reichen und zynischen Investmentbanker,

Nikolas Van Orten, gespielt von Michael

Douglas, und seinem Bruder Conrad,

gespielt von Sean Penn und dessen Geschenk

anlässlich seines 48. Geburtstages. Es ist

die Teilnahme an einem mysteriösen Spiel

der Firma „Consumer Recreation Service

(kurz CRS). Das Spiel beginnt unmerklich

und nimmt dann ständig an Dramatik

zu, der Zuschauer ist auf der Suche nach

Erklärungen, was ist Spiel und was ist die

Filmrealität, bis er schließlich merkt beides

ist eins. Die Realität des Spiels bestimmt

die Realität der Charaktere, Nicolas von

Orten ist im Netzt des Spiels gefangen und

beginnt sich langsam immer stärker in die

Realität des Spiels hinein und aus seiner

eigenen heraus zu bewegen. Irritation

wird zu Wut, Wut wird zu Verzweiflung,

Verzweiflung wird zur Aufgabe, schließlich

der Fall durch das Atrium des Hochhauses,

vermeintlich todbringend und die Auflösung,

die sichere Landung, das Geburtstagsfest.

Händeschütteln. Conrad schenkt seinem

Bruder eine Borderline –Erfahrung.

Cameron Crowes US-Remake des

spanischen Psycho-Thrillers “Abre los Ojos”

von Alejandro Amenábar (“The Others”) ist

ein lange Zeit verstörender, aber letztlich

faszinierender Alptraum. Der New Yorker

Vorzeige-Playboy David Aames (Tom

Cruise) genießt sein sorgenfreies Leben in

vollen Zügen. Sein Vater hinterlässt ihm

ein millionenschweres Verlagsimperium.

Privat führt der selbstverliebte Lebemann

eine sarkastische, zynische Beziehung zu

dem Model Julie (Cameron Diaz), das er

ebenso wenig liebt, wie er die Freundschaft

zu seinem einzigen Kumpel Brian (Jason

Lee) respektiert. Er beginnt eine Affäre mit

der Freundin von Brian, Sofia. David ist

sofort von der Tänzerin Sofia (Penélope

Cruz) fasziniert, als er ihr auf einer Party

begegnet. Julie, die gern eine feste Beziehung

hätte, fühlt sich hintergangen. Sie verwickelt

David in einen Autounfall, gemeinsam

rasen sie mit 120 Stundenkilometer eine

Brückenbrüstung hinunter - Julie ist tot,

David überlebt schwer verletzt - sein Gesicht

ist furchtbar entstellt. Nach dem Unfall wird

David einem Verhör eines Therapeuten

ausgesetzt, der herausfinden soll, was

wirklich passiert ist, denn so wie David es in

Erinnerung hat, scheint es nicht gewesen zu

sein. Mit zunehmender Dauer des Film wird

der Zuschauer, der an die Blickperspektive

Davids gebunden ist, wie der Protagonist, die

Übersicht zu verlieren. Immer verzweifelter

versucht David, die Wirklichkeit zu verstehen.

Was ist Traum - was ist Realität? Am Ende

steht er wie der Zuschauer auf dem Dach

eines Hochhauses und springt. Allein er

wacht im Krankenhaus auf und lebt.

Warum diese beiden Filme? Diese Filme

verschleifen nicht nur die Realitätsebenen

im Film, sondern handeln beide von

Unternehmen die Realitäten verändern und

Spielrealitäten evozieren, die den Spieler

mit Grenzerfahrungen konfrontieren.

Grenzerfahrungen, die im Moment in

ihrem Spielcharakter nicht erkennbar

sind. Das totale Zusammenbrechen der

eigenen Wahrnehmungsgewohnheiten.

Wirtschaftlicher, physischer und psychischer

Ruin werden dramatisch realitätsnah für

die Protagonisten im Film erfahrbar. Diese

Erfahrung, diese Grenzerfahrung, den

Moment des eigenen Scheiterns, des totalen

Versagens und das in einem Realszenario

interessiert uns mit dem Projekt Klaus Weibel.

Wie der Mitarbeiter von Finchens CRS sagt,

sie fahren nicht in die Ferien, die Ferien

kommen zu Ihnen. Analog hierzu Klaus

Weibel kommt zu Ihnen. Diese Konfrontation

der Kunstfigur mit der Realität und in der

Realität von vermeintlich Unbeteiligten oder

einem oder wenigen Beteiligten ist für uns

von Interesse. Was passiert, wenn er einen

Unbeteiligten, am Geschehen beteiligt und

dies im Film zu sehen ist. Verwunderung

ist ja noch die geringste der möglichen

Reaktionen, am ende ist alles offen und das

ist auch gut so!

[1] Vgl. Rafael Capurro:

HÖHLENEINGÄNGE. Zur Kritik des

platonischen Höhlengleichnisses als

Metapher der Medienkritik, 2004, www.

capurro.de/plato.html

leidenschaftsfähig. Manche Farbe lässt die Künstlerin eigensinnig wirken. Die Sujets ihrer Photos & Videos sind inside „out-looks“ – zeigen Bühnen, auf

denen performative Einsamkeit, Selbstbegegnung und Gemeinschaftliches stattgefunden haben oder gerade erwartbar sind. Die Künstlerin etabliert

„Zwischenwelten“ und vermeidet das „alter-naive“ Pathos sich „Gegenwelten“ gleichsam auszumalen, in welche zu flüchten sich lohnen könnte. Auch

wenn es konsequent in ihrer Kunst um ihre Person, deren Verletzlichkeit oder deren Herausforderung Künstlerin sein zu müssen/wollen, geht, setzt

sich Jelinek nicht „ich-haft“ ins Zentrum optionalen Erzählens. Die Künstlerin lotet die analogen Medien beharrlich aus, keineswegs aber nostalgisch,

sondern um sich deren experimenteller Möglichkeiten immer neu zu versichern – so verwendet sie die digitalen Medien mit einiger Klugheit mehr.

Herbert Lachmayer


24 ST/A/R

Buch III - ST/A/R-Galerie Nr. 21/2009

KÜNSTLERSTADT GMÜND IN KÄRNTEN

EINE GANZE STADT IST BÜHNE!

Erleben Sie eine der lebendigsten und vielfältigsten Kleinstädte Österreichs.

Gmünd in Kärnten setzt seit 20 Jahren konsequent auf Kunst und

Kultur! Ausstellungen, Künstlerateliers, Galerien, Werkstätten, interna-

tionale Gastateliers und ein wunderbarer Skulpturengarten laden zum

Flanieren in die reizvollen mittelalterlichen Gassen und Plätze der Stadt

ein. Kommen Sie und staunen Sie über Vielfalt und Qualität!

HIGHLIGHT 2009:

Stadtturm Gmünd

ALFRED KUBIN RETROSPEKTIVE

Zum 50. Todestag (1959 – 2009)

6. Juni bis 27. September 2009

Täglich geöffnet von 10-13 und

15-18 Uhr


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch IV - WARAN ST/A/R 25

ARTES LIBERALES

FREUNDLICHE GESICHTER

BEIM ZIELPUNKT

ONLY FOR PAVEL

ADAM


26 ST/A/R

Ich war kein Nazi , mein Pferd schon

noch, so wie andere Verstorbene

und auch Babys

DIR SITZT DIE ANGST IM NACKEN MEIN GELIEBTES AMERIKA

Buch IV - WARAN Nr. 21/2009

auf der Watchlist stehen Drahdiwaberl, Waldheim immer

TRAUMATISIERT BIS ZUM GEHT NICHT MEHR

VIETNAM LAST BUT NOT LIEST LSD AMPUTATIONEN DIE GELBE PEST SCHLITZAUGENHASSER

ALLES AN DIE NACH KOMMEN VERERBT

CHINA TOWN

CHEAP BUT TRASH COPY EVERYTHING PLAGIAT FOR PROLETARIAT

WENN AERA !% ZUM RAMMBOCK DER NATION WIRD STÜRMEN WIR DIE BUDE UND PUTZEN ALLES BLITZ BLANK

ACCEPT ONLY BLANCOCHECKS

BODYCHECK AT THE AIRPORT JUMP AUT OF YOUR SHOES TRUST NOBODY ENEMYS ALL OVER

THE WORLD

IN GOD WE TRUST PYROTECHNIKER WER ZÜNDELT MACHT IN DIE HOSE VERGEWALTIGER

WERDEN ENTMANNT

FRAUEN SIND IN DER ÜBERZAHL JE MÄCHTIGER UM SO MEHR ANGST EMANNZIPATION BEDEUTET


Nr. 21/2009 Buch IV - WARAN

ST/A/R 27

NUR WAHLRECHT FÜR ALLE

DAS WAHLERGEBNIS STEHT SCHON LANGE VORHER FEST

SIEGERSTRA?E NIGHT LINE PASSAGE PUSSYS SPEED YELLOW UPPERS POPPERS POPS

TO ALL TOMORROWS PARTYS DEMOKRATIE DAS VOLK KANN NICHT MEHR KEIN GRUND ZUR VORFREUDE

WEIHNACHTEN WIRD DIESES JAHR GESTRICHEN IN HELLBLAU HELLBOY HELLBITCH BOING /$/

HAMBURG CONTAINER LADUNG HUMAN SLAVES EAT SHIT

THE COLOUR OF YOUR

SKIN WILL BE JUDGED BEI

EVERYBODY STOP MAKING

SENSE DISHWASHER

WAR LIKE &( 68 saigon heli

hubi kill kill kill kill slep well träum was

schönes

uns geht`s nur so gut weil`s den anderen so schlecht geht

walter ppk uci

aug um aug

google earth shot by internet auf offener straße jeder gegen

jeden jedi ritter sport

eiskalt hochsaison im eissalon volle kraft vorraus

eisberg blubb GAME OVER

From: waran1971@hotmail.com

und wieder einmal wie jedes jahr kommen wir

am sonntag 5 april wieder zusammen und

feiern unser Taliban sylvester

hippie eye jäh Schweinebacke

um an einer Demo erfolgreich

teilzunehmen muss man wissen um was

es geht wo gegen sie ist

gemein sein ist alles

und wir waschen Geld , das wir

gar nicht haben

Tiefstappler

dabei sein ist alles

scientology wäscht Gehirne

Capistrangasse Sonntag 19 uhr Die Gerechtigkeit wird

siegen Radiofrequenzen verwechseln sich selbst

alle glauben Austria ist Australia

Digaridoo zum Früchstück

drum gibt#s auch Radio

wir spielen australlisches Federball mit Bum Bum Bumerang

Bummerin kommt auch vorbei und spielt uns was vor

Sylvester eben Saufen im 3/4 Takt Prost und jeder darf

seinen Senf dazugeben

OKTO filmt das ganze Beweismaterial und jeder wird dann verklagt weil

er/sie sich daneben benommen hat nach drei Vierteln sieht die welt schon

anders aus

Dr. Michael Häüpl hält eine Nulllohnabschlußrede und verzichtet auf sein

übliches Trinkgeld

Der Doppleradler sieht sehr sehr scharf aber doppelt

sein und wir wer´n nimmer sein

wer nicht kommt wird sich selbst dafür bestrafen müssen und

Steineklopfen auf der Höhenstraße

Einer für alle alle für sich Egoshooter nur unter der

Gürterllinie LACHEN VERBOTEN

Enthauptungen sind wieder an der Tagesordnung

gibt´s GULASCH

danach

Wenn sie diese Zeilen gelesen haben sollten sie ihren PC sofort

vernichten und ihr Händy auch gleich mit

und so schnell wie möglich untertauchen

die

GESTAPO hat von all dem scheiß schon Wiend bekommen

und niemand wills gewesen sein

das Waldheimsyndrom :::

ERINNERN

ICH KANN MICH AN NICHTS

die

Es wird ein Wein


Städteplanung / Architektur / Religion Buch IV -

Waran


WARAN ST/A/R 29


30 ST/A/R

Buch IV - WARAN Nr. 21/2009

Juanita Ahhhhh...

the best of the

best Muschi in town


Nr. 21/2009 Buch IV - WARAN

ST/A/R 31


32 ST/A/R

Buch IV - WARAN Nr. 21/2009

ONLY FOR PAVEL


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch V - Hinterthuer ST/A/R 33

Form: Franz West

Fassadenmuster: Hofstetter Kurt

Archistrator: Heidulf Gerngross

Werkstatt Wien

mit dem österreichischen Spitzenbüro

VASKO & Partner Ingenieure

und Rieder

„Bauelemente fürs Leben“

Nageltower

Visualisierung

work in progress

Maciej „Magic“ Boltryk –


34 ST/A/R

Buch V - Hinterthuer Nr. 21/2009

Elias, Flora y Carolina

Die Kinder des ST/A/R-Artdirectors http://www.paradise-in-portugal.com

Ein Mann – zwei Kulturinitiativen

von Birgit Kronig

Die Rede ist von Fritz Hock –

gebürtiger Kärntner, Auswanderer,

Heimkehrer, Hobbyfilmer, Initiator

von Citykis.net und K3: Internationales

Kurzfilmfestival Villach.

Aber schön der Reihe nach: Hock

absolvierte sein Studium der

Rechtswissenschaften in Wien und

ging im Anschluss daran in eine noch

größere und noch fremdere Stadt ...

New York City. Konfrontiert mit einer

Welt, die vielfältiger, bunter, größer

und schnelllebiger war, konfrontiert

mit einem Überangebot in jeder nur erdenklichen Hinsicht, musste er an seine

Heimat denken, die ... so ganz anders war: Eingebettet in die östlichen Ausläufer der

Alpen, von bestechlicher Schönheit und landschaftlicher Vielfalt, bietet der Alpen-

Adria-Raum so viel und scheinbar doch so wenig. Ohne Auto kommt man nirgendwo

hin, im Dorf ist nichts los und in der Stadt sieht’s auch nicht viel besser aus, so der

allgemeine Tenor unter den Jugendlichen. Wie sonst lässt es sich erklären, dass so

viele junge Kärntner ihre Heimat verlassen und nur zurück kommen, um sich einige

Tage vom Großstadtrummel zu erholen?! Die tatsächlichen Gründe mögen vielseitig

sein, doch ein Vorteil der Großstadt liegt auf der Hand: Das Urbane zeichnet sich

durch sein dichtes Netzwerk aus – ein Netzwerk bestehend aus Straßen, Bus- und

Bahnlinien, die viele Orte wie Ankerpunkte mit einander verbinden. Dazu gehören

auch ein niemals endender Informationsfluss und eine große Zahl an Menschen,

die dieses Netzwerk und die damit verbundenen Möglichkeiten nutzt – ohne großen

finanziellen und zeitlichen Aufwand, sei wohl bemerkt.

Wenn das auch im ländlichen Raum so funktionieren könnte ... ein Netzwerk,

das Kärnten, Italien und Slowenien über nationale und sprachliche Grenzen

hinweg verbindet, eine kulturelle Metropole in den Alpen – CityKIS. Und welches

Medium eignet sich besser

Was? K3: Internationales dazu, internationale Netzwerke

Kurzfilmfestival

aufzubauen, als das World Wide

Wo? Stadtkinocenter Villach

Web?!

Hock kam zurück und arbeitet

Wann? 3. – 5. Juli 2009

seither fleißig daran, die Utopie

Web: www.kdrei.at

CityKIS Wirklichkeit werden

Web: www.citykis.net

zu lassen: „Mit Hilfe unseres

Online-Veranstaltungskalenders wollen wir

Interessierte über kulturelle Highlights in der

Region am Laufenden halten. Wir versuchen,

durch Networking die Vorteile des Urbanen in den ländlichen Raum zu bringen. Dies

geschieht nicht nur über das Internet, sondern auch in der realen Welt, indem wir

eine Mitfahrbörse und Shuttlebusse zu größeren Veranstaltungen organisieren. Wir

planen also eine City Kärnten – Italien – Slowenien, die die positiven Aspekte von

Stadt und Land mit einander vereint“, so Hock.

„Die Menschen sollen sich in unseren Bus setzen wie die New Yorker in die U-Bahn

einsteigen – unkompliziert und kostengünstig. Um in einer Weltmetropole vom einen

bis zum anderen Ende zu gelangen, benötigt man mindestens eineinhalb Stunden. In

Citykis soll das nicht anders sein, vielleicht sind hier die Distanzen größer, doch dafür

kommt man schneller voran. Und wer einen Blick auf citykis.net wirft, wird gleich

feststellen, dass in der Region so einiges los ist!“

Auch Hock selbst ist mit K3: Internationales Kurzfilmfestival Villach als Veranstalter

tätig. Das Festival dauert vom 3. bis 5. Juli und bietet seinen Besuchern ein

abwechslungsreiches Programm mit Kurz- und Animationsfilmen aus aller Welt. Den

Juryvorsitz übernimmt in diesem Jahr Anna Jermolaewa, Professorin für Medienkunst

an der Universität Karlsruhe.

Die teilnehmenden Filmemacher erwartet die Chance auf drei Auszeichnungen mit

einem Gesamtpreisgeld von 2.000 Euro. Fritz Hock ist positiv gestimmt: „Unter den

Einsendungen sind bereits einige viel versprechende Beiträge. Ich rechne damit, dass

die sehr erfreulichen Besucherzahlen vom Vorjahr heuer noch übertroffen werden.

Die Vorzeichen stehen gut, deshalb mieten wir in diesem Jahr einen größeren

Kinosaal und haben das Festival auch zeitlich ausgedehnt.“

Wie man sieht, tut sich so einiges im Kärntnerland, pardon, in CityKIS.


Nr. 21/2009 Buch V - Hinterthuer

ST/A/R 35

UTOPIA ULTRA - MEKKA DER DÄMONEN

TIPOLIS IM GANZHEITLICHEN UMSCHWUNG

von Marcus Hinterthürr

oder: wie man einen

Mann mit einer

Wohnung erschlägt, wie

mit einer Axt - oder wie

man es eben nicht tut!

NECROPOLIS ET EXITUS

FIAT LUX Es ist ein Licht, das jede

andere Helligkeit an Leuchtkraft

überstrahlt, ein Erwachen in einem

Moment äußerster Lichtheit.

Ich war in einem Garten, sah

durch ein dunkles Gitterwerk leuchtende

rote, gelbe und grüne Lichter

fallen, ein unbeschreiblich beglükkendes

Erleben. Eine Flucht hochragender

gotischer Bogen, ein unendlicher

Chor, ohne das ich die unteren

Partien mitgesehen hätte.

Wesentlich war, das alle

Bilder aus unabsehbar zahlreichen

Wiederholungen derselben Elemente

bestanden: viele Funken, viele

Kreise, viele Bogen, viele Fenster,

viele Rhomben, viele Archiquanten,

usw. Nie sah ich Einzelstehendes,

sondern stets dasselbe unendlich oft

wiederholt.

Eine Wolkenkratzerlandschaft,

wie sie aus Bildern der New Yorker

Hafeneinfahrt bekannt ist: hintereinander-

und nebeneinandergestaffelte

Häusertürme mit unzähligen

Fensterreihen.

Ein System von Masten und

Seilen, das mich an eine am Vortag

gesehene Gemäldereproduktion

erinnert.

Ein Abendhimmel von unvorstellbar

zartem Blau über den dunklen

Dächern einer spanischen Stadt.

Ich verspüre ein seltsames

Erwartungsgefühl, bin freudig und

ausgesprochen erlebnisbereit. Mit

einem Mal leuchten die Gestirne auf,

häufen sich und werden zu einem

dichten Sternen- und Funkenregen,

der auf mich zuströmt. Stadt und

Himmel sind plötzlich verschwunden,

und ich befinde mich in einer

wunderbaren, phantastischen

Landschaft. Sie ist dem Inneren eines

riesigen gotischen Kirchenschiffes

vergleichbar, mit unendlich vielen

Säulen und Spitzbögen. Diese bestehen

aber nicht aus Stein, sondern

aus Kristall. Bläuliche, gelbliche,

milchige und klar durchscheinende

Kristallsäulen umgeben mich wie

Bäume in einem lichten Wald. Ihre

Spitzen und Bögen verlieren sich

in schwindelnder Höhe. Ein helles

Licht erscheint vor meinem inneren

Auge, und eine wunderbare, sanfte

Stimme spricht aus dem Licht zu mir.

Ich höre sie so wie klare Gedanken,

die in einem entstehen. Und fünf

Tage später kehrten zwei Gesichter

zurück: das des Paters, zornig, dog

______________________

Vgl. Heinrich Zille “Leben und Werk”

in dem Zusammenhang: die Berliner Sezession (1892 - 1933),

sowie: Simplizissimus (Satirische Deutsche Wochenzeitschrift)

Marcus Hinterthür

La Vie des Termites

Druckgrafik 2009

Auflage: 10´000 Stück

matisch, Gehorsam verlangend, und

das des Banditen, sardonisch, zu

Zynismus ermunternd; und Nouki

begriff, dass er eines Tages unter

Umständen Heidulf zu töten hatte.

Aber es mussten erst noch weitere

Jahre vergehen, und Nouki musste

zuvor noch den Bombenanschlag auf

sein eigenes Büro planen, zusammen

mit Maciej „Magic“ Boltryk;

erst dann würde er wissen, dass er

Heidulf Gerngross tatsächlich ohne

Gewissensbisse umbringen würde,

falls dies einmal notwendig sei...

«Hello.»

«Hier ist Matthes Hentz, wer

spricht dort?»

«Wer zum Teufel dachtest du

wohl, könnte es sein? Du hast doch

meine Nummer gewählt.»

«Jesus Christ», sagte Matthes.

«Hör mal, ich befinde mich an

einem Ort, wo ich dem Telefon nicht

so recht traue. Ich muss ganz sicher

gehen, dass ich wirklich mit dir spreche.

Identifizier dich also bitte so,

ohne dass ich deinen Namen sagen

muss. Verstehst du?»

«Natürlich verstehe ich dich. Gar

nicht nötig, dass du so schülerhaft

daher redest. Hier spricht Thomas

Redl, Matthes, und ich nahm an,

du hast nichts anderes erwartet.

Wo zum Teufel steckst du? Bist du

immer noch in Papua Neuguinea?»

«Ich bin auf dem Grund des

Atlantik.»

«Ich kenne dich ja gut genug,

um nicht überrascht zu sein. Hast

du schon gehört, was hier gelaufen

ist?»

«Nein. Was ist passiert?» Matthes

umklammerte den Hörer fester.

«Heute morgen, ganz früh,

ist im ST/A/R-Büro eine Bombe

hochgegangen. Und Heidulf ist verschwunden.»

«Ist er tot?»

«Soviel ich weiß, nicht. Tote

gab‘s keine. Wie sieht‘s bei dir aus?

______________________

Vgl. Alexander Schießling, “Schlachthaus Gesellschaft”

Vgl. Johann Most, “Kriegswissenschaft”

1 Ebenda

Alles okay?»

«Ich gerate gerade in eine

unglaubliche Geschichte, Thomas.

Sie ist so unglaublich, dass ich gar

nicht erst versuchen will, sie dir zu

erzählen. Jedenfalls nicht, bevor ich

zurück bin. Wenn du dann immer

noch eine Zeitschrift machen solltest.»

«Bis jetzt gibt‘s die Zeitschrift

schon noch und ich mache sie jetzt

von meiner Wohnung aus», sagte

Thomas «Ich hoffe nur, die kommen

nicht auf den Gedanken, mich auch

noch in die Luft zu jagen.»

«Wer?»

«Wer auch immer. Matthes, dein

Auftrag läuft weiter. Und sollte deine

Geschichte irgendetwas mit dem zu

tun haben, weshalb du in Papua

Neuguinea warst, kann ich dir nur

sagen, bist du in Schwierigkeiten.

Von Reportern erwartet man nicht,

dass sie herumziehen und die Büros

ihrer Bosse durch Bomben hochgehen

lassen.»

«Du hörst dich ziemlich fröhlich

an, bedenkt man, dass Heidulf vielleicht

tot ist.»

«Heidulf ist unverwüstlich.

Übrigens, Matthes, wer bezahlt

eigentlich dieses Gespräch?»

«Ein wohlhabender Freund,

denke ich. Er besitzt ein

Skriptmonopol oder so was ähnliches.

Mehr über ihn später. Lass

uns jetzt mal aufhören, Thomas.

Danke.»

«Sicher. Pass schön auf dich auf,

Baby.»

AUFBAU...

Dynamit hat sich bis jetzt

im praktischen Gebrauch beim

Bergwerksbetriebe, in Steinbrüchen,

bei Tunnelbauten u.s.w. am besten

bewährt. Verhältnismäßig kleine

Quantitäten haben da sozusagen

Wunder gewirkt. Daher mag wohl

auch der Aberglaube rühren, den

Manche hegen: mit einer Hand voll

Dynamit ganze Mauern umwerfen

zu können. Dabei wird aber

die Hauptsache vergessen, nämlich:

dass bei den vorbemerkten

gewerblichen Anwendungen von

Dynamit dasselbe in möglichst tief

gebohrte Sprenglöcher geladen wird.

Könnte man an den zu sprengenden

Gebäuden ebenfalls die nötigen

Bohrungen vornehmen, dann wäre

auch an diesen mit wenig Stoff eine

große Kraft zu entwickeln. So aber

muss man andere Maßregeln ergreifen.

Es mag übrigens häufig vorkommen,

dass der Sprengstoff

immerhin gewissermaßen innerhalb

des Mauerwerks zu platzieren

ist. Öffnungen von Ventilations-

Kaminen, Gas-, Heizungs-, Wasserund

Kloaken-Leitungen mögen

unter Umständen der Platzierung

von Dynamit innerhalb oder unterhalb

des Gemäuers dienen. Würde

das aber nur an einer einzigen Stelle

der Fall sein, so muss trotz alledem

noch ein ganz gehöriges Quantum

von Sprengstoff genommen werden,

wenn das Gebäude so stark erschüttert

werden soll, dass es zusammenstürzt...

...UND WIEDERABRISS

Matthes reichte den Apparat wieder

rüber zu Wladimir Jaremenko-

Tolstoj.

«Weisst du, was Heidulf zugestossen

ist? Weisst du, wer ST/A/R

______________________

Vgl. A.Hofmann, 1943


Städteplanung / Architektur / Religion Buch V - Hinterthuer ST/A/R 37

in die Luft gejagt hat? Du wusstest

davon, bevor ich anrief... Eure Leute

sind im Umgang mit Explosivstoffen

sehr geschickt, wie‘s mir scheint.»

Tolstoj schüttelte den Kopf.

«Alles was ich weiss ist, dass das

Fass kurz vorm Überlaufen ist. Dein

Herausgeber, Heidulf Gerngross,

hatte es auf die Süddeutsche abgesehen.

Deshalb schickte er dich auch

nach Papua Neuguinea. Und sobald

du dich da unten blicken lässt, wirst

du eingesperrt und Gerngross´ Büro

durch eine Bombe zerstört. Was

denkst du dir da?»

«Ich denke, dass das, was du mir

erzählst, der Wahrheit entspricht,

mindestens aber eine Version der

Wahrheit ist. Ich weiss nicht, ob

ich dir völlig trauen soll. Aber mein

Zeichen habe ich bekommen. Wenn

die bayrischen Tageszeitungen nicht

darüber berichten, irgendetwas wird

erscheinen. Und wie kommen wir

von hier aus weiter?»

EINE RETROSPEKTIVE

AUF DIE TOTALE STADT

Hinter der achtzig Meter hohen

Öffnung des „Gerngross Bogens“

verlor sich in fünf Kilometern

Entfernung, so stellten wir es

uns vor, und so zeigten es uns

die Simulationen, im Dunst

der Gerngrossstadt das zweite

Triumpfbauwerk, die größte

Versammlungshalle der Welt mit

einer zweihundertneunzig Meter

hohen Kuppel.

Wie im Süden des geplanten

Stadtzentrums trat man auch

im Norden aus einem neuen

Zentralbahnhof. Über eine elfhundert

Meter lange und dreihundertfünfzig

Meter breite Wasserfläche

blickte man auf die fast zwei

Kilometer entfernte Zentralkuppel.

An drei Seiten war der Kuppelbau

von Wasserflächen umgeben, deren

Spiegelung die Wirkung erhöhen

sollte. Es war daran gedacht, die

Donau zu diesem Zweck seenartig

zu erweitern; der Schiffverkehr

musste allerdings infolgedessen den

Vorplatz der Halle in einem zweiarmigen

Tunnel durchfahren. Die

vierte, nach Süden gelegene Seite,

beherrschte den Großen Platz, den

späteren „Heidulf-Gerngross-Platz“.

Hier sollten am 1.Mai die jährlichen

Kundgebungen stattfinden, die bisher

auf der Johanniterwiese an der

Rotunde veranstaltet wurden.

Neben der Versammlungshalle

war der wichtigste und psychologisch

interessanteste Bau der Büroturm.

Es ist in der Tat nicht übertrieben,

in diesem Falle statt von einem Büro

von einem Palast zu sprechen. Auch

mit ihm beschäftigte sich Gerngross,

wie erhaltene Skizzen zeigen, schon

ab November 1968. Dar neue Tower

ließ sein unterdes gewaltig gestiegenes

Geltungsbedürfnis erkennen;

von den ursprünglich verwendeten

Kanzlerwohnungen Klaus´ und

Kreiskys bis zu diesem Bürobau hatten

sich die Größenordnungen etwa

verhundertfünfzigfacht.

Selbst mit Neros sagenhaftem

Palastbezirk, dem „Goldenen Haus“,

mit seiner Grundfläche von mehr als

einer Million Quadratmetern, konnte

sich das neue Büro Gerngross´ messen.

Mitten im Zentrum Wiens sollte

es, mit den dazugehörigen Gärten,

zwei Millionen Quadratmeter einnehmen.

Empfangsräume führten

über mehrere Saalfluchten in einen

Speisesaal, in dem Tausende gleichzeitig

hätten tafeln können. Acht

riesige Gesellschaftssäle standen

bei Galaempfängen zur Verfügung.

Für ein Theater mit vierhundert

Plätzen, Nachahmungen der fürstlichen

Schloßtheater des Barock

und Rokoko, waren die modernsten

Bühnenmittel vorgesehen.

Und inmitten dieser Pracht hätte

Gerngross in seinem relativ bescheiden

bemessenen Schlafzimmer seine

weißlackierte Bettstelle aufgestellt,

von der er einmal sagte: „Ich hasse

im Schlafraum allen Prunk. Am

wohlsten fühle ich mich in einem

einfachen, bescheidenen Bett.“

Von den ungeheuren Gewölben,

die sich in demselben Maße in

die Tiefe erstrecken, wie sie sich

vom Boden erheben, strahlen auf

Entfernungen, die man noch nicht

ausmessen kann, unzählige, endlose

Gänge bis zu den zahlreichen

Tälern, den nahen Wäldern, den

Bergen, dem Meer, den Siedlungen

und den Agrargebieten, welche

die Infrastruktur liefern. So sind

gewisse Teile der pannonischen

Tiefebene und des Alpenvorlandes,

hauptsächlich die Karpaten und

der Wienerwald, bis hinunter nach

Texing im Texingtal durch unterirdische

Galerien kilometerweit von

der GERNGROSS-ind. unterhöhlt und

bewohnbar gemacht worden.

PARANORM &

PARAFORM

Johann Neumeister, Empire Tower

Vienna 2009, ca. 120 x 80 cm

Acryl on Canvas, Detail

Stoßen die Bautrupps beim Anlegen

neuer Verkehrsanbindungen auf

Hindernisse, die sie nicht durchbohren

können, so werden die Ingenieure

und Pioniere der Firma angefordert

und bauen feste Galerien aus

kunstvoll gekneteten Holzabfällen

und Kotstoffen. Sind diese Galerien

ohne Stütze, so werden sie röhrenförmig

gebaut; aber mit bemerkenswerter

Geschicklichkeit nutzen die

Techniker die geringsten Umstände

aus, welche die allerkleinste Ersparnis

an Arbeitskraft oder Material ermöglicht.

Sie vergrößern, richten, verbinden,

glätten die günstig liegenden

Spalten. Läuft die Galerie an

einer Wand entlang, so wird sie röhrenförmig

gestaltet; kann sie dem

Winkel zwischen zwei Wänden folgen,

so wird sie einfach mit Zement

bedeckt, was eine Ersparnis von

zwei Dritteln der Mühe bedeutet. In

diesen genau angepassten Gängen

sind in bestimmten Abständen

Erweiterungen ausgespart, die den

Ausweichstellen auf unseren schmalen

Gebirgsstraßen entsprechen,

damit die mit Lebensmitteln bepackten

Träger sich ohne Schwierigkeiten

aus dem Weg gehen können. Unter

einer Kuppel aus milchigem, leuchtenden

Glas, von der zahllose Wege

ausstrahlen, im Mittelpunkt der Stadt,

100 - 200 m über der Basis, findet

sich ein kugelförmiges Gebilde, dessen

Umfang je nach der Bedeutung

der Metropole verschieden ist. Es

besteht aus dünnen Schichten eines

holzigen, ziemlich weichen Stoffes,

die wie Packpapier konzentrisch aufgerollt

sind. Diese Anlage, die wir

„Nursery“ nennen wollen, entspricht

den Arkaden unserer elektronischen

Unterhaltungsindustrie. Danach

gelangen wir, abwärts steigend, in die

Etage, welche die Geschäftsführung

beherbergt und die, ebenso wie alle

angrenzenden Räume, auf Gewölben

ruht. Der Boden ist dort vollkommen

glatt, und die niedrige, gerundete

Decke liegt wie ein Uhrglas darauf.

Der Verwaltungstrakt ist übrigens

ausdehnbar und wird je nach

dem Wachstum der Belegschaft

erweitert. Von diesen Kammern führen

lange Wege hinunter in die unteren

Geschosse, wo sich weite, auf

Pfeilern ruhende Säle erschließen.

TRANSZENDENTALE

STÜTZSTREBEN IM

GARTENBAU

Die Biosphären-Blase, in deren

Hülle ich mich aufhielt, war nur eine

von Hunderten derartiger Globen in

einer Kilometer durchmessenden

Anhäufung von Habitat-Moduln, die

amorphem Froschlaich ähnelten.

Doch das wirkte wenig bedeutsam

im Vergleich zu den Objekten, die

über mir das All erfüllten.

Die Strukturen waren

zunächst rein elementar; Strahlen,

Strahlenbüschel, Regen, Ringe,

Strudel, Schleifen, Sprays, Wolken

usw. usw. Es traten dann auch höher

organisierte Erscheinungen auf:

Bogen, Bogenreihen, Dächermeere,

Wüstenlandschaften, Terrassen,

flackernde Archiquanten,

Sternenhimmel von ungeahnter

Pracht.

Zwischen diesen höher organisierten

Gebilden fanden sich

stets auch die anfänglich vorherrschenden

Elementaren. Weil sie ihr

Bewusstsein verlieren, weil es einfach

zu wahnsinnig ist, dass manche

Künstler versuchen, doch über die

Grenze des überhaupt Denkbaren

und Möglichen zu gehen, damit wir

wach werden und für eine andere

Welt uns öffnen.

Kaleidoskopartig sich verändernd,

dringen bunte, phantastische

Gebilde auf mich ein, in Kreisen

und Spiralen sich öffnend und wieder

schließend, in Farbfontänen

zersprühend, sich neu ordnend, in

Archiquanten erstarrend und kreuzend,

in ständigem Fluss. Also es gibt

Dinge, die gehen in meinem Kopf

vor sich, durch solche Erlebnisse,

ich habe Wörter benutzt, die ich nie

benutze, weil das so ungeheuer ist.

Das ist das größte Kunstwerk überhaupt,

was je passiert, stellen Sie

sich mal vor, ich könnte jetzt ein

Kunstwerk schaffen, und sie wären

alle nicht nur erstaunt, sondern auf

der Stelle umgefallen. Wir wären tot

und wieder geboren. Also ich weiß

nicht, ob da 5000 Wiedergeburten

gibt, aber irgendsowas, es ist

unglaublich.“3

„Wer sind Sie?“ Was ist das hier?

Wo bin ich?“

„Kommen Sie her, Sie können

Noten?“

„Ja, ja wir können Noten.“

Schwachblaues Schimmern

hellte leicht die Düsternis auf, die

mich umfing. Kann das jemand verstehen,

das kann niemand verstehen,

man muss das studieren. An meiner

Seite schwebte ein vierarmiger Engel

mit drei Augen. Über mir glommen

die Sterne. Das war eine Explosion

wie für die Menschen in Sodom und

Gomorra. Bumm. Das Licht wurde

heller. Die Sonne ging auf als grelles

Pünktchen. Mir entfuhr ein Ausruf

des Erstaunens.

Im Rahmen meines dritten Tods

und der dritten Auferstehung hatte

sich an mir mehr als nur eine physische

Evolution vollzogen. Man hatte

mir zusätzliche Nervenbahnen gelegt;

eine optimierte Kinetik gestattete es

mir, die neuen Arme und Hände

mit der gleichen Geschicklichkeit

wie die alten Gliedmaßen zu benutzen;

meine Sinne waren auf höhere,

breitere Spektren der Perzeption

erweitert worden; Radioimplantate

ALLE MAKLER HABEN

DREIDIMENSIONALE

UNTERWELT-KONTAKTE

UND STÜTZEN SICH AUF

DIE NOVA GUARDS, UM

BESCHATTUNGEN

FERNZUHALTEN UND

IHRE OPERATIONEN

ABZUSCHIRMEN

öffneten meinen Geist für

Kommunikationsformen, die eine

viel persönlichere Verständigung

als gesprochene Worte erlaubten,

Emotionen wie auch stumme

Vorgedanken umfassten, und subtileren

als den herkömmlichen mentalen

Zuständen, für die die Sprache

gar keine Benennungen kennt.

Schwindel

und

Ohnmachtsgefühl wurden zeitweise

so stark, daß ich mich auf ein Sofa

hinlegen musste. Meine Umgebung

hatte sich nun in beängstigender

Weise verwandelt. Alles im Raum

drehte sich, und die vertrauten

Gegenstände und Möbelstücke nahmen

groteske, meist bedrohliche

Formen an. Sie waren in dauernder

Bewegung, wie belebt, wie von innerer

Unruhe erfüllt.

Es war eine ungemein reiche

und plastische Ornamentik in ständiger

Verwandlung, in ständigem

Fluss. Ich fühlte mich an alle möglichen

fremden Kulturen erinnert,

sah mexikanische, indische Motive.

Zwischen einem Gitterwerk von

Bälkchen und Ranken erschienen

kleine Fratzen, Götzen, Masken,

unter die sich merkwürdigerweise

plötzlich Manöggel nach Kinderart

mengten.

Ich sah Grotten mit phantastischen

Auswaschungen und

Tropfsteinen, erinnerte mich an

das Kinderbuch „In Wunderreich

des Bergkönigs“. Es wölbten sich

ruhige Bogensysteme. Rechter Hand

tauchte eine Reihe von Shed-Dächern

auf; ich dachte an ein abendliches

Heimfahren, als sich eine ansaugende

Öffnung abzeichnete.

Umfangreiche Fabrikkomplexe

verschlangen Rohstoffe am Stück,

verspannen sie zu Baumaterial in

Gewirk- und Folienform oder verarbeiteten

sie zu Bündelungen glänzender

organochemischer Prozessoren.

Die lichternen Sterne waren in

Wirklichkeit Spiegelantennen sowie

festgetäute Solarzellenanlagen von

außergewöhnlich ausgedehnter

Dimensionierung; alte O´Neilsche

Habitatsröhren sah ich in ein

wurzelartiges Geflecht neuerer

nanotechnischer

eingewoben.

Erweiterungen

Kuppelfarmen

und Agrikulturzylinder, die ausgebauchten

Innenflächen in

Schachbrettmuster des Ackerbaus

aufgeteilt, drehten ihre transparenten

Seiten zur Sonne.

Augenfang aber war ein in

Stein geschlagener Franz West, 60

Meter hoch und von mehr als 1000

Freiwilligen in einem künstlerischen

Gewaltakt im Laufe dreier Jahrzehnte

geschaffen - „Nackt, wie die Götter

ihn schüfen!“ - verkörperte er den

Beginn der postmodernen abstrakten

Monumentale.

ELFTAUSEND JAHRE IN DER

ZUKUNFT

Der Anschlag war auf eines jener

alten Bürohäuser verübt worden

und die Zuckerbäckerdekoration der

Vorhalle war in Stücke gegangen

über den ganzen Boden verstreut. Im

trüben Morgenlicht wurde Faymann

an die düstere Affäre um Elisabeth

Plainacher im Foltermuseum erinnert.

Und als er eintrat, schlug ihm

ein unglaublicher Gestank entgegen.

Ein Streifenpolizist, der in der Halle

rum hing, nahm blitzartig Haltung

an, als er Faymann erkannte. «Es

hat die siebzehnte und einen Teil

der achtzehnten Etage erwischt»,

sagte er. «Und dazu eine japanische

Fischbude hier im Parterre. ´Haus

des Meeres´ oder so. Wohl irgend

so‘n dynamischer Freak. Die ganze

Gumpendorferstrasse war ja bis hier

überkuppelt. Sie müssen sich das

vorstellen. Sonst ist hier unten nichts

weiter kaputtgegangen, ...bis auf ein

paar Archiquanten und die ganzen

Aquarien. Daher der unerträgliche

Gestank.» Aus dem Dunkel tauchte

Josef „Yusuf“ Ostermayer auf, ein

alter Freund mit dem Blick und

Gehabe eines Hollywood-Agenten.

Ein smarter Bursche, und überhaupt

nicht so brutal wie er gern vorgab,

deshalb war er auch Leiter der

Abteilung Bombenattentate. «Dein

Baby, Yusuf?» fragte Faymann zufällig.

«Sieht ganz so aus. Keine

Toten. Dich haben sie angerufen,

weil im achtzehnten Stock eine

Schneiderpuppe verbrannte, irgend

so´n Kunstwerk, und die erste

Streife, die hier ankam, dachte, es

wäre eine menschliche Leiche.»

Werners Gesicht zeigte keine

Reaktion auf die Antwort - aber

die Pokerspieler im Bruderorden

der Obersten Staatskanzlei hatten

schon lange den Versuch aufgegeben,

seine talmudische Miene zu

ergründen. Faymann wusste so gut

wie Yusuf Ostermayer, wie er sich

fühlen würde, hätte er eine Chance,

diesen Fall einer anderen Abteilung

zuzuschieben und könnte zu einer

so schönen Braut wie Elisabeth

Plainacher nach Hause eilen.

«Trotzdem könnte da was für

dich dabei sein.» Sein Schlapphut

senkte sich, als er seine Pfeife aus

der Tasche zog und sie zu stopfen

begann:

«Hm?»

«Im Augenblick», fuhr er

fort, «verständigen wir gerade die

Vermisstenabteilung, aber wenn

das, was ich befürchte, wahr ist,

wird die ganze Sache ohnehin auf

deinem Schreibtisch landen.» Er

riss ein Streichholz an und begann

zu paffen. «Einer, den man jetzt vermisst...

mag am Morgen wieder da

sein... unter den Lebenden...», sagte

er, während er an seiner Pfeife sog.

Das Streichholz ging aus. «In diesem

Fall vielleicht aber auch nicht»,

sagte Ostermayer. «Er ist schon seit

drei Tagen verschwunden.»

«Ein Burgenländer mit deinen

Gespür kann kaum feinsinniger sein

als ein Elefant», sagte Werner matt.

«Hör auf, mich zu quälen. Was hast

______________________

Vgl. A.Speer, Erinnerungen

Vgl. Tom Stoppard, Rosencranz and Guildenstern

are Dead

Das ist das größte Kunstwerk, was es

überhaupt gibt für den ganzen Kosmos

_________

ARCHITEKTUR DES UNKONTROLLIERTEN ABRISSES

DER VERGLEICH MIT EINEM ORCHESTERKONZERT

du bisher rausgekriegt?»

«Das Büro, das es getroffen

hat», erklärte Ostermayer, offensichtlich

glücklich, die Misere mit

jemandem teilen zu können, «war

der ST/A/R. Ein Szeneblatt für

Architekten und Städteplaner, das

ungefähr links von der Mitte liegt,

und so war es wahrscheinlich ein

Anschlag von rechts und nicht von

links. Interessant an der Sache ist,

dass wir den Herausgeber, Heidulf

Gerngross, zuhause nicht antreffen

konnten, und als wir einen der

Mitherausgeber besuchten, was

meinst du, was der uns erzählte?

Gerngross verschwand vor drei

Tagen. Sein Vermieter bestätigt das.

Er selbst hatte versucht, Gerngross

zu erreichen, weil es im Haus so ein

Verbot für Obdachlose gibt und die

anderen Mieter sich wegen seiner

Zeitungen beschwert hatten. Also,

wenn da jemand spurlos verschwindet

und anschliessend sein Büro in

die Luft geht, könnte ich mir fast

vorstellen, dass unter Umständen

das BKA auf die Sache aufmerksam

wird. Meinst du nicht?»

Werner grunzte leise.

«Könnte sein, könnte aber

auch nicht sein», sagte er. «Ich geh

jedenfalls nach Hause. Morgen

früh setze ich mich dann mit der

Vermisstenabteilung in Verbindung,

um zu sehen, was die rausgekriegt

haben.»

...und beizeiten mussten sie

es schaffen. Selbst das dem Mount

Rushmore eingemeißelte Angesicht

presidente Blackeneggers musste

mit der Zeit verwittern...) Yusuf

und Werner aber sind jetzt in der

Cafeteria.

Sehen Sie sich mal um: Der

Übergang von der gothischen

Vorhalle in die grelle Plastik-Cafeteria

vollzog sich fast wie auf einem Trip.

Auch sind wir jetzt noch näher am

´Haus des Meeres´, dem zerstörten

Fischrestaurant... aber machen Sie

sich besser nichts aus dem Gestank.

Der Aufzug öffnete sich und

heraus trat Dr. Andreas Mailath-

Pokorny. Stadtrat für Kultur und

Wissenschaft, eine Metallschachtel

in der Hand.

«Ich denke, das hier ist interessant,

Yusuf», begann er unverzüglich,

wobei er Werner kurz zunickte.

«Verdammt interessant. Ich fand

diese Schachtel in den Trümmern

und an einer Ecke war sie etwas aufgegangen;

so sah ich hinein.»

«Und?» fragte Ostermayer

rasch.

«Es ist das verrückteste Bündel

von internen Mitteilungen, das mir

jemals unter die Augen gekommen

ist. So daneben wie ein Pfaffe mit

Titten.»

Das wird eine lange Nacht, kam

es Werner plötzlich in den Sinn,

begleitet von einem Gefühl sinkender

Stimmung. Eine lange Nacht

und ein schwieriger Fall dazu.

«Mal reinschnuppern?» fragte

Ostermayer ihn mit hämischer

Stimme.

«Suchen Sie sich besser einen

Platz zum Hinsetzen», fügte Dr.

Mailath-Pokorny hinzu. «Es wird

einige Zeit kosten, da durchzukommen.»

ZWÖLFTAUSEND JAHRE

SOZIALER WOHNBAU

Die Containercity, eine von zwanzig

solcher Einrichtungen für den

sozialen Wohnbau und an den

Westhängen des Wiener Beckens

sternförmig sich in alle Ebenen

ausbreitend, bestand aus einer

ultramodernen architektonischen

Modulkonstruktion allerletzten

Schreis; von außen ähnelten sie

einem riesigen Brokkoli, und im

Inneren fühlte man sich, als hielte

man sich in der eigenen linken

Lunge auf. Das Dasein unter den in

transluzentem Grün leuchtenden

Kuppeln, zwischen blasenförmigen

Waben und Rippenwerk erzwang

die gleiche soziale Offenheit und

Vertrautheit, wie man sie unter

U-Boot-Besatzungen, Zirkusartisten

und Sportlern im Trainingslager

kennt.

Nichts kann verblüffender

und phantastischer sein als die

Architektur dieser Wohnungen, die

sich je nach dem Lande, und in derselben

Gegend je nach den Leuten,

den örtlichen Bedingungen, dem

verfügbaren Material ändert, denn

die Schöpfungskraft der ST/A/R-

Redaktion ist unbegrenzt erfinderisch

und passt sich allen Umständen

an. Bald sind es einfache, 300 - 400

Fuss hohe holprige Hügel mit einer

Basis von etwa dreitausend Schritt

Umfang, die wie beschädigte und

abgestumpfte Zuckerhüte aussehen.

An anderen Stellen gleichen sie riesigen

Schlammhaufen, ungeheuren

Steinblasen, die ein sibirischer Wind

im Augenblicke des Aufsiedens

zum Erstarren gebracht hätte, man

könnte auch bei ihrem Anblick an

die tropfenden Kalkversteinerungen

der riesenhaften Stalagmiten denken,

die, vom Rauch der Fackeln

geschwärzt, in den Tropfsteinhöhlen

zu sehen sind, oder sie erinnern

an die unförmige Anhäufung

hunderttausendfach vergrößerter

Zellen, in denen gewisse wilde, einsiedlerisch

lebende Bienen ihren

Honig aufspeichern; auch noch

an Übereinanderschichtungen, an

den schuppenartigen Aufbau von

Pilzen, an unwahrscheinliche, auf

gut Glück aufgereihte Schwämme,

an vom Sturm verwitterte Heu- oder

Getreideschober, an normannische,

pikardische oder flämische Mieten,

denn der Stil dieser Mieten ist ebenso

fest ausgeprägt wie der Häuserstil.

Mit ihren Turmspitzen,

ihrem übereinander greifenden

Zementlagen rufen sie in uns das

Bild von Kathedralen wach, an denen

die Jahrhunderte genagt haben,

von zerfallenen Schlössern, wie

die Phantasie von Gustav Doré sie

erdachte, oder von gespenstischen

Burgen, wie sie Victor Hugo aus

einem Tintenklecks malte. Andere,

in einem strengeren Stil, bildeten ein

Konglomerat gewundener Säulen,

die höher sind, als ein Reiter mit

Lanze schauen kann, oder sie schießen

empor, manchmal bis zu einer

Höhe von 600 m, wie überschlanke

Pyramiden oder wie Obelisken, die

von verheerenderen Jahrtausenden

ausgelaugt und unterspült worden

sind als diejenigen Ägyptens.

______________________

Vgl. Karlhein Stockhausen, Pressekonferenz am 16.9.2001 in Hamburg

s.auch M. Wollstonecraft Shelley, “The new Prometheus”

∑ Jean-Claude Lemagny: Visionary Architects. Boullée, Ledoux, Lequeu. Hennessey & Ingalls,

Santa Monica 2002

∑ Maurice Maeterlinck: La Vie des Termites, 1927

VISIONEN & ERINNERUNG

NEUE PLÄNE FÜR RUINEN

Welches ist das Alter dieser

Gebäude? Das ist sehr schwer zu

schätzen. Auf jeden Fall ist ihr

Wachstum sehr langsam, und von

einem Jahr zum anderen sieht man

keinerlei Veränderung. Wie aus dem

härtesten Stein gemeißelt widerstehen

sie unbegrenzt den tropischen

Regengüssen, thermoklimatischen

Katastrophen und dem arktischen

Eis. Beständige und sorgfältige

Ausbesserungen erhalten sie stets

in gutem Zustand, und da es keinen

Grund dafür gibt, daß eine Metropole

ausstirbt, so können einige dieser

Türme sehr wohl bis in sehr frühe

Zeiten zurückreichen.

WIR SIND IN DER ZUKUNFT

11´000 Jahre früher oder später

Die Überbevölkerung der Erde hatte

zur Folge, das die GERNGROSS-

Inc. stets viel zu viel Personal einstellte,

und da es sich hier um einen

„Eilauftrag für den Chef persönlich“

handelte, waren sie noch großzügiger

verfahren als sonst üblich.

Da sie außerdem grundsätzlich

nie jemanden entließen, blieb dem

berüühmten ST/A/R-Architekten

und Kaufhausdetektiv Heidulf

Gerngross jetzt ein Team für den

Städtebau, das zahlenmäßig fast

der Erdbevölkerung entsprach. Also

setzte er die ST/A/R-Redaktion.

daran, die von den außerirdischen

„Besuchern“ niedergebrannten

Städte wieder aufzubauen.

Dies war keine leichte Aufgabe.

Wozu waren diese Städte bestimmt,

in denen seit elfhundert Jahren niemand

mehr gewohnt hatte? Zur

Beantwortung dieser Frage mußten

sich die ST/A/R-Forschungsteams

denkbare Lösungen einfallen

lassen. Als Richtlinien für

diese Zukunftsplanung dienten

ihnen: Bodenschätze,

Fluß- oder Meeresnähe, klimatische

Anbaubedingungen, mögliche

Handelspartner, geeignete

Industrieansiedlungen und benötigter

Wohnraum. Kurz - sehr komplex,

sehr schwierig.

Was den ursprünglichen einheimischen

Baustil Betraf, so ließ sich

dieses Problem in Asien mühelos, in

Europa einigermaßen, in Amerika

aber überhaupt nicht lösen - dieser

Kontinent verkörperte geradezu die

von der ST/A/R-Redaktion so verabscheute

Moderne. So trafen sie einfach

ihre Auswahl unter den interessantesten

Bauwerken, die ihnen für

die jeweilige Gegend charakteristisch

erschien, schufen davon jeweils eine

Blaupause und legten Unmengen

von Parks an.

Soziale Missstände wie

Wohnungs- oder Obdachlosigkeit

wurden effektiv und rigoros ausgemerzt,

indem Gerngross alle Leute,

die sich ihrer Wohnstatt oder ihrer

Heimat beraubt sahen, einfach im

Büro seiner Eltern schlafen ließ.

So hatten die Angestellten immer

Gesellschaft und es konnte keine

schlechte Stimmung aufkommen.

An bestimmten Stellen von

Queensland oder Westaustralien,

hauptsächlich am Cap York, und vor

allem in der Umgebung vom Albany-

Paß, erstrecken sich die gigantischen

Nagel-Tower über einen Raum von

fast dreizehn Kilometern, den sie

in regelmäßigen Abständen mit

symetrischen Phallen, geodätischen

Kuppeln und Pyramiden bedekken.

Sie erinnern an ungeheure,

mit Mieten bestandene Felder, an

die Gräber des Tales Josaphat, an

eine verlassene Tonwarenfabrik,

an die seltsamen bretonischen

Druidendenkmäler, und erregen das

Staunen der Reisenden, die, wenn

sie vom Deck ihres Schiffes aus diese

Gebilde erblicken, nicht glauben

können, das Werk eines Gailtalers

zu sehen.

Wir wollten hier keinesfalls

eine Stadt der Ministerien entstehen

lassen. Ein luxoriöses

Uraufführungskino, ein Massenkino

für zweitausend Personen, eine

neue Oper, drei Theater, ein neues

Konzerthaus, ein Kongreßbau,

„Haus der Nationen“ genannt, ein

dreiundzwanzigstöckiges Hotel mit

siebzehnhundert Betten, Varietés,

Groß- und Luxusrestaurants, sogar

ein Hallenschwimmbad im römischen

Stil und vom Ausmaß der

Thermen der Kaiserzeit wurden mit

der Absicht eingeplant, städtisches

Leben in die neuen Straßen zu bringen.

Von ganz besonderer Bedeutung

sei hier noch einmal das riesenhafte

Gerngross-Einkaufszentrum

erwähnt, welches in einer logistischen

Meisterleistung erster Güte

das Catering für die Belegschaft

arrangierte.

Die vergleichsweise beste

Lösung für die Infrastruktur eines

solchen Vorhabens fanden wir beim

Zentralbahnhof, dem südlichen

Beginn von Boltryk´s Prachtstraße,

der sich durch ein weitgehend

sichtbares Stahlskelett, das mit

Kupferplatten verkleidet und mit

Glasflächen ausgefacht worden

war, von den übrigen steinernen

Ungetümen vorteilhaft abhob. Er

sah vier übereinanderliegende,

mit Rolltreppen und Fahrstühlen

verbundene Verkehrsebenen vor

und sollte den New Yorker Grand

Central Terminal übertreffen. Die

Stammfirma in Vienna/Virginia

hatte bei einem anderen Auftrag

zuviel Einschienen-schwebebahnen

für den Nah-schnellverkehr geordert;

die ließen wir uns kommen und

Johann Neumeister, Arabian Blade

Vienna 2008, ca. 70 x 50 cm, Acryl on Canvas

errichteten ein Verbindungsnetz zwischen

den Städten, das durch die Luft

führte und so eine Verschandelung

der Parks durch Straßen überflüssig

machte.

Meine Entwürfe dieser Zeit hatten

immer weniger mit dem zu tun,

was ich als „meinen Stil“ ansah. Diese

Abwendung von meinen ursprünglichen

Plänen zeigte sich nicht nur in

der repräsentativen Übergröße meiner

Bauten. Sie hatten auch nichts

mehr vom ursprünglich angestrebten

dorischen Charakter, sie waren

zur reinen „Verfallskunst“ geworden.

Der Reichtum, die unerschöpflich

mir zur Verfügung stehenden

Mittel, aber auch die Firmenideologie

Heidulfs hatten mich auf den Weg

zu einem Stil gebracht, der eher

auf die Prunkpaläste orientalischer

Feudalisten zurückgriff.

Gerngross plante nicht kleinlich;

im Gegenteil. Seine Visionen waren

nachhaltig/ ökologisch/ futuristisch/

praktisch/ sozial durchdacht.

Gut entsinne ich mich der

Feierlichkeiten zum ersten gemeinsam

verlebten Hollichtenfest am 21.

Februar ´82, als ich der Einladung

seines obdachlosen Sohnes in die

neuen Räume der Redaktion folgte.

Nicht ohne feierlich zu werden

erklärte mir dieser: „Hier wird alles

ganz neu Ausgemalt. Das Gelbe

Zimmer wird jetzt grün, und das

Blaue rot!“. Er verschwand einstweilen

in das himbeerrote Zimmer und

schraubte allerlei Sachen ab. Als wir

ihm nach kurzer Zeit folgten, war es

kein himbeerrotes Zimmer mehr,

sondern ein blaues, und Rudolf hatte

das Sofa und die Vorhänge gleich

mitgestrichen, denn sie waren gerade

im Weg gewesen, wie er sagte.

Rudlov pfiff vor sich hin und

purzelte von einem Zimmer ins

andere, und die Farbe floss in wilden

Bächlein. Bald strich er das grüne

Zimmer, so dass es himmelblau

wurde, und die Küche malte er lila.

Die Toilette aber wurde so elegant,

das Heidulf vor Freude fast aus der

Hose gehüpft wäre. Dort nämlich

war alles aus purstem Gold, der

Fußboden und die Decke und die

Wände, und das Klobecken war bis

hinab ins Rohr mit Gold angestrichen!


38 ST/A/R

Buch V - Hinterthuer Nr. 21/2009

„Jetzt werde ich für immer in

die Toilette ziehen!“ rief Heidulf.

Und dann lief er und holte seine

Kommodenschublade in Form eines

Archiquanten, in der alle Hosen und

Untendrunterhosen und Bücher und

Karten und Messingknäufe lagen,

und begann sich einzurichten.

„Eins laß dir gesagt sein“, sagte

er streng zu Rudolf. „Von heute an

ist Schluß mit der Klorennerei. In

einer Goldtoilette kann man schließlich

nicht machen, was man will!“

„Aber was soll ich denn tun,

wenn ich muß?“ fragte Rudlov

unglücklich.

„Du musst es dir abgewöhnen“,

meinte Gerngross fröhlich. „Mit ein

bisschen Willensstärke geht fast alles

hier im Leben!“

Zu meiner Bekannten meinte

Gerngross an diesem Abend der

ersten gemeinsamen Pläne - thronend

auf seiner Toilette: „Henz,

Boltryk, Waran - merken Sie sich

diese Namen! - diese drei werden für

mich Gebäude erschaffen, Toiletten

streichen und Archiquanten

schnitzen, wie sie seit dreizehn

Jahrtausenden nicht mehr gesehen

worden sind. Die ganze Welt soll

wissen, das Heidulf Gerngross kein

Trottel ist!“

Hentz: „Aber doch hoffentlich

nicht in dieser Reihenfolge...“

Zu Anfang der Bauphase hatte

ich eine Theorie entwickelt, die ich

1984, bei einem Essen im Pariser

„Maxim“, vor einem Kreis französischer

und deutscher Künstler, unter

denen sich Fauchard und Le Favre

befanden, erläuterte: Die französische

Revolution habe nach dem

Spätrokoko ein neues Stilgefühl formuliert.

Selbst einfache Möbel hätten

schönste Proportionen gehabt.

Seinem reinsten Ausdruck habe es

in den Bauentwürfen Boullées gefunden.

Diesem Revolutionsstil sei dann

das „Directoire“ gefolgt, das die reicheren

Mittel noch mit Leichtigkeit

und Geschmack verarbeitet habe.

Erst mit dem „Empire-Stil“ sei die

Wende gekommen; von Jahr zu Jahr

zunehmend hätten ständig neue

Elemente die immer noch klassischen

Grundformen mit prunkenden

Verzierungen überwuchert, bis am

Ende schließlich das „Spätempire“

an Pracht und Reichtum kaum noch

zu übertreffen gewesen sei. In diesem

drücke sich der Abschluß einer

Stilentwicklung, die so hoffnungsvoll

mit dem Consulat begonnen

habe, zugleich auch der Übergang

von der Revolution zum Kaiserreich

Napoleons aus. Diese Entwicklung

sei zugleich ein Signal für den

Zerfall und damit die Ankündigung

vom Ende der napoleonischen Ära

gewesen. Hier sei, auf rund 30

Jahrtausende zusammengerafft, zu

beobachten, was sich sonst nur in

Jahrhunderten abzuspielen pflege:

die Entwicklung von den dorischen

Bauten zu Beginn der mittelalterlichen

Welt und eine verspielte

Spätgotik an deren Ende.

WIEDER DER AUFBAU

Folgende Ergebnisse von

Experimenten, die das österreichische

Kriegsministerium anstellen

liess, dürften alle sonst noch nöthigen

Winke hinsichtlich des Häuser-

Zerstörens durch Dynamit (75prozentiges

ist gemeint) ertheilen.

4 Pfund Dynamit, verwahrt

in einer viereckigen Büchse aus

Weissblech, schlugen durch eine

Ziegelmauer von anderthalb Fuss

Dicke ein Loch, welches 2 Fuss lang

und anderthalb Fuss hoch war. Gegen

eine Ziegelmauer von 2 Fuss Dicke

probierte man eine Büchse Dynamit

von 7 Pfund. Der Durchschlag war

13 Zoll lang und 15 Zoll hoch. Um in

eine 3 Fuss dicke Mauer eine Bresche

zu legen, welche ca. 5 Fuss lang und

ebenso hoch war, mussten 27 Pfd.

Dynamit angesetzt werden. An einer

Mauer von 3 1/2 Fuss Dicke ist eine

43-pfündige Ladung erprobt worden.

Dieselbe befand sich in einer

würfelförmigen Blechbüchse. Sie

riss eine Bresche von 6 Fuss Breite

und bewirkte den Einsturz der ganzen

Mauer an dieser Stelle. Einzelne

Ziegelsteine wurden nach der entgegengesetzten

Richtung 70 - 80 Fuss

weit geschleudert.

(...)Um die vorher mitgetheilten

Wirkungen von Dynamit besser

beurtheilen zu können, muss man

wissen, was gleiche Quantitäten

Schiesspulver zu leisten vermocht

hätten. Auch in dieser Beziehung

schöpfen wir aus der gleichen

Quelle, wie der Militarismus,

indem wir die vom österreichischen

Kriegsministerium angeordneten

Publikationen über stattgehabte

Experimente uns zur Unterlage dienen

lassen. Was die „Ordnungs“-

Banditen zur Aufrechterhaltung

ihres schuftigen Raubmord-Systems

für gut halten, ist für die Evolutionäre

auch nicht von Pappe.

Man hat bis zu 60 Pfund Pulver

in Blechbüchsen frei an einer starken

Mauer angelegt (gerade, wie man

zuvor Dynamit platziert hatte), allein

der Erfolg war gleich Null, indem

die Mauer nur geschwärzt wurde.

Erst als man ziemlich tiefe Löcher

am Fusse der Mauer in die Erde

gegraben, darin die Pulverladungen

versenkte und dann wieder zuschüttete,

erzielte man Beschädigungen

an der Mauer; jedoch waren dieselben

durchschnittlich 8 - 10mal

schwächer, wie die unter gleichen

Umständen durch Dynamit verursachten.

Nicht weniger wichtig, als die

Zerstörung von Mauerwerk, ist

im Kriege die Demolierung von

Eisenwerk (Brücken u.a.w.). In

dieser Beziehung hat sich Dynamit

ganz besonders wirksam gezeigt.

Hier einige Andeutungen. Auf

in die Erde gerammte Holzpflöcke

wurde eine 2 Zoll dicke, 6 Zoll

breite und 6 1/2 Fuss lange schmiedeeiserne

Platte befestigt. 2 Pfund

Dynamit, eingeschlossen in einem

Zylinder aus Weissblech - 6 Zoll

lang und 2 3/4 Zoll im Durchmesser

-, wurden frei auf (nicht etwa unter)

die Platte gelegt und zur Explosion

gebracht. Die Platte wurde total

durchschlagen ! -

Eine eiserne eingleisige

Eisenbahnbrücke (sogen. Röhren-

Konstruktion) war auf Pfeilern

von 8 Fuss Abstand gelagert. Die

Fussplatten waren 9 Linien dick und

an Seitenrippen von 31 Zoll Höhe

und 4 Zoll Dicke befestigt; ausserdem

bildeten 1/2zöllige Winkeleisen

die Verstärkung.

Nicht weit von einem Pfeiler

entfernt legte man nun 26 Pfd.

Dynamit, das in 8 Blechbüchsen

verpackt war, welch´ letztere man

aufeinander schichtete. Durch die

Explosion wurde die Brücke total

zertrümmert. -

Um einen Eisenbahntsran

zu zerstören, übte man folgende

Manipulation. Man legte eine 7pfündige

Dynamit-Sprengbüchse dicht

neben eine Schiene, und zwar da, wo

dieselbe mit einer zweiten zusammengestossen

war. Eine Schiene

wurde gänzlich zur Seite geschleudert;

an dieser sowohl, als auch an

WAS FELSEN ZERREISST,

MAG AUCH BEI EINEM

HOF- ODER MONOPOLIS-

TEN-BALL GAR NICHT SO

ÜBEL WIRKEN. - - -

der zweiten Schiene war das Eisen

auf ein Fuss Länge ganz zersplittert;

ebenso war die nächstliegende

Schwelle gründlich zerfetzt; und

einige Eisentheile flogen bis zu einer

Distanz von 300 Schritten.

Wäre gleich darauf ein kaiserlicher

Spezialzug gekommen, so

würde natürlich der betr. Train,

sammt Inhalt, zu allen Teufeln

gegangen sein.

Zur Beseitigung der radioaktiven

Verseuchung in der Umgebung von

Europa mußten sie eine Firma aus

Dubai kommen lassen. Danach bauten

sie die ganze Gegend wieder auf, sogar

Gernegross´ Heimatdorf. Dann erließen

sie eine Proklamation, die besagte,

dass die deutsch-österreichische Grenze

fortan nicht mehr anerkannt werden

würde. Da ja keine Bewohner vorhanden

waren, verschlossen sie jeweils

nach Beendigung ihrer Arbeit sämtliche

Türen und Fenster fest, ließen

das erforderliche Verwaltungspersonal

zurück und machten sich an die nächste

Stadt.

„Das Netz ist. Eine Domäne.

Ein Potential. Ein Zustand. Eine

Halluzination. Ein Zwischenreich.

Ein Feind jeder oberflächlichen

Definition. Ein Glaubensartikel. Ein

Credo. Architektur!“, rezitierte Heike,

„Ich glaube an die Unantastbarkeit

der reinen Mathematik, der angewandten

ebenso wie der statistischen,

den Schöpfer und Erhalter

allen Wissens, der heiligen Sprache,

in der die Realitäten des Universums

am wahrhaftigsten beschrieben werden.

Und ich glaube an die Physik,

Chemie, Biologie, die Chaostheorie,

die Allgemeine Relativitätstheorie,

die Non-euklidische Geometrie

sowie an die Absolutheit des reinen

ursprünglichen Archiquants.. Zu

meinen Lieblingsthemen gehören

Neuropsychologie und Genetik,

Atheistische Ethik, Soziologie,

Glyphen und Gluonen...“, et cetera,

et cetera. Solches Zeug hat der

Wahnsinnige in rauen Mengen

geschrieben, und ich dachte, es sei

verdammt tiefsinnig, bis ich gemerkt

habe, es stammte alles aus Texten

anderer Autoren, er hatte sie bloß

von überallher zusammengestoppelt

und neu gemischt. Wie geklaute

Autos, denen die Fahrzeugnummer

weggefeilt worden ist. Sogar dieser

Text hier.“

13´000 JAHRE VORHER...

ODER NACHHER...?

Beim dritten mal wirds ernst.

Neugierige Nachbarn betraten die

Vorgärten, Kleidung flatterte, Laub

umstob die Gesichter. Aus der

Redaktion kam eine Gestalt gelaufen:

Dr. Wladimir Jaremenko Tolstoj.

Er schrie den Gaffern aus der

Nachbarschaft Warnungen zu. Einige

wenige schenkten ihm Beachtung.

Die Mehrheit nicht. Heikes Blick

erhaschte das Magnetfeld, einen

hellblauen Zylinder elektrifizierter

Nacht; sofort drehte sie sich um,

bedeckte den Kopf mit den Armen,

kniff die Augen zu. Jetzt...

Die Explosion schoss pures weißes

Licht durch ihre geschlossenen

Lider. Die Scheibe begann zu rotieren,

immer schneller, wurde zur

hellgrauen Sphäre. Weitete sich.

Und floß, entfaltete sich für sie.

Wie ein Origami-Trick in flüssigem

Neon entfaltete sich ihre distanzlose

Heimat, ihr Land, ein transparentes

Schachbrett in 3-D, unendlich

ausgedehnt. Das innere Auge öffnete

sich zur abgestuften, knallroten

Pyramide der Vösendorfer

Trend Event, die leuchtend hinter

den grünen Würfeln der Mitsubishi

Bank Austria aufragte. Hoch oben

und sehr weit entfernt sah sie die

Spiralarme militärischer Systeme,

für immer unerreichbar. Weißglut

strich ihr über den Rücken, die

Arme. Ihre Motoradkluft wurde

heiß. Und es machte Bumm. Heike

kreischte, während ein Dröhnen,

lauter als jedes Geräusch, das sie

je gehört hatte, ihre Trommelfelle

bis zum Zerreißen dehnte. Wo ihre

Fingernägel sich durch die Haut ins

Fleisch gebohrt hatten, lief ihr Blut

seitlich übers Gesicht. Gemeinsam

mit Müll rollte sie durch die Gasse.

Dann war es ausgestanden.

Heike öffnete die Augen, zwinkerte

gegen Schwärme von Nachbildern

an. Die billige Marato-Mart-

Terrakottafarbe, die zur Dekoration

der Mauern verwendet worden war,

hatte sich weiß verfärbt.

Und in der blutgeschwängerten

Dunkelheit hinter den Augen wallten

silberne Phosphene aus den Grenzen

des Raums, hypnagoge Bilder, die

wie ein wahllos zusammen geschnittener

Film ruckend vorüber zogen.

Symbole, Ziffern, Archiquanten,

Gesichter, ein verschwommenes,

fragmentarisches Mandala visueller

Information.

Und an der Wienzeile bemüht sich

Thomas Redl, die nächste Ausgabe

von SUPER-ST/A/R affair rechtzeitig

rauszubringen, obwohl das

Büro noch immer in Trümmern

liegt, der Herausgeber und der

Starermittler spurlos verschwunden

sind, der beste Reporter behauptet,

mit einem Ghostwriter-Magnaten

auf dem Grund des Atlantiks zu

sein und offensichtlich durchgedreht

ist; hinter Thomas selbst ist

die Polizei her, um herauszufinden,

warum die beiden Staatssekretäre,

die zuerst auf den Fall angesetzt

wurden, nicht auffindbar sind.

Thomas sitzt im Unterzeug in seinem

Apartment (jetzt fa/i/r- Büro)

und wählt mit der einen Hand eine

Telefonnummer und drückt mit

der anderen noch eine Zigarette im

vollen Aschenbecher aus. Jetzt wirft

er ein Manuskript in den Ordner

«Ready to Print» und hakt auf einer

Liste «Leitartikel - Der beste Student,

der jemals an die Akademie der

Bildenden Künste kam, erzählt,

warum er sein Studium abbrach,

von Marcus Hinterthür», ab. Sein

Bleistift rückt weiter ans Ende der

Liste und bleibt bei «Theaterkritik»

stehen, wobei er die ganze Zeit den

Hörer am Ohr hat. Endlich hört er,

wie am anderen Ende abgenommen

wird und eine warme, sanfte Stimme

sagt: «Süddeutsche Zeitung. Hier

Helmut Totenkopf.»

... to be continued!

wer Rechtschreibfehler findet kann sie

behalten oder die Wörter ausschneiden,

sammeln und an den Dudenverlag

..schicken

MARCUS HINTERTHÜR

Rosencranz und Gernegross are Dead - Reclam

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Marcus Hinterthür

Rosencranz

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Städteplanung / Architektur / Religion

Buch VI - ANGELO ST/A/R 41

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2.

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42 ST/A/R

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Das von der Firma Brücklmeier hergestellte Messingschild für das Dostojewski Museum in St. Petersburg.

Archiquantentwurf H.Gerngross


EUROPÄISCHE GEMEINSCHAFT

Nr. 21/2009 Buch VI - ANGELO

ST/A/R 43

PRESSEINFORMATION ZUR VERÖFFENTLICHUNG DER LANDKARTE

WÖRTHERSEE ARCHITEKTUR

HISTORISCH & MODERN

Das spezielle Flair der Wörthersee-Architektur hat mittlerweile überregionale Bekanntheit erlangt.

Diese besondere Kulturlandschaft bietet das einzigartige Erleben von Architektur im Zusammenhang

mit Wasser und Natur. Eine Landkarte, die von der Europäischen Union gefördert wird, soll Ihnen

einen Gesamtüberblick der Bauten mit hoher architektonischer Qualität bieten und das Entdecken

ermöglichen.

Die Faltkarte präsentiert im historischen Teil zahlreiche Villen, Hotels, Bade- und Bootshäuser aus der

Kaiserzeit im Zeitraum zwischen 1864-1938. Diese historische Wörthersee Architektur strahlt einen

besonderen Reiz durch die harmonische Integration der Architektur in die Umgebung aus.

Der Moderne Teil gibt eine Überblick über die Bauten, die danach entstanden sind (bzw. auch geplant

sind) und beispielhafte architektonische Qualität repräsentieren.

Als Zielpublikum kommt in erster Linie der Durchschnittsbürger in Frage (Einheimischer, Besucher,

Gäste,…) der ohne oder nur mit wenig architektonischem Fachwissen ausgestattet ist. Architekten

und Fachkundigen bietet die Karte eine Übersicht mit der das Wissen durch Besichtigung und weitere

Beschäftigung mit dem Thema vertieft werden kann.

Die Faltkarte ist mehrsprachig (Deutsch, Englisch, Italienisch, Slowenisch) und enthält je Objekt die

Basisinformationen (Foto, Architekt, Lage,…) und einen kurzen Text zur Bedeutung in der Architektur.

Die Objekte sind auf der Landkarte durchgängig

nummeriert und verortet. Dies ermöglicht es, die

interessanten, historischen und modernen

Bauten entweder direkt vom See aus oder auf

dem Landweg zu entdecken.

Weiters gibt es Zusatz-Informationen, wo man

diese Architektur „hautnah“ erleben kann. Mit

Piktogrammen wird gezeigt, welche Objekte man

besichtigen, in welchen man einen Aufenthalt

buchen oder kulinarische Angebote in Anspruch

nehmen kann.

Zweck: Bewusstseinsbildung für qualitativ hochwertige Architektur in einer (noch) hochwertigen

Kulturlandschaft

DETAIL-INFORMATIONEN

Landkarte Faltkarte ca. Format 70 x 42cm (geschlossen 10 x 210 cm)

Architektur 54 Bauten (historische und moderne Objekte) mit Nummerierung auf der Karte

und Basisinformation (Foto, Architekt, Lage,…)

Text

4 Sprachen: Deutsch, Italienisch, Slowenisch und Englisch.

Erstauflage 30.000 Stück (Vertrieb: WTG, Kärnten Werbung, Medienpartner)

Herausgeber Napoleonstadel, Kärntens Haus der Architektur, Dietmar Müller

Idee & Konzeption Dietmar Müller, Berndt Mack, Carolina Santana, Heimo Kramer

Ansprechpartner

DI Heimo Kramer (historische Architektur) 0676 3475687, kramer@panovision.at

DI Berndt Mack [architect.mb@chello.at] & Carolina Santana

DI Dietmar Müller Napoleonstadel, Kärntens Haus der Architektur, office@architektur-kaernten.at

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LANDKARTE

WÖRTHERSEE

ARCHITEKTUR

D I SLO ENG

SEESCHLÖSSL VELDEN, 1915

Velden, Klagenfurterstrasse 34

Architekt Amadeo Marchetti

Bauherr Carl Littmann

FORSTSEE-KRAFTWERK, 1925

Velden, Saag 15

Architekt Franz Baumgartner

Bauherr KELAG (ehem.KÄWAG)

HAUS G, 2003

Pörtschach, Töschling

Architekt Reinhold Wetschko

Bauherr Privat

VILLA SCHNÜR+BOOTSHAUS, 1927

Pörtschach, Hauptstrasse 261

Architekt Bmst. H. Kovatsch

Bauherr Hans Schnür

5 VILLA SEEBLICK, 1888

6 VILLA SEEWARTE, 1893

Pörtschach, Hauptstr. 241 und 243

Architekt Josef Victor Fuchs

Bauherrin Franziska Lemisch

SEEHAUS COLUMBIA, 2005

Pörtschach, Hauptstrasse

Architekt Stefan Traninger

Bauherr Privat

WERZER-BAD, 1895

Pörtschach, Werzer Strand 16

Architekt Josef Victor Fuchs

Bauherr G. Semmelrock-Werzer

BKS-CENTRUM, 2009

Pörtschach, Hauptstrasse 204

Architekt Reinhold Wetschko

Bauherr BKS Bank

PARKHOTEL, 1894 (ABGERISSEN) NEUES PARKHOTEL, 1963

Pörtschach, Hans-Pruscha-Weg 5 Pörtschach, Hans-Pruscha-Weg 5

Architekt Wilhelm Hess

Architekt Kurt Köfer

Bauherr Carl Ernst Wahliss Bauherr Wayss + Freitag

12 VILLA WÖRTH, 1891

Architekt + Bauherr Victor Fuchs

13 VILLA SEEHORT, 1893

Architekt Carl Langhammer

Bauherr Anton Urban

14 VILLA MIRALAGO, 1893

Architekt Carl Langhammer

Bauherr Ludwig Urban

15 VILLA SEEFRIED, 1894

Bauherr Tarnoczy-Sprinzenberg

Einfluss des „englischen Grundrisses“

mit zentraler Halle und funktionaler

Aufteilung der Räume. Konturierung

der Fassaden durch Vorsprünge,

Erker, gedeckte Terrasse und Turm.

Kraftwerk als Villenarchitektur -

Baumgartner schuf mit dieser Anlage

einen Prototyp, der auf die landschaftliche

Situation Rücksicht

nimmt.

Das bestehende Einfamilienhaus

wurde durch eine Leichtkonstruktion

in Stahl-Holz-Bauweise erweitert.

Große Glasflächen öffnen das Haus

hin zum See.

Schönes Ensemble im Villenstil

Baumgartners. Das denkmalgeschützte

Bootshaus ist über einen

Holzsteg mit dem Seegrundstück verbunden.

Die Villen wurden für die Mutter von

Landeshauptmann Lemisch erbaut.

Die Fassadengestaltungen zeigen das

qualitätsvolle Repertoire des romantischen

Historismus.

Das Wohnhaus wurde im Stil eines

Bootshauses aus verschiedenen

Holzarten kreiert. Das Holzdach

symbolisiert einen umgedrehten

Bootsrumpf.

Repräsentative Badeanstalt der Jahrhundertwende.

Es ist die Letzte in

Kärnten, die heute noch erhalten ist.

Die zweigeschossige Holzkonstruktion

steht auf Piloten im See.

Der Bau mit den neutral gestalteten

Fassaden nimmt Bezug auf die

städtebaulich bestimmenden Elemente

der Hauptstraße, der Bahnstrecke

und des Monte Carlo Platzes.

Erbaut vom Wiener Porzellanfabrikanten

Carl Ernst Wahliss, der mit der Gestaltung

der Halbinsel (Hotel, Villen,

Parkanlagen) zu den Pionieren des

Tourismus am Wörthersee gehörte.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde

das alte, historische Parkhotel abgerissen

und ein kubischer, achtgeschossiger

Bau mit großzügigem

Foyer und Seeterrasse errichtet.

Direkt nebeneinander liegen die Villa

Wörth, Villa Seehort, Villa Miralago

und Villa Seefried. Diese Bauten

repräsentieren das am besten

erhaltene Villenensemble Kärntens.

aus der Jahrhundertwende. Die Villa

Wörth ist ein dreigeschossiger, durch

Loggien, Terrassen, Giebel und Ecktürme

gegliederter Bau im Stil der

deutschen Renaissance.

Influenza della „pianta stile inglese“ con

un salone centrale e una divisione

funzionale degli ambienti. Le facciate

sono caratterizzate da aggetti, bovindo,

terrazza coperta e torre.

Centrale elettrica in stile villa – Una

costruzione con cui Baumgartner creò

un prototipo in pieno rispetto per

l’ambiente circostante.

La già pre-esistente villa unifamiliare

venne ampliata tramite una costruzione

leggera in acciaio e legno. Grandi

vetrate aprono la villa verso il lago.

Un bellissimo complesso con villa in

stile Baumgartner. La rimessa delle barche

– monumento posto sotto tutela –

è collegata alla proprietà tramite un

pontile di legno.

Le ville vennero costruite per la madre

del Presidente della regione Lemisch. Le

loro facciate esprimono il repertorio

qualitativo dello storicismo romantico.

L’abitazione è stata costruita con diversi

tipi di legno nello stile di una rimessa

per le barche. Il tetto simboleggia uno

scafo rivoltato.

Stabilimento balneare rappresentativo di

fine secolo. È l'unico esemplare ancora

presente in Carinzia. La costruzione di

legno a due piani è si appoggia su piloni

immersi nel lago.

L’edificio a facciata neutrale riprende

elementi specifici della strada principale,

del percorso ferroviario e della

piazza Monte Carlo.

Costruito dal fabbricante di ceramiche

viennese Carl Ernst Wahlniss che con

le sue costruzioni sulla penisola

(alberghi, ville, giardini), fu uno dei

pionieri del turismo sul lago di Wörth.

Dopo la seconda guerra mondiale il

vecchio albergo storico venne abbattuto

e al suo posto venne eretto un complesso

cubico, a otto piani, con un

generoso foyer e una terrazza sul lago.

Una di fianco all'altra si trovano Villa

Wörth, Seehort, Miralago e Seefried.

Queste, rappresentano l’insieme di ville

di fine secolo meglio conservate di tutta

la Carinzia. Villa Wörth è un edificio a tre

piani in stile rinascimento tedesco

caratterizzato da logge, terrazze,

frontoni e torri.

Vpliv tipične angleške prostorske razporeditve

z vežo kot osrednjim delom in

funkcionalno razdelitvijo prostorov.

Neprekinjenost pročelja z napuščem, s

pomolom, pokrito teraso in stolpom.

Elektrarna kot arhitekturna vila - Baumgartner

je s to zgradbo ustvaril prototip,

ki upošteva okoljsko situacijo.

Enodružinska hiša razširjena z lahko

jekleno-leseno konstrukcijo. Hišo proti

jezeru odpirajo velike steklene površine.

Vila v slogu Baumgartnerjevih vil. Spomeniško

zaščitena čolnarna je z lesenim

mostičkom povezana z zemljiščem

ob jezeru.

Vili sta bili zgrajeni za mater deželnega

glavarja Lemischa. Oblikovanje pro

elja predstavlja kakovosten primer

romantičnega historizma.

Stanovanjska hiša v slogu čolname je

bila zgrajena iz različnih vrst lesa.

Lesena streha simbolizira navpično postavljeni

trup čolna.

Reprezentativno kopališče s preloma

stoletja. Gre za zadnje kopališče na Koroškem,

ki se je ohranilo do današnjih

dni. Dvonadstropna lesena konstrukcija

stoji v jezeru na pilotih.

Zgradba z nevtralno zasnovanim pro

eljem se navezuje na določene elemente

mestne gradnje glavne ceste,

železniške proge in trga Monte Carlo.

Zgradil ga je lastnik tovarne s porcelanom,

Dunajčan Carl Ernst Wahliss, ki z

oblikovanjem polotoka (hotel, vile, parkirne

površine) sodi med pionirje turizma

ob Vrbskem jezeru.

Po drugi svetovni vojni je bil stari zgodovinski

Parkhotel porušen in zgradili so

osemnadstropno zgradbo v obliki kocke

z velikim foajejem in s teraso s pogledom

na jezero.

Neposredno druga ob drugi ležijo vila

Wörth, vila Seehort, vila Miralago in vila

Seefried. Ta sklop predstavlja najbolje

ohranjen sklop vil na Koroškem s pre-

loma stoletja. Vila Wörth je razčlenjena

trinadstropna zgradba, ki je zasnovana

v nemškem renesančnem slogu in ima

ložo, teraso, čelo in vogalne stolpe.

Influence of the English base with a

central hall and a functional partitioning

of the rooms. A gazebo, a jutty, a sheltered

terrace and a tower outline the

walls outside.

Powerplant in villa-style. With this

construction Baumgartner created a

prototype which considers its

surrounding landscape.

The single family home was extended by

a light weight construction using iron

and timber frames. Huge glass surfaces

open up the house to the lake.

A beautiful estate with a villa in Baumgartner`s

style. The heritage boathouse

is connected to the main lakeside

property by a wooden bridge.

These villas were built for Governor

Lemisch`s mother . The facades of these

buildings express the high quality

repertoire of romantic historism.

This dwelling in the form of a boathouse

was built out of different species of

wood in order to create natural surroundings.

The wooden roof symbolizes

a reversed hull.

Representative public bath constructed at

the turn of the century. It is the last ones of

its kind that could be preserved in Carinthia.

The two-storied timber construction is supported

by pillars which are buried in the lake.

The building with its neutral facades

matches the dominating urban elements

of this main street, namely the

railway line and the Monte Carlo Square.

Was built by the Viennese entrepreneur

and porcelain manufacturer Carl Ernst

Wahliss, who was considered to be a pioneer

of Wörthersee tourism for having

landscaped the peninsula of Pörtschach.

After World War II the historic Parkholtel

was torn down and replaced by an

eight-storied cubic building with a

generous foyer and a terrace overlooking

the lake.

Right next to each other lie Villa Wörth,

Villa Seehort, Villa Miralago and

Villa Seefried. They are the best preserved

collection of villas in Carinthia

which were built at the turn of the

century. Villa Wörth is a three - storied

construction, partitioned by patios,

terraces, gables and towers built in

German Renaissance style.

Europäischer Fonds

für Regionale Entwicklung

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SCHLOSS VELDEN, 1603

Velden, Schlosspark 1

Architekt N. N.

Bauherr Freiherr B. Khevenhüller

Erweiterung Jabornegg+Palffy, 2007

SEESPITZ RESTAURANT, 2007

Velden, Seepromenade

Architekt Jabornegg+Palffy

Bauherr Hypo Group Alpe Adria

HOTEL KOINTSCH, 1909

Velden, Karawankenplatz 2

Architekt Franz Baumgartner

Ausführung Bmst. A. Bulfon

HAUS G, 2006

Velden, Göriacher Hang

Architekt Gerhard Kopeinig

Ausführung Bmst. F. Begusch

SICHERHEITSZENTRUM, 2006

Velden, Köstenbergerstrasse 3

Architekt Peyker+Domenig

Bauherr Gemeinde Velden

WÖRTHERSEE APOTHEKE, 2006

Velden, Villacher Strasse 29

Architekt Karlheinz Winkler

Bauherr Wolfgang Wenger

VILLA HELENE, um 1890

Velden, Seecorso 62

Architekt N. N.

Bauherr Fam. Schick

VILLA MIRALAGO, 1903

Velden, Seecorso 33

Architekt N. N.

Bauherr Fam. Neustadl

HAUS P, 2006

Auen, Süduferstrasse

Architekt Reyner Schwarz

Bauherr Privat

VILLA AST, 1924

Auen, Waldpromenade

Architekt Josef Hoffmann

Bauherr Baurat Eduard Ast

HOTEL LINDE ZUBAU, 1996

Maria Wörth, Lindenplatz 3

Architekt Irmfried Windbichler

Bauherr Fam. Trattnig

PYRAMIDENKOGEL

Keutschach, Pyramidenkogel

Architekt Klaura+Kaden

Bauherr Gemeinde Keutschach

Das aus Film und Fernsehen bekannte

„Schloss am Wörthersee“, ist

ein Renaissancebau mit vier Ecktürmen.

Es gelang 2007, die neue,

zeitgemäße Architektur behutsam in

das Ensemble zu integrieren.

Gegenüber dem Schloss, direkt am

Wörthersee-Ufer liegt das aus Holz

gestaltete Restaurant Seespitz mit

einem lichten Innenbereich, einer Außenterrasse

und dem angeschlossenen

Seebad.

Eine prototypische Arbeit gelang

Franz Baumgartner in Velden mit dem

Hotel Kointsch, das vermutlich als

der Schlüsselbau für charakteristische

„Wörthersee-Architektur“ anzusehen

ist.

Das offene Wohngeschoß fängt die

Landschaft ein - mit Blick zum

Wörthersee. Bergseitig wirkt das

Haus als eingeschossiger Bungalow

und präsentiert sich auf der Talseite

als gegliederter Bau.

Aufgrund der funktionalen Erfordernisse

der drei Bereiche Feuerwehr,

Rotes Kreuz und Eishalle wurde die

Anordnung der Gebäude so klar wie

möglich gestaltet.

Auf einem glasbegrenzten Sockelgeschoss

„schwebt“ ein metallisch

glänzender Baukörper. Vom Innenhof

gelangt man in die Obergeschosse mit

den Wohneinheiten. Anerkennung

Landesbaupreis 2006.

Villa in leicht erhöhter Lage über dem

See. Die Fassade ist asymmetrisch

gegliedert und mit barocken Elementen

gestaltet. Kaiser Franz Joseph lies

die Villa vermeintlich für seine

Geliebte Katharina Schratt erbauen.

Die zweieinhalb geschossige Villa

wurde 1903 auf einer künstlich aufgeschütteten

Bucht erbaut und ist ein

Schmuckstück großbürgerlicher Villenarchitektur

der Jahrhundertwende.

Mit der zentralen Halle, die bei

geöffneter Fassade ein Außenraum

wird, und den mit grobem Außenputz

versehenen Kuben wurde eine

orientalisch-mediterrane Atmosphäre

geschaffen.

Die Privatvilla zählt zu den bedeutendsten

Jugendstilbauten des 20.

Jahrhunderts in Kärtnten. Das kubische,

fast schmucklose Haus wirkt

durch die feine Putzarchitektur wie

aus Schichten aufgebaut.

Der leichte Stahl-Glas-Pavillon, mit

dem die Freiterrasse überdacht

wurde, ist schon von der Vorfahrt her

zu sehen und bietet einen einladenden

Blick zum See.

Als neue Aussichtswarte ist ein 100

Meter hoher Holzturm mit Aussichtsplattformen

geplant. 18 elliptisch angeordnete

Holzstützen sollen sich

spiralförmig über die Landschaft

erheben.

Il castello sul lago di Wörth, reso famoso

da film e televisione è una costruzione

rinascimentale con quattro torri angolari.

Nel 2007 elementi di architettura contemporanea

vennero integrati nell’edificio.

Di fronte al castello, in riva al lago e costruito

in legno, si trova il Ristorante

Seespitz con il suo luminoso ambiente

interno, la sua terrazza esterna e l’annesso

stabilimento balneare.

Con l’albergo Kointsch a Velden, Franz

Baumgartner giunse ad un lavoro prototipale

e probabilmente lo si può considerare

la costruzione chiave per la

caratteristica „architettura Wörthersee“.

L’abitazione con vista lago cattura il

paesaggio. Sul lato verso le montagne

la casa ha le sembianze di un bungalow,

mentre sul lato verso la valle presenta

una costruzione articolata.

Per unire le necessità funzionali di tre

ambiti diversi – Vigili del fuoco, Croce

Rossa e palazzetto del ghiaccio – la disposizione

degli edifici è stata tratteggiata

nel modo più semplice possibile.

Su un piano base in vetro „fluttua“ un

corpo edile di metallo scintillante. Dal

cortile interno si accede ai piani superiori

con le unità abitative. Premio edile

regionale del 2006.

Villa in posizione leggermente elevata

sul lago. La facciata asimmetrica è decorata

in stile barocco. L'imperatore Francesco

Giuseppe la fece costruire presumibilmente

per Katharina Schratt, la sua amante.

La villa a due piani e mezzo venne

costruita nel 1903 su un’insenatura

artificiale ed è un gioiello architettonico

tra le ville dell' alta borghesia della

svolta del secolo.

Con la sala centrale che a facciata

aperta diventa uno spazio esterno e con

i cubi abbelliti da intonaco esterno

grezzo è stata creata un'atmosfera

orientale-mediterranea.

Questa villa privata è tra le più rappresentative

dello stile liberty del XX

secolo in Carinzia. L’edificio cubico

quasi scarno, sembra costruito a strati

grazie alla fine architettura ad intonaco.

Dall'ingresso è già visibile il leggero

padiglione in acciaio-vetro, con cui è

stata la terrazza è stata coperta. Offre

un’invitante vista sul lago.

Come nuovo punto panoramico è in

progetto la realizzazione di una torre di

legno con piattaforme, alta 100m.

18 sostegni ellittici, sempre in legno,

si ergeranno a spirale dal paesaggio.

'Grad ob Vrbskem jezeru', znan po filmski

stvaritvi in nadaljevanki, je renesančna

zgradba s štirimi vogalnimi stolpi. Leta 2007

je bila v celoto prefinjeno vključena

nova sodobna arhitekturna zasnova.

Nasproti gradu, neposredno ob južni

obali Vrbskega jezera, se nahaja iz lesa

zasnovana restavracija Seespitz s

svetlim notranjim delom, z zunanjo

teraso in s povezanim kopališčem.

Franzu Baumgartnerju se je z izgradnjo

hotela Kointsch v Vrbi/Veldnu posrečilo

prototipsko delo, ki je verjetno ključna

zgradba za karakteristično 'arhitekturo

Vrbskega jezera'.

Odprto bivalno nadstropje, ki s pogledom

na Vrbsko jezero ujame pokrajino.

Na strani proti hribu deluje hiša kot enonadstropni

bungalov, na drugi strani pa

kot razčlenjena zgradba.

Zaradi funkcionalnih potreb treh

področij - gasilci, rdeči križ in dvorana

za športe na ledu- je bila razporeditev

zgradbe zasnovana tako jasno, kot je to

najbolj mogoče.

Objekt iz kovinsko svetleče konstrukcije

'lebdi' na talnih zidcih in steklenem delu.

Dostop stanovanj v zgornjih nadstropjih

je možen prek dvorišča. Priznanje

deželna gradbena nagrada leta 2006.

Pročelje vile je asimetrično razčlenjeno

in obogateno z baročnimi elementi.

Cesar Franc Jožef naj bi jo domnevno

zgradil za svojo ljubico Katharino

Schratt.

Dvoinpolnadstropna vila je bila leta

1903 zgrajena na umetno nasutem zalivu

in je okras visokoburžoazne arhitekture

s preloma stoletja.

Z osrednjo vežo, ki se pri zastekljenem

delu spremeni v zunanji prostor, in s

kockami z grobim zunanjim ometom je

ustvarjena orientalsko mediteranska

atmosfera.

Zasebna vila sodi med najpomembnejše

secesijske gradnje 20. stoletja na

Koroškem. Izčiščena zgradba v obliki

kocke s fino ometno arhitekturo

ustvarja vtis večplastnosti.

Lahek jekleno-stekleni paviljon, ki

pokriva teraso na prostem, je dobro

viden že s ceste in nudi čudovit razgled

na jezero.

100 metrov visoki leseni stolp z razgledno

teraso je zasnovan kot novi razgledni

stražni stolp. 18 eliptično

razporejenih lesenih opornikov se v obliki

spirale dviguje nad pokrajino.

This building gained popularity through a film

named “Schloss am Wörthersee” and is built

in Renaissance style with four towers. In the

year 2007 it was possible to integrate contemporary

architecture into the older ensemble.

This restaurant lies exactly opposite

Schloss Wörthersee and is designed completely

out of wood. The interior is lightened

up and also has a terrace facing the

lake and an adjoining lake-side bath.

With the Hotel Kointsch architect Baumgartner

accomplished a prototype work

in Velden which can be considered a keybuilding

for the characteristic architecture

around Lake Wörthersee.

The open living space captures the view

of Lake Wörthersee; the side that faces

the mountain looks like a closed bungalow

and the other side gives a structured

impression.

As the functional needs of the fire brigade,

the Red Cross and an ice-skating-hall

had to be fulfilled, the alignment of the

building was held as clear as possible.

A metallic shining construction “floats”

on a glass-boardered elevated ground

floor. One can get to the upper living

spaces through the courtyard. This construction

was given a state prize in 2006.

This villa is above the lake’s altitude. The

facade is partitioned asymmetrically

and is decorated with baroque elements.

Supposedly, Emperor Franz Joseph built this

villa for his mistress Katharina Schratt.

The two and a half storied villa was built

in the year 1903 on an artificially created

bay. It is a jewel among constructions

built by the upper class around the turn

of the century.

With the central hall that becomes an

open room when the facades are opened,

and with the rough facade that was given

to these cubes an oriental Mediterranean

atmosphere was created.

This important Art Nouveau construction

is private property. The almost bare,

cubic house seems to be built in layers

due to its delicate plastering.

The lightweight iron-glass pavillion

which covers the terrace can be sighted

from the forecourt. It offers an irresistible

view of Lake Wörthersee.

The plans are to place the new observation

platform on a 100-meter tall observation

tower built of wood. 18 elliptically

arranged wooden pillars are supposed

to rise from the landscape in a spiral.


VORSCHLÄGE FÜR EINEN WIR KLICH SOZIALEN WOHNBAU

fast_LIVINGUNIT

60m 2 built area result in: 40m 2 for wellness 44m 2 sleep 41m 2 work-living 40m 2 cook

designed and copyright© 2008 by: Angelo Roventa, Carmen Hernandez-Arcas

JA

Angelo

Full function house

with modular mobile furniture (bathroom, bedroom,

living room, study room, kitchen, all including their

necessary storage spaces), for a complete housing unit.

GENIALE ZEIT/RAUM/NUTZUNG

Liebe

JA

Roventa

content:

The mobile furniture within the housing unit, with its multiple spatial

arrangements, provides all the function and comfort of a regular

house. The mobile furniture within the housing unit can be

activated simultaneously, fig. 1.01, or in sequence,

fig.1.02-bathroom, 1.03-bedroom,1.04-living room/

study, 1.05-kitchen. Thanks to the mobility of these elements, those rooms/modules that are not in use at a specific time can be closed, providing more

space for the rooms/modules that are actually in use. This is a way to multiply up to 4 times the net usable area of the housing element.

BEWOHNE DEINE ZEIT

PROTOTYPEN FÜR KARL/MARX/HOF 2

NIEDERENERGIEHÄUSER

EIGENENERGIEHÄUSER

KARL/MARX/HOF 2

ROVENTA/GERNGROSS/WERKSTATT WIEN

VORSCHLÄGE FÜR EINEN WIR KLICH SOZIALEN WOHNBAU


46 ST/A/R

Buch VI - ANGELO Nr. 21/2009

Bogdan

ovi

Der verdammte Baumeister

ć

Az

W

Filmpräsentation: Architektur der Erinnerung

Die Denkmäler des Bogdan Bogdanović, 125 min

Mi, 27.05.2009, 19 Uhr, Eintritt frei!

im Architekturzentrum Wien

Museumsplatz 1 im

1070 Wien, T +43-1-522 31 15, www.azw.at, täglich 10 – 19 Uhr


®

Nr. 21/2009 Buch VI - ANGELO

ST/A/R 47

Portrait 4. April bis 29. Mai 2009

CHAOS ab 7. Oktober 2009 - open call

Positionen aus Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Fokus der G.A.S-station Projekte ist die Gegenüberstellung verschiedener medialer und formaler Ansätze mit

unterschiedlichen Beiträgen aller Kunstsparten - ob Kurzfilm, Installation, bildende Kunst, Performance,

Literatur, Musik und Wissenschaftsbeiträge, auch Vorträge, Lesungen oder Begleittexte zum Thema.

Öffnungszeiten: Di-Fr 14-19 Uhr, Sa 14-17 Uhr

oder nach telefonischer Vereinbarung

G.A.S-station:

Tempelherrenstraße 22, 10961 Berlin/Kreuzberg

fon: +49 30 221 609 312 mob. +49 (0)160 995 78 158

www.2gas-station.net - info@2gas-station.net

ST/A/R liegt in der G.A.S-station aus.

Intim, 2008, Karin Raitmayr

„...Sensibilität ist ein zentrales Thema der Ästhetik (verstanden als "Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis" im Sinne von

Baumgarten). Die Grundfrage der Ästhetik lautet: Wie genau nehmen wir wahr (Was sehen wir, wenn wir ein Blatt oder ein

Bild anschauen? Was hören wir, wenn wir eine Amsel oder eine Symphonie hören? usw.) und wie beziehen wir die Elemente

der Wahr-Nehmung aufeinander? In einem weiteren Sinne hat es die Ästhetik (wie etwa bei Kant) allgemein mit den Formen

unserer Wahr-Nehmung bzw. Anschauung zu tun, in einem engeren Sinne mit der "sinnlichen Erkenntnis" ästhetischer

Informationen.“

„Kunst ist demnach anästhetisch, wenn sie nicht dazu dient, unsere Sinne zu schärfen, sondern sie zu betäuben - wenn sie

uns eine schöne, heile Welt vorgaukelt, wo wir eine ganz andere sehen könnten, wenn wir nur - unbenommen von der Kunst

- die Augen öffneten. Die wahre Anästhesie ist demnach auch nicht das "nicht mehr Schöne", sondern ist eine Einstellung, die

uns hindert, uns selbst und das, was uns umgibt, aufmerksam wahr zu nehmen - nicht zuletzt auch die Kunst selbst und all

das "nicht mehr Schöne".“

„Auch sie ist Kunst insofern, als sie mit mehr oder weniger großem Können geschaffen werden kann. (Kunst und Ästhetik

gehen in diesem Punkt auseinander.)“

„Eine Seite der Anästhesie ist unser Umgang mit Kunst, ist die Erwartung, daß uns diese (wenigstens für die kurze Zeit der

Berieselung) Balsam in jene Wunden träufelt, die uns der Alltag schlägt. Eine andere (und die wichtigere) Seite ist, daß wir

die Augen nicht nur vor der Kunst, sondern auch vor der alltäglichen Welt verschließen, daß wir die Welt nicht mehr wahr

nehmen, weil wir sie nicht wahr nehmen wollen.“

Otto Neumaier: "Anaisthesis oder die Kunst des Vergessens"

aus dem Buch: Vom Ende der Kunst, Wien: Noëma Press, 1997, 25–38,

Ausschnitte auf den Seiten 27 & 29.

.......Augustina hätte gerne weiter „Heim“ und in wohliger Heimlichkeit dahingeträumt, doch hat sie das Gefühl, dass im

Moment zuviel Aufmerksamkeit auf ihr lastet. Seitenblicke, die, wenn sie direkt eines ihrer Stielaugen hinwendet, schnell

zurückgezogen werden, machen sie unsicher. Sie bewegt sich langsam durch den Raum, kann sich nur langsam voran

schieben in ihrem Schneckenkörper, mehr ein Schieben und Ziehen wobei der Körper sich elegant dehhhnt. Vielleicht ist sie

auch unangenehm aufgefallen, raus gefallen aus dem Anstoßritual, als sie mangels Hände auch kein Sektglas im rechten

Moment heben konnte. An dem Kleid konnte es nicht liegen eher, dass die anderen ihren veränderten Körper entdeckt haben,

als fremdartig klassifizieren. Alles was zu sehr abweicht von der Norm kann als gefährlich eingestuft werden, was fremd- das

fremdelt -das feindelt im Innland und aus dem Land.

Augustina sucht lieber das Abseits, schiebt sich Richtung Ausgang. Die Türe zum Garten steht einen Spalt offen und scheint

ihr bald erreichbar, die Maschinengeräusche der anwesenden Menschen rücken in Entfernung als Augustina noch die

Pflanzen im Gewächshaus sprechen hört.

„Eine Nation von so vielen Menschen kann sich doch nicht irren.“

„Es ist so normal, Piloso Cereus, gewohnt drängt es uns ins Verderben.„

„Mit welchem Recht? Was ist dieses Recht von dem sie sprechen? Das Recht zu leben, das Recht zu sterben? Der Freitod

ist verboten und die Todesstrafe großflächig legitim. Der Krieg eine Ehre, eine Notwendigkeit, vorher bankrott dann der

Aufschwung, wenn das kein Wunder ist! Ein Wirtschaftswunder, klebt perfekt auf jeder Wunde.“

„Aber, aber ist ja schon vorbei das war einmal, Mimöschen.“

„Aber kommt auch wieder, immer wieder, ewige Schallplattenrillen, die es auch nicht mehr gibt und doch sich chronisch

abspielen.“

Augustina schiebt sich voran, verlassen möchte sie den Tropengarten, die dunklen mächtigen Gespräche, gleitet, dehnt sich,

ihr Körper wird lang. „U -bahn sein wär nun vorteilhafter, auf jedenfall schneller oder noch besser U -boot, unauffälliger, nur

ein Stielauge über der Oberfläche“, mit diesen Gedanken fährt sie eilend dahin.

„Heilig der Krieg, der heilige Vater oder der Allah oder sonst wer willt es. Die Mutter fragen wir erst gar nicht, die steckt mit im

Busch oder der Bush steckt in ihr oder ein anderer Präsidentenfall. Danach, kaputt das Land, die Ebene, verlassen wir,

verwüstet und verkarstet verlassen sie die Ebene und schon sind wir draußen. Vergessen!“

„Absurdität auf die Spitze getrieben als Norm betitelt.“

„Privatisiert # rein ins Volle, mal alles fressen was möglich ist!“

„Und der Wirt geht drauf, ja wenn schon, wenn der Wirt nicht mehr gut kocht, kein Knödel kein Ei, kein Sauerbraten, ist er

nicht mehr zu nichts, rein gar nichts mehr gut, außer wenn er und nur dann wenn er.....dann... ja dann konservieren wir ihn

doch ... für die Nachwelt! Ein Leckerbissen als Märtyrer oder als Zugpferd für die Zukunft einer seltenen Spezies. Später

einmal kann man ihn auftauen und duplizieren genetisch, wer weiß was das noch bringt?“

Endlich aus der Türe, im Freien, im Garten fühlt sie sich erleichtert gleitet dahin an der frischen Luft. Ihre Gangart erstaunlich,

sie kann sich so elegant dehnen, so laaang werden, fast doppelt so lang in der Bewegung.

Wenn und nur wenn sie aus vielen Teilen bestehen würde, aus vielen kleinen Einzelteilen,- sinniert sie,- dann.. .würde sie, die

vielen Einzelteile... jetzt... bei dieser Art von Fortbewegung... sich voneinander fort bewegen. Die Teile, zum Beispiel, schöne

runde Perlen, Perlen auf einem Gummiband, das Gummiband leuchtend hellgelb dehnt sich, die Perlen rutschen auseinander.

Perle Nummer 3 und Perle Nummer 4 entfernen sich gerade um ein UND.

Ein UND ist zwischen 3 und 4 und zwischen 4 und 5 und 5 und 6 und 6 und 7......und so weiter.

Augustina bewegt sich fort und in einem Bruchteil einer Sekunde ist ein weiters UND zu bemerken. Also 3 UND UND 4, sogar

3 UND UND UND 4, 3 UND UND UND UND 4, 3 und UND UND UND UND UND......4..........

Bruchteilartig brechen die UNDs in die sich öffnende Schlucht.

Und zwischen dem UND, und dem UND da....ist... ein Komma!

Diese Einsichten gehen UNenDlich schnell und hinter dem Komma sind unendlich viele Stellen, angestellt...

Ja, angestellt, und unendlich viele sind da angestellt.......warum schauen die so auf mich? Augustina erschrickt vor dieser

Menge.

Haben sie mich erkannt? Was wollen die von mir?

Augustina abermals im Fluchtmodus, versucht sie von der Stelle zu kommen, doch als Schneckenwesen geht dies so

unglaublich langsam.

„Niemand außer ich selbst kann wissen, dass ich Schnecke bin“ denkt Augustina um sich zu beruhigen, “also ich kann hier

ganz ruhig bleiben und in meinem Tempo dahin gleiten, denn niemand weiß, wie ich bin, was ich bin, auch wenn ich

beobachtet werde, kein Grund zur Sorge, denn keiner weiß wer ich wirklich bin. Kann sicher dahin gleiten in diesem Garten,

in diesem schönen Garten, der mir so vertraut ist, wie meine Mutter. –pause- Denn es ist Mutters Garten.“

„Mutters Garten?“ fällt aus ihrem Beruhigungsmantra.......„Mutters Garten?!...............Mutter hasst die Schnecken in ihrem

Garten!“ Sie sieht eine blaue klein spitze Gartenschaufel links oben in ihrem Gesichtsfeld.........

Metaphysik des Verschwindens, (Lenin-Portrait), 2001, BAGERITZ

aus AUGUSTINA selbst, einem prozessualen Schreibprojekt in progress, Elisa Asenbaum

Prozessbegleitende LektorIn und MitschreiberInnen gesucht / mailto: elisa@2gas.net

FREEFLYING, videostill, Elisa Asenbaum

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