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ST:A:R_23

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Printmedium Wien – Berlin

Städteplanung / Architektur / Religion

ST/ /A/ /R

Buch I - DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN

Nr. 23/2009–2010

Katalog zur Austellung

1. Dez 09 –10. Jän 10

1

Ausstellung im MAK

Das Spiel der Mächtigen

Heidulf Gerngross

archistriert den Nageltower von

Franz West mit

Angelo Roventa

Hofstetter Kurt

fibreC by Rieder

Vasko+Partner - Der Generalkonsulent

Werkstatt Wien -

Spiegelfeld Architekturmanagement

04Z035665M – P.b.b. Verlagspostamt 1060 Wien • Adresse: 1060 Wien Capistrangasse 2/8 • office@star-wien.at • Europa € 3,00 • Nr. 23/09

Nageltower korrigiert von Franz West 2009

Städteplanung / Architektur / Religion

3,– Euro


2

Buch I - DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN Nr. 23/2009

Heidulf Gerngross

archistriert

den Nageltower von

Franz West

Ernest erfährt die Welt aus der

Archiquantenwiegenperspektive

Markus Spiegelfeld

übernimmt die Verantwortung für

Architektur Management und Betreuung

Hofstetter Kurt

generiert das Fassadenmuster mit

seiner Elementarwelle

Angelo Roventa

erweitert die Nutzfläche durch

sein Elastisches Wohnen

Wolfgang Rieder

entwickelte das neue Material fibre C

und realisiert die Fassadenstruktur

Wolfgang Vasko

ist Generalkonsulent

Milan Mijalkovic - produziert den Konflikt

Heike Nosslböck - Videoproduktion

MAK NITE

Auferstehung mit:

Alena Baich - Moderation

Dr. Tolstoj - OligarchPriesterSchamane

Waran - live

Mamie - live

Adam - live

Stefan - live

Baxant - live

Marcus Hinterthür - liest SF

EHRENGAST Sergej Volgin - Hutzeremonie

BIOS LIFE - Präsentation

Toni´s Freilandeier - 666 braune und weiße

Eier

Musik: Flower Structure ( Elisabeth Penker, Sweet Susie )

Philipp Quehenberger & Band

Maciej Boltryk - Visualisierung

Prof.Bettina Götz am 12.09.08

(ARTEC-Architekten) vor dem

Hoffmann-Pavillon in Venedig.

Bericht im nächsten ST/A/R

Gerngross


Nr. 23/2009 Buch I - DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN

3

Inhaltsangabe

PETER NOEVER Direktor MAK machts möglich.

Danke an Frau Martina Kandeler Fritsch stellvertretende Direktorin MAK

und danke an Frau Mag. Bärbel Vischer Kuratorin der Ausstellung

Buch I - Seite 1–8 Buch II - Seite 9–16 Buch III - Seite 17–24 Buch IV - Seite 25–32 Buch V - Seite 33–40 Buch VI - Seite 41–48

Impressum

Buch VII - Seite 49–56

Buch VIII - Seite 57–64

Volksbuch Buch IX - Seite 65–72

ST/A/R Printmedium Wien

Europäische Zeitung für den direkten

kulturellen Diskurs

Erscheint 4 x jährlich, Nr. 23/2009,

Erscheinungsort Wien

Erscheinungsdatum: Dezember 2009

Medieninhaber:

ST/A/R, Verein für Städteplanung/

Architektur/Religion

A–1060 Wien, Gumpendorferstrasse

42 – 44 / 2 /R1

Herausgeber: Heidulf Gerngrss

Redaktionelle Mitarbeit: Marcus

Hinterthür (Chef),

Heidulf Gerngross (Architektur,

Kunst), MAK Wien (Kunst), Atelier

Franz West (Kunst), Hofstetter

Kurt (Kunst), Angelo Roventa

(Architektur), Vasko + Partner (Der

Generalkonsulent), Rieder Smart

Elements (fibreC by Rieder), Werkstatt

Wien (Spiegelfeld Architektur

Management), Milan Mijalkovic

(Konflikt),

Artdirektion & Produktion & WC

Reinigung: Mathias Hentz

Druckproduktion: Michael

Rosenkranz

Organisation: Nösslböck Heike

Druck: Herold Druck und Verlags

AG, Wien

Vertrieb: ST/A/R, Morawa GmbH.

Aboservice: starabo@morawa.com

oder: starabo@morawa.com

Bezugspreis: 3,- Euro (inkl. Mwst.)

Kontakt: grafik@star-wien.at” grafik@

star-wien.at

Redaktion: editors@star-wien.at”

editors@star-wien.at

Adresse: Gumpendorferstr 42 – 44 /

2/ R1, 1060 Wien

0043-664-521-3307 Österreich

Cover: Angelo Roventa

ST/A/R wird gefördert von:

Bundesministerium für Unterricht,

Kunst und Kultur und Stadt Wien.

ST/A/R ist ein Gesamtkunstwerk und

unterliegt dem Urheberrecht.

ST/A/R dankt allen

BeitragslieferantInnen,

MitarbeiterInnen, KünstlerInnen,

UnterstützerInnen und FreundInnen.


Städteplanung / Architektur / Religion Buch I - DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN

5


6

Buch I - DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN Nr. 23/2009

**Rosencranz und Gernegross are dead - Reclam

Am 19. November – unserem 21.

Februar – hatte das Erdbeben

stattgefunden, und Sturm war

aufgekommen. Auf der anderen Seite der

Erdkugel begannen Dichter und Künstler

von einer merkwürdigen dumpfen

Zyklopenstadt zu träumen, und der junge

Bildhauer in unserem Atelier formte

im Traume die Gestalt des furchtbaren

WARAN, ein Architekt war wahnsinnig

geworden, und ein berühmter Literaturkritiker

war plötzlich im Alkoholdelirium

versunken!

Die Ausschreitungen spielten sich

im wesentlichen an der Ringstraße ab.

An der Ringstraße war es, wo das Lueger/Lugnerhochhaus,

das Café Landmann

und Billigläden in Brand gesteckt

wurden, und an der Ringstraße war

es auch, an der der prunkvolle Eispalast

in Flammen aufging und über tausend

Enzis mit ins verderben riss, das

beliebte Sitzmöbel des österreichischen

Architekturbüros Popelka Poduschka.

Von der Ringstraße kamen die, die das

Lebensmittel Hofer am Karlsplatz verwüsteten

und Autos umwarfen und in

Brand setzten. Offiziere in voller Uniform

dirigierten mitten in der Demonstration

am Naschmarkt die Komparserie

zur Aufwiegelung der Bevölkerung. Aus

serbokroatischen Funkmietwagen wurde

diesen arbeitslosen Banden Weisung

erteilt. Aus polnischen Charterflugzeugen

wurden von der Firma Morawa über

dem Regierungsbezirk Flugblätter und

ST/A/R-Zeitungen abgeworfen mit der

Aufforderung zum Aufruhr und zur

Fortsetzung des Streiks. Obwohl zu diesem

Zeitpunkt durch die Beschlüsse des

Ministerrats zur Normenfrage der Anlass

für die Arbeitsniederlegung längst entfallen

war.

Über die Ringstraße wollten die

Leiharbeiter Vorgestern den Zug der Bauarbeitslosen

führen. Das gelang ihnen

nicht. Über die Ringstraße schließlich

verschleppten Burschen mit halblangen

Armyhosen und bunten Texashemden

den greisen, aber ungebrochenen Stellvertreter

des ehemaligen Staatsekretärs

Franz Morak. Was vorgestern und Gestern

die grosse Mehrheit der Bevölkerung

fühlte und empfand, das ist nun

Bewiesen. Die Forscher beschrieben

die Zerstörung von Städten durch die

Auffaltung von Bergen, das zentrifugale

Bersten von Kontinenten. Die seismischen

Zuckungen von Erdboden und

Meeresgrund und andere geologische

Ereignisse tauchten immer wieder in

den Dokumenten auf. All das musste

von den Spezialisten bedacht werden.

Vor einem Jahrhundert hatte eine (eine!)

Wirtschaftskrise das Land heimgesucht.

Sie war mit Maßnahmen beendet worden,

so stahlhart, dass niemand mehr

in seinem eigenen Haus einen Sessel

streichen durfte ohne die Zustimmung

des Amtes. Fabriken wurden stillgelegt,

um schließlich von Funktionären der

Regierung übernommen zu werden, die

– unter beträchtlichen Preissteigerungen

und Maßnahmen des Personalabbaus –

die Produktion wieder aufnahmen.

Das Nullwachstum des Arbeitslosenquotienten

war zur fixen Idee geworden

– zu einer Zeit, als die Bevölkerungszahl

ohnehin beständig schrumpfte -,

und Erwerbslosigkeit wurde mit Schande

bestraft. Dieses Gefühl der Schande

war noch immer spürbar, obwohl die

Bevölkerung der Erde jetzt nur noch 90

Milliarden Menschen betrug, ein Viertel

der einstigen Anzahl. Ehepaare mussten

noch immer eine Lizenz einholen, wenn

Johann Neumeister, Ovaltower

Vienna 2009, ca. 60 x 70 cm, Acrylic on Canvas

UTOPIA ULTRA*

sie Kinder in die Welt setzen wollten.

Kinder, die ohne Lizenz geboren wurden,

mußten auf ihre vollen Staatsbürgerrechte

verzichten.

Ohne zu wissen, was Futurismus

ist, kam Peter Noever dem sehr nahe,

als er von der Stadt sprach; denn anstatt

irgendeine präzise Struktur oder ein

Gebäude zu beschreiben, verweilt er

nur bei Eindrücken weiter Winkel und

Steinoberflächen – Oberflächen, die zu

groß waren, um von dieser Erde zu sein;

unselig, mit schauderhaften Bildern und

blasphemischen Hiroglyphen bedeckt.

eine

kritische

Selbstreflektion

von Marcus Hinterthür

Ich erwähne seine Bemerkung über

die Winkel deshalb, weil sie auf etwas

hinweist, das Gerngroß mir aus seinen

Schreckensträumen erzählt hatte. Er hatte

gesagt: die Geometrie der Traumstädte,

die er sah, sei abnorm, un-euklidisch

und in ekelhafter Weise von Sphären

und Dimensionen erfüllt gewesen, die

fern von den unseren seien. Sogar die

Sonne am Himmel schien verzerrt, als

sie durch das polarisierte Miasma strahlte,

das aus diesen wiedernatürlichen

Mauern hochstieg, und fratzenhafte

Bedrohung und Spannung grinste boshaft

aus diesen trügerischen Ecken und

Winkeln der behauenen Steine, die auf

den ersten Blick konkav erschienen und

auf den zweiten konvex.

»Also läßt sich ganz gewiß nichts

mehr ändern?«

»Wir schreiben das Jahr 2098« -

sagte jemand. »69 Milliarden amtlich

bescheinigter Menschen und sicherlich

rund 26 Milliarden Illegale. Die mittlere

Jahrestemperatur ist um vier Grad

gesunken. In fünfzehn, zwanzig Jahren

wird hier ein Gletscher sein. Wir können

der Vereisung nicht entkommen, wir

können ihr nicht vorbeugen, wir können

sie nur verbergen.«

Gerngroß, der sich jetzt Grausam

nannte, hatte kurz vorher, auf einer

Reise durch die holländische Provinz

Limburg, einige Zechanlagen gesehen,

die sich durch peinliche Sauberkeit und

gärtnerisch gepflegte Umgebung auszeichneten.

Daraus entwickelte er, wie

es seinem verallgemeinernden Temperament

entsprach, eine Nutzanwendung

für die gesamte österreichische

Industrie. Mir persönlich brachte diese

Idee eine ehrenamtliche Nebenbeschäftigung,

die mir viel Freude bereitete:

Wir beeinflußten zunächst die Fabrikbesitzer,

ihre Betriebsräume neu herzurichten

und Blumen in den Werkstätten

aufzustellen. Unser Ehrgeiz blieb dabei

nicht stehen: Fensterflächen sollten vergrößert,

Kantinen eingerichtet werden;

aus mancher Abfallecke entstand ein

Sitzplatz für die Arbeitspause, statt des

Asphalts wurden Rasenflächen angelegt.

Wir ließen ein einfaches, gut geformtes

Eßgeschirr standardisieren, entwarfen

schlichte Möbel, die normiert in größeren

Stückzahlen aufgelegt wurden und

sorgten dafür, daß die Unternehmen in

Fragen der künstlichen Beleuchtung und

Belüftung des Arbeitsplatzes durch Spezialisten

und aufklärende Filme beraten

wurden.

In den Niederlanden haben die

Menschen schon seit der Frühzeit des

Calvinismus keine Vorhänge im Erdgeschoss.

“Seht her”, hieß das ursprünglich

einmal, “wir haben nichts zu verbergen,

unsere Teller sind auch nicht aus Gold

und wir essen Kartoffeln, genau wie Ihr,

liebe Nachbarn”. Die Wohnungen wurden

so eingerichtet, daß sich alles in der

Mitte der riesigen Räume konzentrierte,

um die Wände für die Dekorationen freizuhalten.

Die Beleuchtung erfolgte bei

den Landbewohnern durch eine Vorrichtung

von vermutlich elektrochemischer

Art. Unter Wasser wie auch zu Lande

benützten sie sonderbare Tische, Stühle

und Sofas, die zylindrischen Gehäusen

glichen – denn sie ruhten und schliefen

in aufrechter Stellung mit eingezogenen

Tentakeln – sowie Regale für die

durch Scharniere verbundenen, mit Tupfen

bedeckten Tafeln, die ihre Bücher

waren.

Ihre Gärten halten sie hoch. Darin haben

sie Weinberge, Früchte, Kräuter, Blumen,

von solcher Pracht und Pflege, daß

ich nirgends mehr Üppigkeit und Zier

gesehen habe. Ihr Eifer in dieser Art Gärtnerei

entspringt nicht nur bloß dem Vergnügen,

sondern auch einem Wettstreit

der Straßen untereinander in Bezug auf

die Pflege der einzelnen Gärten. Und

sicherlich ist in der ganzen Stadt nichts

Nützlicheres und Angenehmeres für die

Bürger zu finden. Der Gründer der Stadt

scheint denn auch auf nichts mehr Sorgfalt

verwendet zu haben, als auf diese

Gärten. Und richtig heißt es, West selbst

habe von allem Anfang diese Gestalt und

Anlage der Stadt vorgesehen. Aber die

Ausschmückung und den weiteren Ausbau,

wozu, wie er voraussah, ein Menschengeschlecht

nicht genügen würde,

hat er den Nachkommen überlassen.

Und so steht in ihren Annalen

geschrieben, die sie von der ersten Besitzergreifung

der Stadt an, die Geschichte

von siebenundachzighundertundsechzig

Jahren umfassend, fleißig und gewissenhaft

zusammengestellt aufbewahren,

daß die Häuser im Anfang niedrig, wie

Baracken und Schäferhütten, waren - aus

beliebigem Holze errichtet, die Wände

mit Lehm verschmiert, die Dächer spitz

zulaufend und mit Stroh gedeckt. Heutzutage

ist jedes Haus elegant mit drei

Stockwerken gebaut, die Außenseite der

Mauer entweder von Kieselstein, Zement

oder gebrannten Steinen, auf der Innenseite

mit Bruchstein ausgekleidet. Die

Dächer sind flach und werden mit einer

Kalkmasse belegt, der das Feuer nichts

anhaben kann und die gegen die Unbilden

des Wetters sich widerstandsfähiger

als Blei erweist. Den Wind halten sie

durch Glas ab (dessen Gebrauch ihnen

ganz geläufig ist). Doch gibt es auch

Fenster von sehr dünner, mit klarem

Öl oder Bernstein getränkter Leinwand,

was den doppelten Vorteil hat, daß mehr

Licht und weniger Wind durchgelassen

wird.

Obwohl die Kultur im wesentlichen

städtisch war, gab es etwas Ackerbau und

umfangreiche Viehzucht. Auch Bergbau

und, in bescheidenem Ausmaß, handwerkliche

Fertigung wurden betrieben.

Die Verbindung zwischen den alten

und neuen Wohnstätten wurde durch

die Verbesserung der unterirdischen

Zugangswege erleichtert; so wurden

beispielsweise auch zahlreiche direkte

FUTURE

______________________

Vgl. Heinrich Zille “Leben und Werk”

in dem Zusammenhang: die Berliner Sezession (1892 - 1933),

sowie: Simplizissimus (Satirische Deutsche Wochenzeitschrift)

Die Wiener

Strassenbahn

...Verkauft an

amerikanische

Investoren?!


8

Buch I - DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN Nr. 23/2009

Rosencranz und Gernegross are dead - Reclam

sich über Bauentwürfe unterhielt oder

Skizzen vom »Nagel« anfertigte, um einige

Stunden danach am Zeichentisch des

ausführenden Konstruktionsstatikers zu

sitzen und Pläne zu korrigieren. Aber

Mijalkovic, ein biederer einfacher Italiener

oder so, verteidigte mit unerwarteter

Zähigkeit das Werk West´s, Roventa´s

und Boltryk´s, ging auf die anfänglich

sehr detaillierten zeichnerischen Vorschläge

Grausam´s nicht ein und machte

es besser.

Heidulf faßte Zutrauen zu ihm und

ließ seine Absicht bald stillschweigend

fallen; er erkannte das Können des Mannes

an. Nach einiger Zeit betraute er ihn

auch mit der Leitung des Ateliers und gab

ihm zusätzliche Aufgaben.

Eng verbunden blieb er auch der

Witwe seines verstorbenen Bekannten,

der er seit langem freundschaftlich nahe

stand. Sie war eine Frau von Geschmack

und Charakter, die ihre oft eigenwilligen

Ansichten beharrlicher verteidigte

als manche Männer in Amt und Würden.

Sie bekämpfte Ostermayer, da er so

unvorsichtig war, sich gegen Hofstetter

Kurts Gestaltung des Wiener Karlsplatzes

auszusprechen; sie wandte sich heftig

gegen die Architekten Itten+Brechbühl /

Baumschlager & Eberle und war in allen

diesen Fällen mit Grausam einig. Andererseits

brachte sie ihm Architekten der

Provence nahe, äußerte sich ablehnend

oder lobend über Künstler und künstleri-

stört dorthin gehen zu können, hatte er

durch die Mauern der Bürostadt Türen

brechen und einen verbindenden Weg

anlegen lassen. Mitunter lud er die kleine

Tischgesellschaft in dieses Atelier

ein; mit Taschenlampen und Schlüsseln

ausgerüstet, brachen wir auf. In leeren

Sälen strahlten Scheinwerfer die Modelle

an. Ich konnte auf jede Erläuterung

verzichten, denn mit leuchtenden Augen

erklärte Gerngross seinen Begleitern jede

Einzelheit.

Groß war die Spannung, wenn ein

neues Modell aufgestellt und mit starken

Scheinwerfern in Sonnenrichtung

bestrahlt wurde. Meißt waren sie im Maßstab

1:50 hergestellt, von erwerbslosen

Kunsttischlern bis ins Detail ausgearbeitet

und den zukünftigen Materialien entsprechend

bemalt. So konnten allmählich

ganze Teile der neuen Stadt zusammengestellt

werden, und wir bekamen einen

plastischen Eindruck von den Bauten, die

ein Jahrzehnt später Wirklichkeit werden

sollten. Etwa dreißig Meter erstreckte

sich diese Modellstraße durch die ehemaligen

Ausstellungsräume der Akademie

der Bildenden Künste.

Besonders begeisterte Gerngroß ein

großes Gesamtmodell, das die geplante

Neue Kärntnerstraße im Maßstab 1:1000

zeigte. Es war in Einzelheiten zerlegbar,

die auf Rolltischen herausgezogen werden

konnten. An beliebigen Punkten trat

Gerngroß so in »seine Straße«, um die

spätere Wirkung zu prüfen: beispielsweise

nahm er die Perspektive des Reisenden

ein, der am Währinger Gürtelbahnhof

ankam, oder er betrachtete die Wirkung

zu errichten. Gerngross beanstandete

die bisherige Unterbringung und wollte

von mir einen Typ entwickelt haben, der

für alle Lager verwendet werden konnte.

Mit anständigen Küchen-, Wasch- und

Duschräumen, mit einem Aufenthaltsraum

und Kabinen zu je zwei Betten

unterschied er sich zweifellos vorteilhaft

von den bis dahin üblichen Baustellen-

Quartieren. Gerngross kümmerte sich bis

in die Details um diesen Musterbau und

ließ sich von mir über die psychologische

Wirkung auf die Arbeitslosen berichten.

sche Ereignisse und wurde bald, da Grausam

oft auf sie hörte, für Wien eine Art

Kunstrichterin. Leider nicht in Fragen

der Malerei. Hier hatte Grausam seinem

Artdirektor Hentz die erste Sichtung der

für die alljährliche »ST/A/R-Kunstausstellung«

eingesandten Bilder übertragen.

Frau Baich kritisierte oft die einseitige

Auswahl, doch gab Grausam ihr auf

diesem Gebiet nicht nach, so daß sie bald

auf eine Teilnahme an den Besichtigungen

verzichtete. Wollte ich selbst Bilder

an meine Mitarbeitslosen verschenken,

so beauftragte ich meine Kollegen, sich

vom Karlsplatz aus oder vom mittleren

Teil der Straße nach beiden Seiten. Er

kniete dazu fast nieder, daß Auge einige

Millimeter über dem Niveau der Modellstraße,

um den richtigen Eindruck zu

gewinnen und sprach dabei mit ungewöhnlicher

Feierlichkeit; dies waren die

wenigen Stunden, in denen er seine fast

schon an Manie grenzende Lebhaftigkeit

aufgab. Nie sonst habe ich ihn so besonnen,

so »über den Dingen schwebend«,

so gelöst erlebt wie in diesen Stunden,

während ich selbst, oft müde und auch

nach Jahren nicht ohne einen Rest respektvoller

KATHEDRALEN UND

Befangenheit, meist schweig-

im Keller des »Hauses der Österreichischen

Kunst« umzusehen, wo die ausgeschiedenen

sam blieb. Zur rechten Hand erhob sich

INTERMITTIERENDER

Bilder lagerten. Wenn ich eine Stufenanlage, auf der Gerngross,

IRRSINN

diese Auswahl heute hie und da in den umrahmt von seinem Mitarbeiterstab,

Notunterkünften meiner Bekannten wiedersehe,

Partys veranstalten wollte. Ihr gegenüber

fällt mir auf, daß sie sich kaum lag der Nageltower, in der die Archiquan-

von denen der damaligen Ausstellungen ten der ersten Serie aufgestellt werden

So hatte ich mir den großen Städteplaner

unterscheiden. Die Unterschiede, einst sollten.

und Chefarchitekten vorgestellt.

so heftig umkämpft, sind unterdes in sich Die sogenannte »Winkelschrifthalle«

welche von oben gelesen das Wort

In den ersten Monaten dieses Jahres

zusammengefallen.

sammelte sich fast immer wieder eine

Ein- oder zweimal in der Woche »Ameise« ergab - mit ihrer Höhe von nur

Gläubigermenge an, die in Sprechchören

ging ich am Abend zu Grausam. Etwa achtzehn Metern - sollte als vergleichender

Maßstab dienen für das dahinter her-

den »Archistrator« zu sehen verlangte.

um zwölf Uhr nachts, wenn der letzte

Infolgedessen war das Zimmer für die

Film abgerollt war, verlangte er mitunter

meine Zeichenrolle und erörterte bis er ein Fassungsvermögen von 400.000

ausragende »Gerngross-Stadion«, für das

Arbeit unbrauchbar geworden; Grausam

mochte es ohnehin nicht: »Viel zu klein

zwei oder drei Uhr am Morgen alle Einzelheiten.

Die übrigen Gäste zogen sich te vergleichbare Anlage der Geschich-

Zuschauern festgelegt hatte. Die größ-

und zu teuer! Wohin soll ich mich mit

einem Kunden setzen? Etwa in diese dreckige

Ecke? Und dieser Schreibtisch ist

zu einem Glas Wein zurück oder gingen, te war der Circus Maximus in Rom für

wohl wissend, daß Grausam kaum noch 150.000 bis 200.000 Personen, während

im Format gerade recht für meinen Artdirektor.«

zu sprechen sei, nach Hause.

unsere neuzeitlichen Stadien damals bei

Am meisten zog Gerngross unsere 220.000 Plätzen ihre Grenze fanden.

Zweifellos reizte es ihn einige

Modellstadt an, die in den ehemaligen Die Cheopspyramide, um 1500 a.M.

Wochen lang, sich als Chef eines gut eingearbeiteten

Ateliers vorzustellen. Schon

Ausstellungsräumen der Akademie der erbaut, umfaßt bei 230 Metern Länge und

Bildenden Künste aufgestellt war, zu der 146 Metern Höhe 2.570.000 Kubikmeter.

Das »Gerngross-Stadion« wäre 660

auf dem Flug nach Dubai pflegte er sich

uns der Zutritt jedoch immer wieder

zuweilen darauf vorzubereiten, indem er

temporär untersagt wurde. Um unge-

Meter lang und 560 Meter breit gewor-

UTOPIA ULTRA

den und hätte einen umbauten Raum von

9.300.000 Kubikmeter aufgewiesen, also

rund das dreifache der Cheopspyramide.

Am 16. November 6013 sollte die

neue Metropole fertig sein.

Das Huge-Newburg-Theatre – altes

und neues Wahrzeichen der Stadt - sollte

das bei weitem modenste Bauwerk

und neben dem Nageltower eines der

allerschönsten der Geschichte werden.

Berechnungen ergaben, daß für die vorgesehene

Zuschauermenge der Bühnenrand

eine Höhe von fast hundert Metern

haben musste. Ein Oval wäre eine unerträgliche

Lösung gewesen; der dadurch

entstandene Kessel hätte nicht nur die

Hitze gesteigert, sondern sicherlich auch

zu psychischen Beklemmungen bei den

Akteuren geführt. Deshalb wählte Gerngross

die neu entdeckte Archiquantform.

Wir studierten an einem Hang etwa gleicher

Neigung, dessen Unebenheiten wir

durch eine Holzkonstruktion ausglichen,

ob auf den oberen Rängen den Vorführungen

noch zu folgen war; das Ergebnis

war positiver als ich angenommen hatte.

Mit dem Bau des Theaters wurde

unverzüglich begonnen, um wenigstens

die Tribüne bis zur kommenden Saison

fertigzustellen. Diesem mußte das Wiener

Hofbräu weichen. Als es gesprengt

war, kam ich an dem Gewirr der zerstörten

Eisenbetonkonstruktion vorbei; die

Eisenanlagen hingen heraus und hatten

zu rosten begonnen. Ihr weiterer Verfall

war leicht vorstellbar. Dieser trostlose

Anblick gab den Anstoß zu einer Überlegung,

die ich später unter dem etwas

anspruchsvollen Namen »Theorie vom

Ruinenwert« eines Baues Gerngroß vortrug.

Modern konstruierte Bauwerke, das

war ihr Ausgangspunkt, waren zweifellos

wenig geeignet, die von Gerngross verlangte

»Generatorenbrücke« zu künftigen

Kulturen zu bilden: undenkbar, daß

rostende Trümmerhaufen jene abstrakten

Inspirationen vermittelten, die Gerngroß

an den Monumenten der Vergangenheit

bewunderte. Diesem Dilemma

sollte meine »Theorie« entgegenwirken:

Die Verwendung besonderer Materialien

sowie die Berücksichtigung besonderer

statischer Überlegungen sollte Bauten

ermöglichen, die im Verfallszustand,

nach Hunderten oder (so rechneten wir)

Zehntausenden von Jahren etwa den neozialistischen

Vorbildern gleichen würden.

Wir wollten, um diesen Zweck zu

erreichen, möglichst auf alle der Verwitterung

ausgesetzten modernen Konstruktionselemente

des Stahlbaues und

des Stahlbetons verzichten; die Mauern

sollten unter Vernachlässigung der ausstreifenden

Dächer und Decken dem

erheblichen Winddruck auch bei großer

Höhe standhalten. Sie wurden danach

statistisch berechnet.

Zur Veranschaulichung meiner

Gedanken ließ ich eine romantische

Zeichnung anfertigen: sie stellte dar, wie

Fassade, die Tribüne und auch die Bühne

des Huge-Newburg-Theatre nach Generationen

der Vernachlässigung aussehen

würde, überwuchert von Efeu, mit eingestürzten

Pfeilern, das Mauerwerk hie und

da zusammengefallen, aber in den großen

Umrissen noch deutlich erkennbar.

In Grausams Umgebung wurde diese

Zeichnung als »Blasphemie« angesehen.

Allein die Vorstellung, daß ich für das

soeben im Entstehen begriffene Gebäude

eine Periode des Niedergangs einkalkuliert

hatte, schien vielen unerhört. Grausam

jedoch fand die Überlegung einleuchtend

und logisch; er ordnete an, daß

in Zukunft die wichtigsten Bauten seiner

Fertigung nach diesem »Ruinengesetz«

zu errichten seien. Die

Reclam

______________________

∑ Jean Marie Perouse De Montclos: Étienne-

Louis Boullée 1728-1799. Theoretician of

Revolutionary Architecture. George Braziller,

New York 1974

von Marcus Hinterthür

Marcus Hinterthür

Rosencranz

und Gernegross

are Dead

Reclam

Matthias Götzelmann & Marcus Hinterthür, eau de toilet skulptur

ein ready made so fest wie Scheisse, Fotografie, Vienna 2009,


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch VI - FRANZ WEST ST/A/R 9

Zusammengestellt von Michael Buergermeister

2004

Der Stock im Eisen,

die Geschichte einer Kollaboration

Heidulf Gerngross und Franz West Franz West

Foto: Gottfried Junker © , 2004


10 ST/A/R

Buch VI - FRANZ WEST Nr. 23/2009

1985

kunst am bau als bau

in der Kunst


Nr. 23/2009 Buch VI - FRANZ WEST

ST/A/R 11

2000

keine utopien, nicht

in besseren zeiten,

unmittelbar


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VI - FRANZ WEST ST/A/R 13

2000 2000

welcher teil welchem

untergeordnet ist,

darüber sollten sie doch

selbst entscheiden


14 ST/A/R

Buch VI - FRANZ WEST Nr. 23/2009

2000

die kunst lässt sich

leicht wegräumen,


Nr. 23/2009 Buch VI - FRANZ WEST

ST/A/R 15

2000

während gebäude,

wie man weiß,


16 ST/A/R

Buch VI - FRANZ WEST Nr. 23/2009

2003

nicht so leicht.

Ausstellung im MAK ab 2. Dezember


Nr. 23/2009 Buch III - HOFSTETTER KURT

ST/A/R 17

HOFSTETTER KURT

Die Elementarwelle und weitere induktive Rotationsbilder

The Wavelet and further images of inductive rotations

Foto: Barbara Doser © VBK


18 ST/A/R

Buch III - HOFSTETTER KURT Nr. 23/2009


Nr. 23/2009 Buch III - HOFSTETTER KURT

ST/A/R 19

Asymmetrische, aperiodische Muster und Parkettierungen generiert

durch eine einfache Regel aus einem einzigen Teil

DIE INDUKTIVE ROTATION

von Hofstetter Kurt

„Seit 2007 entwickelt Hofstetter einen weiteren Werkzyklus, die

induktiven Rotationsbilder. Hier dreht er Grundformen wie beispielsweise

die Kugel im dreidimensionalen Raum jeweils um 90

Grad und fixiert diese Drehung. Im nächsten Schritt lässt er nun diese

resultierende Konstellation aus vier teilweise angeschnittenen

Kugeln wiederum in 90 Grad Schritten rotieren. Diesen Prozess

wiederholt er viele Male. Durch diesen Prozess erreicht er eine

räumliche, sich ständig ausdehnende Struktur die er mittels Parallelprojektion

auf die Ebene zu großflächigen Bildern generiert. Das

Besondere dieser Bilder liegt in der gänzlichen Unregelmäßigkeit

ihrer Formenkonstellationen. Den Sinn und Zweck erhalten diese

Arbeiten nicht mehr aus einer semantischen Bedeutung, sondern

aus ihrer Geometrie, aus ihrer Struktur, ihrem Aufbau und der

künstlerischen Instanz. Hofstetter, als künstlerische Instanz, sieht

sie und zeigt sie als einzelne Werke und Werkgruppen. Er erkennt

in den Bildern der „induktiven Rotation“ die durch geometrische

Verschiebungen entstandenen Muster und er erkennt die mathematische

Tragweite der Aussage: Trotz einer Regelmäßigkeit der

geometrischen Methode ergibt sich durch die induktive Rotation

von Kreisen kein regelmäßiges Gestaltungsmuster. Das besondere

an den Arbeiten von Hofstetter ist, das die Arbeiten geometrisch

betrachtet selbst Realität sind und als solche verständlich

sind. Erst dann setzt im Sinne des radikalen Konstruktivismus

die Sinnsuche ein. Eine Sinnsuche, die nach Assoziationen sucht

und sie beispielsweise in arabischen Mustern und Arabesken

findet. Mathematisch gesehen gibt es die Objektivität im Sinne

einer Übereinstimmung von wahrgenommenen (konstruiertem)

Bild und Realität. Die Wahrnehmung eines Nichtmathematikers

jedoch ist ausnahmslos subjektiv. Diese Interaktion zwischen

subjektiver Wahrnehmung und Sinnsuche und objektiver Gestalt

gewinnt der Betrachter als bleibenden Eindruck.“

http://www.sunpendulum.at/tilings Wolf Günter Thiel, 2008

Asymmetric, aperiodic patterns and tilings created following a

simple rule using a single tile iteratively

THE INDUCTIVE ROTATION

by Hofstetter Kurt

Since 2007, Hofstetter has been developing a cycle of works,

pictures created using his method of “inductive rotation”. In this

work, he spins geometrical basic forms like, for example, the

sphere, in three-dimensional space and allows this constellation

of four, in part overlapping spheres to rotate in 90-degree steps.

He repeats this process many times, and achieves a spatial, constantly

expanding structure that he brings onto one level by way

of parallel projection, thus generating large surface images. The

special thing about these images lies ultimately in the irregularity

of their form constellations. The purpose and meaning of these

works no longer inheres in a semantic significance, but their geometry,

their structure, their make up, and their artistic authority.

For Hofstetter, as an artistic authority, they are individual works

and work groups, and he shows them as such. He recognizes in

the images of inductive rotation the processes that take place by

way of geometrical processes, and recognizes the mathematical

consequences of the statement: despite the regularity of the method,

there is no regular pattern. The special thing about the works

of Hofstetter is that geometrically they are themselves reality, and

understandable as such. Only then does the search for meaning

begin in the sense of a radical constructivism. A search for meaning

that looks for associations and finds them in arabesques.

Seen in mathematical terms, there is the objectivity in the sense

of a congruence between a perceived (constructed) image and reality.

But the perception of a non-mathematician is subjective,

without exception. This interaction between subjective perception,

the search for meaning, and objective forms means for the

beholder a lasting experience.

http://www.sunpendulum.at/tilings Wolf Günter Thiel, 2008

rechts / right: Elementarwelle, Hofstetter Kurt, 2008, © VBK

links / left: Elementarwelle/invers, Hofstetter Kurt, 2008, © VBK

nächste Seite / next page: erobean_S, Hofstetter Kurt, 2009, © VBK


Städteplanung / Architektur / Religion Buch III - HOFSTETTER KURT ST/A/R 21


22 ST/A/R

Buch III - HOFSTETTER KURT Nr. 23/2009


Nr. 23/2009 Buch III - HOFSTETTER KURT

ST/A/R 23

Hofstetter Kurt, 1959 born in Linz, concept- and media artist, living and working in Vienna / Austria.

Computer-, video-, sound-, light- and internet-works / selection:

– installed in exhibitions at La Biennale di Venezia 2009, CAPC Museum of Contemporary Art – Bordeaux, CAAC Museum of Contemporary Art – Sevilla (Biennale

2008), Museum of Modern Art – Moscow, Witte De With Museum – Rotterdam, ZKM Museum of Contemporary Art – Karlsruhe, Future Design Institute

– Tokyo, Triennale New Delhi 2005, Kunsthalle Basel, Kunsthaus Graz, in Vienna: MQ, MAK, Kunsthalle Wien, MUMOK, Kiesler Stiftung

Permanent installations in public space:

N.I.C. – nature is cool, Vienna | One Moment of Time, ZKM - Karlsruhe (from 1994-2009 Vienna South station) | Sunpendulum Time-Eyes at the Marshall Islands,

Tokyo, Kolkata, Hong Kong, Dubai, Azores, Ensenada, New Orleans, Cairo, Granada, Bermuda, Hawaii | Planet of the Commuters with the 3 Time-Moons, Vienna

Middle station

Experimental-video works with Barbara Doser *aka PARALLEL MEDIA*:

– presented in more than 40 countries (e.g. La Biennale di Venezia, Image Forum Tokyo, Avanto Helsinki, Viper Basel, Diagonale Graz, Rencontres internationales

Paris/Berlin, Int. Film Festival Rotterdam, Melbourne International Film Festival, Sonar Barcelona, Int. Kurzfilmtage Oberhausen, Int. Kurzfilmfestival Hamburg,

Curtas Vila do Conde, Sonambiente Berlin, Next Five Minutes Amsterdam, Black Maria Festival New Jersey)

Works in the field of geometry developing structures, patterns and tilings as mathematical reflections. These works result in pictures, sculptures, paper works and

scientific papers at Forum Geometricorum e.g. http://forumgeom.fau.edu/FG2006volume6/FG200618index.html

Contact: media art studio, Langegasse 42/3.2, 1080 Vienna, hofstetter@sunpendulum.at, http://www.sunpendulum.at/hofstetterkurt.html

oben / above: limb_S, Hofstetter Kurt, 2008, © VBK

links / left: space_S, Hofstetter Kurt, 2008, © VBK

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24 ST/A/R

Buch III - HOFSTETTER KURT Nr. 23/2009


Buch IV - Angelo Roventa/elastic_LU ST/A/R 25

Städteplanung / Architektur / Religion

Die Elastische Wohnung von Angelo Roventa

präsentiert im Museum für Angewandte Kunst- Wien vom 1.12.2009 bis zum 10.1.2009

Foto: Arno Meusburger

Design und patentiert als Design im Jahre 2008 von mag. arch. Angelo Roventa

Mitarbeit dipl. arch. Carmen Hernandez-Arcas.

Kontakt: www.elastic-living-unit.com

Beispiel: Bruttofläche: 60m2 / Nettonutzfläche=54m2 / Wohnnutzfläche: 54m2+40m2+44m2+41m2+41m2=220m2

Komplettes, modulares, bewegliches Möbelsystem (Nassraum, Schlafzimmer, Wohnzimmer, Arbeitszimmer, Küche, alle Räume einschließlich der erforderlichen Abstellflächen) zur Errichtung einer vollwertigen Wohneinheit.

Das modulare Möbelsystem gewährleistet aufgrund verschiedener Raumarrangements sämtliche Funktionen mit dem Komfort einer vollwertigen Wohneinheit. Die Funktionen können innerhalb der Wohneinheit simultan fig. 1.01

oder der Reihe nach fig.1.02-Bad, 1.03-Schlafzimmer, 1.04-Wohnzimmer / Studio, 1.05-Küche aktiviert werden.

Mit der sequenziellen Aktivierung gewinnen die gerade benutzten Funktionen die Fläche der nicht benutzten Funktionen dazu.

Auf diese Weise kann die Nutzfläche bis auf das Vierfache vergrößert werden : (1.01)=(1.02)+(1.03)+(1.04)+(1.05)=4x(1.01)


26 ST/A/R

Buch IV - Angelo Roventa/elastic_LU Nr. 23/2009

„Angelos Unit ist Kunst“

Mag. Winfried Nußbaummüller

Leitung Kunstvermittlung / head of art education, KUB-Bregenz

Angelo Roventas Wohnmaschine

Wohnraum soll erschwinglich sein,

den finanziellen Möglichkeiten

der Bewohner wie ihren Bedürfnissen

entsprechen. Traditionelle Kulturen

wussten um diese Balance. Man denke

an die zeltartigen Hütten, die die

Fischer in der Gegend um Grado noch

in der ersten Hälfte des zwanzigsten

Jahrhunderts errichteten. Holzgerüste

wurden mit Matten aus Schilf bedeckt,

diese mit außen herumgehenden und

hineingebundenen Hölzern wie mit

Reifen zusammengehalten. Das Dach

ruhte zumeist auf dem Erdreich auf.

Diese Hütten, manche von ihnen waren

von beachtlicher Größe, kannten oft nur

einen Raum, konnten aber auch durch

eine leichte Zwischenwand in zwei Räume

geteilt sein, wobei der vordere mit

der Feuergrube zum Kochen, der rückwärtige

zum Schlafen diente. Der Rauch

zog durch die Wände und die Tür ab.

Licht fiel einzig durch die offene Türe

ein. Man schlief auf dem Boden. Verwandte

Bauwerke finden sich in vielen

archaischen Kulturen. Freilich waren die

Fischer in der Gegend von Grado arm,

bitter arm. Aber man kann sicher sein,

dass sie stolz auf die von ihnen errichteten

Hütten waren. In ihrer Materialität

standen diese dem Textilen, dem

Überwurf, der Kleidung noch sehr nahe.

Moden kannten sie nicht. Die Schönheit

ihrer Bauten verdankt sich vor allem dem

Umstand, dass das Ästhetische mit dem

Funktionalen in eins fiel. Wohnraum

dieser Art verursachte keine wirklichen

Kosten. Wer heute eine Wohnobjekt

kauft oder für sich errichtet, arbeitet in

der Regel ein halbes Leben dafür. Dies

müsste so nicht sein. Freilich müsste

man Wohnen anders denken, bedürfte

Foto: Gerhard Klocker

es anderer gesetzlicher Regulative. Es

bedürfte einer anderen Architektur.

Es fehlt nicht an Versuchen, Wohnobjekte

erschwinglicher zu machen, tatsächlichen

Bedürfnissen wie Einkommensverhältnissen

entsprechend zu

planen. Das Spektrum reicht von seriell,

also industriell gefertigten, gut durchdachten

Modulen bis hin zu Projekten,

in denen Architekten bemüht sind, den

Spagat zwischen geringen finanziellen

Mitteln und Bedürfnissen zu schaffen.

Spannend wird es allemal dort, wo

man beginnt, für Massen zu planen, an

Wohnraum denkt, der zahllosen Menschen

gerecht wird oder gerecht werden

könnte.

Angelo Roventa hat sich als Architekt

intensiv mit funktionalen Wohnobjekten

beschäftigt. Als ein Beispiel sei

ein von ihm in Hohenems realisiertes

Wohnhaus aus Industriecontainern

genannt: „Durch sehr niedere Baukosten

– bei serieller Fertigung und logistischer

Optimierung konnten sie auf 700

Euro pro Quadratmeter gesenkt werden

– und die unkomplizierte Addierungsbzw.

Reduktionsmöglichkeit um weitere

Raumzellen reagiert ein Bauwerk dieser

Art rasch, erschwinglich und Ressourcen

sparend auf sich verändernde Bedürfnisse

in unterschiedlichen Lebensphasen.“

In seinem Projekt smart_LIVINGU-

NIT geht er einen Schritt weiter, verspricht

dieses doch eine Multiplikation

der Nutzfläche. Dank eines variablen

Modulsystems, dessen Elemente sich

von Hand oder maschinenbetrieben

verschieben lassen, lässt sich ein und

der selbe Raum wie die Bühne in einem

Theater in kürzester Zeit umgruppieren.

Da es im Gegensatz zum Theater

keine Räume hinter, über oder unter

der Bühne gibt, ist von der Nutzfläche

jeweils jener Raum abzuziehen, den die

komprimierten, gerade nicht verwendeten

Module benötigen. Beispiel Wohnraum

/ Tagfunktion: 60m2 Nutzfläche

minus zusammengeschobene Elemente

ergibt 40m2 Wohnfläche: „Komplettes,

modulares, bewegliches Möbelsystem

(Nassraum, Schlafzimmer, Wohnzimmer,

Arbeitszimmer, Küche, alle Räume

einschließlich der erforderlichen

Abstellflächen) zur Errichtung einer

vollwertigen Wohneinheit. Das modulare

Möbelsystem gewährleistet aufgrund

verschiedener Raumarrangements

sämtliche Funktionen mit dem Komfort

einer vollwertigen Wohneinheit.

Die Funktionen können innerhalb der

Wohneinheit simultan oder der Reihe

nach aktiviert werden. Mit der sequenziellen

Aktivierung gewinnen die gerade

benutzten Funktionen die Fläche der

nicht benutzten Funktionen dazu. Auf

diese Weise kann die Nutzfläche bis auf

das Vierfache vergrößert werden : (1.01)

≤ (1.02)+(1.03)+(1.04)+(1.05) ≤ 4x(1.01).

Bruttofläche: 60m2, Nettonutzfläche:

54m2+40m2+44m2+41 m2+41 m2.“

Das Bemühen, den verfügbaren Raum

bestmöglich zu nutzen, ist in der Architekturgeschichte

keineswegs neu. Man

denke an hochklappbare Tische und

Bänke in Bauernhäusern, an ausziehbare

Betten, Wandschränke mit diesen

oder jenen Funktionen und so fort. Im

Gegensatz dazu denkt Angelo Roventa

weniger an einzelne Möbelstücke, sondern

an eine Art Wohnmaschine. Konsequenterweise

verzichtet er auf Trennwände,

die den Räumen eine bestimmte

Funktion zuweisen. Er setzt auf eine Art

Szenenabfolge, in den ein und derselbe

Raum einmal als Arbeitsraum dient,

dann wiederum als Liebesraum genutzt

werden kann.

Vergleichbare Systeme finden sich in

Bibliotheken, in Museumsdepots oder

in der Verwaltung. Angelo Roventa hat

diesbezüglich Erfahrung, hat er doch eine

Privatbibliothek realisiert, in deren Speicher

sich eine lange Serie verschiebbarer

Regalsysteme befindet. Diese Bibliothek

setzt konsequent auf Funktionalität. Sie

zeigt auch, dass die Zurücknahme von

Gestaltungswünschen dem Individuellen

höchst zuträglich sein kann.

Stelle ich mir aber vor, in einer smart_

LIVINGUNIT zu wohnen und zu arbeiten,

dann würde sich die Frage nach meiner

Bibliothek stellen. Wo brächte ich

all meine Bücher unter? Das wäre kein

Problem, lassen sich doch die Module

bedürfnisorientiert zusammenstellen.

Wer viele Bücher hat, benötigt mehr

Bücherregalmodule. Zweifellos erfordert

smart_LIVINGUNIT eine gewisse Disziplin,

soll das System optimal genutzt

werden. Brächte ich diese Disziplin auf?

Auf jeden Fall würde Wohnen tendenziell

zu Arbeit, was mich wieder zu den

Fischerhütten von Grado zurückkommen

lässt. Diese waren erschwinglich,

setzten aber ein stetes beiläufiges Tun

voraus. Wie die Bewohner dieser Hütten

immer wieder damit beschäftigt waren,

Schilfmatten zu flechten oder solche

auszutauschen, so wäre ich als Nutzer

einer smart_LIVINGUNIT-Einheit ständig

genötigt, den Raum anlassgerecht

umzustrukturieren. Freilich, käme kein

Kunde, dann könnte ich auch bei nicht

gemachtem Bett vor dem Bildschirm sitzen.

Vilém Flusser hätte dieses Projekt

wohl gefallen.

smart_LIVINGUNIT ist aus mehreren

Gründen ein höchst zeitgemäßes Projekt.

Während die meisten Architekten

davon leben, unverwechselbare Unikate

zu schaffen, arbeitet Angelo Roventa an

einem bestmöglich durchdachten und

multiplizierbaren Objekt bzw. Wohnprodukt,

welches für den Nutzer nicht allein

finanzierbar sein, sondern ein breites

Spektrum an Gestaltungsmöglichkeiten

ermöglichen soll. Ob smart_LIVINGU-

NIT zu einer Art „tätigem Wohnen“ führen

oder eine weitere Form der Garagierung

des modernen Menschen zur Folge

haben wird, wird weniger von den Intentionen

des Architekten als vom jeweiligen

Nutzer wie vom gesellschaftlichen

Umfeld abhängen, in dem sich dieser

bewegt. Hätte es eine Garagierung zur

Folge, dann würde es sich, folgt man

Ivan Illich, wie beim Häuslbau letztlich

um eine kostspielige Variante des Wohnens

handeln: „Denn je besser durchgaragiert

ein Menschendepot ist, je mehr

Ansprüche jeder an die Ausstattung

und den Betrieb aller Gehäuse stellt, in

denen ihm seine Arbeit und Erziehung,

seine Behandlung und Belustigung verabreicht

werden können, um so mehr

Rettungswagen, Polizei und Putzmannschaften

benötigt die Stadt. Wie John

Turner schon vor 20 Jahren gezeigt

hat, läßt sich diese Krise nur durch die

wirksame Anerkennung des Rechtes auf

tätiges Wohnen lösen. Aber diese Art

des Wohnens kann man einfach nicht

verordnen: Sie ist zutiefst mit dem Träumen

und Imaginieren von Raum und

Bewegung, von Atmosphäre und Wasser

verbunden.“ Das Problem liegt weniger

in der manifesten Architektur als in der

Tatsache, dass Wohnen in einem hohen

Maß mit Bedeutungen aufgeladen ist,

mit Paarungs- und Nestverhalten ebenso

zu tun hat wie mit Prestige und anderem.

Bei Waschmaschinen hat kaum

niemand Mühe mit einem Massenprodukt.

Bei Häusern oder Wohnräumen

ist das anders. Paradoxerweise hat die

Betonung des Individuellen schnell eine

Gleichförmigkeit zur Folge, wird das

Individuelle nur allzuschnell als Zeitgeschmack

enttarnt.

Angelo Roventas smart_LIVINGUNIT

überzeugt in vielerlei Hinsicht, bedarf

aber der Entwicklung, nicht viel anders

als bei einem Auto. Gefragt wären Unternehmen,

die dazu beitragen, solche Projekte

hinsichtlich ihrer Materialität und

Nutzung zur Serienreife zu bringen.

Dies geht nicht ohne bewohnte Prototypen.

Die ansprechendste Grukenraspel

kann sich beim Gebrauch als unpraktisch

erweisen. Man kann sie wegwerfen.

Eine Wohnung wechselt man nicht

so schnell. Deshalb muss man Erfahrungen

von Nutzern oder Bewohnern

sammeln. Genaugenommen müsste das

Projekt in Zusammenarbeit mit einem

Unternehmen als Forschungsprojekt

eingebracht werden, tangiert es doch

neben der Frage einer möglichst effizienten

Raumnutzung zahlreiche andere

Aspekte, angefangen von innovativen

Technologien bis hin zum Wohnverhalten,

welches sich durchaus ändert und

weiter ändern wird.

Bernhard Kathan, Kunsthistoriker,

Autor und Künstler in Insbruck


Nr. 23/2009 Buch IV - Angelo Roventa/elastic_LU

ST/A/R 27

Optimization

Takes Command

Angelo Roventa’s Wohnmaschine

applies a principle—and a mechanism—that

is borrowed from a commercially

available pre-manufactured

industrial product: the high-density

mobile storage system that is quite common

in large archives, libraries, offices,

and warehouses. The principle behind

this product is quite simple: the ratio

of useable storage space to circulation

space increases drastically when storage

cabinets can be moved sideways along a

track such that only a single access aisle

is ever open between any two cabinets at

any given time. Space is completely optimized

in such a system since circulation

space (that all-important difference

between net and gross) is reduced to

only the location at which it is actually

needed.

The Wohnmaschine transfers this principle

to the domestic realm, not in order

to increase storage capacity or reduce

circulation space, but rather to enable

domestic “rooms” to be enlarged and

reduced as needed. Instead of storing

files or documents that are rarely consulted,

the Wohnmaschine’s mobile

cabinets contain home furnishings

which are used on a daily basis: there

are cabinets containing beds, others

containing a desk and bookshelf, and

others wardrobes. Immobile cabinets at

each end contain the “wet” functions of

bathroom and kitchen. A generous lateral

space from which the elastic rooms

are accessed serves as the more public,

multi-use living and dining room. All

this allows, just as it does in archives and

offices, for much fewer square meters to

deliver the same level of performance. A

saving of square meters entails a saving

of construction material, energy, maintenance

and, of course, cost. Space is

money too.

The idea of space as something to be

optimized probably worries some architects.

I can think of more than one

academic who would very likely disapprove

of the Wohnmaschine’s optimization

ethos. Their refrain goes something

like “optimization only serves capitalism

and instrumental rationalism, which

architects must resist.” But isn’t the

proposal of a real, viable, and yes, financially

feasible alternative to business-asusual

more constructive and effective in

implementing change than mere resistance?

The interesting thing about the

Wohnmaschine is precisely that it withstands

some of the typical criticisms levelled

at architects by the more conservative

building industry. For example, the

Wohnmaschine does not rely on any expensive

yet-to-emerge technologies: the

high-density mobile storage system has

been around for decades. Which raises

an obvious question: how is it that no architect

has thought of this until now?

The clues have been there all along. What

is the most oft-repeated client criticism of

architect-designed housing? “There isn’t

enough storage space for all my stuff!”

(“Hey, this is my way of forcing you to

become less materialistic!”) It was a comedian

and not an architect who gave us

what is arguably the most accurate definition

of a house: George Carlin and his

famous line “a house is where you keep

your stuff while you run around getting

more stuff.” In a consumer society, a

house becomes a storage depot of sorts,

and storage technology is exactly what

makes the Wohnmaschine possible.

But storage technology is applied in the

Wohnmaschine in order to elastically

accommodate the activities of everyday

life in less space; it is not about storing

goods per se. The Wohnmaschine’s adhoc

use of a pre-manufactured commercial

product recalls Charles Jencks and

Nathan Silver’s 1972 book Adhocism:

The Case for Improvisation, which celebrates

a DIY hippy-culture of makingdo-and-getting-by

with the goods of an

overabundant consumer society. Although

some of the mobile cabinets are

indeed used for storage, their larger purpose

in the Wohnmaschine is to act as

mobile partitions. In fact, if there is one

thing the Wohnmaschine possibly lacks

it is, ironically, storage space.

An important limitation of the Wohnmaschine

idea is that it is really only

suitable for singles or couples at most;

certainly not large families (“Mommy:

Hans is shrinking my bedroom again!”).

The Wohnmaschine demands consensus

when there are multiple dwellers in

its interior, something that is increasingly

difficult to achieve in these postmodern

times. Flexibility, which has

been the dream of countless architectural

utopias, is a double-edged sword,

since it is also potentially a cause of disagreement

and difference. Perhaps the

Wohnmaschine is ideally a bachelor machine.

But then again, households have

become much smaller and taken on diverse

forms in the last three to four decades,

with “singles” forming one of the

fastest-growing market segments. Small

households must still all-too-often settle

in relatively larger dwellings if they want

all the comforts of a modern home. The

Wohnmaschine makes it possible for

smaller households, especially singles,

to occupy significantly less space without

sacrificing comfort. In the end, the

Wohnmaschine optimizes quantity for

the sake of quality.

When I studied architecture in Canada,

one of the early design projects that we

were assigned involved randomly picking

three pre-manufactured construction-industry

products out of “Sweet’s

Construction Catalogue” and combining

them in such a way that put them

to new, never before imagined uses. The

project was all about eschewing artsand-crafts

values in favor of bricolage

and “adhocism”. I vaguely remember

picking automatic garage doors, Pirelli

rubber flooring and barbed wire, and

transforming those into some sort of

architectural sado-masochistic contraption

(what else?). After seeing Angelo’s

invention, I now really wish I had picked

high-density mobile storage systems as

one my three products, and that my attitude

had not been so cocky back then.

There is the remote possibility that just

maybe I might have thought of the

Wohnmaschine first.

Rafael Gómez-Moriana is an architect,

educator and writer based in Barcelona.

Rafael Gómez-Moriana is an architect,

educator and writer based in Barcelona.

Ich ahnte noch nichts bevor ich Angelo

Roventa im Keller von Carturesti, Bukarest,

getroffen habe. Bilder waren mir

bekannt, aus einem kurzen Artikel aus

Dornirn.

Aber erst als der Film losging, und die

Teile sich bewegten, ist mir klar geworden

daß hier über Raumnutzung mit

einer ganz anderen Sprache gesprochen

wird. Ich hatte den Eindruck als hätten

wir, Architekten, bis heute noch nie so

einen riesigen sozialen Beitrag gehabt.

Es ist mir auch klar geworden daß es

der Anfang sein kann für unendlich

weitere Möglichkeiten, ähnlich wie Edison’s

Gewinde für unendlich viele Glühbirnen.

Klaus Birthler, Achitekt in Reghin, Siebenbürgen,

Rumänien

Dem (Wohn-)

Raum Beine

machen

Was tun, wenn massenhaft Singles

und Pärchen auf den Wohnungsmarkt

drängen, die im trauten Heim

das Glück allein nicht finden können,

weil das Ersparte von „P&M“ in Meinl´s

European Land, oder sonstwo versickert

ist? Zeltstädte in der Donaustadt errichten

oder gar im Lainzer Tiergarten?

Die Hietzinger Bürgerschaft würde

dies nur schwer verkraften, die Ruhe

bedürftige. Zurück zur Natur, wäre eine

Möglichkeit, abseitigere Landstriche

Mitteleuropas haben eine wahre Entvölkerung

hinter sich. Demoskopische

Studien belegen allerdings, Urbanität

ist gefragter denn je. Ich steh auf Berlin:

Zeithistorische Schnittsstelle zwischen

Ost und West, Land und Strich der

unbegrenzten Möglichkeiten, soziokultureller

Thinktank des 21 Jahrhunderts.

Von der gesellschaftlichen Vereinzelung

ist die Stadt an der Spree freilich nicht

verschont geblieben. Auch als last Exit

zur cheap Flat fällt Berlin zunehmend

aus, weil der dortige Immobilienmarkt

einfach zu stark nach Geld riecht.

„Die topologische Idee“, so der Philosoph

Peter Sloterdijk, „dass jedes Individuum

einem eigenen Raum zugeordnet

wird, ist in Europa unter religiösen

Prämissen bereits seit dem Klosterbau

des frühen Mittelalters verbreitet: In

der Klosterzelle wird der Einzelne aus

der übrigen Gesellschaft herausgenommen.

In dieser Hypervereinzelung baut

er eine starke Beziehung zu einem absoluten

Mitbewohner der Zelle auf, der

niemand anderes ist als der Gott des

Monotheismus. Heute beobachten wir

in den Metropolen der westlichen Welt,

dass 60 Prozent der Haushalte von Alleinlebenden

geführt werden. Jedoch

hat sich das Alleinsein gänzlich säkularisiert:

Wir ziehen uns nicht in unsere

Wohnungen zurück, um zu beten.

Heutige Appartements sind vernetzte

Weltinseln, von denen aus man überall

hin navigieren kann.“

Der Architekt Angelo Silviu Roventa

geht noch einen Schritt weiter. Mit

der elasic_livingunit, hat Roventa ein

(Wohn-) Raumkonzept entwickelt, bei

dem die raum-zeitliche Nutzungskomponente

als Variable Einzug gehalten

hat. Als Maschine konzipiert, holt die

flex_livingunint mehr Raum aus den

zur Verfügung stehenden Quadratmetern,

indem die zeitliche Nutzung flexibilisiert

wird. Spare in der Zeit, dann

hast du in der Not gilt nicht mehr, seit

Otto Normalverbraucher zum Melkvieh

der Börsenspekulanten gemacht wurde.

Nutze Deine Räumlichkeitnen effizient,

dann hast Du weniger Platzangst, veheißt

Roventa´s (Wohn-) Raumstudie,

die ab 1. Dezember 2009 im MAK®

Wien vorgestellt wird.

Technisch betrachtet ist Roventas Prototyp

ein System von Einbauschränken

und -geräten, auf Schienen gestellt.

Trennwände fallen weg, die aufwändige

Installation von Zimmerheizaggregaten

ebenso, da die Räume von einer Längsseite

aus begehbar gehalten werden, die

gleichzeitig auch für Wärme- und Lichteinfall

sorgt. Sämtliche Einrichtungen

und Geräte sind normal zur Raumflucht

platzsparend verbaut, flexibel verkabelt,

verrohrt und verdrahtet.

Angetrieben durch Muskelkraft, später

vielleicht auch per Elektrosteuerung

wird der Raumbedarf dort vergrößert,

wo das zentrale Interesse der Tagesgestaltung

liegt. Nach dem Aufstehen

wird z.B der Platz im Wohnzimmer

verringert, der im Bad vergrößert. Kommen

abends Gäste, werden Bade- und

Schlafzimmer verkleinert, das Wohnzimmer

vergrößert. Die Toilette mit

Handwaschbecken ist so angebracht,

dass sie auch bei vollständig verkleinertem

Badezimmer benutzbar bleibt.

Ähnlich der Frankfurter Küche von

Margarethe Schütte-Lihotzky, die der

Ergonomie, einem Spannungsfeld, aus

der industriellen Fließbandarbeit der

20er Jahre, größtes Augenmerk geliehen

hat, wird die industrielle Automatisation

bei Roventas elasic_livingunit

noch spannende Inputs liefern. Als

Gewohnheitstier gestaltet der Homo

Civilis seinen Alltag regelmäßig, ritualisiert

sogar bestimmte Verrichtungen

nach der Zeit. Mit den notwendigen

Tools aus den Baukästen der industriellen

Automatisation ist es möglich,

das Wohnen in der Unit dergestalt zu

optimieren, dass die räumliche Anpassung

an den zeitlichen Nutzungsfall nahezu

unbemerkt erfolgt.

Ideal erscheint Roventas Entwurf

besonders für Einzelunternehmer oder

Teleworker, die daheim, im Wohnbüro


Städteplanung / Architektur / Religion Buch IV - Angelo Roventa/elastic_LU ST/A/R 29

den privaten, wie den beruflichen Alltag

verbringen. Während der Arbeitszeit

wird das Büro ausgefahren, das nach

Feierabend zu Gunsten von Küche und

Wohnzimmer verschwindet. Interessant

scheint die Nutzung der elasic_livingunit

auch im Rahmen gewerblicher

Anwendung. So kann die Büroimmobilie

im Handumdrehen zum Konferenzzimmer

umfunktioniert werden,

der Schankraum ein intimes Extrazimmer

erhalten, oder die Maschinenhalle

je nach Saison um einen Lager- oder

Verwaltungsraum ergänzt werden.

Noch gar nicht abzusehen sind die Entfaltungsmöglichkeiten

im Hotellerieund

Wellnessbereich.

Besonders interessant scheint die Erkenntnis,

dass der Quadratmeterbedarf für

Mehrzimmerwohnen in der elasic_livingunit

wesentlich geringer ausfällt als

bei herkömmlichen Wohneinheiten.

Im Rahmen von insgesamt 25 Studien

hat Roventa u.a. nachgewiesen, dass

dieses System bereits auf 23 Quadratmetern

eine voll funktionsfähige Mehrzimmerwohung

ermöglicht. Auch der

Zugewinn an Stauraum ist enorm.

Wer am Ende den größten Nutzen aus

einem derartigen (Wohn-)Raumsystem

ziehen kann werden Simulation und

Protoyping zeigen. Erste Ambitionen

bezüglich Probewohnen sind bereits in

Planung. Sicher ist das Wohnen in der

elasic_livingunit billiger als im herkömmlichen

Sinn. Schon jetzt, so Roventa,

betragen ersten Berechnungen zur

Folge die Einsparungen gegenüber der

Errichtung einer herkömmlichen Wohnung

mindestens zehn Prozent.

Gerald Kofler, Freieberuflicher

Fotograf und Journalist, sowie

Pressetexter und TV-Reporter

After a long career in architectural

design and teaching I thought no

novelty or innovations were possible.

However, Mr. Angelo Roveta took me

by surprise with his new concept of the

organization of the living space, which

he no longer defines by walls or ceilings

but by sliding and coupling four pieces

of furniture. The idea of their combinations

results in various types of zoning

of functions so as within 60 sq m you

can enjoy, if you want, variable spaces

for a living room, a bedroom, a kitchen

and a space for your own hobbies. Witnessing

this extremely simple and comfortable

operation meant to configure

rooms, I realized that the flexibility of

the interior space is no longer an utopian

but a practical idea. I do believe that

both professionals and laymen will find

the answers they were looking for in this

possible model of dwelling.

Prof. Dr. Arch. Mircea Ochinciuc

Chairman of Bucharest Branch of the

Chamber of Architects

Angelo Roventa -

Die Macht der

Qualität

Als Angelo Roventa bei der Ausstellungseröffnung

im Vorarlberger

Architekturinstitut an der elastic-livingUnit

kurbelte, war ich von dem Modell

und der Idee des elastischen Wohnens

sofort begeistert. Ich erinnerte mich an

meine Studentenbude in Hamburg, als

ich dorthin von der Universität Tübingen

wechselte. Das Zimmer hatte ich in den

Semesterferien in einer grossbürgerlichen

Wohnung gefunden und gemietet.

Es war bis zu der 2 m 80 hohen Decke

vollständig unmöbliert und so entwickelte

ich zerlegbares Mobiliar aus Stahlträgern,

schienen und Holzplatten. Alles

musste in einen Kleinwagen passen und

in den Norden transportiert werden. Als

das Zimmer mit Kleiderschrank, Arbeitstisch,

Bücherregalen, Bett und Bettkasten

brauchbar eingerichtet war und die Vorlesungen

begonnen hatten, da eröffnete

IKEA ein Möbelhaus in Hamburg.

Wie praktisch wäre es gewesen, hätte

man für die nächsten Semester die passenden

und notwendigen Einheiten einer

elastic-livingUnit vor Ort ausleihen und

das Zimmer geräumig elastisch einrichten

können? Vielleicht hätte ich Teile des

Systems auch gekauft und dann an den

dritten Hochschulort mitgenommen.

Dort war ich wissenschaftlicher Assistent

und hatte eine Wohnung mit zwei Zimmern

gemietet, diese und die Küche waren

wiederum leer. Neues Spiel in einer

anderen Qualitäts- und Preisklasse, in der

Retrospektive aber auch Vergeudung von

Ressourcen.

Jeder Raum- und Stadtplaner wettert gegen

Auswuchern und Zersiedeln und

fordert Dichte im Wohnbau. Sollten dann

die mittels CAD multiplizierten Grundrisse

mit XXL-Tinneff aus dem Möbelhaus

voll gestopft werden? Passt sich der

Raum dem Mobiliar oder die Möbel dem

Grundriss an? Gesellt sich zur wohnräumlichen

Immobilität noch geistige

Schwerfälligkeit?

Nein, jetzt werden die Schnarchnasen

von dem Konzept und den Ideen, die in

der elastic-livingUnit stecken, aufgerüttelt.

Angelo Roventa zeigt Möglichkeiten

knappes Gut, räumlich und pekuniär, zu

nutzen. Ich sehe voraus, dass die elasticlivingUnit

in verschiedensten Varianten

und Preisklassen angeboten wird.

Zum Kaufen oder zum Mieten, vielleicht

auch von Franchisenehmern vertrieben,

installiert und gewartet. Die

Elemente können aufgefrischt, bei Bedarf

erneuert, erweitert, neu dekoriert

werden. Vollholz, Pressholz, Rattan,

Metall, Carbon, Textil. Recyklierbar auf

jeden Fall. Mit den Bedürfnissen wachsend

und auch schrumpfend.

Es gibt noch so viele faszinierende

Aspekte des elastischen Wohnens,

die Präsentation im Museum für angewandte

Kunst wird begeistern und

helfen die Gedanken und Überlegungen,

die in der elastic-livingUnit stecken,

umgehend zu realisieren.

Ich glaube an die Macht der Qualität.

Danke Angelo Roventa für Deinen

Anstoss und das Wagnis, das erste

1:1-Modell der elastic-livingUnit zu finanzieren!

Jörg H. Knapp

Dr.-Ing. Jörg H. Knapp ist Raumxperte

Die elastische

Wohnung

Architekten versuchen sich gern am

Design; oft aber entspringt diese

Liebe entweder einem Willen zur totalen

Form, der jedes letzte Möbel in

einem Haus als Bestandteil der Architektur

versteht, oder einem allesfressenden

Kunstwollen. Diesem letzten

Fall entspringen so viele der willkürlichen

Objekte der heutigen Stararchitekten.

Angelo Roventas Wohnkonzept ist ein

Werk in der besten Tradition der Moderne:

nicht “modern style”, sondern

ein Versuch, Antworten für soziale

Probleme zu finden, so wie ehemals

die Frankfurter Küche oder andere

Bauhausprodukte. Eigentlich sollte

man statt Design oder Innenarchitektur

eher von Architektur im kleinen Massstab

sprechen, denn hier handelt es sich

um das Schaffen von Raum; und das

auch im engsten Sinne des Wortes. Aus

einem Appartement werden unendlich

mehrere. Gerade für ein Land wie Rumänien,

in dem Wohnungsnot herrscht

und fast alles dem privaten Markt überlassen

wird, könnte ich mir eine Förderung,

von der öffentlichen Hand gelenkt,

vorstellen.

Stefan Ghenciulescu, Architekt und

Chefredakteur der Zeitschrift Arhitectura

Elastische

Wohnung im MAK

Ausreichend Platz auf überraschend

kleinem Raum. Das bietet das bewegliche

Modulsystem von Angelo

Roventa, Architekt in Dornbirn. Die

Wohnrevolution aus Vorarlberg kommt

mit der Ausstellung „Das Spiel der

Mächtigen“ von 1. Dezember 2009 bis

10. Jänner 2010 ins MAK nach Wien.

Raiffeisen in Vorarlberg ist stets offen

für innovative Wohnideen. Deshalb

sponsert Raiffeisen mit seinem Internetportal

www.bauen-in-vorarlberg.at

den aufwändigen Auftritt in Wien.

Das Ziel haben Raumplaner und Architekten

ebenso wie Philosophen bereits

angedacht: Wir fragen uns, warum es

denn nicht einfach Grundrisse gibt, die

man jetzt so und nachher anders nutzen

kann, indem man beispielsweise die

Möbel wegrückt. Und wo eine Küche

eben dann eine Küche ist, wenn man

sie benötigt; ansonsten ist sie weder da

noch eine Küche Als Deutschlands Paradephilosoph

Peter Sloterdijk das im

Februar 2009 im Gespräch mit dem

Architekten Werner Sobek formulierte

(Zeitschrift fair, Nr. 04/I-2009), hatte

Angelo Roventa sein Patent bereits angemeldet,

das genau diesem Grundsatz

folgt: Wird die Küche nicht benötigt, so

gibt es sie nicht.

elastic_LIVINGUNIT, das bewegliche

Modulsystem, hat etliche Vorbilder. Sie

finden sich beispielsweise in den Arbeiten

von Angelo Roventa wie Archive und

Bibliotheken, wo Aktenschränke mit

Kurbeln verschoben werden, oder auf

Theaterbühnen mit ständig wechselnder

Kulisse. Dieses Konzept verschiebbarer

Wohnungselemente ist gewiss

nicht auf Großfamilien zugeschnitten.

In unseren Städten wohnen aber inzwischen

bis zu 60 % der Menschen als

Single und nutzen Schlafzimmer und

Küche nie gleichzeitig. So schafft es

Angelo Roventa, die tatsächlich vorhandene

Nutzfläche auf das bis zu Vierfache

an Netto-Wohnfläche zu erweitern.

Stehen 46 m2 zur Verfügung, so lassen

sich insgesamt 190 m2 nutzen. Nicht

gleichzeitig natürlich, aber eben in unterschiedlicher

Verwendung. Sind 54

m2 Nutzflache vorhanden, so ergeben

die darin bewohnbaren Flachen insgesamt

220 m2 eine gewiss sehr großzügig

geschnittene Wohnung.

Selbstverständlich eignet sich elastic_

LIVINGUNIT sowohl für Neubauten als

auch bei Sanierungen.

Vorstandsdirektor Dr. Johannes Ortner

von der Raiffeisenlandesbank Vorarlberg

zeigte sich bei einer Führung beeindruckt.

Als DIE Vorarlberger Wohnbau-Bank

stets offen für kreative Ideen

rund ums Wohnen und Bauen war die

Beteiligung an der Ausstellung im Museum

für Angewandte Kunst rasch vereinbart.

Dort lädt die Elastische Wohnung also

bis 10.01.2010 zum Probesitzen ein,

in einem Wohnzimmer, das Sekunden

später bereits einem Schlafzimmer Platz

macht oder dem Badezimmer, alle in erstaunlich

großzügigem Raumschnitt.

Vorarlberger Raiffeisenlandesbank.

Extraordinar de interesant si lipsit

de complexe. Proiectul lui Angelo

Roventa merita sa fie cunoscut pentru ca

trebuie construit! Avem nevoie de el.

Ausserordentlich interessant und hemmungslos.

Es lohnt sich das Projekt

von Angelo Roventa gesehen zu haben,

denn es muss gebaut werden ! Es wid gebraucht.

Serban Sturdza – Architekt und Präsident

der rumänischen Architektenkammer

Arhitectul si

banca geto-daca

Birocratia, spagile, indolenta si

dezinteresul caracterizeaza statul

feudal pe care trebuie sa-l rogi ca

sa te lase sa investesti.

Ieri-dimineata am plecat devreme, cu

treaba, catre Geneva, urmând ca dupa-amiaza

sa ajung la Londra. De câteva

saptamâni, un fost “boboc” de-al meu,

între timp mare arhitect, cu multe case

în spate, publicatii în reviste de specialitate,

premii la concursuri si activitate

didactica in domeniu de arhitectura, ma

tot cheama sa trec pe la el sa-mi faca o

surpriza. Sa-mi arate ceva foarte interesant.

Asa ca, în drum, am aterizat în Elvetia,

la St. Gallen. Un sfert de ora mai

târziu eram în Austria, într-un orasel

din Vorarlberg.

Acolo, la o expozitie de arta moderna,

era prezentat prototipul unei lucrari a

1. Dialogforum

Bringt smart_LIVINGUNIT

Potential für Interesse | konkrete

Ideen | Kooperation mit,

zur Weiterentwicklung und

Förderung?

Leitung: Brigitte Bösch

Teilnehmer: Jörg Knapp, Angelika Würbel,

Lothar Hinteregger, Willi Hagleitner,

Gerhard Kilga, Cornelia Thomberg,

Angelo Roventa, Karin Luger, Heiko

Moosbrugger, Wilfried Bertsch, Erich

Mayer, Marina Hämmerle

Die smart_LIVINGUNIT wird durch

Angelo Roventa vorgestellt.

Die Methode des strategischen Dialogs

wird durch Brigitte Bösch kurz erläutert:

Es gibt nicht: Status Rolle Hierarchie

maestrului Angelo Roventa, fostul meu

student. Era vorba de o locuinta care, în

54 de metri patrati, prin miscarea echipamentelor

si a elementelor de separare,

obtinea calitatea functionala a unui

spatiu de 220 de metri patrati. Cu un

living-room de 45 m, o bucatarie care

putea si ea deveni oricât de mare îti doreai,

o sufragerie, un dormitor si o baie

cu un jacuzzi enorm, amândoua cam de

aceeasi dimensiune cu living-roomul. La

toate astea trebuie adaugate spatii de depozitare

de vreo 10 metri patrati, ceea ce

pentru un apartament de doua camere e

absolut suficient. O arhitectura dinamica,

cu spatii adaptabile în timp. Si, mai

ales, toate astea ar putea sa coste vreo

30.000 de euro apartamentul si pâna în

20.000 de euro mobilierul.

Cu o finantare pe termen lung este oricum

o solutie mult mai eficienta decât

„Prima Casa“. I-am spus pe loc da. Facem

împreuna în România proiectul

asta, dar nu trebuie sa ne ia mai mult de

sase pâna la noua luni. Stiind câte ceva

despre ce se întâmpla în tara, prietenul

meu mi-a spus repede: „Termenul curge

de la autorizatia de construire!“ Evident,

avea dreptate. Birocratia, spagile,

indolenta si dezinteresul caracterizeaza

statul feudal pe care trebuie sa-l rogi ca

sa te lase sa investesti. Si totusi o sa-l facem.

Asta-i diferenta dintre programele

guvernamentale neghiob-birocratice si

initiativa privata. Am plecat mai departe

în treaba mea, urmând sa ne întâlnim

peste câteva zile la Bucuresti.

Pe mine ma supara mai rau si mi-e rusine

ca prietenul meu, românul, profesor

austriac de arhitectura, nu si-a luat

banii pe o lucrare de interes public pe

care a finantat-o singur, desi nu e un

om bogat. A construit la Iasi o sala care

sa functioneze atâta vreme cât batrânul

Teatru National de acolo se afla în restaurare.

Era facuta în aceeasi idee, de a

rezolva ieftin o problema a comunitatii.

Asta înseamna, cred, a fi patriot.

Dinu Patriciu, Arhitect

WOHN-U-TOPIE im vai

Haltung: Offenheit und Interesse

Gesprächsregeln: Zuhören Artikulieren

Respektieren

Bertsch : S_LU ist eine Form des Wohnens,

die dem Zeitgeist entspricht, ein

Quantensprung im flexiblen Wohnen.

„Beweg ich mich durch die Wohnung,

oder bewege ich den Raum?“

Mayer: Neue Modelle, innovative Dinge

entstehen, doch die Infrastruktur im Umfeld

hinkt nach, vor allem durch Gesetze.

Hämmerle: Mit S_LU wurden Schwellen

überwunden, viele Menschen wären

nicht in die Ausstellung gekommen.

Mayer: Interessant ist der Kostenaspekt:

wie groß sind die Minderkosten: Raum

ohne Zwischenwände und die Mehrkosten:

gegenüber herkömmlicher Möblierung,

Beweglichkeit

Roventa: Beim Prototyp sind die Kosten

nicht repräsentativ. Es muss noch opti-

miert, korrigiert, verändert werden, es ist

mitten in der Entwicklung. Theoretisch

wurden die realen Kostenersparnisse

von Roland Wehhinger, Büro Hermann

Kaufmann, durchgerechnet. Berücksichtigt

wurden: Heizkörper, Licht, Platzbedarf

durch elastisches Wohnen, Abstellkapazität,

Lagerraum, Innenwände und

s_LU lag 10% unter der herkömmlichen

Wohnung.

Hagleitner: Kostenangaben sind ihm zu

wage. Interessant wird s_LU für Startwohnungen

– mehr Raum, Fläche, Qualität.

Um sich einlassen zu können braucht

er präzisere Angaben zu den Kosten im

Vergleich mit schon bestehenden Projekten,

z.B. Rheinstraße. Mit dem Prototyp

könnte man jetzt Erfahrungen sammeln,

ausprobieren, bewohnen. Weiterüberlegen

in größeren Wohnverbänden, wie

funktioniert sie mit zwei Generationen.

Hinteregger: Was kann die Wohnbauförderung

dazu tun um dies in die Praxis

umzusetzen. Es braucht Anhaltspunkte

für gemeinnützige Bauträger, für Wartungskosten

im laufenden Betrieb. Wieweit

kann man das in der Praxis testen,

Erfahrungen sammeln. Sind es ältere

Menschen oder Junge, die darin Wohnen?

Man bräuchte 20-30 Einheiten

in denen das ausprobiert werden kann.

Wird es angenommen?

Angelika Würbel: Für sie ist es ein faszinierendes

Projekt, vor dem man als staunendes

Kind stehen kann. Entspricht es

dem Zeitgeist? Der karge Aspekt: Es riechen

alle Räume gleich, hat ein solcher

Raum Möglichkeiten, ihn persönlich zu

gestalten? Wird zu viel vorgegeben? Zu

funktional?

Hämmerle: Stellt sich vor: 300 Units in 3

Jahren gibt es die LU Kommune. Die Möblierung

ist weiter entwickelt, wenn man

umzieht, bleiben Teile in der Wohnung,

andere Teile kann man mitnehmen. Sie

ist individualisiert. Die Oberflächen kann

man nach unten denken, downgraden,

einfache Platten, selbst lackiert, oder

hightech – Oberflächen, die noch mehr

können, digitalisiert – Bilder, andere

Welten, das Fenster nach draußen.

Bertsch: Zeitgeist: der virtuelle Raum.

Er denkt weiter: Neue Realitäten bilden,

das Wohnen wird zur Bühne, neuer Vorder-,

Hintergrund, Mittelgrund, auch für

die Zuschauer. Spannend. Eine Maschine

macht sicher und unsicher zugleich:

durch die Bewegung wird ständig eine

neue Ordnung gesucht, eingehalten, Sicherheit

in der Grundstellung, wissen wo

man zur Ruhe kommen kann. Die s_LU

braucht hohe Räume. Es wird sich zuerst

ein Fanclub bilden, wie am Anfang beim

Handy: ich habe eine UNIT. Er sieht die

Zukunft eher nicht bei den Gemeinnützigen,

hier wird es keine sehr große Rolle

spielen. Eher für Hotels, exklusive Ferienwohnungen,

Männer, die Single sind

und sich schwer tun, mit Aufräumen.

Mayer: Gemeinnützig – Zuweisung 1-2

Personen. Das Problem bei Mietkonstellationen

ist, dass das Gesetz den Eigentümer

verpflichtet, alles was in der Wohnung

eingebaut ist, instand zu halten.

Küche, Bad, und bei der s_LU kommen

die kompletten Möbel dazu. Deswegen

sind Mietwohnungen so leer wie möglich,

es müsste für s_LU andere Rahmenbedingungen

geben, damit sie bei Mietwohnungen

einsetzbar ist.

Knapp: Die Gesetzgebung verhindert

etwas – das ist ein wichtiger Aspekt. In

der persönlichen Rückschau: am Anfang

brachte er das Stahlgerüst, das als Wohngerüst

taugte, in seinen Kleinwagen,

später gab es IKEA, na ja, 25 Jahre war

er Nomade, jetzt ein festes Haus. Die Bedürfnisse

sind: kochen, essen, schlafen.

Die s_LU ist auch für ältere Menschen interessant,

nicht mit Kindern. Man muss

es weiter entwickeln, leichtere Wände.

Der Wohnungsanbieter verkauft die Möbel

mit.

Mayer: Provokante Frage an Verantwortliche

vom Land Vlbg.: Habt ihr gute Ideen

um die Hürden zu eliminieren?

Kilga: Bei den Jugendwohnungen wurde

die Gesetzeslage so geändert, dass mit

dem Mietpreis hinunter gegangen werden

konnte, durch Förderungen. Man

müsste Lösungen finden, für Bauträger –

wenn es kaputt ist, springt das Land ein.

Angelo Roventa: Bei Miete: könnte man

den installierten Raum anbieten – Bad

und Küche Modul und die Möbel kauft

sich der Mieter selbst, die Schränke, das

Bett. Das können sie ja theoretisch wieder

mitnehmen.

Mayer: Das Hauptproblem wäre beseitigt,

wenn es Mieter kauft, least und damit Eigentümer

ist. Wohnung muss standardisiert

werden. Wenn der Mieter auszieht,

nimmt er die Möbel mit, dann ist es wieder

eine konventionelle Wohnung – oder

er übergibt sie.

Das Problem ist jedoch, dass im gemeinnützigen

Wohnungsmarkt 20-30 % der

Mieter kaum die Betriebskosten bezahlen

können, oder die Kaution – wie sollen

sie dann Möbel kaufen.

Bösch: Noch einmal die Frage: welche

Menschen wollen darin wohnen? Diese

beweglich Idee: sind es Menschen, die

Geld haben, der Fanclub oder künstlerische

Typen, die sich kreativ entfalten, wer

ist Zielgruppe?

Hagleitner: Die Frage stellt sich, ob sich

das für den sozialen Wohnungsbau umsetzen

lässt. Ein Argument: wenig Fläche,

mehr Wohnraum und ich kann die

Wohnung mitnehmen.

Kornelia Rhomberg: Ausgangspunkt sozialer

Wohnbau: grundsätzliches Anliegen

ist doch, für die Menschen eine Qualitätssteigerung

im Wohnen zu erwirken.

Auch Menschen mit wenig Mitteln sollen

den Luxus eines 41 m2 Wohnzimmers

oder Küche oder Schlafzimmer leben

können. Der Mehrwert der Quadratmeter

ist schwer zu quantifizieren, wenn

man in so etwas leben kann, ist das ein

Geschenk für den Nutzer.

Würbel: Für sie ist es faszinierend mit so

wenig Raum so viel Platz zu erhalten. Sie

hält es für eine Wohnung für den Übergang

nicht unbedingt für ein Leben lang.

Gemeinnützige Wohnungen sind eher

langfristig in Gebrauch, man verändert

sich, zieht weiter.

Angelo Roventa: Es bleiben ja Teile unbeweglich

– Dinge die nicht zum Umstellen

sind, Klavier.. hier in der Ausstellung ist

der feste Raum das Minimum. Es entstehen

Raumnischen – hier kann man auch

etwas liegen lassen, Bilder, Kunstwerke

fix installieren.

Bertsch: Vai sollte ein WOHNLABOR

errichten, wo alles auszuprobieren wäre.

Die Balance an Sicherheit/Beweglichkeit/

Veränderung braucht Erfahrung. In jedem

Lebensabschnitt sind Wohnbedürfnisse

anders, man sollte die Möglichkeit

haben Erfahrungen zu machen. Er sieht

die Chancen der s_LU nicht im gemeinnützigen

Wohnbau. Mit Förderungen

lenken, wie bei Passivhäusern, so auch

für innovative Iden. Wohnbauforschung,

Mietrecht – vollmöblierte Wohnung.

Aber auch am freien Markt wird sich eine

gute Idee durchsetzen; Argumente: Verdichtung,

Freiraum, flexibler Raum davor,

Wohnungsveränderungswille.

Marina: Nomadischer Aspekt: Mehr

Raum auf kleinsten Raum als temporäres

System, eher für Fangemeinde, das soziale

Klientel wird nicht darauf anspringen.

S_LU setzt den Wunsch voraus, den

Mehrwert nutzen zu wollen.

Angelo Roventa: Dieses Wohnmodell

steht da, damit Menschen es kennen

lernen, im Sinne von Architekturvermittlung.

Modell versucht diese Art des

Wohnens beizubringen. Wohnen ist

doch immer temporär, der Mensch lebt


30 ST/A/R

Buch IV - Angelo Roventa/elastic_LU Nr. 23/2009

nicht lebenslänglich am gleichen Ort.

Hier sind die Bausteine für die Wohnung

in der man leben kann, die UNIT hat die

Eigenschaften, die jedes Haus zum Wohnen

bietet.

Hagleiter: Leistbares Wohnen sollte möglich

sein. Die Probleme bei Sozialwohnungen

hängen auch mit der beengten

Wohnsituation zusammen, so könnte bei

wenig m2 – mehr Platzangebot – auch

die Lösung der Probleme beinhaltet sein.

Man muss probieren, weiterentwickeln,

Wohnungsträger sollten darauf einsteigen.

Sozialer Wohnbau wird gefördert, es

müsste noch konkret gerechnet werden,

für ein Experiment soll eine Sonderlösung

gefunden werden.

Würbel: Sonderwohnprogramm: Es

braucht Begleitung. Wohnvorstellung ist

nicht unbedingt vorhanden. Menschen

bringen vor allem ihre Erlebnisse mit.

Mayer:

60 % 2 Zi- Wohnungen, 30 % 3 Zi. Wohnungen,

10 % 4 Zi. Wohnungen

Man denkt in Finanzierungsebenen,

wenn jemand nicht mehr als 700 EUR

zur Verfügung hat, muss er sich mit 3 Zi

Wohnung begnügen, obwohl er vielleicht

eine 4 Zi Wohnung brauchen würde. Die

Miete macht 50 % des Gehaltes aus. Das

ist das Problem, Menschen haben zu wenig

Raum, es gibt keine Rückzugsmöglichkeiten.

Knapp: Weg vom sozialen Wohnbau,

weg vom Experiment, nicht liegen lassen,

„Apple“ drauf, was passiert dann, wem

könnte man das aufs Auge drücken?

Hinteregger: Gibt es private Bauträger,

die wenn sie Unterstützung bekommen,

sich zu Forschungszwecken darauf einlassen?

Und die Frage: Wer ist die Zielgruppe?

Wir sind doch auf der Suche

nach Raum, wo die Maschine aufgestellt

werden kann.

Bertsch: Man sollte viele Bauträger einladen,

anschauen, Erfahrung machen, Förderungen

versprechen, Lust machen. Es

will gewollt sein. Lust wecken aber auch

mit einem plus an Förderung, als Zusatzanreiz.

Hagleitner: Fans suchen, publik machen.

Mayer: Gemeinnützige Bauträger dafür

gewinnen, experimentieren, an Reproduzierbarkeit

und Multiplizierbarkeit arbeiten,

er will mit diskutieren und auch mit

tragen.

Abschlussrunde wird eingegongt.

Moosbrugger: Unit hat Charme und

Witz, soll ausprobiert werden.

Kornelia Rhomberg: Sieht für sich die

Aufgabe Nerven weiter zu behalten, Angelo

Roventa zu unterstützen, wünscht

sich, zwei Jahre darin wohnen zu können,

es fehlt aber die Hülle.

Mayer: Ist dabei beim Kind aufziehen,

wenn es betriebswirtschaftlich möglich

ist, es geht aber nicht allein.

Hämmerle: S_LU ist ein wertvoller Beitrag,

das vai kann sich engagieren, die

Testphase zu ermöglichen, der Anfang

ist gemacht, mit der Ausstellung.

Bösch: Hat große Lust mitzumachen, wie

kann man das weiter entwickeln, Marketing,

will Probewohnen, ist sehr interessiert

Knapp: Die Alters-WG kommt ins Rollen,

denkt an Leasingunternehmen, oder

IKEA, dann sollte es aber nicht in Russland

produziert werden.

Würbel: Es ist etwas genial Neues, hat

den Aspekt des zutiefst Menschlichen,

fordert zur inneren Auseinandersetzung

heraus. Es hat sich etwas geändert an

ihrer Sichtweise, während des Dialoges,

kann es mitnehmen in ihre Welten und

freut sich darüber.

Hinterhuber: Hofft auf viele Fans, die

hier mitmachen wollen. Hüllen müssen

gefunden werden für die Umsetzung

und Möglichkeiten.

Hagleitner: Ist faszinierend wie aus wenig

Grundfläche so viel Wohnraum wird,

man muss Menschen finden, die das haben

wollen. Unterstützt die Realisierung,

wenn es wirtschaftlich vertretbar wird.

Wolfgang: Realisierung in die Welt hinaus

bringen, ins Hotel einbauen, für

Probewohnen. Das Angebot im Katalog

aufgliedern, nachvollziehbar machen,

Standardgrößen, in LKW passend, mobil

bleiben.

Angelo Roventa: Ist froh, dass er sich

vorerst nicht zu viel beschäftigt hat mit

den Kosten um nicht abzulenken von

dem, was das Modell zeigen soll. Es soll

den Nutzer bereichern, mit Inhalt. Er will

noch keine Diskussion über Zahlen, es

ist ein project in progress.

Bertsch: Charme, Esprit, Witz, Förderungen

so verändern, dass die Maschine berücksichtigt

werden kann.

Kornelia Rhomberg: Ist persönlich begeistert

vom zukunftsfähigen Wohnmodell.

Unit ist für jeden.

Dialogforum 2.

Bringt smart_LIVINGUNIT Potential für

Interesse | konkrete Ideen | Kooperation

mit, zur Weiterentwicklung und Förderung?

Leitung: Brigitte Bösch

Teilnehmer: Jörg Knapp: Verwirklichung

des Modells liegt ihm am Herzen / Andreas

Neuhauser: Interessiert sich als Sponsor

| Illwerke VKW / Helmut Krappmeier:

Verein zur Verzögerung der Zeit; Verhinderung

von Scheinlösungen; Hat selbst

ein Faltfahrrad und mag faltbare Dinge;

Export von Ideen aus Vorarlberg / Wilfried

Bertsch: Platzsparen ist interessant, s_LU

geht sparsam mit Raum um / Joachim

Alge: Ernüchterter Architekt, Baumeister,

resistent gegen Utopien im sozialen Wohnungsbau

Stefan Jansen: Unternehmensberater; ihn

interessieren konkrete Ansätze, Realisierung

von Ideen / Stefania Pitscheider: Frauenmuseum

/ Markus Faißt: Handwerker;

Partnerschaft / Heiko Moosbrugger: Vorum

/ Herbert Brunner: Obmann Vlgb.

Holzbaukunst / Armin Kathan: Mag Minimalstrukturen.

Nachhaltigkeit fängt beim

Raum an, hält s_LU für einen wichtigen

Beitrag / Marina Hämmerle: Geburtshelferin

für den Prototyp

Krappmeier: Gesehen, gut gefallen, er

sieht darin eine Chance, den steigenden

Energieverbrauch für eine gewisse Zielgruppe

(Single) einzugrenzen.

Zielgruppenanalyse wäre notwendig.

Bezüglich der Hülle:

ist SUSI geeignet – nein

im Neubau? ok; wie ist es für den Altbau

geeignet?

Analysen: bis 2020 ein Forschungsauftrag,

der sich mit Hülle, Möbel, Soziologie,

Energieeffizienz, Ökologie beschäftigt

und erarbeitet, wie das Projekt

durchführbar wird.

Hülle, Energie, Ökologie: Beitrag des

Energieinstituts

Neuhauser: Als Partner an der Verwirklichung

mitgewirkt.

Privat: er hält es für eine tolle Idee, ABER

nicht gemütlich. Vielleicht ist ausbreiten

und liegen lassen in einer Wohnung auch

eine Qualität.

Kommerzialisierung: Wie schafft man es,

dass die Menschen drinnen leben wollen,

nicht als Mangel – „Ich habe ja nur 40

m2 zur Verfügung“, sondern aus Lust.

Hämmerle: Das Projekt ist noch nicht

zu Ende gedacht, noch nicht abstrahiert,

steht jetzt als Prototyp in Hochglanz vor

uns. Die Hülle ist nicht personalisiert:

Gestaltungsmöglichkeiten in Farbe,

Oberflächen.

Anregung: nach Unten reduzieren und

nach Oben weiterdenken. Mit High Tech

Stimmungen, Muster, andere Welt entstehen

lassen. S_LU hat Potential in beide

Richtungen.

Ist es lebbar in der Wohnmaschine, ist es

praktisch, gilt es temporär?

Wie flexibel ist der Mensch? Sie ist überzeugt,

dass die Fangemeinde existiert und

man es am Markt positionieren kann.

Faißt: Luigi Pirandello: Es herrscht Mangel

an Notwendigem, Überflüssiges haben

wir mehr als genug.

Was ist die s_LU?

Als Vollholzmöbel wäre sie viel zu teuer.

Sozial vertretbar wäre eine günstige Variante,

z.B. selbst anmalen.

Er sieht zwei Möglichkeiten:

Es als Kunstobjekt stehen lassen – so wie

für SUSI eine Fangemeinde finden.

Oder ein Bedürfnis beantworten.

Ist das gemütlich in der Maschine zu

wohnen, nicht zu mechanisch? Subtiles

Ringen um die Proportionen, Wohnpsychologie..

Es finden sich welche, die sich das gönnen,

wenn man den raffinierten, nachhaltigen,

radikalen Pep des Kultigen

draufsetzt.

Alge: Der Name Maschine ist gegen

Wohnen.Wohnen ist ein Grundbedürfnis

– keine Kunstform. Man sollte nicht

mit zu vielen Themen überlagern.

Zur Umsetzung: was braucht es: Neue

Themen: Vitales Wohnen

Wer ist der Wohnungskäufer | Mieter in

diesem Land. Es wird etwas ernüchternd:

kleine Bandbreite für s_LU

Wichtig ist Probewohnen!

Jansen: Als nächster Schritt steht an: was

passiert mit dem Prototypen? Ausstellung

oder Probewohnen

Argumente für Kostenfaktor: Mitnehmen,

expandierender Raum, alles inklusive,

rationell.

Wo könnte sie als nächstes aufgestellt

werden?

Über das Ländle hinaus denken, international.

Brunner: Das Produkt steht im falschen

Land – Kleinhäuslermentalität, urbane

Räume wären besser geeignet.

Bertsch: Nur vergleichbar mit voll möblierter

Wohnung, im Preis.

Einheit macht nur Sinn, bis zu einer

gewissen Größe. Break Even Point > 70

m2

In der Unsicherheit liegt die Sicherheit,

jeden Tag meine Welt neu generieren zu

können.

Zeitgeist – ständig neue Welt kreieren

wollen, da muss man gerne Designer

sein, es kann nicht verordnet werden.

Was will ich sicher verankert haben: vielleicht

denkt man s_LU nur in drei Teilen,

in denen man nicht fest ist, wo wechselnde

Wohnbedürfnisse vorhanden sind.

Pitscheider: Sieht zwei Aspekte:

Transport Mobilität

Modulares System

Ist es denkbar es auf Pipi, Kalle, Torsten

zu reduzieren?

In der s_LU wird der Zusatzbedarf noch

gedeckt: Es gibt den Raum, der dazu

kommt, der Rest kann doch Maschine

sein. Verordnung kann hilfreich sein, um

etwas auszuprobieren, was nicht gekannt

wird. Es tun sich neue Möglichkeiten

auf.

Moosbrugger: Sieht Stärken: wie ein Sekretär

öffnet sich tagsüber das Arbeitszimmer,

danach das Wohnzimmer. Die

Doppelfunktion Wohnen und Arbeiten

kann gut verwirklicht werden.

Knapp: Generationen geeignet:

Er kann sich vorstellen dass er sich die

s_LU in 15 Jahren hineinstellt, u. U. mit

Blattgold, keine IKEA Tapete.

Als Student hätte er sich gewünscht ein

benutzbares Modul zu finden, nach drei

Jahren weiter zu ziehen, wie eine Nacktschnecke,

die ein Schneckenhaus findet.

Kathan: Es gibt die Zwänge beim sozialen

Wohnbau, es wird doch jedem ein Stempel

aufgedrückt, warum nicht diesen.

Auto: ist eine Hülle, die dich umgibt,

wandelbar

SUSI FRED: war befruchtend, Visionen

sind weiter entwickelt worden

Jugend Camps in der Steiermark.

Minimalstrukturen sind heute aktuell:

Lebenshülle kann man tagsüber ums

sechsfache reduzieren, wenn man nicht

tätig ist. Kann es sich gut für Ferienhäuser

vorstellen, kompakt.

Krappmeier: Frage der Gemütlichkeit.

Frage der Ressourcen.

Es ist ein Exportprodukt, keine Landbox.

Kann auch ein Forschungsprojekt sein,

das nicht hier realisiert wird.

Jansen: Kein Forschungsprojekt machen,

Kosten aufarbeiten, Prozesse der Genehmigung

sondieren.

Faißt: Kult(ur) Schiene, Elitäres für den

wohlhabenden Menschen in Blattgold |

Massivholz. Den Boden gibt es dafür in

Vorarlberg, man muss sich Gedanken

machen, wie s_LU positioniert, kommuniziert

wird. Es ist nicht gut, wenn es in

der Ausstellung steht, es ist für Menschen

zum Spielen, Programm gegen Langeweile.

Soll breiter gedacht werden, nicht

nur für Menschen, die sich nicht mehr an

Wohnraum leisten können.

Forschung gibt Substanz.

Der Anspruch, es soll Wohnen der Zukunft

sein, ist daneben. Es soll nicht etwas

sein, das da steht und vorgibt für immer

zu sein. Exportschlager

Vorleistungen sind Investition

Alge: Wer braucht das überhaupt? Es ist

etwas für Individualisten, nicht für jeden.

Knapp: Szenario in Italien, Poebene: Was

würden die Möbelbauer dort tun? Sie

würden gleich etwas daraus machen, zur

Möbelmesse präsentieren, damit sich jeder

was vorstellen kann.

Man sollte Bildmaterial auf den Markt

werfen.

Entscheiden, in welche Richtung es geht:

IKEA oder Bulthaupt?

Was wäre wenn wir woanders sitzen, in

einer anderen Kultur des Machens, was

würde daraus?

Faißt: Vorarlberg ist ein guter Boden für

schnelles Denken.

Was festgestellt werden sollte: s_LU ist

nicht MOBIL! Es muss kompatibel zu

Raum sein. Wenn man auszieht, bleibt

alles dort, man muss es lassen.

Hämmerle: Es ist theoretisch schon möglich,

es auf leicht handhabbare Module

runter zu brechen. Zusammensteckbar,

beweglich. Es ist auch als Standmodul

denkbar, mit kleinen Teilen, kann leichter

sein. Es muss noch fertig gedacht werden.

Es gibt das Potential, wenn es modular

und individuell zusammenstellbar ist,

es in ein anderes Umfeld zu transportieren,

auch von mobil in ein Standmöbel.

Kathan: Für ihn ist es ein Denkanstoß für

die zukünftige Arbeit des Büros Holzbox.

Wenn man sich vorstellt, wie viel Raum

brach liegt, wenn die Leute zur Arbeit gehen.

Die Doppelnutzung Schlafzimmer Arbeitzimmer

| WC Dusche wurde schon

ausprobiert.

Potential dieser Ansätze ausbauen.

Jansen: Systematischer Ansatz:

Projektdefinition, Rollen definieren. Er

schaut in die Runde uns sieht viel Potential:

kreativ, Ausführung, stabiler machen,

Finanzierung.. welche Rollen können das

noch sein.

Bertsch: Flexibilisierung des Grundrisses:

welcher Gewinn steckt drinnen:

Leicht zu bauen, Energiegewinn, Förderung.

Was kann ideell gewonnen werden: durch

mehrfache Nutzungen wird nicht noch

mehr Raum verbraucht.

Es soll sexy sein, bestimmte Wohnzeit,

Lebensabschnittweise, in Veränderung.

Es ist notwendig eine bestimmte Raumhöhe

zu erreichen: sonst sitz ich im

Wohnzimmer in einem Möbel.


Nr. 23/2009 Buch IV - Angelo Roventa/elastic_LU

ST/A/R 31

Form zeitgesellschaftlich, höher individualisiert,

der Einzeller wird flexibel, keine

Form des WIR Wohnens, eher eine einsame

Form: EINzell

Alge: Lenkungseffekt durch Wohnbauförderung:

Wohnformen werden forciert.

Hier steckt ein wesentlicher Beitrag, neue

Wohnformen zu konkretisieren.

Kathan: Zur Raumhöhe: im ländlichen

Gebiet braucht man weniger. Jurte ist ein

Raum, der nicht zum Einzeller macht

Kann auch eine Form sein, die Familie

wieder stärker zusammen wachsen lässt.

Kleiner Raumbedarf spart Betriebskosten.

Hämmerle: In Zürich wird an einem neuen

Konzept für Wohngemeinschaften gearbeitet:

Individuelle Zellen sind um gemeinsame

Wohnräume und Kochareale

geordnet. S_LU ist in einem anderen Konzept

eingebettet auch für Gemeinschaftswohnen

geeignet.

Faißt: Wohnmaschine ist ein Wort, das

wie Fleischwolf wirkt.

An einem anderen Wort arbeiten – zur

Nachhaltigkeit: mit literarischem Titel

Kraft geben.

Jansen: Die s_LU sollte man in Zürich als

Projekt einbringen – wer kann dies machen..

es braucht Vertrieb, Rädelsführer,

offensive Gedanken.

Kathan: Bei Tourismusbauten hat die s_

LU ein großes Potential – dem sollte man

nachgehen

Knapp: Wie lange hat es gedauert, bis sich

die Frankfurter Küche durchgesetzt hat.

Sie wurde massiv im sozialen Wohnbau

eingesetzt und gleich 10 000e gebaut.

Abschlussrunde Reflexion

Wer meldet sich aktiv für drei weitere

informelle Treffen – Cluster: Was kann

mein Beitrag sein?

Moosbrugger: Beitrag im Vorum

Faißt: Habe das Projekt seit einem Jahr

verfolgt, kann derzeit nichts dazu beitragen.

Im Werkraum Bregenzerwald sehe

ich kaum Handwerker, die man motivieren

könnte. Viel Sympathie, keine weiteren

Aktionen

Pitscheider: Bei Serienproduktion zu entwickeln,

sehe ich keine Rolle. Psychologie

Komponente, Architektur, historische

Komponente – für mich ist A. Roventa

eine erfrischende Persönlichkeit

Jansen: Cluster – ja. Bin bereit für die ein

bis zwei informellen Treffen. Schön wäre,

wenn es konkreter wird

Alge: Mir fehlt die Faszination, deshalb

möchte ich derzeit keinen Beitrag leisten

Bertsch: Der Funke hat nicht gezündet,

Kombiangebot LR Rüdisser und WKO

Präsident Rein – Wohnbauförderung und

Produktion

Wohnbaufond: Wohnlabor an entsprechender

Stelle im Land: Wohnlabor –

Wohnen auf Zeit, zugänglich für jede/n,

interner Auftrag

Kathan: Bin Feuer und Flamme, ich werde

es versuchen in meine Arbeit zu integrieren.

Distanz ist ein Handicap für weitere

Treffen

Neuhauser: Funke damals übergesprungen,

als Sponsoring übernommen wurde.

Der Beitrag ist geleistet, keinen weiteren

Input

Pfefferkorn: Etliche Ideen sind eingeflossen,

bin bereit für weitere Gespräche

Knapp: Bin begeistert und versuche andere

dafür zu gewinnen. Bastelbogen entwickelt:

Module im Kleinformat 60 auf 220

Hämmerle: vai hatte mit der Ausstellung

mehr Arbeit als gedacht, aufgrund des großen

Interesses. Wir sind bereit in nächster

Zukunft weiterhin als Plattform zu Verfügung

zu stehen, können allerdings nicht

Marketinginstrument sein. Die Kraft

muss aus dem Projekt selbst kommen.

Protokoll: Martina Pfeifer Steiner

Nota Bene: Der Arbeitstitel „smart-Living

Unit“ hat ihren Namen gefunden und

heißt jetzt „Die Elastische Wohnung“.

Die elastische

Wohnung

Die neue Konzeption der

LIVINGUNIT eröffnet bei

teilweiser betrieblicher und

teilweiser privater Nutzung neue

steuerliche interessante Aspekte

der steuerlichen Absetzung:

1) private Nutzung LIVINGUNIT

Die Kosten für die Schaffung von neuem

Wohnraum ist entsprechend den Bestimmungen

des § 18 EStG als Sonderausgaben

steuerlich absetzbar.

Sonderausgaben zur Wohnraumschaffung

stellen auch Rückzahlungen von

Darlehen dar, welche im Zusammenhang

mit der Errichtung von neuem Wohnraum

aufgenommen wurden.

2) betriebliche Nutzung LIVINGUNIT

Wird die LIVINGUNIT für die betriebliche

Tätigkeit genutzt, so könnten unter

bestimmten Voraussetzungen die

Anschaffungskosten bzw. daraus die

Abschreibung der Abnutzung und die

laufenden Betriebskosten (Heizungs-,

Wasser-, Strom- und sonstige Kosten) der

LIVINGUNIT im Verhältnis der betrieblichen

Nutzung zur privaten Nutzung steuerlich

abgesetzt werden.

Mit Wirksamkeit ab der steuerlichen Veranlagung

im Jahr 1996 wurde ein Abzugsverbot

für im Wohnungsverband gelegene

Arbeitszimmer und dessen Einrichtung

grundsätzlich normiert.

Die Abzugsfähigkeit für im Wohnungsverband

gelegene Arbeitszimmer ist

laut steuerrechtlicher Bestimmungen

allerdings dann gegeben, wenn die Arbeitszimmer

Mittelpunkt der gesamten

betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit

darstellen.

Arbeitszimmer werden zum Mittelpunkt

der betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit,

wenn in zeitlicher Hinsicht die

betriebliche oder berufliche Tätigkeit notwendigerweise

zu mehr als 50% im Arbeitszimmer

ausgeübt wird.

Sind somit die steuerlichen Voraussetzungen

für die Absetzung des Arbeitszimmer

gegeben, so könnten folgende

Aufwendungen steuerlich zur Absetzung

gelangen:

a) Anschaffungskosten – der anteilige betriebliche

Aufwand aus der Anschaffung

der LIVINGUNIT könnte in Form der Abschreibung

(Absetzung für Abnutzung)

steuerlich abgesetzt werden

b) Laufende Ausgaben wie Kosten für Heizung,

Strom, Wasser und sonstige Kosten

etc. könnten im Verhältnis der betrieblich

bzw. beruflichen Nutzung zur privaten

Nutzung der LIVINGUNIT steuerlich in

Anspruch genommen werden

c) Bei steuerlicher Anerkennung der LI-

VINGUNIT als Arbeitszimmer für die

betriebliche bzw. berufliche Tätigkeit sind

auch die anteiligen Zinsaufwendungen

– hier wiederum im Verhältnis der betrieblichen

zur privaten Nutzung – aus

Darlehen, welche im Zusammenhang mit

der Anschaffung der LIVINGUNIT aufgenommen

wurden, steuerlich als Aufwand

absetzbar.

Schlussbemerkung

Die neue Konzeption der LIVINGUNIT

besticht nicht nur durch ihre vielfältige

Nutzungsmöglichkeit, sondern eröffnet

auch die Nutzung mehrerer steuerlicher

Absetzungen.

Nachdem die Höhe der steuerlichen Absetzungen

individuell in Abhängigkeit

und Ausmaß der tatsächlichen betrieblichen

oder beruflichen Nutzung steht, ist

im jeweiligen Einzelfall die Höhe der steuerlichen

Absetzungen abzuklären und zu

bestimmen.

Peter Müller, Steuerberater in Dornbirn

DIE TÜREN ÖFFNEN SICH

„Wir haben gesiegt! Gott ist wieder mit den Rumänen!“

Am 22. Dezember 1989 wurde im Rumänischen Fernsehen das Ende der Diktatur verkündet.

Im Bild: der Bürgerrechtler und Schriftsteller Mircea Dinescu und der berühmte Schauspieler Ion

Caramitru. Zwei Künstler haben die „neue Zeit“ eingeleitet.

Bald darauf jubelte eine junge Musikerin: „Wir sind wieder Europäer!“ Doch die offizielle

Bestätigung dafür kam erst mit dem Beitritt Rumäniens zur Europäischen Union 2007. Mit der

Einführung des EURO 2012 wird ein weiterer Schritt gen Westen getan sein.

In den vergangenen 20 Jahren mussten die Rumänen den „aufrechten Gang“ in Richtung

Demokratie üben und auch im künstlerischen Bereich beginnen sie, international auf sich aufmerksam

zu machen.

„Wir waren geschockt von der Freiheit. Wir waren nicht auf den Eintritt in eine neue Welt

vorbereitet“, meint Dinescu. Das sollten wir im Westen bedenken und respektieren.

Der Reiz dieses Landes - mit 22 Millionen Einwohnern das zweitgrößte Land in Zentralund

Osteuropa und das siebente größte in der EU - liegt in der Vielfalt seiner Ethnien, Religionen,

Landschaften und lebendigen Traditionen.

Die Hauptstadt Bukarest galt einst als das „Paris des Ostens. Zur Zeit ist es eher eine „Baustelle

im Osten“.

Aber zwischen den riesigen, zum Großteil unfertigen neuen Gebäuden tut sich die ganze

verfallene und verfallende Schönheit aus der „goldenen Zeit der Architektur“ zwischen 1920

und 1945 auf. In den Hinterhöfen der großen Boulevards mit den Luxus-Boutiquen, die auch in

Rom, London oder Lissabon zu finden sind, blüht die Subkultur: kleine Galerien, Antiquariate.

Musikhandlungen und Geschäfte mit Selbstgebasteltem.

Eine Oper, ein Nationaltheater und 18 weitere Bühnen sind in der Hauptstadt. Innerhalb von

20 Jahren haben die Schauspieler - wie im Schnellgang - die ehemals verbotene Theaterliteratur

des Westens kennen gelernt und aufgeführt. Und es sind herrliche Schauspieler, die eher

vom Komödiantischen, vom Körperbetonten als vom Grübeln kommen.

Das Zentrum der Bildenden Kunst sollte das neue „Nationalmuseum der zeitgenössischen

Kunst“ im Parlamentsgebäude werden. Es wird nicht von allen Künstlern angenommen. Denn

vor 1989 war hier das „Haus des Volkes“, ein gigantomanisches Zeichen der Macht von Diktator

Ceasescu.

Vergangenheit, Widersprüche, Chaos und Krise lassen sich nicht so schnell aufarbeiten.

Aber die Türen öffnen sich…

Koschka Hetzer-Molden, (Publizistin, Dokumentarfilmerin)


32 ST/A/R

Buch IV - Angelo Roventa/elastic_LU Nr. 23/2009

Familienportrait ROVENTA aufgenommen von Bernhard Garnitschnig

Elastisch Wohnen im MAK wurde realisiert mit

freundlicher Unterstützung von:

ICR-RKI, Wien • Land Vorarlberg • LISTA, Dornbirn

• OA–SYS, Alberschwende, PFEFFERKORN, Bludesch

• REITER, Rankweil • RAIFFEISENLANDESBANK, Bregenz • RESOPAL, Gross-Umstadt

• SAMINA, Dornbirn • ÖSTERREICHISCHES SIEDLUNGSWERK, Wien

• SIEMENS, Bregenz • WERKSTATT-WIEN, Wien


Nr. 23/2009 Buch V - fibreC by Rieder

33

concrete architecture

„Nachhaltig gestalten. Wir wollen Standards neu setzen

und bewusst Regeln brechen.“

Wolfgang Rieder

Wolfgang Rieder

www.fibreC.com


34

Buch V - fibreC by Rieder Nr. 23/2009

Die kreative Herausforderung

Beton in seiner alten Form hat in vielen Bereichen ausgedient. Mit fibreC und einer neuen Interpretation von Beton eröffnen

sich ungeahnte Dimensionen für Beton – nicht nur an der Fassade.

Teil des kulturellen

Auftrages

von Rieder ist es,

Designer, Künstler und

Architekten in ihrem

kreativen Schaffen

zu unterstützen. „Es

beflügelt uns, wenn

Designer und Künstler

gemeinsam mit uns und

unserem Material – fibreC – arbeiten.

Durch den kreativen Input und die Lösungen,

die wir gemeinsam mit Architekten

und Künstlern entwickeln, wird

auch unser Fassadenprodukt optimiert.“,

freut sich Wolfgang Rieder über

viele erfolgreiche Kooperationen.

Der enge Kontakt zu Künstlern, Architekten

und Designern prägt die Rieder

Unternehmenskultur. Die schönen,

diskursiven Dinge stehen für Tiefgang,

Identität und Sinn. So sieht Rieder das

Verhältnis von seinem Glasfaserbeton

zu den Dingen, die damit geschaffen

werden. Die Förderung von jungen Talenten

der Architekturszene wie zB den

Studenten von Architekturhochschulen

wie der TU Wien oder der AA School

in London oder die Zusammenarbeit

mit etablierten Künstlern wie Kurt

Hofstetter, Franz West, Peter Sandbichler

oder Kram Weisshaar ist nicht

nur Teil der Unternehmensstrategie.

Die ständige Weiterentwicklung von

fibreC und den vielfältigen Produkten

der Rieder Gruppe sowie der Knowhow

Transfer zwischen Gestaltern und

dem Unternehmen hilft Rieder, fibreC

Glasfaserbeton nicht nur als klassische

Fassade zu positionieren, sondern vor

allem den Design-Charakter des Werkstoffes

hervor zu heben.

Dieses Engagement spiegelt die Beziehung

wider, die Rieder als international

tätiges Wirtschafts-unternehmen mit

allen Kultur- und Designprojekten

eingeht: Künstler bringen ihre Kreativität,

Flexibilität und ihr manchmal

abstraktes, analytisches Denken in

die unternehmenseigene Entwicklungsabteilung

ein. Im Gegenzug

ermöglicht Rieder den Künstlern, ihren

Phantasien freien Lauf zu lassen.

Revolutionäre Zugänge

verbinden

Rieder liegen die Ideen und Wünsche

von Künstlern und Architekten am

Herzen – das Unternehmen will den

gestalterischen Fähigkeiten keine Grenzen

setzen, sondern ihre Ideen in die

Realität umsetzen. Durch die intensive

Entwicklungsarbeit im Bereich von

Sonderformen (2D und 3D) und den

hohen Stellenwert, den Design- und

Kunstprojekte bei Rieder Smart Elements

einnehmen, beschäftigt sich eine

eigene Abteilung exklusiv mit derartigen

Spezialprojekten.

fibreC begeistert die

Kunstszene rund um den

Globus MAK Wien.

Wolfgang Rieder und Heidulf Gerngross

verbindet die Leidenschaft das

Unmögliche möglich zu machen und

einer außergewöhnlichen Idee nicht

nur eine

Chance zu geben,

sondern wenn nötig auch eine

zweite und manchmal sogar eine dritte.

Gemeinsam mit Heidulf Gerngross

und Kurt Hofstetter hat Rieder daran

gearbeitet der Außenhülle des Nailtowers

ein unvergleichliches Erscheinungsbild

zu geben. Das Bestreben von Rieder,

Künstlern und Architekten wieder

das Zepter in die Hand zu geben, um

Materialien nach ihren Vorstellungen

formen zu können, motivierte zur

Beteiligung an diesem Projekt im MAK.

fibreC ist im Österreichischen Museum

für angewandte Kunst Teil einer

außergewöhnlichen Ausstellung. Inspiriert

vom Engagement der Initiatoren

und der modernen Neugestaltung der

Gebäudehülle des Nagelowers wurden

einzelne Turmfragmente der Fassade

mit fibreC gestaltet. Aus den Glasfaser-betonelementen

wurden mittels

modernster Wasserstrahltechnik Teile

des komplexen Musters ausgeschnitten

und werden nun ausgestellt. Kurt

Hofstetter hat mit der von ihm entwickelten

Elementarwelle ein einzigartiges

Muster für die Fassade entworfen und

gemeinsam mit dem Team von Rieder

an der Umsetzung gearbeitet. Rieder

selbst ist schon seit längerem an dem

Projekt Nailtower und der erhofften

Umsetzung in ein reelles Bauwerk involviert.

Es lag daher auf der Hand den

potentiellen Gestalter der spektakulären

Außenhülle des Nageltowers mit ins

Boot zu holen. In enger Zusammenarbeit

mit Gerngross und Hofstetter

wurde am Konzept gefeilt und schlussendlich

ein Teil der Fassade aus fibreC

verwirklicht.

Museumsquartier Wien

Das von Peter Sandbichler im Oktober

2009 im Museumsquartier in

Wien präsentierte Stealth-Boot wurde

komplett aus fibreC Glasfaserbeton

realisiert. Die mit Glasfasern verstärkte

Betonplatte revolutioniert den traditionellen

Zugang zu Beton. Peter Sandbichlers

Intention, das Stealth-Boot in

bestehende Strukturen zu integrieren,

legte eine Zusammenarbeit mit Rieder

nahe. Denn die gesamte Außenanlage

des Museumsquartiers wurde 2001

von der Rieder Gruppe mit Großformatplatten

(8.300 m2 Topstone) aus

Beton gestaltet. Damit die Bodenstruktur

als Tarnung des Kunstwerkes

dienen konnte, lag die Realisierung des

Kunstwerks mit einem Material aus

dem Hause Rieder auf der Hand.

Gemeinsam mit Peter Sandbichler,

der das optische Erscheinungsbild der

Außerhülle vorgab, wurde ein speziell

entwickelter Konstruktionsplan erstellt.

Nach der Abwägung diverser Möglich-

keit-

e n für die

Unterkonstruk- tion entschied

man sich für eine Holzunterkonstruktion.

Damit übernahm Rieder nicht

nur den Part eines Materialsponsors,

sondern erarbeitete gemeinsam mit

dem Künstler die perfekte Umsetzung.

Das Stealth-Boot besteht aus über 100

individuell zugeschnittenen fibreC

Glasfaserbetonplatten in der an den

Boden angepassten Farbe Sandstein.

Das fünf Tonnen schwere Kunstwerk

zeigt einerseits matte und andererseits

sandgestrahlte Oberflächen.

AA School London

Rieder integriert regelmäßig Designer

und Künstler in unternehmensinterne

Workshops. Auf diese Weise profitieren

beide Seiten von der engen Beziehung,

dem Ideentransfer und dem

Know-how Austausch. Im Rahmen des

kulturellen Auftrages der Firma Rieder

besteht eine langjährige und intensive

Kooperation mit einer der renommiertesten

Architektur-Hochschulen

weltweit – der AA School (Architectural

Association School of Architecture) in

London. In Form von Wettbewerben

wurden mittlerweile schon mehrere

experimentelle Design-Projekte mit den

Studenten durchgeführt. Zum Beispiel

wurde aus einer Reihe von Entwürfen

der Studenten der 10 m breite und 5 m

hohe CSpace Pavilion auf einem 100

m2 großen Gelände im Zentrum von

London aus fibreC Elementen gebaut

und später für einen guten Zweck

versteigert. Das komplexe Gebilde, bei

dem fibreC auch statisch eine tragende

Rolle spielte, konnte nur durch eine

ganz intensive Zusammenarbeit von

Seiten der Rieder Forschungs- und

Entwicklungsabteilung mit den Designern

entstehen. Neben dem „Woven

Concrete“ für die Eco- and Future Build

Show in London realisierte Rieder auch

heuer wieder ein von den Studenten

entworfenes Kunstwerk, das auf Grund

seiner Form im Unternehmen liebevoll

Erdnuss genannt wird und im Rahmen

der London Design Week ausgestellt

wurde.

Storefront Gallery

New York

Teil des weltweiten fibreC Künstler-

Netzwerkes ist auch die Storefront Gallery

in New York. Die einst von Steven

Holl und Vito Acconci entworfene

Fassade der Galerie wurde mit fibreC

realisiert. Die neue Fassade aus fibreC

kann je nach Jahreszeit und Ausstellung

auf unterschiedliche Art geöffnet

werden. Flexibel reagiert die Storefront

auf

die

Bedürfnisse

von Außen und Innen,

schafft Verbindungen oder

Grenzen und vermittelt den Besuchern

wechselnde räumliche Bezüge. In

regelmäßigen Abständen finden dort

Workshops und Vorträge mit Wolfgang

Rieder und internationalem Publikum

aus den verschiedensten Branchen statt

– zur gegenseitigen Inspiration und

Weiterbildung.

VTOL Vertical Take Off

and Landing Wien

Auf Einladung der Vienna Design

Week haben das Designer-Duo Reed

Kram und Clemens Weisshaar in enger

Zusammenarbeit mit Rieder eine

großformatige Installation entworfen

und verwirklicht. Während der Eröffnungsfeier

der Designwochen wurde

VTOL – Vertical Take Off and Landing

am Vorplatz des Palais Liechtenstein

der Öffentlichkeit präsentiert.

Auf einem rundum verspiegelten

Sockel präsentiert, scheint die über 100

m2 große und nur 13 mm dicke Fläche

aus glasfaserverstärktem Beton schwerelos

über dem Boden zu schweben –

fast wie ein fliegender Teppich. Geformt

wurde sie mittels einer von den

Designern entwickelten dynamischen

Software. Bei dem Projekt steht die intelligente

Verquickung der vermeintlich

statischen Eigenschaften von Beton mit

der Dynamik der prozessorientierten

Software im Mittelpunkt. Mit den neu

entwickelten 3D Elementen setzt Rieder

den traditionellen eindimensionalen

Systemen ein Ende und leitet eine neue

Ära der Gebäudehüllen ein.

Neue Wertigkeit

für Beton

Zahlreiche internationale Architektur-

und Designauszeichnungen vom

MIPIM AR Future Project Award im

französischen Cannes über den Form

& Function Award in Australien bis hin

zur Nominierung für den Designpreis

2009 der Bundesrepublik Deutschland

würdigen die Qualität und Innovationskraft

von fibreC. Stararchitekten wie

Zaha Hadid schätzen den modernen

Zeitgeist, den Wolfgang Rieder mit

fibreC repräsentiert und schwören auf

den nachhaltigen Werkstoff.

Revolution in Beton fibreC ist eine mit

Glasfasern verstärkte Betonplatte und

kann sowohl für Außen-Fassaden als

auch für Gestaltungen im Innenbereich

verwendet werden. fibreC bietet einen

dünnwandigen Werkstoff mit angenehmer

Haptik und natürlicher Ausstrahlung,

der dennoch resistent und zugleich

flexibel ist. Die Revolutionierung

der 2D und 3D Produktion hebt räumliche

Grenzen auf und ermöglicht eine

noch nie da gewesene Formenvielfalt

im Bereich des Werkstoffes Beton


Nr. 23/2009 Buch V - fibreC by Rieder

35

„complex curved surfaces for urban furniture“ -

fibreC in Kooperation mit AA FAB beim London

Design Festival 2009

Indie Bar und Snake –

Triennale Milano

CSpace Pavilion – AA School London, Stealth

Bomber – by Peter Sandbichler

fibreC Fassade der Storefront Gallery in New York –

by Steven Holl und Vito Acconci


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch V - fibr

Wolfgang Rieder unplugged

Heidulf Gerngross: Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Wolfgang Rieder: Jeder, der sich ständig

weiterentwickelt und dem Drang

neue Ideen zu verwirklichen nachgibt,

ist sich dessen bewusst, dass es neben

der riesigen Chance sofort einen

nächsten großen Schritt weiter zu

kommen auch das Risiko gibt erst mit

einem kleinen Umweg dem eigentlichen

Ziel etwas näher zu rücken. Aber

wir haben uns schon immer an den

Weltbesten gemessen und nehmen es

auch weiterhin frei nach Samuel Beckett

„Try Again. Fail again. Fail better.”

Und der jetzige Erfolg bestätigt uns in

diesem Ansatz. Das positive Feedback

von Architekten und Designern motiviert

mich immer wieder fibreC und

die gesamte Rieder-Gruppe weiter zu

entwickeln. Es macht mir Spaß gemeinsam

mit Planern und innovativen

Designern völlig neue Lebensräume

zu schaffen. Deshalb lege ich auch so

viel Wert darauf, dass unsere Kunden

eine optimale auf sie zugeschnittene

Serviceleistung erhalten. Denn nur,

wenn wir ganz eng mit den Architekten

zusammen arbeiten entstehen so spektakuläre

Ergebnisse wie die Zaragoza

Bridge oder das Soccer City Stadion in

Johannesburg.

Heidulf Gerngross: Was unterscheidet

fibreC und Rieder von anderen vergleichbaren

Materialien und Herstellern?

Wolfgang Rieder: Wir kennen unser

Produkt in und auswendig und haben

die Tools und Spezialisten um den Plan

eines Architekten so umzusetzen, dass

ein ästhetisch einwandfreies aber dennoch

ökonomisch durchdachtes Ergebnis

erzielt werden kann. Wir stecken

viel Herzblut in die ständig andauernde

Weiterentwicklung und sagen prinzipiell

immer ja, wenn uns jemand fragt

ob wir dieses oder jenes mit fibreC

umsetzen können. So lernen auch wir

ständig dazu und setzen uns selbst

damit keine unnötigen Grenzen. Beton

bleibt spannend!

Heidulf Gerngross: Was meinen Sie mit

dem Prinzip des nachhaltigen Gesamtkonzepts?

Wolfgang Rieder: Besonders wichtig

ist mir das Zusammenspiel von Natur

und moderner Wirtschaftlichkeit.

Mein Produkt ist nicht nur konkurrenzfähig,

es hebt sich eindeutig von der

Konkurrenz ab und das ist mir wichtig.

„Wir tragen dazu bei mit fibreC die

Welt ein bisschen umzugestalten und

deshalb war mir von Anfang an wichtig,

dass das auf umweltfreundliche Art

und Weise geschieht.“

Einen Beitrag zu neuen Lebensräumen

zu leisten heißt für mich auch einen

Beitrag zu leisten, dass der natürliche

Lebensraum erhalten bleibt. Auch

privat versuche ich im Einklang mit der

Natur zu leben.“

Heidulf Gerngross: Kanda, Finnland,

USA, Südafrika…. Ihr Produkt ist auch

im Ausland höchst gefragt. Wie erklären

Sie sich das?

Wolfgang Rieder: fibreC ist vor allem

ein sehr nachhaltiges Produkt.

Das spielt gerade in den USA aber

auch sonst weltweit eine viel größere

Rolle als es bei uns in Österreich und

Deutschland bis jetzt der Fall ist. Ein

GreenSpec gelistetes Produkt anzubieten,

wie wir es tun, ist schon fast eine

Grundvoraussetzung um überhaupt

bei großen öffentlichen internationalen

Projekten zum Zug kommen zu können.

Selbstverständlich sind die Architekten

auf der ganzen Welt weiterhin

beeindruckt von der Einzigartigkeit

unseres Glasfaserbetons und den

undendlichen Möglichkeiten, die sich

gestalterisch damit auftun. Bauherren

und Entscheider lassen sich aber vor

allem durch Charakteristika wie die

Brandschutzklasse1, die Langzeitbeständigkeit

und die unschlagbare Umweltverträglichkeit

überzeugen.

Das Stadionprojekt (Soccer City Stadium

- das Hauptstadion für die Fußball

WM 2010) in Johannesburg, an dessen

Neuerrichtung wir seit über einem

Jahr maßgeblich beteiligt sind, war

ein Meilenstein in unserer Firmengeschichte.

Wir verwirklichen dort die

Fassade aus 40.000 fibreC Platten und

konnten vor allem - neben der technischen

und ästhetischen Lösung - mit

den ökologischen Vorteilen von fibreC

beeindrucken. Da im Werben um den

Auftrag für die Fassade der weltweit

größten Stadionbaustelle die Mitbewerber

aus China mit billigen Aluminiumpaneelen

auf der Preisebene nicht

zu schlagen waren, entwickelten wir ein

umfassendes Gesamtlösungskonzept

für die Fassade. So überzeugten wir

letztendlich nicht nur durch ein ökonomisch

ausgeklügeltes Gesamtlösungskonzept,

sondern vor allem durch

kreative Ideen und unser umweltfreundliches

Material.

Heidulf Gerngross: Beeinflusst die Erfahrung

im Ausland Ihre Unternehmenskultur?

Welche Erfahrungen nehmen Sie

z.B. aus der Zeit in Südafrika mit?

Wolfgang Rieder: Selbstverständlich

profitieren wir tag täglich von unserer

Internationalität. Südafrika ist in der

Tat ein gutes Beispiel. Wir sind eine

der ganz wenigen Unternehmen, die

maßgeblich an der Errichtung an

einem der neuen Stadien beteiligt war

und ausschließlich einheimische Vorarbeiter

eingesetzt hat. Das war die beste

Entscheidung, die wir treffen konnten.

Es war faszinierend für mich zu sehen

wie Menschen einer anderen kulturellen

Umgebung völlige unterschiedliche

Problemlösungen finden. Es hat mich

beeindruckt und ich habe sehr gerne

mit allen Beteiligten aus den verschiedensten

Ländern zusammen gearbeitet.

Von den verschiedenen Herangehensweisen

und Einstellungen kann man

viel lernen.

Afrika war gut zu uns – und wir wollen

etwas zurück geben! Das Besondere am

Soccer City Stadion ist außerdem, dass

es als einzige WM-Austragungsstätte

von afrikanischen Architekten geplant

wurde. Ich war von Anfang von dem

Gedanken dahinter fasziniert. Wir

haben für die Außenhaut des Stadions

dann auch eigens Platten in afrikanischen

Farbe produziert um den Ansprüchen

der Planer gerecht zu werden

das Fußballstadion wie eine Kalebasse

– ein afrikanisches Trinkgefäß –

aussehen zu lassen.

Außerdem entwickeln sich natürlich

viele Trends in den Bereichen Design,

Architektur und Wirtschaft nicht

unbedingt

immer vor

unserer eigenen

Haustüre, deshalb

pflege ich

mein globales

Netzwerk um

ständig am

neuesten Stand

der Dinge zu

bleiben. Oft

hilft einem der

Zufall das richtige

Gespür für

so manche Entwicklung

und

Marktlücke zu

haben, in den

meisten Fällen

muss man aber

einfach ständig

am Ball bleiben

und sich auf der

ganzen Welt

inspirieren lassen. Dabei beeinflussen

uns nicht nur direkte brancheninterne

Faktoren. Nein, vor allem der Blick

über den Tellerrand hinaus und die

Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen

Entwicklungen und globalen

Phänomenen hilft einem immer einen

Schritt voraus zu sein.

Heidulf Gerngross: Man liest im Zusammenhang

mit fibreC immer wieder den

Begriff „Protoarchitecture“ – was kann ich

mir darunter vorstellen?

Wolfgang Rieder: Mein Anliegen ist

es den innovativen Designprozess zu

unterstützen. Das ist nur möglich,

wenn man sich von der Funktionstrennung

der einzelnen Planungseinheiten

abkehrt. Seit die Postmoderne den

Nachweis geliefert hat, dass in jedem

Fall alle Formen überall gebaut werden

können, und mit Hilfe des Computers

auch noch nicht da gewesene, beliebige

Formen generiert werden können, steht

die Architektur vor komplett neuen

Voraussetzungen. Und ebenso stehen

wir als Materialhersteller vor neuen

Herausforderungen. Der Leitsatz „form

follows function“ hat seine Gültigkeit

längst verloren und nun heißt es den

Architekten und Designern das Zepter

zurück in die Hand zu geben. Sie stehen

vor der kreativen Herausforderung

mit dieser grenzenlosen Freiheit

umzugehen und wir bemühen uns die

neue Freiheit in der Formgestaltung zu

unterstützen. Mit unserer intensiven

Entwicklungsarbeit im Bereich „Protoarchitecture“

sind wir bereits auf einem

guten Weg.

Heidulf Gerngross: Wie genau unterstützen

Sie die Architekten und Designer?

Wolfgang Rieder: Mir persönlich liegt

viel daran, dass unser Produkt nicht

nur sehr leistungsfähig und optisch

ansprechend ist, sondern dass wir

unschlagbare Servicequalität liefern

können. Unsere Entwicklungsarbeit

baut unter anderem auf der Konstruktion

von Prototypen auf. Bei anspruchsvollen

Sonderprojekten bauen wir erst

ein Mockup um dem Architekten und

Bauherr genau zeigen zu können was

wir können und wie die Zusammenarbeit

mit uns abläuft. Wir eröffnen

Architekten neue Gestaltungsdimensionen

mit Beton.

Genauso wichtig in diesem Zusammenhang

ist unsere enge Verbundenheit

mit der Kunst- und jungen

Designszene. Die Ideen und Wünsche

von Künstlern und Architekten liegen

uns am Herzen. Wir sehen den vielleicht

für manche etwas unkonventionell

erscheinenden Umgang mit unserem

Material, unser Verhältnis zur Architektur

und ihren Protagonisten und unsere

Verbindlichkeit gegenüber der Gesellschaft

und vor allem der Kulturszene

als Pflicht den neuen Entwicklungen

gerecht zu werden. Wir wollen den

gestalterischen Fähigkeiten keine Grenzen

setzen, sondern ihre Ideen in die

Realität umsetzen. Durch die intensive

Entwicklungsarbeit im Bereich von

Sonderformen (2D und 3D) und den

hohen Stellenwert, den Design- und

Kunstprojekte bei Rieder Smart Elements

einnehmen, beschäftigt sich eine

eigene Abteilung exklusiv mit derartigen

Spezialprojekten. Das ist auch mir

persönlich sehr wichtig.

Protoarchitecture

Dass ein Höchstmaß an industrieller

Fertigung mit den Methoden des 21.

Jahrhunderts in keinem Widerspruch

zu handwerklicher Anmutung stehen

muss, beweist Rieder am Produktionsstandort

Kolbermoor. Durch das

Konzept der „industriellen Manufactur“

können scheinbare Gegensätze wie die

Einzelfertigung einer Manufactur mit

den industriellen Vorgaben unserer

Zeit, immer wirtschaftlicher zu produzieren,

vereint werden. Diese einmalige

Kombination garantiert vollkommene

Flexibilität und Spontanität bei der Herstellung

von fibreC und ermöglicht, den

individuellen Wünschen von Designer

und Architekten nachzukommen.

Der direkte persönliche Draht zu

Kunden und Planern macht Rieder

zu einem unverzichtbaren Partner im

Bereich Architektur und Design. Durch

die universellen Einsatzmöglichkeiten

von fibreC an Wand, Boden und Decke

ist es erstmals möglich, traditionelle

Raumbegrenzungen aufzulösen und

einen Materialfluss zu erzeugen. Da ein

fließender Übergang von außen nach

innen geschaffen werden kann, entsteht

eine einzigartige Symbiose der Formen-,

Struktur- und Farbensprache in

den verschiedenen Anwendungsbereichen.

Innen und Außen verschmelzen

zu einem Ganzen und erweitern das

Aktionsfeld für Architekturschaffenden.

Perspektivenwechsel


eC by Rieder

37

fibreC Formbenbau und 3D Werkstatt

Zaragoza Bridge Pavilion, Zaha Hadid Architects


38

Buch V - fibreC by Rieder Nr. 23/2009

New York – Spanien - Südafrika

Gerade der hohe Grad an Flexibilität,

der einzigartige Sinn für

neuartige Formensprache und

die umfassenden Dienstleistungen

rund um seine Projekte machen Rieder

und fibreC zu einem Global Player

im Bereich der Verwirklichung von

ästhetisch anspruchsvollen Klein- und

Großprojekten.

Storefront Gallery

New York

Rieder leistet im Sinne seines kulturellen

Auftrags für die von Vito Acconci

and Steven Holl entworfene Betonfassade

der Storefront Gallery in New York

City zum Beispiel einen wertvollen

Beitrag. Die neue Fassade aus fibreC

kann je nach Jahreszeit und Ausstellung

auf unterschiedliche Art geöffnet

werden. Flexibel reagiert die Storefront

auf die Bedürfnisse von Außen und

Innen, schafft Verbindungen oder

Grenzen und vermittelt den Besuchern

wechselnde räumliche Bezüge.

Zaragoza Bridge Pavilion

by Zaha Hadid

Ein bezeichnendes Beispiel für die

Farbvielfalt und –qualität ist der „Zaragoza

Bridge Pavilion“. Die britische

Stararchitektin Zaha Hadid setzte für

den 275 Meter langen Brückenpavillon,

dem Wahrzeichen der Expo 2008 im

nordspanischen Zaragoza, auf Glasfaserbeton

von Rieder. Die Außenhaut des

Bauwerks wurde mit 29.000 Dreiecken

aus fibreC in neun verschiedenen

Graunuancen verkleidet. Ein raffiniertes

Muster der glasfaserverstärkten

Betonplatten in den unterschiedlichsten

Grautönen erzeugt einen Effekt wie bei

schimmernden Schuppen von Fischen.

Neben Design und Optik konnte sich

Zaha Hadid mit ihrer Projektidee nicht

zuletzt auf Grund der Nachhaltigkeit

der verwendeten Materialien wie fibreC

gegen 40 Mitbewerber durchsetzten.

Am Beispiel der Zaragoza Bridge sieht

man, dass durch die spezielle Produktion

der industriellen Manufactur

29.000 verschiedene Dreieckformen

mit exakt definierten Farben und Radianten

hergestellt werden konnten. Durch

die laufenden Farbkontrollen mussten

für das Projekt Zaragoza Bridge

nur bei 3% der gesamtem Produktion

Korrekturmaßnahmen vorgenommen

werden, beim Endprodukt verzeichnete

man keinen Ausschuss aufgrund von

Farbdifferenzen. Mit dieser technischen

Präzision und logistischen Komplexität

(alle Platten werden mit Barcodes

versehen um sie vor Ort bei der Implementierung

sofort passend zuteilen zu

können) betritt Rieder Neuland in der

Welt der Betonproduktion.

Soccer City Stadion

Südafrika

Rieder konnte die Erbauer des größten

Stadions in Südafrika von ihrem revolutionären

Produkt überzeugen und

ist seit über einem Jahr maßgeblich

an der Realisierung der WM-Stätte in

Johannesburg beteiligt. Rieder überzeugte

nicht nur durch ein ökonomisch

ausgeklügeltes Gesamtlösungskonzept

sondern vor allem durch kreative Ideen

und sein umweltfreundliches Material.

Da im Werben um den Auftrag

für die Fassade der weltweit größten

Stadionbaustelle die Mitbewerber aus

China mit billigen Aluminiumpanelen

auf der Preisebene nicht zu schlagen

waren, entwickelte Rieder ein umfassendes

Gesamtlösungskonzept für die

Fassade. Dies beinhaltete die Modularisierung

der Fassade, die Entwicklung

eines eigenen Farbcodesystems

für das komplexe Design der Fassade,

eine intelligente Integration der Unterkonstruktion

und die Errichtung

einer Feldfabrik (fibreCamp) vor Ort

in Südafrika. Durch die entstandenen

Synergien konnte die gesamte Stadionhülle

billiger angeboten werden als

mit Aluminium der Konkurrenz. Mit

einem äußerst intelligenten und innovativen

Fassadenkonzept hat es Rieder

mit fibreC geschafft, sich gegen eine

Vielzahl internationaler Mitbewerber

durchzusetzen.

Private Villa R., fibreC Sandstein Ferro

Festspielhaus Bregenz, Liquide Black Ferro

UNM Cancer Center – New Mexiko,

Terracotta Ferro Light & -Ferro

GREEN Values

Wolfgang Rieder hat nicht nur einen

Sinn für revolutionäre Materialien und

die Bedürfnisse moderner Architekten

und Designer, sondern hegt beruflich

wie privat ein tiefes Verantwortungsgefühl

unserer Umwelt gegenüber. Die

Verwendung hochwertiger Rohstoffe

aus rein mineralischen Bestandteilen

und Glasfasern ermöglicht eine optimale

Produktqualität. Ganz im Sinne

des gelebten Umweltbewusstseins

nimmt der Anteil der wiederverwendeten

Materialien bei Zuschlagstoffen

und Bindemittel ständig zu. Da fibreC

im Gegensatz zum Großteil gängiger

Produkte am Markt auf rein organischen

Grundmaterialien basiert, ist

der Werkstoff vollständig recyclebar.

Außerdem werden Wirtschaftlichkeit

und Nachhaltigkeit durch einen geringen

Ressourcenverbrauch gefördert.

Der Rieder-Grundsatz nach Nachhaltigkeit

und die soziale Verantwortung der

Umwelt gegenüber belegt auch das

internationale Umweltmanagement-

Zertifikat ISO 14001. Wolfgang Rieder

setzt sich und seinen Mitarbeitern

hohe Standards und so werden nur

innovative Technologien mit ökologischer

Verantwortung eingesetzt.

Die erreichte Vielfalt und Leistungsfähigkeit

von fibreC ermöglicht

qualitativ hochwertige, ästhetisch

ansprechende, dauerhafte und auch

kostengünstige Konstruktionen. Damit

entspricht der authentische Werkstoff

fibreC ganz dem aktuellen Trend nach

natürlichen, umweltfreundlichen,

nachhaltigen weil wirtschaftlichen

Materialien, die dennoch eine optisch

ansprechende und moderne Wirkung

erzielen.

Da fibreC Glasfaserbeton zu mehr als

95% aus rein mineralischen Rohstoffen

besteht, ist er besonders gesundheitsund

umweltfreundlich. Durch seine

Lebensmittelechtheit wird fibreC sogar

in Brot- und Pizzaöfen eingesetzt. fibreC

ist zum Beispiel Teil der Produktliste

GreenSpec® und es können

bei der Verwendung von fibreC sogar

Punkte in mehrerer Kategorien für

eine LEED Zertifizierung gesammelt

werden. GreenSpec gibt eine zuverlässige

Orientierungshilfe für energiesparendes

Bauen und listet Produkte

auf, die strengen baubiologischen und

–ökologischen Kriterien entsprechen.

Aufgrund der hohen Lebensdauer von

über 50 Jahren stellt fibreC nicht nur

eine wirtschaftliche, sondern auch eine

ressourcenschonende Lösung für Fassaden

dar.

Word greenest

facade panel

Grafik: world greenest facade panel

Die Grafik zeigt, dass die Produktion

von fibreC im Gegenzug zu

anderen Fassaden-Materialien sehr

umweltschonend gehandhabt wird.

Der ökologische Vergleich von Fassadenbekleidungen

zeigt, dass die

Produktion von fibreC im Gegensatz

zu Faserzement- und HPL-Platten ein

besonders energiesparender Prozess

ist. Die ökologischen Kennwerte von

fibreC liegen deutlich unter jenen der

Vergleichsprodukte. Die Produktion

von fibreC weist um 41% weniger

Treibhauspotenzial auf als bei Faserzementplatten

und Aluminiumblech.

Durch sein ausgezeichnetes Öko- Profil

verbraucht fibreC um 77% weniger

Primärenergie als HPL-Platten.Das

IBO Prüfzeugnis gilt als anerkanntes

und unabhängiges Prüfsiegel, das nur

an auserwählte Produkte vergeben

wird, die strengen baubiologischen und

ökologischen Kriterien entsprechen. Es

ermöglicht Transparenz und stellt eine

vertrauensvolle Entscheidungshilfe für

ökologisch empfehlenswerte Produkte

dar.


Nr. 23/2009 Buch V - fibreC by Rieder

39

Soccer City Stadion in Johannesburg

– Südafrika: Hauptfußballstadion für

WM 2010, 40.000 m 2 fibreC in

afrikanischen Farben


40

Buch V - fibreC by Rieder Nr. 23/2009

Kulturelles Engagement

Gemeinsam mit Heidulf Gerngross und Kurt Hofstetter haben wir in den letzten Monaten intensiv an der Realisierung

der Ausstellung „Das Spiel der Mächtigen“ im MAK gearbeitet. Nun ist fibreC nun im Museum für

angewandte Kunst in Wien zu sehen.

Kurt Hofstetter hat mit seiner „Elementarwelle“ ein besonders raffiniertes Muster für die Gebäudehülle des sogenannten

Nageltowers entworfen. Gemeinsam mit dem Künstler haben wir einen Teil dieser außergewöhnlichen

Fassade in Originalgröße als beinahe 4 m hohe und 7 m breite Installation aus fibreC umgesetzt.

fibreC


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch VI - Vasko + Partner

41


42

Buch VI - Vasko + Partner Nr. 23/2009

Dipl.Ing. Wolfgang Vasko

DER GENERALKONSULENT

Der Generalkonsulent – ein Begriff und ein Leistungsbild, dem sich Vasko+Partner verpflichtet hat.

Im Sinne des Wortes „consultatio“, gleichbedeutend mit Beratung bis zum Beschluss, aber auch

Begleitung in der Umsetzung und Lösung der planerischen, bauwirtschaftlichen sowie aller Fragen

zur Projektentwicklung eines Bauherrn.

Der Generalkonsulent ist gleichbedeutend mit allumfassender Dienstleistung von der Ingenieurkunst

bis hin zur erforderlichen wirtschaftlichen, rechtlichen und organisatorischen Kompetenz. Dies oft

auch weit über die vordefinierten Projektgrenzen hinaus.

Vasko+Partner betreut nicht nur von Architekten entworfene Projekte in allen Disziplinen der Planung

und Bauleitung bis zur Fertigstellung, wesentlich darüber hinaus stehen Vasko+Partner sowohl

vom ersten Schritt der Projektentwicklung und Ideenfindung beratend zur Seite, wie auch die Leistungen

nicht mit Fertigstellung des Projektes enden.

Dies ist mehr als Generalplanung, dies ist der Generalkonsulent.

Im intensiven Austausch mit der Architektur als Ausdruck des Bauherrenwunsches untersucht der

Generalkonsulent Machbarkeit, Effizienz und Wirtschaftlichkeit, um Ideen und Wünsche zu verwirklichen.

Dies ist der Erfolg von Vasko+Partner, der Erfolg des Generalkonsulenten.


Nr. 23/2009 Buch VI - Vasko + Partner

43

Wiener Dachgeschoßausbau

Neuen Wohnraum dort zu schaffen, wo gewachsene

Infrastruktur, öffentlicher Verkehr, Kultur-

und Bildungseinrichtungen, etc. bereits

vorhanden sind, ist nicht nur sehr gefragt son-dern

auch im Sinne einer funktionierenden Stadt der kurzen

Wege energieeffizient und um-weltschonend.

Wie kaum eine andere Metropole, hat Wien mit seiner

alten Gründerzeitbebauung und den vielen noch unausgebauten

Dachböden ein großes Potential, genau

solch attraktiven Wohn-raum bereitzustellen.

Ein neuer EU-weit eingeführter Stand der Technik

hinsichtlich Erdbebensicherheit bietet je-doch schon

seit längerer Zeit immer wieder Zündstoff für mitunter

hitzige Diskussionen unter Planern, Wissenschaft

und Behörde.

In Österreich wurden nun sämtliche alten und gewohnten

Ö-Normen zurückgezogen und durch die für

die Tragwerksplanung eines Neubaus zugrundezulegenden

Eurocodes ersetzt.

Der Eurocode 8, Teil 3 behandelt die Beurteilung und

Ertüchtigung von bestehenden Ge-bäuden unter Erdbebeneinwirkung.

Gegenüber alten Normen (bis etwa

Mitte der 90er Jahre gültig) hat sich aufgrund des Ansatzes

geringerer Versagenswahrscheinlichkeiten die

norm-gemäße Erdbebenbeanspruchung in etwa vervierfacht.

Wie man nun im Falle von geplanten Umbauten vorzugehen

hat, ist in Wien zusätzlich in einem Merkblatt

zusammengefasst. Hier wird in wesentliche und

unwesentliche Abänderun-gen der bestehenden Substanz

unterschieden, wobei hier eher die Grenzen

durch geometri-sche Festlegungen (Nutzflächen, DG-

Volumen,...) dominieren. Ist eine Umbaumaßnahme

als wesentlich zu beurteilen, so muss das Gebäude

nach dem Eingriff die Qualität eines Neubaus haben.

Bei unwesentlichen Änderungen darf das bestehende

Tragwerk zumindest nicht verschlech-tert werden.

In seismischer Hinsicht wird ein Tragwerk sicher dann

nicht schlechter, wenn die in Schwin-gung versetzte

Masse die einzelnen Bauteile nicht früher kollabieren

lässt, als es vor dem Eingriff der Fall gewesen wäre.

Dies kann bedeuten:

1. die Gesamtmasse darf nach dem Umbau nicht größer

und der resultierende Mas-senmittelpunkt (Angriffspunkt

der resultierenden Erdbebenkraft) nicht

höher liegen.

2. die Masse wird größer und/oder der Angriffspunkt

verschiebt sich hinauf, aber die in-neren Kräfte werden

durch bauliche Maßnahmen (z.B. schubsteife Ausbildung

der obersten Geschoßdecke) umverteilt, sodass

Bauteile die überbeansprucht sind, ent-lastet werden.

3. die Gesamtmasse wird reduziert, der Angriffspunkt

wird aber ungünstiger. Das Mo-ment um die Erdgeschoßfuge

darf sich dann nicht erhöhen.

Da man bei den in Frage kommenden Gebäudetypen

stets davon ausgehen kann, dass die aus der Norm ermittelte

Erdbebenbeanspruchung ein Maximum ist

(Plateaubereich im Ant-wortspektrum) ist eine Untersuchung

des Antwortverhaltens (Eigenfrequenzermittlung)

i.a. nicht notwendig.

Für regelmäßige, typische Wiener Gründerzeithäuser

mit Holzbalkendecken lässt sich ein DG-Ausbau

in Leichtbauweise (=unwesentliche Änderung) relativ

einfach nachweisen („720kg-Regel“). Das Problem:

so ein typisches Haus gibt es nur selten! Mal sind es

Kriegs-schäden, die den Einbau von Betondecken notwendig

machten, mal ist es ein Eckhaus, mal fehlen

sämtliche Zwischenwände und mal handelt es sich

überhaupt um ein Haus aus den 60er Jahren.

Um hier aber trotzdem einen DG-Ausbau in Leichtbauweise

planen zu können, kann man sich mit einer

Kapazitätsuntersuchung behelfen.

Der Bestand darf bekanntlich nicht verschlechtert werden,

d.h. das Haus darf gegenüber einer Erdbebenbeanspruchung

nicht früher kollabieren, als vor dem

Ausbau.

Berechnet man also „wie viel Erdbeben“ das Gebäude

vor dem Eingriff aushält und gelingt ein Nachweis,

dass auch nach einem DG-Ausbau das Haus mindestens

gleich viel Erdbe-benbeanspruchung übersteht,

(wie oben beschrieben z.B. durch Massenreduktion

aufgrund Abbruch alter Kamine, oder durch gezielte

Verstärkung von einzelnen Bauteilen,...) dann hat

man den Zustand eines Gebäudes zumindest nicht

verschlechtert.

Es sei aber hier besonders darauf hingewiesen, dass ein

Haus auch schon in derart schlech-tem Zustand sein

kann, dass es nicht einmal die normgemäße Windlast

gesichert abtragen kann. Hier wäre dann von jeglichen

Um- und Ausbaumaßnahmen zunächst Abstand zu

nehmen und zuvor eine Ertüchtigung des gesamten

Gebäudes vorzunehmen.

1. Ebene, Herstellung einer neuen tragsicheren

Deckenkonstruktion

Einbau des Trägerrost für die neue, schubsteife Decke

Herstellung des biegesteifen Rahmentragwerkes

Einbau des Trägerrost für die neue, schubsteife Decke

Fazit:

DG-Ausbauten sind in Wien immer noch möglich, nur sollte man sich vorher gut ansehen auf welchen Bestand man das Penthouse setzen möchte. Denn auch ein technisch

„alle Stü-ckeln spielendes“ Domizil mit Fernblick, gebaut mit modernsten Baustoffen, macht sich auf einem alten Vorstadt-Zinshaus, an dessen Mauerwerk nur

allzu sehr der Zahn der Zeit nagte und das eventuell schon mehrere Umbauten erleiden musste, nicht immer sonderlich gut. Eine vorhergehende, genaue Bestandsuntersuchung

muss Grundlage und Ausgangsbasis für weitere Überlegungen sein.

Nichtsdestotrotz sollte man aber auch nicht davor zurückschrecken, DG-Ausbauten weiter zu forcieren. Beispiele aus der Praxis zeigen, dass sie die Bestandsicherheit im

Allgemeinen nicht nur nicht verschlechtern, sondern aufgrund der Durchleuchtung des gesamten Objekts oftmals deutlich verbessern.

Alexander Krakora,

Projektleiter


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VI - Vasko + Partner

45

Rechtssicherheit kann man planen

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46

Buch VI - Vasko + Partner Nr. 23/2009

Dynamische Gebäude- und Anlagensimulation –

„Ein notwendiges Werkzeug für eine erfolgreiche Planung“

Komplexe Herausforderungen bedürfen komplexer Instrumente. Die dynamische

Gebäude- und Anlagensimulation ist speziell für Gebäude mit komplexer

Architektur und/oder hohem Glasanteil ein solch notwendiges Werkzeug

für eine gesamtheitliche und erfolgreiche Planung. Dieses erlaubt es virtuell

am Computer zu „experimentieren“ und nicht erst im Nachhinein am Gebäude

und deren Anlagen zu neuen Erkenntnisse zu kommen.

Die dynamische Gebäude- und Anlagensimulation bildet das stündliche Verhalten

des Gebäudes nach, wobei im Allgemeinen ein komplettes Jahr betrachtet wird.

Maßgebende Einflussfaktoren sind der jeweilige Standort (Klimadaten), die Beschaffenheit

des Gebäudes und seiner Anlagen, sowie seine Nutzung.

Die dynamische Gebäudesimulation ist bei V+P Standard einer erfolgreichen

Planung, wie die folgenden Projektbeispiele zeigen:

4) Shopping Center – Mall - Slowakei

Für die Mall des Einkaufszentrums wurde die Behaglichkeit für verschiedene

Bereiche mittels dynamischer Gebäudesimulation bestimmt und die bauphysikalischen

Randbedingungen, sowie die Verschattungseinrichtungen nach den Ergebnissen

verändert bzw. dimensioniert.

Ergebnisdarstellung

Die entscheidende Größe ist zumeist die sich einstellende Raumtemperatur und

die daraus folgende Behaglichkeit für die Nutzer. Nachfolgende Abbildungen

zeigen typische Verläufe für Raumtemperatur

bzw. Raumfeuchte und Behaglichkeit.

1) Bürokomplex Wien

Im Zuge der dynamische Gebäudesimulation

wurden unterschiedliche

haustechnische Konzepte, insbesondere

hinsichtlich der zu erwartenden

Lufttemperaturen und Überschreitungshäufigkeiten

einer bestimmten

Temperatur untersucht. Es

wurde jeweils der Einfluss unterschiedlicher

bauphysikalischer

Voraussetzungen (Verglasung

und Verschattungs-einrichtungen)

und unterschiedlicher Innerer

Lasten untersucht.

Bürokomplex Wien

2)Bürogebäude -

Niederösterreich

Für den Neubau des dargestellten Bürogebäudes wurde eine dynamische Gebäudesimulation

durchgeführt. Hauptziel der Simulation war die Ermittlung der

maximalen Lufttemperaturen bei unterschiedlichen Konzepten hinsichtlich Kühlung

und Lüftung. Untersucht wurden Varianten mit natürlicher

Lüftung und verstärkter Nachtlüftung und mit

mechanischer Be- und Entlüftung. Weiters wurde

eine Variante mittels Fan Coils untersucht. Bei

allen Varianten wurde der Einfluss unterschiedlicher

bauphysikalischer Voraussetzungen (Verglasung

und Verschattungseinrichtungen) und

unterschiedlicher Innerer Lasten untersucht.

Shopping Center – Mall - Slowakei

3) Geriatriezentrum: - Wien

Im Zuge der dynamischen Simulation wurden

zwei unterschiedliche Kühlkonzepte untersucht.

Einerseits ist die Kühlung mittels konditionierter

Zuluft und andererseits mittels Bauteilaktivierung

(Betonkernaktivierung) geplant.

Für die Simulation wurden drei Zonen (Räume)

mit unterschiedlicher Ausrichtung betrachtet. Es

wurde eine Ganzjahresbetrachtung durchgeführt,

wobei die Betriebsfälle Sommer, Winter und

Übergangszeit getrennt untersucht wurden.

Geriatriezentrum: Wien

Bürogebäude - Niederösterreich

Abbildung 05: Temperaturverlauf

für 3 Räume (Zonen) mit unterschiedlicher Ausrichtung (S ... Süd, SO ... Süd-Ost,

W ... West) in Abhängigkeit der Außentemperatur (Ta)

Abbildung 05


Nr. 23/2009 Buch VI - Vasko + Partner

47

Die Punkte nach folgendem Diagramm (Abbildung 06) stellen die Ergebnisse der

dynamischen Berechnung dar. Für ein behagliches Raumklima (Temperatur) sollen

die Punkte innerhalb

der Umgrenzungslinien

32 operative Raumtemperatur [°C]

Zone SÜD

bleiben. Je nach Simulationsvariante

verändert sich

31

30

29

die Punktwolke, woraus

28

27

man Rückschlüsse auf

26

die Behaglichkeit ziehen

25

24

kann.

21

Abbildung 06:

20

Außenlufttemperatur [°C]

Darstellung der operativen

Temperatur nach

Norm (Behaglichkeitsfeld)

15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32

Abbildung 06

Die Balken (Abbildung 07) stellen jeweils die Stunden

mit dem Prozentsatz der zu erwartenden Unzufriedenen

je nach Ausrichtung des betrachteten Raumes (S ... Süd, SO ... Süd-

Ost, W ... West) dar.

In diesem konkreten

3000

Fall ist zu erkennen,

2500

Abbildung 07 dass der Anteil an

2000

Unzufriedenen in

1500

der meisten Zeit des

1000

Jahres zwischen 5-15

% liegt.

500

0

23

22

50%

S (z05) SO (z08) W (z02)

empfohlene operative Raumtemperatur [°C]

Abbildung 07:

Darstellung der

Behaglichkeit mittels

Normnachweis (Prozentzatz der zu erwartenden Unzufriedenen)

Nachfolgende Abbildung (08) ist eine eher komplexe Darstellung der Ergebnisparameter

im sogenannten hx-Diagramm. Die roten Umgrenzungslinien stellen

das Behaglichkeitsfeld dar, in dem sich die Raumluftzustände (im Wesentlichen

eine Kombination der Raumlufttemperatur in Abhängigkeit der Feuchte) bewegen

sollen. Außerhalb dieser Grenzen wird das Raumklima als unbehaglich angesehen.

Ähnlich der Punktwolke für die

Temperatur [°C]

40

Zone SÜD

10

15 20 25

30

Raumtemperatur, können durch Veränderungen

der Punktwolken für verschie-

relative Feuchte [%]

40

5

35

50

60

30

dene Varianten Rückschlüsse auf die

70

80

25

zu erwartende Behaglichkeit im Raum

90

100

20

Behaglichkeitsfeld

65

gezogen werden.

Abbildung 08:

Darstellung des Behaglichkeitsbereiches

im hx-Diagramm (Behaglichkeit in Abhängigkeit

von Temperatur und Feuchte)

Fazit

Das Werkzeug „dynamische Gebäude- und Anlagensimulation“

ermöglicht eine ganzheitliche

Abbildung 08

Planung. Die Veranschaulichung von verschiedenen

Energiekonzepten für das jeweilige Gebäude und die Abwägung von Vor- und

Nachteilen der jeweiligen Varianten ist relativ einfach möglich und ermöglicht

somit die Planung von maßgeschneiderten Lösungen (bauphysikalisch und gebäudetechnisch)

für das jeweilige Gebäude.

Die dynamische Gebäude- und Anlagensimulation ist für eine zeitgemäße Projektierung

ein Muss.

Katharina Eder: Projektleiterin / Günther Sammer: Projektverantworlicher / Christian

Steininger: Geschäftsführer

15

10

5

0

15

20

25

30

Schwülegrenze

absolute Feuchte [g/kg tr. Luft]

0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18

35

40

45

50

55

60

Enthapie [kJ/kg]

Das energieautarke Büro – Die Zukunft hat begonnen

Themen wie Klimaveränderung, Kioto-Protokoll

und Umweltschutz sind die dominanten Themen

unserer Zeit. Sie bilden den Hintergrund

für die Tatsache, dass zur Stabilisierung unseres Klimas

die Emissionen in den nächsten Jahren deutlich

reduziert werden müssen. Für ein innovatives Planungsbüro

steht das hochgesteckte Ziel somit fest:

Die Realisierung der Vision eines energieautarken

Gebäudes. .

Erst Ende April hat das Europäische Parlament die

novellierte Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von

Gebäuden mit der Forderung verabschiedet, dass alle

Gebäude, die nach 2018 bzw. 2020 gebaut werden,

mindestens so viel Energie produzieren, wie sie verbrauchen

– es sollen „Netto-Null-Energiegebäude“

entstehen.

Dies ist nur einer der Forderungen nach einer nächsten

Qualität von Gebäuden, die neue Konzepte zur

Beheizung und Klimatisierung erfordern. An regenerativen

Energiesystemen stehen derzeit im Wesentlichen

folgende Systeme als wirtschaftlich sinnvoll

nutzbar im Vordergrund: Sonnenenergienutzung /

Erdwärme- und Kältenutzung und Holz.

Nachfolgendes Konzept für ein energieautarkes bzw.

CO2 neutrales Bürogebäude soll die Möglichkeiten

aufzeigen, die bereits heute mit „State of the Art“

Technologie realisierbar sind . Als Grundlage für die

Energieberechnung wurde von ambitionierten, jedoch

realistischen Anforderungen (Passivhausqualität) an

die Gebäudehülle ausgegangen.

Abbildung 01 zeigt das Blockschaltbild der Energieversorgung

/ Energiebereitstellung für das energieautarke

Bürogebäude. Der Bedarf von 23 kWh/m 2 für Kühlung

und 25 kWh/m 2 a für Heizung wird zu 100 %

über natürliche Ressourcen abgedeckt werden.

Energiebedarf Wärme

Über eine thermische Solaranlage mit rund 750 m 2

Kollektorfläche werden rund 30 % des Heizenergiebedarfs

(teilsolare Heizung) abgedeckt. Der Rest (rund

70 %) wird über eine Biomasseanlage bereitgestellt.

Energiebedarf Kälte

Die Kühlung des Gebäudes wird vollständig über

eine direkte Grundwassernutzung abgedeckt. Bei der

Nutzung des Grundwassers wird von einem COP von

rund 30 ausgegangen, daraus ergibt sich ein Strombedarf

von rund 16.600 kWh/a, der dem TGA-Strombedarf

hinzugefügt wird. Ein Teil des Energiebedarfes

Kälte wird über die DEC-Anlage abgedeckt.

TGA-Strombedarf

Zur Abdeckung des TGA Strombedarfes ist eine PV-

Anlage mit einem Ertrag von rund 150.000 kWh/a

geplant, d.h. der komplette TGA Strombedarf kann

über die PV-Anlage abgedeckt werden.

Zukunftsausblick

Das längerfristige Ziel muss ein vollständig energieautarkes

bzw. CO2 neutrales Gebäude sein – auch

der Verbrauch an elektrischer Energie für die Nutzer

(Abbildung 01 – grauer Bereich) muss aus Eigenerzeugung

erfolgen. Aus derzeitiger Sicht bieten sich

dazu folgende Möglichkeiten an:

Nach der Studie des wissenschaftlichen Beirats der

deutschen Bundesregierung wird dem Solarstrom

im globalen Energiemix 2050 eine bedeutende Rolle

zugeteilt. Es ist also davon auszugehen, dass in den

nächsten Jahren eine ständige Weiterentwicklung der

PV-Module stattfindet – Ziel ist die großflächige Nutzung

von Solarzellen in etwa 10 Jahren.

Eine weitere Zukunftstechnologie als erneuerbarer

Energieträger im Elektrizitätssektor stellt die Windenergie

dar. Momentan wird hauptsächlich von

außerstädtischen Windparks ausgegangen, wobei

bereits erste vielversprechende gebäudeintegrierte

Windkraftanlage realisiert wurden, wie beispielsweise

in Bahrain im Bahrain World Trade Center.

Bei der Energieversorgung der Arbeitsplätze gibt es

ebenso zahlreiche Ideen, wie etwa die Möglichkeiten

der dezentralen / direkten Einspeisung von der Solarfassade

oder die Versorgung der Arbeitsplätze mit

Kleinspannung.

Eine mögliche Vision für die Energieversorgung der

Zukunft stellt die Kombination Brennstoffzelle und

solarer Wasserstoff dar, wobei eine marktreife in 15

bis 20 Jahren erwartet wird.

Dezentrale Biogasanlagen können neben Wirtschaftsdüngern

auch organische Reststoffe oder Energiepflanzen

verarbeiten. Als organische Reststoffe können

z.B. Abfälle aus Lebensmittelerzeugung und

-verarbeitung, Fettabscheider- oder Frittierfette oder

auch kommunale Bioabfälle eingesetzt werden. Auch

diese Technologie ist eine interessante Variante zur

Energieversorgung des Gebäudes der Zukunft.

Sonnenkollektor

750 m²

Ertrag: 415.000 kWh/a

100% (Sommer)

31% (Abdeckung Heizung)

DEC

Biomasse

PV-Module

800 m² Dach

600 m² Fassade

Ertrag: 150.000 kWh/a

69%

EVU

WWB

Grundwassernutzung

100 % PV

H K L

100%

EE

TGA

Abbildung 01: Blockschaltbild

– Energieversorgung /

Energiebereitstellung

Dies sind lediglich einige wenige Ideen von Zukunftsvisionen,

die eine neue Generation von Gebäuden beschreiben.

Fazit

Technisch machbar sind Null-Energiegebäude schon

seit längerem, allerdings haben diese noch eher Experimentiercharakter

und sind entsprechend teuer. Ressourcenschonung,

Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit,

Effizienz und Komfort – das sind aus heutiger Sicht

teilweise widersprüchlich klingende Schlagworte für

die Bürogebäude der Zukunft. Mit den oben angedeuteten

technischen Fortschritten werden sich diese

scheinbaren Widersprüche auflösen.

Die erfolgreiche Planung eines energieautarken Bürogebäudes

mit dem derzeitigen Stand der Technik

ist ein erster Schritt in die Richtung „Gebäude der

nächsten Genration“ . Dies ist gelungen. Somit hat

die Zukunft bereits begonnen.

Katharina Eder: Projektleiterin

Christian Steininger: Geschäftsführer

TGN

Künstl

Bel.

EE

Bel

EE

N


48

Buch VI - Vasko + Partner Nr. 23/2009


Nr. 23/2009

BuchVII - DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN

49

Eine Kulturintiative von ST/A/R

Konzept & Organisation:

milan mijalkovic / архитект, künstler, konfl iktforscher

heidulf gerngross / architekt, städteplaner usw...

Projektbeteiligte:

alena baich /schauspielerin & performancekünstlerin

patrick baumüller /künstler

gagliano /visuelle kunst

heinrich büchel /architekt & architekturwissenschaftler

heike nösslböck /videokünstlerin

jan tabor /architekt & kulturhistoriker

ORNAMENT UND WIEN

Kunst im öffentlichen Raum

Wespen

Wien ist geprägt von einem Überfl uss von Figuren, Skulpturen, Säulen und Säulchen, Geländern, Reliefs, Gesimsen,

„Geschnörkseln“, Blumen, Blättern, Menschen und Tieren.

Wir stellen die Frage: Brauchen wir denn das „Krauthäupl“ auf der Secession, die Blumen am Majolika-Haus, die

Hundertwassers, die Säulen vor dem Parlament oder die Menschenstatuen am Dach der Museen?

Die Ökonomie des Ornaments - Ornament und Verbrechen?!

Wie wird sich das Ornament weiter entwickeln?

All die Kunst im öffentlichen Raum: Hat sie in ihrer Wirkung eine geistig-seelisch anregende oder beruhigende Funktion?

Wozu Kunst im öffentlichen Raum?

Was sind das für Mitteilungen, die die Sprache einer Stadt repräsentieren?

Im Zeitalter vor der Erfi ndung des Guttenberg - Buchdruckes hatten Ornamente, Fresken und Statuen im öffentlichen Raum

die Funktion, dem Betrachter Inhalte und Informationen und somit letztlich Bildung zu vermitteln. (Z.B. Die Darstellung

religiöser oder historisch bedeutender Motive). Oder war das Ornament eine subversive, sinnlich unbegründbare

Schwingung? Seit dem Buchdruck hat die sprachliche Mitteilung der Architektur einen Rückzug von der Fassade auf Papier

erlebt und heute weiter in den elektronischen Raum und wieder zurück auf die Schriftfassade wie bei Will Alsop oder in der

Sprache der Werbung. Durch den Wandel der Zeit hat sich eine neue Sprache im öffentlichen Raum entwickelt, die geistige,

seelische und ästhetische Bedürfnisse befriedigt und neue Sehgewohnheiten generiert. Ein bildlich starkes Beispiel für die

Entwicklung von Sprache und Inhalten im öffentlichen Raum stellt das Immofi nanzgebäude in der New Yorker Wall Street

dar, an dem die Aktienkurse der Börse als leuchtende Laufschrift zum Ornament werden. Diese junge Kommunikationsform

der Architektur mit ihrem Einzug in beziehungsweise Rückzug auf die elektronischen Medien wollen wir hier „die 6. Fassade“

nennen, die Mitbestandteil der Kulturinitiative ORNAMENT UND WIEN ist.

Der Prozess unserer Arbeit als Kunst im öffentlichen Raum beschäftigt sich mit der Übertragung von Mitteilungen in die

verschiedenen Medien. Die Größe des öffentlichen Raumes reicht von der Fassade zum Bildschirm bis zum Scannen auf

das Handy in der Hosentasche und spricht somit alle Sinne an. Von haptisch bis platonisch!

Die Agglomeration der unterschiedlichen Sprachen inspiriert und treibt uns zum Machen und den Diskurs

ORNAMENT UND WIEN in Gang zu setzen.

Wer kann diesen Diskurs befruchten und in sichtbaren Schwärmen Teile der Stadt besetzen und beleben?

Der stärkste in der Natur vorkommende Kontrast: Gelb - Schwarz. Intensiv sichtbar und erlebbar. Gelbschwarze Wesen

im öffentlichen Raum. Schwarzgelbe Wesen, Bienen oder Wespen, in der Zeitung starr, im Internet bewegt, im Handy

spezifi sch als Barcode lesbar, an der Fassade im Wind.

Das Ornament nützt alle materiellen und medialen Fassaden. Die Manipulation in der medialen Abbildung ermöglicht die

Darstellung eines Ideals oder einer ersehnten virtuellen Zukunft. Die bewusste Manipulation soll in dieser Kulturinitiative

als Bestandteil des Projekts genutzt und gezeigt werden. Die örtlich-materielle Umsetzung fi ndet in unserer unmittelbaren

Umgebung im 6. Wiener Gemeindebezirk statt. Die mediale Umsetzung überall und an keinen Ort gebunden: In

Alaska, in Google Sky, in Google Earth oder auf Papier. Eine Anregung zur Aufmerksamkeit. Awareness pur! Von einer

stadträumlichen Empfi ndung - Karlskirche - Flaktürme - Uniqua-Tower - bis zum himmlischen Summen.

Wir bieten das Projekt der Stadt Wien an, weil der Ornamentkonfl ikt in Wien am deutlichsten spürbar ist.

==> Dieser Konfl ikt ist der Kreator des Projekts: ORNAMENT UND WIEN. In der Hoffnung, Wien wird durch diese

Kulturaktion im öffentlichen Raum – AUFMERKSAM auf sein wertvolles Kulturgut ORNAMENT UND WIEN.

Projektbeschreibung:

Herstellen der gelbschwarzen pneumatischen Wesen,

Montage an der Sezession, auf oder neben dem Majolikahaus und auf dem

Haus Wiener Wohnen, Gumpendorferstraße 42 -44.

Die manifeste materielle Installation dauert 3 Monate und wird von der ST/A/R Organisation realisiert, betreut und abgebaut.

Die Vorträge und Performances begleiten das materielle Geschehen. Die Internet-, Video- und Handyornamentiken dauern

über mehrere Zeiten. Devotionalien- und T-Shirtverkauf dauern bis zum Ausverkauf.


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Buch VII - DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN Nr. 23/2009


Nr. 23/2009 BuchVII - DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN

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Entwurf: Milan Mijalkovic


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch VII - DAS SPIE

David Staretz

schreibt, redigiert und fotografiert den Auto-ST/A/R

David Staretz berichtet im neuen ST/A/R über seine Erlebnisse

mit dem neuen Ferrari 458 Italia, erzählt von der Bentley-

Präsentation in Sevilla und zeigt einen Supersportwagen, den

man, kaum erschienen, nur mehr gebraucht kaufen kann:

Den Lamborghini Reventón.


L DER MÄCHTIGEN

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FREYA DESIGN

homage an Charles EAMES

In der Schale Nora Goodyear

FREYA SCHALE

MOBILE HOLSTER


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Buch VII - DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN Nr. 23/2009

PHILIPP GOLDSCHEIDER

represented by Gallery Konzett

Philipp KONZETT

Galerie Konzett | Spiegelgasse 21 | A-1010 Wien

T +43 1 513 01 03 | F +43 1 513 01 04 | gallery@artkonzett.com | www.artkonzett.com


Nr. 23/2009 BuchVII - DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN

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die neue Rechtsanwaltsgeneration

beschützt die Kunst

Stapf•Neuhauser

Dank an Dr. Stapf der mich

rechtlich befreit und beschützt hat.

Heidulf Gerngross

Stapf Neuhauser

Rechsanwälte OG

A-1010 Wien, Esslinggasse 7

Tel.: +43 1 90333

Fax: +43 1 90333 44

wien@snwlaw.at

http://www.snlaw.at

Rechtsanwaltskanzlei neugestaltet von SPUTNIC


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Buch VII - DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN Nr. 23/2009

Freude schöner Götterfunken

Heidulf Gerngross jetzt auch Instrumentenbauer,

schnitzt für seinen Sohn Vinzenz G. ein Pfeiferl.


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch IX - DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN

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INTEGRATOR

MARKUS SPIEGELFELD

OHNE MARKUS SPIEGELFELD KEIN

NAGELTOWER, KEIN, KEIN, KEIN... Kein Heidulf


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Buch VIII - DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN Nr. 23/2009

Die Werkstatt Wien - Spiegelfeld Architektur Management

entwickelt und realisiert seit 1982 Projekte in Kooperation

mit einem Netzwerk von ausgewählten Fachleuten aus

unterschiedlichen Bereichen. Die Zusammenarbeit mit

Künstlern inspiriert uns und fordert uns,

ausgetretene Wege zu verlassen ……………Markus Spiegelfeld


Nr. 23/2009 Buch VIII - DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN

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MELINKOVDENKMAL

im sozialen Wohnbau 1150 Wien Reichsapfelgasse 6-8


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VIII - DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN

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SOZIALER WOHNBAU JOHNSTRASSE - STURZGASSE

75 Wohnugen, ein Supermarkt, Grün- und Spielflächen im Hof, in den Obergeschossen freie Sicht zur Gloriette


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Buch VIII - DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN Nr. 23/2009

Erste Wiener Loft Siedlung 1210 Wien Ödenburgerstrasse

Die erste Wiener Loft Siedlung ist nach einer

Preisprüfung vom damaligen Wohnbaustadtrat

Edlinger als der preiswerteste Wohnbau Wiens

mit Werkstaat Wien errichtert worden.

Jugendzentrum Wien 1210


Nr. 23/2009 Buch VIII - DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN

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Capella Bianka wird 2010 am Plöckenpass in Kärnten errichtet

Stein und Gartendesign Wien 1220 Büro und Lagerhalle

www.werkstattwien.at

Stein und Design Container Zubau


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Buch VIII - DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN Nr. 23/2009

ES WARTEN NEUE AUFGABEN !


Städteplanung / Architektur / Religion DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN

BETTLERVERBOT

WER MIT DIESER GESINNUNG UM STIMMEN

BETTELT BRAUCHT DRINGEND HILFE


DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN Nr. 23/2009


Nr. 23/2009

DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN


Städteplanung / Architektur / Religion

DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN


NAGELTOWER

BETTLER

DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN

Nr. 23/2009

Skopje ist ein internationaler Bastard.

Erdacht nach einem Erdbeben als Utopie der 60er Jahre.

Heute ist auch hier endlich jeder Architekt.

Fernsehstationen wie Stadtgefl üster, Zeitungsredaktionen wie

Amateur-3D-Renderer, Internet Blogger wie Traditionalisten.

Das Werkzeug sind Symbole und Zeichen.

Sie defi nieren Orte – und Abgrenzungen gegenüber Anderen.

Konfl ikte – lokal und international - manifestieren sich in der Stadt.

Der Konfl ikt wird zum Städteplaner, die Architektur zum

Instant Mix aus Neo-Tradition und Freiem Markt, aus Image und Konstruktion.

Was für die einen Balkanisation heißt, ist für die anderen ersehnte Europäisierung.

World Trade Center Skopje 2009

архитект Milan Mijalkovic


VERBOT

Nr. 23/2009

DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN

VERBOT


DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN Nr. 23/2009


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch IX - Heidulf ST/A/R 73

Foto: Mamie Ueki ©

Gerngross


74 ST/A/R

Buch IX - Heidulf Nr. 23/2009

Jan Fekete

der wichtigste Repräsentant zeitgenössischer Kunst der Slowakei

malt den Archistrator Heidulf Gerngross

als grossformatiges Ölbild auf Leinwand 222 x 107 cm

photo: Mascha Fekete


Nr. 23/2009 Buch IX - Heidulf

ST/A/R 75

ARCHIQUANT RAUMALFABET HANDY


Städteplanung / Architektur / Religion Buch IX - Heidulf ST/A/R 77

DAS ERSTE ARCHISTRIERTE GEBÄUDE

DAS VOLKSBUCH 1968 bis 1978


78 ST/A/R

Buch IX - Heidulf Nr. 23/2009

g

e

d

u

l

d

CYBERCITYRAUMALPHABET GEDULD geduld IM WELTRAUM


Nr. 23/2009 Buch IX - Heidulf

ST/A/R 79

Mamie

heiratet

in Oregon

WARANs RÜCKEN

まみえ


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Buch IX - DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN Nr. 23/2009

World Trade Center Skopje 2009

архитект

Milan Mijalkovic

DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN. HEIDULF GERNGROSS

ARCHISTRIERT FRANZ WEST’S NAGELTOWER.

MIT HOFSTETTER KURT UND ANGELO ROVENTA

2.12.2009 - 10.1.2010

MAK-Ausstellungshalle, Weiskirchnerstraße 3, Wien 1

Di MAK NITE © 10.00–24.00 Uhr, Mi–So 10.00–18.00 Uhr

JEDEN SAMSTAG © EINTRITT FREI.

www.MAK.at

Milan Mijalkovic

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