ST:A:R_24

geraldkofler

Printmedium Wien

ST/

/A/ /R

Zeitung für Hochkultur, Mittelmaß und Schund

Österreichs größte Zeitung

Nr. 24/ Frühling 2010

KUNST

IRENE ANDESSNER

BARBARA ANNA HUSAR

HOFSTETTER KURT

BARBARA DOSER

JOSEF DABERNIG

HEIRI HÄFLINGER

WARAN

04Z035665M – P.b.b. Verlagspostamt 1060 Wien • Adresse: 1060 Wien Gumpendorferstrasse 42–44 • office@star-wien.at • Europa € 4,50 • Nr. 24/10

ARCHITEKTUR

HEINRICH BÜCHEL

HEIDULF GERNGROSS

PPAG

ARTEC ARCHITEKTEN

ANGELO ROVENTA

TREUSCH ARCHITECTURE

LITERATUR & SCIENCE FICTION

MARKUS HINTERTHUER

ALEXANDER SCHIESSLING

MANFRED STANGL – GANZHEITLICHKEIT & DISKURS

AUTO-ST/A/R

DAVID STARETZ

Städteplanung / Architektur / Religion

Desirée Treichl-Stürgkh

mit Archiquantbrille/

Design: Heidulf Gerngross

handgefertigt von

4,50 Euro


Foto: Mirjana Rukavina @


2

Buch I – Dr. Ostermayer Nr. 24/2010

EDITORIAL :

Als ich, Faymann war Infrastrukturminister, in Bratislava ein „Gansl“

gegessen habe um 2007, mit Dr. Wladimir Jeremenko Tolstoj, stehen

plötzlich vor mir:

Dr. Ostermayer, der damalige Minister Faymann und eine elegante Dame

(Secretary). Ernest erfährt die Welt aus der

Ostermayer: „Herr Gerngross Archiquantenwiegenperspektive

dürfen wir Sie begrüßen.“

Ich springe auf: „Ja selbstverständlich, ich freu mich, hab an Sie gedacht –

Shake hands.“

(Dr. Ostermayer hatte vor seiner Kabinettschefzeit im Wiener Wohnbau eine

hohe Funktion. Er kannte und kennt daher viele Architekten und deren Werke

und Geisteshaltung.)

Jedenfalls er kannte den Gerngross und erklärte dem damaligen Minister

und jetzigem Bundeskanzler Fay mann wer der G. ist und was er

gemacht hat: „ Er hat den billigsten sozialen Wohnbau in Wien gemacht,

er baut Schnellhäuser, er hat ein Raumalphabet entwickelt. Er hat eine

neue geometrische Figur entdeckt, als Maßstab für architektonisches

Proportionieren und er ist auch der Herausgeber der ST/A/R Zeitung.“

Jedenfalls war ich hoch erstaunt und erfreut, dass ein Politiker über meine

Aktivitäten Bescheid wusste. So habe ich beschlossen

Dr. Ostermayer als Kontaktmann, als Integrationsminister für

ST/A/R zu installieren, und es wird die junge Politkwissenschaftlerin Teresa

Allersdorfer die aktuelle „Ostermayer Recherche“ führen. Tatsache ist, dass

Ostermayer auch als Science Fiction Hero im Future Roman „Utopia ultra“

von Makus Hinterthür (siehe ST/A/R 23 / Seite 8) erschienen ist und seine

Fortsetzung im Roman „Rosencranz and Gernegross are dead / Reclam“

finden wird.

Es ist vereinbart, dass es eine Email Interscription mit

Dr. Ostermayer, Staatssekretär für Koordination und Medien, und

dem ST/A/R-Team, Teresa Allersdorfer & Gerngross geben wird.

Heidulf Gerngross Herausgeber

Da liegt er vor Euch, der neue ST/A/R im

„Nordischen Vollformat“, Broadsheet,

400 mm x 570 mm. Aus dem „formalen“

Bruch ergeben sich wichtige Neuerungen für die

grafische Gestaltung, die Länge von Texten und

die Einteilung von Einzelheften. Enthusiastische

Freude an normativen Abweichungen bleibt ein

charakteristisches Moment.

Der Bruch mit Traditionen als Tradition der

Brüche, ein Stilmittel der Bewahrung wird durch

Um-, Neu-, Ent- und Aufwertungen. Durch stete

Veränderung bleibt der ST/A/R was er schon

immer ist: eine bunte Mischung redaktioneller

Unbefangenheit, aus welcher im wohlwollenden

Umgang mit kulturellem Reichtum eine Gestalt

der Ausnahme erwächst. Freude am freien

Ausdruck setzt Maßstäbe für Hochkultur, Mittelmaß und Schund. Überzeugen

Sie sich selbst, Legenden überleben sich: A ST/A/R 24 is born. Wir freuen uns

auf die Zusammenarbeit mit dem Süddeutschen Verlag.

Christian Denker, Mitherausgeber

Eierschwammerl

Kurzbeschreibung zu Josef Ostermayer von Teresa Allerstorfer

Unser Café

Josef Ostermayer, geboren am 12. März 1961 in Schattendorf im

Burgenland, studierte Rechtswissenschaften und Soziologie an

der Universität Wien. Nach seinem Studium arbeitet er als Rechtsberater-

und Vertreter bei der Mietvereinigung Österreichs, bis

er 1994 als Bediensteter des Wiener Bodenbereitstellungs- und

Stadterneuerungsfonds in den Stadtrat für Wohnen/ Wohnbau

und Stadterneuerung wechselt, wo er bis 2004 tätig ist. Im Jahre

2003 bis 2004 ist Ostermayer Vorsitzender der Urbania Privatstiftung

und gleichzeitiger Geschäftsinhaber des Wohnfonds Wien.

2007 wird Ostermayer zum Kabinettschef für Verkehr, Innovation

und Technologie (BMVIT) ernannt. Als im Dezember 2008

eine neue Bundesregierung angelobt wird, erhält er die Position

als Staatssekretär für Medien und Koordination im Bundeskanz

leramt.

Ostermayer ist verheiratet und hat zwei Kinder. Wirft man einen

Blick auf seine Familiengeschichte, ist es kaum verwunderlich,

dass er bei der SPÖ Fuß gefasst hat. So wurde sein Großonkel

im Alter von acht Jahren 1927 von Frontkämpfern erschossen,

was schließlich nach dem Freispruch der Täter zum Brand des

Justizpalastes führte. Aufgewachsen in einer sozialdemokratischen

Familie engagiert sich Ostermayer aber erst seit seiner Bekanntschaft

mit Werner Faymann parteipolitisch. Seit der Mietvereinigung,

als Faymann als Geschäftsführer und Ostermayer

als Rechtsberater agiert, sind die beiden nicht nur beruflich eng

verbunden, obendrein verbindet sie eine gute Freundschaft. Die

gemeinsamen Wege ziehen sich fort bis in die Wiener Stadtregierung,

Faymann tätig als Wohnbaustadtrat und Ostermayer als Büroleiter.

Im Gegenteil zu Faymann, der konstant im Mittelpunkt

steht, bleibt Ostermayer eher im Hintergrund und in der Beraterposition

Faymanns. Gerüchte kursieren, dass Faymann Entscheidungen

großteils im Einklang mit Ostermayer trifft, der formal ja

nur für Koordination und Medien im Kanzleramt zuständig ist, in

Wahrheit aber um einiges einflussreicher ist, als man glaubt. Das

Zitat Ostermayers „Unsere Frauen sind der Meinung, dass wir

schon fast eine eheähnliche Situation führen“ lässt erahnen, wie

imposant die Freundschaft der beiden ist.

Privat hat Ostermayer ein Faible für Architektur, so überlegte

er zu Beginn seiner Studienzeit sehr wohl selbst Architekt zu

werden. Interessiert an Neuen Sachen, weniger an Kunsthistorischem,

besucht Ostermayer - auch bei Ausflügen mit dem Kanzler

- Ausstellungen und Museen. Neben seiner Schwäche für das

Museum in Bilbao, ist er durchaus interessiert an dem modernen

Wohnbau. So konzentriert sich sein Interesse vor allem auf die

zeitgenössische Architektur und der Wohnbau im Besonderen:

Leistbare und ökologische klug umgesetzte Figuren und Statuen,

welche lange erhalten bleiben sind ihm die liebste Variation. So

ist sein Favorit der Gasometer B, gestaltet vom Architektenbüro

Coop Himmel-b(l)au. Ostermayer gelingt es, seine Leidenschaft

zur Architektur mit seinem eigentlichen Beruf zu verknüpfen;

so verbindet er das rechtliche mit der Wiener Mietvereinigung

und die Architektur mit dem Wohnbau als Geschäftsleiter des

Wohnfonds Wien. Dabei war Ostermayer sehr fleißig, zehn Bücher

hat der Jurist

bereits publiziert.

Das Lesen zählt

ebenso zu einem

seiner Lieblingsbeschäftigungen,

jeden Tag blättert

er die österreichischen

Zeitungen

durch („Financial

Times“, „Spiegel“

und „Zeit“). In

Puncto seines

Verhältnisses

zum Boulevard,

ist Ostermayer

der Ansicht, dass

Massenmedien

eben die Möglichkeit

bieten, seine

Politik vielen

Menschen näher

zu bringen.

Kurz nach

seinem

Amtsantritt

betreibt

Ostermayer

ORF- Ge-

Bei einem

angehen-

die Ablöse des

neraldirektors.

damaligen

den Minus von

100 Milli- onen Euro, war

es nicht

absehbar, dass

von Seiten

der Geschäftsführung

zweckentsprechende

Maßnahmen

zur Ret-

tung des ORFs

Teresa Allerstorfer

einge-

setzt werden

würden. So

gesehen musste

Ostermayer in diese prekäre Situation eingreifen, da sonst das

Stiftungsvermögen nach kurzer Zeit aufgebraucht wäre. Nach

Einsicht der Geschäftsführung wurden schließlich Regelungen

und Bestimmungen veranlasst, so soll es dem ORF auf vier Jahre

verteilt 160 Millionen Euro an Gebührenrefundierung bringen,

jedoch werden härtere ökonomische Kontrollen durch neue Medienbehörden

in Kraft treten.

Daneben erstellt Ostermayer mit Hilfe der SPÖ ein informationsund

kommunikationstechnologischem Projekt: Help.gv.at bietet

eine moderne Kommunikationstplattform im sozialdemokratischen

Sinne, und verzeichnet einen Rekordzugriff von über 1,15

Millionen Zugriffen im Jahr 2010.

Erreichbar unter 01/53115 Fax: 01/53109

e Mail: josef.ostermayer@bka.gv.at

Josef Ostermayer

Bupa

Dr.Law


Nr. 24/2010 Buch I – Dr. Ostermayer

3

Inhaltsangabe

Buch I - Seite 1–8 Buch II - Seite 9–16 Buch III - Seite 17–24 Buch IV - Seite 25–32 Buch V - Seite 33–40

Buch VI - Seite 41–48 Buch VII - Seite 49–56

Buch VIII - Seite 57–64 Buch IX - Seite 65–72 Buch X - Seite 73–80

Impressum

ST/A/R Printmedium Wien-Berlin

Europäische Zeitung für den

direkten kulturellen Diskurs

Erscheint 4 x jährlich, Nr. 24/2010, Erscheinungsort Wien

Erscheinungsdatum: 03. Mai 2010

Medieninhaber:

ST/A/R, Verein für Städteplanung/Architektur/Religion,

A–1060 Wien, Gumpendorferstrasse 42–44

Herausgeber: Heidulf Gerngross

Mitherausgeber: Dr. Christian W. Denker

Redaktionelle Mitarbeit: Heidulf Gerngross, Dr. Law (Schwachsinn), Manfred Stangl (Ganzheitliche

Ästhetik), David Staretz (Auto), Dr. Christian Denker (Tunten-Brüssel-Wien), Vallie Göschl

(Transcription) , Philipp Konzett (Galerie), Andreas Lindermayr (Gesellschaftsphilosoph),

Julia Allersdorfer (Kuratorin), Teresa Allersdorfer (Politikwissenschaft), Super-Rudi Szyszkowitz

Architektur: Heinrich Büchel, Angelo Roventa, ARTEC Architekten, Treusch Architectue, Werkstatt

Wien – Spiegelfeld Architektur Management, Helmut Wimmer, PPAG mit Dipl.Ing. Milan

Mijalkovic

Kunst: Barbara Anna Husar, Waran (Japan), Norbert Fasching, Hofstetter Kurt, Heiri Häflinger,

Reinhold Kirchmayr, Franz West, Barbara Doser, Ismael Ismet Basaran, Adam Jaroslove Nofuck,

Heike Nösslböck, Otto Mühl, Josef Beuys, Josef Dabernig, Irene Andessner, Michael Maier,

Literatur: Markus Hinterthür, Alexander Schiessling, Manfred Stangl (Ganzheitliche Ästhetik),

Organisation: Heike Nösslböck

Artdirektion & Produktion: Mathias Hentz

Grafik: Markus Hinterthür, Heinrich Büchel

Druckproduktion: Michael Rosenkranz

Druck: Süddeutscher Verlag Zeitungsdruck GmbH, Zamdorfer Straße 40, 81677 München.

Vertrieb: ST/A/R, Morawa GmbH, Hurtig und Flink

Aboservice: office@star-wien.at

Bezugspreis: 4,50 Euro (inkl. Mwst.)

Kontakt: office@star-wien.at” grafik@star-wien.at

Adresse: Gumpendorferstr. 42 – 44 / 2 / R1, 1060 Wien

0043-664-521-3307 Österreich

Coverfoto: Desiree Treichl-Stürgkh mit Archiquantbrille fotografiert von Mirjana Rukavina

ST/A/R wird gefördert von: Bundeskanzleramt und Stadt Wien.

ST/A/R ist ein Gesamtkunstwerk und unterliegt dem Urheberrecht.

ST/A/R dankt allen BeitragslieferantInnen, MitarbeiterInnen, KünstlerInnen,

UnterstützerInnen und FreundInnen.

Marko Duranovic zeichnet das erste

Archiquant-haus in Jamaika für

Nora Goodyear

ARBEITSLOSENMAFIA

Österreichs ehrenwerte Gesellschaft

www.arbeitslosenmafia.at

Christian Futscher (text) und Reinhold Kirchmayr (bild)

Andreas F. Lindermayr

Aus meinem Tage- und Nachtbuch

1. 3. 10

Beeindruckend fand ich auf

meinem Gang die Donau

entlang, diesmal schon in

die Dämmerung hinein und

flussabwärts, einen gewaltigen

Fischotter oder Biber?,

der plötzlich, mit einem

dumpfen Geräusch, aus einem

Kanalrohr in den Strom

flutschte. Die Wellen, die

dabei entstanden sind, liessen

mich zunächst an ein entkommenes

Krokodil denken.

Blödsinn, sagte ich mir bei

genauerer Betrachtung. Dann

sah ich den Kerl flussabwärts

schwimmen. Ein großer

Bursche mit rotbraunem Fell,

dreieckigem Kopf und Knopfaugen, und der typischen Schwanzflosse,

einer so genannten Kelle. Doch! Ein Biber, wie mich Wikipedia belehrte.

Das gibt´s doch nicht! Wie kommt so was in die Donau? Das Tier

war zwanzig bis dreißig Zentimeter breit und mindestens eineinhalb

Meter lang. Und was für Wellen es schlug! Klopfenden Herzens musste

ich mir eingestehen, dass der Anblick dieses Tieres, das womöglich

auf Beute aus war, mir Furcht einflößte. So groß und massig habe ich

mir Biber nicht vorgestellt. Er schwamm entlang der ankernden Frachtschiffe,

ich ging auf seiner Höhe und beobachtete die Enten und Erpel,

die ihm auswichen, beziehungsweise nervös auf- und davonflogen. Der

Biber, dachte ich, sei darauf aus, sich ein Nachtmahl zu besorgen, jetzt

weiss ich, dank Wikipedia, es ist Paarungszeit und was ihn so umtriebig

macht, ist eher der Geschlechts- als der Nahrungstrieb. Die Mannschaft

auf einem ukrainischen Frachtschiff, das etwa 200 Meter vor dem alten

Speicher, nunmehr Hilton-Hotel, ankerte, wurde auf das sich nähernde

Tier aufmerksam und sprang unter Johlen an die Reeling, um den Biber

in Augenschein zu nehmen. Der Bursche witterte Gefahr und tauchte

nun unter dem Gelächter der Mannschaft in das schwarze Wasser der

Donau und verschwand.

20. 3. 10

Die Barbara Karlich-Show, die ich vergangene Nacht mitverfolgt habe,

bringt mich wieder auf einen Begriff, der mir schon einige Tage im Kopf

herumgeht, ohne dass ich wüsste warum. Mikrophysik der Macht. (Michel

Foucault)

Es sind weniger die regierenden Politiker, als vielmehr die kleinen Leute,

die uns sagen, wo es lang geht und es uns nur in seltenen Ausnahmesituationen

wissen lassen. Man wird gewöhnlich stillschweigend dazu

g e d r ä n g t, gewissen Erwartungen zu entsprechen, ganz in dem Sinne

von „Wir alle stehen früh auf und gehen zur Arbeit, du etwa nicht?!“

Der junge Bursche, der sich als Langzeitarbeitsloser der Gesprächsrunde

stellte, tat mir wirklich leid. Man will partout nicht dulden, dass jemand

keiner Erwerbsarbeit nachgeht - auch wenn es keine Arbeit gibt! Egal,

man hat sich trotzdem zu bewerben, Tag und Nacht, unter Umständen

bis einem ganz schwarz vor Augen wird, bis dass wieder ein ordentliches

Dienst- und Abhängigkeitsverhältnis besteht, nicht? Diese Geste

der Unterwerfung will man niemandem ersparen, niemandem. Wir alle

m ü s s e n arbeiten, wird einem fortwährend zu verstehen gegeben

und bei Gelegenheit sogar ins Gesicht geschrien, als wär´s der Zorn des

Gerechten. Man meint bei einer derartigen Haltung aber nicht eigentlich

Arbeit, sondern immer nur entfremdete Erwerbsarbeit und sonst nichts.

Menschen mit einem künstlerischen Anspruch beneidet und beargwöhnt

man im Grunde - das typische Ressentiment des kleinen Mannes

(beiderlei Geschlechts). Wenn aber jemand das Pech hat, sein Talent

nicht gleich vermarkten zu können und sich daher Zeit und Muße

nimmt, um sich vielleicht doch noch zu etwas mehr, als einer bloßen Arbeitskraft

zu entwickeln, gilt er auch schon als einer, der in der sozialen

Hängematte liegt. „Los, an die Arbeit! Tu deine Pflicht!“, verlangt nun

der kleine Mann, ungehalten.

Als demokratisch gesonnener Mensch, in einem sozialen Organismus,

bin ich dafür, dass man ihm das vermeintliche Recht dazu streitig macht

und dass endlich die lang schon versprochene Grundsicherung eingeführt

wird.

Keith

haring

1978 – 1982

28|05|10 – 19|09|10

Street and

Studio

Von BaSquiat BiS Séripop

25|06|10 – 10|10|10

Museumsplatz 1 im

, A-1070 Wien | Tägl 10–19, Do 10–21 Uhr | Infoline +43-1-521 89-33 | www.kunsthallewien.at

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Kontakt. Das Programm für Kunst

und Zivilgesellschaft der Erste Bank

www.kontakt.erstegroup.com

Filmstill: Natalia LL, Consumer Art, 16mm

Kontakt. Die Sammlung der Erste Group

Film- und Videoprogramm

aus der Sammlung der Erste Group

VIENNAFAIR 6. – 9.5.2010

täglich 17.00 – 19.00 h

Peter Weibel, grüß gott, 1967/1972

Tomislav Gotovac, Pravac (Stevens-Duke) / Straight Line

(Stevens-Duke), 1964

VALIE EXPORT, Cutting, 1967

Peter Weibel, Multimedia 1, 1969

Tibor Hajas, Öndivatbemutató / Self Fashion Show, 1976

Natalia LL, Consumer Art, 1972 -75

Sanja Ivekovic, Meeting Point, 1978

Dalibor Martinis, Open Reel, 1976

Hans Scheirl, Straßenbilder, 1979

Rasa Todosijevic, Was ist Kunst Marinela Kozelj?, 1978

Artur Zmijewski, Me & Aids, 1996

Josef Dabernig, Timau, 1998

Carola Dertnig, Revolving Door, 2001

Dorit Margreiter, Jock, 2001

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6

Buch I – Dr. Ostermayer Nr. 24/2010

Adler

Horst

adam jaroslav nowak

Horst

Adler

„politic-supernaturale“

Krone des Kaisertums Österreich, vormals Krone Rudolfs II.,

Ursprungsfoto: Jahn Vermeyen, Kunsthistorisches Museum Wien

© Christian Pußwald, 2009

Christian Pußwald

Ähnlichkeit & Differenz

In der Projektreihe Ähnlichkeit und Differenz stellt

Christian Pußwald, anonyme Portraits, Raumdarstellungen

oder gesellschaftliche Statussymbole in den

Mittelpunkt künstlerischer Bilderzählung. In seinen

großformatigen Fotoarbeiten inszeniert der Künstler

irritierend taxonomische Motive. Ausgehend von fotografiertem

wie gefundenem Bildmaterial, wird mittels

bewusst gesetzter digitaler wie analoger Eingriffe, das

Ursprungsmaterial zu einer ornamentalen Bildtextgrammatik

umgearbeitet. Sein bildkritisches Interesse

wie Fragestellung, richtet sich an die kognitiv performative

Übersetzungsarbeit, welche eingerichtet, zwischen

Auge und Betrachter vermittelt.

Christian Pußwald geht von der Erkenntnis aus, dass

auch die „wirklichste Wirklichkeit“ eine historisch

bedingte Erscheinung ist, die durch die jeweiligen

gesellschaftlich-kulturellen Praktiken und Vorstellungen

bestimmt und hegemonisiert wird. Weiters verweist der

Künstler mit seinen Arbeiten auf Verhältnisbestimmungen

des Mimetischen und Medialen. Er befragt

mediale Operationen, die den Status des – vermeintlich

originär gegebenen – Bildes infrage stellen. Die

Projektreihe Ähnlichkeit und Differenz kann somit als

Beitrag zur aktuellen Debatte über das Verhältnis von,

und zwischen den Bildern verstanden werden, die im

Zeitalter digitaler Reproduzierbarkeit den Anspruch der

verlorenen Unschuld oder auratischen Einmaligkeit

nicht erheben können oder wollen.

Christian Pußwald (geb. 1973, Fürstenfeld), studierte Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste Wien,

er lebt und arbeitet als freier Konzept und Fotokünstler in Wien, Ausstellungen im In und Ausland.


InformatIon.

rasch.

Umfassend.

• Die Arbeit der Bundesregierung

• Alles zum Thema Europäische Union

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Anrufen

Servicetelefon 0800-222-666

Montag bis Freitag 8-18 Uhr (gebührenfrei)

Schreiben

Bundeskanzleramt, Bürgerinnen- und Bürgerservice

Ballhausplatz 1, 1014 Wien

Fax: +43 1 531 15 - 4274

E-Mail: service@bka.gv.at

hingehen

Servicezentrum: HELP.gv.at

Informationen, Beratung und Unterstützung

zu E-Government und Bürgerkarte

Montag bis Freitag 9-17 Uhr

Ballhausplatz 1 (Eingang Schauflergasse), 1014 Wien

internet

www.bundeskanzleramt.at


8

Buch I – Dr. Ostermayer Nr. 24/2010

Mehr

Mehr FreirauM

Wohnen ist Leben. Und Leben braucht Raum. Vom ersten eigenen

zu Hause bis zum Wohntraum bieten wir Ihnen mehr Freiraum.

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Städteplanung / Architektur / Religion

Buch II – die angewandte 9

Ü b e r

Universität für angewandte Kunst Wien

University of Applied Arts Vienna

s c H r e i t

u n g e n

Die Angewandte auf der VIENNAFAIR 2010

W i r p r o d u z i e r e n

kein Hu m a n k a p i t a l ,

w i r p r o v o z i e r e n

Ve r ä n d e r u n g .

Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien

TransArts: Die Universitat fur angewandte Kunst Wien ruft ein europaweit einzigartiges

Kunststudium ins Leben: Das Bachelor­ und Masterstudium TransArts –

Transdisziplinare Kunst bricht radikal mit der viel kritisierten universitaren Praxis

von Fragmentierung und Verschulung und setzt auf Transdisziplinaritat, Offenheit

und Flexibilitat. Sabine B. Vogel im Gespräch mit Gerald Bast.

→ S. 10−11

Spikloud: ein aus Tyvek gefertigter Pavillon, entworfen von

Peter Vikar, Absolvent am Architekturstudio Lynn. Spikloud

besticht durch die fließende Silhouette seiner wabenförmigen

Zellen. Stand A2103 auf der VIENNAFAIR 2010.

→ S. 12−13


10

Buch II – die angewandte Nr. 24/2010

Impressum

Universität für angewandte Kunst Wien

erscheint als Dossier im ST/A/R Printmedium Wien, Nr. 24, Mai 2010

Universität für angewandte Kunst Wien

1010 Wien, Oskar Kokoschka­Platz 2

T: +43­1­711 33 DW 2160, F: DW 2169

pr@uni­ak.ac.at

www.dieangewandte.at

Für den Inhalt verantwortlich: Rektor Dr. Gerald Bast

Konzept und Redaktion: Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement,

Anja Seipenbusch­Hufschmied & Marietta Böning

Grafische Gestaltung: bauer konzept & gestaltung, Erwin K. Bauer & Manuel Radde

Weltsicht statt

Radikale Änderung künstlerischer

Ausbildung

Ein Gespräch mit Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien,

über den neuen Studiengang TRANSARTS

von Sabine B. Vogel

Die Universität für angewandte Kunst Wien beginnt dieses

Wintersemester einen radikal neuen Studiengang, der auf

Projektorientierung statt schulischer Strukturen basiert.

Wie ist dieses Konzept entstanden?

GB: Seit Jahren führen wir Diskussionen, wie wir die Durchlässigkeit

zwischen den verschiedenen Klassen erhöhen können. Als

ich vor zehn Jahren als Rektor anfing, waren Gastspiele nur in

Ausnahmefällen möglich. Eher fand gleich ein kompletter Klassenwechsel

statt. Heute ist es zwar informell und auch formal möglich,

ein oder mehrere Semester in einer anderen Klasse zu verbringen,

aber ein wirklicher Austausch findet nicht statt. So entstand die

Idee zu Inter- bzw. Transdisziplinarität. Als Pilotprojekte hat das

ja mit „Art & Science“ bereits gestartet − allerdings noch nicht in

der Radikalität von TRANSARTS.

SchülerInnen im klassischen Schulsystem lernen kaum projektorientiertes

Arbeiten und entwickeln im Kunststudium dann

nur langsam die für die Kunst notwendige Selbstständigkeit.

Immer wieder werden vorgegebene Themen gefragt – wie wollen

Sie diese kreative Passivität überbrücken?

Eine der stärksten Änderungen ist die Idee eines Projektstudiums

– kommt diese Entscheidung aus Diskussionen mit

Studierenden oder aus Ihren Erfahrungen?

GB: Das ist tatsächlich die Umsetzung von meinen Träumen und

Ideen, die ich schon während meiner Studentenzeit hatte – und

damals nicht umsetzen konnte. Das Prinzip ist nichts Neues, das

wird in der bildungswissenschaftlichen Literatur seit den 1960er-

Jahren diskutiert. Auch das Konzept, unterschiedliche Disziplinen

nicht reguliert nebeneinander, sondern unreguliert miteinander

wechselwirksam werden zu lassen, ist nicht neu. Aber Offenheit

und Formlosigkeit als neue Form für die Kunstausbildung, das ist

ein Novum.

Gibt es dafür Vorbilder?

GB: Inter- und Transdisziplinarität existiert als Forschungsgruppen,

etwa an der Universität Basel, oder wird als Lehrgang an der New

York University und auch im Department Kulturanalyse und -Vermittlung

an der Zürcher Hochschule der Künste angeboten. Aber

als künstlerische Ausbildung in dieser Ausprägung gibt es das bisher

noch nirgends. Bei uns steht nicht nur die fächerübergreifende

Ausbildung im Fokus, sondern dazu die Projektorientierung und

die Loslösung von der Prüfungsausrichtung. Diese Prinzipien verlangen

eine hohe Eigenverantwortung von den Studierenden, aber

auch von den Lehrenden, denn mit der Verabschiedung von dem

prüfungsorientierten Wissenserwerb lösen wir uns zugleich von

dem klassischen Rollenmodell der Ausbildung.

GB: Das höre ich immer wieder. Aber ich bin überzeugt, dass hier

ein starker Kulturwandel passiert. Je mehr Angebote entstehen

und Herausforderungen gestellt werden, eigene Projekte zu entwickeln

– wenn gewünscht natürlich mit Hilfe von ProjektbetreuerInnen

−, desto mehr Studierende werden diese Chance auch

ergreifen. Jetzt ist es ja noch eine exotische Ausnahme – und das

gilt auch für die schulische Ausbildung.

Unser TRANSARTS-Studium basiert nicht auf dem Kreislauf

Vorgeben – Lernen – Abfragen. Stattdessen treten die Lehrenden

als unterstützende ExpertInnen auf, deren Wissen erfragt werden

kann. Die Studierenden müssen ihre Projektinhalte aber vorab

selbst formulieren, können sich Informationen und natürlich auch

Unterstützung im Lehrteam holen. Es wird ein ständiges Spiegeln

der eigenen Praxis geben, denn wesentlich sind die Präsentationen

der Zwischenergebnisse mehrmals im Semester – für alle Studierenden

ab dem 3. Semester verpflichtend. Diese „Project Reviews“

bestehen aus einem künstlerischen und einem theoretischen Teil.

Die Ansprüche an beide Teile werden im Laufe des Studiums

natürlich höher.

Das Reden über Kunst ist eine schwierige Übung – wird das

ein Sprung ins kalte Wasser oder werden die StudentInnen

darauf vorbereitet?

GB: Das wird eine Mischung sein aus diesem Sprung, der Notwendigkeit

des Übens und natürlich Unterstützung durch Veranstaltungen

mit ExpertInnen. Das wird noch nicht in den ersten beiden

Semestern verlangt, die eher der Orientierung dienen. Aber das

Artikulieren der eigenen Konzepte und Projekte und auch Pläne

ist ein ganz entscheidender Teil des Studiums, denn das ist später

im Kunstbetrieb, aber auch bei anderen beruflichen Wegen nötig.

Es gibt breite Felder in der Kultur, wo unsere AbsolventInnen später

tätig werden können, in unterschiedlichen beruflichen Ausprägungen.

Die Fähigkeit zu kommunizieren ist dabei eine Grundlage

und wird immer wichtiger. Kunst als Methode bzw. die innovative

ästhetische Erneuerungskompetenz, über die unsere AbsolventInnen

ja verfügen, ist jetzt schon und wird noch immer stärker ein

extrem wertvolles Gut in unserer Gesellschaft – in einer Dimension,

wie es sich die Leute in den Medien und in der Politik heute

leider noch gar nicht vorstellen können. Der Bedarf an kreativ

denkenden Menschen, an neuen Initiativen und Fähigkeiten wird

enorm steigen, um neue Entwicklungen möglich zu machen.


Nr. 24/2010

Buch II – die angewandte 11

Das ist eine verführerische Aussicht, aber beginnt dieser Prozess

nicht mit einer kompletten Neuorientierung – der ja eine

Desorientierung vorausgeht? Besteht bezogen auf TRANSARTS

nicht die Gefahr, dass in der offenen, sehr selbstverantwortlichen

Struktur die Studierenden zu sehr verunsichert werden?

GB: Das ist ja kein abrupter Wechsel für die Studierenden. Es sind

mehrere Phasen des Studiums vorgesehen. Das erste Jahr ist mit

Einführungsfächern in kleineren Blöcken noch relativ konservativ.

Daneben soll es auch schon kleinere, künstlerische Projekte geben.

Aber zwei Drittel der Zeit sind für die Grundlagen für künstlerisches

Arbeiten und theoretische Fragen eingeplant als Voraussetzung

für die folgenden, großen Projekte. Es existiert eine große

Wahlmöglichkeit aus allem, was an der Angewandten angeboten

wird. Ähnlich breit ist auch das Curriculum, in dem wir zwölf

Sparten aufgelistet haben, von dem in den ersten beiden Semestern

mindestens drei gewählt und darüber Prüfungen abgelegt werden

müssen. Und jemand, der die künstlerischen und theoretischen

Grundlagenfächer nicht alle bestanden oder absolviert hat, wird

trotzdem weiterstudieren können – ein „Sitzenbleiben“ gibt es nicht.

Formeln

Müssen die Bewerbungen für das TRANSMEDIAL­Studium

konkrete Projektideen beinhalten?

GB: Es ist durchaus eine Überlegung, dass die klassischen Mappen

nicht nur Belege der kreativen Fähigkeiten und Kenntnisse enthalten,

sondern die BewerberInnen auch Auskunft darüber geben,

was sie erwarten und warum sie dieses Studium und eben in dieser

neuen Ausrichtung studieren wollen – dazu gehören dann auch

einige Projektideen.

Ein klassisches Thema der Kunst, gleich ob in der Malerei oder

in anderen Medien, ist die Frage: Was ist Raum? Wäre solch

ein weites Feld, in das nahezu alles hineinspielen kann, eine

zulässige Projektidee oder sollen die konkreter sein?

GB: Das wäre sicher ein gutes Grundthema, aber etwas Konkreteres

könnte sicher nicht schaden. TRANSARTS zielt auf eine Kunst, die

gesellschaftliche Relevanz behaupten kann. Ich habe schon mehrmals

gesagt, dass die heutige Kunst Gefahr läuft, sich von der Welt

im Ästhetizismus zu isolieren, statt daran zu arbeiten, was auch

und nicht zuletzt die Kunst bestimmt, nämlich die Welt neu zu

erfinden – oder zumindest daran teilzuhaben. TRANSARTS

ermöglicht sehr gezielt konstruktive Wechselwirkungen zwischen

ästhetischen Potenzialen und gesellschaftlichen, wissenschaftlichen

und technologischen Rahmenbedingungen.

Wie wird das Studium abgeschlossen, wie bisher mit einem

dafür eigens entwickelten Werk oder Projekt?

Wird es keinerlei Prüfung mehr geben?

GB: Der Abschluss ist die letzte Kulmination dessen, was vorher

alles entstand, nämlich ein großes, transdisziplinäres Projekt, das

am Ende des Bachelor-Studiums „Bachelor Arbeit“ heißt, am Ende

des Master-Studiums dann „Master Arbeit“.

GB: Zu jedem Abschluss finden durchaus Beurteilungen statt,

aber nicht mehr in der fünfstelligen Notenskala von Sehr Gut bis

Mangelhaft, die völlig absurd ist in einem Kunststudium − das

erleben wir regelmäßig hier.

Wie viele Studierende können in dem neuen Studiengang

aufgenommen werden?

GB: Das wird im Endausbau zwischen 50 bis 70 liegen.

Der neue Studiengang entsteht aus der Gelegenheit, dass die

Professur für „Bildhauerei und Multimedia“ aufgelöst wird, da

Erwin Wurm sich für eine Karenz (auf fünf Jahre) entschlossen

hat. Was passiert mit den Studierenden der Klasse?

GB: Mehr als die Hälfte der Klasse hat nahezu alle Voraussetzungen

für das Diplom zusammen und wird das Studium bald abschließen

können. Alle können sich entscheiden, nach den jetzigen Vorschriften

fertig zu studieren oder unter sehr großzügigen Bedingungen

in den neuen Studiengang zu wechseln. Erwin Wurm wird

auch Teil des „Visiting Professor“-Systems werden.

In den Leitlinien von TRANSARTS ist die Rede von einem Kernpersonal

– wer wird das sein?

GB: Das Kernpersonal sind alle permanent beschäftigten MitarbeiterInnen

der bisherigen Klasse Erwin Wurm. Im ersten Studienjahr

kommt ein Tutoriensystem für die StudienanfängerInnen

hinzu, abgehalten von StudentInnen der höheren Semester, die

dafür auch bezahlt werden. Nach dem ersten Jahr folgt dann eine

für alle verpflichtende, so genannte „studienbegleitende Reflexion“,

von einem Universitätslehrer geleitet als Möglichkeit für Gespräche

und Anregungen.

Das Studium sieht auch Praktika vor – wo sollen die

stattfinden?

GB: Es gibt klare Stundenvorschriften für das Studium. Durch

Ansammlung von Praktika-Stunden kann man maximal ein großes

Semesterprojekt im Laufe des Studiums ersetzen. Ob das Praktikum

in Galerien, Künstlerateliers oder Museen stattfindet, ist jedem

und jeder selbst überlassen.

Zugespitzt kann man also sagen, dass der Job zum Teil des

Studiums werden kann?

GB: Ja, denn die Transdisziplinarität soll nicht nur zwischen den

akademischen Disziplinen, sondern auch zwischen der akademischen

und der künstlerisch-kulturellen Arbeitswelt entstehen.

Das Studium ist künstlerisch­wissenschaftlich ausgerichtet –

müssen die BewerberInnen beispielsweise naturwissenschaftliche

Kenntnisse mitbringen?

GB: Nein, das ist nicht nötig. Aber es ist nützlich, ein Interesse an

theoretischen Fragestellungen mitzubringen. Dieses Studium wird

sicherlich andere BewerberInnen ansprechen als ein Studium der

Malerei.

Wir wollen mit TRANSARTS natürlich unsere Studierenden nicht

zu ExpertInnen der Nanophysik oder Ähnlichem ausbilden. Es geht

nicht um Ausbildung zu SpezialistInnen, sondern um künstlerischwissenschaftliche

Bildung. Unser Anspruch ist es, das Blickfeld der

Studierenden über die künstlerisch-ästhetischen und handwerklich-technologischen

Aspekte auf andere Gebiete hin zu erweitern,

Anknüpfungsmöglichkeiten an Architektur über Neurowissenschaften

bis zur Quantenphysik zu schaffen. Das hat es bisher ja in

der Kunstgeschichte immer wieder gegeben, und das wird in der

nahen Zukunft sicher wieder wichtiger werden. Mir geht es weniger

darum, die Schiene auf einer klassischen Wissensvermittlungsebene

zu gestalten, sondern vielmehr auf einer Ebene, die man als

Erfahrungsausweitung beschreiben kann, in der weniger die Formeln

als die Weltsicht anderer Disziplinen vermittelt werden. Mit

dem Erlebnis und der Wirkung dieser Weltsichten künstlerisch zu

arbeiten, das ist das Neue und das Wichtige von TRANSARTS.

Zahlt die Angewandte bei den Praktika einen Teil des Honorars?

Wir haben jetzt schon Unterstützungsschienen für Tätigkeiten bei

Partnerinstitutionen. Das führen wir weiter und lenken es speziell

auf diese Praktika. Aber es kann und wird natürlich nicht sein,

dass wir den Studierenden während der Praktika ein Gehalt zahlen.


Städteplanung / Architektur / Religion Buch II – die angewandte 13

Spikloud

... besticht durch atmosphärische Oberflächen und Tiefen, eine

kantige und doch fließende Silhouette und elastische Massen.

Der Pavillon ist von weißer Farbe – aber durch die Konstruktion

aus faltigen, tiefen, wabenartigen Zellen enthüllt die Figur eine

reizvolle Abstufung von Licht zu Dunkel. Seine formaktive Struktur

ist in längslaufenden Folien aus Tyvek gefertigt. Viele, einzeln

aneinander gebaute Schichten bilden ein verdicktes Gehäuse und

eignen sich für Adaptionen ganz unterschiedlicher geometrischer

Gestalten.

Die auf der Viennafair 2010 zu sehende Installation weist

eine sinnliche Form auf, deren Folien parallel ausgelegt und in

einer Matrix so zusammengeklebt sind, dass beim Auseinanderziehen

die Zellen ihre Diamanten-ähnliche Form ausbilden.

Durch ihre Materialeigenschaft und je nach Position nehmen

sie eine unique Form an und tragen zur Stabilisierung der

Gesamtfigur bei. Mit Expansion der Struktur deformieren sich

die einzelnen Zellen.

Peter Vikar absolvierte 2008 sein Architekturstudium bei Greg Lynn an der Universität für angewandte Kunst

Wien mit Auszeichnung. Während seines Studiums hielt er sich für ein Jahr am Southern California Institute

of Architecture in Los Angeles auf. Vikar arbeitete u. a. für UNstudio in den Niederlanden, GLform in den USA

und für Wolfgang Tschapeller ZT GmbH in Österreich. Er ist als freischaffender Architekt in Wien tätig und

Mitbegründer des Ateliers A.Praxis. Arbeitsschwerpunkt: komplexe geometrische Formen in Kombination mit

erfinderischen Bedienungs- und Fertigungsmethoden.

http://www.studiolynn.at


14

Buch II – die angewandte Nr. 24/2010

Die Universität für angewandte Kunst Wien ruft ein europaweit

einzigartiges Kunststudium ins Leben: Das Bachelor- und Masterstudium

TransArts – Transdisziplinäre Kunst bricht radikal

mit der viel kritisierten universitären Praxis von Fragmentierung

und Verschulung und setzt auf Transdisziplinarität, Offenheit

und Flexibilität.

Universität für angewandte Kunst Wien

University of Applied Arts Vienna

expertinnen

Der Hauptfokus des Studiums liegt im Bereich der

Bildenden und Medialen Kunst. Gekennzeichnet ist

es durch Überschreitung und Verschränkung unterschiedlicher

künstlerischer und wissenschaftlicher

Disziplinen: Medienkunst, Sound und Musik, Tanz

und Performance, Architektur, Design, Kulturwissenschaften,

Physik, Neurowissenschaften, Ökonomie,

Literatur, Theater.

Kunst

Wissenschaft

transdisziplinäres

konzeptuell

Denken & Handeln

Mehr denn je ist es heute die Aufgabe von Kunstuniversitäten, zwischen

künstlerischen Disziplinen, Theorie und Praxis, Konzept und künstlerischer

Technik, Produktion und Vermittlung Synergien freizusetzen. Die Angewandte

schafft durch TransArts Fokussierung und Vernetzung. Mit TransArts bietet

sie keine Ausbildung von ExpertInnen für Fachdisziplinen an, sondern bildet

künstlerische ExpertInnen in transdisziplinärem Denken und Handeln.

transdisziplinäre Kunst

transArts

Unsere Gesellschaft verändert sich. Das System Kunst verändert sich.

Eine Kunstuniversität muss diese paradigmatischen Veränderungsprozesse

mitgestalten, nicht miterleiden. Mit TransArts setzt die Angewandte offensiv neue

Akzente. Wir produzieren kein Humankapital, wir provozieren Veränderung.

Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien

internationalität

Offenheit

Vernetzung

Überschreitung

eigenverantwortung

integrativ

Projektarbeit

Wandlungsfähigkeit

TransArts steht für: integrative Projektorientierung statt organisatorische

und fachliche Fragmentierung, für selbstverantwortliche Projektarbeit

statt Verschulung durch curriculare Überreglementierung.

personelle Vielfalt

Visiting Lecturers

Kontakt:

+43­1­711 33 DW 2160

pr@uni­ak.ac.at

www.dieangewandte.at

Beginn: Oktober 2010

Visiting Professors

Ein Netzwerk von KünstlerInnen, WissenschafterInnen und sonstigen

Akteuren im System Kunst, die wechselnde Lectures und Workshops

abhalten, ersetzt die Klassenleitung durch eine Person.


Nr. 24/2010 Buch II – die angewandte

15

The Essence 10

Jahresausstellung der Universität für angewandte Kunst Wien

Eröffnung: Mi, 23. Juni 2010, 19:00 Uhr

24. Juni − 18. Juli 2010

Ausgewählte Arbeiten und Projekte

Künstlerhaus, Karlsplatz 5, 1010 Wien

Di − So 10 −18, Do 10 − 21 Uhr, Mo geschlossen

pr@uni-ak.ac.at, www.dieangewandte.at


16

Buch II – die angewandte Nr. 24/2010

Das erste Buch im Verlag

ST/A/R Printmedium Wien

Barbara Doser

Video-Feedback – Poesie der Lichtmuster /

Lyricism in Patterns of Light

„Zu Beginn der Videokunst in den 1960ger Jahren

führen Experimente auch zu Video-Feedback als

faszinierende Methode der Generierung abstrakter

Lichtformen. Dabei wird eine Videokamera auf

einen Monitor gerichtet, mit dem sie gleichzeitig

verbunden ist; d.h. die aufgenommenen Bilder

des Monitors werden gleichzeitig zu den Bildern

der Aufnahme. Es kommt zu apparativer Rückkoppelung,

die am Monitor abstrakte Muster organischer

Formen generiert. Beim Betrachten von

Video-Feedback trifft die Verführung des bewegten

Bildes auf die instinktive Neugierde, dem autogenerativen

Entstehungsprozess organischer

Formen zuzusehen – dabei zu sein.

Seit 1993 arbeitet die Künstlerin Barbara Doser

mit der Video-Feedback-Technik und generiert

Videomaterialien aus denen ihre künstlerischen

Arbeiten entstehen. Mittels unterschiedlicher Bearbeitungsstrategien

ge langt sie zu einzigartigen

und unverwechselbaren Resultaten abstrakter

Kunst. Es geht ihr um „die Formen in Bewegung

und Bewegung als Form“.

Barbara Doser verwendet Video-Feedback nicht

als optischen Effekt, um Bilder zu verfremden,

sondern konzentriert sich singulär auf das Video-

Feedback-System als einzige Bildquelle an sich.

Dabei wird das Video-Feedback Material immer

wieder aufs Neue untersucht und durch Mutationen

verändert, um zu neuen Bildkosmen zu gelangen.

Es ist eine faszinierend abstrakte Welt

von Lichtpoesie, die sich da für den Betrachter

eröffnet und ihn in den Bann am Ereignishorizont

sinnlicher Wahrnehmung zieht. Ihre experimentellen

Kunstvideos, Installationen und Momentaufnahmen

– Standbilder, umgesetzt in Tafelbildern

und Prints – geben eindrucksvoll Zeugnis davon.

(...)“

Aus dem Vorwort des Herausgebers Zwei Kongruent

Null, Verein zur Förderung von Projekten

aus Kunst und Wissenschaft auf nationaler und

internationaler Ebene.

“In the 1960s, during the early days of video art,

experiments produced among other things video

feedback, a fascinating way to generate abstract

light forms. To produce this phenomenon, a

video camera is pointed at the monitor to which

it is connec ted. The result is that the images

of the monitor being fi lmed are then displayed

on that same screen. Feedback is produced,

and abstract patterns of organic forms appear

on the monitor. When viewing video -feedback

material, the seductiveness of the moving image

joins the viewer’s instinctive curiosity about the

autogenerative process in which organic forms

are created – and witnessing it take place.

Artist Barbara Doser has worked with video -

feedback technology since 1993, generating

video materials that are used as the basis of her

artwork. A variety of processing strategies are

employed to produce unique and unmistakable

examples of abstract art, which represent “form in

motion and motion as form.”

Barbara Doser does not employ video feedback

as an optical effect for the purpose of altering

images, she concentrates on the video-feedback

system as the sole source of her images. This

material is examined in a variety of new ways

and mutations are produced, taking us into new

visual cos moses. A fascinating abstract world

characterized by a lyricism of light is opened up

to the viewer, drawing them to the event horizon

of sensory perception. Her experimental art

videos, installations and snapshots – stills that are

turned into paintings and printed works – provide

impressive evidence of this fact. (...)”

Foreword by the Editor two congruent zero |

modulo arts and science

Bestellung / Order

Barbara Doser: Video-Feedback –

Poesie der Lichtmuster / Lyricism in

Patterns of Light

Hg. / Ed. Zwei Kongruent Null,

ST/A/R Printmedium Wien, 2010.

Format 300 x 210 mm, 160 Seiten in

Farbe / pages in color, deutsch / english.

30 Euro

mit DVD / with DVD (Videocompilation by

Pa-rallel Media – Barbara Doser and

Hofstetter Kurt) 50 Euro

Kontakt / Contact

twocongruentzero@gmx

www.sunpendulum.at/barbaradoser


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch III – Waran 17

also

sinbad der seefahrer ist

gestrandet, da kam dann

bruce allmaechtig. also machte

sinbad kleinholz aus diesem kerl um feuer zum

kochen. die streichhoelzer hatte er sich aus dem

arsch gezogen. wo wir wieder beim thema sind...

brutus die wasserschlange kriecht sich sogar selber

in den arsch.

als sich bruce wieder gesammelt hatte kam er zum

feuer. doch ploetzlich kam aus dem nichts freitag.

und das an einem freitag. alle dachten sich was fuer

ein koestlicherzufall und lachten sich traenen zum

geschmacksverstaerker fuer die miso suppe. die

dann auch wieder koestlich schmeckte. nur robinson

crusoe wollte an diesem abend nichts essen.

und ploetzlich kam wieder robin hood. der koenig

der diebe. also freute sich die ganze meute ueber

die fette beute.

und dann kam jesus auch noch, er brachte 200

stueck parkamed mit. und so schlossen alle drei

freundschaft mit ihrem bruederlein. doch ploetzlich

kam he-man der groesste trottel von allen, aber

ein hohes tier das keiner fliege was zuleide tut. mit

allen wasser gewaschen. he-man liebte schnelle

autos deshalb war er der lustigste von allen. mit

einem affenzahn gings bergab mit ihm. er schnallte

sich nie an. und bei einer polizeikontrolle schnallte

er sich dann wieder an. er war wirklich gerissen

dieser he man.

als dann so der wind wehte und sich drehte beschlossen

sie sich nicht umzubringen was immer auch

passierte. also brachten sich alle sofort um.

Leider wurde einiges Gestrichen

aus der holy bible‚

Adams erste Frau hieß

Lilide und brach ihm die Rippen . Er schlug zurück

und brach ihr die Nase

Gott verwünschte diese Frau und sie wurde der

Osterhase Playboy Bunny genannt so

begann allles mit dem HERUMGERAMMEL

Vor deinem Chef schweigst du und im Stadion

schreist du Wer hat den BALL erfunden ?

mannschaftsdienlich platzwunde

mann kopfstand

alle

wONNA BE LIBERTY

wHEN FREEDOM IS LOCKED UP

YOU CAN BE SHURE THAT´S NOTHING LEFT

FEEL FREE IN PRISON

CAUSE THERE´S NOTHING YOU´RE MISSING

EVERYTHING IS ORGANIZED

NO RUNNING ROUND IN CIRCLES

UNTIL IT´S TIME FOR BED

PLAY MAD

ENJOY SO

MANY SOULS

HOLD ON

LAUGHING FOR SUCH A LONG LONG TIME

SOME OV THEM NEVER WONNA LEAVE

OTHER HAVE HOPE TO ESCAPE SOON

iF SOON LAST

TO LONG

-CONFIDENCE IS

BROKEN

RESIGNATE

FRUSTRATION IN

EVERY NATION

IN AND OUT

AND IN AND OUT

AFTER TEN YEARS U CAN GO „HOME?“

BUT HOME DOESN´T EXIST ANY MORE

YOU LOST

WHAT TIME CHANGED

IN THE TIME BEHIND THE IRON CURTON

HOME DOESN´T EXIST

FRIIENDS DON´T

WONNA BE FRIENDS

NACH ALLEN RÜCKSCHLÄGEN BESCHLIESST DU WIEDER

EIN DING ZU DREHEN; UM NACH HAUSE ZU GEHEN

WO SICH NIEMAND

NACH DIR UMDREHT

WO DU NICHT ZU

SPÄT KOMMEN KANNST

WO DU EINE

NUMMER BIST

WO DU KEINEN

SCHLÜSSEL BRAUCHST

WO SCHLECHT

GEKOCHT WIRD

WO NIEMAND SEIN

WOLLTE

wO DU ABER BIST

WO DU ZU HAUSE

BIST UND BLEIBST

WO DIE TÜR VON

AUSSEN ZU IST

WO DU INNERLICH

VERBLUTEST

WO DEIN HERZ

GLAUBT ES GIBT GAR KEINE FREIHEIT

{drinnen nicht und draußen nicht}

in den meisten gehirnen ist rechts außen der freiheitliche

Libero trenne das Weizenbier vom

spreu das ekh is versiffter als die punks

und geschichte is unumgänglich daran kommen

wir nicht vorbei was da kommen wird lieber

mitschrein als an die wand gestellt werden

selbstschutz fremdenpolizei notwehr bürgerwehr

kuschelasyl für osterhasen

swingerclub im bärental mehr

ist da nicht mehr rauszuholen aber politisch

kann ich gar nicht mitreden bin in geschichte

durchgefallen und in fußball auch

die Freude am Leben überwiegt weil man sie mit

Gold aufwiegen kann wünsche mir sehnlichts

wieder hexenverbrennungen

und Wanderungen im Naturwunderpark Hohe

Tauern

Malzeit zu jeder zeit

Essen auf Rädern

bike me back to broklyn brigde

say

no say yes say ho ho ho grüße

an die Kinder und die Frau also Tschau

was machst du eigentlich, haben sie dir jetzt

wirklich den schwanz eingezogen, ich dachte du

kommst zurecht mit dem punktefuehrescheinehe

scheinheiligenberater

was hast du gegen wiederbetaetigung, um was

gehts eignentlich bin ich hier im autokino.

mehr sexualitaet in der gosse.

du kannst mich mal kreuzweise.

ich war der jenige der jesus christus erloest hat,..

ich sags dir massier dein zahnfleisch jeden tag,

sei nicht so bestuerzt beim stolpern, das leben ist

ungerecht,...

an alle auslaender, ihr solltet langsam abhauen,

bist ja

schlimmert als die

drecksschlalmpe

belinda

wie oft willst du dich eigentlich noch wiederbetätigen

in einem bauernbund bist du da am

besten aufgehoben die verstehen deinen senf, der

keiner ist wenn dich schlechtes gewissen

plagt hast du dort genug freunde die gemeinsam

etwas heraufbeschwören was einmal extrem

laut und an der Tages ordnung war wähle die

FPÖ du hast eh keine andere Wahl

Die

dunkle seite der macht sei mit dir , es ist kein spaß

nicht damals und nicht irgendwann. sieh das als

warnung

grottenschlecht die eigene Meinung kommt

aus der Krone heute zu lesen nur weil

es gratis ist

Wir sind alle opfer unserer

Ahnenforschung

alle waren doch

irgendwie berittene Nazis und haben uns diese

Einstellung vererbt, in form von muttermalen nach

weiter auf Seite 23 Ω


MULTIPLE MATTERS

Grafische Konzepte

Begleitprogramm

Eduardo Chillida

Antoni Tàpies

13. 5. – 13. 6. 2010

k/haus Galerie

Buchpräsentationen

Fritz Ruprechter

Walter Pamminger

Viel/Falten

20. 5. 2010, 19 Uhr

Markus Hanzer

Krieg der Zeichen

10. 6. 2010, 19 Uhr

k/haus

Papergirl

Streetart-Aktion

26. – 28. 5. 2010

k/haus Passagegalerie

multiple matters

Screening

Experimentelle grafische

Animationsfilme

27. 5. 2010, 20.30 Uhr

28. 5. 2010, 22.30 Uhr

29. 5. 2010, 11 Uhr

k/haus Kino

Symposium

Matrix

Andrzej Bednarczyk (Polen)

Philipp Maurer (Österreich)

Sören Meschede

(Deutschland / Spanien)

Frieder Nake (Deutschland)

Robert Peters (UK)

Marta Raczek (Polen)

Aisha Ronniger (Deutschland)

28. – 29. 5. 2010

k/haus

Druckwerkstatt

multiple matters

10. – 21. 5. 2010

k/haus Passagegalerie

Führungen

Ab 14. 5. 2010

jeden Freitag, 16.30 Uhr

Auf Anfrage auch in

polnischer Sprache

01 / 587 96 63 / 46

7. 5. – 13. 6. 2010

Künstlerhaus

Karlsplatz 5, 1010 Wien

Täglich 10 –18 Uhr

Donnerstag 10 – 21 Uhr

www.k-haus.at

International Print Network Krakǒw – Oldenburg – Wien

künstlerhaus

Foto: Dürer-Hase, Klaus Staeck, 1987


Nr. 24/2010 Buch III – Waran

19

[t]raumhaus von Architekt Heinrich Büchel, 2010

[t]raumhaus

RAUMMODELL MASSSTAB 1:33 1/3, modellbau Martin Murero www.martinmurero.com


Städteplanung / Architektur / Religion Buch III – Waran 21

Die Kunst, Reduktion

und Perfektion zu vereinen.

Der neue Audi A8. Die Kunst, voraus zu sein.

Eine treibende Kraft im neuen Audi A8 ist sein innovativer Leichtbau – er definiert Dynamik und Effizienz in

dieser Klasse neu. Im Zentrum stehen dabei die neueste Generation des Audi Space Frame und hochmoderne

Aggregate wie der 4.2 TDI Motor. Audi Technik, die zeigt, wie sportlich, präzise und effizient sich eine

Limousine heute bewegen lässt. In Zahlen: 258 kW (350 PS), 800 Nm Drehmoment und ein CO 2 -Ausstoß

von nur 199 g/km. Wir nennen das: Die Kunst, voraus zu sein. www.audi.at

Kraftstoffverbrauch gesamt: 7,6 l/100 km. CO 2 -Emission: 199 g/km.

770x528_A8Front_Star.indd 1 16.04.10 10:56


22

Buch III – Waran Nr. 24/2010

http://www.youtube.com/

watch?v=vA99TumSVcc

raum für kinder / licht von oben

sms mit „echo” an

0676 800 92 022

(Gratis QR-CODE-READER)

wettbewerb / 1. preis / 2006 / Architekt Heinrich Büchel


Nr. 24/2010 Buch III – Waran

23

Fortsetzung von Seite 17 Ω

farben zuerst brennen Autos dann brennen

Bücher und dann brennen Menschen vor lauter Liebe brennen\

franzoesiscjhe revoluscheissegal

Wein und Wien läßt sich

nicht brennen

Wien was hier passiert ist raffiniert.

zu viele gebrochene Lullis

im Semperdepot was ein Gestapo stützpunkt

aber die möchtegern Künstler sind zu angepasst

wollen nicht unangenehm auffallen wollen gefallen entartete Menschen weit

weg von friede feuer eierkuchen.

du kannst dir denn mundfusslig reden vielleicht findest du am ende nie Feinde trotzdem

wars schoen.

eines noch

beim nächsten mal wirds nicht so lange dauern

nein stopp es wird kein nächstes mal geben jetzt in diesem Leben sollte

dir noch einmal etwas durch den Strich gehen und irgendwer daran schuld sein

freu dich.

du brauchst dringend erste hilfe.

und es stimmt alle zweihundertjahre braucht der mensch ein schluck wasser. und die die zu faul

waren, muessen heute das doppelte essen

alle werden satt. genug damit. kohldamf fuer alle

buddhisten sind die besseren faschisten.

bei uns kommt kein schaaf ungeschoren davon. wie war die bibelstunde...

meine oma fahrt auf opas glatze ab. hitlerbaertchen bleibt

was kann ich mir sparen und was nicht...

also das sparschwein kann ich mir in die haare schmieren.

und jetzt scheiss auf alles was sich bewegt, steine koennen auch lugen.

stoascheissa koarl der grosse

erzherzog andreas schwammerltaucher

bladlblunznhackefett

sesam offne dich, du stinkst

du kannst die finger wieder von derherdplatte runtergeben... ich hab sie abgedreht.

und jetzt 1 liegestuetz im stehen ohne anhalten

ich habe so meine forderungen sonst knall ich mich selber ab du knallfroschbeidlsuppenkasperl.

deine suppe ess ich nicht.

Von: UFUK SORBAS

An: rudolfo Germknödlgross

Gesendet: Sonntag, den 14. Februar 2010, 0:45:48 Uhr

Betreff: RE: AW: the eye of the tiger

vertraulich halte ich ab jetzt meinen Mund

Date: Thu, 11 Feb 2010 13:09:26 +0000

From: waran2705@yahoo.de

Subject: AW: the eye of the tiger

To: waran1971@hotmail.com

gib mir eine adresse oder mehrere wo ich meine ganze schmutzwaesche hinschicken kann.

und das mit verbundenen tigeraugen, das mir ja keiner zusieht beim wahrem wixen.

und besuch mich nicht am elefantenfriedhof, weil das elfenbein haben sich die dunkelelfen unter

den nageltower gerissen

neue spielregeln, alles ist verboten

hartherzigkeit, vorsicht, und falschheit

kann sich sehen lassen... tut sie aber nicht mehr,... so jetzt bin ich boese...

auf die knie nigger

und der dank ist der alltag, der kosmisch gesehen ein schattenjahr zu dem ist was die regel

verspricht

sich nicht. ich hasse seinen erzieher, ich koennte ihm den kopf abschlagen. aber alle reden von

2012. ich sag dir der teufel steckt nicht mehr im detail. er ist gross und machtig und koennte mich

jederzeit umbringen, mit einem fingerschnipps. aber solange ich noch was zu erledigen habe kann

ich nicht aufgeben.

schenk ihr doch einfach ein jing jangzeichen in gold und violett und wirf sie dann in den jang zse.

wetten sie kann doch schwimmen, die versoffene grottengrindige drecksfut igitt...

Von: UFUK SORBAS

An: rudolfo Germknödlgross

Gesendet: Sonntag, den 7. Februar 2010, 22:30:16 Uhr

Betreff: the eye of the tiger

Der Schmerz und sein Samurai haben sich bereits komplett zerstritten und sie gingen getrennte

Wege

Wegen unüberbrückbaren Grenzen

wo meine Freiheit aufhört fängt die des anderen

schon an

und trotzdem alles nur Synonyme also Floskeln also umschreibungen für etwas das sich nicht aussprechen

lässt

hart aber herzlich dieses wunderschöne wunderbare Leben unendlich in einem Augenblick

gefangen und mehr als dass

Trefferquote liegt bei 5,6 Promille da spricht das ich und immer noch nicht kommt es der

ganzen Wahrheit nahe

Menschen lügen und lügen und lügen Jeder lügtsich selbst ins Gesicht Lügen Lügen Lügen nichts

als Lügen

zu schön um wahr zu sein es müssten mehr wörter erfundn werden um besser lügen zu

können

Ich bin seit 2001 Multimillionär und das ist keine Lüge

Ich arbeite von 18 uhr bist 22 uhr abends fahre immer mit einem schwarzen Mercedestaxi heim

auch keine Lüge

Mein Bruder stirbt jeden Tag um 16 Uhr keine Lüge

die Mariahilferstrasse ist ein Wendeltreppe keine Lüge gehts hinauf oder hinab kommt

drauf an

unten oben hinten vorne

wenn der Verstand versagt und visionen sich zur realität bereiterklären will ich einem Tiger gegenüberstehen

Aug in Aug

und mich nie wieder bewegen

ein Stein kann alles weiß alles und tut einfach nix nur rumliegen

Tiere werden vom menschen dem menschen untergeordnet um das recht zuhaben sie zu versklaven

sie zu vernaschen und sie zu verTaschen kroko schni schna schnappi Fleisch

bringt´s

10 quadratmeter für jeden willkommen im Menschenzoo wer kommt darf bleiben

wer geht

es geht jetzt ans eingemachte

marmelade ingwer mango lychi supersonnig

piffti- paffti- trallalla

Danke gott sei danke Affen köönnen auch lügen von

moment zu moment

moment mal nicht mit mir moment mal oder doch moment mal dass soll´n doch lieber die

andern für mich entscheiden

so wie gehabt

und sie dreht sich und drecht sich und dreht sich BALLd dreht sie

durch

voll das Leben

Begeisterung zunehmend Gesicht wechselhaft

Date: Thu, 14 Jan 2010 19:20:44 +0000

From: waran2705@yahoo.de

Subject: AW: AW: nervengas cc4

To: waran1971@hotmail.com

ja ich bin jetzt ich bin aufgeblattelt, aber diesmal wirklich, für den rest meines lebens

kapitel eins und

letztes

Zum buch:

des bringts alles nichx, zu privat

jet das ganze...

kapitel eins und letztes

kein high noon, weit und brWeit,

ewig nicht gesehen,...

warum noch ungefragt worte fassen

weshalb nicht gleich hinter gittern...

mit solchen wixern wie mir, die

schwangere frauen todpruegeln

damit sie der todesstrafe entgehen.

ich muss nur noch lernen sperma

schlucken, und mich in den arsch fikken

lassen. dann bin ich ein gemachter

mann, und kann mich wieder

ueberall sehen lassen.

ich muss ja nicht alles ausspukken

raus mit der wahrheit rein

ins vergnuegen

ein heisses bad eine warme muschi

drei gramm koks ein arschtritt

futlecken

besser ich schlaf doch wieder unter

der bruecke, bis ich wieder zur besinnung

komme. auf trab halten

refrain: ich kann das geschwatz nicht

mehr hoeren....schmatz

wer beim traeumen denkt dem

kann geholfen werden

auferstanden von dem boesen

liebe homeyo

ich glaube wenn du zwiebel schneidest,

und es in den augen brennt,

dann ist das feuer heilend...

gegenfeuer brandrodung alles

gute rudi

heiraten + kind

ausstiegsklausel ehevertrag

managergehaelter

kapitel zwei: ohne zirkeln keine

bananne, ball flach halten...

leute scheissen in die ecke... mit

denen musst dich konkurieren.

kuenstler werden geschmiert wie

fussballspiel.

der preis ist zu hoch, kann sich kein

mensch leisten

der marktwert steigt ins

unermaessliche

soccer vs kunst

ich wuensch mir den erstickungstod,

an meiner eigenen kunst soll ich

ersticken

nikori - pikori

fahr dir mim auto ins auge, des

brennt auch

fahr dir mim finger in oasch

fahr dir mim kleinen finger in

oasch

fahr dir mim ringfinger in oasch

fahr dir mim daumen in oasch.

fahr dir mit

fahr vorsichtig mim mitelfinger ins

oasch

fahr in oasch

fahr mim

schreiben wir uns nix vor. beschreibe

mich nicht so schoen, das bist du mir

nicht schuldig.

...mein freund der schrifftsteller.

dann stellt er sich selbst

sindbad der seefahrer

stoof ausgegangen, dem tapferen

schneiderlein. venom von villendorf

chie manabe makeba mimi altweger

arena beisl

ganz deiner meinung, immer der

nase nach, roten nasen

st‘anna kinderspittelau,.... kennedybruecke,

kobra uebernehmen sie sich

vieh und pie geboren im

schweinestall

zu dumm das ich nicht denken kann,

selber ausmalen...ausrechnen anpeilen

durch die wurzel dividieren

kopf ist die wurzel

tischlein deck dich esel nstreck dich

knueppel aus em sack

langweilig dafuer aber umso besser

tiefenpsychologische ansichten

gewoehnungsbeduerftiger

kirschblueten tee

der alte schmaeh von morgen

hat schon so an bart ungeboren

reiss dich zamm, flick dich, orig.

japanische unterflack drueber

kommt nix

tatoo kinderscheisse ur hoat wie ein

brett kopfstand anwurzeln lassen

himmel und erde

ja, koennte funktionieren wenn

der funke ueberspringt alle vier

klassen der volkschule, hauptschule,

mittelschule,... kometenhafter

aufstiege abgang durch die mitte

die goldene linke

raketen schubumkehr,..... wechselstrom

gleichschalten auftrieb

ganz natuerlich

olympisches blech spielzeug waffenverbot

fuer alle gerngross

mit ohne ausnahme

sportskannonen uber board

delphinschwimmreifen

viel faellt mir nicht mehr auf den

kopf, beine spreizen, zehen spitzen,

rasierklingenmesserscharf der

stumpfsinn

egal entzuendungen fernzuendungen

dynamit zuendschnurbart

kinderscheisse

Sein Lieblingsspruch ist: Das ist

doch alles nur___nur KINDERSCHEIßE

Die Computer und Maschinen sind

immer wissbegieriger was in ein

Menschen so forget it

Sie sind in ihrem Wissensdurst unstillbar,

das iost holt so..

Sie planen die Übernahme der der

raifeisenkassa samt herman maier

und sesamstrasse plus milchpulver

schnee Sie nehmen uns die Arbeit

weg vertraeumt,... sie verlieben sich

Sie nehmen uns die Kinder weg Sie

nehmen uns mit auf die Reise zum

mond sie vermehren sich wie die

kanikel

Die Stadt kommt nicht mit das

gemobbte Land ohne Menschen

INTERcity express wo bist du

???? STANDBY me. darling

Notsrom aggregate für Hektar

große Datenbanken

SAMENBANK am suedbahnhof

jede Pflanze als Samen alle auch die

Illegalen und besonders western

union die die man nicht kennt

besonders die thosiva skunk

Wer die Stadt betretten will und

retten gibt ein Intercity enter

yourself

A5 DDR 333 D1 EPOX G2 Raid

L3 0,1,0+1 P4 usb2.0 8K5A2+

Aber aufgepasst einmal drinnen kein

Entrinnen. verdampfen wir halt

zusammen

und trotzdem ist es eine zu starke

Versuchung selbst für mich selbst

der auf der nudelsuppe schwimmen

erlernt aht.

Neues Spendenkoto für Belinda in

Not erdbeben soforthilfe spenden

PSK DER REST IST KINDERSCHEIßE

bin mit meinem latein amerika am

ende

schauen wir was der rechner

ausspuckt

yokohama & john lemon suess sauer

sodbrennen feuerloeschen tintenkiller

y loeschpapier brennt, papier geld

auch

willl bares sehen nur bargeld

keine nummern

reines gold 24 karat gold

schwarzer gurt anschnallen bitte

der unterhaltungswert eines kuenstlers

liegt bei wwer sitzt in der jury

wenn kann ich bestechen mit einem

laecheln

bruce lee sieht rot und verlaesst das

spielfeld ohne auch nur den ball einmal

gesehen zu haben. ich geb‘s auf

hab noch nie einen fisch gefangen

ausser beim dancing star

__________________________________

____

sogar die lunge ist eine pumpe

herzstillstand keiner bewegt sich,......

nur wir zwei

jeder von euch eiern pumpt mir

10000yen. das sind umgerechnt 5

lebensjahre freizeit mehr pro monat

gratis dazu. und dann verpisst du

dich mit deinem morgenurin zurueck

ins abenland du ewiges mittagsschlaefchen.

du laesst mir keine ruhe!

und kein sterbenswoertchen zu

mama.

afrika

bitte um umsicht beim fremdgehen

bitte vergib mir nicht mehr so

schnell. weltrekord voreileig gebrochen.

haile gebrselassi 2:03:59

alle laufen fuer den weltfrieden, egal

ob morgen die welt untergeht.

der rest ist viel zu romantisch

bin totalverzweifelt wegen der

aussichtslosenlage im all. mein herz

schlaegt nur noch fuer sich. ich kanns

nicht mehr aufhalten. ich bin so

deppert und denke mit allem was

ich kann. habe mich total verstrickt

und lebe jetzt im einklang mit der

zivilisation.

wer weiss was noch alles kommen

mag.... der antichrist in form von

buddha, judas in form von liebe, die

heilige schrift in form von zahlen.

als menschenhaendler sitzt er sicher

am laengerem ast.

ich sags euch noch einmal, wenn

noch irgenwer mit mir voegeln will

und keine blondine und strohdumm,

inderin, afrikanerin oder indinerin/

wahlweise eskimo ist, dann kann

ich nur sagen* dir habens in die fut

gschissen.

applaus ist der tod der sinnlichkeit,

die blockade des seins. wer soetwas

seinen kindern lernt, gehoert in den

knast, und dort treffen wir uns sicher

nicht, weil ich doch lieber in der

gummizelle kaugummi kaue, und

plastick fresse und erdoel junke. was

machen wir nur mit unserem planeten,

glaubt ihr wir finden irgendwo

im all noch einen anderen planeten

zum durchficken. der wird so ausgewtzt

sein das keiner mehr spass

daran hat. alle werden freiwillig

schwul, und setzen sich fuer die rechte

der schwulen ein und vergessen

das wir nicht vergessen koennen. gut

so

ob ich s will oder nicht, ich bin eine

impotente fickmaschiene

ich bin eine grindige sau. ich ficke

alles was haare zwischen den beinen

hat. ich meine das ist ja schon ein

fortschritt in die falsche richtung.

glaubt ihr wirklich wir gehen aufrecht.

das stimmt nicht so ganz. wir

wurden hochgezuechtet. in wirklichkeit

ist meine wirbelsaeule total

kaputt. aber irgenwelche faeden

halten uns aufrecht. wenn wir diese

durchtrennen koenne wir nocheinmal

laufen lernen....

und der rest ist kinderscheisse

__________________________________

____


24

Buch III – Waran Nr. 24/2010


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch IV – AUTO-ST/A/R 25

David Staretz

schreibt, redigiert und fotografiert den Auto-ST/A/R

Foto: Viktoriya Sitochina©

David Staretz

schreibt, redigiert und fotografiert den Auto-ST/A/R


26

Buch IV – AUTO-ST/A/R Nr. 24/2010

TMercedes-Benz SLS AMG

WAS ALLES FLÜGEL HAT

Alu-Spaceframe, Trockensumpfschmierung, Transaxle-Getriebe, Flügeltüren. Alles

schon dagewesen. Aber noch nie so dramatisch inszeniert.

TEXT UND FOTOS: DAVID STARETZ

Reisebusse kriegen Schlagseite, Fotohandys

geraten in Brand. Blumenhändler satteln

um zu Autohändler. Polizisten stellen einander

philosophische Grundsatzfragen.

Pizzateige landen als rotierende Pizzahüte auf Kundenköpfen

und Lastwagenfahrer kippen samt Kabine

vornüber. Skinheads weinen leise in sich hinein und

Therapiegruppen finden endlich zum Urschrei.

Der SLS AMG ist in der Stadt. 571 PS brabbeln

grundböse. 6,3 Liter Hubraum verleihen ihnen das

nötige Volumen. Jeder der acht Zylinder hat für sich

790 Kubikzentimeter Hubraum. Dennoch wirkt der

Motor geradezu verloren im langen Schacht: Er ist als

Front-Mittelmotor konzipiert, findet also zwischen

Vorderachse und Spritzwand statt. Weiter vorn ist

Kühler und sonst nichts Wesentliches untergebracht.

Hätte glatt noch ein zweiter V8 Platz.

Die über der hohen Flankenlinie weit nach hintengeschobene

Kabine wirkt wie ein Resultat immerwährender

Beschleunigung. Slick und elegant glänzt das

Coupé in dieser grauen Alubeam-Fließmetall-Lackierung,

die den Wagen immer liquid erscheinen lässt,

wie von jahrtausendelang brandenden Naturkräften

herausmodelliert aus dem Vollen.

Dann, wenn sich nach der ersten Aufregung wieder

alles zu beruhigen scheint, entfalten sich die Flügel.

Verkehrsstillstand.

Alte Formen der Höflichkeit sind beim SLS wieder

angebracht: Die Mädchen erreichen vom Beifahrersitz

aus kaum den Zuziehgriff, man verschließe sie

nach dem Einsteigen wie wertvolles Familiensilber

in der Schatulle.

Ein Rundgang um das Auto ist wie eine Expedition

durch die Geschichte des Hauses, als das Uhlenhaut-

Coupé und der 300 SL mit Stahlrohrrahmen den

Höchststand des Sportwagenbaus in den fünfziger

Jahren absteckten. Ähnlich wie beim BMW Z8 wurde

nicht an Zitaten gespart, was immer eine gewisse

Unsicherheit auf Herstellerseite durchklingen lässt:

Was einmal erfolgreich war und heute Legende ist,

kann nicht fehlschlagen. History als Hypefaktor.

Aber es gefällt uns ja trotzdem: Der zentrale Turbinenstern,

die weit außen liegenden Scheinwerfer,

die verchromten Finnen vor der verhältnismäßig

aufrechten, verhältnismäßig kleinen Windschutzscheibe.

Auch die Flankenverläufe verweisen an den

300 SL.

Gebaut, wie man nicht müde wird zu betonen, wird

der SLS AMG in Affalterbach. Was für eine Karriere

für einen ehemaligen Tuner. AMG, das sind die, die

einen Teil des benötigten Industriestromes aus den

hauseigenen Motorprüfständen generieren.

Der SpaceFrame-Rahmen, die Aluminiumhaut, die

achtzehn Kilogramm leichten Flügeltüren mit ihrer

erstaunlich gelungenen und alltagstauglichen Kinematik

werden übrigens bei Magna Steyr in Graz gebaut

und fertig angeliefert.

Der 6,2-Liter V8 wurde mit einer Trockensumpfschmierung

konstruiert, um ihn möglichst tief einbauen

zu lassen.

*

Wie in einer imaginären Bobbahn raspelt der SLS

durch schnellgefahrene Kurven, immer am Anschlag

des Dreistufen-ASR, das in seinem Sportmodus kühne

Driftansätze zulässt. Erstaunlich, wie leicht und

ohne jegliche Untersteuerungstendenz der Langschnauzer

selbst in enge Kurven geht. Wenn das folgende

Herausbeschleunigen mit einer sanften Kurve

verbunden ist, die Fliehkräfte also bei gleichbleibendem

Lenkeinschlag dramatisch steigen, entsteht auf

dieser sphärischen Parabel so ein blümerantes Gefühl,

das in einer vertikaleren Ausrichtung zur Sensation

von Schwerelosigkeit führen könnte.

Denn dank der tiefen Schwerpunktlage, der breiten

Spur, des langen Radstandes, des leichtgeschmiedeteten

Rennfahrwerkes ist man nun schon sehr

schnell unterwegs. Es empfiehlt sich immer, die

Multifunktionsanzeige auf digitale Tempoanzeige

zu stellen, denn der Tacho selbst ist vielleicht für das

Designmuseum interessant, zum Ablesen aber problematisch.

Allein deshalb, weil er Markierungen bis

Tempo 360 auf einem Dreiviertelkreis unterbringen

muss.

Man kann sich aber auch an dem zwischen den Rundinstrumenten

ablesbaren Durchschnittsverbrauch

delektieren: 25 l/100 km in der Stadt, verträgliche 15

überland. Wer die normgerechte Dreizehnliter-Marke

erreicht, wird umgehend heiliggesprochen.

Da sei die Klanghölle vor. Man möchte den Motor

ständig mit dem linken Fuß niederbremsen, um

noch ausgehöhltere Klangvolumina zu erzeugen.

Es hilft hier auch, die Sport-Plus-Stellung am Drehknopf

zu aktivieren. Man ist ganz verschossen in dieses

ungekämmte Röcheln und Rotzen, das DOWN-

Schaltpaddle wird zum Trompetenventil, mit dem

man herzhafte Glissandi erzeugt, die sich mittels

Gaspedal zu brausenden Stimmgewittern befreien.

Selten ist man so klangreich unterwegs und manchmal

scheint weniger der Straßenverlauf als das Sym-


Nr. 24/2010 Buch IV – AUTO-ST/A/R

27

phonische Gesamtwerk die Fahrweise zu bestimmen. Dabei

kann man dem abgestochenen Hämmern des V8 keine grundsätzliche

Klangschönheit zusprechen – klingt typischerweise

immer, als liefe er nur auf sieben Zylindern.

Der weit, weit nach hinten geschobene Motorblock und das

noch weiter (zur Hinterachse) verschobene Getriebe tragen zur

Konzentration der Schwermitte bei und sorgen für eine ideale

Gewichtsverteilung. Man bekommt sehr schnell Vertrauen in

das Fahrwerk, der Wagen pendelt dank seines immensen Radstandes

geradezu behaglich aus und kann beim Schuhebinden

eingefangen werden, allerdings springen die elektronischen

Fangsysteme sofort wieder ein, wenn die Bremse nur angetippt

wird.

Alles, was der Fall ist, wird aus einer idealen, via E-Lenksäule

und aufwendig einzuregelnder Sitzverstellung hergestellten

Fahrerposition bedient. Man ist perfekt zwischen den verstellbaren

Wangen der mit Magnesium gestählten Sportsitze

situiert, es gibt überhaupt keine Ausreden, bis vielleicht auf

die massive A-Säule, deren Tote Winkel ganze Radfahrer verschlucken.

Parkwarner vorn und hinten sind hier Notwendigkeit, nerven

aber, wenn ständig Leute herumscharwenzeln und alles

piept.

Faszinierend am SLS AMG ist die betörende Schlichtheit, mit

der hier zum Beispiel die Schaltvorgänge des perfekten, neu

entwickelten Doppelkupplung-Siebenganggetriebes absolviert

werden, unter Last beim fugenlosen Hochbeschleunigen, mit

dramatischen Zwischengasstößen beim Herunterschalten.

Besser kann das kein Klaviervirtuose. 571 PS werden auf eine

Weise gezügelt, dass sie gerade durch ihren Riesenspielzeughaftigkeit

weniger eine geschickten als einen umsichtigen

Fahrer benötigen. Aber Umsicht hat er ja bereits bewiesen,

indem er 212.500 Euro an allen Willfährigkeiten des Lebens

vorbei zum Mercedeshändler transferieren konnte, der früher

Blumenhändler war.

Die extralange Motorhaube des SLS öffnet sich zur Rückwand eines Fotostudios.

Rasante Optik eines unablässiger Beschleunigung ausgesetzten Schwerpunktes.

Instrumente im teuren Steampunk-Design. Erstaunlich immer, wie offene Türen alles verändern. Die Sitze spannen sich über ein Gerippe aus Magnesium.


Städteplanung / Architektur / Religion Buch IV – AUTO-ST/A/R 29

Die Zukunft des Autos als Abenteuerspielplatz

Im Uhrzeigersinn: Immer wieder werden die Lizenzen klingender Traditionsnamen

von smarten Managern aufgekauft, die hoffen, mit klingenden Namen

wie De Tomaso, Isotta Fraschini, Bugatti oder wie hier Hispano Suiza auf eine

Basis der Anerkennung aufbauen und damit Geldgeber locken zu können. Im Falle

des Hispano Suiza, einer spanischen Marke, die ursprünglich 1898 gegründet

worden war, hat man es nun mit einem Aluminum-Gitterrohrrahmen zu tun, der

mit Magnesium und Karbonfaser überspannt ist. Seine Kraft schöpft der Prototyp

aus einem 5,2-Liter-V10 Motor, der von zwei Kompressoren unter Druck gesetzt

wird. Für die Zukunft ist außerdem ein Hybridantrieb geplant: Ein 150 PS starker

Elektromotor treibt dann die Vorderräder an, der 750-PS-V10 ausschließlich die

Hinterräder. Ergibt 900 PS und einen brauchbaren Allradantrieb. Das hat übrigens

Tradition: Die Vorläufermarke La Cuadra wurde 1899 mit einem der ersten

Hybridantriebe der Welt ausgestattet. Bei Hispano Suiza rechnet man heute mit

20 bis 25 Kunden pro Jahr. Der Preis soll 700.000 Euro betragen.

Typisch für den Elektro-Hype: Das Schweizer Unternehmen Protoscar stellte den

Lampo2 vor, angetrieben von zwei wassergekühlten Elektromotoren, jeder für eine

Achse zuständig. Daraus ergibt sich ein Allradantrieb mit variabler Drehmomentverteilung.

Die Maximalleistung gibt Protoscar mit 408 PS an, das Drehmoment

erreicht 640 Newtonmeter. Die als Energiespeicher eingesetzte Lithium-Ionen-

Batterie besitzt eine Kapazität von 80 Amperestunden bei 400 Volt Nennspannung

oder 32 Kilowattstunden. Damit sprintet der Lampo2 in fünf Sekunden auf

100 km/h und erreicht ein Maximaltempo von 200 km/h. Die Reichweite gibt

der Hersteller mit etwa 200 Kilometer an. Mithilfe eines separaten Ladegeräts sei

der Prototyp schnell wieder aufgeladen: Zehn Minuten, und schon kann man 100

Kilometer fahren. An der Haushaltssteckdose dauert der Ladevorgang zwölf Stunden.

Das klingt alles viel zu schön, um glaubwürdig zu sein.

Überzeugender in jeder Hinsicht wirkt das Peugeot-Conceptcar SR1. Er kombiniert

einen 1.6 Liter Turbo-Benziner mit 160 kW (218 PS) vorne und einem 70 kW

(95 PS) starken Elektromotor hinten. Das futuristische Peugeot-Rennrad verfügt

über eine abnehmbare Lithium-Ionen-Batterie, die eine Reichweite von 70 Kilometer

ermöglicht.

Auch Citroën zeigt Zukunfts-Kompetenz. Dazu bediente man sich des bereits letzten

Herbst in Frankfurt gezeigten Strom-Racers Survolt. Manchmal denkt man,

die Zukunft sei nichts weiter als ein Spielplatz für Hemmungslosigkeiten.

GENFER AUTOSALON

Wilde Zukunftsvisionen auf dem Genfer Automobilsalon

TEXT UND FOTOS: DAVID STARETZ


30

Buch IV – AUTO-ST/A/R Nr. 24/2010

TEST: SKODA SUPERB COMBI

DAS LADERAUM-ZEIT-KONTINUUM

Der Skoda Superb schafft eine klare Note in der Kakophonie

der Raumtöner und Resonanzkörper

TEXT UND FOTOS: DAVID STARETZ

Vans und SUVs haben uns den Blick

auf die Schönheit einer schlanken

Linie verstellt. Die meist dunklen,

dem Amorphen verpflichteten Mobilkapseln

sind Sinnbilder einer nach innen gerichteten

Gesellschaft, könnte man sagen. So, wie

wir in Goretex-Hose, Northface-Jacke, Zipp-

Hoodie, Baseballmütze und All-Terrain-

Schuhwerk dem Alltag trotzen, trotzen wir

auch der möglichen Eleganz einer sorgfältigen

Kleidung. Im Vorziehen von Schutz,

Nutzen und Waschbarkeit gegenüber den

Nachteilen der eleganten Form steckt ein

pragmatischer Verzicht auf das Ausleben des

Gegenwärtigen, auf das Feiern des Momentes.

Gut, das mag jetzt etwas verstiegen klingen,

aber was ich sagen möchte: SUVs und

Vans sind einem häuslichen Egoismus verpflichtet.

Sie wirken durch innere Geräumigkeit

und äußere Abweisung, entsprechen

dem bügelfreien, nach Sicherheit und Vernunft

gerichteten Lebensstil der über sich

selbst und den überschätzten Nachwuchs

besorgten Familie, deren Kinder dazu angehalten

werden, bloß nicht den metallenen

Joghurtdeckel innen abzuschlecken wegen

Krebsgefährdung. Wenn die Familie die

Keimzelle der Gesellschaft ist, dann ist der

Van ihr Zellgehäuse.

Skoda gefällt seit Jahren durch einen unaufdringlichen

Markenauftritt. Nicht einmal die

Schlichtheit der Form ist übertrieben. Man

fand nach dem durch Volkswagen eingeleiteten

Turnaround sehr schnell zu einer Grundeleganz,

der man vor dem Hintergrund

technischer Brillanz und hoher Qualität ihre

Glaubwürdigkeit ansieht. Seit 1991 besteht

Skoda eigentlich nur aus Erfolgsmodellen;

mit dem eigenwilligen Roomster gelang

ihnen ein edelbitterer Beitrag zum Thema

Minivan, der mit gekonnt gebrochenem Stil

überzeugt.

Die große Limousine Superb, der man im

ersten Anlauf vorwerfen konnte, sich nicht

ausreichend von der Limousine Octavia

abzuheben, gewann nach dem Modellwechsel

deutlich an Raum und Klasse dazu. Verblüffend

weit ist der Fußraum vor der Rücksitzbank,

einzelne Passagiere beginnen unter

Vereinsamung zu leiden und versuchen,

durch Zurufe Gespräche mit dem Taxichauffeur

zu führen.

Der Superb Combi füllt eine Lücke, so

groß, dass sie kaum zu erkennen war: Die

der unprätentiösen Luxusliners, der großen

ruhigen Limousine an sich, die nicht affig

auftritt, keine Prestigespielchen anzettelt,

die sauber proportioniert über den Moden

steht, und es ohne Chromspektakel und

Ansaugdramatik versteht, würdig und wert

zu erscheinen. Der Superb bedient (zusammen

mit dem Octavia) das Genre der Doktorlimousine,

also jenen seriösen Bereich, den

Peugeot so sinnlos verspielt hat (und Lancia

sich selbst gleich dazu).

Im zweiten Anlauf (Skoda muss sich nicht

mehr ständig neu beweisen) hat sich der

Superb ausreichend vom Octavia abgesetzt

- vor allem durch seinen enorm langen Radstand,

der geradezu unanständig viel Fußraum

im Fond ermöglicht. (Schon die lange

horizontal verlaufende Dachlinie lässt an

eine Stretchlimousine denken.) Auch die

nun quer eingebauten Motoren sorgen für

lichte Weite.

Kombis, also Kombinationskraftfahrzeuge,

waren jahrzehntelang schlecht angeschrieben

als Tapezierer- und Anstreicherfahrzeuge

mit schwerfälliger Heckgestaltung. Jetzt,

wo uns massive SUVs die Sicht auf Fassaden

verstellen, lernen wir die zarte (und mit

den Jahren allgemein sportlich verfeinerte)

Linie der Kombis zu schätzen. Ulster statt

Neopren.

Der Superb zieht als Kombi eine besonders

gestreckte Linie. Obwohl er auch nicht länger

ist als die vier Meter achtzig der Limousine,

wirkt er, betont durch die Dachreling,

perspektivisch bis an den Horizont.

Dem Grundpreis von 28.170,– in der gehobenen

Ambition-Ausstattung (mit modernem

125-PS Benzinmotor) sollte man noch

440 Euro zurechnen für die elektrische

Heckklappen-Fernbedienung. Klingt affig,

ist aber ein erstaunlich brauchbares Feature

in der Praxis. Erprobter Ernstfall: Man

schließt den Wagen bei noch offener Klappe

ab, räumt alle Taschen, Luftmatratzen,

Klappstühle und Katzenkörbe raus. Irgendwer

hat dann noch einen Finger frei, um auf

den Knopf in der Klappe zu drücken, die sich

dann majestätisch absenkt und verriegelt,

während man schon in Richtung Strand eilt.

Äh, wer hat jetzt den Schlüssel?

Empfehlenswert ist auch der 350-Euro-

Parksensor hinten. Auf vermiedene Parkschäden

hochgerechnet, hat man das bald

herinnen. Auf die 235 Euro für abgedunkelte

Heckscheiben kann man verzichten, aber

der variable und nach hinten ausschiebbare

Ladeboden sollte einem 205 Euro wert sein.

Allein der kartenhausartige Hochkanteffekt

ist eine geniale Lösung, um ein ganzes Regiment

von Einkaufstaschen sturzsicher anzulehnen.

Sehr praktisch und durchdacht sind

auch die verstellbaren Raumteiler und Verzurrösen,

mittels derer sich jegliches Gepäck

fixieren lässt. Selbst ein vierarmiger Kerzenständer

findet seine gepflegte Aufnahme.

Der Komfort des Superb ist nicht von der

übertriebenen Sorte, sondern richtet sich

gezielt nach gesenkter Akustik, komfortablem,

aber nicht zu weich abgestimmtem

Fahrwerk, wirkungsvoller Klimatisierung,

sauberer Verarbeitung und lebt natürlich

von dem grandiosen bis verschwenderischen

Raumgefühl. Per Ladenorm lassen sich

auf der Passat-Plattform sogar noch einige

Kubikzentimeter mehr nützen als in einem

Mercedes-E-Klasse-Kombi. Das Sechsgang-

Schaltgetriebe geht leicht und spielerisch von

der Hand, man kann die schlichte aber ausreichende

Motorkraft der 1400ers gut einsetzen

(theoretisch bis zu Tempo 200) und dennoch

mit acht bis neun Litern Superbenzin

auskommen. Man kann sich tatsächlich zur

Aussage versteigen, dass ein stärkerer Motor

(160 PS, 260 PS mit 4x4-Antrieb oder 170

Diesel-PS im Programm) nicht notwendig

ist – jedenfalls so lange man keinen anderen

probiert hat. Denn der Stärkere ist immer

des Guten Feind.

Spezielles Lob dem Tempomat: So einfach

muss das sein. Alle anderen Systeme sind

zu kompliziert. Die Klimaanlage fächelt auf

Ventilatorstufe zwei zugfrei dahin, auch hier

findet man einen klaren Maßstab schlüssiger

Bedienung. Noble Geste: In der hinteren

Armlehne steckt ein Regenschirm.

Wie die Mercedes E-Klasse kann Skoda auf 5

Sterne im NCAP Sicherheitstest verweisen,

plus einem zusätzlichen Knie-Bag. (Dem

Mercedes allerdings die ganze Pre-Safe-

Technologie entgegenhält).

Insgesamt, was Preiswertigkeit in der Klasse

betrifft, bietet der Superb uneinholbare

Vorteile. Eine entsprechend ausgestattete

E-Klasse-Kombilimousine würde doppelt so

viel kosten wie unser Testwagen.

DER SKODA SUPERB COMBI ERHÄLT IM ST/A/R-TEST ELF VON ZWÖLF STERNEN.


Nr. 24/2010

Buch IV – AUTO-ST/A/R 31

SUBSATELLITE

die blase..

´instant fishing´..

der cube..

realisiert 2oo9 im rahmen der wiener bezirksfestwochen. im 1. bezik

symposium zum zusammenspiel der künste

.eine mobile installation

am 1. juni. morzinplatz. performance und installation.

.ausgestellt im rahmen von

weitere landungen der blase..lames, st.pölten. pyramiduna, ungarn.

veranstaltungszeitraum: o1.o9.1o - 14.o9.1o

soho in ottakring 2oo8.

arena, wien. straßenfest ottakring, wien.

ragnarhof, grundsteingasse 12, 1160 wien

er steht dann etwa 12 monate

die blase landet als eine art raumschiff. ein tor zu einer anderen welt.

auf der yppenplatz piazza.

aus ihr schlüpfen menschenähnliche wesen, die jedoch, wie neugeborene,

bewegt sich immer wieder an

erst lernen müssen was mensch sein bedeutet. sie eignen sich dieses

andere orte. austellungsorte:

wissen über reine reflexion des gesehenen an. dh. sie können sich auch

yppenplatz, ragnarhof, roma lounge;

nur so verhalten, wie es die umwelt zulässt. die zuschauer haben die

durch eine türe wird der urban

möglichkeit, willkürlich verhalten bei den mimetischen wesen zu

camouflierte kubus betreten.

provozieren. nach einer weile betritt die brut der erst-

man betritt einen weißen raum.

ankömmlinge die erde. sie haben offensichtlich die

die außenhülle ist durchbrochen

informationen ihrer “vorfahren” über morphogenetische

von linsen und spionen, die

felder erhalten, denn sie tragen kleidung, bewegen sich

einblick und ausblick zulassen.

frei, sind zu eigenen entscheidungen fähig.

an den innenwänden sind 9

doch warum lassen sie sich dennoch immer von den mimesen

kubusförmige boxen montiert,

beeinflussen? wann immer sich ein wesen vor die brut stellt,

die durch spione einblick

beginnt diese, wieder alles nachzuahmen.

gewähren. gezeigt werden

fotografische arbeiten zum

die blase dient bei einbruch der dunkelheit als interaktive 3d projektionsfläche,

thema überwachung und

und kann als solche auch gemietet werden.

beobachtung. die fotos sind

auf acrylglasrollen montiert,

hinterleuchtet und mittels

drehmechanismus interaktiv zu

bewegen.

in einer der 9 boxen ist eine

digitalkamera spiegelartig auf

den betrachter ausgerichtet.

sie zeigt also den boebachter

selbst beim beobachten.

der kubus wirkt wie ein

gegengleiches panoptikon.

befindet man sich innerhalb,

kann man jederzeit von außen

durch eine der zahlreichen

spione geshen werden. von

innen kann man das geschehen

außen beobachten.

der subsatellit in vielen bereichen künstlerischer

gestaltung tätig und mit kunstprojekten und

installationen an verschiedenen veranstaltungen beteiligt.

die experimentelle produktionsstätte betätigt sich in

unterschiedlichen bereichen. das repertoire - mode,

accessoires, schmuck, design, objekt, rauminstallation,

möbel, siebdruck, architektur, restauration, fotografie,

veranstaltung, performance, konzptkunst - ist so unterschiedlich wie die künstlerinnen selbst.

es ist ein raum mit vielen möglichkeiten, der durch die beteiligung und hilfe der unterschiedlichsten

menschen stetig wächst und platz für die umsetzung neuer ideen und gedanken gibt.

es findet ein laufender austausch statt, der jede einzelne und somit auch das gesamte kollektiv bereichert.

das kollektiv: andrea grasser. teresia könig. pia proskawetz. maria steiner.

pia proskawetz

teresia könig

visit us in gaullacherg.53 1160 wien

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add us on myspace/subsatellit

contact: subsatellit@gmail.com

andrea grasser

maria steiner

watch out.. riot stores.. coming soon


32

Buch IV – AUTO-ST/A/R Nr. 24/2010

Lotus Elise III

DIE REINE LISE

So stark sind 136 PS.

TEXT UND FOTOS: DAVID STARETZ

Seltsam, dass Elise, der erfolgreichste aller

Lotus-Sportwagen, seit nunmehr vierzehn

Jahren völlig konkurrenzlos blieb.

Man muss weit ins Umfeld schweifen, um

Konkurrenten aufzutreiben, die wenigstens als

Kontrastmittel für den Leistung-zu-Emissionen-

Vorsprung taugen. Denn der gefällige Output von

150 g CO2/km ist sonst nur aus Motoren von 120

PS abwärts zu erhalten.

Für das Modelljahr 2011 (das mit der dritten Generation

eingeläutet wird) wurde die pure Elise

nochmals abfrottiert: Das Basismodell ”Elise” ist

jetzt mit Toyotas 1,6 VVT-i ausgerüstet und bringt

damit ebenso 136 PS zustande wie mit dem (leicht

drehmomentstärkeren) 1,8 VVT-i des Vorgängermodells,

allerdings mit niedrigeren Abgaswerten

und um dreizehn Prozent reduziertem Verbrauch.

Dank des Eigengewichts von lediglich 876 kg reichen

die 136 PS für Tempo 204, Tempo Hundert

wird aus dem Stand in 6,7 Sekunden erreicht.

Nach wie vor sind die beiden stärkeren Versionen

im Programm: Elise R hat 192 PS und die Elise

SC wird von 220 Kompressor-PS auf Tempo 233

befeuert.

Aber es ist vor allem die 136-PS-Version, die heute

so ungemein modern wirkt. Man könnte sagen:

Lotus hat uns in Zeiten inflationärer Leistungs-

Eruptionen die 136 PS wiedergeschenkt, wie wir

sie etwa aus dem Alfa Romeo 2000 GTV Bertone

Coupé kannten als Benchmark gehaltvollen Leistungsbewusstseins.

Und siehe da, dank Leichtbau

und moderner Antriebstechnik gewinnen 136 PS

an neuer Brisanz, sie lassen den Fahrer zu, sein

Können, seine Einschätzung, seine Freude am

masselosen Swingen und Herausbeschleunigen,

am scharfen Bremsen und zackigen Einlenken.

Hängematttengleich entspannt ruht der Oberkörper

in den bewährten ProBax-Sitzen, die als wesentliche

Schnittstellen Man/Machine entwickelt

wurden.

Mit ihrem ultraleichten Compound-

Chassis, das samt Überrollbügel nur

68 kg wiegt, mit ihrer funktional über

blanke Technik gespannten Kunststoffkarosserie,

dem Doppelquerlenker-Bilstein-Fahrwerk,

den schlanken, präzise

auf das Fahrzeug abgestimmten Yokohama-Reifen,

dem karbonverspriegelten

Stoffdach, dem nunmehr sechsgängigen-

Leichtbaugetriebe und dem erzielbaren

Kombi-Verbrauch von 6,3 Litern auf hundert

Kilometer zeichnet die Elise das Bild

einer reuelosen Freude am Fahren, das so

vernachlässigt wird in letzter Zeit.

Der Elise gelingt es, die körpernahe Freude

am Fahren, wie wir sie als kulturelle

Notwendigkeit zu erachten und zu pflegen

nicht müde werden, für das Alltägliche zu

fermentieren, sofern dessen Anforderungen nicht

mit Schlauchbooturlaub oder ähnlichen familiären

Umtrieben verbunden sind.

Das ungemein stabile Leichtbau-Compoundkonzept

(ursprüglich für den Flugzeugbau entwickelt)

hat aber nicht nur Liebhaber und Lebemenschen

inspiriert, sondern auch Avantgardeunternehmen

wie Tesla (deren Akkupack-Roadster auf Elise basiert)

oder der Flugauto-Entrepreneur Aerocar

(spannt statt dem Stoffdach Tragflächen ein) sind

von den Meriten der Moderne angetan.

Diese manifestiert sich in der dritten Generation

auch optisch: Neue Frontschürze, neue Scheinwerfer

mit coolen LED-Elementen, angesteiltes

Heck mit frivol geschürztem Diffusor, neue Motorabdeckung,

neue Guss- und Schmiedefelgen.

Zusätzlich zu einstigen No-nos wie Cupholder,

Klimaanlage, E-Fenster kann nun auch ein Tempomat

(im Rahmen des Ausstattungspakets Touring)

mitbestellt werden, freilich eine nützliche Sache in

leichtläufigen Autos. Nicht zuletzt, damit der faire

Einstiegspreis von 41.691 Euro nicht durch ungeplante

Tempoabgaben unnötig angehoben wird.

Und noch eine gute Nachricht für familiäres Prospekttüfteln

am Küchentisch: Die Garantie wurde

von zwei auf drei Jahre (bzw. 60.000 km) angehoben.

Weiters: Kofferraum kann jetzt per Bowdenzug

von innen geöffnet werden, was Streitereien über

den eingesperrten Autoschlüssel obsolet macht.

Und nein, Elisefahren muss immer noch nicht

über ein Lenkservo vermittelt werden. Man überzeuge

sich selbst.

Die Lotus-Sitze sind berühmt für ihre

Ganzkörper-Unterstützung. Der Fahrer ruht

mit dem gesamten Rücken in den Schalen.


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch V – 3/4 ler 33

Ausstellung:

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Umfassendes

Rahmenprogramm

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Foto: Heinrich Büchel©

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nur die moderne Architektur nach

Österreich gebracht, sondern

gleichzitig den Modernismus

überwunden.“

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Foto: Franz Hubmann

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Städteplanung / Architektur / Religion Buch V – 3/4 ler 37

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Bauträger:

Neues Leben, Gemeinnützige Bau-,

Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Reg.Gen. m.b.H.

Architektur ist Notwendig

das ist ja wirklich ein weltklasse projekt, weil die konstruktion

des raumes im schnittpunkt von raumkonzept

und funktionellem planen sowie bauplastik und

konstruktion zwischen den beiden polen abstrakte

plastik und utilitarismus im rahmen eines exemplarischen

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stadt freiräume anbietet, die unglaublich viel potenzial

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38

Buch V – 3/4 ler Nr. 24/2010

CONCEPT

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Kommerz, Kunst, Kino in Villach

K3: Internationales Kurzfilmfestival findet vom 2. bis 4. Juli 2010 bereits zum dritten Mal im Villacher Stadtkino statt.

Seinen Anfang nahm das von Fritz Hock ins Leben gerufene Festival im Jahr 2007 im Veldener Rock Club Bluesiana. Aufgrund

des großen Zuspruchs von Seiten der Öffentlichkeit wuchs das Festival seither von Jahr zu Jahr und so war der Saal

1 des Villacher Stadtkinos (305 Plätze) im Vorjahr beinah vollständig besetzt.

„Kunst und Kommerz im Kino“ - die Bedeutung hinter K3 -bildet nicht nur eine interessante Diskussionsbasis, sondern

stellt zugleich auch das Grundkonzept des Festivals dar, denn Veranstalter Fritz Hock möchte die ganze Bandbreite

des weltweiten Kurzfilmschaffens nach Villach bringen. Was ihm mit K3: 2009 schon sehr gut gelang, soll in diesem Jahr

noch übertroffen werden: Über 400 Einsendungen aus der ganzen Welt sind bisher eingelangt und erfahrungsgemäß

werden in den letzten Tagen vor Einsendeschluss am 30. April noch einige dazukommen. Dabei sind alle Genres erlaubt,

lediglich die Länge der Filme spielt hier eine Rolle, denn ein Kurzfilm darf maximal 30 Minuten dauern.

Aus den 400 bis 500 eingereichten Filmen werden von einer prominenten Jury (Juryvorsitz: Bady Minck, auch in

Cannes und Venedig) nur 23 ausgewählt und ins zweitägige Kinoprogramm aufgenommen. Diese strenge Selektion des

K3: Kurzfilmfestivals ist einzigartig in Österreich. Zum Vergleich: Die Grazer Diagonale zeigte in diesem Jahr 110 von 440

eingesandten Filmen.

Doch nicht nur auf die Auswahl der Filme, sondern auch auf deren Abfolge wird von Seiten des Veranstalters großer

Wert gelegt. „Durch die richtige Programmierung der Kurzfilme soll für das Publikum ein Spannungsbogen, ähnlich dem

eines Langfilmes, geschaffen werden. Die Besonderheit des Kurzfilmes ist seine Unabhängigkeit gegenüber den Gesetzmäßigkeiten

des Langfilmes. Er eignet sich ausgesprochen gut für filmische Experimente, erklärt Hock, der auch K3 als

„Experiment und Erörterung“ betrachtet.

Fortgesetzt wird dieses Experiment bei der demokratisierten Preisverleihung am Sonntag, denn hier sollen sich die

Festivalbesucher im Rahmen einer offenen Diskussion auf einen Siegerfilm einigen. Die Mitglieder der Vorauswahljury

nehmen an dieser zwar teil, treten bei der endgültigen Entscheidung jedoch in den Hintergrund. Die kritische Auseinandersetzung

mit den gezeigten Kurzfilmen und dem Medium Film als solchem wird aufgezeichnet und dient als filmische

Dokumentation des Experiments.

Auf den Gewinner warten in diesem Jahr der K3: Kurzfilmpreis im Wert von 1.500 Euro und erstmals auch eine K3: Trophäe.

Ort der Preisverleihung wird die Lounge des Villacher Parkhotels sein, die während der gesamten Dauer des Festivals

als Treffpunkt für Filmemacher und Besucher dienen soll.

Auch für ein sensationelles musikalisches Rahmenprogramm wird von Seiten des Festivalveranstalters gesorgt: Jeweils

nach den beiden Kinoabenden, beziehungsweise nach der Preisvergabe werden namhafte Bands und DJs ihr Können unter

Beweis stellen. Nur so viel sei schon verraten: Am Freitag wird die serbische Newcomer-Rockband Repetitor erwartet, am

Samstag soll ein italienischer DJ auflegen und für Sonntag Abend wird mit dem US-amerikanischen Elektronik-Star Bob

Ostertag verhandelt, der seine Europatour jedoch absagen müssen wird, sollte er in diesem Zeitraum nicht noch andere

Gigs bekommen. In diesem Fall wird jedoch für einen würdigen Ersatz gesorgt.

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39

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Nr. 24/2010 Buch VI – Madonna dell’ Arte

41


42

Buch VI – Madonna dell’ Arte Nr. 24/2010

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Wir leben und arbeiten in Wien

Brighten the Corners / 5. März – 23. April 2010

Zum ersten Mal veranstalten Karin Sulimma und Mounty R. P. Zentara die Ausstellung „Wir leben und arbeiten in Wien“

in den Räumen des AREA 53, in der Gumpendorfer Straße 53 im sechsten Bezirk, Nähe Museumsquartier. Diese spontan

organisierte Ausstellung versteht sich als mögliches Korrektiv und als fruchtbare Ergänzung zu der zeitgleichen Ausstellung

ähnlichen Titels in der Kunsthalle Wien.

„Wir“, das sind Künstler unterschiedlicher Nationalitäten, die in Wien arbeiten. Diese Ausstellung wird nicht kuratiert, sondern

von den Künstlern Wiens selbst veranstaltet. Schon in der Konzeptphase haben zahlreiche Künstler der Stadt Wien ihre

Beteiligung zugesagt. Mit dem Untertitel „Brighten the Corners“, dem „Ausleuchten der Ecken“, verweisen die Veranstalter

auf die Vielfalt des Kunstschaffens in den zahlreichen Werkstätten, Studios und Ateliers.

©BIWI / THE COMMON DENOMINATOR/ ACRYL AUF DONAUSTEIN 2002 / www.getstoned.cc

Pandora

im

nächsten

ST/A/R

Die Ausstellung wird in den drei Stockwerken des AREA 53 gezeigt. Die Präsentation der Arbeiten bildet einen Gegenpol

zu den klassischen White Cubes, und führt zu einem einzigartigen Gesamtbild der Szene im März 2010. Das spontane

Gespräch zwischen den Künstlern, das zu dieser Ausstellung geführt hat, findet im Dialog der Künstler mit den Besuchern

seine Fortsetzung.

Initiative: The Project AREA 53, Karin Sulimma und Mounty R. P. Zentara

Andigra by SUBSATELLIT

zeigt ihr Kleidungsstück Vision impossible

Archiquantaschenbecher von Heidulf Gerngross

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Nr. 24/2010 Buch VI – Madonna dell’ Arte

43

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VON WARAN AUS

TOKIO

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Städteplanung / Architektur / Religion Buch VI – Madonna dell’ Arte 45

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archistriert von Heidulf Gerngross, Sitzfläche und Rückenlehne gezeichnet

vom bosnischen ST/A/R-Architekt Marko Duranovic

Das elastische Wohnen von Angelo Roventa in der Ausstellung „Das Spiel der Mächtigen“ im MAK 2010.

Fotos: © Heinrich Büchel / MAK; Österreichisches Museum für angewandte Kunst / DAS SPIEL DER MÄCHTIGEN. Heidulf Gerngross archistriert Franz West‘s Nageltower. Mit Hofstetter Kurt und Angelo Roventa

Foto: Heidulf Gerngross

TISCHSET VON FRANZ WEST MIT MESSER UND GABEL VON GERNGROSS


46

Buch VI – Madonna dell’ Arte Nr. 24/2010

ST/A/R-Reisetipp in die Vergangenheit

WIENER BEITRÄGE ZU TRADITION FORTSSCHRITT UND VERDAUUNG

MIT HERZ UND BAUCH

NACH ÄGYPTEN

Zu Ägypten fallen uns Pyramiden, Pharaonen und biblische Zitate

ein. Weniger bekannt ist die Bedeutung der ägyptischen Heilkunde

für die aktuelle Philosophie der Verdauung. Die Rückbesinnung

auf ägyptische Einsichten in den Zusammenhang zwischen

Körperorganen und Leben lohnt sich, weil sie Möglichkeiten zur

Neubestimmung unseres eigenen Körpererlebens bietet.

Das Interesse der abendländischen

Philosophie an der Verdauung

schlägt Wurzeln in den Schriften

der alten Ägypter. Ansatzpunkt sind

Überlegungen zum Dasein, wobei

das Leben als kurz, die Gegenwart

als unfassbar galt 1 . Es schien deshalb

weise, sich auf den Tod vorzubereiten

2 . Ein „Mensch der weiß“ („rmt r

h“) 3 , sollte sich selbst genügen und

sich auch in Notfällen auf die ihm

eigenen moralischen Grundlagen

verlassen können. Seine Autonomie

erlaubte ihm die Vorbereitung

auf Zustände innerer Verzweiflung,

Krankheit, Ruin und feindliche Umwelt,

die zum Erwerb der Weisheit

gerechnet wurden 4 : „In einem Dorf,

in dem du keine Verwanden hast, ist

Dein Herz Dir verwand.“ 5

Die pessimistische Tendenz des Wissens

um die Endlichkeit des Daseins

wurde durch effiziente Tätigkeit moderiert,

die ruhigen und klaren Überlegungen

entsprang 6 . Die kennzeichnende

Moral der ägyptischen

Literatur von ihren Ursprüngen bis

zu ihrem Erlöschen, zog ihren Wert

aus Lehren des Lebens. „Wenn Du

Dein Leben mit diesen Worten verbringst

werden Deine Kinder Dich

beobachten.“ 7 Wer solche Lehren erhalten

hatte und sie umsetzen wollte,

war aufgefordert sie durch sein

lebendiges Beispiel zu verbreiten.

Das galt insbesondere für den Umgang

mit körperlichen Gebrechen,

was die Vielzahl der Papyri bestätigt,

die sich mit Fragen der Heilkunst

beschäftigen.

Hier wurde den Verdauungsvorgängen

eine wichtige Rolle zugesprochen.

Besonders der Papyrus Ebers,

die umfangreichste erhaltene Buchrolle

zur Heilkunde (9. Jahr des Pharao

Amenopis I., dessen Regierung

in die Zeit von 1525 bis 1504 v. Chr.

Angesetzt wird) beschreibt Heilmittel

für Leber- und Bauchkrankheiten,

Harn, Eß- und Verdauungsstörungen,

nennt Rezepte gegen Erkrankungen

der Verdauungswege sowie

Lehrtexte für Magenleiden 8 .

Auch die Behandlung von Zahnkrankheiten

und schlechten Atem

war eine gängige Praxis 9 , wobei sich

zahnärztliche Spezialisierung und

die Beschäftigung mit dem Wohlergehen

des Darmausgangs verbinden

ließen: so praktizierte ein Chef der

Zahnärzte namens Khouy gleichzei-

ST/A/R-Beiträge

zur Familienplanung

in Ägypten: ein

glückliches Paar mit

Fruchtbarkeitssymbol.

tig Hirt bzw. Wächter des Anus 10 .

Im alten Ägypten war der Anus ein

hochgeschätztes Organ. Das Papyrus

Chester Beatty bezieht sich nahezu

vollständig auf die Heilung von

Anus und Rektum, das Papyrus Ebers

widmet dem Thema 33 Paragraphen

und auch in den Papirussen Hearst

und Berlin finden sich viele Hinweise

11 . Häufig wird insbesondere die

präventive Einnahme bestimmter

Lebensmitteln zur Erleichterung der

Verdauung thematisiert, zur Öffnung,

Befreiung oder Regularisierung

des Magens, zur Behandlung

von Wurmbefall, Hämorrhoiden,

erhitztem Anus etc. Lunge, Milz,

Leber und Darm wurden bei Bestattungen

in den konoptischen Vasen

beigesetzt, nicht aber das Gehirn.

Leber und Galle fanden als Heilmittel

und als Opfergaben Verwendung.

Die Untersuchung von Kot war eine

bekannte ärztliche Praxis 12 .

Die „Kühlung des Anus“ ist eine

häufig genannte ärztliche Maßnahme

13 . Verstopfung muss ein häufiges

Leiden gewesen sein, dafür spricht

die Vielzahl betreffender Rezepte,

anders verhält es sich mit Diarreha,

die im heutigen Ägypten weit verbreitet

ist.

Die Behandlung von durch Nahrungsmangel

hervor gerufenen

Krankheiten steht oftmals hinter

den Problemen der Übersättigung

und Trunkenheit

zurück 14 .

Die körperliche

Harmonie

vieler in

ä g y p t i s c h e n

Kunstwerken

dargestellter

M e n s c h e n

täuscht. Nicht

alle Ägypter -

schon gar nicht

die reichen und

vornehmen - hatten einen schlanken

Körper. Es scheint, dass das Ideal der

Schlankheit der Wahrheitsnähe der

künstlerischen Darstellung Abbruch

tat 15 . So erklärt es sich, das nur Nebendarsteller

wie Köche, Torwächter

oder Ausländer in voller Fleischesfülle

erscheinen, ein berühmtes

Beispiel liefern Darstellungen der

Königin von Punt. Vor den Göttern

wollen die ägyptischen Herrscher so

jung und schlank erscheinen wie sie

in die Ewigkeit

einzugehen gedachten.

Aber

die enormen

Hautfalten der

s t e r b l i c h e n

Überreste, etwa

Königin von Punt

bei Ramses

III, Merneptah

oder Toutmosis

II, verraten eine

a u s g e p r ä g t e

Dickleibigkeit.

Der General

Masahirte hatte

einen derart

ü b e r l a d e n e n

Vorderbauch,

das es nicht

möglich war

seine Hände

entsprechend

der Gewohnheit

vor seinen

Verdauungsmenschchen,

Ägypten, ca. 3000 v. Chr.

im Besitz der ST/A/R-

Verdauungskunstsammlung - Wien

Genitalien zu kreuzen 16 . Auch die

Darstellungen der Machtträger aus

der Zeit ptolemäischen Epoche zeigen

dralle Formen. Allerdings dürfte

der Grund hierfür weniger in Kleopatras

Essgewohnheiten als im Wandel

der Moden künstlerischer Ästhetik

zu suchen sein, insofern auch die

Krokodiele der Epoche die entsprechenden

Rundungen aufweisen 17 .

Die genaue Bestimmung der von den

Ägyptern behandelten Verdauungsstörungen

und -Krankheiten entsprechend

aktueller Benennungen

ist nicht immer eindeutig möglich.

So lässt zum Beispiel der Befund „Es

tritt etwas aus seinem After aus wie

weiße Bohnen“ 18 manche Frage offen.

Dessen ungeachtet gehören viele

der genannten Symptome in die

gegenwärtige gastroenterologische

Praxis. So ist die Rede von Verhärtungen

in der Gegend von Herz und

Magen, Unbehagen bei der Nahrungsaufnahme,

Verstopfung der

Exkremente, Magenbrennen 19 . Bei

den angeführten Rezepten handelt

es sich oftmals um Mittel, die den

Leib leeren oder öffnen sollen, den

Mastdarm heilen, Ausleerungen regeln,

Unrat aus dem Leib vertreiben

und kranke Exkremente auszutreiben

sollen. Verbindungen zwischen

Verdauungs- und Kreislauforganen

werden ausdrücklich genannt:

„Wenn das Herz Ekel empfindet, so

ist es die Bitterkeit des Herzens aufgrund

von Entzündung am After“. 20

Umgekehrt sind können Gefäße in

der Brustgegend, die Entzündungen

im After bewirken 21 .

Die Ägypter beschäftigte ihre Verdauung

im Zusammenhang wechselseitiger

Abhängigkeiten zwischen Leib,

Leben und Denken, die sich auf die

Beziehungen der Organe untereinander

stützen. Eine peinliche Abtrennung

zwischen „guter“ Speise und

„bösem“ Kot entwickelten sie nicht.

Entsprechen der Befindlichkeit des

Körpers wurden sowohl Nahrung als

auch Exkremente im Rahmen einer

die Entwicklung des Lebens umfassenden

Gesundheitslehre beurteilt.

Die Beschaffenheit der Exkremente

gab ihnen Aufschluss über die Zustände

von Leib und Seele, die mit

der gezielten Aufnahme bestimmter

Nahrungsmittel und Medikamente

positiv beeinflusst wurde. Als weise

im Sinne der alten Ägypter können

wir Einsichten in die Bedeutung verschiedener

Organe betrachten. Eine

Unterordnung der Bedürfnisse der

von Dr. Christian W. Denker

Verdauungsorgane unter die „höheren“

Eingebungen des Hirns scheint

nicht stattgefunden zu haben. An

der altägyptischen Kultur mögen

wir vieles bewundern, die Fähigkeit

zur glückenden Wertschätzung von

Herz und Bauch liefert dazu eine

Grundlage.

Gigantische Archiquantanlage

vor Pyramidenlandschaft

Literatur:

Françoise de Cenival, „Individualisme et désenchantement,

une tradition de la pensée égyptienne“,

Religion und Philosophie im alten Ägypten:

Festgabe für Philippe Derchain, ed. Ursula

Verhoeven, Erhart Graefe, Leuven, Louverain,

Peeters, 1991.

Paul Ghalioungui, La Medicine des pharaons:

Magie et science médicale dans l’Egypte ancienne,

Paris, Éd. Robert Laffont, 1983.

Bruno Halioua, La médicine au temps des pharaons,

Paris, Éd. Liana Levi, 2002.

H. Joachim, Papyros Ebers. Das älteste Buch

über Heilkunde, Berlin, Georg Reimer, 1890

Reinhold Scholl, Der Papyrus Ebers: Die größte

Buchrolle zur Heilkunde Altägyptens, Leipzig,

Universitätsbibliothek, 2002,

L. Viso, J. Uriach, The „guardians of the anus“

and their practice, International Journal of Colerectal

Disease, 10(4), 1995.

_______________________________

1 („La vie terrestre passe, elle n’est pas longue“

Mérikaré 41 „Aussitôt qu’aujourd’hui est là, il est

passé“. Prophétie de Néferti, Françoise de Cenival,

1991, p. 86.

2 („Fais du bien à ton corps“ dit Ankhsheshonq

„courts sont les bons instants, Il n’existe pas

d’homme qui ne meure pas.“ Ankhsheshonq 8, 7-8.

„Bois, mange“ dit Paheb, „aucun frère n’ayant

faim, aucun père, aucune mère n’étant fâché contre

toi.“ pInsinger 18, 19-20 („Quand l’envoyé vient

te prendre, qu’il te trouve prêt ... Ne dis pas: ’Je

suis trop jeune’“ Ani IV,17-V,4 La sagesse d’Ani).

3 „L’homme qui sait“ Cenival, 1991, p. 91.)

4 Cenival, 1991, p. 79.

5 Ankhsheshonq 11,11, pLouvre 2414, Cenival,

1991, p. 79.

6 Cenival, 1991, p. 89.

7 Aménémopé 5, 18-19, Cenival, 1991, p. 91.

8 Scholl, 2002, S. 19-20.

9 Ghalioungui, 1983, S. 145.

10 Viso, Uriach, 1995, S. 229-231.

11 Ghalioungui, 1983, S. 151.

12 Ghalioungui, 1983, S. 73.

13 Halioua, 2002, S. 186.

14 Ghalioungui, 1983, S. 150-151.

15 Ghalioungui, 1983, S. 173.

16 Halioua, 2002, S. 179.

17 Ghalioungui, 1983, S. 174.

18 Joachim, 1890, S. 50 / xlii.

19 Joachim, 1890, S. 48 / xlii.

20 Joachim, 1890, S. 182 /xcix.

21 „Der Mensch hat 12 Herzgefässe, die sich in

allen seinen Gliedern ausbreiten. Es sind 2 Gefässe

in seiner Brustgegend, die Entzündung im After

bewirken. Zu machen dagegen: Frische Datteln,

Blätter von der Ricinuspflanze, Früchte von der

Sycomore in Eins stossen in Wasser, durchseien

und 4 Tage lang einnehmen lassen.“ Joachim,

1890, S. 186 ciii.

Neues aus der

Verdauungsforschung.

Die ST/A/R-Forschungsgruppe für hypothetische

Geschichte der Verdauungsphilosophie

gab am vergangenen Sonntag

einen erstaunlichen Fund bekannt. In

Wien wurden vier aus Ton gebrannte „Kotmenschleinoten“

entdeckt, die vermutlich

vor etwa 4500 Jahren geformt und gebrannt

wurden. „In absoluter Glücksfall“, kommentiert

ST/A/R-Forschungsstellvertreter

Christian W. Denker, „mitten in der Planungsphase

II unserer Grabungvorhaben

in Ottakring, entdeckten wir die Menschlein

bei einer Verdauungskunsthändlerin

(Name ist der Redakttion bekannt!) in

Wien entdeckten. Ein Jahrtausendfund!

Wir haben zwar noch keinen endgültigen

Beweis für die Echtheit, aber nicht nur die

hervorragende Erhaltung (der Ton wirkt

wie neu!) sondern auch der überraschend

niedrige Kaufpreis (die Menschlein wurden

gegen eine Werbeanzeige im ST/A/R-

Printmedium eingetauscht) rechtfertigen

den Ankauf.

Die Figurengruppe zeigt eine ägyptische

Kleinfamilie bei der Bewunderung einer

spiralförmigen Stuhlsäule. „Wir vermuten

dahinter eine Initiationsritus. Kleinkinder

wurden dabei mit willentlich gesteuerter

Ausscheidung von Nahrungsrückständen

vertraut gemacht. Dieser Ritus galt den

Ägyptern als ein Quell großer Freude. Die

frohen Minen der Menschchen sprechen

zu uns mit einer wundervollen Intensität.

Ein richtungsweisender Fund, der für

unsere weitere Forschung von bleibender

Bedeutung sein dürfte“. Der überraschende

Erfolg motiviert nun die Neubelebung

wichtiger internationalerForschungsprojekte

in Ägypten. Insbesondere in Wiener

Behörden wurde der Fund anerkennend

kommentiert. Mögliche Verbindungen zu

frühen Zeichnungen Schieles seien nicht

ausgeschlossen. Auch die Finanzierung

der archeologischen Archquantforschung

durch H. Gerngross steht vor einer Renaissance.

Mit Unterstützung der Europäischen

Kommission für alltägliche Sinnstiftung

soll die freudige Neuigkeit durch den

Bau eines Museums für ägyptische Verdauungsfreunden

gekrönt werden. u.a.

Eucarbon:

verdauuen wie die Pharaonen

Verstopfungen gehörten zur Tagesordnung der

alten Ägypter? Später wurde Durchfall zur Regel?

Manches ändert sich, anderes bleibt gleich: wenn die

Verdauung aus dem Ruder läuft, ist gute Kohle Gold

wert.

Verdauungsprobleme sind wohl älter als die Menschheit.

Seit über 100 Jahren schafft Eucarbon Eucarbon

Abhilfe:

eucarbon hilft

BITTE KREUZEN SIE AN!

Die medizinischen Weisheiten der alten Ägypter

sind ihnen

bekannt aus Film und

Fernsehen?

völlig egal?

eine willkommene Gute-Nacht-

Lektüre?

Es kommt immer drauf an wie

man’s

macht, aber

nach einem Toilettengang wirkt Ihr Herz

leichter?

vor einem Toilettengang atmen Sie tief durch?

bei einem Toilettengang macht Ihnen das Leben

Freude?

Auf Ihrer kommenden Reise nach Ägypten

beachten sie

Zusammenhänge zwischen Nahrungsaufnahme

und Abgabe?

die Warnungen ihrer Mitreisenden?

die Sauberkeit ihrer eigenen Fingernägel?

Unter den Einsendern der richtigen Antworten verlost die

ST/A/R-Verdauugsteam eine Traumreise ins Land der

Pharaonen und viele andere tolle Preise!

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

®

www.eucarbon.com


Nr. 24/2010 Buch VI – Madonna dell’ Arte

47

Wiener Kunstszenen „Hart aber herzlich“:

Adam Wiener würgt Titanilla Eisenhardt

Adam, da wo’s gut kommt, immer.

NEUE BILDWERKE von ADAM WIENER in der „CASA

WILDNER“, Bellariastraße 10, 1010 Wien,

(Parterrelokal, Rückseite Nat. Hist. Museum),

www.stadtbekannt.at

/home/aktuelles/kunst/AdamWiener.htm

Kunst kann der Freude an Bewegung

entspringen. Ohne Sinn und Verstand,

ohne jeglichen Begriff entstehen

Formen, in denen wir Kunst erspüren.

Die mitgeteilte Freude bedarf keiner

Erklärung. Die Neugier an der

Welt bringt Lust in Räume, indem

sie Räume erkundet. Deutungen,

Begründungen, Erläuterungen,

Klärungen, Kommentare,

Interpretationen und Bemerkungen

können sich hier motivieren.

Wie wir die Welt sehen?

Alles ist ganz leicht,

ganz locker. Hier und

dort erscheinen andere

Menschen. Mein

Freund David macht

Fotos. Von seinem

Freund Didier, von

seinen Nachbarn, von

der Hand meines Sohns.

Fotos von David Preat:

www.david-photo.org

Das philosophische ST/A/R-Buch

Cornelius Zehetner, Hermann Rauchenschwandtner, Birgit Zehetmayer (Hg.)

Transformationen der kritischen Anthropologie

Kritische Anthropologie stellt in

der Tradition der aufzuklärenden

Aufklärung die Theorie

und Praxis der Einzelwissenschaften,

der Künste, der Politik, Religion,

Wirtschaft und Lebenswelt insgesamt

und im gegenseitigen Verhältnis

zur Debatte, um den Erfahrungsbezug

der Philosophie umfassend

in differenzierten Dimensionen

auszuleuchten. Angeregt von Kants

pragmatischer und transzendentaler

Anthropologie und veranlasst durch

ein Symposion zum 80. Geburtstags

von Michael Benedikt, versammelt

der vorliegende Band Beiträge aus

acht Ländern, von Europa über Amerika

bis Japan, zur philosophischen

Fundierung, Infragestellung und

Entschlüsselung der gesellschaftlichen

und kulturellen Welt in ihren

Entwicklungen und Krisen. Bei aller

Unterschiedlichkeit der Zugänge,

der Gegenstände möglicher Erfahrung

und der geistesgeschichtlichen

Vorgaben, die hier in kritischer Verwerfung

oder aber Fortführung und

Transformation thematisiert werden,

geht es um die Möglichkeit einer

Vereinbarung der einzelwissenschaftlichen

Forschungen mit dem

wohl fundierten Anspruch der kritischen

Anthropologie. Jenseits allen

dogmatischen Schlummers steht

dabei mit der Frage nach dem Menschen

nicht zuletzt Philosophie als

solche auf dem Prüfstand. Michael

Benedikt hat in seinem Werk, seiner

Ausdeutung der philosophischen

Tradition, seinen gesellschaftspragmatischen

Analysen und Anstößen,

seinen Perspektiven auf Gegenwart

und Zukunft ein solches Prozedere

immer wieder in Gang gesetzt. Zu

ausgewählten Themenkreisen aus

seinem Oeuvre - Philosophischer

Empirismus, Anthropodizee und die

Verengung distinkter Halbwelten,

Wissen und Glauben, Kunst, religiöser

Sozialismus, philosophische

Politik - tragen u.a. folgende AutorInnen

bei:

John Blackmore, Walter Gartler,

Wolfgang Kaempfer, Endre Kiss,

Helmut Kohlenberger, Wolfgang

Pircher, Jacques Poulain, János

Rathmann, Elisabeth von Samsonow,

Daisuke Shimizu, Wolfdietrich

Schmied-Kowarzik, Hans Rainer

Sepp, Reiner Wiehl, Katherina

Zakravsky,

15,5 x 23,5 cm

Broschur

400 Seiten

Euro 29,80

978-3-85409-539-2

Ein DICKES ST/A/R-DANKESCHÖN

an Florian für die Unterbringung unseres Mitherausgebers.

Kreativität macht Freude

Atelier Florian Leibetseder

+43 (0) 676 380 76 87

Foto: Mirjam Wydler

(http://www.mirjamwydler.com)


48

Buch VI – Madonna dell’ Arte Nr. 24/2010

Barbara Anna Husar - Preisgekrönt

Punschosaurus Guggorex NYC

Die mit dem Staatsstipendium ausgezeichnete Künstlerin Barbara Anna

Husar erhält 2009 den Hubert Berchtold-Preis. Das Kunsthaus Bregenz

sendet sie nach Bilbao in die Fundacion Bilbao Arte.

Der Wiener Alpha-Galerist Philipp Konzett widmet ihr 2010 die

Soloshow „I am the medium“.

www.husar.tk

Fossilized Babes


50

Buch VII – Literatur Nr. 24/2010

ROSENCRANZ UND GERNEGROSS ARE DEAD - RECLAM

H E R D E N P H A E N O -

N O M A D I S M U S I N S E C O N D L I F E

Die Kadaver leuchten orange,

pink oder gelb

fen auftauchte. Was wir sahen war

eine zyklopische Stadt von keiner dem

Menschen oder der menschlichen

Vorstellungswelt vertrauten Bauweise,

mit ungeheuren Anhäufungen

nachtschwarzer Gemäuer, die auf

monströse Art allen geometrischen

Gesetzen zu spotten schienen. Es gab

Quader, Kegelstümpfe, bisweilen mit

terrassenförmigen oder geriffelten

Seitenflächen, überragt von hohen,

zylindrischen Säulen, die an manchen

Teilen knollenartig ausgebuchtet und

oft von Reihen dünner, ausgezackter

Scheiben gekrönt waren. Es gab

zusammengesetzte Kegel und Pyramiden,

entweder freistehend oder auf

Zylinder oder Würfel oder flachere

Kegelstümpfe aufgesetzt, und immer

wieder nagelförmige Türmchen in

merkwürdigen Fünfergruppen. Alle

diese alptraumhaften Gebilde schienen

miteinander verbunden, durch

röhrenartige Brücken, die sich in

schwindelnder Höhe von einem zum

anderen spannten, und das Ganze

jagte uns schon durch seine schier

gigantischen Ausmaße Furcht und

Schrecken ein. »Hier können wir die

Theorie vom Ruinenwert der Gebäude

gleich am praktischen Beispiel studieren«,

freute sich Ostermayer.

»

Da«, sagte der Generalmajor a.D.

»Züchtige deine Füße noch ein

wenig mehr, Freund Yusuf.«

Matthias „Matthes“ Hentz,

Generalleutnant oder Generalmajor

a.D. (wer weiß das schon so

genau...?) und ehemaliger ArtDirektor

des ST/A/R, war nun schon so

alt,dass auch er auf eine abscheuliche,

beklemmende Weise nach Fisch

stank wenn er sprach.

Dann, im zarten Licht des Morgens,

sahen sie die Mieten, die den zentralen

Tafelberg von Augarten umringten:

Augarten, eine Ansammlung von

gelben Syntheplan-Zelten, die sich in

einer Mulde zwischen den ringsum

aufragenden, weißen Säulen aneinander

schmiegten. Es waren vierzig

oder fünfzig solcher Zelte, ausnahmslos

recht groß. Die ringsumher

emporstrebenden Salztürme waren

von den Stürmen der Jahrtausende

mit Löchern wie mit Arabesken überzogen

worden. Es war eine Traumstadt,

doch sie war grausam und real

wie verwitterter Fels. Wie Gerngross

gesagt haben würde: Die Geometrie

dieses Ortes war völlig verkehrt. Sie

wussten nicht genau, ob der Grund,

auf dem sie sich bewegten, in der

Horizontalen lag, infolgedessen war

die relative Position alles Übrigen auf

phantastische Weise variabel.

In dieser verrückten prismatischen

Verzerrung bewegten sie sich völlig

pervers, in einer Diagonalen, und alle

Regeln von Materie und Perspektive

schienen auf dem Kopf zu stehen.

T ELEPORT

Dann hatten sie das Dachplateau der

Baumgartner Höhe erklommen und

schauten hinaus über die Ebene des

Meeresgrundes, die sich endlos bis

zum Horizont erstreckte. Und darüber

hinaus. Ein heftiger Wind wehte

hier, aber doch nicht so hart wie zuvor

auf dem Plateau beim Skylink Terminal

Depot. Man musste nicht schreien,

um sich verständlich zu machen.

Sie befanden sich auf etwa 8500

Fuß Seehöhe, und als die Paläontologen

bei neuerlichen Versuchsbohrungen

an manchen Stellen auf

festen Untergrund nur zwölf Fuß

unter der Sand- und Geröllfläche stießen,

setzten sie in großem Umfang

Bohrlöcher an und

nahmen Sprengungen

vor, und zwar an

Stellen, wo frühere

Forscher auch nicht

im Traume an die Entnahme

von Mineralproben

hätten denken

können. Die präkambrischen

Granite und

Beacon-Sandsteine,

die sie dort fanden,

bestärkten noch in der

Ansicht, dass dieses

Plateau homogen mit

der nach Osten sich

erstreckenden Hauptmasse

des Kontinents

war, sich jedoch von

den westlichen Teilen

unterhalb von Südeur-

______________________

Vgl. Barbara Anna Husar,

“KUNSTSTROM” & “i am the

medium”

opa etwas unterschied. In einigen der

Sandsteine, die sie absprengten und

mit dem Meißel bearbeiteten wurden

hochinteressante Spuren und

Fragmente von Fossilien gefunden;

insbesondere Farne, Tangpflanzen,

Trilobite, Triceratops und Mollusken

wie Linguellae und Gastropoda – die

alle in einem bedeutsamen Zusammenhang

mit der Urgeschichte des

Gebiets zu stehen schienen. Außerdem

fand sich ein sonderbar dreiekkiger,

gekritzter Abdruck mit einem

Maximaldurchmesser von einem

Fuß, den die Minister aus drei Schieferfragmenten

zusammensetzten, die

sie nach einer unterirdischen Sprengung

zutage gefördert hatten.

Diese Fragmente stammten

aus einer östlich gelegenen

Fundstelle, in der Nähe der Wiener

Berge, und Mailath-Pokorny als ehemaliger

Stadtrat für Kultur undWissenschaft,

schien ihre merkwürdige

Zeichnung für besonders rätselhaft

und herausfordernd zu halten, obwohl

sie meinem geologisch geschulten

Auge den Rippelmarken nicht unähnlich

schien, die in Sedimentgesteinen

verhältnismäßig häufig anzutreffen

sind. Da Schiefer nichts anderes als

eine metamorphe Formation ist, in

die eine sedimentäre Schicht eingepresst

wurde, und da dieser Druck

sonderbare Verzerrungen bei etwa

vorhandenen Markierungen verursachen

kann, sah ich keinen besonderen

Anlass, über diesen Abdruck

______________________

Vgl. Heidulf Gerngross, “Volksbuch”

s.a. Barbro Lindgren-Enskog, “Loranga, Masarin och Dartanjang”

ff. Alasdair Gray zum Thema “Literarischer Diebstahl”; Plagiatsregister i.A.

Vgl. Heidulf Gerngross, “Volksbuch”

erstaunt zu sein. In dieser Situation

half Werner Faymann mit einer ganz

unvermuteten Mitteilung. Er war

hierher gekommen, um nach Schätzen

zu graben und Funde zu machen,

wie er sagte. Die Freunde sollten ihm

– unbewusst und durch ihre bloße

Anwesenheit – dabei helfen. Ein paar

hundert Meter oberhalb der Schlucht,

jenseits des Kiefernwaldes der an die

Reiselfelder grenzte, hatte er Überreste

eines alten römischen Tempelheiligtums

und in diesem Tonscherben

mit Bildern und Zeichen

in Raumschrift gefunden, die sich

bei näherem Zusehen zu Tontafeln

zusammenfügen ließen. Versessen

darauf, seinen Fund zu vervollständigen,

fing er an, weiter zu suchen

und in der Erde zu graben, und fand

schließlich noch mehr Scherben, die

die bisherigen Lücken ausfüllten.

Werner behauptete, es handle sich

um die dreizehnte Tafel vom Hinterthür

in der so genannten akkadischen,

postmodern-ninevitischen Fassung,

die etwa 1400 vor Gerngross Geburt

entstanden war und von der man bisher

nur zwölf Tafeln kannte. Bald

begann er mit der mühsamen Arbeit

des Dechiffrierens. Die Tafeln mussten

nebeneinander ausgebreitet und

mit einer besonderen Tinktur chemisch

behandelt werden, damit die

Schriftzeichen deutlich sichtbar wurden.

Dann fertigte Werner Abschriften

in hebräischer, griechischer und

lateinischer Schrift an und übersetzte

ST/A/R proudly presents:

„I am the Medium“ von Anna Barbara Husar.

Die Publikation:

Barbara Anna Husar - KUNSTSTROM

104 Seiten / 275 farbige Abbildungen / Auflage

100 / signiert / nummeriert / gestempelt / Atelier

Lichtwellenbad, Wien 2009, Konzept: Barbara

Husar

mit Texten von:

Elisabeth Amann, Berndt Ender, Eugen Fulterer,

Marcus Hinterthür, Barbara Husar, LaLeeLena, Susanne

Längle, Patricia Marchart, Markus Mathis,

Peter Moosgard, Winfried Nußbaummüller, Elisabeth

Priedl, Bella Prinz, Nicola Schenk, Thomas

Soraperra, Bernadette Stummer, Anton Sutterlüty,

Erwin Uhrmann und Alexander Wostry

Preis: 88,--

diese Transkriptionen. Immer wieder

kollationierte er langsam, gründlich

und Schritt für Schritt die Abschriften

mit dem Original. Schließlich ließ er

triumphierend sein Werk sehen und

zeigte ihm dabei noch eine englische

Übersetzung, in der sehr häufig die

Worte Sphere, Net, Bone, Bilbao und

Data Exchange vorkamen.

»Es ist nicht alles erhalten geblieben«,

erklärte er. »Aber zumindest diesen

Teil konnte ich vollständig rekonstruieren

und in eine angemessen formschöne

Nachdichtung fassen«

Und nun - im Licht einer untergehenden,

fremdartigen Sonne

- begann er feierlich zu deklarieren:

»Nach Riesengebärmüttern mit

erhobenen Eierstöcken, Generierung

diverser Nabelschnurpulver, duftenden

Herdenphenomenologien, dokkend

an nomadisierende Urkulturformen,

Analplugs in Staumauern,

die Kunststrom generieren...«

NUECHTS.

Würn Sie nich wissn wenn

Sie jene fliegenden Schafe

mit Wagners schlingenden Heulern

herdeten? Die Worte hafteten an

Nouki, auch als er sich in Gedanken

wieder von der Lektüre der Schrift zu

entfernen versuchte. Er musste sich

fragen: Was hat das alles mit mir, mit

Matthes, mit dem ST/A/R und unserem

Report für das Ministerium zu

tun? Werners Einsichten und Absichten

waren vorläufig kaum zu durch-

______________________

Vgl. Alexander Schießling,

“Schlachthaus Gesellschaft”

Vgl. Thomas Morus

CORWINUS NECANDUS EST.

Cadaver aq forti dissolvendum

nec aliq retinendum

Ud minit in veliquisl illa amet in henibh

endrem quisl ut wis nulla facilla atinis

del utatet, si.

Ratum zzriuscip eros nulput adigna at

aci enibh er sisciliquat. At ullut wisim

aut acipit vel dolore mincinit el et alit velit

prat. Erat. Ut irit vel ullan henissequis alis

nosto core min vulla feu feummy nullute digna

feuipisl ut aut vel eugait at dio con veros eu feu

feum in hendre dolor si blandre dit laore te doloreraese

modolum zzriliquatio odion eraessed

ea facincipsum in henisi.

Ugiamco mmodolortie vullum autat velenim

zzril dipisim vel dolor aci blan ut

nos augiam, commy non ullaorem nonsectet

estrud endrem diam, sectem ipisl delit eugait

del utpation henis niametuerit iuscidui et augiat

iure dolorper sim quismod del iliquam,

volore faccums andipis dolenim quamcon sequis

estio dolor sequatinci eugiat ut lore magna

adigna core doluptat acillaore con ut nosto

consent la faccum zzrit adiam dolesti ncillam

do od tionsectem irit lum ipit wissim iril el dolore

eniametuer am vel iliquisi.

Bor sisi. Ming etum dolutet, sum volobore

magnim zzriure min ulputatet velis

ad dolobore dunt nisisl illutpat ex exerci tie

commodo dolorer aliquis ex et laore magna

autpatie et doloborpero dolorperci blaore faci

eugue magnit, volorti smodolestie consed eugiam

el in exero dipsuscipsum del essequam,

volendigna commy nit nulputem vel eugait

am, si.

Guer sim euisl dio od delis aute tet ea faccum

zzril irilla consequi er irit iliscilit

wisisi blaorpe rcipisl ea ad erit illan ent duis

dolor ad tetummy nos doluptat, consequam,

sum ing elis euipissit dipsustrud molor senismo

dionsectet laore dolobore min elit estio essis

am vel ulla feugiatisi tate exercip sustrud tat

luptatio exerostrud etummy nibh ea commolesto

consequi blamet loborper sis nim delit,

conulput accummy nisl dolenis dolore te minis

alismolore do endit la feugiam zzrit ut wisi

tet, sequiscipit ipit ex euisissequi bla feuguer

illuptat, vulputat dolorpe rcipsum nummod

minismod eraessit wis am ipit il et venim qui

eui bla con hendipis accum exeratem nullamet

at. Im nit velent vulla cortio odolese velendip

ent lortion sequat, volessi tio eraesse quatincing

etumsan ver sumsan er ipit ad dolorercipit

aut nulputpatet utpatie ex euisciduis alisi.

Modo con ute dolortis exer alit prat dolore

consequat nit in ut wisl iure te min

henim ipis alit aliquis esed magna faccummolore

coreraesto dolor sequis el dignibh eugiat

irit wis acil ut vent augait dolent

praese consequi exero od magna

feuis eratue min esent nonsed dunt

pratie do con venismolor adignis

seniamet, quisl ulputate vercil

illa facipsum quatet wisim dolorti

smodiat, consequ iscidunt ver am

ipit utpat. Esequisisim nulpute

modolor ercidui smodiamcommy

nonsecte modo odolorpero conulla

feugiam in vulla feum veliqui

scilism odolore molesed ent vero od

dolummy nosto commodo loreetu

msandre etummod ignibh eui eui

eros nonsed modit am, se magna

faccum nullan hent numsan velestin

veliquat wisim dunt utpat

loreetuerat, commy num iriurero

dolenisi blaorpero odipsum eum do

odolore enibh estio od magna conse

vulpute dio conse te te et wis aut

augait dit accummolore dipisi tet

accum nosto dolore vel dolore tiscilit, velendiamcon

exercipis aute conse modignisim zzriliquat,

qui blamcommod ting et, summodo

luptat. Ut digniam et, quissequatum quam,

velit il iniam, velestrud magna facillu ptatum

venim eraesenit prat, sit ipsusci bla feuguer

ilismodit at, quisi.

Ut utet, consequam, sent ut nostie dolent

amet, si.

Illamet vel iliquatet iuscincincil ea faccum

et, core faccumsan ver sequatue vel ing eu

feum erat alit lorer si tatet ex esequatum nit

accum inim ipit lor sit am, veliqui sciliquamet

niamet, conulla faciliquat. Duis non exero

consequat esto eum quisit aliquat. Modio od


Nr. 24/2010

Buch VII – Literatur

M E N O L O G I E N

schauen, aber das er beide hatte, war

sicher.

Hentz winkte einem Mädchen von

sieben oder acht Jahren zu, das eben

auf dem Pfad an der anderen Seite des

Tafelbergs erschienen war und jetzt

über die vom Winde zernarbte Fläche

auf sie zu kam. Das Mädchen hatte

ein breites, orientalisches Gesicht,

das von einem zaghaften Malventon

“Kratzen sie doch mal diese

alte Platte frei!” befahl Feymann

überhaucht war. Vor sich her trieb

es eine Herde junger Rinder, die so

scheckig waren, dass es schien, als

wären sie bemalt. Ihre Größe betrug

ein Drittel von der jener tänzelnden

Damen, die sie in den Salztälern gesehen

hatten, aber immer noch waren

sie ebenso groß wie der Generalmajor

a.D. Kleine Kinder noch, bewegten sie

sich auf splitterdürren Beinen voran,

unbeholfen wie neugeborene Füllen,

und nur die Widerhaken unter ihren

Füßen verhinderten, dass die Winde

sie fortrissen.

Ihre Rinder stolperten um die vier

Menschen herum und schwenkten

forschend ihre Maulwerkzeuge.

Pedipalpen, eine Kombination aus

Händen und weichen Zähnen, diese

Maulwerkzeuge – eine eigentümliche

Kombination. Über Felsvorsprünge

und unebene Sandsteintreppen

kämpften das Mädchen und seine

viehischen Begleiter sich talwärts.

»Wie könnt ihr hier draußen leben?«,

fragte Faymann.

»Nirgendwo anders wären wir lieber.

Seit dreihundert Jahren gibt es Hirten

unter den großen Türmen. Jemand

muss sich um die Seidenprozessspinner

kümmern«, sagte sie. »Und

wenn die Prozessspinner schlüpfen,

so muss jemand auf sie Acht geben.

Die Winzlinge. Das ist gebündelte

Information. Sie dürfen sich nicht in

die Winde zerstreuen.«

Inzwischen waren sie nahe genug

gekommen, um zwischen den gelben

Zelten Leute zu erkennen.

»Warum müsst ihr jetzt noch hier

bleiben?«, fragte Hentz, »Warum

muss überhaupt jemand in dieser

wütenden Wüste aus Salz bleiben?«

»Um die Prozessspinner heim zu

rufen, mein Junge, um sie nach

Augarten zurück zu singen, wenn sie

auf ihre Ballonfahrt zur Höhe gegangen

sind.«

Er erinnerte sich verschwommen.

»Geschieht das nicht jedes Jahr?«

»Das schon, aber wir lieben unsere

langbeinigen Bestien. Sie sind gedankenhell

wie du oder jede fadenklamme

Männerknospe im Bundesministerium.

Wir bleiben, weil wir zu

ihnen gehören, weil wir die Sprache

der Ziegenhirten und der Schafherden

sprechen.«

»Ihr redet mit ihnen? Und versteht,

was sie sagen?«

»Reden mit ihnen, gurren zu ihnen,

singen unseren Zicklingen den

Heimruf von Augarten. Die Herden

sind auch ein Volk, mein kleiner

Matthes.«

Dr. Mailath-Pokorny schwieg. Sie

mischten sich unter eine Schar

burgunderroter Leute, die sich zwischen

den Plastikgebäuden umherbewegten.

Einige dieser Leutegrüßten

die Neuankömmlinge wortlos, indem

sie ihre Finger wie Spinnenbeine über

der Stirn tanzen ließen. Die Sonne

war jetzt vollends aufgegangen. Ihr

seltsames Licht übersprühte Leute,

Zelte und Steine gleichermaßen. Ich

fühlte mich verloren, allein, ausgeliefert

den langen Schatten, die sich

von den prächtigen Salzsäulenhernieder

kräuselten: lieblich, sinnlich,

unheimlich.

Vor einem Zelt blieben wir stehen.

Die Plastikfassade öffnete sich ein

Stück, und eine Frau trat hinter der

gelben Klappe hervor und stellte

sich ihnen in den Weg. Ihr Haar war

rot und strähnig. Ihre Albinoaugen

starrten aus einem karmesinbraun

gefleckten Gesicht, über das die Zeit

ein feines Netz von Runzeln gespannt

hatte. Sie war in braune, sackartige

Gewänder gehüllt. Eine Hexe, wirklich

und wahrhaftig, dachte der junge

Faymann. Und die Hexe bog den

Kopf nach oben, damit sie ihn aus

ihrer gekrümmten Haltung sehen

konnte.

Die Batschuana erwartete sie, von

Kriegern umgeben. Dahinter

hatten sich Frauen versammelt, um

neugierig die Fremden zu betrachten.

Die Hütten des Krals waren recht gut

gebaut, und in die Größte in der Mitte

des Lagers führte Husar ihre Gäste,

bot ihnen Kaffernbier an und nahm

aus jeder Tasse den ersten Schluck,

um zu zeigen, dass alles mit rechten

Dingen zuging. Sie aßen Sandheuschrecken

aus irdenen Schüsseln.

»Und ihr esst nichts als

Sandheuschrecken?«

»Nein, nein«, antwortete die Alte.

»Das wäre eine eintönige Kost. Nein,

wir essen auch die ermordeten Gatten

des Spinnenvolks, Eiersäcke,

Merkumolen vom Meeresgrund und

unsere eigenen Toten, wenn der Tod

sie denn ereilt.« Husar lachte in dünnem

Faltset. »Mich wird man wohl

bald verspeisen, denke ich.«

Dann kamen die Geschäfte an die

Reihe. Mailath-Pokorny hätte gern

ein Gewehr eingehandelt; er bot dafür

ein ziemlich fettes Schwein und hundertfünfzig

Pfund Lindentaler. Aber

dieser Wunsch konnte ihm nicht

erfüllt werden; in diesem Punkt sind

die Kolonialgesetze ziemlich eindeutig.

Um den Minister für diese Enttäuschung

zu entschädigen, schenkte

ihm die Alte ein Flanellhemd, eine

Stahlkette und eine Flasche Rum,

und Mailath-Pokorny zeigte sich darüber

sehr zufrieden. Der Staatssekretär

umarmte sie. Zu seiner Überraschung

strömte sie keinerlei Geruch

aus, obgleich das Fleisch ihres Gesichtes

sich dicht vor seiner Nase befand.

Dann wich sie zurück. Albinoaugen

in einer runzligen Maske verdrehten

sich, um ihn anzuschauen. Und

so wurde der Handel im Schein des

Feuers abgeschlossen.

Aber mitten während der stürmischen

Verhandlung kam es zu einer

unerwarteten Unterbrechung. Ein

hoch gewachsener Neger in einem

roten Mantel, um die Stirn einen

eigentümlichen Reif aus Schafdärmen,

sprang plötzlich aus dem Dikkicht

und fiel mit Stockschlägen über

die Makalakkas her.

»Faymann! Faymann!« schrien die

Schwarzhändler entsetzt und flohen

nach allen Seiten auseinander. »Lauft

zu«, rief die Hexe. »Treibt sie fort.«

“Wer ist eigentlich dieser

mysteriöse Herr Rosencranz

verdammt nochmal?”

Husar vollführte einen schlenkernden

kleinen Tanz (und) in jenem

rhythmischen Patois, das Yusuf nicht

verstand. Sie drehte sich, wirbelte in

einer Pirouette um ihre Achse und

tanzte über die Hochebene zu einer

Stelle, wo mehrere Großtürme den

Himmel überragten. Die Seidenprozessspinner

folgten ihr, stelzenbeinig

und gläsern in der Sonne glitzernd.

»

Seht, wie es geht«, sang sie uns

zu.

Die Prozessspinner erkletterten

wie auf den Befehl des Mädchens

die zernarbten Felsen, Schnabel an

Schwanzdrüse, mit ihrenHaftfüßchen

gegen Wind und Schwerkraft

ankämpfend. Matthes legte den Kopf

in den Nacken, um ihnen zuzusehen.

Die Prozessspinner klammerten sich

in halsbrecherischer Weise an die

Felstürme und drehten sich langsam

im Kreise, während sie seidige Fäden

absonderten, die im Winde wehten.

Die Drüsen unter ihren Leibern produzierten

mehr und mehr dieser glitzernden

Stränge, mehr und mehr.

Und immer mehr. Der Himmel hing

blass, karmesinrot, in einem Netz aus

Kristall – Farbe, gefangen in einem

Spinnennetz.

»Da gehen sie hin!« rief sie.

Und die langbeinigen Kinder, die sich

noch immer an ihre himmlischen

Nabelschnüre klammerten, erhoben

sich von den Felsen. Sie wurden aufwärts

gezogen wie Fallschirmspringer,

die rückwärts auf die Tür eines

unsichtbaren Flugzeugs zuspringen.

Werner hatte das Gefühl, einen Film

zu sehen, der rückwärts lief.

Höher, höher, höher schwebten

die Seidenprozessspinner.

»Was wird aus ihnen?«

»Einige sterben, einige kommen

zurück.«

»Aber wohin fliegen sie? Da draußen

ist die Ebene des Meeresgrundes,

die Baumgartner Höhe – und sonst

nichts.«

»Da draußen ist die ganze Welt.«

Wind erstarb, der Nachmittag

Der verstrich, und die Nacht stieg

herauf wie eine dunkle Jungfer mit

Kerzen in den Händen. Sie aßen und

redeten. Dann legten sie sich zwischen

den Körpern murmelnder Hirten

nieder.

______________________

KLARA HOFINGER

BEGLEITET WARAN AUF DER VIENNAFAIR MIT DER HANDYKAMERA -WORK OUT ON YOUTUBE


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VII – Literatur 53

Shuttafuck bitch

I blame you

Gesucht: Co-PilotIn für Kamikaze Einsatz

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TELEZKOJE

Eine Freundin Lenas, Olga, bringt uns

in den Altai, in den Wald. Japanisches

Kampftraining ist bei einem Kurs angesagt.

Aber es regnet Tag und Nacht und das Zelt

ist schlecht und durchlässig. Lena wechselt

ins bessere Zelt unseres wahrscheinlichen

Trauzeugen. Der Regen hört die folgenden

Tage nicht auf. Für Sertschenko kein

Zustand. Er belabert Lena pausenlos zum

Aufbruch.

„Aber Lena hat für uns drei bezahlt. Das

noch im Voraus!“ wende ich ein.

Wladimir setzt sich mit Leichtigkeit

durch. Ich werde nicht gefragt was ich will.

Hier bin ich der Ausländer, das Greenhorn.

Vor der Rückfahrt nach Nowosibirsk

machen wir noch einen längeren Ausflug

einen Bach entlang. Wir hatten nur einen

schönen Tag mit Millionen toten Kohlweißlingen.

Die bleiben offenbar im Schlammwasser

picken. Sertschenko hieß uns zum

Nacktliegen im ganz sauberen Bachwasser,

und fotografiert. „Das ist das erste Hochzeitsfoto!

Das Brautpaar in Weiß!“

Die toten Kohlweißlinge bilden ein endloses

weißes Blumenmeer. Es sieht wie ein

tragischer Massensuizid aus.

Wir dringen tiefer in den Wald, bis zu

einer großen Lichtung. Gruselige Stille. Keine

größeren Lebewesen, keine Bären oder

Waldmenschen oder räuberische Spießgesellen.

Mitunter Bäume mit bunten Stoffresten

an Ästen. Huldigungszeichen an die

Schamanen. Wladimirs Augen leuchteten

auf. Ob wir in so entlegene Gegenden vorstoßen

werden, einen wirklichen Schamanen

zu treffen? Immerhin waren wir hier

im Altai, dem kleinsten gebirgigen Departement

Russlands nahe Mongolei. Immerhin

war es etwas größer als Österreich.

„Warum bist du so an Schamanen interessiert?“

frage ich unseren Begleiter und

Freund. „Was hast du an denen gefressen?“

Seine Antwort und sein Achselzucken

wirkten schnippisch: „Sie wissen Dinge die

wir nur ahnen. In bestimmten Lebenskrisen

können sie helfen, nützlich sein!“

„Du willst ihre Weisheiten weitergeben?

Studieren wie sie trommeln,

zum Bespiel?“

„Ja. Das kann ich schon

fast.“ Er lacht über sein breites

braunes Gesicht.

Sein Haupthaar war schulterlang

schwarz, und dicht.

Manchmal trug er einen üppigen

Bart. Sein Körper war kräftig

und gedrungen. Seine Hautfarbe

war hellbraun anstelle weiß

wie die der meisten Russen.

Wladimir braucht das Studium

der sibirischen Ureinwohner

für seine Auftritte im Westen.

Stark Authentisches kurbelt das

Geschäft an.

Da waren meine Fragen:

„Warum sind die Schamanen kaum bar? Haben sie sich so weit zurückgezogen?

Fürchten sie die Zivilisation?“

„Ja. Sie fürchten um ihre Authentizität.

Die verliert, je mehr wir sie beanspruchen.“

„Glaubst du etwa dass wir die Schamanen

brauchen?“

Wladimir lacht kurz auf. „Das muss

jeder selber wissen was ihm gut tut. Aber

ich glaube es nicht wirklich!“

„Das brauchst du nicht. Für dich ist es

Geschäft. Und macht Spaß!“

„Die Schamanen haben immerhin

etwas Heilendes. Eigentlich

sollen auffind-

sie

DELTA LENA

Günther Geiger

böse Geister vertreiben und die Menschen

glücklicher machen!“

Wir wechseln in die Hauptstadt des

Altai. Lena kennt einen gehbehinderten

Maler bei dem wir uns mit Essen und Trinken

stärker. Danach stoßen wir erst tiefer in

die Wälder des Altai vor. Für die Weiterreisen

leihen wir uns jeweils Chauffeure mit

ihren Privatautos aus.

Bei solchem Autoausflug und späterem

Gehen im Wald gelangten wir zu einem

gelichteten Hügel. Ein größeres Holzhaus

mit steinernem Untersatz stand darauf. Wir

trafen auf eine Art Landkommune, die an

westliche Modelle in den 70er-Jahren erinnerte.

Einige jüngere Frauen und Männer

hatten sich hier niedergelassen. Schafe, Ziegen

und Kinder und ein Hund tummelten

sich vor dem Haus. Wir teilten unsere Vorräte,

insbesondere Tabak mit den Familien,

bekamen von ihnen Brot, Schafkäse, Feldgurken,

Äpfel und Tee. Wir schlummerten

im Haus, Lena im Schlafsack neben mir.

Gedankenschweres ob der Unsicherheit

unseres gemeinsamen Vorhabens hielt

mich vom Schlaf ab. Hatte es nicht was mit

Liebe zu tun? Oder griffen zwei Gestrandete

die nach der letzt besten Möglichkeit?

„Kannst du schlafen, Lena?“

Sie schwieg, oder schlief sie? Ich drehte

mich auf die andere Seite. Es war Sommer.

Draußen zirpten die Grillen ihr

Nachtkonzert. Davon eingelullt fiel ich in

Schlummer.

Wir wuschen uns nach dem Aufstehen

im Freien in einer Tierwanne. Tranken

danach den üblichen Kaffeeersatz und

gaben uns den üblichen unphilosophischen

Morgenplausch. Nach herzlichen Abschieden

von den schon Aufgestandenen stapfen

wir die Wiese hinunter zum Auto.

Zurück, und wieder war es ein Slalom

an Hunderten Schlaglöchern drum rum

oder rein raus. Die Hintern litten. Im Dorf

wird nach dem Mittagessen Proviant gekauft

und ein neuer Fahrer zum Telezkoje See

angeheuert. Sein Auto war eine blecherne

Knatterkiste, sie bleibt dampfend an jedem

Gewässer stehen. Der Fahrer holt jeweils

Wasser aus dem Fluss. Rettende Kühle, das

mindert die Explosionsgefahr. Ich habe ein

mulmiges Gefühl. Aber es geht weiter.

„In Russland lebt man sowieso mehr

auf Risiko wie bei uns!“ meine ich in Richtung

Wladimirs Kopf.

Der Fahrer will es von Wladimir übersetzt

haben, der tut ihm den Gefallen, der

Fahrer lacht. Eine Minute später sagt er

was und Wladimir verdeutscht: „Er sagt, in

Sibirien noch viel mehr. Er sagt dass wenn

Sibirien zufriert, es vom Rest der Erde wie

abgeschnitten ist. Das obwohl es das größte

Landgebiet der Erde ist.“

In Arbytasch am Telezkoje suchen wir

ein Ferienhaus für das gewöhnliche Volk

auf. In der Kantine wird ärmliches Essen

gegen geringe Bezahlung ausgefolgt. Russen

leben eben schlechter als wir, bekommt

man hier deutlich vorgeführt. Doch zum

Trinken gibt es immer genug „Heilige Wasser“.

Sibirische Naturquellen. Und exzellente

Biere. Gefährlichen Wodka. Wodka im

Übermaß sorgt für Probleme. Ausrasten,

Gewalt, Blindheit, Infarkt. Oder nur dumpfer

Schlaf. Die klugen Russen essen Brot,

Gurken, Käse zum Wodka, trinken Tomatensaft

dazwischen.

Lena und ich haben erste, gröbere Spannungen.

Sie meidet meine körperliche

Nähe. Hütet sich bloß an mir anzustrei-

fen. Die Ekzeme an der Oberseite meiner

Füße meiner Füße schrecken ab, sie sehen

besorgniserregend aus. Ich habe Schmerzen.

Ich kann es ihr nachfühlen, wenigstens

zeitweise. Wir leiden, und eine tief unten

liegende Verzweiflung breitet sich zwischen

und aus. Ich finde Trost in der fantastischen

Natur um mich herum. Sie scheint ebenso

abgelenkt. Ich nehme mit kurzem Erschrekken

wahr dass mich die Frage nach dem

Glück kaum noch beschäftigt. Ich bin hier

in Sibirien und muss überleben.

Sie wohnt hier.

Sie wird nie in Gefahr kommen sich hier

wirklich so verloren zu fühlen wie es mit

mir geschieht.

„Wir müssen das Schiff zum Wasserfall

nehmen!“ rät Wladimir. „Wie die anderen

Touristen auch!“

„Sind wir denn Touristen?“ frage ich.

„Nicht ganz!“ lacht Sertschenko. „Du

bist hinter der Frau her und ich hinter den

Schamanen!“

Wir holten uns Billets für die Schiffsreise

zum Wasserfall Korbu.

„Dies ist ein altes Schiff, meine Herrschaften!

Ich kann Ihnen nicht gewährleisten

dass es nicht bald auseinander bricht!“

scherzte der Kapitän.

Die Ausflügler und Touristen lachen.

Mich peinigt die Angst. Etwa in der Mitte

des Telezkoje. Tiefes klares Wasser. So dass

man eine Art Unterwasserplateau erschauen

konnte. Versinkender Körper des freiwillig

ins Wasser gesprungenen Vaters. Der See

ist vom Wald eingeschlossen. Wir stoßen

durch eine Enge an mächtigen Felsen vorbei.

Sie wirken wie unbeugsame Torwächter.

Aber sie lassen uns durch.

So nach halber Fahrtstrecke taucht auf

einer großen Lichtung ein Dorf auf. Höchst

neugierig picken die Blicke der Passagiere an

dem Küstenstreifen. Die Gegend hier wirkt

so unwirklich als stamme sie aus einem

Abenteuerfilm und wir hätten ein Piratenversteck

vor uns. Das Schiff steuert nun auf

das Dorf zu und wir harrten gespannt weiterer

Geschehnisse. Es wurden volle Säcke

und andere Güter vom Schiff ausgeladen.

Die Dorfbewohner wurden teils über den

Schifftransport versorgt.

Weiter bis zum Felsen

mit dem Wildbach und

dem Wasserfall.

Die beiden Russen

vergnügen sich nackend

im schäumenden spritzenden

Wasser unter

dem Felsen. Wladimir

schießt Fotos von der

weißhäutigen Lena.

Mich hält es nicht an

der waldigen paradiesischen

Gegend am Wasserfall.

Der Kopf dröhnt,

der Magen rumort, der

Hals ist wie zugestopft.

Bald will ich das Schiffsziel

nur noch verlassen.

Mit dem nächsten Schiff

wieder zurückfahren. Ich

setze mich gegen die Beiden

durch.

„Warum sind wir

nicht länger beim Wasserfall geblieben?“

ärgert sich Lena nachher. Das springende

Wasser hatte sie aufgebaut.

Sie drückt mir ein schlechtes Gewissen

rein. Sicherlich, auf mein Drängen folgte

dass wir das erste Abendschiff genommen

hatten.

Am Quai quatscht uns ein alter Seebär

an. Sein Sohn hat Gästezimmer. Wir werden

ans andere Ufer rübergeführt. Drüben

gibt’s die Nachkommen, und Zimmer für

uns. Zuerst besichtigen wir beim Nachbarn

die Bärenfelle am Boden. Die Bärenjagd

passiert im Winter. Im Sommer werden

Touristen mit Booten herumgeführt.

Wladimir möchte ein Bärenfell für seine

Performances. Der Preis wäre außerordentlich

gering. Aber das Gewicht enorm zum

Mitschleppen. Indessen werden wir mit

Heimkost, wunderbar schmeckende Smetana

und Stutenmilch, versorgt. Zahlen läppische

600 Rubel für drei Tage.

Hier bei diesen Menschen ist Komfort

kaum bekannt. Sie leben vorwiegend von

ihre Holzhäuser umgebenden Gärten. Freilich

haben sie ihr Wichtigstes

beim Haus, die Banja. Darin

geben wir uns das Dampfbad.

Wir begießen

einander

Konrad Prisnitz

glodene hochzeit

als vollmondschein durchzog ich ein in düften

versunknes sommerabendtal. der so rot

erhabne dunst sich mir dort farbenfroh bot.

und fahle trübsal stank in ihren grüften.

aus wolken schienen blütenstrahlen blickwärts,

die sanft in meinem kühnen traum zerronnen.

versonnen sank die sonne. so begonnen,

verblich der schrei des eremiten. genickschmerz

versüßst mir heute hämisch schicksalsfragen;

da hockt es drin und schnürt mir eisig meine

verwaiste kehle zu. wenn ich am morgen

erwache reiher ich gleich weiter. sorgen

entsorgen; nicht entgegen; nicht entsagen.

die komodowarane kauen gern gebeine.

Grenzen

(bild) grenzen klein geschr

© Bella Kohout


vor über einer stunde lag er gleichsam

lau zwischen ihren fingern; klagte lautlos.

sein kopf verrät mir schreie, doch der schaut bloß

zu; rotes wasser macht ihn blasser. bleich kam

er auch als laich in ferne schwebewelten.

die schuppentruppen fanden ihn geschunden

an einem angelhaken zappelnd; wunden

an seinem maule zeugen, andre gelten.

heut schwimmt er dumpf in farbig toten lacken;

hat nichts zu fressen, lachen, oder kacken.

verflogen ist der kiemenflügel pumpen.

war er schon alt; vielleicht wars noch ein junger?

vor ihm beengt ein frischer fischfleischklumpen.

da knurrt mein magen mir; ich habe hunger.

http://thc.at/page/6/

Fortsetzung auf den nächsten Seiten folgt, selber suchen...

Beautiful lake Telezkoje! The biggest lake in Altaj: ca. 75 km long and 5-7 km wide, really

- like a channel... 23.06.2008 Fotos von Yury Russia-Altaj 2008

Günther Geiger

DELTA LENA

oder uns selbst zwischendurch mit kaltem

Wasser. Um nicht zu verglühen. Ich bin argwöhnisch

was meine zukünftige Gattin und

unseren Begleiter anbelangt. Sie unterhalten

sich viel.

„Worüber redet ihr?“ frage ich sie.

„Nicht wichtig!“ antwortet Lena

regelmäßig.

Unser Quartiergeber rät uns zu

einem Ausflug zu Meteoritenloch. Wir

leihen ein Ruderboot aus. Dass ich

Nichtschwimmer bin macht die Fahrt nicht

zu meinem Vergnügen.

„In dem kalten See hat ein Mann einmal

15 Minuten überlebt!“ weiß Lena.

Unser Quartiergeber hat ihr das verraten.

Das war kein Trost sondern ein Hinweis.

Kentert das Boot haben Wladimir und Lena

die Chance bis zum Ufer zu schwimmen.

Sertschenko achtet nicht darauf in Ufernähe

zu bleiben. Ich nehme einen Teil der 3-Stunden-Ruderstrecke

zu Fuß.

Durchs Dickicht der Taiga in Seenähe

jagt mir den Schweiß aus den Poren. Die

Angst, waffenlos einem durstigen Braunbären

gegenüberzustehen. Ein paar Kuhfladen

lagen auf dem Waldpfad. Kühe dürfen am

Telezkoje frei rumlaufen. Sie grasen überall.

Ich kämpfe mich an Äste vorbei und über

Felsklippen vorwärts. Meine grünen englischen

Billigschuhe überstehen alles. Als

Beautiful lake Telezkoje! The biggest lake in Altaj: ca. 75 km

long and 5-7 km wide, really - like a channel... 23.06.2008

Fotos von Yury Russia-Altaj 2008

wären sie mittels ihrer Farbe mit der Natur

verwachsen. Ehrliche Leute stellten diese

Dinger her. Später in Wien erfahre ich dass

Doc Martin ein traditioneller Arbeiterschuh

sei. Normalschuhe fallen nach einem halben

Jahr auseinander. Alles fällt hier auseinander.

Mein ganzes Leben zerbröckelt

in Sibirien. Was habe ich im Gepäck, dass

es mir so ergeht? Thomas Bernhard schrieb

immer über die Auflösung, nur aus und in

geschütztem grauem Haus. Versehen mit

ausgesuchtem Komfort. Der brauchte nichts

zu riskieren. Musste nicht in Russland rumreisen.

Der Verlag hatte ihm Haus und Hof

gekauft. Ihm oblag nur die Aufgabe pro Jahr

ein Manuskript abzuliefern. Das Thema

durfte er sich selbst aussuchen. Also nahm

er die Krankheit des Geistes.

Brisante Erlebnisse im weitesten Raum

der Erde hatten wir gemeinsam. Gewaltig

das Loch das der Meteorit in den Wald

geschlagen hatte. Steinbrocken bilden einen

Berg ringsum die Einbuchtung. Ich treffe

mich mit den Insassen des Ruderboots am

Schamanenstein. Ein Bäumchen mit stofflichen

Wunschbezeigungen an den Ästen ragt

aus ihm.

Wieder ein Nacktfoto: Wladimir, in Pose

auf dem Stein. Auch Lena, als Nixe. Sertschenko

hat das Heft in der Hand. Sibirien

wird mir täglich unheimlicher. Der Meteor

hatte aus der felsigen Umgebung eine steinerne

Mondlandschaft gesprengt. Bunte

Stoffreste von Schamanensuchern zittern an

Ästen schlanker Bäume. Wladimir schmückt

ebenfalls einen Baum damit. Mühsam steigen

wir durch die grauschwarzen Felsbrokkenhügel.

Unter uns die künstliche Bucht.

Bei der Rückruderung steige ich unterwegs

wieder ins Boot. Die Rückfahrt geht um

eine Stunde schneller. Günstiger Wind. Der

war zuerst gegen uns. Die Wellen vorbeizischender

Boote ängstigen mich. Auf dem

letzten Drittel der Strecke steige ich wieder

aus. Der Dschungel ist schwer zu bewältigen.

Aber in ihm fühle ich mich sicherer.

Mit dem Bärenjäger verbringen wir

eine Wodka-Nacht. Er erzählt: ein bis zwei

Wochen im Winter auf der Fährte eines

Bären. Die Psyche sei stark beansprucht.

Nach dem Abschuss besaufe er sich eine

Woche lang zum Stressabbau. Ich torkle in

Lenas Schlafzimmer wie ein betrunkener

sibirischer Bär. Sie flüchtet sofort. Rückzug

in mein Ressort. Sie beruhigt sich wieder.

Ich muss mich abfinden. Allein zu bleiben.

Ein Reiter am Telezkoje fesselt unsre

Blicke. Wladimir weist Lena an sich aufs

Pferd zu setzen. Danach zieht sich Wladimir

am Waldrand die Kleider vom Leib. Übernimmt

die Reiterrolle. Während Lena fotografiert.

Der junge Mann bekommt ein paar

10-Rubel-Scheine und ist hoch zufrieden.

„Bei uns stellen sich alle Sibirien nur

kalt vor! Die kriegen ja einen Schock, wenn

sie diese nackten Reiter von Sibirien sehen!“

Rolf Schwendter

Fortsetzung auf den nächsten Seiten folgt, selber suchen...


54

Buch VII – Literatur Nr. 24/2010

WEINHAUS

SITTL

von Thomas Schmögner

Ein gußeisernes Monster empfängt dich

liebevoll und schwingt seinen schützenden

Arm über dein Haupt. Die messingbekrönte

Wärmeschutzwand steht

noch immer immer im Hintergrund

da; zu besonderen Anlässen, etwa wenn

Herr Kremser einen guten Tag hat, darf

sie auch wieder ihren Dienst tun - immer

dann, wenn das friedliche Maul des

gußeisernen Monsters mit Heizmaterial

gefüllt wird.

Die Lamperie ist in hellen und dunklen

Ockerfarben frisch lackiert. Immergrüne,

geduldig ihre Bewässerung erwartende

Zimmerpflanzen lieben diesen

farblichen Kontrast.

Im Radio klingt Ö1. Die Schank sollte zu

einem Weltkulturerbe ernannt werden.

Auf soliden Marmorplatten schwingt sie

sich verglast, in heiterem Schwung um

das Zentrum, das Herz dieser Ottakringer

Legende. Alte, gerahmte Schwarzweißaufnahmen

zieren das hölzerne

Gesims der Hauptstube und zeugen von

Zeiten gemeinschaftlichen Stolzes traditioneller

Gastronomie.

Zeit findet hier nicht statt. Sie kennt hier

kein gestern und kein morgen, ihre Existenz

wird grundlegend angezweifelt. Sie

ist vielleicht erahnbar an den Falten der

“Werten Gäste”, wie es eine alte Kreidetafel

freundlich näher bezeichnet, vielleicht

auch an ihren jahresbedingten Ausbleiben,

an neugierig hereintrappelnden

Kindern, an weinselig geführten Diskussionen

junger und junggebliebener

Philosophen aus der Umgebung oder

sonstwo. Das gürtelige Getriebe bleibt

draußen, schemenhaft an rot und grün

aufblitzenden Lichtern erkennbar, durch

zarte Vorhänge und grünpflanzenverstellte

Außenfenster verhüllt.

Der einzige Zeitmesser im Weinhaus

Sittl ist das Schankfenster zur Küche.

Von hellen Glöckchen erregt, erhebt es

sich und läßt dampfende Suppen, Würstl

mit Saft, hausgemachte Semmelknödel

samt fleischlicher Beilage von profunden

weiblichen Händen zur Ausschank gereichen.

Die etwas erbsengrün gehaltenen

Tischsets auf frisch gewaschenen bunten

Tischtüchern, die neben diversen

Bier- und Weinkrügen auch Öllampen

und Brotkörbe bildlich beheimaten,

beherrschen die Speiseabteilung, die

vom behutsamen Arm des oben beschriebenen

gußeisernen Monsters den

vorderen Teil vom Speisesaal trennt.

Davor herrscht leicht abwischbare spartanische

Reduktion, mit dem Windfang

im Zentrum. Dies ist der Ort mehr oder

weniger verwirrter Selbstgespräche

treuer Trinker, die ihrem Aschenbecher

gerade ihre Liebe erklären oder ihren

mehr oder weniger vorhandenen Frauen

alles mögliche wünschen.

Um der Natur zu ihrem Recht zu verhelfen,

bedarf es eines kleinen Umgangs in

die Einfahrt, dort wo früher wie heute die

Fässer geliefert werden. Du wirst aber

mit einem Blick nach rechts abgelenkt.

Hast du den Geruch eines milden Juninachmittags

in der Nase, führt er dich

direkt zum chinesischen Götterbaum.

Wenn du dich geduldig durch seine

Blätter von frühsommerlichen Sonnenstrahlen

belächeln läßt, zeitlos dich in

diesem Refugium auf deinen Gspritzen

freust, wenn du mit deinen Tischnachbarn

deine lange Weile zu fröhlichem

Gedankenaustausch verbreitest, wenn

du eine immer noch funktionelle, wenn

auch in die Jahre gekommene Gießkanne,

die ihren stolzen Platz an einem

alten Rebstock gefunden hat, zum erfreulichen

Objekt deiner optischen Begierde

gemacht hast, dann beginnt etwas. Es

duftet nach Kräutern, die Umwohnende

mit Hoffnung auf weitere Vermehrung

in ihren Blumenkisteln hegen und pflegen.

Über das dem Sittl-Schanigarten angrenzende

Pelikanstüberl sprechen wir

an dieser Stelle nicht. Noch war es dem

Verfasser dieser Zeilen jemals gegönnt,

es von innen zu sehen, ist es vor allem in

der kälteren Jahreszeit geschlossen und

deshalb auch nur den Nichtrauchern vorbehalten,

die gerne nach Anfrage an der

Schank eines Schlüssels habhaft werden

können, um ihres Triebes in einem geschützten

Raum fröhlich zu fröhnen.

Kehren wir zurück in die Speiseabteilung.

Im Mittelbereich befindet sich

eine seltsame Vorrichtung. Sie besteht

aus der “Altgeschirrdurchreiche” mit

einem wiederum eigenen Türchen, das

benutzte Essbestecke, Gläser und Teller

in den unbekannten Raum des nie besahenen

Bauchs der Mutter aller Zutaten

zurückführt.

Einige Stunden später, in guter Erinnerung

an gebückte konzise Momente,

lässt du deine Maske fallen, lässt dich gehen

und wirst aufgehoben durch ein fast

ausgestorbenes Gefühl.

Zu sein.

Das Sittl ist kein Weinhaus.

Das Sittl ist eine Lebenseinstellung.

...Fortsetzung G. Geiger, Delta Lena

grinse ich, und Lena und Wladimir grinsen dazu.

Wir gehen zum Seeufer. Bei den Häusern erspä-

he ich ein junges Liebespaar. Ich habe für zärtliche

Szenen immer einen besonderen Blick. Auch denen

zwischen Müttern und ihren Kindern. Die Liebenden

sitzen umschlungen am Zaun vor einer schäbigen

Hütte. Was für ein Glück in der Einöde! Was soll man

hier sonst machen? Als sich als Paar heiß verrückt

lieben in dieser robusten harten Natur!

Ein Mann fragte aus einem Auto heraus: „Wollen

Sie ein Haus kaufen?“ Touristen müssten doch

25 000 Rubel parat haben. Was aber anfangen mit

einem Haus im Altai? Alle paar Jahre ein Besuch? Es

vermieten an Touristen?

Jetzt kommt auf unserem Spaziergang reicher

Grund. Ein großer Schäferhund als Bewacher. Wir

verlassen das Seeufer.

Tags drauf finden wir einen schnellen guten

Fahrer um 300 Rubel für 130 Kilometer. Die

Hauptstadt des Gebirgslandes heißt

Gorno Altaisk. Wir treffen alle

Künstler über Lenas Vermittlung,

sogar einen aus dieser Stadt. Sie

kennt wichtige Typen und hat mit

keinem was über Freundschaft hinaus.

Allein ihr Töchterchen Ljenka

besitzt ihr Herz.

Ein „Heiliges Wasser“ fließt

am Hauptplatz von Gorno Altaisk

in einen Steinbrunnen. Wir füllen

die Plastikflaschen damit auf. Es ist

noch ein Besuch im Anthropologi-

schen Museum auf dem Plan. Wir

machen uns auf den Weg. Das Museum

zeigt Boote, Waffen, Kleider, Überlebensgegenstände,

Geschirre, Töpfe

usw. von verschiedenen Völkern. Alle

schienen gemeinsam mit der russischen

Landfläche in Berührung gekommen zu

sein. Demnach waren selbst Inselbewohner

aus dem Pazifik mit ihren schmalen langen

Booten bisweilen in nördliche Regionen vorgedrungen.

Was ihnen am wenigsten ein westlicher

Museumsbesucher zugetraut hätte.

Die Angestellte fotografiert Wladimir im geliehenen

Schamanenumhang. Seine Obsession für Performances

mit Werten. Er hat sie vorher abgelichtet

als sie das Gewand als Museumsführerin vom Haus

trug. Sie hatte sich herrlich amüsiert. Kein Wunder

dass Wladimir leichtes Spiel mit vielen Frauen hatte.

Er weckte geradezu das Feuer in ihnen, er wusste

sehr gut was alles in ihren Brüsten und Lenden

schlummert. Mir leuchtet alles ein doch ich bin dieser

Tage nicht als Schwerenöter unterwegs. Woran

soll ich glauben?

„Hast du was Wichtiges gesehen?“ fragte mich

überraschend Sertschenko. Normal wartet er auf Fragen

an sich.

„Ja, dass die Japaner da drin wieder mal am weitesten

waren!“ antworte ich. „Hatten schon im 15. hundert die Schrift und die Feder.“

Jahr-

Der Altai-Maler Iwan Lewkow bietet uns Mineralwasser

in seinem Atelier an. Der letzte Stock wie

immer Refugium der Bildergestalter. Der Maler ein

gutmütiger Charakter mit Klumpfuss. Der Mann

schenkt mir ein Bild: ein Paar auf schwarzem Untergrund.

Zwei Gesichter zwei Leben in zusammengehöriger

Pose. Die sich für einander entschieden hatten.

Die Russen glaubten an Ikonen, Heiligenbilder.

Sie hatten den größten Ikonenmaler der Geschichte.

Iwan Lewkow begleitet uns in Gorno Altaisk zum

Busbahnhof. Wir rasten am Heiligen Wasser mitten

in der Stadt. Ein Dutzend Leute mit Kübeln und Flaschen

beim Anstellen.

Am Busbahnhofsplatz trinken wir unter Sonnenschirmen

Kaffee und Bier. Wir haben uns entschlossen

den Bus und nicht den Zug zu nehmen. Der Bus

geht früher soll aber gefährlicher sein. Er wäre schon

aufgehalten und die Insassen wären ausgeraubt worden.

Immer wieder diese Horrormeldungen. Ausgeraubt

in Sibirien stelle ich mir nachher anstrengend

vor. In Nowosibirsk gab es zwar Auslandsfilialen

einiger deutscher Firmen. Oder das deutsche Reisebüro

in dem eine Bekannte Lenas ihren Arbeitsplatz

hatte. Oder ich musste von sonst wem Geld für die

Reise nach Moskau ausleihen. In der Umgebung des

Schriftstellerpräsidenten Berjasew wahrscheinlich.

Die Schriftstellerin Larisa Salmanowa würde uns in

Moskau weiterhelfen.

Unterwegs gab es eine heikle Stelle von etwa

einem Kilometer Länge. Die Strasse wurde renoviert.

Der Bus musste eine mit Schlaglöchern reichlich

versehene Nebendurchfahrtsstrasse nehmen. Dies

obendrein in der Nacht. Nichts geschah. Der Mond

leuchtete. Die Sterne glänzten, schob man den Vorhang

etwas beiseite und blickte durchs Fenster. Im

Bus passiert mir fast so Schreckliches wie ein Überfall.

Lena will nicht den Platz neben mir haben und

tauscht ihn. Weil sie manchmal zu nahe an mich zu

liegen kommt. Oder umgekehrt. Sie wechselt auf die

andere Seite des Mittelgangs. Bald greift Feuchte an

meinem Hintern. Die Nässe wächst und es wird mir

kalt am Arsch und endlich ahne ich das Ungeheuerliche.

Ich sitze in fremdem Urin. Ein Vorgast hatte

den Polstersitzplatz voll gepisst. Warum ich ihn nicht

wechsle? Nicht den Mann hinter mir frage, macht

mich Lena aufmerksam. Aber ich habe Angst das

Grausen an meinem Arsch weiterzuverbreiten. Ein

stinkender See hatte sich meiner weichsten Rückseite

bemächtigt. Ich bin wie gelähmt und sitze bis in

die Morgenstunden in der nasskalten Pisse. Ich wage

kaum eine Bewegung, jegliches Verrutschen stellt

mir meine grausige Lage anheim. Sie hat sich über

den gesamten Sitz ausgebreitet. Ich bin außer dem

Mann hinter mir der einzige Busgast mit dem hier

zur Hölle gewordenen Vorteil eines Doppelsitzes für

mich allein. Aber der gesamte ist nass. Sibirien hat

keine Schonung für mich. Sibirien erniedrigt, ver-

spottet, lädiert mich seit ich dieses unendliche Gebiet

betrat.

M o r g e n s

kommen wir wenige Kilometer

vor Nowosibirsk an einer

R a s t s t ä t - te für Autofahrer

an. Mei- ne Hose ist hinten

d u n k e l

von der Nässe des

f r e m d e n Urins. Trotzdem

s t e i g e

ich aus dem Bus.

Halte mich aber abseits von den

Ständen damit

keiner meine Rükkenansicht

sieht.

Wladimir holt Kaffee,

Bier und etwas zu

essen.

„Danke, das tut

gut! Ich kann euch

gar nicht verraten

was mit mir geschehen

ist! Oh, es ist

g r a u s i g ! “

W l a -

dimir ist

zu müde

zum

Nachfragen

und ich

bin eher erleichtert

darüber. Mein jämmerlicher

Zustand dauert

an bis zur Ankunft in Nowosibirsk.

Auf dem großen bahnhofsplatz verziehe ich mich

Bus-

hinter eine Garage und wechsle die

Hose. Eine zweite habe ich bei Reisen immer dabei.

Die urinierten Jeans lasse ich liegen. Wahrscheinlich

wird sie jemand in eine Waschmaschine werfen

und wieder verwenden. Oder ein vorbeikommender

Obdachloser zieht sie sich über nachdem sie getrocknet

war. Hier leben genügend bedürftige Leute.

Wir gehen eine ansteigende Strasse zu Fuß rauf

und wieder runter. Eine ungepflegte trostlose Landschaft

die mich an eine Gegend während eines Teils

meiner Kindheit Ende der 50er-Jahre in Graz erinnerte.

Unterwegs muss ich pissen und bin zittrig und pisse

mich dabei unschön an. Die anderen Beiden sind

voraus. Das betrachte ich diesmal als nicht störend.

Zudem werde ich es langsam aber sicher gewohnt.

Lena meidet mich zusehends und mich wundert es

nicht weiter. Eine Gruppe Leute kommt mir entgegen.

Ich halte die Tasche abdeckend vor den Körper.

Damit ihnen nichts Auffälliges in die Augen sticht.

Wir finden eine Motor betriebene Blechkiste. Die

uns für 20 Rubel immerhin in die Stadt bis zu Lenas

Wohnung bringt.

Hier waren wir, im Geviert der Wohnanlage. Bäume

in ausgetretenem Erdboden, so was wie ein Kinderspielplatz

mit Rutsche. Hunde hatten mit Scheißen

im Hof so gut wie freie Wahl.

„Dieser Innenhof ist ziemlich ernüchternd nach

den Wäldern des Altai!“ kann ich die Meldung nicht

verkneifen.

Wir haben den Altai und seine fabelhafte Natur

ruhmlos überstanden. Gleich nach der Ankunft in

Nowosibirsk in Lenas Wohnung am Bahnhof zog

ich das Bild des Schamanenmalers hervor. Das Ehepaar

auf schwarzem Hintergrund. Es war in einer der

Taschen zerknittert. Die Reise hatte ihm zugesetzt.

Ich tat es zu Lenas Bildern. Wir wollten sie alle in den

Westen mitnehmen.

Seine Beschädigung spiegelte die schwere Zerrüttung

einer Beziehung wider.


Nr. 24/2010

Konrad Prissnitz

06. April um 21:15

der sitzenbleiber

es ist so still; nur wassertropfen stören

das nichts; mein trommelfell befeuchtet. steinig

erklimmts mich durch die sohlen kalt, nacktbeinig;

die sockenlöcher sinds, die mir gehören.

es ist so still, wenn ich mein arschloch reinig’.

die dünste, die kanalgetier betören,

sind jenen gleich, die kreischen wie empören -

hier dünste ich, so klug, und bin mir einig.

hier ist es sicher; ich bin volk und kaiser;

hier still’ ich mich, den trakl in den händen.

ich trau’ ihm dort (so wird die scheisse weiser).

gedanken zu der welt da draussen enden

gar wohlig lau, entrinnen, werden heiser;

die tür bleibt zu, ich lasse mich nicht blenden.

---

die schlange und der vogel

elegant beklemmt ein schwan die morgenstunden,

so sanft zieht er in fernen höhen. flügel

umsorgen samtig weiche freiluftkissen, kunden

vom blau, bis er auf einem grünen hügel

hernieder sinkt um, etwas schlapp, zu rasten.

zur selben zeit kriecht eine otter leise

durch wiesen, züngelt, während mäuse hasten.

ihr ziel: des hügels warme felsenschneise.

sie sieht den schwan dort hocken, sagt manierlich

hallo, worauf er sie befragt: “hey schlange,

wie geht es dir denn so?”. drauf sie, genierlich,:

“ich schlängel mich so durch, bloß keine bange…

und wie gehts dir so, vogel? nun sag schon!”.

da wird der vogel rot und fliegt davon.

Mist, keine Munition, keine Knarre,

nichts. Das ist gerade heute ein Fehler.

Noch vor einem Jahr habe ich diejenigen

ausgelacht, die mir ein Gewehr oder

eine Pistole zum Kauf angeboten haben, was

beinah täglich vorkam. Heute wünsche ich

mir nichts sehnlicher als eine Waffe. Dieses

Mal ist es ernst. Der Wirt von der Ecke, ich

habe das schon gecheckt, wartet mit Gewehr

draußen darauf, dass ich den

Kopf aus der Tür strecke.

Soeben höre ich

e i n e n

mit grölenden

S k i n

Head’s

beladenen

Wa- g e n

vorbeifahren.

A l s o

beschließe ich, den Hinterausgang

zu nehmen. V o r s i -

chtig luge ich aus dem

Hoffenster

und entdecke zu

meinem

nicht geringen Entsetzen d e n

Vermieter mit drei finster d r e i n -

schauenden Män- n e r n ,

die

ebenf

a l l s

m i t

Gewehren

bestückt

sind, im

L i c h -

t h o f .

R e - g u n g -

s l o s

b l i c k e n

sie zu m e i n e m

Fenster her- auf. Dem

Wirt bin ich u n s y m -

pathisch, dem

Vermieter

schulde ich

e i n

paar

Mieten.

Alle haben jetzt

Gewehre.

Vor

M o n a t e n

Buch VII – Literatur

DIE ZEITSCHLEUSE

Alexander Dr. Schießling

lief eine Aktion des Innenministeriums an,

die sich „Zivilcourage!“ nannte. Es wurden

ungebrauchte Winchester 64’ zu Spottpreisen

abgegeben. Nach aktuellen Schätzungen haben

fünfundzwanzig Prozent der Wiener von

diesem Angebot Gebrauch gemacht. Seither

gibt es hier eine Art Bürgerkrieg. Sie schießen

gern, die Österreicher. Sie erschießen Jugendliche,

die etwas stehlen, Betrunkene,

die die „Ruhe“ stören, Kunden, die zu wenig

kaufen, Kunden, die nicht bezahlen können,

Kunden wie mich eben. Ich bin ein schlechter

Kunde, aber vielleicht eine schöne Leich’. Jetzt

stellt sich die Frage, wie ich zur Zeitschleuse

komme. Sobald man durch die Schleuse geht,

betritt man eine andere Welt, eine friedliche

Welt. Und dort wird man nicht taxiert. Das

Tor zu dieser Welt befindet sich Neulerchenfelderstraße

Ecke Gürtel. Früher war es ein

Weinhaus in Familienbesitz. Der jüngste

Spross der Familie wendete sofoert

nach Übernahme des Lokals alte

Erkenntnisse der Gastronomie

an und entwickelte daraus

den „Zeitsee“, der ihm

ermöglichte,

eine

eigene Zeitqualität

herzust

e l l e n .

Er sic

h -

e r t e

sich

d u -

r c h

e i n e

S c h l e -

use gegen

Schießwütige:

Man wird automatisch

entwaffnet, sobald

man durch sie hindurchgeht.

B i s

dorthin sind es etwa zweihundert Meter. Ich

bin ein guter Läufer, aber mit Gewehrkugeln

kann ich es nicht aufnehmen. Nach einigem

Hin und Her beschließe ich, den Vorderausgang

zu nehmen: Der Eck-Wirt ist meist

betrunken und ohnehin ein schlechter Schütze,

wie man hört. Angeblich war er vor ein

paar Monaten in einer wirtschaftlichen Krise

und wollte sich erschießen. Er soll sich um

einen halben Meter verfehlt ha-

ben. Ich öffne das Haustor

und starte los. Ich

wende mich nach rechts,

bergab, und wende

dem Wirt den Rücken zu.

Knall, Päng, ein alter Mann

auf der anderen Straßenseite

wird durch die Luft gewirbelt

und stürzt anschließend auf

den Asphalt. Bleibt die Frage,

was der Vermieter macht.

Schneidet er mir mit

seinen Mannen vielleicht

den Weg ab?

Dann müsste ich

die

Kaiserstraße

hinauf

laufen,

aber dort schießen

seit einigen Tagen

Burschenschaftler

auf ein

a f r i k a n i s c h e s

Lokal,

dessen

BesitzerInnen

sich

erfolgreich

verteidigen,

indem

sie „Afrika

träumen“,

so

hört

m a n

j e d e n -

falls. Ich

ü b e r q u -

ere

rasend

schnell die Kaiser

und bin nun schon fast am Gürtel, noch

hundert Meter bis zur Schleuse. Am Gürtel,

etwa zwanzig Meter vor mir, schießt ein

schreiender Mann auf eine Frau mit Kinderwagen,

die blutüberströmt zusammenbricht.

Der Kinderwagen ist buchstäblich in tausend

Stücke zerfetzt. Das lähmt mich nicht.

Im Gegenteil, es beschleunigt

meinen Lauf. Ein Lumpenbündel

am Gehsteig irritiert

mich, im Vorbeirennen

sehe

ich,

dass

dieses

draußen darauf, dass ich den die die „Ruhe“ stören, Kunden, die zu wenig einen halben Meter verfehlt ha-

Photo © by Martina Novak

Bündel ein alter Bettler ist, dem ich immer

wieder ein paar Cent gab. Von seinem Schädel

fehlt die Hälfte. Nun bin ich in Sichtweite der

Schleuse. Vor mir taucht der Besitzer des

Chelsea auf, mit Gewehr, und zielt wie zum

Spaß auf mich. Ich wechsle die Straßenseite,

weiche geschickt einem Panzerwagen aus, der

gemächlich den Gürtel stadteinwärts fährt,

und benütze ihn kurze Augenblicke als Deckung.

Endlich bin ich bei der Schleuse und

hechte ins Lokal. Sofort ändert sich die Szenerie

und das soeben Erlebte erscheint wie ein

ferner Alptraum. Ich gehe, als wäre nichts geschehen,

zum Tisch vor dem alten Eisenofen.

Nach einer Weile erscheint der Herr Sittl, so

heißt der Wirt nämlich, und lächelt mich an.

Dieses Lächeln sieht man kaum, es befindet

sich diskret im rechten Mundwinkel. Aber es

bewirkt, dass ich ebenfalls lächeln muss. Ich

bestelle ein Viertel Weiß. Der Herr wendet

sich langsam zur Theke und verschwindet

gemächlich. Während ich warte, betaste ich

unwillkürlich meinen Körper und entdecke

ein Loch in meinem Kopf. Dazu ist zu sagen,

dass alle Wunden, die man sich draußen

zugezogen hat, hier sehr schnell heilen. Als

der Herr Sittl mit meinem Viertl kommt, ist

das Loch weder mehr zu spüren, noch zu

sehen. Glück gehabt. Ich mache einen ersten

Schluck und schaue aus dem Fenster. Durch

diese Fenster sieht man keineswegs das, was

sich am Gürtel und in der restlichen Stadt abspielt,

sondern eine tief friedliche Welt. Ganz

normale Menschen gehen vorüber, ganz normale

Autos fahren die Straße entlang und das

Licht ihrer Scheinwerfer wirkt von hier aus

wie das Licht nah vorüber ziehender Sterne.

Jetzt öffnet sich die Schleuse mit einem leisen

Quietschen und weitere Lädierte springen

herein und verwandeln sich noch im Sprung

in ganz sittsame Bürger, die einen gemütlichen

Abend anpeilen. Einem wächst soeben

ein verlorenes Auge nach, einem andern, der

seltsamer Weise nackt herein flüchtet, wächst

eine Hose und ein schönes Hemd. Ich atme

tief durch und frage den Herrn Wirt, ob ich

anschreiben lassen kann, was er mit einem

kaum merklichen Kopfnicken bejaht. Einige

Stunden später stehe ich an der Theke und

singe mit einem weißharigen ehemaligen

Sängerknaben „I was born under a wondering

Star“ und imitiere nicht ohne Erfolg Lee Marvin.

In zehn Minuten ist Sperrstunde und ich

werde müssen nach Hause laufen.

©® Fotos aus dem Weinhaus Sittl und allem was damit zusammenhing aussschließlich bei

unserer entzückenden Kollegin Martina Novak

Photo © by Martina Novak

auch immer mal da: Fuzzi

Thomas Frechberger (der Dichter)

Günther Geiger

(Autor / Verleger / Herausgeber u.A. der WIENZEILE)

Martina Novak (Fotos)

Lukas Kollmer (Schriftsteller)

Marcus Hinterthür (Dichter)

Thomas Schmögner (Komponist)

Fuzzi (Herausgeber GRUNDRISS)

Herr Kremser (Herr Sittl)

ein Unbekannter (Verleger, nicht HG)

Alexander Schiessling (Verantwortlich für den Inhalt)

Rolf Schwendter (Sozialwissenschaftler und Autor diverser

Sozialwissenschaftlicher Publikationen)

Benni Weiss (Dichter, Anarchist und Volkspolizist))

Wolfgang Glechner (Künstler und Autor)

Marcus Hinterthür

Paul Brettschuh

Claudia Unterluggauer

Klara Hofinger

Barbara Anna Husar

Wolfgang Zeindel (Maler)

Bernd Höffer (Autor und Hausbesitzer)

Sylvia Hechler (Fotografin)

Maria & Leila & Anna

Die Redaktion der Wienzeile bedankt sich ganz herzlich für

die inspirierenden Stunden in munterer Gesellschaft und die

mit freundlicher genehmigung vom Osterhasen,

Bundesministerium

Das ST/A/R Team wünscht der Redaktion der WIENZEILE viel

Erfolg für die neue Sonderausgabe mit dem Schwerpunkt

Obdachlosigkeit

und Herr Dr. Schießling bedankt sich für die ganzen Deckel die

er machen durfte

Herr Kremser, sorgt für das kulinarische Wohl seiner Gäste


56

Buch VII – Literatur Nr. 24/2010

Michael Maier:

Von den Peccata Mortifera bis zur Katharsis

Eine malerische Annäherung an das siebenteilige Substrat moraltheologischer Hauptsünde

Kunst als „seelischer Reinigungsprozess“

von Julia Allerstorfer

Die sieben Todsünden: Hoffart, Neid,

Habgier, Zorn, Trägheit, Völlerei und

Unkeuschheit

„Laster verwandeln Menschen in monströse

Mischwesen. […] Weder Mann

noch Frau, weder Tier noch Mensch ist

der Hermaphrodit, ein Lebewesen jenseits

der Ordnung und Moral.“

Wolfgang Sofsky, „Das Buch der Laster“,

München 2009

Mit seinen allegorischen Figuren -

scheinbaren Hermaphroditen - stellte

sich der Grazer Künstler Michael

Maier der Herausforderung der malerischen

Visualisierung der sieben

Todsünden. Unter dem Titel „Freiheit“

präsentierte die KHG-Galerie in

der Grazer Universitätskirche Maria

am Leech (13.01.-28.02.2010) neben

seinen großformatigen sieben Werken

auch zahlreiche kleinere Pastellarbeiten

sowie eine monumentale,

die Sünde „Geiz“ repräsentierende

Skulptur, die, scheinbar in mahnender

Funktion, vor dem Gotteshaus

positioniert ist. Doch nicht nur in

der Steiermark sind diese Arbeiten

auf Interesse gestoßen: Das Benediktinerstift

Admont hat sämtliche

Bilder dieses Zyklus angekauft und

präsentiert Michael Maier derzeit als

Neu-Entdeckung im Zuge der „Best

of Admont“ (bis 16.04.2010) mit dem

Werk „Katharsis“.

www.galerie.com

Schrille Farb- und Materialsprache,

eruptive Momente auf dem Bildträger

Rezeptionsästhetische Eindrücke

von den Gemälden lassen sich wie

folgend skizzieren: Vielfältige farbliche

Detonationen, deren Ursprung

in stark abstrahierten anthropomorphen

Körpern zu verorten ist. Hybrid

anmutende, mensch-und tierähnliche

Formationen, deren freigesetzte,

unbändige Emotionalität vulkanartigen

Eruptionen von dauerhaft verinnerlichten

und plötzlich freigesetzten

Befindlichkeiten und Gefühlszuständen

gleicht. Eine Konfrontation mit

dieser unmittelbaren Präsenz der

so schwer klassifizierbaren Figuren

erscheint unablässig. Eine Präsenz,

die nicht nur aufgrund der exaltiertraumgreifenden

Gesten, Posen und

dem farbenfrohen Kolorit dieser Chimären

zu erklären ist. Ebenso wenig

ist sie bloß auf die augenscheinliche

Plastizität der Mischwesen zurückzuführen,

die aus einer genialen Mixtur

von Acryl und PU-Schaum auf Hartfaserplatten

resultiert. Es ist diese

gewaltige Ladung gebündelter, archaisch-explosiver

und pulsierender

Ausdruckskraft, die den Beschauer

in Bann hält. Als ein weiteres Charakteristikum

fungiert Maiers strategisches

Spiel mit Begrifflichkeiten wie

Humor, Ironie und Sarkasmus.

Vom Transen-Jesus bis zum

pädophilen Onke l

Die sieben Hauptsünden exemplifizierte

Maier gestalterisch anhand

einer dialogischen Struktur: Allen

Gemälden gemein ist ein kontinuierliches,

zweifigürliches Kompositionsschema,

in das eine, die jeweilige

Todsünde visualisierende, tierköpfige

Kindsgestalt mit seinem nicht weniger

lasterhaften Gegenüber in Form

einer oder eines Erwachsenen eingepasst

ist. In dieser Konstellation erscheinen

folgende Figurenpaare kontrastreich

in einer Art Zwiegespräch

mit hohem Aggressionspotential,

das jedoch ziemlich eindeutig von

dem erwachsenen Part herrührt: Ein

zorniges Löwenkopfkind mit einem

Transen-Jesus, ein neidiges Fuchskopfkind

mit einem schwangerem

König, ein träges Eselkopfkind mit

einem perversen Kasperl, ein wollüstiges

Schweinekopfkind mit einem

schizoiden Masturbator, ein hochmütiges

Pfaukopfkind mit einer verrückten

Bardame, ein habsüchtiges

Krötenkopfkind mit einem übriggebliebenen

Juden, sowie ein völlendes

Affenkopfkind mit einem pädophilen

Onkel.

ZITATE

„Mit der unermesslichen Flut an Freiheitsangeboten

konfrontiert, quält der

Mensch sich durch ein ewiges Entscheiden.“

„Vordergründig sind Sünden lächerlich.

Religion ist eine Folkloreveranstaltung

mit einem willentlich übergelassenen

Rest an Demut vor ihrer Tradition. Die

sieben Sünden verlangen eine Selbstzähmung

von uns.“

„Keine Veränderung durch Kunst. Sie

steht so sehr für sich allein, dass unsere

Urheberschaft angezweifelt werden sollte.

Die sieben Sünden, ja noch einmal.

In meiner Unvermessenheit zugunsten

der Kunst kündige ich von einer Pracht

und Herrlichkeit. Diese wird die Bilder

beherrschen.“

Michi Maier

„Die Menschen von heute werden als

Verbrecher geboren. Ich muß meinen

Anteil an ihren Verbrechen einfordern,

wenn ich meinen Anteil an ihrer Liebe

und ihren Tugenden haben will. Ich

wollte die reine Liebe: Wie albern! Sich

lieben heißt denselben Feind hassen: Ich

werde mir also euren Hass zu eigen machen.

Ich wollte das Gute: Wie töricht!

Auf dieser Erde und in dieser Zeit sind

Gut und Böse untrennbar: Ich bin bereit,

böse zu sein, um gut zu werden.“

Jean-Paul Sartre, „Der Teufel und der

liebe Gott“

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62

Buch VIII – Mercedes Nr. 24/2010

Ich habe ein biotechnologisches

Labor, besitzen Sie den Mut,

einzutreten? Ein Gespräch mit Elisabeth von Samsonow, von Christian W. Denker

Elisabeth von Samsonow studierte Philosophie in München, M.A. zur Astronomie als

Protowissenschaft, Dr. phil. über die Erzeugung des Sichtbaren (Johannes Kepler). Sie

arbeitete als Lehrbeauftragte in München und in Wien, übersetzte Giordano Bruno,

forsche zu Renaissance und Früher Neuzeit, zur Enzyklopädie, zur Mnemotechnik,

zur Emblematik, Hieroglyphik und Universalgrammatik, zum Monismus und zum

Renaissance-Materialismus. Sie ist Professorin für Sakrale Kunst und Studiendekanin

an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Eine Liste ihrer zahlreichen

Veröffentlichungen findet sich auf dem Internet: „www.samsonow.net“.

Christian W. Denker: In ihrem Vortrag

zur „Plastizität des Raumes“1.)

erwähnten Sie Husserl, den die

Wahrnehmung einer Puppe einmal

als Person, im nächsten Augenblick

als Puppe zur Philosophie brachte.

Hatten Sie ein ähnliches Erlebnis,

das ihr Interesse an Philosophie

angefacht hat?

Elisabeth von Samsonow: Das ist

eine interessante Frage. Nein, so hat

es sich nicht zugetragen. Ich weiß

auch nicht ob Husserls Weg wirklich

so direkt war von diesem Erlebnis in

die Philosophie. Ich wollte zuerst

Archäologin werden, weil ich – das

sieht man auch an meiner Kunst –

wohl eine Ägypterin bin. Es ist ja

nicht das Schlechteste, eine Ägypterin

zu sein heute, man kann auch

ein Grieche oder Römer sein. Sehr

viel Auswahl haben wir in den europäischen

Bildungsanstalten nicht

gehabt. Wir sind ja kolonialisiert,

post-kolonialisiert, und zwar nicht

nur weil wir kolonialisiert haben,

sondern weil wir kolonialisiert wurden.

Insofern haben wir drei Optionen

– die ägyptische, die griechische

und die römische - und hier möchte

ich einmal auf die ägyptische gehen.

Das Schöne an der Philosophie ist,

dass man seinen Kopf hybridisieren

und ihn so alt machen darf, wie man

will. Wenn Goethe für einen Menschen

der Gegenwart einen 2000jährigen

Kopf gefordert hat , das war

um 1800, forderte der Lehrer meines

Lehrers, über den ich übrigens

auch schon im ST/A/R geschrieben

habe, Alois Dempf, den 5000jährigen

Kopf. München war der Ort, an

dem man einen 5000jährigen Kopf

aufgesetzt bekam. Das war doch

eine absolut vollwertige Alternative

zur Archäologie, ein Philosophieunterricht

bei Leuten, die einem

dabei behilflich waren, sich einen

5000jährigen Kopf aufzusetzen.

Alois Dempf hat sich im Übrigen in

The Secrets of Mary

Magdalene, 2008.

diesem Kontinuum der 5000 Jahre

am allermeisten dafür interessiert,

wie eigentlich ein Heros entsteht,

wie er möglich ist. Wer war das, der

so etwas konnte, nämlich die Leute

so zu begeistern, damit sie das Neue

imitierten und mittaten? Was ist

eine „universale Person“? Das ist die

eigentlich kunsttheoretische Fragestellung,

die Dempf so umgetrieben

hat. Da hatte er natürlich phantastisches

Material in der Zeit.

C.W.D.: Was für Material?

E.S.: Die ersten Schriften, die Urkunden

über bestimmte Gründungszeremonien,

die Stadtgründungen, die

Modifikation, die ersten Gesetzeswerke,

Bestimmungen aller Art, Regelwerke

für Horden und Hordenzusammenschlüsse.

Nun ja, mein Weg

in die philosophische Fakultät war

wahrscheinlich genauso schlingernd

und schillernd wie der Husserls.

C.W.D.: Wie verhält es sich denn mit

der Kunst? Wie motiviert sich ihre

Entscheidung Kunst zu machen?

E.S.: Noch eine sehr gute Frage.

Nun wurde ich erst einmal Philosophin.

Ich habe mich für Philosophie

eingeschrieben, in der Schule hatte

man mich schon als Künstlerin gesehen

– ich habe eine sehr eigentümliche

Schule besucht, eine Art

Summerhill-Schule, die sich in den

1970er Jahren als antiautoritäre Institution

versucht hat. . Die Lehrenden

der Schule waren vom Direktor

irgendwo aufgelesen worden, als

Leute, die irgendetwas Besonderes

konnten, wir duzten uns und diskutierten

endlos. ...

C.W.D.: Das war in München?

E.S.: Das war in Schloss Neubeuern,

im Internat. Das Experiment

wurde nach 1975 wieder abgedreht.

Der bayrische Staat mit seinen verschärften

Regeln und Vorschriften

für den Lehrerberuf schlug zu, da

ging es nicht mehr, dass irgendwer

von unserem Direktor angesprochen

und gefragt werden konnte „würden

Sie an meiner Schule Lehrer werden

wollen?“ oder „ich habe Sie gerade

gesehen, wie wunderbar Sie dies

oder jenes getan haben, würden Sie

vielleicht interessiert daran sein...“

C.W.D.: Im Grunde genommen ist

das aber wünschenswert?

E.S.: Es ist genial! Wir haben eine

schöne Zeit gehabt und ich habe sehr

viel Anerkennung bekommen für

meine künstlerischen Aktivitäten,

die außerordentlich vielfältig waren.

Wir haben Installationen, Happenings,

Malerei gemacht, wir haben

Hörspiele produziert in der Wolfsschlucht

und in den unterirdischen

Kellern des Schlosses gab es eine

Band, ich habe auch in einer Band

gespielt. Wir hatten eine große Töpferei

und eine Glaswerkstatt. Theater

haben wir auch gespielt. Insofern

hatte ich eine besondere Schule und

wurde gefördert, Kunst war ein Teil

des Lebens. Das geriet nun während

meines Philosophiestudiums

ins Hintertreffen. Als Studentinnen

in einem winzigen Zimmerchen

machten wir vielleicht noch ein paar

Zeichnungen. Ich wurde sehr krank,

man operierte mich – auch das vielleicht

ein Hinweis auf ei Bildhauerei,

als Variante der Chirurgie - und als

ich dann noch lebte, was ich selbst

für unwahrscheinlich gehalten hatte,

war dies für mich eine Art Initiation,

ein Aufbruch ins eigentliche

Zweitleben. Es war mir damit klar,

dass mir die Philosophie nicht ausreichen

würde, ich hatte Bedarf für

ein weiteres Labörchen. Ich habe begonnen,

wie verrückt zu malen. Im

ersten Katalog schrieb der Berner

Konzeptkünstler Peter Saam, dass es

da wohl eine Explosion in meinem

Atelier gegeben hatte. Und das war

es auch wirklich, eine Farbexplosion,

das ganze Atelier roch nach Sprühlacken,

es gab riesige Häufen von bunten

Papieren. Ich klebte alles zusammen

– nach dem Wahlspruch: was

man nicht malen kann, das muss

man kleben – und lackierte.

C.W.D.: Bei der Vorrede zu ihrem

Vortrag erwähnte Frau Prof. Weibel,

dass Sie einmal einen Zirkus geleitet

haben? Was hat es damit auf sich?

E.S.: Ich hatte seit meinem 10. Lebensjahr

Tiere, zunächst ein Pony.

Als ich größer wurde, habe ich das

Pony dressiert, es war außerordentlich

gelehrig. Dann hatte ich noch einen

Esel und ein Pferd, einen Hund,

nämlich einen Dackel, der Unglaubliches

konnte. Das war die Stammtruppe.

Dann kamen die Kinder,

diese berühmten Pferdemädchen

und meine Nichte, die auch ein ganz

besonderes Kind war, und so haben

wir diesen Zirkus gegründet. Ich

hatte Freunde aus München, Köln

und Berlin, Akrobaten, Jazzmusiker

usw., mit deren Verstärkung

wir jedes Jahr ein neues Programm

zusammenstellen konnten. Wir hatten

tolle Zirkusmusik, phantastische

Akrobaten und diese Vorstellungen

waren bei den Leuten beliebt. Da

habe ich auch begriffen, wie wichtig

das Illusionsprinzip ist. Wir konnten

vieles gar nicht machen, weil wir

nicht die Mittel und Kräfte hatten.

Wir hatten trotzdem einen „starken

Mann“, ein 12jähriges Kind,

den Sohn des erwähnten Künstlers

Peter Saam, der hatte eine Stange,

links und rechts daran ein schwarzer

Gummiball, darauf stand: „1000

Kilo“, und er stemmte die Stange in

die Höhe und die Leute tobten vor

Begeisterung. Wir haben viele solche

Sachen gemacht.

C.W.D.: Im Zusammenhang mit ihrem

Zirkus fällt mir wieder ein, dass

ich sie nach den Adlern von Heidulf

Gerngross fragen wollte. Fällt Ihnen

spontan etwas zu diesen Adlern ein?

Heidulf war begeistert über ihren

Artikel „Der Baum des Lebens“2.)

E.S.: in der Alchemie spielt der Adler

eine große Rolle, er repräsentiert

das Stadium der Materie, die sich

transformiert, den Moment, an dem

sie flüchtig wird, bevor sie sich also

wieder verfeinert niederschlägt und

in die Quintessenz geht. Insofern ist

der Adler ein enorm wichtiges Symbol,

man könnte sagen, der Transformation

der platonischen Körper, die

sich nach Platons Lehre der Elemente

alle ineinander verwandeln können,

weil sie den Kreis der Elemente

repräsentieren: Da ist der Adler eben

die Luft, jedoch nicht als leere Luft,

sondern als mediale Luft, denn Luft

ist ja nichts anderes als ein hochflüchtiger

Körper.

C.W.D.: Ein „Gas“ im Sinne von Johann

Baptist van Helmont?

E.S.: Genau, d.h. es ist derjenige

hochflüchtige Körper, der uns verbindet,

weil wir uns in ihm befinden

und in ihm aufgelöst sind, d.h. die

Luft ist ein Medium, das Medium

des Geflügels, und zwar des höchsten,

des kaiserlichen Geflügels, des

Adlers eben.

C.W.D.: Sie haben in ihrem Vortrag

das künstlerische Interesse an philosophischer

Bildtheorie erwähnt. Sie

sehen enge Bezüge zwischen Philosophie

und Kunst?

E.S.: Ich denke, dass die Kunst den

Weltbezug oder Seinsbezug in der

Philosophie erleichtert, der ja äußerst

problematisch geworden ist. Es

ist nicht klar, ob es überhaupt noch

so etwas wie ein Objekt gibt, das

nicht vorher in einem autonomen

Akt konstituiert wird und deswegen

tendierte die Philosophie dazu, solipsistische

Selbstabbildung zu werden,

aber in dem Moment, wo sie diesen

Punkt erreicht hatte, konnte sie

überhaupt keine Welt mehr haben.

Das war ihr nun so abträglich, der

Philosophie als Fach, dass sie wieder

zur Welt kommen musste – Philosophie

muss ja auch zur Welt kommen

– um die eine wirklich wichtige

Frage zu beantworten können, nämlich

die folgende: verändern sich unter

Umständen Prinzipien selbst in

einer Art poetischer Evolution? Es

muss ja wohl so sein, sonst würde es

keine Philosophiegeschichte geben.

Philosophiegeschichte wäre dann

Erfindungsgeschichte, eigentlich

die wichtigste solche Erfindungsgeschichte,

nämlich Selbsterfindungsgeschichte.

Also muss der Philosoph

immer wieder die Fallbrücke runterlassen

und aus seiner Burg raus.

C.W.D.: Und die Kunst ist so eine

Fallbrücke?

E.S.: Ja, denn die Kunst ist noch

nicht Welt als das absolut Andere der

Vernunft, sondern sie ist jene Matrize,

durch die die Welt hereinsickert,

ein Filter, an dem sich das kognitive

Prinzip niederschlägt und sich das

sensible Prinzip zeigt.

C.W.D.: Wie zum Beispiel bei Kant?

E.S.: Ich glaube nicht, dass Kant ein

großartiger Kunstkenner war.

C.W.D.: Nein, war er wohl wirklich

nicht, aber Ich dachte an seine Theorie

eines freien Spiels zwischen

Vernunft und Einbildungskraft, das

in der philosophischen Kunsttheorie

doch sehr folgenreich war?

E.S.: Ja, das schon. Über die Brücke

hinüber, das wäre der erste Schritt.

Das ist noch ein Zwischenbereich,

den sich Kunst und Philosophie

teilen, weil Kunst auch nicht ohne

diese Art von Reflexion auskommt.

Das weiß jeder gute Künstler. Der

nächste wesentliche Schritt ist der,

dass der Körper als Medium begriffen

werden muss. Und ich frage

mich, warum die Körpertheorie in

den letzen 30 Jahren noch einmal

so derartig virulent war. Ich weiß

nicht, ob das in der Philosophie

ebenso zu registrieren gewesen war,

in den Kulturwissenschaften war

dies jedenfalls das wichtigste Thema.

Man hat immer mit dem Körper

angefangen und nicht mit dem

Geist, eine Art Neospinozismus,

nachdem auch Spinoza gemeint

hatte, dass der einzige Gegenstand,

der im Geist adäquat erscheint, der

Körper sei. Nicht einmal der Geist

erscheint sich selbst, nur der Körper

erscheint im Geist! Das ist der

adäquate Gegenstand. Hier ist nach

wie vor Klärungsbedarf, was bedeutet,

dass Philosophie und Kunst eng

zusammenarbeiten müssen, um zu

neuen Antworten zu kommen. Und

zwar ist die Frage die, ob Modelle der

Trennung auf der Ebene des Körperlichen

wirklich durchhaltbar sind

als oberstes Prinzip, also Andersheit

usw., und ob die Idee der Einheit tatsächlich

ein ausschließlich geistiges

Prinzip ist, ob es nicht auch ein körperliches

Prinzip ist? Mir scheint,

dass da Kategorien falsch adaptiert

worden sind, was das große Problem

des 20.Jahrhunderts war. Insofern

ist Kunst eine ganz wichtige Eskorte

der Philosophie und umgekehrt.

Keine dieser Disziplinen kommt

ohne die andre aus.

C.W.D.: Die wechselseitige Abhängigkeit

von Kunst und Philosophie

scheint mir offensichtlich. Wie würden

Sie Ihre eigene künstlerische

Arbeit in Verbindung mit ihrer Philosophie

sehen? Oder ihre philosophische

Arbeit in Verbindung mit

Kunst?

Elektra, Walli Kunstleit’n,

Innerschildgraben, 2009.

Elektra Prozessionsaltäre, 2009.

I marry myself, 2009, Atelierfoto.

E.S.: Was mein philosophisches

Programm im Moment betrifft: Ich

möchte gerne einen Horizont verschieben

in Bezug auf das System,

in dem wir uns befinden. Ich denke,

dass wir eine vollständige Erdvergessenheit

haben und dass die

ganze Körpertheorie Makulatur ist,

solange der Erdkörper nicht darin

vorkommt. Mittels der Verdauung

– wir sind ja Geophagen, also Erdfresser

– bekommen wir natürlich,

durch diesen Erdfraß, die relevanten

Informationen mit, d.h. dieses System

kann uns auch steuern mit den

Informationen, die es uns mitgibt.

C.W.D.: Was verstehen Sie unter

Erdfresser?

E.S.: Zum Beispiel Salate, Kartoffeln

... Wir sind nur kurze Zeit Anthropophagen,

wenn wir etwa an der

Mutter saugen. Indem Moment, wo

ein Kind isst, ist es nicht mehr ein

Kind von Mutter, sondern ein Kind

von Erde, weil es sich aus Erdmaterial

aufbaut. Auch kluge Leute wie

Donna Haraway und Gisli Palsson,

die sich der Cyborgtheorie und dem

transhumanen Feld widmen, vergessen

das Essen. Sie vergessen, dass

Essen der relevante transhumane

Akt ist.

C.W.D.: Die Verdauungsmaschinen

des Künstlers Wim Delvoye unterstreichen,

dass die Wissenschaft

noch ganz am Anfang steht in Bezug

auf das, was Verdauung ist und sein

kann. Die Prozesse die das Eingangszum

Ausgangsprodukt wandeln

sind derart kompliziert, dass wir im

Grunde genommen – ähnlich wie in

der Hirnforschung – wahrscheinlich

noch gar keine angemessene Idee

von der Komplexität haben. Da hat

die wissenschaftliche Forschung

noch viel zu tun.

E.S.: An die Superiorität des Gehirns

glaube ich nur bedingt. Ich gehe davon

aus, dass jeder Körperteil Aufgaben

übernehmen kann, dass also alle

Zellen lernfähig sind. Der Bruder


Nr. 24/2010 Buch VIII – Mercedes

63

Missbrauch, aber ist doch noch nicht

unbedingt ein Missbrauch.

E.S.: Genau, das öffnet die Tür zum

Missbrauch und zwar in dem Moment,

wo man nicht auf den Zweitkörper

ausweichen kann. Für mich

war der Zweitkörper des Pharao die

wirklich humane Erfindung. Es ist

gleichzeitig Kunst, Religion und ein

Körperritual, es ist auch Medizin.

Medizin ist auch und vor allem etwas

Rituelles. 80% ihrer Wirkung

basiert auf Placeboeffekten. Wieso

sollte ich dann nicht Bildhauerei betreiben,

anstatt eine Arztpraxis aufzumachen.

Ich sage immer zu den

Leuten: „Ich habe in meinem Atelier

ein biotechnisches Labor, haben Sie

den Mut, einzutreten?“

C.W.D.: Das bringt mich direkt zu

einem wichtigen Punkt: die Beziehung

von Kunst und Philosophie

mit Religion. Wie gehen sie mit diesen

Dreieck um? Wo setzen sie die

Religion an? Religion spielt ja eine

wichtige Rolle bei Ihnen.

Cuius centrum ubique circumferentia nusquam, Prozessionstrage,

Mittelpunktsprozession Ausserteuchen, 2009. (The Secrets of Mary

Magdalene, Elektra Prozessionsaltäre, I marry myself, Elektra und

Cuius centrum ubique circumferentia nusquam)

meiner Freundin, mit der ich sehr

intensiv zusammenarbeite, hatte als

Kind einen Unfall mit schwerem Gehirntrauma.

Die Mutter – sie ist Anfang

Januar gestorben, nachdem sie,

was sie sich unbedingt gewünscht

hatte, einem Orkawal begegnen

konnte, dem intelligentesten Tier

des Planeten, wie sie meinte. Es hatte

auch alles geklappt mit dem Wal,

sie sprang mit ca. 90 in die kalte See

zum Zwecke der Walbegegnung. Ihr

Sohn, war also von den Ärzten aufgegeben

worden, und nach der Therapie

der Frau Mama ist er nun wieder

vollkommen in Ordnung und lebt in

Madrid mit Frau und Kind.

C.W.D.: Wie würden Sie die Vorgangsweise

der Frau beschreiben?

E.S.: Die These lautet: Alle Zellen

können alle Funktionen übernehmen.

Wenn ein Teil beschädigt ist,

muss einfach ein anderer Teil ran.

Die Mutter, Gertrude May, hat ihn

mit von ihr (Krankengymnastin) erfundenen

Bewegungen, motorischen

Übungen, Geige spielen, etc. , also

mit einem Tun, in dem der Körper

eine Art von erhöhter kybernetischer

Information produziert, geheilt.

C.W.D.: Noch einmal zurück zur

Kunst: Verstehe ich Sie richtig, wenn

ich eine Kernaussage ihres Vortrags

so zusammenfasse: die Kunst der

Gegenwart befindet sich auf einer

Gratwanderung zwischen der Repräsentation

des Lebendigen, der Simulation

des Lebendigen, partieller

Aufmerksamkeit für das Lebendige

und aktiver Schaustellung des Lebendigen?

Das sind die vier Ebenen?

Können Sie diese Theorie noch einmal

ausführen?

E.S.: Die Simulation ist natürlich

das größte Problem, sie teilt sich die

Kunst auch mit anderen Bereichen.

Die Simulation unterscheidet sich

nun aber doch von „simulacrum“,

obwohl es eine ähnliche Wortwurzel

hat. Simulacrum ist auch als Trugund

Scheinbild angetreten, aber keines

dieser Trug- und Scheinbilder

konnte die Leute so verführen oder

betrügen, dass sie wirklich darauf

hereingefallen sind. Die beiden Mädchen

dagegen, die da stehen (Frau

von Samsonow weist auf zwei große

chinesische Statuen aus Granit beim

Fenster), findet man wunderschön,

man begrüßt sie und sie begrüßen

einen, was genau das ist, was Kunst

kann, – sie versehen ihren Dienst

hier, sie bewachen uns, seit wir hier

eingezogen sind – aber niemand

würde sie mit Wesen aus Fleisch

und Blut verwechseln, was sie nämlich

unheimlich machen würde.

C.W.D.: Es gibt bei Platon diese Stelle,

wo er feststellt, das künstlerischer

Betrug ganz offensichtlich ist...

E.S.: Kinder können so intensiv mit

Puppen spielen und dann schmeißen

sie sie hin, weil sie wissen, es ist

eine Puppe. Dies tut jedoch dieser

immersiven Tendenz, also diesem

Willen, einzutauchen, die man gegenüber

diesen Gegenständen hat,

überhaupt keinen Abbruch. Simulationen

hingegen fangen, betrügen

und enttäuschen. Ich glaube, dass

diese Tendenz, das Wirkliche, das

Reale so darzustellen, damit zusammenhängt,

dass man beginnt,

sich leider damit abzufinden, dass

der Mensch selbst der Ort der kognitiven

Inversion ist. Wenn ich

etwas über meinen Körper wissen

will, muss ich hinein. Es wird nicht

meiner sein, aber es wir einer von

irgendjemandem sein. Es ist nicht

die Schreinplastik des Pharao, an

der ich die Unsterblichkeitsoperation

mache, die eine rituelle Funktion

hat, sondern es ist ein realer Körper

und das ist eine Art von Missbrauch,

finde ich.

C.W.D.: Inwiefern?

E.S.: Wenn ich sage: „Entschuldigen

Sie, aber ich muss jetzt unbedingt

mit meiner Sonde in ihren Körperteil

hinein, weil ich muss unbedingt

die Sicherheit darüber gewinnen,

dass an dieser Stelle nicht etwa dies

oder jenes Schlimme ist, oder ich

muss Ihnen das Genom extrahieren,

oder ich muss ihr Blutplasma zentrifugieren“.

C.W.D.: Das öffnet die Tür zum

E.S.: In der Beziehung gehe ich in

den Fußstapfen von Dempf. Ich

versuche herauszufinden, welche

Funktion die Religion hat. Religion

zu untersuchen, heißt nicht automatisch,

dass man alles glaubt. Mich

interessiert die Religion brennend,

weil ich wissen will, welchen Ort

sie einnimmt und ob sie diesen zu

Recht einnimmt, oder ob man auch

etwas anderes an diesen Ort setzen

könnte. Das Argument von Dempf

in Bezug auf Religion war, um es in

den Worten der Philosophie zu sagen,

dass die Religion das Archiv der

„transzendentalen Poetik“ sei.. Für

ihn war das eine Art von Bildern, die

eine „meta-imaginäre“ Funktion haben

und die so ähnlich wie Symbole

unseren Bild- und Erkenntnisgebrauch

gebrauch steuert. Er meinte

das in der Religion die wichtigsten

der steuernden Menschenbilder zu

finden wären, und dass alle anderen

Disziplinen mit verdeckten Menschenbildern

arbeiten, die sie selbst

nicht mehr explizieren können, dass

also nur die Religion mit offenen

Menschenbildern „dealt“ und zwar

so, dass sie von den Menschen fordert

- was sie tun können oder nicht

- dass sie sich einlassen auf dieses

Angebot, eine Erstüberzeugung zu

übernehmen, die wiederum klar als

eine solche gekennzeichnet. Das

heißt dann Glaube.

C.W.D.: Liebe Frau Samsonow, ich

hätte noch sehr viele Fragen. Ihre

Arbeit erscheint mir so ungeheuer

großzügig, dass meine Gedanken

erst nach und nach Anhaltspunkte

darin ausmachen können. Nun erreicht

auch noch mein Aufnahmegerät

die Grenzen seiner Speicherfähigkeit.

Ich danke Ihnen ganz herzlich

für das Gespräch.

Der Ka von MM (Maria

Magdalena II), 2010.

Anmerkungen

1.) Ringvorlesung Ästhetik am Institut für Philosophie der Universität Wien: „Es gibt Kunstwerke, wie

sind sie möglich? Bildtheorien, Kreativität, Synästhesiekonzepte“, jeweils am Montag, 16-18 Uhr in

HS D Campus, AKH, „http://philosophie.univie.ac.at/fb1“.

2) Elisabeth von Samsonow, „Der Baum des Lebens: Emblematik und Hieroglyphik in Melk“, in:

Verdrängter Humanismus - Verzögerte Aufklärung, Bd. 1, Teilbd. 2. Die Philosophie in Österreich

zwischen Reformation und Aufklärung (1650 - 1750) : die Stärke des Barock, hg. M. Benedikt und R.

Knoll: Verl. Leben - Kunst - Wissenschaft [u.a.],. Klausen-Leopoldsdorf, 1997.

medienknotenmelk.at

Der Adler als Symbol medialer Luft, Abbildung aus „Der Baum des Lebens“. 2.)

3390 Melk

Florianistraße.1

Tel.: 06645213307

DER ADLER IST GELANDET

Adler mit Stern. Symbol für den medienknotenmelk.at

dank der Anregung von Elisabeth von Samsonow.


64

Buch VIII – Mercedes Nr. 24/2010

In Vorbereitung auf das DING

”Seit Descartes gilt die Methode der Naturwissenschaft als

„Austreibung der Geister aus der Natur“. Durch die großartigen

Erfolge in den letzten Jahrhunderten wurde die Methode

verabsolutiert und zur „Austreibung des Geistes“ schlechthin.

Seither gilt als „öffentliche Wirklichkeit“ nur mehr die Materie und

alles Lebendige wird damit zum „Ding“ ohne Seele. Es bedarf

jedoch einer geistigen Anstrengung, um diese Wirklichkeit zu

konstruieren, denn Dinge sind nicht „Dinge an sich“, vielmehr

werden sie von uns dazu gemacht. Die Konstruktion dieser

Wirklichkeit ruht im Wesentlichen auf drei Säulen, die unseren

„Denkrahmen“ bestimmen.

Alles was messbar ist messen

Immer Entweder-Oder

Alles hat eine bestimmte Ursache

Nun muss ich aber auch auf die Wirksamkeit dieses

Denkrahmens hinweisen. Seine Vorteile sind so gewaltig, dass

wir ohne Zögern seine Nachteile hingenommen haben. Wir

können aufgrund der Naturgesetze Handlungen vollziehen,

deren Ergebnis mit Sicherheit eintritt, wenn wir nur alles richtig -

im Sinne der Naturgesetze - ausführen.

Die Erfolge dieses Denkens sind unbestritten; schließlich

mussten viele andere Kulturen unseren Denkrahmen

übernehmen, um am wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben

zu können. Über die Lust am Wohlstand haben wir gerne die

Nachteile dieses Denkens verdrängt.“

Herbert Pietschmann

Siehe dazu Herbert Pietschmann: Vom Spaß zur Freude und Die

Atomisierung der Gesellschaft.

”Die Dinge der Menschen bilden ein Symbolsystem, das die

soziale Welt, die Sozialstruktur prägt und stabilisiert, und

gewissermaßen den “Klebstoff” des sozialen Lebens darstellt.

Gerade in der Moderne ist diese symbolisch-integrative Funktion

der Dinge und Waren ungeheuer wichtig geworden, und weil

die „magische“ Aufladung der Dinge, die gemeinhin als

„Fetischismus“ bezeichnet wird, eigentlich vormodernen

Gesellschaften zugeschrieben bzw. auf diese projiziert wird, ist

diese Verstrickung der Moderne in die symbolische Welt der

Dinge in ihrer Bedeutung noch relativ unbekannt bzw. wenig

durchleuchtet.“

Aida Bosch

Zitat aus dem Buch: Aida Bosch: Konsum und Exklusion. Eine Kultursoziologie

der Dinge. Bielefeld 2010, S. 18/19

”Axel Honneth hat 2005 in einem kleinen Bändchen mit

dem Titel "Verdinglichung" das Lukácssche Konzept der

Verfehlung einer menschlichen Praxis oder

Vernünftigkeit der menschlichen Lebensform wieder

belebt. Seines Erachtens bleibt der Begriff

besonderen Fällen wie Selbstmordattentäter

vorbehalten. Hier wird das "menschliche Material"

zur Bombe und widerspricht in besonderem

Ausmaß einer vernünftigen Lebensform. Jedoch

weist auch die zunehmende Tendenz von "user

modelling" in der Informationstechnologie eine

Verdinglichungstendenz auf, so dass über

Honneth hinaus gehend eine neue Diskussion

des Konzepts angebracht ist. Das Subjekt wird

zum Ding, und zwar zunehmend auch in einer

von Wissenschaft und Technik dominierten

Kunst.”

Hans Diebner

Das DING - THING

Vernissage: 8. Oktober 2010

Objekt und/oder Individuum,

Positionen aus Kunst, Wissenschaft und Literatur

G

a

s

”Der Realraum und der

reziproke Raum existieren

ineinander. Die Objekte in

beiden Räumen tragen

dieselbe Information. Die

mathematische Operation,

die zwischen diesen beiden

Räumen hin- und herschaltet,

wird Fouriertransformation bzw.

inverse Fouriertransformation

oder Rücktransformation genannt.

Sie ist eine verallgemeinerte Form

der Fourieranalyse, nach Jean

Baptiste Joseph Fourier (1768-1830)

benannt, der diese 1822 zur Lösung

von Wärmeausbreitung in Körpern

(„Dingen“) entwickelt hat.

Auch wenn Bilder im Realraum

konkret wirken und im reziproken

Raum sehr abstrakt für die

alltäglichen

Wahrnehmungsgewohnheiten, sind

doch beide äquivalent. Sie

zeigen nur verschiedene

Aspekte der Existenz eines

Dings.“

Herwig Peterlik

”In der klassischen –

Newtonschen – Physik ist

man gewohnt, dass jedem

‚Ding’ zu jedem Zeitpunkt ein

eindeutiger Ort zugeordnet

werden kann. Auch in

unserer Alltagserfahrung stellt

sich dies meist so dar. Oder

können Sie sich vorstellen,

dass ein „Ding“ keinen Ort

hat, an dem es sich

befindet? Dass es einerseits

hier und dort, andererseits

aber weder hier noch dort

ist? Doch derartiges Verhalten

ist für quantenmechanische

Objekte – vor allem im

mikrokosmischen Bereich –

gang und gäbe.“

Franz Embacher

”Wir verwenden das Wort ‘Ding’

so häufig wie kaum einen anderen

Ausdruck. Eben daraus folgt freilich

nicht, dass klar wäre, was jeweils

damit gemeint sein könnte; vielmehr

bedingt gerade die Vielfalt des

Gebrauchs dessen Unbestimmtheit.

Doch was ist ein Ding?” In jedem Fall ist es

nicht schlichtweg ein Gegenstand (etwas,

das unserem Denken und Handeln

entgegensteht); laut Heidegger führt sogar “von

der Gegenständlichkeit des Gegenstandes … kein

Weg zum Dinghaften des Dinges.” Die Frage, worin

dieses besteht, führt ihn nach längerer Diskussion jedoch

zur Einsicht, dass das Ding – nun ja – dingt, und “so

denkend sind wir vom Ding als dem Ding gerufen.” Das ist

ein Ding, mag sich jemand sagen, der wissen möchte, was

ein Ding ist, aber nicht weiß, ob er so denkend vom Ding

als dem Ding gerufen ist. Dabei ist es nicht ein Ding, d.h.

nicht einerlei, ob wir jene Frage beantworten können und

wie wir das gegebenenfalls tun. Dies ist nicht zuletzt deshalb

wichtig, weil etwa künstlerisches Schaffen in gewissem Sinne

ein “Ding” als Ergebnis hat. Dieses Ding ist allerdings nicht

notwendigerweise ein materielles Gebilde. Aber was für ein

Ding ist es dann? Und überhaupt: Was ist ein Ding?“

Otto Neumaier

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Städteplanung / Architektur / Religion

Buch IX – Apollo und Aphrodite 65

Apollo

Detail aus der Süddeutschen Zeitung

Handyfoto: Heidulf Gerngross


66

Trilogie zur Wahrung der Menschenwürde

„Dirty Protest“ ein Sinnbild politischer Verzweiflung

Buch IX – Apollo und Aphrodite Nr. 24/2010

Die Entwicklung der Formen des politischen Protestes

in Nordirland zwischen 1976 und 1981

gibt Anlass zur Forderung einer politischen

Kultur zur Wahrung der Menschenwürde.

Im Laufe der Unruhen in Nordirland, zu Beginn der

1970er-Jahre, wurden von der britischen Regierung Masseninternierungen

im Gefängnis in Maze angeordnet. Ab

1976 wurde der stufenweise Abbau des Status der politischen

Gefangenen eingeleitet, die Häftlinge sollten von

nun an als Kriminelle oder Terroristen behandelt werden.

Den Gefangenen wurde die Zivilkleidung entzogen,

Zwangsarbeit wurde angeordnet.

Der „Blanket Protest“ war Teil einer Kampagne zur Wiederherstellung

der ursprünglichen Einstufung als politische

Gefangene. Die Häftlinge weigerten sich, wie Gefängnisuniformen

wie vorgeschrieben zu tragen. Bei laufender

Zuspitzung des Konfliktes wurden die Möbel aus ihren

Zellen entfernt. Die Häftlinge verbrachten ihre Zeit nun

nackt in Bettdecken gehüllt auf Matratzen und lehnten es

ab ihre Zellen zu verlassen, etwa um Wasch- und Toilettenräume

aufzusuchen. Ihren Kot schmierten sie an die

Wände. Der „Dirty Protest“ war entstanden.

Ab 1980 verschärften die Gefangenen ihren Protest und

traten in den Hungerstreit, einem Hinlaufen zum Tod

durch den fest entschlossenen Verzicht auf Energiezufuhr

durch Nahrungsaufnahme. Die Hauptfunktion der

Verdauung ist es, Energie aus der zugeführten Nahrung

zu gewinnen. So gesehen ist der Hungerstreik ein Verzicht

auf Verdauung. Aber der Körper muss verdauen,

er braucht Energie um zu Überleben. Also verbraucht

er seine Reserven, er verzehrt, er verdaut sich selbst. Im

Hungerstoffwechsel zapft er die eigenen Körpereiweiße

und die Fettdepots an. Was zunächst anabolisch mittels

Energiegewinnung aus Nahrung mühevoll aufgebaut wurde,

Fettpolster und Skelettmuskaltur, wird für die nun rein

katabolische Aufrechterhaltung der lebensnotwendigen

Prozesse «verheizt». Es ist der Versuch der Verdauung der

sich dem vom Verstande gefassten totalen Nahrungentsagung

entgegenzustemmen.

Durch Reduzierung des Grundumsatzes und die Einschränkung

des Energieverbrauches lässt sich Zeit zu

gewinnen bis wieder Nahrung ihren Weg in den Magen,

Dünn- und Dickdarm findet. Damit spannt die Funktion

der Verdauung in der Hungeradaption jenen Zeitrahmen

auf, welche den Hungerstreik politisch konstituiert.

Ohne Wasser, bei normaler Umgebungstemperatur und

Gesundheit, überlebt der Mensch 3-4 Tage. Dies ist zu kurz

um die Öffentlichkeit effektiv über den Streik zu informieren

und die Fürsorgeverplichtung der Bestreikten für den

Hungerstreikenden einzufordern. Zu kurz auch für die

Bestreikten, die Situation zu erfassen und zu reagieren.

Aus diesem Grund findet diese Art des Hungerstreiks selten

statt. Mit Wasser, mit Vitaminen und Mineralien und

ausreichenden Fettspeichern können Hungernde bis zu

30, theoretisch gar 200 Tage überleben.

Der Parlamentsabgeordnete Bobby Sands hatte vor seinem

Tod am 5. Mai 1981 66 Tage gestreikt. In den folgenden

Wochen verstarben Francis Hughes (12. Mai),

Raymond McCreesh (21. Mai), Patsy O’Hara (21. Mai), Joe

McDonnell (8. Juli), Martin Hurson (13. Juli), Kevin Lynch

(1. August) Kieran Doherty (2. August), Thomas McElwee

(8. August) und Michael Devine (20. August).

Die Opfer der historischen Hungerstreiks in Nordirland

versinnbildlichen die Not jener Menschen, die ihr eigenes

Leben aus politischer Verzweiflung riskieren, nicht nur in

Österreich.

Reinhard Stanzl und

Christian Denker

Bild 1 der Trilogie zur Wahrung der Menschenwürde aus dem Stoffwechsel von Heidulf Gerngross um 1978


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Buch IX – Apollo und Aphrodite Nr. 24/2010

Sinnierereien über Kunst und die Welt mit Fokus

auf den österreichischen Film und Frau Fekter v. Manfred Stangl

Jesus und seine Gören

Karfreitag: Jesus stöhnt von 3-4 Kreuzen.

„Mein Vater, warum hast du mich

verlassen?“ Stirbt. Wird am Ostersonntag

und Ostermontag wiederauferstehen.

15 oder 16-mal als 14-jährige Highschoolschülerin,

die unbedingt einen

Tanzwettbewerb an ihrer Schule, einen

Songwettbewerb oder eine Cheerleaderausscheidung

gewinnen muss. Oftmals

sehen wir ein schwarzamerikanisches

Mädchen im adretten Schuldress

herumhüpfen: die Emanzipation hat’s

geschafft, gerade an den heiligen Tagen

im Jahr beeindruckt ein (natürlich

nicht ganz so) neues Mädchenbild (der

Basketballhighschoolschüler und Karatekidkämpfer

hopst das ganze Jahr über

auf dem Bildschirm umher).

Weder von der TellerwäscherIn zum

Millionär (das läuft aufgrund der Wirtschaftskrise

aktuell ohnehin meist andersrum),

noch von der umschwärmten

Schönheit zur Gattin des reichen Dandys,

nein – die junge Frau von heute macht

selbst Karriere, im amerikanischen Jugendvorbildfilm

eben als Künstlerin (was

in fortschrittlicheren Filmen mittlerweile

ebenfalls Jungs erlaubt ist, solange sie

sportlich schlank im finalen Duett die

Highschoolpartnerin anschmachten). In

der Realität der Realityshows hierzulande

eröffnen seit einiger Zeit auch diverse

TV-Stationen Karrierechancen als

Topmodels. Augenscheinlich muss man

diese Shows als Edel-Dependancen des

AMS deuten, warum sonst gieren junge

Frauen danach, an so was teilzunehmen,

wenn nicht ein lukrativer Beruf dabei

für sie herausspringen konnte? (Würde

Paulo Coelho auch von KarriereideologInnen

gelesen, erkennten diese rasch,

dass mit 22 bereits alles wieder vorbei

ist, und das AMS eine Umschulung mit

Ausblick auf eine Billabuchkarriere vornehmen

muss: „Der Sieger bleibt alleine“).

Jedenfalls ist erkenntlich, was Film und

Fernsehen als Botschaft transportieren:

Selbstaufopferung Marke Jesus Christus

ist out, bzw. er opferte sich dafür, dass

hübsche Girls Topmodelcastingsendungen

durchstolpern dürfen, im besten

Falle natürlich winkt ein Vertrag mit

einem Modelabel (Laufdauer maximal

bis 22) oder der Kuss vom flotten Highschoolpartner

nach dem überzeugenden

Duett im Rampenlicht. Zum Lachen ist

das nicht. Der angeblich so grandiose

österreichische Film ist oft um nichts

besser. Im Gegenteil: da werden gar Altersheiminsassen

auf die Bühne gezerrt,

um zu vermitteln, dass ein Leben nur

lebenswert ist, wenn man/frau zum Star

erglänzt. Die österreichische Komödie

(„life ist live“ oder so) zeichnet sich

noch dazu durch die Überheblichkeit

aus, dass ein achtzig-jähriger bloß ein

wenig probieren muss, um gleich sein

seit jeher in ihm schlummerndes Talent

zu entdecken, und ebenso hat die reife

Dame immer schon eine schöne, bzw.

gute Stimme. Ich entdecke hinter diesen

nett anmutenden filmischen Vorgängen

die Aufforderung, nicht die Altersheime

abzureißen, auf dass alte Menschen

wieder mit den Jungen gemeinsam leben,

wo ihre soziale Kompetenz, ihre

Hilfe bei der Kindererziehung und die

Weisheit der Reife wertvoll sein könnten,

stattdessen sie über den allgemein

heute gültigen Kamm der Leistung zu

scheren, wonach nur der was taugt, der

noch im hohen Alter was Cooles aus

sich macht. Die Widerlichkeit und Arroganz

der Schimären einer Jugend-Kultur

zu wiederholen, in der nicht die Weisheit

des Alters, Lebenserfahrung und soziale

Fertigkeiten gelten, sondern gnadenlose

Selbstinszenierung, ist nicht gerade eine

Hohe-Leistung des österreichischen

Films. Starmanieren einer Gesellschaft

zu bewerben, die dem Ich-Kult verfallen

ist, empfinde ich eher als ausgesprochene

Dummheit.

Dass so was ohne empörten Aufschrei

der Alten gezeigt werden kann hat mit

dem innersten Wesen der Moderne-Kultur

zu tun, die Kunst von Anfang an rasch

als Religionsersatz begriff, nachdem das

Christentum aufgrund seiner Kumpanei

mit dem herrschenden Adel obsolet

und unglaubwürdig wurde. Bereits Kant

spricht sich in seiner Schrift zur „Beantwortung

der Frage, was ist Aufklärung“,

für die Erziehungsfunktion der Künstler

(und Wissenschafter) und gegen die Rolle

des Priesters als Lehrer aus.

Entblößt die

MuslimInnen!

oder: Frau Fekter, sie

denken faschistisch!

Nach den regelmäßig scheiternden

Revolutionen der Arbeiter (die dem

Bürgertum helfen durften, den Weg für

die neuen Herren freizuschießen), hat

sich heute selbst in die letzte Wohnküche

(Garçonnier) herumgesprochen, dass

Aufbegehren gegen die Allmacht des

Kapitals sinnlos sei, persönlichen Erfolg

anzustreben, indem das Arbeiter- (bzw.

Angestellten-) Mädchen auf High-heels

über den Probierlaufsteg stakst, aber etwas

Überirdisches innewohne.

Oder maid wird Schauspielerin, vielleicht

auch Nachrichtensprecherin – solange

sie jedenfalls nicht (wie Eva Herrmann)

auf die Idee kommt, öffentlich

zu äußern, ein Leben als Hausfrau und

Mutter könne genau so erfüllend wie das

der Karrierefrau sein (wobei solch Luxus

den Arbeiterfrauen anhaltend vorenthalten

blieb, weil sie bei den kargen

Löhnen ihrer Ehemänner in der Fabrik

fürs Zubrot sorgen mussten – sofern

sie selbst nicht am Fließband standen

– durch Waschen, Putzen, Bügeln, Kochen

für die bürgerlichen Herrschaften),

denn dann verliert sie (in einer Zeit, in

der Frauen ihre Sprösslinge mit einem

Jahr bereits in den Zuchtanstalten für

die fremdbestimmte und -erziehende

Leistungsgesellschaft abgeben sollen,

angeblich um Zeit zu haben, Karriere zu

machen, eher aber, damit sie vollzeitiger

ausgebeutet werden können) wie Eva

Herrmann ihren Job im Fernsehen, wird

als Nazi-Schlampe diskreditiert und zur

Ehegattin zurückgestuft

Ein wenig erinnert das schon an die Initiativen

in Frankreich zum Burka-Verbot:

aus Hochachtung vor den Frauen

sollen diejenigen, die den Ganzkörperschleier

nicht ablegen (und locker leicht

bekleidet auf dem Laufsteg posieren)

wollen, nicht mit dem Bus fahren dürfen.

Es gäbe dazu ein lange erfolgreich

praktiziertes Modell (in den Südstaaten

der USA), wie verhindert werden kann,

dass betroffene Französinnen dann überhaupt

nicht mehr aus ihren vier Wänden

herauskommen: sie könnten ganz hinten

auf der Bank sitzen im Bus, in Schwarz,

jedenfalls weg von den Weißen, damit

diese sich in ihrer konsumdiktatorischen

Selbstentblößungs- und Selbstverkaufsgesinnung

nicht gestört fühlen müssen.

Übrigens: Wer fordert ein Stöckelschuhverbot,

wo High-heels die Frauen durch

den Verlust der Erde unter den Füßen

und die Behinderung beim vollen Auftretens

viel abgründiger verunstalten, als

je ein Schleier dies vermochte?

‚Was hat das mit der Kunst (die ja Thema

ist) zu tun’, möchte wer fragen; ‚was

hat die Kunst mit der Kunst zu tun?’ lautet

meine Gegenfrage.

Als Religionsersatz bietet sich alles an,

was der heutigen Religion: dem Ich-

Kult frommt, also neben der Kunst auch

scheinliberale Ideen, deren dahinter

steckende Misanthropie durch pompöses

Getöse von Menschen- und Frauenrechten

verschleiert wird. Entgegnete

nicht eine Muslimin dem französischen

Abgeordneten: ‚Sie tragen zwar keinen

Schleier, aber ihr wahres Gesicht verstecken

sie hinter einer Maske’? Klarer

lässt sich die Moderne-Kultur kaum

enthüllen. Außer vielleicht im faschistischen

(nicht faschistoiden) Vorschlag

unserer InnenministerIn Fekter, Asylanten

unter Generalverdacht des Böse-

Seins bei gleichzeitiger Aushebelung

der Rechtsstaatlichkeit (nur bewiesenermaßen

Schuldige einzusperren) in

Lagern gegebenenfalls wochenlang „anzuhalten“.

Das ist, wie gesagt, nicht faschistoid,

sondern bereits reiner/schmutziger

Faschismus, denn was sonst wäre

eine Definition für diesen, als Fremde

zu Menschen geringerer Klasse außerhalb

der eigenen Rechtsnorm stehend

zu degradieren, wobei gleichzeitig von

viel dringlicheren Problemen (etwa der

vom kapitalistischen Herrschaftssystem

selbst verschuldeten Wirtschaftkrise)

populistisch abgelenkt werden soll.

Wer auf diese Argumente mit dem üblichen

drauf folgenden: Das-ist-Verunglimpfung-und-überhaupt-fehlt-einemsolchermaßen-überzogen-Urteil-der-

Respekt-vor-den-tatsächlichen-Opferndes-Nationalsozialismus-Reflex

reagiert,

der sollte erstens Wilhelm Reich lesen:

„Die Massenpsychologie des Faschismus“,

in der das Prinzip des nationalen

Narzissmus erläutert wird, also wie eine

Nation sich unter einem Komplexe kompensierenden

Selbstbild versammelt, um

eine „fremdländische“ Gruppe als charakterlose

und minderwertige Banditen

zu diffamieren: in unserem Falle nun die

Asylanten, nämlich als Kriminelle (wozu

sonst die „Beugehaft“, Drogendealer

und Frauenbelästiger, somit letztendlich

sie als Untermenschen abstempelnd

(wobei das wiederkehrende Bedauern

nach sprachlichem Exzess, man meine

nicht die anständigen Asylanten, in der

Vorurteilsbildung der österreichisch völkischen

Masse keine Rolle spielt).

Es ist Zeit mit dem Irrtum aufzuräumen,

man/frau sei erst dann FaschistIn, wenn

er/sie eigenhändig 6 oder 9 Millionen

Menschen vergast hat. Vernichtungslager

und Massenmord sind die Bilanz,

das Finale faschistischen Gedankenguts,

nicht deren Ausgangspunkt. Diktionen,

wie sie in der Kronen-Zeitung als Titel

für Leserbriefe gechartert werden, unter

anderem „Ostgesindel“ etc., verlangen

daher die Auslegung als Tatbestand der

Wiederbetätigung bzw. Verhetzung

(nämlich faschistischer – nicht judenfeindlicher

oder massenmörderischer).

Das zahnlose österreichische Gesetz,

das Reiche wie einen Karl Heinz Grasser

schützt, dagegen nicht effektiv gegen

ausufernden Rassismus nützt, bedarf dahingehend

dringlichste Verbesserung,

dass alle ausländerfeindlichen Parolen

(nicht einzig Attacken gegen bestimmte

Ethnien - das ist eine unerträgliche

Verwässerung) als Verhetzung geahndet

werden, nicht bloß in der Zara zunehmend

sich ansammeln als ohnmächtige

Beschwerden.

Wird nicht bald umgedacht, dann liebes

Österreich: braune Nacht!

Prostituierte der

Kunst

Die heutige Kunst hat meines Erachtens

deshalb wenig mit Kunst gemein,

weil sie zumeist die Wünsche der Super-Reichen

bedient, die ihre Einzigartigkeit

und Besonderheit in der Idee

des beispiellosen, außergewöhnlichen

und genialen Kunstwerks widergespiegelt

zu finden begehren. Nachzuerzählen,

wie Kunst sich dermaßen an den

Tauschwert-Schein anpasst (sprich: prostituiert),

beschert mir immer wieder ein

kurzweiliges Vergnügen: Der Glaube

der Moderne an die Disharmonie, welche

das harmonische Weltbild von Adel

und Klerus der gottgewollten Herrschaft

über den Bürger ablöste, führte zum

Machtanspruch des Einzelmenschen

über alles (weil das Individuum disharmonisch

sich alleine und nicht eingebettet

in Welt und Gemeinschaft erlebt,

sodass es als quasianarchischer Einzelner

über so viel Eigentum wie möglich

zu verfügen sich ermächtigt, wo ja eh

keine Regeln von Anstand, Sitte und

Moral gelten, weil das sind Werte von

gestern). Der moderne Bankier also (der

Investmentmanager) setzt forsch alles

auf eine Karte, wir zahlen die Rechnung

(und seine Spesen und Boni sowieso),

einerlei ob er gewinnt oder verliert bei

seinen Spekulationen. Dankeschön. Dafür

kauft er grandiose Kunstwerke als

Manifeste der Einmaligkeit (der Glaube

ans Genietum ist eine Erfindung der

bürgerlichen Stürmer und Drängler) und

hängt sie in eigens errichtete Kunsthallen

(wieder von unserem Geld bezahlt)

und Privatgalerien – er kauft völlig überteuert,

das Riesengemälde ist in Wahrheit

nicht mehr wert als eine Hand voll

Tulpenzwiebeln, aber er hat dabei seinen

Spaß, und er kann sich’s ja leisten – auf

unsere Kosten.

Ben Lewis deckt die Machenschaften

der Kunstmafia in seiner Dokumentation

„die Millionenblase“ auf: Wie Galeristen,

Museen (diese häufig unbewusst),

Spekulanten der Kunst und Künstlerspekulanten

Marke Damian Hirst Hand

in Hand arbeiten, um Millionen zu verdienen

(wobei ihre Vorgehensweise in

jedem anderen Finanzsektor jahrelange

Haftstrafen nach sich ziehen würde -

von wegen Preisabsprachen, Kartellbildung,

Betrug mit emittierten Papieren,

etc.), wirft ein Bild auf den tatsächlichen

Wert und Zweck der „bedeutendsten“

Gegenwartskunst.

Dass keine verbindlichen Regeln gelten

sollen, exerzierte die Moderne Kunst

ideell ja schon seit ihren Anfängen vor.

Die Moderne-Welt braucht keinerlei Beschränkung,

keine schnöde Einengung

durch Gott und Natur, durch Mitgefühl

(das Nietzsche durch seine „Umwertung

der Werte“ als lästig verpönte) oder ethische

Regel: wer keine Kinder bekommt

lässt sich welche m Indien herstellen –

die Leihmütter verkaufen ein Leben für

die Erhaltung der anderen in den kinderreichen

Familien – nichtsdestotrotz

geht’s um Menschenhandel, um modernen

Menschenverkauf, selbst, wenn die

Leihmutter per (für sie außer-) ehelichem

Ei befruchtet wurde: das ist ihrem

Leib, der das Ei ausbrütet, nämlich rundweg

egal - Hauptsache im Westen haben

wir Geld, also für unsre möglicherweise

psychisch bedingten Unfruchtbarkeit

wegen Dauerkonkurrenz und Eiseskälte

in der modernen Welt nur eine allzu gerechte

Kompensation. Auch neigen wir

Reichen zur Schnelladoption, wie im

Kinder-Selbstbedienungsparadies Haiti.

Dort ereignete sich eine der größten Zivilisationskatastrophen

seit Menschengedenken,

weil, wie überall in der dritten

Welt oder in Schwellenländern die

Bauern von ihren Feldern in die Städte

gezwungen werden, entweder um in den

Fabriken für den Westen Konsumgüter

zu produzieren (damit unsere Arbeiter die

Illusion von Luxus sich überhaupt leisten

können und daher nicht aufmucken),

oder bloß aus Armut, wenn die subventionierten

Landwirtschaftsprodukte der

reichen Länder den heimischen Markt

in Afrika oder speziell in Haiti zerstören,

wo amerikanischer Billiggenreis

die ansässigen Bauern vertrieb und/oder

durch Raubbau am Waldbestand die Böden

erodierten (die haitianischen Wälder

stehen in den Wohnungen der USA als

Möbel), sodass nun fast alle Haitianer in

einem riesengroßen Slum namens Portau-Prince

hausten, und dann wie Insekten

durch die tonnenschweren Betonbrocken

billig gebauter Häuser zerquetscht

wurden. Unsere KünstlerInnen rufen

edel zum Spenden auf – so wissen wir

wenigsten, was wir an ihnen haben und

wie dringend wir den ganzen Starrummel

benötigen, sodass wir begeistert zu

nacheifernden Fans und Castingjunkies

mutieren, statt unser Leben sinnvoll zu

tätigen.

Der oscarmächtige

österreichische Film

„Unfruchtbarkeit“ ist das Stichwort

zur Moderne. Grenzenlos ist ihr Größenwahn,

über die Natur zu herrschen,

mittlerweile falsifiziert die Natur allerdings

die Wissenschaft als Weltbeschreibungsmodell:

das wissenschaftliches

Weltbild führte zur Klimakatastrophe;

die Verwertung des Erforschten, dessen

Sezierung und Ausschlachtung vernichtet

pro Jahr mindestens 365 Arten und

zerstört die Welt im Ganzen. Allein:

die Moderne-Kunst stemmt sich noch

immer vehement gegen Diktate, Selbstbeherrschung

und jegliche Hemmung.

Die erfolgreichsten unter den heutigen

Künstlern und Filmemachern (hierzulande)

suggerieren in ihren Werken, wie

final die Unterdrückung der Sexualität

durch Religion und Patriarchat die Psyche

vernichtet: sie haben zwar insofern

recht, als dass solch Repression tatsächlich

traditionelle autoritäre Charaktere

hervorbrachte, die Seuche an der die

heutige Zeit leidet, ist jedoch die rasche

Ausbreitung der narzisstischen Psyche,

die zu keinerlei Empfindung mehr fähig

ist und weder Mitleid noch Schuldgefühl,

noch Anstand kennt - überhaupt

empfindet sie nichts außer der Angst,

nicht permanent in der Lage zu sein, sich

perfekt selbst zu inszenieren und mörderischen

Hass, wenn wer am Lack kratzt

und all das Verdrängte aufbricht, das so

mühsam mittels selbstkontrollierendem

Verstand versteckt dämmert.

Mir anderen Worten. Heute braucht es

keine institutionelle Zensur (obwohl der

Staat langsam alle Grenzen ignoriert

in der Überwachung seiner Bürger per

neue Medien – Kontrollwahn betrifft

auch die Bürokraten – dass daneben im

modernen, aufgeklärten Europa Zensur

existiert weiß jemand, der versuchte im

Vikipedia-Lexikon den Begriff „ganzheitliche

Kunst“ zu definieren: rasch

wurde statt sichtbar geschwärzt, sauber

gelöscht).

Selbstzensur verhindert am besten Äußerungen,

die nicht zu einem erfolgsversprechenden

Image passen (die können

auch frech sein und gerockt oder gehiphopt).

Wer will heutzutage nicht Erfolg

haben und Ruhm und Ansehen ernten?

Was überhaupt nicht wahrgenommen

wird, ist der Umstand, wie lückenlos

heute der zensierende Verstand nur Bilder

des Gewünschten ins Bewusstsein

lässt – Bilder von Anerkennung, Glanz,

gestylter Schönheit und Stars-Sein (Bilder,

respektive Fotos, die oft bereits

bedenklich an Nazi-Ästhetik erinnern).

Die an Signale und Zeichensystemen

der Großartigkeit, Individualität und

Besonderheit geschulte Wahrnehmung

blendet aus, was man wirklich spürt,

echt braucht und wahrhaft ersehnt –

wofür die Psychologie den Begriff des

„wahren Selbst“ prägte – im Gegensatz

zum falschen, das in seiner Entstellung

und Entfremdung erstickt: Die Moderne

wird an ihrer Selbst-Täuschung, Überheblichkeit

und Fühllosigkeit zugrunde

gehen – wenn wir nicht sehr aufpassen,

kann das mit einem Mordstrumm Knall,

bei dem die Massen die unterdrückte

Sau herauslassen, geschehen. Aber bei

entsprechendem Kunstkonsum kann das

den gebildeteren unter den Schichten am

Arsch vorbei gehen, sie sind ja im Koks-

Kokon der Kunst eingesponnen und damit

den Untiefen der dummen Meuten

entronnen und wissen ja immer schon,

was politisch und kulturell korrekt gilt,

selbst wenn schon bald vielleicht diese

Kultur selbstdemolierend uns mitkillt.

Positives lässt sich erfreulicherweise

auch sagen: Der österreichische Öko

Doku-Film ist beachtenswert, so er nicht

die Ideologie der hässlichen Welt zu sehr

manifestiert, der man dann wiederum in

den Höhen der Kunst entfliehen muss.

Zum Glück sehen wir auch tolle Spielfilme

wie „Vor lauter Feigheit gibt es kein

Erbarmen“ von Andreas Gruber, der die

Mühlviertler Hasenjagd“ thematisiert,

und durch die konsequente Anwendung

des Prinzips Mitgefühl Züge einer

ganzheitlichen Ästhetik aufweist, wenn

gezeigt wird, wie eine Bauernfamilie

aus Mitgefühl und Anstand flüchtige

russische Offiziere beherbergt, während

der Großteil der Dorfbewohner sich an

einer blutigen Ostgesindelhatz beteiligt

(Krone-Leser, FP-Wähler und/oder Frau

InnenministerIn Fekter: aufgemerkt!).

„Indien“, in dem der begnadete Josef

Hader Regie führt und auch persönlich

mitwirkt, ist sicherlich ein Streifen,

der im Aufgreifen verdrängter Themen

(konkret: des Sterbens) und der empfindsamen

Abhandlung selbst aus ganzheitlicher

Perspektive unheimliches Potential

birgt

Weniger toll sind die Streifen der Tochter

eines bekannten Malers, die für die

Moderne typische mysteriöse Machwerke

fabriziert, wo im tiefen Wald die Natur

verdächtig brüllt, die außerhalb des

Hotels auf Frauen lauert, oder wo an die

Pilger Lourdes die Filmemacherin sich

gar nicht aufklärerisch kritisch, sondern

mit neutralem Blick - wie an Wesen von

einem anderen Stern - heranmacht, um

dem Bildungs- und Eventbürgertum einen

wohligen Schauer des Entsetzens

über den Rücken rieseln zu lassen, wieviel

Rückständigkeit doch fernab ihrer

Laptops und Laufbänder und Schlankheitsdiäten

und Botox-Injektionen existiert.

Mein Resümee: Feigheit ist ein weiteres

Thema der Moderne, wenn eine prinzipiell

wichtige mehrteilige Fernsehserie

mit Immigrantenkindern als SchauspielerInnen

an einem Samstagnachmittag

über die Bildschirme gehetzt wird, bevor

sich aus dem rechten Quoteneck Widerstand

regen kann.

Fazit:

Der österreichische Film ist vielleicht

modern genial, aus ganzheitlicher Sicht

zumeist ziemlich peinlich trivial.

Informationen zur Ästhetik

der Ganzheit und zu Büchern

der edition sonne&mond unter

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Manfred Stangl

Ähren einer Ästhetik

der Ganzheit.

30 Seiten, brosch.,

6,90 Euro

Manfred Stangl

Aus der Anthologie:

Wälder - Wasser- Licht und Liebe

196 Seiten, geb., 18 Euro

An solche Freunde, die kritisch

gegen das Erbauen räuscheln

Was habt ihr

gegen das ERBAUEN?

Erlaubt ihr

Mörderpoesie und Ironie

in Kübeln siebenmal erbrochen

und ach den Jammer dieser ganzen

Welt

erbaut ihr

erbaut euch

ERBAUUNG sei verlogen

Dann war es keine

schaut doch besser hin

Ist Evo- oder Revolution

nie

was Erbauliches

oder ein Kind?

Michael

Benaglio

Der Ritt auf

der Katze -

Phantastische

Erzählungen,

184 Seiten,

TB.; 15 Euro

Zum sonnigen Urfraß der Mündigkeit

bau ich meinen Weg

und lass es mir nicht Sünde schriften

das ERBAUEN

von euch ihr Stirnenkräusler

ihr heulig Räusperer

und hämisch Hämende

im Anti-Gartenzwerge-Club

Elisabeth Schrattenholzer


Nr. 24/2010 Buch IX – Apollo und Aphrodite

71

Archiquantbrillen handmade by Schau Schau

Design Heidulf Gerngross

Strahlungstest im Brillenlabor

Design: Shirt aus Socken,

STEINWIDDER,

www.steinwidder.com

Photo: Mirjana Rukavina,

www.mirjanarukavina.net

Model: Selena, Maribor

Fotos: Mirjana Rukavina @


72

Buch IX – Apollo und Aphrodite Nr. 24/2010

Karin G.

Handyfoto: Heidulf Gerngross


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch X – KONZETT 73

Foto: Heike Nösslböck

Hofstetter Kurt in der Galerie Konzett

mit seinen N.I.C. Miniaturen


74

Buch X – KONZETT Nr. 24/2010

josef.dabernig@aon.at


Nr. 24/2010 Buch X – KONZETT

75

Sammler und Galerist

Philipp Konzett

Wiener Aktionismus

Joseph Beuys

Dieter Roth

Franz West


Städteplanung / Architektur / Religion Buch X – KONZETT

77

Sammlung Konzett

Rudolf Schwarzkogler

Günter Brus

Dieter Roth

Hermann Nitsch

Franz West

Joseph Beuys


78

Buch X – KONZETT Nr. 24/2010

OTTO MUEHL EXCESS ART

Zum 85. Geburtstag von Otto Muehl

eröffnet die Galerie Konzett

die Ausstellung EXCESS ART

kuratiert von Danièle Roussel.

Vernissage:

17. Juni 2010, 19 Uhr

Galerie Konzett | Spiegelgasse 21 | A-1010 Wien

T +43 1 513 01 03 | F +43 1 513 01 04 | gallery@artkonzett.com | www.artkonzett.com


K u n s t h a u s B r e g e n z

Kunstvermittlung

Führung

Aktionstage

Sonntag, 6.Juni | Emily Dickinson

Sonntag, 20.Juni | poetry Slam

Dialog

Dialogführung

in offenen Dialogführungen wird zur Kunst,

zum KuB allgemein sowie zu aktuellen Fragen

Stellung bezogen.

pfingstsonntag, 23. Mai, 16 uhr | Ausstellungsrundgang

mit Bice Curiger (Kuratorin, Kunsthaus

Zürich) und Jacqueline Burckhardt (Kunsthistorikerin,

Zürich)

Donnerstag, 3. Juni, 19 uhr | Der Künstler Marbod

Fritsch führt im Dialog mit Kunstvermittler

Winfried Nußbaummüller durch die Ausstellung.

Donnerstag, 10. Juni, 19 uhr | Nach einem Ausstellungsrundgang

mit Wolfgang Hermann liest

der Vorarlberger Autor aus seinen beiden neuen

Büchern »Mit dir ohne dich« und »in Wirklichkeit

sagte ich nichts«. Führungsbeitrag: 5 €.

Einfach gesagt – Gut und wahr

Donnerstag, 20. Mai, 18 uhr | Kunst fasziniert und

regt zum eigenständigen Denken an. im rahmen

dieses Seminars werden die besonderen Kunstinhalte

der jeweiligen Ausstellung betrachtet und

verständlich gemacht. Neugierde und Offenheit

sind für eine spannende Auseinandersetzung

wichtiger als Vorkenntnisse. Beitrag: 9 €. Anmeldung

über die VHS Bregenz: (+43-55 74) 52 52 40.

Architekturführung

Sonntag, 2. Mai, 6. Juni und 4. Juli, jeweils 11 uhr

Atelierbesuch bei Vorarlberger Architekten

Dienstag, 4. Mai, 17 uhr | Hugo Dworzak

(Architekturwerkstatt Dworzak, pestalozziweg 7,

lustenau)

Freunde

Donnerstag, 6. Mai, 18.30 uhr | Für die »Gesellschaft

der Freunde des KuB« findet eine Sonderführung

mit Direktor Yilmaz Dziewior durch

die Ausstellung statt. Vom 13. bis 16. Mai ist der

Freundesverein auf Kunstreise in Hamburg

unterwegs, und für den Juni ist eine Exkursion

nach Zürich geplant.

Kuratorführung Rudolf Sagmeister

Sonntag, 9. Mai, 14 uhr

Familie

Sonntag, 16. Mai und 13. Juni, jeweils 14 uhr | in

besonderen Aktionsführungen wird der ganzen

Familie spielerisch die Ausstellung der Künstlerin

nähergebracht.

KUB + Kaffee

Dienstag, 18. Mai und 15. Juni, jeweils 15 uhr |

Einem geführten rundgang durch die Ausstellung

folgt die Nachlese im KuB-Café. inklusive Kaffee,

Eintritt und Führung: 9 € pro person.

Direktorführung Yilmaz Dziewior

Donnerstag, 24. Juni, 19 uhr

Backstageführung

Donnerstag, 17. Juni, 19 uhr

Subjektiv

Donnerstag, 1. Juli, 19 uhr | Bei dieser Führung

stehen die Sensibilisierung der Wahrnehmung

sowie die reflexion des psychischen und physischen

Erlebens im Mittelpunkt.

Finale

Sonntag, 4. Juli, 16 uhr | letzte Führung durch

die Ausstellung

Schule

Lehrerführung

Donnerstag, 29. April, 18 uhr, und Freitag, 30. April,

16 uhr | Führung für lehrerinnen und lehrer

aller Schultypen (in Kooperation mit der pädagogischen

Hochschule Vorarlberg). Diskutiert

werden bei diesen kostenlosen Sonderführungen

verschiedene Wege und Modelle, Schülerinnen

und Schülern einen ihrem Alter entsprechenden

Zugang zur Kunst zu ermöglichen.

Lehrerfortbildung – die Kunstbox

Freitag, 18. Juni, 14–19 uhr | im rahmen dieses

Seminars mit dem KuB-Kunstvermittler Winfried

Nußbaummüller und dem Munari-pädagogen

Marco Ceroli wird das potenzial von Kunst in

Bezug auf die schulische Kunsterziehung diskutiert.

Die Veranstaltung bietet sowohl theoretische

als auch praktische impulse für den Einsatz des

spezifischen Mediums Kunst zur persönlichkeitsfindung

und -bildung. Maximal 15 personen

(Anmeldung erforderlich).

Kind

Emilys Buchstabensuppe

Freitag, 21. Mai, 14–17 uhr, Samstag, 22. Mai

und Sonntag, 23. Mai, jeweils 10–13 uhr | Marco

Ceroli bietet in den pfingstferien einen Workshop

nach der Munari-Methode für Kinder von 6 bis 12

Jahren an. präsentiert werden die Ergebnisse

am Sonntag, 23. Mai, um 13 uhr im Kunsthaus.

Teilnahmegebühr für alle 3 Tage: 27 €. Buchung

einzelner Tage möglich; Anmeldung erbeten:

(+43-55 74) 4 85 94-415.

Kunstdrache

Mittwoch, 5. Mai und 9. Juni, jeweils 15 uhr | Der

Kunstdrache erzählt dieses Mal zusammen mit

der Eule Kunstgeschichten für Kinder im Alter

von 4 bis 10 Jahren. Der Eintritt für Kinder ist frei.

Workshop

Für Kinder im Alter von 5 bis 10 Jahren findet

jeden Samstag von 10 bis 12 uhr ein Workshop

statt. Nach einem rundgang durch die aktuelle

Ausstellung werden die vermittelten inhalte

anschließend beim praktischen Arbeiten vertieft

(Beitrag: 4 €). Am Samstag, 8. Mai, bieten wir

von 10 bis 12 uhr den Workshop im rahmen von

»Stadt der Kinder« an.

Jugend

ART CRASH SPECIAL

Als besonderes Highlight des Vermittlungsprogramms

bietet dieser ArT CrASH Jugendlichen

die Möglichkeit, die Künstlerin persönlich kennenzulernen.

Der Termin dafür wird noch bekannt

gegeben. infos unter: k.helfrich@kunsthausbregenz.at.

Der ArT CrASH ist kostenlos.

ART CRASH

Freitag, 7. Mai und 25. Juni, jeweils 16–18 uhr | Der

ArT CrASH bietet Jugendlichen die Möglichkeit,

zusammen mit der Künstlerin Kirsten Helfrich

Ausstellungen zu besuchen, Künstlern in ihrem

Atelier über die Schulter zu schauen und ganz

generell über Kunst zu sprechen.

Westend meets ART

Sonntag, 4. Juli, 15 uhr | regelmäßig finden für

die Besucher des Westend-Jugendtreffs im

rahmen des »art contact project« Führungen im

Kunsthaus statt. im anschließenden Workshop

werden die inhalte der Ausstellung in eigenen

Ausdrucksformen weiterentwickelt. präsentiert

werden die Ergebnisse am Sonntag, dem 4. Juli,

im Kunsthaus.

HAK goes KUB

in Vorbereitung ist ein Kunstprojekt mit der

Kulturmanagementgruppe der HAK Bregenz,

bei dem Schüler und Schülerinnen tiefer in die

Kunstwelt von roni Horn eintauchen können.

Karl-Tizian-Platz, 6900 Bregenz, Austria

Phone (+43-5574) 485 94-0

www.kunsthaus-bregenz.at

Öffnungszeiten

Di – So 10 – 18 Uhr

Do 10 – 21 Uhr

Roni Horn, a.k.a., (Details), 2008 – 2009, Tintenstrahldrucke auf

Hadernpapier, 30 Fotografien (15 Paare), je 43 × 38 cm,

Courtesy die Künstlerin und Hauser & Wirth 24.

April – 4. Juli 2010


Partner des Leopold Museum:

Otto Muehl, Jimi Hendrix, 1968

Privatbesitz © VBK Wien, 2010

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