ST:A:R_25

geraldkofler

Printmedium Wien – Berlin

ST/

/A/ /R

Zeitung für Hochkultur, Mittelmaß und Schund

Nr. 25/ Herbst 2010

KUNST

SABINE JELINEK

LUKAS SCHALLER

WARAN

BOHUSLAV FUCHS

POLITIK

PETER WEIBEL

JOSEF MITTERER

04Z035665M – P.b.b. Verlagspostamt 1060 Wien • Adresse: 1060 Wien Gumpendorferstrasse 40–44 • office@star-wien.at • Europa 4,50 • Nr. 25/10

Foto: Sabine Jelinek

ST/A/R GALERIE FÜR

ARCHITEKTUR UND KUNST:

HERBERT BRANDL, OTTO ZITKO, HEIMO ZOBERNIG,

ANGELO ROVENTA UND HEIDULF GERNGROSS

ARCHITEKTUR

PPAG

TREUSCH ARCHITECTURE

HEINRICH BÜCHEL

HELMUT WIMMER

ANDREAS GABRIEL

BERNHARD WEINBERGER

uns

LITERATUR

GENIES: MARCUS HINTERTHÜR,

ALEXANDER SCHIESSLING

AUTO-ST/A/R

DAVID STARETZ

KOLUMNE

ANDREAS LINDERMAYR

Städteplanung / Architektur / Religion

www.neuwohnen.at

4,50 Euro


Heimo Zobernig

Fotohintergrundkarton, 77 x 53 cm, 2010

Herbert Brandl

Ölkreide auf Büttenpapier, 77 x 53 cm, Savannen, 2010

2

EDITORIAL :

Heidulf Gerngross

Buch I - Habsburg Nr. 25/2010

Andreas F. Lindermayr

Nietzsche und wir - Naumburg Teil 1

So schön war das Jahr 2010: *ST/A/

R*-Künstler Wiener und *ST/A/R*-

Philosoph Denker posen für *ST/A/

R*-Fotografin Eisenhart, entspannt

beim Strandbad Argentinierstraße,

(gleich hinter der Mauer des

ehemaligen Theresianums):

„Menschen, lasst Euch nicht

verwirren!

Bewahrt frohen Mut! Wir sagen es

mit fester Gewissheit: im nächsten

Jahr kommt der Sommer zurück,

auch nach Österreich.“

Inhaltsangabe

Buch I - Seite 1–8

ERNIG

ST/A/R-GALERIE FÜR ARCHITEKTUR UND KUNST

HAPPY NEW YEAR 2011

Buch V - Seite 25–28

Buch II - Seite 9–12

BRANDL

ST/A/R-GALeRie füR ARchiTekTuR uND kuNST

Buch VI - Seite 29–32

Buch III - Seite 13–16 Buch IV - Seite 17–24

Buch VII - Seite 33–36

Buch VIII-Seite 37–40

Buch IX - Seite 41–48 Buch X - Seite 49–52 Buch XI - Seite 53–56 Buch XII - Seite 57–64

Impressum

ST/A/R Printmedium Wien-Berlin

Mag.Art.Niang Seringne Mor and more

Jamaica – Kingston

Zeitung für Hochkultur, Mittelmaß und Schund

Erscheint 4 x jährlich, Nr. 25/2010, Erscheinungsort Wien

Erscheinungsdatum: Herbst 2010

Medieninhaber:

ST/A/R, Verein für Städteplanung/Architektur/Religion

A-1060 Wien, Gumpendorferstrasse 42 – 44

Herausgeber: Heidulf Gerngross

Mitherausgeber: Dr. Christian Denker

Redaktionelle Mitarbeit: Alexander Schiessling - Literatur,

Marcus Hinterthür - Literatur / Science Fiction, Heinrich

Büchel - Kunst / Architektur, Heike Nösslböck - Kunst,

Ausarten [] - Kunst und Kommunikation, G.A.S - station

Berlin - Kunst, David Staretz - AUTO ST/A/R, Ismael Ismet

Basaran - Kunst, Manfred Stangl - Ganzheitliche Ästhetik,

Peter Weibel und Josef Mitterer - Politik,

NEU: ST/A/R Galerie für Architektur und Kunst: Heimo

Zobernig, Herbert Brandl, Otto Zitko, Angelo Roventa,

Heidulf Gerngross

Kunst: Sabine Jelinek, Lukas Schaller, Waran, Barbara Anna

Husar, Franz Amann,

Architektur: Heinrich Büchel, Heidluf Gerngross, PPAG,

Treusch architecture, Helmut Wimmer, Bernhard

Alles Liebe Heidulf

Puppa 19 Dezember.

My darling was born.

Greetings to Jamaika.

Immer dabei:

Weinberger, Andreas Gabriel,

Artdirector: Mathias Hentz

Management/Redaktion: Heike Nösslböck

Druckproduktion: Michael Rosenkranz

Druck: Süddeutscher Verlag Zeitungsdruck GmbH.,

Zamdorfer Strasse 40, 81677 München

Vertrieb: Hurtig und Flink, Morawa

Aboservice: office@star-wien.at

Bezugspreis: 4.50,--

Kontakt: office@star-wien.at

Adresse: Gumpendorferstr. 42 - 44, 1060 Wien

Mobil Heidulf Gerngross: 0043 664 521 3307

Coverfoto: Francesca von Habsburg fotografiert

von Sabine Jelinek

ST/A/R wird gefördert von BMUKK und Stadt Wien.

ST/A/R ist ein Gesamtkunstwerk und unterliegt dem

Urheberrecht

ST/A/R dankt allen ST/A/R FreundInnen und

MitarbeiterInnen

Verzeihen Sie eventuelle Rchtschreibfehler, da wir keine

LektorInnen besitzen.

Schon als ich im ICE, mit bis zu 150 Sachen durch den

dunkelgrünen Thüringer Wald rollte, stellten sich viele

Deutschland-Klischees, wie wir sie aus Illustrierten und

dem Fernsehen kennen, als etwas durchaus Gegebenes

heraus. Ich war schon begierig, die Grenze zu entdecken,

die vormals das sowjetfreundliche Ost-Deutschland vom

amerikafreundlichen West-Deutschland trennte. Und hatte

Schwierigkeiten damit, denn die Grenze verläuft mitten

durch den märchenhaften Wald. An der Art zu bauen, fand

ich schließlich doch einen sicheren Leitfaden. Als immer

mehr traditionelle, zum Teil notdürftig erhaltene Fachwerkbauten

auftauchten, und kaum eines mehr von den

Einfamilienhäusern, wie sie für den wirtschaftlichen Aufschwung

im Westen typisch sind, keine Supermärkte mehr,

keine McDonalds-Buden, wußte ich, jetzt bin ich auf dem

Terrain der ehemaligen DDR. Der ICE verminderte seine

Geschwindigkeit auf hundert, der Wald schien dunkler und

geheimnisvoller zu werden, das Grün der Wiesen saftiger,

die Landschaft naturbelassener. Die Fahrt verlief nun der

Saale entlang, einer ur-romantischen Fluss-Idylle. Dass dem Zauber dieser Landschaft einige der bedeutendsten

romantischen Wort- und Musik-Schöpfungen des 19. Jahrhunderts entsprungen sind, wundert mich im

Nachhinein überhaupt nicht. Als der Zug in Jena hielt, dachte ich unwillkürlich an Schiller, an Fichte, an

Frege, Deutsche von großer Bedeutung, die hier, auf unterschiedlichen Gebieten wirkten. Eine knappe halbe

Stunde später stieg ich aus dem ICE. Naumburg war mit zwanzigminütiger Verspätung erreicht. Vor mir ein

hübsch restauriertes Bahnhofsgebäude aus der wilhelminischen Ära, mit einer recht stattlichen Eingangshalle,

mit einstmals vielen Kassen, von welchen zwei übrig geblieben sind und weit und breit kein Hinweis auf das

Vorhandensein von Toiletten. Die vielen Sträucher, Büsche und Bäume der näheren Umgebung spendeten

diesbezüglich Trost. Der ICE flog ab. Ein anderer kam aus der Gegenrichtung, aus Weimar, und hielt mit dem

typischen Gekreische. 19 Uhr 20. Ich machte mich im Schein der untergehenden Sonne, mit einem Rucksack

am Rücken, auf die Suche nach einem Quartier und beschloss, die Altstadt, deren Silhouette vor mir auf einer

Anhöhe lag, zu Fuß zu erschließen. Seit einigen Tagen schon, seit ich mir klar wurde, dass ich zumindest für

zwei Tage in Naumburg nächtige, nahm ich einen Sog wahr, dem ich mich nun guter Dinge anvertraute. Ich

hielt ein etwa zehnjähriges, rotblondes Mädchen an, das mir auf seinem Kinderfahrrad entgegen fuhr, es wies

mir in klaren, deutlichen Worten den Weg. Ich wunderte mich über seine ausführlichen und präzisen Angaben

und genoss die Eigenart seines sprachlichen Ausdrucks. Sächsisch, oder doch Thüringisch?

Der Taxifahrer mit dem grauen, buschigen Vollbart, der mich schließlich, nach einem Abendessen im „Alten

Krug“ zu meinem Quartier fuhr, versicherte mir, Naumburg befinde sich immer noch in Sachsen-Anhalt,

nicht in Thüringen.

Er fuhr mich vom Salztor weg, nachdem ich vorher ergebnislos mehrmals den Lindenring entlang gegangen

bin, die Altstadt von Westen nach Osten, von Norden nach Süden durchquert und diverse Passanten befragt

habe, in die Margarethenstraße 12*, vor einen hübschen, blumengeschmückten Bungalow. 22 Uhr. Kein Licht,

kein Lebenszeichen. Ich ging an die Tür und klingelte mehrmals, anfangs sehr zaghaft, der Taxifahrer nickte

mir im Abfahren aufmunternd zu. Endlich rührte sich was, ein Licht ging an und kurz darauf erschien am Eingang

eine in einen Schlafmantel gehüllte, üppige Formen aufweisende Frauen-Gestalt, die mir schlaftrunken

öffnete und sich dafür entschuldigte, dass sie schon zu Bett gegangen war. Ich möge ihr Knieleiden berücksichtigen.

Frau Bolt*, deren Adresse und Telefonnummer ich dem Internet entnahm, ließ mich wissen: „Eine

Nacht 19 Euro, junger Mann, ab zwei Nächte sind´s nur noch 17 Euro, Frühstück inclusive. Ich bin hier aber

auch weit und breit die Einzige, die für nur eine Nacht Zimmer vermietet.“ Ich sagte prompt zu und blieb drei

Nächte.

Den Morgen nach einer Zechtour, die ich zur Abwechslung nicht durch Wien sondern durch Naumburg

machte, wurde ich durch das wundersamste Vogelgezwitscher geweckt, das mir je zu Ohren kam. Ich wälzte

mich wohlig in meinem bequemen Bett und ließ die Eindrücke von meiner Ankunft in Naumburg vor dem

inneren Auge revue passieren: Das kleine Mädchen, das mir Auskunft gab, die Köchin im Alten Krug, die mir

das Quartier vermittelte, der Taxifahrer mit dem Karl Marx-Bart und schließlich die hübsche Kellnerin, die

mich gegen Mitternacht im Rathauskeller bewirtete - schon seit drei Wochen arbeite sie ohne einen freien Tag

durch und die Wintersaison über in einem Hotel in Tirol. Anders würde es sich nicht ausgehen!

Der mächtige Naumburger Dom mit den vier Türmen, die beeindruckende Stadtpfarrkirche Sankt Wenzel,

überragten die Stadt wie steinerne Wächter.

Während meiner Morgenandacht schien sich das Vogelgezwitscher vom Garten her, in ein lebhaftes Gespräch

von unglaublicher Schwatzhaftigkeit zu verwandeln. Es war so beredt, als würden Menschen- nicht Tier-seelen

ihre Herzen ausschütten. Aus einem tiefen Brunnen sprudelten Neuigkeiten, quollen Singvögel-Schnäbel

über, in vollendeter Melodiösität! Dass es das gibt!

Ich stand nicht erst, wie angekündigt, um zehn auf, sondern um sieben. Beim Frühstück erzählte Frau Bolt

mir, sie wäre keine Hiesige, sei nach dem Krieg mit ihren Eltern aus Breslau hierher nach Naumburg gezogen

und habe dieses Haus, zusammen mit ihrem Mann, der sie nach all der Prozedur verlassen hat, mit ihren eigenen

Händen vom Keller bis zum Dach gebaut und eingerichtet. - Für Arbeiter und Bauern gab es zinsenfreie

Kredite, damals, im Sozialismus. Für Akademiker nicht!

Im Licht eines heiteren, sonnigen Hochsommer-Vormittags lief ich die bereits bekannte Strecke zurück in

die Altstadt, über das holprige Steinpflaster zum Holzmarkt, wo seit Mitte der Neunzigerjahre ein Nietzsche-

Denkmal steht. Der Denker in sitzender Pose, zurückgelehnt, mit hochgezogener Augenbraue, ein aufgeschlagenes

Buch, wohl seinen Zarathustra im Schoß haltend. Neben ihm, in stehender Pose, eine kecke, junge Frau

im Minirock, die dem Philosophen ein ernstes Wörtchen mitzuteilen scheint. Der Anblick reizte mich zum

Lachen. Denn das bezieht sich offensichtlich, vor allem, auf jene kleine, sehr kleine Wahrheit, die Zarathustra

von einem alten, lebenserfahrenen Weiblein mit auf den Weg gegeben wird. „Wickle sie gut ein“, heißt es da,

„denn sonst schreit sie überlaut!: Gehst du zum Weibe, vergiss die Peitsche nicht!“

Die Stadtpfarrkirche Sankt Wenzel öffnete um zehn erst eine ihrer zahlreichen Pforten. Ich umkreiste die

spätgotische Hallenkirche wohl dreimal und war schon im Begriff unverrichteter Dinge weiterzugehen, als

mir eine Frau auf einem Fahrrad entgegenkam. Sie grüßte mich freundlich, hielt an einem Seiteneingang

und kündigte an, die Kirche zu öffnen. Ich war ihr erster Besucher. Wir betraten die Sakristei, wo ich mir

den Geruch von Weihrauch erwartete, was jedoch nicht der Fall war, dann das beeindruckende, weite und

hohe Kirchenschiff, wo mir eine erschreckende Kahlheit entgegenschlug. Der protestantische Bildersturm hat

hier ganze Arbeit verrichtet. Umso erstaunlicher fand ich, dass Frau Pfarrer, wie ich meine Fremdenführerin

scherzhaft nannte, mich nun auf das Vorhandensein von zahlreichen Bildern aufmerksam machte. Sie stammen

von niemand geringeren als Lukas Cranach d. Ä. Unter anderem ein Porträt des vom Altersschwachsinn

gezeichneten Reformators Luther, mit langen, grauen, fast weissen Haaren, ein schweres, unverrückbares Faß,

gehüllt in einen knöchellangen, schwarzen Talar.

Das Juwel von Sankt Wenzel ist aber die prächtige, barocke Orgel von Johann Gottfried Hildebrandt, der, wie

mir Frau Pfarrer mitteilte, ein Schüler von Gottfried Silbermann war. Der Meister höchstselbst, Johann Sebastian

Bach, nahm dieses Prunkstück einer Orgel, assistiert von Gottfried Silbermann, in Betrieb.

Die Musik wurde durch die Reformation, in Analogie zu den artes liberales, zur Königin der Künste erhoben,

der Liturgie angemessen, eine durch und durch sakrale Angelegenheit, die in der Willens-Metaphysik Arthur

Schopenhauers eine nahezu vollendete Theorie fand.

Nach Besichtigung der Stadtpfarrkirche machte ich mich auf den Weg zum Naumburger Dom, mit seinen

vier Türmen. Weltkulturerbe. Auch hier hatte der protestantische Bildersturm gewütet. Wesentliche Bildwerke

indes blieben erhalten.

So, die bunten Glasfenster, die Reliefs an Ost- und Westlettner mit ihren teils bluttriefenden Kreuzweg-Szenen

und die Steinskulpturen verschiedener schwerttragender Ritter, mit ihren hohen Frauen, Gründerfiguren. Keine

Engel, keine Heiligen.

Am Oberlandesgericht vorbei, auch die Generalstaatsanwaltschaft befindet sich in Naumburg, ging ich zu Fuß

zum Bahnhof. Die putzige, aus einem Wagen bestehende Straßenbahn, auf welche mich bereits das kleine

Mädchen bei meiner Ankunft aufmerksam machte, ließ ich vorläufig rechts liegen.

FORTSETZUNG IN ST/A/R 26


Nr. 25/2010 Buch I - Habsburg

3

Galerie KONZETT wünscht

Ihnen frohe Weihnachten und

alles Gute im neuen Jahr.

Christian Eisenberger: Ohne Titel, 2009, Schnee- und Eisskulptur. Copyright Galerie Konzett. Foto: Christian Eisenberger.

Nobuyoshi ArakiWJack BauerW

Mary BauermeisterWJoseph BeuysW

Günter BrusWChristian EisenbergerW

Wolfgang ErnstWHeinz FrankW

Padhi FriebergerWSonja GanglW

les tardes GoldscheiderWAnton HerzlW

Richard HoeckWHofstetter KurtW

Barbara Anna HusarWMartin KippenbergerW

Yves KleinWRobert KlemmerWZenita KomadW

Kurt KrenWOlaf MetzelWOtto MuehlW

Hermann NitschWThomas PalmeW

Helga PhilippW Mario PirkerW

Rudolf PolanszkyW Lukas PuschW

Arnulf RainerW Peter RataitzWUlla RauterW

Paul RennerWDieter RothWAlfons SchillingW

Michael SchusterWRudolf SchwarzkoglerW

Billi ThannerWMiroslav TichyW

Hans WeigandWFranz WestW

und WHeimo ZobernigW.

Galerie Konzett | Spiegelgasse 21 | A-1010 Wien

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6

Buch I - Habsburg Nr. 25/2010

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8

Buch I - Habsburg Nr. 25/2010

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Gerngross: Ihr seid Vier. Wie gestaltet Ihr Eure Zusammenarbeit? Welche

Schwerpunkte hat jeder einzelne von Euch?

J: Jeder hat seine spezifischen Kompetenzen und Kernthemen, vieles überschneidet

sich aber auch. Ideen und Konzepte entstehen meist im Team.

K: Meine Aufgaben als Initiatorin und Leiterin des Projekts liegen vor allem

bei der Entwicklung von Inhalten und Strategien sowie bei der KünstlerInnen-

und Projektakquise.

S: Ich kümmere mich vor allem um Administration und Strukturgebung des

Vereins – schließlich muss auch wenns ausartet am nächsten Morgen aufgeräumt

werden! Als ausgebildete Pflanzenwissenschafterin liegen meine

Vorlieben in der Abwicklung von Landschaftsdesign-Projekten und botanischer

Arbeit.

J: Da ich selbst künstlersich tätig bin, liegt mein Schwerpunkt sicher in der

Konzeption von Ausstellungen, dem Kontakt zu KünstlerInnen und dem

generellen Verständnis von Kunst und deren Diskursen.

B: Ich mische in allen Bereichen mit, strategisch wie operativ. Dabei interessieren

mich vor allem die mittel- bis langfristige Entwicklung sowie die Arbeit

mit künstlerischen Positionen und Inhalten.

K: Im Grunde sind wir ein facettenreiches Team das sich sehr gut ergänzt

und gegenseitig stützt.

Gerngross: AUSARTEN[ ], AUSARTEN[ ], AUSARTEN[ ], Ausarten mit Klammer

ist ein anregendes Wort. Schon deshalb sind wir froh, dass wir Euch als Nachbarn

des ST/A/R Büros feiern und begrüßen können. Vielleicht können wir bei

Ausarten unsere Strukturen zur Verfügung stellen und verbessern.

Wie ist es zum Wort Ausarten gekommen?

Katrin: Ausarten ist ja eigentlich ein negativ konnotierter Begriff, den wir neu und

positiv besetzen. Es ist doch schön wenn etwas ausufert und überbordet. Wir

wollen dadurch auch ganz bewusst den Gedanken der Intensität von Kunst evozieren.

Bastian: Interessant daran ist doch gerade dieses Spannungsverhältnis zwischen

Exzess und Reduktion, zwischen Professionalität und Spinnerei.

Sandra: Und durch die Erweiterung der [ ] signalisieren wir den Raum, in dem

sich KünstlerInnen bei uns entfalten können.

Gerngross: Also, womit werdet Ihr den Raum zwischen den Klammern füllen?

B: Mit Kunst natürlich!

K: Die Leere in der Klammer steht für den freien Raum, für freies Denken und

Handeln. Wir schaffen sozusagen den Rahmen, um sich frei bewegen zu

können.

Julia: Eckige Klammern werden ja unter anderem auch dafür verwendet, innerhalb

eines Klammerausdrucks etwas erneut zu klammern oder um Auslassungen

und Einfügungen in Zitaten kenntlich zu machen. Damit kann man ganz

gut das Wirken unseres Vereins beschreiben.

Gerngross: Was ist Eure Kunst im Speziellen? (fragt Architekt Heinrich Büchel,

der gerade neben mir sitzt)

K: Frechheit siegt!

J: Aber trotzdem muss man bei uns kein Arschloch sein um auszustellen! Nein,

unsere Kunst in dem Sinn gibt es ja gar nicht, wir sind kein Künstlerkolletkiv sondern

wir arbeiten mit KünstlerInnen. Hier kann man aber sagen wir spezialisieren

uns nicht auf gewisse Medien oder bestimmte Ausformungen. Wenn man das

Spezielle definieren möchte, dann am ehesten den Raumbezug, den stimmigen

Kontext und Strategien ausserhalb des White Cubes.

K: „Unsere Kunst“ ist es eigentlich, der Kunst zeitgemäße Wege zu bereiten,

indem wir uns gewissen Ängsten entziehen, indem wir auf die Leute zugehen

und immer noch den Kompromiss finden, der im Sinne der Kunst Gültigkeit

besitzt.

Gerngross: Könnt Ihr Eure unmittelbaren Projekte kurz skizzieren?

K: Wir sind gerade dabei, unser Büro und unseren Ausstellungsraum zu

beziehen, am Jahresprogramm für 2011 zu arbeiten, endlich online zu gehen

und eine/n GrafikerIn einzustellen.

B: Den Start in unserem Büro werden wir den VideokünstlerInnen widmen,

die große Glasfassade bietet sich einfach perfekt dafür an.

J: In Graz wirds auch wieder ein spannendes Projekt in der Tradition der

Rohbau Kunstschau geben.

B: Wie gehabt werden wir wieder einen Fokus auf die Zwischennutzung von

temporär leerstehende Immobilien legen und auch mit unseren KooperationspartnerInnen

Projekte realisieren.

S: Außerdem setzen wir gerade mit Thomas Redl die Gestaltung und Installation

eines „Vertical Garden“ in Graz um.

Gerngross: Ihr habt ja schon beim Einzug in Euer Lokal eine spektakuläre

Kulturaktion mit dem Namen CLUB MINDFUCK veranstaltet. In unmittelbarer

Nähe habt Ihr einen Ausstellungsraum gemietet? Was gibt es dort für ein

Programm?

B: Das war ein Spaß! An dieser Stelle möchten wir uns besonders bei CLUB

MINDFUCK (www.date-an-artist.com) und den mitwirkenden KünstlerInnen

bedanken.

J: Die Luftbadgasse befindet sich gerade im Umbau. Das Programm wird

sich dann aus den Möglichkeiten ergeben, die der Raum bietet. Wir denken

auch eine Kombination aus Ausstellungsraum, Atelier/Werkstatt und Vereinslokal

an.

K: In jedem Fall planen wir ein vielseitiges, zeitgenössisches Programm –

eine gute Mischung aus junger Kunst und bereits etablierteren KünstlerInnen.

Wir legen dabei auch viel Wert auf die Verschränkung unterschiedlicher

Medien und Disziplinen.

S: Darüber hinaus planen wir Lesungen, Film-Screenings, Lectures, und

Workshops.

K: Und hoffentlich auch die Jahresabschlusspräsentation der im ST/A/R vorgestellten

KünstlerInnen - Stichwort: ST/A/R Galerie!

Gerngross: Ich ahne eine integrative Zusammenarbeit und freue mich schon

darauf in einem Jahr über Eure Aktionen zu berichten. Danke für das

Gespräch.

N[ ]: Vielen Dank und auf eine gute Nachbarschaft! www.ausarten.at

Foto: Stephan Doleschal


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch II - Ausarten

11

M 1:1

Der Plan des Möbels „Archiquant-Quatro“

Plandarstellung Architekt Dip. Ing, Heidulf Gerngross, Master of science


12

Buch II - Ausarten Nr. 25/2010

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14.10.2010 – 31.01.2011

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Nähere Infos auf:

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Städteplanung / Architektur / Religion

Buch III - L’origine du monde 13


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch III - L’origine du Nr. monde 25/2010 Buch III - L’origine du monde

15

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Der Plan des Möbels „Archiquant-Quatro“

Plandarstellung Architekt Dip. Ing, Heidulf Gerngross, Master of science


16

Buch III - L’origine du monde Nr. 25/2010

HEINRICH BÜCHEL fotografiert Franz Amann‘s Installation

„COMPLAINING STARS (wir wollen kein Maggikraut im Salat)“

auf der art bodensee 2010 Dornbirn Rookie art bodensee

foto: von Lisa Berger

Franz Amann, Schlachtschiff (mit Lisa Berger), Öl auf Leinwand, 155 x 230cm, EUR 73.500,00

GRÜSSE AN HARRO BERGER

fotografiert von Ulrich Dertschei


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch IV - Literatur 17

ÖSTERREICHISCHER FRIEDRICH KIESLER-PREIS FÜR ARCHITEKTUR UND KUNST 2010 an HEIMO ZOBERNIG !

2010 wird Heimo Zobernig als erstem Österreicher durch BM Dr. Claudia Schmied der „Österreichische Friedrich Kiesler-Preis für Architektur und Kunst“ verliehen. Zobernig folgt auf Frank O. Ghery, Judith Barry, Cedric Price, Asymptote,

Olafur Eliasson und Toyo Ito. Die international besetzte Jury würdigt neben dem „beispiellosen Oeuvre und Werdegang des Künstlers […] vor allem Heimo Zobernigs künstlerische Agilität, etablierte Sichtweisen subtil zu untergraben und

Unvorhergesehenes aufzudecken.“

Kötschach-Mauthen: Josef Dabernig, Heimo

Zobernig, Heidulf Gerngross. Alle geboren in

Kötschach Mauthen im Gailtal

Foto anlässlich einer Sponsorenfeier in der Wiener Secession, Nov. 2010

Die Ausstellung DRAMADISPLAY in der Kiesler Stiftung Wien ließ nicht nur die Gemeinsamkeiten von Zobernig und Kiesler offensichtlich werden. Die beinahe Raum sprengende Installation eines oktogonalen Raumkörpers, brachte zudem auch

die Entwicklungsgeschichte des Environments ins Spiel! >>> www.kiesler.org Nächste Eröffnung in der Kiesler Stiftung Wien – Installationen von Katharina Heinrich am 1. März 2011.


18

Buch IV - Literatur Nr. 25/2010

ANDREAS OKOPENKO, DU FEHLST!

Anstatt eines Nachrufs: Endfragment einer Freunschaft

Einen schönen Tag wähltest Du für den Rückzug aus der Welt.

Sonntag, einer der ersten Sommertage, der Duft der Linden flutete

abends so betörend ins Zimmer, dass ich auf den Balkon trat, mich zu

vergewissern,

ob nicht etwa ein Engel vorüberschreitet.

Noch anderntags dufteten die Linden süß sich verströmend – ich denk’,

sie erwiesen Dir so ihren Respekt.

Tagsüber verwöhnte uns blauer Himmel, nicht zu heiß,

Wolken und Wind als Deine Begleiter verwehten mit Dir

in der Ewigkeit.

Scheu seiest Du gewesen, zurückgezogen, still

schrieb man.

Still warst Du wie der Regen, wie die rauschenden Wälder

in ihrer verwirrenden Weite, wie das Gewitter,

das den lästigen Lärm eitlen Geplärrs übertönt.

Unsagbar nett warst du, sanft, rücksichtsvoll und liebenswürdig,

so erwartest Du auch die anderen - wie solltest Du also nicht

sachte leben und zurückgezogen,

wo das Geschrei und die Herzlosigkeiten der heutigen Welt

bei jedem Schritt einen mitfühlenden Menschen leicht beleidigen und

kränken?

An diesem Sonntag wurde der Bachmann-Preis wieder mal vergeben

an einen Montage-Texter, Germanistenliteratur, wieder mal

an der die Juroren sich delektierten.

Bezeichnenderweise erhielt der Dichter zerfallener Welten auch

den Publikumspreis,

per Internet Abstimmung: wohlfeil erzogene Leser

für einen modernistischen Literaturapparat,

schnarrende Zerstückeltheitsliteratur akklamiert

von den frommen Bekennenden einer Hässlichkeitskonfession.

Dennoch stellten Feuilletonisten die Frage,

ob nicht alles unter Kitschverdacht fiele, weil Eichendorff und Mörike zitiert wurden,

eh postmodern – nicht verächtlich genug halt, oder wie?

Zuviel Romantik? Zuviel Welt?

Wie viel tiefer reichte Deine Liebe zur Sprache.

Nie wolltest Du sie zwingen, nie in einen brillanten Ring fassen,

um als prahlerischer Kunstschmied sie am kleinen Finger zur Schau zu stellen.

Nein – mitten hinein in die Sprache führte Dein Weg,

Worte wuchsen wie Bäume und die Sätze blühten als Gärten,

mal sachlich geordnet, mal zen-buddhistisch mit Laub übersät,

doch stets lebendig – eine Sprach weit wie die Welt,

deshalb war sie so groß.

An jenem Sonntag schien die Sonne, Amseln trällerten drängend

nach dem verregneten Mai ihr lilatönendes Lied.

Mädchen lachten, Jungs spielten Joystick, Raumschiff und Krieg,

die Fragmente Deiner Sommer fügten sich wie stets zur Wahrheit der Blätter.

„Lasst uns einmal das Leben auf die Waage legen.

Aufhören der Surrogate. Kein Papier“, riefst Du mit der

fröhlich-ernsten Stimme der Vögel, des Julis und eines mild gereiften Herbsts.

Bescheidener großer Mann, Weiser und ewig ins Lebens und die Frauen Verliebter:

ich vermisse Dich.

Avantgardist seiest Du gewesen, ein bedeutender, der Literaturgeschichte schrieb,

Trakl Preisträger und Staatspreisträger, ja das warst Du auch,

für mich starb mit Dir vor allem ein wahrer Dichter,

ein Beschützer der Blüten und der runden Wangen der Mädchen,

leidenschaftlicher Hüter des feinsinnigen Humors,

lustig, nie zynisch, weise und leise wie Schnee, der vor Frost schützt:

zen-mächtiger Dichter des Mitgefühls in Deinen Locker-Gedichten,

herzenslieber Zeuge einer lebensbejahten Welt.

Und ein unersetzlicher Freund, im wahrsten Sinne des Wortes:

Deine Güte und Liebe leuchteten hell, der Himmel hat sicherlich Freude an Dir.

Zudem bedeutet Dein Tod einen großen Verlust für mich und mein Schreiben,

denn Du liebtest meine Gedichte,

hattest keine Angst vor Blumen

wie die Allergiker des Zeitgeists, die Schüttelfrost

und Brechreiz bekommen

beim Anblick von Bäumen, Eulen, den Frauen,

der Schönheit, dem Mond;

denen beschert das Wort „Anmut“ schon Krämpfe,

allein Du warst edler Bewahrer des Liebreizes und Kenner der Rhythmen des Meers…

Deshalb dokumentiertest Du ohne Scheu spirituelle Erfahrungen, zusammengefasst

in Deiner „Fluidums-Theorie“ – ich ahne, diese wird

das aktuelle Jahrhundert hübsch noch bezaubern im Sinne der Ganzheit…

Alles Liebe, wünsche ich… und vielen Dank…

Deinem Begräbnis werde ich nicht beiwohnen, ich besitze keinen schwarzen Anzug,

eigentlich gar keinen Anzug, auch keine Krawatte

zum Kopf-von-den-Gefühlen-Trennen.

Ich passe weder auf Kreuzfahrtschiffe, noch die Veranda

im Kolonialstil der Globalisierungsbüros,

und außerdem wäre mir nicht wohl unter der Menge an Menschen,

die Dir die letzte Ehre erweisen werden.

Es sind sicherlich sehr viele, so viele, dass Du selbst am liebsten zuhause

bleiben würdest, lass mich daheim Dich beweinen, nicht unter den vielen Leuten meine Tränen

verbergen, mit meinem Schluchzen will ich nicht

den Aufmarsch der Kunst-Größen und Trauerbeamten stören,

das gehört sich so wenig wie ein Gedicht zu schreiben dem Juni oder `nem Baum.

Lass mich zuhause weinen und hier von Dir Abschied nehmen,

lass mich hier eine weiße Blüte aus Mondlicht auf ein leichtes Grab aus Papier legen,

dazu einen duftenden Sommer und einen salzigen Tropfen direkt vom Meer.

In die Vase aus Wind lass mich bunte Blumen arrangieren, Gewächse der Ewigkeit,

die regelmäßig ich mit dem Wasser der Erinnerung auffrischen werde.

Lass mich ein Lied singen für Dich, ein Lied aus der Kehle eines Baumes

tief aus dem Inneren der Wurzeln und des Regens;

lass mich eine Schaufel Erde aus dem Innersten meines Herzens

auf einen Sarg aus Worten schütten

und das Versprechen eines baldigen Frühlings aus Glück.

Dein unerwarteter Tod schmerzt, aber ich weiß, dass Du

in Deiner selbstbestimmt-rücksichtsvollen Art bloß gelitten hättest

wärst Du zum jahrelangen Pflegefall geworden.

So gingst Du in jener Würde, die Dich stets auszeichnete.

Also: Grüße mir bitte die Sonne, die Geburt von Milchstraßen

und die Regenbögen aus Sternenstaub, vielleicht kehrst Du wieder,

die Menschen zu lehren, wenn nicht,

freu ich mich schon auf das Wiederseh’n inmitten des Lichts…

Leb wohl

Manfred Stangl

www.sonneundmond.at

Andreas Okopenko wurde

am 15. März 193o in Kosice,

Slowakei, als Sohn eines

ukrainischen Arztes und dessen österreichischen Frau geboren.

1939 übersiedelte die Familie nach Wien. Ein Chemie-Studium

brach er krankheitsbedingt ab. 195o – 1976 übte er den „Brotberuf“

des Betriebsabrechners in einem oberösterreichischen Papierkonzern

aus.

Seit dem Erfolg des Prosatextes „Die Belege des Michael Cetus“

(1967) lebte er als freier Schriftsteller in Wien. Zuvor bereits

publizierte er Gedichte und Prosa in Literaturzeitschriften. 1949

das erste in „Neue Wege“, weitere in der „publikation einer wiener

gruppe junger autoren“, die er herausgab. Dabei unterschied

er sich wesentlich von Vertretern der „Wiener Gruppe“. Okopenko

war weder Sprachkorsar wie Jandl, noch wie Achleitner oder

Rühm Sprachskeptiker. Okopenko verhielt sich wie ein Geliebter

der Sprache, konnte deshalb ohne Scheu sich auf den intimen Akt

des Erzählens einlassen.

1957 erschien der erste Gedichtband „Grüner November“. Seit 1949

verfasste Okopenko neben Gedichten und Erzählungen auch Essays,

Chansons. Hörspiele und Features. 197o legte Andreas Okopenko

den Avantgarde-Klassiker „Lexikon Roman“ vor. Mit „Meteoriten“

(1976) und „Kinder-Nazi“ (1984) setzte er eine innovative Formgebung

auch auf der politisch-biographischen

Ebene um.

Später folgten seine Lockergedichte,

etwa „Immer wenn ich

heftig regne“ (1992),

oder „Affenzucker“, Deuticke,

2. Auflage 1999 noch im Buchhandel

erhältlich.

Im Ritter-Verlag erschienen

2ooo und 2oo1 zwei Bände

gesammelter Aufsätze, worin

sich in Band 2 Okopenkos Literaturrichtungsdefinition

des

„Konkretionismus“ beschrieben findet, der einer

sinnlich, ganzheitlichen Poesie das Wort redet,

sowie seine unerhörte Fluidums-Theorie. 2oo8

erschien im Ralf Klever Verlag „Erinnerung an

die Hoffnung. Gesammelte autobiographische

Aufsätze.“

Andreas Okopenkos bemerkenswerte Lyrik ist in

Droschl als „Gesammelte Lyrik“, erstmals: Jugend

und Volk, 198o, erhältlich.

1995 erhielt Andreas Okopenko die Ehrenmedaille

der Stadt Wien in Gold.

1998 wurde ihm der Große Österreichische

Staatspreis für Literatur überreicht.

2oo2 bekam er den Georg-Trakl Preis für Lyrik

zuerkannt.

Andreas Okopenko starb am Sonntag, 27. Juni

2o1o in einem Wiener Krankenhaus.


Nr. 25/2010 Buch IV - Literatur

19

Thomas KIANG: Integrator

www.kiang.at

Philosoph, Künstler, Gastronom und Menschenfreund

presentation au plat – jedes Essen ein Kunstwerk.

Thomas KIANG zeigt uns wie man eine weltbekannte Ente frißt.

Kalligraphie: Thomas Kiang

1. GERNGROSS/RICHTER KIANG

KIANG

Rotenturmstraße 21, 1010 Wien

2. RICHTER KIANG

Landstraßer Hauptstraße 50, 1030 Wien

3. KIANG ESTERHAZY KIANG NOODLES

Joanelligasse 3, Wien


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4. Falz x = 548 mm

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Buch IV -

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tto Pircher

Hannes Benedetto Pircher

Das Theater des Ritus

De arte liturgica

Hannes Benedetto Pircher

Wien 2010

ISBN 978-3-901190-43-8

DAS THEATER DES RITUS

De arte liturgica

EATER DES RITUS

De arte liturgica

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4. Falz x = 548 mm

© Giovanni Lattanzi

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Salvatorgasse 10

Fischerstiege 1–7

A-1010 Wien

Telefon: +43 (0) 1 532 73 72

Mobil: +43 (0) 664 403 01 72

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Perforiertes Lesezeichen als

© Udo Bernhart

Design rechtlich geschützt!

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Das Theater des Ritus

De arte liturgica

Hannes Benedetto Pircher

Wien 2010

ISBN 978-3-901190-43-8

Der kulinarische Eros

Geschichten über die Seele

des Kochens & Essens

Klaus Kufeld

Wien 2009

© Janine ISBN Guldener 978-3-901190-84-1

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Fischerstiege 1–7

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Hannes Benedetto Pircher

1971 in Meran geboren.

Lebt und arbeitet als Schauspieler,

Schauspielpädagoge und freier Grabredner

in Wien. Schauspielstudium in

Innsbruck und St. Petersburg (Juri M.

Krasowski). Studium der Philosophie

in Bologna und München. Studium der

Theologie in Salzburg und Innsbruck.

Als Schauspieler spielte er u. a. am

Tiroler Landestheater und an der

Wiener Volksoper.

Das Theater des Ritus

Als ich an diesem De Buch arte liturgica zu arbeiten begann, habe ich Hermes Phettberg gefragt, was

denn »das Ritual« Hannes mit »dem Benedetto Theater« Pircher zu tun habe. Er maulte: »Das Burgtheater kann

Wien 2010

sich noch so zusammenreißen – Liturgie ist wirklich großes Theater!« Wirklich Großes

hat(te) zweifellos Hermann Nitsch mit seinem Orgien Mysterien Theater vor: »das

vorbild für das totale theater der zukunft wird in der messe gesehen (erkannt).« Aber

nicht nur Theater- und Seinskünstler jener Breiten, wo die Donau römisch-katholisch

fließt, wollen tiefere Verbindungen zwischen »Ritual« und »Theater« erkennen. Für

Harald Schmidt war die katholische Messe »eine fundamentale erste Erfahrung der

Theatralik«. Thomas Meinecke will wissen: »Selbst die agnostischste Popinszenierung

baut auf Liturgie.« Schließlich überschreitet die Akademie den Parnaß der Analogien

und Familienähnlichkeiten – jenseits von Donau und Elbe: »Vom Ritual zum Theater«

schreitet Victor Turner (1982). »Vom Ritual zum Theater und zurück« Richard Schechner

(1985). Wie weit sind die Wege und wohin führen sie?

Vor dem Hintergrund dieser diskursiven Praxen entwirft das vorliegende Buch aus

vornehmlich liturgieanthropologischer ISBN 978-3-901190-43-8 sowie theaterkünstlerischer Perspektive in

siebzehn fiktiven Gesprächen eine Poetik der Liturgie.

Cui bono? Unter programmatischen Schlagworten wie »ars celebrandi«, »Inszenierung

des Evangeliums«, Der »(Gesamt-) kulinarische Kunstwerk Eros Gottesdienst« ist binnenkirchlichen Diskursen

Liturgie zur Frage Geschichten zwischen über Produktionsdramaturgie die Seele

und »Inszenierung von Authentizität«

geworden: Klaus Was Kufeld kann die Kunst der Liturgie von der Kunst des Theaters lernen?

des Kochens & Essens

Was nicht? Warum? Wien In 2009 wessen Leben diese Fragen keine unwichtige Rolle spielen,

zähle ich zum Modell-Leser dieses Buches. Dieser gehört zweifellos einer Gruppe von

Spezialisten an. Um aber diese Fragen beantworten zu können, müssen die Grenzen

akademisch und nichtakademisch angestammter Fächer munter überschritten werden.

So spannt das Buch einen weiten Bogen – von der Frage der »Liturgiefähigkeit« aus

sozialanthropologischer Sicht bis hin zu »Loyola & Stanislawski: Technische Marginalien

zu einer Kulturgeschichte des Schauspielers des Method Acting«. Damit bedient

das Buch – gleichsam im Nebeneffekt – eine Reihe weiterer Spezialisten: Den

Theatertheoretiker ebenso wie den Schauspielmethodiker; die Basisaktivisten einer

»Spiritualität des Theaters« (Luk Perceval) ebenso wie die aufgebrachte Schar jener,

die ganz genau wissen, wer »der Feind der römischen Liturgie« (Martin Mosebach) ist.

© Udo Bernhart

ISBN 978-3-901190-84-1

Hannes Benedetto Pircher

DAS

THEATER

DES RITUS

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18.11.2010 21:32:02 Uhr

18.11.2010 21:32:02 Uhr


Literatur 21

ASCHERISI INDEN

KORBGIFALEN UND WEIT

#

FRAUDANEL

SEI SCHÖN

LIB UND BRAF

TRAURIEG BIN ICH BINTRAURIG WEILL

DU SO BILLEIDIXT WA

LIEBE JERSMIN AM FEBROR

SEHEN WIR UNZ SCHON

UND ASCHER IST ACH DA BEI

BEIM GIBUTZTAX FEST SCHON

LIE BE JASMIN LIEBE GRÜSE JASMIN DU BIST

MEINE ALA BESTE FREUNDIN

LIEBE JERSMIN MORGEN SEHEN WIR UNZ

SCHON

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AN DI LIEBE MAMI SOUNDS WEZE

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MERIKA UND DAS IST EINEFRAU

LIEBE

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526918° A 920° 41A

AN DEN LIBEN BRIEFTRÄGER BRIEFTRÄGER

OMAMA WOND IN KLUSTDERNEU-

BURG300000040071

WIR SE

JERSMIN WIR SEHEN UNZ AM SAMPSTDAG-

WIDER

JERSMIN GEL DSCHÜSS JERSMIN GELD-

SCHÜSS

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BALD WIDER SEHEN

LIEBE JERSMIN ICH HOVE DAS WIR UNZ

BALT WIDERSEHEN

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ZÄNEPUZEN

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KAMAN REIN FARN-----------------------------------

OIJA AM SAMPSTDAG SEHEN WIR UNTZ

WIDER GEL DSCHÜS

GARAGE EIN VOGEL BEIM WEINACHTZ

KONTZERT DA WA EIN VOGEL DER

HIS HEINI BÜHNE

AN DEN LIIBEN ASCHI

AN DEN LIEBEN

BRIEFTRÄGER

ICH HEISSE ASCHI

MAMA HEIST SABINE

PAPA HEIST ALEXANDER

GEBEN SO EINSCHMARN

POLIENAS

MAMA BIEKOMMPT EINE

N

BRIEF

P

HKENASCHERTUIOPÜJÖFÖNEN

AN DIE LIEBE NANI

POLIENA IST IR KIND

DIE LIEBE KATI MALIENI

IST IR KIND

KLINERLIENGNIKOLAUS IST DA

KLINERLIEN NOCHEINENSCHRIETKLINERLI-

EN

E RLING NOCHEINENSCHRIETKLIENERLIENG

UND DU KOMPST MMIET

AN DIE LIEBE OMAMA

ASCHER UND JASMIN IST DIE ERSTE FAMI-

LIE

IN TIEN

SÜDAMERICA AFRIKA VOR DEM ZAUN

ASCHER RUBEN FELIX TOMATEN KETCHUP

PAPA

MONIKA ALEXANDER FELIX TOMATEN KET-

CHUP PAPA

‚*MAMA ASCHE

Der Verfasser,

Ascher Florentin Zopf -

fünfeinhalb Jahre nach

seinem fulminanten

Erstlingswerk

WEN MANN DEN SCHAZEN

PETER AWIST DANN HAT

MANN FALOREN

UND WEN MANN

DENN SCHWAZEN

PETER NICHT ERWIST DANN HAT MANN

GEWON

IIII JASMIN IST DIE ERSTE FAMILIE

ASCHER IST SCHON VIER WEG FÜNF ZU

PRIMMER BRAVO ICH WILL DASS DU

SCHÖN

SPRICHST

MENSCH ÄRGERE DICH

NICHT SPIELEN

Ascher Florentin Zopf

(10 Jahre)

ist unser neuer

ST/A/R Autor

der Literaturbeilage!

Im Alter von

5 Jahren

schrieb er

ca. drei

Bücher

DEMNÄCHST

MEHR

Anton „Lupo“ Toni - „Die Briefe“

Mara Niang

erfindet die

Archiquanten Burka

ST/A/R empfiehlt ausserdem:

www.wienzeile.cc

DELIRIUM

DER WUT

Das Thema der WIENZEILE 57 ist „OB-

DACHLOSE KÜNSTLER“. Während Obdachlosigkeit

im Allgemeinen als Sujet

ein fixer Bestandteil der Medien ist,

wofür es mit dem AUGUSTIN auch eine

eigene Zeitung gibt, ist die Lage obdachloser

Künstler mediales Neuland in

Österreich. Künstler gehören hierzulande

zu den finanziell schlecht gestellten

Bevölkerungsgruppen, wie der Anfang

dieses Jahres erschienene Künstler-Sozialreport

eindrucksvoll dokumentiert.

Das Jahreseinkommen von Künstlern

aller Sparten in Österreich wird dort

mit 4000 Euro beziffert. Obdachlosigkeit

ist daher eine ständige Bedrohung.

Wir, Thomas Frechberger und Alexander

Schießling, machen die Erfahrung der

Obdachlosigkeit in diesen Zeiten, Günther

Geiger machte sie in jungen Jahren.

Zu unserer Überraschung lernten wir

in einschlägigen Einrichtungen in der

Hauptstadt Wien mehrere Künstler und

Künstlerinnen kennen. Aus diesen Bekanntschaften

entwickelte sich die Idee,

aus der Perspektive der Betroffenen eine

Ausgabe der WIENZEILE zu gestalten.

A. Schiessling

Hansel Sato´s


22

Buch IV - Literatur Nr. 25/2010

ROSENCRANZ UND GERNEGROSS ARE DEAD - RECLAM

UTOPIA ULTRA

Der südanatolische Professor Dr.

Alexander G. S. Schießling bestimmte

in seiner „Mikrophysik der Aggression“

zunächst vier Stufen der Grammatik des

Krieges mit den Kategorien Widerspruch,

Krise, Konflikt und Krieg.

Widerspruch: unterschiedliche

Formen der Vergemeinschaftung

und Vergesellschaftung, gegensätzliche

Weltbilder, der Verfügbarkeit von

Ressourcen materieller und ideeller Art,

der Kapitalverhältnisse usw

Krise: Mit dem Übergang vom

Widerspruch zur Krise geht es um

die Konversion von Objektivität in

Subjektivität. Die Akteure handeln nicht

aufgrund objektiver Widersprüche, sondern

aufgrund ihrer subjektiv wahrgenommenen

Wirklichkeit (Eben! Jajaja!).

Konflikt: Hierbei geht es um den Übergang

der Verhältnisse in ein Verhalten, wobei

die Akteure ihre Konfliktfähigkeit gewinnen

und der Eskalationsprozess sich im

Verhalten der Konfliktparteien zur gewaltsamen

Konfliktaustragung beschleunigt.

Die gerade laufende Fernsehansprache

des Bundespräsidenten wurde am 21.

März abends, um 11:35 EST (östlicher

Zeit) ausgestrahlt. Man gab Russen

und Japanern vierundzwanzig Stunden,

um sich aus Floridsdorf und Mödling

zurückzuziehen, oder vom Himmel über

dem Kremel würde es nukleare Raketen

regnen: «Es ist verdammt ernst», sagte

der Regierungschef, «und Österreich

wird sich nicht vor seiner Verantwortung

für das friedliebende Volk von Floridsdorf

und Mödling drücken.» Die Ansprache

war um elf Uhr siebenunddreissig abends

(EST) vorüber, und innerhalb von zwei

Minuten war das gesamte Telefonnetz

des Landes heissgelaufen. Jeder versuchte,

Plätze für Bus, Bahn oder Rikscha

______________________

Vgl. BIlda Zuferka “Rettet die Kunst”, nach

Alma Hadzibeganovic, edition exil

- Lit. Manfredo Tafuri”Architektur & Utopia”

Design and capitalist devlopement

ff. Alasdair Gray zum Thema “Literarischer

Diebstahl”; Plagiatsregister i.A.

Vgl. Heidulf Gerngross, “Volksbuch”

nach Budapest, Bratislava oder Brno zu

buchen.

In Moskau, wo es zehn Uhr am nächsten

Morgen war, berief der Premier eine

Konferenz ein und sagte mit barscher

Stimme: «Dieser Bursche in good old

Vienna ist ein armer Irrer, und er meint

es ernst, wie‘s scheint. Rufen Sie sofort

unsere Mitarbeiter aus Österreich zurück

und ermitteln Sie dann, wer unserer

Leute sie überhaupt hingeschickt hat und

versetzen Sie ihn in die äussere Mongolei.

Da gibt‘s bestimmt noch einen Posten als

Verwalter eines Wasserkraftwerks.»

«Wir haben gar keine Mitarbeiter in

Österreich», sagte ein Kommissar mit

düsterer Stimme. «Die Österreicher spinnen

tatsächlich mal wieder.»

»Matthes, dieser Gentleman kommt von

der Süddeutschen Zeitung und will die

hiesigen Verhältnisse studieren.«

Der Joseph Strauss Park liegt südlich

der Josefstadt, zwei Stationen

sind es von dort mit der Strassenbahn.

Es ist Matthes Heimatort. Ein Weg

führt an Blauburgunder-Weinreben,

Blumenwiesen und Fachwerkhäusern

vorbei den Hang hinauf zum Café

WestEnd. Manche der Häuser tragen

Namen und an ihren Wänden ranken

sich Rosen empor. Einheimische grüßen

Fremde mit einem „Grmln“. Ein Reporter

der „WienZeile“ sitzt im Bahnhofscafé

und raucht Kette.

Gepolstert ist die Landschaft auf allen

Seiten in milde Hügel, überzogen fast

wie ein Karstgebiet, ein wenig, und dazu

dinarische Kletten.

R O S E N C R A N Z

In den heißen Ländern im Osten gibt

es sieben artesische Brunnen, und um

dieses kostbare Wasser drängen sich die

Siedlungen. Die Häuser sind vollkommen

abgedichtet bis auf engmaschige

Lüftungsgitter, die mit Öl imprägniert

sind, das eindringende Insekten tötet. Das

Öl muß auch auf jede ungeschützte Stelle

der Haut gestrichen werden, wenn man

sich ins Freie wagt. Kleidung aus mehreren

Schichten Seide hüllt den ganzen

Körper ein, und die Stiefelschächte reichen

bis zu den Knien. Das Haus verläßt

man nur bei Nacht, wenn die Temperatur

jäh auf 50° sinkt. Die Häuser werden

gekühlt durch überlappende Bahnen

von Sackleinen, auf die ständig Wasser

tröpfelt. Je höher die Aussentemperatur,

desto stärker die Kühlung durch das verdunstende

Wasser. Über allem ist ein

sauberer Himmel. Sie selbst, die sehenswürdigste

mittelalterliche Nekropole -

intraterrestisch. Über diese Stelen sagte

schon unser Dichter: „Der Stein ist auch

Wort; ist Erde, und doch auch Himmel;

ist Materie, und doch auch Geist; ist Tod

und Leben.“

Die Bauarbeiter und ich erinnern uns

dunkel daran, wie wir aus der großen gravierten

Halbkugel entkamen und unsere

Spur durch die zyklopischen Räume und

G E R N E G R O S S

Korridore der Stadt zurückverfolgen;

doch das sind reine Traumfragmente,

die keine Erinnerungen an Willensakte,

Einzelheiten oder physische Anstrengung

enthalten. Es war, als schwebten wir

durch eine neblige Welt oder eine andere

Dimension, ohne Zeit, Kausalität oder

Orientierung. Das fahlgraue Tageslicht

des riesigen Rundes ernüchterte uns ein

wenig.

Die Wände wurden verschwommen.

Das schwindelnde Gefühl einer

Kopfüber-Bewegung, Farben, die um

Ecken und durch enge Korridore huschten.

Einmal schienen wir durch eine

meterdicke Wand zu dringen, die uns

pechschwarz entgegen schlug.

„Hier“, sagte der Russe, „das

ist´s.“

Wir schwebten mitten in einem

vollkommen archiquantförmigen Raum,

dessen Wände und Decke mit rechteckigen,

dunklen Holzpaneelen getäfelt

waren. Den Boden bedeckte ein quadratischer

Teppich mit leuchtendem

Mikrochip-Muster, dessen Schaltkreise

blau und scharlachrot angelegt waren.

Genau in der Mitte des Raums stand ein

weißer Milchglasarchiquant.

Den niedrigen, gewölbten Korridor säumten

Dutzende von Museumsvitrinen,

altertümliche braune Holzschaukästen

mit Glasfront. Sie wirkten recht plump

vor den organisch geschwungenen

Korridorwänden, als wären sie hier einmal

zu einem längst vergessenen Zweck aufgestellt

worden. Matte Messingleuchten

trugen weiße Lampenkugeln in

Abständen von zehn Metern. Der Boden

war uneben, und als Werner Faymann

sich durch den Gang in Bewegung setzte,

stellte Ostermeier fest, daß hunderte kleiner

Teppiche und Läufer kunterbunt ausgelegt

waren. An manchen Stellen gleich

sechsfach, so daß es sich weich auf dem

Flickwerk handgewebter Wolle ging.

Alte Waffen, einen dicht mit

Nägeln beschlagenen und damit nicht

erkennbaren Gegenstand, ausgefranste

Gobelinfragmente...

Aber der getäfelte Raum faltete sich dutzendfach

in unmöglichen Winkeln und

purzelte in den Cyberspace davon wie ein

Origami-Kranich.

DIE VERLORENEN TEXTE

Said, von allen bald „der Ägypter“ gerufen,

wuchs in Mödling auf, zwei S-Bahn-

Stationen südlich des Westend. Unten

am Seeufer liegt ein kleiner Yachthafen

und eine Werft für Sportboote. Dahinter

wechseln sich Villen und quaderförmige

Designer-Apartments ab, die zur Hälfte

aus Glas bestehen. Saids Frau wohnt

weiter oben mit seinem Sohn in der Nähe

des Bahnhofs: eine gediegene Siedlung

aus vierstöckigen Mietshäusern, wie es

sie in österreichischen Großstädten zu

Hunderten gibt. Das Volk erzählt hier

Legenden von den Brücken, und wenn ich

dürfte, würde ich über die Steingebilde

schreiben, sie in erhabener Erstarrung

etablieren.

Wenn ich dürfte.

______________________

Vgl. Alexander Schießling, “Schlachthaus

Gesellschaft”

Vgl. Thomas Morus

... denn die Infrastruktur der Stadt, die

Wiederherstellung der öffentlichen

Ordnung und der freie Verkehr seien wichtiger.

Als Basis für das Zusammenleben

der Volksgemeinschaft.

Der Großteil der Bevölkerung lebt in

den wenigen Städten, die überall auf den

Kontinenten verteilt sind. Die Oberfläche

von riesigen Wiesen und Wäldern

bedeckt, aus denen Unmengen seltenes

und hochwertiges Holz als Rohstoff und

Ernährungsbasis gewonnen wird.

Die Tiefgarage aus dem 13. Jahrhundert

ist von unregelmäßiger Kreisform. Der

Durchmesser des gesammten Areals

beträgt sieben Kilometer. Tretminen

wurden keine gefunden. Die künstlichen

Hügel sind Richtung Nordwest ausgerichtet.

Ihre Zahl beträgt 37. Davon dienen

die meisten dem Zweck eines Hauses mit

einfachem Dach. Es folgen überdachte

Sarkophage, kastenförmig, und amorphe

Stelen.

Sie sind äußerst fein gearbeitet, doch

sie befinden sich in relativ schlechtem

Zustand, sind in das Erdreich eingesunken

und weisen Verwitterung

sowie Beschädigungen, vereinzelt auch

Einschusslöcher auf.

Der Boden in der mit bloßem Auge

sichtbaren Umgebung ist als schwer

bearbeitbar (trocken und hart) zu charakterisieren.

Dennoch habe ich rund um

die Stelen eine große Zahl von Löchern

gegraben. In diese 40 cm tiefen Gruben

habe ich heute Holzpfosten gerammt.

Dann das gesamte Areal mit Stacheldraht

umgeben. Ein siebenspuriger, 1,7 Meter

hoher Zaun schützt die Nekropole jetzt

an den Angriffsseiten.

Architekten und Altertumsforscher

begeisterten sich an diesen unglaublichen

Relikten in Staub zerfallener

Jahrhunderte, aber die Menschen der

umliegenden Bauernhöfe haßten sie,

hatten diesen Ort schon gehaßt, als ihre

Vorväter hier lebten, und hassen ihn

noch heute, da er bedeckt von Moder

und wilden Moosen dahindämmert – ein

Anblick grauenhaftester Verlassenheit.

Wir entdeckten absolut nichts, obwohl

wir einen Schauer nicht unterdrücken

konnten, als wir bemerkten, daß viele

Gewölbe noch von römischen Händen

erbaut worden waren. Jeder flache Bogen,

jeder massive Pfeiler war römisch – nicht

etwa das herab gekommene Romanisch

der pfuscherhaften Westpreußen, nein,

es war dies der strenge, harmonische

Nils Münnecke texte aus

Unterm Joch der Architekten

Die Religion des Küssens

Über Vierzig, Single und mal einen

Abend nicht mit Freunden in der

Oper, im Theater, beim Konzert? Ideale

Voraussetzung, um im häuslichen

Wohnzimmer soziologischen Studien

nachzugehen: die Weiten der virtuellen

Online-Welt „Second Life“ bieten einer

neugierigen, beherzten Frau denkwürdige

Einblicke.

Die anfängliche Enttäuschung darüber,

dass man nicht durch einen Tunnel aus

Licht saust und sich in einer drei Meter

großen blauen Gestalt mit langen

Gliedmaßen, Schwanz und Elfenohren

wieder findet, hatte ich schon vor Wochen

überwunden. Auch unterschied

sich das Leben als Avatar von den Erfahrungen

mit einer interaktiven Konsole:

im Wohnzimmer umher hüpfend,

mit den Armen wedelnd, während man

auf den Fernseher starrt und versucht,

imaginäre Bälle zu schlagen oder Holz

gegen die ablaufende Uhr zu hacken.

Nein, Second Life ist anders. Es hat

zwei Seiten. Zum einen die schnöde

Realität vor dem heimischen Computer.

Aber auch die fantastische Dreidimensionalität

einer nachgebildeten

menschlichen Figur, die mit einiger

Übung leichtfüßig durch Wälder wandert,

Treppen ersteigt, durch Wolken

fliegt und sich nach Lust und Laune an

immer neuen Plätzen materialisiert.

Dea Kyrie hat sich im Laufe von zwei

Monaten zu einer mittelgroßen Blondine

mit langem Haar, etwas kantigem

Körper, viel zu üppigen Brüsten, großen

Augen und einem vollen Mund

gemausert. Wenn sie andere Leute kennen

lernen will, trägt sie einen feuerroten

langen Rock, ein Spitzen-Oberteil

und Handschuhe, die über die Ellenbogen

reichen. Viele männliche Avatare,

beziehungsweise ihre Alter Egos

an den Tastaturen, stehen auf diesen

Typ. Sex sells. Dea Kyrie wird immer

angesprochen. Nur wenn sie mit Frauen

sprechen will, muss sie selbst aktiv

werden.

Ich materialisiere mich als erstes auf

„Japan Tempura Island“, einer Welt,

in der sich immer sehr viele Avatare

aufhalten. Man landet auf einer Plattform

mit zehn Ecken, unter den Füßen

befindet sich die Zeichnung einer Uhr

mit einem astrologischen Sternzeichenkreis.

Der umgebende Fußboden hat

ein Muster aus hell- und dunkelbraunen

Rauten. Rund herum Spitzbögen,

hinter denen verschiedene Landschaften

zu erkennen sind: ein dunkler Wald

mit dicken Baumstämmen, ein Herbstwald

mit rot-goldenem Laub, der Fuß

eines Berges. Der einzige Weg von der

Plattform weg ist eine Brücke mit Boden-Mosaiken,

hüfthohen Mauern und

metallenen Geländern. Würde ich mir

das Ganze von oben ansehen, könnte

ich feststellen, dass der Bogengang

an einem dreistöckigen palastartigen

Gebäude endet mit einer kleinen säulengestützten

Kuppel auf der oberen

Ebene. Stil? Epoche? Mir unklar, aber

die Gebäude bilden für mich ohnehin

nur die Kulisse meines Studiums der

menschlichen Architektur.

Ich halte in der Mitte der Brücke an

einer überdachten Stelle und platziere

mich auf einem Sofa neben einer riesigen,

blumengefüllten Vase. Der Blick

geht in die Weite, unterhalb der Brüstung

eine Plattform, auf der ein paar

Avatare Tai Chi praktizieren.

Schon kommt ein männlicher Adonis

mit breiten Schultern, schmalen Hüften,

Wuschelhaar und weißen Zähnen

vorbei, hält an, tippt ein „Hello“ in

den globalen Chat. Peter Vanderveldt,

Guiseppe Fantastico oder Deamon

Bluemoon – der Name spielt erst mal

keine Rolle. Englisch ist die Landessprache,

das Gegenüber ein Kanadier.

Später wird sich herausstellen, dass der

Mann in irgendeiner Einöde wohnt und

sich schnell abmelden muss, sobald die

Freundin nach Hause kommt. Das

Angebot an verfügbaren Frauen ist

rar in seiner Gegend, er kann sich

keinen Ärger leisten.

Hier findet man sich sofort sympathisch,

flirtet ein bisschen, entscheidet

sich, die Welt zu wechseln.

In der Regel haben die Männer romantische

Landmarken in ihrem

Inventar. Sie laden die Dame gerne

ein, ihnen zu folgen. Wir landen an

einem landschaftlich fantastischen

Platz mit gigantischen Bäumen,

Wasserfällen und mannshohen

Blumenteppichen. Die Bäume sind behangen

mit rosa Glitterfäden und Blumendolden,

durch die ich mich an blühende

Mandelbäume erinnert fühle. Es

gibt überall Sitzecken und Liegewiesen

mit bunten Kissen, Schaukeln, Sesseln.

Vogelgezwitscher, Wasserrauschen,

seichte Klänge im Hintergrund.

Das Spannendste sind allerdings diese

kleinen Kugeln in zwei Farben:

pink und blau. Mit Bezeichnungen

wie „Slowdance 3“, „Ballroom 1“ oder

„Kissing Pose 2“. Es ist lustig, als Frau

die blauen Bälle auszuprobieren. Aber

natürlich weiß jeder, der schon mal einen

Strampelanzug an die Eltern eines

Neugeborenen verschenkt hat, welche

Farbe die für ihn oder sie passende ist.

Peter, Guiseppe oder Deamon und ich

schauen uns um, plaudern, zeigen uns

besonders auffällige Gegenstände oder

Landschaftsmerkmale. Die bunten Bälle

können wir auf Dauer nicht übersehen,

daher kommt es, wie es kommen muß.

Er klickt den Blauen, ich den Pinkfarbenen.

Die Avatare wiegen sich im Takt

der Musik. „I never kissed before in Second

Life“, tippe ich schamhaft kokett.

“No problem, lets try”, antwortet er. Die

Avatare halten sich umschlungen, die

Köpfe geneigt, die Lippen aneinander.

Nachdenklich lehne ich mich zurück,

an meinem Schreibtisch, betrachte den

Monitor. Flirten ist ja schön und gut,

aber Küssen? Mit einem Fremden?

Der könnte in Wirklichkeit 70 sein

und keine Zähne mehr im Mund haben.

Schräg. Reales und Virtuelles verschwimmen

miteinander. Ich schüttele

den Kopf, beuge mich wieder vor, erlöse

Dea Kyrie, mich, aus ihrer, meiner Pose

und tippe einen lockeren Spruch in den

Dea

Kyrie

Dea

Kyrie

Chat. Irgendwann später trennen sich

unsere Wege, diesen Menschen nehme

ich in die Freunde-Liste auf, weil wir

uns zwei Stunden lang gut unterhalten

haben. Wir werden in Zukunft noch oft

über diese „Kuss-Geschichte“ lachen.

Ein großer Teil der Umgebungen in

„Second Life“ ist explizit für diese Flirterei

gestaltet. Von den Plätzen für S/M,

virtuellen Sex, Schwanger-Sein und

ähnlichem möchte ich gar nicht reden.

Die harmlosen Dinge habe ich weiterhin

ausprobiert und sogar noch einmal

dem Küssen gefrönt mit einem guten

Bekannten, der solche „Kissing Balls“

in seinem Inventar hat. Sein Mund

hing an meiner Stirn, meiner an seinem

Kinn, albern. Ich wurde mehrmals eingeschlossen

in kleinen Kuschelhäusern

mit breiten Betten und schummerigem

Licht. Man findet den Ausgang nicht

mehr und muss sich hinaus teleportieren.

Auch wurde ich schon prompt am

Ankunftspunkt auf der Uhr in „Japan

Tempura“ vom Fleck weg geholt für einen

Tanz über den Wolken. Natürlich

mit meinem Einverständnis.

Nach einem Glas Wein in der realen

Welt bin ich immer geneigt, das Tanzen

wenigstens irgendwie ansprechend

zu finden. Es ist entspannend. Der Avatar

ist beschäftigt, man hat die Hände

frei für den Chat. Es ist ein ästhetischer

Anblick und stimmt mich irgendwie

versöhnlich, die beiden Figuren zu beobachten,

wenn sie sich einträchtig zu

der Musik bewegen. Schließlich bin ich

ja an diesem Abend alleine zuhause

und langweile mich ein bisschen. Trotzdem,

eine Anhängerin des Küss-Kultes

in der Virtualität werde ich nie werden.

Kribbeln im Nacken, Schauer auf meinem

Rücken und das kräftige Schlagen

meines Herzens spüre ich nur bei der

Berührung mit echten, warmen Lippen

aus Fleisch und Blut.

Dea Kyrie ist im realen Leben Journalistin,

Personalberaterin und Coach.

Ihr Interesse gilt allen kulturellen Phänomenen,

der Kommunikation und

den modernen Medien.


Nr. 25/2010 Buch IV - Literatur

23

ROSENCRANZ UND GERNEGROSS ARE DEAD - RECLAM

Klassizismus der Kaiserzeit. Und in der

Tat, die Wände waren über und über mit

Inschriften bedeckt, den Archäologen,

die diesen Ort wiederholt in Augenschein

genommen hatten, bereits bekannt.

Sachen wie zum Beispiel:

Yusuf fand ein Gewölbe unter

der römischen Kapelle mit weitaus ren Zeilen, die aber folgendermassen

ältelauteten:

Darunter entdeckte man eine hohe Krypta

mit Kisten voller Totenknochen, die man

peinlich genau geschichtet hatte. Einige

trugen fürchterliche Inschriften eingeschnitzt,

teils in Latein und Griechisch,

teils in dem unveränderlichen Letter der

von Gerngross erdachten Raumschrift,

die aber niemand entziffern konnte.

In der darauffolgenden Woche werden

die Denkmäler durch Kriegseinwirkung

(Gewehrschüsse) immer mehr zerstört.

Besonders seit es erkennbares Interesse

- und sei es auch nur meinerseits - gibt.

Damit das Sehenswürdige würdig bleibt

und auch besehen werden kann, muß man

eine Schutzlösung finden! Ich schlage

den Bau einer kugelsicheren Glaskuppel

vor, welche über die gesammte Metropole

in Zukunft gestellt werden soll.

Dann kamen sie. Die Habsburger

Prinzessin Francesca Thyssen-

Bornemisza begann als erste, sich für die

Nekropole zu interessieren. Ich bewunderte

sie, wie sie herbeiflatterte, schnatterte,

flankiert von den NY- und Calvin-

Klein-Baseballkappen der Cameramen

von CNN, SF und ZDF. Nur dem

selbstlosen Einsatz der Aristokratin ist

die innerhalb kürzester Zeit erfolgte

Errichtung eines kleinen kugelsicheren

Observatoriums zu verdanken, von dem

aus die Weltgemeinschaft die Gemäuer

nun geschützt betrachten konnte. Medial

unterstützt wurde das Projekt unter anderem

von Paul und Linda McCartney und

von Franz Morak.

„Von welcher Bedeutung diese Gebilde

für das Ökosystem der östlichen

Ausläufer der Alpen sind, haben jetzt

Wissenschaftler um Robert Pringle von

der Harvard University in Cambridge analysiert.

Das Team untersuchte die geotektonische

Statik der dolomitischen Steppe

in der Nähe der Hügel. Dabei haben die

Forscher eine erstaunliche Beobachtung

gemacht: Die Gebäude verändern das

Erdreich in unmittelbarer Nähe ihrer

Bauwerke nachhaltig.

Eine derartige Umbildung des Erdbodens

forme das komplette Ökosystem bis weit

jenseits der unmittelbaren Nachbarschaft

der eigentümlichen Bauten. Zukünftige

Studien sollen nun nachweisen, auf

welche Weise die Baumeister ihre Burgen

so perfekt aufeinander abgestimmt errichten.

Bis zu 400 Meter kann der oberirdische

Teil eines Turms in die Höhe

ragen. Unterirdisch nimmt der Bau noch

größere Dimensionen an und erreicht

Durchmesser von bis zu 3000 Metern.

Ein hundertstöckiges Hotel ist jedoch

ein eigener Organismus, so riesig und

gegen den Rest der Welt so luxoriös abgeschirmt,

dass Nachrichten von draußen

nur wie von der anderen Erdhälfte herüberdringen.

Über mehrere Jahrhunderte

hinweg errichten die Bewohner einen

solchen Hügel - in jedem einzelnen wimmelt

es von Millionen Insekten.

Trotz der staatlichen

Sicherheitsvorschriften hatte der Turm

auf der Vorderseite keine Feuerleiter,

und ich sah, dass zwischen meinen

Fenstern und dem drei Stockwerke tiefer

liegenden, gepflasterten Hof nur

die nackte Mauer war. Rechts und

links jedoch schlossen sich alte, massiv

gebaute Wirtschaftsgebäude an das Hotel

an, deren steile Dächer so hoch hinaufreichten,

dass man sie vom vierzigsten

Stock aus, in dem ich mich befand, halbwegs

sicher hätte im Sprung erreichen

können.

An der Hinterseite der Häuser liegen

große Gärten, die ganze Länge der Straße

entlang. Kein Haus, das nicht, wie vorneheraus

die Straßentür, so nach hinten

ein Pförtchen in den Garten hätte.

Den aus dem Terziär stammenden

Arbeitsgemeinschaften wird nachgesagt,

dass sie einen unbeirrbaren

Orientierungssinn hätten und hochqualifizierte

Kundschafter und Späher

wären. Dies ist wohl auf die besondere

Vegetation in den Wäldern zurückzuführen,

da sich die Bäume bewegen und

Pfade und Straßen von heute auf morgen

verschwinden.

Aus den lokalen Milizen und sonstigen

Freiwilligen wurden 765.M41 drei

Regimenter für die Imperiale Armee rekrutiert

bevor die Welt an das Chaos fiel

und die Oberfläche vollständig verwüstet

wurde. Während des Angriffs auf die

Welt konnten genügend Männer für ein

Regiment gerettet werden, die restlichen

Soldaten sowie alle anderen Einwohner

wurden mit der Stadt und dem umgebenden

Umland vernichtet.“

[Man hört fernes Tosen und Knattern. Sie

fährt fort.]

„Die Notwendigkeit internationalen

Schutzes für diese einmalige Nekropole

ist Ihnen, meine Damen und Herren,

nun, so hoffe ich, evident. Denn, wie

Sie sich selbst überzeugen können, der

Waffenstillstand wird nicht eingehalten.

Und deshalb wird, da bin ich mir

sicher, nur ein kugelsicheres Glashaus

den Fortbestand dieses Schatzes sichern

können. Schutzanspruch und Rentabilität

der Nekropole werden wie folgt begründet:“

FADE OUT

AUSGEBROCHENE LEMUREN

Und in Klosterneuburg sprach Dr.

Wladimir Jaremenko-Tolstoj in ein

Telefon, das mit einer Verschlüsselungs-

Einrichtung versehen war, um ein

Abhören zu verhindern. «Wir liessen

Hentz Leute Gerngross genau nach Plan

verschwinden, und, ah, Thomas Redl

weilt, ah, nicht länger unter uns.»

«Gut», sagte Heike, die hinter den

Bildschirmen der modernen Office-

Komunikationskontrolle nurnoch zur

Hälfte zu sehen war. «Die drei sind unterwegs

in das Gewerbegebiet Moosfeld,

Munich. Alles läuft.» Sie legte auf und

wählte sogleich eine andere Nummer und

erhielt die Western Union. «Ich möchte

ein Telegramm zur Pauschalgebühr,

derselbe Text, an folgende Adressen aufgeben»,

sagte sie in befehlendem Ton.

«Der Text lautet:

Gezeichnet: ». Dann

las sie die Adressen herunter,

jede von ihnen

ein Bezirks-Büro der

ST/A/R-Redaktion.

(Am folgenden Tag, am

25. April, erschien in jenen Städten eine

geheimnisvolle Annonce in der Rubrik

«Persönliches.» Sie lautete: «Für erwiesene

Dienste in Dankbarkeit, A.S. gewidmet.

W.F.» Das Komplott verdichtete sich

entsprechend.)

Ich kehre in die Nekropole zurück

und lege über einige Stelen gelbe

Zeltplanen. Für zwei Uhr war der offizielle

Eröffnungsvortrag anberaumt,

und ich hatte noch Zeit gefunden, den

Abendpyjama anzulegen. Im Hinblick

auf eine etwaige Wiederholung solcher

Vorkommnisse photographierten

wir sorgfältig alle wichtigeren Beweise

für das wahnsinnige Durcheinander

im neuen Büro; und wir werden diese

Aufnahmen zur Untermauerung unserer

Warnungen gegen die Durchführung

der geplanten Präsentation verwenden.

Ich fuhr also hinunter in den 46. Stock

zum Purpursaal. Im Vorraum näherten

sich mir zwei bezaubernde Mädchen in

Pumphosen, oben ohne, die Brust mit

Vergißmeinnicht und Schneeglöckchen

bemalt. Vorläufig war unter den Gästen

nichts von einer Panik zu merken. Das

hoteleigene Reisebüro verzeichnete

keinen Massenansturm auf Flüge nach

den Vereinigten Arabischen Emiraten

oder sonstwohin.

Im Buffet des 77. Stockwerks war die

Stimmung ganz anders als oben bei mir.

Es gab viele Barfüßige und bis zum Gürtel

in Kettenhemden gehüllte Mädchen;

manch eine trug einen Säbel. Einige

hatten ihre langen Zöpfe nach neuester

Mode am Collier oder am nägelgespickten

Halsband befestigt. Ich bin nicht

sicher: waren das nun Redakteurinnen

der Süddeutschen Zeitung oder nur die

Sekretärinnen des Verbandes Befreiter

Wirtschaftsblattvorstände?

COSTA RICA; 46000 JAHRE SPÄTER

Die ersten Bankettierer trafen ein, alle

mit Rauschebart und martialischem

Schnautz, im übrigen lauter junge

Leute, im Schlafanzug oder auch ohne.

Sechs Kellner trugen eine Torte herein,

und beim Anblick dieser unanständigen

Süßspeise konnte ich nicht länger

zweifeln: ich hatte mich im Saal geirrt

und war wieder Willen beim Bankett

der Befreiten Wirtschaftsblatt-Vorstände

gelandet. Unter dem Vorwand, die

Sekretärin sei mir abhanden gekommen,

entwich ich schleunigst und fuhr ins

nächsttiefere Stockwerk, um am rechten

Platze Aufzuatmen. Der Purpursaal

(nicht der Rosasaal, den vorher der plötzlich

aufgetauchte Sohn des Archistrators

nun in einem leuchtenden Burgunderrot

gestrichen hatte) war schon voll. Der

bescheidene Aufwand enttäuschte mich

ein wenig, aber ich ließ mir nichts

anmerken. Das Buffet war ein kaltes

Stehbuffet; um die Konsumation zu

erschweren hatte man aus dem riesigen

Saal alle Stühle und Tische entfernt. Es

galt also, die bei solchen Anlässen übliche

Behändigkeit zu entwickeln, zumal da die

gehaltvolleren Schüsseln wüst umdrängt

wurden. Ein Vertreter der spanischsprachigen

Sektion der Architektonischen

Arbeitsgemeinschaft und ein guter

Freund Heidulf Gerngross´, erklärte

mit bezauberndem Lächeln, jedweder

Schlemmerrei wäre fehl am Platze, denn

zu den Themen der Tagung zähle auch die

Hungersnot, die der Menschheit drohe.

Natürlich fanden sich auch Skeptiker.

Sie sagten, der Gesellschaft seien die

Zuwendungen gekürzt worden, und nur

dies erkläre so krasse Sparmaßnahmen.

Die Presseleute mußten fasten: So wolle es

ihr Beruf. Sie eilten Rastlos zwischen uns

umher und sammelten Kurzinterviews

mit den Leuchten der ausländischen

Prognostik.

Jeder Redner hatte vier Minuten Zeit, um

seine Thesen darzulegen. Zuerst schilderte

die Japanerin die neue, in ihrem

Land entwickelte Hausform der Zukunft:

achthundertstöckig, mit Gebärkliniken,

Kinderkrippen, Schulen, Kaufmannsläden,

Museen, Tierparks, Theatern, Kinos und

Krematorien. Der Entwurf umfasste unterirdische

Lagerräume für die Asche der

Verstorbenen, vierzigkanäliges Fernsehen,

Berauschungs- und Ausnüchterungszellen,

turnsaalähnliche Hallen für den Betrieb

gewerbsmässig geführter Gang-Bang-

Brigaden (der Ausdruck vortschrittlicher

Gesinnung seitens der Hausverwalltung)

sowie Katakomben für unangepaßte

Subkulturgruppen und selbsterwählter

Outlaws. Einigermaßen neu war der

Gedanke, jede Familie solle jeden Tag aus

der bisherigen Wohnung in die nächste

übersiedeln, entweder in der Zugrichtung

des Schach-Bauern oder im Rösselsprung,

alles um Langeweile und Frustration zu

verhüten. Doch dieses siebzehn Kubik-

Kilometer ausfüllende, im Meeresgrund

wurzelnde und bis in die Stratophäre

ragende Bauwerk hatte sicherheitshalber

auch eigene Therapiezentren für

Selbstmordkandidaten. Mitsubischi-

Yamaha, der zweite Vertreter Japans,

zeigte uns das Raummodell eines solchen

Hauses im Maßstab 1:10 000. Das Haus

hatte eigene Sauerstoffspeicher, aber

weder Wasser- noch Nahrungsreserven;

es war nämlich als geschlossenes System

geplant und sollte alle Ausscheidungen

wieder aufbereiten.

Die farbigen Standfotos, die betrachtet

wurden, sahen mir eher nach

Spezialpublikationen aus. Ich fuhr neun

Stockwerke abwärts, dorthin, wo meine

Kollegen hausten. Schon wieder in

einem Buffet angelangt, nahm ich einen

Long Drink mit Dr. Christian Denker,

Verdauungsphilosoph per Passion und

ehemaliger Mitherausgeber des ST/A/R

Printmediums. Denker erhoffte sich ein

interessantes Interview für sein neues

Blatt, und zwar mit einem gewissen Josef

„Yussuf“ Ostermayer. Diesen jagten das

Bundesministerium für Familie, Kunst-

Kultur- & Crime, das BKA, die Sûreté,

Interpol und etliche andere Polizisten, er

______________________

Vgl. Thomas Frechberger, Gedichte

Am Arbeitsamt

ICH WAR FRÜHER AM ARBEITSAMT

F1 NA, DES WAR EINE HETZ

F1 ICH HÄTT DIE GFRASSTER AM LIEBSTEN GLEICH VERRAMMT

F1 ABER DAS IST JA GEGEN‘S GESETZ

U8232 DES MIT DEM ARBEITSAMT IST JA SOWIESO

F1 GANZ EINE KOMISCHE GESCHICHT

F1 WAS DIE TUN MACHT WIRKLICH NIEMANDEN FROH

F1 UND WÄRE EIGENTLICH WAS FÜR‘S VERFASSUNGSGERICHT

U8232 ABER ICH HABE GLÜCK GEHABT, ICH WURDE GERETTET

F1 AUS DIESER MENSCHENUNWÜRDIGEN SITUATION

F1 DAS SCHICKSAL HAT MICH AUF ROSEN GEBETTET

F1 UND ICH BEKOMM JETZT MEINE MINDESTPENSIONY

U8232 FRÜHER HABE ICH MICH OFT KRANK GEFÜHLT

F1 SO EINSAM UND VERLASSEN

F1 JETZT BIN ICH VOLL VOM LEBEN UMHÜLLT

F1 WEIL MEIN WOHNZIMMER IST JETZT DIE STRASSEN

Am Donaukanal

ICH SASS MIT EINEM MESSER AM DONAUKANAL

F1 ICH WOLLTE MEIN LEBEN BEENDEN, ES WAR NUR NOCH QUAL

F1 DA HÖRTE ICH VON OBEN STIMMEN, SIE LACHTEN MICH AUS

F1 ICH FING MIT IHNEN ZU STREITEN AN, MEINE VERZWEIFLUNG BRACH HERAUS

U8232 NACH EINER WEILE WURDE ICH RUHIG, SETZTE MICH HIN

F1 ICH FING AN ZU WEINEN, NICHTS MACHTE SINN

F1 PLÖTZLICH GAB ES AUFRUHR, ICH WAR VON POLIZISTEN UMSTELLT

F1 EINER HATTE DIE WAFFE IN DER HAND, EIN RICHTIGER HELD

U8232 ICH WUSSTE NICHT OB ICH WEINEN SOLLTE ODER VOR LACHEN ZERFLIESSEN

F1 DER BULLE DROHTE DOCH TATSÄCHLICH, MICH ZU ERSCHIESSEN

F1 ICH STAND VOR IHM, ZITTERND, MIT LEERER HAND

F1 UND ER SCHISS SICH WEGEN MIR FAST INS GEWAND

U8232 ICH WAR VERWIRRT UND ABGEMAGERT BIS AUF HAUT UND KNOCHEN

F1 SIE BEHANDELTEN MICH, ALS HÄTTE ICH EINEN MORD VERBROCHEN

F1 SIE BRACHTEN MICH IN DIE PSYCHIATRIE, DOCH ICH RANNTE FORT

F1 HÄTTE ICH`S NICHT GETAN, WÄR ICH VIELLEICHT NOCH DORT

U8232 ICH WURDE NICHT NUR SINNLOS MIT EINER WAFFE BEDROHT

F1 SIE WAREN AUCH IN IHRER SPRACHE ZIEMLICH VERROHT

F1 IN DER WACHSTUBE WOLLTEN SIE MIR NICHT EINMAL EIN GLAS WASSER GEBEN

F1 UND DIE BEHAUPTEN, SIE SCHÜTZEN LEBEN

U8232 EIN RICHTER SAGTE MIR, ER KÖNNE MIR HELFEN, ZU BEKOMMEN MEIN RECHT

F1 DANN SPRACH ER VON ENTMÜNDIGUNG UND MIR WURDE SCHLECHT

F1 AN MEINE „FREUNDE UND HELFER“ EINE BESCHEIDENE BITTE

F1 GEHT DOCH SELBST ZUM PSYCHIATER UND BRINGT EUCH IN DIE MITTE

U8232 WENN DIE HILFE ZUR STRAFE WIRD, DANN SOLLEN SIE SIE BEHALTEN

F1 ICH HABE DAZUGELERNT UND KANN MEIN LEBEN SELBER GESTALTEN

F1 IN MEINER GRÖSSTEN NOT HABE ICH DIE STIMME DES VATERS VERNOMMEN

F1 VON IHM HABE ICH WIRKLICH HILFE BEKOMMEN

U8232 DER EINZIGE PREIS, DEN MAN DAFÜR ZAHLEN MUSS

F1 MACH MIT DEINEM GLAUBEN AN DIE ANDEREN SCHLUSS

F1 GEH DEINEN WEG, WERDE GLÜCKLICH UND FREI

F1 LIEBE DEIN LEBEN UND SEI DABEI

U8232 ERSCHAFF DIR MIT FREUDE EINE NEUE REALITÄT

F1 UND ZEIG AUCH DEN ANDEREN, UM SICH ZU ÄNDERN IST ES NIE ZU SPÄT

F1 MIR GEHT‘S JETZT BESSER, ICH SCHREIBE GEDICHTE

F1 JA DAS LEBEN IST SCHON EINE SELTSAME GESCHICHTE

von Hans Strauß

Hans

Strauß

http://www.the-psycho-path.at/

Anton

„Lupo“

Toni

Auf vielfachen Wunsch (von ihm selber)

nochmal im ST/A/R zu sehen

Johann Neumeister sein neues Bild:

apairon


24

Buch IV - Literatur Nr. 25/2010

ROSENCRANZ UND GERNEGROSS ARE DEAD - RECLAM

war nämlich der Gründer eines neuartigen

Dienstleistungsbetriebs und empfahl sich

als Spezialist für Sprengstoffanschläge,

wobei er sich seiner Gesinnungslosigkeit

sogar rühmte. Er war gemeinhin

unter dem Decknamen »Der Bomber«

bekannt.

Ein Vertreter der USA beantragte siebenerlei

Methoden zur Bremsung der

Bevölkerungsexplosion, nämlich erstens

propagandistisches und zweitens

polizistisches Verekeln, ferner

Ent-Erotisieren, Zwangszölibatisieren,

Onanisieren, Subordinieren und bei

Unverbesserlichkeit – Kastrieren – was in

jedem Fall einer Euthanasie gleichkam.

Bald trat ein schönes rothaariges

Mädchen an unseren Tisch. Ihre

Tracht ähnelte einem ganz und gar

von Schnellfeuersalven durchlöcherten

Spitzennachthemd. Das war die

Abgesandte der Extremisten; sie sollte

die Reporter zu ihnen ins Hauptquartier

lotsen. Im Fortgehen überreichte mir

Faymann ein Reklameflugblatt. Ich

erfuhr daraus, nun sei endlich Schluß

mit der Stümperei unverantwortlicher

Dilettanten, die ja unfähig seien,

Dynamit von Melinit und Bickford-

Zündschnüre von Knallquecksilber zu

unterscheiden; im Zeitalter der hochgezüchteten

Spezialisierung tue man nichts

auf eigene Faust; man vertraue dem

Berufsethos und den Kenntnissen gewissenhafter

Fachleute. Auf der Rückseite des

Flugblattes las ich den Dienstleistungstarif

nebst Umrechnung in die Währungen

der höchstentwickelten Länder dieser

Welt. Ausserdem war eine Anzeige für

ein japanisches Restaurant zu lesen und

wieder ging es um Hochhäuser mit einer

in sich geschlossenen Ökosphäre:

„Der Nageltower - im Volksbuch auch

Golden Nail genannt -“, sagte ein glitzerndes

Gebilde auf dem Würfel

mit Melodiöser Stimme, „ist ein aus

sich gewachsener Körper, eine groteske

Spielerei. Heimlich wirkt jeder

Quadratmeter Nageltower, die endlosen

Reihen von Zimmern, verbunden

durch Gänge und Treppen, die sich wie

Eingeweide wölben und winden, wo enge

Kurven, schmuckvolle Zwischenwände

und leere Nischen das Auge bannen...“

„Aufsatz von Dr. Christian

Denker“, sagte der Russe, der seine

Partagas hervorholte. „Geschrieben

als er zwölf Jahre alt war. Im Semiotik-

Unterricht.“

„Das Human Megatech

Cybercity-Habitat kennt keinen Himmel,

ob aufgezeichnet oder anders geartet. Von

der Erde aus gelesen hätte man meinen

können, das Wort „Caballero“ erkennen

zu können. Anreisenden Besuchern

von außerhalb des Sonnensystems bot

sich in art eines dreidimensionalen

Annagramms ein ganz anderer Anblick.

Der Siliconkern der Cybercity birgt einen

kleinen Raum, das einzige archiquantförmige

Zimmer im ganzen Gebäude. Dort

ruht auf einem schlichten Glaspodest

eine schmuckvolle Büste, Cloisonnè

auf Platin mit Perlen und Lapislazuli-

Besatz. Die hellen Steine der Augen sind

aus dem synthetischen Rubinglas vom

Beobachtungsfenster des Kontrollraums

gearbeitet. Der Architekt scheute keine

Mühe, um zu verbergen, das dass Innere

des Gebäudes in der profanen Präzision

einer Hotelzimmereinrichtung ausgelegt

ist. In der Cybercity ist die Innenfläche

der Hülle bedeckt mit wirr wuchernden

Strukturen, fließenden Formen, die

ineinander übergehen und den festen

Kern der Mikroschaltkreise überwölben,

das wirtschaftliche Herz unserer

Gemeinde, einen Silikonzylinder, holzwurmartig

durchsetzt mit schmalen

Wartungsschächten, oft nicht breiter als

eine Männerhand. Die bunten Krebse

hausen dort, die Drohnen, vor mikrochemischen

Verfallsprozessen und Sabotage

auf der Hut.“

Ein dritter Japaner trat auf die Bühne

und verlas die Liste aller aus den

Abwässern des Bauwerks regenerierbaren

Gaumenfreuden. Dazu gehörten unter

anderem künstliche Bananen, Lebkuchen,

Shrimps und Austern, ja, sogar künstlicher

Wein; trotz seiner Herkunft, die

unliebsame Nebengedanken wachrief,

schmeckte er angeblich so gut wie die

besten Tropfen der Champagne. In den

Saal gelangten formschöne

Fläschchen mit

Kostproben und für jeden ein Pastetchen

in Klarsichtpackung. Doch niemand

war sehr aufs Trinken erpicht, und die

Pastetchen ließ man diskret unter die

Sessel verschwinden, also behandelte ich

meins ebenso. Nach dem Ursprünglichen

Plan hätte jedes solche Haus mittels

gewaltiger Rotoren auch fliegen können,

was Gesellschaftsreisen ermöglicht hätte.

Davon wurde jedoch abgesehen, denn erstens

sollten für den Anfang 900 Millionen

solcher Häuser entstehen, zweitens war

der Ortswechsel Gegenstandslos.

Die Japaner schienen höchst

entzückt von ihrem Projekt.

Nach ihnen ergriff dann endlich Heidulf

Gerngross das Wort.

EIN MITSCHNITT:

(Also das ist also das, was ich unter

Weltarchitektur verstehe!)

Ja – Hallo Amigos! (anhaltender

Applaus)

Das Wort „Weltarchitektur“ hat ein Freund

von mir - ein russischer Philosoph –

gewählt, als er mich auf einem Spaziergang

getroffen hat, hat er einen Artikel

geschrieben: „Gerngrossarchitektur

– Weltarchitektur“

Das war mein erstes Haus, vor 44´000

Jahren, in Graz geplant. Es ist nie gebaut

wurden, das ist ein Problem. Garage.

Kinderzimmer.

Und die Kinderzimmer wurden weiterentwickelt

in ansteckbare Wohneinheiten.

Diese Wohneinheiten wurden industriell

hergestellt die in über zweigeschossige

Einheiten die über ein, zwei, zwanzig

Kilometer als Wohnstraßen ausgebaut

werden konnten. Das war die Idee der

sechziger Jahre, (unverständlich) als vorgefertigte

Einheiten zu Planen. Das war

unser erstes Haus, das „Königseder“, 1983

entstanden, steht in Oberösterreich und

ist ein Zeichen unserer Architektonischen

Haltung. Aus europäischen und österreichischen

Materialien gebaut,

Da sehen sie jetzt den billigsten sozialen

Wohnbau von Wien, die „Erste Wiener

Loftsiedlung“, ein Haus mit hundertdreißig

Quadratmetern, (unverständlich) jeder

Bewohner hat sich Siebenhunderttausend

Schilling erspart und dadurch ist daß das

billigste Haus Wien´s geworden. Jeder

konnte ein fünf Meter hohes Bild aufhängen,

da es auf zwei Geschossen eine

Galerie hatte, und der Rest konnte ausgefüllt

werden.

Dann habe ich mich mit Wohneinheiten

beschäftigt, und Containerhäuser gebaut,

nachdem die Kunststoffeinheiten zu

kompliziert waren, und es entstand das

erste „Schnellhaus“, es steht in Wien, in

der Sezession. und heisst „Schnellhaus

Numero Eins“. Es wurde im Jahr 1990

aufgestellt.

Der Innenraum. Aussen Container,

Dann follgte bald das „Schnellhaus #2“,

das „Schnellhaus #3“.

Hier haben wir den direkten Vergleich

mit Palladio, eine Villa, die im Umfang

und Proportionsmäßig dem Schnellhaus

ähnlich ist und zeigt, das Proportionen in

der Architektur eine große Rolle spielen.

Dann hatten wir die ContainerSiedlung,

also keine Flüchtlingssiedlung, sondern

eine billige Siedlung, wo jedes Haus

um ein drittel billiger ist als der normale,

geförderte wiener Soziale (mobile)

Wohnbau. Wir sind dabei, jetzt sowas zu

Bauen.

Hinten sehen sie schon eine

Containerkapelle, ein Busseraum für alle,

um sich zu konzentrieren, und zu überlegen:

Wie kann man billig bauen.

Das ist jetzt der Container: Der Ziegel

des einundzwanzigsten Jahrhunderts.

Achtzehn Container ergeben eine

Kapelle; das ist die Kappella Bianca, die

jetzt in Kärnten aufgestellt wird. Auf

dem Grundstück Gamschen Köner

Panepiesch (unverständlich) und Julia

Augusta, ungefähr einen Kilometer von

der Italienischen Grenze entfernt, und

das ist jetzt die Kontainerkapelle, die ich

auf der Bienale in Venedig gezeigt hab.

Die Venezianer, die über 400 Kirchen

haben, haben gesagt, zu Venedig passt

das nicht, da habe ich zwei rote Striche

gezogen und gesagt: „Adios Amigos!“.

Und jetzt wird es in Kärnten aufgestellt

und 2010: Einweihungsfeier für die

Cappella Bianca! (Applaus, Hochrufe)

Das ist der rechte Winkel – die gesammte

Schrift wurde transformiert in einen

einzigen Gegenstand, das ist der rechte

Winkel – der Dreht sich um seine Achse.

Das Wort heisst Liebe, das heisst Geduld...

Und die Summe aller Buchstaben, die

dann einen Knödel ergeben, eben diesen

Sprachknödel.

Und das sind jetzt Sprachknödeln aus

Geduld, Liebe, Frau, Gesundheit. Das

Wort heißt Ameise, das Wort heißt Haus.

Die hier im Leeren Raum schweben und

die Schrift, die Sprache zur Architektur

machen und die Verbindung zwischen

Architektur und Sprache zeigen.

Der Franz West hat eine Burg gebaut,

Einmeter achzig hoch. Der sogenannte

Nageltower. Ich hab mir gedacht, wir

machen ein Hochhaus draus, 340 Meter

hoch.

Wir haben uns bemüht dieses Hochhaus

für die Arabischen Emirate zu planen,

nachdem dort Interesse gezeigt worden

ist, weil sie die Skitze gesehen haben.

Wir haben uns dann mit dem Innenraum

beschäftigt, über das Haus wird ein Netz

gezogen, das Netz besteht nur aus einem

einzigen Winkel, das ist der Winkel, der

in verschiedene Formen gedreht die

gesammte Fassade - es ist eine assymetrische

Fassade - zeigt, und die Ornamentik

der Araber erweitert und erhöht ...und

nicht revidiert!

Das ist jetzt der sogenannte Nageltower

vom Franz West, der ist vom West,

Gerngross, Hofstätter Kurt transformiert

worden in ein 350 Meter hohes Gebäude,

und hoffentlich in einigen Jahren stehen

wird.

Und wenn das dann steht, in den arabischen

Ländern, haben wir ein Projekt

für Wien geplant, denn Wien ist unsere

Heimatstadt, meine Heimatstadt, und

vorher zeige ich noch eine Säule, die

steht in der Rahlgasse, wenn ihr die

Säule sehen wollt. Die ist sechs Meter

hoch in der Rahlgasse. Die hat der Franz

West geplant, ich hab sie nach Jerusalem

gesetzt, wird in tausend Jahren gebaut

und heisst „Säule der gemeinsamen

Sprache“. Denn erst in tausend Jahren

wird die gemeinsame Sprache gefunden

sein. (Applaus)

Und das ist ein Projekt für Wien –

Sie sehen die Karlskirche hier, das ist

eine Skulptur vom Hofstätter Kurt,

eine Proportionsstudie des Goldenen

Schnittes

Ein Musiksaal, eine Kirche, und ein

Panoramarestaurant. Ungefähr siebzig

Meter hoch am Karlsplatz.

Sie sehen jetzt den Grundriß dieser

Anlage. Wo man genau sieht: Hier ist

die Kreuzkirche, hier ist die... Kurt... die

Dreieinigkeitskirche „Kurt“ - und beide

zusammen ergeben eine Belebung des

Karlsplatzes wo Millionen Touristen in

diesem Panoramaplatz sitzen wollen.

(anhaltender Applaus, vereinzelter Jubelund

Hochrufe)

DIE NEUE ST/A/R THEATER-A-BAND

Das Dr. Helmut Totenkopflied Intro (Lyrics)

Ohhhh...

Ohhh Doktor Totenkopf

Wenn es am Tag schon kalt ist

Du hast ein ungutes Gefühl, eine Angst

die dich plötzlich überfällt

und du weisst nicht woher, und was dich schlägt, was dich quält

Dann pass am Abend einfach gut auf dich auf,

Sieh dich vor – geh nicht raus -

oder geh nicht nach Haus

Denn es geht einer um

und er ist einfach da!

Ja er ist plötzlich da!

Hässlich wie die Nacht ohne Mond,

Als ob er in der Hölle wohnt.

Und du entkommst ihm nichtmehr

er ist schon hinter dir her! (Alle: Im Dunkeln!!!)

Denn er kann dich sehen!

Kann dich im Dunkeln erkennen

Du kannst ihm nichtmehr entrinnen!

TOTENKOPF TOTENKOPF

TOTENKOPF TOTENKOPF

Er wird dich kriegen

Wird dich besiegen

HELMUT TOTENKOPF Ref.

HELMUT TOTENKOPF

DOKTOR TOTENKOPF

HELMUT TOTENKOPF

„Was hast du mit mir getan...?“

„Wart ab es fängt doch erst an!“

Dir bleibt nur der Schrecken

am nächsten Tag ein paar blaue Flecken

Und ein leichtes brennen im Arsch...

....

Wieso....

tut mir noch am Morgen alles weh

Die blauen Flecken – an der Nase hängt Schnee

– (all:VON GESTERN!)

Nur die Erinnerung fehlt

an diesen Abend – was ist abgegeng´?

- (all: Schleim an der Vorhaut!)

Vielleicht....

hat er dir auch einfach nur

Rohipnol in den Branntwein getan.

Da kommt es jetzt auch nichtmehr so genau drauf an,

denn er kriegt dich ja doch,

Du bist längst unter seinem Bann

Das Schlimmste kommt noch... (Alle: 2x)

Am Tage arbeitet er in einer Geisterbahn – (All: Am Prater!)

Er erschreckt kleine Kinder

ersticht Pferde und Rinder – und er fordert dein Blut!!!

TOTENKOPF TOTENKOPF TOTENKOPF

Er ist so cool

Er ist so schwul

Er ist ....

(3x)

Er spricht fliessend

lateinisch, denn er ist sehr

gebildet,

und geht oft ins Theater –

seine Vorfahren Rheinisch

und dazu noch Piraten

– Sklaventreiber

– Schlächter –

- Fusssoldaten!

Sein Vater war Gauleiter in

den Karpaten

Seine Mutter ein

verunglücktes Experiment in

der Psychatrie -

(Chorus: Man sprach damals

von fehlgeschlagener Euthanasie)

Erziehung kannte er Nie!

Doch Ach! - Der Schrecken

fängt ja erst an.

- Am Ende ist HELMUT ein

ganz normaler Mann!

TOTENKOPF TOTENKOPF

TOTENKOPF

Er ist Gefährlich!

Lebensgefährlich!

ZUVIEL GEFÜHL

(Chorus: das schlimmste kommt erst! )

Vielleicht...

ist es jetzt schon zu spät,

Nicht weil Halloween ist oder Karnevall -

Geisterstunde – Maskenball

Nein, er kommt einfach so

Fragt nicht Warum? Weshalb Wann und Wo?

Du spürst es in deinen Knochen,

Er hat den Schweiss deiner Angst längst gerochen.

Zuerst läd er dich ein

Auf ein Bier einen Kurzen – ein Korn!

Du fühlst dich wie Neugebor´n

und dann bist du verlor´n

HELMUT TOTENKOPF Refr.

Und du findest das Arg?

Dann hör mir weiter zu, denn dies ist nichtnur ein Lied,

nichtnur eine Geschichte

(Chorus)

ES IST DIE WAHRHEIT !!!

ES IST ´NE WARNUNG !

Vor:

HELMUT TOTENKOPF Ref.

TOTENKOPF TOTENKOPF TOTENKOPF

DOKTOR TOTENKOPF!

DOKTOR TOTENKOPF

HELMUT TOTENKOPF Ref.

TOTENKOPF TOTENKOPF TOTENKOPF

Produktion: Hinterthür / Jones

Studio: Walmart Musik Studio, Neue Donau, Kagran

Lyrcs: Marcus

Besetzung: Jesse: Gesang, Jo: Gitarre, Yusuf: Bass, Neumeister:

Schlagzeug: Kalle, Kurt, Horni,

Singleauskopplung vom Album

KOTZENPUNKT

Titel:

1. Seite

„Das Dr. Helmut Totenkopf

Lied“(intro)

2. Seite

„Das Dr. Helmut Totenkopf Lied“

(original)

incl. Bonustrack „Arsch tut weh“


ZOBE


ST/A/R-GALERIE FÜR ARCHITEKTUR UND KUNST

RNIG

HAPPY NEW YEAR 2011

Heimo Zobernig

Fotohintergrundkarton, 77 x 53 cm, 2010


ZIT


ST/A/R-GAleRIe füR ARchITeKTuR und KunST

KO

hAppy new yeAR 2011

AnOnymeR SAmmleR

Otto Zitko

Zeichnung, Mischtechnik, A3, o.T., 2008


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Städteplanung / Architektur / Religion

Buch VIII - ST/A/R-Galerie für Architektur und Kunst 37

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http://www.angeloroventa.com/

DIE STARGALERIE FÜR

ARCHITEKTUR UND KUNST

ZEIGT

ANGELO ROVENTA UND

HEIDULF GERNGROSS

MIT DEM PROJEKT

„KLEINER WOHNTEMPEL“

MIT ROVENTAS ELASTISCHER

WOHNUNG.

DAS PROJEKT WURDE FÜR DIE

AUSSTELLUNG

„AUSTRIA DAWEI” IN MOSKAU

ENTWICKELT.

ES WIRD AUCH ALS KLEINES

KULTURZENTRUM IN

DIAMANTE KALABRIEN

GEBAUT.


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch VIII - ST/A/R-Galerie für Architektur und Kunst


40

Buch VIII - ST/A/R-Galerie für Architektur und Kunst Nr. 25/2010

ELASTISCHES WOHNEN von

ANGELO ROVENTA:

http://www.angeloroventa.com/


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch IX - Wien Süd 41

Sabine Jelinek „Gelbblutig“ 2005, aus der Serie „Transfiguration“ 2003–2009


42

Buch IX - Wien Süd Nr. 25/2010

ST/A/R- Performance am 23.12.2010 19:23 Uhr

in der Wiener Art Foundation

originalfunktional - Zeitgenössisches Künstlermobiliar aus der Wiener Werkstadt

Die Wiener Kunstszene hat gefeiert – und das ausgiebig. Mit

Performance von Christian Falsnaes und Philipp Quehenberger

wurde ein ausgelassenes Fest abgehalten. Künstler, Galeristen,

Sammler und Kunstinteressierte amüsierten und unterhielten sich

bis in die frühen Morgenstunden. Anlass war die Eröffnung von

„originalfunktional - Zeitgenössisches Künstlermobillar aus der Wiener

Werkstadt“, der ersten Ausstellung der Wiener Art Foundation am 29.

Oktober.

In den großzügigen Räumlichkeiten der ehemaligen Bawag Foundation

in der Barnabitengasse ist nun eine Vielzahl an außerordentlichem

Mobiliar aus Künstlerhand zu sehen – und zu nutzen. Das Konzept

von Amer Abbas und Stephan Bidner als künstlerischem Leiter, der

Öffentlichkeit Kunst durch Benützen nahe zu bringen, ist mit Hilfe

einer großen Zahl von Künstlern und Galeristen überzeugend realisiert

und daher mit Begeisterung begrüßt worden.

Als historische Referenz der Ausstellung stellt Julius Hummel Möbel

der eigenen Sammlung zur Verfügung, darunter die „Sitzmaschine“

von Josef Hoffmann, einen Hocker von Adolf Loos oder den berühmten

Armlehnsessel von Gerrit Rietveld.

Zwischen diesen Ikonen des Designs und den zeitgenössischen Künstler-

Möbeln ist ein interessantes Spannungsfeld entstanden, anregend zum

Diskurs und einladend zum gemütlichen Zusammensitzen zugleich.

Anregend, weil die einzelnen Exponate der Ausstellung zueinander in

harmonischen oder kontrastreichen Bezügen stehen. Als reichhaltiges

mobiles Konglomerat provoziert die Ausstattung geradezu das

theoretische Gespräch zu formalen wie auch konzeptuellen Aspekten.

Gleichzeitig macht es auch einfach Spaß, auf der Bank von Erwin Wurm

mit Lehne aus einer alten Kastentür zu sitzen und das farbenfrohe

Gegenüber von Michael Kienzer zu betrachten, das übrigens viel

komfortabler ist als es den Anschein erweckt. Eine wahre Fülle an

erstaunlichen bis geradezu bizarren Sitzgelegenheiten bietet sich zum

Ausprobieren an, zb. die Sessel „Koks 1“ und „Koks 2“ von Mario Grubisic,

die rosa „Biographische Skulptur Nr.19“ von EVA & ADELE, eine „Kiste“

von Esther Stocker, die „Alte Schachtel # 13“ von Peter Sandbichler

oder das puristische „staircase“ von Gerwald Rockenschaub. Ganz

vorzüglich sitzt man auch auf den Sesseln und Ottomanen von Franz

West, nachdem man seinen Mantel an dessen Garderobe „Sinnlos“

aufgehängt hat. Spartanisch gibt sich die Bank von „Bench-Self“ von

Elisabeth Penker, herausfordernd die mit Herdplatten bestückte Bank

Wärmetauscher von Roman Pfeffer. Die beiden Hocker von Gelitin

ergänzen sich mit Rudolf Polanszkys „Schnapsbar auf Augenhöhe“ zu

einem wunderbaren Ensemble. Auf dem „Winchester“ von Mahony

versinkt man in Kipflern, auf dem „Video lounge chair“ von Albert Mayr im

virtuellen Raum, wenn auch streng gepolstert. Gemütlicher scheint der

„Wobbel“ von David Moises. Mounty R.P.Zentara hat gleich umfassend

für einen komfortablen Aufenthalt gesorgt: Sein Fernsehstuhl wird

mittels einer Leuchtstoffröhre blau angestrahlt und das Holzgehäuse

des alten Fernsehgeräts beherbergt eine Minibar. Multifunktional

ist auch die ziemlich dominante Skulptur der „Menorah“ von Elke

Krystufek: verwendbar als Schrank, Abstellfläche und nicht zuletzt

als Lichtquelle, darüber hinaus symbolisch stark besetzt. Mit „Vinzi

Chair“, dessen Entwurf auf eine Zeichnung des fünfjährigen Vinzenz

Grausam zurückgeht, ist auch für die kleinen Besucher der Ausstellung

eine adäquate Sitzgelegenheit gegeben. Fein schaukelt das „Archiquantalround-möbel“

von Heidulf Gerngross, daneben steht praktischer

Weise dessen „Aschenbecher für 3000 Zigaretten“ für ausdauernden

Rauchgenuss. Rein formal würden dazu Mario Neugebauers Tische

aus Motorhauben von BMW und Mitsubishi passen, erinnert doch der

Umriss der (leider ziemlich buckeligen) Platten an das Grundformat

des Archiquanten. Zweckmäßiger sind die anderen Künstler-Tische,

wie von Heimo Zobernig, Eva Schlegel, Gelitin oder Marcus Geiger, um

die sich die Besucher der Wiener Art Foundation gern mit einem Glas

Bier oder Wein gruppieren. Dies geschieht vor allem anlässlich einer

der vielen Veranstaltungen, die zumindest jeden zweiten Mittwoch

Abend stattfinden.

Es werden neben Kurzfilmabenden, Performances und Lesungen auch

Konzerte und mitunter Abendessen für ausgewählte Gäste abgehalten.

Das Programm ist abwechslungsreicher und fundamentaler Bestandteil

der Ausstellung, die selbst prägnante Manifestation des prinzipiellen

Bestrebens der Art Foundation ist: Diskurs und Kommunikation um

das Thema Kunst zu evozieren.

In diesem Zusammenhang wird auch dem Kontakt und Austausch

mit der internationalen Szene als wertvolle Komponente wesentlicher

Raum und nicht zuletzt inspirierendes Moment beigemessen. Die

spezielle Verbundenheit mit dem Kunstgeschehen in Berlin soll

mit den wechselnden Teilausstellungen „berlinerzimmer#1“ bis

„berlinerzimmer#2“ auszugsweise dargeboten und bestärkt werden.

Die spektakuläre Eröffnung wie auch die ganzen beiden Monate der

öffentlichen Präsenz waren für die Wiener Art Foundation besonders

erfolgreich. Aufgrund ihrer unkonventionellen Präsentation und

aufgeschlossenen Führung ist sie als innovative und progressive

Kunstinstitution enthusiastisch begrüßt worden und hat sich in

Folge in der städtischen Kunstszene zu einem viel frequentierten Ort

entwickelt.

Leider bleibt bei aller Freude ein Wermutstropfen, denn der Standort

in der Barnabitengasse kann der Wiener Art Foundation nur bis zum

bevorstehenden Umbau des gesamten Gebäudes Mitte Jänner zur

Verfügung gestellt werden. Der zukünftige Verbleib der Foundation

hängt letztendlich auch von den allzu geringen finanziellen Mitteln

ab. Da die Subventionen seitens der öffentlichen Hand zusehends

spärlicher ausfallen, müssen private Sponsoren oder Mäzene motiviert

werden um mit ihrer Unterstützung den Fortbestand zu sichern. Sogar

Galeristen wie Künstler haben zur Ausstellung beigetragen, Franz

West zb. den Erlös der eigens geschaffenen Edition „Quasimodo“,

ein „Wohnzimmer-Wäschehaken“, zur Hälfte der Art Foundation

gewidmet. Mehrfach symbolisch kann die BOGEY-WOOGIE Säule

aus Styropor von Patrick Baumüller gedeutet werden, die scheinbar

die Decke des Ausstellungsraumes trägt und in einzelne Module zu

Hockern zerlegbar ist.

Dennoch, Amer Abbas und Stefan Bidner stehen diesen schwierigen

Bedingungen als tatkräftiges Team mit dynamischem Engagement

gegenüber. Ihre definitive Intention ist die Wiener Art Foundation in das

urbane kulturelle Leben zu integrieren und als progressive Institution

zu etablieren. Sie soll das Wiener Kunstgeschehen unabhängig von

Kunstmarkt oder Politik mit einem offenen diskursiven Spektrum

ergänzen und ideell bereichern – eine phantastische Vision wird

Realität!

Margareta Sandhofer

Wiener Art Foundation • Barnabitengasse 11-13 • 1060 Wien

Öffnungszeiten: Mi-So 16.00-22.00 Uhr |

bei Veranstaltungen bis 24.00 Uhr

Eintritt frei. • Kontakt: office@artfoundation.at •

Web: www.artfoundation.at

Patrick Baumüller, ca. 36

Otto Wagner, Zeitlos

Detail von Elke Krystufek, 33

Franz West, ca. 60

Vinzenz Grausam, 5

David Moises, ca. 35


Nr. 25/2010 Buch IX - Wien Süd

43

Das DING - Objekt und/oder Individuum

Internationales Ausstellungsprojekt

8. Oktober 2010 bis 4. Februar 2011

In Kooperation mit: Galerie Kurt im Hirsch

und dem Museum der unerhörten Dinge

Tempelherrenstraße 22, D-10961 Berlin/Kreuzbergg

fon. 030 221 609 312 - mob. 0160 995 78 158

www.2gas-station.net - info@2gas-station.net

8. Oktober 2010

Rundgang mit Elisa Asenbaum um 17 h, Vernissage ab 19 Uhr

Veranstaltungstag 9. Oktober 2010, 14 - 22 Uhr

Franz Embacher, Hans Diebner. Elisa Andessner, K.U.SCH.

Martin & The Evil Eyes Of Nur

Veranstaltungstag 6. November 2010, 17 - 21 Uhr

Anna Elisa Heine, Peter Funken – Thomas Sturm

Veranstaltungstag 4. Dezemnber 2010, 14 - 21 Uhr

Rachel de Joode, Monika Linhard, Aida Bosch, Roland Albrecht

Veranstaltungstag 29. Januar 2011, 17 - 21 Uhr

Daniela Rückner, Olga Clavel and Miryam Mariblanca

Das DING - Objekt und/oder Individuum

Amel Andeßner (Video) - Elisa Andessner (Performance)

- Elisa Asenbaum (interaktive Installation)

– Ralph Bageritz (Bildende) - Reinhold A.

Bertlmann, Tanja Traxler (Wissen-schaft) - Axel H.

Bertram (Video) - Aida Bosch (Wissenschaft) -

Matthieu Brouillard (Foto) - Johann Büsen (Animation)

– Rachel de Joode (Installation, Votrag)

- Hans H. Diebner (Wissen-schaft, Vortrag) - Franz

Embacher (Wissenschaft, Vortrag) - Heather D.

Freemann, Jeff Murphy (Video) - Siegfried A.

Fruhauf (Objekt) - Peter Funken (Diskussion) -

Sarah Decristoforo, Georg Schobert (Foto, Objekt)

- Michaela Göltl (Foto) - Stephan Groß

(Objekt) - Yikui (Coy) Gu (Foto) - Marion Habringer (Installation) - Susanne Hampe (Bildende) - Stephanie Hanna

(Video) - Anna Elisa Heine (Wissenschaft, Vortrag) - Bettina Heintz (Wissenschaft) - Barbara Höller (Objekt) -

Jochen Höller (Malerei) - Edition Splitter, Batya Horn (Literatur) - Elfriede Jelinek (interaktive Installation) - Jarik

Jongman (Bildende) - Team K.U.SCH., Renate Krätschmer, Jörg Schwarzenberger, Sito Schwarzenberger (Installation,

Performance) - Ulli Klepalski (Bildende) - Nicole Knauer (Installation) - Ina Krauß (Ton-Collage) - Marianne

Kubaczek (Essay) - Zoia Laufenberg (Foto) - Kathrin Leupold (Essay) - Muyan Lindena (Objekt) - Monika Linhard

(Installations-Vortrag) - Petra Lottje (Video) - Sarah Lüdemann (Foto) - Eberhard Malwitz (Essay) - Claudia Märzendorfer

(Foto) - Klara Meinhardt (Objekt) - Lemeh42 (Video) - Dirk Müller (Objekt) - Otto Neumaier (Wissenschaft)

- Heike Nösslböck (Videoinstallation) - Matthias Pabsch (Objekt) - Armando Pelliccioni (Bildende) - Herwig Peterlik

(Wissenschaft) - Herbert Pietschmann (Wissenschaft) - Anahita Razmi (Video) - Arnold Reinisch (Foto) - Ralf Rother

(Essay) - Daniela Rückner (Literatur) - Gon seok Ryu (Video) - Fabio Scacchioli (Video) - Steven Scott (Animationsvideo)

- Thomas Sturm (Objekt und Diskussion) - Martin & The Evil Eyes Of Nur, Herr Leitung, Kaiser Kurzweil und

Pussy Hass (Video, Performance) - Marko Zink (Foto) - DANGER HILL, Marc Périlhou, Olga Clavel, Miryam

Mariblanca (Tanz-Performance). 65 Positionen aus Wissenschaft, Kunst und Literatur.


Städteplanung / Architektur / Religion

Wien

Buch IX -

Weitere Infos finden Sie auf der StadtWien/ÖBB-Homepage:

www.hauptbahnhof-wien.at


Wien Süd 45

In den Startlöchern:

das Sonnwendviertel beim neuen

Hauptbahnhof

Öffentlicher Verkehr

Sowohl im neuen Stadtviertel wie auch beim Hauptbahnhof spielen Wiener Linien

und S-Bahn-Netz eine wichtige Rolle. Beim Hauptbahnhof entsteht ein bequem

zu Fuß erreichbarer zentraler Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs: 11 S-Bahn-

Linien, die U1-Station „Hauptbahnhof“ (dzt. noch „Südtiroler Platz“), die beiden

Straßenbahnlinien 18 und 0, wie auch die Autobusse 13A und 69A bieten, neben

diversen zusätzlichen regionalen Buslinien, ein rasches Weiterkommen. Und

das alles im frischen Design der neuen Passage Hauptbahnhof unterhalb des

Südtiroler Platzes. Nach Fertigstellung des Stadtviertels wird die Straßenbahnlinie

D das gesamte Areal entlang des neuen Parks durchqueren.

Fahrrad

Mehrere Kilometer Fahrradwege sind innerhalb des neuen Stadtviertels mit

seinen 13.000 Bewohnerinnen und Bewohnern geplant. Dazu kommt noch das

Radwegenetz rund um das Gebiet des Hauptbahnhofes, welches nahezu zur

Gänze modernisiert wird. Verbesserungen für den Radverkehr bringen auch die

schon laufenden Sanierungen und Neubauten der vielen Brücken und Tragwerke.

Auf der Sonnwendgasse und der Gudrunstraße wird es zukünftig möglich sein,

für jede Richtung einen Radweg einzurichten. Im Hauptbahnhof selbst wird es –

auch das eine Novität, die ihresgleichen sucht! – eigene Fahrradgaragen an drei

Standorten für insgesamt 1200 Fahrräder geben. Bei den beiden neuen Brücken

im Sonnwendviertel – Arsenalsteg und Südbahnhofbrücke - ist nicht nur Platz

für Gehende, sondern auch für Radfahrer. Detto werden auch Stromtankstellen

angeboten.

Bildungscampus

Um die 20.000 Quadratmeter für die Bildung! Im neuen Stadtviertel wird es an

der Gudrunstrasse einen Bildungscampus geben. Vom Kindergarten über eine

Ganztagsvolksschule bis zu Schulangeboten für bis 14jährige: der neu errichtete

Bildungscampus stellt nicht nur für Familien im Sonnwendviertel, sondern auch

für Kinder aus der Umgebung ein besonderes Plus dar!

Neuer Park im Stadtviertel

Ein großer Wurf in Sachen Erholung, Aktivität und Grünraum: Der neue Park

im Sonnwendviertel wird um die 8 Hektar groß sein. Seine langgezogene Form

gewährleistet, dass möglichst viele zukünftige Bewohnerinnen und Bewohner

direkt am Park wohnen können. Viel Grün wird es aber nicht nur im neuen Park

geben: Auch auf den neuen Wegen und Straßen im neuen Stadtviertel wird es zu

attraktiven Grüngestaltungen kommen.

Moderne Architektur

Flexibel und orientiert an den sich wandelnden Bedürfnissen einer modernen

Gesellschaft: So stellen sich in Grundzügen die einzelnen Wohnprojekte für

das Sonnwendviertel dar. Die ersten drei Baufelder sind per Wettbewerb bereits

definiert. Ab 2012 wird mit der Errichtung der ersten Wohnungen begonnen.

Natürlich spielt auch das Prinzip der Nachhaltigkeit – Stichwort: Passivhaus-

Technik oder etwa Fernwäme/-kälte - in der Architektur vor Ort eine wichtige

Rolle.

Brücken überwinden ehemalige Barriere

Über mehr als 150 Jahre prägte die Infrastruktur des ehemaligen Süd- und

Ostbahnhofes die Gegend. Die Barriere zwischen 3. und 10. Bezirk wird

bereits in absehbarer Zeit Vergangenheit sein. Mit Errichtung des Arsenalstegs

für Fußgänger und Radfahrer bzw. der Südbahnhofbrücke (Kfz, Fuß- und

Radverkehr) wird nicht nur wertvolle öffentliche Infrastruktur geschaffen,

zusammen mit weiteren drei neuen Straßenquerungen wird das neue Stadtviertel

ideal erschlossen.


Architektur im Ringturm

Fuchs

Ausstellung

09.12.2010_18.03.2011

Bohuslav

Fuchs

Architekt der

tschechischen

AvAntgArde

Haller & Haller

Vienna Insurance group Ag Wiener Versicherung gruppe · 1010 Wien · schottenring 30 · www.vig.com

eintritt frei

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag 9–18 uhr

Feiertags, 24.12. und 31.12. geschlossen

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Nr. 25/2010 Buch IX - Wien Süd

47

Gratulation an das Team Helmut Wimmer und an Wien Süd

AM MAURERBERG!!!

1 5 10

n:

Planungsteam: Helmut Wimmer mit Bernhard Weinberger & Andreas Gabriel

Bauherr: WIENSÜD Untere Aquäduktgasse 7, A-1230 Wien

Freiraumplanung: EGKK landschaftsarchitektur

Statik, Bauphysik: Buschina & Partner

sse: 35, A-1230 Wien

Daten:

Adresse: Rudolf-Waisenhorn-Gasse 35, A-1230 Wien

Grundstück: Areal der ehemaligen Brauerei Liesing

5.252 m2 Wohnfläche, 1.663 m2 Terrassen, 933 m2 Eigengärten

48 freifinanzierte Wohnungen, ø 109 m2 + 35 m2 Terrasse

Baubeginn: Okt. 2008

Fertigstellung: Nov. 2010, derzeit in Verkauf

dstück: Areal der ehemaligen Brauerei Liesing

m 2 Wohnfläche, 1.663 m 2 Terrassen, 933 m 2 Eigeng

ifinanzierte Wohnungen, ø 109 m 2 + 35 m 2 Terrasse

eginn: Okt. 2008

stellung: Nov. 2010, derzeit in Verkauf


48

Buch IX - Wien Süd Nr. 25/2010

KUB Kunstvermittlung

Harun Farocki

Weiche Montagen/ Soft Montages

23. Oktober 2010 bis 09. Januar 2011

KUB Arena

Ein Performanceprojekt

Ruth Buchanan | Simon Fujiwara |

Suchan Kinoshita | Falke Pisano | Ian White |

Kooperative für Darstellungspolitik

23. Oktober 2010 bis 09. Januar 2011

Diskurs

Künstlerfrühstück

Samstag, 23. Oktober, ab 9.30 Uhr | Eine besondere

Gelegenheit, den Künstler persönlich kennenzulernen

und mehr über die Ausstellung zu

erfahren, bietet sich beim Künstlerfrühstück. Der

Unkostenbeitrag beträgt 14 €. Um telefonische

Anmeldung wird gebeten: (+43-55 74) 4 85 94-415.

Nicht ohne Risiko

Samstag, 23. Oktober, 10.30 Uhr | Harun Farocki

stellt seinen Film Nicht ohne Risiko (2004) vor, der

wegen der Finanzkrise besondere Aktualität hat.

Signierstunde

Samstag, 23. Oktober, 12 – 13 Uhr | Im Anschluss

an das Künstlerfrühstück signiert Harun Farocki

die von ihm gestaltete Panoramaseite der Vorarlberger

Nachrichten (VN).

Vortrag

Samstag, 20. November, 19 Uhr | Volker Pantenburg

(Bauhaus-Universität Weimar): Nebeneinander.

Zur Anordnung des Bildes bei Harun Farocki.

Atelierbesuch bei Vorarlberger Architekten

Dienstag, 23. November, 17 Uhr | In ihrem Bregenzer

Atelier besucht werden diesmal Andreas

Cukrowicz und Anton Nachbaur-Sturm, die für

den Neubau des Vorarlberger Landesmuseums

verantwortlich sind (Cukrowicz Nachbaur Architekten,

Anton-Schneider-Strasse 4 A, Bregenz).

Dialogführungen

In offenen Dialogführungen wird zur Kunst, zum

KUB allgemein sowie zu aktuellen Fragen Stellung

bezogen.

Donnerstag, 9. Dezember, 19 Uhr | Harun Farocki

führt im Dialog mit KUB-Direktor Yilmaz Dziewior

durch die Ausstellung.

Dienstag, 14. Dezember, 18 Uhr | Ausstellungsrundgang

mit dem Präsidenten der Vorarlberger

Künstlervereinigung Wilhelm Meusburger und

KUB-Direktor Yilmaz Dziewior.

Film

Für die Filmreihe, die in Kooperation mit dem

Filmforum Bregenz im Metrokino (Rheinstraße 25)

gezeigt wird, hat Harun Farocki folgende Auswahl

getroffen:

Mittwoch, 17. November, 20 Uhr | Nicht löschbares

Feuer (1969, 25 Min., 16 mm, s/w); Bilder der Welt

und Inschrift des Krieges (1988, 75 Min., 16 mm,

Farbe, s/w).

Donnerstag, 18. November, 20 Uhr | Ein Bild

(1983, 25 Min., 16 mm, Farbe); Der Auftritt (1996,

40 Min., Video/Beta SP, Farbe); Nicht ohne Risiko

(2004, 50 Min., Video, Farbe).

Freitag, 19. November, 22 Uhr | Videogramme

einer Revolution (1992, 106 Min., 16 mm, Farbe).

Samstag, 20. November, 22 Uhr | Aufstellung

(2005, 16 Min., DV, s/w und Farbe); Arbeiter verlassen

die Fabrik (1995, 36 Min., Video/Beta SP,

Farbe und s/w), Aufschub (2007).

Führung

Architekturführung

Sonntag, 7. November 2010, 5. Dezember 2010

und 2. Januar 2011, jeweils um 11 Uhr

KUB + Kaffee

Dienstag, 9. November und 7. Dezember, jeweils

15 Uhr | Einem geführten Rundgang durch die

Ausstellung folgt die Nachlese im KUB-Café. Inklusive

Kaffee, Eintritt und Führung 9 € pro Person.

Familie

Sonntag, 14. November 2010 und 2. Januar 2011,

jeweils 14 Uhr | In besonderen Aktionsführungen

wird der ganzen Familie spielerisch die Ausstellung

des Künstlers näher gebracht

Subjektivführung

Donnerstag, 25. November, 19 Uhr | Bei dieser

Führung stehen die Sensibilisierung der Wahrnehmung

sowie die Reflexion des psychischen

und physischen Erlebens im Mittelpunkt. Es führen

Isabel Bitriol und Manuela Dobler-Dittrich,

die sowohl kunsthistorische als auch psychologische

Aspekte der Ausstellung zur Sprache

bringen werden.

Kuratorführung Rudolf Sagmeister

Sonntag, 28. November, 14 Uhr

Direktorführung Yilmaz Dziewior

Donnerstag, 2. Dezember, 19 Uhr

Backstageführung

Donnerstag, 16. Dezember, 19 Uhr

Finale

Sonntag, 9. Januar 2011, 16 Uhr | Letzte Führung

durch die Ausstellung.

Jugend – Kind

Antony Gormley – Horizon Field

Lesung: Eisenmann sprich!

Freitag, 5. November, 18 Uhr | Die sieben Jugendlichen,

die im Sommer zusammen mit der Vorarlberger

Autorin Daniela Egger mehrere Tage auf

der Widdersteinhütte verbrachten, erarbeiteten

inmitten von Antony Gormleys Landschaftsinstallation

Monologe für die Eisenfiguren. Im KUB

präsentieren sie die Ergebnisse ihres Schreibworkshops.

ART CRASH

Freitag, 19. November 2010 und 7. Januar 2011,

jeweils 16–18 Uhr | Der ART CRASH bietet

Jugendlichen die Möglichkeit, zusammen mit

der Künstlerin Kirsten Helfrich Ausstellungen zu

besuchen, Künstlern in ihrem Atelier über die

Schulter zu schauen und ganz generell über Kunst

zu sprechen. Infos unter: k.helfrich@kunsthausbregenz.at.

Alles unter Kontrolle

Unter der Leitung von Marco Ceroli findet in den

Weihnachtsferien von Dienstag, 28. Dezember

bis Donnerstag, 30. Dezember ( jeweils 10 – 13 Uhr)

ein Workshop für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren

statt. Den Abschluss dieses pädagogischen

Programms bildet die Präsentation der Ergebnisse

am Donnerstag um 13 Uhr. Teilnahmegebühr für

alle 3 Tage: 27 €, Buchung einzelner Tage möglich;

Anmeldung erbeten: (+43-55 74) 4 85 94-415.

In letzter Minute

Samstag, 18. Dezember, 10 – 13 Uhr und 14–17 Uhr |

Noch rechtzeitig vor Weihnachten besteht die

Möglichkeit, mit Marco Ceroli kreative Geschenke

und Weihnachtsdekorationen zu basteln.

Für Kinder von 5 bis 12 Jahren; keine Anmeldung

erforderlich. Beitrag: 4 €

Kunstdrache

Mittwoch, 17. November 2010 und Mittwoch,

5. Januar 2011, jeweils 15 Uhr | Der Kunstdrache

erzählt dieses Mal zusammen mit der Tierpolizei

für Kinder im Alter von 4 bis 10 Jahren Kunstgeschichten.

Der Eintritt für Kinder ist gratis.

Das zweite Projekt im neuen Programm der KUB-

Arena setzt sich mit Handlungs- und Repräsentationsformen

performativer künstlerischer

Praktiken auseinander. Fünf international arbeitende

KünstlerInnen, Ruth Buchanan, Simon

Fujiwara, Suchan Kinoshita, Falke Pisano und

Ian White, wurden eingeladen, die KUB-Arena

für prozessorientierte Anordnungen zu öffnen,

in denen Performance sich als ästhetische wie

begriffliche Herangehensweise artikuliert.

Programm

November 2010

Samstag, 6. November, 18 Uhr | Hinterhof,

Performance von Ian White

Freitag, 12. November, Samstag, 13. November

und Sonntag, 14. November, jeweils 18 Uhr |

Sculptor, Performance von Ruth Buchanan

Freitag, 26. November, 18 Uhr | The Museum

of Incest, Performance von Simon Fujiwara

Dezember 2010

Samstag, 4. Dezember, 18 Uhr | Hinterhof,

Performance von Ian White

Sonntag, 5. Dezember, 18 Uhr | Erläuterungen und

Gespräch mit Falke Pisano & Suchan Kinoshita

Januar 2011

Samstag, 8. Januar, 18 Uhr | Hinterhof,

Performance von Ian White

Sonntag, 9. Januar, 18 Uhr | Gespräch:

Coming to Have a Public Life, Is It Worth It?

Workshop

Für Kinder im Alter von 5 bis 10 Jahren findet

jeden Samstag von 10 bis 12 Uhr ein Workshop

statt. Nach einem Rundgang durch die aktuelle

Ausstellung werden die vermittelten Inhalte

anschließend beim praktischen Arbeiten vertieft.

Beitrag: 4 €

KUB

Harun Farocki (rechts) u. Kameramann Ingo Kratisch bei Dreharbeiten in Burkina Faso, 2006. Foto: Matthias Rajmann

Karl Tizian Platz, 6900 Bregenz, Austria

Phone (+43-5574) 485 94-0

www.kunsthaus-bregenz.at

Öffnungszeiten Di – So 10 – 18 Uhr, Do 10 – 21 Uhr

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07.10.2010 12:44:15 Uhr


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch X - AUTOSTAR 49

David Staretz

schreibt, redigiert und fotografiert den Auto-ST/A/R

David Staretz

schreibt, redigiert und fotografiert den Auto-ST/A/R


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch X - AUTOSTAR 51

Gunslinger-Handbrake

Unverwechselbare Frontpartie, allerlei Rotary-Zitate

Klare Info: Drehzahlen in der Mitte, Tacho als Digitalanzeige

Größer, als er aussieht

ABGESANG DER TROCHOIDE

Passt geschmeidig in Umgebungen

Mit dem Auslaufen des Mazda RX-8 steuert der Wankelmotor wieder einmal seinem

Ende zu. Bislang wurde das Flämmchen der Genialität knapp vor dem Erlöschen stets

weitergereicht.

TEXT UND FOTOS: DAVID STARETZ

Der Wankelmotor war die letzte große

mechanische Erfindung. Alles, was

wir sonst an Neuerungen erleben,

sind Nachbesserungen vorhandener Ideen,

meist verfeinert mit den Mitteln angewandter

Halbleitertechnik.

Dem Erfinder Felix Wankel, der schon lange

nach einer eleganteren Lösung geforscht

hatte, ist bei einem Waldspaziergang eine

Idee von reiner Schönheit erschienen. Das

Prinzip ist so einfach und kompliziert wie

das nur Eingebungen an sich haben. Etwa

so, wie man in lichten Momenten genau

weiß, was das Wesen der Zeit ist – nur wenn

einen jemand danach fragt, kann man es

nicht ausdrücken.

Felix Wankel brachte es in den fünfziger Jahren

zustande, die Reinheit der Eingebung in

ein funktionierendes Prinzip umzuwandeln.

Kernpunkt: Der Kolben ist zugleich Ventile.

Die Eleganz der Bewegung wird um eine

ganze Dimension erweitert; eine geradezu

unfassbare, die Evolution des Menschen

vorantreibende Denkleistung setzt sich mitten

in die großen Prinzipien der Natur: Die

Epitrochoide ist geboren. Schluss mit dem

„armen Schüttelhuber, der Granate, die im

Rohr hin- und her geschossen wird“, wie

Wankel den Hubkolbenmotor zu schmähen

pflegte.

Als Wankel seine Erfindung in den späten

sechziger Jahren herausbrachte, drohte die

gesamte Autowelt zu kippen. BMW war

drauf und dran, alle Motor-Fertigungsstraßen

auf Wankel umzubauen, jeder große

Automobilhersteller war unter dem Druck

der Zukunft gezwungen, Wankel-Lizenzen

zu kaufen.

Nachteil aber: Das System ist in seiner

Schönheit erstarrt, lässt sich wenig variieren,

selbst mit elektronischem Nachbessern ist

ihm wenig beizukommen, weil es so mechanisch

arretiert ist. Es wurde dann aus diesem

und tausend anderen Gründen doch nichts

daraus; Motoren laufender Serien erwiesen

sich als pannenanfällig, verbrauchten ungewohnt

viel Öl und Benzin, es gab Rattermarken

an den Laufflächen. Weiterer Nachteil:

Rotationskolbenmotoren (Rotary Engines)

lassen sich nicht verdieseln.

So konnte die Automobilindustrie wieder

beruhigt zurückkehren zum Altgewohnten.

Nur ein Mann ließ nicht locker: Kenichi

Yamamoto, Entwicklungschef bei Mazda

in Hiroshima, hatte das dem japanischen

Wesen von der Erhabenheit des Einfachen

nahestehende Prinzip in der Tiefe seiner

Schönheit erkannt und ließ nicht ab, weiter

daran zu forschen und zu entwickeln.

Schließlich hatte Mazda schon in Wankel-

Boom-Days eine entsprechende Rotary-

Kleinserie gefahren. Jetzt die Krönung, der

Zuschliff eines gesamten Autokonzeptes

auf die Möglichkeiten der waschtrommelkleinen,

vibrationsarmen, leichten Rotary-

Engine: Der Mazda RX-7, ein Sportwagen

der good vibrations, wie ihn besonders die

Damen liebten.

Er wurde ein respektabler Erfolg, scheiterte

aber in der ungefähr vierten Evolutionsstufe

des Modells daran, dass es, den Gesetzen des

Automarktes folgend, immer größer, schwerer

und stärker wurde, was ihm die Idee der

feinen Eleganz nahm.

Die Beharrlichkeit der Japaner ist aber eine

berühmte. So wurde nach jedem vermeintlichen

Total-Ende des Wankelmotors wieder

ein zartes Flämmchen weitergereicht in

die nächste Generation, und nun müssen

wir die Einstellung des schönen, solitären

Mazda RX-8 vermelden, eines der letzten

außergewöhnlichen Sportwagenkonzepte.

Sein Mut zum Wankel wird übrigens karosserietechnisch

von einem radikalen Türenkonzept

weitergeführt. Dort, wo man bei

anderen Coupés nur die Mühsal des Zu-den-

Notsitzen-Kriechens vermutet, öffnen sich

zwei Halbtüren gegen die Fahrtrichtung,

um richtig Platz zum Einsteigen freizugeben.

Auch wenn diese Idee nicht die Welt

rettet, so ist sie doch tapfer in den Zeiten des

Kosten-Nutzen-Mainstreams. (Dass dieser

verlassen wurde, zeigt sich leider auch an der

Preisgestaltung – der 231-PS-Wagen kostete

zuletzt 47.790 Euro.)

Ist nun endgültig Schluss mit Wankel?

Ausgerechnet Audi, einst mit dem NSU

Ro80 Wankel Pionier der sechziger Jahre,

bringt das Konzept gerade wieder ins Spiel.

Die von der österreichischen AVL mitkonzipierte

Studie e-tron benützt einen kleinen

Wankelmotor als so genannten Range Extender,

als 20-PS-Stromgeneratormotor, der die

50 Kilometer Batterie-Laufleistung des Konzeptfahrzeuges

um weitere 200 Kilometer

verlängert. Sieht so aus, als würde Wankels

Flamme noch lange nicht verlöschen.

Delikate Formdetails

Kräftige Heckanordnung Take a seat – großzügiger Einstieg Aufgefiedert Auch der Blinker ist ein Zitat So schwingt die Hintertür auf Der Motor ist unter Designware verborgen

Trochoide vorn und hinten (Bremsleuchte)


52

Buch X - AUTOSTAR Nr. 25/2010

GEZIELTE SCHNAPPSCHÜSSE INS ZEITGEFÜGE

Zur Ausstellung „Hyper Real. Die Passion des Realen in Malerei und Fotografie.“

TEXT: DAVID STARETZ / Fotos: MUMOK

Spaziergang in Tanger. Ein Gemälde in

der Auslage eines Antiquitätenhändlers

beschäftigt mich lange: Fünf auf

den Betrachter zureitende Berber feuern

ihre Flinten ab und tun dies, wie das Mündungsfeuer

bezeugt, absolut gleichzeitig.

Wunderbare Welt der Malerei. Ich denke

an Hockney, der sagte: „In einem Foto ist

der Moment geronnen, in einem Gemälde

die Zeit.“ Hier nun, in dieser formidablen

Ausstellung HYPER-REAL des MUMOK

(Stiftung Ludwig), lässt sich die Gegenprobe

anstellen. Das Figurative der Malerei,

die oftmals aufreizende Beliebigkeit der

Sujets spielt mit dem Moment des fotografischen

Schnappschusses, feiert die Dingfestmachung

eines geradezu launenhaft der

Verewigung ausgesetzten Momentes. Und

doch bekommen die oft riesigen Formate

etwas Ikonografisches, Gewaltiges – vermittelt

auch durch den schieren Fleiss, der in

der Arbeit steckt, im Handwerklichen, im

künstlerischen Gestus zurückgenommenen

Abmalens eines in der Regel per Projektor

auf die Leinwand projizierten Fotodias.

Dieser innige Prozess, dem scheinbar

Ungefähren einen historischen Bestand zu

verleihen, stellt natürlich Spannungen her,

Momentanverschiebungen und Irritationen,

deren künstlerischer Impact natürlich weit

über Sujet und Darstellung hinausreichen.

Dass es sich bei den Bildern von Richard

Estes, Ralph Goings, Robert Bechtle, Malcolm

Morley, Don Eddy, Robert Cottingham,

Richard McLean oder Chuck Close um

Bezugnahmen auf die Pop Art, vorgetragen

von Protagonisten wie Roy Lichtenstein,

James Rosenquist, Andy Warhol oder Tom

Wesselmann handelt, stellt die Ausstellung

sehr schön dar. (Ergänzend dazu sieht man

Fotografien aus der Zeit der 1960er und

1970er Jahre von Saul Leiter, Stephen Shore,

Joel Meyerowitz oder William Eggleston.

Auch Europäer treten auf: Gerhard Richter,

Domenico Gnoli, Jean Olivier Hucleux oder

Richard Hamilton schaffen ein pointiertes

Gegengewicht.)

Die von den Hyperrealisten gewählten Sujets

wirken heute in ihrem wie unbeholfen wirkenden

Dokumentarismus wie Schaubilder

in den American Way der sechziger und

siebziger jahre, in Kodachrome-Farben, bei

Sonnenschein aufgenommen, und immer

wieder vom Traumtransporter Nummer

eins beherrscht, der großen amerikanischen

Limousine, abgelöst auch vom VW-Käfer

oder dem Silver-Bullet-Wohnwagen, in dem

sich Glanz und Glorie eines amerikanischen

Traumes zu erfüllen scheinen. Dabei, wie

im Pressetext so schön erläutert wird, „sind

die fotorealistischen Bilder – obwohl speziell

amerikanisch orientiert – der europäischen

Geschichte der Malerei geschuldet und

behaupten in ihrer traditionell malerischen

Ausrichtung ein Fortführen der figurativen

Tendenz der Moderne. Täuschung, Illusionismus

oder andere Themen der Repräsentation

werden als Malerei mit Bezug auf ihre

Geschichte diskutiert.“

Sehenswerte Ausstellung,

man gehe bald hin, der 13. 2.

kommt dann eh schneller, als

man dachte.


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XI - WARAN 53

Dein Spiegelbild interessiert andere nicht.

Chainsaw Massaker for Hosenkacker.

Bruder Baum ist Tot.

Mediale Séance, Waran – Husar 2010

Foto : Barbara Anna Husar


Städteplanung / Architektur / Religion

manchmal moechte ich meinen mir kommt

die hand aus. geduldsgrenze.

Buch XI - WARAN Kannst du mir bitte Skizze anfertigen im alten Stil, der alten Meister die alten Höhlenmenschen.

55

Damals musste man um eine Frau abzuschleppen sie nur an den Haaren nach Hause schleifen Und die

Geschichte nimmt irren LAUF Wie verwirklichst du dich Noch alle

Tassen im schrank

OM

2 BUCHstaben

werde kein wort erheben gegen jeden der

sich in meinen weg stellt und wenn es auch

ein baum ist oder eine armee von bäumen

im namen des wahnsinns

sie sind umzingelt

und werden an jeder türe abgewimmelt

im namen des wahnsinns

wer gibt euch das recht

wer nimmt es wieder

im namen der völker

legt euch nieder

seit schlafend zufrieden

und träumt von frieden

im namen des wahnsinns

sie sind umnachtet

aus spherischer entfernung betrachtet

im namen des wahnsinn

sie haben verloren

nur dafür sind sie auserkohren

Jesus im Gemeindebau

im namen des wahnsinns

ich habe gelogen

ich habe gelogen

Foto : Barbara Anna Husar

Bürgerkrieg im

Burger King, King Kong wird kleiner als

erwartet.

Enhaltsamkeit bringts– höhere

Hirntätigkeit.

Kirchenaustritt hät mit dem Fortschritt

nicht mit, der Druck ist immens, jede

Sekunde zählt. Brustvergrößerung

übernimmt ihr Arbeitheber bz. das AMS

oder dein Zuhälter.

Der Regenwald wird kleiner und

das Ozonloch wird größer. Alles

hält sich in Waage. Das kleinhirn

denkt über das Großhirn nach und

umgekehrt. Alle Systeme laufen auf

Selbstzerstörungsmodus All wright All

over welcome into next level.

Nix Rolex

this is Breitling

Martinigansl,

die traurigste

Kochsendung der Welt,

bald auf DVD

Darf ich dir den Stuhl in den Popo führen


56

Buch XI - WARAN Nr. 25/2010


Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XII - Sabine Köchert 57

„Die Wahl des Motivs lag so sehr auf der Hand, als ich hierher kam. Das Auto war so nahe liegend,

hässlich und nutzlos und groß, wie es ist, und ich habe mich gleich dafür interessiert. In England hätte

ich nie Wagen gemalt. Das Auto ist dort nicht so wichtig. […]. Das Auto ist ein ganz nahe liegendes Motiv.

Auch wenn ich male, mit Spray und Spritzpistole – das entspricht der Art, in der Autos bemalt werden.

Die werden auch gespritzt. Ich finde nicht, das Motiv sollte sehr wichtig sein, aber es ist sehr wichtig.“

John Salt

John Salt, Ohne Titel (Autos, blaues Wrack und Lkw), 1971, Foto: Ludwig Forum, Aachen / Ann Münchow, © John Salt

William Eggleston, Untitled (New Orleans, from the „Louisiana Project“), 1981, © Eggleston Artistic Trust; Foto: Albertina; Wien

Saul Leiter, Chauffeur, 1955/2006, Foto: Albertina Wien, © Saul Leiter

Jeff Wall, Man with a Rifle, 2000, © Jeff Wall

Alex Colville, Truck Stop, 1966, Foto: Ludwig Museum Köln, © Alex Colville

Paul Staiger, Ohne Titel (U.N. Plaza), 1972, © VBK Wien, 2010

Ahmed Egmeri, Senza Titolo 2, 2006, © Ahmed Gmeri

Joel Meyerowitz, Untitled (56th Street & 3rd Avenue, New York), 1975 - 1976, Foto: Alberina Wien, © Joel Meyerowitz

William Eggleston, Untitled (New Orleans, from the „Louisiana Project“), 1981, Foto: Albertina Wien, © Eggleston Artistic Trust

Saul Leiter, Bus, 1954/2006, Foto: Albertina Wien, © Saul Leiter

Saul Leiter, Lanesville, 1958/2006, Albertina, Wien, © Saul Leiter; Foto: Albertina, Wien

Don Eddy, Ohne Titel (Volkswagen), 1971, © Don Eddy

Joel Meyerowitz, Untitled (Broadway at Bowling Green, New York City), 1976, Foto: Albertina Wien, © Joel Meyerowitz

Lewis Baltz, Santa Cruz (B), 1970, Foto: Albertina Wien, © Lewis Baltz

Lee Friedlander, Hilcrest, New York, 1970, Foto: Albertina Wien, © Lee Friedlander

Robert Bechtle, Berkeley Pinto (John de Andrea and his Family next to Bechtles Car), 1976, © Robert Bechtle

William Eggleston, Untitled (New Orleans, from the „Louisiana Project“), 1981, Foto: Albertina Wien, © Eggleston Artistic Trust

Richard Estes, Bus Window, 1969, © RIchard Estes

Ralph Goings, Airstream, 1970, © Ralph Goings

Robert Cumming, A Truck is an Object, 1970, © Robert Cumming, VBK Wien, 2010

Hyper Real

Die Passion des Realen in Malerei und Fotografie

bis 13.02.11

MUMOK MuseumsQuartier

Museumsplatz 1 A-1070 Wien Mo–So 10.00–18.00 Do 10.00–21.00 www.mumok.at

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13.12.2010 12:35:43 Uhr


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Buch XII - Sabine Köchert Nr. 25/2010

X-mas 2010


9

8 910

1

5

6

7

1

2

3

4

5

4

3

2

1

1 2345678910

c = +37.45

Nr. 25/2010 Buch XII - Sabine Köchert

59

TUN 6

c = +28.130

2

3

4

7 x 162 = 1 132

c = +29.260

1

2

3

4

5

6

Lek-9

8 x 162 = 1 294

c = +30.556

c = +28.750

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

20

16

17

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14

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11

12

13

9

6 7 8

8 x 162 = 1 294

6

7

c = +31.850

TUN 5

1

2

3

4

5

6

7

8

10

11

c = +32.650

Radiator

8

3 4567 2

1

17 x 188 = 3,200 m

9

10

11

12

13

14

15

16

9 x 184 = 1,656 m

HUS 31

Høyde inngang +32.5

17 x 171 = 2,900 m

HUS 27

Høyde inngang +32.0

HUS 30

Høyde Inngang +32.7

TUN 13

HUS 22

Høyde inngang +32,2

rister og spylemulighet

7 8910

6

16

17

15

13

14

11

12

18 x 178 = 3,200 m

19 x 179 = 3,400 m

3 4

2

1

5

HUS 29

Høyde inngang +32,5

HUS 28

Høyde inngang +32,5

HUS 23

Høyde inngang +32.5

HUS 24

Høyde inngang +32.5

HUS 21

Høyde inngang +35.2

TUN 12

HUS 25

Høyde inngang +35.2

HUS 16

Høyde inngang +36.2

Lek-6

HUS 26

Høyde inngang +35.2

Lek-8

HUS 20

Høyde inngang +36

TUN 11

HUS 10

Høyde inngang +38

HUS 17

Høyde inngang +36.5

Lek-7

TUN 10

HUS 11

Høyde inngang +38.35

HUS 19

Høyde inngang +37

HUS 18

Høyde inngang +37

c = +37.00

17 x 171 = 2,900 m

HUS 15

Høyde Inngang +39.2

HUS 12

Høyde inngang +38.2

c = +37.40

Lek-5

c = +37.00

15 x 177 = 2,650 m

1

2345

17 x 176 = 3,000 m

10

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16

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9

7 8 5 6 1 234

17 x 176 = 3,000 m

1 23 4 5

1

2345678917 x 176 = 3,000 m

17 x 176 = 3,000 m

7

5 6 4

3

1 2

13

14

15

11

12

16 x 170 = 2,720 m

17 x 171 = 2,900 m

15 x 177 = 2,650 m

HUS 6

Høyde inngang +40.3

HUS 7

Høyde inngang +40.3

TUN 9

HUS 8

Høyde inngang +40.3

17 x 171 = 2,900 m

HUS 2

Høyde inngang +40.5

15 x 177 = 2,650 m

17 x 171 = 2,900 m

c = +37.40

c = +37.50

15 x 177 = 2,650 m

Høyde inngang +39.7

Høyde inngang +39.6

HUS 9

Høyde inngang +40.8

HUS 5

Høyde inngang +41.1

HUS 1

Høyde inngang +41

TUN 7

HUS 3

Høyde inngang +40.5

15 x 177 = 2,650 m

17 x 171 = 2,900 m

15 x 177 = 2,650 m

1

2345

17 x 176 = 3,000 m

10

11

12

13

14

15

16

16

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10

11

5

4

2 3 1

5 6 7 8 9

17 x 176 = 3,000 m

17 x 176 = 3,000 m

1

2345678917 x 176 = 3,000 m

HUS 4

Høyde inngang +41

17 x 171 = 2,900 m

14

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13

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12

16 x 170 = 2,720 m

Kooperation helen&hard und PPAG

Passivhaus-Wohnbauprojekt in Industrieholzbauweise

mit 100 Wohnungen in Stavanger/Norwegen

IN BAU


spike_mutations:Layout 1 17.09.2010 16:04 Seite 3

Städteplanung / Architektur / Religion

Buch XII - Sa

Sissi Farassat

Ohne Titel Untitled, 2009

© Roman Chalupnik

SISSI FARASSAT.

SIOSEH forever

M U SA

Museum auf Abruf

29.10.2010–8.1.2011

Felderstraße 6–8, 1010 Wien Vienna

Di Tue –Fr Fri 11–18 Do Tue 11–20 Sa Sat 11–16

Eintritt frei Free admission

www.musa.at

STAR OFFICE INZERSDORF

1230 Wien, Sterngasse

Ihr Business unter einem guten Stern

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Nahrungsmittelfabrik

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Kontakt: Raiffeisen evolution project development GmbH Email: buero@raiffeisenevolution.com T 43-1-71706-111


ine Köchert 61

BACKHAUSEN - WIENER WERKSTÄTTE TEXTILMUSEUM

Mehr als 3.500 Originalzeichnungen von über 300 Künstlern aus der Zeit von 1805 bis 1950 (z.B. Koloman

Moser, Josef Hoffmann, Otto Prutscher uvm.) konstituieren das Backhausen-Archiv, die größte Sammlung

historischer Textildesigns weltweit. Seit 1970 werden diese Originalentwürfe wieder für die Produktion

von Möbelstoffen und Vorhängen herangezogen.

Mit der Übersiedlung des Backhausen-Schauraums von der Kärtnerstraße in die Schwarzenbergstraße 10

im Jahre 2003, wurde im Tiefparterre ein Museum eingerichtet und das Archiv der Öffentlichkeit zugänglich

gemacht. Das einzigartige Backhausen-Wiener-Werkstätte-Textilmuseum bietet eine repräsentative

Auswahl aus über 3.500 Originalentwürfen und einen Einblick in die Geschichte des Unternehmens.

Der enge Kontakt mit zeitgenössischen Künstlern wird von Backhausen

auch heute intensiv gelebt. So entstand 2009 die Künstlerkollektion

WIENER MUSTERZIMMER mit Entwürfen von Gilbert Bretterbauer, Peter

Kogler, Florian Pumhösl, Gerwald Rockenschaub, Lisa Ruyter und Esther

Stocker, welche in der gleichnamigen Ausstellung im Belvedere gezeigt

wurde.

Für die jährlichen WIEN PRODUCTS COLLECTIONS entwickelt und produziert Backhausen in der

Manufaktur in Hoheneich (NÖ) Stoffe nach Entwürfen junger Künstler. So entstand 2010 gemeinsam

mit dem Designduo POLKA (Marie Rahm und Monica Singer) die Kollektion AREA. Die Designerinnen

setzten sich hierfür erfolgreich mit dem Thema Dreidimensionalität auf einem zweidimensionalen

Medium auseinander.

Die Entwürfe und Stoffe der zeitgenössischen Künstler sind ebenfalls im

Wiener Werkstätte Textilmuseum ausgestellt und werden laufend ergänzt.

BACKHAUSEN - WIENER WERKSTÄTTE TEXTILMUSEUM

Schwarzenbergstraße 10

1010 Wien

Öffnungszeiten: MO - FR 9.30 - 18.00 Uhr

SA 10.00 - 17.00 Uhr

DU

Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann, 6 Bezirk, unterstützt die Aktion

STADTBILD 1“ ein Portrait über die Gumpendorferstrasse und ihre Akteure.

ST/A/R bedankt sich für die Unterstützung

ST/A/R 99 EURO ST/A/R 99 EURO ST/A/R 99

Katharina Heinrich, Bildende Künstlerin, Tel,: 0699/15457284,

www.katharinaheinrich.net.

Nächste Eröffnung in der Kiesler Stiftung Wien –

Installationen von Katharina Heinrich am 1. März 2011.

Lebemann und Hirn wünscht frohe Weihnachten

und ein frohes neues Jahr!

Gumpendorferstraße 34, A- 1060 Wien, office@lebemann.at

LUC


62

Buch XII - Sabine Köchert Nr. 25/2010

ST/A/R - Friseur „Er Ich“

frisiert die Jusstudentin

Anita Gottlob, die uns einige

Tagebuchskizzen zu Verfügung

gestellt hat.

Anita Gottlob

ST/A/R-VERKÜNDIGUNG: DIE VOLLAUTOMATISCHE

DAS NACHDRÜCKLICHE KUNDTUN EINES SACHVERHALTES

PRINTMEDIENFORSCHUNG:

BEGINNEND MIT ST/A/R 26 WIRD DIE VOLLAUTOMATISCHE ZEITUNG, VON UND MIT PROF. GEORG

GOTTLOB – OXFORD/WIEN. ALEXANDER SCHRAMM – INFORMATIKER. HOFSTETTER KURT – KÜNSTLER

UND HEIDULF GERNGROSS – ARCHITEKT, VORGESTELLT.

Neben den bestehenden vollautomatischen Zeitungsentwürfen steht der vorliegende in Heidulf Gerngross’ Kontinuität zum Lebendigen, ... auf Architektur, Kunst

und Leben beziehenden ST/A/R Redaktionsprinzip und ist im Sinne der Einbettung in die NEWS-KLOAKE als Weiterentwicklung zu sehen. Wie Mistkäfer

leuchten da die Architekten, Künstler und Akteure des Lebens rund um Heidulf Gerngross. Ganz nach Hofstetter Kurt ist es bei der digitalen Generierung der

vollautomatischen Zeitung mit dem Drücken der Taste “ENTER” die ZEIT selbst, d.h. der Zeitpunkt des Programmstartes als nie wiederkehrende Zahl aus Datum

und Uhrzeit, die als Parameter des Zufallsgenerators über Auswahl und Zusammenstellung der Bilder und Texte entscheidet. Dabei greift der Kompilierungsprozess

automatisch via Internet auf Daten von Bild- und Textarchiven von Architekten, Künstlern und den ONLINE-NEWS Seiten, aber auch auf das Bilderdepot aus dem

Lebensfluss des ST/A/R zu.

Hofstetter Kurt

Die vollautomatische Geistesmanschaft

Onur

Die vollautomatische

Zeitung Kommt

Nicht im Bild:

Harald Naumann

Andreas Fink

Hofstetter Kurt

Gottlob

Nicht im Bild: Herbert

Schwabl / Gnu Gerngross Alexander Schramm


Nr. 25/2010 Buch XII - Sabine Köchert

63

Printmedium Wien – Berlin

ST/A/R

Zeitung für Hochkultur, Mittelmaß und Schund

Österreichs größte Zeitung

FRANCESCA

04Z035665M – P.b.b. Verlagspostamt 1060 Wien • Adresse: 1060 Wien Capistrangasse 2/8 • office@star-wien.at • Europa 3,00 • Nr. 25/10

Foto: Sabine Jellinek / ST/A/R-DESIGN

WOLLTE DAS COVER-

BLATT WIE GEZEIGT.

STAR ARTDIREC-

TOR UND HEIDULF

BRINGEN DIESEN

VORSCHLAG. DAS

IST DIE STAR

GRAFIK

Francesca von Habsburg

mit dem Goldenenarchiquantschmuck

von Köchert

Städteplanung / Architektur / Religion

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