ST:A:R_29

geraldkofler

Printmedium Wien – Berlin – Antwerpen

ST/A/R

/ /R

Nr. 29/ 2012

Hochkultur / Mittelmaß / Schund

Protest in der Westbahnstrasse

04Z035665M – P.b.b. Verlagspostamt 1060 Wien • Adresse: 1060 Wien Gumpendorferstrasse 40–44 • office@star-wien.at • Europa € 4,50 • Nr. 29/12


Städteplanung / Architektur / Religion 4,50 Euro


Megaco

2 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Jugend

EDITORIAL :

EDITORIAL un

Heidulf Gerngross / Christian Denker:

sehen – lesen – schwimmen

sehen – lesen – schwimmen

sehen – lesen – schwimmen

sehen – lesen – schwimmen

sehen – lesen – schwimmen

sehen – lesen – schwimmen

sehen – lesen – schwimmen

sehen – lesen – schwimmen

sehen – lesen – schwimmen

sehen – lesen – schwimmen

sehen – lesen – schwimmen

IMPRESSUM

ST/A/R Printmedium Wien-Berlin

ST/A/R Printmedium Wien-Berlin

Zeitung für Hochkultur, Mittelmaß und Schund

Erscheint 4 x jährlich, Nr. 29, Erscheinungsort

Wien

Erscheinungsdatum: 2011/2012

Medieninhaber:

ST/A/R, Verein für Städteplanung/Architektur/

Religion

A - 1060 Wien, Gumpendorferstrasse 42 ñ 44

Herausgeber: DI Heidulf Gerngross

Mitherausgeber: Patrick Arlati, Dr. Christian

Denker, Rudolf Gerngross - WARAN

In Zusammenarbeit mit

Civitas Solis / Kulturverein

Artdirector: Mathias Hentz

Management, Redaktion: Heike Nösslböck

Druckproduktion: Michael Rosenkranz

Druck: Süddeutscher Verlag Zeitungsdruck

GmbH. Zamdorfer Strasse 40, 81677 München

Vertrieb: Hurtig und Flink, Morawa

Aboservice: office@star-wien.at

Bezugspreis: 4.50,- Euro

Kontakt: office@star-wien.at

Adresse: Gumpendorferstr. 42 - 44, 1060 Wien

Mobil Heidulf Gerngross: 0043 664 521 3307

ST/A/R wird gefördert von BMUKK

und Stadt Wien.

ST/A/R ist ein Gesamtkunstwerk und

unterliegt dem Urheberrecht

ST/A/R dankt allen ST/A/R FreundInnen und

MitarbeiterInnen

Verzeihen Sie eventuelle Rchtschreibfehler, da

wir keine LektorInnen besitzen.

Werkstatt Wien - immer dabei!

Andreas F. Lindermayr

Aus meinem Tage–

und Nachtbuch

15.6. – 7.10.2012

26. 2. 12 So

In letzter Zeit denke ich wieder viel,

fast ununterbrochen über meinen

Vater, beziehungsweise dessen idiotische

Erziehungsmethoden. Ganz

unwillkürlich. Es stößt mir quasi fortwährend

hoch, wie etwas schwer Verdauliches.

Heute kam mir wieder die Erinnerung

an den ersten und letzten Versuch meines Familienoberhaupts,

mir etwas beizubringen. Eine simple Grundrechnungsart,

erste Klasse Volksschule, wobei er sich aber ungefähr so verhielt,

wie beim Beschlagen eines Pferds, das sich stets unter vielen Flüchen

abspielte.

Als er nach etwas längerem Prozedere wütend wurde und mich

scharf, mit erhobener Hand aufforderte, nachzudenken, sagte ich

ihm nach ergebnislosem Versuch resigniert und in einer Anwandlung

von Tapferkeit: „Papa, was ist denken? Ich weiss nicht, wie das

geht.“

Wie auch gar nicht anders zu erwarten war, explodierte mein Vater:

Er sprang auf, tupfte sich mit russigem Zeigefinger an die Stirn

und schrie: „Do! Do! Denk noch! Du Fallot!“

Und um sich abzureagieren, hat er mir abschließend noch eine geknallt,

sich die Schirmkappe aufgesetzt und ist darauf zu seinem

Stammtisch gegangen.

Dass er eigentlich selber der Trottel war, liegt auf der Hand. Aber

autoritäre Methoden waren zu jener Zeit, überhaupt in den Bergen

Österreichs, Gang und Gäbe. Knappe zwanzig Jahre nach Ende des

zweiten Weltkriegs konnte sich diesbezüglich noch nicht viel geändert

haben.

P. S. vom 8. 4.

Kardinal Schönborn, der sich am Wort Ungehorsam des Pfarrer–

Volksbegehrens von Helmut Schüller echauffiert, ist ja doch ein

alter Feudalherr. Desgleichen sein Weggefährte der Abt Henkel–

Donnersmarck.

Ich erinnere mich lebhaft an Donnersmarcks Ausspruch, es sei

eine kniende Theologie gefordert.

Was soll ich dazu sagen? Die Kirchenleitung befindet sich geistig

noch immer im hochbarocken Absolutismus, der, wie wir ja wissen,

erstens gegenreformatorisch und zweitens zeitgleich mit der

damaligen Aufklärung war. Aber eine Generation darauf nannte

sich seine apostolische Majestät, Josef der Zweite, schon um sich

eine Revolution (der Denkungsart) vom Hals zu schaffen, folgerichtig,

aufgeklärter Absolutist. Und mit einem derart reaktionären

Spürsinn hat man seither in Österreich immer zu rechnen.

www.k-haus.at


:

ol 4.0

ST/A/R 3

d Kunst

Städteplanung / Architektur / Religion

I SEE WHAT

WHAT I SEE

I DON‘T KNOW

WHAT I SEE

WARAN, 2012

© Erwin Olaf. Courtesy Wagner + Partner, Berlin (Ausschnitt)


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 17

Prototractatus

Architectonicus-Experimentalis

sponsored by Philipp Konzett

Bundesministerium

und

Stadt Wien

Nr.31

Heidulf Gerngross

De Mensura

et Proportione

Prototractatus

Architectonicus-Experimentalis

ST/A/R Verlag Wien


18 Büchel

Städteplanung / Architektur / Religion

Vorwort

Raum

Modell

Digilog –

Neben meinen architektonischen Konstruktionen

ist eine ungeordnete Agglomeration aus Sätzen,

Fundstücken und Worten geblieben, die für mein

Machen ein wirkungsvolles immaterielles Geflüster

waren, das ich in dieser Unordnung nicht

mitteilen konnte.

Aus dem Agglomerat formt sich der Tractatus

Architectonicus-Experimentalis oder der Tractatus

Architectonico-Experimentalis, der im Herbst 2012

im Metroverlag Wien erscheinen wird.

Der Text erscheint in der ST/A/R Zeitung als

Prototractatus Architectonicus-Experimentalis, dem

Stand der Arbeit entsprechend in der Anordnung

und Übersetzung der Sätze noch teilweise nicht

abgeschlossen.

Die Herausgabe des Werkes im Metroverlag kann

noch durch Mitteilungen, Sätze, Stellungnahmen,

Kritiken, Kommentare oder Fundstücke erweitert

werden. Auch der ST/A/R Leser ist eingeladen an

dieser Weiterentwicklung teilzunehmen,

office@star-wien.at.

Dank an den russischen Architekten und Philosophen

Sergej Volgin, der mir durch seine kritischen und

zustimmenden Hinweise das Vertrauen geschenkt

hat, das Werk zu veröffentlichen.

Heidulf Gerngross, Wien 2012

2 –


Städteplanung / Architektur / Religion

uns 19

Preface

In addition to my architectural constructions there

remained a disordered agglomeration of sentences,

found objects and words, which were powerful

intangible whispers for my work, but which I, on

account of the disorder, couldn’t relate.

Out of this agglomeration was formed the Tractatus

Architectonicus-Experimentalis or the Tractatus

Architectonico-Experimentalis, which Vienna’s

Metroverlag will publish in autumn, 2012.

The text appears in the ST/A/R newspaper as

Prototractatus Architectonicus-Experimentalis. The

arrangement and translation of the sentences are, in

part, incomplete.

The work to be published by Metroverlag can still

be augmented by communications, sentences,

statements, criticism, comments or found objects.

The ST/A/R reader is invited to participate in this

development, office@star-wien.at.

Thanks to the Russian architect and philosopher

Sergei Volgin who has given me the confidence,

through his critical and approving contribution, to

publish the work.

Heidulf Gerngross, Vienna 2012

– 3 –


20 ST/A/R - Gumpendorf Städteplanung / Architektur / Religion

Ismael Ismet Basaran.

Kunst/Kultur/Türkei-Redakteur

in der Gumpendorfer Strasse 42

1. Die Form ist das, was gebraucht wird.

1.1. Unsere Ästhetik ist die Praxis des Gebrauchs.

1.1.1. Der Gebrauch ist der Rhythmus.

1.2. Unsere Architekturschule lehrt das Planen und

das Machen.

1.2.1. Architekten werden zum Planen erzogen. Sie

sollten zum Machen erzogen werden.

1.2.2. Man braucht nicht planen. Man macht.

1.2.3. Was man nicht planen kann, das soll man

machen.

1.2.4. Ich plane nicht, ich mache.

1.3. Die Bedeutung weiß Bescheid.

1.3.1. Die Bedeutung weiß auf alle Fälle Bescheid.

1.3.2. Der Schein trügt nicht.

1.4. Die Architektur ist Materialphilosophie.

1.4.1. Architektur ist die Entdeckung des

Selbstverständlichen. (Feldenkrais)

1.4.2. Städteplanung ist Innenarchitektur.

1.4.3. Das Küken fühlt sich wohl, weil es von Innen

lesen kann.

– 4 –


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R - Gumpendorf 21

1

1. Form is that which is needed.

1.1. Aesthetics is the practice of use.

1.1.1. The use is the rhythm.

1.2. Our school of architecture teaches how to plan

and how to do.

1.2.1. Architects are trained to plan. They should be

trained to do.

1.2.2. One doesn’t need to plan. One makes.

1.2.3. What one cannot plan one should

make.

1.2.4. I do not plan, I do.

1.3. Meaning knows.

1.3.1. Meaning knows in all cases.

1.3.2. Appearances don’t deceive.

1.4. Architecture is material philosophy.

1.4.1. Architecture is the discovery of the obvious.

(Feldenkrais)

1.4.2. Urban planning is interior architecture.

1/2

Eingang ins ST/A/R-Redaktionsbüro

√3 −−− 2

1

Im nächsten ST/A/R:

Tu M

1.4.3. The chick feels good because it can read from

the inside.

– 5 –

Neues Wahrzeichen in Gumpendorf


22 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion Portu

de passagem | pass by übersetzte die black box eines theaters in die „reale“ welt des

u-bahn-netzwerkes von porto: in stationen performten 8 tänzer_innen kontakt-improvisationen

auf basis einer dreigliedrigen struktur ...

1.5. Die wirksamste Struktur ist die, die man nicht

merkt. (John Cage)

2. Die Architektur ist eine Mitteilung über Maß

und Proportion.

2.1. Maß und Proportion haben die Gerechtigkeit

in sich.

2.1.1. Proportionieren ist die Aufgabe des Architekten.

2.1.2. Die Proportion ist ein Vertrauensverhältnis.

2.1.3. Das Maß ist die Notwendigkeit der Proportion.

2.1.4. Wenn etwas nicht Maß und Proportion hat, ist

es schon ungerecht.

2.1.5. Das ganze Ziel von Maß und Proportion ist

Gerechtigkeit.

2.2. Proportion bedeutet menschliches Maß und

natürliches Verteilungssystem.

2.2.1. Maß und Proportion beinhalten die Dimension

des menschlichen Seins und des sozialen

Machens.

2.2.2. ‚Ora et labora’. (Benediktiner) ‚Mensura et

proportio’, ‘Maß und Proportion’ sind die

Grundsätze der Jakob Prandtauer Schule für

Architektur in Melk.

– 6 –


gal

Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 23

mit: rita burmester, isabel costa, nuno escudeiro, inês gregório, fábio lopes, filipe moreira,

marta pereira, marta ramos, carlitos sem medo

iris julian

de passagem|pass by

festival: manobrasnoporto, porto, 2011

produktion: mezzanine

support:

1.5. The most effective structure is the one

that isn’t noticed. (John Cage)

2. Architecture is a message about scale and

proportion.

2.1. Measure and proportion are inherently

just.

2.1.1. The task of the architect is to deal with

proportion.

2.1.2. Proportion is a relationship of trust.

2.1.3. Measure is the necessity of proportion.

2.1.4. If something doesn’t have measure and

proportion it’s unjust.

2.1.5. Justice is the aim of measure and proportion.

2.2. Proportion means human scale as a natural

distribution system.

2.2.1. Measure and proportion include the

dimensions of human existence and social

action.

2.2.2. ‚Ora et labora’. (Benedictine) ‚Mensura et

proportio’, scale and proportion are the

principles of the Jakob Prandtauer school of

architecture in Melk.

... danach richteten die performer_innen

ihre konzentration nach außen, nahmen

kontakt mit passant_innen auf:

sie fotografierten diejenigen die ihr einverständnis

gaben und informierten über

die zeitgleich stattfindende ausstellung

in einer galerie: sämtliche fotos waren

dort zu bildwänden arrangiert worden.

betrachtet werden und betrachten wurden

austauschbare positionen.

– 7 –


24 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

25 Jahre Wiener Vorlesungen.

Verena Winiwarter, 4.5.12

Umwelt langfristig

betrachten

Konrad Becker, 19.6.12

Herausforderung

Globales Netz

Barbara Duden, 11.4.12

Prekariat:

neue Trümmerfrauen

Helga Kromp-K

Gestalten stat

fortschreiben

2.2.3. Maß und Proportion haben materielle und

geistige Funktionen.

2.3. Die Geometrie ist unweigerlich da.

2.3.1. Kurve. Kreis. Gerade. Winkel. Thales von Milet

hat eine geometrische Struktur entdeckt, in der

jeder Winkel im Halbkreis ein rechter Winkel ist.

2.3.2. Pythagoras hat nicht nur die inneren

Beziehungen innerhalb von Proportionen

untersucht. Gleichzeitig hat Pythagoras eine

Lebensschule aufgebaut. Er galt ebenso als

Schamane wie als Wissenschaftler.

2.3.3. Schule des Maßes. Schule der Proportion.

2.4. Die Architektur ist der Applikator der

menschlichen Größe.

2.4.1. Die gesamte Architektur hängt von den Maßen

des Menschen ab.

2.4.2. Elle, Fuß, die ältesten Maßeinheiten sind

menschliche Maße.

2.4.3. Le Corbusier hat den Modulor aus

menschlichen Maßen geschaffen.

43 cm, Sitzhöhe, Knie.

70 cm,Tischhöhe.

113 cm, Barhöhe, Nabel.

183 cm, Kopfhöhe.

226 cm, ausgestreckte Hand.

– 8 –


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 25

Intellektueller Brennpunkt in Wien.

Christian Ehalt plant und dirigiert seit

25 Jahren die Wiener Vorlesungen.

olb, 4.5.12

t

Konrad Paul Liessmann, 20.6.12

Theorie der

Unbildung

Sabine Ladstätter, 4.5.12

Umweltprobleme

in der Antike

Anton Zeilinger, 2.5.12

Einsteins Spuk

verstehen

2.2.3. Measure and proportion have physical and

mental functions.

2.3. Geometry exists.

2.3.1. Curve. Circle. Straight. Angle. Thales of Miletus

discovered a geometrical structure in which

each angle in a semicircle is a right angle.

2.3.2. Pythagoras didn’t just study the internal

relations within proportions. Pythagoras also

established a school of life. He was considered

a shaman as much as a scholar.

2.3.3. School of measure. School of proportion.

2.4. Architecture is the application of human

dimensions.

2.4.1. All architecture is dependant on human

dimensions.

2.4.2. Cubit, foot, the oldest units of measurement

are human dimensions.

2.4.3. Le Corbusier’s modulor was inspired by human

dimensions.

43 cm, sitting height, knee.

70 cm, table height.

113 cm, bar height, navel.

183 cm, head height.

226 cm, outstretched hand.

– 9 –


26 Tolstojs Kulturinitiative Städteplanung / Architektur / Religion

Bericht über die Österreichische Kultur

Diamante -Kalabrie

Alfredo Tubaro Amico

Heidulf am

Montesalerno

Der heilige Ciriaco

Weinterassen

in Maiera

2.4.4. Der Modulor ist im Archiquant gespeichert.

2.5. Der Archiquant hat Maß und Proportion in sich.

Der Archiquant ist eine Materialisierung von

Maß und Proportion.

2.5.1. Der Archiquant ist aus dem Machen

entstanden.

2.5.2. Kreis, Dreieck, Rhombus, Rechteck, Quadrat,

Elipse und Archiquant sind geometrische

Figuren. Der Archiquant ist eine neue

geometrische Figur.

2.5.3. Die Geometrie des Archiquanten. Die Breite B

ist sein Radius R. Seine Tiefe T ist der Goldenen

Schnitt von B oder R.

Wandmalerei

in Diamante

– 10 –


Städteplanung / Architektur / Religion

Tolstojs Kulturinitiative

27

initiative im Osten und Süden Europas

n September 2011

In Zusammenarbeit mit dem Österreichischen

Kulturattache Simon

Mraz am 28.08.11

haben wir das MUAR in Moskau

besucht und dort vor mehr als 60

russischen Kunstliebhabern eine Finissageperformance

mit dem Namen

„Chemische Hochzeit“ veranstaltet. Dr.

Wladimir Tolstoj hat als Performancepriester

30 Ehen geschlossen, um die

alte österreichische Weisheit „Tu felix

austria nube“ zu demonstrieren und

die kulturelle Verbrüderung und Verschwesterung

zu verdichten.

Dazu gibt es Foto- und Videoaufnahmen,

die wir sowohl printmedial als

auch im Internet öffentlich zugänglich

machen werden.

Die Reise wurde von Dr. Wladimir Tolstoj

(Performancepriester), Heidulf Gerngross

(Archistrator) und Anita Charlotte

(Video- und Fotodokumentation) durchgeführt.

Das Grundstück

Zweite Station war St. Petersburg, wo

wir mit dem russischen Architekten und

Philosophieprofessor Sergej Volgin eine

Ausstellung im Zentrum für zeitgenössische

Kunst mit einem Vortrag und

einem Fest zum Abschied des französi

2.4.4. The Modulor is stored in the Archiquant.

2.5. Measure and proportion are intrinsic to the

Archiquant. The Archiquant is a materialization

of scale and proportion.

2.5.1. The Archiquant emerged from designing a

teatable.

2.5.2. Circle, triangle, rhombus, rectangle, square,

ellipse and Archiquant are geometric

figures. The Archiquant is a new geometrical

figure.

2.5.3. The geometry of the Archiquant. The width

B is its radius R. Its depth T is the golden ratio

of B or R.

– 11 –

Proportionsstudien im Pantheon


28 Tolstojs Kulturinitiative Städteplanung / Architektur / Religion

Dottore

Tolstoj

Dottore

Tedesco

Das Grundstück für

das Österreichische Kulturzentrum

2.5.4. Der Archiquant läßt sich mit Zirkel und Lineal

konstruieren.

B=R

R

T

2.5.5. Die Konstruktion des Archiquanten.

m

K5

K3

C

S4

S1

G

A

K1

S6

S2

S

K2

S5

B

S8

K4

S3

Die Konstruktion des Archiquant

für eine gegebene Strecke AB auf d

- konstruiere

Kreis K1 mit Mittelpunkt A und Radi

Kreis K2 mit Mittelpunkt B und Radi

* K1 schneidet K2 in M1

* K1 schneidet m in C.

Kreis K3 mit Mittelpunkt C und Radi

* K3 schneidet K1 in S1

Linie durch S1 und B schneidet K2 i

Kreis K4 mit Mittelpunkt M1 und Rad

* K4 schneidet AC im goldenen Sch

* K4 schneidet K1 in S4 und S5

Kreis K5 mit Mittelpunkt G und Radi

Linie durch S2 und S5 schneidet K5

Linie durch S3 und S4 schneidet K5

M1

- erhalte Archiquant S5 S6 S7 S8

- verbinde K5-Segment S6S7 mit K1

Für eine gegebene Strecke AB auf der

Grundlinie m:

Konstruiere

Kreis K1 mit Mittelpunkt A und Radius AB.

Kreis K2 mit Mittelpunkt B und Radius AB.

* K1 schneidet K2 in M1.

– 12 –


Städteplanung / Architektur / Religion

Tolstojs Kulturinitiative

29

Signora Rosina,

Grundstücksbesitzer

schen Kulturattaches veranstalten konnten.

Auch dort gab es eine „Chemische

Einzel-Hochzeit“ mit Philosophieprofessor

Sergej Volgin und der russischen

Literaturstudentin Julia Grasina vor mehr

als 300 Personen.

Wir trafen auch einen der bekanntesten

Musiker aus St. Petersburg, Psoy Korolenko,

der unsere Einladung nach Österreich

gerne angenommen hat.

Durch die Initiative der Kulturaktivistin

Valie Göschl hat uns der Direktor des Kulturinstitutes

Michael Crest nach Kronstadt

eingeladen. Dort haben wir als Artists in

Residence einen 1wöchigen Aufenthalt

genossen und Gespräche und Interviews

mit dort ansässigen Künstlern geführt.

Aus dieser Zusammenarbeit erfolgte eine

Einladung in Kronstadt an einer Multimedia-Ausstellung

im November 2012

teilzunehmen.

Terazza del Mondo

BRUNO Vincenzo,

Grundstücksbesitzer

Die Ereignisse haben unsere Erwartungen

übertroffen. Vor allem hat auch die

Teilnahme von Heidulf Gerngross an der

grössten österreichischen Ausstellung

„Austria Davaj“ ein besonderes Interesse

geweckt. Professor Sergej Volgin hat sich

entschlossen uns bei der Fortsetzung der

Reise nach Kalabrien zu begleiten. Gleichzeit

erhielten wir von Ihm eine Einladung

2.5.4. The Archiquant can be constructed with ruler

and compass.

B=R

R

T

2.5.5. The construction of the Archiquant.

er Grundlinie m:

us AB

us AB

us AB

n S2 und S3

ius M1S3

nitt G

us AB

in S6

in S7 und K1 in S8

-Segment S5S8

m

K5

K3

C

S4

S1

G

A

K1

S6

S2

S

M1

K2

S5

B

S8

K4

S3

Die Konstruktion des Archiquant

für eine gegebene Strecke AB auf der Grundlinie m:

- konstruiere

Kreis K1 mit Mittelpunkt A und Radius AB

Kreis K2 mit Mittelpunkt B und Radius AB

* K1 schneidet K2 in M1

* K1 schneidet m in C.

Kreis K3 mit Mittelpunkt C und Radius AB

* K3 schneidet K1 in S1

Linie durch S1 und B schneidet K2 in S2 und S3

Kreis K4 mit Mittelpunkt M1 und Radius M1S3

* K4 schneidet AC im goldenen Schnitt G

* K4 schneidet K1 in S4 und S5

Kreis K5 mit Mittelpunkt G und Radius AB

Linie durch S2 und S5 schneidet K5 in S6

Linie durch S3 und S4 schneidet K5 in S7 und K1 in S8

- erhalte Archiquant S5 S6 S7 S8

- verbinde K5-Segment S6S7 mit K1-Segment S5S8

Insel Cirella

For a given line segment AB on the

baseline m:

Construct

Circle K1 with center A and radius AB.

Circle K2 with center B and radius AB.

* K1 cuts K2 in M1.

– 13 –


30 Tolstojs Kulturinitiative Städteplanung / Architektur / Religion

Moskau-St. Petersburg -

* K1 schneidet m in C.

Kreis K3 mit Mittelpunkt C und Radius AB.

* K3 schneidet K1 in S1.

Linie durch S1 und B schneidet K2 in S2 und S3.

Kreis K4 mit Mittelpunkt M1 und Radius M1S3.

* K4 schneidet AC im goldenen Schnitt G.

* K4 schneidet K1 in S4 und S5.

Kreis K5 mit Mittelpunkt G und Radius AB.

Linie durch S2 und S5 schneidet K5 in S6.

Linie durch S3 und S4 schneidet K5 in S7 und

K1 in S8.

Erhalte Archiquant S5 S6 S7 S8.

Verbinde K5-Segment S6S7 mit K1-Segment

S5S8. (Hofstetter Kurt)

2.5.6. Der Archiquant ist eine Metastruktur.

2.5.7. Der Archiquant ist der rechte Winkel des

21. Jahrhunderts.

2.5.8. Der Archiquant ist das Konzentrat des

Modulors.

2.5.9. Der Archiquant ist ein Handwerkszeug und ein

Geisteswesen.

2.5.10. Der Archiquant ist ein Architekturteilchen.

2.6. Im Materialisieren von Proportionen gibt es

Kurven und Geraden.

2.6.1. Das Bauhaus hat sich vor allem auf die

Gerade verlassen.

2.6.2. Der Archiquant verbindet Kurven und Geraden.

Performancepriester bei der

Ausstellung in Moskau

– 14 –


Städteplanung / Architektur / Religion

Tolstojs Kulturinitiative 31

Kronstadt

einen Vortrag an der philosophischen Fakultät

der Universität in St. Petersburg zu

gestalten.

In Kalabrien haben wir die Museen von

Sybaris sowie auch das Pythagorasmuseum

in Crotone besucht.

In Diamante trafen wir den deutschen

Zahnarzt und Kunstliebhaber Dr. Hans

Dietrich, der uns eine Möglichkeit eines

Vortrages für die „Local German Community“

organisierte.

Der Bürgermeister der Stadt Diamante,

Herr Ernesto Magorno, hat uns danach im

Rathaus empfangen und seine Unterstüt

* K1 intersects m in C.

Circle K3 with center C and radius AB.

* K3 cuts K1 in S1.

Line through S1 and B intersects K2 in S2

and S3.

Circle K4 with center M1 and radius M1S3.

* K4 cuts AC in the golden ratio G.

* K4 cuts K1 in S4 and S5.

Circle K5 with center G and radius AB.

Line through S2 and S5, cuts K5 in S6.

Line through S3 and S4 cuts K5 in S7 and

K1 in S8.

Receive Archiquant S5 S6 S7 S8.

Connect K5-segment S6S7 with K1 segment

S5S8. (Hofstetter Kurt)

2.5.6. The Archiquant is a meta-structure.

2.5.7. The Archiquant is the right angle of the 21st

Century.

2.5.8. The Archiquant is the concentrate of the

Modulor.

2.5.9. The Archiquant is both a tool and a spirit.

2.5.10. The Archiquant is a tiny part of architecture.

2.6. In the materialization of proportions there are

curves and straight lines.

2.6.1. Bauhaus relied primarily on straight lines.

2.6.2. The Archiquant combines curves and

straight lines.

– 15 –

Chemische Hochzeit von Julia und Sergej,

Chemische Hochzeit von Julia und Sergej,

in in St. Petersburg


32 Tolstojs Kulturinitiative Städteplanung / Architektur / Religion

Der Performancepriester schiebt den

Moskauer Block von Franz West

Richtung St. Petersburg und Kronstadt

2.6.3. So beinhaltet auch die grafische Darstellung

des Archiquanten zwei unterschiedliche visuelle

Lesarten. Die eine erscheint als Archiquant, die

andere als gebogene Fläche.

Archiquant

Gebogene Fläche

2.6.4. Weder Kurven noch Geraden zu priorisieren

ist maßvoll.

2.6.5. Das ‚Mittelmaß’ bedeutet, weder Kurven noch

Geraden zu priorisieren.

2.6.6. Der Archiquant repräsentiert das Mittelmaß.

3. Die Architektur transformiert.

3.1. Architektur hat die Aufgabe, Zeit in Raum

umzuwandeln.

3.1.1. Der Aufbau des Raumes ist die Begrenzung

des Raumes.

ST/A/R Präsentation

– 16 –


Städteplanung / Architektur / Religion Tolstojs Kulturinitiative 33

2.6.3. Thus the spatial representation of the Archiquant

can be read in two different ways. One appears

as Archiquant, the other as a curved surface.

zung bei unseren weiteren Kulturinitiativen

und Aktivitäten angeboten.

Eine der geplanten Aktivitäten in Diamante

ist die Errichtung eines Österreichischen

Kulturtreffpunktes auf dem Berg Monte Salerno.

Die architektonischen Pläne wurden

in der Zwischenzeit von Architekt Heidulf

Gerngross und Angelo Roventa entworfen.

Es handelt sich dabei um eine 360 Grad

Gloriette, die „Terrazza del Mondo“ mit

einfach zugänglicher Möglichkeit zum

Verbleib und zum Diskurs für Workshops

und Kulturreisende.

Der Bürgermeister Ernseto Magorno und

auch Herr Dietrich kümmern sich um ein

passendes Grundstück und die notwendigen

Genehmigungen. Die Errichtung und

Eröffnung des Kulturzentrums ist eines

unserer grossen Anliegen, dass wir intensiv

weiterverfolgen.

Die Lage am Monte Salerno bietet einen

Panoramablick, den wir als einen der

schönsten der Welt wahrgenommen haben.

Daraus ist auch der Name „Die Terrasse

der Welt“ entstanden.

Diamante ist eine Stadt, die Ihre Mauern

Künstlern zur Verfügung stellt, um die

sogenannten

„Murales“ mit Kunstwerken zu bereichern.

Diesbezüglich trafen wir den Pfarrer von

Diamante um an der Mauer der Kirche ein

sichtbares Zeichen Österreichischer Kultur

zu setzen. Bei einem Treffen mit Professor

Leone, Informatikprofessor in Cosenza

und ehemaliger Schüler von Informatikprofessor

Georg Gottlob, der sowohl in

Wien als auch in Oxford einen Lehrstuhl

führt, hat uns auch Professor Leone seine

volle Unterstützung zur Verwirklichung

des Zeichens an der Kirchenmauer zugesagt,

da er als Ehrenbürger in Diamante

mit dem Bürgermeister und dem Pfarrer in

enger Verbindung steht.

Im laufenden Jahr 2012 planen wir unsere

Kulturinitiative im Süden Italiens mit der

Arbeit an der „Terrazza del Mondo“ fortzusetzen.

Wichtig ist noch, zu erwähnen, dass sich

der russische Professor Sergej Volgin an

der Weiterführung des Projektes beteiligt,

um auch Menschen aus der russischen

Geisteswelt in unsere Kulturinitiative einzubinden.

Wir möchten uns für die bisherige Unterstützung

des Bundesministeriums bedanken

und hoffen auf eine weitere Zusammenarbeit.

Archiquant

Gebogene Fläche

2.6.4. To prioritize neither curves nor straight lines is

to be well-balanced.

2.6.5. The mean signifies giving neither priority to

the straight line nor the curve.

2.6.6. The Archiquant represents the average.

Säulenstudien in

Russland

3. Architecture transforms.

3.1. The task of architecture is to convert time into

space.

3.1.1. The structuring of space is the limitation and

opening up of space.

– 17 –


34 Tolstojs Kulturinitiative Städteplanung / Architektur / Religion

Michael Crest

Russischer Erdhaufen und Erdlochkünstler,

Direktor des Zentrums für Zeitgenössische Kunst und

unser Gastgeber in Kronstadt

B=R

R

T

3.1.2. Im Raum wirken Maß und Proportion.

3.1.3. Wer mit der Fläche nicht arbeiten und umgehen

kann, der kann auch mit dem Raum nicht

arbeiten und umgehen.

3.1.4. Jeder Strich ist ein Satz.

3.1.5. Wer nicht zeichnen kann ist verdächtig.’

(Michelangelo)

3.1.6. Der Strich

ist ein Satz.

3.2. Der Architekt begrenzt und öffnet.

3.2.1. Die 1, 2, 3 Räume sind drei Flächen.

3.2.2. Der Raum ist durch Flächen begrenzbar.

3.2.3. Mit drei Flächen ist der Raum bereits begrenzt.

3.2.4. Gleichzeitig lassen die 1, 2, 3 Räume sehr viel

Spielraum.

A B C D E F G H

1

I J K L M N O P Q

R S T U V W X Y Z

2

3

3.2.5. Spielraum und Freiheitsgrad. Der Spielraum

ist Freiraum.

– 18 –


Städteplanung / Architektur / Religion

Tolstojs Kulturinitiative 35

B=R

R

T

3.1.2. Scale and proportion have an effect on space.

3.1.3. Those who can’t work and deal with surface

probably can’t work and deal with space.

3.1.4. Each line is a sentence.

3.1.5. Those who can’t draw are suspect.

(Michelangelo)

N

N

3.1.6. The line

is a sentence.

3.2. The architect limits and opens.

3.2.1. The 1, 2, 3 spaces are three surfaces.

3.2.2. Space can be limited by surfaces.

W

O

W

O

3.2.3. With three surfaces the space is already

organized.

3.2.4. At the same time the 1, 2, 3 spaces leave a lot

of room.

G NGR RNGRO GERNGROSS GERNGROSS GERNGROSS

S

S

A B C D E F G H

1

I J K L M N O P Q

R S T U V W X Y Z

2

3

G NGR RNGRO GERNGROSS GERNGROSS GERNGROSS

3.2.5. Scope and degree of freedom. Scope is free

space.

– 19 –


36 Tolstojs Kulturinitiative Städteplanung / Architektur / Religion

3.3. Die Form hat geistige und materielle

Funktionen.

3.3.1. Die Form ist die Möglichkeit der Struktur.

(Wittgenstein)

3.3.2. Die Struktur beinhaltet die Möglichkeiten

unterschiedlicher Formen.

3.3.3. Die Philosophie ordnet Geistiges, die

Architektur ordnet Materielles.

3.4. Der architektonische Raum. Der

Gerngrossraum.

3.4.1. Man wird den Raum durch Licht und Farbe

messen können. (Kandinsky)

3.4.2. Der Gerngrossraum.

Der Betrachter steht in der Bildebene und

hat fünf Ebenen vor sich und fünf Ebenen

hinter sich.

Er baut und schaut sich seinen Raum.

Heidulf Entwurmt – 20 –


Städteplanung / Architektur / Religion

Tolstojs Kulturinitiative 37

Chemische Hochzeit

3.3. The form has mental and physical

functions.

3.3.1. The form is the possibility of the structure.

(Wittgenstein)

3.3.2. The structure includes the possibility of

different forms.

3.3.3. Philosophy orders the intellectual, architecture

orders the material.

3.4. The Architectural Space. The Gerngross Space.

3.4.1. It will be possible to measure space with light

and colour. (Kandinsky)

3.4.2. The Gerngross Space.

The viewer stands in the image plane, and has

five levels in front and five levels behind him.

He creates his space.

– 21 –

Endzeitprophet


38 Tolstojs Kulturinitiative Städteplanung / Architektur / Religion

Kathedrale di Diamante

DIAMANTE “das gemalte Dorf ” mit seinen gut

150, in Gassen und Straßen abgebildeten Fresken.

Bemerkenswert auch die Kirche der Unbefleckten

Empfängnis mit einem Archiquantfleck.

3.4.3. Der Gerngrossraum verbindet Malerei und

Architektur.

3.5. Die postsupprematistischen Datenblätter sind

Aktionsblätter.

3.5.1. Ein Aktionsblatt geht über die reine Geometrie

hinaus.

3.5.2. Das Aktionsblatt beinhaltet eine interräumliche

Durchdringung der Seite.

3.5.3. Die Durchdringung von Vorder- und Rückseite

macht die Aktion.

3.5.4. Die Umstülpung ist eine Überraschung.

3.5.5. Die Datenbätter sind seismographische

Aufzeichnungen.

3.5.6. Im Punkt ist immer noch etwas offen.

3.6. Die Überwindung der Zeit ist ein Anliegen der

Raumarchitektur.

3.6.1. Der Punkt ist ein Kontinuum.

– 22 –


Städteplanung / Architektur / Religion

Bauen mit Bäumen 39

oliver-roman.com

Leichtbau-Schreibtisch aus Ahorn, weiss lasierend lackiert

mit blauer Glasplatte 200x120cm, 2010

„ERBLÜHEN“ Seerose von Mag. Oliver Roman

Höhe: 8 m Durchmesser: 16m Gewicht 1500kg, geschälte, bogenförmige Fichtenstämme, Polyesternetz, Edelstahl, Stahl

Energie - Manifestation – Stadt

Erster Preis beim Zirbenskulpturwettbewerb.

Biomorpher Esstisch aus Buchen und Eschenstämmen mit

5cm dicker Ahornplatte 200x120cm, 2011

Höhe: 4m, Dm: 43cm Zirbenholz

Baum des Jahres 2011

Zu sehen beim Oktogon,

Am Himmel, www.himmel.at

3.4.3. The Gerngross Space transforms painting into

architecture.

3.5. The post-supprematist data sheets are action

sheets.

3.5.1. An action sheet is beyond pure

geometry.

3.5.2. An action sheet includes an inter-dimensional

penetration of the page.

3.5.3. The penetration of the front and rear

constitutes the action.

3.5.4. Inversion is a surprise.

3.5.5. Data sheets are seismographic

records.

3.5.6. There is always something open in a point.

3.6. Spatial architecture is concerned with

overcoming time.

3.6.1. The dot is a continuum.

– 23 –


40 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Paul DeFlorian

When Paul DeFlorian next appears on the stage, he has transformed himself into a legendary Queen,

formidable, untouchable and unbeatable ...

earthquakin your body like an epic unstoppable force of nature (which by the way does not exist).

pauldeflorian.blogspot.com

3.6.2. Es gibt nur jetzt.

3.6.3. Die gesamte Geschichte ist Gegenwart.

3.6.4. Die Zeit ist Verschwendung. Die Zeit ist

zumindest Zeitverschwendung.

3.6.5. Die ganze Zeit ist eine Verschwendung.

3.6.6. Der Raumgenuß ist keine Verschwendung.

3.6.7. Es gibt kein Alter. Es gibt immer nur Neues.

3.6.8. Auch das Alter ist etwas Neues.

3.6.9. Die Geburt des Alters.

3.6.10. Das ganze Leben ist eine Geburt.

3.7. Die Zukunft ist virtuell. Die Zukunft ist

symbolisch.

3.7.1. Alle Religionen sind virtuell. Alle Religionen

sind symbolisch. (Sergej Volgin)

3.7.2. Die Virtualität kreiert die Praxis der Religionen,

von der stillen Einkehr bis zum Mord des

anderen.

3.7.3. Mythen und Göttergeschichten sind virtuell.

3.7.4. Von einem angenehmen Raum in den anderen.

3.7.5. Ein Altar im Raum macht ihn zur Kirche.

3.7.6. Ein Altar für die Rechristianisierung der

Neanderthaler.

3.8. Die ästhetische Organisation ist das

Unaussprechliche. (Helmut Richter)

– 24 –


Städteplanung / Architektur / Religion

Hungerkünstler 41

3.6.2. There is only the now.

3.6.3. The entirety of history is presence.

3.6.4. Time is waste. Time is at least a

waste of time.

3.6.5. The whole of time is a waste.

3.6.6. The pleasure of space is not a waste.

3.6.7. There is no age. There is always the new.

3.6.8. Age also is something new.

3.6.9. The birth of age.

3.6.10. All of life is birth.

3.7. The future is virtual. The future is

symbolic.

3.7.1. All religions are virtual models. All religions are

symbolic. (Sergej Volgin)

3.7.2. Virtual models create the practice of religions,

from quiet contemplation to the murder of the

other.

3.7.3. Myths and gods are virtual.

3.7.4. From one pleasant room to the next.

3.7.5. An altar turns a room into a church.

3.7.6. Altar for the re-Christianization of the

Neanderthals.

3.8. Aesthetic Organization is the inexpressible.

(Helmut Richter)

– 25 –


42 Hungerkünstler

Städteplanung / Architektur / Religion

Ein HungErkünStlEr

von Franz Kafka

als guinnESS-wEltrEkordvErSuCH in

der Kategorie longESt tHEAtrE PErForMAnCE

bietet die produktion – passend zum Jahrmarktscharakter

des Stücks – noch eine zusätzliche attraktion für ein

schaulustiges publikum:

Ein Hungerkünstler wird 7 tAgE&näCHtE ohne unterbrechung öffentlich

zugänglich sein und rund um die uhr von beeideten zeugen

überwacht. mit dieser Darbietung wird die 72-Stunden-performance

der amtierenden indischen Champions haushoch überboten.

Mobile Theaterproduktion und Guinness-Weltrekordversuch

von Kremlhoftheater Villach und Russisches sT/A/R Theater Berlin

für das Festival gEMMAkun?tSCHAun.2012

Konzept / Dramaturgie / regie

Wladimir Jaremenko-tolstoj und Felix Strasser

eS Spielen

Hungerkünstler ........... Wladimir Jaremenko-tolstoj

impresario ...................................Felix Strasser

artisten ..............................Yulia izmaylova u.a.

es war die zeit, als sich menschen mit körperlichen

auffälligkeiten auf Jahrmärkten, im zirkus und in

städtischen Vergnügungsparks präsentierten: zweimeter-männer,

zwerge, Frauen mit Bärten, albinos

oder siamesische zwillinge. Sie alle boten einem

voyeuristischen publikum den Kick des perversen:

etwas was anzog und abstieß zugleich.

HungErkünStlEr waren etwas neues,

sie stellten nicht einfach nur ihre Körper aus, sie demonstrierten

auch seine Veränderbarkeit. Begründer

dieser zunft war der amerikanische arzt Henry

tanner, der am 28. Juni 1880 in new York City

eine 40-tägige Hungerkur begann. nur Quellwasser

war ihm erlaubt. tanners ziel war es,

„die Kraft des menschlichen Willens zu demonstrieren

und den Materialisten zu beweisen, dass

es außer Sauerstoff, Wasserstoff und Kohlensäure

noch etwas anderes im menschlichen Hirn gibt.“

Durchgehend überwacht verbrachte der „Hungerdoktor“

seine zeit im freien müßiggang. er las,

ging spazieren oder sprach mit tausenden von Besuchern,

die jeweils 25 Cent eintritt bezahlten.

Das SCHAuHungErn breitete sich schnell aus. giovanni Succi, Francisco Cetti oder

Willhelm Bode alias ricardo Sacco hießen die europäischen Stars, die in london, paris, mailand

oder Berlin auf Hungertour gingen. Von managern vertreten, benahmen sie sich wie medienstars,

ließen sich in Heldenposen fotografieren. gehungert wurde in großen Sälen, in Wien sogar in

Kaffeehäusern. Die Veranstalter bauten eigens kleine Behausungen mit glaswänden, in denen die

Künstler eingesperrt waren. Das publikum beobachtete den eingeschlossenen durch die Scheibe

wie tiere im zoo und schloss Wetten ab, wie lange er durchhielt.

Hatte er seine Hungerkur erfolgreich beendet, zog er feierlich aus seinem Käfig aus, wurde von

mehreren Ärzten untersucht und nahm vor dem befriedigten publikum seine erste mahlzeit ein.

1

Longest theatre performance

Dr. wlAdiMir JArEMEnko-tolStoJ, russischer

performanceoligarch. geboren 1967 im sibirischen Winter als Sohn

des poeten und Dissidenten nikolaj tolstoj und direkter nachkomme

des Schriftstellers und philosophen lew tolstoj. ausbildung zum Schamanen

und zeremonienmeister, Studium an der patrice-lumumba-universität

der Freundschaft der nationen und an der uni Wien.

Verfasser von essays, Dramen, Dichtungen, Hörspielen, romanen

und literaturübersetzungen (pasternak-preis / Beste literarische Übersetzung

2006). Korrespondent des petersburger Journals Na Nevskom,

mit architekt Heidulf gerngroß redaktion der ST/A/R-zeitung.

Herausgeber zahlreicher almanache moderner russischer literatur.

regisseur, Dramaturg und organisator von Festivals an theatern

in Österreich, Deutschland, Finnland, italien und russland. Künstlerischer

leiter des russischen theaters Berlin. mitbegründer der

weltweiten Naked theatre und Naked poets-Bewegung.

Wichtige auftritte: literaturhaus Wien, Burgtheater-Kasino am Schwarzenbergplatz, inst. of Contemporary

arts london, Künstlerhaus Wien, Dom aktera St.-petersburg, novaja Drama moskau, Frankfurter

Buchmesse, alte Schmiede, maK Wien, pygmalion theater Wien, anfiteatro Cirella Vecchia u.a.

lebt zwischen Wien, Berlin und St. petersburg.

3.8.1. Die ästhetische Organisation bringt das

architektonische Werk zum Blühen und Bleiben.

3.8.2. Baustellen sind die Blüten der Stadt.

3.8.3. Helmut Richter hat mir Le Corbusier, Popper

und Wittgenstein näher gebracht. Philosophen,

Falsifikatoren und Formulatoren.

Der Kärntner Schauspieler und regisseur FElix StrASSEr ist

mitbegründer von VaDa und dem Theater der letzten Seite sowie

mitverfasser des Vadaistischen Manifests. inszenierung von rund

20 VaDa-produktionen mit gastspielen in Österreich, Deutschland,

Schweiz, italien, russland und Kirgizstan. (Kulturförderungspreis Kärnten,

auszeichnung f. internat. Kulturaustausch d. rep. Kirgizstan).

gründungsmitglied der Künstlervereinigung oneX/rotte russland,

Herausgeber der zeitschrift onaGRÜTZ. 2005/06 Solist am Kirill-

Ganin-Theater in moskau. auftritte in moskauer Klubs und galerien.

auftrags- und zusammenarbeiten für und mit uniKum, zdravko

Haderlap, andreas Staudinger, oleg uljanov-levin, klagenfurter

ensemble, Stadttheater Klagenfurt, tanztheater omega Kai alpha,

russisches theater Berlin, Brandshof Hamburg, lendhauer, spleen

3.8.4. Die Logik der Forschung. (Popper) Die Logik

des Lebens.

3.8.5. Wo die Informatik des Konstruierens aufhört,

beginnt die ästhetische Organisation.

3.8.6. Die Informatik ist die Fortführung der Logik mit

anderen Mitteln. (Georg Gottlob)

3.8.7. Die ästhethische Organisation ist Teil der

Verdauungsphilosophie.

3.8.8. Zur ästhetischen Organisation trägt der Bauch

entscheidend bei. (Christian Denker)

3.8.9. Man sagt, die Architektur sei keine

Wissenschaft. Das ist ein Fehler.

3.9. Alles ist Architektur. (Hans Hollein)

3.9.1. Architektur ist nicht das Leben.

Architektur ist Hintergrund.

Alles andere ist nicht Architektur.

(Hermann Czech)

3.9.2. Die Arbeit in der Architektur ist eigentlich mehr

eine Arbeit an Einem selbst. (Wittgenstein)

3.9.3. Die Architektur ist eine Geste. (Wittgenstein)

– 26 –

graz, kärnöl, Verein erinnern, wienzeile, tischlereitheater Klagenfurt,

alpen-adria-universität, Bulgakov-museum moskau u.a.

Kärntner landessprecher der Freien theatergewerkschaft, mitglied European

Off-Theatre Network, div. publikationen in Fachzeitschriften.

Seit 2009 intendant des kremlhoftheaters villach – des kleinsten theaters der Welt.

3


Städteplanung / Architektur / Religion

Hungerkünstler 43

FrAnz kAFkA, der prager Vorzeigeschriftsteller

verfasste 1922 die erzählung Ein HungErkünStlEr,

in der er den untergang dieser zunft beschreibt

– der Künstler gibt seinen Käfig an einen wendigen

panther ab... Das ende dieser Kunst zwischen Dekadenz

und utopie ist leicht erklärt: menschen, die sich

so hartnäckig den Freuden des lebens widersetzen

können, flößen angst ein. Sie sind womöglich noch zu

ganz anderen Dingen fähig. zum Hungerstreik etwa.

Für gEMMAkun?tSCHAun.2012 ist auch die

publikation eines BEglEitHEFtES vorgesehen,

das Kafkas erzählung in deutscher und russischer Sprache

sowie historische Details zur Hungerkunst enthält

und während der performance erstanden werden kann.

„Immerfort wollte ich, dass ihr mein Hungern bewundert...

Ihr sollt es aber nicht bewundern,... weil

ich hungern muss, ich kann nicht anders,... weil ich

nicht die Speise finden konnte, die mir schmeckt. [...]

Versuche, jemandem die Hungerkunst zu erklären!

Wer es nicht fühlt, dem kann man es nicht begreiflich

machen.“

Für gEMMAkun?tSCHAun.2012 beehrt der große russische Hungerkünstler Wladimir

tolstoj – ein direkter nachfahre des philosophen und asketen lew tolstoj – die Stadt Villach.

nach einer kräftigenden mahlzeit, die der Künstler – umringt von presse und Schaulustigen – im

Hotel post einnimmt, wird er unter notarieller aufsicht in einen überdachten Käfig gesperrt. Diesen

wird er für die nächsten 7 tAgE&näCHtE nicht verlassen. er kann rund um die uhr besichtigt

werden – begleitet, kommentiert und vermarktet von seinem profitgierigen impresario.

Der käFig steht auf einem HiStoriSCH dEkoriErtEn PFErdEwAgEn (mit platz für originelle

Sponsoren-plakate), der jeden tag an einem anderen ort in der Villacher altstadt aufgestellt

wird, und sich ein- bis zweimal täglich auf eine inszenierte rundfahrt begibt.

als guinnESS-wEltrEkordvErSuCH in

der Kategorie longESt tHEAtrE PErForMAnCE

bietet die produktion – passend zum Jahrmarktscharakter

des Stücks – noch eine zusätzliche attraktion für ein

schaulustiges publikum:

Ein Hungerkünstler wird 7 tAgE&näCHtE ohne unterbrechung öffentlich

zugänglich sein und rund um die uhr von beeideten zeugen

Der text der performance entstammt Kafkas

erzählung, historischen zeitungsberichten

und -annoncen und wird mit aktuellen

themen angereichert. Daneben gibt es

viel raum für improvisation, denn der Hungerkünstler

wird auch mit dem publikum interagieren

– Fragen beantworten, sich in

Diskussionen über den Sinn und die moral

seiner Darbietung verwickeln lassen und für

die jungen zuseherinnen die eine oder andere

grimasse schneiden.

nACH ABSolviErung seiner Fastenkur

wird der Künstler feierlich aus seinem

Käfig befreit und inmitten des Villacher

Hauptplatzes SPEziAlitätEn der ortsansässigen

gastronomen verkosten.

2

Longest theatre performance

überwacht. mit dieser Darbietung wird die 72-Stunden-performance

der amtierenden indischen Champions haushoch überboten.

Dr. wlAdiMir JArEMEnko-tolStoJ, russischer

performanceoligarch. geboren 1967 im sibirischen Winter als Sohn

des poeten und Dissidenten nikolaj tolstoj und direkter nachkomme

des Schriftstellers und philosophen lew tolstoj. ausbildung zum Schamanen

und zeremonienmeister, Studium an der patrice-lumumba-universität

der Freundschaft der nationen und an der uni Wien.

3.8.1. Aesthetic Organization enables the

architectural work to flourish and endure.

3.8.2. Construction sites are the buds of a city.

3.8.3. Helmut Richter brought me closer to

Le Corbusier, Popper and Wittgenstein.

Philosophers, Falsificators and Formulators.

3.8.4. The Logic of Scientific Discovery. (Popper) The

logic of life.

3.8.5. Where the logic of construction ceases

aesthetic organization begins.

3.8.6. Computer science is the continuation of logic

by other means. (Georg Gottlob)

3.8.7. The aesthetic organization is part of digestive

philosophy.

3.8.8. The gut plays a key role in questions of

aesthetic organisation. (Christian Denker)

3.8.9. It is said that architecture is not a science. This

is a mistake.

3.9. Everything is architecture. (Hans Hollein)

3.9.1. Architecture is not life.

Architecture is background.

Everything else is not architecture.

(Hermann Czech)

3.9.2. Architectural work is in fact work on oneself.

(Wittgenstein)

3.9.3. Architecture is a gesture. (Wittgenstein)

– 27 –

Verfasser von essays, Dramen, Dichtungen, Hörspielen, romanen

und literaturübersetzungen (pasternak-preis / Beste literarische Übersetzung

2006). Korrespondent des petersburger Journals Na Nevskom,

mit architekt Heidulf gerngroß redaktion der ST/A/R-zeitung.

Herausgeber zahlreicher almanache moderner russischer literatur.

regisseur, Dramaturg und organisator von Festivals an theatern

in Österreich, Deutschland, Finnland, italien und russland. Künstlerischer

leiter des russischen theaters Berlin. mitbegründer der

weltweiten Naked theatre und Naked poets-Bewegung.

Wichtige auftritte: literaturhaus Wien, Burgtheater-Kasino am Schwarzenbergplatz, inst. of Contemporary

arts london, Künstlerhaus Wien, Dom aktera St.-petersburg, novaja Drama moskau, Frankfurter

Buchmesse, alte Schmiede, maK Wien, pygmalion theater Wien, anfiteatro Cirella Vecchia u.a.

lebt zwischen Wien, Berlin und St. petersburg.

Der Kärntner Schauspieler und regisseur FElix StrASSEr ist

mitbegründer von VaDa und dem Theater der letzten Seite sowie

mitverfasser des Vadaistischen Manifests. inszenierung von rund

20 VaDa-produktionen mit gastspielen in Österreich, Deutschland,

Schweiz, italien, russland und Kirgizstan. (Kulturförderungspreis Kärnten,

auszeichnung f. internat. Kulturaustausch d. rep. Kirgizstan).

gründungsmitglied der Künstlervereinigung oneX/rotte russland,

Herausgeber der zeitschrift onaGRÜTZ. 2005/06 Solist am Kirill-

Ganin-Theater in moskau. auftritte in moskauer Klubs und galerien.

auftrags- und zusammenarbeiten für und mit uniKum, zdravko

Haderlap, andreas Staudinger, oleg uljanov-levin, klagenfurter

ensemble, Stadttheater Klagenfurt, tanztheater omega Kai alpha,

russisches theater Berlin, Brandshof Hamburg, lendhauer, spleen

graz, kärnöl, Verein erinnern, wienzeile, tischlereitheater Klagenfurt,

alpen-adria-universität, Bulgakov-museum moskau u.a.

Kärntner landessprecher der Freien theatergewerkschaft, mitglied European

Off-Theatre Network, div. publikationen in Fachzeitschriften.

Seit 2009 intendant des kremlhoftheaters villach – des kleinsten theaters der Welt.

3


44 Hungerkünstler

Städteplanung / Architektur / Religion

by Ruben De Somer: Fasting Wonders:

The Hunger Artist From the 17th

Through 20th Century Long

before late-19th and early-20th

century “Hunger Artists” like

Tanner, Papus and Succi roamed

the carnivals, fairs and Variety

theatres, a slew of predecessors

paved the way.

Most European countries had

their own fasting wonder. Their

main show activity was lying in

a bed, slowly dying of hunger

while the masses crowded

around them. Most of these

people claimed to have been fed

by God.

In the U.K. Martha Taylor (17th

century), Ann Moore (19th

century) and the Welsh “Fasting

Girl,” Sarah Jacob (19th century)

earned their living, living on

air. In Austria the 50 year old

carpenter Wolffgang Gschaidter

lay starving for more than 15

years (17th century) and in

Switzerland Apollonia Schreiert

fasted her life away (17th

century).1. Bernard Cavanaugh

reputedly fastened for more than

5 years until he was convicted

for being a hoaxer and vagrant.

Even in prison he didn’t eat: “the

surgeon of the prison has signed

a declaration that Cavanaugh has

never touched, since the 29th of

November in 9 days time, food

or drink, despite this he stays

healthy in body and mind.” 2.

Francisco Cetti (late 19th-early

20th century) was a Norwegian,

3. who exhibited himself in

Berlin in 1887 but during this

fasting session he quit after only

11 days. 4. A fellow Scandinavian

was Mrs Christensen from

Denmark who had to leave the

London Royal Aquarium after 17

days instead of the 30 days she

had planned.5.

The most well known fasting

wonder and the main inspiration

for the late 19th century revival

was Dr. Henri Tanner, an

American. 6. Another American

was the wealthy Brooklyn

resident Austin Shaw who did

it because he wanted to-- he had

read it in a book. 7.

The German fasting wonders

also had a long history of

survival on divinity. The oldest

known case was the wonder

girl Margarethe Weiss of whom

a pamphlet exists from 1542.

The “Daughter from Cologne”

exhibited herself in a tavern in

1595. Another famous fasting

wonder was Eva Vliegen (17th

century). More recently there

was Therese Neumann (20th

century) with the final chapter

in Germany told by “Heros,”

real name Willy Schmitz, who

performed until the 1950’s.

His most famous feat was a

performance in the Zoo of

Frankfurt, where he stayed in

a glass cage for 56 days. 8.

Belgium has had very few

examples, though the most

famous one was Louise Lateau

who fasted for 12 years and

then died in 1883.9. Earlier

an 18th century woman was

carried around on a carriage,

forced to pray for mercy

in front of the churches in

Antwerp, Belgium.10. In 1886

a man from Brussels, Mr Simon

also wanted to go for a world

record of fasting but quit after a

mere 12 days. 11.

In France there was Papus (19th-

20th century)12., Alexander

Jacques (early 19th-late 20th

century), and Jeanne Balam (17th

century).

Italy had three 19th century

fasting wonders— Merlatti,14.

Succi and Ricardo Sacco.15.

In Holland there were the

performers Maria van Dijck(18th

century), Barbara Kremers (17th

century)16. and Engeltje van

der Vlies(19th century). But of

all the Dutch fasters, Engeltje

van der Vlies was perhaps the

most famous. Below we will

look at her through the eyes of

the contemporary press, and see

her compared with many of her

fellow hunger artists.

Engeltje van der Vlies

“Engeltje van der Vlies was born

in Schiedam [Holland] on the

20th of August 1787 and is living

in Pynacker near Delft, whose

life has been dragging on without

beverage and food since 1820, is

currently very indisposed, several

times the doctor has been forced to

bleed her. Currently people think,

more than ever, that her life thread

will be severed, which when this

has happened, will lead to weighty

discoveries for scientific practices.”

(Gazette van Gent, Belgium

April 11, 1847)

And another author, writing

from Amsterdam several years

later:

“For a long time people haven’t

heard anything of Engeltje van der

Vlies, from Pynacker near Delft,

that most peculiar woman, who

hasn’t eaten anything since 1818,

and since March 1822 hasn’t drunk

anything. Many think she has

passed away. Meanwhile she has

celebrated her 66th birthday and

her continuous existence can be

seen as a miracle. People will recall

that in 1826, a report was made by

a medical commission regarding

her, the result of which was that

Engeltje van der Vlies was watched

for 4 weeks by 4 trustworthy persons

around the clock, and they declared

under oath that she hadn’t eaten

anything, food nor beverages.

“Since the aforementioned research

about 27 years have passed, and

more than 35 years in which

she hasn’t eaten and more

than 31 years that she didn’t

drink anything: but still

the art hasn’t succeeded in

explaining why she was

able to maintain her life

force in such a marvellous

condition. With the

lacking of one of the

greatest pleasures of life,

sick and poor, she’s most

of the time cheerful and

happy, and rests goodnatured

and resigned in

her fate, the so-powerful

support; her Christian

religion gives to her true

follower so spacious.”

(Gazette van Gent,

Belgium, September

09, 1853)

And then appearing

one week later in the

same publication:

“Many persons have

doubted the report that

we’ve given a couple of

days ago regards the girl,

Engeltje van der Vlies,

living in Pijnakker near

Delft, in Holland, who hasn’t

eaten for more than 32 years.

We can insure our readers that

the whole history is very true. A

person who has even talked with

this miraculous girl, gives us the

following information:”

‘She lived with the reverend of

Pijnakker (an hour and a half

from Rotterdam and the Hague)

as a servant girl. Her brother,

a deserter of the militia was

caught by the gendarmes. As a

result this shocked her so much

that she stopped eating. At first

they didn’t pay attention to it,

they thought it was a natural

result of her fear. However

when it took several days in

succession, they noticed it much

more. Doctors were consulted

all over the country without

avail. None of them could

explain where the remarkable

condition of the girl came from;

none of them could explain the

change which had taken place

in her organization.’

“For a couple of more years she

could still drink.” (Gazette van

Gent September 16, 1853)

Another writes from Delft of

van der Vlies:

“The famous Engeltje van der Vlies,

who several newspapers recently

discussed, as she allegedly had lived

without food or liquid, has died

yesterday in Pijnakker. As a result

a medical examination took place,

in company of several specialists,

and so one says in supervision

of the provincial commission

of medical health research, the

opening of the body has taken

place of which the result is: at a

certain height of the gullet (being

the Cartilago Cricodea) a fleecy

stricture was present, which wasn’t

that hard, or lessening the workings

of the gullet, that she couldn’t pass

any solid food, she could certainly

pass liquid food very

easily in huge amounts.

In the intestines newly

freshly formed faeces was

present and this was a clear

proof that she had eaten

recently, there were even food

remains in the upper part

of the intestinal tube(the

microscopic and chemical

research has to determine

which food), and finally there

were no deviations which

could support the probability

that no food had been used,

or that the feeding had taken

place in a supernatural

way.” (Gazette van Gent

December 12, 1853)

Fraud, Religion, and

Medicine: Motives of the

“Fasting Wonders”

Why did they do it? Some

of them probably really did

it out of faith, but in most

cases profit was the reason

behind it all. If you wanted

to visit such a miracle,

whether it was in a tavern, a

fair or at their house, you had

to pay. “The Fasting Wonder

of Tutbury,” Ann Moore, for

instance, managed to collect 400

pounds in the beginning of the

19th century. For a woman who

used to be sustained by alms this

is a huge sum.17.

The Belgian, Mr. Simon claimed

he did it for humanitarian

reasons. Simon explained that

his fasting was as an example for

miners who might be trapped in

a mine cave-in— showing them

that they could stay alive a lot

3.9.4. Die Architektur ist keine Dienstleistung

sondern ein Liebesdienst. (Anna Popelka)

3.9.5. Architektur ist Modulation der

Muskelspannung. (Elisabeth von Samsonow)

3.9.6. Die Architektur soll sich dem weiblichen Körper

anpassen. (Wladimir Tolstoj)

3.9.7. Architektur muss brennen. (Wolf Prix,

Swiczinsky, Michael Holzer)

3.9.8. Raum pfeift. (AZ4, TU Graz)

3.9.9. Architektur ist keine Kunst. (Anna Popelka)

3.9.10. Architektur ist die Reibungsenergie zwischen

Vision und Wirklichkeit. (Lukas Göbl)

3.9.11. Das Spiel der Mächtigen. (Franz West)

3.9.12. Gerngrossarchitektur-Weltarchitektur. Die

Weltarchitektur ist zum Kind geworden.

(Sergej Volgin)

3.9.13. LuftRaumZeitArchitektur ist das Ordnen von

Architektur und Stadt durch tektonische und

soziale Strukturen. (Bernhard Hafner)

3.9.14. Vitruvius nicht vergessen. (Raoul Blahacek)

3.9.15. Jeder Winkel ist ein rechter Winkel. (Marco

Duranovic)

3.9.16. L’architecture c’est moi. Die Architektur bin ich.

(Caroline Russo)

3.9.17. Die Architektur folgt der Vision. Die Vision

folgt der Realität. (Friedrich Kiesler)

– 28 –


Städteplanung / Architektur / Religion

Hungerkünstler 45

longer

without food.

The fact that he would earn a

nice salary of 5 Franc performing

also helped things along.18. At

one point in time Succi started

a 40 day fast, saying his cashflow

was low, and he needed to

acquire money and lots of it.19.

29

Not

all

miracle

fasters had a religious

background. Some did their

deeds for reasons of health,

and others did it because it

was their job. The American

Henri Tanner wanted to prove

that one could keep on living

without food for a long time and

performed in Clarendon Hall in

New York. For 14 days he lived

without food.20. In a way he was

3.9.4. Architecture is not a service but a labour

of love. (Anna Popelka)

3.9.5. Architecture is the modulation of muscle

tension. (Elisabeth von Samsonow)

3.9.6. Architecture should adapt to the female body.

(Vladimir Tolstoy)

3.9.7. Architecture must burn. (Wolf Prix, Swiczinsky,

Michael Holzer)

3.9.8. Space whistles. (AZ4, TU Graz)

3.9.9. It takes no art to create architecture. (Anna

Popelka)

3.9.10. Architecture is the energy created by the friction

between vision and reality. (Lukas Göbl)

3.9.11. The game of power. (Franz West)

3.9.12. Gerngross Architecture-World Architecture.

World Architecture transformed into a child.

(Sergei Volgin)

3.9.13. AirSpaceTimeArchitecture is the ordering of

architecture and cities by means of tectonic and

social structures. (Bernhard Hafner)

3.9.14. Don‘t forget Vitruvius. (Raoul Blahacek)

3.9.15. Each angle is a right angle. (Marco Duranovic)

3.9.16. L’architecture c’est moi. I am architecture.

(Caroline Russo)

3.9.17. Architecture follows vision. Vision follows

reality. (Friedrich Kiesler)

a trendsetter

because

m a n y

followed

his lead.

H i s

m o s t

famous

contender

was the

Italian

Succi.

T h e

religious

aspect of

fasting

was for a

long time

en vogue.

Engeltje had

been granted

her powers for

survival by divine

intervention. She wasn’t

the only one. The same was

claimed by Martha Taylor,

Eva Vliegen, Louise Lateau,

Therese Neumann, and

Wolffgang Gschaidter. 22.

In some cases the viewer was

given a show, but most of the

time the fasting wonder just lay

there dying. However, most of

the time the faster told his or her

story to the visiting public. The

Austrian Wolffgang Gschaidter

was even promoted as the

symbol of the city Innsbruck and

the public was invited to come

and see him at the local church

and give an alm. (‘Makes me

wonder about the weight of the

people from Innsbruck’).

Another important element

was that many invited doctors

to prove the public that their

“wonderous condition” was

real. This the fasting wonders

shared with many other

types of “exhibited people”.

Engeltje, Henri Tanner,

Succi, Martha Taylor,

Sarah Jacobs, Francisco

Cetti all were examined

by the medical

profession. Mr. Simon

had both a dentist

and a medical Doctor

at his side during his

performance, as well

as 45 other people

who had to watch

that he didn’t do

anything fraudulent.

The only strange thing

is that Cetti gained

weight during his

performance and was

exposed as a fraud

which brings us to

following paragraph.

Just like many other

exhibited people, fraud

was a common feature

of the performance.

Engeltje, about whom

we’ve just read, got her

food through a small hatch

which was hidden behind

her bed, and through which

her accomplice kept her

nourished. Barbara Kremer was

exposed by the Dutch doctor

Johannes Wier (1515—1588).

The Antwerp woman had to visit

several churches and pray for

forgiveness. The famous French

magician and occultist Papus was

also unmasked during one of his

performances in Germany.23.

Succi as well as Tanner were also

accused of fraud during their

long careers.24. Sarah Jacobs

died before they found out the

truth.

Many exhibited freaks and

human oddities were the result

of “Maternal Impression”

according to literature and

advertising which accompanied

their exhibition. In the case of

Engeltje it was her mother’s fear

resulting from the capture of

her brother.25. It is not known

whether other fasting wonders

used the “Maternal Impression”

explanation to highlight the

reasons behind their condition.

However such a miraculous

shock did add to the attraction

of these performers and could

help explain to the audience in a

“scientific” manner why the act

chose to take this path.

The fasting wonders also sold

pamphlets just like many other

exhibited people. Martha Taylor,

for example, had Thomas

Robbins, a balladeer, write and

publish a pamphlet about her

claiming that she had fasted for

more than 40 weeks through

divine intervention.26.

Did they really eat or drink

nothing? In most of the cases

they did drink. Succi for instance

used a special potion which

probably contained some kind

of narcotic.26. If you look at the

postcard on top of this page you

will see that he promoted some

kind of “sauerstoffwasser” or

oxygen rich water called Ozonin.

Other were real frauds, and

others only drank water to avoid

drying out. Especially those who

exhibited themselves for medical

purposes.

Conclusion

Looking back at our miraculous

brethren and sisters, we can say

that most of them were people

who were in need of attention,

whether it was for financial

reasons, religious or

medical.

This need for attention

is an important

incentive, as we turn on

the television and discover

that the fasting wonder

still exists. Gandhi as well

as many other used it as a

way to attract attention, and

to gain their political goals.

Yesterday (April 6, 2005) when

I turned on the my televison I

heard the story of 30 Kurds who

had barricaded them in a church

and were fasting. How little has

changed?

REFERENCES:

1. Allegaert,P., Cailliau (red),

Vastenheiligen, wondermeisjes, en

hongerkunstenaars, Een geschiedenis

van magerzucht. 2. (Gazette van Gent

12/10/1841) 3. http://tdplata.tripod.

com/historia/, Cetti was in a later stage

in his career also an aeronaut, being

a airballoonist at one time in Buenos

Aires 4. Gazette van Gent, 03/26/1887 5.

Gazette van Gent, 10/14/1888 6.

Gould, G,.M., W.L., Pyle, Anomalies

and curiosities of medicine, New York,

Julian Press,1956. 7. Gazette van Gent,

07/3/1905 8. Allegaert,P., Cailliau (red),

Vastenheiligen, wondermeisjes, en

hongerkunstenaars, Een geschiedenis

van magerzucht. museum dr guislain,

Gent, 10/24/1991 - 01/19/1992. 9.

Didry, M., Wallemacq A., Levenschets

van Louise Lateau, de wondendraagster

van Bois d’Haine. Leuven, Nova et

Vetera, 1921

10. Allegaert,P., Cailliau (red),

Vastenheiligen, wondermeisjes, en

hongerkunstenaars, Een geschiedenis

van magerzucht. 11. Gazette van Gent,

12/1-2/1886 and 12/13-14/1886 12.

Gazette van Gent, 11/22/1896 13. Gould,

G,.M., W.L., Pyle, Anomalies and

curiosities of medicine, New York, Julian

Press,1956. 14. Gould, G,.M., W.L., Pyle,

Anomalies and curiosities of medicine,

New York, Julian Press,1956. 15. Gazette

van Gent, 03/06/1906 16. Allegaert,P.,

Cailliau (red), Vastenheiligen,

wondermeisjes, en hongerkunstenaars,

Een geschiedenis van magerzucht.

17. Allegaert,P., Cailliau (red),

Vastenheiligen, wondermeisjes, en

hongerkunstenaars, Een geschiedenis

van magerzucht. 18. Gazette van

Gent, 12/1/1886 19. Gazette van Gent,

03/18/1886

20. http://www.br-online.de/

wissen-bildung/kalenderblatt/juni/

kb20000628.html 21. London Illustrated

News, 1880, p. 133-134. or L’Illustration

Européenne 09/4/1880 22. Allegaert,P.,

Cailliau (red), Vastenheiligen,

wondermeisjes, en hongerkunstenaars,

Een geschiedenis van magerzucht. 23.

Gazette van Gent, 05/13/1904 24.

Gould, G,.M., W.L., Pyle, Anomalies

and curiosities of medicine, New York,

Julian Press,1956. 25. Gazette van Gent

September 16, 1853 26. Allegaert,P.,

Cailliau (red), Vastenheiligen,

wondermeisjes, en hongerkunstenaars,

Een geschiedenis van magerzucht.

27. A mocking report of this potion,

which could be bought by everyone,

was published in “L’Illustration” from

4/06/92, p. 486.


46 Hungerkünstler

Städteplanung / Architektur / Religion

3.9.18. Soviel wie notwendig, so wenig wie möglich.

(Heinz Wondra.)

3.9.19. Architektur ist der Unterschied zwischen

Architektur. (Adolf Krischanitz)

3.9.20. Architektur ist die Bündelung der zentrifugalen

Kräfte. (Jan Tabor)

3.9.21. Architektur ist die obszöne Verschämtheit der

Naturmaterie, das illegitime Kind (Kegel) des

Architekten und der Schöpfung. (Adam Wiener)

3.9.22. Architektur macht schlank. (SPUTNIC)

3.9.23. Gute Architektur bedingt eine Portion Erotik!

(Martina Fürst)

3.9.24. Alles was richtig ist, ist schön. (Markus

Spiegelfeld)

3.9.25. Architektur ist die Summe aller

Notwendigkeiten. (Andreas Treusch)

3.9.26. Ich will in die zweite Dimension. (Herbert De

Colle)

3.9.27. Architekur = Raum x (Geometrie +

Psychologie). (Heinrich Büchel)

3.9.28. Der Konflikt ist der Städteplaner. (Milan

Mijalkovic)

3.9.29. Architektur kennt kein Rauchverbot. (Angelo

Roventa)

3.9.30. Ordinatio, dispositio, eurythmia, symmetria,

decor, distributio. (Vitruv)

– 30 –


Städteplanung / Architektur / Religion

Hungerkünstler 47

WZ: Reflexionen - Hungertwasser

Nicht alle brachten dem

Hungerkünstler jedoch

eine derartig wohlwollende

Zustimmung entgegen. In der “Stadt

der Phäaken”, in der Essen und Trinken

traditionellerweise einen hohen

gesellschaftlichen Stellenwert innehatte,

rief die künstliche Enthaltsamkeit

Succis sogleich Misstrauen und

Kritik hervor. Schon in den ersten

Hungertagen hatte er zahlreiche

merkwürdige Geschenke erhalten,

darunter auch zwei paar Würstel mit

den beigefügten Zeilen: “Wir Wiener

lieben keine mageren Leut’, - Haben

nur an Dicken große Freud’. - Wir

sind so gut, erbarmst uns sehr, - Zwei

Würstel senden wir daher.” Und auch

in den Zeitungen fehlte es nicht an

spöttischen Bemerkungen. Die immer

wieder vorgebrachte Unterstellung

des Betrugs sollte sich jedoch letztlich

als - zumindest teilweise - berechtigt

erweisen.

Zwar hatten die Mitglieder des

Überwachungskomitees am 30.

Hungertag ihre Schlusssitzung

abgehalten und erklärt, dass das

Experiment korrekt beendet worden

sei, doch schon einen Tag später traten

Zweifel daran auf. Ein Arzt behauptete,

er habe Succi am 25. Hungertag

zufällig in seinem Zimmer überrascht,

wie dieser gerade ein Beefsteak aß

und von einem Kellner ein Glas Sekt

eingeschenkt bekam. Nach Prüfung

der Sachlage musste man schließlich

zugeben, dass die Hungertour genau

3.9.18. As much as necessary, as little as possible.

(Heinz Wondra.)

3.9.19. Architecture is the difference between

architecture. (Adolf Krischanitz)

3.9.20. Architecture is the bundling of centrifugal

forces. (Jan Tabor)

3.9.21. Architecture is the obscene modesty of natural

matter, the illegitimate child (cone) of the

architect and creation. (Adam Wiener)

3.9.22. Architecture makes you slim. (SPUTNIC)

3.9.23. Good architecture requires a dose of eroticism!

(Martina Fürst)

3.9.24. All that is true, is beautiful. (Markus

Spiegelfeld)

3.9.25. Architecture is the sum of all necessities.

(Andreas Treusch)

3.9.26. I want to be in the second dimension. (Herbert

De Colle)

3.9.27. Architecture = Space x (Geometry +

Psychology) (Heinrich Büchel)

3.9.28. The conflict is the town planner. (Milan

Mijalkovic)

3.9.29. Architecture knows no prohibition of smoking.

(Angelo Roventa)

3.9.30. Arrangement, disposition, eurythmics,

symmetries, fitness, distribution. (Vitruvius)

– 31 –

genommen nicht 30, sondern nur

25 Tage gedauert hatte. Die ganze

Angelegenheit war überaus peinlich.

Primarius Limbeck versuchte den guten

Ruf der Wissenschaft zu retten: “Ob der

wissenschaftliche Werth einer solchen

Fastenperiode, wenn dieselbe nun 25

oder 30 Tage dauert, durch diese kleine

Differenz leidet, scheint mir kleinlich,

zu discutiren.”

Ungeachtet derartiger Vorfälle

entwickelten sich die Auftritte von

Hungerkünstlern auch weiterhin

zu viel besuchten Spektakeln, die in

keiner größeren Stadt mehr fehlen

durften. Auch Wien erlag im Jahre 1905

erneut dem Hungerkünstler-Fieber.

Riccardo Sacco, in den Zeitungen

als “weltberühmter Hungerkünstler”

angepriesen, präsentierte sich im

Mai für 21 Tage im III. Kaffeehaus

in der Prater Hauptallee. Sein Ruhm

wurde allerdings sogleich durch eine

Konkurrentin getrübt. Auguste Victoria

Schenk, eine gebürtige Grazerin und

ehemalige Schauspielerin, trat nur

einen Monat später im benachbarten

I. Kaffeehaus auf. Mit ihr war erstmals

eine Frau in dieser bisher von Männern

dominierten Schaustellerzunft tätig.

Schenk wollte sich direkt mit Sacco

messen, ein Vorhaben, das in den

Zeitungen mit Ironie bedacht wurde:

“Der Concurrenzkampf tobt auf allen

Gebieten menschlichen Lebens;

die Frau ist in vielen Berufsclassen

zur gefürchteten Rivalin des

Mannes geworden und nun haben

die weiblichen

Emancipations-

Gelüste sogar die

brotloseste aller

Künste - die

Hungerkunst, die bisher von Männern

allein ausgeübt wurde, streitig gemacht.

Frau Auguste Victoria Schenk, eine

ehemalige Tragödin, ist die kühne

Dame, die es unternommen hat, zu

beweisen, daß auch das schwache

Geschlecht unter Umständen einen

starken Magen hat.” Auguste Schenk

hungerte schließlich zwei Tage länger

als Sacco.

Standardisierte Inszenierung

Die Präsentation der Hungerkunst

folgte mittlerweile - nicht zuletzt wegen

des verbreiteten Misstrauens - einem

standardisierten Ablauf. Konnte

Succi während seiner Hungerzeit

noch spazieren gehen und öffentliche

Veranstaltungen besuchen, so fanden

die Vorführungen Saccos oder Schenks

nur mehr in einem einzigen Raum statt.

Darin war ein transparenter Glaskasten

aufgestellt, in dem der Hungerkünstler

streng bewacht bis zum Ablauf der

vereinbarten Zeit verblieb. Der Verzehr

der letzten Mahlzeit, deren einzelne

Gänge genauestens kundgetan wurden,

die darauf folgende “Einmauerung”

in das freiwillige Gefängnis sowie

die spätere “Befreiung” daraus waren

die spektakulärsten Momente jeder

Hungertour, die besonders theatralisch

inszeniert wurden.

Die Zuschauer rekrutierten sich

zu einem beträchtlichen Teil aus

Angehörigen des liberalen Bürgertums,

denen der Anblick der Darbenden

gleichermaßen zum Ausdruck des

(wissenschaftlichen) Fortschritts

wie zur anthropologischen und

sozialen Selbstverortung diente. So

orientierte sich denn auch die gesamte

Inszenierung an Versatzstücken

aus dem (bildungs)bürgerlichen

Leben - von der gemütlichen, beinahe

wohnzimmerartigen Einrichtung der

“Zelle” mit Sofa und Lesefauteuil bis

hin zur entsprechenden schöngeistigen

Lektüre (Schenk las beispielsweise

Schillers Maria Stuart).

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg

verlor das Schauhungern allmählich

an Attraktion; der Reiz des Neuen

war, wie es schien, erschöpft. Auch

Franz Kafka, der die Aufführungen der

Hungerkünstler stets mit besonderem

Interesse verfolgte, bemerkte in

seiner berühmten Erzählung “Ein

Hungerkünstler”, dass sich “wie in

einem geheimen Einverständnis . .

. überall geradezu eine Abneigung

gegen das Schauhungern ausgebildet”

habe. Erst in der von Inflation

und Arbeitslosigkeit geprägten

Nachkriegsgesellschaft kam es zu

einer spektakulären Neubelebung.

Im Unterschied zu den Darbietungen

der Jahrhundertwende, bei denen die

Suche nach neuen medizinischen

Erkenntnissen noch eine gewisse

Rolle gespielt hatte, entwickelte sich

nun allerdings eine immer mehr

rein ökonomisch ausgerichteten

Unterhaltungsform. Ein Jahr ist dabei

besonders hervorzuheben: 1926.

Es begann am 13. Februar, jenem

Tag, an dem der Deutsche Jolly in

Berlin auftrat, wo er einen neuen

Hungerweltrekord von 44 Tagen

aufzustellen gedachte. Die erfolgreiche

Beendigung seines Vorhabens wurde

zur ungeheuren Sensation, bei der

eine Hysterie ausbrach und sich die

Menschen im Getümmel die Kleider

vom Leibe rissen. Insgesamt zählte

man bei der Veranstaltung 350.000 (!)

Besucher, der Reingewinn Jollys soll

rund 130.000 Mark betragen haben.

Dies löste in ganz Europa einen

wahren Hungerkünstler-Boom aus.

Schon während des Auftritts von Jolly

begannen in Berlin Ventego, Fastello,

Harry, Wahlmann und die Kollegin

Daisy mit ebensolchen Darbietungen.

Harry Nelson trat in Leipzig auf, Harry

Leut in Dresden, Rolf Petersen in

Breslau, Jacky Jack und Don Polo in

Halle, Tantalus in Chemnitz, Horst in

Hamburg. In Paris hungerte Wolly, in

Stockholm Sidi Hassan, in Budapest

Alberti und eine Tirolerin namens

Grete. Und auch in Wien kam es zu

einem regelrechten Wettkampf um

die Gunst des Publikums, bei dem die

Hungerkünstler Nicky, Fred Ellern

und Max Michelly sich gegenseitig

zu überbieten suchten. Tatsächlich

gelang es auch einigen von ihnen, Jollys

Rekord zu übertreffen. So schafften

die gemeinsam in ihrer “Zelle”

eingeschlossenen Harry und Fastello 45

Tage, Max Michelly konnte schließlich

sogar 54 Hungertage überstehen.

Angesichts der demotivierenden Flut

an neuen Rekorden hielten allerdings

immer weniger Akteure ihren Auftritt

bis zum Ende durch. Die Berichte

über physische und vermehrt auch

psychische Zusammenbrüche häuften

sich. Der finanzielle Ertrag all dieser

Anstrengungen blieb - im Vergleich

zu Jolly - weit hinter den Erwartungen.

Dies lag vor allem auch daran, dass

immer häufiger Fälle von Betrug

auftauchten. Als prominentester

Schwindler entpuppte sich kein

geringerer als Jolly selbst, der heimlich

Schokolade verzehrt hatte. Andere

hatten in Absprache mit ihren Wächtern

in der Nacht Hühnerbouillon oder

Biomalz-Zuckerln zu sich genommen.

Derart in Misskredit gebracht,

verlor das Schauhungern rasch an

Anziehungskraft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlangte

die Kunst des Hungerns nur mehr für

kurze Zeit eine gewisse Popularität.

Der deutsche Hungerkünstler

Heros wurde zum letzten, auch

international bekannten Vertreter

seines Faches. Die sich herausbildende

Wohlstandsgesellschaft suchte ihr

Unterhaltungsbedürfnis künftig auf

andere Weise zu befriedigen.

Peter Payer ist Historiker und Autor

des Buches “Hungerkünstler in Wien.

Eine verschwundene Attraktion”, das

demnächst im Sonderzahl-Verlag Wien

erscheinen wird.


48 Protest

Städteplanung / Architektur / Religion

Pressetext exclusiv fur S/T/AR Wien-Berlin:

Wien, am Freitag den 29-06-2012

„TREEHOUSE“

Westbahnstrasse 11-13, 1070 Wien

Die Westbahnstrasse ist eine aufblühende, alternativ kulturelle, historisch

wichtige und insgesamt beliebte Strasse.

Durch den Erfolg des Weissen Hauses und

unlängst des Fox Houses hat sich auf diesem

Areal kulturell viel getan.

Anfang Juli 2012 ist aber schon der Teilabriss

geplant.

Die Verkehrsverhandlungen dazu haben am 27/06

stattgefunden.

Am gleichen Tag wurde die Elektrizität

abgeschlossen.

An derselben Stelle soll ein brutaler Eckbau

hochgezogen werden.

Der Altbau daneben, der hier „vergewaltigt“ wird, ist

ein Biedermeierhaus.

Der Hof wird zubetoniert, die Bäume gefällt – aus

mit dem Vogelgezwitscher.

Es sei alles „korrekt“ gelaufen – die MA19 kann sich

den Betonbrocken „vorstellen“....

Selbst wenn sich die Besitzer der angrenzenden

Häuser an der Hässlichkeit des Gebäudes

gestoßen hätten, mangelnde Ästhetik ist kein

Einspruchsgrund.

Ästhetik wird in Wien auf eine Geschmacksfrage

reduziert. Armes Wien!

Schutzzone hin oder her, die Westbahnstrasse

besteht fast nur aus klassischen Bauten:

Wie kann eine Behörde, die sich „Fachdienststelle für

Architektur und Stadtplanung“ nennt, einen solchen

die Umgebung ignorierenden Bau zulassen?

Dem Stadtbild kommt nicht die Sorgfalt zu, die ihm

gebühren würde – im Gegenteil es wird visueller

Lebens-Raum zerstört.

Und was ist mit den Menschen, die hier leben?

Laut Baupolizei würde sie das ja auch nichts

angehen, weil wortwörtlich:

„Die können ja eh nichts tun.“

Das ist unser Lebensraum, wir müssen dieses

Monstrum jeden Tag ansehen.

In Sachen Architektur wird heutzutage viel zu wenig

nachhaltig gedacht.

Jeder Neubau ist eine Chance unsere Stadt schöner

und lebenswerter zu machen – zu schade, dass genau

das Gegenteil passiert.

Was für eine Vergeudung an Potenzial!

Vom kulturellen und sozialen Schauplatz zum

gesichtslosen Investitionsobjekt eines internationalen

Immo-Konzerns...

Wir protestieren!

Noch steht das Gebäude.

Wie lange?

Wir haben mittlerweile noch die Chance einen

Kulturverein1070 zu gründen um das Areal samt

Innenhof zu erhalten und eine kulturelle Oase an der

Stelle dieses geplanten Schandfleckes zu schaffen.

Stellen wir uns vor, …

die Westbahnstraße 11-13 dürfte zum Freiraum

(Grünraum) und kulturellen Raum werden. Ein

Raum so wie ihn sich viele für den 7. Bezirk

wünschen und teilweise lautstark

(siehe die rezente Hausbesetzungen) fordern.

Stellt euch vor, ihr könntet diesen Raum gestalten,

wie würde er aussehen?

Welche Ideen habt ihr dazu?

Lasst euren Idealismus freien Lauf.

Werkstätten z.b. eine Kupferstichschule....

Proberäume für Musiker im Kellergeschoss...?

Eine Zeichen-Malschule für Kinder....und Erwachsene...?

Wohnungen im dem restaurierten Biedermeierhaus...?

Kunstgalerie..?

Ein Bookshop/Antiquariat....?

Öffentliche Bibliothek....?

Kindergarten samt Spielgarten.....?

Teehaus mit frei zugänglicher Dachterrasse...?

Restaurant/Bar mit Spielmöglichkeiten für Kinder im

Innenhof...?

Weinbierbiedermeierkeller...?

Veranstaltungsraum im Dachgeschoss...?

Grüne Oase mit Veranstaltungsmöglichkeiten

Eine Biobäckerei...?

Eine Buchbinderei...?

Brunnen mit Goldfischen....?

Bonsaiwerkstatt...?

was fehlt noch in unserem geliebten siebenten Bezirk....?

Wir sammeln Vorschläge und werden sie gerne ins

Netz stellen.

Bitte auch um schriftliche Reaktionen

bzw weiter per e-mail an:

Facebookseite:

Protest in der Westbahnstrasse

TREEHOUSE.OR.AT

KULTURVEREIN1070.AT

tek7@telenet.be

telefonisch - sms an:

0676 507 39 53

Flyers und Unterschriftenlisten werden in der

Umgebung des Treehouses bereitliegen...

Mit eurer Hilfe wird es zu einer konstruktiven

Bürgerinitiative gegen dieses Monstrum der

Immofirma heranwachsen...!

Empört euch wie auch immer gegen

diesen wahnsinnigen Immobauvorhaben

damit wir den Neubau noch verhindern

können...

Auch die Politiker vom gutem Willen

sollen uns unterstützen...es geht

hier um den definitiven Verlust

eines der schönsten und öffentlich

zugänglichen Innenhöfe unseres

Bezirkes!

Lasst uns ein gemeinsames

Brainstorming machen...!

Nicht nur Pläne und Skizzen,

sondern auch Texte und Gedichte

sind willkommen.....

Die Beiträge können anonym

sein.

Eure Ideen werden die Menschen

bewegen, begeistern und

überzeugen.

Bezirkspolitiker und vielleicht

sogar der Investor (oder andere

Investoren) werden auf neue,

bessere Ideen kommen.

Lasst es uns versuchen.

Vieles von Wert hat mit einer

Utopie begonnen.

Und alles von Wert ist

widerstandslos.

Leider tickt

die Uhr…

Werner Van Hoeydonck

Architekt Antwerpen-Wien & Jakob Demus

3.9.31. Die Speicherfähigkeit ist eine wesentliche

Eigenschaft der Architektur. (Laurids Ortner)

3.9.32. In allem Tun liegt Architektur. (Hans Dietrich)

3.9.33. (Meine) Architektur ist Kunstraum. (Philipp

Konzett)

3.9.34. Architektur – eine Bühne für das Schauspiel der

Menschen. (Helmut Wimmer)

3.9.35. Architektur ist das Machen von Räumen im

thermodynamischen Gleichgewicht zwischen

Mensch und Umwelt. (Daniel Podmirseg)

3.9.36. Was ist Architektur? Architektur ist räumliches

Werkzeug für Leben! (Rainer Köberl)

3.9.37. Licht ist die erotische Komponente der

Architektur. (Mounty R.P. Zentara)

3.9.38. Architektur ist die ultimative erotische Kunst.

(Monica Binvincini)

3.9.39. Architektur zählt, wenn sie den Menschen dient

und nicht dem Architekten. (Friedrich Blaha)

4. Der Archistrator archistriert Geistiges und

Materielles.

4.1. Der Archistrator ist der Dirigent des

Materialisierens.

4.1.1. Was der Dirigent für die Musik ist, das ist

der Archistrator für das Gebaute und für

das Bauen.

– 32 –


Städteplanung / Architektur / Religion

Protest 49

Jakob Demus mit Werner Van Hoeydonck

29.6.2012 – der Strom

wird abgedreht

Eröffnung des FOX-Hauses

Zinshaus-Beteiligung | Anlegerwohnungen:

Westbahnstraße 11-13

1070 Wien

Radlager

Kirche

Cafe Benzin

3.9.31. Storage capacity is an essential feature of

architecture. (Laurids Ortner)

3.9.32. Architecture is in all activities. (Hans Dietrich)

3.9.33. (My) architecture is an art space. (Philipp

Konzett)

3.9.34. Architecture - a stage for the play of people.

(Helmut Wimmer).

3.9.35. Architecture is the making of spaces in the

thermodynamic equilibrium between man and

environment. (Daniel Podmirseg)

3.9.36. What is architecture? Architecture is a spatial

tool for life! (Rainer Köberl)

3.9.37. Light is the erotic component of architecture.

(Mounty R.P. Zentara)

3.9.38. Architecture is the ultimate erotic art. (Monica

Binvincini)

3.9.39. Architecture counts if it serves the people and

not the architect. (Friedrich Blaha)

„WOHNEN ALS

GELDANLAGE

SCHAFFT LEBENS-

QUALITÄT.“

4. The Archistrator archistrates the mental and the

material.

4.1. The Archistrator is the conductor of

materializing.

4.1.1. What the conductor is for music, the

archistrator is for building.

– 33 –

Geplantes und genehmigtes Bauvorhaben


50 AUTO-ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

LAMBORGHINI ACADEMY: DRIFTSCHULE FÜR REICHE

LAMBO MONGO

DAVID STARETZ

SCHREIBT, REDIGIERT UND FOTOGRAFIERT DEN AUTO-ST/A/R

DAVID STARETZ REIST IN DIE INNERE MONGOLEI UND BESORGT SICH DORT

EIN DRIFTDIPLOM AN DER LAMBORGHINI WINTER ACADEMY

Bereitmachen für die HotLap, das ist die

Schlussgala der Instruktoren. Tagelang haben

sie auf den Beifahrersitzen der Gallardos

gelitten, jetzt ist Zeit für ihre Kür. Ich suche

mir Stefano aus, der das Cockpit mit heimeligem

Tabaksgeruch der gerade im Schnee ausgedämpften

Zigarette anreichert. Er sieht mich an

und sagt: „Oh, it‘s you. Now I have to do my best

to impress you.“

And on we go. Er hämmert den Wagen per Vorbande

die Schneemäuerchen, nimmt den Impetus

kleiner Seitaufpralle mit in den nächsten

Gegenschwung, bleibt trocken dran, als sich die

Geschwindigkeit querbeschleunigt aufbaut, und

interessiert blick ich vom Display der Leica auf, als

Stefano mit „O-o-o-o-no-no-no-no!“ zu hören ist.

Eine orange Begrenzungsstange knallt ein Muster

in die Wagenflanke, dann prasselt das kalte

Weiß übers Auto, Stefano lässt den Scheibenwischer

hochzüngeln und mit unvermindertem

Schwung finden wir wieder auf die Piste zurück.

„Che figuraccia! Please don’t tell anybody“, raunt

der Italiener und ich bemühe ihm klarzumachen,

dass ich seinen vollen Einsatz und diese beherzte

Leidenschaft zu schätzen weiß. Langsam kann

schließlich jeder hier.

Was geht da vor?

Lamborghini, bekannt für die Pflege des Kompromisslosen,

ließ hier auf zugefrorenem Wasser

und vereister Bodenfläche von schwedischen

Spezialisten verschiedenartiges Terrain ausschaben,

um den aus der Terra dei motori

angelieferten Supersportwägen

akademische Grundlagen zu verleihen

– Rundstrecken, Slalom- und

Riesenslalomstrecken, Handling-

Intensivkurse plus höhergradige

Kolloquien wie Oversteer I und

Oversteer II.

Wo sind wir hier eigentlich?

In fortgeschrittenen Breitengraden,

vom nationalen Interesse

her wohl nur durch die Koordinaten

des nahegelegenen Kohlekraftwerkes

lokalisiert, befindet sich in

der Nähe des Ortes Yakushi in der

Inneren Mongolei (China) eine

weitgehend schneebedeckte, weitgehend

akzentfreie Landschaft.

Der Schnee ist hier aber weniger

als Ausdruck einer Jahreszeit, sondern

eher als Darstellung eines

Lebensgefühls zu verstehen. Sein

Aggregatzustand entspricht der

Landschaft: Auf das Wesentliche reduziert.

Weiß, kalt, glatt.

Privatiers aus dem asiatischen Raum

kommen auf einen oder zwei Tage

hier im gepflegten Nirgendwo der Autonomen

Lambolei vorbei, um sich durch

Instruktoren in Theorie und Praxis einweisen

zu lassen in die höheren Algorithmen

4.1.2. Auf die Übersetzung kommt es an.

Die Musik ist die Augen-zu Kultur.

Architektur ist Augenübersetzungskultur.

4.2. Der Architekt ist der Materialisator der

Geistigkeit.

4.2.1. Architektur ist eine Verfestigung der Geistigkeit

am Ort des Geschehens.

4.2.2. Der Architekt ist der wahre Materialist.

4.2.3. Sachverhalt. Materialverhalt. Die Sprache des

Architekten ist das Materialisieren.

4.2.4. Materialkonstruktionen führen zu Sätzen.

4.2.5. Das Materialisierte spricht.

4.3. Ich bin eine Suppe.

4.3.1. Ich bin eine Stufe. (Malewitsch)

4.3.2. Malewitsch bildete mit dem Schwarzen

Quadrat die Summe aller Räume und Aktionen,

oder auch die Summe der Nichtexistenz aller

Räume. Ein Symbol für den Raum.

Die Raumikone.

4.3.3. Musik und Ikonen. 4.33. (John Cage)

4.3.4. Die Raumikone wird man nicht übertreffen.

Geht man jedoch in diese Ikone hinein, kann

man wüten, toben und proportionieren.

Der Freud’sche Schritt. Denn vor allem geht es

um Proportion.

4.3.5. Bei der Stufe muss man höher stehen um oben

– 34 –


Städteplanung / Architektur / Religion

AUTO-ST/A/R

51

der Querkraftbeherrschung. Das lassen sie

sich auch gern umgerechnet 3200 Euro

pro Tag kosten – umso mehr, als ein Lamborghini-Besitz

daheim in Peking oder

Shanghai keine Teilnahmeverpflichtung

darstellt.

Ein moderner, komfortabler Pavillon sorgt

für die gehobene Grundlinie der Annehmlichkeit

– eine luxuriös-elementare Überlebenszelle

bei Temperaturen an die minus

30 Grad Celsius. Doch die hohe Sonnenhäufigkeit

dieser Gegend macht das Outdoor-Life

tagsüber bei Windstille erträglich.

Die Instruktoren – meist Rennfahrer der

zweiten und dritten Kategorie, Formel

3-Meister, Scirocco-Cup-Piloten und GT1-

Haudegen – sind nach einer Woche Chinese-Customer-Events

durch nichts mehr

zu erschüttern. Das Niveau war manchmal

kreativ, sagen die meist italienischen

oder schwedischen aber immer höflichen

Helden des Beifahrens, die Lernresistenz

hoch. „But now with you driving I can relax

and sleep“, sagt der erfahrene Schmeichler,

während ich den Gallardo LP550-4

durch den appetitlich angerichteten Rundkurs

pendeln lasse. Das ESP (auch dessen

fortschrittliche Stellung CORSA) haben

wir schnell aus dem Lehrbetrieb ausgesondert,

die Pirelli-Sottozero-Spikereifen übernehmen

sämtliche Belange von Lenkung,

Spurhaltung und Traktion auf geschmeidigste

Weise. Oft ist es nur der Ölgeruch

aus der erhitzten Haldexkupplung, der

Hinweis gibt auf die 4x4-Version des gerade

bewegten Gallardo. Hier, wo Donuts einen

Radius von dreißig Metern haben und

im dritten Gang absolviert werden, beginnt

nach einiger Zeit des Gegen-die-Fliehkraft-

Stemmens die linke Taille zu schmerzen

und man würde ja gern schon aufhören,

wenn das nicht solchen Spaß machte und

der italienische Instruktor auf dem Beifahrersitz

nicht ununterbrochen sein hörenswertes

Stakkato von „very-very-very-verygood“

abfeuerte. Ok, Stefano, now its your

turn for the HOTLap!

4.1.2. It is the translation that matters.

Music is the culture of the closed eye.

Architecture is the culture of eye translation.

4.2. The architect is the materializer

of the mind.

4.2.1 Architecture is the consolidation of spirituality

at the scene of the action.

4.2.2. The architect is the true materialist.

4.2.3. Facts. Material facts. The language of the

architect is materialization.

4.2.4. Material structures result in sentences.

4.2.5. The materialized talks.

4.3. I am a soup.

4.3.1. I am a step. (Malevich)

4.3.2. Malevich’s Black Square was the sum of all

spaces and activities, or the sum of the nonexistence

of all spaces.

A symbol for space.

A space icon.

4.3.3. Music and icons. 4.33. (John Cage)

4.3.4. The icon of space won’t be surpassed.

If one, however, penetrates this icon,

one can rage, rage and proportion.

The Freudian step. Because above all,

it’s about proportion.

4.3.5. With the step one must be higher up to be at

– 35 –


52 AUTO-ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

KIA OPTIMA HYVRID

JEDER SCHRITT EIN HYBRID

DER KOREANISCHE AUTOBAUER KIA LIEFERT AB HERBST EINE LIMOUSINE MIT GEMISCHTEM ANTRIEB UND TRIFFT DAMIT AUF EBENSOLCHE GEFÜHLE

DER KIA HEV SIEHT IM GRUNDE BESSER AUS, ALS ES DIE GUT

GEMEINTE FLANKENBEGRÜNUNG VERMUTEN LÄSST.

Kia, das wird ja immer besser. Erinnert sich

noch jemand an den Sephia der neunziger

Jahre? Wahrscheinlich gibt es kein Automuseum

der Welt, das sich damit wertvollen

Platz verstellen möchte. Dennoch sind auch solche

Autos (oder denkt nur an den Kia Shuma!)

prägende Geschichte. In besserer Erinnerung

blieb der Kia Opirus (2003 bis 2007), ein gelinder

Mercedes-E-Klasse-Nachbau. Er war der letzte

Vertreter der großen, gemütlichen und doch

nicht absurd teuren Limousinen.

So wie es praktisch keine themenfreien Restaurants

mehr gibt, so werden kaum noch zielgruppenfreie

Autos mehr angeboten. Selbst Wolfgang

Joop ist heutzutage eine Zielgruppe.

Der Opirus-Nachfolger, wenn auch weniger mit

Executive-Charakter, sondern wesentlich aggressiver

auftretend, heißt nun Kia Optima. Als Gegen-Passat

ausgerichtet, wurde er vom

ehemaligen Chefdesigner des VW-

Konzerns, Peter Schreyer, mit einer

„starken emotionalen Dimension“

ausgestattet.

Peter Schreyer abzuwerben war

der größte Geniestreich der Koreaner,

denn zuvor drohten sich die

verschiedenen Karosserietypen in

Beliebigkeit zu verstreuen. Jetzt

hat die Marke ein straffes, scharfes

Profil – das, was technisch

gut war, wird nun markant dargestellt.

Allem voran eine bissige,

markante Frontpartie, „Tiger

Nose“ genannt. So mag man die

Asiaten: Blumig, aber doch zielstrebig.

zu sein. Die Stufe repräsentiert ein Höhersein.

4.3.6. Eine Suppe muß verdaut werden.

4.4. Das Volksbuch ist nicht strikt, sondern

beinhaltet eine Naturgewalt.

4.4.1. Jeder Satz hat zahlreiche Ausdrucksformen.

4.4.2. Jedes Wort ist eine Persönlichkeit.

4.4.3. Das Zahlensystem ist ein Symbol.

4.4.4. Alle Zahlen außer ‚0’ und ‚1’ sind produktive

Geister.

4.5. Das Raumalphabet ist eine Schule der

Räumlichkeit.

4.5.1. Die gesamte Sprache ist in einem Winkel

gespeichert.

4.5.2. Die gesamte Sprache ist in einem rechten

Winkel gespeichert.

4.5.3. Der rechte Winkel verbindet Sprache und

Architektur.

4.5.4. Der rechte Winkel ist eine Metastruktur.

4.5.5. Die Geometrie dieses Winkels.

1/2

1

Schwerpunkt

−−− √3 1

2

– 36 –


Städteplanung / Architektur / Religion

AUTO-ST/A/R

53

Kia ist die interessanteste Newcomer-Marke

der letzten Jahre; Picanto

heisst jener Kleinwagen, der den

VW-Bossen die größte Achtung abgewinnt,

Rio und die Ceed und Proceed-Modelle

(ernsthafte Golf-Herausforderer)

gefallen durch gutes

Aussehen, hochwertige Technik,

bessere Ausstattung und saubere

Verarbeitung.

Auch der hier getestete Optima

kommt bei der Innenraum-Anmutung

fast an Passat-Qualität heran,

spielt also ganz vorn mit in der Klasse

Ford Mondeo, Toyota Avensis,

Renault Laguna.

Dass der neue Optima ist nicht nur

optisch gestreckt ist, merkt man

beim Einparken. Er ist der Längste

seiner Klasse. Die gut ausgepixelte

und weit die Straße hinaufblickende

Rückfahrkamera schafft Feinabstimmung

auf den wichtigen letzten

Zentimetern oder Fernblick beim

Rückwärts-Schrägausparken.

Hybridantrieb, man kennt das inzwischen:

Zwei Antriebssysteme,

eins liegt immer still herum und

kostet Gewicht und Geld, während

das andere rackert. Wenn man via

Gaspedal besonders brutal in die

Eingeweide steigt, brummen beide

zusammen hoch und schaufeln Leistung

ins Getriebe. Aber das lässt

man lieber sein, denn wer sich für

Hybrid entschieden hat, will wenigstens

danach sparen auf Teufel

komm raus.

Es handelt sich beim Kia Optima

HEV also um einen herkömmlichen

Benzinmotor mit 209 PS, dem ein

41-PS-Elektromotor zur Seite steht –

um je nach Betriebszustand Leistung

zu addieren,

um reinen Elektroantrieb herzustellen

(sehr kurz)

oder um, als Generator getaktet, die

Lithium-Polymer-Akkus nachzuladen.

Hierfür werden sie von der

Schubleistung (etwa beim Bergabrollen)

oder von Benzinmotor angesteuert.

Kompliziert? Ei freilich. Aber es

funktioniert. Zumal die technische

Feinabstimmung samt Sechsstufen-

Automatikgetriebe sehr geschmeidig

ist. Kaum ist es für Fahrer und

schon gar nicht Passagiere festzustellen,

ob man im Benzin- oder

Elektromodus fährt. – Leider doch

meist mit Benzinantrieb, denn die

Akkuleistung reicht meist nur zum

Anfahren und Wegrollen bis Tempo

25; selten, dass in einer Tempo-

Hundert-Gleitphase der Elektroantrieb

einspringt, was im Fachjargon

neuerdings als Segeln bezeichnet

wird. Die von mir verbrauchten 27,3

mpg des im Testwagen noch amerikanisch

auswertenden Bordcomputers

entsprechen unseren 8,6 l/100

km. Keine Revolution, aber sehr anständig.

Alle Systemzustände sind in einer

bildhaften Monitordarstellung über

der Mittelkonsole abzulesen. Damit

bloß nichts zu einfach erscheint,

kann man zwischen verschiedenen

Darstellungen wählen und darf

beispielsweise zusehen, wie der E-

Antrieb wie Weltkugel

nährt oder

ANZEIGEDISPLAYS SOLLEN VORGÄNGE VERSTÄNDLICH MACHEN;

SO RICHTIG GELINGT DIES NUR DER RÜCKFAHRKAMERA

wie aufstiebende grüne Blätter dem

Auto entweichen.

Wir sind halt alle in einer Pionierphase,

was den neuen Umweltgedanken

betrifft und wie

bei der Frauen-Emanzipation

oder den Fahrrad-Verkehrskontrollen

muss man anfangs immer

stärker auf den Putz hauen, damit

sich die Dinge später auf ein verträgliches

aber gesteigertes Maß einrichten.

Insofern ist der Preisanstieg

moderat gehalten. Gegenüber dem

erwähnten Dieselmodell wird der

Hybridwagen um ungefähr fünftausend

Euro teurer sein, wenn er

dann im September nach Österreich

kommt, soll also in der voll ausgestatteten

Version um die vierzigtausend

Euro kosten.

Was sagen uns diese Fahrzeuge?

Erstens, dass wir in einer Welt der

grandiosen Auswahlmöglichkeiten

leben. Zweitens, dass wir davon

bereits leicht überfordert sind.

Drittens, dass nie rastender Menschengeist

beständig daran arbeitet,

komplizierte Balancesysteme zu

schaffen, von denen man nicht weiß,

ob sie für unsere äußere oder innere

Gleichgewichtung geschaffen sind.

the top. The step represents being higher.

4.3.6. Soup must be digested.

4.4. The ‚Volksbuch‘ is not strict, but includes a

force of nature.

4.4.1. Each sentence has many forms

of expression.

4.4.2. Each word is a personality.

4.4.3. The number system is a symbol.

4.4.4. All figures except ‘0 ‘and ‘1’ are productive

spirits.

4.5. The space alphabet is a school

of space.

4.5.1. The entire language is stored in an angle.

4.5.2. The entire language is stored in a right

angle.

4.5.3. The right angle transforms language into

architecture.

4.5.4. The right angle is a meta-structure.

4.5.5. The geometry of this angle.

POSTSUPREMATISTISCHES DATENBLATT, Hinterseite

1/2

1

Schwerpunkt

−−− √3 1

2

– 37 –


54 AUTO-ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

NISSAN GT-R

TROCKENER VOLLZUG

ES IST NACHGERADE VERSTÖREND, WIE SICH NISSANS SUPERSORTWAGEN IN DIE SUPRALEITFELDER ANGEWANDTER PHYSIK

VERFÜGT. UM 115.000 EURO IST ER DENNOCH DIE BILLIGSTE EINTRITTSKARTE ZUR ABSOLUTEN SUPERSORTLIGA.

POSTSUPREMATISTISCHES DATENBLATT, Vorderseite

4.5.6 Seine lange Seite ist die kurze Seite mal

Wurzel aus drei.

4.5.7. Der Schwerpunkt bestimmt seine Dicke.

4.5.8. Das Raumalphabet ist eine kleine Schule der

Umstülpung.

4.5.9. Das Raumalphabet deutet den Übergang von

Sprache und Architektur.

4.6. Die Zeitung ST/A/R ist ein Experimentierfeld.

4.6.1. Die Zeitung ST/A/R ist ein printmediales

Forschungsfeld.

4.6.2. Die Zeitung ST/A/R ist eine Geburtsstätte,

ein raumerweiterndes Erlebnisexperiment.

– 38 –


Städteplanung / Architektur / Religion

AUTO-ST/A/R

55

Mit den 550 PS des 012er-Jahrgangs auf

den Hinterrädern geht der Wagen in

Vollzug; Bodenunebenheiten werden

trocken abgefertigt. Das Fahrwerk hat weniger

Probleme, sich mit den einwirkenden Naturkräften

zurechtzufinden als der Fahrer im Sitz.

Zur Illustration der G-Kräfte kann man sich

das Info-Tableau mit sämtlichen irgendwie

relevanten Car-Data in den Hauptmonitor einspielen.

Dort, wo sich Gefahrenzonen auftun,

die Anzeige ins Rot flackert, erkennt man die

Fliehkraftanzeige, die am Diagramm links

oder rechts der Mittelachse auspendelt. Dem

Auto selbst scheint das nichts zu bedeuten.

In der Stadt lässt sich der GT-R gefügig fahren,

aber nur eben so. Er lässt merken, wie er es

hasst. Verspannungen im Allradsystem, Rucken

beim Einparken, das Klirren leerlaufender

Zahnräder im Getriebe.

Auf gewisse Weise ist das sympathischer als die

ungerührten Alleskönner von BMW, Audi, Porsche.

Man liebt Diven. (Allerdings, um korrekt

zu bleiben, gibt es den SAVE-Schalter als 2WD-

Only fürs Einparken und für reduziertes Drehmoment

und Pedal-Kennlinie in der City.)

Der ehemalige Chefingenieur des Nissan-Le-

Mans-Projekts und Team-Manager der Gruppe

C-Fahrzeuge, nun Chefentwickler der Sportwagenabteilung,

Kazutoshi Mizuno, hat es sich

zur Aufgabe gemacht, den GT-R beständig

weiterzuentwickeln. Ein Manuelles Getriebe

wird es seiner Aussage nach nie geben, weil

die Hände des Fahrers am Lenkrad genug zu

tun haben (und das Doppelkupplungsgetriebe

ohnehin unüberbietbar agiert). Der Wagen ist

hochprofessionell, extrem rennsportnah orientiert

(King of Nürburgring), aber eben gerade

noch zivilverträglich. Das heißt, man kann alle

Fehler gleich bei sich selber suchen.

Solche mache man besser nicht.

Fahrzeuge wie der GT-R verfügen über jene pulsierende

Präsenz, die kein Durchhängen, keine

Nachlässigkeiten kennt und zulässt. Der Fahrer

wird mitgenommen auf eine Reise in den

Kern der Befindlichkeit; schnelles Autofahren

erfolgt als Selbstzwecks jenseits von Vernunft

und Nutzen, eröffnet aber eine Dimension von

Klarheit, Wahrheit und Besinnung. Höchste

Disziplin, weites Vorausschauen, ständiges

Durchkalkulieren aller Eventualitäten. Hände

auf dreiviertel drei. Linker Fuß auf das starre

Pedal. Man muss sich der Maschine nah

machen. Locker bleiben in den Schultern. So

leicht war schnelles Autofahren noch nie; dennoch

bleibt nichts beiseite. Kontrolle über Gang

und Drehzahl. Zurückschalten mit dem linken

Paddle. Ich mache rechts Druck und bremse

links, was dem GT-R vertraut ist (manche Autos

gehen da gleich in Notlauf). Dies hat den

Vorteil ständiger Bremsbereitschaft (ich stehe

aberwitzig oft über der Bremse) und schürt die

Geschmeidigkeit. Man schmiert so die Kurven

aus wie Schüsseln mit Schlagobers. Dennoch

ist man bestenfalls schnell, jedoch kaum im

Grenzbereich, an dem sich die hochsportive

Regel-Eletronik dazusichert. Das Lenkrad ist

ein Skalpell, mit dem man präzise die Kurve

einschneidet; dies bedingungslose Einfräsen

ist das erste Mysterium des GT-R. Vollendetes

Zusammenspiel von Vorder- und Hinterachse

macht ihn zum Generalvollzugsbemächtigten

sämtlicher Renn- und Zivilstreckenradien.

Überholvorgänge fallen ins Kapitel Aktive Sicherheit,

hinterlassen eine Zeitschneise durch

eine Welt von Aspik. Für Verbindungsetappen

empfiehlt sich der Tempomat.

4.5.6. Its long side is the short side times the square

root of three.

4.5.7. The focus determines its thickness.

4.5.8. The space alphabet is a school of

inversion.

4.5.9. The space alphabet transforms language into

architecture.

4.6. The newspaper ST/A/R is an experimental field.

4.6.1. The newspaper ST/A/R is a print-media

research field.

4.6.2. The newspaper ST/A/R is a place of birth, a

space expanding experience.

– 39 –


56 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Sie gibt Strukturen her, um allen, die sie lesen

können, neue Räume zu öffnen, die keine

Unterdrückung darstellen.

4.6.3. Unterdrückung ist Einschränkung. Kritik ist

affirmativ. Die Kritik an allem anderen liegt im

eigenen Werk.

4.6.4. Der ST/A/R ist eine Metastruktur.

N

W

O

S

E 701, E 702 – 2006 – 2 X 250/200/3 cm – gespiegeltes selbst

4.6.5. Der Kompaß ist ein Zeichen des Architekten.

4.6.6. Der Stern gibt Orientierung und Richtung.

4.6.7. Das Prinzip der Zeitung ST/A/R ist Dünger, um

den persönlichen Freiheitsgrad zu erweitern.

4.6.8. Die Verschmelzung von Leben, Zeit, Raum,

Musik, Architektur etc.

4.6.9. Die Zeitung ST/A/R ist das Agglomerat der

Dinge für einen lebendigen Körper, der einfach

da ist. Er lebt und das ist alles.

4.6.10. Sie lebt und das ist alles.

4.6.11. INTEGRATIVISMUS.

4.6.12. Der Integrativismus integriert.

– 40 –


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 57

It provides structures for all who can

read it to open new spaces that don’t

oppress.

4.6.3. Oppression is limitation. Criticism is

affirmative. Criticism of everything is inherent

in one’s own work.

4.6.4. The ST/A/R is a meta-structure.

N

W

O

S

4.6.5. The compass is a sign of the architect.

4.6.6. The star provides guidance and direction.

4.6.7. The principle of the paper ST/A/R is to expand

the personal degree of freedom.

4.6.8. The fusion of life, time, space, music,

architecture etc.

4.6.9. The newspaper ST/A/R is the agglomerate of

things for a living body that is just there. He

lives, she lives, it lives and that’s all.

4.6.10. It lives and that’s all.

4.6.11. INTEGRATISM.

4.6.12. Integratism integrates.

– 41 –

www.hirtl.com


58 BIWI

Städteplanung / Architektur / Religion

seit 25 jahren steht im kunstschaffen hans biwi lechners das gemeinsame

des menschens im mittelpunkt. geburt, die frage nach dem sinn des lebens,

dem tod macht hbl zum thema seiner diversen kunstprojekte „siehe

ww.getstoned.cc“.

seit mitte der 80er jahre beschäftigt er sich mit dem thema zeit. es gelang

ihm, eine eigene formensprache zu entwickeln, mit der er in der lage ist, jedem

moment eine eigene form zu geben. er nennt sie TIME FORMS. unter

dem motto, jedem moment seine eigene form. keine form gleicht der anderen,

es sind unendlich viele variationen möglich.

„ich bin in der lage, momente tanzen zu lassen und nenne meine serien

WIENER WALZER. jeder kann bei mir seine eigene zeitform erwerben zum

bespiel zu seinem geburtstag, hochzeitstag, trauertag, jubeltag usw. er erwirbt

seine persönliche form, wenn man will sein persönliches logo und kann darüber

verfügen, beispielsweise businesscards, firmenlogos, persönlichen stempel.

die arbeiten sind urheberrechtlich geschützt, mir ist es auch wichtig, dass

jeder sich das leisten kann, somit verlange ich EURO 99.99 dafür.“

5. Die Architektur hilft der Erweiterung des

Freiheitsgrads jedes Einzelnen.

5.1. Es geht nicht darum, Freiheit zu geben,

sondern um die Anregung zur Erweiterung des

individuellen Freiheitsgrades.

5.1.1. Die Freiheit muss man sich selbst nehmen.

5.1.2. ‚Ich habe keine Zeit’ heißt ‚Ich gebe dir keinen

Raum’.

5.1.3. ‚Ich habe keine Zeit’, heißt, ‚Ich gebe dir

überhaupt keinen Raum’.

5.1.4. Die Zukunft des Freiheitsgrades jedes Einzelnen

ist das Jetzt.

5.1.5. Erst das Nichtbemerken des Freiheitsgrades

macht den Freiheitsgrad aus. Der Freiheitsgrad

besteht darin, daß man nicht mehr spürt, dass

man zu wenig Freiheit hat.

5.1.6. Die Zeitung ST/A/R dient der Erweiterung

des Freiheitsgrads jedes Einzelnen.

5.2. Die Wahrheit ist die Unentzogenheit.

5.2.1. In der Architektur gibt es das Sehen und das

Nichtsehen.

5.2.2. Es gibt die Wahrheit von falsch und richtig und

die Wahrheit als die Unentzogenheit.

(Wolfgang Schadewaldt)

5.2.3. Wer die Wahrheit kennt, dem ist nichts

entzogen.

Danke Biwi für die Zeitform, die 99,99 Euro habe ich dir schon überwiesen.

– 42 –


Städteplanung / Architektur / Religion

Rainer Köberl

59

5. Architecture helps expand the degree of

freedom of each individual.

5.1. It’s not about granting freedom, but creating

possibilities that extend the degree of

individual freedom.

5.1.1. One must take one’s own liberty.

5.1.2. ‚I have no time’ means ‚I don’t give you any

space’.

5.1.3. ‚I have no time’ means ‚I don’t give you any

space at all’.

5.1.4. The future of the degree of freedom of each

individual is the now.

5.1.5. Our degree of freedom is the degree of our not

noticing its absence. The degree of freedom is

the degree of our not sensing that we lack it.

5.1.6. The newspaper ST/A/R is a means of

expanding the degree of freedom of each

individual.

5.2. Truth is the unconcealed.

5.2.1. In architecture, there is seeing and

not seeing.

5.2.2. There is the truth of right and wrong and the

truth of the unconcealed.

(Wolfgang Schadewaldt)

5.2.3. Nothing is concealed for the one who knows

the truth.

– 43 –

Raucherabtrennung Café Central,

Architekt: RAINER KÖBERL


60 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

EVERYTHING ABOUT FRANKENSTEIN

AND THE THIRD EYE OF DR. TOTENKOPF

Prof. Dr. Dr. psy. x. Christian Schärling, s.a.c.

taken from „TO KNOW LIVE“ the artists-catalouge

edition by Johann Neumeister and Stephan Lugbauer

5.2.4. Die Wahrheit ist jedem zumutbar. (Ingeborg

Bachmann)

5.2.5. Die Wahrheit ist nicht jedem zumutbar.

5.2.6. Du kannst niemandem mehr zumuten als

dir selbst.

5.2.7. Die Wahrheit ist eine Zumutung.

5.2.8. Auch die Lüge ist eine Form der Wahrheit.

5.2.9. Man kann eine Tasse mit schmutzigem Wasser

reinwaschen. (Popper)

5.2.10. Die Lüge ist ein Gleichgewicht für alle

Ungerechtigkeit.

5.2.11. Sie lügt mit größter Aufrichtigkeit und rettet

tausend Seelen.

5.2.12. Wer die Lüge nicht kennt, der kennt auch die

Wahrheit nicht.

5.3. Wir können über alles sprechen.

5.3.1. Jeder kann über alles sprechen. Jeder ist

ein Sokrates.

5.3.2. Worüber man nicht sprechen kann, darüber

kann man stammeln.

5.3.3. Es gibt keine Dummheit.

5.4. Das Vergessen der Erkenntnis formt

den Menschen.

5.4.1. Erst im Vergessen wird die Erkenntnis wirksam.

5.4.2. Die Summe aller Erkenntnis vergessen.

– 44 –


EVERYTHING ABOUT FRANKENSTEIN AND THE

THIRD EYE OF DR. TOTENKOPF

5.2.4. It is not too much for each and everyone

to expect the truth. (Ingeborg Bachmann)

5.2.5. The truth is not for everyone.

5.2.6. You can’t expect more from others than

yourself.

5.2.7. The truth is an affront.

5.2.8. Lies are a form of truth.

5.2.9. One can cleanse a cup with dirty water.

(Popper)

5.2.10. The lie is a counterbalance for all injustice.

5.1.11. She lies with the utmost sincerity and saves

thousands of souls.

5.2.12. He who does not know the lie does not know

the truth.

5.3. We can talk about everything.

5.3.1. Anyone can talk about everything. Everyone

is a Socrates.

5.3.2. Whereof one cannot speak, thereof one may

stammer.

5.3.3. There is no stupidity.

5.4. Forgetting knowledge shapes people.

5.4.1. Only in forgetting does knowledge have an

effect.

5.4.2. Forgetting the sum of all knowledge.

– 45 –


62 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

BEZAHLTE

ANZEIGE

EVERYTHING ABOUT FRANKENSTEIN AND THE

5.4.3. Die Summe der Erkenntnis aller anderen über

mich ist meine Selbsterkenntnis.

5.4.4. Ich muss mich nicht kennen. Das was ich auslöse

bin ich.

5.4.5. Erkenne dich selbst. (Orakel von Delphi)

5.4.6. Erkenne dich nicht.

5.4.7. Überlass es den anderen dich zu erkennen.

5.5. Das Orakel ist eine Ahnung.

5.5.1. Das Orakel ist eine Ahnung, die sich verbreitet.

5.5.2. Ephesus, Delphi, Milet gehen aus Ahnungen

hervor.

5.5.3. Auch die Wissenschaft ahnt und muß die

Ahnung beweisen.

5.5.4. Wenn Du denkst bist Du tot. (Walter Röhrl,

zweifacher Ralley-Weltmeister)

5.5.5. Du denkst nicht, du ahnst.

5.6. Den ersten Zweiten muss jeder finden.

5.6.1. Bruder und Schwester.

5.6.2. Der Sieg ist nicht die Niederlage der anderen.

5.6.3 Das Leiden zu vergessen ist die erste Diszplin

einer buddhistischen Erziehung, nach dem

Aufwischen des Fußbodens.

5.6.4. Leiden und helfen. Wenn man hilflos ist, leidet

man, wenn man helfen kann, leidet man nicht.

– 46 –


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 63

THIRD EYE OF DR. TOTENKOPF

5.4.3. The sum of all knowledge of others about

me is my self-knowledge.

5.4.4. I do not need to know myself. What I cause is

me.

5.4.5. Know thyself (Oracle of Delphi)

5.4.6. Do not know thyself.

5.4.7. Leave it to others to know you.

5.5. The Oracle is a premonition.

5.5.1. The Oracle is an premonition that spreads.

5.5.2. Ephesus, Delphi, Miletus emerge from

premonitions.

5.5.3. Science is also premonition but has to be

proved.

5.5.4. If you think you’re dead. (Walter Röhrl, double

world rally champion)

5.5.5. You do not think, you guess.

5.6. Each and everyone needs to find a second

person.

5.6.1. Brother and sister.

5.6.2. Victory isn’t the defeat of the other.

5.6.3. Forgetting suffering is the first discipline of a

Buddhist training, after mopping up the floor.

5.6.4. Suffering and help. If one is helpless, one

suffers, if one can help, one doesn’t suffer.

– 47 –


64 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

EVERYTHING ABOUT FRANKENSTEIN

AND THE THIRD EYE OF DR. TOTENKOPF

by Prof. Dr. Dr. psy. x. Christian Schärling, s.a.c.

Drosophila head under the scanning

electron microscope. A normal

eye and an additional eye on

the antenna induced by Pax6. (©

Biocentre Basel)l, Reuters, dpa,

FUKK Kassel ECSB, )

6. Die Architektur ist eine Arbeit an der

Umstülpung der Menschheit.

6.1. Geduld, Großzügigkeit und Erweiterung

des Freiheitsgrades jedes Einzelnen sind die

Kriterien der Umstülpung.

6.1.1. Wenn das Innenleben außen ist und das

Außenleben innen, das ist die Umstülpung.

6.1.2. Wenn das Außenleben innen ist und das

Innenleben außen, das ist die Umstülpung.

6.1.3. Der Umstülpungsprozess führt dahin, dass die

Ambitionen verschwinden.

6.1.4. Der Umstülpungsprozess führt zur

ambitionslosen Gesellschaft.

6.1.5. Die Ambitionslose.

6.1.6. Quod licet jovi, non licet bovi. ‚Jovi’ und ‚bovi’

sind eins.

6.1.7. Revolution, Evolution, Umstülpung.

6.1.8. Die Zeit der Honigpumpe (Joseph Beuys) und

der Revolutionen ist vorbei.

6.1.9. Selbstbewußtsein, Selbstbestimmung,

Selbstverständlichkeit.

6.2. Der ‚Extensive Man’ bedeutet die Umstülpung.

6.2.1. Der ‚Extensive Man’ ist eine

materialphilosophische Figur.

6.2.2. Die ‚Intensive Box’ (Walter Pichler) hat die

Außenwelt ins Innere gebracht.

– 48 –


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 65

(links) irreparable schädigungen der neuronalen synaptischen genstrucktur im

vorderen Schläfenlappen und in der Amigdala. Quelle: Neurogenetisches Institut

(H) in zusammenarbeit mit API und dem BKA-Rauschgift

Ausformung mehrerer Facettenaugen am vorderen Beinpaar der Taufliege

Drosophila Melanogaster(rechts)

6. Architecture is a work on the inversion of

humanity.

6.1. Patience, generosity and expansion of the

degree of freedom of each individual are the

criteria for inversion.

6.1.1. If the inner life is outside and the outer life

inside, this is inversion.

6.1.2. If the outer life is inside and the inner life

outside, this is inversion.

6.1.3. Inversion leads to the disappearance of

ambition.

6.1.4. Inversion leads to a society without ambition.

6.1.5. The Ambitionless.

6.1.6. Quod licet jovi, non licet bovi. ‚Jovi‘ and ‚bovi‘

are one.

6.1.7. Revolution, Evolution, Inversion.

6.1.8. The time of revolution and Beuys’ honey pump

is over.

6.1.9. Self-confidence, self-determination, selfevidence.

6. 2. The ‚Extensive Man’ is a figure of inversion.

6.2.1 The ‚Extensive Man’ is a material-philosophical

figure.

6.2.2. The ‚Intensive Box’ (Walter Pichler) has

brought the outside world inside.

– 49 –


66 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

AUSTROJAM-SOCIETY (FUNDED BY NORA GOODYEAR)

Plan für ein Haus in Treasurebeach/Jamaica

für den Österreichisch–Jamaikanischen Kulturaustausch

Renderings: Pavle Jungle / Planung: Heidulf Gerngross

6.2.3. Der ‚Extensive Man’ stülpt das Innere nach

Außen.

6.3. Die Umstülpung ist Poesie.

6.3.1. Wer die Sinne verfeinert, verfeinert die Welt.

6.3.2. Das Schöne ist des Schrecklichen Anfang.

(Rilke)

6.3.3. Das Schöne ist der Anfang.

6.3.4. Die Trauer ist die Geburtsstunde des Schönen.

6.3.5. Warum nicht über Religion reden. Aus Religion.

(Schiller)

6.3.6. Der Wille zur Macht liegt im Wachsen des

Baumes. (Derrida)

6.3.7. Die Natur ist die Kultur.

6.3.8. Die Kunst ist natürlich künstlich. (Ferdinand

Schmatz)

6.4. Es geht nicht darum, den Einzelnen zu

regulieren, sondern um die Bedingungen

des gesellschaftlichen Umgangs. Die

Grundbedingungen ändern.

6.4.1. Jeder Einzelne ist ein Kernstück der Masse.

– 50 –


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 67

6.2.3. The ‚Extensive Man’ has brought the inside

world outside.

6.3. Inversion is poetry.

6.3.1. He who refines the senses, refines the world.

6.3.2. Beauty is the beginning of terror. (Rilke)

6.3.3. Beauty is the beginning.

6.3.4. Grief is the birth of beauty.

6.3.5. Why not talk about religion; from religion.

(Schiller)

6.3.6. The Will to Power is the growth of a tree.

(Derrida)

6.3.7. Nature is culture.

6.3.8. Art is naturally artificial. (Ferdinand Schmatz)

6.4. It’s not about regulating the individual but

changing the conditions of social intercourse.

Changing the basic conditions.

6.4.1. Every individual is at the core of the mass.

– 51 –


68 Literatur

Städteplanung / Architektur / Religion

16.6.2012

„INMITTEN DER EWIGKEIT“

FÜR GÜNTHER DOMENIG

GEDANKEN AN EINEN FREUND

Am Himmel fliegt ein weißer Strich seine

Runden, zwischen hohen Bergen. Bald

werde ich selbst in der Luft sein, auf dem

Flug über die Alpen und entfernt von den

Dingen. Günther Domenig ist nicht mehr.

Der Halbstarke, den ich 1972 kennenlernte,

mit den hohen Holzpantoffeln, der tief hängenden

Gliederkette hinter dem halbgeöffneten

Hemd, und der Vokuhila-Frisur wird für

immer Erinnerung sein. 1972 war Günther

Domenig Gastprofessor für Entwerfen an der

TU Graz. Professoren hatten damals noch

weiße Mäntel an _was ihre Position nicht

unbedingt verbesserte. Günther Domenig

hat viele Gesichter. Dahinter steht immer

derselbe Mensch. Er war unendlich scheu,

oft fast wortlos, ging Auseindersetzungen

am liebsten aus dem Wege _ und schrie und

verletzte andere, wenn er sich selbst verletzt

fühlte. 7 Jahre, wilde, unendlich spannende

Jahre folgten der ersten Bekanntschaft, Jahre

voller Auseinandersetzungen und getragen

von einer Freundschaft, die man nach außen

hin nicht zeigt.

Wie so oft im Leben von Architekten sind die

besseren Entwürfe nicht gebaut worden. Die

besseren Projekte verloren Wettbewerbe. Die

großartigen Projekte aus der Partnerschaft

mit Eilfried Huth, Medium Total, die Ragnitz

und Floraskin blieben unrealisiert. Die Ragnitz

geplant mit den besten Studenten der

Architekturfakultät fand zumindest weltweite

mediale Verbreitung. Floraskin erlebte seine

Teilverwirklichung im Restaurant-Pavillon

der Schwimmhalle, die anläßlich der Olympischen

Spiele 1972 in München von Günther

Behnisch und Frei Otto gebaut wurde. Doch

das seltene Beispiel für eine zeitgenössische

Raumskulptur von konstruktiver Schönheit

wurde vor ein paar Jahren abgerissen. Die

Pädagogische Akademie in Graz-Eggenberg,

Zeugnis des Beton Brut in Graz, wurde

inzwischen fragwürdig saniert und ergänzt.

Das Forschungszentrum der Montanunion in

Leoben, 40 Jahre lang das beste Beispiel für

neue Architektur in der Steiermark außerhalb

von Graz und Umgebung, wurde schlichtweg

verunstaltet. Die grandiose Rauminstallation

vor dem Künstlerhaus in Graz anläßlich

Trigon `67 war von Vornherein temporär

geplant und ist Geschichte. Und schließlich

der Speisesaal der Schulschwestern in Graz-

Eggenberg, eigentlich ein Mehrzwecksaal,

meine erste örtliche Bauleitung. Eine wunderschöne

Idee im Konstruktiven wie im Formalen.

Später von kopflosen Barbaren eingerüstet

mit Blech.

Günther Domenig + Volker Giencke, Biennale Venedig 20

Flamenco Sänger schreien ihre Enttäuschung

in die Welt hinaus und bewegen damit zumindest

Flamenco Tänzerinnen. Als Günther

Domenig anläßlich der Eröffnung der Landesausstellung

in Hüttenberg die Ignoranz

und Verhinderungsmentalität des Bürgermeisters

öffentlich geißelte, verließ dieser

den Raum, aber nicht sein Amt.

Wäre der Wettbewerbsentwurf Domenigs

für die Neubebauung des Ballhausplatzes in

Wien tatsächlich gebaut worden, die zeitgenössische

Architektur in Österreich hätte ab

1975 eine andere Richtung genommen. So

aber setzten sich postmoderner Quatsch und

eine widerlich verbrämte Kisten-Architektur

durch, die beide selbst von Fachjurien bis

heute stolz als gemeinsamer Nenner für das

Nichts in der Architektur präsentiert werden.

Günther Domenig mußte sich mit einer

Bankfiliale für die „Z“ auf einem kleinem

Grundstück in Wien- Favoriten begnügen.

Diese Bauvorhaben wurde während des Bauens

von der Creme der Wiener Architektur,

der sog. Wiener Klassik, ignoriert und

danach für entbehrlich empfunden.

Dank Krista Fleischmann/ORF und

ausländischen Architekturmedien

wurde dieses Projekt aber

in jedes Werkverzeichnis über

Ermerging Architecture ab

1970 aufgenommen. Günther

Domenig war plötzlich

international bekannter als

die Wiener Partie und hofiertes

Mitglied der Szene.

Nur Walter Pichler war

ein Freund auf gleicher

Augenhöhe. Der aus Paris

nach Wien zurückgekehrte

Helmut Richter, als Student

in den 60-er Jahren Mitarbeiter

im Grazer Büro, und

ich, wir waren die bevorzugten

Gesprächspartner im

ehemaligen Cafe Erzherzog

Rainer, beim Chinesen in

der Schleifmühlgasse und

ab 22:00 überall sonst.

Domenig und ich waren uns

einig, dass es heute in Jurien

schwieriger ist die eigenen

Kollegen von der Qualität der

Architektur zu überzeugen als

Bürgermeister und Bauträger.

Dass viele dieser kollegialen Gespenster

auch noch akademische

Karrieren erleben, macht die Situation

unerträglich. Nicht zuletzt deshalb verließ

Domenig vorzeitig die Fakultät. Doch das persönliche

16.6.2012 Beispiel bewirkte nichts. Im Gegenteil,

„Inmitten man war der froh Ewigkeit“ einen Mahner weniger zu

haben, bestellte die Mittelmäßigkeit als Ersatz

und machte so weiter wie bisher _mittelmä-

Für GÜNTHER DOMENIG

Gedanken an einen Freund

Am Himmel fliegt ein weißer Strich seine Ru

Luft sein, auf dem Flug über die Alpen und

Günther Domenig ist nicht mehr.

6.4.2. Jeder Einzelne muss den Freiheitsgrad spüren.

6.4.3. Wenn man verändert, dann geht man nicht

von der Masse aus, sondern vom Einzelnen.

Veränderungen gehen nicht von der Masse

Der Halbstarke, den ich 1972 kennenlernte

aus, sondern vom Einzelnen.

Gliederkette hinter dem halbgeöffneten Hem

1972 war Günther Domenig Gastprofessor

noch Auge’-Verständnis. weiße Mäntel an _was ihre Position ni

Gesichter. Dahinter steht immer derselbe M

realisiert zu werden.

Er war unendlich scheu, oft fast wortlos, gin

schrie realisieren. und (Le verletzte Corbusier) andere, wenn er sich se

7 Jahre, wilde, unendlich spannende Jahre

Massenkultur.

Auseinandersetzungen und getragen von ei

6.4.4. Jeder Mensch ist wichtig. (Robert Schwan)

6.4.5. Keine ‚Auge um Auge’-Politik, sondern ‚Auge in

6.4.6. Träume und Visionen verlangen danach

6.4.7. Das Schöne an den Träumen ist, dass wir sie

6.4.8. Es geht um eine neue Definition der

6.4.9. Die Gemeinschaftskultur. Vom Individuum zum

Gemeinschaftswesen.

Wie so oft im Leben von Architekten sind di

Projekte verloren Wettbewerbe. Die großart

Total, die Ragnitz und Floraskin blieben unr

als Form. Nichts ist statisch. Auch nicht immer.

Architekturfakultät fand zumindest weltweite

(Barbara Doser)

Teilverwirklichung im Restaurant-Pavillon de

in München von Günther Behnisch und Fre

zeitgenössische Raumskulptur von konstrukt

6.4.10. Computer lernen vergessen.

6.4.11. Wir sind immer am Anfang.

6.4.12. Alles ist Form in Bewegung und Bewegung

6.4.13. Im Streben leben.

6.4.14. Die Ganzheitlichkeit ist übermenschlich.

6.4.15. Ich bin ein Detail. Im Detail liegt die Wahrheit.

6.5. Die Umstülpung geschieht automatisch.

– 52 –


Städteplanung / Architektur / Religion

Literatur

69

04

ßig, nun ungestört. Dass inzwischen selbst

Baumanager die Architektur, die geschieht,

als „bestenfalls auffällig oder nur mehr gefällig“

taxieren und Kreative mit mehr Rückgrat

fordern, ist beschämend, läßt zugleich

aber hoffen. Das T-Mobile Center in Wien

nden, zwischen hohen Bergen. Bald werde ich selbst in der

entfernt von den Dingen.

6.4.2 Each individual must feel a degree of

freedom.

6.4.3. When one changes, then one doesn’t start

with the mass, but rather the individual.

, mit den hohen Holzpantoffeln, der tief hängenden

Changes do not begin with the masses but

d, und der rather Vokuhila-Frisur the individual. wird für immer Erinnerung sein.

für Entwerfen 6.4.4. Each an person der TU is important. Graz. Professoren (Robert Schwan) hatten damals

cht unbedingt 6.4.5. Understanding verbesserte. that Günther it’s not about Domenig an hat viele

‚eye for an eye’ but rather about ‚eye-to-eye’.

ensch.

6.4.6. Dreams and visions demand to be realized.

g Auseindersetzungen am liebsten aus dem Wege _ und

6.4.7. The wonderful thing about dreams is that we

lbst verletzt fühlte. realize them. (Le Corbusier)

folgten 6.4.8. der ersten It’s about Bekanntschaft, a new definition of Jahre mass culture. voller

ner Freundschaft, 6.4.9. The community die man culture. nach From außen the individual hin nicht to zeigt.

the community.

6.4.10. The computers are learning to forget.

e besseren Entwürfe nicht gebaut worden. Die besseren

6.4.11. We are always at the beginning.

igen Projekte

6.4.12. Everything

aus der

is

Partnerschaft

form in motion and

mit

motion

Eilfried

as

Huth, Medium

ealisiert. Die form. Ragnitz Nothing geplant is static. mit Not den always. besten (Barbara Studenten der

Doser)

mediale Verbreitung. Floraskin erlebte seine

6.4.13. Living in striving.

r Schwimmhalle, die anläßlich der Olympischen Spiele 1972

6.4.14. Entirety is superhuman.

i Otto gebaut wurde. Doch das seltene Beispiel für eine

6.4.15. I am a detail. Truth lies in detail.

iver Schönheit wurde vor ein paar Jahren abgerissen. Die

6.5. Inversion is automatic.

St.Marx hätte nie einen Preis gewonnen und

wäre folglich nie gebaut worden, wäre es

einem offenen Wettbewerbsverfahren unterworfen

worden. Es war - wie die Bankfiliale

der „Z“-ein direkter Auftrag.

Der Abschied aus dem gemeinsamen Architekturbüro

mit Einfried Huth war hart,

aber doch so etwas wie ein Neubeginn. Ich

war seit 1973 Mitarbeiter der beiden, danach

oft einziger Mitarbeiter Domenig`s in Wien.

Ein Büro in Graz gab es nicht mehr, aber

sowohl Domenig wie ich blieben in Graz

wohnen, mit einem Quartier in Wien-Ober

St.Veit, Landsleuten das Domenig nicht. gehörte und das ich

überhaupt nur bei Dunkelheit erlebte. Die

Strecke Graz-Wien und retour fuhren wir

wie im Schlaf. Die Strecke war bis auf das

Stück zwischen Wiener Neustadt und Wien

Bundesstrasse. Es war nicht der Alltag, doch

passierte es mehr als einmal auf diesem einzigen

Stück Autobahn, dass Domenig, mit

mir als Beifahrer ins Gespräch vertieft, die

Polizei mit 200km/h und mehr überholte.

Die darauffolgenden Monate war ich dann

Sportwagenfahrer und Privatchauffeur.

Dass Domenig am Ende seines Berufslebens

von der Geschäftsführung des eigenen

Büro`s noch einmal vor existenzielle Probleme

gestellt wurde, ist zwischenmenschlich

nicht nachvollziehbar. Nur mit Mühe und

der Hilfe des Landes Kärnten konnte er diesem

nur Würgegriff für ein dankbares entkommen. Thema. Die Schönheit

Kärnten`s hat er bedingungslos geliebt, die

Mentalität der neureichen und politischen

Geschäftemacher unter seinen Landsleuten

nicht.

Ich war dabei als Domenig sich schließlich

selbst beauftragte, im Hintergrund

das geerbte Grundstück am

Ossiachersee in Kärnten und der

Gedanke an eine freie Universität.

Der Auslöser war eine große

V.Giencke

Enttäuschung, aber auch der

unbedingte Wille Architektur

für sich zu entwerfen. Dass

ihm dabei sogar Scarpa in die

Quere kam, hat mit Zeitgeist und Mode zu

tun, Begriffe, die zu seinem Oeuvre gehören.

Der Besuch des Steinhauses als Anzünder

für eigene Gedanken kann kein Fehler

sein. Die Studenten des Studio3 hatten und

haben dort ihre besten Stunden als junge

Architekten und Architektinnen verbracht.

Domenig wollte immer alles andere, nur

nicht fad sein. Wenn Langeweile in seinen

Projekten passiert, läßt das auf Einflüsse

Dritter schließen. Gegensätzlich zur allgemeinen

Meinung halte ich Domenig für

einen Architekten des großen Maßstabs.

Dort wo er versucht, zu sehr skulptural zu

arbeiten und zu designen, wirkt er auf mich

verspielt, wie ein Schwimmstar im Nichtschwimmerbecken.

Günther Domenig`s persönlichste und beste

Architektur ist wie ein Schrei, nach außen

gerichtet. Ihn zu vergleichen, ist müßig. Er

ist von überall her beeinflußt. Er ist kein

Brutalist, schon gar kein Dekonstruktivist

und kein Formalist. Er richtet sich bewußt

nach außen, sucht die Konfrontation. Das

Dokumentationszentrum am Reichsparteigelände

in Nürnberg halte ich für keine

herausragende Arbeit, nur für ein dankbares

Thema.

Die Architekturwelt führt Günther Domenig

als expressiven Architekten. Das hat der

introvertierte Teil in ihm als Herausforderung

gesehen und als Gegensatz für richtig

gefunden. Sein Ferrari steht eingehüllt in

ein Ganzkörperkondom in der Garage im

Steinhaus. Vielleicht kann man ihn jetzt davon

befreien. Damit ihn Günther Domenig

sieht und weiß, was er noch alles vergessen

hat mitzunehmen, auf seiner langen Rei-

er bedingungslos geliebt, die Mentalität der neureichen und politischen Geschäftemacher unter se

Ich war dabei als Domenig sich schließlich selbst beauftragte, im Hintergrund das geerbte Grund

am Ossiachersee in Kärnten und der Gedanke an eine freie Universität. Der Auslöser war eine gr

Enttäuschung, aber auch der unbedingte Wille Architektur für sich zu entwerfen. Dass ihm dabei s

Scarpa in die Quere kam, hat mit Zeitgeist und Mode zu tun, Begriffe, die zu seinem Oeuvre geh

Der Besuch des Steinhauses als Anzünder für eigene Gedanken kann kein Fehler sein. Die Studen

Studio3 hatten und haben dort ihre besten Stunden als junge Architekten und Architektinnen verb

Domenig wollte immer alles andere, nur nicht fad sein. Wenn Langeweile in seinen Projekten pas

läßt das auf Einflüsse Dritter schließen. Gegensätzlich zur allgemeinen Meinung halte ich Domeni

einen Architekten des großen Maßstabs. Dort wo er versucht, zu sehr skulptural zu arbeiten und zu

designen, wirkt er auf mich verspielt, wie ein Schwimmstar im Nichtschwimmerbecken.

Günther Domenig`s persönlichste und beste Architektur ist wie ein Schrei, nach außen gerichtet. I

vergleichen, ist müßig. Er ist von überall her beeinflußt. Er ist kein Brutalist, schon gar kein

Dekonstruktivist und kein Formalist. Er richtet sich bewußt nach außen, sucht die Konfrontation. D

Dokumentationszentrum am Reichsparteigelände in Nürnberg halte ich für keine herausragende A

Die Architekturwelt führt Günther Domenig als expressiven Architekten. Das hat der introvertierte T

ihm als Herausforderung gesehen und als Gegensatz für richtig gefunden.

Sein Ferrari steht eingehüllt in ein Ganzkörperkondom in der Garage im Steinhaus. Vielleicht kan

ihn jetzt davon befreien. Damit ihn Günther Domenig sieht und weiß, was er noch alles vergessen

mitzunehmen, auf seiner langen Reise in die Ewigkeit. Der Sturmwind, den er zurückließ, wird dan

se in die Ewigkeit. Der Sturmwind, den er

ein Hauch sein. Aber ich werde ihn ganz sicher spüren.

zurückließ, wird dann nur ein Hauch sein.

Aber ich werde ihn ganz sicher spüren.

V.Giencke

– 53 –

Günther Domenig als Gastprofessor an der TU Graz + Volker Giencke 1972


70 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Der ST/A/R,

Die Terrorismusgalerie,

Heidulf, Milan, Marko gratulieren

Karin Sommer zu Ihrem

Doktorat!

6.5.1. Das Raumalphabet ist eine kleine Schule der

Umstülpung.

6.5.2. Die Umstülpung ist eine Überraschung.

6.5.3. Der Zufall ist eine Interpretation. Der Zufall ist.

6.5.4. Die Stunde der Wahrheit ist niederträchtig. Die

Stunde der Güte ist wünschenswert.

6.5.5. Glauben ist üben. Beten ist Vertrauen.

6.5.6. Alles was ist, ist heilig.

6.6. Der Archiquant, der rechte Winkel und der

Stern sind Metastrukturen.

6.6.1. Diese drei Metastrukturen tragen gleichzeitig

zum Verschwinden von Metastrukturen bei.

6.7. Wir haben keine Zielgruppe. Die Gruppe bildet

sich.

6.7.1 Die Zielgruppe ist eine kapitalistische Waffe.

6.7.2. Es gibt Ziel und Gruppe, zum Abschuss bereit.

6.7.3. Der Kapitalismus führt zur Verminderung der

Empfindungen.

– 54 –


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 71

DULFdesign LAUNCH PARTY02.10.2012 18:00Uhr / STILWERK / 2., Praterstrasse.1

Im Rahmen der Vienna Design Week.

MATERIAL:CAFE mit OFROOM

Neubarrocktisch mit Helmut Klar, Tischler, Wien

design

6.5.1. The space alphabet is a small school of

inversion.

6.5.2. Inversion is a surprise.

6.5.3. Chance is an interpretation. Chance exists.

6.5.4. The moment of truth is vile. The moment of

kindness is to be wished for.

6.5.6. Faith is practice. Prayer is faith.

6.5.4. Everything that exists is sacred.

6.6. The Archiquant, the right angle and the star are

meta-structures.

6.6.1. These three meta-structures contribute to the

disappearance of meta-structures.

6.7. We have no target groups. The group forms by

itself.

6.7.1. The target group is a capitalist weapon.

6.7.2. Target and group, ready to fire at.

6.7.3. Capitalism leads to a reduction of sensibility.

– 55 –

Füße nach der Skulptur N.I.C. –

„nature is cool“ von Hofstetter Kurt


72 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

forum experimentelle

fea zieht auf die somme

kunstkolchoze.

am 12. oktober findet in

mikulovice das 1. ernte

darüber berichten wir.

dank

jan

heidulf,

zwischenzeitlich

Janusarchiquant Jan

7,–

Janusarchiquant Jan

7,–

6.7.4. Aber wie Fehler Verbesserungen hervorrufen

können, wird auch der Kapitalismus zu

Verbesserungen führen.

6.7.5. Wir verbessern.

6.8. Man herrscht indem man jedem gibt. In diesem

Sinne hebt sich das Herrschen auf.

6.8.1. ‚Divide et impera.’, ‚Verteile und herrsche.’,

‚Verteile!’.

6.8.2. Jeder wird zum Geber.

6.8.3 Jeder hat ein Normalempfinden. Eine innere

Richtigkeit.

6.8.4. Nichts Unwirkliches existiert. (Thomas Redl)

6.8.5. Die Realität ist perfekt.

6.8.6. Der Übermensch ist der Mensch.

6.9. Der Künstler ordnet und macht.

6.9.1. Die abstrakte Konvention. (Wolf Günther Thiel)

6.9.2. Der Konvention verbunden, dem Abstrakten

zugetan.

6.9.3. Das verständnisvolle Wunder ist das Ergebnis

der abstrakten Konvention.

6.9.4. Komm ins Offene, Freund! (Hölderlin)

7. Worüber wir sprechen sprechen wir.

– 56 –


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 73

architektur

rfrische. gründet eine

der kunstkolchoze

dankfest statt.

gut essen im happy garden in Gumpendorf

6.7.4. But errors can cause improvements,

and capitalism will lead to improvements.

6.7.5. We are improving.

6.8. One rules by giving to everyone. In this sense

the rule suspends itself.

6.8.1. ‚Divide et impera.’, ‚Divide and rule.’,

‚Divide and share!’.

6.8.2. Everyone becomes a donor.

6.8.3 Everyone has a normal perception. An inner

sense of fairness.

6.8.4. Nothing unreal exists. (Thomas Redl)

6.8.5. Reality is perfect.

6.8.6. Man is Superman.

6.9. The artist arranges and makes.

6.9.1. The Abstract Convention. (Wolf Günther Thiel)

6.9.2. Attached to convention, devoted to the

abstract.

6.9.3. The insightful miracle is the result of Abstract

Convention.

6.9.4. Come into the open, friend! (Hölderlin)

7. We talk about what we talk about.

– 57 –


74 Yuma Friedolin Gerngross Städteplanung / Architektur / Religion

Yuma in Japan

GERNGROSS

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Städteplanung / Architektur / Religion

Yuma Friedolin Gerngross

75

Yuma in Japan

GERNGROSS

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– 59 –


76

Angelo Roventa

Städteplanung / Architektur / Religion

Wohnbüros in der Richard Neutra Strasse, Wien

Personenregister

Bachmann, Ingeborg, 5.2.4.

Benediktiner, 2.2.2.

Beuys, Joseph, 6.1.8.

Bonvicini, Monica, 3.9.38.

Blaha, Friedrich, 3.9.39.

Blahacek, Raoul, 3.9.14.

Büchel, Heinrich, 3.9.27.

Cage, John, 1.5., 4.3.3.

Coop Himmelb(l)au, 3.9.7.

Colle, Herbert de, 3.9.26.

Czech, Hermann, 3.9.1.

Denker, Christian, 3.8.8.

Derrida, Jacques, 6.3.6.

Dietrich, Hans, 3.9.32.

Doser, Barbara, 6.4.12.

Duranovic, Marco, 3.9.15.

Feldenkrais, Moshé, 1.4.

Freud, Sigmund, 4.3.4.

Fürst, Martina, 3.9.23.

Göbl, Lukas, 3.9.10.

Gottlob, Georg, 3.8.6.

Hafner, Bernhard, 3.9.13.

– 60 –


Städteplanung / Architektur / Religion

Angelo Roventa

77

Renovierung der Zahnarztpraxis Dr. Mihai-Adrian Badulescu

Hofstetter, Kurt, 2.5.5.

Hölderlin, Friedrich, 6.9.4.

Hollein, Hans, 3.9.

Holzer, Michael, 3.9.7.

Kandinsky, Wassily, 3.4.

Kiesler, Friedrich, 3.9.17.

Köberl, Rainer, 3.9.36.

Konzett, Philipp, 3.9.33.

Krischanitz, Adolf, 3.9.19.

Le Corbusier, 2.4.3., 6.4.7.

Malewitsch, Kasimir, 4.3.1., 4.3.2.

Michelangelo, 3.1.5.

Mijalkovic, Milan, 3.9.28.

Ortner, Laurids, 3.9.31.

Pichler, Walter, 6.2.2.

Podmirseg, Daniel, 3.9.35.

Popelka, Anna, 3.9.4., 3.9.9.

Popper, Karl Raimund, 3.8.3.,

3.8.4., 5.2.9.

Prandtauer, Jakob, 2.2.2.

Pythagoras, 2.3.2.

Prix, Wolf, 3.9.7.

Redl, Thomas, 6.8.4.

– 61 –


78 Literatur

Städteplanung / Architektur / Religion

Ein Hungerkünstler

von Franz Kafka

In den letzten Jahrzehnten ist das Interesse an Hungerkünstlern

sehr zurückgegangen. Während es sich früher

gut lohnte, große derartige Vorführungen in eigener Regie

zu veranstalten, ist dies heute völlig unmöglich. Es waren

andere Zeiten. Damals beschäftigte sich die ganze Stadt

mit dem Hungerkünstler; von Hungertag zu Hungertag

stieg die Teilnahme; jeder wollte den Hungerkünstler zumindest

einmal täglich sehn; an den spätern Tagen gab es

Abonnenten, welche tagelang vor dem kleinen Gitterkäfig

saßen; auch in der Nacht fanden Besichtigungen statt, zur

Erhöhung der Wirkung bei Fackelschein; an schönen Tagen

wurde der Käfig ins Freie getragen, und nun waren es

besonders die Kinder, denen der Hungerkünstler gezeigt

wurde; während er für die Erwachsenen oft nur ein Spaß

war, an dem sie der Mode halber teilnahmen, sahen die

Kinder staunend, mit offenem Mund, der Sicherheit halber

einander bei der Hand haltend, zu, wie er bleich, im

schwarzen Trikot, mit mächtig vortretenden Rippen, sogar

einen Sessel verschmähend, auf hingestreutem Stroh saß,

einmal höflich nickend, angestrengt lächelnd Fragen beantwortete,

auch durch das Gitter den Arm streckte, um seine

Magerkeit befühlen zu lassen, dann aber wieder ganz in

sich selbst versank, um niemanden sich kümmerte, nicht

einmal um den für ihn so wichtigen Schlag der Uhr, die

das einzige Möbelstück des Käfigs war, sondern nur vor

sich hinsah mit oft geschlossenen Augen und hie und da

aus einem winzigen Gläschen Wasser nippte, um sich die

Lippen zu feuchten.

Außer den wechselnden Zuschauern waren auch ständige,

vom Publikum gewählte Wächter da, merkwürdigerweise

gewöhnlich Fleischhauer, welche, immer drei gleichzeitig,

die Aufgabe hätten, Tag und Nacht den Hungerkünstler

zu beobachten, damit er nicht etwa auf irgendeine heimliche

Weise doch Nahrung zu sich nehme. Es war das aber

lediglich eine Formalität, eingeführt zur Beruhigung der

Massen, denn die Eingeweihten wußten wohl, daß der

Hungerkünstler während der Hungerzeit niemals, unter

keinen Umständen, selbst unter Zwang nicht, auch das

geringste nur gegessen hätte; die Ehre seiner Kunst verbot

dies. Freilich, nicht jeder Wächter konnte das begreifen,

es fanden sich manchmal nächtliche Wachgruppen, welche

die Bewachung sehr lax durchführten, absichtlich in

eine ferne Ecke sich zusammensetzten und dort sich ins

Kartenspiel vertieften, in der offenbaren Absicht, dem

Hungerkünstler eine kleine Erfrischung zu gönnen, die er

ihrer Meinung nach aus irgendwelchen geheimen Vorräten

hervorholen konnte. Nichts war dem Hungerkünstler

quälender als solche Wächter; sie machten ihn trübselig; sie

machten ihm das Hungern entsetzlich schwer; manchmal

überwand er seine Schwäche und sang während dieser

Wachzeit, solange er es nur aushielt, um den Leuten zu

zeigen, wie ungerecht sie ihn verdächtigten. Doch half das

wenig; sie wunderten sich dann nur über seine Geschicklichkeit,

selbst während des Singens zu essen. Viel lieber

waren ihm die Wächter, welche sich eng zum Gitter setzten,

mit der trüben Nachtbeleuchtung des Saales sich nicht

begnügten, sondern ihn mit den elektrischen Taschenlampen

bestrahlten, die ihnen der Impresario zur Verfügung

stellte. Das grelle Licht störte ihn gar nicht, schlafen konnte

er ja überhaupt nicht, und ein wenig hindämmern konnte

er immer, bei jeder Beleuchtung und zu jeder Stunde, auch

im übervollen, lärmenden Saal. Er war sehr gerne bereit,

mit solchen Wächtern die Nacht gänzlich ohne Schlaf zu

verbringen; er war bereit, mit ihnen zu scherzen, ihnen

Geschichten aus seinem Wanderleben zu erzählen, dann

wieder ihre Erzählungen anzuhören, alles nur, um sie

wachzuhalten, um ihnen immer wieder zeigen zu können,

daß er nichts Eßbares im Käfig hatte und daß er hungerte,

wie keiner von ihnen es könnte. Am glücklichsten aber war

er, wenn dann der Morgen kam und ihnen auf seine Rechnung

ein überreiches Frühstück gebracht wurde, auf das sie

sich warfen mit dem Appetit gesunder Männer nach einer

mühevoll durchwachten Nacht. Es gab zwar sogar Leute,

die in diesem Frühstück eine ungebührliche Beeinflussung

der Wächter sehen wollten, aber das ging doch zu weit, und

wenn man sie fragte, ob etwa sie nur um der Sache willen

ohne Frühstück die Nachtwache übernehmen wollten, verzogen

sie sich, aber bei ihren Verdächtigungen blieben sie

dennoch.

Dieses allerdings gehörte schon zu den vom Hungern überhaupt

nicht zu trennenden Verdächtigungen. Niemand war

ja imstande, alle die Tage und Nächte beim Hungerkünstler

ununterbrochen als Wächter zu verbringen, niemand also

konnte aus eigener Anschauung wissen, ob wirklich ununterbrochen,

fehlerlos gehungert worden war; nur der Hungerkünstler

selbst konnte das wissen, nur er also gleichzeitig

der von seinem Hungern vollkommen befriedigte Zuschauer

sein. Er aber war wieder aus einem andern Grunde

niemals befriedigt; vielleicht war er gar nicht vom Hungern

so sehr abgemagert, daß manche zu ihrem Bedauern den

Vorführungen fernbleiben mußten, weil sie seinen Anblick

nicht ertrugen, sondern er war nur so abgemagert aus Unzufriedenheit

mit sich selbst. Er allein nämlich wußte, auch

kein Eingeweihter sonst wußte das, wie leicht das Hungern

war. Es war die leichteste Sache von der Welt. Er verschwieg

es auch nicht, aber man glaubte ihm nicht, hielt ihn günstigenfalls

für bescheiden, meist aber für reklamesüchtig

oder gar für einen Schwindler, dem das Hungern allerdings

leicht war, weil er es sich leicht zu machen verstand, und

der auch noch die Stirn hatte, es halb zu gestehn. Das alles

mußte er hinnehmen, hatte sich auch im Laufe der Jahre

daran gewöhnt, aber innerlich nagte diese Unbefriedigtheit

immer an ihm, und noch niemals, nach keiner Hungerperiode

- dieses Zeugnis mußte man ihm ausstellen - hatte

er freiwillig den Käfig verlassen. Als Höchstzeit für das

Hungern hatte der Impresario vierzig Tage festgesetzt,

darüber hinaus ließ er niemals hungern, auch in den

Weltstädten nicht, und zwar aus gutem Grund. Vierzig

Tage etwa konnte man erfahrungsgemäß durch allmählich

sich steigernde Reklame das Interesse einer Stadt immer

mehr aufstacheln, dann aber versagte das Publikum, eine

wesentliche Abnahme des Zuspruchs war festzustellen; es

bestanden natürlich in dieser Hinsicht kleine Unterschiede

zwischen den Städten und Ländern, als Regel aber galt, daß

vierzig Tage die Höchstzeit war. Dann also am vierzigsten

Tage wurde die Tür des mit Blumen umkränzten Käfigs

geöffnet, eine begeisterte Zuschauerschaft erfüllte das Amphitheater,

eine Militärkapelle spielte, zwei Ärzte betraten

den Käfig, um die nötigen Messungen am Hungerkünstler

vorzunehmen, durch ein Megaphon wurden die Resultate

dem Saale verkündet, und schließlich kamen zwei junge

Damen, glücklich darüber, daß gerade sie ausgelost worden

waren, und wollten den Hungerkünstler aus dem Käfig ein

paar Stufen hinab führen, wo auf einem kleinen Tischchen

eine sorgfältig ausgewählte Krankenmahlzeit serviert war.

Und in diesem Augenblick wehrte sich der Hungerkünstler

immer. Zwar legte er noch freiwillig seine Knochenarme

in die hilfsbereit ausgestreckten Hände der zu ihm hinabgebeugten

Damen, aber aufstehen wollte er nicht. Warum

gerade jetzt nach vierzig Tagen aufhören? Er hätte es noch

lange, unbeschränkt lange ausgehalten; warum gerade jetzt

aufhören, wo er im besten, ja noch nicht einmal

im besten Hungern war? Warum wollte man

ihn des Ruhmes berauben, weiter zu hungern,

nicht nur der größte Hungerkünstler

aller Zeiten zu werden, der er ja wahrscheinlich

schon war, aber auch noch sich

selbst zu übertreffen bis ins Unbegreifliche,

denn für seine Fähigkeit zu hungern

fühlte er keine Grenzen. Warum

hatte diese Menge, die ihn so sehr zu

bewundern vorgab, so wenig Geduld

mit ihm; wenn er es aushielt, noch

weiter zu hungern, warum wollte

sie es nicht aushalten? Auch war

er müde, saß gut im Stroh und

sollte sich nun hoch und lang aufrichten

und zu dem Essen gehn,

das ihm schon allein in der Vorstellung

Übelkeiten verursachte,

deren Äußerung er nur mit Rücksicht

auf die Damen mühselig unterdrückte.

Und er blickte empor

in die Augen der scheinbar so

freundlichen, in Wirklichkeit so

grausamen Damen und schüttelte

den auf dem schwachen Halse

überschweren Kopf. Aber dann

geschah, was immer geschah.

Der Impresario kam, hob stumm

die Musik machte das Reden unmöglich

die Arme über dem Hungerkünstler,

so, als lade er den

Himmel ein, sich sein Werk hier

auf dem Stroh einmal anzusehn,

diesen bedauernswerten Märtyrer,

welcher der Hungerkünstler allerdings

war, nur in ganz anderem Sinn;

faßte den Hungerkünstler um die dünne

Taille, wobei er durch übertriebene

Vorsicht glaubhaft machen wollte, mit

einem wie gebrechlichen Ding er es hier

zu tun habe; und übergab ihn - nicht ohne

ihn im geheimen ein wenig zu schütteln, so

daß der Hungerkünstler mit den Beinen und

dem Oberkörper unbeherrscht hin und her schwankte - den

inzwischen totenbleich gewordenen Damen. Nun duldete

der Hungerkünstler alles; der Kopf lag auf der Brust, es

war, als sei er hingerollt und halte sich dort unerklärlich;

der Leib war ausgehöhlt; die Beine drückten sich im Selbsterhaltungstrieb

fest in den Knien aneinander, scharrten

aber doch den Boden, so, als sei es nicht der wirkliche, den

wirklichen suchten sie erst; und die ganze, allerdings sehr

kleine Last des Körpers lag auf einer der Damen, welche

hilfesuchend, mit fliegendem Atem - so hatte sie sich dieses

Ehrenamt nicht vorgestellt - zuerst den Hals möglichst

streckte, um wenigstens das Gesicht vor der Berührung mit

dem Hungerkünstler zu bewahren, dann aber, da ihr dies

nicht gelang und ihre glücklichere Gefährtin ihr nicht zu

Hilfe kam, sondern sich damit begnügte, zitternd die Hand

des Hungerkünstlers, dieses kleine Knochenbündel, vor

sich herzutragen, unter dem entzückten Gelächter des Saales

in Weinen ausbrach und von einem längst bereitgestellten

Diener abgelöst werden mußte. Dann kam das Essen,

von dem der Impresario dem Hungerkünstler während

eines ohnmachtähnlichen Halbschlafes ein wenig einflößte,

unter lustigem Plaudern, das die Aufmerksamkeit vom

Zustand des Hungerkünstlers ablenken sollte; dann wurde

noch ein Trinkspruch auf das Publikum ausgebracht, welcher

dem Impresario angeblich vom Hungerkünstler zugeflüstert

worden war; das Orchester bekräftigte alles durch

einen großen Tusch, man ging auseinander, und niemand

hatte das Recht, mit dem Gesehenen unzufrieden zu sein,

niemand, nur der Hungerkünstler, immer nur er.

So lebte er mit regelmäßigen kleinen Ruhepausen viele

Jahre, in scheinbarem Glanz, von der Welt geehrt, bei alledem

aber meist in trüber Laune, die immer noch trüber

wurde dadurch, daß niemand sie ernst zu nehmen verstand.

Womit sollte man ihn auch trösten? Was blieb ihm

zu wünschen übrig? Und wenn sich einmal ein Gutmütiger

fand, der ihn bedauerte und ihm erklären wollte, daß seine

Traurigkeit wahrscheinlich von dem Hungern käme, konnte

es, besonders bei vorgeschrittener Hungerzeit, geschehn,

daß der Hungerkünstler mit einem Wutausbruch antwortete

und zum Schrecken aller wie ein Tier an dem Gitter zu

rütteln begann. Doch hatte für solche Zustände der Impresario

ein Strafmittel, das er gern anwandte. Er entschuldigte

den Hungerkünstler vor versammeltem Publikum, gab zu,

daß nur die durch das Hungern hervorgerufene, für satte

Menschen nicht ohne weiteres begreifliche Reizbarkeit

das Benehmen des Hungerkünstlers verzeihlich machen

Richter, Helmut, 3.8., 3.8.3.

Rilke, Rainer Maria, 6.3.2.

Röhrl, Walter, 5.5.4.

Roventa, Angelo, 3.9.29.

Russo, Caroline, 3.9.16.

Samsonow, Elisabeth von, 3.9.5.

Schadewaldt, Wolfgang, 5.2.2.

Schiller, Friedrich, 6.3.5.

Schmatz, Ferdinand, 6.3.8.

Schwan, Robert, 6.4.4.

Sokrates, 5.3.1.

Spiegelfeld, Markus, 3.9.24.

Sputnic Architektur, 3.9.22.

Swiczinsky, Helmut, 3.9.7.

Tabor, Jan, 3.9.20.

Thales von Milet, 2.3.1.

Thiel, Wolf Günther, 6.9.1.

Tolstoj, Wladimir, 3.9.6.

Treusch, Andreas, 3.9.25.

Vitruv, 3.9.30.

Volgin, Sergej. 3.7.1., 3.9.12.

West, Franz, 3.9.11.

Wiener, Adam, 3.9.21.

– 62 –


Städteplanung / Architektur / Religion

Literatur 79

könne; kam dann im Zusammenhang damit auch auf die

ebenso zu erklärende Behauptung des Hungerkünstlers zu

sprechen, er könnte noch viel länger hungern, als er hungere;

lobte das hohe Streben, den guten Willen, die große

Selbstverleugnung, die gewiß auch in dieser Behauptung

enthalten seien; suchte dann aber die Behauptung einfach

genug durch Vorzeigen von Photographien, die gleichzeitig

verkauft wurden, zu widerlegen, denn auf den Bildern sah

man den Hungerkünstler an einem vierzigsten Hungertag,

im Bett, fast verlöscht vor Entkräftung. Diese dem Hungerkünstler

zwar wohlbekannte, immer aber von neuem ihn

entnervende Verdrehung der Wahrheit war ihm zu viel.

Was die Folge der vorzeitigen Beendigung des Hungerns

war, stellte man hier als die Ursache dar! Gegen diesen Unverstand,

gegen diese Welt des Unverstandes zu kämpfen,

war unmöglich. Noch hatte er immer wieder im gutem

Glauben begierig am Gitter dem Impresario zugehört,

beim Erscheinen der Photographien aber ließ er das Gitter

jedesmal los, sank mit Seufzen ins Stroh zurück, und das

beruhigte Publikum konnte wieder herankommen und ihn

besichtigen.

Wenn die Zeugen solcher Szenen ein paar Jahre später daran

zurückdachten, wurden sie sich oft selbst unverständlich.

Denn inzwischen war jener erwähnte Umschwung

eingetreten; fast plötzlich war das geschehen; es mochte

tiefere Gründe haben, aber wem lag daran, sie aufzufinden;

jedenfalls sah sich eines Tages der verwöhnte Hungerkünstler

von der vergnügungssüchtigen Menge verlassen,

die lieber zu anderen Schaustellungen strömte. Noch einmal

jagte der Impresario mit ihm durch halb Europa, um

zu sehn, ob sich nicht noch hie und da das alte Interesse

wiederfände; alles vergeblich; wie in einem geheimen Einverständnis

hatte sich überall geradezu eine Abneigung

gegen das Schauhungern ausgebildet. Natürlich hatte das

in Wirklichkeit nicht plötzlich so kommen können, und

man erinnerte sich jetzt nachträglich an manche zu ihrer

Zeit im Rausch der Erfolge nicht genügend beachtete, nicht

genügend unterdrückte Vorboten, aber jetzt etwas dagegen

zu unternehmen, war zu spät. Zwar war es sicher, daß einmal

auch für das Hungern wieder die Zeit kommen werde,

aber für die Lebenden war das kein Trost. Was sollte nun

der Hungerkünstler tun? Der, welchen Tausende umjubelt

hatten, konnte sich nicht in Schaubuden auf kleinen Jahrmärkten

zeigen, und um einen andern Beruf zu ergreifen,

war der Hungerkünstler nicht nur zu alt, sondern vor allem

dem Hungern allzu fanatisch ergeben. So verabschiedete

Wimmer, Helmut, 3.9.34.

Wittgenstein, Ludwig, 3.3.1., 3.8.3., 3.9.2., 3.9.3.

Wondra, Heinz, 3.9.18.

Zentara, Mounty R.P., 3.9.37.

Heidulf Gerngross: De Mensura et Proportione.

Prototractatus Architectonicus-Experimentalis.

Herausgeber: ST/A/R-Verlag-Wien.

Übersetzung: Michael Bürgermeister.

Abbildungen: Pavle Jungic.

Abb. S. 58-59: Gerngross-Säule von Franz West,

Schemazeichnung von Pavle Jungic.

Druck: Süddeutscher Verlag Zeitungsdruck GmbH,

München.

Buchbinderei: Flieger, Wien.

Förderung: Philipp Konzett, Stadt Wien,

Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur,

Markus Spiegelfeld – Werkstatt Wien.

Wien, 2012.

– 63 –

er denn den Impresario, den Genossen einer Laufbahn

ohnegleichen, und ließ sich von einem großen Zirkus engagieren;

um seine Empfindlichkeit zu schonen, sah er die

Vertragsbedingungen gar nicht an.

Ein großer Zirkus mit seiner Unzahl von einander immer

wieder ausgleichenden und ergänzenden Menschen und

Tieren und Apparaten kann jeden und zu jeder Zeit gebrauchen,

auch einen Hungerkünstler, bei entsprechend

bescheidenen Ansprüchen natürlich, und außerdem war es

ja in diesem besonderen Fall nicht nur der Hungerkünstler

selbst, der engagiert wurde, sondern auch sein alter

berühmter Name, ja man konnte bei der Eigenart dieser

im zunehmenden Alter nicht abnehmenden Kunst nicht

einmal sagen, daß ein ausgedienter, nicht mehr auf der

Höhe seines Könnens stehender Künstler sich in einen

ruhigen Zirkusposten flüchten wolle, im Gegenteil, der

Hungerkünstler versicherte, daß er, was durchaus glaubwürdig

war, ebensogut hungere wie früher, ja er behauptete

sogar, er werde, wenn man ihm seinen Willen lasse, und

dies versprach man ihm ohne weiteres, eigentlich erst jetzt

die Welt in berechtigtes Erstaunen setzen, eine Behauptung

allerdings, die mit Rücksicht auf die Zeitstimmung, welche

der Hungerkünstler im Eifer leicht vergaß, bei den Fachleuten

nur ein Lächeln hervorrief.

Im Grunde aber verlor auch der Hungerkünstler den Blick

für die wirklichen Verhältnisse nicht und nahm es als

selbstverständlich hin, daß man ihn mit seinem Käfig nicht

etwa als Glanznummer mitten in die Manege stellte, sondern

draußen an einem im übrigen recht gut zugänglichen

Ort in der Nähe der Stallungen unterbrachte. Große, bunt

gemalte Aufschriften umrahmten den Käfig und verkündeten,

was dort zu sehen war. Wenn das Publikum in den

Pausen der Vorstellung zu den Ställen drängte, um die Tiere

zu besichtigen, war es fast unvermeidlich, daß es beim

Hungerkünstler vorüberkam und ein wenig dort haltmachte,

man wäre vielleicht länger bei ihm geblieben, wenn

nicht in dem schmalen Gang die Nachdrängenden, welche

diesen Aufenthalt auf dem Weg zu den ersehnten Ställen

nicht verstanden, eine längere ruhige Betrachtung unmöglich

gemacht hätten. Dies war auch der Grund, warum der

Hungerkünstler vor diesen Besuchszeiten, die er als seinen

Lebenszweck natürlich herbeiwünschte, doch auch wieder

zitterte. In der ersten Zeit hatte er die Vorstellungspausen

kaum erwarten können; entzückt hatte er der sich heranwälzenden

Menge entgegengesehn, bis er sich nur zu

bald - auch die hartnäckigste, fast bewußte Selbsttäuschung

hielt den Erfahrungen nicht stand - davon

überzeugte, daß es zumeist der Absicht nach,

immer wieder, ausnahmslos, lauter Stallbesucher

waren. Und dieser Anblick von der

Ferne blieb noch immer der schönste. Denn

wenn sie bis zu ihm herangekommen

waren, umtobte ihn sofort Geschrei und

Schimpfen der ununterbrochen neu sich

bildenden Parteien, jener, welche - sie

wurde dem Hungerkünstler bald die

peinlichere - ihn bequem ansehen

wollte, nicht etwa aus Verständnis,

sondern aus Laune und Trotz, und

jener zweiten, die zunächst nur nach

den Ställen verlangte. War der große

Haufe vorüber, dann kamen die

Nachzügler, und diese allerdings,

denen es nicht mehr verwehrt war,

stehenzubleiben, solange sie nur

Lust hatten, eilten mit langen Schritten,

fast ohne Seitenblick, vorüber,

um rechtzeitig zu den Tieren zu

kommen. Und es war kein allzu

häufiger Glücksfall, daß ein Familienvater

mit seinen Kindern kam, mit

dem Finger auf den Hungerkünstler

zeigte, ausführlich erklärte, um was

es sich hier handelte, von früheren

Jahren erzählte, wo er bei ähnlichen,

aber unvergleichlich großartigeren

Vorführungen gewesen war, und

dann die Kinder, wegen ihrer ungenügenden

Vorbereitung von Schule

und Leben her, zwar immer noch

verständnislos blieben - was war ihnen

Hungern? - aber doch in dem Glanz ihrer

forschenden Augen etwas von neuen,

kommenden, gnädigeren Zeiten verrieten.

Vielleicht, so sagte sich der Hungerkünstler

dann manchmal, würde alles doch ein wenig

besser werden, wenn sein Standort nicht gar

so nahe bei den Ställen wäre. Den Leuten wurde

dadurch die Wahl zu leicht gemacht, nicht

zu reden davon, daß ihn die Ausdünstungen der Ställe,

die Unruhe der Tiere in der Nacht, das Vorübertragen der

rohen Fleischstücke für die Raubtiere, die Schreie bei der

Fütterung sehr verletzten und dauernd bedrückten. Aber

bei der Direktion vorstellig zu werden, wagte er nicht; immerhin

verdankte er ja den Tieren die Menge der Besucher,

unter denen sich hie und da auch ein für ihn Bestimmter

finden konnte, und wer wußte, wohin man ihn verstecken

würde, wenn er an seine Existenz erinnern wollte und damit

auch daran, daß er, genau genommen, nur ein Hindernis

auf dem Weg zu den Ställen war.

Ein kleines Hindernis allerdings, ein immer kleiner werdendes

Hindernis. Man gewöhnte sich an die Sonderbarkeit,

in den heutigen Zeiten Aufmerksamkeit für einen

Hungerkünstler beanspruchen zu wollen, und mit dieser

Gewöhnung war das Urteil über ihn gesprochen. Er mochte

so gut hungern, als er nur konnte, und er tat es, aber nichts

konnte ihn mehr retten, man ging an ihm vorüber. Versuche,

jemandem die Hungerkunst zu erklären! Wer es nicht

fühlt, dem kann man es nicht begreiflich machen. Die

schönen Aufschriften wurden schmutzig und unleserlich,

man riß sie herunter, niemandem fiel es ein, sie zu ersetzen;

das Täfelchen mit der Ziffer der abgeleisteten Hungertage,

das in der ersten Zeit sorgfältig täglich erneuert worden

war, blieb schon längst immer das gleiche, denn nach

den ersten Wochen war das Personal selbst dieser kleinen

Arbeit überdrüssig geworden; und so hungerte zwar der

Hungerkünstler weiter, wie er es früher einmal erträumt

hatte, und es gelang ihm ohne Mühe ganz so, wie er es

damals vorausgesagt hatte, aber niemand zählte die Tage,

niemand, nicht einmal der Hungerkünstler selbst wußte,

wie groß die Leistung schon war, und sein Herz wurde

schwer. Und wenn einmal in der Zeit ein Müßiggänger

stehenblieb, sich über die alte Ziffer lustig machte und von

Schwindel sprach, so war das in diesem Sinn die dümmste

Lüge, welche Gleichgültigkeit und eingeborene Bösartigkeit

erfinden konnten, denn nicht der Hungerkünstler betrog,

er arbeitete ehrlich, aber die Welt betrog ihn um seinen

Lohn.

Doch vergingen wieder viele Tage, und auch das nahm ein

Ende. Einmal fiel einem Aufseher der Käfig auf, und er

fragte die Diener, warum man hier diesen gut brauchbaren

Käfig mit dem verfaulten Stroh drinnen unbenützt stehenlasse;

niemand wußte es, bis sich einer mit Hilfe der Ziffertafel

an den Hungerkünstler erinnerte. Man rührte mit

Stangen das Stroh auf und fand den Hungerkünstler darin.

»Du hungerst noch immer?« fragte der Aufseher, »wann

wirst du denn endlich aufhören?« »Verzeiht mir alle«, flüsterte

der Hungerkünstler; nur der Aufseher, der das Ohr

ans Gitter hielt, verstand ihn. »Gewiß«, sagte der Aufseher

und legte den Finger an die Stirn, um damit den Zustand

des Hungerkünstlers dem Personal anzudeuten, »wir verzeihen

dir.« »Immerfort wollte ich, daß ihr mein Hungern

bewundert«, sagte der Hungerkünstler. »Wir bewundern

es auch«, sagte der Aufseher entgegenkommend. »Ihr solltet

es aber nicht bewundern«, sagte der Hungerkünstler.

»Nun, dann bewundern wir es also nicht«, sagte der Aufseher,

»warum sollen wir es denn nicht bewundern?« »Weil

ich hungern muß, ich kann nicht anders«, sagte der Hungerkünstler.

»Da sieh mal einer«, sagte der Aufseher, »warum

kannst du denn nicht anders?« »Weil ich«, sagte der

Hungerkünstler, hob das Köpfchen ein wenig und sprach

mit wie zum Kuß gespitzten Lippen gerade in das Ohr des

Aufsehers hinein, damit nichts verloren ginge, »weil ich

nicht die Speise finden konnte, die mir schmeckt. Hätte ich

sie gefunden, glaube mir, ich hätte kein Aufsehen gemacht

und mich vollgegessen wie du und alle.« Das waren die

letzten Worte, aber noch in seinen gebrochenen Augen war

die feste, wenn auch nicht mehr stolze Überzeugung, daß

er weiterhungere.

»Nun macht aber Ordnung!« sagte der Aufseher, und man

begrub den Hungerkünstler samt dem Stroh. In den Käfig

aber gab man einen jungen Panther. Es war eine selbst

dem stumpfsten Sinn fühlbare Erholung, in dem so lange

öden Käfig dieses wilde Tier sich herumwerfen zu sehn.

Ihm fehlte nichts. Die Nahrung, die ihm schmeckte, brachten

ihm ohne langes Nachdenken die Wächter; nicht einmal

die Freiheit schien er zu vermissen, dieser edle mit allem

Nötigen bis knapp zum Zerreißen ausgestattete Körper

schien auch die Freiheit mit sich herumzutragen; irgendwo

im Gebiß schien sie zu stecken; und die Freude am Leben

kam mit derart starker Glut aus seinem Rachen, daß es für

die Zuschauer nicht leicht war, ihr standzuhalten. Aber sie

überwanden sich, umdrängten den Käfig und wollten sich

gar nicht fortführen. π


80 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Liman Restaurant

Frühstück:

Großartig

Mittagessen:

Grandios

Abendessen:

Ein Genuß

R • φ

Hofstetter Kurt mit

Gerngross Frühstücksei

Peter Noever mit

Gerngross Frühstücksei

H.G.

R

Radius = R


94 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Woher kommen wir? Wer sind wir?

D

Alexander Schießling

ST/A/R-Literaturkorrigator


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 95

Wohin gehen wir?

u

Karin Grausam


96 Städteplanung / Architektur / Religion

VINZI

2. Vinzenz Grausam


16 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Bon Go

unser

Mensch

fürs Netz

http://de.wikipedia.org/wiki/De-Loys-Affe

http://dform.org


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 17

Heidulf Gerngross

De Mensura

et Proportione

Prototractatus

Architectonicus-Experimentalis

Nr.32

Inisci bla adiat. Te magna augait vero dolor acin ut ute ea consed tat. Mod diam verosto ex

et, consequat vel del utatumsandit ilit nim acip euipit, vel eugiat alit praestisl dunt eugiam,

volobor atiscil iquamco nsectet, sustrud doluptat, veliquis augiamcorem quatie min et ip

eumsan vel doloboreet am, senim eum euisl iriure vel utpatin ciliquat nismodipit lum alisi.

Ommod dunt ilis endio enim dolenisse molorem zzrillutat. Ut wisit aut ing erat.

Uptatet ad tat aut utpatem incillam velessim zzrit lore volore dunt vel diam adit praestrud ex

et exero consequis nonulla feugiat. Ut ad modo digna facilla ndrero odo diat incipsumsan

utatummod tin hent lan eum acil iriurem quat nim del iriusto od eniamcon hendre tat

doloreet, si blam at, volore exerci bla amconsequam digna ate ea faccum numsan volorem

do consequat. Ut niam inisit iure consenisis alit, quisim ip etum verat venit vel dolesse

quatummodit ad ting eugait wiscil dolendre velesto con hendiam quisi te tat. Tem nis nit

praesto dipsum quat lorper am quiscipit ip ercidunt aut in et, vullandre eugiam incipis

am, sustrud tin hendiam consecte ent wis doloreet, coreet adip ea acil utat prat vel utpat,

consed tat veratisl et num ver augait pratis ero dolore corper sequi bla con eugiam venisl

dunt ulla at, sustrud tisl eui ea aliquis cipsuscilla acilit wisis doloree tuerci eugiati onsequis

nummodolor ilit wis num vendion sequam, quat ut nulput lam quatuer aesendipit dolobor

erciliquat utat diat, veros nibh ex euisl dolobor si blaore minit ad esendig nismolobor alit

esed modipis adipsum aliquat. Ut lum illaore vulpute velit iuscili quipsuscil iuscin henim

nos nostisl ipis num at nullum dolutpat. Ut autating elit wis amet prat am, qui exerostrud

digna feugiam vel ullaortin enit ipsustie min utet loreet la acin heniscidunt digna consequis

dolobore magna core modiat, quamet, cor in henim nos amet, quamet praesent nos

atum augiat. Ut venibh er alit volobortie tis elesto dio eu faci tatie magna facidunt iuscin

eugue tie dipit lutpat wismod te con exer si te magna auguer sim vulla feu feu faccumm

odoless eniscilis dolore feu feugait lore velisi tem zzrit ilis aliquatem dit amcommy nullam,

senissenim ipit at vullaor tincidunt velenit, sequam amet, secte faccum diamet lamet

ST/A/R Verlag Wien

http://renfah.net


18 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Vorwort

Barbara Doser

Puffs ... Atemstöße sind unwiederbringliche Zeichen von Leben. Eingespeist in einen

Latexballon werden sie als Volumen sichtbar.

Umwickelt mit einer transparenten, kohäsiven PE-Folie mutieren sie zu stabilen Skulpturen.

Sie sind rundlich, fruchtblasenförmig und haben

einen Nippel. Hofstetter Kurt (Bussi) nennt sie Puffs. Sie dienen der

Archivierung von Atemstößen als individuelle Momente der Endlichkeit, wobei der Atem

den Raum seines Verbleibs selbst anlegt.

Material: Latex, Pe-Folie, UV-Lack. Größe variabel: ab 30x30x30 cm …

zu ordern unter: barbaradoser@sunpendulum.at.

Neben meinen architektonischen

Konstruktionen ist eine ungeordnete

Agglomeration aus Sätzen, Fundstücken

und Worten geblieben, die für

mein Machen ein wirkungsvolles

immaterielles Geflüster waren, das ich

in dieser Unordnung nicht

mitteilen konnte.

Aus dem Agglomerat formt sich

der Tractatus Architectonicus-

Experimentalis oder der Tractatus

Architectonico-Experimentalis, der

im Herbst 2012 im Metroverlag Wien

erscheinen wird.

2

Der Text erscheint in der ST/A/R Zeitung

als Prototractatus Architectonicus-


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 19

Experimentalis, dem Stand der

Arbeit entsprechend in der Anordnung

und Übersetzung der Sätze noch

teilweise nicht abgeschlossen.

Die Herausgabe des Werkes im

Metroverlag kann noch durch

Mitteilungen, Sätze, Stellungnahmen,

Kritiken, Kommentare oder Fundstücke

erweitert werden. Auch der ST/A/R

Leser ist eingeladen an dieser

Weiterentwicklung teilzunehmen,

office@star-wien.at.

Dank an den russischen Architekten

und Philosophen Sergej Volgin,

der mir durch seine kritischen

und zustimmenden Hinweise das

Vertrauen geschenkt hat, das Werk zu

veröffentlichen.

Heidulf Gerngross, Wien 2012

3

Puff © Barbara Doser, VBK, 2012


20 ST/A/R

Kunst

Städteplanung / Architektur / Religion

Katharina Heinrich

Katharina Heinrich bedient sich bei der Erzeugung ihrer variablen Raumkörper der Technik des Flechtens, die seit Jahrtausenden der Fertigung von Texturen

dient und im konsequenten Nachvollzug strenger Gesetzmäßigkeit unterliegt. Die rhythmische Tätigkeit des steten Drunter und Drüber wird von Heinrich als ein

„bildhauerischer Akt“ aufgefasst, der ihre künstlerischen Vorstellungen auf sinnstiftende Weise mit präzisen Gestaltungsmethoden verbindet. Entsprechend bezeichnet

die Künstlerin das Flechten als ein bewusstes Handeln, welches sich jedoch im Zuge des Gestaltens der immergleichen Verschränkung von horizontalen

und vertikalen Bändern unterwirft.

Textausschnitt von Monika Pessler, Direktorin der Kiesler Stiftung Wien,

Katharina Heinrich „um auf ab Riss“, 2011

1. Die Form ist das, was

gebraucht wird.

1.1. Unsere Ästhetik ist die Praxis

des Gebrauchs.

1.1.1. Der Gebrauch ist der

Rhythmus.

1.2. Unsere Architekturschule lehrt

das Planen und das Machen.

1.2.1. Architekten werden zum Planen

erzogen. Sie sollten zum

Machen erzogen werden.

1.2.2. Man braucht nicht planen. Man

macht.

1.2.3. Was man nicht planen kann,

das soll man machen.

1.2.4. Ich plane nicht, ich mache.

Archiquant-Geflecht, Katharina Heinrich,

Peddigrohr, 2011

4


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 21

Rotes Geflecht mit Ösen,

2010, Gummi/rubber,

Dimension variabel/variable

dimension, H 350 cm

1.3. Die Bedeutung weiß

Bescheid.

1.3.1. Die Bedeutung weiß auf alle

Fälle Bescheid.

1.3.2. Der Schein trügt nicht.

1.4. Die Architektur ist

Materialphilosophie.

1.4.1. Architektur ist die

Entdeckung des

Selbstverständlichen.

(Feldenkrais)

1.4.2. Städteplanung ist

Innenarchitektur.

5


22 ST/A/R Kunst

Städteplanung / Architektur / Religion

Katharina Heinrich

SchlauchnetzX, 2011, Kiesler Stiftung Wien,

Kunststoffschnüre/plastic strings, 400 x 400 x 330 cm

NetzZelt , 2010, Kunststoff/plastic, 220 x 220 x 310 cm

Installation A trans Pavilion, Berlin 2011, © Karsten Huth

1.4.3. Das Küken fühlt sich wohl,

weil es von Innen lesen

kann.

1.5. Die wirksamste Struktur ist

die, die man nicht merkt.

(John Cage)

2. Die Architektur ist eine

Mitteilung über Maß und

Proportion.

2.1. Maß und Proportion haben

die Gerechtigkeit

in sich.

2.1.1. Proportionieren ist die

Aufgabe des Architekten.

2.1.2. Die Proportion ist ein

Vertrauensverhältnis.

6

SKIZZE, 2010, Drahtseil/wire rope, Kiesler Stiftung Wien, 50 x 60 cm


ST/A/R 23

Städteplanung / Architektur / Religion 23

Archiquant-Geflecht, Katharina Heinrich, Peddigrohr, 2011

www.katharinaheinrich.net

2.1.3. Das Maß ist die

Notwendigkeit der

Proportion.

2.1.4. Wenn etwas nicht Maß und

Proportion hat, ist es schon

ungerecht.

2.1.5. Das ganze Ziel von Maß und

Proportion ist Gerechtigkeit.

2.2. Proportion bedeutet

menschliches Maß

und natürliches

Verteilungssystem.

2.2.1. Maß und Proportion

beinhalten die Dimension

des menschlichen Seins und

des sozialen Machens.

7

Rote Bänder, 2009, Video, 42 min (Videostills)


24 Licht ST/A/R kunst

Städteplanung / Architektur / Religion

TERESA MAR

LIGHT ART

LIGHT ART ‘Chamäleon’, Berlin

Berlin Festival of Light 12.-23.10.2011

(6 HX-Projektoren, 6 Standbilder)

1,5 Mill.Besucher fanden sich zum Berlin Festival of Lights im Oktober

2011 ein.

Die größte Arbeit‚ ‘Chamäleon‘ leuchtete 12 Nächte lang auf den

Dom im Berliner Lustgarten und stammt von der österreichischen

Lichtkünstlerin TeresaMar. TV (RTL, RBB, SAT 3) und Presse berichteten

darüber.

Teresa Mar: „Berührt Licht die Fassade des Monuments, so verhält sich

die Fassade wie eine Haut, voller Schattierungen, Formen und Farben.

Dort, wo die Projektion in die Abstraktion mündet, wird der Punkt

erreicht, wo unsere Ideen jene großen Dimensionen erreichen, die uns

8

2.2.2. ‚Ora et labora’.

(Benediktiner) ‚Mensura

et proportio’, ‘Maß und

Proportion’ sind die

Grundsätze der Jakob

Prandtauer Schule für

Architektur in Melk.

2.2.3. Maß und Proportion haben

materielle und geistige

Funktionen.

2.3. Die Geometrie ist

unweigerlich da.

2.3.1. Kurve. Kreis. Gerade.

Winkel. Thales von Milet


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 25

hat eine geometrische

Struktur entdeckt, in der

jeder Winkel im Halbkreis

ein rechter Winkel ist.

2.3.2. Pythagoras hat nicht nur

die inneren Beziehungen

innerhalb von Proportionen

untersucht. Gleichzeitig

hat Pythagoras eine

Lebensschule aufgebaut. Er

galt ebenso als Schamane

wie als Wissenschaftler.

2.3.3. Schule des Maßes. Schule

der Proportion.

2.4. Die Architektur ist

der Applikator der

menschlichen Größe.

9

als Teil der Matrix, als Teil der Nicht-Materie erfahren lassen.

Abstraktion liegt in der Perspektive.“

Die Arbeiten der Lichtkünstlerin verändern sich je nach Distanz und

Blickwinkel.

Licht ermöglicht ihr die organische Transformation des figurativen

Bildes hin zur Abstraktion.

Basis sind Collagen. Durch die Wiederverwendung bereits gesehener

Medienbilder sucht Teresa Mar den Durchbruch dominanter visueller

Konventionen und führt den Betrachter auf diese Weise in eine

visuelle Konfrontation.

Schwerpunkt ihrer Lichtkunst ist das ‚bewegte Bild‘, das in seiner

Langsamkeit jene Tiefe erzeugt, die eine Reise durch die Sinne

eröffnet.


26 ST/A/R xxxxx

Städteplanung / Architektur / Religion

TERESA MAR

Wien

Karlskirche

Mai 2010

2.4.1. Die gesamte Architektur

hängt von den Maßen des

Menschen ab.

2.4.2. Elle, Fuß, die ältesten

Maßeinheiten sind

menschliche Maße.

2.4.3. Le Corbusier hat den

Modulor aus menschlichen

Maßen geschaffen.

43 cm, Sitzhöhe, Knie.

70 cm,Tischhöhe.

113 cm, Barhöhe, Nabel.

183 cm, Kopfhöhe.

226 cm, ausgestreckte Hand.

Portugal

Sintra ‘LUMINA‘

September 2011

10


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 27

Teresa Mar

Lichtkünstlerin

2.4.4. Der Modulor ist im Archiquant

gespeichert.

2.5. Der Archiquant hat Maß

und Proportion in sich.

Der Archiquant ist eine

Materialisierung von Maß und

Proportion.

2.5.1. Der Archiquant ist aus dem

Machen entstanden.

11

Niederlande

Eindhoven ‘GLOW’

November 2010


28 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

WILLKOMMEN IN DER GOMRINGER-EPOCHE

„ S

ie hat allerdings, zumindest scheint angenäht werden kann, in den Heizkessel

es so, einen großen, ja für Lyriker fast geworfen hat. Obwohl er fast verblutet wäre,

unverzeihlichen Nachteil: Sie leidet nicht. gilt er jetzt, nach dieser unfassbaren Verzweiflungstat,

noch immer nicht als arbeits-

Im Gegenteil, auf Fotos grinst sie, oder lacht.

Ist das nicht ungehörig? Haben nicht gerade unfähig.

Lyriker ihr anämisches Gesicht in den knochigen

Händen zu vergraben und drein-

Moderne selbst einen Fuß abgeschnitten

Auch die Lyrik hat sich mit der klassischen

zusehen, als hätten sie eine hartnäckige und sichergestellt, dass er nicht mehr angenäht

werden kann.“

Harnwegsentzündung gepaart mit Bandscheibenvorfall

und Migräne? Nein, haben

sie nicht. Die Gomringerin, dieses schalkhafte

Wortspringginkerl, dieser Lyrikerin gewordene

Pumukl, beweist das Gegenteil. Sie

strahlt etwas aus, das sie mit ihren Gedichten

macht: Freude.“

Diese Passage ist einer Laudatio auf Nora

Gomringer entnommen, die aus der berühmten

Feder des Herrn Franzobel

stammt und die in voller Länge in der

Tageszeitung mit intellektuellem Anspruch,

dem Standard vom 28.04.12, zu

lesen war. Sie kam genau im richtigen

Moment. Denn genau in diesem Augenblick

arbeite ich an der Ausarbeitung der

Frage: Wie muss eine Stadt, ein Land,

vielleicht eine kleine Welt usw. beschaffen

sein, damit Lyrik dort nicht mehr gelesen

und nachvollzogen werden kann?

Franzobel liefert mit seiner Laudatio einige

wichtige Hinweise. Sein Text entwirft

zwei Bilder von Lyrikern und Lyrik.

Ein negatives und – wie überraschend

- ein positives. Das positive ist sehr viel

weniger ausgeführt als das negative und

ist mehr oder weniger auf die Fotografie

Nora Gomringers beschränkt.

Ich denke, es lohnt sich, die Klischees,

von denen Franzobel in seinem Text Gebrauch

macht, etwas unter die Lupe zu

nehmen: schließlich schrieb Franzobel

seinen Text anlässlich einer Preisverleihung,

publizierte ihn in einer auflagenstarken

Zeitung, kurz: Rührte die Werbetrommel

und reihte sich damit in die

Reihe der bezahlten Claqueure ein. Mit

erstaunlicher Offenheit erzählt Franzobel,

wie er dazu kam, diese Laudatio zu

schreiben. Ein Professor Möbus hätte sie

ihm angetragen und er ließ sich breitschlagen,

obwohl er noch keine Zeile der

Autorin kannte. Zunächst war er nicht

gerade begeistert, über eine junge Lyrikerin

schreiben zu sollen. Schließlich

kannte er doch die Vorliebe der alten

Herren des Literaturbetriebes für junges

Blut und die dadurch aufgewirbelten

Fantasien. Da machen sie offenbar gern

Preise für die jungen Damen. Er fragte

sich sogar aufrichtig selbst, ob er nicht

bloß ein alter Knacker ist, der nur am

Knackigen der Gomringer interessiert

ist. Aber noch etwas anderes ließ ihn zögern:

Er hatte sich gerade in letzter Zeit

zunehmend von der Lyrik distanziert, sie

kam ihm vor wie

„…jener oststeirische Arbeitslose, der sich

vor nicht einmal einem Monat aus lauter

Angst vor der Überprüfung seiner Arbeitsfähigkeit

durch das Arbeitsamtsservice nach

dem Konsum mehrerer selbstgebrannter

Schnäpse mit einer selbstgebastelten Sägevorrichtung

einen Fuß selbstvergessen abgeschnitten

hat und diesen dann auch noch,

um sicherzustellen, dass er ihm nicht mehr

Der anämische Lyriker, dieses Bild sehe

ich jetzt vor mir, sägt sich ein Bein ab,

vergräbt sein verzweifeltes Antlitz in

den knochigen Händen, das wenige Blut

spritzt und er erleidet einen Bandscheibenvorfall

während er nach Pillen gegen

seine Migräne sucht während ihm

eine Harnwegsinfektion Fieberträume

beschert. Da ist doch das Bild der Gomringer

schon was andres: Sie grinst oder

lacht sogar auf dem Foto, wie ihre Gedichte,

die uns allen Freude machen. Haben

wir denn da noch eine Wahl? Die

Gomringer hat Baudelaire endgültig aus

der Literaturgeschichte hinausgegrinst.

Nun gut, wenn man auch sagen muss,

dass die Metapher vom abgeschnittenen

Fuß doch ein wenig hinkt, so ist

der Bandscheibenvorfall, die Migräne

etc. doch sehr realitätsnah. Dieser ganze

Unfug ist als Kritik an den Lyrikern der

klassischen Moderne gedacht: Mallarmé,

Baudelaire, Georg Trakl…

…denn seit die Lyrik

„…Versmaß, Metrik und Strophenform aufgegeben

hat, hatscht sie dahin und kommt

kaum noch an ihr Publikum.“

Da ist es bei der jungen frischen Gomringer,

o ja, DIE Gomringer wie DIE Bachmann,

das kann man, nein, das muss

man sagen, sagt Franzobel, ja da ist es

schon viel besser, denn sie ist seit dem

Jahre 2006 eine

„…von allen, na ja, vielleicht nicht ganz

von allen, aber zumindest von den meisten

Zwängen, Konventionen und Erwartungshaltungen

befreite Dichterin, die seither,

und das zu Recht – bestaunt, bewundert

und beklatscht wird.“

Nun, Franzobel ist berühmt, da darf man

in Österreich nicht so genau hinschauen.

Versmaß, Metrik, Strophenform sind

wohl nur für die kranken Dichter hinderliche

Konventionen, Zwänge und Lesererwartungen…?

Was den Dichtern schadet,

die Befreiung nämlich von den Zwängen,

hilft bei der Gomringer so sehr, dass alle

sich freuen und klatschen. Bei der Gomringer

sieht Franzobel auch etwas „ganz

Eigenes“: Rhythmus und Melodie namentlich,

ja sogar „Gesang ohne Musik“.

Erfreulicherweise lässt uns der Franzobel

auch am ganz Eigenen der Gomringer

schnuppern, ausgerechnet an einem

Gedicht über den Nußbaumeder! Und

den „schätzen wir alle auch sehr“. Gut zu

wissen, finde ich. Der Gomringer gelingt

schließlich, worum sich alle, ja das steht

so in diesem Text, Dichter erfolglos bemühen:

Es ist dies die ungeheuer schwierige

„Poetisierung des Alltags“:

„Das Stück mit dem Gurkenflieger und den

Polen

Haben sie gar nicht verstanden

Aber gelobt haben sie den Nußbaumeder“

Welch eine Melodie! Welch ein Gesang!

(„Plötzlich sind da Rhythmus und Melodie,

ein, wie es immer heißt, Gesang ohne Musik…“)

Muss da nicht jeder dieser kranken

Dichter gleich aus dem „Rollstuhl“

(Franzobel) seiner kranken Lyrik wie

geheilt herausspringen und vor lauter

Freude tanzen? Ja wirklich: „Es ist alles

da“ (Franzobel). Aber der Franzobel

kennt halt den Vater der Gomringer und

der Professor gehört da auch irgendwie

zur Seilschaft und so kam es halt zum

Preis und dann zum Lobpreis.

Aber das mit dem Gurkenflieger und

den Polen habe ich auch durch das Gedicht

nicht verstanden. Aber wenigstens

habe ich niemanden gelobt, schon gar

nicht den Nussbaumeder oder gar den

Pumukl. Eines kann jetzt schon prognostiziert

werden: In der „Gomringer-

Epoche“ (Franzobel), die exakt seit 2006

angebrochen ist, werden die kranken

Dichter, ja sogar die toten Dichter, alle

ganz schnell gesund und knackig werden,

sie werden nämlich höllisch was zu

lachen haben und sich mörderisch darüber

freuen. Vorausgesetzt der Franzobel

wird hauptamtlicher Laudator. Denn:

Wer einen solchen Laudator hat, braucht

keinen Grabredner mehr.

Aber wie sich das nun auch immer mit

der ganzen Mischpoche verhält, mit dem

Professor Möbus, der Gomringer, ihrem

Vater Eugen, dem Hauptvertreter der

konkreten Poesie, ihrer Mutter Nortrud,

„der Wissenschaftlerin“ und der Claque,

zu der eben auch der Franzobel gehört,

der Text gibt doch Einblick in den Bewusstseinszustand

der heutigen Leser.

Denn was Franzobel an diesen Gedichten

der Gomringer so mag, ist dieses:

„Zugänglichkeit, Einfachheit und Witz

ihrer Gedichte machen Nora Gomringer

nicht nur zu einer würdigen Preisträgerin

sondern auch zu einer zeitgemäßen

Nachfolgerin dieses Großmeisters

der kleinen Form (ihres Vaters,

Anm.). Indem sie aus scheinbar

alltäglichen, banalen Sätzen

große Gedichte formt, gelingt

ihr möglicherweise das, was alle

Dichter wollen, aber selten nur

erreichen, eine Poetisierung des

Alltags.“

Alles an diesen Sätzen ist fragwürdig

und ist zugleich nur

allzu richtig. Zeitgemäß ist das,

was leicht konsumiert werden

kann. Aber was heißt hier „Alltag“?

Den Alltag poetisieren….

hat denn jeder denselben Alltag?

Hat der Lyriker denselben

Alltag wie ein Journalist? Den

Alltag poetisieren…das dürfte

schon aus dem Grunde nicht

von allen Dichtern gewünscht

werden, weil es einen „den“ Alltag

nicht gibt. Auch wenn Nora

12

Gomringer eine Dichterin sein mag –

ich maße mir hier kein Urteil an – eine

Lyrikerin im spezifischen Sinn kann

sie nicht sein. Sie schreibt Kurzprosa

in Versform, sie schreibt Epigramme,

aber keine Lyrik. Wenn dieses Wort einen

Sinn hat, dann unterscheidet es bestimmte

Texte von jenen anderen, die

man der Prosa zurechnet. Um aber das

lyrische Moment oder Motiv eines wie

auch immer formal aufgebauten Textes

nachvollziehen zu können, muss man

dieses Moment in sich selbst haben.

Das ist wie beim Musik hören: Man liebt

jene Musik, die man in sich selbst hat,

die man selbst auf eine wohl verwickelte

Weise ist. Es scheint Tatsache zu sein,

dass Lyrik im spezifischen Sinn kaum

mehr Leser findet, da diesen das lyrische

Moment völlig abgeht. Warum ist

das heute so und war noch vor hundert

und hundertfünfzig Jahren vollkommen

anders? Was ist es, das die Vorherrschaft

der Prosa begründet, auch in den heute

zeitgemäßen Gedichten, und scheinbar

in alle Zukunft festigt?

Zur Beantwortung dieser Frage bin ich

nicht vorbereitet. Ich kann nur einige

wenige Anhaltspunkte vorschlagen.

Es könnte wohl so etwas geben, und gibt

es in Teilbereichen auch innerhalb ästhetischer

Studien der Kunstgeschichte

schon lange, wie eine Geschichte der Erfahrung,

des Erfahrens, eine Geschichte

des Erlebens. Konkret könnte das heißen,

dass man eine Geschichte der

Angst, der Lust, der Langeweile schreiben

kann. Aber auch eine Geschichte

des Hörens, des Sehens, des Tastens,

ja sogar des Schwitzens. Aber wer wird

die Geschichte des lyrischen Erfahrens

schreiben? Das wäre so, als wollte man

eine Geschichte der Träume der Argonauten

schreiben.

Wenn es noch Lyriker gibt, dann sind allein

sie befähigt, das lyrische Moment zu

umgrenzen, einer Nachwelt noch in irgendeiner

Weise zugänglich zu machen.

Und es gibt sie.

Sollten sie leiden, dann wird ihr Leiden

rein sein.

2.5.2. Kreis, Dreieck, Rhombus,

Rechteck, Quadrat, Elipse und

Archiquant sind geometrische

Figuren. Der Archiquant ist

eine neue geometrische Figur.

2.5.3. Die Geometrie des

Archiquanten. Die Breite B ist

sein Radius R. Seine Tiefe T ist

der Goldenen Schnitt von B

oder R.

B=R

R

T


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 29

Wenn es Epochen gibt und wenn es

ein epochenspezifisches Erleben gibt,

so könnte man sich vorstellen, dass in

dieser Gegenwart das Erleben an einem

schon sehr flachen Streckenabschnitt

einer sich weiter verflachenden Sinus-

Cosinus-Kurve angekommen ist. Ich

meine damit, dass die Höhen und Tiefen

der Erfahrung jetzt kleinen Hügeln

und flachen Tälern gleichen. Die lyrische

Erfahrung ist aber exorbitant im wörtlichen

Verstande dieses Wortes und sie ist

in diesem Sinn exzentrisch. Es ist aber

so, als hätte das Erleben seinen Ort verloren,

als hätte man nicht genügend Resonanzraum

für das lyrische Moment,

nicht genug Stille, ja, nicht genug Leere,

nicht genug allein sein. Man hat sich

scheinbar endgültig dafür entschieden,

sich tagtäglich mit Musik, Fernsehen,

Internet vollzustopfen, so dass weder

Zeit noch Raum bleibt. Die allmähliche

Wandlung des Raumes in eine Fläche

und die entsprechende Veränderung der

Zeit zu einem Taktstock, der den Rhythmus

auf dieser Fläche schlägt, gibt das

Paradigma auch der Sprache, die heute

gehört werden kann.

Exorbitante Erfahrung setzt allerdings

den Mut zu exorbitanter Sprache voraus,

ohne das frühzeitige Schielen auf Publikum,

die bürgerliche Karriere und diesen

ganzen Dunstkreis.

Es gibt einen Mythos der Lyrik. Er spricht

vom Höchsten und vom Tiefsten und

den Wegen, die beide verbinden. O Gott,

Meine Rede am tiefen Grab der Lyrik beginnt

bei Hermes, dem Gott der Diebe,

der Sprache und der Brücken. Von diesem

Gott leiten sich sowohl die Hermetik

als auch die Hermeneutik ab. Man

könnte sagen, das sind seine Grabbeigaben.

Im Falle der Griechischen Mythologie

ist es besser, darin nicht unterrichtet

worden zu sein. Es ist besser, diese Welt

barfuss zu betreten. Etwas, das sich die

Gomringer laut Franzobel so oder so erspart

hat. Aber wer weiß, vielleicht würde

ihr diese Geschichte gefallen.

Wenn

Sie

jetzt

2.5.4. Der Archiquant läßt sich mit

Zirkel und Lineal konstruieren.

2.5.5. Die Konstruktion des

Archiquanten.

m

K5

K3

C

S4

S1

G

A

K1

S6

S2

Für eine gegebene Strecke AB.

auf der Grundlinie m:

Konstruiere

Kreis K1 mit Mittelpunkt A und

Radius AB.

S

M1

S5

S8

B

K2

K4

S3

NÄCHTLICHE HEIMKEHR - THERE IS NO PLACE LIKE HOME (Nach Franz Sedlacek „Nächtliche

Heimkehr“), 155 x 190, 2008.

homepage: www.zeindl.net

gegoogelt haben, so wissen sie, dass

Hermes seinem Halbbruder Apollon die

Lyra geschenkt hat, allerdings nachdem

er ihm zuvor eine Rinderherde gestohlen

hatte. Die Lyra hatte Hermes selbst

erfunden. Apollon schenkte sie schließlich

dem Orpheus. Und der spielte darauf

unerhörte Lieder. Dieser orphische

Gesang bekam seine heutige, melancholische

Bedeutung allerdings erst dadurch,

dass Euridike starb. Orpheus, der

Sänger, war berühmt dafür, dass er sogar

die Steine zum Weinen brachte. Nun

aber, nachdem Euridike, seine Frau, gestorben

war, trat er eine Reise in die Unterwelt

an. Dort sang er dem Hades seine

Lieder. Und tatsächlich, Hades gab Euridike

vom Tod frei. Allerdings nur unter

einer Bedingung: Orpheus durfte

sich auf dem Weg nach oben

13

Die Konstruktion des Archiquant

für eine gegebene Strecke AB auf der Grundlinie m:

nicht nach Euridike umsehen.

Also gingen sie los. Orpheus

hörte aber die Schritte Euridikes

hinter ihm plötzlich nicht

mehr. In Sorge drehte er sich

um und alles war vorbei. Euridike

blieb in der Unterwelt gefangen.

Seither ist die Lyrik das

traurige Lied, sagt das eigene

Versagen genauso, wie die

Wiederauferstehung aus dem

Tode. Der Orpheus-Mythos

wird manchmal als der Quell

des Jesus-Mythos angesehen.

- konstruiere

Kreis K1 mit Mittelpunkt A und Radius AB

Kreis K2 mit Mittelpunkt B und Radius AB

* K1 schneidet K2 in M1

* K1 schneidet m in C.

Kreis K3 mit Mittelpunkt C und Radius AB

* K3 schneidet K1 in S1

Linie durch S1 und B schneidet K2 in S2 und S3

Kreis K4 mit Mittelpunkt M1 und Radius M1S3

* K4 schneidet AC im goldenen Schnitt G

* K4 schneidet K1 in S4 und S5

Kreis K5 mit Mittelpunkt G und Radius AB

Linie durch S2 und S5 schneidet K5 in S6

Linie durch S3 und S4 schneidet K5 in S7 und K1 in S8

- erhalte Archiquant S5 S6 S7 S8

- verbinde K5-Segment S6S7 mit K1-Segment S5S8

Passion

Wenn Orpheus silbern die Laute

rührt,

beklagend ein Totes im Abendgarten,

Wer bist du Ruhendes unter hohen

Bäumen?

Es rauscht die Klage das herbstliche Rohr,

Der blaue Teich,

Hinsterbend unter grünen Bäumen

Und folgend dem Schatten der Schwester;

Dunkle Liebe

Eines wilden Geschlechts,

Dem auf goldenen Rädern der Tag davonrauscht,

Stille Nacht

(Georg

Trakl)

Diese Laute heißt Lyra und sie hat die

Macht, lebendig zu machen, aber sie

hat keine Macht, ihre eigene Sorge und

Angst zu kontrollieren, so bringt sie den

Tod hervor. Das nenne ich Lyrik. Aus diesem

Widerspruch entsteht ihre Schönheit.

Warum blickt Orpheus zurück? Einerseits

aus einem Zuviel, andererseits

aus einem Zuwenig: Seine Liebe zu Euridike

ist so groß, dass er in die Unterwelt

steigt, sie ist so groß, dass sie den

Tod verwandelt und sie ist so groß, dass

sie eine noch größere, unkrontrollierbare

Angst und Sorge erzeugt, die sein

Vertrauen in den Prozess erschüttert: Er

blickt zurück, um sich zu vergewissern

und beleidigt damit den Gott, der seine

Entscheidung nur einmal trifft. Diese

Selbstvergewisserung könnte man als

Mangel an Vertrauen sehen, als Schwäche,

die Orpheus in dem Augenblick

überwältigt, als es darum geht, das vergangene

Moment des Sieges blind festzuhalten.

Orpheus ist zu seinem eigenen

Schaden kein Optimist. Er möchte das

einmalige Moment der Gewissheit wiederholen

und verliert alles. Er möchte sehen

anstatt zu vertrauen. Eine Tragödie,

eine theatralische Inszenierung: Was besagt

das für die faktische Lyrik beispielsweise

eines Trakl? Oder eines Hölderlin?

Diese Frage würde hier zu weit führen,

dennoch glaube ich, dass der Mythos als

Interpretationsschema mit bestimmten

Lyriken konfrontiert, zu interessanten

Einblicken führen könnte. Man könnte

fragen, ob und inwiefern „exorbitanter“

Lyrik ihr eigenes Scheitern bereits

eingeschrieben ist. Oder ist es ihr vorgeschrieben?

Als unsichtbare Schrift vor

der Schrift, die dieser die Bahn vor-gibt?

Man könnte fragen, ob und inwiefern die

große Kraft der exorbitanten Sprache in

ihrem innern gegen sich selbst arbeitet:

Indem nämlich diese große Kraft unsichtbar

bleibt und insofern blindes Vertrauen

erfordern würde, überfordert sie

den schwachen Menschen, der an diese

exorbitante Größe nicht glauben kann.

Möglicherweise ist die Lyrik zu groß für

uns. Möglicherweise können wir nicht

glauben, dass die exorbitante Sprache alles

Tote zum Leben erweckt. Das Schöne,

schreibt Rainer Maria Rilke pessimistisch,

ist nur des Schrecklichen Anfang.

Und so bekommen wir nur, was wir verdienen.

Den Nußbaumeder haben sie gelobt

Wegen seiner bayrischen Dramatik und

Dem Wie-Franz-Xaver-Kroetz-Sein

Pumukl, Franzobel, Prof. Möbus und

wie sie alle heißen: Lyrik ist das nicht.

Es mag alles andere sein, ein Gedicht,

ja, aber keine Lyrik bitte. Solche Unterschiede

im Wort werden vermutlich

in der Gomringer-Epoche (Franzobel)

keine Rolle spielen, ist doch gerade d i e

s e Indifferenz stilbildend für sie und ihr

Selbstverständnis.

Alexander Schießling


30 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

60 Jahre

Thomas Kiang

Ein langjähriger Beitrag zur Berreicherung

der Österreichischen Kultur

Geburtstagsfeier in der Rotgasse.

KIANG Rotgasse • Rotgasse 8 • 1010 Wien

Tel.: 01/533 08 56

Öffnungszeiten: Küche Mo-Sa 11:30 - 15:00 und 18:00 - 23:00

Catharine Kiang

Tomas Kiang vibriert

im Gewühle der Gefühle

Kreis K2 mit Mittelpunkt B und

Radius AB.

* K1 schneidet K2 in M1.

* K1 schneidet m in C.

Kreis K3 mit Mittelpunkt C und

Radius AB.

* K3 schneidet K1 in S1.

Linie durch S1 und B schneidet

K2 in S2 und S3.

Kreis K4 mit Mittelpunkt M1

und Radius M1S3.

* K4 schneidet AC im goldenen

Schnitt G.

* K4 schneidet K1 in S4 und S5

Kreis K5 mit Mittelpunkt G und

Radius AB.

Linie durch S2 und S5

schneidet K5 in S6.

14


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 31

Von Anfang an, bereits vor 20 Jahren wurde mit dem Lokal in der Rotgasse der Geschmacksbegriff auch auf Gestaltung

und Präsentation bezogen: Die Architektur ist wesentliches Transportmittel für Philosophie und Atmosphäre.

So wie die Küche neue Geschmackssensationen kreiert, die auf traditioneller Erfahrung gründen und zugleich

die Neugierde unserer Zeit befriedigen, vermittelt in allen KIANG Lokalen zeitgenössische Formensprache

eine Stimmung, die besonders auch Menschen anspricht, die im weitesten Sinn aktuelle Kreativarbeit leisten.

Besonders erfolgreich ist das Engagement von Helmut Richter, der nicht nur 1985 das Lokal im ersten Bezirk gestaltete,

und damit das erste moderne Asia-Restaurant der Stadt schuf, sondern für die offene Glas-Architektur

des Lokals am Rochusmarkt im dritten Bezirk 1998 mit dem Loos-Preis ausgezeichnet wurde. Der Annex des Lokals

in der Rotgasse, um die Ecke am Fleischmarkt, machte unter dem Namen K2 in der Einrichtung des jungen

Architektenteams artec mit seiner Kuhfell-Bar Furore, bevor es zwei Jahre später als Sushi-Bar den Reigen jener

so erfolgreichen japanischen Gastronomie in Wien eröffnete. Nun wird es als TAKE A KIANG neugestaltet wiedereröffnet.

Gratulazzzione

Danke Thomas!!! Heidulf

Linie durch S3 und S4

schneidet K5 in S7 und K1

in S8.

Erhalte Archiquant S5 S6 S7 S8.

Verbinde K5-Segment S6S7

mit K1-Segment S5S8.

(Hofstetter Kurt)

2.5.6. Der Archiquant ist eine

Metastruktur.

2.5.7. Der Archiquant ist der rechte

Winkel des 21. Jahrhunderts.

2.5.8. Der Archiquant ist das

Konzentrat des Modulors.

2.5.9. Der Archiquant ist ein

Handwerkszeug und ein

Geisteswesen.

15


32 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Kunst, Spaß, Terror. Unser Freundamigo Patrick Luxi

2.5.10. Der Archiquant ist ein

Architekturteilchen.

2.6. Im Materialisieren von

Proportionen gibt es Kurven

und Geraden.

2.6.1. Das Bauhaus hat sich vor allem

auf die Gerade verlassen.

2.6.2. Der Archiquant verbindet

Kurven und Geraden.

2.6.3. So beinhaltet auch die

grafische Darstellung

des Archiquanten zwei

unterschiedliche visuelle

Lesarten. Die eine erscheint

als Archiquant, die andere als

gebogene Fläche.

aus der serie „it is what it is“ (2012)

www.ameliezadeh.com

16


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 33

Unser schönster Freundamigo Marko gratuliert

Karin Sommer zu Ihrem Dr.-Titel

Archiquant

Gebogene Fläche

2.6.4. Weder Kurven noch Geraden

zu priorisieren ist maßvoll.

2.6.5. Das ‚Mittelmaß’ bedeutet,

weder Kurven noch Geraden

zu priorisieren.

2.6.6. Der Archiquant repräsentiert

das Mittelmaß.

17

Foto powerd by Dr. Karin Sommer


B=R

R

T

34 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Der der nicht ein bischen stört ist

kein Mensch

3. Die Architektur transformiert.

3.1. Architektur hat die Aufgabe,

Zeit in Raum umzuwandeln.

3.1.1. Der Aufbau des Raumes ist die

Begrenzung des Raumes.

3.1.2. Im Raum wirken Maß und

Proportion.

3.1.3. Wer mit der Fläche nicht

arbeiten und umgehen kann,

der kann auch mit dem Raum

nicht arbeiten und umgehen.

3.1.4. Jeder Strich ist ein Satz.

3.1.5. Wer nicht zeichnen kann ist

verdächtig.’ (Michelangelo)

3.1.6. Der Strich

ist ein Satz.

18

A B C D E F G H

I J K L M N O P Q

G NG

R S T U V W X Y Z


2

Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 35

Magisch virtuelles Familientreffen in

Banja Luca, in Bosnien-Herzegowina

Terrorismusgalerie am 15 Juni 2012.

3.2. Der Architekt begrenzt und

öffnet.

3.2.1. Die 1, 2, 3 Räume sind drei

Flächen.

3.2.2. Der Raum ist durch Flächen

begrenzbar.

3.2.3. Mit drei Flächen ist der Raum

bereits begrenzt.

3.2.4. Gleichzeitig lassen die 1, 2, 3

Räume sehr viel Spielraum.

1

3

N

W

O

S

R RNGRO GERNGROSS GERNGROSS GERNGROSS

19


36 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Reinhold Kirchmayr, 2012

3.2.5. Spielraum und Freiheitsgrad.

Der Spielraum ist Freiraum.

3.3. Die Form hat geistige und

materielle Funktionen.

3.3.1. Die Form ist die Möglichkeit

der Struktur. (Wittgenstein)

3.3.2. Die Struktur beinhaltet

die Möglichkeiten

unterschiedlicher Formen.

3.3.3. Die Philosophie ordnet

Geistiges, die Architektur

ordnet Materielles.

20


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 37

Leibesübungen – Gymnastik

3.4. Der architektonische Raum.

Der Gerngrossraum.

3.4.1. Man wird den Raum durch

Licht und Farbe messen

können. (Kandinsky)

3.4.2. Der Gerngrossraum.

Der Betrachter steht in der

Bildebene und hat fünf Ebenen

vor sich und fünf Ebenen

hinter sich. Er baut und schaut

sich seinen Raum.

21

Leibesübungen – Shiatsu


38 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Immanuel Moser

geboren 1973 in Wien studierte bei Franz Graf und Daniel Richter an der Akademie für

bildende Kunst in Wien.

In seiner Kunst versucht er die Grenzen zwischen psychedelic art und gegenständlichem

Graphic Design auszuloten, dazu benutzt er digitale Projektionen, welche diese ephemeren,

extrem vergänglichen Bilder unserer Gesellschaft zeigen, um derart diese, mittels

des Mediums der Ölmalerei, in haltbare, auch für zukünftige Generationen lesbare

Werke zu verwandeln.

Er greift dabei auch die Frage zwischen tribal/geometrical Art bzw Art brut und traditionell-akademischem

Kunstbegriff auf, indem er sie zu Gegenständen seiner Formensprache

erhebt, dies ist insbesondere in seiner Serie „Lulu“ in welcher er die Oper Alban

Bergs verarbeitete, erkennbar.

Des weiteren sind ebenfalls Elemente abstrakter Kunst sowie des phantastischen Realismus

ein wichtiger Bestandteil seiner künstlerischen Formalisierung, so lassen sich Parallelen

ziehen hin zu einem informellen Vokabular von Techniken für seine individuelle

künstlerische Konzeption

Sein Leben ist, ebenso wie seine Kunst nicht nur in einem bestimmten Genre beheimatet,

so lebte er schon beispielsweise als Kind in Waco-Texas-USA und versuchte 1993

mit seiner Band in Los Angeles Fuss zu fassen, von wo er 1994 wieder nach Österreich

zurückgekehrt, den Plan fasste, seine Tattoo und Bleistiftzeichnungen in die Richtung

grossformatiger Arbeiten zu entwickeln.

Ein Jahr am Schiff, das Reisen und Kennenlernen neuer Kulturen, sowie die stete Auseinandersetzung

mit den Eindrücken dieser dadurch einstürmenden Bilderwelt führten

2003 zu einem Studium bei Franz Graf, welches 2011 bei Daniel Richter abgeschlossen

wurde.

So lässt sich abschliessend sagen, dass sich in seiner Kunst als einzige Konstante die

stete Veränderung erkennen lässt, ein buntes Multiversum in das uns durch die grossformatigen

Werke ein Einblick gestattet wird.

Dr.Phil.Mag.Art Marcus Hafner

Kontakt: immanuel.moser@gmail.com

BIWI

3.4.3. Der Gerngrossraum verbindet

Malerei und Architektur.

3.5. Die postsupprematistischen

Datenblätter sind Aktionsblätter.

3.5.1. Ein Aktionsblatt geht über die

reine Geometrie hinaus.

3.5.2. Das Aktionsblatt beinhaltet eine

interräumliche Durchdringung

der Seite.

3.5.3. Die Durchdringung von Vorderund

Rückseite macht die Aktion.

3.5.4. Die Umstülpung ist eine

Überraschung.

3.5.5. Die Datenbätter sind

seismographische

Aufzeichnungen.

22


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 39

seit 25 jahren steht im kunstschaffen hans biwi lechners das gemeinsame des menschens im mittelpunkt. geburt,

die frage nach dem sinn des lebens, dem tod macht hbl zum thema seiner diversen kunstprojekte „siehe

ww.getstoned.cc“.

3.5.6. Im Punkt ist immer noch

etwas offen.

3.6. Die Überwindung der

Zeit ist ein Anliegen der

Raumarchitektur.

3.6.1. Der Punkt ist ein Kontinuum.

3.6.2. Es gibt nur jetzt.

3.6.3. Die gesamte Geschichte ist

Gegenwart.

3.6.4. Die Zeit ist Verschwendung.

Die Zeit ist zumindest

Zeitverschwendung.

3.6.5. Die ganze Zeit ist eine

Verschwendung.

3.6.6. Der Raumgenuß ist keine

Verschwendung.

seit mitte der 80er jahre beschäftigt er sich mit dem thema zeit. es gelang ihm, eine eigene

formensprache zu entwickeln, mit der er in der lage ist, jedem moment eine eigene

form zu geben. er nennt sie TIME FORMS. unter dem motto, jedem moment seine eigene

form. keine form gleicht der anderen, es sind unendlich viele variationen möglich.

„ich bin in der lage, momente tanzen zu lassen und nenne meine serien WIENER WAL-

ZER. jeder kann bei mir seine eigene zeitform erwerben zum bespiel zu seinem geburtstag,

hochzeitstag, trauertag, jubeltag usw. er erwirbt seine persönliche form, wenn man

will sein persönliches logo und kann darüber verfügen, beispielsweise businesscards,

firmenlogos, persönlichen stempel. die arbeiten sind urheberrechtlich geschützt, mir ist

es auch wichtig, dass jeder sich das leisten kann, somit verlange ich 99.99 dafür.“

23


40 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

I

C

N

M

intermediate national contact meeting

vienna 2012

Im Rahmen des studentischen EASA-Netzwerks

findet von 26. Oktober bis 4. November die

Architekturkonferenz INCM2012 statt, zu der 150

Gäste aus allen europäischen Ländern erwartet

werden. Die internationalen Gäste werden eine

Woche lange an Diskussionen und Präsentationen

teilnehmen und sollen am 29.10. im Architekturzentrum

Wien auf VertreterInnen der

Wiener Architekturszene treffen.

150 Architekturstudierende

91 kmExkursionen

83 Liter Gin Tonic

22 Vorträge

7 Locations

5 DJs

1 Woche

INCM

wi

3.6.7. Es gibt kein Alter. Es gibt immer

nur Neues.

3.6.8. Auch das Alter ist etwas Neues.

3.6.9. Die Geburt des Alters.

3.6.10. Das ganze Leben ist eine Geburt.

3.7. Die Zukunft ist virtuell. Die

Zukunft ist symbolisch.

3.7.1. Alle Religionen sind virtuell.

Alle Religionen sind symbolisch.

(Sergej Volgin)

3.7.2. Die Virtualität kreiert die Praxis

der Religionen, von der stillen

Einkehr bis zum Mord des

anderen.

3.7.3. Mythen und Göttergeschichten

sind virtuell.

24


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 41

r

3.7.4. Von einem angenehmen Raum

in den anderen.

3.7.5. Ein Altar im Raum macht ihn

zur Kirche.

3.7.6. Ein Altar für die

Rechristianisierung der

Neanderthaler.

3.8. Die ästhetische Organisation

ist das Unaussprechliche.

(Helmut Richter)

3.8.1. Die ästhetische Organisation

bringt das architektonische

Werk zum Blühen und Bleiben.

3.8.2. Baustellen sind die Blüten der

Stadt.

25


42 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion KUN

Michael Gumhold

3.8.3. Helmut Richter hat mir

Le Corbusier, Popper und

Wittgenstein näher gebracht.

Philosophen, Falsifikatoren

und Formulatoren.

3.8.4. Die Logik der Forschung.

(Popper) Die Logik des Lebens.

3.8.5. Wo die Informatik des

Konstruierens aufhört, beginnt

die ästhetische Organisation.

3.8.6. Die Informatik ist die

Fortführung der Logik mit

anderen Mitteln. (Georg

Gottlob)

3.8.7. Die ästhethische

Organisation ist Teil der

Verdauungsphilosophie.

26


ST

Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 43

Michael Gumhold

sculpture.group@chello.at

1978 * born in Graz, Austria, lives and works in Vienna

1998 – 2000 Masterclass for Sculpture, School for Art and Design, Graz

2000 – 2005 Academy of fine Arts, Vienna

2002 Artist in residence-program 02, Bregenz, Austria

2004 Contemporary Art Award of the city council of Graz, Austria

2005 Graduated with B.A. Honores and Master of Art, Academy of fine Arts,

Vienna

2006 Federal Chancellery of Austria Scholarship Chicago

Harold Residency Program, Chesterhill, Ohio

2007 Artist in residence, Banja Luka, BiH

2010 Federal Chancellery of Austria Scholarship Tokyo

Soloexhibitions:

2012 Michael Gumhold, [: Rehearsal : Room #20 :], Georg Kargl Box, Vienna

2010 Michael Gumhold, Ve.Sch, Vienna

Michael Gumhold feat. The Sculpture Group°, Galerie West, Den Haag, (NL)

2009 SPARTACUS, Austrian Cultural Forum, London

The : Complete : Rehearsal : Room : Recordings, Georg Kargl Fine Arts, Vienna

2008 Stockhausen Permanent, Georg Kargl Permanent, with wienmodern, Vienna

Ampetamin, KHG Galerie, Graz (with Christian Eisenberger)

2007 “watch your language, (part 2)”, Studio der Neuen Galerie am Landesmuseum

Joanneum, Graz

“watch your language, (part 1)”, Thomas K. Lang Gallery, Webster University,

Vienna

2006 “-273,15° Celsius”, Gallery POLVO, Chicago

2005 gumhold/schulz in bild und ton, Laden für Nichts, Leipzig (with Tina Schulz)

“play re play“, dreizehnzwei, Vienna (with Nikola Hansalik) Katalog

“by memory/collected/point of view”, Akademie der bildenden Künste, Vienna

2004 “...nach Marcel Breuer.”, Form Re Form, Graz

“broken hearts are for assholes”, Ausstellungsraum , Vienna

DISORDER, Galerie Centrum, steirischer herbst 04, Graz

2003 SKETCHFORASEAPIECE, Stadtgalerie Kiel, Prima Kunst, Kiel (D)

“irony is a dead scene, avec...”, Akademie der bildenden Künste, Vienna

2002 THERE IS NO OTHER REASON, Projektraum Viktor Bucher, Vienna

Vitrine der Generali Foundation Wien, Generali Foundation, Karlsplatzpassage,

Vienna

2001 INTERPRETIERENVERBOTEN!!, Cultur Centrum Wolkenstein, Galerie 2000,

Stainach

AUSSTELLUNGSRAUM, FormRe Form, Graz

2000 PROBLEMSTOFF KUNST, Galerie L 24, Graz

“Joseph Beuys ist sehr interessiert an zeitgenössischer Kunst”, Atelier 96, Vienna

1998 Exemplarisches aus Graz/West, im Harrach, Graz

Groupshows / Projects (Selection):

2012 Jenseits des Sehens, Museum Benediktinerstift Admont, Admont

ART et bicyclette, Espace de l’Art Concret, Mouans-Sartoux

ARTISTS MERCHANDISING ART, 8. Salon, Hamburg

ARTISTS MERCHANDISING ART, La Guillotine / Atelier Reflexe, Paris

Antidepressiva, Clubschiff Johann Strauss, Vienna

Skulpturengarten, Kunst im öffentlichen Raum, summerstage, Vienna

ARTISTS MERCHANDISING ART, What The Shop, Vienna

ARTISTS MERCHANDISING ART, Wonderloch Kellerland, Los Angeles

ARTISTS MERCHANDISING ART, Wonderloch Kellerland, Berlin

2011 Drawing 2011, The Drawing Room, London

Frieze, Georg Kargl Fine Arts, London

_möbeln:, Rauminhalt, Wien

Aquarellhappening, Tux, Tirol

ENCORE, Lust Gallery, coded cultures festival,

Vienna

open art, Kunst im öffentlichen Raum,

3.8.8. Zur ästhetischen Organisation

trägt der Bauch entscheidend

bei. (Christian Denker)

3.8.9. Man sagt, die Architektur sei

keine Wissenschaft. Das ist ein

Fehler.

3.9. Alles ist Architektur. (Hans

Hollein)

3.9.1. Architektur ist nicht das Leben.

Architektur ist Hintergrund.

Alles andere ist nicht

Architektur. (Hermann Czech)

3.9.2. Die Arbeit in der Architektur ist

eigentlich mehr eine Arbeit an

Einem selbst. (Wittgenstein)

3.9.3. Die Architektur ist eine Geste.

(Wittgenstein)

27

summerstage, Vienna

Eisenberger, Gumhold, Karner, Ruhry,

Gerberhaus, Fehring

viennafair, Georg Kargl Fine Arts,

Vienna

2011 Music, Kunstraum D21,

Leipzig, wallpaperism, Motel

Campo, Genf

2010 licht licht licht, nextAndrä,

Graz

Happy Hour, fluc, Praterstern,

Vienna

Artforum, Georg Kargl Fine

Arts, Berlin

ohne gnade, Kunst abseits

vom Netz, Museum für

Quellenkultur, St. Paul,

Austria

ohne gnade, Kunst abseits

vom Netz, Galerie Lisi

Hämmerle, Bregenz

armory show, Georg Kargl

Fine Arts, New York

UPON ARRIVAL. SPATIAL

EXPLORATIONS, Malta

Contemporary Art, Valletta,

Malta

Arco, Georg Kargl Fine Arts,

Madrid

2009 Art Foundation Mallorca Collection, CCA Kunsthalle, Mallorca

Artforum, Georg Kargl Fine Arts, Berlin

Text Bild MMIX, steirischer herbst, Graz

Frieze, Georg Kargl Fine Arts, LondonArtforum, Georg Kargl Fine Arts, Berlin

“selected: 10 years of , < rotor >, association for contemporary art, Graz

“a gap between two houses”, Nha San Duc Studio, Hanoi, Vietnam

Art Basel 40, Georg Kargl Fine Arts, Basel

fullframe, Volksgartenpavillion, Graz

FEEDBACKSTAGE, Kunsthaus Mürz, Mürzzuschlag

rewind / fast forward, Neue Galerie Graz, Graz

“dreams that money can`t buy”, Westwerk, Hamburg

armory show, Georg Kargl Fine Arts, New York

FEEDBACKSTAGE, Galerie Thomas Schulte, Berlin

Arco, Georg Kargl Fine Arts, Madrid

FEEDBACKSTAGE, Georg Kargl Fine Arts, Wien

Another tomorrow, Slought Foundation, Philadelphia, PA

Just one thing after another, Galerie artepari, Graz

2008 Urban Signs, Kunst im öffentlichen Raum, fluc, Praterstern, Wien

Beauty Island, fenster c, Wien

Artforum 08, Georg Kargl Fine Arts, Berlin

Bild - Macht - Wissen, Galerie 5020, Salzburg

Art Basel 39, Georg Kargl Fine Arts, Basel

armory show, Georg Kargl Fine Arts, New York

2007 Arco, Georg Kargl Fine Arts, Madrid

Artforum 07, Georg Kargl Fine Arts, Berlin

“showroom 6”, in collaboration with vienna, Riga, Lettland

“Art collected & Made for Admont”, Museum für Gegenwartskunst, Stift Admont

“dc duesseldorf contemporary”, Düsseldorf

“umPolen”, freiraum, Quartier 21, muqua, Vienna

THIS IS HAPPENING, Georg Kargl Fine Arts, Vienna

“recent acquisitions”, Heavengallery, Chicago

2006 “Aqua Art Miami”, Bucket Rider Gallery, Miami

“someones out there”, The Dank House Museum: Raw Space Gallery, Chicago

“HAROLD presents...”, Heavengallery, Chicago

“Nairobi Retour”, Kunsthalle Wien, projectspace, Wien

“Lumpenthology”, Manifest Arts, Chicago

“Eisenberger, dies ist doch kein Porno”, Galerie Lisi Hämmerle

„SOCIETE DES NATIONS factice et scindée en elle-meme“, Circuit, Lausanne

“Artsessions-Videoscreening“, Kunsthalle Wien, projectspace_viennAfair, Wien

“Economy Class”, Österreichische Botschaft/Alliance Francaise de Nairobi, Nairobi,

Kenya

“VISTA POINT“, Kunstverein Medienturm, Graz

2005 “Neuerwerbungen für die Sammlung 2005”, Neue Galerie Graz, Graz

“S/W”, Forum Stadtpark, Graz, (Katalog/Künstlerbuch)

“gosh! where are you, now?”, Ausstellungsraum im Rahmen der viennAfair

“integrator/inn/en”, kunst.wirt.schaft., Graz

“522 m3”, Künstlerbuchpräsentation im Ausstellungsraum 522 m3, Wien

2004 “/f/”, Akademie der bildenden Künste, Wien

“give me your number”, Künstlerhaus, Graz

“Ankäufe der Freunde der Akademie der bildenden Künste”, Kupferstichkabinett,

Wien

“Book + Portfolio”, Bétonsalon, Ecole des Beaux Arts de Paris, Paris

“Konstruktivistisches usw...”, Ausstellungsraum 522 m3, Wien (Künstlerbuch)

2003 EXGRAZ, Minoritengalerie-Kulturzentrum bei den Minoriten, Graz,

aktuelle kunst in graz

2 ebenda, Akademie der bildenden Künste, Wien

Interferenze(n), Kunstverein Bozen, Galerie Prisma, Bozen, (Katalog)

OPEN:END, Akademie der bildenden Künste, Wien

frisch saftig steirisch, Galerie Eugen Lendl_Graz, Kunstforum Hallein, Hallein

VIDEO-compilation 2:, Akademie der bildenden Künste, München

“summa summarum”, Benediktinerstift St. Lambrecht

“synthetic pleasures”, dreizehnzwei, Wien (Katalog)

K.O. Zobernig, Ausstellungsraum , Wien

A3, Akademie der bildenden Künste, Wien

2002 Oh, it´s a curator!, , association for contemporary art, Graz, (Katalog)

MANIFESTA 4 / in: the research room., Frankfurt am Main (D)

Graz-intern, Forum Stadtpark, Graz

VIDEO-compilation 1:, Akademie der bildenden Künste, München

“raum #10 / museum_”, Akademie der bildenden Künste, Wien,

(mit Lone Haugaard Madsen)

kunst wien 02, MAK, Galerie Christine König, Wien

K.U.L.M.ination 1, steirischer herbst 02, Graz, Pischelsdorf

K.U.L.M.ination 2, Kunsthalle Exnergasse, Wien (Katalog)

“Autriche Art Archives”, Kunstverein En Cours, Paris; ERBAN,Nantes

2001 “Eine Vitrine ist eine Vitrine ist eine Vitrine...usw.”, Marienmühle, Graz

VIDEO ETCETERA, Künstlerhaus, Wien

Soho in Ottakring, Wien

“Liebe Grüße aus Graz.”, Postkartenedition mit G.R.A.M., Graz

“Ich Tarzan - Du Felix Austria?”, Galerie Christine König, Wien

4 Positionen, Galerie Eugen Lendl bei Mayreder, Graz

2000 “Ich bin privat derselbe wie hier im Museum.”, Performance, Karl-Franzens

Universität, Graz

“Ich mache mir soeben einen Namen.”, Plakataktionen in: Basel, Bern, Schaffhausen,

Winterthur, Zürich

PIECES, Kunstpreisausstellung, Achensee, Tirol

(12 x 21), Stift Melk, Nö

“Artists survival training”, Kunstverein Artophobia, Graz

K.U.L.M. continues, steirischer herbst 00, Graz (Katalog)

*........,lebt oder arbeitet in Graz., , association for contemporary art,

Graz (Katalog)


44 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

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2000, association for contemporary art, Graz,

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2001 Werner Fenz, “Verzeichnis der Additionen”, in:

LICHTUNGEN Nr. 88/XXII. Jg./2001, Hrsg./Ed.,

Markus Jaroschka für Literaturkreis Lichtungen bei

URANIA, Graz

2003 Daniel Richter, El Chico fritto, “2 Blätter=4 Seiten”, in:

Wir wollen alle werden.,

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David Komary, Ulrike Sladek, “synthetic pleasures/

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(Katalog), Hrsg./Ed., Galerie dreizehnzwei, Wien

2005 David Komary, “Transkodierungen”, in: “S/W”, Forum

Stadtpark, KünstlerInnenbuch, Graz_Wien

David Komary, Federica Romanini, „play re play / Die

Sehnsucht der Fliege im Glas“,

in: play re play, (Katalog) Hrsg./Ed., Galerie

dreizehnzwei, Wien

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der bildenden Künste Wien, Wien

M. Gumhold, Kadavergehorsam, in: “Circuit-die

zeitschrift”, Lausanne

2007 Fiona Liewehr, “This is happening-Versuch einer

ideellen Konstruktion”

Günther Holler-Schuster, “You can`t do that on stage

anymore - aber im Kunstraum.

Michael Gumholds Rehearsal : Rooms”, in: This is

happening, Hrsg./Ed., Georg Kargl Fine Arts, Wien

2008 David Komary, “Transcodings”; Günther Holler-

Schuster, “It`s not only Rock`n`Roll” in: Michael

Gumhold, YOU CAN`T DO THAT ON STAGE

ANYMORE (Sampler), Hrsg./Ed., G. Holler-Schuster

für die Gesellschaft der Freunde der Neuen Galerie,

Graz

2009 Michael Gumhold, in: Parnass, Heft 1/2009,

29. Jg., p. 164

Günther Holler-Schuster: “Cut `n` Mix - Michael

Gumholds visueller Nachhall des Akustischen”

in: Parnass, Heft 2/2009, 29. Jg., p. 96 – 100

Michael Gumhold, in: REWIND / FAST FORWARD,

Die Videosammlung – Neue Galerie Graz am

Landesmuseum Joanneum, p. 105

Christian Bretter, “Steirische Knöpferlharmonika und

Heavy Metal”, in: DATUM, 5/09, p. 78 – 83

Mark Rappolt, “Art Pilgrimage – Vienna” in: Art

Review, Issue 32, p. 86 – 95

MICHA EL, Rehearsal : Room #17, Hrsg./Ed., Michael

Gumhold & Black Pages

2010 Michael Gumhold, in: Flash Art no. 273, July-

September 2010 – Focus Austria

Michael Gumhold, in: UPON ARRIVAL, Spatial

Explorations, p. 44–45, Katalog,

Hrsg./Ed., Katharina Bantleon/Margit Neuhold für

Malta, Contemporary Art, MCA

2011 Daghild Bartels: Gratwanderung Kunst/Design in:

Parnass, Heft 2/2011, 31. Jg., p. 69

Mark Rappolt about Michael Gumhold, in: Art Review,

Issue 50, p. 88 - 90

Michael Gumhold

Courtesy Georg Kargl Fine Arts, Vienna, Fotos: Matthias Bildstein

3.9.4. Die Architektur ist keine

Dienstleistung sondern ein

Liebesdienst. (Anna

Popelka)

3.9.5. Architektur ist Modulation der

Muskelspannung. (Elisabeth

von Samsonow)

3.9.6. Die Architektur soll sich dem

weiblichen Körper anpassen.

(Wladimir Tolstoj)

3.9.7. Architektur muss brennen.

(Wolf Prix, Swiczinsky, Michael

Holzer)

3.9.8. Raum pfeift. (AZ4, TU Graz)

3.9.9. Architektur ist keine Kunst.

(Anna Popelka)

28


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 45

Michael Gumhold

3.9.10. Architektur ist die

Reibungsenergie zwischen

Vision und Wirklichkeit.

(Lukas Göbl)

3.9.11. Das Spiel der Mächtigen.

(Franz West)

3.9.12. Gerngrossarchitektur-

Weltarchitektur. Die

Weltarchitektur ist zum Kind

geworden. (Sergej Volgin)

3.9.13. LuftRaumZeitArchitektur ist

das Ordnen von Architektur

und Stadt durch tektonische

und soziale Strukturen.

(Bernhard Hafner)

3.9.14. Vitruvius nicht vergessen.

(Raoul Blahacek)

29


46 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

G A B I

GABI

Folge deinem Ruf

Gruppe mit Gabi

Beginn: 14.6.2012 von 18:30 - ca 21:00 Uhr

jeden Donnerstag, Einstieg laufend möglich

Energiezentrum Wienerwald

Schönbrunnerstrasse 90, 1050 Wien

Ein Platz für diejenigen, die an ihrer Berufung arbeiten. Mit vielen Aufgaben und Übungen,

die dich wie eine Zwiebel schälen.

Schicht für Schicht werden deine überlagerte Essenz und deine Talente unter den Emotionen

sichtbar.

Meine Begleitung in diesem Prozess gibt dir fürsorgliche Unterstützung, Freude 3.9.18. Soviel und wie Halt notwendig, dranzubleiben

- teilen in der Gruppe stärkt und ist motivierend.

Wondra.)

so

wenig wie möglich. (Heinz

Dazu einfließen lasse ich: Körperübungen,

Psychosomatik und The Work von Byron Katie!

Kreativität ist unendlich - es ist immer noch mehr möglich!!!

Anmeldung und Kontakt: Gabi 0681 / 20 15 87 87

facebook: Folge Deinem Ruf - lebe Deine Gabe 30

3.9.15. Jeder Winkel ist ein rechter

Winkel. (Marco Duranovic)

3.9.16. L’architecture c’est moi. Die

Architektur bin ich. (Caroline

Russo)

3.9.17. Die Architektur folgt der Vision.

Die Vision folgt der Realität.

(Friedrich Kiesler)

3.9.19. Architektur ist der Unterschied

zwischen Architektur. (Adolf

Krischanitz)

3.9.20. Architektur ist die Bündelung

der zentrifugalen Kräfte. (Jan

Tabor)


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 47

Karl

Marcovic

3.9.21. Architektur ist die obszöne

Verschämtheit der

Naturmaterie, das illegitime

Kind (Kegel) des Architekten

und der Schöpfung. (Adam

Wiener)

3.9.22. Architektur macht schlank.

(SPUTNIC)

3.9.23. Gute Architektur bedingt eine

Portion Erotik! (Martina Fürst)

3.9.24. Alles was richtig ist, ist schön.

(Markus Spiegelfeld)

3.9.25. Architektur ist die Summe aller

Notwendigkeiten. (Andreas

Treusch)

3.9.26. Ich will in die zweite

Dimension. (Herbert De Colle)

31


48 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Gyula Fodor: The Promised Train

„Wenn sich der Schranken hebt“

Künstlerische Plakataktion im Rahmen des Viertelfestivals 2012 -

Mostviertel

130 Großplakate im Mostviertel werden ab 29.6. zwei Wochen

lang mit fotografischen Szenenbildern bespielt. Die Sujets sind

„Filmstills“, das Plakat sieht täuschend echt nach Kinoplakat aus –

doch es gibt keinen Film....

3.9.27. Architekur = Raum x

(Geometrie + Psychologie).

(Heinrich Büchel)

3.9.28. Der Konflikt ist der

Städteplaner. (Milan

Mijalkovic)

3.9.29. Architektur kennt kein

Rauchverbot. (Angelo Roventa)

3.9.30. Ordinatio, dispositio,

eurythmia, symmetria, decor,

distributio. (Vitruv)

3.9.31. Die Speicherfähigkeit ist eine

wesentliche Eigenschaft der

Architektur. (Laurids Ortner)

3.9.32. In allem Tun liegt Architektur.

(Hans Dietrich)

Der bildende Künstler Gyula Fodor hat die Filmstills mit

32


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 49

3.9.33. (Meine) Architektur ist

Kunstraum. (Philipp Konzett)

3.9.34. Architektur – eine Bühne für

das Schauspiel der Menschen.

(Helmut Wimmer)

3.9.35. Architektur ist das

Machen von Räumen

im thermodynamischen

Gleichgewicht zwischen

Mensch und Umwelt. (Daniel

Podmirseg)

3.9.36. Was ist Architektur? Architektur

ist räumliches Werkzeug für

Leben! (Rainer Köberl)

3.9.37. Licht ist die erotische

Komponente der Architektur.

(Mounty R.P. Zentara)

33

Schauspielern und Statisten zu einem paradoxen „Fotoroman“

inszeniert.

Vor einem geschlossenen Bahnschranken, in einer abgelegenen

Gegend, versammeln sich Menschen aus verschiedenen Milieus.

Sie warten und halten Ausschau, ob ein Zug kommt. Unterdessen

spielen sich verschiedene Szenen ab – der Stau des langen Wartens

entlädt sich. Es ereignen sich Revolten, Liebe, Geschäft.

Plötzlich hebt sich der Schranken. All die Kämpfe sind

gegenstandslos geworden - doch niemand quert die Gleise.....Das

überraschende Ende des „Films“ verweist auf eine gewisse kollektive

Ratlosigkeit. Darauf, dass neue Utopien (im Sinn von ideelen


50 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion Licht

Leitvorstellungen) erst formuliert werden müssen, beziehungsweise

die Gesellschaft teils noch Schwierigkeiten hat, dieses Bedürfnis

überhaupt zu artikulieren.

Karl Markovics spielt die Rolle eines Propheten ohne Worte, mit

einer Trompete in der Hand. Er ist Leitfigur, Beobachter, Zeitzeuge

und Transmitter

Weitere DarstellerInnen: Tanja Petrovsky (spielte eine Hauptrolle

in Ulrich Seidls „Models“). Rafael Werluschnig, Michael Scheidl

(„Netzzeit“), der türkische Autor und Regisseur Durmus Dogan, Julia

Reichert („Kabinetttheater“).....

3.9.38. Architektur ist die ultimative

erotische Kunst. (Monica

Binvincini)

3.9.39. Architektur zählt, wenn sie den

Menschen dient und nicht dem

Architekten. (Friedrich Blaha)

4. Der Archistrator archistriert

Geistiges und Materielles.

4.1. Der Archistrator ist der Dirigent

des Materialisierens.

4.1.1. Was der Dirigent für die Musik

ist, das ist der Archistrator für

das Gebaute und für das Bauen.

4.1.2. Auf die Übersetzung kommt

es an. Die Musik ist die Augenzu

Kultur. Architektur ist

Augenübersetzungskultur.

34


kunstStädteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 51

Gyula Fodor:

4.2. Der Architekt ist der

Materialisator der Geistigkeit.

4.2.1. Architektur ist eine

Verfestigung der Geistigkeit

am Ort des Geschehens.

4.2.2. Der Architekt ist der wahre

Materialist.

4.2.3. Sachverhalt. Materialverhalt.

Die Sprache des Architekten ist

das Materialisieren.

4.2.4. Materialkonstruktionen führen

zu Sätzen.

4.2.5. Das Materialisierte spricht.

4.3. Ich bin eine Suppe.

4.3.1. Ich bin eine Stufe. (Malewitsch)

Um das Thema Veränderung des gesellschaftlichen

Aggregatzustandes, das „Rucken und Knirschen der Zeitachse“, geht

es im Werk von Gyula Fodor bereits seit den 90er Jahren. „Um die

Erdoberfläche legt sich eine vibrierende Zeitgeisthülle, wie in einem

Bienenstock, bevor

die Bienen ausschwärmen. Der soziale Klimawandel verlangt nach

neuen Blickwinkeln, nach einer neuen Sicht auf das, was wir uns als

„Welt“ konstruieren“, heißt es in Fodors Künstlerbuch „noosphere“.

35

www.gyulafodor.com


52 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Photo: Robert Herbst

Weinzentrum Winzerhof Dockner

Das Weinpräsentations- und Verkostungszentrum des Winzerhofs Dockner setzt ein eindrückliches

Statement zeitgenössischer Architektur in die idyllische Landschaft des südlichen

Kremstales.

Optimal in die unmittelbare topographische Umgebung eingepasst, interpretiert die zeitgemäße Konzeption des Weinzentrums

die Geometrien der unmittelbaren dörflichen Umgebung. Der Baukörper nimmt in seiner Form die Bewegung

der Landschaft auf und fügt sich dynamisch in das Gesamtgefüge der traditionsreichen niederösterreichischen

Kulturlandschaft ein. Der direkte Ausblick auf das benachbarte Stift Göttweig bestimmte die bauliche Ausrichtung des

Weinpräsentations- und Verkostungszentrums maßgeblich mit. Die Glasfaserbetonplatten der Fassade erinnern an

Lössböden, Sichtbetoninnenwände nehmen Geländeschnitte aus diversen Qualitätslagen des Winzerbetriebes auf und

lassen Ortsverbundenheit sichtbar werden. Die Form des Gebäudes verkörpert jedoch auch den visionären Ansatz des

Winzers. Denn der hauseigene Wein, insbesondere dessen Präsentation und Vermarktung, steht im Mittelpunkt des

Projektes – wie auch die vielseitige Nutzbarkeit des Gebäudes als Schaulager, Weinverkaufszentrum, Verkostungsraum

und Veranstaltungsort.

Die klare Gliederung des zweigeschossigen Baukörpers in drei Funktionsbereiche unterstützt die räumliche Organisation

innerhalb des Gebäudes. Im Erdgeschoss sind die Bereiche der Verkostung, des Verkaufs und der Präsentation

untergebracht. Zentral positioniert fällt die Bar beim Eintreten sofort in den Blick, der dahinter liegende Präsentationskasten

offeriert die aktuellen Angebote des Winzerhofs. Demgegenüber bilden, dem Gebäudeverlauf folgend, Sitzgelegenheiten

eine Verkostungsecke. Ein bedruckter Raumteiler aus Glas grenzt den integrierten Büro- vom Konsumationsbereich

ab, erlaubt jedoch auch wechselseitige Durchblicke. Zwei raumhohe Fensteröffnungen bestimmen die

einladende Atmosphäre des Verkostungsraums.

4.3.2. Malewitsch bildete mit dem

Schwarzen Quadrat die

Summe aller Räume und

Aktionen, oder auch die

Summe der Nichtexistenz aller

Räume. Ein Symbol für den

Raum. Die Raumikone.

4.3.3. Musik und Ikonen. 4.33. (John

Cage)

4.3.4. Die Raumikone wird man

nicht übertreffen. Geht man

jedoch in diese Ikone hinein,

kann man wüten, toben

und proportionieren. Der

Freud’sche Schritt. Denn vor

allem geht es um Proportion.

36


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 53

Architekt Lukas Göbl

4.3.5. Bei der Stufe muss man höher

stehen um oben zu sein.

Die Stufe repräsentiert ein

Höhersein.

4.3.6. Eine Suppe muß verdaut

werden.

4.4. Das Volksbuch ist nicht strikt,

sondern beinhaltet eine

Naturgewalt.

4.4.1. Jeder Satz hat zahlreiche

Ausdrucksformen.

4.4.2. Jedes Wort ist eine

Persönlichkeit.

4.4.3. Das Zahlensystem ist ein

Symbol.

4.4.4. Alle Zahlen außer ‚0’ und ‚1’

sind produktive Geister.

37

Das rückwärtige Schaulager ist in seiner reduzierten Formensprache ganz der Weinpräsentation gewidmet. Durch

die direkt im Schauraum gelagerten Bestände entsteht eine charismatische Weinkelleratmosphäre. Ein großes

Schaufenster an der Rückwand bietet zugleich Einblicke in die neu eingerichtete Schaubrennerei im Altbau des

Winzerhofs. In dieser Rückwand befindet sich darüber hinaus ein Durchgang, der in die „Unterwelt“ des großen

Weinkellerareals der Famillie Dockner führt.

Für Veranstaltungen verschiedenster Art – Seminare, Präsentationen, Vorträge sowie diverse Festivitäten – stehen

die Räumlichkeiten im Obergeschoss zur Verfügung. Hier eröffnet eine raumhohe Glaskonstruktion mit integrierter

Schiebetüre einen Panoramaausblick auf das Benediktinerstift und die angrenzende Weinlandschaft. Saisonbedingt

kann der vom Multifunktionsraum aus zugängliche Garten als zusätzliche Erweiterung des Innenraums genutzt

werden.

Der hohe qualitative Anspruch, durch den sich die Weinproduktion der Familie Dockner auszeichnet, wird auch in

der Gestaltung des Innenraums ersichtlich: Das gesamte Interieur wurde mit größter Sorgfalt ausgewählt und speziell

für den Bau angefertigt. Die farbliche Abstimmung von Innenraumausstattung und Außenfassade betont wiederum

die Nähe zur Weinproduktion: Bordeauxrotes Birkenfurnier, handgehobelter Mooreichenboden, lössfarbenes

Leder und anthrazitfarbene Leuchtkörper. Die kostbare Materialität der wertvollen Oberflächen veranschaulicht

erneut die bis ins letzte Detail durchdachte Konzeption des Gebäudes.

Ort: Ortsstraße 30, 3508 Höbenbach

Baujahr: 2011

Auftraggeber: Winzerhof Familie Dockner GmbH

Nutzfläche: 500 m²

Entwurfsteam: Lukas Göbl, Fritz Göbl,Oliver Ulrich


54 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Hofstetter Kurt

Induktive Rotation oder die Natur des Zufalles

Die künstlerische Praxis und Obsession „in die Unendlichkeit schauen“ führte mich 2008 zur Entdeckung

einer neuen Methode zur Bildung von asymmetrischen aperiodischen Strukturen - die sogenannte

„Induktive Rotation“. Die Muster, die daraus entstehen, verführen den Betrachter an den

Ereignishorizont der Ordnung - ständig oszillierend zwischen Chaos und Ordnung.

http://www.sunpendulum.at/tilings/inductive-rotation.html

Alles rotiert! Die Vorstellung, dass seit dem Urknall ständig Rotation auf alles induziert wird, bedeutet

für mich, dass wir im Zeitfenster unseres Lebens einen Ausschnitt der induktiven Rotation

wahrnehmen, die im Moment des Urknalles begonnen hat. Dabei erscheint uns ihre Eigenschaft der

Aperiodizität als unergründlicher Zufall.

4.5. Das Raumalphabet ist eine

Schule der Räumlichkeit.

4.5.1. Die gesamte Sprache ist in

einem Winkel gespeichert.

4.5.2. Die gesamte Sprache ist

in einem rechten Winkel

gespeichert.

4.5.3. Der rechte Winkel verbindet

Sprache und Architektur.

4.5.4. Der rechte Winkel ist eine

Metastruktur.

4.5.5. Die Geometrie dieses Winkels.

1

1/2

Schwerpunkt

−−− √3 1

2

38


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 55

4.5.6. Seine lange Seite ist die kurze

Seite mal Wurzel aus drei.

4.5.7. Der Schwerpunkt bestimmt

seine Dicke.

4.5.8. Das Raumalphabet ist eine

kleine Schule der Umstülpung.

4.5.9. Das Raumalphabet deutet den

Übergang von Sprache und

Architektur.

39

TTnet © Hofstetter Kurt, 2011


56 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

TERESA MAR

4.6. Die Zeitung ST/A/R ist ein

Experimentierfeld.

4.6.1. Die Zeitung ST/A/R ist ein

printmediales Forschungsfeld.

4.6.2. Die Zeitung ST/A/R

ist eine Geburtsstätte,

ein raumerweiterndes

Erlebnisexperiment. Sie gibt

Strukturen her, um allen,

die sie lesen können, neue

Räume zu öffnen, die keine

Unterdrückung darstellen.

TERESA MAR 40


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 57

4.6.3. Unterdrückung ist

Einschränkung. Kritik ist

affirmativ. Die Kritik an allem

anderen liegt im eigenen Werk.

4.6.4. Der ST/A/R ist eine

Metastruktur.

N

W

O

S

4.6.5. Der Kompaß ist ein Zeichen

des Architekten.

4.6.6. Der Stern gibt Orientierung

und Richtung.

41


58 Documenta

Städteplanung / Architektur / Religion

Documenta

ST/A/R-Freund Manfred Kielnhofer

4.6.7. Das Prinzip der Zeitung

ST/A/R ist Dünger, um den

persönlichen Freiheitsgrad zu

erweitern.

4.6.8. Die Verschmelzung von Leben,

Zeit, Raum, Musik, Architektur

etc.

4.6.9. Die Zeitung ST/A/R ist das

Agglomerat der Dinge für einen

lebendigen Körper, der einfach

da ist. Er lebt und das ist alles.

4.6.10. Sie lebt und das ist alles.

4.6.11. INTEGRATIVISMUS.

4.6.12. Der Integrativismus integriert.

Die Wächter der Zeit von Manfred Kielnhofer sind seit dem ersten Tag am Friedrichsplatz

ausgestellt und wurden von der Documentaleiterin Carolyn Christov-Bakargiev

gutgeheißen und werden die gesamten 100 Tage in der Organisation der Occupy Kassel

verbleiben. Eine Skulptur steht und leuchtet direkt vor dem Fridericianum.

5. Die Architektur hilft der

Erweiterung des Freiheitsgrads

jedes Einzelnen.

42


Städteplanung / Architektur / Religion

AUTO-ST/A/R

59

GEGENCHECK:

EIN NACHMITTAG IM SL ROADSTER VON 1957

Steil fällt das Sonnenlicht in den

Wagen, schlägt den harten Schatten

des Schalthebels zu Boden,

und das Lenkrad findet sich als verzerrter

Grundriss auf den Knien wieder.

Der schräg eingelegte Reihensechszylinder

schnurrt wie ein Kater in Glückseligkeit.

Plötzlich, nach all den Jahren von

Windschott, Airscarf und Fahrtwind-

Mamagement, versteht man, warum es

Cabriolets gibt. Das Fahren, das schiere

Fahren, das Bedienen einer komplexen

vollmechanischen Maschine, macht

Freude, die man sich nicht von Marketing-Philosophen

und Emo-Gurus erklären

lassen muss. Das zarte Arbeite

n des Rahmenfachwerks ist kein Steifigkeitsmanko,

sondern entspricht dem

Muskelzittern eines edlen Pferdes, organisch,

befleißigend, mitteilsam wie

ein Gewitterhimmel.

Freudig dreht der Motor auf, freilich

höchst kultiviert. Die Direkteinspritzung

war damals noch eine ausgesprochene

Besonderheit, verdoppelte die

Leistung des ursprünglichen Vergaser-

Reihensechszylinders. Der Roadster,

der ja drei Jahre nach dem Coupe erschien,

wurde übrigens rundum mit

Scheibenbremsen ausgerüstet. Entschlossen

steigt man in das Eisen, what

you feel is what you get, hier interferieren

keine Assistenzsysteme, die Referenz

findet im Kopfe statt, Sensoren

hat man reichlich verteilt und delegiert

wird gar nichts. Solche Fahrerlebnisse

sind zu kostbar, um etwas davon wegzugeben.

5.1. Es geht nicht darum, Freiheit

zu geben, sondern um die

Anregung zur Erweiterung des

individuellen Freiheitsgrades.

5.1.1. Die Freiheit muss man sich

selbst nehmen.

5.1.2. ‚Ich habe keine Zeit’ heißt ‚Ich

gebe dir keinen Raum’.

5.1.3. ‚Ich habe keine Zeit’, heißt,

‚Ich gebe dir überhaupt keinen

Raum’.

5.1.4. Die Zukunft des

Freiheitsgrades jedes

Einzelnen ist das Jetzt.

5.1.5. Erst das Nichtbemerken des

Freiheitsgrades macht den

Freiheitsgrad aus.

DAVID STARETZ

SCHREIBT, REDIGIERT UND FOTOGRAFIERT DEN AUTO-ST/A/R

43


60 AUTO-ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

DAVID STARETZ

SCHREIBT, REDIGIERT UND FOTOGRAFIERT DEN AUTO-ST/A/R

MERCEDES BENZ SL

WEDELN MIT DEM FUSS

DER SL, EINE IKONE DEUTSCHER JET-SET-BEFINDLICHKEIT,

GEHT IN SEINE SECHSTE

Der Mercedes SL, beginnend beim 300 SL Flügeltürer

von 1954 (und dessen Roadster-Variante

‚57), gefeiert als Sportwagen-Ikone des

zwanzigsten Jahrhunderts, gefällt durch Linie und

Spannung, aber auch durch Details wie Scheibenwischer,

die mit 84 Löchern perforiert sind, durch die

das Waschwasser direkt aufs Glas gespült und nicht

auf die Cabrio-Passagiere versprüht wird.

Das Design gefällt sich selbst. Verchromte Finnen

verstehen sich als Reminiszenz, die Rückkehr zur

steilen Kühlermaske zieht Länge in die Motorhaube.

Die Frontpartie, ausgeklügelt bis ins Detail, wird

durch vertikale Stege thematisch geklammert. Eine

gespannte Horizontale in der Kühlermaske sorgt für

Gelassenheit im Zusammenspiel mit der neuen, auf

Breite hinzielenden Scheinwerferkonfiguration. Das

Heck soll rund und kraftvoll wirken, die weit auseinander

liegenden Auspuffrohre demonstrieren ebenfalls

Breite.

„Sie können 250 fahren, so lange sie wollen“, sagt der

Techniker über den dramatisch überarbeiteten 435-

PS-V8, der gegenüber dem vorherigen 500-SL-Triebwerk

800 ccm weniger Hubraum, aber dank zweier

Turbolader signifikant mehr Leistung und deutlich

mehr Drehmoment hat: 600 Nm ab 1600/min.

Der V6 des 350 SL entspricht bautechnisch dem Vorgänger,

konnte aber verbrauchstechnisch ausgetrocknet

werden auf errechnete 6,8 Liter/100 km. Dabei

spielt die neu abgestimmte 7G-Tronic Plus eine wesentliche

Rolle.

Dann geht der Mann zum Heck und wedelt mit dem

Fuß unterm Auto – der Kofferraumdeckel fährt hoch

(und lässt sich so auch wieder schließen). Sieht so die

Zukunft aus? Warum nicht, wenn man vollbepackt

mit Einkaufstaschen daherkommt?

Der Freiheitsgrad besteht

darin, daß man nicht mehr

spürt, dass man zu wenig

Freiheit hat.

5.1.6. Die Zeitung ST/A/R

dient der Erweiterung des

Freiheitsgrads jedes Einzelnen.

5.2. Die Wahrheit ist die

Unentzogenheit.

5.2.1. In der Architektur gibt es das

Sehen und das Nichtsehen.

5.2.2. Es gibt die Wahrheit von falsch

und richtig und die Wahrheit

als die Unentzogenheit.

(Wolfgang Schadewaldt)

5.2.3. Wer die Wahrheit kennt, dem

ist nichts entzogen.

44


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 61

Unser langjähriger ST/A/R-Philosoph und Kolumnist

stellt sein erstes veröffentlichtes Buch vor!

da so tun,

an. Um

n, reicht es

ordert,

werde,

mal ad hoc.

ich darum

hen, wie

ühungen

en Philosoist

es, die

ahrheit, die

os gleichens,

nnten Vornke

ich,

der neueren

ophie

in seiner

ir sind

n Therapieuf

dem

uf hin zu

Therapieir

fest, dass

Drei Meister-

Vagabunden

im Café

Landtmann

Lange war es geplant, endlich

ist es geschehen. Die mit einiger

Spannung von mir erwartete

Gegenüberstellung der Landarztsöhne

Girtler und Gerngross.

Girtler schlug mir für dieses Treffen das Café

Landtmann vor. Gerngross hätte eher eine andere

Location bevorzugt, aber er willigte doch ein,

denn er war froh, daß wir endlich den wohl

bekanntesten Soziologen Österreichs, den vagierenden

Erforscher sozialer Randgruppen und

Analytiker des Strukturwandels in Mitteleuropa,

Roland Girtler, zum Gespräch unter sechs Augen

bitten konnten. In den zwei Stunden, die wir im

Landtmann zugebracht haben, sind enorm viele

Themen aufs Tapet gekommen, ein Reichtum

11

10,–

Andreas F. Lindermayr

Performer, DJ, Privatgelehrter

2004 Wachen und Schlafen,

ein Nachtwächterroman

2008 Hörbuchfassung von

Wachen und Schlafen

eben im abo-Verlag erschienen:

Mein Tage- und Nachtbuch,

zehn Kolumnen auf

96 Seiten mit vier SW-Bildern

von ManfreDu Schu

5.2.4. Die Wahrheit ist jedem

zumutbar. (Ingeborg

Bachmann)

5.2.5. Die Wahrheit ist nicht jedem

zumutbar.

5.2.6. Du kannst niemandem mehr

zumuten als dir selbst.

5.2.7. Die Wahrheit ist eine Zumutung.

5.2.8. Auch die Lüge ist eine Form der

Wahrheit.

5.2.9. Man kann eine Tasse mit

schmutzigem Wasser

reinwaschen. (Popper)

5.2.10. Die Lüge ist ein Gleichgewicht

für alle Ungerechtigkeit.

bo verlag

ww.aboverlag.at

etsellungen unter i@aoeg.net

45


62 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

langjähriger

ST/A/R-Philosoph

und

Kolumnist

5.2.11. Sie lügt mit größter

Aufrichtigkeit und rettet

tausend Seelen.

5.2.12. Wer die Lüge nicht kennt, der

kennt auch die Wahrheit nicht.

5.3. Wir können über alles

sprechen.

5.3.1. Jeder kann über alles

sprechen. Jeder ist ein

Sokrates.

5.3.2. Worüber man nicht sprechen

kann, darüber kann man

stammeln.

5.3.3. Es gibt keine Dummheit.

5.4. Das Vergessen der Erkenntnis

formt den Menschen.

46


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 63

5.4.1. Erst im Vergessen wird die

Erkenntnis wirksam.

5.4.2. Die Summe aller Erkenntnis

vergessen.

5.4.3. Die Summe der Erkenntnis

aller anderen über mich ist

meine Selbsterkenntnis.

5.4.4. Ich muss mich nicht kennen.

Das was ich auslöse bin ich.

5.4.5. Erkenne dich selbst. (Orakel

von Delphi)

5.4.6. Erkenne dich nicht.

5.4.7. Überlass es den anderen dich

zu erkennen.

5.5. Das Orakel ist eine Ahnung.

47


64 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

5.5.1. Das Orakel ist eine Ahnung,

die sich verbreitet.

nicht sichtbar. Diese Zeichen erleichtern mögliche

5.5.2. Ephesus, Delphi, Milet gehen

Umstellungen und müssen bei der Arbeit mit

aus Ahnungen hervor.

dem Layout berücksichtigt werden. Das Word-

Dokument 5.5.3. TAP_15 Auch beinhaltet die Wissenschaft nach Streichungen

und Ergänzungen ahnt insgesamt und muß 302 Satznummern.

die Ahnung

beweisen.

Die Nummern 5.5.4. in Wenn Klammern Du denkst sind die bist Nummern Du tot.

des Dokuments TAP_14, (Walter Röhrl, diese zusätzlichen zweifacher

Nummern dienen Ralley-Weltmeister)

lediglich dem Vergleich mit

der englischen 5.5.5. Übersetzung. Du denkst Die nicht, gestrichenen du ahnst.

und neuen Sätze werden auf Seite 14-16

5.6. Den ersten Zweiten muss jeder

aufgeführt. Das Dokument TAP_15 ist somit eine

finden.

Zwischenstufe, die noch mindestens eine weitere

Berabeitung 5.6.1. erfordert. Bruder und Schwester.

5.6.2. Der Sieg ist nicht die

Niederlage der anderen.

48


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 65

5.6.3 Das Leiden zu vergessen

ist die erste Diszplin einer

Hauptsätze buddhistischen Erziehung,

nach dem Aufwischen des

1. Die

Fußbodens.

Form ist das, was gebraucht wird.

5.6.4. Leiden und helfen. Wenn man

2. Die Architektur ist eine Mitteilung über

Maß

hilflos

und Proportion.

ist, leidet man, wenn

man helfen kann, leidet man

3. Die nicht. Architektur transformiert.

4. Der Archistrator archistriert Geistiges

6. und Die Materielles. Architektur ist eine Arbeit

an der Umstülpung der

5. Die Architektur hilft der Erweiterung des

Menschheit.

Freiheitsgrades jedes Einzelnen.

6.1. Geduld, Großzügigkeit

6. Die Architektur ist eine Arbeit an der

und Erweiterung des

Umstülpung der Menschheit.

Freiheitsgrades jedes

7. Komm Einzelnen ins Offene, sind die Freund. Kriterien Worüber wir

sprechen der Umstülpung. sprechen wir.

Rosamosa

49


66 Städteplanung / Architektur / Religion

PATRICK J. CHAN – ST/A/R-FOTOGRAF

PATRICK J. CHAN –

PHOTOGRAPHIC ARTIST (P.A.)

+43 (0) 681 101 51 191

peacephoto@gmail.com

6.1.1. Wenn das Innenleben außen

ist und das Außenleben innen,

das ist die Umstülpung.

6.1.2. Wenn das Außenleben innen

ist und das Innenleben außen,

das ist die Umstülpung.

6.1.3. Der Umstülpungsprozess führt

dahin, dass die Ambitionen

verschwinden.

6.1.4. Der Umstülpungsprozess

führt zur ambitionslosen

Gesellschaft.

6.1.5. Die Ambitionslose.

6.1.6. Quod licet jovi, non licet bovi.

‚Jovi’ und ‚bovi’ sind eins.

6.1.7. Revolution, Evolution,

Umstülpung.

50


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 67

Handgemachte und signierte Einladung von KRISTINA FOGGENSTEINER

6.1.8. Die Zeit der Honigpumpe

(Joseph Beuys) und der

Revolutionen ist vorbei.

6.1.9. Selbstbewußtsein,

Selbstbestimmung,

Selbstverständlichkeit.

6.2. Der ‚Extensive Man’ bedeutet

die Umstülpung.

6.2.1. Der ‚Extensive Man’ ist eine

materialphilosophische Figur.

6.2.2. Die ‚Intensive Box’ (Walter

Pichler) hat die Außenwelt ins

Innere gebracht.

51

!MAMA!

!PAPA!

!STAAT!

Plattform für Audiovisuelle Experimente


68 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R wirbt für MAMA!PAPA!STAAT!

6.2.3. Der ‚Extensive Man’ stülpt das

Innere nach Außen.

6.3. Die Umstülpung ist Poesie.

6.3.1. Wer die Sinne verfeinert,

verfeinert die Welt.

6.3.2. Das Schöne ist des

Schrecklichen Anfang. (Rilke)

6.3.3. Das Schöne ist der Anfang.

6.3.4. Die Trauer ist die

Geburtsstunde des Schönen.

6.3.5. Warum nicht über Religion

reden. Aus Religion. (Schiller)

6.3.6. Der Wille zur Macht liegt

im Wachsen des Baumes.

(Derrida)

6.3.7. Die Natur ist die Kultur.

52


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 69

ST/A/R special report von Dr. Wladimir Tolstoj:

Russischer Ball in der Hofburg mit ST/A/R-Gästen

Lydia Baich

6.3.8. Die Kunst ist natürlich

künstlich. (Ferdinand Schmatz)

6.4. Es geht nicht darum, den

Einzelnen zu regulieren,

sondern um die Bedingungen

des gesellschaftlichen

Umgangs. Die

Grundbedingungen ändern.

6.4.1. Jeder Einzelne ist ein

Kernstück der Masse.

Karina Sarkissova

6.4.2. Jeder Einzelne muss den

Freiheitsgrad spüren.

6.4.3. Wenn man verändert, dann

geht man nicht von der Masse

aus, sondern vom Einzelnen.

Veränderungen gehen nicht

von der Masse aus, sondern

vom Einzelnen.

53

Dr. Wladimir Tolstoj umringt von einem

österreichischem General mit seiner Frau

Dr. Wladimir Tolstoj mit

Frau Dr. Jutta Fiegl und

Dr. Thomas Stephenson

von der Sigmund Freud

Universität Wien

Fotos: Oxana Filippova


70 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

1

5

2

3

creative endeavours arts lab

4

Das Creative Endeavours Arts Lab hat sich auf Kunstdienstleistungen

und -Events spezialisiert. Durch die

professionelle Arbeit an der Schnittstelle zwischen

Kunst und Wirtschaft profitieren sowohl Unternehmen

als auch Kunstschaffende. Die klare Definition der

Kundenwünsche sowie das genaue Wissen über die

Arbeit der KünstlerInnen ist die Basis für die erfolgreiche

Integration von Kunst in Unternehmen.

art events, -branding & -marketing

ausstellungsdesign & -produktion

kunstvermietung &

kunst im unternehmen

sammlungsaufbau & -beratung

kunst am bau

Von der Kunstmiete für Ihre Firma über Vernissagen

für Ihre Kunden bis hin zum Kunstpreis als Marketing-

Strategie; sei es die künstlerische Fassadengestaltung

ihres Bauprojektes oder der Sammlungsaufbau Ihres

Unternehmens: wir haben die passenden Künstler-

Innen parat und sorgen für eine reibungslose Abwicklung.

Gut vernetzt mit den Szenen und in Kooperation mit

der Kunstplattform AUSARTEN[ ] sowie freischaffenden

ExpertInnen sorgen wir für hohe Qualität und

behalten den Überblick über zeitgenössisches Kunstschaffen.

creative endeavours

design lab

corporate design & branding

editorial & print design

real estate branding

web- & screendesign

text, wording & fotografie

6.4.4. Jeder Mensch ist wichtig.

(Robert Schwan)

6.4.5. Keine ‚Auge um Auge’-Politik,

sondern ‚Auge in Auge’-

Verständnis.

6.4.6. Träume und Visionen

verlangen danach realisiert zu

werden.

6.4.7. Das Schöne an den Träumen

ist, dass wir sie realisieren. (Le

Corbusier)

6.4.8. Es geht um eine neue

Definition der Massenkultur.

6.4.9. Die Gemeinschaftskultur.

Vom Individuum zum

Gemeinschaftswesen.

6.4.10. Computer lernen vergessen.

54


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 71

1 Heike Nösslböck

French Manicure, Ausstellungsdetail

2 Emmanuel Jesse

work in progress, private Auftragsarbeit

3 Nana Mandl

Bürobespielung

4 Sonja Bendel

Bürobespielung

5 Nika Kupyrova

Moonshine 1, Ausstellungsdetail

6 Jasmin Schaitl

Performance, Comment #12

4 Jahre Roter Teppich für junge Kunst

Foto: Manuel Gras

7 David Payr

aus der Serie: exp. 1987

8 Johanna Binder

Am Sonntag mit Schlag

6

9 Atzgerei

Filmdreh

10 Emanuel Jesse

Ausstellungsansicht, Berggasse 37

11 Sammlung Cserni

Kunstbuch Produktion und Publikation

8

10

7

9

ausstellungen 2012

6.4.11. Wir sind immer am Anfang.

6.4.12. Alles ist Form in Bewegung

und Bewegung als Form.

Nichts ist statisch. Auch nicht

immer. (Barbara Doser)

6.4.13. Im Streben leben.

6.4.14. Die Ganzheitlichkeit ist

übermenschlich.

6.4.15. Ich bin ein Detail. Im Detail

liegt die Wahrheit.

6.5. Die Umstülpung geschieht

automatisch.

6.5.1. Das Raumalphabet ist eine

kleine Schule der Umstülpung.

6.5.2. Die Umstülpung ist eine

Überraschung.

55

11

9.Jannuar – 8. März

NANA MANDL

10. – 20. Mai

STILLSTAND & BESCHLEUNIGUNG

12. März – 1. Juni

JOHANNA BINDER

6. Juni

JASMIN SCHAITL, COMMENT #12

11. Juni – 25. August

SONJA BENDEL

3. September – 31. Oktober

ATZGEREI & STRIN PRUMZER

(Letzte Weltausstellung / Arche 2012)

Oktober

GLAUBE & WISSENSCHAFT

3. November – 21. Dezember

DAVID PAYR (EYES-ON)

Dezember

AUFBRUCH & UNTERGANG

Creative Endeavours GmbH

[ kri’eı.tıv en’dev. rs ]

Arts & Design Lab

Gumpendorferstraße 40–44,

1060 Wien

+43 (0)1 23 69 839

info@creative-endeavours.at

www.creative-endeavours.at


72 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

6.5.3. Der Zufall ist eine

Interpretation. Der Zufall ist.

6.5.4. Die Stunde der Wahrheit ist

niederträchtig. Die Stunde der

Güte ist wünschenswert.

6.5.5. Glauben ist üben. Beten ist

Vertrauen.

6.5.6. Alles was ist, ist heilig.

6.6. Der Archiquant, der rechte

Winkel und der Stern sind

Metastrukturen.

56


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 73

6.6.1. Diese drei Metastrukturen

tragen gleichzeitig zum

Verschwinden von

Metastrukturen bei.

6.7. Wir haben keine Zielgruppe.

Die Gruppe bildet sich.

6.7.1 Die Zielgruppe ist eine

kapitalistische Waffe.

6.7.2. Es gibt Ziel und Gruppe, zum

Abschuss bereit.

6.7.3. Der Kapitalismus führt

zur Verminderung der

Empfindungen.

6.7.4. Aber wie Fehler Verbesserungen

hervorrufen können, wird

auch der Kapitalismus zu

Verbesserungen führen.

57


74 Raumalfabet

Städteplanung / Architektur / Religion

6.7.5. Wir verbessern.

6.8. Man herrscht indem man

jedem gibt. In diesem Sinne

hebt sich das Herrschen auf.

6.8.1. ‚Divide et impera.’, ‚Verteile

und herrsche.’, ‚Verteile!’.

6.8.2. Jeder wird zum Geber.

6.8.3 Jeder hat ein

Normalempfinden. Eine innere

Richtigkeit.

6.8.4. Nichts Unwirkliches existiert.

(Thomas Redl)

6.8.5. Die Realität ist perfekt.

6.8.6. Der Übermensch ist der

Mensch.

58


Städteplanung / Architektur / Religion

Raumalfabet

75

6.9. Der Künstler ordnet und

macht.

6.9.1. Die abstrakte Konvention.

(Wolf Günther Thiel)

6.9.2. Der Konvention verbunden,

dem Abstrakten zugetan.

6.9.3. Das verständnisvolle Wunder

ist das Ergebnis der abstrakten

Konvention.

6.9.4. Komm ins Offene, Freund!

(Hölderlin)

7. Worüber wir sprechen

sprechen wir.

59


GERNGROSS

76 Volksbuch

Städteplanung / Architektur / Religion

a o 1

b

2

3

4

5

6

7

8

....... ............................................................

....... ............................................................

....... ............................................................

....... ............................................................

....... ............................................................

............................................................

....... ............................................................

....... ............................................................

............................................................

....... ............................................................

............................................................

....... ............................................................

....... ............................................................

............................................................

....... ............................................................

............................................................

....... ............................................................

............................................................

9

60


Städteplanung / Architektur / Religion

Volksbuch

77

Personenregister

Bachmann, Ingeborg,

5.2.4.

Benediktiner, 2.2.2.

Beuys, Joseph, 6.1.8.

Bonvicini, Monica,

3.9.38.

Blaha, Friedrich, 3.9.39.

Blahacek, Raoul, 3.9.14.

Büchel, Heinrich, 3.9.27.

Cage, John, 1.5., 4.3.3.

Coop Himmelb(l)au,

3.9.7.

Colle, Herbert de,

3.9.26.

Czech, Hermann, 3.9.1.

Denker, Christian, 3.8.8.

Derrida, Jacques, 6.3.6.

Dietrich, Hans, 3.9.32.

Doser, Barbara, 6.4.12.

Duranovic, Marco,

3.9.15.

Feldenkrais, Moshé,

1.4.

Freud, Sigmund, 4.3.4.

Fürst, Martina, 3.9.23.

Göbl, Lukas, 3.9.10.

Gottlob, Georg, 3.8.6.

Hafner, Bernhard,

3.9.13.

Hofstetter, Kurt, 2.5.5.

Hölderlin, Friedrich,

6.9.4.

Hollein, Hans, 3.9.

Holzer, Michael, 3.9.7.

Kandinsky, Wassily, 3.4.

Kiesler, Friedrich, 3.9.17.

Köberl, Rainer, 3.9.36.

Konzett, Philipp, 3.9.33.

61


78 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Banner.indd 1

Nachwort

Im Frühsommer 2001, antwortet Heidulf Gerngross

auf die Frage – Was hast Du gemacht, was machst Du?

–mit folgende Zeilen:

“Ich schicke Dir eine Aufzeichnung meiner kontinuierlichen

Arbeit am Raum an der Umstülpung der Menschheit.

Damit Du weißt, was Gerngross, wann, wo? – und welche

geistigen Grundlagen aufgesaugt, beginnend von 1958,

als ich 18 Jahre war, von mir geknetet und proportioniert

wurden und werden… es ist ein lebendiger flüssiger Stoff,

der sich von Grenze zu Grenze erweitert, zur Gänze –

nie…”

Zur Gänze – nie…

Das MACHEN im Sinne von Heidulf GERNGROSS

– ist eben dieser flüssige Strom lebendiger Materie,

in dem Energie des Setzens/Wachsens die ergriffene

und

begriffene Breite und Tiefe des materiellen und

geistiges Lebens in sich speichert, um dadurch zur

PROPORTION zu werden. Darum ist das MACHEN

= PROPORTIONIEREN, immer intergrativ, immer

allgemein. Das Planen ist im MACHEN; das Tun –

im Nichttun; die Natur – im Geist und umgekehrt;

der Mann – in der Frau; die Frau – im Mann; das

intellektuelle Leben – im Materiellen; das Wahre – im

Falschen und das Falsche – im Wahren; die Form - im

Inhalt; die Bedeutung – im Ausdruck und umgekehrt;

das Freie – im Notwendigen; das Göttliche – im

Weltlichen; das Allgemeine – im Individuellen; das

Unendliche – im Endlichen…

Abstrahieren, Entnehmen, Ausnehmen, Richten,

Beschuldigen – sind nicht die Kategorien theoretischer,

ethischer und religiöser Dimensionen des menschlichen

Lebens innerhalb dieser Materialphilosophie. Er nennt

sich ARCHISTRATOR. Ein ARCHISTRATOR aber ist

zugleich ein Pan, ein Allgemeiner.

Haus 1, Papier-Pappendeckel, Extensiv-man, die

Ambitionslose, Volksbuch, Raumalfabet, 1,2,3-

Raum, Schnellhaus 1,2,3,4, ST/A/D, Archiquant,

ST/A/R, Dulf-TV, Orakel Melk, Cappella Bianca,

Terrazza del Mondo – sind einige der Meilenstein

des ARCHISTRATORS transgressiven WIRKENS.

Vom Ersten schriftlich-architektonischen Werk

– dem VOLKSBUCH – bis zum TRACTATUS

ARCHITECTONICUS EXPERIMENTALIS, - führt ein

Weg, auf dem die unzähligen geistig-materiellen Einund-

Ausatmungen gesammelt/zersreut liegen. Doch

hier geht es vielmehr nicht um das Haben, sondern

eher um das Sein. Und dieses Sein vollzog und vollzieht

sich nicht im Vacuum eines Monologs, sondern

immer im Dialog, oft sogar im Polilog. So entstanden

fast alle Werke z. B. die „Postsuprematistischen

Seismographischen Aufzeichnungen” – in einem

Dialog mit den Ideen Malevitsch’s und den russischen

Konstruktivisten; Der Archiquant – in einem inneren

Dialog der Linie (Bauhaus) und Kurve, des Rechten

Winkels, des Modulor, der Geometrie und Semantik.

So entstand im Jahre 1999 auch unser Manifest -

“ÖSTERREiCHRUSSISCHES ZEUG”.

Ist es die Person, oder ihr Tun? - Der ARCHISTRATOR

ist nur im MACHEN, und dieses MACHEN kann nur

ein persönliches sein. Denn die Person in dem Sinne

ist immer “Noch nicht..” (A. Kurosawa), d.h. sie ist

nicht etwas in sich “Fertiges”, Geschlossenes, sondern

immer – etwas Offenes. Er ist der ARCHISTRATOR.

Wie ein Punkt oder ein Samenkorn, oder - ein Kind,

die in sich viele Möglichkeiten umschliessen, so sind

auch in allen lebendigen Gesten seines MACHENS

die Vorahnungen eines NEUEN Menschen

spürbar. Darum meine ich, meint er, in dem

MACHEN=PROPORTIONIEREN geht es um eine

Umstülpung der Menschheit, keine Revolution, keine

Evolution… “Komm ins Offene. Freund!”

Komm nur…

Sergej Volgin

Julia und Sergej

Krischanitz, Adolf,

3.9.19.

Le Corbusier, 2.4.3.,

6.4.7.

Malewitsch, Kasimir,

4.3.1., 4.3.2.

Michelangelo, 3.1.5.

Mijalkovic, Milan,

3.9.28.

Ortner, Laurids, 3.9.31.

Pichler, Walter, 6.2.2.

Podmirseg, Daniel,

3.9.35.

Popelka, Anna, 3.9.4.,

3.9.9.

Popper, Karl Raimund,

3.8.3., 3.8.4., 5.2.9.

Prandtauer, Jakob,

2.2.2.

Pythagoras, 2.3.2.

Prix, Wolf, 3.9.7.

Redl, Thomas, 6.8.4.

Richter, Helmut, 3.8.,

3.8.3.

Rilke, Rainer Maria,

6.3.2.

Röhrl, Walter, 5.5.4.

Roventa, Angelo,

3.9.29.

Russo, Caroline, 3.9.16.

Samsonow, Elisabeth

von, 3.9.5.

Schadewaldt,

Wolfgang, 5.2.2.

Schiller, Friedrich, 6.3.5.

Schmatz, Ferdinand,

6.3.8.

Schwan, Robert, 6.4.4.

62


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 79

Epilogue

In the early summer of 2001, Gerngross Heidulf

answers the question – What have you done, what are

you doing? with the following lines:

„I am sending you a record of my ongoing work on

space and the inversion of humanity. So that you

know, what Gerngross, when, where? – and which

intellectual foundations I soaked up, beginning from

1958 when I was 18, I kneaded and proportioned and

will do so in the future… it is a living liquid material

which extends from border to border but which is

never complete... „

This DOING, which Heidulf GERNGROSS means–

is this liquid stream of living matter, in which the

energy of planting /growing, the seized and understood

width and depth of material and spiritual life is

stored, thereby becoming PROPORTION. This is why

MAKING = PROPORTIONING, always integrative,

always in general.

Planning is in DOING; doing – in inaction; nature –

in the mind and vice versa; man – in woman; woman

– in man, intellectual life – in the material world;

truth – in the false and the false –in the true; form –

in content, meaning – in expression; and vice versa;

what is free –in necessity, the divine – in the worldly;

the universal – in the individual; the infinite – in the

finite...

Abstracting, inferring, excluding, directing, accusing

– are not the categories of theoretical, ethical and

religious dimensions of human life within this material

philosophy. He calls himself ARCHISTRATOR.

However, an ARCHISTRATOR is at the same time

Pan , a universal.

Building 1, paper-cardboard, extensive man, the ambitionless,

Volksbuch, space alphabet, 1,2.3-space, quick

house 1,2,3.4, ST/A/D, Archiquant, ST/A/R, Dulf-TV,

Orakel Melk, Cappella Bianca, Terrazza del Mondo –

are some of the milestones of the ARCHISTRATOR’S

transgressive ACTIVITY. From the first writtenarchitectural

work – the VOLKSBUCH – up till

TRACTATUS ARCHITECTONICUS EXPERIMEN-

TALIS, –is a path on which lie accumulated / scattered

countless spiritual and material inhalations and

exhalations. But this is not about having, but rather

being. And this being was and is consummated not in

15.06.12 12:56

the vacuum of a monologue, but always in a dialogue,

often even in a polilogue. Thus almost all most important

works, e.g., the „Post Suprematist seismographic

recordings” originated – in a dialogue with the ideas

of Malevich and the Russian Constructivists; The Archiquant–

in an inner dialogue of the line (Bauhaus)

and curve, the right angle, the Modulor, geometry and

semantics. Thus originated, in 1999, our manifesto -

“ÖSTERREiCHRUSSISCHES ZEUG”. /

“AUSTRIA-RUSSIAN STUFF”.

Is it the person or their actions? - The ARCHISTRA-

TOR is only in DOING and this DOING can only be

personal. For the person in this sense is always „not

yet...“ (A. Kurosawa), i.e. they are not something „finished,“

closed, but still - something open. He is the

ARCHISTRATOR.

As a point or a seed, or - a child, which includes many

possibilities, in the living gestures of his DOING

there is a premonition of a NEW man. That is why

I, he, thinks, that MAKING=PROPORTIONING is

an inversion of the human race, not a revolution, not

evolution ... „Come into the open. Friend! „

Come on ...

Sergej Volgin

Sokrates, 5.3.1.

Spiegelfeld, Markus,

3.9.24.

Sputnic Architektur,

3.9.22.

Swiczinsky, Helmut,

3.9.7.

Tabor, Jan, 3.9.20.

Thales von Milet, 2.3.1.

Thiel, Wolf Günther,

6.9.1.

Tolstoj, Wladimir, 3.9.6.

Treusch, Andreas,

3.9.25.

Vitruv, 3.9.30.

Volgin, Sergej. 3.7.1.,

3.9.12.

West, Franz, 3.9.11.

Wiener, Adam, 3.9.21.

Wimmer, Helmut,

3.9.34.

Wittgenstein, Ludwig,

3.3.1., 3.8.3., 3.9.2.,

3.9.3.

Wondra, Heinz, 3.9.18.

Zentara, Mounty R.P.,

3.9.37.

63


80 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Elisabeth von Samsonow

SAMSONOW PARASONIC

TRANSPLANT ORCHESTRA

Das Projekt setzt auf

den Organmodus Ohr.

Es wird auf Hörbarkeit der

Skulptur umgesattelt. Das

Material ist Linde, welches

wiederum nichts weniger

ist als ein Körper,

untot. Der untote Körper

der Linde enthält Silicium

Si14, das häufigste Element

nach Kohlenstoff in

der Erdkruste oder Biosphäre.

Silicium hat leitende

und zugleich retentionale

Fähigkeiten, weshalb

es beispielsweise in der

Computertechnologie eine

Rolle spielt. Die Transplant

Non-Violent-Violas und

-Violins im SAMSONOW

TRANSPLANT ORCHEST-

RA werden natürlich, wie

Stradivaris und Guarneris,

durch das Angeregtwerden

und Klingen ständig verfeinert

und exquisiter. Die

Transplants ermöglichen

Klangforschung im Sinne

des subliminalen Ganzkörperhörens

schwingender

oder vibrierender Körper.

Pro Transplant-Violine ist,

ganz wie im klassischen

Orchester, ein Zweitleib

vorgesehen, der mit der Violine

ein Binom bildet bzw.

einen kurzgeschlossenen

Resonanzkreis, also entweder

der die Violine Anregende

(„Spieler“) oder der

sich ihrer (automatischen,

elektronisch produzierten)

Vibration Aussetzende. Die

Transplant-Violinen können,

sofern sie der dem

menschlichen Leibsinn

nächsten geo-chronologischen

Schicht entstammen

und nicht selten größer

sind als Menschen, also auch von älteren Stämmen kommen (über 80 oder 100 Jahre)

eine Patenschafts – oder Pflegevibration vollziehen, die sich auf den menschlichen Leib

außerordentlich gedeihlich auswirkt. Der menschliche hörende Leib wird vom SAMSO-

NOW TRANSPLANT ORCHESTRA, das funktioniert wie ein irrer Wald, aufgefangen und

molekularisiert. Diese Strategie der Insonanz oder sonorer Primitivisierung ist aber nur

die halbe Sache. Das Pflanze-Werden des Hörenden zieht auch eine Einsicht in die Differenziertheit

des hölzernen Großleibs nach sich, in welchem die Hoheit und Intelligenz

des photosynthetisierenden Wesens nachhallt. Das Projekt ist ebenso Dekonstruktion

des Orchesters wie künstlerische körpergestützte Klangrecherche.

Heidulf Gerngross: De Mensura et Proportione.

Prototractatus Architectonicus-Experimentalis.

Herausgeber: ST/A/R-Verlag-Wien.

Abbildungen: Pavle Jungic.

Abb. S.60: Gerngross-Säule von Franz West,

Schemazeichnung von Pavle Jungic.

Druck: Süddeutscher Verlag Zeitungsdruck GmbH,

München.

Buchbinderei: Flieger, Wien.

Förderung: Philipp Konzett, Stadt Wien,

Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur,

Markus Spiegelfeld – Werkstatt Wien.

Wien, 2012.


94 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Karl Kulovits, 67

Pensionist

Martina Himmelsbach, 49

Gemüsehändlerin

Karl kocht und isst für sein Leben gern. Der Einkauf am Markt gehört dazu – genauso

wie die Tipps von Frau Martina, der Standlerin seines Vertrauens. „Zuerst kosten,

dann kaufen“ – auf einen der 22 Märkte ist das möglich. Und die Marktstandlerinnen

und Marktstandler geben mit ihrer Ware auch gerne einen Koch- und Zubereitungstipp

mit auf den Weg. Wiener Märkte bieten Qualität und Vielfalt. Einkaufen am

Markt ist mehr als nur Lebensmittel besorgen: Die Märkte sind lebendige, bunte Orte

der Begegnung und bieten sinnliche Genüsse für Augen, Ohren und Nase.

Mehr Information unter:

www.marktamt.wien.at, www. lebensmittel.wien.at oder 01/4000-8090

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Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 95

Foto: ST/A/R

Herbert Brandl – in El Grecopose


96 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Archiquant-Tattoo

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