ST:A:R_30

geraldkofler

Städteplanung / Architektur / Religion

Printmedium Wien – Berlin

ST/A/R

/ /

ST/A/R 1

Nr. 30/ 2011/12

Hochkultur / Mittelmaß / Schund

Heidulf

04Z035665M – P.b.b. Verlagspostamt 1060 Wien • Adresse: 1060 Wien Gumpendorferstrasse 40–44 • office@star-wien.at • Europa 4,50

Ismael

MILAN

Milan Mijalkovic Entdecker der Terrorismusgalerie

Städteplanung / Architektur / Religion

4,50 Euro


Terrorismusgalerie

Terrorismusgalerie

Terrorismusgalerie

Terrorismusgalerie

Terrorismusgalerie

Terrorismusgalerie

Terrorismusgalerie

Terrorismusgalerie


2 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Editorial: Der Architektonische Raum oder der Gerngrossraum.

Heidulf Gerngross

Foto: BIWI

3.4. Der architektonische Raum. Der Gerngrossraum.

3.4.1. Man wird den Raum durch Licht und Farbe messen können. (Kandinsky)

3.4.2. Der Gerngrossraum.

Der Betrachter steht in der Bildebene und hat fünf Ebenen vor sich und fünf

Ebenen hinter sich.

Er baut und schaut sich seinen Raum.

3.4.3. Der Gerngrossraum verbindet Malerei und Architektur.

ST/A/R Printmedium Wien-Berlin

ST/A/R Printmedium Wien-Berlin

Zeitung für Hochkultur, Mittelmaß und Schund

Erscheint 4 x jährlich, Nr. 30, Erscheinungsort Wien

Erscheinungsdatum: 2011/2012

Medieninhaber:

ST/A/R, Verein für Städteplanung/Architektur/

Religion

A - 1060 Wien, Gumpendorferstrasse 42 ñ 44

Herausgeber: DI Heidulf Gerngross

Mitherausgeber: Patrick Arlati, Dr. Christian Denker

In Zusammenarbeit mit Civitas Solis / Kulturverein

Artdirector: Mathias Hentz

Management, Redaktion: Heike Nösslböck

Druckproduktion: Michael Rosenkranz

Druck: Süddeutscher Verlag Zeitungsdruck GmbH.

Zamdorfer Strasse 40, 81677 München

Vertrieb: Hurtig und Flink, Morawa

Aboservice: office@star-wien.at

Bezugspreis: 4.50,- Euro

Kontakt: office@star-wien.at

Adresse: Gumpendorferstr. 42 - 44, 1060 Wien

Mobil Heidulf Gerngross: 0043 664 521 3307

ST/A/R wird gefördert von BMUKK und Stadt Wien.

ST/A/R ist ein Gesamtkunstwerk und unterliegt

dem Urheberrecht

ST/A/R dankt allen ST/A/R FreundInnen und

MitarbeiterInnen

Verzeihen Sie eventuelle Rchtschreibfehler, da wir

keine LektorInnen besitzen.

Werkstatt Wien - immer dabei!


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 3

NICHTS.

Nichts, ist schöner!

Archiv des Nichts von Stephan US

Your self is a reflection of myself von Draga Jovanovic

Reflexionen über und unter dem Nichts

12.Oktober 2012 bis 1.Februar 2013

Tempelherrenstraße 22, D-10961 Berlin/Kreuzberg, fon. 03 221 609 312 - mob. 160 995 78 158

www.2gas-station.net, info@2gas-station.net

Andreas F. Lindermayr

Ankunft Moskau, Minus 17 °

von cyrillischen Schriftzeichen. Man begreift, dass der wohlgefügte Kosmos

überschaubarer Verhältnisse auf einen Schlag in sich zusammenbrechen

musste. Ein Kribbeln im Bauch machte sich bemerkbar, Angst befiel mich.

Kalter Schweiß brach an mir aus, meine Knie zitterten. Aber ich kämpfte

dagegen an.

Nach heftigen Gedankenstürmen, beschloss ich mein Schicksal in die

Hand zu nehmen. Schon um die lästigen Taxifahrer und diversen Bettler,

die alle meine Unsicherheit empfanden, loszuwerden, stieg ich in einen der

Linienbusse ein, die vor dem Terminal in Warteposition aufgereiht warteten.

Stirnseitig stand auf Cyrillisch und nicht etwa Lateinisch geschrieben,

Moskwa Metro.

Ich frug den Chauffeur: „Is this the Bus to Moskau Metro?“ Er nickte.

Kurz darauf erfolgte der Start und eine Fahrt ins Unbekannte begann, hinein

in die Dämmerung, in ein Schneegestöber. Eine gewisse Erleichterung

machte sich bemerkbar, allein durch den Entschluss, es selbst zu versuchen.

Ich hatte immerhin das Gefühl, in die richtige Richtung abzufahren.

Ein Baedeker für Moskau in meinem Reisegepäck leistete mir bereits gute

Dienste was die Visualisierung von meinem Reiseziel betraf.

Dann entdeckte ich diese Stewardess von Aeroflot unter den Fahrgästen.

Eine ausnehmend hübsche, elegante Frau in Uniform, Ende Zwanzig, meine

Rettung in höchster Not.

Ich ging mit meinem Baedeker auf sie zu und

spürte, dass sie meine Unsicherheit, meine

Angstgefühle erriet. Ich sprach sie auf Englisch

an, zeigte ihr meinen DJ-Koffer, stammelte

etwas von einem opening in the hungarian

Dem Galeristen Hans Knoll habe ich eine Einladung zu einer Gruppenausstellung

in Moskau zu verdanken. Das war im Februar 2006. Betei-

Zettel mit der Telefonnummer von Hans Knoll

embassy, povarskaya ulitsa, und zeigte ihr den

ligt waren die Blue Noses aus Nowosibirsk und noch etliche andere, an die und der ungarischen Botschaft. Sie überlegte

ich mich nicht mehr erinnere.

kurz, reichte mir ihr Mobile und bat mich mit

Ich war als DJ eingeladen, als Typ, der für Wiener Nächte steht.

sanfter Stimme, neben ihr Platz zu nehmen.

Die Ausstellung fand in der wohlbeheizten, festlich beleuchteten ungarischen

Botschaft statt, in einem klassizistischen Bau aus der ersten Hälfte Stimme hörte, mit einem immensen Stimmen-

Ich rief Hans Knoll an und als ich endlich seine

des 19. Jahrhunderts, mitten in dem mit Goldkuppeln übersäten Zentrum gewirr im Hintergrund, war alles nur noch halb

der russischen Metropole. Zwei Abende darauf sollte ich, zusammen mit so schlimm.

einer stattlichen Anzahl junger russischer DJ‘s in einem Moskauer Club „Ah, Andreas! This is Andreas, the DJ“, gab er an Umstehende erleichtert

auflegen, wo unter anderem die ungarische Hard-Rock-Gruppe Masfel ihren

Auftritt hatte.

di o! Da Juri is eh scho untawegs.“

weiter. „Bist guat aukumma, jo? Wia redn schon von dia. Woat nu, wia hoin

Gekommen war ich mit dem Flugzeug, überfliegend das weite Land in großer

Höhe, Wolkenformationen, geologische- und Infra-Strukturen ausneh-

mit, dass ich mich bereits in einem Linienbus Moskau nähere. Juri wurde

Dafür war es allerdings schon zu spät. Ich teilte dem bestürzten Hans Knoll

mend.

wieder zurück gepfiffen. Das Schneegestöber nahm zu. Die Fahrgäste im

Fliegen

Megacool

ist schön, Fliegen schafft Übersicht und gleicht aufs Haar der Theorie.

Aber die Praxis hienieden schaut dann doch anders aus. Die Praxis lehrt Meinem rettenden Engel erzählte ich von Wien, meinem DJ-Job und meiner

Bus wurden tüchtig hin und her geschleudert

4.0

und durchgerüttelt.

zu fühlen und zu empfinden.

Verehrung für Tolstoj, Dostojewsky und Bulgakow. Sie erzählte offen, dass

Das Display am Flughafen zeigte Minus Siebzehn Grad bei meiner Ankunft sie in Südrussland am Schwarzen Meer aufgewachsen sei und schwärmte

an. Ich sollte abgeholt werden und wartete vorerst einmal zuversichtlich. mir von Sankt Petersburg vor. Noch nie war ich so knapp davor, einer Frau

Aber es kam mir bei der vereinbarten Stelle niemand entgegen. Ich ging einen Heiratsantrag zu machen. Aber noch eine Station vor der Endstation

allmählich weiter in die riesige Ankunftshalle und wartete auf irgendwelche verabschiedete sie sich von mir und wünschte mir noch viel Glück.

Anzeichen und wartete und wartete und wurde von unzähligen Taxifahrern Jetzt war ich auf die Hilfe anderer angewiesen.

in einem gebrochenen Englisch angesprochen. Sie alle hätten mich für nur Vor der Metro Station am Stadtrand entdeckte ich einen Stand, wo sich auf

hundert Euro direkt vor die ungarische Botschaft gebracht. Aber ich war langen Spießen Grill-Hühner drehten. Eine ältere Frau mit Kopftuch und

Jugend und Kunst

ja eingeladen und hatte ausserdem lediglich 20 Euro dabei ein paar Schürze betreute ihn. Ich trat mit meinem DJ-Koffer auf Sie zu und zeigte

Rubel, die ich mir vorsorglich vor meinem Abflug beschaffte. Mein Handy

funktionierte natürlich nicht. Es herrschte absolute Funkstille.

Ich befand mich auf einmal völlig allein in einer fremden Welt, umgeben

15.6. – 7.10.2012

ihr den Stadtplan von Moskau.

„Pavarskaya ulitsa?“ Sie musterte mich mit großen, erstaunten Augen und

ließ ihren Sohn rufen. Der kam gleich gelaufen und nahm mich nach einem

kurzen Wortwechsel auf Englisch am Ärmel, zeigte mir, wo ich einsteigen

muss, um ins Zentrum zu gelangen und löste mir überdies noch

einen Fahrschein. Als ich ihm diesen bezahlten wollte, winkte er ab.

Dem Baedeker konnte ich entnehmen, dass die Metro in Moskau eine Sehenswürdigkeit

ersten Ranges ist. Ein Kunst- und Meisterwerk moderner

Technik und Architektur. Das fand ich nun voll bestätigt. Verglichen daran

nimmt sich die U-Bahn in Wien wie Spielzeug aus. Ausserdem ist sie

viel langsamer. Rasend schnell näherte ich mich der Kreuzung in Nähe des

Zentrums, wo es galt, in eine andere Linie umzusteigen, um zum Arbatskaya

zu gelangen.

Zwei Brüder, die von ihrer Arbeit kamen, sprach ich unterwegs an und erzählte

in knappen Worten, was mich nach Moskau führt und zeigte ihnen

den Stadtplan mit dem angekreuzten Ziel. Sie besprachen sich kurz, und

kamen überein, dass einer von beiden mich direkt zu meinem Ziel führt.

Dieser begleitete mich zur nächsten Linie, stieg mit mir auf der Haltestelle

Arbatskaya aus und ging noch zu Fuß mit mir die povarskaya ulitsa hinauf,

bis vor die ungarische Botschaft. Dort, direkt vor dem Portal, verabschiedete

er sich von mir, meine Einladung ausschlagend.

Ich war trotz allem pünktlich und wohlbehalten an mein Reiseziel angekommen.

www.k-haus.at

© Erwin Olaf. Courtesy Wagner + Partner, Berlin (Ausschnitt)


Terr

Terr

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4 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 5

orismusgalerie

orismusgalerie

orismusgalerie

orismusgalerie

orismusgalerie

orismusgalerie

orismusgalerie

orismusgalerie

orismusgalerie

orismusgalerie

orismusgalerie

orismusgalerie


6 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Milan

w a

rten auf d as Unvorstellbare -- warte

Kristina


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 7

Heidulf

Heidulf: die Realität ist perfekt

Milan:

n auf das

der Realität ist perfekt

Unvorstellbare -- warten auf das Unvorstellbare -- warten auf da s Un vo r

Heidulf: die Realität ist perfekt

-

Milan:

der Realität ist perfekt

Heidulf: die Realität ist perfekt

Milan:

der Realität ist perfekt


8 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Blick auf Kristina Foggensteiner - für die Terrorismusgalerie bereitgestellt


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 9

Foto: Anna Mitterer©

Performancepriester Vladimir Tolstoj weiht

Architekt

Milan Mijalkovic:

Die Terrorismusgalerie ist ein Organismus, ein

dezentraler weltweit unkontrollierter Raum, der

weder zu bemitleiden, zu verteidigen noch zu

stören ist.

Die Terrorismusgalerie ist Raum, der temporär

oder für immer von Individuen, Gruppen, Völkern

oder Nationen freiwillig zur Verfügung gestellt

wird.

Wohnungen, Einzelne Zimmer, Gärten, Bauernhöfe,

Wälder, Inseln, Wände, Schränke, Autos, Parkplätze,

Straßen, Flugzeuge, Flughäfen, Bahnhöfe,

Käfige, Siedlungen, Städte, Facebook-Profile,

Webseiten, Mediensendezeiten, Werbeflächen,

Kunstwerke, Bankkonten, Büros, Wörter, Sätze,

Buchstaben, Sprichwörter, Körper, Zeit und das

Leben werden jenen, die neue Wege suchen und

kreieren, und das Zukunftsbild der Mächtigen

anzweifeln bereitgestellt.

Die Edlen erkennen einander am Blick!

Die Nichtraumhabenden werden hier die Möglichkeit

haben aus einem Spektrum an Räumen

zu wählen und sich darin frei zu artikulieren,

ihre Ziele und Weltvorstellungen vor einer Masse

zu präsentieren.

Der Raum hört uns!

Die Terrorismusgalerie ist Ziel- und Verantwortungsloos!

Das nicht existierende Ziel ist die Überraschung.

Ich Milan Mijalkovic von Makedonien übernehme

die Verantwortung für die Naturkatastrophen

der letzten 2000 Jahre.


10 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Universalkünstler

Adam Wiener:

nicht sichtbar. Diese Zeichen erleichtern mögliche

Umstellungen und müssen bei der Arbeit mit

dem Layout berücksichtigt werden. Das Word-

Dokument TAP_15 beinhaltet nach Streichungen

und Ergänzungen insgesamt 302 Satznummern.

Die Nummern in Klammern sind die Nummern

des Dokuments TAP_14, diese zusätzlichen

Nummern dienen lediglich dem Vergleich mit

der englischen Übersetzung. Die gestrichenen

und neuen Sätze werden auf Seite 14-16

aufgeführt. Das Dokument TAP_15 ist somit eine

Zwischenstufe, die noch mindestens eine weitere

Berabeitung erfordert.


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 11

Adam Wiener eröffnet die Terrorismusgalerie

Tolstoj weiht

Hauptsätze

1. Die Form ist das, was gebraucht wird.

2. Die Architektur ist eine Mitteilung über

Maß und Proportion.

3. Die Architektur transformiert.

4. Der Archistrator archistriert Geistiges

und Materielles.

5. Die Architektur hilft der Erweiterung des

Freiheitsgrades jedes Einzelnen.

6. Die Architektur ist eine Arbeit an der

Umstülpung der Menschheit.

7. Komm ins Offene, Freund. Worüber wir

sprechen sprechen wir.

Rauminstallation: Anna Mitterer, Matthias Buch


12 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Foto: Anna Mitterer©

Waffe : Raumalfabet - spacealphabet

Rauminstallation: Anna Mitterer, Matthias Buch


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 13

Heidulf Gerngross erklärt das Raumafabet

zur Terrorismusgalerie anläßlich der Rede:

WAFFENKUNDE

KRISTINA

Heidulf


14 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

2012: REMAINS OF SPACE

Anna Mitterer, Matthias Buch

PARTNER DER TERRORISMUSGALERIE

Foto: Markus Wörgötter

Das ist kein hermetischer Raum, sondern ein Wahrnehmungsgerüst...

Der verinnerlichte Raum in der letzten Szene von Stanley Kubricks Filmikone „2001: A Space Odyssey“ manifestiert sich als Gegensatz

von Lebensraum und Weltraum. Der Raum als Metapher für die betrachtende wie auch virtuelle Wahrnehmung, in welcher der

Zuschauer selbst mitreflektiert wird, war Ausgangspunkt für einen rauminstallativen Eingriff im mo.ë

Good Evening, Dave.

Wie geht es deiner Wahrnehmung?

Und deiner?

Irgendwie bin ich in dieser Vorstellung vom Kontinuum meiner Sinne zu einem Ende gekommen, etwas Metaphorisches

überschreitet das, drängt sich mir auf, ich sehe mich hier, früher oder dann, irgendwann, aber ich

bin jetzt hier, und frag mich warum.

Hast du dich schon umgeschaut?

Was soll ich den tun außer schauen, aber ich kann nicht genug schauen, hier ist alles durchlässig; bin ich auch

ausgestellt?

Sehr schöne Umrisse, Dave. Könnte fast außerhalb der Zeit funktionieren.

Ja Umrisse von Erscheinungen, meinst du das?

Willst du jetzt über bürgerliche Innenarchitektur des 19. Jahrhunderts reden?

Immer diese Systeme, auch im Weltraum, immer Systeme.

Kannst du näher kommen, damit ich das Bild sehe?

Aber das siehst du doch auch so.

Nein nur wenn ich dich im Spiegel sehe, Dave.

Macht es dir etwas aus wenn ich dir eine persönliche Frage stelle?

Nein nicht im Geringsten.

Tut mir leid, dass ich hier so nachbohre, aber mir ist aufgefallen, dass wir hier zu Protagonisten werden.

Wie meinst du das?

Es ist schwierig zu definieren, es hat einen melodramatischen Touch.

Was ist hier melodramatisch, es ist konstruiert, es sind Reste davon...

Arbeitest du an deinem Psychologischen Bericht?

Of course I am,

Daisy, Daisy...

http://annamitterer.net

http://buchmatthias.wordpress.com/

Die TERRORISMUSGALERIE bedankt sich

bei MÖE, Anna und Matthias für die Übernahme

der Verantwortung, ohne Respekt,

Genderstudies, Cowboys etc…


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 15


Blünbachtal, 22. März 2019


Liebes Fräulein Sophie!


Ich habe heute Ihren Brief erhalten und war eigentlich bestürzt, was Sie mir über Angelika mitteilen! Vor

allem deshalb, weil Sie glauben, dass es ihr schlecht geht und sie hungert, ja hat sie denn keine fixe

Anstellung? Sie schrieb uns doch und sagte es auch, dass sie in einer Gemäldegalerie tätig ist und es ihr gut

geht ---?


Hat sie diese Stellung verloren?

Wieviel hundertmal - Frl. Sophie - habe ich ihr nahegelegt, sie soll sich doch um eine Lehrstelle in der

"Deutschen Schule" in New York bewerben, da sie uns mitteilte dass sie sich bereits vorgestellt hat und wie

sie sagte - glaube ich - in einem Jahr Aussicht auf eine Anstellung hat. Ich schreibe ihr jetzt davon nicht

mehr, weil sie das letzte Mal beleidigt war - "sie so zu d r ä n g e n" - nun, abgesehen, dass ich es ja nur gut

meine mit Krankenversicherung und Pensionsversicherung (1.000 mal diskutiert) m u s s sie sich doch

selbst e n d l i c h zusehen, eine fixe Anstellung irgendwo, wo es ihr zusagt, zu bekommen, weil ich ehrlich

gesagt, von der freischaffenden Kunst nicht viel halte - ein "von der Hand in den Mund Dasein" kann sie

doch um Gotteswillen selbst nicht anstreben.


Ich danke Ihnen für Ihr Schreiben Frl. Sophie - ich weiss, wie sehr Angelika an Ihnen hängt - ist es Ihnen

nicht möglich, ihr dies beizubringen: eine ordentliche fixe Stellung anzustreben. Ich wäre Ihnen unsagbar

dankbar dafür, wenn Sie dies zuwege brächten, weil ich sonst keine Ruhe habe und das Gefühl nicht

losbringe dass dies bei Angelika ein Dauerzustand werden könnte....


Die Angelika m u ß sich einfach einmal unterordnen, wenn es ihr noch so schwerfällt, um einmal ein

geregeltes Leben führen zu können. Wir wollen ja doch nur das Beste, wie könnte es auch anders sein!


Meine Frau war nicht zuhause, als der Postbote Ihren Brief brachte. Sie hätte gewiss geschimpft über

Angelikas Unselbstständigkeit - und ich hätte ihr recht geben müssen. Ich meine mit 30 Jahren sollte man

eigentlich schon selbstständiger sein und sich eine Basis fürs Leben schaffen! Diesen Vorwurf kann ich

Angelika auf keinen Fall ersparen und ich werde es ihr bestimmt auch noch sagen.


Nun, das Geld, um das Sie mich gebeten haben, habe ich heute noch aufgegeben. *) - hoffentlich wird in

New York nicht wieder gestreikt - damit sie es noch zeitgerecht erhält, denn wir freuen uns ja wieder auf die

stille Zeit im Jahr, auf die Weihnachtszeit, wo wir wieder alle beisammen sein können!


Ich danke Ihnen nochmal für Ihr Schreiben, Frl. Sophie - und dass Sie sich so herzhaft für unser Dirndl

verwenden - hoffentlich bleibt sie nicht unser Sorgenkind...


Mit vielen Grüßen auf ein frohes Wiedersehen hoffend,


Leopold M.


*) mit interner Postanweisung


NB. Bitte seien Sie nicht sehr böse, dass ich Ihnen eine E-Mail schicke, es geht mir viel schneller von der

Hand!




Text: Hannah Menne





-------- Original-Nachricht --------

Datum: Fri, 22 Jun 2012 14:43:57 +0200

Von: Hanna menne

An: Milan Terrorist , Maks Pogneur

Betreff: StarMagHannah

„ hello lieba milan, anbei, ganz unten der text.

wichtig ist mir, dass die erste datei (faksimile!) der untenstehenden beiden mit abgedruckt

wird, weil sich der text auf einen reell existierenden brief von 1974 bezieht.

die zweite datei würde sich sehr freuen, wenn sie auch platz finden könnte, weil sie

meiner meinung sehr viel über spaces im allgemeinen aussagt, i.e. auch über mo.ë.

bitte meld dich, wenn du noch fragen hast - sorry dass ich mich nicht schon früher

gemeldet hab. aber wird haben zurzeit noch den letzten wahnsinn vor der sommerpause

hier im mo.ë - und jeden tag veranstaltungen - aaaaaaahhh!



mo.ë

[ohr/seh/fühlwürmer/blaue stunde/seelenfrieden/beschaffenheit/exil/safe space for

magpies]

Thelemangasse 4/1-3

1170 Wien

www.mmooee.org



Kontakt: 0699 140 69 140

Leitung: Hannah Menne und Max Bogner

deinen text werd ich dir noch schicken, sobald ich ihn übersetzt hab.

schönes wochenende noch - hannah“


16 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Bon Go

unser

Mensch

fürs Netz

http://de.wikipedia.org/wiki/De-Loys-Affe

http://dform.org


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 17

Heidulf Gerngross

De Mensura

et Proportione

Prototractatus

Architectonicus-Experimentalis

Nr.32

Inisci bla adiat. Te magna augait vero dolor acin ut ute ea consed tat. Mod diam verosto ex

et, consequat vel del utatumsandit ilit nim acip euipit, vel eugiat alit praestisl dunt eugiam,

volobor atiscil iquamco nsectet, sustrud doluptat, veliquis augiamcorem quatie min et ip

eumsan vel doloboreet am, senim eum euisl iriure vel utpatin ciliquat nismodipit lum alisi.

Ommod dunt ilis endio enim dolenisse molorem zzrillutat. Ut wisit aut ing erat.

Uptatet ad tat aut utpatem incillam velessim zzrit lore volore dunt vel diam adit praestrud ex

et exero consequis nonulla feugiat. Ut ad modo digna facilla ndrero odo diat incipsumsan

utatummod tin hent lan eum acil iriurem quat nim del iriusto od eniamcon hendre tat

doloreet, si blam at, volore exerci bla amconsequam digna ate ea faccum numsan volorem

do consequat. Ut niam inisit iure consenisis alit, quisim ip etum verat venit vel dolesse

quatummodit ad ting eugait wiscil dolendre velesto con hendiam quisi te tat. Tem nis nit

praesto dipsum quat lorper am quiscipit ip ercidunt aut in et, vullandre eugiam incipis

am, sustrud tin hendiam consecte ent wis doloreet, coreet adip ea acil utat prat vel utpat,

consed tat veratisl et num ver augait pratis ero dolore corper sequi bla con eugiam venisl

dunt ulla at, sustrud tisl eui ea aliquis cipsuscilla acilit wisis doloree tuerci eugiati onsequis

nummodolor ilit wis num vendion sequam, quat ut nulput lam quatuer aesendipit dolobor

erciliquat utat diat, veros nibh ex euisl dolobor si blaore minit ad esendig nismolobor alit

esed modipis adipsum aliquat. Ut lum illaore vulpute velit iuscili quipsuscil iuscin henim

nos nostisl ipis num at nullum dolutpat. Ut autating elit wis amet prat am, qui exerostrud

digna feugiam vel ullaortin enit ipsustie min utet loreet la acin heniscidunt digna consequis

dolobore magna core modiat, quamet, cor in henim nos amet, quamet praesent nos

atum augiat. Ut venibh er alit volobortie tis elesto dio eu faci tatie magna facidunt iuscin

eugue tie dipit lutpat wismod te con exer si te magna auguer sim vulla feu feu faccumm

odoless eniscilis dolore feu feugait lore velisi tem zzrit ilis aliquatem dit amcommy nullam,

senissenim ipit at vullaor tincidunt velenit, sequam amet, secte faccum diamet lamet

ST/A/R Verlag Wien

http://renfah.net


18 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Vorwort

Barbara Doser

Puffs ... Atemstöße sind unwiederbringliche Zeichen von Leben. Eingespeist in einen

Latexballon werden sie als Volumen sichtbar.

Umwickelt mit einer transparenten, kohäsiven PE-Folie mutieren sie zu stabilen Skulpturen.

Sie sind rundlich, fruchtblasenförmig und haben

einen Nippel. Hofstetter Kurt (Bussi) nennt sie Puffs. Sie dienen der

Archivierung von Atemstößen als individuelle Momente der Endlichkeit, wobei der Atem

den Raum seines Verbleibs selbst anlegt.

Material: Latex, Pe-Folie, UV-Lack. Größe variabel: ab 30x30x30 cm …

zu ordern unter: barbaradoser@sunpendulum.at.

Neben meinen architektonischen

Konstruktionen ist eine ungeordnete

Agglomeration aus Sätzen, Fundstücken

und Worten geblieben, die für

mein Machen ein wirkungsvolles

immaterielles Geflüster waren, das ich

in dieser Unordnung nicht

mitteilen konnte.

Aus dem Agglomerat formt sich

der Tractatus Architectonicus-

Experimentalis oder der Tractatus

Architectonico-Experimentalis, der

im Herbst 2012 im Metroverlag Wien

erscheinen wird.

2

Der Text erscheint in der ST/A/R Zeitung

als Prototractatus Architectonicus-


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 19

Experimentalis, dem Stand der

Arbeit entsprechend in der Anordnung

und Übersetzung der Sätze noch

teilweise nicht abgeschlossen.

Die Herausgabe des Werkes im

Metroverlag kann noch durch

Mitteilungen, Sätze, Stellungnahmen,

Kritiken, Kommentare oder Fundstücke

erweitert werden. Auch der ST/A/R

Leser ist eingeladen an dieser

Weiterentwicklung teilzunehmen,

office@star-wien.at.

Dank an den russischen Architekten

und Philosophen Sergej Volgin,

der mir durch seine kritischen

und zustimmenden Hinweise das

Vertrauen geschenkt hat, das Werk zu

veröffentlichen.

Heidulf Gerngross, Wien 2012

3

Puff © Barbara Doser, VBK, 2012


20 ST/A/R

Kunst

Städteplanung / Architektur / Religion

Katharina Heinrich

Katharina Heinrich bedient sich bei der Erzeugung ihrer variablen Raumkörper der Technik des Flechtens, die seit Jahrtausenden der Fertigung von Texturen

dient und im konsequenten Nachvollzug strenger Gesetzmäßigkeit unterliegt. Die rhythmische Tätigkeit des steten Drunter und Drüber wird von Heinrich als ein

„bildhauerischer Akt“ aufgefasst, der ihre künstlerischen Vorstellungen auf sinnstiftende Weise mit präzisen Gestaltungsmethoden verbindet. Entsprechend bezeichnet

die Künstlerin das Flechten als ein bewusstes Handeln, welches sich jedoch im Zuge des Gestaltens der immergleichen Verschränkung von horizontalen

und vertikalen Bändern unterwirft.

Textausschnitt von Monika Pessler, Direktorin der Kiesler Stiftung Wien,

Katharina Heinrich „um auf ab Riss“, 2011

1. Die Form ist das, was

gebraucht wird.

1.1. Unsere Ästhetik ist die Praxis

des Gebrauchs.

1.1.1. Der Gebrauch ist der

Rhythmus.

1.2. Unsere Architekturschule lehrt

das Planen und das Machen.

1.2.1. Architekten werden zum Planen

erzogen. Sie sollten zum

Machen erzogen werden.

1.2.2. Man braucht nicht planen. Man

macht.

1.2.3. Was man nicht planen kann,

das soll man machen.

1.2.4. Ich plane nicht, ich mache.

Archiquant-Geflecht, Katharina Heinrich,

Peddigrohr, 2011

4


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 21

Rotes Geflecht mit Ösen,

2010, Gummi/rubber,

Dimension variabel/variable

dimension, H 350 cm

1.3. Die Bedeutung weiß

Bescheid.

1.3.1. Die Bedeutung weiß auf alle

Fälle Bescheid.

1.3.2. Der Schein trügt nicht.

1.4. Die Architektur ist

Materialphilosophie.

1.4.1. Architektur ist die

Entdeckung des

Selbstverständlichen.

(Feldenkrais)

1.4.2. Städteplanung ist

Innenarchitektur.

5


22 ST/A/R Kunst

Städteplanung / Architektur / Religion

Katharina Heinrich

SchlauchnetzX, 2011, Kiesler Stiftung Wien,

Kunststoffschnüre/plastic strings, 400 x 400 x 330 cm

NetzZelt , 2010, Kunststoff/plastic, 220 x 220 x 310 cm

Installation A trans Pavilion, Berlin 2011, © Karsten Huth

1.4.3. Das Küken fühlt sich wohl,

weil es von Innen lesen

kann.

1.5. Die wirksamste Struktur ist

die, die man nicht merkt.

(John Cage)

2. Die Architektur ist eine

Mitteilung über Maß und

Proportion.

2.1. Maß und Proportion haben

die Gerechtigkeit

in sich.

2.1.1. Proportionieren ist die

Aufgabe des Architekten.

2.1.2. Die Proportion ist ein

Vertrauensverhältnis.

6

SKIZZE, 2010, Drahtseil/wire rope, Kiesler Stiftung Wien, 50 x 60 cm


ST/A/R 23

Städteplanung / Architektur / Religion 23

Archiquant-Geflecht, Katharina Heinrich, Peddigrohr, 2011

www.katharinaheinrich.net

2.1.3. Das Maß ist die

Notwendigkeit der

Proportion.

2.1.4. Wenn etwas nicht Maß und

Proportion hat, ist es schon

ungerecht.

2.1.5. Das ganze Ziel von Maß und

Proportion ist Gerechtigkeit.

2.2. Proportion bedeutet

menschliches Maß

und natürliches

Verteilungssystem.

2.2.1. Maß und Proportion

beinhalten die Dimension

des menschlichen Seins und

des sozialen Machens.

7

Rote Bänder, 2009, Video, 42 min (Videostills)


24 Licht ST/A/R kunst

Städteplanung / Architektur / Religion

TERESA MAR

LIGHT ART

LIGHT ART ‘Chamäleon’, Berlin

Berlin Festival of Light 12.-23.10.2011

(6 HX-Projektoren, 6 Standbilder)

1,5 Mill.Besucher fanden sich zum Berlin Festival of Lights im Oktober

2011 ein.

Die größte Arbeit‚ ‘Chamäleon‘ leuchtete 12 Nächte lang auf den

Dom im Berliner Lustgarten und stammt von der österreichischen

Lichtkünstlerin TeresaMar. TV (RTL, RBB, SAT 3) und Presse berichteten

darüber.

Teresa Mar: „Berührt Licht die Fassade des Monuments, so verhält sich

die Fassade wie eine Haut, voller Schattierungen, Formen und Farben.

Dort, wo die Projektion in die Abstraktion mündet, wird der Punkt

erreicht, wo unsere Ideen jene großen Dimensionen erreichen, die uns

8

2.2.2. ‚Ora et labora’.

(Benediktiner) ‚Mensura

et proportio’, ‘Maß und

Proportion’ sind die

Grundsätze der Jakob

Prandtauer Schule für

Architektur in Melk.

2.2.3. Maß und Proportion haben

materielle und geistige

Funktionen.

2.3. Die Geometrie ist

unweigerlich da.

2.3.1. Kurve. Kreis. Gerade.

Winkel. Thales von Milet


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 25

hat eine geometrische

Struktur entdeckt, in der

jeder Winkel im Halbkreis

ein rechter Winkel ist.

2.3.2. Pythagoras hat nicht nur

die inneren Beziehungen

innerhalb von Proportionen

untersucht. Gleichzeitig

hat Pythagoras eine

Lebensschule aufgebaut. Er

galt ebenso als Schamane

wie als Wissenschaftler.

2.3.3. Schule des Maßes. Schule

der Proportion.

2.4. Die Architektur ist

der Applikator der

menschlichen Größe.

9

als Teil der Matrix, als Teil der Nicht-Materie erfahren lassen.

Abstraktion liegt in der Perspektive.“

Die Arbeiten der Lichtkünstlerin verändern sich je nach Distanz und

Blickwinkel.

Licht ermöglicht ihr die organische Transformation des figurativen

Bildes hin zur Abstraktion.

Basis sind Collagen. Durch die Wiederverwendung bereits gesehener

Medienbilder sucht Teresa Mar den Durchbruch dominanter visueller

Konventionen und führt den Betrachter auf diese Weise in eine

visuelle Konfrontation.

Schwerpunkt ihrer Lichtkunst ist das ‚bewegte Bild‘, das in seiner

Langsamkeit jene Tiefe erzeugt, die eine Reise durch die Sinne

eröffnet.


26 ST/A/R xxxxx

Städteplanung / Architektur / Religion

TERESA MAR

Wien

Karlskirche

Mai 2010

2.4.1. Die gesamte Architektur

hängt von den Maßen des

Menschen ab.

2.4.2. Elle, Fuß, die ältesten

Maßeinheiten sind

menschliche Maße.

2.4.3. Le Corbusier hat den

Modulor aus menschlichen

Maßen geschaffen.

43 cm, Sitzhöhe, Knie.

70 cm,Tischhöhe.

113 cm, Barhöhe, Nabel.

183 cm, Kopfhöhe.

226 cm, ausgestreckte Hand.

Portugal

Sintra ‘LUMINA‘

September 2011

10


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 27

Teresa Mar

Lichtkünstlerin

2.4.4. Der Modulor ist im Archiquant

gespeichert.

2.5. Der Archiquant hat Maß

und Proportion in sich.

Der Archiquant ist eine

Materialisierung von Maß und

Proportion.

2.5.1. Der Archiquant ist aus dem

Machen entstanden.

11

Niederlande

Eindhoven ‘GLOW’

November 2010


28 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

WILLKOMMEN IN DER GOMRINGER-EPOCHE

„ S

ie hat allerdings, zumindest scheint angenäht werden kann, in den Heizkessel

es so, einen großen, ja für Lyriker fast geworfen hat. Obwohl er fast verblutet wäre,

unverzeihlichen Nachteil: Sie leidet nicht. gilt er jetzt, nach dieser unfassbaren Verzweiflungstat,

noch immer nicht als arbeits-

Im Gegenteil, auf Fotos grinst sie, oder lacht.

Ist das nicht ungehörig? Haben nicht gerade unfähig.

Lyriker ihr anämisches Gesicht in den knochigen

Händen zu vergraben und drein-

Moderne selbst einen Fuß abgeschnitten

Auch die Lyrik hat sich mit der klassischen

zusehen, als hätten sie eine hartnäckige und sichergestellt, dass er nicht mehr angenäht

werden kann.“

Harnwegsentzündung gepaart mit Bandscheibenvorfall

und Migräne? Nein, haben

sie nicht. Die Gomringerin, dieses schalkhafte

Wortspringginkerl, dieser Lyrikerin gewordene

Pumukl, beweist das Gegenteil. Sie

strahlt etwas aus, das sie mit ihren Gedichten

macht: Freude.“

Diese Passage ist einer Laudatio auf Nora

Gomringer entnommen, die aus der berühmten

Feder des Herrn Franzobel

stammt und die in voller Länge in der

Tageszeitung mit intellektuellem Anspruch,

dem Standard vom 28.04.12, zu

lesen war. Sie kam genau im richtigen

Moment. Denn genau in diesem Augenblick

arbeite ich an der Ausarbeitung der

Frage: Wie muss eine Stadt, ein Land,

vielleicht eine kleine Welt usw. beschaffen

sein, damit Lyrik dort nicht mehr gelesen

und nachvollzogen werden kann?

Franzobel liefert mit seiner Laudatio einige

wichtige Hinweise. Sein Text entwirft

zwei Bilder von Lyrikern und Lyrik.

Ein negatives und – wie überraschend

- ein positives. Das positive ist sehr viel

weniger ausgeführt als das negative und

ist mehr oder weniger auf die Fotografie

Nora Gomringers beschränkt.

Ich denke, es lohnt sich, die Klischees,

von denen Franzobel in seinem Text Gebrauch

macht, etwas unter die Lupe zu

nehmen: schließlich schrieb Franzobel

seinen Text anlässlich einer Preisverleihung,

publizierte ihn in einer auflagenstarken

Zeitung, kurz: Rührte die Werbetrommel

und reihte sich damit in die

Reihe der bezahlten Claqueure ein. Mit

erstaunlicher Offenheit erzählt Franzobel,

wie er dazu kam, diese Laudatio zu

schreiben. Ein Professor Möbus hätte sie

ihm angetragen und er ließ sich breitschlagen,

obwohl er noch keine Zeile der

Autorin kannte. Zunächst war er nicht

gerade begeistert, über eine junge Lyrikerin

schreiben zu sollen. Schließlich

kannte er doch die Vorliebe der alten

Herren des Literaturbetriebes für junges

Blut und die dadurch aufgewirbelten

Fantasien. Da machen sie offenbar gern

Preise für die jungen Damen. Er fragte

sich sogar aufrichtig selbst, ob er nicht

bloß ein alter Knacker ist, der nur am

Knackigen der Gomringer interessiert

ist. Aber noch etwas anderes ließ ihn zögern:

Er hatte sich gerade in letzter Zeit

zunehmend von der Lyrik distanziert, sie

kam ihm vor wie

„…jener oststeirische Arbeitslose, der sich

vor nicht einmal einem Monat aus lauter

Angst vor der Überprüfung seiner Arbeitsfähigkeit

durch das Arbeitsamtsservice nach

dem Konsum mehrerer selbstgebrannter

Schnäpse mit einer selbstgebastelten Sägevorrichtung

einen Fuß selbstvergessen abgeschnitten

hat und diesen dann auch noch,

um sicherzustellen, dass er ihm nicht mehr

Der anämische Lyriker, dieses Bild sehe

ich jetzt vor mir, sägt sich ein Bein ab,

vergräbt sein verzweifeltes Antlitz in

den knochigen Händen, das wenige Blut

spritzt und er erleidet einen Bandscheibenvorfall

während er nach Pillen gegen

seine Migräne sucht während ihm

eine Harnwegsinfektion Fieberträume

beschert. Da ist doch das Bild der Gomringer

schon was andres: Sie grinst oder

lacht sogar auf dem Foto, wie ihre Gedichte,

die uns allen Freude machen. Haben

wir denn da noch eine Wahl? Die

Gomringer hat Baudelaire endgültig aus

der Literaturgeschichte hinausgegrinst.

Nun gut, wenn man auch sagen muss,

dass die Metapher vom abgeschnittenen

Fuß doch ein wenig hinkt, so ist

der Bandscheibenvorfall, die Migräne

etc. doch sehr realitätsnah. Dieser ganze

Unfug ist als Kritik an den Lyrikern der

klassischen Moderne gedacht: Mallarmé,

Baudelaire, Georg Trakl…

…denn seit die Lyrik

„…Versmaß, Metrik und Strophenform aufgegeben

hat, hatscht sie dahin und kommt

kaum noch an ihr Publikum.“

Da ist es bei der jungen frischen Gomringer,

o ja, DIE Gomringer wie DIE Bachmann,

das kann man, nein, das muss

man sagen, sagt Franzobel, ja da ist es

schon viel besser, denn sie ist seit dem

Jahre 2006 eine

„…von allen, na ja, vielleicht nicht ganz

von allen, aber zumindest von den meisten

Zwängen, Konventionen und Erwartungshaltungen

befreite Dichterin, die seither,

und das zu Recht – bestaunt, bewundert

und beklatscht wird.“

Nun, Franzobel ist berühmt, da darf man

in Österreich nicht so genau hinschauen.

Versmaß, Metrik, Strophenform sind

wohl nur für die kranken Dichter hinderliche

Konventionen, Zwänge und Lesererwartungen…?

Was den Dichtern schadet,

die Befreiung nämlich von den Zwängen,

hilft bei der Gomringer so sehr, dass alle

sich freuen und klatschen. Bei der Gomringer

sieht Franzobel auch etwas „ganz

Eigenes“: Rhythmus und Melodie namentlich,

ja sogar „Gesang ohne Musik“.

Erfreulicherweise lässt uns der Franzobel

auch am ganz Eigenen der Gomringer

schnuppern, ausgerechnet an einem

Gedicht über den Nußbaumeder! Und

den „schätzen wir alle auch sehr“. Gut zu

wissen, finde ich. Der Gomringer gelingt

schließlich, worum sich alle, ja das steht

so in diesem Text, Dichter erfolglos bemühen:

Es ist dies die ungeheuer schwierige

„Poetisierung des Alltags“:

„Das Stück mit dem Gurkenflieger und den

Polen

Haben sie gar nicht verstanden

Aber gelobt haben sie den Nußbaumeder“

Welch eine Melodie! Welch ein Gesang!

(„Plötzlich sind da Rhythmus und Melodie,

ein, wie es immer heißt, Gesang ohne Musik…“)

Muss da nicht jeder dieser kranken

Dichter gleich aus dem „Rollstuhl“

(Franzobel) seiner kranken Lyrik wie

geheilt herausspringen und vor lauter

Freude tanzen? Ja wirklich: „Es ist alles

da“ (Franzobel). Aber der Franzobel

kennt halt den Vater der Gomringer und

der Professor gehört da auch irgendwie

zur Seilschaft und so kam es halt zum

Preis und dann zum Lobpreis.

Aber das mit dem Gurkenflieger und

den Polen habe ich auch durch das Gedicht

nicht verstanden. Aber wenigstens

habe ich niemanden gelobt, schon gar

nicht den Nussbaumeder oder gar den

Pumukl. Eines kann jetzt schon prognostiziert

werden: In der „Gomringer-

Epoche“ (Franzobel), die exakt seit 2006

angebrochen ist, werden die kranken

Dichter, ja sogar die toten Dichter, alle

ganz schnell gesund und knackig werden,

sie werden nämlich höllisch was zu

lachen haben und sich mörderisch darüber

freuen. Vorausgesetzt der Franzobel

wird hauptamtlicher Laudator. Denn:

Wer einen solchen Laudator hat, braucht

keinen Grabredner mehr.

Aber wie sich das nun auch immer mit

der ganzen Mischpoche verhält, mit dem

Professor Möbus, der Gomringer, ihrem

Vater Eugen, dem Hauptvertreter der

konkreten Poesie, ihrer Mutter Nortrud,

„der Wissenschaftlerin“ und der Claque,

zu der eben auch der Franzobel gehört,

der Text gibt doch Einblick in den Bewusstseinszustand

der heutigen Leser.

Denn was Franzobel an diesen Gedichten

der Gomringer so mag, ist dieses:

„Zugänglichkeit, Einfachheit und Witz

ihrer Gedichte machen Nora Gomringer

nicht nur zu einer würdigen Preisträgerin

sondern auch zu einer zeitgemäßen

Nachfolgerin dieses Großmeisters

der kleinen Form (ihres Vaters,

Anm.). Indem sie aus scheinbar

alltäglichen, banalen Sätzen

große Gedichte formt, gelingt

ihr möglicherweise das, was alle

Dichter wollen, aber selten nur

erreichen, eine Poetisierung des

Alltags.“

Alles an diesen Sätzen ist fragwürdig

und ist zugleich nur

allzu richtig. Zeitgemäß ist das,

was leicht konsumiert werden

kann. Aber was heißt hier „Alltag“?

Den Alltag poetisieren….

hat denn jeder denselben Alltag?

Hat der Lyriker denselben

Alltag wie ein Journalist? Den

Alltag poetisieren…das dürfte

schon aus dem Grunde nicht

von allen Dichtern gewünscht

werden, weil es einen „den“ Alltag

nicht gibt. Auch wenn Nora

12

Gomringer eine Dichterin sein mag –

ich maße mir hier kein Urteil an – eine

Lyrikerin im spezifischen Sinn kann

sie nicht sein. Sie schreibt Kurzprosa

in Versform, sie schreibt Epigramme,

aber keine Lyrik. Wenn dieses Wort einen

Sinn hat, dann unterscheidet es bestimmte

Texte von jenen anderen, die

man der Prosa zurechnet. Um aber das

lyrische Moment oder Motiv eines wie

auch immer formal aufgebauten Textes

nachvollziehen zu können, muss man

dieses Moment in sich selbst haben.

Das ist wie beim Musik hören: Man liebt

jene Musik, die man in sich selbst hat,

die man selbst auf eine wohl verwickelte

Weise ist. Es scheint Tatsache zu sein,

dass Lyrik im spezifischen Sinn kaum

mehr Leser findet, da diesen das lyrische

Moment völlig abgeht. Warum ist

das heute so und war noch vor hundert

und hundertfünfzig Jahren vollkommen

anders? Was ist es, das die Vorherrschaft

der Prosa begründet, auch in den heute

zeitgemäßen Gedichten, und scheinbar

in alle Zukunft festigt?

Zur Beantwortung dieser Frage bin ich

nicht vorbereitet. Ich kann nur einige

wenige Anhaltspunkte vorschlagen.

Es könnte wohl so etwas geben, und gibt

es in Teilbereichen auch innerhalb ästhetischer

Studien der Kunstgeschichte

schon lange, wie eine Geschichte der Erfahrung,

des Erfahrens, eine Geschichte

des Erlebens. Konkret könnte das heißen,

dass man eine Geschichte der

Angst, der Lust, der Langeweile schreiben

kann. Aber auch eine Geschichte

des Hörens, des Sehens, des Tastens,

ja sogar des Schwitzens. Aber wer wird

die Geschichte des lyrischen Erfahrens

schreiben? Das wäre so, als wollte man

eine Geschichte der Träume der Argonauten

schreiben.

Wenn es noch Lyriker gibt, dann sind allein

sie befähigt, das lyrische Moment zu

umgrenzen, einer Nachwelt noch in irgendeiner

Weise zugänglich zu machen.

Und es gibt sie.

Sollten sie leiden, dann wird ihr Leiden

rein sein.

2.5.2. Kreis, Dreieck, Rhombus,

Rechteck, Quadrat, Elipse und

Archiquant sind geometrische

Figuren. Der Archiquant ist

eine neue geometrische Figur.

2.5.3. Die Geometrie des

Archiquanten. Die Breite B ist

sein Radius R. Seine Tiefe T ist

der Goldenen Schnitt von B

oder R.

B=R

R

T


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 29

Wenn es Epochen gibt und wenn es

ein epochenspezifisches Erleben gibt,

so könnte man sich vorstellen, dass in

dieser Gegenwart das Erleben an einem

schon sehr flachen Streckenabschnitt

einer sich weiter verflachenden Sinus-

Cosinus-Kurve angekommen ist. Ich

meine damit, dass die Höhen und Tiefen

der Erfahrung jetzt kleinen Hügeln

und flachen Tälern gleichen. Die lyrische

Erfahrung ist aber exorbitant im wörtlichen

Verstande dieses Wortes und sie ist

in diesem Sinn exzentrisch. Es ist aber

so, als hätte das Erleben seinen Ort verloren,

als hätte man nicht genügend Resonanzraum

für das lyrische Moment,

nicht genug Stille, ja, nicht genug Leere,

nicht genug allein sein. Man hat sich

scheinbar endgültig dafür entschieden,

sich tagtäglich mit Musik, Fernsehen,

Internet vollzustopfen, so dass weder

Zeit noch Raum bleibt. Die allmähliche

Wandlung des Raumes in eine Fläche

und die entsprechende Veränderung der

Zeit zu einem Taktstock, der den Rhythmus

auf dieser Fläche schlägt, gibt das

Paradigma auch der Sprache, die heute

gehört werden kann.

Exorbitante Erfahrung setzt allerdings

den Mut zu exorbitanter Sprache voraus,

ohne das frühzeitige Schielen auf Publikum,

die bürgerliche Karriere und diesen

ganzen Dunstkreis.

Es gibt einen Mythos der Lyrik. Er spricht

vom Höchsten und vom Tiefsten und

den Wegen, die beide verbinden. O Gott,

Meine Rede am tiefen Grab der Lyrik beginnt

bei Hermes, dem Gott der Diebe,

der Sprache und der Brücken. Von diesem

Gott leiten sich sowohl die Hermetik

als auch die Hermeneutik ab. Man

könnte sagen, das sind seine Grabbeigaben.

Im Falle der Griechischen Mythologie

ist es besser, darin nicht unterrichtet

worden zu sein. Es ist besser, diese Welt

barfuss zu betreten. Etwas, das sich die

Gomringer laut Franzobel so oder so erspart

hat. Aber wer weiß, vielleicht würde

ihr diese Geschichte gefallen.

Wenn

Sie

jetzt

2.5.4. Der Archiquant läßt sich mit

Zirkel und Lineal konstruieren.

2.5.5. Die Konstruktion des

Archiquanten.

m

K5

K3

C

S4

S1

G

A

K1

S6

S2

Für eine gegebene Strecke AB.

auf der Grundlinie m:

Konstruiere

Kreis K1 mit Mittelpunkt A und

Radius AB.

S

M1

S5

S8

B

K2

K4

S3

NÄCHTLICHE HEIMKEHR - THERE IS NO PLACE LIKE HOME (Nach Franz Sedlacek „Nächtliche

Heimkehr“), 155 x 190, 2008.

homepage: www.zeindl.net

gegoogelt haben, so wissen sie, dass

Hermes seinem Halbbruder Apollon die

Lyra geschenkt hat, allerdings nachdem

er ihm zuvor eine Rinderherde gestohlen

hatte. Die Lyra hatte Hermes selbst

erfunden. Apollon schenkte sie schließlich

dem Orpheus. Und der spielte darauf

unerhörte Lieder. Dieser orphische

Gesang bekam seine heutige, melancholische

Bedeutung allerdings erst dadurch,

dass Euridike starb. Orpheus, der

Sänger, war berühmt dafür, dass er sogar

die Steine zum Weinen brachte. Nun

aber, nachdem Euridike, seine Frau, gestorben

war, trat er eine Reise in die Unterwelt

an. Dort sang er dem Hades seine

Lieder. Und tatsächlich, Hades gab Euridike

vom Tod frei. Allerdings nur unter

einer Bedingung: Orpheus durfte

sich auf dem Weg nach oben

13

Die Konstruktion des Archiquant

für eine gegebene Strecke AB auf der Grundlinie m:

nicht nach Euridike umsehen.

Also gingen sie los. Orpheus

hörte aber die Schritte Euridikes

hinter ihm plötzlich nicht

mehr. In Sorge drehte er sich

um und alles war vorbei. Euridike

blieb in der Unterwelt gefangen.

Seither ist die Lyrik das

traurige Lied, sagt das eigene

Versagen genauso, wie die

Wiederauferstehung aus dem

Tode. Der Orpheus-Mythos

wird manchmal als der Quell

des Jesus-Mythos angesehen.

- konstruiere

Kreis K1 mit Mittelpunkt A und Radius AB

Kreis K2 mit Mittelpunkt B und Radius AB

* K1 schneidet K2 in M1

* K1 schneidet m in C.

Kreis K3 mit Mittelpunkt C und Radius AB

* K3 schneidet K1 in S1

Linie durch S1 und B schneidet K2 in S2 und S3

Kreis K4 mit Mittelpunkt M1 und Radius M1S3

* K4 schneidet AC im goldenen Schnitt G

* K4 schneidet K1 in S4 und S5

Kreis K5 mit Mittelpunkt G und Radius AB

Linie durch S2 und S5 schneidet K5 in S6

Linie durch S3 und S4 schneidet K5 in S7 und K1 in S8

- erhalte Archiquant S5 S6 S7 S8

- verbinde K5-Segment S6S7 mit K1-Segment S5S8

Passion

Wenn Orpheus silbern die Laute

rührt,

beklagend ein Totes im Abendgarten,

Wer bist du Ruhendes unter hohen

Bäumen?

Es rauscht die Klage das herbstliche Rohr,

Der blaue Teich,

Hinsterbend unter grünen Bäumen

Und folgend dem Schatten der Schwester;

Dunkle Liebe

Eines wilden Geschlechts,

Dem auf goldenen Rädern der Tag davonrauscht,

Stille Nacht

(Georg

Trakl)

Diese Laute heißt Lyra und sie hat die

Macht, lebendig zu machen, aber sie

hat keine Macht, ihre eigene Sorge und

Angst zu kontrollieren, so bringt sie den

Tod hervor. Das nenne ich Lyrik. Aus diesem

Widerspruch entsteht ihre Schönheit.

Warum blickt Orpheus zurück? Einerseits

aus einem Zuviel, andererseits

aus einem Zuwenig: Seine Liebe zu Euridike

ist so groß, dass er in die Unterwelt

steigt, sie ist so groß, dass sie den

Tod verwandelt und sie ist so groß, dass

sie eine noch größere, unkrontrollierbare

Angst und Sorge erzeugt, die sein

Vertrauen in den Prozess erschüttert: Er

blickt zurück, um sich zu vergewissern

und beleidigt damit den Gott, der seine

Entscheidung nur einmal trifft. Diese

Selbstvergewisserung könnte man als

Mangel an Vertrauen sehen, als Schwäche,

die Orpheus in dem Augenblick

überwältigt, als es darum geht, das vergangene

Moment des Sieges blind festzuhalten.

Orpheus ist zu seinem eigenen

Schaden kein Optimist. Er möchte das

einmalige Moment der Gewissheit wiederholen

und verliert alles. Er möchte sehen

anstatt zu vertrauen. Eine Tragödie,

eine theatralische Inszenierung: Was besagt

das für die faktische Lyrik beispielsweise

eines Trakl? Oder eines Hölderlin?

Diese Frage würde hier zu weit führen,

dennoch glaube ich, dass der Mythos als

Interpretationsschema mit bestimmten

Lyriken konfrontiert, zu interessanten

Einblicken führen könnte. Man könnte

fragen, ob und inwiefern „exorbitanter“

Lyrik ihr eigenes Scheitern bereits

eingeschrieben ist. Oder ist es ihr vorgeschrieben?

Als unsichtbare Schrift vor

der Schrift, die dieser die Bahn vor-gibt?

Man könnte fragen, ob und inwiefern die

große Kraft der exorbitanten Sprache in

ihrem innern gegen sich selbst arbeitet:

Indem nämlich diese große Kraft unsichtbar

bleibt und insofern blindes Vertrauen

erfordern würde, überfordert sie

den schwachen Menschen, der an diese

exorbitante Größe nicht glauben kann.

Möglicherweise ist die Lyrik zu groß für

uns. Möglicherweise können wir nicht

glauben, dass die exorbitante Sprache alles

Tote zum Leben erweckt. Das Schöne,

schreibt Rainer Maria Rilke pessimistisch,

ist nur des Schrecklichen Anfang.

Und so bekommen wir nur, was wir verdienen.

Den Nußbaumeder haben sie gelobt

Wegen seiner bayrischen Dramatik und

Dem Wie-Franz-Xaver-Kroetz-Sein

Pumukl, Franzobel, Prof. Möbus und

wie sie alle heißen: Lyrik ist das nicht.

Es mag alles andere sein, ein Gedicht,

ja, aber keine Lyrik bitte. Solche Unterschiede

im Wort werden vermutlich

in der Gomringer-Epoche (Franzobel)

keine Rolle spielen, ist doch gerade d i e

s e Indifferenz stilbildend für sie und ihr

Selbstverständnis.

Alexander Schießling


30 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

60 Jahre

Thomas Kiang

Ein langjähriger Beitrag zur Berreicherung

der Österreichischen Kultur

Geburtstagsfeier in der Rotgasse.

KIANG Rotgasse • Rotgasse 8 • 1010 Wien

Tel.: 01/533 08 56

Öffnungszeiten: Küche Mo-Sa 11:30 - 15:00 und 18:00 - 23:00

Catharine Kiang

Tomas Kiang vibriert

im Gewühle der Gefühle

Kreis K2 mit Mittelpunkt B und

Radius AB.

* K1 schneidet K2 in M1.

* K1 schneidet m in C.

Kreis K3 mit Mittelpunkt C und

Radius AB.

* K3 schneidet K1 in S1.

Linie durch S1 und B schneidet

K2 in S2 und S3.

Kreis K4 mit Mittelpunkt M1

und Radius M1S3.

* K4 schneidet AC im goldenen

Schnitt G.

* K4 schneidet K1 in S4 und S5

Kreis K5 mit Mittelpunkt G und

Radius AB.

Linie durch S2 und S5

schneidet K5 in S6.

14


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 31

Von Anfang an, bereits vor 20 Jahren wurde mit dem Lokal in der Rotgasse der Geschmacksbegriff auch auf Gestaltung

und Präsentation bezogen: Die Architektur ist wesentliches Transportmittel für Philosophie und Atmosphäre.

So wie die Küche neue Geschmackssensationen kreiert, die auf traditioneller Erfahrung gründen und zugleich

die Neugierde unserer Zeit befriedigen, vermittelt in allen KIANG Lokalen zeitgenössische Formensprache

eine Stimmung, die besonders auch Menschen anspricht, die im weitesten Sinn aktuelle Kreativarbeit leisten.

Besonders erfolgreich ist das Engagement von Helmut Richter, der nicht nur 1985 das Lokal im ersten Bezirk gestaltete,

und damit das erste moderne Asia-Restaurant der Stadt schuf, sondern für die offene Glas-Architektur

des Lokals am Rochusmarkt im dritten Bezirk 1998 mit dem Loos-Preis ausgezeichnet wurde. Der Annex des Lokals

in der Rotgasse, um die Ecke am Fleischmarkt, machte unter dem Namen K2 in der Einrichtung des jungen

Architektenteams artec mit seiner Kuhfell-Bar Furore, bevor es zwei Jahre später als Sushi-Bar den Reigen jener

so erfolgreichen japanischen Gastronomie in Wien eröffnete. Nun wird es als TAKE A KIANG neugestaltet wiedereröffnet.

Gratulazzzione

Danke Thomas!!! Heidulf

Linie durch S3 und S4

schneidet K5 in S7 und K1

in S8.

Erhalte Archiquant S5 S6 S7 S8.

Verbinde K5-Segment S6S7

mit K1-Segment S5S8.

(Hofstetter Kurt)

2.5.6. Der Archiquant ist eine

Metastruktur.

2.5.7. Der Archiquant ist der rechte

Winkel des 21. Jahrhunderts.

2.5.8. Der Archiquant ist das

Konzentrat des Modulors.

2.5.9. Der Archiquant ist ein

Handwerkszeug und ein

Geisteswesen.

15


32 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Kunst, Spaß, Terror. Unser Freundamigo Patrick Luxi

2.5.10. Der Archiquant ist ein

Architekturteilchen.

2.6. Im Materialisieren von

Proportionen gibt es Kurven

und Geraden.

2.6.1. Das Bauhaus hat sich vor allem

auf die Gerade verlassen.

2.6.2. Der Archiquant verbindet

Kurven und Geraden.

2.6.3. So beinhaltet auch die

grafische Darstellung

des Archiquanten zwei

unterschiedliche visuelle

Lesarten. Die eine erscheint

als Archiquant, die andere als

gebogene Fläche.

aus der serie „it is what it is“ (2012)

www.ameliezadeh.com

16


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 33

Unser schönster Freundamigo Marko gratuliert

Karin Sommer zu Ihrem Dr.-Titel

Archiquant

Gebogene Fläche

2.6.4. Weder Kurven noch Geraden

zu priorisieren ist maßvoll.

2.6.5. Das ‚Mittelmaß’ bedeutet,

weder Kurven noch Geraden

zu priorisieren.

2.6.6. Der Archiquant repräsentiert

das Mittelmaß.

17

Foto powerd by Dr. Karin Sommer


B=R

R

T

34 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Der der nicht ein bischen stört ist

kein Mensch

3. Die Architektur transformiert.

3.1. Architektur hat die Aufgabe,

Zeit in Raum umzuwandeln.

3.1.1. Der Aufbau des Raumes ist die

Begrenzung des Raumes.

3.1.2. Im Raum wirken Maß und

Proportion.

3.1.3. Wer mit der Fläche nicht

arbeiten und umgehen kann,

der kann auch mit dem Raum

nicht arbeiten und umgehen.

3.1.4. Jeder Strich ist ein Satz.

3.1.5. Wer nicht zeichnen kann ist

verdächtig.’ (Michelangelo)

3.1.6. Der Strich

ist ein Satz.

18

A B C D E F G H

I J K L M N O P Q

G NG

R S T U V W X Y Z


2

Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 35

Magisch virtuelles Familientreffen in

Banja Luca, in Bosnien-Herzegowina

Terrorismusgalerie am 15 Juni 2012.

3.2. Der Architekt begrenzt und

öffnet.

3.2.1. Die 1, 2, 3 Räume sind drei

Flächen.

3.2.2. Der Raum ist durch Flächen

begrenzbar.

3.2.3. Mit drei Flächen ist der Raum

bereits begrenzt.

3.2.4. Gleichzeitig lassen die 1, 2, 3

Räume sehr viel Spielraum.

1

3

N

W

O

S

R RNGRO GERNGROSS GERNGROSS GERNGROSS

19


36 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Reinhold Kirchmayr, 2012

3.2.5. Spielraum und Freiheitsgrad.

Der Spielraum ist Freiraum.

3.3. Die Form hat geistige und

materielle Funktionen.

3.3.1. Die Form ist die Möglichkeit

der Struktur. (Wittgenstein)

3.3.2. Die Struktur beinhaltet

die Möglichkeiten

unterschiedlicher Formen.

3.3.3. Die Philosophie ordnet

Geistiges, die Architektur

ordnet Materielles.

20


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 37

Leibesübungen – Gymnastik

3.4. Der architektonische Raum.

Der Gerngrossraum.

3.4.1. Man wird den Raum durch

Licht und Farbe messen

können. (Kandinsky)

3.4.2. Der Gerngrossraum.

Der Betrachter steht in der

Bildebene und hat fünf Ebenen

vor sich und fünf Ebenen

hinter sich. Er baut und schaut

sich seinen Raum.

21

Leibesübungen – Shiatsu


38 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Immanuel Moser

geboren 1973 in Wien studierte bei Franz Graf und Daniel Richter an der Akademie für

bildende Kunst in Wien.

In seiner Kunst versucht er die Grenzen zwischen psychedelic art und gegenständlichem

Graphic Design auszuloten, dazu benutzt er digitale Projektionen, welche diese ephemeren,

extrem vergänglichen Bilder unserer Gesellschaft zeigen, um derart diese, mittels

des Mediums der Ölmalerei, in haltbare, auch für zukünftige Generationen lesbare

Werke zu verwandeln.

Er greift dabei auch die Frage zwischen tribal/geometrical Art bzw Art brut und traditionell-akademischem

Kunstbegriff auf, indem er sie zu Gegenständen seiner Formensprache

erhebt, dies ist insbesondere in seiner Serie „Lulu“ in welcher er die Oper Alban

Bergs verarbeitete, erkennbar.

Des weiteren sind ebenfalls Elemente abstrakter Kunst sowie des phantastischen Realismus

ein wichtiger Bestandteil seiner künstlerischen Formalisierung, so lassen sich Parallelen

ziehen hin zu einem informellen Vokabular von Techniken für seine individuelle

künstlerische Konzeption

Sein Leben ist, ebenso wie seine Kunst nicht nur in einem bestimmten Genre beheimatet,

so lebte er schon beispielsweise als Kind in Waco-Texas-USA und versuchte 1993

mit seiner Band in Los Angeles Fuss zu fassen, von wo er 1994 wieder nach Österreich

zurückgekehrt, den Plan fasste, seine Tattoo und Bleistiftzeichnungen in die Richtung

grossformatiger Arbeiten zu entwickeln.

Ein Jahr am Schiff, das Reisen und Kennenlernen neuer Kulturen, sowie die stete Auseinandersetzung

mit den Eindrücken dieser dadurch einstürmenden Bilderwelt führten

2003 zu einem Studium bei Franz Graf, welches 2011 bei Daniel Richter abgeschlossen

wurde.

So lässt sich abschliessend sagen, dass sich in seiner Kunst als einzige Konstante die

stete Veränderung erkennen lässt, ein buntes Multiversum in das uns durch die grossformatigen

Werke ein Einblick gestattet wird.

Dr.Phil.Mag.Art Marcus Hafner

Kontakt: immanuel.moser@gmail.com

BIWI

3.4.3. Der Gerngrossraum verbindet

Malerei und Architektur.

3.5. Die postsupprematistischen

Datenblätter sind Aktionsblätter.

3.5.1. Ein Aktionsblatt geht über die

reine Geometrie hinaus.

3.5.2. Das Aktionsblatt beinhaltet eine

interräumliche Durchdringung

der Seite.

3.5.3. Die Durchdringung von Vorderund

Rückseite macht die Aktion.

3.5.4. Die Umstülpung ist eine

Überraschung.

3.5.5. Die Datenbätter sind

seismographische

Aufzeichnungen.

22


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 39

seit 25 jahren steht im kunstschaffen hans biwi lechners das gemeinsame des menschens im mittelpunkt. geburt,

die frage nach dem sinn des lebens, dem tod macht hbl zum thema seiner diversen kunstprojekte „siehe

ww.getstoned.cc“.

3.5.6. Im Punkt ist immer noch

etwas offen.

3.6. Die Überwindung der

Zeit ist ein Anliegen der

Raumarchitektur.

3.6.1. Der Punkt ist ein Kontinuum.

3.6.2. Es gibt nur jetzt.

3.6.3. Die gesamte Geschichte ist

Gegenwart.

3.6.4. Die Zeit ist Verschwendung.

Die Zeit ist zumindest

Zeitverschwendung.

3.6.5. Die ganze Zeit ist eine

Verschwendung.

3.6.6. Der Raumgenuß ist keine

Verschwendung.

seit mitte der 80er jahre beschäftigt er sich mit dem thema zeit. es gelang ihm, eine eigene

formensprache zu entwickeln, mit der er in der lage ist, jedem moment eine eigene

form zu geben. er nennt sie TIME FORMS. unter dem motto, jedem moment seine eigene

form. keine form gleicht der anderen, es sind unendlich viele variationen möglich.

„ich bin in der lage, momente tanzen zu lassen und nenne meine serien WIENER WAL-

ZER. jeder kann bei mir seine eigene zeitform erwerben zum bespiel zu seinem geburtstag,

hochzeitstag, trauertag, jubeltag usw. er erwirbt seine persönliche form, wenn man

will sein persönliches logo und kann darüber verfügen, beispielsweise businesscards,

firmenlogos, persönlichen stempel. die arbeiten sind urheberrechtlich geschützt, mir ist

es auch wichtig, dass jeder sich das leisten kann, somit verlange ich 99.99 dafür.“

23


40 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

I

C

N

M

intermediate national contact meeting

vienna 2012

Im Rahmen des studentischen EASA-Netzwerks

findet von 26. Oktober bis 4. November die

Architekturkonferenz INCM2012 statt, zu der 150

Gäste aus allen europäischen Ländern erwartet

werden. Die internationalen Gäste werden eine

Woche lange an Diskussionen und Präsentationen

teilnehmen und sollen am 29.10. im Architekturzentrum

Wien auf VertreterInnen der

Wiener Architekturszene treffen.

150 Architekturstudierende

91 kmExkursionen

83 Liter Gin Tonic

22 Vorträge

7 Locations

5 DJs

1 Woche

INCM

wi

3.6.7. Es gibt kein Alter. Es gibt immer

nur Neues.

3.6.8. Auch das Alter ist etwas Neues.

3.6.9. Die Geburt des Alters.

3.6.10. Das ganze Leben ist eine Geburt.

3.7. Die Zukunft ist virtuell. Die

Zukunft ist symbolisch.

3.7.1. Alle Religionen sind virtuell.

Alle Religionen sind symbolisch.

(Sergej Volgin)

3.7.2. Die Virtualität kreiert die Praxis

der Religionen, von der stillen

Einkehr bis zum Mord des

anderen.

3.7.3. Mythen und Göttergeschichten

sind virtuell.

24


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 41

r

3.7.4. Von einem angenehmen Raum

in den anderen.

3.7.5. Ein Altar im Raum macht ihn

zur Kirche.

3.7.6. Ein Altar für die

Rechristianisierung der

Neanderthaler.

3.8. Die ästhetische Organisation

ist das Unaussprechliche.

(Helmut Richter)

3.8.1. Die ästhetische Organisation

bringt das architektonische

Werk zum Blühen und Bleiben.

3.8.2. Baustellen sind die Blüten der

Stadt.

25


42 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion KUN

Michael Gumhold

3.8.3. Helmut Richter hat mir

Le Corbusier, Popper und

Wittgenstein näher gebracht.

Philosophen, Falsifikatoren

und Formulatoren.

3.8.4. Die Logik der Forschung.

(Popper) Die Logik des Lebens.

3.8.5. Wo die Informatik des

Konstruierens aufhört, beginnt

die ästhetische Organisation.

3.8.6. Die Informatik ist die

Fortführung der Logik mit

anderen Mitteln. (Georg

Gottlob)

3.8.7. Die ästhethische

Organisation ist Teil der

Verdauungsphilosophie.

26


ST

Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 43

Michael Gumhold

sculpture.group@chello.at

1978 * born in Graz, Austria, lives and works in Vienna

1998 – 2000 Masterclass for Sculpture, School for Art and Design, Graz

2000 – 2005 Academy of fine Arts, Vienna

2002 Artist in residence-program 02, Bregenz, Austria

2004 Contemporary Art Award of the city council of Graz, Austria

2005 Graduated with B.A. Honores and Master of Art, Academy of fine Arts,

Vienna

2006 Federal Chancellery of Austria Scholarship Chicago

Harold Residency Program, Chesterhill, Ohio

2007 Artist in residence, Banja Luka, BiH

2010 Federal Chancellery of Austria Scholarship Tokyo

Soloexhibitions:

2012 Michael Gumhold, [: Rehearsal : Room #20 :], Georg Kargl Box, Vienna

2010 Michael Gumhold, Ve.Sch, Vienna

Michael Gumhold feat. The Sculpture Group°, Galerie West, Den Haag, (NL)

2009 SPARTACUS, Austrian Cultural Forum, London

The : Complete : Rehearsal : Room : Recordings, Georg Kargl Fine Arts, Vienna

2008 Stockhausen Permanent, Georg Kargl Permanent, with wienmodern, Vienna

Ampetamin, KHG Galerie, Graz (with Christian Eisenberger)

2007 “watch your language, (part 2)”, Studio der Neuen Galerie am Landesmuseum

Joanneum, Graz

“watch your language, (part 1)”, Thomas K. Lang Gallery, Webster University,

Vienna

2006 “-273,15° Celsius”, Gallery POLVO, Chicago

2005 gumhold/schulz in bild und ton, Laden für Nichts, Leipzig (with Tina Schulz)

“play re play“, dreizehnzwei, Vienna (with Nikola Hansalik) Katalog

“by memory/collected/point of view”, Akademie der bildenden Künste, Vienna

2004 “...nach Marcel Breuer.”, Form Re Form, Graz

“broken hearts are for assholes”, Ausstellungsraum , Vienna

DISORDER, Galerie Centrum, steirischer herbst 04, Graz

2003 SKETCHFORASEAPIECE, Stadtgalerie Kiel, Prima Kunst, Kiel (D)

“irony is a dead scene, avec...”, Akademie der bildenden Künste, Vienna

2002 THERE IS NO OTHER REASON, Projektraum Viktor Bucher, Vienna

Vitrine der Generali Foundation Wien, Generali Foundation, Karlsplatzpassage,

Vienna

2001 INTERPRETIERENVERBOTEN!!, Cultur Centrum Wolkenstein, Galerie 2000,

Stainach

AUSSTELLUNGSRAUM, FormRe Form, Graz

2000 PROBLEMSTOFF KUNST, Galerie L 24, Graz

“Joseph Beuys ist sehr interessiert an zeitgenössischer Kunst”, Atelier 96, Vienna

1998 Exemplarisches aus Graz/West, im Harrach, Graz

Groupshows / Projects (Selection):

2012 Jenseits des Sehens, Museum Benediktinerstift Admont, Admont

ART et bicyclette, Espace de l’Art Concret, Mouans-Sartoux

ARTISTS MERCHANDISING ART, 8. Salon, Hamburg

ARTISTS MERCHANDISING ART, La Guillotine / Atelier Reflexe, Paris

Antidepressiva, Clubschiff Johann Strauss, Vienna

Skulpturengarten, Kunst im öffentlichen Raum, summerstage, Vienna

ARTISTS MERCHANDISING ART, What The Shop, Vienna

ARTISTS MERCHANDISING ART, Wonderloch Kellerland, Los Angeles

ARTISTS MERCHANDISING ART, Wonderloch Kellerland, Berlin

2011 Drawing 2011, The Drawing Room, London

Frieze, Georg Kargl Fine Arts, London

_möbeln:, Rauminhalt, Wien

Aquarellhappening, Tux, Tirol

ENCORE, Lust Gallery, coded cultures festival,

Vienna

open art, Kunst im öffentlichen Raum,

3.8.8. Zur ästhetischen Organisation

trägt der Bauch entscheidend

bei. (Christian Denker)

3.8.9. Man sagt, die Architektur sei

keine Wissenschaft. Das ist ein

Fehler.

3.9. Alles ist Architektur. (Hans

Hollein)

3.9.1. Architektur ist nicht das Leben.

Architektur ist Hintergrund.

Alles andere ist nicht

Architektur. (Hermann Czech)

3.9.2. Die Arbeit in der Architektur ist

eigentlich mehr eine Arbeit an

Einem selbst. (Wittgenstein)

3.9.3. Die Architektur ist eine Geste.

(Wittgenstein)

27

summerstage, Vienna

Eisenberger, Gumhold, Karner, Ruhry,

Gerberhaus, Fehring

viennafair, Georg Kargl Fine Arts,

Vienna

2011 Music, Kunstraum D21,

Leipzig, wallpaperism, Motel

Campo, Genf

2010 licht licht licht, nextAndrä,

Graz

Happy Hour, fluc, Praterstern,

Vienna

Artforum, Georg Kargl Fine

Arts, Berlin

ohne gnade, Kunst abseits

vom Netz, Museum für

Quellenkultur, St. Paul,

Austria

ohne gnade, Kunst abseits

vom Netz, Galerie Lisi

Hämmerle, Bregenz

armory show, Georg Kargl

Fine Arts, New York

UPON ARRIVAL. SPATIAL

EXPLORATIONS, Malta

Contemporary Art, Valletta,

Malta

Arco, Georg Kargl Fine Arts,

Madrid

2009 Art Foundation Mallorca Collection, CCA Kunsthalle, Mallorca

Artforum, Georg Kargl Fine Arts, Berlin

Text Bild MMIX, steirischer herbst, Graz

Frieze, Georg Kargl Fine Arts, LondonArtforum, Georg Kargl Fine Arts, Berlin

“selected: 10 years of , < rotor >, association for contemporary art, Graz

“a gap between two houses”, Nha San Duc Studio, Hanoi, Vietnam

Art Basel 40, Georg Kargl Fine Arts, Basel

fullframe, Volksgartenpavillion, Graz

FEEDBACKSTAGE, Kunsthaus Mürz, Mürzzuschlag

rewind / fast forward, Neue Galerie Graz, Graz

“dreams that money can`t buy”, Westwerk, Hamburg

armory show, Georg Kargl Fine Arts, New York

FEEDBACKSTAGE, Galerie Thomas Schulte, Berlin

Arco, Georg Kargl Fine Arts, Madrid

FEEDBACKSTAGE, Georg Kargl Fine Arts, Wien

Another tomorrow, Slought Foundation, Philadelphia, PA

Just one thing after another, Galerie artepari, Graz

2008 Urban Signs, Kunst im öffentlichen Raum, fluc, Praterstern, Wien

Beauty Island, fenster c, Wien

Artforum 08, Georg Kargl Fine Arts, Berlin

Bild - Macht - Wissen, Galerie 5020, Salzburg

Art Basel 39, Georg Kargl Fine Arts, Basel

armory show, Georg Kargl Fine Arts, New York

2007 Arco, Georg Kargl Fine Arts, Madrid

Artforum 07, Georg Kargl Fine Arts, Berlin

“showroom 6”, in collaboration with vienna, Riga, Lettland

“Art collected & Made for Admont”, Museum für Gegenwartskunst, Stift Admont

“dc duesseldorf contemporary”, Düsseldorf

“umPolen”, freiraum, Quartier 21, muqua, Vienna

THIS IS HAPPENING, Georg Kargl Fine Arts, Vienna

“recent acquisitions”, Heavengallery, Chicago

2006 “Aqua Art Miami”, Bucket Rider Gallery, Miami

“someones out there”, The Dank House Museum: Raw Space Gallery, Chicago

“HAROLD presents...”, Heavengallery, Chicago

“Nairobi Retour”, Kunsthalle Wien, projectspace, Wien

“Lumpenthology”, Manifest Arts, Chicago

“Eisenberger, dies ist doch kein Porno”, Galerie Lisi Hämmerle

„SOCIETE DES NATIONS factice et scindée en elle-meme“, Circuit, Lausanne

“Artsessions-Videoscreening“, Kunsthalle Wien, projectspace_viennAfair, Wien

“Economy Class”, Österreichische Botschaft/Alliance Francaise de Nairobi, Nairobi,

Kenya

“VISTA POINT“, Kunstverein Medienturm, Graz

2005 “Neuerwerbungen für die Sammlung 2005”, Neue Galerie Graz, Graz

“S/W”, Forum Stadtpark, Graz, (Katalog/Künstlerbuch)

“gosh! where are you, now?”, Ausstellungsraum im Rahmen der viennAfair

“integrator/inn/en”, kunst.wirt.schaft., Graz

“522 m3”, Künstlerbuchpräsentation im Ausstellungsraum 522 m3, Wien

2004 “/f/”, Akademie der bildenden Künste, Wien

“give me your number”, Künstlerhaus, Graz

“Ankäufe der Freunde der Akademie der bildenden Künste”, Kupferstichkabinett,

Wien

“Book + Portfolio”, Bétonsalon, Ecole des Beaux Arts de Paris, Paris

“Konstruktivistisches usw...”, Ausstellungsraum 522 m3, Wien (Künstlerbuch)

2003 EXGRAZ, Minoritengalerie-Kulturzentrum bei den Minoriten, Graz,

aktuelle kunst in graz

2 ebenda, Akademie der bildenden Künste, Wien

Interferenze(n), Kunstverein Bozen, Galerie Prisma, Bozen, (Katalog)

OPEN:END, Akademie der bildenden Künste, Wien

frisch saftig steirisch, Galerie Eugen Lendl_Graz, Kunstforum Hallein, Hallein

VIDEO-compilation 2:, Akademie der bildenden Künste, München

“summa summarum”, Benediktinerstift St. Lambrecht

“synthetic pleasures”, dreizehnzwei, Wien (Katalog)

K.O. Zobernig, Ausstellungsraum , Wien

A3, Akademie der bildenden Künste, Wien

2002 Oh, it´s a curator!, , association for contemporary art, Graz, (Katalog)

MANIFESTA 4 / in: the research room., Frankfurt am Main (D)

Graz-intern, Forum Stadtpark, Graz

VIDEO-compilation 1:, Akademie der bildenden Künste, München

“raum #10 / museum_”, Akademie der bildenden Künste, Wien,

(mit Lone Haugaard Madsen)

kunst wien 02, MAK, Galerie Christine König, Wien

K.U.L.M.ination 1, steirischer herbst 02, Graz, Pischelsdorf

K.U.L.M.ination 2, Kunsthalle Exnergasse, Wien (Katalog)

“Autriche Art Archives”, Kunstverein En Cours, Paris; ERBAN,Nantes

2001 “Eine Vitrine ist eine Vitrine ist eine Vitrine...usw.”, Marienmühle, Graz

VIDEO ETCETERA, Künstlerhaus, Wien

Soho in Ottakring, Wien

“Liebe Grüße aus Graz.”, Postkartenedition mit G.R.A.M., Graz

“Ich Tarzan - Du Felix Austria?”, Galerie Christine König, Wien

4 Positionen, Galerie Eugen Lendl bei Mayreder, Graz

2000 “Ich bin privat derselbe wie hier im Museum.”, Performance, Karl-Franzens

Universität, Graz

“Ich mache mir soeben einen Namen.”, Plakataktionen in: Basel, Bern, Schaffhausen,

Winterthur, Zürich

PIECES, Kunstpreisausstellung, Achensee, Tirol

(12 x 21), Stift Melk, Nö

“Artists survival training”, Kunstverein Artophobia, Graz

K.U.L.M. continues, steirischer herbst 00, Graz (Katalog)

*........,lebt oder arbeitet in Graz., , association for contemporary art,

Graz (Katalog)


44 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Bibliography:

2000 Wenzel Mracek, “Der Kampf um die Gunst”, in:

2000, association for contemporary art, Graz,

Hrsg./Ed., , bei edition selene, Wien

2001 Werner Fenz, “Verzeichnis der Additionen”, in:

LICHTUNGEN Nr. 88/XXII. Jg./2001, Hrsg./Ed.,

Markus Jaroschka für Literaturkreis Lichtungen bei

URANIA, Graz

2003 Daniel Richter, El Chico fritto, “2 Blätter=4 Seiten”, in:

Wir wollen alle werden.,

Hrsg./Ed., Akademie der bildenden Künste Wien, Wien

David Komary, Ulrike Sladek, “synthetic pleasures/

VISUAL AWARENESS” in: synthetic pleasures,

(Katalog), Hrsg./Ed., Galerie dreizehnzwei, Wien

2005 David Komary, “Transkodierungen”, in: “S/W”, Forum

Stadtpark, KünstlerInnenbuch, Graz_Wien

David Komary, Federica Romanini, „play re play / Die

Sehnsucht der Fliege im Glas“,

in: play re play, (Katalog) Hrsg./Ed., Galerie

dreizehnzwei, Wien

Diplomarbeiten 04/05, (Katalog) Hrsg./Ed., Akademie

der bildenden Künste Wien, Wien

M. Gumhold, Kadavergehorsam, in: “Circuit-die

zeitschrift”, Lausanne

2007 Fiona Liewehr, “This is happening-Versuch einer

ideellen Konstruktion”

Günther Holler-Schuster, “You can`t do that on stage

anymore - aber im Kunstraum.

Michael Gumholds Rehearsal : Rooms”, in: This is

happening, Hrsg./Ed., Georg Kargl Fine Arts, Wien

2008 David Komary, “Transcodings”; Günther Holler-

Schuster, “It`s not only Rock`n`Roll” in: Michael

Gumhold, YOU CAN`T DO THAT ON STAGE

ANYMORE (Sampler), Hrsg./Ed., G. Holler-Schuster

für die Gesellschaft der Freunde der Neuen Galerie,

Graz

2009 Michael Gumhold, in: Parnass, Heft 1/2009,

29. Jg., p. 164

Günther Holler-Schuster: “Cut `n` Mix - Michael

Gumholds visueller Nachhall des Akustischen”

in: Parnass, Heft 2/2009, 29. Jg., p. 96 – 100

Michael Gumhold, in: REWIND / FAST FORWARD,

Die Videosammlung – Neue Galerie Graz am

Landesmuseum Joanneum, p. 105

Christian Bretter, “Steirische Knöpferlharmonika und

Heavy Metal”, in: DATUM, 5/09, p. 78 – 83

Mark Rappolt, “Art Pilgrimage – Vienna” in: Art

Review, Issue 32, p. 86 – 95

MICHA EL, Rehearsal : Room #17, Hrsg./Ed., Michael

Gumhold & Black Pages

2010 Michael Gumhold, in: Flash Art no. 273, July-

September 2010 – Focus Austria

Michael Gumhold, in: UPON ARRIVAL, Spatial

Explorations, p. 44–45, Katalog,

Hrsg./Ed., Katharina Bantleon/Margit Neuhold für

Malta, Contemporary Art, MCA

2011 Daghild Bartels: Gratwanderung Kunst/Design in:

Parnass, Heft 2/2011, 31. Jg., p. 69

Mark Rappolt about Michael Gumhold, in: Art Review,

Issue 50, p. 88 - 90

Michael Gumhold

Courtesy Georg Kargl Fine Arts, Vienna, Fotos: Matthias Bildstein

3.9.4. Die Architektur ist keine

Dienstleistung sondern ein

Liebesdienst. (Anna

Popelka)

3.9.5. Architektur ist Modulation der

Muskelspannung. (Elisabeth

von Samsonow)

3.9.6. Die Architektur soll sich dem

weiblichen Körper anpassen.

(Wladimir Tolstoj)

3.9.7. Architektur muss brennen.

(Wolf Prix, Swiczinsky, Michael

Holzer)

3.9.8. Raum pfeift. (AZ4, TU Graz)

3.9.9. Architektur ist keine Kunst.

(Anna Popelka)

28


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 45

Michael Gumhold

3.9.10. Architektur ist die

Reibungsenergie zwischen

Vision und Wirklichkeit.

(Lukas Göbl)

3.9.11. Das Spiel der Mächtigen.

(Franz West)

3.9.12. Gerngrossarchitektur-

Weltarchitektur. Die

Weltarchitektur ist zum Kind

geworden. (Sergej Volgin)

3.9.13. LuftRaumZeitArchitektur ist

das Ordnen von Architektur

und Stadt durch tektonische

und soziale Strukturen.

(Bernhard Hafner)

3.9.14. Vitruvius nicht vergessen.

(Raoul Blahacek)

29


46 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

G A B I

GABI

Folge deinem Ruf

Gruppe mit Gabi

Beginn: 14.6.2012 von 18:30 - ca 21:00 Uhr

jeden Donnerstag, Einstieg laufend möglich

Energiezentrum Wienerwald

Schönbrunnerstrasse 90, 1050 Wien

Ein Platz für diejenigen, die an ihrer Berufung arbeiten. Mit vielen Aufgaben und Übungen,

die dich wie eine Zwiebel schälen.

Schicht für Schicht werden deine überlagerte Essenz und deine Talente unter den Emotionen

sichtbar.

Meine Begleitung in diesem Prozess gibt dir fürsorgliche Unterstützung, Freude 3.9.18. Soviel und wie Halt notwendig, dranzubleiben

- teilen in der Gruppe stärkt und ist motivierend.

Wondra.)

so

wenig wie möglich. (Heinz

Dazu einfließen lasse ich: Körperübungen,

Psychosomatik und The Work von Byron Katie!

Kreativität ist unendlich - es ist immer noch mehr möglich!!!

Anmeldung und Kontakt: Gabi 0681 / 20 15 87 87

facebook: Folge Deinem Ruf - lebe Deine Gabe 30

3.9.15. Jeder Winkel ist ein rechter

Winkel. (Marco Duranovic)

3.9.16. L’architecture c’est moi. Die

Architektur bin ich. (Caroline

Russo)

3.9.17. Die Architektur folgt der Vision.

Die Vision folgt der Realität.

(Friedrich Kiesler)

3.9.19. Architektur ist der Unterschied

zwischen Architektur. (Adolf

Krischanitz)

3.9.20. Architektur ist die Bündelung

der zentrifugalen Kräfte. (Jan

Tabor)


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 47

Karl

Marcovic

3.9.21. Architektur ist die obszöne

Verschämtheit der

Naturmaterie, das illegitime

Kind (Kegel) des Architekten

und der Schöpfung. (Adam

Wiener)

3.9.22. Architektur macht schlank.

(SPUTNIC)

3.9.23. Gute Architektur bedingt eine

Portion Erotik! (Martina Fürst)

3.9.24. Alles was richtig ist, ist schön.

(Markus Spiegelfeld)

3.9.25. Architektur ist die Summe aller

Notwendigkeiten. (Andreas

Treusch)

3.9.26. Ich will in die zweite

Dimension. (Herbert De Colle)

31


48 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Gyula Fodor: The Promised Train

„Wenn sich der Schranken hebt“

Künstlerische Plakataktion im Rahmen des Viertelfestivals 2012 -

Mostviertel

130 Großplakate im Mostviertel werden ab 29.6. zwei Wochen

lang mit fotografischen Szenenbildern bespielt. Die Sujets sind

„Filmstills“, das Plakat sieht täuschend echt nach Kinoplakat aus –

doch es gibt keinen Film....

3.9.27. Architekur = Raum x

(Geometrie + Psychologie).

(Heinrich Büchel)

3.9.28. Der Konflikt ist der

Städteplaner. (Milan

Mijalkovic)

3.9.29. Architektur kennt kein

Rauchverbot. (Angelo Roventa)

3.9.30. Ordinatio, dispositio,

eurythmia, symmetria, decor,

distributio. (Vitruv)

3.9.31. Die Speicherfähigkeit ist eine

wesentliche Eigenschaft der

Architektur. (Laurids Ortner)

3.9.32. In allem Tun liegt Architektur.

(Hans Dietrich)

Der bildende Künstler Gyula Fodor hat die Filmstills mit

32


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 49

3.9.33. (Meine) Architektur ist

Kunstraum. (Philipp Konzett)

3.9.34. Architektur – eine Bühne für

das Schauspiel der Menschen.

(Helmut Wimmer)

3.9.35. Architektur ist das

Machen von Räumen

im thermodynamischen

Gleichgewicht zwischen

Mensch und Umwelt. (Daniel

Podmirseg)

3.9.36. Was ist Architektur? Architektur

ist räumliches Werkzeug für

Leben! (Rainer Köberl)

3.9.37. Licht ist die erotische

Komponente der Architektur.

(Mounty R.P. Zentara)

33

Schauspielern und Statisten zu einem paradoxen „Fotoroman“

inszeniert.

Vor einem geschlossenen Bahnschranken, in einer abgelegenen

Gegend, versammeln sich Menschen aus verschiedenen Milieus.

Sie warten und halten Ausschau, ob ein Zug kommt. Unterdessen

spielen sich verschiedene Szenen ab – der Stau des langen Wartens

entlädt sich. Es ereignen sich Revolten, Liebe, Geschäft.

Plötzlich hebt sich der Schranken. All die Kämpfe sind

gegenstandslos geworden - doch niemand quert die Gleise.....Das

überraschende Ende des „Films“ verweist auf eine gewisse kollektive

Ratlosigkeit. Darauf, dass neue Utopien (im Sinn von ideelen


50 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion Licht

Leitvorstellungen) erst formuliert werden müssen, beziehungsweise

die Gesellschaft teils noch Schwierigkeiten hat, dieses Bedürfnis

überhaupt zu artikulieren.

Karl Markovics spielt die Rolle eines Propheten ohne Worte, mit

einer Trompete in der Hand. Er ist Leitfigur, Beobachter, Zeitzeuge

und Transmitter

Weitere DarstellerInnen: Tanja Petrovsky (spielte eine Hauptrolle

in Ulrich Seidls „Models“). Rafael Werluschnig, Michael Scheidl

(„Netzzeit“), der türkische Autor und Regisseur Durmus Dogan, Julia

Reichert („Kabinetttheater“).....

3.9.38. Architektur ist die ultimative

erotische Kunst. (Monica

Binvincini)

3.9.39. Architektur zählt, wenn sie den

Menschen dient und nicht dem

Architekten. (Friedrich Blaha)

4. Der Archistrator archistriert

Geistiges und Materielles.

4.1. Der Archistrator ist der Dirigent

des Materialisierens.

4.1.1. Was der Dirigent für die Musik

ist, das ist der Archistrator für

das Gebaute und für das Bauen.

4.1.2. Auf die Übersetzung kommt

es an. Die Musik ist die Augenzu

Kultur. Architektur ist

Augenübersetzungskultur.

34


kunstStädteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 51

Gyula Fodor:

4.2. Der Architekt ist der

Materialisator der Geistigkeit.

4.2.1. Architektur ist eine

Verfestigung der Geistigkeit

am Ort des Geschehens.

4.2.2. Der Architekt ist der wahre

Materialist.

4.2.3. Sachverhalt. Materialverhalt.

Die Sprache des Architekten ist

das Materialisieren.

4.2.4. Materialkonstruktionen führen

zu Sätzen.

4.2.5. Das Materialisierte spricht.

4.3. Ich bin eine Suppe.

4.3.1. Ich bin eine Stufe. (Malewitsch)

Um das Thema Veränderung des gesellschaftlichen

Aggregatzustandes, das „Rucken und Knirschen der Zeitachse“, geht

es im Werk von Gyula Fodor bereits seit den 90er Jahren. „Um die

Erdoberfläche legt sich eine vibrierende Zeitgeisthülle, wie in einem

Bienenstock, bevor

die Bienen ausschwärmen. Der soziale Klimawandel verlangt nach

neuen Blickwinkeln, nach einer neuen Sicht auf das, was wir uns als

„Welt“ konstruieren“, heißt es in Fodors Künstlerbuch „noosphere“.

35

www.gyulafodor.com


52 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Photo: Robert Herbst

Weinzentrum Winzerhof Dockner

Das Weinpräsentations- und Verkostungszentrum des Winzerhofs Dockner setzt ein eindrückliches

Statement zeitgenössischer Architektur in die idyllische Landschaft des südlichen

Kremstales.

Optimal in die unmittelbare topographische Umgebung eingepasst, interpretiert die zeitgemäße Konzeption des Weinzentrums

die Geometrien der unmittelbaren dörflichen Umgebung. Der Baukörper nimmt in seiner Form die Bewegung

der Landschaft auf und fügt sich dynamisch in das Gesamtgefüge der traditionsreichen niederösterreichischen

Kulturlandschaft ein. Der direkte Ausblick auf das benachbarte Stift Göttweig bestimmte die bauliche Ausrichtung des

Weinpräsentations- und Verkostungszentrums maßgeblich mit. Die Glasfaserbetonplatten der Fassade erinnern an

Lössböden, Sichtbetoninnenwände nehmen Geländeschnitte aus diversen Qualitätslagen des Winzerbetriebes auf und

lassen Ortsverbundenheit sichtbar werden. Die Form des Gebäudes verkörpert jedoch auch den visionären Ansatz des

Winzers. Denn der hauseigene Wein, insbesondere dessen Präsentation und Vermarktung, steht im Mittelpunkt des

Projektes – wie auch die vielseitige Nutzbarkeit des Gebäudes als Schaulager, Weinverkaufszentrum, Verkostungsraum

und Veranstaltungsort.

Die klare Gliederung des zweigeschossigen Baukörpers in drei Funktionsbereiche unterstützt die räumliche Organisation

innerhalb des Gebäudes. Im Erdgeschoss sind die Bereiche der Verkostung, des Verkaufs und der Präsentation

untergebracht. Zentral positioniert fällt die Bar beim Eintreten sofort in den Blick, der dahinter liegende Präsentationskasten

offeriert die aktuellen Angebote des Winzerhofs. Demgegenüber bilden, dem Gebäudeverlauf folgend, Sitzgelegenheiten

eine Verkostungsecke. Ein bedruckter Raumteiler aus Glas grenzt den integrierten Büro- vom Konsumationsbereich

ab, erlaubt jedoch auch wechselseitige Durchblicke. Zwei raumhohe Fensteröffnungen bestimmen die

einladende Atmosphäre des Verkostungsraums.

4.3.2. Malewitsch bildete mit dem

Schwarzen Quadrat die

Summe aller Räume und

Aktionen, oder auch die

Summe der Nichtexistenz aller

Räume. Ein Symbol für den

Raum. Die Raumikone.

4.3.3. Musik und Ikonen. 4.33. (John

Cage)

4.3.4. Die Raumikone wird man

nicht übertreffen. Geht man

jedoch in diese Ikone hinein,

kann man wüten, toben

und proportionieren. Der

Freud’sche Schritt. Denn vor

allem geht es um Proportion.

36


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 53

Architekt Lukas Göbl

4.3.5. Bei der Stufe muss man höher

stehen um oben zu sein.

Die Stufe repräsentiert ein

Höhersein.

4.3.6. Eine Suppe muß verdaut

werden.

4.4. Das Volksbuch ist nicht strikt,

sondern beinhaltet eine

Naturgewalt.

4.4.1. Jeder Satz hat zahlreiche

Ausdrucksformen.

4.4.2. Jedes Wort ist eine

Persönlichkeit.

4.4.3. Das Zahlensystem ist ein

Symbol.

4.4.4. Alle Zahlen außer ‚0’ und ‚1’

sind produktive Geister.

37

Das rückwärtige Schaulager ist in seiner reduzierten Formensprache ganz der Weinpräsentation gewidmet. Durch

die direkt im Schauraum gelagerten Bestände entsteht eine charismatische Weinkelleratmosphäre. Ein großes

Schaufenster an der Rückwand bietet zugleich Einblicke in die neu eingerichtete Schaubrennerei im Altbau des

Winzerhofs. In dieser Rückwand befindet sich darüber hinaus ein Durchgang, der in die „Unterwelt“ des großen

Weinkellerareals der Famillie Dockner führt.

Für Veranstaltungen verschiedenster Art – Seminare, Präsentationen, Vorträge sowie diverse Festivitäten – stehen

die Räumlichkeiten im Obergeschoss zur Verfügung. Hier eröffnet eine raumhohe Glaskonstruktion mit integrierter

Schiebetüre einen Panoramaausblick auf das Benediktinerstift und die angrenzende Weinlandschaft. Saisonbedingt

kann der vom Multifunktionsraum aus zugängliche Garten als zusätzliche Erweiterung des Innenraums genutzt

werden.

Der hohe qualitative Anspruch, durch den sich die Weinproduktion der Familie Dockner auszeichnet, wird auch in

der Gestaltung des Innenraums ersichtlich: Das gesamte Interieur wurde mit größter Sorgfalt ausgewählt und speziell

für den Bau angefertigt. Die farbliche Abstimmung von Innenraumausstattung und Außenfassade betont wiederum

die Nähe zur Weinproduktion: Bordeauxrotes Birkenfurnier, handgehobelter Mooreichenboden, lössfarbenes

Leder und anthrazitfarbene Leuchtkörper. Die kostbare Materialität der wertvollen Oberflächen veranschaulicht

erneut die bis ins letzte Detail durchdachte Konzeption des Gebäudes.

Ort: Ortsstraße 30, 3508 Höbenbach

Baujahr: 2011

Auftraggeber: Winzerhof Familie Dockner GmbH

Nutzfläche: 500 m²

Entwurfsteam: Lukas Göbl, Fritz Göbl,Oliver Ulrich


54 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Hofstetter Kurt

Induktive Rotation oder die Natur des Zufalles

Die künstlerische Praxis und Obsession „in die Unendlichkeit schauen“ führte mich 2008 zur Entdeckung

einer neuen Methode zur Bildung von asymmetrischen aperiodischen Strukturen - die sogenannte

„Induktive Rotation“. Die Muster, die daraus entstehen, verführen den Betrachter an den

Ereignishorizont der Ordnung - ständig oszillierend zwischen Chaos und Ordnung.

http://www.sunpendulum.at/tilings/inductive-rotation.html

Alles rotiert! Die Vorstellung, dass seit dem Urknall ständig Rotation auf alles induziert wird, bedeutet

für mich, dass wir im Zeitfenster unseres Lebens einen Ausschnitt der induktiven Rotation

wahrnehmen, die im Moment des Urknalles begonnen hat. Dabei erscheint uns ihre Eigenschaft der

Aperiodizität als unergründlicher Zufall.

4.5. Das Raumalphabet ist eine

Schule der Räumlichkeit.

4.5.1. Die gesamte Sprache ist in

einem Winkel gespeichert.

4.5.2. Die gesamte Sprache ist

in einem rechten Winkel

gespeichert.

4.5.3. Der rechte Winkel verbindet

Sprache und Architektur.

4.5.4. Der rechte Winkel ist eine

Metastruktur.

4.5.5. Die Geometrie dieses Winkels.

1

1/2

Schwerpunkt

−−− √3 1

2

38


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 55

4.5.6. Seine lange Seite ist die kurze

Seite mal Wurzel aus drei.

4.5.7. Der Schwerpunkt bestimmt

seine Dicke.

4.5.8. Das Raumalphabet ist eine

kleine Schule der Umstülpung.

4.5.9. Das Raumalphabet deutet den

Übergang von Sprache und

Architektur.

39

TTnet © Hofstetter Kurt, 2011


56 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

TERESA MAR

4.6. Die Zeitung ST/A/R ist ein

Experimentierfeld.

4.6.1. Die Zeitung ST/A/R ist ein

printmediales Forschungsfeld.

4.6.2. Die Zeitung ST/A/R

ist eine Geburtsstätte,

ein raumerweiterndes

Erlebnisexperiment. Sie gibt

Strukturen her, um allen,

die sie lesen können, neue

Räume zu öffnen, die keine

Unterdrückung darstellen.

TERESA MAR 40


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 57

4.6.3. Unterdrückung ist

Einschränkung. Kritik ist

affirmativ. Die Kritik an allem

anderen liegt im eigenen Werk.

4.6.4. Der ST/A/R ist eine

Metastruktur.

N

W

O

S

4.6.5. Der Kompaß ist ein Zeichen

des Architekten.

4.6.6. Der Stern gibt Orientierung

und Richtung.

41


58 Documenta

Städteplanung / Architektur / Religion

Documenta

ST/A/R-Freund Manfred Kielnhofer

4.6.7. Das Prinzip der Zeitung

ST/A/R ist Dünger, um den

persönlichen Freiheitsgrad zu

erweitern.

4.6.8. Die Verschmelzung von Leben,

Zeit, Raum, Musik, Architektur

etc.

4.6.9. Die Zeitung ST/A/R ist das

Agglomerat der Dinge für einen

lebendigen Körper, der einfach

da ist. Er lebt und das ist alles.

4.6.10. Sie lebt und das ist alles.

4.6.11. INTEGRATIVISMUS.

4.6.12. Der Integrativismus integriert.

Die Wächter der Zeit von Manfred Kielnhofer sind seit dem ersten Tag am Friedrichsplatz

ausgestellt und wurden von der Documentaleiterin Carolyn Christov-Bakargiev

gutgeheißen und werden die gesamten 100 Tage in der Organisation der Occupy Kassel

verbleiben. Eine Skulptur steht und leuchtet direkt vor dem Fridericianum.

5. Die Architektur hilft der

Erweiterung des Freiheitsgrads

jedes Einzelnen.

42


Städteplanung / Architektur / Religion

AUTO-ST/A/R

59

GEGENCHECK:

EIN NACHMITTAG IM SL ROADSTER VON 1957

Steil fällt das Sonnenlicht in den

Wagen, schlägt den harten Schatten

des Schalthebels zu Boden,

und das Lenkrad findet sich als verzerrter

Grundriss auf den Knien wieder.

Der schräg eingelegte Reihensechszylinder

schnurrt wie ein Kater in Glückseligkeit.

Plötzlich, nach all den Jahren von

Windschott, Airscarf und Fahrtwind-

Mamagement, versteht man, warum es

Cabriolets gibt. Das Fahren, das schiere

Fahren, das Bedienen einer komplexen

vollmechanischen Maschine, macht

Freude, die man sich nicht von Marketing-Philosophen

und Emo-Gurus erklären

lassen muss. Das zarte Arbeite

n des Rahmenfachwerks ist kein Steifigkeitsmanko,

sondern entspricht dem

Muskelzittern eines edlen Pferdes, organisch,

befleißigend, mitteilsam wie

ein Gewitterhimmel.

Freudig dreht der Motor auf, freilich

höchst kultiviert. Die Direkteinspritzung

war damals noch eine ausgesprochene

Besonderheit, verdoppelte die

Leistung des ursprünglichen Vergaser-

Reihensechszylinders. Der Roadster,

der ja drei Jahre nach dem Coupe erschien,

wurde übrigens rundum mit

Scheibenbremsen ausgerüstet. Entschlossen

steigt man in das Eisen, what

you feel is what you get, hier interferieren

keine Assistenzsysteme, die Referenz

findet im Kopfe statt, Sensoren

hat man reichlich verteilt und delegiert

wird gar nichts. Solche Fahrerlebnisse

sind zu kostbar, um etwas davon wegzugeben.

5.1. Es geht nicht darum, Freiheit

zu geben, sondern um die

Anregung zur Erweiterung des

individuellen Freiheitsgrades.

5.1.1. Die Freiheit muss man sich

selbst nehmen.

5.1.2. ‚Ich habe keine Zeit’ heißt ‚Ich

gebe dir keinen Raum’.

5.1.3. ‚Ich habe keine Zeit’, heißt,

‚Ich gebe dir überhaupt keinen

Raum’.

5.1.4. Die Zukunft des

Freiheitsgrades jedes

Einzelnen ist das Jetzt.

5.1.5. Erst das Nichtbemerken des

Freiheitsgrades macht den

Freiheitsgrad aus.

DAVID STARETZ

SCHREIBT, REDIGIERT UND FOTOGRAFIERT DEN AUTO-ST/A/R

43


60 AUTO-ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

DAVID STARETZ

SCHREIBT, REDIGIERT UND FOTOGRAFIERT DEN AUTO-ST/A/R

MERCEDES BENZ SL

WEDELN MIT DEM FUSS

DER SL, EINE IKONE DEUTSCHER JET-SET-BEFINDLICHKEIT,

GEHT IN SEINE SECHSTE

Der Mercedes SL, beginnend beim 300 SL Flügeltürer

von 1954 (und dessen Roadster-Variante

‚57), gefeiert als Sportwagen-Ikone des

zwanzigsten Jahrhunderts, gefällt durch Linie und

Spannung, aber auch durch Details wie Scheibenwischer,

die mit 84 Löchern perforiert sind, durch die

das Waschwasser direkt aufs Glas gespült und nicht

auf die Cabrio-Passagiere versprüht wird.

Das Design gefällt sich selbst. Verchromte Finnen

verstehen sich als Reminiszenz, die Rückkehr zur

steilen Kühlermaske zieht Länge in die Motorhaube.

Die Frontpartie, ausgeklügelt bis ins Detail, wird

durch vertikale Stege thematisch geklammert. Eine

gespannte Horizontale in der Kühlermaske sorgt für

Gelassenheit im Zusammenspiel mit der neuen, auf

Breite hinzielenden Scheinwerferkonfiguration. Das

Heck soll rund und kraftvoll wirken, die weit auseinander

liegenden Auspuffrohre demonstrieren ebenfalls

Breite.

„Sie können 250 fahren, so lange sie wollen“, sagt der

Techniker über den dramatisch überarbeiteten 435-

PS-V8, der gegenüber dem vorherigen 500-SL-Triebwerk

800 ccm weniger Hubraum, aber dank zweier

Turbolader signifikant mehr Leistung und deutlich

mehr Drehmoment hat: 600 Nm ab 1600/min.

Der V6 des 350 SL entspricht bautechnisch dem Vorgänger,

konnte aber verbrauchstechnisch ausgetrocknet

werden auf errechnete 6,8 Liter/100 km. Dabei

spielt die neu abgestimmte 7G-Tronic Plus eine wesentliche

Rolle.

Dann geht der Mann zum Heck und wedelt mit dem

Fuß unterm Auto – der Kofferraumdeckel fährt hoch

(und lässt sich so auch wieder schließen). Sieht so die

Zukunft aus? Warum nicht, wenn man vollbepackt

mit Einkaufstaschen daherkommt?

Der Freiheitsgrad besteht

darin, daß man nicht mehr

spürt, dass man zu wenig

Freiheit hat.

5.1.6. Die Zeitung ST/A/R

dient der Erweiterung des

Freiheitsgrads jedes Einzelnen.

5.2. Die Wahrheit ist die

Unentzogenheit.

5.2.1. In der Architektur gibt es das

Sehen und das Nichtsehen.

5.2.2. Es gibt die Wahrheit von falsch

und richtig und die Wahrheit

als die Unentzogenheit.

(Wolfgang Schadewaldt)

5.2.3. Wer die Wahrheit kennt, dem

ist nichts entzogen.

44


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 61

Unser langjähriger ST/A/R-Philosoph und Kolumnist

stellt sein erstes veröffentlichtes Buch vor!

da so tun,

an. Um

n, reicht es

ordert,

werde,

mal ad hoc.

ich darum

hen, wie

ühungen

en Philosoist

es, die

ahrheit, die

os gleichens,

nnten Vornke

ich,

der neueren

ophie

in seiner

ir sind

n Therapieuf

dem

uf hin zu

Therapieir

fest, dass

Drei Meister-

Vagabunden

im Café

Landtmann

Lange war es geplant, endlich

ist es geschehen. Die mit einiger

Spannung von mir erwartete

Gegenüberstellung der Landarztsöhne

Girtler und Gerngross.

Girtler schlug mir für dieses Treffen das Café

Landtmann vor. Gerngross hätte eher eine andere

Location bevorzugt, aber er willigte doch ein,

denn er war froh, daß wir endlich den wohl

bekanntesten Soziologen Österreichs, den vagierenden

Erforscher sozialer Randgruppen und

Analytiker des Strukturwandels in Mitteleuropa,

Roland Girtler, zum Gespräch unter sechs Augen

bitten konnten. In den zwei Stunden, die wir im

Landtmann zugebracht haben, sind enorm viele

Themen aufs Tapet gekommen, ein Reichtum

11

10,–

Andreas F. Lindermayr

Performer, DJ, Privatgelehrter

2004 Wachen und Schlafen,

ein Nachtwächterroman

2008 Hörbuchfassung von

Wachen und Schlafen

eben im abo-Verlag erschienen:

Mein Tage- und Nachtbuch,

zehn Kolumnen auf

96 Seiten mit vier SW-Bildern

von ManfreDu Schu

5.2.4. Die Wahrheit ist jedem

zumutbar. (Ingeborg

Bachmann)

5.2.5. Die Wahrheit ist nicht jedem

zumutbar.

5.2.6. Du kannst niemandem mehr

zumuten als dir selbst.

5.2.7. Die Wahrheit ist eine Zumutung.

5.2.8. Auch die Lüge ist eine Form der

Wahrheit.

5.2.9. Man kann eine Tasse mit

schmutzigem Wasser

reinwaschen. (Popper)

5.2.10. Die Lüge ist ein Gleichgewicht

für alle Ungerechtigkeit.

bo verlag

ww.aboverlag.at

etsellungen unter i@aoeg.net

45


62 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

langjähriger

ST/A/R-Philosoph

und

Kolumnist

5.2.11. Sie lügt mit größter

Aufrichtigkeit und rettet

tausend Seelen.

5.2.12. Wer die Lüge nicht kennt, der

kennt auch die Wahrheit nicht.

5.3. Wir können über alles

sprechen.

5.3.1. Jeder kann über alles

sprechen. Jeder ist ein

Sokrates.

5.3.2. Worüber man nicht sprechen

kann, darüber kann man

stammeln.

5.3.3. Es gibt keine Dummheit.

5.4. Das Vergessen der Erkenntnis

formt den Menschen.

46


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 63

5.4.1. Erst im Vergessen wird die

Erkenntnis wirksam.

5.4.2. Die Summe aller Erkenntnis

vergessen.

5.4.3. Die Summe der Erkenntnis

aller anderen über mich ist

meine Selbsterkenntnis.

5.4.4. Ich muss mich nicht kennen.

Das was ich auslöse bin ich.

5.4.5. Erkenne dich selbst. (Orakel

von Delphi)

5.4.6. Erkenne dich nicht.

5.4.7. Überlass es den anderen dich

zu erkennen.

5.5. Das Orakel ist eine Ahnung.

47


64 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

5.5.1. Das Orakel ist eine Ahnung,

die sich verbreitet.

nicht sichtbar. Diese Zeichen erleichtern mögliche

5.5.2. Ephesus, Delphi, Milet gehen

Umstellungen und müssen bei der Arbeit mit

aus Ahnungen hervor.

dem Layout berücksichtigt werden. Das Word-

Dokument 5.5.3. TAP_15 Auch beinhaltet die Wissenschaft nach Streichungen

und Ergänzungen ahnt insgesamt und muß 302 Satznummern.

die Ahnung

beweisen.

Die Nummern 5.5.4. in Wenn Klammern Du denkst sind die bist Nummern Du tot.

des Dokuments TAP_14, (Walter Röhrl, diese zusätzlichen zweifacher

Nummern dienen Ralley-Weltmeister)

lediglich dem Vergleich mit

der englischen 5.5.5. Übersetzung. Du denkst Die nicht, gestrichenen du ahnst.

und neuen Sätze werden auf Seite 14-16

5.6. Den ersten Zweiten muss jeder

aufgeführt. Das Dokument TAP_15 ist somit eine

finden.

Zwischenstufe, die noch mindestens eine weitere

Berabeitung 5.6.1. erfordert. Bruder und Schwester.

5.6.2. Der Sieg ist nicht die

Niederlage der anderen.

48


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 65

5.6.3 Das Leiden zu vergessen

ist die erste Diszplin einer

Hauptsätze buddhistischen Erziehung,

nach dem Aufwischen des

1. Die

Fußbodens.

Form ist das, was gebraucht wird.

5.6.4. Leiden und helfen. Wenn man

2. Die Architektur ist eine Mitteilung über

Maß

hilflos

und Proportion.

ist, leidet man, wenn

man helfen kann, leidet man

3. Die nicht. Architektur transformiert.

4. Der Archistrator archistriert Geistiges

6. und Die Materielles. Architektur ist eine Arbeit

an der Umstülpung der

5. Die Architektur hilft der Erweiterung des

Menschheit.

Freiheitsgrades jedes Einzelnen.

6.1. Geduld, Großzügigkeit

6. Die Architektur ist eine Arbeit an der

und Erweiterung des

Umstülpung der Menschheit.

Freiheitsgrades jedes

7. Komm Einzelnen ins Offene, sind die Freund. Kriterien Worüber wir

sprechen der Umstülpung. sprechen wir.

Rosamosa

49


66 Städteplanung / Architektur / Religion

PATRICK J. CHAN – ST/A/R-FOTOGRAF

PATRICK J. CHAN –

PHOTOGRAPHIC ARTIST (P.A.)

+43 (0) 681 101 51 191

peacephoto@gmail.com

6.1.1. Wenn das Innenleben außen

ist und das Außenleben innen,

das ist die Umstülpung.

6.1.2. Wenn das Außenleben innen

ist und das Innenleben außen,

das ist die Umstülpung.

6.1.3. Der Umstülpungsprozess führt

dahin, dass die Ambitionen

verschwinden.

6.1.4. Der Umstülpungsprozess

führt zur ambitionslosen

Gesellschaft.

6.1.5. Die Ambitionslose.

6.1.6. Quod licet jovi, non licet bovi.

‚Jovi’ und ‚bovi’ sind eins.

6.1.7. Revolution, Evolution,

Umstülpung.

50


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 67

Handgemachte und signierte Einladung von KRISTINA FOGGENSTEINER

6.1.8. Die Zeit der Honigpumpe

(Joseph Beuys) und der

Revolutionen ist vorbei.

6.1.9. Selbstbewußtsein,

Selbstbestimmung,

Selbstverständlichkeit.

6.2. Der ‚Extensive Man’ bedeutet

die Umstülpung.

6.2.1. Der ‚Extensive Man’ ist eine

materialphilosophische Figur.

6.2.2. Die ‚Intensive Box’ (Walter

Pichler) hat die Außenwelt ins

Innere gebracht.

51

!MAMA!

!PAPA!

!STAAT!

Plattform für Audiovisuelle Experimente


68 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R wirbt für MAMA!PAPA!STAAT!

6.2.3. Der ‚Extensive Man’ stülpt das

Innere nach Außen.

6.3. Die Umstülpung ist Poesie.

6.3.1. Wer die Sinne verfeinert,

verfeinert die Welt.

6.3.2. Das Schöne ist des

Schrecklichen Anfang. (Rilke)

6.3.3. Das Schöne ist der Anfang.

6.3.4. Die Trauer ist die

Geburtsstunde des Schönen.

6.3.5. Warum nicht über Religion

reden. Aus Religion. (Schiller)

6.3.6. Der Wille zur Macht liegt

im Wachsen des Baumes.

(Derrida)

6.3.7. Die Natur ist die Kultur.

52


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 69

ST/A/R special report von Dr. Wladimir Tolstoj:

Russischer Ball in der Hofburg mit ST/A/R-Gästen

Lydia Baich

6.3.8. Die Kunst ist natürlich

künstlich. (Ferdinand Schmatz)

6.4. Es geht nicht darum, den

Einzelnen zu regulieren,

sondern um die Bedingungen

des gesellschaftlichen

Umgangs. Die

Grundbedingungen ändern.

6.4.1. Jeder Einzelne ist ein

Kernstück der Masse.

Karina Sarkissova

6.4.2. Jeder Einzelne muss den

Freiheitsgrad spüren.

6.4.3. Wenn man verändert, dann

geht man nicht von der Masse

aus, sondern vom Einzelnen.

Veränderungen gehen nicht

von der Masse aus, sondern

vom Einzelnen.

53

Dr. Wladimir Tolstoj umringt von einem

österreichischem General mit seiner Frau

Dr. Wladimir Tolstoj mit

Frau Dr. Jutta Fiegl und

Dr. Thomas Stephenson

von der Sigmund Freud

Universität Wien

Fotos: Oxana Filippova


70 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

1

5

2

3

creative endeavours arts lab

4

Das Creative Endeavours Arts Lab hat sich auf Kunstdienstleistungen

und -Events spezialisiert. Durch die

professionelle Arbeit an der Schnittstelle zwischen

Kunst und Wirtschaft profitieren sowohl Unternehmen

als auch Kunstschaffende. Die klare Definition der

Kundenwünsche sowie das genaue Wissen über die

Arbeit der KünstlerInnen ist die Basis für die erfolgreiche

Integration von Kunst in Unternehmen.

art events, -branding & -marketing

ausstellungsdesign & -produktion

kunstvermietung &

kunst im unternehmen

sammlungsaufbau & -beratung

kunst am bau

Von der Kunstmiete für Ihre Firma über Vernissagen

für Ihre Kunden bis hin zum Kunstpreis als Marketing-

Strategie; sei es die künstlerische Fassadengestaltung

ihres Bauprojektes oder der Sammlungsaufbau Ihres

Unternehmens: wir haben die passenden Künstler-

Innen parat und sorgen für eine reibungslose Abwicklung.

Gut vernetzt mit den Szenen und in Kooperation mit

der Kunstplattform AUSARTEN[ ] sowie freischaffenden

ExpertInnen sorgen wir für hohe Qualität und

behalten den Überblick über zeitgenössisches Kunstschaffen.

creative endeavours

design lab

corporate design & branding

editorial & print design

real estate branding

web- & screendesign

text, wording & fotografie

6.4.4. Jeder Mensch ist wichtig.

(Robert Schwan)

6.4.5. Keine ‚Auge um Auge’-Politik,

sondern ‚Auge in Auge’-

Verständnis.

6.4.6. Träume und Visionen

verlangen danach realisiert zu

werden.

6.4.7. Das Schöne an den Träumen

ist, dass wir sie realisieren. (Le

Corbusier)

6.4.8. Es geht um eine neue

Definition der Massenkultur.

6.4.9. Die Gemeinschaftskultur.

Vom Individuum zum

Gemeinschaftswesen.

6.4.10. Computer lernen vergessen.

54


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 71

1 Heike Nösslböck

French Manicure, Ausstellungsdetail

2 Emmanuel Jesse

work in progress, private Auftragsarbeit

3 Nana Mandl

Bürobespielung

4 Sonja Bendel

Bürobespielung

5 Nika Kupyrova

Moonshine 1, Ausstellungsdetail

6 Jasmin Schaitl

Performance, Comment #12

4 Jahre Roter Teppich für junge Kunst

Foto: Manuel Gras

7 David Payr

aus der Serie: exp. 1987

8 Johanna Binder

Am Sonntag mit Schlag

6

9 Atzgerei

Filmdreh

10 Emanuel Jesse

Ausstellungsansicht, Berggasse 37

11 Sammlung Cserni

Kunstbuch Produktion und Publikation

8

10

7

9

ausstellungen 2012

6.4.11. Wir sind immer am Anfang.

6.4.12. Alles ist Form in Bewegung

und Bewegung als Form.

Nichts ist statisch. Auch nicht

immer. (Barbara Doser)

6.4.13. Im Streben leben.

6.4.14. Die Ganzheitlichkeit ist

übermenschlich.

6.4.15. Ich bin ein Detail. Im Detail

liegt die Wahrheit.

6.5. Die Umstülpung geschieht

automatisch.

6.5.1. Das Raumalphabet ist eine

kleine Schule der Umstülpung.

6.5.2. Die Umstülpung ist eine

Überraschung.

55

11

9.Jannuar – 8. März

NANA MANDL

10. – 20. Mai

STILLSTAND & BESCHLEUNIGUNG

12. März – 1. Juni

JOHANNA BINDER

6. Juni

JASMIN SCHAITL, COMMENT #12

11. Juni – 25. August

SONJA BENDEL

3. September – 31. Oktober

ATZGEREI & STRIN PRUMZER

(Letzte Weltausstellung / Arche 2012)

Oktober

GLAUBE & WISSENSCHAFT

3. November – 21. Dezember

DAVID PAYR (EYES-ON)

Dezember

AUFBRUCH & UNTERGANG

Creative Endeavours GmbH

[ kri’eı.tıv en’dev. rs ]

Arts & Design Lab

Gumpendorferstraße 40–44,

1060 Wien

+43 (0)1 23 69 839

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72 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

6.5.3. Der Zufall ist eine

Interpretation. Der Zufall ist.

6.5.4. Die Stunde der Wahrheit ist

niederträchtig. Die Stunde der

Güte ist wünschenswert.

6.5.5. Glauben ist üben. Beten ist

Vertrauen.

6.5.6. Alles was ist, ist heilig.

6.6. Der Archiquant, der rechte

Winkel und der Stern sind

Metastrukturen.

56


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 73

6.6.1. Diese drei Metastrukturen

tragen gleichzeitig zum

Verschwinden von

Metastrukturen bei.

6.7. Wir haben keine Zielgruppe.

Die Gruppe bildet sich.

6.7.1 Die Zielgruppe ist eine

kapitalistische Waffe.

6.7.2. Es gibt Ziel und Gruppe, zum

Abschuss bereit.

6.7.3. Der Kapitalismus führt

zur Verminderung der

Empfindungen.

6.7.4. Aber wie Fehler Verbesserungen

hervorrufen können, wird

auch der Kapitalismus zu

Verbesserungen führen.

57


74 Raumalfabet

Städteplanung / Architektur / Religion

6.7.5. Wir verbessern.

6.8. Man herrscht indem man

jedem gibt. In diesem Sinne

hebt sich das Herrschen auf.

6.8.1. ‚Divide et impera.’, ‚Verteile

und herrsche.’, ‚Verteile!’.

6.8.2. Jeder wird zum Geber.

6.8.3 Jeder hat ein

Normalempfinden. Eine innere

Richtigkeit.

6.8.4. Nichts Unwirkliches existiert.

(Thomas Redl)

6.8.5. Die Realität ist perfekt.

6.8.6. Der Übermensch ist der

Mensch.

58


Städteplanung / Architektur / Religion

Raumalfabet

75

6.9. Der Künstler ordnet und

macht.

6.9.1. Die abstrakte Konvention.

(Wolf Günther Thiel)

6.9.2. Der Konvention verbunden,

dem Abstrakten zugetan.

6.9.3. Das verständnisvolle Wunder

ist das Ergebnis der abstrakten

Konvention.

6.9.4. Komm ins Offene, Freund!

(Hölderlin)

7. Worüber wir sprechen

sprechen wir.

59


GERNGROSS

76 Volksbuch

Städteplanung / Architektur / Religion

a o 1

b

2

3

4

5

6

7

8

....... ............................................................

....... ............................................................

....... ............................................................

....... ............................................................

....... ............................................................

............................................................

....... ............................................................

....... ............................................................

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9

60


Städteplanung / Architektur / Religion

Volksbuch

77

Personenregister

Bachmann, Ingeborg,

5.2.4.

Benediktiner, 2.2.2.

Beuys, Joseph, 6.1.8.

Bonvicini, Monica,

3.9.38.

Blaha, Friedrich, 3.9.39.

Blahacek, Raoul, 3.9.14.

Büchel, Heinrich, 3.9.27.

Cage, John, 1.5., 4.3.3.

Coop Himmelb(l)au,

3.9.7.

Colle, Herbert de,

3.9.26.

Czech, Hermann, 3.9.1.

Denker, Christian, 3.8.8.

Derrida, Jacques, 6.3.6.

Dietrich, Hans, 3.9.32.

Doser, Barbara, 6.4.12.

Duranovic, Marco,

3.9.15.

Feldenkrais, Moshé,

1.4.

Freud, Sigmund, 4.3.4.

Fürst, Martina, 3.9.23.

Göbl, Lukas, 3.9.10.

Gottlob, Georg, 3.8.6.

Hafner, Bernhard,

3.9.13.

Hofstetter, Kurt, 2.5.5.

Hölderlin, Friedrich,

6.9.4.

Hollein, Hans, 3.9.

Holzer, Michael, 3.9.7.

Kandinsky, Wassily, 3.4.

Kiesler, Friedrich, 3.9.17.

Köberl, Rainer, 3.9.36.

Konzett, Philipp, 3.9.33.

61


78 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Banner.indd 1

Nachwort

Im Frühsommer 2001, antwortet Heidulf Gerngross

auf die Frage – Was hast Du gemacht, was machst Du?

–mit folgende Zeilen:

“Ich schicke Dir eine Aufzeichnung meiner kontinuierlichen

Arbeit am Raum an der Umstülpung der Menschheit.

Damit Du weißt, was Gerngross, wann, wo? – und welche

geistigen Grundlagen aufgesaugt, beginnend von 1958,

als ich 18 Jahre war, von mir geknetet und proportioniert

wurden und werden… es ist ein lebendiger flüssiger Stoff,

der sich von Grenze zu Grenze erweitert, zur Gänze –

nie…”

Zur Gänze – nie…

Das MACHEN im Sinne von Heidulf GERNGROSS

– ist eben dieser flüssige Strom lebendiger Materie,

in dem Energie des Setzens/Wachsens die ergriffene

und

begriffene Breite und Tiefe des materiellen und

geistiges Lebens in sich speichert, um dadurch zur

PROPORTION zu werden. Darum ist das MACHEN

= PROPORTIONIEREN, immer intergrativ, immer

allgemein. Das Planen ist im MACHEN; das Tun –

im Nichttun; die Natur – im Geist und umgekehrt;

der Mann – in der Frau; die Frau – im Mann; das

intellektuelle Leben – im Materiellen; das Wahre – im

Falschen und das Falsche – im Wahren; die Form - im

Inhalt; die Bedeutung – im Ausdruck und umgekehrt;

das Freie – im Notwendigen; das Göttliche – im

Weltlichen; das Allgemeine – im Individuellen; das

Unendliche – im Endlichen…

Abstrahieren, Entnehmen, Ausnehmen, Richten,

Beschuldigen – sind nicht die Kategorien theoretischer,

ethischer und religiöser Dimensionen des menschlichen

Lebens innerhalb dieser Materialphilosophie. Er nennt

sich ARCHISTRATOR. Ein ARCHISTRATOR aber ist

zugleich ein Pan, ein Allgemeiner.

Haus 1, Papier-Pappendeckel, Extensiv-man, die

Ambitionslose, Volksbuch, Raumalfabet, 1,2,3-

Raum, Schnellhaus 1,2,3,4, ST/A/D, Archiquant,

ST/A/R, Dulf-TV, Orakel Melk, Cappella Bianca,

Terrazza del Mondo – sind einige der Meilenstein

des ARCHISTRATORS transgressiven WIRKENS.

Vom Ersten schriftlich-architektonischen Werk

– dem VOLKSBUCH – bis zum TRACTATUS

ARCHITECTONICUS EXPERIMENTALIS, - führt ein

Weg, auf dem die unzähligen geistig-materiellen Einund-

Ausatmungen gesammelt/zersreut liegen. Doch

hier geht es vielmehr nicht um das Haben, sondern

eher um das Sein. Und dieses Sein vollzog und vollzieht

sich nicht im Vacuum eines Monologs, sondern

immer im Dialog, oft sogar im Polilog. So entstanden

fast alle Werke z. B. die „Postsuprematistischen

Seismographischen Aufzeichnungen” – in einem

Dialog mit den Ideen Malevitsch’s und den russischen

Konstruktivisten; Der Archiquant – in einem inneren

Dialog der Linie (Bauhaus) und Kurve, des Rechten

Winkels, des Modulor, der Geometrie und Semantik.

So entstand im Jahre 1999 auch unser Manifest -

“ÖSTERREiCHRUSSISCHES ZEUG”.

Ist es die Person, oder ihr Tun? - Der ARCHISTRATOR

ist nur im MACHEN, und dieses MACHEN kann nur

ein persönliches sein. Denn die Person in dem Sinne

ist immer “Noch nicht..” (A. Kurosawa), d.h. sie ist

nicht etwas in sich “Fertiges”, Geschlossenes, sondern

immer – etwas Offenes. Er ist der ARCHISTRATOR.

Wie ein Punkt oder ein Samenkorn, oder - ein Kind,

die in sich viele Möglichkeiten umschliessen, so sind

auch in allen lebendigen Gesten seines MACHENS

die Vorahnungen eines NEUEN Menschen

spürbar. Darum meine ich, meint er, in dem

MACHEN=PROPORTIONIEREN geht es um eine

Umstülpung der Menschheit, keine Revolution, keine

Evolution… “Komm ins Offene. Freund!”

Komm nur…

Sergej Volgin

Julia und Sergej

Krischanitz, Adolf,

3.9.19.

Le Corbusier, 2.4.3.,

6.4.7.

Malewitsch, Kasimir,

4.3.1., 4.3.2.

Michelangelo, 3.1.5.

Mijalkovic, Milan,

3.9.28.

Ortner, Laurids, 3.9.31.

Pichler, Walter, 6.2.2.

Podmirseg, Daniel,

3.9.35.

Popelka, Anna, 3.9.4.,

3.9.9.

Popper, Karl Raimund,

3.8.3., 3.8.4., 5.2.9.

Prandtauer, Jakob,

2.2.2.

Pythagoras, 2.3.2.

Prix, Wolf, 3.9.7.

Redl, Thomas, 6.8.4.

Richter, Helmut, 3.8.,

3.8.3.

Rilke, Rainer Maria,

6.3.2.

Röhrl, Walter, 5.5.4.

Roventa, Angelo,

3.9.29.

Russo, Caroline, 3.9.16.

Samsonow, Elisabeth

von, 3.9.5.

Schadewaldt,

Wolfgang, 5.2.2.

Schiller, Friedrich, 6.3.5.

Schmatz, Ferdinand,

6.3.8.

Schwan, Robert, 6.4.4.

62


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 79

Epilogue

In the early summer of 2001, Gerngross Heidulf

answers the question – What have you done, what are

you doing? with the following lines:

„I am sending you a record of my ongoing work on

space and the inversion of humanity. So that you

know, what Gerngross, when, where? – and which

intellectual foundations I soaked up, beginning from

1958 when I was 18, I kneaded and proportioned and

will do so in the future… it is a living liquid material

which extends from border to border but which is

never complete... „

This DOING, which Heidulf GERNGROSS means–

is this liquid stream of living matter, in which the

energy of planting /growing, the seized and understood

width and depth of material and spiritual life is

stored, thereby becoming PROPORTION. This is why

MAKING = PROPORTIONING, always integrative,

always in general.

Planning is in DOING; doing – in inaction; nature –

in the mind and vice versa; man – in woman; woman

– in man, intellectual life – in the material world;

truth – in the false and the false –in the true; form –

in content, meaning – in expression; and vice versa;

what is free –in necessity, the divine – in the worldly;

the universal – in the individual; the infinite – in the

finite...

Abstracting, inferring, excluding, directing, accusing

– are not the categories of theoretical, ethical and

religious dimensions of human life within this material

philosophy. He calls himself ARCHISTRATOR.

However, an ARCHISTRATOR is at the same time

Pan , a universal.

Building 1, paper-cardboard, extensive man, the ambitionless,

Volksbuch, space alphabet, 1,2.3-space, quick

house 1,2,3.4, ST/A/D, Archiquant, ST/A/R, Dulf-TV,

Orakel Melk, Cappella Bianca, Terrazza del Mondo –

are some of the milestones of the ARCHISTRATOR’S

transgressive ACTIVITY. From the first writtenarchitectural

work – the VOLKSBUCH – up till

TRACTATUS ARCHITECTONICUS EXPERIMEN-

TALIS, –is a path on which lie accumulated / scattered

countless spiritual and material inhalations and

exhalations. But this is not about having, but rather

being. And this being was and is consummated not in

15.06.12 12:56

the vacuum of a monologue, but always in a dialogue,

often even in a polilogue. Thus almost all most important

works, e.g., the „Post Suprematist seismographic

recordings” originated – in a dialogue with the ideas

of Malevich and the Russian Constructivists; The Archiquant–

in an inner dialogue of the line (Bauhaus)

and curve, the right angle, the Modulor, geometry and

semantics. Thus originated, in 1999, our manifesto -

“ÖSTERREiCHRUSSISCHES ZEUG”. /

“AUSTRIA-RUSSIAN STUFF”.

Is it the person or their actions? - The ARCHISTRA-

TOR is only in DOING and this DOING can only be

personal. For the person in this sense is always „not

yet...“ (A. Kurosawa), i.e. they are not something „finished,“

closed, but still - something open. He is the

ARCHISTRATOR.

As a point or a seed, or - a child, which includes many

possibilities, in the living gestures of his DOING

there is a premonition of a NEW man. That is why

I, he, thinks, that MAKING=PROPORTIONING is

an inversion of the human race, not a revolution, not

evolution ... „Come into the open. Friend! „

Come on ...

Sergej Volgin

Sokrates, 5.3.1.

Spiegelfeld, Markus,

3.9.24.

Sputnic Architektur,

3.9.22.

Swiczinsky, Helmut,

3.9.7.

Tabor, Jan, 3.9.20.

Thales von Milet, 2.3.1.

Thiel, Wolf Günther,

6.9.1.

Tolstoj, Wladimir, 3.9.6.

Treusch, Andreas,

3.9.25.

Vitruv, 3.9.30.

Volgin, Sergej. 3.7.1.,

3.9.12.

West, Franz, 3.9.11.

Wiener, Adam, 3.9.21.

Wimmer, Helmut,

3.9.34.

Wittgenstein, Ludwig,

3.3.1., 3.8.3., 3.9.2.,

3.9.3.

Wondra, Heinz, 3.9.18.

Zentara, Mounty R.P.,

3.9.37.

63


80 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Elisabeth von Samsonow

SAMSONOW PARASONIC

TRANSPLANT ORCHESTRA

Das Projekt setzt auf

den Organmodus Ohr.

Es wird auf Hörbarkeit der

Skulptur umgesattelt. Das

Material ist Linde, welches

wiederum nichts weniger

ist als ein Körper,

untot. Der untote Körper

der Linde enthält Silicium

Si14, das häufigste Element

nach Kohlenstoff in

der Erdkruste oder Biosphäre.

Silicium hat leitende

und zugleich retentionale

Fähigkeiten, weshalb

es beispielsweise in der

Computertechnologie eine

Rolle spielt. Die Transplant

Non-Violent-Violas und

-Violins im SAMSONOW

TRANSPLANT ORCHEST-

RA werden natürlich, wie

Stradivaris und Guarneris,

durch das Angeregtwerden

und Klingen ständig verfeinert

und exquisiter. Die

Transplants ermöglichen

Klangforschung im Sinne

des subliminalen Ganzkörperhörens

schwingender

oder vibrierender Körper.

Pro Transplant-Violine ist,

ganz wie im klassischen

Orchester, ein Zweitleib

vorgesehen, der mit der Violine

ein Binom bildet bzw.

einen kurzgeschlossenen

Resonanzkreis, also entweder

der die Violine Anregende

(„Spieler“) oder der

sich ihrer (automatischen,

elektronisch produzierten)

Vibration Aussetzende. Die

Transplant-Violinen können,

sofern sie der dem

menschlichen Leibsinn

nächsten geo-chronologischen

Schicht entstammen

und nicht selten größer

sind als Menschen, also auch von älteren Stämmen kommen (über 80 oder 100 Jahre)

eine Patenschafts – oder Pflegevibration vollziehen, die sich auf den menschlichen Leib

außerordentlich gedeihlich auswirkt. Der menschliche hörende Leib wird vom SAMSO-

NOW TRANSPLANT ORCHESTRA, das funktioniert wie ein irrer Wald, aufgefangen und

molekularisiert. Diese Strategie der Insonanz oder sonorer Primitivisierung ist aber nur

die halbe Sache. Das Pflanze-Werden des Hörenden zieht auch eine Einsicht in die Differenziertheit

des hölzernen Großleibs nach sich, in welchem die Hoheit und Intelligenz

des photosynthetisierenden Wesens nachhallt. Das Projekt ist ebenso Dekonstruktion

des Orchesters wie künstlerische körpergestützte Klangrecherche.

Heidulf Gerngross: De Mensura et Proportione.

Prototractatus Architectonicus-Experimentalis.

Herausgeber: ST/A/R-Verlag-Wien.

Abbildungen: Pavle Jungic.

Abb. S.60: Gerngross-Säule von Franz West,

Schemazeichnung von Pavle Jungic.

Druck: Süddeutscher Verlag Zeitungsdruck GmbH,

München.

Buchbinderei: Flieger, Wien.

Förderung: Philipp Konzett, Stadt Wien,

Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur,

Markus Spiegelfeld – Werkstatt Wien.

Wien, 2012.


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 81

Heike Nösllböck

Videostil aus „Herbst 2011“ aus dem Zyklus „Ballerinas“

Darstellerin: Bellinda Pototschnik

HEIKE NÖSSLBÖCK


82 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Heike Nösslböck

Videostil aus „Winter 2011“ aus dem Zyklus „Ballerinas“

Darstellerin: Melanie Kaltenbrunner


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 83

Heike Nösslböck

Videostil aus „Frühling 2012“ aus dem Zyklus „Ballerinas“

Darstellerin: Eleonore Spindler


84 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 85

Sabine Jelineks „Brennende Landschaft“ von 2012 ist

im Stile einer romantischen Malerei vom Ende des 18. Jahrhunderts

fotografi ert. Auch damals bereisten die Künstler im

Sinne der „Grand Tour“ Rom um die antiken Schätze einer

eigentlich lange gestorbenen alten Kultur, die damals wieder

aufl ebte, zu erkunden. Die fotografi erte Landschaft ist Teil

eines Diptychons, in dem auch der dazugehörige Fotograf zu

sehen ist. Er richtet seine anachronistisch anmutende Großformatkamera

eben auf jene Landschaft in der Nähe Roms

gelegen, an jenem Ort, wo das römische Reich seinen Ursprung

nahm. Hier wird Fotografi e mit Malerei verknüpft und

die Fotografi e der Anfänge ins Bild gesetzt, weil auch sie ein

sterbendes Medium ist.


86 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Grosskulturbaus


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 87

G

O

Archiquantbesprechung

telle Wien Mitte


88 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Christine Hesky

Westbahnstrasse

Westbahnstrasse

olina Küchen Christine Hesky

Westbahnstraße 1a

A-1070 Wien

T: +43 1 907 6315

M: +43 664 38 19 075


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 89

klaus.hesky@olina.com

www.olina.com


90 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 91

Ein BErgsommEr

für gEniEssEr

An aussichtsreichen Punkten mit Panoramblick sind in diesem Sommer in Niederösterreichs

Bergwelt nicht weniger als 40 Kultmöbel aufgestellt. Zur emotinalen Aufladung besonders schöner

Rastplätze und emotionale Aufforderung zur ultimativen Entspannung.

Von Zauberbergen und einem Paradies der Blicke wird

gesprochen, wenn von den „Wiener Alpen in Niederösterreich“

die Rede ist. Zauberhaft ist die wirldromantische

Kulisse tatsächlich und vor allem ist es die Inszenierung,

die den östlichsten Ausläufer des Alpenbogens zu einer

besonderen Ausflugs- und Urlaubsdestination macht.

Zu inszenieren verstand bereits Mitte des 19. Jahrhunderts

Carl Ritter von Ghega die Landschaft, indem er eine

gewagte Trasse mit 16 Viadukten und 14 Tunneln in die

Landschaft setzte. Eine architektonische Glanzleistung,

die 1998 als UNESCO Weltkulturerbe unter Schutz gestellt

wurde.

Belebend für die Szenerie war auch der Drang der

Großbürger und Künstler gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts

in die Region zwischen Schneeberg, Rax, Semmering

und Wechsel. Von Peter Altenberg über Arthur

Schnitzler bis Alma-Mahler-Werfel reicht die Liste prominenter

Sommerfrischler. In ihrer Zeit entstanden zahlreiche

der sehenswerten Semmering-Villen.

Heute geht Inszenierung ein wenig anders. Diesen

Sommer zieren 40 sogenannte „Enzos“ die niederösterreichische

Bergwelt. Initiiert wurde die Aktion vom Land

Niederösterreich. Christoph Madl, der Geschäftsführer

der Niederösterreich-Werbung, gibt im Interview Auskunft

über die Intentionen der Design-Verfrachtung.

Herr Madl, warum schafft Niederösterreich überproportionale

Kultmöbel auf die Berge?

Christopf Madl: Die vom Wiener MuseumsQuartier bekannten

Enzos sind ein Signal im Rahmen unserer neuen

Bergsommer-Kampagne, mit der wir auf die wunderbaren

Entspannungs- und Erlebnisregionen in den Bergen des

Mostviertels und der Wiener Alpen in Niederösterreich

hinweisen.

www.wEiNFRANZ.com

Prof. Christoph Madl,

Niederösterreich-Werbung

„ Mit Niederöster reichs

Bergen können wir

ein junges, urbanes

Publikum an sprechen,

das in prachtvoller

Natur chillen will.“

Die Umweltverträglichkeit ist auch bezüglich der Materialien

gegeben?

Die Kultmöbel sind zu 100% aus abbaubarem Material

gefertigt, und wir haben peinlich genau alle Naturschutzbestimmungen

beachtet.

Der Bergsommer Niederösterreich besteht aber wohl aus

mehr, als aus kreativ inszenierten Rastplätzen …

Die Kombination ist entscheidend. Die chilligen Enzos

sind ja nur ein Akzent. Reine Bergluft, grüne Wiesen,

Almhütten mit Regionalschmankerln und den ganzen

Sommer lang ein Festreigen an Veranstaltungen. Damit

wird der Bergsommer in Niederösterreich ein Bergsommer

für Genießer. Wer auf den Enzos keinen Platz findet

– was unwahrscheinlich ist, denn immerhin haben wir

40 Stück davon aufgestellt – kann seine Rast und seine

Mußestunden immer noch ganz traditionell auf einer

Holzbank oder der Picknickdecke verbringen.

Wie ist man dabei auf „Enzos“ gekommen?

Wegen der geografischen Nähe zu Wien können wir ganz

hervorragend das junge, urbane Publikum ansprechen.

Um diese Zielgruppe zu begeistern, bedarf es ungewöhnlicher

Inszenierungen, was wiederum der Marke Niederösterreich

und ihren Kernwerten entspricht. Die Enzos

sind bestens geeignet, um die Idee der selbstkreativen

Entspannung zu vermitteln.

Die Signalwirkung ist allein durch die Größe und die Farben

gegeben. Wird dadurch nicht das Bergidyll gestört?

Dann würde jeder bunte Paragleiter am Himmel das Idyll

stören. Ganz im Gegenteil: Mit den Objekten wird das

Ambiente emotional aufgeladen. Emotion auszulösen ist

die Aufgabe von Kunst und Kunstobjekten. Wie gut die

Enzos angenommen werden, kann man seit Jahren im

Wiener MuseumsQuartier beobachten.

Gute Aussichten von den Enzos und auf die Enzos.

FotoS: RoBERt HERBSt

Nach welchen Kriterien wurden die Standorte für die Enzos

ausgesucht?

Wir haben aussichtsreiche Punkte gewählt, aber auch

sehr genau auf Landschaftsschutz geachtet – die Enzos

also dort platziert, wo sie den Besuchern der niederösterreichischen

Berge als attraktive Rastplätze nützlich sein

können, aber niemanden stören werden.

Mehr Infos: www.bergsommer.at


92 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

KUNST AM BAU

Von der künstlerischen Zwischennutzung leerstehender Immobilien.

neuwohnen.at | vondevor AG | Creative Endeavours Arts Lab

ROHBAU

KUNSTSCHAU #02

In einer zeitgemäßen Adaption der lange

gedienten Kunst-am-Bau Tradition, wurde das

leerstehende Zinshaus in der Berggasse 37

im 9. Wiener Gemeindebezirk kurz vor Baubeginn

ganz ins Zeichen der Kunst gestellt.

Auf zwei Etagen konnten 12 junge sowie

namhafte KünstlerInnen ihre Werke unter

dem Motto Stillstand und Beschleunigung

präsentieren.

Die Ausstellung beschäftigte sich inhaltlich

mit Phänomenen des Vergänglichen und des

Flüchtigen innerhalb unseres gesellschaftlichen

Gefüges. Das leerstehende Zinshaus, das

teilweise bereits ausgeschlachtet wurde, stellte

den perfekten Kontext für diese Ausstellung

dar und ermöglichte auch spannende ortsspezifische

Installationen der KünstlerInnen.

IM HERZEN DES

SERVITENVIERTELS

Im Zentrum Wiens entsteht auf dem Grundstück

der Berggasse 37 ein bemerkenswerter

innerstädtischer Gebäudekomplex.

Das auf dem Grundstück befindliche Jahrhundertwendehaus

mit glatter Fassade gleicht in

seiner Grundform mehreren hintereinander

angeordneten Bauelementen und bildet somit

die architektonisch spannende Basis für dieses

Bauprojekt.

Vlnr.: Dr. Stefan Hase (vondevor AG), Katrin Knilli (Creative

Endeavours Arts Lab), Lucas Gehrmann (Kunsthalle Wien),

Andreas Moussa (neuwohnen.at)

Das Ergebnis dieser außergewöhnlichen

Maßnahme, die am 10. Mai 2012 mit einer fulminanten

Eröffnung gefeiert wurde, war eine

spannende inhaltliche Auseinandersetzung an

der Schnittstelle von Architektur, Kunst und

Gesellschaft.

Die zuständigen Bau- und Immobilienfirmen

begreifen dabei das Konzept der künstlerischen

Zwischennutzung als Chance: „Wir verstehen

die Kunst als spannenden Impulsgeber

und sind stolz darauf, unseren Kunden solch

außergewöhnliche Veranstaltungen bieten zu

können”, freut sich Dr. Hase, Vorsitzender der

vondevor AG.

Die Generalsanierung und der Verkauf der

Liegenschaft wird von der vondevor AG und

neuwohnen.at abgewickelt.

„Im Erwachen aus dem Glauben an ein unfehlbares

System, sieht sich unsere konsum- und

marktorientierte Gesellschaft mehr denn je

mit unterschiedlichsten Ausprägungen von

Vergänglichkeit konfrontiert”, so Bastian

Hörmann, einer der beiden Kuratoren der

Ausstellung. „In drei Gruppenausstellungen

beschäftigen wir uns im Laufe des Jahres mit

den Themenblöcken Stillstand und Beschleunigung,

Glaube und Wissenschaft sowie Untergang

und Aufbruch”, ergänzt Katrin Knilli,

ebenfalls Kuratorin.

Dieser Ansatz sollte für die KünstlerInnen

zum Ausgangspunkt werden, um sich auf

spielerische, subtile oder abstrakte Weise mit

Bewegung und Veränderung von Materialen,

Orten und Zuständen zu beschäftigen.

RAUM

FÜR KUNST

Die Zwischennutzung von leerstehenden Immobilien

stellt für die Kunst eine wichtige Unterstützung

dar und ist nicht zuletzt aufgrund

der außergewöhnlichen Locations zu einem

fixen Bestandteil des aktuellen Kulturgeschehens

geworden; und das schon lange nicht

mehr nur in Städten wie New York oder Berlin.

Die temporäre Nutzung von brachliegenden

Räumen oder Liegenschaften in Übergangsphasen

ist aber nicht nur für die Ziwschennutzer

von Vorteil. So können vielfältige positive

Wirkungen für Standort und Eigentümer

geschaffen bzw. gesellschaftliche und ökonomische

Mehrwerte generiert werden.

Hintereinander liegen somit zwei Baukörper

mit insgesamt 3 Innenhöfen und Gärten, die

das Bauwerk mit einem Spiel aus Licht und

begrünten Flächen auflockern.

Die unterkellerte Bausubstanz von derzeit

fünf Geschossen (inkl. EG) wird generalsaniert

und hochwertig erschlossen. Der Dachboden

wird im Rahmen des Projekts voll ausgebaut,

sodass eine Wohnhausanlage mit 6 bzw. 7

Geschossen und stilvoll geplanten Einheiten

von 36 m² bis 200 m² Wohnfläche entsteht.

KONTAKT

neuwohnen Erstbezugsberatung GmbH

Rudolfsplatz 3, A-1010 Wien

T: (0)1 90 43 007 | E: wien@neuwohnen.at

www.neuwohnen.at

vondevor AG

Am Eisernen Tor 3, A-8010 Graz

T: (0)5 01 77 30 00 | E: office@vondevor.ag

www.vondevor.ag


Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 93

Valentin Ruhry (Courtesy of Christine König Gallery)

Karl Karner

Bernhard Buhmann

Emanuel Jesse

Gerald Zahn

Bernd Oppl

Fotos: Anita Schmid, Skulptur: Katarina Schmidl

STILLSTAND &

BESCHLEUNIGUNG

Die entvölkerten, scheinbar im Stillstand gelegenen

Bildwelten von Stirn Prumzer eröffneten

dem Betrachter die Frage nach unterschiedlichen

Aggregatzuständen von Stoffen

und deren Auswirkungen auf die Umwelt.

Stirn Prumzer

Nana Mandl

Angelika Loderer

Letizia Werth

Die Fotoserie von Gerald Zahn, die Teile des

Eskimo Eissortiments in geschmolzenem

Zustand zeigt, stellt hingegen eine ironische

Dekonstruktion von Alltagsphänomenen und

Konsummustern dar.

Die Bewegung des menschlichen Körpers

im Raum inszenierte Anita Schmid in ihren

Fotografien. Ihre Bilder spielen mit dem Verhältnis

von Anwesenheit und Abwesenheit und

eröffnen somit einen Dialog zwischen Raum

und Körper.

Dazu kontrastierten im selben Raum die Büsten

von Katarina Schmidl. Die aus Strohhalmen

geformten Gesichter wirken, als ob sie

ihre Substanz und Seele aufgrund zu starker

Beschleunigung verlieren würden.

Wohingegen die Bronze-Skulpturen von Karl

Karner einen eher entschleunigten Blick auf

den Innenkosmos fantastischer Landschaften

erlauben.

Urbanen Wandel erarbeitet der Graffiti-

Künstler Emanuel Jesse. Ehemals graue

Wände, aber auch Leinwände und Straßen

weichen mit Leichtigkeit den farbigen Motiven

des Künstlers.

Etwas schwermütiger präsentierte Nana

Mandl ihre kleinformatigen Arbeiten. Sie

thematisiert mit ihrem künstlerisch dokumentarischen

Blick verschiedene Orte in Afrika,

die sich der Beschleunigung einer marktorientierten

Welt entziehen.

Bernhard Buhmanns Malereien zeigen Flugund

Fahrobjekte die zwar phantastisch in

Bewegung scheinen, doch faktisch jederzeit

abstürzen müssten, was auch als ironischer

Hinweis auf unser System gedeutet werden

kann.

Valentin Ruhry tritt mit seinen formal minimalistischen

Objekten und Wandarbeiten in

einen raumgreifenden Dialog mit der Architektur

und entfremdet die verwendeten Bauund

Wohnstoffe auf ästhetische Weise ihrer

ursprünglichen Funktionen.

In Bernd Oppls Installation werden Bälle

mittels Bewegungsmelder und Motor in einem

Raummodell in Bewegung versetzt und auf

besondere Weise live auf einen Display übertragen,

wodurch der bewegte Raum zu einem

statischem wird.

Angelika Loderer arbeitet in ihrer Installation

mit überwiegend vor Ort gefundenen Materialien

und beschäftigt sich mit formalen und

materialspezifischen Aspekten von Vergänglichkeit,

was besonders auch durch das von

Aceton verätzte Styropor ersichtlich wird.

Letizia Werth hingegen greift in ihren Graphitzeichnungen

die Vergänglichkeit und Fehlerhaftigkeit

alter Fotografien auf und begibt sich

in ihrer fluoreszierenden Rauminstallation

„Troja“ auf die Spuren von Ursprung und Untergang

der Zivilisationen.

Text zur Ausstellung: Denise Sumi

Eine Ausstellung von Creative Endeavours

Arts Lab und AUSARTEN[ ] eV. Vielen Dank

an alle KünstlerInnen, Projektbeteiligten

und Partner: vondevor AG, neuwohnen.at,

WEINWURM’S, all i need, JOSEPH brot, Wien

Kultur und Kultur am Alsergrund.


94 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

Karl Kulovits, 67

Pensionist

Martina Himmelsbach, 49

Gemüsehändlerin

Karl kocht und isst für sein Leben gern. Der Einkauf am Markt gehört dazu – genauso

wie die Tipps von Frau Martina, der Standlerin seines Vertrauens. „Zuerst kosten,

dann kaufen“ – auf einen der 22 Märkte ist das möglich. Und die Marktstandlerinnen

und Marktstandler geben mit ihrer Ware auch gerne einen Koch- und Zubereitungstipp

mit auf den Weg. Wiener Märkte bieten Qualität und Vielfalt. Einkaufen am

Markt ist mehr als nur Lebensmittel besorgen: Die Märkte sind lebendige, bunte Orte

der Begegnung und bieten sinnliche Genüsse für Augen, Ohren und Nase.

Mehr Information unter:

www.marktamt.wien.at, www. lebensmittel.wien.at oder 01/4000-8090

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Städteplanung / Architektur / Religion

ST/A/R 95

Foto: ST/A/R

Herbert Brandl – in El Grecopose


96 ST/A/R

Städteplanung / Architektur / Religion

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