Trac Klein Druck 2

geraldkofler

Heidulf Gerngross

De Mensura

et Proportione

Prototractatus

Architectonicus-Experimentalis

ST/A/R Verlag Wien


Vorwort

Neben meinen architektonischen

Konstruktionen ist eine ungeordnete

Agglomeration aus Sätzen, Fundstücken

und Worten geblieben, die für

mein Machen ein wirkungsvolles

immaterielles Geflüster waren, das ich

in dieser Unordnung nicht mitteilen

konnte.

Aus dem Agglomerat formt sich

der Tractatus Architectonicus-

Experimentalis oder der Tractatus

Architectonico-Experimentalis, der

im Herbst 2012 im Metroverlag Wien

erscheinen wird.

Der Text erscheint in der ST/A/R Zeitung

als Prototractatus Architectonicus-

Experimentalis, dem Stand der Arbeit

entsprechend in der Anordnung und

Übersetzung der Sätze noch teilweise

nicht abgeschlossen.

Die Herausgabe des Werkes im

Metroverlag kann noch durch

Mitteilungen, Sätze, Stellungnahmen,

Kritiken, Kommentare oder Fundstücke

erweitert werden. Auch der ST/A/R

Leser ist eingeladen an dieser

Weiterentwicklung teilzunehmen,

office@star-wien.at.

Dank an den russischen Architekten

und Philosophen Sergej Volgin,

der mir durch seine kritischen

und zustimmenden Hinweise das

Vertrauen geschenkt hat, das Werk zu

veröffentlichen.

Heidulf Gerngross, Wien 2012

2 3


1. Die Form ist das, was

gebraucht wird.

1.1. Unsere Ästhetik ist die Praxis

des Gebrauchs.

1.1.1. Der Gebrauch ist der

Rhythmus.

1.2. Unsere Architekturschule lehrt

das Planen und das Machen.

1.2.1. Architekten werden zum Planen

erzogen. Sie sollten zum

Machen erzogen werden.

1.2.2. Man braucht nicht planen. Man

macht.

1.2.3. Was man nicht planen kann,

das soll man machen.

1.2.4. Ich plane nicht, ich mache.

1.3. Die Bedeutung weiß

Bescheid.

1.3.1. Die Bedeutung weiß auf alle

Fälle Bescheid.

1.3.2. Der Schein trügt nicht.

1.4. Die Architektur ist

Materialphilosophie.

1.4.1. Architektur ist die

Entdeckung des

Selbstverständlichen.

(Feldenkrais)

1.4.2. Städteplanung ist

Innenarchitektur.

GERNGROSS

4 5


1.4.3. Das Küken fühlt sich wohl,

weil es von Innen lesen

kann.

1.5. Die wirksamste Struktur ist

die, die man nicht merkt.

(John Cage)

2. Die Architektur ist eine

Mitteilung über Maß und

Proportion.

2.1. Maß und Proportion haben

die Gerechtigkeit

in sich.

2.1.1. Proportionieren ist die

Aufgabe des Architekten.

2.1.2. Die Proportion ist ein

Vertrauensverhältnis.

2.1.3. Das Maß ist die

Notwendigkeit der

Proportion.

2.1.4. Wenn etwas nicht Maß und

Proportion hat, ist es schon

ungerecht.

2.1.5. Das ganze Ziel von Maß und

Proportion ist Gerechtigkeit.

2.2. Proportion bedeutet

menschliches Maß

und natürliches

Verteilungssystem.

2.2.1. Maß und Proportion

beinhalten die Dimension

des menschlichen Seins und

des sozialen Machens.

6 7


2.2.2. ‚Ora et labora’.

(Benediktiner) ‚Mensura

et proportio’, ‘Maß und

Proportion’ sind die

Grundsätze der Jakob

Prandtauer Schule für

Architektur in Melk.

2.2.3. Maß und Proportion haben

materielle und geistige

Funktionen.

2.3. Die Geometrie ist

unweigerlich da.

2.3.1. Kurve. Kreis. Gerade.

Winkel. Thales von Milet

hat eine geometrische

Struktur entdeckt, in der

jeder Winkel im Halbkreis

ein rechter Winkel ist.

2.3.2. Pythagoras hat nicht nur

die inneren Beziehungen

innerhalb von Proportionen

untersucht. Gleichzeitig

hat Pythagoras eine

Lebensschule aufgebaut. Er

galt ebenso als Schamane

wie als Wissenschaftler.

2.3.3. Schule des Maßes. Schule

der Proportion.

2.4. Die Architektur ist

der Applikator der

menschlichen Größe.

8 9


2.4.1. Die gesamte Architektur

hängt von den Maßen des

Menschen ab.

2.4.2. Elle, Fuß, die ältesten

Maßeinheiten sind

menschliche Maße.

2.4.3. Le Corbusier hat den

Modulor aus menschlichen

Maßen geschaffen.

43 cm, Sitzhöhe, Knie.

70 cm,Tischhöhe.

113 cm, Barhöhe, Nabel.

183 cm, Kopfhöhe.

226 cm, ausgestreckte Hand.

2.4.4. Der Modulor ist im Archiquant

gespeichert.

10 11


2.5. Der Archiquant hat Maß

und Proportion in sich.

Der Archiquant ist eine

Materialisierung von Maß und

Proportion.

2.5.1. Der Archiquant ist aus dem

Machen entstanden.

2.5.2. Kreis, Dreieck, Rhombus,

Rechteck, Quadrat, Elipse und

Archiquant sind geometrische

Figuren. Der Archiquant ist

eine neue geometrische Figur.

2.5.3. Die Geometrie des

Archiquanten. Die Breite B ist

sein Radius R. Seine Tiefe T ist

der Goldenen Schnitt von B

oder R.

2.5.4. Der Archiquant läßt sich mit

Zirkel und Lineal konstruieren.

2.5.5. Die Konstruktion des

Archiquanten.

m

K5

K3

C

S4

S1

G

A

B=R

K1

S2

R

S

S6

M1

T

S5

S8

B

K2

K4

S3

Die Konstruktion des Archiqua

für eine gegebene Strecke AB

- konstruiere

Kreis K1 mit Mittelpunkt A und

Kreis K2 mit Mittelpunkt B und

* K1 schneidet K2 in M1

* K1 schneidet m in C.

Kreis K3 mit Mittelpunkt C und

* K3 schneidet K1 in S1

Linie durch S1 und B schneide

Kreis K4 mit Mittelpunkt M1 un

* K4 schneidet AC im goldene

* K4 schneidet K1 in S4 und S

Kreis K5 mit Mittelpunkt G und

Linie durch S2 und S5 schneid

Linie durch S3 und S4 schneid

- erhalte Archiquant S5 S6 S7

- verbinde K5-Segment S6S7

12 13


Für eine gegebene Strecke AB.

auf der Grundlinie m:

Konstruiere

Kreis K1 mit Mittelpunkt A und

Radius AB.

Kreis K2 mit Mittelpunkt B und

Radius AB.

* K1 schneidet K2 in M1.

* K1 schneidet m in C.

Kreis K3 mit Mittelpunkt C und

Radius AB.

* K3 schneidet K1 in S1.

Linie durch S1 und B schneidet

K2 in S2 und S3.

Kreis K4 mit Mittelpunkt M1

und Radius M1S3.

* K4 schneidet AC im goldenen

Schnitt G.

* K4 schneidet K1 in S4 und S5

Kreis K5 mit Mittelpunkt G und

Radius AB.

Linie durch S2 und S5

schneidet K5 in S6.

Linie durch S3 und S4

schneidet K5 in S7 und K1

in S8.

Erhalte Archiquant S5 S6 S7 S8.

Verbinde K5-Segment S6S7

mit K1-Segment S5S8.

(Hofstetter Kurt)

2.5.6. Der Archiquant ist eine

Metastruktur.

2.5.7. Der Archiquant ist der rechte

Winkel des 21. Jahrhunderts.

14 15


2.5.8. Der Archiquant ist das

Konzentrat des Modulors.

2.5.9. Der Archiquant ist ein

Handwerkszeug und ein

Geisteswesen.

2.5.10. Der Archiquant ist ein

Architekturteilchen.

2.6. Im Materialisieren von

Proportionen gibt es Kurven

und Geraden.

2.6.1. Das Bauhaus hat sich vor allem

auf die Gerade verlassen.

2.6.2. Der Archiquant verbindet

Kurven und Geraden.

2.6.3. So beinhaltet auch die

grafische Darstellung

des Archiquanten zwei

unterschiedliche visuelle

Lesarten. Die eine erscheint

als Archiquant, die andere als

gebogene Fläche.

Archiquant

Gebogene Fläche

2.6.4. Weder Kurven noch Geraden

zu priorisieren ist maßvoll.

2.6.5. Das ‚Mittelmaß’ bedeutet,

weder Kurven noch Geraden

zu priorisieren.

16 17


A B C D E F G H

I J K L M N O P Q

R S T U V W X Y Z

R

T

2.6.6. Der Archiquant repräsentiert

das Mittelmaß.

3. Die Architektur transformiert.

3.1. Architektur hat die Aufgabe,

Zeit in Raum umzuwandeln.

3.1.1. Der Aufbau des Raumes ist die

Begrenzung des Raumes.

3.1.2. Im Raum wirken Maß und

Proportion.

3.1.3. Wer mit der Fläche nicht

arbeiten und umgehen kann,

der kann auch mit dem Raum

nicht arbeiten und umgehen.

3.1.4. Jeder Strich ist ein Satz.

3.1.5. Wer nicht zeichnen kann ist

verdächtig.’ (Michelangelo)

3.1.6. Der Strich

Satz.

ist ein

3.2. Der Architekt begrenzt und

öffnet.

3.2.1. Die 1, 2, 3 Räume sind drei

Flächen.

3.2.2. Der Raum ist durch Flächen

begrenzbar.

3.2.3. Mit drei Flächen ist der Raum

bereits begrenzt.

3.2.4. Gleichzeitig lassen die 1, 2, 3

Räume sehr viel Spielraum.

1

2

3

G N

18 19


3.2.5. Spielraum und Freiheitsgrad.

Der Spielraum ist Freiraum.

3.3. Die Form hat geistige und

materielle Funktionen.

3.3.1. Die Form ist die Möglichkeit

der Struktur. (Wittgenstein)

3.3.2. Die Struktur beinhaltet

die Möglichkeiten

unterschiedlicher Formen.

3.3.3. Die Philosophie ordnet

Geistiges, die Architektur

ordnet Materielles.

3.4. Der architektonische Raum.

Der Gerngrossraum.

3.4.1. Man wird den Raum durch

Licht und Farbe messen

können. (Kandinsky)

3.4.2. Der Gerngrossraum.

G NGR RNGRO GERNGROSS GERNGROSS

NGR RNGRO GERNGROSS GERNGROSS

G

GERNGROSS

NGR

RNGRO

NGR

RNGRO

Der Betrachter steht in der

Bildebene und hat fünf Ebenen

vor sich und fünf Ebenen

hinter sich.

Er baut und schaut sich seinen

Raum.

GERNGROSS

GERNGROSS

GERNGROSS

20 21


3.4.3. Der Gerngrossraum verbindet

Malerei und Architektur.

3.5. Die postsupprematistischen

Datenblätter sind Aktionsblätter.

3.5.1. Ein Aktionsblatt geht über die

reine Geometrie hinaus.

3.5.2. Das Aktionsblatt beinhaltet eine

interräumliche Durchdringung

der Seite.

3.5.3. Die Durchdringung von Vorderund

Rückseite macht die Aktion.

3.5.4. Die Umstülpung ist eine

Überraschung.

3.5.5. Die Datenbätter sind

seismographische

Aufzeichnungen.

3.5.6. Im Punkt ist immer noch

etwas offen.

3.6. Die Überwindung der

Zeit ist ein Anliegen der

Raumarchitektur.

3.6.1. Der Punkt ist ein Kontinuum.

3.6.2. Es gibt nur jetzt.

3.6.3. Die gesamte Geschichte ist

Gegenwart.

3.6.4. Die Zeit ist Verschwendung.

Die Zeit ist zumindest

Zeitverschwendung.

3.6.5. Die ganze Zeit ist eine

Verschwendung.

3.6.6. Der Raumgenuß ist keine

Verschwendung.

22 23


3.6.7. Es gibt kein Alter. Es gibt immer

nur Neues.

3.6.8. Auch das Alter ist etwas Neues.

3.6.9. Die Geburt des Alters.

3.6.10. Das ganze Leben ist eine Geburt.

3.7. Die Zukunft ist virtuell. Die

Zukunft ist symbolisch.

3.7.1. Alle Religionen sind virtuell.

Alle Religionen sind symbolisch.

(Sergej Volgin)

3.7.2. Die Virtualität kreiert die Praxis

der Religionen, von der stillen

Einkehr bis zum Mord des

anderen.

3.7.3. Mythen und Göttergeschichten

sind virtuell.

3.7.4. Von einem angenehmen Raum

in den anderen.

3.7.5. Ein Altar im Raum macht ihn

zur Kirche.

3.7.6. Ein Altar für die

Rechristianisierung der

Neanderthaler.

3.8. Die ästhetische Organisation

ist das Unaussprechliche.

(Helmut Richter)

3.8.1. Die ästhetische Organisation

bringt das architektonische

Werk zum Blühen und Bleiben.

3.8.2. Baustellen sind die Blüten der

Stadt.

3.8.3. Helmut Richter hat mir

24 25


Le Corbusier, Popper und

Wittgenstein näher gebracht.

Philosophen, Falsifikatoren

und Formulatoren.

3.8.4. Die Logik der Forschung.

(Popper) Die Logik des Lebens.

3.8.5. Wo die Informatik des

Konstruierens aufhört, beginnt

die ästhetische Organisation.

3.8.6. Die Informatik ist die

Fortführung der Logik mit

anderen Mitteln. (Georg

Gottlob)

3.8.7. Die ästhethische

Organisation ist Teil der

Verdauungsphilosophie.

3.8.8. Zur ästhetischen Organisation

trägt der Bauch entscheidend

bei. (Christian Denker)

3.8.9. Man sagt, die Architektur sei

keine Wissenschaft. Das ist ein

Fehler.

3.9. Alles ist Architektur. (Hans

Hollein)

3.9.1. Architektur ist nicht das Leben.

Architektur ist Hintergrund.

Alles andere ist nicht

Architektur.

(Hermann Czech)

3.9.2. Die Arbeit in der Architektur ist

eigentlich mehr eine Arbeit an

Einem selbst. (Wittgenstein)

3.9.3. Die Architektur ist eine Geste.

(Wittgenstein)

26 27


3.9.4. Die Architektur ist keine

Dienstleistung sondern ein

Liebesdienst. (Anna Popelka)

3.9.5. Architektur ist Modulation der

Muskelspannung. (Elisabeth

von Samsonow)

3.9.6. Die Architektur soll sich dem

weiblichen Körper anpassen.

(Wladimir Tolstoj)

3.9.7. Architektur muss brennen.

(Wolf Prix, Swiczinsky, Michael

Holzer)

3.9.8. Raum pfeift. (AZ4, TU Graz)

3.9.9. Architektur ist keine Kunst.

(Anna Popelka)

3.9.10. Architektur ist die

Reibungsenergie zwischen

Vision und Wirklichkeit.

(Lukas Göbl)

3.9.11. Das Spiel der Mächtigen.

(Franz West)

3.9.12. Gerngrossarchitektur-

Weltarchitektur. Die

Weltarchitektur ist zum Kind

geworden.

(Sergej Volgin)

3.9.13. LuftRaumZeitArchitektur ist

das Ordnen von Architektur

und Stadt durch tektonische

und soziale Strukturen.

(Bernhard Hafner)

3.9.14. Vitruvius nicht vergessen.

(Raoul Blahacek)

28 29


3.9.15. Jeder Winkel ist ein rechter

Winkel. (Marco Duranovic)

3.9.16. L’architecture c’est moi. Die

Architektur bin ich. (Caroline

Russo)

3.9.17. Die Architektur folgt der Vision.

Die Vision folgt der Realität.

(Friedrich Kiesler)

3.9.18. Soviel wie notwendig, so

wenig wie möglich. (Heinz

Wondra.)

3.9.19. Architektur ist der Unterschied

zwischen Architektur. (Adolf

Krischanitz)

3.9.20. Architektur ist die Bündelung

der zentrifugalen Kräfte. (Jan

Tabor)

3.9.21. Architektur ist die obszöne

Verschämtheit der

Naturmaterie, das illegitime

Kind (Kegel) des Architekten

und der Schöpfung. (Adam

Wiener)

3.9.22. Architektur macht schlank.

(SPUTNIC)

3.9.23. Gute Architektur bedingt eine

Portion Erotik! (Martina Fürst)

3.9.24. Alles was richtig ist, ist schön.

(Markus Spiegelfeld)

3.9.25. Architektur ist die Summe aller

Notwendigkeiten. (Andreas

Treusch)

3.9.26. Ich will in die zweite

Dimension. (Herbert De Colle)

30 31


3.9.27. Architekur = Raum x

(Geometrie + Psychologie).

(Heinrich Büchel)

3.9.28. Der Konflikt ist der

Städteplaner. (Milan

Mijalkovic)

3.9.29. Architektur kennt kein

Rauchverbot. (Angelo Roventa)

3.9.30. Ordinatio, dispositio,

eurythmia, symmetria, decor,

distributio. (Vitruv)

3.9.31. Die Speicherfähigkeit ist eine

wesentliche Eigenschaft der

Architektur. (Laurids Ortner)

3.9.32. In allem Tun liegt Architektur.

(Hans Dietrich)

3.9.33. (Meine) Architektur ist

Kunstraum. (Philipp Konzett)

3.9.34. Architektur – eine Bühne für

das Schauspiel der Menschen.

(Helmut Wimmer)

3.9.35. Architektur ist das

Machen von Räumen

im thermodynamischen

Gleichgewicht zwischen

Mensch und Umwelt. (Daniel

Podmirseg)

3.9.36. Was ist Architektur? Architektur

ist räumliches Werkzeug für

Leben! (Rainer Köberl)

3.9.37. Licht ist die erotische

Komponente der Architektur.

(Mounty R.P. Zentara)

32 33


3.9.38. Architektur ist die ultimative

erotische Kunst. (Monica

Binvincini)

3.9.39. Architektur zählt, wenn sie den

Menschen dient und nicht dem

Architekten. (Friedrich Blaha)

4. Der Archistrator archistriert

Geistiges und Materielles.

4.1. Der Archistrator ist der Dirigent

des Materialisierens.

4.1.1. Was der Dirigent für die Musik

ist, das ist der Archistrator

für das Gebaute und für das

Bauen.

4.1.2. Auf die Übersetzung kommt es

an. Die Musik ist die Augen-zu

Kultur.

Architektur ist

Augenübersetzungskultur.

4.2. Der Architekt ist der

Materialisator der Geistigkeit.

4.2.1. Architektur ist eine

Verfestigung der Geistigkeit

am Ort des Geschehens.

4.2.2. Der Architekt ist der wahre

Materialist.

4.2.3. Sachverhalt. Materialverhalt.

Die Sprache des Architekten ist

das Materialisieren.

4.2.4. Materialkonstruktionen führen

zu Sätzen.

4.2.5. Das Materialisierte spricht.

4.3. Ich bin eine Suppe.

34 35


4.3.1. Ich bin eine Stufe. (Malewitsch)

4.3.2. Malewitsch bildete mit dem

Schwarzen Quadrat die

Summe aller Räume und

Aktionen, oder auch die

Summe der Nichtexistenz aller

Räume. Ein Symbol für den

Raum. Die Raumikone.

4.3.3. Musik und Ikonen. 4.33. (John

Cage)

4.3.4. Die Raumikone wird man

nicht übertreffen. Geht man

jedoch in diese Ikone hinein,

kann man wüten, toben

und proportionieren. Der

Freud’sche Schritt. Denn vor

allem geht es um Proportion.

4.3.5. Bei der Stufe muss man höher

stehen um oben zu sein.

Die Stufe repräsentiert ein

Höhersein.

4.3.6. Eine Suppe muß verdaut

werden.

4.4. Das Volksbuch ist nicht strikt,

sondern beinhaltet eine

Naturgewalt.

4.4.1. Jeder Satz hat zahlreiche

Ausdrucksformen.

4.4.2. Jedes Wort ist eine

Persönlichkeit.

4.4.3. Das Zahlensystem ist ein

Symbol.

4.4.4. Alle Zahlen außer ‚0’ und ‚1’

sind produktive Geister.

36 37


4.5. Das Raumalphabet ist eine

Schule der Räumlichkeit.

4.5.1. Die gesamte Sprache ist in

einem Winkel gespeichert.

4.5.2. Die gesamte Sprache ist

in einem rechten Winkel

gespeichert.

4.5.3. Der rechte Winkel verbindet

Sprache und Architektur.

4.5.4. Der rechte Winkel ist eine

Metastruktur.

4.5.5. Die Geometrie dieses Winkels.

1

√3−

2

1/2

1

Schwerpunkt

4.5.6. Seine lange Seite ist die kurze

Seite mal

Wurzel aus drei.

4.5.7. Der Schwerpunkt bestimmt

seine Dicke.

4.5.8. Das Raumalphabet ist eine

kleine Schule der Umstülpung.

4.5.9. Das Raumalphabet deutet den

Übergang von Sprache und

Architektur.

38 39


4.6. Die Zeitung ST/A/R ist ein

Experimentierfeld.

4.6.1. Die Zeitung ST/A/R ist ein

printmediales Forschungsfeld.

4.6.2. Die Zeitung ST/A/R

ist eine Geburtsstätte,

ein raumerweiterndes

Erlebnisexperiment. Sie gibt

Strukturen her, um allen,

die sie lesen können, neue

Räume zu öffnen, die keine

Unterdrückung darstellen.

4.6.3. Unterdrückung ist

Einschränkung. Kritik ist

affirmativ. Die Kritik an allem

anderen liegt im eigenen Werk.

4.6.4. Der ST/A/R ist eine

Metastruktur.

W

4.6.5. Der Kompaß ist ein Zeichen

des Architekten.

N

S

O

40 41


4.6.6. Der Stern gibt Orientierung und

Richtung.

4.6.7. Das Prinzip der Zeitung

ST/A/R ist Dünger, um den

persönlichen Freiheitsgrad zu

erweitern.

4.6.8. Die Verschmelzung von Leben,

Zeit, Raum, Musik, Architektur

etc.

4.6.9. Die Zeitung ST/A/R ist das

Agglomerat der Dinge für einen

lebendigen Körper, der einfach

da ist. Er lebt und das ist alles.

4.6.10. Sie lebt und das ist alles.

4.6.11. INTEGRATIVISMUS.

4.6.12. Der Integrativismus integriert.

5. Die Architektur hilft der

Erweiterung des Freiheitsgrads

jedes Einzelnen.

5.1. Es geht nicht darum, Freiheit

zu geben, sondern um die

Anregung zur Erweiterung des

individuellen Freiheitsgrades.

5.1.1. Die Freiheit muss man sich

selbst nehmen.

5.1.2. ‚Ich habe keine Zeit’ heißt ‚Ich

gebe dir keinen Raum’.

5.1.3. ‚Ich habe keine Zeit’, heißt,

‚Ich gebe dir überhaupt keinen

Raum’.

5.1.4. Die Zukunft des

Freiheitsgrades jedes

Einzelnen ist das Jetzt.

42 43


5.1.5. Erst das Nichtbemerken

des Freiheitsgrades macht

den Freiheitsgrad aus. Der

Freiheitsgrad besteht darin,

daß man nicht mehr spürt,

dass man zu wenig Freiheit

hat.

5.1.6. Die Zeitung ST/A/R

dient der Erweiterung des

Freiheitsgrads jedes Einzelnen.

5.2. Die Wahrheit ist die

Unentzogenheit.

5.2.1. In der Architektur gibt es das

Sehen und das Nichtsehen.

5.2.2. Es gibt die Wahrheit von falsch

und richtig und die Wahrheit

als die Unentzogenheit.

(Wolfgang Schadewaldt)

5.2.3. Wer die Wahrheit kennt, dem ist

nichts entzogen.

5.2.4. Die Wahrheit ist jedem

zumutbar. (Ingeborg

Bachmann)

5.2.5. Die Wahrheit ist nicht jedem

zumutbar.

5.2.6. Du kannst niemandem mehr

zumuten als dir selbst.

5.2.7. Die Wahrheit ist eine Zumutung.

5.2.8. Auch die Lüge ist eine Form der

Wahrheit.

5.2.9. Man kann eine Tasse mit

schmutzigem Wasser

reinwaschen. (Popper)

5.2.10. Die Lüge ist ein Gleichgewicht

für alle Ungerechtigkeit.

44 45


5.2.11. Sie lügt mit größter

Aufrichtigkeit und rettet

tausend Seelen.

5.2.12. Wer die Lüge nicht kennt, der

kennt auch die Wahrheit nicht.

5.3. Wir können über alles

sprechen.

5.3.1. Jeder kann über alles

sprechen. Jeder ist ein

Sokrates.

5.3.2. Worüber man nicht sprechen

kann, darüber kann man

stammeln.

5.3.3. Es gibt keine Dummheit.

5.4. Das Vergessen der Erkenntnis

formt den Menschen.

5.4.1. Erst im Vergessen wird die

Erkenntnis wirksam.

5.4.2. Die Summe aller Erkenntnis

vergessen.

5.4.3. Die Summe der Erkenntnis

aller anderen über mich ist

meine Selbsterkenntnis.

5.4.4. Ich muss mich nicht kennen.

Das was ich auslöse bin ich.

5.4.5. Erkenne dich selbst. (Orakel

von Delphi)

5.4.6. Erkenne dich nicht.

5.4.7. Überlass es den anderen dich

zu erkennen.

5.5. Das Orakel ist eine Ahnung.

46 47


5.5.1. Das Orakel ist eine Ahnung,

die sich verbreitet.

5.5.2. Ephesus, Delphi, Milet gehen

aus Ahnungen hervor.

5.5.3. Auch die Wissenschaft

ahnt und muß die Ahnung

beweisen.

5.5.4. Wenn Du denkst bist Du tot.

(Walter Röhrl, zweifacher

Ralley-Weltmeister)

5.5.5. Du denkst nicht, du ahnst.

5.6. Den ersten Zweiten muss jeder

finden.

5.6.1. Bruder und Schwester.

5.6.2. Der Sieg ist nicht die

Niederlage der anderen.

5.6.3 Das Leiden zu vergessen

ist die erste Diszplin einer

buddhistischen Erziehung,

nach dem Aufwischen des

Fußbodens.

5.6.4. Leiden und helfen. Wenn man

hilflos ist, leidet man, wenn

man helfen kann, leidet man

nicht.

6. Die Architektur ist eine Arbeit

an der Umstülpung der

Menschheit.

6.1. Geduld, Großzügigkeit

und Erweiterung des

Freiheitsgrades jedes

Einzelnen sind die Kriterien der

Umstülpung.

48 49


6.1.1. Wenn das Innenleben außen

ist und das Außenleben innen,

das ist die Umstülpung.

6.1.2. Wenn das Außenleben innen

ist und das Innenleben außen,

das ist die Umstülpung.

6.1.3. Der Umstülpungsprozess führt

dahin, dass die Ambitionen

verschwinden.

6.1.4. Der Umstülpungsprozess

führt zur ambitionslosen

Gesellschaft.

6.1.5. Die Ambitionslose.

6.1.6. Quod licet jovi, non licet bovi.

‚Jovi’ und ‚bovi’ sind eins.

6.1.7. Revolution, Evolution,

Umstülpung.

6.1.8. Die Zeit der Honigpumpe

(Joseph Beuys) und der

Revolutionen ist vorbei.

6.1.9. Selbstbewußtsein,

Selbstbestimmung,

Selbstverständlichkeit.

6.2. Der ‚Extensive Man’ bedeutet

die Umstülpung.

6.2.1. Der ‚Extensive Man’ ist eine

materialphilosophische Figur.

50 51


6.2.2. Die ‚Intensive Box’ (Walter

Pichler) hat die Außenwelt ins

Innere gebracht.

6.2.3. Der ‚Extensive Man’ stülpt das

Innere nach Außen.

6.3. Die Umstülpung ist Poesie.

6.3.1. Wer die Sinne verfeinert,

verfeinert die Welt.

6.3.2. Das Schöne ist des

Schrecklichen Anfang. (Rilke)

6.3.3. Das Schöne ist der Anfang.

6.3.4. Die Trauer ist die

Geburtsstunde des Schönen.

6.3.5. Warum nicht über Religion

reden. Aus Religion. (Schiller)

6.3.6. Der Wille zur Macht liegt

im Wachsen des Baumes.

(Derrida)

6.3.7. Die Natur ist die Kultur.

6.3.8. Die Kunst ist natürlich

künstlich. (Ferdinand Schmatz)

6.4. Es geht nicht darum, den

Einzelnen zu regulieren,

sondern um die Bedingungen

des gesellschaftlichen

Umgangs. Die

Grundbedingungen ändern.

6.4.1. Jeder Einzelne ist ein

Kernstück der Masse.

6.4.2. Jeder Einzelne muss den

Freiheitsgrad spüren.

6.4.3. Wenn man verändert, dann

geht man nicht von der Masse

52 53


aus, sondern vom Einzelnen.

Veränderungen gehen nicht

von der Masse aus, sondern

vom Einzelnen.

6.4.4. Jeder Mensch ist wichtig.

(Robert Schwan)

6.4.5. Keine ‚Auge um Auge’-Politik,

sondern ‚Auge in Auge’-

Verständnis.

6.4.6. Träume und Visionen

verlangen danach realisiert zu

werden.

6.4.7. Das Schöne an den Träumen

ist, dass wir sie realisieren. (Le

Corbusier)

6.4.8. Es geht um eine neue

Definition der Massenkultur.

6.4.9. Die Gemeinschaftskultur.

Vom Individuum zum

Gemeinschaftswesen.

6.4.10. Computer lernen vergessen.

6.4.11. Wir sind immer am Anfang.

6.4.12. Alles ist Form in Bewegung

und Bewegung als Form.

Nichts ist statisch. Auch nicht

immer. (Barbara Doser)

6.4.13. Im Streben leben.

6.4.14. Die Ganzheitlichkeit ist

übermenschlich.

6.4.15. Ich bin ein Detail. Im Detail

liegt die Wahrheit.

6.5. Die Umstülpung geschieht

automatisch.

54 55


6.5.1. Das Raumalphabet ist eine

kleine Schule der Umstülpung.

6.5.2. Die Umstülpung ist eine

Überraschung.

6.5.3. Der Zufall ist eine

Interpretation. Der Zufall ist.

6.5.4. Die Stunde der Wahrheit ist

niederträchtig. Die Stunde der

Güte ist wünschenswert.

6.5.5. Glauben ist üben. Beten ist

Vertrauen.

6.5.6. Alles was ist, ist heilig.

6.6. Der Archiquant, der rechte

Winkel und der Stern sind

Metastrukturen.

6.6.1. Diese drei Metastrukturen

tragen gleichzeitig zum

Verschwinden von

Metastrukturen bei.

6.7. Wir haben keine Zielgruppe.

Die Gruppe bildet sich.

6.7.1 Die Zielgruppe ist eine

kapitalistische Waffe.

6.7.2. Es gibt Ziel und Gruppe, zum

Abschuss bereit.

6.7.3. Der Kapitalismus führt

zur Verminderung der

Empfindungen.

6.7.4. Aber wie Fehler

Verbesserungen

56 57


hervorrufen können, wird

auch der Kapitalismus zu

Verbesserungen führen.

6.7.5. Wir verbessern.

6.8. Man herrscht indem man

jedem gibt. In diesem Sinne

hebt sich das Herrschen auf.

6.8.1. ‚Divide et impera.’, ‚Verteile

und herrsche.’, ‚Verteile!’.

6.8.2. Jeder wird zum Geber.

6.8.3 Jeder hat ein

Normalempfinden. Eine innere

Richtigkeit.

6.8.4. Nichts Unwirkliches existiert.

(Thomas Redl)

6.8.5. Die Realität ist perfekt.

6.8.6. Der Übermensch ist der

Mensch.

6.9. Der Künstler ordnet und

macht.

6.9.1. Die abstrakte Konvention.

(Wolf Günther Thiel)

6.9.2. Der Konvention verbunden,

dem Abstrakten zugetan.

6.9.3. Das verständnisvolle Wunder

ist das Ergebnis der abstrakten

Konvention.

6.9.4. Komm ins Offene, Freund!

(Hölderlin)

7. Worüber wir sprechen

sprechen wir.

58 59


Personenregister

Bachmann, Ingeborg,

5.2.4.

Benediktiner, 2.2.2.

Beuys, Joseph, 6.1.8.

Bonvicini, Monica,

3.9.38.

Blaha, Friedrich, 3.9.39.

Blahacek, Raoul, 3.9.14.

Büchel, Heinrich, 3.9.27.

Cage, John, 1.5., 4.3.3.

Coop Himmelb(l)au,

3.9.7.

Colle, Herbert de,

3.9.26.

Czech, Hermann, 3.9.1.

Denker, Christian, 3.8.8.

Derrida, Jacques, 6.3.6.

Dietrich, Hans, 3.9.32.

Doser, Barbara, 6.4.12.

Duranovic, Marco,

3.9.15.

Feldenkrais, Moshé, 1.4.

Freud, Sigmund, 4.3.4.

Fürst, Martina, 3.9.23.

Göbl, Lukas, 3.9.10.

Gottlob, Georg, 3.8.6.

Hafner, Bernhard,

3.9.13.

Hofstetter, Kurt, 2.5.5.

Hölderlin, Friedrich,

6.9.4.

Hollein, Hans, 3.9.

Holzer, Michael, 3.9.7.

Kandinsky, Wassily, 3.4.

Kiesler, Friedrich, 3.9.17.

Köberl, Rainer, 3.9.36.

Konzett, Philipp, 3.8.3., 3.8.4., 5.2.9.

3.9.33.

Prandtauer, Jakob,

Krischanitz, Adolf, 2.2.2.

3.9.19.

Pythagoras, 2.3.2.

Le Corbusier, 2.4.3., Prix, Wolf, 3.9.7.

6.4.7.

Redl, Thomas, 6.8.4.

Malewitsch, Kasimir, Richter, Helmut, 3.8.,

4.3.1., 4.3.2.

3.8.3.

Michelangelo, 3.1.5. Rilke, Rainer Maria,

Mijalkovic, Milan, 6.3.2.

3.9.28.

Röhrl, Walter, 5.5.4.

Ortner, Laurids, 3.9.31. Roventa, Angelo,

Pichler, Walter, 6.2.2. 3.9.29.

Podmirseg, Daniel, Russo, Caroline,

3.9.35.

3.9.16.

Popelka, Anna, 3.9.4., Samsonow, Elisabeth

3.9.9.

von, 3.9.5.

Popper, Karl Raimund, Schadewaldt,

60 61


Wolfgang, 5.2.2.

Schiller, Friedrich,

6.3.5.

Schmatz, Ferdinand,

6.3.8.

Schwan, Robert, 6.4.4.

Sokrates, 5.3.1.

Spiegelfeld, Markus,

3.9.24.

Sputnic Architektur,

3.9.22.

Swiczinsky, Helmut,

3.9.7.

Tabor, Jan, 3.9.20.

Thales von Milet,

2.3.1.

Thiel, Wolf Günther,

6.9.1.

Tolstoj, Wladimir,

3.9.6.

Treusch, Andreas,

3.9.25.

Vitruv, 3.9.30.

Volgin, Sergej. 3.7.1.,

3.9.12.

West, Franz, 3.9.11.

Wiener, Adam, 3.9.21.

Wimmer, Helmut,

3.9.34.

Wittgenstein, Ludwig,

3.3.1., 3.8.3., 3.9.2.,

3.9.3.

Wondra, Heinz, 3.9.18.

Zentara, Mounty R.P.,

3.9.37.

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Tragen Sie hier Ihre Lieblingssätze des Tractatus

Architectonicus-Experimentalis ein oder fügen Sie

beliebige neue Sätze hinzu.

Peter Keicher, Wien 2012

GERNGROSS

62 63


Heidulf Gerngross: De Mensura et Proportione.

Prototractatus Architectonicus-Experimentalis.

Herausgeber ST/A/R-Verlag-Wien.

Abbildungen: Pavle Jungic.

Abb. S.63: Gerngross-Säule von Franz West,

Schemazeichnung von Pavle Jungic nach einem

Entwurf von Peter Keicher.

Druck: Süddeutscher Verlag Zeitungsdruck GmbH,

München.

Buchbinderei: Flieger, Wien.

Förderung: Philipp Konzett, Stadt Wien,

Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur,

Markus Spiegelfeld – Werkstatt Wien.

Wien, 2012.

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