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ST:A:R_36

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Österrreich 2,50 / EU Raum 4,50

Nr. 36/2013

ST/A/R 36

Städteplanung / Architektur / Religion

Thomas Redl, von schwelle zu schwelle / from threshold to threshold, Filmstill, la Biennale di Venezia, detournement venise.2009

in situ

in dieser gegenwart, im hier, im jetzt / von atem zu atem, von raum zu raum, von zeit zu zeit fortschreitend / in

den dingen des seins eingeschrieben, in den zustand der welt / am denkbarkeitshorizont angelangt, am schöpfungsrand,

als hineingeworfene existenz.


2

Buch I Nr. 36/2013

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KÖTSCHACH-MAUTHEN nichts was versäumt wird, später vollbracht...

Künstler aus Kötschach-Mauthen: Heimo Zobernig, Josef Dabernig, Heidulf Gerngross,

Richard Kaplenig, Hannes Zebedin, Wilfried Zojer, Heidrun Holzfeind, Herta Hofer...

GUIDO VAN RATS GALLERY / Gumpendorferstrasse 42, 1060 Wien / AUSSTELLUNG von DADA DA ACADEMY

IMPRESSUM

ST/A/R Printmedium Wien - Zeitung für Hochkultur, Mittelmaß und Schund

erscheint 4 x jährlich / Erscheinungsort Wien

ST/A/R Nr. 36 / 2013

Medieninhaber: ST/A/R, Verein für Städteplanung / Architektur / Religion

A-1060 Wien, Gumpendorferstrasse 42 - 44

Herausgeber: DI Heidulf Gerngross

Mitherausgeber: Christian Denker

Chefredaktion: Heidulf Gerngross / Thomas Redl

Artdirektor: Mathias Hentz (derzeit beurlaubt), Michael Hall, Thomas Redl

Büro / Redaktion: Lisa Kainz

ST/A/R erscheint in Zusammenarbeit mit Civitas Solis - Kulturverein

Druckproduktion: Michael Rosenkranz

Druck: Süddeutsche Verlag Zeitungsdruck GmbH

Zamdorfer Strasse 40, 81677 München

Vertrieb: Hurtig und Flink, Morawa

Aboservice / Kontakt: office@star-wien.at

Bezugspreis: Österreich € 2,50 / EU Raum € 4,50

Redaktionsadresse: ST/A/R Zeitung, Gumpendorferstrasse 42 - 44, A-1060 Wien,

fon +43 664 521 3307 (Heidulf Gerngross)

ST/A/R wird gefördert vom BMUKK

ST/A/R ist ein Gesamtkunstwerk und unterleigt dem Urheberrecht.

Werkstatt Wien - immer dabei!


Nr. 36/2013 Buch I

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Mara Art im Dienst

Für Eisenerz hat Doktorant Mara Niang

„Art im Dienst“, eine Analyse und Diagnose der Kunst gemacht; das heißt, er hat im Fisikatenhaus

(dem früheren Sitz des Amtsarztes) ordiniert um Kleidung oder Kunststücke ambulant zu ändern

und zu reparieren - Esthetische Chirurgie der Kunst oder künstlerische Rezepte für die Zukunft -

Laboratorium der Kunst.

Nächste Station: Dak´Art Biennale, Dakar - Senegal, Mai 2014

DADA DA ACADEMY Wien / Athen / Maribor

DadaDaAcademy in Athens

DadaDaAcademy at Guido Van Rats Gallery, Wien


Städteplanung / Architektur / Religion

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Nr. 36/2013

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Andreas F. Lindermayr Aus Anlass von 10 Jahre ST/A/R

Es spricht sich herum, dass

besonders Architekten einen

Narren an den Theorien von

Giles Deleuze gefressen haben.

Liegt wohl daran, dass Deleuze,

wie kein anderer Philosoph, der

Immanenzebene, als der reinen

Oberfläche des Daseins, – der

Objektität, wie Schopenhauer

sich ausdrückt – eine Lanze gebrochen

hat. Dass er dabei die

Transzendenz völlig verwarf,

war nicht gerade zielführend,

erlaube ich mir hervorzuheben.

Unter den zahlreichen Architekten

in meinem Freundeskreis

trifft eine solche Sichtung der

Dinge, wie sie für Deleuze charakteristisch ist, auf keinen so

zu, wie auf Heidulf Gerngross. Aber da spielen auch moderne

Ideen eine Rolle, wie die eines Schadewald, die aber gar nicht

so modern sind, da schon der Kirchenvater Augustinus etwas

Vergleichbares gesagt hat. Und der Bauhaus–Mitbegründer

Mies van der Rohe beruft sich

sogar explizit auf Augustinus, auf dessen Ausspruch: Schönheit

ist das Leuchten der Wahrheit.

Fassen wir den Stier bei den Hörnern! Um zu umschreiben,

worauf ich hinaus will, wäre es angeraten, sich auf Kierkegaard

zu besinnen, dessen 200. Geburtstag wir heuer feierten bzw. zu

feiern verabsäumten. – Man hört ja nichts und sieht ja nichts!

Radio– und Fernsehanstalten hierzulande hüllen sich über den

großen Dänen in Schweigen. Was nun Deleuze mit Kierkegaard

für mich persönlich verbindet, das ist das Paradox.

Deleuze entwirft in der Logik des Sinns eine ganze Serie von

Paradoxa und schießt sich zur Erklärung dessen, was er damit

meint, auf Lewis Carrols „Alice in Wonderland“ ein, auf ein

beunruhigendes Kuscheltier, wie die Cashire Katze.

Auch in den Koans des Zen–Buddhismus spielt das Paradox

eine zentrale Rolle, aber nicht, um Sinn aus Unsinn zu

produzieren, wie Deleuze uns in der Logik des Sinns vorführt,

sondern, um mit dem Höchsten eins zu werden, um Buddha

zu werden, – was einer völligen Umwandlung der Charakterstruktur

entspräche und dem Ansatz von Deleuze einigermaßen

zuwider läuft. – Von einer derart radikalen Umwandlung, Transformation

des ganzen Menschen, ist ja doch in keiner seiner

bedeutenderen Schriften die Rede. Wenn auch Vieles von

Deleuze sich dieser Sache gefährlich nähert. Ganz anders

Kierkegaard, den ich heuer zum ersten Mal, und zwar mit

großem Vergnügen, las.

In „Furcht und Zittern“ beispielsweise, ist explizit von einem

Paradox des Glaubens die Rede, und zwar in Anbetracht von

Abrahams erschütternder Tat auf dem Berg Morija. So viel mir

bekannt ist, dürfte genau daran, der Entwurf eines Weltethos

von Hans Küng, anknüpfen. Auf Abraham als Ur–Vater des

Glaubens berufen sich nicht nur Juden, sondern auch Christen

und Moslems.

Aber, der Glaube den Kierkegaard damit umreisst, ist etwas

ganz Anderes als man gemeinhin darunter versteht. Dieser

Glaube hat so gut wie nichts mit einer Ausrichtung auf ein besseres

Jenseits, aber alles mit einem unerschütterlichen Urvertrauen

in eine gedeihliche Entwicklung der Dinge zu tun. – Trotz

all des Fatalen und Fürchterlichen, das dazwischen kommen

kann.

Vielleicht besteht nun genau darin das Bindeglied, zwischen so

unterschiedlichen Positionen wie der eines Giles Deleuze/

Heidulf Gerngross (Immanenzebene, Wunsch–Produktion,

freies Fliessen der Kreativität) und Kierkegaard?

Was mir an Heidulf Gerngross imponiert, ist seine unverhohlene

Direktheit. Ich erinnere mich noch gut, als er eines Tages,

ich glaube es war 2005 im Futuregarden, auf mich zu ging und

mich gerade heraus gefragt hat: „Du bist doch „der Philosoph“,

willst nicht einmal für meine Zeitung was schreiben?“

Ich habe prompt zugesagt und bin bald darauf in die Capistrangasse

gegangen, um Heidulf Gerngross, der gerade im Bett lag

und genüsslich seine Zeitung studierte, einen Tagebuchauszug

vorzulesen. Nach jedem Absatz, merkte er ergriffen an, „Des is

guat, des kau ma so lossn!“

Der Auszug wurde nun, wenn auch unter dem heftigsten Protest

des damaligen „Chefredakteurs“ im ST/A/R gedruckt und meine

„Karriere“ als Kolumnist nahm ihren Lauf. Konstitutiv für diese

Zusammenarbeit wurde eine charakteristische Zufälligkeit.

– Ich schrieb über seltsame Zusammentreffen, über Dinge, die

mir zustießen. So zum Beispiel über Wetterkapriolen und Begegnungen,

auch mit Tieren, mitten in der Stadt. Dann über ein

geplantes Treffen mit dem Erforscher sozialer Randgruppen,

Roland Girtler, im Cafe Landtmann. Dann über Nietzsche in Sils

Maria, Naumburg, Weimar, über eine Reise nach Unbekannt,

über meinen autoritären Vater. Die Besprechung meiner

Zeitungsartikel erfolgte fast ausschließlich bei Nacht in bestimmten

Lokalen des sechsten Wiener Gemeindebezirks.

Wir trafen uns etwa im Eissalon oder im Einhorn und trotzdem

immer genau dann, wenn es in einem gewissen Sinne notwendig

wurde. Signifikant war ein Treffen im Einhorn, als Heidulf

Gerngross auf einen Zug wartete, der ihn in der Früh vom

Südbahnhof weg über Kärnten nach Italien bringen sollte. Da

hatte ich bereits „Die Krankheit zum Tode“ von Kierkegaard gelesen

und es kamen mir allerhand seltsame Einfälle. Ich dachte,

ich wüsste über Kierkegaard schon bescheid, weil ich seinen

Stellenwert in der Geistesgeschichte einigermaßen einschätzen

konnte. Aber als ich die Einleitung zur Krankheit des Todes las,

wurde mir mit einem Schlag bewusst, dass mein Wissen über

Kierkegaard im Allgemeinen, samt den Kommentaren von Jaspers,

Heidegger, Sartre usw den Kierkegaard im Original keinesfalls

ersetzen können. – Man sollte die großen Philosophen

alle im Original lesen. Es stellte sich sofort heraus, dass hier

ein mit allen Wassern gewaschener Hegelianer auf seine Kunstfertigkeit

pfeift, zugunsten eines ganz Anderen. (Die Leiter, die

Wittgenstein meint, die man, nachdem man auf ihr hinaufgestiegen

ist, einfach wegwirft.)

Urplötzlich sah ich mich veranlasst, Kierkegaard mit Tertullian

zu vergleichen, der für C. G. Jung in seiner Typenlehre das

Sacrificium Intellectualis verkörperte und damit den Modell–Fall

eines introvertierten Typen.

– Der Intellekt wird zu einer Gefahr, wenn man nicht bereit ist,

von ihm zu lassen. Man wird zum Sonderling und Sophisten, im

schlimmsten Fall zu einem Eristiker, dessen ganze Kunst darauf

hinausläuft, sich heraus zu reden.

Der Gegenpol zum Intellekt, ist dasjenige was Schopenhauer

den Willen nannte, woran Jung ganz offensichtlich anknüpft.

Und das extravertierte Pentent zu Tertullian bildet, zumindest

in Jungs Typenlehre, Origenes, der ein glänzender Redner war

und gewiss Glück bei Frauen hatte, der sich aber durch seine

Entmannung, die vielleicht eh nur eine rein symbolische Handlung

war, dem Sacrificium Phalli unterworfen hat. – Um seine

Macht, seine Unwiderstehlichkeit fühlen zu lassen, muss man

auf sie jederzeit verzichten können, weil sie im Grunde niemandem

gehört. – Sola fide, dass Gott ist, genügt.

Entspricht das nicht irgendwie dem Schicksal Nietzsches, der

von der Vision des Übermenschen in Bann gehalten, einen

unbeugsamen Willen zur Macht ausrief und dafür in geistige

Umnachtung fiel?

Ich sass, wie gesagt im Einhorn Heidulf Gerngross gegenüber,

der mit Kugelschreiber eine Skizze zeichnete, um mir seine bevorstehende

Bahnfahrt nach Italien, zu seinem Brillen–Designer

zu veranschaulichen, als mir dieser Gedanke kam. Darauf entwickelte

sich, wie so oft schon ein Gespräch über Altitheia, die

Unschuld des Werdens, den Gegenpol des Willens zur Macht.

Man könnte das alles, diese seltsamen Zufälle, Einfälle, diese

denkwürdigen Zusammenklänge, den morpho–genetischen

Feldern in die Schuhe schieben, aber ist nicht das Wort Geist

letztendlich viel beredter, viel gehaltvoller?

Ein bis zwei Monate später, traf ich Heidulf Gerngross im Eissalon.

Er kam von seinem Ex–Kollegen Richter, der an Alzheimer

erkrankt war und schilderte mir gerührt den Eindruck, den

dieser auf ihn gemacht hat. Ich fand erstaunlich, dass Gerngross,

der erklärte Agnostiker und Atheist, ringend nach einem

adäquaten Wort, auf einmal Töne anschlug, die mir aus einem

ganz anderen, entgegengesetzten Eck vertraut waren:

„Richter kommt mir in seiner Krankheit vor, wie ein Heiliger. Ich

weiss nicht wie ich es sagen soll. Jedenfalls, die Krankheit, mit

der er ringt, macht ihn irgendwie großartig.“

Nun, Wittgenstein sagt in etwa, was sich nicht sagen lässt, zeigt

sich.

Und wozu Symbol und Metapher, wozu Dichtkunst, wenn sich

eh alles was sich sagen lässt, klar sagen lässt? Ich habe noch

nie einen sterbenden Menschen begleitet, aber immerhin verschiedene

Geburten mitbekommen. Ungeheuer das fühlbare

Potential, das so einem Säugling innewohnt. Und dass das Ableben

ein umgekehrter Prozess ist, liegt auf der Hand. Zwischen

Geburt und Tod oszillieren die Dinge, aber nicht wie in der Logik

des Sinns, auf einer Ebene, sondern stets zwischen Potentialität

und Aktualität, zwischen Leben und Tod. Ad infinitum. Wir

sind allemal sterbend Werdende.

Worauf Kierkegaard insistiert, ist eine zweite, geistige Geburt.

Das setzt voraus, dass es so etwas gibt wie einen unvergänglichen

Wesenskern, Geist und Innerlichkeit. Das macht eine

Anstrengung erforderlich, die Kierkegaard den Sprung nennt.

Wenn das alles gegenstandslos, weil reine Einbildung sein sollte,

geht man vielleicht mit Deleuze und springt in einer

Lebenskrise, nach unten, in den Tod. Der Sprung den aber

Kierkegaard meint, ist ein Sprung in eine andere Seinsweise,

ein Sprung ins ewige Leben – in die ewige Lebendigkeit, wie

Nietzsche sich ausdrückt.


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Buch I Nr. 36/2013

Konzett

WWW.ARTKONZETT.COM

Mike

Ausstellung „Todesreigen mit Catrina“ am 18. November 2013 in der Galerie Konzett.

Von links nach rechts: Paul Renner, Enrique Fuentes, Günter Brus, Philipp Konzett


Nr. 36/2013 Buch I

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Ausstellung Dunkle Energie mit Enrique Fuentes und Günter Brus, Galerie Kunst & Handel, Gerhard Sommer, Graz

SOMMER

GALERIE GERHARD SOMMER Graz / Wien

Galerie Gerhard Sommer, Stempfergasse 3, 8010 Graz (im Hintergrund Bilddichtung von Günter Brus)

Schwerpunkt der Galerie Gerhard Sommer sind österreichische Künstler, die die Kunst

nach 1945 richtungsweisend geprägt haben. Dazu zählen aus der Gruppe der Wiener

Aktionisten Günter Brus, Hermann Nitsch, Otto Muehl und Rudolf Schwarzkogler, die

durch ihre radikale Gleichsetzung von Kunst und Leben internationale Anerkennung und

Nachahmung fanden.

Weiters widmet die Galerie ihre Aufmerksamkeit u.a. auch Christian Ludwig Attersee,

Wolfgang Ernst, Enrique Fuentes, Jack Bauer, Thomas Reinhold, Oswald Oberhuber

und weiteren bedeutenden Künstlern Österreichs.

Begeistert ist der Galerist Gerhard Sommer auch von jungen KünstlerInnen, die er gerne

in seinen Galerien in Wien und Graz ausstellt.

Galerie Gerhard Sommer, Wien

Himmelpfortgasse 22, 1010 Wien

Galerie Gerhard Sommer, Graz

Stempfergasse 3, 8010 Graz

Galerie Kunst & Handel

Palais Trauttmansdorff

Bürgergasse 5, 8010 Graz

Mobil: 0664/30 77 179

Web: www.kunstundhandel.com

E-Mail: office@kunstundhandel.com

Installation von Jenny Feldmann, Galerie Gerhard Sommer, 1010 Wien,

die Ausstellung läuft noch bis 3.Jänner 2014


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Buch I Nr. 36/2013

Fünf ST/A/R Fragen an Stadtrat Ludwig, Wiener Wohnbau

1. Gratulation für den Wiener geförderten Wohnbau und für die auch international

anerkannten guten Projekte. Wie viele Wohnungen sollen bis

2030 gebaut werden?

Wir erleben seit einigen Jahren ein konstantes Wachstum unserer Stadt.

Eine Entwicklung, die auch in den nächsten Jahren anhalten wird. Die Wienerinnen

und Wiener werden älter, wir haben deutlich höhere Geburtenraten

und zudem ziehen viele Menschen – vor allem aus den Bundesländern

und aus den EU-Staaten – nach Wien zu. Wien ist mittlerweile nicht nur

die zweitgrößte Stadt im deutschsprachigen Raum – nach Berlin und vor

Hamburg –, sondern wir sind auch die Stadt mit einer besonders hohen Lebensqualität.

Hält dieser Trend an, dann wird die Wiener Bevölkerung zwischen

2030 und 2035 die Zwei-Millionen-Marke übersteigen. Wir werden

also von der Einwohnerzahl wieder jene Größe haben, die Wien zum Ende

des vorletzten Jahrhunderts hatte.

Dafür treffen wir auch Vorkehrungen und stellen uns der Herausforderung –

insbesondere durch eine vorausschauende Wohnbaupolitik und eine zielgerichtete

Stadtplanung. Dabei ist es für uns besonders wichtig, bedarfsgerecht

und im Einklang mit der Bevölkerung diese Entwicklung voranzubringen.

Wir haben bereits 2007 die Neubauleistung deutlich angehoben. So konnten

wir in nur drei Jahren Projekte mit mehr als 20.000 Wohneinheiten, die mithilfe

von Wohnbauförderungsmitteln realisiert werden, auf Schiene bringen.

Aktuell liegt die jährliche Neubauleistung bei 8.000 bis 9.000 Wohneinheiten.

Davon kommen alleine 5.000 bis 6.500 aus dem geförderten Wohnbau.

Wir schaffen damit ein erschwingliches Angebot und wirken preisdämpfend

auf den gesamten Wohnungsmarkt. Die jährliche Neubauleistung entspricht

auch der gegenwärtigen Nachfrage. Wir beobachten das ganz genau

und können so den geförderten Wohnungsneubau der Nachfrage anpassen.

2. So weit, so gut. Was tut die Gemeinde Wien um einen wirklich sozialen

Wohnbau, den sich auch die ärmere Bevölkerung leisten kann, zu realisieren?

Die Wiener Wohnbaupolitik baut hier auf ein tragfähiges Fundament einer

90 jährigen Tradition. Wien gilt weltweit als die Wiege des sozialen Wohnbaus.

Im Gegensatz zu anderen Metropolen haben wir die Wohnversorgung

nicht dem privaten Markt überlassen. Wir investieren nachhaltig in den

Wohnbau und schaffen erschwingliche Angebote. Gleichzeitig wirken wir

damit auch stark preisdämpfend auf den gesamten Wohnungsmarkt. Heute

leben rund 60 Prozent der Wienerinnen und Wiener im geförderten Wohnbau,

also in einer der rund 220.000 Gemeindewohnungen oder der mehr als

200.000 Genossenschaftswohnungen. Die Gemeindebauten und der geförderte

Wiener Wohnbau prägt das Stadtbild. Sie finden in allen Regionen

und Bezirken Gemeindebauten und Genossenschaftswohnungen. Das ist

auch ein wesentliches Rückgrat für den sozialen Zusammenhalt. So verhindern

wir Segregation und sorgen für eine ausgewogene Durchmischung der

Bevölkerung. So finden Sie in Wien keine, wie aus anderen Städten bekannte,

Viertel, wo die jenigen wohnen, die es sich das Wohnen in der Stadt nicht

leisten können, wo nur die Sozialschwächsten konzentriert leben.

Es ist mir wichtig, mit den Angeboten des geförderten Wohnbaus weite Teile

der Bevölkerung anzusprechen. Bei uns haben Bewohner bis in die gehobene

Mittelschicht Zugang zum geförderten Wohnbau. Gleichzeitig stellen

wir ein breites, vielfältiges und auch unterschiedliches Angebot bereit.

Im Mittelpunkt steht dabei natürlich neben der hohen Qualität in erster

Linie, dass der Wohnraum auch erschwinglich und leistbar ist. So habe ich

ergänzend zum geförderten Wohnungsneubau auch das neue SMART-

Wohnbauprogram gestartet. Rund ein Drittel aller neuen Wohnungen werden

in Zukunft als besonders kostengünstige SMART-Wohnungen ausgeführt.

Die Wohnungen sind in den neuen geförderten Wohnprojekten

integriert und überzeugen durch eine kompakte und intelligente Grundrissplanung

und Ausführung.

3. Besonders wichtig: Gibt es den Plan eines experimentellen Wohnbaus

um im kleineren Rahmen neue Wohnkonzepte zu realisieren und

zu testen?

Dieser Bereich ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Wohnbaupolitik. Viele,

der in den vergangenen Jahren realisierten Projekte, lieferten uns wichtige

Erfahrungen und Erkenntnisse. Die Projekte werden außerdem auch durch

die Wiener Wohnbauforschung begleitet. Die Erfahrungen fließen dann in

zukünftige Planungen ein. So entwickeln wir den Wohnbau generell weiter.

Ob das die ökologische Maßnahmen, die Energieeffizienz, sozial nachhaltige

Ausführungen oder kostensparendes Bauen, wie auch die Auswahl der

Baustoffe betrifft, wir sind suchen stets nach neuen, innovativen Lösungen.

4. Nach Besuch vieler europäischer Städte scheint uns ein langfristiges

Grün-Konzept (Wien in 20 Jahren), vor allem für den innerstädtischen

Bereich, innerhalb des Gürtels, als wünschenswert. Gibt es Pläne, nach

dem zukunftsträchtigen Versuch in der Mariahilfer Straße, den gesamten

inneren Gürtelbereich in ein „paradiesisches“ Grünland zu verwandeln?

Rund 50 Prozent unserer Stadt sind Grün- und Naturraum. Vom Wiener

Wald, über die Weinberge bis zu den Donauauen. Diese Flächen wollen wir

schützen und erhalten. Dazu gibt es ein ganz klares Bekenntnis. Gleichzeitig

müssen wir aber auch dafür Sorge tragen, dass wir jene Gebiete im

urbanen Bereich bestmöglich für die Bevölkerung vom Wohnen bis zum

Arbeiten nutzen. Daher: Dass dichtverbaute innerstädtische Gebiete plötzlich

zu einem „paradiesischen“ Grünland werden würden, soweit müssen

wir realistisch bleiben, das ist sicher ausgeschlossen. Trotzdem aber schaffen

wir gerade auch im dichtverbauten Gebiet Grün- und Freiräume, auch neue

Parks und Erholungsgebiete werden entstehen. Das passiert bei der Realisierung

neuer Projekte, wie auch im Bereich der Stadterneuerung, wo wir

beispielsweise über sogenannte Blocksanierungsgebiete oftmals in Verbindung

mit Gebäudeaufstockungen neue Freiflächen entwickeln. Am Gelände

des ehemaligen Nordbahnhofs ist gerade erst mit dem Rudi-Bednar-Park

der größte Park, der seit 1974 errichtet wurde, entstanden. Und im Sonnwendviertel

beim neuen Hauptbahnhof wird demnächst der 7 Hektar große

Helmut-Zilk-Park geschaffen.

5. Wien hat sich vorsichtig aber doch qualitativ hochwertig im Hochhausbereich

entwickelt. Wie stehen sie zu einer weiteren Entwicklung

dieser städtischen Attraktoren mit ihrer identitätsstiftenden Präsenz?

In Anbetracht der notwendigen Wohnraumschaffung und dem parallel dazu

gewünschten Erhalt von Grün- und Freiflächen wird die Entwicklung auch

zunehmend mehr in die Höhe gehen. Schließlich wächst die Wiener Bevölkerung

mit ihren Einwohnern, nicht aber das Bundesland Wien. Und

auch aus stadtplanerischer und architektonischer Sicht stehe ich dem sehr

offen gegenüber. Es ist aber notwendig, mit hoher Sensibilität vorzugehen.

Wir wollen das Stadtbild nicht zerstören. Es muss im Einklang mit unserer

städtischen Identität stehen.

DAS HAMMAM IM AUX GAZELLES - EINE OASE IM HERZEN VON WIEN

Das Hammam im Aux Gazelles ist das klassische, orientalische Bad mit drei verschiedenen Temperaturzonen. Früher wurden Hammams als öffentliches

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Nr. 36/2013 Buch II

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Buch II Nr. 36/2013

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Nr. 36/2013 Buch II

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„Sodom and Gomorrah“, 2013 by Sergej Nikoljski and Milan Mijalkovic

„Sodom and Gomorrah“, 2013 by Sergej Nikoljski and Milan Mijalkovic

Macadonian metal craftsman produces Archiquant ashtray for the lecturer- Heidulf Gerngross at Skopje Architecture Week 2013


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Buch II Nr. 36/2013

THE GALLERY

IS AN OUTMODED CONSTRUCT,

SERVING COLLECTORS AT THE COST

OF ARTISTS. COLLECTORS ARE AN

OUTMODED CONSTRUCT, VIEWING

ARTISTS THROUGH THE DIMINISHED LENS

OF COMMODITY; LOBBYING TO PROTECT

THE EQUITY IN THEIR PORTFOLIOS BY

DISCOURAGING THE UNPREDICTABILITY

OF RADICAL INNOVATION.

ART’S EVOLUTION HAS STALLED UNDER THE WEIGHT

OF THESE GLUTTONOUS MARKET PRESSURES;

THE TIMELINE OF ART HISTORY

MUST THEREFORE BE ABANDONED

IN THE NAME OF PROGRESS.

THE DEFINITION OF CONCEPTUAL POETICS

HAS BROADENED ENOUGH FOR ARTISTS TO

HIJACK POETRY‘S FUTURE—TO CONTINUE

THEIR WORK, UNALTERED, AS POETS.

THE ACT OF INFECTING POETICS RETURNS

ARTISTS TO AN EMPOWERED POSITION OF

RADICAL SUBVERSION WHILE ALLOWING

THEM TO SIDESTEP THE RAMPANT

PROFITEERING THAT STRANGLES THEIR

OWN CULTURE. the gallery


Nr. 36/2013 Buch II

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Baba Vasa’s Cellar

In Shabla, a small town on the coast of the Black Sea in northern

Bulgaria, an eighty-four year old lady runs an art space in the cellar

of her house. The 11 square meter space has been refurbished in a

white cube. Since its opening in 2002, more than 50 international

artists have presented their works there.

В Шабла, малък град на пет километра от брега на Черно

море, една 84 годишна жена от десет години поддържа свое

изложбено пространство в мазето на старата си къща. Досега в

11-те квадратни метра са представени произведения на повече

от 50 международни автори.

www.baba-vasa.blogspot.com

Claudia Schumann

Claudia Schumann


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Buch II Nr. 36/2013

chtl

Architektur entsteht als Innen und wölbt sich nach Aussen

nicht umgekehrt

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Nr. 36/2013 Buch III

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WELTARCHITEKTUR

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Buch III Nr. 36/2013

WELTPREMIERE

uns stellt uns ihren

Präsentationsraum

in München für die

Vorstellung der

Jubiläumsausgabe

zur Verfügung.

Danke!

uns

ÖSW

Frederic Böhme

Silvia Braun

Heinrich Büchel

Alexander Deubl

Markus Dobmeier

Teodora Gavrilova

Andrea Gruber

Beatrix Gruber

Rasso Hecker

Andreas Holzapfel

Robert Kammergruber

Susanne

Lena Lendzian

Roland Liesegang

Inga Mannewitz

Thomas Mederer

Thomas Neudorfer (Fotos)

Bernhard Schambeck

Daniel Seibert

Andreas Sternecker

Martin Sternecker

Dace Svekre

Katharina Voigt

Florian Wagner

Hansen W. Zufall

Zenettistraße 17

D-80337 München


Daniel Seibert

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Nr. 36/2013 Buch III

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Städteplanung / Architektur / Religion Buch III Nr. 36/2013

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HERBERT BRANDL, Home is where i hang my hat, für den 10 Jahre JubiläumsST/A/R 2013, schwarze Sulm – Ort eines Unfalls, in der Nähe der Hartner Steinbrüche bei Steinberg


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Buch III Nr. 36/2013

Mamie

Wolke 1


Nr. 36/2013 Buch III

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Ismael Ismet Basaran, Künstler, Philosoph und Erfi

nder der Tuki Muki Sprache, langjähriges Mitglield

der ST/A/R Organisation

Sprachknödel

Raum-Alphabet /

space-alphabet

Ismael Ismet Basaran, „Heidulf Gerngross as he is...“, 2013


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Buch III Nr. 36/2013

Dreams of New Worlds

Lisl Ponger, Tim Sharp

Eröffnung: 4. März 2014, 19 Uhr

CHARIM GALERIE

Dorotheergasse 12

A - 1010 Wien

T: +43 1 5120915

F: +43 1 5120915-50

E: charim@charimgalerie.at

W: http://www.charimgalerie.at

Öffnungszeiten:

Di. - Fr. 11 - 18 Uhr

Sa. 11 - 14 Uhr

Events

Charim

Schleifmühlgasse 1

1040 Wien

weitere Ausstellung

Lisl Ponger, Indian(er) Jones II, Das Glasperlenspiel, 2010, C-print, gerahmt 181 x 144 cm,

Courtesy Charim Galerie, Wien

Lisl Ponger, The Vanishing Middle Class

Secession, Friedrichstraße 12, A-1010 Wien

Eröffnung: 12. Februar 2014

Dauer der Ausstellung: 13. Februar bis 30. März 2014

AUGUST KOCHERSCHEIDT &

RUPERT ZALLMANN

Cementipede, 2014

Eröffnung: Donnerstag, 16. November 2013, 18 Uhr

Ausstellungsdauer: bis 08. März 2014

Cementipede ist eine Sitz-Skulptur aus Beton, handwerklich

gefertigt in der Galerie, die sich lebhaft durch den Raum

streckt. Als Wolke geformt, bietet ihre 10m² große Oberfläche

Platz für alle Körpergrößen / Körperhaltungen / Körpersprachen

– ohne vordefinierte Sitzpositionen. Der Betrachter wird

zum Benutzer und ist aufgefordert, sich ein beliebiges Stück

aus dem raumfüllenden Objekt schneiden zu lassen. Nur so

kann die Skulptur den Ausstellungsort, die Galerie wieder

verlassen.

________________________________

CHRISTINE KOENIG GALERIE e.U.

Schleifmuehlgasse 1A, A-1040 VIENNA

t: +43 1 585 74 74, f: +43 1 585 74 74-24

offi ce@christinekoeniggalerie.at

http://www.christinekoeniggalerie.com

AUGUST KOCHERSCHEIDT& RUPERT ZALLMANN experimentieren seit 10 Jahren mit Beton.

Die aktuellen Arbeiten verdeutlichen, dass Beton in seinem formbaren Zustand eine

Flüssigkeit ist und nicht nur in rechteckige Schalungen gezwängt werden will. Das Ergebnis

sind Monolithe als Momentaufnahmen dynamischer Kräfte, die durch das Material Beton

eine jeweils andere Gestalt erhalten. Der Beton als Mittel zum Zweck, Benutzeroberflächen

zu formen, deren Ausgangspunkt der Abdruck des menschlichen Körpers ist.

ATELIER BRODÁR, Rahmungen aus Holz, Alu, Eisen, Messing / Plexiboxen, Podeste, Vitrinen / Passepartouts / Museums-Service / Ausstellungsberatung und -Gestaltung

A-1090 Wien, Wiesengasse 17 - neben der Kirche / mobil +43 (0)664 111 913 9, +43 (1) 319 51 58, Fax DW 33, atelierbrodar@atelierbrodar.at, www.atelierbrodar.at


Nr. 36/2013 Buch IV

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David Staretz

schreibt, redigiert und fotografiert den Auto ST/A/R

Auto ST/A/R


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Buch IV Nr. 36/2013

Aston Martin V12 Vantage S

Feinkalibrierte Naturgewalten

Mit der Wucht von Bergwerkshydraulik, chronometerfein ins Gehäuse gefügt, katapultiert sich der intensivste

und stärkste Aston Martin aller Zeiten mitten in unsere Sonntagsruhe.

So gelenkfest, wie man einen Schischuh verschnallt, verfügt man sich in

diese Hauptgranate. Tiefes Sitzen, hochgestelltes Lenkrad, arretierte Paddles.

Jener Passteil, der aussieht wie etwas, worum sich Spionagethriller drehen,

in diesem Fall also der Startschlüssel, wird gegen leichten Federdruck in

den Schacht geschoben. Alle Systeme gehen in Lauerstellung; die Zeiger

ziehen einmal voll durch, ehe sie sich in die Startpositionen verfügen. Per

Startknopf erwacht der Motor. Herabstürzende Naturgewalten von umliegenden

Gipfeln. Damit ist jedentags auf Hörweite die Sonntagsruhe gestört,

denn das böse Fauchen mit Getös dringt tief in jedermanns Seele ein; hier

entladen sich Blockagen, woran Therapiegemeinschaften jahrelang hätten

arbeiten können, mit einer einzigen Eruption. Faszinierend, wie weit es die

Menschheit gebracht hat. Abgesehen vom CERN ist dies wahrscheinlich

die gelungenste Annäherung an Urknall und Gottesbeweis. (Was man, um

gerecht zu sein, einigen Supersportwagen zurechnen kann. Denn wo Klasse

herrscht, verschwinden Häuslichkeiten.)

Ort der Handlung: Palm Springs, nach Las Vegas vielleicht die mondänste

Oase Kaliforniens. Hier, in einem dekorativen Wüstengärtchen, hat man uns

die Freude gemacht, die karosseriefreie Essenz des neuen V12 Vantage S

als naturgeschichtliches Modell auf die Räder zu stellen: Motor, Transaxle,

Siebengang-Getriebe, Lenkrad und Fahrwerk. Massiv wie Bergwerkshydraulik.

Faszinierend gleißt das Gerippe im Scheinwerferlicht.

Fast hätten wir übersehen, dass daneben noch das fertige Auto unter der

schwarzen Stoffhülle lauert. „Wir haben unseren größten und stärksten Motor

in unser kleinstes Auto gesteckt“ sagt der Technikchef. „Es war durchwegs

Millimeterarbeit und eine tolle Herausforderung für unsere Ingenieure“.

Dann zieht er die Hülle vom Vantage, als gäbe es eine Zaubernummer, und

tatsächlich, die Überraschung ist groß: Wir blicken auf den gelben Vantage,

der sich da verdrossen duckt – dennoch ist es kaum vorzustellen, dass dieses

Skelett daneben, vor allem dieser ungeheure Sechs-Liter-Zwölfzylindermotor,

unter die Haube passt. Dies ist momentan die verblüffendste Illusion,

seit David Copperfield durch die Chinesische Mauer schlüpfte.

Der Motor des V12 Vantage geht auf eine Cosworth-Konstruktion zurück, ist

aber dank neuen Blocks und neuer Köpfe als eigenständiges Triebwerk zu

verstehen. Dementsprechend wurde auch das Engine-Management-System

(von Bosch) völlig neu erstellt. Dies geschah auch in Hinblick auf das

neue Sportshift-Getriebe von Graziano, dessen Zahnräder von Magneti-

Marelli-Aktuatoren in Position geschossen werden. Alles sehr kompakt und

leicht – gegenüber einer herkömmlichen Handschaltung konnte man gleich

25 Kilogramm einsparen.

Endlich aufs Gas. Hier in den Bergen herrschen noch Urzeit-Gesetze. Freie

Fahrt für alle. Langsame werden per Hinweistafel gebeten, in die Buchten

auszuweichen, was erstaunlich korrekt funktioniert. Die 573 PS bekommen

ihr Recht, was jetzt schrecklich arrogant klingt, tatsächlich aber mit herzlicher

Fahrfreude zu tun hat, mit der unnachahmlichen Balance, die das

Gesamtwerk Aston Martin durchzieht. Selten sehen Autos genau so aus,

wie sie sich anfühlen. Brisant, aber elegant. Einziger Makel: Die Sportshift-

Schaltung kommt nicht an ein DSG heran, beim Schalten unter Last werden

Fahrer und Beifahrer in die Nickpause gezwungen. Besser, man geht beim

(durch Paddles gesteuerten) Hochschalten vom Gas, wie man es beim Auskuppeln

täte. Damit hilft man dem Getriebe, alles wird flüssig. Das hochklassige

Fahrwerk ist auf Zivilstraßen nicht zu fordern; DSC bleibt weit vom

Eingriff entfernt, kann sich höchstens bei schlechten Straßenkonditionen

bewähren.

Den respektgebietenden Kaufpreis kann man auch andersherum betrachten:

Dass der Wagen fette 223.865 Euro kostet, verringert die Gefahr, dass

er in Hände von Anfängern und Zufallsbekanntschaften gerät.

Aston Martin


Nr. 36/2013 Buch IV

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Mercedes A 45 AMG 4matic

Projektionen der Leidenschaft

Mercedes

Perfekte Ballistik im Raum-Zeit-Kataster, ein Sound zum Weinen, doch selbst das Unerhörte scheint sich immer innerhalb

der Regelfelder zu befinden. Eh nicht schlecht.

was auch heutzutage noch richtig viel Geld ist für einen

Kompaktwagen.

Freilich – bieder dürfen die anderen; wir haben hier

eine phantastische Fahrmaschine in den Händen, die

so etwas Peripheres darstellt mit ihren unglaublichen

Eckdaten, dass wir uns als echte Pioniere der Neuzeit

betrachten dürfen. Aufgeräumt motiviert grummelt der

Motor im Standgas, jetzt schon Großes verheißend,

doch sanft lässt er es bei Bedarf angehen, so lange

noch die Tempo-50-Tafel in das Display eingeblendet

Vier Türen, vier komma drei Meter Länge, vier (bei

Bedarf) angetriebene Räder, vier Zylinder. Und es ist

verblüffend, was man aus zwei Litern Hubraum holen

konnte (360 PS, somit eine Literleistung von 181 PS

pro Liter) und es ist sensationell, wie gediegen diese

Leistung zur Straße gebracht wird.

Es bedarf aufgegitzter Hornissen wie Aprilia RS V4

oder Yamaha YZ-RF1, um in der zivilen Motorenwelt

auf derartige spezifische Leistungen zu stoßen.

Mercedes schaffte mit der A-Klasse eine stupende Voraussetzung

zum frischen Einstieg einer ganzen neuen

Generation von Mercedesfahrern und hier, am äußersten

Ende der Parade, dort, wo es schon fast mehr um

Projektionen der Leidenschaft als um echte Besitzerschaft

geht, darf man sich auf kosmonautischer Umlaufbahn

wissen (61.700 Euro vorausgesetzt).

Alle Raffinessen des Hauses AMG stehen in Hochverdichtung:

Sportfahrwerk, Sport-Parameterlenkung

über eigene Achsschenkel, Speedshift-DCT-7-Gang

Sportgetriebe, Charakteristik Sport- oder Economy

(oder manuell), Paddles am Lenkrad, Zwischengas

beim Runterschalten und partielle Zylinderabschaltung

beim Hochschalten. Das klingt dann, als wäre eine

Gasfackel als Afterburner gezündet worden: Flummp!.

Überhaupt der Sound, allein damit könnte man sich

schon begnügen. Seltsam, dass er nicht aufpreispflichtig

ist in der Galerie der teuren Güter. Schließlich

steht schon allein das Performance-Lenkrad mit

575 Euro in der Liste vor Steuern. Wer sich nicht mit

abgeregelter Topspeed von 250 km/h zufriedengeben

will, erhält die Freischaltung auf 270 km/h vermittels

„Driver‘s Package“ um 1.980 Euro. Intelligent Light

System: 580 Euro. Heißwasser in der Scheibenwaschanlage

(empfehlenswert!): 120 Euro. Geschenkt. Übertrieben

erscheint der Farbtarif: € 585 für „mountaingrau

metallic“. Schwerster Brocken: Comand online

mit DVD-Wechsler um 3.110 Euro. Dagegen ist Ecall,

das europäische Notrufsystem, gratis drin. Kann man

gebührenfrei mit der netten Dame sprechen und sie

dann beruhigen, dass eh nix passiert ist. Make my day!

Ja, und über rotlackierte Bremssättel (€ 335,–) und

den un-ver-zicht-baren Heckflügel (€ 780,–) etc. etc.

hantelt man sich voran in die Region von 80.000 Euro,

wird. Einparkwunder. (Kamera um

325,– vor der Steuer geleistet.)

Ja aber das Fahren. Gern räumt

man die Vorratskiste der Superlativa

aus. Grandios sowieso. Das

geht durch die Raum-Zeit-Kataster

voran, gnadenlos. Präzises

Fahrwerk, schärft radial durch die

Kurven, vor dem Überholen ist

zu bremsen, damit niemand erschreckt

wird. Jeder Passat, jeder

Megané ein Mopedauto.

Doch eher verblüfft die SITTSAM-

KEIT bei aller ungeheuerlichen

Verrichtung. Der CLA AMG wirkt

um eine Klasse größer und getragener,

als es ein Kompaktfetzer

wie der M1 darstellt. Das ist keine

Kritik, nur eine Feststellung.

Die frenetische Brisanz des 1er

M Coupé mit seinen 340 PS auf

die Hinterräder wirkt im Sechszylinder

mit TwinPower-Turbo

unmittelbarer, wild & aufregend.

Das kann man hier im AMG auch

haben, aber man weiß sich immer

innerhalb der Regelfelder der

Bedenkenträger. Egal, ob das Sounddesign oder Vortriebsregelung,

Kurveneinzug oder Bremsverzögerung

betrifft – alles befindet sich im vorgesorgten Bereich,

nichts scheint mehr überraschen zu können. Man

fährt in Stufe S und sucht nach Stufe RS. Man paddelt

per Handbetrieb durch das fugenlose Speedshift-

Getriebe, um den Wagen aus seiner Souveränität zu

scheuchen, ihn zu bösen Taten zu verlocken. No way.

Schnell ja, aber nicht das, was man beherzt nennen

könnte. Nicht einmal verbrauchsmäßig konnten wir ihn

aus der Reserve locken. 10,5 Liter sind zwar weit von

der Werksangabe entfernt (jemand schaffte es, den

Wagen mit 6,9 Litern durch den NEFZ-Parcours zu

programmieren), doch angesichts der Leistung immer

noch sensationell gering. Schlusswort? Hm. Irgendwo

gehen die Enden nicht zusammen, eine gelinde Enttäuschung

bleibt im Raum hängen. Was uns fehlt?

Vielleicht der letzte Kick, die brutale Ungehörigkeit,

wie sie 181 PS/Liter insinuieren.

Der AUTOSTAR vergibt 11 von dreizehn möglichen

Sternen


Städteplanung / Architektur / Religion Buch IV Nr. 36/2013

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High and Show: Der neue Range Rover

Alltag für Millionäre IV

Range Rover

In seiner vierten Generation stellt der Urvater aller SUVs klar:

Wo oben ist, dort herrscht Range-Rover-Terrain – und zwar in

sämtlichen Disziplinen.

Range Rover – ja, das sind die, die als

Edel-Ableger der handfesten Land-Rover-

Werkzeugkisten ihre Fahrzeugklasse gleich

selber geschaffen haben vor rund vierzig

Jahren und damit diesen gigantischen SUV-

Trend einleiteten, der bis heute anhält und

kein Ende in Sicht. 2020 sollen es zwanzig

Millionen SUVs sein auf allen Straßen der

Welt.

Denn, wie man es trocken formulieren

muss: Autos wie der Range Rover sind

vornehmlich geschaffen für Leute, die eher

vorsichtig in den Verkehr, in die Natur, in

das Chaos der Welt blicken und gerne von

einer gesicherten, gehobenen und komfortablen

Position aus das Leben in Angriff

nehmen. Dazu dienen große und auch kleine

Hilfreichungen der Sicherheit und des

Vertrauens:

Nie wieder böse Überraschungen im Toten

Winkel dank Warnsystem plus Näherungssensor,

falls einer zu schnell aufschließt.

Mitdenkender Bremsassistent, falls mal einer

vorne reinschneidet.

Tempomat mit neuem „Queue Assist“: Das

Auto trottet brav im Stau mit, während wir

uns mit interessanteren Dingen beschäftigen;

bremst jederzeit bis zum Stillstand ab.

So ist der Range Rover seit Jahrzehnten

nicht nur ein Geländebewältiger, sondern

neuerdings auch ein universeller Alltagsund

Krisen-Coach.

Betrachtet man die nunmehr vierte Evolutionsstufe

von außen, so weist alles in diese

Richtung. Die Proportionen (größere Räder,

mehr Flanke, steile Bugreuse, gesenkte

Dachlinie, blickdichtes Fensterband, keine

Sicken, keine Spielereien) beherrschen

die abweisende Architektursprache eines

spanischen Kastells. Jeder Blick, jede Kritik

rutscht an den glatten Flanken ab wie

feuchter Schlamm. Sofort wird klar: Dieses

Auto erschließt sich den happy few von innen.

Der Wegfall der Hälfte aller bisherigen

Schalter zeigt eindrücklich, wieviel Krimskrams

aus BMW-Zeiten verzichtbar war.

Denn im Grunde weiß das Auto selbst am

besten, was zu tun ist. Drück nur den Einparkknopf

und warte ab, bis Zeit ist, auszusteigen.

(Nebenbei ein schöner Benefit der

neuen E-Servolenkung.) Drück den Bergabfahr-Assistenten

und warte, bis du sicher

unten angelangt bist. Fahr an der Steigung

an und der Wagen rollt keinen Millimeter

zurück.

Dergestalt könnte man in den Irrglauben

verfallen, der Range Rover sei ein fescher

Salonsteirer und Gehsteigkanten-Kraxler

für die Garagenauffahrt. Tatsächlich

durchsetzt aber knochentrockene Offroad-

Technik des Hauses seinen Wallpaper-Approach:

Mechanisch durchstrukturierte Allradtechnik

vom Feinsten plus aufwändige

Leichtbau-Fahrwerksarchitektur mit maximaler

Achsverschränkung und Luftfederung,

Federwege bis 310 Millimeter, Geländereduktion

(synchronisiert bis Tempo 60),

auf Wunsch samt separater Hinterachs-

Differenzialsperre für Härtefälle. Der Range

Rover ist ein hochspezialisierter Geländeprofi

für alle Fälle, das darf man nicht vergessen,

wenn man mit bis zu 250 km/h die

Autobahn entlangschnürt, speziell in der

Topversion, 510 PS aus dem 5-Liter-V8-

Kompressor, hilfreich unterfangen von den

intelligenten Dynamic-Response-Systemen,

die Wanken, Rollen und Kurvenneigung

des Wagenkörpers aktiv unterbinden.

Low Speed Agility und High Speed Stability

sind die Schlüsselbegriffe. Dabei ist der

Wagen innen gespenstisch leise, so lange

man die Finger vom Lautstärkeregler lässt.

Den V8 kann man andernorts auch kompressorfrei

buchen, dann fallen gemäßigtere

375 PS an.

*

Der Range Rover hat sich seit seiner ersten

Generation, die mehr Glas, mehr Überhang,

mehr Sicken zeigte, über die Jahrzehnte

hinweg dramatisch verändert. Auch

die vorherige, von BMW-Einfluss bestimmte

(und beschwerte) Generation zählt angesichts

der nun bahnbrechend leichten

und stabilen Vollaluminium-Monocoque-

Karosserie zur abgehakten Vergangenheit.

Dennoch spricht man von der DNA des

Hauses, die es zu bewahren gibt, von der

Tradition, die man nicht abbinden darf – so

einigte man sich auf die Formulierung, dass

die Werte des neuen Range Rover erhalten

geblieben sind, dass der High-End-SUV

keineswegs verändert, jedoch in praktisch

allen Belangen verbessert wurde. Dagegen

ist schwer etwas zu sagen; wer – bei einem

Einstiegspreis von 89.100 Euro – grundsätzlich

bereit ist, rund 100.000 Euro in die

Hand zu nehmen (man will sich ja gewiss

etwas gönnen und wird das nicht ohnehin

ein Langzeitauto mit all diesem Aluminium?),

dessen Denken bleibt sicherlich nicht

lange in Vergangenheiten und Historizismen

verhaftet. Man will das Beste, man will

das Modernste, man will wissen, wo denn

bitteschön nun ganz oben ist und wie es

dort verdientermaßen aussieht, schließlich

ist dies ein Geländewagen mit professionellen

Steigwerten. Wie es Chefdesigner

Gerry McGovern so salopp formuliert hat:

Ein Range Rover wird nicht gegen andere

Marken-Konkurrenten aufgewogen, sondern

reiht sich in die Entscheidungskette

von Landsitz, Dressurhengst, Segelyacht,

Prachtcollier und ähnlichen Must Haves der

oberen Luxus-Liga. Schön. Alles klar. Aber

womit bekomme ich diese Nagellackspur

aus dem chamaoisgetönten Semi-Anilinleder?

Keiner soll sagen, bei Reichtum

herrschten keine Alltagsprobleme.


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Buch IV Nr. 36/2013

Opel Cascada

Gerade ein Cabriolet und ausgerechnet von Opel ist die Überraschung

der Jahreszeit. Vor allem, wenn man den gewissen Knopf drückt.

Winteröffnung

Kurios. Plötzlich drehen sich die Leute um nach einem

dunkelbraunen Opel, der sich gerade entfaltet wie ein Pelerinenmonster

– hoch auf kragen Stoff und Gestänge, mit

Schaubühnen-Eleganz erhebt sich das Stoffgebilde, gibt

vier Kopfstützen und zwei, wenn nicht gar vier Passagiere

frei. Spielerische Willkür des Fahrers enthebt sie gerade

des schützenden Daches und der leichte Nieselregen senkt

sich ins teure, wasserabstoßende Sitzleder namens „Brandy“

und auf die mürrischen Passagiere. Doch umso besser

weiß man es zu schätzen, wenn sich nach kurzer Ungemütlichkeit

das Dach wieder schützend über seine Inwohner

senkt. Mit dezentem aber festem Zurrgeräusch schraubt es

sich an den Windschutzscheibenrahmen und nach kurzer

Nachdenkphase gleiten die vier Seitenscheiben hoch. Jetzt

schätzt man die enorm effiziente Innenraumheizung, die

dreistufige Sitzheizung umso mehr.

Cabrios im Winter – ich liebe das. Sie können uns so treffend

vor Augen führen, was Autos für wunderbare, schützende

Gehäuse sind – und zurückgeschraubt auf die elementaren

Freuden, hat man geringe Bedürfnisse, rasant zu

fahren, riskant zu überholen, Kolonnen zu springen. Cabrios

sind dazu erschaffen, dass wir uns des angenehmen

Lebens freuen, das rechne ich ihnen hoch an. Vor allem,

wenn die Erschaffung beider Welten so leicht gemacht wird

– in knapp siebzehn Sekunden öffnet oder schließt sich das

Dach automatisch, bis hinan zu Tempo 50, was die einstige

Angst nimmt, dass man an der Ampel nicht rechtzeitig fertig

würde und mit peinlich ausgefahrenem Gestell bei Grün

losfahren müsse.

Weitere Steigerung angewandter Cleverness: Per Fernentriegelung

(die über geradezu beängstigend weite Strecke

wirkt) kann man das Dach schon im Herangehen an das

parkende Auto öffnen – eine nette Geste an die Gäste, denn

dachfrei steigt es sich viel leichter ein. Langsam schrauben

sich die Vordersitze bei geklappter Lehne nach vorn. Man

muss schon zuvor den Abstand für die Fondpassagiere

eingestellt haben, damit sie nicht gnadenlos zu weit nach

hinten rangieren gegen die Beine der Zugestiegenen. Ein

bisschen Panik ist immer dabei. Aber wenn man sich siebenhundert

Euro erspart, kommt man mit herkömmlichen

Vordersitzen aus. Elektrische Gurtreicher bedienen die vorderen

Passagiere, sowas wird gern genommen.

Die beiden Türen zählen wahrscheinlich zu den dicksten

Bertas der Automobilgeschichte, schwingen spektakulär

weit aus, machen aber das Aussteigen beim Schrägparken

zum Limbo in engen Lücken.

Dennoch, obwohl vier Meter siebzig lang, fühlt sich der Wagen

weich nur vom Fahrwerk her an. Angesichts der Sportlichkeits-Welle,

die uns erfasst hat, freuen wir uns wieder

über echte Sänften. Auch die Lenkung ist entsprechend

leichgängig, ruckt nur unangenehm in der Mitte, als wollte

sie sich nicht gern aus dem Geradeauslauf lösen lassen.

Typisch Elektroservo, die haben meist so eine Macke. Extraweich

lässt sich auch das präzise Sechsganggetriebe

schalten, inklusive Retourgang. Der baugemäß schlechten

Sicht nach hinten wird durch die Rückfahrkamera abgeholfen,

die vorderen Glaszwickel unter den massiven A-Säulen

sind gut gemeint, geben aber kaum Sicht frei.

Sechzehnhundert Kubikzentimeter Hubraum wirken etwas

dürftig für 170 Benziner-PS und lassen zurecht auf Turboladung

schließen. Naturgemäß ist das Drehmoment im unteren

Drehzahlbereich gering, was man fallweise in der Stadt

im zweiten Gang oder bei schlecht angesetzten Überholmanövern

zu spüren bekommt. Auch der Verbrauch ist nicht

ganz überzeugend, knapp neun Liter stehen in der Praxis

dem angegebenen Durchschnittswert von 6,3 l gegenüber.

Dem Cascada gelingt es dennoch, sich schnöder Krittelei

zu entheben, weil er insgesamt eine geschmeidige Erscheinung

ist und durch seine schiere Präsenz und Attraktivität

erfreut. Freilich muss man, sofern der Verkäufer überzeugend

war und Extras über 10.000 Euro schmackhaft machen

konnte, mit einem Kaufpreis von knapp 40.000 Euro

rechnen. Immerhin hat man dann neben Navi mit Sprachsteuerung

und elektrischen Nappaledersitzen, Tempomat

mit Abstandswarner und Premium-Akustikverdeck auch ein

beheiztes Lenkrad im Portfolio.

Wertung: 10 von 13 AUTOSTAR-Sternen


Nr. 36/2013 Buch IV

31

Porsche 918 Spyder

Volles Rohr aus drei Motoren

Der anspruchsvollste Serienporsche aller Zeiten unterläuft alle Anforderungen

in klarer Aussage: 3,1 Liter Normverbrauch, Topspeed 345 km/h.

Porsche-Techniker alles getan habe, um die Stränge zu kanalisieren.

Alle Hauptfunktionen sind direkt vom Lenkrad aus ansteuerbar.

Rechts unten auf vier Uhr befindet sich der Map-Schalter, der

die leistungsrelevanten Kennfelder drehbar aktiviert: E steht für

reine Elektro-Power, H für automatische Hybridregelung, S für

Sport und R (Racing) für höchste Fahrdynamik. Wer alles auf

eine Karte setzen will, drückt den Roten Knopf in der Mitte: HOT

LAP. Voller Boost without regrets, jetzt geht es mit voller Systemleistung

zur Sache. Aber eben nur für eine Runde Nordschleife,

dann sind die Batterien ausgepowert und der Verbrauch liegt

wohl um eine Kommastelle weiter rechts.

Damit der Fahrer sich intuitiv mit den Anforderungen versteht,

wurde im Gaspedal ein variabler Druckpunkt gesetzt. Der vermittelt

einerseits den rein elektrischen Antrieb im E-Modus, andererseits

muss auch der E-Boost in der Hot-Lap-Konfiguration

feinsinnig verarbeitet werden können. Anders als bei Kickdowns

üblich, bleibt der Widerstand nach Überschreiten des Druckpunktes

dosierbar erhalten. Schon im E-Modus beschleunigt

der Wagen in gut sechs Sekunden auf hundert, kann Tempo 150

erreichen. Absolute All-In-Spitze: 345 km/h.

(Muss man glauben.)

Handbremse weg, lautlos

schiebt die Wucht an.

Freilich kommen mit erhöhter

Geschwindigkeit

ungeahnte Fahr-Leergeräusche

ans Ohr – erinnert

irgendwie an eine sobere

Nichtraucher-Disko um

fünf Uhr morgens, wenn

nackte, ungefilterte Empfindungen

an die Sinne

dringen.

Die volle Batterieleistung

des 918 Spyder, 6,8 kWh,

entspricht ungefähr sechs

Waschmaschinendurchgängen

à 60 Grad. Irgendwie

ist man erleichtert,

wenn sich der 4,3-Liter-

V8 mit mächtigem Gebrüll

einspült und alles klar macht.

Der 918 Spyder ist die aufwendigste, technisch anspruchsvollste

Fahrmaschine, die je eine Straßenzulassung erreicht hat.

Die nackten Fakten dazu: Drei Motoren, zwei Antriebssysteme,

drei Kühlkreisläufe, Vierradantrieb, fünf wählbare Antriebs-Varianten,

dramatisch gespreizte Leistung-zu-Verbrauch-Werte,

Höchstdrehzahl von 9.150/min. 2,6 sec auf Hundert. Unter sieben

Minuten um die Nordschleife mit Straßenbereifung (dank

nochmals abgespecktem, um 72.000 Euro teurem Weissach-

Paket).

Die Leistungswerte: 608 PS aus dem V8-Hochdrehzahlmotor

(Sauger) in hinterer Mittellage, plus 156 PS vom dort angekoppelten

E-Motor, weitere 129 PS von dem die Vorderräder direkt

antreibenden E-Aggregat im Bug. Macht zusammen 887 PS bei

einem System-Drehmoment von 1.280 Nm.

Liest sich trocken, ist aber pure Energie (samt deren teilweiser

Rückgewinnung).

Weitere Immanenzen: Porsche-Doppelkupplungsgetriebe mit

sieben Gängen, Hinterachslenkung, aktives Torque-Vectoring

zur Kraftzuleitung an kurvenäußere Räder, Kennfeld-Fahrwerk,

High-Performance-Bremsen mit vorgeschaltet höchstem zivilen

Rekuperationswert (der allein 0,5g Bremsleistung abledert), Lithium-Ionen-Trockenbatterie

mit allerhöchster spezifischer Leistung

– alles in Zuffenhausener Handarbeit vereint auf einem hypersteifen

Rolling Chassis aus Kohlefaser, also im Grunde nach

dem guten alten selbstfahrenden Bodenplatten-Prinzip von VW

Käfer oder den Ur-Porsches.

Zwanzig verschiedene Firmen buken Kohlefaserteile für definierte

Ansprüche. Und, wie der Projektleiter Michael Hölscher

erklärt: „Wir wollten uns kein Öko-Feigenblatt anheften. Es geht

hier ganz klar um mehr Leistung bei weniger Verbrauch.“ Dank

heruntergebrochener NEFZ-Zyklenberechnung bei vollen Batterien,

deren Leistung einen Großteil der Meßstrecke abdeckt,

bleiben nur 3,1 l/100 km zu verbrennen.

Die Batterie kann über das Stromnetz per Porsche-Schnellladestation

(Aufpreis € 20.000,–) in einer Dreiviertelstunde aufgeladen

werden.

Das Zusammenspiel von E zu V wie Verbrennungsmotor, der

Leistungsabruf, die möglichst effiziente Rekuperation der Batterie

während der Fahrt – das sind die großen Technik-Themen,

die einerseits höchst komplex, undurchschaubar, andererseits

völlig bewältigt erscheinen. Dennoch: Den Wagen in jeder Situation

zu erfassen und zu verstehen fällt nicht leicht, obwohl

Die ganze Dramatik eines tiefgelegten Zweisitzers wird unterstützt

von zwanzig (vorne) bzw. einundzwanzig-Zoll-Rädern

hinten. Die Michelin-Bereifung wurde eigens für den Wagen entwickelt,

als Backup gibt es ein Tirefit-System an Bord. Winterbereifung

ist nicht vorgesehen. Etwas unspektakulär wirken die

würfelig angeordneten LED-Tagfahrlichter von bisher nicht gekannter

Leuchtintensität. Zwei abnehmbare Dachhälften lassen

sich im Gepäckraum vorne verstauen, zusammen mit dem um

17.000 Euro bestellbaren Maßgepäck aus Kohlefaser (das dann

wahrscheinlich noch die Crashfestigkeit erhöht).

Markant sind die beiden Top Pipes – Auspuffrohre, die direkt

hinter dem Cockpit ins Freie führen und die Passagiere in eine

entsprechende Klangwolke hüllen.

Freilich geht man erst völlig unspektakulär zur Sache: Nach

Drehen (des bei Porsche reichlich kindisch als Spielzeugauto

geformten) Elektronikmoduls im traditionell links angeordneten

Zündschloss passiert außer einigen Zeiger- und Diodenzuckungen

in den drei appetitlichen Rundinstrumenten gar nichts.

Man knipst rechts auf Lenkradhöhe die Stufe D an und die

Auf der Rennstrecke beeindruckt der 918 Spyder mit der schieren

Jederzeit-Leistung und der gewaltigen Wucht, mit der sich

sehr früh aus Kurven herausbeschleunigen lässt dank E-Boost

auch an den Vorderrädern. Neutrales Grundverhalten, per Pedalpower

gut dosierbar. Unentwegter Dank an die Bremsen.

Freilich spürt man das Eigengewicht – mit 1674 kg befindet

man sich hundert Kilogramm über dem Lamborghini Aventador

LP700-4, was an sich sensationell gering ist.

Dennoch trägt das Doppel-Konzept auf – am dicksten freilich

beim Preis. Euro 776.880,– in Österreich. Dieser lässt sich aber

relativieren: Reduziert man das Gewicht per Weissach-Paket mit

mageren Sitzen, Keramikkegelradlager, Magnesiumfelgen, Türzugschlaufen

um 41 kg, legt man lockere 72.000 Euro drauf und

darf sich eine Martini- oder Porsche-Salzburg-Racingfolierung

aussuchen. Entscheidet man sich für den delikaten Liquid-Metal-Lack,

sind noch einmal 60.000 Euro fällig. Die 17.000 für die

Kohle-Köfferchen wurden ja bereits erwähnt. Insofern wäre das

reine Auto an sich ja ganz günstig.


32

Buch IV Nr. 36/2013

CAFÉ ENGLÄNDER

Postgasse 2, A - 1010 Wien, Tel.: +43(0)1/ 96 68 665 | Öffnungszeiten: Mo – Sa: 8 – 1 h, So & Feiertag: 10 – 1 h | www.cafe-englaender.com


Nr. 36/2013 Buch V

33

THANKS FOR YOUR HELP!

Christine Bärnthaler

in ST/A/R Nr. 1, 2003

THANKS FOR YOUR HELP!


34

Buch V Nr. 36/2013

Diese Tischserie wird von Herbert Brandl bemalt

Brandl Horizontal

1/1 Seite

Architekturmodelle & Designobjekte

566 mm x 516 mm

Architekturmodelle & Designobjekte

Atelier ModellArt

Zeltgasse 12/Stg.2/7

1080 Wien

Tel.: +43 (0)1 252 96 19

Mobil: +43 (0) 699 113 467 51

E-mail: offi ce@modellart.at

Internet: www.modellart.


Nr. 36/2013 Buch V

35

Heidulf Gerngross Schaukelstuhl alfa INO

und meine Vorbilder

Rainer Boltenstern Schwanzer

courtesy: Lichterloh, Wien

Thomas Redl, chair-table mobile, 2013 March Gut, Lentia, 2013

Thomas Feichtner, M3 CHAIR, 2011

Produzent: Neue Wiener Werkstätte


Städteplanung / Architektur / Religion Buch V Nr. 36/2013

37

KONZEPT PFLEGEWOHNHAUS

Aus einem kompakten Baukörper

werden vier großzügige Gartenhöfe

geschnitten. Diese liegen

auf unterschiedlichen Niveaus,

sind z.T. miteinander verbunden

und ermöglichen das Erleben

und Benutzen des Freiraumes in

überschaubaren Dimensionen.

Die unterschiedliche Charakteristik

der Gartenhöfe („Wienerwald“,

„Schneeberg“, „Prater “, „Wachau“)

bietet ein abwechslungsreiches

Spektrum und ermöglicht die

einfache Orientierung. Aus dem

Inneren sind diese lichtdurchfluteten

Gärten ständig visuell erlebbar

– jede Station ist direkt an je

zwei Gartenhöfe angebunden.

Kernpunkt des Entwurfs sind die

großen Allgemeinfl ächen, die

sich rund um die Höfe gruppieren

- Erschließungsfl ächen werden

dadurch zu Kommunikationsbereichen

-zu Marktplätzen mit

vielfältigen Aufenthaltsqualitäten

(Essplätze, Ruhe- und

Rückzugsbereiche, Bewohnergalerien,

Inszenierungen, Spielzonen,

Geh-Parcours, etc). So

ergeben sich auch vielfältige

Durchwegungsmöglichkeiten:

Spaziergänge können als Rundwege

stationsintern und stationsübergreifend

geführt werden und

bieten abwechslungsreiche Ausblicke

in die Gartenhöfe und den

Stadtraum.

Alle Bewohnerzimmer werden

über geräumige Loggien zur

Stadtöffentlichkeit orientiert, dabei

erlauben die zurückgesetzten

Gebäudefronten an Hugl- und Holochergasse

den Blick in belebte

städtische Grünräume („lineare

Parks“) mit ausreichend Distanz

zur Nachbarbebauung.

Das Herzstück des Hauses – das

Bewohnerzimmer selbst erhält

neben der Loggia (dem „Garten“)

auch einen halbprivaten „Vorgarten“.

Angegliedert an die Marktplatzfläche

kann so jeder Bewohner

aus seinem geschützten

Bereich unmittelbar am Stationsleben

teilnehmen: beobachten,

sich am Laufenden halten, die

Nachbarin zu sich einladen. Mittels

Faltschiebetüren lassen sich

die Zimmer sowohl zum „Garten“

als auch zum „Vorgarten“ öffnen,

sodass sowohl die aktive als auch

die passive Teilnahme am Geschehen

direkt aus dem Zimmer

ermöglicht wird.

PFLEGEWOHNHAUS RUDOLFSHEIM - FÜNFHAUS:

KEINE GÄNGE – MARKTPLÄTZE!

Bauherr: GESIBA / KAV

Generalplaner: FCP ZT GmbH

Architekt: Helmut Wimmer, Bernhard Weinberger, Andreas Gabriel / wup zt-gmbh – wimmer und partner

Freiraumplanung: EGKK Landschaftsarchitektur

KEINE GÄNGE,

MARKTPLÄTZE!

KONZEPT PFLEGEWOHNHAUS

Aus einem kompakten Baukörper werden vier großzügige

Gartenhöfe geschnitten. Diese liegen auf unterschiedlichen Niveaus,

sind z.T. miteinander verbunden und ermöglichen das Erleben und

Benutzen des Freiraumes in überschaubaren Dimensionen. Die

unterschiedliche Charakteristik der Gartenhöfe („Wienerwald“,

„Schneeberg“, „Prater “, „Wachau“) bietet ein abwechslungsreiches

Spektrum und ermöglicht die einfache Orientierung. Aus dem Inneren

sind diese lichtdurchfluteten Gärten ständig visuell erlebbar — jede

Station ist direkt an je zwei Gartenhöfe angebunden.

Kernpunkt des Entwurfs sind die großen Allgemeinflächen, die sich

rund um die Höfe gruppieren - Erschließungsflächen werden

dadurch zu Kommunikationsbereichen -zu Marktplätzen mit

vielfältigen Aufenthaltsqualitäten (Essplätze, Ruhe- und

Rückzugsbereiche, Bewohnergalerien, Inszenierungen, Spielzonen,

Geh-Parcours, etc). So ergeben sich auch vielfältige

Durchwegungsmöglichkeiten: Spaziergänge können als Rundwege

stationsintern und stationsübergreifend geführt werden und bieten

abwechslungsreiche Ausblicke in die Gartenhöfe und den

Stadtraum.

Alle Bewohnerzimmer werden über geräumige Loggien zur

Stadtöffentlichkeit orientiert, dabei erlauben die zurückgesetzten

Gebäudefronten an Hugl- und Holochergasse den Blick in belebte

städtische Grünräume („lineare Parks“) mit ausreichend Distanz zur

Nachbarbebauung.

Das Herzstück des Hauses — das Bewohnerzimmer selbst erhält

neben der Loggia (dem „Garten“) auch einen halbprivaten

„Vorgarten“. Angegliedert an die Marktplatzfläche kann so jeder

Bewohner aus seinem geschützten Bereich unmittelbar am

Stationsleben teilnehmen: beobachten, sich am Laufenden halten,

die Nachbarin zu sich einladen. Mittels Faltschiebetüren lassen sich

die Zimmer sowohl zum „Garten“ als auch zum „Vorgarten“ öffnen,

sodass sowohl die aktive als auch die passive Teilnahme am

Geschehen direkt aus dem Zimmer ermöglicht wird.

3

STATION 10

STATION 7

WIMMER

Marktplatz

Marktplatz

Marktplatz

2

2

STATION 7 STATION 8

±0,00

"SCHNEEBERG"

-3,50

"PRATER"

EINGANG

STATION

Marktplatz

EINGANG

STATION

EINGANG

STATION

+5,00

Marktplatz

EINGANG

STATION

+5,00

"WIENERWALD"

-3,50

"WACHAU"

1

1

STATION 10 STATION 9

Marktplatz

Marktplatz

Marktplatz

STATION 9

STATION 8

3

WOHNGRUPPE 3

erweiterte Distanz zur Nachbarbebauung

BL

STATION 3 STATION 6

Beziehung Stadtöffentlichkeit

19,80 m 2 5,0 m 2

Vorgartenzone

Beziehung Freifläche und Stadtöffentlichkeit

Marktplatz

Bibliothek

zentraler Stützpunkt

Marktplatz

Litfasssäule

mit Blickbeziehung

zu allen Zimmern

8,04 m 2 und zum Eingang

8,09 m

Raucher

2

12,01 m 2

Bibliothek

19,00 m 2 Marktplatz

Marktplatz

AR-rein

10,97 m 2

Aquarium

20,20 m 2

+5,00

Teeküche

Beh.-WC Putzr.

DEMENZGARTEN

14,09 m 2 4,62 m 2 4,68 m 2

"WIENERWALD"

AR-unr. Wäsche

2 8,07 m 8,37 m2

Sozialraum

±0,00

14,20 m 2

"SCHNEEBERG"

Geräteraum

16,10 m 2

Marktplatz

Lagerr.

10,93 m 2

Abholung

Patientenbad

9,54 m 2

28,02 m 2

10,48 m 2

Technik

Lagerr.

AR-unr. Wäsche

10,00 m 2 8,12 m 2 6,91 m 2

Pers.-WC Bes.-WC Abholung Putzr. Beh.-WC

Stützpunkt

12,40 m 2

5,04 m 2 8,01 m 2

2 6,85 m 5,15 m2

15,16 m 2

Bewohnergalerie

EINGANG

zentraler Stützpunkt

STATION

mit Blickbeziehung

zu allen Zimmern

Teeküche

und zum Eingang

14,09 m 2

Sitzfläche

VERTEILERZONE

Marktplatz

MIT AUSBLICK IN

DIE HÖFE

-3,50

EINGANG

STATION

"WACHAU"

Raucher

12,01 m 2

AR-unrein

WOHNGRUPPE 2 WOHNGRUPPE 1

Beziehung Marktplatz und Garten

EINGANG

STATION

Bewohnergalerie

EINGANG

STATION

Stützpunkt

Stationsl.

Vorgartenzone

Geh-Parcour

Anlieferung

8,36 m 2

8,0 m 2

Gemeinsam genutzte Räume

Therapieraum

18,91 m 2

STATION 6 STATION 5

19,80 m 2

2 28,00 m 28,00 m2

5,0 m 2

Geräteraum

15,42 m 2

Sozialraum

15,26 m 2

AR-rein

Stationsleitung

19,18 m 2

AR-unrein

Beziehung Stadtöffentlichkeit

Vorgartenzone

Beziehung Marktplatz und Garten

Beziehung Marktplatz und Garten

Vorgartenzone

5,0 m 2 10,00 m 2

19,80 m 2

Beziehung Freifläche und Stadtöffentlichkeit

Beziehung Freifläche und Stadtöffentlichkeit

erweiterte Distanz zur Nachbarbebauung

BL

Dank

an Architekt

Helmut Wimmer

für seine

10-jährige

Zusammenarbeit

mit ST/A/R

mit ST/A/R

10-jährige

Zusammenarbeit

Helmut Wimmer

für seine

Dank

an Architekt

2. OBERGESCHOSS 1:500

-3,50

"PRATER"

Aquarium

STATION 5

DOPPELPFLEGESTATION (OHNE MASSSTAB)


38

Buch V Nr. 36/2013

ST/A/R bittet um DENKMALSCHUTZ für Heinz Franks Geschäftslokal

Dorotheergasse 1010 Wien

Gebaut 1970 - 71

Hans Tremmel GmbH

Ing. Dietmar Tremmel

Steinmetzmeister

Offi ce:

Hainfelderstraße 39

3071 Böheimkirchen

t. 43 (0) 664 91 515 91

f. 43 (0) 2743 2312 - 20

tremmel.stein@gmx.at

www.steinbauzentrum.at

Öffnungszeiten:

Mo-Fr. 8-12 und 13-18 Uhr

Sa. 9-12 und 13-15 Uhr


Nr. 36/2013 Buch V

39

Foto: Thomas Mayer

Ortner & Ortner Baukunst, Landesarchiv NRW, Duisburg, 2013


40

Buch V Nr. 36/2013

Benedikt Ledebur

letzte lockerungen

schnellgedichte

von Benedikt Ledebur

1

mit einem ruck

springt die rübe an:

los geht´s!

jeder sack kann das übrigens.

einen über die rübe:

gehört das zusammen?

schneide die ringe,

zickzack und zahl,

übe! beuge es.

zieht eine linie

zum gegenüber,

sieht sie.

ein satz über die brüstung,

ohne grund,

was der fall voraussetzt.

ein stück noch,

dann fass das ende,

ausschlag den boden ihm,

auf die maserung achte.

neuen verbindungen

zähne wachsen.

wie weit, als ob netze

diese zentner hielten,

kämme die gletscher fletschten,

damit ausfranst im freien

der aussicht reifen,

drehen im fall,

dass die fahrt endlich anfängt.

gleich den höhen von oben,

stechen messer die skalen,

schwellen dem krähen

erweiterte gefässe,

gestutzte flügel,

statt sturz in den absprung:

zieh leine endlich,

kürzeste linie

im fall, dass es aufprallt,

grundlos fassende

verfaltet im schirm.

2

ein axiom, das leicht

aus der art geschlagen,

ein verfinstertes beispiel

zusätzlicher charade,

sollte das spiel bei chiasmus

und wette nicht genügen

für die weitere deutung.

das ansammeln großer zahlen

gehe nur deutlich zu

auf das allgemeine einerlei

größtmöglicher sicherheit.

das sich gleichbleibende

ist in der ferne egal,

stammeln und spucken

mit kernen aus genossenem

trifft da noch eher

die gesetzte grenze.

gebieten, die mir halt

bieten, entkommen irren

unter durchädertem joch

beinahe selbst, die spinnen

sich netze zu,

ständig in ketten.

nur halb steigt auf

der leiter der abteilungen,

nimmt, was stellt sie darin,

die mangel an sich leiden

können, dar langem grübeln.

das bein nach vor geworfen,

dem nutzen hinten nach,

orten noch die verbindlichsten

unde ihr glück, peilen

gehörnt unter qualen die quellen

an, reißen am schlingernden

weg ein stück,

bis der sich dem suchen löst

in verwertenden aus täuschen,

mit muster erstickender uhr.

phantasmen, die ich-vögel

spreizen, schwingen im warten

am x-fachen abzählreim,

alle ausflüge koordinierend,

bis sich die ypsilonachse biegt,

unter dem unbändigen, das

alles zu fall bringt.

last round of loosening up

quick poems

translation by Matthias Goldmann

a jolt

to the noggin:

let’s go!

besides, any jerk can do that.

a bonk on the noggin:

does that go together?

cut these rings,

zigzag and number,

practice! flex it.

drawing a line

to an opposite,

she sees.

a leap over the window breast,

on no grounds, taken

for granted in this case of

descent. a last stretch left,

then hold on to the end,

kick out his flooring

but mind the grain.

growing the teeth

of new connections.

so far, as if nets were

holding these hundredweights,

glaciers were bearing their combs,

adding fringes to the outdoors,

letting vistas mature,

falling and turning,

finally out on a ride.

like heights from above,

knifes stuck into scales,

puffing out to crow,

vascular widening,

clipped wings,

taking off instead of plunging:

get out of here,

across the shortest line,

in this case, towards an impact,

hold on for no reason,

folded into an umbrella.

an axiom, a little

wayward at that,

a darkened example,

additional charade,

if a game of chiasmus

and a bet won’t do

to add further interpretation.

piling up large numbers,

clearly walking towards

overall monotony,

maximum certainty.

the self-same, making

no difference far away,

stammering and spitting

leftover seeds and pits,

hitting, rather,

set limits.

my areas of support

escape me, wandering

under a veined yoke,

almost themselves, spinning

nets at each other,

in chains all the time.

promoted halfway,

head of departments, she

takes to her appearance as

it may suffer hardships

despite lengthy brooding.

kicking a leg out

to chase a profit,

the friendliest places

and happiness, aiming,

cuckolded, in great pain,

at sources, ripping at a

stretch of rolling road,

until it gives way to searching

and use that does the trick,

patterns of a stifled clock.

phantasms, these i-birds

spread, soaring while waiting for

umpteenth counting-out rhyme,

coordinating all outings

until the y-axis bends

under unbridled forces that

bring it all to grief.

1

2


Nr. 36/2013 Buch VI

41

Partisanendenkmal Petrova Gora, Entwurf Vojin Bakić, Jugoslawien, 1979 // Mercedes W123, Entwurf Bruno Sacco, Deutschland, 1970

45° 14’ 30” N, 15° 48’ 23” E

Wolfgang Thaler, © 2008

Wolfgang Thaler fotografi erte für das Buch „MODERNISM IN BETWEEN - The Mediatory Architectures

of Socialist Yugoslavia“ (Jovis, 2012), Bauwerke in ehemaligen Jugoslawien. Das Buch entstand in

Zusammenarbeit mit den Historikern Maroje Mrduljaš und Vladimir Kulić.

„...Und trotz (oder gerade wegen?) einiger durchaus kontroverser Thesen ist „Modernism In-between“

damit sicher eines der besten und tiefgründigsten unter den vielen Büchern, die sich derzeit mit dem

angesagten Thema der „Ost-Moderne“ auseinandersetzen.“ Florian Heilmeyer für BauNetzWoche

„Thalers lakonischer, aber, wie wir hoffen, anregender Überblick erinnert uns eindrücklich an die Werte

und Ziele einer einzigartigen architektonischen Kultur – und einer Gesellschaft, die es zwar nicht mehr

gibt, aber deren Leistungen jedenfalls verdienen, neu bewertet zu werden.“

Klaus Friede

Im Museum für zeitgenössische Kunst in Zagreb (www.msu.hr) läuft bis 2. Februar 2014 eine Retrospektive

des Bildhauers Vojin Bakić.


42

Buch VI Nr. 36/2013

Hans BIWI Lechner

see more at getstoned.cc

Richard Kaplenig

Richard Kaplenig

www.kaplenig.com


Nr. 36/2013 Buch VI

43

GELINGENDES LEBEN UND VOLLER BAUCH

Zur Philosophie der Verdauung bei Aristoteles

von Christian Denker

Die frühen griechischen Philosophen behandeln Verdauung gewöhnlich im

Rahmen von Überlegungen zur Freude an Fülle und Füllung. Leere wird vielfach

mit Wertlosigkeit und Leiden verbunden. Der Gegensatz emotionaler Zustände

bei Sattheit und Hunger prägt hier ethische Maßstäbe. Gerade Aristoteles erklärt

den mit Nahrung gefüllten bzw. sich füllenden Magen zu einem Urbild eines

erfüllten Lebens. 1

Detailreich thematisiert Aristoteles die Bedeutung der Verdauungslust für das

menschliche Leben in seinen Überlegungen zur Psyché. Aber auch bei der Behandlung

von alltäglichen Problemen, bringt er die fundamentale Bedeutung der

Verdauung philosophisch in Anschlag.

Verdauung als geistige und körperliche Erscheinung.

Seine Ausführungen zur Psyché (gr. ψυχή, Seele, Atem, Leben, Bewusstsein,

Trieb) leitet Aristoteles mit Überlegungen zur Aufnahme und Verdauung von

Nahrung ein, unsere Wahrnehmungen erklärt er, ähnlich wie schon sein Lehrer

Platon, als ein psychisches Vermögen zur Aufnahme und Verarbeitung sinnlicher

Eindrücke. 2 Nach Aristoteles sind freier Wille und rationale Entscheidung allerdings

nur unter entsprechenden körperlichen Voraussetzungen möglich. 3 Diese

Voraussetzungen beschreibt er als einen Zustand des Gleichgewichts, „Eukrasia“,

der die Ausbildung von Intelligenz ermöglicht. Geistige und körperliche Aktivitäten

wirken dabei zusammen. Gerade für Vorgänge der Verdauung ist die Seele

laut Aristoteles ein grundlegendes Prinzip. So fragt er sich etwa, warum Angst

uns Magen und Blase umdrehen kann? 4

Aristoteles sucht nach vernünftigen Erklärungen. 5 Nichtsdestoweniger hält er

Verdauung für mehr als einen rein materiellen Prozess, der künstlich nachvollzogen

werden könnte. Grund dafür sei aber keine mysteriöse Qualität der physischen

Abläufe. Vielmehr wäre Verdauung in einem lebendigen Organismus anders

zu beschreiben als ein künstlicher Prozess. Das gelte sowohl für die Details

der Abläufe, als auch im Großen und im Ganzen. 6 Was Verdauungsvorgänge

zu dem mache, was sie sind, erklärt Aristoteles durch die spezielle Beschaffenheit

des zur Verdauung befähigten Organismus. Jeder Verdauungsprozess

entspreche genau den formalen bzw. seelischen Eigenschaften des verdauenden

Lebewesens. 7

Die Psyché eines Lebewesens wirkt nach Aristoteles sowohl auf unsere Ernährung

als auch auf unser Denken. Verdauung erscheint als ebenso psycho-logischer

Prozess wie Einbildungskraft. 8 Von der Psyché spricht Aristoteles wie von der

Fähigkeit eines Organismus, die für ihn charakteristischen Dinge zu tun. Dabei

ist die spezielle Natur des Organismus auch für die psychischen Prozesse in etwa

so bedeutungsvoll, wie Baukunst für die Errichtung eines Gebäudes. 9 Gewisse

Aspekte lassen sich auch ohne vernünftige Erklärung einsehen. So müssen wir

nicht jede spezifische Eigenheit oder die umfassende Bedeutung eines Vorgangs

begreifen, um zu bemerken, dass da überhaupt etwas vor sich geht. Die Psyché

befähigt den Organismus, Nahrung in genau der charakteristischen Weise zu

verarbeiten, in der Organismen seiner Art es eben zu tun pflegen. Die menschliche

Psyché beinhaltet dementsprechend eine spezielle, menschliche Form der

Verdauung. 10 Die Stimmigkeit der aristotelischen Überlegungen können das

recht gut an uns selber beobachten: wir verdauen in einer speziell menschlichen

Weise. Die Verstrickungen unserer geistigen und körperlichen Funktionen bei

der Verdauung sind ein grundlegender Aspekt des menschlichen Wesens, das

sich hierin von anderen Lebewesen unterscheidet. Eine strikte Trennung zwischen

den verschiedenen Verdauungsfunktionen würde uns selbst nicht entsprechen.

Vernünftige Erklärungen hierzu sind nicht immer leicht zu finden, wir sind

eben Lebewesen, deren Verdauung nicht auf künstliche oder technische Prozesse

reduziert werden kann.

Rätselhafte Probleme

Konkret stellt die Verdauung Aristoteles vor manche schwierige Frage. Insbesondere

beschäftigt ihn ihre Bedeutung für die Gesundheit und das Verhalten von

Menschen. Seine Einlassungen entspringen dem Interesse für drei grundsätzliche

Funktionen des Lebens: die Aufnahme von Speise, die Ausscheidung von

Exkrementen und die Kontrolle der vitalen Gesamtfunktion. 11

Der aristotelische Wissensdurst scheint dabei schier unstillbar. Warum bewegen

sich manche Medikamente in den oberen Magenteil, andere in den unteren?

Liegt es daran, dass mache warm sind und andere kalt? 12 Warum wirken manche

Medikamente abführend, während andere – obwohl sie bitterer, strenger sind?

Warum wirken manche Medikamente abführend, andere dagegen nicht? 13

Beruht abführende Wirkung eines Stoffes nicht auf bestimmten Qualitäten, sondern

darauf, dass er nicht verdaut wird? Ist es nicht wert zu erwägen, ob alles,

was Wärme oder Kälte exzessiv hervorruft auch in geringer Masse der Verdauung

widerstehen kann? Aristoteles nimmt an, dass Stoffe, die der körperlichen

Wärme widerstehen, sich leicht in den verschiedenen Magenteilen verteilen und

dort als Medikamente wirken. Gelangen sie in den Magen, werden sie dort aus

wie Nahrung in die Blutadern weitergeleitet. Wenn sie der Verdauung widerstehen,

können sie auch Verstopfungen beseitigen, die ihren Weg behindern und zu

Purgation führen. Honig und Milch wirken deshalb reinigend und wenn sie sich

nicht aufgrund ihrer Masse vermischen wirken sie auch abführend. Nahrungsmittel

unterscheiden sich von Medikamenten, weil sie nicht aufgrund von Säure,

Bitterkeit und schlechtem Geruch reinigen. Was durch natürliche Verdauung in

den Körper gelange, sei Nahrung, was der Körper nicht bewältige und was durch

Wärme und Kälte Störungen verursacht, sei ein Medikament. 14 Aber warum wirken

bittere und übel riechende Medikamente in der Regel reinigend? Weil sie

schwer verdaulich sind? Werden sie in zu großer Dosis verabreicht, führen sie

zum Tod. Führen schon kleine Mengen zum Tod, werden sie Gifte genannt. 15

Wie schon Platon das Diaphragma zur Scheidewand zwischen einem unteren

und einem mittleren Teil der Seele erklärte, vermutet auch Aristoteles hier einen

Schutz der sensitiven bzw. empfindenden Seele im Herzen gegen die Ausdünstungen

der in den Verdauungsorganen wirkenden vegetativen Seele. 16 Wichtige

Ansatzpunkte für die Untersuchung menschlicher Funktionsweisen findet

Aristoteles im Tierreich: Warum haben Menschen feuchtere Exkremente als

Pferde? Liegt es daran, dass Pferde trockenere Nahrung zu sich nehmen? Liegt

es daran, dass Menschen viel flüssige Nahrung zu sich nehmen? Laut Aristoteles

entstehen alle Exkremente aus Nahrung und durch viel Nahrung entsteht

viel Exkrement. Außerdem fressen manche Tiere flüssigere Nahrung als andere.

Ein weiterer Grund könnte darin liegen, das erstere von Natur aus trockener

sind, letztere feuchter. Die von Natur aus Trockeneren verlange es nach feuchter

Nahrung, weil ihnen diese stärker fehle, und jene, die von Natur aus feucht sind,

ziehe es in Richtung trockener Nahrung, denn sie brauchen diese dringender. 17

Und wie ist es mit den Zähnen? Warum leben Menschen mit porösen Zähnen

nicht lange? Kann es daran liegen, dass langlebige Wesen mehr Zähne haben?

Nach Aristoteles haben Männer mehr Zähne als Frauen und Menschen mit

porösen Zähnen ähneln Wesen mit wenigen Zähnen. 18

Wie viele Philosophen tut sich auch Aristotelis nicht leicht mit Erklärungen

zur Sexualität. Nichtsdestoweniger bemerkt er

Zusammenhänge zwischen Verdauung und Fortpflanzung.

So entsteht Sperma nach seiner Einschätzung

in der letzten Verdauungsphase. 19 Genau

genommen handelt es sich um Speise, die noch

nicht assimiliert wurde, bzw. um Blut, das sich zwar

schon in den Gliedern verteilt hat, aber noch nicht

von ihnen aufgenommen wurde. Weil Sperma aus

der Speise stammt, produzieren dicke Männer, die

alle überflüssige Speise in Fett verwandeln, weniger

Sperma und haben dementsprechend weniger

Bedarf zu koitieren als dünne. 20 Menstruationsblut

habe den gleichen Ursprung wie Sperma. Es sei nur

nicht vollständig gekocht, weil der weibliche Körper

kälter sei als der männliche. 21

Wenn manche Feststellung nicht vollkommen befriedigend

wirkt, so betrifft das nicht nur die Erklärungen

von Aristoteles. Auch die aktuelle Wissenschaft

liefert zu Fragen der Verdauung dem nicht

immer eindeutige, intuitiv nachvollziehbare oder

richtige Antworten. 22

Für die philosophische Betrachtung muss das kein

Problem sein. Kopf und Bauch sehnen sich nach

mehr als immer nur passenden Antworten. Gerade

die aristotelischen Einlassungen unterstreichen

das Interesse gut gestellter Fragen. Erstaunte Verwunderung

ist ein Ursprung für den Fortschritt des

Wissens um funktionierende Verdauung.

Speziell gilt das für die Medizin, sich zu Aristoteles’

Lebzeiten erst langsam und vorsichtig aus dem Kanon des philosophischen

Denkens herauslöste. Gerade die Anwendung allgemeiner Einsichten zu Wärme,

Kälte, Feuchtigkeit und Trockenheit auf die Verdauung stellt das Gehirn vor

komplexe Aufgaben, deren Lösung mal mehr mal weniger überzeugend gelingt.

Soviel scheint klar: die rationale Erkundung der alltäglichen Verdauung ist eine

bleibende Herausforderung. Nicht nur an Liebhaber der Weisheit!

LITERATUR

Aristoteles, Problems, London, William Heinemann, 1970. Über die Zeugung der Geschöpfe (De

gen. Anim.), Paderborn, Schöningh, 1959. Baudy, Gerhard J., „Metaphorik der Erfüllung“, in: Archiv

für Begriffsgeschichte, Hamburg, Meiner, 1981, 7-68. Eijk, Philip J. van der, Körper, Seele,

Geist, Trier, Universität, Mai/Juni 2007. Frede, Michael, „On Aristotle‘s Conception of the Soul”,

Kosman, Aryeh, „What Does the Maker Mind Make?“ und Lloyd, Geoffrey E. R., „Aspects of the

Relationship between Aristotle‘s Psychology and his Zoology“, in: Rorty, Nussbaum, Essays on

Aristotle‘s De Anima, Oxford, Clarendon Press, 1995, 96-109, 147-168, 330-345.

ANMERKUNGEN

(1) Baudy, 1981, S. 81, vgl. Aristoteles Nikomachische Ethik, 1173b. 13ff Überlegungen zur Bedeutung

der Lust des Bauches für das gelingende Leben finden sich auch im Alten Testament, demzufolge

der Vater vieler Völker, Abraham, erfüllt verstarb. 1. Mose 25:8. Das in der Tora verwendete

Adjektiv „saw-bay‘-ah“ ‏(“ַעֵ֫בָׂש„)‏ assoziiert Reife, Sättigung und Zufriedenheit. Luther übersetzt mit

„lebenssatt“. In 1. Mose 35.29 wird das gleiche von seinem Sohn Isaak gesagt. (2) Kosman, 1995,

S. 344. (3) Eijk, 2007, S. 29; vgl. Tracy, 1969. (4) Aristoteles, Problems, XXVII,10. (5) So erwägt

er verschiedene Erklärungen in Hinblick auf den Wärmehaushalt: Versucht Wärme der Angst zu

entfliehen? Bewirkt die Angst im Inneren des Körpers in der Umgebung der Blase Wärme und löst

damit ihre Funktion aus? Verursacht Angst rektale Entweichungen, weil sie Blut und Wärme nach

unten streben lässt? Vgl. Probl;, XXVII,3 u. XXVII,9. (6) Frede, 1995, S. 104 (7) Ebd., S. 104. (8)

Ebd. S. 116. (9) Ebd. 1995, S. 105. (10) Ebd. 1995, S. 114. (11) Lloyd, 1995, S. 155. (12) Probl., I, 41,

S. 31. (13) Ebd., I, 42. (14) Ebd., I, 42, S. 31-33. (15) , Ebd., I, 47 (16) Lloyd, 1995, S. 153 (17) Probl.,

X, 59, S. 245. (18) Ebd. XXXIV, 1, S. 225. (19) Aristoteles, De gen. anim. 725a11-21, 725a24-25,

72a26-28, 726b1-5. (20) De gen. anim. 725b31-34. (21) Ebd. 738a34-36. (22) Stellvertretend seien

einige Fragen aus dem Forschungsbereich der Gastroenterologie genannt: „Was ist die Bedeutung

von Zytokinen und T-Zell-Homing für die Untersuchung von funktioneller Dyspepsie?“, „Welchen

Stellenwert hat die endoskopische Mukosaresektion bei der Entfernung von großen, sessilen

Kolonpolypen?“, „Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Serumkonzentration der Aminosäure

Cystein, die an zahlreichen immunmodulatorischen, antioxidativen und antikarzinogenen

Stoffwechselvorgängen beteiligt ist, und dem Ösophagus- und Magenkarzinomrisiko?“ Forschung

aktuell, 10.01.2012, 10h.

Probleme über Probleme,

Fragen über Fragen...?

Die Wechselwirkungen zwischen Mensch, Verdauung

und Welt stellen uns vor Rätsel, für wir nicht

immer einfache Lösungen kennen. Wie gut, dass

manche Tatsache sicher besteht, auch wenn wir die

Gründe nicht voll begreifen. Womit auch immer wir

Magen und Hirn speisen, eines ist doch sicher:

EUCARBON schafft freudige Bewegung

im Kopf und im Bauch!

Durch Kombination von pfl anzlichen und mineralischen

Inhaltstoffen wirkt das natürliche Darmregulans

EUCARBON® auf ganz natürliche Weise

verdauungsregulierend. EUCARBON® ist sowohl

Laxativum als auch Antidiarrhoikum. Mit anderen

Worten: EUCARBON® kann als mildes Abführmittel

wirken aber auch leichte Formen von Diarrhöe beseitigen!

Weitere Erklärungen zur Wirkung der kleinen schwarzen

„Naturtalente“ liefert das pharmazeutische Unternehmen

Trenka, seit 1909.

Ein „Naturalistischer Fehlschluss“ liegt vor, wenn in ethischen Begründungen vom Sein

auf das Sollen geschlossen wird (vgl. „naturalistic fallacy“, G. E. Moore, Principia Ethica).

Ein „Aristotelischer Kurzschluss“ liegt vor, wenn in gastrosophischen Begründungen vom

Bauch auf das Gehirn geschlossen wird (vgl. „gastrales Diktat“).

Bild: Erwin Wurm, „Aristotelischer Kurzschluss“, 2006, Performance/Photographie,

Sammlung Kamler, Wien

FRAGEBOGEN

Bitte kreuzen Sie an:

Aristoteles (* 384 v. Chr. in Stageira; † 322 v. Chr. in

Chalkis) war ab 367 v. Chr. Mitglied in Platons Akademie

in Athen, wo er lernte und lehrte. Ab 342 v. Chr. unterrichtete

er den makedonischen Thronfolger Alexander

den Großen. Verschiedene philosophische Disziplinen

wurden von ihm selbst begründet oder maßgeblich

beeinfl usst. Für die seinen Methoden gründende scholastische

Wissenschaft waren seine Schriften bis in die

Frühe Neuzeit maßgeblich. Für die Märe von Aristoteles

und Phyllis dürfte es im tatsächlichen Leben des Philosophen

keine Entsprechung geben. Das Bild des verführten

und blamierten Weisen legt aber nahe, dass sexuelle

Unbefriedigung die Psyche mancher Philosophen derart

verstört, dass sie Schwierigkeiten bei der gastralen und

intellektuellen Verdauung entwickeln.

Bild: Hans Baldung Grien, „Aristoteles und Phyllis“,

1513, 33 × 23,6 cm, Holzschnitt, Kupferstichkabinett,

Berlin.

Wie hätte Aristoteles die abführende Wirkung von EUCARBON® erklärt?

□ Manche Medikamente widerstehen der Verdauung schon in geringer Menge.

□ Manche Medikamente verteilen sich leicht in den verschiedenen Magenteilen.

□ Manche Medikamente werden im Magen wie Nahrung in die Adern geleitet.

Was hätte Aristoteles an EUCARBON® gelobt?

□ EUCARBON® reinigt weder durch Bitterkeit noch schlechtem Geruch.

□ EUCARBON® verursacht im Körper keine Störungen.

□ EUCARBON® ist nicht schwer verdaulich.

Wie hätte er EUCARBON® zur Stärkung rationaler Kompetenz eingesetzt?

□ Als Beitrag zu den körperlichen Voraussetzungen für freien Willen.

□ Als Beitrag zur Kontrolle der vitalen Gesamtfunktion.

□ Als Beitrag zur Erwärmung weiblicher oder männlicher Körper.

Wollen Sie tolle Preise gewinnen?

Dann schneiden Sie diesen Abschnitt bitte aus und senden ihn an:

Dr. Christian Denker,

ST/A/R-Forschungsstelle für Abendländische Verdauungsphilosophie,

Gumpendorfer Str. 42. A-1060 Wien.


Städteplanung / Architektur / Religion Buch VI Nr. 36/2013

45

Robert

Huber

Beat Wyss

Ahmed Zewail

Kurt

Wüthrich

Anton Zeilinger

Pierre Bourdieu

Walter Kohn

Frederic Morton

Zohra Bouchentouf-

Siagh

Edit Schlaffer, Cheryl Benard

Paul Watzlawick

Tamara K. Hareven

Irene Hardach-

Pinke

Michael

Mitterauer

Hermann Bondz

Mario Erdheim

Helga Kromp-

Kolb

Elisabeth Bronfen

Isabella Tardin Cardoso

Eric J.

Hobsbawm

Heinz von Foerster

Josef Penninger

Boris Groys

Erika Weinzierl

Wendelin Schmidt-

Dengler

Georg Stefan

Troller

Peter Landesmann

Andrea Barta

Ulrich Beck

Gary Becker

Klaus Theweleit

Konrad Paul

Liessmann

Jan Assmann

Jeanne Hersch

Fritz Achleitner

Jean Baudrillard

Michail Gorbatschow

Finn Kydland Barbara Bleisch Asfa-Wossen Asserate

George Weidenfeld

Elisabeth von

Samsonow

Adolf Holl

Was sind die Wiener Vorlesungen?

Dorothee Sölle

Aminata Traoré

Verena Winiwarter

Hans Hass, Rupert Riedl

Margarete

Mitscherlich,

Peter Kampits

Felix Mitterer

Richard Sennett

Jean-Marie

Lehn

Ivan Illich

Jody Williams

Claudia von Werlhof

Aleida Assmann

Eric Kandel

„Alle Dinge, die differenziert nicht abgehandelt

werden, kommen später vulgär

zurück.“ --- Werner Schwab

Wiener Vorlesungen. Dialogforum der

Stadt Wien

Planung und Koordination: Univ.-Prof. Dr. Hubert Christian Ehalt

Kulturabteilung der Stadt Wien, Wissenschafts- und Forschungsförderung

Friedrich Schmidt-Platz 5, 1082 Wien, Telefon: (01) 4000, DW 88741, 88744

E-Mail: post@vorlesungen.wien.at · www.facebook.com/wiener.vorlesungen

www.vorlesungen.wien.a

Neu:

Aufklärung statt Vernebelung

Differenzierung statt Vereinfachung

Analyse statt Infotainment

Utopien statt Fortschreibung

Tiefenschärfe statt Oberflächenpolitur

Empathie statt Egomanie

Widerspruch statt Anpassung

Auseinandersetzung statt Belehrung

Werte statt „anything goes“

Gestaltungswille statt Fatalismus

seit Mai 1987 · fokussiert · pointiert · kritisch · am Puls der ZeitVorträge ·

Diskussionen · Publikationen · TV-Serien · Videos

Dom Erwin Kräutler

Roger

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Peter Pulzer

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Rabinowich

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Daniela Strigl

Eugen Drewermann

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Ruth Wodak

Horst-Eberhard Richter

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Edward Shorter

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Wangermann

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Roger Tsien

Ruth Klüger

Susanne Heine

Desmond-Tutu

Günter Wallraff

Kofi Annan

Eva Jaeggi

Harald Leupold-

Löwenthal

Marie

Jahoda

Renée Schroeder

Hans Albert

Kurt Pahlen

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Bassam Tibi

Ernesto Cardenal

Ernst H.Gombrich

Bruno Bettelheim,

Franz Kreuzer

Viktor E. Frankl

Melissa Fleming

Fatima Ferreira

Elisabeth Orth

Ernst von Glasersfeld

Marion Gräfin Dönhoff

Viktor Matejka

Kardinal Franz

König

Marianne

Gronemeyer

Gerburg Treusch-

Dieter

Christina von Braun

Bruno Kreisky José Ramos Horta Carl Djerassi Carl E. Schorske Valie Export Jean Ziegler Unni Karunakara

Elfriede Gerstl

Barbara Coudenhove-

Kalergi, Barbara Rett

Max F. Perutz

Sonja Puntscher-

Riekmann Nathalia Wächter Sigrid Löffler Jakob von Uexküll Jacques Le Rider

Niklas Luhmann


46

Buch VI Nr. 36/2013

Mäander als Kunstprogramm

eine Reise zum Muzej Macura, Belgrad

ein Beitrag von Gerald Kolfer

Nahe und fern gelten räumlich betrachtet als diffizil. Dies verdeutlicht der Mäander.

Zwei augenscheinlich nahe liegende Punkte können nur erreicht werden indem man

ein Vielfaches an Weg zurücklegt. Europa mäandriert. Man wird jäh auf diese Tatsache

zurückgeworfen, sobald man auf der von der STRABAG glatt gebügelten Ungarnroute

Richtung Serbien unterwegs ist.

Wie unendlich fern man sich trotz gut ausgebauter Verbindungsrouten wähnt, verdeutlichen

die Grenzer. Kein Zauber dieser Welt bindet, was die Mode hier in Strenge teilt.

Kein Augenzwinkern oder Zureden hilft, wenn der Pass nicht passt. Eine Mäanderschlinge

zurück nach Budapest steht an, denn noch weilt Serbien nicht unterm sanften

Flügel Europas und der Notpass der diplomatischen Vertretung in Budapest ist in

solch einem Fall der einzige Schlüssel, der die Tür zu diesem Flecken anderes Europa

aufsperrt. Die normalste Sache der Welt. Zumindest für den Grenzer.

In der Natur gibt es keine Grenzen. Und keine Geraden. Der Wassertropfen wird niemals

gerade fließen. Nicht mal wenn man zuvor das Fenster putzt und poliert. Ein Geheimnis

der Hydrodynamik. Am Papier, funktioniert diese Art dritte Dimension nichtmal

fiktiv. Deswegen ist sie im Denken der Technokraten nicht vorhanden. Viel Wasser ist

schon die Donau hinuntergeflossen, zuviel um enge Kurven zu ziehen. Die Donaumäander

beeindrucken durch den Verschub gewaltiger Erdmassen, die ihrer Landschaft

Prägung geben.

Vor Belgrad, auf der Höhe der Ortschaft Novi Panovci, zieht die Donau eine Linkskurve.

Vom Wagram aus hat man eine weite Sicht, hinein in die Auen am anderen Ufer. Die

zahlreichen Fischlokale werden gern von den Belgrader Flaneuren und Wochenendgästen

frequentiert. Monströs anmutende Einfamilienhäuser, fast so überdimensional

wie Hotels im Tirolerhäuslstil säumen, oftmals unverputzt, die Peripherie der Entspannungsdörfer

vor den Toren Belgrads.

Die serbische Binnenmigration hat hier ein Gesicht bekommen. In den Häusern leben

die Großfamilien aus den periphären Provinzgegenden, wo „daham“ einmal gewesen

ist – von den Mäandern der jüngeren Zeitgeschichte hier angeschwemmt. Fremde im

eigenen Land, die hier, am Wagram vor Belgrad, eine neue Normalität suchen und irgendwann

in einer anderen Welt, als der in Stein gefassten erwachen werden.

Am Rande dieser pittoresken Wohnlandschaft der Zeitgeschichte steht das Museum

Macura. Ein dunkler Kubus, der schon von der nahen E 65 her auffällt, wenn man danach

sucht. Schon vom Grundriss her hat der Mäander hier Programm. Seine Existenz

geht zurück auf das mäandrierende Schaffen der 60er Jahre, auf die Kunst des Kroaten

Julije Knifer zurück, der für den Grundriss des Gebäudes Pate stand.

Wenn man das längliche Grundstück betritt, fallen zunächst die Nebengebäude ins

Blickfeld und der Obstgarten, dann der Museumstrakt von dessen Rückseite die Donau

grüßt. Nicht alle Früchte hier am Boden gelten als Fallobst. Immerwieder stößt

man auf Früchte des Schaffens aus den letzten Dekaden, aber auch auf Gegenwärtiges,

denn Artists lieben diese Residence und die besondere Exotik dieses Platzes erst

recht.

Der Name der Künstlergruppe Gorgona stand in den fünfziger- und sechziger Jahren

für unangepasstes Kulturschaffen im blockfreien Staat Jugoslawien. Man duldete,

aber sammlete nicht das Mäandrieren dieser Künstler im alten Vielvölkerstaat Jugoslawien.

Die Gruppe Gorgona ist aber dafür umfangreich vertreten in der Sammlung

Macura. Einer der Grundsätze der Gruppe lautete, dass kein Werk als Resultat der

Kunst erwartet wurde – es ging ums Prozessuale, um den gemeinsamen Austausch,

ums Mäandrieren der Gedanken.

Eine Idee, die bei Macura ihre Fortführung findet. Nicht jeder muss sich verpflichtet

fühlen ein Werk vor zulegen, wenn der Austausch stimmt.

Das Ergebnis ist ein Gesamt(kunst)projekt, dass sich stets von neuem erfindet, dessen

Früchte manchmal im Gras liegen, als Inspiration mit genommen werden oder an

den Museumswänden hängen bleiben. Das Museum Macura ist ein offenes Haus mit

einem artist in residence Programm, geöffnet von Anfang Mai bis Ende Oktober.

Es finden laufend aktuelle Ausstellungen und Veranstaltungen statt.

MUZEJ MACURA - Vladimir Macura, Adresse: Zenit 1, Novi Banovci bei Belgrad

fon: +43 664 423 0657

Fotos: Muzej Macura / Gerald Kolfer


Nr. 36/2013 Buch VI

47

Ausstellungen / Literatur / Freunde / Wegbegleiter

Killing for a Bitch

by Michael Buergermeister

At the age of twenty-one Roland was still a virgin. He was a nice boy and in his eyes nice boys didn’t fuck; they waited for

the perfect girl to enter their lives, married and settled down. This attitude had as much to do with Roland’s petit bourgeois

romanticism as his seriousness. His religious education also played a part; Roland had been brought up a Catholic. There was

something else though that influenced him: the fact that he came from a broken home and had been very close to and was

now completely estranged from his mother. Women were sacred for him and the sexual act had a divine dimension. Added

to that was his odd social life, his poverty and his driving ambition, which had made him such an outstanding student. He

always dreamed that academic achievement and material success would help him find „something better“. He didn’t know

what he wanted, he had no ideal image of a girl in his head but he knew what he didn’t want: to be like his father who had

seduced innumerable women. His father’s adherence to Priapos had destroyed both his mother, who became an alcoholic,

and his home. The last thing Roland wanted was to hurt another human being. Yet, ironically, this is what he was to do. And

when he inflicted injury it was to excess.

Freudians would have us believe that all is driven by our subconscious and that sex is the primal drive yet the truth is: what the Greeks and

Romans called „the passions“ really do. We are both simpler and more complex than Freud ever imagined. Pascal was right when he termed

fantasy the „dominant faculty of man“ and he was right when he defi ned our condition as being one of „inconstancy, boredom, anxiety“. Man is

a curious bundle of emotions, sensations and nerves. Whether he is as wretched as Pascal portrays him is a matter of debate but his weakness

and vanity are beyond reasonable doubt.

Roland lived in a fi ercely competitive age. It was no easy matter to survive and his one governing fear and anxiety was that he would not do so.

Social Darwinism, the survival of the fi ttest, was the ideology of the day. All that mattered was success and it didn’t matter how one got there.

Criminality was the rule and not the exception and nobody in business or politics, the two had become interchangeable, paid serious attention

to the law. The attitude that „only little people pay taxes“ had become a dominant trend. The result was that the poor subsidized the rich and

not vice versa. The rich were above the law; they could literally get away with murder, while the poor were persecuted for their lack of ambition.

It was perfectly acceptable for those in power to plunder the taxpayer and expropriate wealth. The world was governed by greed and a kleptocracy

had slowly taken hold, much like a parasitic vine. Its tentacles were everywhere and its control complete. The poor were squeezed, trampled

on, stolen from, humiliated and what was worse: told they were the authors of their own misfortune; all they had to do was „get on their bikes“.

There was no alternative they were told countless times. Injustice, double-standards, and theft belonged to the natural order of things.

AUSARTEN [ ] zeigte Das Exponential

Die Gruppenausstellung des Kunstvereins AUSARTEN [ ] zeigte als fortlaufendes Projekt im Anschluss an die Ausstellungen 2012 (Glaube versus Wissenschaft sowie

Stillstand und Beschleunigung) als drittes Projekt Das Exponential. Im Zeitalter der exponentiellen Entwicklungen, das technischen Fortschritts und des paradigmatischen

Paradoxons einer unendlich wachsenden Wirtschaft zeigte die Ausstellung künstlerische Positionen, die sich zeitkritisch mit Ursachen und Auswirkungen

des menschlichen Handelns auseinandersetzten. Die Erderwärmung, die Produktion von Plastik, die Treibhausgasemissionen, das Artensterben oder die Anzahl von

Telefonen sind nur einige der Indikatoren, die als exponentielles Schema Repräsentatn einer Welt im Zeitalter des Anthropozäns sind.

KÜNSTLERINNEN: Johanna Binder, Adam Bota, Peter Brauneis, Bernhard Buhmann, Depart, Naomi Devil, Christian Eisenberger, ekw14,90, Karin Frank, Thomas

Gänszler, Manuel Gras, Maria Hanl, Siggi Hofer, Jochen Höller, Olivier Hölzl, Tatjana Hardikov, Karl Kilian, Stefan Kreuzer, Milan Mijalkovic, Milan Mladenovic, Mobtik,

Alois Mosbacher, Max Peintner, Kurt Prinz, Jürgen Ramacher & Christian Einfalt, Enar de Dios Rodríguez, Martin Roth, Martin Schnur, Stylianos Schicho, Christopher

Sturmer, Ubermorgen, Thomas Wagensommerer,Bachhofer / Rysavy / Wildenberg, Hannes Zebedin.

Ort: Kuefsteingasse 15-19,1140 Wien / November 2013

KuratorInnen: Bastian Hörman, Denise Sumi, Katrin Knilli Assistenz: Franziska Hümer-Fistelberger

AUSARTEN[ ] e.V. / Verein zur Förderung künstlerischer Interventionen und transdisziplinärer Vernetzung / www.ausarten.at

All that counted, not just in Roland’s eyes, was to be „respectable“. Deeply insecure he craved the good opinion of others. Naturally vain and

not a little arrogant he despised those who were neither good-looking, educated nor rich. Any attempt at criticism on their part was Communism

and Envy. He was secretly pleased when he saw protesters beaten by police. His success and his place in „good society“ seemed assured.

One day he had an idea born of arrogance and greed. He too could be, he fi gured, rich. All he needed to do was to pretend that he had

kidnapped the son and heir of a wealthy family he had grown acquainted with. He need not even kidnap him. All would be pretence. The idea

smacked of brilliance. Indeed he thought of himself a genius and believed himself simply misunderstood. The fact that he had cheated in his

exams and plagiarized all his ideas was no matter. Thinking for oneself, independently, even reading was only for the lowly and ill-bred. He never

had to do so, being much too refi ned for such matters. And education was but a veneer. All one needed was bluff. After all, so-called „good

society“ was both stupid and ignorant. It was not diffi cult to fool, of that he was sure. He had bluffed his way into it with claims of having attended

good schools and knowing people he had only ever heard of. Besides he was a consummate actor and that meant: he invariably got away

with it. As so often with good ideas this particular one was forgotten. He smirked with the secret knowledge that he was capable of the perfect

crime and that alone suffi ced to pamper his vanity.

Everything changed when he saw Elisabeth. Elisabeth was a whore, but Roland didn’t know that. She was rich, beautiful, and from a respectable

family. The fact that she didn’t have a single moral to bless herself with didn’t bother him. On the contrary: if he had guessed the fact he

would have quickly ignored it. She was elegant, sophisticated, knew how to move in a party and was welcome in the best society. She had a

bubbly, superfi cial sense of humour and he quickly idealized her as a goddess of divine perfection. Above all else, Roland thought, he would be

very proud to have such a beautiful girl at his side: she knew how to dress, and, after all: what else counted? His vanity and arrogance were

aroused. He began to scheme on how to get her but every concept had a fatal fl aw: they couldn’t be implemented for want of funds. His idea

suddenly resurfaced. Roland’s fantasy took hold. He imagined putting his hand on her arm, kissing her hand, seizing her in his arms, tearing her

clothes off and sexually assaulting her. The dream became an obsession. It haunted him night and day.

If he had enough funds he could start his own business or participate in one of someone else as an investor. If only he didn’t have to pay taxes!

If only there weren’t the irksome regulations of the state! He would become rich and successful. Of that he was sure. He would drive up to

Elisabeth’s house in a Ferrari and she would seduce him on their fi rst drive. His sexual desires took hold of him and his absence of experience

made them all the more keen. Everything seemed clearly mapped out and assured. What, after all, could possibly go wrong? Where would the

harm be in a prank? If his scheme were to be discovered it would be excused as an excess of youth. If it went awry he would dismiss it as a

practical joke. Didn’t anyone have a sense of humour these days? On second thoughts he would forgo the investment, the money would buy

him a nice car, it didn’t necessarily have to be a Ferrari, and that, he knew from watching others, would be enough. Her knees would go weak

and his hands would quickly wander. He would explore the hills and valleys, the peaks and troughs of her soul. All that was required was a

certain lightness of touch and the fact that his actions were not strictly legal, well, what did that matter in this day and age?

The child in question was particularly dreamy and gormless. It is a commonly held belief that intelligence and wealth go hand in hand but this

child was living proof that the opposite is true. He was querulous and destructive and was commonly known in family circles as „the little monster“.

Both nanny and guardian didn’t care for him and it was this absence of feeling, this complete and utter indifference that would prove fatal

both for them and him. His parents rarely saw him and when they did it was usually to utter their disgust at the ineptitude of his upbringing. The

fact that they were ultimately responsible for it invariably escaped their attention.

Roland knew how to lure the little boy away. All he needed was to appeal to his impish, rebellious instinct. Wouldn’t it be fun, he sinisterly

suggested, with faintly satanic smile, to be away the whole day, and not come back at night? His parents would go crazy. The little boy, Nicholas

was his name, loved the idea. That, he knew, would get their attention and, best of all, both nanny and guardian would be fi red. He chuckled at

the thought of the tears in their eyes. Freedom beckoned and Roland would be the agent of his liberation. Roland, he had long realized, was

his best friend.

Die ARCHIVE DES EIGENSINNS sind ein kurzweiliges

Kompendium, zusammengestellt aus einer Auswahl

von Reiseberichten, Betrachtungen und Erzählungen des Ende 2008

erschienenen und mittlerweile vergriffenen „Eigensinn Lesebuchs“,

gekoppelt mit neuen, bislang unveröffentlichten Geschichten,

einem repräsentativen Querschnitt durch das kultur- journalistische

Schaffen des Autors, der hier – neben u. a. bei der LEIPZIGER

BUCHMESSE vorgestellten Textsammlung - aus einem reichen Fundus

an Publikationen, vom „Boulevardmagazin“ AUGUSTIN (Wien),

der Literaturzeitschrift MONTAUK (Graz), der Print-Publikation

SCHRIEB (Erding/Bayern) und dem Literatur-/Kunst- und

Politik-Magazin WIENZEILE die ihm nahestehenden zur Nachlese

anbietet, abgerundet durch zwei fragmentarische Textstrecken,

die durchaus Seltenheitswert aufweisen.

Im folgenden Projekt, angeregt durch das Alternativ-Label

SEXTANT MUSIC, geht er auf die Herausforderung ein,

gemeinsam mit verschiedensten Musikern seine Prosa und

explizit Lyrik zu vertonen …

„Herzlichen Dank für die elektronische Übermittlung der ganzen

neuen Ausgabe der WIENZEILE. Ihre Besprechung der „Struktur der

modernen Literatur“ passt da phantastisch hinein, zumal

sie auch sehr schön aufgemacht ist. Zu ändern gibt es meinerseits

nichts mehr. Wo Sie meine Vorschläge übernommen haben, da

haben Sie das perfekt gemacht; wo Sie bei Ihrer sprachlichen Fassung

geblieben sind, da haben Sie von Ihrem Recht als Rezensent

Gebrauch gemacht. Alles in allem ist es ein äußerst informativer,

aber auch kurzweilig geschriebener Beitrag, für den

ich Ihnen nur meine aufrichtige Anerkennung zollen kann.“

Professor Mario Andreotti (CH)

ISBN 978-3-9503114-2-6

Wolfgang E. EigEnsinn • DiE archivE DEs EigEnsinns

W

As Roland waited for an answer to his ransom note he half dreamed and half remembered his last meeting with Elisabeth. There had been

something wickedly beckoning in her smile when she had invited him in for a coffee. She had ignored the fact that he had practically forgotten

her during the performance. She had ignored the fact that he had behaved like a fool and had been hopelessly inept in his courtship. She still

had wanted to fuck him and he, incapable of seeing the fact had blindly thought it the beginning of a great and long romance. She would be the

woman of his dreams he had told himself. They would marry and have children. The fact that she could have slept with a dozen boys a day, if

she had wanted to, was all the more reason why she would fi nd him different, he told himself. Elisabeth, unlike Roland, had no illusions about

herself. She was rigorously honest. When jealous and spiteful girls called her a whore, she laughed at their faces. She didn’t have a problem

with the fact. In fact she took a Babylonian pride in the scope of her sexual empire: the three dentists, in three different towns, who invited her

for expensive holidays, the various students who did so, her long list of admirers: managers, lawyers, doctors, businessmen, who begged for her

time of day. When girls talked of „going for walks“ with their fi ancés she laughed outrageously at their pretence of innocence and hypocrisy: she

knew that all they wanted was to get laid. Had Roland realized the fact that he had lost his one chance then and that it would never return he

would never have done what he did.

du

If Roland’s lack of experience, cheek and arrogance had been the key to his initial success: Nicholas had believed him because of his glibness

and insouciance, it was to be the cause of his downfall. If Nicholas had taken considerable pleasure in the discomfort he knew he would cause

his parents it had quickly been replaced by other, more urgent emotions. He became diffi cult to handle and Roland soon realized that he was

out of control. In addition to that: the machinery of justice swung into action and what Roland had learned in theory soon became fact.

Killing for a Bitch

by Michael Buergermeister

At the age of twenty-one Roland was still a virgin. He was a nice boy and in his eyes nice boys didn’t fuck; they waited for the perfect girl to enter their lives, married and settled down. This attitude had as much to do with Roland’s petit bourgeois romanticism as his seriousness. His religious education also

played a part; Roland had been brought up a Catholic. There was something else though that influenced him: the fact that he came from a broken home and had been very close to and was now completely estranged from his mother. Women were sacred for him and the sexual act had a divine dimension.

Added to that was his odd social life, his poverty and his driving ambition, which had made him such an outstanding student. He always dreamed that academic achievement and material success would help him find „something better“. He didn’t know what he wanted, he had no ideal image of a girl in his

head but he knew what he didn’t want: to be like his father who had seduced innumerable women. His father’s adherence to Priapos had destroyed both his mother, who became an alcoholic, and his home. The last thing Roland wanted was to hurt another human being. Yet, ironically, this is what he was

to do. And when he inflicted injury it was to excess.

Freudians would have us believe that all is driven by our subconscious and that sex is the primal drive yet the truth is: what the Greeks and Romans called „the passions“ really do. We are both simpler and more complex than Freud ever imagined. Pascal was right when he termed fantasy the „dominant faculty of man“ and he was right when he defi -

ned our condition as being one of „inconstancy, boredom, anxiety“. Man is a curious bundle of emotions, sensations and nerves. Whether he is as wretched as Pascal portrays him is a matter of debate but his weakness and vanity are beyond reasonable doubt.

Roland lived in a fi ercely competitive age. It was no easy matter to survive and his one governing fear and anxiety was that he would not do so. Social Darwinism, the survival of the fi ttest, was the ideology of the day. All that mattered was success and it didn’t matter how one got there. Criminality was the rule and not the exception and nobody in

business or politics, the two had become interchangeable, paid serious attention to the law. The attitude that „only little people pay taxes“ had become a dominant trend. The result was that the poor subsidized the rich and not vice versa. The rich were above the law; they could literally get away with murder, while the poor were persecuted for their

lack of ambition. It was perfectly acceptable for those in power to plunder the taxpayer and expropriate wealth. The world was governed by greed and a kleptocracy had slowly taken hold, much like a parasitic vine. Its tentacles were everywhere and its control complete. The poor were squeezed, trampled on, stolen from, humiliated and what was

worse: told they were the authors of their own misfortune; all they had to do was „get on their bikes“. There was no alternative they were told countless times. Injustice, double-standards, and theft belonged to the natural order of things.

All that counted, not just in Roland’s eyes, was to be „respectable“. Deeply insecure he craved the good opinion of others. Naturally vain and not a little arrogant he despised those who were neither good-looking, educated nor rich. Any attempt at criticism on their part was Communism and Envy. He was secretly pleased when he saw protesters

beaten by police. His success and his place in „good society“ seemed assured.

One day he had an idea born of arrogance and greed. He too could be, he fi gured, rich. All he needed to do was to pretend that he had kidnapped the son and heir of a wealthy family he had grown acquainted with. He need not even kidnap him. All would be pretence. The idea smacked of brilliance. Indeed he thought of himself a genius and believed

himself simply misunderstood. The fact that he had cheated in his exams and plagiarized all his ideas was no matter. Thinking for oneself, independently, even reading was only for the lowly and ill-bred. He never had to do so, being much too refi ned for such matters. And education was but a veneer. All one needed was bluff. After all, so-called

„good society“ was both stupid and ignorant. It was not diffi cult to fool, of that he was sure. He had bluffed his way into it with claims of having attended good schools and knowing people he had only ever heard of. Besides he was a consummate actor and that meant: he invariably got away with it. As so often with good ideas this particular one was

forgotten. He smirked with the secret knowledge that he was capable of the perfect crime and that alone suffi ced to pamper his vanity.

people

If he had enough funds he could start his own business or participate in one of someone else as an investor. If only he didn’t have to pay taxes! If only there weren’t the irksome regulations of the state! He would become rich and successful. Of that he was sure. He would drive up to Elisabeth’s house in a Ferrari and she would seduce him on their

Everything changed when he saw Elisabeth. Elisabeth was a whore, but Roland didn’t know that. She was rich, beautiful, and from a respectable family. The fact that she didn’t have a single moral to bless herself with didn’t bother him. On the contrary: if he had guessed the fact he would have quickly ignored it. She was elegant, sophisticated, knew

how to move in a party and was welcome in the best society. She had a bubbly, superfi cial sense of humour and he quickly idealized her as a goddess of divine perfection. Above all else, Roland thought, he would be very proud to have such a beautiful girl at his side: she knew how to dress, and, after all: what else counted? His vanity and arrogance

were aroused. He began to scheme on how to get her but every concept had a fatal fl aw: they couldn’t be implemented for want of funds. His idea suddenly resurfaced. Roland’s fantasy took hold. He imagined putting his hand on her arm, kissing her hand, seizing her in his arms, tearing her clothes off and sexually assaulting her. The dream became

an obsession. It haunted him night and day.

stars, szenefiguren, akteure,

musen, schreiber und querdenker

und mehr

fi rst drive. His sexual desires took hold of him and his absence of experience made them all the more keen. Everything seemed clearly mapped out and assured. What, after all, could possibly go wrong? Where would the harm be in a prank? If his scheme were to be discovered it would be excused as an excess of youth. If it went awry he would dismiss

it as a practical joke. Didn’t anyone have a sense of humour these days? On second thoughts he would forgo the investment, the money would buy him a nice car, it didn’t necessarily have to be a Ferrari, and that, he knew from watching others, would be enough. Her knees would go weak and his hands would quickly wander. He would explore

the hills and valleys, the peaks and troughs of her soul. All that was required was a certain lightness of touch and the fact that his actions were not strictly legal, well, what did that matter in this day and age?

The child in question was particularly dreamy and gormless. It is a commonly held belief that intelligence and wealth go hand in hand but this child was living proof that the opposite is true. He was querulous and destructive and was commonly known in family circles as „the little monster“. Both nanny and guardian didn’t care for him and it was this

absence of feeling, this complete and utter indifference that would prove fatal both for them and him. His parents rarely saw him and when they did it was usually to utter their disgust at the ineptitude of his upbringing. The fact that they were ultimately responsible for it invariably escaped their attention.

Roland knew how to lure the little boy away. All he needed was to appeal to his impish, rebellious instinct. Wouldn’t it be fun, he sinisterly suggested, with faintly satanic smile, to be away the whole day, and not come back at night? His parents would go crazy. The little boy, Nicholas was his name, loved the idea. That, he knew, would get their attention

and, best of all, both nanny and guardian would be fi red. He chuckled at the thought of the tears in their eyes. Freedom beckoned and Roland would be the agent of his liberation. Roland, he had long realized, was his best friend.

As Roland waited for an answer to his ransom note he half dreamed and half remembered his last meeting with Elisabeth. There had been something wickedly beckoning in her smile when she had invited him in for a coffee. She had ignored the fact that he had practically forgotten her during the performance. She had ignored the fact that he had

behaved like a fool and had been hopelessly inept in his courtship. She still had wanted to fuck him and he, incapable of seeing the fact had blindly thought it the beginning of a great and long romance. She would be the woman of his dreams he had told himself. They would marry and have children. The fact that she could have slept with a dozen

boys a day, if she had wanted to, was all the more reason why she would fi nd him different, he told himself. Elisabeth, unlike Roland, had no illusions about herself. She was rigorously honest. When jealous and spiteful girls called her a whore, she laughed at their faces. She didn’t have a problem with the fact. In fact she took a Babylonian pride in

the scope of her sexual empire: the three dentists, in three different towns, who invited her for expensive holidays, the various students who did so, her long list of admirers: managers, lawyers, doctors, businessmen, who begged for her time of day. When girls talked of „going for walks“ with their fi ancés she laughed outrageously at their pretence of

innocence and hypocrisy: she knew that all they wanted was to get laid. Had Roland realized the fact that he had lost his one chance then and that it would never return he would never have done what he did.

If Roland’s lack of experience, cheek and arrogance had been the key to his initial success: Nicholas had believed him because of his glibness and insouciance, it was to be the cause of his downfall. If Nicholas had taken considerable pleasure in the discomfort he knew he would cause his parents it had quickly been replaced by other, more urgent

emotions. He became diffi cult to handle and Roland soon realized that he was out of control. In addition to that: the machinery of justice swung into action and what Roland had learned in theory soon became fact.

Wir wünschen dem ST/A/R Magazin auf diesem Weg Alles Gute für weitere kreative und inspirierende 10 Jahre.

Pecha Kucha Night Vienna www.pechakucha.at

der nächste ST/A/R erscheint März 2014

und wird alles und jeden zum Star machen ...


Städteplanung / Architektur / Religion

10 Jahre Jubiläums ST/A/R Nr.35-36

2003

2013

Sina

Tochter vom ST/A/R Gründer

Thomas Redl

Der Himmel nimmt dich in seine Arme und flüstert dir zu,

du bist das große Lachen des Lebens.

r. 2003

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