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Ausgabe 4/2020<br />

Zebrabox ab S. 16 | Elektro-Autos 2021 ab S. 38 | Starke Frauen - Porträts ab S. 4 | Home-Office ab S. 22


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2020 neigt sich dem Ende...<br />

Liebe Leserin, lieber Leser<br />

2020 neigt sich dem Ende zu und wird - anders als viele andere Jahre zuvor - nicht<br />

so schnell vergessen werden. Die Corona-Pandemie hat innerhalb weniger Monate<br />

unser Leben - privat wie auch beruflich - fundamental verändert und Megatrends<br />

wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit befeuert. Arbeiten im Home Office ist schon<br />

fast zur Routine geworden und hat einen Innovationsschub in der Kommunikationstechnologie<br />

bewirkt. Unternehmen, gerade auch die Innovationsführer unter den<br />

KMU, setzen nachhaltiges Wirtschaften im Rahmen ihrer Wertschöpfung ganz oben<br />

auf ihre Prioritätenliste. Erfolgreiche Frauen im Business, Medien und Kultur prägen<br />

unsere Gesellschaft; wir porträtieren Protagonistinnen dieser Bewegung - allesamt<br />

Persönlichkeiten mit Vorbildfunktion. Zuguterletzt präsentieren wir mit Zebrabox<br />

in der Titelgeschichte ein aussergewöhnlich erfolgreiches Schweizer Unternehmen,<br />

das als der Self Storage-Pionier in Europa gilt. Die erste Adresse, falls - was um die<br />

Weihnachtszeit wieder besonders aktuell ist - Lager- und Stauräume gefragt sind.<br />

Wir wünschen Ihnen eine inspirierende Lektüre, besinnliche Festtage und ein gutes<br />

Neues Jahr. Bleiben Sie gesund.<br />

<br />

3


Highlights<br />

Aura Davis - Ein schweizer Talent<br />

KMU Wirtschaft im Gespräch mit dem vielversprechenden<br />

Schweizer Talent und Vollblut-Musikerin<br />

Aura Davis. Ab Seite 4<br />

Keinen Platz?<br />

Self Storage hat sich in den letzten zwanzig Jahren<br />

von einem Nischenprodukt zu einer breit<br />

genutzten Dienstleistung entwickelt. Zebrabox<br />

Ab Seite 16<br />

Trend 2021<br />

Elektro-Autos werden immer beliebter - und<br />

innovativer. Wir zeigen die Highlights 2021.<br />

Ab Seite 40<br />

4


Inhaltsverzeichnis:<br />

Aura Davis - Das Stimmwunder S. 6 - 4<br />

Gegen Food Waste - Alexandra Suter S. 10 - 11<br />

Star aus der Schweiz bei „Voice of Germany““ S. 12<br />

Porträt - Patricia Falco Beccalli S. 14 - 17<br />

Storage-Lösungen Zebrabox S. 18 - 19<br />

Neue Rekorde - Bitcoin S. 20 - 21<br />

Digitaler Reifegrad S. 22 - 23<br />

Home-Office geht weiter S. 24 - 26<br />

Naturschutz S. 28 - 29<br />

Nachhaltiges Wirtschaften S. 30 - 33<br />

Grüne Revolution beim Bau S. 34 - 36<br />

Kreativ und Sicher S. 38 - 39<br />

Mobilität S. 40 - 41<br />

E-Autos 2021 S. 42 - 43<br />

Phishing mails S. 46 - 48<br />

Business Impact S. 50 - 51<br />

IT-Sicherheit S. 52 - 53<br />

Fehler in Datenbanken S. 54 - 55<br />

Virus befällt Kassensystem S. 56<br />

Impressum S. 58<br />

<br />

5


Highlight<br />

„Ich wünsche mir vor allem, weiter<br />

zu wachsen“<br />

KMU Wirtschaft im Gespräch mit dem vielversprechenden Schweizer<br />

Talent und Vollblut-Musikerin Aura Davis.<br />

6


Highlight<br />

Aura Davis, dein neuer Hit „Keep running“ klingt als ein sehr<br />

persönliches Werk. Gab es etwas zu verarbeiten?<br />

Gibt es das nicht immer? (lacht) Jedes Wort aus meiner Feder<br />

hat immer einen sehr persönlichen Kern. Keep Running ist hier<br />

keine Ausnahme. Ich verbringe sehr viel Zeit mit mir und meinen<br />

Gedanken und reflektiere mein Handeln, Denken und Fühlen.<br />

Wenn ich etwas über mich gelernt habe, dann dass es in Ordnung<br />

ist, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen.<br />

Es ist in Ordnung Ambitionen zu haben und sie laut auszuleben.<br />

Es ist genauso in Ordnung, von etwas wegzulaufen, wenn es<br />

einem aus irgendeinem Grund nicht gut tut.<br />

Man muss nicht immer für andere stark sein und in einer Situation<br />

verweilen, nur weil das vielleicht fairer für andere wäre. Mit<br />

Keep Running, versuche ich mich selbst daran zu erinnern.<br />

Die Lyrics des Songs starten „Like in the famous song, I was<br />

born to run“ Welche Version hat dich inspiriert und wer sind<br />

deine musikalischen Vorbilder?<br />

Um ehrlich zu sein, es ist nicht eine Version des Songs die für<br />

die Zeile verantwortlich ist. Es sind die Worte. Die Botschaft,<br />

die zwischen den wundervoll geschriebenen Zeilen verborgen<br />

liegt.<br />

„The highway‘s jammed<br />

with broken heroes<br />

On a last chance power drive<br />

Everybody‘s out on the run tonight<br />

But there‘s no place left to hide“<br />

Oder eben: Like in that famous song, I was born to run.<br />

Was bedeutet Musik für dich?<br />

Musik bedeutet für mich Freiheit.<br />

Wieso Freiheit?<br />

Ich übersetze Freiheit für mich mit “Live your emotions out<br />

loud”. Musik ermöglicht es mir, alles zu fühlen was man in diesem<br />

Leben fühlen kann.<br />

Du bist ein grosser Fan der Nashville-Szene. Was macht diese<br />

Musik besonders in deinen Ohren?<br />

Auch hier, es ist weniger die Musik an sich. Es sind tatsächlich<br />

die Geschichten und die Art und Weise wie mit Worten umgegangen<br />

wird.<br />

Es sind oftmals keine kurzen Sätze, sondern ganze Paragraphen.<br />

In Nashville sagt niemand “You broke my heart”.<br />

In Nashville sagt man:<br />

“Hey, you call me up again just<br />

to break me like a promise<br />

So casually cruel in the<br />

name of being honest<br />

I‘m a crumpled up piece<br />

of paper lying here<br />

‚Cause I remember it all, all, all too well”<br />

Es geht halt oft wirklich um die Worte, und als absoluter Word-<br />

Nerd, bin ich davon total fasziniert.<br />

<br />

7


Highlight<br />

äusserst durchtriebene Fantasie tat dann wohl den Rest, als<br />

ich realisierte dass ich ja eigentlich wie jeder andere auch ein<br />

Buch schreiben kann (lacht). Musik war in der Familie immer<br />

da - meine Mamma hat immer gesungen. Die Liebe zur Musik<br />

ist also irgendwie genauso angeboren wie die Liebe zu Worte.<br />

Dass ich beides kombinieren kann, hat für mich durchaus etwas<br />

mit Poesie zu tun.<br />

Was bedeutet die Bühne für dich? Bekommst du Entzugserscheinungen<br />

ohne Gigs wie jetzt in der Corona-Zeit?<br />

Ich war seit ich klein bin, oft auf der Bühne. Seit ich aber als Aura<br />

Davis offiziell Musik mache, hatten wir tatsächlich noch keine<br />

Möglichkeit auf einer Bühne live zu spielen. Unsere gesamte<br />

Planung, sei es die EP und der Showcase oder auch Musikvideos,<br />

musste aufgrund von Corona auf Eis gelegt werden. Die<br />

EP produzieren wir nun aber dennoch weiterhin zu Ende. Man<br />

ist ja heutzutage gottseidank technisch soweit dass Locations<br />

mit den richtigen Leuten und Tools überhaupt keine Rolle mehr<br />

spielt. Schade natürlich, dass die physische Nähe zu den Fans<br />

komplett fehlt. Aber die sozialen Medien erlauben es uns heute,<br />

durchaus dennoch eine Form von Nähe zu schaffen. Ich schreibe<br />

täglich auf Instagram und Facebook mit meinen Leuten und liebe<br />

es, wenn ich Videos erhalte in welchen Fans zu meiner Musik<br />

die Quarantäne übertanzen (ehrlich jetzt, sendet mir bitte mehr<br />

davon!) Wir hoffen natürlich wie alle anderen auch, dass wir<br />

nächstes Jahr endlich live spielen können. Bis dahin aber bleiben<br />

wir positiv und konzentrieren uns auf das, was wir beeinflussen<br />

können. Und das heisst: Wir machen eine echt geile EP!<br />

Erzähl uns von deinen Träumen. Wohin bringt dich deine Musikkarriere?<br />

Für die Zukunft wünsche ich mir vor allem als Musiker und<br />

Mensch weiter zu wach-sen. Ich habe diese Reise gerade erst<br />

begonnen und es gibt noch so viel zu erzählen. So viel zu lernen.<br />

So viel zu fühlen. Ich wünsche mir, noch mehr Gleichgesinnte<br />

zu finden. Wie schon erwähnt, es ist in Ordnung Ambitionen zu<br />

haben. Und ich will schlichtweg von allem noch mehr.<br />

Wie wirst du dereinst rückblickend dein Leben beschreiben?<br />

If I had known how it feels,<br />

I would‘ve done it anyway.<br />

Deine Gitarre ist deine ständige Begleiterin (bis ins Bett).<br />

Wie entstehen deine Songs?<br />

Ich schreibe meistens auf Gitarre, das stimmt. Allerdings weniger<br />

nach Verstand, sondern mehr nach Gefühl. Meistens habe<br />

ich tatsächlich keine Ahnung, was ich da genau tue. Ich schreibe<br />

jeden Tag. Manchmal bewusst, manchmal nur kleine Notizen<br />

auf Servietten oder sonst was. Wenn ich dann die Gitarre bei mir<br />

hab, spiele ich meistens einfach etwas rum. Wenn es sich gut<br />

anfühlt mach ich damit weiter und wenn nicht, na dann mach<br />

ich eben was anderes. Es ist sehr individuell und geschieht tatsächlich<br />

meistens eher spontan.<br />

Schon als Kind hast Du Gedichte geschrieben? Ist Musik Poesie<br />

für dich?<br />

Als Kind mit wenig Freunden und ständig streitenden Eltern,<br />

lernte ich früh mit mir selber klar zu kommen. Ich war halt wirklich<br />

oft alleine und war früh fasziniert von Büchern. Ich habe<br />

mit 4 Jahren begonnen zu lesen und ab da so ziemlich alles verschlungen<br />

was man mir mit Buchstaben vorgelegt hat. Meine<br />

8


Wir<br />

KMU<br />

« Wir vertrauen Sunrise, weil<br />

sie die besten Lösungen für<br />

das mobile Arbeiten bieten.»<br />

Adrian Meili, CEO,<br />

SIGG Switzerland Bottles AG<br />

sunrise.ch/wirlieben<strong>kmu</strong>


Highlight<br />

„Wir kämpfen gegen Food Waste“<br />

Interview mit Alexandra Suter, Leiterin Hotellerie und Gastronomie Stadtspital Waid und Triemli<br />

Alexandra Suter, wie haben Sie es in jungen Jahren zu der<br />

aktuellen Führungsposition geschafft?<br />

Ich habe mich in den letzten zehn Jahren nebenberuflich kontinuierlich<br />

weitergebildet. Dies sehe ich als eine wichtige Grundlage<br />

für eine langfristige Karriere und um Führungsverantwortung<br />

übernehmen zu können. Nebst der Ausbildung, gehören<br />

sicher eine positive Einstellung, die Bereitschaft zu Veränderung<br />

und nicht zuletzt auch ein wenig Glück dazu. Mit dreissig Jahren<br />

bin ich heute für circa 300 Mitarbeitende in der Hotellerie und<br />

Gastronomie des Stadtspitals Waid und Triemli verantwortlich.<br />

Ich bin sehr stolz und glücklich, dass ich meine Leidenschaft für<br />

das Gesundheitswesen und die Ernährung hier einbringen kann.<br />

Wie haben Sie diese Leidenschaft für feines Essen in sich entdeckt?<br />

Als Schweizer Familie bestand unser Menüplan aus typisch nationalen,<br />

„währschaften“ Gerichten, wie Kartoffeln in allen Variationen<br />

mit Zutaten aus dem eigenen Garten. Als ich dann mein<br />

eigenes Geld verdiente, habe ich entdeckt, dass es auch Restaurants<br />

mit Küche aus allen Erdteilen gibt und dass man aus den<br />

einzelnen Zutaten auch Kunstwerke zaubern kann – statt gekochte<br />

Kartoffeln, Gratin oder Rösti auch Kartoffelspuma oder<br />

Kartoffelsoufflée. Ein schön und mit Liebe dekorierter Teller ist<br />

für mich ein Kunstwerk. Ich schätze und respektiere die grosse<br />

Arbeit und Hingabe, welche Köchinnen und Köche in ihre Kreationen<br />

stecken. Nach meiner kulinarischen Weltreise weiss ich<br />

wieder die Natürlichkeit regionaler und saisonaler Gerichte zu<br />

schätzen. Das trifft auch auf meine Arbeit zu, wo ich aus voller<br />

Überzeugung die reiche Auswahl von regionalen Produzenten<br />

und die Vielfalt der Erzeugnisse und saisonaler Gerichte förde-<br />

re. Auf der Suche nach dem Besonderen und Unverfälschten<br />

muss man gar nicht weit gehen.<br />

Die Corona-Pandemie stellt für Unternehmen – Mitarbeiter<br />

wie Vorgesetzte – eine grosse Herausforderung dar. Wie ist<br />

Ihr vorläufiges Fazit aus Management- und Leadership-Perspektive?<br />

In solch herausfordernden Zeiten ist Empathie in der Führung<br />

besonders wichtig. Die Menschen sind verunsichert und haben<br />

Angst. Deshalb ist es elementar, entschieden zu führen, transparent<br />

zu kommunizieren und zu informieren.<br />

Als Errungenschaft aus der Krise sehe ich aber auch, dass wir in<br />

unserem Bereich als Team stärker zusammengewachsen sind.<br />

Wir, in der operativen und organisatorischen Spitalführung, waren<br />

gerade während des Lockdowns stark gefordert. Ohne das<br />

Miteinander hätten wir nicht erreicht, dass das Wir-Gefühl heute<br />

deutlicher im Vordergrund steht. Zeitgleich haben wir auch<br />

einen grossen Schritt in der Digitalisierung gemacht. Somit haben<br />

wir die Krise als Chance zur Weitentwicklung genutzt.<br />

Gesundheit und Ernährung sind zwei Megatrends, welche<br />

Ihre Arbeit bestimmen. Wie hält man die Qualität angesichts<br />

eines immer weiter steigenden Kostendrucks hoch?<br />

Die Stadtspitäler Waid und Triemli wurden vor knapp zwei Jahren<br />

zusammengelegt. Dies hilft im Bereich Hotellerie und Gastronomie<br />

Synergien zu erschliessen und betriebswirtschaftlicher<br />

zu sein. Kostenbewusstsein ist wichtig, aber gerade in<br />

einem Spital sind gesunde und qualitativ gute Ernährung wesentliche<br />

Eckpfeiler für motivierte und gesunde Mitarbeitende,<br />

sowie für die Genesung von Patientinnen und Patienten. Wir<br />

10


Highlight<br />

achten sehr auf regionale, saisonale, biologische und nachhaltige<br />

Lebensmittel. Milch- und Fleischprodukte kommen ausschliesslich<br />

aus nachhaltiger Schweizer Produktion. Im Bereich<br />

Food-Wasting gehören wir seit einem Jahr zu den Vorreitern bei<br />

den Schweizer Spitälern.<br />

Das Management von Teams in zwei Kliniken/Spitälern mit<br />

unterschiedlichen Kulturen ist eine Herausforderung. Wie<br />

gehen Sie bei der Schaffung einer Kultur und Teambuilding<br />

vor?<br />

In der Tat waren die Kultur, die Betriebssysteme und die Abläufe<br />

an den beiden Standorten unterschiedlich. Die betroffenen Mitarbeitenden<br />

beider Spitäler hatten vor der Zusammenführung<br />

keine grossen Berührungspunkte. Bei einer Zusammenführung<br />

dieser Grössenordnung gehören Unsicherheiten bei den Mitarbeitenden<br />

dazu. Ein erster, wichtiger Schritt war die Erstellung<br />

eines transparenten Kommunikationskonzeptes und die<br />

Schaffung klarer Verantwortungs- und Sitzungsstrukturen. In<br />

den ersten sechs Monaten haben wir viele teambildende Workshops<br />

durchgeführt. Schwerpunkte waren die Erstellung einer<br />

gemeinsamen Hotellerie- und Gastronomiestrategie sowie die<br />

Definition neuer Werte und die Erarbeitung unseres Leitbildes.<br />

Ich spüre, dass wir dadurch standortübergreifend ein klares<br />

Verständnis für die Zielausrichtung gewonnen haben und aus<br />

zwei unterschiedlichen Teams nun zu einer Einheit zusammengewachsen<br />

sind.<br />

Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Digitalisierung – wie beeinflussen<br />

solche Megatrends Ihre Arbeit?<br />

Das Stadtspital Waid und Triemli verpflegt rund 2400 Personen<br />

am Tag, was einer durchschnittlichen Jahresleistung von<br />

876‘000 Mahlzeiten entspricht.<br />

Nebst einer ständigen Erweiterung unseres Portfolios mit vegetarischen<br />

und veganen Gerichten, nimmt auch der Verkauf eben<br />

dieser Menüs ständig zu.<br />

Wurden im Jahr 2017 fast 28‘000 vegetarische Gerichte verkauft,<br />

so waren es 2019 bereits knapp 36‘500 Gerichte, was<br />

einer Zunahme von 32% entspricht. Der CO2-Fussabdruck verbessert<br />

sich dadurch merklich und auch der Einkauf von biologischen<br />

und nachhaltigen Produkten steigt stetig an. Der Kampf<br />

gegen Food-Waste ist uns ein grosses Anliegen. In der Schweiz<br />

werden pro Jahr 2.6 Mio. Tonnen Lebensmittel verschwendet,<br />

wir stellen uns dem aktiv entgegen indem eine permanente<br />

Überwachung und Protokollierung aller Lebensmittelabfälle<br />

stattfindet. Nur so können wir uns ständig verbessern und mithelfen,<br />

nicht nur für die Stadt Zürich, sondern gesamtheitlich,<br />

etwas beizutragen. Die Menge des biologischen Abfalls konnte<br />

in den letzten zwei Jahren um 20% gesenkt werden. Projekte<br />

rund um das Thema Food-Waste und Nachhaltigkeit haben<br />

stets eine grosse Priorität. Im Rahmen eines Pilotprojekts mit<br />

der Firma Kitro können wir genau mit einer Kamera analysieren,<br />

in welche Lebensmittelsubstanzen sich die Verschwendung<br />

unterteilt. So erfahren wir, welche Gerichte den Gästen<br />

schmecken und welche Lebensmittelbestandteile am meisten<br />

auf den Tellern zurückbleiben. Auch nehmen wir am Pilotprojekt<br />

von Olanga teil, eine App welche in Zusammenarbeit mit<br />

dem Bundesamt für Umwelt entwickelt wurde und durch intelligente<br />

Menüvorbestellung den Lebensmittelaufwand deutlich<br />

reduziert. Wir retten überschüssiges Essen, in dem wir bei „Too<br />

Good To Go“ mitmachen. Auch beim Material achten wir streng<br />

auf Nachhaltigkeit, unsere Servietten werden aus rezykliertem<br />

Papier hergestellt und wir verzichten auf Plastikgeschirr. Unsere<br />

Take-Away-Schalen sind biologisch abbaubar und wir nutzen<br />

die allseits bekannten und nachhaltigen reCIRCLE-Schalen.<br />

Welche beruflichen Ziele haben Sie, welche persönlichen<br />

Träume, die Sie verraten wollen?<br />

Ich möchte die Hotellerie und Gastronomie des Stadtspitals<br />

Waid und Triemli in der Kunden-und Patientenzufriedenheit<br />

ganz vorne platzieren, quasi als Visitenkarte, mit dem Image<br />

eines fortschrittlichen, qualitätsorientierten und verantwortlichen<br />

Betriebs. Ich bin überzeugt, dass dies auch ein entscheidender<br />

Faktor für die Gewinnung neuer und den Erhalt<br />

bestehender Mitarbeitender ist. Darüber hinaus kann ich mir<br />

vorstellen, meine Passion und Wissen im Rahmen eines Lehrauftrags<br />

weiterzugeben.<br />

<br />

11


Highlight<br />

Ich packe alles – meine Leben, Gefühle und<br />

die Vergangenheit – in meine Songs<br />

KMU Wirtschaft im Gespräch mit Freschta, Schweizerin mit<br />

afghanischen Wurzeln und „Voice of Germany“-Star<br />

Voice of Germany hat Dich zum Star gemacht. Was hat das in<br />

deinem Leben verändert?<br />

Über Nacht war ich in der Schweiz und in Deutschland bekannt.<br />

Deutschland ist ein interessanter Markt mit grossem Potenzial<br />

für mich. Ausserdem konnte ich neue Kontakte aus dem Musik-<br />

Business knüpfen, welche für mich neue Türen geöffnet haben.<br />

„Meine 3 Minuten“ mit dem deutschen Rapper Sido bleibt<br />

uns im Gedächtnis. Wie kam es zu dem Duett?<br />

Da jeder Finalist mit seinem/ihrem Coach ein Lied releasen<br />

durfte, kam es so zu diesem Song.<br />

Ein toller Song mit einer Message dahinter. War ein grossartiges<br />

Erlebnis. Noch heute habe ich Kontakt mit Sido, was ich sehr<br />

schätze.<br />

Du standst auch mit Dua Lipa auf der Bühne, international<br />

eine grosse Nummer. Was bedeuten Dir solche Auftritte?<br />

So was ist ein fantastisches Erlebnis auf „Augenhöhe“. Man<br />

lernt von solchen Top-Stars, wie man selbstbewusster und professioneller<br />

auftreten kann. Dieser Auftritt bedeutete sehr viel<br />

für mich, da ein Traum in Erfüllung ging.<br />

Auf deiner Website schreibst du von den Schwierigkeiten<br />

von Künstlern in der Corona-Krise…<br />

Wir Künstler gehen gerade durch eine harte Zeit, weil Auftritte<br />

und ganze Tourneen von heute auf morgen abgesagt worden<br />

sind und immer noch werden.<br />

Die Zukunft ist ungewiss. Doch man hat Zeit für neue Songs,<br />

und kann innovativ sein und sich zum Beispiel auf die Vermarktung<br />

auf Online-Plattformen anstelle von Live-Auftritten fokussieren.<br />

Du arbeitest an neuer Musik. Für 2020 sind neue Tracks geplant.<br />

Auf was dürfen wir uns freuen?<br />

Bald erfolgt ein Release in Zusammenarbeit mit einem bekannten<br />

Schweizer Rapper. Ausserdem arbeite ich intensiv an Solo-Projekten,<br />

wobei inhaltlich mein Leben, meine Gefühle und<br />

auch die Vergangenheit thematisiert werden. Öffentlich gebe<br />

ich keine tiefen Einblicke in mein privates Leben, ich packe lieber<br />

alles in meine Songs.<br />

Mit Markus Glur von Skytone Music bist du eine neue Kooperation<br />

eingegangen. Wie kam es dazu?<br />

Ich strebe eine langfristige Zusammenarbeit an und möchte<br />

alle Arbeitsschritte mit-verfolgen und nicht „nur“ die Sängerin<br />

sein. Markus bietet hohe Qualität und sehr viel Know-how.<br />

Unser Ziel ist es, weitere Projekte auf hohem professionellen<br />

Niveau zu produzieren und zu vermarkten. Dabei soll möglichst<br />

viel «Made in Switzerland» sein. Aktuell bauen wir auch ein professionelles<br />

PR & Marketing Team auf.<br />

Deine Eltern stammen aus Afghanistan. Wie sehr prägen diese<br />

Wurzel deine Musik?<br />

Ich bin in der Schweiz aufgewachsen, jedoch stark von dieser<br />

Kultur geprägt. Nicht nur meine Songtexte werden meine<br />

Wurzeln spiegeln, sondern auch meine Musik. Mein Ziel ist es,<br />

europäischen Sound mit demjenigen aus dem Nahen Osten zu<br />

ver-schmelzen.<br />

Als eine der wenigen Schweizer Künstler hast du es in<br />

Deutschland geschafft. Was ist spannend an diesem Markt?<br />

Die Grösse und Vielfalt des Marktes sind reizvoll. Es gibt ganz<br />

einfach mehr Möglichkeiten. Die Schweiz bleibt aber meine Basis,<br />

da ich hier zuhause bin.<br />

12


Denken Sie hier<br />

an Turnschuhe?<br />

Warum nicht.<br />

Unternehmer denken weiter. Zum Beispiel, wie aus<br />

Plastikmüll nachhaltige Turnschuhe hergestellt werden<br />

können. Und wir sind die Bank, die mitgeht.<br />

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Credit Suisse<br />

unterstützt<br />

Unternehmer<br />

Copyright © 2020 Credit Suisse Group AG und/oder mit ihr verbundene Unternehmen. Alle Rechte vorbehalten.<br />

<br />

13


„Stay curious to thrive“<br />

KMU Wirtschaft im Gespräch mit der Medien-<br />

Unternehmerin, Investorin und Wahl-Zürcherin<br />

Patricia Falco Beccalli<br />

14


Highlights<br />

Frau Falco Beccalli, Sie sind Medienunternehmerin, Investorin<br />

und Business Angel. Wie bekommt man dies als Ehefrau<br />

und Mutter unter einen Hut?<br />

Gerne würde ich dazu antworten: ‘Grosse Leidenschaft allein! ’Aber<br />

Leidenschaft ist nur ein Teil der Gleichung ‘alles unter einen Hut’<br />

zu bekommen. Die anderen Quotienten sind Disziplin, Organisation<br />

und Liebe. Disziplin überbrückt die Momente, die wir alle<br />

als Motivations- oder Energielosigkeit kennen. Oder wenn man<br />

erschöpft denkt, ‘warum mache ich das alles hier? ’ Disziplin<br />

fragt nicht: ‘habe ich jetzt Lust und Leidenschaft, meinen Verantwortungen<br />

gerecht zu werden oder nicht zu meinem Wort<br />

zu stehen. Sie flüstert mir vielmehr zu: ‘Mach einfach so gut es<br />

geht’ oder ‘Immer weiter im Text’ oder ‘Autopilot, Patricia, Autopilot’.<br />

Gute Organisation ist eine<br />

grosse Kunst, denn sie hängt<br />

von Prioritätensetzung ab. Oft<br />

verheddern wir uns im Tagesgeschehen,<br />

sind beschäftigt aber<br />

(er)schaffen eigentlich nichts.<br />

Wir wiegen uns in dem Gefühl,<br />

‘wenigstens etwas gemacht’ zu<br />

haben. Doch das ist ein gefährlicher<br />

Trugschluss, besonders<br />

wenn z.B. Geschäftspartner,<br />

oder auch die Familie auf einen<br />

zählen.<br />

Die Liebe meiner Familie, meiner<br />

Tochter, Victoria, und mein<br />

Mann Nani sind unverzichtbar<br />

für mich. Sie stehen 100% zu mir<br />

und meiner Karriere. Sie erden<br />

mich, geben mir Halt und Unterstützung;<br />

sind die grössten Fans<br />

und besten Kritiker, von denen<br />

ich weiss, dass sie ganz im Sinne<br />

meiner Ziele und Entwicklung an<br />

mir Kritik üben. Liebe ist ein Privileg<br />

und ich bin ihr täglich ganz<br />

bewusst dankbar. Vielleicht ist<br />

dies - besonders bezüglich der<br />

Disziplin und Organisation – eine<br />

eher rigide und rationale Weise,<br />

mein ‘ausgeglichenes Leben’, zu<br />

beschreiben. Meine Kindheitserfahrungen<br />

spielen sicherlich eine<br />

grosse Rolle. Ich war immer auf mich selbst gestellt, da meine<br />

Eltern als politische Flüchtlinge aus Ungarn nach Deutschland<br />

kamen – mittellos und mit mir als Baby im „Gepäck“. Sie verstanden<br />

weder die Sprache, noch den ‘westlichen Kapitalismus’.<br />

Oft alleine und ein Schlüsselkind – bei berufstätigen Eltern war<br />

ich schon im zarten Alter tagsüber auf mich gestellt – hatte ich<br />

keine andere Wahl als einfach zu funktionieren und selbständig<br />

zu handeln. ‘Nichts dem Zufall überlassen’, war bei uns<br />

grossgeschrieben. Keiner von uns, weder meine Eltern noch<br />

ich, hatten die Option einfach einzuknicken oder etwas aus dem<br />

‘Ruder laufen zu lassen.‘ Auch wenn es schwer für mich war, besonders<br />

finanziell, hat mich meine Kindheit bestens auf ein ‘dynamisches<br />

Leben’ in all’ seinen Nuancen, vorbereitet. Ich habe<br />

schnell gelernt, dass ich meine Träume selbst erarbeiten muss<br />

und dass Herausforderungen im Alltag, für mich Chancen sind<br />

zu wachsen, besser zu werden und mich weiterzuentwickeln.<br />

Meine Neugier und mein Optimismus motivieren mich täglich<br />

aufs Neue!<br />

Als Business TV-Anchor, unter anderem für CNBC, haben Sie<br />

internationale Bekanntheit erlangt. Jetzt sind Sie selbst Medienunternehmerin.<br />

Wie kam’s dazu und wie gross ist die Umstellung?<br />

Die knapp13 Jahre im Finanz-TV, erst mit RAI in Rom und dann<br />

mit CNBC in London, habe ich geliebt und in vollen Zügen genossen.<br />

Und damit meine ich nicht, dass man mich plötzlich auf<br />

der Strasse erkannte. Natürlich schmeichelt es dem Ego, macht<br />

einen ein Stück weit stolz. Aber ich habe meine Position als Anchor<br />

immer als grosses Privileg bewertet. Ich hatte Zugang zu<br />

den interessantesten, mächtigsten, innovativsten, reichsten<br />

Menschen der Welt, konnte ihnen Fragen stellen und ganz nah<br />

beobachten, wie sie Ihren Erfolg kreierten und managten. Ich<br />

hatte ein fantastisch kreatives Team, und meine Co-Moderatoren<br />

waren immer gut aufgelegt, was natürlich den ganzen Tenor<br />

der Sendung bestimmen kann.<br />

Ende 2012 verliess ich CNBC, nicht letztens auf die Bitte meines<br />

Mannes hin. Für ihn war es schwer, dass ich um 03.00 Uhr<br />

aus dem Bett kroch, um meine ‘Morning Show’ um 05.00 Uhr<br />

morgens zu moderieren. Da auch er eine sehr hohe Position<br />

innehielt, und er mich auch<br />

als ‘Corporate Wife’ an diversen<br />

Veranstaltungen<br />

brauchte, habe ich mich von<br />

CNBC (schweren Herzens)<br />

getrennt.<br />

Die Umstellung war hart,<br />

denn nie zuvor hatte ich<br />

NICHT gearbeitet! Hatte<br />

immer eine Karriere, mein<br />

eigenes Einkommen und<br />

finanzielle Unabhängigkeit.<br />

Damit will ich sagen, dass<br />

die Umstellung sich nicht<br />

nur auf den Arbeitgeber,<br />

sondern auch auf emotionaler<br />

Ebene abgespielt hat.<br />

Mentorit.TV hat sich selbst<br />

erfunden. Die Idee ist das<br />

Ergebnis meiner schon erwähnten<br />

Neugier. Anfang<br />

April, im vollen Lockdown<br />

der ‘ganzen Welt’, hatte ich<br />

so viele Fragen. Irgendwie<br />

hatte ich das Gefühl, Covid-19<br />

wird schlimm und<br />

keine Alltagsfliege. Ich wollte<br />

wissen, was meine Freunde<br />

und mein professionelles<br />

Netzwerk über die Pandemie<br />

dachten. Wie schätzten<br />

sie die Situation ein und wie<br />

sahen sie die Zukunft? Was waren die Erwartungen und wie gingen<br />

sie damit um? Also fasste ich kurzum den Entschluss, und<br />

schrieb mein Netzwerk mit der Frage an, ob sie mit mir und ‘der<br />

Welt’ ihre ganz persönlichen Einblicke, Prognosen und Befürchtungen<br />

auf in einem Video-Interview zu teilen. Et voilà<br />

Und warum der Name Mentorit.TV? Ganz einfach, weil ich daran<br />

glaube, dass jeder Mensch mit seinen ganz persönlichen Erfahrungen<br />

– ob professionell oder privat – Kerneinsichten bekommen<br />

hat, die es wert sind mit ‘der Welt’ zu teilen. Somit kann<br />

jeder ein Mentor sein!<br />

CNBC Money Switzerland hat jüngst den Konkurs vermeldet.<br />

Was gibt Ihnen die Zuversicht, in diesem anspruchsvollen Umfeld<br />

Erfolg zu haben.<br />

Mentorit.TV – meinen YouTube Kanal – mit einer grossen TV<br />

Sender zu vergleichen, ist unrealistisch. Die Medienlandschaft<br />

hat sich seit der Einführung der Digitalisierung, den Sozialen<br />

Medien und der Smart-Phones komplett verändert. Der Zuschauer<br />

konsumiert Medieninhalte heutzutage anders. Gezielt<br />

und ungeduldig ist sein Suchverhalten auf dem Netz. Das klassische<br />

TV Programm wird mit seinen hunderten Kanälen einfach<br />

durchgezappt. Dementsprechend kämpfen viele grosse Sender<br />

mit dem Überleben. Man sehe die Schliessung von CNN Money<br />

Switzerland vor einigen Wochen hier in Zürich. Und Mentorit.TV<br />

muss sich unter über 500 Millionen YouTube Kanälen Gehör ver-<br />

<br />

15


schaffen und Zuschauer gewinnen. Die Corona-Krise hat aber<br />

auch gezeigt, dass die technologische Entwicklung in den letzten<br />

30 Jahren uns kostengünstige und effiziente Alternativen<br />

bietet, Medieninhalte zu schaffen und zu vermarkten. Beispiel<br />

Konferenzen: diese werden momentan komplett online gehalten.<br />

Diese zu moderieren, hat ein ganz anderes Feeling, besonders<br />

weil man sein Auditorium nicht spürt oder mitdiskutieren<br />

lassen kann. Das ist schade, aber immerhin die Technologie<br />

hilft, dass es überhaupt noch einen intellektuellen Austausch<br />

auf einem virtuellen Podest gibt.<br />

Ich liebe Business, aber auch das Rampenlicht. Der Ton und<br />

der Modus Operandi auf dem Trading-Floor in den Banken war<br />

mir zu rau und schon bald wusste ich, dass ich eine Alternative<br />

suchen würde. Ich hatte Glück, denn ich habe es mit meiner<br />

Position bei RAI und CNBC geschafft, zwei Leidenschaften zusammenzuführen:<br />

Business und Rampenlicht! Der Schritt war<br />

rein emotional, denn als Bankerin verdiente ich gutes Geld und<br />

bekam Boni. Beim TV musste ich ganz von unten anfangen... in<br />

allerlei Hinsicht.<br />

Und ja, natürlich hatte ich bei CNBC eine Entourage, vom Junior-<br />

Producer bis zum Make-up. Jetzt mache ich 50% allein: Gäste-<br />

Pipeline, Interview Themen, Recherche, Make-up, Sendung und<br />

das Schneiden der Sendung für das YouTube Format aber auch<br />

für alle anderen Plattformen, so wie Twitter, FB, Instagram, LinkedIn.<br />

Die anderen 50% liegen bei der aktiven Kommunikation und<br />

Vermarktung meiner Inhalte. Dafür habe ich nunmehr ein Team<br />

zusammengestellt. Eine grosse Investition, die sich aber bestimmt<br />

lohnt. Sie publizieren nicht nur auf den oben genannten.<br />

Plattformen, sondern jetzt gibt es auch einen Newsletter (alle<br />

zwei Wochen), den Mentorit.TV Monitor, der unser Netzwerk im<br />

Bild hält. Eines habe ich in dieser Umstellung schnell gelernt:<br />

Niemals die Arbeit von Social Media-Marketingfirmen unterschätzen!<br />

Zusammen mit Ihnen steht oder fällt der Erfolg von<br />

Mentorit.TV!<br />

Was differenziert Ihr Format von Angebot der Konkurrenz?<br />

Im Gegensatz zu meinem vorigen Arbeitgeber CNBC, ist Mentorit.TV<br />

nicht News-, sondern Contentgetrieben. Mein Ziel ist<br />

es in die Tiefe zu gehen und einfühlsam mit meinen Gesprächspartnern<br />

Themen und Stories zu entdecken. Unsere Followers<br />

fühlent sich wohl, Neues zu entdecken, ob über Kunst, Politik,<br />

Wirtschaft, Medizin oder innovative Technologien wie Crypto<br />

oder Blockchain. Mein USP ist es, die besten Köpfe, Denker und<br />

Avantgardisten meinem Publikum zu bieten. STAY CURIOUS ist<br />

das Motto von Mentorit.TV. Das ist eine Aufforderung, unseren<br />

Tag so anzugehen als wäre es der ERSTE und nicht der LETZ-<br />

TE unseres Lebens. Solange wir uns ‘pushen’ etwas Neues zu<br />

entdecken, offen für Inspiration und andere Sichtweisen sind,<br />

solange werden wir uns entwickeln – das anders ausgedrückt –<br />

unsere persönliche Evolution geht weiter. Und das ist für mich<br />

Leben!<br />

Meine derzeitige Serie: Covid-19 – from Crisis to Creation, soll<br />

Hoffnung geben und zeigen, wie meine Interviewpartner das<br />

Beste aus der Pandemie und Wirtschaftskrise machen. Egal in<br />

welchem Sektor oder in welchem Land.<br />

Redaktionell lasse ich mich auch von meinen Followern leiten.<br />

Ich glaube ganz fest an die Co-Kreation der Inhalte zusammen<br />

mit meiner Audience. Ich höre genaue hin und neheme meine<br />

Audience sehr ernst!<br />

Sie selbst haben eine interessante Lebensgeschichte zu erzählen.<br />

Wieso macht man als erfolgreiche Investment-Bankerin<br />

den Schritt in die Medienwelt?<br />

Um einen kleinen Kontext zu geben, eigentlich wollte ich immer<br />

Schauspielerin werden. Seit dem 6. Lebensjahr nahm ich<br />

Ballettunterricht und wurde mit 13 auch in die staatliche Ballettschule<br />

in Frankfurt – das Dr. Hoch’s Konservatorium – aufgenommen.<br />

Ich spielte viel Theater, Klavier und Saxofon und<br />

nahm zeitweise Gesangsunterricht. Bis, ja bis mir dann ein Ex-<br />

Freund sagte, er würde mich verlassen, sollte ich auf der Bühne<br />

jemanden für eine Rolle küssen. Ich sollte doch vielmehr in<br />

England etwas mit Business und Finanzen studieren. Das war<br />

ein sehr grosser Richtungswechsel. Nach der Uni bin ich dann in<br />

meinen ersten Job gestolpert, als ich einen Investmentbanker<br />

von Lehman Brothers. auf einem Weinfest in Deutschland kennenlernte.<br />

Der bat mir nach dem Uni-Abschluss eine Stelle an et<br />

voilà , ich landete im Banking.<br />

Als Frau hatten Sie sich in von Männern dominierten Branchen<br />

– Finanzen wie Medien – durch Leistung durchzusetzen.<br />

Welchen Rat haben Sie für junge, karriereorientierte Frauen?<br />

Es hat sich zwar einiges im Sinne von ‘Gender Equality’ getan,<br />

aber volle Emanzipation oder Gleichberechtigung gibt es (noch<br />

lange) nicht. Ein Mann wird eine Frau immer zuerst als Frau sehen<br />

und erst im zweiten Schritt als ein professionelles Mitglied<br />

des Teams. Hart aber wahr... und je eher das eine Frau versteht,<br />

desto besser für ihren Werdegang. Frauen machen oft den Fehler<br />

mit Männern auf der Mann-Ebene zu konkurrieren, anstatt<br />

ihre femininen Qualitäten positiv einzusetzen. Gerade im Banking<br />

waren (zu meiner Zeit jedenfalls) die Frauen fast männlicher<br />

im Habitus und im Dressing als die Männer. Ich konnte das<br />

nie nachvollziehen und um ehrlich zu sein, hatte ich den Eindruck,<br />

dass Männer dies eher belächelten und nicht respektierten.<br />

Leistung und harte Arbeit zählen, ja, aber das Networking ist<br />

fundamental und bringen weiter. Frauen meinen oft, sie werden<br />

entdeckt und promotet, wenn sie nur brav Performance bringen.<br />

Klar, das ist eine Seite der Medaille. Die andere Seite aber<br />

ist, ‘Dabei-zu-sein’ im Pub oder bei Sportevents z.B., was zum<br />

Erfolg führt.<br />

16


Würde und Werte sind Grundsteine deiner langlebigen Reputation<br />

und Lebensqualität. Das gilt für das Arbeitsumfeld, sowie<br />

im Privaten. Behalte immer deine Würde und eine gute Portion<br />

Selbstliebe. Lasse nicht alles mit dir machen, du bist kein Opfer,<br />

sondern der Protagonist in deiner Lebensgeschichte. Lasse niemanden<br />

deine Werte korrumpieren und stehe zu dir.<br />

Ihr Business Know-how bringt Ihnen auch Vorteile als Investorin?<br />

Was macht Falco Capital?<br />

I am a SURVIVOR! Mein Mann und ich erkrankten am Corona<br />

Virus Ende Januar 2020. Damals wollten wir uns im Uni Spital<br />

testen lassen, aber da war nichts zu machen. Die damaligen Bedingungen<br />

zum Corona Test waren, dass man in China gewesen<br />

sein musste, oder mit einem Chinesen etwas hatte oder oder,<br />

oder... Das war eine komische Erfahrung, weil wir verantwortungsvoll<br />

handeln wollten und bereit waren, sofort in Quarantäne<br />

zu gehen, um unsere Mitmenschen zu schützen. Und ‘das<br />

System’ oder der ‘Corona-Fragenkatalog’ uns dies untersagte.<br />

Falco Capital ist neben Mentorit.TV mein Hauptfokus. Wir sind<br />

zehn Partner und investieren in sogenannte ‘scale-up’ Firmen.<br />

Das sind junge Firmen, denen finanzielle Investitionen allein<br />

nicht reichen, um international erfolgreich und nachhaltig zu<br />

wachsen. Wir haben ein neues Investment Model entwickelt,<br />

welches wir mit ‘Operational Investors’ bezeichnen. Die Investition<br />

ist eine Mischung von ‘Cash-Investment’ und ‘ Sweat-Investment’.<br />

Cash-only-Investoren zu finden, ist relativ einfach. Jedoch fehlt<br />

den Unternehmen meist die Expertise wie dieses Geld effizient<br />

eingesetzt wird, um das Unternehmen zum Erfolg zu bringen.<br />

Das ist das USP von Falco Capital. Alle zehn Partner haben eine<br />

spezielle Expertise, die sie einbringen, um dem Unternehmen<br />

besonders in operativen Prozessen (Hands-on und NICHT als<br />

Berater) zu unterstützen. Es geht von Strategieentwicklung<br />

bis zur Supply-Chain Optimierung oder den Aufbau von Distributions-Strukturen<br />

auf globaler Ebene durch unser Netzwerk.<br />

Nochmal: Falco Capital ist kein Berater, der mit guten und teuren<br />

Ratschlägen das Firmenmanagement dann alleine lässt.<br />

Wir stehen mit TAT zur Seite.<br />

Wir sind der Überzeugung und beobachten es seit einigen Jahren,<br />

dass das klassische Venture Kapital ein ‘Auslaufmodel’ der<br />

Investitionsart ist. Das Prinzip ‘Spray, Hope and Pray’ hat viele<br />

Problematiken, besonders für Firmen die zwar eine Geldspritze<br />

erhalten haben, aber nicht wissen, wie es eingesetzt werden<br />

soll. Das ist so, als würde man im Lotto gewinnen, aber nichts<br />

von Fonds-Management verstehen. Das Geld ist schneller weg,<br />

als man meint.<br />

Zurück zu Mentorit-TV – wie planen Sie langfristig die Finanzierung<br />

zu sichern?<br />

Oh, da bin ich total unbefangen und kenne mich gar nicht aus.<br />

Was ich natürlich sehe, ist das YouTube Kanäle mit einer grossen<br />

Anzahl an Follower auch Werbung schalten. Mentorit.TV ist da<br />

noch ganz am Anfang. Ein Geschäftsmodell, welches auf Sponsoring<br />

aufgebaut ist und auf kurze Sicht eventuell realistischer.<br />

Die Analyse meiner Zuschauer wird aufzeigen für welche Firma<br />

es potenziell Sinn macht, eine Sendereihe zu sponsern. Wenn<br />

der Content und die Audience im Sinne des Unternehmens ist,<br />

kann das effektiv in Unternehmen-Marketing eingesetzt werden.<br />

Mein Medien- und Kommunikationsberater, Bernhard Bauhofer<br />

von Sparring Partners hier in Zürich ist da sehr kreativ und<br />

setzt solche Konzepte seit Jahren erfolgreich um.<br />

Sie haben an vielen Orten der Welt gelebt. Jetzt ist Zürich Ihr<br />

Zuhause. Was macht die Stadt besonders und wie sieht ihre<br />

Zukunft nach Corona aus?<br />

Ich liebe Zürich, denn es ist eine Stadt mit der richtigen Mischung<br />

an Lebensqualität, Weltoffenheit und Internationalität.<br />

Hier passiert so vieles, besonders auch in der Start-up- und<br />

Crypto-Szene. Für mich als Investorin, hat sich hier immer nur<br />

Positives entwickelt. Und damit meine ich sowohl die Unternehmen,<br />

also auch die Menschen, die hinter den Unternehmen<br />

stehen. Privat fühle ich mich hier zuhause und kann es eigentlich<br />

gar nicht unterschreiben, dass die Schweizer die Ausländer<br />

(wie mich) angeblich nicht akzeptieren. Ganz im Gegenteil. Ich<br />

bin immer auf sehr offene und hilfsbereite Schweizer getroffen<br />

und habe mittlerweile einen sehr bunten und schönen Freundeskreis.<br />

Erst im Mai, als wir einen Antikörpertest durchführen liessen,<br />

hatten wir die Bestätigung, dass wir tatsächlich Covid-19-Survivors<br />

sind. Interessant ist nur, dass wir weder unsere Tochter,<br />

noch meine Eltern oder unsere Angestellten angesteckt hatten,<br />

trotz dem engen und regen Kontakt in der Zeit unserer akuten<br />

Erkrankung....<br />

Zu guter Letzt: Sie haben schon grössere Persönlichkeiten<br />

interviewt. Wer fehlt Ihnen auf der Liste, den Sie noch unbedingt<br />

befragen wollen?<br />

Wow… das ist eine Frage? Natürlich kann ich da die ganz großen<br />

Namen der Wirtschaft, Kunst und Politik aufzählen. Aber<br />

wie ich schon erwähnte, jeder von uns hat eine Geschichte zu<br />

erzählen, von der wir alle lernen können. Ich bin so dankbar für<br />

all die Gäste, die sich bis dato Zeit für Mentorit.TV genommen<br />

haben. Mein Wunsch wäre es, auf diesem Niveau mich weiterentwickeln<br />

zu können. Und da zähle ich auch auf das Netzwerk<br />

meiner Follower, ganz im Sinne von Content-Co-Creation!<br />

<br />

17


Porträt<br />

Self Storage:<br />

nach aktuellsten Kundenbedürfnissen konzipiert<br />

Herr Schmutz, Sie gelten als Pionier des Self Storage in der<br />

Schweiz. Wie hat sich das Geschäft seit den Anfängen entwickelt?<br />

Self Storage hat sich in den letzten zwanzig Jahren von einem<br />

Nischenprodukt zu einer breit genutzten Dienstleistung entwickelt.<br />

Die stetig wachsende Urbanisierung und Mobilität der<br />

Gesellschaft führen dazu, dass Kunden Bedürfnisse und Erwartungen<br />

an innovative Dienstleistungen entwickeln, die sie<br />

in diesem dynamischen aber auch angespannten Umfeld unterstützen<br />

und ihr Leben erleichtern. Dies gilt sowohl für private<br />

wie auch für Firmen, egal in welcher Größe.<br />

Dazu kommt die Digitalisierung, die vieles vereinfacht, und<br />

gleichzeitig die Geschwindigkeit der Gesellschaft erhöht. Somit<br />

bewegen wir uns immer schneller, und versuchen immer mehr<br />

gleichzeitig zu erledigen. Self Storage fügt sich in dieses Bild<br />

hinein, in dem es flexible Lagerlösungen anbietet, die schnell<br />

und unkompliziert von Kunden gemietet und wenn nicht mehr<br />

gebraucht wieder abgegeben werden können.<br />

Im Januar steht die Eröffnung des Standorts in Winterthur<br />

Töss auf der Agenda. Was zeichnet diesen Neubau aus?<br />

Zebrabox hat als Ziel, die oben erwähnten Bedürfnisse der<br />

Schweizer urbanen Bevölkerung zu bedienen. Wir freuen uns,<br />

mit unserem neuen Standort in Winterthur zur Dynamik dieser<br />

Stadt einen Beitrag zu leisten. Dazu ist dieser Standort ein<br />

Neubau, wo wir unsere langjährige Erfahrung einfließen lassen,<br />

damit unsere Kunden das Bestmögliche im Self Storage erhalten.<br />

Die Summe vieler wesentlichen Sachen und kleinen Details<br />

führt dazu, dass jeder seine Zebrabox schnell, sicher und unkompliziert<br />

nutzen kann. Dazu gehören zum Beispiel hindernisfreies<br />

Einlagern, kurze Wege, großzügige Warenlifte, wettergeschützte<br />

Ladeflächen, ausreichende Parkplätze, und vieles<br />

mehr. Dazu ist uns der Wohlfühlfaktor unserer Kunden wichtig.<br />

Unsere Räumlichkeiten sind sauber, videoüberwacht, gut beleuchtet,<br />

und jeder Lagerraum ist individuell mittels Alarmanlage<br />

gesichert.<br />

Indem Sie ganz verschiedenen Menschen Lagerräume anbieten,<br />

lösen Sie auch deren Probleme. In welchen Lebenssituationen<br />

werden Menschen zu Ihren Kunden?<br />

Die steigende soziale und professionelle Mobilität der Leute<br />

bringt das Leben viel öfters in Phasen des Wechsels, wo nicht<br />

mehr alles stabil ist. Dies ist zum Beispiel der Fall bei einem Joboder<br />

Partnerwechsel, beim Schritt in die Selbstständigkeit –<br />

Thema „ich gründe ein Start-up“ – bei einem Auslandaufenthalt<br />

oder anderen, neu sich ergebenden Lebenssituationen. Diese<br />

bringen für die Betroffenen oft neue Perspektiven mit sich, aber<br />

auch Stress. Zebrabox positioniert sich da als Begleiter, wir können<br />

Ermöglicher sein – viele Start-up sind aus einer Zebrabox<br />

geboren – und gleichzeitig Stressabbauer – nach dem Motto<br />

„meine Möbel können schnell und sicher bei Zebrabox eingelagert<br />

werden“.<br />

Langfristig bietet Zebrabox ihren Beitrag zur Verdichtung der<br />

Städte, indem wir auf effiziente Weise dem durch die Urbanisierung<br />

bedingten schwindenden Stauraum eine Alternative<br />

anbieten. Den fehlenden Keller meiner Loftwohnung kompensiere<br />

ich durch meine Zebrabox.<br />

Wie können Sie KMUs unterstützen?<br />

Zebrabox hat seit jeher viele gewerbliche Kunden, von der<br />

Kleinstunternehmung bis zu den grossen Multis in der Schweiz.<br />

KMUs nutzen typischerweise eine Zebrabox für Kleinlager von<br />

Außendienstmitarbeiter und Servicetechniker, für Archiv, oder<br />

auch als lokale logistische Kleinhubs. Self-Storage mit Stadtlagen<br />

wird in Zukunft sicher eine wichtige Rolle in der Problematik<br />

der Last Mile-Logistik spielen können.<br />

18


Porträt<br />

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sind über alle Branchen<br />

hinweg im Vormarsch. Spielen sie Sie in Ihrem Geschäft<br />

auch eine Rolle?<br />

Unser Kerngeschäft ist mit der Lagerung von physischen Gegenständen<br />

verbunden, und dies wird auch so bleiben. Dazu<br />

wird natürlich alles, was rund herum liegt, digitalisiert. Heute<br />

schon kann der Kunde auf der Website den passenden Lagerraum<br />

aussuchen, buchen, bezahlen, und dann beziehen, ohne<br />

dass er dazu Direktkontakt zu einem unserer Mitarbeiter haben<br />

muss. Aber er kann mit jemanden sprechen, falls er dies doch<br />

möchte! Das ist mir ein wichtiges Anliegen, die Digitalisierung<br />

der Prozesse soll primär dem Kunden nutzen und der Flexibilität<br />

dienen, nicht denm Ersatz von Mitarbeitern.<br />

Ein Beispiel dazu sind unsere selbstfahrenden Roboter, die wir<br />

in gewissen Lagern einsetzen. Diese erlauben uns Neukunden<br />

in Standorten zu begleiten, wo es wirtschaftlich nicht möglich<br />

ist, permanent Mitarbeiter zu haben. Der Mitarbeiter kann über<br />

den Bildschirm vom Roboter trotzdem ‚vor Ort‘ sein, und den<br />

Kunden entsprechend beraten.<br />

Nachhaltigkeit bekommt auch in der Bau- und Immobilienbranche<br />

eine immer grössere Bedeutung.<br />

Selbstverständlich bemühen wir uns, unseren Footprint so gering<br />

wie möglich zu halten. Im neuen Gebäude in Winterthur,<br />

wird zum Beispiel dank einer klugen Technik die Energienutzung<br />

sehr tief gehalten.<br />

Die Temperatur im Gebäude wird das ganze Jahr mittels sieben<br />

Erdsonden und der Zirkulation von Wasser für Heizung oder<br />

Kühlung in den Betondecken stabilisiert. Zudem konnten wir<br />

in den letzten Jahren durch sukzessiven Ersatz von konventionellen<br />

Leuchtmitteln durch LED-Beleuchtung, den Stromverbrauch<br />

für die Beleuchtung mehr als halbieren.<br />

Zebrabox ist ein Name, den man nicht so schnell vergisst. Wie<br />

kam es zu dieser Firmenbezeichnung?<br />

Der Name ist Programm für unsere Dienstleistung. Jedes Zebra<br />

sieht mit seinen Streifen ähnlich aus, ist aber einzigartig. Bei<br />

unseren Kunden ist dies gleich, jeder braucht Lagerraum, aber<br />

mit einem individuellen Bedürfnis. Das decken wir bestmöglich<br />

mit unserem flexiblen Angebot ab.<br />

Jede Kundin und jeder Kunde, der bei Zebrabox Gegenstände<br />

lagert, hat eine ganz persönliche Geschichte zu erzählen.<br />

Können Sie uns die ein oder andere Anekdote verraten?<br />

Mit der Zeit könnten wir ein Buch darüber schreiben, die Kunden<br />

der Zebrabox sind ein Spiegel der Gesellschaft. Die Privatkunden<br />

sind mit den eingelagerten Objekten ja meistens emotional<br />

gebunden. Es spielen sich entsprechend am Rande des Einlagerns<br />

teilweise Geschichten ab, die eher in die Kategorie "Soap<br />

Opera" gehören.<br />

Oft stehen Kunden mit einem vollen Lieferwagen vor dem Eingang,<br />

und brauchen dringend einen Lagerraum. Dies vermehrt<br />

nach den Feiertagen, bevor die Scheidungsrate wieder ansteigt.<br />

Andere wiederum bewahren Erbsachen auf, und kommen diese<br />

einmalig im Jahr „besuchen“. Anfragen, ob Gewächshäuser bei<br />

uns möglich sind, erhalten wir auch, müssen diese aber ablehnen.<br />

Im geschäftlichen Bereich durften wir vor kurzem im Rahmen<br />

der Renovation eines Hotels einen riesen Kronleuchter beherbergen,<br />

der einen ganzen Lagerraum von 10 m2 für sich beanspruchte.<br />

Ein Kaffeehersteller musste seine Special Editions,<br />

die er aufbewahren wollte, vom Büro auslagern, weil diese sonst<br />

von den Mitarbeitern getrunken würden. Auch hier war die gesicherte<br />

Zebrabox der Retter.<br />

Online bringen Zebrabox-Kundinnen und Kunden ihre Zufriedenheit<br />

mit den Dienstleistungen zum Ausdruck. Wie macht<br />

man hier den Unterschied?<br />

In der Tat wird heute schnell online bewertet, was wir grundsätzlich<br />

ja auch unterstützen. Dies erlaubt eine ehrliche Bewertung<br />

unserer Arbeit, und gibt zudem einen positiven<br />

Druck auf die Organisation, damit wir den Erwartungen der<br />

Kunden entsprechen, oder besser diese übertreffen. Einen<br />

Ausrutscher kann es dabei bei den Bewertungen immer geben,<br />

ich kenne keine Organisation, die nie Fehler macht.<br />

Wir versuchen, auch mit der Digitalisierung nah am Kunden zu<br />

bleiben, und bemühen uns schnell und unkompliziert zu sein.<br />

Die Idee dahinter ist, dem Kunden nicht einen Lagerraum zu vermieten,<br />

sondern eine massgeschneiderte Lösung anzubieten.<br />

Christian Schmutz<br />

Founder and Chief Executive Officer Zebrabox<br />

<br />

19


Digitalisierung<br />

Digitaler Schub durch Corona<br />

Deutschland vernetzt sich: Aus dem Homeoffice lässt es sich trotz aller Widrigkeiten<br />

besser arbeiten als es viele Menschen noch vor Wochen für möglich gehalten<br />

haben. Wird Deutschland jetzt zum digitalen Überflieger?<br />

Millionen Deutsche arbeiten von zu Hause aus, treffen sich in<br />

Videokonferenzen und nutzen plötzlich digitale Plattformen.<br />

Was noch vor Wochen unvorstellbar war, ist in der Corona-Krise<br />

schnell zur neuen Normalität geworden. Doch das ist nicht das<br />

ganze Bild. Denn noch immer setzen viele Unternehmen auf althergebrachte<br />

analoge Abläufe. Und auch mehr als einen Monat,<br />

nachdem die Corona-Pandemie mit voller Härte Deutschland<br />

erreicht hat, übermitteln viele Gesundheitsämter in Deutschland<br />

die Zahl neuer Infektionen und Todesfälle mit dem Fax-Gerät<br />

ins Berliner Robert-Koch-Institut.<br />

Digitales Arbeiten zur Krisenbewältigung<br />

Trotzdem kommen immer mehr Unternehmen und ihre Mitarbeiter<br />

auf den Geschmack, wenn es um die Arbeit aus dem<br />

Homeoffice geht. „Vor allem Branchen, die bislang nicht zu den<br />

Digitalisierungsvorreitern gezählt haben, haben jetzt die Möglichkeit,<br />

die ‚tief hängenden digitalen Früchte‘ zu ernten und so<br />

mithilfe von digitalen Lösungen schnell zu guten Ergebnissen<br />

zu kommen“, sagt Nils Britze im Gespräch mit der DW. Er leitet<br />

beim Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche,<br />

Bitkom, den Bereich für digitale Geschäftsprozesse.<br />

„Digitale Technologien haben aktuell und grundsätzlich enormes<br />

Potenzial. Und gerade jetzt sind das Lösungen, die das<br />

gesellschaftliche Leben aufrechterhalten, angefangen beim<br />

Online-Shopping bis hin zum digitalen Bürgeramt und zum Bildungsbereich,<br />

Stichwort: virtuelles Klassenzimmer.“<br />

Zukunftsvision papierloses Büro<br />

Glaubt an dauerhaften Digitalisierungs-Schub durch die Corona-Krise:<br />

Bitkom-Experte Nils Britze<br />

Natürlich gibt es große Unterschiede bei der Digitalisierung der<br />

deutschen Wirtschaft. Größere Unternehmen sind da meistens<br />

schon weiter als kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU),<br />

bestätigt Britze. Noch immer seien viele Firmen genauso wie<br />

20


Digitalisierung<br />

Teile des Bildungssystems und der Verwaltung papierbasiert,<br />

vertrauten auf Briefpost, dem Faxgerät und den Versand von<br />

Broschüren. Doch durch die Corona-Krise seien viele Entscheider<br />

aufgewacht.<br />

Sogar kleinere Firmen, die abgesehen von Emails vorher kaum<br />

digital gearbeitet haben, können jetzt schnell auf den digitalen<br />

Zug aufspringen, so Britze. „Mithilfe von Cloud-Technologie<br />

kann jeder Unternehmer innerhalb von ein paar Stunden eine<br />

digitale Lösung zum digitalen Unterschreiben, zum gemeinsamen<br />

Bearbeiten von Dokumenten, oder für Videokonferenzen<br />

einrichten.“<br />

Neue Führungskultur gefragt<br />

Hätte man dafür wie früher in die IT-Infrastruktur innerhalb der<br />

Firma mit Rechnern und Servern investieren müssen, wäre das<br />

nicht zu stemmen gewesen, so Britze. „Das ist ja eigentlich fast<br />

ein Wunder, wie schnell Unternehmen da nachbessern konnten.“<br />

Virtueller Klassenraum per Videokonferenz in<br />

Singapur<br />

Allein digitale Tools für alte Arbeitsabläufe zu nutzen, reiche<br />

allerdings nicht aus, meint Britze. „Man muss Prozesse<br />

hinterfragen, anders aufstellen, Prozesse anpassen, um<br />

den vollen Nutzen digitaler Technologie zu bekommen.“<br />

Bei der Digitalisierung müsse man eben neue Wege beschreiten<br />

und könne nicht einfach so weitermachen wie bisher.<br />

„Wenn sie einen schlechten analogen Prozess digitalisieren,<br />

dann haben Sie am Ende einen schlechten digitalen Prozess“,<br />

unterstreicht der Experte für digitale Geschäftsprozesse.<br />

Dazu kommt, dass auch Chefs umdenken müssen. „Wenn<br />

sich Führungskräfte und Mitarbeiter nicht täglich persönlich<br />

sehen, ist natürlich ein gewisses Vertrauen absolute<br />

Grundlage für das produktive Zusammenarbeiten.<br />

Und Führungskräfte müssen sich über diese Herausforderung<br />

auch ein Stück weit Gedanken machen und überlegen,<br />

wie sie ihre Mitarbeiter produktiv an Bord behalten.“<br />

Sechsmal mehr Homeoffice-Nutzer in den USA<br />

Kate Lister von der Beratungsfirma Global Workplace Analytics,<br />

die derzeit eine Umfrage über die Beteiligung von digitalen<br />

Heimarbeitern durchführt, sagt voraus, dass 30 Prozent der<br />

Menschen in den USA künftig mehrere Tage pro Woche von zu<br />

Hause aus arbeiten werden.<br />

Videokonferenzsitzung bei Memphis Meats in<br />

Berkeley, Kalifornien<br />

Gegenüber dem Technologie-Blog Recode sagte Lister, dass es<br />

da einen gewaltigen Nachholbedarf gebe. Während vor der Corona-Krise<br />

in den USA nur knapp fünf Prozent der Arbeitnehmer<br />

aus dem Home Office gearbeitet haben, ist dieser Anteil durch<br />

die Corona-Krise auf mehr als 30 Prozent nach oben geschnellt,<br />

ergab eine aktuelle Studie der US-Hochschule MIT.<br />

Und damit ist fürs Erste auch der maximal mögliche Anteil von<br />

Mitarbeitern im Home Office in den USA erreicht, rechnete die<br />

University of Chicago vor.<br />

Auch Bitkom-Experte Britze ist zuversichtlich, dass man nach<br />

der Corona-Krise das Rad der Digitalisierung nicht mehr zurückdrehen<br />

kann.<br />

„ Diese Entwicklung wird sich verstetigen. Und es wäre natürlich<br />

wünschenswert, wenn Deutschland zum digitalen Überflieger<br />

werden würde. Am Ende haben wir das selbst in der Hand.“<br />

<br />

21


Digitalisierung<br />

100 TAGE DIGITAL EXCELLENCE<br />

CHECKUP – DAS SIND DIE ERSTEN<br />

INSIGHTS<br />

Digitale Reifegrad Assessments sind Kompass in der digitalen Welt:<br />

sie helfen Führungskräften Status und Handlungsfelder aufzuzeigen.<br />

swissICT hat vor 100 Tagen mit dem Digital Excellence Checkup ein<br />

Tool der neusten Generation lanciert – lesen Sie hier Hintergründe und<br />

die ersten Erkenntnisse.<br />

Seit Anfang Juli 2020 ist der neue Digital Excellence Checkup<br />

unter www.swissict.ch/checkup nun verfügbar. Mittlerweile haben<br />

bereits 210 Personen das kostenlose Online-Tool genutzt,<br />

um die digitale Fitness ihrer Organisationen zu beurteilen. Die<br />

hohe Abschlussquote (> 50 Prozent) der gestarteten Befragungen<br />

und der tiefe Anteil an «weiss nicht» Antworten (< 2 Prozent)<br />

lassen auf Mehrwert und Einfachheit des Tools sowie Verständlichkeit<br />

der Fragen schliessen.<br />

Der Checkup wird von relevanten Personen benutzt: Knapp 80<br />

Prozent der Teilnehmenden sind Führungskräfte, 42 Prozent<br />

gehören zum Top-Management ihrer Unternehmen.<br />

70 Prozent der Checkup-Benutzer arbeiten nicht in einer IT-<br />

Abteilung, nur 21 Prozent sind in einem IT- oder Telco- Unternehmen<br />

tätig. Digitalisierung ist damit klar ein Thema, das<br />

Führungskräfte in allen Branchen und in allen funktionalen Einheiten<br />

stark interessiert.<br />

In welchen Bereichen haben die von der Befragungsteilnehmenden<br />

beurteilten Unternehmen denn Handlungsbedarf? Die<br />

Auswertung der aktuellen Datenbasis lässt folgende Schlüsse<br />

zu (siehe auch Abb. 1):<br />

In einer branchenübergreifenden Betrachtung scheint der<br />

grösste Handlungsbedarf in den Dimensionen<br />

Abb. 1: Handlungsfelder (rot): Vergleich des Erfüllungsgrads<br />

mit Relevanz je Dimensionen. (Quelle: swissICT, Bramwell Kaltenrieder)<br />

Kompass im digitalen Wandel<br />

Führungskräfte stehen aktuell vor grossen Herausforderungen:<br />

neben dem Bewältigen der Covid19-Krise sind sie mit den grossen<br />

Veränderungen der Digitalisierung konfrontiert. Beim Navigieren<br />

ihres Unternehmens durch die hohen Wellen des digitalen<br />

Wandels, bei dem sie regelmässig vor neuen Technologien,<br />

verändertem Kundenverhalten und neuen Geschäftsmodellen<br />

der Mitbewerber stehen, wünschen sich viele Unternehmenslenker*innen<br />

ab und zu einen Kompass.<br />

Digital Maturity Assessments sind bewährte Instrumente, um<br />

sich ein klares Bild zum Stand der Digitalisierung im Unternehmen<br />

zu verschaffen. Auf der Grundlage eines mehrdimensionalen<br />

Reifegradmodells helfen sie, die wichtigste Fragen in<br />

diesem Kontext zu beantworten: «Wo befinden wir uns als Organisation<br />

in diesem Wandel und im Vergleich zur Branche?»<br />

und «Welches sind unsere wichtigsten digitalen Handlungsfelder<br />

in den kommenden Jahren?»<br />

• Strategie und Transformationsmanagement,<br />

• Innovationsmanagement und<br />

• Daten<br />

zu bestehen.<br />

Die drei Branchen mit dem grössten Nachholbedarf sind<br />

• Transport & Logistik,<br />

• Konsumgüter (Hersteller) und<br />

• Maschinenindustrie<br />

Abb. 2: Digitale Reife als Wettbewerbsvorteil. (Quelle: eigene<br />

Darstellung in Anlehnung an Rushkoff, Booty, Veuve)<br />

Digitale Reife als Wettbewerbsvorteil<br />

Die digitale Reife einer Organisation – oft auch als digitaler<br />

Reifegrad bezeichnet – ist das Ergebnis eines Digital Maturity<br />

Assessments. Als Indikator für den Fortschritt der digitalen<br />

Transformation eines Unternehmens ist sie gut erforscht und in<br />

der Praxis anerkannt. Bereits 2012 veröffentlichte das Center of<br />

Digital Business der MIT Sloan School of Management ein ers-<br />

22


Digitalisierung<br />

tes Modell zur Bestimmung der digitalen Reife und führte auf<br />

dieser Grundlage auch eine quantitative Studie durch (Westerman,<br />

Tannou, Bonnet, Ferraris, & McAfee, 2012).<br />

Die Ergebnisse zeigten den positiven Einfluss der digitalen Reife<br />

auf die Performance der Unternehmen auf: Im Vergleich mit<br />

Branchenkollegen konnten Unternehmen mit hohem digitalen<br />

Reifegrad höhere Pro-Kopf-Umsätze, Gewinn und Börsenbewertungen<br />

aufweisen. Eine Studienreihe der Universität St.Gallen<br />

entwickelte die Ansätze zwischen 2015 und 2017 weiter und<br />

bestätigte unter anderem, dass Unternehmen mit hohem digitalem<br />

Reifegrad die Ziele ihrer Transformation deutlich besser<br />

erreichen oder gar übertreffen (Berghaus, Back, & Kaltenrieder,<br />

2017).<br />

• Kader-Workshops,<br />

• der Initialisierung einer neuen Strategiephase,<br />

• als Bestandteil der Erhebung von Handlungsfeldern<br />

einer Digitalstrategie oder<br />

• der Strategie-Controllings,<br />

dienen die daraus abgeleiteten Erkenntnisse als wertvolle Orientierungspunkte<br />

auf dem Weg zur erfolgreichen Zukunft ihrer<br />

Unternehmen.<br />

Der Digital Excellence Checkup von swissICT:<br />

aktuell, einfach, neutral<br />

Tools zur digitalen Standortbestimmung von Unternehmen<br />

sind nur so gut, wie ihr zugrundeliegendes Modell, die Einfachheit<br />

des Befragungsprozesses und die Handlungsorientierung<br />

der Ergebnisse.<br />

Experten der swissICT-Fachgruppe Digital Transformation Insights<br />

und der Jury des Digital Transformation Awards haben<br />

in den vergangenen 18 Monaten die Grundlage für die neuste<br />

Generation eines Digital Maturity Assessments geschaffen. Mit<br />

der Konsolidierung verschiedener vorbestehender Ansätze (u.a.<br />

UniSG und FHNW) und der Einführung von differenzierbaren<br />

Wichtigkeiten der Reifedimensionen entstand ein zeitgemässes<br />

Reifegradmodell, das die individuellen Branchen- und Strategieprämissen<br />

der Unternehmen abbilden lässt.<br />

Das von swissICT entwickelte Befragungstool macht das Reifegradmodell<br />

schliesslich dem breiten Publikum in verschiedenen<br />

Varianten zugänglich und garantiert dessen Neutralität: wer<br />

möchte denn schon, dass der Kompass nur in die Richtung eines<br />

einzelnen Anbieters zeigt. Ebenso stellt swissICT den vertraulichen<br />

Umgang mit den generierten Daten sicher.<br />

Anwendung von Digital Maturity Assessments im strategischen<br />

Management<br />

Digital Maturity Assessments helfen, sich im Wald der unzähligen<br />

digitalen Optionen zurechtzufinden und die richtigen Entscheidungen<br />

zu treffen. Nutzen Führungskräfte dieses Instrument<br />

zum Beispiel im Rahmen von<br />

Abb 3. Die sieben Dimensionen des swissICT Maturity Models.<br />

(Quelle: swissICT, Bramwell Kaltenrieder)<br />

Wann haben Sie für Ihr Unternehmen zuletzt auf den digitalen<br />

Kompass geschaut? In 10 Minuten wissen Sie, wo Sie stehen –<br />

hier geht’s direkt zum Digital Excellence Checkup von swissICT.<br />

Autor: Bramwell Kaltenrieder ist Professor für Digital Business<br />

und Innovation an der Berner Fachhochschule. Er ist Co-Leiter<br />

der swissICT-Fachgruppe Digital Transformation Insights sowie<br />

Jury-Präsident der Kategorie Digital Transformation Award<br />

Grossunterenehmen beim Digital Economy Award. Als Gründer<br />

der Strategie- und Innovationsberatung Exploit unterstützt er<br />

zudem Unternehmen dabei, im digitalen Zeitalter neue strategische<br />

Wettbewerbsvorteile aufzubauen.<br />

Quellen:<br />

Berghaus, S., Back, A., & Kaltenrieder, B. (2017). Digital Maturity<br />

& Transformation Report 2017. Universität St. Gallen,<br />

80. https://doi.org/10.1007/s13398-014-0173-7.2<br />

Westerman, G., Tannou, M., Bonnet, D., Ferraris, P., & McAfee,<br />

A. (2012). The Digital Advantage: How Digital Leaders<br />

Outperform their Peers in Every Industry. MIT Sloan Management<br />

Review, 1–24<br />

<br />

23


Digitalisierung<br />

Tipps und Tricks für das erfolgreich<br />

Home Office<br />

Homeoffice erlebt einen Boom, nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie. Bereits<br />

früher haben einige Firmen und Mitarbeiter deren Vorteile und Nachteile kennen<br />

gelernt. Beachtet man gewisse Verhaltensregeln und verfügt über die technischen<br />

Voraussetzungen, dann werden die Nachteile massiv reduziert. Bei KMU<br />

Digitalisierung leben wir den digitalen Ansatz seit der Gründung vor 2 Jahren und<br />

profitieren nun von der dezentralen Organisation. Wir durften viele Erfahrungen<br />

machen und lernen. Auf dieser Basis ist dieser Artikel entstanden.<br />

Organisation und einen klar definierten Arbeitsraum<br />

Homeoffice, ah ja die wo auf dem Sofa rumhängen. Ist ein beliebter<br />

Vorwurf. Sicherlich ist es keine gute Idee, vom Sofa oder<br />

Bett aus zu arbeiten. Jedoch kann ein Sofa für eine Videokonferenz<br />

sehr eignet sein. Die Bezeichnung „Home Office“ hat einen<br />

guten Grund und legt bereits nahe, was wichtig ist: bestimmen<br />

Sie dafür einen Bereich (es muss kein ganzes Zimmer sein), in<br />

dem Sie ungestört und ohne äußere Ablenkung arbeiten können.<br />

Der Esstisch, am Nachmittag der Balkon oder die Terrasse.<br />

Organisieren sie sich zu Hause und schaffen Sie sich Arbeitsoder<br />

Kommunikationszonen.<br />

Kleider machen Leute – ziehen Sie sich so an, als<br />

wären Sie im Büro<br />

Es ist verlockend im Pyjama den ganzen Tag rum zu hängen.<br />

Dies hat etwas vom Sonntags-Feeling. Sich Arbeitstauglich zu<br />

kleiden obwohl Sie zuhause arbeiten, hat aber eine große psychologische<br />

Wirkung:<br />

Es stellt Ihr Gehirn auf „Arbeitsmodus“ und verhindert, dass sie<br />

vor lauter Entspannung nicht in Gang kommen. Behalten Sie<br />

Ihre Tagesabläufe bei. Spätestens bei der nächsten Videokonferenz<br />

machen Sie so auch einen deutlich besseren ja professionelleren<br />

Eindruck. Was uns gleich zum nächsten Punkt führt…<br />

24


Digitalisierung<br />

Digitale und verschiedene Kommunikationsformen<br />

Telefongespräche oder E-Mails, Textnachrichten oder Chat,<br />

jeder hat seine ganz eigenen, persönlichen Vorlieben, um mit<br />

anderen Kontakt aufzunehmen und zu pflegen. Im Homeoffice<br />

ist es wichtig, alle Formen gut zu beherrschen und die zur Situation<br />

passende Kommunikationsform auszuwählen. So kann<br />

es je nach Situation besser sein, eine E-Mail zu schreiben statt<br />

zu telefonieren, genauso wie es sinnvoller sein mag, statt Nachrichten<br />

zu verschicken eine Videokonferenz abzuhalten.<br />

Wählen Sie also bewusst aus, für welche Kommunikationsform<br />

Sie sich entscheiden und seien Sie offen für verschiedene Wege.<br />

Nach unseren Erfahrungen ist es von grossem Vorteil, wenn<br />

Sie viele oder alle Formen der Kommunikation zentral über ein<br />

Device bedienen können. So müssen Sie nicht zwischen verschiedenen<br />

Geräten hin und her wechseln. Unsere Kunden oder<br />

Team Chats laufen daher entweder über WhatsApp via Browser<br />

auf dem Laptop oder via Chat der voll in unsere Applikationen<br />

integriert ist. Sprich egal ob ich im CRM, an einer Präsentation<br />

oder an der Buchhaltung bin, ich sehe immer die Nachrichten<br />

und Fragen der Kollegen an mich.<br />

Vermeiden Sie Multitasking<br />

Es ist verlockend, E-Mails zu beantworten oder andere Aufgaben<br />

zu erledigen, wenn man in einer Videokonferenz mit<br />

mehreren Teilnehmern festsitzen, die kein Ende findet. Das gilt<br />

insbesondere, wenn man sich bereits von seinen Teamkollegen<br />

isoliert fühlt. Aber der Verlust der Konzentration (und des Blickkontakts)<br />

kann anderen den Eindruck vermitteln, dass der Kollege<br />

im Homeoffice desinteressiert oder sogar eingebildet ist.<br />

Um einen guten Eindruck zu hinterlassen und dem Drang nach<br />

Multitasking zu widerstehen, können sich Homeoffice-Worker<br />

einfach etwas weiter von ihrem Computer entfernt positionieren,<br />

so dass sie von der Taille an sichtbar sind. Ihre Teamkollegen<br />

sollten ihre Hände sehen können und sie sollten oft direkt in<br />

die Kamera schauen, damit ihre Teamkollegen virtuellen Blickkontakt<br />

haben. Je nach Situation ist es auch legitim, dezent und<br />

anständig auf den Zeitplan zu verweisen. Genau gleich wie klassische<br />

Meetings sollten auch Videokonferenzen effizient und<br />

zielorientiert geführt werden.<br />

Home Office heisst nicht 24 Stunden Arbeit<br />

Arbeitgeber und Kunden müssen verstehen lernen, dass auch<br />

im digitalen Zeitalter nicht eine 24 Stunden Verfügbarkeit die<br />

Normalität ist. Vielleicht braucht es Krisen wie die Corona Pandemie<br />

um dies zu lernen.<br />

Aber auch Arbeitnehmer müssen lernen flexibel und doch zu<br />

sich selber streng zu sein und sich selber feste Anfangs- und<br />

Endzeiten für den persönlichen Arbeitstag fest zu legen, die<br />

Sie auch konsequent einhalten. Dabei geht es nicht nur darum<br />

sicherzustellen, dass Sie eine bestimmte Anzahl von Stunden<br />

arbeiten, wenn Sie genau um acht Uhr starten und um fünf Uhr<br />

aufhören. Feste Arbeitszeiten schaffen die Grundlage dafür, die<br />

Ihnen zur Verfügung stehende Zeit bestmöglich zu nutzen. Zudem<br />

ist eine klare Abgrenzung zwischen Arbeitsleben und Privatleben<br />

insbesondere für die Arbeit von zuhause aus enorm<br />

wichtig, damit Sie mental gesund bleiben.<br />

Zugleich kann auch eine Prise Flexibilität helfen, in dem man<br />

nach Absprache im Team gewisse Zeitfenster frei gestaltet<br />

werden. Zum Beispiel am Montag ab 15.30 Uhr keine Meetings<br />

zu machen, damit das Amt als Curling-Coach platz hat und 2<br />

Stunden die an diesem Tag fehlen dafür fix am Samstag morgen<br />

oder Donnerstag Abend einzuplanen.<br />

Planung und Arbeitslisten<br />

Nur wer weiss was er will und wohin er geht, kann sagen ob er<br />

seine Ziele erreicht hat. Damit konzentriert auf ein bestimmtes<br />

Ziel hin gearbeitet werden kann, ist es hilfreich, sich eine tägliche<br />

Aufgabenliste zu erstellen. So können Sie selbst kontrollieren,<br />

wie erfolgreich Sie Ihre Arbeit machen, auch wenn Sie dies<br />

zuhause tun. Dieser Tip ist daher für Silo- oder Homeoffice Arbeiter<br />

genau gleich wertvoll. Setzen Sie sich kritisch damit auseinander,<br />

welche Priorität die einzelnen Aufgaben haben und<br />

legen Sie fest, was bis zum Ende des Tages erledigt sein muss.<br />

Anschliessend überprüfen Sie, welche Aufgaben Sie erledigen<br />

konnten, und welche nicht. Daraus ergibt sich dann wieder die<br />

Planung für den nächsten Tag und eröffnet Ihnen die Möglichkeit,<br />

die eigene Leistung zu bewerten und Ihre Aufgaben konsequent<br />

zu organisieren. So lernen Sie auch, frühzeitig zu erkennen<br />

was Sie an Ihrer Arbeitsorganisation und -platz ändern<br />

sollten um effizienter und effektiver zu sein.<br />

Machen Sie Pausen<br />

Was im Büro gilt, über Kleidung und Arbeitsbereich haben wir<br />

schon gesprochen, gilt auch im Homeoffice. Es ist wichtig von<br />

Zeit zu Zeit eine Pause einzulegen, – so wie Sie das auch im Büro<br />

machen würden. Verlassen Sie den Arbeitsbereich bewusst, holen<br />

Sie sich einen Tee oder Kaffee oder stehen kur auf den Balkon.<br />

So gibt Ihnen die Pause die Möglichkeit, den Kopf wieder<br />

freizubekommen und manche Dinge aus einem anderen Blickwinkel<br />

zu betrachten, so dass Sie anschließend mit neuer Energie<br />

an Ihre Aufgaben gehen können.<br />

Vermeiden Sie Ablenkungen durch Familie oder<br />

Freunde<br />

Gerade wenn die Schulen geschlossen sind ein schwieriges Thema<br />

und diese Regel ist vielleicht etwas verwirrend: Sie sollen/<br />

können Ihre Familie natürlich nicht ignorieren, wenn Sie gebraucht<br />

werden. Aber machen Sie aus der Arbeit im Home Office<br />

keine Gruppenveranstaltung.<br />

Setzen Sie auch hier klare Grenzen und bitten Sie die Familie<br />

oder Freunde, Sie so zu behandeln, als wären Sie tatsächlich im<br />

Büro. Ansonsten laufen Sie Gefahr, Ihre Aufgaben aus den Augen<br />

zu verlieren.<br />

<br />

25


Digitalisierung<br />

Der Krisenmodus.<br />

Sind Ihre Kinder jedoch nicht in der Schule oder betreut, so ist<br />

es umso wichtiger gemeinsam Regeln und Arbeitspläne zu machen.<br />

Papi arbeitet eine Stunde an Projekt XY – in dieser Zeit<br />

lesen die Kinder oder machen Hausaufgabe Z und dann wird 15-<br />

30 Minuten die Arbeit und das gelernte der Kinder besprochen<br />

und neue Lernziele definiert. Ja, die Arbeitszeit für Papi verlängert<br />

sich auf Grund der zusätzlichen Pausen. Im Krisen-Modus<br />

ist es legitim und es ist wichtig hier an die Solidarität zwischen<br />

Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu appellieren und dies zu leben.<br />

Vielleicht kann auch die Nachbarin ein, zwei Stunden auf<br />

alle Kinder aufpassen und Sie revanchieren sich am Nachmittag<br />

mit 2 Stunden Betreuung.<br />

Home Office Arbeiter müssen sich um Nähe<br />

kümmern – Kommunizieren Sie aktiv<br />

Trotz aller Möglichkeiten, die uns moderne Kommunikationsmittel<br />

bieten: der persönliche Austausch ist immer noch ein<br />

sehr wichtiges menschliches Bedürfnis. Falls Sie dauerhaft von<br />

zuhause arbeiten, sollten Sie Ihre Kunden und Kollegen regelmäßig<br />

persönlich treffen, zum Beispiel beim Lunch. Oder Sie<br />

richten sich einen festen Tag pro Woche ein, in dem Sie vor Ort<br />

im Büro sind und den persönlichen Kontakt aufrechterhalten.<br />

Kurzfristig kann dies für 1-2 Monate unterbrochen werden,<br />

wenn die Umstände dies erfordern. Es sollte aber nicht die Regel<br />

werden.<br />

Tägliche Arbeitsroutine hilft<br />

Routine klingt negativer als es ist. Oft hat es einen negativen<br />

Beigeschmack im Sinne von langweilig, lästig und ermüdend.<br />

Jedoch ein klar strukturierter Arbeitsablauf hingegen ermöglicht<br />

Ihnen, sich in die Arbeit zu vertiefen und verbessert Ihre<br />

Konzentrationsfähigkeit. Dadurch finden Sie leichter in den<br />

„Arbeitsmodus“, egal ob im Büro oder Home Office. Auf die gleiche<br />

Weise können Sie Ihre Pausen in ihren Arbeitstag einbetten.<br />

Belohnung nicht vergessen<br />

Auch im Homeoffice sollten Sie sich für die Arbeit belohnen. Ein<br />

frischer Kaffee oder eine längere Pause nach einem erfolg motiviert.<br />

Denn kleine Belohnungen über den Tag verteilt, honorieren<br />

Ihre Leistung und steigern nachweislich Ihre Motivation.<br />

Die Möglichkeiten, sich bewusst etwas Gutes zu tun, sind im<br />

Home Office wesentlich größer als in der Firma – also nutzen Sie<br />

diesen Vorteil! Bei mir heisst diese Belohnung übrigens “Ghandi<br />

Pur” ein ganz ausgezeichneter indischer Kaffee von Kaffeepur.<br />

ch – wie heisst diese bei Ihnen?<br />

Klare Abmachungen<br />

Ganz wichtig ist es auch, zwischen Ihnen und Ihrem Team, respektive<br />

Ihrem Arbeitgeber klare Abmachungen zu vereinbaren<br />

und einzuhalten. Diese Abmachungen können je nach dem variieren<br />

oder der aktuellen Situation angepasst werden – aber sie<br />

müssen offen, ehrlich und Transparent geklärt werden.<br />

Wenn Sie diese Regeln beachten, werden Sie alle Annehmlichkeiten<br />

genießen können, die Arbeiten von zuhause aus ermöglicht,<br />

ohne dass Sie dabei Ihre Motivation oder Produktivität<br />

opfern müssen. Denn Wohlbefinden und Kreativität sind eine<br />

wichtige Grundlage dafür, unser Menschliches-Potenzial ganzheitlich<br />

zu aktivieren. Kommt der Krisenfall dazu, ist es umso<br />

wichtiger um als Gesellschaft stark aus dieser Krise heraus zu<br />

kommen.<br />

26


Daten weg.<br />

Desktop sperren rettet<br />

Unternehmen.<br />

gdata.ch/awareness-training


Nachhaltigkeit<br />

Staaten könnten Überdüngung<br />

eindämmen<br />

Viele Länder könnten in der Landwirtschaft weniger Stickstoffdünger einsetzen,<br />

ohne dass die Ernteerträge wegbrächen. Das zeigt ein internationales Forschungsteam<br />

um die beiden ETH-Wissenschaftler David Wüpper und Robert Finger.<br />

Stickstoffhaltige Düngemittel sind ein in der Landwirtschaft<br />

vieleingesetztes Ertragssteigerungsmittel. (Bild: Adobe Stock)<br />

Die Welt wird mit Stickstoff überschwemmt. Er dient in der<br />

Landwirtschaft als Dünger, um, die Produktion zu steigern.<br />

Das verursacht eines der grössten Umweltprobleme unserer<br />

Zeit. Unter der Stickstoffverschmutzung leiden Gewässer, Böden<br />

aber auch die Gesundheit von Mensch und Tier. Auch die<br />

natürliche Artenvielfalt nimmt ab, wenn Stickstoff über die Luft<br />

oder Regen in Lebensräume wie Moore oder Wälder gelangt, die<br />

nicht direkt gedüngt werden.<br />

Einen mächtigen Hebel zur Eindämmung des Problems könnten<br />

nationale Regierungen sein. Sie müssten eine nationale und<br />

internationale Politik betreiben, die das globale Ernährungssystem<br />

auf höhere Erträge und eine viel geringere Umweltbelastung<br />

ausrichtet. Doch wie stark Länder ihre Stickstoffverschmutzung<br />

und ihre Ernten tatsächlich beeinflussen, war<br />

bislang kaum untersucht.<br />

Gesamteffekt der Länder quantifiziert<br />

Die ETH-Forscher David Wüpper und Robert Finger von der<br />

Professur für Agrarökonomie und –politik haben deshalb zusammen<br />

mit weiteren internationalen Autoren erstmals den<br />

Gesamteffekt fast aller Länder der Welt auf ihre Stickstoffverschmutzung<br />

und die Ernteerträge berechnet. Die Resultate<br />

ihrer Studie sind soeben in der Fachzeitschrift «Nature Food»<br />

erschienen.<br />

In dieser Publikation zeigen die Forschenden auf, dass Länder<br />

die Stickstoffverschmutzung tatsächlich besonders stark beeinflussen.<br />

Der Einfluss einzelner Länder auf die Verschmutzung<br />

ist oft um ein Vielfaches grösser als derjenige auf die Ernteerträge.<br />

Eindämmen, ohne dass Erträge wegbrechen<br />

Das zeigt sich daran, dass viele Länder die sogenannte Ertragslücke<br />

nur geringfügig verkleinern, selbst wenn sie sehr viel mehr<br />

Stickstoff einsetzen. Die Ertragslücke ist die Differenz zwischen<br />

möglichem und dem tatsächlich erzielten Ertrag. Wenn einzelne<br />

Länder versuchen, die Ertragslücke um 1 Prozent zu schliessen,<br />

ist dies insgesamt mit einem globalen Anstieg der Stickstoffbelastung<br />

um 35 Prozent verbunden.<br />

Mit anderen Worten: Einige Länder setzen extrem hohe Düngemengen<br />

ein, aber holen nur sehr wenig mehr Ertrag heraus. Die<br />

Forschenden kommen deshalb zum Schluss, dass viele Länder<br />

die Verwendung dieses Nährstoffs eindämmen könnten, ohne<br />

dass die Erträge wegbrechen.<br />

Im Rahmen ihrer Studie identifizierten die Forschenden auch<br />

die Faktoren, welche den gesamten Stickstoffeinsatz und die<br />

Stickstoffverschmutzung im Verhältnis zu den Erträgen erklären.<br />

Wichtige Faktoren sind unter anderem die Qualität von Institutionen,<br />

wirtschaftliche Entwicklung, die Grösse der Bevölkerung,<br />

aber auch wie hoch der Anteil der Landwirtschaft an der<br />

Gesamtwirtschaft eines Landes ist.<br />

Weitere wichtige Faktoren, die die Stickstoffverschmutzung<br />

eines Landes beeinflussen, sind etwa direkte Subventionen, mit<br />

denen ein Staat Stickstoffdünger verbilligt. Aber auch indirekte<br />

Zuschüsse oder Politikmassnahmen, die beeinflussen, wie<br />

teuer landwirtschaftliche Produkte im Vergleich zu den Düngerkosten<br />

sind, Regulierungen und Gesetze, Ausbildung der Bewirtschafter,<br />

Technologien oder auch Handelsstrukturen sind<br />

relevant.<br />

28


Nachhaltigkeit<br />

Globale Daten ausgewertet<br />

Ein Beispiel dafür, wie Ländereigenheiten die Stickstoffverschmutzung<br />

steuern, ist die Grenze zwischen Kasachstan und<br />

China. Von Natur aus ist es dort trocken und die Vegetation<br />

spärlich. Auf Satellitenaufnahmen ist zu erkennen, dass die Vegetation<br />

auf der chinesischen Seite genau bis zur Grenze üppig<br />

grün ist, um auf der kasachischen Seite der Grenzlinie abrupt<br />

zu ändern und weniger grün ist. Das weist auf Bewässerung in<br />

Kombination mit reichlicher Stickstoffdüngung auf der chinesischen<br />

Seite hin.<br />

Die Grenze China-Kasachstan aus dem All: Die Grenze zwischen<br />

den beiden Ländern wird durch die Landnutzungspolitik definiert.<br />

(Bild: Nasa Earth Observatory)<br />

«Von Natur aus gäbe es keinen solchen Sprung in der Vegetation»,<br />

sagt David Wüpper, Erstautor der Studie. «Dieses Beispiel<br />

illustriert, dass es für die Stickstoffverschmutzung und den Ertrag<br />

ausschlaggebend ist, in welchem Land die Felder liegen»,<br />

sagt Wüpper. «Den gleichen Ertrag auf chinesischer Seite könnte<br />

man jedoch auch mit deutlich weniger Stickstoffverschmutzung<br />

erreichen.»<br />

Auch die Schweiz ist keine Musterschülerin in Bezug auf die<br />

Stickstoffverschmutzung. Wie auch in anderen europäischen<br />

Ländern wird in der Schweiz nach wie vor viel Stickstoffdünger<br />

ausgebracht, den die Pflanzen nicht vollumfänglich aufnehmen<br />

können. Der Überschuss landet in Bächen, Seen und anderen<br />

Ökosystemen.<br />

«Die Landwirtschaft hierzulande ist sehr intensiv», erklärt Wüpper.<br />

Das wirke sich direkt auf die Stickstoffverschmutzung aus,<br />

nicht zuletzt deshalb, weil Schweizer Tiere mit Futter aus dem<br />

Ausland gefüttert werden. Der Hofdünger, der bei der Tierhaltung<br />

anfällt, wird allerdings auf Schweizer Böden ausgebracht<br />

– und trägt damit zur Stickstoffverschmutzung bei.<br />

Ökonomische Instrumente als politische Option<br />

«Insgesamt erkennen wir aber eine globale Ungleichverteilung<br />

der Düngeressourcen», resümieren die Forscher. Hier zu viel, in<br />

anderen Regionen der Welt zu wenig, etwa in Teilen Afrikas südlich<br />

der Sahara, wo Bauern zu wenig Stickstoffdünger verwenden.<br />

Sie könnten jedoch mit wenig mehr Stickstoff ihre Erträge<br />

deutlich steigern. Würde es gelingen, die globale Ungleichverteilung<br />

abzuschwächen, könnten an manchen Orten Erträge<br />

beträchtlich gesteigert werden. Andernorts würde dafür die<br />

Verschmutzung beträchtlich reduziert.<br />

Ein Weg ist über den Preis für Stickstoffdünger. In Ländern, wo<br />

zu viel davon verwendet wird, müsste der Dünger entsprechend<br />

teurer werden, etwa durch die Einführung einer Stickstoffsteuer<br />

oder andere politische Instrumente. In Ländern, wo zu wenig<br />

Stickstoffdünger verwendet wird, sollten die Preise zum Beispiel<br />

durch Subventionen gesenkt werden.<br />

Ein weiterer Ansatz sind die Landwirtschaftsbetriebe selbst. Die<br />

Politik und die Industrie könnten Landwirten Anreize bieten, die<br />

Produktion umweltfreundlicher zu gestalten. Sie könnten beispielsweise<br />

bestimmte Produktionsverfahren fördern, die zu<br />

einer höheren Effizienz des Stickstoffeinsatzes führen. Nicht<br />

zuletzt könnten Bauern, die weniger Stickstoff verwenden und<br />

dafür mit weniger Ertrag rechnen müssen, vom Staat finanzielle<br />

Kompensationen erhalten.<br />

Präzisionslandwirtschaft hat Potenzial<br />

Auch mithilfe von neuen Technologien liesse sich die Stickstoffeffizienz<br />

steigern. «Das Stichwort ist Präzisionslandwirtschaft,<br />

in der zum Beispiel Dünger gezielt nur wo effektiv nötig ausgebracht<br />

wird. Das kann die Effizienz des Einsatzes erhöhen<br />

und die Umweltprobleme verringern, ohne dass die Produktion<br />

schrumpft», erklärt Finger.<br />

«Ein sehr grosser Hebel ist aber auch der Konsum», erklärt<br />

Wüpper. Ein Drittel der Lebensmittel geht zwischen Feld und<br />

Teller verloren. Das fördere die Stickstoffverschmutzung und<br />

Umweltschäden. «Verringern wir Nahrungsmittelabfälle, reduzieren<br />

wir auch Umweltprobleme». Auch eine fleischarme Ernährung<br />

hilft, die Nährstoffüberschüsse zu senken. Wird weniger<br />

Fleisch produziert, landet auch weniger Hofdünger auf den<br />

Feldern.<br />

Literaturhinweis<br />

Wuepper D, Le Clech S, Zilberman D, Mueller N, Finger R:<br />

Countries Influence the Trade-Off between Crop Yields and<br />

Nitrogen Pollution.<br />

<br />

29


Nachhaltigkeit<br />

Digitalisierung<br />

Verantwortung als Chance: das Transformationsthema<br />

Sustainability<br />

Vom Nebenschauplatz zum Unternehmensziel: warum nachhaltiges Wirtschaften<br />

heute so dringlich ist – und wie die Umsetzung am besten gelingt<br />

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Doch Lippenbekenntnisse reichen<br />

heute nicht mehr. Es ist höchste Zeit, dass auf Worte auch<br />

Taten folgen. Allzu oft schmücken sich Unternehmen zwar mit<br />

grünen Lorbeeren, betreiben im Alltagsgeschäft aber trotzdem<br />

weitgehend „business as usual“. Auch weiterhin gibt es immer<br />

wieder Situationen, in denen die Aktivitäten von Firmen mit gesellschaftlichen<br />

Wertvorstellungen oder ökologischen Belangen<br />

kollidieren. Dabei ist der Bedarf nach echter, transformativer<br />

Sustainability akuter denn je. Und zwar nicht nur, weil die<br />

ökologischen und sozialen Problemfelder täglich bedrohlicher<br />

werden. Darüber hinaus steigt der Handlungsdruck auf Unternehmen<br />

heute ganz direkt und von mehreren Seiten zugleich:<br />

Regulatoren, Kunden und Investoren fordern überprüfbare<br />

Nachhaltigkeit. Darauf nicht einzugehen, stellt ein geschäftliches<br />

Risiko dar. Lesen Sie in diesem Artikel von Deloitte, wie<br />

Firmen aus der Not eine unternehmerische Tugend machen und<br />

den Schritt zur Nachhaltigkeit als Chance nutzen.<br />

Was Sustainability heute so drängend macht?<br />

Dafür genügt ein Blick in die Nachrichten. Klimawandel, Hungersnöte,<br />

Flüchtlingsströme, Plastikmüll in den Meeren und<br />

Artensterben. Eine Schreckensbotschaft jagt die nächste. Dass<br />

etwas geschehen muss, bezweifelt niemand. Ökologische und<br />

soziale Nachhaltigkeit ist zu einer Frage des Überlebens der<br />

Menschheit geworden. Was früher oft als Thema für Idealisten<br />

galt, wird heute allgemein in seiner Brisanz erkannt – und<br />

zwar auf höchster Ebene. Allerspätestens seit der Verabschiedung<br />

der Sustainable Development Goals 2016 durch die UN,<br />

kurz: SDGs, gilt ohne Wenn und Aber: Das Thema „Sustainable<br />

Future“ geht alle an – Bürger, staatliche Institutionen und insbesondere<br />

auch Unternehmen. Diesen letzten Punkt haben die<br />

SDGs unterstrichen und damit eine weitreichendere Diskussion<br />

über die unternehmerische Verantwortung angestoßen. Die<br />

siebzehn beschlossenen Ziele drehen sich um Maßnahmen zur<br />

Sicherung von Frieden, Ernährungssicherheit, Wasserversorgung,<br />

Sustainable Energy, Bildungschancen und anderem. Die<br />

SDGs werden außerdem in einem Katalog von 169 Zielvorga-<br />

ben für ihre Umsetzung noch präzisiert. Spielregeln für Morgen:<br />

Sustainability im regulatorischen Trend<br />

Die hehren UN-Ziele sind überzeugend ¬– doch wie können Unternehmen<br />

effektiv zu deren Verwirklichung beitragen? Sollen<br />

Unternehmen nun plötzlich die Welt retten? Ein bisschen schon.<br />

Das fordern zumindest zunehmend deutlich die Regulatoren<br />

und schaffen so unmittelbare Treiber für Veränderung. Vorhaben<br />

der internationalen Staatengemeinschaft wie die SDGs sind<br />

oft Vorboten nationalstaatlicher Regelungen in Sachen „green<br />

policy“. Immer mehr Regierungen konkretisieren die anstehenden<br />

Schritte zum Erreichen der SDGs in eigenen Programmen,<br />

Vorschriften und Gesetzen, etwa die Bundesregierung mit ihrer<br />

überarbeiteten Nachhaltigkeitsstrategie. Ähnlich das Gesetz<br />

zur Umsetzung der EU-CSR-Direktive (Corporate Social Responsibility,<br />

deutsch: unternehmerische Sozialverantwortung)<br />

oder der Nationale Aktionsplan Menschenrechte, der helfen<br />

soll, globale Lieferketten nachhaltiger zu gestalten. Ein wichtiger<br />

Bereich, da sich Investments in Sozialverträglichkeit oft<br />

nicht unmittelbar auszahlen wie etwa Energieeffizienz-Maßnahmen.<br />

Angesichts dieser Trends ist es jedenfalls im wohlverstandenen<br />

Eigeninteresse der Unternehmen, vorausschauend<br />

zu agieren und Regulierung frühzeitig zu antizipieren. Doch die<br />

regulatorische Entwicklung ist längst nicht der einzige Treiber<br />

für Sustainability. Im Folgenden weitere gute Gründe für Unternehmen,<br />

sich auf mehr Nachhaltigkeit auszurichten.<br />

Wandel im Markt: Nachfrage nach Nachhaltigkeit<br />

Öko ist in und Fairtrade ein Verkaufsschlager, auch wenn das<br />

Konzept im Detail einige Kritik erfährt. Nur zwei Beispiele, wie<br />

stark sich das Konsumentenbewusstsein gewandelt hat. Nachhaltigkeit<br />

ist längst aus der früheren Nische in den Mainstream<br />

gewandert. Der breite Markt verlangt sie heute – nicht nur die<br />

oft zitierten Millennials, sondern auch immer mehr andere Bevölkerungsgruppen<br />

interessieren sich für nachhaltige, gesunde,<br />

umweltverträgliche Produkte und Ernährung. Unzählige Startups<br />

engagierter junger Entrepreneure haben sich genau dieses<br />

30


Nachhaltigkeit<br />

Themas angenommen, von veganer Nahrung bis zu Recycling.<br />

Wer diesen Trend am Markt verschläft, sieht neben der nachhaltigen<br />

Konkurrenz schnell ziemlich alt aus.<br />

Rendite mit Gewissen: Die Rolle von Institutionellen<br />

und Retail Investoren<br />

Investoren wollen Profite – aber nicht mehr um jeden Preis. Immer<br />

mehr Anleger möchten nämlich inzwischen genauer wissen,<br />

was eigentlich in ihren Sparplänen, Pensionen und ETFs<br />

alles an einzelnen Investments enthalten ist.<br />

Ökologisch oder sozial fragwürdige Aktien sind bei vielen Privatanlegern<br />

verpönt. Aber auch institutionelle Anleger wie Pensionsfonds<br />

oder Staatsfonds fordern immer häufiger die Einhaltung<br />

nachhaltiger Standards. Asset Manager und Anbieter<br />

von Finanzdienstleistungen müssen diesen gewandelten Markt<br />

bedienen und behelfen sich dafür bei der Bewertung aus einer<br />

Vielzahl von Ratings und Benchmarks, die Nachhaltigkeit messbar<br />

machen sollen. Indizes wie der Dow Jones Sustainability Index<br />

DJSI machen es z.B. möglich, gezielt ETFs oder Fonds zum<br />

Thema Sustainable Investing aufzulegen. Research- und Rating-Häuser<br />

wie ISS oder MSCI bieten Datenbanken und andere<br />

Dienste, die bei der Beurteilung von Nachhaltigkeit Kriterien<br />

liefern können. Auch hier ist mit verstärkter staatlicher Regulierung<br />

zu rechnen: Gemäß einem aktienrechtlichen Referentenentwurf<br />

werden institutionelle Anleger und Vermögensverwalter<br />

in naher Zukunft bei der Offenlegung ihrer Anlagestrategie<br />

auch ESG-Kriterien (Environmental, Social and Corporate Governance,<br />

deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung))<br />

berücksichtigen müssen (§ 134c AktG Ref-E).<br />

Nachhaltige Zukunft, nachhaltige Gewinne: Sustainability<br />

lohnt sich<br />

Es ist offensichtlich: Es gibt neue und zunehmend harte Regeln,<br />

die befolgt werden wollen. Wenn Regulierungen eingeführt<br />

oder verschärft werden, ist Compliance unabdingbar. Sustainability<br />

fordert Unternehmen aber weit über diesen Rahmen hinaus.<br />

Nur wer Vorschriften einhält, kann seine operative Lizenz<br />

behalten. Doch wer weitergehend auch eine Transformation in<br />

Richtung Nachhaltigkeit in Angriff nimmt, sichert sich eine mindestens<br />

ebenso wichtige „Lizenz“: die Option zu wachsen. Stärkung<br />

der Marke, Aufwertung der Produktpalette, Verringerung<br />

intangibler Risiken und neue Business Models mit Sustainability-Aspekt<br />

können sich als attraktive Umsatz- und Gewinntreiber<br />

erweisen.<br />

Außerdem gehen viele ökologische Maßnahmen in der Sustainable<br />

Economy auch ganz direkt mit ökonomischem Nutzen<br />

einher, drehen sie sich doch oft um Effizienzgewinne (etwa Rohstoff-Recycling).<br />

Insgesamt führt nachhaltigeres Wirtschaften<br />

zu mehr Resilienz auf allen Ebenen des Business, was für ein<br />

Unternehmen natürlich äußerst vorteilhaft ist. Wer weniger<br />

Plastik einsetzt, ist Ölpreisschwankungen weniger ausgesetzt;<br />

wer faire Löhne zahlt, stabilisiert Belegschaften in Produktionsstätten.<br />

Und eine dritte „Lizenz“ winkt Unternehmen, die sich<br />

als Pioniere der Nachhaltigkeit positionieren: die zum Mitgestalten.<br />

Denn wer als nachhaltiger Player ernstgenommen wird,<br />

kann aktiv zum regulatorischen Diskurs beitragen und erhält<br />

einen „seat at the table“.<br />

Tatsächlich ist es ja auch im Sinne der Regierungen, gerade große<br />

Unternehmen ins Projekt Sustainable Future einzubinden.<br />

Deren Beitrag zur Umsetzung der SDGs ist dank des massiven<br />

Hebels größer als etwa der von kleinen Vorzeige-Start-ups mit<br />

perfekt nachhaltigen Geschäftsmodellen, aber vernachlässigbarem<br />

Marktanteil.<br />

Wo es hakt: Problemfelder und ihre Bewältigung<br />

Nachhaltigkeit ist eine „Win-Win-Proposition“ – genauer genommen<br />

sogar ein dreifaches „Win“: Umwelt, Gesellschaft und<br />

das Unternehmen selbst profitieren davon. Dies wurde bereits<br />

1994 im „Triple Bottom Line“-Konzept von John Elkington postuliert,<br />

einem Drei-Säulen-Modell, das auf die synchrone Umsetzung<br />

in allen drei Bereichen abzielt (Environment, Society,<br />

Economy). Warum hapert es dann oft immer noch an stringenter<br />

Umsetzung? Transparenz zu erzeugen und Einblicke zu gewinnen,<br />

was die Ursachen und Quellen von negativen Effekten<br />

für Umwelt und Gesellschaft angeht – das ist oft nicht trivial.<br />

Auch ist mit den bisher verwendeten Produktionsmethoden<br />

und Technologien die nötige Entkoppelung von Wachstum und<br />

Ressourceneinsatz nicht ohne weiteres umsetzbar, insbesondere<br />

nicht angesichts einer weiter wachsenden Weltbevölkerung,<br />

sinkenden Ertragszuwächsen in der Landwirtschaft und<br />

gleichzeitiger Verschmutzung der Ökosysteme. Neue, digitale<br />

Technologien können hier als ein wirkungsvoller Schmierstoff<br />

im „Uhrwerk“ der Zahnräder Umwelt, Gesellschaft und Unternehmen<br />

verstanden werden, der bei der effizienten Umsetzung<br />

höchst hilfreich sein kann.<br />

Die Experten von Deloitte haben drei Bereiche<br />

identifiziert, in denen zielführende Transformation<br />

vorrangig ansetzt:<br />

1. Sustainability muss auf der Führungsebene verankert werden<br />

Auch wenn sich diese Einsicht noch nicht überall durchgesetzt<br />

hat: Sustainability ist ein wesentlicher Sachbereich für Vorstand<br />

und Aufsichtsrat. Natürlich konkurrieren viele Themen<br />

um die Aufmerksamkeit des Top-Managements. Doch die nachhaltige<br />

Transformation gelingt nur, wenn sie auch von ganz<br />

oben gewollt, gestaltet und gesteuert wird. Sustainability ist<br />

ein C-Level-Thema quer durch die Management Funktionen und<br />

auch für Audit Committee, Risikomanagement und interne Revision.<br />

Erneut finden hier ebenfalls regulatorische Verschärfungen<br />

statt, die Nachhaltigkeit zu einem zentralen Governance-<br />

Aspekt machen. Regelungen wie die EU-Nonfinancial Reporting<br />

Direktive schreiben Details zu Berichten zu ESG-Themen vor.<br />

Auch die aktuell in Konsultation befindliche Neufassung des<br />

Deutschen Corporate Governance Kodex weist in der Präambel<br />

auf diese erweiterte Verantwortung hin.<br />

2. Sustainability muss systematisch gemessen und erfasst werden.<br />

Die Bemühungen um das Ziel „Sustainable Future“ basieren<br />

auf Werten, Absichten, ja Idealen. Alles Dinge, deren konkrete<br />

Umsetzung im Betrieb schwer einzuschätzen ist. Geeignete<br />

Metriken und Reporting-Formate schaffen Abhilfe: Soll der<br />

Transformationsprozess in den Wertschöpfungsketten des<br />

Unternehmens effizient gestaltet werden, muss man die Beiträge<br />

zu den SDGs auch messen. Für die externe Bewertung<br />

etwa durch Analysten existieren die erwähnten Sustainability-<br />

Benchmarks, Indizes und Datenbanken. Für interne Prozesse<br />

entwickelt die Global Reporting Initiative oder das Sustainability<br />

Accounting Standards Board international zukunftsweisende<br />

Kriterien. Auch wenn es hierbei noch viele miteinander<br />

in Konflikt stehende Standards gibt, die den Fortschritt manchmal<br />

auch etwas zu bremsen scheinen: Allein die Fülle an<br />

Aktivität auf diesem Feld zeigt eine klare Marschrichtung.<br />

3. Sustainability muss in die Strategie- und Innovationsprozesse<br />

integriert werden Sustainability hat heute strategische Bedeutung<br />

erlangt. Wenn das so ist, dann muss sie aber auch in Unternehmensstrategien<br />

und sämtliche Strategiebildungsprozesse<br />

einfließen. Im Idealfall beginnt das schon bei der Unternehmens-Vision<br />

und Mission Statements, die den „Purpose“ der ei-<br />

<br />

31


Nachhaltigkeit<br />

Digitalisierung<br />

genen Organisation beschreiben. Und diese Ausrichtung findet<br />

sich dann auch in der Strategie- und Innovationskultur wieder.<br />

Jede konkrete Innovation und Prozessoptimierung erhält somit<br />

eine zusätzliche Dimension. Sustainability ist heute schlicht ein<br />

Teil dessen, was als Qualität verstanden wird. Innovative Business<br />

Models, neue Produkte und ein nachhaltigerer Produkt-<br />

Mix sind das Ergebnis. Die Methoden der Digitalisierung von<br />

Blockchain über des Internet of Things bis hin zu Künstlicher<br />

Intelligenz helfen zusätzlich in der Analyse und Steuerung von<br />

Sustainability-Anforderungen, bei der Steigerung von Transparenz<br />

und der Optimierung von Nachhaltigkeitsleistungen.<br />

Vordenker in Sachen Nachhaltigkeit: Beispiele<br />

aus der Praxis<br />

Ökologische und soziale Missstände gibt es viele. Aber ebenso<br />

zahlreich sind die Chancen für Unternehmen, bei deren Bewältigung<br />

durch ihr Handeln einen echten Unterschied zu machen.<br />

Im Folgenden Beispiele für Felder, in denen ein Umdenken heute<br />

schon stattfindet – weg von der linearen Ressourcen-Verwendung<br />

hin zur zirkulären Rohstoff-Ökonomie, weg von sozial<br />

fragwürdigen Lieferketten hin zu neuen und verträglicheren<br />

Modellen:<br />

1. Vermeidung von Verschwendung von Lebensmitteln<br />

Die Weltbevölkerung wächst, viele Menschen leiden Hunger.<br />

Gleichzeitig gehen Lebensmittel durch ineffiziente Strukturen<br />

in der Wertschöpfungskette verloren. Das betrifft ungefähr 40<br />

Prozent der globalen Nahrungsmittelproduktion. Mit digitalen<br />

Lösungsansätzen können jedoch große Mengen an Lebensmittelabfällen<br />

vermieden werden. Der größte Teil der Abfälle fällt<br />

bei den Konsumenten an, aber auch im Einzelhandel geht es<br />

um signifikante Volumen. Für den Einzelhandel liegen die Ursachen<br />

in der Komplexität, mangelnder Transparenz und in der<br />

geringen Synchronisation innerhalb der Lebensmittelversorgungskette.<br />

Der digitale Lösungsansatz von Deloitte „Future of<br />

Fresh“ erhöht nicht nur die Frische der Lebensmittel, sondern<br />

reduziert Abfallmengen durch die Vernetzung der Akteure entlang<br />

der Wertschöpfungskette. Deloitte hat diesen neuartigen<br />

Approach bereits mehrfach eingesetzt und durch die Generierung<br />

neuer Performance Daten mit Hilfe von Sensorik und<br />

künstlicher Intelligenz signifikante Einsparungen bei mehreren<br />

globalen Einzelhändlern erzielt. Je nach Reifegrad des Partners<br />

ergaben sich durch Deloitte-Projekte Einsparungen zwischen<br />

25-50 Prozent.<br />

2. Vermeidung von Plastikmüll<br />

Ein Megaproblem, das derzeit besonders viel Aufmerksamkeit<br />

erfährt. Völlig zu Recht, denn Plastikmüll und seine Abbauprodukte<br />

bedrohen ganze Ökosysteme, Nahrungskreisläufe und<br />

damit unsere Gesundheit. Stellen Unternehmen ihre Wertschöpfungsketten<br />

entsprechend um, winken neben ökologischen<br />

Benefits auch Differenzierungs- und Einsparungspotenziale.<br />

Kosten durch den Einsatz von Plastik werden durch die Verwendung<br />

von recyceltem Material verringert, oder auch durch die<br />

Einführung völlig neu gestalteter Verpackungen, welche nach<br />

ihrer Nutzung leichter recycelt werden können. Plastik ist ein<br />

grundsätzlich extrem langlebiges Material und muss auch als<br />

solches behandelt werden. Eine rein energetische Verwertung<br />

von Plastikmüll oder der Austritt aus dem Wertstoff-Kreislauf<br />

in die Natur: das ist zunächst einmal eine unnötige Verschwendung<br />

wertvoller Kohlenwasserstoffketten. Zirkuläre Systeme,<br />

welche noch effektiver funktionieren, werden nun aber zunehmend<br />

von Unternehmen selbst implementiert. Gleichzeitig wird<br />

intensiv an alternativen, biobasierten Materialien geforscht,<br />

welche helfen sollen, die Abhängigkeit vom fossilen Plastik zu<br />

verringern. Deloitte Sustainability unterstützt die Material- und<br />

auch Service- Innovation im Bereich Plastikverwendung und<br />

Verpackungsdesign.<br />

3. Transparenz in der Lieferkette: Fischereiindustrie<br />

Die Fischereiwirtschaft ist enormen Herausforderungen ausgesetzt.<br />

Problemfelder sind die Überfischung von Beständen<br />

und Fütterungspraktiken, die für Menschen und Umwelt schädlich<br />

sind. Ob beim Fischfang oder der Aquakultur, die Herkunft,<br />

die Qualität des Fisches sowie Arbeitsstandards werden durch<br />

unterschiedliche Industriestandards beeinflusst. Jedoch ist deren<br />

Einhaltung und Glaubwürdigkeit teilweise fragwürdig. Als<br />

Akteure im Umgang mit einem der wertvollsten Lebensmittel<br />

(nach dem Wertanteil des weltweiten Handels an Lebensmitteln)<br />

versuchen Regulierer und das Management von verant-<br />

32


Nachhaltigkeit<br />

wortungsvollen Fischereibetrieben zunehmend mithilfe von<br />

Digitalisierung Licht in das Dunkel der Lieferketten zu bringen.<br />

Deloitte Sustainability initiierte und begleitet einen umfassenden<br />

Dialog mit Akteuren, von Fischfutterherstellern bis zu<br />

Handelsunternehmen, um mehr Transparenz in der Fischereiindustrie<br />

zu schaffen. Hierbei kann beispielsweise die Blockchain<br />

Technologie einen wesentlichen Beitrag zur Schaffung von Vertrauen<br />

leisten.<br />

4. Blockchain Zukunftstechnologie mit nachhaltigen Use<br />

Cases<br />

Neue Technologien wie z.B. Blockchain, ein dezentrales Register<br />

von Transaktionen, können bei der Realisierung von Infrastrukturprojekten<br />

zur Bekämpfung des Klimawandels helfen.<br />

Beispielsweise bei der Finanzierung, der Projektumsetzung und<br />

beim Monitoring bzw. der Mitigation von Aktivitäten. Große Infrastrukturanlagen<br />

werden etwa von unterschiedlichen Investorengruppen<br />

finanziert, um eine annehmbare Risikoverteilung<br />

realistisch abbilden zu können. Mithilfe von Krypto-Tokens kann<br />

ein größerer Kreis an Investoren mit festgeschriebenem Anreizsystem<br />

und Verantwortlichkeiten konform mit regulatorischen<br />

Anforderungen in eine komplexe, dezentrale Finanzierung eingebunden<br />

werden. Auch der Handel mit CO2-Zertifikaten kann<br />

über eine solche Plattform effizient und günstig abgewickelt<br />

werden. Je mehr Zertifikate und Infrastrukturprojekte mit der<br />

Basistechnologie Blockchain umgesetzt werden, desto transparenter<br />

und steuerbarer werden globale Aktivitäten zur Bekämpfung<br />

des Klimawandels.<br />

5. Bezahlsysteme in benachteiligten Gesellschaften<br />

Ein Hinderungsgrund für Entwicklung und Wohlstand ist, dass<br />

in vielen armen Regionen kein funktionierendes Finanzsystem<br />

existiert. Etwa aufgrund einer mangelnden Verfügbarkeit von<br />

Konten und Kreditkarten. Die Vodafone-Tochter safaricom hat<br />

in Kenia das mobile Bezahlsystem M-Pesa geschaffen, mit dem<br />

dieses Problem gelöst wird. Die rapide Verbreitung führte zu effizienteren<br />

Transaktionen, fördert so Handel und Wirtschaft. 25<br />

Prozent des BIP werden heute über den Dienst abgewickelt. Nebenbei<br />

machte M-Pesa die kenianischen Konsumenten zu globalen<br />

Vorreitern in Sachen Mobile Payment. Ganz zu schweigen<br />

von dem neuen Geschäftsmodell, das der Konzern auf diesem<br />

Weg erschlossen hat – und das inzwischen auf andere Märkte<br />

ausgeweitet wurde.<br />

Nachhaltige Unterstützung: Das Sustainability<br />

Team von Deloitte<br />

Sustainability – letztlich ein Thema für das gesamte Unternehmen,<br />

quer durch sämtliche Bereiche. Wie setzt man eine Transformation<br />

mit derart weitreichenden Implikationen effizient<br />

um? Wesentlich ist dabei nicht nur Exzellenz in Sustainability-<br />

Aspekten, sondern fundierte Expertise in den einzelnen Funktionen<br />

und geographischen Regionen.<br />

Auf beides kann das deutsche Sustainability-Team von Deloitte<br />

zurückgreifen, auch weil seine Fachleute Zugang zum großen<br />

Erfahrungspool des globalen Deloitte-Netzwerks haben. Sie<br />

werden aktiv, wenn es um die Unterstützung der Kollegen aus<br />

Prüfung, Strategieentwicklung oder Operations geht.<br />

Und sie erarbeiten Einzellösungen für Kunden, von der Überprüfung<br />

der Wirksamkeit von sozialen Audits über die Schaffung<br />

von IT-Strukturen für Nachhaltigkeits-Reporting bis hin<br />

zur Entwicklung ganzer Sustainability-Konzepte. So helfen sie<br />

Unternehmen, die Transformation als nachhaltigen Erfolg zu<br />

gestalten.<br />

Ihr Ansprechpartner<br />

Thomas Krick<br />

Director | Sustainability<br />

tkrick@deloitte.de<br />

+49 151 58071682<br />

<br />

33


Bau und Immobilien<br />

Nachhaltigkeit im Bauwesen:<br />

die grüne Revolution<br />

Höhere Baukosten werden mit geringen Betriebskosten belohnt. Die Wohnund<br />

Arbeitsqualität in Green Buildings ist sehr hoch. Nachhaltiges Bauen belebt<br />

das Stadtbild und schützt die Landschaft.<br />

Den Energie- und Ressourcenverbrauch minimieren, den Flächenverbrauch<br />

reduzieren und die Natur durch ein Gebäude<br />

während des gesamten Lebenszyklus‘ (Bau, Nutzung und Rückbau)<br />

möglichst wenig belasten: Das sind die drei bedeutenden<br />

Säulen des ökologisch nachhaltigen Bauens. Aus dieser Perspektive<br />

wird die Gebäudequalität hinsichtlich der Auswirkungen<br />

auf die Umwelt beurteilt.<br />

Nachhaltiges Bauen umfasst somit alle Bereiche von der Wahl<br />

des Grundstücks über die Architektur und Energie-, Wasser-,<br />

Materialeffizienz, den Betrieb, die Instandhaltung sowie Abfallvermeidung<br />

bis hin zum Ressourcen-effizienten Betrieb und<br />

schließlich der Dekonstruktion nach einer Nutzungszeit von 50<br />

– 100 Jahren.<br />

„Nachhaltig“ heißt jedoch nicht nur „öko“. Denn „Green Buildings“<br />

sind „smart“: In grünen intelligenten Gebäuden sorgt<br />

umweltfreundliche sowie automatisierte Hightech für die effiziente<br />

Nutzung von Energie und Ressourcen sowie eine angenehme<br />

Atmosphäre mit hoher Lebensqualität und Produktivität.<br />

Früher normal – heute eine Entscheidung für die Zukunft<br />

Einstmals war nachhaltiges Bauen aufgrund der verfügbaren<br />

Baustoffe selbstverständlich. Dann kamen neue Materialien<br />

und Verfahren, die zunehmend als belastend für Mensch und<br />

Umwelt wahrgenommen wurden. Das Ideal, (wieder) ökologisch<br />

nachhaltig zu bauen, kam in den 1970er Jahren auf. Treiber war<br />

joch nicht nur der populär werdende Naturschutzgedanke in<br />

eher subkulturellen Kreisen; auch der Schock der Ölkrise brachte<br />

neue Methoden einer alternativen Energieerzeugung in den<br />

Fokus.<br />

Was unter anderem aus purem Pragmatismus heraus entstand,<br />

wird heute zunehmend zu einem gesellschaftlichen Anspruch.<br />

Denn ein Handeln gemäß den Prinzipien einer nachhaltigen<br />

Entwicklung (sustainable development) erhöht für die heutigen<br />

Generationen die Lebensqualität – und erhält für zukünftige<br />

Generationen eine Welt voller Vielfalt.<br />

Die Bedeutung des nachhaltigen Bauens beschreibt das „Bundesministerium<br />

des Innern, für Bau und Heimat“ so: „Die nachhaltige<br />

Entwicklung besitzt weltweit als Leitbild für die Zukunft<br />

eine herausragende Bedeutung. Das Bauwesen nimmt dabei<br />

eine besondere Stellung ein, weil es wesentliche Bedürfnisse<br />

des Menschen wie Wohnen und infrastrukturelle Bedürfnisse<br />

befriedigt und zugleich große wirtschaftliche und für die Umwelt<br />

relevante Aufwendungen damit verbunden sind.“<br />

Die entscheidenden Faktoren und Effekte des nachhaltigen<br />

Bauen<br />

1. Energie aus Solarzellen<br />

2. Gebäude werden Energie-Selbstversorger<br />

3. Kooperieren beim klimaneutralen Bau<br />

4. Nachhaltige Baustoffe<br />

5. Die Zukunft für nachhaltiges Bauen<br />

1. Die Kraft der Sonne: Ökologisch nachhaltige Energie aus<br />

Solarzellen<br />

Die Sonne: ein Superkraftwerk. Naheliegend, diese kostenlos<br />

zu uns geschickte Energie zu nutzen. Daher fangen auf einer<br />

zunehmenden Anzahl von Eigenheimdächern funkelnde Solarzellen<br />

die Vorstufe des umweltfreundlich gewonnenen Stroms<br />

ein. Deutlich gesunkene Produktionskosten und Subventionen<br />

haben diesen Trend sehr begünstigt. Parallel dazu wächst das<br />

Bewusstsein hinsichtlich des nachhaltigen Bauens. Designer<br />

und Bauträger nutzen beispielsweise verstärkt Recycling, wählen<br />

länger haltbare und regenerative Materialien, setzen auf<br />

34


effizientere Isolierung und reduzieren die Umwelteinflüsse an<br />

Baustellen.<br />

Bau und Immobilien<br />

Höhensonne nutzen mit Photovoltaik-Anlagen<br />

2. Gebäude werden Energie-Selbstversorger<br />

Der nächste Level: Nachhaltige Gebäude, die Energie nicht nur<br />

hinzugewinnen, sondern vielmehr Energie-autark sind. Das ist<br />

sozusagen der Gold-Standard eines Green Buildings, bei dem<br />

von einem vollkommen klimafreundlichen Gebäude aufgrund<br />

nachhaltiger Architektur gesprochen werden kann. Das gelingt<br />

mit Photovoltaik-Zellen, die in eine Fassade eingefasst sind oder<br />

als transparente Module für Fenster sowie Oberlichter verwendet<br />

werden. Und Windkraftwerke auf Wolkenkratzern nutzen<br />

den dort vorherrschenden beinahe konstanten Luftstrom.<br />

Nachhaltige Technik: biologisch abbaubare<br />

High-Tech Nanomaterialien<br />

3. Kooperieren beim klimaneutralen Bau<br />

Selbstversorgende, nachhaltige Gebäude entstehen in Kooperation<br />

zwischen Industrie, Immobilienentwicklern und öffentlichen<br />

Forschungseinrichtungen, wie zum Beispiel dem<br />

Fraunhofer-Institut für Bauphysik. Auf dieser Basis konzipierte<br />

nachhaltige Gebäude übertreffen oftmals alle drei Grenzwerte<br />

für den LEED Platin-Status. Unter anderem durch die Integration<br />

erneuerbarer Energiequellen in die Gebäudestruktur, intelligente<br />

und sehr energieeffiziente Verteilungssysteme für<br />

Beheizung und Abkühlung sowie Vorrichtungen für natürliche<br />

Luftströme im Gebäude statt Klimaanlage.<br />

Energiewände: Große Außenwandflächen sind<br />

ein hervorragender Ort für Solarzellen<br />

4. Hochentwickelte nachhaltige Baustoffe<br />

Die Idee der Nachhaltigkeit hat alle Industrien erfasst und<br />

transformiert diese in High-Tech-Innovatoren. So auch die Bauindustrie.<br />

Relevant für die Entscheider bleibt jedoch stets der<br />

Kostenfaktor, vor allem bei kommerziell genutzten Gebäuden.<br />

Denn traditionelle Baumethoden sind meist weitaus günstiger.<br />

Wettbewerbsfähig bleiben grüne Bauunternehmen durch spannende<br />

Innovationen. Ein gutes Beispiel dafür sind Phasenwechselmaterialien<br />

für die Isolierung. Im Gegensatz zu herkömmlich<br />

dafür verwendeten Materialien, die den Strom von Wärme<br />

durch Lufttaschen und Fasermaterialien aufhält, absorbieren<br />

Phasenwechselmaterialien Wärme und geben sie wieder ab,<br />

indem sie zwischen flüssigem und festem Zustand alternieren.<br />

Eine andere erwähnenswerte Entwicklung sind biologisch abbaubare<br />

Materialien. Zwar sind recycelte Produkte ein guter<br />

Anfang, wahrhaft umweltfreundliche Materialien müssen jedoch<br />

aufgrund ihres natürlichen Ursprungs rückstandslos und<br />

schadstofffrei abbaubar sein. Beispiele dafür sind biologisch<br />

abbaubare Farben mit Milchproteinen, Calcium und natürliche<br />

Mineralien oder Isolations-Material aus Hanf.<br />

Nachhaltiges Bauen mit Holz<br />

Doch es müssen nicht immer neu entwickelte Materialien sein.<br />

So wie uns die Sonne ihr Licht liefert, gibt es in der Nähe fast<br />

jeder Baustelle Wälder. Holz als Baustoff ist gleich aus mehreren<br />

Gründen ideal für den Bau nachhaltiger Gebäude. Denn der<br />

nachwachsende Rohstoff ist währen seines Wachstums entscheidend<br />

für unsere Atemluft. Später im Bauwesen genutzt,<br />

hat Holz zahlreiche positive Effekte; allerdings vorausgesetzt,<br />

es stammt aus der einheimischen Waldwirtschaft, nur dann<br />

sind die Transportwege kurz.<br />

Vorteilhaft ist der geringe Energieaufwand für Bereitstellung<br />

und Aufbereitung des Materials. Vor allem: Wenn Holzprodukte<br />

am Ende ihrer Lebensdauer energetisch verwertet werden, können<br />

sie mehr klimaneutrale Energie liefern, als zur Herstellung<br />

verbraucht wurde. Holz ist flexibel einsetzbar, entweder massiv<br />

oder als Verbundwerkstoff. Es weist bei niedrigem Eigengewicht<br />

eine hohe Zug- sowie Druckfestigkeit auf und erlaubt<br />

den Bau hoch wärmedämmender Gebäudehüllen mit geringen<br />

Wandstärken. Echte Nachhaltigkeit fußt auf ökologischen Ma-<br />

Mittlerweile lassen sich 90 Prozent aller Netzwerkübergriffe auf Phishing zurückführen.<br />

<br />

35


Bau und Immobilien<br />

terialien, Langlebigkeit sowie Regionalität der Baustoffe – und<br />

führt letztlich neben oder gerade durch die ökologischen Faktoren<br />

zu mehr Wohngesundheit. So ist ein Haus zukunftsfähig<br />

und damit werthaltig.<br />

Grüne Bürogebäude: Großes Potenzial für Nachhaltigkeit<br />

im Bauwesen<br />

5. Die Zukunft für nachhaltiges Bauen<br />

Nachhaltiges Bauen zielt darauf ab, eine hohe ökologische Qualität<br />

durch angemessene Bauweisen sicherzustellen. Konventionelles<br />

Bauen ist durch große Energie- und Stoffströme geprägt.<br />

Nachhaltiges Bauen reduziert sehr bewusst die dadurch<br />

entstehenden negativen Effekte und schützt so das Ökosystem.<br />

Das hohe Innovations-Potenzial aller beteiligten Industrien begünstigt<br />

die positiven Effekte. Die Prinzipien des nachhaltigen<br />

Bauens sollten jedoch nicht nur bei Neubauten umgesetzt werden,<br />

sondern auch bei der Modernisierung im Bestand.<br />

Technologien für die saubere Energiegewinnung, leistungsfähige<br />

und abbaubare Materialien sowie High-Tech für die intelligente<br />

Gebäudesteuerung schützen nicht nur unseren Planeten,<br />

sondern – mit Weitsicht betrachtet – auch das Budget. Immer<br />

mehr Projektentwickler erkennen und schätzen beispielsweise<br />

die geringeren Lebenszykluskosten der nachhaltigen Gebäude.<br />

Bauherren, Betreiber und Nutzer: Sie profitieren von besserer<br />

Bauqualität, geringeren Betriebskosten, höheren Vermarktungschancen,<br />

geringerem Leerstand, höherem Marktwert und<br />

höheren Mieterträgen. Nicht zu vernachlässigen ist der positive<br />

Imagegewinn für Eigentümer und Nutzer.<br />

Nachhaltiges Bauen ist viel mehr als eine kurzfristige Mode.<br />

Unser Planet verlangt nach dieser Umbesinnung – und wir Menschen<br />

führen in nachhaltigen Gebäuden ein schöneres Leben.<br />

Apropos: Lesen Sie doch gleich weiter, welche positiven Effekte<br />

Dachbegrünung für Mensch und Umwelt hat.<br />

Singapur ist einer der Großinvestoren für nachhaltiges<br />

Bauen<br />

Soziokulturelle Aspekte<br />

Zusätzlich zu den ökologischen Aspekten des nachhaltigen<br />

Bauens sind die soziokulturellen Auswirkungen eines Gebäudes<br />

bedeutend. Denn ein Bauwerk ist stets im städtebaulichen bzw.<br />

landschaftsräumlichen Zusammenspiel zu betrachten. Auch<br />

andere, funktionale und den Menschen berührende Aspekte<br />

sollten bei der Planung berücksichtigt werden. Und: Bei baulichen<br />

Maßnahmen im Bestand ist ein denkmalpflegerischer Ansatz<br />

zu verfolgen.<br />

Zertifizierung nachhaltiger Gebäude<br />

Einer der Anbieter von Zertifizierungssystemen für nachhaltiges<br />

Bauen ist die „Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen<br />

– DGNB e.V.“. Sie bietet eine internationale Zertifizierung<br />

an, die der objektiven Beschreibung und Bewertung der Nachhaltigkeit<br />

von Gebäuden und Quartieren dient. Betrachtet wird<br />

hierfür der vollständige Gebäudelebenszyklus. Der Vorteil für<br />

36


37


Bau und Immobilien<br />

Seit 25 Jahren für Planen und Netze, auch<br />

bedruckt … und neu für die Sicherheit!<br />

Loyal Trade GmbH ist der Grosshandel für PE-Produkte, sowie bedruckte Textilund<br />

Kunststoffplanen. Für das Team um Unternehmer Thomas Feier sind - neben<br />

dem umfangreichen Sortiment - kompetente, persönliche Beratung in Sachen<br />

Material und Montage selbstverständlich.<br />

Schon ein viertel Jahrhundert ist die Dälliker Firma Loyal Trade<br />

GmbH im Geschäft mit hochwertigen Kunststoffnetzen, Planen<br />

und technischen Textilien in allen möglichen Ausführungen<br />

und Qualitäten.<br />

Bedruckte Gerüstschutznetze machen aus Rohbauten<br />

Hingucker<br />

Grossformatwerbung, Megaposter, Endlosbanden, Bühnenverkleidung<br />

oder raffinierte Mobile-Flags gehören ebenfalls zum<br />

attraktiven Programm. Oder wer’s noch spezieller will, kann<br />

zum Beispiel die zukünftige Gebäudegestaltung als Fassadenspiegelung<br />

auf Netz drucken lassen. Und immer noch aktuell<br />

die Polymesh-Bauzaunbanner. Natürlich auch bedruckt lieferbar.<br />

Full-Service-Angebot<br />

Von der Idee, über die Gestaltung und Ausführung, bis zur Einrichtung<br />

… auf Wunsch bekommen Sie alles aus einer Hand.<br />

Fragen Sie nach dem detaillierten Loyal Trade Full-Service-Angebot.<br />

Und im Bereich Arbeitssicherheit bieten die Dälliker das<br />

umfassende Beratungs- und Schulungs-Paket.<br />

PSAgA und kollektive Sicherheit – für Loyal Trade eine<br />

Herzensangelegenheit<br />

Seit einiger Zeit ist auch ein breites Programm an hochwertiger<br />

PSAgA-Ausrüstung (Persönliche Sicherheits-Ausrüstung gegen<br />

Absturz) lieferbar. Abgerundet wird das Sortiment mit allem<br />

was es zur Sicherung und Abschirmung von Mensch, Tier, Pflanzen<br />

oder Material vor allem für Bau, Industrie, Transport, Umwelt<br />

aber auch Landwirtschaft, Gartenbau sowie Sport/Freizeit<br />

benötigt.<br />

Gut investiert: Aluminium-Geländer, -Treppen und -Leitern<br />

für die Absturz-Sicherung<br />

Gerade dort wo’s einfach ist sollte man keine Kompromisse machen.<br />

Zum Beispiel bei Flachdach-Geländern oder auch bei Leitern<br />

und Überstiegen. Geeignete, hochwertige Produkte sind<br />

bei Loyal Trade schnell und preiswert verfügbar und schützen<br />

die Gesundheit oder gar das Leben.<br />

Für Flachdächer zum Beispiel gibt’s eine Vielzahl an attraktiven<br />

Lösungen, selbsttragend oder zur fixen Montage, attraktiv,<br />

leicht und stabil aus Aluminium.<br />

Die modularen Elemente lassen sich fast in jede Form bringen.<br />

38


Bau und Immobilien<br />

Übrigens! Loyal Trade schützt auch die Natur<br />

90% der Produkte werden aus wiederverwertbaren Rohstoffen<br />

hergestellt. Wir sind ständig im internationalen Kontakt um die<br />

neuesten Technologien in Sachen Anwendung, Qualität und<br />

Nachhaltigkeit für den Schweizer Markt zu recherchieren.<br />

Lieferung in die ganze Schweiz<br />

Und noch etwas: Das Programm der Loyal Trade Profis ist günstiger<br />

als Sie denken und vor allem sofort verfügbar. Standardprodukte<br />

werden sogar innert 24 Stunden in die ganze Schweiz<br />

geliefert! Lassen Sie sich positiv überraschen.<br />

Loyal Trade GmbH<br />

8108 Dällikon<br />

044 760 17 77<br />

loyaltrade.ch<br />

<br />

39


Mobilität<br />

Wir müssen alle Sektoren der<br />

Mobilität berücksichtigen<br />

Die 2018 lancierte Mobilitätsinitiative gewinnt zunehmend an Fahrt. Konstantinos<br />

Boulouchos, treibende Kraft hinter dem Vorhaben, erklärt, wie weit die Umsetzung<br />

fortgeschritten ist und in welche Richtung sich die Initiative entwickeln<br />

soll.<br />

Von: Felix Würsten<br />

Herr Boulouchos, Anfang 2018 hat die ETH Zürich zusammen<br />

mit den SBB die Lancierung einer gross angelegten<br />

Mobilitätsinitiative verkündet. Wie weit ist das Vorhaben inzwischen<br />

gediehen?<br />

Konstantinos Boulouchos: Es ist sehr viel passiert seither. Zu<br />

Beginn erhielten wir von den SBB eine Donation zur Anschubfinanzierung<br />

der Initiative über 10 Jahre hinweg. Inzwischen<br />

konnten wir weitere Partner gewinnen: Siemens ist seit 2019<br />

mit im Boot. Und dieses Jahr konnten wir mit der AMAG einen<br />

zusätzlichen Partner gewinnen. Zusammen mit dem Engagement<br />

einer Privatperson wurden mittlerweile insgesamt 18<br />

Mio. Franken an Donationen eingebracht. Davon konnten über<br />

10 neue Forschungsprojekte mit je knapp 3 Mio. Franken von<br />

der Initiative und durch Eigenmittel finanziert werden.<br />

Die zwölf bisher bewilligten Projekte betreffen in erster Linie<br />

den Schienenverkehr. Warum diese Fokussierung?<br />

Dass der Schienenverkehr bislang im Vordergrund steht, hängt<br />

damit zusammen, dass die SBB bisher der grösste Partner sind.<br />

Wir streben aber einen breiteren Ansatz an und wollen alle Sektoren<br />

der Mobilität berücksichtigen. Mit der AMAG haben wir<br />

nun einen starken Partner aus dem Bereich Strassenverkehr<br />

dabei, so dass das Spektrum der verschiedenen Mobilitätsformen<br />

nun breiter abgedeckt ist. Mittelfristig möchten wir auch<br />

die Luftfahrt und wenn möglich die Schifffahrt einbeziehen. Die<br />

Schweiz ist zwar ein Binnenland, aber es gibt hierzulande viele<br />

Firmen, die in diesem Bereich tätig sind.<br />

Wie bringen Sie die Interessen von so unterschiedlichen<br />

Partnern zusammen?<br />

Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Unsere Industriepartner<br />

sind natürlich in erster Linie interessiert, ihre Probleme von<br />

heute zu lösen. Wir müssen daher aufpassen, dass wir nicht in<br />

der betriebswirtschaftlichen Sichtweise stecken bleiben. Als<br />

ETH-Forschende sind wir an der längerfristigen Perspektive interessiert,<br />

an den grundlegenden Problemen.<br />

Was heisst das konkret?<br />

Es gibt drei zentrale Themen, die alle Bereiche der Mobilität betreffen.<br />

Das erste Thema ist die Dekarbonisierung: Wir müssen<br />

das Verkehrssystem klimafreundlicher machen, indem wir die<br />

fossilen Treibhausgasemissionen möglichst stark reduzieren.<br />

Das zweite Thema ist die Digitalisierung, die auch die Mobilität<br />

grundlegend verändern wird. Und das dritte grosse Thema<br />

ist die Planung der Infrastruktur. Wir stossen überall an Kapazitätsgrenzen<br />

und müssen das Verkehrssystem als Ganzes<br />

optimieren. Die breite Fachexpertise der ETH, kombiniert mit<br />

wichtigen Impulsen aus der Praxis, eröffnet das Potenzial, eine<br />

führende Position auf diesem Gebiet einzunehmen.<br />

Sie sind als Forscher gleichzeitig auch noch im nationalen<br />

Kompetenzzentrum SCCER Mobility engagiert. Wie spielen<br />

die beiden Plattformen zusammen?<br />

Das SCCER Mobility ist grundsätzlich ein anderes Vehikel. Es<br />

handelt sich um ein nationales Kompetenzzentrum, an dem sich<br />

Gruppen aus verschiedenen Hochschulen beteiligen. Allerdings<br />

läuft dieses Zentrum Ende Jahr nach sieben Jahren aus. Mit der<br />

Mobilitätsinitiative möchten wir das Netzwerk erhalten, das wir<br />

innerhalb der ETH aufgebaut haben, und in den zukunftsträchtigen<br />

Bereichen ausbauen. Zudem planen wir ein neues Kompetenzzentrum<br />

für Mobilität.<br />

Warum braucht die ETH ein solches Zentrum?<br />

Es geht nicht nur darum, Forschungsprojekte zu lancieren. Es<br />

braucht auch neue Angebote in der Lehre und neue Professuren.<br />

Und wir müssen unbedingt den Outreach stärken, also der<br />

Öffentlichkeit, der Verwaltung, der Politik und der Industrie ver-<br />

40


Mobilität<br />

mitteln, was heute Stand der wissenschaftlichen Forschung ist.<br />

Wie ist eigentlich die Resonanz innerhalb der ETH? Da die Projekte<br />

bisher eher auf den Schienenverkehr ausgerichtet waren,<br />

haben sich vor allem Forschende aus dem Departement Bau,<br />

Umwelt und Geomatik sowie aus dem Departement Maschinenbau<br />

und Verfahrenstechnik, die sich mit Energiebereitstellung,<br />

Digitalisierung und Robotik befassen, engagiert. Wir sind aber<br />

daran, vermehrt Forschende aus der Elektrotechnik und der<br />

Informatik stärker einzubeziehen, ebenso wie Wissenschaftler<br />

aus den Departementen Management, Technologie und Ökonomie<br />

sowie Umweltwissenschaften. Ich hoffe, dass wir in Zukunft<br />

auch grössere und interdisziplinäre Projekte realisieren<br />

können, an denen sich dann vier oder fünf unterschiedliche<br />

Forschungsgruppen beteiligen. Das Potenzial dazu wäre an der<br />

ETH vorhanden.<br />

Aber noch sind wir nicht soweit.<br />

Eine solche Initiative aufzubauen braucht viel Zeit, das darf man<br />

nicht unterschätzen. Bis man mit einem Partner einen Vertrag<br />

unterzeichnen kann, vergehen in der Regel einige Jahre.<br />

Die gegenwärtige Krise macht die Suche nach neuen Partnern<br />

wohl nicht einfacher, gerade im Bereich Luftfahrt. Das ist so. Gemeinsam<br />

mit der ETH Foundation engagieren wir uns, neue Partner<br />

an Bord zu holen. Vor der Corona-Krise sahen wir, dass die Industrie<br />

durchaus grosses Interesse an unserer Initiative hat. Das<br />

kohlenstoffarme Fliegen stellt die Branche vor eine grosse Herausforderung,<br />

nicht nur die Fluggesellschaften, sondern auch die<br />

Flugzeugbauer, die Flughäfen und alle anderen Akteure. Trotz<br />

der gegenwärtig schwierigen Lage der Industrie sind wir zuversichtlich,<br />

dass wir Partner aus weiteren Sektoren des Mobilitätssystems<br />

für spannende Forschungsarbeiten gewinnen werden.<br />

Die Mobilitätsinitiative der ETH Zürich<br />

Anfang 2018 hat die ETH Zürich zusammen mit den Schweizerischen<br />

Bundesbahnen (SBB) eine langfristig angelegte Mobilitätsinitiative<br />

lanciert. Nachdem 2019 Siemens hinzukam,<br />

konnte 2020 die AMAG Group AG als erster Partner aus der<br />

Automobilbranche gewonnen werden. Die formelle Vertragsunterzeichnung<br />

fand am 9. November 2020 statt.<br />

Mit der Mobilitätsinitiative werden bisher vor allem Forschungsprojekte<br />

auf Doktoranden- und Postdoktorandenebene unterstützt.<br />

Die Projekte zielen beispielsweise darauf ab, Diagnoseinstrumente<br />

zu entwickeln, die man zur Überwachung der<br />

Bahnanlage in regulären Zügen einsetzen kann, oder untersuchen<br />

das Zusammenwirken von Schiene und Rad, um die Abnützung<br />

an den Fahrzeugen besser voraussagen zu können.<br />

Auch grundsätzliche Aspekte werden untersucht, zum Beispiel<br />

wie sich der Güterverkehr klimafreundlicher gestalten lässt.<br />

Andere Projekte wiederum erforschen, wie man mit Hilfe von<br />

künstlicher Intelligenz oder mit Fernerkundungsmethoden<br />

Schäden an der Infrastruktur frühzeitig erkennen kann oder<br />

welche Folgen sich ergeben, wenn man Photovoltaikanlagen<br />

und Ladestationen für Elektroautos an das Stromnetz der Bahn<br />

anschliesst.<br />

Konstantinos Boulouchos ist<br />

Professor für Energietechnik<br />

und Leiter des Laboratoriums<br />

für Aerothermochemie und<br />

Verbrennungssysteme. Er war<br />

Gründungsdirektor des Energy<br />

Science Center (ESC) an der ETH<br />

Zürich und leitet heute das Swiss<br />

Competence Center for Energy<br />

Research – Efficient Technologies<br />

and Systems for Mobility (SCCER Mobiltity). Zudem ist<br />

der Präsident der Energiekommission der Schweizer Akademien<br />

der Wissenschaften.<br />

<br />

41


Mobilität<br />

Elektroautos 2021: Das sind die<br />

9 Top Neuheuten des Jahres<br />

Tesla hat es vorgemacht: Die dürftige Reichweite bei Elektroautos gehört der Vergangenheit<br />

an. Hersteller wie BMW, Mercedes, VW und Co. bauen immer reichweitenstärkere<br />

Fahrzeuge, mit spannenden Innovationen. Ob mit grosser oder doch weniger Reichweite<br />

- die Elektorautos 2021 sind vielversprechend.<br />

Ein kleines Highlight: 2021 kommt der Neue Fiat 500 mit einer<br />

Cabrio-Ausführung auf den Markt. Foto: © Fiat<br />

Das Jahr 2021 beschert uns in Sachen Elektroautos vielversprechende<br />

Neuheiten. Von absolut erschwinglich bis zum Highend<br />

Luxus-E-Auto und vom familienfreundlichen Mini-SUV bis zum<br />

sportlichen Flitzer sind jegliche Bedürfnisse der Kunden Abgedeckt.<br />

Das sind die Top Favoriten der Elektroautos 2021.<br />

Ab 77‘600 CHF, dann bereits mit reichhaltiger Serienausstattung<br />

aber ohne Allradantrieb, rollt das E-Auto mit seinen 286 PS<br />

elektrischer Leistung aus dem Autohaus. Voll geladen schafft es<br />

die Neuheit mit 74 kWh-Akku auf eine Reichweite von bis zu 460<br />

km. Ende 2020 können interessierte Käufer das Auto auf bmw.<br />

ch bereits konfigurieren.<br />

Weitere elektrische Neuheiten aus dem Hause BMW sind geplant.<br />

So kommt ein neuer BMW i4 (Reiselimousine), das Top-<br />

Modell iNext (E-SUV der Luxusklasse) und ein i1 (Einsteigermodell<br />

in die E-Kompaktklasse) im Jahr 2021 voraussichtlich auf<br />

den Markt. BMW startet damit mit seiner angekündigten Offensive<br />

für neue Elektroautos.<br />

1BMW iX3: Stromgetriebener Bruder des Erfolgsmodells<br />

Der Kompakt-SUV BMW X3 nimmt seit Jahren eine Top 5-Position<br />

bei den Zulassungen ein. Kein Wunder ist das Fahrzeug<br />

beliebt: Nicht zu gross, nicht zu klein, dennoch alltags-, familien-<br />

und freizeittauglich mit dem gewissen Überblick über<br />

den Strassenverkehr. Mit der elektrisch angetriebenen Neuheit<br />

BMW iX3 will der Konzern nun Anfang des Jahres 2021 an den<br />

Erfolg des Volumenmodells im Elektrobereich anknüpfen. Aussichten?<br />

Zwar war der direkte Konkurrent Audi mit dem Strom-<br />

SUV e-tron (Reichweite bereits 500 km) zwei Jahre schneller,<br />

dennoch sind die Erfolgsaussichten für den Elektro-SUV gut.<br />

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Der BMW iX3 kommt auf eine Reichweite von bis zu 460 km.<br />

Foto: © BMW<br />

Die angepeilte Zielgruppe ist gross und nicht zuletzt durch den<br />

Erfolg des BMW i3 hat der bayrische Autobauer seine Elektrokompetenz<br />

bereits unter Beweis gestellt.<br />

2. Einmaliges Highlight? Der sich selbst ladende Sion<br />

Nachhaltigkeit haben sich die Gründer des Münchner Start-<br />

Ups Sono Motors auf die Fahne geschrieben. Dafür steht auch<br />

die Entwicklung der Neuheit Sion. Der ab September 2021 in<br />

Schweden produzierte Stromer ist die einzige Elektroauto-Neuheit,<br />

die zumindest für Kurzstrecken nicht aufgeladen werden<br />

müsste, da sie ihre eigene Stromversorgung an Bord hat.<br />

Der Sion lädt sich für Kurzstrecken mit Solarstrom auf. Foto: ©<br />

Sono Motors GmbH<br />

Die Entwickler haben die komplette Karosserie mit Solarzellen<br />

überzogen, was die CO2-Emissionen des E-Autos im Vergleich<br />

zur Konkurrenz nochmals drückt. Drücken kann, sollte es besser<br />

heissen. Denn die Selbstaufladung funktioniert nur, wenn<br />

42


Mobilität<br />

die Sonne scheint, wenn die Strecke von etwa April bis September<br />

bei maximal 34 km oder im Winter bei lediglich zehn Kilometern<br />

liegt. Dies sind die angegebenen Reichweiten, wenn sich<br />

der Sion für einen Tag im Freien selbst aufladen kann.<br />

An der Steckdose geladen kommt das E-Auto von Sono Motors<br />

mit seinem 120 Kilowatt/163 PS leistenden E-Motor und einer<br />

35 kWh starken Batterie auf eine Reichweite von bis zu 250 km<br />

und ist damit ein Favorit für Arbeits-Pendler.<br />

3Highlight Model Y: Nachfolger des Erfolgs-Stromer<br />

Tesla Model 3<br />

Die Zahlen der Neuzulassungen von Elektroautos steigen deutlich<br />

und der gesamte Anteil an Fahrzeugen mit alternativen Antrieben<br />

lag im ersten Halbjahr 2020 bei 21,6 Prozent (1. Hj. 2019:<br />

10,4 Prozent). Eine dominante Rolle nimmt hier der Tesla Model<br />

3 ein, von dem bis und mit Oktober 2020 laut Auto Swiss 3134<br />

Fahrzeuge zugelassen wurden. Damit ist er das drittbeliebteste<br />

Auto in der aktuellen Zulassungsstatistik. Lediglich geschlagen<br />

vom VW Tiguan (3466) und dem Skoda Octavia (5082).<br />

Das Model Y von Tesla gibt‘s ab 67‘300 Franken. Foto: © Tesla<br />

Nun startet Anfang 2021 mit dem Model Y die Serienproduktion<br />

eines weiteren Teslas. Das neue Tesla Model ist ein Elektro-SUV,<br />

der auf dem Model 3 basiert, allerdings zehn Prozent grösser<br />

ist und bis zu sieben Passagiere an Bord nehmen kann. Auf den<br />

ersten Blick erinnert das Design des Model Y dank dem kuppelförmigen<br />

Dach und einer stark abgeflachten Motorhaube an<br />

den ersten VW New Beetle. Je nach Ausstattung liegt die Leistung<br />

zwischen 266 und 443 PS oder 199 und 331 KW. Die Reichweite<br />

liegt dabei zwischen 480 und 505 km. Werte wie man sie<br />

bei Tesla gewöhnt ist. Ob sie für Schweizer Strassen nötig sind,<br />

das ist eine andere Frage.<br />

Das Model Y von Tesla gibt es ab einem Preis von 58‘620 Euro,<br />

umgerechnet etwa 67‘300 CHF.<br />

Zum Vergleich: Der Startpreis des Model 3 mit 325 - 510 PS oder<br />

239 - 377 KW liegt bei 44‘990 CHF, in der Topausstattung bei<br />

59‘990 CHF.<br />

4. Günstigstes Elektroauto am Markt: Dacia Spring Electric<br />

Mit dem Spring Electric bringt Dacia Anfang 2021 einen Mini<br />

E-SUV auf den Markt, der mit drei Varianten und einem attraktiven<br />

Preis punktet. Der angedachte Preis in der Basisversion<br />

Elektro-SUV soll unter 20‘000 CHF liegen. Eine Kampfansage,<br />

die aber auch nur möglich ist durch sein kleines Aggregat (22<br />

KW/44 PS) und dem weitgehenden Verzicht - ganz Dacia-typisch<br />

- auf allzu viel High-Tech.<br />

Der Mini-SUV Dacia Spring Electric soll bereits ab 20‘000 Franken<br />

erhältlich sein. Foto: © Dacia<br />

Wen das nicht stört, der bekommt mit dem neuen Modell aus<br />

Rumänien einen fünftürigen Viersitzer mit 300 L Kofferraumvolumen,<br />

der eine Reichweite von 225 km beziehungsweise<br />

295 km (im Stadtverkehr) schafft. Diese Reichweite kann noch<br />

etwas gesteigert werden, denn im wählbaren Eco-Modus kommen<br />

weitere zehn Prozent Reichweite hinzu. Die Motorleistung<br />

wird damit auf 31 PS reduziert und die Maximalgeschwindigkeit<br />

sinkt dann von 125 Km/h auf 100 Km/h.<br />

Die Varianten des Fahrzeugs sehen eine Endverbraucher-Version<br />

vor, eine spezielle Car-Sharing-Variante und eine ‚Cargo‘-<br />

Ausführung. Letztere bietet lediglich zwei Sitze, dafür aber 800<br />

L Ladevolumen bei einer Zuladung von maximal 375 Kg. Das<br />

Fahrzeug ist als günstige Variante für den Nahlieferverkehr<br />

ohne CO2-Emissionen und Feinstaubbelastung gedacht.<br />

5. Neuer Fiat 500 ausschliesslich elektrisch<br />

Während der ‚alte‘ 500er Fiat weitergebaut wird, kommt ein<br />

überarbeitetes, geringfügig gewachsenes Modell auf den<br />

Markt, das rein elektrisch fährt und schlicht der Neue Fiat 500<br />

heisst. Es wirkt erwachsener, eher etwas maskuliner, und hat für<br />

seine Klasse jede Menge technische Features wie eine 360-Grad<br />

Kamera. Das Design wurde mit dem ‚Red Dot Award 2020‘ ausgezeichnet.<br />

Wahlweise als Faltdach-Cabrio kommt der schicke und flotte<br />

Kleinwagen mit 117 PS Leistung und einem 42 kWh-Speicher<br />

2021 in die Autohäuser und fährt mit vollem Akku immerhin 320<br />

km. Fast schon langstreckentauglich wird er durch den serienmässigen<br />

85 kW-Lader, der das Fahrzeug an entsprechender<br />

Ladestation in zehn Minuten für immerhin 100 km Reichweite<br />

wieder auflädt. An normalen Ladesäulen benötigt die Batterie<br />

vier Stunden für eine Füllung auf 100 Prozent. Cool: Den als<br />

Doppeltürer mit Heckklappe erhältlichen Fiat gibt es auch in<br />

einer 3 + 1-Version. Diesem wurde an der Beifahrerseite eine<br />

weitere, entgegengesetzt öffnende kleine Tür spendiert.<br />

Der Preis für die Schweiz ist noch nicht veröffentlicht. In<br />

Deutschland startet er mit knapp unter 30.000 Euro, entspricht<br />

etwa CHF 32.000.<br />

<br />

43


44


Digitalisierung<br />

Phishing-Mails erkennen und abwehren<br />

Mit gefälschten Mails verschaffen sich Cyberkriminelle immer wieder Zugang zu<br />

Firmennetzwerken. Wie Unternehmen durch eine Phishing Simulation das Knowhow<br />

ihrer Angestellten in puncto IT-Sicherheit messen und das Bewusstsein für<br />

Cyberrisiken entscheidend verbessern können, erklärt Cornelia Lehle, Sales Director<br />

G DATA Schweiz, im Interview.<br />

Wie sieht die Bedrohungslage für Unternehmen zurzeit aus?<br />

Cornelia Lehle: In den ersten Monaten dieses Jahres ist die<br />

Zahl der Angriffsversuche stark gestiegen. Das hängt sicherlich<br />

auch direkt mit der Corona-Pandemie zusammen. Cyberkriminelle<br />

nutzten gerade zu Beginn der Krise die Verunsicherung<br />

der Menschen aus und verschickten massenhaft Mails mit<br />

einem direkten Bezug zu COVID-19. Angehängt waren aber<br />

Dateien mit Schadsoftware oder der enthaltene Link führte<br />

zu einer präparierten Webseite, mit dem Ziel Login-Daten<br />

abzugreifen und diese zu verkaufen. Gleichzeitig spielte den<br />

Angreifern auch der Trend in die Karten, dass viele Angestellte<br />

im Homeoffice gearbeitet haben oder es immer noch tun.<br />

Unternehmen konnten ihren Mitarbeitern im Homeoffice aber<br />

unter dem gebotenen Zeitdruck keine ausreichend gesicherte<br />

Infrastruktur zur Verfügung stellen. Die Komplexität der Netzwerke<br />

hat durch Homeoffice noch einmal zugenommen, die<br />

IT-Sicherheit ist aber nicht im gleichen Masse mitgewachsen.<br />

Warum sind Cyberattacken auf Unternehmen heute immer<br />

noch so erfolgreich?<br />

Cornelia Lehle: Natürlich erkennen technische Sicherheitslösungen<br />

einen Grossteil der Angriffsversuche und verhindern<br />

den externen Zugriff von Angreifern. Kriminelle Hacker sind<br />

heutzutage aber wirtschaftlich orientiert und wollen mit wenig<br />

Aufwand einen maximalen Profit erzielen. Daher suchen sie immer<br />

den Weg des geringsten Widerstands, um ans Ziel zu kommen.<br />

Das sind natürlich technische Sicherheitslücken wie etwa<br />

ein nicht installiertes Software-Update oder ein unzureichend<br />

gesicherter RDP-Zugang mit einem zu einfachen Passwort. In<br />

der Realität ist leider oft der Mitarbeiter das schwächste Glied<br />

in der Kette. Da reicht ein falscher Klick in einer Mail auf den Anhang<br />

oder einen Link und schon haben Angreifer Zugriff auf das<br />

Netzwerk. Es ist dann nur noch eine Frage der Zeit, bis sie die<br />

Kontrolle übernehmen und Daten kopieren oder verschlüsseln,<br />

um Lösegeld zu erpressen.<br />

46


Digitalisierung<br />

Was müssen Unternehmen machen, um ihre Mitarbeiter für<br />

das Thema IT-Sicherheit zu sensibilisieren?<br />

Cornelia Lehle: In unserem Berufsalltag, aber auch im privaten<br />

Leben sind viele Prozesse vollautomatisiert und IT-gestützt.<br />

Eine sichere Versorgung mit digitalen Informationen ist mittlerweile<br />

genauso wichtig, wie die Versorgung mit Strom oder<br />

Wasser. Aber bei dem Thema IT-Sicherheit<br />

verschliessen Vorstände, Geschäftsführer<br />

und Angestellte immer<br />

noch die Augen. So setzen sehr viele<br />

Angestellte leicht zu merkende Passwörter<br />

für die IT-Benutzerkonten ein,<br />

doch einfache Kennwörter lassen sich<br />

sehr schnell knacken. Wenn Angreifer<br />

an die Login-Daten eines IT-Administrators<br />

gelangen, haben sie nahezu unbehelligt<br />

ihr Ziel schnell erreicht und<br />

können im Firmennetzwerk agieren.<br />

Warum fallen Menschen immer noch<br />

auf Phishing-Nachrichten herein?<br />

Cornelia Lehle: Cyberkriminelle verfolgen<br />

beim Phishing ein klares Ziel.<br />

Sie verleiten ihr Opfer dazu, vertrauliche Informationen wie<br />

etwa Login-Daten preiszugeben, auf einen Link zu klicken oder<br />

einen Mailanhang zu öffnen. So erhalten die Angreifer am Ende<br />

Zugriff auf das Netzwerk oder können die Systeme mit Schadsoftware<br />

infizieren. Dabei nutzen sie das menschliche Verhalten<br />

konsequent aus. Hilfsbereitschaft, Neugier oder Gier spielen<br />

ihnen dabei in die Karten. Im Unternehmensumfeld gehört der<br />

Umgang mit Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen oder<br />

Rechnungen zur Tagesordnung. Angreifer nutzen den gewohnten<br />

Umgang mit diesen Mails aus, da Mitarbeiter bei Routinearbeiten<br />

schneller unaufmerksam sind. Immer wieder bauen<br />

die Angreifer in den Mails Zeitdruck auf, um die Opfer zum raschen<br />

und unüberlegten Handeln zu zwingen. Es werden also<br />

sehr menschliche Eigenschaften ausgenutzt. Wenn ein Mitarbeiter<br />

erstmal davon überzeugt ist, dass er aus legitimen Gründen<br />

beispielsweise auf einer Webseite sein Passwort eingeben<br />

soll, können auch gute technische Sicherheitsmassnahmen wie<br />

Zwei-Faktor-Authentifizierung umgangen<br />

werden. Phishing wird immer<br />

raffinierter – zwar landen weiterhin<br />

unzählige Massenmails in den Postfächern,<br />

aber die Gefahr durch gezielte<br />

Attacken hat zugenommen. Dazu<br />

spähen die Angreifer in Sozialen Medien<br />

oder auf der Firmen-Homepage<br />

ihr Opfer aus und erstellen darauf<br />

aufbauend eine massgeschneiderte<br />

Phishing-Mail. In dieser nehmen sie<br />

etwa auf eine Veranstaltung Bezug,<br />

die ein Mitarbeiter besucht hat. Solche<br />

so genannten Spear-Phishing-<br />

Mails sind von echten Nachrichten<br />

kaum zu unterscheiden. Wenn sie mit<br />

Hilfe von Malware, wie etwa Emotet,<br />

bestehende E-Mail-Verläufe auslesen<br />

und Mails von innerhalb der Organisation mit einem infizierten<br />

Anhang verschicken, wird es noch schwieriger, diese zu erkennen.<br />

Hier braucht es schon eine AV-Lösung, die auf dem neuesten<br />

Stand ist. Hinzu kommt: Über diesen Weg greifen Cyberkriminelle<br />

auch weitere Opfer an.<br />

Gibt es typische Kennzeichen für eine Phishing-Mail?<br />

Cornelia Lehle: Das hängt viel von der Art des Angriffs ab und<br />

reicht von Massen-Spam mit mehreren tausend Empfängern,<br />

bis hin zu gezieltem Spear-Phishing. Bei einfachen Phishing-<br />

Mails fehlt beispielsweise die direkte Anrede. Die Nachricht<br />

enthält massive Rechtschreib- und Grammatikfehler oder ist in<br />

ihrer Argumentation nicht schlüssig. Ein anderes Erkennungsmerkmal<br />

ist auch der Absender. Zwar lässt sich dieser Name<br />

ändern, aber bei genauem Hinsehen ist häufig eine gefälschte<br />

E-Mail-Adresse dahinter verborgen. Wenn aber die Angreifer<br />

bereits einen anderen Account gekapert haben und von dort<br />

Mails verschicken, ist es sehr schwer, dies zu erkennen. Wer eine<br />

verdächtige E-Mail erhält, sollte immer die Legitimität hinterfragen<br />

und im Notfall den Absender anrufen oder den zuständigen<br />

IT-Mitarbeiter um Hilfe bitten.<br />

Wer beispielsweise eine Mail von einem sozialen Netzwerk über<br />

eine neue Kontaktanfrage erhält, die einem komisch vorkommt,<br />

sollte den Link in der Mail nicht anklicken, sondern die Webseite<br />

direkt besuchen. Eine legitime Kontaktanfrage wird auch dort<br />

angezeigt und Anwender umgehen so das Risiko, auf eine Phishing-Webseite<br />

reinzufallen.<br />

Wie können Unternehmen dafür sorgen, dass ihre Angestellten<br />

zukünftig keine Phishing-Mails anklicken?<br />

Cornelia Lehle: Unternehmen müssen IT-Sicherheit ganzheitlich<br />

betrachten. Neben technischen Sicherheitsmassnahmen<br />

sollten Mitarbeiter zum Bestandteil der Verteidigungsstrategie<br />

werden. Hier reicht ein Schulungsvideo, mit dem Mitarbeiter<br />

über Phishings-Mails und andere Cybergefahren informiert<br />

werden, nicht aus. Auch eine zweitägige Präsenzschulung greift<br />

auf Dauer zu kurz. Das Bewusstsein der Angestellten für IT-Sicherheitsrisiken<br />

zu schärfen, ist ein langfristiger Prozess. Das<br />

geht aus meiner Sicht nur mit Hilfe von umfangreichen Security<br />

Awareness Trainings. Wenn sich die Angestellten der Risi-<br />

<br />

47


ken bewusst sind, handeln sie vorsichtiger und gehen kritischer<br />

mit Mails um. Gleichzeitig haben sie dann auch Verständnis für<br />

Passwort-Vorgaben und andere sicherheitsrelevante Themen.<br />

So wird kein Mitarbeiter einen unbekannten USB-Stick ungeprüft<br />

an seinem Rechner anschliessen.<br />

Welchen Beitrag leisten<br />

Phishing-Simulationen<br />

im Rahmen eines Security<br />

Awareness Trainings?<br />

Cornelia Lehle: Bei Phishing-Simulationen<br />

können<br />

Angestellte auf spielerische<br />

Weise Erfahrungen<br />

mit gefährlichen Mails<br />

sammeln. Es versetzt sie<br />

in die Lage, routinierter<br />

mit Phishing umzugehen<br />

und steigert ihr Selbstbewusstsein.<br />

Die Unternehmen<br />

können mit einer<br />

Simulation außerdem den<br />

Status der IT-Sicherheit<br />

messen. Ein Reporting zeigt dem Verantwortlichen, ob und wie<br />

viele Mitarbeiter eine gefährliche Mail geöffnet und sogar den<br />

enthaltenen Link angeklickt haben. Damit ist klar, wie gross<br />

der Handlungsbedarf ist und an welcher Stelle dieser besteht.<br />

Anschliessend sollten Firmen ein Security Awareness Training<br />

durchführen, um das Bewusstsein der Mitarbeiter für Cybergefahren<br />

nachhaltig zu verbessern und Wissen aufzubauen. Wer<br />

dann noch eine weitere Phishing-Simulation durchführt, kann<br />

sehen, wie sich das Sicherheitsniveau im Unternehmen verbessert<br />

hat. Natürlich ist das ein kontinuierlicher Prozess.<br />

Wie sollte eine Phishing-Simulation ablaufen?<br />

Cornelia Lehle: Idealerweise sollte die Übung drei bis vier Wochen<br />

dauern.<br />

Die Phishing-Mails sollten dabei verschiedene Schwierigkeitsstufen<br />

abdecken und auch die zeitliche Komponente, also die<br />

Zeit des Versands sollte variieren. Denn die Aufmerksamkeit<br />

der Mitarbeiter ist nicht konstant. So ist mancher Angestellter<br />

in Vorfreude auf den Feierabend oder das Wochenende nicht<br />

mehr so aufmerksam, wie zu Beginn des Arbeitstages. Ich bin<br />

mir ziemlich sicher, dass jeder Mitarbeiter auf mindestens eine<br />

Mail hereinfällt. Aber genau aus diesem Fehler lernen sie am<br />

meisten.<br />

Welche Dinge sollten Unternehmen beachten, wenn sie eine<br />

Phishing-Simulation durchführen wollen?<br />

Cornelia Lehle: Natürlich müssen Firmen die arbeitsrechtlichen<br />

Rahmenbedingungen erfüllen. Aus meiner Sicht ist aber ein anderer<br />

Punkt viel entscheidender: Für eine Phishing Simulation<br />

braucht es einen passenden Rahmen. Dazu gehört beispielsweise<br />

ein Meldeprozess für verdächtige Mails. Im Verdachtsfall<br />

sollten verdächtige Nachrichten nicht einfach gelöscht, sondern<br />

überprüft werden. Dann können die IT-Sicherheitsverantwortlichen<br />

umgehend Massnahmen einleiten, wenn sich der Verdacht<br />

bestätigt. Dazu gehört etwa die Anpassung der eingesetzten<br />

Spam-Filter, damit diese Mails direkt blockiert werden. Zudem<br />

bedarf es auch einer Firmenkultur, die Mitarbeiter schützt, die<br />

auf eine Phishing-Mail hereingefallen sind. Nur wer offen über<br />

dieses Verhalten spricht und es nicht sanktioniert, schafft innerhalb<br />

der Belegschaft ein Bewusstsein für das bestehende Risiko.<br />

Ein Mitarbeiter, der auf einen Phishing-Angriff hereingefallen<br />

ist, sollte dies offen ansprechen können.<br />

48


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Business Impact Analyse –<br />

Genügend vorbereitet auf einen Notfall<br />

Gerade in Krisenzeiten wird die Wichtigkeit einer guten Vorbereitung erkennbar.<br />

Tritt eine Krise oder ein grösseres negatives Ereignis ein, gilt es schnell zu reagieren.<br />

Zu diesem Zeitpunkt ist es aber zu spät, sich mit allen notwendigen Schritten<br />

im Detail auseinanderzusetzen.<br />

Nun muss reagiert und nicht mehr diskutiert werden. Die Business<br />

Impact Analyse zeigt im Vorfeld, auf was der Fokus bei<br />

einem solchen Ereignis gelegt werden muss und welche Massnahmen<br />

zur Reduktion der Folgen ergriffen werden müssen.<br />

Das Krisenmanagement ist unabhängig von Unternehmensprozessen<br />

und das Ziel besteht darin, Menschen zu retten (z.B. Gebäude-Evakuation<br />

in der Schadensbegrenzung (Umwelt /Sachwerte)<br />

sowie eine Krisensituation generell zu bearbeiten.<br />

Auch die Betreuung von Mitarbeitern und gegebenenfalls Angehörigen<br />

sowie der richtige Umgang mit den Medien sind klassische<br />

Aufgaben des Krisenmanagements.<br />

Gemäss ISO 22301 (Sicherheit und Ausfallsicherheit - Business<br />

Continuity Management-Systeme) und BSI 100-4 (Notfallmanagement)<br />

des Deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik<br />

sieht das Vorgehen bei der Einführung und<br />

beim Betrieb eines BCM wie folgt aus:<br />

1. Eigene Organisation (Struktur und Prozesse) verstehen<br />

(mittels Business Impact Analyse)<br />

2. BCM-Strategie entwickeln<br />

3. Reaktionsmassnahmen und Notfallpläne entwickeln<br />

und implementieren<br />

4. BCM-Übungen durchführen<br />

5. Reaktionsmassnahmen und Notfallpläne überprüfen<br />

und weiterentwickeln<br />

Im nachfolgenden wird der erste Punkt, die Business Impact<br />

Analyse (BIA), im Detail angeschaut. Diese dient dazu, kritische<br />

Prozesse zu identifizieren und zu bewerten. Dabei werden Pro-<br />

50 <br />

zesse mit hohem Einfluss auf andere Prozesse und auch Abhängigkeiten<br />

von Prozessen untereinander erfasst.<br />

In einem ersten Schritt werden die Prozesse in einem Unternehmen<br />

angeschaut. Dabei ist wichtig, diese zuerst ohne Bewertung<br />

oder grosse Diskussionen anzuschauen.<br />

Auch eher triviale Prozesse, wie den Briefkasten leeren, gehören<br />

da dazu. Gleichzeitig wird erfasst, ob Prozesse von anderen<br />

Prozessen abhängig sind.<br />

Erst wenn alle erfasst sind, werden in den Prozessen auch die<br />

beiden Werte RPO und RTO bestimmt.<br />

• RTO (Recovery Time Objective): Wie lange darf ein Geschäftsprozess/System<br />

ausfallen? Es ist also der Zeitbedarf,<br />

der vom Zeitpunkt des Schadens bis zur vollständigen<br />

Wiederherstellung der Geschäftsprozesse<br />

reicht.<br />

• RPO (Recovery Point Objective): Welcher Datenverlust<br />

kann in Kauf genommen werden? Dies gibt den maxmalen<br />

Zeitraum an, der zwischen zwei Datensicherungen<br />

liegen darf.<br />

RPO und RTO im zeitlichen Ablauf (Tabelle 1):<br />

Prozessname Beschreibung RPO RTO<br />

Verkauf von Dienstleistungen Prozess umfasst das Bereitstellen von<br />

1 Tag 2 Tage<br />

Dienstleistungen und deren Vermarktung<br />

Mitarbeiter-Rekrutierung Prozess umfasst alle Schritte vom ersten Gespräch<br />

bis zur Einstellung<br />

2 Tage 1 Woche<br />

Im zweiten Schritt werden die verarbeiteten Daten angeschaut.<br />

Dies Daten können Kundendaten, Beschreibung technische Vertraulichkeit (C) Dokumente Integrität (I) Verfügbarkeit und Anlei- (A)<br />

Kundendaten<br />

Mitarbeiterdaten (HR)<br />

Informationen über<br />

Kunden (z.B.<br />

Kaufverhalten)<br />

Informationen der<br />

Mitarbeitenden (z.B.<br />

Absenzen)<br />

Sehr hoch (sh) Hoch (h) Hoch (h)<br />

Sehr hoch (sH) Normal (n) Normal (n)


tungen, Strategien, interne Dokumente von Mitarbeitenden,<br />

Prozesslisten und vieles weitere sein. Diese Daten werden nach<br />

der Kritikalität bewertet. Dazu gehören die Vertraulichkeit, die<br />

Integrität und die Verfügbarkeit.<br />

• Vertraulichkeit (Confidentiality): Schutz der Daten vor<br />

unberechtigter Offenlegung.<br />

• Integrität (Integrity): Erkennung von Datenmanipulationen<br />

(Modifikation, Duplizierung).<br />

• Verkauf von Dienstleistungen<br />

Verfügbarkeit Prozess (Availability): umfasst das Bereitstellen Die Daten von stehen dann<br />

Prozessname Beschreibung RPO RTO<br />

1 Tag 2 Tage<br />

Dienstleistungen und deren Vermarktung<br />

Mitarbeiter-Rekrutierung zur Verfügung, Prozess wenn umfasst sie alle benötigt Schritte vom ersten werden Gespräch 2 Tage 1 Woche<br />

bis zur Einstellung<br />

Beispiel für die Festlegung der Datenkritikalität (Tabelle 2):<br />

Mit dieser Vererbung, und allenfalls Anpassung der Kritikalität,<br />

können Massnahmen geplant werden. Braucht es mehr<br />

Redundanzen? Müssen weitere Mitarbeitende oder externe<br />

Lieferanten involviert werden? Dazu wird idealerweise eine Risiko-Analyse<br />

durchgeführt. Schauen wir uns den Fall eines Systemausfalls<br />

an. Die Eintrittswahrscheinlichkeit ist eher gering,<br />

aber die Auswirkung kann schnell kritisch werden. Als (Gegen-)<br />

Massnahme kann das System redundant aufgebaut, eine Offline-Sicherung<br />

mit kurzen Abständen oder eine Anpassung des<br />

Prozesses, z.B. auf Papier, geprüft werden.<br />

Kontrollen und KPIs<br />

Digitalisierung<br />

Daten Beschreibung Vertraulichkeit (C) Integrität (I) Verfügbarkeit (A)<br />

Kundendaten<br />

Informationen über Sehr hoch (sh) Hoch (h) Hoch (h)<br />

Kunden (z.B.<br />

Kaufverhalten)<br />

Mitarbeiterdaten (HR) Informationen der<br />

Mitarbeitenden (z.B.<br />

Absenzen)<br />

Sehr hoch (sH) Normal (n) Normal (n)<br />

Im dritten Schritt werden die genutzten Anwendungen, Gebäude,<br />

involvierten Mitarbeitenden, Lieferanten und weitere Abhängigkeiten<br />

erfasst und mit den Prozessen verknüpft. Diese<br />

Elemente erben damit die vorher definierte Kritikalität.<br />

Bei elektronischer Verarbeitung wird im vierten Schritt erfasst,<br />

auf welchen Systemen die Anwendungen laufen. Dabei wird<br />

nicht unterschieden, ob diese Systeme virtuell oder physisch<br />

sind. Jedoch muss bei virtuellen Systemen angegeben werden,<br />

auf welcher Hardware diese laufen. Je nachdem können nun<br />

auch die Netzwerke und die genutzten Räume (z.B. Serverräume,<br />

Switch-Schränke, etc.) in einen Zusammenhang gebracht<br />

werden.<br />

Bei der Vererbung werden drei Arten unterschieden:<br />

• Maximumprinzip: dabei wird die höchste Kritikalität<br />

übernommen (bezogen auf die Vertraulichkeit, die Integrität<br />

und die Verfügbarkeit).<br />

• Verteilungseffekt: wenn genügend Redundanzen vorhanden<br />

sind, kann zum Beispiel die Verfügbarkeit reduziert<br />

werden. Dies ist beispielsweise dann der Fall,<br />

wenn Systeme in zwei redundanten Rechenzentren<br />

betrieben werden. Damit kann eines ausfallen, ohne<br />

dass der Prozess davon negativ beeinflusst wird.<br />

• Kumulationseffekt: die Kritikalität wird erhöht. Typisch<br />

ist dies bei Hardware-Systemen, auf denen eine<br />

grosse Anzahl von virtuellen Maschinen betrieben<br />

werden. Die einzelnen virtuellen Systeme sind unkritisch,<br />

da aber bei einem Hardware-Ausfall viele gleichzeitig<br />

ausfallen, wird die Anforderung an die Verfügbarkeit<br />

des Servers erhöht.<br />

BIA-Ablauf:<br />

Risiko-Analyse<br />

Aus der vorherigen Massnahme «Offline-Sicherung» sollte anschliessend<br />

eine Kontrolle abgeleitet werden. So sollte das<br />

Backup wöchentlich überprüft werden, um festzustellen, ob<br />

alle notwendigen Daten korrekt gesichert wurden.<br />

Eine weitere Kontrolle könnte ein Wiederherstellungstest alle<br />

drei Monate, das heisst quartalsweise, sein. Damit wird überprüft<br />

und geübt, dass in einem Notfall die Daten auch schnell<br />

und vollständig wiederhergestellt werden können.<br />

Zudem werden allfällige Stolpersteine identifiziert und können<br />

frühzeitig behoben werden. Aus Kontrollen können KPIs (Key<br />

Performance Indicator) definiert und gemessen werden. In Bezug<br />

auf das Backup könnten dies «Anzahl nicht überprüfter<br />

Backup-Jobs» oder «Anzahl nicht erfolgreicher Wiederherstellungstests»<br />

sein.<br />

Zu jedem KPI sollten auch die Messgrössen definiert werden.<br />

So bedeutet 0: «Alles in Ordnung», 1: «Tolerierbar», 2: «Nicht tolerierbar».<br />

Diese KPIs dienen als Information für Management-<br />

Bewertungen und allfällig notwendiger Korrekturen.<br />

Fazit<br />

Wird die Business Impact Analyse mit genügend Zeit und mit<br />

der entsprechenden Tiefe durchgeführt sowie regelmässig den<br />

sich ändernden Anforderungen angepasst, kann ein möglicher<br />

Notfall zwar nicht verhindert, aber die Folgen davon stark verringert<br />

werden.<br />

Durch das konsequente Weiterführen werden Massnahmen,<br />

Kontrollen und Messgrössen definiert und damit eine Rückmeldung<br />

zur Qualität der getroffenen Schritte ermöglicht. Die<br />

Business Impact Analyse kann damit ein Unternehmen ideal<br />

vorbereiten und vor einem grossen Schaden schützen.<br />

goSecurity<br />

Andreas Wisler<br />

Inhaber, Dipl. Ing FH<br />

<br />

51


Digitalisierung<br />

IT-Sicherheit:<br />

Per Dark Web Scan der Gefahr ins Auge blicken<br />

Im Dark Web finden Hacker seit Jahren eine ideale Plattform, um sensible Informationen wie Zugangsdaten,<br />

die im Zuge von Sicherheitslecks erbeutet wurden, illegal zum Verkauf anzupreisen.<br />

Das Fatale: Unternehmen wissen meist nicht einmal, dass „ihre“ Daten hier bereits gehandelt<br />

werden. Genau aus diesem Grund ist es durchaus ratsam, einmal gezielt hinter die Kulissen des<br />

Dark Webs zu blicken.<br />

Mit gestohlenen Zugangsdaten lässt sich heutzutage viel Geld<br />

verdienen und wer auf der Suche nach Passwörtern ist, wird im<br />

Dark Web schnell fündig. Schliesslich treffen Cyberkriminelle<br />

in den Untiefen des Datenozeans auf perfekte Bedingungen für<br />

perfide Machenschaften: Die Webseiten im Dark Web sind zwar<br />

öffentlich zugänglich, verbergen aber ihre IP-Adressen, was es<br />

Benutzern unmöglich macht, den Host zu identifizieren. Es ist<br />

erschreckend, wie viele vertrauliche Informationen – von E-<br />

Mail-Adressen mit zugehörigen Passwörtern über Kreditkarteninformationen<br />

bis hin zu vielen weiteren persönlichen Details –<br />

auf diese Weise allgemein verfügbar sind und illegal gehandelt<br />

werden. Hacker fahren darüber ein lukratives Geschäft, welches<br />

nicht selten das Fundament für weitere Angriffsszenarien liefert.<br />

Es verwundert daher kaum, dass auch die Methoden, um<br />

an vertrauliche Daten wie Passwörter zu kommen, immer ausgefeilter<br />

werden (siehe Kasten). Ein einziger bekannter Zugang<br />

kann zum Ausgangspunkt für weiteren Datendiebstahl im grossen<br />

Stil werden. Einschlägige Statistiken wie der Verizon Data<br />

Breach Investigations Report zeigen, dass sich ein enorm hoher<br />

Anteil an Cyberangriffen jedes Jahr auf gestohlene Anmeldeinformationen<br />

zurückführen lässt.<br />

Risiko ist allgegenwärtig<br />

Wie gross das Ausmass der Bedrohung ist, untermauert auch der<br />

„2019 Global State of Cybersecurity in Small and Medium-Sized<br />

Businesses Report“ des Ponemon Institute. Danach vermeldeten<br />

63 Prozent der Unternehmen einen Sicherheitsvorfall, bei<br />

dem sensible Informationen über Kunden und Mitarbeitende<br />

verloren gingen. Die damit verbundene Gefahr ist äusserst facettenreich.<br />

Sind Cyberkriminelle erst einmal im Firmennetz<br />

„drin“, können sie Malware installieren, weitere Zugangsdaten<br />

abgreifen bzw. vertrauliche Inhalte stehlen, wichtige Daten löschen<br />

oder verändern, böswillig Geldtransfers anstossen oder<br />

mit eingeschleuster Ransomware ihr Unwesen treiben – um nur<br />

einige Beispiele zu nennen.<br />

Suche im Dark Web bringt Schwachstellen an Licht<br />

Ob die eigenen Unternehmensdaten bereits im Dark Web kursieren,<br />

lässt sich mit einem neuen, kostenlosen Werkzeug von<br />

WatchGuard – dem Dark Web Scan – schnell herausfinden.<br />

Dazu muss auf der entsprechenden Webseite (https://www.<br />

watchguard.com/wgrd-resource-center/dark-web-scan)nur<br />

die gewünschte Firmen-Domain angegeben werden und in<br />

Sekundenschnelle ist klar, ob es konkreten Anlass zur Sorge<br />

gibt. Hinter dem Formular verbirgt sich ein Sammelsurium an<br />

frei verfügbaren Datensätzen, die die Security-Experten von<br />

WatchGuard aus dem Dark Web zusammengetragen und für<br />

solche gezielten Suchanfragen gebündelt haben. Sollte der<br />

Scan einen oder mehrere Treffer erzielen, kann darüber hinaus<br />

eine detaillierte Analyse angefordert werden, die dabei unterstützt,<br />

die potenzielle Gefahr genauer zu spezifizieren. Der<br />

Report offenbart dann unter anderem die konkret zur Domain<br />

gehörenden E-Mail-Adressen, die Teil eines Datenlecks waren,<br />

sowie zusätzliche Informationen hinsichtlich der genauen Datenquelle<br />

oder des Zeitpunkts, zu dem die Daten abgeflossen<br />

sind.<br />

Der Gefahr den Riegel vorschieben<br />

Wenn die Suche nach unternehmensbezogenen Daten im Dark<br />

Web zu Ergebnissen führte, sollte das Risiko des Missbrauchs<br />

der betroffenen Zugangsinformationen zügig eingedämmt<br />

werden. Hierbei helfen folgende Massnahmen:<br />

• Passwörter zurücksetzen: Damit dies unternehmensweit<br />

geschehen kann, gilt es umgehend die IT-Abteilung zu<br />

informieren.<br />

• Auf zusätzliche Bedrohungen prüfen: Empfohlen ist die<br />

Durchführung einer Sicherheitskontrolle durch das IT-<br />

Team, um nach weiteren Schwachstellen zu suchen, die im<br />

Zuge eines Datenlecks aufgetreten sein könnten.<br />

52


Digitalisierung<br />

Wissen, wie‘s geht<br />

• MFA einschalten: Sollte noch keine Multifaktor-Authentifizierung<br />

im Einsatz sein, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, darüber<br />

nachzudenken. Auf diese Weise lässt sich eine zusätzliche<br />

Sicherheitsebene schaffen – für interne Unternehmensanwendungen,<br />

VPN-Zugänge wie auch Cloud-Instanzen.<br />

• Sensibilisierung der Mitarbeitenden: Wenn es konkrete<br />

Hinweise darauf gibt, dass Zugangsinformationen im<br />

Dark Web gehandelt werden, ist dies ein perfekter Aufhänger,<br />

um die gesamte Belegschaft noch einmal auf<br />

essenzielle Sicherheitspraktiken hinzuweisen und insbesondere<br />

dafür zu sensibilisieren, wie wichtig es ist, berufliche<br />

und persönliche Passwörter getrennt zu halten<br />

• Kontrollroutinen etablieren: Datensicherheitsvorfälle ereignen<br />

sich immer wieder. Von daher ist es ratsam, regelmässig<br />

einen Dark Web Scan durchzuführen, damit im erneuten<br />

Verdachtsfall schnell gehandelt werden kann.<br />

Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass aktuell immer mehr<br />

Mitarbeitende aus dem Homeoffice agieren, ist es mit dem Aufruf<br />

zu mehr Sicherheitsbewusstsein und Disziplin im Umgang<br />

mit Passwörtern kaum noch getan. Schliesslich reicht ein einziger<br />

Beschäftigter aus, der zu lax mit diesem Thema umgeht, um<br />

Hackern Tür und Tor zu internen Ressourcen zu öffnen. Mehr<br />

oder weniger strenge Passwortrichtlinien haben in den letzten<br />

Jahren kaum Abhilfe geschaffen. Selbst wenn deren Umsetzung<br />

– zum Teil durch administrative Werkzeuge – erzwungen wurde,<br />

liess der erreichte Effekt doch eher zu wünschen übrig. Viele<br />

Mitarbeitende zeigen sich nach wie vor wenig einfallsreich,<br />

wenn es um die Vergabe neuer Kennwörter geht – Stichwort Bequemlichkeit.<br />

Oftmals wird ein bestehendes Login nur minimal<br />

abgeändert und das Risiko des Missbrauchs bleibt hoch.<br />

Mehr Sicherheit durch Multifaktor-Authentifizierung<br />

Es ist Unternehmen jeder Art und Grösse daher dringend angeraten,<br />

mit Multifaktor-Authentifizierung eine zusätzliche<br />

Sicherheitsebene einzuziehen. Das Argument, dass solche Lösungen<br />

gerade für kleine und mittelständische Organisationen<br />

zu teuer, komplex und administrativ zu aufwendig sind, gilt<br />

mittlerweile schon längst nicht mehr. Bereits seit 2018 tritt<br />

WatchGuard mit „AuthPoint“ als cloudbasiertem Dienst<br />

mit eigener Smartphone-App den Beweis an, dass sich<br />

Sicherheit und Anwenderkomfort im Rahmen der Multifaktor-Authentifizierung<br />

durchaus in Einklang bringen lassen.<br />

Autor: Paul Moll,<br />

Field Marketing Manager Central Europe bei WatchGuard Technologies<br />

Die Methoden und Werkzeuge, die Cyberkriminelle<br />

anwenden, um in den Besitz von sensiblen Informationen<br />

wie Passwörtern zu gelangen, entwickeln sich<br />

konsequent weiter und setzen nicht zuletzt immer<br />

stärker auf Automatisierung. Hier ein Einblick zu den<br />

gängigsten Vorgehensweisen:<br />

Wörterbuchangriff: Es wird versucht, mithilfe elektronischer<br />

Wörterbücher das Passwort zu erraten.<br />

Diese Listen umfassen nicht selten die am häufigsten<br />

verwendeten Passwörter. Insofern begibt sich<br />

jeder Anwender, der seinen Zugang über «123456»<br />

oder ein einfaches Wort aus dem täglichen Sprachgebrauch<br />

absichert, auf dünnes Eis.<br />

Brute-Force-Attacke: Hierbei verwenden Hacker<br />

Tools, um wiederholt jede mögliche Passwort-Kombination<br />

aus Buchstaben, Zahlen und Symbolen auszuprobieren,<br />

bis das Passwort geknackt ist.<br />

Credential Stuffing: Diese Angriffsform basiert auf<br />

dem Fakt, dass viele Menschen die gleichen Passwörter<br />

für verschiedene Konten verwenden. Ist ein<br />

solches Login einmal bekannt, werden automatisch<br />

weitere Anwendungen gesucht, bei denen dieses<br />

funktioniert.<br />

Social Engineering: In unterschiedlichster Ausprägung<br />

wird darauf abgezielt, menschliche Schwächen<br />

auszunutzen und Anwender so zu täuschen sowie<br />

zu manipulieren, dass sie ihre Zugangsdaten selbst<br />

preisgeben. Mittel der Wahl ist dabei häufig Phishing:<br />

Es werden beispielsweise E-Mails oder Webseiten gefälscht,<br />

um Passwörter zu entlocken.<br />

<br />

53


Digitalisierung<br />

450 logische Fehler in populären Datenbanken<br />

aufgespürt<br />

Von: Daniel Meierhans<br />

Datenbanken müssen immer leistungsfähiger werden. Darunter scheint jedoch<br />

die Zuverlässigkeit zu leiden.<br />

Jetzt haben ETH-Informatiker ein Tool entwickelt, das mit drei<br />

unterschiedlichen Methoden automatisch logische Fehler in<br />

Datenbanksystemen aufspürt. Bisher konnten damit über 450<br />

Bugs gefunden und behoben werden.<br />

SQL-Datenbanken (Structured Query Language) bilden das<br />

Rückgrat der Informatik. ETH-Forscher haben nun Methoden<br />

entwickelt, die darin automatisch logische Fehler finden.<br />

Wenn eine Adresse im Smartphone abgespeichert ist, gehen<br />

wir wie selbstverständlich davon aus, dass wir sie mit der richtigen<br />

Abfrage auch finden. Genauso wie mit den geeigneten Begriffen<br />

alle passenden Artikel im Webshop aufgelistet werden.<br />

Bloss: So selbstverständlich, wie wir meinen, ist das nicht. Ein<br />

logischer Fehler im Datenbank-Management-System (DBMS),<br />

in dem die gespeicherten Informationen verwaltet werden,<br />

kann falsche Antworten zurückliefern, ohne dass wir den Fehler<br />

überhaupt bemerken.<br />

Überraschend viele Fehler in allen Systemen<br />

Und genau derartige logische Fehler sind erstaunlich häufig.<br />

Oder besser gesagt, sie waren es bis vor kurzem. Forscher vom<br />

Advanced Software Technologies Lab der ETH Zürich haben<br />

jetzt nämlich ein Tool entwickelt, das automatisch logische Fehler<br />

in Datenbanksoftware aufspürt. Bereits konnten damit über<br />

450 Programmierdefekte in weitverbreiteten Datenbanken gefunden<br />

und anschliessend behoben werden.<br />

«Wir waren selbst überrascht, wie viele Fehler in gängigen Datenbank-Management-Systemen<br />

stecken», erläutert Manuel<br />

Rigger: «Mit unseren Methoden haben wir beispielsweise in der<br />

auf fast allen Smartphones und auch in vielen Web-Browsern<br />

laufenden SQLite-Datenbank über 150 Programmfehler entdeckt.<br />

Und das ist kein extremer Fall. Die Quote ist in allen Systemen,<br />

die wir bisher untersucht haben, ähnlich gross.»<br />

Komplexe Programme und kaum erkennbare Bugs<br />

Dass die ETH-Informatiker derart viele Bugs finden, hat zwei<br />

Hauptgründe. Zum einen sind heutige Datenbanken sehr komplex<br />

und können mehrere Millionen Zeilen Programm-Code<br />

umfassen. Da ist es praktisch unvermeidlich, dass Widersprüche<br />

entstehen und Programmierfehler passieren. Zum anderen<br />

sind logische Fehler nicht so einfach zu finden. Im Gegensatz<br />

zu Bugs, die das System abstürzen lassen, äussern sie sich nur<br />

selten offensichtlich. In der Regel ist ein Vergleich mit dem richtigen<br />

Ergebnis nötig, um sie zu bemerken. Genau das war bisher<br />

nur mit viel Aufwand möglich.<br />

Das bis anhin einzige in der Praxis genutzte automatisierte<br />

Testverfahren ist bereits vor über 20 Jahren entworfen worden.<br />

Es beruht auf dem Vergleich von Abfragen mit unterschiedlichen<br />

Datenbanksystemen. Da jeder Hersteller spezifische<br />

Erweiterungen und Anpassungen am Abfrage-Standard SQL<br />

(Structured Query Language) vornimmt, ist das Formulieren<br />

von eindeutig vergleichbaren Fragen inzwischen aber auf einen<br />

kleinen Kernbereich der Systeme beschränkt. Die Abfragesprachen<br />

der Hersteller unterscheiden sich nämlich ähnlich wie die<br />

Dialekte einer menschlichen Sprache zum Teil erheblich.<br />

Zwei Wochen Arbeit verloren<br />

Persönlich vermutet Rigger zudem noch einen dritten Grund,<br />

wieso den Fehlern bisher nicht mit mehr Entschlossenheit nach-<br />

54


Digitalisierung<br />

gegangen wurde: Im Datenbankbereich konzentrieren sich<br />

derzeit die Aktivitäten darauf, die Systeme mit Methoden der<br />

künstlichen Intelligenz wie maschinellem Lernen noch leistungsfähiger<br />

zu machen. Daneben erscheint die Fehlersuche<br />

naturgemäss wenig attraktiv.<br />

Rigger selbst hat seine Wurzeln im Software-Testing und in der<br />

Entwicklung von Compilern, mit denen verschiedene Programmier-<br />

und Maschinensprachen ineinander übersetzt werden<br />

können. Aufmerksam geworden auf die Fehler-Problematik im<br />

Datenbankbereich ist er durch eigene ärgerliche Erfahrungen,<br />

als wegen eines Fehlers im Datenbank-Management-System<br />

zwei Wochen Arbeit verloren gingen.<br />

Drei Methoden für drei Fehlertypen<br />

In der Folge hat sich der Testing-Spezialist gemeinsam mit dem<br />

Leiter des Advanced Software Technologies Lab, Zhendong Su,<br />

dem Problem angenommen. Ihre Lösung besteht in drei unterschiedlichen<br />

Methoden, mit denen sich zuverlässige Vergleichsabfragen<br />

finden lassen. Bei sogenannten «Query Partitioning»<br />

werden Abfragen automatisiert in mehrere Teile zerlegt und<br />

dann kontrolliert, ob das Ganze und die Summe der Teile das<br />

Gleiche ergeben.<br />

Mit der zweiten Methode lassen sich gezielt Fehler aufspüren,<br />

die durch Optimierungs-Mechanismen in den Datenbanken<br />

hervorgerufen werden. Dabei werden die Abfragen für den Vergleich<br />

so abgewandelt, dass der Optimierungsmechanismus<br />

nicht mehr funktionieren kann.<br />

Im Gegensatz zur den ersten zwei Methoden, die auch ohne<br />

detaillierte Kenntnisse der fraglichen Datenbank automatisiert<br />

durchgeführt werden können, verlangt die dritte ein spezifisches<br />

Datenbankwissen und auch eine individuelle Implementierung<br />

des Vergleichs. Bei der sogenannten «Pivoted Query<br />

Synthesis» wird eine ganze Reihe in der relationalen Datenbanktabelle<br />

zufällig ausgewählt. Danach muss eine Abfrage erstellt<br />

werden, welche die gewählte Reihe zum Ergebnis hat. So<br />

können logische Fehler wesentlich effizienter identifiziert werden,<br />

als wenn wie bisher einzelne Einträge von Hand analysiert<br />

werden müssen.<br />

Tool ist bereits bei Herstellern im Einsatz<br />

Mit ihren Methoden und dem Tool SQLancer, in welchem diese<br />

automatisiert wurden, haben die ETH-Informatiker offensichtlich<br />

schlafende Geister geweckt. Das Interesse der Datenbank-<br />

Hersteller ist ausgesprochen gross. Obwohl die drei Verfahren<br />

bisher nur informell als Preprints und über Social Media kommuniziert<br />

wurden und erst in diesen Tagen an einschlägigen<br />

Fachkonferenzen offiziell vorgestellt werden, haben bereits<br />

mehrere Hersteller angefangen, ihre Software damit zu testen.<br />

«Diverse Hersteller haben bereits zahlreiche Bugs in ihren<br />

Systemen gefunden und den SQLancer fest in ihr Testing eingebaut,»<br />

weiss Rigger aus vielen direkten Kontakten: «Einige<br />

haben auch Programmiercode zu unserem als Open Source veröffentlichten<br />

Projekt beigesteuert oder das Tool an ihre spezifischen<br />

Bedürfnisse angepasst und erweitert.»<br />

<br />

55


Digitalisierung<br />

Schadprogramm attackiert beliebtes<br />

Kassensystem für Restaurants<br />

ESET Analyse: Backdoor ModPipe infiltriert gezielt POS-System von Oracle<br />

Jena, 12. November 2020 – Cyberkriminelle haben es mit der<br />

Backdoor ModPipe gezielt auf die Kassensysteme ORACLE<br />

MICROS Restaurant Enterprise Sales (RES) 3700 Point-of-Sale<br />

(POS) abgesehen. Das System ist eine weit verbreitete Management-Software-Suite,<br />

die zu Hunderttausenden in gastronomischen<br />

Betrieben wie Bars, Restaurants oder Hotels zum Einsatz<br />

kommt. ModPipe ist modular aufgebaut und kann dem jeweiligen<br />

Einsatzort flexibel angepasst werden. Nach einer erfolgreichen<br />

Infektion erhalten die Angreifer Zugriff auf vertrauliche<br />

Informationen wie personenbezogene Daten oder Transaktionsdaten<br />

des Betreibers. Ihre umfangreiche Analyse haben die<br />

ESET Forscher nun auf WeLiveSecurity veröffentlicht.<br />

„Der Aufbau von ModPipe deutet darauf hin, dass die Entwickler<br />

hinter dem Schadprogramm über umfassende Kenntnisse zum<br />

RES 37000 Kassensystem verfügen“, erklärt der ESET Forscher<br />

Martin Smolár, der ModPipe entdeckt hat. „Bereits 2019 haben<br />

wir zum ersten Mal ihre Grundkomponenten gefunden und analysiert.<br />

Diese wurden offensichtlich verbessert. “<br />

Backdoor ist modular aufgebaut<br />

Was die Hintertür so besonders macht, sind die herunterladbaren<br />

Module. ModPipe enthält einen benutzerdefinierten Algorithmus,<br />

der RES 3700 POS-Datenbankpasswörter sammelt.<br />

Dazu entschlüsselt er Windows-Registrierungswerten.. Dies<br />

unterstreicht die tiefen Kenntnisse der Angreifer über das Kassensystem.<br />

Sie haben sich für so eine ausgeklügelte Methode<br />

entschieden, anstatt die Daten über einen einfacheren, aber<br />

auch offensichtlicheren Ansatz, wie beispielsweise Keylogging,<br />

zu sammeln. Die herausgeschleusten Anmeldedaten ermöglichen<br />

den Betreibern hinter dem Schadprogramm den Zugriff<br />

auf Datenbankinhalte, einschließlich verschiedener Konfigurationen,<br />

Statustabellen und Informationen über POS-Transaktionen.<br />

Mit der analysierten Variante von ModPipe erhalten die<br />

Angreifer jedoch keinen Zugriff auf sensible Daten wie Kreditkartennummern<br />

und Ablaufdaten. Diese Informationen sind<br />

durch Verschlüsselung zusätzlich geschützt. Das Ziel der Angreifer<br />

bleibt daher unklar, weil sie nur wenige wertvolle Informationen<br />

erhalten. Die ESET Forscher vermuten, dass ein weiteres<br />

herunterladbares Modul existiert, dass es den Kriminellen<br />

erlaubt, die sensibleren Daten zu entschlüsseln.<br />

Was Benutzer des Kassensystem tun sollten<br />

Um die Betreiber hinter ModPipe in Schach zu halten, wird Betroffenen<br />

im Gastgewerbe sowie allen anderen Unternehmen,<br />

die den RES 3700 POS verwenden, geraten, dies zu tun:<br />

• Die neueste Version der POS-Software sollte installiert<br />

werden.<br />

• Generell ist es elementar, dass bei den eingesetzten<br />

Geräten das Betriebssystem und weitere installierte<br />

Software immer auf dem neuesten Stand ist.<br />

• Eine zuverlässige, mehrschichtige Sicherheitssofware,<br />

die ModPipe und ähnliche Bedrohungen erkennt,<br />

sollte im Einsatz sein.<br />

Die gesamte Analyse gibt es auf WeLiveSecurity:<br />

https://www.welivesecurity.com/deutsch/2020/11/12/hungrig-nach-daten-modpipe-backdoor-bedroht-pos-software-imgastgewerbe/<br />

56


Impressum<br />

Impressum<br />

Herausgeber:<br />

Vessa GmbH<br />

Station 122<br />

4252 Bärschwil<br />

Verlagsleitung:<br />

Christoph Borer<br />

c.borer@vessa-media.ch<br />

Redaktion:<br />

Gabriela Sokoli<br />

Dieter Mertel<br />

Verkauf:<br />

Christoph Borer<br />

Wiliam Müller<br />

Grafik und Satz:<br />

Belfiore Working Group<br />

Bilderquellen:<br />

Adobe Stock<br />

ESET Deutschland GmbH<br />

GO Security<br />

G Data<br />

Integrated Communikations<br />

Sophos<br />

Watchguard<br />

Baramundi<br />

Inter Generika<br />

Eset<br />

Swiss 21.org<br />

BMW Schweiz<br />

Land Rower Schweiz<br />

VW Group<br />

Arval<br />

Wir Bank<br />

Cross Works<br />

Credit Suisse<br />

ETH Zürich<br />

Bernhard Bauhofer<br />

Druckerei:<br />

Saxoprint<br />

www.saxoprint.ch<br />

58


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