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kmu emag

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Ausgabe 4/2020

Zebrabox ab S. 16 | Elektro-Autos 2021 ab S. 38 | Starke Frauen - Porträts ab S. 4 | Home-Office ab S. 22


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2020 neigt sich dem Ende...

Liebe Leserin, lieber Leser

2020 neigt sich dem Ende zu und wird - anders als viele andere Jahre zuvor - nicht

so schnell vergessen werden. Die Corona-Pandemie hat innerhalb weniger Monate

unser Leben - privat wie auch beruflich - fundamental verändert und Megatrends

wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit befeuert. Arbeiten im Home Office ist schon

fast zur Routine geworden und hat einen Innovationsschub in der Kommunikationstechnologie

bewirkt. Unternehmen, gerade auch die Innovationsführer unter den

KMU, setzen nachhaltiges Wirtschaften im Rahmen ihrer Wertschöpfung ganz oben

auf ihre Prioritätenliste. Erfolgreiche Frauen im Business, Medien und Kultur prägen

unsere Gesellschaft; wir porträtieren Protagonistinnen dieser Bewegung - allesamt

Persönlichkeiten mit Vorbildfunktion. Zuguterletzt präsentieren wir mit Zebrabox

in der Titelgeschichte ein aussergewöhnlich erfolgreiches Schweizer Unternehmen,

das als der Self Storage-Pionier in Europa gilt. Die erste Adresse, falls - was um die

Weihnachtszeit wieder besonders aktuell ist - Lager- und Stauräume gefragt sind.

Wir wünschen Ihnen eine inspirierende Lektüre, besinnliche Festtage und ein gutes

Neues Jahr. Bleiben Sie gesund.


3


Highlights

Aura Davis - Ein schweizer Talent

KMU Wirtschaft im Gespräch mit dem vielversprechenden

Schweizer Talent und Vollblut-Musikerin

Aura Davis. Ab Seite 4

Keinen Platz?

Self Storage hat sich in den letzten zwanzig Jahren

von einem Nischenprodukt zu einer breit

genutzten Dienstleistung entwickelt. Zebrabox

Ab Seite 16

Trend 2021

Elektro-Autos werden immer beliebter - und

innovativer. Wir zeigen die Highlights 2021.

Ab Seite 40

4


Inhaltsverzeichnis:

Aura Davis - Das Stimmwunder S. 6 - 4

Gegen Food Waste - Alexandra Suter S. 10 - 11

Star aus der Schweiz bei „Voice of Germany““ S. 12

Porträt - Patricia Falco Beccalli S. 14 - 17

Storage-Lösungen Zebrabox S. 18 - 19

Neue Rekorde - Bitcoin S. 20 - 21

Digitaler Reifegrad S. 22 - 23

Home-Office geht weiter S. 24 - 26

Naturschutz S. 28 - 29

Nachhaltiges Wirtschaften S. 30 - 33

Grüne Revolution beim Bau S. 34 - 36

Kreativ und Sicher S. 38 - 39

Mobilität S. 40 - 41

E-Autos 2021 S. 42 - 43

Phishing mails S. 46 - 48

Business Impact S. 50 - 51

IT-Sicherheit S. 52 - 53

Fehler in Datenbanken S. 54 - 55

Virus befällt Kassensystem S. 56

Impressum S. 58


5


Highlight

„Ich wünsche mir vor allem, weiter

zu wachsen“

KMU Wirtschaft im Gespräch mit dem vielversprechenden Schweizer

Talent und Vollblut-Musikerin Aura Davis.

6


Highlight

Aura Davis, dein neuer Hit „Keep running“ klingt als ein sehr

persönliches Werk. Gab es etwas zu verarbeiten?

Gibt es das nicht immer? (lacht) Jedes Wort aus meiner Feder

hat immer einen sehr persönlichen Kern. Keep Running ist hier

keine Ausnahme. Ich verbringe sehr viel Zeit mit mir und meinen

Gedanken und reflektiere mein Handeln, Denken und Fühlen.

Wenn ich etwas über mich gelernt habe, dann dass es in Ordnung

ist, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen.

Es ist in Ordnung Ambitionen zu haben und sie laut auszuleben.

Es ist genauso in Ordnung, von etwas wegzulaufen, wenn es

einem aus irgendeinem Grund nicht gut tut.

Man muss nicht immer für andere stark sein und in einer Situation

verweilen, nur weil das vielleicht fairer für andere wäre. Mit

Keep Running, versuche ich mich selbst daran zu erinnern.

Die Lyrics des Songs starten „Like in the famous song, I was

born to run“ Welche Version hat dich inspiriert und wer sind

deine musikalischen Vorbilder?

Um ehrlich zu sein, es ist nicht eine Version des Songs die für

die Zeile verantwortlich ist. Es sind die Worte. Die Botschaft,

die zwischen den wundervoll geschriebenen Zeilen verborgen

liegt.

„The highway‘s jammed

with broken heroes

On a last chance power drive

Everybody‘s out on the run tonight

But there‘s no place left to hide“

Oder eben: Like in that famous song, I was born to run.

Was bedeutet Musik für dich?

Musik bedeutet für mich Freiheit.

Wieso Freiheit?

Ich übersetze Freiheit für mich mit “Live your emotions out

loud”. Musik ermöglicht es mir, alles zu fühlen was man in diesem

Leben fühlen kann.

Du bist ein grosser Fan der Nashville-Szene. Was macht diese

Musik besonders in deinen Ohren?

Auch hier, es ist weniger die Musik an sich. Es sind tatsächlich

die Geschichten und die Art und Weise wie mit Worten umgegangen

wird.

Es sind oftmals keine kurzen Sätze, sondern ganze Paragraphen.

In Nashville sagt niemand “You broke my heart”.

In Nashville sagt man:

“Hey, you call me up again just

to break me like a promise

So casually cruel in the

name of being honest

I‘m a crumpled up piece

of paper lying here

‚Cause I remember it all, all, all too well”

Es geht halt oft wirklich um die Worte, und als absoluter Word-

Nerd, bin ich davon total fasziniert.


7


Highlight

äusserst durchtriebene Fantasie tat dann wohl den Rest, als

ich realisierte dass ich ja eigentlich wie jeder andere auch ein

Buch schreiben kann (lacht). Musik war in der Familie immer

da - meine Mamma hat immer gesungen. Die Liebe zur Musik

ist also irgendwie genauso angeboren wie die Liebe zu Worte.

Dass ich beides kombinieren kann, hat für mich durchaus etwas

mit Poesie zu tun.

Was bedeutet die Bühne für dich? Bekommst du Entzugserscheinungen

ohne Gigs wie jetzt in der Corona-Zeit?

Ich war seit ich klein bin, oft auf der Bühne. Seit ich aber als Aura

Davis offiziell Musik mache, hatten wir tatsächlich noch keine

Möglichkeit auf einer Bühne live zu spielen. Unsere gesamte

Planung, sei es die EP und der Showcase oder auch Musikvideos,

musste aufgrund von Corona auf Eis gelegt werden. Die

EP produzieren wir nun aber dennoch weiterhin zu Ende. Man

ist ja heutzutage gottseidank technisch soweit dass Locations

mit den richtigen Leuten und Tools überhaupt keine Rolle mehr

spielt. Schade natürlich, dass die physische Nähe zu den Fans

komplett fehlt. Aber die sozialen Medien erlauben es uns heute,

durchaus dennoch eine Form von Nähe zu schaffen. Ich schreibe

täglich auf Instagram und Facebook mit meinen Leuten und liebe

es, wenn ich Videos erhalte in welchen Fans zu meiner Musik

die Quarantäne übertanzen (ehrlich jetzt, sendet mir bitte mehr

davon!) Wir hoffen natürlich wie alle anderen auch, dass wir

nächstes Jahr endlich live spielen können. Bis dahin aber bleiben

wir positiv und konzentrieren uns auf das, was wir beeinflussen

können. Und das heisst: Wir machen eine echt geile EP!

Erzähl uns von deinen Träumen. Wohin bringt dich deine Musikkarriere?

Für die Zukunft wünsche ich mir vor allem als Musiker und

Mensch weiter zu wach-sen. Ich habe diese Reise gerade erst

begonnen und es gibt noch so viel zu erzählen. So viel zu lernen.

So viel zu fühlen. Ich wünsche mir, noch mehr Gleichgesinnte

zu finden. Wie schon erwähnt, es ist in Ordnung Ambitionen zu

haben. Und ich will schlichtweg von allem noch mehr.

Wie wirst du dereinst rückblickend dein Leben beschreiben?

If I had known how it feels,

I would‘ve done it anyway.

Deine Gitarre ist deine ständige Begleiterin (bis ins Bett).

Wie entstehen deine Songs?

Ich schreibe meistens auf Gitarre, das stimmt. Allerdings weniger

nach Verstand, sondern mehr nach Gefühl. Meistens habe

ich tatsächlich keine Ahnung, was ich da genau tue. Ich schreibe

jeden Tag. Manchmal bewusst, manchmal nur kleine Notizen

auf Servietten oder sonst was. Wenn ich dann die Gitarre bei mir

hab, spiele ich meistens einfach etwas rum. Wenn es sich gut

anfühlt mach ich damit weiter und wenn nicht, na dann mach

ich eben was anderes. Es ist sehr individuell und geschieht tatsächlich

meistens eher spontan.

Schon als Kind hast Du Gedichte geschrieben? Ist Musik Poesie

für dich?

Als Kind mit wenig Freunden und ständig streitenden Eltern,

lernte ich früh mit mir selber klar zu kommen. Ich war halt wirklich

oft alleine und war früh fasziniert von Büchern. Ich habe

mit 4 Jahren begonnen zu lesen und ab da so ziemlich alles verschlungen

was man mir mit Buchstaben vorgelegt hat. Meine

8


Wir

KMU

« Wir vertrauen Sunrise, weil

sie die besten Lösungen für

das mobile Arbeiten bieten.»

Adrian Meili, CEO,

SIGG Switzerland Bottles AG

sunrise.ch/wirliebenkmu


Highlight

„Wir kämpfen gegen Food Waste“

Interview mit Alexandra Suter, Leiterin Hotellerie und Gastronomie Stadtspital Waid und Triemli

Alexandra Suter, wie haben Sie es in jungen Jahren zu der

aktuellen Führungsposition geschafft?

Ich habe mich in den letzten zehn Jahren nebenberuflich kontinuierlich

weitergebildet. Dies sehe ich als eine wichtige Grundlage

für eine langfristige Karriere und um Führungsverantwortung

übernehmen zu können. Nebst der Ausbildung, gehören

sicher eine positive Einstellung, die Bereitschaft zu Veränderung

und nicht zuletzt auch ein wenig Glück dazu. Mit dreissig Jahren

bin ich heute für circa 300 Mitarbeitende in der Hotellerie und

Gastronomie des Stadtspitals Waid und Triemli verantwortlich.

Ich bin sehr stolz und glücklich, dass ich meine Leidenschaft für

das Gesundheitswesen und die Ernährung hier einbringen kann.

Wie haben Sie diese Leidenschaft für feines Essen in sich entdeckt?

Als Schweizer Familie bestand unser Menüplan aus typisch nationalen,

„währschaften“ Gerichten, wie Kartoffeln in allen Variationen

mit Zutaten aus dem eigenen Garten. Als ich dann mein

eigenes Geld verdiente, habe ich entdeckt, dass es auch Restaurants

mit Küche aus allen Erdteilen gibt und dass man aus den

einzelnen Zutaten auch Kunstwerke zaubern kann – statt gekochte

Kartoffeln, Gratin oder Rösti auch Kartoffelspuma oder

Kartoffelsoufflée. Ein schön und mit Liebe dekorierter Teller ist

für mich ein Kunstwerk. Ich schätze und respektiere die grosse

Arbeit und Hingabe, welche Köchinnen und Köche in ihre Kreationen

stecken. Nach meiner kulinarischen Weltreise weiss ich

wieder die Natürlichkeit regionaler und saisonaler Gerichte zu

schätzen. Das trifft auch auf meine Arbeit zu, wo ich aus voller

Überzeugung die reiche Auswahl von regionalen Produzenten

und die Vielfalt der Erzeugnisse und saisonaler Gerichte förde-

re. Auf der Suche nach dem Besonderen und Unverfälschten

muss man gar nicht weit gehen.

Die Corona-Pandemie stellt für Unternehmen – Mitarbeiter

wie Vorgesetzte – eine grosse Herausforderung dar. Wie ist

Ihr vorläufiges Fazit aus Management- und Leadership-Perspektive?

In solch herausfordernden Zeiten ist Empathie in der Führung

besonders wichtig. Die Menschen sind verunsichert und haben

Angst. Deshalb ist es elementar, entschieden zu führen, transparent

zu kommunizieren und zu informieren.

Als Errungenschaft aus der Krise sehe ich aber auch, dass wir in

unserem Bereich als Team stärker zusammengewachsen sind.

Wir, in der operativen und organisatorischen Spitalführung, waren

gerade während des Lockdowns stark gefordert. Ohne das

Miteinander hätten wir nicht erreicht, dass das Wir-Gefühl heute

deutlicher im Vordergrund steht. Zeitgleich haben wir auch

einen grossen Schritt in der Digitalisierung gemacht. Somit haben

wir die Krise als Chance zur Weitentwicklung genutzt.

Gesundheit und Ernährung sind zwei Megatrends, welche

Ihre Arbeit bestimmen. Wie hält man die Qualität angesichts

eines immer weiter steigenden Kostendrucks hoch?

Die Stadtspitäler Waid und Triemli wurden vor knapp zwei Jahren

zusammengelegt. Dies hilft im Bereich Hotellerie und Gastronomie

Synergien zu erschliessen und betriebswirtschaftlicher

zu sein. Kostenbewusstsein ist wichtig, aber gerade in

einem Spital sind gesunde und qualitativ gute Ernährung wesentliche

Eckpfeiler für motivierte und gesunde Mitarbeitende,

sowie für die Genesung von Patientinnen und Patienten. Wir

10


Highlight

achten sehr auf regionale, saisonale, biologische und nachhaltige

Lebensmittel. Milch- und Fleischprodukte kommen ausschliesslich

aus nachhaltiger Schweizer Produktion. Im Bereich

Food-Wasting gehören wir seit einem Jahr zu den Vorreitern bei

den Schweizer Spitälern.

Das Management von Teams in zwei Kliniken/Spitälern mit

unterschiedlichen Kulturen ist eine Herausforderung. Wie

gehen Sie bei der Schaffung einer Kultur und Teambuilding

vor?

In der Tat waren die Kultur, die Betriebssysteme und die Abläufe

an den beiden Standorten unterschiedlich. Die betroffenen Mitarbeitenden

beider Spitäler hatten vor der Zusammenführung

keine grossen Berührungspunkte. Bei einer Zusammenführung

dieser Grössenordnung gehören Unsicherheiten bei den Mitarbeitenden

dazu. Ein erster, wichtiger Schritt war die Erstellung

eines transparenten Kommunikationskonzeptes und die

Schaffung klarer Verantwortungs- und Sitzungsstrukturen. In

den ersten sechs Monaten haben wir viele teambildende Workshops

durchgeführt. Schwerpunkte waren die Erstellung einer

gemeinsamen Hotellerie- und Gastronomiestrategie sowie die

Definition neuer Werte und die Erarbeitung unseres Leitbildes.

Ich spüre, dass wir dadurch standortübergreifend ein klares

Verständnis für die Zielausrichtung gewonnen haben und aus

zwei unterschiedlichen Teams nun zu einer Einheit zusammengewachsen

sind.

Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Digitalisierung – wie beeinflussen

solche Megatrends Ihre Arbeit?

Das Stadtspital Waid und Triemli verpflegt rund 2400 Personen

am Tag, was einer durchschnittlichen Jahresleistung von

876‘000 Mahlzeiten entspricht.

Nebst einer ständigen Erweiterung unseres Portfolios mit vegetarischen

und veganen Gerichten, nimmt auch der Verkauf eben

dieser Menüs ständig zu.

Wurden im Jahr 2017 fast 28‘000 vegetarische Gerichte verkauft,

so waren es 2019 bereits knapp 36‘500 Gerichte, was

einer Zunahme von 32% entspricht. Der CO2-Fussabdruck verbessert

sich dadurch merklich und auch der Einkauf von biologischen

und nachhaltigen Produkten steigt stetig an. Der Kampf

gegen Food-Waste ist uns ein grosses Anliegen. In der Schweiz

werden pro Jahr 2.6 Mio. Tonnen Lebensmittel verschwendet,

wir stellen uns dem aktiv entgegen indem eine permanente

Überwachung und Protokollierung aller Lebensmittelabfälle

stattfindet. Nur so können wir uns ständig verbessern und mithelfen,

nicht nur für die Stadt Zürich, sondern gesamtheitlich,

etwas beizutragen. Die Menge des biologischen Abfalls konnte

in den letzten zwei Jahren um 20% gesenkt werden. Projekte

rund um das Thema Food-Waste und Nachhaltigkeit haben

stets eine grosse Priorität. Im Rahmen eines Pilotprojekts mit

der Firma Kitro können wir genau mit einer Kamera analysieren,

in welche Lebensmittelsubstanzen sich die Verschwendung

unterteilt. So erfahren wir, welche Gerichte den Gästen

schmecken und welche Lebensmittelbestandteile am meisten

auf den Tellern zurückbleiben. Auch nehmen wir am Pilotprojekt

von Olanga teil, eine App welche in Zusammenarbeit mit

dem Bundesamt für Umwelt entwickelt wurde und durch intelligente

Menüvorbestellung den Lebensmittelaufwand deutlich

reduziert. Wir retten überschüssiges Essen, in dem wir bei „Too

Good To Go“ mitmachen. Auch beim Material achten wir streng

auf Nachhaltigkeit, unsere Servietten werden aus rezykliertem

Papier hergestellt und wir verzichten auf Plastikgeschirr. Unsere

Take-Away-Schalen sind biologisch abbaubar und wir nutzen

die allseits bekannten und nachhaltigen reCIRCLE-Schalen.

Welche beruflichen Ziele haben Sie, welche persönlichen

Träume, die Sie verraten wollen?

Ich möchte die Hotellerie und Gastronomie des Stadtspitals

Waid und Triemli in der Kunden-und Patientenzufriedenheit

ganz vorne platzieren, quasi als Visitenkarte, mit dem Image

eines fortschrittlichen, qualitätsorientierten und verantwortlichen

Betriebs. Ich bin überzeugt, dass dies auch ein entscheidender

Faktor für die Gewinnung neuer und den Erhalt

bestehender Mitarbeitender ist. Darüber hinaus kann ich mir

vorstellen, meine Passion und Wissen im Rahmen eines Lehrauftrags

weiterzugeben.


11


Highlight

Ich packe alles – meine Leben, Gefühle und

die Vergangenheit – in meine Songs

KMU Wirtschaft im Gespräch mit Freschta, Schweizerin mit

afghanischen Wurzeln und „Voice of Germany“-Star

Voice of Germany hat Dich zum Star gemacht. Was hat das in

deinem Leben verändert?

Über Nacht war ich in der Schweiz und in Deutschland bekannt.

Deutschland ist ein interessanter Markt mit grossem Potenzial

für mich. Ausserdem konnte ich neue Kontakte aus dem Musik-

Business knüpfen, welche für mich neue Türen geöffnet haben.

„Meine 3 Minuten“ mit dem deutschen Rapper Sido bleibt

uns im Gedächtnis. Wie kam es zu dem Duett?

Da jeder Finalist mit seinem/ihrem Coach ein Lied releasen

durfte, kam es so zu diesem Song.

Ein toller Song mit einer Message dahinter. War ein grossartiges

Erlebnis. Noch heute habe ich Kontakt mit Sido, was ich sehr

schätze.

Du standst auch mit Dua Lipa auf der Bühne, international

eine grosse Nummer. Was bedeuten Dir solche Auftritte?

So was ist ein fantastisches Erlebnis auf „Augenhöhe“. Man

lernt von solchen Top-Stars, wie man selbstbewusster und professioneller

auftreten kann. Dieser Auftritt bedeutete sehr viel

für mich, da ein Traum in Erfüllung ging.

Auf deiner Website schreibst du von den Schwierigkeiten

von Künstlern in der Corona-Krise…

Wir Künstler gehen gerade durch eine harte Zeit, weil Auftritte

und ganze Tourneen von heute auf morgen abgesagt worden

sind und immer noch werden.

Die Zukunft ist ungewiss. Doch man hat Zeit für neue Songs,

und kann innovativ sein und sich zum Beispiel auf die Vermarktung

auf Online-Plattformen anstelle von Live-Auftritten fokussieren.

Du arbeitest an neuer Musik. Für 2020 sind neue Tracks geplant.

Auf was dürfen wir uns freuen?

Bald erfolgt ein Release in Zusammenarbeit mit einem bekannten

Schweizer Rapper. Ausserdem arbeite ich intensiv an Solo-Projekten,

wobei inhaltlich mein Leben, meine Gefühle und

auch die Vergangenheit thematisiert werden. Öffentlich gebe

ich keine tiefen Einblicke in mein privates Leben, ich packe lieber

alles in meine Songs.

Mit Markus Glur von Skytone Music bist du eine neue Kooperation

eingegangen. Wie kam es dazu?

Ich strebe eine langfristige Zusammenarbeit an und möchte

alle Arbeitsschritte mit-verfolgen und nicht „nur“ die Sängerin

sein. Markus bietet hohe Qualität und sehr viel Know-how.

Unser Ziel ist es, weitere Projekte auf hohem professionellen

Niveau zu produzieren und zu vermarkten. Dabei soll möglichst

viel «Made in Switzerland» sein. Aktuell bauen wir auch ein professionelles

PR & Marketing Team auf.

Deine Eltern stammen aus Afghanistan. Wie sehr prägen diese

Wurzel deine Musik?

Ich bin in der Schweiz aufgewachsen, jedoch stark von dieser

Kultur geprägt. Nicht nur meine Songtexte werden meine

Wurzeln spiegeln, sondern auch meine Musik. Mein Ziel ist es,

europäischen Sound mit demjenigen aus dem Nahen Osten zu

ver-schmelzen.

Als eine der wenigen Schweizer Künstler hast du es in

Deutschland geschafft. Was ist spannend an diesem Markt?

Die Grösse und Vielfalt des Marktes sind reizvoll. Es gibt ganz

einfach mehr Möglichkeiten. Die Schweiz bleibt aber meine Basis,

da ich hier zuhause bin.

12


Denken Sie hier

an Turnschuhe?

Warum nicht.

Unternehmer denken weiter. Zum Beispiel, wie aus

Plastikmüll nachhaltige Turnschuhe hergestellt werden

können. Und wir sind die Bank, die mitgeht.

credit-suisse.com/unternehmer

Credit Suisse

unterstützt

Unternehmer

Copyright © 2020 Credit Suisse Group AG und/oder mit ihr verbundene Unternehmen. Alle Rechte vorbehalten.


13


„Stay curious to thrive“

KMU Wirtschaft im Gespräch mit der Medien-

Unternehmerin, Investorin und Wahl-Zürcherin

Patricia Falco Beccalli

14


Highlights

Frau Falco Beccalli, Sie sind Medienunternehmerin, Investorin

und Business Angel. Wie bekommt man dies als Ehefrau

und Mutter unter einen Hut?

Gerne würde ich dazu antworten: ‘Grosse Leidenschaft allein! ’Aber

Leidenschaft ist nur ein Teil der Gleichung ‘alles unter einen Hut’

zu bekommen. Die anderen Quotienten sind Disziplin, Organisation

und Liebe. Disziplin überbrückt die Momente, die wir alle

als Motivations- oder Energielosigkeit kennen. Oder wenn man

erschöpft denkt, ‘warum mache ich das alles hier? ’ Disziplin

fragt nicht: ‘habe ich jetzt Lust und Leidenschaft, meinen Verantwortungen

gerecht zu werden oder nicht zu meinem Wort

zu stehen. Sie flüstert mir vielmehr zu: ‘Mach einfach so gut es

geht’ oder ‘Immer weiter im Text’ oder ‘Autopilot, Patricia, Autopilot’.

Gute Organisation ist eine

grosse Kunst, denn sie hängt

von Prioritätensetzung ab. Oft

verheddern wir uns im Tagesgeschehen,

sind beschäftigt aber

(er)schaffen eigentlich nichts.

Wir wiegen uns in dem Gefühl,

‘wenigstens etwas gemacht’ zu

haben. Doch das ist ein gefährlicher

Trugschluss, besonders

wenn z.B. Geschäftspartner,

oder auch die Familie auf einen

zählen.

Die Liebe meiner Familie, meiner

Tochter, Victoria, und mein

Mann Nani sind unverzichtbar

für mich. Sie stehen 100% zu mir

und meiner Karriere. Sie erden

mich, geben mir Halt und Unterstützung;

sind die grössten Fans

und besten Kritiker, von denen

ich weiss, dass sie ganz im Sinne

meiner Ziele und Entwicklung an

mir Kritik üben. Liebe ist ein Privileg

und ich bin ihr täglich ganz

bewusst dankbar. Vielleicht ist

dies - besonders bezüglich der

Disziplin und Organisation – eine

eher rigide und rationale Weise,

mein ‘ausgeglichenes Leben’, zu

beschreiben. Meine Kindheitserfahrungen

spielen sicherlich eine

grosse Rolle. Ich war immer auf mich selbst gestellt, da meine

Eltern als politische Flüchtlinge aus Ungarn nach Deutschland

kamen – mittellos und mit mir als Baby im „Gepäck“. Sie verstanden

weder die Sprache, noch den ‘westlichen Kapitalismus’.

Oft alleine und ein Schlüsselkind – bei berufstätigen Eltern war

ich schon im zarten Alter tagsüber auf mich gestellt – hatte ich

keine andere Wahl als einfach zu funktionieren und selbständig

zu handeln. ‘Nichts dem Zufall überlassen’, war bei uns

grossgeschrieben. Keiner von uns, weder meine Eltern noch

ich, hatten die Option einfach einzuknicken oder etwas aus dem

‘Ruder laufen zu lassen.‘ Auch wenn es schwer für mich war, besonders

finanziell, hat mich meine Kindheit bestens auf ein ‘dynamisches

Leben’ in all’ seinen Nuancen, vorbereitet. Ich habe

schnell gelernt, dass ich meine Träume selbst erarbeiten muss

und dass Herausforderungen im Alltag, für mich Chancen sind

zu wachsen, besser zu werden und mich weiterzuentwickeln.

Meine Neugier und mein Optimismus motivieren mich täglich

aufs Neue!

Als Business TV-Anchor, unter anderem für CNBC, haben Sie

internationale Bekanntheit erlangt. Jetzt sind Sie selbst Medienunternehmerin.

Wie kam’s dazu und wie gross ist die Umstellung?

Die knapp13 Jahre im Finanz-TV, erst mit RAI in Rom und dann

mit CNBC in London, habe ich geliebt und in vollen Zügen genossen.

Und damit meine ich nicht, dass man mich plötzlich auf

der Strasse erkannte. Natürlich schmeichelt es dem Ego, macht

einen ein Stück weit stolz. Aber ich habe meine Position als Anchor

immer als grosses Privileg bewertet. Ich hatte Zugang zu

den interessantesten, mächtigsten, innovativsten, reichsten

Menschen der Welt, konnte ihnen Fragen stellen und ganz nah

beobachten, wie sie Ihren Erfolg kreierten und managten. Ich

hatte ein fantastisch kreatives Team, und meine Co-Moderatoren

waren immer gut aufgelegt, was natürlich den ganzen Tenor

der Sendung bestimmen kann.

Ende 2012 verliess ich CNBC, nicht letztens auf die Bitte meines

Mannes hin. Für ihn war es schwer, dass ich um 03.00 Uhr

aus dem Bett kroch, um meine ‘Morning Show’ um 05.00 Uhr

morgens zu moderieren. Da auch er eine sehr hohe Position

innehielt, und er mich auch

als ‘Corporate Wife’ an diversen

Veranstaltungen

brauchte, habe ich mich von

CNBC (schweren Herzens)

getrennt.

Die Umstellung war hart,

denn nie zuvor hatte ich

NICHT gearbeitet! Hatte

immer eine Karriere, mein

eigenes Einkommen und

finanzielle Unabhängigkeit.

Damit will ich sagen, dass

die Umstellung sich nicht

nur auf den Arbeitgeber,

sondern auch auf emotionaler

Ebene abgespielt hat.

Mentorit.TV hat sich selbst

erfunden. Die Idee ist das

Ergebnis meiner schon erwähnten

Neugier. Anfang

April, im vollen Lockdown

der ‘ganzen Welt’, hatte ich

so viele Fragen. Irgendwie

hatte ich das Gefühl, Covid-19

wird schlimm und

keine Alltagsfliege. Ich wollte

wissen, was meine Freunde

und mein professionelles

Netzwerk über die Pandemie

dachten. Wie schätzten

sie die Situation ein und wie

sahen sie die Zukunft? Was waren die Erwartungen und wie gingen

sie damit um? Also fasste ich kurzum den Entschluss, und

schrieb mein Netzwerk mit der Frage an, ob sie mit mir und ‘der

Welt’ ihre ganz persönlichen Einblicke, Prognosen und Befürchtungen

auf in einem Video-Interview zu teilen. Et voilà

Und warum der Name Mentorit.TV? Ganz einfach, weil ich daran

glaube, dass jeder Mensch mit seinen ganz persönlichen Erfahrungen

– ob professionell oder privat – Kerneinsichten bekommen

hat, die es wert sind mit ‘der Welt’ zu teilen. Somit kann

jeder ein Mentor sein!

CNBC Money Switzerland hat jüngst den Konkurs vermeldet.

Was gibt Ihnen die Zuversicht, in diesem anspruchsvollen Umfeld

Erfolg zu haben.

Mentorit.TV – meinen YouTube Kanal – mit einer grossen TV

Sender zu vergleichen, ist unrealistisch. Die Medienlandschaft

hat sich seit der Einführung der Digitalisierung, den Sozialen

Medien und der Smart-Phones komplett verändert. Der Zuschauer

konsumiert Medieninhalte heutzutage anders. Gezielt

und ungeduldig ist sein Suchverhalten auf dem Netz. Das klassische

TV Programm wird mit seinen hunderten Kanälen einfach

durchgezappt. Dementsprechend kämpfen viele grosse Sender

mit dem Überleben. Man sehe die Schliessung von CNN Money

Switzerland vor einigen Wochen hier in Zürich. Und Mentorit.TV

muss sich unter über 500 Millionen YouTube Kanälen Gehör ver-


15


schaffen und Zuschauer gewinnen. Die Corona-Krise hat aber

auch gezeigt, dass die technologische Entwicklung in den letzten

30 Jahren uns kostengünstige und effiziente Alternativen

bietet, Medieninhalte zu schaffen und zu vermarkten. Beispiel

Konferenzen: diese werden momentan komplett online gehalten.

Diese zu moderieren, hat ein ganz anderes Feeling, besonders

weil man sein Auditorium nicht spürt oder mitdiskutieren

lassen kann. Das ist schade, aber immerhin die Technologie

hilft, dass es überhaupt noch einen intellektuellen Austausch

auf einem virtuellen Podest gibt.

Ich liebe Business, aber auch das Rampenlicht. Der Ton und

der Modus Operandi auf dem Trading-Floor in den Banken war

mir zu rau und schon bald wusste ich, dass ich eine Alternative

suchen würde. Ich hatte Glück, denn ich habe es mit meiner

Position bei RAI und CNBC geschafft, zwei Leidenschaften zusammenzuführen:

Business und Rampenlicht! Der Schritt war

rein emotional, denn als Bankerin verdiente ich gutes Geld und

bekam Boni. Beim TV musste ich ganz von unten anfangen... in

allerlei Hinsicht.

Und ja, natürlich hatte ich bei CNBC eine Entourage, vom Junior-

Producer bis zum Make-up. Jetzt mache ich 50% allein: Gäste-

Pipeline, Interview Themen, Recherche, Make-up, Sendung und

das Schneiden der Sendung für das YouTube Format aber auch

für alle anderen Plattformen, so wie Twitter, FB, Instagram, LinkedIn.

Die anderen 50% liegen bei der aktiven Kommunikation und

Vermarktung meiner Inhalte. Dafür habe ich nunmehr ein Team

zusammengestellt. Eine grosse Investition, die sich aber bestimmt

lohnt. Sie publizieren nicht nur auf den oben genannten.

Plattformen, sondern jetzt gibt es auch einen Newsletter (alle

zwei Wochen), den Mentorit.TV Monitor, der unser Netzwerk im

Bild hält. Eines habe ich in dieser Umstellung schnell gelernt:

Niemals die Arbeit von Social Media-Marketingfirmen unterschätzen!

Zusammen mit Ihnen steht oder fällt der Erfolg von

Mentorit.TV!

Was differenziert Ihr Format von Angebot der Konkurrenz?

Im Gegensatz zu meinem vorigen Arbeitgeber CNBC, ist Mentorit.TV

nicht News-, sondern Contentgetrieben. Mein Ziel ist

es in die Tiefe zu gehen und einfühlsam mit meinen Gesprächspartnern

Themen und Stories zu entdecken. Unsere Followers

fühlent sich wohl, Neues zu entdecken, ob über Kunst, Politik,

Wirtschaft, Medizin oder innovative Technologien wie Crypto

oder Blockchain. Mein USP ist es, die besten Köpfe, Denker und

Avantgardisten meinem Publikum zu bieten. STAY CURIOUS ist

das Motto von Mentorit.TV. Das ist eine Aufforderung, unseren

Tag so anzugehen als wäre es der ERSTE und nicht der LETZ-

TE unseres Lebens. Solange wir uns ‘pushen’ etwas Neues zu

entdecken, offen für Inspiration und andere Sichtweisen sind,

solange werden wir uns entwickeln – das anders ausgedrückt –

unsere persönliche Evolution geht weiter. Und das ist für mich

Leben!

Meine derzeitige Serie: Covid-19 – from Crisis to Creation, soll

Hoffnung geben und zeigen, wie meine Interviewpartner das

Beste aus der Pandemie und Wirtschaftskrise machen. Egal in

welchem Sektor oder in welchem Land.

Redaktionell lasse ich mich auch von meinen Followern leiten.

Ich glaube ganz fest an die Co-Kreation der Inhalte zusammen

mit meiner Audience. Ich höre genaue hin und neheme meine

Audience sehr ernst!

Sie selbst haben eine interessante Lebensgeschichte zu erzählen.

Wieso macht man als erfolgreiche Investment-Bankerin

den Schritt in die Medienwelt?

Um einen kleinen Kontext zu geben, eigentlich wollte ich immer

Schauspielerin werden. Seit dem 6. Lebensjahr nahm ich

Ballettunterricht und wurde mit 13 auch in die staatliche Ballettschule

in Frankfurt – das Dr. Hoch’s Konservatorium – aufgenommen.

Ich spielte viel Theater, Klavier und Saxofon und

nahm zeitweise Gesangsunterricht. Bis, ja bis mir dann ein Ex-

Freund sagte, er würde mich verlassen, sollte ich auf der Bühne

jemanden für eine Rolle küssen. Ich sollte doch vielmehr in

England etwas mit Business und Finanzen studieren. Das war

ein sehr grosser Richtungswechsel. Nach der Uni bin ich dann in

meinen ersten Job gestolpert, als ich einen Investmentbanker

von Lehman Brothers. auf einem Weinfest in Deutschland kennenlernte.

Der bat mir nach dem Uni-Abschluss eine Stelle an et

voilà , ich landete im Banking.

Als Frau hatten Sie sich in von Männern dominierten Branchen

– Finanzen wie Medien – durch Leistung durchzusetzen.

Welchen Rat haben Sie für junge, karriereorientierte Frauen?

Es hat sich zwar einiges im Sinne von ‘Gender Equality’ getan,

aber volle Emanzipation oder Gleichberechtigung gibt es (noch

lange) nicht. Ein Mann wird eine Frau immer zuerst als Frau sehen

und erst im zweiten Schritt als ein professionelles Mitglied

des Teams. Hart aber wahr... und je eher das eine Frau versteht,

desto besser für ihren Werdegang. Frauen machen oft den Fehler

mit Männern auf der Mann-Ebene zu konkurrieren, anstatt

ihre femininen Qualitäten positiv einzusetzen. Gerade im Banking

waren (zu meiner Zeit jedenfalls) die Frauen fast männlicher

im Habitus und im Dressing als die Männer. Ich konnte das

nie nachvollziehen und um ehrlich zu sein, hatte ich den Eindruck,

dass Männer dies eher belächelten und nicht respektierten.

Leistung und harte Arbeit zählen, ja, aber das Networking ist

fundamental und bringen weiter. Frauen meinen oft, sie werden

entdeckt und promotet, wenn sie nur brav Performance bringen.

Klar, das ist eine Seite der Medaille. Die andere Seite aber

ist, ‘Dabei-zu-sein’ im Pub oder bei Sportevents z.B., was zum

Erfolg führt.

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Würde und Werte sind Grundsteine deiner langlebigen Reputation

und Lebensqualität. Das gilt für das Arbeitsumfeld, sowie

im Privaten. Behalte immer deine Würde und eine gute Portion

Selbstliebe. Lasse nicht alles mit dir machen, du bist kein Opfer,

sondern der Protagonist in deiner Lebensgeschichte. Lasse niemanden

deine Werte korrumpieren und stehe zu dir.

Ihr Business Know-how bringt Ihnen auch Vorteile als Investorin?

Was macht Falco Capital?

I am a SURVIVOR! Mein Mann und ich erkrankten am Corona

Virus Ende Januar 2020. Damals wollten wir uns im Uni Spital

testen lassen, aber da war nichts zu machen. Die damaligen Bedingungen

zum Corona Test waren, dass man in China gewesen

sein musste, oder mit einem Chinesen etwas hatte oder oder,

oder... Das war eine komische Erfahrung, weil wir verantwortungsvoll

handeln wollten und bereit waren, sofort in Quarantäne

zu gehen, um unsere Mitmenschen zu schützen. Und ‘das

System’ oder der ‘Corona-Fragenkatalog’ uns dies untersagte.

Falco Capital ist neben Mentorit.TV mein Hauptfokus. Wir sind

zehn Partner und investieren in sogenannte ‘scale-up’ Firmen.

Das sind junge Firmen, denen finanzielle Investitionen allein

nicht reichen, um international erfolgreich und nachhaltig zu

wachsen. Wir haben ein neues Investment Model entwickelt,

welches wir mit ‘Operational Investors’ bezeichnen. Die Investition

ist eine Mischung von ‘Cash-Investment’ und ‘ Sweat-Investment’.

Cash-only-Investoren zu finden, ist relativ einfach. Jedoch fehlt

den Unternehmen meist die Expertise wie dieses Geld effizient

eingesetzt wird, um das Unternehmen zum Erfolg zu bringen.

Das ist das USP von Falco Capital. Alle zehn Partner haben eine

spezielle Expertise, die sie einbringen, um dem Unternehmen

besonders in operativen Prozessen (Hands-on und NICHT als

Berater) zu unterstützen. Es geht von Strategieentwicklung

bis zur Supply-Chain Optimierung oder den Aufbau von Distributions-Strukturen

auf globaler Ebene durch unser Netzwerk.

Nochmal: Falco Capital ist kein Berater, der mit guten und teuren

Ratschlägen das Firmenmanagement dann alleine lässt.

Wir stehen mit TAT zur Seite.

Wir sind der Überzeugung und beobachten es seit einigen Jahren,

dass das klassische Venture Kapital ein ‘Auslaufmodel’ der

Investitionsart ist. Das Prinzip ‘Spray, Hope and Pray’ hat viele

Problematiken, besonders für Firmen die zwar eine Geldspritze

erhalten haben, aber nicht wissen, wie es eingesetzt werden

soll. Das ist so, als würde man im Lotto gewinnen, aber nichts

von Fonds-Management verstehen. Das Geld ist schneller weg,

als man meint.

Zurück zu Mentorit-TV – wie planen Sie langfristig die Finanzierung

zu sichern?

Oh, da bin ich total unbefangen und kenne mich gar nicht aus.

Was ich natürlich sehe, ist das YouTube Kanäle mit einer grossen

Anzahl an Follower auch Werbung schalten. Mentorit.TV ist da

noch ganz am Anfang. Ein Geschäftsmodell, welches auf Sponsoring

aufgebaut ist und auf kurze Sicht eventuell realistischer.

Die Analyse meiner Zuschauer wird aufzeigen für welche Firma

es potenziell Sinn macht, eine Sendereihe zu sponsern. Wenn

der Content und die Audience im Sinne des Unternehmens ist,

kann das effektiv in Unternehmen-Marketing eingesetzt werden.

Mein Medien- und Kommunikationsberater, Bernhard Bauhofer

von Sparring Partners hier in Zürich ist da sehr kreativ und

setzt solche Konzepte seit Jahren erfolgreich um.

Sie haben an vielen Orten der Welt gelebt. Jetzt ist Zürich Ihr

Zuhause. Was macht die Stadt besonders und wie sieht ihre

Zukunft nach Corona aus?

Ich liebe Zürich, denn es ist eine Stadt mit der richtigen Mischung

an Lebensqualität, Weltoffenheit und Internationalität.

Hier passiert so vieles, besonders auch in der Start-up- und

Crypto-Szene. Für mich als Investorin, hat sich hier immer nur

Positives entwickelt. Und damit meine ich sowohl die Unternehmen,

also auch die Menschen, die hinter den Unternehmen

stehen. Privat fühle ich mich hier zuhause und kann es eigentlich

gar nicht unterschreiben, dass die Schweizer die Ausländer

(wie mich) angeblich nicht akzeptieren. Ganz im Gegenteil. Ich

bin immer auf sehr offene und hilfsbereite Schweizer getroffen

und habe mittlerweile einen sehr bunten und schönen Freundeskreis.

Erst im Mai, als wir einen Antikörpertest durchführen liessen,

hatten wir die Bestätigung, dass wir tatsächlich Covid-19-Survivors

sind. Interessant ist nur, dass wir weder unsere Tochter,

noch meine Eltern oder unsere Angestellten angesteckt hatten,

trotz dem engen und regen Kontakt in der Zeit unserer akuten

Erkrankung....

Zu guter Letzt: Sie haben schon grössere Persönlichkeiten

interviewt. Wer fehlt Ihnen auf der Liste, den Sie noch unbedingt

befragen wollen?

Wow… das ist eine Frage? Natürlich kann ich da die ganz großen

Namen der Wirtschaft, Kunst und Politik aufzählen. Aber

wie ich schon erwähnte, jeder von uns hat eine Geschichte zu

erzählen, von der wir alle lernen können. Ich bin so dankbar für

all die Gäste, die sich bis dato Zeit für Mentorit.TV genommen

haben. Mein Wunsch wäre es, auf diesem Niveau mich weiterentwickeln

zu können. Und da zähle ich auch auf das Netzwerk

meiner Follower, ganz im Sinne von Content-Co-Creation!


17


Porträt

Self Storage:

nach aktuellsten Kundenbedürfnissen konzipiert

Herr Schmutz, Sie gelten als Pionier des Self Storage in der

Schweiz. Wie hat sich das Geschäft seit den Anfängen entwickelt?

Self Storage hat sich in den letzten zwanzig Jahren von einem

Nischenprodukt zu einer breit genutzten Dienstleistung entwickelt.

Die stetig wachsende Urbanisierung und Mobilität der

Gesellschaft führen dazu, dass Kunden Bedürfnisse und Erwartungen

an innovative Dienstleistungen entwickeln, die sie

in diesem dynamischen aber auch angespannten Umfeld unterstützen

und ihr Leben erleichtern. Dies gilt sowohl für private

wie auch für Firmen, egal in welcher Größe.

Dazu kommt die Digitalisierung, die vieles vereinfacht, und

gleichzeitig die Geschwindigkeit der Gesellschaft erhöht. Somit

bewegen wir uns immer schneller, und versuchen immer mehr

gleichzeitig zu erledigen. Self Storage fügt sich in dieses Bild

hinein, in dem es flexible Lagerlösungen anbietet, die schnell

und unkompliziert von Kunden gemietet und wenn nicht mehr

gebraucht wieder abgegeben werden können.

Im Januar steht die Eröffnung des Standorts in Winterthur

Töss auf der Agenda. Was zeichnet diesen Neubau aus?

Zebrabox hat als Ziel, die oben erwähnten Bedürfnisse der

Schweizer urbanen Bevölkerung zu bedienen. Wir freuen uns,

mit unserem neuen Standort in Winterthur zur Dynamik dieser

Stadt einen Beitrag zu leisten. Dazu ist dieser Standort ein

Neubau, wo wir unsere langjährige Erfahrung einfließen lassen,

damit unsere Kunden das Bestmögliche im Self Storage erhalten.

Die Summe vieler wesentlichen Sachen und kleinen Details

führt dazu, dass jeder seine Zebrabox schnell, sicher und unkompliziert

nutzen kann. Dazu gehören zum Beispiel hindernisfreies

Einlagern, kurze Wege, großzügige Warenlifte, wettergeschützte

Ladeflächen, ausreichende Parkplätze, und vieles

mehr. Dazu ist uns der Wohlfühlfaktor unserer Kunden wichtig.

Unsere Räumlichkeiten sind sauber, videoüberwacht, gut beleuchtet,

und jeder Lagerraum ist individuell mittels Alarmanlage

gesichert.

Indem Sie ganz verschiedenen Menschen Lagerräume anbieten,

lösen Sie auch deren Probleme. In welchen Lebenssituationen

werden Menschen zu Ihren Kunden?

Die steigende soziale und professionelle Mobilität der Leute

bringt das Leben viel öfters in Phasen des Wechsels, wo nicht

mehr alles stabil ist. Dies ist zum Beispiel der Fall bei einem Joboder

Partnerwechsel, beim Schritt in die Selbstständigkeit –

Thema „ich gründe ein Start-up“ – bei einem Auslandaufenthalt

oder anderen, neu sich ergebenden Lebenssituationen. Diese

bringen für die Betroffenen oft neue Perspektiven mit sich, aber

auch Stress. Zebrabox positioniert sich da als Begleiter, wir können

Ermöglicher sein – viele Start-up sind aus einer Zebrabox

geboren – und gleichzeitig Stressabbauer – nach dem Motto

„meine Möbel können schnell und sicher bei Zebrabox eingelagert

werden“.

Langfristig bietet Zebrabox ihren Beitrag zur Verdichtung der

Städte, indem wir auf effiziente Weise dem durch die Urbanisierung

bedingten schwindenden Stauraum eine Alternative

anbieten. Den fehlenden Keller meiner Loftwohnung kompensiere

ich durch meine Zebrabox.

Wie können Sie KMUs unterstützen?

Zebrabox hat seit jeher viele gewerbliche Kunden, von der

Kleinstunternehmung bis zu den grossen Multis in der Schweiz.

KMUs nutzen typischerweise eine Zebrabox für Kleinlager von

Außendienstmitarbeiter und Servicetechniker, für Archiv, oder

auch als lokale logistische Kleinhubs. Self-Storage mit Stadtlagen

wird in Zukunft sicher eine wichtige Rolle in der Problematik

der Last Mile-Logistik spielen können.

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Porträt

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sind über alle Branchen

hinweg im Vormarsch. Spielen sie Sie in Ihrem Geschäft

auch eine Rolle?

Unser Kerngeschäft ist mit der Lagerung von physischen Gegenständen

verbunden, und dies wird auch so bleiben. Dazu

wird natürlich alles, was rund herum liegt, digitalisiert. Heute

schon kann der Kunde auf der Website den passenden Lagerraum

aussuchen, buchen, bezahlen, und dann beziehen, ohne

dass er dazu Direktkontakt zu einem unserer Mitarbeiter haben

muss. Aber er kann mit jemanden sprechen, falls er dies doch

möchte! Das ist mir ein wichtiges Anliegen, die Digitalisierung

der Prozesse soll primär dem Kunden nutzen und der Flexibilität

dienen, nicht denm Ersatz von Mitarbeitern.

Ein Beispiel dazu sind unsere selbstfahrenden Roboter, die wir

in gewissen Lagern einsetzen. Diese erlauben uns Neukunden

in Standorten zu begleiten, wo es wirtschaftlich nicht möglich

ist, permanent Mitarbeiter zu haben. Der Mitarbeiter kann über

den Bildschirm vom Roboter trotzdem ‚vor Ort‘ sein, und den

Kunden entsprechend beraten.

Nachhaltigkeit bekommt auch in der Bau- und Immobilienbranche

eine immer grössere Bedeutung.

Selbstverständlich bemühen wir uns, unseren Footprint so gering

wie möglich zu halten. Im neuen Gebäude in Winterthur,

wird zum Beispiel dank einer klugen Technik die Energienutzung

sehr tief gehalten.

Die Temperatur im Gebäude wird das ganze Jahr mittels sieben

Erdsonden und der Zirkulation von Wasser für Heizung oder

Kühlung in den Betondecken stabilisiert. Zudem konnten wir

in den letzten Jahren durch sukzessiven Ersatz von konventionellen

Leuchtmitteln durch LED-Beleuchtung, den Stromverbrauch

für die Beleuchtung mehr als halbieren.

Zebrabox ist ein Name, den man nicht so schnell vergisst. Wie

kam es zu dieser Firmenbezeichnung?

Der Name ist Programm für unsere Dienstleistung. Jedes Zebra

sieht mit seinen Streifen ähnlich aus, ist aber einzigartig. Bei

unseren Kunden ist dies gleich, jeder braucht Lagerraum, aber

mit einem individuellen Bedürfnis. Das decken wir bestmöglich

mit unserem flexiblen Angebot ab.

Jede Kundin und jeder Kunde, der bei Zebrabox Gegenstände

lagert, hat eine ganz persönliche Geschichte zu erzählen.

Können Sie uns die ein oder andere Anekdote verraten?

Mit der Zeit könnten wir ein Buch darüber schreiben, die Kunden

der Zebrabox sind ein Spiegel der Gesellschaft. Die Privatkunden

sind mit den eingelagerten Objekten ja meistens emotional

gebunden. Es spielen sich entsprechend am Rande des Einlagerns

teilweise Geschichten ab, die eher in die Kategorie "Soap

Opera" gehören.

Oft stehen Kunden mit einem vollen Lieferwagen vor dem Eingang,

und brauchen dringend einen Lagerraum. Dies vermehrt

nach den Feiertagen, bevor die Scheidungsrate wieder ansteigt.

Andere wiederum bewahren Erbsachen auf, und kommen diese

einmalig im Jahr „besuchen“. Anfragen, ob Gewächshäuser bei

uns möglich sind, erhalten wir auch, müssen diese aber ablehnen.

Im geschäftlichen Bereich durften wir vor kurzem im Rahmen

der Renovation eines Hotels einen riesen Kronleuchter beherbergen,

der einen ganzen Lagerraum von 10 m2 für sich beanspruchte.

Ein Kaffeehersteller musste seine Special Editions,

die er aufbewahren wollte, vom Büro auslagern, weil diese sonst

von den Mitarbeitern getrunken würden. Auch hier war die gesicherte

Zebrabox der Retter.

Online bringen Zebrabox-Kundinnen und Kunden ihre Zufriedenheit

mit den Dienstleistungen zum Ausdruck. Wie macht

man hier den Unterschied?

In der Tat wird heute schnell online bewertet, was wir grundsätzlich

ja auch unterstützen. Dies erlaubt eine ehrliche Bewertung

unserer Arbeit, und gibt zudem einen positiven

Druck auf die Organisation, damit wir den Erwartungen der

Kunden entsprechen, oder besser diese übertreffen. Einen

Ausrutscher kann es dabei bei den Bewertungen immer geben,

ich kenne keine Organisation, die nie Fehler macht.

Wir versuchen, auch mit der Digitalisierung nah am Kunden zu

bleiben, und bemühen uns schnell und unkompliziert zu sein.

Die Idee dahinter ist, dem Kunden nicht einen Lagerraum zu vermieten,

sondern eine massgeschneiderte Lösung anzubieten.

Christian Schmutz

Founder and Chief Executive Officer Zebrabox


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Digitalisierung

Digitaler Schub durch Corona

Deutschland vernetzt sich: Aus dem Homeoffice lässt es sich trotz aller Widrigkeiten

besser arbeiten als es viele Menschen noch vor Wochen für möglich gehalten

haben. Wird Deutschland jetzt zum digitalen Überflieger?

Millionen Deutsche arbeiten von zu Hause aus, treffen sich in

Videokonferenzen und nutzen plötzlich digitale Plattformen.

Was noch vor Wochen unvorstellbar war, ist in der Corona-Krise

schnell zur neuen Normalität geworden. Doch das ist nicht das

ganze Bild. Denn noch immer setzen viele Unternehmen auf althergebrachte

analoge Abläufe. Und auch mehr als einen Monat,

nachdem die Corona-Pandemie mit voller Härte Deutschland

erreicht hat, übermitteln viele Gesundheitsämter in Deutschland

die Zahl neuer Infektionen und Todesfälle mit dem Fax-Gerät

ins Berliner Robert-Koch-Institut.

Digitales Arbeiten zur Krisenbewältigung

Trotzdem kommen immer mehr Unternehmen und ihre Mitarbeiter

auf den Geschmack, wenn es um die Arbeit aus dem

Homeoffice geht. „Vor allem Branchen, die bislang nicht zu den

Digitalisierungsvorreitern gezählt haben, haben jetzt die Möglichkeit,

die ‚tief hängenden digitalen Früchte‘ zu ernten und so

mithilfe von digitalen Lösungen schnell zu guten Ergebnissen

zu kommen“, sagt Nils Britze im Gespräch mit der DW. Er leitet

beim Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche,

Bitkom, den Bereich für digitale Geschäftsprozesse.

„Digitale Technologien haben aktuell und grundsätzlich enormes

Potenzial. Und gerade jetzt sind das Lösungen, die das

gesellschaftliche Leben aufrechterhalten, angefangen beim

Online-Shopping bis hin zum digitalen Bürgeramt und zum Bildungsbereich,

Stichwort: virtuelles Klassenzimmer.“

Zukunftsvision papierloses Büro

Glaubt an dauerhaften Digitalisierungs-Schub durch die Corona-Krise:

Bitkom-Experte Nils Britze

Natürlich gibt es große Unterschiede bei der Digitalisierung der

deutschen Wirtschaft. Größere Unternehmen sind da meistens

schon weiter als kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU),

bestätigt Britze. Noch immer seien viele Firmen genauso wie

20


Digitalisierung

Teile des Bildungssystems und der Verwaltung papierbasiert,

vertrauten auf Briefpost, dem Faxgerät und den Versand von

Broschüren. Doch durch die Corona-Krise seien viele Entscheider

aufgewacht.

Sogar kleinere Firmen, die abgesehen von Emails vorher kaum

digital gearbeitet haben, können jetzt schnell auf den digitalen

Zug aufspringen, so Britze. „Mithilfe von Cloud-Technologie

kann jeder Unternehmer innerhalb von ein paar Stunden eine

digitale Lösung zum digitalen Unterschreiben, zum gemeinsamen

Bearbeiten von Dokumenten, oder für Videokonferenzen

einrichten.“

Neue Führungskultur gefragt

Hätte man dafür wie früher in die IT-Infrastruktur innerhalb der

Firma mit Rechnern und Servern investieren müssen, wäre das

nicht zu stemmen gewesen, so Britze. „Das ist ja eigentlich fast

ein Wunder, wie schnell Unternehmen da nachbessern konnten.“

Virtueller Klassenraum per Videokonferenz in

Singapur

Allein digitale Tools für alte Arbeitsabläufe zu nutzen, reiche

allerdings nicht aus, meint Britze. „Man muss Prozesse

hinterfragen, anders aufstellen, Prozesse anpassen, um

den vollen Nutzen digitaler Technologie zu bekommen.“

Bei der Digitalisierung müsse man eben neue Wege beschreiten

und könne nicht einfach so weitermachen wie bisher.

„Wenn sie einen schlechten analogen Prozess digitalisieren,

dann haben Sie am Ende einen schlechten digitalen Prozess“,

unterstreicht der Experte für digitale Geschäftsprozesse.

Dazu kommt, dass auch Chefs umdenken müssen. „Wenn

sich Führungskräfte und Mitarbeiter nicht täglich persönlich

sehen, ist natürlich ein gewisses Vertrauen absolute

Grundlage für das produktive Zusammenarbeiten.

Und Führungskräfte müssen sich über diese Herausforderung

auch ein Stück weit Gedanken machen und überlegen,

wie sie ihre Mitarbeiter produktiv an Bord behalten.“

Sechsmal mehr Homeoffice-Nutzer in den USA

Kate Lister von der Beratungsfirma Global Workplace Analytics,

die derzeit eine Umfrage über die Beteiligung von digitalen

Heimarbeitern durchführt, sagt voraus, dass 30 Prozent der

Menschen in den USA künftig mehrere Tage pro Woche von zu

Hause aus arbeiten werden.

Videokonferenzsitzung bei Memphis Meats in

Berkeley, Kalifornien

Gegenüber dem Technologie-Blog Recode sagte Lister, dass es

da einen gewaltigen Nachholbedarf gebe. Während vor der Corona-Krise

in den USA nur knapp fünf Prozent der Arbeitnehmer

aus dem Home Office gearbeitet haben, ist dieser Anteil durch

die Corona-Krise auf mehr als 30 Prozent nach oben geschnellt,

ergab eine aktuelle Studie der US-Hochschule MIT.

Und damit ist fürs Erste auch der maximal mögliche Anteil von

Mitarbeitern im Home Office in den USA erreicht, rechnete die

University of Chicago vor.

Auch Bitkom-Experte Britze ist zuversichtlich, dass man nach

der Corona-Krise das Rad der Digitalisierung nicht mehr zurückdrehen

kann.

„ Diese Entwicklung wird sich verstetigen. Und es wäre natürlich

wünschenswert, wenn Deutschland zum digitalen Überflieger

werden würde. Am Ende haben wir das selbst in der Hand.“


21


Digitalisierung

100 TAGE DIGITAL EXCELLENCE

CHECKUP – DAS SIND DIE ERSTEN

INSIGHTS

Digitale Reifegrad Assessments sind Kompass in der digitalen Welt:

sie helfen Führungskräften Status und Handlungsfelder aufzuzeigen.

swissICT hat vor 100 Tagen mit dem Digital Excellence Checkup ein

Tool der neusten Generation lanciert – lesen Sie hier Hintergründe und

die ersten Erkenntnisse.

Seit Anfang Juli 2020 ist der neue Digital Excellence Checkup

unter www.swissict.ch/checkup nun verfügbar. Mittlerweile haben

bereits 210 Personen das kostenlose Online-Tool genutzt,

um die digitale Fitness ihrer Organisationen zu beurteilen. Die

hohe Abschlussquote (> 50 Prozent) der gestarteten Befragungen

und der tiefe Anteil an «weiss nicht» Antworten (< 2 Prozent)

lassen auf Mehrwert und Einfachheit des Tools sowie Verständlichkeit

der Fragen schliessen.

Der Checkup wird von relevanten Personen benutzt: Knapp 80

Prozent der Teilnehmenden sind Führungskräfte, 42 Prozent

gehören zum Top-Management ihrer Unternehmen.

70 Prozent der Checkup-Benutzer arbeiten nicht in einer IT-

Abteilung, nur 21 Prozent sind in einem IT- oder Telco- Unternehmen

tätig. Digitalisierung ist damit klar ein Thema, das

Führungskräfte in allen Branchen und in allen funktionalen Einheiten

stark interessiert.

In welchen Bereichen haben die von der Befragungsteilnehmenden

beurteilten Unternehmen denn Handlungsbedarf? Die

Auswertung der aktuellen Datenbasis lässt folgende Schlüsse

zu (siehe auch Abb. 1):

In einer branchenübergreifenden Betrachtung scheint der

grösste Handlungsbedarf in den Dimensionen

Abb. 1: Handlungsfelder (rot): Vergleich des Erfüllungsgrads

mit Relevanz je Dimensionen. (Quelle: swissICT, Bramwell Kaltenrieder)

Kompass im digitalen Wandel

Führungskräfte stehen aktuell vor grossen Herausforderungen:

neben dem Bewältigen der Covid19-Krise sind sie mit den grossen

Veränderungen der Digitalisierung konfrontiert. Beim Navigieren

ihres Unternehmens durch die hohen Wellen des digitalen

Wandels, bei dem sie regelmässig vor neuen Technologien,

verändertem Kundenverhalten und neuen Geschäftsmodellen

der Mitbewerber stehen, wünschen sich viele Unternehmenslenker*innen

ab und zu einen Kompass.

Digital Maturity Assessments sind bewährte Instrumente, um

sich ein klares Bild zum Stand der Digitalisierung im Unternehmen

zu verschaffen. Auf der Grundlage eines mehrdimensionalen

Reifegradmodells helfen sie, die wichtigste Fragen in

diesem Kontext zu beantworten: «Wo befinden wir uns als Organisation

in diesem Wandel und im Vergleich zur Branche?»

und «Welches sind unsere wichtigsten digitalen Handlungsfelder

in den kommenden Jahren?»

• Strategie und Transformationsmanagement,

• Innovationsmanagement und

• Daten

zu bestehen.

Die drei Branchen mit dem grössten Nachholbedarf sind

• Transport & Logistik,

• Konsumgüter (Hersteller) und

• Maschinenindustrie

Abb. 2: Digitale Reife als Wettbewerbsvorteil. (Quelle: eigene

Darstellung in Anlehnung an Rushkoff, Booty, Veuve)

Digitale Reife als Wettbewerbsvorteil

Die digitale Reife einer Organisation – oft auch als digitaler

Reifegrad bezeichnet – ist das Ergebnis eines Digital Maturity

Assessments. Als Indikator für den Fortschritt der digitalen

Transformation eines Unternehmens ist sie gut erforscht und in

der Praxis anerkannt. Bereits 2012 veröffentlichte das Center of

Digital Business der MIT Sloan School of Management ein ers-

22


Digitalisierung

tes Modell zur Bestimmung der digitalen Reife und führte auf

dieser Grundlage auch eine quantitative Studie durch (Westerman,

Tannou, Bonnet, Ferraris, & McAfee, 2012).

Die Ergebnisse zeigten den positiven Einfluss der digitalen Reife

auf die Performance der Unternehmen auf: Im Vergleich mit

Branchenkollegen konnten Unternehmen mit hohem digitalen

Reifegrad höhere Pro-Kopf-Umsätze, Gewinn und Börsenbewertungen

aufweisen. Eine Studienreihe der Universität St.Gallen

entwickelte die Ansätze zwischen 2015 und 2017 weiter und

bestätigte unter anderem, dass Unternehmen mit hohem digitalem

Reifegrad die Ziele ihrer Transformation deutlich besser

erreichen oder gar übertreffen (Berghaus, Back, & Kaltenrieder,

2017).

• Kader-Workshops,

• der Initialisierung einer neuen Strategiephase,

• als Bestandteil der Erhebung von Handlungsfeldern

einer Digitalstrategie oder

• der Strategie-Controllings,

dienen die daraus abgeleiteten Erkenntnisse als wertvolle Orientierungspunkte

auf dem Weg zur erfolgreichen Zukunft ihrer

Unternehmen.

Der Digital Excellence Checkup von swissICT:

aktuell, einfach, neutral

Tools zur digitalen Standortbestimmung von Unternehmen

sind nur so gut, wie ihr zugrundeliegendes Modell, die Einfachheit

des Befragungsprozesses und die Handlungsorientierung

der Ergebnisse.

Experten der swissICT-Fachgruppe Digital Transformation Insights

und der Jury des Digital Transformation Awards haben

in den vergangenen 18 Monaten die Grundlage für die neuste

Generation eines Digital Maturity Assessments geschaffen. Mit

der Konsolidierung verschiedener vorbestehender Ansätze (u.a.

UniSG und FHNW) und der Einführung von differenzierbaren

Wichtigkeiten der Reifedimensionen entstand ein zeitgemässes

Reifegradmodell, das die individuellen Branchen- und Strategieprämissen

der Unternehmen abbilden lässt.

Das von swissICT entwickelte Befragungstool macht das Reifegradmodell

schliesslich dem breiten Publikum in verschiedenen

Varianten zugänglich und garantiert dessen Neutralität: wer

möchte denn schon, dass der Kompass nur in die Richtung eines

einzelnen Anbieters zeigt. Ebenso stellt swissICT den vertraulichen

Umgang mit den generierten Daten sicher.

Anwendung von Digital Maturity Assessments im strategischen

Management

Digital Maturity Assessments helfen, sich im Wald der unzähligen

digitalen Optionen zurechtzufinden und die richtigen Entscheidungen

zu treffen. Nutzen Führungskräfte dieses Instrument

zum Beispiel im Rahmen von

Abb 3. Die sieben Dimensionen des swissICT Maturity Models.

(Quelle: swissICT, Bramwell Kaltenrieder)

Wann haben Sie für Ihr Unternehmen zuletzt auf den digitalen

Kompass geschaut? In 10 Minuten wissen Sie, wo Sie stehen –

hier geht’s direkt zum Digital Excellence Checkup von swissICT.

Autor: Bramwell Kaltenrieder ist Professor für Digital Business

und Innovation an der Berner Fachhochschule. Er ist Co-Leiter

der swissICT-Fachgruppe Digital Transformation Insights sowie

Jury-Präsident der Kategorie Digital Transformation Award

Grossunterenehmen beim Digital Economy Award. Als Gründer

der Strategie- und Innovationsberatung Exploit unterstützt er

zudem Unternehmen dabei, im digitalen Zeitalter neue strategische

Wettbewerbsvorteile aufzubauen.

Quellen:

Berghaus, S., Back, A., & Kaltenrieder, B. (2017). Digital Maturity

& Transformation Report 2017. Universität St. Gallen,

80. https://doi.org/10.1007/s13398-014-0173-7.2

Westerman, G., Tannou, M., Bonnet, D., Ferraris, P., & McAfee,

A. (2012). The Digital Advantage: How Digital Leaders

Outperform their Peers in Every Industry. MIT Sloan Management

Review, 1–24


23


Digitalisierung

Tipps und Tricks für das erfolgreich

Home Office

Homeoffice erlebt einen Boom, nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie. Bereits

früher haben einige Firmen und Mitarbeiter deren Vorteile und Nachteile kennen

gelernt. Beachtet man gewisse Verhaltensregeln und verfügt über die technischen

Voraussetzungen, dann werden die Nachteile massiv reduziert. Bei KMU

Digitalisierung leben wir den digitalen Ansatz seit der Gründung vor 2 Jahren und

profitieren nun von der dezentralen Organisation. Wir durften viele Erfahrungen

machen und lernen. Auf dieser Basis ist dieser Artikel entstanden.

Organisation und einen klar definierten Arbeitsraum

Homeoffice, ah ja die wo auf dem Sofa rumhängen. Ist ein beliebter

Vorwurf. Sicherlich ist es keine gute Idee, vom Sofa oder

Bett aus zu arbeiten. Jedoch kann ein Sofa für eine Videokonferenz

sehr eignet sein. Die Bezeichnung „Home Office“ hat einen

guten Grund und legt bereits nahe, was wichtig ist: bestimmen

Sie dafür einen Bereich (es muss kein ganzes Zimmer sein), in

dem Sie ungestört und ohne äußere Ablenkung arbeiten können.

Der Esstisch, am Nachmittag der Balkon oder die Terrasse.

Organisieren sie sich zu Hause und schaffen Sie sich Arbeitsoder

Kommunikationszonen.

Kleider machen Leute – ziehen Sie sich so an, als

wären Sie im Büro

Es ist verlockend im Pyjama den ganzen Tag rum zu hängen.

Dies hat etwas vom Sonntags-Feeling. Sich Arbeitstauglich zu

kleiden obwohl Sie zuhause arbeiten, hat aber eine große psychologische

Wirkung:

Es stellt Ihr Gehirn auf „Arbeitsmodus“ und verhindert, dass sie

vor lauter Entspannung nicht in Gang kommen. Behalten Sie

Ihre Tagesabläufe bei. Spätestens bei der nächsten Videokonferenz

machen Sie so auch einen deutlich besseren ja professionelleren

Eindruck. Was uns gleich zum nächsten Punkt führt…

24


Digitalisierung

Digitale und verschiedene Kommunikationsformen

Telefongespräche oder E-Mails, Textnachrichten oder Chat,

jeder hat seine ganz eigenen, persönlichen Vorlieben, um mit

anderen Kontakt aufzunehmen und zu pflegen. Im Homeoffice

ist es wichtig, alle Formen gut zu beherrschen und die zur Situation

passende Kommunikationsform auszuwählen. So kann

es je nach Situation besser sein, eine E-Mail zu schreiben statt

zu telefonieren, genauso wie es sinnvoller sein mag, statt Nachrichten

zu verschicken eine Videokonferenz abzuhalten.

Wählen Sie also bewusst aus, für welche Kommunikationsform

Sie sich entscheiden und seien Sie offen für verschiedene Wege.

Nach unseren Erfahrungen ist es von grossem Vorteil, wenn

Sie viele oder alle Formen der Kommunikation zentral über ein

Device bedienen können. So müssen Sie nicht zwischen verschiedenen

Geräten hin und her wechseln. Unsere Kunden oder

Team Chats laufen daher entweder über WhatsApp via Browser

auf dem Laptop oder via Chat der voll in unsere Applikationen

integriert ist. Sprich egal ob ich im CRM, an einer Präsentation

oder an der Buchhaltung bin, ich sehe immer die Nachrichten

und Fragen der Kollegen an mich.

Vermeiden Sie Multitasking

Es ist verlockend, E-Mails zu beantworten oder andere Aufgaben

zu erledigen, wenn man in einer Videokonferenz mit

mehreren Teilnehmern festsitzen, die kein Ende findet. Das gilt

insbesondere, wenn man sich bereits von seinen Teamkollegen

isoliert fühlt. Aber der Verlust der Konzentration (und des Blickkontakts)

kann anderen den Eindruck vermitteln, dass der Kollege

im Homeoffice desinteressiert oder sogar eingebildet ist.

Um einen guten Eindruck zu hinterlassen und dem Drang nach

Multitasking zu widerstehen, können sich Homeoffice-Worker

einfach etwas weiter von ihrem Computer entfernt positionieren,

so dass sie von der Taille an sichtbar sind. Ihre Teamkollegen

sollten ihre Hände sehen können und sie sollten oft direkt in

die Kamera schauen, damit ihre Teamkollegen virtuellen Blickkontakt

haben. Je nach Situation ist es auch legitim, dezent und

anständig auf den Zeitplan zu verweisen. Genau gleich wie klassische

Meetings sollten auch Videokonferenzen effizient und

zielorientiert geführt werden.

Home Office heisst nicht 24 Stunden Arbeit

Arbeitgeber und Kunden müssen verstehen lernen, dass auch

im digitalen Zeitalter nicht eine 24 Stunden Verfügbarkeit die

Normalität ist. Vielleicht braucht es Krisen wie die Corona Pandemie

um dies zu lernen.

Aber auch Arbeitnehmer müssen lernen flexibel und doch zu

sich selber streng zu sein und sich selber feste Anfangs- und

Endzeiten für den persönlichen Arbeitstag fest zu legen, die

Sie auch konsequent einhalten. Dabei geht es nicht nur darum

sicherzustellen, dass Sie eine bestimmte Anzahl von Stunden

arbeiten, wenn Sie genau um acht Uhr starten und um fünf Uhr

aufhören. Feste Arbeitszeiten schaffen die Grundlage dafür, die

Ihnen zur Verfügung stehende Zeit bestmöglich zu nutzen. Zudem

ist eine klare Abgrenzung zwischen Arbeitsleben und Privatleben

insbesondere für die Arbeit von zuhause aus enorm

wichtig, damit Sie mental gesund bleiben.

Zugleich kann auch eine Prise Flexibilität helfen, in dem man

nach Absprache im Team gewisse Zeitfenster frei gestaltet

werden. Zum Beispiel am Montag ab 15.30 Uhr keine Meetings

zu machen, damit das Amt als Curling-Coach platz hat und 2

Stunden die an diesem Tag fehlen dafür fix am Samstag morgen

oder Donnerstag Abend einzuplanen.

Planung und Arbeitslisten

Nur wer weiss was er will und wohin er geht, kann sagen ob er

seine Ziele erreicht hat. Damit konzentriert auf ein bestimmtes

Ziel hin gearbeitet werden kann, ist es hilfreich, sich eine tägliche

Aufgabenliste zu erstellen. So können Sie selbst kontrollieren,

wie erfolgreich Sie Ihre Arbeit machen, auch wenn Sie dies

zuhause tun. Dieser Tip ist daher für Silo- oder Homeoffice Arbeiter

genau gleich wertvoll. Setzen Sie sich kritisch damit auseinander,

welche Priorität die einzelnen Aufgaben haben und

legen Sie fest, was bis zum Ende des Tages erledigt sein muss.

Anschliessend überprüfen Sie, welche Aufgaben Sie erledigen

konnten, und welche nicht. Daraus ergibt sich dann wieder die

Planung für den nächsten Tag und eröffnet Ihnen die Möglichkeit,

die eigene Leistung zu bewerten und Ihre Aufgaben konsequent

zu organisieren. So lernen Sie auch, frühzeitig zu erkennen

was Sie an Ihrer Arbeitsorganisation und -platz ändern

sollten um effizienter und effektiver zu sein.

Machen Sie Pausen

Was im Büro gilt, über Kleidung und Arbeitsbereich haben wir

schon gesprochen, gilt auch im Homeoffice. Es ist wichtig von

Zeit zu Zeit eine Pause einzulegen, – so wie Sie das auch im Büro

machen würden. Verlassen Sie den Arbeitsbereich bewusst, holen

Sie sich einen Tee oder Kaffee oder stehen kur auf den Balkon.

So gibt Ihnen die Pause die Möglichkeit, den Kopf wieder

freizubekommen und manche Dinge aus einem anderen Blickwinkel

zu betrachten, so dass Sie anschließend mit neuer Energie

an Ihre Aufgaben gehen können.

Vermeiden Sie Ablenkungen durch Familie oder

Freunde

Gerade wenn die Schulen geschlossen sind ein schwieriges Thema

und diese Regel ist vielleicht etwas verwirrend: Sie sollen/

können Ihre Familie natürlich nicht ignorieren, wenn Sie gebraucht

werden. Aber machen Sie aus der Arbeit im Home Office

keine Gruppenveranstaltung.

Setzen Sie auch hier klare Grenzen und bitten Sie die Familie

oder Freunde, Sie so zu behandeln, als wären Sie tatsächlich im

Büro. Ansonsten laufen Sie Gefahr, Ihre Aufgaben aus den Augen

zu verlieren.


25


Digitalisierung

Der Krisenmodus.

Sind Ihre Kinder jedoch nicht in der Schule oder betreut, so ist

es umso wichtiger gemeinsam Regeln und Arbeitspläne zu machen.

Papi arbeitet eine Stunde an Projekt XY – in dieser Zeit

lesen die Kinder oder machen Hausaufgabe Z und dann wird 15-

30 Minuten die Arbeit und das gelernte der Kinder besprochen

und neue Lernziele definiert. Ja, die Arbeitszeit für Papi verlängert

sich auf Grund der zusätzlichen Pausen. Im Krisen-Modus

ist es legitim und es ist wichtig hier an die Solidarität zwischen

Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu appellieren und dies zu leben.

Vielleicht kann auch die Nachbarin ein, zwei Stunden auf

alle Kinder aufpassen und Sie revanchieren sich am Nachmittag

mit 2 Stunden Betreuung.

Home Office Arbeiter müssen sich um Nähe

kümmern – Kommunizieren Sie aktiv

Trotz aller Möglichkeiten, die uns moderne Kommunikationsmittel

bieten: der persönliche Austausch ist immer noch ein

sehr wichtiges menschliches Bedürfnis. Falls Sie dauerhaft von

zuhause arbeiten, sollten Sie Ihre Kunden und Kollegen regelmäßig

persönlich treffen, zum Beispiel beim Lunch. Oder Sie

richten sich einen festen Tag pro Woche ein, in dem Sie vor Ort

im Büro sind und den persönlichen Kontakt aufrechterhalten.

Kurzfristig kann dies für 1-2 Monate unterbrochen werden,

wenn die Umstände dies erfordern. Es sollte aber nicht die Regel

werden.

Tägliche Arbeitsroutine hilft

Routine klingt negativer als es ist. Oft hat es einen negativen

Beigeschmack im Sinne von langweilig, lästig und ermüdend.

Jedoch ein klar strukturierter Arbeitsablauf hingegen ermöglicht

Ihnen, sich in die Arbeit zu vertiefen und verbessert Ihre

Konzentrationsfähigkeit. Dadurch finden Sie leichter in den

„Arbeitsmodus“, egal ob im Büro oder Home Office. Auf die gleiche

Weise können Sie Ihre Pausen in ihren Arbeitstag einbetten.

Belohnung nicht vergessen

Auch im Homeoffice sollten Sie sich für die Arbeit belohnen. Ein

frischer Kaffee oder eine längere Pause nach einem erfolg motiviert.

Denn kleine Belohnungen über den Tag verteilt, honorieren

Ihre Leistung und steigern nachweislich Ihre Motivation.

Die Möglichkeiten, sich bewusst etwas Gutes zu tun, sind im

Home Office wesentlich größer als in der Firma – also nutzen Sie

diesen Vorteil! Bei mir heisst diese Belohnung übrigens “Ghandi

Pur” ein ganz ausgezeichneter indischer Kaffee von Kaffeepur.

ch – wie heisst diese bei Ihnen?

Klare Abmachungen

Ganz wichtig ist es auch, zwischen Ihnen und Ihrem Team, respektive

Ihrem Arbeitgeber klare Abmachungen zu vereinbaren

und einzuhalten. Diese Abmachungen können je nach dem variieren

oder der aktuellen Situation angepasst werden – aber sie

müssen offen, ehrlich und Transparent geklärt werden.

Wenn Sie diese Regeln beachten, werden Sie alle Annehmlichkeiten

genießen können, die Arbeiten von zuhause aus ermöglicht,

ohne dass Sie dabei Ihre Motivation oder Produktivität

opfern müssen. Denn Wohlbefinden und Kreativität sind eine

wichtige Grundlage dafür, unser Menschliches-Potenzial ganzheitlich

zu aktivieren. Kommt der Krisenfall dazu, ist es umso

wichtiger um als Gesellschaft stark aus dieser Krise heraus zu

kommen.

26


Daten weg.

Desktop sperren rettet

Unternehmen.

gdata.ch/awareness-training


Nachhaltigkeit

Staaten könnten Überdüngung

eindämmen

Viele Länder könnten in der Landwirtschaft weniger Stickstoffdünger einsetzen,

ohne dass die Ernteerträge wegbrächen. Das zeigt ein internationales Forschungsteam

um die beiden ETH-Wissenschaftler David Wüpper und Robert Finger.

Stickstoffhaltige Düngemittel sind ein in der Landwirtschaft

vieleingesetztes Ertragssteigerungsmittel. (Bild: Adobe Stock)

Die Welt wird mit Stickstoff überschwemmt. Er dient in der

Landwirtschaft als Dünger, um, die Produktion zu steigern.

Das verursacht eines der grössten Umweltprobleme unserer

Zeit. Unter der Stickstoffverschmutzung leiden Gewässer, Böden

aber auch die Gesundheit von Mensch und Tier. Auch die

natürliche Artenvielfalt nimmt ab, wenn Stickstoff über die Luft

oder Regen in Lebensräume wie Moore oder Wälder gelangt, die

nicht direkt gedüngt werden.

Einen mächtigen Hebel zur Eindämmung des Problems könnten

nationale Regierungen sein. Sie müssten eine nationale und

internationale Politik betreiben, die das globale Ernährungssystem

auf höhere Erträge und eine viel geringere Umweltbelastung

ausrichtet. Doch wie stark Länder ihre Stickstoffverschmutzung

und ihre Ernten tatsächlich beeinflussen, war

bislang kaum untersucht.

Gesamteffekt der Länder quantifiziert

Die ETH-Forscher David Wüpper und Robert Finger von der

Professur für Agrarökonomie und –politik haben deshalb zusammen

mit weiteren internationalen Autoren erstmals den

Gesamteffekt fast aller Länder der Welt auf ihre Stickstoffverschmutzung

und die Ernteerträge berechnet. Die Resultate

ihrer Studie sind soeben in der Fachzeitschrift «Nature Food»

erschienen.

In dieser Publikation zeigen die Forschenden auf, dass Länder

die Stickstoffverschmutzung tatsächlich besonders stark beeinflussen.

Der Einfluss einzelner Länder auf die Verschmutzung

ist oft um ein Vielfaches grösser als derjenige auf die Ernteerträge.

Eindämmen, ohne dass Erträge wegbrechen

Das zeigt sich daran, dass viele Länder die sogenannte Ertragslücke

nur geringfügig verkleinern, selbst wenn sie sehr viel mehr

Stickstoff einsetzen. Die Ertragslücke ist die Differenz zwischen

möglichem und dem tatsächlich erzielten Ertrag. Wenn einzelne

Länder versuchen, die Ertragslücke um 1 Prozent zu schliessen,

ist dies insgesamt mit einem globalen Anstieg der Stickstoffbelastung

um 35 Prozent verbunden.

Mit anderen Worten: Einige Länder setzen extrem hohe Düngemengen

ein, aber holen nur sehr wenig mehr Ertrag heraus. Die

Forschenden kommen deshalb zum Schluss, dass viele Länder

die Verwendung dieses Nährstoffs eindämmen könnten, ohne

dass die Erträge wegbrechen.

Im Rahmen ihrer Studie identifizierten die Forschenden auch

die Faktoren, welche den gesamten Stickstoffeinsatz und die

Stickstoffverschmutzung im Verhältnis zu den Erträgen erklären.

Wichtige Faktoren sind unter anderem die Qualität von Institutionen,

wirtschaftliche Entwicklung, die Grösse der Bevölkerung,

aber auch wie hoch der Anteil der Landwirtschaft an der

Gesamtwirtschaft eines Landes ist.

Weitere wichtige Faktoren, die die Stickstoffverschmutzung

eines Landes beeinflussen, sind etwa direkte Subventionen, mit

denen ein Staat Stickstoffdünger verbilligt. Aber auch indirekte

Zuschüsse oder Politikmassnahmen, die beeinflussen, wie

teuer landwirtschaftliche Produkte im Vergleich zu den Düngerkosten

sind, Regulierungen und Gesetze, Ausbildung der Bewirtschafter,

Technologien oder auch Handelsstrukturen sind

relevant.

28


Nachhaltigkeit

Globale Daten ausgewertet

Ein Beispiel dafür, wie Ländereigenheiten die Stickstoffverschmutzung

steuern, ist die Grenze zwischen Kasachstan und

China. Von Natur aus ist es dort trocken und die Vegetation

spärlich. Auf Satellitenaufnahmen ist zu erkennen, dass die Vegetation

auf der chinesischen Seite genau bis zur Grenze üppig

grün ist, um auf der kasachischen Seite der Grenzlinie abrupt

zu ändern und weniger grün ist. Das weist auf Bewässerung in

Kombination mit reichlicher Stickstoffdüngung auf der chinesischen

Seite hin.

Die Grenze China-Kasachstan aus dem All: Die Grenze zwischen

den beiden Ländern wird durch die Landnutzungspolitik definiert.

(Bild: Nasa Earth Observatory)

«Von Natur aus gäbe es keinen solchen Sprung in der Vegetation»,

sagt David Wüpper, Erstautor der Studie. «Dieses Beispiel

illustriert, dass es für die Stickstoffverschmutzung und den Ertrag

ausschlaggebend ist, in welchem Land die Felder liegen»,

sagt Wüpper. «Den gleichen Ertrag auf chinesischer Seite könnte

man jedoch auch mit deutlich weniger Stickstoffverschmutzung

erreichen.»

Auch die Schweiz ist keine Musterschülerin in Bezug auf die

Stickstoffverschmutzung. Wie auch in anderen europäischen

Ländern wird in der Schweiz nach wie vor viel Stickstoffdünger

ausgebracht, den die Pflanzen nicht vollumfänglich aufnehmen

können. Der Überschuss landet in Bächen, Seen und anderen

Ökosystemen.

«Die Landwirtschaft hierzulande ist sehr intensiv», erklärt Wüpper.

Das wirke sich direkt auf die Stickstoffverschmutzung aus,

nicht zuletzt deshalb, weil Schweizer Tiere mit Futter aus dem

Ausland gefüttert werden. Der Hofdünger, der bei der Tierhaltung

anfällt, wird allerdings auf Schweizer Böden ausgebracht

– und trägt damit zur Stickstoffverschmutzung bei.

Ökonomische Instrumente als politische Option

«Insgesamt erkennen wir aber eine globale Ungleichverteilung

der Düngeressourcen», resümieren die Forscher. Hier zu viel, in

anderen Regionen der Welt zu wenig, etwa in Teilen Afrikas südlich

der Sahara, wo Bauern zu wenig Stickstoffdünger verwenden.

Sie könnten jedoch mit wenig mehr Stickstoff ihre Erträge

deutlich steigern. Würde es gelingen, die globale Ungleichverteilung

abzuschwächen, könnten an manchen Orten Erträge

beträchtlich gesteigert werden. Andernorts würde dafür die

Verschmutzung beträchtlich reduziert.

Ein Weg ist über den Preis für Stickstoffdünger. In Ländern, wo

zu viel davon verwendet wird, müsste der Dünger entsprechend

teurer werden, etwa durch die Einführung einer Stickstoffsteuer

oder andere politische Instrumente. In Ländern, wo zu wenig

Stickstoffdünger verwendet wird, sollten die Preise zum Beispiel

durch Subventionen gesenkt werden.

Ein weiterer Ansatz sind die Landwirtschaftsbetriebe selbst. Die

Politik und die Industrie könnten Landwirten Anreize bieten, die

Produktion umweltfreundlicher zu gestalten. Sie könnten beispielsweise

bestimmte Produktionsverfahren fördern, die zu

einer höheren Effizienz des Stickstoffeinsatzes führen. Nicht

zuletzt könnten Bauern, die weniger Stickstoff verwenden und

dafür mit weniger Ertrag rechnen müssen, vom Staat finanzielle

Kompensationen erhalten.

Präzisionslandwirtschaft hat Potenzial

Auch mithilfe von neuen Technologien liesse sich die Stickstoffeffizienz

steigern. «Das Stichwort ist Präzisionslandwirtschaft,

in der zum Beispiel Dünger gezielt nur wo effektiv nötig ausgebracht

wird. Das kann die Effizienz des Einsatzes erhöhen

und die Umweltprobleme verringern, ohne dass die Produktion

schrumpft», erklärt Finger.

«Ein sehr grosser Hebel ist aber auch der Konsum», erklärt

Wüpper. Ein Drittel der Lebensmittel geht zwischen Feld und

Teller verloren. Das fördere die Stickstoffverschmutzung und

Umweltschäden. «Verringern wir Nahrungsmittelabfälle, reduzieren

wir auch Umweltprobleme». Auch eine fleischarme Ernährung

hilft, die Nährstoffüberschüsse zu senken. Wird weniger

Fleisch produziert, landet auch weniger Hofdünger auf den

Feldern.

Literaturhinweis

Wuepper D, Le Clech S, Zilberman D, Mueller N, Finger R:

Countries Influence the Trade-Off between Crop Yields and

Nitrogen Pollution.


29


Nachhaltigkeit

Digitalisierung

Verantwortung als Chance: das Transformationsthema

Sustainability

Vom Nebenschauplatz zum Unternehmensziel: warum nachhaltiges Wirtschaften

heute so dringlich ist – und wie die Umsetzung am besten gelingt

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Doch Lippenbekenntnisse reichen

heute nicht mehr. Es ist höchste Zeit, dass auf Worte auch

Taten folgen. Allzu oft schmücken sich Unternehmen zwar mit

grünen Lorbeeren, betreiben im Alltagsgeschäft aber trotzdem

weitgehend „business as usual“. Auch weiterhin gibt es immer

wieder Situationen, in denen die Aktivitäten von Firmen mit gesellschaftlichen

Wertvorstellungen oder ökologischen Belangen

kollidieren. Dabei ist der Bedarf nach echter, transformativer

Sustainability akuter denn je. Und zwar nicht nur, weil die

ökologischen und sozialen Problemfelder täglich bedrohlicher

werden. Darüber hinaus steigt der Handlungsdruck auf Unternehmen

heute ganz direkt und von mehreren Seiten zugleich:

Regulatoren, Kunden und Investoren fordern überprüfbare

Nachhaltigkeit. Darauf nicht einzugehen, stellt ein geschäftliches

Risiko dar. Lesen Sie in diesem Artikel von Deloitte, wie

Firmen aus der Not eine unternehmerische Tugend machen und

den Schritt zur Nachhaltigkeit als Chance nutzen.

Was Sustainability heute so drängend macht?

Dafür genügt ein Blick in die Nachrichten. Klimawandel, Hungersnöte,

Flüchtlingsströme, Plastikmüll in den Meeren und

Artensterben. Eine Schreckensbotschaft jagt die nächste. Dass

etwas geschehen muss, bezweifelt niemand. Ökologische und

soziale Nachhaltigkeit ist zu einer Frage des Überlebens der

Menschheit geworden. Was früher oft als Thema für Idealisten

galt, wird heute allgemein in seiner Brisanz erkannt – und

zwar auf höchster Ebene. Allerspätestens seit der Verabschiedung

der Sustainable Development Goals 2016 durch die UN,

kurz: SDGs, gilt ohne Wenn und Aber: Das Thema „Sustainable

Future“ geht alle an – Bürger, staatliche Institutionen und insbesondere

auch Unternehmen. Diesen letzten Punkt haben die

SDGs unterstrichen und damit eine weitreichendere Diskussion

über die unternehmerische Verantwortung angestoßen. Die

siebzehn beschlossenen Ziele drehen sich um Maßnahmen zur

Sicherung von Frieden, Ernährungssicherheit, Wasserversorgung,

Sustainable Energy, Bildungschancen und anderem. Die

SDGs werden außerdem in einem Katalog von 169 Zielvorga-

ben für ihre Umsetzung noch präzisiert. Spielregeln für Morgen:

Sustainability im regulatorischen Trend

Die hehren UN-Ziele sind überzeugend ¬– doch wie können Unternehmen

effektiv zu deren Verwirklichung beitragen? Sollen

Unternehmen nun plötzlich die Welt retten? Ein bisschen schon.

Das fordern zumindest zunehmend deutlich die Regulatoren

und schaffen so unmittelbare Treiber für Veränderung. Vorhaben

der internationalen Staatengemeinschaft wie die SDGs sind

oft Vorboten nationalstaatlicher Regelungen in Sachen „green

policy“. Immer mehr Regierungen konkretisieren die anstehenden

Schritte zum Erreichen der SDGs in eigenen Programmen,

Vorschriften und Gesetzen, etwa die Bundesregierung mit ihrer

überarbeiteten Nachhaltigkeitsstrategie. Ähnlich das Gesetz

zur Umsetzung der EU-CSR-Direktive (Corporate Social Responsibility,

deutsch: unternehmerische Sozialverantwortung)

oder der Nationale Aktionsplan Menschenrechte, der helfen

soll, globale Lieferketten nachhaltiger zu gestalten. Ein wichtiger

Bereich, da sich Investments in Sozialverträglichkeit oft

nicht unmittelbar auszahlen wie etwa Energieeffizienz-Maßnahmen.

Angesichts dieser Trends ist es jedenfalls im wohlverstandenen

Eigeninteresse der Unternehmen, vorausschauend

zu agieren und Regulierung frühzeitig zu antizipieren. Doch die

regulatorische Entwicklung ist längst nicht der einzige Treiber

für Sustainability. Im Folgenden weitere gute Gründe für Unternehmen,

sich auf mehr Nachhaltigkeit auszurichten.

Wandel im Markt: Nachfrage nach Nachhaltigkeit

Öko ist in und Fairtrade ein Verkaufsschlager, auch wenn das

Konzept im Detail einige Kritik erfährt. Nur zwei Beispiele, wie

stark sich das Konsumentenbewusstsein gewandelt hat. Nachhaltigkeit

ist längst aus der früheren Nische in den Mainstream

gewandert. Der breite Markt verlangt sie heute – nicht nur die

oft zitierten Millennials, sondern auch immer mehr andere Bevölkerungsgruppen

interessieren sich für nachhaltige, gesunde,

umweltverträgliche Produkte und Ernährung. Unzählige Startups

engagierter junger Entrepreneure haben sich genau dieses

30


Nachhaltigkeit

Themas angenommen, von veganer Nahrung bis zu Recycling.

Wer diesen Trend am Markt verschläft, sieht neben der nachhaltigen

Konkurrenz schnell ziemlich alt aus.

Rendite mit Gewissen: Die Rolle von Institutionellen

und Retail Investoren

Investoren wollen Profite – aber nicht mehr um jeden Preis. Immer

mehr Anleger möchten nämlich inzwischen genauer wissen,

was eigentlich in ihren Sparplänen, Pensionen und ETFs

alles an einzelnen Investments enthalten ist.

Ökologisch oder sozial fragwürdige Aktien sind bei vielen Privatanlegern

verpönt. Aber auch institutionelle Anleger wie Pensionsfonds

oder Staatsfonds fordern immer häufiger die Einhaltung

nachhaltiger Standards. Asset Manager und Anbieter

von Finanzdienstleistungen müssen diesen gewandelten Markt

bedienen und behelfen sich dafür bei der Bewertung aus einer

Vielzahl von Ratings und Benchmarks, die Nachhaltigkeit messbar

machen sollen. Indizes wie der Dow Jones Sustainability Index

DJSI machen es z.B. möglich, gezielt ETFs oder Fonds zum

Thema Sustainable Investing aufzulegen. Research- und Rating-Häuser

wie ISS oder MSCI bieten Datenbanken und andere

Dienste, die bei der Beurteilung von Nachhaltigkeit Kriterien

liefern können. Auch hier ist mit verstärkter staatlicher Regulierung

zu rechnen: Gemäß einem aktienrechtlichen Referentenentwurf

werden institutionelle Anleger und Vermögensverwalter

in naher Zukunft bei der Offenlegung ihrer Anlagestrategie

auch ESG-Kriterien (Environmental, Social and Corporate Governance,

deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung))

berücksichtigen müssen (§ 134c AktG Ref-E).

Nachhaltige Zukunft, nachhaltige Gewinne: Sustainability

lohnt sich

Es ist offensichtlich: Es gibt neue und zunehmend harte Regeln,

die befolgt werden wollen. Wenn Regulierungen eingeführt

oder verschärft werden, ist Compliance unabdingbar. Sustainability

fordert Unternehmen aber weit über diesen Rahmen hinaus.

Nur wer Vorschriften einhält, kann seine operative Lizenz

behalten. Doch wer weitergehend auch eine Transformation in

Richtung Nachhaltigkeit in Angriff nimmt, sichert sich eine mindestens

ebenso wichtige „Lizenz“: die Option zu wachsen. Stärkung

der Marke, Aufwertung der Produktpalette, Verringerung

intangibler Risiken und neue Business Models mit Sustainability-Aspekt

können sich als attraktive Umsatz- und Gewinntreiber

erweisen.

Außerdem gehen viele ökologische Maßnahmen in der Sustainable

Economy auch ganz direkt mit ökonomischem Nutzen

einher, drehen sie sich doch oft um Effizienzgewinne (etwa Rohstoff-Recycling).

Insgesamt führt nachhaltigeres Wirtschaften

zu mehr Resilienz auf allen Ebenen des Business, was für ein

Unternehmen natürlich äußerst vorteilhaft ist. Wer weniger

Plastik einsetzt, ist Ölpreisschwankungen weniger ausgesetzt;

wer faire Löhne zahlt, stabilisiert Belegschaften in Produktionsstätten.

Und eine dritte „Lizenz“ winkt Unternehmen, die sich

als Pioniere der Nachhaltigkeit positionieren: die zum Mitgestalten.

Denn wer als nachhaltiger Player ernstgenommen wird,

kann aktiv zum regulatorischen Diskurs beitragen und erhält

einen „seat at the table“.

Tatsächlich ist es ja auch im Sinne der Regierungen, gerade große

Unternehmen ins Projekt Sustainable Future einzubinden.

Deren Beitrag zur Umsetzung der SDGs ist dank des massiven

Hebels größer als etwa der von kleinen Vorzeige-Start-ups mit

perfekt nachhaltigen Geschäftsmodellen, aber vernachlässigbarem

Marktanteil.

Wo es hakt: Problemfelder und ihre Bewältigung

Nachhaltigkeit ist eine „Win-Win-Proposition“ – genauer genommen

sogar ein dreifaches „Win“: Umwelt, Gesellschaft und

das Unternehmen selbst profitieren davon. Dies wurde bereits

1994 im „Triple Bottom Line“-Konzept von John Elkington postuliert,

einem Drei-Säulen-Modell, das auf die synchrone Umsetzung

in allen drei Bereichen abzielt (Environment, Society,

Economy). Warum hapert es dann oft immer noch an stringenter

Umsetzung? Transparenz zu erzeugen und Einblicke zu gewinnen,

was die Ursachen und Quellen von negativen Effekten

für Umwelt und Gesellschaft angeht – das ist oft nicht trivial.

Auch ist mit den bisher verwendeten Produktionsmethoden

und Technologien die nötige Entkoppelung von Wachstum und

Ressourceneinsatz nicht ohne weiteres umsetzbar, insbesondere

nicht angesichts einer weiter wachsenden Weltbevölkerung,

sinkenden Ertragszuwächsen in der Landwirtschaft und

gleichzeitiger Verschmutzung der Ökosysteme. Neue, digitale

Technologien können hier als ein wirkungsvoller Schmierstoff

im „Uhrwerk“ der Zahnräder Umwelt, Gesellschaft und Unternehmen

verstanden werden, der bei der effizienten Umsetzung

höchst hilfreich sein kann.

Die Experten von Deloitte haben drei Bereiche

identifiziert, in denen zielführende Transformation

vorrangig ansetzt:

1. Sustainability muss auf der Führungsebene verankert werden

Auch wenn sich diese Einsicht noch nicht überall durchgesetzt

hat: Sustainability ist ein wesentlicher Sachbereich für Vorstand

und Aufsichtsrat. Natürlich konkurrieren viele Themen

um die Aufmerksamkeit des Top-Managements. Doch die nachhaltige

Transformation gelingt nur, wenn sie auch von ganz

oben gewollt, gestaltet und gesteuert wird. Sustainability ist

ein C-Level-Thema quer durch die Management Funktionen und

auch für Audit Committee, Risikomanagement und interne Revision.

Erneut finden hier ebenfalls regulatorische Verschärfungen

statt, die Nachhaltigkeit zu einem zentralen Governance-

Aspekt machen. Regelungen wie die EU-Nonfinancial Reporting

Direktive schreiben Details zu Berichten zu ESG-Themen vor.

Auch die aktuell in Konsultation befindliche Neufassung des

Deutschen Corporate Governance Kodex weist in der Präambel

auf diese erweiterte Verantwortung hin.

2. Sustainability muss systematisch gemessen und erfasst werden.

Die Bemühungen um das Ziel „Sustainable Future“ basieren

auf Werten, Absichten, ja Idealen. Alles Dinge, deren konkrete

Umsetzung im Betrieb schwer einzuschätzen ist. Geeignete

Metriken und Reporting-Formate schaffen Abhilfe: Soll der

Transformationsprozess in den Wertschöpfungsketten des

Unternehmens effizient gestaltet werden, muss man die Beiträge

zu den SDGs auch messen. Für die externe Bewertung

etwa durch Analysten existieren die erwähnten Sustainability-

Benchmarks, Indizes und Datenbanken. Für interne Prozesse

entwickelt die Global Reporting Initiative oder das Sustainability

Accounting Standards Board international zukunftsweisende

Kriterien. Auch wenn es hierbei noch viele miteinander

in Konflikt stehende Standards gibt, die den Fortschritt manchmal

auch etwas zu bremsen scheinen: Allein die Fülle an

Aktivität auf diesem Feld zeigt eine klare Marschrichtung.

3. Sustainability muss in die Strategie- und Innovationsprozesse

integriert werden Sustainability hat heute strategische Bedeutung

erlangt. Wenn das so ist, dann muss sie aber auch in Unternehmensstrategien

und sämtliche Strategiebildungsprozesse

einfließen. Im Idealfall beginnt das schon bei der Unternehmens-Vision

und Mission Statements, die den „Purpose“ der ei-


31


Nachhaltigkeit

Digitalisierung

genen Organisation beschreiben. Und diese Ausrichtung findet

sich dann auch in der Strategie- und Innovationskultur wieder.

Jede konkrete Innovation und Prozessoptimierung erhält somit

eine zusätzliche Dimension. Sustainability ist heute schlicht ein

Teil dessen, was als Qualität verstanden wird. Innovative Business

Models, neue Produkte und ein nachhaltigerer Produkt-

Mix sind das Ergebnis. Die Methoden der Digitalisierung von

Blockchain über des Internet of Things bis hin zu Künstlicher

Intelligenz helfen zusätzlich in der Analyse und Steuerung von

Sustainability-Anforderungen, bei der Steigerung von Transparenz

und der Optimierung von Nachhaltigkeitsleistungen.

Vordenker in Sachen Nachhaltigkeit: Beispiele

aus der Praxis

Ökologische und soziale Missstände gibt es viele. Aber ebenso

zahlreich sind die Chancen für Unternehmen, bei deren Bewältigung

durch ihr Handeln einen echten Unterschied zu machen.

Im Folgenden Beispiele für Felder, in denen ein Umdenken heute

schon stattfindet – weg von der linearen Ressourcen-Verwendung

hin zur zirkulären Rohstoff-Ökonomie, weg von sozial

fragwürdigen Lieferketten hin zu neuen und verträglicheren

Modellen:

1. Vermeidung von Verschwendung von Lebensmitteln

Die Weltbevölkerung wächst, viele Menschen leiden Hunger.

Gleichzeitig gehen Lebensmittel durch ineffiziente Strukturen

in der Wertschöpfungskette verloren. Das betrifft ungefähr 40

Prozent der globalen Nahrungsmittelproduktion. Mit digitalen

Lösungsansätzen können jedoch große Mengen an Lebensmittelabfällen

vermieden werden. Der größte Teil der Abfälle fällt

bei den Konsumenten an, aber auch im Einzelhandel geht es

um signifikante Volumen. Für den Einzelhandel liegen die Ursachen

in der Komplexität, mangelnder Transparenz und in der

geringen Synchronisation innerhalb der Lebensmittelversorgungskette.

Der digitale Lösungsansatz von Deloitte „Future of

Fresh“ erhöht nicht nur die Frische der Lebensmittel, sondern

reduziert Abfallmengen durch die Vernetzung der Akteure entlang

der Wertschöpfungskette. Deloitte hat diesen neuartigen

Approach bereits mehrfach eingesetzt und durch die Generierung

neuer Performance Daten mit Hilfe von Sensorik und

künstlicher Intelligenz signifikante Einsparungen bei mehreren

globalen Einzelhändlern erzielt. Je nach Reifegrad des Partners

ergaben sich durch Deloitte-Projekte Einsparungen zwischen

25-50 Prozent.

2. Vermeidung von Plastikmüll

Ein Megaproblem, das derzeit besonders viel Aufmerksamkeit

erfährt. Völlig zu Recht, denn Plastikmüll und seine Abbauprodukte

bedrohen ganze Ökosysteme, Nahrungskreisläufe und

damit unsere Gesundheit. Stellen Unternehmen ihre Wertschöpfungsketten

entsprechend um, winken neben ökologischen

Benefits auch Differenzierungs- und Einsparungspotenziale.

Kosten durch den Einsatz von Plastik werden durch die Verwendung

von recyceltem Material verringert, oder auch durch die

Einführung völlig neu gestalteter Verpackungen, welche nach

ihrer Nutzung leichter recycelt werden können. Plastik ist ein

grundsätzlich extrem langlebiges Material und muss auch als

solches behandelt werden. Eine rein energetische Verwertung

von Plastikmüll oder der Austritt aus dem Wertstoff-Kreislauf

in die Natur: das ist zunächst einmal eine unnötige Verschwendung

wertvoller Kohlenwasserstoffketten. Zirkuläre Systeme,

welche noch effektiver funktionieren, werden nun aber zunehmend

von Unternehmen selbst implementiert. Gleichzeitig wird

intensiv an alternativen, biobasierten Materialien geforscht,

welche helfen sollen, die Abhängigkeit vom fossilen Plastik zu

verringern. Deloitte Sustainability unterstützt die Material- und

auch Service- Innovation im Bereich Plastikverwendung und

Verpackungsdesign.

3. Transparenz in der Lieferkette: Fischereiindustrie

Die Fischereiwirtschaft ist enormen Herausforderungen ausgesetzt.

Problemfelder sind die Überfischung von Beständen

und Fütterungspraktiken, die für Menschen und Umwelt schädlich

sind. Ob beim Fischfang oder der Aquakultur, die Herkunft,

die Qualität des Fisches sowie Arbeitsstandards werden durch

unterschiedliche Industriestandards beeinflusst. Jedoch ist deren

Einhaltung und Glaubwürdigkeit teilweise fragwürdig. Als

Akteure im Umgang mit einem der wertvollsten Lebensmittel

(nach dem Wertanteil des weltweiten Handels an Lebensmitteln)

versuchen Regulierer und das Management von verant-

32


Nachhaltigkeit

wortungsvollen Fischereibetrieben zunehmend mithilfe von

Digitalisierung Licht in das Dunkel der Lieferketten zu bringen.

Deloitte Sustainability initiierte und begleitet einen umfassenden

Dialog mit Akteuren, von Fischfutterherstellern bis zu

Handelsunternehmen, um mehr Transparenz in der Fischereiindustrie

zu schaffen. Hierbei kann beispielsweise die Blockchain

Technologie einen wesentlichen Beitrag zur Schaffung von Vertrauen

leisten.

4. Blockchain Zukunftstechnologie mit nachhaltigen Use

Cases

Neue Technologien wie z.B. Blockchain, ein dezentrales Register

von Transaktionen, können bei der Realisierung von Infrastrukturprojekten

zur Bekämpfung des Klimawandels helfen.

Beispielsweise bei der Finanzierung, der Projektumsetzung und

beim Monitoring bzw. der Mitigation von Aktivitäten. Große Infrastrukturanlagen

werden etwa von unterschiedlichen Investorengruppen

finanziert, um eine annehmbare Risikoverteilung

realistisch abbilden zu können. Mithilfe von Krypto-Tokens kann

ein größerer Kreis an Investoren mit festgeschriebenem Anreizsystem

und Verantwortlichkeiten konform mit regulatorischen

Anforderungen in eine komplexe, dezentrale Finanzierung eingebunden

werden. Auch der Handel mit CO2-Zertifikaten kann

über eine solche Plattform effizient und günstig abgewickelt

werden. Je mehr Zertifikate und Infrastrukturprojekte mit der

Basistechnologie Blockchain umgesetzt werden, desto transparenter

und steuerbarer werden globale Aktivitäten zur Bekämpfung

des Klimawandels.

5. Bezahlsysteme in benachteiligten Gesellschaften

Ein Hinderungsgrund für Entwicklung und Wohlstand ist, dass

in vielen armen Regionen kein funktionierendes Finanzsystem

existiert. Etwa aufgrund einer mangelnden Verfügbarkeit von

Konten und Kreditkarten. Die Vodafone-Tochter safaricom hat

in Kenia das mobile Bezahlsystem M-Pesa geschaffen, mit dem

dieses Problem gelöst wird. Die rapide Verbreitung führte zu effizienteren

Transaktionen, fördert so Handel und Wirtschaft. 25

Prozent des BIP werden heute über den Dienst abgewickelt. Nebenbei

machte M-Pesa die kenianischen Konsumenten zu globalen

Vorreitern in Sachen Mobile Payment. Ganz zu schweigen

von dem neuen Geschäftsmodell, das der Konzern auf diesem

Weg erschlossen hat – und das inzwischen auf andere Märkte

ausgeweitet wurde.

Nachhaltige Unterstützung: Das Sustainability

Team von Deloitte

Sustainability – letztlich ein Thema für das gesamte Unternehmen,

quer durch sämtliche Bereiche. Wie setzt man eine Transformation

mit derart weitreichenden Implikationen effizient

um? Wesentlich ist dabei nicht nur Exzellenz in Sustainability-

Aspekten, sondern fundierte Expertise in den einzelnen Funktionen

und geographischen Regionen.

Auf beides kann das deutsche Sustainability-Team von Deloitte

zurückgreifen, auch weil seine Fachleute Zugang zum großen

Erfahrungspool des globalen Deloitte-Netzwerks haben. Sie

werden aktiv, wenn es um die Unterstützung der Kollegen aus

Prüfung, Strategieentwicklung oder Operations geht.

Und sie erarbeiten Einzellösungen für Kunden, von der Überprüfung

der Wirksamkeit von sozialen Audits über die Schaffung

von IT-Strukturen für Nachhaltigkeits-Reporting bis hin

zur Entwicklung ganzer Sustainability-Konzepte. So helfen sie

Unternehmen, die Transformation als nachhaltigen Erfolg zu

gestalten.

Ihr Ansprechpartner

Thomas Krick

Director | Sustainability

tkrick@deloitte.de

+49 151 58071682


33


Bau und Immobilien

Nachhaltigkeit im Bauwesen:

die grüne Revolution

Höhere Baukosten werden mit geringen Betriebskosten belohnt. Die Wohnund

Arbeitsqualität in Green Buildings ist sehr hoch. Nachhaltiges Bauen belebt

das Stadtbild und schützt die Landschaft.

Den Energie- und Ressourcenverbrauch minimieren, den Flächenverbrauch

reduzieren und die Natur durch ein Gebäude

während des gesamten Lebenszyklus‘ (Bau, Nutzung und Rückbau)

möglichst wenig belasten: Das sind die drei bedeutenden

Säulen des ökologisch nachhaltigen Bauens. Aus dieser Perspektive

wird die Gebäudequalität hinsichtlich der Auswirkungen

auf die Umwelt beurteilt.

Nachhaltiges Bauen umfasst somit alle Bereiche von der Wahl

des Grundstücks über die Architektur und Energie-, Wasser-,

Materialeffizienz, den Betrieb, die Instandhaltung sowie Abfallvermeidung

bis hin zum Ressourcen-effizienten Betrieb und

schließlich der Dekonstruktion nach einer Nutzungszeit von 50

– 100 Jahren.

„Nachhaltig“ heißt jedoch nicht nur „öko“. Denn „Green Buildings“

sind „smart“: In grünen intelligenten Gebäuden sorgt

umweltfreundliche sowie automatisierte Hightech für die effiziente

Nutzung von Energie und Ressourcen sowie eine angenehme

Atmosphäre mit hoher Lebensqualität und Produktivität.

Früher normal – heute eine Entscheidung für die Zukunft

Einstmals war nachhaltiges Bauen aufgrund der verfügbaren

Baustoffe selbstverständlich. Dann kamen neue Materialien

und Verfahren, die zunehmend als belastend für Mensch und

Umwelt wahrgenommen wurden. Das Ideal, (wieder) ökologisch

nachhaltig zu bauen, kam in den 1970er Jahren auf. Treiber war

joch nicht nur der populär werdende Naturschutzgedanke in

eher subkulturellen Kreisen; auch der Schock der Ölkrise brachte

neue Methoden einer alternativen Energieerzeugung in den

Fokus.

Was unter anderem aus purem Pragmatismus heraus entstand,

wird heute zunehmend zu einem gesellschaftlichen Anspruch.

Denn ein Handeln gemäß den Prinzipien einer nachhaltigen

Entwicklung (sustainable development) erhöht für die heutigen

Generationen die Lebensqualität – und erhält für zukünftige

Generationen eine Welt voller Vielfalt.

Die Bedeutung des nachhaltigen Bauens beschreibt das „Bundesministerium

des Innern, für Bau und Heimat“ so: „Die nachhaltige

Entwicklung besitzt weltweit als Leitbild für die Zukunft

eine herausragende Bedeutung. Das Bauwesen nimmt dabei

eine besondere Stellung ein, weil es wesentliche Bedürfnisse

des Menschen wie Wohnen und infrastrukturelle Bedürfnisse

befriedigt und zugleich große wirtschaftliche und für die Umwelt

relevante Aufwendungen damit verbunden sind.“

Die entscheidenden Faktoren und Effekte des nachhaltigen

Bauen

1. Energie aus Solarzellen

2. Gebäude werden Energie-Selbstversorger

3. Kooperieren beim klimaneutralen Bau

4. Nachhaltige Baustoffe

5. Die Zukunft für nachhaltiges Bauen

1. Die Kraft der Sonne: Ökologisch nachhaltige Energie aus

Solarzellen

Die Sonne: ein Superkraftwerk. Naheliegend, diese kostenlos

zu uns geschickte Energie zu nutzen. Daher fangen auf einer

zunehmenden Anzahl von Eigenheimdächern funkelnde Solarzellen

die Vorstufe des umweltfreundlich gewonnenen Stroms

ein. Deutlich gesunkene Produktionskosten und Subventionen

haben diesen Trend sehr begünstigt. Parallel dazu wächst das

Bewusstsein hinsichtlich des nachhaltigen Bauens. Designer

und Bauträger nutzen beispielsweise verstärkt Recycling, wählen

länger haltbare und regenerative Materialien, setzen auf

34


effizientere Isolierung und reduzieren die Umwelteinflüsse an

Baustellen.

Bau und Immobilien

Höhensonne nutzen mit Photovoltaik-Anlagen

2. Gebäude werden Energie-Selbstversorger

Der nächste Level: Nachhaltige Gebäude, die Energie nicht nur

hinzugewinnen, sondern vielmehr Energie-autark sind. Das ist

sozusagen der Gold-Standard eines Green Buildings, bei dem

von einem vollkommen klimafreundlichen Gebäude aufgrund

nachhaltiger Architektur gesprochen werden kann. Das gelingt

mit Photovoltaik-Zellen, die in eine Fassade eingefasst sind oder

als transparente Module für Fenster sowie Oberlichter verwendet

werden. Und Windkraftwerke auf Wolkenkratzern nutzen

den dort vorherrschenden beinahe konstanten Luftstrom.

Nachhaltige Technik: biologisch abbaubare

High-Tech Nanomaterialien

3. Kooperieren beim klimaneutralen Bau

Selbstversorgende, nachhaltige Gebäude entstehen in Kooperation

zwischen Industrie, Immobilienentwicklern und öffentlichen

Forschungseinrichtungen, wie zum Beispiel dem

Fraunhofer-Institut für Bauphysik. Auf dieser Basis konzipierte

nachhaltige Gebäude übertreffen oftmals alle drei Grenzwerte

für den LEED Platin-Status. Unter anderem durch die Integration

erneuerbarer Energiequellen in die Gebäudestruktur, intelligente

und sehr energieeffiziente Verteilungssysteme für

Beheizung und Abkühlung sowie Vorrichtungen für natürliche

Luftströme im Gebäude statt Klimaanlage.

Energiewände: Große Außenwandflächen sind

ein hervorragender Ort für Solarzellen

4. Hochentwickelte nachhaltige Baustoffe

Die Idee der Nachhaltigkeit hat alle Industrien erfasst und

transformiert diese in High-Tech-Innovatoren. So auch die Bauindustrie.

Relevant für die Entscheider bleibt jedoch stets der

Kostenfaktor, vor allem bei kommerziell genutzten Gebäuden.

Denn traditionelle Baumethoden sind meist weitaus günstiger.

Wettbewerbsfähig bleiben grüne Bauunternehmen durch spannende

Innovationen. Ein gutes Beispiel dafür sind Phasenwechselmaterialien

für die Isolierung. Im Gegensatz zu herkömmlich

dafür verwendeten Materialien, die den Strom von Wärme

durch Lufttaschen und Fasermaterialien aufhält, absorbieren

Phasenwechselmaterialien Wärme und geben sie wieder ab,

indem sie zwischen flüssigem und festem Zustand alternieren.

Eine andere erwähnenswerte Entwicklung sind biologisch abbaubare

Materialien. Zwar sind recycelte Produkte ein guter

Anfang, wahrhaft umweltfreundliche Materialien müssen jedoch

aufgrund ihres natürlichen Ursprungs rückstandslos und

schadstofffrei abbaubar sein. Beispiele dafür sind biologisch

abbaubare Farben mit Milchproteinen, Calcium und natürliche

Mineralien oder Isolations-Material aus Hanf.

Nachhaltiges Bauen mit Holz

Doch es müssen nicht immer neu entwickelte Materialien sein.

So wie uns die Sonne ihr Licht liefert, gibt es in der Nähe fast

jeder Baustelle Wälder. Holz als Baustoff ist gleich aus mehreren

Gründen ideal für den Bau nachhaltiger Gebäude. Denn der

nachwachsende Rohstoff ist währen seines Wachstums entscheidend

für unsere Atemluft. Später im Bauwesen genutzt,

hat Holz zahlreiche positive Effekte; allerdings vorausgesetzt,

es stammt aus der einheimischen Waldwirtschaft, nur dann

sind die Transportwege kurz.

Vorteilhaft ist der geringe Energieaufwand für Bereitstellung

und Aufbereitung des Materials. Vor allem: Wenn Holzprodukte

am Ende ihrer Lebensdauer energetisch verwertet werden, können

sie mehr klimaneutrale Energie liefern, als zur Herstellung

verbraucht wurde. Holz ist flexibel einsetzbar, entweder massiv

oder als Verbundwerkstoff. Es weist bei niedrigem Eigengewicht

eine hohe Zug- sowie Druckfestigkeit auf und erlaubt

den Bau hoch wärmedämmender Gebäudehüllen mit geringen

Wandstärken. Echte Nachhaltigkeit fußt auf ökologischen Ma-

Mittlerweile lassen sich 90 Prozent aller Netzwerkübergriffe auf Phishing zurückführen.


35


Bau und Immobilien

terialien, Langlebigkeit sowie Regionalität der Baustoffe – und

führt letztlich neben oder gerade durch die ökologischen Faktoren

zu mehr Wohngesundheit. So ist ein Haus zukunftsfähig

und damit werthaltig.

Grüne Bürogebäude: Großes Potenzial für Nachhaltigkeit

im Bauwesen

5. Die Zukunft für nachhaltiges Bauen

Nachhaltiges Bauen zielt darauf ab, eine hohe ökologische Qualität

durch angemessene Bauweisen sicherzustellen. Konventionelles

Bauen ist durch große Energie- und Stoffströme geprägt.

Nachhaltiges Bauen reduziert sehr bewusst die dadurch

entstehenden negativen Effekte und schützt so das Ökosystem.

Das hohe Innovations-Potenzial aller beteiligten Industrien begünstigt

die positiven Effekte. Die Prinzipien des nachhaltigen

Bauens sollten jedoch nicht nur bei Neubauten umgesetzt werden,

sondern auch bei der Modernisierung im Bestand.

Technologien für die saubere Energiegewinnung, leistungsfähige

und abbaubare Materialien sowie High-Tech für die intelligente

Gebäudesteuerung schützen nicht nur unseren Planeten,

sondern – mit Weitsicht betrachtet – auch das Budget. Immer

mehr Projektentwickler erkennen und schätzen beispielsweise

die geringeren Lebenszykluskosten der nachhaltigen Gebäude.

Bauherren, Betreiber und Nutzer: Sie profitieren von besserer

Bauqualität, geringeren Betriebskosten, höheren Vermarktungschancen,

geringerem Leerstand, höherem Marktwert und

höheren Mieterträgen. Nicht zu vernachlässigen ist der positive

Imagegewinn für Eigentümer und Nutzer.

Nachhaltiges Bauen ist viel mehr als eine kurzfristige Mode.

Unser Planet verlangt nach dieser Umbesinnung – und wir Menschen

führen in nachhaltigen Gebäuden ein schöneres Leben.

Apropos: Lesen Sie doch gleich weiter, welche positiven Effekte

Dachbegrünung für Mensch und Umwelt hat.

Singapur ist einer der Großinvestoren für nachhaltiges

Bauen

Soziokulturelle Aspekte

Zusätzlich zu den ökologischen Aspekten des nachhaltigen

Bauens sind die soziokulturellen Auswirkungen eines Gebäudes

bedeutend. Denn ein Bauwerk ist stets im städtebaulichen bzw.

landschaftsräumlichen Zusammenspiel zu betrachten. Auch

andere, funktionale und den Menschen berührende Aspekte

sollten bei der Planung berücksichtigt werden. Und: Bei baulichen

Maßnahmen im Bestand ist ein denkmalpflegerischer Ansatz

zu verfolgen.

Zertifizierung nachhaltiger Gebäude

Einer der Anbieter von Zertifizierungssystemen für nachhaltiges

Bauen ist die „Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen

– DGNB e.V.“. Sie bietet eine internationale Zertifizierung

an, die der objektiven Beschreibung und Bewertung der Nachhaltigkeit

von Gebäuden und Quartieren dient. Betrachtet wird

hierfür der vollständige Gebäudelebenszyklus. Der Vorteil für

36


37


Bau und Immobilien

Seit 25 Jahren für Planen und Netze, auch

bedruckt … und neu für die Sicherheit!

Loyal Trade GmbH ist der Grosshandel für PE-Produkte, sowie bedruckte Textilund

Kunststoffplanen. Für das Team um Unternehmer Thomas Feier sind - neben

dem umfangreichen Sortiment - kompetente, persönliche Beratung in Sachen

Material und Montage selbstverständlich.

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38


Bau und Immobilien

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Mobilität

Wir müssen alle Sektoren der

Mobilität berücksichtigen

Die 2018 lancierte Mobilitätsinitiative gewinnt zunehmend an Fahrt. Konstantinos

Boulouchos, treibende Kraft hinter dem Vorhaben, erklärt, wie weit die Umsetzung

fortgeschritten ist und in welche Richtung sich die Initiative entwickeln

soll.

Von: Felix Würsten

Herr Boulouchos, Anfang 2018 hat die ETH Zürich zusammen

mit den SBB die Lancierung einer gross angelegten

Mobilitätsinitiative verkündet. Wie weit ist das Vorhaben inzwischen

gediehen?

Konstantinos Boulouchos: Es ist sehr viel passiert seither. Zu

Beginn erhielten wir von den SBB eine Donation zur Anschubfinanzierung

der Initiative über 10 Jahre hinweg. Inzwischen

konnten wir weitere Partner gewinnen: Siemens ist seit 2019

mit im Boot. Und dieses Jahr konnten wir mit der AMAG einen

zusätzlichen Partner gewinnen. Zusammen mit dem Engagement

einer Privatperson wurden mittlerweile insgesamt 18

Mio. Franken an Donationen eingebracht. Davon konnten über

10 neue Forschungsprojekte mit je knapp 3 Mio. Franken von

der Initiative und durch Eigenmittel finanziert werden.

Die zwölf bisher bewilligten Projekte betreffen in erster Linie

den Schienenverkehr. Warum diese Fokussierung?

Dass der Schienenverkehr bislang im Vordergrund steht, hängt

damit zusammen, dass die SBB bisher der grösste Partner sind.

Wir streben aber einen breiteren Ansatz an und wollen alle Sektoren

der Mobilität berücksichtigen. Mit der AMAG haben wir

nun einen starken Partner aus dem Bereich Strassenverkehr

dabei, so dass das Spektrum der verschiedenen Mobilitätsformen

nun breiter abgedeckt ist. Mittelfristig möchten wir auch

die Luftfahrt und wenn möglich die Schifffahrt einbeziehen. Die

Schweiz ist zwar ein Binnenland, aber es gibt hierzulande viele

Firmen, die in diesem Bereich tätig sind.

Wie bringen Sie die Interessen von so unterschiedlichen

Partnern zusammen?

Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Unsere Industriepartner

sind natürlich in erster Linie interessiert, ihre Probleme von

heute zu lösen. Wir müssen daher aufpassen, dass wir nicht in

der betriebswirtschaftlichen Sichtweise stecken bleiben. Als

ETH-Forschende sind wir an der längerfristigen Perspektive interessiert,

an den grundlegenden Problemen.

Was heisst das konkret?

Es gibt drei zentrale Themen, die alle Bereiche der Mobilität betreffen.

Das erste Thema ist die Dekarbonisierung: Wir müssen

das Verkehrssystem klimafreundlicher machen, indem wir die

fossilen Treibhausgasemissionen möglichst stark reduzieren.

Das zweite Thema ist die Digitalisierung, die auch die Mobilität

grundlegend verändern wird. Und das dritte grosse Thema

ist die Planung der Infrastruktur. Wir stossen überall an Kapazitätsgrenzen

und müssen das Verkehrssystem als Ganzes

optimieren. Die breite Fachexpertise der ETH, kombiniert mit

wichtigen Impulsen aus der Praxis, eröffnet das Potenzial, eine

führende Position auf diesem Gebiet einzunehmen.

Sie sind als Forscher gleichzeitig auch noch im nationalen

Kompetenzzentrum SCCER Mobility engagiert. Wie spielen

die beiden Plattformen zusammen?

Das SCCER Mobility ist grundsätzlich ein anderes Vehikel. Es

handelt sich um ein nationales Kompetenzzentrum, an dem sich

Gruppen aus verschiedenen Hochschulen beteiligen. Allerdings

läuft dieses Zentrum Ende Jahr nach sieben Jahren aus. Mit der

Mobilitätsinitiative möchten wir das Netzwerk erhalten, das wir

innerhalb der ETH aufgebaut haben, und in den zukunftsträchtigen

Bereichen ausbauen. Zudem planen wir ein neues Kompetenzzentrum

für Mobilität.

Warum braucht die ETH ein solches Zentrum?

Es geht nicht nur darum, Forschungsprojekte zu lancieren. Es

braucht auch neue Angebote in der Lehre und neue Professuren.

Und wir müssen unbedingt den Outreach stärken, also der

Öffentlichkeit, der Verwaltung, der Politik und der Industrie ver-

40


Mobilität

mitteln, was heute Stand der wissenschaftlichen Forschung ist.

Wie ist eigentlich die Resonanz innerhalb der ETH? Da die Projekte

bisher eher auf den Schienenverkehr ausgerichtet waren,

haben sich vor allem Forschende aus dem Departement Bau,

Umwelt und Geomatik sowie aus dem Departement Maschinenbau

und Verfahrenstechnik, die sich mit Energiebereitstellung,

Digitalisierung und Robotik befassen, engagiert. Wir sind aber

daran, vermehrt Forschende aus der Elektrotechnik und der

Informatik stärker einzubeziehen, ebenso wie Wissenschaftler

aus den Departementen Management, Technologie und Ökonomie

sowie Umweltwissenschaften. Ich hoffe, dass wir in Zukunft

auch grössere und interdisziplinäre Projekte realisieren

können, an denen sich dann vier oder fünf unterschiedliche

Forschungsgruppen beteiligen. Das Potenzial dazu wäre an der

ETH vorhanden.

Aber noch sind wir nicht soweit.

Eine solche Initiative aufzubauen braucht viel Zeit, das darf man

nicht unterschätzen. Bis man mit einem Partner einen Vertrag

unterzeichnen kann, vergehen in der Regel einige Jahre.

Die gegenwärtige Krise macht die Suche nach neuen Partnern

wohl nicht einfacher, gerade im Bereich Luftfahrt. Das ist so. Gemeinsam

mit der ETH Foundation engagieren wir uns, neue Partner

an Bord zu holen. Vor der Corona-Krise sahen wir, dass die Industrie

durchaus grosses Interesse an unserer Initiative hat. Das

kohlenstoffarme Fliegen stellt die Branche vor eine grosse Herausforderung,

nicht nur die Fluggesellschaften, sondern auch die

Flugzeugbauer, die Flughäfen und alle anderen Akteure. Trotz

der gegenwärtig schwierigen Lage der Industrie sind wir zuversichtlich,

dass wir Partner aus weiteren Sektoren des Mobilitätssystems

für spannende Forschungsarbeiten gewinnen werden.

Die Mobilitätsinitiative der ETH Zürich

Anfang 2018 hat die ETH Zürich zusammen mit den Schweizerischen

Bundesbahnen (SBB) eine langfristig angelegte Mobilitätsinitiative

lanciert. Nachdem 2019 Siemens hinzukam,

konnte 2020 die AMAG Group AG als erster Partner aus der

Automobilbranche gewonnen werden. Die formelle Vertragsunterzeichnung

fand am 9. November 2020 statt.

Mit der Mobilitätsinitiative werden bisher vor allem Forschungsprojekte

auf Doktoranden- und Postdoktorandenebene unterstützt.

Die Projekte zielen beispielsweise darauf ab, Diagnoseinstrumente

zu entwickeln, die man zur Überwachung der

Bahnanlage in regulären Zügen einsetzen kann, oder untersuchen

das Zusammenwirken von Schiene und Rad, um die Abnützung

an den Fahrzeugen besser voraussagen zu können.

Auch grundsätzliche Aspekte werden untersucht, zum Beispiel

wie sich der Güterverkehr klimafreundlicher gestalten lässt.

Andere Projekte wiederum erforschen, wie man mit Hilfe von

künstlicher Intelligenz oder mit Fernerkundungsmethoden

Schäden an der Infrastruktur frühzeitig erkennen kann oder

welche Folgen sich ergeben, wenn man Photovoltaikanlagen

und Ladestationen für Elektroautos an das Stromnetz der Bahn

anschliesst.

Konstantinos Boulouchos ist

Professor für Energietechnik

und Leiter des Laboratoriums

für Aerothermochemie und

Verbrennungssysteme. Er war

Gründungsdirektor des Energy

Science Center (ESC) an der ETH

Zürich und leitet heute das Swiss

Competence Center for Energy

Research – Efficient Technologies

and Systems for Mobility (SCCER Mobiltity). Zudem ist

der Präsident der Energiekommission der Schweizer Akademien

der Wissenschaften.


41


Mobilität

Elektroautos 2021: Das sind die

9 Top Neuheuten des Jahres

Tesla hat es vorgemacht: Die dürftige Reichweite bei Elektroautos gehört der Vergangenheit

an. Hersteller wie BMW, Mercedes, VW und Co. bauen immer reichweitenstärkere

Fahrzeuge, mit spannenden Innovationen. Ob mit grosser oder doch weniger Reichweite

- die Elektorautos 2021 sind vielversprechend.

Ein kleines Highlight: 2021 kommt der Neue Fiat 500 mit einer

Cabrio-Ausführung auf den Markt. Foto: © Fiat

Das Jahr 2021 beschert uns in Sachen Elektroautos vielversprechende

Neuheiten. Von absolut erschwinglich bis zum Highend

Luxus-E-Auto und vom familienfreundlichen Mini-SUV bis zum

sportlichen Flitzer sind jegliche Bedürfnisse der Kunden Abgedeckt.

Das sind die Top Favoriten der Elektroautos 2021.

Ab 77‘600 CHF, dann bereits mit reichhaltiger Serienausstattung

aber ohne Allradantrieb, rollt das E-Auto mit seinen 286 PS

elektrischer Leistung aus dem Autohaus. Voll geladen schafft es

die Neuheit mit 74 kWh-Akku auf eine Reichweite von bis zu 460

km. Ende 2020 können interessierte Käufer das Auto auf bmw.

ch bereits konfigurieren.

Weitere elektrische Neuheiten aus dem Hause BMW sind geplant.

So kommt ein neuer BMW i4 (Reiselimousine), das Top-

Modell iNext (E-SUV der Luxusklasse) und ein i1 (Einsteigermodell

in die E-Kompaktklasse) im Jahr 2021 voraussichtlich auf

den Markt. BMW startet damit mit seiner angekündigten Offensive

für neue Elektroautos.

1BMW iX3: Stromgetriebener Bruder des Erfolgsmodells

Der Kompakt-SUV BMW X3 nimmt seit Jahren eine Top 5-Position

bei den Zulassungen ein. Kein Wunder ist das Fahrzeug

beliebt: Nicht zu gross, nicht zu klein, dennoch alltags-, familien-

und freizeittauglich mit dem gewissen Überblick über

den Strassenverkehr. Mit der elektrisch angetriebenen Neuheit

BMW iX3 will der Konzern nun Anfang des Jahres 2021 an den

Erfolg des Volumenmodells im Elektrobereich anknüpfen. Aussichten?

Zwar war der direkte Konkurrent Audi mit dem Strom-

SUV e-tron (Reichweite bereits 500 km) zwei Jahre schneller,

dennoch sind die Erfolgsaussichten für den Elektro-SUV gut.

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Der BMW iX3 kommt auf eine Reichweite von bis zu 460 km.

Foto: © BMW

Die angepeilte Zielgruppe ist gross und nicht zuletzt durch den

Erfolg des BMW i3 hat der bayrische Autobauer seine Elektrokompetenz

bereits unter Beweis gestellt.

2. Einmaliges Highlight? Der sich selbst ladende Sion

Nachhaltigkeit haben sich die Gründer des Münchner Start-

Ups Sono Motors auf die Fahne geschrieben. Dafür steht auch

die Entwicklung der Neuheit Sion. Der ab September 2021 in

Schweden produzierte Stromer ist die einzige Elektroauto-Neuheit,

die zumindest für Kurzstrecken nicht aufgeladen werden

müsste, da sie ihre eigene Stromversorgung an Bord hat.

Der Sion lädt sich für Kurzstrecken mit Solarstrom auf. Foto: ©

Sono Motors GmbH

Die Entwickler haben die komplette Karosserie mit Solarzellen

überzogen, was die CO2-Emissionen des E-Autos im Vergleich

zur Konkurrenz nochmals drückt. Drücken kann, sollte es besser

heissen. Denn die Selbstaufladung funktioniert nur, wenn

42


Mobilität

die Sonne scheint, wenn die Strecke von etwa April bis September

bei maximal 34 km oder im Winter bei lediglich zehn Kilometern

liegt. Dies sind die angegebenen Reichweiten, wenn sich

der Sion für einen Tag im Freien selbst aufladen kann.

An der Steckdose geladen kommt das E-Auto von Sono Motors

mit seinem 120 Kilowatt/163 PS leistenden E-Motor und einer

35 kWh starken Batterie auf eine Reichweite von bis zu 250 km

und ist damit ein Favorit für Arbeits-Pendler.

3Highlight Model Y: Nachfolger des Erfolgs-Stromer

Tesla Model 3

Die Zahlen der Neuzulassungen von Elektroautos steigen deutlich

und der gesamte Anteil an Fahrzeugen mit alternativen Antrieben

lag im ersten Halbjahr 2020 bei 21,6 Prozent (1. Hj. 2019:

10,4 Prozent). Eine dominante Rolle nimmt hier der Tesla Model

3 ein, von dem bis und mit Oktober 2020 laut Auto Swiss 3134

Fahrzeuge zugelassen wurden. Damit ist er das drittbeliebteste

Auto in der aktuellen Zulassungsstatistik. Lediglich geschlagen

vom VW Tiguan (3466) und dem Skoda Octavia (5082).

Das Model Y von Tesla gibt‘s ab 67‘300 Franken. Foto: © Tesla

Nun startet Anfang 2021 mit dem Model Y die Serienproduktion

eines weiteren Teslas. Das neue Tesla Model ist ein Elektro-SUV,

der auf dem Model 3 basiert, allerdings zehn Prozent grösser

ist und bis zu sieben Passagiere an Bord nehmen kann. Auf den

ersten Blick erinnert das Design des Model Y dank dem kuppelförmigen

Dach und einer stark abgeflachten Motorhaube an

den ersten VW New Beetle. Je nach Ausstattung liegt die Leistung

zwischen 266 und 443 PS oder 199 und 331 KW. Die Reichweite

liegt dabei zwischen 480 und 505 km. Werte wie man sie

bei Tesla gewöhnt ist. Ob sie für Schweizer Strassen nötig sind,

das ist eine andere Frage.

Das Model Y von Tesla gibt es ab einem Preis von 58‘620 Euro,

umgerechnet etwa 67‘300 CHF.

Zum Vergleich: Der Startpreis des Model 3 mit 325 - 510 PS oder

239 - 377 KW liegt bei 44‘990 CHF, in der Topausstattung bei

59‘990 CHF.

4. Günstigstes Elektroauto am Markt: Dacia Spring Electric

Mit dem Spring Electric bringt Dacia Anfang 2021 einen Mini

E-SUV auf den Markt, der mit drei Varianten und einem attraktiven

Preis punktet. Der angedachte Preis in der Basisversion

Elektro-SUV soll unter 20‘000 CHF liegen. Eine Kampfansage,

die aber auch nur möglich ist durch sein kleines Aggregat (22

KW/44 PS) und dem weitgehenden Verzicht - ganz Dacia-typisch

- auf allzu viel High-Tech.

Der Mini-SUV Dacia Spring Electric soll bereits ab 20‘000 Franken

erhältlich sein. Foto: © Dacia

Wen das nicht stört, der bekommt mit dem neuen Modell aus

Rumänien einen fünftürigen Viersitzer mit 300 L Kofferraumvolumen,

der eine Reichweite von 225 km beziehungsweise

295 km (im Stadtverkehr) schafft. Diese Reichweite kann noch

etwas gesteigert werden, denn im wählbaren Eco-Modus kommen

weitere zehn Prozent Reichweite hinzu. Die Motorleistung

wird damit auf 31 PS reduziert und die Maximalgeschwindigkeit

sinkt dann von 125 Km/h auf 100 Km/h.

Die Varianten des Fahrzeugs sehen eine Endverbraucher-Version

vor, eine spezielle Car-Sharing-Variante und eine ‚Cargo‘-

Ausführung. Letztere bietet lediglich zwei Sitze, dafür aber 800

L Ladevolumen bei einer Zuladung von maximal 375 Kg. Das

Fahrzeug ist als günstige Variante für den Nahlieferverkehr

ohne CO2-Emissionen und Feinstaubbelastung gedacht.

5. Neuer Fiat 500 ausschliesslich elektrisch

Während der ‚alte‘ 500er Fiat weitergebaut wird, kommt ein

überarbeitetes, geringfügig gewachsenes Modell auf den

Markt, das rein elektrisch fährt und schlicht der Neue Fiat 500

heisst. Es wirkt erwachsener, eher etwas maskuliner, und hat für

seine Klasse jede Menge technische Features wie eine 360-Grad

Kamera. Das Design wurde mit dem ‚Red Dot Award 2020‘ ausgezeichnet.

Wahlweise als Faltdach-Cabrio kommt der schicke und flotte

Kleinwagen mit 117 PS Leistung und einem 42 kWh-Speicher

2021 in die Autohäuser und fährt mit vollem Akku immerhin 320

km. Fast schon langstreckentauglich wird er durch den serienmässigen

85 kW-Lader, der das Fahrzeug an entsprechender

Ladestation in zehn Minuten für immerhin 100 km Reichweite

wieder auflädt. An normalen Ladesäulen benötigt die Batterie

vier Stunden für eine Füllung auf 100 Prozent. Cool: Den als

Doppeltürer mit Heckklappe erhältlichen Fiat gibt es auch in

einer 3 + 1-Version. Diesem wurde an der Beifahrerseite eine

weitere, entgegengesetzt öffnende kleine Tür spendiert.

Der Preis für die Schweiz ist noch nicht veröffentlicht. In

Deutschland startet er mit knapp unter 30.000 Euro, entspricht

etwa CHF 32.000.


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44


Digitalisierung

Phishing-Mails erkennen und abwehren

Mit gefälschten Mails verschaffen sich Cyberkriminelle immer wieder Zugang zu

Firmennetzwerken. Wie Unternehmen durch eine Phishing Simulation das Knowhow

ihrer Angestellten in puncto IT-Sicherheit messen und das Bewusstsein für

Cyberrisiken entscheidend verbessern können, erklärt Cornelia Lehle, Sales Director

G DATA Schweiz, im Interview.

Wie sieht die Bedrohungslage für Unternehmen zurzeit aus?

Cornelia Lehle: In den ersten Monaten dieses Jahres ist die

Zahl der Angriffsversuche stark gestiegen. Das hängt sicherlich

auch direkt mit der Corona-Pandemie zusammen. Cyberkriminelle

nutzten gerade zu Beginn der Krise die Verunsicherung

der Menschen aus und verschickten massenhaft Mails mit

einem direkten Bezug zu COVID-19. Angehängt waren aber

Dateien mit Schadsoftware oder der enthaltene Link führte

zu einer präparierten Webseite, mit dem Ziel Login-Daten

abzugreifen und diese zu verkaufen. Gleichzeitig spielte den

Angreifern auch der Trend in die Karten, dass viele Angestellte

im Homeoffice gearbeitet haben oder es immer noch tun.

Unternehmen konnten ihren Mitarbeitern im Homeoffice aber

unter dem gebotenen Zeitdruck keine ausreichend gesicherte

Infrastruktur zur Verfügung stellen. Die Komplexität der Netzwerke

hat durch Homeoffice noch einmal zugenommen, die

IT-Sicherheit ist aber nicht im gleichen Masse mitgewachsen.

Warum sind Cyberattacken auf Unternehmen heute immer

noch so erfolgreich?

Cornelia Lehle: Natürlich erkennen technische Sicherheitslösungen

einen Grossteil der Angriffsversuche und verhindern

den externen Zugriff von Angreifern. Kriminelle Hacker sind

heutzutage aber wirtschaftlich orientiert und wollen mit wenig

Aufwand einen maximalen Profit erzielen. Daher suchen sie immer

den Weg des geringsten Widerstands, um ans Ziel zu kommen.

Das sind natürlich technische Sicherheitslücken wie etwa

ein nicht installiertes Software-Update oder ein unzureichend

gesicherter RDP-Zugang mit einem zu einfachen Passwort. In

der Realität ist leider oft der Mitarbeiter das schwächste Glied

in der Kette. Da reicht ein falscher Klick in einer Mail auf den Anhang

oder einen Link und schon haben Angreifer Zugriff auf das

Netzwerk. Es ist dann nur noch eine Frage der Zeit, bis sie die

Kontrolle übernehmen und Daten kopieren oder verschlüsseln,

um Lösegeld zu erpressen.

46


Digitalisierung

Was müssen Unternehmen machen, um ihre Mitarbeiter für

das Thema IT-Sicherheit zu sensibilisieren?

Cornelia Lehle: In unserem Berufsalltag, aber auch im privaten

Leben sind viele Prozesse vollautomatisiert und IT-gestützt.

Eine sichere Versorgung mit digitalen Informationen ist mittlerweile

genauso wichtig, wie die Versorgung mit Strom oder

Wasser. Aber bei dem Thema IT-Sicherheit

verschliessen Vorstände, Geschäftsführer

und Angestellte immer

noch die Augen. So setzen sehr viele

Angestellte leicht zu merkende Passwörter

für die IT-Benutzerkonten ein,

doch einfache Kennwörter lassen sich

sehr schnell knacken. Wenn Angreifer

an die Login-Daten eines IT-Administrators

gelangen, haben sie nahezu unbehelligt

ihr Ziel schnell erreicht und

können im Firmennetzwerk agieren.

Warum fallen Menschen immer noch

auf Phishing-Nachrichten herein?

Cornelia Lehle: Cyberkriminelle verfolgen

beim Phishing ein klares Ziel.

Sie verleiten ihr Opfer dazu, vertrauliche Informationen wie

etwa Login-Daten preiszugeben, auf einen Link zu klicken oder

einen Mailanhang zu öffnen. So erhalten die Angreifer am Ende

Zugriff auf das Netzwerk oder können die Systeme mit Schadsoftware

infizieren. Dabei nutzen sie das menschliche Verhalten

konsequent aus. Hilfsbereitschaft, Neugier oder Gier spielen

ihnen dabei in die Karten. Im Unternehmensumfeld gehört der

Umgang mit Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen oder

Rechnungen zur Tagesordnung. Angreifer nutzen den gewohnten

Umgang mit diesen Mails aus, da Mitarbeiter bei Routinearbeiten

schneller unaufmerksam sind. Immer wieder bauen

die Angreifer in den Mails Zeitdruck auf, um die Opfer zum raschen

und unüberlegten Handeln zu zwingen. Es werden also

sehr menschliche Eigenschaften ausgenutzt. Wenn ein Mitarbeiter

erstmal davon überzeugt ist, dass er aus legitimen Gründen

beispielsweise auf einer Webseite sein Passwort eingeben

soll, können auch gute technische Sicherheitsmassnahmen wie

Zwei-Faktor-Authentifizierung umgangen

werden. Phishing wird immer

raffinierter – zwar landen weiterhin

unzählige Massenmails in den Postfächern,

aber die Gefahr durch gezielte

Attacken hat zugenommen. Dazu

spähen die Angreifer in Sozialen Medien

oder auf der Firmen-Homepage

ihr Opfer aus und erstellen darauf

aufbauend eine massgeschneiderte

Phishing-Mail. In dieser nehmen sie

etwa auf eine Veranstaltung Bezug,

die ein Mitarbeiter besucht hat. Solche

so genannten Spear-Phishing-

Mails sind von echten Nachrichten

kaum zu unterscheiden. Wenn sie mit

Hilfe von Malware, wie etwa Emotet,

bestehende E-Mail-Verläufe auslesen

und Mails von innerhalb der Organisation mit einem infizierten

Anhang verschicken, wird es noch schwieriger, diese zu erkennen.

Hier braucht es schon eine AV-Lösung, die auf dem neuesten

Stand ist. Hinzu kommt: Über diesen Weg greifen Cyberkriminelle

auch weitere Opfer an.

Gibt es typische Kennzeichen für eine Phishing-Mail?

Cornelia Lehle: Das hängt viel von der Art des Angriffs ab und

reicht von Massen-Spam mit mehreren tausend Empfängern,

bis hin zu gezieltem Spear-Phishing. Bei einfachen Phishing-

Mails fehlt beispielsweise die direkte Anrede. Die Nachricht

enthält massive Rechtschreib- und Grammatikfehler oder ist in

ihrer Argumentation nicht schlüssig. Ein anderes Erkennungsmerkmal

ist auch der Absender. Zwar lässt sich dieser Name

ändern, aber bei genauem Hinsehen ist häufig eine gefälschte

E-Mail-Adresse dahinter verborgen. Wenn aber die Angreifer

bereits einen anderen Account gekapert haben und von dort

Mails verschicken, ist es sehr schwer, dies zu erkennen. Wer eine

verdächtige E-Mail erhält, sollte immer die Legitimität hinterfragen

und im Notfall den Absender anrufen oder den zuständigen

IT-Mitarbeiter um Hilfe bitten.

Wer beispielsweise eine Mail von einem sozialen Netzwerk über

eine neue Kontaktanfrage erhält, die einem komisch vorkommt,

sollte den Link in der Mail nicht anklicken, sondern die Webseite

direkt besuchen. Eine legitime Kontaktanfrage wird auch dort

angezeigt und Anwender umgehen so das Risiko, auf eine Phishing-Webseite

reinzufallen.

Wie können Unternehmen dafür sorgen, dass ihre Angestellten

zukünftig keine Phishing-Mails anklicken?

Cornelia Lehle: Unternehmen müssen IT-Sicherheit ganzheitlich

betrachten. Neben technischen Sicherheitsmassnahmen

sollten Mitarbeiter zum Bestandteil der Verteidigungsstrategie

werden. Hier reicht ein Schulungsvideo, mit dem Mitarbeiter

über Phishings-Mails und andere Cybergefahren informiert

werden, nicht aus. Auch eine zweitägige Präsenzschulung greift

auf Dauer zu kurz. Das Bewusstsein der Angestellten für IT-Sicherheitsrisiken

zu schärfen, ist ein langfristiger Prozess. Das

geht aus meiner Sicht nur mit Hilfe von umfangreichen Security

Awareness Trainings. Wenn sich die Angestellten der Risi-


47


ken bewusst sind, handeln sie vorsichtiger und gehen kritischer

mit Mails um. Gleichzeitig haben sie dann auch Verständnis für

Passwort-Vorgaben und andere sicherheitsrelevante Themen.

So wird kein Mitarbeiter einen unbekannten USB-Stick ungeprüft

an seinem Rechner anschliessen.

Welchen Beitrag leisten

Phishing-Simulationen

im Rahmen eines Security

Awareness Trainings?

Cornelia Lehle: Bei Phishing-Simulationen

können

Angestellte auf spielerische

Weise Erfahrungen

mit gefährlichen Mails

sammeln. Es versetzt sie

in die Lage, routinierter

mit Phishing umzugehen

und steigert ihr Selbstbewusstsein.

Die Unternehmen

können mit einer

Simulation außerdem den

Status der IT-Sicherheit

messen. Ein Reporting zeigt dem Verantwortlichen, ob und wie

viele Mitarbeiter eine gefährliche Mail geöffnet und sogar den

enthaltenen Link angeklickt haben. Damit ist klar, wie gross

der Handlungsbedarf ist und an welcher Stelle dieser besteht.

Anschliessend sollten Firmen ein Security Awareness Training

durchführen, um das Bewusstsein der Mitarbeiter für Cybergefahren

nachhaltig zu verbessern und Wissen aufzubauen. Wer

dann noch eine weitere Phishing-Simulation durchführt, kann

sehen, wie sich das Sicherheitsniveau im Unternehmen verbessert

hat. Natürlich ist das ein kontinuierlicher Prozess.

Wie sollte eine Phishing-Simulation ablaufen?

Cornelia Lehle: Idealerweise sollte die Übung drei bis vier Wochen

dauern.

Die Phishing-Mails sollten dabei verschiedene Schwierigkeitsstufen

abdecken und auch die zeitliche Komponente, also die

Zeit des Versands sollte variieren. Denn die Aufmerksamkeit

der Mitarbeiter ist nicht konstant. So ist mancher Angestellter

in Vorfreude auf den Feierabend oder das Wochenende nicht

mehr so aufmerksam, wie zu Beginn des Arbeitstages. Ich bin

mir ziemlich sicher, dass jeder Mitarbeiter auf mindestens eine

Mail hereinfällt. Aber genau aus diesem Fehler lernen sie am

meisten.

Welche Dinge sollten Unternehmen beachten, wenn sie eine

Phishing-Simulation durchführen wollen?

Cornelia Lehle: Natürlich müssen Firmen die arbeitsrechtlichen

Rahmenbedingungen erfüllen. Aus meiner Sicht ist aber ein anderer

Punkt viel entscheidender: Für eine Phishing Simulation

braucht es einen passenden Rahmen. Dazu gehört beispielsweise

ein Meldeprozess für verdächtige Mails. Im Verdachtsfall

sollten verdächtige Nachrichten nicht einfach gelöscht, sondern

überprüft werden. Dann können die IT-Sicherheitsverantwortlichen

umgehend Massnahmen einleiten, wenn sich der Verdacht

bestätigt. Dazu gehört etwa die Anpassung der eingesetzten

Spam-Filter, damit diese Mails direkt blockiert werden. Zudem

bedarf es auch einer Firmenkultur, die Mitarbeiter schützt, die

auf eine Phishing-Mail hereingefallen sind. Nur wer offen über

dieses Verhalten spricht und es nicht sanktioniert, schafft innerhalb

der Belegschaft ein Bewusstsein für das bestehende Risiko.

Ein Mitarbeiter, der auf einen Phishing-Angriff hereingefallen

ist, sollte dies offen ansprechen können.

48


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Digitalisierung

Business Impact Analyse –

Genügend vorbereitet auf einen Notfall

Gerade in Krisenzeiten wird die Wichtigkeit einer guten Vorbereitung erkennbar.

Tritt eine Krise oder ein grösseres negatives Ereignis ein, gilt es schnell zu reagieren.

Zu diesem Zeitpunkt ist es aber zu spät, sich mit allen notwendigen Schritten

im Detail auseinanderzusetzen.

Nun muss reagiert und nicht mehr diskutiert werden. Die Business

Impact Analyse zeigt im Vorfeld, auf was der Fokus bei

einem solchen Ereignis gelegt werden muss und welche Massnahmen

zur Reduktion der Folgen ergriffen werden müssen.

Das Krisenmanagement ist unabhängig von Unternehmensprozessen

und das Ziel besteht darin, Menschen zu retten (z.B. Gebäude-Evakuation

in der Schadensbegrenzung (Umwelt /Sachwerte)

sowie eine Krisensituation generell zu bearbeiten.

Auch die Betreuung von Mitarbeitern und gegebenenfalls Angehörigen

sowie der richtige Umgang mit den Medien sind klassische

Aufgaben des Krisenmanagements.

Gemäss ISO 22301 (Sicherheit und Ausfallsicherheit - Business

Continuity Management-Systeme) und BSI 100-4 (Notfallmanagement)

des Deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik

sieht das Vorgehen bei der Einführung und

beim Betrieb eines BCM wie folgt aus:

1. Eigene Organisation (Struktur und Prozesse) verstehen

(mittels Business Impact Analyse)

2. BCM-Strategie entwickeln

3. Reaktionsmassnahmen und Notfallpläne entwickeln

und implementieren

4. BCM-Übungen durchführen

5. Reaktionsmassnahmen und Notfallpläne überprüfen

und weiterentwickeln

Im nachfolgenden wird der erste Punkt, die Business Impact

Analyse (BIA), im Detail angeschaut. Diese dient dazu, kritische

Prozesse zu identifizieren und zu bewerten. Dabei werden Pro-

50

zesse mit hohem Einfluss auf andere Prozesse und auch Abhängigkeiten

von Prozessen untereinander erfasst.

In einem ersten Schritt werden die Prozesse in einem Unternehmen

angeschaut. Dabei ist wichtig, diese zuerst ohne Bewertung

oder grosse Diskussionen anzuschauen.

Auch eher triviale Prozesse, wie den Briefkasten leeren, gehören

da dazu. Gleichzeitig wird erfasst, ob Prozesse von anderen

Prozessen abhängig sind.

Erst wenn alle erfasst sind, werden in den Prozessen auch die

beiden Werte RPO und RTO bestimmt.

• RTO (Recovery Time Objective): Wie lange darf ein Geschäftsprozess/System

ausfallen? Es ist also der Zeitbedarf,

der vom Zeitpunkt des Schadens bis zur vollständigen

Wiederherstellung der Geschäftsprozesse

reicht.

• RPO (Recovery Point Objective): Welcher Datenverlust

kann in Kauf genommen werden? Dies gibt den maxmalen

Zeitraum an, der zwischen zwei Datensicherungen

liegen darf.

RPO und RTO im zeitlichen Ablauf (Tabelle 1):

Prozessname Beschreibung RPO RTO

Verkauf von Dienstleistungen Prozess umfasst das Bereitstellen von

1 Tag 2 Tage

Dienstleistungen und deren Vermarktung

Mitarbeiter-Rekrutierung Prozess umfasst alle Schritte vom ersten Gespräch

bis zur Einstellung

2 Tage 1 Woche

Im zweiten Schritt werden die verarbeiteten Daten angeschaut.

Dies Daten können Kundendaten, Beschreibung technische Vertraulichkeit (C) Dokumente Integrität (I) Verfügbarkeit und Anlei- (A)

Kundendaten

Mitarbeiterdaten (HR)

Informationen über

Kunden (z.B.

Kaufverhalten)

Informationen der

Mitarbeitenden (z.B.

Absenzen)

Sehr hoch (sh) Hoch (h) Hoch (h)

Sehr hoch (sH) Normal (n) Normal (n)


tungen, Strategien, interne Dokumente von Mitarbeitenden,

Prozesslisten und vieles weitere sein. Diese Daten werden nach

der Kritikalität bewertet. Dazu gehören die Vertraulichkeit, die

Integrität und die Verfügbarkeit.

• Vertraulichkeit (Confidentiality): Schutz der Daten vor

unberechtigter Offenlegung.

• Integrität (Integrity): Erkennung von Datenmanipulationen

(Modifikation, Duplizierung).

• Verkauf von Dienstleistungen

Verfügbarkeit Prozess (Availability): umfasst das Bereitstellen Die Daten von stehen dann

Prozessname Beschreibung RPO RTO

1 Tag 2 Tage

Dienstleistungen und deren Vermarktung

Mitarbeiter-Rekrutierung zur Verfügung, Prozess wenn umfasst sie alle benötigt Schritte vom ersten werden Gespräch 2 Tage 1 Woche

bis zur Einstellung

Beispiel für die Festlegung der Datenkritikalität (Tabelle 2):

Mit dieser Vererbung, und allenfalls Anpassung der Kritikalität,

können Massnahmen geplant werden. Braucht es mehr

Redundanzen? Müssen weitere Mitarbeitende oder externe

Lieferanten involviert werden? Dazu wird idealerweise eine Risiko-Analyse

durchgeführt. Schauen wir uns den Fall eines Systemausfalls

an. Die Eintrittswahrscheinlichkeit ist eher gering,

aber die Auswirkung kann schnell kritisch werden. Als (Gegen-)

Massnahme kann das System redundant aufgebaut, eine Offline-Sicherung

mit kurzen Abständen oder eine Anpassung des

Prozesses, z.B. auf Papier, geprüft werden.

Kontrollen und KPIs

Digitalisierung

Daten Beschreibung Vertraulichkeit (C) Integrität (I) Verfügbarkeit (A)

Kundendaten

Informationen über Sehr hoch (sh) Hoch (h) Hoch (h)

Kunden (z.B.

Kaufverhalten)

Mitarbeiterdaten (HR) Informationen der

Mitarbeitenden (z.B.

Absenzen)

Sehr hoch (sH) Normal (n) Normal (n)

Im dritten Schritt werden die genutzten Anwendungen, Gebäude,

involvierten Mitarbeitenden, Lieferanten und weitere Abhängigkeiten

erfasst und mit den Prozessen verknüpft. Diese

Elemente erben damit die vorher definierte Kritikalität.

Bei elektronischer Verarbeitung wird im vierten Schritt erfasst,

auf welchen Systemen die Anwendungen laufen. Dabei wird

nicht unterschieden, ob diese Systeme virtuell oder physisch

sind. Jedoch muss bei virtuellen Systemen angegeben werden,

auf welcher Hardware diese laufen. Je nachdem können nun

auch die Netzwerke und die genutzten Räume (z.B. Serverräume,

Switch-Schränke, etc.) in einen Zusammenhang gebracht

werden.

Bei der Vererbung werden drei Arten unterschieden:

• Maximumprinzip: dabei wird die höchste Kritikalität

übernommen (bezogen auf die Vertraulichkeit, die Integrität

und die Verfügbarkeit).

• Verteilungseffekt: wenn genügend Redundanzen vorhanden

sind, kann zum Beispiel die Verfügbarkeit reduziert

werden. Dies ist beispielsweise dann der Fall,

wenn Systeme in zwei redundanten Rechenzentren

betrieben werden. Damit kann eines ausfallen, ohne

dass der Prozess davon negativ beeinflusst wird.

• Kumulationseffekt: die Kritikalität wird erhöht. Typisch

ist dies bei Hardware-Systemen, auf denen eine

grosse Anzahl von virtuellen Maschinen betrieben

werden. Die einzelnen virtuellen Systeme sind unkritisch,

da aber bei einem Hardware-Ausfall viele gleichzeitig

ausfallen, wird die Anforderung an die Verfügbarkeit

des Servers erhöht.

BIA-Ablauf:

Risiko-Analyse

Aus der vorherigen Massnahme «Offline-Sicherung» sollte anschliessend

eine Kontrolle abgeleitet werden. So sollte das

Backup wöchentlich überprüft werden, um festzustellen, ob

alle notwendigen Daten korrekt gesichert wurden.

Eine weitere Kontrolle könnte ein Wiederherstellungstest alle

drei Monate, das heisst quartalsweise, sein. Damit wird überprüft

und geübt, dass in einem Notfall die Daten auch schnell

und vollständig wiederhergestellt werden können.

Zudem werden allfällige Stolpersteine identifiziert und können

frühzeitig behoben werden. Aus Kontrollen können KPIs (Key

Performance Indicator) definiert und gemessen werden. In Bezug

auf das Backup könnten dies «Anzahl nicht überprüfter

Backup-Jobs» oder «Anzahl nicht erfolgreicher Wiederherstellungstests»

sein.

Zu jedem KPI sollten auch die Messgrössen definiert werden.

So bedeutet 0: «Alles in Ordnung», 1: «Tolerierbar», 2: «Nicht tolerierbar».

Diese KPIs dienen als Information für Management-

Bewertungen und allfällig notwendiger Korrekturen.

Fazit

Wird die Business Impact Analyse mit genügend Zeit und mit

der entsprechenden Tiefe durchgeführt sowie regelmässig den

sich ändernden Anforderungen angepasst, kann ein möglicher

Notfall zwar nicht verhindert, aber die Folgen davon stark verringert

werden.

Durch das konsequente Weiterführen werden Massnahmen,

Kontrollen und Messgrössen definiert und damit eine Rückmeldung

zur Qualität der getroffenen Schritte ermöglicht. Die

Business Impact Analyse kann damit ein Unternehmen ideal

vorbereiten und vor einem grossen Schaden schützen.

goSecurity

Andreas Wisler

Inhaber, Dipl. Ing FH


51


Digitalisierung

IT-Sicherheit:

Per Dark Web Scan der Gefahr ins Auge blicken

Im Dark Web finden Hacker seit Jahren eine ideale Plattform, um sensible Informationen wie Zugangsdaten,

die im Zuge von Sicherheitslecks erbeutet wurden, illegal zum Verkauf anzupreisen.

Das Fatale: Unternehmen wissen meist nicht einmal, dass „ihre“ Daten hier bereits gehandelt

werden. Genau aus diesem Grund ist es durchaus ratsam, einmal gezielt hinter die Kulissen des

Dark Webs zu blicken.

Mit gestohlenen Zugangsdaten lässt sich heutzutage viel Geld

verdienen und wer auf der Suche nach Passwörtern ist, wird im

Dark Web schnell fündig. Schliesslich treffen Cyberkriminelle

in den Untiefen des Datenozeans auf perfekte Bedingungen für

perfide Machenschaften: Die Webseiten im Dark Web sind zwar

öffentlich zugänglich, verbergen aber ihre IP-Adressen, was es

Benutzern unmöglich macht, den Host zu identifizieren. Es ist

erschreckend, wie viele vertrauliche Informationen – von E-

Mail-Adressen mit zugehörigen Passwörtern über Kreditkarteninformationen

bis hin zu vielen weiteren persönlichen Details –

auf diese Weise allgemein verfügbar sind und illegal gehandelt

werden. Hacker fahren darüber ein lukratives Geschäft, welches

nicht selten das Fundament für weitere Angriffsszenarien liefert.

Es verwundert daher kaum, dass auch die Methoden, um

an vertrauliche Daten wie Passwörter zu kommen, immer ausgefeilter

werden (siehe Kasten). Ein einziger bekannter Zugang

kann zum Ausgangspunkt für weiteren Datendiebstahl im grossen

Stil werden. Einschlägige Statistiken wie der Verizon Data

Breach Investigations Report zeigen, dass sich ein enorm hoher

Anteil an Cyberangriffen jedes Jahr auf gestohlene Anmeldeinformationen

zurückführen lässt.

Risiko ist allgegenwärtig

Wie gross das Ausmass der Bedrohung ist, untermauert auch der

„2019 Global State of Cybersecurity in Small and Medium-Sized

Businesses Report“ des Ponemon Institute. Danach vermeldeten

63 Prozent der Unternehmen einen Sicherheitsvorfall, bei

dem sensible Informationen über Kunden und Mitarbeitende

verloren gingen. Die damit verbundene Gefahr ist äusserst facettenreich.

Sind Cyberkriminelle erst einmal im Firmennetz

„drin“, können sie Malware installieren, weitere Zugangsdaten

abgreifen bzw. vertrauliche Inhalte stehlen, wichtige Daten löschen

oder verändern, böswillig Geldtransfers anstossen oder

mit eingeschleuster Ransomware ihr Unwesen treiben – um nur

einige Beispiele zu nennen.

Suche im Dark Web bringt Schwachstellen an Licht

Ob die eigenen Unternehmensdaten bereits im Dark Web kursieren,

lässt sich mit einem neuen, kostenlosen Werkzeug von

WatchGuard – dem Dark Web Scan – schnell herausfinden.

Dazu muss auf der entsprechenden Webseite (https://www.

watchguard.com/wgrd-resource-center/dark-web-scan)nur

die gewünschte Firmen-Domain angegeben werden und in

Sekundenschnelle ist klar, ob es konkreten Anlass zur Sorge

gibt. Hinter dem Formular verbirgt sich ein Sammelsurium an

frei verfügbaren Datensätzen, die die Security-Experten von

WatchGuard aus dem Dark Web zusammengetragen und für

solche gezielten Suchanfragen gebündelt haben. Sollte der

Scan einen oder mehrere Treffer erzielen, kann darüber hinaus

eine detaillierte Analyse angefordert werden, die dabei unterstützt,

die potenzielle Gefahr genauer zu spezifizieren. Der

Report offenbart dann unter anderem die konkret zur Domain

gehörenden E-Mail-Adressen, die Teil eines Datenlecks waren,

sowie zusätzliche Informationen hinsichtlich der genauen Datenquelle

oder des Zeitpunkts, zu dem die Daten abgeflossen

sind.

Der Gefahr den Riegel vorschieben

Wenn die Suche nach unternehmensbezogenen Daten im Dark

Web zu Ergebnissen führte, sollte das Risiko des Missbrauchs

der betroffenen Zugangsinformationen zügig eingedämmt

werden. Hierbei helfen folgende Massnahmen:

• Passwörter zurücksetzen: Damit dies unternehmensweit

geschehen kann, gilt es umgehend die IT-Abteilung zu

informieren.

• Auf zusätzliche Bedrohungen prüfen: Empfohlen ist die

Durchführung einer Sicherheitskontrolle durch das IT-

Team, um nach weiteren Schwachstellen zu suchen, die im

Zuge eines Datenlecks aufgetreten sein könnten.

52


Digitalisierung

Wissen, wie‘s geht

• MFA einschalten: Sollte noch keine Multifaktor-Authentifizierung

im Einsatz sein, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, darüber

nachzudenken. Auf diese Weise lässt sich eine zusätzliche

Sicherheitsebene schaffen – für interne Unternehmensanwendungen,

VPN-Zugänge wie auch Cloud-Instanzen.

• Sensibilisierung der Mitarbeitenden: Wenn es konkrete

Hinweise darauf gibt, dass Zugangsinformationen im

Dark Web gehandelt werden, ist dies ein perfekter Aufhänger,

um die gesamte Belegschaft noch einmal auf

essenzielle Sicherheitspraktiken hinzuweisen und insbesondere

dafür zu sensibilisieren, wie wichtig es ist, berufliche

und persönliche Passwörter getrennt zu halten

• Kontrollroutinen etablieren: Datensicherheitsvorfälle ereignen

sich immer wieder. Von daher ist es ratsam, regelmässig

einen Dark Web Scan durchzuführen, damit im erneuten

Verdachtsfall schnell gehandelt werden kann.

Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass aktuell immer mehr

Mitarbeitende aus dem Homeoffice agieren, ist es mit dem Aufruf

zu mehr Sicherheitsbewusstsein und Disziplin im Umgang

mit Passwörtern kaum noch getan. Schliesslich reicht ein einziger

Beschäftigter aus, der zu lax mit diesem Thema umgeht, um

Hackern Tür und Tor zu internen Ressourcen zu öffnen. Mehr

oder weniger strenge Passwortrichtlinien haben in den letzten

Jahren kaum Abhilfe geschaffen. Selbst wenn deren Umsetzung

– zum Teil durch administrative Werkzeuge – erzwungen wurde,

liess der erreichte Effekt doch eher zu wünschen übrig. Viele

Mitarbeitende zeigen sich nach wie vor wenig einfallsreich,

wenn es um die Vergabe neuer Kennwörter geht – Stichwort Bequemlichkeit.

Oftmals wird ein bestehendes Login nur minimal

abgeändert und das Risiko des Missbrauchs bleibt hoch.

Mehr Sicherheit durch Multifaktor-Authentifizierung

Es ist Unternehmen jeder Art und Grösse daher dringend angeraten,

mit Multifaktor-Authentifizierung eine zusätzliche

Sicherheitsebene einzuziehen. Das Argument, dass solche Lösungen

gerade für kleine und mittelständische Organisationen

zu teuer, komplex und administrativ zu aufwendig sind, gilt

mittlerweile schon längst nicht mehr. Bereits seit 2018 tritt

WatchGuard mit „AuthPoint“ als cloudbasiertem Dienst

mit eigener Smartphone-App den Beweis an, dass sich

Sicherheit und Anwenderkomfort im Rahmen der Multifaktor-Authentifizierung

durchaus in Einklang bringen lassen.

Autor: Paul Moll,

Field Marketing Manager Central Europe bei WatchGuard Technologies

Die Methoden und Werkzeuge, die Cyberkriminelle

anwenden, um in den Besitz von sensiblen Informationen

wie Passwörtern zu gelangen, entwickeln sich

konsequent weiter und setzen nicht zuletzt immer

stärker auf Automatisierung. Hier ein Einblick zu den

gängigsten Vorgehensweisen:

Wörterbuchangriff: Es wird versucht, mithilfe elektronischer

Wörterbücher das Passwort zu erraten.

Diese Listen umfassen nicht selten die am häufigsten

verwendeten Passwörter. Insofern begibt sich

jeder Anwender, der seinen Zugang über «123456»

oder ein einfaches Wort aus dem täglichen Sprachgebrauch

absichert, auf dünnes Eis.

Brute-Force-Attacke: Hierbei verwenden Hacker

Tools, um wiederholt jede mögliche Passwort-Kombination

aus Buchstaben, Zahlen und Symbolen auszuprobieren,

bis das Passwort geknackt ist.

Credential Stuffing: Diese Angriffsform basiert auf

dem Fakt, dass viele Menschen die gleichen Passwörter

für verschiedene Konten verwenden. Ist ein

solches Login einmal bekannt, werden automatisch

weitere Anwendungen gesucht, bei denen dieses

funktioniert.

Social Engineering: In unterschiedlichster Ausprägung

wird darauf abgezielt, menschliche Schwächen

auszunutzen und Anwender so zu täuschen sowie

zu manipulieren, dass sie ihre Zugangsdaten selbst

preisgeben. Mittel der Wahl ist dabei häufig Phishing:

Es werden beispielsweise E-Mails oder Webseiten gefälscht,

um Passwörter zu entlocken.


53


Digitalisierung

450 logische Fehler in populären Datenbanken

aufgespürt

Von: Daniel Meierhans

Datenbanken müssen immer leistungsfähiger werden. Darunter scheint jedoch

die Zuverlässigkeit zu leiden.

Jetzt haben ETH-Informatiker ein Tool entwickelt, das mit drei

unterschiedlichen Methoden automatisch logische Fehler in

Datenbanksystemen aufspürt. Bisher konnten damit über 450

Bugs gefunden und behoben werden.

SQL-Datenbanken (Structured Query Language) bilden das

Rückgrat der Informatik. ETH-Forscher haben nun Methoden

entwickelt, die darin automatisch logische Fehler finden.

Wenn eine Adresse im Smartphone abgespeichert ist, gehen

wir wie selbstverständlich davon aus, dass wir sie mit der richtigen

Abfrage auch finden. Genauso wie mit den geeigneten Begriffen

alle passenden Artikel im Webshop aufgelistet werden.

Bloss: So selbstverständlich, wie wir meinen, ist das nicht. Ein

logischer Fehler im Datenbank-Management-System (DBMS),

in dem die gespeicherten Informationen verwaltet werden,

kann falsche Antworten zurückliefern, ohne dass wir den Fehler

überhaupt bemerken.

Überraschend viele Fehler in allen Systemen

Und genau derartige logische Fehler sind erstaunlich häufig.

Oder besser gesagt, sie waren es bis vor kurzem. Forscher vom

Advanced Software Technologies Lab der ETH Zürich haben

jetzt nämlich ein Tool entwickelt, das automatisch logische Fehler

in Datenbanksoftware aufspürt. Bereits konnten damit über

450 Programmierdefekte in weitverbreiteten Datenbanken gefunden

und anschliessend behoben werden.

«Wir waren selbst überrascht, wie viele Fehler in gängigen Datenbank-Management-Systemen

stecken», erläutert Manuel

Rigger: «Mit unseren Methoden haben wir beispielsweise in der

auf fast allen Smartphones und auch in vielen Web-Browsern

laufenden SQLite-Datenbank über 150 Programmfehler entdeckt.

Und das ist kein extremer Fall. Die Quote ist in allen Systemen,

die wir bisher untersucht haben, ähnlich gross.»

Komplexe Programme und kaum erkennbare Bugs

Dass die ETH-Informatiker derart viele Bugs finden, hat zwei

Hauptgründe. Zum einen sind heutige Datenbanken sehr komplex

und können mehrere Millionen Zeilen Programm-Code

umfassen. Da ist es praktisch unvermeidlich, dass Widersprüche

entstehen und Programmierfehler passieren. Zum anderen

sind logische Fehler nicht so einfach zu finden. Im Gegensatz

zu Bugs, die das System abstürzen lassen, äussern sie sich nur

selten offensichtlich. In der Regel ist ein Vergleich mit dem richtigen

Ergebnis nötig, um sie zu bemerken. Genau das war bisher

nur mit viel Aufwand möglich.

Das bis anhin einzige in der Praxis genutzte automatisierte

Testverfahren ist bereits vor über 20 Jahren entworfen worden.

Es beruht auf dem Vergleich von Abfragen mit unterschiedlichen

Datenbanksystemen. Da jeder Hersteller spezifische

Erweiterungen und Anpassungen am Abfrage-Standard SQL

(Structured Query Language) vornimmt, ist das Formulieren

von eindeutig vergleichbaren Fragen inzwischen aber auf einen

kleinen Kernbereich der Systeme beschränkt. Die Abfragesprachen

der Hersteller unterscheiden sich nämlich ähnlich wie die

Dialekte einer menschlichen Sprache zum Teil erheblich.

Zwei Wochen Arbeit verloren

Persönlich vermutet Rigger zudem noch einen dritten Grund,

wieso den Fehlern bisher nicht mit mehr Entschlossenheit nach-

54


Digitalisierung

gegangen wurde: Im Datenbankbereich konzentrieren sich

derzeit die Aktivitäten darauf, die Systeme mit Methoden der

künstlichen Intelligenz wie maschinellem Lernen noch leistungsfähiger

zu machen. Daneben erscheint die Fehlersuche

naturgemäss wenig attraktiv.

Rigger selbst hat seine Wurzeln im Software-Testing und in der

Entwicklung von Compilern, mit denen verschiedene Programmier-

und Maschinensprachen ineinander übersetzt werden

können. Aufmerksam geworden auf die Fehler-Problematik im

Datenbankbereich ist er durch eigene ärgerliche Erfahrungen,

als wegen eines Fehlers im Datenbank-Management-System

zwei Wochen Arbeit verloren gingen.

Drei Methoden für drei Fehlertypen

In der Folge hat sich der Testing-Spezialist gemeinsam mit dem

Leiter des Advanced Software Technologies Lab, Zhendong Su,

dem Problem angenommen. Ihre Lösung besteht in drei unterschiedlichen

Methoden, mit denen sich zuverlässige Vergleichsabfragen

finden lassen. Bei sogenannten «Query Partitioning»

werden Abfragen automatisiert in mehrere Teile zerlegt und

dann kontrolliert, ob das Ganze und die Summe der Teile das

Gleiche ergeben.

Mit der zweiten Methode lassen sich gezielt Fehler aufspüren,

die durch Optimierungs-Mechanismen in den Datenbanken

hervorgerufen werden. Dabei werden die Abfragen für den Vergleich

so abgewandelt, dass der Optimierungsmechanismus

nicht mehr funktionieren kann.

Im Gegensatz zur den ersten zwei Methoden, die auch ohne

detaillierte Kenntnisse der fraglichen Datenbank automatisiert

durchgeführt werden können, verlangt die dritte ein spezifisches

Datenbankwissen und auch eine individuelle Implementierung

des Vergleichs. Bei der sogenannten «Pivoted Query

Synthesis» wird eine ganze Reihe in der relationalen Datenbanktabelle

zufällig ausgewählt. Danach muss eine Abfrage erstellt

werden, welche die gewählte Reihe zum Ergebnis hat. So

können logische Fehler wesentlich effizienter identifiziert werden,

als wenn wie bisher einzelne Einträge von Hand analysiert

werden müssen.

Tool ist bereits bei Herstellern im Einsatz

Mit ihren Methoden und dem Tool SQLancer, in welchem diese

automatisiert wurden, haben die ETH-Informatiker offensichtlich

schlafende Geister geweckt. Das Interesse der Datenbank-

Hersteller ist ausgesprochen gross. Obwohl die drei Verfahren

bisher nur informell als Preprints und über Social Media kommuniziert

wurden und erst in diesen Tagen an einschlägigen

Fachkonferenzen offiziell vorgestellt werden, haben bereits

mehrere Hersteller angefangen, ihre Software damit zu testen.

«Diverse Hersteller haben bereits zahlreiche Bugs in ihren

Systemen gefunden und den SQLancer fest in ihr Testing eingebaut,»

weiss Rigger aus vielen direkten Kontakten: «Einige

haben auch Programmiercode zu unserem als Open Source veröffentlichten

Projekt beigesteuert oder das Tool an ihre spezifischen

Bedürfnisse angepasst und erweitert.»


55


Digitalisierung

Schadprogramm attackiert beliebtes

Kassensystem für Restaurants

ESET Analyse: Backdoor ModPipe infiltriert gezielt POS-System von Oracle

Jena, 12. November 2020 – Cyberkriminelle haben es mit der

Backdoor ModPipe gezielt auf die Kassensysteme ORACLE

MICROS Restaurant Enterprise Sales (RES) 3700 Point-of-Sale

(POS) abgesehen. Das System ist eine weit verbreitete Management-Software-Suite,

die zu Hunderttausenden in gastronomischen

Betrieben wie Bars, Restaurants oder Hotels zum Einsatz

kommt. ModPipe ist modular aufgebaut und kann dem jeweiligen

Einsatzort flexibel angepasst werden. Nach einer erfolgreichen

Infektion erhalten die Angreifer Zugriff auf vertrauliche

Informationen wie personenbezogene Daten oder Transaktionsdaten

des Betreibers. Ihre umfangreiche Analyse haben die

ESET Forscher nun auf WeLiveSecurity veröffentlicht.

„Der Aufbau von ModPipe deutet darauf hin, dass die Entwickler

hinter dem Schadprogramm über umfassende Kenntnisse zum

RES 37000 Kassensystem verfügen“, erklärt der ESET Forscher

Martin Smolár, der ModPipe entdeckt hat. „Bereits 2019 haben

wir zum ersten Mal ihre Grundkomponenten gefunden und analysiert.

Diese wurden offensichtlich verbessert. “

Backdoor ist modular aufgebaut

Was die Hintertür so besonders macht, sind die herunterladbaren

Module. ModPipe enthält einen benutzerdefinierten Algorithmus,

der RES 3700 POS-Datenbankpasswörter sammelt.

Dazu entschlüsselt er Windows-Registrierungswerten.. Dies

unterstreicht die tiefen Kenntnisse der Angreifer über das Kassensystem.

Sie haben sich für so eine ausgeklügelte Methode

entschieden, anstatt die Daten über einen einfacheren, aber

auch offensichtlicheren Ansatz, wie beispielsweise Keylogging,

zu sammeln. Die herausgeschleusten Anmeldedaten ermöglichen

den Betreibern hinter dem Schadprogramm den Zugriff

auf Datenbankinhalte, einschließlich verschiedener Konfigurationen,

Statustabellen und Informationen über POS-Transaktionen.

Mit der analysierten Variante von ModPipe erhalten die

Angreifer jedoch keinen Zugriff auf sensible Daten wie Kreditkartennummern

und Ablaufdaten. Diese Informationen sind

durch Verschlüsselung zusätzlich geschützt. Das Ziel der Angreifer

bleibt daher unklar, weil sie nur wenige wertvolle Informationen

erhalten. Die ESET Forscher vermuten, dass ein weiteres

herunterladbares Modul existiert, dass es den Kriminellen

erlaubt, die sensibleren Daten zu entschlüsseln.

Was Benutzer des Kassensystem tun sollten

Um die Betreiber hinter ModPipe in Schach zu halten, wird Betroffenen

im Gastgewerbe sowie allen anderen Unternehmen,

die den RES 3700 POS verwenden, geraten, dies zu tun:

• Die neueste Version der POS-Software sollte installiert

werden.

• Generell ist es elementar, dass bei den eingesetzten

Geräten das Betriebssystem und weitere installierte

Software immer auf dem neuesten Stand ist.

• Eine zuverlässige, mehrschichtige Sicherheitssofware,

die ModPipe und ähnliche Bedrohungen erkennt,

sollte im Einsatz sein.

Die gesamte Analyse gibt es auf WeLiveSecurity:

https://www.welivesecurity.com/deutsch/2020/11/12/hungrig-nach-daten-modpipe-backdoor-bedroht-pos-software-imgastgewerbe/

56


Impressum

Impressum

Herausgeber:

Vessa GmbH

Station 122

4252 Bärschwil

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Redaktion:

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Grafik und Satz:

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Inter Generika

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VW Group

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Druckerei:

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