[ke:onda] Stadt, Land, Vielfalt

Naturfreundejugend

Ausgabe 2/2020. Stadt oder Land? Ein unausweichlicher Widerspruch oder doch eigentlich alles gleich? Bedeutet Stadt gleich Betonwüste und Land gleich grüne Idylle? In dieser Ausgabe widmen wir uns einer Vielzahl an Lebensentwürfen und den sozialen und ökologischen Auswirkungen von
Stadt und Land.

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der Naturfreundejugend

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[Ke:onda] 02 / 2020

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Land Stadt

V i e lfalt


Seite 2

Dezember 2020

Vorwort

Inhaltsverzeichnis

Liebe Naturfreund*innen,

Stadt oder Land? Ein unausweichlicher

Widerspruch oder doch eigentlich alles

gleich? Bedeutet Stadt gleich Betonwüste

und Land gleich grüne Idylle? In dieser

Ausgabe widmen wir uns einer Vielzahl

an Lebensentwürfen und den sozialen

und ökologischen Auswirkungen von

Stadt und Land. Wir interviewen dazu die

Großstadtliebhaberin Luise (Seite 6) sowie

Jonas (Seite 8), der sich für ein Leben

im Ökodorf entschieden hat. Neben diesen

persönlichen Ansichten schauen wir auch

auf knallharte Fakten (Seite 4), wagen den

Selbsttest (Seite 5) und nähern uns der

Frage nach „verschwendeter“ Zeit (Seite

10). Wir betrachten, was eine grüne Stadt

für Auswirkungen hat (Seite 11) und werfen

einen genaueren Blick auf verschiedene

Bäuer*innenproteste (Seite 9).

Trotz der Pandemie ist bei uns viel passiert

in diesem Jahr. Von einigen Aktivitäten

berichtet die Bundesleitung auf Seite 13,

während ihr auf Seite 15 mehr über unseren

Austausch zu Klimagerechtigkeit

mit Naturfreund*innen aus Benin und dem

Senegal erfahren könnt. Auf Seite 14 erzählen

wir euch zudem von unserem bald

neu erscheinenden Podcast. Auch mit der

[ke:onda] wollen wir im nächsten Jahr neue

Wege beschreiten und größere Veränderungen

anstoßen. Dies ist das letzte Heft im

bekannten Format. Folgt uns bei Social

Media, abonniert unseren Newsletter oder

schaut auf die Webseite, um jederzeit auf

dem Laufenden zu bleiben.

Berg frei

und viel Spaß beim Lesen wünscht euch

Eure [ke:onda] - Redaktion

Stadt, Land, Vielfalt

Impressionen von Stadt und Land 3

Stadt, Land, Vielfalt 4

Selbsttest: Wohlfühlort 6

Wir fordern: Mehr günstigen Wohnraum für junge Menschen 7

Interview: Leben im Ökodorf 8

Alle haben es satt 9

Entschleunigung steht 10

Was bringt die grüne Stadt? 11

Verbandskasten

Lieblings-CD oder Streaming? 12

Ein außergewöhnliches Jahr 13

Neuer Podcast der Naturfreundejugend 14

Kein Platz für Dorfnazis! 141

Gemeinsam für Klimagerechtigkeit 15

Interview mit NivonJong 16

Natursportangebote 17

Feuilleton

Held*in der Arbeit – Tilla 18

Rezept: aukstā zupa 18

Gesichtslose 19

Dein Rezept gegen Corona-Kummer 20

Das Gendersternchen * - Wir sind überzeugt, dass Frauen und Männer das Recht auf Gleichberechtigung haben.

Aber es gibt weit mehr als nur „männlich“ und „weiblich“. Wir sind der Meinung, dass alle Menschen

ihr Geschlecht selbst bestimmen dürfen. Um dies auszudrücken und ALLE einzubeziehen, nutzen wir das

sogenannte Gendersternchen *.

Impressum

[ke:onda] – Die Jugendzeitschrift der

Naturfreundejugend Deutschlands

KidsPower – Die Kinderzeitschrift der Naturfreundejugend

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Herausgegeben durch das Kinder- und Jugendwerk

der Naturfreunde, Verein zur Förderung der Naturfreundejugend

Deutschlands e.V.,

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Redaktionsanschrift und Verlag:

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Jahr inkl. Versandkosten bestellt werden.

Redaktion [ke:onda]: Valerie Berghaus, Michèle

Guyot, Frank Hoppe, Irina Bučinska, Steffen Filz,

Conrad Ambree, Lina Mombauer, Dennis Melsa

(V.i.S.d.P)

Redaktion KidsPower: Lina Mombauer, Conrad Ambree,

Dennis Melsa (V.i.S.d.P)

Fotos [ke:onda]:

pixabay/Sabrina Gröschke (S.1), pixabay.com (S.3/4/

5/10/12/19), Naturfreundejugend Deutschlands (S.3/12/

13/14/15), Luise Minkewitz (S.6), Freundeskreis Ökodorf

e.V. (S.8), Nicole Franz, MDR (S.8), Jonas Duhme

(S.8), Hinnerk11 (S.9), Frank Hoppe (S.11), unsplash

(S.12), Naturfreundejugend SOL (S.13), Credi-ONG

(S.13/15), Association Sénégalaise des Amis de la

Nature (S.15), NivonJong (S.16), Naturfreundejugend

Teutoburger Wald (S.17), Franca Löhr (S.18), Sabrina

Gröschke (S.18)

Fotos Kids Power:

MiniLab/shutterstock.com (S.1), Sushiman/shutterstock

.com (S.2/3), pixabay.com (S.4/5), emojipedia.org/

openmoji (S.4) Naturfreundejugend Witten (S.6/7),

Naturfreundejugend Deutschlands (S.7/11), Leo Leowald

/ Planet Schule / SWR (S.10)

Illustrationen und Gestaltung: Sabrina Gröschke ||

Formgefüge || www.formgefuege.de

Druck: Druckerei Lokay e.K.

Klimaneutral gedruckt auf 100 % Altpapier,

ausgezeichnet mit dem Blauen Engel und dem EU

Eco-Label.

© Naturfreundejugend Deutschlands 2020

KidsPower/[ke:onda] wird gefördert vom


Die Stadt ist voller beweglicher

Die S-Bahn-Station ist überfüllt von

Menschen. Die Müdigkeit aufgrund des

frühen Morgens, die Freude über das sonnige

Wetter, Ungeduld beim Warten auf die

Bahn – das alles erkenne ich in den Gesichtern

der Unbekannten, die mit mir an

der Haltestelle stehen. Bald sind alle in der

Bahn und Masken verdecken die Mimik

meiner Mitreisenden. Ich sehe nur noch

die Augen. Mir gegenüber sitzt eine ältere

Dame. Ihre braunen Augen starren mich

durch einen langen Pony an. Wie ist ihre

Stimmung? Sie nimmt die Maske ab und

isst ein Bonbon. Die alte Dame ist schick

geschminkt mit rotem Lippenstift. Ob sie

eine Verabredung hat oder es einfach nur

schätzt, schön gepflegt zu sein?

Ich verlasse die Bahn und es grüßt mich der

bezaubernd glänzende Fernsehturm. Wie

kleine Stücke eines farbenfrohen Mosaiks

kommen mir zahlreiche Leute entgegen.

Impressionen…

Wahrscheinlich hätte ich Millionen Jahre

gebraucht, um sie alle kennenzulernen.

An jeder Ecke sehe ich träumerische Impressionen.

Es scheint, als ob die Stadt

versprechen würde, dass alle Träume hier

verwirklicht werden können. Einer rennt:

Anscheinend ist sein Traum, die Bahn

nicht zu verpassen. Der andere hält liebevoll

ein Baby – die schnell vergehende Zeit

fühlt sich für ihn vermutlich ganz anders

an. Im Gegensatz dazu eine Künstlerin, die

voller Aufmerksamkeit durch eine Modetrend-App

auf dem Handy scrollt. Ein dynamisches

Multikulti-Gefühl in der Stadt

voller beweglicher Impressionen.

von Irina Bučinska

Am Anfang höre ich wenig. Gewöhnt an

die laute Stadt, wo tausende Geräusche

und Eindrücke auf mich einströmen, ist die

Natur wie reine Stille – zumindest am Anfang.

Auch die Luft ist direkt anders. Hier

rieche ich die verschiedenen Pflanzen und

Blumen, das frische Obst, das ein wenig

entfernt an einem Baum hängt. In der Stadt

vermeide ich es oft, vielleicht zum Selbstschutz,

mich wirklich auf Gerüche zu konzentrieren.

Ich sehe zunächst nicht viel. Eine Wespe,

die unnachgiebig probiert an mein Getränk

zu kommen – soweit ist das nicht anders als

in der Stadt. Doch nach näherer Betrachtung

sehe ich dutzende Ameisen zu meinen

Füßen, die ihr Essen in einem faszinierenden

Tempo abtransportieren, mit einer Dynamik,

die an die Rush-Hour erinnert. Ein

wenig weiter weg sehe ich einen Vogel. Er

beobachtet mich, glaube ich auch, wägt ab,

ob ich eine Gefahr für ihn darstelle.

Je länger ich dort sitze und nichts tue, desto

mehr scheine ich ein Teil der Umgebung

zu werden. Ein Schmetterling setzt sich

nach einer halben Stunde auf mein Knie,

ein Vogel kommt auf Armeslänge an mich

heran. Es ist eine wunderbare Harmonie,

die sich hier finden lässt. Traurigerweise

fühlt es sich so an, als ob der einzige

Weg für einen Menschen, daran teilnehmen

zu können, die stille Bewegungslosigkeit,

das Nichtstun, ist. Schließlich

kommt ein anderer Mensch vorbei und

grüßt mich. Ich unterhalte mich kurz mit

ihm über den See und über die Natur. Dann

mache ich mich auf den Weg, denn der

Moment der Einigkeit mit der Natur ist gebrochen.

von Ben Charles

Weit draußen in Brandenburg,

an einem menschenleeren See…


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Stadt, Land, Vielfalt

Dezember 2020

Stadt, Land, Vielfalt

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung

lebt in Städten, Tendenz steigend.

Den Rekord hält Tokio mit fast 38 Millionen

Einwohnern, das sind mehr als in

ganz Kanada leben. Da können die gerade

mal vier Millionen-Städte in Deutschland

– Berlin (3,77 Mio.), Hamburg (1,9 Mio.),

München (1,47 Mio.) und Köln (1,06 Mio.)

– nicht mithalten.

In Städten herrscht ein anderes Klima als

auf dem Land. Dichte Bebauung, wenig

Vegetation, die Emission von Luftschadstoffen

und Abwärme führen zu höheren

Durchschnittstemperaturen sowie zu niedrigeren

Luftfeuchtigkeiten und Windgeschwindigkeiten.

Vor allem an heißen

Sommertagen ist dies zu spüren. So war

Berlin sowohl im Sommer 2019 als auch

im Juli 2020 das wärmste Bundesland.

Fast 60 Prozent aller

Personen mit Migrationshintergrund

lebten 2018 in städtischen,

nur 12,7 Prozent in ländlichen

Regionen. Während der

Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund

an der Gesamtbevölkerung

in Deutschland 2019 bei

etwa 12,5 Prozent lag, betrug er in

Städten wie München, Stuttgart

oder Frankfurt am Main mehr

als 25 Prozent.

Personen in der Stadt haben

ein deutlich höheres Risiko, an

Schizophrenie oder Depressionen

zu erkranken. Auch allergische Reaktionen

wie Asthma, Heuschnupfen,

Neurodermitis oder Nahrungsmittelallergien

treten häufiger auf.

Die psychische Gesundheit lässt sich

allerdings schon durch einen Umzug in

ein grüneres Viertel verbessern.

In Großstädten und Ballungsgebieten ist

der Anteil der Veganer*innen an der Bevölkerung

am höchsten. Die meisten Veganer*innen

und Vegetarier*innen leben

in Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohner*innen.


Seite 5 Stadt, Land, Vielfalt

Dezember 2020

In einer europäischen

Großstadt leben durchschnittlich

mehr als 10.000 unterschiedliche

Arten und damit oft mehr als

auf dem Land. Gründe sind die Vielfalt

an Lebensräumen, Verstecken,

Nistplätzen und Blütenpflanzen sowie

das Fehlen von Jagd, Pestizid- und

Düngemitteleinsatz. Dabei gilt sogar:

Je größer die Stadt, desto

größer die Artenvielfalt.

Von 2013 bis 2018 zogen im Saldo 1,2 Millionen

Menschen im Alter von 20 bis 40

Jahren in die Großstädte, etwa 120.000

Menschen ab 40 Jahren zogen aus den

Großstädten weg. Der Anteil von Personen

über 65 Jahren an der Bevölkerung liegt in

vielen ländlichen Regionen über 26 Prozent,

in Großstädten wie Berlin, Hamburg,

München oder Stuttgart nur bei etwa 18

Prozent.

Stadt oder

Land?

Selbsttest: Wohlfühlort

Wovon wirst du morgens geweckt?

Rasenmäher und Traktoren (1P)

Aus meinem Tiefschlaf kann mich nichts wecken (2P)

Hupen und Flugzeuge (3P)

Du hast morgens deinen Bus oder Zug verpasst.

Wie lange musst du auf den nächsten warten?

Halbe Stunde oder mehr (1P)

Zwischen 10 Minuten und einer halben Stunde (2P)

höchstens 10 Minuten (3P)

Kennst du deine Nachbar*innen?

Klar, wir quatschen öfter mal und einigen gratuliere ich zum Geburtstag (1P)

Ich weiß den Namen, mehr aber auch nicht (2P)

Wer sind diese Menschen? (3P)

Grüße die Leute auf der Straße mit einem Lächeln. Grüßen sie zurück?

Ja, natürlich! (1P)

Nein, ich werde ignoriert (2P)

Nein, ich werde komisch angeschaut (3P)

Du triffst Bekannte auf der Straße. Glücksfall oder Standard?

Eigentlich nichts Besonderes (1P)

Mit Musik auf den Ohren achte ich nicht so auf mein Umfeld (2P)

Das wäre schon ein krasser Zufall, da fühle ich mich schon fast verfolgt… (3P)

Weiß du schon, was du heute Abend unternimmst?

Bei uns in der Nachbarschaft wird gefeiert, da geht jeder hin und ich

natürlich auch! (1P)

Pizza und Filme gucken mit Freund*innen (2P)

Mal sehen, was der Abend so bringt, wir treffen uns erstmal und

entscheiden dann spontan (3P)

Auswertung

7-10 Punkte: Wohlfühlort Dorfleben

Zuhause ist’s doch einfach am schönsten! Du brauchst

nicht so viel Tamtam zum Wohlfühlen und das gemeinschaftliche

‚hier-kennt-jede*r-jede*n‘ hilft dir, Kraft zu

tanken.

11-17 Punkte: Das Beste aus beiden Welten

Entweder-Oder? Da hast du definitiv keine Lust drauf. Für

dich macht’s die Mischung aus dem Flair vom Land und

dem Trubel der Stadt. Vielleicht gehörst du eher in eine

Kleinstadt oder wenn schon Großstadt, dann etwas weiter

weg vom Zentrum.

18-21 Punkte: Big City Life

Wenn jemand einen Iced Matcha Latte mit Cashew-Milch

bestellt, wundert dich das schon längst nicht mehr. Du

liebst die große Vielfalt von Möglichkeiten und Spontanität

und fühlst dich wohl, wenn immer was los ist und du jeden

Tag Neues entdecken kannst!

Du kommst Samstagabend nach Hause. Wer begegnet dir auf der Straße?

Das Dorf schläft, nur der Fuchs ist noch wach. (1P)

Samstags geh ich gar nicht erst raus (2P)

Auf den Straßen ist noch jede Menge los, ich mache noch einen Abstecher

in den Supermarkt (3P)


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Stadt, Land, Vielfalt

Dezember 2020

Leben in der Stadt

Luise Minkewitz ist 19 Jahre alt und

Praktikantin in einem Forschungsinstitut

sowie angehende Biologie-Studentin.

Sie wohnt schon ihr ganzes Leben im pulsierenden

Zentrum von Berlin und kann

sich, abseits vom Urlaub, nicht vorstellen

auf dem Land zu leben. Im Interview erzählt

sie uns, was das Stadtleben für sie so

reizvoll macht.

Du lebst lieber in der Stadt als auf dem

Land. Warum?

Stadt ist für mich so lebendig. Es verändert

sich ständig etwas und man selbst kann sich

mit verändern. Auf dem Land hat man das

Gefühl, die Zeit bleibt ein bisschen stehen.

Erzähl uns was über deinen Alltag. Wie

lange brauchst du zur Arbeit? Welches

Verkehrsmittel nutzt du?

Meistens fahre ich mit dem Fahrrad. Und

wenn ich das nicht kann, dann nutze ich

eben die öffentlichen Verkehrsmittel. Ich

brauche eine halbe Stunde zu meinem Praktikumsplatz,

einfach indem ich mit dem

Fahrrad und mit der S-Bahn fahre. Diese

Möglichkeit hat man auf dem Land nicht.

Beobachtest du manchmal die Leute in

der Bahn?

Klar, an eine Situation erinnere ich mich

noch sehr gut: Es war Winter und alle in

Berlin sind dann immer grau und schwarz

gekleidet. Dann stieg eine unglaublich

knallig angezogene Frau mit ihrem Sohn

ein und der Sohn fragt: „Mama, warum

ziehen wir uns eigentlich so bunt an?“ und

sie antwortet: „Alle in Berlin sind immer

schwarz und grau. Und das macht mich so

traurig. Aber wir sind glücklich und deshalb

sind wir bunt angezogen.“ Das fand

ich richtig süß.

Was machst du in deiner Freizeit?

Ich gehe wirklich gern in der Stadt spazieren,

entweder mit Freund*innen oder

alleine. Es ist natürlich auch spannend im

Wald spazieren zu gehen, aber das kann ich

ja auch machen. Dann fahre ich eben eine

halbe Stunde raus und gehe da spazieren.

Ansonsten treffe ich mich auch gerne mit

Freund*innen im Park oder in einer Bar

und genieße da den Abend. Am liebsten

sitze ich an der Monbijoubrücke. Da sind

öfter mal kleine Konzerte, wenn die Sonne

untergeht.

Wäre dein Alltag anders, wenn du auf dem

Land leben würdest?

Klar, hundertprozentig. Ich will ja studieren

und das geht meistens nur in der Stadt.

Aber hätte ich zum Beispiel mein Freiwilliges

Soziales Jahr auf dem Land gemacht,

hätte ich wahrscheinlich sehr viel mehr gelesen

und Zeit mit mir verbracht, was aber

Und dann lernt man irgendwen

kennen, der wieder andere Leute

kennt, die man dann kennenlernt,

und dann landet man in einer WG.

bestimmt auch eine schöne Sache gewesen

wäre. Ich glaube, ich würde aber viele von

meinen sozialen Kontakten nicht haben.

Brauchst du auch manchmal eine Auszeit

auf dem Land?

Wenn ich von einer Reise wiederkomme,

merke ich manchmal schon, dass ich mich

erst wieder an die Stadt gewöhnen muss.

Auch wenn ich in der Stadt frei habe, habe

ich irgendwie immer Zeitdruck und das Gefühl,

ich muss irgendwas machen. Deshalb

mache ich mit meiner Familie jedes Jahr

Urlaub auf dem Land. Da kann man etwas

ruhiger leben und das brauche ich auch

manchmal.

Und auf der anderen Seite: Wie lange

dauert es, bis du die Stadt vermisst?

Eigentlich vermisse ich nicht die Stadt an

sich, sondern das Leben in der Stadt. Also

nicht die lauten Autos und die Straßenbahn,

die da lang rappelt, wenn ich noch schlafen

will. Ich vermisse es, mich abends mit

Freund*innen zu treffen oder irgendwo entlang

zu laufen und Leben an jeder Ecke zu

sehen. Das fehlt mir schon so nach zwei bis

drei Wochen.

Gibt es eine Art Gemeinschaftsgefühl bei

dir im Kiez?

Ich kenne natürlich Leute vom Kindergarten

und der Grundschule und einige unserer

Nachbar*innen sind gute Freunde von uns.

Aber dadurch, dass meine Straße sehr touristisch

ist, ist da insgesamt nicht so viel Kiezgefühl.

In Parallelstraßen von uns aber

schon, die feiern Straßenfeste oder machen

Hinterhof-Flohmärkte, da fühlt man sich

schon miteinander verbunden.

Findest du es in der Stadt schwerer oder

leichter neue Leute kennenzulernen?

Ich glaube, es ist leicht neue Leute kennenzulernen,

wenn man sich Mühe gibt.

Es ist allerdings auch sehr leicht für sich

zu bleiben, das ist echt unglaublich. Man

muss sich halt den Mut fassen und irgendwo

hingehen und fragen, ob man sich dazusetzen

kann. Und dann lernt man irgendwen

kennen, der wieder andere Leute kennt,

die man dann kennenlernt, und dann

landet man in einer WG. Also ja, man kann

leicht Leute kennenlernen, man kann es

aber auch ganz leicht nicht.

Glaubst du, man ist in Städten mehr mit

anderen Kulturen konfrontiert als auf

dem Land?

Ich denke schon, auf jeden Fall. Aber wenn

man auf dem Land internationale Leute

trifft, ist das dann vielleicht intensiver, weil

es ein bisschen besonderer ist. Oder vielleicht

wird man auch mehr ausgeschlossen,

weil die Leute nicht so offen sind dafür? Ich

denke aber, es gibt sowohl auf dem Land

als auch in der Stadt Leute, die offen und

nicht offen sind. Das ist mehr von den Personen

abhängig als von dem Stadt- oder

Landleben.

Ist es in der Stadt einfacher verrückt und

außergewöhnlich zu sein?

Ja, einfach ja. Ich finde es fast schon unangenehm,

wie sehr manche Leute individuell

und eigen sein möchten und das

präsentieren wollen. Ich würde mir manch-


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Dezember 2020

mal wünschen, dass dieser Wunsch nach

Gesehenwerden nicht so da ist. Auf dem

Land ist es dafür schwerer, so zu sein, wie

man möchte. Man passt sich vielleicht eher

der Allgemeinheit an, obwohl das in der

Stadt auch oft so ist. Aber insgesamt gibt

es schon viele bunte Vögel in der Stadt und

das ist auch ganz gut so.

Wir fordern:

Aus den kleinen Beeten am

Straßenrand, die einfach nur aus

Erde bestehen, haben die Leute

wirklich Beete gemacht und ihre

Nachbarschaft ein bisschen verschönert.

Welche Vorurteile über das Leben in der

Stadt kennst du? Was denkst du darüber?

Hier sind alle Hipster - Nein. Ich würde

schon sagen, es gibt ein paar Vorurteile

und viele haben auch einen wahren Kern.

Natürlich gibt es hier viele Hipster und

natürlich ist Prenzlauer Berg inzwischen

so ein Helikopter-Eltern-Bezirk geworden.

Trotzdem gibt es immer wieder noch überraschende

Orte und Menschen. Vorurteile

gegenüber dem Land sind ja „das Land ist

total festgefahren, nichts passiert“ und das

stimmt auch nicht. Da gibt es genauso Leute,

die total offen sind und eine tolle Gemeinschaft

haben mit ganz verschiedenen

Menschen.

Was hast du in der Stadt während der

Corona-Zeit anders wahrgenommen als

sonst?

Erstens, die Hamster-Käufe fand ich richtig

heftig. In der Stadt ist man es gewohnt, zu

jeder Zeit alles zu kriegen. Und auf einmal

steht man im Supermarkt und muss

sich überlegen, wann vielleicht die nächste

Klopapier-Lieferung kommt. Insgesamt

war nicht mehr viel Leben in der Stadt. Ich

hatte aber das Gefühl, dass die Leute noch

mehr ein Nachbarschaftsgefühl entwickelt

haben. Aus den kleinen Beeten am Straßenrand,

die einfach nur aus Erde bestehen,

haben die Leute wirklich Beete gemacht

und ihre Nachbarschaft ein bisschen verschönert.

Dann gab es Gabenzäune, da haben

die Leute Sachen für Bedürftige hingehängt.

Ein Vorurteil gegenüber der Stadt ist

ja, alles ist anonym. Und man merkt halt,

das stimmt auch nicht nur. Natürlich gibt es

Leute, die mit niemandem was zu tun haben

wollen. Und dann gibt es die Leute, die

sagen, wir sind füreinander da.

Das Interview führte Valerie Berghaus

Luise hat das Glück, bei ihrer Familie in

Berlin leben zu können.

Für zahlreiche junge Menschen, die für

Ausbildung, Beruf oder Studium in eine

Großstadt ziehen, gestaltet sich die Suche

nach Wohnraum nämlich sehr schwer. Die

Situation am Wohnungsmarkt ist chaotisch

und vielerorts gehen die Mietpreise durch

die Decke.

2011 zahlte man für eine 30 m 2 Mietwohnung

in Berlin durchschnittlich 8,36

Euro pro m 2 , bei einer 60 m 2 Wohnung waren

es 6,17 Euro. Mittlerweile sind die Preise

bei 18,98 Euro beziehungsweise 13,62

Euro angekommen. Sie haben sich also

mehr als verdoppelt. Ein Trend, der auch in

vielen anderen Städten erkennbar ist.

Wir als Naturfreundejugend fordern deshalb:

Veränderung muss her! Auf unserem

Bundesausschuss 2019 beschlossen

wir dafür ein Positionspapier. Wir fordern,

dass mehr günstiger Wohnraum, insbesondere

für junge Menschen, geschaffen wird.

So zum Beispiel durch die Ausweitung

gemeinwohlorientierter Wohnheime oder

dem sozialen Wohnungsbau. Die Mietpreisbremse

sollte verschärft und auf das

gesamte Bundesgebiet ausgeweitet werden.

Kommunen sollten wieder ein verstärktes

Mitspracherecht in puncto Raumgestaltung

erhalten und von Bund und Ländern

unterstützt werden, um nicht alle Macht

an Großinvestor*innen zu verlieren. Die

Vergesellschaftung von Wohnungsunternehmen

ist hier das Stichwort.

Das Modell der Wohnungsgemeinnützigkeit

sollte wiedereingeführt werden, damit

Wohnungsunternehmen, die den Status einer

Gemeinnützigkeit erreichen, steuerliche

Vergünstigungen erhalten. Dadurch wäre

die Schaffung eines Wohnungsangebotes

möglich, das unabhängig von der Preisentwicklung

des Marktes wäre. Ein weiterer

Ansatzpunkt ist die Stärkung der Rechte

der Mieter*innen. Es ist Vermieter*innen

nämlich möglich, eine*n Mieter*in aufgrund

eines scheinbaren Eigenbedarfes zu

kündigen, nur um dann die Wohnung für

einen höheren Preis wieder zu vermieten.

Hier müssen sich Mieter*innen wehren

dürfen.

Wir finden: Junge Menschen müssen

die Möglichkeit haben, eine bezahlbare

Wohnung in der Stadt zu finden. Damit die

Stadt so lebendig bleibt, wie Luise sie beschreibt.

Die komplette Position könnt ihr unter

nfjd.de/go/position_wohnraum nachlesen.


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Stadt, Land, Vielfalt

Dezember 2020

Leben im Ökodorf

Jonas wohnt seit fast zwei Jahren im

Ökodorf Sieben Linden.

Das Gemeinschaftsprojekt einer sozial und

ökologisch ausgerichteten Siedlung wurde

1997 mit dem Ziel gegründet, nachhaltige

Lebensstile zu verwirklichen. Im Interview

erzählt uns Jonas über sein Leben im Ökodorf.

Was hat dich motiviert ins Ökodorf zu

ziehen?

Ich habe mich schon immer für das Gemeinschaftsleben

interessiert und das Dorf

ist ja auch ein Modellprojekt. Jede*r hier

produziert im Schnitt nur ein Drittel so viel

CO2 wie der bundesdeutsche Durchschnitt,

aber dennoch hat sich mein Lebensstandard

im Grunde sogar verbessert. In der

Gemeinschaft kann man halt vieles teilen

und das klappt super, obwohl die Leute

hier sehr unterschiedlich und vielfältig

sind. Mit mittlerweile fast 150 Menschen

die hier leben, ist die Gemeinschaft stabil

und ein Leuchtturmprojekt mit fast 8000

Gästeübernachtungen im Jahr. Es gibt

Seminare oder Festivals, und ganz viele

Menschen kommen hierhin und lassen sich

inspirieren. Das macht viel Spaß.

Und was macht für dich das Dorf so besonders

im Vergleich zur Stadt?

Sieben Linden liegt ja in der Altmark in

Sachsen-Anhalt, das ist eine der am wenigs-

ten besiedelten Regionen in Deutschland.

Der Sternenhimmel ist dafür unglaublich,

das habe ich vorher nur in Asien auf einer

Insel mal erlebt. Es gibt einfach fast keine

Lichtverschmutzung. Dennoch bin ich froh,

wenn ich einmal pro Monat auch nach Berlin

oder nach Bielefeld fahre um Freunde zu

besuchen. Ich fahre dann immer zuerst mit

meinem Fahrrad, denn die nächste Bushaltestelle

ist 25 Fußminuten entfernt. Grade

auf dem Rückweg ist das ist eine gute

Strecke, um nochmal bewusst zu merken,

dass man gerade die laute Welt verlässt.

Ich weiß nicht ob das Leben hier

unbedingt schöner ist, aber intensiver

würde ich sagen.

Musst du viel zu Fuß gehen?

Ja, aber das ist auch sehr schön. Ich lebe

ja in einem Bauwagen und wenn ich frühstücken

will, muss ich immer 5 bis 10 Minuten

zum Haupthaus gehen. Da habe ich

schon morgens frische Luft um die Nase.

Wie sieht denn dein Alltag aus?

Mein Alltag (lacht)! Also der sieht so aus,

dass es keinen richtigen Alltag gibt! In

der letzten Zeit sieht es aber öfter so aus,

dass ich morgens aufstehe, frühstücke, im

Infobüro arbeite und dann vielleicht beim

Schnippeldienst die Köche unterstütze. Ein

anderer Tag kann aber auch so aussehen,

dass ich die Fäkalienkompostanlage betreue

oder mit dem Wald-Team den ganzen Tag

im Wald bin und Bäume pflanze oder fälle

und sie abtransportiere.

Welches Gefühl bekommst du, wenn du in

der Stadt bist?

Also ehrlich gesagt bin ich meistens irritiert

über die Lautstärke, die Gerüche und

die Hektik. Und dass man nicht in die

Weite gucken kann. Wenn ich mit der S-

oder U-Bahn fahre denke ich auch immer,

wie wahnsinnig viele Menschen irgendwo

hinwollen, das ist unglaublich! Ich fahre

wirklich gerne mit dem Zug, das stresst

mich nicht, aber ich verstehe auch jede*n,

der auf sein Handy guckt oder die Kopfhörer

aufhat um sich selber von der Welt

abzugrenzen.

Hast du auch mal Sehnsucht nach der

Stadt?

Manchmal ist es mir auf dem Land schon

zu still. Ich genieße auch mal den Trubel,

wenn man abends mit Freund*innen ausgeht.

Wenn ich bei uns ins Kino oder

Restaurant möchte, muss ich immer erst 30-

40 Minuten fahren. Und ich habe während

des Studium irgendwie auch mein Herz an

Bielefeld verloren. Das Stadion fehlt mir

wahnsinnig! Trotzdem kann ich mir nicht

mehr vorstellen in der Stadt zu leben. Ich

meine, ich lebe im Bauwagen, ich gehe zum

Pinkeln nach draußen (lacht) und ich spüre

einfach die Veränderung der Jahreszeiten.

In der Stadt merkt man natürlich auch, dass

die Tage kürzer werden und so, aber hier ist

das irgendwie unmittelbarer.

Freust du dich, wenn du zurückkommst

und alles wieder ruhig ist?

Tatsächlich verbinde ich mit “nach Hause

kommen” nicht unbedingt, dass es wieder

ruhiger wird. Es sind einfach sehr viele

Leute da, die sich freuen, dass man wieder


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Stadt, Land, Vielfalt

Dezember 2020

da ist und einem das auch zeigen. Es kommen

oft auch viele Fragen, wo man war,

was man gemacht hat und wie es gewesen

ist. Nach einem längeren Urlaub kann das

ganz schön anstrengend werden. Aber es ist

ein tolles Gefühl, wie in eine riesige, wohlwollende

Familie zurückzukehren. Ich weiß

nicht ob das Leben hier unbedingt schöner

ist, aber intensiver würde ich sagen.

Alle haben es satt

Es ist hier zum Beispiel total in

Ordnung, dass man auch seine

Schwächen zeigen darf.

Glaubst du, das Leben in einem Dorf kann

einen Menschen verändern?

Sieben Linden beziehungsweise überhaupt

das Leben in der Gemeinschaft verändert

einen sehr stark. Es ist hier zum Beispiel

total in Ordnung, dass man auch seine

Schwächen zeigen darf. Das ist in einem

normalen Dorf aber vermutlich nicht unbedingt

der Fall.

Woanders könntest du das nicht zeigen?

Jede*r, der hier hinkommt, entscheidet

sich aktiv dazu. Man hat gemeinsam ein

Projekt und dadurch sehr viel Wohlwollen

gegenüber den anderen. Denn es nützt

ja nichts, andere fertig zu machen, weil

man ja gemeinsam etwas schaffen will.

Natürlich sind wir keine Heiligen, sondern

auch Menschen, die in einer leistungsorientierten

Gesellschaft sozialisiert wurden.

Es ist schwer, sich dem zu entziehen. Aber

die Gesprächskultur ist anders und zum

Beispiel viel von gewaltfreier Kommunikation

geprägt. Wenn man Probleme mit

einer Person hat kann man immer jemand

anderes fragen, der*die einem hilft und

ein begleitetes Gespräch führt. Dadurch

habe ich mich auch persönlich sehr weiterentwickelt.

Wie hat sich die Pandemie auf dein Leben

ausgewirkt?

Während Corona habe ich manche Menschen

sehr viel besser kennengelernt. Das

war ein bisschen wie ein Vergrößerungsglas.

Gleichzeitig sind wir ja ein demokratisch

organisiertes Dorf, eine Genossenschaft,

wo es viele Arbeitskreise, Rätesitzungen

und Teams und so gibt. Das ist natürlich

am Anfang alles etwas zusammengebrochen

und das war schon auch sehr herausfordernd,

aber auch irgendwie spannend

und sehr intensiv!

Das Interview führte Irina Bučinska

„Das Zentrum des Bösen ist der Dorfplatz

Wo am Morgen der Hahn dreimal kräht

Genau da ist das Zentrum des Bösen

Wo vor Jahren die Zeit stehenblieb“

- aus dem Song „Zentrum des Bösen“

der Antilopengang

„Da sind Traktoren in der Innenstadt!“

weist eine Freundin mich auf eine endlos

lange Kette von Traktoren hin. Dicht an

dicht, hupend, mit unterschiedlichsten

Schildern behangen, fahren sie durch die

Stadt. Das war letztes Jahr im Oktober.

Aber warum haben sie das getan? Und

warum ist das Thema immer noch aktuell?

Die Proteste wurden von der Organisation

Land schafft Verbindung” ins Leben

gerufen. Die Bäuer*innen wehrten sich gegen

die strengeren Düngemittel- und Insektengift-Auflagen,

die schwierige finanzielle

Situation vieler Höfe und eine als ungerecht

wahrgenommene Berichterstattung. Die

neuen Auflagen wurden beschlossen, weil

es 1980 fünfmal so viele Insekten gab wie

heute und in 20 Prozent aller Grundwasserproben

höhere Nitratwerte festgestellt

wurden, als von der EU erlaubt. Damit verstieß

Deutschland gegen die Auflagen der

EU, weswegen Strafzahlungen drohen.

Die Initiative sagt von sich selbst:

„Die Unzuverlässigkeit der Regierung und

der Behörden ist der Grund unsere Meinung

friedlich zu äußern und zum lösungsorientieren

Austausch einzuladen. Wir rufen zu

Tisch!“

Unterstützt wird die Initiative vom

deutschen Bauernverband. Anders als

der Name suggeriert, sind aber nicht alle

Bäuer*innen im deutschen Bauernverband

vertreten. Es gibt einen weiteren Verband

von Bäuer*innen, die ABL: Arbeitsgemeinschaft

bäuerliche Landwirtschaft. Diese

ruft jährlich, gemeinsam mit den Natur-

Freunden und anderen Organisationen, zur

„Wir haben es satt!“ Demo auf. Sie fordert

Investitionen nur noch für zukunftsfähige

Landwirtschaft sowie eine Unterstützung

kleiner und ökologischer Bauernhöfe.

Es gibt also einige Interessensgruppen und

alle streiten sich darüber, wie es nun weiter

gehen soll mit unserer Landwirtschaft.

Klar ist: Bäuer*innen aller Farben und

Couleur wünschen sich so sehr eine

Veränderung, dass sie auf die Straße gehen.

Es ist also ernst!

Darum ist es gut, wenn wir alle an einen

Tisch kommen und miteinander statt übereinander

sprechen. Denn es geht in den

nächsten Jahren um viel! Circa 40 Prozent

aller Gelder der EU werden an Bäuer*innen

gezahlt. Aber wer bekommt wieviel?

Und wofür? Das will die EU bis 2021 neu

entscheiden und hier sind wir gefragt!

Denn wenn ökologisches und nachhaltiges

Wirtschaften belohnt und unterstützt wird,

machen wir es Landwirt*innen einfacher,

diesen Weg zu gehen. Zudem brauchen die

Bäuer*innen unsere Unterstützung, denn es

ist nicht leicht als kleiner oder mittelgroßer

Bauernhof im ständigen Kampf um billige

Preise zu überleben. Jedes Jahr schließt einer

von 40 Bauernhöfen.

Darum macht mit!

Lasst uns gemeinsam für eine Veränderung

eintreten, die uns allen gut tut und die die

Lasten dieser Veränderung gerecht verteilt.

Damit nicht nur kleine und mittelgroße

Höfe die Kosten tragen, sondern wir alle!

Denn anders als die Antilopengang behauptet,

ist der Dorfplatz nicht das Zentrum

des Bösen, sondern es ist der Moment, an

dem wir uns nicht mehr auf dem Dorfplatz

treffen, um uns einander zuzuhören und zu

verstehen.

von Steffen Filz


Seite 10

Stadt, Land, Vielfalt

Dezember 2020

Entschleunigung

steht still

Ein verspäteter Bus, lange Warteschlangen,

doppelte Wege, weil ich was

vergessen habe – all das habe ich schon

oft genug als Verschwendung meiner

Zeit interpretiert und eher ungern über

mich ergehen lassen.

Denn auch ein undramatischer Alltag verläuft

nicht immer, wie man denkt. Hier und

da werde ich abgelenkt oder lenke mich

selber ab. Besonders in der geschwinden

Stadtumgebung nehme ich mir schnell zu

viel vor und hänge schwuppdiwupp der

gedanklichen To-do-Liste hinterher.

Aber woher kommt dieses (Keine-)Zeit-

Gefühl? Damit geboren wurden wir ja vermutlich

nicht.

Meine Theorie: Vielleicht liegt es an diesen

essbaren Armbanduhren aus Zuckerperlen.

Die habe ich als Kind geliebt, doch

essen wir da vielleicht – versteckt hinter

fröhlich-buntem Zucker – das Gefühl von

ständigem Zeitdruck? Na gut, vermutlich

nicht, war ja nur so ‘ne Idee. Wenn wir das

„höher-schneller-weiter-Gefühl“ also nicht

gegessen haben, haben wir es wohl irgendwann

erlernt. Das hieße aber, wir könnten

es uns auch wieder ein bisschen abgewöhnen:

weg von der Unverzüglichkeit und

dem Gehetztsein, hin zum inneren „fünfe

grade sein lassen“.

Während des #SocialDistancing hat sich

mein Alltag ganz schön verändert und es

war auf einmal nicht mehr die Frage, wie

alle möglichen Aktivitäten in einer Woche

am besten unterzubringen sind. Stattdessen

stand die Frage im Raum: Was tun mit der

ganzen „neuen“ Zeit?

Ich empfand diesen im Grunde „aufgezwungenen“

Perspektivwechsel in Anbetracht

von Zeit und Zeitmanagement als

sehr spannend. Normalerweise habe ich mir

angewöhnt, Dinge immer möglichst gleichzeitig

zu machen. Ich höre Podcasts auf

erhöhter Geschwindigkeit und beantworte

längere Nachrichten lieber erst im Bus.

Gerne will ich irgendwohin spazieren, bin

aber letztendlich doch wieder spät dran und

suche den schnellsten Weg zum Ziel raus.

Irgendwie funktioniert dann ja auch alles.

Nur frage ich mich manchmal, ob der ganze

Stress wirklich unbedingt nötig ist und was

genau „verschwendete Zeit“ denn überhaupt

sein könnte.

Apropos vom Baum baumeln lassen:

Können wir da etwas vom Selbstbewusstsein

der Faultiere lernen?

Versteht mich nicht falsch. Ich habe auch

oft Lust viel zu unternehmen und so schön

wie Hängematten und Kuscheldecken auch

sind, kann und will ich nicht den ganzen

Tag darin herum lümmeln. Viel mehr geht’s

mir um das Gefühl, das man hat, wenn man

mal einen Gang runterfährt.

Mein Ziel ist es, dass dieses Gefühl ein

angenehmeres wird und ich mir die Entschleunigung

einfach mehr gönnen kann.

Ab und zu die Seele baumeln zu lassen,

ist nämlich ganz schön gesund und eine

Prise Langeweile bekanntlich Quelle für

Kreativität.

Apropos vom Baum baumeln lassen:

Können wir da etwas vom Selbstbewusstsein

der Faultiere lernen? Lasst uns die

typischen Statussymbole der Leistungsgesellschaft

hinter uns lassen und einander

nicht mehr an Beruf und Besitz messen.

Viel lieber könnten wir doch Selbstzufriedenheit

dadurch erlangen, wie viel Wert wir

auf Zeit für uns selber legen! Ich spreche

hier nicht von einer sonntäglichen Gurken-

Algen-Maske. Ich meine zum Beispiel

beim Teetrinken am Morgen aus dem Fenster

statt aufs Handy zu gucken, spazieren

zu gehen, kreativ zu sein aus Spaß an der

Freude, Tagebuch zu schreiben oder auch

mal bei Terminen nicht zuzusagen, wenn

man dafür gerade den Kopf nicht frei hat.

Man könnte Meditation und Yoga ausprobieren

und vielleicht auch dabeibleiben –

oder wie auch immer der individuelle Weg

zur Entschleunigung aussehen mag.

Kurz gesagt: Dinge tun, die man auf den

ersten Blick vielleicht nicht für unheimlich

produktiv hält, aber die ein gutes, glückliches

Gefühl geben. Momente zum Runterfahren,

ganz ohne den Blick auf die Uhr.

Einfach genießen. Wann die eigene Zeit

„gut verwendet“ und wann „verschwendet“

wurde, entscheiden wir selbst, denn wir

geben der Zeit erst ihre Bedeutung.

*Ich stoße gedanklich den frisch gekochten,

aber inzwischen perfekt abgekühlten Tee

mit euch an* Cheers!

von Michèle Guyot


Seite 11

Stadt, Land, Vielfalt

Dezember 2020

Was bringt

die Grüne

Stadt?

Wenn ich mich erholen möchte, gehe ich

gerne raus, um die Stadt zu erkunden und

frische Luft zu schnappen. Als Erstes werfe

ich dazu einen Blick auf die Karte, um

zu entscheiden, wo ich heute hingehen

möchte. Dabei ziehen mich grüne Flecken

nahezu magisch an und fast immer finde

ich mich in einem Park, Wald oder am See

wieder. Ich frage mich: warum ist das so?

Immer wieder erstaunt mich, wie unterschiedlich

Straßen in der Stadt aussehen

können. Ich finde es deutlich hübscher und

angenehmer, wenn am Rand Gras wächst,

Blumen gepflanzt sind oder ich unter

Bäumen hindurch laufen kann. Dann fühle

ich mich auch gleich viel entspannter.

Das macht mich stutzig. Ist dies nur mein

persönliches Gefühl oder hat Grün in der

Stadt auch nachweislich positive Effekte?

Ich habe recherchiert und was ich gefunden

habe, hat mich erstaunt. Abgesehen

von wenigen Ausnahmen, wie die höhere

Anzahl an Pollen in der Luft, gibt es so

gut wie nur positive Seiten. Grün in der

Stadt hilft der geistigen Gesundheit, baut

Stress ab, senkt den Blutdruck, verbessert

die Konzentrationsfähigkeit, dämpft Lärm,

regt körperliche Bewegung an, verbessert

Das Regenwasser versickert in der Erde und kann durch die

umliegenden Pflanzen aufgenommen werden. Wenn es wärmer

wird verdunstet das Wasser und kühlt dabei die Umgebung.

die Luftqualität, erhöht die Biodiversität

und kühlt auch noch die Umgebung ab.

Einige dieser Effekte, wie der Abbau von

Stress, können sogar schon Topfpflanzen in

Innenräumen bewirken.

Durch den Klimawandel werden die

Sommer hierzulande immer heißer

und Hitzewellen immer wahrscheinlicher.

Dies betrifft vor allem die

Städte.

Die Liste positiver Effekte ist lang. Da ich

nicht auf alle diese Vorteile eingehen kann,

will ich mich hier näher mit der Abkühlung

der Umgebung befassen. Denn die Auswirkung

von Hitze auf die Gesundheit darf

nicht unterschätzt werden. 2015 starben laut

Schätzungen in Deutschland weit über 6100

Menschen an einer hitzebedingten Ursache.

Dies betrifft größtenteils ältere Menschen.

Durch den Klimawandel werden die Sommer

hierzulande immer heißer und Hitzewellen

immer wahrscheinlicher. Dies betrifft

vor allem die Städte. Denn Materialien

wie Beton können die Wärme gut speichern,

wodurch die Umgebung aufheizt. Deswegen

sind Städte wärmer als ihr Umland

und werden auch Hitzeinseln genannt.

Normalerweise verfügt die Natur über eine

Art natürliche Klimaanlage. Wenn es regnet

nehmen Böden und Pflanzen Wasser

auf und speichern es. Wird es nun wärmer

und das Wasser verdunstet, kühlt sich die

Umgebung ab. In Städten fließt das Regenwasser

jedoch zum Großteil direkt in die

Kanalisation, ohne vorher von der Umgebung

aufgenommen zu werden. So kann

viel weniger Wasser verdunsten und damit

die Luft abkühlen. Die Stadt heizt sich auf.

Um diesem Effekt entgegenzuwirken, versucht

man mittlerweile Städte nach dem

Das Regenwasser fließt direkt in die Kanalisation und wird aus

der Stadt geleitet. Wird es nun wärmer ist kaum Wasser da um

die Stadt abzukühlen und sie wärmt sich auf.

sogenannten „Sponge-Cities-Prinzip“ (in

Deutsch „Schwamm-Städte“) zu bauen.

Begrünte Flächen sollen Regenwasser wie

Schwämme aufsaugen und dann bei der

Verdunstung wieder abgeben. Dies hilft

auch gegen Überschwemmungen durch

Starkregen. Ein Beispiel einer „Sponge-

City“ ist zum Beispiel der Stadtteil Rummelsburg

in Berlin. Hier wurden Dächer

begrünt, Bäume gepflanzt und viele kleine

Grasflächen angelegt.

Grünere Städte bieten also enorm viele

Vorteile. Besonders im Hinblick auf den

Klimawandel und die damit einhergehenden

häufiger auftretenden extremen Wetterereignisse,

bedarf es einem Wandel der

Städte. Von der Betonwüste, hin zur grünen

und damit auch lebenswerteren Stadt.

Durch begrünte Dächer, Fassaden, Wiesen und Bäume kann das Regenwasser in der Stadt bleiben. Wie auf dem Land kann nun

an wärmeren Tagen das Wasser verdunsten und die Stadt somit abkühlen.

von Frank Hoppe


Seite 12 Verbandskasten

Dezember 2020

Lieblings-CD oder Streaming?

Valerie und Irina gehen zusammen spazieren

und kommen an Valeries Lieblings-CD-Laden

vorbei, der vor Kurzem

zugemacht hat.

Valerie: Oh nein! Wie kann das denn sein?

Irina: Oh! Ist das wegen Corona?

Valerie: Nein, ich glaube nicht. Schon seit

einer Weile kommen immer weniger Leute

hierher, wahrscheinlich hat er jetzt ganz

pleite gemacht…

Irina: Ach, mach dir doch keine Sorgen.

Du kannst dir die Musik auch auf Spotify

herunterladen, das ist eh viel einfacher. Da

findest du alles Mögliche!

Valerie: Ich brauche aber nicht alles Mögliche!

Ich brauche nur eine bestimmte CD.

Irina: Welche denn?

die Künstler*innen in deiner Playlist?

Irina: Darum geht es ja nicht. Es geht

darum, ob mir ein Lied gefällt oder nicht.

Von welcher Band es kommt, spielt dabei

doch keine Rolle!

Valerie: Natürlich spielt es eine Rolle! Du

steckst ein Lied einfach in eine Playlist und

wenn du es das nächste Mal hörst, weißt

du schon nicht mehr, was das überhaupt

ist. Wenn ich eine CD kaufe, geht es mir

dabei um die Band, ich kann mir Fotos

anschauen und die Songtexte und Infos

zu den Künstler*innen lesen. Das ist ein

viel bewussterer Umgang mit Musik!

Irina: Jetzt übertreib mal nicht. Auch

im Internet gibt es Infos zu den Bands.

Und zusätzlich kann ich viel einfacher

Valerie: Das neueste Album von Thom

Yorke, Anima…

Irina: Na das gibt‘s aber auf jeden Fall

auch auf Spotify, keine Sorge!

Valerie: Nein, du verstehst das nicht. Das

ist nicht dasselbe, wie im Laden einzukaufen.

Dort kann ich andere Musik-Fans

treffen und mich mit ihnen unterhalten. Die

besondere Atmosphäre im Laden kannst du

durch Spotify nie ersetzen!

Irina: Aber Spotify ist viel praktischer!

Du kannst eine Playlist mit verschiedenen

Künstler*innen erstellen, statt ein ganzes

Album kaufen zu müssen. Und du kannst

es ganz entspannt von zuhause aus machen

und musst nicht deine Zeit verschwenden,

indem du extra zu einem Laden gehst, der

vielleicht erst in der nächsten Stadt liegt!

Valerie: Das stimmt schon, aber es lohnt

sich! Und selbst dann gibt es auch andere

Plattformen als Spotify, wo die Künstler*innen

mehr verdienen und wo du eine

bessere Verbindung zur Musik aufbauen

kannst. Weißt du überhaupt irgendwas über

neue Künstler*innen entdecken, da praktisch

jede*r seine Musik auf Spotify hochladen

kann. Dadurch können auch Künstler*innen,

die es sich früher nicht hätten

leisten können, eine Schallplatte aufzunehmen,

berühmt werden und mehr Leute

erreichen.

Valerie: Ja, es stimmt schon, dass Künstler*innen

so bekannt werden können. Aber

du unterstützt sie viel mehr, wenn du eine

CD kaufst! Überleg doch mal, wie viel Arbeit

ein*e Künstler*in in die Musik steckt

und wie wenig du am Ende dafür bezahlst!

Wusstest du, dass die Musiker*innen nur

etwa 7 Prozent des Geldes bekommen, das

du bezahlst? Um durch Streaming etwas

zu verdienen, musst du erstmal richtig erfolgreich

sein! Außerdem gehört die Musik

dann ja nicht mal wirklich dir, sondern

einem großen Konzern, von dem du dich

abhängig machst.

Irina: Aber geht es den Künstler*innen

nicht darum, dass ihre Musik gehört wird?

Auch wenn ich wenig Geld bezahle, kann

ich sie so gut wertschätzen. Ich kann die

Musik viel besser hören, wenn ich sie überall

mitnehmen und auch in der Öffentlichkeit

hören kann.

Valerie: Ja, indem du dich total abschottest

von der Welt! Es ist doch viel schöner,

wenn man gemeinsam Musik hört und

Kontakt zueinander hat!

Irina: Ich höre ja auch gerne mit anderen

Musik, aber wenn ich unterwegs bin, kann

ich doch keine CD mitnehmen! Man muss

nur die richtige Mischung finden. Unterwegs

ist Spotify super, aber das heißt ja

nicht, dass man zuhause gar keine CDs

mehr hören kann.

Valerie: Ja, da hast du Recht. Wenn du mit zu

mir kommst, kann ich dir die erste CD zeigen,

die ich mir je gekauft habe. Für mich ist

das meine Kindheit und ich werde mit Spotify-Musik

nie so eine Verbindung aufbauen

können. Aber auf dem Weg dahin kannst du

mir deine Lieblings-Playlist zeigen.

Irina: Gute Idee! Auf geht’s!


Seite 13 Verbandskasten

Dezember 2020

Ein außergewöhnliches Jahr

Trotz der Pandemie dürfen die anderen

Pro-bleme unserer Gesellschaft nicht in

Vergessenheit geraten: Im Frühjahr gab

es einen rassistischen Anschlag in Hanau

und die Aufarbeitung dauert noch an. Im

Spätsommer posierten Rassist*innen und

Faschist*innen auf den Stufen des Reichstags,

und als ob das nicht schon genug

wäre, verstießen sie auch noch gegen aktuell

geltende Hygienemaßnahmen. Das hat

uns noch einmal gezeigt, dass Rassist*innen

und Faschist*innen jede Möglichkeit

nutzen, um ihrer Ideologie eine Stimme zu

geben. Deshalb setzen wir uns weiterhin

aktiv gegen Rassismus ein. Wir erheben

zudem die Stimme, wo immer uns Rassismus

begegnet, engagieren uns in menschenbejahenden

Bündnissen wie der Seebrücke

für eine Aufnahme von Geflüchteten und

äußern lautstark Kritik an der Abschottungspolitik

Europas.

Das Jahr 2020 sollte für viele vermutlich

ganz anders verlaufen. Doch die Covid-

19-Pandemie hat viele Pläne umgeschmissen

– auch unsere.

Veranstaltungen, Projekte und Treffen konnten

nicht wie geplant stattfinden und auch

die Zusammenarbeit in der Bundesleitung

erfolgte zunächst nur noch digital. Doch

bei all den Problemen bot die Ausnahmesituation

auch die Chance, Veränderungen

anzustoßen. Wir entwarfen Konzepte

für digitale Angebote und organisierten

das erste digitale Pfingstcamp in der Geschichte

der Naturfreundejugend. Definitiv

ein Highlight!

Leider ließen sich nicht alle Angebote in

die digitale Welt übertragen, weshalb wir

auch einige Termine absagen mussten,

wie zum Beispiel unseren Jugendaustausch

mit den Naturfreunden Senegal.

Doch auch hier hat die enge Zusammenarbeit

nie aufgehört. Aktuell bringen wir uns

gemeinsam mit Naturfreund*innen aus dem

Die Bedürfnisse von Kindern,

Jugendlichen und jungen Erwachsenen

dürfen nicht vergessen

werden. Eine Reduzierung auf ihre

Rolle als beispielsweise Schüler*innen,

darf nicht erfolgen.

Senegal und Benin in die politische Diskussion

um eine neue EU-Afrika-Strategie ein.

Engagement und Beteiligung müssen

auch in Pandemiezeiten weitergehen. Die

Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen

und jungen Erwachsenen dürfen nicht vergessen

werden. Eine Reduzierung auf ihre

Rolle als beispielsweise Schüler*innen,

darf nicht erfolgen. Hierfür haben wir uns

immer wieder stark gemacht. Dazu gehörte

auch Begegnungsorte, wie unsere Naturfreundehäuser,

zu erhalten. Auch wenn

viele Naturfreundehäuser weiterhin um

ihre Existenz kämpfen, konnten wir

Zugänge zu Fördermöglichkeiten schaffen.

Unser Engagement für Klimaschutz geht

ebenfalls weiter. Gemeinsam mit anderen

Jugendverbänden und Fridays for Future

setzen wir uns dafür ein, die Sicht und

die Forderungen junger Menschen an die

Regierung und Politiker*innen heranzutragen.

Egal ob online oder zuletzt wieder

auf der Straße – bei den Klimastreiks waren

und sind wir als Unterstützer mit dabei!

Die wieder ansteigenden Infektionszahlen

machen auch in Zukunft die Durchführung

vieler unserer Veranstaltungen unsicher.

Doch wir sind zuversichtlich, dass wir als

Naturfreund*innen weiter so eng zusammenhalten

und kreative Lösungen und neue

Wege finden. Denn unsere Arbeit für junge

Menschen, für Solidarität und Demokratie

sind und bleiben wichtig!

Eure Bundesleitung


Seite 14 Verbandskasten

Dezember 2020

Neuer Podcast der Naturfreundejugend

In 2021 startet der neue Podcast der

Naturfreundejugend Deutschlands.

An der Schnittstelle sozial, ökologisch

und demokratisch beleuchtet er verschiedenste

Themen. Es wird Geschichten und

Beispiele von vor Ort geben, Hintergrundwissen

und Meinungen von Expert*innen

sowie Tipps für das eigene Engagement.

Über allem steht die Frage des gesellschaftlichen

Wandels, und wie dieser gelingen

kann.

Für alle, die eine kritische Auseinandersetzung,

auch mal mit sich

selbst, nicht scheuen.

Der Charakter: jung, bunt, naturfreundlich.

Kein Laberpodcast, aber auch kein reiner

Informationskanal. Starke Meinungen,

ein bisschen linksgrünversifft, aber immer

politisch korrekt. Gemacht von jungen

Naturfreund*innen für alle, die die Welt

gerne reflektiert betrachten und für die sozial

und ökologisch keine zwei voneinander

getrennten Herausforderungen sind. Für

alle, die eine kritische Auseinandersetzung,

auch mal mit sich selbst, nicht scheuen.

Klingt gut? Dann bleib über unseren Newsletter,

Facebook oder Instagram auf dem

Laufenden, damit du die erste Folge auch

ja nicht verpasst.

Wenn du nicht nur hören, sondern auch

machen willst, dann melde dich bei Sine

und Lina (podcastnaturfreundejugend.de).

Für einzelne Folgen können wir immer

Unterstützung gebrauchen.

Kein Platz für Dorfnazis!

Der ländliche Raum ist für völkische Akteur*innen

ein wichtiger Ort für ihre rassistische

Politik.

Die Stadt wird von ihnen oft als Zeichen von

Moderne, Technik und Diversität abgelehnt.

Das Ideal ist ein naturnahes ländliches Leben

in Siedlungen, die möglichst von

weißen Deutschen bewohnt werden.

Um diese Vorstellung zu verwirklichen,

betreiben antidemokratische Rechte eine

strategische „rechte“ beziehungsweise

„völkische Landnahme“. In nahezu allen

Bundesländern siedeln sich in strukturschwachen

Gebieten völkische Familien

an und betreiben dort beispielsweise Bio-

Höfe oder führen Handwerksbetriebe. Auch

neu-rechte Vereine wie „1 Prozent“ oder

die rechts-esoterische Anastasia-Bewegung

fördern das Besiedeln des ländlichen

Raums, um dann vor Ort in Vereinen, Gemeinden

und Erziehungseinrichtungen aktiv

ihre menschenverachtenden Ansichten

zu verbreiten und dies Schritt für Schritt zu

normalisieren.

Die Absicht ist eine sogenannte Kulturrevolution,

die auf allen gesellschaftlichen

Feldern eine Diskursverschiebung nach

rechts ermöglicht. Nach und nach soll die

vorherrschende Gesinnung im ländlichen

Raum völkisch dominiert sein und der

rechte Traum einer bäuerlich geprägten

weißen deutschen Gesellschaft wahr

werden.

Die Wahlergebnisse rechter Parteien im

ländlichen Raum im Vergleich zu Städten

zeigen, dass diese Strategie in Teilen aufgeht

oder zumindest das Potenzial von Erfolgen

vorhanden ist. Umso wichtiger ist

es also für demokratische Kräfte, strukturschwache

Gebiete rechten Landnehmer*innen

nicht als ungestörte Rückzugsräume zu

überlassen. Dafür setzen wir uns mit unserer

Fachstelle FARN ein und klären über diese

Versuche auf. Leider passiert diese Landnahme

oft unentdeckt. Daher versuchen

wir über möglichst viele Multiplikator*innen

die Aufklärungsarbeit in die örtlichen

Vereine und Gemeinden hineinzutragen.

Weitere Informationen zum Thema findest

du unter www.nf-farn.de


Seite 15 Verbandskasten

Dezember 2020

Gemeinsam für Klimagerechtigkeit

Treffen geht nicht – zusammen engagieren

aber schon! Gemeinsam mit jungen

Naturfreund*innen aus dem Senegal

und aus Benin arbeiten wir zu Klimagerechtigkeit

im Rahmen der afrikanisch-europäischen

Beziehungen.

Eigentlich sollte in diesem Jahr eine neue

Strategie für die Zusammenarbeit zwischen

der EU und Afrika beschlossen werden.

Eine Strategie, die einseitig von der EU entworfen

wurde. Wir finden – gute Zusammenarbeit

sieht anders aus! Gemeinsam mit

unseren Freund*innen aus Benin und dem

Senegal mischen wir uns in die politische

Debatte ein, diskutieren mit Politiker*innen

und fordern mehr Engagement für Klimagerechtigkeit.

Dakar, Zinvié, Hannover – an allen drei

Orten trafen sich Naturfreundegruppen,

um die aktuellen politischen Diskussionen

rund um das Thema zu betrachten, sich auf

Diskussionen vorzubereiten und Forderungen

an die Politik zu formulieren. Und dann

ging es auch schon direkt los. Wir diskutierten

unter anderem mit Lamine Ba, dem

früheren Umweltminister des Senegals, sowie

mit Europaabgeordneten wie Delara

Burkhardt und Tiemo Wölken. Wir nahmen

am Jugendforum #EUAUYou des Bundesministeriums

für wirtschaftliche Zusammenarbeit

und Entwicklung teil. Überall

brachten wir unsere naturfreundliche, junge

Perspektive ein. Und natürlich tauschten

wir uns auch untereinander regelmäßig aus

und diskutierten auf einer gemeinsamen

Online-Konferenz über konkrete Aktionen

sowie Generationengerechtigkeit.

Der Gipfel zur deutsch-afrikanischen Zusammenarbeit

wurde wegen Corona auf

nächstes Jahr verschoben, ebenso wie die

UN Klimakonferenz. Wir hoffen sehr,

dass diese Zeit keinen Stillstand bedeutet,

sondern genutzt wird, um ein wirklich gemeinsam

erarbeitetes und wirksames Abkommen

zu schaffen. Wir werden uns auf

jeden Fall weiter dafür einsetzen!

„Afrika ist kein Land, sondern ein eigenständiger Kontinent“

„Wir müssen auf Augenhöhe zusammenarbeiten und alle mit

einbeziehen, um Lösungen zur Bewältigung des Klimawandels

zu finden“

„Wir können die globale Klimakrise nur durch weltweite

Zusammenarbeit und Partnerschaft überwinden.“

„Wir brauchen offene und sichere Räume, in denen junge

Menschen aus aller Welt sich austauschen können“

„Vor allem junge Menschen müssen in den Prozess mit

eingebunden werden“

„Wir wollen keine falschen Versprechungen mehr“

„Stoppt die Ausbeutung der natürlichen

Ressourcen der Länder des globalen Südens“

Das Projekt ist Teil des “EU Presidency Projekt 2020-2022 - Towards an open, fair and sustainable Europe in the

world” - gefördert von der EU im Rahmen der deutschen Ratspräsidentschaft.


Seite 16

Verbandskasten

Dezember 2020

Interview mit NivonJong

In dieser Ausgabe blicken wir über die

Grenze hinweg zu unseren Nachbarn –

der Naturfreundejugend Niederlande.

Im Interview erzählt uns Céline von

NivonJong und ihren Aktivitäten.

Jedes Jahr organisieren wir zudem das Pi-

Ka-Festival! Das ist ein Festival voller Vorträge,

Workshops, Spaß, Spiele und einer

Silent Disco im Wald. Dieses Jahr fand es

genauso wie euer Pfingstcamp zum ersten

Mal digital statt. Das war schon eine neue,

aber dennoch schöne Erfahrung. Außerdem

machen wir verschiedene Buschcraftund

Outdoor-Veranstaltungen, Mindfulness-Wochenenden,

eine Winterwanderung

Erzähl uns von deinem Lieblingsmoment

bei einer eurer Aktivitäten?

Ich habe viele Lieblingsmomente! Aber

wenn ich mir einen Moment aussuchen

muss, dann ist es der, als wir alle während

des PiKa-Festivals im Wald unter den

Sternen tanzten.

Wer bist du und was machst du bei Nivon-

Jong?

Hallo! Mein Name ist Céline Steenbergen.

Ich arbeite im Büro der Nivon Natuurvrienden

und bin dort Projektmanagerin bei der

Jugendsektion NivonJong. Nivon ist eine

Nichtregierungsorganisation und Teil der

Naturfreundebewegung. Wir fokussieren

uns auf Aktivitäten für alle zwischen 15

und 30 Jahren.

Kannst du NivonJong in einem Satz beschreiben?

Unsere Grundwerte: Grün, aktiv und sozial.

Soweit ich weiß, ist Nivon nicht das niederländische

Wort für “Naturfreund”,

was bedeutet es also?

Ja, das ist richtig. Nivon ist eine Abkürzung

für: das Niederländische Institut für soziale

Entwicklung und Naturfreunde.

Welche Art von Aktivitäten macht ihr?

Wir organisieren vor allem soziale, aktive

und nachhaltige Outdoor-Aktivitäten, zum

Beispiel eine Safari im Biebosch, die mir am

besten gefällt! Wir schlafen dort in einem

Naturfreundhaus und gehen in ein wunderschönes

niederländisches Naturschutzgebiet

Kanufahren und Wandern. Dabei

entdecken wir auch mal einige Biber und

Reiher. Dieses Jahr haben wir auch mehrere

Outdoor-Workshops durchgeführt. Ich

liebe es, mit netten Menschen ein Wochenende

in der Natur zu verbringen!

durch die Vogesen und Zero Waste Workshops.

Anfang September hatten wir einen

Surf-Tag mit einer Strandsäuberung. Das

war ein großer Spaß mit tollen Leuten!

Was wollt ihr mit euren Aktivitäten erreichen?

Das Ziel unserer Aktivitäten ist es, Menschen

mit gleichen Interessen zusammenzubringen

und nach Draußen zu bekommen.

Wir wollen jungen Menschen

zeigen, wie schön die Natur ist und das

Bewusstsein der Leute für Nachhaltigkeit

schärfen. Dies ist eine Priorität für alle NivonJong-Aktivitäten.

Was macht Nivon besonders?

Nivon ist eine einzigartige Organisation,

weil sie sich auf nachhaltige und soziale Freizeitaktivitäten

konzentriert. Nivon bietet

tolle Möglichkeiten sich zu engagieren, und

gemeinsam arbeiten wir an einer grünen

und fairen Gesellschaft.

Eine spezielle Frage habe ich mir für den

Schluss aufgehoben. Meiner Meinung

nach habt ihr eine der schönsten visuellen

Darstellungen aller Naturfreundeorganisationen.

Weißt du, woher die Idee dafür

kam?

Danke sehr! Mit den Zeichnungen wollen

wir cool, grün, outdoor, jugendlich, abenteuerlustig

und aktiv aussehen. Unsere Idee

ist es, damit eine einprägsame Webseite

und Social Media-Auftritte zu haben, um

mehr junge Leute anzuziehen.

Das Interview führte Frank Hoppe


Natursportangebote mit

den Naturfreunden

04/01/21

-

08/01/21

Skitourengehen liegt voll im Trend. Bevorzugst du das Erklimmen

der Berge und die anschließende Abfahrt mit Ski oder

Snowboard? Dann ist das Skitourencamp das Richtige für dich.

Grainau

Ort NF-Preis Gast-Preis

375,-*

625,-*

15/01/21

-

17/01/21

Der Lehrgang ist für alle geeignet, die keine spezielle Schneeund

Lawinenkunde hatten, aber trotzdem im winterlichen Gebirge

unterwegs sein möchten, sei es beim Schneeschuhwandern,

Skifahren oder Wasserfallklettern. Hier lernst du das Grundwissen

der Schnee- und Lawinenkunde, um erste selbständige

Beurteilungen der Lawinensituation vornehmen zu können.

Grainau

175,-*

300,-*

28/01/21

-

31/01/21

NFH Kniebis

225,-*

450,-*

Lass dich verzaubern von der weißen Pracht, jedoch nur, wenn

du die Gefahren kennst. Hier lernst du die Technik des Schneeschuhgehens

und erhältst Einblicke in die Tourenplanung und

Orientierung in der Winterlandschaft. Mit Extra-Tourentag.

Eine weiteres Angebot für Winter- und Schneeschuhwandern

findet vom 19.03. - 21.03.2021 in Buhlsalpe statt.

08/05/21

-

12/05/21

Diese Ausbildung ist für alle, die gerne in der eigenen Ortsgruppe

Mountainbiketouren führen wollen, überwiegend im

bekannten, heimischen Gelände. In vier erlebnisorientierten

Tagen werden dir alle wichtigen Grundlagen nahe gebracht.

Kiefersfelden

350,-*

600,-*

12/05/21

-

16/05/21

In diesem viertägigen Blockkurs werden dir Kenntnisse zu

Paddeltechnik, Sicherheit, Ausrüstung, Führung von Gruppen

auf dem Wasser, Erlebnispädagogik sowie Spiel und Spaß im

Kanusport vermittelt. Der Einsatz ist vorwiegend auf Seen und

leichtem Fließgewässer.

Sömmerda

(Thüringen)

200,-*

* inklusive Lehrgangsgebühr, Übernachtung,

Halbpension

290,-*

www.naturfreunde.de/natursport


Seite 18

Feuilleton

Dezember 2020

HeldIN der Arbeit – TILLA

Tilla engagiert sich bei der Naturfreundejugend

in der Ortsgruppe SOL

in Berlin. Die Gruppe hat sich im vergangenen

Jahr gegründet und bisher eine

Veranstaltungsreihe sowie einige digitale

Inputreihen organisiert. Antirassismus,

Feminismus, Arbeiter*innenkämpfe und

Stadtpolitik sind die Themen, mit denen

sich die Gruppe vorrangig beschäftigt.

Wer bist du?

Hallo! Ich bin Tilla, 23 Jahre alt und studiere

Kommunikationsdesign an der Fachhochschule

Potsdam. Ich fotografiere liebend

gerne mit meiner rostigen, analogen

Kamera und habe eine Vorliebe für Gedichte.

Mit wem würdest du gerne einmal frühstücken

und warum?

Frühstücken würde ich gerne mit Mascha

Kaléko. Ihre Gedichte lassen mich immer

wieder schmunzeln und ich bin mir sicher,

dass ein Gespräch mit ihr enorm bereichernd

wäre.

Dein Rezept gegen Stress und zu viel

Arbeit?

Gespräche mit mir vertrauten Personen,

Bewegung, Spaziergänge, Meditation und

ein bewusster Abstand von den Sozialen

Medien.

Ohne was kannst du nicht leben?

Kaffee und Sonnenblumenkerne.

Was willst du der Welt mit auf den Weg

geben?

Horche in dich hinein. Wo stehst du und

welche Privilegien genießt du? Und wie

kannst du diese nutzen, um Bewusstsein

für Ungerechtigkeiten zu schaffen und

Veränderungsprozesse anzustoßen.

Für mich ist die Naturfreundejugend?

Ein Raum, in dem ich mich mit grandiosen

Menschen austauschen und weiterbilden

kann. Ein Raum, in dem ich Fehler machen

und meine Fähigkeiten einbringen kann.

Gemeinsam arbeiten wir daran, ein faires,

schönes und gerechtes Leben für alle zu gestalten.

Ich bin sehr glücklich darüber, bei

der Naturfreundejugend gelandet zu sein.

Das Interview führte Lina Mombauer

aukstā zupa

Dieses Mal teilt unsere europäische Freiwillige

Irina ein Rezept aus ihrer Heimat

Lettland mit euch. Die kalte Rote-Bete-

Suppe (lettisch: aukstā zupa) wird folgendermaßen

zubereitet:

Für 2 Portionen:

½ Liter Kefir, gekühlt

2 kleine Gurken,

in dünne Stifte geschnitten

1 große marinierte Rote Bete

½ Bund Dill, klein gehackt

½ Bund Frühlingszwiebeln,

in dünne Ringe geschnitten

Salz und schwarzer Pfeffer

Zubereitung:

Kefir mit kleingeschnittenen Gurken, Rote

Bete, Dill und Frühlingszwiebeln mischen.

Je nach Konsistenz und Wunsch mit

kaltem Wasser verdünnen und mit Salz und

schwarzem Pfeffer abschmecken.

Die Mischung 5 bis 10 Minuten im

Kühlschrank ruhen lassen und dann, wenn

nötig, noch mal salzen.

Guten Appetit!

Labu apetīti!


Gesichtslose

Nachts alleine fahre ich heim,

kleine Landstraße, so ruhig, so fein,

Der Wagen knirscht und ächzt,

auf einmal nur ein Stück Blech,

Alleine gestrandet, ohne Hilfe

Die ruhige Stille,

verwandelt in bösen Willen,

Doch siehe da, ein Held kommt herbei,

rettet mich schweigend – ich bin frei!

Nie werde ich sagen können, wie viel ich ihm verdank,

sein Gesicht auf ewig in mein Leben eingebrannt.

Schnell lief ich den Platz entlang,

keine Zeit, kein Geld, nichts was gelang,

Der Stress schien viel zu groß zu werden,

so schlimm, sogar die Luft schien er zu verderben,

Eine Frau rief laut,

riss mich aus meinem Dilemma heraus,

Ich stoppte und blieb am Leben,

sonst hätte mir ein Auto den Rest gegeben,

Ich drehte mich, doch wusste nicht wer,

und wieder füllte sich mein Kopf und wurde schwer.

Vergessen und verloren, das Gesicht der Frau,

Nur ein Schimmer der Masse, endlos Grau.

Von Ben Charles


Dein Rezept gegen Coro

Am Sonntagmorgen um 5 Uhr mit

dem Fahrrad um die Siegessäule

kreiseln, dann am Montag im

Baumarkt shoppen gehen und sich

über die Woche selbst ein Möbelstück

bauen.

Athena, 18 Jahre

Nicht puzzeln! Aber private

Tanzparties: einfach

zuhause mit einer Box laut

Musik anmachen und dazu

wild durch die Wohnung

tanzen :)

Luise, 19 Jahre

Ein gutes Buch

mit einer Tasse

Kakao.

Katrin, 35 Jahre

Rausgehen. Jeden Tag spazieren

gehen, laufen gehen!

Franca, 18 Jahre

Struktur im Alltag schaffen, viel lesen,

rausgehen und, wo es geht, noch soziale

Kontakte pflegen.

Ben, 19 Jahre


na-Kummer

Sport und Spiele! Ich

hab‘ VR gespielt, war

fast jeden Tag joggen und

hab‘ viel Gitarre gespielt.

Malina, 27 Jahre

Sich einfach freuen,

keine Schule zu

haben!

Bo, 10 Jahre

Ich habe gelesen, gezockt, Lego

gespielt und mich, sobald es ging,

mit meinem Nachbarn getroffen.

Leo, 12 Jahre

Auch schon vor Corona habe

ich gerne mit Freunden Videospiele

gespielt. Wenn man

seine Freund*innen schon

nicht im echten Leben treffen

kann, dann geht es jederzeit

im virtuellen.

Conrad, 18 Jahre

Da ich einen Job in einem systemrelevanten

Genre habe, kann ich ziemlich

normal weitermachen. Und sonst

alles per Fuß erledigen, da geht der Tag

immer irgendwie rum.

Bennet, 19 Jahre

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