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blu Januar/Februar 2021

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JANUAR / FEBRUAR <strong>2021</strong> | AUSGABE 133 | WWW.MÄNNER.MEDIA<br />

BERLIN<br />

MUSIK<br />

Vincent Gross<br />

will glücklich<br />

machen<br />

SPECIAL<br />

GESUNDHEIT!<br />

Interviews und News zu<br />

Wellness und HIV<br />

FILM<br />

Weltstar<br />

Kate Winslet<br />

im exklusiven<br />

Gespräch<br />

NACHTLEBEN<br />

Nachgefragt<br />

beim SO36<br />

INTERVIEWS: GEENA TEQUILA, KELVIN JONES, RENÉ WÜST, FÉLIX LEMENS


INFORMIERT.<br />

FICKEN.<br />

WEISST DU,<br />

dass jede der drei Safer-<br />

Sex-Methoden wirksam<br />

vor HIV schützt?<br />

Verschiedene Menschen –<br />

verschiedene Methoden.<br />

Schutz verdient Respekt!<br />

Erfahre mehr auf:<br />

www.iwwit.de


INTRO 3<br />

Inhalt<br />

STADTGESPRÄCH<br />

Aufgewachsen in einem besetzten<br />

Haus in Berlin, jetzt in einer schwulen<br />

Rolle in Berlin und Potsdam-<br />

Babelsberg (bei der UFA) vor der<br />

Kamera, man kann ihn schon als<br />

queer bezeichnen. Wir sprachen mit<br />

Lennart Borchert.<br />

Kostenlos<br />

epaper.männer.media<br />

Alle Magazine online!<br />

STYLE<br />

Da, wo sonst der Markenname dominiert,<br />

kann hier ein „SUCK MY DICK“<br />

stehen. Klingt platt, schaut aber gut<br />

aus und ist – so in Szene gesetzt – ja<br />

schon wieder Pop-Art, oder? Das<br />

noch ganz junge Modelabel Party<br />

in Paradise richtet sich an „aufgeschlossene,<br />

offene, humorvolle,<br />

extrovertierte, modische Menschen“.<br />

Liebe Queers,<br />

KLUBWELT<br />

Thomas Lemmer und Christoph<br />

Sebastian Pabst vertonten ihre<br />

Impressionen des über 4.400<br />

Meter hohen Massivs in den Alpen.<br />

Herausgekommen ist ein atmosphärisch<br />

dichter und irgendwie<br />

pathetischer Deep-House-Track.<br />

MUSIK<br />

76 Jahre jung, glückliche Mutter und<br />

Oma und vor allem immer noch eine<br />

Sängerin, die liebt, was sie tut. So<br />

überließ es Diana Ross auch keinem<br />

Promoter oder Label, allein zu entscheiden,<br />

von wem und wie Hand an<br />

einige ihrer Klassiker gelegt wird.<br />

<strong>2021</strong> wird hoffentlich besser als<br />

2020, oder?! Eigentlich die gesamte<br />

Szene, die Bars, die Klubs, die Shows<br />

und die Saunen kamen im vergangenen<br />

Jahr zum Stillstand, viele Existenzen<br />

zerbrachen. Andere sattelten<br />

um, aus manchem DJ wurde nun<br />

hauptberuflich ein Producer, andere<br />

mussten leider ihre Passion erst mal<br />

auf Eis legen und sind nun etwa im<br />

Service oder in der Pflege tätig. <strong>2021</strong><br />

hat aber zumindest die Chance, dass<br />

vieles sich zum Guten wendet! Und<br />

was wir für die ersten zwei Monate<br />

des Jahres versammelt haben, wird<br />

dich garantiert besser fühlen lassen:<br />

Musik, Style, Gesundheit und auch<br />

die Community – wir haben die<br />

Themen!<br />

Viel Spaß beim Lesen,<br />

deine <strong>blu</strong> Redaktion<br />

www.männer.media<br />

www.facebook.com/<strong>blu</strong>mag


4 STADT<br />

Community<br />

HAGIOGRAPHIE<br />

BIOROBOTICA<br />

Ungewöhnliche Kunst,<br />

präsentiert von der<br />

Kulturstiftung der Evangelischen<br />

Kirche Berlin-<br />

Brandenburg-schlesische<br />

Oberlausitz. Der Berliner<br />

Fotograf Andreas Mühe<br />

stellt seit Oktober in drei<br />

Akten seine Kunst in<br />

der St. Matthäus-Kirche<br />

aus. „HAGIOGRAPHIE<br />

BIOROBOTICA“ eröffnete<br />

mit Beiträgen von Dr.<br />

Klaus Lederer, Senator für<br />

Kultur und Europa, und Dr.<br />

Kristina Schrei, Hamburger<br />

Bahnhof – Museum für<br />

Gegenwart. Der 2. Akt<br />

der Ausstellung ging vom<br />

26. November bis zum 3.<br />

<strong>Januar</strong>, der dritte Akt läuft<br />

dann vom 6. <strong>Januar</strong> bis<br />

zum 14. <strong>Februar</strong> (Valentinstag!).<br />

*rä<br />

www.stiftungstmatthaeus.de<br />

So weitermachen wie bisher, das<br />

geht nicht. Durch die Corona-Pandemie,<br />

den Lockdown, wurde uns gezeigt,<br />

wie gut es unserer Erde mal tut, wenn wir<br />

weniger Abgase in die Atmosphäre pusten,<br />

wenn wir (notgedrungen) zu Hause bleiben.<br />

Und jetzt einfach wieder so loslegen, als<br />

hätten wir uns nicht über begehbare Straßen<br />

und saubere Luft, Delfine in Venedig<br />

und Städte ohne Smog gefreut? Das wäre<br />

idiotisch.<br />

„Wer im Treibhaus sitzt, sollte nicht mit<br />

dem Auto“ fahren und „Fleischgenuss ist<br />

ein Klimakiller“ – beides Sätze, die man bei<br />

Demonstrationen für Mutter Natur und<br />

ESSEN<br />

Das „Vegan Rainbow Project“<br />

gegen den Klimawandel lesen konnte (und<br />

kann). Und es stimmt: Beides schadet<br />

unserem Planeten. Hier steht das „Vegan<br />

Rainbow Project – Equality for All Beings“<br />

an. Hier wird wenig dogmatisch, dafür aber<br />

umso verständlicher, für eine Ernährung<br />

geworben, die keinem Lebewesen schadet,<br />

aber allen Lebewesen und dem Klima<br />

nutzt. Und schmecken tut veganes Essen<br />

auch!<br />

Auf der Homepage sorgen viele Interviews<br />

für Anregungen und informieren ohne<br />

Zeigefinger. *rä<br />

www.the-vegan-rainbow-project.org/<br />

deutscher-blog<br />

FOTO: M. RÄDEL<br />

BUNTE BÄREN<br />

Er sei ein „Supermarktverkäufer,<br />

der davon<br />

träumte, zu malen, ein<br />

paar Stifte kaufte, nach<br />

London zog und jetzt<br />

seine Kunst auf T-Shirts<br />

an den Mann bringt“, so<br />

Roberto „Bobo“ Nisi auf<br />

Instagram. Das waren die<br />

richtigen Entscheidungen.<br />

Seine Pop-Art-Mode ist<br />

auf 100 % Baumwolle<br />

verarbeitet und über die<br />

unten genannte Homepage<br />

(und auch über amazon) zu<br />

bekommen. *rä<br />

bobo-bear.com<br />

LESUNG<br />

Erinnern in Auschwitz<br />

Der Historiker Lutz van Dijk liest aus seinem<br />

Sammelband „Erinnern in Auschwitz – auch an<br />

sexuelle Minderheiten“. Ein Buch, das zur rechten<br />

Zeit kommt: Die Debatte um die Gedenkkugel für<br />

lesbische Opfer in der Gedenkstätte Ravensbrück<br />

hat gerade erst misogynes Verdrängen und Verleugnen<br />

offenbart. Das Buch drängt sich ob seiner vielschichtigen<br />

Perspektiven und Herangehensweisen<br />

zwischen trockener Dokumentation und flammendem<br />

Appell geradezu auf: als Informationsquelle, als<br />

Grundlage und als Mahnung. *ck<br />

24.1., Zoom-Lesung: Erinnern in Auschwitz<br />

– auch an sexuelle Minderheiten, Anmeldung<br />

unter post@zentrum-weissenburg.de, Stichwort<br />

„Auschwitz“, 16 – 17:30 Uhr


HILFE<br />

Aua! Rückenschmerzen!<br />

Das Team im Body Health Center von Physiotherapeut und<br />

Chiropraktiker Konstantinos Georgilakis hat Therapie und<br />

Beratung parat, wenn der Rücken Probleme macht.<br />

STADT 5<br />

Immer nur Schmerztabletten nehmen und sonst den Schongang<br />

einlegen, das bringt nichts. Das ist aber kein Grund zu verzweifeln.<br />

Helfen können und werden dir womöglich die Angebote des<br />

Body Health Center am Wittenbergplatz. Denn hier gibt es<br />

unterschiedlichste Ansätze, die Schmerzen zu besiegen. Zum<br />

Beispiel die Sportphysiotherapie (für Sportler), die klassische<br />

Krankengymnastik oder auch medizinische Massagen. Es geht<br />

dabei aber um mehr als nur um den Rücken. „In unserem<br />

heutigen hektischen Alltag wird es immer schwieriger,<br />

eine ausgewogene Balance zwischen Körper und Geist<br />

zu finden“, so das Team des Body Health Center. „Wir haben<br />

mit Physiotherapie und Rehabilitation hier angesetzt und eine<br />

Praxis geschaffen, die nicht nur neue Wege zur Schmerzfreiheit<br />

geht, sondern sowohl Körper als auch Geist in Einklang bringt.“<br />

Welche frohe Kunde für alle Schmerzgebeutelten. Die Termine<br />

kann man bequem online vereinbaren. *rä<br />

Body Health Center, Kleiststr. 23 – 26, U Wittenbergplatz,<br />

www.bodyhealthcenter.de<br />

FOTO: D. DRUBIG<br />

PSYCHOLOGIE<br />

Wir brauchen Männer wie ihn<br />

Günther Krabbenhöft ging in Zeiten<br />

von Social Media als „Hipster Opa“<br />

in die noch junge virtuelle Geschichte ein.<br />

Er ist aber mehr als das. So amüsant dieser<br />

Titel für den „unfreiwilligen Influencer“<br />

auch ist.<br />

Geboren 1945 in der Provinz bei Hannover,<br />

zog es den gelernten Koch Günter Krabbenhöft<br />

1968 nach Berlin, er heiratete,<br />

wurde Vater und war schon Anfang der<br />

FOTO: M. RÄDEL<br />

1980er einer der ersten Mitglieder des<br />

Vereins „Schwule Väter“. 1994 hatte<br />

Günther Krabbenhöft dann bei Alfred<br />

Biolek sein bundesweites Coming-out – an<br />

der Seite seiner Tochter und Ex-Frau.<br />

Seine Liebe zu Techno, Rave<br />

und Elektro entdeckte er erst<br />

mit ca. 70, im selben Jahr,<br />

2015, ging es auch so richtig<br />

los mit dem Kult um den<br />

liebenswerten und immer<br />

höflichen Queer.<br />

Ein Schnappschuss in<br />

Kreuzberg, das Bild ging viral,<br />

man beachtete ihn, er selbst<br />

wurde zum Thema, seine<br />

Person zum Star. Schwule,<br />

queere Sichtbarkeit und<br />

Lebensfreude, gepaart<br />

mit entspannter Weisheit.<br />

Seinen über 100.000<br />

Followern auf Instagram bietet<br />

Günther Krabbenhöft mehr als bloße<br />

Angeberei, das überlässt er anderen.<br />

Günther sorgt für lebenbejahende Impulse<br />

und er nimmt einem die Angst vorm<br />

Alter. Denn es gibt sie kaum, die schwulen<br />

und queeren Vorbilder. Wenn man die<br />

40 erreicht hat, denkt man schon mal<br />

drüber nach, was sein wird, wenn man<br />

45, 50 oder auch 60 und 70 Jahre alt<br />

sein wird. Günther entspannt – und das<br />

einfach durch sein Sein. Danke. 2016<br />

etwa wurde er von einem Magazin zu<br />

den „100 bestangezogenen Männern in<br />

Deutschland“ gewählt. Mit 71. „Ich habe<br />

einen eigenen Stil, den ich gerne trage, da<br />

ist Mode, also sind die aktuellen Modeströmungen,<br />

nie so das Thema“, verriet er<br />

uns einmal im Interview. „Wer<br />

mich sieht, lächelte<br />

meist oder zeigt mir<br />

‚Daumen rauf‘ ...“<br />

Unlängst erschien sein<br />

Buch „Sei einfach du!<br />

Zum Jungsein bist du nie<br />

zu alt“, das auf über 170<br />

Seiten erfreut, informiert<br />

und erhellt. „Nie hätte ich<br />

gedacht, dass ich eines<br />

Tages ein Buch schreiben<br />

würde. Früher hätte ich<br />

nicht für möglich gehalten,<br />

dass sich jemand dafür<br />

interessiert, was mich<br />

antreibt und bewegt. Genau<br />

das passiert mir mittlerweile täglich“, so<br />

Günther in seinem Buch. „Dein Leben ist<br />

kompliziert, der Alltag strengt dich an,<br />

noch dazu willst du es allen recht machen.<br />

Da bleibt die Lebenslust wie von selbst<br />

auf der Strecke? Glaubst du das? Dann<br />

vergiss alles Negative, was du über dein<br />

Leben denkst. Hör nicht hin, wenn man<br />

dir einredet, dass du auf der großen Party<br />

des Lebens immer nur ein Mauerblümchen<br />

sein wirst. Glaub an deine ganz persönlichen<br />

Wünsche und Träume.“ *rä


6 STADTGESPRÄCH<br />

INTERVIEW<br />

GZSZ: LENNART BORCHERT<br />

FOTOS: TVNOW / ROLF BAUMGARTNER<br />

Aufgewachsen in einem besetzten<br />

Haus in Berlin, jetzt<br />

in einer schwulen Rolle in Berlin<br />

und Potsdam-Babelsberg (bei der<br />

UFA) vor der Kamera, man kann ihn<br />

schon als queer bezeichnen. Wir<br />

sprachen mit dem „Gute Zeiten,<br />

schlechte Zeiten“-Schauspieler.<br />

Unlängst legten Aktivist_innen<br />

die Berliner S-Bahn lahm, weil ein<br />

besetztes Haus geräumt wurde.<br />

Bist du auch so revolutionär<br />

aufgewachsen?<br />

Ja, ich bin tatsächlich in einem besetzten<br />

Haus aufgewachsen. Das war in Mitte, so<br />

zur Jahrtausendwende. Ich habe da nicht<br />

so viele Erinnerungen mehr dran, außer<br />

dass bei uns im Haus alles sehr friedlich<br />

war.<br />

Wie kamst du zur Schauspielerei?<br />

Mein erster Job war eine TUI-Werbung, da<br />

war ich vier Jahre alt, kurz darauf folgte ein<br />

Spot für McDonald’s. Dann hatte ich einen<br />

Job bei „Elementarteilchen“ und merkte,<br />

dass das genau mein Ding ist.<br />

Wie kamst du dann zu GZSZ?<br />

Durch einen krassen Zufall, ich hatte<br />

gerade mein Abitur gemacht und war<br />

eigentlich bei einem Casting für eine<br />

andere tägliche Serie, die aber nicht so<br />

gut lief, aber so wurde man auf mich<br />

aufmerksam.<br />

Was verbindet dich mit der Rolle des<br />

Moritz?<br />

Moritz ist wie ich ein kleiner Filou und<br />

weiß, was er tut. (grinst)<br />

Und was, außer deiner Sexualität,<br />

unterscheidet dich von Moritz?<br />

Er rutscht in die Kriminalität ab. Und sein<br />

Verhältnis zur Familie, bei mir privat ist<br />

alles friedlich, ich habe ein gutes Verhältnis<br />

zu meinen Geschwistern. Aber ich spiele<br />

ihn gerne ... Moritz ist zudem naiver als ich.<br />

Worauf freust du dich gerade?<br />

Auf alles, was da noch kommt! Auf meine<br />

Kollegen und zukünftige Drehtage. Und<br />

darauf, was Moritz noch alles erlebt.<br />

Hat Corona denn das Drehen<br />

verändert?<br />

Ich habe bei GZSZ angefangen, als es mit<br />

der Pandemie losging. Wir müssen immer<br />

Sicherheitsabstand halten und es darf nur<br />

jeweils ein Schauspieler in der Garderobe<br />

sein. Ich kenne es gar nicht anders.<br />

*Interview: Michael Rädel<br />

www.gzsz.de


MODE<br />

FASHION WEEK<br />

weiter in Berlin<br />

STADTGESPRÄCH 7<br />

Wie, doch nicht Frankfurt? Doch. Also auch. Und überhaupt.<br />

Wir haben Neuigkeiten.<br />

Vom 18. bis 20. <strong>Januar</strong> <strong>2021</strong> wird das physisch und digital<br />

stattfindende Schauenformat Mercedes-Benz Fashion<br />

Week (MBFW) im und aus dem legendären Kraftwerk,<br />

Heimat des Technoklubs Tresor, in Berlin inspirieren.<br />

Berlin ist und bleibt also DIE Modestadt in Sachen<br />

Trends – verkauft wird natürlich woanders ... Aber erst<br />

mal von vorne. Ramona Pop, Senatorin für Wirtschaft,<br />

Energie und Betriebe verrät: „Die Berlin Fashion Week wird<br />

weiterhin – und somit auch im Sommer <strong>2021</strong> – in Berlin<br />

stattfinden. Vergleichbar mit der Mailänder Fashion Week<br />

und den Messen in Florenz, die zu unterschiedlichen<br />

Terminen an unterschiedlichen Orten mit unterschiedlichen<br />

Zielgruppen stattfinden, kann sich Berlin künftig<br />

nach dem internationalen Schauenkalender richten.<br />

Hierzu sind wir bereits in zahlreichen Gesprächen mit<br />

Organisatoren bekannter und neuer Formate sowie mit<br />

den Verbänden der Modeindustrie. Der genaue Termin<br />

für den Sommer wird im <strong>Januar</strong> <strong>2021</strong> bekannt gegeben.“<br />

Warum das Kraftwerk? „Es bietet durch seine Größe<br />

und unterschiedlichen Räume und Ebenen eine gute<br />

Voraussetzung, um unser Hygienekonzept in Bezug<br />

Infektiologie<br />

Ärzteforum Seestrasse<br />

Medizinisches Versorgungszentrum<br />

Schwerpunktpraxis für HIV/AIDS,<br />

Infektiologie, Hepatologie, Suchtmedizin,<br />

Hausärztliche Versorgung<br />

Infektiologie Ärzteforum Seestrasse<br />

Seestraße 64<br />

(Eingang: Oudenarder Straße)<br />

13347 Berlin<br />

Tel.: 030 . 455 095 - 0<br />

Fax: 030 . 455 095 - 22<br />

praxis@infektiologie-seestrasse.de<br />

FOCUS Siegel für:<br />

Priv. Doz. Dr. med.<br />

Wolfgang Schmidt<br />

Unser Team<br />

Priv. Doz. Dr. med. Wolfgang Schmidt<br />

Priv. Doz. Dr. med. Walter Heise<br />

Dr. med. Anja-Sophie Krauss<br />

Dr. med. Marcos Rust<br />

Dr. med. Luca Schifignano<br />

Dr. med. Luca Stein<br />

Dr. med. Christian Träder<br />

Iris Wunsch Teruel<br />

www.infektiologie-seestrasse.de<br />

the<br />

men expert<br />

in berlin<br />

FOTOS: M. RÄDEL<br />

PENISverdickung<br />

ohne OP<br />

auf die Personenanzahl umzusetzen“, so Marcus Kurz,<br />

Geschäftsführer des mitveranstaltenden Unternehmens<br />

Nowadays. „Geplant sind Schauen und Präsentationen<br />

unter höchsten und neuesten Sicherheitsstandards sowie<br />

mit begrenzter Personenanzahl. Wir empfinden es als<br />

wichtig, einen physischen Veranstaltungsort zu inszenieren,<br />

egal ob mit 300 oder nur 50 Gästen – wenn dies zum<br />

Zeitpunkt behördlich möglich sein sollte –, und nutzen<br />

die Location mit vielfältigen Bühnen und Setdesigns, die<br />

selbstverständlich – wie schon in der Vergangenheit – live<br />

gestreamt werden.“<br />

Das dicke B ist also weiterhin einer der Standorte der<br />

Modenschauen, des bunten Treibens, des inspirierenden<br />

Treibens. Ende gut, Mode sehr gut. *rä<br />

18. – 20.1.<strong>2021</strong>, Mercedes-Benz Fashion Week / MBFW<br />

staged by NOWADAYS, www.mbfw.berlin<br />

Guido Koschel<br />

Facharzt für Allgemeinmedizin<br />

und Ästhetischer Chirurg<br />

Botox- und Hyaluronbehandlung<br />

Schweißfreie Achseln<br />

Eigen<strong>blu</strong>ttherapie u.v.m.<br />

www.beauty-facharztpraxis.de<br />

Privatpraxis für<br />

Ästhetische Medizin<br />

Tel.: 030 3393 0000<br />

0160 417 5595<br />

Pestalozzistr. 10<br />

10625 Berlin-Charlottenburg


8 STADTGESPRÄCH<br />

FOTOS: M. RÄDEL<br />

INDIE<br />

Ölmalerei von PATRICK BARTSCH<br />

Der Maler ist in der deutschen Hauptstadt – und nicht nur<br />

da – bekannt wie ein bunter Hund. Geboren ist der Künstler<br />

aber im schönen Baden, in der grünen Stadt Freiburg. Gerade<br />

erschien ein Buch von dem Maler: „10 Jahre Patrick Bartsch<br />

in Öl auf Leinwand“, ein kostenloser Bildband mit einem Vorwort von<br />

Community-Stern Romy Haag. „Seit 2003 halte ich das Geschehen in<br />

Berlin mit der Kamera fest, und seit 2011 interpretiere ich eigene Fotovorlagen<br />

in Öl auf Leinwand“, verriet uns der Wahlberliner via E-Mail. Wir<br />

fragten nach.<br />

Warum erscheint das Buch<br />

kostenlos, willst du kein Geld<br />

mehr verdienen?<br />

Menschen einen einfachen Zugang<br />

zu meiner Kunst verschaffen!<br />

Darum geht es mir in erster Linie.<br />

Heutzutage mit Tablets, Laptops<br />

usw. lässt sich ein 186-Seiten-Buch<br />

wundervoll interaktiv betrachten.<br />

Wo kann man dein Buch<br />

bekommen?<br />

Ganz einfach kostenlos über meine<br />

Website www.patrickbartsch.com/<br />

buch10jahre.<br />

Wie geht es dir gerade während<br />

der Pandemie?<br />

Ich will das Beste aus der momentanen<br />

Situation machen! Wie schreibt<br />

die großartige Romy Haag so schön<br />

in ihrem wunderschönen Vorwort<br />

im Buch: „Künstler*innen sind<br />

systemrelevant!“ Solche Aussagen<br />

motivieren mich noch intensiver an<br />

neuer Kunst zu arbeiten.<br />

*Interview: Michael Rädel<br />

www.patrickbartsch.com/<br />

buch10jahre<br />

Savignyplatz 07-08 | 10623 Berlin<br />

030-318.64.711 | www.habitare.de<br />

Mo. bis Fr. 11 - 19 Uhr | Sa. 10 - 18 Uhr<br />

Während des Lockdowns sind wir telefonisch<br />

oder per Mail Montag bis Freitag<br />

zwischen 10:00 – 16:00 Uhr erreichbar.<br />

Stuhl „Loop“ 198,-<br />

in sechs Farben oder transparent mit<br />

verchromtem Vierfußuntergestell


STADTGESPRÄCH<br />

9<br />

KONDITOREI<br />

Einfach mal genießen<br />

Das Leben pulsiert im Hackeschen-<br />

Markt-Kiez, die Agentur-Queens rasen<br />

von links nach rechts, die Models tratschen<br />

und warten, die Touristen nerven,<br />

Pardon: flanieren.<br />

Trotz Corona ist hier alles hektisch,<br />

hektisch, hektisch. Schön, dass es<br />

solche kleinen Oasen der Ruhe und<br />

des Genusses gibt wie „Samy’s Berliner<br />

Pfannkuchen Café“. Das<br />

Café befindet sich in der<br />

schmucken Sophienstraße<br />

und erfreut mit ausgefallenen<br />

Latte-Macchiato-Kreationen,<br />

besten Berliner Pfannkuchen und anderen<br />

süßen Gebäck- und Teigträumen.<br />

Das Interieur und auch die Fassade<br />

erinnern an die (angeblich) gute alte Zeit,<br />

das Publikum ist bunt gemischt: Sowohl<br />

alteingesessene<br />

Omis als auch<br />

Hipster, queere Handwerker<br />

und aufgedrehte<br />

Influencer lassen es sich hier<br />

hochkalorisch schmecken. Sollte<br />

man sich gönnen, die Erfahrung. *rä<br />

Samy’s Berliner Pfannkuchen Café,<br />

Sophienstr. 30, U Weinmeisterstraße<br />

GENUSS<br />

Sven Marquardt +<br />

Berliner Brandstifter<br />

Die prämierte Berliner Gin-Marke tat sich mit Fotograf und<br />

Berghain-Star Sven Marquardt zusammen, um eine „Berlin<br />

Dry Gin“-Kunstedition an den Start zu bringen. Vor einigen Wochen<br />

wurde das leckere Gesöff präsentiert.<br />

FOTOS: M. RÄDEL<br />

Seit 2009 führt der gebürtige Berliner Vincent Honrodt eine Familientradition<br />

fort, die ihren Ursprung Anfang des 20. Jahrhunderts hat. Die<br />

gute alte hochprozentige Zeit ...<br />

Damals brannte der Urgroßvater Spirituosen aus regionalen und hochwertigen<br />

Ingredienzen für Freunde und Familie. Nachhaltigkeit und<br />

Tradition, darauf wird Wert gelegt, so werden die pflanzlichen Zutaten<br />

für den Gin auf einem eigens für Berliner Brandstifter angelegten<br />

Garten angebaut und per Hand geerntet.<br />

2020 tat man sich nun mit dem Künstler Sven Marquardt zusammen<br />

und entwickelte eine eigne Kunstedition, die von uns probiert werden<br />

konnte. An den Wänden sah man ausgewählte Abzüge seiner Fotografien,<br />

auch im Friedrichstadt-Palast wurde seine Kunst ausgestellt. Zum<br />

Getränk: „Die Edition widmet sich dem Thema Liebe, welches in Farbe<br />

und Geschmack des Berlin Dry Gins aufgegriffen wird. Die Zugabe von<br />

Rosen, Brombeeren und Schwarzen Johannisbeeren verleiht ihm seine<br />

besonders milde, fruchtige und beerige Note.“ Die Edition sei auf 6.666<br />

Flaschen limitiert, ist per Hand abgefüllt und auch nummeriert. *rä<br />

www.berlinerbrandstifter.com<br />

W O H N E N + W O H N E N G M B H


10 STADTGESPRÄCH<br />

KLUBMUSIK<br />

HORSE MEAT DISCO<br />

„Love And Dancing“ heißt die aktuelle LP<br />

der Queers der „Horse Meat Disco“-Partyreihe,<br />

die es auf pinkem Vinyl gibt.<br />

Yey! Musste auch die letzte Party<br />

aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt<br />

werden, so muss man trotzdem nicht<br />

auf Beats und Streicher der HMD-Truppe<br />

verzichten. Die LP bringt dir NEUE<br />

Musik, keine Coverversionen („und keine<br />

Samples“, wie sie gegenüber der Presse<br />

anmerkten), zusammengearbeitet haben<br />

die Producer und DJs für „Love And<br />

Dancing“ mit Stars wie Kathy Sledge von<br />

Sister Sledge. Klasse! *rä<br />

EROTIK<br />

Rick und sein Griff<br />

Diese zwei Influencer lassen die Szene teilhaben an ihren Abenteuern,<br />

zeigen gerne ihre Hintern und bieten jetzt noch ihre Penisse als Dildos<br />

an. Huch!<br />

Eine sicherlich sehr ungewöhnliche<br />

Beziehung, aber sie zeigen<br />

sich eben gerne ... und unterhalten<br />

damit viele Hunderttausend<br />

Follower auf Instagram. Zusammen<br />

betreiben sie das Label Two<br />

Kings Unlimited, wo der Fan alles<br />

bekommen kann, was zeigefreudige<br />

Männer nur anbieten können.<br />

Wir fragten kurz mal nach bei Griff.<br />

Warum Instagram?<br />

Nun, unsere Freunde forderten<br />

es ... Aufgrund seines Theater-<br />

Backgrounds erkannte Rick das<br />

Potenzial, eine virtuelle Bühne zur<br />

Unterhaltung von Menschen zu<br />

schaffen, und wollte loslegen.<br />

Beeinflusst Instagram denn<br />

eure Beziehung?<br />

Diese kreative Zusammenarbeit<br />

war für uns eine großartige<br />

Möglichkeit, enger zusammenzuwachsen,<br />

zu lernen, wie man als<br />

Team arbeitet, und zu verstehen,<br />

wie wichtig Kompromisse und<br />

Kommunikation für eine erfolgreiche<br />

Beziehung sind. Wir würden<br />

also sagen, dass gemeinsames<br />

Social Media unsere Beziehung<br />

gestärkt hat. Es gibt definitiv<br />

Zeiten, in denen wir uns nicht einig<br />

sind, aber normalerweise denken<br />

wir ähnlich.<br />

Wirklich nie Streit?<br />

Wir streiten uns vielmehr um<br />

Dinge wie Wäsche waschen und<br />

Geschirr spülen!<br />

*Interview: Michael Rädel<br />

www.instagram.com/<br />

rick_and_the_griffopotamus<br />

twokingsunlimited.com


MÖBEL<br />

Fatih Alasalvaroglu bei Welcome Interiors<br />

STADTGESPRÄCH 11<br />

Der Wahlberliner Künstler Fatih Alasalvaroglu<br />

erfreut in der aktuellen Corona-<br />

Krise.<br />

Gerade müssen wir Rücksicht aufeinander<br />

nehmen, Infektionsketten verhindern<br />

und mehr zu Hause bleiben. Und da<br />

beschäftigt man sich dann noch mehr<br />

mit dem WIE man lebt. Ganz wunderbar,<br />

dass der Künstler Fatih Alasalvaroglu nun<br />

mit dem queeren Team von Welcome<br />

Interiors gemeinsame Sache macht und<br />

seine außergewöhnliche und edle Kunst<br />

dort zum Kauf anbietet. „Ich begeistere<br />

mich tatsächlich für unterschiedlichste<br />

Ausdrucksformen, -arten und Materialien.<br />

Wichtig ist mir immer, dass ich mich im<br />

Akt bzw. Prozess der Arbeit in den Farben<br />

und Formen wiederfinde“, verriet uns der<br />

in Hanau Geborene einmal im Interview.<br />

Man holt sich also echte Kunst, mit Herz<br />

und Können erstellt, in die Wohnung. Gut<br />

zu wissen. Und schön. *rä<br />

Bis 21.2.<strong>2021</strong>, Fatih Alasalvaroglu bei<br />

Welcome Interiors, Yorckstr. 26,<br />

www.welcome-interiors.com


12 STADTGESPRÄCH<br />

Der zweite Lockdown traf einmal<br />

mehr unsere Safe Places, und auch<br />

das Schwule Museum ist geschlossen.<br />

Diese notwendigen Maßnahmen zur<br />

Eindämmung der Corona-Pandemie werden<br />

aber nicht ewig sein, einer der mächtigsten<br />

Schwulen in der Politik,<br />

Jens Spahn, stimmt ja<br />

ab und an durchaus<br />

optimistisch. Ähem. Und<br />

die aktuellen Nachrichten<br />

aus dem Schwulen<br />

Museum lassen zumindest<br />

ETWAS Hoffnung zu: „Die<br />

Eröffnungen der Ausstellungen<br />

Intimacy: New<br />

Queer Art From Berlin and<br />

Beyond und Rosarot in Ost-<br />

Berlin werden verschoben“,<br />

so das Team. Verschoben,<br />

nicht abgesagt. „Intimacy: New Queer Art<br />

from Berlin and Beyond“ sei eine der aufwendigsten<br />

Ausstellungen in der Geschichte<br />

des Schwulen Museums und „versammelt<br />

über 30 zeitgenössische Künstler*innen,<br />

die mit Fotografien, Gemälden, Skulpturen,<br />

Video-Arbeiten und Installationen einen<br />

Blick auf queere Intimität wagen.“<br />

Das große Thema dieser Gruppenausstellung,<br />

unter anderem mit Werken von Slava<br />

Mogutin und Roey Victoria<br />

Heifetz, ist also genau das,<br />

was man so schmerzlich<br />

vermisst: Intimitäten. Gerade<br />

kann man nicht mit den<br />

Freunden im Klub festen,<br />

unbeschwert die Oma<br />

knuddeln oder auch die<br />

liebste Dragqueen busserln.<br />

Zu gefährlich. Die Ausstellung<br />

geht aber noch einen Schritt<br />

weiter.<br />

„Der Austausch von Blicken,<br />

die Berührungen von<br />

Körpern, Sex oder auch nur ein Gespräch<br />

– all dies wird im öffentlichen Raum schnell<br />

zum Anlass für homo- und transfeindliche<br />

O. T., Emerson Ricard, 2018<br />

AUSSTELLUNG<br />

Berührungen oder<br />

auch nur ein Bussi<br />

Doron-Langberg_Zach-and-Craig-2019<br />

Gewalt. Gleichzeitig boten die letzten Jahre<br />

für viele eine neue Kultur der Intimität und<br />

sexuellen Freiheit. Seit diesem Jahr ist es<br />

Covid-19, das uns herausfordert. Kontakte,<br />

die wir vermeiden, Partys, die wir nicht mehr<br />

feiern. Intimität ist etwas, das wir gerade<br />

verlieren könnten.“<br />

Eine spannende und wichtige Ausstellung<br />

mit großen queeren Künstler*innen, die den<br />

Horizont erweitert, sensibilisiert, aber auch<br />

beglückt. *rä<br />

www.schwulesmuseum.de<br />

www.welcome-interiors.com<br />

WELCOME interiors<br />

Yorckstraße 26 | 10965 Berlin<br />

Telefon 030 - 39 91 93 65 | Mo - Fr 10 - 19 Uhr | Sa 11 - 18 Uhr


ANZEIGE 13<br />

Nick Jue, Vorstand<br />

ING Deutschland<br />

Charity: Die<br />

RainbowLions helfen<br />

NACHGEFRAGT<br />

ING Deutschland &<br />

Nick Jue, Vorstandschef der<br />

ING Deutschland und Alexander<br />

Piur, Mitglied des Diversity-Netzwerkes<br />

der ING „RainbowLions“, im<br />

Interview.<br />

Seit wann besteht die Gruppe?<br />

Und wie viele Mitglieder seid ihr?<br />

Alexander Piur: Wir sind 2017 mit einer<br />

kleinen Gruppe motivierter Kollegen/innen<br />

gestartet und haben im Oktober 2018 unser<br />

Coming-out in der Bank gefeiert. Aktuell<br />

sind wir ein Kernteam von neun Rainbow-<br />

Lions, verteilt über die Standorte Frankfurt,<br />

Hannover und Nürnberg, die sich um die<br />

Aktionen vor Ort kümmern, dazu kommen<br />

ca. 100 Kollegen/innen, die sich in unserer<br />

Community registriert haben.<br />

Du bist aus den Niederlanden. Wann<br />

und wie hast du das erste Mal von der<br />

Gruppe gehört, nachdem du im Juli<br />

2017 den Posten des CEO der ING<br />

Deutschland übernommen hast?<br />

Nick Jue: Ich war vorher elf Jahre CEO<br />

der ING Niederlande, dort gab es bereits<br />

ein LGBTIQ*-Netzwerk neben anderen<br />

Diversity-Netzwerken wie zum Beispiel für<br />

Young Professionals, Frauen oder Ü55. Nach<br />

ca. einem Jahr in Deutschland kamen die<br />

RainbowLions auf mich zu und fragten, ob<br />

ich ihr Sponsor werden möchte. Ich habe<br />

nicht eine Sekunde gezögert und zugesagt.<br />

Welche Rolle spielt das Netzwerk für<br />

dich im Unternehmen?<br />

Nick Jue: Wir sind eine Bank für jeden Menschen<br />

in Deutschland, egal wie er sich fühlt<br />

oder wen er liebt. Dazu gehört auch, dass wir<br />

das in unserer Kommunikation – auch für die<br />

LGBTIQ*-Community – deutlich machen.<br />

Wie ist die Akzeptanz für eure<br />

Diversity-Arbeit bei euren Kunden,<br />

RainbowLions<br />

es gibt ja keine Filialen? Welche<br />

Reaktionen bekommt ihr von außen?<br />

Nick Jue: In den Niederlanden haben wir<br />

zum Gay Pride zum Beispiel unsere Filialen<br />

und Geldautomaten im Regenbogen-Look<br />

gestaltet. Darauf gab es fast nur positives<br />

Feedback. Auf unsere erste Teilnahme beim<br />

CSD in Frankfurt hatten wir ebenfalls fast<br />

ausschließlich positive Rückmeldungen.<br />

Alexander Piur: Das kann ich bestätigen.<br />

Die Reaktionen auf Social-Media-Postings<br />

waren durchweg positiv. Kunden und<br />

Mitarbeiter freuen sich zu sehen, dass die<br />

ING solche Zeichen setzt.<br />

Wie ist eure Rolle in der internationalen<br />

Kooperation mit den anderen ING<br />

Einheiten?<br />

Alexander Piur: Das Netzwerk<br />

in den Niederlanden heißt<br />

seit Kurzem auch<br />

RainbowLions (worauf<br />

wir hier in Deutschland<br />

ein kleines bisschen<br />

stolz sind). Somit<br />

haben wir international<br />

einen einheitlichen<br />

Auftritt nach innen<br />

und außen. Wir stimmen<br />

uns mit den Netzwerken<br />

aus den anderen ING Ländern,<br />

zum Beispiel den Niederlanden, Belgien,<br />

aber auch Australien und den Philippinen,<br />

regelmäßig ab. Wir besprechen Aktionen<br />

zu bestimmten Events wie PrideMonth<br />

oder IDAHOT und geben uns gegenseitig<br />

Tipps. Wir diskutieren auch, inwiefern wir<br />

politische Themen aufgreifen können. Als<br />

RainbowLions haben wir natürlich keinen<br />

Einfluss auf die politische Situation der<br />

LGBTIQ*-Community in anderen Ländern.<br />

Aber wir können zumindest versuchen,<br />

dort, wo Homosexualität verboten oder<br />

Die RainbowLions<br />

beim CSD<br />

diskriminiert wird, LGBTIQ*-Kollegen/innen<br />

ein sicheres Arbeitsumfeld zu schaffen, das<br />

sich durch Akzeptanz auszeichnet.<br />

Welche Ziele verfolgt das Netzwerk<br />

nach innen und nach außen?<br />

Alexander Piur: Eine Welt ohne Labels.<br />

Labels sind wohl eher für Klamotten, aber<br />

bitte nicht für Menschen. Jeder soll so sein,<br />

wie er ist. Die LGBTIQ*-Community ist in<br />

sich sehr divers. Wir als Netzwerk wollen<br />

zusammen mit der ING Deutschland<br />

die Community stärken, indem wir ganz<br />

verschiedene Projekte unterstützen.<br />

Nick Jue: Für mich ist das wichtigste Ziel,<br />

dass die Menschen, die bei uns arbeiten, sich<br />

wirklich frei und akzeptiert fühlen. Wir sind<br />

ein offenes Unternehmen und wir wollen<br />

„the coolest place to work“ sein.<br />

Was sind die zukünftigen<br />

Bemühungen des<br />

Netzwerkes? Welche<br />

Aktionen plant ihr<br />

auch nach Corona?<br />

Alexander Piur: Wir<br />

arbeiten an digitalen Formaten<br />

für interne Trainings<br />

zum Thema LGBTIQ* für<br />

die ING Kollegen/innen und<br />

Führungskräfte. Darüber hinaus<br />

erhöhen wir unsere Kommunikation im<br />

Intranet zu aktuellen Themen der LGBTIQ*-<br />

Community, um weiter auf uns aufmerksam<br />

zu machen. Wir planen eine Bärchen-Aktion<br />

zum Welt-AIDS-Tag, um die Aids-Hilfen<br />

zu unterstützen. Natürlich hoffen wir, in<br />

<strong>2021</strong> auch wieder einen CSD feiern zu<br />

können oder Veranstaltungen mit anderen<br />

Unternehmensnetzwerken gemeinsam<br />

organisieren zu können.<br />

*Interview: Ulli Pridat


14 KULTUR<br />

INTERVIEW<br />

FOTO: M. RÄDEL<br />

TOBIAS ECKE:<br />

Wir chatteten mit dem Wahlberliner<br />

Künstler Tobias Ecke<br />

über Corona und Rassismus.<br />

Alltagsrassismus ist dieses Jahr stärker<br />

in den Fokus der Öffentlichkeit<br />

gerückt. Wie verhältst du dich, wenn<br />

du Rassismus etwa auf Social Media<br />

bemerkst?<br />

Social Media bieten ihren Nutzern<br />

Plattformen, um mit verschiedensten<br />

Meinungen und Weltanschauungen hausieren<br />

zu gehen. Diese Möglichkeit bleibt<br />

von der Mehrzahl der User auch nicht<br />

ungenutzt. Durch die Unmittelbarkeit<br />

von Social Media lassen die Nutzer ihre<br />

Hemmschwelle, menschenfeindliche<br />

Äußerungen von sich zu geben, hinter sich.<br />

Einem echten Diskurs können sie sich<br />

dabei jederzeit entziehen. Ich glaube, dass<br />

es sich hierbei um ein Grundproblem von<br />

Social Media handelt. Die Möglichkeit ist<br />

nicht gegeben, Nutzer durch Vernunft zur<br />

Überdenkung ihrer Ansichten zu bewegen.<br />

Leider überträgt sich dieses Problem<br />

auch in das echte Leben. Zunehmend<br />

verlernen die Menschen, eine gehaltvolle<br />

Unterhaltung zu führen. Ich selbst verleihe<br />

„… frei von Illusionen“<br />

in meinen Bildern immer wieder gerne<br />

meinen Beobachtungen zu einseitigen<br />

Kommunikationen Ausdruck. Abschreckend<br />

und faszinierend zugleich, wie ich<br />

finde.<br />

Wurdest du aufgrund deiner Sexualität<br />

schon Zielscheibe homophober<br />

Häme? Verletzt dich das?<br />

In Berlin ist mir so etwas noch nicht passiert.<br />

Als ich noch in Merseburg gewohnt<br />

habe, gehörte es fast zum Alltag, von<br />

Leuten auf der Straße schief angeschaut<br />

zu werden. Damit bin ich jedoch immer<br />

ganz gut klargekommen. Nach wie vor hat<br />

sich auch nichts daran geändert, dass ich<br />

einen Großteil der Dorf- und Kleinstadtmenschen<br />

mindestens als genauso schräg<br />

empfinde, wie sie möglicherweise mich<br />

wahrnehmen.<br />

Inwiefern trifft dich die Corona-<br />

Pandemie, hast du Angst?<br />

In erster Linie hat mich die Pandemie in<br />

der Art, wie ich Entscheidungen, sei es in<br />

beruflicher oder privater Hinsicht, treffe,<br />

beeinflusst. Dabei habe ich festgestellt,<br />

dass mir das Agieren aus dem Bauch<br />

heraus mittlerweile wesentlich leichter<br />

fällt und deutlich mehr Einsatz findet,<br />

als es noch vor Corona der Fall war.<br />

Wahrscheinlich die für mich beste Lösung,<br />

um in einer Zeit, die frei von Illusionen<br />

wie Gewissheit und Planungssicherheit<br />

ist, nicht von ständiger Sorge und Angst<br />

begleitet zu sein.<br />

Wie trifft die Pandemie den<br />

Geschäftsmann Tobias Ecke?<br />

Es gibt so gut wie keine Aufträge mehr. Da<br />

geht es mir nicht anders als den meisten<br />

Solo-Selbstständigen. Das führte mit<br />

dazu, dass die Rolle des Geschäftsmanns<br />

eher in den Hintergrund gerückt ist.<br />

Im Vordergrund steht stattdessen der<br />

Künstler, meiner Auffassung nach konnte<br />

Kunst in krisenbehafteten Zeiten schon<br />

immer besonders gut gedeihen. Nach wie<br />

vor bleibt sie jedoch als Einnahmequelle<br />

sehr unsicher. Nichtsdestotrotz sagt mir<br />

aber mein Bauchgefühl, dass ich mich auf<br />

dem richtigen Weg befinde.<br />

*Interview: Michael Rädel


AUSSTELLUNG<br />

Befreiung<br />

durch Fotografie<br />

KULTUR 15<br />

Im Martin-Gropius-Bau in der Niederkirchnerstraße in<br />

Berlin eröffnete schon im Herbst die bis <strong>2021</strong> andauernde<br />

schwule Ausstellung „Masculinities: Liberation<br />

through Photography“. Die Ausstellung ist momentan<br />

nur digital zu besuchen.<br />

Das „starke Geschlecht“ wird in dieser spannenden Gruppenausstellung<br />

auf verschiedenste Weise angegangen.<br />

Alte Stereotypen, das Übel des Patriarchats, queere Identitäten,<br />

Rassismus, Militär, sexuelle Reize – kaum ein Thema,<br />

das durch die Ausstellung nicht angeschnitten wird.<br />

Gezeigt werden Fotografien so unterschiedlicher Künstler<br />

wie Richard Avedon, Robert Mapplethorpe, Annette<br />

Messager sowie Wolfgang Tillmans und Rotimi<br />

Fani-Kayode. Ihnen allen gemeinsam ist, dass der Mann<br />

im Fokus der Kunst steht. „Masculinities: Liberation<br />

through Photography“ ist in sechs Abschnitte unterteilt:<br />

1) Die Erschütterung des Archetyps, 2) Männliche<br />

Ordnung: Macht, Patriarchat und Raum, 3) Zu nah an<br />

Zuhause: Familie und Vaterschaft, 4) Männlichkeit, 5) Die<br />

Rückeroberung des schwarzen Körpers und 6) Frauen<br />

über Männer: Die Revidierung des männlichen Blicks.<br />

Spannende künstlerische Positionen durch die letzten<br />

sechs Jahrzehnte, ein Muss (nicht nur) für Männer. *rä<br />

„Masculinities: Liberation through Photography“,<br />

Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7, Berlin,<br />

www.gropiusbau.de<br />

Hal Fischer, Street Fashion: Jock, Aus der Serie „Gay Semiotics“, 1977/2016, Carbonprint,<br />

Originalmaße des Bildes: ca. 76,2 x 61 cm; gerahmt: 79 x 63,6 x 3 cm, Courtesy: der Künstler;<br />

Project Native Informant London<br />

Sunil Gupta, Untitled 22, Aus der Serie „Christopher Street“, 1976, Silbergelatineabzug, Originalmaße des Bildes: 60,96 x 91,44 cm; gerahmt: 63 x 94 x 3,8 cm, Courtesy: der<br />

Künstler und Hales Gallery, Sunil Gupta & VG Bild-Kunst, Bonn 2020; all rights reserved, DACS 2019


16 KULTUR<br />

KALENDER<br />

Worldwide Roar <strong>2021</strong><br />

Der neue Kalender der „Warwick<br />

Rowers“ ist da, jetzt heißen sie<br />

allerdings Worldwide Roar. Oben<br />

siehst du eins von 17 Bildern aus<br />

dem Kalender für <strong>2021</strong>: Patrick,<br />

einer der neuen Kerle, war mit<br />

seinem Fahrrad in den Bergen<br />

Andalusiens unterwegs.<br />

Sie zeigen sich gerne hüllenlos, doch<br />

die queeren Sportler haben aber<br />

auch etwas im Kopf: „Wir fördern<br />

eine gesündere Männlichkeit, die<br />

Gleichstellung der Geschlechter und<br />

LGBTIQ*-Rechte durch eine Reihe<br />

von Produkten mit männlichen<br />

Athleten. Und wir finanzieren auch<br />

die eingetragene Wohltätigkeitsorganisation<br />

Sport Allies, die die Kraft<br />

des Mannschaftssports nutzen will,<br />

um Inklusivität zu fördern.“ Sowohl<br />

die Jungs als auch Sport Allies<br />

„glauben, dass wir alle einzeln und<br />

gemeinsam von einer integrativeren<br />

Gesellschaft profitieren. Sport kann<br />

und sollte eine wichtige Rolle bei<br />

der Förderung dieses Ziels spielen.“<br />

Dem schließen wir uns an. *rä<br />

EROTIK<br />

100 % meat<br />

Adrian Lourie präsentiert nicht ohne berechtigten<br />

Stolz seinen „meat the naked calendar<br />

<strong>2021</strong>“, der dich sicherlich gut durchs Jahr<br />

<strong>2021</strong> begleiten wird. Das Besondere daran<br />

ist, dass diesmal auch nicht binäre Modelle<br />

und Transmänner als Kalender-Hingucker<br />

dabei sind. Zudem ist es der letzte Kalender,<br />

den der Londoner Künstler veröffentlichen<br />

will. Sein Body-Positivity-Projekt ist (erstmal)<br />

an seinem Ende angekommen. Mastermind<br />

und Fotograf Adrian Lourie, der schon seit<br />

2010 die Szene mit seiner erotischen Fotokunst<br />

beglückt, verriet uns einmal über die<br />

Beweggründe, so ein Projekt zu machen: „Wir<br />

sind nicht alle muskulös und wir sind nicht<br />

alle 19 Jahre alt. meat ist eine tolle Sache,<br />

Körper echter Menschen zu feiern.“ Body<br />

Positivity statt Bodyshaming, da ist es nur<br />

vollkommen richtig, dass auch Nichtbinäre<br />

und Trans* mit dabei sind. Wir sind Fan. *rä<br />

www.meatzine.com<br />

Den Kalender in DIN A3 kannst du hier bekommen:<br />

www.worldwideroar.org/product/wr21-calendar, www.sportallies.org<br />

FOTO: TIMTALES.COM<br />

EROTIK<br />

Alles Gute zum Wiegenfest,<br />

lieber Tim!<br />

Ohne Zweifel ist Tim Kruger einer<br />

der weltweit bekanntesten deutschen<br />

Pornosterne der Szene.<br />

Über seine Anfänge (unter<br />

anderem bei CAZZO) verriet<br />

er uns einmal: „Das war alles<br />

ziemlich spontan und ich war mir<br />

auch nicht bewusst, dass sich<br />

daraus eine Profession entwickelt.<br />

Angefangen habe ich weniger<br />

wegen des Geldes, sondern eher<br />

aus Neugier, wie genau so ein<br />

Pornodreh abläuft. Ich habe mir die<br />

Pornoszene unglaublich glamourös<br />

vorgestellt und wollte einfach mal<br />

dabei sein. Also habe ich mich<br />

beworben, und bevor ich mir<br />

darüber richtig Gedanken machen<br />

konnte, saß ich auch schon im<br />

Flieger in die USA auf Einladung<br />

einer großen Pornofirma, um<br />

meinen ersten Film zu drehen. Ab<br />

dem Zeitpunkt wurde es quasi ein<br />

Selbstläufer und ich bin einfach<br />

dabeigeblieben.“<br />

Der am 25. <strong>Januar</strong> 1981 geborene<br />

Trainierte ist ein guter Freund von<br />

Barbie Breakout und Gloria Viagra,<br />

kam aber durch Nina Queer zu<br />

ersten Bewegtbild-Ehren: Tim<br />

machte 2006 mit bei „Frauentausch“<br />

mit Nina Queer ... Das ist<br />

natürlich längst Geschichte, jetzt<br />

steht er bei timtales.com seinen<br />

Mann. *rä


TOUR<br />

Tom Gregory<br />

KULTUR 17<br />

Im Herbst 2020 erschien „Heaven in a World So Cold“,<br />

das Debütalbum des extrem sympathischen und<br />

talentierten Singer-Songwriters Tom Gregory, der mit<br />

rock-pop-souligen Hits wie „Never Let Me Down“ und<br />

„Fingertips“ auch schon deftig abräumte.<br />

sfb_<strong>2021</strong>_<strong>blu</strong>2_jan_Layout 1 16.12.20 13:14 Seite 1<br />

FOTO: P. NÜRNBERGER<br />

Im Frühling <strong>2021</strong> wollte<br />

der Brite eigentlich auf<br />

Tour kommen und unter<br />

anderem in Hamburg, Dresden,<br />

Hannover, Osnabrück,<br />

Bremen, Kiel, Heidelberg,<br />

Stuttgart, Nürnberg, München,<br />

Köln, Frankfurt und<br />

Berlin musikalisch Station<br />

machen, das wird wohl eher<br />

digital passieren ...<br />

Unsere Anspieltipps auf<br />

„Heaven in a World So Cold“<br />

sind „Small Steps“, „Never<br />

Let Me Down“ sowie „By<br />

Your Side“ und der aktuelle<br />

Charthit „Rather Be You“.<br />

Überall hört man seine<br />

fundierte und gewachsene<br />

Liebe zur Musik heraus,<br />

nicht ohne Grund: „Ich<br />

habe viel Gitarrenmusik<br />

gehört und wurde außerdem<br />

sehr von meinem Vater<br />

inspiriert“, verrät der 1995<br />

geborene Tom. „Er hat<br />

mir Bands wie Kool & The<br />

Gang und James Taylor<br />

nähergebracht. Ich habe<br />

mich wenig für moderne<br />

Musik interessiert und<br />

lieber solche Bands gehört,<br />

während meine Freunde<br />

Acts wie Eminem gefeiert<br />

haben.“ Und das merkt<br />

man seinem Debütalbum<br />

an. Sehr stimmig, zeitlos,<br />

erwachsen. Groß! *rä<br />

tomgregoryofficial.com


18<br />

KULTUR<br />

VIP<br />

Startipps mit<br />

seersucker.stud<br />

Das hört der Erotikstar gerne: Unsere Startipps<br />

mit dem schwulen Instagram-Phänomen.<br />

1) „Little Red Corvette“ von Prince. Es ist einfach<br />

so eingängig und lustig und die Anspielungen sind<br />

unglaublich. Ich verehre Prince so sehr!<br />

2) „It’s Raining Men“ der Weather Girls – ein<br />

kluges Lied. Der Text ist genial. Und schon der<br />

Gedanke darin ist so lustig und sexy.<br />

3) „Daniel“ von Elton John, das ist mein Lied<br />

– und von meinem Mann. Wir haben bei unserer<br />

Hochzeit dazu getanzt.<br />

www.instagram.com/seersucker.stud<br />

FOTO: TATE TULLIER<br />

BILDBAND<br />

Der Zeitgeist an der Wand<br />

Street-Art, egal ob Paste-ups oder Graffitis, Tags<br />

oder Aufkleber, ist immer das schnellste Medium<br />

der Kunstszene, um auf gesellschaftliche Veränderungen,<br />

Bedrohungen und Umstände zu reagieren.<br />

Ohne sich mit Galeristen oder<br />

Verlegern auseinandersetzen zu<br />

müssen, kann der Künstler seine<br />

Beobachtungen, Ängste und<br />

Gedanken direkt an die Wand, an<br />

die Öffentlichkeit bringen. Xavier<br />

Tapies nimmt sich dieser Kunstformen<br />

in seinem neuen Buch an.<br />

„Street Art in Zeiten von Corona“<br />

ist eine äußerst umfangreiche<br />

Einordnung aktueller Kunst der<br />

Straße: Bestens eingefangene<br />

Fotos der Kunstwerke werden<br />

mit Orts- und Künstlerangabe<br />

abgebildet, zudem kommentiert<br />

und erklärt. Zum Beispiel „VIRUS“ von ARMX und<br />

Sweetsnini, das klarmacht: Gemeinsam werden wir<br />

Corona besiegen. Masken auf, „US“ statt „VIRUS“.<br />

Ein Buch, das beweist, dass Street-Art eben nicht nur<br />

eine Provokation an die Hausbesitzer ist, nein, es geht<br />

hierbei um Kunst und Gedanken, um verbildlichte<br />

gesellschaftliche Stimmungen. Und ja, das passiert meist<br />

auf dem Rücken der Haus- und Wandbesitzer. Aber nur<br />

so funktioniert diese oft flüchtige Kunst. *rä<br />

midasverlag.mysupr.de


STYLE 19<br />

OFFICE VISIONEN VON COR<br />

Ein ungestörtes Meeting abhalten oder sich einfach<br />

mal zurückziehen, sich ausklinken. Das Sofasystem<br />

mit hohem oder niedrigem Rücken, das vom<br />

1-Sitzer bis zum 3-Sitzer wachsen kann, wird zur<br />

Wohlfühloase und zum Rückzugsort im Büro. Mit<br />

den frei wählbaren Modulen aus Esche oder Eiche<br />

wird Floater zu einem vollwertigen Arbeitsplatz. Die<br />

zusätzlichen Ablagen schaffen Platz für Notebooks<br />

und Pads, für die es einen eigenen Stromanschluss<br />

gibt. Floater ist eben mehr als ein Sofa, es ist ein<br />

frei konfigurierbares Werkzeug für das (gemütliche)<br />

Arbeiten im modernen Büro.<br />

Schon als Solist überzeugt der neue Schreibtisch, in<br />

räumlichen Abwicklungen aber tritt er gemeinsam mit<br />

einem neuen Arbeitspanel außerdem als Teamplayer<br />

auf. Loungemodule lassen sich jetzt mit Arbeitszonen<br />

durchgängig verbinden. Die Grundkonfigurationen dieser<br />

Konzeptlösung haben S- oder U-Form. Unterschiedliche<br />

Panels funktionieren als „Links“, um mehrere Module<br />

aneinander zu reihen. Neben der individuellen Ausstattung<br />

der Innenbereiche mit Tischplatten oder Hockern können<br />

auch die Außenflächen mit diversen Funktionen belegt<br />

werden. Tische, Flatscreens oder Garderobenhaken lassen<br />

sich leicht „andocken“.<br />

www.cor.de<br />

Let’s work<br />

together.<br />

COR Studio<br />

Grolmanstr. 36<br />

10623 Berlin<br />

Mo.– fr. 10–19 Uhr,<br />

sa. 10–18 Uhr<br />

T. (030) 8892 0 888<br />

info@corberlin.de<br />

cor.de/berlin


20<br />

STYLE<br />

UNTERWÄSCHE<br />

PARADIESISCHE<br />

MODE<br />

Das noch ganz junge Modelabel richtet sich an „aufgeschlossene,<br />

offene, humorvolle, extrovertierte, modische Menschen“,<br />

die kein Problem damit haben, auch in Sachen Unterwäsche<br />

ein Stachel im konservativen Mainstream zu sein.<br />

Da, wo sonst der Markenname dominiert, kann hier ein „SUCK MY<br />

DICK“ oder auch „FUCK YOU“ stehen. Klingt platt, schaut aber gut<br />

aus und ist – so in Szene gesetzt – ja schon wieder Pop-Art, oder?<br />

Die trendigen Teile des Labels aus Wiesbaden bestehen aus 47 %<br />

Viskose, 47 % Baumwolle und 6 % Elastan<br />

„um beste Qualität und ein superbequemes<br />

Tragegefühl zu garantieren“, so Gregor<br />

Garkisch, der Mann hinter den Kulissen. *rä<br />

partyinparadise.eu


PUNK<br />

Die Tödliche Doris<br />

1980 gründete der Buchautor, Musiker, bildender Künstler und Schauspieler Wolfgang<br />

Müller zusammen mit Nikolaus Untermöhlen die legendäre Band „Die Tödliche Doris“.<br />

Berliner Kult! Und jetzt kommt die Mode dazu.<br />

STYLE 21<br />

Über die Band verriet uns Wolfgang<br />

Müller einmal im Interview: „Da die<br />

Westberliner Galerieszene ultraspießig<br />

war und – genau wie<br />

in Ostberlin – die Kulturfunktionäre<br />

nur figürliche<br />

Malerei akzeptierten,<br />

entschieden wir,<br />

unsere künstlerischen<br />

Konzepte mit Musik<br />

umzusetzen. Die<br />

subkulturelle Punkszene<br />

fanden wir sowieso viel<br />

interessanter und lebendiger.<br />

Statt Farbe, Papier oder<br />

Holz zu formen, setzen wir Klang,<br />

Töne, Rhythmus, Bewegung und Zeit<br />

als künstlerisches Material ein. Geräusche<br />

und Töne sind außerdem preiswert und viel<br />

einfacher zu transportieren als Leinwände,<br />

Rahmen und Bronzeskulpturen.“<br />

Ungewöhnliche, von Punk, Berlin und<br />

Street-Art beeinflusste Mode für alle queeren<br />

Freidenker und Kunstliebhaber.<br />

„Kostüme und Klamotten waren<br />

extrem wichtig für Die Tödliche Doris.<br />

Denn ohne Kleidung wäre Doris<br />

überhaupt nicht wahrgenommen<br />

worden. Man kann<br />

sogar sagen: Allein ihren<br />

Klamotten verdankte<br />

sie ihre Existenz.<br />

Denn Doris besaß<br />

weder einen Körper,<br />

geschweige denn eine<br />

Identität. Also weniger<br />

als gar nichts. Einzig<br />

durch ihre Klamotten<br />

konnte ihre Anwesenheit<br />

festgestellt werden“, so Wolfgang<br />

Müller in seinem Buch „Die Tödliche<br />

Doris – Kostüme“, Hybriden-Verlag Berlin<br />

2017.<br />

Via 032c.com gibt es jetzt eine ganze<br />

Kollektion zu Ehren dieser Avantgarde-Punk-<br />

Kunst-Truppe. Wir lieben! *rä<br />

032c.com<br />

SAFER HOME<br />

SHOPPING<br />

brunos.de<br />

/brunos.de<br />

/brunos_de


22 STYLE<br />

TREND<br />

Warm verpackt<br />

An grauen und nasskalten Tagen muss man sich gut einmummeln,<br />

um sich nicht beim Mund-Nasenschutz-Wechseln oder Anstehen zu<br />

verkühlen.<br />

FOTO: A. JANSEN<br />

Zum Beispiel in die Mode von BRACHMANN aus Berlin. Deren<br />

Kollektion für den Herbst und Winter ist dank Materialien wie Schurund<br />

Kaschmir-Wolle, Baumwolle sowie Mohair-Wolle-Gemische eine<br />

sichere Bank in Sachen Wärme. Die modischen Visionen für die kalte<br />

Jahreszeit spielen mit „Räumen, Ebenen und Oberflächen“, verraten<br />

die Designer. „Die Schnitte sind klar und folgen strengen architektonischen<br />

Linien, geometrischen Formen und klaren Achsen, Layerings<br />

durchdringen sich wechselseitig, integrierte Faltungen geben Weite.“<br />

Inszeniert wurden die trendigen Mäntel, Hemden und Jacken, Blazer<br />

und Anzüge von Axl Jansen. Aber auch ohne das Können eines<br />

Fotografen macht die in Grün- und Blautönen, Grau und wärmeren<br />

Brauntönen sowie Terrakotta und warmem Fuchsrot gehaltene<br />

Kollektion extrem viel her. *rä<br />

brachmannofficial.com<br />

TIPP<br />

Comeback: Kapuzenpullover<br />

An manchen Tagen sind neben der<br />

Werbung die einzigen Farbkleckse die<br />

bunten Mund-Nasen-Bedeckungen,<br />

wenn man sich in der Stadt bewegt.<br />

Klar, dass es einen da in die Natur zieht,<br />

wir haben ein paar Tipps für dich, um<br />

gut gewärmt und farbenfroh durch die<br />

Pandemie zu traben. Egal, ob man in<br />

der Innenstadt seine Einkäufe macht<br />

oder mit dem besten Freund eine<br />

Pizza holt, Farben erhellen die dunklen<br />

Wintertage. Ein fettes Comeback feierte<br />

in den vergangenen Monaten der<br />

Kapuzenpullover – und das Sweatshirt<br />

allgemein. s.Oliver hat gleich eine ganze<br />

Kollektion – immer mit bestem Tragegefühl<br />

– der coolen Teile im Angebot,<br />

unseren Liebling siehst du hier. *rä<br />

www.soliver.de<br />

FOTO: PIXXPOWER.PHOTOGRAPHY<br />

TREND<br />

Volle Beweglichkeit<br />

Die hautengen Beinkleider aus dem Hause Kapow Meggings<br />

machen dich garantiert zum Hingucker beim Sport oder Yoga.<br />

Angst, dass man darin albern aussieht, braucht man nicht zu<br />

haben. Wenn du dich gut fühlst, dann kannst du eigentlich alles<br />

tragen. Wer definiert denn Schönheit? Als queerer Mann sollte<br />

man es auch mal wagen, anders auszusehen. Unbequem wird es<br />

jedenfalls nicht, denn ihre Mode „sei für Männer jeder Körpergröße<br />

entworfen“, so das queere Team von Kapow Meggings. Auch<br />

Influencer und Model Mitch Bo trägt gerne Kapow Meggings. Denn<br />

dass Männern enge Beinkleider extremst gut stehen, das weiß man<br />

auch am Bodensee. *rä<br />

kapowmeggings.co.uk


DESIGN<br />

100 % KURT JOSEF ZALTO<br />

Die kalte Jahreszeit und Corona<br />

sorgen bei uns allen dafür, dass<br />

man mehr zu Hause bleibt. Und dann will<br />

man es schön haben – auch am Esstisch.<br />

Ganz passend hat der österreichische<br />

Glasdesigner Kurt Josef Zalto einen<br />

Klassiker des 19. Jahrhunderts neu<br />

aufgelegt: die Glaskunst im Stil des<br />

Grafen Leopold von Schaffgotsch aus<br />

Schlesien. Die Glas-Kollektion „Josephine“<br />

soll herausragenden Weingenuss<br />

garantieren, der Knick ist der Kniff!<br />

Die behutsam geformte Kante soll<br />

dafür sorgen, „dass ein Teil des Weines,<br />

der durch Bewegung am Rand des<br />

Glases aufsteigt, gebrochen wird und<br />

anschließend in einer Spiralbewegung<br />

ins Glas zurückfließt“, wird verraten.<br />

„Auf diesem Weg nimmt der Wein<br />

sehr viel Sauerstoff auf und kann sich<br />

perfekt entfalten.“ Wie zu Biedermeiers<br />

Zeiten kann man nun (fast) so genießen,<br />

nur womöglich besser. „Geschmacklich<br />

eine völlig neue Dimension. Gleichzeitig<br />

ist das Glas so fein, dass man fast das<br />

Gefühl hat, den Wein in der Hand zu<br />

halten. Ein sinnliches Erlebnis ...“, freut<br />

sich Kurt Josef Zalto, der zusammen<br />

mit seinem Team diese handgefertigte<br />

Kunst produziert. Ein Statement! *rä<br />

josephinen.com<br />

KOSMETIK<br />

Ganz natürlich, ganz schön<br />

Die Zeiten sind vorbei, als man sich von Influencern einreden ließ, wie dünn, wie<br />

duftend und wie gepudert Mann sein muss.<br />

FOTO: ISTOCKPHOTO.COM/4X6<br />

Das große Umdenken begann für<br />

manchen so nach und nach mit den<br />

ersten Stromausfällen (dann waren die<br />

mit Geld unterfütterten Internet-Beiträge<br />

weg), ganz allgemein durch die Corona-<br />

Pandemie und ihre Folgen. Immer mehr<br />

Queers wurde klar, was wirklich zählt:<br />

Familie, Freunde, Community und Natur.<br />

Auch in Sachen Körperpflege merkte man,<br />

dass es nicht egal ist, was wie verpackt,<br />

was wo produziert wurde. Und spätestens<br />

beim dritten Dürre-Hitze-Sommer in<br />

Folge wachte der Letzte auf: Es muss sich<br />

etwas ändern. Ein guter Anfang sind da<br />

Naturkosmetika wie die von alverde. Zum<br />

Beispiel die „All-In-One Feste Dusche“,<br />

die spart Plastik und lässt dich sexy nach<br />

Zedernholz duften. Hergestellt wurden<br />

die Zutaten in kontrolliert-biologischem<br />

Anbau. Mögen wir. *rä<br />

www.dm.de/alverde


24 KLUBWELT<br />

FOTO: XAMAX<br />

GEBURTSTAG<br />

ROMY HAAGs Wiegenfest<br />

Als Schauspielerin in vielen Filmen<br />

und als Regisseurin von Show- und<br />

Varietéprogrammen feiert die am 1. <strong>Januar</strong><br />

1951 (oder auch 1948) geborene Transsexuelle<br />

bis heute Erfolge. Romy Haags<br />

Revue-Disco Chez Romy Haag (heute:<br />

Connection) hat das Nachtleben Berlins im<br />

letzten Jahrhundert verändert. Die Shows,<br />

die sie für ihre Disconächte kreierte, ließen<br />

sich weder mit Glamour noch mit Trash<br />

beschreiben. Es war ideenreich illustrierte<br />

Musik, die auch David Bowie und Freddie<br />

Mercury anlockte. Alles Gute! *rä<br />

Sven Rebel: „Liebe Romy Haag, Du bist für<br />

mich das, was Berlin ausmacht, was Berlin<br />

groß macht. Kaum jemand hat Berlin so<br />

geprägt wie Du. Du bist mein großes Vorbild<br />

vor allem, was Authentizität angeht.<br />

Ich bin Dir sehr dankbar und schicke Dir<br />

aus ganzem, tiefsten Herzen und voller<br />

Liebe: Alles, alles Gute zum Geburtstag!“<br />

Amanda Cox: „Alles Gute einer der<br />

größten und atemberaubendsten Diven<br />

der Welt. Keine ist wie Romy – und das ist<br />

auch gut so!“<br />

Maria Psycho: „Lebe bunt. Daran<br />

muss ich denken, wenn ich an Dich<br />

denke! Alles Gute und bitte lebe noch<br />

lange bunt.“<br />

Amy Strong: „Eine Ikone. Ich gratuliere<br />

von ganzem Herzen zu deinem<br />

Ehrentag. Heute werde ich ein Glas<br />

Sekt auf Dich trinken und ganz<br />

besonders an Dich denken. Happy<br />

Birthday!“<br />

www.romyhaag.de<br />

KLUBMUSIK<br />

Matterhornmassiv Goes Deep House<br />

Thomas Lemmer und Christoph Sebastian<br />

Pabst vertonten ihre Impressionen<br />

des über 4.400 Meter hohen Massivs<br />

in den Alpen. Herausgekommen ist ein<br />

atmosphärisch dichter und irgendwie<br />

pathetischer Deep-House-Track, der<br />

dem Hörer schmeichelt und – vor allem<br />

über Kopfhörer gehört – dem Alltag<br />

entfliehen lässt.<br />

Der unaufdringliche House-Beat hält die<br />

Hintergrundchöre, das Piano und die eingesprengten<br />

Trance- und Acid-Hooklines<br />

bestens zusammen, das Lied klingt nach<br />

Größe, nach Stärke und ein bisschen nach<br />

Ehrfurcht. „Das Matterhorn! Erhaben,<br />

massiv, manchmal in Nebel gehüllt, doch<br />

immer majestätisch steht es da für alle<br />

Ewigkeit“, so die Musiker und Producer<br />

Thomas Lemmer und Christoph Sebastian<br />

Pabst, deren Album „Bergblick“ in<br />

den letzten Wochen erschienen ist, über<br />

ihre Inspiration. Das Stück sei „eine Deep-<br />

House-Produktion mit neo-klassischen<br />

Einflüssen und treibenden analogen<br />

Synthesizer-Sequenzen. Erhaben,<br />

vertraut und doch andersartig.“ Perfekte<br />

Musik, um abzuschalten vom Stress, von<br />

der Enge und Hetze, von all dem Trubel<br />

und nervenden Sorgen. *rä<br />

www.sine-music.com


KLUBMUSIK<br />

Steve Bug: „Never Ending<br />

Winding Roads“<br />

KLUBWELT 25<br />

Gestartet in Bremen, jetzt weltweit ein Begriff: Steve<br />

Bug. Der Mann, der seit 1991 für beste Minimal- und<br />

Techno-Beats sorgt, hat ein neues Album am Start: „Never<br />

Ending Winding Roads“ – und das kickt so richtig!<br />

Schon das Cover des Werks gefällt: ein alter VW-Käfer auf<br />

einer regennassen Waldstraße. Da kommen Erinnerungen<br />

an Fahrten mit den Eltern hoch, als das Radio das Tor<br />

zu Welt raus aus der gemütlichen Heimeligkeit war.<br />

Enttäuscht wird der Hörer nicht. Jeder Track hat seinen<br />

ganz eigenen Charme, alles ist liebevoll und perfekt komponiert,<br />

produziert und mit einem ordentlichen Wumms<br />

abgemischt. Unsere Anspieltipps sind „Raindance 101“, „A<br />

Conscious Machine“, „Hijacked Minds“ (erinnert etwas an<br />

Kraftwerk) sowie „Ludic Loops“ und das dubbige „Yellow<br />

Snake“. *rä<br />

www.stevebug.com<br />

FOTO: M. STAGGAT


26 KLUBWELT<br />

KALENDER<br />

JETZT WIRD ES EROTISCH!<br />

Die SchwuZ-Finken ziehen<br />

blank: kunstvoll, bunt und für<br />

eine sehr gute Sache.<br />

Denn das Team des 1977 an<br />

den Start gegangenen SchwulenZentrums,<br />

jetzt ein queerer<br />

Veranstaltungsort, will kämpfen.<br />

Kämpfen statt aufgeben. Daher<br />

durfte SchwuZ-Mitarbeiter Matthias<br />

Hamann das Team queer-erotisch<br />

ablichten. Der Kalender namens<br />

„SchwuZ Pralinen“ ist bei Eisenherz<br />

und beim Schwulen Museum<br />

erhältlich, zudem ist er über www.<br />

schwuz.de/shop erhältlich und bietet<br />

dir queere Fotografie und Sterne<br />

wie Kaey und auch Barkeeper<br />

Cristian mal ganz anders ... Gut zu<br />

wissen: Salzgeber unterstützte das<br />

Projekt. *rä<br />

FOTO: M. HAMANN<br />

KLUBMUSIK<br />

Hol dir die Party nach Hause<br />

Der Regen peitscht ins Gesicht, der Wind<br />

dröhnt im Ohr und die Klubs sind zu. Alles<br />

nicht gerade das, was einem gute Laune<br />

verschafft. Diese vier CDs aber schon.<br />

Vor einigen Wochen erschien „KONTOR Top<br />

of the Clubs Vol. 87“, hierauf mischten unter<br />

anderem die DJs Markus Gardeweg – der<br />

Musiker legte schon im Hamburger Klub<br />

136° auf, remixte einst Lisa Stansfields Hit<br />

„If I Hadn’t Got You“ und landete Kracher<br />

wie „Why Don't You Let Me Know“ – und<br />

DJ Jerome (er bekam gerade eine Goldene<br />

Schallplatte für seinen Erfolg „Light“).<br />

FOTO: KONTOR RECORDS<br />

Die ersten drei CDs sind ein durchgängiger<br />

DJ-Mix, die vierte CD bringt dir dann<br />

ausgesuchte Lieder ungemischt. Unsere<br />

Anspieltipps sind „Hallucinate (Tensnake<br />

Remix)“ von Dua Lipa sowie „Lovefool“ von<br />

twocolors und „Aliens“ von Mike Candys<br />

– der Schweizer DJ und Producer remixte<br />

schon erfolgreich „Move on Baby“ von dem<br />

legendären italienischen Eurodance-Projekt<br />

Cappella. Ein housiger Eurodance-Spaß,<br />

der dich fröhlich durch den Winter kommen<br />

lassen wird. *rä<br />

www.kontorrecords.de


NACHGEFRAGT<br />

GEENA TEQUILA<br />

im Interview<br />

FOTO: M. RÄDEL<br />

Die schillernde Dragqueen ließ ihr Publikum den Alltag vergessen und<br />

erfreute mit ihrer Bühnenkunst. Der Lockdown machte das unmöglich.<br />

Wir fragten nach bei Hamburgs Schrillster.<br />

Wie wirkt sich die Pandemie<br />

beruflich auf dich aus?<br />

Der zweite Lockdown führte dazu, dass<br />

der Hamburger Kiez sich wieder zu<br />

einer Geisterstadt gewandelt hat. Somit<br />

ist die Möglichkeit, Geld zu verdienen,<br />

wieder auf null gesunken. Neben der<br />

Travestie hatte ich auch endlich nach<br />

dem ersten Lockdown eine Arbeit in<br />

der Gastronomie gefunden – dieser ist<br />

natürlich auch wieder weg und das Gerenne<br />

zum Arbeitsamt geht wieder los.<br />

Wer gibt dir in dieser Zeit Halt?<br />

Den größten Halt gibt mir Amanda, aber<br />

auch der Verein #werwennnichtwir.<br />

Bei diesem bin ich aktuell ehrenamtlich<br />

tätig. In dem Verein sammeln wir<br />

Lebensmittel ein und geben diese<br />

an Bedürftige aus, welche durch die<br />

Pandemie – so wie ich – nicht mehr<br />

die Einnahmen haben, die sie gewohnt<br />

sind, und schlagartig von Hartz IV leben<br />

sollen.<br />

Wovor hast du Angst?<br />

Meine größte Angst ist es, dass der Kiez<br />

ausstirbt. Dass Kultur verschwindet.<br />

Dass Vielfalt bald nicht mehr existent<br />

sein könnte.<br />

Was ist dir gerade eine große<br />

Stütze?<br />

Eine große Stütze ist aktuell die Mahnwache<br />

für den Kiez, die wir auf dem<br />

Spielbudenplatz ins Leben gerufen haben.<br />

Dort halten wir einen stillen Protest<br />

ab, bei dem jeder gerne eingeladen ist.<br />

Gerne auch Hamburger Prominente ...<br />

*Interview: Michael Rädel<br />

Alle 11 Minuten<br />

1)<br />

verliebt sich ein<br />

Single über<br />

Jetzt parshippen<br />

1) Hochrechnung aus Nutzerbefragung 2016, Deutschland


28 KLUBWELT<br />

SO36:<br />

NACHGEFRAGT<br />

„Schon ein Scheißgefühl ...“<br />

Die Corona-Fälle werden<br />

immer mehr, das Nachtleben<br />

wurde wieder – und das total –<br />

heruntergefahren. Höchste Zeit, mit<br />

denen zu sprechen, die in der Klubund<br />

Konzertwelt arbeiten: Steff und<br />

Pasqual vom SO36 in der Oranienstraße<br />

in Kreuzberg. Das ganze<br />

Interview gibt es auf männer.media<br />

Eigentlich wolltet ihr im Herbst eure<br />

Trinkhalle öffnen.<br />

Pasqual: Genau, den Sommer über haben<br />

wir die Füße still gehalten, weil wir es nicht<br />

so sexy fanden, in unsere Halle einzuladen,<br />

wenn draußen super Wetter ist. Wir<br />

dachten, das macht keinen Sinn. Und jetzt,<br />

wo es kälter wird, wollten wir zumindest<br />

an den Wochenenden eine „große Kneipe“<br />

anbieten, die an manchen Abenden von<br />

unseren Partyformaten wie „Gayhane“<br />

inspiriert ist. Daran wollen wir auch festhalten<br />

– mit Hygienekonzept und<br />

Mindestabstand. Wir haben eine<br />

super Lüftungsanlage, das zahlt<br />

sich in der aktuellen Situation<br />

noch einmal mehr aus. Eine<br />

Voranmeldung wird nicht nötig<br />

sein.<br />

Wie hat sich der<br />

Arbeitsalltag verändert?<br />

Pasqual: Es ist schon wichtig,<br />

sowohl für den Laden als<br />

auch für das eigene Gefühl,<br />

hierherzukommen. Wir haben<br />

E-Mail-Verkehr, Bookings ... Man<br />

muss schon kommen, man hat nicht mehr<br />

dieselbe Stundenzahl, aber wir versuchen,<br />

Montag bis Freitag das Büro offen zu<br />

halten. Was guttut, sind die lieben E-Mails,<br />

die man bekommt.<br />

Steff: Was aber gerade so richtig nervt,<br />

ist, dass wir für die letzten vier Jahre eine<br />

Steuerprüfung bekommen haben. Alle sind<br />

in Kurzarbeit und niemand hat Zeit, dann<br />

kommt das Finanzamt ... Dieser Zeitpunkt ...<br />

Pasqual: Wir sind hier intern echt bestrebt,<br />

das Arbeitsvolumen zu reduzieren, dann<br />

kommt so was.<br />

Rückte das Team enger zusammen?<br />

Pasqual: Man sieht viele gar nicht mehr!<br />

Wir arbeiten in vielen Gewerken an vielen<br />

Orten. Wenn ich an meine Kolleg*innen vom<br />

Tresen und der Technik denke, die sehe<br />

ich nicht mehr. Das fehlt mir persönlich<br />

total. Und im Büro versuchen wir, darauf zu<br />

achten, dass nicht zu viele gleichzeitig im<br />

SO36 sind. Manches dauert jetzt dadurch<br />

auch einfach länger.<br />

Habt Ihr einen Plan B für <strong>2021</strong>?<br />

Steff: Was es gibt, ist der „Neustart<br />

Kultur“-Antrag, den wir stellen werden<br />

für das erste halbe Jahr. Also Konzerte,<br />

interaktive Formen des Streamings. Selbst<br />

wenn ein Impfstoff im <strong>Januar</strong> käme, dauert<br />

ja alles, ich rechne nicht vor Sommer mit<br />

Normalbetrieb. Wir haben Türsteher*innen,<br />

die kontrollieren, wir haben eine tolle<br />

Lüftung.<br />

Eure Merchandising-Produkte haben<br />

euch schon geholfen, oder?<br />

Pasqual: Es fühlt sich allgemein etwas<br />

komisch an, sich von diesem Staat retten<br />

zu lassen. (lacht) Im März und April, als<br />

es losging mit den Spenden, da legte<br />

auch der Merch-Verkauf los. Das hat uns<br />

über den Sommer gerettet. Ohne diesen<br />

Verkauf wäre es eng geworden. Gerade<br />

hat es etwas nachgelassen, bei vielen ist<br />

unsere Lage nicht mehr im Bewusstsein,<br />

weil manche Adressen große finanzielle<br />

Unterstützung bekommen haben. Aber<br />

wir nicht! Zwar haben wir ein<br />

gutes Standing in der Szene<br />

und unsere Gäste ließen und<br />

lassen uns nicht hängen,<br />

aber bisher kam staatlich<br />

nichts an. Gerade die<br />

kleinen queeren Orte gehen<br />

momentan drauf. Deswegen<br />

gehen wir damit so raus, um<br />

unsere Stimme für alle zu<br />

erheben.<br />

FOTOS: M. RÄDEL<br />

*Interview: Michael Rädel<br />

www.so36.de


BILDBAND<br />

Magnus Hastings: Bilder der Community<br />

Vor einigen Monaten erschien<br />

„Rainbow Revolution“ mit Bildern<br />

unter anderem von Boy George, Nico<br />

Tortorella und Bethany Meyers. Ein<br />

Buch, das zeigt, wie vielfältig unsere<br />

weltweite Community ist!<br />

SZENE<br />

29<br />

Durch die Corona-Pandemie ist das Szeneleben<br />

eingefroren, manch einer denkt<br />

sogar schon an Zustände wie in den<br />

1980ern, als Aids ungehemmt wütete<br />

und die Community erstarrt war in Angst<br />

und Trauer. Aber damals wie heute gibt<br />

es Aktivist_innen, Kämpfer_innen und<br />

Künstler_innen, die einem Mut machen.<br />

Sei es durch ihr Sein, etwa auf Instagram,<br />

Facebook, YouTube sowie in Büchern<br />

und im TV, durch ihre Musik wie etwa bei<br />

Sam Smith und Boy George oder durch<br />

ihre Kunst wie bei Magnus Hastings. Auf<br />

176 Seiten sorgt der englische Fotograf,<br />

der in London aufwuchs, für queere<br />

Sichtbarkeit und beim Leser für pure<br />

Lebensfreude. „Stolz, verspielt, trotzig<br />

und vielfältig, die kraftvollen Bilder und<br />

Individuen in diesem schönen Band<br />

repräsentieren die Stärke, die man<br />

bekommt, wenn man weiß, wer man ist,<br />

und das auch ausdrückt“, so Magnus<br />

Hastings. Gut zu wissen: Elton John ist<br />

Fan und Kunde. *rä<br />

www.magnushastings.com<br />

SHOPPING<br />

Ein grooooßes Geschenk<br />

Wolltest du schon immer deinen<br />

favorisierten Pornostern promoten und<br />

zudem einen schmucken Rucksack<br />

haben? Oder in der Clique der sein, der<br />

den „ungewöhnlichen“ Kapuzenpullover<br />

trägt? Danny D ermöglicht es dir. Der im<br />

August 1987 geborene Brite mit dem<br />

großen Glied (ca. 27 cm) ist seit 2008<br />

ein Stern der Szene und bereichert die<br />

Pornowelt mit seinem Können. „Ich bin<br />

eigentlich nur ein dünner Mann, der<br />

seinen Traum lebt“, verrät der Star aus<br />

FOTOS: TWITTER.COM/DANNYDXXX<br />

Filmen wie „Rudeboiz“ und „StraightBoy“<br />

dazu. Auf seiner Verkaufs-Homepage<br />

kannst du Unterwäsche, Shirts und<br />

Taschen kaufen. Der – einst auch in<br />

schwulen Filmen aktive – Vollerotikdarsteller<br />

bietet auf www.dannydstore.<br />

com neben den oben erwähnten<br />

Geschenk- und Style-Tipps aber natürlich<br />

auch Dildos an, die seinem Penis<br />

nachempfunden wurden. *rä<br />

www.dannydstore.com


30 SZENE<br />

TERMINE<br />

ALLE TERMINE UND ÜBER 20.000<br />

WEITERE LOCATIONS WELTWEIT.<br />

KOSTENLOS IN DER SPARTACUS APP!<br />

SO 10.1.<br />

15:00 AHA, AHA-Sonntagscafé,<br />

Kaffee &<br />

Kuchen. Bei fortgesetzten<br />

Corona-<br />

Einschränkungen: Die<br />

AHA zum Mitnehmen<br />

- SOLI & TO GO von<br />

14 – 17 Uhr, Monumentenstraße<br />

13<br />

MO 11.1.<br />

10:00 Buchhandlung Eisenherz,<br />

Ausstellung: Stefan<br />

Thiel - FANSHOP,<br />

bis zum 23.01.<strong>2021</strong>,<br />

Mo - Sa 10 bis 19 Uhr.,<br />

Motzstr. 23<br />

19:00 AHA, Queerer Vernetzungsabend<br />

- Virtuell,<br />

Zoom-Meeting.<br />

Projektvorstelllungen<br />

& Anliegen vorab, per<br />

Mail, an Sebastian@<br />

aha-berlin.de. Einwahl<br />

ab 18:45 Uhr, Monumentenstraße<br />

13<br />

DI 12.1.<br />

19:30 Renaissance Theater,<br />

Noch einen Augenblick,<br />

Knesebeckstr.<br />

100<br />

MI 13.1.<br />

10:00 Buchhandlung Eisenherz,<br />

Ausstellung: Stefan<br />

Thiel - FANSHOP,<br />

bis zum 23.01.<strong>2021</strong>,<br />

Mo - Sa 10 bis 19 Uhr.,<br />

Motzstr. 23<br />

DO 14.1.<br />

18:30 Mann-O-Meter,<br />

MANEO-Teestube,<br />

für schwule und<br />

bisexuelle geflüchtete<br />

Männer. Bis 20 Uhr.<br />

Entfällt bei Verlängerung<br />

des Lockdown!,<br />

Bülowstr. 106<br />

20:00 Berliner Kriminal<br />

Theater, Passagier 23,<br />

Umspannwerk Ost<br />

Palisadenstr. 48<br />

FR 15.1.<br />

20:00 AHA, Kings +<br />

Queens in the TV<br />

Box - Livestream, 2<br />

TV Shows von 1997<br />

mit Drag Kings + Drag<br />

Queens. Livestream<br />

über die AHA YouTube<br />

und Facebook Profile,<br />

Monumentenstraße<br />

13<br />

SA 16.1.<br />

16:00 Berliner Kriminal<br />

Theater, Der Tatortreiniger,<br />

weitere Vorstellung<br />

um: 20 Uhr,<br />

Umspannwerk Ost<br />

Palisadenstr. 48<br />

SO 17.1.<br />

16:00 Schlosspark Theater,<br />

Ein deutsches Leben,<br />

Schlossstr. 48<br />

MO 18.1.<br />

19:00 AHA, Qyouth, Treffen<br />

queerer junger<br />

Erwachsener für<br />

18-30-jährige. Bei<br />

anhaltenden Coronabeschränkungen<br />

bitte auf aha-berlin.de<br />

informieren., Monumentenstraße<br />

13<br />

DO 21.1.<br />

18:30 Mann-O-Meter,<br />

MANEO-Teestube,<br />

für schwule und<br />

bisexuelle geflüchtete<br />

Männer. Bis 20 Uhr.<br />

Entfällt bei Verlängerung<br />

des Lockdown!,<br />

Bülowstr. 106<br />

19:00 AHA, QUEERonaut<br />

- Queere, offene<br />

Aktivitäten- und Freizeitgruppe,<br />

Aktuelle<br />

Infos: https://www.<br />

facebook.com/QueeronautUnterstrichSternchen/<br />

Bei fortgesetzten<br />

Corona-<br />

Einschränkungen nur<br />

Virtuell!, Monumentenstraße<br />

13<br />

FR 22.1.<br />

20:00 Bar Jeder Vernunft,<br />

Andreas Rebers:<br />

Rumpelkinder -<br />

Schmuddelstilzchen,<br />

Schaperstraße 24<br />

SO 24.1.<br />

20:00 Schlosspark Theater,<br />

Gayle Tufts: American<br />

Woman, Schlossstr.<br />

48<br />

MO 25.1.<br />

18:00 Mann-O-Meter,<br />

Die Montagsspieler,<br />

Spielegruppe. Entfällt<br />

bei Verlängerung des<br />

Lockdown!, Bülowstr.<br />

106<br />

19:00 AHA, Öffentliches<br />

AHA-Plenum - virtuell<br />

Mitreden, Mitgestalten,<br />

Mitentscheiden,<br />

Zoom Meeting.<br />

Einwahldaten per<br />

E-Mail: virtuell@ahaberlin.de,<br />

Monumentenstraße<br />

13<br />

DI 26.1.<br />

16:00 Mann-O-Meter,<br />

Café Doppelherz,<br />

bis 18 Uhr. Schwuler<br />

Kieztreff für Männer<br />

ab 50. Entfällt bei Verlängerung<br />

des Lockdown!,<br />

Bülowstr. 106<br />

MI 27.1.<br />

20:00 Bar Jeder Vernunft,<br />

Vladimir Korneev &<br />

Band - Youkali, Schaperstraße<br />

24<br />

SO 31.1.<br />

16:00 Schlosspark Theater,<br />

Ich bin nicht Mercury,<br />

Schlossstr. 48<br />

MO 1.2.<br />

20:00 Bar Jeder Vernunft,<br />

Erik Leuthäuser &<br />

Gäste: Wünschen,<br />

Schaperstraße 24<br />

SA 6.2.<br />

20:00 Tipi, Lisa Eckhart: Die<br />

Vorteile des Lasters,<br />

Große Querallee<br />

DI 9.2.<br />

20:00 Neuköllner Oper, ist<br />

die welt auch noch so<br />

schön, Karl-Marx-Str.<br />

131 – 133<br />

MI 10.2.<br />

20:00 Ufa-Fabrik, Markus<br />

Barth: Haha...<br />

Moment, was?, Viktoriastr.<br />

10/18/2016<br />

SA 13.2.<br />

19:30 Komische Oper, Pierrot<br />

Lunaire, von Arnold<br />

Schönberg & Samuel<br />

Beckett, Behrenstr.<br />

55-57<br />

SA 27.2.<br />

12:00 Galerie Deschler,<br />

Jörn Grothkopp x<br />

Breuninger Stuttgart,<br />

bis Mitte März <strong>2021</strong>,<br />

Mi - Sa: 12 - 18 Uhr<br />

geöffnet, Auguststraße<br />

61<br />

Wöchentlich<br />

MONTAG<br />

18:00 Mann-O-Meter,<br />

Tests auf HIV und<br />

andere STIs, bis<br />

21:30 Uhr, anonym<br />

und ohne Voranmeldung,<br />

Bülowstr. 106<br />

MITTWOCH<br />

2. 3. 4. 5. Mi 18:00 Mann-<br />

O-Meter, Jungschwuppen<br />

Mittwochsclub<br />

(14–29 Jahre),<br />

schwule Jugendgruppe.<br />

Entfällt bei<br />

Verlängerung des<br />

Lockdown!, Bülowstr.<br />

106<br />

DONNERSTAG<br />

1. 3. Do 19:00 AHA,<br />

QUEERonaut -<br />

Queere, offene<br />

Aktivitäten- und<br />

Freizeitgruppe, Aktuelle<br />

Infos: https://<br />

www.facebook.com/<br />

QueeronautUnterstrichSternchen/,<br />

Monumentenstraße<br />

13<br />

FREITAG<br />

17:00 Mann-O-Meter,<br />

Psychologische<br />

Beratung & Infos zu<br />

HIV & Aids, bis 21<br />

Uhr, Bülowstr. 106<br />

FOTO: M. RÄDEL<br />

WIEGENFEST<br />

Alles Gute zum Geburtstag, Milan (links im Bild)! Der Wahlberliner mit tschechischen<br />

Wurzeln hat in Prag unter anderem Werbedesign studiert. Begonnen<br />

hat Milan Brinker (geboren am 25.2.1991) aber schon als Kind mit der Malerei.<br />

Größere mediale Aufmerksamkeit wurde dem Künstler mit seinen blauen<br />

Bildern zuteil, die sich mit dem Anschlag in Orlando auseinandersetzen.<br />

Bekannt wurde seine Kunst auch im Rahmen der Spice-Girls-Ausstellung in<br />

der queeren Galerie The Ballery. *rä<br />

www.milan-brinker.de


PLASTISCHE CHIRURGIE<br />

IM KIEZ<br />

Unverbindliche und individuelle Beratung<br />

vom Facharzt für Plastische und Ästhetische<br />

Chirurgie direkt am Nollendorfplatz.<br />

© photo Diago Mariotta Mendez<br />

Beratung, Gesichtsverjüngung und<br />

ästhetische Operationen.<br />

Behandlung mit Botox, Hyaluronsäure,<br />

PRP-Plasmatherapie und Fadenlifting.<br />

Dr. Steffen Schirmer · Plastischer und Ästhetischer Chirurg · In der Praxis Dr. Goldstein · Maaßenstraße 14 · 10777 Berlin<br />

Termine nach Vereinbarung · Telefon 030 - 215 20 05 · mail@drsteffenschirmer.com · www. drsteffenschirmer.com<br />

DVD<br />

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STADTPLAN<br />

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www.thejaxx.de<br />

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Motzstraße 30 · 10777 Berlin<br />

www.mutschmann.de<br />

4<br />

5


32 ANZEIGE<br />

#HIVERSITY: Weil wir<br />

Rund 88.000 HIV-positive Menschen leben aktuell in Deutschland. Das sind 88.000 unterschiedliche<br />

Schicksale und 88.000 individuelle Lebensträume. Dennoch werden Menschen mit HIV viel zu häufig alle<br />

in die gleiche Schublade gesteckt, die als einzige Aufschrift „HIV-positiv“ trägt. Dabei sind sie doch so viel<br />

mehr als ihre positive Diagnose.<br />

Sarah beispielsweise reist leidenschaftlich<br />

gerne. Die stolze Mutter liebt es<br />

nicht nur, lässig auf ihrem Motorroller die<br />

Gegend zu erkunden, sondern engagiert<br />

sich privat auch mit Herz und Seele<br />

in sozialen Ehrenämtern. Seit über 26<br />

Jahren ist sie HIV-positiv.<br />

Denis lebt seit 2009 mit HIV. Der hauptberufliche<br />

Sozialarbeiter bezeichnet sich<br />

selbst als echtes „Schoko-Monster“. Das<br />

sieht man dem ambitionierten Ju-Jutsu<br />

Athlet allerdings nicht an. Er ist ein großer<br />

Fan der Band Rosenstolz und trinkt auch<br />

gerne mal einen guten Gin.<br />

Das Leben – auch mit HIV – ist bunt,<br />

vielfältig und schön! Genau das zeigen<br />

die Gesichter der neuen Kampagne<br />

#HIVersity. Diese macht Schluss mit<br />

dem Schubladendenken und stellt die<br />

Diversität von Menschen mit HIV in den<br />

Mittelpunkt. Neben Sarah und Denis<br />

unterstützen noch zahlreiche weitere<br />

positive Menschen aus der Community<br />

die deutschlandweite Kampagne. Ihr<br />

Ziel ist es, die noch immer bestehende<br />

Stigmatisierung abzubauen und das Bild<br />

vom Leben mit HIV zurechtzurücken. Sie<br />

und ihre Persönlichkeiten sind vielfältig<br />

und besonders, das ist auf den Plakaten<br />

ganz deutlich zu sehen.<br />

Trotz der Schönheit ihrer individuellen<br />

Persönlichkeiten gibt es aber nach wie<br />

vor Situationen, in denen HIV-positive<br />

Menschen allein auf ihre Diagnose<br />

reduziert und stigmatisiert werden.<br />

Denn HIV ist leider immer noch ein<br />

Tabu-Thema in der Öffentlichkeit und<br />

nur wenigen ist bekannt, dass mit HIV<br />

heutzutage ein ganz normales Leben<br />

möglich ist. Die Vorurteile über HIVpositive<br />

Menschen sind völlig veraltet.<br />

Genau hier setzt die Kampagne<br />

#HIVersity an und trägt dazu bei, dass<br />

sowohl innerhalb der Community als<br />

auch in der gesamten Gesellschaft<br />

offener über HIV gesprochen und<br />

mehr aufgeklärt wird. Denn wenn alle<br />

Menschen sehen und verstehen, wie ein<br />

modernes Leben mit HIV heute wirklich<br />

aussieht, dann können Vorurteile, Ängste<br />

und die daraus resultierende Stigmatisierung<br />

abgebaut werden.<br />

# HIVersity<br />

NP-DE-HVU-ADVT-200009-11/2020


ANZEIGE<br />

mehr sind als nur HIV-positiv<br />

33<br />

DOCH WIE SIEHT EIN MODERNES<br />

LEBEN MIT HIV EIGENTLICH AUS?<br />

Auch wenn eine HIV-Diagnose ein<br />

einschneidendes Erlebnis sein kann,<br />

macht sie langfristig im Alltag nur<br />

einen kleinen Teil aus. Dank moderner<br />

Medikamente kann HIV unter einer<br />

erfolgreichen Therapie nicht mehr<br />

übertragen werden - selbst bei<br />

ungeschütztem Geschlechtsverkehr<br />

nicht. 1,2,3 Es gilt dabei das Prinzip n=n<br />

(nicht nachweisbar = nicht übertragbar)<br />

und das macht damit die Angst vor<br />

einer Ansteckung unbegründet. Auch<br />

für HIV-positive Menschen selbst ist<br />

dieses Wissen unglaublich befreiend<br />

und hat einen großen Einfluss auf die<br />

eigene Lebensqualität: Sie können ihren<br />

Alltag ganz normal gestalten und alles<br />

tun, worauf sie Lust haben. Sie können<br />

gesunde Kinder zeugen oder bekommen<br />

und haben eine vergleichbare Lebenserwartung<br />

wie HIV-negative Menschen.<br />

„Früher hatte ich selbst<br />

viele alte Bilder über HIV<br />

im Kopf. Mittlerweile<br />

weiß ich, dass ich das<br />

Virus dank moderner<br />

Medikamente nicht mehr<br />

übertragen kann. Das<br />

ist ein sehr befreiendes<br />

Gefühl!”<br />

Denis,<br />

lebt seit 2009 mit HIV<br />

So vielfältig die Persönlichkeiten<br />

sind, so unterschiedlich sind auch<br />

die individuellen Bedürfnisse. Als<br />

HIV-positiver Mensch ist das Wissen<br />

um diese besonders wichtig, denn<br />

auch das hat einen Einfluss auf die<br />

eigene Lebensqualität: Mittlerweile<br />

gibt es eine Vielzahl an verschiedenen<br />

Medikamenten und Therapien. Wenn<br />

man als positiver Mensch seine eigenen<br />

Bedürfnisse gut kennt und regelmäßig<br />

offen mit der/m Ärzt*in darüber spricht,<br />

dann ist es leichter gemeinsam zu<br />

entscheiden, welche Therapie aktuell<br />

am besten zum eigenen Leben passt.<br />

Weitere Informationen zum Leben<br />

mit HIV unter www.livlife.de.<br />

Unterstützt von ViiV Healthcare<br />

1 Eisinger et al., JAMA <strong>Februar</strong>y 5,<br />

2019 Volume 321, Number 5<br />

2 LeMessurier et al. CMAJ. 2018;190(46)<br />

3 European AIDS Clinical Society Guidelines,<br />

Version 10.1, Stand Oktober 2020<br />

Weil wir mehr sind als nur HIV-positiv: LiVLife.de


34 GESUNDHEIT<br />

KOSMETIK<br />

Kein Firlefanz.<br />

Nur das Wesentliche.<br />

Aus dem lediglich 19.000 Einwohner zählenden Weil der Stadt in Baden-<br />

Württemberg kommen Produkte, die auch städtische Hipsterherzen<br />

schneller pochen lassen werden – und den Bart glänzen und duften ...<br />

Das Team von BLACKFOREST<br />

BEARD CO. legt Wert darauf, dass<br />

alles mit Herz und ohne Firlefanz<br />

gemacht wird. Und das im schönen<br />

Schwarzwald, jener dicht bewaldeten<br />

Ski- und Bergregion (höchstes<br />

und größtes zusammenhängendes<br />

Mittelgebirge Deutschlands). „Wir<br />

verwenden ausschließlich das, was<br />

Dein Bart auch wirklich braucht.“<br />

Für Produkte wie Bartöl und<br />

Bartwachse werden nur natürliche<br />

Inhaltsstoffe verwendet, etwa<br />

Jojobaöl und Pfefferminze, für die<br />

Duftnoten Fichtennadeln („Der<br />

Geruch des tiefsten Waldes erdet<br />

Dich und gibt Dir einen standfesten<br />

Boden. Stell Dir vor, Du erblickst<br />

plötzlich einen mächtigen Hirsch<br />

mitten im Wald – Du spürst Anmut<br />

und Dich im Gleichgewicht mit der<br />

Natur.“) und Latschenkiefer („Ihr<br />

angenehmer Waldgeruch belebt<br />

und befreit Deine Atemwege.“). Die<br />

super duftenden und pflegenden<br />

Produkte kann man über die unten<br />

genannte Homepage oder via<br />

Amazon beziehen. Wir sind Fan.<br />

Funfact: Aus der Region kommen<br />

Künstler wie Til Schweiger, Andreas<br />

Schwarz, Michelle, Tim Lienhard<br />

und Rinaldo Hopf. *rä<br />

blackforestbeard.co<br />

ERNÄHRUNG<br />

Gesundes Frisches<br />

Der Winter ist da, draußen wächst wenig(er), trotzdem<br />

kannst du deine Küche mit frischem Grün aufpeppen. Denn<br />

zum Glück gibt es ja Gemüsekeimlinge, die nach wenigen<br />

Tagen geerntet und frisch verzehrt werden. Zum Beispiel<br />

von „Radies Rambo“ und Kohlrabi von Heimgart. Wahrlich<br />

nachhaltiges und regionales Superfood, Geschmacks- und<br />

Vitaminbomben, von deiner Fensterbank! Man muss nur<br />

die Keimschale mit Wasser befüllen und anschließend zwei<br />

Saatpads auf den dazugehörigen Edelstahleinsatz legen. Den<br />

frühlingshaften Rest machen die Microgreens dann von ganz<br />

alleine. Essen und ernten musst wieder du. *rä<br />

heimgart.com<br />

IMPRESSUM<br />

Herausgeber:<br />

Christian Fischer (cf) & Michael Rädel (rä)<br />

Chefredakteur: Michael Rädel (rä) (V.i.S.d.P.)<br />

Stellv. Chefredakteur: Christian Knuth (ck)<br />

BESUCHERADRESSE:<br />

Köln: T: 0221 29497538,<br />

termine@rik-magazin.de,<br />

c.lohrum@rik-magazin.de<br />

Berlin: Degnerstr. 9b, 13053 Berlin,<br />

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redaktion.berlin@<strong>blu</strong>.fm<br />

Hamburg: T: 040 280081-76 /-77,<br />

F: 040 28008178, redaktion@hinnerk.de<br />

Frankfurt: Kaiserstr. 72, 60329 Frankfurt,<br />

T: 069 83044510, F: 069 83040990<br />

redaktion@gab-magazin.de<br />

München: T: 089 5529716-11,<br />

redaktion@leo-magazin.de<br />

MITARBEITER:<br />

Thomas Wassermann, Jonathan Fink,<br />

Leander Milbrecht (lm), Felix Just (fj),<br />

Christian Knuth (ck)<br />

Lektorat (ausgewählte Texte):<br />

Tomas M. Mielke, www.sprachdesign.de<br />

Grafik: Extern<br />

Cover: Foto: istockphoto.com/gilaxia<br />

ANZEIGEN:<br />

Berlin:<br />

Christian Fischer (cf): christian.fischer@<strong>blu</strong>.fm<br />

Ulli Pridat: ulli@<strong>blu</strong>-event.de<br />

Charly Vu (cv): charly.vu@<strong>blu</strong>.fm<br />

Ernesto Klews: ernesto.klews@<strong>blu</strong>.fm<br />

Köln:<br />

Christian Fischer (cf): christian.fischer@<strong>blu</strong>.fm<br />

München:<br />

Christian Fischer (cf): christian.fischer@<strong>blu</strong>.fm<br />

Hamburg:<br />

Jimmy Blum: jimmy.<strong>blu</strong>m@hinnerk.de<br />

Bremen, Hannover, Oldenburg:<br />

Mathias Rätz (mr): mathias.raetz@hinnerk.de<br />

Frankfurt:<br />

Sabine Lux: sabine.lux@gab-magazin.de<br />

Online:<br />

Charly Vu (charly.vu@<strong>blu</strong>.fm)<br />

DIGITAL MARKETING:<br />

Dirk Baumgartl:<br />

dirk.baumgartl@<strong>blu</strong>.fm (dax)<br />

VERLAG:<br />

<strong>blu</strong> media network GmbH,<br />

Degnerstr. 9b, 13053 Berlin<br />

Verwaltung: Sonja Ohnesorge<br />

Geschäftsführer:<br />

Hendrik Techel, Christian Fischer (cf)<br />

Vertrieb: Eigenvertrieb<br />

Druck: PerCom, Vertriebsgesellschaft mbH,<br />

Am Busbahnhof 1, 24784 Westerrönfeld<br />

Abonnentenservice:<br />

Möller Medien Versand GmbH,<br />

Zeppelinstr. 6, 16356 Ahrensfelde,<br />

Tel. 030-4 190 93 31<br />

Gläubiger-ID DE06 ZZZ 000 000 793 04<br />

Unsere Anzeigenpartner haben es<br />

ermöglicht, dass du monatlich dein <strong>blu</strong><br />

Magazin bekommst. Bitte unterstütze<br />

beim Ausgehen oder Einkaufen unsere<br />

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Es gilt die <strong>blu</strong> Anzeigenpreisliste (gültig<br />

seit 1. <strong>Januar</strong> 2020). Namentlich gekennzeichnete<br />

Artikel geben nicht unbedingt<br />

die Meinung der Redaktion wieder. Die<br />

Abbildung oder Erwähnung einer Person<br />

ist kein Hinweis auf deren sexuelle Identität.<br />

Wir freuen uns über eingesandte<br />

Beiträge, behalten uns aber eine Veröffentlichung<br />

oder Kürzung vor. Für eingesandte<br />

Manuskripte und Fotos wird nicht<br />

gehaftet. Der Nachdruck von Text, Fotos,<br />

Grafik oder Anzeigen ist nur mit schriftlicher<br />

Genehmigung des Verlags möglich.<br />

Für den Inhalt der Anzeigen sind die Inserenten<br />

verantwortlich. Bei Gewinnspielen<br />

ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Der<br />

Gerichtsstand ist Berlin. Abonnement: Inlandspreis<br />

30 Euro pro Jahr, Auslandspreis<br />

50 Euro pro Jahr. Bei Lastschriften wird<br />

die Abogebühr am 3. Bankarbeitstag des<br />

laufenden Monats abgebucht.<br />

Die Anzeigenbelegungseinheit<br />

<strong>blu</strong> Medien & Verlag GmbH<br />

<strong>blu</strong>/gab/leo unterliegt der IVW-<br />

Auflagenkontrolle


GESUNDHEIT<br />

FOTO: ASHKAN FOROUZANI / UNSPLASH /CC0<br />

HIV/AIDS<br />

Mehr HIV-Neuinfektionen!<br />

Keine gute Nachricht. Aber auch kein Grund zur Besorgnis. Jedenfalls nicht so sehr für schwule und bisexuelle<br />

Männer*, die Sex mit Männern* haben, beziehungsweise für die, die HIV-Prävention für diese Zielgruppe betreiben.<br />

Warum das so ist und welche dann doch äußerst besorgniserregenden Wechselwirkungen die HIV-Pandemie mit der<br />

SARS-CoV-2-Pandemie hat, hat die Deutsche Aidshilfe (DAH) herausgearbeitet.<br />

DEUTSCHLAND VERFEHLT<br />

UNAIDS-ZIEL<br />

Laut Stufenplan „Aids beenden“ von<br />

UNAIDS, der vorsieht, Aids-Erkrankungen<br />

bis 2030 auf null zu reduzieren, sollten<br />

in Deutschland mindestens 90 Prozent<br />

aller HIV-Infektionen diagnostiziert sein.<br />

Die Zahlen des RKI lassen aber auf nur<br />

88 Prozent schließen. Besser sieht es<br />

bei den beiden anderen Kennzahlen<br />

aus: 90 Prozent der HIV-Positiven<br />

sollen nach Möglichkeit eine Therapie<br />

erhalten – hier kann Deutschland mit<br />

96 Prozent glänzen. Und auch beim für<br />

die Übertragungskette so wichtigen Ziel,<br />

90 Prozent der Behandelten unter die<br />

Nachweisgrenze zu bringen, erreicht<br />

Deutschland 96 Prozent.<br />

DIE NEUINFEKTIONSZAHLEN<br />

Laut aktuellem Epidemiologischen<br />

Bulletin des Robert Koch-Institutes RKI<br />

vom 26. November 2020, ist die Zahl der<br />

HIV-Neuinfektionen in Deutschland im<br />

Jahr 2019 nicht weiter gesunken, sondern<br />

leicht angestiegen. Sie lag 2019 bei<br />

2.600, das sind 100 mehr als im Vorjahr.<br />

Bei den schwulen und bisexuellen Männern<br />

ist die Zahl mit 1.600 Fällen konstant<br />

geblieben, der deutliche Rückgang<br />

der letzten Jahre hat sich allerdings nicht<br />

fortgesetzt. Einen Anstieg auf niedrigem<br />

Niveau gab es 2019 außerdem durch<br />

heterosexuellen Geschlechtsverkehr bei<br />

Männern (insgesamt 650 Neuinfektionen<br />

in durch heterosexuelle Kontakte).<br />

PROBLEM SPÄTE DIAGNOSE<br />

Kaum verändert hat sich die hohe Zahl der<br />

Menschen, die nichts von ihrer Infektion<br />

wissen und die Zahl derer, die deswegen<br />

an Aids oder einem schweren Immundefekt<br />

erkranken: 10.800 Menschen lebten<br />

Ende 2019 in Deutschland mit HIV, ohne<br />

davon zu wissen, viele bereits seit Jahren.


GESUNDHEIT<br />

Etwa ein Drittel der HIV-Diagnosen<br />

erfolgt erst, wenn bereits eine schwere<br />

Erkrankung auftritt. Leicht zugängliche<br />

Testangebote und Testkampagnen<br />

haben in den letzten Jahren bereits dafür<br />

gesorgt, dass in Großstädten die Zahl der<br />

schwulen und bisexuellen Männer, die<br />

frühzeitig von ihrer Infektion erfahren,<br />

gestiegen ist. Die Zahl der Spätdiagnosen<br />

ist in dieser Gruppe gesunken. Dennoch<br />

haben 1.100 Menschen pro Jahr Aids<br />

bekommen oder erleiden einen schweren<br />

Immundefekt, obwohl es vermeidbar<br />

gewesen wäre. Denn: Je früher aber eine<br />

HIV-Infektion erkannt wird, desto weniger<br />

bleibende Schäden verursacht sie. Und:<br />

Weil behandelte HIV-Positive das Virus<br />

unmöglich weiter geben können, wird<br />

sozusagen als Nebeneffekt die Übertragungskette<br />

unterbrochen. Testangebote<br />

sind ein immer wichtiger werdendes<br />

Standbein der HIV-Prävention. Und dieses<br />

Standbein wackelt. Wegen Corona.<br />

„Es wäre möglich, deutlich mehr<br />

HIV-Infektionen und schwere<br />

Erkrankungen zu verhindern. Nun<br />

drohen stattdessen Rückschritte und<br />

Schäden, weil die Corona-Pandemie<br />

Lücken bei den Testangeboten reißt.“<br />

Sven Warminsky<br />

vom Vorstand der DAH<br />

CORONA VERHINDERT HIV-TESTS<br />

Durch die Maßnahmen gegen Covid-19<br />

sind vor allem die anonymen Testangebote<br />

stark eingeschränkt. Die vielerorts<br />

einzigen Testmöglichkeiten in den<br />

Gesundheitsämtern haben aufgrund von<br />

Überlastung zurzeit Tests auf HIV und<br />

Geschlechtskrankheiten ausgesetzt.<br />

Aidshilfen und die Checkpoints gleichen<br />

diesen Mangel normalerweise teilweise<br />

aus, aber auch ihre Testangebote sind<br />

stark beeinträchtigt. Zusätzlich stehen<br />

sie unter teilweise enormem finanziellen<br />

Druck, weil ausfallende CSDs<br />

und Fundraising-Aktivitäten<br />

die Spendeneinnahmen<br />

einbrechen lassen. Und<br />

nicht nur das: Laut DAH<br />

ist die Finanzierung<br />

der Testangebote in<br />

Aidshilfen in vielen<br />

Städten gefährdet: Die<br />

Kommunen wollen sie<br />

im nächsten Jahr nicht<br />

wieder zur Verfügung stellen oder<br />

kürzen. Sven Warminsky:<br />

„Um Aids-Erkrankungen und HIV-<br />

Neuinfektionen weiter zu reduzieren,<br />

dürfen keine Testangebote wegfallen,<br />

sie müssen vielmehr weiter ausgebaut<br />

werden. Hier stehen Länder und<br />

Kommunen in der Verantwortung.“<br />

HIV-NEUINFEKTIONEN VON 1975 BIS 2019<br />

4000<br />

3000<br />

2000<br />

1000<br />

SYPHILIS-INFEKTIONEN VON 1970 BIS 2019<br />

10000<br />

7500<br />

5000<br />

2500<br />

QUELLE: RKI<br />

1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2019<br />

MSM IVD Hetero<br />

1971 1976 1981 1986 1991 1996 2001 2006<br />

MEHR SELBSTTESTS WAGEN!<br />

Wie Leser*innen dieses Magazins<br />

vielleicht wahrgenommen haben, ist<br />

eine Maßnahme, die das RKI empfiehlt,<br />

Selbsttests stärker zu bewerben<br />

und Angebote von Einsendetests<br />

auszuweiten. Das Kooperationsprojekt<br />

s.a.m health von Deutscher Aidshilfe,<br />

Münchner Aids-Hilfe, Labor Lademannbogen<br />

und ViiV Healthcare ist<br />

inzwischen deutschlandweit<br />

verfügbar und ermöglicht es<br />

erstmals jedem in einem<br />

selbstgewähltem Rhythmus<br />

einen Test auf HIV,<br />

Syphilis, Chlamydien und<br />

Gonorrhö (Tripper) bequem<br />

zuhause durchzuführen. Die<br />

Ergebnisse gibt’s per Telefon/<br />

SMS und das ganze ist ab 32<br />

Euro unschlagbar günstig zu haben.<br />

www.samhealth.de<br />

FOTO: FREEPIK<br />

PREP FÜR ALLE!<br />

Die medikamentöse HIV-Prophylaxe<br />

PrEP muss nach Ansicht der DAH noch<br />

bekannter und vor allem allen Menschen<br />

zugänglich gemacht werden, für die sie<br />

in Frage kommt. Rund 17.500 Menschen<br />

Gesamt Männer Frauen<br />

QUELLE: RKI<br />

2011 2016 2019<br />

Die Steigerungen bei den Syphiliszahlen lassen viel Platz für Interpretation.<br />

Mehr dazu unter männer.media/gesundheit!<br />

nutzen nach DAH-Schätzungen bisher<br />

diese Schutzmethode. Das ist ein Erfolg,<br />

doch es könnten noch deutlich mehr sein.<br />

In kleineren Städten und ländlichen Regionen<br />

gibt es teilweise keine Möglichkeit, sich<br />

die PrEP verschreiben zu lassen. Und so<br />

vermerkt auch das RKI in seinem Bulletin,<br />

dass ein Effekt der PrEP auf die Neuinfektionszahlen<br />

bisher nicht nachzuweisen ist.<br />

Deshalb kommentiert die DAH:<br />

„Wir haben auf einen weiteren<br />

Rückgang der Zahlen gehofft.<br />

Immerhin zahlen seit letztem Jahr die<br />

Gesetzlichen Krankenkassen für die<br />

HIV-Prophylaxe PrEP und immer mehr<br />

Menschen mit HIV erhalten früh eine<br />

Therapie. Doch die Möglichkeiten der<br />

Prävention in Deutschland werden<br />

bisher nicht voll ausgeschöpft. Es ist<br />

dringend an der Zeit, alle wirksamen<br />

Methoden auch allen Menschen mit<br />

HIV-Risiken anzubieten.“<br />

<strong>2021</strong> wird zeigen, ob und wie der<br />

erfolgreiche deutsche Weg in der HIV-<br />

Prävention fortgesetzt wird. Gefordert<br />

sind alle, denn HIV ist und bleibt eine<br />

gesamtgesellschaftliche Aufgabe. *ck


GESUNDHEIT<br />

INTERVIEW<br />

FOTO: JANDRO SAAYMAN / UNSPLASH / CC0<br />

Kongress:<br />

Pandemie gestern und heute<br />

Der 10. Deutsch-Österreichische Aids-Kongress wird zwischen dem 25. und 27. März <strong>2021</strong> #ausGründen<br />

erstmals auch digital stattfinden. Das verstärkt die Öffnung des Kongressprogramms Richtung Community<br />

selbstverständlich noch einmal. Wir fragten bei Kongresspräsident Professor Christian Hoffmann und Silke<br />

Klumb (Geschäftsführerin Deutsche Aidshilfe) nach, was interessierte Leser*innen erwartet.<br />

Warum ist der DÖAK aus Ihrer<br />

Sicht auch für die Leser*innen<br />

dieses Magazins einen (digitalen)<br />

Besuch wert?<br />

Prof. Hoffmann: Das Programm des<br />

DÖAKs wird ja mittlerweile nicht nur<br />

von Wissenschaftler*innen konzipiert.<br />

Traditionell sind die Deutsche Aidshilfe<br />

sowie Mitglieder der Community in die<br />

Organisation eingebunden. Da liegt es<br />

auf der Hand, dass auch viele Themen,<br />

die über rein medizinische und reine<br />

HIV-Themen hinausgehen, zur Sprache<br />

kommen werden.<br />

Welchen Stellenwert hat der Kongress<br />

aus Sicht der DAH in Sachen<br />

Prävention? Passt ein Fachkongress<br />

zum Konzept niedrigschwelliger<br />

Ansprache?<br />

Silke Klumb: Auch ein Kongress<br />

wie der DÖAK kann niedrigschwellig<br />

werden, wenn Community auf allen<br />

Ebenen beteiligt wird – das ist ein<br />

wichtiges Grundprinzip, das auf dem<br />

DÖAK umgesetzt wird. Für gelingende<br />

Prävention ist die Kommunikation zwischen<br />

Ärzt*innen, Präventionist*innen,<br />

Selbsthilfeaktivist*innen und<br />

Sozialwissenschaftler*innen unerlässlich:<br />

der Abbau von Diskriminierung insbesondere<br />

im Gesundheitswesen ist eine<br />

zentrale gemeinsame Aufgabe, an der


GESUNDHEIT<br />

Wie beteiligt sich die HIV-Community am Kongress?<br />

„Durch das Community-Board<br />

(CB), das den Kongress mit vorbereitet<br />

und in allen wichtigen<br />

Gremien vertreten ist, wird die<br />

Beteiligung der HIV-Community<br />

vorangetrieben. Dabei wird<br />

versucht im CB möglichst<br />

viele Aspekte und Seiten der<br />

Community zu vertreten und<br />

sichtbar zu machen und sie<br />

gegebenenfalls mitzudenken.<br />

Die entsprechenden Anliegen<br />

werden dann in die Gremien<br />

gebracht und es wird versucht,<br />

sie im Kongressprogramm zu<br />

platzieren. So bringen wir die<br />

Perspektive der HIV-Community<br />

nicht nur in den Community-<br />

Board-Workshops, sondern<br />

möglichst durchgehend im<br />

gesamten Programm unter. Wir<br />

sind bestrebt, Vertreter*innen<br />

der Community an möglichst<br />

vielen Stellen, wie Chairs, bei<br />

Vorträgen und so weiter zu<br />

besetzen.“<br />

HIV-Aktivist Christoph Schaal-<br />

Breite sitzt auch <strong>2021</strong> im<br />

Community-Board des DÖAK<br />

wir dringend zusammen weiterarbeiten<br />

müssen. Und am Beispiel der PrEP zeigt<br />

sich, wie wichtig eine enge interdisziplinäre<br />

Zusammenarbeit zwischen allen<br />

Beteiligten ist, um einen niedrigschwelligen<br />

Zugang zu ermöglichen. Darüber<br />

müssen wir reden!<br />

Auf welche Schwerpunkte freuen<br />

Sie sich besonders?<br />

Prof. Hoffmann: Ich freue mich auf<br />

die sicherlich zahlreichen Beiträge zu<br />

HIV und COVID-19 – ein Thema, das<br />

uns sicher derzeit alle in Beschlag hält<br />

und wo noch viele Fragen offen sind.<br />

Persönlich freue ich mich aber vor allem<br />

über den Eröffnungsvortrag durch Hans<br />

Jäger aus München, einem Pionier in<br />

Deutschland. Ende März <strong>2021</strong> werden<br />

die ersten Berichte zu HIV fast genau 40<br />

Jahre zurückliegen. Sicher eine<br />

gute Gelegenheit, zurück<br />

zu schauen. Andererseits<br />

wird Hans Jäger, so wie<br />

ich ihn kenne, sicher<br />

auch visionär nach<br />

vorne blicken.<br />

Silke Klumb:<br />

Neben den sicherlich<br />

spannenden<br />

Plenarvorträgen ist<br />

der Schwerpunkt zu<br />

Sexualität besonders<br />

spannend – von ChemSex<br />

über Sexualität leben mit der<br />

aktuellen großen Studie „Gesundheit<br />

und Sexualität in Deutschland“ bis zu<br />

einem Community-Workshop „Positive<br />

Sexualität“. Dann werden die ersten<br />

Ergebnisse der Studie „positive stimmen<br />

2.0“ zu Diskriminierung von Menschen<br />

mit HIV präsentiert werden, die aktuell<br />

durchgeführt wird. Auf diese neuen<br />

Daten – nach der ersten Erhebung <strong>2021</strong><br />

– sind wir sehr gespannt. Wir werden<br />

diskutieren, wie wir alle gemeinsam<br />

weiter gegen Diskriminierung vorgehen<br />

und diskriminierungsarme Verhältnisse<br />

schaffen können. Dazu wird auch die<br />

Vorstellung der Kampagne „selbstverständlich<br />

positiv“ einen wichtigen<br />

Beitrag leisten.<br />

Corona und HIV wird zwangsläufig<br />

ein Querschnittsthema des DÖAK<br />

<strong>2021</strong>. Wo sehen Sie hier den größten<br />

Diskussionsbedarf?<br />

Prof. Hoffmann: Wir wissen immer<br />

noch nicht genug über die Koinfektion<br />

HIV/COVID-19 und mögliche schwere<br />

Verläufe. Welche Rollen spielen die<br />

Helferzellen? Und vor allem: Wie sicher<br />

sind die Impfungen? Die meisten<br />

Großen Impf-Studien haben HIV-<br />

Patienten zunächst von der<br />

Teilnahme ausgeschlossen.<br />

Mittlerweile hat sich<br />

das auf Druck einiger<br />

Patientengruppen in<br />

den USA zum Glück<br />

geändert, allerdings<br />

sind weiterhin fast<br />

immer ausgerechnet<br />

die schwer immunsupprimierten<br />

Patienten<br />

ausgeschlossen<br />

– ich fürchte, mit diesen<br />

Patienten, die die Impfung<br />

vermutlich am dringendsten<br />

benötigen, wird das ein großer Feldversuch<br />

im nächsten Jahr. Darüber muss<br />

geredet werden! Mit Frau Marylyn Addo<br />

aus Hamburg haben wir außerdem eine<br />

der führenden Impfforscherinnen für<br />

einen Plenarvortrag gewinnen können.<br />

Silke Klumb: Für mich ist die zentrale<br />

Frage: Was kann aus der HIV-Epidemie<br />

gelernt werden für die Bewältigung der<br />

OTO: JOHANNES BERGER<br />

Covid-19-Pandemie, insbesondere aus<br />

Präventionssicht? Wie kann verständlich<br />

und glaubwürdig kommuniziert werden?<br />

Wie können verschiedene Gruppen,<br />

insbesondere die, die aktuell als „Risikogruppen“<br />

bezeichnet werden, beteiligt<br />

werden an Entscheidungen, die ihr<br />

Leben elementar betreffen?<br />

Schafft Deutschland die UNAIDS-<br />

Ziele?<br />

Silke Klumb: Deutschland hat das<br />

zweite und dritte der UNAIDS-Ziele<br />

bereits erreicht, das ist sehr gut. Auch<br />

das erste Ziel kann erreicht werden,<br />

wenn es gelingt, weiterhin niedrigschwellig<br />

Zugang zu Beratung und<br />

Testangeboten zu schaffen. Dazu gehört<br />

insbesondere, Menschen die Angst vor<br />

dem Leben mit HIV zu nehmen, Diskriminierung<br />

und Stigma abzubauen. Es<br />

lohnt sich, den eigenen HIV-Status zu<br />

kennen – ein langes und gutes Leben mit<br />

HIV ist möglich. Mit großer Sorge sehen<br />

wir aktuell den Rückgang von HIV-Beratungs-<br />

und Testangeboten angesichts<br />

der COVID-19-Pandemie, sei es aufgrund<br />

der Überlastung der Gesundheitsämter,<br />

sei es aufgrund von eingeschränkten<br />

Angeboten aufgrund der Hygieneanforderungen,<br />

sei es mangels Finanzierung.<br />

Gleichzeitig beobachten wir eine moralische<br />

Verurteilung von Sexualität jenseits<br />

heteronormativ gelebter monogamer<br />

Beziehungen. Sexualität wird verdrängt,<br />

Community-Strukturen sind in Gefahr,<br />

für immer zerstört zu werden. Das kann<br />

nicht zuletzt auch negative Folgen für<br />

die Erreichung der UNAIDS-Ziele haben.<br />

*Interview: Christian Knuth<br />

25. – 27.3., 10. Deutsch-Österreichischer<br />

Aids-Kongress, www.sv-veranstaltungen.de


GESUNDHEIT<br />

MASTURBATION<br />

Spaß für Dich!<br />

Männer masturbieren. Nicht nur die, klar,<br />

aber eben alle, der Rest lügt. Und hier gibt<br />

es etwas für den Mann, der Lust verspürt,<br />

das auch chic aussieht.<br />

„Arcwave Ion“ sei der weltweit erste<br />

„Pleasure Air Stroker“ und verspricht so<br />

eine völlig neue Art der Masturbation, mit<br />

intensiveren und abwechslungsreicheren<br />

Höhepunkten. 2017 entstand in einem Berliner<br />

Sex-Tech-Labor die Idee zu Arcwave,<br />

einer Marke für die sexuellen Bedürfnisse<br />

des Mannes. Die Mission: Die männliche<br />

Masturbation auf ein neues Level zu heben<br />

und die Sextoy-Industrie zu revolutionieren.<br />

Die Arcwave-Entwickler*innen haben die<br />

schon bei Produkten für Frauen erfolgreiche<br />

patentierte Pleasure Air Technologie für<br />

das männliche Geschlecht optimiert.<br />

Dazu brauchte es unter anderem über ein<br />

Dutzend Prototypen, stärkere Luftwellen<br />

und eine größere Oberflächenstruktur. Das<br />

Ergebnis: aufregendere, abwechslungsreichere<br />

und intensivere Orgasmen.<br />

Wie das geht? Arcwave stimuliert das Frenulum<br />

mit pulsierenden Luftwellen und startet<br />

die Stimulation dank der Smart Silence<br />

Technologie erst bei Hautkontakt. Das softe<br />

und flexible Silikon in Kombination mit<br />

Pleasure Air passt sich jedem Penis an – egal<br />

welche Größe und ob beschnitten oder nicht.<br />

Die edle Storage Base lädt und trocknet das<br />

Produkt nach der Reinigung gleichzeitig dank<br />

des integrierten DryTech Stick.<br />

www.arcwave.com


GESUNDHEIT<br />

INTERVIEW<br />

Nichts ist für<br />

die Ewigkeit<br />

Dr. Steffen Schirmer ist Chefarzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive<br />

Mikrochirurgie am St. Marien-Krankenhaus in Berlin. Seit Juni 2020 berät und<br />

behandelt er auch Patienten in der PRAXIS GOLDSTEIN am Winterfeldtplatz. Wir<br />

sprachen über Schönheit, Verjüngungskuren und darüber, wann zu viel zu viel ist.<br />

FOTO: DIAGO MARIOTTA MENDEZ<br />

Sind Männer eitler als Frauen?<br />

Ich denke nicht, dass Männer grundsätzlich<br />

eitler sind als Frauen, aber es gibt Männer,<br />

die sehr viel Wert auf ihr Äußeres legen oder<br />

mehr perfektionistisch veranlagt sind. Mit<br />

den Eitelkeiten hält es sich aber eher die<br />

Waage und es ist immer sehr individuell.<br />

Mit was für Wünschen und Vorstellungen<br />

kommen Männer zu dir?<br />

Viele Männer wissen schon sehr genau,<br />

was sie an sich verändern lassen wollen.<br />

Ein frischer Look und erholtes Aussehen<br />

sind für sie wichtig im Alltag. Man möchte<br />

nicht verbraucht erscheinen oder die<br />

Müdigkeit angesehen bekommen. Viele<br />

lassen sich mit einer Plasmabehandlung<br />

die Haut etwas verjüngen, gerade um die<br />

Augen herum. Es kommt sehr auf die<br />

Altersstruktur und die Beschaffenheit der<br />

Haut an. Bei ersten Falten kann man super<br />

mit Botox arbeiten. Andere haben einen<br />

zunehmenden Verlust des Unterhaut-<br />

Fettgewebes. Das Gesicht wirkt dann wie<br />

eingefallen, wobei es sich aber um einen<br />

natürlichen Alterungsprozess handelt. Es<br />

kommen Patienten von Mitte 20 bis 60<br />

Jahren zu mir.<br />

Mit Mitte 20? Ist das nicht ein wenig<br />

jung?<br />

Man kann auch mit Mitte 20 bereits etwas<br />

machen, ob man das allerdings sollte, ist<br />

von Patient zu Patient unterschiedlich.<br />

Die Erbanlagen spielen eine große Rolle.<br />

Manche haben mit Mitte 20 mehr Falten als<br />

jemand mit 40 Jahren. Aus dem Grund sind<br />

Botox-Behandlungen, Therapie mit Plasma<br />

oder eine Vergrößerung von als zu klein<br />

empfundenen Lippen auch bei jüngeren<br />

Männern keine Seltenheit.<br />

Was ist die Plasma-Therapie?<br />

Die Plasma-Therapie, auch PRP genannt, ist<br />

etwas sehr Natürliches, weil der Wirkstoff<br />

aus dem eigenen Körper gewonnen wird.<br />

Es ist Plasma, welches mit Thrombozyten<br />

(Blutplättchen) angereichert ist. Diese Blutbestandteile<br />

werden durch Zentrifugieren<br />

getrennt und dann in die betroffenen<br />

Stellen injiziert. Man regt damit auch die<br />

Kollagen-Produktion der Haut an. Die<br />

Behandlung mit PRP ist schmerzarm und<br />

eignet sich auch bei Haarausfall, solange<br />

noch Haarfollikel vorhanden sind. Die PRP<br />

unterstützt die Haar-Regeneration, wenn<br />

es also dünner wird, kann man es in einem<br />

bestimmten Rhythmus (ca. sechs Wochen)<br />

behandeln, um das Haarwachstum<br />

anzuregen. Ich empfehle, es jedes halbe<br />

Jahr auszuprobieren und zu sehen, ob der<br />

gewünschte Effekt eintritt.<br />

Botox hingegen ist ein hervorragendes<br />

Medikament, welches zur Faltenbehandlung<br />

genutzt wird. Hyaluronsäure wird als<br />

Filler verwendet, da es ein Fremdmaterial<br />

ist, welches in den Körper injiziert wird.<br />

Diese Art von Filler wird angewandt, wo<br />

Volumen ersetzt werden soll, etwa in den<br />

Lippen.<br />

Wie lange halten die Anwendungen?<br />

Nichts ist für die Ewigkeit, der Alterungsprozess<br />

wird ja nicht gestoppt. Die<br />

Schwerkraft ist nach wie vor da und alles<br />

wird nach unten gezogen. Bei Botox geht<br />

man von vier bis sechs Monaten aus, je<br />

nach Beschaffenheit der Haut und wie<br />

stark die Muskulatur ist. Die Wirksamkeit<br />

von PRP tritt nach etwa zwei Wochen ein.<br />

Nach der Anwendung ist man aber nicht<br />

sofort gesellschaftsfähig. Bei Botox ist das<br />

anders, denn man sieht die Einstiche nicht.<br />

PRP, Botox und Filler bietest du<br />

auch in der Praxis Goldstein an,<br />

größere Operationen im St. Marien-<br />

Krankenhaus, richtig?<br />

In der Praxis berate ich kostenlos und<br />

unverbindlich. Wenn wir dann beim Befund<br />

eher eine operative Indikation feststellen,<br />

würden wir den Eingriff im Krankenhaus<br />

vornehmen, inklusive der Narkosebesprechung.<br />

Zu operativen Eingriffen gehören die<br />

Augenlid- sowie Bauchdecken-Straffung,<br />

Facelifts, Fettabsaugung und auch Lipofilling,<br />

wo Fett von einer Stelle an die andere<br />

transferiert wird.<br />

Wann sagst du als Arzt Stopp, weil<br />

du Eingriffe nicht mehr vertreten<br />

kannst?<br />

Es gibt Befunde, die man nicht deutlich<br />

optomieren kann. Man muss also realistisch<br />

einschätzen können, was zu verbessern ist,<br />

und mit dem Angebot dieser Verbesserungen<br />

auch mitteilen, welche Komplikationen<br />

auftreten können. Wenn ich einschätze,<br />

dass keine Optimierung möglich ist, mache<br />

ich es auch nicht. Patient und Arzt müssen<br />

sich unterhalten, wie und ob was machbar<br />

ist, und sich dann auch einig sein.<br />

*Interview: Ernesto Klews<br />

Dr. Steffen Schirmer in der PRAXIS GOLD-<br />

STEIN, Maaßenstr. 14, Berlin<br />

www.drsteffenschirmer.com<br />

info<br />

PRP-Plasma-Therapie: PRP steht für<br />

„platelet-rich plasma“ oder „plättchenreiches<br />

Plasma“, welches reich an<br />

Blutplättchen (Thrombozyten) ist und<br />

unter die Haut injiziert wird.<br />

Botox: Botulinumtoxin ist ein<br />

Nervengift bzw. Protein. Es wird von<br />

verschiedenen Stämmen der Bakterienspezies<br />

Clostridium botulinum<br />

gebildet. Die Substanz wird in die<br />

Gesichtsmuskeln injiziert, um Falten so<br />

zu glätten. Botulinumtoxin verhindert<br />

den Austausch von Signalen zwischen<br />

Nervenendung und Muskel. Dies<br />

verhindert Muskelkontraktionen, die für<br />

die Faltenbildung verantwortlich sind.<br />

Hyaluronsäure: Hyaluronsäure kommt<br />

natürlich im Körper vor. Sie ist ein<br />

wichtiger Bestandteil verschiedener<br />

Bindegewebsarten. Besonders zeichnet<br />

sich die Hyaluronsäure dadurch<br />

aus, dass sie sehr große Mengen<br />

Wasser an sich binden kann.


GESELLSCHAFT<br />

INTERVIEW<br />

FOTOS: BEIERSDORF<br />

AUSGEZEICHNET:<br />

Du selbst sein bei Beiersdorf<br />

Unser Interview mit dem<br />

„Vice President, Global NIVEA<br />

Brand & Design“ über das von ihm<br />

gegründete und durch PROUT AT<br />

WORK mit dem „Rising Star Award<br />

2020“ ausgezeichnete queere<br />

Mitarbeiter*innennetzwerk „Be You<br />

@ Beiersdorf“.<br />

Diversity wird auch in deutschen<br />

Unternehmen immer häufiger als integrale<br />

Bestandteil der Firmenphilosophie begriffen<br />

und sogar als Wachstumsfaktor wahrgenommen.<br />

Zurecht: Ende 2020 konnten<br />

Analysten der Investmentbank Credit Suisse<br />

in der Studie „The LGBT 350“ belegen,<br />

dass Betrieben, die proaktiv für Diversity<br />

eintreten und einen LGBTIQ*-Gleichstellungsansatz<br />

verfolgen, gemessen an ihrer<br />

Aktienkursentwicklung, überdurchschnittlich<br />

erfolgreich sind. Anleger, die darauf<br />

achteten, haben demnach in den vergangenen<br />

zehn Jahren jährlich vier Prozent mehr<br />

Rendite im Vergleich zum Gesamtmarkt<br />

erzielt. Die Vorteile einer queerinklusiven<br />

Unternehmensphilosophie liegen laut Credit<br />

Suisse einerseits darin, Talente anzuziehen<br />

und als Mitarbeiter*innen zu halten sowie<br />

queere Kunden zu gewinnen. Die weltweite<br />

jährliche Kaufkraft der LGBTIQ*-Community<br />

wird von den Studienmachern auf bis zu<br />

5,6 Billionen US-Dollar geschätzt.<br />

Als Szenemagazin begleiten wir diesen<br />

Prozess bereits seit Jahren proaktiv und<br />

stellen immer wieder Macher*innen vor, die<br />

die Regenbogenfarben in die Unternehmen<br />

der Republik bringen. Im Falle von Ralph<br />

Zimmerer ist dies sogar auf einem der<br />

bekanntesten Pflegeprodukte der Welt<br />

sichtbar geworden.<br />

„Be You @ Beiersdorf“ bedeutet,<br />

jede*r kann sich als Mitarbeiter*in bei<br />

euch so verwirklichen, wie er selbst<br />

ist?<br />

Die Idee dahinter ist wirklich, dass wir<br />

wollen, dass jede*r, also er, sie, sier, zur Arbeit<br />

kommt und sich verwirklichen kann und das<br />

wahre Ich auch zeigen kann. Der Gedanke<br />

dahinter ist natürlich bis zu einem gewissen<br />

Grad auch ein geschäftlicher. Es gibt sehr<br />

viele Untersuchungen, dass diverse Teams<br />

und auch Firmen, die das fördern, erfolgreicher<br />

sind. Von daher ist es beides: ein<br />

genereller Anspruch an den Menschen, sich<br />

selbst wirklich einbringen zu können, um<br />

sich auch weiterzuentwickeln, aber auch,<br />

um dem Geschäftserfolg zu helfen.<br />

Ihr habt die Charta der Vielfalt<br />

unterzeichnet. Wann und was wollt<br />

ihr damit signalisieren?<br />

Dass wir uns für Vielfalt einsetzen und<br />

dass wir das als Unternehmen vorantreiben<br />

wollen.<br />

Und manchmal kommt es ja auch auf<br />

die Verpackung an. Ihr habt dieses<br />

Jahr diese Regenbogendose gehabt.<br />

Wie kam das an?<br />

Das kam super an. Es war ein ganz großer<br />

Erfolg. Es wurde auch sehr, sehr breit in den<br />

Markt gebracht. Auch digital unterstützt.<br />

Und wir hatten wirklich sehr positives<br />

Feedback der Leute. Und interessant in<br />

zwei-, dreierlei Hinsicht: Es gab Leute, die<br />

fanden es super, weil sie verstehen was<br />

das heißt. ‚Ach, so eine Regenbogendose<br />

von NIVEA. Das heißt, NIVEA kümmert<br />

sich wirklich um Vielfältigkeit um LGBTIQ*‘.<br />

Manche Leute haben es sich erklären<br />

lassen. Wir haben so einige Anekdoten,<br />

von einer älteren Dame beispielsweise,<br />

die dann über die Tochter oder Enkelin<br />

herausgefunden hat, um was es da geht.<br />

Die fand das eigentlich gar nicht so toll, das<br />

Thema. Hat sich aber dann gesagt, ‚wenn<br />

NIVEA das propagiert, wird das schon okay<br />

sein‘. (lacht)<br />

Die dritte Gruppe sind die, die gar nicht<br />

wissen, worum es geht. Die fragen dann:<br />

‚Was ist denn diese Regenbogen Sache?<br />

Das sehe ich immer und überall. Ich weiß<br />

gar nicht, was das ist.’ Und da ist das dann<br />

einfach Aufklärungsarbeit.<br />

*Interview: Ulli Pridat I Transkription/<br />

Redaktion: Christian Knuth<br />

Auf männer.media erzählt Ralph Zimmerer,<br />

ob es die Regenbogen-NIVEA in<br />

Zukunft auch in Polen gibt und wie das<br />

Netzwerk „Be You“ entstanden ist.


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URLAUB WISSEN MUSST!<br />

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GESELLSCHAFT<br />

RELIGION<br />

Bremer Pastor wegen<br />

Volksverhetzung verurteilt<br />

FOTO: M. RÄTZ<br />

8.100 Euro Strafe verhängte<br />

die vorsitzende Richterin Ellen<br />

Best am Bremer Amtsgericht gegen<br />

den Pastor der örtlichen evangelischen<br />

St.-Martini-Gemeinde.<br />

Olaf Latzel hatte Homosexualität<br />

bei einer Kirchenveranstaltung als<br />

„Degenerationsform der Gesellschaft“ und<br />

CSD-Besucher*innen als „Verbrecher“ und<br />

„todeswürdig“ bezeichnet.<br />

Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe<br />

von drei Monaten, umgewandelt zu einer<br />

Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 90<br />

Euro, was insgesamt 8.100 Euro macht.<br />

Damit blieb es unter der Forderung der<br />

Staatsanwaltschaft, die eine Strafe von vier<br />

Monaten verlangt hatte. Die Verteidigung<br />

hatte auf Freispruch plädiert. (AZ: 96 Ds<br />

225 Js 26577/20) Erleichterung beim CSD<br />

und in Kirchenkreisen: Für die Bremische<br />

Evangelischen Kirche (BEK) äußerste sich<br />

Schriftführer Pastor Bernd Kuschnerus<br />

gegenüber buten un binnen „zutiefst<br />

betroffen“ darüber, dass „ein Pastor unserer<br />

Kirche wegen Volksverhetzung verurteilt<br />

worden ist“. Das lesbische Pastorinnenehepaar<br />

von Anders Amen ** unterbrach<br />

sogar seinen Mutterschaftsurlaub. Ellen<br />

Radtke sendete uns einen überraschten<br />

Kommentar, denn mit einer Verurteilung<br />

hatte sie nicht gerechnet. „Es ist gut, dass<br />

Pastor Olaf Latzel für die Aussagen, die<br />

er getätigt hat, auch tatsächlich verurteilt<br />

worden ist. {...} Wir freuen uns darüber!<br />

Denn: Die Aussagen die er getätigt hat,<br />

sind nicht ‚einfach biblische’ Aussagen.“<br />

Der Bremer CSD Verein war einer der<br />

ersten, der nach Bekanntwerden der<br />

Hetzrede Strafanzeige bei der Polizei<br />

gegen Latzel stellte. Er begrüßt in einer<br />

Stellungnahme das Urteil.<br />

„Auch wenn die Verteidigung bereits<br />

Rechtsmittel bis zum Bundesverfassungsgericht<br />

angekündigt hat, so<br />

beweist das Urteil ganz eindeutig, dass<br />

es sich nicht einfach um die Befindlichkeiten<br />

von queeren Menschen handelt,<br />

sondern um Volksverhetzung und ein<br />

vergiftetes Klima.“<br />

Robert Dadanski,<br />

Pressesprecher und Vorstand<br />

WIE GEHT ES WEITER?<br />

Olaf Latzel hat legte umgehend<br />

Rechtsmittel gegen das Urteil ein. Der<br />

Kirchenausschuss der BEK entschied<br />

dementsprechend, dass das Disziplinarverfahren<br />

weiterhin ausgesetzt wird.<br />

Allerdings wurde auch beschlossen, Latzel<br />

vorläufig des Dienstes zu entheben, bzw.<br />

mit ihm eine Einigung zu erzielen:<br />

„Es ist nach unserer Überzeugung<br />

nicht möglich, dass ein Pastor, der von<br />

einem Gericht der Bundesrepublik<br />

Deutschland wegen Volksverhetzung<br />

verurteilt worden ist, während der<br />

Dauer des Disziplinarverfahrens weiter<br />

seinen Dienst tut. {...} Eine Ausübung des<br />

Dienstes während dieser Zeit würde die<br />

Glaubwürdigkeit der Wahrnehmung des<br />

kirchlichen Dienstes und das Ansehen<br />

der Bremischen Evangelischen Kirche in<br />

der Öffentlichkeit schwer beschädigen.<br />

Der Kirchenausschuss bittet die<br />

Menschen, denen durch die Äußerungen<br />

von Pastor Latzel Leid und Unrecht<br />

zugefügt wurde, um Verzeihung.“<br />

Wir berichten fortlaufend auf<br />

männer.media! *ck<br />

BEK-Schriftführer,<br />

Pastor Dr. Bernd Kuschnerus<br />

** Anders Amen, das ist ein lesbisches<br />

Pastorinnenpaar, Steffi und Ellen Radtke,<br />

welches mit intelligenten YouTube-<br />

Beiträgen, queerem Witz und viel Charme<br />

für queere Sichtbarkeit und auch für die<br />

Verbreitung christlicher Gedanken sorgt.


FILM<br />

INTERVIEW<br />

KATE WINSLET:<br />

„Wunderschöne Romanze“<br />

Dreißig Jahre ist es her, dass<br />

Kate Winslet ihre Karriere als<br />

Teenager im britischen Fernsehen<br />

begann. Der Durchbruch kam 1994<br />

mit „Heavenly Creature“, gefolgt<br />

von „Sinn und Sinnlichkeit“ und<br />

natürlich „Titanic“. Später war die<br />

Engländerin in Filmen wie „Iris“,<br />

„Vergiss mein nicht!“, „Little Children“<br />

oder „Contagion“ zu sehen, für „Der<br />

Vorleser“ wurde sie mit dem Oscar<br />

ausgezeichnet. Nun spielt sie eine der<br />

beiden Hauptrollen im Historienfilm<br />

„Ammonite“ (voraussichtlich ab dem<br />

21. <strong>Januar</strong> in deutschen Kinos), dem<br />

neuen Werk des schwulen Regisseurs<br />

Francis Lee („God’s Own Country“).<br />

Wir konnten die 45-Jährige anlässlich<br />

dieser im 19. Jahrhundert spielenden<br />

lesbischen Liebesgeschichte via<br />

Zoom interviewen.<br />

Miss Winslet, Sie spielen in<br />

„Ammonite“ die Fossiliensammlerin<br />

Mary Anning, die es wirklich<br />

gegeben hat. Wie viel wussten Sie<br />

über diese Frau?<br />

Den Namen Mary Anning hatte ich zwar<br />

schon gehört, aber eigentlich wusste ich<br />

kaum etwas über sie. Vor allem hatte<br />

ich keine Ahnung, was sie letztlich aus<br />

wissenschaftlicher Sicht alles geleistet hat.<br />

Ich musste ordentlich recherchieren, was<br />

natürlich dadurch erschwert wurde, dass<br />

über sie längst nicht so viel geschrieben<br />

wurde wie über ihre männlichen<br />

Zeitgenossen.<br />

Wie haben Sie sich denn auf die<br />

Rolle vorbereitet?<br />

Sie meinen, außer dass ich wochenlang<br />

an den Stränden Südwestenglands nach<br />

Fossilien gesucht und Steine aufgeklopft<br />

habe? Ich hatte glücklicherweise Zugang<br />

zu ein paar ihrer echten Tagebücher.<br />

Das fand ich enorm hilfreich, schon<br />

weil ich mir größte Mühe geben wollte,<br />

ihre Handschrift so gut wie möglich zu<br />

kopieren. Vor allem aber fand ich es wichtig<br />

zu sehen, welch enge Beziehungen Mary<br />

zu den Frauen in ihrem Leben pflegte. Sie<br />

hat nie aufbegehrt gegen das patriarchale<br />

Gesellschaftssystem, in dem sie gefangen<br />

war, und hat immer akzeptiert, dass ihre<br />

wissenschaftliche Brillanz nie so anerkannt<br />

wurde wie die von Männern. Da war sie<br />

bemerkenswert geduldig und klaglos. Aber<br />

gleichzeitig waren immer andere Frauen<br />

ihre engsten Vertrauten und Verbündeten.<br />

Im Film entwickelt sich eine<br />

Liebesbeziehung zwischen Anning<br />

und der jüngeren Charlotte<br />

Murchison. Die ist aber nicht<br />

verbürgt, oder?<br />

Nein, sicher ist nur, dass Mary mit<br />

Charlotte und ihrem Mann befreundet<br />

war. Vieles spricht auch dafür, dass sie die


FILM<br />

beiden in London besucht und eine Weile<br />

bei ihnen gewohnt hat. Wobei sie wohl<br />

in ihrem ganzen Leben ihren Küstenort<br />

nur zweimal verlassen hat und nach<br />

London gefahren ist. Auch in „Ammonite“<br />

ist der Aufbruch in die Großstadt für sie<br />

eigentlich eine viel größere Sache als die<br />

intime Beziehung zu Charlotte. Letztere<br />

ist viel eher eine Selbstverständlichkeit.<br />

Angeblich haben Sie die Rolle<br />

sofort angenommen, nachdem<br />

Sie das Drehbuch gelesen hatten.<br />

Entscheiden Sie sich immer so<br />

impulsiv?<br />

Kann man so nicht unbedingt sagen.<br />

Obwohl ich viele meiner beruflichen<br />

Entscheidungen schon recht instinktiv<br />

treffe, aus dem Bauch heraus. Im Fall von<br />

„Ammonite“ merkte ich einfach gleich,<br />

dass ich es schwer aushalten würde,<br />

jemand anderen in dieser Rolle zu sehen.<br />

Ich fühlte sofort Besitzansprüche dieser<br />

Mary Anning gegenüber. Und ich hatte<br />

einfach noch nie so ein Drehbuch gelesen.<br />

Sie meinen die Liebesgeschichte<br />

dieser beiden Frauen?<br />

Ja, auch. Ich finde es sehr wichtig, LGBTQ-<br />

Geschichten stärker in den Mainstream<br />

zu holen, und die zarte, wunderschöne<br />

Romanze zwischen Mary und Charlotte ist<br />

wirklich etwas Besonderes. Nicht zuletzt,<br />

weil sie ohne Zögern, Geheimhaltung oder<br />

Angst auskommt. Es wäre doch toll, wenn<br />

das Publikum häufiger Geschichten über<br />

Menschen aus der LGBTQ-Community<br />

und ihre Beziehungen im Kino zu sehen<br />

bekommt. Und vor allem möglichst<br />

verschiedene. Unserem Regisseur Francis<br />

Lee ist da wirklich etwas sehr Spezielles<br />

gelungen, und mir war es eine große Ehre,<br />

ein Teil dieser tollen Geschichte zu sein.<br />

Die Sexszenen haben Sie und Ihre<br />

Kollegin Saoirse Ronan selbst<br />

choreografiert. Was war Ihnen dabei<br />

wichtig?<br />

Wir sind nun einmal beide Frauen,<br />

deswegen lag es nahe, dass wir die<br />

intimen Momente zwischen zwei<br />

Frauen in die eigenen Hände nehmen.<br />

Wir wollten, dass diese Szenen<br />

wirklich authentisch aussehen und<br />

diesen Frauen und ihrer Geschichte<br />

wirklich gerecht werden. Uns ging<br />

es um Leidenschaft auf Augenhöhe,<br />

zwischen zwei Menschen, die eine<br />

echte Verbindung zueinander spüren.<br />

Vor allem wollten wir nicht, dass diese<br />

Sexszenen irgendwie reißerisch oder<br />

plakativ wirken. Viel zu oft fehlt solchen<br />

Szenen zwischen zwei Frauen oder zwei<br />

Männern die Selbstverständlichkeit<br />

und Normalität, mit der heterosexuelle<br />

Sexszenen gedreht werden. Da wollten<br />

wir gegensteuern. Nicht dass unser<br />

wunderbarer Regisseur Francis Lee, der<br />

uns immer unglaublich viel Vertrauen<br />

entgegenbrachte und ein Gefühl von<br />

Sicherheit schuf, das irgendwie auf<br />

fragwürdige Weise gemacht hätte. Aber<br />

es war wirklich eine schöne Erfahrung,<br />

gemeinsam mit Saoirse in diesem Fall<br />

selbst die Zügel in der Hand zu haben.<br />

Mit etwas Glück gehen Sie mit<br />

„Ammonite“ mal wieder ins Rennen<br />

um den Oscar. Gewonnen haben Sie<br />

den wichtigsten Filmpreis der Welt<br />

ja schon 2009. Sind Ihnen solche<br />

Ehrungen also überhaupt noch<br />

wichtig?<br />

Oh, glauben Sie mir, solche Preise sind<br />

für uns Künstler immer wichtig. Und<br />

etwas ganz Wundervolles. Davon träumt<br />

man natürlich. Selbst wenn man schon<br />

so lange dabei ist wie ich und bei vielen<br />

solcher Veranstaltungen dabei war, hat<br />

man das nie über. Ich habe natürlich<br />

keine Ahnung, wie die Oscar-Verleihung<br />

und all die anderen Events dieser Art<br />

in den Wochen davor <strong>2021</strong> stattfinden<br />

und aussehen werden. Aber gerade im<br />

Moment ist es doch wichtiger denn je,<br />

künstlerische Leistungen zu feiern und<br />

stolz auf unsere Branche zu sein. Wenn<br />

wir mit „Ammonite“ ein kleiner Teil davon<br />

sein können, würde mich das sehr freuen.<br />

*Interview: Jonathan Fink


FILM<br />

STREAMING<br />

FOTO: SALZGEBER<br />

„MOFFIE“ in der Queerfilmnacht<br />

Bundesweit ist ab dem 1. <strong>Januar</strong> der neue<br />

Salzgeber-Film „Moffie“ als VoD zu sehen.<br />

Er spielt Anfang der 1980er in Südafrika,<br />

ein Land, geteilt durch Rassismus, Apartheid<br />

und den Grenzkrieg zu Angola.<br />

Der junge weiße und schwule Nicholas<br />

van der Swart muss seinem Land dienen,<br />

gegen den Kommunismus und die<br />

„schwarze Bedrohung“ kämpfen. Niemand<br />

weiß, dass er schwul ist, käme dies raus,<br />

hätte er als Moffie ein hartes Leben. Das<br />

damalige Regime war nicht nur gegen<br />

Schwarze, es war auch ganz klar gegen<br />

Schwule. Doch gegen seine Gefühle<br />

für den Kameraden Dylan kann er nicht<br />

ankämpfen ...<br />

„In den vergangenen zwanzig Jahren sind<br />

viele Geschichten über das Apartheidsystem<br />

erzählt worden und über die Leben,<br />

die es ruinierte, die Helden, die es hervorbrachte,<br />

und den Zoll, den es dem Erbe des<br />

südafrikanischen Volkes abverlangte. Doch<br />

hier geht es um einen komplexeren Aspekt<br />

– die verborgene Geschichte der weißen<br />

Männer, die die Propagandamaschinerie<br />

der Apartheid ertragen mussten“, so der<br />

Regisseur Oliver Hermanus über seinen<br />

Film. Lohnt sich! *rä<br />

„queerfilmnacht goes online“: Ab 1.1.21<br />

als Video on Demand im Salzgeber Club,<br />

www.salzgeber.de<br />

DVD<br />

Ich bin Anastasia<br />

FOTOS: WWW.MISSINGFILMS.DE<br />

Bei missingFILMS erschien vor einigen<br />

Wochen ein ungewöhnlicher<br />

Film über einen ungewöhnlichen<br />

Menschen: „Ich bin Anastasia“<br />

über Frau Oberstleutnant<br />

Anastasia Biefang. Der<br />

Film von Thomas Ladenburger<br />

über die ersteTrans*<br />

in der Geschichte der<br />

Bundeswehr ist ein höchst<br />

wichtiges und informatives,<br />

intimes und sympathisches<br />

Porträt geworden, das<br />

keine der 95 Minuten<br />

Dauer langweilt. Er begleitet<br />

Anastasia bei ihrem<br />

Transitionsprozess zur Frau<br />

und verfolgt ihren Dienstantritt als<br />

Kommandeurin. „Meine Transsexualität<br />

trieb mich schon seit den<br />

späten Teenagerjahren um, auch<br />

wenn ich es damals nicht mit diesem<br />

Begriff bezeichnete. [...] Meine<br />

sexuelle Orientierung als bisexueller<br />

Mensch, also die Bestimmung<br />

meiner geschlechtlich-sexuellen<br />

Orientierung, war mein erstes<br />

geschlechtliches Thema. Bis ich<br />

kapierte, dass ich Frauen und<br />

Männer gleichermaßen sexuell<br />

attraktiv und begehrenswert<br />

empfinde, dauerte es schon einige<br />

Zeit. Die Frau in mir rauszulassen<br />

war schwierig. Ich empfand es<br />

zunächst als falsch und schämte<br />

mich“, verriet uns das mutige Role<br />

Model einmal im Interview über<br />

ihren Weg. *rä<br />

www.missingfilms.de


ody & beauty /// katie melua<br />

Europas. Fünf Alben und zahlreiche Auszeichnungen später erscheint in diesem Jahr ihr achter Longplayer.<br />

048 ///<br />

Interview: Felix Just<br />

GLÜCKWUNSCH ZU DEINEM ACHTEN STUDIO-<br />

ALBUM! OBWOHL DU SCHON IN DER VERGAN-<br />

GENHEIT DEINE EIGENEN TEXTE GESCHRIEBEN<br />

HAST, IST DAS DEIN ERSTES ALBUM, AUF DEM<br />

ALLE SONGS DEINE HANDSCHRIFT TRAGEN.<br />

BIST DU EXTRA STOLZ?<br />

Es ist auch mein allererstes Album ohne Coversongs!<br />

Meine Co-Autoren und ich haben zehn völlig neue<br />

Songs geschrieben. Es hat wahnsinnig viel Spaß<br />

gemacht. Was mich schon immer interessiert hat, ist<br />

das Ungleichgewicht von Musik und Zeile. Wer hat<br />

eigentlich entschieden, dass Musiktexte simpel sein<br />

müssen? Als ich mal mit einem absolut genialen Autor<br />

zusammensaß und an einem Song schrieb, meinte er<br />

zu mir, dass die Worte keine Bedeutung hätten. Und<br />

ich fragte ihn: „Wie kann es sein, dass die Worte keine<br />

Bedeutung haben? Sie sind das Wichtigste an einem<br />

Lied.“ Er erinnerte mich an die Songtexte der Beatles<br />

und welchen Erfolg die Band mit sehr einfachen<br />

Reimen hatte. In diesem besonderen Fall hatte er natürlich<br />

recht, grundsätzlich stimme ich ihm aber nicht<br />

zu. Wenn ich singe, geht es mir darum, eine Geschichte<br />

zu erzählen. Überhaupt habe ich das Gefühl, die<br />

Musikindustrie steckt jede Menge Geld und Know-how<br />

in den Producer-Part der Produktion, aber scheint den<br />

Prozess des Liederschreibens zu ignorieren.<br />

ICH KANN DIR DA ALS AUTOR NUR ZUSTIMMEN.<br />

Klar, du als Redakteur verstehst natürlich,<br />

was ich meine.<br />

ABSOLUT! ABGESEHEN VON DEN TEXTEN,<br />

DIE DU FÜR „ALBUM NO. 8“ VERFASST HAST:<br />

WAS WAR DIE IDEE HINTER DEINEM JÜNGSTEN<br />

LONGPLAYER? ES KLINGT BEIM ERSTEN HÖREN<br />

EIN BISSCHEN WIE EIN ROMAN.<br />

Ursprünglich war das zwar nicht die Idee,<br />

aber es macht Sinn, dass du das sagst. Geschichten<br />

zu erzählen und meine Worte buchstäblich weise<br />

zu wählen, sind ein großer Teil meines kreativen<br />

Prozesses.<br />

SEIT „CALL OFF THE SEARCH“ SIND 17 JAHRE<br />

VERGANGEN. WAS HAT SICH SEIT DEINEM<br />

ERSTEN ALBUM FÜR DICH ALS KÜNSTLERIN<br />

VERÄNDERT?<br />

Als ich damals anfing, Musik zu machen, arbeitete ich<br />

mit Mike Batt zusammen, der mir mehr als dreißig<br />

Jahre Erfahrung voraushatte Es war also Mikes Vision<br />

und Mikes Musik und ich war die Stimme. Als Kind<br />

georgischer Eltern, die vom Kommunismus geprägt<br />

wurden, war für mich von Anfang an klar, dass du<br />

nur als Team das beste Produkt abliefern kannst. Das<br />

hat sechs Alben lang auch sehr gut funktioniert. Er<br />

war mein Mentor. Und dann war es an der Zeit, dass<br />

ich mich als Künstlerin weiterentwickle und wachse.<br />

Meine ersten Erfolge waren sehr unschuldige Lieder.<br />

Jetzt bin ich 35 und meine Musik soll das auf ehrliche<br />

Weise widerspiegeln.<br />

DEIN DEBÜTALBUM ERSCHIEN IM SELBEN<br />

JAHR WIE CHRISTINA AGUILERAS „STRIPPED“<br />

ALBUM, DAS SIE WEG VOM TEENIE-IMAGE<br />

UND HIN ZUR JUNGEN ERWACHSENEN<br />

TRANSPORTIEREN SOLLTE. ETWAS, DAS IHR<br />

BEIDE AUSSERDEM GEMEINSAM HABT, IST<br />

LEO ABRAHAMS, DER ALS PRODUZENT FÜR<br />

AGUILERA AN „BIONIC“ ARBEITETE. JETZT<br />

HAT ER „ALBUM NO. 8“ MIT DIR ENTWICKELT.<br />

WOHER WUSSTEST DU, DASS ER DER<br />

RICHTIGE FÜR DICH WAR?<br />

Mein letztes Album war fokussiert auf meinen Gesang<br />

und hatte einen starken A-capella-Charakter. Für<br />

„Album No. 8.“ wollte ich aber eine ganze Reihe<br />

namhafter Musiker. Einer von ihnen hatte mir Leo als<br />

Produzent empfohlen. Zur gleichen Zeit hatte Leo<br />

mein Management kontaktiert. Wir haben uns also getroffen<br />

und ich habe ihm erklärt, was ich mir vorstellte.<br />

Darauf sagte er: „Klingt gut.“ (lacht) Es hilft auch,<br />

dass Leo ein brillanter Gitarrenspieler ist.<br />

WÜRDEST DU AUCH MAL IN VÖLLIG ANDERE<br />

GENRES EINTAUCHEN? ROCKMUSIK ODER<br />

BUBBLEGUM-POP À LA CHRISTINA AGUILERA?<br />

Auf der Bühne probiere ich mich schon immer in<br />

verschiedenen Genres aus – ich habe schon Künstler<br />

wie Janis Joplin gecovert und singe auch Jazz-,<br />

Blues- und Folk-Songs. Auf meinen Alben zeige ich<br />

diese Seite von mir noch nicht. Wer weiß, vielleicht<br />

kommt das noch.<br />

DAS BILD AUF DEM COVER ZEIGT DICH MIT<br />

EINER RETRO-KAMERA IN DEN HÄNDEN.<br />

HAST DU DAS FOTO SELBST GESCHOSSEN?<br />

WAR DAS AUFGRUND VON CORONA?<br />

Ja. Das Label hatte die Idee, mir diese Kamera zu<br />

schicken, damit ich das Cover selbst aufnehme. Es ist<br />

wirklich cool. Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass<br />

ich mal mein eigenes Coverfoto schieße.<br />

WIRD ES EINE TOUR ZUM ALBUM GEBEN,<br />

WENN ES DIE UMSTÄNDE WIEDER ZULASSEN?<br />

Wir hatten eine große Tour geplant, die leider gecancelt<br />

wurde. Aber wir stehen in den Startlöchern und<br />

können jederzeit loslegen.<br />

Mehr Informationen zum neuen Album und möglichen<br />

Tourdaten unter www.katiemelua.com<br />

/// 049<br />

t r a v e l /// jump in here!<br />

Das Kayon Jungle Resort inmitten von<br />

Balis grünen Regenwäldern verfügt über<br />

38 Suiten und Villen und könnte ungestörter<br />

nicht sein. Unweit der kleinen Stadt Ubud<br />

hat sich der Designer des Hotels – ein<br />

junger Balinese – von den Reisfeldern der<br />

Umgebung inspirieren lassen. Der Pool mit<br />

Blick ins unendliche Grün erinnert an die<br />

Terrassen des traditionellen Reisanbaus.<br />

www.thekayonjungleresort.com<br />

Eine „Best of Pools“-Doppelseite wäre nicht komplett<br />

ohne den Infinity Pool des Marina Bay Sands in<br />

Singapur. Er wurde auf der 57. Etage des Hotels<br />

errichtet und ist nicht nur der am höchsten gelegene<br />

Infinity Pool der Welt, sondern hat auch das längste<br />

Becken, das nicht am Boden gebaut wurde. Entlang<br />

der 150 Meter Badespaß dürfen Gäste und Besucher<br />

bis in die späten Abendstunden die Aussicht auf die<br />

Skyline, Drinks und ausgewählte Snacks genießen.<br />

Eine Nacht im Marina Bay Sands kostet in der günstigsten<br />

Zimmerkategorie rund 400 Euro.<br />

www.marinabaysands.com<br />

Sogenannte Rockpools haben in Australien eine lange Tradition. Die<br />

ersten Freiluftbäder dieser Art wurden bereits Anfang des 19. Jahrhunderts<br />

errichtet, als Australien noch eine Strafkolonie war. Der Bronte<br />

Rockpool befindet sich am Bronte Beach, circa zwei Kilometer entfernt<br />

vom bekannteren Bondi Beach in Sydney, und ist dreißig Meter lang.<br />

Das geniale an dieser Art von Pool: Schwimmer müssen auf das Wieim-Meer-Gefühl<br />

nicht verzichten und sind gleichzeitig vor Strömungen<br />

und gefährlichen Meerestieren geschützt.<br />

Was als Abflussgewässer eines riesigen<br />

Wärmekraftwerks entstand, ist heute<br />

eines der bekanntesten Wellnessbäder<br />

der Welt. Die Blaue Lagune in Island ist<br />

etwa 45 Autominuten von der Hauptstadt<br />

Reykjavík entfernt und war einst<br />

ein reines Nebenprodukt des benachbarten<br />

Kraftwerks, das aus Geothermik<br />

Strom und Fernwärme produziert.<br />

Aufgrund der hohen Konzentration von<br />

Kieselalgen versickerten die Wassermengen<br />

nicht im Vulkangestein der<br />

Die schönsten, höchsten und blausten Pools der Welt findest du hier,<br />

auf dieser Doppelseite.<br />

Insel, sondern bildeten ein Reservoir,<br />

das in den 1990ern zu einer Therme<br />

umgebaut wurde. Die Algen und Mineralien,<br />

die im Wasser enthalten sind,<br />

lassen es nicht nur wunderbar blau<br />

leuchten, sondern haben außerdem eine<br />

heilende Wirkung für die Haut.<br />

Noch mehr Infos zur Lagune und dem<br />

angeschlossenen Hotel erfährst du auf<br />

Seite 082 dieser Ausgabe.<br />

www.<strong>blu</strong>elagoon.com<br />

Text: Felix Just<br />

Das Wellenbad im japanischen Hoshino Resort Risonare<br />

Tomamu ist das größte des Landes. Alle halbe Stunde wird der<br />

Wellengang für zehn Minuten gestartet. Am Abend verwandelt<br />

sich der Poolbereich in eine romantische Lounge-Area. Keine<br />

Lust auf Badespaß? In den umliegenden Bergen darf nach Herzenslust<br />

Wintersport betrieben werden.<br />

www.risonare.com/tomamu<br />

068 /// /// 069<br />

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ALBUM NO. 8<br />

KATIE MELUA<br />

Katie Melua ist eine Ausnahmekünstlerin. Nur wenige Sänger und Sängerinnen schaffen es, sich so lange auf der Welle<br />

des Erfolgs zu bewegen wie die Britin mit georgischen Wurzeln. 2003 feierte sie ihr Debüt mit „Call Off the Search“. 2005<br />

erschien ihr zweites Album „Piece by Piece“ und die Single „Nine Million Bicycles“. „Piece by Piece“ erreichte in mehreren<br />

europäischen Ländern die Nummer eins der Albumcharts. 2006 war Katie Melua die kommerziell erfolgreichste Sängerin<br />

Foto: Rosie Matheson<br />

#62<br />

aesthetic<br />

Edition<br />

JUMP<br />

IN HERE!<br />

DAS SIND DIE SCHÖNSTEN<br />

POOLS DER WELT<br />

Marina Bay Sands, Singapur<br />

JÜMP<br />

IN HERE!<br />

KATIE MELUA,<br />

„Album No. 8“<br />

YOU LOOK GREAT!<br />

NOCH BESSER AUSSEHEN MIT DIESEN<br />

SIMPLEN FASHION-TRICKS<br />

MUSIK<br />

FASO & KATIE MELUA<br />

PLUS: EINE REISE AUF DEN MOND, INSELHOPPING IN GRIECHENLAND UND<br />

GESICHTSMASKEN ZUM SELBERMACHEN<br />

62<br />

4 195978 806955<br />

EU € 6,95 /// CH CHF 9,00<br />

Kayon Jungle Resort, Bali<br />

Bronte Rockpool, Australien<br />

Foto: Adobe Stock/Alexandra Daryl<br />

Blaue Lagune, Island<br />

Hoshino Resort Risonare Tomamu,<br />

Japan<br />

Foto: Visit Iceland<br />

1 2 3<br />

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FILM<br />

NEWCOMER<br />

Mark Wartenberg startet durch<br />

Und posiert nicht ohne Grund so<br />

freizügig. Der Wahlberliner mit<br />

französischen Wurzeln schlägt die Werbetrommel<br />

für eine am Freitag startende<br />

Crowdfunding-Kampagne für einen<br />

queeren Film von Max Thillaye.<br />

Über das anstehende Projekt namens<br />

„Ubiquitous“ verrät Mark Wartenberg<br />

uns: „Die Geschichte dreht sich um<br />

eine Figur namens Camille, die in einer<br />

postkapitalistischen Gesellschaft lebt.<br />

Er gehört zu einer Gruppe von Außenseitern,<br />

die ihr Leben damit verbringen,<br />

sich als andere Menschen auszugeben<br />

– sie beobachten sie, brechen in deren<br />

Zuhause ein und leben mehrere Stunden<br />

wie sie“, so der trainierte Schauspieler.<br />

„Camille macht dies glücklich, bis er<br />

spürt, dass sich etwas in ihm verändert<br />

– über mehrere Erfahrungen und Tage<br />

hinweg entfernt er sich allmählich von<br />

seinem alten Lebensstil und beginnt,<br />

sich selbst zu akzeptieren“, so der Newcomer.<br />

Hier geht es zum Crowdfunding:<br />

www.ubiquitous.movie. *rä<br />

FOTO: R. WILHELM<br />

DVD<br />

Die Liebe ist ein seltsames Ding<br />

Der kanadische Film „Akrobaten“ erzählt von<br />

einem mitunter manipulativen Beziehungsgeflecht<br />

eines aus Russland kommenden<br />

Akrobaten und seinem erfolgreichen Partner.<br />

Wer dominiert hier wen?<br />

Michas Karriere als Hochseilartist ist vorbei,<br />

Christophes Karriere hingegen voll im Gange,<br />

als die beiden sich in einer unfertigen Wohnung<br />

in Montréal im tiefen Winter treffen. Die beiden<br />

Männer verlieben sich ineinander, sie begehren<br />

sich, sie streiten, sie zeigen, wie komplex<br />

und leidenschaftlich, wie abhängig machend<br />

Liebesbeziehungen sein können. Über zwei<br />

Stunden lang nimmt uns der Regisseur<br />

Rodrigue Jean mit auf einen aufgeladenen Ritt<br />

zweier sich liebender und doch auch oft bekriegender<br />

Kerle. Der Film ist in der Originalversion<br />

(englisch, französisch, russisch) mit deutschen<br />

oder englischen Untertiteln zu sehen. *rä<br />

www.gmfilms.de<br />

FOTO: WWW.GMFILMS.DE


DATES. FRIENDS. LOVE.<br />

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MUSIK<br />

INTERVIEW<br />

VINCENT GROSS<br />

will glücklich machen<br />

Der 1996 geborene Schweizer<br />

Sänger veröffentlicht Anfang<br />

<strong>2021</strong> sein neues Album „Hautnah“,<br />

die erste Single davon „Über<br />

uns die Sonne“ war sofort ein Spitzenreiter<br />

in den Deutschen AirPlay-Charts,<br />

weitere Hits wie „Chill Out Time“ folgten.<br />

Wir sprachen mit dem jungen Musiker.<br />

Wie erlebst du die Pandemie?<br />

Konzerte kannst du ja gerade<br />

nicht geben.<br />

Ja, das ist das Schwierigste an der<br />

ganzen Zeit. Mir fallen ungefähr<br />

eineinhalb Jahre Tour aus, das ist<br />

finanziell ein herber Verlust, denn<br />

als Künstler lebst du vor allem<br />

von Liveauftritten. Aber ich<br />

will immer an jeder Situation<br />

etwas Positives entdecken ...<br />

Ich nütze daher die Zeit, um<br />

neue Instrumente zu lernen.<br />

Das ist auch eine Chance,<br />

sich weiterzuentwickeln<br />

und sich zu bilden. Und<br />

ich habe ein Interview-<br />

Format auf YouTube<br />

entwickelt, „Stars<br />

um 10 – Hautnah“,<br />

Thomas<br />

Anders und<br />

Elton waren<br />

zum Beispiel<br />

schon da.<br />

FOTO: JÖRG KRESSIG<br />

Wie pflegst du den Kontakt zu<br />

deinen Fans?<br />

Natürlich über Social Media: Facebook,<br />

YouTube und Instagram. Mit meinen<br />

Postings halte ich Kontakt, ich bin jetzt<br />

aktiver als vor Corona. Dabei habe ich<br />

ursprünglich mal auf YouTube angefangen,<br />

das habe ich jetzt eben wieder reaktiviert.<br />

Deine Musik soll die Leute glücklich<br />

machen. Wie schaffst du das?<br />

Vor allem durch die Texte! Aber auch<br />

durch die Melodien und die Komposition.<br />

Sorgen haben wir alle genug, ich will, dass<br />

die Leute einfach mal abschalten und<br />

ihre Sorgen vergessen. Ich habe das<br />

Privileg, andere glücklich zu<br />

machen, das ist doch<br />

der schönste Job<br />

der Welt.


MUSIK<br />

exquisite gay matchmaking<br />

Der Weg ins große Glück zu zweit<br />

Ist das dein persönliches Glücksrezept,<br />

die Musik?<br />

Ja. Natürlich ist es Arbeit, aber es ist auch meine<br />

Leidenschaft, mein Hobby.<br />

Wie ist das neue Album denn entstanden?<br />

Das erste Lied habe ich vor zweieinhalb Jahren<br />

geschrieben – in Berlin übrigens. Es folgten einige<br />

Songwriting-Sessions. Kurz vorm ersten Lockdown bin<br />

ich Anfang 2020 nach Schweden geflogen und habe<br />

dort den Großteil des Albums produziert, das war ein<br />

tolles Abenteuer. Und dann ging es zurück und der<br />

Lockdown war da, alle Grenzen dicht, man konnte das<br />

Album nicht promoten.<br />

individuell | persönlich | seriös | diskret | einfühlsam<br />

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Die Single „Über uns die Sonne“ war ein Radio-<br />

Erfolg, welche Lieder sollte man sich noch<br />

anhören?<br />

Das ist ja fast eine Fangfrage! (lacht) Natürlich soll man<br />

jeden Song anhören. Aber stolz bin ich auf „Baby bitte<br />

bleib“, das ist ein ganz anderes Lied, auch mit einer<br />

untypischen Produktion.<br />

Wie trifft dich die Pandemie privat?<br />

Ich vermisse riesig das Reisen, das Ausgehen und<br />

Freunde zu treffen. Es ist schwierig, neue Leute<br />

kennenzulernen, wenn man nicht ausgehen darf. Aber<br />

so weit geht es allen gut und man ist sogar noch näher<br />

zusammengekommen. Die Freundschaften, die ich<br />

habe, wurden intensiver. Man weiß jetzt noch mehr, was<br />

man aneinander hat.<br />

Worauf freust du dich im Frühling?<br />

Auf meine Album-Veröffentlichung! Und auf die Zeit,<br />

wenn man wieder Open-Air-Konzerte geben und<br />

gemeinsam feiern kann.<br />

*Interview: Michael Rädel<br />

www.vincentgross.ch,<br />

www.youtube.com/c/VincentGrossMusic,<br />

www.facebook.com/VincentGrossMusic,<br />

www.instagram.com/vincentgross<br />

Als CD, limitierte Fanbox<br />

und digital erhältlich<br />

www.telamo.de


MUSIK<br />

NACHGEFRAGT<br />

FOTO: P. HÜTTEMANN<br />

KELVIN JONES<br />

Er sang schon für ALLE<br />

FARBEN, Lost Frequencies,<br />

YOUNOTUS und auch zusammen<br />

mit Glasperlenspiel, Ilira, Alexa<br />

Feser und Stefanie Heinzmann. Wir<br />

chatteten mit dem Wahlberliner aus<br />

Simbabwe.<br />

Du arbeitest gerne mit Dance-<br />

Producern zusammen, oder?<br />

Liebend gerne! Ich höre ja immer Dance-<br />

Pop, es macht viel Spaß, wenn ich mein<br />

Schreiben mit einem Dance-Producer<br />

kombinieren kann und wir einen Song<br />

machen können, der alle in gute Stimmung<br />

versetzt.<br />

Tanzt du gerne?<br />

Als ich in Simbabwe aufwuchs, gab es<br />

alle paar Monate einen neuen Tanzevent,<br />

sodass man ein oder zwei Dinge über<br />

Rhythmus lernen konnte. Diese Freude<br />

„... besser als je zuvor“<br />

durchs Tanzen und fröhliche Musik teilen<br />

zu können, hat mir wirklich die Augen<br />

geöffnet.<br />

Wie trafen dich als Künstler die<br />

Lockdowns?<br />

Die Hauptsache ist natürlich das Fehlen<br />

von Shows. Mein Sommer sah 2020 ganz<br />

anders aus als in den letzten Jahren.<br />

Einerseits ist es total beschissen, nicht in<br />

der Lage zu sein, meine Lieblingssache auf<br />

der Welt zu machen, live zu spielen und so<br />

unmittelbar mit Menschen in Kontakt zu<br />

treten, andererseits hat es mir ermöglicht,<br />

mich auf meine Produktionen zu konzentrieren,<br />

die sind jetzt besser als je zuvor.<br />

Worüber freust du dich gerade?<br />

Neue Dinge zu entdecken. Weil ich jeden<br />

Tag daran arbeite, ein besserer Produzent<br />

und ein besserer Songwriter zu werden,<br />

fühle ich mich wie ein Schwamm. Ich<br />

nehme sooo viele Informationen auf. Das<br />

ist eine wirklich aufregende Zeit in Sachen<br />

Lernkurve.<br />

*Interview: Michael Rädel<br />

www.facebook.com/kelvinjones


RETRO<br />

Zum 20-Jährigen auf Vinyl<br />

Gleich drei UK-Nummer-eins-Hits finden<br />

sich auf dem dritten Album der Spice Girls:<br />

„Holler“, „Goodbye“ und „Let Love Lead the<br />

Way“. Trotzdem war es das letzte Werk der<br />

damals zum Quartett geschrumpften Band<br />

bis zum 2007er-„Greatest Hits“-Album.<br />

Ende November erschien „Forever“ nun<br />

erstmals als LP, ein kleines Fest für Popmusikliebhaber<br />

und Vinyl-Fetischisten, oder?<br />

Unsere Anspieltipps sind neben den oben<br />

genannten Singles die Ballade „Weekend<br />

Love“ und das funkige „If You Wanna Have<br />

Some Fun“. Die Girlgroup The Spice Girls<br />

wurde 1994 gegründet, zwei Jahre später<br />

gingen Emma Bunton, Melanie C, Victoria,<br />

Mel B und Geri mit der Single „Wannabe“<br />

erfolgreich an den Start, bis 2001 folgten<br />

Hits wie „Too Much“ und „Who Do You Think<br />

You Are“. Im Jahr 2000 kam das dritte<br />

Album „Forever“ bis auf Platz zwei der<br />

Charts. *rä<br />

MUSIK<br />

KLUBMUSIK<br />

Winter<strong>blu</strong>es? Sommer-House<br />

Neben Pop und Eurodance ist House die dominierende Musikart auf<br />

queeren Partys (Klub-Streaming-Events) in der ganzen Welt. Bekannte<br />

Interpreten und DJs sind Inner City, Ultra Naté, DJ Hell, Todd Terry,<br />

Black Box, Hans-Peter Lindstrøm, Fritz Kalkbrenner, (oft) Robin Schulz,<br />

Boris Dlugosch und eben auch Milk & Sugar. Und die beiden haben eine<br />

neue Doppel-CD am Start: „HOUSE NATION IBIZA 2020“.<br />

Ja, das Jahr war in Sachen Party<br />

und Klub eine Katastrophe:<br />

Menschen bangen um ihre<br />

Arbeitsplätze, ausgehen war<br />

nicht drin – oder mit schlechtem<br />

Gewissen dabei und danach.<br />

Aber immerhin, die Klubmusik<br />

konnte sich weiterentwickeln, es<br />

ging nicht mehr um den schnellen<br />

Klopper, der die Tanzfläche<br />

füllt, es ging bei vielen Tracks<br />

(wieder) mehr um eine stimmige<br />

FOTO: S. MEESE<br />

und hörbare Komposition. So ist<br />

diese neue CD auch zu Hause<br />

extrem hörbar. Unsere Anspieltipps<br />

sind „German Winter<br />

(Original Mix)“ von Andhim, „Dia<br />

En El Mar (Original Mix)“ von<br />

Mollono.Bass, Jörg Schwenzer<br />

sowie „Remember Me (David<br />

Penn Extended Remix)“ von Blue<br />

Boy und „Has Your Man Got Soul<br />

(Earth N Days Extended Remix)“<br />

von Milk & Sugar. *rä<br />

HOUSE<br />

Eric Kupper & Diana Ross:<br />

Klubmusik<br />

76 Jahre jung, glückliche Mutter und Oma und vor allem<br />

immer noch eine Sängerin, die liebt, was sie tut. So<br />

überließ es Diana auch keinem Promoter oder Label,<br />

allein zu entscheiden, von wem und wie Hand an einige<br />

ihrer Klassiker gelegt wird.<br />

Sie entschied sich für Eric Kupper, einem DER DJs und<br />

Remixer der USA (mit französischen Wurzeln). Seit<br />

1986 ist der Klubmusiker schon erfolgreich im Geschäft,<br />

versorgte Größen wie Cher, Alicia Keys, Depeche Mode,<br />

Kylie Minogue und Donna Summer mit den Sounds<br />

der Nacht. Das auf Vinyl und CD erschienene Album<br />

„SUPERTONIC mixes“ von Diana Ross enttäuscht dann<br />

auch keine Minute lang. Nummer-eins-Hits wie „Touch<br />

Me in the Morning“ (1973) oder „Upside Down“ (1980)<br />

und „Love Hangover“ (1976) wurden behutsam auseinandergenommen<br />

und kreativ neu zusammengesetzt.<br />

Unsere Anspieltipps<br />

sind die eben<br />

genannten Lieder und<br />

„It’s My House“ (Platz<br />

1 der US Dance Club<br />

Songs 1979). Damals<br />

wie heute erlauben<br />

House und Disco dem<br />

Hörer, der mitunter<br />

anstrengenden Welt zu<br />

entfliehen. Eskapismus<br />

muss manchmal sein –<br />

Disco hilft. *rä<br />

KLUBMUSIK<br />

Donna Summer 1980/2020<br />

Mitte Oktober kam eine aufgemotzte und<br />

liebevoll erweiterte Version ihres 1980er<br />

Top-10-Albums „The Wanderer“ auf den<br />

Markt. Besonders gut ist der Remix von<br />

„Nightlife“.<br />

Das Lied war ursprünglich ein Rock-Disco-<br />

Pop-Spaß vom – zusammen mit Giorgio<br />

Moroder komponierten und produzierten –<br />

Album „The Wanderer“. Der gleichnamige<br />

Titeltack des Albums schoss vor vierzig<br />

Jahren in den USA auf Platz 3, das Album<br />

selbst erreichte dort Platz 13.<br />

2020 nahm sich Le Flex aus Südfrankreich<br />

der Lieder an, verpasste ihnen sphärische<br />

Elektro-Disco-Kosmen, durch die man<br />

beim Hören wabern kann, inszenierte<br />

die Stücke vollkommen neu. Aber immer<br />

im Sinne der ebenfalls beteiligten (noch<br />

lebenden) Musiker. *rä


MUSIK<br />

POP<br />

Küchendisco<br />

statt Lebensfrust<br />

Sophie Ellis-Bextor macht es richtig: Sie verliert sich nicht in<br />

Verschwörungstheorien, sie macht Musik, die aufbaut.<br />

Die Corona-Pandemie und die notwendigen Maßnahmen zu ihrer<br />

Bekämpfung, um Menschenleben zu schützen, stellt vor allem die<br />

Zunft der Kunst auf eine harte Probe – auch weltweit populäre<br />

Musikerinnen wie Sophie Ellis-Bextor, die eben nicht mit Tourneen und<br />

Auftritten Geld verdienen konnte. Die scheinbar immer fröhliche und<br />

in sich ruhende Mutter nutzte die Zeit aber und versorgte ihre Fans<br />

regelmäßig mit Livemusik aus ihrer Küche – mit fröhlicher Beteiligung<br />

ihrer Familie via Social Media. So entstand die Idee, ein ganzes Album<br />

mit Disco und Pop herauszubringen, das ihre zahlreichen Hits und<br />

ausgewählte Lieblingsstücke vereint.<br />

Unsere Anspieltipps auf dem grandiosen Album „Songs from the<br />

Kitchen Disco“ sind ihre Klassiker wie „Murder on the Dancefloor“,<br />

„Groovejet (If This Ain’t Love)“ und „Mixed Up World“ sowie „Crying at<br />

the Discoteque“ (im Original von Alcazar, die wiederum Sheilas „Spacer“<br />

sampelten) und die Hits „Me and My Imagination“ und „Get Over You“.<br />

Das Album erschien auf Vinyl, CD, Kassette (!) und natürlich digital. *rä<br />

KULT<br />

Miley und Dua ehren Divine<br />

Dua Lipa und Miley Cyrus featuren in<br />

ihrem aktuellen Musikvideo zu „Prisoner“<br />

die legendäre Dragqueen Divine. Das Lied<br />

ist durchaus gewöhnungsbedürftig, wenn<br />

man auf Dance-Pop gehofft hat, überzeugt<br />

aber schon beim an „Physical“ von<br />

Olivia Newton-John erinnernden Refrain<br />

und gräbt sich dann langsam in dein Ohr<br />

und Hirn. Rockig, emanzipiert und queer,<br />

genau richtig für dieses schnöde Zeit. Die<br />

in den 1980ern verstorbene Dragqueen<br />

und John-Waters-Muse Divine ist ganz<br />

am Ende in voller Fülle zu sehen, als<br />

Dawn Davenport<br />

mit dem Satz „I’m<br />

a free woman now<br />

and my life is just<br />

ready to begin“.<br />

Divine machte sich<br />

stark für queere<br />

Rechte als es<br />

noch gefährlich(er) war. Schon in den<br />

1960er-Jahren provozierte die Dralle<br />

aus Maryland ihre konservative Umwelt.<br />

Unvergessen und wegweisend: ihre<br />

Kunst. Und auch ihre Filme mit Regisseur<br />

John Waters! Divines Privatleben war<br />

nicht weniger interessant, so war die<br />

punkige Bunte zum Beispiel mit dem<br />

US-Pornostar Leo Ford (1957 – 1991)<br />

zusammen. *rä<br />

KLUBMUSIK<br />

Smoothes Disco-House<br />

„Let Me Go“ von Lori Glori & Melchior Sultana<br />

ist die perfekte Nummer für den Winter,<br />

weckt sie doch Erinnerungen an einen<br />

heißen Sommer.<br />

Loris kräftige Soulstimme fordert Respekt<br />

und Freiheit ein, die smoothen House-Beats<br />

und funkigen Effekte machen dieses<br />

brandneue Lied zu einem entspannten –<br />

klubbigen – Ohrwurm.<br />

Produziert hat Melchior Sultana, Jahrgang<br />

1986, ein auf Malta lebender Musiker, der<br />

auch schon im Berghain, im nicht weniger<br />

legendären Café del Mar auf Ibiza, dem<br />

Tresor und dem Underground-Klub IPSE<br />

auflegte und auftrat. Die Stimme von Lori<br />

Glori wirst du schon kennen, wenn du<br />

House und Eurodance magst. Sie war es, die<br />

den Refrain sang bei Charthits von Intermission<br />

(„Six Days“, ...), Centory („The Point<br />

of No Return“, ...), Loft („Wake the World“, ...),<br />

DJ Bobo („Pray“, „Let the Dream Come True“,<br />

„There’s a Party“, ...) und auch vom Captain<br />

Hollywood Project („Flying High“, ...). *rä


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KUNST<br />

NACHGEFRAGT<br />

MISS<br />

In Städten wie Berlin schmücken<br />

ihre Kunstwerke die<br />

großen und ohne Kunst mitunter<br />

bedrohlichen Mauern. Es scheint, als<br />

ob ihre Welt bunt, poppig, queer und<br />

fröhlich ist. Für uns hatte die Künstlerin<br />

Zeit für einen Chat. *rä<br />

Erkläre dem Laien mal deine Kunst:<br />

StreetartEgg und Sticker-Paste-ups.<br />

Ich habe vor zwei Jahren damit begonnen,<br />

meine handgemachten Collagen auf<br />

Instagram zu zeigen. Seitdem hat sich viel<br />

getan in meinem Leben. Für Streetart habe<br />

ich mich schon immer interessiert und<br />

so lag es nahe, meine Kreationen auch in<br />

GLUENIVERSE<br />

Gl<br />

e<br />

macht das Leben bunter<br />

das Straßenbild Berlins zu integrieren. Der<br />

erste Sticker ist in Zusammenarbeit mit<br />

der Kölner Künstlertruppe „Levveunlevvelosse<br />

– Streetart against hate“ entstanden<br />

und es folgten weitere. Aufkleber sind<br />

einfach, schnell und unauffällig in der<br />

Stadt zu verteilen. Ein Paste-up ist<br />

ein Kunstwerk auf Papier gemalt oder<br />

ausgedruckt, welches mithilfe von Kleister<br />

an Oberflächen wie Häuserwände, Mauern,<br />

Glascontainer usw. geklebt wird. Das ist<br />

etwas aufwendiger, als einen Sticker zu<br />

kleben, und auf jeden Fall auch aufregender.<br />

Die Absicht dahinter ist, die Straßen<br />

bunter zu machen, Kunst im alltäglichen<br />

Leben zu zeigen und für alle zugänglich zu<br />

machen.<br />

Wie kamst du auf die Idee mit dem Ei?<br />

Mein erster Impuls war es, Bilder zu<br />

machen, die Menschen aufmuntern. Etwas<br />

Fröhliches, das zum Schmunzeln anregt<br />

und bestenfalls die Stimmung aufhellt.<br />

Deshalb war mein erster Künstlername<br />

„Das Frohlein Moodmacher“. Die Idee für<br />

das Ei steckt sozusagen im FrohlEin. Das<br />

Ei wird mit Augen und Mund aus Papier<br />

beklebt, manchmal mit Mützen bestückt,<br />

und den Rest des Körpers gestalte ich<br />

mit Papierausschnitten aus Magazinen.


KUNST<br />

So entstanden schon einige Charaktere.<br />

Mittlerweile gestalte ich auch Bilder ohne<br />

Eier. Den Namen musste ich leider ändern,<br />

da eine Firma mich auf ihre Markenrechte<br />

hingewiesen hat.<br />

Wie entsteht ein Bild bei dir?<br />

Meistens entstehen die Bilder ganz<br />

spontan aus dem Bauch heraus. Sie entspringen<br />

meinen aktuellen Stimmungen<br />

und Erlebnissen und spiegeln Themen,<br />

mit denen ich mich beschäftige. Wenn ich<br />

Zeit und Muße habe, wühle ich mich durch<br />

die unendliche Fülle von Zeitschriften,<br />

Fotos und Schnipsel, schneide aus und<br />

füge zusammen. Manche Bilder entstehen<br />

innerhalb von zehn Minuten, bei anderen<br />

muss die Idee erst reifen.<br />

Was inspiriert dich?<br />

Knallige Farben, Wortspiele, Musik, Ruhe,<br />

der Austausch mit Menschen allgemein<br />

und insbesondere mit anderen Künstlern.<br />

Durch die Streetart habe ich sehr wertvolle<br />

Verbindungen knüpfen können, aus<br />

denen auch schon einige Kollaborationen<br />

entstanden sind.<br />

Du lebst in Berlin, kommst aber aus<br />

Österreich. Vermisst du die Ruhe<br />

mitunter im Großstadttrubel?<br />

Ich lebe nun schon über die Hälfte meines<br />

Lebens in Berlin und liebe diese Stadt.<br />

Damals trieb mich die Abenteuerlust aus<br />

einem kleinen Dorf nach Berlin. Trotzdem<br />

genieße ich die Zeit in meiner Heimat,<br />

wann immer ich kann. Meine Familie, die<br />

Berge, die Ruhe, den Wald, die Luft!<br />

Welche Künstler beeinflussen dich<br />

aus deiner Heimat?<br />

Kein konkreter Künstler, aber ich habe<br />

einige kreative Köpfe in meiner Verwandtschaft<br />

und hatte den Vorteil, mich schon<br />

früh ausprobieren zu können. Durch eine<br />

nah gelegene Künstlerstadt war ich immer<br />

schon umgeben von kreativen Vibes und<br />

Inspiration.<br />

Und aus Berlin?<br />

Auch zu dieser Frage möchte ich keinen<br />

Namen nennen. Es gibt hier zahlreiche<br />

Künstler, die mir mit ihren Arbeiten<br />

visuellen Input geben, aber viel wichtiger<br />

sind mir der Austausch untereinander und<br />

die gegenseitige Inspiration, die daraus<br />

entsteht.<br />

Worauf freust du dich im Frühling?<br />

Auf Ostern! Kleiner Scherz. Was ich am<br />

Frühling liebe, ist das langsame Erwachen<br />

der Natur, und auch die Berliner werden<br />

mit den ersten Sonnenstrahlen und<br />

warmen Tagen wieder etwas freundlicher.<br />

Auf jeden Fall hoffe ich darauf, dass wir<br />

uns im Frühling wieder ohne Masken<br />

bewegen können, und freue ich mich<br />

darauf, Freunde wieder spontan und<br />

unbefangen umarmen zu können. Das<br />

vermisse ich sehr!<br />

www.instagram.com/miss_glueniverse


KUNST<br />

TOM OF<br />

KALENDER


KUNST<br />

FINLAND <strong>2021</strong><br />

13 Männerbilder, darunter seine berühmten Cowboys,<br />

Polizisten und Motorradfahrer, werden dich<br />

<strong>2021</strong> durchs Jahr begleiten. 13 Mal schwule Erotik,<br />

die man aber (gerade noch) „ohne Probleme“<br />

aufhängen kann ... Kunst darf das!<br />

Tom of Finland sorgte für schwule Sichtbarkeit, als dies noch<br />

mit gesellschaftlicher Ächtung und sogar Strafverfolgung<br />

einherging. Doch der Künstler wollte sich nicht dem Diktat der<br />

heterosexuellen und stockkonservativen Mehrheit beugen,<br />

er inszenierte ab den 1950er-Jahren den schwulen Mann als<br />

Sexobjekt. Er wollte sich nicht damit zufriedengeben, dass<br />

Schwule ab und an als hübsche Jünglinge oder Dragqueens in<br />

der Kunstwelt (und im Nachtleben) auftauchten.<br />

Touko Valio Laaksonen wollte einen<br />

anderen Teil der schon damals<br />

vielfältigen Subkultur zeigen: die des<br />

Ledermanns, des Cowboys, des „ganz<br />

normalen Machos“.<br />

Er wagte es, den Mann erotisch und in<br />

„verfänglichen“ Situationen zu zeichnen<br />

in einer Zeit, als Busenwunder im<br />

Abendkleid oder ein Hüften schwingender<br />

Elvis schon ein Höchstmaß an<br />

Erotik waren. Tom of Finland war mit dem<br />

Zeichenstift in der Hand ein Vorkämpfer<br />

der Schwulenbewegung.<br />

Angeboten wird dieser hochwertige und<br />

exklusive Kalender zu Ehren des finnischen<br />

Künstlers, zu deiner Erbauung, vom queeren<br />

Team des US-Shops Peachy Kings. *rä<br />

www.peachykings.com


BUCH<br />

INTERVIEW<br />

RENÉ WÜST:<br />

„Ich habe sehr<br />

viel Glück ...“<br />

Haustiere entspannen, aber auch Tierfilme und die Natur<br />

allgemein. Entspannung ist genau das, was der gestresste<br />

Großstädter zwingend braucht. Und was wäre ein Tag ohne spaßige<br />

GIFs, in denen unsere gefiederten Genossen Blödes tun oder<br />

Weises verkünden? Wir sprachen mit René Wüst, seines Zeichens<br />

Verleger und Verlagsleiter sowie der Herausgeber des Magazins<br />

„Gefiederte Welt“.<br />

Wie kamst du zu deiner Arbeit? Es ist ja<br />

kein Allerweltsjob.<br />

Die Leidenschaft für Vögel hat mich bereits<br />

im Kindesalter ergriffen. Auf der Wiege saß<br />

der zahme Wellensittich. Das ist als Bild in der<br />

Familie festgehalten. Mit 14 Jahren absolvierte<br />

ich die damals noch notwendige Prüfung<br />

für eine amtlich anerkannte Vogelzucht. Ich<br />

begann dann bald, erste Artikel zur Vogelhaltung<br />

zu veröffentlichen und mich im internationalen<br />

Artenschutz zu engagieren. Das Interesse<br />

an Freilandbeobachtung und Naturfotografie<br />

kam hinzu und dabei lernte ich den vorherigen<br />

Inhaber des Verlages kennen. Jahrzehnte später<br />

bot mir dieser den Kauf seines Verlages und<br />

des zugehörigen Fachbuchhandels an. Ich<br />

habe Ja gesagt, denn es hat alles gepasst: Mein<br />

persönliches Interesse, langjährige Erfahrung im<br />

Fachgebiet und mein kaufmännischer Hintergrund,<br />

um das Unternehmen zu führen.<br />

FOTO: KRISTIJAN MATIĆ<br />

Viel reisen gehört zu deiner Position<br />

dazu, oder?<br />

Ja, zum einen sind das die Reisen in die<br />

Herkunftsgebiete der Vögel, um sie im Freiland<br />

zu beobachten und zu fotografieren. Bei über<br />

fünfzig außereuropäischen Expeditionen war<br />

ich schon dabei. Zum anderen sind es nicht<br />

weniger geschäftliche Reisen zu Geschäftspartnern,<br />

Kongressen oder auch unseren selbst<br />

veranstalteten Seminaren. Die Vogelhaltung<br />

ist ein internationales Phänomen und gerade<br />

professionelle Halter und Züchter sind weltweit<br />

miteinander vernetzt. Zu Corona-Zeiten haben<br />

wir das natürlich stärker digitalisiert und es sind<br />

weniger Reisen gefragt.<br />

Wie sieht eine normale Arbeitswoche für<br />

dich aus?


BUCH<br />

Das ist im Vergleich zu den Expeditionen<br />

die bodenständige kaufmännische oder<br />

organisatorische Arbeit eines Verlagsleiters.<br />

Zum Beispiel Controlling, Personalthemen,<br />

Arbeitsprozesse und nicht zu<br />

vergessen der Austausch<br />

mit unseren Redaktionen<br />

und Kunden. Besondere<br />

Freude bereitet mir die<br />

Fortentwicklung unserer<br />

Neuheiten. Darunter<br />

druckfrische Bücher<br />

oder Sonderhefte<br />

und die verlagseigene<br />

Akademie.<br />

Bleibt da noch Zeit<br />

für deinen Mann?<br />

Ich habe sehr viel<br />

Glück, dass mein<br />

Mann sich ebenfalls<br />

für Tiere und Pflanzen<br />

interessiert und<br />

er mir immer den Rücken<br />

stärkt – immerhin bereits seit 15 Jahren.<br />

Mir macht meine Arbeit Spaß und er<br />

muss mich des Öfteren daran erinnern,<br />

dass es nicht nur Arbeit gibt. Da er aber<br />

selbst mit seiner Goldschmiede ein<br />

„Macher“ ist, bringt er mir viel Verständnis<br />

entgegen. Ich denke, wir sind ein gutes<br />

Team und ergänzen uns in vielen Lebensbereichen<br />

prima.<br />

Welches Land bereist du besonders<br />

gerne?<br />

Kolumbien ist eines meiner Lieblingsländer.<br />

Bereits seit 2005, also<br />

noch zur aktiven Zeit der F.A.R.C.<br />

(Guerillabewegung) begann ich in nahezu<br />

alle Teile des Landes zu reisen und lernte<br />

neben den Problemen die Biodiversität<br />

und die atemberaubenden vielfältigen<br />

Landschaften von der Karibikküste, mit<br />

den bedrohten Trockenwäldern, über das<br />

Anden-Hochland mit<br />

dem höchsten<br />

Küstengebirge<br />

der Welt (5.775<br />

Meter) bis zum<br />

Tieflandregenwald<br />

im Amazonas<br />

kennen. Ich bin<br />

zwar kein Fan von<br />

Maisspeisen, aber<br />

kulinarisch wird viel<br />

mehr geboten. Da<br />

sich in der Neuzeit<br />

die Sicherheitslage<br />

in weiten Teilen<br />

des Landes enorm<br />

entspannt hat, kann<br />

ich Kolumbien, wenn<br />

wieder einigermaßen<br />

normal gereist werden kann, sehr<br />

empfehlen.<br />

Hast du denn einen<br />

Lieblingspapagei?<br />

Oh ja, natürlich, wobei es bei der<br />

Artenvielfalt der Papageienfamilie recht<br />

schwerfällt, mich auf eine Art zu begrenzen.<br />

Die gesamte Familie der Kakadus,<br />

hier vor allem den Orangehaubenkakadu<br />

oder den Palmkakadu, mag ich sehr<br />

gerne. Außerdem die Gattung der Unzertrennlichen,<br />

die umgangssprachlich auch<br />

als Liebesvögel bekannt sind.<br />

Denkst du, dass die Community<br />

ungewöhnliche Haustiere besonders<br />

schätzt und womöglich auch<br />

besitzt?<br />

Das denke ich nicht nur, sondern das<br />

zeigt mir meine langjährige Erfahrung in<br />

diesem Bereich. Den Anteil an Haustierbesitzern<br />

würde ich in der Community<br />

als überdurchschnittlich einschätzen.<br />

Dabei begegnet mir vielfach eine<br />

einfühlsame Pflege der Tiere und eine<br />

liebevolle Integration in die Familie.<br />

Welchen Papagei würdest du<br />

Anfängern empfehlen? Oder gleich<br />

zwei?<br />

Bei haltungsrelevanten Papageienarten<br />

sind es, aufgrund des Tierwohls, immer<br />

zwei! Bitte keine Einzelhaltung, denn das<br />

tut dem Vogel nicht gut. Mit kleineren<br />

Sitticharten wie z. B. Wellen- oder Nymphensittichen<br />

kann man sehr gut erste<br />

Erfahrungen sammeln. Es kommt eben<br />

auf die Motivation der Vogelhaltung an:<br />

Möchte man lediglich Vögel halten oder<br />

ggf. sogar auch mal vermehren? Vor jeder<br />

Anschaffung sollte man sich gründlich<br />

informieren. Da ist sicher das Schwarmwissen<br />

in den Foren des Internets. Viele<br />

engagierte Menschen sind da unterwegs,<br />

aber nicht jeder ist ein echter „Experte“.<br />

Daher empfehle ich immer geprüfte<br />

Fachbücher oder aktuelle Zeitschriften,<br />

um sich ein eigenes, fundiertes Wissen<br />

anzueignen.<br />

*Interview: Michael Rädel<br />

www.arndt-verlag.de


KUNST BUCH<br />

NACHGEFRAGT<br />

FÉLIX LEMENS’<br />

Kriminalromane<br />

Seine Bücher wie „Das<br />

Carnet – Wie viele Leben hat<br />

ein Mensch“ und „Beste Bestien<br />

– ein Berlinkrimi“ sind spannende<br />

Unterhaltung schwulen Ursprungs,<br />

aber ohne schwule Handlung.<br />

Wir chatteten mit dem Münchner<br />

Berlinfan, Autor Félix LeMens.<br />

Warum schreibt ein Münchner<br />

Berliner Krimis?<br />

Das ist relativ einfach erklärt. Meine Mutter<br />

ist in Charlottenburg geboren und meine<br />

Omi kam aus dem Wedding. Insofern<br />

habe ich mehr als einen Koffer in Berlin<br />

stehen. Abgesehen von meinen familiären<br />

Wurzeln, kam für mich keine andere Stadt<br />

in Frage, die über so viele interessante und<br />

zugleich spannende Orte verfügt als Berlin.<br />

Ist es für dich in der Pandemie<br />

schwerer oder leichter geworden<br />

als Buchautor? Lesen die Leute nun<br />

mehr?<br />

Ich habe 2020 den Krimi und den Thriller<br />

veröffentlicht, geschrieben wurden sie<br />

2018/2019. Was in jedem Fall sichtbar<br />

ist, dass Buchhandlungen es einem<br />

momentan nicht leicht machen, das<br />

Buch im Verkaufsraum zu platzieren. Hier<br />

wird Corona gerne als Grund genannt.<br />

Verlage und Handel sind sicherlich durch<br />

Kurzarbeit in Rückstand gekommen und<br />

überlastet.<br />

Verzichtest du bewusst auf schwule<br />

Handlungsstränge oder kann das<br />

noch kommen?<br />

Jein. Es gibt in Das Carnet durchaus auch<br />

„schwule Themen“. Einen Protagonisten<br />

lasse ich bewusst frei leben, sodass ihn<br />

der Leser nicht gleich in Schubladen<br />

packen kann. Im Folgeroman erfährt man<br />

mehr über ihn und es kommt auch eine<br />

schwule Nebenfigur ins Spiel.<br />

Welche Pläne hast du für <strong>2021</strong>?<br />

<strong>2021</strong> werde ich Cauria, ein weiterführender<br />

Roman von Das Carnet, herausbringen.<br />

Derzeit schreibe ich am dritten<br />

Buch aus der Reihe. Alle drei Bände sind<br />

aber in sich abgeschlossene Werke. Dann<br />

wird auch noch ein weiterer Krimi aus der<br />

Reihe Ein Berlinkrimi erscheinen.<br />

Was liebst du an München?<br />

Die Isar und der Flaucher, das sind die<br />

Bade- und Liegewiesen am Fluss, der<br />

durch die Stadt fließt. Die Architektur<br />

des alten Münchens und natürlich das<br />

Umland mit der Nähe zu den Bergen und<br />

dem Süden, den man hier schon erahnen<br />

kann.<br />

Und an Berlin?<br />

Den Esprit Berlins, die Berliner Schnauze<br />

und die enorme Weitläufigkeit der Stadt.<br />

Klar, auch die Klubszene – aber wer<br />

liebt die nicht! Für mich als neugierigen<br />

Menschen gibt es in Berlin immer noch<br />

viel zu entdecken.<br />

*Interview: Michael Rädel<br />

www.lesalon.net


immer aktuell<br />

informiert<br />

www.männer.media


BUCH<br />

GESCHICHTE<br />

Postkarte, circa 1900, 140 x 89 mm, Herkunft: USA, © Courtesy of the Nini-Treadwell<br />

Collection © „Loving“ by 5 Continents Editions/Elisabeth Sandmann Verlag<br />

SCHWULE LIEBE<br />

1850 – 1950<br />

Ein fürwahr bewegendes, spannendes und<br />

außergewöhnliches Buch, das im Oktober<br />

erschienen ist: „Loving – Männer, die sich lieben,<br />

Fotografien aus den Jahren 1850 – 1950“ von<br />

Hugh Nini und Neal Treadwell.<br />

„Unsere Sammlung begann vor zwanzig Jahren, als wir auf<br />

ein altes Foto stießen, das wir für einzigartig hielten. Das<br />

Motiv auf diesem Vintage-Foto waren zwei junge Männer,<br />

die sich umarmten und anstarrten – eindeutig verliebt“, so<br />

die beiden Autoren über den Beginn dieser fotografischen<br />

Reise. Rund 2.800 Bilder sind inzwischen zusammengekommen,<br />

über 300 sind jetzt vereint in einem Buch.<br />

Die Bilder entstanden, als homosexuelle Liebe gesellschaftlich<br />

geächtet war, Schwule lebten versteckt,<br />

mussten ihre Liebe unterdrücken und konnten Sex nur<br />

auf Klappen oder im Geheimen erleben. Dieses Buch ist<br />

ein wichtiges Zeitdokument, das uns vor Augen führt, was<br />

war. Die Männer, die sich in romantischen Posen ablichten<br />

ließen, riskierten viel – Häme und Diskriminierung waren<br />

da noch das Harmloseste, das drohte. Womöglich das<br />

berührendste Buch der letzten Monate. Ein schwules<br />

Muss! *rä<br />

Kabinettformat, circa 1880, 167 x 109 mm, Herkunft: USA, Notiz: „McInturff, Steve Book,<br />

Delaware O.“, © Courtesy of the Nini-Treadwell Collection © „Loving“ by 5 Continents<br />

Editions/Elisabeth Sandmann Verlag<br />

„Loving – Männer, die sich lieben, Fotografien aus den<br />

Jahren 1850 – 1950“, www.loving1000.org, esverlag.de


lui plus Stuhl<br />

filigno Vitrine<br />

BEI DIESER MATERIALSTÄRKE<br />

KANN MAN NUR EINS SAGEN:<br />

FEIN GEMACHT!<br />

it´s a tree story.<br />

TEAM 7 Berlin, www.team7-berlin.de<br />

TEAM 7 Hamburg City, www.team7-hamburg.de<br />

TEAM 7 Hamburg, www.team7-hamburg.de<br />

TEAM 7 Frankfurt, www.team7-frankfurt.de<br />

TEAM 7 Düsseldorf, www.team7-duesseldorf.de<br />

TEAM 7 Münster, www.team7-muenster.com<br />

TEAM 7 Stuttgart, www.team7-stuttgart.de<br />

TEAM 7 München, www.team7-muenchen.de


Motzstrasse 11<br />

10777 Berlin<br />

Fon 030-23 62 64 85<br />

Fax 030-23 62 64 86<br />

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Viktoria-Luise-Platz 9<br />

10777 Berlin<br />

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www.apoviktoria.de<br />

mail@apoviktoria.de<br />

Öffnungszeiten:<br />

Montag bis Freitag<br />

8.30–20.00 Uhr<br />

Sonnabend<br />

9.00–16.00 Uhr

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