baumgeschichten

rahel.wenger

Philippe Domont

Edith Montelle

Baumgeschichten

Von Ahorn bis Zeder

Fakten, Märchen, Mythen


Dank

Unser Dank geht an Alexis Bétemps, Direktor des

Archivvereins Aostatal, für die Aufnahmen zur

Lärche und Angaben zu den Traditionen des

Aostatals; an Marco Condera für seine Informationen

über den Kastanienbaum; an Raymond Delavigne,

der uns seine umfassende Bibliothek zur

Verfügung gestellt hat; an Benoît Garonne, Dozent

an der Universität Montpellier, für seine Erklärungen

zur Fortpflanzung des Feigenbaumes; an den

Biologen Alain Georgy für seine Fotos der Bergfinken

in den Buchenwäldern des Juras; an den

Dichter Guy Jean aus Québec für seine Informationen

über den traditionellen Umgang der Indianer

mit dem Zuckerahorn; an Patricia Jeanneret,

Direktorin der Universitätsbibliothek Neuenburg;

an Jacques Merceron, Professor für Literatur und

französische Kultur an der Universität von Indiana

(USA), der für uns Dokumente über die

Indianer gesucht hat; an Frédéric Mortier und

François Vernier von der französischen Landesforstverwaltung

(ONF) für die kritische Durchsicht

des Manuskripts; an Yoko Naba, Professorin

an der Universität von Yokohama, für ihre Anga-

ben zum Ginkgo; an Maurice Piboule aus Montluçon

für seine Nachforschungen über die Pappel

in der Mythologie; an Paul Schubert, Professor an

der Universität Neuenburg; an den belgischen

Fotografen und Baumliebhaber Benjamin Stassen

für Hinweise zu den Sagen und Märchen seines

Landes; an André Vigouroux, der seine Forschungsergebnisse

über die Platane an uns weitergegeben

hat; an Tomoko Yamagushi, Übersetzerin in

Kobe, für ihre Ausführungen über die mythologische

Bedeutung der Föhre in Japan; und an alle

diejenigen, die uns über die Jahre bei der Suche

nach Informationen behilflich waren, die unsere

Texte korrigiert und uns unterstützt haben.

Des Weiteren danken wir der Vontobel-Stiftung,

der Anna-Zemp-Stiftung, der Oertli-Stiftung

und Grün Stadt Zürich, deren finanzielle Unterstützung

die deutsche Fassung erst ermöglicht

hat. Ein spezieller Dank gilt Herrn Prof. Franz

Schmithüsen für seine fachlichen Anregungen

und seinen finanziellen Beitrag zur Realisierung

der Publikation.

4 Dank


Inhaltsverzeichnis

006 Einleitung

008 Der Ginkgo – Der Baum der Erinnerns

024 Die Platane – Der Baum der Begegnung

038 Die Italienische Pappel – Der Baum des Wassers und des Windes

054 Der Feigenbaum – Der Baum des milchigen Saftes

072 Der Olivenbaum – Der Baum des Öls

090 Die Zeder – Der Baum des duftenden Holzes

108 Die Birke – Der Baum des Neubeginns

126 Die Waldföhre – Der Baum des Feuers und des Sandes

142 Die Lärche – Der Baum der goldenen Berge

158 Die Fichte – Der Baum der Musik

176 Die Weißtanne – Der Baum des Weihnachtslichts

192 Der Bergahorn – Der Baum der vielen Farben

210 Die Linde – Der Baum der heilenden Blüten

226 Die Buche – Der Baum der Buchfinken

242 Die Eiche – Der Baum der Gerechtigkeit

262 Die Esche – Der Baum der jugendlichen Kraft

278 Die Edelkastanie – Der Baum des rettenden Mehls

292 Die Eibe – Der Baum des Lebens und des Todes

310 Wissenswertes über die Symbolik des Baumes

321 Anhand von Ortsnamen Landschaft und Lokalgeschichte entdecken

326 Kleines Waldwörterbuch

331 Weiterführende Literatur

Baumgeschichten

5


Einleitung

Bäume und Wälder haben in allen Zivilisationen

eine grundlegende Rolle gespielt. Im Verlaufe der

Menschheitsgeschichte dienten unsere grünen

Begleiter uns nicht nur zum Heizen und Bauen,

sondern auch zur Herstellung von Werkzeug

oder als Nahrung für Mensch und Tier. So ist es

nicht verwunderlich, dass der Baum bei den

meisten Völkern auch einen hohen symbolischen

Stellenwert hat. In der Landschaft ist der Baum

ein leicht zu erkennendes Merkmal, ein Bild, auf

das sich Gefühle, intellektuelle Konzepte oder

metaphysische Vorstellungen übertragen lassen.

In der Mythologie kommt der Baum als Weltenbaum,

als Baum des Lebens und des Todes und

als Baum des Wissens vor.

Der Mensch hat den Wald – dessen Hauptakteure

zwölf der hier porträtierten Baumarten sind – im

Laufe der Jahrhunderte sehr kreativ und vielfältig

genutzt. In einigen Epochen und Regionen hat er

das ökologische Gleichgewicht des Waldes nur

wenig beeinflusst – zum Beispiel wenn nur kleinen

Völkern große Waldgebiete zur Verfügung

standen. In anderen Zeiten hat der Mensch durch

sein ungeschicktes Eingreifen in das Gleichgewicht

der Natur Schäden und Zerstörung gebracht.

Das war namentlich der Fall in Zeiten

demografischen Wachstums und vor allem während

der Industrialisierung, als der Wald die

wichtigste Energiequelle war.

Noch heute ist der größte Teil der Menschheit

auf die Produkte und Dienste des Waldes angewiesen.

Auch in modernen Gesellschaften bleibt

Holz ein hoch geschätztes Material. Seine ökologischen

Eigenschaften als Kohlenstoffspeicher

und als sinnvoller Ersatzstoff für Beton, Stahl und

Erdöl räumen ihm wieder gute Marktchancen

ein. Während Jahrzehnten hatte das Holz an Wert

verloren, weil man – reichlich sorglos – auf billige

fossile Energieträger und energieverschlingende

Materialien setzte. In immer dichter besiedelten

Landschaften nimmt der Wald auch durch seine

vielfältigen Leistungen wieder an Bedeutung zu:

Er schützt immer größere Siedlungen und intensiver

befahrene Straßen vor Naturgefahren, er

dient als effizienter und natürlicher Trinkwasserfilter

und ist für zivilisationsgeplagte Städter zum

wichtigen Naherholungsgebiet geworden.

Heute ist der Wald in Europa auch flächenmäßig

wieder in Vormarsch. Wie schon oft in früheren

Jahrhunderten, zum Beispiel nach langen Kriegen

oder nach Epidemien, erobern die Bäume ehemals

kultivierte Landschaften zurück und überwuchern

dabei alles, was an verlassener Zivilisation

übrig bleibt: Wege, Eisenbahnlinien,

Mauern, Häuser, sogar ganze Dörfer. Dieses Phänomen

lässt sich heute in vielen von der Landwirtschaft

aufgegebenen Gebieten beobachten,

namentlich in Gebirgsregionen in ganz Europa.

Geschichtlich betrachtet, erleben wir derzeit aber

eine Premiere: Erstmals vergrößert sich die Waldfläche

in Europa bei einer gleichzeitigen Bevölkerungszunahme.

Früher war eine Zunahme der

Bevölkerung nur auf Kosten der bewaldeten Gebiete

möglich.

Trotzdem sind seit einigen Jahrzehnten Bäume

und Wald in Europa zu einem Symbol der bedrohten

Natur geworden. Es scheint, dass die Europäer

in ihrer Vorstellung die großen Probleme

des Regenwaldes auf die hiesigen Wälder übertragen

haben. Aber die nachhaltige Forstwirtschaft

hat in den industrialisierten Ländern große

Fortschritte gemacht und entwickelt auch weiterhin

ständig neue Bewirtschaftungsmethoden, die

immer besser auf die Prozesse der Natur abgestimmt

sind und die Vielfalt der Tiere und Pflanzen

als Indikator für die Gesundheit des Waldes

mit einbeziehen.

Warum dieses Buch

Zu allen Baumarten, die bei uns vorkommen,

liegen sowohl naturwissenschaftliche und geschichtliche

Erkenntnisse vor als auch zahlreiche,

6 Baumgeschichten


mündlich und schriftlich überlieferte Sagen und

Mythen. Dieses Buch lädt zu einer interdisziplinären

Entdeckungsreise ein: Achtzehn verschiedene

Baumarten, die zu unserem täglichen

Umfeld gehören, werden einerseits aus der Perspektive

des Forstingenieurs, andererseits aus der

Perspektive der Erzählerin genauer beschrieben.

Jedes Baumporträt besteht aus vier Teilen: einem

biologischen, sozioökonomischen und historischen

Teil mit Informationen über die jeweilige

Baumart, den Lebensraum Wald und das Zusammenspiel

von Mensch und Natur (Porträt); einem

mythologischen Teil mit Informationen über die

Bedeutung der Baumart in den verschiedenen

Kulturen (Symbolik); einem Teil mit Erzählungen

zur jeweiligen Baumart (Märchen und Mythen)

und einem Steckbrief, der das Wichtigste in der

gebotenen Kürze noch einmal zusammenfasst

und zusätzliche Angaben im Bereich sprachlicher

Phänomene enthält. Der Leser, die Leserin kann

sich entweder ausschließlich auf die wissenschaftlichen

Erkenntnisse oder eher auf die symbolische

Bedeutung konzentrieren, aber er oder

sie kann sich auch für das Wechselspiel zwischen

beiden Perspektiven interessieren, sodass ein

Dialog zwischen dem rationalen und dem imaginären

Aspekt entsteht. Die in jedem Porträt enthaltenen

Märchen schließlich können die Neugier

für die Funktionsweise der Natur wecken; sie bereichern

die innere Vorstellungswelt und stärken

die Beziehung des Menschen zur Natur.

Der interdisziplinäre Ansatz des Buches soll dem

Leser, der Leserin helfen, der materialistischen

Beschränktheit reiner Wissenschaft zu entgehen;

gleichzeitig schützt er vielleicht ein wenig vor der

künstlichen Esoterik, der bei Naturthemen, gerade

was Bäume angeht, nicht selten gefrönt wird.

Achtzehn Baumarten

Die Texte in den Teilen Porträt und Symbolik sind

jeweils nicht nach einem einheitlichen Raster gestaltet,

sondern stellen die wichtigsten Aspekte

dar, die zur Persönlichkeit eines jeden Baumes

gehören, so, wie die Autorin und der Au-tor sie

wahrnehmen. Insgesamt wurden achtzehn

Baumarten ausgewählt. Da der Baum nicht nur

im Wald wächst, sondern auch im Siedlungsraum

stark präsent ist, beginnt das Buch mit drei typischen

Stadtbaumarten, dem Ginkgo, der Platane

und der Italienischen Pappel, die alle drei häufig

auf großen Plätzen, in Parkanlagen oder entlang

von Straßen vorkommen. Als Vertreter für die

Mittelmeerarten stehen die Feige, der Olivenbaum

und die Zeder – Bäume, die im mediterranen

Raum und in Mitteleuropa sowohl wirtschaftlich

als auch kulturell besonders wichtig waren und

immer noch sind. Die übrigen zwölf Baumarten

sind allesamt Waldbäume: Birke, Waldföhre, Lärche,

Fichte, Weißtanne, Bergahorn, Linde, Buche,

Eiche, Esche, Kastanie und Eibe. Aus diesen zwölf

Bäumen besteht der Großteil der europäischen

Wälder, im Flachland wie im Gebirge.

Ein Kapitel über die Symbolik des Baumes am

Ende des Buchs erlaubt es, die mythologische

Perspektive weiter zu vertiefen. Ein weiteres

Kapitel über die Ortsnamen zeigt, wie sich die

Bedeutung der Bäume in den jeweiligen Ortsbezeichnungen

niedergeschlagen hat, und lädt

zu einer aufmerksameren Betrachtung unserer

Landschaften und ihrer Namen ein. Zum Abschluss

folgt ein kleines Waldwörterbuch, in dem

die im Text mit einem Sternchen (*) gekennzeichneten,

häufig wiederkehrenden Begriffe aus der

Biologie und Waldwirtschaft kurz erklärt werden.

Das Papier, auf dem auch dieses Buch gedruckt

wurde, ist ein Produkt des Waldes. Sich diese Tatsache

in Erinnerung zu rufen, mag die historische

und aktuelle Bedeutung der Bäume noch einmal verdeutlichen.

Wir hoffen auf die Neugier und Entdeckungslust

der Leserinnen und Leser – und darauf,

dass dieses Buch die besondere Beziehung zwischen

Mensch und Wald zu stärken vermag.

n

Einleitung

7


Der

Ginkgo

Der Baum des Erinnerns

Als der erste Europäer gegen Ende des 17. Jahrhunderts den Ginkgo «entdeckte»,

war die Spezies bei den Japanern und Chinesen schon seit langer Zeit bekannt.

Der Ginkgo zählte damals zu den seltenen Arten, er galt als heiliger Baum und

wurde oft in Tempelnähe gepflanzt. Vielleicht ist es denn auch die religiöse

Funktion des Ginkgos, die diese archaische Pflanzenart – die zwar höher entwickelt

ist als die Farne, aber weniger als die anderen Bäume – vor dem völligen

Verschwinden bewahrt hat. Inzwischen wird der Ginkgo überall auf der Welt

hoch geschätzt und so häufig angepflanzt, dass er kaum noch gefährdet ist.

In den asiatischen Kulturen steht der Ginkgo, dessen männliche und weibliche

Blüten von verschiedenen Bäumen hervorgebracht werden, für den Gegensatz

zwischen Nord und Süd, Aktiv und Passiv, Yin und Yang, Gut und Böse. Im chinesischen

Märchen vom Großen und vom Kleinen Lang, das uns die Geschichte

von zwei Brüdern erzählt, die ganz unterschiedlich mit den Schwierigkeiten des

Lebens umgehen, schenkt der Baum dem einen Bruder seine Goldblätter, während

er den anderen mit klebrigen, stinkenden Früchten voller Insekten überschüttet.

Der Ginkgo gilt als Baum des Lebens, und man sagt, er schütze Kinder

wie zwei besorgte Eltern. Die Japaner nennen ihn Milchbaum und glauben, er

berge in sich die Kraft, die schlimmsten Katastrophen zu überleben. In China

heißt es, er werde von einer Unsterblichen bewohnt, und in Japan wird er in der

Nähe von schintoistischen Tempeln gepflanzt. Als Zeuge einer vergangenen

Epoche ist der Ginkgo gleichzeitig der Baum der Vergangenheit und der Zukunft,

der Erinnerung und der Hoffnung.

8 Baumgeschichten


Der Ginkgo

9


1

Porträt

Eine junge Berühmtheit

Als Engelbert Kaempfer (1651 – 1716), deutscher

Arzt und Botaniker im Dienste der Niederländisch-Ostindischen

Kompanie, 1691 auf einer

Reise in Japan den Ginkgo entdeckte, erstaunte

es ihn kaum, auf eine «verschwundene» fossile

Art zu stoßen. Der Japanische Nussbaum war damals

im Abendland überhaupt nicht bekannt,

weder als lebende noch als fossile Art, und

Kaempfer konnte sich also noch gar nicht vorstellen,

auf welch großes Interesse dieser Baum

später in wissenschaftlichen Kreisen stoßen

würde, besonders wegen seiner archaischen Art

der Fortpflanzung. Kaempfer, der zwei Jahre in

der Nähe von Nagasaki verbrachte, dem einzigen

für Ausländer geöffneten japanischen Hafen, beschäftigte

sich eingehend mit dem Ginkgo und

beschrieb ihn in seinem 1712 veröffentlichten Bericht

Amoenitatum exoticarum (Exotische Schönheiten)

als «Baum, der Nüsse trägt und dessen

Blätter denen der Farnart Adiantum (Venushaar)

gleichen».

So hatte er es keineswegs eilig, den Ginkgo in

Europa bekannt zu machen, der Baum war für

ihn nur eine Pflanze unter vielen, die damals im

Gewimmel wissenschaftlicher Entdeckungen

zum Vorschein kam.

a

a. Zweig mit weiblichen Blüten;

b. Zweig mit männlichen Blüten

Fossile Ginkgos

Zu Kaempfers Zeit bestanden Fossiliensammlungen

vor allem aus Versteinerungen von Meerestieren;

versteinerte Pflanzen waren selten. Erst

als man gegen Ende des 18. Jahrhunderts vermehrt

Kohle abbaute, erweiterten sich die Sammlungen

um Versteinerungen von Pflanzen, besonders

von Farnen. 1828 beschrieb der französische

Botaniker Adolphe Brongniart (1801 –1876) erstmals

ein versteinertes Ginkgoblatt. Aufgrund

solcher Funde bezeichnete Darwin den Ginkgo

später als lebendes Fossil. Die ältesten fossilen

Ginkgoblätter gehören zum Ginkgo primigenia

und stammen aus dem Perm (sind also 300 Millionen

Jahre alt). Es war die Zeit der ersten fliegenden

Insekten, der Schachtelhalme, der gigantischen

Farne und der ersten Nacktsamer; damals

waren die Kontinentalplatten noch miteinander

verbunden.

Es war die Zeit der stillen Wälder, ohne Vogelgezwitscher,

ohne Säugetiere. Wäre ein Mensch

dort gewesen, hätte er nur den Wind in den Blättern,

das Surren der Libellen und das Schnappen

der Fische auf der Jagd nach Fliegen gehört …

Paläobotaniker situieren den Höhepunkt der

Ausbreitung und Artenvielfalt der Ginkgos – mit

mindestens einem Dutzend verschiedener Arten

– zwischen dem Anfang des Jurazeitalters (vor

200 Millionen Jahren) und dem Ende der

Dinosaurier in der Kreidezeit (vor 60 Millionen

Jahren).

b

10 Baumgeschichten


Am Ende dieser Periode waren gewisse Laubbaumarten

bereits gut vertreten, zum Beispiel

Buchen, Magnolien und Feigenbäume. Fossilienfunde

bezeugen, dass der Ginkgo vor 30 Millionen

Jahren noch weit verbreitet war, nicht nur in

China, sondern auf der ganzen Welt. Wahrscheinlich

gab es damals ganze Ginkgowälder. Später

sind die Ginkgobäume wegen Klimaveränderungen

und der wachsenden Konkurrenz der Laubbäume

(→ Ahorn) immer mehr verschwunden.

Lebendes Fossil

Die Versteinerungen des Ginkgo adiantoides (vor

150 Millionen Jahren) gleichen stark denen des

heutigen Ginkgo biloba. Aber nach einem so langen

Zeitraum wäre es angesichts der kontinuierlichen

Evolutionsprozesse gewagt anzunehmen,

dass es sich um die gleiche Art handelt. Sicher ist:

Nur eine einzige Ginkgoart hat den Tumult der

Evolution überlebt. Ihren urtümlichen Merkmalen

nach passt sie weder zu den Palmfarnen noch

zu den Samenpflanzen. Deshalb hat der Ginkgo

eine Sonderstellung innerhalb der Pflanzensystematik.

Es gibt genau eine einzige Art, eine Gattung,

eine Familie, eine Ordnung … eine extreme

botanische Einsamkeit mitten in der Evolution

der Samenpflanzen mit ihren 270 000 verschiedenen

Arten. Den Ginkgo deshalb «lebendes

Fossil» zu nennen ist nur leicht übertrieben und

zeigt, wie außerordentlich dieser Baum ist.

Aus buddhistischen Klöstern

in westliche Gärten

Dank seiner botanischen und medizinischen

Eigenschaften wurde der Ginkgo in chinesischen

Klöstern und beim chinesischen Adel schon früh

sehr geschätzt. Später gewann er auch in Korea

und Japan an Beliebtheit. Die Eleganz seiner lärchenähnlichen

Silhouette, die wunderbare Fächerform

seiner Blätter, die zweigeteilt sein können

(daher biloba), sein goldenes Laub im Herbst,

seine Widerstandskraft gegen Krankheiten und

Parasiten und seine lange Lebensdauer haben

den Ginkgo zu einer der kulturell wichtigsten

Pflanzen gemacht. Auch in Europa stieß der

Ginkgo spontan auf großes Interesse, noch bevor

er zu einem Rätsel der Botanik wurde. Nachdem

im 18. Jahrhundert die ersten Exemplare nach

Holland gelangt waren, begann man überall in

Europa, Ginkgos zu vermehren, und pflanzte sie

in Parkanlagen, Gärten und später auch entlang

von Alleen.

1730 soll der erste Ginkgo Europas im botanischen

Garten der holländischen Stadt Utrecht

gepflanzt worden sein. Es folgten weitere Ginkgos,

zuerst in England (1754), dann im französischen

Montpellier (um 1780) und etwas später

auch in den Vereinigten Staaten (1784). Der erste

weibliche Baum auf europäischem Boden wurde

1814 in der Nähe von Genf durch den Botaniker

Alphonse de Candolle beschrieben. Wahrscheinlich

haben sich dort also erstmals europäische

Ginkgosamen gebildet – die ersten einer Gattung,

die seit Jahrmillionen vom Kontinent verschwunden

war.

Die ältesten Ginkgos der Welt finden sich in der

Nähe von buddhistischen und schintoistischen

Klöstern in China, Korea und Japan. 100 Kilometer

südlich von Seoul, im Yon-Mun-Tempel, steht ein

1100-jähriger Ginkgo, dessen Durchmesser mehr

als 4 Meter beträgt. Vom Ginkgo von Sendai in

Japan nimmt man an, dass er 1250 Jahre alt ist.

Dieser Ginkgo ist berühmt für seine «Chi-Chi»,

Wucherungen der Äste, die zum Boden wachsen

und dort Wurzeln schlagen.

Die Legende aus der chinesischen Provinz

Shangdon, die besagt, der Ginkgo könne wie andere

Bäume (→ Platane, Ahorn, Eibe) 3000 Jahre

alt werden, scheint hingegen eher unwahrscheinlich.

Die ältesten europäischen Ginkgos nähern

sich entsprechend ihrem Einführungsdatum dem

stolzen Alter von 300 Jahren und erreichen eine

Höhe von 30 bis 40 Metern.

Seit Langem ein seltener Baum

Es ist anzunehmen, dass der Ginkgo bereits in

Der Ginkgo » Porträt

11


vorgeschichtlicher Zeit (vor 500 000 Jahren) nur

noch in wenigen Regionen Südchinas vorkam.

Zu den Gebieten, in denen heute noch überdurchschnittlich

viele Ginkgos wachsen, gehören

beispielsweise die Bergprovinzen entlang dem

Jangtse-Fluss zwischen Schanghai und Chongking.

Vielleicht stammen einige von selbst gewachsene

Ginkgobäume in diesen Regionen von

den großen Ginkgowäldern der Vergangenheit

ab. Auf die Frage der Herkunft dieser «wilden»

Ginkgos hat man bis heute keine Antwort gefunden.

Es ist möglich, dass die Gattung in der Natur

völlig ausgestorben war, einerseits wegen Klimaveränderungen,

andererseits auch wegen der

großflächigen Rodungen, die es in Chinas Wäldern

in den letzten Jahrtausenden gegeben hat.

Die «wilden» Ginkgos wären dann Nachkommen

kultivierter Bäume, die in der Wildnis wieder zu

ihrer ursprünglichen Form zurückgefunden haben.

Dieses Phänomen der Verwilderung von

kultivierten Pflanzen ist wohlbekannt, und man

hat mit Gentests belegt, dass – zumindest in einigen

Fällen – «wilde» Arten von einer zuvor kultivierten

Art abstammen.

Sicher ist, dass der Ginkgo biloba Millionen von

Jahren aus eigener Kraft überlebt hat, bevor er

vor – geologisch gesehen – kurzer Zeit vom Menschen

adoptiert wurde. Da er in einem archaischen

Evolutionsstadium stecken geblieben ist

und nur knapp die Konkurrenz der höher entwickelten

Baumarten überlebt hat, verdankt er

sein Fortbestehen vielleicht den chinesischen

Klöstern. Es scheint, als sei der Mensch, ohne

sich dessen bewusst zu sein, im letzten Augenblick

eingesprungen, um den Ginkgo zu retten.

Auch wenn das Verschwinden des Ginkgos einem

natürlichen Prozess entsprochen hätte, hat die

Menschheit durch das Schützen und Züchten

dieses außergewöhnlichen Baumes bestimmt viel

gewonnen.

«Eier» des weiblichen Ginkgos

Der Eierbaum

Wie die Pappel und die Eibe ist der Ginkgo ein

zweihäusiger* Baum, das heißt, es existieren

männliche und weibliche Pflanzen: Frau Ginkgo

trägt die Eizellen, Herr Ginkgo produziert den

Pollen. Die weibliche Blüte scheidet an der Spitze

einen klebrigen Tropfen aus, an dem die vom

Wind zerstreuten männlichen Pollenkörner hängen

bleiben. Darum herum bildet sich nun eine

eierförmige «Frucht». Im Frühsommer sehen

diese jungen «Samenanlagen» aus wie Mirabellen

und sind völlig nackt, mehr noch als die der Nadelbäume,

die durch die Schuppen des späteren

Zapfens etwas geschützt werden. Wie der japanische

Botaniker Hirase 1895 herausfand, keimt

der gefangene männliche Pollen im Innern der

entstehenden Eierfrucht, ohne dabei seine Reproduktionszellen

abzugeben. Ihrerseits entwickelt

sich die noch unbefruchtete «Mandel» langsam,

aber stetig weiter. Erst im Winter, wenn die Pseudofrüchte

bereits auf den Boden gefallen sind,

schwimmen die männlichen Gameten* mithilfe

von Geißeln zur Eizelle – ein sehr primitives

Merkmal in der Evolutionsgeschichte der Pflan-

12 Baumgeschichten


zen, das an den aquatischen Lebensraum der ersten

Pflanzen erinnert. Die Frucht besteht zu diesem

Zeitpunkt hauptsächlich aus Nährstoffen für

den Embryo.

Im Gegensatz zu den Samen der anderen

Pflanzen, die erst keimen, wenn die Bedingungen

günstig sind, können die «Pseudo-Samen» des

Ginkgos nicht «abwarten»: Die essbare Mandel

und das umgebende «Fruchtfleisch» wachsen

unabhängig von der noch nicht vollzogenen

Befruchtung durch die Pollen. Nach der winterlichen

Befruchtung durch die männlichen Reproduktionszellen

wächst auch der Embryo weiter,

bevor er im Frühling aus der Nussschale Wurzel

und Stiel hervorbringt. Der Embryo ist somit

weniger geschützt und muss unabhängig von

den klimatischen Bedingungen weiterwachsen.

Wenn die Eizelle nicht befruchtet wurde, gibt es

keinen Embryo, und die produzierten Reserven

gehen verloren. Samenpflanzen gehen besser um

mit ihren Ressourcen: Ihre Früchte und Samen

entwickeln sich erst nach erfolgreicher Befruchtung

und warten dann – manchmal mehrere

Jahre – einen günstigen Augenblick ab, um zu

keimen. Vielleicht haben diese Vorteile der höher

entwickelten Baumarten dazu geführt, dass der

Ginkgo beinahe ausgestorben wäre.

Aufgrund der Blüten lassen sich im April die

männlichen und weiblichen Exemplare des Ginkgos

leicht unterscheiden: Die männlichen Blüten

gleichen den Weidenkätzchen, die weiblichen

hingegen bestehen aus kurzen Stielen, die in

zwei kleinen Verdickungen enden, welche die Eizellen

beinhalten. Im Sommer sind die gelben

Früchte an den Kurztrieben des Ginkgos von

Weitem sichtbar, und im Herbst kann man sie

sogar mit geschlossenen Augen erkennen, denn

beim Verrotten riecht ihre Hülle nach ranziger

Butter oder Erbrochenem. Dieser unangenehme

Geruch kommt von der Buttersäure, einer Substanz,

die in der Kosmetikindustrie sehr geschätzt

wird. Wenn ein Ginkgo weder Blüten noch

Früchte trägt, ist die Unterscheidung der Geschlechter

schwieriger. Es scheint, dass die männlichen

Ginkgos schlanker sind, früher ausschlagen

und ihre Blätter im Herbst auch früher

verlieren als weibliche Exemplare.

Der Gedächtnisbaum

Seit Langem werden in der traditionellen chinesischen

Medizin Blätter und Früchte des Ginkgos

zur Heilung zahlreicher Krankheiten verwendet.

1932 konnten in Japan zum ersten Mal Ginkgolide,

d.h. ginkgoeigene Wirkstoffe isoliert werden.

Auch die westliche Medizin hat seit den Fünfzigerjahren

ihre Forschungen auf diesem Gebiet

verstärkt, und in Europa hat sich ab 1970 ein großer

Markt für Ginkgoextrakte entwickelt. Das

Ausmaß dieser Forschungsbewegung führte sogar

zur Einführung des Begriffes «Ginkgologie».

1988 gelang einem Forscherteam in Amerika die

synthetische Herstellung des Ginkgolides B – mit

ein Grund, weshalb dem Team der Nobelpreis in

Chemie verliehen wurde.

Ginkgoextrakte üben nach geläufiger Meinung

einen stärkenden Einfluss auf das zentrale Nervensystem

aus und helfen bei Veneninsuffizienz.

Die Substanzen der Ginkgoblätter werden vor

allem gegen Altersbeschwerden und bei Atmungserkrankungen

eingesetzt. Auch kann man

sie gegen einige Formen altersbedingter Vergesslichkeit

oder Depression anwenden, ferner zur

Stärkung der Durchblutung. Seh-, Hör- und

Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme

und Kopfschmerzen können ebenfalls mit Ginkgoextrakten

behandelt werden.

China, Korea, Japan, Frankreich, Deutschland

und die Vereinigten Staaten haben mehrere

Tausend Hektaren große Ginkgoplantagen zur

Blätterproduktion angelegt. Diese industriellen

Ginkgofelder sehen aus wie Weinberge. Hohe

Traktoren fahren über die Baumlinien und pflücken

die Blätter. Damit möglichst viele Jungtriebe

entstehen, werden diese Ginkgos regelmäßig

auf den Stock gesetzt*. Da die Blätter und

Früchte des Ginkgos bei empfindlichen Personen

Der Ginkgo » Porträt

13


Keimender «Samenkern» und Spross

allergische Reaktionen auslösen können (Ginkgosäure

kann Dermatitis verursachen), müssen

Pflückerinnen in China und Korea, wo noch von

Hand gearbeitet wird, oft eine andere Beschäftigung

suchen. Allgemein empfiehlt es sich, beim

Berühren der Früchte Handschuhe zu tragen.

Mehrheit männlich

Als der Ginkgo sich bei Park- und Gartenbesitzern

immer größerer Beliebtheit erfreute, wurde er

auch als Alleebaum eingeführt. Wie die Platane,

der Zürgelbaum und die Robinie ist der Ginkgo

sehr abgasresistent und eignet sich gut für das

städtische Klima (→ Platane). Auch Krankheiten

und Schädlinge befallen ihn nur selten. Baumschulgärtner

haben verschiedene Ginkgosorten

ausgewählt, gezüchtet und vermehrt: den tannenförmigen

«Pyramidenginkgo», den Ginkgo «Fastigiata»,

der den italienischen Pappeln gleicht,

den Ginkgo «Pendula», der wie eine Trauerweide

aussieht, und den «schlitzblättrigen» Ginkgo, mit

seinen besonders stark gezackten Blättern. Diese

Sorten finden sich heutzutage in den Städten

aller fünf Kontinente.

Da die ersten nach Europa importierten Exemplare

männlich waren und sich der Ginkgo gut

durch Stecklinge* und Absenker* vermehren

lässt (vegetative Vermehrung), sind noch heute

die meisten europäischen Ginkgos männlich. Der

unangenehme Geruch der Ginkgofrüchte hat

nicht gerade zur Verbreitung der weiblichen

Ginkgos beigetragen. Auch heute noch züchten

Baumschulen auf Wunsch Privater und der städtischen

Ämter vorwiegend männliche Ginkgos.

Es geht dabei unter anderem um die Sicherheit

auf Bürgersteigen und Straßen, denn die zerquetschten

Ginkgofrüchte sind sehr rutschig.

Ginkgofrüchte zum Keimen zu bringen ist relativ

einfach. Wenn es in der Nähe männliche Bäume

gibt, besteht eine gute Chance, dass die Samenanlagen

befruchtet wurden. Um die Schutzhüllen

zu entfernen, wäscht man die Früchte in warmem

Wasser, bevor man sie direkt setzt oder zuerst

den Winter über in feuchtem Sand kühl lagert

(Stratifikation).

Der Ginkgo als Fruchtbaum

Geröstet schmecken die Kerne im Innern der

Früchte hervorragend und sind überall im Fernen

Osten sehr beliebt. Bis ins 17. Jahrhundert waren

sie in Japan vor allem den Adligen vorbehalten

(zur Teezeremonie); heute werden sie auch dort

von allen gerne verzehrt. In der chinesischen Literatur

kommt der Ginkgo erst seit dem 11. Jahrhundert

vor, und oft wird seine Bedeutung für

Zeremonien betont. In Europa kann man in Parkanlagen

manchmal asiatische Einwanderer Ginkgofrüchte

sammeln sehen. In China gibt es sogar

ganze Kulturen zur Fruchtproduktion. Normalerweise

bringt der Ginkgo erst im Alter von 20 Jahren

Früchte hervor, und erst von 40-jährigen

Bäumen kann man eine optimale Ernte erwarten.

Die Ginkgokulturen bestehen aber aus speziell

gezüchteten Sorten, die bereits nach drei Jahren

Früchte tragen. Die vielen Tonnen von Ginkgokernen,

die heute produziert werden, können geröstet,

gekocht oder in Konserven gekauft werden

und sind sehr beliebt bei Hochzeiten oder

auch zum Sake, einer Art Reiswein, denn Ginkgokerne

regen unter anderem die Verdauung an. n

14 Baumgeschichten


2

Symbolik

Symbol der Unsterblichkeit

Die Entdeckung fossiler Ginkgoblätter in sehr alten

Erdschichten, in Europa wie in Nordamerika,

hat dazu beigetragen, dass der Ginkgo als ein

Baum gilt, dem die Zeit nichts anhaben kann. In

unserer Gesellschaft, die den Tod fürchtet und

ihn verdrängt, haben die kürzlich von der Pharmakologie

entdeckten Anti-Aging-Eigenschaften

des Ginkgos ihm eine Art heilige Aura verliehen.

In Japan wurde der Ginkgo früher nur bei

Tempeln gepflanzt. Den Samurai galt er als Symbol

der Loyalität, und man sagte, er verleihe den

tapferen Kriegern Unsterblichkeit. Wenn Sumo-

Ringer so bekannt werden, dass ihnen zugetraut

wird, in die Legende einzugehen, dürfen sie ihre

Haare zu einem «Ginkgoblatt» frisieren. 1923

zerstörte ein Erdbeben und ein großer Folgebrand

eine Stadt in Japan; nur ein Tempel, der von

Ginkgobäumen umgeben war, blieb erhalten.

Seither gilt der Ginkgo als Baum, der vor Feuer

schützt. Sein Ruf, unsterblich zu sein, wurde

durch die Wiederauferstehung des Ginkgos von

Hiroshima bestätigt, der den Atombombenabwurf

von 1945 überlebte. Der Ginkgo ist auch das

Wahrzeichen der japanischen Hauptstadt Tokio.

Zahlreiche koreanische Legenden erzählen von

der Heiligkeit des Ginkgos, dessen Stamm blutet,

wenn man ihm einen Axthieb versetzt. 1971

wurde der Ginkgo wegen seiner Größe, seiner

langen Lebensdauer und seiner Widerstandskraft

gegen Luftverschmutzung zum Wappensymbol

der Stadt Seoul gewählt.

Inspirationsquelle der Künstler

Viele japanische Familien tragen das Ginkgoblatt

im Wappen, und mehrere Universitäten, darunter

auch die Universität von Osaka, haben es zu

Ginkgo von Hiroshima. Nach der Vernichtung der Stadt im

Jahr 1945 wurde der verbrannte Baum durch einen seiner

Triebe ersetzt. Der Tempel wurde um den Baum herum wieder

neu erbaut.

ihrem Logo gemacht. Um den Herbst auszudrücken,

benutzen japanische Künstler vom Wind

verwehte Ahorn- und Ginkgoblätter (→ Ahorn);

beide gelten als Bäume des Lebens und geben

den Poeten Anlass, über die Vergänglichkeit unseres

irdischen Daseins zu meditieren. Durch

eine geschickte Anamorphose haben Künstler

das Ginkgoblatt in einen Kranich verwandelt.

Dieser Vogel hat in Japan große symbolische

Bedeutung: Er steht für den unsterblichen Geist

der Natur, und die Geschichte vom Weißen Kranich

ist eines der berühmtesten Märchen Japans.

In Europa haben besonders die Künstler des Jugendstils

und der Schule von Nancy mit dem

Motiv des Ginkgoblattes gespielt, bei Schmuckstücken,

Möbeln oder architektonischen Elementen.

Auch immer mehr Institutionen machen das

Ginkgoblatt zu ihrem Symbol, so zum Beispiel

der botanische Garten von Warschau.

Der Ginkgo » Symbolik

15


Wappensymbol einer japanischen Familie:

Anamorphose vom Ginkgoblatt zum Kranich

Der Name des Ginkgos in chinesischen Schriftzeichen

In der Flora Japonica von Siebold und Zuccarini, publiziert

1840 in Leiden (Holland), erscheint der Ginkgo unter dem

Namen Salisburya

«Ginkgoblatt-Frisur». Japanischer Druck (Kitagawa Utamaro,

um 1793 – 1794)

16 Baumgeschichten


Der Baum der hundert Namen

Wie die Buche in Frankreich (→ Buche) besitzt der

Ginkgo in den Ländern seiner natürlichen Verbreitung,

also China, Japan und Korea, zahlreiche

Namen: Mädchenhaarbaum, Entenfußbaum, Silberaprikose.

Allein der Name des Ginkgos hat

viel zu reden gegeben. Beide Schreibweisen

Ginkgo und Ginko, sind im Deutschen akzeptiert,

wobei der Name immer Ginko ausgesprochen

wird. Im Japanischen bezeichnete Ginkyo die

Frucht des Ginkgos; durch einen kleinen Schreibfehler

Engelbert Kaempfers ist daraus Ginkgo

entstanden.

Im Französischen wird der Ginkgo auch Vierzig-

Taler-Baum genannt, nach dem Preis, den ein

Franzose 1780 für fünf junge Ginkgos zahlte.

Man sagt, er habe sie eines Abends von einem

leicht angeheiterten englischen Gärtner erworben,

der Tags darauf vergeblich versuchte, sie zurückzukaufen.

Diese fünf Ginkgos sind die Vorfahren

von fast allen Exemplaren in Frankreich.

Weitere Namen des Ginkgos sind: Tempelbaum,

Japanbaum, Japanischer Nussbaum oder Goethebaum

(da der Dichter sich sehr für den Ginkgo

interessierte).

Der Milchbaum

In Japan wird der Ginkgo wegen der Form seiner

Früchte auch Eierbaum genannt. Ein anderer japanischer

Name ist Großvater-Enkel-Baum. Man

geht davon aus, dieser Name sei entstanden, weil

derjenige, der einen Ginkgo pflanzt, die Früchte

nicht mehr selbst ernten kann. Ich hingegen bevorzuge

folgende Interpretation: Der Enkel stellt

für den Großvater die Hoffnung dar, dass seine

Linie weitergeführt wird, und symbolisiert somit

die Unsterblichkeit. Gewisse asiatische Märchen,

in denen der letzte Nachkomme einer adligen

Familie vor seinem Verschwinden noch einen

Ginkgo pflanzt, würden diese Interpretation stützen.

Mit zunehmendem Alter des Baums entstehen

an Stamm des Ginkgos seltsame Auswüchse. In

Japan werden sie «Chi-Chi» genannt, was Busen

oder Brust bedeutet. Ammen und stillende Mütter

schneiden sich solche Ginkgo-Auswüchse als

Glücksbringer, der ihnen zu reichem Milchfluss

verhelfen soll.

Eine Unsterbliche auf der Flucht

In China wird der Ginkgo wegen der Form seiner

Blätter Entenfußbaum genannt; dieser Name verweist

aber auch auf die Mandarin-Ente, die als

Symbol für eheliche Treue gilt. Frisch Vermählte

trugen früher oftmals eine «Ginkgoblatt-Frisur»,

und geröstete Ginkgokerne dürfen auch heute

noch an keiner Hochzeit fehlen, so wie Feuersteine

bei uns. Gekocht, schmecken Ginkgo-Mandeln

ähnlich wie Kastanien.

Taoistische Heilpraktiker widmen dem Ginkgo

einen besonderen Kult. Sie benutzen ihn in magischen

Handlungen, mit denen sie ihre Patienten

vor bösen Dämonen schützen und gute Geister

anrufen. Die schützende Rolle des Ginkgos zeigt

sich auch in der chinesischen Version des «Rotkäppchens»

– einer Geschichte, in der die Kinder

sich in einem Ginkgo verstecken, um dem bösen

Wolf zu entkommen. Der Name Tausend Taler

leitet sich auch vom Goldregen der Ginkgoblätter

im Herbst ab. Man glaubt sogar, dass seine gut

konservierbaren Blätter unter verschiedenen Dynastien

als Wechselgeld dienten.

Eine chinesische Sage erzählt, der Ginkgo sei die

Achse der Welt und gleichzeitig der Baum, in den

sich die Tochter des Himmelskaisers verwandelt

hat, um ihren Verfolgern zu entkommen. Die

Sage erklärt auch die Entstehung des Weißen

Flusses, der Ginkgo-Wasserfälle in der Nähe von

Guizhou und des Ginkgodorfes.

n

Der Ginkgo » Symbolik

17


3

Märchen und Mythen

Die Geschichte vom Großen und vom Kleinen Lang

Märchen (China)

In China lebten einst die beiden Brüder Lang. Beim Tode ihres Vaters erbten sie das Haus,

dazu ein fruchtbares Reisfeld, einen Werkzeugschuppen am Fuße eines trockenen, steinigen

Hügels, einen Büffel und einen gelben Hund. Der ältere Bruder sagte zum jüngeren:

«Kleiner Bruder, wir werden unser Erbe gerecht aufteilen. Da ich der Ältere bin, behalte ich das

Haus und das Reisfeld; um das Feld bestellen zu können, brauche ich auch den Büffel. Du darfst

dafür im Schuppen wohnen und bekommst den gelben Hund.»

Der Kleine Lang war damit einverstanden und zog in den Werkzeugschuppen. Beim ersten

Regen ging er zu seinem Bruder und bat ihn, ihm den Büffel auszuleihen, damit er

pflügen könne. Der Große Lang entgegnete, er brauche den Büffel selbst. Da setze sich der

kleine Bruder auf einen Stein und überlegte lange, was zu tun sei. Plötzlich bemerkte er,

dass sein Hund am Hang hin und her rannte, als wolle er ihm etwas sagen.

«Du möchtest, dass ich dich einspanne?», fragte der Junge.

Der Hund bellte, wedelte mit dem Schwanz und nahm seinen Tanz wieder auf. Der Kleine

Lang spannte ihn vor den Pflug, und der Hund pflügte tapfer. Nachdem der Junge verschiedenes

Gemüse geerntet hatte, schnallte er sich einen Korb auf den Rücken, um seine

Ernte zum Markt zu bringen. Der Große Lang hingegen verbrachte seine Tage mit

Faulenzen und verschob die Feldarbeit immer wieder auf den nächsten Tag. Er vergass

sogar, den Büffel zu füttern, worauf der verhungerte. Als nun sein kleiner Bruder vorbeikam,

saß er eben vor der Tür in der Sonne und rauchte seine Pfeife.

Er fragte: «Was trägst du da? Steine zum Verkaufen?»

Der Kleine Lang zeigte ihm sein Gemüse. Der Bruder fragte ihn, wie er ohne Büffel gepflügt

habe. Als er erfuhr, dass der gelbe Hund dem Jungen geholfen hatte, sagte er: «Kannst du ihn

mir ausleihen, damit ich das Reisfeld bestellen kann? Der dumme Büffel ist gestorben.»

«Gern leihe ich dir meinen Hund für einen Tag, großer Bruder. Ich hole ihn heute Abend wieder ab.»

Der Große Lang spannte den Hund vor den Pflug und führte ihn zum überfluteten Reisfeld.

Doch die Aufgabe war zu schwierig für das Tier. Zornig schlug der Große Lang so heftig

auf den Hund ein, dass er starb. Dann nahm er ihn und warf ihn in ein Loch bei einer Hecke.

Als der Kleine Lang am Abend kam, um seinen Hund zu holen, sagte er: «Der Hund hat sich

aufgeführt, als hätte er die Tollwut. Du hast mich belogen mit deinem pflügenden Hund.»

Der Kleine Lang wagte nicht zu widersprechen. Tief in der Nacht machte er sich auf die

Suche nach seinem Freund. Als er ihn fand, brachte er ihn weinend zu seiner Hütte:

Als mein Vater starb, fand die Teilung statt

Ein Hund war mein einzig Hab

18 Baumgeschichten


Er war mein einzger Freund

Doch jemand hat ihn getötet, heut.

Armer Kleiner Lang! Armer Kleiner Lang!

Täglich trauerte er auf dem Grab. Eines Tages wuchs darauf ein großer Baum mit Blättern,

die aussahen wie Entenfüße. Eines Nachts, als der Kleine Lang sein Klagelied sang, schüttelte

sich der Baum, und tausend Blätter fielen dem Jungen vor die Füße. Dabei gaben sie

ein metallisches Geräusch von sich – sie waren aus Gold. Der Kleine Lang füllte seinen

Korb und machte sich am nächsten Morgen auf den Weg zum Dorf, um einige Sachen zu

kaufen. Sein Bruder rief ihm von der Schwelle seines Hauses zu:

«Was trägst du ihn deinem Korb?»

«Gold!»

«Wo hast du es gestohlen?»

«Ich habe nichts gestohlen! Am Abend jenes Tages, an dem ich dir meinen Hund geliehen hatte,

fand ich ihn tot in einem Loch und begrub ihn bei mir. Auf dem Grab ist ein Goldbaum gewachsen!»

Der Große Lang nutzte die Abwesenheit seines Bruder, ging zum Grab, näherte sich dem

Ginkgo und schüttelte ihn mit aller Kraft. Das Lied jedoch kannte er nicht. Statt mit klingenden

Goldblättern wurde er mit klebrigen, stinkenden Früchten, Würmern und anderen

ekligen Tierchen überschüttet. Wütend nahm er eine Axt und fällte den Baum. Als Klein

Lang zurückkam, sah er das Unglück und weinte:

Als mein Vater starb, fand die Teilung statt

Ein Hund war mein einzig Hab

Er war mein einzger Freund

Doch jemand hat ihn getötet, heut.

Armer Kleiner Lang! Armer Kleiner Lang!

Auf seinem Grabe ist gewachsen ein Ginkgo

Der gab mir viel, viel Gold

Doch jemand hat ihn gefället, heut.

Armer Kleiner Lang! Armer Kleiner Lang!

Dann sammelte er die Äste ein und flocht daraus einen Hühnerkäfig, den er am Dach

seiner Hütte befestigte. Nachts kamen die Hühner aus der Nachbarschaft und legten darin

ihre Eier. Um die Eier zu verkaufen, füllte der Junge zwei Körbe, befestigte sie an den

Enden einer Stange und trug sie so auf seinen Schultern ins Dorf. Als er am Haus seines

Der Ginkgo » Märchen und Mythen

19


Bruders vorbeiging, erzählte er diesem, was ihm geschehen war.

«Kannst du mir den Käfig leihen?»

«Du bist mein älterer Bruder, ich muss dir gehorchen.»

Am Morgen, als der Große Lang in den Käfig griff, fand er darin nichts als Kot. Wütend

warf er ihn ins Feuer. Als der Kleine Lang seine Habe holen wollte und sie nicht mehr

vorfand, stöhnte er:

Als mein Vater starb, fand die Teilung statt

Ein Hund war mein einzig Hab.

Er war mein einzger Freund,

Doch jemand hat ihn getötet, heut.

Armer Kleiner Lang! Armer Kleiner Lang!

Auf seinem Grabe ist gewachsen ein Ginkgo,

Der gab mir viel Gold,

Doch jemand hat ihn gefället, heut.

Armer Kleiner Lang! Armer Kleiner Lang!

Aus seinen Ästen fein,

Flocht ich einen Käfig.

Nachts legten Hühner ihre Eier rein.

Nun hat ihn jemand verbrannt!

Armer Kleiner Lang! Armer Kleiner Lang!

Der Kleine Lang sammelte die Asche ein und streute sie in ein Loch hoch auf seinem

Hügel. Dann pflanzte er dort einen Kürbiskern. Am nächsten Morgen spross eine kleine

Pflanze aus der Erde. Tags danach entfaltete sich das erste Blatt. Am dritten Tag bedeckten

neue Ableger den Boden, und nach vier Tagen war der ganze Hügel von jungen Pflanzen

und Blättern übersät. Am fünften Tag verschwand der Hügel unter einem goldenen

Blütenmeer, und am sechsten Tag entstand aus jeder Blüte ein Kürbis. Am siebten Tag

strahlten Hunderte von großen Kürbissen in der Sonne, darunter ein besonders großer,

den der Kleine Lang den König der Kürbisse nannte.

Affen machten sich über die Hälfte der Ernte her. Traurig beschloss der Kleine Lang, den

König der Kürbisse auszuhöhlen, um darin Wache zu halten. Bei Mondschein sah er, wie

die Affen alle restlichen Kürbisse davontrugen. Sie versuchten auch, den König der

Kürbisse hochzuheben, aber der war zu schwer.

«Kommt Brüder, lasst uns die Leuchter aus unserer Grotte holen und zu unserem Gott beten,

damit wir den Kürbis tragen können.»

20 Baumgeschichten


Wenig später kamen sie mit zwölf goldenen Kerzenständern zurück. Klein Lang schrie, so

laut er konnte. Erschreckt rannten die Affen davon, ließen die zwölf Leuchter fallen, und

der Kleine Lang sammelte sie ein. Am nächsten Morgen machte er sich auf den Weg, um

sie zu verkaufen. Als er beim Haus des Bruders vorbeiging, rief der: «Wo hast du die

Kerzenständer gestohlen?»

Der Kleine Lang erzählte ihm sein Abenteuer. In der folgenden Nacht versteckte sich der

Große Lang im König der Kürbisse, um die Affen zu überwachen. Doch er schlief ein und

hörte nichts, als die Affen kamen. Sie trugen den Kürbis davon und den Großen Lang

gleich mit! Sie befanden sich auf einer Felsklippe, am Rande einer tiefen Schlucht, als der

Große Lang aufwachte. Er hörte die Affen und dachte, es sei nun Zeit zu schreien. Die

Affen erschraken, ließen ihre Last fallen und rannten angsterfüllt davon. Der Kürbis aber

fiel in die Schlucht und der Große Lang gleich mit!

Der Geist des Ginkgos

Märchen (Japan)

Es war einmal ein junger Holzfäller, der lebte alleine mit seiner Mutter in einem Bergdorf.

Eines Tages, als er im Wald arbeitete, wurde er von einem heftigen Sturm überrascht. Er

klopfte an die Tür einer Hütte, die im Schatten eines großen Baumes stand. Ein wunderschönes

junges Mädchen mit grünen Augen öffnete ihm. Er fragte, ob er hereinkommen

dürfe, worauf sie ihn freundlich hereinbat. Am nächsten Morgen, als er aufbrechen wollte,

nahm er all seinen Mut zusammen und fragte den Vater:

«Dürfte ich Sie um die Hand Ihrer Tochter anhalten? Ich bin nur ein bescheidener Holzfäller, aber

ich bin mutig und glaube, dass ich sie glücklich machen kann.»

«Wenn sie Ihnen gefällt, gebe ich sie Ihnen gerne», antwortete der Vater ohne Zögern.

Die junge Frau zog zu ihrem Mann. Sie war klug, immer fröhlich und so schön, dass alle

sie bewunderten. Sie war lieb und zärtlich, aber ihre Haut war immer seltsam kalt. Nun

ließ der Kaiser, ein großer Liebhaber des Spieles, verkünden, dass derjenige, der ihm das

schönste Go-Spiel aus Ginkgo-Holz bringe, mit einem Beutel Gold belohnt werde. Der

Holzfäller sagte zu seiner Frau: «Vor dem Haus deines Vaters steht der schönste Ginkgo, den ich

je gesehen habe. Seine Rinde ist fein und zart. Sein Holz ist weich und lässt sich bestimmt wunderbar

formen. Ich werde ihn fällen und daraus das schönste Go-Spiel schnitzen, das man auf

Erden je gesehen hat. Wir werden reich sein, Liebste.»

Der Ginkgo » Märchen und Mythen

21


22 Baumgeschichten

«Warum reich sein? Sind wir denn nicht glücklich? Lass den Baum stehen, ich bitte dich!»

Ohne auf die Bitte seiner Frau einzugehen, ging er mit seiner Axt hin und fällte den Baum

des Schwiegervaters. Als er zurückkam, war er erstaunt, dass seine Liebste ihm nicht wie

gewöhnlich entgegenkam. Seine Mutter sagte besorgt: «Als du gegangen warst, klagte sie

über Gliederschmerzen. Ich habe sie mit einem Öl massiert, aber sie stöhnte und litt sehr. Dann

fühlte ich, wie sie sich unter meinen Fingern auflöste. Und plötzlich war sie spurlos verschwunden.»

Da begriff der Holzfäller, dass er den Geist des Ginkgos geheiratet hatte.

n


4

Steckbrief

Etymologie

In China ursprünglich Yin Xing, wörtlich

«Silberaprikose». Später wurde daraus in

Japan Ginkyo. Heute heißt er in Japan Icho

oder Ginnan.

Sprache

Blütezeit und Fruchtbildung

Blätter und Blüten ab April oder Mai;

Fruchtreife im Oktober oder November.

Standort

In China oft gemischt mit Laub- oder Nadelbäumen

(Magnolie, Eibe, Eiche, Gummibaum,

Lärche).

Ginkgo

Lateinischer Name

Ginkgo biloba L.

Französischer Name

Ginkgo

Englischer Name

Ginkgotree

Maidenhair tree

Italienischer Name

Ginkgo

Weitere Namen

Japanischer Nussbaum

Tausend Taler

Entenfußbaum

Fächerblattbaum

Silberaprikose

Salisburia adiantifolia

Namen der Frucht

In China Yin Hsing (Silberaprikose) oder Peikuo

(Weiße Frucht). In Japan Ging ko oder

Ginnan. Dt.: Ginkgofrucht, Ginkgopflaumen.

Ortsnamen

Dorf des Goldfruchtbaumes, Ginkgo-

Wasserfall (China). Ginkgo Petrified Forest,

Vantage (USA): über hundert versteinerte

Stämme.

Verwandte Begriffe

Ginkgophyllum: fossile Blätter in der englischen

Steinkohle und im Permbecken von

Lodève, deren Form der des Blattes vom

Ginkgo biloba gleicht.

Gedichte

Dieses Baumes Blatt, der von Osten

Meinem Garten anvertraut,

Gibt geheimen Sinn zu kosten,

Wie's den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen,

Das sich in sich selbst getrennt?

Sind es zwei, die sich erlesen,

Dass man sie als eines kennt?

Solche Fragen zu erwidern

Fand ich wohl den rechten Sinn.

Fühlst du nicht an meinen Liedern,

Dass ich eins und doppelt bin ?

Johann Wolfgang von Goethe, 1815

Bräuche

Ginkgo-Mandeln bei Hochzeiten in Japan

und China.

Angaben für den Gartenbau

Robuster Baum, erträgt minus 20 °C; wächst

auch in subtropischen Gebieten; bevorzugt

Klimazonen mit deutlichen Jahreszeiten.

Geringe Ansprüche an die Bodenqualität.

Vermehrung über Samen (wenn männliche

und weibliche Bäume nahe beieinander) oder

Stecklinge*, Absenker*.

Eigenschaften und Verwendung

des Holzes

• China: Gerichtstische, buddhistische

Altare.

• Kunsttischlerei, Schnitzerei, kleine Objekte

(Schachfiguren, Küchenutensilien).

• In der Kosmetik gibt es zahlreiche Schönheitsprodukte,

die Ginkgoextrakte enthalten,

v. a. Feuchtigkeitscremen, Shampoos

oder Anti-Aging-Substanzen mit hohem

Ginkgogehalt.

wirtschaft und Ökologie

Lebensdauer

Mehrere Jahrhunderte, kann 1200 Jahre

alt werden.

Höhe und Wachstum

30 bis 40 m.

Verbreitungsgebiet

Oft in der Nähe von Tempeln in China, in der Mandschurei,

in Korea und in Japan; gedeiht bis auf

800 m. ü. M. Heutzutage auf allen fünf Kontinenten

zu finden (Alleen, Parkanlagen, Gärten).

Der Ginkgo » Steckbrief

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