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Festschrift 100 Jahre Schützengesellschaft Usseln

Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum der Schützengesellschaft Usseln 1877-1977

Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum der Schützengesellschaft Usseln 1877-1977

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Schützengesellschaft

Usseln

1877 -1977


Unter allen Landen deutscher Erde

preis' ich Waldeck, mein lieb Heimatland.

Bis zum letzten Atemzuge werde

ich ihm weihen treulich Herz und Hand.

Seht das Land im Schmuck der schönsten Wälder,

wenn der Lenz mit neuer Pracht einzieht,

wenn die Berge, Täler, Wiesen, Felder

grün geziert, so weit das Auge sieht.

Wie so mächtig auf den Höhen rauschen

Eich' und Buche, trotzend Sturm und Wind !

Hirsch' und Reh' im stillen Waldgrund lauschen,

wo der Quell zum klaren Bächlein rinnt.

Schwarz-rot-gold sind meine Landesfarben.

Dunkler Nacht folgt goldnes Morgenrot.

Für All-Deutschland Waldecks Söhne starben,

deutsche Treu' bewährend bis zum Tod.

Fest, o Waldeck, steh' zum deutschen Reiche,

wie dein hohes Felsenschloß so fest!

Grün' und blüh' gleich deiner schönsten Eiche,

stürmt es auch von Osten oder West.

August Koch (1857 — 1934)


100 Jahre

Schützengesellschaft Usseln

1877 - 1977

FESTSCHRIFT

Schützengesellschaft Usseln e. V.


Zusammenstellung Friedrich Born und Richard Wilke. Luftbild und Karte mit Genehmigung des Hessischen Landesvermessungsamtes

vervielfältigt Vervielfaltigungsnummem 8/77 und 317/77 Luftbild freigegeben vom Regierungspräsidenten in Darmstadt

unter HLVA 18/75

Druck Buch- und Offsetdruck Wilhelm Bing. Korbach


IN TRAUER UND EHRFURCHT GEDENKEN WIR

UNSERER VERSTORBENEN UND GEFALLENEN

SCHÜTZENBRÜDER


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Ehrenmal Usseln für die Gefallenen und Vermißten beider Weltkriege


Die Gefallenen und Vermißten aus Usseln

in beiden Weltkriegen

1914: Fritz Bödecker, Wilhelm Figge, Heinrich Wilke G., Karl Bunse.

1915: Max Schönstedt, Wilhelm Klein, Karl Emde, Karl Schäfer, Ludwig Figge, Ludwig Trachte,

Wilhelm Brüne, Wilhelm Engelbracht, Ludwig Brüne, Heinrich Bödecker, Louis Saure,

Fritz Wilke, Heinrich Jäger, Christian Jäger W..

1916: Christian Biederbick, Theo Holzhausen, Friedrich Wäscher, Wilhelm Wilke, Friedrich

Jäger, Wilhelm Trachte, Heinrich Engelbracht, Albert Wäscher.

1917: Christian Bender L., Fritz Schulze, Karl Behle, Christian Jäger F., Christian Figge,

Christian Bender K., Fritz Dietzel.

1918: Christian Saure, Philipp Figge, Heinrich Behle, Fritz Behle, Heinrich Wilke, Heinrich

Dietzel, Karl Engelbracht.

1919: Christian Wilke B.

1941: Walter Vogel. Erich Engelbracht, Heinrich Emde.

1942: Kurt Vogel, Hans Braconier, Hermann Figge P., Karl Ferron, Albert Saure.

1943: Ernst Peuster, Karl Schulze, Paul Menken, Hermann Fischer, Erich Köhler, Wilhelm

Jäger, Erich Wilke F., Hermann König.

1944: Friedrich Saure Kp., Heinrich Schweinsberg, Walter Brüne, Horst Stöcker, Heinrich

Göbel, Karl Trögeier, Gustav Emde. Conrad Giebeler, Friedrich Figge Seh., Fritz Glomb,

Karl Göbel, Friedrich Meier, Christian Wilke K., Egon Gerhard, Julius Marczewski, Karl

Wilke F., Karl Vogel KL, Paul Brüne-Brocke, Willi Vogel, Friedrich Asmuth, Franz Weyer,

Friedrich Wilke St..

1945 und später:

Willi Schreiber, Wilhelm Engelbracht, Martin John, Willi Hill, Karl Figge P., Willi Eisholz,

Willi Zimmermann, Walter Wilke, Friedrich Saure Br., Reinhard Vogel, Christian Kesper,

Herbert Petersen, Friedrich Brüne-Brocke, Wolrad Engelbracht, Karl Klöcker, Christian

Saure B., Willi Keinath. Heinz Wilke, Heinrich Göbel Seh., Karl Wilke Klg., Friedrich

Saure W., Heinrich Köberich.


Grußwort

100 Jahre ist es her. daß sich Usselner Männer zusammenfanden, um einen Kriegerverein

zu gründen. Sie wollten damit einen Rahmen schaffen, in dem sie auch nach ihrer aktiven

Soldatenzeit in zünftiger Form Kameradschaft halten und heimisches Brauchtum pflegen

konnten.

Gewiß hatten sie damals keine Vorstellung davon, wie die Welt 100 Jahre später aussehen

würde. Sie wußten nicht, was aus dem damaligen deutschen Kaiserreich werden, durch welche

Höhen und Tiefen unser deutsches Vaterland gehen würde. Sie wußten aber auch nicht,

daß ihr Verein, die heutige Schützengesellschaft Usseln, nicht nur die guten, sondern auch

all die schlechten Zeiten überstehen würde.

Dieser Verein zählt heute weit über 300 Mitglieder, er ist aus dem gesellschaftlichen Leben

unseres Heimatdorfes nicht mehr wegzudenken.

Unser alljährliches Schützenfest ist das Familienfest aller Usselner aus nah und fern und

hat sicher schon manchen auswärtigen Gast begeistert. Mit dem alljährlichen Grenzbegang

nahm die Schützengesellschaft ein altes Brauchtum wieder auf, das die Usselner Gemarkungsgrenzen

bewußt macht, aber auch die Freundschaft mit unseren Gemarkungsnachbarn pflegt.

Wir haben seit einigen Jahren wieder eine aktive Schützengruppe, die sich mit ihren sportlichen

Erfolgen sehen lassen kann.

Dies alles sind wichtige Aktivposten, wenn ich aus Anlaß unseres diesjährigen Jubiläumsfestes

Bilanz ziehe. Daß wir diese Bilanz ziehen, daß wir dieses Jubiläum feiern können, verdanken wir

Männern, deren Namen ich an dieser Stelle nicht alle nennen kann. Es waren Schützenbrüder,

die sich immer wieder für ihren Verein einsetzten. Ihnen allen gilt heute unser Dank, ihr

Wirken ist uns Verpflichtung, diese Schützengesellschaft auch in Zukunft mit Leben zu

erfüllen im Sinne unseres ganzen Heimatortes Usseln.

Alle Gäste, alle Freunde, alle Usselner aus nah und fern heiße ich zu unserem Jubiläumsfest

herzlich willkommen.

Dieter Bomemann

1. Vorsitzender


Grußwort

Die Schützengesellschaft Usseln e.V. kann in diesem Jahr auf ihr 100jähriges Bestehen

zurückblicken. Das sollte Anlaß sein, das Schützenfest 1977 in würdiger Form zu begehen.

Zugleich aber auch Anlaß, Rückschau auf die Vereinsgeschichte zu halten und derer zu

gedenken, die sich um das Schützenwesen in Usseln verdient gemacht haben.

In den vergangenen 100 Jahren hat die Schützengesellschaft Usseln e. V. eine wechselvolle

Geschichte zu verzeichnen. Zeiten des Friedens wechselten mit Zeiten der Not und des

Schreckens. Die Schützengesellschaft Usseln e.V. hat es immer wieder verstanden, Bürgersinn

und Zusammengehörigkeitsgefühl zu wecken.

In der dörflichen Gemeinschaft hat sich die Schützengesellschaft Usseln e. V. ein hohes Ansehen

erworben. Die Entwicklung des heilklimatischen Kurortes Usseln ist eng verbunden mit der

Vereinsgeschichte. Positive Anregungen sind immer wieder von den Schützenbrüdern ausgegangen.

In der heutigen Zeit kann der von der Schützengesellschaft ausgehende Gemeinschaftssinn

nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Ich wünsche allen Gästen und Freunden der Schützengesellschaft Usseln e.V. erlebnisreiche

Tage in Usseln anläßlich des Jubiläumsfestes.

Günther Rehbein

Bürgermeister

und Schirmherr des

Jubiläumsfestes


Allen Schützen zum Gruß!

Viel Idealismus, noch mehr Opfer an Zeit und Kraft, aber auch erhebliche finanzielle

Mittel haben die Mitglieder der Schützengesellschaft Usseln e.V. erbracht, um den 100.

Geburtstag ihrer traditionsreichen Vereinigung in den Mittelpunkt eines glanzvollen Festes

zu stellen. In diesen Tagen wird Upländer Schützengeist nicht nur die Bürger der

Großgemeinde Willingen (Upland), sondern auch viele Einwohner aus dem Waldeck-

Frankenberger Land und zahlreiche auswärtige Gäste begeistern. Dafür sprechen die seit

langer Zeit unermüdlich geleisteten umfangreichen Vorbereitungen; dafür spricht auch die

Gastfreundschaft der Usselner Bürger.

Der 100jährigen Jubilarin übermittele ich meine herzlichsten Glückwünsche. Mein Dank gilt den

Gründern der Schutzengeseilschaft, aber auch allen Schützenbrüdern, die in den

vergangenen Jahrzehnten aktiv diese Gemeinschaft gefördert haben. Ein jeder von

ihnen hat an seinem Platz sein Bestes geleistet, um eine dauerhafte Kameradschaft

zu schaffen. Ihre Arbeit hat dazu beigetragen, daß sich das Schützenwesen in unserem

Landkreis im traditionsreichen Gewand von gestern, mit dem Sinn für die Realitäten

von heute und dem mutigen Bekenntnis zu morgen präsentiert. Der Schießsport gehört

zu den traditionsreichsten Sportarten überhaupt - und Tradition verpflichtet. Mit Recht

kann festgestellt werden, daß die Usselner Schützen dieser Verpflichtung zu jeder Zeit,

auch in den ernsten und schweren Tagen unseres Volkes, gerecht geworden sind.

Im Landkreis Waldeck-Frankenberg gibt es eine Vielzahl von Schützenvereinen und

Schützengesellschaften, deren Mitglieder sich den Idealen verpflichtet fühlen, ohne die

eine Gemeinschaft auf Dauer nicht bestehen kann und die ein Volk schon immer

ausgezeichnet haben:

Verantwortungsgefühl gegenüber der Allgemeinheit, echte Kameradschaft, Treue, Fleiß und

Hingabe. Auf diese Menschen können wir unsere Hoffnungen setzen. Sie bejahen unseren

Staat und wirken für die Allgemeinheit.

Der Schützengesellschaft Usseln e.V. wünsche ich eine gedeihliche Fortentwicklung

und einen dauerhaften Bestand. Möge sie stets zum Nutzen ihrer Mitglieder und

zum Wohle aller Einwohner wirken.

Dr. Reccius

Landrat

8


Grußwort

In den Tagen vom 29. 7. bis 1. 8. 1977 feiert die Schützengesellschaft Usseln ihr

100 jähriges Bestehen.

Die Schützengesellschatt blickt in diesem Jahr somit auf eine lange Zeit zurück, die

wechselvoll und auch hart war.

Gegründet in einer Zeit, als die Bevölkerung des Ortes wirtschaftliche Sorgen hatte, als

die heimatliche Scholle die Einwohner nicht ernähren konnte, als Usseln verkehrsmäßig

nicht so erschlossen war wie es heute der Fall ist.

Zwei Weltkriege mit ihren Folgen haben das Vereinsleben immer wieder weitgehend zum

Erliegen gebracht, haben Lücken in die Reihen der Mitglieder gerissen und haben die

wirtschaftliche Existenz bedroht.

Es freut uns, daß diese Festschrift die Geschichte unseres Ortes und somit auch die

letzten 100 Jahre schildert und für die Zukunft vieles hierdurch in Erinnerung bleibt.

Beseelt von den Gedanken der Gründer haben sich immer wieder Männer gefunden,

die das Vereinsleben in die Hand nahmen und damit zur Dorfgemeinschaft und zur

Pflege heimatlicher Gesinnung beigetragen haben.

Der Schützengesellschaft und somit allen Mitgliedern und den Einwohnern des Ortes Usseln

die besten Wünsche für die vor uns liegende Zukunft.

Jörg Schulte

Ortsvorsteher bis 31.3.1977

und Schützenkönig 1976/77

Otto Schober

Ortsvorsteher ab 1.4. 1977


Festfolge

Sonnabend, den 23. Juli 1977

19.00 Uhr Gefallenenehrung am Ehrenmal

20.00 Uhr Festakt - im Rahmen eines Dorfabends - in der

Schützenhalle mit der Kapelle Rhena, den

Upland-Musikanten und dem Männergesangverein

Eintracht Usseln

Sonntag, den 24. Juli 1977

14.00 Uhr Kaiserschießen

Freitag, den 29. Juli 1977

20.00 Uhr Bunter Abend in der Schützenhalle mit Stargast

Franzl Lang In der Pause Brillant-Höhenfeuerwerk

Sonnabend, den 30. Juli 1977

20.00 Uhr Festkommers in der Schützenhalle mit Walter Scholz

und den Original Reblandmusikanten

Sonntag, den 31. Juli 1977

10.00 Uhr Frühkonzert

13.00 Uhr Festzug

15.00 Uhr Unterhaltungskonzert, Blasmusik für jung und alt,

anschließend Tanz

20.00 Uhr Großer Festball in allen Räumen

der Schützenhalle

Montag, den 1. August 1977

9.00 Uhr Frühschoppen

9.30 Uhr Königsschießen

nachmittags Festzug, anschließend Konzert und Tanz

20.00 Uhr Großer Abschlußball

10


700 Jahre Schützengesellschaft Usseln 1877— 1977

Nach dem Kriege 1870/71 wurden im Sog des gewonnenen Krieges überall im Lande

sogenannte Kriegervereine gegründet. Sie hatten vaterländischen Charakter und waren

patriotisch eingestellt. Kaiser- und Fürstenverehrung wurden oft dokumentiert.

Anläßlich der Sedanfeier am 2. September 1877 gründeten sieben Usselner den Kriegerverein.

Es waren dies:

Wilhelm Saure. Wilmes

Christian Wilke, Engelbrachts

W. Bender, Krämers

Friedrich Figge, Jägers

Friedrich Bunse, Beulken

W. Engelbracht, Kaspers

H. Saure, Wilmes

Außerdem wurden am gleichen Tage noch folgende Ehrenmitglieder aufgenommen:

A. Wilke, Klagges C. Figge, Jägers

C. Peter, Schneidermeister W. Figge, Riepen

C. Figge, Schreinermeister Chr. Saure, Wilmes

L. Wilke, Müllers W. Schulze, Wiesemann

C. Wilke, Habichts C. Meier jun., Schäfers

Chr. Wilke, Pickers

Fr. Mitze

Zum 1 Vorsitzenden wurde Wilhelm Saure. Wilmes gewählt.

Im Gründungsprotokoll steht als Grundsatz:

„Mit Gott für König und Vaterland,

mit Gott für Kaiser und Reich."

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feiert jein evfteö Äiieflerfeft

am

28« tittö 29* 3tiU *. 3*,

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Uffelu, am 22. 3u(i Iä78.

989) Der Vorstand.


Die ersten Jahre scheinen für den Verein nicht leicht gewesen zu sein, denn schon im Jahre

1878 wird über ruckständige Beiträge geklagt, und auch das Renommee des Vereins innerhalb

des Ortes war noch nicht gefestigt.

Das erste Kriegerfest wird 1878 gefeiert und zwar am 28. und 29. Juli. Im Protokollbuch heißt

es, daß für dieses Fest ,,7 musikalische Personen aus Worra" verpflichtet wurden. Mit Gott für

König und Vaterland stand über der Anzeige im Waldeckischen Anzeiger vom 25. Juli 1878.

Über den Ablauf des Kriegerfestes des Jahres 1879 stand dann erstmals ein Artikel im

Waldeckischen Anzeiger vom 22. Juli 1879, in dem es heißt:

..Die am 6. und 7. d. M. zu Usseln und am 13. und 14. zu Willingen gefeierten Kriegerfeste

gaben wiederum Zeugniß, daß die Söhne unserer Berge auf ihren Handelsreisen neben

entsprechendem Verdienste in klingender Münze sich auch ein gleiches Capital an Bildung

und Intelligenz zu erwerben und zum Ruhme ihrer Heimat zu verwerten gewußt haben.

Auf beiden Festen herrschte eine fast militairische Pünktlichkeit und Ordnung, welche bei

solchen Festen an ändern Orten so häufig vermißt wird; die Aufführung der Festgenossen

konnte nur musterhaft genannt werden und sprechen sich alle hier anwesenden Fremde

nur lobend darüber aus. Die allgemeine fröhliche Feststimmung vermochte nur durch die

zweifelhafte Witterung beeinträchtigt werden. Einigen angerauchten Auswärtigen gab

man Fünfviertel für eine Elle und so blieb alle Gelegenheit benommen, eine vielfach

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am 12. unb 13. Jlugitft er.

(£§ labet ergebcnft ein

Der Vorstand. U

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12


übliche mit Tanzvergnügen gepaarte Keilerei ins Werk zu setzen. Nicht einmal das, ,an die

Luft setzen" übel wollender Persönlichkeiten war vorgekommen. Restauration und

Bedienung waren zwar:

„immer noch etwas ländlich,

doch Wein und Bier nicht säuerlich

der Braten auch schön käuerlich,

und das Beste.

die Rechnung gar nicht theuerlich."

Im Jahre 1882 wurde das Kriegerfest abgesagt, weil in der Feldflur so schwerer Hagelschaden

entstanden war, daß wohl die Lust zum Feiern fehlte. Deshalb konnten die vereinseigenen Bretter,

die für den Aufbau der beiden Zelte (Trinkzelt und Tanzzelt) nun nicht benötigt wurden, an sechs

Mitglieder zum Preis von 65 Pfennig für 10 Stück für ein Jahr verborgt werden.

Ein besonderes Jahr in der Vereinsgeschichte war das Drei-Kaiser-Jahr 1888. Aus Anlaß des

Todes von Kaiser Wilhelm l. wurde ein Trauerzug veranstaltet. Des Todes Kaiser Friedrichs III.

wurde in einer Trauerfeier gedacht, an der auch der Ratllarer Kriegerverein und der Gesangverein

Usseln teilnahmen. Anläßlich des Kriegerfestes am 12. und 13. August 1888 wurde die erste

Vereinsfahne geweiht. Hierüber schreibt die Corbacher Zeitung am 18. August 1888:

„Die Reihe der upländischen Kriegerfeste ist durch das Fest in Usseln am vorigen Sonntag

beschlossen. Dasselbe erhielt eine besondere Bedeutung durch die Weihe der neuen

Kriegerfahne. Außer dem Kriegerverein nahm auch der Gesangverein des Ortes an dem

Feste Theil. Beide Vereine versammelten sich um 1 Uhr im Festzelte, wo Herr Lehrer Euler

die Festrede hielt. Anschließend an die großen Ereignisse von 1870/71, durch welche die

Kriegervereine ins Leben gerufen, gab Redner ein Bild der Entwicklung des großen

deutschen Kriegerbundes, erinnerte an die harten Schicksalsschläge, die unser Vaterland

in diesem Jahre betroffen und ging dann zur eigentlichen Weihe der Fahne über, zugrundelegend

die Fahneninschrift:

„Einigkeit und Treu und Tapferkeit

Sind des deutschen Kriegers Ehrenkleid."

Die Fahnenweihe schloß mit dem Spruch:

..Die Fahne sei uns immer das herrlichste Panier,

Und soll sie uns auch bleiben ein Kleinod für und für.

Zu Ihr wolln wir uns halten

An ihr hafte stets der Blick

und möge Gott verleihen mit ihr

uns Freud und Glück.

Mit Grün laßt uns bekränzen die Kriegerfahne hold.

Und Theuer sie uns bleibe noch mehr denn alles Gold;

Sie sei das schönste Zeichen von Einigkeit und Treu -

Und Gott im Himmel gebe, daß immer so es sei. -"

Darauf hinweisend, daß die Fahne auf der einen Seite die Germania, das Sinnbild des

geeinigten Vaterlandes und auf der anderen Seite die Farben und das Wappen Waldecks

zeige schloß der Redner mit einem begeisternden Hoch auf Se. Maj. den Kaiser und auf

Se. Durchlaucht unsern Fürsten; worauf die Versammlung „Heil Dir im Siegerkranz"

anstimmte. Nachdem der Gesangverein das Lied: „Freudensänge" vorgetragen, folgte

der Festzug durch die Straßen des Dorfes. Nach Beendigung desselben begann im

Festzelt der Tanz. Ein Caroussel und verschiedene „Seil- und Feuer"-Künstler sorgten für

die Unterhaltung der Kinder und Nichttänzer. Vom herrlichsten Wetter begünstigt ist das

Fest in schönster Ordnung verlaufen. Das Bier und die Feststimmung waren so ausgezeichnet,

daß manche der Feiernden den zwei Festtagen noch einen dritten hinzufügten."

13


Leider ist diese Fahne im 2. Weltkriege abhanden gekommen. Sie wird wohl als Souvenir die

Reise nach den USA angetreten haben.

Im Jahre 1889 scheint der dörfliche Frieden wieder etwas gestört gewesen zu sein. Über das

Kriegerfest in diesem Jahre schreibt die Corbacher Zeitung unter anderem:

„Das schöne Volksfest verlief ohne jede Störung. Ein großer Theil der hiesigen Einwohner

blieb freilich -wie immer- auch in diesem Jahre in demonstrativer Weise dem

Feste fern; doch konnte durch die Abwesenheit dieser Herrschaften die Gemütlichkeit

nur gewinnen."

Was hier im einzelnen vorgelegen hat, konnte nicht ermittelt werden.

In den achtziger Jahren ist nicht jedes Jahr ein Kriegerfest veranstaltet worden. Das Fest wurde

aber schon mit dem in Usseln stattfindenden Kram- und Viehmarkt verbunden. Über den Viehmarkt

1889 wird berichtet, daß eine große Zahl Vieh angetrieben wurde und daß die gute Ware

schnell Käufer fand. Die Preise waren hoch, für ein paar Zugochsen wurden 700 Mark geboten.

Im Jahre 1890 gehörten dem Kriegerverein 38 Mitglieder an; das Vereinsvermögen wurde mit

ca. 600 Mark angegeben. Das Kriegerfest 1890 litt sehr darunter, daß die „Zirre" (das Karussell)

ausgeblieben war. Dafür sorgte aber eine „Manegerie" für Unterhaltung. Die Jahresrechnung

1890 wurde von der Generalversammlung beanstandet. Der für Bier ausgegebene Betrag von

4,48 Mark wurde nicht genehmigt und dem Besteller auferlegt, selbst zu bezahlen.

Die damaligen Kriegerfeste verursachten für die relativ geringe Anzahl an Mitgliedern viel Arbeit.

So mußten zwei Zelte aufgebaut und die Musik geholt werden Zum Kriegerfest 1891 holte

Friedrich Figge (Kleinen) die Musik für 7 Mark aus Korbach. Meistens spielte eine Kapelle aus Vöhl

oder Asel.

Die bescheidenen finanziellen Jahresüberschüsse wurden bis 1892 dem Festwirt Christian Figge

(Riepen) jeweils als Darlehn (meistens für 5% Zinsen) überlassen.

Vor der Jahrhundertwende wurden oft Mitgliederversammlungen abgehalten, teilweise sogar

monatlich. Dies hatte auch den Zweck, die Beiträge, lange Jahre 25 Rennig im Monat, zu

kassieren. Hauptbestandteil des Vereinslebens war neben dem Kriegerfest die jährliche Sedanfeier

am 2. September und die Feier von „Kaisers Geburtstag". Zu beiden Feiern gab es Freibier.

1895 scheint die Kaiserverehrung etwas nachgelassen zu haben, denn im Protokoll steht

lediglich: „Zu Kaisers Geburtstag wird nichts bewilligt". In diesem Jahr konnte man sich aber

schon eine Kapelle von „weit her" leisten. Zum Kriegerfest spielte die Schadebergische Kapelle

aus Hagen; sie war wohl von Usselner Handelsleuten vermittelt worden.

Fackelzüge und Feuerwerke anläßlich der Kriegerfeste waren damals große Mode. Zum Feuerwerk

1896 wurden 1 Sonne, 12 Flammen, 6 Raketen und 2 Dutzend Kerzen bewilligt. Das

Feuerwerk wurde von Vereinsmitgliedern abgebrannt.

Oft besuchten sich auch die Upländer Kriegervereine gegenseitig zu ihren Kriegerfesten. Die

Teilnahme der Mitglieder war jedoch oft nur mäßig. So heißt es im Protokoll von 1897, „wer am

4. Juli nicht mitfährt nach Willingen zum Kriegerfest, muß 50 Pfennig Strafe an die Vereinskasse

zahlen". Die Fahrten wurden mittels Leiterwagen durchgeführt.

Es war damals auch schon ein Problem, daß das dem Verein gehörende Inventar (insbesondere

Bohlen. Bretter, Bänke und Tische) immer pfleglich behandelt wurde. Im Jahre 1896 wurde das

ganze Vereinsinventar dem Landwirt Bender (Klenken) unentgeltlich ausgeliehen. Er mußte es

dafür unterhalten.

Im Jahre 1898 wurden neue Vereinsmützen angeschafft, die deutsche Kriegerzeitung „Parole"

wurde für alle Mitglieder bestellt und aus der Vereinskasse bezahlt. Sonst wären wohl nicht so

viel Exemplare abgesetzt worden.

Ab 1899 wird am Grabe jedes verstorbenen Vereinsmitgliedes ein Kranz niedergelegt, bezahlt

aus der Vereinskasse.

14


In den ersten 25 Jahren seines Bestehens hat der Usselner Kriegerverein seinen festen Platz

innerhalb der Dorfschaft erworben. Die anfänglichen Schwierigkeiten wurden überwunden. Das

Kriegerfest, zu dem schon damals das ganze Dorf mit Tannen und Girlanden geschmückt wurde,

war mit Festumzug und Kram- und Viehmarkt das Hauptereignis des Jahres. Schießbuden,

Schaukeln, Schlagbaum, Glücksräder, Karussell und zahlreiche Buden mit Zucker- und Spielwaren

waren Anziehungspunkt für die ganze Umgebung. Für die Kinder war das Doppelfest

Kriegerfest - Markt neben dem Schulfest ein besonderes Erlebnis. War das eine Freude, wenn

auf Riepen Wiese der Zeltbau begann, wenn die „Markedeswagen" einer nach dem anderen

kamen, allen voran Bierhenkel mit seinem Karussell und wenn die „Ladenstraße" aufgebaut

wurde. Und dann der Festtag selbst. Im Festzug wurden die drei Veteranen aus den Kriegen

1 864/66 und 1 870/71 im Kutschwagen gefahren. (Tote aus diesen Kriegen waren in Usseln nicht

zu beklagen.)

Die Kinder sammelten Wochen vorher in den Ferien die kostbaren Preiselbeeren und Waldbeeren

(Kronoggen) und machten sie zu ..Markedesgäld". Oft wurden für das Pf und nur 4 oder 5

Pfennig gezahlt. Wenn auch das Geld damals in Usseln äußerst knapp war, „Market" wurde

gefeiert.

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Der Vorstand.

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15


Vereinslokal -es gab ja noch keine Halle- war zunächst die Gastwirtschaft Christian Figge

(Riepen) und danach Anton Brüne (Jägerheim). Die Gastwirtschaft Figge befand sich damals

noch in dem Gebäude an der jetzigen Bachstraße (Trachten).

Der Kriegerverein hatte allen Anlaß, sein 25-jähriges Bestehen anläßlich des Kriegerfestes am

29. und 30. Juni 1902 besonders festlich zu begehen. Das Fest wurde am 28. Juni mit einem

Fackelzug und mit Kanonendonner eingeleitet. Am 29. Juni war gemeinsamer Kirchgang, um

13.30 Uhr Paradeaufstellung, um 14 Uhr Festzug und abends großes Feuerwerk. Über den

Verlauf dieses Festes schreibt die Corbacher Zeitung am 1. 7. 1902 folgendes:

16

„Die Feier des 25jährigen Stiftungsfestes des hiesigen Kriegervereins hat einen in jeder

Beziehung würdigen und gemütlichen Verlauf genommen. Am Vorabend fand ein Fackelzug

statt, der an dem klaren, windstillen Abend einen sehr schönen Anblick bot. Der

Weckruf der Wethener Kapelle, bestehend aus dem nicht ganz unbekannten Liedchen

„Freut Euch des Lebens", brachte am Sonntag die Kameraden schon frühzeitig auf

die Beine. Um 9'/2 Uhr wurde zum gemeinsamen Kirchgang angetreten. Unser Herr

Pfarrer nahm in der Predigt eingehend Bezug auf die Jubelfeier und verbreitete

sich in treffender Weise über die erreichten und noch zu erstrebenden Ziele des Kriegervereins.

Die um die Mittagszeit einziehenden benachbarten Kriegervereine wurden

in dem herrlich geschmückten Festzelt auf der Wiese bei der Figgeschen Wirtschaft

herzlich bewillkommnet und mit Musik in Empfang genommen. Dann nahmen die

Versammelten: die Kriegervereine Usseln, Willingen, Rattlar, Schwalefeld, Rhena,

Lelbach und der hiesige Gesangverein Parade-Aufstellung zum Empfang der Mitglieder

des Landes-Kriegerverbandes für Waldeck-Pyrmont, bestehend aus den Herren Hauptmann

d.L.a. D. Rösener-Arolsen und Oberleutnant Waldschmidt-Corbach, in deren

Begleitung sich der Herr Bezirks-Adjutant aus Arolsen und noch ein 4. Offizier befanden.

Nach Abschreiten der Front hielt Herr Rösener eine kurze kernige Ansprache an den

Jubel-Verein, diesen beglückwünschend zum bisherigen Erfolge, hoffend, daß der Verein

auch ferner wachsen und gedeihen möge. Im Auftrage seiner Durchlaucht des Fürsten

drückte Redner das Bedauern des hohen Protektors des Verbandes aus, an der heutigen

Feier nicht Theil nehmen zu können, versicherte dessen erhöhtes Interesse an den

Kriegervereinen seit Bestehen des Verbandes und überreichte die vom Fürsten gewidmeten

prächtigen Fahnenbändern in den waldeckischen Farben und mit goldgestickter

Inschrift. Herr Rösener befestigte die Bänder an der Fahne, gab der bestimmten Hoffnung

Ausdruck, daß der Verein sich dieser hohen Auszeichnung stets würdig zeige und brachte

auf denselben ein dreimaliges Hurrah aus. Hierrauf trat der Oberleutnant d. R. Herr

Waldschmidt vor und überreichte im Namen des Landeskrieger-Verbandes einen

Fahnennagel. An die Widmung knüpfte Herr W. eine innige Ansprache über Kameradschaft

und Vaterlandsliebe innerhalb der Kriegervereine. Das Hurrah galt dem Verbände.

Der Vorsitzende des Rattlarer Kriegervereins befestigte dann mit dem passenden Widmungsspruch:

„Herz und Hand dem Vaterland" einen von diesem Verein gewidmeten

Fahnennagel an die Fahne: in derselben Weise der Vorsitzende des Kriegervereins

Willingen, welcher nach seiner Widmung auf den Usseler Verein ein Hoch ausbrachte.

Herr Schreiber dankte herzlichst im Namen des Usseler Kriegervereins für die demselben

in so reichem Maaße zu Theil gewordenen Ehrungen. Nach 2 Uhr setzte sich der Festzug

in welchem sich 7 herrliche Fahnen befanden, in Bewegung und in strammem Schritte

ging es trotz drückender Schwüle durch die festlich geschmückten Straßen Usselns.

Nach dem Einzug ins Festzelt nahmen die Krieger Aufstellung und Herr Lehrer Euler

hielt die Festrede. Redner begrüßte die Deputation des Kriegerverbandes, die Vereine

und Festgenossen im Namen des hiesigen Vereins und hielt dann, von der Thatsache

ausgehend, daß die Kriegervereine auf historischem Boden stehen, eine flammende

patriotische Ansprache, bezugnehmend auf die traurigen politischen Verhältnisse vor

100 Jahren; die Sehnsucht der Besten der Nation nach einem geeinten, starken Vaterlande;

die herrlichen ungeahnten Erfolge Kaiser Wilhelms l. und seiner großen Paladine:


Kriegertest 1903 mit der alten Vereinsfahne

v.l. n. r. Carl Saure (Klempner). Christian Meier (Knoche). Friedrich Wtlke (Nonnenschafer), Christian Benecke, Heinrich Jäger (Brügges), Anton Brüne (Schniedermann), Christian Born

(Kösters). Fritz Wilke (ünnewebers), Christian Mitze (Suren), Karl Stremme (Stremmen). Christian Brune (Brocke), Karl Saure (Oberschulten), Wilhelm Saure jun. (Wilmes),

Hermann Schumann, Friedrich Vogel. Heinrich Wilke (Hofmanns), Friedrich Saure (Kann), Christian Figge (Riepen), Fritz Sauer (Färbers). Wilhelm Schreiber, Wilhelm Voget (Klempners),

Ludwig Sender (Klenken), Christian Brune (Dribischen), Heinrich Engelbracht (Dregges). Johann Koch. Christian Küthe (Hertigen), (unbekannt), Fritz Emde (Beneckes), Wilhelm Wilke

(Fiesen). Wilhelm Gobel (Schruppmüller). Christian Saure (Kampmann), Friedrich Saure (Heeren), Wilhelm Saure sen (Wilmes), Johannes Figge (Figgen). Friedrich Schulze (Zaches),

Heinrich Ferron. Georg Rose. Karl Schilling, Wilhelm Schäfer (Papenheim), Heinrich Wilke (Habicht), (unbekannt), Christian Figge (Christes).


Fürst Bismarck, Graf Moltke, Kronprinz Friedrich Wilhelm; das Bedürfnis der alten Krieger

für einen Zusammenschluß zum Austausch der Erinnerungen an die große Zeit.

Gelegentlich der Sedanfeier am 2. September 1877 ist denn auch der Usseler Kriegerverein

ins Leben getreten. Aber die Kriegervereine wären nicht lange von Bestand

gewesen, hätten nicht der deutsche Kriegerverband und die Landesverbände dem

Vereinswesen hohe Ziele und Aufgaben geschaffen. Die erzieherischen Aufgaben der

Kriegervereine wurden ganz besonders hervorgehoben. Herr Euler wies auf die herrlichen

Stunden des Vorbeimarsches der waldeckischen Kriegervereine vor Kaiser und

Fürst gelegentlich der Denkmalsenthüllung in Arolsen hin und brachte auf beide Monarchen

ein begeistert aufgenommenes Hoch aus, an das sich der Gesang der Nationalhymne

schloß. Das Conzert trat in seine Rechte, der hiesige Gesangverein trug einige

patriotische Lieder in gediegener Weise vor und es entwickelte sich ein geselliges Leben

und Treiben. Mit Beginn des Balles nach 4 Uhr steigerte sich die Frequenz erheblich

sodaß der flotte Vereinswirth stark in Anspruch genommen wurde. Abends wurde ein

Brillant-Feuerwerk abgebrannt. Lange blieben die Festgenossen in fröhlicher Stimmung

beisammen. Der heutige Tag dient ebenfalls der Unterhaltung. Um 1 /2 11 Uhr ist

Frühschoppenkonzert, nach 1 Uhr Festzug und danach Ball. Wir geben uns der

angenehmen Hoffnung hin, daß das 25jähr. Kriegervereins-Jubiläum in Usseln jedem

Teilnehmer in angenehmer Erinnerung bleiben wird."

Beim Kriegerfest 1903 kam es zu einem bedauerlichen Unfall. Beim Tanz rutschte die Frau des

Wegewärters Biederbick aus und kam so unglücklich zu Fall, daß sie einen komplizierten

Beinbruch erlitt. Der Verein zahlte eine Unterstützung von 15 Mark. Im Jahre 1905

richtet der Verein eine Sterbekasse ein; an die Hinterbliebenen eines verstorbenen Vereinsmitgliedes

wurde ein Sterbegeld von 30 Mark gezahlt. Die Wethener Kapelle, die in diesem Jahr

mit 10 Mann wieder zum Kriegerfest spielt, kostete 170 Mark.

Im Jahre 1908 werden neue Statuten angenommen; der Verein soll nunmehr in das Vereinsregister

eingetragen werden. Die Wirtschaft auf dem Kriegerfest wird für 345 Mark an den

Gastwirt Christian Figge verpachtet. Um bei den verabreichten Speisen eine gewisse

Sicherheit zu haben, muß der Festwirt auf einem weit sichtbaren Plakat den Herstellungsort der

Speisen bzw. Fleischwaren anzeigen.

In den ersten Jahren nach 1900 gründet der Verein eine Theatergruppe, die bei geselligen

Veranstaltungen öfters auftritt. Jetzt werden auch oft Preisschießen oder Vereinsschießen

veranstaltet. Die Beteiligung ist nicht immer zufriedenstellend gewesen. Im Jahre 1911 gab es als

ersten Preis ein Fürstenbild in Kupferdruck für 4,50 Mark.

Das Kriegerfest 1911 wurde mit einer erheblichen Panne eingeleitet. Die Corbacher Zeitung

schreibt:

„Als nachmittags 3 Uhr Alles parat stand und zum Ausmarsch fertig war, fehlte

die Hauptsache, nämlich die Musik. Die Zeit verstrich, aber nirgends war etwas von der

heißersehnten Vöhler Kapelle zu sehen. Infolge der telephonischen Sonntagsruhe konnte

auch keine Auskunft eingeholt werden. Schließlich bestiegen 3 Radfahrer ihre Vehikel,

sausten nach Medebach, machten die dortige Kapelle mobil und kehrten mit der frohen

Gewißheit zurück, daß die Medebacher mit dem ersten Zug in Oberschledorn ankommen

sollen (Anmerkung: Es handelt sich um die inzwischen stillgelegte Kleinbahn Steinhelle-

Medebach). Es wurden sofort 2 Leiterwagen dorthin gesandt und gegen 7 Uhr

hielt die Musik hier ihren Einzug. Die gemütlichen Upländer kamen doch noch auf ihre

Rechnung und feierten zwar etwas später, aber desto intensiver."

Das Nichterscheinen der Vöhler Kapelle soll durch ein Mißverständnis hervorgerufen sein, für

das wohl der 1. Vorsitzende des Kriegervereins verantwortlich war. Es muß erregte Debatten im

Vereinsvorstand gegeben haben, in deren Verlauf der damalige verdiente 1. Vorsitzende

Wilhelm Schreiber mit seinem Rücktritt gedroht hat. Schließlich hat er jedoch für den

Musikausfall 100 Mark in die Vereinskasse gezahlt, eine für damalige Verhältnisse hohe Summe.

18


Zum Kriegerfest 1912 muß wohl das Kränzewickeln nicht mehr geklappt haben, denn nach

dem Protokoll sollen alle Mädchen, die sich an der alten Sitte des Kränzens

(Girlanden wickeln) nicht mehr beteiligen, ein Tanzgeld von 25 Pfennig bezahlen;

sie hatten sonst freien Eintritt.

Das Jahr 1913 stand im Zeichen von zwei zusätzlichen Feiern. Am 9. 3. wurde das

100jährige Bestehen des Infanterie-Regiments Nr. 83 in Arolsen gefeiert, am 19. 10. wurde

der 100jährige Gedenktag der Völkerschlacht bei Leipzig feierlich begangen. Eingeleitet

wurde dieses Fest mit einem Freudenfeuer auf dem Osterkopf.

Den Veteranen des Vereins wird ab 1914 bei der Beerdigung von seilen des Vereins kostenlos

eine Militärmusik gestellt, wenn die Hinterbliebenen auf die Hälfte des Sterbegeldes verzichten.

Mit dem Beginn des 1. Weltkrieges wurde der Abschluß eines Teiles der Vereinsgeschichte,

nämlich der des Kriegervereins, eingeleitet. Das Vereinsleben kam weitgehend zum Erliegen,

viele Vereinsmitglieder zogen in den Krieg, viele kamen nicht wieder und ruhen in Ost und West.

Jedoch schon kurz nach dem Kriege begann ein neues Vereinsleben. Unter dem Eindruck des

verlorenen Krieges war der Patriotismus in den Hintergrund getreten. Dafür traten Förderung

des Gemeinsamkeitssinns aller Teile der Usselner Bevölkerung und die Pflege der Geselligkeit

und Unterhaltung noch mehr in den Vordergrund. Riege der vaterländischen Gesinnung war

aber nach wie vor ein Anliegen des Vereins, der sich am 11. Mai 1919 den Namen

Schützenverein Usseln

gab. Am gleichen Tage wurde die Satzung des alten Kriegervereins vom 27. Januar 1908

den neuen Erfordernissen entsprechend geändert.

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19


Am 24. und 25. August 1919 wurde das erste Schützenfest als Stiftungsfest gefeiert.

Es spielte, wie später noch viele Jahre, die Kapelle Mander aus Vöhl für 25 Mark je Stimme.

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte wurde ein Königsschießen durchgeführt (nach dem

Protokoll „...soll ein sogenanntes Vogelschießen abgehalten werden"). Auf den hölzernen

Vogel wurde mit der Armbrust geschossen. Erster Schützenkönig wurde Fritz Emde (Fiesen).

Er erwählte Adelheid Mitze zur Schützenkönigin. Fritz Emde ist später nach Amerika

ausgewandert. Die Damen des Hofstaats hatten lange Kleider an. Das schlechte Wetter ließ

die Kleider jedoch ziemlich dreckig werden. Die Damen wußten sich jedoch zu helfen, sie gingen

an die Diemel und wuschen kurzerhand die Kleider „untenherum" aus. Das Schützenfest

wurde erstmals in der noch im Jahre 1914 errichteten festen Halle (im Volksmund weiter Zelt

genannt) gefeiert. Das Fest litt jedoch darunter, daß noch viele Usselner Männer in Kriegsgefangenschaft

waren.

Zum Schützenfest 1920 wird mit Gewehren auf den Vogel geschossen. Am

2. Festtage findet wieder der Kram- und Viehmarkt statt. Die neue Schützenhalle wird

nun zunehmend von dem Usselner Sportverein mit benutzt. Das Gehalt des Vereinsboten

Erich Wilke (Fiesen) -gefallen im 2. Weltkrieg- wird auf 80 Mark jährlich festgesetzt.

Im Jahre 1922 wird erstmals ein Kappenball gefeiert; jeder Teilnehmer mußte ein närrisches

Abzeichen tragen. Zum Schützenfest 1922 erhielt Fritz Engelbracht (Schür) die Erlaubnis,

einen Verkaufsstand für Zuckerwaren und Schokolade in der Halle aufzustellen.

Der „alle' Westlalenhol (Brune-Brocke)

1922 während des Schützenfestes abgebrannt. Christian Brüne-Brocke (im Bild) war in diesem Jahre (1921122) Schützenkönig.

Über die Festtage brannte das Anwesen des Schützenkönigs Christian Brüne-Brocke nieder.

Der in der Scheune untergestellte Festzugswagen des Schmiedemeisters Wilke verbrannte mit.

Nach einigen Verhandlungen erhielt er dafür im Jahre 1923 eine Entschädigung von

2 Millionen Mark. Der Beitrag für 1922 wurde pro Monat auf 400 Mark festgesetzt.

20


Die Inflation war der Grund dafür, daß 1923 kein Schützenfest gefeiert wurde. Der Turnverein

veranstaltete in der Schützenhalle ein Turnfest. Er wurde an den Einnahmen in der

Wirtschaft beteiligt. Von dem Umsatz bis 3 Mio. Mark erhielt er 4%, von dem Umsatz darüber

5%. Im Jahre 1923 wurde Heinrich Born zum Schriftführer gewählt; er hat dieses Amt (mit

Unterbrechung) bald 20 Jahre ausgeübt.

Das von der Gemeinde erstellte Ehrenmal am Loh für die Gefallenen des 1. Weltkrieges

wurde 1923 eingeweiht. Der vom Schützenverein niedergelegte Kranz kostete 5 Millionen Mark.

Das im Jahre 1919 eingeführte Königsschießen scheint anfangs nicht so recht Anklang bei

den Schützen gefunden zu haben. Es wird beschlossen, daß alle Mitglieder, die für das Königsschießen

sind, auch selbst am Schießen teilnehmen müssen.

1924 geht es nach überstandener Inflation aber weiter. Der Beitrag wird auf 2 RM jährlich

festgesetzt, neue Hüte werden angeschafft und eine Königskasse (pro Mitglied 2 RM jährlich)

zur finanziellen Unterstützung des Königs gebildet. Zum Schützenfest spielt eine Korbacher

Kapelle.

Festzug bei einem Schützenfest

in den 20er Jahren mit der

damals noch bestehenden

Ahornallee

In der Bildmitte das abgebrochene

Haus von Schafer

(Papenheim). links das Haus

Vogel-Klorens (später Bürgermeisteramt).


Auch den einzelnen Mitgliedern scheint es jetzt finanziell wieder besser zu gehen. Der

neu gewählte Beisitzer Christian Brüne (Dribischen) stiftet in der Versammlung am 8. 2. 1925

ein Faß Freibier. Das Schützenfest 1925 scheint die Erwartungen des Vereins nicht erfüllt

zu haben. Das Protokoll spricht von geringer Einnahme und von dem vol. 'ändigen Versagen

der Kassierer und Ordnungsmannschaften. Immerhin wurden aber 24,72 hl. Bier verkauft.

Auch in den 20er Jahren wurden wieder öfters Preisschießen durchgeführt. Von den üblichen

Unstimmigkeiten blieb der Verein auch nicht verschont. Besonders im Jahre 1926 muß es

teilweise hoch hergegangen sein. Der Schützenkönig drohte, seine Würde niederzulegen. Der

Vorstand trat zurück. Schließlich wurde aber aller Streit beigelegt, und das traditionelle

gute Vereinsklima war bald wieder hergestellt. Im Jahre 1926 wurde erstmals am Vorabend

des Schützenfestes ein Fackelzug zum Ehrenmal am Loh mit einer Gedenkfeier veranstaltet.

Die Gedenkfeier ist bis heute beibehalten worden. Jetzt wird der Toten beider Weltkriege und

all derer, die bei Vertreibung, Flucht und sonstigem Unrecht ihr Leben verloren haben, gedacht.

Die Mitgliederzahl des Vereins war bis 1926 auf 174 angestiegen. Im Jahre 1927 wird in

einigen Räumen der Schützenhalle durch den Verband der Jugendherbergen eine Jugendherberge

mit 20 Betten eingerichtet. Sie scheint aber nicht lange bestanden zu haben.

Von besonderem Glanz sind in den 20er Jahren die Festzüge gewesen. Das ganze Dorf

war festlich geschmückt. Viele Girlanden waren aufgehängt; die Häuser prangten im

Fahnenschmuck. Die aufgestellten Ehrenpforten wurden jedes Jahr prämiiert. 1928 erhalten

den 1. Preis die Nachbarschaft Meier-Kesper, den 2. Preis Vogel-Liesen und den 3. Preis

Ernst Hellwig. Die jährlichen Schützenfeste wurden durch den Kommers am Tage vorher

(Sonnabend) ausgedehnt. Zutritt hatten hier nur männliche Personen.

Die Königskette wird im Jahre 1928 neu gestaltet. Jedes Königspaar wird nun durch eine

silberne Medaille an der Kette verewigt. Für die Medaillen der Königspaare ab 1919 werden

silberne 5-Mark-Stücke umgearbeitet.

Das 50-jährige Bestehen des Vereins ist 1927 nicht besonders gefeiert worden. Im Jahre

1929 scheint die Schießfreudigkeit beim Königsschießen nicht groß gewesen zu sein. Trotz

stundenlangem Schießen war dem Vogel nicht beizukommen; erst durch gezielte Schüsse

errang dann Karl Saure-Dresel zum zweiten Mal die Königswürde. Er erwählte seine Frau Eise

zur Königin.

Am 11. 1. 1930 verläßt der langjährige 1. Vorsitzende des Vereins, Dr. Karl Meyer, Usseln.

In einer besonderen Feier wird er verabschiedet. Bei dieser Feier kommt zum Ausdruck, daß

ihm der Verein und der ganze Ort viel zu verdanken haben. Am 17. 1. 1930 wird

Wilhelm Jäger (Schmitten) Vereinswirt. Er hat bis 1958 den Wirtschaftsbetrieb geführt.

Anfang der 30er Jahre macht sich der Verein auch die Errungenschaften der Vergnügungsindustrie

zunutze. Zum Ostervergnügen 1930 soll Herr Löwenstein aus Korbach (Inhaber

des inzwischen geschlossenen Central-Filmtheaters) wieder mal ein Kinostück vorführen.

Später sind noch oft Unterhaltungsfilme in der Halle vorgeführt worden. Die Musik zu dem

Ostervergnügen 1930 wird durch den in Usseln neu gegründeten Musikverein ausgeführt.

Er erhält dafür 60 RM und 2 Runden Bier. Der am Anfang seines Bestehens sehr

aktive Musikverein hat auch als 2. Kapelle an den Festzügen zum Schützenfest 1930 mitgewirkt.

Es muß aber wohl nicht so recht geklappt haben, denn es gab anschließend Streit

zwischen dem Vorstand des Schützenvereins und dem Musikverein.

Ab 1930 erhalten alle verstorbenen Vereinsmitglieder, die im Weltkrieg „unter der Fahne

gestanden haben", über dem offenen Grabe eine Ehrensalve. Der Verein zählt jetzt 185

Mitglieder.

Zum Schützenfest 1932 gab es erneut Differenzen mit dem Usselner Musikverein. Dieser

konnte es nicht überwinden, daß man die Kapelle Bauer aus Kassel für 520 RM

verpflichtete, obwohl sich der Usselner Musikverein für 300 RM angeboten hatte. In der

22


Königspaar Karl Saure (Dresel) und Frau (1929/30)

v. l. n. r. Obere Reihe: Lina Bnjne-Dribischen, Grete Schrinner, Johanna Mosel. Emma Saure-Dengels. Klara Dresel- Mittlere

Reihe: Ludwig und Rika Wilke-Stratmann. Johannes Figge. Johannetle und Fritz Wilke-Kirchhöfer. Eise und Karl Saure--

Dresel. Wilhelmine und Karl Säure-Schusters (Landrat). Frieda und Heinrich Wilke-Kesting. Christian GerhardHeckmann

Unlere Reihe Minna Figge, Christian und Luise Wilke-Wilken. Lina und Christian Brune-Höhmann. Lina Gertiard Kinder:

Walter Wilke. Lina Diez (verti. Kräling). Gisela Wilke (verh Beier). Kart Heinz Wilke

Schützenkönig Christian Biederbick (Gölten) und Frau (1930/31)

ab obere Reihr v. l. n. r. (jeweils mit Ehefrauen) Hans Stroth, Wilhelm Saure (ünneweber). Christian Biederbick (Gölten).

Wilhelm Vollbracht (Matzes), Willi Biederbick (Bruder des Schützenkönigs - ohne Frau), Wilhelm Emde (Paggels), Fritz Emde,

Wilhelm Schreiber, Hermann Schumann. Friedrich Jager (Fähling).

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1932/33 war Karl Heine (Schilling) Schützenkönig Er erwählte Frau Wrlhelmme Sauer (Boden) zur Schutzenkonigin.

v l n r Dr Brammer und Frau, Heinrich Potthoff und Frau, Fritz Figge und Frau, Wilhelm Schulze (Wiesemann) und Frau.

Karl Schweinsberg (Huskens) und Frau, Karl Küthe (Baumer) und Johannette Vogel (üesen), Karl Heine und Wilhelmine Sauer

(Boden), Heinrich Wilke (Kesting) und Luise Heine, Anton Figge (untersten Pickers) und Frau, Göbel (Reuter) und Luise Wilke

(Mühle). Fritz Engelbracht und Frau, Wilhelm Stremmel und Frau.

Generalversammlung entfielen 54 Stimmen auf die Kapelle Bauer und nur 24 Stimmen auf

den Musikverein Usseln. Aber auch hier wurden die Unstimmigkeiten bald wieder beigelegt.

Der Musikverein hat nur noch wenige Jahre bestanden.

Die völlige Veränderung der politischen Verhältnisse nach 1933 beeinflußte auch stark das

Vereinsleben. Ohne Zustimmung der NSDAP ging nichts mehr. Der Vorsitzende hieß nun

Vereinsführer. Zum ersten „Vereinsführer" wurde in der Generalversammlung am 7. 1. 1934

Fritz Stöcker gewählt, der schon ab 1931 Vorsitzender war. Fritz Stöcker hat es mit viel Einsatz

und Geschick verstanden, den Verein auch durch diese politisch schwere Zeit sicher zu

führen. Alle übrigen Vorstandsmitglieder wurden nun nicht mehr von der Generalversammlung

gewählt, sondern von der NSDAP bestimmt. Die letzte protokollierte Vorstandssitzung fand am

11. 1. 1936 statt. Am 27. 1. 1935 wird im Protokoll darüber geklagt, daß die Schützenhalle

allen Organisationen kostenlos überlassen werden muß und der Verein nichts mehr zu sagen hat.

Für den „Saargrubenrückkauf" werden am gleichen Tag 75 RM gespendet.

Die Pflege der Dorfgemeinschaft war jedoch weiterhin ein besonderes Anliegen des Vereins.

Die Schützenfeste wurden im alten Glanz gefeiert. Wegen der in Usseln stationierten Abteilung

des Reichsarbeitsdienstes (RAD) wurde 1934 neben der Halle noch ein besonderes Zelt errichtet,

in dem die Kapelle Rattlar spielte. In der Halle spielte die Kapelle Malchow aus Kassel

(auch im Jahre 1935). 1937 spielte zum Schützenfest eine Kapelle der SS aus Arolsen,

1938 die Kapelle Steinkopf aus Kassel, die noch in guter Erinnerung ist. Diese Kapelle sollte

auch zum Schützenfest 1939 spielen, mußte aber kurzfristig absagen, weil ein großer Teil der

Musiker an einem Manöver der damaligen Wehrmacht teilnehmen mußte. Nun war guter Rat

teuer. Es war nicht leicht, in dieser Zeit schnell eine Ersatzkapelle zu bekommen. Schließlich

konnte die Musikschule Hofgeismar noch verpflichtet werden. Die jungen Musikschüler

haben dann so hervorragend zum Fest aufgespielt, daß ältere Usselner noch heute davon

schwärmen.

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Konigspaar 1937/38. Johannes Figge und Frau Minna, geb. Saure, mit Hofstaat

obere Reihe v. l. n. r. (jeweils mit Ehefrauen) Karl Saure (Oberschulte). Ernst Scherrer (Apotheker). Emil Saure (Dengels),

Christian Saure (Bickmann), Ludwig Wilke (Stratmann). Wilhelm Lange, Fritz Figge (Briefträger), Fritz Stocker, Karl Saure

(Dresel). Heinrich Born (Pickers). Christian Küthe (Schrieners), Christian Brüne (Höhmann), Johannes Figge (Fieggen),

Wilhelm Wilke (Fiesen). Ernst Hellwig.

Festzug wahrend eines Schützenfestes vor dem zweiten Weltkrieg mit der alten, im Kriege in Verlust geratenen Vereinsfahne

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Zum Schützenfest 1938 gab es keine Tannen mehr zum Ausschmücken der Ortsstraßen.

Einige politische Verwirrung verursachte ein angeblicher Diebstahl in der Halle; je ein

Hitlerbild und Hindenburgbild waren verschwunden. Die Bilder wurden aber später wiedergefunden.

Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges kam das Vereinsleben immer mehr zum Erliegen. Ein

weiterer Abschnitt in der Vereinsgeschichte, nämlich der des Schützenvereins von 1919,

ging seinem Ende zu. Die wehrpflichtigen Vereinsmitglieder kämpften an allen Fronten.

Viele sind nicht heimgekehrt. Sie sind in Nord, Ost, Süd oder West gefallen oder in

Gefangenschaft verstorben. Unsagbares Leid brachte der verlorene Krieg über Deutschland. Am

29. März 1945 rückten die amerikanischen Streitkräfte in Usseln ein. Viele Usselner wurden

jahrelang in Kriegsgefangenschaft zurückbehalten. Sie kehrten nur nach und nach in die

Heimat zurück. Nur langsam kam das Leben wieder in Gang.

Schützenkönig Hermann König mit Königin und Hofstaat (1938/39)

(ab obere Reihe v. l. n. r. - mit Ehefrauen - Reinhard Stremmel, Heinrich Küthe (Niggemann), Heinrich Kreft, Wilhelm Figge

(Krönicken), Hermann Vogel (Uesen). Hans Stroth. Wilhelm Schäfer (Papenheim). Wilhelm Vogel (Neftens), Johannes Urff -

Heinrich Diez (Kaubes), Wilhelm Wilke (Krüpes), Friedrich Born (Ob. PicKes). Hermann König. Oskar Regul, Fritz Meier

(Knochen)

Am 24. 1. 1947 war es dann soweit, daß der Grundstein für einen weiteren Vereinsabschnitt

gelegt wurde. An diesem Tage wurde als Nachfolger des Schützenvereins der Bürgerverein

Usseln gegründet. Der Name „Bürgerverein" konnte sich jedoch nie richtig einbürgern. Im

Volksmund hieß es weiter Schützenverein. Der Bürgerverein hatte als satzungsmäßige Aufgabe

die Stärkung der Dorfgemeinschaft, die Pflege heimatlicher Gesinnung, die Sorge für

Geselligkeit und Unterhaltung und die Förderung des Gemeinsamkeitssinnes aller Teile der

Usselner Bevölkerung. Zum ersten Vorsitzenden des Bürgervereins wurde Johannes Figge

(Figgen) gewählt. Er erklärte in der Gründungsversammlung, daß im Verein keinerlei Politik

betrieben werden soll, ein Grundsatz, dem der Verein bis heute treu geblieben ist.

1. Kassierer wurde Willi Pohlmann, der dieses Amt bis zu seinem frühen Tode im Jahre

1971 innehatte. Der Bürgerverein hatte einen schweren Anfang, die Schützenhalle war

beschlagnahmt und in einem verwahrlosten Zustand. Trotzdem wurde 1947 ein sogenanntes

Bürgerfest gefeiert. Das Schießen war verboten. Es wurde jedoch ein Ausweg gefunden und

mit Keulen auf den Vogel geworfen. Nun konnte man ja den besten Werfer nicht Schützenkönig

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Christian Saure (Bick), Walter Brüne (Dribischen) und Friedrich Asmuth (Kriegerhannes) - alle im zweiten Weltkrieg gefallen -

als Reitergruppe bei einem Schützenfest vor dem zweiten Weltkrieg

nennen, deshalb wurde derjenige, der den Vogel abwarf, Ehrenpräsident. Er bildete aber auch,

wie die Schützenkönige vorher, einen Hofstaat, der mit geschmückten Wagen im Festzug

durch das Dorf fuhr. Erster „Ehrenpräsident" wurde Dr. Helmut Mitze, der Frl. Ilse Jäger

zur Ehrenpräsidentin erkor. Zum Bürgerfest 1947 spielte eine Rote-Kreuz-Kapelle aus

Remscheid, die später noch mehrere Male gespielt hat. Die Königskette konnte Walter Born,

der letzte Schützenkönig vor dem Kriege, durch die Wirrnisse des Krieges retten. Viele der

Neubürger, die in Usseln Aufnahme und eine neue Heimat fanden, wurden aktive Vereinsmitglieder.

Teilweise sprechen sie das Usselner Platt und sind Usselner mit Leib und

Seele geworden.

Ab 1950 wurde dann wieder auf den Vogel geschossen und zwar zunächst auf dem

Sportplatz in Richtung Lohwald, später als die Bebauung am Loh zunahm, in der

gemeindlichen Lehmkuhle an der Sportstraße und ab 1976 bei der Sprungschanze am

Lohwald.

Im Jahre 1952, dem 75. Jahr in der Vereinsgeschichte, wurde wieder eine Vereinsfahne

angeschafft. Sie kostete 920 DM und ist 130x130 cm groß. Eine Seite ist aus Samt mit einem

Hirschkopf und der Schrift „Schützenverein Usseln 1877 -1952". Die andere Seite ist aus Seide

mit einem Baumstumpf mit 9 Trieben, dem Spruch „Aus alter Wurzel neue Kraft" und dem

Waldecker Wappen. Das 75-jährige Bestehen des Vereins ist nicht besonders gefeiert worden.

Doppel-Schützenkönig 1952 und 1953 wurde Karl-Heinz Mohr. Der alte Brauch, daß der „alte

Schützenkönig" beim Königsschießen die ersten drei Schuß abgibt, wurde ihm „zum

Verhängnis". Die Ehrenschüsse saßen so gut, daß der Vogel von der Stange fiel. Karl-Heinz

Mohr hat die Königswürde auch zwei Jahre mit Bravour getragen. Nun wurde aber beschlossen,

daß der Vogel wieder aufgestellt wird, wenn er noch einmal schon bei den drei

Ehrenschüssen fällt.

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Konigspaar Karl-Heinz und Ruth Mohr (1952/53 und 1953/54)

v. l. n. r. Herbert Cronenberg, Lilli Cronenberg, Ilse Schafer, Heinz Schart, Willi Schafer. Wolf Nitsche, Elfriede Nitsche, Marlies

Koch. geb. Schumann, Ernst Kesper, Emil Saure, Irma Kesper. Ruth Mohr, Maria Sohnius. Karl-Heinz Mohr, Siegfried

Schroler. Emmi Bangert. Hannelore Kirchner, geb Rauer. Kar! Bangert. Gustav Born. Ernst Hellwig, Grete Hellwig, Lieselotte

Kesper. Karl Kesper

Die immer wieder angestrebte einheitliche Kleidung für den Verein machte nur langsam

Fortschritte. 1954 beginnt die Umrüstung auf Schützenhüte, nachdem bis dahin Mützen

getragen wurden.

Die Schützenfeste in den letzten 20 Jahren sind gekennzeichnet von dem sich mehrenden

Wohlstand im Lande. Das Geld wird leichter verdient und deshalb auch leichter ausgegeben.

Die Mode gewinnt auch auf den kleinen Orten immer mehr an Bedeutung. Insbesondere

die Damen erscheinen zu den Festen in bester modischer Kleidung. Mit steigendem

Wohlstand steigen auch die Ansprüche an die Festmusik. Seit Anfang der fünfziger

Jahre ist der Kommersabend öffentlich. Er wird in Form eines Festkonzertes durchgeführt.

Ein Höhepunkt war das Schützenfest 1954 mit der bekannten bayerischen Blaskapelle

Schwarzfischer. An den Festzügen wird seit 1951 der Spielmannszug der Freiwilligen

Feuerwehr Brilon beteiligt.

Im Zuge der Motorisierung in der Landwirtschaft macht es immer mehr Schwierigkeiten.

Gespanne und Wagen für den Festzug zu bekommen. Seit einigen Jahren werden auch wieder

auswärtige Schützenvereine zum Fest eingeladen und nehmen am Festzug am Sonntag teil.

Zur Bereicherung des Festzuges wurde 1964 eine Gewehrgruppe gebildet, die aber nur einige

Jahre bestand.

1967 wird erstmals wieder ein Schnadezug veranstaltet. Es war ein alter waldeckischer

Brauch, daß regelmäßig die Gemarkungsgrenze abgegangen wurde. Es galt, die Huteund

Gemarkungsgrenzen jeweils erneut zu bestätigen. Der alte Brauch hatte seine rechtliche

Bedeutung noch vor der Einführung des Katasters im Jahre 1850/51 und wurde daher bis zu

dieser Zeit in jedem Ort mit mehr oder weniger Aufwand gepflegt. Im 17. und 18. Jahrhundert

gab es dabei noch blutige Auseinandersetzungen und die Regierung mußte öfters strafend

und schlichtend eingreifen. Bei den Usselner Scnnadezügen der Neuzeit geht es lustig zu.

Es wird eifrig gestutzt und die Grenzsteine werden weiß angestrichen. Aus Anlaß des

100jährigen Jubiläums der Schützengesellschaft wird beim Schnadezug 1977 am Osterkopf ein

Gedenkstein enthüllt.

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Schnadezug1974

Bild vom Königsschießen 1957

zeigt 5 Schützenkönige (v. l. n. r.)

Fritz Emde (t). Heinrich Schumann,

Erich Saure. Karl Bornemann

und Willi Perron (t).

29


Einen neuen Höhepunkt erreichte das Schützenfest 1970 dadurch, daß zum ersten Mal der

bekannte Solotrompeter Walter Scholz mit der Bühler Stadtkapelle aus Bühl im Schwarzwald

mit 35 Musikern aufspielte. Nachher hat diese Kapelle noch mehrere Male zum Schützenfest

gespielt. Walter Scholz und seine Kapelle verstanden es, für beste Stimmung zu

sorgen. Zum 100-jährigen Jubiläumsfest wird Walter Scholz mit den Original Reblandmusikanten

aus Altschweier, dem bekannten Weinort am Fuß des Schwarzwaldes, spielen.

Mit steigendem Wohlstand konnte auch endlich die „Uniformierung" des Vereins eingeleitet

werden. Sie wird bis 1977 nahezu abgeschlossen sein. Die Firma Kaiser in Mengeringhausen

lieferte die schmucken grünen Anzüge. Durch die einheitlichen Anzüge erhielten die Festzüge

ein wesentlich besseres Bild.

Im Zuge der gemeindlichen Gebietsreform erhielt der Schützenverein 1972 von der noch

selbständigen Gemeinde Usseln durch Vertrag das Recht, die Verkaufsstände auf dem

Schützenfest und Krammarkt zuzulassen und auch das Standgeld zu vereinnahmen. Die

Zusammenarbeit mit der Gemeinde hat sich insbesondere in den letzen Jahren sehr positiv

ausgewirkt. So konnte mit Hilfe der Gemeinde die Schützenhalle instandgesetzt und

modernisiert werden. Über die Schützenhalle und ihre Vorgängerinnen wird an anderer Stelle

berichtet.

In der Generalversammlung am 3. 2. 1973 wird eine neue Satzung beschlossen.

Gleichzeitig wird der Name des Vereins in „Schützengesellschaft Usseln" geändert. Durch

die Namensänderung soll noch mehr als bisher an die alte Schützentradition in Usseln

angeknüpft werden. Nach der neuen Satzung ist es Aufgabe der Schützengesellschaft

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Schützenkönig Horst Muller hatte 1975 alle ehemaligen Schützenkönige zu einem Treffen eingeladen,

stehend v l n r Joset Göttlicher. Lothar Kesper. Chnstian Mitze. Karl-Heinz Mohr. Hermann Schumann, Walter Marczewski,

Georg Tegge. Karl Bomemann, Heinz Emde. Helmut König. Hermann Biederbick, Horst Müller. Heinrich Schumann. Karl

Brüne, Willi Saure. Emil Weber. Willi Schulze, Christian Benecke. Willi Engelbracht. Hermann Vogel. Egon Mitze. Christian

Biederbick. Walter Born, Dr. Helmut Mitze. Sitzend v.l.n.r. Karl Sauer. Christian Engelmann, Hermann König, Karl Saure,

Christian Biederbick. Heinrich Wilke.

30


Festzug 1976

die Dorfgemeinschaft zu fördern, heimisches Brauchtum zu pflegen, die Liebe zur Heimat

zu erhalten und jährlich ein Schützenfest als Heimatfest aller Usselner zu veranstalten.

Im Jahre 1973 wurde eine Sportschützengruppe gebildet, die sehr aktiv ist und der

über 20 Sportschützen angehören. Zwei Seniorenmannschaften und eine Jugendmannschaft

nehmen an den Schießwettkämpfen teil. Die erste Mannschaft ist in ihrer Gruppe mit führend.

Vom 29. Juli bis 1. August 1977 wird im Rahmen des Schützenfestes das

100-jährige Bestehen der Schützengesellschaft gefeiert. Für die älteren Mitglieder und für die

Witwen verstorbener Mitglieder wurde Anfang 1977 eine besondere Feier durchgeführt.

Am 2. September 1977, dem Gründungstag vor 100 Jahren, findet eine festliche Generalversammlung

statt.

Die Schützengesellschaft Usseln hat sich - zunächst als Kriegerverein, danach als

Schützenverein und Bürgerverein - einen hervorragenden Platz in der Usselner

Geschichte erworben. Stets hat sie sich für ideelle Ziele zum Wohle der Dorfgemeinschaft

eingesetzt. Daß es im Laufe der 100 Jahre auch Schwierigkeiten gegeben hat, ist nur

natürlich. Zwei große Kriege, welche die Welt veränderten, hat sie überstanden. Viele

ihrer besten Mitglieder, die sich mit Leib und Seele für den Verein einsetzten, sind aus

diesen Kriegen nicht mehr heimgekehrt, viele andere haben körperlichen Schaden erlitten.

Dem Verein ist zu wünschen, daß seine weitere Zukunft glücklich verläuft und daß

der Frieden erhalten bleibt. Wenn er in sich geschlossen bleibt, wird er auch alle im Laufe der

Jahre auftretenden Schwierigkeiten meistern zum Wohle des Vereins und zum Wohle unseres

Heimatdorfes.

Friedrich Born

31


Seniorenlretfen der Schutzengesellschatt am 20 März 1977


Der Vorstand im Jubiläumsjahr

v.l.n.r. Wilhelm Brüne, Emil Weber. Helfned Heine, Hans Asmuth, Otto Schober, Erich Saure (Ehrenvorsitzender), Jörg

Schulte (Schützenkönig), Dieter Bornemann (Vorsitzender), Horst Müller, Georg Tegge, Karl-Friedrich Wilke, Willi Schulze,

Lothar Kesper

Der Festausschuß für das Jubiläumsfest 1977

v. l. n. r. Willi Göbel. Willi Völker. Richard Wilke. Herbert Koch. Fnedrich Born. Kart-Friedrich Wilke. Rudi Schober

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In den vergangenen 100 Jahren waren Vorsitzende

1877 bis 1882 Wilhelm Saure (Wilmes)

1882 bis 1887 Friedrich Saure (Kann)

1887 bis 1891 Karl Meier sen. (Schäfers)

1891 bis 1897 Johannes Figge

1897 bis 1900 Wilhelm Saure (Wilmes)

1900 bis 1902 Christian Figge (Riepen)

1902 bis 1911 Wilhelm Schreiber

1911 bis 1919 Fritz Sauer (Färbers)

1919 bis 1924 Heinrich Wilke

1924 bis 1930 Dr. Karl Meyer

1930 bis 1931 Johannes Figge

1931 bis 1945 Fritz Stöcker

1947 bis 1949 Johannes Figge

1949 bis 1961 Heinrich Wilke (Kesting)

1961 bis 1967 Wilhelm Saure (Wilmes)

1967 bis 1971 Erich Saure (Dengels)

1971 bis 1975 Christian Biederbick (Gölten)

ab 1976

Dieter Bornemann

Unser Ehrenvorsilzender ist

Erich Saure (Dengels)

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Die Usselner Königspaare

Im Jahre 1919 wurde in Usseln mit dem Königsschießen anläßlich des jährlichen

Schützenfestes begonnen. Beim Kriegerfest 1913 wurde schon einmal „der beste Schütze

des Vereins" ermittelt. Es war Wilhelm Wilke - Fiesen. Nachstehend sind die Usselner

Königspaare ab 1919 aufgeführt. Im Inflationsjahr 1923 und während des zweiten

Weltkrieges wurden keine Schützenfeste veranstaltet.

1919/1920 Fritz Emde - Adelheid Mitze

1920/1921 Friedrich Saure - Henriette Petersen

1921 /1922 Christian Brüne-Brocke - Elfriede Brüne-Brocke

1922/1924 Heinrich Wilke - Luise Saure

1924/1925 Wilhelm Jäger - Berta Jäger

1925/1926 Karl Saure (Dresel) - Lina Figge

1926/1927 Karl Kesper - Lina Hellwig

1927/1928 Christian Engelmann - Rika Küthe

1928/1929 Hermann Vogel - Martha Mitze

1929/1930 Karl Saure (Dresel) - Eise Saure

1930/1931 Christian Biederbick - Emilie Biederbick

1931 /1932 Egon Mitze - Erna Stöcker

1932/1933 Karl Heine - Wilhelmine Sauer

1933/1934 Herbert Petersen - Gerda Saure

1934/1935 Konrad Giebeler - Eise Giebeler

1935/1936 Fritz Emde - Rickchen Schreiber

1936/1937 Ernst Scherrer - Emmi Scherrer

1937/1938 Johannes Figge - Minna Figge

1938/1939 Hermann König - Lina König

1939/1947 Walter Born - Frieda Born

1947/1948 Dr. Helmut Mitze - Ilse Jäger

1948/1949 Willi Ferron - Luise Perron

1949/1950 Helmut Ferron - Anneliese Ferron

1950/1951 Erich Saure - Lina Saure

1951 /1952 Heinrich Wilke-Kesting - Frieda Wilke

1952/1953 Karl-Heinz Mohr - Ruth Mohr

1953/1954 Karl-Heinz Mohr - Ruth Mohr

1954/1955 Helmut König - Charlotte Winter

1955/1956 Willi Schulze - Martha Schulze

1956/1957 Karl Bornemann - Marianne Saure

1957/1958 Heinrich Schumann - Herta Schumann

1958/1959 Karl Brüne - Irmgard Brüne

1959/1960 Christian Biederbick - Elisabeth Biederbick

1960/1961 Walter Marczewski - Ruth Marczewski

1961 /1962 Karl Sauer - Lina Sauer

1962/1963 Friedrich Saure - Ursula Zölzer

1963/1964 Christian Benecke - Jutta Benecke

1964/1965 Willi Saure-Kampmann - Anni Saure

1965/1966 Hermann Biederbick - Marlies Biederbick

1966/1967 Hermann Vogel - Marianne Vogel

1967/1968 Josef Göttlicher - Notburga Göttlicher

1968/1969 Emil Weber - Lina Weber

1969/1970 Lothar Kesper - Anita Kesper

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1970/1971 Hermann Schumann - Doris Schumann

1971 /1972 Christian Mitze - Christa Mitze

1972/1973 Heinz Ernde - Birgit Brüne

1973/1974 Willi Engelbracht - Frieda Engelbracht

1974/1975 Georg Tegge - Milli Tegge

1975/1976 Horst Müller - Gisela Müller

1976/1977 Jörg Schulte - Ilse Schulte

Königspaar 1976/77 Jörg und Ilse Schulte

v l n r Alfred und Ulrike Schäfer, Karl und Waltraud Bornemann, Richard und Gertrud Wilke, Fritz und Waltraud Stöcker, Horst

und Christel Eppendorf. Jörg und Ilse Schulte. Emil und Helga Saure. Herbert und Anni Könne. Dieter und Luise Dudder.

Karl und Gisela Figge. Helmut und Margot Scharf, Willi und Luise Emde.

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Die Königskette

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Schützenzelt - Schützenhalle

Eng verbunden mit der Geschichte der Schützengesellschaft Usseln ist die Geschichte der

früheren Schützenzelte und der jetzigen Schützenhalle. Alle Festlichkeiten des Vereins haben

im Zelt bzw. in der Halle stattgefunden. Seitdem die ortsfeste Halle besteht, werden auch

alle Versammlungen in dieser Halle durchgeführt. Manch feucht-fröhliche Stunden haben die

Usselner und ihre Gäste im Zelt - so heißt die Halle auch heute noch im Volksmund - verbracht.

1877, - als der Verein gegründet wurde, standen für Festlichkeiten nur die bescheidenen

Räume in den 2 bestehenden Gastwirtschaften zur Verfügung. Zunächst einmal wurde die

Gastwirtschaft Wilhelm Figge (Riepen) zum Vereinslokal erwählt. Diese Wirtschaft befand sich

damals noch in der jetzigen Bachstraße im Hause Fischer (Trachten). Die Kriegerfeste 1878

und 1879 wurden in dieser Gastwirtschaft durchgeführt. Aber schon 1880 wurde ein Zelt auf

Riepen Wiese (der heutigen Grünanlage an der Mittelstraße) aufgebaut. Nach einem Vertrag

verpflichtete sich der Gastwirt Wilhelm Figge, auf 10 Jahre den Platz für das Zelt, das nötige

Bauholz zu einem 30 Fuß breiten und 30 Fuß langen Zelt zu liefern und 20 Mark an Wilhelm

Saure zur Beköstigung der Zimmerleute zu zahlen. Dafür erhielt er die Wirtschaft unentgeltlich.

Zimmermeister Wilhelm Saure (der Großvater des im Jahre 1976 verstorbenen Zimmermeisters

Wilhelm Saure, der von 1961 bis 1965 Vereinsvorsitzender war) verpflichtete sich, für 30 Mark

(und 20 Mark für Beköstigung der Zimmerleute) das Zelt aufzustellen, abzubrechen und unbeschädigt

an einen bestimmten Platz zu bringen. Die Bretter fürs Tanzen stellte der Verein. Das so

aufgestellte Zelt wurde mit einem Laken überzogen und nach einfacher Möblierung konnte das

Fest beginnen

Im Jahre 1881 ist schon von 2 Zelten die Rede, einem „Drinkezelt" und einem ..Danzezelt".

Das Trinkzelt war mit langen aus rohen Brettern hergestellten Tischen und Bänken und einem

Bierausschank versehen. Alles stand auf grünem Rasen. Das Tanzzelt erhielt einen zusammenlegbaren

Bretterfußboden und eine Musikempore. Bei diesen Zelten war man natürlich sehr vom

Wetter abhängig.

1888 muß für 111 Mark und 50 Pfennig ein neues Zeltlaken angeschafft werden.

Die Schutzenhalle bei einem Schützenlest in den zwanziger Jähret

estwagen des Rauchclubs „Dicke Wolke

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Im Jahre 1891 wird der mit Wilhelm Figge (Riepen) geschlossene Vertrag um 6 Jahre verlängert.

Er muß jetzt aber 20 Mark an den Verein zahlen, die Musik beköstigen und vor

allem für gute Speisen und Getränke sorgen. Den Zeltaufbau besorgt ab 1892 der Zimmermeister

Karl Wilke (Kirchhöfer) für 26 Mark. Nach Ablauf des Vertrages ist man wohl mit Wilhelm

Figge nicht mehr einig geworden. Es wird ein 42 Fuß langes und 36 Fuß breites Zelt im

Garten des Landwirts Ludwig Bender (Klenken) aufgestellt (dort wo jetzt Bender-Klenkens

Scheune steht, gegenüber der Dorfschänke). Das Tanzzelt sollte dauernd stehen bleiben,

das Trinkzelt sollte jedes Jahr neu aufgestellt werden. Für das Tanzzelt werden 600 Bretter

gekauft. Zum ersten Mal wird 1897 in diesen beiden Zelten gefeiert. Die Gastwirtschaft wird

für 130 Mark an Christian Meier (Knochen) vergeben; die Wirtschaft 1898 erhält Christian

Asmuth für 143,50 Mark. Die Feste in Klenken Garten müssen ausgiebig gefeiert worden sein.

Von damals stammt der Ausdruck „et wass en Ungelücke oup Klenken Schköüre", was

soviel bedeutet wie „ganz ausgelassen gefeiert".

Das Kriegerfest 1902 ist dann noch einmal auf „Riepen Wiese" gefeiert worden.

Schon 1903 wird der Festplatz erneut gewechselt. Auf der Gemeindebleiche, dort wo jetzt die

Schützenhalle steht, werden jetzt Trinkzelt und Tanzzelt aufgestellt. Von der Gemeinde wird

eine Teilfläche für 6 Jahre gepachtet. Hier ist damals auch ein Teich gewesen. Heinrich Ferron

baute die Zelte für 94 Mark auf.

Im Jahre 1910 wird das Grundstück in Größe von 8 Ar von der Gemeinde (Bürgermeister

Küthe) erworben. Die Zelte werden, dem Bedarf entsprechend, vergrößert. Im Jahre 1910

begann man über den Bau einer ständig stehen bleibenden Halle zu diskutieren. Das jährliche

Auf- und Abbauen der Zelte, die Aufbewahrung der Balken, Bretter, Bänke und Stühle,

sowie die Unterbringung aller Gerätschaften hat doch wohl zu viel Arbeit verursacht. Es

dauerte aber dann doch bis 1913, wo dann endgültig der Bau eines feststehenden Zeltes

mit Fundamentmauern und harter Überdachung zum Preise von etwa 7000 Mark nach einer

Zeichnung von Maurermeister Heinrich Schulze aus Usseln beschlossen wurde. Die 1913

noch einmal gebrauchten alten Zelte wurden bis auf die Bretter verkauft.

Unter der Bauleitung von Architekt Schleicher aus Korbach und nachAusschreibung der Arbeiten

in der Corbacher und Briloner Zeitung wurde die „Kriegerhalle" 1914 gebaut. Die geschätzten

Kosten von 7000 Mark wurden um 1 000 bis 1 500 Mark überschritten. Zur Deckung der

Kosten wurde ein Darlehen bei der Kreissparkasse Korbach in Höhe von 7700 Mark aufgenommen.

Die Einweihung der Halle wurde besonders gefeiert. Die Nachbarvereine Willingen,

Rattlar, Schwalefeld, Eimelrod und Bömighausen namen an der Feier teil.

Das Kriegerfest konnte wegen des Ausbruchs des ersten Weltkrieges nicht mehr gefeiert

werden. Während des ersten Weltkrieges wurden in der Halle Kriegsgefangene, die bei Usselner

Bauern arbeiteten, untergebracht.

Der Bau einer neuen feststehenden Halle war ein großes Ereignis in der Vereinsgeschichte.

Es handelte sich jedoch noch weitgehend um einen „Einfachbau". Die Seitenwände waren

nicht massiv, sondern mit Brettern verschlagen. Der Bühnenanbau und die Kellerräume waren

noch nicht vorhanden. Man hatte jedoch „ein festes Dach über dem Kopfe".

Nach dem Kriege wurden noch einige Verbesserungen vorgenommen. Das „Vereinszimmer"

(dort wo sich jetzt etwa die Sektbar befindet) wurde verputzt, die Pappe auf dem Hallendach

wurde geteert. Noch 1919 wurde dieses Vereinszimmer der Gemeinde für den Schulunterricht

überlassen. Die neue Schule in Usseln war nicht groß genug. Ab 1920 benutzte der

Turnverein die Halle zum Turnen, der Gesangverein übte im Vereinszimmer. Die Wirtschaft

wurde nun vom Verein selbst betrieben durch einen angestellten Vereinswirt, der am Umsatz

beteiligt wurde. Ab 1920 war der Vereinswirt verpflichtet, jeden Sonntag das Vereinszimmer ab

3 Uhr bis zur Polizeistunde offenzuhalten. Hier tranken die Schützenbrüder ihr sonntägliches

Bier, spielten Karten usw.. Diese Sitte hat sich bis Anfang der 60er Jahre gehalten.

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Im Jahre 1920 wurde durch Klempnermeister Saure aus Korbach für 2685 Mark elektrisches

Licht in die Halle gelegt. Die nicht voll ausgebauten Kellerräume waren zu dieser Zeit an

den Schreinermeister Perron verpachtet, der hier seine Werkstatt eingerichtet hatte und auch

Vereinswirt war. Im gleichen Jahr wurde unter dem Vereinszimmer ein Getränkekeller

eingerichtet und die erste Kegelbahn angelegt. Sie befand sich nicht wie heute in den Kellerräumen,

sondern oben in der Halle an Kochs Seite. Zwei Kegelclubs nahmen den Kegelsport auf.

1920 ist man besonders aktiv gewesen. Es wurde auch noch eine Bühneneinrichtung von

Volke, Korbach, für 3000 Mark gekauft.

1921 wird im Getränkekeller eingebrochen, Getränke werden gestohlen. Stellmachermeister

Wilhelm Wilke muß schon neue Kegel, diesmal aus Weißbuchenholz, anfertigen. Auch um die

Hygiene wird sich gekümmert; Klempnermeister Vogel legt Wasser in die Halle.

Im Zuge der sich ausbreitenden Inflation wird die Werkstattmiete für Schreinermeister Perron

auf 1 000 Mark jährlich erhöht; 1923 muß er als Miete 2 Stühle liefern.

Die Kegelbahn wird 1924 unter die Halle verlegt (dort wo sie jetzt noch ist). Der unter dem

Vereinszimmer gelegene Keller wurde als Vorraum für die Kegelbahn ausgebaut. Die „Hölle"

war geboren. Der Raum unter der Bühne (Werkstatt Perron) wurde als Speisezimmer eingerichtet,

das auch gleichzeitig ein genügend großes Vereinszimmer sein sollte.

1925 wurde im Vorraum der Kegelbahn eine Theke installiert; die neuen „Vereinsräume"

im Kellergeschoß wurden am 14. 6.1925 eingeweiht. Die Arbeiten führten Carl Engelbracht

und Heinrich Schulze aus.

Das Zerkleinern des Holzes für die Öfen übernahm 1925 Fritz Göbel für 12 RM. In diesem

Jahr bemalt Heinrich Krefft das Kegelzimmer (Vorraum) mit „schönen Bildern", die teilweise

Protest in der nächsten Generalversammlung auslösen. Im Vereinszimmer wird die „Kleinkinderschule"

(Kindergarten) untergebracht. Überhaupt wird in den 20er Jahren die Halle

vielseitig genutzt. Der in Usseln gegründete (schon lange nicht mehr bestehende) „Dramatische

Verein" führt oft Theaterstücke vor, 1925 wird auch die erste Kinoveranstaltung durchgeführt.

Der Turnverein nutzt die Halle eifrig und auch der Kegelbetrieb läuft ohne Unterbrechung.

1926 wurde sogar ein Einmachkurs in der Halle durchgeführt. Natürlich bleiben auch bei

der vielseitigen Nutzung die üblichen Reibereien zwischen den einzelnen Benutzern nicht aus.

Mal wird zu heftig geturnt, dann gehen zuviel Fensterscheiben kaputt, der Sonnabendkegelclub

will nicht immer wegen anderen Veranstaltungen aussetzen usw. usw..

Mit den sanitären Verhältnissen war es damals noch nicht weit her. 1926 wurden einige

Schwarten gekauft, um die „Latrine" (Bretterbude mit Abfluß in die Diemel) instandzusetzen.

Im Jahre 1926 wird auch eine neue Theke in die Halle (zum Marktplatz hin) eingebaut,

das Kegelzimmer erhält eine Lamperie.

Ab 1929 wird damit begonnen, die Außenwände der Halle massiv zu machen, zum Schützenfest

wurden erstmals die Tische mit weißem Papier gedeckt. Die Halle wird in diesem Jahr

zum Markplatz hin um 2 m erweitert. Die Arbeiten führte Maurermeister Friedrich Born durch.

1930 wird ein neuer Männerabort erbaut aus „Kanthölzern und Brettern".

Im Oktober 1933 wird die Halle von einer Abteilung des Reichsarbeitsdienstes belegt (die

Mitgliederversammlung wurde nicht gefragt). Die Abteilung blieb in der Halle, bis das auf

dem Gelände des jetzigen Schwimmbades gebaute RAD-Lager (Baracken) fertig war. 1936

wird ein Erweiterungsbau zur Diemel hin durchgeführt (sogenannter Bühnenanbau); eine neue

„Bankett-Kegelbahn" wurde 1939 gebaut. Im zweiten Weltkrieg (ab 1941) wurde die Halle an

die Continental-Gummiwerke als Lagerhalle für 2400 RM jährlich vermietet.

Nach Ende des zweiten Weltkrieges zogen Fremdarbeiter in die Halle; es war eine bewegte

Zeit. Die Halle wurde beschlagnahmt, der neu gegründete Bürgerverein konnte sie aber nutzen.

Schon 1947 wurde mit vereinten Kräften an die Instandsetzung der Halle gegangen, soweit

das wegen der kaum zu bekommenden Materialien überhaupt möglich war.

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1950 wurde die Halle vom Land Hessen für 9720 DM zurückgekauft. Da das Geld nicht

sofort bezahlt werden konnte, mußte es mit 4% verzinst werden.

In diesem Jahr wird auch zusammen mit der Gemeinde eine für damalige Verhältnisse

neuzeitliche Toilettenanlage an das Spritzenhaus angebaut. Das Spritzenhaus ist beim Bau der

Liegehalle 1972/73 abgebrochen worden.

1950 ist zum letzten Mal beim Schützenfest ein Süßwarenstand in der Halle zugelassen

worden.

Die gekaufte Halle sollte 1953 kostenlos zurückgegeben werden. Weil dann aber Lastenausgleichszahlungen

fällig geworden wären, entschloß sich der Verein, es beim Rückkauf

zu belassen.

1955 gastierte zum ersten Mal der „Frankfurter Wecker" (eine direkt übertragene Rundfunksendung)

in der Halle, 1956 erhält die Bühne einen Vorbau. Eine neue vollautomatische

Kegelbahn wird 1962 gebaut. Von 1957 bis Anfang der 60er Jahre wird in den Wintermonaten

die Halle an englische Stationierungsstreitkräfte vermietet. Neue Toilettenanlagen werden 1967

angebaut; in diesem Zuge wird auch der Kegelbahn-Vorraum vergrößert.

Die gründlichste Renovierung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Usseln im Jahre

1972. Eine ölbefeuerte Warmluftheizung wurde eingebaut, ein neuer Fußbodenbelag nach

Hebung der Tragfähigkeit des alten Fußbodens verlegt, eine Lautsprecheranlage installiert usw..

An den Gesamtkosten von etwa 90000 DM beteiligte sich die Gemeinde mit 45000 DM. Die

Halle erstrahlte nun in einem besonderen Glanz; es ließ sich noch besser feiern als vorher.

Die Mitbenutzung der Halle durch andere örtliche Vereine wurde durch einen Vertrag mit

der Gemeinde geregelt.

Eine weitere wesentliche Verbesserung erhielt die Halle 1972/73 durch den Anbau der

Liegehalle. Die Liegehalle kann bei Vereinsfesten mit benutzt werden. Dadurch ist nun

auch ein einwandfreier Küchenbetrieb möglich.

Für die Kellerwirtschaft wurde ein neuer Eingang an Kochs Seite gebaut, der 1976 überdacht

wurde. Anfang 1977 werden für die Räume im Keller Toiletten gebaut und weitere Verbesserungen

durchgeführt.

Alles in allem ist nun die Usselner Schützenhalle wieder eine der größten und besteingerichtetsten

Hallen weit und breit. 1914, vor mehr als 60 Jahren, wurde mit dem Bau begonnen.

Es hat seit dieser Zeit viel Arbeit, Mühe und viel Einsatz der Verantwortlichen erfordert, die

Halle in den Wirrnissen der Zeit zu erhalten, immer weiter zu verbessern und den heutigen

Zustand zu erreichen. Es bleibt zu hoffen, daß die Halle auch weiterhin zum Wohle des

Vereins und des Ortes bestens erhalten bleibt und daß sie nur friedliche Zeiten erlebt.

Friedrich Born

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Die mittelalterliche Usselner Schützengesellschaft

Geschichtlich einwandfreie Quellen über das Schützenwesen in Waldeck gibt es schon im

14 Jahrhundert. Die Entstehungsursache ist im verstärkten Schußwaffengebrauch in dieser

Zeit und in der Sicherung des Dorfes zu suchen.

Das Schützenwesen war in Waldeck seit dem Jahre 1525 reglementiert. Der Waldecker Graf

erließ eine Landordnung in der es hieß:

„Es soll jeder manniglich gehalten sein, mit seiner gesetzten Wehr, Rüstung, Pulver

und Lot sich in guter Bereitschaft zu halten. Ein jeder Schütze soll 1 Pfund Pulver

und 20 Kugeln ständig besitzen."

Es ist anzunehmen, daß auch in Usseln um diese Zeit eine Schützengesellschaft entstand.

In den Dörfern entstanden sie oft erst nach Einführung der Reformation. In Usseln wird der

erste evangelische Pfarrer 1529 erwähnt.

Nach der Landordnung von 1525 mußte das alle Bürger zum Waffendienst verpflichtende

Aufgebot auf Befehl des Landesherrn von Zeit zu Zeit zur Heerschau antreten. Die Entwicklung

der Feuerwaffen und das Aufkommen der Landsknechtshaufen und Söldnertruppen ließ aber

zu dieser Zeit schon die militärische Bedeutung des Schützenwesens zurücktreten. Die Freischießen

der Schützengesellschaften dienten nicht nur dem sportlichen Wettkampf, sondern

waren zugleich Dortfeste, an denen die ganze Bewohnerschaft teilnahm.

Davon zeugt auch die Urkunde aus dem Jahre 1590, die erstmals Auskunft über das Bestehen

der Usselner Schützengesellschaft gibt. Es handelt sich um eine Gerichtsverhandlung, die am

20. Februar 1590 in Korbach stattgefunden hat. Die Urkunde hat (mit einigen Anmerkungen)

folgenden Wortlaut:

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1. „Verhandelt Korbach am 20. Febr. 1590

Tias Wilcken erscheint, beklagt sich gegen die von Usseln.

Es sei Brauch, jährlich zu Usseln ein gemein Schießen zu halten, daß dazu alle

Nachbarn gefordert werden. Die von Usseln haben ihn im vorigen Jahre nicht dazu

gefordert. Er habe sich deshalb gegenüber der Obrigkeit beklagt, denn er sei dadurch

an seiner Ehre geschmäht worden. Er bittet, mit denen von Usseln zu reden, daß

sie ihn bei der Gesellschaft leiden müssen.

Die Dorfschaft Usseln zeigt, nachdem sie sich bedacht haben, durch melchior Licaulen

an, daß sie die Klage angehört haben. Sie sagen darauf, sie stellten nicht in Abrede,

daß der Kläger nicht zum Schießen gefordert sei; sie hätten ihn aber dadurch nicht

geschmäht, das könne er auch nicht beweisen. Die Ursache (für das Nichteinladen)

zu erzählen, sei nicht erforderlich; es sei nicht geschehen, um ihm Unrecht zu tun.

Sie sagen: Als vor 4 Jahren die Kindtaufe auf dem Eisenberge gehalten wurde, wozu

Hafer und Eier geliefert werden mußten, habe sie der Kläger gegenüber dem Rentschreiber

diffamiert, sie (die Usselner) hätten etwas begangen (Unrecht getan),

deswegen sollten sie dem Herrn (Grafen) 100 (Gulden/Taler) zur Strafe geben, sie

hätten (nach des Klägers Angaben) von 500 (zu liefernden) Eiern 200 behalten. Das

habe sich aber nicht so verhalten. Deswegen habe der Kläger dem Rentschreiber

Abtrag (Bußgeld) erlegen müssen.

2. Wenn Gericht gehalten werden solle, werde die Nachbarschaft durch die Glocke

gefordert (geladen). Der Kläger sei jederzeit in den Versammlungen erschienen, er habe

von niemand etwas angezeigt (vorgebracht). Nach einer Verhandlung habe er aber einen

Jungen, seinen Taufpaten, der Dieberei gescholten.


3. Sie sagen, der Kläger richte gemeinhin beim Trunk Unlust durch sein Schelten an.

Darum tragen sie Bedenken, ihn zum Schießen zu fordern (einzuladen, zuzulassen),

damit er sie (die Usselner) in keine Strafe brächte. Sie haben Bedenken, mit ihm in

gemeinsamer Gesellschaft Umgang zu haben. Sie hoffen, daß sie nicht zuviel (damit)

getan haben, lassen ihn sonst für seine Person schicken (tun und lassen), wissen

(wollen) ihn nicht schmähen und haben ihn nicht geschmäht. Sonsten wollen sie sich

zum Recht erboten haben. Wenn ihnen sollte aufgedungen (anbefohlen) werden, mit

ihm umzugehen (Umgang zu pflegen), dann wollen sie sich vorbehalten, für diesen Fall

mehr (weitere) Punkte vorzubringen.

Tias Wilcken läßt, nachdem er sich bedacht hat, durch Mylenius anzeigen, er habe

angehört, was Usseln auf seine Klagen sich habe vernehmen lassen (geantwortet habe).

Es werde gestanden, daß er aus drei Gründen nicht zur Schützengesellschaft gefordert

(geladen) wurde. Er setzt die Ursachen an ihren Ort (gesteht sie nicht, lehnt ab). Er

akzeptiert (nimmt an, bleibt dabei), daß er nicht gefordert sei. Er sagt, daß es nicht

an dem sei. Wie die Schützen beieinander gewesen waren, habe er sich dahin verfügt

(zu ihnen begeben) und gebeten, ihn zuzulassen. Sie hätten ihn allein nicht

zugelassen.

Wenn man die Dorfschaft zusammengeläutet habe, habe man ihn auch ausgeschlossen.

Er nimmt an, daß sie ihn nicht geschmäht haben und nicht schmähen wollen. Wegen

der Eier und des Knaben täte er aber kein Geständnis. Sie haben deswegen keine

Ursache gehabt, ihn auszuschließen, wenn Obrigkeit gewesen sei (Glockenschlag war

Sache der Obrigkeit, Amtshandlung). Er bittet nochmals, ihn zuzulassen.

Usseln läßt den Bericht akzeptieren, die Ursachen sind nicht (vom Kläger) widerlegt,

das solle geschehen. Sein Bürge (vorgetragen durch Mylenius) könne nicht verneinen,

daß er (Wilcke) Uniast (Unfrieden) anrichte; daß sie ihn propria auctoritate (aus gehöriger

Vollmacht) ausgeschlossen hätten, sei von alther überbracht (so gehandelt worden).

Wenn einer unter ihnen etwas gegen sie gehandelt, den mögen sie ausschließen. Sie

hätten auch einander einen Bürgereid geleistet, daß sie nicht allein dem Herrn (Grafen)

sondern auch sich selbst treu sein wollen. Der Kläger habe den noch nicht geleistet.

Sie wissen (wollen) ihn auch noch nicht dazu zulassen, die Gesellschaft (Schützengesellschaft)

sei mehr (facultatis) auf Freiwilligkeit (begründet). Sie erbieten sich zum

Recht. Insofern sie sollten beschwert (belastet) werden, haben sie noch weiteres anzuzeigen

; das kann zum Teil geschehen, was sich vor einem Jahr zugetragen.

Tias wiederholt die Klage, nimmt an, was gestanden wird, setzt andere Punkte an

ihren Ort (nimmt sie nicht an) gesteht sie nicht ein.

Usseln zeigt zum Teil an: wie sie dies Jahr den Zehnten angeschnitten (beim Richter

in den Kerbstock), habe der Kläger 3 Mütt Land zurückgehalten und verschwiegen.

Bescheid:

Weil die Dortschaft Usseln in dem zuviel getan, daß sie ohne Ansuche der Obrigkeit

Tias Wilcken aus ihrer Gemeinschaft verwiesen haben, also ist ihnen deswegen von

unserm gnädigen Herrn zum Abtrag (Buße) 10 Taler abgefordert; weil sie sich aber

entschuldigt und erboten haben, daß sie sich solcher Dinge hinfort enthalten wollen,

so hat es ihre Gnaden bei zwei Talern gelassen, - doch dergestalt, da sie dergleichen

Händel hinfort mehr vornehmen würden, sollen sie Ihrer Gnaden mit 20 Talern unnachsichtiger

Strafe verfallen sein; welches sie also abgenommen (angenommen, eingewilligt)

haben. Tias Wilcken aber, weil seine Sache auch so gar nicht richtig befunden

worden, ist mit Ernst befahlen worde, sich bei Zechen und Biergeladen der Usselner

(Schützen-) Gesellschaft Jahr und Tag zu enthalten (fernzubleiben), bei Vermeidung von

Strafe. Was aber andere Zusammenkünfte anlangt, bei der vom gemeinsamen Nutzen

der Dorfschaft gehandelt wird, soll er gleich ändern gezogen und gefordert werden.

Welches er also zu halten auch versprochen hat".

43


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Original der Urkunde vom 20 Februar 1 590


Im Jahre 1602, also 12 Jahre später, gibt es in Usseln 4 Wilcken: Johann Wilcken und

Theis Wilcken, beide Ganzspänner (4Pferde), sowie Lips Wilcken und Tepel Wilcken (beide

Halbspänner).

Nach der Verhandlung in Korbach sind die Usselner der Meinung, daß die Schützengesellschaft

keine von der Obrigkeit eingesetzte, sondern eine freiwillige Einrichtung ist.

Durch Glockenschlag wurde zu Gemeindeversammlung, Gericht und Landfolge eingeladen; das

war eine Sache der Obrigkeit.

Bei den Auseinandersetzungen mit den westfälischen Nachbarn wurden in der 2. Hälfte des

16. Jahrhunderts die wehrhaften Männer oft zur Abwehr von Übergriffen durch Glockenschlag

gefordert.

Ein weiteres Zeugnis für das Bestehen einer Usselner Schützengesellschaft ist ein Brief des

Pastors Conradt Engelhard! vom 26. Januar 1603 an den Oberamtmann und Landrichter in

Korbach über einen Streit beim Schießen aufs Kleinod im Sommer 1602:

Der Brief hat folgenden Wortlaut:

„Den ehrenfesten, wohlachtbaren und hochgelahrten Herrn, Herrn Justus Ritter, beider

Rechte Doktor, Herrn Barthold Noldenio summo praefecto (Oberamtmann) und Herrn

Conrado Leusmanno Publico Comitats Waldecentis judici (Gräfl. waldeck. Landrichter),

meiner gebietenden Obrigkeit, besonderen Herren und guten Freunden untertänig

geschrieben:

Es hat mir, hoch- und wohlachtbare Herren, Herr Doktor, Oberamtmann und Landrichter,

unseres Richters Michael Figgens Hausfrau Elsa am Abend Agnetae (21. Jan.)

den Rügezettel in die Pfarre gebracht, daß ich ihn ihr sollte vorlesen - damit sie

wissen möchte, wer gerügt und wer nicht gerügt. Welches ich getan habe, und unter

ändern auch meinen Tauf- und Zunamen darinnen am Ende gefunden. Mit hoher

Verwunderung habe ich bedacht, wie das möchte zugehen. Sintemal mir nicht im

geringsten bewußt ist, daß ich mit jemandem sollte gezankt haben um etwas. Denn das

sollte mir, einem Prediger und guten Vorgänger (Vorbild) nicht gebühren.

Weil aber die hohe Obrigkeit Macht hat von Gott, mir und meines gleichen auch

zu gebieten, so bin ich willig zu gehorchen, nicht ungeneigt. Wenn ich nur causam

citationis (Grund der Vorladung) wüßte! Es ist mir gleichwohl eines eingefallen, obs

aber dasselbige sein wird, weiß ich zur Zeit noch nicht, - und das ist dieses:

Es hat sich im verlaufenen Sommer zugetragen, daß meine Pfarrkinder, nach alter

Gewohnheit, ums Kleinod geschossen haben und ein Fuder Bier zum Besten gehabt

haben. Dabei haben sie mich durch zwei Männer gefordert (geladen), daß ich mich

mit ihnen ein oder zwei Stunden sollte fröhlich machen. Ich habe ihnen darin gehorcht,

bin zu ihnen gegangen und bei Hans und Michael Figgen, Gebrüder, zu sitzen kommen.

Diese beiden sind der Güter halben fast uneinig, und sonderlich beim Trunk einer

dem ändern vornehmlich dieser jenem (d. h. Michael dem Hans) dies und das vorwerfen;

daraus werden dann oft aus Worten Taten.

Wenn ich nun hierüber zeugen soll, wie mir zugemutet, so will ich, wenn mich Gott

liebt, in der Tat sagen, was ich gesehen habe. Denn der Richter (Michael Figgen) hat

mir auf der rechten, der Klencke (Hans Figgen) aber auf der linken Seite gesessen. -

Nun saßen wir ohne alle Sorgen, redeten miteinander freundlich von diesem und jenem,

und tranken auch nach Art der Bauern, einer dem ändern gute Trünke zu, in der Meinung.

es wäre eitel Bruder, Gevatter und Freund. Da hebt das Haupt, das den Gliedern

raten sollte, eine Unlust und Tumult an, und schlägt zu seinem Bruder Hans Figgen ein

mit „trunknen" (trunkenen oder harten) Fäusten und trifft ihn auf den Kopf etliche

47


Male. War auch willens, wenn ichs nicht mit ganzer Macht verhütet hätte, was die

übrigen Anwesenden auch bezeugen können, mit meiner Handbarten (Beil, Streitaxt),

auf welcher ich saß, ihn auf seinen Kopf zu hauen. Ob er hieran Recht habe getan -

das überlasse ich rechtskundiger Untersuchung und Urteil. Soll ich nun hierüber

hoch- und wohlachtbare Herren, zeugen, so ist dies Zeugnis wahr, soviel einem einzigen

Manne zu glauben.

Ich wäre persönlich, ungeachtet des kalten Wetters, erschienen; weil ich aber einen

Toten zu begraben habe, nämlich Zacharias zu Sudeck Hausfrauen Schwester, hoffe

ich, Eure Hoch- und Wohlachtbarkeit werden mich diesmal entschuldigt nehmen.

Dem Schütze des Allmächtigen empfohlen - In schneller Eile, Usseln, aus meinem

Musensitz, 26. Jan. 1603

Euer hoch und wohlachtbar gehorsamer Conradt Engelhardt, minister verbi ibidem

Usseln (Diener des Wortes ebendort zu Usseln)."

Im 30jährigen Krieg hat Usseln unsagbar viel gelitten. Ein großer Teil der Bevölkerung ist

ums Leben gekommen. Bitterste Armut herrschte im Lande. Auch nach dem 30jährigen Krieg

hat sich das Upland nur ganz langsam wieder erholt. Es war nicht die Zeit, Feste zu feiern.

So ist wohl auch die alte Usselner Schützengesellschaft nicht zu neuem Leben erweckt worden.

Erst mit Gründung des Kriegervereins im Jahre 1877 ist eine ähnliche Einrichtung wieder

entstanden.

48


Usseln im Jahre 1877

Für die Zeit vom 1. Januar 1877 bis 31. Dezember 1879 wurde Landwirt Christian

Küthe, genannt Hertige, zum Bürgermeister von Usseln gewählt (anstelle von Friedrich Brüne).

Zum neuen Gemeindeerheber wurde Ludwig Saure (Oberschulte) gewählt. Die Einwohnerzahl

von Usseln betrug 676.

Dem Gemeinderat gehörten an: Friedrich Born, Johannes Brüne, Carl Figge, Friedrich Genuit,

Wilhelm Kesting, Christian Mitze. Christian Saure, Vogel und Johannes Wilke.

Der Gemeinderat legt fest, daß Kinder keine Handdienste leisten dürfen. Der Landesdirektor

in Arolsen erteilt die Zusage für die Einrichtung einer Apotheke in Usseln. Das

Ablösungsgeld für Hutebefreiungen mehrerer Grundstücke wird für die Einrichtung einer

Schulstube für den zweiten Lehrer verwandt. Anton Figge (Bäumer) wird als Kuhhirte und

Nachtwächter für 330 Mark im Jahr „gemietet".

Von der Gemeinde wird darauf hingewiesen, daß eiserne Stubenöfen wenigstens 30 cm

von Fachwerkwänden entfernt gesetzt werden müssen und daß Backhäuser nur mind. 15m

entfernt vom nächsten Gebäude errichtet werden dürfen.

Am 1. März 1877 werden die der Ehefrau Carl Lindner gehörenden Grundstücke

„Hinten auf der Agetucht" zwangsversteigert. Das Dienstbuch für Gesinde wird neu

herausgegeben und ist für 13 Rennig zu kaufen. Der Usselner Jahrgang 1857 wird am

1. Mai 1877 im Gasthaus Schmalz in Korbach gemustert. Mit 30 Mark wird bestraft,

wer zur Musterung nicht vollkommen nüchtern und reinlich erscheint. Am 30. April 1877

ist Holzverkauf durch Oberförster Gleisner. Ludwig Vollbracht, Carl Jäger und Wilhelm Born

aus Usseln werden öffentlich gesucht, weil sie zur Verbüßung einer Haftstrafe von

1 - 21 Tagen nicht erschienen sind. Unter den Usselner Rindvieh- und Schweinebeständen

ist der Milzbrand ausgebrochen.

Im Jahre 1877 wurden in Usseln 33 Kinder geboren, davon 19 Jungen und 14 Mädchen.

Die häufigsten Vornamen bei den Jungen waren Christian, Friedrich und Karl, bei den

Mädchen Henriette, Christiane und Louise. Es starben 24 Personen, davon 6 Kinder im ersten

Lebensjahr. Insgesamt war die Hälfte der Verstorbenen unter 50 Jahre alt. Sechs

Brautpaare heirateten.

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Ein vertrauter Anblick des alten Usseln - Viadukt mit Kahlem Pon - (um 1930)

Mein Upland

von üsbeth Lindner

Im Namen liegt es schon verborgen

Wo meine Heimat zu finden ist.

Wo das Rot, geboren im Morgen

Auf Bergeshöh' zarte Heide küßt.

Da suchet meine schöne Heimat,

Das Upland, auf grauer Felsen wand!

Wo ins Ätherblau Berge ragen,

Auf Schieferleisen das Leben bricht,

Über die Hänge Rehe jagen,

Im Buchenwald sich spiegelt das Licht,

Da suchet meine schöne Heimat,

Das Upland, mein Wunsch- und Kinderland!

Wo in den Tälern wohnt der Winter,

Mit Sturmgebraus das Haus erschreckt,

Auf weißer Weite rodeln Kinder,

Das Ski-Heil im Berg das Echo weckt,

Da suchet meine schöne Heimat,

Das Upland, wo ich die Liebste fand!

Wo die Diemel mit schwätzigem Mund,

Vom Kahlen Pon her nimmt ihren Lauf,

Wo dunkle Wälder in später Stund'

Mondsilberleuchten fangen auf,

Da, da ist meine schöne Heimat,

Das Upland, wo meine Wiege stand!

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Aus der Geschichte unseres Dorfes

— von Uslon bis Usseln —

Die ältesten Siedlungsräume in Waldeck werden die Korbacher Hochebene und das Edergebiet

sein. Das Waldecker Upland wurde wegen seines rauhen Klimas und seiner Höhenlage erst

später besiedelt. Der Sage nach sollen sich die letzten Bewohner der sogenannten Schwalenburg

bei Schwalefeld in Usseln niedergelassen haben. Das Upland wird ein wildes Bergland

gewesen sein, dessen Vegetationsbild in hohem Maße von Buchenwald und Heide geprägt

wurde. Usseln wird als Uslon zum ersten Mal in einem gräflich-waldeckischen Lehensregister

genannt, das in der Zeit zwischen 1332 und 1348 aufgestellt worden ist. Darin heißt es, daß

„Hermannus de Reyen" (von Rhena) den Zehnten in Usseln sowie eine Hufe Landes in der

dortigen Gemarkung zum Lehen hatte, und zwar von den Grafen zu Waldeck.

Das Dorf besteht mit Sicherheit schon wesentlich länger. Die ältesten Bewohner auf dem Lande

lebten meist in einzelnen zerstreut umher liegenden Häusern (Höfen). Nach und nach baute

man näher zusammen, insbesondere der Sicherheit wegen. Der Oberlauf der Diemel ist in

germanischer Zeit von den Cheruskern besiedelt worden. Der Name Diemel kann von

,,dietmelle" hergeleitet werden, was Malstätte des Volkes, Ort der Volksversammlung bedeutet.

Die Bewohner Usselns sollen zum Volksstamm der Vossen gehört haben; vielleicht deshalb

spricht man heute auch noch von den Diemelvössen.

Es lag in der Natur der Sache, daß sofort, als sich Ortschaften gebildet hatten, auch für die

Entscheidung von Rechtsstreitigkeiten oder für die Bestrafung von Vergehen gesorgt werden

mußte. Beides oblag der Volksversammlung, das heißt einer Zusammenkunft freier Männer

einer Mark, eines Gaues oder einer Landschaft. Diese alten Gerichte wurden nie anderswo

als im Freien abgehalten, z. B. unter breitschattigen Bäumen oder neben einer Quelle. Am Pön,

in der Nähe der Diemelquelle, befand sich ein Freigericht, auf das später noch eingegangen wird.

Unser Raum gehörte zu dem südlichsten Siedlungsgebiet der Cherusker (7. und 8. Jahrhundert).

Das Gebiet um Usseln gehörte zum Ittergau (benannt nach der Itter, die bei Ense entspringt

und bei Herzhausen in die Eder fließt und nach dem Itterbach im Upland). Gaue hat es schon

in der germanischen Vorzeit gegeben.

Als Karl der Große die sächsischen Stämme unterwarf, führte er in ihrem Gebiet die fränkische

Gaueinteilung ein und setzte an die Spitze der Gaue Gaugrafen als königliche Verwalter und

Beamte, aus denen sich allmählich mehr oder weniger selbständige Territorialherren entwickelten.

Mit der politischen Eroberung des Landes ging die Missionstätigkeit der Kirche

Hand in Hand. Den unterworfenen Sachsen wurde der christliche Glauben aufgezwungen.

Schon Papst Gregor III. nennt um 738 n. Chr. in einem Sendschreiben an Bonifatius die

„Nitresi" oder „Niftharsi", also die Bewohner des Ittergaues, unter den zu missionierenden

Stämmen.

Neben Bonifatius war es vor allem der Abt des Klosters Fulda, Sturm (Sturmi, Sturmius),

der die Bekehrungder Sachsen betrieb. Die im Jahre 1971 in Usseln gebaute katholische Kirche

wurde nach ihm benannt. Anläßlich des Reichstages zu Paderborn im Jahre 777 nahm Kaiser

Karl eine neue kirchliche Einteilung vor. Der Ittergau, bisher zum Bistum Büraberg gehörend,

kam für kurze Zeit zum Bistum Würzburg. Die St. Kilianskirche in Usseln ist wahrscheinlich

Mitte des 14. Jahrhundert gebaut worden, aber es kann davon ausgegangen werden, daß sie

an die Stelle eines wesentlich älteren Bauwerkes getreten ist. Zwar sind keine älteren Bauteile

erhalten geblieben, auch haben niemals Grabungen in oder bei der Kirche dies bestätigt. Der

Namensheilige der Usselner Kirche, das Patrozinium des hl. Kilian, gibt aber einen bestimmten

Hinweis und einen Anhaltspunkt für die Gründung dieser Kirche. Der hl. Kilian (t 689) war der

Missionar der Franken und erste Bischof von Würzburg, in dessen Dom seine Gebeine

beigesetzt und verehrt wurden. Der Ittergau aber gehörte nur kurze Zeit dem Bistum Würzburg

an, nämlich von 777 bis etwa 800, zu welcher Zeit er dem neugegründeten Bistum

51


Paderborn zugeteilt wurde. Nach den Gepflogenheiten jener Zeit ist daher mit Bestimmtheit

anzunehmen, daß die Usselner Kirche, ebenso wie die gleichfalls dem hl. Kilian geweihte

Kirche in Korbach, in dieser Zeit der Zugehörigkeit zur Diözese Würzburg gegründet worden ist.

Damit wäre ein Beweis für das Bestehen Usselns schon in karolingischer Zeit erbracht. Das

Christentum kam jedoch nur langsam zum Durchbruch. Sitte und Recht waren so tief in dem

Heidentum verschmolzen, daß auch nur ein allmählicher Übergang möglich war. Christliche

Gebräuche wurden deshalb soviel wie möglich an die altheidnischen angeknüpft.

Eine altgermanische Göttin war „Ostera". Sie war eine Gottheit des strahlenden Morgens, des

aufsteigenden Lichtes, eine freudige, heilbringende Erscheinung. Der Begriff konnte so für das

Auferstehungsfest des christlichen Gottes verwandt werden. Auf ihre Verehrung deutet der

Name Osterkopf für einen Berg bei Usseln hin. Als ursprüngliches heidnisches Fest oder

heidnische Sitte ist auch das Abbrennen des Osterfeuers am ersten Ostertag auf dem

Osterkopf zu deuten. Es herrschte der Glaube, daß die Sonne am Ostermorgen, wenn sie

aufgehe, drei Sprünge tue. Ältere Usselner können sich noch daran erinnern, daß diese

Sage erzählt wurde. Auch die Sitte, Kinder mit Ostereiern zu beschenken, hat ihren Ursprung in

den der Göttin Ostera dargebrachten Opfern. Das Osterfeuer auf dem Osterkopf wird von

Curtze (1850) als altüberlieferter Brauch erwähnt.

Um das Jahr 1000 n. Chr. erlosch die alte Gauverfassung. Nach dieser Zeit gehörte das

Upland zur Grafschaft Padberg. Der letzte Graf dieses Namens (Graf Erpo) stiftete 1102 das

damals wichtige Kloster Flechtdorf. Die Grafschaft fiel später an die Schwalenberger Grafen.

Sie waren die Miterben des alten Hauses Itler und nannten sich später Grafen von Waldeck

(Sitz Schloß Waldeck). Am 21. Juli 1267 gelangten Burg Lichtenfels, die Städte Sachsenberg

und Fürstenberg sowie alle korveyischen Besitzungen und Rechte von Korbach bis nach

Lichtenfels in den Besitz des Grafen Adolf l. von Waldeck, in dem wir den eigentlichen

Begründer eines waldeckischen Territoriums sehen dürfen.

Das älteste waldeckische Lehensregister (zwischen 1332 und 1344) weist als waldeckische

Lehen Hermanns von Rhena den Zehnten in Usseln aus. Eine wichtige Neuerwerbung der

Waldecker war die Freigrafschaft Usseln. Die waldeckischen und kölnischen Rechte sind auch

hier in Gegensatz geraten; 1388 erfolgte eine Grenzziehung zwischen Brilon und der Dorfmark

Willingen.

Die Freigrafschaften sind wahrscheinlich alte Hochgerichtsbezirke gewesen, die später an

belehnte oder beamtete Vertreter der Grafengewalt weitergegeben wurden. Gogerichte waren

früher Niedergerichtsbezirke der lokalen Selbstverwaltung, ihre Befugnisse erweiterten sich aber,

und mit der Zersplitterung der Grafschaften stieg auch ihre Bedeutung für den Aufbau

der Landeshoheit.

Für die Durchsetzung der Waldecker Landeshoheit im Upland war das Freigericht Usseln

von großer Bedeutung. Dazu gehörten auch die Freigüter Alleringhausen, Welleringhausen,

Bömighausen, Eimelrod, Aestenfelde, Otmarkusen und Wakenfeld. Freigüter waren Siedlungen

im Ausbauland. 1367 spricht Graf Otto II. von seiner „grapschaft to Uslon". Er kann sie schon

länger besessen haben; vielleicht hat sie schon sein Vater, Graf Heinrich IV., bei seinem

Eindringen ins Gebiet der Klostervogtei Flechtdorf in seinen Besitz gebracht. Die Waldecker

konnten durch die Erwerbung des Gogerichts Flechtdorf im Jahre 1414 ihre Landeshoheit im

Upland weiter ausbauen.

Zu dem Freigericht Usseln gehörten (dingpflichtig) um 1533 Usseln, Willingen, Schwalefeld,

Rattlar, Neerdar, Welleringhausen, Alleringhausen, Bömighausen, Eimelrod, Hemmighausen,

Deisfeld und Behringhausen in der Herrschaft Padberg. Das Gericht wurde im Frühling

und im Herbst gehalten und kommt noch im Jahre 1560 vor. Der Freistuhl befand sich

„auf dem hohen Pone bey der Linden", wahrscheinlich am Wege von Usseln nach Titmaringhausen

in der Nähe der Diemelquelle. Der Name Pön soll abgeleitet sein vom lateinischen

52


Usselnum 1860

53


Poena = Strafe. Auf dem Hengböl (Henkershügel) soll der Galgen gestanden haben. Das ist

jedoch zweifelhaft, da vor den Freigerichten nur bürgerliche Streitigkeiten verhandelt wurden.

Straftaten kamen vor die „Peinlichen Gerichte".

Als Freigrafen von Usseln werden Wedderolt Leusmann (1523 -1525), Kilian Hamel (1532 -1538)

und Johann von Holten (1558) genannt. Das zuständige Gogericht für Usseln war Flechtdorf.

Lange Zeit mußten sich die Waldecker mit dem Erzstift Köln auseinandersetzen, bis schließlich

die Freigrafschaft Düdinghausen mit Deifeld, Oberschledorn, Referinghausen, Titmaringhausen

und Wissinghausen an Kurköln abgegeben werden mußte. Ältere Usselner werden sich noch

daran erinnern, daß die Bewohner dieser Ortschaften der Grafschaft „de Köllschken" genannt

wurden. Am 31. Oktober 1495 vermittelten die hessischen Landgrafen zwischen Waldeck und

Köln. Unter anderem ging es darum, daß die Waldecker zu Usseln einen neuen Zoll errichtet

hatten. 1663 kam es zu einem weiteren Vertrag mit dem Erzstift Köln, wonach u.a. das

Kloster Glindfeld auf seine Rechte am Gehölz Alter Hagen verzichten mußte.

1378 wird erstmals ein Pfarrer in Usseln erwähnt. Usseln gehörte im Mitlelalter zur Diözese

Paderborn und zum Archidiakonat Horhusen (Niedermarsberg). Der Nonnenschäferhof in

Usseln soll einmal ein Vorwerk eines Briloner Klosters gewesen sein. Der Geländestrich von

diesem Hof aus über die Diemel nach Westen heißt heute noch im Kataster „Die Nonnenseite".

Auch die Usselner Kirche steht auf der Nonnenseite. Der frühere Papenheims Hof (jetzt

Upländer Bücherstube) könnte das alte Pfarrhaus gewesen sein. Später war der jetzige

Lindenhof (Saure-Wiesemanns), dicht nördlich der Kirche, das Pfarrhaus. In einer Urkunde

von 1455 werden die Namen Schötteler, Rummeln, Küthe und Wilcke erwähnt. Innerhalb

der Verwaltung Waldecks wird das Amt Eisenberg erstmals 1489 genannt. Usseln gehörte dazu.

1466 erhielten Kurt und Johann von Rhena u.a. den Zehnten von Usseln, Wakenfeld und

Aestenfelde von Graf Wolrad l. als waldeckisches Lehen. 1537 erscheinen die Herren von Rhena

jedoch selbst als Lehensherren. Im Lehensregister derer von Rhena (1734 -1814) sind folgende

Usselner Familiennamen enthalten:

Behle(6) Küthe (1)

Brünne (9) Mitze (5)

Emde (3) Saure (8)

Engelbracht (3) Spratte (2)

Figge (6) Vollbracht (2)

Hampe(1) Wichard (1)

Kesting (2) Wilke (1)

(Die Namen sind in der jetzigen Schreibweise wiedergegeben)

Im 16. Jahrhundert beginnen die Geschichtsquellen über Usseln etwas reichlicher zu fließen.

In Waldeck wird die Reformation 1526 bis 1543 eingeführt. In Usseln wird als erster

evangelischer Pfarrer 1529 Georg Btef ken erwähnt, der vorher katholischer Pfarrer war und dann

zum evangelischen Glauben übertrat. Er war offenbar kein musterhafter Hirte seiner Herde, wie

die Visitation 1558 und 1565 beweisen. Es heißt dort: „Wäre er doch, was er heißt: ein

fleißiger Landmann (Georg!) im Weinberge des Herrn und ein wachsam Werfender (Blefken)

Hund und Feind der Feinde Christi." Er wurde zur Wachsamkeit ermahnt, zum treulichen

Fortfahren im Katechismusunterricht, zur gottesfürchtigen Erziehung seiner Söhne und zum

Friedenhalten mit seinen Pfarrkindern. Später erfährt man, daß Blefken die Kanzel mißbrauchte,

um mit privaten Widersachern abzurechnen. Den alten Küster Johannes soll er gegen Wissen

und Willen der Gemeinde abgesetzt und seine Bezüge von Michaelis bis Ostern selbst

eingezogen haben. Außer dem Pfarrer werden in dem Visitationsbericht sieben weitere Sünder

aus der Gemeinde angeklagt, anscheinend auch wegen Unzucht. Blefkens Amtseifer bleibt

weiterhin sehr gering. Dithmar Blefken, Georgs Sohn, wurde verklagt, er habe mit Gertrud,

der Tochter Hans Seiberdts, ein Söhnlein und sei mit Ihr, als er die Visitation gewittert habe,

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ausgeflogen. Es gehe das Gerücht, er wolle sie heiraten. Johann Wilcke und Johann Depeln

zu Rattlar sind in Schlägereien mit den Pastorensöhnen verwickelt gewesen. Auf wiederholte

Beschwerden der Gemeinde wurde Blefken 1573 seines Amtes enthoben.

Neuere Forschungen zeigen jedoch, daß er bisher in einem zu schlechten Licht geschildert

worden ist. Es ist vielmehr anzunehmen, daß er in breiten Schichten der Bevölkerung - er war

immerhin bald 40 Jahre Pfarrer in Usseln - beliebt war. Er sprach die Sprache des Volkes,

setzte sich für ihre Belange ein und hatte keine Angst vor der Obrigkeit. In Blefkens

Amtszeit fiel 1570 der Einfall „derer von Buren" in Usseln, die das Dorf plünderten. Die Feinde,

100 zu Pferde und 300 zu Fuß stark, raubten 324 Stück Rindvieh, 24 Pferde, 200 Schafe

und 10 Ziegen.

Im Jahre 1568 ist Wilhelm Fiegen Richter in Usseln. In einem Schreiben vom 15. Januar 1568

bittet er in längeren Ausführungen den Graf, sein Amt gnädig von ihm zu nehmen. Er beschwert

sich in dem Brief über das ungöttliche Leben in Usseln. In dem Brief, der ein wichtiges

Zeitdokument ist, heißt es u.a.:

„Zum anderen, gütiger Herr, kann ich mit gutem Gewissen dringender Not Euer Gnaden nicht

verbergen, daß ein unordentliches und ungöttliches Leben und Wesen in diesem Dorf allhier

diesen Winter angefangen und unter dem Volk erregt. Etliche, und ihrer viele fangen an,

Bäcker zu werden, und nachdem sich, Gott Lob, die Frucht in ziemlichem Kauf finden läßt, wird

ein jeder von ihnen mitleidig gehen und mit eines anderen Schaden reich werden. Das Backen

wäre wohl gut, und ein kleiner Gewinn für Mühe und Arbeit wäre ihnen zu gönnen, aber wie

ein jeder sein Fangwerk an Wecken und Brot macht, ob es billig und göttlich sei, will ich

einem jeden der Bäcker in sein Gewissen befehlen. Es geht zum Teil über den armen Mann,

der es kaufen muß; zum Teil wird auch eines jeden Haus- und Dienstgesinde durch etliche

angereizt, die sich sonst mit ihrer Herren und Eltern Brot begnügen müssen lassen, mit

häuslicher Untreue umzugehen, Wecke zu bauten (tauschen) und Kuchen für Korn, Hafer,

Mehl, Mohn, Flachs, Garn, Eier, Salz, Schmalz usw.. Der Bäcker einer oder zweie wären zu

leiden (genug), sie könnte man auch nicht gut entbehren, wenn sie es danach machen, was

göttlich und leidlich wäre. Aber ihrer sind zuviel, aber wer am meisten wuchern und am

Backen gewinnen kann, ist Meister.

Auch lassen sich andere gelüsten, werden Bierkrüger, holen Fuder, halbe Fuder, Ohme

(1 Fuder etwa 12 hl zu 8 Ohm, 1 Ohm etwa 150 Liter) Bier zu Corbach, eins über

das andere, einer mehr als der andere, etliche holen es in der Stadt, das Viertel für einen

Schilling gleich 12 Pfg. (1 Viertel etwa sechs Liter) geben es hier für 20 Pfennig. Wie mit dem

Maß umgegangen wird, ist leicht abzunehmen. Da machen sich dann die jungen Gesellen, auch

etliche Alte mitunter, bei das Bier, liegen Tag und Nacht dabei, gehen nicht davon, bis das Faß

leer und auf dem Boden steht. Richten Abendtänze an, sie wachen dann die ganze Nacht

bis an den ändern Morgen, sehen nicht an, ob es Werktag oder Feiertag ist; was Schalkheit,

Büberei, gottloses Wesen und Leben da geschieht und begangen wird, kann nicht genug davon

geredet und geschrieben werden. Zu besorgen, Gott wird uns allzumal wegen gottlosen Lebens

ungnädig strafen, den Unschuldigen mit dem Schuldigen treffen.

An anderen Orten sind gemeine Krüger, die den Zapfen von Euer Gnaden haben, geben

gebührlichen Tribut dafür. Denen ist auch eingebunden (aufgetragen), nicht zu leiden solche

Nachttänze, Winkeltänze, Spellemeien (Schallmeien?) und ander wüstes Leben. Hier kriegt

Euer Gnaden nichts davon, das Volk versäuft und verschwelgt damit das Ihre, wird arm und

zu Bettlern. Ja, wenn Sie Euer Gnaden Dienst- oder Küchengeld, oder andere gebührliche

Zinsen geben sollen (alle drei als Steuern an die Herrschaft zu leisten), kann man nichts

von ihnen bringen. Man hat nichts als ewiges Mahnen mit ihnen, und unnütze Worte von

einem hin zum anderen zu hören und zu leiden, wie alle Eure Diener, die solches aufheben,

wohl empfinden."

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In dieser Zeit hat auch schon eine Schützengesellschaft in Usseln bestanden. In einer Urkunde

von 1590 heißt es: „Es sei Brauch, zu Usseln jährlich ein gemein Schießen zu halten".

In einem Brief des Pastors Engelhardt vom 26. 1. 1603 steht u.a.: „Es hat sich im verlaufenen

Sommer zugetragen, daß meine Pfarrkinder nach alter Gewohnheit ums Kleinod geschossen

haben".

In Usseln befanden sich 3 Wüstungen, nämlich Aestenfelde, Otmarkusen und Wakenfeld.

Wahrscheinlich hat es sich um alte Freigüter gehandelt, die im 15. Jahrhundert aufgegeben

und dann zu Wüstungen wurden. Die seit Mitte des 14. Jahrhunderts in Waldeck auftretenden

Seuchen und Pestepidemien haben mit dazu beigetragen.

Aestenfelde lag links der Straße von Usseln nach Rattlar am Wege nach Schwalefeld. Adlige

von Aestenfeld kommen im 14. Jahrundert vor. Den Zehnten besaßen 1537 die Waldecker

Grafen, die ihn von der Kirche zu Adorf bekommen hatten. Um 1800 sollen noch Reste der

Aestenfelder Kirche zu sehen gewesen sein.

Otmarkusen (1390 Otmerkusen, 1537 Otmerckusen, 1596 Hortmarghusen, später Ottmarckhausen

und Othmaringhausen) lag südwestlich von Usseln im jetzigen Neubaugebiet „Auf der

Lehmkule". Hier waren vor wenigen Jahren noch Mauerreste zu sehen. Von 1265 bis etwa 1450

kommt eine Korbacher Bürgerfamilie mit diesem Namen vor. Der Zehnte gehört 1537 ebenfalls

den Waldecker Grafen. Othmaringhausen ist heute noch eine Flurbezeichnung in Usseln

(Autmerkoussen). Wakenfeld war ein Frei- und Lehngut, etwa dort, wo sich zwischen Usseln

und Willingen das jetzige Gasthaus Wakenfeld (erbaut 1868, dann abgebrannt und 1885 neu

errichtet) befindet. Schon im 14. Jahrhundert hatten es die Herren von Rhene als waldeckisches

Lehen.

Mit dem Wüstungsvorgang, der auch durch die verheerenden Seuchen und Epidemien mit

verursacht wurde, war ein großer Bevölkerungsrückgang verbunden. Erst vor Beginn des

30-jährigen Krieges (1618 - 1648) war die mittelalterliche Bevölkerungszahl in etwa wieder

erreicht. 1541 werden in Usseln 34 Häuser genannt, 1620 sind es 69. In dieser Zeit muß

demnach auch in Usseln die Bevölkerungszahl stark zugenommen haben. 141 Morgen Land

wurden gerodet. Aus dem oben erwähnten Brief des Richters Fiegen aus dem Jahre 1568 und

aus den Unterlagen über das Bestehen einer mittelalterlichen Schützengesellschaft ergibt sich,

daß in Usseln ein für die damaligen Verhältnisse reges Leben geherrscht hat mit einer ganz

bescheidenen wirtschaftlichen Blütezeit. Im Jahre 1596 wurde zwischen „Ortmarghausen und

dem Pön" nach Silber gegraben.

Die Aufwärtsentwicklung wurde durch den 30-jährigen Krieg jäh unterbrochen. Ein großer Teil

der Aufbauleistungen seit dem Ende des 15. Jahrhunderts wurde vernichtet. Etwa die Hälfte aller

Häuser in unserem Gebiet wurde durch Kriegseinwirkungen zerstört. In Usseln waren von 69

Häusern (1620) im Jahre 1650 sogar nur noch 26 bewohnt. Hieraus kann man ersehen, daß auch

mehr als die Hälfte der Bevölkerung durch Kriegseinwirkungen oder durch die sich wiederholenden

Pestepidemien ums Leben gekommen ist. Anhand von Vergleichszahlen ergibt sich,

daß Usseln ganz besonders viel gelitten haben muß (ähnlich wie Rattlar). In den Jahren 1636 -

1638 war die schlimmste Pestepidemie in Usseln. In diesen 3 Jahren starben u.a. vier

evangelische Pfarrer, dann wollte keiner mehr nach Usseln und das Dorf blieb 3 Jahre

ohne Pfarrer.

Am 1. November 1642 wurde Usseln auch noch von einer großen Feuersbrunst heimgesucht.

Es wurden 14 Gebäude eingeäschert. Auf Grund von 2 Eingaben des Kirchspiels Usseln

aus den Jahren 1643 und 1644, die sich im Staatsarchiv Marburg (Lahn) befinden, können

über diesen Brand Einzelheiten berichtet werden. In dem ersten Schreiben vom 20. Januar 1643

heißt es:

„Euer Fürstlichen Gnaden geben wir hiermit in Untertänigkeit mit Trauer zu vernehmen,

daß im abgelaufenen Jahre 1642, am 1. November, des Abends bei der Nacht, sich eine

starke Feuersbrunst in der Dorfschaft Usseln erhoben und vierzehn Gebäude an Wohnhäusern

56


Usseln um 1905 vom Ostefkopf aus gesehen mit Kilianskirche und dem alten Gasthaus Figge (jetzt Fischer, Bachstraße)

Usseln mit Alleestraße 1919

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und Scheunen, darunter das Pfarrhaus und die Küsterei, gänzlich eingeäschert hat. Daneben ist

die Pfarrkirche, davon noch ein wenig über dem Chor stehengeblieben ist, auch — Gott

erbarm es — abgebrannt. Von den Glocken sind zwei hinuntergefallen und entzweigefallen

die dritte zerschmolzen. Großer Schaden ist entstanden.

Nun, in Wahrheit wissen wir eigentlich jetzt nicht, von wem oder auf welche Art diese

Feuersbrunst ausgegangen ist. Man vermutet nur, daß etliche Burschen von denen (ein

unleserliches Wort folgt) Dieben das Dorf angezündet haben sollen, welche etwa meinten, wenn

die Leute das Vieh bei der Nacht aus den Häusern jagen würden, daß sie dann etliche Stück

an einem Ort ertappen möchten. Weil aber das Feuer so schnell überhandgenommen hat, haben

sie nichts ausrichten können.

Weil nun die Pfarrkirche zur Erhaltung des heiligen Predigtdienstes und der Fortpflanzung

von Gottes Wort notwendig zu erbauen ist, wir armen Untertanen dieses Kirchspiels aber durch

Rauben und Plünderungen vor etlichen Jahren und jetzt durch die behördliche Kontribution

ganz abgemattet sind, daß wir daher wenig zu den Baukosten zuschießen können, deshalb

bitten wir Eure Fürstlichen Gnaden, Sie wollen zur Erbauung ihrer abgebrannten Pfarrkirche,

Pfarrhauses und Küsterei zu Usseln zur Ehre Gottes aus gnädigem Herzen eine Zusteuer an

einen Ort, wie derselbe gnädig gefellig ist, liefern und übermachen lassen. Solches wird Gott

der Allmächtige Eurer Fürstlichen Gnaden reichlich ersetzen, die wir dem Schirm des

Allmächtigen mit Wünschen für eine langwährende Gesundheit untertänig befehlen.

. . . sämtliche gehorsamen armen Untertanen aus dem Kirchspiel Usseln."

Das zweite Schreiben vom 16. März 1644 lautet:

,,Sämtliche Untertanen der Gemeinden des Kirchspiels Usseln, also Usseln, Willingen, Schwalefeld,

Rattlar", bitten die hochgeborene Gnädige Fürstin und Frau, sie wolle ihnen die 44

Reichstaler, „welche E. Fürstl. Gn. Her Franz Großmuth. Graff Cullenberg Hoffmeister

underthenig eingelieffert haben will", erstatten lassen. Diese 44 Taler seien von gutherzigen

Christen in Holland für die Usselnsche Pfarrkirche aus Mitleid zugesteuert worden. Dann könne

das angefangene Bauwerk im Frühling vollendet werden, das sei nötig, weil das vom Feuer

verdorbene Mauerwerk ,,restlos stehet, darumb vom sehne, regen und frost großen Schaden

empfinde«".

Es ist verständlich, daß nach Ende des 30-jährigen Krieges das dörfliche Leben nur ganz

allmählich wieder in Gang kam. Immerhin waren aber 1682/1688 wieder 49 Häuser bewohnt,

1744 waren es dann 52.

Im Jahre 1647 beginnt auch eine Chronik von Usseln, die Pfarrer H. E. Jungcurt, der von

1760 bis zu seinem Tode am 30.4.1773 der 16. evangelische Pfarrer in Usseln war, geschrieben

hat. Die Chronik wurde dann leider nicht fortgeführt, so daß sie nur die Zeit von 1647

bis 1772 umfaßt. Weil sie ein wichtiges Dokument ist und etwas Einblick in das Leben der

damaligen Zeit vermittelt, wird sie nachstehend im Wortlaut abgedruckt.

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Festwagen des Skiclubs Upland beim Festzug anläßlich der landwirtschaftlichen Ausstellung 1913 in Korbach.

Anläßlich der landwirtschaftlichen Ausstellung 1913 in Korbach zeigten Usselner Madchen ..Upiander Trachten" aus dem

19. Jahrhundert. Obere Reihe (v.l.n.r.) Auguste Born, geb. Brune (Habicht), Luise Rieb. geb. Figge (Figgen). Lina Saure,

geb Brüne (Schniedermann), Henrietle Küthe, geb. Wilke (Schrieners). Untere Reihe (v. I. n. r.) Elfriede König, geb. Lindner.

Johannette König, geb Born (Ob. Pickers), Auguste Held. geb. Jäger (Bierbrauer). Berta Jäger, geb. Fingerhut.

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Chronik von Usseln,

zusammengestellt von dem Pfarrer H. E. Jungcurt.

1647. Den 16. Julii ist der wohledle Junker Philipp Richard von Siegen mit 9 Kugeln

mördlicher und unehrlicher Weise von Junker Hangsleben (Hanxleden) selb vierte in blachem

Felde zu Antfeld überfallen und erschossen, sein Leichnam aber den 26. ejusdem alhier zu

Usseln in S. Kilianskirchen aufs Chor vor des Pfarrherrn Stuhl ehrlich zur Erden bestattet worden

von seinem Vater Friedrich von Siegen.

1662. Als am 29. April Hildebrand Volbracht und Anna Marie Schmidt copulirt wurden,

ist durch das Schießen von der leichtfertigen Jugend ein groß Unglück entstanden, indem sechs

Gebäude abbrannten und in die Asche geleget wurden.

1663. Am 25. Decembr. wurde Wittib Barba Hertzog vor dem Musenberge auf dem Mühlenacker

bei dem Dörnchen tot gefroren angetroffen.

1673. Im May trug sich das Unglück zu, daß Abel Bender von den Franzosen auf dem

Walde erschossen wurde und nach Willingen wegen Kriegsgefahr auf den dasigen Kirchhof

zur Beerdigung mußte abgefahren und daselbst auch begraben werden, aus Rattlar bürtig.

1676. Im Juli hat sich der Usselsche Schweinehirte, Johanns N., von Niedersfeld bürtig,

zu Tode gesoffen

1679. Den 4. Januar ist Johann Adam Rennemann, welcher einem Münsterischen Soldaten nach

Adorf den Weg weisen müssen, auf seiner Wiederkunft nicht weit von Usseln auf offenem

Felde umkommen, des Tags darauf gefunden worden, und Johann Wilm Wilcke ist von

einem Münsterschen Reuter d. 18. Mai erschossen.

1683. Am 4. April ist Henrich Göbel von Willingen, so ein guter Predigerfreund gewesen, deren

sonst an diesem Ort wenig gefunden werden, begraben, alt 66 Jahr.

1691. Den 20. März wurde Christoph Querl, so in der Sonntagsnacht zuvor sich vollgesoffen

und des morgens zwischen des Jägers Backhaus und der Brücke tot gefunden, vom Baibier

aus Corbach, Landrichter und Medico visitirt, das Haupt eröffnet und der Hals zweimal entzwei

befunden, und auf obrigkeitlichem Befehl begraben.

1727. Am 1. Mai wurde Maria Christiana Wilcken aus Usseln begraben, welches Kind sich

in heißem Bier verbrannt hatte und daran sterben müssen, und Maria Magdalene Gockel

erhing sich und wurde auf dem Asenberge begraben.

1731. Am 11. März wurde Johann Georg Saure aus Usseln begraben, welcher zu Corbach

gewesen und wegen Kälte und tiefem Schnee nicht nach Haus kommen können und erfroren, da

er dann vier Wochen im Schnee gesteckt und von Hunden, Füchsen und Raben oben her

ganz zerfressen gewesen und auf Befehl der Regierung ehrlich zur Erde bestattet worden.

1737. Im März erfror Johann Henrich Stremme aus Usseln im Schnee und wurde erst nach

zwölf Wochen auf dem hohen Ettelsberge wiedergefunden, da er auf die Jagd gehen wollen.

1744. Den 3. Februar ist des Abends ein unbekannter Mensch am hohlen Wege tot gefroren,

welchen ein Kerl aus Rengershausen spoliirt, indem er ihm das Geld aus der Tasche und die

Mütze von dem Kopfe genommen und den toten Körper liegen lassen. Darauf er hier

begraben worden.

1749. Zu Anfang des Februarii wurden im tiefen Schnee tot gefunden Jost Wilm Wilcke,

Mitze genannt, aus Usseln, und Henricus Göbel-Senger aus Rattlar, der erste 73 und der

andere 60 Jhr alt.

1752. Anfangs Februarii ward Caspar Mörchen von Hespern in der Hoppecke tot gefunden,

welcher einen Soldaten kurz vorher mit einem Messer totgestochen und der Strafe entgehen

wollen, aber auch bald umkommen.

60


1753. Am 13. Nov. wurde aus Usseln Johann Philipp Bender im 23. Jahre seines Alters

von den Wilddieben aus Ditmarkausen (Titmaringhausen) samt seinem Pferde in einem Schuß

auf der Stelle auf waldeckischem Territorio augenblicklich totgeschossen. Bey der Besichtigung

fand sich, daß ihm die Kugel unter dem rechten Arm hinein durchs Herz gegangen und in

der linken Seite gefunden wurde.

1762. Als schon 1756 ein verderblicher Krieg in Deutschland entstanden war, so mußte das

hiesige Land die Drangsale desselben auch hart empfinden. 1759 und 1760 wurden sämtliche

Früchte um Sachsenberg, Corbach, Mengeringhausen, Waldeck und Wildungen auf den herumliegenden

Dörfern und Meyereien abgemähet. die Untertanen gemißhandelt und sowohl von

Franzosen als den alliirten Soldaten Gewalttätigkeiten verübt, welche die Nachwelt kaum

glauben wird. Zu Corbach aufm Waldecker Berge hatte sich der Erbprinz v. Braunschweig Carl

mit der avantgarde der Alliirten postiert und hielt sich tapfer, mußte aber der Menge weichen,

indem die Franzosen unterm Herzog von Broglio die Straße von Sachsenberg mit 72000 Mann

und die französische kleine Armee vom Niederrhein aus dem Sauerlande neben Schleider her

unter Commando des St. Germain anrückte und bei Corbach zusammen stießen, da dann die

kaum 6000 Mann starke avantgarde der Alliierten nach tapferm Wiederstand das Feld räumte

und einige hundert Tote zurückließ, auch 6 kleine Feldstücke verlor, dahingegen die Franzosen

an die 2000 Mann sollen eingebüßt haben, welche teils auf dem Schlachtfelde eingehackt, teils

in und neben Corbach begraben sind. An dem letzten Orte befand sich die französische große

Feldbäckerei in dem sogenannten Hagen, dadurch dann die Stadt und die herumliegenden örter

noch vollend ausfouragiert und mit Diensten erbärmlich gequält wurden. In der großen Kilianskirche

war das Lazaret, da denn dies Gotteshaus Jahr und Tag öde stund. Die größte

Beschwerde machte der französische Commendant zu Waldeck, Louis, welcher durch seine

Streifereien bis ins Sauerland alle herumliegenden örter durch Fouragelieferungen und Dienste

unerhört plagte, bis endlich die englischen Generals Conway und Cavendish durch ein

Bombardement denselben zur Übergange zwangen. Da nun alles verheert, die Felder, Wiesen

und Gärten ihres Vorrats beraubt, die Häuser an vielen Orten geplündert, das Vieh

geschlachtet und kein Unterhalt nirgends mehr zu finden war, so schien menschlichem Ansehen

nach eine Hungersnot freilich unvermeidlich zu sein. Endlich zeigte Gott eine Thür und

wies uns Thüringen, um daraus Korn, Gerste, Erbsen, Hafer, Bohnen und Weizen zu holen.

Aus Mühlhausen (in Thüringen) wurden wohl viel tausend Mütte Frucht ins Land gebracht,

da denn das Mütte Korn 1 6 Thlr. und die Gerste 12 Thlr. galt, auch noch mehr, doch konnte

man die Dukaten zu 5 Thlr. ausgeben und so nach Proportion das übrige Geld, daß also

in gutem alten Gelde das Mütte Korn nicht viel über 8 Thlr. zu stehen kam. Zu bewundern

war, daß während dem Kriege allenthalben Geld genug zu sehen; so bald aber der Krieg

zu Ende ging, so verlor sich auch das Geld.

Den Beschluß der Kriegsdrangsale enpfand Usseln auf eine kränkende Art, indem 1762 d.

11. Okt. der hannoverische Major Hattorf mit einem Kavallerie-Regiment hinten vorm Dorf,

an der Höhe genannt, ein Lager schlug und das Infanterie-Regiment von Dasei ins Dort

rücken ließ. Was diese Leute verübt, ist bekannt, doch gegen die übrigen Drangsale der

Einwohner des Landes nicht zu vergleichen. Beide Regimenter brachen teils d. 14., teils

den 18. Okt. wieder auf. Endlich erfolgte dann noch im Oktober dieses 1762. Jahrs der

so lang gehoffte und erwünschte Friede, da die Franzosen wieder in ihr Land ziehen mußten,

ohne etwas anders ausgerichtet zu haben, als daß sie nur arme Leute in Deutschland gemacht,

viel tausend, tausend Mannschaft und Kriegsbedürfnis verloren und sich selbst den größten

Schaden zugefügt, da England die größten Eroberungen getan und Frankreich ungeheure

Länder abgenommen. Gott erhalte uns den edlen Frieden bis an das Ende der Welt!

1766. Am 14. Nov. wurde bei Kopulation Bertold Henrich Helwigs zu Rattlar durch das

auf Hochzeiten gewöhnliche Schießen der leichtfertigen Jugend durch Zacharias Göbel aus

Unvorsichtigkeit ein Mädchen von beinahe 13 Jahren, namentlich Maria Catharina Figge mit

gekautem Papier totgeschossen. Der Schuß war unter der fünften Rippe durch die Lunge in

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die Spitze des Herzens gedrungen, worinnen der papierene Pfropfen noch zu sehen war.

Nach geschehener Besichtigung von hiesigem Beamten, Land-Physico, Actuario und Chirurgo

wurde das Kind seciert und Montags d. 17. darauf mit ansehnlicher Leichenbegängnis in

Begleitung sehr vieler Leute zur Erden bestattet.

1769. Im Jahr 1769 äußerte sich, außer ändern Orten, besonders zu Schwalefeld eine

Krankheit, die fast einer epidemischen Seuche glich und woran beinahe 30 Leute starben.

Die Patienten bekamen ein Ziehen in Händen und Füßen, wurden von der Epilepsie

überfallen und hatten grausame Convulsiones auszustehen. Zwei Cadavera wurden seziert,

um den Ursprung der Krankheit zu erforschen, und von dem Landesherrn viel Kosten in

Arznei verwendet. Sogar mußte von Göftingen der Professor medicinae Vogel kommen und

wurde nebst dem hiesigen Leibmedico Herlitz und ändern erfahrenen Chirurgis zu Rate

gezogen. Man gab die Schuld der Krankheit auf das sogenannte Brand- oder Mutter-Korn,

welches 1776 besonders häufig wuchs. Im Jahre 1595 soll besagte Krankheit auch im

Waldeckischen und ganzem Sauerlande gewesen und viele Leute gestorben sein. Sie wird

von den Ärzten die Kribbel-Krankheit genannt und hat sonst im Sächsischen auch grassiert.

Wenn Jemand einen Anfall bekam, so wurden besonders die Finger mit den Händen ganz

krumm zusammengezogen, der Verstand verlor sich, und die Epilepsie nahm überhand. Sobald

aber der Parorysmus vorüber war, gingen die Leute wieder an ihre ordentliche Arbeit, doch

stellete sich bei Allen der Verstand nicht völlig wieder ein, sondern es blieb noch ein

kleiner Aberwitz zurück, obgleich nicht bei Jedermann.

1770. In diesem Jahr war der Sommer regenhaft und kalt, woraus ein Mißwachs und große

Teuerung entstand, daß allenthalben große Hungersnot verspüret ward. Die Früchte waren noch

teurer als in dem 1756 entstandenen Kriege und konnten wegen allgemeinen Mangels

nicht einmal erhalten werden. Fast das halbe Europa klagte über Hunger, und mußten sich

manche Leute gar elend, kümmerlich und sparsam behelfen. Hierzu kam noch, daß wegen

anhaltenden nassen Wetters die Ernte bis in den August und noch länger verzögert ward.

Das Mütte Korn galt 8 und mehr Thlr. und so nach Proportion die übrige Frucht.

1771. In diesem Jahr dauerte Mißwachs und Hunger noch immer fort und war mit dem vorigen

einerlei.

1772. Dies Jahr übertraf die vorigen an Teuerung, weil es bis in den Junius naß und

kalt war, das Mütte Korn 10 Thlr. galt und die Gerste nicht mehr zu erlangen stund."

Die Anfänge des Schulwesens in Waldeck liegen im dunkeln. Seit dem Jahre 1673 stellt

die Familie Genuit über 200 Jahre lang den Schulmeister und Küster in Usseln. Über diese

Lehrerfamilie schreibt Pastor C. Genuit 1914 folgenden Bericht (sein Vater war der letzte

Lehrer der Genuits in Usseln):

,,Über den Ersten unseres Namens in Usseln hat mein Urgroßvater, Johannes Genuit,

folgendes aufgezeichnet: „Im Jahre 1673 eben zu der Zeit, daß die Franzosen hier

gewesen sind, ist mein Großvater Salomon Genuit hierher gekommen und Schulmeister

geworden und ist 1710, den 20. Februar gestorben, er ist alt geworden, 65 Jahre. Mein sei.

Vater ist 1712 Schulmeister geworden und starb 1762 den 7. Juni, er hieß Bartolomeus und

hatte diese jammervolle Welt 73 Jahre und 6 Wochen beschauet und durchwandert. Er hat

allhier den Kirchspiel-, Küster- und Schuldienst 50 Jahre lang treulich und redlich verwaltet

und davor 8 Jahre zu Rattlar Schule gehalten und von 1710 bis 1712, also 2 Jahre

lang hatte er und sein Bruder Johannes den hiesigen Schuldienst gemeinschaftlich versehen,

folglich ist mein sei. Vater 60 Jahre im Amte gestanden. —

62


s

Letzte Personenpost von Usseln nach Willingen am 2 April 1917 vor dem Hotel zur Post in Usseln, (sie wurde 1873 von Korbach bis Brilon-Wald eingerichtet)

v. l. n. r. unbekannt. Christian Engelmann (Postillion), franz. Kriegsgefangener. Postschaffner Sauer (Bote), Christian Bnjne sen. (Posthalter). Frl. Emde. Christian Brüne-Brocke.


Von sich selbst schreibt mein Urgroßvater: „Anno 1740 bin ich Johannes Genuit auf dieser

Jammer- und elendsvollen Welt geboren und den 17. Januar getauft, meine Taufpaten sind

gewesen 1. Johannes von der Emde zu Willingen, Sandmann genannt, 2. Johann Henrich

Volbracht in Usseln, Pappenheim, 3. Katharina Elisabeth Saure, Johann Henrich Saure,

Richters Tochter in Usseln. Anno 1757 den 12. Februar an Hochfürstliches Konsistorium

subpbliciret das ich möchte bei meinen alten Vater adjundieret werden; darauf den 27. Februar

selben Jahres Bescheid erhalten, daß ich mich beim Generalsuperindenten sollte examenieren

lassen. Wann ich alsdann als tüchtig befunden würde, wie Adjuncker haben sollte; daß

examieren ist dann auch 1757 den 28. November geschehen und habe hierbei zur Nachricht

aufgezeichnet, wie ich bin examiniert worden. Erstlich mußte ich lesen in der Apostelgeschichte

das 14. Kapitel die ersten 15 Verse und mußte die drei ersten buchstabieren und da wurde

der Katechismus erkläret, daß ich dann beantworten mußte und mußte ich das Exempel aus

der Reguldetri machen. Wann 1 Maß Oel kostete 8 Grs. was dann 100 Maß kosteten.

mass Gros mass

1 8 - 1 0 0

und da mußte ich singen den ersten Vers von dem Liede „Durch Adams Fall ist ganz

verderbt". Darauf 1758 den 19. Mrtz. das rescript bekommen, daß ich die Adjuncktur an meines

Vaters Dienst, nachdem ich dazu tüchtig befunden wäre, haben sollte, und dem Herrn Pfarrer

Rangen die Vorstellung aufgetragen wurde, der mich dann den 27. Mrtz. als den 2. Ostertag

1758 nach gehaltenem Gottesdienst in der Kirche Richtern, Kirchen, Provisores und Schulkindern

vorstellte.-

Im Jahre 1761 schickte sich's durch wunderbare Fügung Gottes, daß ich mich allhier mit

Justina Eleonora Henriette Meisnerin Herrn Ernst Henrich Meisner Hochfürstlich Waldecks.

Accis Receptores und Ratsherren zu Arolsen dritten Tochter allhier verlobet und versprochen

und den 30. September 1761 zu Arolsen in der Schloßkirche mit derselben mich Coppulieren

lassn.-

Nachdem dann mein alter Vater durch den zeitlichen Tod in die Ewigkeit gereiset ich am

4. Juli 1762 vom hochfürstlichen Konsistorio das Beeret bekommen, daß ich nunmehro als

ordentlicher Schulmeister und Küster bleiben sollte und meine Vorstellung dem Herren Rarrer

Jungcurt aufgetragen wurde, der mich dann den 11. Juli als den 5. Sonntag Trinitatis nach

der Predigt vor dem ganzen Kirchspiel vorstellete.-

1769 den 23. Trinitatis ich die Orgel angenommen und das erstemal spielete. Die Lieder so

den Sonntag gesungen wurden, waren diese, in der Frühpredigt „Jesu meine Freude", in der

Hochpredigt „Herr aller Weisheit Quäll."

Mein Urgroßvater muß zu seiner Zeit tüchtiges geleistet haben, denn er hatte den Ehrentitel

Magister (Herr Magister habn ihn die Leute genannt). Er hat eine zahlreiche Familie, zwei

Söhne und 9 Töchter. Der älteste Sohn Ludwig geboren am 27. November 1778, ist am

26. Oktober 1805 als Schullehrer in Berndorf an einer hitzigen Gallenkrankheit ganz sanfte

eines seligen Todes entschlafen. Der zweite Sohn, Wilhelm, Mein Großvater, war am 28. Juli

1785 geboren; die Aufzeichnung seiner Taufe schließt mein Urgroßvater mit den Worten:

„Gort segne dieses Kind, amen". Von diesem Sohne schreibt er dann weiter 1806 den

29. Junius nämlich auf das Reformationsfest wurde mir mein noch einziger lieber Sohn

Wilhelm zu meinem Nachfolger im Amte Adjungiret. es geschah in der Frühpredigt, er

mußte vor den Altar treten und Herr Pfarrer Jungcurt hielt eine ziemlich lange und zweckmäßige

Rede. Die Schulkinder waren dabei auch gegenwärtig und wurden zur Folge,

Gehorsam und Liebe gegen ihren jungen Lehrer auch angewiesen. In der Rede führte der

Herr Rarrer den Spruch an Matthäi 7 Vers 20: Darum an ihren Früchten sollt ihr sie

erkennen. Gott lasse mich doch nun noch die mir noch bestimmte Zeit ehe ich bei meinem

Alter noch leben werde mit meiner alten Frau bei meinem Sohn in wahrer Liebe und

Zufriedenheit lebe. Gott segne mich und meine Frau und Kinder. Amen! Die rührende Bitte

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meines Urgroßvaters ging nur teilweise in Erfüllung. Schon nach 3 Jahren mußte er schreiben:

„1809 den 14. Februar abends zwischen 9 und 10 Uhr starb meine liebe Frau eines sanften

seligen Todes, nachdem sie 6 Tage hatte krank gelegen und den 17. dito gegen abend

in der Stille zu ihrer Ruhe Gruft gesenkt wurde. In der Ehe hatte ich mit ihr 48 Jahre und

14 Tage gelebet, in welcher Zeit mich manches hartes Schiksal getroffen hat. Gott verleihe

nun mir und alle meinen Kindern und Enkeln eine selige Nachfahrt. Amen!"

Er hat dann noch eine Reihe von Jahren gelebt. Über seinen Tod schreibt mein Großvater:

„1818 am 4. Junius abends zwischen 9 und 10 Uhr starb mein lieber Vater eines sanften

und seligen Todes und den 7. dito den Nachmittag in der Stille begraben wurde. Er war alt

78 Jahre 4 Monate 23 Tage.-"

Mein Großvater starb am 23. Dezember 1860; bei seinem Tode war er noch im Amte, hatte

aber längere Jahre adjunckten gehabt. Im Jahre 1856 feierte er sein SOjähriges Jubiläum;

seine Kollegen schenkten ihm dazu eine Bilderbibel mit folgender Witmung:

1. Tim. 3.13. Dem Jubelgreise Wilhelm Genuit 1. Lehrer- und Kirchspielsküster zu Usseln

zur Erinnerung an den 2. Juli 1856. Die Lehrer des Kreises Eisenbergs. C. Schneider,

Kreisschulaufseher.

Sein Nachfolger wurde im Herbst 1871 mein Vater, Georg, Friedrich, Anton, geb. am

20. Dezember 1818. Von ihm schreibt mein Großvater: „1841 am 21. April mein ältester

Sohn Georg Friedrich Anton in Adorf an die Mädchenschule bei dem Schullehrer Bangert als

Adjunck vorgestellt wurde. Gott leite und führe ihn auf der Bahn der Tugend. Amen!

Von Adorf verzog mein Vater im Jahre 1853 nach Kleinern und wurde dann, wie schon

bemerkt der Nachfolger seines Vaters. Er starb noch im Amte am 15. April 1883, war aber

lange Jahre leidend, da schlechte Wohnungsverhältnisse und allzuschwere Arbeit (meist über

130 Schulkinder) seine Gesundheit untergraben hatten. Aber von seinem Amt mochte er nicht

lassen. Er war eben mit Leib und Seele Schulmeister.-

Ein jüngerer Bruder meines Vaters, Theodor, war erst zweiter Lehrer in Freienhagen und

starb am 24. April 1895 als Lehrer zu Hagen in Westfalen. Mein ältester Bruder Wilhelm

war erst zweiter Lehrer in Meisen, dann Lehrer in Sudeck und Benkhausen und starb 1911 als

Rektor in Hagen in Westfalen. Er war der letzte Lehrer der alten Schulmeisterfamilie Genuit

aus Usseln.

Pastor C. Genuit."

Das Lehrergehalt für die Lehrerstelle in Usseln war um 1740 mit Accidenzien im Ganzen auf 150

Thaler jährlich festgesetzt. Als Schulhaus diente in Usseln bis zum Jahre 1768 das sogenannte

Untere Kösters Haus. Es wird als Nachfolger des bereits zur Reformationszeit erwähnten

„Cösterhauses" anzusprechen sein. Der Hausname „Untersten Kösters" besteht heute noch in

Usseln (Haus Walter Born, Ringstraße). 1768 baute man ein neues Küsterschulhaus auf der Lied,

das 1872 an Friedrich Asmuth (Jaustwilmes) verkauft wurde. Im Jahre 1872 wurde die jetzige

„Alte Schule" (Gärtnerei Gebrüder Schulze, Briloner Straße) fertiggestellt und am 23. Juni

eingeweiht. Die jetzt noch benutzte Schule wurde 1911/12 gebaut. Das Grundstück wurde

von der Kirche erworben im Tausch gegen den alten Friedhof unterhalb des Dorfes im

Diemeltal. Der Siebenjährige Krieg (1756 bis 1763) brachte große Verheerungen über Waldeck.

Es entstand eine Hungersnot, obwohl 1756 in den Ortschaften Fruchtmagazine für Notfälle

eingerichtet werden mußten. Aus Mühlhausen in Thüringen wurden Nahrungsmittel nach

Waldeck geholt. Ein Fruchtmagazin in Usseln wird das Haus Mittelstraße Nr. 7 (jetzt Frau

Adele Brüne) gewesen sein. Dieses Haus hieß im Volksmund immer „Spiekers" (Speicher)

und ist beim großen Brand 1844 verschont geblieben. 1762 wurde Usseln 10 Tage lang

von hannoverschen Truppen besetzt.

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Schlechte Zeiten haben die Usselner in den kriegerischen Zeiten Anfang des 19. Jahrhunderts

erlebt. Von einer großen Mißernte im Kirchspiel Usseln wird 1816 berichtet. Fürst und

Landschaft gaben Vorschüsse, von der Regierung in Arolsen wurde zu einer Kollekte

aufgefordert. Noch im Frühjahr 1817 war die Not so groß, daß von der armen Bevölkerung

nachts die Pflanzkartoffeln wieder aus der Erde gegraben wurden.

Überhaupt haben die Usselner und alle Upländer viel unter den Unbilden der Witterung gelitten.

Die Landwirtschaft war jahrhundertelang der einzigste Erwerbszweig für die Bewohner. Deshalb

war man auf „gutes Wetter" ganz besonders angewiesen. 1562 schneite es noch am

11. Juni. Wegen der klimatischen Verhältnisse war ein Wintergetreideanbau und damit die

Dreifelderwirtschaft (Sommerfrucht - Winterfrucht - Brachland) nicht möglich. Die Feldwechselwirtschaft

erstreckte sich in Form der Feldgras- und Feldheidewirtschaft auf die gesamte

Ackerflur. Winterfruchtanbau war im Upland erst möglich, als in der ersten Hälfte des

19. Jahrhunderts winterfeste Sorten gezüchtet wurden. Im Salbuch von Usseln (1682) wird

trotz der wechselwirtschaftlichen Nutzung der gesamten Ackerflur eine klare Unterscheidung

von Düngeland und Wildland vorgenommen. Zum Düngeland gehören die Länder der Klasse a

und b, zum Wildland die der Klasse c, d und e. Das Düngeland wird wie folgt beschrieben:

Klasse a

Klasse b

, .Welches .... mit.... 100 fuder mist getünget einmal sommer Roggen und

3 mal Hafer tregt, alsdann 10 Jahre ruhend, 3 Jahre nichts, 3 Jahre Mehe-Graß

gibt und so dann in moß wechst."

..auch also aber nach der 4ten saat wieder 10 jähre ruhend, ein Par Jahre

gemehet und gehüdet wierd."

Es handelt sich also um eine geregelte Feldgraswirtschaft mit vierjähriger Ackerfruchtfolge.

Dem erstjährigen Sommerroggenanbau folgen drei Jahre mit Haferbestellung. Dann folgt die

zehnjährige Grasperiode, davon dienen die ersten drei Jahre der Grasregeneration, dann folgen

sieben Jahre geregelte Grasnutzung (die ersten drei Jahre sind der Grasmahd vorbehalten;

die letzten vier Jahre dienten ausschließlich der Viehweide).

Die drei Klassen des ungedüngten Wildlandes werden im Usselner Salbuch wie folgt

beschrieben:

Klasse c

Klasse d

Klasse e

„welches in der entlegenheit und wachsthumb so wol an der Frucht als grase

ringert und nicht gemeht sondern nur zwei Jahre gehüdet wird."

„Das außen umbher ligt, ein Par mal Hafer tregt, so dann 10 bis 15 Jahre

in Haide ligt und keine graß nuzung gibt."

„Ist ganz wild und unbrauchbar".

Der ganze Osterkopf, der obere Heimberg bis zum Schneeberg und der Höhenrücken des

Kahlen Pönes waren Wildland.

Mit der wachsenden Entfernung vom Ort ist auch ein deutlicher Höhenanstieg verbunden,

die Nutzungsform wird immer extensiver und ungeregelter, bis schließlich an der Peripherie

ein fliessender Übergang in den Wald erfolgt.

Im Jahre 1682 waren in Usseln 1355 Morgen Ackerland und 538 Morgen Wiese vorhanden.

An Vieh waren 1732 68 Pferde, 188 Stück Rindvieh, 743 Schafe, 9 Ziegen und 15 Schweine

vorhanden. Die Schweinehaltung wurde in starkem Maße durch die Handhabung der Waldweide

sowie durch die Größe der verfügbaren Mastbezirke und durch den unterschiedlichen Eckernund

Eichelnertrag beeinflusst. Es gab deshalb erhebliche Schwankungen im Schweinebestand

von Ort zu Ort und Jahr zu Jahr. Zur Vermehrung von Streu und Dünger wurden bis in die

Vierziger Jahre dieses Jahrhunderts in großem Umfang Heideflächen entplaggt (Frasenhacken).


• *v l

:

Die ..Upiander Gebirgsmolkerei" 1923

Feuerwehrtest 1909 - Vom Katwmkel aus gesehen -

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Der „Kahle Pön" war bis Anfang des 2. Weltkrieges noch fast völlig ohne Baumbewuchs.

Die heute zum Teil unter Naturschutz stehenden Heideflächen auf Pön und Osterkopf mit

ihrem wertvollen Biotrop verdanken ihre Erhaltung mit der ausgeprägten Plaggenwirtschaft.

Um 1750 wurden allgemein Kartoffeln angebaut. Im 18. Jahrhundert hat die Schafzucht in

Usseln eine gewisse Bedeutung gehabt. Es wird berichtet, „daß die Schafzucht ganz

besonders in den Gegenden am hohen Pön fortkomme, wo der dürre schieferige Boden die

besten Schafkräuter trage". 1818 wird Usseln lobend erwähnt, weil es sich bei der „Veredlung

von Schafen" ausgezeichnet hat.

Schwer lasteten der „Zehnte" und die anderen Abgaben zu besonderen Anlässen auf den

Bauern. Noch im vorigen Jahrhundert wurde in Usseln bei der Ernte jede Zehnte Garbe auf

die vorherige neunte gelegt, zweifellos ein überkommener Brauch aus der Zeit, als der „Zehnte"

noch abzuliefern war. So konnte der Zehntherr mit einem Blick das ihm gehörige überblicken.

Nach einer Zählung im Jahre 1816 waren in Usseln 191 Kühe, 84 Rinder und 40 Zugochsen

vorhanden; 1842 waren es 83 Kühe, 14 Rinder und 22 Zugochsen. Worauf der erhebliche

Rückgang zurückzuführen ist, konnte nicht ermittelt werden. Wahrscheinlich ist bei einer der

beiden „Zählungen" nicht richtig gezählt bzw. nicht alles angegeben worden. Dem hohen

Viehbestand von 1816 steht die in demselben Jahre im Kirchspiel Usseln herrschende

Hungersnot entgegen.

Im Jahre 1851 wurde in Waldeck unter dem Druck der sozialen Spannungen die Geschlossenheit

der Bauerngüter aufgehoben. Die soziale Gruppierung im ländlichen Bereich

geriet in Bewegung. Für die landbesitzlosen Gruppen der Beiwohner und die kleinbäuerlichen

Kotier bestand jetzt die Möglichkeit zum Erwerb bzw. zur Vermehrung von Grund und Boden.

Manche Kötter gelangten zu ansehnlichem Grundbesitz und stiegen in die vollbäuerliche

Sozialgruppe auf; Vollbauern wurden zu Köttern oder gaben ihre Höfe ganz auf. Eine große

Zahl bäuerlicher Betriebe konnte die Ablösungslast auch nur durch Verkauf von Land verkraften.

Teilungen in Erbfällen blieben aber weiter eine Ausnahme.

Andere Erwerbszweige als die Landwirtschaft spielten im Mittelalter eine bescheidene Rolle

im Upland. Im 16. Jahrhundert hatte der Bergbau eine gewisse Bedeutung. Im Stryck,

im Hoppecketal und am Dommel befanden sich Eisenhämmer. Eine Eisenhütte stand seit

1560 auf dem Alten Hagen. 4 bis 6000 Zentner Eisen wurden hier im Jahr hergestellt und

vorwiegend zu Öfen verarbeitet. Holzkohle und Eisenerz mußten angefahren werden; ein

Nebenerwerb für die Landwirte mit Pferden. Das Eisenerz wurde wahrscheinlich aus dem

Räume Adorf geholt.

Noch heute kann man in den nur noch wenig vorhandenen Buchenwäldern die Standorte

der Köhlerhaufen sehen. Der bei Usseln (zwischen Emmet, Knoll und Hoher Pön) gefundene

Ton wurde zu Ziegeln und gebrannten Lehm- und Backsteinen verwandt.

Ansonsten mußten die Einwohner versuchen, als Dienstboten (Knechte und Mägde = Gesinde)

oder Tagelöhner ihr bescheidenes Brot zu verdienen. Die Dienstboten wurden in der Regel

auf 1 Jahr „gemietet", und zwar von Martini (11. November) an. Das Gesinde hatte häufig unter

der „Herrschaft" zu leiden. Harte Arbeit und „schmale Kost" waren an der Tagesordnung.

Um 1850 erhielt ein Großknecht etwa 25 bis 30 Taler im Jahr, ein Schaf gefüttert und

1 Paar Schuhe; ein Kleinknecht 18 bis 20 Taler, eine Magd 10 bis 14 Taler, ein Paar Schuhe

und 1 Schürze.

Eine Ursache für das karge Leben war die hohe Kinderzahl. Sechs bis acht Kinder waren die

Regel, zehn Kinder in einer Familie keine Seltenheit. Sehr hoch war die Kindersterblichkeit. Im

Kirchspiel Usseln wurden in 10 Jahren (1832 bis 1841) 867 Kinder geboren. Davon starben

229 im ersten Lebensjahr, 121 vom 2. bis zum 7. und 22 vom 7. bis zum 14. Lebensjahr.

Was müssen insbesondere die Mütter gelitten haben, die viele Kinder zur Welt brachten, von

denen aber fast die Hälfte noch im Kindesalter wieder verstarb.

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Die erste Usselner Sprungschanze entstand um 1925 an der üd. Unser Bild zeigt Willi Schulze Zaches in der damals

klassischen Haltung (1934).

Die erste Badeanstalt m Usseln. die um 1925 gebaute Flußbadeanstalt in der Diemel. In der awmitte das 1972 abgebrochene

Spritzenhaus, im Hintergrund der (kahle) Osterkopf.


Viel Leid brachte eine große Feuersbrunst im Jahre 1844 über Usseln. 40 Häuser wurden zu

Schutt und Asche; etwa das halbe Dorf brannte nieder. Es wurde erzählt, das Feuer sei von

einer Usselner Hellseherin prophezeit worden. Es würde am „Riepenpaad" wenden, d.h. hier

nicht weiter fressen. So soll es denn auch geschehen sein. ,,Riepenpaad" war der Pfad, der

früher unter „Riepen Wiese" über Saure (Linnewebers) entlang führte (jetzt Mittelstraße im

Bereich der Kuranlage).

Im Jahre 1844 wird die Ziegelbrennerei (der Flurname „An den Ziegeleien" hat sich bis heute

erhalten) in Usseln neu belebt. Ein Werkmeister aus dem Lippeschen betrieb die neue

Brennerei. Damals wird geschrieben:

„Die Brennerei bei Usseln, von einem umsichtigen Geschäftsmann angelegt, ist eine

Wohltat für das Kirchspiel, welches leider in drei Dörfern durch starke Brände heimgesucht

ist. Die auf einer 2000 Fuß hohen Bergfläche sich befindende Fabrik mit

48 kleineren Feuerungslöchern neben der Hauptfeuerkammer liefert jährlich 70000

Dachziegeln, 40000 Backsteine und 1 200 Scheffel Kalk. Sie hat den meisten Absatz

nach Medebach, ins Ruhrtal und nach Brilon. Es sind 8 Arbeiter beschäftigt, welche

etwa 450 Taler verdienen; ebensoviel wird für Holz-, Sand- und Tonfuhren (200 Malter)

und Taglohn jährlich verausgabt."

Die Ziegelei ist um die Jahrhundertwende eingegangen; die Gebäude sind abgebrochen worden.

Im Revolutionsjahr 1848 standen die Usselner auf Seiten der Obrigkeit. Sie sind, zusammen

mit den anderen Upiändern, mit Sensen und Flegeln nach Arolsen gezogen und haben dem

Fürsten Schutz angeboten. Die Fama hat aber die Tatsachen verdreht und (vielleicht aus

Scherz oder Ironie) erzählt, die Upländer Bauern hätten den Fürsten herausgerufen und auf seine

Frage, was sie denn wollten, gesagt: „Durchlaucht, wir wollen eine Revolution". Darauf habe

der Fürst gesagt: „Aber Leute, ihr habt doch schon eine". Kurze Überlegung -, dann hätten

die Upländer gerufen: „Durchlaucht, wir wollen noch eine". Mit einer kräftigen Erbsensuppe

sind die Upländer aus Arolsen verabschiedet worden.

Als Dank für die Unterstützung soll der Fürst den Bau der Straße von Korbach nach Brilon

(1850) veranlaßt haben. Mit dem Bau wurde jedoch schon 1844 begonnen. Vorher war diese

„Straße" ein einziger Hohlweg. Im Hause Wilcke (Klagges) - jetzt Haus Willi Vogel, Briloner

Straße - befand sich die Menage, wo für die Arbeiter gekocht wurde. Die damals angepflanzten

Straßenbäume (Ahorn), die sich zu einer das Dorfbild beherrschenden Allee entwickelt

hatten, fielen 1960/61 dem Ausbau der Ortsdurchfahrt im Zuge der Bundesstraße 251

zum Opfer.

Mit dem Fortgang der Industrialisierung wanderten in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts

immer mehr Usselner ins „Bergische". In Usseln konnten sich bei der hohen Kinderzahl nicht

mehr alle ernähren. Hinzu kam, daß manche Höfe die Lasten nicht mehr tragen konnten

und eingingen. Hauptzielorte der Usselner (und überhaupt der Waldecker) waren Hagen,

Schwelm, Barmen, Elberfeld und Remscheid. Wenn einer im „Bergischen" Fuß gefaßt hatte,

zog er manchen Verwandten oder Bekannten nach.

Ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor zu dieser Zeit waren die Handelsleute in Usseln und im

ganzen Upland. Schon zu der Zeit, als in Waldeck die Hütten und Hämmer noch betrieben

wurden, blühte der Wanderhandel im Upland. Im 18. Jahrhundert nahm die Schicht der Handelsleute

beträchtlich zu. Handelsprodukte waren ursprünglich die Erzeugnisse des heimischen

Schmiedehandwerkes wie Nägel, Sensen, Messer, Äxte usw. sowie Holzkräne (diese Händler

nannte man Trülltapenhändler), Holzteller, -schusseln, -löffel und andere Produkte der

hausgewerblichen Holzschnitzerei. Später kamen auch die Erzeugnisse der häuslichen Wollspinnerei.

Strickerei und der Leineweberei, die für viele Köthner- und Beiwohnerfamilien

eine unentbehrliche Nebenerwerbsgrundlage bildeten, hinzu. Das Absatzgebiet der Upländer

Handelsleute erstreckte sich über ganz Nord- und Ostdeutschland und reichte bis nach Holland,

Belgien und Polen. Sensenhändler suchten auch das Alpengebiet auf.

70


Später wurden im Wanderhandel Erzeugnisse der Krefelder und Mönchengladbacher Textilund

der bergischen Stahlwarenindustrie vertrieben. Zur Aussaat, zur Ernte und zu hohen Festtagen

kamen die Handelsleute in ihr Heimatdorf zurück. In der Zwischenzeit mußten die

Frauen und Kinder die Landwirtschaft besorgen. Die Handelsleute haben mit dazu beigetragen,

daß das Upland ,,weltoffen" wurde und allen Neuerungen zugänglich war. Noch heute ziehen

Handelsleute in „ihr Revier", wo Familien schon seit Generationen die Textilien von ,,ihrem

Handelsmann" beziehen".

Noch in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts war es für junge Leute nicht leicht,

einen Hausstand zu gründen. Sie mußten hierfür eine Erlaubnis der Obrigkeit, und zwar

des Gemeinderats, haben. Wie schwer das im Einzelfall war, zeigt das Beispiel des Karl Saure,

der Marie Behle aus Eimelrod heiraten wollte. Am 6. 12. 1862 beschloß der Gemeinderat

unter Vorsitz von Lehrer Genuit, ,,daß der Nachsuchende nachzuweisen hat, wodurch er seine

Familie ernähren will". Der von Karl Saure beigebrachte Nachweis genügte nicht; der

Gemeinderat versagte am 7. 3. 1863 die Erlaubnis zur ehelichen Niederlassung. Karl Saure

ließ jedoch nicht locker. Am 4. 4. 1863 beschäftigte sich der Gemeinderat erneut mit seiner

Hochzeit, aber wiederum wurde die Erlaubnis versagt. In der Sitzung am 28. 11. 1863 wurde

ein sicherer Bürge verlangt, der sich gerichtlich verpflichtet, notfalls die neue Familie

aufzunehmen. Noch zweimal beschäftigte sich der Gemeinderat mit der Sache. Am 4. 6. 1864,

eineinhalb Jahre nach der Antragstellung, wurde schließlich die eheliche Niederlassungserlaubnis

erteilt mit der doch merkwürdigen Bedingung, „daß er alsbald sich copulieren lasse".

Bei dem Zustandekommen der Ehen „halfen" Eltern und Verwandte. So blieb meistens reich

bei reich und arm bei arm.

Seit Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts bemühte sich die Gemeinde um

„die Anstellung eines Arztes" und „um die Anlegung einer Apotheke". Die zum Kirchspiel

Usseln gehörenden Filialgemeinden Rattlar, Schwalefeld und Willingen wollten sich an den

Kosten beteiligen. Aber erst 1878 wurde die erste Apotheke in Usseln eröffnet (Apotheker Gölte).

Die Gemeinde übernahm eine Bürgschaft von 12000 Mark. Der erste Arzt wird sich einige

Zeit vorher in Usseln niedergelassen haben (Dr. Frese aus Titmaringhausen).

Die Armut war zu dieser Zeit in Usseln immer noch zu Hause. Eine Ortsarmendirektion

kümmerte sich um die armen Leute, so gut das damals ging. Manchmal mußte von Haus zu

Haus Obdach gewährt werden, wenn die Armen sonst nicht unterkamen. Für die Waisen sorgte

ein besonderer Waisenrat. Sie hatten es besonders schwer und wurden bei Verwandten oder

auch bei anderen Familien untergebracht. So war z.B. für den 6. 1. 1872 die „Verdingung"

der 5 elternlosen Kinder des verstorbenen Friedrich Lindner anberaumt.

Um der Maulwurfplage Herr zu werden, wurde von der Gemeinde ein besonderer Maulwurffänger

bestellt, der 1863 als Entgelt 15 Taler erhielt. Ein besonderes Ereignis für das Dorf

war die Anschaffung eines „Landbriefkastens" durch die Gemeinde im Jahre 1866. Um

Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ruhe aus Anlaß des Krieges 1866 zu begegnen,

wurde eine Bürgerwehr gebildet und zunächst einmal eine Trommel gekauft. Beschwerde wurde

darüber geführt, daß die nach Rattlar und Willingen ausgeliehenen Feuereimer nicht alle

zurückgekommen sind.

Der Gemeindeetat hielt sich damals in einem bescheidenen Rahmen. Im Jahre 1869 betrugen

die Einnahmen 943, die Ausgaben 847 Taler.

An dem Krieg 1870/71 nahmen 10 Usselner teil. Sie erhielten von der Gemeinde einen Taler

und sechs Silbergroschen Marschgeld (1 Reichstaler = 36 Silbergroschen, 1 Silbergroschen = 8

Pf.). Um diese Zeit gab es einen jahrelangen Streit mit der Forstverwaltung über das Eigentum

an verschiedenen Grundstücken „An der Waschkumpseite", „In der Hopperbicke", „Bei der

Ziegelhütte" und „Am Schneppenberg (früher auch Schnepfenberg genannt)". Die Sache

endete schließlich mit einem Vergleich. Das Domanium erhielt die Waschkumpseite, die

Gemeinde die Emmet. Am 1. Dezember 1875 waren in Usseln 122 Wohnhäuser mit 142

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Haushaltungen vorhanden. Die Zahl der Einwohner betrug 676 (301 männliche und 375

weibliche); 27 männliche Haushaltsmitglieder waren abwesend (auswärts). Im Jahr 1877 wurde

vom Gemeinderat festgelegt, daß Kinder keinen Handdienst leisten dürfen.

Im Jahre 1880 erhielt die Gemeinde Usseln von der Gemeinde Rattlar ein 50 Morgen großes

Grundstück auf dem Hermannsberg als Ablösung für eine Huteberechtigung.

In den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts wurden mehrere private Wasserleitungen

gebaut. Meistens schlössen sich einige Anwesen für eine gemeinsame Leitung (Interessentenleitung)

zusammen. In diesen Jahren wurde auch eine ganze Reihe alter Lasten und Verpflichtungen

abgelöst (Huteberechtigungen, Pfarrdienste, Pfarreier, Hühner und Hahnen für die

Pfarre, Fahren des Pfarrholzes usw.).

Mit der Errichtung des Grundbuches für Usseln wurde 1886 begonnen. 1889 wird Christian

Bender der erste Küster von Usseln, nachdem vorher der sogenannte niedere Küsterdienst

(Läuten, Aufziehen der Kirchenuhr. Uhr- und Glockenschmieren, Reinigung der Kirche usw.)

vom Lehrer mit erledigt werden mußte.

Ab 1.1.1895 übernahm Wilhelm Jäger das Amt des Polizeidieners, Nachtwächters und

Flurschützen für 194 Mark im Jahr.

In den ganzen vorigen Jahrhunderten hatte Usseln eine beherrschende Mittelpunktfunktion im

Upland. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden jährlich drei Märkte abgehalten, und zwar

im Mai, August, und November.

Im Jahre 1827 wurden Totenhöfe in allen 4 Dörfern des Kirchspiels Usseln neu angelegt.

Von früheren Zeiten her bis zu diesem Jahr wurden die Verstorbenen von Willingen, Schwalefeld

und Rattlar nach Usseln gebracht; von den alten ,,Totenwegen" wird heute noch

gesprochen. Rings um die Kilianskirche, in deren Chor die alten Pfarrer bis zur Pestzeit begraben

lagen, war der Kirchspielsfriedhof angelegt. Auf der Südseite der Kirche lagen von Ost nach

West die Usselner, die Willinger und - über die jetzige Straße hinaus - die Schwalefelder

Toten. Auf der Nordseite, im jetzigen Garten von Saure (Wiesemanns), waren die Rattlarer

begraben. 1827tauschte man diesen Teil aus gegen ein Stück Pfarrwiese im Diemeltal. Hier

wurde der Totenhof für Usseln angelegt. Nachdem dieser alte Totenhof mehrere Male erweitert

worden war, wurde im Jahre 1865 am 1. Advent der jetzt noch bestehende Friedhof an der

Sportstraße eingeweiht.

Im Jahre 1877 wurde in Usseln der Kriegerverein gegründet; im Jahre 1879 die Freiw.

Feuerwehr, 1883 der Gesangverein „Eintracht" und 1885 der Frauenverein. Das Vereinsleben

begann zu blühen. Die Industrialisierung und die allgemeine Verbesserung der Lebensverhältnisse

durch den wirtschaftlichen Aufschwung machten sich auch in Usseln bemerkbar. So

manche alten Sitten und Gebräuche geraten aber allmählich in Vergessenheit; heute können

sich zum Teil nur noch die ältesten Mitbürger daran erinnern.

Die uralte Sitte des Osterfeuers hat sich jedoch in Usseln nicht nur erhalten, sondern sogar

ausgeweitet. Gab es ursprünglich nur ein Feuer auf dem Osterkopf, so gibt es seit langer

Zeit drei, und zwar auf dem Osterkopf, dem Hengböhl und dem Heimberg. Vor Ostern wird von

der Jugend des Dorfes in den Wäldern um Usseln Holz (insbesondere trockenes Fichtenholz)

gesammelt und am Ostersonnabend oder am ersten Ostertag angefahren und zu einem

beachtlichen Holzstoß aufgestapelt. Der Ort ist, seitdem es drei Osterfeuer gibt, in drei Bezirke

aufgeteilt. Die Jugendlichen, die für das Osterfeuer auf dem Osterkopf zuständig sind, nennen

sich „Köpper"; ihr Bezirk ist die „Köpperecke". Für das Feuer auf dem Hengböhl sind die

„Büller" verantwortlich; ihr Bezirk ist die „Büllerecke". Für das Feuer auf dem Heimberg

sorgen die ,,Schnepper". Sie heißen deshalb Schnepper, weil das Feuer bis 1955 auf dem

„Schneppelnberg" abgebrannt wurde. Das war nach dem Bau des Jugendheimes der

Industriegewerkschaft Metall nicht mehr möglich. So verzogen sich die Schnepper dann auf den

Heimberg; ihr Bezirk heißt aber noch Schnepperecke. Zwischen den drei Gruppen besteht eine

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Die Usselner Feuerwehr nach dem ersten Weltkrieg

ab obere Reihe: (v.l n r.) Karl Saure (Dresel). Fhedhch Behle (Dullen). Fritz Meier (Knochen). Karl Saure (Oberschulte).

Friedrich Bom (Ob. Pickes), Karl Engelmann (Prickels), Hermann Biederbick. Karl Meier (Schäfers). Johannes Asmuth

(Kriegerhanses). Wilhelm Schäfer (Papenheims). Christian Jäger (Wiese), Friedrich Gobel (Rautens). Christian Saure (Wortschäfer).

Karl Saure (Sctlusters). Wilh Emde (Paggel). Chnstian Saure (Kampmann), Anton Brune (Schniedermann), Wilhelm

Rummel (Hensels). Kart Saure (Dängels). Anton Jäkel (Unterschulte). Christian Peuster (Peusters).

gewisse Rivalität, jede möchte gern das größte und schönste Feuer haben. Diese Rivalität

wird Garant dafür sein, daß die alte Sitte des Osterfeuers noch recht lange erhalten bleibt.

Viele Usselner können sich noch daran erinnern, daß zu Pfingsten die Hauseingänge mit

Birkenbäumen und Birkenbüschen geschmückt wurden. Das Hausheben ist auch ein uralter

Brauch in Usseln, der in abgewandelter Form auch heute noch besteht. Wenn früher ein

Haus gebaut wurde, halfen die Bewohner, die Fahrtiere hatten, das nötige Baumaterial heranzufahren

(Holz und Lehm). Sie erhielten dafür nichts als ein gutes Essen und einen freien Tanz

beim Hausheben. Zum Hausheben wurde ein Kranz von Zweigen und Blumen gebunden, mit

bunten Bändern verziert und am Giebel befestigt, sobald der letzte Sparren festgenagelt war.

Nun folgte der Spruch des Zimmermanns; der Meister warf das Glas, aus dem er getrunken

hatte, hinter sich. Zerbrach es, was meistens geschah, so war dies von guter, wenn nicht, von

übler Vorbedeutung. Ein Tanz beschloß die Festlichkeit. Aus vielen Haushaltungen wurden

Geschenke zu der Festlichkeit geschickt: Butter, Eier, Brot und Schinken.

Zu den spärlichen Vergnügungen gehörte auch das Schafewaschen, insbesondere für das

Gesinde. Im oberen Ittertal (unterhalb des alten Hagen) war ein „Waschkump". Noch heute lautet

die Flurbezeichnung „Bei dem Waschkumpe". Ein Tanz, zu dem die Männer mit Bändern und

Blumen geschmückt waren, schloß sich an. Auch an den Markttagen wurde getanzt. Um 1850

kommt in Usseln mitunter noch „ein ganz eigenthümlicher Tanz" vor. Um was für einen Tanz

es sich hier gehandelt hat, konnte nicht ermittelt werden.

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Der Erntehahn (platt: Arnehahn) wurde früher regelmäßig gefeiert. Wenn gerade die Zeit nicht

zum Feiern war, wurde zumindest dankbar daran gedacht. Wenn die letzte Fuhre Getreide

eingefahren wurde, saß ein Teil des Gesindes, einen Kranz und einen Hahn haltend, auf dem

Wagen und fuhr jubelnd nach Hause. Hier gab es gutes Essen, Getränke und manchmal wurde

auch getanzt.

Die sogenannten Spinnstuben waren besonders an den langen Winterabenden üblich. Bei Gesang

und Unterhaltung trafen sich die Frauen und Mädchen abwechselnd in den einzelnen Häusern

mit ihren Spinnrädern zum Spinnen. Das Spinnen war fast ausschließlich eine Beschäftigung

der Frauen und Mädchen. Es muß dabei oft lustig zugegangen sein, denn unsere älteren

Mitbürgerinnen schwärmen noch heute von den Spinnstuben, einem Stück der „guten alten Zeit".

Auch die Leineweberei war in Usseln zu Hause. Der eigene Bedarf wurde selbst gewebt;

darüber hinaus nahmen die Handelsleute die Leinenwaren mit auf den Handel. „Van dr Liensoat

bit taume Himmede". alles wurde im Ort erledigt. Zu dem Leinen wurde mitunter auch

„Heede (platt: Haide), der schlechtere Teil des Flachses, verwendet. Curtze schreibt 1850, daß

Heede in Heede zu weben nur die Bewohner der Kirchspiele Usseln und Neerdar verstehen.

Hier war die Armut so groß, daß die findigen Upländer auch den Abfall des Flachses verarbeiten

mußten.

Das Leinen mußte, - ähnliche Waschmittel wie heute gab es noch nicht, - gebleicht werden.

Auch in Usseln bestand eine ..Gemeindebleiche", zuletzt auf dem Platz, wo jetzt etwa die

Schützenhalle steht.

Die alte Sitte des Beiern (platt: Beggern) hat sich bis heute erhalten. Zu Weihnachten und

Neujahr werden die Kirchenglocken nicht elektrisch geläutet, sondern von Hand mit dem

Glockenklöpfel in einem gewissen Takt angeschlagen. Dazu sangen früher die Usselner Kinder -

dem Takte folgend -

„Begger, Begger, bim - bam,

Megges, Megges Kind iss daut,

un de alde Asmauth - mauth - mauth"

Wegen einer Schießerei in der Neujahrsnacht 1813 wird in dem „Gemeinsbuch" das „beyern"

erwähnt. Der genannte Reim stammt mit Sicherheit schon aus dem vorigen Jahrhundert, als

„Megges Kind" und „der alte Asmauth" um Weihnachten gestorben sind. Der Hausname

„Asmauth" ist noch vorhanden (Karl Emde. An der Diemel 5). Megges hieß ein vor Jahren

abgebrochenes Haus hinter dem Anwesen Hans Schreiber (Korbacher Straße). Das Haus

gehörte zuletzt Fritz Emde (nachher am Loh wohnhaft).

Zu den Hochzeiten, die mitunter aufwendig gefeiert wurden - je nach Lage des Geldbeutels -,

wurde vom ,,Lademann" eingeladen. Wo er einlud, wurde ihm ein buntes Band an den Hut

geheftet; außerdem erhielt er „einen" eingeschüttet. So kam es, daß der Lademann unterwegs

oft schlapp machte und am nächsten Tag weiter einladen mußte. Einige Tage vor der Hochzeit

wurde der „Packwagen" (Brautwagen) vom Haus der Braut zu ihrer neuen Wohnung

im Hause des Bräutigams gefahren. Auf dem Packwagen war die bewegliche Mitgift der Braut,

die in einem Verzeichnis einzeln festgehalten wurde. Auf dem Packwagen saß die Braut. An

einem hochgesteckten Besen, an den Bettstellen und an Fuhrmann und Pferden flatterten

bunte Bänder. Unterwegs wurde „gapänget" (gepfändet). Der Weg wurde abgesperrt; die

Sperre konnte nur durch ein Trinkgeld (Lösegeld) geöffnet werden. Polterabend wurde früher im

Upland nicht gefeiert. Das Abladen von Töpfen, Flaschen und von anderen lärmverursachenden

Gegenständen, das,, Poltern", ist erst in den letzten Jahrzehnten eingeführt worden. Es war früher

jedoch Brauch, daß die jungen Burschen des Ortes am Verlobungstag oder am Tag vor der

Hochzeit vor dem Hause der Braut mit Peitschen knallten. Sie erhielten dafür einige Taler.

Das Peitschenknallen geht wohl auf die heidnische Zeit zurück. Durch das Knallen sollten Hexen

und böse Geister vertrieben werden.

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Usseln 1938 mit Reichsarbertsdienstfager. Sportplatz. Flußbadeanstalt Diemel und Spritzenhaus

Dreschen 1937 bei Saure (Bickmann)

v.l.n.r. Rika Wilke (Stratmann). Minna Koch geh Saure (Bickmann). Friedrich Behle (Dullen), Christian Saure jun

(Bickmann) - gefallen 1945 - Christian Küthe (Schneners). Friedrich Behle (Schniedes). Christian Saure sen (Bickmann) mit

Kart-Heinz Jäger (Upiander Hof) und „Maschinist" Wilhelm Lange

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Über besondere Trachten im Upland ist nichts überliefert. Im Jahre 1664 wurde es verboten

,,sammtene, seidene und kostbare Stoffe, Gold, Silber und Perlen zu tragen, damit der

Unterschied zwischen Adel und Unadel nicht aufgehoben wurde". Auf dem Lande war nur

eine Schnur oder ein seidenes Band um den Hut oder das Haar erlaubt, damit der Unterschied

zwischen dem Landmann und dem Bürger erhalten bleibe. Anfang des vorigen Jahrhunderts

trugen ältere Männer einen großen Filzhut, das lange Haar wurde durch einen Holzkamm auf

dem Hinterkopf zusammengehalten. Fast alle Männer und auch die Handelsleute auf ihren

Reisen trugen blaue Kittel. Ältere Frauen trugen an hohen Feiertagen eng anliegende weiße

gefaltete Häubchen, mit schwarzen Oberkäppchen (Saumagen genannt) und dunkle breitgefaltete

Tuchrocke (Beiderwand).

Noch bis in die ersten Jahre dieses Jahrhunderts wurde alles Brot von den Familien selbst

gebacken, entweder in eigenen oder in den Gemeindebacköfen. Es waren dies kleine gemauerte

Häuschen, in Usseln kurz ,,Backes" genannt. Die letzten Backhäuser in Usseln waren wohl

„Sures Backes" (an der Diemel, wo jetzt das Postamt noch ist), „Peustes Backes" (am Mühlenweg)

und „Lanfers Backes" (auf Stöckers Wiese hinter Brüne-Höhmann).

Das „Branntweintrinken" ist in Usseln auch nicht zu kurz gekommen. Noch im vorigen und am

Anfang dieses Jahrhunderts wird von älteren Frauen berichtet, die dem Branntweintrinken

verfallen waren. Die Not hat wohl diese Frauen aus Verzweiflung trinken lassen. Insbesondere

bei den „niederen Volksklassen" war der Genuß des Branntweins beliebt. Mit dem Verkauf des

Branntweins durch geschickte Händler wurde viel Unheil angerichtet; mancher Hof wurde

ruiniert.

Während früher, das heißt vor noch nicht allzulanger Zeit, alle Bewohner Usselns platt

miteinander sprachen, kommt diese jahrhundertealte Mundart jetzt immer mehr in Vergessenheit.

Die heranwachsenden Kinder und Jugendlichen sprechen das Usselner Platt kaum noch;

selbst den Älteren ist schon eine ganze Reihe von Wörtern nicht mehr geläufig. Das Usselner

Platt gehört zur niederdeutschen Mundart, hat jedoch - fast wie in jedem Ort - seine eigene

Prägung. Es ist mit dem Rattlarer und Schwalefelder Platt fast identisch, gegenüber dem

Willinger Platt aber schon stark abweichend. Um die Erhaltung des „Usselner Platt" hat sich

besonders der vor einigen Jahren verstorbene Ludwig Bender verdient gemacht. Ludwig Bender

(auch Krames Lui oder „Lui van dr Hönnerecke" genannt) hatte es in Attendorn als Fabrikbesitzer

zu einem beachtlichen Wohlstand gebracht. Er schrieb das Buch „De Leggenskoster"

in Usselner Platt. In dem Buch erzählt er Geschichten um ein Usselner Original des vorigen

Jahrhunderts, den „Leggenskoster" (einen an einem felsigen Abhang - Leggen - wohnenden

Schuster). Aus Liebe zur Mundart - so sagt Ludwig Bender selbst - hat er das Buch

geschrieben. Möge es mit dazu beitragen, die jahrhundertelang gesprochene Mundart zu

erhalten. Hier einige Wörter, die kaum noch geläufig sind:

anfern (antworten)

ästemeeren (schätzen, achten)

Au wer (Ufer)

Backesföür (Backofenfeuer)

bedaun (betun, sich behelfen)

biessen (rennen)

biewwern (beben)

Böure (Bezug, Kissenbezug)

Bünne (Raum im zweiten Stock)

Bunne (Buttermaschine)

Däukelken (Tüchlein)

dispeteeren (disputieren)

Döüker (soviel wie Teufel)

Drägeholt (Tragholz, z. B. für Wasser)

Fahm (Faden)

Gliekmoat (Gleichmaß)

güste (Milchtrockenzeit der Kuh)

haar und hott (her und hin, links und rechts)

Halwskaid (die Hälfte, Halbscheid)

Höggetied (Heumachzeit)

Huoweräise (Hofraum, Hofraite)

Hüttelgeld (Wiegegeld,

Patengeschenk bei der Kindtaufe)

lärwetengeküöcke (Erbsengekochtes)

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jappen (nach Lütt schnappen)

Kaawesack (Unterbett mit Haferspreu

- Kaawe - gefüllt)

Kiäspel (Kirchspiel)

Kingerbedde (Kinderbett)

kleppen (Anschlag der Gebetsglocke)

Köppecken (Obertasse)

kräggen (krähen)

kujeneeren (plagen, schikanieren)

lachensmoate (nach Lachen zumute)

leiten (sich aufhalten)

Malterholt (gespaltenes Brennholz)

moggen (gereuen)

Niggemäre (Neugier)

purren (zerren, ärgern)

raide (fertig)

resten (ausruhen)

Risp (ovaler Korb)

ruwwelig (uneben)

salge (seliger, verstorbener)

Skoaut (Schoß)

skrotten (scheuen)

Sludderfaat (Wetzsteinbehälter)

Smandladdeken (Huflattich)

Sniedebünne (Raum, wo Futter geschnitten wird)

Spöüchte(Späße)

Spurgitzen (Spaße, dumme Sachen)

Stiedde (Statte)

Strieckeling (Roggenstroh)

Stroathe (Gurgel)

tehaupe (zusammen)

terleste (zuletzt)

tiämmen (sich etwas gönnen)

twiäss (quer)

Undocht (Taugenichts)

Vedder (Anrede älteren Mannes)

verdreetlek (verdrießlich)

verleiten (verspäten)

Wase (Anrede älterer Frau)

wisse (fest)

Kehren wir nun zur jüngeren Geschichte Usselns zurück Wie schon ausgeführt, begannen Ende

des vorigen Jahrhunderts ein reges Vereinsleben in Usseln. Neben dem Kriegerverein und

Gesangverein wurde die Freiwillige Feuerwehr rege. Um 1900 wird in Usseln eine Lehrlingsund

Handwerkerschule (auch Fortbildungsschule genannt) eingerichtet. Die Schule betrieb

überwiegend im Winterhalbjahr eine fachbezogene Lehrlingsunterweisung. Der Unterricht fand

nachmittags oder abends und am Sonntag statt.

Usselner Skilaufer nach dem

ersten Weltkrieg mit last

„Kahlem Pön'.

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Nach 1900 begannen die Bestrebungen, das Upland an das im Aufbau befindliche deutsche

Eisenbahnnetz anzubinden. Es wurde ein besonderes Komitee gegründet, das sich für eine

Linienführung durch das Upland einsetzte. Damals waren sehrstarkeBestrebungen im Gange, die

Bahnlinie über Bredelar-Adorf nach Korbach zu legen. Die Entscheidung fiel dann doch zu

Gunsten des Uplandes aus. Am 1. September 1912 wurde das Streckenbüro unter Regierungsbaumeister

Funken in Willingen eröffnet. Mit den Bauarbeiten konnte nun begonnen werden.

Aufregung gab es auch wegen des Standortes des Usselner Bahnhofs, der wegen eines

fürstlichen Holzumschlagplatzes 3 km von Usseln entfernt (in Richtung Willingen) gebaut werden

sollte. In einem Protestschreiben des Gemeinderats wegen des Bahnhofs heißt es u.a.:

„Da von hier (von Usseln) sehr viele Menschen auswandern müssen, wäre Usseln ein

geeigneter Platz für kleine gewerbliche Anlagen. Letztere und aber auch der Fremdenverkehr,

der in unseren Bergen später hoffentlich sehr rege sein wird, bringen bares

Geld in die Gegend, was umsomehr ins Gewicht fällt, als die Landwirtschaft in hiesiger

Höhenlage stets eine beschwerlichere und weniger rentablere ist, als in den besseren

klimatischen Gegenden".

Der Bahnhof wurde in der Ortslage gebaut, auch die Hoffnung auf den Fremdenverkehr hat sich

erfüllt. Die Bahnstrecke von Brilon-Wald nach Korbach wurde 1917 eröffnet. Bares Geld war

auch damals noch rar in Usseln. Deshalb war es besonders wichtig, die Grundsteine für

den heute nicht mehr wegzudenkenden Fremdenverkehr zu legen, der jedoch eine lange

Aufbauphase, unterbrochen durch die beiden Weltkriege, benötigte und nur langsam immer

mehr an Bedeutung gewann.

Die Usselner Landschaft - das Diemeltal, der Osterkopf, der Kahle Pön, der Alte Hagen -

ist ein Kleinod im Sauerland. Sie lädt ein zur geruhsamen Erholung und Entspannung in gesunder

Höhenluft. Die heutige Generation ist aufgerufen, diese hervorragende Landschaft mit ihrer

Flora und Fauna in ihrer Eigenart zu erhalten, sei es nun Jägers Weinberg oder die seltene

und artenreiche Hochheide auf dem Osterkopf. Vieles ist in der Vergangenheit schon verloren

gegangen. Curtze berichtet 1850 von einer Gegend auf dem Alten Hagen bei Usseln, wo

Wein wachsen soll (Jägers Weinberg) und von einem Bruche auf dem Alten Hagen, wo

die rauhe oder weichhaarige Birke steht. Er berichtet auch von dem Gemeinen Seidelbast und von

der Gemeinen Waldrebe, die bei Usseln wachsen. Der Seidelbast ist in Einzelexemplaren

noch vorhanden. Die Preiselbeere war früher auf dem Kahlen Pön in großen Mengen vorhanden.

1819 wird berichtet, daß die Preiselbeeren nach Kassel zum Verkauf gebracht worden sind.

Viele ärmere Leute suchten eifrig Beeren, um sie zu verkaufen; oft die einzige Möglichkeit,

etwas Bargeld zu bekommen. Noch 1909 schreibt die Corbacher Zeitung, daß die ärmere

Bevölkerung einen erheblichen Verlust durch geringe Erträge an Heidelbeeren und Preiselbeeren

erlitten hat.

Der Auerhahn war früher im Upland heimisch; er war sogar in recht großer Zahl hier

vorhanden. Curtze berichtet, daß auch der Uhu in der Usselner Gemarkung häufig vorkomme.

Uhu, Auerhahn, Birk- und Haselwild sind längst verschwunden. Auch der „schwarze Storch" war

nach Curtze im hiesigen Forst anzutreffen.

Noch vor dem ersten Weltkrieg kam auch die Begeisterung für den Sport nach Usseln. 1913

wurde der Sportverein gegründet, bei dem der „Pfadfinderbund Jung-Deutschland" Pate stand.

Der Verein erhielt den Namen ,,Jung-Upland". In der Festschrift des Sportvereines mit Skiclub

anläßlich seines 50jährigen Bestehens im Jahre 1963 ist die Geschichte dieses Vereins

dargestellt.

Die Molkerei entstand als „Upländer Gebirgsmolkerei" im Jahre 1898. Die Gebäude wurden

1963 und 1969 wesentlich erweitert. 1968 schlössen sich die Molkereigenossenschaften

Adorf. Rhena und Rhenegge mit der Upländer Gebirgsmolkerei zur „Upland-Milch eG" mit

dem Sitz in Usseln zusammen.

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Ein Flurbereinigungsverfahren (früher hieß das Verkuppelung) wurde in Usseln in den Jahren

1898 bis 1903 durchgeführt. Es war erforderlich, weil im Laufe der Jahre zuviel kleine

Parzellen, insbesondere durch Erbteilung, entstanden waren. Diese ließen sich bei zunehmender

Mechanisierung nur noch schwerlich bewirtschaften. Für den Ausbau von Wegen und

Gräben nahm die Gemeinde ein Darlehen von 75000 Mark auf.

Die erste zentrale Wasserleitung wurde 1912 gebaut. Unter dem Hengböhl entstand ein

Hochbehälter. Das Wasser kam aus dem oberen Diemeltal, in Nähe der Diemelquelle. Vorher

versorgte sich das Dorf aus Brunnen und aus kleineren Interessentenleitungen. Die Gemeinde

nahm zur Finanzierung ein Darlehen von 45000 Mark auf. Die Arbeiten wurden von der

Firma Johannes Wiedemann aus Essen ausgeführt. Noch vor dem 1. Weltkrieg wurde mit den

Vorbereitungen für den Anschluß Usselns an das Stromnetz, die ,,Überlandzentrale", begonnen.

Die Gemeinde verpflichtete sich 1914, jährlich für mindestens 2500 Mark Strom abzunehmen,

bzw. den Differenzbetrag zu übernehmen. Aber erst 1920 wurden das Ortsstromnetz und das

Transformatorenhaus am Eimelroder Weg gebaut. Gleichzeitig wurde auch die erste Straßenbeleuchtung

installiert.

Im 1. Weltkrieg starben 42 Usselner Männer an allen Fronten. Nach dem Kriege wurde

auch in Usseln ein Bauern- und Arbeiterrat gebildet, der auf das politische Leben Einfluß

nahm. Anfang 1919 beschlossen Gemeinderat und Arbeiter- und Bauernrat, daß im Zuge der

Revolution die Gemeinde die innerhalb der Gemarkung Usseln liegenden früheren fürstlichen

Waldungen wieder in Besitz nehmen sollte. Das Gemeinderatsmitglied Christian Jäger (Fähling)

sollte am 15. 1. 1919 in Korbach die Auflassung vornehmen. Aus der ganzen Sache wurde leider

nichts. Ähnliche Bemühungen im Jahre 1929 (Anschluß Waldecks an Preußen) scheiterten

ebenfalls.

Nach der Inflation, in den ,,goldenen 20er Jahren", pulsierte das Leben in Usseln. Durch die

Eisenbahn konnten viele Usselner in den Fabriken in Korbach und Brilon-Wald arbeiten.

Besonders die Frühzüge in beiden Richtungen waren voll besetzt. Die Arbeit auswärts bedeutete

allerdings 10-bis 14stündige Abwesenheit am Tag. Brotbüchse und Thermosflasche hatten

ihre große Zeit; es gab ja in den Betrieben noch keine Kantinen in dem heutigen Umfang,

wo Mittagessen usw. ausgegeben wurde. Viele nahmen auch ihr Mittagessen in den

sogenannten „Henkelmännern" mit zur Arbeit.

Für die Landwirte wurde nach dem 1. Weltkrieg das Kornhaus gebaut; die Zeit des Kunstdüngers

begann. Auch auf kulturellem Gebiet tat sich etwas. Ein „Dramatischer Verein" wurde

gegründet. Leider hat er nur einige Jahre das Laienspiel gefördert.

Auch die Zeit des öffentlichen Badewesens begann. Im Flußlauf der Diemel, etwas oberhalb

des jetzigen Dorfgemeinschaftshauses, wurde Ende der zwanziger Jahre die erste Badeanstalt

(stolz Flußbadeanstalt genannt) gebaut. Das damals saubere Diemelwasser floß - zwar etwas

kalt - durch diese Badeanstalt. Der Wintersport hatte seine erste Blütezeit. An der Lieth wurde

1928 die erste Sprungschanze gebaut. In den dreißiger Jahren wurde die Schanze am Pön

(links vom jetzigen Lifthang) gebaut. 1927 wurde die Abteilung Usseln des Sauerländischen

Gebirgsvereins gegründet, die - nach dem 2. Weltkrieg nicht zu neuem Leben erweckt - erst

1975 wieder gegründet wurde Auch der 1927 gegründete Verkehrsverein, der sich um den

Aufbau des Fremdenverkehrs bemühte, wurde aktiv.

Die Weltwirtschaftskrise Ende der zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre machte sich auch

in Usseln stark bemerkbar. Viele Arbeitslose waren zu verzeichnen. Die Gemeinde führte

einige Notstandsarbeiten durch. So wurde z.B. die heutige Ringstraße mit einer wassergebundenen

Decke versehen. Das war schon ein großer Fortschritt. Es gab damals noch keine

Ortsstraßen, die mit einer Teerdecke versehen waren Bei Regenwetter war das für die

Fußgänger eine ziemlich dreckige Angelegenheit. Oft mußte von den Anliegern das nasse

Erde/Lehm-Gemisch (platt: Mäddel) mittels besonders dafür geeigneter ,,Schrapper" von der

Straße gezogen werden.

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08


Usselner Manner und Schutzenbruder auf drei Musterungsblldem einige Jahre vor dem zweiten Weltkrieg

Usselner Frauen und Mädchen 1939 anlaßlich eines Samariter-Lehrgangs

81


Die Wirren des „Dritten Reiches", soweit es sich um die Zeit bis zum Ausbruch des zweiten

Weltkrieges handelt, erlebte Usseln in gemäßigter Form. Die einzigste Judenfamilie, Rudolf

Schönstädt, die im jetzigen Haus Rohn in der Ringstraße ein Kolonialwarengeschäft betrieb,

wurde ein Opfer der Gewaltherrschaft. Rudolf Schönstädt, seine Frau und die älteste Tochter

wurden deportiert; kein Usselner hat noch etwas von ihnen gehört. Die jüngste Tochter der

Familie war „rechtzeitig" nach Südamerika ausgewandert.

Auf dem Gelände der jetzigen Badeanstalt und des anschließenden Parkplatzes wurde ein

Arbeitsdienstlager gebaut, das sich im Eigentum der Gemeinde befand. Vorher war der

Arbeitsdienst für kurze Zeit in der Schützenhalle untergebracht worden. Im Jahre 1938 wurde

oberhalb des Sportplatzes eine neue Badeanstalt gebaut, stolze 50 m lang. Sie wurde,

nachdem das heutige Schwimmbad fertig war, zu einer Zierteichanlage umgebaut. Auch

diese Badeanstalt wurde mit Diemelwasser gespeist.

Die verheerenden Wirkungen und Folgen des 2. Weltkrieges bekam auch Usseln voll zu spüren.

Zwar blieb das Dorf von Zerstörungen verschont, aber 60 Usselner starben an den Fronten,

in Kriegsgefangenschaft oder in der Heimat. Viele kehrten erst spät aus der Gefangenschaft

zurück, viele haben körperlichen Schaden erlitten. Auf dem Osterkopf war während des

Krieges eine Luftmeldestelle eingerichtet, die zunächst mit Soldaten und später mit Luftwaffenhelferinnen

besetzt war.

Nach dem Kriege fanden viele Heimatvertriebene und Flüchtlinge, insbesondere aus dem

Sudetenland, in Usseln Aufnahme. Das Arbeitsdienstlager wurde provisorisch zu Wohnungen

umgebaut. Die Einwohnerzahl von Usseln stieg von 1 048 im Jahre 1939 auf über 1 300

im Jahre 1950 und 1976 sind es etwa 1 600. Da es in Usseln und näherer Umgebung recht

schwer war, geeignete Beschäftigungen zu finden, verzogen viele Neubürger in den fünfziger

Jahren in andere Orte, zumeist nach Korbach. Eine ganze Reihe blieb jedoch in Usseln. Sie

sind Usselner geworden, sprechen teilweise das Usselner Platt und haben sicher auch mit

zu einer Blutauffrischung beigetragen.

Der große wirtschaftliche Aufschwung seit Anfang der fünfziger Jahre kam besonders auch

dem Fremdenverkehr zugute. Viele Pensionen wurden neu eingerichtet, andere erweitert;

neue Gaststättenbetriebe wurden gebaut. Die Fremdenverkehrsbetriebe wurden im Laufe der

Jahre den gestiegenen Anforderungen entsprechend modernisiert. Heute kann Usseln, vor dem

2. Weltkrieg schon Luftkurort und 1976 als Heilklimatischer Kurort anerkannt, über 140000

Übernachtungen im Jahr bei etwa 1100 Fremdenbetten registrieren. Die Kuranlagen wurden

ständig ausgebaut. So entstanden in den letzten Jahren die Kuranlage mit Angelteich oberhalb

des Viadukts, die Zierteichanlage auf dem Gelände der alten Badeanstalt und 1976 die Kuranlagen

auf „Riepen Wiese" und im Diemeltal unterhalb des Ortes. Das Wanderwegenetz

wurde ständig ausgebaut, zahlreiche Ruhebänke wurden aufgestellt, Parkplätze angelegt und

Schutzhütten gebaut.

Eine Blütezeit erlebten auch die Usselner Vereine. Die 1949 erbaute Lohwaldschanze erwies

sich für die Usselner Springergarde als besonders günstig. Zeitweilig nahmen an den Springen

30 bis 40 Usselner teil. Volker Hofmann und Karl-Friedrich Figge waren die erfolgreichsten

Usselner Springer, die auch von dem Deutschen Skiverband zu internationalen Veranstaltungen

entsandt wurden. Die Sprungschanze mußte Ende der sechziger Jahre aufgegeben werden,

als die Sportstraße Erschließungsstraße für die Baugebiete in Richtung Emmet wurde. Der

Stolz des Usselner Skiclubs, später noch mit einer Beleuchtungsanlage ausgerüstet, war dahin.

Absoluter Höhepunkt für den Usselner Skisport war das Jahr 1976, als Iris Schulze (Alte

Schule) im Damenlanglauf an den Olympischen Spielen in Innsbruck teilnahm, Karin Jäger

Deutsche Jugendmeisterin und Cornelia Figge Deutsche Schülermeisterin im Langlauf wurden.

Zur Förderung des Wintersports und des Fremdenverkehrs wurde 1961 am Hengböhl der

erste Usselner Skilift gebaut; zu gleicher Zeit entstand der Berggasthof ..Büller Höh". Der

zweite Lift wurde 1970 am Pön gebaut, mit ihm entstand der Gasthof „Zum Holzknecht".

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Iris Schulze

Karin Jäger

Cornelia Figge

83


Die Usselner Fußballer wurden ab 1949 10 mal Sieger im Waldecker Pokal. Sportverein und

Skiclub haben durch rege sportliche Tätigkeit und viele schöne Erfolge mit dazu beigetragen,

daß der Ort auch auf sportlichem Gebiet einen guten Ruf hat und auch dadurch über

die engere Heimat hinaus - selbst international - bekannt geworden ist.

Im Zuge der wirtschaftlichen Blütezeit setzte eine rege Bautätigkeit ein. Von 1948 bis 1976

sind etwa 180 neue Häuser in Usseln gebaut worden. Die Zahl der Häuser hat sich in

dieser Zeit mehr als verdoppelt. Nicht nur viele eingesessene Bürger konnten sich neue Häuser

bauen, auch viele Auswärtige bauten sich in Usseln ein Haus, um hier ihre Freizeit oder

ihren Lebensabend zu verbringen. Neue Baugebiete entstanden am Loh, zwischen Eimelroder

Weg und Korbacher Straße und oberhalb der Eisenbahnbrücke an der Sportstraße. Wochenendhausgebiete

wurden vor der Emmet und vor der Egge ausgewiesen. Die Industriegewerkschaft

Metall baute 1955 auf dem Schneppelnberg ein Jugenderholungs- und Bildungsheim,

das jetzt verpachtet ist und als Schülerinternat genutzt wird. Zu gleicher Zeit wurde

hinter der Egge ein Familienfreizeitheim des Synodalverbandes für Innere Mission und des

Evangelischen Hilfswerkes Hamm (Westf.) gebaut und einige Jahre später wesentlich erweitert.

Das Dorfgemeinschaftshaus, in dem sich auch der evangelische Kindergarten befindet, wurde

1956 errichtet. Im Jahre 1959 entstand vor der Emmet das Schullandheim des Vereins

Gütersloher Realschulen.

In den Jahren 1962 bis 1964 wurde die Ortslage vollständig kanalisiert und unterhalb des

Dorfes eine mechanisch-biologische Kläranlage gebaut. Durch den ständig steigenden Wasserverbrauch,

der sich hauptsächlich in der Fremdenverkehrssaison bemerkbar machte, reichte das

Wasser der für die Wasserversorgung genutzten örtlichen Quellen nicht mehr aus, um den

Wasserbedarf sicherzustellen. Unter Federführung der Gemeinde Usseln wurde 1967 der

Wasserbeschaffungsverband Upland gegründet, der Wasser aus der Ense-Scholle südwestlich

von Korbach ins Upland liefert.

Robert Saure (Kann) mit einem der letzten Kuhgespanne in Usseln beim Einfahren von Hafer.

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In den letzten 20 Jahren wurden immer mehr kleinere und mittlere landwirtschaftliche

Betriebe im Voll- oder Nebenerwerb aufgegeben. Ursache hierfür waren insbesondere die

schlechte (durch die Witterungsverhältnisse bedingte) Wettbewerbsfähigkeit und die zunehmende

Möglichkeit, auch anderweitig den Lebensunterhalt zu verdienen. Es gibt kaum

noch Kleinvieh im Dorf; Ziegen sind schon seit Mitte der fünfziger Jahre nicht mehr vorhanden.

Die Großviehhaltung beschränkt sich auf die noch wenigen landwirtschaftlichen

Betriebe. In diesem Zusammenhang sind auch viele Grenzertragsböden angepflanzt und

Ackerflächen eingesät worden. Viele Wiesen und Weiden sind an auswärtige Landwirte

verpachtet. Die Usselner Gemarkung ist 2218 ha groß, davon sind 949 ha Wald (die

Neuanpflanzungen der letzten Jahre sind dabei nicht mitgerechnet).

Das vereiste Mühlrad der alten Usselner

Mühle (Chr Wilke) die bis Ende des

19 Jahrtiunderts der Kirche gehorte

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Die erste Leichenhalle in Usseln wurde 1965 errichtet. Seit dieser Zeit werden die Toten

bis zur Bestattung in dieser Halle aufgebahrt. Vorher erfolgte die Aufbahrung in den

Trauerhäusern, von denen dann der Leichenzug zum Friedhof führte. In den letzten Jahren

wurde für den Transport der Särge ein Leichenwagen benutzt. Es ist aber noch nicht lange

her, als die Särge noch vom Trauerhaus bis zum Friedhof getragen wurden. Zwischen

Schützenhalle und Dorfgemeinschaftshaus wurde in den Jahren 1972/73 eine Liegehalle

(Kurhalle) gebaut.

Viel Kummer bereitete den Usselnern die kommunale Gebietsreform. Seit Anfang dieses

Jahrzehnts ist in der gesamten Bundesrepublik eine Gebietsreform im Gange, in deren Zuge

Gemeinden und Kreise zu größeren Einheiten zusammengeschlossen werden. Das lief bisher

nicht ohne Hektik ab und oft konnten die betroffenen Bürger so recht nicht einsehen, daß

dies alles in ihrem Interesse geschehen müsse. In der freiwilligen Phase der Gebietsreform

(das drohende Gesetz stand hinter dieser Freiwilligkeit) wurde am 1. Juli 1970 die Gemeinde

Hemmighausen nach Usseln eingegliedert. Am 1.1. 1972 schloß sich Usseln mit Eimelrod,

Bömighausen, Neerdar und Welleringhausen zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen

..Upland" zusammen. Alle Bemühungen,diese neue Gemeinde zu erhalten, blieben ergebnislos.

Durch Gesetz wurde die Gemeinde Upland mit der Gemeinde Willingen (die s. Zt. aus den

Ortsteilen Willingen, Schwalefeld und Rattlar bestand) ab 1.1. 1974 zur neuen Gemeinde

Willingen (Upland) zusammengeschlossen. Diesen Zusammenschluß haben die Usselner nicht

gewollt, weil sie keinerlei Vorteile erkennen konnten. Es wird wohl noch einige Zeit dauern,

bis dieser schmerzliche Eingriff in die gemeindliche Selbstverwaltung überwunden ist.

Trotzdem werden die Usselner aus Liebe zur Heimat dafür sorgen, daß die fortschrittliche

Entwicklung weiter geht zum Wohle des Ortes und zum Wohle seiner Bewohner.

Friedrich Born

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* \ t.

Die Gemarkung Usseln

l

87


Die Usselner Bürgermeister

und Ortsvorsteher ab 1877

Bürgermeister:

Georg Christian Küthe (Herligen) ab 1877

Christian Brüne (Dribischen) ab 1898

Christian Küthe (Heiligen) ab 1910

Christian Wilke (Wilken) von 1919 bis 1923

Christian Mitze (Suren) von 1923 bis 1933

Heinrich Wilke (Sägewerk) von 1933 bis 1943

Hermann König von 1943 bis 1945

Karl Koch von 1945 bis 1948

Johannes Brüne (Habicht) von 1948 bis 1952

Hermann König von 1952 bis 1961

Fritz Stöcker von 1961 bis 1973

Ortsvorsteher:

Werner Figge vom 1.11.1972 bis 31.3.1974

Jörg Schulte

vom 1.4.1974 bis31.3.1977

Otto Schober ab 1.4.1977

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Das erste Usselner Friedensgericht

Als Auswirkung der Revolution im Jahre 1848 erließ Fürstin Emma am 18. August 1848 das

, .Gesetz, die Errichtung von Friedensgerichten betreffend". In jedem Ort wurde nun ein Friedensgericht

eingerichtet, das aus dem Friedensrichter und 2 bis 4 Gehilfen bestand.

Das Friedensgericht war zuständig u.a. für Nachbar- und Grenzstreitigkeiten, Alimentenzahlungen,

Streitigkeiten zwischen Dienstherrn und Gesinde. Beleidigungen und für Forderungen

unter 25 Talern.

Das erste Protokollbuch des Usselner Friedensgerichtes ist erhalten. Die Mehrzahl der verhandelten

Fälle betraf Geldschulden. Die Forderungen wurden fast immer gegeneinander aufgerechnet.

Die Restschuld konnte jedoch oft nicht bezahlt werden. So traf man sich auf Klage des

Gläubigers vor dem Friedensgericht, das eine gütliche Einigung herbeiführen sollte. Hier scheint

aber auch der Alkohol eine böse Rolle gespielt zu haben; Gläubiger waren oft die Gastwirte.

Aber auch die Eimelroder Juden waren vielfach die Kläger. Besonders die Witwen hatten oft

Schulden, die sie einfach nicht bezahlen konnten. Aus Geldnot hat so manches Grundstück

den Besitzer gewechselt; mancher Bauernhof kam unter den Hammer

Nachstehend werden einige Verhandlungsausschnitte wiedergegeben:

1851: Am heutigen Tag erschienen vor dem hiesigen Friedensgericht die früheren Magazinherren

Schäfer Wortschäfer und Gerhard Braukmann und verlangten von dem gegenwärtigen

Figge Liesemann 10 Spind und V z Becher Hafer, die derselbe ihnen den

Magazinherren schulde.

1852: Philipp Saure aus Usseln brachte vor, Müller Wilke habe beym Vorsteher Stremme

ausgesprochen, er sey mit einer Kuh den Diemel Weg hergezogen. Christian Hegel

habe ihm berichtet, die mögte er gestohlen haben. Christian Hegel, gegenwärtig, das er

nicht gesagt habe er habe Sie gestohlen, sondern die Kinder hätten es gesagt. Beide

Theile kamen überein, das Christian Hegel die entstandenen Kosten bezahlt, damit

wurde diese Sache beygelegt.

1853: Erschien vor dem Friedensgericht Philipp Engelbracht und verlangte von dem Friedrich

Jäger-Wiesen 27 Thaler Brautschatz und eine Kuh.

Erschien Wilke Kesting und brachte Klage gegen Bender Klencke das er Ihn in

Sitzung am 12. d.M. einen Spitzbuben geheißen. Beklagter gestand dieses ein er

gab aber zur Antwort, das er bey dieser Aussage nichts böses gemeint habe.

1855: Erschien August Wilke und verlangte von dem gegenwärtigen Heinrich Engelmann

Ersatz für eine Ziege, welche sein Sohn Friedrich Engelmann als Hirte der Ziegen

nicht wieder abgeliefert habe und auf dem alten Hagen in einem Bruch oder Pütze

versoffen sei.

1858: Am heutigen Tag erschien Müller-Wilke als Kläger und dessen Magd Rosine Saure

als Verklagte. Letztere hatte am Sonntag, dem 14. Febr. d. J., einen Schoß voll Roggen

über die Straße getragen. Unterwegs von Jungen, die meistens schon konfirmiert waren,

mit Schneebällen überfallen, läuft dieselbe und der Roggen entfällt ihr. Auf Befragen,

woher der Roggen sei, antwortete dieselbe von ihrer Base Rosine, für die sie denselben

bei Wirth Brüne habe verkaufen sollen. Durch diesen Vorfall ruht von verschiedenen

Seiten der Verdacht auf Rosine Saure, betreffenden Roggen auf keine ehrliche Weise

an sich gebracht zu haben. - Die arme Rosine wurde von Müller Wilke entlassen.

Vor hiesigem Friedensgericht erschien am heutigen Tage Bürgermeister Brüne durch

Polizeidiener Emde Paggel vertreten als Kläger und Christian Wilke, Sohn des Müllers

Wilke als Verklagter. Letzterer solle ersteren beleidigt haben, indem er gesagt


Bürgermeister Brüne sei ein Betrüger, wenn er der keiner wäre, so solle er auch wohl

nach Heiligen gehen. Christian Wilke erkannte an, daß ihn sein Vater gereizt habe zu

sagen, daß derjenige, welcher nach Hertige gehe, nicht betrügen dürfe.

1859: Erschien Carll Figge in Kleinen und brachte Klage gegen den Anton Jäckel, Zacher,

und Heinrich Volbracht, Bonacker, wegen unrechtmäßigen Anmaßung das Sie ihm ohne

Erlaubnis in den Kalksteinbruch auf dem Wakenfeld gegangen und daselbst einen Ofen

von Kalksteine zubrechen und dadurch den Bruch mit Schut angefüllt. Dafür verlange er

den Bruch wieder zureinigen. Es kam eine Einigung dahin zustande, das Beklagte für

Steine 4 Thaler und die entstandenen Kosten bezahlen mit 14 Silbergroschen und den

Bruch wieder reinigen. Das Geld soll in 6 Wochen bezahlt werden, den Bruch zu

reinigen in 4 Wochen.

Erschien Lehrer Genuit und verlangte 17 Silbergroschen Begräbnisgebühr von der Wittwe

Behle, Picker.

Erschien Charlotte Meyer und hatte Klage gegen Charlotte Brüne in Richts. Dieselbe

habe Sie am 27. November d. J. übel ausgeschimpft habe Sie Scheibe Hund und Zeule

ausgeschimpft. - Richts Charlotte war nicht erschienen und mußte 10 Silbergroschen

Strafe bezahlen. -

1860: Erschien Andreas Figge, Riepemann, und brachte Klage wegen unerlaubten Ausschenken

von Branntwein gegen Anton Figge jun., Baumes, vor. Beklagter erschien und

verweigert solches, es wäre die Unwahrheit. Er hätte den Burschen eine Kanne Branntwein

geschenkt, aber nicht verkauft. Es konnte eine Einigung nicht erzielt werden.

Erschien Jäckel Zacher und Friedrich Schulze aus Wiesemanns und gaben zu vernehmen,

wir beiden haben unsere Häuser vertauscht, nehmlich ersterer erhielt vom

letzteren das Volbracht Klarmannsche Haus und letzterer erhielt das Jäkel Zachesche

Haus. Ersterer gibt letzterem raus 112 Thaler 15 Silbergroschen. Beide machen sich

verbindlich, wenn auf diesen beiden Häusern irgend eine Hepoteck ruht, das sie sich

verbindlich machen einer gegen den anderen, das dieselben binnen 6 Wochen gelöscht

wird im Hepoteken Buch der Gemeinde Usseln.

Erschien Wittwe E., und gab klagend vor, ihr Sohn Wilhelm E., Sie am 29.

November d.j. Beleidigt habe, er habe Ihr Schwerenacht gewünscht und solle ihn

in Mars Lecken und habe ihr das Spinnrad wollen entzweischlagen.

1861: Erschien Friedrich Schulze, Wiesemann, und brachte eine Klage gegen Christian

Volbracht, Stremmen, und Jäger Fiesen wegen Hirtelohn und vom Sprungochsengeld

von Jäger, Fiesen. Derselbe erkannte diese Forderung vor richtig an, der Christian

Volbracht dagegen erklärt, das er nichts bezahlen will.

Erschien Christian Wäscher von Ottlar und verlangte seiner Frau Kindtheil von Meyer,

Dängelsmann in Usseln 15 Thaler, ein Ober Bette, 2 Kissen ein Pfül, ein Bettlaken,

eine Kuh, ein Spinnrad, 1 Eimer, 1 Koche topf. Es konnte eine Einigung nicht

erzielt werden.

Erschien Wittig Engelmann, Knoche, und brachte Klage wegen Rasenhacken gegen

Carll Schweinsberg, Hüskens. Beklagter erklärte, er wolle ihr einen Tag dafür Holz

hauen.

1863: Erschien Bürgermeister Kalhöfer aus Bömighausen als Bevollmächtigter des Johannes

Fr. E., aus Welleringhausen und gab zu verstehen. Ich habe ein uneheliches Kind gezeugt

mit der Louise Wilke aus Usseln. Wir beide haben sich über die Elementen Gelder

dahin verglichen, das die Louise Wilke die runde Summe von 60 Thaler ein für alles

erhält und zwar hat Sie schon 25 Thaler erhalten und 5 Thaler soll Sie noch erhalten.

Die übrigen 30 Thaler sollen für das Kind in die Sparkasse angelegt werden. Die

Mutter erhält die Zinsen bis zum zurückgelegten 15 Jahre des Kindes. Solte etwa

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das Kind unverheiratet sterben, so fallen die 30 Thaler der Mutter zu. Nach

zurückgelegten 15 Jahren hat das Kind über diese 30 Thaler nach seinem Willen zu

verfügen.

1864: Erschien Caspar Behle, Schneidesmann und brachte Klage vor. Der Schäfer Ludwig

Wilcke hat mir diesen Herbst zwei Schaf Jährlinge und ein lamm nicht geliefert. Der

Beklagte erklärte, die Schafe sind verlorengegangen, von den beiden Jährlingen habe

ich die Felle für 1 Silbergroschen verkauft, und das Lamm ist in Schwalefeld krepiert.

1865: Erschien Andreas Figge, Riepemann, dessen Bevollmächtigter Bürgermeister Brüne

trug wegen Mißhandlung vor. Die Zeugen waren erschienen und gaben vor. Am 27.

Januar war Heinrich Steuber im Wirthshause des Andreas Figge und verlangte von

demselben eine Wurst. Andreas Figge erwiderte darauf wir haben noch nicht geschlachtet.

Darauf erklärte Heinrich Steuber sich, dan leckt mich in Maars. Heinrich Steuber

erschien nicht zur Verhandlung. -

Erschien Friedrich Wilcke und verlangte von Christian Mitze 16 Thaler verdienten Lohn.

Chr. Mitze erklärte, ich habe den Fr. Wilcke auf ein Jahr gemietet und er ist mir in

der letzten Zeit aus dem Dienst gegangen, ich will ihm jedoch noch 5 Thaler ein für

alles geben, damit war der Kläger einverstanden.

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Hand- und Spanndienste in früherer Zeit

Über die Hand- und Spanndienste in Usseln in der Zeit vom 1798 bis 1850 ist das „Gemeinsbuch"

für die Fahr- und Handdienste erhalten. Es ist wie folgt eingeteilt:

1. Gämbecker Korn schneiden

(Wahrscheinlich mußten die Usselner auf der Domäne Gembeck auf Grund einer alten

Verpflichtung bei der Ernte helfen)

2. Corbacher Gang

3. Arolser Fuhre

4. Kurze Fuhre

(Fuhren innerhalb des Ortes und der näheren Umgebung)

5. Arolser Gang

6. Corbacher oder Eisenberger Fuhre

7. Arolser Gang der Beiwohner

(Die Beiwohner besaßen ein eigenes Haus und Gartenland, aber kein eigenes Feld)

8. Arolser Gang der Köthner

(Köthner kommt von Kotten = kleines Anwesen)

9. Die Amtswache oder die Wacht nach Corbach

(Wache halten im Ort - z. B. beim Viehmarkt - und Begleitung von Personen nach auswärts)

10. Arbeit an den Gemeindeländereien

11 .Corbacher Amtsfuhre

12. Handarbeit an der Straße nach Goddelsheim (1829)

13.üeferung an die Armee (1813)

Diese Einteilung ist in dem Buch nicht immer eingehalten worden.

Nachstehend werden einige Auszüge aus dem „Gemeinsbuch" in der damaligen Schreibweise

wiedergegeben:

Gämbecker Korn schneiden

„Das Gämbäcker Korn Schneiden im Jahre 1799 ist frey von Dicken bis Aßmuths".

,,1818 ist das Frey am klarman stehen geblieben".

,,1814 sind von dem Gämbecker Korn schneiden frey vom Meges bis Ripen, 1815 von unter

Schultes bis lanfers".

Corbacher Gang

,,22. Juni 1798 Schweinsberg Brief nach Wölleringhausen getragen".

„Juni 1799 Dreges nach Corbach Briefe getragen".

„7. Sept. 1800 haben unter Schulte bis Dreges Hüner nach Arolsen gebracht".

„12. Okt. 1812 sind von linewebers bis Feiinges zum holtz hauen auf dem Pön bestell,

24. Okt. haben auber holtz zum gefängnis gehauen".

Arolser Fuhre

„1798 stehet die arolser Fuhre am Wortschäfer, das sind sengers noch zurück und der

Clagesman".

„24. Okt. 1798 Wortschäfers, Schneiders, Schäferherms, Beulken, Engelbrachts, Johannses,

lanfers, Mitzen, Driebesche, hertige, pagels, Schulze, Dullen, Klenken, Senges Hafer von

Corbach nach Arolsen gefahren".

„1804 haben 5 Wagen das Zehnt-Heu nach Arolsen gefahren".

„1804 1 Wagen Butter aus Strick gefahren nach Arolsen".

„5. Juli 1811 Klarens einen Rehbock nach Arolsen Gefahren".

„1825 den SOten März haben 3 Wagen von dem Langenberge nach Adorf Buchen Klötze

gefahren von Heuhanses bis an Kleinen, der Figge Kleinen ist der Letzte geweßen".

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Kurze Fuhre

„1824 am 13. Nov. haben alten richters bey das Rarrhaus Fraßen gefahren".

„1825 am 1 ten Oktober haben Bäulken und Behle Picker bey das Schulhaus Leimen

gefahren".

„1827, am 6. Janne haben Folgende dem Schulten zu Rattlar Stroh und Hafer und Kartupfeln

gefahren, Brocken, Linneweber, Kleinen und Stremmen".

„1827 am 8ten September hat der Wilcke Habig bei den Neuen Todenhof steine gefahren".

„1831 am 17. May hat der Hencke und der Habig von Corbach Stroh und Hafer geholt,

an der Kurzen Fuhre wird dem Hencken ein Rerd gut gedahn".

„1831 am 26. November hat der Brüne Heuman des Figge Riepenmans sein Tolles Rerd

gefahren".

,,1832 am 5ten November hat der Saure Krönicke das Fische Faß nach dem Stricke gefahren".

Arolser Gang

„1814 sind bestell auf der Landstraße zu arbeiten von heren bis mariegers".

,,3. Aug. 1815 Kriegerhanses hüner nach Corbach gebracht".

Corbacher oder Eisenberg Fuhre

, ,1805 Stremmen Dullen die Hürde vom Alten Hagen ins Strick gefahren".

„1810 klorens haben die Tränke Klutz ins bein Tohr geholt, der lanfer Man Sandt in die

Parstube gefahren".

„1813 alten Richters Gredesteine in die Rarrscheune gefahren".

„1824 haben Henken und Klages nach renegge den abgebranten Stroh und Hafer gefahren;

Dicken und untersten Habig nach Nordenbeck die Rauchhafergefahren;

„1827 Saure Schneidesmann, un der Wortschäfer, und Wilcke Bäulken, und Saure Henseler

mit 1 Ferde bey das Rarrhauß Fraßen gefahren".

„1832 hat der Saure Henke einen Kirchen-Schrank von Corbach gefahren".

„Figge Bäumer und Wilke Bäulcke haben bei die Brücke bei Dicken Steine gefahren".

„1833 haben Kühte Hertige, und Brüne Driebesche, u. Meyer Paggel und Wilcke Schulten

Holz gefahren zu die Brücke bey Schneides".

,,1835 haben Figge Kleinen Büsche in das Beindor in den Weg gefahren".

„1839 Bender Klencke bey das Schulhaus Leimen gefahren".

„1847 Wilke Habich den Pastoren nach Corbach gefahren".

Arolser Gang der Beiwohner

„1799 Figge beymers Coleckte Geld nach Goddelsheim gebracht".

„25. April 1825 hat Johannes Wilm Born in Gölten einen Auerhanen nach Arolsen gedragen".

Arolser Gang der Köthner

,,1799 stehet der Arolser Gang der Köthner am hinlersten fiesen".

„1817 sind zum hüner dragen bestell Kriegerhans, Gölten, Richter, Jost wilmes, mariegers,

lanfers, prickeis".

Die Amtswache oder die Wacht nach Corbach

„1813 sind auf Neu Jahr nachl die Wache gewesen Figge Fehling, Saure Henke, Johannes

Gerhart, bänder Klages man, Chrisligon bänder, Georg Henrich Gerhart, Henrich Crüper,

Christigon Schlömer, Wilm Cramer und Christigon Figge.

Obige 10 Wächter müssen sagen, Wer die 2 Schüsse die Nacht gedahn haben. So gäben

die Wächter an, Sie haben den Nachl auf der Straße angetroffen den Heinrich Engelbracht

Dregges und Philip Engelbracht Fiesen, die müssen die Schüsse gedahn haben. Warum die

um 12 Uhr des nachts auf der Sfraße die leute angetan und 2 Schüsse aus pickes aus des

beiwohners Wilm bähten seiner Stube gefallen, da mus er selbst und die leute im Haus die

Wahrheit Sagen. Friedrich Wilcke und Volbrachl Knoche haben auch wissen Schaft darvon,

93


die des morgens vor der früh pragdig gedahn haben, ist der beiwohner Johannes behle aus

Gölten in das behle pickes haus gegangen, und den Wilm hatten, an zu rufen das Sie in die

früh pragdig beyern wollen, Wie die im Hause Waren geschahen die 2 Schüsse und gleich dar

nach gingen sie und beiertten in die früh pragdig, das habe ich Selbst gesehen, das die beiden

Schüsse mir zum bekantgeschehen würden".

,,1832, 17ten und 18ten März sind nach Corbach auf die Wacht gewesen Jäckel Zacher,

Engelbracht Gockel, Figge Altenrichters, Wilcke Kesting und Figge Bäumers und Behle Simson".

,,1837 am 8ten Dezember haben Wilcke Nonnenschäfers und Volbracht Stremmen die alte

Megesche nach Corbach gebracht".

,.1838 am 10. September ist des Carl Figge Sohn mit Wacht nach Corbach gebracht, hat

der Bender Dulle und der Saure Habig die Wacht gedahn".

„1841 am 19ten auf den 20ten Januar die Nacht hat der Wilke Fähling und der Gerhard

Heckman 1 Mann von Titmeringhausen die Wacht bey gehabt".

,,1842 am 20ten April hat Wilcke Untersten Kösters und Volbracht Bonnacker den Engelbracht

Dicken und den Volbracht Stremmen und die Christesche nach Corbach gebracht".

Arbeit an den Gemeindeländereien

,,1816, 3. Juli, haben geackert vor die Gemeinde auf dem lühr

Friedrich Mitze

2 Rerde

Wilke Habig

2 Rerde

brühne, richtes

3 Pferde

Saure Klencke und hintersten Fiesen 3 Pferde

Klages und heren

4 Ochsen

Zaches und meges

4 Ochsen

handienst brogmann und feling

Hencke und Schnieder

3 Pferde

bonacker

2 Pferde

Dulle und wortschäpes

3 Pferde

Papenheim und Ciorens

3 Pferde

nonenschäpes und v. viesen

3 Pferde

handdienst Emde metzer"

(Anmerkung. Es gab noch Gemeindeländer „unter dem hohen Pön", am „Dicken Busch",

„unter dem Knick",.unter dem vordersten Krutenberg" und „auf dem Alten Hagen". Meistens

wurde Hafer angesät. Landbestellung, Aussaat, Ernte und Dreschen ging reihum. Gemäht wurde

meistens im September. Im Jahre 1829 wurde die Hafer auf dem alten Hagen am 9. Oktober

gemäht; Ende Oktober wurde sie nach Hause gefahren).

Corbacher Amtsholzfuhre

„1826 am 27 ten Juni hat die Gemeinde Usseln 9 Malter Amts Holtz nach Corbach gefahren nehmlich

9 Wagen, und sind zu jedem Wagen 4 Ferde gerechnet, wir haben am Obersten Habig

angefangen bis Saure Crönicken sind das Letzte gewesen, die Fuhre stehet 1827 an Küte

Hertige".

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Handarbeit an der Landstraße nach Goddelsheim

„1829 am 22ten April sind 30 man zur Handarbeit bestellt

1. Bunse Knoche 16. Meier Pageis

2. Volbracht Stifter 17. Engelbracht Krüper

3. Behle Pickert 18. Wilcke Kobes

4. Behle Hahne ist noch zurück 19. Valentin Cristes

5. Jost Wilmes 20. Engelman Kükelheim

6. Wilcke Marigers 21. Wilcke Schulte

7. Emde Engelbrachts 22. Jäger Schulte

8. Brüne Heuman 23. Figge Riepen

9. Brüne Lanfers 24. Brüne Brocke

10. Saure Krönicken 25. Figge Wießeman

11. Küte Hertige 26. Figge Linneweber

12. Meier Dängels 27. Figge Kleine

13. Engelman Prickeis 28. Wilcke Aßmuth

14. Sender Krämer 29. Wilcke Nonnenschäfer

15. Brüne Driebesche 30. Volbracht Stremme

31. Bender Klenken

Der Volbracht Strome ist zurück geblieben, wenn wir wieder hin müßen ist er der erste und

Jäger Fiesen".

,,1829 am 4ten Juli sind wieder 40 Mann nach Goddelsheim geweßen

1. Volbracht Stremme 21. Behle Kleinschmits

2. Jäger Fiesen 22. Jäckel Zacher

3. Emde Fiesen 23. Wilcke Untersten Kösters

4. Emde Metzer 24. Volbracht Bonacker

5. Bender Dullen 25. Saure Spickerman

6. Behle Meges 26. Gerhart Bruchman

8. Matzhenrich 27. Saure Käppeler

9. Wilcke Papenheim 28. Engelbracht Wilmes

10. Volbracht Klarens 29. Figge Jägersman

11. Saure Habig 30. Engelbracht Dräger

12 Engelbracht Dicke 31. Carl Figge

13. Wilcke Habig 32. Friederich Born

14. Figge Fähling 33. Figge Derliesen

15. Saure Hencke 34. Engelbracht Gockel

16. Gerhart Heckmann 35. Figge alten richters

17. Ludwig Bender 36. Wilcke Kesting

18. Meier Klagesman 37. Figge Bäumers

19. Gerhart Herman 38. Emde bey der Gölte

20. Brüne richtes 39. Behle Simson

40. Johannes Schäfer"

Lieferung an die Armee

,,1813 haben wir nach Cassel geliefert an die Armee 43 Mürte, 8 Spind Hafer, 56 Centner Heu,

haben 8 Wagen müssen hinfahren". g 2 o

(Anmerkung: 1 Mütte = 320 Pfund, 1 Spind = — = ca. 27 Pfund, 1 Scheffel = 2 Spind)

95


De Leggenskoster

Ludwig Bender („Krames Lui" oder „Lui van dr Hönnerecke" genannt), schrieb das Buch

„De Leggenskoster" in Usselner Mundart. Den Stoff für dieses Buch bot ihm die Figur

eines Mannes, der als Original, als ein Mensch des echten Upländer Humors, im vorigen

Jahrhundert in Usseln gelebt hat. Sein Tun und Treiben ist in dem Buch dargestellt.

Dabei hat Ludwig Bender Heiteres und Besinnliches mit Wahrheit und Dichtung gemischt.

Nachstehend wird ein Abschnitt des Buches ,,Dat kalde Faiwer" (Das kalte Fieber) abgedruckt.

Dat kalde Faiwer

Krankheiten sid de grötteste Ploage

füär Jedermann, un alle Dage.

dai dou gesund un frisk upstäihst,

(rauh arj dinn Dagewiärke gaihst.

sösst dou me lewen Guodde danken;

bou balde teilst dou tau dn Kranken!

Gesundheit iess en kostboar Gudd,

wat enne ständeg plagen mott.

Gäiht dat verloaren, lewe Naut!

un kümmed nit wiedder, gaihst dou daut.

Un stiärwen will dach neemes gären;

me kann't auk enmoal blos proweeren.

Gewiß hiät alles moal en Enge;

un auk dat Läwen hiät enne Länge,

ne Grenze, dai kenn Menske dann,

verlängern un verlägen kann.

Sid rümme siewwenzeg, achtzeg Joahre,

dann lieggest dou up dr Daudenboahre.

WT

Dou kannst dieck wehren, wat dou witt;

de Säizenmann döüt ennen Sniett,

dat Hiärte briecked; Muorgenraut

söühst dou dann nit mäh. Dou bist daut.

De Kiarckhuoff häld all' lange die

en Plätzken bie dian ändern frie,

dai auk, eh' sai et rächt bedachten,

sieck up de graute Räise machten,

van diär nach neemes wiedderkam,

dai van dr Erde Afskaid nahm.

Wann wie dn Daud auk nach sau skrotted:

en Traust, dat alle stiärwen motted;

en Glück, wann wie de Tahl erreiked

dr Joahre, boa me Rugge säüked.

Dach wann sieck nou de Säizenmann

te frauh anmälded, ja, wat dann ?

Bou mannegen hiät hai üöwerfallen

un faste halden in dn Krallen,

boa dai sieck häld füär kiärngesund

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un in dn basten Joahren stund.

Dach wiann hai säüked, döüt hai fingen.

Un kann hai't nit alleine twingen,

dann skicked hai die allenfalls

ne sliemme Krankheit up dn Hals.

Krankheiten sid füär klein un graut

dm Läwen Fiend un Fründ dm Daud.

Se kummed sachte annesliecken,

verskaunt dn Aarmen nit, dn Rieken,

un suorged vüär, dat dat Skelett

tem Sluß blos wänneg Arwed hiät.

Diän packed se hie, diän packed se, boa

hai't gar nit ahnte; sai sid doa

un friätted iämme unverhofft

in kuorter Tied de Läwenskraft.

De Halwgeswistere, de Smiärten

dott auk iär Deil; diäm aarmen Hiärten

weerd angst un bange, weik de Maut.

Et gäiht up Läwen un up Daud.

Wai weerd gewinnen in dü'm Striede?

Dat weerd sieck wiesen, wielke Siede

de blätteren Outsichten hiät,

moal dai, moal dai, bou't grad gerätt.

Oftmoals iess enne Kraftnatoure

füär sieck allein de richtige Koure.

Dann wiedder weerd dm Dotter glücken,

dn Kranken heilgesund te flicken.

Auk richtege Kost un Mellezien

weerd mannegmoal Reddunge sien.

Taufall un Glück häürt auk dertau.

leck weite ne Fall, doa was dat sau,

dat enne mied me Daude rang,

un diän terlesste ungertwang,

sieck saatfraat, outsleep un dann frauh,

gesund upsprang vamm' Beddestrauh.

Un weite ne twaiden Fall, boa dat

nit hälpen woll, nit hiät ebatt.

Dai was amme glieken Leiden krank,

fraat auk, bit dat hai ümmesank.

En Enge hadde sinne Naut,

un äs' hai wach wor, was hai daut!

Bou dat nou kam, in bäiden Fällen,

will ieck dr Woahrheit noah verteilen.

De Leggenskoster, woullbekannt,

ging ennes Dages üöwer Land.

In Brielen hadde hai äse oft,

up Gausemarked Gösseln ekorft.

Dat sollen moal, will't äwen düggen,

rächt fätte Miärtensgäüse giewwen.

Hai hadde, glowwt hai, gudd ehandelt,

un kam ter Grund nou rup ewandelt;

de Kahle duosteg, frauh de Sinn,

sau kährte hai in Willgen in,

bie Kiäsper, füär ne Snapseslänge.

Wai drücked iämme doa de Hänge?

de dicke Gruowsmiedd Haamermann.

„Dag Skoster, na, bou gäiht et dann?"

„Sau äse me't driewed, ümmer frauh;

ieck denke, et gäiht Die gradesau."

„Tzund wiedder, joa, sie'ck frau un frie;

dach hiästet nit ehaurt? ieck sie

miedd knapper Naut me Daud entrunnen,

un hawwe nach enmoal gewunnen.

Dat kalde Faiwer hadde mieck

hart annepacked, dach tem Glück

fäll mie nach in ter rächten Tied

en Middel, wat mie hälpen dat.

Kenn Awethaiker un kenn Dotter

kennt dat. leck wußte, dat de Motter

bie'm salgen Vatier dat proweert,

diän sai doamiedde hiät kurreert.

Et iess ne richtege Piärrekoure,

un hilped blos'ner Kraftnatoure,

sau'm Grouwsmiedd, wiedder up de Beine;

diän krieged me nit sau lichte kleine.

Nou stoah ieck wiedder in dr Smitte

dn ganzen Dag amm' Amboss', bit de

Moan skient un de Köster klepped,

un bit Marie tem lätten räped.

Dann läge ieck dat Skuortfäll af,

dn Haamer hienn, un weit, ieck draf

van niggem jeden Muorgen singen

dat alde Liedd bie Haamerklingen;

La l a Liedd

Sau sang de alde Smiedd.

As hai vüär de Smitte kam,

doa fang hai wiedder van vuorne an:

La la Liedd,

Sau sang de alde Smiedd.

Kumm, Skoster, willt nach ennen halden.

He, Kiäsper, tapped nach twai Alden."

De Skoster häürte niepe tau;

Hai kannte Haamermann genau

un wußte, dat dai kenne Lüggen

vertäute. Nou soll hai moal sägen,

wat füär en Middelken dat war,

dn Kostenpunkt, un auk boaher.

Viellichte könnte me't sälwer brouken,

anstatt an't Daudenlaaken rouken.

Me kalden Faiwere vüärtebuggen,

war biätter, äse iämm' tautetruggen,

dat et van sälwer wiedder ging.

Krank oahne Hülpe, garsteg Ding! —

De Skoster leet twai Alde inmiätten.

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„Prost Smiedd", „Prost Frieder, söüh en Friätten,

dat iess minn Middel; Mellezien

nahm ieck minn Läwedag nit in.

Äse ieck doa lag in minner Naut,

vüär Augen soah liewhaftegen Daud,

un giegger iämm 1 hülplaus dn Dotter,

dacht ieck an minne salge Motter,

dai doamoals minnen Vatter wert

miedd Sültemaus un Spack kureert.

Marie, reep ieck, kumm dach moal rinn,

kuock mie düärwossenen Spack vamm 1 Swieen

in Sültemaus, un gieww mie dat.

leck will sauviell iätten. dat et batt;

ieck hawwe niks mäh te verleeren,

un will't up jeden Fall riskeeren.

Wann't hilped, lached mie't Muorgenraut,

un hilped et nit, dann goah ieck daut.

Un fraat, bit dat ieck ümmesank,

sleep faste dann twai Dage lang.

As ieck upwaakede imme Beddestrauh,

doa was dat kalde Faiwer sau

äse wägebloasen. Vamme Linnen

un in de Bükse up de Pinnen,

dat was en Wiärk vamm' Augenblick.

De Frugge grain vüär Fröüde un Glück.

Gesund äse ieck hie vüär Die sitte,

sau ging ieck wiedder in de Smitte.

Soll mieck dat Faiwer nachemoal tiärgen,

et gäihte me grade äse diäm vüöregen;

miedd Fickelnflaisk un Souerkrout

jag ieck et out me House rout.

Nou weißt Dou richtegen Beskeid.

De bäste Krankheit iess en Leid!

Un't kalde Faiwer iess vamm' Üwwel

dat grörteste. Huoll iät de Döüwel!

Miedd Beizebub moßt Dou't outdriewen.

Dou moßte me Spack un Sültemaus giewwen. —

Nou mott ieck goahn; wann ieck hie sitle,

gesköüht niks Rächtes in dr Smitte.

Kumm, goah noah heim up Dinne Äüwer;

hald vamme Liewe Die't kalde Faiwer.

De Skoster ging auk, vull Gedanken,

up Usseln tau. Wann alle Kranken

blos ümmer et richtege Gieggenspiell

me Daude hälden, halw sau viell

wör hai sieck huollen vüär dr Tied

un sägen können: et iess sau wiet!

„leck hawwe", dacht' de Skoster, „oft

de Mensken efopped; hawwe glofft,

minn Narrensail wör nit terrieten.

leck kann auk anders, sollt jie wietten!

Un wann dat kalde Faiwer sieck

imme Duorpe mäldet, dann weit ieck,

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bou ieck diän Kranken kaupe laus

miedd Swienespäck un Sültemaus. —

Sau kam hai miedd diän kleinen Gösseln

gedankenvull noah heim, noah Usseln.

Out sinnen Gösseln woren Gäüse.

't was Hiärwest, un dat kalde, bäüse,

dat garstege Faiwer, unbestallt,

kraig üöwer'n Snieder Wilm Gewalt,

un nahm diän richteg in de Koure.

Dai hadde kenne Kraftnatoure

äse unse Gruowsmiedd Haamermann,

dai'm Daud dat Läwen afgewann.

Wilm hadde Angest, dacht an Stiärwen.

Wai könnt' iänn' redden vüär'm Verdiärwen?

Dat was de Skoster, dai besochte

dn kranken Noahwer, un vermochte

de Frugge langsam te belähren,

bou sai dr Krankheit könnte wehren

miedd Spack un Sültemaus. Hai wüßte,

dat dat me Sniedere hälpen moßte.

En Fründ van iämme, dai't proweert,

hadde sieck dermiedde outkureert.

Tzund wär't nach Tied, dn Uowen stuocken

un Spack miedd Sültemaus te kuocken,

dach muorgen war et wuoll te späd'.

Wat frisk ewoaged weerd, gerätt!

Af ieck diäm Skelmenskoster trugge?

sau dacht ds kranken Snieders Frugge.

Dach in dr Naut, — me sollt nit sägen —

doa frietted auk de Döüwel Fleegen.

Un in dr Naut fraat nou Wilm Wilke,

de aarme Snieder, enne sülke

Portsejaune Spack un Souerkrout,

dat iämm' terlesst' de Luft ging out;

sleep in un sleep, un sloped nach

sietdiäm bit an dn jüngesten Dag.

De Skoster trouerde amme meisten

van allen, konnte sieck nit träüsten.

Wat hadde hai dat gudd ernennt!

Un daut iess nun sinn bäste Fründ!

Will hai moal würklek Guddes daun,

dann gäiht et skäiw; dat iess sinn Lauhn.

En Skelm sall bie si'm Handwiärk bliewen

un Skelmerigge blos bedriewen.

Joa, Skaden mäked mannegen klauk!

De Skoster skraiw in't Dagebauk:

Rezäpt!

Bie kaldem Faiwer gudd

Iess Spack un Sültemaus.

En Snieder gäiht den/an kaput.

En Gruowsmiedd weerd et laus.


Landschaft und Pflanzenwelt um Usseln

Von Albert und Charlotte Nieschalk, Korbach

Unter den vier zum Waldecker Upland gehörenden Orten Willingen, Usseln, Schwalefeld

und Rattlar hat Usseln die am weitesten nach Südosten vorgeschobene Lage, womit

für Usseln und seine Umgebung eine besondere landschaftliche Eigenart verbunden ist.

Diese günstige und auch reizvolle Lage im Übergangsbereich zwischen den bewaldeten

Hochlagen des über den östlichen Teil des Rheinischen Schiefergebirges sich erstreckenden

Uplandes mit steil ansteigenden Bergen und eng eingeschnittenen Tälern einerseits

und der offeneren und heiteren Landschaft des kuppenreichen Vor-Uplandes andererseits

haben nicht nur die ersten Besiedler dieses Landesteils erkannt, sondern wird auch heute

noch von den dort lebenden und dort Erholung suchenden Menschen geschätzt.

Aus dieser Lage heraus bieten sich vielfältige Möglichkeiten zur Erschließung, zum

Kennenlernen und Erleben in der Gestaltung des Geländes und in der Pflanzenwelt

sehr unterschiedlich geprägter Gebiete. Der Wanderer erreicht sie von Usseln aus auf

Wegen mit herrlichen Ausblicken in großräumig überschaubare und abwechslungsreiche

Landschaften, sei es, daß er die Usselner Höhenwege benutzt, sei es, daß er über die in

unmittelbarer Nähe des Ortes gelegenen sonnigen Hänge waldfreier Bergkuppen geht.

Die Möglichkeit, weitschweifenden Blickes eine besonders abwechslungreiche und bevorzugt

schöne Mittelgebirgslandschaft in einem umfassenden Rundblick erleben und genießen zu

können, ist besonders von der Höhe des nahe bei Usseln gelegenen Osterkopfes gegeben.

Dies ist auch die Berghöhe, auf welcher nach altem Brauch ein Osterfeuer abgebrannt

wird. Von hier aus kann es nach allen Seiten weithin gesehen und miterlebt werden.

Wesentlichen Anteil an der Prägung des Landschaftsbildes hat neben der Oberflächengestalt

des Geländes, der Ausbildung von Bergen, Tälern und Ebenen, die Pflanzenwelt (Vegetation),

deren Zusammensetzung und Aussehen wiederum von den Gesteinsarten, den Böden,

der Höhenlage und dem Klima, insbesondere den Niederschlägen, wie auch von der

geographischen Lage des betreffenden Gebietes bestimmt wird.

Zum Vegetationsbild der Umgebung von Usseln, einer typisch ausgeprägten deutschen

Mittelgebirgslandschaft, gehören ausgedehnte Buchen- und Buchenmischwälder in den

mittleren und höheren Lagen, offene, von Quellbächen und kleinen Wasserläufen

durchzogene Talgründe mit blütenreichen Sumpfwiesen, auf trockeneren Hängen gelegene

kurzgrasige oder auch mattenartige Bergwiesen mit einer ebenfalls buntblühenden Pflanzenwelt

und über Bergkuppen sich ausbreitende Hochheiden, deren herbes Vegetationsbild

im Hochsommer durch das blühende Heidekraut in weite leuchtend-rotgefärbte Flächen

verwandelt wird und viele Menschen anzieht, um die Heideblüte dort zu erleben.

Manches hat sich in dem Vegetationsbild, aus dem nur die wesentlichen und augenfälligsten

Pflanzeneinheiten erwähnt werden, durch menschliche Eingriffe in die natürliche

Pflanzenwelt und damit in das große Gesamtbild der Landschaft, auch in der Umgebung

von Usseln, im Laufe der Zeit verändert: Der Anteil der Laubwälder am Gesamtbestand

des Waldes hat an Umfang abgenommen, wodurch die waldreiche Landschaft

an Farbigkeit und bewegter Gestaltung verloren hat. Die bunten, das Landschaftsbild

ungemein belebenden Sumpfwiesen, die noch vor wenigen Jahrzehnten auch das ausgedehnte

und offene Quellgebiet der Diemel einnahmen, sind hier und auch an anderen Stellen

fast ganz verschwunden. Die blumenreichen Bergwiesen mit dem sommerlichen Schmuck der

leuchtend gelbblühenden Arnika sind heute an vielen Stellen in eintönig grüne Rasenflächen

verwandelt worden. Die Hochheiden sind stark gefährdet oder an einigen Stellen

schon durch unmittelbare Eingriffe oder mittelbare Einflüsse in ihrem Vegetationscharakter

gestört.

99


Trotz dieser mannigfaltigen Veränderungen der Natur besitzt Usseln aber auch heute noch

einen großen Reichtum an landschaftlicher Schönheit in seiner nahen und weiteren Umgebung.

Darüber hinaus hat Usseln das Glück, innerhalb seiner Gemarkung noch einige, in ihrer

natürlichen Ursprünglichkeit hervorragend erhaltene Vegetations- und Landschaftsgebiete zu

besitzen, die als einmalig im gesamten östlichen Teil des Schiefergebirges anzusprechen sind

und des größtmöglichen Schutzes zu ihrer Erhaltung bedürfen. Es sind Jägers Weinberg, Alter

Hagen und Osterkopf.

Bei Jägers Weinberg handelt es sich um ein zwischen dem Hohen Pön und dem Krutenberg,

in einer durch reiche Niederschläge und hohe Luftfeuchtigkeit ausgezeichneten Höhe um

660 bis 670 m ü.d. M., gelegenes Moor. Der nasse, stellenweise sehr nasse und saure, torfige

Boden über Schiefergesteinen ist mit einer dichten und bei jedem Tritt weich nachgebenden

Decke von Torfmoospolstern überwachsen. Nur hier und da, wo unter der Moosdecke ein

kleines Wässerchen das Gelände durchzieht, treten Wasserstellen als Moorschlenken auf.

Jägers Weinberg besteht zum Teil aus einem offenen gehölzfreien Wollgras-Moor, welches von

den dichten Horsten des Scheidigen Wollgrases gebildet wird und im Sommer durch dessen

silbrig-weiße Haarbüschel der Samenschöpfe auffällt. Der größte Teil des Moorgebietes

wird jedoch von einem sehr lichten Birkenbruchwald eingenommen, in dem die urwüchsigen

Stammbildungen der Moorbirke ein Vegetationsbild von außergewöhnlicher und wohl jeden

Naturfreund stark beeindruckender Eigenart entstehen lassen.

Hat Jägers Weinberg schon als wertvolles Vegetations- und Landschaftsgebiet eine nicht nur

für Usseln, sondern über das Waldecker Upland weit hinausgehende Bedeutung, so gilt das

auch für die durch eine Reihe seltener bis sehr seltener Pflanzen ausgezeichnete Flora dieses

Moores. Es handelt sich bei diesen fast ausschließlich um nordische Pflanzenarten, deren

Hauptverbreitung heute im Norden Europas liegt, die in den eis- und nacheiszeitlichen Kaltperioden

aber auch in Mitteleuropa eine stärkere Verbreitung hatten. Unter dem inzwischen

stark veränderten Klima finden wir sie im mittleren Europa heute jedoch nur noch an

wenigen extrem ausgebildeten Standorten, an denen diesen Pflanzen die notwendigen Lebensmöglichkeiten

geboten werden. Das trifft für nordische Arten in hohem Maße auf Jägers

Weinberg zu, ist aber auch im Alten Hagen und in der Hochheide des Osterkopfes gegeben.

Unter der Flora von Jägers Weinberg ist das Purpur-Reitgras als nordisch-arktische Pflanzenart

besonders hervorzuheben. Dieses hochwüchsige Gras, welches zu den großen Seltenheiten

der mitteleuropäischen Flora gehört, bildet hier mehrere große Bestände. An weiteren Arten,

bei denen es sich verschiedentlich um Seltenheiten unserer heimischen Flora handelt, sind

zu nennen: Sumpf-Veilchen, Fieber- oder Bitterklee, der durch seine unter der Torfmoosdecke

kriechenden langen Ausläufer oft größere Flächen bedeckt, Blutauge, wie die vorige Art

meistens an sehr nassen bis quelligen Stellen wachsend, Moosbeere oder Geranke, die mit

zarten Ranken die Torfmoospolster überzieht, Kriechweide, eine niederliegende kleinwüchsige

Weidenart, und verschiedene Ried- oder Sauergräser. An etwas trockeneren Stellen der

höher gelegenen Randzonen des Moores wächst in großen Kolonien der Siebenstern mit

seinen zarten grünen Blättern und weißen Blütensternen, eine Pflanze der nordischen Flora.

An wenigen Stellen, dort aber reichlich vertreten, kommt das Nordische Labkraut vor.

Bemerkenswert ist ferner ein Traubenkirschen-Erlen-Bruchwald am Rande des Moorgebietes,

wo vom Krutenberg her ein kleiner Bachlauf in Jägers Weinberg fließt, sowie eine sich

daran anschließende Hochstaudenflur, in der besonders der Blaue Eisenhut, auch Täubchen

in der Chaise wegen seiner eigenartigen Blütenbildung genannt, eine ausgesprochene

Gebirgspflanze, auffällt.

Südöstlich von Jägers Weinberg breitet sich in einem von den frischen und ungetrübten

Wassern des jungen Itterbachs durchflossenen Talgrund das Sumpf- und Moorgebiet Alter

Hagen aus. Auch hier bilden offene gehölzfreie Flächen und lichter Bruchwald ein abwechslungsreiches

und für das Upland einmaliges Vegetations- und Landschaftsbild, welches sich,

wie Jägers Weinberg, auffällig aus der geschlossenen Bewaldung der Umgebung heraushebt.

100


An der Bildung des Bruchwaldes im Alten Hagen hat die Moorbirke, welche stark

bodensaure Standorte beansprucht, nur einen geringen Anteil. Häufiger vertreten ist

dagegen die an etwas nährstoffreichere Böden gebundene Schwarzerle. Vereinzelt kommen

Eberesche (Vogelbeerbaum) und einige weitere Gehölzarien vor. Seidelbast war in früheren

Jahren hier reichlich zu finden. Im unteren Teil des Alten Hagen kommt wiederum die

Traubenkirsche, eine vorzugsweise nordisch verbreitete Baumart, vor, welche durch ihre

bizarren Wuchsformen und zur Blütezeit durch die langen weißen Blütentrauben auffällt.

Der nasse bis sumpfige Boden ist auf großen Flächen mit Torfmoospolstern überzogen

und, bevorzugt in der Umgebung der Moorbirken, wächst auch hier das Purpur-Reitgras

in großen Beständen und bestimmt den Charakter des Vegetationsbildes. Auch Sumpf-Veilchen,

Fieberklee, Blutauge, Siebenstern, Moosbeere und Kriechweide sowie eine Reihe Riedgräser

wachsen hier. Eine Besonderheit des Alten Hagen ist das Vorkommen der Korallenwurz, einer

sehr seltenen kleinwüchsigen Orchideenart. Auf einer artenreichen Sumpfwiese im oberen Teil

des Alten Hagen, die besondere Erwähnung verdient, wachsen in dem von verschiedenen

Süß- und Sauergräsern gebildeten Rasen zwei weitere Orchideenarten, Breitblättriges und

Geflecktes Knabenkraut, auch Kuckucksblumen genannt. Bachnelkenwurz, mit rosagelblichen

Blütenglöckchen ausgestattet, Teufelsabbiß, Kleiner Baldrian, Schmalblättriges Wollgras und

weitere Arten ergänzen den Pflanzenbestand. Auf moosigen Stellen über torfigem Boden

sind Moosbeere und Kriechweide hier noch etwas reichlicher vertreten. Oberhalb des Alten

Hagen, in Richtung der Landesgrenze mit einigen noch vorhandenen alten bemoosten Grenzsteinen

mit dem Waldeckischen Stern, sind noch Altholzbestände eines für das Upland charakteristischen

Buchenhochwaldes mit Bergahorn und Eberesche erhalten geblieben. Dieser

ebenfalls nordisch geprägte Laubwald hat eine reiche Farnflora. Siebenstern tritt in kleinen

Beständen auf, der Tannen-Bärlapp ist hier zu finden, und der Sprossende Bärlapp,

Charakterpflanze dieser montanen Hochwälder, bedeckt mit seinen immergrünen sprossenden

und rankenden Trieben teppichartig größere Flächen.

Hoch- oder Bergheiden mit Heidekraut (Besenheide) und Preißelbeere als charakteristischen

und vorherrschend vertretenen Pflanzenarten sind im Waldecker Upland und in dem angrenzenden

westfälischen Gebiet des Schiefergebirges auf mehreren Bergkuppen in Höhenlagen

um 700 und 800 m u.d.M. verbreitet, während solche in südlicher gelegenen Mittelgebirgen

wie im Schwarzwald oder in den Vogesen mit höheren Erhebungen erst oberhalb 1000 m ü. d. M.

auftreten.

Unter den Hochheiden des Waldecker Uplandes und des Hochsauerlandes nimmt die Heide auf

dem Osterkopf bei Usseln eine Sonderstellung ein, weil sie die einzige bis heute in ihrer

natürlichen Urwüchsigkeit erhalten gebliebene Heide dieses Gebietes ist. Das betrifft vor allem

die ausgedehnte, weitgehend gehölzfreie Fläche am steilen Nord- und Nordwesthang des

Berges. Der Osterkopf, eine im Gelände ziemlich isoliert stehende Bergkuppe mit der längsten

Sonnenscheindauer der Usselner Berge, bietet durch diese Lage und das damit verbundene,

besonders auf den nord- und nordwestexponierten Hängen herrschende Lokalklima in hohem

Maße die für das gesunde Gedeihen der Heide notwendigen naturgegebenen Voraussetzungen.

Regen und Schnee bringen Feuchtigkeit und Kühle, Wind und Sturm fegen über die Heidefläche

hinweg und halten sie kurzwüchsig, wie es dem ursprünglichen Vegetationscharakler dieser

Zwergstrauchheide entspricht. Allein die Ausschaltung dieser lokalklimatischen Faktoren als Teil

der für die Heide erforderlichen Umweltbedingungen würde genügen, um eine sehr ungünstige

und letztlich zerstörende Auswirkung auf das Wachstum der Heide auszulösen. Das wäre der

Fall bei einer standortsfremden Veränderung nicht nur der unmittelbar an die Heide angrenzenden

Flächen, sondern auch in der weiteren Umgebung.

In der gut erhaltenen Kernfläche der Heide am Osterkopf sind Heidekraut und Preißelbeere

in charakteristischer Weise die vorherrschend vertretenen Pflanzenarten. Auf den offenen

Stellen zwischen den lückig wachsenden niedrigen Zwergsträuchern wird der mineralreiche,

splitterig-schieferige Boden, der von keiner Humusdecke überlagert wird, von einer großen

Anzahl Flechten und Moosen besiedelt. Unter diesen teils seltenen bis sehr seltenen und mit

101


einem hohen Lichtbedürfnis ausgestatteten Arten sind Rentierflechte und Isländisches Moos die

bekanntesten. Auch einige kleine krautige Blütenpflanzen wachsen zwischen den Zwergsträuchern.

Das Vorkommen der Heidelbeere ist an Baumbestände gebunden und deutet,

wenn es bereits größere Flächen einnimmt, wie auch in einem bestimmten Teil des

Osterkopfes, bereits auf eine Veränderung der ursprünglichen Zwergstrauchheide hin.

Wie in der nordeuropäisch-skandinavischen Tundra finden wir in der Heide am Osterkopf

lichtliebende Bärlapparten, von denen der Kolben-Bärlapp häufiger ist, der Alpen-Bärlapp

aber zu den großen Seltenheiten unserer Flora gehört. Aber gerade der Alpen-Bärlapp

läßt die nahe Verwandtschaft dieser Hochheide mit der nordischen Tundra, die in eisund

nacheiszeitlichen Kälteperioden auch in Mitteleuropa große Gebiete bedeckt hat, deutlich

und eindrucksvoll erkennen.

Diese Heide zu erhalten, dürfte jedem am Herzen liegen, der einmal, in voller Kenntnis und

Erkenntnis des hohen Wertes einer ursprünglich natürlichen Vegetation, die Schönheit dieser

Bergkuppe im Schmuck der blühenden Heide und den freien Blick vom Osterkopf in die

Landschaft um Usseln erleben konnte.

Geologie der Umgebung von Usseln

Usseln liegt im Nordostteil des Rheinischen Schiefergebirges. Die langgestreckten Bergzüge

in seiner Umgebung erreichen Höhen bis über 800 m. Die Diemel, welche von Süden

nach Norden die Gemarkung schneidet, stellt ein weiteres morphologisches Element dar.

Wegen seines Mittelgebirgscharakters wird Usseln naturräumlich dem Hochsauerland

zugegliedert.

An den kahlen Berghängen ist hier und da das bloße Gestein des Untergrundes zu

erkennen, es ist meistens dunkel gefärbt. Und wer den Gemeindesteinbruch südlich

des Bahnhofs Usseln aufsucht, wird die dort anstehenden Schiefer genauer betrachten

können und sich fragen, wann und wie diese Schichten entstanden sein könnten.

Die Erdgeschichte dieses Gebietes reicht weit zurück. Im Erdaltertum („Paläozoikum")

waren Länder und Meere, wie die Geologen nach Jahren langer Untersuchungen herausgefunden

haben, wesentlich anders verteilt als heute. Damals, vor rd. 400 Mill. Jahren,

lag im Norden Europas ein kontinentales Festland (Oldred-Kontinent), dem südlich ein

etwa Südwest-Nordost gestrecktes, tiefes Meeresbecken vorgelagert war. In dieses

Becken wurde vom Land her toniges, sandiges und karbonatisches Material geschüttet, je

weiter vom Festland entfernt, desto feinkörniger (toniger). Und da sich das Becken in der

Zeit vom Devon bis hin zum tiefsten Oberkarbon über rd. 70 Millionen Jahre ständig

vertiefte, entstanden mächtige Serien dieser Sedimente.

Usseln liegt heute in dem Bereich, wo früher zeitweilig das Tiefste dieses Beckens war.

Deshalb sind es überwiegend Absätze der Tiefsee, nämlich dunkle Tonschiefer, die den

Untergrund bilden. Gelegentliche Einschaltungen sandiger Sedimente (Quarzite und

quarzitische Sandsteine) zeigen jedoch an, daß der Untergrund dieses Beckens nicht

nur absank, sondern gelegentlich sich auch wieder hob, wodurch das Meer flacher

wurde. Die ältesten Schichten in Usseln sind mitteldevonische Tonschiefer der Givet-

Stufe mit einzelnen Quarziteinlagerungen. wie sie im Westteil (etwa westlich des

Diemel-Tales) verbreitet sind. Diabase, die bei untermeerischen Vulkanausbrüchen im

höheren Mitteldevon entstanden, sind in der Usselner Gemarkung nicht anzutreffen, finden

sich jedoch wenig östlich in der Gegend von Welleringhausen (Groten-Berg) östlich der

Diemel stehen mitteldevonische Schichten noch in den Tallagen, z. B in der Umgebung des

Bahnhofes Usseln, an. während dort hangaufwärts, besonders südlich des Bahnhofs, das

102


Mitteldevon vom Oberdevon überlagert wird. Typischer und geologisch bedeutender Aufschluß

dieser Schichtfolgen ist der Gemeindesteinbruch, wo neben den Tonschiefern auch mehr sandige

Schiefer (Bänderschiefer) und Kalksteinlagen der Adorfe-Stufe (beginnende Oberdevon) freigelegt

sind, Anzeichen einer im Oberdevon vorübergehend erfolgten Verflachung (Schwellenbildung)

des Meeres. Das höhere Oberdevon (Nehden- bis Dasberg-Stufe) wird wieder von Tonschiefern

und Kalkknotenschiefern gebildet, wie sie östlich und nordöstlich von Usseln anzutreffen

sind. Ganz in der Südostecke der Gemarkung (nordöstlich des Hülsenberges) stehen die

jüngsten Gesteine dieses Gebiets an, nämlich Kiesel-, Alaun- und Tonschiefer des

Unterkarbons.

Mit Ende des Unterkarbons bis Beginn des Oberkarbons (vor rd. 310 Mill.Jahren) zog

sich das Meer langsam aus dieser Gegend zurück; weiter nördlich, im damaligen

Küstengebiet, bildeten sich riesige Sumpfwälder, aus denen später die Kohlen des

Ruhr-Reviers entstanden. Dem Meeresvorstoß folgte dann im Oberkarbon eine Gebirgsbildung

(Orogenese) mit intensiver Faltung und Schieferung der vorher vom Meer sedimentierten

Schichtfolgen. Gebirge türmten sich im Bereich des heutigen Rheinischen

Schiefergebirges auf, die sicher ein ähnliches Bild wie heute die Alpen boten. Gleichzeitig

wirkten aber auch Kräfte der Abtragung, die zu einer tiefen Zertalung führten. Erst

weiter östlich von Usseln kam es wärend des auf das Karbon folgenden Perms in

dessen oberer Abteilung, dem Zechstein, zu erneuten Meeresüberflutungen. Diese reichten

jedoch nicht bis Usseln, sondern nur bis in die Gegend von Korbach und sind an den

mehr rotgefärbten Schichten zu erkennen. Das Rheinische Schiefergebirge und damit das

Gebiet von Usseln wurde seit dem Unterkarbon nicht mehr von Meereseinbrüchen

überflutet. Nicht mehr ist vielleicht zuviel gesagt, denn möglicherweise erfolgte zur Kreidezeit

(vor rd. 100 Millionen Jahren) nochmals ein Vorstoß. Wir wissen allerdings nichts

Genaues darüber, sondern können nur aus verschiedenen Beobachtungen darauf schließen.

Ablagerungen dieser Zeit fehlen heute, denn sie wurden im Laufe der Jahrmillionen

abgetragen, so daß nur noch der Rumpf dieses alten, alpenähnlichen Gebirges erhalten ist.

Im Tertiär (Beginn vor rd. 60 Millionen Jahren) und damit in der beginnenden Neuzeit der

Erdgeschichte (Neozoikum) war die Oberfläche des Rheinischen Schiefergebirges sicher sogar

weitgehend eben. In dieser Zeit zerbrachen jedoch infolge Bewegungen der Erdkruste (..tektonische

Vorgänge") die verfalteten Gesteinsfolgen an vielen, meist etwa nördlich oder quer dazu

gerichteten Zonen und Abbruchen. Erst mit der Wende Tertiär-Quartär (vor rd. 2 Millionen Jahren)

hob sich das Gebiet heraus, das uns heute als Rheinisches Schiefergebirge erscheint.

Unterschiedliche Widerstandsfähigkeit und Härte der Gesteine hatten dabei eine starke

morphologische Gliederung der Erdoberfläche zur Folge. Bäche und Flüsse schnitten sich

nämlich meist in weichere Gesteine oder in die durch die tektonischen Bewegungen im

Tertiär entstandenen Störungszonen der härteren Schichten ein; Beispiel dafür ist das Diemel-

Tal. Besonders während des älteren Quartärs, dem Pleistozän („Eiszeit"), als nur wenige

Pflanzen das Land überdeckten, waren die Abtragungsvorgänge recht intensiv. Gletscher, wie

sie in Norddeutschland bestanden, fehlten hier allerdings.

Dieses Landschaftsbild hat sich bis heute erhalten. Zur Zeit hebt sich, wie den

Geologen bekannt, das Schiefergebirge immer noch ein wenig gegenüber seiner Umgebung,

allerdings so wenig, daß Menschenleben zu kurz sind, um diese Vorgänge beobachten zu

können. Nur aus der Morphologie (Geländeform) der Täler und Talhänge (z.B. Terrassenbildungen)

im Schiefergebirge, besonders in dessen Randgebiet, sind solche Schlüsse

zu ziehen. Es sind noch nicht alle geologischen Rätsel dieses Gebietes gelöst, die hier

und da noch bestehen. Um sie zu entwirren, wird der Geologe weiter beobachten und

forschen müssen.

Dr. B. Hölting, Wiesbaden

103


Die Kilianskirche zu Usseln

Von Pfarrer Eckard Staks

Usseln war schon zu karolingischer Zeit bekannt. Man nimmt an, daß schon in der Mitte

des 8. Jahrhunderts hier in dem kleinen Dörfchen des Waldecker Uplandes eine Kirche

existierte, die dem Heiligen Sankt Kilian geweiht war.

Der Heilige Sankt Kilian war von Abstammung Ire, kam Ende des 7. Jahrhunderts nach Europa

und lebte vornehmlich in der Gegend von Würzburg. Von dort aus begann er seine

missionarischen Tätigkeiten, die bis ins Waldecker Land führten. Die beiden Kirchen, die seinen

Namen tragen, stehen in Korbach und Usseln.

Kilian wurde im Jahre 688 in Würzburg mit seinen ihn begleitenden Freunden Totnan und

Koloman getötet. Die Erhebung seiner sterblichen Überreste soll um 750 durch Bischof

Burchard von Würzburg durchgeführt worden sein. Burchard starb im Jahre 753 in Würzburg.

Burchard selbst war Angelsachse, stammt also aus dem Kulturkreis, aus dem Kilian

hervorgegangen ist und war Mitarbeiter des Heiligen Bonifatius. Burchard begann in

Würzburg den Dombau, der die 752 in die Marienkirche auf der Burg übergeführten

Reliquien des heiligen Sankt Kilian aufnahm.

Seit dem 9. Jahrhundert gilt Sankt Kilian als der Schutzheilige der Winzer und Weinbauern.

In dem uns allen von Victor von Scheffel bekannten Liede „Wohlauf die Luft geht frisch

und rein" heißt es dann auch „Der Winzer - Schutzherr Kilian bescher' uns etwas Feines".

Besonders im ostfränkischen Gebiet ist Kilian verehrt worden. Da auch im Erzbistum Paderborn

ihm zu Ehren Feste und Gedenktage gehalten wurden, kann man durchaus der Theorie folgen,

daß Kilian in dem gesamten Bereich zwischen Westfalen, Waldeck und Franken missioniert hat.

Die Kilianskirche vor dem zweiten Weltkrieg

104


Die Kilianskirche 1977

105


Für die Usselner wäre es wünschenswert, zu wissen, ob schon damals tatsächlich eine Kirche

existiert hat, die entweder durch Kilian erbaut wurde oder ihm zu Ehren begonnen und erst

später vollendet wurde.

Dennoch kann man mit einiger Sicherheit sagen, daß das Gebiet des Waldecker Uplandes

- insbesondere Usseln - frühzeitig missioniert und christianisiert wurde. Vor allem muß hier

der Name des Heiligen Sankt Sturmius genannt werden, der von der Eresburg (Obermarsberg)

das von Karl dem Großen eroberte und vereinnahmte Gebiet dem Christentum zuführte,

welches dann später dem Bistum Paderborn unterstellt wurde. Sturmius (oder auch Sturmi

genannt) starb 779 in Fulda. Er war ebenfalls Schüler des Bonifatius und unter Abt Wicbert

Novize. Um 740 wirkte er in Fritzlar als Priester. In Eichloh gründete er 743 ein Großkloster.

Fünf Jahre vor seinem Tode erhielt er die Königliche Immunität. Im Jahre 1139 - Jahrhunderte

nach seinem Tode - wurde er kanonisiert.

Dies zur Geschichte, die die heutige Kilianskirche zu Usseln umrankt. Wir wissen nur, daß Mitte

des 14. Jahrhunderts die Kilianskirche erbaut wurde, die in ihrem Grundriß bis auf den heutigen

Tag an ihrer jetzigen Ortslage erhalten blieb.

Usseln wurde damit der zentrale kirchliche wie auch wirtschaftliche Mittelpunkt des Uplandes,

ja des angrenzenden westfälischen und waldeckischen Gebietes. Zu dem Kirchspiel Usseln

zählten sehr früh die kleinen Siedlungen Willingen, Schwalefeld und Rattlar.

Obwohl Usseln - wie bereits erwähnt - von Paderborn aus kirchlich betreut wurde und zunächst

Niedermarsberg und später Adorf zugeordnet wurde, ist die Existenz einer Kirche vor 1378

urkundlich nicht belegt. In diesem Jahr wird erstmalig ein Rarrer erwähnt. Dennoch soll man

aufgrund mannigfacher Untersuchungen und Hypothesen annehmen dürfen, daß kirchlicherseits

Usseln längst ein Begriff war, der weit über die Grenzen Waldecks hinausreicht.

Im Zuge der Reformation ging 1526 die Kilianskirche in den Besitz der Protestanten über.

Trotz der Reformation blieb die Usselner Bevölkerung bei dem Namen „Kilianskirche", wird

doch dadurch gezeigt, daß die Erinnerung an eine große Geschichte wachgehalten werden soll.

1541 haben die Grafen Waldeck das Patronat über das Kirchspiel Usseln. 1595 erhält

die Kilianskirche eine neue Kanzel - ein nicht zu unterschätzendes Ereignis, zumal ja der

lutherische Gedanke von Wort und Sakrament (sichtbares Zeichen Kanzel und Altar) durch

die Reformation als wichtigste gottesdienstliche Zielsetzung geprägt wurde.

1642 brennt die Kirche bis auf die Grundmauern nieder; der einstmalige Grundriß bleibt jedoch

erhalten. Das steinerne Gewölbe fällt den Flammen zum Opfer. Es wird zunächst durch eine

Holzdecke ersetzt.

Erst 1693 erhält die Kirche einen neuen Altaraufsatz, der von dem im Waldecker Land bekannten

Holzschnitzer Josias W. Bruetzel gearbeitet ist und heute noch die stolze Pracht der Kilianskirche

darstellt. Bruetzel ist wohl der große heute noch bekannte Bildhauer und Schnitzer; ein Titel,

der ihm gewiß zusteht. Bruetzel - in Immighausen geboren - hat nicht nur in der Kilianskirche

Usseln seine hervorragenden künstlerischen Werke hinterlassen. In Welleringhausen,

das heute als einziges Filialdorf zum Kirchspiel Usseln zählt, ist außer Kanzel und Altar

das gesamte Gestühl von ihm geschnitzt worden. In Mengeringhausen wie in Sachsenberg,

in Berndorf wie in Nieder-Ense, in Fürstenberg wie in Korbach (Hartwigsches Haus) stehen seine

Werke. Auch Eimelrod, Schweinsbühl und Bad Wildungen, Münden und Massenhausen müssen

in diesem Zusammenhang genannt werden.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wiederaufgebaut ist wohl der Bruetzelsche Altar die

große Sehenswürdigkeit der Kilianskirche. Das Altarbild in der Mitte zeigt noch deutlich die

Stimmung der vom langen Krieg heimgesuchten Bevölkerung: Jesus Christus, als Lebensbaum

dargestellt, gießt sein Blut gnädig vom Kreuz herab. Das Kreuz ist als Rebstock ausgebildet

mit Weinreben, die sich fast bis zur Erde neigen. Unter dem Kreuz stehen die von Hunger,

106


Not, Elend und Krieg getroffenen und geschundenen Menschen und fangen das Blut als

heilsame Gabe Jesu auf. In goldenen Frakturlettern steht unter dem Bild geschrieben:

VOM HEILIGEN ABENT-MAHL/

JESUS DER LEBENSBÄUM/

UNS SEINE FRÜCHTE THEILET/

MACHT UNS IM HIMMEL RAUM/.

Usseln kann besonders darüber erfreut sein, ein solches Kunstwerk zu haben, hat sich doch

im allgemeinen außerhalb des Waldecker Landes die Bilderstürmerei, durch reformatorischen

Fanatismus hervorgerufen, nicht so sehr ausgewirkt.

Die Kilianskirche besitzt Anfang des 18. Jahrhunderts drei Glocken. Die größte von ihnen trägt

die Inschrift:

„KOMMT, LASST UNS AUF DEN BERG DES HERRN GEHEN ZUM HAUSE GOTTES,

DASS ER UNS LEHRE SEINE WEGE UND WIR WANDELN AUF SEINEN STEIGEN.

ANNO 1691".

Auf der mittleren finden wir geschrieben:

„ALLES ZUM LOBE GOTTES UND ZUR EHRE GOTTES. HALLELUJAH".

Die dritte Glocke zeichnet sich durch Geschichte aus:

„DIESE VERUNGLÜCKTE GLOCKE DES KIRCHSPIELS USSELN IST WIEDER-

GEGOSSEN ZUR ZEIT 1711 PASTORIS KOCH, JOHANNES WILKE TEPEL, DES

RICHTERS DER GEMEINDE USSELN JOHANN HEINRICH SAUREN, GERICHTS-

SCHOPFEN JOST WILHELM WILKEN".

Im ersten und zweiten Weltkrieg mußten die Glocken abgegeben werden; es wurden nach den

Kriegen jeweils neue mit den alten Inschriften gegossen. Heute zählt das Geläut vier Glocken. Die

vierte Glocke wurde 1969 in Zinn gegossen; sie trägt die Inschrift:

,,DES HERRN WORT BLEIBT IN EWIGKEIT"

Zeitläuten hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten, um 7, um 11 und um 18 Uhr; sonnabends

wird um 16 Uhr der Sonntag eingeläutet. Noch heute wird am Tage vor einer Beerdigung um

11 Uhr die Totenglocke geläutet. Bei allen Gottesdiensten und Amtshandlungen ruft das Geläut

die Gemeinde zum Gebet. Ostern, Weihnachten und Neujahr wird gebeggert. Das Beggern

(oder auch Bejjern) hat verschiedene historische Hintergründe, die heute nur noch legendär

überliefert sind. Alle leuchten ein:

1. Man beggerte, um die bösen Geister zu vertreiben, so daß man hier eventuell von

einem heidnischen Brauch sprechen kann, der heute allerdings zur Freude über die Geburt

bzw. die Auferstehung Jesu Christi dazugehört.

2. Ein Küster soll des Heiligen Abend beim Läuten einmal Pech gehabt haben, da ihm

das Seil riß. Kurz entschlossen nahm er sich einen Hammer, stieg in den Glockenturm und

schlug per Hammer die Glocken, um weiterhin die Gemeinde zum Kirchgang zu rufen.

3. Manche Kirche konnte sich aus Armut keine Glocke leisten und nahm stattdessen ein

großes Eisenblech, das dann mit einem Hammer oder Gong geschlagen wurde. Auch das

leuchtet ein, zumal viele Kirchen der dritten Welt - in Indonesien oder wo auch immer -

diese Form des Läutens bis auf den heutigen Tag kennen.

Die ursprüngliche Kirche war eine dreischiffige gewölbte Basilika aus dem 13. Jahrhundert.

Die Jahreszahl 1486 an der Ostseite des Chorraums kann m. E. - wie auch schon anderswo

angenommen - nur von einer späteren Renovierung stammen. Der alte Turm war

50 Fuß hoch und hatte an seiner Westseite früher zwei große Strebepfeiler. Die Historie

sagt aus, daß seit 1820 die Kilianskirche als „reparaturbedürftig" bezeichnet wird. Noch zu Ende

des 19 Jahrhunderts werden Pläne zur Errichtung einer neuen Usselner Kirche erstellt. 1882

stürzt das Mauerwerk der Kilianskirche am Turm 4 Meter ein. Erst vierzehn Jahre später

107


erfolgt der Neubau des Turmes, nachdem er aus Gründen restlicher Einsturzgefahr 1889

abgerissen ist. (Zur allgemeinen Erinnerung: die Kosten des Um- und Neubaues betragen

damals 36900 Mark). So bleiben von der alten aus dem Mittelalter stammenden Kirche

nur noch der Altarraum, die Ostwand und die zwei Mittelpfeiler übrig. Ebenfalls kann man das

Gewölbe und den Dachstuhl des Mittelschiffs retten. Am 20. Oktober 1897 weiht Oberkonsistorialrat

Hermann Ritter die Kilianskirche neu ein.

Seit altersher gehören zum Kirchspiel Usseln die Gemeinden Usseln, Willingen, Rattlar und

Schwalefeld. Nach dem zweiten Weltkrieg löst sich Willingen mit Schwalefeld vom alten

Kirchspiel Usseln ab und bildet nunmehr ein eigenes Kirchspiel Willingen. Seit 1. Januar 1977

ist Rattlar vom Kirchspiel Usseln gelöst und bildet mit Schwalefeld ein Pfarramt Willingen II.

Nunmehr gehört zu Usseln nur noch das kleine Dörfchen Welleringhausen, früher einmal Eppe

bzw. Eimelrod zugeordnet.

1960 wird unter der Regie von Pfarrer Wolfgang Plitt die Kilianskirche grundlegend renoviert;

Architekt ist Georg Spratte aus Korbach, der auch 1959 das neue Pfarrhaus gebaut hat.

Von dem mittelalterlichen Bau der Kilianskirche sind nur der romanisch-frühgotische Ostchor

(quadratisch!) sowie einzelne Teile des Mittelschiffes erhalten. Die Kirche ist in Form

einer Basilika angelegt, zeigt sie doch ein romanisches Langhaus. Wie bereits erwähnt,

finden wir neben dem Fenster an der Ostwand eine kleine Tafel mit einer Inschrift, auf

der die Jahreszahl MCCCCLXXXIIIIII (=1486) steht; wohl eine Erinnerung an eine

Wiederherstellung oder Renovierung der Kirche, deren Gemäuer aus Sandstein besteht. Das

Dach ist verschiefert.

Der innere Raum ist gekennzeichnet durch eine Hängekuppel, die romanischen Stil verrät.

Die spitzgebogenen Wandbögen werden von Konsolen getragen, von denen die im Osten an

rechteckigen Eckvorlagen sitzen. In der Nordwand ist eine Sakramentsnische mit Maßwerkbekrönung

in rechteckigem Rahmen; hervorragend ist das Kleebogen-Maßwerk in

Spitzbogen, indem wir einen sechsstrahligen Stern vorfinden. Der Fußboden ist mit Fliesen

ausgelegt. Im Langhaus sind die alten Mittelschiffpfeiler wieder zur Geltung gekommen.

Nur der nördliche trägt noch das alte Kämpfergesims aus Platte und Schräge.

Auf der Profilschräge entdeckt der Besucher einen Palmettenfries (wie er auch in Adorf

noch zu sehen ist) und einen Schachbrettfries. Die anderen Pfeiler sind mit Platte, Plättchen

und gedrücktem Wulst profiliert. Auch der Dachstuhl ist geschichtlich bedeutsam, er ist

noch alt: die Kehlbalkenanlage ohne Rahmen, dafür mit Säulen für jedes Gesperre versehen

mit tiefer Hahnenbalkenlage.

Der von Josias Wolrad Bruetzel geschaffene Altaraufsatz steht auf einem hellen Sandsteinbock,

mit eingehauenem Weihekreuz und Sepulcrum; seine Höhe beträgt ungefähr 1,30 Meter.

Der Altaraufsatz mißt fünf Meter in der Höhe und fast zwei Meter in der Breite. Der Aufbau

ist aus Predella. Die Hauptzone mit neuem Altarblatt ist umgeben von zwei gedrehten Säulen,

wie sie auch am Kanzelaltar in Sachsenberg oder Nieder-Ense zu finden sind.

Der gesamte Altaraufsatz ist zu vergleichen mit dem in Fürstenberg. Den oberen Abschluß

bilden eine Inschriftkartusche, zwei Giebelecken und zwei Putten. Eine Strahlenbekrönung ist die

Spitze des Altares, wobei nicht ganz sicher ist, ob Bruetzel hier einen Stern oder die Sonne

symbolisiert hat.

Am Südportal finden wir ein Kruzifix, aus Holz, bemalt; die Höhe beträgt fast zwei

Metei. Vielleicht war dieses Kreuz mit der Christusgestalt einmal die ursprüngliche Bekrönung

des Aufsatzes. Das heutige Bild des Altaraufsatzes ist erst später wiedergefunden und in

den Rahmen erneut gesetzt worden. Ein Ölbild, das den betenden Jesus darstellt, war lange

Zeit ein Ersatz und befindet sich nunmehr in der Sakristei.

Das fast ein Meter hohe Taufbecken ist aus Stein. Der Fuß der achtseitigen Balusterform

ist durch eine Holzverkleidung verbreitert. Eine silberne Taufschale liegt oben auf.

108


Die katholische Kirchengemeinde

Die katholische St. Sturmius-Kirche wurde am 29. Mai 1971 (Pfingstfest) durch Bischof

Dr. J. J. Degenhardt (Paderborn) geweiht.

Dankbar erinnern sich die Gläubigen, daß sie bis zu diesem Zeitpunkt den Gottesdienst

in der evangelischen Kilianskirche feiern konnten.

Die Kirche trägt den Namen des Bischofs Sturmius von Fulda. Dieser war im Jahr

772 dem Ruf Kaiser Karls des Großen auf die Eresburg (heute Obermarsberg) gefolgt.

Von hier aus brachte er auf seinen Missionsreisen das Christentum auch in das Upland

Nach der Überlieferung hat Sturmius am „Christenbörnchen" bei Usseln getauft. Pfarrer

Dr. Viering ließ an dieser Stelle 1947 einen Gedenkstein aufstellen. Die Freiwillige Feuerwehr

Usseln hat dankenswerterweise die Pflege dieser Anlage übernommen.

Durch den Bau der Eisenbahnstrecke Brilon-Wald - Korbach kamen wieder katholische

Gläubige nach Usseln, die seelsorglich von der Kirchengemeinde Eppe betreut wurden.

Nach dem 2. Weltkrieg trafen ca. 400 Heimatvertriebene in unserer Gemeinde ein.

Die meisten waren aus dem Sudetenland, weitere aus Schlesien und Ostpreußen. Die

überwiegende Zahl der damaligen Neubürger war katholisch. Anfangs wurde die Kirchengemeinde

von Seelsorgern aus Düdinghausen und Oberschledorn betreut.

Seit 1. 9. 1959 bilden die Orte Willingen, Usseln, Eimelrod, Hemmighausen, Neerdar,

Rattlar, Schwalefeld und Welleringhausen die Kirchengemeinde Willingen/Usseln. Zu ihr

gehören 1 100 Gläubige; davon 240 in Usseln. Die Gemeindemitglieder aus Bömighausen,

die der Gemeinde Eppe zugeordnet sind, werden von Willingen/Usseln mit betreut.

Sitz des Pfarramts ist Willingen. Seelsorger ist seit 1975 Pfarrer Walter Heinrichsrüscher.

Gottfried Birka

Die Katholische Kirche

109


Ostsudetenland - Altvaterland

In den Jahren 1945/46 kamen etwa 400 Heimatvertriebene nach Usseln. Die größte Zahl

stammte aus dem Sudetenland; viele davon aus dem Ostsudetenland.

An der Grenze zwischen Nordmähren und Schlesien steht der 1 492 m hohe Altvater,

aufgetürmtes Urgestein, gekrönt vom 35 m hohen Altvaterturm. In unzähligen Sagen und von

Heimatdichtern besungen, lebt er in der Erinnerung seiner früheren (deutschen) Bewohner

fort. An klaren Sommertagen lohnt sich der Aufstieg, um die herrliche, weite Rundsicht

zu genießen.

Im Westen zieht sich das fruchtbare Tesstal mit seinen stattlichen Bauerndörfern hin.

Ihre Waldhufenform zeigt die Eigenart der deutschen Besiedlung. Inmitten eines fruchtbaren

Kessels liegt die alte Stadt Mährisch-Schönberg, weltbekannt durch ihre Leinenindustrie.

Im 13. Jahrhundert wurde die Stadt durch Bruno von Schaumburg, der aus dem Lipper Land

stammte, gegründet. Als Bischof von Olmütz war er einer der größten Kolonisatoren des

deutschen Ostens.

Wenden wir uns nach Süden über die Hügel des Niederen Gesenkes, dann grüßen der

Rautenberg, einst ein Vulkan, dessen Lavaboden sehr fruchtbar ist, und die Städte Hof,

Bautsch und Barn, die „größten in Mähr'n". Freudenthal war bis 1939 Residenz des

Hochmeisters des Deutschen Ritterordens.

Im Osten geht der Blick über viele Berge der „grünen Schles"'. Hier liegt im Tal der

Oppa die Tuchmacherstadt Jägerndorf, gekrönt vom Burgberg mit seiner Wallfahrtskirche. Im

Turm des Wachtberges bei Lobenstein ruht der Bauernbefreier Hans Kudlich, dem die Bauern

110

Altvaterturm.

1492 m im

Altvatergebirge.


die Befreiung von der Fronarbeit verdanken. Unweit davon breitet sich in einer fruchtbaren

Ebene die alte Landeshauptstadt Troppau mit ihren zahlreichen Fabriken aus; seit mehr als

tausend Jahren Festung und Bollwerk im Osten.

Im Norden geht der Blick über den Kamm des Sudetengebirges bis zum Glatzer Schneeberg,

einem mineral- und mineralquellreichen Gebiet. Dazwischen liegt Freiwaldau mit dem Kurort

Gräfenberg. Dort verabreichte Vinzenz Prießnitz seine weltbekannten Kaltwasserkuren.

In diesem Raum lebten in den Städten und Gemeinden seit vielen Jahrhunderten deutsche

Menschen, die fleißig arbeiteten, bis sie nach 1945 grausam aus ihrer angestammten Heimat

vertrieben wurden. „Laß dir die Fremde zur Heimat, nie aber die Heimat zur Fremde werden!"

Gottfried Birka

Die Usselner Vereine im Jubiläumsjahr 1977

Schützengesellschaft Usseln

Vorsitzender Dieter Bornemann, 2. Vorsitzender Wilhelm Brüne-Habicht,

Kassierer Otto Schober, Schriftführer Helfried Heine

Turn- und Sportverein Usseln

Vorsitzender Karl-Volker Sauer, Kassierer Ernst Meier

Schriftführer Helmut Säure-Kamp

Skiclub Usseln

Vorsitzender Richard Wilke, Kassierer Ernst Meier,

Schriftführerin Anita Kesper

Männergesangverein ,,Eintracht" Usseln

Vorsitzender Willi Saure-Wiesemanns, Kassierer Werner Schulze,

Schriftführer Willi Schulze-Zaches

Verkehrsverein Usseln

Vorsitzender Fritz Stöcker, 2. Vorsitzender Karl Brüne-Post,

Geschäftsführer Helfried Heine

Freiwillige Feuerwehr Usseln

Wehrführer Friedrich Saure-Wortschäfer, Kassierer Albert Rummel-Hensels.

Schriftführer Wilfried Arnold

Posaunenchor

Vorsitzender Pfarrer Eckard Staks, Kassierer Friedrich Schulze-Zaches,

Schriftführer Wilfried Arnold

Taubenverein

Vorsitzender Wilhelm Urff, Kassierer Gerd Melkowski,

Schriftführerin Heiderose Urff

Burschenclub Usseln

Vorsitzender Hanfried Saure-Kann

111


Walter Scholz, der Trompeter vom Schwarzwald,

und seine Original Reblandmusikanten

Am Fuße des Schwarzwaldes, in der Nähe von Baden-Baden und der Bühlerhöhe, liegt der

bekannte Weinort Altschweier.

Inmitten dieser herrlichen Landschaft befindet sich die Heimat der „Original Reblandmusikanten".

Ein Blasorchester von 40 Musikern. In ihrer schmucken Tracht, rote Westen,

schwarze Kniebundhosen und weiße Strümpfe, ist es bereits eine optische Delikatesse, diese

Kapelle zu sehen. Nicht jedes Blasorchester hat das große Glück, einen Stardirigenten,

Solotrompeter, Komponisten und Arrangeur in einer Person zu besitzen.

Walter Scholz, der Trompeter vom Schwarzwald, bekannt durch Funk-, Fernsehen und viele

Schallplattenaufnahmen, leitet seit über zehn Jahren die Kapelle. In dieser Zeit hat er einen

Klangkörper geschaffen, der in seiner volkstümlichen Art als einmalig zu bezeichnen ist.

Nicht umsonst schreibt die internationale Presse von einem der besten Laienblasorchester in

der Bundesrepublik. Alle Mitglieder der Reblandmusikanten sind nämlich ,,Hobby-Musiker". Nur

der „Boss" ist Voll-Profi. Walter Scholz ist hauptberuflich erster Solotrompeter im Sinfonieorchester

des Südwestfunks in Baden-Baden. In seiner Freizeit gilt seine ganze Liebe der

Blasmusik. Von seinem Können als Trompeter sowie seinen hervorragenden Kenntnissen auf

dem Gebiet der Volksmusik profitiert jeder einzelne Musiker der Kapelle. Die Reblandmusikanten

spielen nur Spezialbearbeitungen aus der Feder von Walter Scholz. Hier beginnt

auch das eigentliche Geheimnis der musikalischen Erfolge dieses Blasorchesters mit dem

besonderen Sound.

Scholz arrangiert und komponiert einen weichen Klang, mit einem unauffälligen markanten

Rhythmus. Er schreibt es seinen Musikern, wie man unter Experten sagt, „auf den Leib".

Das Orchester gastierte bereits in vielen Ländern und wirkte bei verschiedenen Rundfunk- und

Fernsehsendungen mit.

Walter Scholz und seine „Original Reblandmusikanten" sind ein gefragter Markenartikel bei

vielen Freunden volkstümlicher Blasmusik. Sie spielen zum Jubiläums-Schützenfest in Usseln.

112


Die Mitglieder der Usselner Schützengesellschaft

im Jubiläumsjahr

Asmuth-Jostwilmes, Christian

Asmuth-Kriegerhannes, Johannes

Asmuth, Karl

Arnold, Fritz

Alscher, Leo

Asmuth, Walter

Asmuth-Jostwilmes jun., Christian

Arnold, Wilfried

Asmuth-Kriegerhannes, Hans

Antoni, Hartmut

Bause, Robert

Behle-Dullen, Wilhelm

Behle-Schniedes, Ludwig

Bender-Ohl, Friedrich

Bender-Altenrichts, Heinrich

Bender-Klenken, Ludwig, sen.

Bender-Klenken, Ludwig, jun.

Benecke, Christian

Biederbick-Gotten, Christian

Biederbick-Brauckmann, Willi

Bom-Pickes, Gustav

Born, Hermann

Born-Köstes, Walter

Bornemann, Karl

Brüne-Dribische, Christian

Brüne-Höhmann, Wilhelm

Brüne-Post, Karl

Biederbick-Gotten, Christian

Brüne-Habicht, Wilhelm

Beier, Gottfried

Born, Pickes, Friedrich

Brüne-Kükelheim, Hans

Brüne-Habicht, jun., Heinrich

Biederbick, sen., Hermann

Benecke, jun., Christian

Bromm, August

Born, Herbert

Bornemann, jun., Karl

Bornemann, Dieter

Bornemann, Alfred

Behle-Schniedes, Ludwig

Bender-Ohl, Friedhelm

Baumstark, Anton

Biedermann, Heinrich

Biederbick-Gotten, Helmut

Behle-Dullen, Friedrich

Behle, Robert

Biederbick, jun., Hermann

Biederbick, Braukmann, jun., Willi

Barbe, Helmut

Behle, Hans

Behle-Simson, Friedhelm

Biederbick, Karl-Heinz

Bangert-Henken, Karl

Behle-Dullen, Werner

Becker, Roland

Brüne-Habicht, Eckart

Biedermann, Michael

Budde, Heiko

Cronenberg, Herbert

Diez, sen., Heinrich

Diez, jun., Heinrich

Dolleschell, Hans

Düdder. Dieter

Emde-Miezen, Friedrich

Emde-Asmuth, Karl

Emde-Fiesen, Karl

Emde-Hüskens, Wilhelm

Emde-Paggel, jun., Willi

Engelbracht, Braukmann, Friedrich

^Engelbracht-Dregges, Karl

Engelbracht, Eugen

Engelbracht-Schür, Willi

Emde-Hüskens, Karl-Wilh.

Engelbracht-Schür, Karl

Emde-Mietzen, jun., Friedrich

Emde, Heinz

Engelbracht-Dregges, jun., Karl

Engelbracht-Dregges, Alfred

Emde, Helmut

Eppendorf, Horst

Engelbracht-Schür, jun., Willi

Emde-Fiesen, Karl-Heinz

Eismann, Willi

Edwin, George A.

Emde-Paggel, Gerhard

Emde-Asmuth, Karl-Heinz

Engelbracht-Schür, jun., Karl

Emde, Helmut

Figge-Kleinen, Friedrich

Figge-Pickes, Friedrich

Figge-Bunsen, sen., Karl

Figge-Bunsen, jun., Karl

Figge-Krönicke, Willi

Fischer, Herbert

Figge-Pickes, Anton

Figge-Figgen, Hans

Figge-Stryck, Hans-Jürgen

113


Flake, Rolf

Figge-Henken, Werner

Franke, Friedrich

Franke, Ferdinand

Foerster, Hans-Joachim

Gerhardt-Heck, Christian

Gerhard-Heck, Ernst

Gerhard-Heck, Walter

Göbel-Schäpes, Erich

Göbel-Krüpes, Fritz

Gobel. Willi

Göbel, Karl-Heinz

Göbel-Schäpes, Karl-Heinz

Gitt, Horst

Genuit, Emil

Göttlicher, Josef

Gölte, Johann

Gerbracht, Willi

Golik, Karl

Gerhardt-Heck, jun., Walter

Heine-Schilling, Karl

Heine-Schilling, Helfried

Hellwig, Ernst

Hartmann, Adam

Heing, Arnold

Hill, Horst

Hof mann, Volker

Hüttig, Siegfried

Hohmeister, Kurt

Heldmann, Kurt

Holtel. Willi

Hahn, Werner

Jäkel, Anton

Jäkel, Helmut

Jäger-Färber, Alfred

Jäger-Schmitten, Herbert

Jäger-Schmitten, Wilhelm

Jäger-Schmitten, Adolf

Jäger-Fehling, Ludwig

Jäger-Fehling, Fr.-Wilhelm

Jäger, Hans-Otto

Johannes, Herbert

Kesper-Schmitten, Ernst

Kesper-Schmitten, Karl

Koch, sen., Karl

Koch, jun., Karl

König, Kurt

König-Bödicker, Hermann

König-Bödicker, Helmut

König-Bödicker, Werner

König-Bödicker, Horst

Kroneis, Karl

Kühn, Richard

Küthe, Paul

Küthe, Paul-Heinz

Küthe-Niggemann, Heinrich

Küthe-Niggemann, Albrecht

Koch, Herbert

Koch, Alfred

Kiel, Kurt

Krähling, Heinrich

Küthe, Karl-Heinz

Kauer, Ottmar

Kruse, Dieter

Kilian, Hans

Kesper, Lothar

Kesper, Willi

Klahr, Hans

Kotthaus, Rainer

Kaesmann, Dr., Otto

Könne, Herbert

Kleine, Heinz

Meier, sen., Ernst

Meier, jun., Ernst

Meier, Gerhard

Meier-Knochen, Walter

Mitze, Egon

Mitze, Dr. Helmut

Mitze, Christian

Mitze, Harald

Mohr, Karl-Heinz

Mohr, Axel

Murk, Ludwig

Marczewski, Walter

Marczewski. Otto

Marczewski, Horst

Medeke, Erich

Meier, Karl-Heinz

Müller, sen., Horst

Müller, jun., Horst

Möllmer, Harald

Müller, Günther

Mertens, Hagen

Nickel, Karl-Heinz

Nagel, Horst

Lange, Wilhelm

Linder, Rudi

Oertel, Willi

Pohlmann, Adolf

Pohlmann, Walter

Peters, Heinz

114


Peters, Peter

Regul, Robert

Regul, Rolf

Rummel, sen., Albert

Rummel, jun., Albert

Rieck, Helmut

Rosmanit, Peter

Room, Helmut

Reimers, Ernst

Saure-Bickmann, Willi

Saure-Kampmann, Christian

Saure-Dengels, Emil

Saure-Dengels, sen. Erich

Saure-Dengels, jun., Erich

Saure-Dengels, Manfred

Säure-Schusters, Fritz-Wilhelm

Saure-Landrat, Karl

Saure-Landrat. Heinz

Saure-Landrat, Helmut

Saure-Wakenfeld, Heinrich

Sauer-Boden, Karl

Sauer-Boden, Karl-Volker

Saure-Dresel, Karl

Saure-Kann, Robert

Saure-Linneweber, Willi

Saure-Wiesemann, Willi

Schäfer-Papenheim, Wilhelm

Schäfer-Papenheim, jun., Willi

Schäfer-Papenheim, Alfred

Schmidt, Siegfried

Schreiber, Hans

Schulze-Feldmann, Christian

Schulze-Zaches, sen., Friedrich

Schulze-Zaches, jun., Friedrich

Schulze-Zaches, Werner

Schulze-Zaches, sen., Willi

Schulze-Zaches, jun., Willi

Schulze, Ludwig

Schulze-Alte Schule, Willi

Schulze-Alte Schule, Friedhelm

Schulze, Karl

Schumann, Heinrich

Schumann, Hermann

Schweinsberg-Hüskens, Karl

Stapel, Ernst

Stöcker, sen., Fritz

Stöcker, jun., Fritz

Schmidt, Fritz

Stremmel, sen., Reinhard

Stremmel, jun., Reinhard

Stremmel-Jordan, Wilhelm

Stremmel-Jordan, Willi

Stroth, Hans

Schweinsberg, Heinz

Scharf, Helmut

Saure-Roth, Heinrich

Sifft, Hans

Schröter, Artur

Saure-Kampmann, Helmut

Saure-Oberschulte, Karl-Erich

Schilling, Jochen

Schalk, Otto

Schweinsberg, Hartmut

Sauer-Egge, Willi

Schulte, Elleringhsn.

Schäfer-Papenheim, Heiner

Saure-Wiesemann, jun., Willi

Schneider, Anton

Schmirler, Dieter

Schmirler, Manfred

Schmirler, Werner

Saure-Kann, Hanfried

Schalk, Herbert

Schober, Otto

Schober, Rudolf

Saure-Wortschäfer, Friedrich

Steinacker, Karl

Steinacker, Horst

Schulte, Jörg

Schmittmann, Werner

Schalk. Erich

Schäfer, Otto

Saure, Ludwig

Steffan, Siegfried

Schneider, Freienh., Fritz

Schmilz, Bruno

Saure-Linneweber, Klaus-Jürgen

Saure-Wiesemann, Jürgen

Tegge, Georg

Trachte, Heinrich

Urff, Hans

Urff, Wilhelm

Vogel-Liesen, Eugen

Vogel-Klorens, Karl-Heinz

Vogel-Klorens, Ludwig

Vogel-Gockel, Otto

Vogel-Gockel, Karl

Vogel-Gockel, Heinz

Vogel-Klempner, Willi

Vogel-Liesen, Hermann

Vogel, Willi

Vollbracht-Matzes, Helmut

Völker, Willi

115


Walter, Franz

Wilke-Mühle, Christian

Wilke-Stifters, Christian

Wilke-Jägers, Friedrich

Wilke, Werner

Wilke-Strotmann, Ludwig

Wilke-Strotmann, Richard

Wilke-Strotmann, Herbert

Wilke-Fiesen. Wilhelm

Wilke-Fiesen, Willi

Winter, sen., Gustav

Winter, jun., Gustav

Winter, Klaus

Wiesemann, Hans

Wilke-Wilken, Willi

Wilke-Bäumers, Karl-Friedrich

Wilke-Kirchhöfer, Fritz

Weller, Werner

Wilke-Kirchhöfer, Klaus

Wilke-Kirchhöfer, Horst

Weber, Emil

Weber, Manfred

Wilke-Fiesen, Erich

Westmeier, Ernst

Wilke-Bäumers, Herbert

Wilke, Wilfried

Wilke, Willi

Wilke-Bäumers, Willi

Wilke-Stifter, Wilfried

Wilke-Wilken, Karl-Heinz

Ziepprecht, Theo

Ziepprecht, Dieter

Czech, Siegfried

(330 Mitglieder)

Mitbegründer der Schießgrupe v. l. n. r. (hinten) Otto Schafer, Willi Gerbracht. Karl-Heinz Ernde, Hanfred Saure, Jürgen Bethge.

(vome). Siegfried Czech. Wilhelm Holtel, Willi Oertel, Dieter Bornemann, Horst Hill

116


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Die Schutzongesollschaft im Jubiläumsjahr

In der Bildmitte Schützenkönig Jörg Schulte, rechts (mit Säbel) Schutzenhauptmann \

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Gewerbe - Handel - Fremdenverkehr

Eckpfeiler der heimischen Wirtschaft

Es empfehlen sich:

45 Jahre Upland - Reisen

Omnibus- und Taxibetrieb

Erich Saure, Usseln, Telefon 423

Karl Asmuth

Inh. Jörg Schulte, Usseln, Telefon 813

Fleischerei - Speisegaststätte

Heinrich Schulze

Inh.: Karl Schulze

Baugeschäft, 3542 Usseln 1

Karl Koch

Hoch- und Tiefbau

Usseln, Sportstraße 1

Fahrschule

Ing. Paul Küthe & Sohn

Usseln

Textilwaren

Karl Saure,

Bekleidung und Handarbeiten

118


Elektro - Kälte - Klima - Technik

Lufttechnische Anlagen

O. Hellwig, Willingen -seit 1929-Rufe9281 u.5301

. Hotel Westfslenhof

seit 1500 im Familienbesitz

Usseln, Korbacher Straße 10, Telefon 810

Upland-Apotheke und Drogerie

Usseln, Korbacher Straße 3

A. M. Baumstark

Speisegaststätte

Uplandstube Usseln

Inh.: A. u. H. Müller

Waldecker Fleischwaren

Heinrich Saure

3542 Willingen-Usseln

Johannes Wiesemann

Malermeister

Usseln, Birkenweg 12

Wilhelm Urff

Dachdeckermeister

Usseln, Blumenstraße

119


Wilhelm Saure

Usseln, Hochstraße 3

Sägewerk und Zimmergeschäft

Karl Bornemann

Elektro- u. Sanitärinstallation

Usseln, Zur Heide 3

August Mitze

Usseln, Zur Heide 12

Textilfachgroßhandel - Hotelwäsche - Bettwaren - Innendekorationen - Fußbodenbelage

Art u r Sch röter

Weine - Spirituosen

Usseln, Korbacher Straße 2 a

Karl Engelbracht & Sohn

Möbelhandlung

Usseln, Vor der Höhe

Ernst Biederbick

Elektro - Radio - Fernsehen

Usseln, Ringstraße 21

Ing. Horst Steinacker

Kfz-Reparaturen und Aral-Tankstelle

Usseln, Briloner Straße

120


Willi Schulze

Renault-Service, Kfz.-Reparatur,

Usseln, Briloner Straße

MERTENS Damen und Herrenmoden

Usseln, Briloner Straße 1 a

Pension Haus Mertens, Usseln, Ringstraße 24

Friedrich Schulze

Kunststoff enster - Schreinerei - Geschenke

Usseln, Briloner Straße 1

Cafe Jäger

Bäckerei

Usseln, Korbacher Straße 2

Kur- und Moorbad Sellmann

Naturmoorbader

Usseln, Sportstraße

Lina Weber

Pension

Usseln, Sportstraße 6

Gebr. Schulze

Blumen - Gärtnerei

Usseln, Briloner Straße 17

121


Upland-Milch

Molkerei und Vertriebs-GmbH

Usseln

Post-Hotel Usseln

Karl Brüne, Telefon 845

3542 Willingen 1-Usseln

Hotel Upländer Hof

Braustübl - Bundeskegelbahn

Usseln

Schuhhaus

Kleine

Usseln. Korbacher Straße 8

Dieter Düdder

Friseursalon

Usseln, Briloner Straße 2 a

Wilhelm Wilke & Sohn

Bau- und Möbelschreinerei

Rehau-Kunststoff-Fensterbau, Usseln, Ringstraße 39

Berghotel - Cafe

Büller Höhe

Bes. Horst Eppendorf

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Ernst Hellwig & Sohn

Textil- und Modewaren, Sportbekleidung

Usseln, Korbacher Straße

75 Jahre

Bäckerei - Lebensmittel - Feinkost

Hermann Schumann,

Cafe zum Paradies

3542 Willingen - Stryck

H. Figge

Dussel - Alt

aus der Hirschbrauerei AG Düsseldorf

Verleger: HSHS OttO Jäger - Usseln, Telefon 333

Artus - quellfrisch

Artus Mineralquellen GmbH & Co. KG

Großhändler: HSHS OttO Jäger, Usseln

Schuhhaus Vollbracht

Usseln und Willingen

Das Haus der führenden Schuhmarken

Ostmann Gewürze

Helfen schmackhaft kochen

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Roland BeCker Architekt Bau-mg.

Planung - Bauleitung - Statik - Abrechnung

354 Korbach-Rhena, Telefon 05631/2564

Horst Nagel

Sachverständiger für Kraftfahrzeuge

3542 Willingen 2

DEGUSSA - Werk Brilon-Wald

Hersteller von Holzkohle und Grillis

Brilon, Korbacher Straße 12

Brüder Schulte KG

Holzindustrie

5787 Olsberg 3 - Elleringhausen

Modehaus Brack

elegante Damenmoden

Korbach, Bahnhofstraße 3

Gerhard Fiss KG Korbach

Verlieb von Coca-Cola, Fanta, Lift, Sprite,

Cappy, Rosalta u. Kinley

Volksbank Korbach

Zweigstelle Usseln

Sportstraße 1 a

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Friedrich Kleine GmbH

Hoch-, Tief- u. Straßenbau

3540 Korbach 1

Mercedes-Benz

Autohaus Willy Brandt KG.

Korbach

Waldecker Bank

Wir bieten mehr als Geld und Zinsen

Zweigstelle Usseln, Zur Heide

Brauerei C. & A. Veltins

Greven stein/Sauerland

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Hans Otto Jäger,

Getränke - Großhandel

Lieferant aller Biere u. alkoholfreier Getränke

Ingenieurbüro Dipl. Ing. W. Gröticke

Wasserversorgung - Abfallbeseitigung - Entwässerung - Straßenbau

3549 Twistetal 2 Berndorf

Autozentrale Schmalz + Co., Korbach

Opel - Eriba-Wohnwagen - Anhänger/Pferdetransp.

Aral-Selbsttankanlage - SB-Schnellwäsche

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Großhandel Schumann KG.

Usseln, Mittelstraße 12, Telefon 881

3542 Willingen 1

Gottfried Van Elkan, Frankenberg

50 Jahre Fahrbetriebe

zum Schützenfest in Usseln

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Willingen, Fernruf 6302

Filiale: Kurhotel „Der Sauerlandstern"

Helmut Saure

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Usseln

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5788 Winterberg-Siedlinghausen, Hochsauerlandstraße 31, Telefon 02983/295

W. Heinemann KG

- FORD - - HONDA -

Korbach

Cafe - Konditorei

Welteke - König

Korbach, Fußgängerzone

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Dorfschänke Usseln

Friedrich-Wilhelm Jäger, Ringstraße 42, Telefon 321

Gastlichkeit - Gemütlichkeit; Kegelbahn

Upländer Bücherstube Usseln,

Ilse Schäfer, Korbacher Straße

Radio - Fernseh - Fachgeschäft

Dieter Bornemann, Am LOH 5

Bauschlosserei

WÜke- ROSmanJth, Usseln, Ringstraße 22

VW-Audi, Fahrschule,

PaUl-H. KÜthe, Usseln, KorbacherStraße 31

Schwimmbad - Cafe - Usseln

Gisela Beier, Usseln, Sportstraße 6

Hotel-Pension Berghof, u sse in

Ludwig Schulze, Am Schneppelnberg, Telefon 317

Speisegaststätte Sportklause Usseln

Karl Heinz Würscher, Sportstraße

127


Gaststätte Jägerheim,

Margarete Flake, Briloner Straße 7

Edeka - Lebensmittel - Feinkost

Hans Dolleschel, Usseln, Bahnhofstraße 4

Malergeschäft und Ferienwohnung

OttO Schäfer, Usseln.SüdstraßeS, Telefon 71 51

Hotel-Pension Stöcker

Waltraud Stöcker, Usseln, Birkenweg 3, Telefon 7315

Kohlenhandel - Fuhrgeschäft

Emil Satire, Usseln, Ringstraße 14a

Cafe - Schumann, Usseln

Siegfried Steffan, Korbacher Straße

Landmaschinen Usseln

Willi Biederbick, Zur Heide

Orthopädie - Fußpflege - Schuhreparatur

Hermann Vogel, Ringstraße

128


Fleischerei

GlJStaV Winter, Usseln, KorbacherStraße 11

Gaststätte Ohlenbeck,

Polyphon aus dem Jahre 1830 • Orchestrion aus dem Jahre 1860

wenn's um Geld geht:

Kreissparkasse Waldeck

Kleineisenwarenfabrik Oberschledorn

Otto Battenfeld & Sohn

Städtereinigung G. Stratmann GmbH

Velmede, Telefon 02904/3051 -52

Über 75 Jahre Süßwarenverkauf zum Schützenfest in Usseln:

Fritz Schneider, Freienhagen

Antoni - Immobilien

Usseln, Sportstraße 20

Heinrich Kaiser, Herrenkleiderfabrik,

Mengeringhausen, - Lieferant der Usselner Schützenuniformen -

129


Fremdenheime • Pensionen:

HaUS Gerhard, Dorothea Gerhard, Blumenstraße 10, Telefon 7422

HaUS GudrUn, Marianne Riepe, Sportstraße 32, Telefon 8 95

HaUS Meier, Ingrid Meier, Blumenstraße 5, Telefon 7019

Familie Saure, Ringstraße 44, Telefon 3 69

HaUS TanneCk, Gisela Figge, Schneppelnberg 15, Telefon 409

FamilienSchweinsberg-Meier.AnderDiemel6.Tel.431

HaUS Heine, Karl Heine. Mühlweg 2, Telefon 206

HaUS GottenbOm, Manna Schulze, lmGottenborn1,Telefon451

Luise Perron, Sportstraße 26, Telefon440

HaUS Tegge,MillyTegge, Sportstraße 22. Telefon316

, Eise Gitt, BrilonerStraße23, Telefon 7112

HaUS Schmidt, Fritz Schmidt, Am Loh 9. Telefon3 35

HaUS PlJSSa, Luise Plissa.Mittelstraße 5, Telefon 394

Margret Saure, Mittelstraße 1 , Telefon 3 32

HaUS Biedermann, Maria Biedermann, EimelroderWegl .Tel. 73 09

HaUS DribJSChenhOf, Christian Brüne,KorbacherStr.23,Tel. 1240

130


Karl-Heinz Vogel, An der Lieth 3, Telefon 7058

KÜthe, Elenore Blaser, Ringstraße 28, Telefon 475

HaUS Bangert, Familie Bangert-Henken, BrilonerStraße 19, Tel. 817

HaUS Annegret, AloisFurth, MittelstraßeH, Telefon 71 43

HaUS Arnold, Luise Arnold, Birkenweg6, Telefon 400

HaUS Gerda, Familie Säure-Schober, Ringstraße 29, Telefon 243

HaUS Rummel, Albert Rummel, Korbacher Straße 41, Telefon 7016

HaUS WiCkert, Hildegard Wicken, Ringstraße 31, Telefon 1049

, Eise Medeke, Am Loh 10, Telefon 7332

RegUl, Wilhelmine Regul, Eimelroder Weg 4, Telefon 237

HaUS Stapel, Herta Stapel. Mittelstraße 9, Telefon 284

HaUS Schober, Marianne Schober, Am Loh 19, Telefon 74 23

HaUS Kühn, Marlha Kühn, Ringstraße 19, Telefon 70 10

Gasthof-Pension Deutsches Haus, Kornes* T«, «se

HaUS Elf riede, Elfriede Schmilz, Sportstraße 31, Telefon 331

HaUS ZJeppreCht, LinaZiepprecht, Blumenstraße 8

Helga Saure. Korbacher Str. 15. Tel 3 63

131


HaUS Frank, Elisabeth Frank, Sportstraße 35, Telefon 7001

HaUS SChlTlidt, Hildegard Schmidt, Briloner Straße 24, Telefon 1027

HaUS WittGH, Monika Czech, Briloner Straße 9, Telefon 835

HaUS Emde, EdithEmde, Blumenstraße16

HaUS Born, Erika Born. Eimelroder Weg 6, Telefon 7322

HaUS GÖbel, Hildegard Göbel. Korbacher Straße 30, Telefon 815

HaUS Schäfer, Ulrike Schäfer, Bahnhofstraße 3, Telefon 468

HaUS Helma, Helma Saure. Blumenstraße 2, Telefon 74 15

HaUS Bender, Gerda Bender, Bahnhofstraße 2, Telefon 7325

Landgasthof Saure-Wakenfeld

HaUS eneCe, Jutta Benecke, Zur Heide 16, Telefon 1046

rldUS rldblChtShOf , MaqdaleneBrune,BrilonerStr.3,Tel.7018

Martha Medeke, Sportstraße 14, Telefon 376

HaUS SurenhOf, Christian Mitze, Korbacher Straße 49, Telefon 302

HaUS Fernblick, Helga Vogel. Briloner Straße 20, Telefon 1312

Ferienwohnung Haus Wilke,

.

Ferienwohnung Lindermann,

132


Ferienwohnung Ostendrop, ZurSchladeS. Telefon 1313

Ferienwohnung Kramm, Ernst Kramm, Am Loh7. Telefon 71 36

Ferienwohnung Völker, isoidevoiker sponstr 25 tei 1025

Ferienwohnung Steinacker,

Ferienwohnung Haus Pitti,

Emma Steinacker. Briloner Str. 27, Tel. 434

Erich Czech. Am Heimberg 3. Tel. 220

Ferienwohnung Haus Gisela, Gisela Muller. Sudstr. 1 S. Tel. 10 28

Ferienwohnung Haus Christel, Christel Göbel, Muhlenweg 10

Ferienwohnung Appartement Fischer,

Ferienwohnung Hartwig, Ingrid Hartwig. 48 Bielefeld 1, Tel. 05 21 /3 73 63

Ferienwohnung Genuit, Käthe Genuit, Zur Heide 11. Telefon 12 37

133





Die Vereinsfahne aus dem Jahre 1952


Luftkurort und Wintersportplatz Usseln

Bewahrtes Brauchtum - Osterfeuer in Usseln

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