Festschrift 100 Jahre Schützengesellschaft Usseln
Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum der Schützengesellschaft Usseln 1877-1977
Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum der Schützengesellschaft Usseln 1877-1977
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Schützengesellschaft
Usseln
1877 -1977
Unter allen Landen deutscher Erde
preis' ich Waldeck, mein lieb Heimatland.
Bis zum letzten Atemzuge werde
ich ihm weihen treulich Herz und Hand.
Seht das Land im Schmuck der schönsten Wälder,
wenn der Lenz mit neuer Pracht einzieht,
wenn die Berge, Täler, Wiesen, Felder
grün geziert, so weit das Auge sieht.
Wie so mächtig auf den Höhen rauschen
Eich' und Buche, trotzend Sturm und Wind !
Hirsch' und Reh' im stillen Waldgrund lauschen,
wo der Quell zum klaren Bächlein rinnt.
Schwarz-rot-gold sind meine Landesfarben.
Dunkler Nacht folgt goldnes Morgenrot.
Für All-Deutschland Waldecks Söhne starben,
deutsche Treu' bewährend bis zum Tod.
Fest, o Waldeck, steh' zum deutschen Reiche,
wie dein hohes Felsenschloß so fest!
Grün' und blüh' gleich deiner schönsten Eiche,
stürmt es auch von Osten oder West.
August Koch (1857 — 1934)
100 Jahre
Schützengesellschaft Usseln
1877 - 1977
FESTSCHRIFT
Schützengesellschaft Usseln e. V.
Zusammenstellung Friedrich Born und Richard Wilke. Luftbild und Karte mit Genehmigung des Hessischen Landesvermessungsamtes
vervielfältigt Vervielfaltigungsnummem 8/77 und 317/77 Luftbild freigegeben vom Regierungspräsidenten in Darmstadt
unter HLVA 18/75
Druck Buch- und Offsetdruck Wilhelm Bing. Korbach
IN TRAUER UND EHRFURCHT GEDENKEN WIR
UNSERER VERSTORBENEN UND GEFALLENEN
SCHÜTZENBRÜDER
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Ehrenmal Usseln für die Gefallenen und Vermißten beider Weltkriege
Die Gefallenen und Vermißten aus Usseln
in beiden Weltkriegen
1914: Fritz Bödecker, Wilhelm Figge, Heinrich Wilke G., Karl Bunse.
1915: Max Schönstedt, Wilhelm Klein, Karl Emde, Karl Schäfer, Ludwig Figge, Ludwig Trachte,
Wilhelm Brüne, Wilhelm Engelbracht, Ludwig Brüne, Heinrich Bödecker, Louis Saure,
Fritz Wilke, Heinrich Jäger, Christian Jäger W..
1916: Christian Biederbick, Theo Holzhausen, Friedrich Wäscher, Wilhelm Wilke, Friedrich
Jäger, Wilhelm Trachte, Heinrich Engelbracht, Albert Wäscher.
1917: Christian Bender L., Fritz Schulze, Karl Behle, Christian Jäger F., Christian Figge,
Christian Bender K., Fritz Dietzel.
1918: Christian Saure, Philipp Figge, Heinrich Behle, Fritz Behle, Heinrich Wilke, Heinrich
Dietzel, Karl Engelbracht.
1919: Christian Wilke B.
1941: Walter Vogel. Erich Engelbracht, Heinrich Emde.
1942: Kurt Vogel, Hans Braconier, Hermann Figge P., Karl Ferron, Albert Saure.
1943: Ernst Peuster, Karl Schulze, Paul Menken, Hermann Fischer, Erich Köhler, Wilhelm
Jäger, Erich Wilke F., Hermann König.
1944: Friedrich Saure Kp., Heinrich Schweinsberg, Walter Brüne, Horst Stöcker, Heinrich
Göbel, Karl Trögeier, Gustav Emde. Conrad Giebeler, Friedrich Figge Seh., Fritz Glomb,
Karl Göbel, Friedrich Meier, Christian Wilke K., Egon Gerhard, Julius Marczewski, Karl
Wilke F., Karl Vogel KL, Paul Brüne-Brocke, Willi Vogel, Friedrich Asmuth, Franz Weyer,
Friedrich Wilke St..
1945 und später:
Willi Schreiber, Wilhelm Engelbracht, Martin John, Willi Hill, Karl Figge P., Willi Eisholz,
Willi Zimmermann, Walter Wilke, Friedrich Saure Br., Reinhard Vogel, Christian Kesper,
Herbert Petersen, Friedrich Brüne-Brocke, Wolrad Engelbracht, Karl Klöcker, Christian
Saure B., Willi Keinath. Heinz Wilke, Heinrich Göbel Seh., Karl Wilke Klg., Friedrich
Saure W., Heinrich Köberich.
Grußwort
100 Jahre ist es her. daß sich Usselner Männer zusammenfanden, um einen Kriegerverein
zu gründen. Sie wollten damit einen Rahmen schaffen, in dem sie auch nach ihrer aktiven
Soldatenzeit in zünftiger Form Kameradschaft halten und heimisches Brauchtum pflegen
konnten.
Gewiß hatten sie damals keine Vorstellung davon, wie die Welt 100 Jahre später aussehen
würde. Sie wußten nicht, was aus dem damaligen deutschen Kaiserreich werden, durch welche
Höhen und Tiefen unser deutsches Vaterland gehen würde. Sie wußten aber auch nicht,
daß ihr Verein, die heutige Schützengesellschaft Usseln, nicht nur die guten, sondern auch
all die schlechten Zeiten überstehen würde.
Dieser Verein zählt heute weit über 300 Mitglieder, er ist aus dem gesellschaftlichen Leben
unseres Heimatdorfes nicht mehr wegzudenken.
Unser alljährliches Schützenfest ist das Familienfest aller Usselner aus nah und fern und
hat sicher schon manchen auswärtigen Gast begeistert. Mit dem alljährlichen Grenzbegang
nahm die Schützengesellschaft ein altes Brauchtum wieder auf, das die Usselner Gemarkungsgrenzen
bewußt macht, aber auch die Freundschaft mit unseren Gemarkungsnachbarn pflegt.
Wir haben seit einigen Jahren wieder eine aktive Schützengruppe, die sich mit ihren sportlichen
Erfolgen sehen lassen kann.
Dies alles sind wichtige Aktivposten, wenn ich aus Anlaß unseres diesjährigen Jubiläumsfestes
Bilanz ziehe. Daß wir diese Bilanz ziehen, daß wir dieses Jubiläum feiern können, verdanken wir
Männern, deren Namen ich an dieser Stelle nicht alle nennen kann. Es waren Schützenbrüder,
die sich immer wieder für ihren Verein einsetzten. Ihnen allen gilt heute unser Dank, ihr
Wirken ist uns Verpflichtung, diese Schützengesellschaft auch in Zukunft mit Leben zu
erfüllen im Sinne unseres ganzen Heimatortes Usseln.
Alle Gäste, alle Freunde, alle Usselner aus nah und fern heiße ich zu unserem Jubiläumsfest
herzlich willkommen.
Dieter Bomemann
1. Vorsitzender
Grußwort
Die Schützengesellschaft Usseln e.V. kann in diesem Jahr auf ihr 100jähriges Bestehen
zurückblicken. Das sollte Anlaß sein, das Schützenfest 1977 in würdiger Form zu begehen.
Zugleich aber auch Anlaß, Rückschau auf die Vereinsgeschichte zu halten und derer zu
gedenken, die sich um das Schützenwesen in Usseln verdient gemacht haben.
In den vergangenen 100 Jahren hat die Schützengesellschaft Usseln e. V. eine wechselvolle
Geschichte zu verzeichnen. Zeiten des Friedens wechselten mit Zeiten der Not und des
Schreckens. Die Schützengesellschaft Usseln e.V. hat es immer wieder verstanden, Bürgersinn
und Zusammengehörigkeitsgefühl zu wecken.
In der dörflichen Gemeinschaft hat sich die Schützengesellschaft Usseln e. V. ein hohes Ansehen
erworben. Die Entwicklung des heilklimatischen Kurortes Usseln ist eng verbunden mit der
Vereinsgeschichte. Positive Anregungen sind immer wieder von den Schützenbrüdern ausgegangen.
In der heutigen Zeit kann der von der Schützengesellschaft ausgehende Gemeinschaftssinn
nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Ich wünsche allen Gästen und Freunden der Schützengesellschaft Usseln e.V. erlebnisreiche
Tage in Usseln anläßlich des Jubiläumsfestes.
Günther Rehbein
Bürgermeister
und Schirmherr des
Jubiläumsfestes
Allen Schützen zum Gruß!
Viel Idealismus, noch mehr Opfer an Zeit und Kraft, aber auch erhebliche finanzielle
Mittel haben die Mitglieder der Schützengesellschaft Usseln e.V. erbracht, um den 100.
Geburtstag ihrer traditionsreichen Vereinigung in den Mittelpunkt eines glanzvollen Festes
zu stellen. In diesen Tagen wird Upländer Schützengeist nicht nur die Bürger der
Großgemeinde Willingen (Upland), sondern auch viele Einwohner aus dem Waldeck-
Frankenberger Land und zahlreiche auswärtige Gäste begeistern. Dafür sprechen die seit
langer Zeit unermüdlich geleisteten umfangreichen Vorbereitungen; dafür spricht auch die
Gastfreundschaft der Usselner Bürger.
Der 100jährigen Jubilarin übermittele ich meine herzlichsten Glückwünsche. Mein Dank gilt den
Gründern der Schutzengeseilschaft, aber auch allen Schützenbrüdern, die in den
vergangenen Jahrzehnten aktiv diese Gemeinschaft gefördert haben. Ein jeder von
ihnen hat an seinem Platz sein Bestes geleistet, um eine dauerhafte Kameradschaft
zu schaffen. Ihre Arbeit hat dazu beigetragen, daß sich das Schützenwesen in unserem
Landkreis im traditionsreichen Gewand von gestern, mit dem Sinn für die Realitäten
von heute und dem mutigen Bekenntnis zu morgen präsentiert. Der Schießsport gehört
zu den traditionsreichsten Sportarten überhaupt - und Tradition verpflichtet. Mit Recht
kann festgestellt werden, daß die Usselner Schützen dieser Verpflichtung zu jeder Zeit,
auch in den ernsten und schweren Tagen unseres Volkes, gerecht geworden sind.
Im Landkreis Waldeck-Frankenberg gibt es eine Vielzahl von Schützenvereinen und
Schützengesellschaften, deren Mitglieder sich den Idealen verpflichtet fühlen, ohne die
eine Gemeinschaft auf Dauer nicht bestehen kann und die ein Volk schon immer
ausgezeichnet haben:
Verantwortungsgefühl gegenüber der Allgemeinheit, echte Kameradschaft, Treue, Fleiß und
Hingabe. Auf diese Menschen können wir unsere Hoffnungen setzen. Sie bejahen unseren
Staat und wirken für die Allgemeinheit.
Der Schützengesellschaft Usseln e.V. wünsche ich eine gedeihliche Fortentwicklung
und einen dauerhaften Bestand. Möge sie stets zum Nutzen ihrer Mitglieder und
zum Wohle aller Einwohner wirken.
Dr. Reccius
Landrat
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Grußwort
In den Tagen vom 29. 7. bis 1. 8. 1977 feiert die Schützengesellschaft Usseln ihr
100 jähriges Bestehen.
Die Schützengesellschatt blickt in diesem Jahr somit auf eine lange Zeit zurück, die
wechselvoll und auch hart war.
Gegründet in einer Zeit, als die Bevölkerung des Ortes wirtschaftliche Sorgen hatte, als
die heimatliche Scholle die Einwohner nicht ernähren konnte, als Usseln verkehrsmäßig
nicht so erschlossen war wie es heute der Fall ist.
Zwei Weltkriege mit ihren Folgen haben das Vereinsleben immer wieder weitgehend zum
Erliegen gebracht, haben Lücken in die Reihen der Mitglieder gerissen und haben die
wirtschaftliche Existenz bedroht.
Es freut uns, daß diese Festschrift die Geschichte unseres Ortes und somit auch die
letzten 100 Jahre schildert und für die Zukunft vieles hierdurch in Erinnerung bleibt.
Beseelt von den Gedanken der Gründer haben sich immer wieder Männer gefunden,
die das Vereinsleben in die Hand nahmen und damit zur Dorfgemeinschaft und zur
Pflege heimatlicher Gesinnung beigetragen haben.
Der Schützengesellschaft und somit allen Mitgliedern und den Einwohnern des Ortes Usseln
die besten Wünsche für die vor uns liegende Zukunft.
Jörg Schulte
Ortsvorsteher bis 31.3.1977
und Schützenkönig 1976/77
Otto Schober
Ortsvorsteher ab 1.4. 1977
Festfolge
Sonnabend, den 23. Juli 1977
19.00 Uhr Gefallenenehrung am Ehrenmal
20.00 Uhr Festakt - im Rahmen eines Dorfabends - in der
Schützenhalle mit der Kapelle Rhena, den
Upland-Musikanten und dem Männergesangverein
Eintracht Usseln
Sonntag, den 24. Juli 1977
14.00 Uhr Kaiserschießen
Freitag, den 29. Juli 1977
20.00 Uhr Bunter Abend in der Schützenhalle mit Stargast
Franzl Lang In der Pause Brillant-Höhenfeuerwerk
Sonnabend, den 30. Juli 1977
20.00 Uhr Festkommers in der Schützenhalle mit Walter Scholz
und den Original Reblandmusikanten
Sonntag, den 31. Juli 1977
10.00 Uhr Frühkonzert
13.00 Uhr Festzug
15.00 Uhr Unterhaltungskonzert, Blasmusik für jung und alt,
anschließend Tanz
20.00 Uhr Großer Festball in allen Räumen
der Schützenhalle
Montag, den 1. August 1977
9.00 Uhr Frühschoppen
9.30 Uhr Königsschießen
nachmittags Festzug, anschließend Konzert und Tanz
20.00 Uhr Großer Abschlußball
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700 Jahre Schützengesellschaft Usseln 1877— 1977
Nach dem Kriege 1870/71 wurden im Sog des gewonnenen Krieges überall im Lande
sogenannte Kriegervereine gegründet. Sie hatten vaterländischen Charakter und waren
patriotisch eingestellt. Kaiser- und Fürstenverehrung wurden oft dokumentiert.
Anläßlich der Sedanfeier am 2. September 1877 gründeten sieben Usselner den Kriegerverein.
Es waren dies:
Wilhelm Saure. Wilmes
Christian Wilke, Engelbrachts
W. Bender, Krämers
Friedrich Figge, Jägers
Friedrich Bunse, Beulken
W. Engelbracht, Kaspers
H. Saure, Wilmes
Außerdem wurden am gleichen Tage noch folgende Ehrenmitglieder aufgenommen:
A. Wilke, Klagges C. Figge, Jägers
C. Peter, Schneidermeister W. Figge, Riepen
C. Figge, Schreinermeister Chr. Saure, Wilmes
L. Wilke, Müllers W. Schulze, Wiesemann
C. Wilke, Habichts C. Meier jun., Schäfers
Chr. Wilke, Pickers
Fr. Mitze
Zum 1 Vorsitzenden wurde Wilhelm Saure. Wilmes gewählt.
Im Gründungsprotokoll steht als Grundsatz:
„Mit Gott für König und Vaterland,
mit Gott für Kaiser und Reich."
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989) Der Vorstand.
Die ersten Jahre scheinen für den Verein nicht leicht gewesen zu sein, denn schon im Jahre
1878 wird über ruckständige Beiträge geklagt, und auch das Renommee des Vereins innerhalb
des Ortes war noch nicht gefestigt.
Das erste Kriegerfest wird 1878 gefeiert und zwar am 28. und 29. Juli. Im Protokollbuch heißt
es, daß für dieses Fest ,,7 musikalische Personen aus Worra" verpflichtet wurden. Mit Gott für
König und Vaterland stand über der Anzeige im Waldeckischen Anzeiger vom 25. Juli 1878.
Über den Ablauf des Kriegerfestes des Jahres 1879 stand dann erstmals ein Artikel im
Waldeckischen Anzeiger vom 22. Juli 1879, in dem es heißt:
..Die am 6. und 7. d. M. zu Usseln und am 13. und 14. zu Willingen gefeierten Kriegerfeste
gaben wiederum Zeugniß, daß die Söhne unserer Berge auf ihren Handelsreisen neben
entsprechendem Verdienste in klingender Münze sich auch ein gleiches Capital an Bildung
und Intelligenz zu erwerben und zum Ruhme ihrer Heimat zu verwerten gewußt haben.
Auf beiden Festen herrschte eine fast militairische Pünktlichkeit und Ordnung, welche bei
solchen Festen an ändern Orten so häufig vermißt wird; die Aufführung der Festgenossen
konnte nur musterhaft genannt werden und sprechen sich alle hier anwesenden Fremde
nur lobend darüber aus. Die allgemeine fröhliche Feststimmung vermochte nur durch die
zweifelhafte Witterung beeinträchtigt werden. Einigen angerauchten Auswärtigen gab
man Fünfviertel für eine Elle und so blieb alle Gelegenheit benommen, eine vielfach
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übliche mit Tanzvergnügen gepaarte Keilerei ins Werk zu setzen. Nicht einmal das, ,an die
Luft setzen" übel wollender Persönlichkeiten war vorgekommen. Restauration und
Bedienung waren zwar:
„immer noch etwas ländlich,
doch Wein und Bier nicht säuerlich
der Braten auch schön käuerlich,
und das Beste.
die Rechnung gar nicht theuerlich."
Im Jahre 1882 wurde das Kriegerfest abgesagt, weil in der Feldflur so schwerer Hagelschaden
entstanden war, daß wohl die Lust zum Feiern fehlte. Deshalb konnten die vereinseigenen Bretter,
die für den Aufbau der beiden Zelte (Trinkzelt und Tanzzelt) nun nicht benötigt wurden, an sechs
Mitglieder zum Preis von 65 Pfennig für 10 Stück für ein Jahr verborgt werden.
Ein besonderes Jahr in der Vereinsgeschichte war das Drei-Kaiser-Jahr 1888. Aus Anlaß des
Todes von Kaiser Wilhelm l. wurde ein Trauerzug veranstaltet. Des Todes Kaiser Friedrichs III.
wurde in einer Trauerfeier gedacht, an der auch der Ratllarer Kriegerverein und der Gesangverein
Usseln teilnahmen. Anläßlich des Kriegerfestes am 12. und 13. August 1888 wurde die erste
Vereinsfahne geweiht. Hierüber schreibt die Corbacher Zeitung am 18. August 1888:
„Die Reihe der upländischen Kriegerfeste ist durch das Fest in Usseln am vorigen Sonntag
beschlossen. Dasselbe erhielt eine besondere Bedeutung durch die Weihe der neuen
Kriegerfahne. Außer dem Kriegerverein nahm auch der Gesangverein des Ortes an dem
Feste Theil. Beide Vereine versammelten sich um 1 Uhr im Festzelte, wo Herr Lehrer Euler
die Festrede hielt. Anschließend an die großen Ereignisse von 1870/71, durch welche die
Kriegervereine ins Leben gerufen, gab Redner ein Bild der Entwicklung des großen
deutschen Kriegerbundes, erinnerte an die harten Schicksalsschläge, die unser Vaterland
in diesem Jahre betroffen und ging dann zur eigentlichen Weihe der Fahne über, zugrundelegend
die Fahneninschrift:
„Einigkeit und Treu und Tapferkeit
Sind des deutschen Kriegers Ehrenkleid."
Die Fahnenweihe schloß mit dem Spruch:
..Die Fahne sei uns immer das herrlichste Panier,
Und soll sie uns auch bleiben ein Kleinod für und für.
Zu Ihr wolln wir uns halten
An ihr hafte stets der Blick
und möge Gott verleihen mit ihr
uns Freud und Glück.
Mit Grün laßt uns bekränzen die Kriegerfahne hold.
Und Theuer sie uns bleibe noch mehr denn alles Gold;
Sie sei das schönste Zeichen von Einigkeit und Treu -
Und Gott im Himmel gebe, daß immer so es sei. -"
Darauf hinweisend, daß die Fahne auf der einen Seite die Germania, das Sinnbild des
geeinigten Vaterlandes und auf der anderen Seite die Farben und das Wappen Waldecks
zeige schloß der Redner mit einem begeisternden Hoch auf Se. Maj. den Kaiser und auf
Se. Durchlaucht unsern Fürsten; worauf die Versammlung „Heil Dir im Siegerkranz"
anstimmte. Nachdem der Gesangverein das Lied: „Freudensänge" vorgetragen, folgte
der Festzug durch die Straßen des Dorfes. Nach Beendigung desselben begann im
Festzelt der Tanz. Ein Caroussel und verschiedene „Seil- und Feuer"-Künstler sorgten für
die Unterhaltung der Kinder und Nichttänzer. Vom herrlichsten Wetter begünstigt ist das
Fest in schönster Ordnung verlaufen. Das Bier und die Feststimmung waren so ausgezeichnet,
daß manche der Feiernden den zwei Festtagen noch einen dritten hinzufügten."
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Leider ist diese Fahne im 2. Weltkriege abhanden gekommen. Sie wird wohl als Souvenir die
Reise nach den USA angetreten haben.
Im Jahre 1889 scheint der dörfliche Frieden wieder etwas gestört gewesen zu sein. Über das
Kriegerfest in diesem Jahre schreibt die Corbacher Zeitung unter anderem:
„Das schöne Volksfest verlief ohne jede Störung. Ein großer Theil der hiesigen Einwohner
blieb freilich -wie immer- auch in diesem Jahre in demonstrativer Weise dem
Feste fern; doch konnte durch die Abwesenheit dieser Herrschaften die Gemütlichkeit
nur gewinnen."
Was hier im einzelnen vorgelegen hat, konnte nicht ermittelt werden.
In den achtziger Jahren ist nicht jedes Jahr ein Kriegerfest veranstaltet worden. Das Fest wurde
aber schon mit dem in Usseln stattfindenden Kram- und Viehmarkt verbunden. Über den Viehmarkt
1889 wird berichtet, daß eine große Zahl Vieh angetrieben wurde und daß die gute Ware
schnell Käufer fand. Die Preise waren hoch, für ein paar Zugochsen wurden 700 Mark geboten.
Im Jahre 1890 gehörten dem Kriegerverein 38 Mitglieder an; das Vereinsvermögen wurde mit
ca. 600 Mark angegeben. Das Kriegerfest 1890 litt sehr darunter, daß die „Zirre" (das Karussell)
ausgeblieben war. Dafür sorgte aber eine „Manegerie" für Unterhaltung. Die Jahresrechnung
1890 wurde von der Generalversammlung beanstandet. Der für Bier ausgegebene Betrag von
4,48 Mark wurde nicht genehmigt und dem Besteller auferlegt, selbst zu bezahlen.
Die damaligen Kriegerfeste verursachten für die relativ geringe Anzahl an Mitgliedern viel Arbeit.
So mußten zwei Zelte aufgebaut und die Musik geholt werden Zum Kriegerfest 1891 holte
Friedrich Figge (Kleinen) die Musik für 7 Mark aus Korbach. Meistens spielte eine Kapelle aus Vöhl
oder Asel.
Die bescheidenen finanziellen Jahresüberschüsse wurden bis 1892 dem Festwirt Christian Figge
(Riepen) jeweils als Darlehn (meistens für 5% Zinsen) überlassen.
Vor der Jahrhundertwende wurden oft Mitgliederversammlungen abgehalten, teilweise sogar
monatlich. Dies hatte auch den Zweck, die Beiträge, lange Jahre 25 Rennig im Monat, zu
kassieren. Hauptbestandteil des Vereinslebens war neben dem Kriegerfest die jährliche Sedanfeier
am 2. September und die Feier von „Kaisers Geburtstag". Zu beiden Feiern gab es Freibier.
1895 scheint die Kaiserverehrung etwas nachgelassen zu haben, denn im Protokoll steht
lediglich: „Zu Kaisers Geburtstag wird nichts bewilligt". In diesem Jahr konnte man sich aber
schon eine Kapelle von „weit her" leisten. Zum Kriegerfest spielte die Schadebergische Kapelle
aus Hagen; sie war wohl von Usselner Handelsleuten vermittelt worden.
Fackelzüge und Feuerwerke anläßlich der Kriegerfeste waren damals große Mode. Zum Feuerwerk
1896 wurden 1 Sonne, 12 Flammen, 6 Raketen und 2 Dutzend Kerzen bewilligt. Das
Feuerwerk wurde von Vereinsmitgliedern abgebrannt.
Oft besuchten sich auch die Upländer Kriegervereine gegenseitig zu ihren Kriegerfesten. Die
Teilnahme der Mitglieder war jedoch oft nur mäßig. So heißt es im Protokoll von 1897, „wer am
4. Juli nicht mitfährt nach Willingen zum Kriegerfest, muß 50 Pfennig Strafe an die Vereinskasse
zahlen". Die Fahrten wurden mittels Leiterwagen durchgeführt.
Es war damals auch schon ein Problem, daß das dem Verein gehörende Inventar (insbesondere
Bohlen. Bretter, Bänke und Tische) immer pfleglich behandelt wurde. Im Jahre 1896 wurde das
ganze Vereinsinventar dem Landwirt Bender (Klenken) unentgeltlich ausgeliehen. Er mußte es
dafür unterhalten.
Im Jahre 1898 wurden neue Vereinsmützen angeschafft, die deutsche Kriegerzeitung „Parole"
wurde für alle Mitglieder bestellt und aus der Vereinskasse bezahlt. Sonst wären wohl nicht so
viel Exemplare abgesetzt worden.
Ab 1899 wird am Grabe jedes verstorbenen Vereinsmitgliedes ein Kranz niedergelegt, bezahlt
aus der Vereinskasse.
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In den ersten 25 Jahren seines Bestehens hat der Usselner Kriegerverein seinen festen Platz
innerhalb der Dorfschaft erworben. Die anfänglichen Schwierigkeiten wurden überwunden. Das
Kriegerfest, zu dem schon damals das ganze Dorf mit Tannen und Girlanden geschmückt wurde,
war mit Festumzug und Kram- und Viehmarkt das Hauptereignis des Jahres. Schießbuden,
Schaukeln, Schlagbaum, Glücksräder, Karussell und zahlreiche Buden mit Zucker- und Spielwaren
waren Anziehungspunkt für die ganze Umgebung. Für die Kinder war das Doppelfest
Kriegerfest - Markt neben dem Schulfest ein besonderes Erlebnis. War das eine Freude, wenn
auf Riepen Wiese der Zeltbau begann, wenn die „Markedeswagen" einer nach dem anderen
kamen, allen voran Bierhenkel mit seinem Karussell und wenn die „Ladenstraße" aufgebaut
wurde. Und dann der Festtag selbst. Im Festzug wurden die drei Veteranen aus den Kriegen
1 864/66 und 1 870/71 im Kutschwagen gefahren. (Tote aus diesen Kriegen waren in Usseln nicht
zu beklagen.)
Die Kinder sammelten Wochen vorher in den Ferien die kostbaren Preiselbeeren und Waldbeeren
(Kronoggen) und machten sie zu ..Markedesgäld". Oft wurden für das Pf und nur 4 oder 5
Pfennig gezahlt. Wenn auch das Geld damals in Usseln äußerst knapp war, „Market" wurde
gefeiert.
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Vereinslokal -es gab ja noch keine Halle- war zunächst die Gastwirtschaft Christian Figge
(Riepen) und danach Anton Brüne (Jägerheim). Die Gastwirtschaft Figge befand sich damals
noch in dem Gebäude an der jetzigen Bachstraße (Trachten).
Der Kriegerverein hatte allen Anlaß, sein 25-jähriges Bestehen anläßlich des Kriegerfestes am
29. und 30. Juni 1902 besonders festlich zu begehen. Das Fest wurde am 28. Juni mit einem
Fackelzug und mit Kanonendonner eingeleitet. Am 29. Juni war gemeinsamer Kirchgang, um
13.30 Uhr Paradeaufstellung, um 14 Uhr Festzug und abends großes Feuerwerk. Über den
Verlauf dieses Festes schreibt die Corbacher Zeitung am 1. 7. 1902 folgendes:
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„Die Feier des 25jährigen Stiftungsfestes des hiesigen Kriegervereins hat einen in jeder
Beziehung würdigen und gemütlichen Verlauf genommen. Am Vorabend fand ein Fackelzug
statt, der an dem klaren, windstillen Abend einen sehr schönen Anblick bot. Der
Weckruf der Wethener Kapelle, bestehend aus dem nicht ganz unbekannten Liedchen
„Freut Euch des Lebens", brachte am Sonntag die Kameraden schon frühzeitig auf
die Beine. Um 9'/2 Uhr wurde zum gemeinsamen Kirchgang angetreten. Unser Herr
Pfarrer nahm in der Predigt eingehend Bezug auf die Jubelfeier und verbreitete
sich in treffender Weise über die erreichten und noch zu erstrebenden Ziele des Kriegervereins.
Die um die Mittagszeit einziehenden benachbarten Kriegervereine wurden
in dem herrlich geschmückten Festzelt auf der Wiese bei der Figgeschen Wirtschaft
herzlich bewillkommnet und mit Musik in Empfang genommen. Dann nahmen die
Versammelten: die Kriegervereine Usseln, Willingen, Rattlar, Schwalefeld, Rhena,
Lelbach und der hiesige Gesangverein Parade-Aufstellung zum Empfang der Mitglieder
des Landes-Kriegerverbandes für Waldeck-Pyrmont, bestehend aus den Herren Hauptmann
d.L.a. D. Rösener-Arolsen und Oberleutnant Waldschmidt-Corbach, in deren
Begleitung sich der Herr Bezirks-Adjutant aus Arolsen und noch ein 4. Offizier befanden.
Nach Abschreiten der Front hielt Herr Rösener eine kurze kernige Ansprache an den
Jubel-Verein, diesen beglückwünschend zum bisherigen Erfolge, hoffend, daß der Verein
auch ferner wachsen und gedeihen möge. Im Auftrage seiner Durchlaucht des Fürsten
drückte Redner das Bedauern des hohen Protektors des Verbandes aus, an der heutigen
Feier nicht Theil nehmen zu können, versicherte dessen erhöhtes Interesse an den
Kriegervereinen seit Bestehen des Verbandes und überreichte die vom Fürsten gewidmeten
prächtigen Fahnenbändern in den waldeckischen Farben und mit goldgestickter
Inschrift. Herr Rösener befestigte die Bänder an der Fahne, gab der bestimmten Hoffnung
Ausdruck, daß der Verein sich dieser hohen Auszeichnung stets würdig zeige und brachte
auf denselben ein dreimaliges Hurrah aus. Hierrauf trat der Oberleutnant d. R. Herr
Waldschmidt vor und überreichte im Namen des Landeskrieger-Verbandes einen
Fahnennagel. An die Widmung knüpfte Herr W. eine innige Ansprache über Kameradschaft
und Vaterlandsliebe innerhalb der Kriegervereine. Das Hurrah galt dem Verbände.
Der Vorsitzende des Rattlarer Kriegervereins befestigte dann mit dem passenden Widmungsspruch:
„Herz und Hand dem Vaterland" einen von diesem Verein gewidmeten
Fahnennagel an die Fahne: in derselben Weise der Vorsitzende des Kriegervereins
Willingen, welcher nach seiner Widmung auf den Usseler Verein ein Hoch ausbrachte.
Herr Schreiber dankte herzlichst im Namen des Usseler Kriegervereins für die demselben
in so reichem Maaße zu Theil gewordenen Ehrungen. Nach 2 Uhr setzte sich der Festzug
in welchem sich 7 herrliche Fahnen befanden, in Bewegung und in strammem Schritte
ging es trotz drückender Schwüle durch die festlich geschmückten Straßen Usselns.
Nach dem Einzug ins Festzelt nahmen die Krieger Aufstellung und Herr Lehrer Euler
hielt die Festrede. Redner begrüßte die Deputation des Kriegerverbandes, die Vereine
und Festgenossen im Namen des hiesigen Vereins und hielt dann, von der Thatsache
ausgehend, daß die Kriegervereine auf historischem Boden stehen, eine flammende
patriotische Ansprache, bezugnehmend auf die traurigen politischen Verhältnisse vor
100 Jahren; die Sehnsucht der Besten der Nation nach einem geeinten, starken Vaterlande;
die herrlichen ungeahnten Erfolge Kaiser Wilhelms l. und seiner großen Paladine:
Kriegertest 1903 mit der alten Vereinsfahne
v.l. n. r. Carl Saure (Klempner). Christian Meier (Knoche). Friedrich Wtlke (Nonnenschafer), Christian Benecke, Heinrich Jäger (Brügges), Anton Brüne (Schniedermann), Christian Born
(Kösters). Fritz Wilke (ünnewebers), Christian Mitze (Suren), Karl Stremme (Stremmen). Christian Brune (Brocke), Karl Saure (Oberschulten), Wilhelm Saure jun. (Wilmes),
Hermann Schumann, Friedrich Vogel. Heinrich Wilke (Hofmanns), Friedrich Saure (Kann), Christian Figge (Riepen), Fritz Sauer (Färbers). Wilhelm Schreiber, Wilhelm Voget (Klempners),
Ludwig Sender (Klenken), Christian Brune (Dribischen), Heinrich Engelbracht (Dregges). Johann Koch. Christian Küthe (Hertigen), (unbekannt), Fritz Emde (Beneckes), Wilhelm Wilke
(Fiesen). Wilhelm Gobel (Schruppmüller). Christian Saure (Kampmann), Friedrich Saure (Heeren), Wilhelm Saure sen (Wilmes), Johannes Figge (Figgen). Friedrich Schulze (Zaches),
Heinrich Ferron. Georg Rose. Karl Schilling, Wilhelm Schäfer (Papenheim), Heinrich Wilke (Habicht), (unbekannt), Christian Figge (Christes).
Fürst Bismarck, Graf Moltke, Kronprinz Friedrich Wilhelm; das Bedürfnis der alten Krieger
für einen Zusammenschluß zum Austausch der Erinnerungen an die große Zeit.
Gelegentlich der Sedanfeier am 2. September 1877 ist denn auch der Usseler Kriegerverein
ins Leben getreten. Aber die Kriegervereine wären nicht lange von Bestand
gewesen, hätten nicht der deutsche Kriegerverband und die Landesverbände dem
Vereinswesen hohe Ziele und Aufgaben geschaffen. Die erzieherischen Aufgaben der
Kriegervereine wurden ganz besonders hervorgehoben. Herr Euler wies auf die herrlichen
Stunden des Vorbeimarsches der waldeckischen Kriegervereine vor Kaiser und
Fürst gelegentlich der Denkmalsenthüllung in Arolsen hin und brachte auf beide Monarchen
ein begeistert aufgenommenes Hoch aus, an das sich der Gesang der Nationalhymne
schloß. Das Conzert trat in seine Rechte, der hiesige Gesangverein trug einige
patriotische Lieder in gediegener Weise vor und es entwickelte sich ein geselliges Leben
und Treiben. Mit Beginn des Balles nach 4 Uhr steigerte sich die Frequenz erheblich
sodaß der flotte Vereinswirth stark in Anspruch genommen wurde. Abends wurde ein
Brillant-Feuerwerk abgebrannt. Lange blieben die Festgenossen in fröhlicher Stimmung
beisammen. Der heutige Tag dient ebenfalls der Unterhaltung. Um 1 /2 11 Uhr ist
Frühschoppenkonzert, nach 1 Uhr Festzug und danach Ball. Wir geben uns der
angenehmen Hoffnung hin, daß das 25jähr. Kriegervereins-Jubiläum in Usseln jedem
Teilnehmer in angenehmer Erinnerung bleiben wird."
Beim Kriegerfest 1903 kam es zu einem bedauerlichen Unfall. Beim Tanz rutschte die Frau des
Wegewärters Biederbick aus und kam so unglücklich zu Fall, daß sie einen komplizierten
Beinbruch erlitt. Der Verein zahlte eine Unterstützung von 15 Mark. Im Jahre 1905
richtet der Verein eine Sterbekasse ein; an die Hinterbliebenen eines verstorbenen Vereinsmitgliedes
wurde ein Sterbegeld von 30 Mark gezahlt. Die Wethener Kapelle, die in diesem Jahr
mit 10 Mann wieder zum Kriegerfest spielt, kostete 170 Mark.
Im Jahre 1908 werden neue Statuten angenommen; der Verein soll nunmehr in das Vereinsregister
eingetragen werden. Die Wirtschaft auf dem Kriegerfest wird für 345 Mark an den
Gastwirt Christian Figge verpachtet. Um bei den verabreichten Speisen eine gewisse
Sicherheit zu haben, muß der Festwirt auf einem weit sichtbaren Plakat den Herstellungsort der
Speisen bzw. Fleischwaren anzeigen.
In den ersten Jahren nach 1900 gründet der Verein eine Theatergruppe, die bei geselligen
Veranstaltungen öfters auftritt. Jetzt werden auch oft Preisschießen oder Vereinsschießen
veranstaltet. Die Beteiligung ist nicht immer zufriedenstellend gewesen. Im Jahre 1911 gab es als
ersten Preis ein Fürstenbild in Kupferdruck für 4,50 Mark.
Das Kriegerfest 1911 wurde mit einer erheblichen Panne eingeleitet. Die Corbacher Zeitung
schreibt:
„Als nachmittags 3 Uhr Alles parat stand und zum Ausmarsch fertig war, fehlte
die Hauptsache, nämlich die Musik. Die Zeit verstrich, aber nirgends war etwas von der
heißersehnten Vöhler Kapelle zu sehen. Infolge der telephonischen Sonntagsruhe konnte
auch keine Auskunft eingeholt werden. Schließlich bestiegen 3 Radfahrer ihre Vehikel,
sausten nach Medebach, machten die dortige Kapelle mobil und kehrten mit der frohen
Gewißheit zurück, daß die Medebacher mit dem ersten Zug in Oberschledorn ankommen
sollen (Anmerkung: Es handelt sich um die inzwischen stillgelegte Kleinbahn Steinhelle-
Medebach). Es wurden sofort 2 Leiterwagen dorthin gesandt und gegen 7 Uhr
hielt die Musik hier ihren Einzug. Die gemütlichen Upländer kamen doch noch auf ihre
Rechnung und feierten zwar etwas später, aber desto intensiver."
Das Nichterscheinen der Vöhler Kapelle soll durch ein Mißverständnis hervorgerufen sein, für
das wohl der 1. Vorsitzende des Kriegervereins verantwortlich war. Es muß erregte Debatten im
Vereinsvorstand gegeben haben, in deren Verlauf der damalige verdiente 1. Vorsitzende
Wilhelm Schreiber mit seinem Rücktritt gedroht hat. Schließlich hat er jedoch für den
Musikausfall 100 Mark in die Vereinskasse gezahlt, eine für damalige Verhältnisse hohe Summe.
18
Zum Kriegerfest 1912 muß wohl das Kränzewickeln nicht mehr geklappt haben, denn nach
dem Protokoll sollen alle Mädchen, die sich an der alten Sitte des Kränzens
(Girlanden wickeln) nicht mehr beteiligen, ein Tanzgeld von 25 Pfennig bezahlen;
sie hatten sonst freien Eintritt.
Das Jahr 1913 stand im Zeichen von zwei zusätzlichen Feiern. Am 9. 3. wurde das
100jährige Bestehen des Infanterie-Regiments Nr. 83 in Arolsen gefeiert, am 19. 10. wurde
der 100jährige Gedenktag der Völkerschlacht bei Leipzig feierlich begangen. Eingeleitet
wurde dieses Fest mit einem Freudenfeuer auf dem Osterkopf.
Den Veteranen des Vereins wird ab 1914 bei der Beerdigung von seilen des Vereins kostenlos
eine Militärmusik gestellt, wenn die Hinterbliebenen auf die Hälfte des Sterbegeldes verzichten.
Mit dem Beginn des 1. Weltkrieges wurde der Abschluß eines Teiles der Vereinsgeschichte,
nämlich der des Kriegervereins, eingeleitet. Das Vereinsleben kam weitgehend zum Erliegen,
viele Vereinsmitglieder zogen in den Krieg, viele kamen nicht wieder und ruhen in Ost und West.
Jedoch schon kurz nach dem Kriege begann ein neues Vereinsleben. Unter dem Eindruck des
verlorenen Krieges war der Patriotismus in den Hintergrund getreten. Dafür traten Förderung
des Gemeinsamkeitssinns aller Teile der Usselner Bevölkerung und die Pflege der Geselligkeit
und Unterhaltung noch mehr in den Vordergrund. Riege der vaterländischen Gesinnung war
aber nach wie vor ein Anliegen des Vereins, der sich am 11. Mai 1919 den Namen
Schützenverein Usseln
gab. Am gleichen Tage wurde die Satzung des alten Kriegervereins vom 27. Januar 1908
den neuen Erfordernissen entsprechend geändert.
Slm Sonntag, bcn 24 nnb anontcg, bcn
25. ttngtft, feint bei
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zu Usseln
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19
Am 24. und 25. August 1919 wurde das erste Schützenfest als Stiftungsfest gefeiert.
Es spielte, wie später noch viele Jahre, die Kapelle Mander aus Vöhl für 25 Mark je Stimme.
Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte wurde ein Königsschießen durchgeführt (nach dem
Protokoll „...soll ein sogenanntes Vogelschießen abgehalten werden"). Auf den hölzernen
Vogel wurde mit der Armbrust geschossen. Erster Schützenkönig wurde Fritz Emde (Fiesen).
Er erwählte Adelheid Mitze zur Schützenkönigin. Fritz Emde ist später nach Amerika
ausgewandert. Die Damen des Hofstaats hatten lange Kleider an. Das schlechte Wetter ließ
die Kleider jedoch ziemlich dreckig werden. Die Damen wußten sich jedoch zu helfen, sie gingen
an die Diemel und wuschen kurzerhand die Kleider „untenherum" aus. Das Schützenfest
wurde erstmals in der noch im Jahre 1914 errichteten festen Halle (im Volksmund weiter Zelt
genannt) gefeiert. Das Fest litt jedoch darunter, daß noch viele Usselner Männer in Kriegsgefangenschaft
waren.
Zum Schützenfest 1920 wird mit Gewehren auf den Vogel geschossen. Am
2. Festtage findet wieder der Kram- und Viehmarkt statt. Die neue Schützenhalle wird
nun zunehmend von dem Usselner Sportverein mit benutzt. Das Gehalt des Vereinsboten
Erich Wilke (Fiesen) -gefallen im 2. Weltkrieg- wird auf 80 Mark jährlich festgesetzt.
Im Jahre 1922 wird erstmals ein Kappenball gefeiert; jeder Teilnehmer mußte ein närrisches
Abzeichen tragen. Zum Schützenfest 1922 erhielt Fritz Engelbracht (Schür) die Erlaubnis,
einen Verkaufsstand für Zuckerwaren und Schokolade in der Halle aufzustellen.
Der „alle' Westlalenhol (Brune-Brocke)
1922 während des Schützenfestes abgebrannt. Christian Brüne-Brocke (im Bild) war in diesem Jahre (1921122) Schützenkönig.
Über die Festtage brannte das Anwesen des Schützenkönigs Christian Brüne-Brocke nieder.
Der in der Scheune untergestellte Festzugswagen des Schmiedemeisters Wilke verbrannte mit.
Nach einigen Verhandlungen erhielt er dafür im Jahre 1923 eine Entschädigung von
2 Millionen Mark. Der Beitrag für 1922 wurde pro Monat auf 400 Mark festgesetzt.
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Die Inflation war der Grund dafür, daß 1923 kein Schützenfest gefeiert wurde. Der Turnverein
veranstaltete in der Schützenhalle ein Turnfest. Er wurde an den Einnahmen in der
Wirtschaft beteiligt. Von dem Umsatz bis 3 Mio. Mark erhielt er 4%, von dem Umsatz darüber
5%. Im Jahre 1923 wurde Heinrich Born zum Schriftführer gewählt; er hat dieses Amt (mit
Unterbrechung) bald 20 Jahre ausgeübt.
Das von der Gemeinde erstellte Ehrenmal am Loh für die Gefallenen des 1. Weltkrieges
wurde 1923 eingeweiht. Der vom Schützenverein niedergelegte Kranz kostete 5 Millionen Mark.
Das im Jahre 1919 eingeführte Königsschießen scheint anfangs nicht so recht Anklang bei
den Schützen gefunden zu haben. Es wird beschlossen, daß alle Mitglieder, die für das Königsschießen
sind, auch selbst am Schießen teilnehmen müssen.
1924 geht es nach überstandener Inflation aber weiter. Der Beitrag wird auf 2 RM jährlich
festgesetzt, neue Hüte werden angeschafft und eine Königskasse (pro Mitglied 2 RM jährlich)
zur finanziellen Unterstützung des Königs gebildet. Zum Schützenfest spielt eine Korbacher
Kapelle.
Festzug bei einem Schützenfest
in den 20er Jahren mit der
damals noch bestehenden
Ahornallee
In der Bildmitte das abgebrochene
Haus von Schafer
(Papenheim). links das Haus
Vogel-Klorens (später Bürgermeisteramt).
Auch den einzelnen Mitgliedern scheint es jetzt finanziell wieder besser zu gehen. Der
neu gewählte Beisitzer Christian Brüne (Dribischen) stiftet in der Versammlung am 8. 2. 1925
ein Faß Freibier. Das Schützenfest 1925 scheint die Erwartungen des Vereins nicht erfüllt
zu haben. Das Protokoll spricht von geringer Einnahme und von dem vol. 'ändigen Versagen
der Kassierer und Ordnungsmannschaften. Immerhin wurden aber 24,72 hl. Bier verkauft.
Auch in den 20er Jahren wurden wieder öfters Preisschießen durchgeführt. Von den üblichen
Unstimmigkeiten blieb der Verein auch nicht verschont. Besonders im Jahre 1926 muß es
teilweise hoch hergegangen sein. Der Schützenkönig drohte, seine Würde niederzulegen. Der
Vorstand trat zurück. Schließlich wurde aber aller Streit beigelegt, und das traditionelle
gute Vereinsklima war bald wieder hergestellt. Im Jahre 1926 wurde erstmals am Vorabend
des Schützenfestes ein Fackelzug zum Ehrenmal am Loh mit einer Gedenkfeier veranstaltet.
Die Gedenkfeier ist bis heute beibehalten worden. Jetzt wird der Toten beider Weltkriege und
all derer, die bei Vertreibung, Flucht und sonstigem Unrecht ihr Leben verloren haben, gedacht.
Die Mitgliederzahl des Vereins war bis 1926 auf 174 angestiegen. Im Jahre 1927 wird in
einigen Räumen der Schützenhalle durch den Verband der Jugendherbergen eine Jugendherberge
mit 20 Betten eingerichtet. Sie scheint aber nicht lange bestanden zu haben.
Von besonderem Glanz sind in den 20er Jahren die Festzüge gewesen. Das ganze Dorf
war festlich geschmückt. Viele Girlanden waren aufgehängt; die Häuser prangten im
Fahnenschmuck. Die aufgestellten Ehrenpforten wurden jedes Jahr prämiiert. 1928 erhalten
den 1. Preis die Nachbarschaft Meier-Kesper, den 2. Preis Vogel-Liesen und den 3. Preis
Ernst Hellwig. Die jährlichen Schützenfeste wurden durch den Kommers am Tage vorher
(Sonnabend) ausgedehnt. Zutritt hatten hier nur männliche Personen.
Die Königskette wird im Jahre 1928 neu gestaltet. Jedes Königspaar wird nun durch eine
silberne Medaille an der Kette verewigt. Für die Medaillen der Königspaare ab 1919 werden
silberne 5-Mark-Stücke umgearbeitet.
Das 50-jährige Bestehen des Vereins ist 1927 nicht besonders gefeiert worden. Im Jahre
1929 scheint die Schießfreudigkeit beim Königsschießen nicht groß gewesen zu sein. Trotz
stundenlangem Schießen war dem Vogel nicht beizukommen; erst durch gezielte Schüsse
errang dann Karl Saure-Dresel zum zweiten Mal die Königswürde. Er erwählte seine Frau Eise
zur Königin.
Am 11. 1. 1930 verläßt der langjährige 1. Vorsitzende des Vereins, Dr. Karl Meyer, Usseln.
In einer besonderen Feier wird er verabschiedet. Bei dieser Feier kommt zum Ausdruck, daß
ihm der Verein und der ganze Ort viel zu verdanken haben. Am 17. 1. 1930 wird
Wilhelm Jäger (Schmitten) Vereinswirt. Er hat bis 1958 den Wirtschaftsbetrieb geführt.
Anfang der 30er Jahre macht sich der Verein auch die Errungenschaften der Vergnügungsindustrie
zunutze. Zum Ostervergnügen 1930 soll Herr Löwenstein aus Korbach (Inhaber
des inzwischen geschlossenen Central-Filmtheaters) wieder mal ein Kinostück vorführen.
Später sind noch oft Unterhaltungsfilme in der Halle vorgeführt worden. Die Musik zu dem
Ostervergnügen 1930 wird durch den in Usseln neu gegründeten Musikverein ausgeführt.
Er erhält dafür 60 RM und 2 Runden Bier. Der am Anfang seines Bestehens sehr
aktive Musikverein hat auch als 2. Kapelle an den Festzügen zum Schützenfest 1930 mitgewirkt.
Es muß aber wohl nicht so recht geklappt haben, denn es gab anschließend Streit
zwischen dem Vorstand des Schützenvereins und dem Musikverein.
Ab 1930 erhalten alle verstorbenen Vereinsmitglieder, die im Weltkrieg „unter der Fahne
gestanden haben", über dem offenen Grabe eine Ehrensalve. Der Verein zählt jetzt 185
Mitglieder.
Zum Schützenfest 1932 gab es erneut Differenzen mit dem Usselner Musikverein. Dieser
konnte es nicht überwinden, daß man die Kapelle Bauer aus Kassel für 520 RM
verpflichtete, obwohl sich der Usselner Musikverein für 300 RM angeboten hatte. In der
22
Königspaar Karl Saure (Dresel) und Frau (1929/30)
v. l. n. r. Obere Reihe: Lina Bnjne-Dribischen, Grete Schrinner, Johanna Mosel. Emma Saure-Dengels. Klara Dresel- Mittlere
Reihe: Ludwig und Rika Wilke-Stratmann. Johannes Figge. Johannetle und Fritz Wilke-Kirchhöfer. Eise und Karl Saure--
Dresel. Wilhelmine und Karl Säure-Schusters (Landrat). Frieda und Heinrich Wilke-Kesting. Christian GerhardHeckmann
Unlere Reihe Minna Figge, Christian und Luise Wilke-Wilken. Lina und Christian Brune-Höhmann. Lina Gertiard Kinder:
Walter Wilke. Lina Diez (verti. Kräling). Gisela Wilke (verh Beier). Kart Heinz Wilke
Schützenkönig Christian Biederbick (Gölten) und Frau (1930/31)
ab obere Reihr v. l. n. r. (jeweils mit Ehefrauen) Hans Stroth, Wilhelm Saure (ünneweber). Christian Biederbick (Gölten).
Wilhelm Vollbracht (Matzes), Willi Biederbick (Bruder des Schützenkönigs - ohne Frau), Wilhelm Emde (Paggels), Fritz Emde,
Wilhelm Schreiber, Hermann Schumann. Friedrich Jager (Fähling).
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1932/33 war Karl Heine (Schilling) Schützenkönig Er erwählte Frau Wrlhelmme Sauer (Boden) zur Schutzenkonigin.
v l n r Dr Brammer und Frau, Heinrich Potthoff und Frau, Fritz Figge und Frau, Wilhelm Schulze (Wiesemann) und Frau.
Karl Schweinsberg (Huskens) und Frau, Karl Küthe (Baumer) und Johannette Vogel (üesen), Karl Heine und Wilhelmine Sauer
(Boden), Heinrich Wilke (Kesting) und Luise Heine, Anton Figge (untersten Pickers) und Frau, Göbel (Reuter) und Luise Wilke
(Mühle). Fritz Engelbracht und Frau, Wilhelm Stremmel und Frau.
Generalversammlung entfielen 54 Stimmen auf die Kapelle Bauer und nur 24 Stimmen auf
den Musikverein Usseln. Aber auch hier wurden die Unstimmigkeiten bald wieder beigelegt.
Der Musikverein hat nur noch wenige Jahre bestanden.
Die völlige Veränderung der politischen Verhältnisse nach 1933 beeinflußte auch stark das
Vereinsleben. Ohne Zustimmung der NSDAP ging nichts mehr. Der Vorsitzende hieß nun
Vereinsführer. Zum ersten „Vereinsführer" wurde in der Generalversammlung am 7. 1. 1934
Fritz Stöcker gewählt, der schon ab 1931 Vorsitzender war. Fritz Stöcker hat es mit viel Einsatz
und Geschick verstanden, den Verein auch durch diese politisch schwere Zeit sicher zu
führen. Alle übrigen Vorstandsmitglieder wurden nun nicht mehr von der Generalversammlung
gewählt, sondern von der NSDAP bestimmt. Die letzte protokollierte Vorstandssitzung fand am
11. 1. 1936 statt. Am 27. 1. 1935 wird im Protokoll darüber geklagt, daß die Schützenhalle
allen Organisationen kostenlos überlassen werden muß und der Verein nichts mehr zu sagen hat.
Für den „Saargrubenrückkauf" werden am gleichen Tag 75 RM gespendet.
Die Pflege der Dorfgemeinschaft war jedoch weiterhin ein besonderes Anliegen des Vereins.
Die Schützenfeste wurden im alten Glanz gefeiert. Wegen der in Usseln stationierten Abteilung
des Reichsarbeitsdienstes (RAD) wurde 1934 neben der Halle noch ein besonderes Zelt errichtet,
in dem die Kapelle Rattlar spielte. In der Halle spielte die Kapelle Malchow aus Kassel
(auch im Jahre 1935). 1937 spielte zum Schützenfest eine Kapelle der SS aus Arolsen,
1938 die Kapelle Steinkopf aus Kassel, die noch in guter Erinnerung ist. Diese Kapelle sollte
auch zum Schützenfest 1939 spielen, mußte aber kurzfristig absagen, weil ein großer Teil der
Musiker an einem Manöver der damaligen Wehrmacht teilnehmen mußte. Nun war guter Rat
teuer. Es war nicht leicht, in dieser Zeit schnell eine Ersatzkapelle zu bekommen. Schließlich
konnte die Musikschule Hofgeismar noch verpflichtet werden. Die jungen Musikschüler
haben dann so hervorragend zum Fest aufgespielt, daß ältere Usselner noch heute davon
schwärmen.
24
Konigspaar 1937/38. Johannes Figge und Frau Minna, geb. Saure, mit Hofstaat
obere Reihe v. l. n. r. (jeweils mit Ehefrauen) Karl Saure (Oberschulte). Ernst Scherrer (Apotheker). Emil Saure (Dengels),
Christian Saure (Bickmann), Ludwig Wilke (Stratmann). Wilhelm Lange, Fritz Figge (Briefträger), Fritz Stocker, Karl Saure
(Dresel). Heinrich Born (Pickers). Christian Küthe (Schrieners), Christian Brüne (Höhmann), Johannes Figge (Fieggen),
Wilhelm Wilke (Fiesen). Ernst Hellwig.
Festzug wahrend eines Schützenfestes vor dem zweiten Weltkrieg mit der alten, im Kriege in Verlust geratenen Vereinsfahne
25
Zum Schützenfest 1938 gab es keine Tannen mehr zum Ausschmücken der Ortsstraßen.
Einige politische Verwirrung verursachte ein angeblicher Diebstahl in der Halle; je ein
Hitlerbild und Hindenburgbild waren verschwunden. Die Bilder wurden aber später wiedergefunden.
Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges kam das Vereinsleben immer mehr zum Erliegen. Ein
weiterer Abschnitt in der Vereinsgeschichte, nämlich der des Schützenvereins von 1919,
ging seinem Ende zu. Die wehrpflichtigen Vereinsmitglieder kämpften an allen Fronten.
Viele sind nicht heimgekehrt. Sie sind in Nord, Ost, Süd oder West gefallen oder in
Gefangenschaft verstorben. Unsagbares Leid brachte der verlorene Krieg über Deutschland. Am
29. März 1945 rückten die amerikanischen Streitkräfte in Usseln ein. Viele Usselner wurden
jahrelang in Kriegsgefangenschaft zurückbehalten. Sie kehrten nur nach und nach in die
Heimat zurück. Nur langsam kam das Leben wieder in Gang.
Schützenkönig Hermann König mit Königin und Hofstaat (1938/39)
(ab obere Reihe v. l. n. r. - mit Ehefrauen - Reinhard Stremmel, Heinrich Küthe (Niggemann), Heinrich Kreft, Wilhelm Figge
(Krönicken), Hermann Vogel (Uesen). Hans Stroth. Wilhelm Schäfer (Papenheim). Wilhelm Vogel (Neftens), Johannes Urff -
Heinrich Diez (Kaubes), Wilhelm Wilke (Krüpes), Friedrich Born (Ob. PicKes). Hermann König. Oskar Regul, Fritz Meier
(Knochen)
Am 24. 1. 1947 war es dann soweit, daß der Grundstein für einen weiteren Vereinsabschnitt
gelegt wurde. An diesem Tage wurde als Nachfolger des Schützenvereins der Bürgerverein
Usseln gegründet. Der Name „Bürgerverein" konnte sich jedoch nie richtig einbürgern. Im
Volksmund hieß es weiter Schützenverein. Der Bürgerverein hatte als satzungsmäßige Aufgabe
die Stärkung der Dorfgemeinschaft, die Pflege heimatlicher Gesinnung, die Sorge für
Geselligkeit und Unterhaltung und die Förderung des Gemeinsamkeitssinnes aller Teile der
Usselner Bevölkerung. Zum ersten Vorsitzenden des Bürgervereins wurde Johannes Figge
(Figgen) gewählt. Er erklärte in der Gründungsversammlung, daß im Verein keinerlei Politik
betrieben werden soll, ein Grundsatz, dem der Verein bis heute treu geblieben ist.
1. Kassierer wurde Willi Pohlmann, der dieses Amt bis zu seinem frühen Tode im Jahre
1971 innehatte. Der Bürgerverein hatte einen schweren Anfang, die Schützenhalle war
beschlagnahmt und in einem verwahrlosten Zustand. Trotzdem wurde 1947 ein sogenanntes
Bürgerfest gefeiert. Das Schießen war verboten. Es wurde jedoch ein Ausweg gefunden und
mit Keulen auf den Vogel geworfen. Nun konnte man ja den besten Werfer nicht Schützenkönig
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Christian Saure (Bick), Walter Brüne (Dribischen) und Friedrich Asmuth (Kriegerhannes) - alle im zweiten Weltkrieg gefallen -
als Reitergruppe bei einem Schützenfest vor dem zweiten Weltkrieg
nennen, deshalb wurde derjenige, der den Vogel abwarf, Ehrenpräsident. Er bildete aber auch,
wie die Schützenkönige vorher, einen Hofstaat, der mit geschmückten Wagen im Festzug
durch das Dorf fuhr. Erster „Ehrenpräsident" wurde Dr. Helmut Mitze, der Frl. Ilse Jäger
zur Ehrenpräsidentin erkor. Zum Bürgerfest 1947 spielte eine Rote-Kreuz-Kapelle aus
Remscheid, die später noch mehrere Male gespielt hat. Die Königskette konnte Walter Born,
der letzte Schützenkönig vor dem Kriege, durch die Wirrnisse des Krieges retten. Viele der
Neubürger, die in Usseln Aufnahme und eine neue Heimat fanden, wurden aktive Vereinsmitglieder.
Teilweise sprechen sie das Usselner Platt und sind Usselner mit Leib und
Seele geworden.
Ab 1950 wurde dann wieder auf den Vogel geschossen und zwar zunächst auf dem
Sportplatz in Richtung Lohwald, später als die Bebauung am Loh zunahm, in der
gemeindlichen Lehmkuhle an der Sportstraße und ab 1976 bei der Sprungschanze am
Lohwald.
Im Jahre 1952, dem 75. Jahr in der Vereinsgeschichte, wurde wieder eine Vereinsfahne
angeschafft. Sie kostete 920 DM und ist 130x130 cm groß. Eine Seite ist aus Samt mit einem
Hirschkopf und der Schrift „Schützenverein Usseln 1877 -1952". Die andere Seite ist aus Seide
mit einem Baumstumpf mit 9 Trieben, dem Spruch „Aus alter Wurzel neue Kraft" und dem
Waldecker Wappen. Das 75-jährige Bestehen des Vereins ist nicht besonders gefeiert worden.
Doppel-Schützenkönig 1952 und 1953 wurde Karl-Heinz Mohr. Der alte Brauch, daß der „alte
Schützenkönig" beim Königsschießen die ersten drei Schuß abgibt, wurde ihm „zum
Verhängnis". Die Ehrenschüsse saßen so gut, daß der Vogel von der Stange fiel. Karl-Heinz
Mohr hat die Königswürde auch zwei Jahre mit Bravour getragen. Nun wurde aber beschlossen,
daß der Vogel wieder aufgestellt wird, wenn er noch einmal schon bei den drei
Ehrenschüssen fällt.
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Konigspaar Karl-Heinz und Ruth Mohr (1952/53 und 1953/54)
v. l. n. r. Herbert Cronenberg, Lilli Cronenberg, Ilse Schafer, Heinz Schart, Willi Schafer. Wolf Nitsche, Elfriede Nitsche, Marlies
Koch. geb. Schumann, Ernst Kesper, Emil Saure, Irma Kesper. Ruth Mohr, Maria Sohnius. Karl-Heinz Mohr, Siegfried
Schroler. Emmi Bangert. Hannelore Kirchner, geb Rauer. Kar! Bangert. Gustav Born. Ernst Hellwig, Grete Hellwig, Lieselotte
Kesper. Karl Kesper
Die immer wieder angestrebte einheitliche Kleidung für den Verein machte nur langsam
Fortschritte. 1954 beginnt die Umrüstung auf Schützenhüte, nachdem bis dahin Mützen
getragen wurden.
Die Schützenfeste in den letzten 20 Jahren sind gekennzeichnet von dem sich mehrenden
Wohlstand im Lande. Das Geld wird leichter verdient und deshalb auch leichter ausgegeben.
Die Mode gewinnt auch auf den kleinen Orten immer mehr an Bedeutung. Insbesondere
die Damen erscheinen zu den Festen in bester modischer Kleidung. Mit steigendem
Wohlstand steigen auch die Ansprüche an die Festmusik. Seit Anfang der fünfziger
Jahre ist der Kommersabend öffentlich. Er wird in Form eines Festkonzertes durchgeführt.
Ein Höhepunkt war das Schützenfest 1954 mit der bekannten bayerischen Blaskapelle
Schwarzfischer. An den Festzügen wird seit 1951 der Spielmannszug der Freiwilligen
Feuerwehr Brilon beteiligt.
Im Zuge der Motorisierung in der Landwirtschaft macht es immer mehr Schwierigkeiten.
Gespanne und Wagen für den Festzug zu bekommen. Seit einigen Jahren werden auch wieder
auswärtige Schützenvereine zum Fest eingeladen und nehmen am Festzug am Sonntag teil.
Zur Bereicherung des Festzuges wurde 1964 eine Gewehrgruppe gebildet, die aber nur einige
Jahre bestand.
1967 wird erstmals wieder ein Schnadezug veranstaltet. Es war ein alter waldeckischer
Brauch, daß regelmäßig die Gemarkungsgrenze abgegangen wurde. Es galt, die Huteund
Gemarkungsgrenzen jeweils erneut zu bestätigen. Der alte Brauch hatte seine rechtliche
Bedeutung noch vor der Einführung des Katasters im Jahre 1850/51 und wurde daher bis zu
dieser Zeit in jedem Ort mit mehr oder weniger Aufwand gepflegt. Im 17. und 18. Jahrhundert
gab es dabei noch blutige Auseinandersetzungen und die Regierung mußte öfters strafend
und schlichtend eingreifen. Bei den Usselner Scnnadezügen der Neuzeit geht es lustig zu.
Es wird eifrig gestutzt und die Grenzsteine werden weiß angestrichen. Aus Anlaß des
100jährigen Jubiläums der Schützengesellschaft wird beim Schnadezug 1977 am Osterkopf ein
Gedenkstein enthüllt.
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Schnadezug1974
Bild vom Königsschießen 1957
zeigt 5 Schützenkönige (v. l. n. r.)
Fritz Emde (t). Heinrich Schumann,
Erich Saure. Karl Bornemann
und Willi Perron (t).
29
Einen neuen Höhepunkt erreichte das Schützenfest 1970 dadurch, daß zum ersten Mal der
bekannte Solotrompeter Walter Scholz mit der Bühler Stadtkapelle aus Bühl im Schwarzwald
mit 35 Musikern aufspielte. Nachher hat diese Kapelle noch mehrere Male zum Schützenfest
gespielt. Walter Scholz und seine Kapelle verstanden es, für beste Stimmung zu
sorgen. Zum 100-jährigen Jubiläumsfest wird Walter Scholz mit den Original Reblandmusikanten
aus Altschweier, dem bekannten Weinort am Fuß des Schwarzwaldes, spielen.
Mit steigendem Wohlstand konnte auch endlich die „Uniformierung" des Vereins eingeleitet
werden. Sie wird bis 1977 nahezu abgeschlossen sein. Die Firma Kaiser in Mengeringhausen
lieferte die schmucken grünen Anzüge. Durch die einheitlichen Anzüge erhielten die Festzüge
ein wesentlich besseres Bild.
Im Zuge der gemeindlichen Gebietsreform erhielt der Schützenverein 1972 von der noch
selbständigen Gemeinde Usseln durch Vertrag das Recht, die Verkaufsstände auf dem
Schützenfest und Krammarkt zuzulassen und auch das Standgeld zu vereinnahmen. Die
Zusammenarbeit mit der Gemeinde hat sich insbesondere in den letzen Jahren sehr positiv
ausgewirkt. So konnte mit Hilfe der Gemeinde die Schützenhalle instandgesetzt und
modernisiert werden. Über die Schützenhalle und ihre Vorgängerinnen wird an anderer Stelle
berichtet.
In der Generalversammlung am 3. 2. 1973 wird eine neue Satzung beschlossen.
Gleichzeitig wird der Name des Vereins in „Schützengesellschaft Usseln" geändert. Durch
die Namensänderung soll noch mehr als bisher an die alte Schützentradition in Usseln
angeknüpft werden. Nach der neuen Satzung ist es Aufgabe der Schützengesellschaft
v* * /•* *
*~- -,.;
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•
Schützenkönig Horst Muller hatte 1975 alle ehemaligen Schützenkönige zu einem Treffen eingeladen,
stehend v l n r Joset Göttlicher. Lothar Kesper. Chnstian Mitze. Karl-Heinz Mohr. Hermann Schumann, Walter Marczewski,
Georg Tegge. Karl Bomemann, Heinz Emde. Helmut König. Hermann Biederbick, Horst Müller. Heinrich Schumann. Karl
Brüne, Willi Saure. Emil Weber. Willi Schulze, Christian Benecke. Willi Engelbracht. Hermann Vogel. Egon Mitze. Christian
Biederbick. Walter Born, Dr. Helmut Mitze. Sitzend v.l.n.r. Karl Sauer. Christian Engelmann, Hermann König, Karl Saure,
Christian Biederbick. Heinrich Wilke.
30
Festzug 1976
die Dorfgemeinschaft zu fördern, heimisches Brauchtum zu pflegen, die Liebe zur Heimat
zu erhalten und jährlich ein Schützenfest als Heimatfest aller Usselner zu veranstalten.
Im Jahre 1973 wurde eine Sportschützengruppe gebildet, die sehr aktiv ist und der
über 20 Sportschützen angehören. Zwei Seniorenmannschaften und eine Jugendmannschaft
nehmen an den Schießwettkämpfen teil. Die erste Mannschaft ist in ihrer Gruppe mit führend.
Vom 29. Juli bis 1. August 1977 wird im Rahmen des Schützenfestes das
100-jährige Bestehen der Schützengesellschaft gefeiert. Für die älteren Mitglieder und für die
Witwen verstorbener Mitglieder wurde Anfang 1977 eine besondere Feier durchgeführt.
Am 2. September 1977, dem Gründungstag vor 100 Jahren, findet eine festliche Generalversammlung
statt.
Die Schützengesellschaft Usseln hat sich - zunächst als Kriegerverein, danach als
Schützenverein und Bürgerverein - einen hervorragenden Platz in der Usselner
Geschichte erworben. Stets hat sie sich für ideelle Ziele zum Wohle der Dorfgemeinschaft
eingesetzt. Daß es im Laufe der 100 Jahre auch Schwierigkeiten gegeben hat, ist nur
natürlich. Zwei große Kriege, welche die Welt veränderten, hat sie überstanden. Viele
ihrer besten Mitglieder, die sich mit Leib und Seele für den Verein einsetzten, sind aus
diesen Kriegen nicht mehr heimgekehrt, viele andere haben körperlichen Schaden erlitten.
Dem Verein ist zu wünschen, daß seine weitere Zukunft glücklich verläuft und daß
der Frieden erhalten bleibt. Wenn er in sich geschlossen bleibt, wird er auch alle im Laufe der
Jahre auftretenden Schwierigkeiten meistern zum Wohle des Vereins und zum Wohle unseres
Heimatdorfes.
Friedrich Born
31
Seniorenlretfen der Schutzengesellschatt am 20 März 1977
Der Vorstand im Jubiläumsjahr
v.l.n.r. Wilhelm Brüne, Emil Weber. Helfned Heine, Hans Asmuth, Otto Schober, Erich Saure (Ehrenvorsitzender), Jörg
Schulte (Schützenkönig), Dieter Bornemann (Vorsitzender), Horst Müller, Georg Tegge, Karl-Friedrich Wilke, Willi Schulze,
Lothar Kesper
Der Festausschuß für das Jubiläumsfest 1977
v. l. n. r. Willi Göbel. Willi Völker. Richard Wilke. Herbert Koch. Fnedrich Born. Kart-Friedrich Wilke. Rudi Schober
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In den vergangenen 100 Jahren waren Vorsitzende
1877 bis 1882 Wilhelm Saure (Wilmes)
1882 bis 1887 Friedrich Saure (Kann)
1887 bis 1891 Karl Meier sen. (Schäfers)
1891 bis 1897 Johannes Figge
1897 bis 1900 Wilhelm Saure (Wilmes)
1900 bis 1902 Christian Figge (Riepen)
1902 bis 1911 Wilhelm Schreiber
1911 bis 1919 Fritz Sauer (Färbers)
1919 bis 1924 Heinrich Wilke
1924 bis 1930 Dr. Karl Meyer
1930 bis 1931 Johannes Figge
1931 bis 1945 Fritz Stöcker
1947 bis 1949 Johannes Figge
1949 bis 1961 Heinrich Wilke (Kesting)
1961 bis 1967 Wilhelm Saure (Wilmes)
1967 bis 1971 Erich Saure (Dengels)
1971 bis 1975 Christian Biederbick (Gölten)
ab 1976
Dieter Bornemann
Unser Ehrenvorsilzender ist
Erich Saure (Dengels)
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Die Usselner Königspaare
Im Jahre 1919 wurde in Usseln mit dem Königsschießen anläßlich des jährlichen
Schützenfestes begonnen. Beim Kriegerfest 1913 wurde schon einmal „der beste Schütze
des Vereins" ermittelt. Es war Wilhelm Wilke - Fiesen. Nachstehend sind die Usselner
Königspaare ab 1919 aufgeführt. Im Inflationsjahr 1923 und während des zweiten
Weltkrieges wurden keine Schützenfeste veranstaltet.
1919/1920 Fritz Emde - Adelheid Mitze
1920/1921 Friedrich Saure - Henriette Petersen
1921 /1922 Christian Brüne-Brocke - Elfriede Brüne-Brocke
1922/1924 Heinrich Wilke - Luise Saure
1924/1925 Wilhelm Jäger - Berta Jäger
1925/1926 Karl Saure (Dresel) - Lina Figge
1926/1927 Karl Kesper - Lina Hellwig
1927/1928 Christian Engelmann - Rika Küthe
1928/1929 Hermann Vogel - Martha Mitze
1929/1930 Karl Saure (Dresel) - Eise Saure
1930/1931 Christian Biederbick - Emilie Biederbick
1931 /1932 Egon Mitze - Erna Stöcker
1932/1933 Karl Heine - Wilhelmine Sauer
1933/1934 Herbert Petersen - Gerda Saure
1934/1935 Konrad Giebeler - Eise Giebeler
1935/1936 Fritz Emde - Rickchen Schreiber
1936/1937 Ernst Scherrer - Emmi Scherrer
1937/1938 Johannes Figge - Minna Figge
1938/1939 Hermann König - Lina König
1939/1947 Walter Born - Frieda Born
1947/1948 Dr. Helmut Mitze - Ilse Jäger
1948/1949 Willi Ferron - Luise Perron
1949/1950 Helmut Ferron - Anneliese Ferron
1950/1951 Erich Saure - Lina Saure
1951 /1952 Heinrich Wilke-Kesting - Frieda Wilke
1952/1953 Karl-Heinz Mohr - Ruth Mohr
1953/1954 Karl-Heinz Mohr - Ruth Mohr
1954/1955 Helmut König - Charlotte Winter
1955/1956 Willi Schulze - Martha Schulze
1956/1957 Karl Bornemann - Marianne Saure
1957/1958 Heinrich Schumann - Herta Schumann
1958/1959 Karl Brüne - Irmgard Brüne
1959/1960 Christian Biederbick - Elisabeth Biederbick
1960/1961 Walter Marczewski - Ruth Marczewski
1961 /1962 Karl Sauer - Lina Sauer
1962/1963 Friedrich Saure - Ursula Zölzer
1963/1964 Christian Benecke - Jutta Benecke
1964/1965 Willi Saure-Kampmann - Anni Saure
1965/1966 Hermann Biederbick - Marlies Biederbick
1966/1967 Hermann Vogel - Marianne Vogel
1967/1968 Josef Göttlicher - Notburga Göttlicher
1968/1969 Emil Weber - Lina Weber
1969/1970 Lothar Kesper - Anita Kesper
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1970/1971 Hermann Schumann - Doris Schumann
1971 /1972 Christian Mitze - Christa Mitze
1972/1973 Heinz Ernde - Birgit Brüne
1973/1974 Willi Engelbracht - Frieda Engelbracht
1974/1975 Georg Tegge - Milli Tegge
1975/1976 Horst Müller - Gisela Müller
1976/1977 Jörg Schulte - Ilse Schulte
Königspaar 1976/77 Jörg und Ilse Schulte
v l n r Alfred und Ulrike Schäfer, Karl und Waltraud Bornemann, Richard und Gertrud Wilke, Fritz und Waltraud Stöcker, Horst
und Christel Eppendorf. Jörg und Ilse Schulte. Emil und Helga Saure. Herbert und Anni Könne. Dieter und Luise Dudder.
Karl und Gisela Figge. Helmut und Margot Scharf, Willi und Luise Emde.
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Die Königskette
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Schützenzelt - Schützenhalle
Eng verbunden mit der Geschichte der Schützengesellschaft Usseln ist die Geschichte der
früheren Schützenzelte und der jetzigen Schützenhalle. Alle Festlichkeiten des Vereins haben
im Zelt bzw. in der Halle stattgefunden. Seitdem die ortsfeste Halle besteht, werden auch
alle Versammlungen in dieser Halle durchgeführt. Manch feucht-fröhliche Stunden haben die
Usselner und ihre Gäste im Zelt - so heißt die Halle auch heute noch im Volksmund - verbracht.
1877, - als der Verein gegründet wurde, standen für Festlichkeiten nur die bescheidenen
Räume in den 2 bestehenden Gastwirtschaften zur Verfügung. Zunächst einmal wurde die
Gastwirtschaft Wilhelm Figge (Riepen) zum Vereinslokal erwählt. Diese Wirtschaft befand sich
damals noch in der jetzigen Bachstraße im Hause Fischer (Trachten). Die Kriegerfeste 1878
und 1879 wurden in dieser Gastwirtschaft durchgeführt. Aber schon 1880 wurde ein Zelt auf
Riepen Wiese (der heutigen Grünanlage an der Mittelstraße) aufgebaut. Nach einem Vertrag
verpflichtete sich der Gastwirt Wilhelm Figge, auf 10 Jahre den Platz für das Zelt, das nötige
Bauholz zu einem 30 Fuß breiten und 30 Fuß langen Zelt zu liefern und 20 Mark an Wilhelm
Saure zur Beköstigung der Zimmerleute zu zahlen. Dafür erhielt er die Wirtschaft unentgeltlich.
Zimmermeister Wilhelm Saure (der Großvater des im Jahre 1976 verstorbenen Zimmermeisters
Wilhelm Saure, der von 1961 bis 1965 Vereinsvorsitzender war) verpflichtete sich, für 30 Mark
(und 20 Mark für Beköstigung der Zimmerleute) das Zelt aufzustellen, abzubrechen und unbeschädigt
an einen bestimmten Platz zu bringen. Die Bretter fürs Tanzen stellte der Verein. Das so
aufgestellte Zelt wurde mit einem Laken überzogen und nach einfacher Möblierung konnte das
Fest beginnen
Im Jahre 1881 ist schon von 2 Zelten die Rede, einem „Drinkezelt" und einem ..Danzezelt".
Das Trinkzelt war mit langen aus rohen Brettern hergestellten Tischen und Bänken und einem
Bierausschank versehen. Alles stand auf grünem Rasen. Das Tanzzelt erhielt einen zusammenlegbaren
Bretterfußboden und eine Musikempore. Bei diesen Zelten war man natürlich sehr vom
Wetter abhängig.
1888 muß für 111 Mark und 50 Pfennig ein neues Zeltlaken angeschafft werden.
Die Schutzenhalle bei einem Schützenlest in den zwanziger Jähret
estwagen des Rauchclubs „Dicke Wolke
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Im Jahre 1891 wird der mit Wilhelm Figge (Riepen) geschlossene Vertrag um 6 Jahre verlängert.
Er muß jetzt aber 20 Mark an den Verein zahlen, die Musik beköstigen und vor
allem für gute Speisen und Getränke sorgen. Den Zeltaufbau besorgt ab 1892 der Zimmermeister
Karl Wilke (Kirchhöfer) für 26 Mark. Nach Ablauf des Vertrages ist man wohl mit Wilhelm
Figge nicht mehr einig geworden. Es wird ein 42 Fuß langes und 36 Fuß breites Zelt im
Garten des Landwirts Ludwig Bender (Klenken) aufgestellt (dort wo jetzt Bender-Klenkens
Scheune steht, gegenüber der Dorfschänke). Das Tanzzelt sollte dauernd stehen bleiben,
das Trinkzelt sollte jedes Jahr neu aufgestellt werden. Für das Tanzzelt werden 600 Bretter
gekauft. Zum ersten Mal wird 1897 in diesen beiden Zelten gefeiert. Die Gastwirtschaft wird
für 130 Mark an Christian Meier (Knochen) vergeben; die Wirtschaft 1898 erhält Christian
Asmuth für 143,50 Mark. Die Feste in Klenken Garten müssen ausgiebig gefeiert worden sein.
Von damals stammt der Ausdruck „et wass en Ungelücke oup Klenken Schköüre", was
soviel bedeutet wie „ganz ausgelassen gefeiert".
Das Kriegerfest 1902 ist dann noch einmal auf „Riepen Wiese" gefeiert worden.
Schon 1903 wird der Festplatz erneut gewechselt. Auf der Gemeindebleiche, dort wo jetzt die
Schützenhalle steht, werden jetzt Trinkzelt und Tanzzelt aufgestellt. Von der Gemeinde wird
eine Teilfläche für 6 Jahre gepachtet. Hier ist damals auch ein Teich gewesen. Heinrich Ferron
baute die Zelte für 94 Mark auf.
Im Jahre 1910 wird das Grundstück in Größe von 8 Ar von der Gemeinde (Bürgermeister
Küthe) erworben. Die Zelte werden, dem Bedarf entsprechend, vergrößert. Im Jahre 1910
begann man über den Bau einer ständig stehen bleibenden Halle zu diskutieren. Das jährliche
Auf- und Abbauen der Zelte, die Aufbewahrung der Balken, Bretter, Bänke und Stühle,
sowie die Unterbringung aller Gerätschaften hat doch wohl zu viel Arbeit verursacht. Es
dauerte aber dann doch bis 1913, wo dann endgültig der Bau eines feststehenden Zeltes
mit Fundamentmauern und harter Überdachung zum Preise von etwa 7000 Mark nach einer
Zeichnung von Maurermeister Heinrich Schulze aus Usseln beschlossen wurde. Die 1913
noch einmal gebrauchten alten Zelte wurden bis auf die Bretter verkauft.
Unter der Bauleitung von Architekt Schleicher aus Korbach und nachAusschreibung der Arbeiten
in der Corbacher und Briloner Zeitung wurde die „Kriegerhalle" 1914 gebaut. Die geschätzten
Kosten von 7000 Mark wurden um 1 000 bis 1 500 Mark überschritten. Zur Deckung der
Kosten wurde ein Darlehen bei der Kreissparkasse Korbach in Höhe von 7700 Mark aufgenommen.
Die Einweihung der Halle wurde besonders gefeiert. Die Nachbarvereine Willingen,
Rattlar, Schwalefeld, Eimelrod und Bömighausen namen an der Feier teil.
Das Kriegerfest konnte wegen des Ausbruchs des ersten Weltkrieges nicht mehr gefeiert
werden. Während des ersten Weltkrieges wurden in der Halle Kriegsgefangene, die bei Usselner
Bauern arbeiteten, untergebracht.
Der Bau einer neuen feststehenden Halle war ein großes Ereignis in der Vereinsgeschichte.
Es handelte sich jedoch noch weitgehend um einen „Einfachbau". Die Seitenwände waren
nicht massiv, sondern mit Brettern verschlagen. Der Bühnenanbau und die Kellerräume waren
noch nicht vorhanden. Man hatte jedoch „ein festes Dach über dem Kopfe".
Nach dem Kriege wurden noch einige Verbesserungen vorgenommen. Das „Vereinszimmer"
(dort wo sich jetzt etwa die Sektbar befindet) wurde verputzt, die Pappe auf dem Hallendach
wurde geteert. Noch 1919 wurde dieses Vereinszimmer der Gemeinde für den Schulunterricht
überlassen. Die neue Schule in Usseln war nicht groß genug. Ab 1920 benutzte der
Turnverein die Halle zum Turnen, der Gesangverein übte im Vereinszimmer. Die Wirtschaft
wurde nun vom Verein selbst betrieben durch einen angestellten Vereinswirt, der am Umsatz
beteiligt wurde. Ab 1920 war der Vereinswirt verpflichtet, jeden Sonntag das Vereinszimmer ab
3 Uhr bis zur Polizeistunde offenzuhalten. Hier tranken die Schützenbrüder ihr sonntägliches
Bier, spielten Karten usw.. Diese Sitte hat sich bis Anfang der 60er Jahre gehalten.
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Im Jahre 1920 wurde durch Klempnermeister Saure aus Korbach für 2685 Mark elektrisches
Licht in die Halle gelegt. Die nicht voll ausgebauten Kellerräume waren zu dieser Zeit an
den Schreinermeister Perron verpachtet, der hier seine Werkstatt eingerichtet hatte und auch
Vereinswirt war. Im gleichen Jahr wurde unter dem Vereinszimmer ein Getränkekeller
eingerichtet und die erste Kegelbahn angelegt. Sie befand sich nicht wie heute in den Kellerräumen,
sondern oben in der Halle an Kochs Seite. Zwei Kegelclubs nahmen den Kegelsport auf.
1920 ist man besonders aktiv gewesen. Es wurde auch noch eine Bühneneinrichtung von
Volke, Korbach, für 3000 Mark gekauft.
1921 wird im Getränkekeller eingebrochen, Getränke werden gestohlen. Stellmachermeister
Wilhelm Wilke muß schon neue Kegel, diesmal aus Weißbuchenholz, anfertigen. Auch um die
Hygiene wird sich gekümmert; Klempnermeister Vogel legt Wasser in die Halle.
Im Zuge der sich ausbreitenden Inflation wird die Werkstattmiete für Schreinermeister Perron
auf 1 000 Mark jährlich erhöht; 1923 muß er als Miete 2 Stühle liefern.
Die Kegelbahn wird 1924 unter die Halle verlegt (dort wo sie jetzt noch ist). Der unter dem
Vereinszimmer gelegene Keller wurde als Vorraum für die Kegelbahn ausgebaut. Die „Hölle"
war geboren. Der Raum unter der Bühne (Werkstatt Perron) wurde als Speisezimmer eingerichtet,
das auch gleichzeitig ein genügend großes Vereinszimmer sein sollte.
1925 wurde im Vorraum der Kegelbahn eine Theke installiert; die neuen „Vereinsräume"
im Kellergeschoß wurden am 14. 6.1925 eingeweiht. Die Arbeiten führten Carl Engelbracht
und Heinrich Schulze aus.
Das Zerkleinern des Holzes für die Öfen übernahm 1925 Fritz Göbel für 12 RM. In diesem
Jahr bemalt Heinrich Krefft das Kegelzimmer (Vorraum) mit „schönen Bildern", die teilweise
Protest in der nächsten Generalversammlung auslösen. Im Vereinszimmer wird die „Kleinkinderschule"
(Kindergarten) untergebracht. Überhaupt wird in den 20er Jahren die Halle
vielseitig genutzt. Der in Usseln gegründete (schon lange nicht mehr bestehende) „Dramatische
Verein" führt oft Theaterstücke vor, 1925 wird auch die erste Kinoveranstaltung durchgeführt.
Der Turnverein nutzt die Halle eifrig und auch der Kegelbetrieb läuft ohne Unterbrechung.
1926 wurde sogar ein Einmachkurs in der Halle durchgeführt. Natürlich bleiben auch bei
der vielseitigen Nutzung die üblichen Reibereien zwischen den einzelnen Benutzern nicht aus.
Mal wird zu heftig geturnt, dann gehen zuviel Fensterscheiben kaputt, der Sonnabendkegelclub
will nicht immer wegen anderen Veranstaltungen aussetzen usw. usw..
Mit den sanitären Verhältnissen war es damals noch nicht weit her. 1926 wurden einige
Schwarten gekauft, um die „Latrine" (Bretterbude mit Abfluß in die Diemel) instandzusetzen.
Im Jahre 1926 wird auch eine neue Theke in die Halle (zum Marktplatz hin) eingebaut,
das Kegelzimmer erhält eine Lamperie.
Ab 1929 wird damit begonnen, die Außenwände der Halle massiv zu machen, zum Schützenfest
wurden erstmals die Tische mit weißem Papier gedeckt. Die Halle wird in diesem Jahr
zum Markplatz hin um 2 m erweitert. Die Arbeiten führte Maurermeister Friedrich Born durch.
1930 wird ein neuer Männerabort erbaut aus „Kanthölzern und Brettern".
Im Oktober 1933 wird die Halle von einer Abteilung des Reichsarbeitsdienstes belegt (die
Mitgliederversammlung wurde nicht gefragt). Die Abteilung blieb in der Halle, bis das auf
dem Gelände des jetzigen Schwimmbades gebaute RAD-Lager (Baracken) fertig war. 1936
wird ein Erweiterungsbau zur Diemel hin durchgeführt (sogenannter Bühnenanbau); eine neue
„Bankett-Kegelbahn" wurde 1939 gebaut. Im zweiten Weltkrieg (ab 1941) wurde die Halle an
die Continental-Gummiwerke als Lagerhalle für 2400 RM jährlich vermietet.
Nach Ende des zweiten Weltkrieges zogen Fremdarbeiter in die Halle; es war eine bewegte
Zeit. Die Halle wurde beschlagnahmt, der neu gegründete Bürgerverein konnte sie aber nutzen.
Schon 1947 wurde mit vereinten Kräften an die Instandsetzung der Halle gegangen, soweit
das wegen der kaum zu bekommenden Materialien überhaupt möglich war.
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1950 wurde die Halle vom Land Hessen für 9720 DM zurückgekauft. Da das Geld nicht
sofort bezahlt werden konnte, mußte es mit 4% verzinst werden.
In diesem Jahr wird auch zusammen mit der Gemeinde eine für damalige Verhältnisse
neuzeitliche Toilettenanlage an das Spritzenhaus angebaut. Das Spritzenhaus ist beim Bau der
Liegehalle 1972/73 abgebrochen worden.
1950 ist zum letzten Mal beim Schützenfest ein Süßwarenstand in der Halle zugelassen
worden.
Die gekaufte Halle sollte 1953 kostenlos zurückgegeben werden. Weil dann aber Lastenausgleichszahlungen
fällig geworden wären, entschloß sich der Verein, es beim Rückkauf
zu belassen.
1955 gastierte zum ersten Mal der „Frankfurter Wecker" (eine direkt übertragene Rundfunksendung)
in der Halle, 1956 erhält die Bühne einen Vorbau. Eine neue vollautomatische
Kegelbahn wird 1962 gebaut. Von 1957 bis Anfang der 60er Jahre wird in den Wintermonaten
die Halle an englische Stationierungsstreitkräfte vermietet. Neue Toilettenanlagen werden 1967
angebaut; in diesem Zuge wird auch der Kegelbahn-Vorraum vergrößert.
Die gründlichste Renovierung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Usseln im Jahre
1972. Eine ölbefeuerte Warmluftheizung wurde eingebaut, ein neuer Fußbodenbelag nach
Hebung der Tragfähigkeit des alten Fußbodens verlegt, eine Lautsprecheranlage installiert usw..
An den Gesamtkosten von etwa 90000 DM beteiligte sich die Gemeinde mit 45000 DM. Die
Halle erstrahlte nun in einem besonderen Glanz; es ließ sich noch besser feiern als vorher.
Die Mitbenutzung der Halle durch andere örtliche Vereine wurde durch einen Vertrag mit
der Gemeinde geregelt.
Eine weitere wesentliche Verbesserung erhielt die Halle 1972/73 durch den Anbau der
Liegehalle. Die Liegehalle kann bei Vereinsfesten mit benutzt werden. Dadurch ist nun
auch ein einwandfreier Küchenbetrieb möglich.
Für die Kellerwirtschaft wurde ein neuer Eingang an Kochs Seite gebaut, der 1976 überdacht
wurde. Anfang 1977 werden für die Räume im Keller Toiletten gebaut und weitere Verbesserungen
durchgeführt.
Alles in allem ist nun die Usselner Schützenhalle wieder eine der größten und besteingerichtetsten
Hallen weit und breit. 1914, vor mehr als 60 Jahren, wurde mit dem Bau begonnen.
Es hat seit dieser Zeit viel Arbeit, Mühe und viel Einsatz der Verantwortlichen erfordert, die
Halle in den Wirrnissen der Zeit zu erhalten, immer weiter zu verbessern und den heutigen
Zustand zu erreichen. Es bleibt zu hoffen, daß die Halle auch weiterhin zum Wohle des
Vereins und des Ortes bestens erhalten bleibt und daß sie nur friedliche Zeiten erlebt.
Friedrich Born
41
Die mittelalterliche Usselner Schützengesellschaft
Geschichtlich einwandfreie Quellen über das Schützenwesen in Waldeck gibt es schon im
14 Jahrhundert. Die Entstehungsursache ist im verstärkten Schußwaffengebrauch in dieser
Zeit und in der Sicherung des Dorfes zu suchen.
Das Schützenwesen war in Waldeck seit dem Jahre 1525 reglementiert. Der Waldecker Graf
erließ eine Landordnung in der es hieß:
„Es soll jeder manniglich gehalten sein, mit seiner gesetzten Wehr, Rüstung, Pulver
und Lot sich in guter Bereitschaft zu halten. Ein jeder Schütze soll 1 Pfund Pulver
und 20 Kugeln ständig besitzen."
Es ist anzunehmen, daß auch in Usseln um diese Zeit eine Schützengesellschaft entstand.
In den Dörfern entstanden sie oft erst nach Einführung der Reformation. In Usseln wird der
erste evangelische Pfarrer 1529 erwähnt.
Nach der Landordnung von 1525 mußte das alle Bürger zum Waffendienst verpflichtende
Aufgebot auf Befehl des Landesherrn von Zeit zu Zeit zur Heerschau antreten. Die Entwicklung
der Feuerwaffen und das Aufkommen der Landsknechtshaufen und Söldnertruppen ließ aber
zu dieser Zeit schon die militärische Bedeutung des Schützenwesens zurücktreten. Die Freischießen
der Schützengesellschaften dienten nicht nur dem sportlichen Wettkampf, sondern
waren zugleich Dortfeste, an denen die ganze Bewohnerschaft teilnahm.
Davon zeugt auch die Urkunde aus dem Jahre 1590, die erstmals Auskunft über das Bestehen
der Usselner Schützengesellschaft gibt. Es handelt sich um eine Gerichtsverhandlung, die am
20. Februar 1590 in Korbach stattgefunden hat. Die Urkunde hat (mit einigen Anmerkungen)
folgenden Wortlaut:
42
1. „Verhandelt Korbach am 20. Febr. 1590
Tias Wilcken erscheint, beklagt sich gegen die von Usseln.
Es sei Brauch, jährlich zu Usseln ein gemein Schießen zu halten, daß dazu alle
Nachbarn gefordert werden. Die von Usseln haben ihn im vorigen Jahre nicht dazu
gefordert. Er habe sich deshalb gegenüber der Obrigkeit beklagt, denn er sei dadurch
an seiner Ehre geschmäht worden. Er bittet, mit denen von Usseln zu reden, daß
sie ihn bei der Gesellschaft leiden müssen.
Die Dorfschaft Usseln zeigt, nachdem sie sich bedacht haben, durch melchior Licaulen
an, daß sie die Klage angehört haben. Sie sagen darauf, sie stellten nicht in Abrede,
daß der Kläger nicht zum Schießen gefordert sei; sie hätten ihn aber dadurch nicht
geschmäht, das könne er auch nicht beweisen. Die Ursache (für das Nichteinladen)
zu erzählen, sei nicht erforderlich; es sei nicht geschehen, um ihm Unrecht zu tun.
Sie sagen: Als vor 4 Jahren die Kindtaufe auf dem Eisenberge gehalten wurde, wozu
Hafer und Eier geliefert werden mußten, habe sie der Kläger gegenüber dem Rentschreiber
diffamiert, sie (die Usselner) hätten etwas begangen (Unrecht getan),
deswegen sollten sie dem Herrn (Grafen) 100 (Gulden/Taler) zur Strafe geben, sie
hätten (nach des Klägers Angaben) von 500 (zu liefernden) Eiern 200 behalten. Das
habe sich aber nicht so verhalten. Deswegen habe der Kläger dem Rentschreiber
Abtrag (Bußgeld) erlegen müssen.
2. Wenn Gericht gehalten werden solle, werde die Nachbarschaft durch die Glocke
gefordert (geladen). Der Kläger sei jederzeit in den Versammlungen erschienen, er habe
von niemand etwas angezeigt (vorgebracht). Nach einer Verhandlung habe er aber einen
Jungen, seinen Taufpaten, der Dieberei gescholten.
3. Sie sagen, der Kläger richte gemeinhin beim Trunk Unlust durch sein Schelten an.
Darum tragen sie Bedenken, ihn zum Schießen zu fordern (einzuladen, zuzulassen),
damit er sie (die Usselner) in keine Strafe brächte. Sie haben Bedenken, mit ihm in
gemeinsamer Gesellschaft Umgang zu haben. Sie hoffen, daß sie nicht zuviel (damit)
getan haben, lassen ihn sonst für seine Person schicken (tun und lassen), wissen
(wollen) ihn nicht schmähen und haben ihn nicht geschmäht. Sonsten wollen sie sich
zum Recht erboten haben. Wenn ihnen sollte aufgedungen (anbefohlen) werden, mit
ihm umzugehen (Umgang zu pflegen), dann wollen sie sich vorbehalten, für diesen Fall
mehr (weitere) Punkte vorzubringen.
Tias Wilcken läßt, nachdem er sich bedacht hat, durch Mylenius anzeigen, er habe
angehört, was Usseln auf seine Klagen sich habe vernehmen lassen (geantwortet habe).
Es werde gestanden, daß er aus drei Gründen nicht zur Schützengesellschaft gefordert
(geladen) wurde. Er setzt die Ursachen an ihren Ort (gesteht sie nicht, lehnt ab). Er
akzeptiert (nimmt an, bleibt dabei), daß er nicht gefordert sei. Er sagt, daß es nicht
an dem sei. Wie die Schützen beieinander gewesen waren, habe er sich dahin verfügt
(zu ihnen begeben) und gebeten, ihn zuzulassen. Sie hätten ihn allein nicht
zugelassen.
Wenn man die Dorfschaft zusammengeläutet habe, habe man ihn auch ausgeschlossen.
Er nimmt an, daß sie ihn nicht geschmäht haben und nicht schmähen wollen. Wegen
der Eier und des Knaben täte er aber kein Geständnis. Sie haben deswegen keine
Ursache gehabt, ihn auszuschließen, wenn Obrigkeit gewesen sei (Glockenschlag war
Sache der Obrigkeit, Amtshandlung). Er bittet nochmals, ihn zuzulassen.
Usseln läßt den Bericht akzeptieren, die Ursachen sind nicht (vom Kläger) widerlegt,
das solle geschehen. Sein Bürge (vorgetragen durch Mylenius) könne nicht verneinen,
daß er (Wilcke) Uniast (Unfrieden) anrichte; daß sie ihn propria auctoritate (aus gehöriger
Vollmacht) ausgeschlossen hätten, sei von alther überbracht (so gehandelt worden).
Wenn einer unter ihnen etwas gegen sie gehandelt, den mögen sie ausschließen. Sie
hätten auch einander einen Bürgereid geleistet, daß sie nicht allein dem Herrn (Grafen)
sondern auch sich selbst treu sein wollen. Der Kläger habe den noch nicht geleistet.
Sie wissen (wollen) ihn auch noch nicht dazu zulassen, die Gesellschaft (Schützengesellschaft)
sei mehr (facultatis) auf Freiwilligkeit (begründet). Sie erbieten sich zum
Recht. Insofern sie sollten beschwert (belastet) werden, haben sie noch weiteres anzuzeigen
; das kann zum Teil geschehen, was sich vor einem Jahr zugetragen.
Tias wiederholt die Klage, nimmt an, was gestanden wird, setzt andere Punkte an
ihren Ort (nimmt sie nicht an) gesteht sie nicht ein.
Usseln zeigt zum Teil an: wie sie dies Jahr den Zehnten angeschnitten (beim Richter
in den Kerbstock), habe der Kläger 3 Mütt Land zurückgehalten und verschwiegen.
Bescheid:
Weil die Dortschaft Usseln in dem zuviel getan, daß sie ohne Ansuche der Obrigkeit
Tias Wilcken aus ihrer Gemeinschaft verwiesen haben, also ist ihnen deswegen von
unserm gnädigen Herrn zum Abtrag (Buße) 10 Taler abgefordert; weil sie sich aber
entschuldigt und erboten haben, daß sie sich solcher Dinge hinfort enthalten wollen,
so hat es ihre Gnaden bei zwei Talern gelassen, - doch dergestalt, da sie dergleichen
Händel hinfort mehr vornehmen würden, sollen sie Ihrer Gnaden mit 20 Talern unnachsichtiger
Strafe verfallen sein; welches sie also abgenommen (angenommen, eingewilligt)
haben. Tias Wilcken aber, weil seine Sache auch so gar nicht richtig befunden
worden, ist mit Ernst befahlen worde, sich bei Zechen und Biergeladen der Usselner
(Schützen-) Gesellschaft Jahr und Tag zu enthalten (fernzubleiben), bei Vermeidung von
Strafe. Was aber andere Zusammenkünfte anlangt, bei der vom gemeinsamen Nutzen
der Dorfschaft gehandelt wird, soll er gleich ändern gezogen und gefordert werden.
Welches er also zu halten auch versprochen hat".
43
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Original der Urkunde vom 20 Februar 1 590
Im Jahre 1602, also 12 Jahre später, gibt es in Usseln 4 Wilcken: Johann Wilcken und
Theis Wilcken, beide Ganzspänner (4Pferde), sowie Lips Wilcken und Tepel Wilcken (beide
Halbspänner).
Nach der Verhandlung in Korbach sind die Usselner der Meinung, daß die Schützengesellschaft
keine von der Obrigkeit eingesetzte, sondern eine freiwillige Einrichtung ist.
Durch Glockenschlag wurde zu Gemeindeversammlung, Gericht und Landfolge eingeladen; das
war eine Sache der Obrigkeit.
Bei den Auseinandersetzungen mit den westfälischen Nachbarn wurden in der 2. Hälfte des
16. Jahrhunderts die wehrhaften Männer oft zur Abwehr von Übergriffen durch Glockenschlag
gefordert.
Ein weiteres Zeugnis für das Bestehen einer Usselner Schützengesellschaft ist ein Brief des
Pastors Conradt Engelhard! vom 26. Januar 1603 an den Oberamtmann und Landrichter in
Korbach über einen Streit beim Schießen aufs Kleinod im Sommer 1602:
Der Brief hat folgenden Wortlaut:
„Den ehrenfesten, wohlachtbaren und hochgelahrten Herrn, Herrn Justus Ritter, beider
Rechte Doktor, Herrn Barthold Noldenio summo praefecto (Oberamtmann) und Herrn
Conrado Leusmanno Publico Comitats Waldecentis judici (Gräfl. waldeck. Landrichter),
meiner gebietenden Obrigkeit, besonderen Herren und guten Freunden untertänig
geschrieben:
Es hat mir, hoch- und wohlachtbare Herren, Herr Doktor, Oberamtmann und Landrichter,
unseres Richters Michael Figgens Hausfrau Elsa am Abend Agnetae (21. Jan.)
den Rügezettel in die Pfarre gebracht, daß ich ihn ihr sollte vorlesen - damit sie
wissen möchte, wer gerügt und wer nicht gerügt. Welches ich getan habe, und unter
ändern auch meinen Tauf- und Zunamen darinnen am Ende gefunden. Mit hoher
Verwunderung habe ich bedacht, wie das möchte zugehen. Sintemal mir nicht im
geringsten bewußt ist, daß ich mit jemandem sollte gezankt haben um etwas. Denn das
sollte mir, einem Prediger und guten Vorgänger (Vorbild) nicht gebühren.
Weil aber die hohe Obrigkeit Macht hat von Gott, mir und meines gleichen auch
zu gebieten, so bin ich willig zu gehorchen, nicht ungeneigt. Wenn ich nur causam
citationis (Grund der Vorladung) wüßte! Es ist mir gleichwohl eines eingefallen, obs
aber dasselbige sein wird, weiß ich zur Zeit noch nicht, - und das ist dieses:
Es hat sich im verlaufenen Sommer zugetragen, daß meine Pfarrkinder, nach alter
Gewohnheit, ums Kleinod geschossen haben und ein Fuder Bier zum Besten gehabt
haben. Dabei haben sie mich durch zwei Männer gefordert (geladen), daß ich mich
mit ihnen ein oder zwei Stunden sollte fröhlich machen. Ich habe ihnen darin gehorcht,
bin zu ihnen gegangen und bei Hans und Michael Figgen, Gebrüder, zu sitzen kommen.
Diese beiden sind der Güter halben fast uneinig, und sonderlich beim Trunk einer
dem ändern vornehmlich dieser jenem (d. h. Michael dem Hans) dies und das vorwerfen;
daraus werden dann oft aus Worten Taten.
Wenn ich nun hierüber zeugen soll, wie mir zugemutet, so will ich, wenn mich Gott
liebt, in der Tat sagen, was ich gesehen habe. Denn der Richter (Michael Figgen) hat
mir auf der rechten, der Klencke (Hans Figgen) aber auf der linken Seite gesessen. -
Nun saßen wir ohne alle Sorgen, redeten miteinander freundlich von diesem und jenem,
und tranken auch nach Art der Bauern, einer dem ändern gute Trünke zu, in der Meinung.
es wäre eitel Bruder, Gevatter und Freund. Da hebt das Haupt, das den Gliedern
raten sollte, eine Unlust und Tumult an, und schlägt zu seinem Bruder Hans Figgen ein
mit „trunknen" (trunkenen oder harten) Fäusten und trifft ihn auf den Kopf etliche
47
Male. War auch willens, wenn ichs nicht mit ganzer Macht verhütet hätte, was die
übrigen Anwesenden auch bezeugen können, mit meiner Handbarten (Beil, Streitaxt),
auf welcher ich saß, ihn auf seinen Kopf zu hauen. Ob er hieran Recht habe getan -
das überlasse ich rechtskundiger Untersuchung und Urteil. Soll ich nun hierüber
hoch- und wohlachtbare Herren, zeugen, so ist dies Zeugnis wahr, soviel einem einzigen
Manne zu glauben.
Ich wäre persönlich, ungeachtet des kalten Wetters, erschienen; weil ich aber einen
Toten zu begraben habe, nämlich Zacharias zu Sudeck Hausfrauen Schwester, hoffe
ich, Eure Hoch- und Wohlachtbarkeit werden mich diesmal entschuldigt nehmen.
Dem Schütze des Allmächtigen empfohlen - In schneller Eile, Usseln, aus meinem
Musensitz, 26. Jan. 1603
Euer hoch und wohlachtbar gehorsamer Conradt Engelhardt, minister verbi ibidem
Usseln (Diener des Wortes ebendort zu Usseln)."
Im 30jährigen Krieg hat Usseln unsagbar viel gelitten. Ein großer Teil der Bevölkerung ist
ums Leben gekommen. Bitterste Armut herrschte im Lande. Auch nach dem 30jährigen Krieg
hat sich das Upland nur ganz langsam wieder erholt. Es war nicht die Zeit, Feste zu feiern.
So ist wohl auch die alte Usselner Schützengesellschaft nicht zu neuem Leben erweckt worden.
Erst mit Gründung des Kriegervereins im Jahre 1877 ist eine ähnliche Einrichtung wieder
entstanden.
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Usseln im Jahre 1877
Für die Zeit vom 1. Januar 1877 bis 31. Dezember 1879 wurde Landwirt Christian
Küthe, genannt Hertige, zum Bürgermeister von Usseln gewählt (anstelle von Friedrich Brüne).
Zum neuen Gemeindeerheber wurde Ludwig Saure (Oberschulte) gewählt. Die Einwohnerzahl
von Usseln betrug 676.
Dem Gemeinderat gehörten an: Friedrich Born, Johannes Brüne, Carl Figge, Friedrich Genuit,
Wilhelm Kesting, Christian Mitze. Christian Saure, Vogel und Johannes Wilke.
Der Gemeinderat legt fest, daß Kinder keine Handdienste leisten dürfen. Der Landesdirektor
in Arolsen erteilt die Zusage für die Einrichtung einer Apotheke in Usseln. Das
Ablösungsgeld für Hutebefreiungen mehrerer Grundstücke wird für die Einrichtung einer
Schulstube für den zweiten Lehrer verwandt. Anton Figge (Bäumer) wird als Kuhhirte und
Nachtwächter für 330 Mark im Jahr „gemietet".
Von der Gemeinde wird darauf hingewiesen, daß eiserne Stubenöfen wenigstens 30 cm
von Fachwerkwänden entfernt gesetzt werden müssen und daß Backhäuser nur mind. 15m
entfernt vom nächsten Gebäude errichtet werden dürfen.
Am 1. März 1877 werden die der Ehefrau Carl Lindner gehörenden Grundstücke
„Hinten auf der Agetucht" zwangsversteigert. Das Dienstbuch für Gesinde wird neu
herausgegeben und ist für 13 Rennig zu kaufen. Der Usselner Jahrgang 1857 wird am
1. Mai 1877 im Gasthaus Schmalz in Korbach gemustert. Mit 30 Mark wird bestraft,
wer zur Musterung nicht vollkommen nüchtern und reinlich erscheint. Am 30. April 1877
ist Holzverkauf durch Oberförster Gleisner. Ludwig Vollbracht, Carl Jäger und Wilhelm Born
aus Usseln werden öffentlich gesucht, weil sie zur Verbüßung einer Haftstrafe von
1 - 21 Tagen nicht erschienen sind. Unter den Usselner Rindvieh- und Schweinebeständen
ist der Milzbrand ausgebrochen.
Im Jahre 1877 wurden in Usseln 33 Kinder geboren, davon 19 Jungen und 14 Mädchen.
Die häufigsten Vornamen bei den Jungen waren Christian, Friedrich und Karl, bei den
Mädchen Henriette, Christiane und Louise. Es starben 24 Personen, davon 6 Kinder im ersten
Lebensjahr. Insgesamt war die Hälfte der Verstorbenen unter 50 Jahre alt. Sechs
Brautpaare heirateten.
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Ein vertrauter Anblick des alten Usseln - Viadukt mit Kahlem Pon - (um 1930)
Mein Upland
von üsbeth Lindner
Im Namen liegt es schon verborgen
Wo meine Heimat zu finden ist.
Wo das Rot, geboren im Morgen
Auf Bergeshöh' zarte Heide küßt.
Da suchet meine schöne Heimat,
Das Upland, auf grauer Felsen wand!
Wo ins Ätherblau Berge ragen,
Auf Schieferleisen das Leben bricht,
Über die Hänge Rehe jagen,
Im Buchenwald sich spiegelt das Licht,
Da suchet meine schöne Heimat,
Das Upland, mein Wunsch- und Kinderland!
Wo in den Tälern wohnt der Winter,
Mit Sturmgebraus das Haus erschreckt,
Auf weißer Weite rodeln Kinder,
Das Ski-Heil im Berg das Echo weckt,
Da suchet meine schöne Heimat,
Das Upland, wo ich die Liebste fand!
Wo die Diemel mit schwätzigem Mund,
Vom Kahlen Pon her nimmt ihren Lauf,
Wo dunkle Wälder in später Stund'
Mondsilberleuchten fangen auf,
Da, da ist meine schöne Heimat,
Das Upland, wo meine Wiege stand!
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Aus der Geschichte unseres Dorfes
— von Uslon bis Usseln —
Die ältesten Siedlungsräume in Waldeck werden die Korbacher Hochebene und das Edergebiet
sein. Das Waldecker Upland wurde wegen seines rauhen Klimas und seiner Höhenlage erst
später besiedelt. Der Sage nach sollen sich die letzten Bewohner der sogenannten Schwalenburg
bei Schwalefeld in Usseln niedergelassen haben. Das Upland wird ein wildes Bergland
gewesen sein, dessen Vegetationsbild in hohem Maße von Buchenwald und Heide geprägt
wurde. Usseln wird als Uslon zum ersten Mal in einem gräflich-waldeckischen Lehensregister
genannt, das in der Zeit zwischen 1332 und 1348 aufgestellt worden ist. Darin heißt es, daß
„Hermannus de Reyen" (von Rhena) den Zehnten in Usseln sowie eine Hufe Landes in der
dortigen Gemarkung zum Lehen hatte, und zwar von den Grafen zu Waldeck.
Das Dorf besteht mit Sicherheit schon wesentlich länger. Die ältesten Bewohner auf dem Lande
lebten meist in einzelnen zerstreut umher liegenden Häusern (Höfen). Nach und nach baute
man näher zusammen, insbesondere der Sicherheit wegen. Der Oberlauf der Diemel ist in
germanischer Zeit von den Cheruskern besiedelt worden. Der Name Diemel kann von
,,dietmelle" hergeleitet werden, was Malstätte des Volkes, Ort der Volksversammlung bedeutet.
Die Bewohner Usselns sollen zum Volksstamm der Vossen gehört haben; vielleicht deshalb
spricht man heute auch noch von den Diemelvössen.
Es lag in der Natur der Sache, daß sofort, als sich Ortschaften gebildet hatten, auch für die
Entscheidung von Rechtsstreitigkeiten oder für die Bestrafung von Vergehen gesorgt werden
mußte. Beides oblag der Volksversammlung, das heißt einer Zusammenkunft freier Männer
einer Mark, eines Gaues oder einer Landschaft. Diese alten Gerichte wurden nie anderswo
als im Freien abgehalten, z. B. unter breitschattigen Bäumen oder neben einer Quelle. Am Pön,
in der Nähe der Diemelquelle, befand sich ein Freigericht, auf das später noch eingegangen wird.
Unser Raum gehörte zu dem südlichsten Siedlungsgebiet der Cherusker (7. und 8. Jahrhundert).
Das Gebiet um Usseln gehörte zum Ittergau (benannt nach der Itter, die bei Ense entspringt
und bei Herzhausen in die Eder fließt und nach dem Itterbach im Upland). Gaue hat es schon
in der germanischen Vorzeit gegeben.
Als Karl der Große die sächsischen Stämme unterwarf, führte er in ihrem Gebiet die fränkische
Gaueinteilung ein und setzte an die Spitze der Gaue Gaugrafen als königliche Verwalter und
Beamte, aus denen sich allmählich mehr oder weniger selbständige Territorialherren entwickelten.
Mit der politischen Eroberung des Landes ging die Missionstätigkeit der Kirche
Hand in Hand. Den unterworfenen Sachsen wurde der christliche Glauben aufgezwungen.
Schon Papst Gregor III. nennt um 738 n. Chr. in einem Sendschreiben an Bonifatius die
„Nitresi" oder „Niftharsi", also die Bewohner des Ittergaues, unter den zu missionierenden
Stämmen.
Neben Bonifatius war es vor allem der Abt des Klosters Fulda, Sturm (Sturmi, Sturmius),
der die Bekehrungder Sachsen betrieb. Die im Jahre 1971 in Usseln gebaute katholische Kirche
wurde nach ihm benannt. Anläßlich des Reichstages zu Paderborn im Jahre 777 nahm Kaiser
Karl eine neue kirchliche Einteilung vor. Der Ittergau, bisher zum Bistum Büraberg gehörend,
kam für kurze Zeit zum Bistum Würzburg. Die St. Kilianskirche in Usseln ist wahrscheinlich
Mitte des 14. Jahrhundert gebaut worden, aber es kann davon ausgegangen werden, daß sie
an die Stelle eines wesentlich älteren Bauwerkes getreten ist. Zwar sind keine älteren Bauteile
erhalten geblieben, auch haben niemals Grabungen in oder bei der Kirche dies bestätigt. Der
Namensheilige der Usselner Kirche, das Patrozinium des hl. Kilian, gibt aber einen bestimmten
Hinweis und einen Anhaltspunkt für die Gründung dieser Kirche. Der hl. Kilian (t 689) war der
Missionar der Franken und erste Bischof von Würzburg, in dessen Dom seine Gebeine
beigesetzt und verehrt wurden. Der Ittergau aber gehörte nur kurze Zeit dem Bistum Würzburg
an, nämlich von 777 bis etwa 800, zu welcher Zeit er dem neugegründeten Bistum
51
Paderborn zugeteilt wurde. Nach den Gepflogenheiten jener Zeit ist daher mit Bestimmtheit
anzunehmen, daß die Usselner Kirche, ebenso wie die gleichfalls dem hl. Kilian geweihte
Kirche in Korbach, in dieser Zeit der Zugehörigkeit zur Diözese Würzburg gegründet worden ist.
Damit wäre ein Beweis für das Bestehen Usselns schon in karolingischer Zeit erbracht. Das
Christentum kam jedoch nur langsam zum Durchbruch. Sitte und Recht waren so tief in dem
Heidentum verschmolzen, daß auch nur ein allmählicher Übergang möglich war. Christliche
Gebräuche wurden deshalb soviel wie möglich an die altheidnischen angeknüpft.
Eine altgermanische Göttin war „Ostera". Sie war eine Gottheit des strahlenden Morgens, des
aufsteigenden Lichtes, eine freudige, heilbringende Erscheinung. Der Begriff konnte so für das
Auferstehungsfest des christlichen Gottes verwandt werden. Auf ihre Verehrung deutet der
Name Osterkopf für einen Berg bei Usseln hin. Als ursprüngliches heidnisches Fest oder
heidnische Sitte ist auch das Abbrennen des Osterfeuers am ersten Ostertag auf dem
Osterkopf zu deuten. Es herrschte der Glaube, daß die Sonne am Ostermorgen, wenn sie
aufgehe, drei Sprünge tue. Ältere Usselner können sich noch daran erinnern, daß diese
Sage erzählt wurde. Auch die Sitte, Kinder mit Ostereiern zu beschenken, hat ihren Ursprung in
den der Göttin Ostera dargebrachten Opfern. Das Osterfeuer auf dem Osterkopf wird von
Curtze (1850) als altüberlieferter Brauch erwähnt.
Um das Jahr 1000 n. Chr. erlosch die alte Gauverfassung. Nach dieser Zeit gehörte das
Upland zur Grafschaft Padberg. Der letzte Graf dieses Namens (Graf Erpo) stiftete 1102 das
damals wichtige Kloster Flechtdorf. Die Grafschaft fiel später an die Schwalenberger Grafen.
Sie waren die Miterben des alten Hauses Itler und nannten sich später Grafen von Waldeck
(Sitz Schloß Waldeck). Am 21. Juli 1267 gelangten Burg Lichtenfels, die Städte Sachsenberg
und Fürstenberg sowie alle korveyischen Besitzungen und Rechte von Korbach bis nach
Lichtenfels in den Besitz des Grafen Adolf l. von Waldeck, in dem wir den eigentlichen
Begründer eines waldeckischen Territoriums sehen dürfen.
Das älteste waldeckische Lehensregister (zwischen 1332 und 1344) weist als waldeckische
Lehen Hermanns von Rhena den Zehnten in Usseln aus. Eine wichtige Neuerwerbung der
Waldecker war die Freigrafschaft Usseln. Die waldeckischen und kölnischen Rechte sind auch
hier in Gegensatz geraten; 1388 erfolgte eine Grenzziehung zwischen Brilon und der Dorfmark
Willingen.
Die Freigrafschaften sind wahrscheinlich alte Hochgerichtsbezirke gewesen, die später an
belehnte oder beamtete Vertreter der Grafengewalt weitergegeben wurden. Gogerichte waren
früher Niedergerichtsbezirke der lokalen Selbstverwaltung, ihre Befugnisse erweiterten sich aber,
und mit der Zersplitterung der Grafschaften stieg auch ihre Bedeutung für den Aufbau
der Landeshoheit.
Für die Durchsetzung der Waldecker Landeshoheit im Upland war das Freigericht Usseln
von großer Bedeutung. Dazu gehörten auch die Freigüter Alleringhausen, Welleringhausen,
Bömighausen, Eimelrod, Aestenfelde, Otmarkusen und Wakenfeld. Freigüter waren Siedlungen
im Ausbauland. 1367 spricht Graf Otto II. von seiner „grapschaft to Uslon". Er kann sie schon
länger besessen haben; vielleicht hat sie schon sein Vater, Graf Heinrich IV., bei seinem
Eindringen ins Gebiet der Klostervogtei Flechtdorf in seinen Besitz gebracht. Die Waldecker
konnten durch die Erwerbung des Gogerichts Flechtdorf im Jahre 1414 ihre Landeshoheit im
Upland weiter ausbauen.
Zu dem Freigericht Usseln gehörten (dingpflichtig) um 1533 Usseln, Willingen, Schwalefeld,
Rattlar, Neerdar, Welleringhausen, Alleringhausen, Bömighausen, Eimelrod, Hemmighausen,
Deisfeld und Behringhausen in der Herrschaft Padberg. Das Gericht wurde im Frühling
und im Herbst gehalten und kommt noch im Jahre 1560 vor. Der Freistuhl befand sich
„auf dem hohen Pone bey der Linden", wahrscheinlich am Wege von Usseln nach Titmaringhausen
in der Nähe der Diemelquelle. Der Name Pön soll abgeleitet sein vom lateinischen
52
Usselnum 1860
53
Poena = Strafe. Auf dem Hengböl (Henkershügel) soll der Galgen gestanden haben. Das ist
jedoch zweifelhaft, da vor den Freigerichten nur bürgerliche Streitigkeiten verhandelt wurden.
Straftaten kamen vor die „Peinlichen Gerichte".
Als Freigrafen von Usseln werden Wedderolt Leusmann (1523 -1525), Kilian Hamel (1532 -1538)
und Johann von Holten (1558) genannt. Das zuständige Gogericht für Usseln war Flechtdorf.
Lange Zeit mußten sich die Waldecker mit dem Erzstift Köln auseinandersetzen, bis schließlich
die Freigrafschaft Düdinghausen mit Deifeld, Oberschledorn, Referinghausen, Titmaringhausen
und Wissinghausen an Kurköln abgegeben werden mußte. Ältere Usselner werden sich noch
daran erinnern, daß die Bewohner dieser Ortschaften der Grafschaft „de Köllschken" genannt
wurden. Am 31. Oktober 1495 vermittelten die hessischen Landgrafen zwischen Waldeck und
Köln. Unter anderem ging es darum, daß die Waldecker zu Usseln einen neuen Zoll errichtet
hatten. 1663 kam es zu einem weiteren Vertrag mit dem Erzstift Köln, wonach u.a. das
Kloster Glindfeld auf seine Rechte am Gehölz Alter Hagen verzichten mußte.
1378 wird erstmals ein Pfarrer in Usseln erwähnt. Usseln gehörte im Mitlelalter zur Diözese
Paderborn und zum Archidiakonat Horhusen (Niedermarsberg). Der Nonnenschäferhof in
Usseln soll einmal ein Vorwerk eines Briloner Klosters gewesen sein. Der Geländestrich von
diesem Hof aus über die Diemel nach Westen heißt heute noch im Kataster „Die Nonnenseite".
Auch die Usselner Kirche steht auf der Nonnenseite. Der frühere Papenheims Hof (jetzt
Upländer Bücherstube) könnte das alte Pfarrhaus gewesen sein. Später war der jetzige
Lindenhof (Saure-Wiesemanns), dicht nördlich der Kirche, das Pfarrhaus. In einer Urkunde
von 1455 werden die Namen Schötteler, Rummeln, Küthe und Wilcke erwähnt. Innerhalb
der Verwaltung Waldecks wird das Amt Eisenberg erstmals 1489 genannt. Usseln gehörte dazu.
1466 erhielten Kurt und Johann von Rhena u.a. den Zehnten von Usseln, Wakenfeld und
Aestenfelde von Graf Wolrad l. als waldeckisches Lehen. 1537 erscheinen die Herren von Rhena
jedoch selbst als Lehensherren. Im Lehensregister derer von Rhena (1734 -1814) sind folgende
Usselner Familiennamen enthalten:
Behle(6) Küthe (1)
Brünne (9) Mitze (5)
Emde (3) Saure (8)
Engelbracht (3) Spratte (2)
Figge (6) Vollbracht (2)
Hampe(1) Wichard (1)
Kesting (2) Wilke (1)
(Die Namen sind in der jetzigen Schreibweise wiedergegeben)
Im 16. Jahrhundert beginnen die Geschichtsquellen über Usseln etwas reichlicher zu fließen.
In Waldeck wird die Reformation 1526 bis 1543 eingeführt. In Usseln wird als erster
evangelischer Pfarrer 1529 Georg Btef ken erwähnt, der vorher katholischer Pfarrer war und dann
zum evangelischen Glauben übertrat. Er war offenbar kein musterhafter Hirte seiner Herde, wie
die Visitation 1558 und 1565 beweisen. Es heißt dort: „Wäre er doch, was er heißt: ein
fleißiger Landmann (Georg!) im Weinberge des Herrn und ein wachsam Werfender (Blefken)
Hund und Feind der Feinde Christi." Er wurde zur Wachsamkeit ermahnt, zum treulichen
Fortfahren im Katechismusunterricht, zur gottesfürchtigen Erziehung seiner Söhne und zum
Friedenhalten mit seinen Pfarrkindern. Später erfährt man, daß Blefken die Kanzel mißbrauchte,
um mit privaten Widersachern abzurechnen. Den alten Küster Johannes soll er gegen Wissen
und Willen der Gemeinde abgesetzt und seine Bezüge von Michaelis bis Ostern selbst
eingezogen haben. Außer dem Pfarrer werden in dem Visitationsbericht sieben weitere Sünder
aus der Gemeinde angeklagt, anscheinend auch wegen Unzucht. Blefkens Amtseifer bleibt
weiterhin sehr gering. Dithmar Blefken, Georgs Sohn, wurde verklagt, er habe mit Gertrud,
der Tochter Hans Seiberdts, ein Söhnlein und sei mit Ihr, als er die Visitation gewittert habe,
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ausgeflogen. Es gehe das Gerücht, er wolle sie heiraten. Johann Wilcke und Johann Depeln
zu Rattlar sind in Schlägereien mit den Pastorensöhnen verwickelt gewesen. Auf wiederholte
Beschwerden der Gemeinde wurde Blefken 1573 seines Amtes enthoben.
Neuere Forschungen zeigen jedoch, daß er bisher in einem zu schlechten Licht geschildert
worden ist. Es ist vielmehr anzunehmen, daß er in breiten Schichten der Bevölkerung - er war
immerhin bald 40 Jahre Pfarrer in Usseln - beliebt war. Er sprach die Sprache des Volkes,
setzte sich für ihre Belange ein und hatte keine Angst vor der Obrigkeit. In Blefkens
Amtszeit fiel 1570 der Einfall „derer von Buren" in Usseln, die das Dorf plünderten. Die Feinde,
100 zu Pferde und 300 zu Fuß stark, raubten 324 Stück Rindvieh, 24 Pferde, 200 Schafe
und 10 Ziegen.
Im Jahre 1568 ist Wilhelm Fiegen Richter in Usseln. In einem Schreiben vom 15. Januar 1568
bittet er in längeren Ausführungen den Graf, sein Amt gnädig von ihm zu nehmen. Er beschwert
sich in dem Brief über das ungöttliche Leben in Usseln. In dem Brief, der ein wichtiges
Zeitdokument ist, heißt es u.a.:
„Zum anderen, gütiger Herr, kann ich mit gutem Gewissen dringender Not Euer Gnaden nicht
verbergen, daß ein unordentliches und ungöttliches Leben und Wesen in diesem Dorf allhier
diesen Winter angefangen und unter dem Volk erregt. Etliche, und ihrer viele fangen an,
Bäcker zu werden, und nachdem sich, Gott Lob, die Frucht in ziemlichem Kauf finden läßt, wird
ein jeder von ihnen mitleidig gehen und mit eines anderen Schaden reich werden. Das Backen
wäre wohl gut, und ein kleiner Gewinn für Mühe und Arbeit wäre ihnen zu gönnen, aber wie
ein jeder sein Fangwerk an Wecken und Brot macht, ob es billig und göttlich sei, will ich
einem jeden der Bäcker in sein Gewissen befehlen. Es geht zum Teil über den armen Mann,
der es kaufen muß; zum Teil wird auch eines jeden Haus- und Dienstgesinde durch etliche
angereizt, die sich sonst mit ihrer Herren und Eltern Brot begnügen müssen lassen, mit
häuslicher Untreue umzugehen, Wecke zu bauten (tauschen) und Kuchen für Korn, Hafer,
Mehl, Mohn, Flachs, Garn, Eier, Salz, Schmalz usw.. Der Bäcker einer oder zweie wären zu
leiden (genug), sie könnte man auch nicht gut entbehren, wenn sie es danach machen, was
göttlich und leidlich wäre. Aber ihrer sind zuviel, aber wer am meisten wuchern und am
Backen gewinnen kann, ist Meister.
Auch lassen sich andere gelüsten, werden Bierkrüger, holen Fuder, halbe Fuder, Ohme
(1 Fuder etwa 12 hl zu 8 Ohm, 1 Ohm etwa 150 Liter) Bier zu Corbach, eins über
das andere, einer mehr als der andere, etliche holen es in der Stadt, das Viertel für einen
Schilling gleich 12 Pfg. (1 Viertel etwa sechs Liter) geben es hier für 20 Pfennig. Wie mit dem
Maß umgegangen wird, ist leicht abzunehmen. Da machen sich dann die jungen Gesellen, auch
etliche Alte mitunter, bei das Bier, liegen Tag und Nacht dabei, gehen nicht davon, bis das Faß
leer und auf dem Boden steht. Richten Abendtänze an, sie wachen dann die ganze Nacht
bis an den ändern Morgen, sehen nicht an, ob es Werktag oder Feiertag ist; was Schalkheit,
Büberei, gottloses Wesen und Leben da geschieht und begangen wird, kann nicht genug davon
geredet und geschrieben werden. Zu besorgen, Gott wird uns allzumal wegen gottlosen Lebens
ungnädig strafen, den Unschuldigen mit dem Schuldigen treffen.
An anderen Orten sind gemeine Krüger, die den Zapfen von Euer Gnaden haben, geben
gebührlichen Tribut dafür. Denen ist auch eingebunden (aufgetragen), nicht zu leiden solche
Nachttänze, Winkeltänze, Spellemeien (Schallmeien?) und ander wüstes Leben. Hier kriegt
Euer Gnaden nichts davon, das Volk versäuft und verschwelgt damit das Ihre, wird arm und
zu Bettlern. Ja, wenn Sie Euer Gnaden Dienst- oder Küchengeld, oder andere gebührliche
Zinsen geben sollen (alle drei als Steuern an die Herrschaft zu leisten), kann man nichts
von ihnen bringen. Man hat nichts als ewiges Mahnen mit ihnen, und unnütze Worte von
einem hin zum anderen zu hören und zu leiden, wie alle Eure Diener, die solches aufheben,
wohl empfinden."
55
In dieser Zeit hat auch schon eine Schützengesellschaft in Usseln bestanden. In einer Urkunde
von 1590 heißt es: „Es sei Brauch, zu Usseln jährlich ein gemein Schießen zu halten".
In einem Brief des Pastors Engelhardt vom 26. 1. 1603 steht u.a.: „Es hat sich im verlaufenen
Sommer zugetragen, daß meine Pfarrkinder nach alter Gewohnheit ums Kleinod geschossen
haben".
In Usseln befanden sich 3 Wüstungen, nämlich Aestenfelde, Otmarkusen und Wakenfeld.
Wahrscheinlich hat es sich um alte Freigüter gehandelt, die im 15. Jahrhundert aufgegeben
und dann zu Wüstungen wurden. Die seit Mitte des 14. Jahrhunderts in Waldeck auftretenden
Seuchen und Pestepidemien haben mit dazu beigetragen.
Aestenfelde lag links der Straße von Usseln nach Rattlar am Wege nach Schwalefeld. Adlige
von Aestenfeld kommen im 14. Jahrundert vor. Den Zehnten besaßen 1537 die Waldecker
Grafen, die ihn von der Kirche zu Adorf bekommen hatten. Um 1800 sollen noch Reste der
Aestenfelder Kirche zu sehen gewesen sein.
Otmarkusen (1390 Otmerkusen, 1537 Otmerckusen, 1596 Hortmarghusen, später Ottmarckhausen
und Othmaringhausen) lag südwestlich von Usseln im jetzigen Neubaugebiet „Auf der
Lehmkule". Hier waren vor wenigen Jahren noch Mauerreste zu sehen. Von 1265 bis etwa 1450
kommt eine Korbacher Bürgerfamilie mit diesem Namen vor. Der Zehnte gehört 1537 ebenfalls
den Waldecker Grafen. Othmaringhausen ist heute noch eine Flurbezeichnung in Usseln
(Autmerkoussen). Wakenfeld war ein Frei- und Lehngut, etwa dort, wo sich zwischen Usseln
und Willingen das jetzige Gasthaus Wakenfeld (erbaut 1868, dann abgebrannt und 1885 neu
errichtet) befindet. Schon im 14. Jahrhundert hatten es die Herren von Rhene als waldeckisches
Lehen.
Mit dem Wüstungsvorgang, der auch durch die verheerenden Seuchen und Epidemien mit
verursacht wurde, war ein großer Bevölkerungsrückgang verbunden. Erst vor Beginn des
30-jährigen Krieges (1618 - 1648) war die mittelalterliche Bevölkerungszahl in etwa wieder
erreicht. 1541 werden in Usseln 34 Häuser genannt, 1620 sind es 69. In dieser Zeit muß
demnach auch in Usseln die Bevölkerungszahl stark zugenommen haben. 141 Morgen Land
wurden gerodet. Aus dem oben erwähnten Brief des Richters Fiegen aus dem Jahre 1568 und
aus den Unterlagen über das Bestehen einer mittelalterlichen Schützengesellschaft ergibt sich,
daß in Usseln ein für die damaligen Verhältnisse reges Leben geherrscht hat mit einer ganz
bescheidenen wirtschaftlichen Blütezeit. Im Jahre 1596 wurde zwischen „Ortmarghausen und
dem Pön" nach Silber gegraben.
Die Aufwärtsentwicklung wurde durch den 30-jährigen Krieg jäh unterbrochen. Ein großer Teil
der Aufbauleistungen seit dem Ende des 15. Jahrhunderts wurde vernichtet. Etwa die Hälfte aller
Häuser in unserem Gebiet wurde durch Kriegseinwirkungen zerstört. In Usseln waren von 69
Häusern (1620) im Jahre 1650 sogar nur noch 26 bewohnt. Hieraus kann man ersehen, daß auch
mehr als die Hälfte der Bevölkerung durch Kriegseinwirkungen oder durch die sich wiederholenden
Pestepidemien ums Leben gekommen ist. Anhand von Vergleichszahlen ergibt sich,
daß Usseln ganz besonders viel gelitten haben muß (ähnlich wie Rattlar). In den Jahren 1636 -
1638 war die schlimmste Pestepidemie in Usseln. In diesen 3 Jahren starben u.a. vier
evangelische Pfarrer, dann wollte keiner mehr nach Usseln und das Dorf blieb 3 Jahre
ohne Pfarrer.
Am 1. November 1642 wurde Usseln auch noch von einer großen Feuersbrunst heimgesucht.
Es wurden 14 Gebäude eingeäschert. Auf Grund von 2 Eingaben des Kirchspiels Usseln
aus den Jahren 1643 und 1644, die sich im Staatsarchiv Marburg (Lahn) befinden, können
über diesen Brand Einzelheiten berichtet werden. In dem ersten Schreiben vom 20. Januar 1643
heißt es:
„Euer Fürstlichen Gnaden geben wir hiermit in Untertänigkeit mit Trauer zu vernehmen,
daß im abgelaufenen Jahre 1642, am 1. November, des Abends bei der Nacht, sich eine
starke Feuersbrunst in der Dorfschaft Usseln erhoben und vierzehn Gebäude an Wohnhäusern
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Usseln um 1905 vom Ostefkopf aus gesehen mit Kilianskirche und dem alten Gasthaus Figge (jetzt Fischer, Bachstraße)
Usseln mit Alleestraße 1919
57
und Scheunen, darunter das Pfarrhaus und die Küsterei, gänzlich eingeäschert hat. Daneben ist
die Pfarrkirche, davon noch ein wenig über dem Chor stehengeblieben ist, auch — Gott
erbarm es — abgebrannt. Von den Glocken sind zwei hinuntergefallen und entzweigefallen
die dritte zerschmolzen. Großer Schaden ist entstanden.
Nun, in Wahrheit wissen wir eigentlich jetzt nicht, von wem oder auf welche Art diese
Feuersbrunst ausgegangen ist. Man vermutet nur, daß etliche Burschen von denen (ein
unleserliches Wort folgt) Dieben das Dorf angezündet haben sollen, welche etwa meinten, wenn
die Leute das Vieh bei der Nacht aus den Häusern jagen würden, daß sie dann etliche Stück
an einem Ort ertappen möchten. Weil aber das Feuer so schnell überhandgenommen hat, haben
sie nichts ausrichten können.
Weil nun die Pfarrkirche zur Erhaltung des heiligen Predigtdienstes und der Fortpflanzung
von Gottes Wort notwendig zu erbauen ist, wir armen Untertanen dieses Kirchspiels aber durch
Rauben und Plünderungen vor etlichen Jahren und jetzt durch die behördliche Kontribution
ganz abgemattet sind, daß wir daher wenig zu den Baukosten zuschießen können, deshalb
bitten wir Eure Fürstlichen Gnaden, Sie wollen zur Erbauung ihrer abgebrannten Pfarrkirche,
Pfarrhauses und Küsterei zu Usseln zur Ehre Gottes aus gnädigem Herzen eine Zusteuer an
einen Ort, wie derselbe gnädig gefellig ist, liefern und übermachen lassen. Solches wird Gott
der Allmächtige Eurer Fürstlichen Gnaden reichlich ersetzen, die wir dem Schirm des
Allmächtigen mit Wünschen für eine langwährende Gesundheit untertänig befehlen.
. . . sämtliche gehorsamen armen Untertanen aus dem Kirchspiel Usseln."
Das zweite Schreiben vom 16. März 1644 lautet:
,,Sämtliche Untertanen der Gemeinden des Kirchspiels Usseln, also Usseln, Willingen, Schwalefeld,
Rattlar", bitten die hochgeborene Gnädige Fürstin und Frau, sie wolle ihnen die 44
Reichstaler, „welche E. Fürstl. Gn. Her Franz Großmuth. Graff Cullenberg Hoffmeister
underthenig eingelieffert haben will", erstatten lassen. Diese 44 Taler seien von gutherzigen
Christen in Holland für die Usselnsche Pfarrkirche aus Mitleid zugesteuert worden. Dann könne
das angefangene Bauwerk im Frühling vollendet werden, das sei nötig, weil das vom Feuer
verdorbene Mauerwerk ,,restlos stehet, darumb vom sehne, regen und frost großen Schaden
empfinde«".
Es ist verständlich, daß nach Ende des 30-jährigen Krieges das dörfliche Leben nur ganz
allmählich wieder in Gang kam. Immerhin waren aber 1682/1688 wieder 49 Häuser bewohnt,
1744 waren es dann 52.
Im Jahre 1647 beginnt auch eine Chronik von Usseln, die Pfarrer H. E. Jungcurt, der von
1760 bis zu seinem Tode am 30.4.1773 der 16. evangelische Pfarrer in Usseln war, geschrieben
hat. Die Chronik wurde dann leider nicht fortgeführt, so daß sie nur die Zeit von 1647
bis 1772 umfaßt. Weil sie ein wichtiges Dokument ist und etwas Einblick in das Leben der
damaligen Zeit vermittelt, wird sie nachstehend im Wortlaut abgedruckt.
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Festwagen des Skiclubs Upland beim Festzug anläßlich der landwirtschaftlichen Ausstellung 1913 in Korbach.
Anläßlich der landwirtschaftlichen Ausstellung 1913 in Korbach zeigten Usselner Madchen ..Upiander Trachten" aus dem
19. Jahrhundert. Obere Reihe (v.l.n.r.) Auguste Born, geb. Brune (Habicht), Luise Rieb. geb. Figge (Figgen). Lina Saure,
geb Brüne (Schniedermann), Henrietle Küthe, geb. Wilke (Schrieners). Untere Reihe (v. I. n. r.) Elfriede König, geb. Lindner.
Johannette König, geb Born (Ob. Pickers), Auguste Held. geb. Jäger (Bierbrauer). Berta Jäger, geb. Fingerhut.
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Chronik von Usseln,
zusammengestellt von dem Pfarrer H. E. Jungcurt.
1647. Den 16. Julii ist der wohledle Junker Philipp Richard von Siegen mit 9 Kugeln
mördlicher und unehrlicher Weise von Junker Hangsleben (Hanxleden) selb vierte in blachem
Felde zu Antfeld überfallen und erschossen, sein Leichnam aber den 26. ejusdem alhier zu
Usseln in S. Kilianskirchen aufs Chor vor des Pfarrherrn Stuhl ehrlich zur Erden bestattet worden
von seinem Vater Friedrich von Siegen.
1662. Als am 29. April Hildebrand Volbracht und Anna Marie Schmidt copulirt wurden,
ist durch das Schießen von der leichtfertigen Jugend ein groß Unglück entstanden, indem sechs
Gebäude abbrannten und in die Asche geleget wurden.
1663. Am 25. Decembr. wurde Wittib Barba Hertzog vor dem Musenberge auf dem Mühlenacker
bei dem Dörnchen tot gefroren angetroffen.
1673. Im May trug sich das Unglück zu, daß Abel Bender von den Franzosen auf dem
Walde erschossen wurde und nach Willingen wegen Kriegsgefahr auf den dasigen Kirchhof
zur Beerdigung mußte abgefahren und daselbst auch begraben werden, aus Rattlar bürtig.
1676. Im Juli hat sich der Usselsche Schweinehirte, Johanns N., von Niedersfeld bürtig,
zu Tode gesoffen
1679. Den 4. Januar ist Johann Adam Rennemann, welcher einem Münsterischen Soldaten nach
Adorf den Weg weisen müssen, auf seiner Wiederkunft nicht weit von Usseln auf offenem
Felde umkommen, des Tags darauf gefunden worden, und Johann Wilm Wilcke ist von
einem Münsterschen Reuter d. 18. Mai erschossen.
1683. Am 4. April ist Henrich Göbel von Willingen, so ein guter Predigerfreund gewesen, deren
sonst an diesem Ort wenig gefunden werden, begraben, alt 66 Jahr.
1691. Den 20. März wurde Christoph Querl, so in der Sonntagsnacht zuvor sich vollgesoffen
und des morgens zwischen des Jägers Backhaus und der Brücke tot gefunden, vom Baibier
aus Corbach, Landrichter und Medico visitirt, das Haupt eröffnet und der Hals zweimal entzwei
befunden, und auf obrigkeitlichem Befehl begraben.
1727. Am 1. Mai wurde Maria Christiana Wilcken aus Usseln begraben, welches Kind sich
in heißem Bier verbrannt hatte und daran sterben müssen, und Maria Magdalene Gockel
erhing sich und wurde auf dem Asenberge begraben.
1731. Am 11. März wurde Johann Georg Saure aus Usseln begraben, welcher zu Corbach
gewesen und wegen Kälte und tiefem Schnee nicht nach Haus kommen können und erfroren, da
er dann vier Wochen im Schnee gesteckt und von Hunden, Füchsen und Raben oben her
ganz zerfressen gewesen und auf Befehl der Regierung ehrlich zur Erde bestattet worden.
1737. Im März erfror Johann Henrich Stremme aus Usseln im Schnee und wurde erst nach
zwölf Wochen auf dem hohen Ettelsberge wiedergefunden, da er auf die Jagd gehen wollen.
1744. Den 3. Februar ist des Abends ein unbekannter Mensch am hohlen Wege tot gefroren,
welchen ein Kerl aus Rengershausen spoliirt, indem er ihm das Geld aus der Tasche und die
Mütze von dem Kopfe genommen und den toten Körper liegen lassen. Darauf er hier
begraben worden.
1749. Zu Anfang des Februarii wurden im tiefen Schnee tot gefunden Jost Wilm Wilcke,
Mitze genannt, aus Usseln, und Henricus Göbel-Senger aus Rattlar, der erste 73 und der
andere 60 Jhr alt.
1752. Anfangs Februarii ward Caspar Mörchen von Hespern in der Hoppecke tot gefunden,
welcher einen Soldaten kurz vorher mit einem Messer totgestochen und der Strafe entgehen
wollen, aber auch bald umkommen.
60
1753. Am 13. Nov. wurde aus Usseln Johann Philipp Bender im 23. Jahre seines Alters
von den Wilddieben aus Ditmarkausen (Titmaringhausen) samt seinem Pferde in einem Schuß
auf der Stelle auf waldeckischem Territorio augenblicklich totgeschossen. Bey der Besichtigung
fand sich, daß ihm die Kugel unter dem rechten Arm hinein durchs Herz gegangen und in
der linken Seite gefunden wurde.
1762. Als schon 1756 ein verderblicher Krieg in Deutschland entstanden war, so mußte das
hiesige Land die Drangsale desselben auch hart empfinden. 1759 und 1760 wurden sämtliche
Früchte um Sachsenberg, Corbach, Mengeringhausen, Waldeck und Wildungen auf den herumliegenden
Dörfern und Meyereien abgemähet. die Untertanen gemißhandelt und sowohl von
Franzosen als den alliirten Soldaten Gewalttätigkeiten verübt, welche die Nachwelt kaum
glauben wird. Zu Corbach aufm Waldecker Berge hatte sich der Erbprinz v. Braunschweig Carl
mit der avantgarde der Alliirten postiert und hielt sich tapfer, mußte aber der Menge weichen,
indem die Franzosen unterm Herzog von Broglio die Straße von Sachsenberg mit 72000 Mann
und die französische kleine Armee vom Niederrhein aus dem Sauerlande neben Schleider her
unter Commando des St. Germain anrückte und bei Corbach zusammen stießen, da dann die
kaum 6000 Mann starke avantgarde der Alliierten nach tapferm Wiederstand das Feld räumte
und einige hundert Tote zurückließ, auch 6 kleine Feldstücke verlor, dahingegen die Franzosen
an die 2000 Mann sollen eingebüßt haben, welche teils auf dem Schlachtfelde eingehackt, teils
in und neben Corbach begraben sind. An dem letzten Orte befand sich die französische große
Feldbäckerei in dem sogenannten Hagen, dadurch dann die Stadt und die herumliegenden örter
noch vollend ausfouragiert und mit Diensten erbärmlich gequält wurden. In der großen Kilianskirche
war das Lazaret, da denn dies Gotteshaus Jahr und Tag öde stund. Die größte
Beschwerde machte der französische Commendant zu Waldeck, Louis, welcher durch seine
Streifereien bis ins Sauerland alle herumliegenden örter durch Fouragelieferungen und Dienste
unerhört plagte, bis endlich die englischen Generals Conway und Cavendish durch ein
Bombardement denselben zur Übergange zwangen. Da nun alles verheert, die Felder, Wiesen
und Gärten ihres Vorrats beraubt, die Häuser an vielen Orten geplündert, das Vieh
geschlachtet und kein Unterhalt nirgends mehr zu finden war, so schien menschlichem Ansehen
nach eine Hungersnot freilich unvermeidlich zu sein. Endlich zeigte Gott eine Thür und
wies uns Thüringen, um daraus Korn, Gerste, Erbsen, Hafer, Bohnen und Weizen zu holen.
Aus Mühlhausen (in Thüringen) wurden wohl viel tausend Mütte Frucht ins Land gebracht,
da denn das Mütte Korn 1 6 Thlr. und die Gerste 12 Thlr. galt, auch noch mehr, doch konnte
man die Dukaten zu 5 Thlr. ausgeben und so nach Proportion das übrige Geld, daß also
in gutem alten Gelde das Mütte Korn nicht viel über 8 Thlr. zu stehen kam. Zu bewundern
war, daß während dem Kriege allenthalben Geld genug zu sehen; so bald aber der Krieg
zu Ende ging, so verlor sich auch das Geld.
Den Beschluß der Kriegsdrangsale enpfand Usseln auf eine kränkende Art, indem 1762 d.
11. Okt. der hannoverische Major Hattorf mit einem Kavallerie-Regiment hinten vorm Dorf,
an der Höhe genannt, ein Lager schlug und das Infanterie-Regiment von Dasei ins Dort
rücken ließ. Was diese Leute verübt, ist bekannt, doch gegen die übrigen Drangsale der
Einwohner des Landes nicht zu vergleichen. Beide Regimenter brachen teils d. 14., teils
den 18. Okt. wieder auf. Endlich erfolgte dann noch im Oktober dieses 1762. Jahrs der
so lang gehoffte und erwünschte Friede, da die Franzosen wieder in ihr Land ziehen mußten,
ohne etwas anders ausgerichtet zu haben, als daß sie nur arme Leute in Deutschland gemacht,
viel tausend, tausend Mannschaft und Kriegsbedürfnis verloren und sich selbst den größten
Schaden zugefügt, da England die größten Eroberungen getan und Frankreich ungeheure
Länder abgenommen. Gott erhalte uns den edlen Frieden bis an das Ende der Welt!
1766. Am 14. Nov. wurde bei Kopulation Bertold Henrich Helwigs zu Rattlar durch das
auf Hochzeiten gewöhnliche Schießen der leichtfertigen Jugend durch Zacharias Göbel aus
Unvorsichtigkeit ein Mädchen von beinahe 13 Jahren, namentlich Maria Catharina Figge mit
gekautem Papier totgeschossen. Der Schuß war unter der fünften Rippe durch die Lunge in
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die Spitze des Herzens gedrungen, worinnen der papierene Pfropfen noch zu sehen war.
Nach geschehener Besichtigung von hiesigem Beamten, Land-Physico, Actuario und Chirurgo
wurde das Kind seciert und Montags d. 17. darauf mit ansehnlicher Leichenbegängnis in
Begleitung sehr vieler Leute zur Erden bestattet.
1769. Im Jahr 1769 äußerte sich, außer ändern Orten, besonders zu Schwalefeld eine
Krankheit, die fast einer epidemischen Seuche glich und woran beinahe 30 Leute starben.
Die Patienten bekamen ein Ziehen in Händen und Füßen, wurden von der Epilepsie
überfallen und hatten grausame Convulsiones auszustehen. Zwei Cadavera wurden seziert,
um den Ursprung der Krankheit zu erforschen, und von dem Landesherrn viel Kosten in
Arznei verwendet. Sogar mußte von Göftingen der Professor medicinae Vogel kommen und
wurde nebst dem hiesigen Leibmedico Herlitz und ändern erfahrenen Chirurgis zu Rate
gezogen. Man gab die Schuld der Krankheit auf das sogenannte Brand- oder Mutter-Korn,
welches 1776 besonders häufig wuchs. Im Jahre 1595 soll besagte Krankheit auch im
Waldeckischen und ganzem Sauerlande gewesen und viele Leute gestorben sein. Sie wird
von den Ärzten die Kribbel-Krankheit genannt und hat sonst im Sächsischen auch grassiert.
Wenn Jemand einen Anfall bekam, so wurden besonders die Finger mit den Händen ganz
krumm zusammengezogen, der Verstand verlor sich, und die Epilepsie nahm überhand. Sobald
aber der Parorysmus vorüber war, gingen die Leute wieder an ihre ordentliche Arbeit, doch
stellete sich bei Allen der Verstand nicht völlig wieder ein, sondern es blieb noch ein
kleiner Aberwitz zurück, obgleich nicht bei Jedermann.
1770. In diesem Jahr war der Sommer regenhaft und kalt, woraus ein Mißwachs und große
Teuerung entstand, daß allenthalben große Hungersnot verspüret ward. Die Früchte waren noch
teurer als in dem 1756 entstandenen Kriege und konnten wegen allgemeinen Mangels
nicht einmal erhalten werden. Fast das halbe Europa klagte über Hunger, und mußten sich
manche Leute gar elend, kümmerlich und sparsam behelfen. Hierzu kam noch, daß wegen
anhaltenden nassen Wetters die Ernte bis in den August und noch länger verzögert ward.
Das Mütte Korn galt 8 und mehr Thlr. und so nach Proportion die übrige Frucht.
1771. In diesem Jahr dauerte Mißwachs und Hunger noch immer fort und war mit dem vorigen
einerlei.
1772. Dies Jahr übertraf die vorigen an Teuerung, weil es bis in den Junius naß und
kalt war, das Mütte Korn 10 Thlr. galt und die Gerste nicht mehr zu erlangen stund."
Die Anfänge des Schulwesens in Waldeck liegen im dunkeln. Seit dem Jahre 1673 stellt
die Familie Genuit über 200 Jahre lang den Schulmeister und Küster in Usseln. Über diese
Lehrerfamilie schreibt Pastor C. Genuit 1914 folgenden Bericht (sein Vater war der letzte
Lehrer der Genuits in Usseln):
,,Über den Ersten unseres Namens in Usseln hat mein Urgroßvater, Johannes Genuit,
folgendes aufgezeichnet: „Im Jahre 1673 eben zu der Zeit, daß die Franzosen hier
gewesen sind, ist mein Großvater Salomon Genuit hierher gekommen und Schulmeister
geworden und ist 1710, den 20. Februar gestorben, er ist alt geworden, 65 Jahre. Mein sei.
Vater ist 1712 Schulmeister geworden und starb 1762 den 7. Juni, er hieß Bartolomeus und
hatte diese jammervolle Welt 73 Jahre und 6 Wochen beschauet und durchwandert. Er hat
allhier den Kirchspiel-, Küster- und Schuldienst 50 Jahre lang treulich und redlich verwaltet
und davor 8 Jahre zu Rattlar Schule gehalten und von 1710 bis 1712, also 2 Jahre
lang hatte er und sein Bruder Johannes den hiesigen Schuldienst gemeinschaftlich versehen,
folglich ist mein sei. Vater 60 Jahre im Amte gestanden. —
62
s
Letzte Personenpost von Usseln nach Willingen am 2 April 1917 vor dem Hotel zur Post in Usseln, (sie wurde 1873 von Korbach bis Brilon-Wald eingerichtet)
v. l. n. r. unbekannt. Christian Engelmann (Postillion), franz. Kriegsgefangener. Postschaffner Sauer (Bote), Christian Bnjne sen. (Posthalter). Frl. Emde. Christian Brüne-Brocke.
Von sich selbst schreibt mein Urgroßvater: „Anno 1740 bin ich Johannes Genuit auf dieser
Jammer- und elendsvollen Welt geboren und den 17. Januar getauft, meine Taufpaten sind
gewesen 1. Johannes von der Emde zu Willingen, Sandmann genannt, 2. Johann Henrich
Volbracht in Usseln, Pappenheim, 3. Katharina Elisabeth Saure, Johann Henrich Saure,
Richters Tochter in Usseln. Anno 1757 den 12. Februar an Hochfürstliches Konsistorium
subpbliciret das ich möchte bei meinen alten Vater adjundieret werden; darauf den 27. Februar
selben Jahres Bescheid erhalten, daß ich mich beim Generalsuperindenten sollte examenieren
lassen. Wann ich alsdann als tüchtig befunden würde, wie Adjuncker haben sollte; daß
examieren ist dann auch 1757 den 28. November geschehen und habe hierbei zur Nachricht
aufgezeichnet, wie ich bin examiniert worden. Erstlich mußte ich lesen in der Apostelgeschichte
das 14. Kapitel die ersten 15 Verse und mußte die drei ersten buchstabieren und da wurde
der Katechismus erkläret, daß ich dann beantworten mußte und mußte ich das Exempel aus
der Reguldetri machen. Wann 1 Maß Oel kostete 8 Grs. was dann 100 Maß kosteten.
mass Gros mass
1 8 - 1 0 0
und da mußte ich singen den ersten Vers von dem Liede „Durch Adams Fall ist ganz
verderbt". Darauf 1758 den 19. Mrtz. das rescript bekommen, daß ich die Adjuncktur an meines
Vaters Dienst, nachdem ich dazu tüchtig befunden wäre, haben sollte, und dem Herrn Pfarrer
Rangen die Vorstellung aufgetragen wurde, der mich dann den 27. Mrtz. als den 2. Ostertag
1758 nach gehaltenem Gottesdienst in der Kirche Richtern, Kirchen, Provisores und Schulkindern
vorstellte.-
Im Jahre 1761 schickte sich's durch wunderbare Fügung Gottes, daß ich mich allhier mit
Justina Eleonora Henriette Meisnerin Herrn Ernst Henrich Meisner Hochfürstlich Waldecks.
Accis Receptores und Ratsherren zu Arolsen dritten Tochter allhier verlobet und versprochen
und den 30. September 1761 zu Arolsen in der Schloßkirche mit derselben mich Coppulieren
lassn.-
Nachdem dann mein alter Vater durch den zeitlichen Tod in die Ewigkeit gereiset ich am
4. Juli 1762 vom hochfürstlichen Konsistorio das Beeret bekommen, daß ich nunmehro als
ordentlicher Schulmeister und Küster bleiben sollte und meine Vorstellung dem Herren Rarrer
Jungcurt aufgetragen wurde, der mich dann den 11. Juli als den 5. Sonntag Trinitatis nach
der Predigt vor dem ganzen Kirchspiel vorstellete.-
1769 den 23. Trinitatis ich die Orgel angenommen und das erstemal spielete. Die Lieder so
den Sonntag gesungen wurden, waren diese, in der Frühpredigt „Jesu meine Freude", in der
Hochpredigt „Herr aller Weisheit Quäll."
Mein Urgroßvater muß zu seiner Zeit tüchtiges geleistet haben, denn er hatte den Ehrentitel
Magister (Herr Magister habn ihn die Leute genannt). Er hat eine zahlreiche Familie, zwei
Söhne und 9 Töchter. Der älteste Sohn Ludwig geboren am 27. November 1778, ist am
26. Oktober 1805 als Schullehrer in Berndorf an einer hitzigen Gallenkrankheit ganz sanfte
eines seligen Todes entschlafen. Der zweite Sohn, Wilhelm, Mein Großvater, war am 28. Juli
1785 geboren; die Aufzeichnung seiner Taufe schließt mein Urgroßvater mit den Worten:
„Gort segne dieses Kind, amen". Von diesem Sohne schreibt er dann weiter 1806 den
29. Junius nämlich auf das Reformationsfest wurde mir mein noch einziger lieber Sohn
Wilhelm zu meinem Nachfolger im Amte Adjungiret. es geschah in der Frühpredigt, er
mußte vor den Altar treten und Herr Pfarrer Jungcurt hielt eine ziemlich lange und zweckmäßige
Rede. Die Schulkinder waren dabei auch gegenwärtig und wurden zur Folge,
Gehorsam und Liebe gegen ihren jungen Lehrer auch angewiesen. In der Rede führte der
Herr Rarrer den Spruch an Matthäi 7 Vers 20: Darum an ihren Früchten sollt ihr sie
erkennen. Gott lasse mich doch nun noch die mir noch bestimmte Zeit ehe ich bei meinem
Alter noch leben werde mit meiner alten Frau bei meinem Sohn in wahrer Liebe und
Zufriedenheit lebe. Gott segne mich und meine Frau und Kinder. Amen! Die rührende Bitte
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meines Urgroßvaters ging nur teilweise in Erfüllung. Schon nach 3 Jahren mußte er schreiben:
„1809 den 14. Februar abends zwischen 9 und 10 Uhr starb meine liebe Frau eines sanften
seligen Todes, nachdem sie 6 Tage hatte krank gelegen und den 17. dito gegen abend
in der Stille zu ihrer Ruhe Gruft gesenkt wurde. In der Ehe hatte ich mit ihr 48 Jahre und
14 Tage gelebet, in welcher Zeit mich manches hartes Schiksal getroffen hat. Gott verleihe
nun mir und alle meinen Kindern und Enkeln eine selige Nachfahrt. Amen!"
Er hat dann noch eine Reihe von Jahren gelebt. Über seinen Tod schreibt mein Großvater:
„1818 am 4. Junius abends zwischen 9 und 10 Uhr starb mein lieber Vater eines sanften
und seligen Todes und den 7. dito den Nachmittag in der Stille begraben wurde. Er war alt
78 Jahre 4 Monate 23 Tage.-"
Mein Großvater starb am 23. Dezember 1860; bei seinem Tode war er noch im Amte, hatte
aber längere Jahre adjunckten gehabt. Im Jahre 1856 feierte er sein SOjähriges Jubiläum;
seine Kollegen schenkten ihm dazu eine Bilderbibel mit folgender Witmung:
1. Tim. 3.13. Dem Jubelgreise Wilhelm Genuit 1. Lehrer- und Kirchspielsküster zu Usseln
zur Erinnerung an den 2. Juli 1856. Die Lehrer des Kreises Eisenbergs. C. Schneider,
Kreisschulaufseher.
Sein Nachfolger wurde im Herbst 1871 mein Vater, Georg, Friedrich, Anton, geb. am
20. Dezember 1818. Von ihm schreibt mein Großvater: „1841 am 21. April mein ältester
Sohn Georg Friedrich Anton in Adorf an die Mädchenschule bei dem Schullehrer Bangert als
Adjunck vorgestellt wurde. Gott leite und führe ihn auf der Bahn der Tugend. Amen!
Von Adorf verzog mein Vater im Jahre 1853 nach Kleinern und wurde dann, wie schon
bemerkt der Nachfolger seines Vaters. Er starb noch im Amte am 15. April 1883, war aber
lange Jahre leidend, da schlechte Wohnungsverhältnisse und allzuschwere Arbeit (meist über
130 Schulkinder) seine Gesundheit untergraben hatten. Aber von seinem Amt mochte er nicht
lassen. Er war eben mit Leib und Seele Schulmeister.-
Ein jüngerer Bruder meines Vaters, Theodor, war erst zweiter Lehrer in Freienhagen und
starb am 24. April 1895 als Lehrer zu Hagen in Westfalen. Mein ältester Bruder Wilhelm
war erst zweiter Lehrer in Meisen, dann Lehrer in Sudeck und Benkhausen und starb 1911 als
Rektor in Hagen in Westfalen. Er war der letzte Lehrer der alten Schulmeisterfamilie Genuit
aus Usseln.
Pastor C. Genuit."
Das Lehrergehalt für die Lehrerstelle in Usseln war um 1740 mit Accidenzien im Ganzen auf 150
Thaler jährlich festgesetzt. Als Schulhaus diente in Usseln bis zum Jahre 1768 das sogenannte
Untere Kösters Haus. Es wird als Nachfolger des bereits zur Reformationszeit erwähnten
„Cösterhauses" anzusprechen sein. Der Hausname „Untersten Kösters" besteht heute noch in
Usseln (Haus Walter Born, Ringstraße). 1768 baute man ein neues Küsterschulhaus auf der Lied,
das 1872 an Friedrich Asmuth (Jaustwilmes) verkauft wurde. Im Jahre 1872 wurde die jetzige
„Alte Schule" (Gärtnerei Gebrüder Schulze, Briloner Straße) fertiggestellt und am 23. Juni
eingeweiht. Die jetzt noch benutzte Schule wurde 1911/12 gebaut. Das Grundstück wurde
von der Kirche erworben im Tausch gegen den alten Friedhof unterhalb des Dorfes im
Diemeltal. Der Siebenjährige Krieg (1756 bis 1763) brachte große Verheerungen über Waldeck.
Es entstand eine Hungersnot, obwohl 1756 in den Ortschaften Fruchtmagazine für Notfälle
eingerichtet werden mußten. Aus Mühlhausen in Thüringen wurden Nahrungsmittel nach
Waldeck geholt. Ein Fruchtmagazin in Usseln wird das Haus Mittelstraße Nr. 7 (jetzt Frau
Adele Brüne) gewesen sein. Dieses Haus hieß im Volksmund immer „Spiekers" (Speicher)
und ist beim großen Brand 1844 verschont geblieben. 1762 wurde Usseln 10 Tage lang
von hannoverschen Truppen besetzt.
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Schlechte Zeiten haben die Usselner in den kriegerischen Zeiten Anfang des 19. Jahrhunderts
erlebt. Von einer großen Mißernte im Kirchspiel Usseln wird 1816 berichtet. Fürst und
Landschaft gaben Vorschüsse, von der Regierung in Arolsen wurde zu einer Kollekte
aufgefordert. Noch im Frühjahr 1817 war die Not so groß, daß von der armen Bevölkerung
nachts die Pflanzkartoffeln wieder aus der Erde gegraben wurden.
Überhaupt haben die Usselner und alle Upländer viel unter den Unbilden der Witterung gelitten.
Die Landwirtschaft war jahrhundertelang der einzigste Erwerbszweig für die Bewohner. Deshalb
war man auf „gutes Wetter" ganz besonders angewiesen. 1562 schneite es noch am
11. Juni. Wegen der klimatischen Verhältnisse war ein Wintergetreideanbau und damit die
Dreifelderwirtschaft (Sommerfrucht - Winterfrucht - Brachland) nicht möglich. Die Feldwechselwirtschaft
erstreckte sich in Form der Feldgras- und Feldheidewirtschaft auf die gesamte
Ackerflur. Winterfruchtanbau war im Upland erst möglich, als in der ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts winterfeste Sorten gezüchtet wurden. Im Salbuch von Usseln (1682) wird
trotz der wechselwirtschaftlichen Nutzung der gesamten Ackerflur eine klare Unterscheidung
von Düngeland und Wildland vorgenommen. Zum Düngeland gehören die Länder der Klasse a
und b, zum Wildland die der Klasse c, d und e. Das Düngeland wird wie folgt beschrieben:
Klasse a
Klasse b
, .Welches .... mit.... 100 fuder mist getünget einmal sommer Roggen und
3 mal Hafer tregt, alsdann 10 Jahre ruhend, 3 Jahre nichts, 3 Jahre Mehe-Graß
gibt und so dann in moß wechst."
..auch also aber nach der 4ten saat wieder 10 jähre ruhend, ein Par Jahre
gemehet und gehüdet wierd."
Es handelt sich also um eine geregelte Feldgraswirtschaft mit vierjähriger Ackerfruchtfolge.
Dem erstjährigen Sommerroggenanbau folgen drei Jahre mit Haferbestellung. Dann folgt die
zehnjährige Grasperiode, davon dienen die ersten drei Jahre der Grasregeneration, dann folgen
sieben Jahre geregelte Grasnutzung (die ersten drei Jahre sind der Grasmahd vorbehalten;
die letzten vier Jahre dienten ausschließlich der Viehweide).
Die drei Klassen des ungedüngten Wildlandes werden im Usselner Salbuch wie folgt
beschrieben:
Klasse c
Klasse d
Klasse e
„welches in der entlegenheit und wachsthumb so wol an der Frucht als grase
ringert und nicht gemeht sondern nur zwei Jahre gehüdet wird."
„Das außen umbher ligt, ein Par mal Hafer tregt, so dann 10 bis 15 Jahre
in Haide ligt und keine graß nuzung gibt."
„Ist ganz wild und unbrauchbar".
Der ganze Osterkopf, der obere Heimberg bis zum Schneeberg und der Höhenrücken des
Kahlen Pönes waren Wildland.
Mit der wachsenden Entfernung vom Ort ist auch ein deutlicher Höhenanstieg verbunden,
die Nutzungsform wird immer extensiver und ungeregelter, bis schließlich an der Peripherie
ein fliessender Übergang in den Wald erfolgt.
Im Jahre 1682 waren in Usseln 1355 Morgen Ackerland und 538 Morgen Wiese vorhanden.
An Vieh waren 1732 68 Pferde, 188 Stück Rindvieh, 743 Schafe, 9 Ziegen und 15 Schweine
vorhanden. Die Schweinehaltung wurde in starkem Maße durch die Handhabung der Waldweide
sowie durch die Größe der verfügbaren Mastbezirke und durch den unterschiedlichen Eckernund
Eichelnertrag beeinflusst. Es gab deshalb erhebliche Schwankungen im Schweinebestand
von Ort zu Ort und Jahr zu Jahr. Zur Vermehrung von Streu und Dünger wurden bis in die
Vierziger Jahre dieses Jahrhunderts in großem Umfang Heideflächen entplaggt (Frasenhacken).
• *v l
:
Die ..Upiander Gebirgsmolkerei" 1923
Feuerwehrtest 1909 - Vom Katwmkel aus gesehen -
67
Der „Kahle Pön" war bis Anfang des 2. Weltkrieges noch fast völlig ohne Baumbewuchs.
Die heute zum Teil unter Naturschutz stehenden Heideflächen auf Pön und Osterkopf mit
ihrem wertvollen Biotrop verdanken ihre Erhaltung mit der ausgeprägten Plaggenwirtschaft.
Um 1750 wurden allgemein Kartoffeln angebaut. Im 18. Jahrhundert hat die Schafzucht in
Usseln eine gewisse Bedeutung gehabt. Es wird berichtet, „daß die Schafzucht ganz
besonders in den Gegenden am hohen Pön fortkomme, wo der dürre schieferige Boden die
besten Schafkräuter trage". 1818 wird Usseln lobend erwähnt, weil es sich bei der „Veredlung
von Schafen" ausgezeichnet hat.
Schwer lasteten der „Zehnte" und die anderen Abgaben zu besonderen Anlässen auf den
Bauern. Noch im vorigen Jahrhundert wurde in Usseln bei der Ernte jede Zehnte Garbe auf
die vorherige neunte gelegt, zweifellos ein überkommener Brauch aus der Zeit, als der „Zehnte"
noch abzuliefern war. So konnte der Zehntherr mit einem Blick das ihm gehörige überblicken.
Nach einer Zählung im Jahre 1816 waren in Usseln 191 Kühe, 84 Rinder und 40 Zugochsen
vorhanden; 1842 waren es 83 Kühe, 14 Rinder und 22 Zugochsen. Worauf der erhebliche
Rückgang zurückzuführen ist, konnte nicht ermittelt werden. Wahrscheinlich ist bei einer der
beiden „Zählungen" nicht richtig gezählt bzw. nicht alles angegeben worden. Dem hohen
Viehbestand von 1816 steht die in demselben Jahre im Kirchspiel Usseln herrschende
Hungersnot entgegen.
Im Jahre 1851 wurde in Waldeck unter dem Druck der sozialen Spannungen die Geschlossenheit
der Bauerngüter aufgehoben. Die soziale Gruppierung im ländlichen Bereich
geriet in Bewegung. Für die landbesitzlosen Gruppen der Beiwohner und die kleinbäuerlichen
Kotier bestand jetzt die Möglichkeit zum Erwerb bzw. zur Vermehrung von Grund und Boden.
Manche Kötter gelangten zu ansehnlichem Grundbesitz und stiegen in die vollbäuerliche
Sozialgruppe auf; Vollbauern wurden zu Köttern oder gaben ihre Höfe ganz auf. Eine große
Zahl bäuerlicher Betriebe konnte die Ablösungslast auch nur durch Verkauf von Land verkraften.
Teilungen in Erbfällen blieben aber weiter eine Ausnahme.
Andere Erwerbszweige als die Landwirtschaft spielten im Mittelalter eine bescheidene Rolle
im Upland. Im 16. Jahrhundert hatte der Bergbau eine gewisse Bedeutung. Im Stryck,
im Hoppecketal und am Dommel befanden sich Eisenhämmer. Eine Eisenhütte stand seit
1560 auf dem Alten Hagen. 4 bis 6000 Zentner Eisen wurden hier im Jahr hergestellt und
vorwiegend zu Öfen verarbeitet. Holzkohle und Eisenerz mußten angefahren werden; ein
Nebenerwerb für die Landwirte mit Pferden. Das Eisenerz wurde wahrscheinlich aus dem
Räume Adorf geholt.
Noch heute kann man in den nur noch wenig vorhandenen Buchenwäldern die Standorte
der Köhlerhaufen sehen. Der bei Usseln (zwischen Emmet, Knoll und Hoher Pön) gefundene
Ton wurde zu Ziegeln und gebrannten Lehm- und Backsteinen verwandt.
Ansonsten mußten die Einwohner versuchen, als Dienstboten (Knechte und Mägde = Gesinde)
oder Tagelöhner ihr bescheidenes Brot zu verdienen. Die Dienstboten wurden in der Regel
auf 1 Jahr „gemietet", und zwar von Martini (11. November) an. Das Gesinde hatte häufig unter
der „Herrschaft" zu leiden. Harte Arbeit und „schmale Kost" waren an der Tagesordnung.
Um 1850 erhielt ein Großknecht etwa 25 bis 30 Taler im Jahr, ein Schaf gefüttert und
1 Paar Schuhe; ein Kleinknecht 18 bis 20 Taler, eine Magd 10 bis 14 Taler, ein Paar Schuhe
und 1 Schürze.
Eine Ursache für das karge Leben war die hohe Kinderzahl. Sechs bis acht Kinder waren die
Regel, zehn Kinder in einer Familie keine Seltenheit. Sehr hoch war die Kindersterblichkeit. Im
Kirchspiel Usseln wurden in 10 Jahren (1832 bis 1841) 867 Kinder geboren. Davon starben
229 im ersten Lebensjahr, 121 vom 2. bis zum 7. und 22 vom 7. bis zum 14. Lebensjahr.
Was müssen insbesondere die Mütter gelitten haben, die viele Kinder zur Welt brachten, von
denen aber fast die Hälfte noch im Kindesalter wieder verstarb.
68
Die erste Usselner Sprungschanze entstand um 1925 an der üd. Unser Bild zeigt Willi Schulze Zaches in der damals
klassischen Haltung (1934).
Die erste Badeanstalt m Usseln. die um 1925 gebaute Flußbadeanstalt in der Diemel. In der awmitte das 1972 abgebrochene
Spritzenhaus, im Hintergrund der (kahle) Osterkopf.
Viel Leid brachte eine große Feuersbrunst im Jahre 1844 über Usseln. 40 Häuser wurden zu
Schutt und Asche; etwa das halbe Dorf brannte nieder. Es wurde erzählt, das Feuer sei von
einer Usselner Hellseherin prophezeit worden. Es würde am „Riepenpaad" wenden, d.h. hier
nicht weiter fressen. So soll es denn auch geschehen sein. ,,Riepenpaad" war der Pfad, der
früher unter „Riepen Wiese" über Saure (Linnewebers) entlang führte (jetzt Mittelstraße im
Bereich der Kuranlage).
Im Jahre 1844 wird die Ziegelbrennerei (der Flurname „An den Ziegeleien" hat sich bis heute
erhalten) in Usseln neu belebt. Ein Werkmeister aus dem Lippeschen betrieb die neue
Brennerei. Damals wird geschrieben:
„Die Brennerei bei Usseln, von einem umsichtigen Geschäftsmann angelegt, ist eine
Wohltat für das Kirchspiel, welches leider in drei Dörfern durch starke Brände heimgesucht
ist. Die auf einer 2000 Fuß hohen Bergfläche sich befindende Fabrik mit
48 kleineren Feuerungslöchern neben der Hauptfeuerkammer liefert jährlich 70000
Dachziegeln, 40000 Backsteine und 1 200 Scheffel Kalk. Sie hat den meisten Absatz
nach Medebach, ins Ruhrtal und nach Brilon. Es sind 8 Arbeiter beschäftigt, welche
etwa 450 Taler verdienen; ebensoviel wird für Holz-, Sand- und Tonfuhren (200 Malter)
und Taglohn jährlich verausgabt."
Die Ziegelei ist um die Jahrhundertwende eingegangen; die Gebäude sind abgebrochen worden.
Im Revolutionsjahr 1848 standen die Usselner auf Seiten der Obrigkeit. Sie sind, zusammen
mit den anderen Upiändern, mit Sensen und Flegeln nach Arolsen gezogen und haben dem
Fürsten Schutz angeboten. Die Fama hat aber die Tatsachen verdreht und (vielleicht aus
Scherz oder Ironie) erzählt, die Upländer Bauern hätten den Fürsten herausgerufen und auf seine
Frage, was sie denn wollten, gesagt: „Durchlaucht, wir wollen eine Revolution". Darauf habe
der Fürst gesagt: „Aber Leute, ihr habt doch schon eine". Kurze Überlegung -, dann hätten
die Upländer gerufen: „Durchlaucht, wir wollen noch eine". Mit einer kräftigen Erbsensuppe
sind die Upländer aus Arolsen verabschiedet worden.
Als Dank für die Unterstützung soll der Fürst den Bau der Straße von Korbach nach Brilon
(1850) veranlaßt haben. Mit dem Bau wurde jedoch schon 1844 begonnen. Vorher war diese
„Straße" ein einziger Hohlweg. Im Hause Wilcke (Klagges) - jetzt Haus Willi Vogel, Briloner
Straße - befand sich die Menage, wo für die Arbeiter gekocht wurde. Die damals angepflanzten
Straßenbäume (Ahorn), die sich zu einer das Dorfbild beherrschenden Allee entwickelt
hatten, fielen 1960/61 dem Ausbau der Ortsdurchfahrt im Zuge der Bundesstraße 251
zum Opfer.
Mit dem Fortgang der Industrialisierung wanderten in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts
immer mehr Usselner ins „Bergische". In Usseln konnten sich bei der hohen Kinderzahl nicht
mehr alle ernähren. Hinzu kam, daß manche Höfe die Lasten nicht mehr tragen konnten
und eingingen. Hauptzielorte der Usselner (und überhaupt der Waldecker) waren Hagen,
Schwelm, Barmen, Elberfeld und Remscheid. Wenn einer im „Bergischen" Fuß gefaßt hatte,
zog er manchen Verwandten oder Bekannten nach.
Ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor zu dieser Zeit waren die Handelsleute in Usseln und im
ganzen Upland. Schon zu der Zeit, als in Waldeck die Hütten und Hämmer noch betrieben
wurden, blühte der Wanderhandel im Upland. Im 18. Jahrhundert nahm die Schicht der Handelsleute
beträchtlich zu. Handelsprodukte waren ursprünglich die Erzeugnisse des heimischen
Schmiedehandwerkes wie Nägel, Sensen, Messer, Äxte usw. sowie Holzkräne (diese Händler
nannte man Trülltapenhändler), Holzteller, -schusseln, -löffel und andere Produkte der
hausgewerblichen Holzschnitzerei. Später kamen auch die Erzeugnisse der häuslichen Wollspinnerei.
Strickerei und der Leineweberei, die für viele Köthner- und Beiwohnerfamilien
eine unentbehrliche Nebenerwerbsgrundlage bildeten, hinzu. Das Absatzgebiet der Upländer
Handelsleute erstreckte sich über ganz Nord- und Ostdeutschland und reichte bis nach Holland,
Belgien und Polen. Sensenhändler suchten auch das Alpengebiet auf.
70
Später wurden im Wanderhandel Erzeugnisse der Krefelder und Mönchengladbacher Textilund
der bergischen Stahlwarenindustrie vertrieben. Zur Aussaat, zur Ernte und zu hohen Festtagen
kamen die Handelsleute in ihr Heimatdorf zurück. In der Zwischenzeit mußten die
Frauen und Kinder die Landwirtschaft besorgen. Die Handelsleute haben mit dazu beigetragen,
daß das Upland ,,weltoffen" wurde und allen Neuerungen zugänglich war. Noch heute ziehen
Handelsleute in „ihr Revier", wo Familien schon seit Generationen die Textilien von ,,ihrem
Handelsmann" beziehen".
Noch in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts war es für junge Leute nicht leicht,
einen Hausstand zu gründen. Sie mußten hierfür eine Erlaubnis der Obrigkeit, und zwar
des Gemeinderats, haben. Wie schwer das im Einzelfall war, zeigt das Beispiel des Karl Saure,
der Marie Behle aus Eimelrod heiraten wollte. Am 6. 12. 1862 beschloß der Gemeinderat
unter Vorsitz von Lehrer Genuit, ,,daß der Nachsuchende nachzuweisen hat, wodurch er seine
Familie ernähren will". Der von Karl Saure beigebrachte Nachweis genügte nicht; der
Gemeinderat versagte am 7. 3. 1863 die Erlaubnis zur ehelichen Niederlassung. Karl Saure
ließ jedoch nicht locker. Am 4. 4. 1863 beschäftigte sich der Gemeinderat erneut mit seiner
Hochzeit, aber wiederum wurde die Erlaubnis versagt. In der Sitzung am 28. 11. 1863 wurde
ein sicherer Bürge verlangt, der sich gerichtlich verpflichtet, notfalls die neue Familie
aufzunehmen. Noch zweimal beschäftigte sich der Gemeinderat mit der Sache. Am 4. 6. 1864,
eineinhalb Jahre nach der Antragstellung, wurde schließlich die eheliche Niederlassungserlaubnis
erteilt mit der doch merkwürdigen Bedingung, „daß er alsbald sich copulieren lasse".
Bei dem Zustandekommen der Ehen „halfen" Eltern und Verwandte. So blieb meistens reich
bei reich und arm bei arm.
Seit Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts bemühte sich die Gemeinde um
„die Anstellung eines Arztes" und „um die Anlegung einer Apotheke". Die zum Kirchspiel
Usseln gehörenden Filialgemeinden Rattlar, Schwalefeld und Willingen wollten sich an den
Kosten beteiligen. Aber erst 1878 wurde die erste Apotheke in Usseln eröffnet (Apotheker Gölte).
Die Gemeinde übernahm eine Bürgschaft von 12000 Mark. Der erste Arzt wird sich einige
Zeit vorher in Usseln niedergelassen haben (Dr. Frese aus Titmaringhausen).
Die Armut war zu dieser Zeit in Usseln immer noch zu Hause. Eine Ortsarmendirektion
kümmerte sich um die armen Leute, so gut das damals ging. Manchmal mußte von Haus zu
Haus Obdach gewährt werden, wenn die Armen sonst nicht unterkamen. Für die Waisen sorgte
ein besonderer Waisenrat. Sie hatten es besonders schwer und wurden bei Verwandten oder
auch bei anderen Familien untergebracht. So war z.B. für den 6. 1. 1872 die „Verdingung"
der 5 elternlosen Kinder des verstorbenen Friedrich Lindner anberaumt.
Um der Maulwurfplage Herr zu werden, wurde von der Gemeinde ein besonderer Maulwurffänger
bestellt, der 1863 als Entgelt 15 Taler erhielt. Ein besonderes Ereignis für das Dorf
war die Anschaffung eines „Landbriefkastens" durch die Gemeinde im Jahre 1866. Um
Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ruhe aus Anlaß des Krieges 1866 zu begegnen,
wurde eine Bürgerwehr gebildet und zunächst einmal eine Trommel gekauft. Beschwerde wurde
darüber geführt, daß die nach Rattlar und Willingen ausgeliehenen Feuereimer nicht alle
zurückgekommen sind.
Der Gemeindeetat hielt sich damals in einem bescheidenen Rahmen. Im Jahre 1869 betrugen
die Einnahmen 943, die Ausgaben 847 Taler.
An dem Krieg 1870/71 nahmen 10 Usselner teil. Sie erhielten von der Gemeinde einen Taler
und sechs Silbergroschen Marschgeld (1 Reichstaler = 36 Silbergroschen, 1 Silbergroschen = 8
Pf.). Um diese Zeit gab es einen jahrelangen Streit mit der Forstverwaltung über das Eigentum
an verschiedenen Grundstücken „An der Waschkumpseite", „In der Hopperbicke", „Bei der
Ziegelhütte" und „Am Schneppenberg (früher auch Schnepfenberg genannt)". Die Sache
endete schließlich mit einem Vergleich. Das Domanium erhielt die Waschkumpseite, die
Gemeinde die Emmet. Am 1. Dezember 1875 waren in Usseln 122 Wohnhäuser mit 142
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Haushaltungen vorhanden. Die Zahl der Einwohner betrug 676 (301 männliche und 375
weibliche); 27 männliche Haushaltsmitglieder waren abwesend (auswärts). Im Jahr 1877 wurde
vom Gemeinderat festgelegt, daß Kinder keinen Handdienst leisten dürfen.
Im Jahre 1880 erhielt die Gemeinde Usseln von der Gemeinde Rattlar ein 50 Morgen großes
Grundstück auf dem Hermannsberg als Ablösung für eine Huteberechtigung.
In den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts wurden mehrere private Wasserleitungen
gebaut. Meistens schlössen sich einige Anwesen für eine gemeinsame Leitung (Interessentenleitung)
zusammen. In diesen Jahren wurde auch eine ganze Reihe alter Lasten und Verpflichtungen
abgelöst (Huteberechtigungen, Pfarrdienste, Pfarreier, Hühner und Hahnen für die
Pfarre, Fahren des Pfarrholzes usw.).
Mit der Errichtung des Grundbuches für Usseln wurde 1886 begonnen. 1889 wird Christian
Bender der erste Küster von Usseln, nachdem vorher der sogenannte niedere Küsterdienst
(Läuten, Aufziehen der Kirchenuhr. Uhr- und Glockenschmieren, Reinigung der Kirche usw.)
vom Lehrer mit erledigt werden mußte.
Ab 1.1.1895 übernahm Wilhelm Jäger das Amt des Polizeidieners, Nachtwächters und
Flurschützen für 194 Mark im Jahr.
In den ganzen vorigen Jahrhunderten hatte Usseln eine beherrschende Mittelpunktfunktion im
Upland. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden jährlich drei Märkte abgehalten, und zwar
im Mai, August, und November.
Im Jahre 1827 wurden Totenhöfe in allen 4 Dörfern des Kirchspiels Usseln neu angelegt.
Von früheren Zeiten her bis zu diesem Jahr wurden die Verstorbenen von Willingen, Schwalefeld
und Rattlar nach Usseln gebracht; von den alten ,,Totenwegen" wird heute noch
gesprochen. Rings um die Kilianskirche, in deren Chor die alten Pfarrer bis zur Pestzeit begraben
lagen, war der Kirchspielsfriedhof angelegt. Auf der Südseite der Kirche lagen von Ost nach
West die Usselner, die Willinger und - über die jetzige Straße hinaus - die Schwalefelder
Toten. Auf der Nordseite, im jetzigen Garten von Saure (Wiesemanns), waren die Rattlarer
begraben. 1827tauschte man diesen Teil aus gegen ein Stück Pfarrwiese im Diemeltal. Hier
wurde der Totenhof für Usseln angelegt. Nachdem dieser alte Totenhof mehrere Male erweitert
worden war, wurde im Jahre 1865 am 1. Advent der jetzt noch bestehende Friedhof an der
Sportstraße eingeweiht.
Im Jahre 1877 wurde in Usseln der Kriegerverein gegründet; im Jahre 1879 die Freiw.
Feuerwehr, 1883 der Gesangverein „Eintracht" und 1885 der Frauenverein. Das Vereinsleben
begann zu blühen. Die Industrialisierung und die allgemeine Verbesserung der Lebensverhältnisse
durch den wirtschaftlichen Aufschwung machten sich auch in Usseln bemerkbar. So
manche alten Sitten und Gebräuche geraten aber allmählich in Vergessenheit; heute können
sich zum Teil nur noch die ältesten Mitbürger daran erinnern.
Die uralte Sitte des Osterfeuers hat sich jedoch in Usseln nicht nur erhalten, sondern sogar
ausgeweitet. Gab es ursprünglich nur ein Feuer auf dem Osterkopf, so gibt es seit langer
Zeit drei, und zwar auf dem Osterkopf, dem Hengböhl und dem Heimberg. Vor Ostern wird von
der Jugend des Dorfes in den Wäldern um Usseln Holz (insbesondere trockenes Fichtenholz)
gesammelt und am Ostersonnabend oder am ersten Ostertag angefahren und zu einem
beachtlichen Holzstoß aufgestapelt. Der Ort ist, seitdem es drei Osterfeuer gibt, in drei Bezirke
aufgeteilt. Die Jugendlichen, die für das Osterfeuer auf dem Osterkopf zuständig sind, nennen
sich „Köpper"; ihr Bezirk ist die „Köpperecke". Für das Feuer auf dem Hengböhl sind die
„Büller" verantwortlich; ihr Bezirk ist die „Büllerecke". Für das Feuer auf dem Heimberg
sorgen die ,,Schnepper". Sie heißen deshalb Schnepper, weil das Feuer bis 1955 auf dem
„Schneppelnberg" abgebrannt wurde. Das war nach dem Bau des Jugendheimes der
Industriegewerkschaft Metall nicht mehr möglich. So verzogen sich die Schnepper dann auf den
Heimberg; ihr Bezirk heißt aber noch Schnepperecke. Zwischen den drei Gruppen besteht eine
72
Die Usselner Feuerwehr nach dem ersten Weltkrieg
ab obere Reihe: (v.l n r.) Karl Saure (Dresel). Fhedhch Behle (Dullen). Fritz Meier (Knochen). Karl Saure (Oberschulte).
Friedrich Bom (Ob. Pickes), Karl Engelmann (Prickels), Hermann Biederbick. Karl Meier (Schäfers). Johannes Asmuth
(Kriegerhanses). Wilhelm Schäfer (Papenheims). Christian Jäger (Wiese), Friedrich Gobel (Rautens). Christian Saure (Wortschäfer).
Karl Saure (Sctlusters). Wilh Emde (Paggel). Chnstian Saure (Kampmann), Anton Brune (Schniedermann), Wilhelm
Rummel (Hensels). Kart Saure (Dängels). Anton Jäkel (Unterschulte). Christian Peuster (Peusters).
gewisse Rivalität, jede möchte gern das größte und schönste Feuer haben. Diese Rivalität
wird Garant dafür sein, daß die alte Sitte des Osterfeuers noch recht lange erhalten bleibt.
Viele Usselner können sich noch daran erinnern, daß zu Pfingsten die Hauseingänge mit
Birkenbäumen und Birkenbüschen geschmückt wurden. Das Hausheben ist auch ein uralter
Brauch in Usseln, der in abgewandelter Form auch heute noch besteht. Wenn früher ein
Haus gebaut wurde, halfen die Bewohner, die Fahrtiere hatten, das nötige Baumaterial heranzufahren
(Holz und Lehm). Sie erhielten dafür nichts als ein gutes Essen und einen freien Tanz
beim Hausheben. Zum Hausheben wurde ein Kranz von Zweigen und Blumen gebunden, mit
bunten Bändern verziert und am Giebel befestigt, sobald der letzte Sparren festgenagelt war.
Nun folgte der Spruch des Zimmermanns; der Meister warf das Glas, aus dem er getrunken
hatte, hinter sich. Zerbrach es, was meistens geschah, so war dies von guter, wenn nicht, von
übler Vorbedeutung. Ein Tanz beschloß die Festlichkeit. Aus vielen Haushaltungen wurden
Geschenke zu der Festlichkeit geschickt: Butter, Eier, Brot und Schinken.
Zu den spärlichen Vergnügungen gehörte auch das Schafewaschen, insbesondere für das
Gesinde. Im oberen Ittertal (unterhalb des alten Hagen) war ein „Waschkump". Noch heute lautet
die Flurbezeichnung „Bei dem Waschkumpe". Ein Tanz, zu dem die Männer mit Bändern und
Blumen geschmückt waren, schloß sich an. Auch an den Markttagen wurde getanzt. Um 1850
kommt in Usseln mitunter noch „ein ganz eigenthümlicher Tanz" vor. Um was für einen Tanz
es sich hier gehandelt hat, konnte nicht ermittelt werden.
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Der Erntehahn (platt: Arnehahn) wurde früher regelmäßig gefeiert. Wenn gerade die Zeit nicht
zum Feiern war, wurde zumindest dankbar daran gedacht. Wenn die letzte Fuhre Getreide
eingefahren wurde, saß ein Teil des Gesindes, einen Kranz und einen Hahn haltend, auf dem
Wagen und fuhr jubelnd nach Hause. Hier gab es gutes Essen, Getränke und manchmal wurde
auch getanzt.
Die sogenannten Spinnstuben waren besonders an den langen Winterabenden üblich. Bei Gesang
und Unterhaltung trafen sich die Frauen und Mädchen abwechselnd in den einzelnen Häusern
mit ihren Spinnrädern zum Spinnen. Das Spinnen war fast ausschließlich eine Beschäftigung
der Frauen und Mädchen. Es muß dabei oft lustig zugegangen sein, denn unsere älteren
Mitbürgerinnen schwärmen noch heute von den Spinnstuben, einem Stück der „guten alten Zeit".
Auch die Leineweberei war in Usseln zu Hause. Der eigene Bedarf wurde selbst gewebt;
darüber hinaus nahmen die Handelsleute die Leinenwaren mit auf den Handel. „Van dr Liensoat
bit taume Himmede". alles wurde im Ort erledigt. Zu dem Leinen wurde mitunter auch
„Heede (platt: Haide), der schlechtere Teil des Flachses, verwendet. Curtze schreibt 1850, daß
Heede in Heede zu weben nur die Bewohner der Kirchspiele Usseln und Neerdar verstehen.
Hier war die Armut so groß, daß die findigen Upländer auch den Abfall des Flachses verarbeiten
mußten.
Das Leinen mußte, - ähnliche Waschmittel wie heute gab es noch nicht, - gebleicht werden.
Auch in Usseln bestand eine ..Gemeindebleiche", zuletzt auf dem Platz, wo jetzt etwa die
Schützenhalle steht.
Die alte Sitte des Beiern (platt: Beggern) hat sich bis heute erhalten. Zu Weihnachten und
Neujahr werden die Kirchenglocken nicht elektrisch geläutet, sondern von Hand mit dem
Glockenklöpfel in einem gewissen Takt angeschlagen. Dazu sangen früher die Usselner Kinder -
dem Takte folgend -
„Begger, Begger, bim - bam,
Megges, Megges Kind iss daut,
un de alde Asmauth - mauth - mauth"
Wegen einer Schießerei in der Neujahrsnacht 1813 wird in dem „Gemeinsbuch" das „beyern"
erwähnt. Der genannte Reim stammt mit Sicherheit schon aus dem vorigen Jahrhundert, als
„Megges Kind" und „der alte Asmauth" um Weihnachten gestorben sind. Der Hausname
„Asmauth" ist noch vorhanden (Karl Emde. An der Diemel 5). Megges hieß ein vor Jahren
abgebrochenes Haus hinter dem Anwesen Hans Schreiber (Korbacher Straße). Das Haus
gehörte zuletzt Fritz Emde (nachher am Loh wohnhaft).
Zu den Hochzeiten, die mitunter aufwendig gefeiert wurden - je nach Lage des Geldbeutels -,
wurde vom ,,Lademann" eingeladen. Wo er einlud, wurde ihm ein buntes Band an den Hut
geheftet; außerdem erhielt er „einen" eingeschüttet. So kam es, daß der Lademann unterwegs
oft schlapp machte und am nächsten Tag weiter einladen mußte. Einige Tage vor der Hochzeit
wurde der „Packwagen" (Brautwagen) vom Haus der Braut zu ihrer neuen Wohnung
im Hause des Bräutigams gefahren. Auf dem Packwagen war die bewegliche Mitgift der Braut,
die in einem Verzeichnis einzeln festgehalten wurde. Auf dem Packwagen saß die Braut. An
einem hochgesteckten Besen, an den Bettstellen und an Fuhrmann und Pferden flatterten
bunte Bänder. Unterwegs wurde „gapänget" (gepfändet). Der Weg wurde abgesperrt; die
Sperre konnte nur durch ein Trinkgeld (Lösegeld) geöffnet werden. Polterabend wurde früher im
Upland nicht gefeiert. Das Abladen von Töpfen, Flaschen und von anderen lärmverursachenden
Gegenständen, das,, Poltern", ist erst in den letzten Jahrzehnten eingeführt worden. Es war früher
jedoch Brauch, daß die jungen Burschen des Ortes am Verlobungstag oder am Tag vor der
Hochzeit vor dem Hause der Braut mit Peitschen knallten. Sie erhielten dafür einige Taler.
Das Peitschenknallen geht wohl auf die heidnische Zeit zurück. Durch das Knallen sollten Hexen
und böse Geister vertrieben werden.
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Usseln 1938 mit Reichsarbertsdienstfager. Sportplatz. Flußbadeanstalt Diemel und Spritzenhaus
Dreschen 1937 bei Saure (Bickmann)
v.l.n.r. Rika Wilke (Stratmann). Minna Koch geh Saure (Bickmann). Friedrich Behle (Dullen), Christian Saure jun
(Bickmann) - gefallen 1945 - Christian Küthe (Schneners). Friedrich Behle (Schniedes). Christian Saure sen (Bickmann) mit
Kart-Heinz Jäger (Upiander Hof) und „Maschinist" Wilhelm Lange
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Über besondere Trachten im Upland ist nichts überliefert. Im Jahre 1664 wurde es verboten
,,sammtene, seidene und kostbare Stoffe, Gold, Silber und Perlen zu tragen, damit der
Unterschied zwischen Adel und Unadel nicht aufgehoben wurde". Auf dem Lande war nur
eine Schnur oder ein seidenes Band um den Hut oder das Haar erlaubt, damit der Unterschied
zwischen dem Landmann und dem Bürger erhalten bleibe. Anfang des vorigen Jahrhunderts
trugen ältere Männer einen großen Filzhut, das lange Haar wurde durch einen Holzkamm auf
dem Hinterkopf zusammengehalten. Fast alle Männer und auch die Handelsleute auf ihren
Reisen trugen blaue Kittel. Ältere Frauen trugen an hohen Feiertagen eng anliegende weiße
gefaltete Häubchen, mit schwarzen Oberkäppchen (Saumagen genannt) und dunkle breitgefaltete
Tuchrocke (Beiderwand).
Noch bis in die ersten Jahre dieses Jahrhunderts wurde alles Brot von den Familien selbst
gebacken, entweder in eigenen oder in den Gemeindebacköfen. Es waren dies kleine gemauerte
Häuschen, in Usseln kurz ,,Backes" genannt. Die letzten Backhäuser in Usseln waren wohl
„Sures Backes" (an der Diemel, wo jetzt das Postamt noch ist), „Peustes Backes" (am Mühlenweg)
und „Lanfers Backes" (auf Stöckers Wiese hinter Brüne-Höhmann).
Das „Branntweintrinken" ist in Usseln auch nicht zu kurz gekommen. Noch im vorigen und am
Anfang dieses Jahrhunderts wird von älteren Frauen berichtet, die dem Branntweintrinken
verfallen waren. Die Not hat wohl diese Frauen aus Verzweiflung trinken lassen. Insbesondere
bei den „niederen Volksklassen" war der Genuß des Branntweins beliebt. Mit dem Verkauf des
Branntweins durch geschickte Händler wurde viel Unheil angerichtet; mancher Hof wurde
ruiniert.
Während früher, das heißt vor noch nicht allzulanger Zeit, alle Bewohner Usselns platt
miteinander sprachen, kommt diese jahrhundertealte Mundart jetzt immer mehr in Vergessenheit.
Die heranwachsenden Kinder und Jugendlichen sprechen das Usselner Platt kaum noch;
selbst den Älteren ist schon eine ganze Reihe von Wörtern nicht mehr geläufig. Das Usselner
Platt gehört zur niederdeutschen Mundart, hat jedoch - fast wie in jedem Ort - seine eigene
Prägung. Es ist mit dem Rattlarer und Schwalefelder Platt fast identisch, gegenüber dem
Willinger Platt aber schon stark abweichend. Um die Erhaltung des „Usselner Platt" hat sich
besonders der vor einigen Jahren verstorbene Ludwig Bender verdient gemacht. Ludwig Bender
(auch Krames Lui oder „Lui van dr Hönnerecke" genannt) hatte es in Attendorn als Fabrikbesitzer
zu einem beachtlichen Wohlstand gebracht. Er schrieb das Buch „De Leggenskoster"
in Usselner Platt. In dem Buch erzählt er Geschichten um ein Usselner Original des vorigen
Jahrhunderts, den „Leggenskoster" (einen an einem felsigen Abhang - Leggen - wohnenden
Schuster). Aus Liebe zur Mundart - so sagt Ludwig Bender selbst - hat er das Buch
geschrieben. Möge es mit dazu beitragen, die jahrhundertelang gesprochene Mundart zu
erhalten. Hier einige Wörter, die kaum noch geläufig sind:
anfern (antworten)
ästemeeren (schätzen, achten)
Au wer (Ufer)
Backesföür (Backofenfeuer)
bedaun (betun, sich behelfen)
biessen (rennen)
biewwern (beben)
Böure (Bezug, Kissenbezug)
Bünne (Raum im zweiten Stock)
Bunne (Buttermaschine)
Däukelken (Tüchlein)
dispeteeren (disputieren)
Döüker (soviel wie Teufel)
Drägeholt (Tragholz, z. B. für Wasser)
Fahm (Faden)
Gliekmoat (Gleichmaß)
güste (Milchtrockenzeit der Kuh)
haar und hott (her und hin, links und rechts)
Halwskaid (die Hälfte, Halbscheid)
Höggetied (Heumachzeit)
Huoweräise (Hofraum, Hofraite)
Hüttelgeld (Wiegegeld,
Patengeschenk bei der Kindtaufe)
lärwetengeküöcke (Erbsengekochtes)
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jappen (nach Lütt schnappen)
Kaawesack (Unterbett mit Haferspreu
- Kaawe - gefüllt)
Kiäspel (Kirchspiel)
Kingerbedde (Kinderbett)
kleppen (Anschlag der Gebetsglocke)
Köppecken (Obertasse)
kräggen (krähen)
kujeneeren (plagen, schikanieren)
lachensmoate (nach Lachen zumute)
leiten (sich aufhalten)
Malterholt (gespaltenes Brennholz)
moggen (gereuen)
Niggemäre (Neugier)
purren (zerren, ärgern)
raide (fertig)
resten (ausruhen)
Risp (ovaler Korb)
ruwwelig (uneben)
salge (seliger, verstorbener)
Skoaut (Schoß)
skrotten (scheuen)
Sludderfaat (Wetzsteinbehälter)
Smandladdeken (Huflattich)
Sniedebünne (Raum, wo Futter geschnitten wird)
Spöüchte(Späße)
Spurgitzen (Spaße, dumme Sachen)
Stiedde (Statte)
Strieckeling (Roggenstroh)
Stroathe (Gurgel)
tehaupe (zusammen)
terleste (zuletzt)
tiämmen (sich etwas gönnen)
twiäss (quer)
Undocht (Taugenichts)
Vedder (Anrede älteren Mannes)
verdreetlek (verdrießlich)
verleiten (verspäten)
Wase (Anrede älterer Frau)
wisse (fest)
Kehren wir nun zur jüngeren Geschichte Usselns zurück Wie schon ausgeführt, begannen Ende
des vorigen Jahrhunderts ein reges Vereinsleben in Usseln. Neben dem Kriegerverein und
Gesangverein wurde die Freiwillige Feuerwehr rege. Um 1900 wird in Usseln eine Lehrlingsund
Handwerkerschule (auch Fortbildungsschule genannt) eingerichtet. Die Schule betrieb
überwiegend im Winterhalbjahr eine fachbezogene Lehrlingsunterweisung. Der Unterricht fand
nachmittags oder abends und am Sonntag statt.
Usselner Skilaufer nach dem
ersten Weltkrieg mit last
„Kahlem Pön'.
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Nach 1900 begannen die Bestrebungen, das Upland an das im Aufbau befindliche deutsche
Eisenbahnnetz anzubinden. Es wurde ein besonderes Komitee gegründet, das sich für eine
Linienführung durch das Upland einsetzte. Damals waren sehrstarkeBestrebungen im Gange, die
Bahnlinie über Bredelar-Adorf nach Korbach zu legen. Die Entscheidung fiel dann doch zu
Gunsten des Uplandes aus. Am 1. September 1912 wurde das Streckenbüro unter Regierungsbaumeister
Funken in Willingen eröffnet. Mit den Bauarbeiten konnte nun begonnen werden.
Aufregung gab es auch wegen des Standortes des Usselner Bahnhofs, der wegen eines
fürstlichen Holzumschlagplatzes 3 km von Usseln entfernt (in Richtung Willingen) gebaut werden
sollte. In einem Protestschreiben des Gemeinderats wegen des Bahnhofs heißt es u.a.:
„Da von hier (von Usseln) sehr viele Menschen auswandern müssen, wäre Usseln ein
geeigneter Platz für kleine gewerbliche Anlagen. Letztere und aber auch der Fremdenverkehr,
der in unseren Bergen später hoffentlich sehr rege sein wird, bringen bares
Geld in die Gegend, was umsomehr ins Gewicht fällt, als die Landwirtschaft in hiesiger
Höhenlage stets eine beschwerlichere und weniger rentablere ist, als in den besseren
klimatischen Gegenden".
Der Bahnhof wurde in der Ortslage gebaut, auch die Hoffnung auf den Fremdenverkehr hat sich
erfüllt. Die Bahnstrecke von Brilon-Wald nach Korbach wurde 1917 eröffnet. Bares Geld war
auch damals noch rar in Usseln. Deshalb war es besonders wichtig, die Grundsteine für
den heute nicht mehr wegzudenkenden Fremdenverkehr zu legen, der jedoch eine lange
Aufbauphase, unterbrochen durch die beiden Weltkriege, benötigte und nur langsam immer
mehr an Bedeutung gewann.
Die Usselner Landschaft - das Diemeltal, der Osterkopf, der Kahle Pön, der Alte Hagen -
ist ein Kleinod im Sauerland. Sie lädt ein zur geruhsamen Erholung und Entspannung in gesunder
Höhenluft. Die heutige Generation ist aufgerufen, diese hervorragende Landschaft mit ihrer
Flora und Fauna in ihrer Eigenart zu erhalten, sei es nun Jägers Weinberg oder die seltene
und artenreiche Hochheide auf dem Osterkopf. Vieles ist in der Vergangenheit schon verloren
gegangen. Curtze berichtet 1850 von einer Gegend auf dem Alten Hagen bei Usseln, wo
Wein wachsen soll (Jägers Weinberg) und von einem Bruche auf dem Alten Hagen, wo
die rauhe oder weichhaarige Birke steht. Er berichtet auch von dem Gemeinen Seidelbast und von
der Gemeinen Waldrebe, die bei Usseln wachsen. Der Seidelbast ist in Einzelexemplaren
noch vorhanden. Die Preiselbeere war früher auf dem Kahlen Pön in großen Mengen vorhanden.
1819 wird berichtet, daß die Preiselbeeren nach Kassel zum Verkauf gebracht worden sind.
Viele ärmere Leute suchten eifrig Beeren, um sie zu verkaufen; oft die einzige Möglichkeit,
etwas Bargeld zu bekommen. Noch 1909 schreibt die Corbacher Zeitung, daß die ärmere
Bevölkerung einen erheblichen Verlust durch geringe Erträge an Heidelbeeren und Preiselbeeren
erlitten hat.
Der Auerhahn war früher im Upland heimisch; er war sogar in recht großer Zahl hier
vorhanden. Curtze berichtet, daß auch der Uhu in der Usselner Gemarkung häufig vorkomme.
Uhu, Auerhahn, Birk- und Haselwild sind längst verschwunden. Auch der „schwarze Storch" war
nach Curtze im hiesigen Forst anzutreffen.
Noch vor dem ersten Weltkrieg kam auch die Begeisterung für den Sport nach Usseln. 1913
wurde der Sportverein gegründet, bei dem der „Pfadfinderbund Jung-Deutschland" Pate stand.
Der Verein erhielt den Namen ,,Jung-Upland". In der Festschrift des Sportvereines mit Skiclub
anläßlich seines 50jährigen Bestehens im Jahre 1963 ist die Geschichte dieses Vereins
dargestellt.
Die Molkerei entstand als „Upländer Gebirgsmolkerei" im Jahre 1898. Die Gebäude wurden
1963 und 1969 wesentlich erweitert. 1968 schlössen sich die Molkereigenossenschaften
Adorf. Rhena und Rhenegge mit der Upländer Gebirgsmolkerei zur „Upland-Milch eG" mit
dem Sitz in Usseln zusammen.
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Ein Flurbereinigungsverfahren (früher hieß das Verkuppelung) wurde in Usseln in den Jahren
1898 bis 1903 durchgeführt. Es war erforderlich, weil im Laufe der Jahre zuviel kleine
Parzellen, insbesondere durch Erbteilung, entstanden waren. Diese ließen sich bei zunehmender
Mechanisierung nur noch schwerlich bewirtschaften. Für den Ausbau von Wegen und
Gräben nahm die Gemeinde ein Darlehen von 75000 Mark auf.
Die erste zentrale Wasserleitung wurde 1912 gebaut. Unter dem Hengböhl entstand ein
Hochbehälter. Das Wasser kam aus dem oberen Diemeltal, in Nähe der Diemelquelle. Vorher
versorgte sich das Dorf aus Brunnen und aus kleineren Interessentenleitungen. Die Gemeinde
nahm zur Finanzierung ein Darlehen von 45000 Mark auf. Die Arbeiten wurden von der
Firma Johannes Wiedemann aus Essen ausgeführt. Noch vor dem 1. Weltkrieg wurde mit den
Vorbereitungen für den Anschluß Usselns an das Stromnetz, die ,,Überlandzentrale", begonnen.
Die Gemeinde verpflichtete sich 1914, jährlich für mindestens 2500 Mark Strom abzunehmen,
bzw. den Differenzbetrag zu übernehmen. Aber erst 1920 wurden das Ortsstromnetz und das
Transformatorenhaus am Eimelroder Weg gebaut. Gleichzeitig wurde auch die erste Straßenbeleuchtung
installiert.
Im 1. Weltkrieg starben 42 Usselner Männer an allen Fronten. Nach dem Kriege wurde
auch in Usseln ein Bauern- und Arbeiterrat gebildet, der auf das politische Leben Einfluß
nahm. Anfang 1919 beschlossen Gemeinderat und Arbeiter- und Bauernrat, daß im Zuge der
Revolution die Gemeinde die innerhalb der Gemarkung Usseln liegenden früheren fürstlichen
Waldungen wieder in Besitz nehmen sollte. Das Gemeinderatsmitglied Christian Jäger (Fähling)
sollte am 15. 1. 1919 in Korbach die Auflassung vornehmen. Aus der ganzen Sache wurde leider
nichts. Ähnliche Bemühungen im Jahre 1929 (Anschluß Waldecks an Preußen) scheiterten
ebenfalls.
Nach der Inflation, in den ,,goldenen 20er Jahren", pulsierte das Leben in Usseln. Durch die
Eisenbahn konnten viele Usselner in den Fabriken in Korbach und Brilon-Wald arbeiten.
Besonders die Frühzüge in beiden Richtungen waren voll besetzt. Die Arbeit auswärts bedeutete
allerdings 10-bis 14stündige Abwesenheit am Tag. Brotbüchse und Thermosflasche hatten
ihre große Zeit; es gab ja in den Betrieben noch keine Kantinen in dem heutigen Umfang,
wo Mittagessen usw. ausgegeben wurde. Viele nahmen auch ihr Mittagessen in den
sogenannten „Henkelmännern" mit zur Arbeit.
Für die Landwirte wurde nach dem 1. Weltkrieg das Kornhaus gebaut; die Zeit des Kunstdüngers
begann. Auch auf kulturellem Gebiet tat sich etwas. Ein „Dramatischer Verein" wurde
gegründet. Leider hat er nur einige Jahre das Laienspiel gefördert.
Auch die Zeit des öffentlichen Badewesens begann. Im Flußlauf der Diemel, etwas oberhalb
des jetzigen Dorfgemeinschaftshauses, wurde Ende der zwanziger Jahre die erste Badeanstalt
(stolz Flußbadeanstalt genannt) gebaut. Das damals saubere Diemelwasser floß - zwar etwas
kalt - durch diese Badeanstalt. Der Wintersport hatte seine erste Blütezeit. An der Lieth wurde
1928 die erste Sprungschanze gebaut. In den dreißiger Jahren wurde die Schanze am Pön
(links vom jetzigen Lifthang) gebaut. 1927 wurde die Abteilung Usseln des Sauerländischen
Gebirgsvereins gegründet, die - nach dem 2. Weltkrieg nicht zu neuem Leben erweckt - erst
1975 wieder gegründet wurde Auch der 1927 gegründete Verkehrsverein, der sich um den
Aufbau des Fremdenverkehrs bemühte, wurde aktiv.
Die Weltwirtschaftskrise Ende der zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre machte sich auch
in Usseln stark bemerkbar. Viele Arbeitslose waren zu verzeichnen. Die Gemeinde führte
einige Notstandsarbeiten durch. So wurde z.B. die heutige Ringstraße mit einer wassergebundenen
Decke versehen. Das war schon ein großer Fortschritt. Es gab damals noch keine
Ortsstraßen, die mit einer Teerdecke versehen waren Bei Regenwetter war das für die
Fußgänger eine ziemlich dreckige Angelegenheit. Oft mußte von den Anliegern das nasse
Erde/Lehm-Gemisch (platt: Mäddel) mittels besonders dafür geeigneter ,,Schrapper" von der
Straße gezogen werden.
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08
Usselner Manner und Schutzenbruder auf drei Musterungsblldem einige Jahre vor dem zweiten Weltkrieg
Usselner Frauen und Mädchen 1939 anlaßlich eines Samariter-Lehrgangs
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Die Wirren des „Dritten Reiches", soweit es sich um die Zeit bis zum Ausbruch des zweiten
Weltkrieges handelt, erlebte Usseln in gemäßigter Form. Die einzigste Judenfamilie, Rudolf
Schönstädt, die im jetzigen Haus Rohn in der Ringstraße ein Kolonialwarengeschäft betrieb,
wurde ein Opfer der Gewaltherrschaft. Rudolf Schönstädt, seine Frau und die älteste Tochter
wurden deportiert; kein Usselner hat noch etwas von ihnen gehört. Die jüngste Tochter der
Familie war „rechtzeitig" nach Südamerika ausgewandert.
Auf dem Gelände der jetzigen Badeanstalt und des anschließenden Parkplatzes wurde ein
Arbeitsdienstlager gebaut, das sich im Eigentum der Gemeinde befand. Vorher war der
Arbeitsdienst für kurze Zeit in der Schützenhalle untergebracht worden. Im Jahre 1938 wurde
oberhalb des Sportplatzes eine neue Badeanstalt gebaut, stolze 50 m lang. Sie wurde,
nachdem das heutige Schwimmbad fertig war, zu einer Zierteichanlage umgebaut. Auch
diese Badeanstalt wurde mit Diemelwasser gespeist.
Die verheerenden Wirkungen und Folgen des 2. Weltkrieges bekam auch Usseln voll zu spüren.
Zwar blieb das Dorf von Zerstörungen verschont, aber 60 Usselner starben an den Fronten,
in Kriegsgefangenschaft oder in der Heimat. Viele kehrten erst spät aus der Gefangenschaft
zurück, viele haben körperlichen Schaden erlitten. Auf dem Osterkopf war während des
Krieges eine Luftmeldestelle eingerichtet, die zunächst mit Soldaten und später mit Luftwaffenhelferinnen
besetzt war.
Nach dem Kriege fanden viele Heimatvertriebene und Flüchtlinge, insbesondere aus dem
Sudetenland, in Usseln Aufnahme. Das Arbeitsdienstlager wurde provisorisch zu Wohnungen
umgebaut. Die Einwohnerzahl von Usseln stieg von 1 048 im Jahre 1939 auf über 1 300
im Jahre 1950 und 1976 sind es etwa 1 600. Da es in Usseln und näherer Umgebung recht
schwer war, geeignete Beschäftigungen zu finden, verzogen viele Neubürger in den fünfziger
Jahren in andere Orte, zumeist nach Korbach. Eine ganze Reihe blieb jedoch in Usseln. Sie
sind Usselner geworden, sprechen teilweise das Usselner Platt und haben sicher auch mit
zu einer Blutauffrischung beigetragen.
Der große wirtschaftliche Aufschwung seit Anfang der fünfziger Jahre kam besonders auch
dem Fremdenverkehr zugute. Viele Pensionen wurden neu eingerichtet, andere erweitert;
neue Gaststättenbetriebe wurden gebaut. Die Fremdenverkehrsbetriebe wurden im Laufe der
Jahre den gestiegenen Anforderungen entsprechend modernisiert. Heute kann Usseln, vor dem
2. Weltkrieg schon Luftkurort und 1976 als Heilklimatischer Kurort anerkannt, über 140000
Übernachtungen im Jahr bei etwa 1100 Fremdenbetten registrieren. Die Kuranlagen wurden
ständig ausgebaut. So entstanden in den letzten Jahren die Kuranlage mit Angelteich oberhalb
des Viadukts, die Zierteichanlage auf dem Gelände der alten Badeanstalt und 1976 die Kuranlagen
auf „Riepen Wiese" und im Diemeltal unterhalb des Ortes. Das Wanderwegenetz
wurde ständig ausgebaut, zahlreiche Ruhebänke wurden aufgestellt, Parkplätze angelegt und
Schutzhütten gebaut.
Eine Blütezeit erlebten auch die Usselner Vereine. Die 1949 erbaute Lohwaldschanze erwies
sich für die Usselner Springergarde als besonders günstig. Zeitweilig nahmen an den Springen
30 bis 40 Usselner teil. Volker Hofmann und Karl-Friedrich Figge waren die erfolgreichsten
Usselner Springer, die auch von dem Deutschen Skiverband zu internationalen Veranstaltungen
entsandt wurden. Die Sprungschanze mußte Ende der sechziger Jahre aufgegeben werden,
als die Sportstraße Erschließungsstraße für die Baugebiete in Richtung Emmet wurde. Der
Stolz des Usselner Skiclubs, später noch mit einer Beleuchtungsanlage ausgerüstet, war dahin.
Absoluter Höhepunkt für den Usselner Skisport war das Jahr 1976, als Iris Schulze (Alte
Schule) im Damenlanglauf an den Olympischen Spielen in Innsbruck teilnahm, Karin Jäger
Deutsche Jugendmeisterin und Cornelia Figge Deutsche Schülermeisterin im Langlauf wurden.
Zur Förderung des Wintersports und des Fremdenverkehrs wurde 1961 am Hengböhl der
erste Usselner Skilift gebaut; zu gleicher Zeit entstand der Berggasthof ..Büller Höh". Der
zweite Lift wurde 1970 am Pön gebaut, mit ihm entstand der Gasthof „Zum Holzknecht".
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Iris Schulze
Karin Jäger
Cornelia Figge
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Die Usselner Fußballer wurden ab 1949 10 mal Sieger im Waldecker Pokal. Sportverein und
Skiclub haben durch rege sportliche Tätigkeit und viele schöne Erfolge mit dazu beigetragen,
daß der Ort auch auf sportlichem Gebiet einen guten Ruf hat und auch dadurch über
die engere Heimat hinaus - selbst international - bekannt geworden ist.
Im Zuge der wirtschaftlichen Blütezeit setzte eine rege Bautätigkeit ein. Von 1948 bis 1976
sind etwa 180 neue Häuser in Usseln gebaut worden. Die Zahl der Häuser hat sich in
dieser Zeit mehr als verdoppelt. Nicht nur viele eingesessene Bürger konnten sich neue Häuser
bauen, auch viele Auswärtige bauten sich in Usseln ein Haus, um hier ihre Freizeit oder
ihren Lebensabend zu verbringen. Neue Baugebiete entstanden am Loh, zwischen Eimelroder
Weg und Korbacher Straße und oberhalb der Eisenbahnbrücke an der Sportstraße. Wochenendhausgebiete
wurden vor der Emmet und vor der Egge ausgewiesen. Die Industriegewerkschaft
Metall baute 1955 auf dem Schneppelnberg ein Jugenderholungs- und Bildungsheim,
das jetzt verpachtet ist und als Schülerinternat genutzt wird. Zu gleicher Zeit wurde
hinter der Egge ein Familienfreizeitheim des Synodalverbandes für Innere Mission und des
Evangelischen Hilfswerkes Hamm (Westf.) gebaut und einige Jahre später wesentlich erweitert.
Das Dorfgemeinschaftshaus, in dem sich auch der evangelische Kindergarten befindet, wurde
1956 errichtet. Im Jahre 1959 entstand vor der Emmet das Schullandheim des Vereins
Gütersloher Realschulen.
In den Jahren 1962 bis 1964 wurde die Ortslage vollständig kanalisiert und unterhalb des
Dorfes eine mechanisch-biologische Kläranlage gebaut. Durch den ständig steigenden Wasserverbrauch,
der sich hauptsächlich in der Fremdenverkehrssaison bemerkbar machte, reichte das
Wasser der für die Wasserversorgung genutzten örtlichen Quellen nicht mehr aus, um den
Wasserbedarf sicherzustellen. Unter Federführung der Gemeinde Usseln wurde 1967 der
Wasserbeschaffungsverband Upland gegründet, der Wasser aus der Ense-Scholle südwestlich
von Korbach ins Upland liefert.
Robert Saure (Kann) mit einem der letzten Kuhgespanne in Usseln beim Einfahren von Hafer.
84
In den letzten 20 Jahren wurden immer mehr kleinere und mittlere landwirtschaftliche
Betriebe im Voll- oder Nebenerwerb aufgegeben. Ursache hierfür waren insbesondere die
schlechte (durch die Witterungsverhältnisse bedingte) Wettbewerbsfähigkeit und die zunehmende
Möglichkeit, auch anderweitig den Lebensunterhalt zu verdienen. Es gibt kaum
noch Kleinvieh im Dorf; Ziegen sind schon seit Mitte der fünfziger Jahre nicht mehr vorhanden.
Die Großviehhaltung beschränkt sich auf die noch wenigen landwirtschaftlichen
Betriebe. In diesem Zusammenhang sind auch viele Grenzertragsböden angepflanzt und
Ackerflächen eingesät worden. Viele Wiesen und Weiden sind an auswärtige Landwirte
verpachtet. Die Usselner Gemarkung ist 2218 ha groß, davon sind 949 ha Wald (die
Neuanpflanzungen der letzten Jahre sind dabei nicht mitgerechnet).
Das vereiste Mühlrad der alten Usselner
Mühle (Chr Wilke) die bis Ende des
19 Jahrtiunderts der Kirche gehorte
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Die erste Leichenhalle in Usseln wurde 1965 errichtet. Seit dieser Zeit werden die Toten
bis zur Bestattung in dieser Halle aufgebahrt. Vorher erfolgte die Aufbahrung in den
Trauerhäusern, von denen dann der Leichenzug zum Friedhof führte. In den letzten Jahren
wurde für den Transport der Särge ein Leichenwagen benutzt. Es ist aber noch nicht lange
her, als die Särge noch vom Trauerhaus bis zum Friedhof getragen wurden. Zwischen
Schützenhalle und Dorfgemeinschaftshaus wurde in den Jahren 1972/73 eine Liegehalle
(Kurhalle) gebaut.
Viel Kummer bereitete den Usselnern die kommunale Gebietsreform. Seit Anfang dieses
Jahrzehnts ist in der gesamten Bundesrepublik eine Gebietsreform im Gange, in deren Zuge
Gemeinden und Kreise zu größeren Einheiten zusammengeschlossen werden. Das lief bisher
nicht ohne Hektik ab und oft konnten die betroffenen Bürger so recht nicht einsehen, daß
dies alles in ihrem Interesse geschehen müsse. In der freiwilligen Phase der Gebietsreform
(das drohende Gesetz stand hinter dieser Freiwilligkeit) wurde am 1. Juli 1970 die Gemeinde
Hemmighausen nach Usseln eingegliedert. Am 1.1. 1972 schloß sich Usseln mit Eimelrod,
Bömighausen, Neerdar und Welleringhausen zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen
..Upland" zusammen. Alle Bemühungen,diese neue Gemeinde zu erhalten, blieben ergebnislos.
Durch Gesetz wurde die Gemeinde Upland mit der Gemeinde Willingen (die s. Zt. aus den
Ortsteilen Willingen, Schwalefeld und Rattlar bestand) ab 1.1. 1974 zur neuen Gemeinde
Willingen (Upland) zusammengeschlossen. Diesen Zusammenschluß haben die Usselner nicht
gewollt, weil sie keinerlei Vorteile erkennen konnten. Es wird wohl noch einige Zeit dauern,
bis dieser schmerzliche Eingriff in die gemeindliche Selbstverwaltung überwunden ist.
Trotzdem werden die Usselner aus Liebe zur Heimat dafür sorgen, daß die fortschrittliche
Entwicklung weiter geht zum Wohle des Ortes und zum Wohle seiner Bewohner.
Friedrich Born
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Die Gemarkung Usseln
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87
Die Usselner Bürgermeister
und Ortsvorsteher ab 1877
Bürgermeister:
Georg Christian Küthe (Herligen) ab 1877
Christian Brüne (Dribischen) ab 1898
Christian Küthe (Heiligen) ab 1910
Christian Wilke (Wilken) von 1919 bis 1923
Christian Mitze (Suren) von 1923 bis 1933
Heinrich Wilke (Sägewerk) von 1933 bis 1943
Hermann König von 1943 bis 1945
Karl Koch von 1945 bis 1948
Johannes Brüne (Habicht) von 1948 bis 1952
Hermann König von 1952 bis 1961
Fritz Stöcker von 1961 bis 1973
Ortsvorsteher:
Werner Figge vom 1.11.1972 bis 31.3.1974
Jörg Schulte
vom 1.4.1974 bis31.3.1977
Otto Schober ab 1.4.1977
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Das erste Usselner Friedensgericht
Als Auswirkung der Revolution im Jahre 1848 erließ Fürstin Emma am 18. August 1848 das
, .Gesetz, die Errichtung von Friedensgerichten betreffend". In jedem Ort wurde nun ein Friedensgericht
eingerichtet, das aus dem Friedensrichter und 2 bis 4 Gehilfen bestand.
Das Friedensgericht war zuständig u.a. für Nachbar- und Grenzstreitigkeiten, Alimentenzahlungen,
Streitigkeiten zwischen Dienstherrn und Gesinde. Beleidigungen und für Forderungen
unter 25 Talern.
Das erste Protokollbuch des Usselner Friedensgerichtes ist erhalten. Die Mehrzahl der verhandelten
Fälle betraf Geldschulden. Die Forderungen wurden fast immer gegeneinander aufgerechnet.
Die Restschuld konnte jedoch oft nicht bezahlt werden. So traf man sich auf Klage des
Gläubigers vor dem Friedensgericht, das eine gütliche Einigung herbeiführen sollte. Hier scheint
aber auch der Alkohol eine böse Rolle gespielt zu haben; Gläubiger waren oft die Gastwirte.
Aber auch die Eimelroder Juden waren vielfach die Kläger. Besonders die Witwen hatten oft
Schulden, die sie einfach nicht bezahlen konnten. Aus Geldnot hat so manches Grundstück
den Besitzer gewechselt; mancher Bauernhof kam unter den Hammer
Nachstehend werden einige Verhandlungsausschnitte wiedergegeben:
1851: Am heutigen Tag erschienen vor dem hiesigen Friedensgericht die früheren Magazinherren
Schäfer Wortschäfer und Gerhard Braukmann und verlangten von dem gegenwärtigen
Figge Liesemann 10 Spind und V z Becher Hafer, die derselbe ihnen den
Magazinherren schulde.
1852: Philipp Saure aus Usseln brachte vor, Müller Wilke habe beym Vorsteher Stremme
ausgesprochen, er sey mit einer Kuh den Diemel Weg hergezogen. Christian Hegel
habe ihm berichtet, die mögte er gestohlen haben. Christian Hegel, gegenwärtig, das er
nicht gesagt habe er habe Sie gestohlen, sondern die Kinder hätten es gesagt. Beide
Theile kamen überein, das Christian Hegel die entstandenen Kosten bezahlt, damit
wurde diese Sache beygelegt.
1853: Erschien vor dem Friedensgericht Philipp Engelbracht und verlangte von dem Friedrich
Jäger-Wiesen 27 Thaler Brautschatz und eine Kuh.
Erschien Wilke Kesting und brachte Klage gegen Bender Klencke das er Ihn in
Sitzung am 12. d.M. einen Spitzbuben geheißen. Beklagter gestand dieses ein er
gab aber zur Antwort, das er bey dieser Aussage nichts böses gemeint habe.
1855: Erschien August Wilke und verlangte von dem gegenwärtigen Heinrich Engelmann
Ersatz für eine Ziege, welche sein Sohn Friedrich Engelmann als Hirte der Ziegen
nicht wieder abgeliefert habe und auf dem alten Hagen in einem Bruch oder Pütze
versoffen sei.
1858: Am heutigen Tag erschien Müller-Wilke als Kläger und dessen Magd Rosine Saure
als Verklagte. Letztere hatte am Sonntag, dem 14. Febr. d. J., einen Schoß voll Roggen
über die Straße getragen. Unterwegs von Jungen, die meistens schon konfirmiert waren,
mit Schneebällen überfallen, läuft dieselbe und der Roggen entfällt ihr. Auf Befragen,
woher der Roggen sei, antwortete dieselbe von ihrer Base Rosine, für die sie denselben
bei Wirth Brüne habe verkaufen sollen. Durch diesen Vorfall ruht von verschiedenen
Seiten der Verdacht auf Rosine Saure, betreffenden Roggen auf keine ehrliche Weise
an sich gebracht zu haben. - Die arme Rosine wurde von Müller Wilke entlassen.
Vor hiesigem Friedensgericht erschien am heutigen Tage Bürgermeister Brüne durch
Polizeidiener Emde Paggel vertreten als Kläger und Christian Wilke, Sohn des Müllers
Wilke als Verklagter. Letzterer solle ersteren beleidigt haben, indem er gesagt
Bürgermeister Brüne sei ein Betrüger, wenn er der keiner wäre, so solle er auch wohl
nach Heiligen gehen. Christian Wilke erkannte an, daß ihn sein Vater gereizt habe zu
sagen, daß derjenige, welcher nach Hertige gehe, nicht betrügen dürfe.
1859: Erschien Carll Figge in Kleinen und brachte Klage gegen den Anton Jäckel, Zacher,
und Heinrich Volbracht, Bonacker, wegen unrechtmäßigen Anmaßung das Sie ihm ohne
Erlaubnis in den Kalksteinbruch auf dem Wakenfeld gegangen und daselbst einen Ofen
von Kalksteine zubrechen und dadurch den Bruch mit Schut angefüllt. Dafür verlange er
den Bruch wieder zureinigen. Es kam eine Einigung dahin zustande, das Beklagte für
Steine 4 Thaler und die entstandenen Kosten bezahlen mit 14 Silbergroschen und den
Bruch wieder reinigen. Das Geld soll in 6 Wochen bezahlt werden, den Bruch zu
reinigen in 4 Wochen.
Erschien Lehrer Genuit und verlangte 17 Silbergroschen Begräbnisgebühr von der Wittwe
Behle, Picker.
Erschien Charlotte Meyer und hatte Klage gegen Charlotte Brüne in Richts. Dieselbe
habe Sie am 27. November d. J. übel ausgeschimpft habe Sie Scheibe Hund und Zeule
ausgeschimpft. - Richts Charlotte war nicht erschienen und mußte 10 Silbergroschen
Strafe bezahlen. -
1860: Erschien Andreas Figge, Riepemann, und brachte Klage wegen unerlaubten Ausschenken
von Branntwein gegen Anton Figge jun., Baumes, vor. Beklagter erschien und
verweigert solches, es wäre die Unwahrheit. Er hätte den Burschen eine Kanne Branntwein
geschenkt, aber nicht verkauft. Es konnte eine Einigung nicht erzielt werden.
Erschien Jäckel Zacher und Friedrich Schulze aus Wiesemanns und gaben zu vernehmen,
wir beiden haben unsere Häuser vertauscht, nehmlich ersterer erhielt vom
letzteren das Volbracht Klarmannsche Haus und letzterer erhielt das Jäkel Zachesche
Haus. Ersterer gibt letzterem raus 112 Thaler 15 Silbergroschen. Beide machen sich
verbindlich, wenn auf diesen beiden Häusern irgend eine Hepoteck ruht, das sie sich
verbindlich machen einer gegen den anderen, das dieselben binnen 6 Wochen gelöscht
wird im Hepoteken Buch der Gemeinde Usseln.
Erschien Wittwe E., und gab klagend vor, ihr Sohn Wilhelm E., Sie am 29.
November d.j. Beleidigt habe, er habe Ihr Schwerenacht gewünscht und solle ihn
in Mars Lecken und habe ihr das Spinnrad wollen entzweischlagen.
1861: Erschien Friedrich Schulze, Wiesemann, und brachte eine Klage gegen Christian
Volbracht, Stremmen, und Jäger Fiesen wegen Hirtelohn und vom Sprungochsengeld
von Jäger, Fiesen. Derselbe erkannte diese Forderung vor richtig an, der Christian
Volbracht dagegen erklärt, das er nichts bezahlen will.
Erschien Christian Wäscher von Ottlar und verlangte seiner Frau Kindtheil von Meyer,
Dängelsmann in Usseln 15 Thaler, ein Ober Bette, 2 Kissen ein Pfül, ein Bettlaken,
eine Kuh, ein Spinnrad, 1 Eimer, 1 Koche topf. Es konnte eine Einigung nicht
erzielt werden.
Erschien Wittig Engelmann, Knoche, und brachte Klage wegen Rasenhacken gegen
Carll Schweinsberg, Hüskens. Beklagter erklärte, er wolle ihr einen Tag dafür Holz
hauen.
1863: Erschien Bürgermeister Kalhöfer aus Bömighausen als Bevollmächtigter des Johannes
Fr. E., aus Welleringhausen und gab zu verstehen. Ich habe ein uneheliches Kind gezeugt
mit der Louise Wilke aus Usseln. Wir beide haben sich über die Elementen Gelder
dahin verglichen, das die Louise Wilke die runde Summe von 60 Thaler ein für alles
erhält und zwar hat Sie schon 25 Thaler erhalten und 5 Thaler soll Sie noch erhalten.
Die übrigen 30 Thaler sollen für das Kind in die Sparkasse angelegt werden. Die
Mutter erhält die Zinsen bis zum zurückgelegten 15 Jahre des Kindes. Solte etwa
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das Kind unverheiratet sterben, so fallen die 30 Thaler der Mutter zu. Nach
zurückgelegten 15 Jahren hat das Kind über diese 30 Thaler nach seinem Willen zu
verfügen.
1864: Erschien Caspar Behle, Schneidesmann und brachte Klage vor. Der Schäfer Ludwig
Wilcke hat mir diesen Herbst zwei Schaf Jährlinge und ein lamm nicht geliefert. Der
Beklagte erklärte, die Schafe sind verlorengegangen, von den beiden Jährlingen habe
ich die Felle für 1 Silbergroschen verkauft, und das Lamm ist in Schwalefeld krepiert.
1865: Erschien Andreas Figge, Riepemann, dessen Bevollmächtigter Bürgermeister Brüne
trug wegen Mißhandlung vor. Die Zeugen waren erschienen und gaben vor. Am 27.
Januar war Heinrich Steuber im Wirthshause des Andreas Figge und verlangte von
demselben eine Wurst. Andreas Figge erwiderte darauf wir haben noch nicht geschlachtet.
Darauf erklärte Heinrich Steuber sich, dan leckt mich in Maars. Heinrich Steuber
erschien nicht zur Verhandlung. -
Erschien Friedrich Wilcke und verlangte von Christian Mitze 16 Thaler verdienten Lohn.
Chr. Mitze erklärte, ich habe den Fr. Wilcke auf ein Jahr gemietet und er ist mir in
der letzten Zeit aus dem Dienst gegangen, ich will ihm jedoch noch 5 Thaler ein für
alles geben, damit war der Kläger einverstanden.
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Hand- und Spanndienste in früherer Zeit
Über die Hand- und Spanndienste in Usseln in der Zeit vom 1798 bis 1850 ist das „Gemeinsbuch"
für die Fahr- und Handdienste erhalten. Es ist wie folgt eingeteilt:
1. Gämbecker Korn schneiden
(Wahrscheinlich mußten die Usselner auf der Domäne Gembeck auf Grund einer alten
Verpflichtung bei der Ernte helfen)
2. Corbacher Gang
3. Arolser Fuhre
4. Kurze Fuhre
(Fuhren innerhalb des Ortes und der näheren Umgebung)
5. Arolser Gang
6. Corbacher oder Eisenberger Fuhre
7. Arolser Gang der Beiwohner
(Die Beiwohner besaßen ein eigenes Haus und Gartenland, aber kein eigenes Feld)
8. Arolser Gang der Köthner
(Köthner kommt von Kotten = kleines Anwesen)
9. Die Amtswache oder die Wacht nach Corbach
(Wache halten im Ort - z. B. beim Viehmarkt - und Begleitung von Personen nach auswärts)
10. Arbeit an den Gemeindeländereien
11 .Corbacher Amtsfuhre
12. Handarbeit an der Straße nach Goddelsheim (1829)
13.üeferung an die Armee (1813)
Diese Einteilung ist in dem Buch nicht immer eingehalten worden.
Nachstehend werden einige Auszüge aus dem „Gemeinsbuch" in der damaligen Schreibweise
wiedergegeben:
Gämbecker Korn schneiden
„Das Gämbäcker Korn Schneiden im Jahre 1799 ist frey von Dicken bis Aßmuths".
,,1818 ist das Frey am klarman stehen geblieben".
,,1814 sind von dem Gämbecker Korn schneiden frey vom Meges bis Ripen, 1815 von unter
Schultes bis lanfers".
Corbacher Gang
,,22. Juni 1798 Schweinsberg Brief nach Wölleringhausen getragen".
„Juni 1799 Dreges nach Corbach Briefe getragen".
„7. Sept. 1800 haben unter Schulte bis Dreges Hüner nach Arolsen gebracht".
„12. Okt. 1812 sind von linewebers bis Feiinges zum holtz hauen auf dem Pön bestell,
24. Okt. haben auber holtz zum gefängnis gehauen".
Arolser Fuhre
„1798 stehet die arolser Fuhre am Wortschäfer, das sind sengers noch zurück und der
Clagesman".
„24. Okt. 1798 Wortschäfers, Schneiders, Schäferherms, Beulken, Engelbrachts, Johannses,
lanfers, Mitzen, Driebesche, hertige, pagels, Schulze, Dullen, Klenken, Senges Hafer von
Corbach nach Arolsen gefahren".
„1804 haben 5 Wagen das Zehnt-Heu nach Arolsen gefahren".
„1804 1 Wagen Butter aus Strick gefahren nach Arolsen".
„5. Juli 1811 Klarens einen Rehbock nach Arolsen Gefahren".
„1825 den SOten März haben 3 Wagen von dem Langenberge nach Adorf Buchen Klötze
gefahren von Heuhanses bis an Kleinen, der Figge Kleinen ist der Letzte geweßen".
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Kurze Fuhre
„1824 am 13. Nov. haben alten richters bey das Rarrhaus Fraßen gefahren".
„1825 am 1 ten Oktober haben Bäulken und Behle Picker bey das Schulhaus Leimen
gefahren".
„1827, am 6. Janne haben Folgende dem Schulten zu Rattlar Stroh und Hafer und Kartupfeln
gefahren, Brocken, Linneweber, Kleinen und Stremmen".
„1827 am 8ten September hat der Wilcke Habig bei den Neuen Todenhof steine gefahren".
„1831 am 17. May hat der Hencke und der Habig von Corbach Stroh und Hafer geholt,
an der Kurzen Fuhre wird dem Hencken ein Rerd gut gedahn".
„1831 am 26. November hat der Brüne Heuman des Figge Riepenmans sein Tolles Rerd
gefahren".
,,1832 am 5ten November hat der Saure Krönicke das Fische Faß nach dem Stricke gefahren".
Arolser Gang
„1814 sind bestell auf der Landstraße zu arbeiten von heren bis mariegers".
,,3. Aug. 1815 Kriegerhanses hüner nach Corbach gebracht".
Corbacher oder Eisenberg Fuhre
, ,1805 Stremmen Dullen die Hürde vom Alten Hagen ins Strick gefahren".
„1810 klorens haben die Tränke Klutz ins bein Tohr geholt, der lanfer Man Sandt in die
Parstube gefahren".
„1813 alten Richters Gredesteine in die Rarrscheune gefahren".
„1824 haben Henken und Klages nach renegge den abgebranten Stroh und Hafer gefahren;
Dicken und untersten Habig nach Nordenbeck die Rauchhafergefahren;
„1827 Saure Schneidesmann, un der Wortschäfer, und Wilcke Bäulken, und Saure Henseler
mit 1 Ferde bey das Rarrhauß Fraßen gefahren".
„1832 hat der Saure Henke einen Kirchen-Schrank von Corbach gefahren".
„Figge Bäumer und Wilke Bäulcke haben bei die Brücke bei Dicken Steine gefahren".
„1833 haben Kühte Hertige, und Brüne Driebesche, u. Meyer Paggel und Wilcke Schulten
Holz gefahren zu die Brücke bey Schneides".
,,1835 haben Figge Kleinen Büsche in das Beindor in den Weg gefahren".
„1839 Bender Klencke bey das Schulhaus Leimen gefahren".
„1847 Wilke Habich den Pastoren nach Corbach gefahren".
Arolser Gang der Beiwohner
„1799 Figge beymers Coleckte Geld nach Goddelsheim gebracht".
„25. April 1825 hat Johannes Wilm Born in Gölten einen Auerhanen nach Arolsen gedragen".
Arolser Gang der Köthner
,,1799 stehet der Arolser Gang der Köthner am hinlersten fiesen".
„1817 sind zum hüner dragen bestell Kriegerhans, Gölten, Richter, Jost wilmes, mariegers,
lanfers, prickeis".
Die Amtswache oder die Wacht nach Corbach
„1813 sind auf Neu Jahr nachl die Wache gewesen Figge Fehling, Saure Henke, Johannes
Gerhart, bänder Klages man, Chrisligon bänder, Georg Henrich Gerhart, Henrich Crüper,
Christigon Schlömer, Wilm Cramer und Christigon Figge.
Obige 10 Wächter müssen sagen, Wer die 2 Schüsse die Nacht gedahn haben. So gäben
die Wächter an, Sie haben den Nachl auf der Straße angetroffen den Heinrich Engelbracht
Dregges und Philip Engelbracht Fiesen, die müssen die Schüsse gedahn haben. Warum die
um 12 Uhr des nachts auf der Sfraße die leute angetan und 2 Schüsse aus pickes aus des
beiwohners Wilm bähten seiner Stube gefallen, da mus er selbst und die leute im Haus die
Wahrheit Sagen. Friedrich Wilcke und Volbrachl Knoche haben auch wissen Schaft darvon,
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die des morgens vor der früh pragdig gedahn haben, ist der beiwohner Johannes behle aus
Gölten in das behle pickes haus gegangen, und den Wilm hatten, an zu rufen das Sie in die
früh pragdig beyern wollen, Wie die im Hause Waren geschahen die 2 Schüsse und gleich dar
nach gingen sie und beiertten in die früh pragdig, das habe ich Selbst gesehen, das die beiden
Schüsse mir zum bekantgeschehen würden".
,,1832, 17ten und 18ten März sind nach Corbach auf die Wacht gewesen Jäckel Zacher,
Engelbracht Gockel, Figge Altenrichters, Wilcke Kesting und Figge Bäumers und Behle Simson".
,,1837 am 8ten Dezember haben Wilcke Nonnenschäfers und Volbracht Stremmen die alte
Megesche nach Corbach gebracht".
,.1838 am 10. September ist des Carl Figge Sohn mit Wacht nach Corbach gebracht, hat
der Bender Dulle und der Saure Habig die Wacht gedahn".
„1841 am 19ten auf den 20ten Januar die Nacht hat der Wilke Fähling und der Gerhard
Heckman 1 Mann von Titmeringhausen die Wacht bey gehabt".
,,1842 am 20ten April hat Wilcke Untersten Kösters und Volbracht Bonnacker den Engelbracht
Dicken und den Volbracht Stremmen und die Christesche nach Corbach gebracht".
Arbeit an den Gemeindeländereien
,,1816, 3. Juli, haben geackert vor die Gemeinde auf dem lühr
Friedrich Mitze
2 Rerde
Wilke Habig
2 Rerde
brühne, richtes
3 Pferde
Saure Klencke und hintersten Fiesen 3 Pferde
Klages und heren
4 Ochsen
Zaches und meges
4 Ochsen
handienst brogmann und feling
Hencke und Schnieder
3 Pferde
bonacker
2 Pferde
Dulle und wortschäpes
3 Pferde
Papenheim und Ciorens
3 Pferde
nonenschäpes und v. viesen
3 Pferde
handdienst Emde metzer"
(Anmerkung. Es gab noch Gemeindeländer „unter dem hohen Pön", am „Dicken Busch",
„unter dem Knick",.unter dem vordersten Krutenberg" und „auf dem Alten Hagen". Meistens
wurde Hafer angesät. Landbestellung, Aussaat, Ernte und Dreschen ging reihum. Gemäht wurde
meistens im September. Im Jahre 1829 wurde die Hafer auf dem alten Hagen am 9. Oktober
gemäht; Ende Oktober wurde sie nach Hause gefahren).
Corbacher Amtsholzfuhre
„1826 am 27 ten Juni hat die Gemeinde Usseln 9 Malter Amts Holtz nach Corbach gefahren nehmlich
9 Wagen, und sind zu jedem Wagen 4 Ferde gerechnet, wir haben am Obersten Habig
angefangen bis Saure Crönicken sind das Letzte gewesen, die Fuhre stehet 1827 an Küte
Hertige".
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Handarbeit an der Landstraße nach Goddelsheim
„1829 am 22ten April sind 30 man zur Handarbeit bestellt
1. Bunse Knoche 16. Meier Pageis
2. Volbracht Stifter 17. Engelbracht Krüper
3. Behle Pickert 18. Wilcke Kobes
4. Behle Hahne ist noch zurück 19. Valentin Cristes
5. Jost Wilmes 20. Engelman Kükelheim
6. Wilcke Marigers 21. Wilcke Schulte
7. Emde Engelbrachts 22. Jäger Schulte
8. Brüne Heuman 23. Figge Riepen
9. Brüne Lanfers 24. Brüne Brocke
10. Saure Krönicken 25. Figge Wießeman
11. Küte Hertige 26. Figge Linneweber
12. Meier Dängels 27. Figge Kleine
13. Engelman Prickeis 28. Wilcke Aßmuth
14. Sender Krämer 29. Wilcke Nonnenschäfer
15. Brüne Driebesche 30. Volbracht Stremme
31. Bender Klenken
Der Volbracht Strome ist zurück geblieben, wenn wir wieder hin müßen ist er der erste und
Jäger Fiesen".
,,1829 am 4ten Juli sind wieder 40 Mann nach Goddelsheim geweßen
1. Volbracht Stremme 21. Behle Kleinschmits
2. Jäger Fiesen 22. Jäckel Zacher
3. Emde Fiesen 23. Wilcke Untersten Kösters
4. Emde Metzer 24. Volbracht Bonacker
5. Bender Dullen 25. Saure Spickerman
6. Behle Meges 26. Gerhart Bruchman
8. Matzhenrich 27. Saure Käppeler
9. Wilcke Papenheim 28. Engelbracht Wilmes
10. Volbracht Klarens 29. Figge Jägersman
11. Saure Habig 30. Engelbracht Dräger
12 Engelbracht Dicke 31. Carl Figge
13. Wilcke Habig 32. Friederich Born
14. Figge Fähling 33. Figge Derliesen
15. Saure Hencke 34. Engelbracht Gockel
16. Gerhart Heckmann 35. Figge alten richters
17. Ludwig Bender 36. Wilcke Kesting
18. Meier Klagesman 37. Figge Bäumers
19. Gerhart Herman 38. Emde bey der Gölte
20. Brüne richtes 39. Behle Simson
40. Johannes Schäfer"
Lieferung an die Armee
,,1813 haben wir nach Cassel geliefert an die Armee 43 Mürte, 8 Spind Hafer, 56 Centner Heu,
haben 8 Wagen müssen hinfahren". g 2 o
(Anmerkung: 1 Mütte = 320 Pfund, 1 Spind = — = ca. 27 Pfund, 1 Scheffel = 2 Spind)
95
De Leggenskoster
Ludwig Bender („Krames Lui" oder „Lui van dr Hönnerecke" genannt), schrieb das Buch
„De Leggenskoster" in Usselner Mundart. Den Stoff für dieses Buch bot ihm die Figur
eines Mannes, der als Original, als ein Mensch des echten Upländer Humors, im vorigen
Jahrhundert in Usseln gelebt hat. Sein Tun und Treiben ist in dem Buch dargestellt.
Dabei hat Ludwig Bender Heiteres und Besinnliches mit Wahrheit und Dichtung gemischt.
Nachstehend wird ein Abschnitt des Buches ,,Dat kalde Faiwer" (Das kalte Fieber) abgedruckt.
Dat kalde Faiwer
Krankheiten sid de grötteste Ploage
füär Jedermann, un alle Dage.
dai dou gesund un frisk upstäihst,
(rauh arj dinn Dagewiärke gaihst.
sösst dou me lewen Guodde danken;
bou balde teilst dou tau dn Kranken!
Gesundheit iess en kostboar Gudd,
wat enne ständeg plagen mott.
Gäiht dat verloaren, lewe Naut!
un kümmed nit wiedder, gaihst dou daut.
Un stiärwen will dach neemes gären;
me kann't auk enmoal blos proweeren.
Gewiß hiät alles moal en Enge;
un auk dat Läwen hiät enne Länge,
ne Grenze, dai kenn Menske dann,
verlängern un verlägen kann.
Sid rümme siewwenzeg, achtzeg Joahre,
dann lieggest dou up dr Daudenboahre.
WT
Dou kannst dieck wehren, wat dou witt;
de Säizenmann döüt ennen Sniett,
dat Hiärte briecked; Muorgenraut
söühst dou dann nit mäh. Dou bist daut.
De Kiarckhuoff häld all' lange die
en Plätzken bie dian ändern frie,
dai auk, eh' sai et rächt bedachten,
sieck up de graute Räise machten,
van diär nach neemes wiedderkam,
dai van dr Erde Afskaid nahm.
Wann wie dn Daud auk nach sau skrotted:
en Traust, dat alle stiärwen motted;
en Glück, wann wie de Tahl erreiked
dr Joahre, boa me Rugge säüked.
Dach wann sieck nou de Säizenmann
te frauh anmälded, ja, wat dann ?
Bou mannegen hiät hai üöwerfallen
un faste halden in dn Krallen,
boa dai sieck häld füär kiärngesund
96
un in dn basten Joahren stund.
Dach wiann hai säüked, döüt hai fingen.
Un kann hai't nit alleine twingen,
dann skicked hai die allenfalls
ne sliemme Krankheit up dn Hals.
Krankheiten sid füär klein un graut
dm Läwen Fiend un Fründ dm Daud.
Se kummed sachte annesliecken,
verskaunt dn Aarmen nit, dn Rieken,
un suorged vüär, dat dat Skelett
tem Sluß blos wänneg Arwed hiät.
Diän packed se hie, diän packed se, boa
hai't gar nit ahnte; sai sid doa
un friätted iämme unverhofft
in kuorter Tied de Läwenskraft.
De Halwgeswistere, de Smiärten
dott auk iär Deil; diäm aarmen Hiärten
weerd angst un bange, weik de Maut.
Et gäiht up Läwen un up Daud.
Wai weerd gewinnen in dü'm Striede?
Dat weerd sieck wiesen, wielke Siede
de blätteren Outsichten hiät,
moal dai, moal dai, bou't grad gerätt.
Oftmoals iess enne Kraftnatoure
füär sieck allein de richtige Koure.
Dann wiedder weerd dm Dotter glücken,
dn Kranken heilgesund te flicken.
Auk richtege Kost un Mellezien
weerd mannegmoal Reddunge sien.
Taufall un Glück häürt auk dertau.
leck weite ne Fall, doa was dat sau,
dat enne mied me Daude rang,
un diän terlesste ungertwang,
sieck saatfraat, outsleep un dann frauh,
gesund upsprang vamm' Beddestrauh.
Un weite ne twaiden Fall, boa dat
nit hälpen woll, nit hiät ebatt.
Dai was amme glieken Leiden krank,
fraat auk, bit dat hai ümmesank.
En Enge hadde sinne Naut,
un äs' hai wach wor, was hai daut!
Bou dat nou kam, in bäiden Fällen,
will ieck dr Woahrheit noah verteilen.
De Leggenskoster, woullbekannt,
ging ennes Dages üöwer Land.
In Brielen hadde hai äse oft,
up Gausemarked Gösseln ekorft.
Dat sollen moal, will't äwen düggen,
rächt fätte Miärtensgäüse giewwen.
Hai hadde, glowwt hai, gudd ehandelt,
un kam ter Grund nou rup ewandelt;
de Kahle duosteg, frauh de Sinn,
sau kährte hai in Willgen in,
bie Kiäsper, füär ne Snapseslänge.
Wai drücked iämme doa de Hänge?
de dicke Gruowsmiedd Haamermann.
„Dag Skoster, na, bou gäiht et dann?"
„Sau äse me't driewed, ümmer frauh;
ieck denke, et gäiht Die gradesau."
„Tzund wiedder, joa, sie'ck frau un frie;
dach hiästet nit ehaurt? ieck sie
miedd knapper Naut me Daud entrunnen,
un hawwe nach enmoal gewunnen.
Dat kalde Faiwer hadde mieck
hart annepacked, dach tem Glück
fäll mie nach in ter rächten Tied
en Middel, wat mie hälpen dat.
Kenn Awethaiker un kenn Dotter
kennt dat. leck wußte, dat de Motter
bie'm salgen Vatier dat proweert,
diän sai doamiedde hiät kurreert.
Et iess ne richtege Piärrekoure,
un hilped blos'ner Kraftnatoure,
sau'm Grouwsmiedd, wiedder up de Beine;
diän krieged me nit sau lichte kleine.
Nou stoah ieck wiedder in dr Smitte
dn ganzen Dag amm' Amboss', bit de
Moan skient un de Köster klepped,
un bit Marie tem lätten räped.
Dann läge ieck dat Skuortfäll af,
dn Haamer hienn, un weit, ieck draf
van niggem jeden Muorgen singen
dat alde Liedd bie Haamerklingen;
La l a Liedd
Sau sang de alde Smiedd.
As hai vüär de Smitte kam,
doa fang hai wiedder van vuorne an:
La la Liedd,
Sau sang de alde Smiedd.
Kumm, Skoster, willt nach ennen halden.
He, Kiäsper, tapped nach twai Alden."
De Skoster häürte niepe tau;
Hai kannte Haamermann genau
un wußte, dat dai kenne Lüggen
vertäute. Nou soll hai moal sägen,
wat füär en Middelken dat war,
dn Kostenpunkt, un auk boaher.
Viellichte könnte me't sälwer brouken,
anstatt an't Daudenlaaken rouken.
Me kalden Faiwere vüärtebuggen,
war biätter, äse iämm' tautetruggen,
dat et van sälwer wiedder ging.
Krank oahne Hülpe, garsteg Ding! —
De Skoster leet twai Alde inmiätten.
97
„Prost Smiedd", „Prost Frieder, söüh en Friätten,
dat iess minn Middel; Mellezien
nahm ieck minn Läwedag nit in.
Äse ieck doa lag in minner Naut,
vüär Augen soah liewhaftegen Daud,
un giegger iämm 1 hülplaus dn Dotter,
dacht ieck an minne salge Motter,
dai doamoals minnen Vatter wert
miedd Sültemaus un Spack kureert.
Marie, reep ieck, kumm dach moal rinn,
kuock mie düärwossenen Spack vamm 1 Swieen
in Sültemaus, un gieww mie dat.
leck will sauviell iätten. dat et batt;
ieck hawwe niks mäh te verleeren,
un will't up jeden Fall riskeeren.
Wann't hilped, lached mie't Muorgenraut,
un hilped et nit, dann goah ieck daut.
Un fraat, bit dat ieck ümmesank,
sleep faste dann twai Dage lang.
As ieck upwaakede imme Beddestrauh,
doa was dat kalde Faiwer sau
äse wägebloasen. Vamme Linnen
un in de Bükse up de Pinnen,
dat was en Wiärk vamm' Augenblick.
De Frugge grain vüär Fröüde un Glück.
Gesund äse ieck hie vüär Die sitte,
sau ging ieck wiedder in de Smitte.
Soll mieck dat Faiwer nachemoal tiärgen,
et gäihte me grade äse diäm vüöregen;
miedd Fickelnflaisk un Souerkrout
jag ieck et out me House rout.
Nou weißt Dou richtegen Beskeid.
De bäste Krankheit iess en Leid!
Un't kalde Faiwer iess vamm' Üwwel
dat grörteste. Huoll iät de Döüwel!
Miedd Beizebub moßt Dou't outdriewen.
Dou moßte me Spack un Sültemaus giewwen. —
Nou mott ieck goahn; wann ieck hie sitle,
gesköüht niks Rächtes in dr Smitte.
Kumm, goah noah heim up Dinne Äüwer;
hald vamme Liewe Die't kalde Faiwer.
De Skoster ging auk, vull Gedanken,
up Usseln tau. Wann alle Kranken
blos ümmer et richtege Gieggenspiell
me Daude hälden, halw sau viell
wör hai sieck huollen vüär dr Tied
un sägen können: et iess sau wiet!
„leck hawwe", dacht' de Skoster, „oft
de Mensken efopped; hawwe glofft,
minn Narrensail wör nit terrieten.
leck kann auk anders, sollt jie wietten!
Un wann dat kalde Faiwer sieck
imme Duorpe mäldet, dann weit ieck,
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bou ieck diän Kranken kaupe laus
miedd Swienespäck un Sültemaus. —
Sau kam hai miedd diän kleinen Gösseln
gedankenvull noah heim, noah Usseln.
Out sinnen Gösseln woren Gäüse.
't was Hiärwest, un dat kalde, bäüse,
dat garstege Faiwer, unbestallt,
kraig üöwer'n Snieder Wilm Gewalt,
un nahm diän richteg in de Koure.
Dai hadde kenne Kraftnatoure
äse unse Gruowsmiedd Haamermann,
dai'm Daud dat Läwen afgewann.
Wilm hadde Angest, dacht an Stiärwen.
Wai könnt' iänn' redden vüär'm Verdiärwen?
Dat was de Skoster, dai besochte
dn kranken Noahwer, un vermochte
de Frugge langsam te belähren,
bou sai dr Krankheit könnte wehren
miedd Spack un Sültemaus. Hai wüßte,
dat dat me Sniedere hälpen moßte.
En Fründ van iämme, dai't proweert,
hadde sieck dermiedde outkureert.
Tzund wär't nach Tied, dn Uowen stuocken
un Spack miedd Sültemaus te kuocken,
dach muorgen war et wuoll te späd'.
Wat frisk ewoaged weerd, gerätt!
Af ieck diäm Skelmenskoster trugge?
sau dacht ds kranken Snieders Frugge.
Dach in dr Naut, — me sollt nit sägen —
doa frietted auk de Döüwel Fleegen.
Un in dr Naut fraat nou Wilm Wilke,
de aarme Snieder, enne sülke
Portsejaune Spack un Souerkrout,
dat iämm' terlesst' de Luft ging out;
sleep in un sleep, un sloped nach
sietdiäm bit an dn jüngesten Dag.
De Skoster trouerde amme meisten
van allen, konnte sieck nit träüsten.
Wat hadde hai dat gudd ernennt!
Un daut iess nun sinn bäste Fründ!
Will hai moal würklek Guddes daun,
dann gäiht et skäiw; dat iess sinn Lauhn.
En Skelm sall bie si'm Handwiärk bliewen
un Skelmerigge blos bedriewen.
Joa, Skaden mäked mannegen klauk!
De Skoster skraiw in't Dagebauk:
Rezäpt!
Bie kaldem Faiwer gudd
Iess Spack un Sültemaus.
En Snieder gäiht den/an kaput.
En Gruowsmiedd weerd et laus.
Landschaft und Pflanzenwelt um Usseln
Von Albert und Charlotte Nieschalk, Korbach
Unter den vier zum Waldecker Upland gehörenden Orten Willingen, Usseln, Schwalefeld
und Rattlar hat Usseln die am weitesten nach Südosten vorgeschobene Lage, womit
für Usseln und seine Umgebung eine besondere landschaftliche Eigenart verbunden ist.
Diese günstige und auch reizvolle Lage im Übergangsbereich zwischen den bewaldeten
Hochlagen des über den östlichen Teil des Rheinischen Schiefergebirges sich erstreckenden
Uplandes mit steil ansteigenden Bergen und eng eingeschnittenen Tälern einerseits
und der offeneren und heiteren Landschaft des kuppenreichen Vor-Uplandes andererseits
haben nicht nur die ersten Besiedler dieses Landesteils erkannt, sondern wird auch heute
noch von den dort lebenden und dort Erholung suchenden Menschen geschätzt.
Aus dieser Lage heraus bieten sich vielfältige Möglichkeiten zur Erschließung, zum
Kennenlernen und Erleben in der Gestaltung des Geländes und in der Pflanzenwelt
sehr unterschiedlich geprägter Gebiete. Der Wanderer erreicht sie von Usseln aus auf
Wegen mit herrlichen Ausblicken in großräumig überschaubare und abwechslungsreiche
Landschaften, sei es, daß er die Usselner Höhenwege benutzt, sei es, daß er über die in
unmittelbarer Nähe des Ortes gelegenen sonnigen Hänge waldfreier Bergkuppen geht.
Die Möglichkeit, weitschweifenden Blickes eine besonders abwechslungreiche und bevorzugt
schöne Mittelgebirgslandschaft in einem umfassenden Rundblick erleben und genießen zu
können, ist besonders von der Höhe des nahe bei Usseln gelegenen Osterkopfes gegeben.
Dies ist auch die Berghöhe, auf welcher nach altem Brauch ein Osterfeuer abgebrannt
wird. Von hier aus kann es nach allen Seiten weithin gesehen und miterlebt werden.
Wesentlichen Anteil an der Prägung des Landschaftsbildes hat neben der Oberflächengestalt
des Geländes, der Ausbildung von Bergen, Tälern und Ebenen, die Pflanzenwelt (Vegetation),
deren Zusammensetzung und Aussehen wiederum von den Gesteinsarten, den Böden,
der Höhenlage und dem Klima, insbesondere den Niederschlägen, wie auch von der
geographischen Lage des betreffenden Gebietes bestimmt wird.
Zum Vegetationsbild der Umgebung von Usseln, einer typisch ausgeprägten deutschen
Mittelgebirgslandschaft, gehören ausgedehnte Buchen- und Buchenmischwälder in den
mittleren und höheren Lagen, offene, von Quellbächen und kleinen Wasserläufen
durchzogene Talgründe mit blütenreichen Sumpfwiesen, auf trockeneren Hängen gelegene
kurzgrasige oder auch mattenartige Bergwiesen mit einer ebenfalls buntblühenden Pflanzenwelt
und über Bergkuppen sich ausbreitende Hochheiden, deren herbes Vegetationsbild
im Hochsommer durch das blühende Heidekraut in weite leuchtend-rotgefärbte Flächen
verwandelt wird und viele Menschen anzieht, um die Heideblüte dort zu erleben.
Manches hat sich in dem Vegetationsbild, aus dem nur die wesentlichen und augenfälligsten
Pflanzeneinheiten erwähnt werden, durch menschliche Eingriffe in die natürliche
Pflanzenwelt und damit in das große Gesamtbild der Landschaft, auch in der Umgebung
von Usseln, im Laufe der Zeit verändert: Der Anteil der Laubwälder am Gesamtbestand
des Waldes hat an Umfang abgenommen, wodurch die waldreiche Landschaft
an Farbigkeit und bewegter Gestaltung verloren hat. Die bunten, das Landschaftsbild
ungemein belebenden Sumpfwiesen, die noch vor wenigen Jahrzehnten auch das ausgedehnte
und offene Quellgebiet der Diemel einnahmen, sind hier und auch an anderen Stellen
fast ganz verschwunden. Die blumenreichen Bergwiesen mit dem sommerlichen Schmuck der
leuchtend gelbblühenden Arnika sind heute an vielen Stellen in eintönig grüne Rasenflächen
verwandelt worden. Die Hochheiden sind stark gefährdet oder an einigen Stellen
schon durch unmittelbare Eingriffe oder mittelbare Einflüsse in ihrem Vegetationscharakter
gestört.
99
Trotz dieser mannigfaltigen Veränderungen der Natur besitzt Usseln aber auch heute noch
einen großen Reichtum an landschaftlicher Schönheit in seiner nahen und weiteren Umgebung.
Darüber hinaus hat Usseln das Glück, innerhalb seiner Gemarkung noch einige, in ihrer
natürlichen Ursprünglichkeit hervorragend erhaltene Vegetations- und Landschaftsgebiete zu
besitzen, die als einmalig im gesamten östlichen Teil des Schiefergebirges anzusprechen sind
und des größtmöglichen Schutzes zu ihrer Erhaltung bedürfen. Es sind Jägers Weinberg, Alter
Hagen und Osterkopf.
Bei Jägers Weinberg handelt es sich um ein zwischen dem Hohen Pön und dem Krutenberg,
in einer durch reiche Niederschläge und hohe Luftfeuchtigkeit ausgezeichneten Höhe um
660 bis 670 m ü.d. M., gelegenes Moor. Der nasse, stellenweise sehr nasse und saure, torfige
Boden über Schiefergesteinen ist mit einer dichten und bei jedem Tritt weich nachgebenden
Decke von Torfmoospolstern überwachsen. Nur hier und da, wo unter der Moosdecke ein
kleines Wässerchen das Gelände durchzieht, treten Wasserstellen als Moorschlenken auf.
Jägers Weinberg besteht zum Teil aus einem offenen gehölzfreien Wollgras-Moor, welches von
den dichten Horsten des Scheidigen Wollgrases gebildet wird und im Sommer durch dessen
silbrig-weiße Haarbüschel der Samenschöpfe auffällt. Der größte Teil des Moorgebietes
wird jedoch von einem sehr lichten Birkenbruchwald eingenommen, in dem die urwüchsigen
Stammbildungen der Moorbirke ein Vegetationsbild von außergewöhnlicher und wohl jeden
Naturfreund stark beeindruckender Eigenart entstehen lassen.
Hat Jägers Weinberg schon als wertvolles Vegetations- und Landschaftsgebiet eine nicht nur
für Usseln, sondern über das Waldecker Upland weit hinausgehende Bedeutung, so gilt das
auch für die durch eine Reihe seltener bis sehr seltener Pflanzen ausgezeichnete Flora dieses
Moores. Es handelt sich bei diesen fast ausschließlich um nordische Pflanzenarten, deren
Hauptverbreitung heute im Norden Europas liegt, die in den eis- und nacheiszeitlichen Kaltperioden
aber auch in Mitteleuropa eine stärkere Verbreitung hatten. Unter dem inzwischen
stark veränderten Klima finden wir sie im mittleren Europa heute jedoch nur noch an
wenigen extrem ausgebildeten Standorten, an denen diesen Pflanzen die notwendigen Lebensmöglichkeiten
geboten werden. Das trifft für nordische Arten in hohem Maße auf Jägers
Weinberg zu, ist aber auch im Alten Hagen und in der Hochheide des Osterkopfes gegeben.
Unter der Flora von Jägers Weinberg ist das Purpur-Reitgras als nordisch-arktische Pflanzenart
besonders hervorzuheben. Dieses hochwüchsige Gras, welches zu den großen Seltenheiten
der mitteleuropäischen Flora gehört, bildet hier mehrere große Bestände. An weiteren Arten,
bei denen es sich verschiedentlich um Seltenheiten unserer heimischen Flora handelt, sind
zu nennen: Sumpf-Veilchen, Fieber- oder Bitterklee, der durch seine unter der Torfmoosdecke
kriechenden langen Ausläufer oft größere Flächen bedeckt, Blutauge, wie die vorige Art
meistens an sehr nassen bis quelligen Stellen wachsend, Moosbeere oder Geranke, die mit
zarten Ranken die Torfmoospolster überzieht, Kriechweide, eine niederliegende kleinwüchsige
Weidenart, und verschiedene Ried- oder Sauergräser. An etwas trockeneren Stellen der
höher gelegenen Randzonen des Moores wächst in großen Kolonien der Siebenstern mit
seinen zarten grünen Blättern und weißen Blütensternen, eine Pflanze der nordischen Flora.
An wenigen Stellen, dort aber reichlich vertreten, kommt das Nordische Labkraut vor.
Bemerkenswert ist ferner ein Traubenkirschen-Erlen-Bruchwald am Rande des Moorgebietes,
wo vom Krutenberg her ein kleiner Bachlauf in Jägers Weinberg fließt, sowie eine sich
daran anschließende Hochstaudenflur, in der besonders der Blaue Eisenhut, auch Täubchen
in der Chaise wegen seiner eigenartigen Blütenbildung genannt, eine ausgesprochene
Gebirgspflanze, auffällt.
Südöstlich von Jägers Weinberg breitet sich in einem von den frischen und ungetrübten
Wassern des jungen Itterbachs durchflossenen Talgrund das Sumpf- und Moorgebiet Alter
Hagen aus. Auch hier bilden offene gehölzfreie Flächen und lichter Bruchwald ein abwechslungsreiches
und für das Upland einmaliges Vegetations- und Landschaftsbild, welches sich,
wie Jägers Weinberg, auffällig aus der geschlossenen Bewaldung der Umgebung heraushebt.
100
An der Bildung des Bruchwaldes im Alten Hagen hat die Moorbirke, welche stark
bodensaure Standorte beansprucht, nur einen geringen Anteil. Häufiger vertreten ist
dagegen die an etwas nährstoffreichere Böden gebundene Schwarzerle. Vereinzelt kommen
Eberesche (Vogelbeerbaum) und einige weitere Gehölzarien vor. Seidelbast war in früheren
Jahren hier reichlich zu finden. Im unteren Teil des Alten Hagen kommt wiederum die
Traubenkirsche, eine vorzugsweise nordisch verbreitete Baumart, vor, welche durch ihre
bizarren Wuchsformen und zur Blütezeit durch die langen weißen Blütentrauben auffällt.
Der nasse bis sumpfige Boden ist auf großen Flächen mit Torfmoospolstern überzogen
und, bevorzugt in der Umgebung der Moorbirken, wächst auch hier das Purpur-Reitgras
in großen Beständen und bestimmt den Charakter des Vegetationsbildes. Auch Sumpf-Veilchen,
Fieberklee, Blutauge, Siebenstern, Moosbeere und Kriechweide sowie eine Reihe Riedgräser
wachsen hier. Eine Besonderheit des Alten Hagen ist das Vorkommen der Korallenwurz, einer
sehr seltenen kleinwüchsigen Orchideenart. Auf einer artenreichen Sumpfwiese im oberen Teil
des Alten Hagen, die besondere Erwähnung verdient, wachsen in dem von verschiedenen
Süß- und Sauergräsern gebildeten Rasen zwei weitere Orchideenarten, Breitblättriges und
Geflecktes Knabenkraut, auch Kuckucksblumen genannt. Bachnelkenwurz, mit rosagelblichen
Blütenglöckchen ausgestattet, Teufelsabbiß, Kleiner Baldrian, Schmalblättriges Wollgras und
weitere Arten ergänzen den Pflanzenbestand. Auf moosigen Stellen über torfigem Boden
sind Moosbeere und Kriechweide hier noch etwas reichlicher vertreten. Oberhalb des Alten
Hagen, in Richtung der Landesgrenze mit einigen noch vorhandenen alten bemoosten Grenzsteinen
mit dem Waldeckischen Stern, sind noch Altholzbestände eines für das Upland charakteristischen
Buchenhochwaldes mit Bergahorn und Eberesche erhalten geblieben. Dieser
ebenfalls nordisch geprägte Laubwald hat eine reiche Farnflora. Siebenstern tritt in kleinen
Beständen auf, der Tannen-Bärlapp ist hier zu finden, und der Sprossende Bärlapp,
Charakterpflanze dieser montanen Hochwälder, bedeckt mit seinen immergrünen sprossenden
und rankenden Trieben teppichartig größere Flächen.
Hoch- oder Bergheiden mit Heidekraut (Besenheide) und Preißelbeere als charakteristischen
und vorherrschend vertretenen Pflanzenarten sind im Waldecker Upland und in dem angrenzenden
westfälischen Gebiet des Schiefergebirges auf mehreren Bergkuppen in Höhenlagen
um 700 und 800 m u.d.M. verbreitet, während solche in südlicher gelegenen Mittelgebirgen
wie im Schwarzwald oder in den Vogesen mit höheren Erhebungen erst oberhalb 1000 m ü. d. M.
auftreten.
Unter den Hochheiden des Waldecker Uplandes und des Hochsauerlandes nimmt die Heide auf
dem Osterkopf bei Usseln eine Sonderstellung ein, weil sie die einzige bis heute in ihrer
natürlichen Urwüchsigkeit erhalten gebliebene Heide dieses Gebietes ist. Das betrifft vor allem
die ausgedehnte, weitgehend gehölzfreie Fläche am steilen Nord- und Nordwesthang des
Berges. Der Osterkopf, eine im Gelände ziemlich isoliert stehende Bergkuppe mit der längsten
Sonnenscheindauer der Usselner Berge, bietet durch diese Lage und das damit verbundene,
besonders auf den nord- und nordwestexponierten Hängen herrschende Lokalklima in hohem
Maße die für das gesunde Gedeihen der Heide notwendigen naturgegebenen Voraussetzungen.
Regen und Schnee bringen Feuchtigkeit und Kühle, Wind und Sturm fegen über die Heidefläche
hinweg und halten sie kurzwüchsig, wie es dem ursprünglichen Vegetationscharakler dieser
Zwergstrauchheide entspricht. Allein die Ausschaltung dieser lokalklimatischen Faktoren als Teil
der für die Heide erforderlichen Umweltbedingungen würde genügen, um eine sehr ungünstige
und letztlich zerstörende Auswirkung auf das Wachstum der Heide auszulösen. Das wäre der
Fall bei einer standortsfremden Veränderung nicht nur der unmittelbar an die Heide angrenzenden
Flächen, sondern auch in der weiteren Umgebung.
In der gut erhaltenen Kernfläche der Heide am Osterkopf sind Heidekraut und Preißelbeere
in charakteristischer Weise die vorherrschend vertretenen Pflanzenarten. Auf den offenen
Stellen zwischen den lückig wachsenden niedrigen Zwergsträuchern wird der mineralreiche,
splitterig-schieferige Boden, der von keiner Humusdecke überlagert wird, von einer großen
Anzahl Flechten und Moosen besiedelt. Unter diesen teils seltenen bis sehr seltenen und mit
101
einem hohen Lichtbedürfnis ausgestatteten Arten sind Rentierflechte und Isländisches Moos die
bekanntesten. Auch einige kleine krautige Blütenpflanzen wachsen zwischen den Zwergsträuchern.
Das Vorkommen der Heidelbeere ist an Baumbestände gebunden und deutet,
wenn es bereits größere Flächen einnimmt, wie auch in einem bestimmten Teil des
Osterkopfes, bereits auf eine Veränderung der ursprünglichen Zwergstrauchheide hin.
Wie in der nordeuropäisch-skandinavischen Tundra finden wir in der Heide am Osterkopf
lichtliebende Bärlapparten, von denen der Kolben-Bärlapp häufiger ist, der Alpen-Bärlapp
aber zu den großen Seltenheiten unserer Flora gehört. Aber gerade der Alpen-Bärlapp
läßt die nahe Verwandtschaft dieser Hochheide mit der nordischen Tundra, die in eisund
nacheiszeitlichen Kälteperioden auch in Mitteleuropa große Gebiete bedeckt hat, deutlich
und eindrucksvoll erkennen.
Diese Heide zu erhalten, dürfte jedem am Herzen liegen, der einmal, in voller Kenntnis und
Erkenntnis des hohen Wertes einer ursprünglich natürlichen Vegetation, die Schönheit dieser
Bergkuppe im Schmuck der blühenden Heide und den freien Blick vom Osterkopf in die
Landschaft um Usseln erleben konnte.
Geologie der Umgebung von Usseln
Usseln liegt im Nordostteil des Rheinischen Schiefergebirges. Die langgestreckten Bergzüge
in seiner Umgebung erreichen Höhen bis über 800 m. Die Diemel, welche von Süden
nach Norden die Gemarkung schneidet, stellt ein weiteres morphologisches Element dar.
Wegen seines Mittelgebirgscharakters wird Usseln naturräumlich dem Hochsauerland
zugegliedert.
An den kahlen Berghängen ist hier und da das bloße Gestein des Untergrundes zu
erkennen, es ist meistens dunkel gefärbt. Und wer den Gemeindesteinbruch südlich
des Bahnhofs Usseln aufsucht, wird die dort anstehenden Schiefer genauer betrachten
können und sich fragen, wann und wie diese Schichten entstanden sein könnten.
Die Erdgeschichte dieses Gebietes reicht weit zurück. Im Erdaltertum („Paläozoikum")
waren Länder und Meere, wie die Geologen nach Jahren langer Untersuchungen herausgefunden
haben, wesentlich anders verteilt als heute. Damals, vor rd. 400 Mill. Jahren,
lag im Norden Europas ein kontinentales Festland (Oldred-Kontinent), dem südlich ein
etwa Südwest-Nordost gestrecktes, tiefes Meeresbecken vorgelagert war. In dieses
Becken wurde vom Land her toniges, sandiges und karbonatisches Material geschüttet, je
weiter vom Festland entfernt, desto feinkörniger (toniger). Und da sich das Becken in der
Zeit vom Devon bis hin zum tiefsten Oberkarbon über rd. 70 Millionen Jahre ständig
vertiefte, entstanden mächtige Serien dieser Sedimente.
Usseln liegt heute in dem Bereich, wo früher zeitweilig das Tiefste dieses Beckens war.
Deshalb sind es überwiegend Absätze der Tiefsee, nämlich dunkle Tonschiefer, die den
Untergrund bilden. Gelegentliche Einschaltungen sandiger Sedimente (Quarzite und
quarzitische Sandsteine) zeigen jedoch an, daß der Untergrund dieses Beckens nicht
nur absank, sondern gelegentlich sich auch wieder hob, wodurch das Meer flacher
wurde. Die ältesten Schichten in Usseln sind mitteldevonische Tonschiefer der Givet-
Stufe mit einzelnen Quarziteinlagerungen. wie sie im Westteil (etwa westlich des
Diemel-Tales) verbreitet sind. Diabase, die bei untermeerischen Vulkanausbrüchen im
höheren Mitteldevon entstanden, sind in der Usselner Gemarkung nicht anzutreffen, finden
sich jedoch wenig östlich in der Gegend von Welleringhausen (Groten-Berg) östlich der
Diemel stehen mitteldevonische Schichten noch in den Tallagen, z. B in der Umgebung des
Bahnhofes Usseln, an. während dort hangaufwärts, besonders südlich des Bahnhofs, das
102
Mitteldevon vom Oberdevon überlagert wird. Typischer und geologisch bedeutender Aufschluß
dieser Schichtfolgen ist der Gemeindesteinbruch, wo neben den Tonschiefern auch mehr sandige
Schiefer (Bänderschiefer) und Kalksteinlagen der Adorfe-Stufe (beginnende Oberdevon) freigelegt
sind, Anzeichen einer im Oberdevon vorübergehend erfolgten Verflachung (Schwellenbildung)
des Meeres. Das höhere Oberdevon (Nehden- bis Dasberg-Stufe) wird wieder von Tonschiefern
und Kalkknotenschiefern gebildet, wie sie östlich und nordöstlich von Usseln anzutreffen
sind. Ganz in der Südostecke der Gemarkung (nordöstlich des Hülsenberges) stehen die
jüngsten Gesteine dieses Gebiets an, nämlich Kiesel-, Alaun- und Tonschiefer des
Unterkarbons.
Mit Ende des Unterkarbons bis Beginn des Oberkarbons (vor rd. 310 Mill.Jahren) zog
sich das Meer langsam aus dieser Gegend zurück; weiter nördlich, im damaligen
Küstengebiet, bildeten sich riesige Sumpfwälder, aus denen später die Kohlen des
Ruhr-Reviers entstanden. Dem Meeresvorstoß folgte dann im Oberkarbon eine Gebirgsbildung
(Orogenese) mit intensiver Faltung und Schieferung der vorher vom Meer sedimentierten
Schichtfolgen. Gebirge türmten sich im Bereich des heutigen Rheinischen
Schiefergebirges auf, die sicher ein ähnliches Bild wie heute die Alpen boten. Gleichzeitig
wirkten aber auch Kräfte der Abtragung, die zu einer tiefen Zertalung führten. Erst
weiter östlich von Usseln kam es wärend des auf das Karbon folgenden Perms in
dessen oberer Abteilung, dem Zechstein, zu erneuten Meeresüberflutungen. Diese reichten
jedoch nicht bis Usseln, sondern nur bis in die Gegend von Korbach und sind an den
mehr rotgefärbten Schichten zu erkennen. Das Rheinische Schiefergebirge und damit das
Gebiet von Usseln wurde seit dem Unterkarbon nicht mehr von Meereseinbrüchen
überflutet. Nicht mehr ist vielleicht zuviel gesagt, denn möglicherweise erfolgte zur Kreidezeit
(vor rd. 100 Millionen Jahren) nochmals ein Vorstoß. Wir wissen allerdings nichts
Genaues darüber, sondern können nur aus verschiedenen Beobachtungen darauf schließen.
Ablagerungen dieser Zeit fehlen heute, denn sie wurden im Laufe der Jahrmillionen
abgetragen, so daß nur noch der Rumpf dieses alten, alpenähnlichen Gebirges erhalten ist.
Im Tertiär (Beginn vor rd. 60 Millionen Jahren) und damit in der beginnenden Neuzeit der
Erdgeschichte (Neozoikum) war die Oberfläche des Rheinischen Schiefergebirges sicher sogar
weitgehend eben. In dieser Zeit zerbrachen jedoch infolge Bewegungen der Erdkruste (..tektonische
Vorgänge") die verfalteten Gesteinsfolgen an vielen, meist etwa nördlich oder quer dazu
gerichteten Zonen und Abbruchen. Erst mit der Wende Tertiär-Quartär (vor rd. 2 Millionen Jahren)
hob sich das Gebiet heraus, das uns heute als Rheinisches Schiefergebirge erscheint.
Unterschiedliche Widerstandsfähigkeit und Härte der Gesteine hatten dabei eine starke
morphologische Gliederung der Erdoberfläche zur Folge. Bäche und Flüsse schnitten sich
nämlich meist in weichere Gesteine oder in die durch die tektonischen Bewegungen im
Tertiär entstandenen Störungszonen der härteren Schichten ein; Beispiel dafür ist das Diemel-
Tal. Besonders während des älteren Quartärs, dem Pleistozän („Eiszeit"), als nur wenige
Pflanzen das Land überdeckten, waren die Abtragungsvorgänge recht intensiv. Gletscher, wie
sie in Norddeutschland bestanden, fehlten hier allerdings.
Dieses Landschaftsbild hat sich bis heute erhalten. Zur Zeit hebt sich, wie den
Geologen bekannt, das Schiefergebirge immer noch ein wenig gegenüber seiner Umgebung,
allerdings so wenig, daß Menschenleben zu kurz sind, um diese Vorgänge beobachten zu
können. Nur aus der Morphologie (Geländeform) der Täler und Talhänge (z.B. Terrassenbildungen)
im Schiefergebirge, besonders in dessen Randgebiet, sind solche Schlüsse
zu ziehen. Es sind noch nicht alle geologischen Rätsel dieses Gebietes gelöst, die hier
und da noch bestehen. Um sie zu entwirren, wird der Geologe weiter beobachten und
forschen müssen.
Dr. B. Hölting, Wiesbaden
103
Die Kilianskirche zu Usseln
Von Pfarrer Eckard Staks
Usseln war schon zu karolingischer Zeit bekannt. Man nimmt an, daß schon in der Mitte
des 8. Jahrhunderts hier in dem kleinen Dörfchen des Waldecker Uplandes eine Kirche
existierte, die dem Heiligen Sankt Kilian geweiht war.
Der Heilige Sankt Kilian war von Abstammung Ire, kam Ende des 7. Jahrhunderts nach Europa
und lebte vornehmlich in der Gegend von Würzburg. Von dort aus begann er seine
missionarischen Tätigkeiten, die bis ins Waldecker Land führten. Die beiden Kirchen, die seinen
Namen tragen, stehen in Korbach und Usseln.
Kilian wurde im Jahre 688 in Würzburg mit seinen ihn begleitenden Freunden Totnan und
Koloman getötet. Die Erhebung seiner sterblichen Überreste soll um 750 durch Bischof
Burchard von Würzburg durchgeführt worden sein. Burchard starb im Jahre 753 in Würzburg.
Burchard selbst war Angelsachse, stammt also aus dem Kulturkreis, aus dem Kilian
hervorgegangen ist und war Mitarbeiter des Heiligen Bonifatius. Burchard begann in
Würzburg den Dombau, der die 752 in die Marienkirche auf der Burg übergeführten
Reliquien des heiligen Sankt Kilian aufnahm.
Seit dem 9. Jahrhundert gilt Sankt Kilian als der Schutzheilige der Winzer und Weinbauern.
In dem uns allen von Victor von Scheffel bekannten Liede „Wohlauf die Luft geht frisch
und rein" heißt es dann auch „Der Winzer - Schutzherr Kilian bescher' uns etwas Feines".
Besonders im ostfränkischen Gebiet ist Kilian verehrt worden. Da auch im Erzbistum Paderborn
ihm zu Ehren Feste und Gedenktage gehalten wurden, kann man durchaus der Theorie folgen,
daß Kilian in dem gesamten Bereich zwischen Westfalen, Waldeck und Franken missioniert hat.
Die Kilianskirche vor dem zweiten Weltkrieg
104
Die Kilianskirche 1977
105
Für die Usselner wäre es wünschenswert, zu wissen, ob schon damals tatsächlich eine Kirche
existiert hat, die entweder durch Kilian erbaut wurde oder ihm zu Ehren begonnen und erst
später vollendet wurde.
Dennoch kann man mit einiger Sicherheit sagen, daß das Gebiet des Waldecker Uplandes
- insbesondere Usseln - frühzeitig missioniert und christianisiert wurde. Vor allem muß hier
der Name des Heiligen Sankt Sturmius genannt werden, der von der Eresburg (Obermarsberg)
das von Karl dem Großen eroberte und vereinnahmte Gebiet dem Christentum zuführte,
welches dann später dem Bistum Paderborn unterstellt wurde. Sturmius (oder auch Sturmi
genannt) starb 779 in Fulda. Er war ebenfalls Schüler des Bonifatius und unter Abt Wicbert
Novize. Um 740 wirkte er in Fritzlar als Priester. In Eichloh gründete er 743 ein Großkloster.
Fünf Jahre vor seinem Tode erhielt er die Königliche Immunität. Im Jahre 1139 - Jahrhunderte
nach seinem Tode - wurde er kanonisiert.
Dies zur Geschichte, die die heutige Kilianskirche zu Usseln umrankt. Wir wissen nur, daß Mitte
des 14. Jahrhunderts die Kilianskirche erbaut wurde, die in ihrem Grundriß bis auf den heutigen
Tag an ihrer jetzigen Ortslage erhalten blieb.
Usseln wurde damit der zentrale kirchliche wie auch wirtschaftliche Mittelpunkt des Uplandes,
ja des angrenzenden westfälischen und waldeckischen Gebietes. Zu dem Kirchspiel Usseln
zählten sehr früh die kleinen Siedlungen Willingen, Schwalefeld und Rattlar.
Obwohl Usseln - wie bereits erwähnt - von Paderborn aus kirchlich betreut wurde und zunächst
Niedermarsberg und später Adorf zugeordnet wurde, ist die Existenz einer Kirche vor 1378
urkundlich nicht belegt. In diesem Jahr wird erstmalig ein Rarrer erwähnt. Dennoch soll man
aufgrund mannigfacher Untersuchungen und Hypothesen annehmen dürfen, daß kirchlicherseits
Usseln längst ein Begriff war, der weit über die Grenzen Waldecks hinausreicht.
Im Zuge der Reformation ging 1526 die Kilianskirche in den Besitz der Protestanten über.
Trotz der Reformation blieb die Usselner Bevölkerung bei dem Namen „Kilianskirche", wird
doch dadurch gezeigt, daß die Erinnerung an eine große Geschichte wachgehalten werden soll.
1541 haben die Grafen Waldeck das Patronat über das Kirchspiel Usseln. 1595 erhält
die Kilianskirche eine neue Kanzel - ein nicht zu unterschätzendes Ereignis, zumal ja der
lutherische Gedanke von Wort und Sakrament (sichtbares Zeichen Kanzel und Altar) durch
die Reformation als wichtigste gottesdienstliche Zielsetzung geprägt wurde.
1642 brennt die Kirche bis auf die Grundmauern nieder; der einstmalige Grundriß bleibt jedoch
erhalten. Das steinerne Gewölbe fällt den Flammen zum Opfer. Es wird zunächst durch eine
Holzdecke ersetzt.
Erst 1693 erhält die Kirche einen neuen Altaraufsatz, der von dem im Waldecker Land bekannten
Holzschnitzer Josias W. Bruetzel gearbeitet ist und heute noch die stolze Pracht der Kilianskirche
darstellt. Bruetzel ist wohl der große heute noch bekannte Bildhauer und Schnitzer; ein Titel,
der ihm gewiß zusteht. Bruetzel - in Immighausen geboren - hat nicht nur in der Kilianskirche
Usseln seine hervorragenden künstlerischen Werke hinterlassen. In Welleringhausen,
das heute als einziges Filialdorf zum Kirchspiel Usseln zählt, ist außer Kanzel und Altar
das gesamte Gestühl von ihm geschnitzt worden. In Mengeringhausen wie in Sachsenberg,
in Berndorf wie in Nieder-Ense, in Fürstenberg wie in Korbach (Hartwigsches Haus) stehen seine
Werke. Auch Eimelrod, Schweinsbühl und Bad Wildungen, Münden und Massenhausen müssen
in diesem Zusammenhang genannt werden.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg wiederaufgebaut ist wohl der Bruetzelsche Altar die
große Sehenswürdigkeit der Kilianskirche. Das Altarbild in der Mitte zeigt noch deutlich die
Stimmung der vom langen Krieg heimgesuchten Bevölkerung: Jesus Christus, als Lebensbaum
dargestellt, gießt sein Blut gnädig vom Kreuz herab. Das Kreuz ist als Rebstock ausgebildet
mit Weinreben, die sich fast bis zur Erde neigen. Unter dem Kreuz stehen die von Hunger,
106
Not, Elend und Krieg getroffenen und geschundenen Menschen und fangen das Blut als
heilsame Gabe Jesu auf. In goldenen Frakturlettern steht unter dem Bild geschrieben:
VOM HEILIGEN ABENT-MAHL/
JESUS DER LEBENSBÄUM/
UNS SEINE FRÜCHTE THEILET/
MACHT UNS IM HIMMEL RAUM/.
Usseln kann besonders darüber erfreut sein, ein solches Kunstwerk zu haben, hat sich doch
im allgemeinen außerhalb des Waldecker Landes die Bilderstürmerei, durch reformatorischen
Fanatismus hervorgerufen, nicht so sehr ausgewirkt.
Die Kilianskirche besitzt Anfang des 18. Jahrhunderts drei Glocken. Die größte von ihnen trägt
die Inschrift:
„KOMMT, LASST UNS AUF DEN BERG DES HERRN GEHEN ZUM HAUSE GOTTES,
DASS ER UNS LEHRE SEINE WEGE UND WIR WANDELN AUF SEINEN STEIGEN.
ANNO 1691".
Auf der mittleren finden wir geschrieben:
„ALLES ZUM LOBE GOTTES UND ZUR EHRE GOTTES. HALLELUJAH".
Die dritte Glocke zeichnet sich durch Geschichte aus:
„DIESE VERUNGLÜCKTE GLOCKE DES KIRCHSPIELS USSELN IST WIEDER-
GEGOSSEN ZUR ZEIT 1711 PASTORIS KOCH, JOHANNES WILKE TEPEL, DES
RICHTERS DER GEMEINDE USSELN JOHANN HEINRICH SAUREN, GERICHTS-
SCHOPFEN JOST WILHELM WILKEN".
Im ersten und zweiten Weltkrieg mußten die Glocken abgegeben werden; es wurden nach den
Kriegen jeweils neue mit den alten Inschriften gegossen. Heute zählt das Geläut vier Glocken. Die
vierte Glocke wurde 1969 in Zinn gegossen; sie trägt die Inschrift:
,,DES HERRN WORT BLEIBT IN EWIGKEIT"
Zeitläuten hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten, um 7, um 11 und um 18 Uhr; sonnabends
wird um 16 Uhr der Sonntag eingeläutet. Noch heute wird am Tage vor einer Beerdigung um
11 Uhr die Totenglocke geläutet. Bei allen Gottesdiensten und Amtshandlungen ruft das Geläut
die Gemeinde zum Gebet. Ostern, Weihnachten und Neujahr wird gebeggert. Das Beggern
(oder auch Bejjern) hat verschiedene historische Hintergründe, die heute nur noch legendär
überliefert sind. Alle leuchten ein:
1. Man beggerte, um die bösen Geister zu vertreiben, so daß man hier eventuell von
einem heidnischen Brauch sprechen kann, der heute allerdings zur Freude über die Geburt
bzw. die Auferstehung Jesu Christi dazugehört.
2. Ein Küster soll des Heiligen Abend beim Läuten einmal Pech gehabt haben, da ihm
das Seil riß. Kurz entschlossen nahm er sich einen Hammer, stieg in den Glockenturm und
schlug per Hammer die Glocken, um weiterhin die Gemeinde zum Kirchgang zu rufen.
3. Manche Kirche konnte sich aus Armut keine Glocke leisten und nahm stattdessen ein
großes Eisenblech, das dann mit einem Hammer oder Gong geschlagen wurde. Auch das
leuchtet ein, zumal viele Kirchen der dritten Welt - in Indonesien oder wo auch immer -
diese Form des Läutens bis auf den heutigen Tag kennen.
Die ursprüngliche Kirche war eine dreischiffige gewölbte Basilika aus dem 13. Jahrhundert.
Die Jahreszahl 1486 an der Ostseite des Chorraums kann m. E. - wie auch schon anderswo
angenommen - nur von einer späteren Renovierung stammen. Der alte Turm war
50 Fuß hoch und hatte an seiner Westseite früher zwei große Strebepfeiler. Die Historie
sagt aus, daß seit 1820 die Kilianskirche als „reparaturbedürftig" bezeichnet wird. Noch zu Ende
des 19 Jahrhunderts werden Pläne zur Errichtung einer neuen Usselner Kirche erstellt. 1882
stürzt das Mauerwerk der Kilianskirche am Turm 4 Meter ein. Erst vierzehn Jahre später
107
erfolgt der Neubau des Turmes, nachdem er aus Gründen restlicher Einsturzgefahr 1889
abgerissen ist. (Zur allgemeinen Erinnerung: die Kosten des Um- und Neubaues betragen
damals 36900 Mark). So bleiben von der alten aus dem Mittelalter stammenden Kirche
nur noch der Altarraum, die Ostwand und die zwei Mittelpfeiler übrig. Ebenfalls kann man das
Gewölbe und den Dachstuhl des Mittelschiffs retten. Am 20. Oktober 1897 weiht Oberkonsistorialrat
Hermann Ritter die Kilianskirche neu ein.
Seit altersher gehören zum Kirchspiel Usseln die Gemeinden Usseln, Willingen, Rattlar und
Schwalefeld. Nach dem zweiten Weltkrieg löst sich Willingen mit Schwalefeld vom alten
Kirchspiel Usseln ab und bildet nunmehr ein eigenes Kirchspiel Willingen. Seit 1. Januar 1977
ist Rattlar vom Kirchspiel Usseln gelöst und bildet mit Schwalefeld ein Pfarramt Willingen II.
Nunmehr gehört zu Usseln nur noch das kleine Dörfchen Welleringhausen, früher einmal Eppe
bzw. Eimelrod zugeordnet.
1960 wird unter der Regie von Pfarrer Wolfgang Plitt die Kilianskirche grundlegend renoviert;
Architekt ist Georg Spratte aus Korbach, der auch 1959 das neue Pfarrhaus gebaut hat.
Von dem mittelalterlichen Bau der Kilianskirche sind nur der romanisch-frühgotische Ostchor
(quadratisch!) sowie einzelne Teile des Mittelschiffes erhalten. Die Kirche ist in Form
einer Basilika angelegt, zeigt sie doch ein romanisches Langhaus. Wie bereits erwähnt,
finden wir neben dem Fenster an der Ostwand eine kleine Tafel mit einer Inschrift, auf
der die Jahreszahl MCCCCLXXXIIIIII (=1486) steht; wohl eine Erinnerung an eine
Wiederherstellung oder Renovierung der Kirche, deren Gemäuer aus Sandstein besteht. Das
Dach ist verschiefert.
Der innere Raum ist gekennzeichnet durch eine Hängekuppel, die romanischen Stil verrät.
Die spitzgebogenen Wandbögen werden von Konsolen getragen, von denen die im Osten an
rechteckigen Eckvorlagen sitzen. In der Nordwand ist eine Sakramentsnische mit Maßwerkbekrönung
in rechteckigem Rahmen; hervorragend ist das Kleebogen-Maßwerk in
Spitzbogen, indem wir einen sechsstrahligen Stern vorfinden. Der Fußboden ist mit Fliesen
ausgelegt. Im Langhaus sind die alten Mittelschiffpfeiler wieder zur Geltung gekommen.
Nur der nördliche trägt noch das alte Kämpfergesims aus Platte und Schräge.
Auf der Profilschräge entdeckt der Besucher einen Palmettenfries (wie er auch in Adorf
noch zu sehen ist) und einen Schachbrettfries. Die anderen Pfeiler sind mit Platte, Plättchen
und gedrücktem Wulst profiliert. Auch der Dachstuhl ist geschichtlich bedeutsam, er ist
noch alt: die Kehlbalkenanlage ohne Rahmen, dafür mit Säulen für jedes Gesperre versehen
mit tiefer Hahnenbalkenlage.
Der von Josias Wolrad Bruetzel geschaffene Altaraufsatz steht auf einem hellen Sandsteinbock,
mit eingehauenem Weihekreuz und Sepulcrum; seine Höhe beträgt ungefähr 1,30 Meter.
Der Altaraufsatz mißt fünf Meter in der Höhe und fast zwei Meter in der Breite. Der Aufbau
ist aus Predella. Die Hauptzone mit neuem Altarblatt ist umgeben von zwei gedrehten Säulen,
wie sie auch am Kanzelaltar in Sachsenberg oder Nieder-Ense zu finden sind.
Der gesamte Altaraufsatz ist zu vergleichen mit dem in Fürstenberg. Den oberen Abschluß
bilden eine Inschriftkartusche, zwei Giebelecken und zwei Putten. Eine Strahlenbekrönung ist die
Spitze des Altares, wobei nicht ganz sicher ist, ob Bruetzel hier einen Stern oder die Sonne
symbolisiert hat.
Am Südportal finden wir ein Kruzifix, aus Holz, bemalt; die Höhe beträgt fast zwei
Metei. Vielleicht war dieses Kreuz mit der Christusgestalt einmal die ursprüngliche Bekrönung
des Aufsatzes. Das heutige Bild des Altaraufsatzes ist erst später wiedergefunden und in
den Rahmen erneut gesetzt worden. Ein Ölbild, das den betenden Jesus darstellt, war lange
Zeit ein Ersatz und befindet sich nunmehr in der Sakristei.
Das fast ein Meter hohe Taufbecken ist aus Stein. Der Fuß der achtseitigen Balusterform
ist durch eine Holzverkleidung verbreitert. Eine silberne Taufschale liegt oben auf.
108
Die katholische Kirchengemeinde
Die katholische St. Sturmius-Kirche wurde am 29. Mai 1971 (Pfingstfest) durch Bischof
Dr. J. J. Degenhardt (Paderborn) geweiht.
Dankbar erinnern sich die Gläubigen, daß sie bis zu diesem Zeitpunkt den Gottesdienst
in der evangelischen Kilianskirche feiern konnten.
Die Kirche trägt den Namen des Bischofs Sturmius von Fulda. Dieser war im Jahr
772 dem Ruf Kaiser Karls des Großen auf die Eresburg (heute Obermarsberg) gefolgt.
Von hier aus brachte er auf seinen Missionsreisen das Christentum auch in das Upland
Nach der Überlieferung hat Sturmius am „Christenbörnchen" bei Usseln getauft. Pfarrer
Dr. Viering ließ an dieser Stelle 1947 einen Gedenkstein aufstellen. Die Freiwillige Feuerwehr
Usseln hat dankenswerterweise die Pflege dieser Anlage übernommen.
Durch den Bau der Eisenbahnstrecke Brilon-Wald - Korbach kamen wieder katholische
Gläubige nach Usseln, die seelsorglich von der Kirchengemeinde Eppe betreut wurden.
Nach dem 2. Weltkrieg trafen ca. 400 Heimatvertriebene in unserer Gemeinde ein.
Die meisten waren aus dem Sudetenland, weitere aus Schlesien und Ostpreußen. Die
überwiegende Zahl der damaligen Neubürger war katholisch. Anfangs wurde die Kirchengemeinde
von Seelsorgern aus Düdinghausen und Oberschledorn betreut.
Seit 1. 9. 1959 bilden die Orte Willingen, Usseln, Eimelrod, Hemmighausen, Neerdar,
Rattlar, Schwalefeld und Welleringhausen die Kirchengemeinde Willingen/Usseln. Zu ihr
gehören 1 100 Gläubige; davon 240 in Usseln. Die Gemeindemitglieder aus Bömighausen,
die der Gemeinde Eppe zugeordnet sind, werden von Willingen/Usseln mit betreut.
Sitz des Pfarramts ist Willingen. Seelsorger ist seit 1975 Pfarrer Walter Heinrichsrüscher.
Gottfried Birka
Die Katholische Kirche
109
Ostsudetenland - Altvaterland
In den Jahren 1945/46 kamen etwa 400 Heimatvertriebene nach Usseln. Die größte Zahl
stammte aus dem Sudetenland; viele davon aus dem Ostsudetenland.
An der Grenze zwischen Nordmähren und Schlesien steht der 1 492 m hohe Altvater,
aufgetürmtes Urgestein, gekrönt vom 35 m hohen Altvaterturm. In unzähligen Sagen und von
Heimatdichtern besungen, lebt er in der Erinnerung seiner früheren (deutschen) Bewohner
fort. An klaren Sommertagen lohnt sich der Aufstieg, um die herrliche, weite Rundsicht
zu genießen.
Im Westen zieht sich das fruchtbare Tesstal mit seinen stattlichen Bauerndörfern hin.
Ihre Waldhufenform zeigt die Eigenart der deutschen Besiedlung. Inmitten eines fruchtbaren
Kessels liegt die alte Stadt Mährisch-Schönberg, weltbekannt durch ihre Leinenindustrie.
Im 13. Jahrhundert wurde die Stadt durch Bruno von Schaumburg, der aus dem Lipper Land
stammte, gegründet. Als Bischof von Olmütz war er einer der größten Kolonisatoren des
deutschen Ostens.
Wenden wir uns nach Süden über die Hügel des Niederen Gesenkes, dann grüßen der
Rautenberg, einst ein Vulkan, dessen Lavaboden sehr fruchtbar ist, und die Städte Hof,
Bautsch und Barn, die „größten in Mähr'n". Freudenthal war bis 1939 Residenz des
Hochmeisters des Deutschen Ritterordens.
Im Osten geht der Blick über viele Berge der „grünen Schles"'. Hier liegt im Tal der
Oppa die Tuchmacherstadt Jägerndorf, gekrönt vom Burgberg mit seiner Wallfahrtskirche. Im
Turm des Wachtberges bei Lobenstein ruht der Bauernbefreier Hans Kudlich, dem die Bauern
110
Altvaterturm.
1492 m im
Altvatergebirge.
die Befreiung von der Fronarbeit verdanken. Unweit davon breitet sich in einer fruchtbaren
Ebene die alte Landeshauptstadt Troppau mit ihren zahlreichen Fabriken aus; seit mehr als
tausend Jahren Festung und Bollwerk im Osten.
Im Norden geht der Blick über den Kamm des Sudetengebirges bis zum Glatzer Schneeberg,
einem mineral- und mineralquellreichen Gebiet. Dazwischen liegt Freiwaldau mit dem Kurort
Gräfenberg. Dort verabreichte Vinzenz Prießnitz seine weltbekannten Kaltwasserkuren.
In diesem Raum lebten in den Städten und Gemeinden seit vielen Jahrhunderten deutsche
Menschen, die fleißig arbeiteten, bis sie nach 1945 grausam aus ihrer angestammten Heimat
vertrieben wurden. „Laß dir die Fremde zur Heimat, nie aber die Heimat zur Fremde werden!"
Gottfried Birka
Die Usselner Vereine im Jubiläumsjahr 1977
Schützengesellschaft Usseln
Vorsitzender Dieter Bornemann, 2. Vorsitzender Wilhelm Brüne-Habicht,
Kassierer Otto Schober, Schriftführer Helfried Heine
Turn- und Sportverein Usseln
Vorsitzender Karl-Volker Sauer, Kassierer Ernst Meier
Schriftführer Helmut Säure-Kamp
Skiclub Usseln
Vorsitzender Richard Wilke, Kassierer Ernst Meier,
Schriftführerin Anita Kesper
Männergesangverein ,,Eintracht" Usseln
Vorsitzender Willi Saure-Wiesemanns, Kassierer Werner Schulze,
Schriftführer Willi Schulze-Zaches
Verkehrsverein Usseln
Vorsitzender Fritz Stöcker, 2. Vorsitzender Karl Brüne-Post,
Geschäftsführer Helfried Heine
Freiwillige Feuerwehr Usseln
Wehrführer Friedrich Saure-Wortschäfer, Kassierer Albert Rummel-Hensels.
Schriftführer Wilfried Arnold
Posaunenchor
Vorsitzender Pfarrer Eckard Staks, Kassierer Friedrich Schulze-Zaches,
Schriftführer Wilfried Arnold
Taubenverein
Vorsitzender Wilhelm Urff, Kassierer Gerd Melkowski,
Schriftführerin Heiderose Urff
Burschenclub Usseln
Vorsitzender Hanfried Saure-Kann
111
Walter Scholz, der Trompeter vom Schwarzwald,
und seine Original Reblandmusikanten
Am Fuße des Schwarzwaldes, in der Nähe von Baden-Baden und der Bühlerhöhe, liegt der
bekannte Weinort Altschweier.
Inmitten dieser herrlichen Landschaft befindet sich die Heimat der „Original Reblandmusikanten".
Ein Blasorchester von 40 Musikern. In ihrer schmucken Tracht, rote Westen,
schwarze Kniebundhosen und weiße Strümpfe, ist es bereits eine optische Delikatesse, diese
Kapelle zu sehen. Nicht jedes Blasorchester hat das große Glück, einen Stardirigenten,
Solotrompeter, Komponisten und Arrangeur in einer Person zu besitzen.
Walter Scholz, der Trompeter vom Schwarzwald, bekannt durch Funk-, Fernsehen und viele
Schallplattenaufnahmen, leitet seit über zehn Jahren die Kapelle. In dieser Zeit hat er einen
Klangkörper geschaffen, der in seiner volkstümlichen Art als einmalig zu bezeichnen ist.
Nicht umsonst schreibt die internationale Presse von einem der besten Laienblasorchester in
der Bundesrepublik. Alle Mitglieder der Reblandmusikanten sind nämlich ,,Hobby-Musiker". Nur
der „Boss" ist Voll-Profi. Walter Scholz ist hauptberuflich erster Solotrompeter im Sinfonieorchester
des Südwestfunks in Baden-Baden. In seiner Freizeit gilt seine ganze Liebe der
Blasmusik. Von seinem Können als Trompeter sowie seinen hervorragenden Kenntnissen auf
dem Gebiet der Volksmusik profitiert jeder einzelne Musiker der Kapelle. Die Reblandmusikanten
spielen nur Spezialbearbeitungen aus der Feder von Walter Scholz. Hier beginnt
auch das eigentliche Geheimnis der musikalischen Erfolge dieses Blasorchesters mit dem
besonderen Sound.
Scholz arrangiert und komponiert einen weichen Klang, mit einem unauffälligen markanten
Rhythmus. Er schreibt es seinen Musikern, wie man unter Experten sagt, „auf den Leib".
Das Orchester gastierte bereits in vielen Ländern und wirkte bei verschiedenen Rundfunk- und
Fernsehsendungen mit.
Walter Scholz und seine „Original Reblandmusikanten" sind ein gefragter Markenartikel bei
vielen Freunden volkstümlicher Blasmusik. Sie spielen zum Jubiläums-Schützenfest in Usseln.
112
Die Mitglieder der Usselner Schützengesellschaft
im Jubiläumsjahr
Asmuth-Jostwilmes, Christian
Asmuth-Kriegerhannes, Johannes
Asmuth, Karl
Arnold, Fritz
Alscher, Leo
Asmuth, Walter
Asmuth-Jostwilmes jun., Christian
Arnold, Wilfried
Asmuth-Kriegerhannes, Hans
Antoni, Hartmut
Bause, Robert
Behle-Dullen, Wilhelm
Behle-Schniedes, Ludwig
Bender-Ohl, Friedrich
Bender-Altenrichts, Heinrich
Bender-Klenken, Ludwig, sen.
Bender-Klenken, Ludwig, jun.
Benecke, Christian
Biederbick-Gotten, Christian
Biederbick-Brauckmann, Willi
Bom-Pickes, Gustav
Born, Hermann
Born-Köstes, Walter
Bornemann, Karl
Brüne-Dribische, Christian
Brüne-Höhmann, Wilhelm
Brüne-Post, Karl
Biederbick-Gotten, Christian
Brüne-Habicht, Wilhelm
Beier, Gottfried
Born, Pickes, Friedrich
Brüne-Kükelheim, Hans
Brüne-Habicht, jun., Heinrich
Biederbick, sen., Hermann
Benecke, jun., Christian
Bromm, August
Born, Herbert
Bornemann, jun., Karl
Bornemann, Dieter
Bornemann, Alfred
Behle-Schniedes, Ludwig
Bender-Ohl, Friedhelm
Baumstark, Anton
Biedermann, Heinrich
Biederbick-Gotten, Helmut
Behle-Dullen, Friedrich
Behle, Robert
Biederbick, jun., Hermann
Biederbick, Braukmann, jun., Willi
Barbe, Helmut
Behle, Hans
Behle-Simson, Friedhelm
Biederbick, Karl-Heinz
Bangert-Henken, Karl
Behle-Dullen, Werner
Becker, Roland
Brüne-Habicht, Eckart
Biedermann, Michael
Budde, Heiko
Cronenberg, Herbert
Diez, sen., Heinrich
Diez, jun., Heinrich
Dolleschell, Hans
Düdder. Dieter
Emde-Miezen, Friedrich
Emde-Asmuth, Karl
Emde-Fiesen, Karl
Emde-Hüskens, Wilhelm
Emde-Paggel, jun., Willi
Engelbracht, Braukmann, Friedrich
^Engelbracht-Dregges, Karl
Engelbracht, Eugen
Engelbracht-Schür, Willi
Emde-Hüskens, Karl-Wilh.
Engelbracht-Schür, Karl
Emde-Mietzen, jun., Friedrich
Emde, Heinz
Engelbracht-Dregges, jun., Karl
Engelbracht-Dregges, Alfred
Emde, Helmut
Eppendorf, Horst
Engelbracht-Schür, jun., Willi
Emde-Fiesen, Karl-Heinz
Eismann, Willi
Edwin, George A.
Emde-Paggel, Gerhard
Emde-Asmuth, Karl-Heinz
Engelbracht-Schür, jun., Karl
Emde, Helmut
Figge-Kleinen, Friedrich
Figge-Pickes, Friedrich
Figge-Bunsen, sen., Karl
Figge-Bunsen, jun., Karl
Figge-Krönicke, Willi
Fischer, Herbert
Figge-Pickes, Anton
Figge-Figgen, Hans
Figge-Stryck, Hans-Jürgen
113
Flake, Rolf
Figge-Henken, Werner
Franke, Friedrich
Franke, Ferdinand
Foerster, Hans-Joachim
Gerhardt-Heck, Christian
Gerhard-Heck, Ernst
Gerhard-Heck, Walter
Göbel-Schäpes, Erich
Göbel-Krüpes, Fritz
Gobel. Willi
Göbel, Karl-Heinz
Göbel-Schäpes, Karl-Heinz
Gitt, Horst
Genuit, Emil
Göttlicher, Josef
Gölte, Johann
Gerbracht, Willi
Golik, Karl
Gerhardt-Heck, jun., Walter
Heine-Schilling, Karl
Heine-Schilling, Helfried
Hellwig, Ernst
Hartmann, Adam
Heing, Arnold
Hill, Horst
Hof mann, Volker
Hüttig, Siegfried
Hohmeister, Kurt
Heldmann, Kurt
Holtel. Willi
Hahn, Werner
Jäkel, Anton
Jäkel, Helmut
Jäger-Färber, Alfred
Jäger-Schmitten, Herbert
Jäger-Schmitten, Wilhelm
Jäger-Schmitten, Adolf
Jäger-Fehling, Ludwig
Jäger-Fehling, Fr.-Wilhelm
Jäger, Hans-Otto
Johannes, Herbert
Kesper-Schmitten, Ernst
Kesper-Schmitten, Karl
Koch, sen., Karl
Koch, jun., Karl
König, Kurt
König-Bödicker, Hermann
König-Bödicker, Helmut
König-Bödicker, Werner
König-Bödicker, Horst
Kroneis, Karl
Kühn, Richard
Küthe, Paul
Küthe, Paul-Heinz
Küthe-Niggemann, Heinrich
Küthe-Niggemann, Albrecht
Koch, Herbert
Koch, Alfred
Kiel, Kurt
Krähling, Heinrich
Küthe, Karl-Heinz
Kauer, Ottmar
Kruse, Dieter
Kilian, Hans
Kesper, Lothar
Kesper, Willi
Klahr, Hans
Kotthaus, Rainer
Kaesmann, Dr., Otto
Könne, Herbert
Kleine, Heinz
Meier, sen., Ernst
Meier, jun., Ernst
Meier, Gerhard
Meier-Knochen, Walter
Mitze, Egon
Mitze, Dr. Helmut
Mitze, Christian
Mitze, Harald
Mohr, Karl-Heinz
Mohr, Axel
Murk, Ludwig
Marczewski, Walter
Marczewski. Otto
Marczewski, Horst
Medeke, Erich
Meier, Karl-Heinz
Müller, sen., Horst
Müller, jun., Horst
Möllmer, Harald
Müller, Günther
Mertens, Hagen
Nickel, Karl-Heinz
Nagel, Horst
Lange, Wilhelm
Linder, Rudi
Oertel, Willi
Pohlmann, Adolf
Pohlmann, Walter
Peters, Heinz
114
Peters, Peter
Regul, Robert
Regul, Rolf
Rummel, sen., Albert
Rummel, jun., Albert
Rieck, Helmut
Rosmanit, Peter
Room, Helmut
Reimers, Ernst
Saure-Bickmann, Willi
Saure-Kampmann, Christian
Saure-Dengels, Emil
Saure-Dengels, sen. Erich
Saure-Dengels, jun., Erich
Saure-Dengels, Manfred
Säure-Schusters, Fritz-Wilhelm
Saure-Landrat, Karl
Saure-Landrat. Heinz
Saure-Landrat, Helmut
Saure-Wakenfeld, Heinrich
Sauer-Boden, Karl
Sauer-Boden, Karl-Volker
Saure-Dresel, Karl
Saure-Kann, Robert
Saure-Linneweber, Willi
Saure-Wiesemann, Willi
Schäfer-Papenheim, Wilhelm
Schäfer-Papenheim, jun., Willi
Schäfer-Papenheim, Alfred
Schmidt, Siegfried
Schreiber, Hans
Schulze-Feldmann, Christian
Schulze-Zaches, sen., Friedrich
Schulze-Zaches, jun., Friedrich
Schulze-Zaches, Werner
Schulze-Zaches, sen., Willi
Schulze-Zaches, jun., Willi
Schulze, Ludwig
Schulze-Alte Schule, Willi
Schulze-Alte Schule, Friedhelm
Schulze, Karl
Schumann, Heinrich
Schumann, Hermann
Schweinsberg-Hüskens, Karl
Stapel, Ernst
Stöcker, sen., Fritz
Stöcker, jun., Fritz
Schmidt, Fritz
Stremmel, sen., Reinhard
Stremmel, jun., Reinhard
Stremmel-Jordan, Wilhelm
Stremmel-Jordan, Willi
Stroth, Hans
Schweinsberg, Heinz
Scharf, Helmut
Saure-Roth, Heinrich
Sifft, Hans
Schröter, Artur
Saure-Kampmann, Helmut
Saure-Oberschulte, Karl-Erich
Schilling, Jochen
Schalk, Otto
Schweinsberg, Hartmut
Sauer-Egge, Willi
Schulte, Elleringhsn.
Schäfer-Papenheim, Heiner
Saure-Wiesemann, jun., Willi
Schneider, Anton
Schmirler, Dieter
Schmirler, Manfred
Schmirler, Werner
Saure-Kann, Hanfried
Schalk, Herbert
Schober, Otto
Schober, Rudolf
Saure-Wortschäfer, Friedrich
Steinacker, Karl
Steinacker, Horst
Schulte, Jörg
Schmittmann, Werner
Schalk. Erich
Schäfer, Otto
Saure, Ludwig
Steffan, Siegfried
Schneider, Freienh., Fritz
Schmilz, Bruno
Saure-Linneweber, Klaus-Jürgen
Saure-Wiesemann, Jürgen
Tegge, Georg
Trachte, Heinrich
Urff, Hans
Urff, Wilhelm
Vogel-Liesen, Eugen
Vogel-Klorens, Karl-Heinz
Vogel-Klorens, Ludwig
Vogel-Gockel, Otto
Vogel-Gockel, Karl
Vogel-Gockel, Heinz
Vogel-Klempner, Willi
Vogel-Liesen, Hermann
Vogel, Willi
Vollbracht-Matzes, Helmut
Völker, Willi
115
Walter, Franz
Wilke-Mühle, Christian
Wilke-Stifters, Christian
Wilke-Jägers, Friedrich
Wilke, Werner
Wilke-Strotmann, Ludwig
Wilke-Strotmann, Richard
Wilke-Strotmann, Herbert
Wilke-Fiesen. Wilhelm
Wilke-Fiesen, Willi
Winter, sen., Gustav
Winter, jun., Gustav
Winter, Klaus
Wiesemann, Hans
Wilke-Wilken, Willi
Wilke-Bäumers, Karl-Friedrich
Wilke-Kirchhöfer, Fritz
Weller, Werner
Wilke-Kirchhöfer, Klaus
Wilke-Kirchhöfer, Horst
Weber, Emil
Weber, Manfred
Wilke-Fiesen, Erich
Westmeier, Ernst
Wilke-Bäumers, Herbert
Wilke, Wilfried
Wilke, Willi
Wilke-Bäumers, Willi
Wilke-Stifter, Wilfried
Wilke-Wilken, Karl-Heinz
Ziepprecht, Theo
Ziepprecht, Dieter
Czech, Siegfried
(330 Mitglieder)
Mitbegründer der Schießgrupe v. l. n. r. (hinten) Otto Schafer, Willi Gerbracht. Karl-Heinz Ernde, Hanfred Saure, Jürgen Bethge.
(vome). Siegfried Czech. Wilhelm Holtel, Willi Oertel, Dieter Bornemann, Horst Hill
116
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Die Schutzongesollschaft im Jubiläumsjahr
In der Bildmitte Schützenkönig Jörg Schulte, rechts (mit Säbel) Schutzenhauptmann \
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Gewerbe - Handel - Fremdenverkehr
Eckpfeiler der heimischen Wirtschaft
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HaUS GudrUn, Marianne Riepe, Sportstraße 32, Telefon 8 95
HaUS Meier, Ingrid Meier, Blumenstraße 5, Telefon 7019
Familie Saure, Ringstraße 44, Telefon 3 69
HaUS TanneCk, Gisela Figge, Schneppelnberg 15, Telefon 409
FamilienSchweinsberg-Meier.AnderDiemel6.Tel.431
HaUS Heine, Karl Heine. Mühlweg 2, Telefon 206
HaUS GottenbOm, Manna Schulze, lmGottenborn1,Telefon451
Luise Perron, Sportstraße 26, Telefon440
HaUS Tegge,MillyTegge, Sportstraße 22. Telefon316
, Eise Gitt, BrilonerStraße23, Telefon 7112
HaUS Schmidt, Fritz Schmidt, Am Loh 9. Telefon3 35
HaUS PlJSSa, Luise Plissa.Mittelstraße 5, Telefon 394
Margret Saure, Mittelstraße 1 , Telefon 3 32
HaUS Biedermann, Maria Biedermann, EimelroderWegl .Tel. 73 09
HaUS DribJSChenhOf, Christian Brüne,KorbacherStr.23,Tel. 1240
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Karl-Heinz Vogel, An der Lieth 3, Telefon 7058
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HaUS Annegret, AloisFurth, MittelstraßeH, Telefon 71 43
HaUS Arnold, Luise Arnold, Birkenweg6, Telefon 400
HaUS Gerda, Familie Säure-Schober, Ringstraße 29, Telefon 243
HaUS Rummel, Albert Rummel, Korbacher Straße 41, Telefon 7016
HaUS WiCkert, Hildegard Wicken, Ringstraße 31, Telefon 1049
, Eise Medeke, Am Loh 10, Telefon 7332
RegUl, Wilhelmine Regul, Eimelroder Weg 4, Telefon 237
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HaUS Schober, Marianne Schober, Am Loh 19, Telefon 74 23
HaUS Kühn, Marlha Kühn, Ringstraße 19, Telefon 70 10
Gasthof-Pension Deutsches Haus, Kornes* T«, «se
HaUS Elf riede, Elfriede Schmilz, Sportstraße 31, Telefon 331
HaUS ZJeppreCht, LinaZiepprecht, Blumenstraße 8
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HaUS Born, Erika Born. Eimelroder Weg 6, Telefon 7322
HaUS GÖbel, Hildegard Göbel. Korbacher Straße 30, Telefon 815
HaUS Schäfer, Ulrike Schäfer, Bahnhofstraße 3, Telefon 468
HaUS Helma, Helma Saure. Blumenstraße 2, Telefon 74 15
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Martha Medeke, Sportstraße 14, Telefon 376
HaUS SurenhOf, Christian Mitze, Korbacher Straße 49, Telefon 302
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Emma Steinacker. Briloner Str. 27, Tel. 434
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Ferienwohnung Genuit, Käthe Genuit, Zur Heide 11. Telefon 12 37
133
Die Vereinsfahne aus dem Jahre 1952
Luftkurort und Wintersportplatz Usseln
Bewahrtes Brauchtum - Osterfeuer in Usseln