Militaer_aktuell_4_2020_NEU_DEZ

jekeli

WELTGESCHEHEN

Aktuelle Konflikte,

Krisen und

Analysen — S. 8

TRUPPENBESUCH

Zu Gast in der Fliegerund

Fliegerabwehrtruppenschule

— S. 26

militär

MISSION POSSIBLE

Start unserer neuen

Survival-Serie mit dem

Jägerbataillon 25 — S. 42

DAS NEUE

ÖSTERREICHISCHE

MILITÄRMAGAZIN

AUSGABE 4|20

EURO 5,80

AKTUELL

GENERALMAJOR BRUNO HOFBAUER:

„Es könnte schon morgen

einen Cyberangriff oder

einen Blackout geben.“ — S. 38

Blackout-Vorsorge, Drohnen-

Abwehr, Cyber-Defence und

Terrorismus-Bekämpfung:

Mit neuen Fähigkeiten

und Schwerpunkten

rüstet sich das Bundesheer

gegen die Bedrohungen

des 21. Jahrhunderts.

HYBRIDE BEDROHUNGEN

Neue Gefahren

im Anflug


GEMEINSAM

FRIEDEN

SICHERN.

Friedenssicherung, humanitäre Hilfe, Katastrophenhilfe: Das Österreichische

Bundesheer hilft auch im Ausland gemeinsam mit anderen Nationen, wo es kann.

Seit 60 Jahren. Weil unsere Sicherheit keine Grenzen kennt.

WIR SCHÜTZEN ÖSTERREICH.

bundesheer.at


E D I T O R I A L

0 0 3

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

ie Corona-Situation und der kürzlich erfolgte

Terroranschlag in Wien haben ein-

D

mal mehr gezeigt: Die Bedrohungsbilder

für Österreich haben sich in den vergangenen

Jahren massiv geändert. Auf absehbare

Zeit drohen uns zwar keine konventionellen

Gefahren, Friede und Sicherheit sind aber trotzdem

keine Selbstverständlichkeit. Vielmehr lauern neue Herausforderungen

und Risiken, auf die sich das Bundesheer

aber teilweise bereits seit Jahren vorbereitet: Schon 2018

wurde beispielsweise mit ELDRO ein Element zur elektromagnetischen

Bekämpfung anfliegender Kleinst- und Minidrohnen

aufgestellt (unsere Reportage dazu lesen Sie ab

Seite 22), und seit diesem Jahr fließen jährlich rund 20

Millionen Euro in die Blackout-Vorsorge der Streitkräfte.

Bis 2025 sollen mit dem Geld die 100 wichtigsten Liegenschaften

des Heeres so adaptiert werden, dass sie zumindest

eine 14-tägige Autarkie erreichen, wie uns Generalmajor

Bernd Hofbauer, Leiter der Abteilung Grundsatzplanung

im Verteidigungsministerium, im großen Militär

Aktuell-Interview bestätigt (ab Seite 34). „Dabei geht es

nicht nur um den Strom, sondern auch um die Wasserversorgung,

den Betrieb der Küchen und der Sanitärbereiche

sowie um die Bevorratung mit Lebensmitteln und Sanitätsmaterial

und nicht zuletzt um die militärische Kommunikation“,

erklärt Hofbauer den umfassenden Ansatz.

Parallel dazu schraubt das Heer auch seine Investitionen

für die Aufklärung mit eigenen Drohnen sowie die Abwehr

terroristischer Bedrohungen und digitaler Attacken

hoch. „Ziel ist es“, so Hofbauer, „beim Kampf im Cyberspace

und bei Electronic Warfare besser zu werden und

dort mit Zielrichtung 2030 Fähigkeiten auch auf taktischer

Ebene aufzubauen.“

Was Sie in dieser Ausgabe sonst noch erwartet? Beispielsweise

ein Interview mit Oberst i. R. Wolfgang Brauner, Veteran

des ersten Bundesheer-Auslandsengagements Anfang

der 1960er-Jahre im Kongo (Seite 51), und ein Firmenporträt

des oberösterreichischen Nischenplayers AMST, der

sich mit militärischen und zivilen Flugsimulatoren sowie

Hochleistungszentrifugen weltweit einen Namen gemacht

hat (ab Seite 52). Militär Aktuell-Autor Georg Mader hat

zudem der Flieger- und Fliegerabwehrtruppenschule in

Langenlebarn einen Besuch abgestattet (ab Seite 26), und

gemeinsam mit dem Jägerbataillon 25 starten wir unsere

neue Survival-Serie „Mission Possible“ (ab Seite 38).

Abschließend wollen wir an dieser Stelle nochmals auf

unsere neu gestaltete Webseite www.militaeraktuell.at

hinweisen. Besucher finden dort jetzt noch mehr Informationen,

aktuelle Hintergrundberichte, Interviews, Analysen,

Fakten, Reportagen, Expertenkommentare und Services

aus der Welt des Bundesheeres. Zudem können sich

Interessierte dort ab sofort auch für unseren neuen

Newsletter anmelden, der mit Erscheinungstermin dieser

Ausgabe zur Verfügung steht.

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Jetzt

alles neu

auf:

Sicherheit

im Fokus

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Reportagen

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redaktion, Beirat und textbeiträge:

Leyla Daskin, Conny Derdak, Brigadier a. D.

Walter Feichtinger, Generalmajor Johann

Frank, Moritz Kolar, Georg Mader, Markus

Schauta, Sarah Wetzlmayr

Hersteller: PrintandSmile

redaktionskontakt:

Brigitte Janko, b.janko@qmm.at,

Tel. 01/342 242-0, Mariahilfer Straße

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Geschäftsführung: Andreas Dressler,

a.dressler@qmm.at

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m i l i t ä r a k t u e l l


0 0 4 I N H A L T

INHALT

010

Abkehr

von der Ära-Trump? Was der Wahlsieg von

Joe Biden für die europäische und österreichische

Sicherheitspolitik bedeutet.

Hightech beim Bundesheer: Dank modernster Erfassungs- und Abwehrkom -

ponenten sind die Soldaten des Elements ELDRO in der Lage, Bedrohungen

durch Mini- und Mikrodrohnen frühzeitig zu erkennen und diese mittels

elektromagnetischer Störsignale zu bekämpfen.

022

003 EDITORIAL, IMPRESSUM

006 MOMENTUM

Nachttraining für die Soldaten

des Jägerbataillons 25.

008 WELTGESCHEHEN

Aktuelle Kurzmeldungen

aus aller Welt.

010 ANALYSE

Leyla Daskin vom Institut für

Friedenssicherung und Konfliktmanagement

(IFK) an der

Landesverteidigungsakademie

über die sicherheitspolitischen

Auswirkungen der US-Wahl.

014 AUSBLICK

Was der Karabach-Konflikt über

den Krieg der Zukunft verrät.

016 PROTESTE IM LIBANON

Autor Markus Schauta beschreibt

ein Land zwischen Revolution

und Hoffnung.

019 KOMMENTAR

IFK-Leiter Generalmajor Johann

Frank über die Gemeinsame

Sicherheits- und Verteidigungspolitik

(GSVP) der EU.

020 NEUES AUS DEM HEER

Aktuelle Kurzmeldungen aus

dem Bundesheer.

022 DROHNENABWEHR

Kleinst- und Minidrohnen werden

zu einer immer größeren Gefahr

für Streitkräfte. Das Bundesheer

reagierte darauf mit der Aufstellung

des Elements ELDRO.

026 LOKALAUGENSCHEIN

Militär Aktuell in der Flieger- und

Fliegerabwehrtruppenschule.

033 INTERVIEW

Am Nationalfeiertag setzte er

das Heer gekonnt in Szene: Oscar-

Preisträger Stefan Ruzowitzky

über die besondere Integrationsfunktion

der Armee.

034 BLACKOUT & CO

Das Bundesheer fokussiert

auf neue Bedrohungen. Ein

Gespräch mit Generalmajor

Bruno Hofbauer, Leiter der

Abteilung Grundsatzplanung

im Verteidigungsministerium.

FOTO S : 1 2 3 R F, B U N D E S H E E R / J U R KA , I N FO G R A F I K : A N D R E A K R I Z M A N I C H BY C A R O L I N E S E I D L E R .CO M

M I L I T Ä R A K T U E L L


I N D I E S E M H E F T

038 SURVIVAL-GUIDE

Damit unterwegs nichts schiefgeht:

Start der neuen Überlebens-

Serie mit dem Jägerbataillon 25.

051 60 JAHRE KONGO-EINSATZ

Oberst i. R. Wolfgang Brauner

erinnert sich an den ersten Auslandseinsatz

des Bundesheeres.

052 RÜSTUNGSNEWS

Neuheiten aus der Welt der

Rüstungs- und Sicherheitstechnik.

054 MADE IN AUSTRIA

AMST reüssiert mit Flugsimulatoren

und Hochleistungszentrifugen am

militärischen Weltmarkt.

057 INTERVIEW

Im Gespräch mit ESKA-Geschäftsführer

Paul Loos jun.

058 SCHLUSSPUNKT

Sicherheitspolitikexperte

Brigadier a. D. Walter Feichtinger

über die jüngsten Entwicklungen

in Weißrussland.

058 INFOGRAFIK

Die Leistungsmerkmale des

Schützenpanzers Ulan.

28 Tonnen Kampfgewicht und 720 PS

Leistung: Der Schützenpanzer Ulan ist das

Gefechtsfahrzeug der österreichischen

Panzergrenadiere und weiß mit

Beweglichkeit und Feuerkraft zu überzeugen.

059

The Mortar Company.

DIGITALISATION OF MORTAR SYSTEMS


0 0 6 P A N O R A M A

M I L I T Ä R A K T U E L L


M O M E N T U M

Nächtliches Training

Als einziger Luftlandeverband des

Bundesheeres verfügen die Soldaten

des Jägerbataillons 25 über umfangreiche

Infanterie- und Spezialausbildungen.

Dazu gehörten neben der

klassischen Jägerausbildung auch

Luftlande- und Fallschirmspringer -

ausbildungen sowie die Ausbildung

für Auslandseinsätze, Nahkampfsituationen,

Spreng- und Alpineinsätze.

Die Trainings finden immer wieder

auch nachts statt – so wie hier bei

einer Übung Anfang September.

FOTO : B U N D E S H E E R / ST E I N B E R G E R

m I L I T ä r A k T u e L L


0 0 8 W E L T & S T R A T E G I E

FOKUS AUF DEN INDOPAZIFIK

Kürzlich veröffentlichte die deutsche Bundesregierung erstmals

Leitlinien für eine eigene Indopazifik-Politik. Diese umfasst wirtschaftliche

und kulturelle Inhalte ebenso wie Sicherheitspolitik

und die Rolle der Bundeswehr. Ziel sei es, so Verteidigungsministerin

Annegret Kramp-Karrenbauer, sicherheits- und verteidigungspolitische

Kooperationen in der Region auszubauen. „Dies

kann auch die Teilnahme an Übungen, die Entsendung von Verbindungsoffizieren

sowie verschiedene Formen

maritimer Präsenz umfassen.“ Schon im Mai

hätte die Fregatte „Hamburg“ (Bild) zu einem

fünfmonatigen Einsatz in die Region

entsendet werden sollen. Dieser wurde

coronabedingt allerdings abgesagt und

soll nun 2021 nachgeholt werden.

NEUE ALLIANZEN

IM INDOPAZIFIK

Australien, Indien und Japan

suchen angesicht von Chinas

wachsender Expansionspolitik

zunehmend den Schulterschluss.

STREUMUNITION-STATISTIK

Mehr als zwölf Jahre ist es mittlerweile her, dass sich rund 100

Staaten auf ein Abkommen zum Verbot von Streumunition einigten,

2010 trat es schließlich in Kraft. Seitdem haben die Vertragsstaaten

laut der Streumunition-Koalition (CMC) eineinhalb

Millionen Stück der Waffen vernichtet. Nach wie vor weigern

sich aber viele Länder (unter anderem die USA, China, Russland,

Brasilien, der Iran, die Türkei, Polen und Rumänien), dem Übereinkommen

beizutreten und nach wie vor kommt die Munition

in Konflikten zum Einsatz. Laut CMC wurden dadurch in den vergangenen

zehn Jahren mehr als 4.300 Menschen in 20 Ländern

getötet oder verletzt, die Dunkelziffer dürfte allerdings weit

höher sein. Die meisten Angriffe wurden in Syrien registriert,

aber auch im Libyen-Konflikt und zuletzt im Krieg zwischen

Armenien und Aserbaidschan kam Streumunition zum Einsatz.

„Die Ära der schrumpfenden

Verteidigungsbudgets muss

enden, und sie endet

hier und jetzt.“

Mitten in der Corona- und

der Wirtschaftskrise verpasst

Premierminister Boris Johnson

der britischen Armee die

größte Budget-Aufstockung seit

30 Jahren. Zum ohnehin bereits

stattlichen Budget von gut 46

Milliarden Euro jährlich sollen in

den nächsten vier Jahren zusätzlich

18,5 Milliarden Euro in den Wehretat

fließen. „Die internationale Lage ist gefährlicher

als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt seit dem Kalten

Krieg“, so Johnson, der betont, dass Großbritannien dann

2,2 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung

ausgibt. „Das ist mehr als jedes andere europäische Land und

mehr als alle anderen NATO-Alliierten mit Ausnahme der USA.

M I L I T Ä R A K T U E L L


W E LT G E S C H E H E N

Das jüngst durchgeführte „Malabar“-Manöver

kann durchaus als historisch bezeichnet

werden. Nachdem bereits Anfang

November Seestreitkräfte von Australien,

Indien, Japan und den USA beim ersten Teil

der Übung in der Bucht von Bengalen gemeinsam

trainiert hatten, setzten sie ihre

Zusammenarbeit kurz darauf in der nördlichen

Arabischen See fort. Erstmals seit 13

Jahren übten damit Marineeinheiten aller

vier Länder des sogenannten quadrilateralen

Sicherheitsdialogs (Quad) gemeinsam.

Experten sehen in diesem Schulterschluss

eine Reaktion auf die zunehmend aggressiven

Machtansprüche Chinas, das sich zuletzt

etwa mit Indien heftige Auseinandersetzungen

entlang der gemeinsamen

Grenze im Himalaya-Gebiet geliefert hatte

und nach wie vor den Ausbau von Militärstützpunkten

auf künstlich vergrößerten

Inseln im Südchinesischen Meer forciert.

Nachdem Indien und Australien im Vorfeld

des Manövers bereits eine Vereinbarung

zur gemeinsamen Nutzung von Militärgütern

und Logistik trafen, präsentierten die

Regierungschefs von Japan und Australien

während der Übung gar eine über sechs

Jahre hinweg ausverhandelte, Grundsatzeinigung

auf eine enge militärische Zusammenarbeit.

Die Streitkräfte der beiden Länder

sollen künftig verstärkt gemeinsame

Manöver veranstalten, es geht aber auch

um Stützpunktnutzungsrechte und zumindest

zeitweise Truppenstationierungen im

jeweils anderen Land. Yoshihide Suga und

Scott Morrison brachten bei ihrem gemeinsamen

Treffen mit Blickrichtung China auch

ihre Sorge über die „Militarisierung umstrittener

Landteile und die gefährliche

Vorgehensweise von Schiffen der Küstenwache“

zum Ausdruck.

FoTo S : G E T T Y I M AG E S , P I C T U R E D E S K , B U N D E Sw E H R / P I Z M A R I N E

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 1 0 W E L T & S T R A T E G I E

NEUE HOFFNUNG

FÜR DIE ALTEN

PARTNER?

Die einst enge Partnerschaft zwischen Europa und

den USA schlitterte unter Donald Trump in eine

veritable Krise. Wird es Neo-Präsident Joe Biden

gelingen, die transatlantischen Beziehungen wie

angekündigt wiederzubeleben? Eine Analyse

der sicherheitspolitischen Auswirkungen der

US-Wahlen auf Europa und Österreich von

IFK-Expertin Leyla Daskin.

M I L I T Ä R A K T U E L L


I F K - A N A LY S E

FOTO : 1 2 3 R F

A

bgeleitet aus dem

Risikobild Österreichs

ist die Entwicklung

der transatlantischen

Beziehungen

und somit

die außen- und sicherheitspolitische

Vorgangsweise der USA von zentraler

Bedeutung für die europäische und

damit auch für die österreichische

Sicherheit. Unabhängig vom Sieg Joe

Bidens bei den US-Präsidentschaftswahlen

am 3. November ist in Bezug

auf die US Außen- und Sicherheitspolitik

weiterhin mit selektivem,

interessensgeleiteten Engagement

zu rechnen.

Die „America First“-Politik wird also

fortgesetzt werden, nicht zuletzt aufgrund

des immer geringer werdenden

Interesses der US-Bevölkerung für

Außenpolitik. Die Schwergewichtsverlagerung

nach Asien und die Erwartung,

dass Europa mehr Verantwortung

für die eigene Sicherheit

übernimmt, werden bestehen bleiben.

Trotzdem wird es unter Joe Bidens

Führung einige konkrete Haltungsänderungen

geben, die erhebliche Auswirkungen

auf alle sicherheitspolitischen

Bereiche haben werden, sei es

der Westbalkan, Klimapolitik, internationale

Rüstungskontrolle oder

Terrorismus. Für die Europäische

Union wird die von den US-Demokraten

geleitete Administration

bedeuten, dass all jene EU-Mitgliedsstaaten,

die unter der Regierung Donald

Trumps bilaterale Sonderbeziehungen

verfolgt haben, sich mangels

Alternativen wieder einer pro-europäischeren

Politik zuwenden könnten.

Sofern dies eintritt, könnten die US-

Demokraten letztlich zu einer Stärkung

der EU-Integration beitragen.

Es gibt im Wesentlichen drei Entwicklungsszenarien

für die Zukunft

der transatlantischen Beziehungen:

1. Europäische Autonomie

Im sicherheitspolitischen Bereich bedeutet

das, eigenständig in der Lage

zu sein, Entscheidungen zu treffen

und ein Ende des Auslagerns von

strategischem Denken nach Washington.

Der institutionelle Fokus

läge daher klar auf der Gemeinsamen

Sicherheits- und Verteidigungspolitik

(GSVP) der EU in Relation zur

NATO. Um strategische Autonomie

erreichen zu können, muss die Verteidigungszusammenarbeit

erheblich

vertieft werden. Das wäre mit einer

massiven Stärkung gemeinsamer

europäischer Fähigkeiten und einer

wesentlichen Erhöhung der Verteidigungsbudgets

der EU-Mitgliedsstaaten

verbunden. Die Eintrittswahrscheinlichkeit

dieses Szenarios hängt

weniger von der Frage der Finanzierbarkeit

als von der politischen Willensbildung

ab.

2. Strategische Komplementarität

In diesem Szenario bleibt die USA

Führungsmacht und die EU wirkt

ergänzend, beziehungsweise ordnet

sich ein. Die EU ist in diesem Szenario

jedoch nicht in der Lage, europäische

Interessen notfalls eigenständig

zu sichern. Sowohl im Szenario eins

als auch zwei bleibt das „westliche Lager“

sehr wohl erhalten, insbesondere

gegenüber den großen globalen

Akteuren Russland und China. Das

Grundmodell bei der strategischen

Komplementarität wäre institutionell

de facto eine revitalisierte NATO mit

einem starken europäischen Pfeiler

unter US-Führung. Ein Kennzeichen

in diesem Kontext wäre eine gut abgesprochene

Arbeitsteilung zwischen

den USA und Europa, wobei die

Europäer mehr Verantwortung bei

der Stabilisierung des eigenen strategischen

Umfelds übernehmen und

die USA sich auf die Sicherstellung

des globalstrategischen Ordnungsrahmens

fokussieren.

3. Transatlantische Desintegration

Hier gehen die Europäische Union

und die USA unabgestimmt vor.

Dadurch verlieren beide an globalem

Gestaltungs- und Durchsetzungsvermögen.

In welche Richtung es gehen wird,

entscheidet sich anhand von konkreten

außenpolitischen Grundsatzentscheidungen.

Positive Erwartungen

seitens der EU an Bidens Präsidentschaft

sind die von ihm angekündigte

Rückkehr der USA zum Atomabkommen

mit dem Iran und dass der

Austritt der USA aus dem Pariser

Klima abkommen wie von Biden

angekündigt gleich am ersten Tag

seiner Präsidentschaft wieder rückgängig

gemacht wird. Biden wird

auch eine Verlängerung des Atomwaffen-Abrüstungsvertrags

New-

START aktiv verfolgen und versuchen,

diesen als Grundlage für neue Rüstungskontrollregelungen

zu verwenden.

Ein kontroverses Thema zwischen

den USA und Europa, insbesondere

Deutschland, bleibt die in Bau befindliche

Gaspipeline Nord Stream 2 von

Russland nach Deutschland, wobei

auch die Biden-Administration einen

strikt ablehnenden Kurs beibehalten

wird. Ein weiteres heikles Thema betrifft

die Fortsetzung des Einsatzes in

Afghanistan. Biden hat bereits kom-

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 1 2 W E L T & S T R A T E G I E

WAHLDUELL Donald Trump

und Joe Biden lieferten sich in

den vergangenen Monaten ein

teils erbittert geführtes Wahlduell.

Das Ergebnis stand erst einige

Tage nach dem Voting

fest.

muniziert, dass er plant, die überwiegende

Mehrheit von US-Truppen aus

Afghanistan abzuziehen und die Mission

vor Ort auf den Kampf gegen

Terrorismus, gegen El Kaida und den

Islamischen Staat zu konzentrieren.

In seinen bilateralen Beziehungen hat

sich Österreich die Entwicklung einer

strategischen Partnerschaft mit den

USA zum Ziel gesetzt. Diese umfasst

primär eine politische, wirtschaftliche,

technologische Dimension, hat

aber auch eine verteidigungspolitische

Dimension erhalten. Dies wurde

zuletzt durch die Unterzeichnung des

bilateralen State Partnership Program

zwischen der US National Guard und

dem Bundesheer anlässlich des Besuchs

von US-Außenminister Mike

Pompeo am 14. August in Wien zum

Ausdruck gebracht. Die Details werden

zurzeit noch ausverhandelt, ein

Schwerpunkt des Programms soll

jedoch auf der Gebirgskampfausbildung

liegen. Ziel des Programms ist

neben gemeinsamen Übungen und

Ausbildungen auch der Austausch

von Experten. Neben den unmittelbaren

militärischen Erwägungen

kann dieses Programm auch als Ausdruck

der Vertiefung der außen- und

sicherheitspolitischen Beziehungen

gewertet werden. Neben dem Knowhow

im Gebirgskampf ist Österreichs

Expertise am Westbalkan und die

österreichische Einschätzung zu

Entwicklungen in der EU-GSVP

von großem Interesse für die USA.

TRUPPENREDUKTION Neo-Präsident Joe Biden hat einen Abzug der amerikanischen Truppen aus Afghanistan als eines seiner außenpolitischen Vorhaben benannt. Allerdings

scheint ihm Noch-Präsident Donald Trump dabei zuvorzukommen. Er kündigte Mitte November einen Teilabzug des US-Kontingents an. Die Zahl der Soldatinnen und

Soldaten soll noch vor der offiziellen Amtsübergabe auf etwa 2.500 reduziert werden.

FOTO S : G E T T Y I M AG E S

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0 1 4 W E L T & S T R A T E G I E

DER KAMPF UM BERGKARABACH

EINBLICKE IN DIE ZUKUNFT DES KRIEGES

N

ach 44 Tagen intensiver

Kämpfe zwischen

Armenien

und Aserbaidschan

um die umstrittene

Region Bergkarabach

kam es am 10. November unter Vermittlung

Russlands zu einem Waffenstillstand.

Die trilaterale Erklärung

sieht ein sofortiges Einstellen der

Kampfhandlungen, eine Rückgabe

von Territorien an Aserbaidschan,

die Rückkehr von Flüchtlingen sowie

die Etablierung einer russischen

Peace keeping-Mission vor.

Der jüngste Bergkarabach-Krieg erlaubt auch

westlichen Armeen entscheidende Rückschlüsse für

zukünftige Waffengänge. Text: GENERALMAJOR JOHANN FRANK

Der Waffengang hat mit Aserbaid -

schan, Russland sowie der Türkei drei

Sieger und mit Armenien einen klaren

Verlierer hervorgebracht. Das Konfliktmanagement

liegt nunmehr in den

Händen Moskaus und die eigentlich

zuständige „Organisation für Sicherheit

und Zusammenarbeit“ (OSZE) ist marginalisiert.

Aufgrund der weiter bestehenden

ethnischen Spannungen, ungelöster

politischer Fragen wie des völkerrechtlichen

Status von Bergkarabach

und innenpolitischer Turbulenzen

in Armenien bleibt das Eskalationspotenzial

aber auch zukünftig hoch.

ziell dieser Krieg hat in eindrücklichen

Bildern gezeigt, was passiert, wenn

„Teilsysteme“ fehlen, wenn etwa der

mechanisierten Truppe der Luftschirm,

der Artillerie die Drohnenabwehr

oder den Führungssystemen der

Schutz vor elektronischen Störmaßnahmen

fehlt. Die im Bergkarabach-

Krieg angewandte Kampfführung kann

in gewissen Aspekten als Modell für

Kriege der Zukunft gesehen werden,

in das viele Elemente der Kämpfe in

Afghanistan, Syrien oder Irak eingeflossen

sind. Drei Elemente sind dabei

besonders hervorstechend: (1) die große

Bedeutung von Drohnen, (2) der

Einsatz von „Schattenkriegern“ und

(3) der Kampf im Informationsraum.

Drohnen nehmen am modernen Gefechtsfeld

ein immer breiteres Aufgabenspektrum

wahr, von der Aufklärung

über die Funktion als Waffenplattform

bis hin zum besonders „demoralisierend“

wirkenden Kamikaze-Einsatz.

Aktuell versetzen Drohnen den Angreifer

in eine vorteilhafte Position, weil

Abwehrsysteme hinterherhinken. Dennoch

werden Drohnen alleine auch zu-

Sicherheitspolitisch zeigt diese Auseinandersetzung,

dass fälschlicherweise

für überwunden gehaltene zwischenstaatliche

Kriege immer noch auftreten

und dass Siege am Gefechtsfeld auch in

politische Erfolge umgewandelt werden

können. Aus militärischer Perspektive

wurde wieder einmal das Paradigma

bestätigt, dass Streitkräfte in Gefechtshandlungen

nur dann erfolgreich eingesetzt

werden können, wenn sie über

das gesamte Fähigkeitsspektrum zur

Führung des „Kampfes der verbundenen

Waffen und Wirksysteme“ verfügen.

Militär funktioniert eben nur als

„Gesamtsystem“ oder gar nicht. Spekünftig

keine Kriege gewinnen, wie

auch Panzer nicht obsolet geworden

sind. Augenfällig war, dass auch in

diesem Konflikt auf beiden Seiten

Söldnertruppen eingesetzt wurden.

Man schätzt mehr als tausend von der

Türkei in Syrien angeheuerte Kämpfer

allein auf aserbaidschanischer Seite.

Der Einsatz von privatisierten Gewaltakteuren

gehört zum Erscheinungsbild

moderner Kriege. Zukünftig wird sich

aber vermehrt die Frage nach der effektiven

Kontrolle solcher Gruppen nach

Ende der Kampfhandlungen stellen.

Und einmal mehr hat auch der Bergkarabach-Krieg

gezeigt, dass moderne

Konflikte in einem erheblichen Ausmaß

als Kampf in den sozialen Medien,

als Informations- und Desinformationskampagnen

mit unterschiedlichen

Narrativen ausgetragen werden.

Dieser Konflikt hat aber auch demonstriert,

dass europäische Armeen in wesentlichen

modernen Fähigkeitsbereichen

erheblichen Nachholbedarf haben.

Von daher sollte der Krieg um Bergkarabach

gleichermaßen ein sicherheitspolitischer

wie militärischer Weckruf sein!

FOTO : G E T T Y I M AG E S

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 1 6 W E L T & S T R A T E G I E

D

er Libanon ist

bankrott. Nicht

nur finanziell,

sondern auch politisch.

Die herrschenden

Eliten

blockieren Reformen und haben

durch ihre Politik des Klientelismus

den Staat und seine Institutionen

ausgehöhlt. Das libanesische Pfund

verlor seit Oktober vergangenen Jahres

75 Prozent seines Wertes. Mehr

als die Hälfte der Bevölkerung lebt

unter der Armutsgrenze und die

Arbeitslosigkeit stieg auf 35 Prozent.

Das von der libanesischen Zentralbank

angekündigte Ende der Subventionen

auf Benzin, Medikamente und

Mehl wird sich katastrophal auf große

Teile der Bevölkerung auswirken.

Angeheizt durch die Wirtschaftskrise

und die verheerende Explosion im

Hafen von Beirut, führten seit Herbst

2019 massive Proteste zum Rücktritt

von zwei Ministerpräsidenten. Eine

neue Regierung konnte bis jetzt nicht

gebildet werden. Alleine wird das

Land den Weg aus der Krise nicht

finden. Doch welche Ziele verfolgen

die internationalen Player, die ihre

Interessen im Libanon gewahrt sehen

möchten?

Während Frankreichs Präsident Emmanuel

Macron Reformen als Voraussetzung

für weitere Finanzhilfen

nennt, verfolgen die USA eine Politik

des maximalen Drucks gegen Iran

und damit auch gegen die Hisbollah.

Washington macht die schiitische

Miliz dafür verantwortlich, Reformprozesse

zu blockieren. Um die

Hisbollah zu isolieren, sanktionieren

die USA Vertreter der mit der Miliz

verbündeten schiitischen Amal- und

der christlichen Marada-Partei. Washington

widerspricht damit dem

Zugang Macrons, der die Hisbollah

in mögliche Reformprozesse einbinden

möchte. Politikwissenschaftler

Maximilian Felsch kann Frankreichs

Zugang nachvollziehen: „Wenn man

den Libanon reformieren möchte,

muss man alle relevanten

Größen des Landes ein-

binden.“ Ohne die Einbeziehung

wichtiger politischer Kräfte wie der

Hisbollah können keine Strukturreformen

des politischen und wirtschaftlichen

Systems gelingen. Entscheidend

für die wirtschaftliche Zukunft

sei aber in jedem Fall der IWF

und seine Bereitschaft, den Libanon

Der Libanon kämpft mit einer der

größten Krisen seiner Geschichte.

Verantwortlich dafür sind auch

die vielen internationalen Player,

die im Land unterschiedliche

Interessen verfolgen.

Eine Analyse von

Markus Schauta.

DIE

HAT DAS SAGEN IM LAND

M I L I T Ä R A K T U E L L


GENERALMAJOR BRUNO HOFBAUER:

PROTESTBEWEGUNG

Die jungen Libanesen

wollten ihr Land von Korruption

und Klientelismus

befreien. Seit mehr

als einem Jahr kommt es

deshalb immer wieder

zu (oft auch gewaltsamen)

Massenprotesten.

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0 1 8 W E L T & S T R A T E G I E

NACHWIRKUNGEN Die Explosion im Hafen von Beirut liegt nun bereits vier Monate zurück, die Bilder der

gigantischen, pilzförmigen Wolke ist in den Köpfen der meisten Libanesen aber immer noch omnipräsent.

finanziell zu stützen, so Felsch. Der

Politikwissenschaftler geht aber davon

aus, dass der IWF kein Geld fließen

lässt, solange die USA das kategorisch

ablehnen. Dies könne sich

aber unter dem neuen US-Präsidenten

Joe Biden ändern.

Saudi-Arabien steht mit seiner Libanon-Politik

an der Seite der USA und

lehnt Verhandlungen mit der Hisbollah

ab. Wie der libanesische Politikwissenschaftler

Imad Salamey betont,

sieht sich Saudi-Arabien als

Patron des libanesischen Friedens.

Die Golfmonarchie lud 1989 die

kriegsführenden Parteien zu Verhandlungen

ein, die im Friedensabkommen

von Taif und dem Ende des

15-jährigen Bürgerkriegs gipfelten.

„Saudi-Arabien steckte viel Geld in

den Wiederaufbau des Libanon“, so

Salamey. Gleichzeitig nahm der Golfstaat

Tausende libanesische Fremdarbeiter

auf, die durch ihre Geldüberweisungen

die Nachkriegswirtschaft

im Libanon stützten.

Doch die guten Beziehungen zu Beirut

trübten sich, als 2005 der Sauditreue

Politiker Rafik Hariri bei einem

Bombenattentat ums Leben kam. In

den folgenden Jahren gewann die

Hisbollah in der libanesischen Politik

an Macht, so Salamey. Saudi-Arabien

habe das bis zu einem gewissen Grad

akzeptiert. „Umgekehrt erhielt Riad

keine Zugeständnisse von der Miliz“,

sagt Salamey. Mehr noch: Seit 2011

in Syrien und später auch im Jemen

trat die Hisbollah an der Seite Irans

offen gegen die Interessen der saudischen

Monarchie auf.

Als Mohammed bin Salman (MbS)

2017 zum Kronprinz ernannt wurde,

änderte sich der Kurs Saudi-Arabiens,

so der Politikwissenschaftler

Felsch. Noch im selben Jahr ließ MbS

den mit der Hisbollah kooperierenden

damaligen Premierminister Saad

Hariri bei seinem Besuch in Saudi-

Arabien festsetzen. MbS zwang den

Regierungschef über einen TV-Sender

seinen Rücktritt zu verkünden.

Zurück in Beirut, zog Hariri diesen

Entschluss zwar zurück und bildete

eine neue Regierung. Aber die Beziehung

zwischen ihm und Riad war

nachhaltig beschädigt. „Hariri wird

von Saudi-Arabien nicht mehr als

Verbündeter angesehen“, sagt Felsch.

Mit Reisewarnungen und Investitionsstopps

setzte Riad dem Libanon

wirtschaftlich die Daumenschrauben

an. Libanesen, die in der Golfregion

arbeiteten, wurden aufgerufen, in den

Libanon zurückzukehren und die

Vergabe neuer Arbeitsvisa auf Eis gelegt.

„Zurzeit wollen die Saudis den

Libanon lieber brennen sehen als

weitere Zugeständnisse zu machen“,

sagt Salamey. Ihre Hoffnung sei,

dass, wenn die Lage im Libanon eskaliert,

anti-iranische Kräfte an Bedeutung

gewinnen und die Hisbollah

dadurch an Relevanz verlieren würde.

Dass es zu einer militärischen Eskalation

kommen könnte, hält Felsch jedoch

für ausgeschlossen: „Die Hisbollah

hat bereits de facto das Sagen

im Land.“ Alle Schlüsselpositionen

seien mehr oder weniger kontrolliert

von der Miliz. Der Libanon könne

daher keine Entscheidung treffen, die

nicht von der Hisbollah und ihren

Verbündeten abgesegnet wurde.

Auch ein Vorgehen der libanesischen

Armee gegen die Hisbollah hält er

für unrealistisch, da es innerhalb

der Streitkräfte viele Anhänger der

Miliz gebe.

Eine politisch und militärisch mächtige

Hisbollah stärkt den Einfluss

Irans im Libanon und seinen Handlungsspielraum

gegenüber Israel.

Felsch merkt jedoch an, dass es nicht

im Interesse Teherans ist, dass der

Libanon zusammenbricht. Gleichzeitig

seien Irans Möglichkeiten, dem

entgegenzuwirken, beschränkt. „Iran

hat eigene Wirtschaftsprobleme, ist

von Sanktionen betroffen und steht

wirtschaftlich isoliert da“, so Felsch.

Zudem sei Teheran im Irak und in

Syrien involviert, Länder die für den

Schiitenstaat deutlich bedeutender

seien als der Libanon. Mit Blick auf

Israel sieht Salamey zurzeit kein Eskalationspotenzial.

Für die Hisbollah

ebenso wie für Israel sei es von Vorteil,

das Grenzgebiet stabil zu halten

– vor allem in Hinblick auf die laufenden

Verhandlungen über Seegrenzen

in einer umstrittenen Zone vor

der Küste, wo enorme Erdgas- und

Ölvorkommen vermutet werden. „Ich

sehe derzeit keinen Grund, warum

eine der Seiten die Lage eskalieren

sollte“, so Salamey.

Aktuell führt Saad Hariri Verhandlungen

über eine neue Regierung.

Gleichzeitig dauern die Proteste an.

Die Aktivisten appellieren an die

internationalen Unterstützer, keine

Finanzspritzen zu gewähren, bevor

nicht sichergestellt ist, dass die politischen

Eliten die dringend notwendigen

Reformen einleiten. Doch sollte

es eine Regierung unter Hariri

geben, ist erneut jener Mann an der

Macht, der gemeinsam mit seinen

politischen Verbündeten über Jahre

hinweg wichtige Reformen blockiert

hat und deshalb im Zuge der Proteste

2019 zurücktreten musste. „Die Proteste

hätten dann nichts bewirkt“, so

Felsch. Es wäre damit wieder alles

beim Alten und die Gefahr groß,

dass sich die Dauerkrise im Libanon

fortschreibt.

FOTO : G E T T Y I M AG E S

M I L I T Ä R A K T U E L L


K O M M E N TA R

GSVP IM FOKUS

Militär Aktuell-Serie: Generalmajor Johann Frank berichtet in jeder Ausgabe über Neuheiten

und Entwicklungen rund um die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP)

der Europäischen Union. Zum Ende eines außergewöhnlichen Jahres zieht er eine Zwischenbilanz

über den Status quo der GSVP, erzielte Fortschritte und dringenden Nachholbedarf.

Foto : B u n d e s h e e r / ka r lov i ts

die arbeiten am „strategischen

kompass“, der die zukünftige

strategische ausrichtung und die

Prioritäten der verteidigungspolitik der eu

festlegen soll, wurden mit der erstellung

eines gemeinsamen Bedrohungsbildes

erfolgreich gestartet. Wenig überraschend

kommt die gemeinsame europäische

Bedrohungsanalyse zum ergebnis, dass

sich auf globaler ebene die konfrontation

zwischen den Großmächten weiter verschärfen

wird. auf regionaler ebene ist mit

anhaltenden, mitunter sogar steigenden

konflikten in der europäischen nachbarschaft

zu rechnen. insgesamt wird mit

einem vermehrten einsatz von Militär zur

interessensdurchsetzung gerechnet. die

schlussfolgerung aus dieser Bedrohungsanalyse

ist unzweifelhaft, dass den zukünftigen

strategischen herausforderungen

nur mit einer vertiefung der verteidigungszusammenarbeit

effektiv begegnet

werden kann. die GsvP ist kein luxus,

sondern eine strategische notwendigkeit,

denn keiner der eu-staaten kann im alleingang

sicherheitspolitisch bestehen. dieser

analytischen erkenntnis zum trotz ist gerade

im nachgang zum Wahlsieg Joe Bidens

in den usa wieder eine innereuropäische

debatte um notwendigkeit und Möglichkeit

einer europäischen autonomie in verteidigungsfragen

ausgebrochen. eine vermeidbare

debatte, weil eine erneuerte

transatlantische Zusammenarbeit und eine

verbesserte handlungsfähigkeit der eu,

selbst für ihre sicherheit zu sorgen, keine

Gegensätze sondern zwei seiten einer

Medaille darstellen.

schwerer als diese politischen debatten

wiegen die ergebnisse des erstmals

durchgeführten Überprüfungsprozesses

über den status der europäischen verteidigungszusammenarbeit

(Card) basierend

auf der auswertung von 26 nationalen

verteidigungsplanungen. das ergeb-

„Die GSVP ist kein

Luxus, sondern

eine strategische

Notwendigkeit, denn

keiner der EU-Staaten

kann im Alleingang

bestehen.“

GENERALMAJOR JOHANN FRANK

ist Leiter des Instituts für Friedenssicherung

und Konfliktmanagement

(IFK). Von 2014 bis 2020 Verteidigungspolitischer

Direktor und Mitglied des

Nationalen Sicherheitsrats.

nis ist ernüchternd. die europäische verteidigungslandschaft

ist weiterhin durch

eine starke Fragmentierung und geringe

investitionen in die Zusammenarbeit gekennzeichnet.

dazu drei aspekte: (1) Für

die staaten der eu hat nach den nationalen

erfordernissen und der einhaltung der

nato-verpflichtungen die erfüllung der

verteidigungsziele in der eu nur dritte

Priorität. (2) 80 Prozent aller Beschaffungen

erfolgen weiterhin in nationalen

alleingängen und (3) eu-einsätze machen

insgesamt nur sieben Prozent aller internationalen

Missionsentsendungen aus. aus

den defiziten des status quo wurden

sechs Prioritätsbereiche für zukünftige

Projekte der verteidigungszusammenarbeit

vorgeschlagen, unter anderem die

entwicklung eines gemeinsamen neuen

kampfpanzersystems und systeme zur

drohnenabwehr. dem wichtigsten europäischen

rahmen für die konkrete umsetzung

von Projekten der „ständig strukturierten

Zusammenarbeit“ (PesCo) wurde

im Zuge der ersten Gesamtüberprüfung

grundsätzlich ein positives Zeugnis ausgestellt.

aber die umsetzung der 47 laufenden

Projekte erfordert naturgemäß Zeit.

daher wurde vereinbart, 25 Projekte bis

zum Jahr 2025 zur vollen einsatzbereitschaft

zu führen. darunter unter anderem

das europäische Militärmedizinische kommando,

die Cyber-reaktionsteams und

auch das von Österreich geführte drohnengestützte

aBC-Überwachungssystem.

Wer nach innovativen ideen sucht, wird in

einem von der sPd entwickelten vorschlag

zur Bildung einer kleinen 28. euarmee,

die neben den 27 nationalen

armeen aufgestellt werden soll, fündig.

dieser nukleus einer zukünftigen wirklichen

europäischen armee soll in der

ersten Phase bis zu 8.000 soldaten umfassen,

die im Wesentlichen die aufgaben

der bisher noch nie eingesetzten Battlegroups

übernehmen, aber auch innerhalb

der eu eingesetzt werden können und

unter der kontrolle des eu-Parlaments

stehen. nach einer Finanzierung in der

erstphase durch die teilnehmenden

staaten sollen die kosten aus dem gemeinsamen

eu-Budget bedeckt werden.

Zusammenfassend kann man festhalten,

dass die entwicklungsgeschwindigkeit der

GsvP den immer rasanter wachsenden

herausforderungen hinterherhinkt. es mangelt

nicht an konzepten und ideen, sondern

am nationalen Willen zur umsetzung.

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 2 0 H E E R & M E H R

FLAMMENDER ENGEL

ÜBER ALLENTSTEIG

Mitte November testeten die Luftstreitkräfte am Truppenübungsplatz Allentsteig erfolgreich das neue Selbstschutzsystem der

C-130 Hercules-Transportmaschinen. Rund 1.400 Meter über Grund wurden zahlreiche IR-Täuschkörper ausgestoßen. Diese

sogenannten „Flares“ sollen die Suchkopf-Sensorik potenziell anfliegender IR-Lenkwaffen vom eigentlichen Ziel ablenken,

optimalerweise auf die Wärmestrahlung der Hitzefackel lenken und damit die Evakurierung von Soldaten und Zivilisten aus

Krisengebieten sicherer machen. Nächster Schritt ist nun die Ausbildung der Besatzungen, um diese neue Fähigkeit bei Bedarf

auch zum Einsatz bringen zu können. Das Schutzsystem wird reihenweise in alle drei C-130-Maschinen des Bundesheeres

eingebaut und beinhaltet auch passive Sensoren, die vor einem Abschuss von hitzesuchenden Raketen warnen.

NEUE BUNDESHEER-ANGEBOTE

Grundwehrdiener können im Zuge ihrer Ausbildung ab sofort

mehrere Optionen auf freiwilliger Basis wählen. Unter anderem

besteht im Rahmen des Programms „Mein Dienst für

Österreich“ die Möglichkeit, den Grundwehrdienst um drei

Monate Assistenzeinsatz zu verlängern. Freiwillige erhalten

dafür eine gute Bezahlung. Alle Grundwehrdiener, die sich

zur Miliz melden, erhalten ab dem dritten Monat 400 Euro

im Monat zusätzlich und können noch während ihres Grundwehrdienstes

den ersten Teil ihrer Milizausbildung absolvieren.

Melden sie sich auch zur Milizkaderausbildung, erhalten

sie monatlich weitere 200 Euro. „Mit diesen Neuerungen

wollen wir die Lust bei Grundwehrdienern wecken, auch

nach ihrer Ausbildung ein Teil des Bundesheeres zu bleiben“,

so Verteidigungsministerin Klaudia Tanner.

FOTO S : B U N D E S H E E R / G O R U P, B U N D E S H E E R / ST E I N B E R G E R ,

B U N D E S H E E R / P R I TZ

M I L I T Ä R A K T U E L L


N E W S A U S D E N S T R E I T K R Ä F T E N

LAWINENEINSATZKRÄFTE BEREIT

Jedes Jahr verunglücken Wintersportler und Bergbegeisterte nach

Lawinenabgängen. Um ihnen im Notfall schnell helfen zu können,

verstärken in den Wintermonaten seit vielen Jahren Lawineneinsatzzüge

des Bundesheeres bei Bedarf die Bergrettung. Das Bundesheer

stellt dazu auch heuer wieder in zwölf Garnisonen (u. a. St. Michael,

Spittal, Lienz, Saalfelden, Landeck, St. Johann/P, Bludesch, …)

in ganz Österreich Einsatzzüge in der Stärke von jeweils rund 30

Soldaten, die in der Verschüttetensuche und in Erste-Hilfe-Maßnahmen

nach Lawinenunglücken ausgebildet sind. Zusätzlich

gehören speziell geschulte Notfallsanitäter zu diesen Teams.


0 2 2 H E E R &

M

E H R

DAS BUNDESHEER GIBT

DIE

DROHNEN-

ANTWORT

Kleinst- und Minidrohnen spielen auf dem Gefechtsfeld der Zukunft eine wichtige

Rolle. Momentan haben Streitkräfte aber nur wenige Möglichkeiten, sie wirkungsvoll

zu bekämpfen – das Bundesheer setzt dabei auf sein Element ELDRO.

Text: JÜRGEN ZACHARIAS

D

rohnen sind so etwas

wie die Luftwaffe des

kleinen Mannes. Sie

sind relativ billig, für

jedermann im Handel

erhältlich und in

ihrer Wirkung wahre Alleskönner: Die

Kleinst- und Mini-Fluggeräte können

Flugzeuge zum Absturz bringen und

den Flugbetrieb ganzer Airports lahmlegen.

Sie können aber auch Truppen

aufklären und bekämpfen, Konvois

verfolgen, Sprengmittel abwerfen,

kritische Infrastrukturen gefährden

oder im Kamikaze-Stil direkt in feindliche

Stellungen steuern. Das Problem

dabei: Aufgrund ihrer Größe und ihrer

geringen Flughöhe sind die Systeme

für Verteidiger nur schwer zu orten

und dadurch erst spät oder gar nicht

zu bekämpfen. Zudem ist ihre Beschaffung

auch für kleine Rebellengruppen

leicht finanzierbar, ihr Einsatz erfordert

nur wenig Know-how und sie

machen Angriffe weit über den eigentlichen

Wirkungsbereich hinaus möglich.

Streitkräfte drohen damit zumindest

in einem Teilbereich ihre Lufthoheit

einzubüßen, wie Frank Sauer, Dozent

an der Universität der Bundeswehr in

München, kürzlich in einem Gespräch

mit dem NDR erklärte. Im Nahen

Osten gelinge es Kämpfern des Islamischen

Staats immer wieder, mit simplen

Baumarkt-Helikoptern Luftangriffe

durchzuführen, indem sie kleine Granaten

aus der Luft auf Stellungen und

Fahrzeuge werfen. Auch in Afghanistan,

im syrischen Bürgerkrieg, zuletzt

FOTO S : B U N D E S H E E R / J U R KA

M I L I T Ä R A K T U E L L


D R O H N E N A B W E H R

im Konflikt zwischen Armenien und

Aserbaidschan und bei vielen anderen

Gemengelagen sorgen Drohnen für

veränderte Lagebilder und neue Bedrohungsszenarien.

Schiitische Huthi-

Rebellen beispielsweise führten mit

Drohnen schon mehrmals Attacken

auf Flughäfen, Städte und sogar Ölfelder

und Ölverarbeitungsanlagen in

Saudi-Arabien durch und selbst westliche

Gefängnisse, Atomkraftwerke

und Flughäfen sind vor den kleinen

Fluggeräten nicht sicher. Immer wieder

gibt es auch hierzulande Versuche,

Gefängnisinsassen mithilfe von Drohnen

mit illegalen Geräten oder Substanzen

aus der Luft zu versorgen und

unmittelbar vor Weihnachten 2018

musste der Flughafen London Gatwick

wegen Drohnenalarms seinen Betrieb

einstellen und blieb für mehrere Tage

lahmgelegt. Tausende Flüge fielen aus,

Hunderttausende Passagiere waren

betroffen, der wirtschaftliche Schaden

wurde auf mehr als 50 Millionen Euro

geschätzt.

Wie aber nun ein System bekämpfen,

das unkonventionell einsetzbar sowie

schwer zu orten ist und doch vergleichsweise

große Schäden verursachen

kann? Eine gute Frage, die weltweit

unterschiedlich, aber meist noch

wenig zufriedenstellend beantwortet

wird und die auch manch skurrile

Blüte treibt. So testeten vor mehreren

Jahren die Behörden gleich mehrerer

Länder den Einsatz von Greifvögeln

zur Bekämpfung von Drohnen. Im

Inventar von Streitkräften finden sich

aber auch Kanonen mit Fangnetzen,

längst wird auch an Hochenergie-

Laser-Abwehrsystemen geforscht und

das US-Verteidigungsministerium

startete kürzlich mit dem israelischen

Drohnenentwickler XTEND ein

Pilotprogramm zur Etablierung des

Abwehrsystems Skylord innerhalb

von US-Spezialeinsatzkräften. Dabei

handelt es sich um eine sogenannte

C-UAS-Lösung (Anm.: Counter-Unmanned

Aerial System), die selbst auf

einem Drohnensystem basiert und

feindliche Objekte zum Absturz

bringt, indem ein an der eigenen

Drohne hängendes Netz über das zu

bekämpfende Fluggerät gelegt wird.

Die deutsche Bundeswehr wiederum

vertraut bei der Drohnenabwehr auf

ihr Nächstbereich-Schutzsystem

Mantis, das eigentlich Mörserangriffe

auf Feldlager abwehren soll, aber

mit seiner Schnellfeuerkanone auch

die Kleinsthubschrauber ins Visier

nehmen kann. Allerdings: Das System

ist nicht mobil und aufgrund seiner

Größe nur schwer verlegbar, zudem

besitzt die Bundeswehr nur zwei

derartige Komplettsysteme.

Einen anderen Weg geht man beim

Bundesheer, wo bei Bedarf Mikround

Minidrohnen mit Hilfe elektromagnetischer

Wellen gestört und zur

Landung gezwungen werden. Dazu

wurde vor dem Hintergrund der

österreichischen EU-Ratspräsidentschaft

im zweiten Halbjahr 2018 neben

dem an der Flieger- und Fliegerabwehrtruppenschule

angesiedelten

Projekt C-EAT (Countering Emergency

Air Threats) das Drohnendetektions-

und Abwehrelement ELDRO

(kurz für Elektronische Kampfführung

zur Drohnenabwehr) bei der

Führungsunterstützungsschule auf die

Beine gestellt. Notwendige Vorarbeiten

wie die Evaluierung bestehender

Drohnenabwehrsysteme und die

Bildung eines Kernelements mit

KIOP/KPE-Soldaten wurden bereits

2017 geleistet. Seit dem ersten Halbjahr

2018 wurde dann der Aufwuchs

des Elements forciert und nach der

notwendigen Test-, Trainings- und

Ausbildungsphase provisorische

Einsatzbereitschaft erreicht.

Kern von ELDRO ist das Detektionsund

Abwehrsystem Aartos DDS des

deutschen Messtechnikherstellers

Aaronia. Während andere Jammer das

Eindringen eines Flugobjekts in eine

No-Fly-Zone verhindern, indem sie

die Funkverbindung zwischen Sender

und Empfänger unterbrechen und

damit den gesamten Funkverkehr in

der näheren Umgebung lahmlegen,

agiert das Aartos DDS deutlich zielgerichteter,

wie ELDRO-Kommandant

Oberleutnant Stephan Kraschansky

BUNDESHEER-ELEMENT

ELDRO ist an der Führungsunterstützungsschule

angesiedelt

und offiziell immer noch im

Erprobungsstatus. Schon jetzt

können die Soldaten aber Miniund

Mikrodrohnen mit Hilfe

elektromagnetischer Wellen

gezielt stören und abfangen.

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 2 4 H E E R &

M

E H R

im Gespräch mit Militär Aktuell erklärt.

„Das System überwacht mithilfe

seiner 3D-Antenne das gesamte in

Betracht kommende Funkspektrum

im Umkreis mehrerer Kilometer. Entdecken

wir ein verdächtiges Signal,

so können wir dieses mittels Kreuzpeilung

detektieren und damit nicht

nur den Standort der Drohne ausfindig

machen und dieser folgen, sondern

im Idealfall auch den Standort des

Drohnenpiloten ermitteln.“ Das ist

allerdings deutlich komplizierter, als

sich das anhört, schließlich kommt es

dabei trotz bestimmter System-Automatismen

und einer dahinter liegenden

Datenbank mit den Signaturen

und Mustern bekannter Drohnentypen

vor allem auf das Know-how und

das Können der Operatoren an, wie

Kraschansky erklärt.

Bei der Abwehr bieten sich den Bundesheer-Kräften

je nach Drohnentyp

mehrere Möglichkeiten: Mit Störgewehren

können manche Drohnen beispielsweise

zielgerichtet vom Himmel

geholt werden. Das Aartos DDS kann

aber auch die Funkverbindung vom

Controller zum unbemannten System

elektronisch stören, wodurch der Pilot

die Kontrolle über sein Fluggerät verliert.

Günstige Modelle fallen dann

einfach vom Himmel, teurere verfügen

über eine „Home-Funktion“ und

kehren zum Navigator zurück. Wird

gleichzeitig auch das GPS-Signal gestört,

kann die Drohne nicht zurücknavigieren

und verharrt bis zum Leerwerden

des Akkus in der Luft. Im Anschluss

leitet sie die sichere Landung

ein. „Wenn es das Bedrohungsszenario

erlaubt, dann können wir die Drohne

aber auch nur beobachten und währenddessen

Einsatzkräfte direkt zur

Position des Drohnenpiloten dirigieren,

um diesen dingfest zu machen“, sagt

der ELDRO-Kommandant. „Die Entscheidung

über die konkreten Maßnahmen

ist von der Situation abhängig

und muss vor Ort getroffen werden.“

Einsatzbereiche für ELDRO gibt es

gleich mehrere: So kann die Einheit

Teil des Objektschutzes und der Sicherung

einer militärischen Einrichtung

sein, es sind aber auch Einsätze im

Rahmen einer Assistenzleistung nach

Behördenanforderung denkbar –etwa

zur Überwachung eines Staatsbesuchs

oder von Großveranstaltungen. Dazu

zählen auch Bundesheer-eigene Events

wie die Leistungsschau am Nationalfeiertag

oder die Airpower, wo das Element

im vergangenen Jahr Teil eines

interministeriellen Ortungsverbunds

war, der vom Kommando der Streitkräfte

geführt wurde.

Am Beginn jedes Einsatzes steht die

Aufklärung, wie Kraschansky erklärt.

Dabei gilt es etwaige Störsignale zu

erfassen, zu dokumentieren und sich

ein möglichst eindeutiges Bild des

BILLIG & EFFEKTIV

Die rasante Entwicklung

am Drohnenmarkt

eröffnete

Terroristen und irregulären

Kräften in

den vergangenen

Jahren völlig neue

Möglichkeiten. Nicht

nur vom IS wurden

die fliegenden

Kleinstgeräte zur

Überwachung aus

der Luft eingesetzt

und mit Sprengstoff

bestückt in Kampfeinsätze

geschickt.

elektromagnetischen Spektrums zu

verschaffen. „Im Notfall kann diese

Phase auch entfallen und wir sind

direkt nach dem Aufbau des Systems

abwehrbereit.“ Im Einsatzfall selbst

zählt dann jede Sekunde. „Selbst

moderne Drohnen sind nur über

Distanzen von wenigen Kilometern

steuerbar, bei Fluggeschwindigkeiten

von bis zu 70 km/h bleibt da nicht viel

Zeit für das Aufspüren und Bekämpfen.

Besonders schwierig ist das laut

dem Offizier in urbanen Räumen, wo

Tausende Signale die Suche nach dem

spezifischen Steuersignal einer Drohne

erschweren und sich durch Gebäude

immer wieder Funkschatten ergeben,

die nicht oder nur schwer „einzusehen“

sind. „Grundsätlich beschäftigt

sich das System ELDRO nur mit der

Abwehr von Einzeldrohnen. Unter

bestimmten Umständen ist aber auch

FOTO S : B U N D E S H E E R / J U R KA , A R C H I V

M I L I T Ä R A K T U E L L


D R O H N E N A B W E H R

die Abwehr eines ,Drohnenschwarms‘

möglich – nämlich dann, wenn dieser

von einer sogenannten Masterdrohne

geführt wird. Diese Masterdrohne ist

für die ,Rückwärtsverbindung‘ zum

Piloten verantwortlich. Genau diese

Verbindung versuchen wir aber gezielt

zu stören, sodass es unerheblich ist,

ob eine andere Drohne im Schwarm

plötzlich die Masterdrohne wird. Wir

unterbinden ja die gesamte Rückwärtsverbindung.“

Naturgemäß sieht man sich beim

Bundesheer mit ELDRO für die aktuelle

Bedrohungslage gut aufgestellt.

Das Element, dessen Ausrüstung,

Verfahren und Techniken noch immer

in einem erweiterten Erprobungsstadium

sind und laufend verbessert

werden, ist als potenzieller Campschutz

auch für die aktuelle EU-Battlegroup

eingemeldet. „Wir sind europaweit

eines der wenigen, wenn nicht

das einzige militärische Element, das

eine effektive elektronische Drohnenabwehr

ohne Abstützung auf zivile

Player umsetzen kann und seine

Verfahren so weit erprobt hat, dass

wir in kürzester Zeit einsatzbereit

sind“, sagt Oberleutnant Kraschansky

abschließend.

ÜBERWACHUNGSKUPPEL

Mithilfe seiner 3D-Antenne überwacht

das Aartos DDS das gesamte in Betracht

kommende Funkspektrum im Umkreis

mehrerer Kilometer und hilft den Soldaten

somit bei der Entdeckung von Drohnen

unterschiedlicher Größe und Bauart.

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 2 6 H E E R &

M

E H R

KADERSCHMIEDE

DER FLIEGER

Die Flieger- und Fliegerabwehrtruppenschule (FlFlATS) des Bundesheeres

in Langenlebarn ist – mit ihrer Außenstelle des Instituts Flieger in Zeltweg – für

die Ausbildung des Nachwuchses der gesamten rot-weiß-roten Luftstreitkräfte

zuständig. Ein Militär Aktuell-Truppenbesuch von Georg Mader.

W

as die Fliegerund

Fliegerabwehrtruppenschule

(FlFlATS)

des Bundesheeres

alles kann?

Eine gute Frage, die anfangs selbst den

heutigen Kommandanten überraschte

– und dabei ist Oberst des Generalstabsdienstes

Reinhard Kraft eigentlich

in den Luftstreitkräften groß geworden.

1998 eingerückt, hat der spätere techni-

sche Offizier und Kommandant der

ortsfesten Radarstation Steinmandl

nach Absolvierung des 19. Generalstabslehrgangs

im Juli 2018 das Kommando

von Brigadier Günter Schiefert

übernommen. Das große Aufgabenund

Leistungsspektrum seiner Schule

wurde ihm dann aber erst schrittweise

bewusst, er selbst bezeichnet die

FlFlATS heute als „kleines Geheimnis

im Bundesheer. Ich war anfangs wirklich

‚baff‘, welches Wissen und welches

Know-how hier gebündelt ist, das habe

ich zuvor nicht vermutet.“

Gegründet 1976 in Zeltweg als Fliegerschule

(FlS) und Ausbildungsstätte für

die Militärpiloten des Bundesheeres,

war die Schule zunächst weder organisatorisch

noch personell in der Lage,

alle Ausbildungsbereiche in den Luftstreitkräften

und den Fach-Themenbereichen

abzudecken. Dieses Manko

wurde erst im Juli 2007 im Rahmen der

FOTOS: GEORG MADER, BUNDESHEER,

CHRISTIOPH MATZL

M I L I T Ä R A K T U E L L


T R U P P E N B E S U C H

Bundesheer-Reform „ÖBH2010“ mit

der Aufstellung der FlFlATS aus mehreren

Dienststellen beseitigt. Um die

Truppe von sämtlichen Ausbildungsaufgaben

zu entlasten, ist die Schule

heute für die Ausbildung aller Offiziere

und Unteroffiziere der Waffengattungen

und Fachrichtungen der Luftstreitkräfte

zuständig. Das umfasst die Ausbildung

der Führungskräfte der Luftstreitkräfte,

Ausbildung der Militärpiloten

und der Fluglehrer, Fliegerabwehr,

VIELFÄLTIG Beide Ausbildungsplattformen

des Instituts Flieger beim Verbandflug in Formation,

DA40 und PC-7 (Bild links). Die Basis-

Wartausbildung erfolgt ebenso wie hier am

OH-58B an der Schule und unter den Absolventen

sind mittlerweile auch einige weibliche

Hubschrauberpilotinnen (Bilder oben).

Auf die Innovation des 360-Grad-Tower-Simulators

ist man in Langenlebarn besonders

stolz (Bild unten).

Luftfahrttechnik, Luftaufklärung, Flugsicherung

und Flugberatung, Beobachtungs-

und Identifizierungsdienst,

Radarleitdienst, Elektronischer Kampf,

das gesamte Fachpersonal des Lufttransportdienstes

sowie alle Bediensteten

im Fachbereich Gefahrgut Lufttransport,

Luftfahrzeugrettungsdienst

(Flughafenfeuerwehr), Fliegerführungsunterstützung

und Militärmeteorologie.

Eine breite Grundlagen-, Forschungsund

Entwicklungstätigkeit für alle diese

Bereiche wird durch die Grundlagenabteilung

abgedeckt, welche das Kompetenzzentrum

der Luftstreitkräfte darstellt.

Die wesentliche Leistung der

Schule ist es, die Luftstreitkräfte als

System zu lehren, die Ausbildung aller

einsatzrelevanten Themen für den

Fachstab Luft im Kommando Streitkräfte

und die Verbände der Luftstreitkräfte

(Luftraumüberwachung – LRÜ

sowie Luftunterstützung – LuU), die

Schaffung von Synergien durch waffengattungsübergreifende

Ausbildung, die

Grundlagenarbeit, Beiträge zu Einsatzaufgaben

der Luftstreitkräfte zu leisten

sowie eine gemeinsame Führung und

Verwaltung in der Ausbildung. Am

Ende der vielfältigen Ausbildungen

stehen fertige Einsatzpiloten, Fliegerabwehroffiziere

und -unteroffiziere, Fluglotsen,

Radarleitoffiziere, Typenwarte

und einige weitere Berufe. Das Besondere

daran: Die Ausbildung findet verzahnt

statt. „Der ,Fliegerabwehr-Mann‘

vermittelt Pilotenschülern Arbeitsweise

und Philosophie der bodengebundenen

Fliegerabwehr um ein Schutzobjekt, der

Pilot umgekehrt, wie er jene zu überwinden

gedenkt“, beschreibt Kraft den

Ansatz. „Oder der Luftaufklärer – hier

im Institut übrigens mittlerweile mit

neuesten Sensoren aufgewertet – illustriert

der Fliegerabwehr, wie mangelhaft

ihre Tarnung beim Einsatz von Wärmebild-Sensoren

sein kann.“

Dazu ist anzumerken, dass die Schule

für ihre Aufgaben nicht in allen Teilbereichen

über eigenes Ausbildungsgerät

verfügt, sondern sich von den Einsatzverbänden

Systeme leihen muss. Genauer:

Leihen musste. Denn seit Einführung

der Diamond DA40-Schulungsflieger

zur Ergänzung der PC-7 im

Jahr 2018 in Zeltweg und dem geplanten

Zulauf von sechs Stück des projektierten

AW169M-Hubschraubers nach

Langenlebarn ist eine Abkehr von dieser

Strategie festzustellen. Laut Kraft

war aber auch die bisherige Vorgangsweise

„kein großes Problem, weil die

Ausbildungsplanung eine sehr weitreichende

ist. Die Einteilungen für das

ganze kommende Jahr sind beispielsweise

schon jetzt abgeschlossen, die

Verbände wissen über benötigtes Gerät

und Personal sowie Reservierungen am

Truppenübungsplatz längst Bescheid.

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 2 8 H E E R & M E H R

Wir beginnen nun bereits für 2022 Eckpunkte

zu fixieren.“ Als jüngstes Beispiel

für den effizient verzahnten Materialund

Personaleinsatz nennt er eine Woche

des Luftziel-Schießens des Fliegerabwehrbataillons

2 (FlAB2) mit 80 Soldaten

im tschechischen Boletice, wo

neben dem Personal und Fliegerabwehr-Gerät

des FlAB2 und der FlFlATS

auch das Auswerte-Equipment der

Schule und PC-6 mit Schleppsack der

LuU eingesetzt wurden.

Von großer Bedeutung ist für die

FlFlATS die Grundlagenabteilung. Sie

schafft in Zusammenarbeit mit den

ausbildenden Instituten Richtlinien, die

helfen, Luftstreitkräfte im Sinne von

„Integrated Air Defence“ sicherzustellen.

Bis zu ihrer Etablierung in Rahmen

der FlFlATS waren luftwaffenspezifische

Grundlagen in den Geschwadern

und Staffeln meist nur in geschriebener

Form präsent. Diese Abteilung kann

sich nun aber – sozusagen als „Think

Tank“ – fachübergreifend auf Vorschriften

und Erprobungen konzentrieren.

Da geht es laut Kraft etwa darum „ob

und wie man mit unseren Radargeräten

Drohnen sieht.“ Oder auch darum, welche

aktuellen Entwicklungen es in

diesem Segment am Markt und auf der

Welt gibt. Dafür gab es zuvor praktisch

keine Kapazitäten, bestenfalls konnten

sich einzelne Offiziere mit Teilbereichen

wie beispielsweise der Elektronischen

Kampfführung (EloKa) beschäftigen.

„Alleine das Beispiel Drohnenabwehr

zeigt, dass das so aber nicht zu

stemmen ist. Seitdem das für Flughäfen

ein Riesenthema geworden ist, tut sich

in dem Bereich technisch laufend Neues.

Da müssen wir einfach dranbleiben.“

Die Kernaufgabe der mehrjährigen Pilotenausbildung

liegt beim Institut Flieger

in Zeltweg, wobei der Rotor-Anteil in

Langenlebarn abläuft. Ebenso im Tullnerfeld

daheim sind die Fachinstitute

Luftfahrttechnik, Fliegerabwehr und

Fliegerbodendienste. Letzteres hat übrigens

eine Außenstelle in Zeltweg, die

Lehrgruppe Luftraumüberwachung ist

NEUE FUNKTION Kommandoübergabe

durch Generalmajor

Karl Gruber an Oberst

des Generalstabsdienstes

Reinhard Kraft im Juli 2018

dort für den Nachwuchs des Radarbetriebsdienstpersonals

verantwortlich.

Sogar über die Grenzen hinaus reicht

die Tätigkeit der Lehrgruppe Luftaufklärung,

die in der deutsch-österreichischen

Ausbildungskooperation Militärluftbildner

– auch mit Lehrern aus

Langenlebarn in Deutschland – Taktik

und Verfahren der Luftbild-, Radar-,

Video- und Infrarotauswertung sowie

die Luftbildbearbeitung lehrt. Im Bereich

der Luftfahrttechnik ist die Schule

übrigens beauftragt, luftfahrttechnische

Ausbildung nach EU-Richtlinien auch

zivil zu zertifizieren. Dazu wurde in

Langenlebarn ein Ausbildungsverbund

mit der Bundesfachschule für Flugtechnik

gebildet, die FlFlATS überhahm

einen Teil der Schulerhalteraufgaben

und hilft nun dabei, etwa leitende Luftfahrttechniker

auf Ingenieursebene

auszubilden – für den militärischen

und den zivilen Bereich.

Kommen wir abschließend zur wohl

„populärsten“ Aufgabe der FlFlATS: die

sechsphasige Pilotenausbildung, die

angeblich nur wenige Anwärter durchstehen,

die Selektion sei brutal. Oberst

des Generalstabsdienstes Kraft will das

so nicht stehen lassen: „Die Auswahl ist

sicherlich streng, das will ich gar nicht

beschönigen – aber wir können es uns

nicht leisten, die intensive und kostspielige

Kernausbildung mit Leuten zu

starten, die dann in späteren Phasen

aufhören müssen.“ Was Kraft meint:

Um überhaupt als Einsatzpilot infrage

zu kommen braucht es die Feststellung

der Fliegertauglichkeit und die Absolvierung

der Kaderanwärterausbildung-

1 (beispielsweise in der Lehrkompanie

der FlFlATS), die den Kandidaten oder

der Kandidatin das soldatische Basisrüstzeug

mitgibt, inklusive Alpinausbildung.

Wird zwischenzeitlich die medizinische

und psychologische Fliegertauglichkeit

bescheinigt, kommt der

Kandidat in ein sogenanntes Assessment

Center des Heerespersonalamts.

„Dort passiert dann, was für uns und

für ihn oder sie entscheidend ist. Dort

sehen wir uns – mit unseren Einsatzpiloten

– den Menschen an, seine Teamfähigkeit,

seine Prioritätenreihung, aber

auch seine Kompromiss- und Durchsetzungsfähigkeit.“

Rund 50 Prozent der

Kandidaten, die es bis dahin geschafft

haben, kommen in die nächste Phase,

die fliegerische Eignungsfeststellung

mit 22 Stunden auf der DA40 und drei

Stunden Kunstflug auf der PC-7. Dabei

fallen nochmals rund 50 Prozent der

Anwärter weg. Heuer haben insgesamt

13 Kandidaten das Assessment Center

positiv absolviert, sieben haben dann

die praktische fliegerische Eignungsfeststellung

geschafft und wurden zur

Militärpilotenausbildung zugelassen –

von insgesamt gut 500 Kandidaten die

als „fliegertauglich“ getestet wurden.

Kraft: „Anschließend beginnt die vierjährige

Ausbildung, die mehrere Millionen

Euro pro Schüler kostet und in der

wir praktisch keine Abgänge mehr

haben. Das ist einzigartig in Europa.“

FOTO S : B U N D E S H E E R

ZUSAMMENARBEIT Deutsche „Schul-

Gäste“ und ein Lehrer der Luftaufklärung

im Auswerteshelter in Langenlebarn.

M I L I T Ä R A K T U E L L


UNSERHEER

EINE INFORMATION DES BMLV

Entgeltliche Einschaltung

Neue Hubschrauber

für das Bundesheer

Die Entscheidung ist gefallen: Das Verteidigungsministerium

kauft 18 Hubschrauber Leonardo AW169M, die Beschaffung erfolgt im

Rahmen eines „Government-to-Government“-Geschäfts in Kooperation

mit Italien und beläuft sich auf insgesamt rund 300 Millionen Euro.

Neuer Bundesheer-Transporter

Mit Ende 2023 wird die bestehende

Alouette III -Flotte durch die neuen

AW169 -Hubschrauber abgelöst –

bereits Mitte 2022 sollen die

ersten Maschinen zulaufen.

Foto: Leonardo

Sie sind als leichte Mehrzweckhubschrauber

gekommen und werden

2023 als Legenden gehen: Nach

56 Jahren im Dienste des Bundesheeres,

Tausenden geflogenen

Einsätzen und Missionen im In- und

Ausland gelangen die Alouette III

dann an ihr Lebensende und müssen

aus technischen Gründen

ausgeschieden werden. Mit der

Planung der Ausphasung wurde

daher bereits im Jahr 2011

UNSERHEER


egonnen und 2018 wurde im Ministerrat

schließlich ein Hubschrauber-

und Mobilitätspaket für die

Sicherstellung des Katastrophenschutzes

durch das Bundesheer

beschlossen. Durch das Verteidigungsministerium

wurden in weiterer

Folge ein Pflichtenheft und eine

technische Leistungsbeschreibung

erstellt, in denen alle Kriterien, die

der Hubschrauber erfüllen muss,

aufgelistet wurden. Es handelt sich

dabei um 376 Muss- und Soll-Kriterien.

In weiterer Folge wurden Partnernationen

gesucht, die einerseits

selbst gerade eine Hubschrauberbeschaffung

mit einem ähnlichen

Anforderungsprofil beabsichtigen

und andererseits auch willens sind,

mit dem Bundesheer in den Bereichen

Beschaffung, Logistik, Ausbildung,

Betrieb und Einsatz zu ko -

operieren.

Mitte September wurde dann vom

Verteidigungsministerium die Entscheidung

für den AW169M des

italienischen Herstellers Leonardo

bekannt gegeben. Um rund 300 Millionen

Euro werden insgesamt 18

Stück des Musters im Rahmen eines

sogenannten „Government-to-

Government“-Geschäfts gemeinsam

mit Italien beschafft. Das Modell ist

besonders leistungsstark und damit

auch für Einsätze im Gebirge bestens

geeignet. Seine Avionik ermöglicht

das Fliegen auch bei Nacht

beziehungsweise bei schlechten

Witterungsbedingungen. Das System

beinhaltet zudem mehrere Ausstattungen,

die den Hubschrauber

für eine Vielzahl von Missionen einsetzbar

machen: Für Personen- und

Materialtransporte ebenso wie zum

Löschen von Waldbränden, zur Luftaufklärung

und vielem mehr. Dazu

kommt: Durch den raschen Wechsel

der unterschiedlichen Missionsausstattungen

werden die Flexibilität

zur Auftragserfüllung sowie die

Durchhaltefähigkeit in den einzelnen

Fähigkeitsbereichen verbessert.

Entscheidend für die Beschaffung

waren letztlich aber vor allem die

vielen Kooperationsmöglichkeiten,

die sich mit Italien auch anschließend

an die Beschaffung beim Betrieb

und bei Einsätzen, im Bereich

Ausbildung und Simulation, bei der

Einführung gemeinsamer Standards

und im Bereich Logistik und Materialerhaltung

ergeben. Beim engeren

Mitbewerb – neben Italien waren

zuletzt auch Deutschland (Airbus)

und die USA (Bell) im Rennen

– hätte man dahingehend letztlich

zu viele Kompromisse eingehen

müssen.

Mit dem von den USA forcierten

Hubschrauber wäre beispielsweise

eine Kooperation in den Bereichen

Betrieb, Ausbildung und Logistik

auszuschließen gewesen, da dieser

Typ bei den US-Streitkräften nicht

Geplante Zeitleiste der AW169-Systemeinführung

Grafik: Bundesheer, Foto: Leonardo

UNSERHEER


Entgeltliche Einschaltung

Wie sollen die neuen

AW169 eingesetzt

werden?

Insgesamt ist die Beschaffung von

18 Hubschraubern geplant, davon

werden zwölf als Einsatzhubschrauber

am Fliegerhorst Fiala Fernbrugg

in Aigen/Ennstal stationiert, die übrigen

sechs Maschinen kommen als

Schulungshubschrauber in Langenlebarn

zum Einsatz. Das Aufgabenspektrum

wird weitgehend dem der

Alouette III-Hubschrauber entsprechen,

aufgrund der Größe und Leistungsfähigkeit

der AW169 bestehen

aber auch darüber hinaus weitere

Einsatzmöglichkeiten. Das reicht von

einer höheren Transportkapazität in

der Kabine über die Möglichkeit,

schwerere Außenlasten zu transportieren

bis hin zur Fähigkeit, auch

unter Instrumentenflugbedingungen

zu fliegen. Ein Vorteil ist die höhere

Transportkapazität etwa auch bei

Löscheinsätzen: Während die

Alouette III Löschbehälter mit 500

Litern transportieren kann, ist der

AW169 in der Lage, die dreifache

Menge Löschwasser aufzunehmen.

Sind die Lebenszykluskosten

höher als bei

anderen Helis?

Das kommt auf die Sichtweise

an. Die in den Medien derzeit

kolportierten Flugstundenkosten

(Bell 429 rund 800 Euro,

H-145 1.000 Euro und AW169

1.300 Euro) stammen aus

einer zivilen Datenbank, die in

der Zivilluftfahrt verwendet wird

und beziehen sich somit auf die

jeweilige zivile Version der

Typen. Es wurde hier aber keine

Relation zu den Größen und

Fähigkeiten der Hubschrauber

hergestellt. Da der AW169 erst

seit 2015 auf dem Markt ist,

sind die Zahlen zudem noch

einer größeren Schwankungsbreite

unterworfen.

Zu möglichst geringen Flugstundenkosten

soll auch eine enge

Zusammenarbeit mit der italienischen

Armee beitragen.

Ist in Zukunft auch

eine Bewaffnung der

Hubschrauber geplant?

Ja, für einige Maschinen sind

Waffen-Einrüstungspakete geplant.

Diese sollen laut militärischem

Pflichtenheft aus folgenden

Komponenten bestehen:

Bordkanone (12,7 mm oder

2 cm), gelenkte beziehungsweise

ungelenkte Raketen,

idealerweise eine mit Laser

endphasengesteuerte Lenk -

rakete, ein FLIR (Forward

Looking Infrared), das neben

Luftaufklärungsaufgaben auch

für einen präzisen Waffeneinsatz

verwendet werden kann,

und ein im Hubschrauber

integrierter Waffenrechner

inklusive Visiermöglichkeit.

Die Waffen sollen auf einem

Träger aufgebaut sein, der innerhalb

weniger Stunden in den

Hubschrauber ein- und ausbaubar

ist. Die genauen Spezifikationen

müssen noch ausverhandelt

werden.

UNSERHEER


Entgeltliche Einschaltung

betrieben wird. Deutschland wiede -

rum beabsichtigt die Beschaffung

von rund 60 leichten Mehrzweckhubschraubern

erst ab Oktober

2024 durchzuführen, wodurch sich

nach dem Ausscheiden der rot-weißroten

Alouette III mit Ende 2023

eine beträchtliche Fähigkeitslücke

aufgetan hätte.

Die ersten neuen Maschinen sollen

ab Mitte 2022 zulaufen, die letzten

dann Anfang 2024 landen. Die Einsatzstaffel

mit zwölf Leonardo

AW169M werden in Aigen/Ennstal

stationiert; die anderen sechs

Maschinen finden als Schulhubschrauber

Verwendung. Dadurch kann

die Ausbildung effizienter gestaltet

werden und die Einsatzstaffeln werden

von Ausbildungsaufgaben entlastet.

Bei Bedarf können die Schulhubschrauber

aber jederzeit auch für

Einsatzaufgaben herangezogen werden.

In Vorarlberg, Tirol und Kärnten

sind beziehungsweise werden dafür

temporäre Hubschrauberstützpunkte

errichtet, damit der neue Hubschrauber

bei Bedarf auch dort betrieben

werden kann.

Zunächst gilt es aber die Verhandlungen

mit Italien über die Beschaffung

der neuen Hubschrauber und

über die Details der Kooperationsfelder

zum Abschluss zu bringen –

Ist der AW169 als

Schulungshubschrauber

nicht zu groß?

Nein, der AW169 wird auch in

Italien als Schulhubschrauber

verwendet. Der Vorteil in der

Verwendung eines identen

Hubschraubers für Einsatz

und Ausbildung liegt darin,

dass der Großteil der Schulung

bereits am Schulhubschrauber

durchgeführt wird und eine

Umschulung auf den Einsatzhubschrauber

in weiterer Folge

nicht mehr erforderlich ist.

Darüber hinaus können auch

Ausbildungsaufgaben, die

derzeit den Einsatzstaffeln

zugeordnet sind, durch die

Schulhubschrauber erledigt

werden und die Einsatzstaffeln

so entlasten. Dies führt unter

dem Strich zu einer höheren

Verfügbarkeit von Hubschraubern

für die Erfüllung der Einsatzaufgaben.

ein positiver Entscheid ist voraussichtlich

für das erste Halbjahr

2021 zu erwarten.

Was ändert sich

dadurch für Personal

und Infrastruktur?

Ein Erstpaket an Umschulungen

für Piloten und Techniker soll im

Zuge der Vertragsverhandlungen

berücksichtigt werden und beim

Kooperationspartner Italien

stattfinden. Zukünftige Ausbildungen

werden dann durch das

Bundesheer selbst durchgeführt.

Das Abstellen und die

Materialerhaltung sind in den

verfügbaren Hangars auf den

jeweiligen Militärflugplätzen

möglich. Dafür werden Adaptierungen

hinsichtlich Stromversorgung,

Lager, Maßnahmen der

militärischen Sicherheit erforderlich

sein – am Fliegerhorst

Fiala Fernbrugg sollen rund drei

Millionen Euro investiert werden.

In Bezug auf Simulatoren

wird der genaue Bedarf erst

nach Abstimmung mit dem

Kooperationspartner ermittelt.

Impressum: Amtliche Publikation der Republik Österreich / Bundesministerium für Landesverteidigung. Medieninhaber, Herausgeber und

Hersteller: Republik Österreich / Bundesministerin für Landesverteidigung, BMLV, Roßauer Lände 1, 1090 Wien. Erscheinungsjahr: 2020.

UNSERHEER

Foto: Leonardo


I N T E R V I E W

FILM AB

Für die diesjährige Leistungsschau des Bundesheeres

hat Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky

sieben Kurzfilme gedreht, in denen er die Integrations-

und Inklusionskraft des Bundesheeres

ins Zentrum rückte. An seine eigene Zeit beim

Heer denkt er mit gemischten Gefühlen.

Interview: SARAH WETZLMAYR

FOTO : B U N D E S H E E R / P U S C H

err Ruzowitzky, wie

H

haben Sie reagiert,

als Sie gefragt wurden,

ob Sie die Kurzfilme

für die Leistungsschau

des Bundesheeres

am Nationalfeiertag (zu

sehen auf nationalfeiertag2020.jetzt)

drehen möchten?

Ausschlaggebend war, dass ich bei der

Entscheidung darüber, welche Themen

ich stärker herausarbeiten möchte, relativ

frei war. Zu diesen Themen zählt für

mich vor allem die große Integrationsund

Inklusionskraft des Bundesheeres.

Diesen Aspekt zu beleuchten finde ich

nicht nur höchst interessant, sondern

auch gesellschaftlich wichtig. Als ich gemerkt

habe, dass es die Möglichkeit gibt,

die Kurzfilme stärker in Richtung Diversität

und Inklusion zu lenken, war ich

eigentlich sofort dabei. Diese schon

angesprochene Vielfalt spiegelt sich

nun auch in den Videoporträts wider.

Bei den Kurzfilmen handelt es sich

also nicht um klassische Werbefilme?

Natürlich gab es inhaltliche Vorgaben

und wir haben uns gut miteinander

abgestimmt. Mir war auch klar, in welchem

Zusammenhang die Videos gespielt

werden und dass es sich dabei

nicht um eine rein journalistische Auf -

arbeitung einer Fragestellung handelt,

sondern ein gewisses patriotisches

Pathos für diesen Anlass einfach vorhanden

sein muss. Ansonsten war ich in

meiner Arbeit aber relativ frei. Wenn

ich mit meinem Namen bei so einem

Projekt involviert bin, sind mir diese

Freiräume auch sehr wichtig.

Welche Beziehung hatten Sie davor

zum Bundesheer?

Ich habe den Präsenzdienst absolviert,

muss aber sagen, dass diese Zeit für

mich keine besonders schöne war. Dafür

war sie prägend. Auch in Bezug auf jene

Themen, die mich beim Filmen der

Videos umgetrieben haben. Ich habe

damals als 18-jähriger Maturant verstanden,

dass die Welt nicht voller Maturanten

ist und es Menschen gibt, die völlig

andere Biografien und Weltbilder haben

als jene, die ich aus meiner Blase gekannt

habe. Es ist definitiv etwas anderes ob du

sechs Monate im selben Zimmer wohnst

oder du jemandem, der ein völlig anderes

Weltbild hat, nur kurz begegnest. In

einer so langen Zeit müssen Konflikte

ausgetragen werden, da kann man sich

nicht einfach aus dem Weg gehen. Das

war für mich definitiv eine wichtige und

auch eine gute Erfahrung.

Was muss aus Ihrer Sicht ein modernes

Heer in Zukunft leisten können?

Es gibt beim Bundesheer einerseits ein

traditionelles und in manchen Bereichen

etwas überholtes Bild vom Soldaten,

andererseits aber auch Ansätze eines

modernen Heeres, bei dem es nicht nur

um den Dienst an der Waffe, sondern

auch um Zivil- und Katastrophenschutz

geht. Ich habe bei den Dreharbeiten viele

sehr zeitgemäß denkende Menschen

kennengelernt und man sieht in den

Kurzfilmen junge, verantwortungsvoll

denkende Menschen, die über Österreich

und die Aufgaben eines modernen

Heeres sprechen und den Zusehern damit

Möglichkeiten zur Identifikation

bieten. Auch aufgrund meiner eigenen

Erfahrungen weiß ich, dass die Zeit des

Präsenzdienstes für jungen Menschen

sehr prägend sein kann und man sollte

sich deshalb gut überlegen, wie sie geprägt

werden sollen. Dieser Gedanke ist

mir wichtig und auch ein Grund dafür,

warum ich diesen Auftrag angenommen

habe.

Was war für Sie der überraschendste

Moment während der Dreharbeiten?

Ich wusste davor beispielsweise nicht,

wie groß die Vielfalt an kulturellen Hintergründen

beim Bundesheer tatsächlich

ist. Spannend fand ich unter anderem,

dass Rekruten, die aus patriarchalischen

Kulturen kommen, es oft als sehr unangenehm

empfinden, von einer Frau kommandiert

zu werden. Ich finde solche

Reibungen aber gut und wichtig. Wenn

sie dabei lernen, dass bei uns Frauen

eben auch in Führungspositionen sind,

dann ist das eine gute Sache. Anders -

herum haben junge Menschen aus eher

ländlichen Gegenden, die Menschen mit

Migrationshintergrund vielleicht nur aus

der Zeitung kennen, beim Bundesheer

die Chance, Rekruten mit anderen ethnischen

Zugehörigkeiten kennenzulernen.

Ich halte das für eine sehr wichtige

Funktion des Bundesheeres.

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 3 4 H E E R & M E H R

NEUE HERAUSFORD

HEER

Das Szenario der Panzerschlacht im Marchfeld gehört längst der

Vergangenheit an – nun stehen Blackouts, Cyberangriffe und

Terroranschläge auf den Bedrohungslandkarten des Bundesheeres

ganz oben. Ein Gespräch mit Generalmajor Bruno Hofbauer, Leiter

der Abteilung Grundsatzplanung im Verteidigungsministerium.

Interview: JÜRGEN ZACHARIAS

err Generalmajor,

Hrund um das Bundesheer

war zuletzt immer

öfter von den sogenannten

„neuen Bedrohungen“

die Rede.

Was ist damit konkret gemeint?

Manche denken vielfach noch, dass das

Bundesheer in den Mustern des Kalten

Krieges mit seinen klar definierten Gegenpolen

und seiner relativen Stabilität

verhaftet wäre. Die Welt hat sich seitdem

aber entscheidend weitergedreht,

eine derart klare konventionelle Bedrohung

wie damals gibt es aktuell nicht,

das Szenario der viel zitierten Panzerschlacht

im Marchfeld ist längst

Geschichte. Allerdings sehen wir uns

nun zunehmend mit neuen potenziellen

Gefahren konfrontiert und da stehen in

unseren Risikoanalysen souveränitätsgefährdende

Cyberangriffe ebenso wie

Terroranschläge, Blackouts, Folgen des

Klimawandels oder auch globale Pandemien

ganz oben.

Im Unterschied zu damals, als man

einen klar definierten Gegner hatte,

ist bei den neuen Bedrohungen nicht

sofort klar, wer dahintersteckt, oder?

Genau, und das bedeutet auch einen

gewaltigen Umdenkprozess. Schon unmittelbar

nach dem Zusammenbruch

der Sowjetunion hat die Jugoslawien-

Krise im Jahr 1991 gezeigt, wie unvorhersehbar

und schnell sich Dinge geopolitisch

ändern können und dass diese

Änderungen durchaus auch Auswirkungen

auf Österreich haben können.

Wer hätte im Vorfeld den Brexit für

möglich gehalten oder die Entwicklungen

in der Ukraine? Auf 9/11 folgte

quasi über Nacht ein globaler Krieg gegen

den Terror, das Bundesheer stand

plötzlich mit Truppen in Afghanistan

FOTO : G E T T Y I M AG E S

M I L I T Ä R A K T U E L L


I N T E R V I E W

ERUNGEN FÜR DAS

und auch im laufenden Jahr haben wir

mit der Corona-Pandemie und zuletzt

mit dem Terroranschlag in Wien Dinge

erlebt, die als unwahrscheinlich galten.

Wer sagt uns, dass es nicht schon morgen

wieder eine ähnliche Zäsur etwa in

Form eines großen Cyberangriffes oder

eines Blackouts gibt?

Hat sich damit die Ausrichtung des

Bundesheeres geändert?

Ein Stück weit natürlich, wobei wir

nicht außer Acht lassen dürfen, dass

der klassische konventionelle Konflikt

möglicherweise nur vorübergehend in

den Hintergrund getreten ist. Wir sehen

im Osten, aber auch im Südosten

Entwicklungen, die für uns in den

nächsten zehn bis 15 Jahren militärisch

wieder relevant werden könnten, auch

die Situation auf dem Balkan ist nach

wie vor nicht befriedet. Nichtsdestotrotz

müssen wir uns nun aber auch

verstärkt anderen Bedrohungen zuwenden

und diese können ihre Ursache

durchaus auch in einem technischen

Gebrechen haben, wenn wir beispielsweise

an die Möglichkeit eines Blackouts

denken.

Wie schwer sind diese neuen Bedrohungen

zu fassen? Bei einem Blackout

werden wir zunächst wohl nicht

einmal wissen, ob es sich tatsächlich

um einen Blackout handelt oder nur

um einen Stromausfall, bei Cyberangriffen

wird zumindest anfangs unklar

sein, wer da mit welchem Ziel

angreift.

Das ist ein ganz wesentlicher Punkt.

Die militärische Landesverteidigung

muss prinzipiell immer eine Beziehung

zur Souveränitätsgefährdung haben

und mit einem Angriff von außen verbunden

sein, was in diesen Fällen meist

nur schwer belegbar sein wird. Nichtsdestotrotz

werden wir wohl schnell zur

Assistenz gerufen und dabei muss uns

klar sein, dass wir es zunächst mit einer

möglicherweise auch länger dauernden

Phase der Unwissenheit zu tun haben

werden. Beim Terroranschlag in Wien

war zunächst auch nicht klar, welche

Größenordnung dieser hat, wie viele

Täter es tatsächlich sind und wie diese

ausgerüstet sind. Ähnlich wird es auch

im Fall einer Cyberattacke oder eines

Blackouts sein. Wir müssen uns darauf

vorbereiten, dass es dann in gewissen

Bereichen auch zu einem Kontrollverlust

kommen kann und sich schon

nach zwei bis drei Tagen das Recht des

Stärkeren beginnen wird durchzusetzen.

Ereignisse wie der Hurrikan Katrina

zeigen, dass der plötzlich rechtslose

Raum sehr schnell von diversen Gruppierungen

übernommen wird und

damit müsste man im Falle eines

Blackouts auch hierzulande rechnen.

Wenn Assistenz geleistet werden

soll, muss das Bundesheer dazu aber

auch in der Lage sein. Verfügt das

Heer über eine entsprechende

Durchhaltefähigkeit?

Durch fehlende Mittel sowie die erfolgte

Fokussierung auf den Einsatz im Ausland

hatte die Autarkie der österreichischen

Kasernen in den vergangenen

Jahrzehnten keine Priorität. Jetzt fahren

wir das aber wieder hoch. Beginnend

mit heuer werden bis 2025 unsere 100

wichtigsten Liegenschaften so adaptiert,

dass sie zumindest eine 14-tägige Autarkie

erreichen. Dabei geht es nicht nur

um den Strom, sondern auch um die

Wasserversorgung, um den Betrieb der

Küchen und der Sanitärbereiche sowie

um die Bevorratung mit Lebensmitteln

und Sanitätsmaterial und nicht zuletzt

um die militärische Kommunikation. Es

wird im Fall eines Blackouts natürlich

eine große Herausforderung sein, unsere

Soldatinnen und Soldaten zu erreichen.

Nach einer überschaubaren Zeit

werden die Handynetze niedergehen

und niemand kann garantieren, dass

dann die Festnetzverbindungen flächendeckend

funktionieren. Es gilt daher

innerhalb der ersten 24 Stunden die

wesentlichsten Befehle hinauszubekommen.

Innerhalb dieser Zeit müssen wir

auch ein gutes erstes Lagebild aufgebaut

haben und erste Kräfte in den Einsatz

schicken können.

Sie haben gesagt, dass beginnend

mit heuer die 100 wichtigsten Liegenschaften

des Bundesheeres eine

Grund-Autarkie erhalten sollen –

was ist da konkret geplant?

Wir haben dafür schon vor längerer

Zeit eine Priorisierung der Liegenschaften

vorgenommen, von besonders wichtigen

Führungseinrichtungen und dem

Jagdkommando über die festgelegten

Sicherheitsinseln und potenziellen

Back-up-Lösungen für diese bis hin zu

den Bataillonskasernen und kleineren

Einrichtungen. In fünf Jahren sollten wir

diese mit Investitionen von rund 20

Millionen Euro pro Jahr hochgerüstet

haben.

Was wird mit dem Geld gemacht?

Im Wesentlichen geht es darum, eine

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 3 6 H E E R & M E H R

Infrastruktur zu schaffen, wie man sie

auch aus den Camps im Auslandseinsatz

kennt. Da garantiert ein Stromgenerator,

dass die Stromversorgung

auch dann gewährleistet ist, wenn die

Leitung von außen gekappt wird, und

dass Küchen, Werkstätten und die

Führungsinfrastruktur weiterbetrieben

werden können. Parallel dazu geht es

darum, die Wasserversorgung sicherzustellen

und unsere internen Kommunikations-

und Führungsmittel

weiterzubetreiben.

Jetzt könnte ein Blackout wie vorhin

erwähnt auf ein technisches Gebrechen

zurückzuführen sein. Denkbar

wäre aber auch, dass ein Cyberangriff

oder eine terroristische Aktion

der Auslöser sind.

Beides entspricht unserer Beurteilung

über das Vorgehen eines Gegners in

einem hybriden Konflikt. Jedoch muss

man dabei auch die Zielsetzung eines

Angreifers berücksichtigen und die aus

seiner Sicht sinnvollen Abläufe beachten.

Was meinen Sie damit?

Nehmen wir an, es handelt sich tatsächlich

um Terroristen, die einem

Land schaden wollen, dann wollen diese

größtmögliche Aufmerksamkeit für

ihre Aktionen …

… die sie aber nicht bekommen, weil

aufgrund des Stromausfalls nicht über

den Angriff berichtet werden kann?

Genau. Wer einen Terroranschlag ausführt,

der zielt darauf ab, dass darüber

auch kommuniziert wird. Von der Abfolge

her wird ein terroristischer Angriff

daher zeitlich wohl vor einem gesteuerten

Blackout stehen, eventuell erfolgt

parallel aber ein gezielter Cyberangriff.

Dazu kommt, dass gezielte Attacken auf

Teilbereiche weit wirkungsvoller sein

können, als ein kompletter Blackout.

Ein hybrider Gegner, der über diese

Fähigkeiten verfügt, könnte etwa gezielt

Einzelsysteme angreifen, was einen ähnlichen

Kontrollverlust zur Folge hätte,

ihm aber gleichzeitig die Möglichkeit

einräumt, parallel dazu oder anschließend

auch andere Systeme zu attackieren.

So kann er die unsichere Lage noch

besser für seine Zwecke nutzen. Das ist

bei einem kompletten Blackout nicht

möglich.

Inwieweit braucht es zur Bekämpfung

dieser neuen Bedrohungen weiterhin

auch konventionelle Kräfte?

Wie gesagt können wir nicht ausschließen,

dass wir es innerhalb der kommenden

Jahre nicht wieder mit einem konventionellen

Gegner zu tun bekommen,

außerdem müssen wir stets in der Lage

sein, unsere Grenzen und auch wichtige

Räume und Verkehrswege militärisch

zu schützen. Dabei geht es um Land

und Luft, aber zunehmend eben auch

um den Cyberspace und um den Informationsraum.

In Richtung Blackout werden, wie Sie

gesagt haben, jährlich 20 Millionen

Euro in die Kasernen investiert, beim

Thema Cyber ist gemeinsam mit dem

Bundeskanzleramt und dem Innenministerium

der Aufbau eines Cybersicherheitszentrums

geplant. Wie gut

ist das Bundesheer mittlerweile auf

die neuen Bedrohungen vorbereitet?

Im Cyberbereich sind wir schon jetzt

sehr gut beim Schutz unserer eigenen

Netze, das haben wir immer sehr ernst

genommen. Im militärischen Kernbereich

gilt es nun auch beim Kampf im

Cyberspace und bei Electronic Warfare

besser zu werden und dort mit Zielrichtung

2030 Fähigkeiten auch auf taktischer

Ebene aufzubauen. Um das geeignete

militärische Personal für den

Kampf im Cyberspace zu bekommen

beginnen wir mit einem entsprechenden

Masterstudiengang. Ziel ist es, Offiziere

speziell dafür auszubilden. Das geplante

Cybersicherheitszentrum hingegen ist

ein wichtiger Schritt zur gesamtstaatlichen

Vorkehrung gegen Cyber-Attacken,

wo sich das Bundesheer auch einbringen

kann. Ein wichtiges Instrument,

um neuen Bedrohungen zu begegnen,

sind übrigens auch Drohnen, wo wir

demnächst wichtige Entwicklungsschritte

setzen wollen.

Was ist dahingehend geplant?

Drohnen sind für uns primär Sensor -

träger, allerdings auf verschiedenen

Ebenen. Wir streben derzeit eher keine

„High Altitude Long Endurance“-Drohnen

an, aber in der mittleren Höhe

müssen wir mittelfristig dabei sein.

Da reden wir von Drohnen mit 150

Kilometer Reichweite, die über Bild -

aufklärungsfähigkeiten oder auch

Möglichkeiten zur Signal Intelligence

verfügen. Wir denken aber auch an

Drohnen für die Aufklärungszüge in

den Jägerbataillonen und an Bodensensoren

und Robotersysteme, die in

Häuser oder in Keller vordringen und

mit ihren Kameras und anderen Sensoren

ein Lagebild liefern. Das urbane

Umfeld verlangt nach verschiedensten

Arten von fernbedienbaren Systemen,

FOTO S : P I X A B AY, G E L I G O L D M A N N

M I L I T Ä R A K T U E L L


I N T E R V I E W

GENERALMAJOR

BRUNO HOFBAUER

„Durch Corona ist das Bewusstsein,

in den Sicherheitsbereich

zu investieren,

sicher gewachsen, was ja

auch die gestiegenen Verteidigungsetats

für dieses

und nächstes Jahr zeigen.“

ABSOLUTE FINSTERNIS Im Falle eines Blackouts und

eines damit verbundenen überregionalen Strom- und Infrastrukturausfalls

könnte schon nach wenigen Tagen das

Recht des Stärkeren gelten.

die das Risiko für die Soldaten minimieren.

Sind derartige Systeme in Zulauf?

Die ersten Drohnen haben wir mit dem

System Tracker ja bereits, das war der

Versuchsträger, um zu sehen, wie das

funktioniert. Nun gilt es diesen Bereich

zu intensivieren, die entsprechenden

Pakete sind bereits in der Ausplanung.

In Hinblick auf das nun definierte Terrorpaket

gibt es ein klares Bekenntnis

des Generalstabschefs, den Ausbau der

Aufklärungsfähigkeiten zu forcieren,

und da gehören Drohnen ganz einfach

dazu. Über die nächsten Jahre sollen

diese Pakete dann eingeleitet werden,

ich gehe davon aus, dass wir damit bei

den Drohnen ähnlich wie bei der Blackout-Prävention

und im Cyberdefence-

Bereich mittelfristig deutliche Verbesserungen

erreichen.

Welche Rolle spielte die Coronakrise

für die geplanten Verbesserungen?

Wurde damit die Verwundbarkeit unserer

Gesellschaft und die Notwendigkeit

von Investitionen aufgezeigt?

Corona hat ganz sicher gezeigt, dass wir

es mehr oder weniger aus heiterem

Himmel mit Situationen zu tun bekommen

können, die davor als unwahrscheinlich

galten, aber trotzdem unsere

Sicherheit gefährden können. Insofern

ist dadurch das Bewusstsein, in den

Sicherheitsbereich zu investieren sicher

gewachsen, was ja auch die Verteidigungsetats

für dieses und nächstes Jahr

zeigen. Natürlich können damit nicht

alle nötigen Fähigkeiten gleich erreicht

werden, aber es ist in jedem Fall ein

guter Schritt in die richtige Richtung,

den wir nun nutzen werden, um besser

auf die aktuellen Bedrohungen reagieren

zu können.

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 3 8 H E E R &

M

E H R

MISSIONPOSSIBLE

OUTDOOR ÜBERLEBEN MIT DEM

JÄGERBATAILLON

Von der Wasser- sowie Nahrungsbeschaffung und der Orientierung im Gelände

bis zum Überwinden eines Gewässers: Gemeinsam mit dem Jägerbataillon 25

beschreiben wir in dieser neuen Serie ab sofort in jeder Ausgabe unterschiedlichste

Outdoor-Überlebenstechniken. Dieses Mal: Die Wahl der richtigen

Ausrüstung (I), die Einrichtung eines Nachtlagers (II) und das Anlegen eines

Feuers (III).

Text: JÜRGEN ZACHARIAS Fotos: SEBASTIAN FREILER

W

as braucht man, um sich

mehrere Tage in der

Wildnis durchzuschlagen?

Nahrung und Wasser

natürlich, aber auch einen regengeschützten

Unterschlupf, um sich auch

bei schlechtem Wetter auszurasten und

zu schlafen, eine Möglichkeit sich zu

wärmen und manches mehr. Nicht immer

wird es möglich sein, die benötigte

Ausrüstung komplett mitzuführen – ihr

Gewicht, aber auch das Wetter, das Gelände

und vor allem unsere körperlichen

Voraussetzungen schränken die Möglichkeiten

ein. Besser ist es daher, in einem

ersten Schritt nur das Notwendigste

zu packen und dabei gedanklich von

einem Worst-Case-Szenario auszugehen,

wie die Experten vom Jägerbataillon

25 erklären: Was braucht man unbedingt,

wenn der schlimmste denkbare

Fall einträte? (Funktions-)Kleidung

beispielsweise, aber auch einen Topf,

um Wasser zu kochen und Essen zuzubereiten.

Feuerzeug oder Zünder für ein

Feuer, Spagat, Draht und eine Plane

oder einen großen Regenponcho zum

Bau eines Nachtlagers. Wir benötigen

einen Rucksack, um die Ausrüstung

transportieren zu können, und in jedem

Fall ein Multifunktionstool, das nützliche

Elemente wie eine Zange, eine Säge

und Klingen enthält. Auch eine (gefüllte)

Wasserflasche und etwas Proviant

sollten zur Basisausstattung gehören.

I)

2

1

DIE RICHTIGE

AUSRÜSTUNG

Notfallpaket

FÜR ALLE FÄLLE In einer kleinen Tasche (1) sollte alles verpackt werden, was unbedingt

zum Überleben notwendig ist. Ins Notfallpaket gehören beispielsweise (sofern nicht

ohnehin in einem San-Paket enthalten) Verband und Rettungsdecke (2), Wickeldraht und

Nägel (3), kleine Knicklichter (reicht um in der Nacht zumindest in der direkten Umgebung

etwas zu sehen) und ein Feuerstab (4), Taschenkompass, Tampon (als Zunderersatz)

und Spagat (5), Chlortabletten (zur Wasseraufbereitung) und Feuerzeug (6) sowie eine

Lampe und ein Multifunktionstool (7).

4

3

7

6

5

Expertentipp

„Beim Packen sollte

man zunächst von einem

Worst Case-Szenario

ausgehen. Was benötigen

wir unbedingt, um zu

überleben? Danach

werden – abhängig vom

zur Verfügung stehenden

Platz – alle anderen

Ausrüstungsgegenstände

gepackt.“

Soldat des

Jägerbataillons 25

M I L I T Ä R A K T U E L L


S U R V I V A L G U I D E

Mit dem notwendigen Wissen lässt sich

darüber hinaus benötigte Nahrung –

abhängig von der Jahreszeit – auch unterwegs

finden: Beeren und Schwammerl

stehen ebenso auf dem Speiseplan

der Natur wie Flusskrebse, Fische, Nüsse

und Äpfel. Im Notfall sind aber auch

Schnecken und Teile von Pflanzen wie

Löwenzahn und Brennessel (!) genießbar

(dazu in einer der nächsten Ausgaben

mehr). Abhängig von den persönlichen

Bedürfnissen sowie den Klimaund

Geländebedingungen sollten auch

Medikamente, Regenschutz und spezielle

Ausrüstung wie Kletterequipment

Teil unserer Basisausstattung sein.

Weitere Ausrüstungsgegenstände wie

ein Zelt, ein Schlafsack, eine Unterlagsmatte

und weitere Kochausrüstung sind

zwar nicht lebenswichtig, aber doch

recht praktisch. Sie sollten aber nur mitgeführt

werden, wenn dafür noch Platz

im Rucksack ist und man diesen anschließend

auch noch bequem tragen

kann. Leichtes Gepäck bedeutet, dass

man sich weniger anstrengen muss und

längere Strecken schafft. Im Zweifel

sollte daher nicht unbedingt benötigte

Ausrüstung zurückgelassen werden,

eine Unterlagsmatte lässt sich beispielsweise

auch durch Naturmaterialien wie

Laub ersetzen.

Abschließend noch einige Tipps zum

Packen: Die Ausrüstung sollte idealerweise

in einem wasserdichten Innensack

im Rucksack verstaut werden. Die regelmäßig

benötigten Tools kommen gut

erreichbar in Seiten- oder Deckelfächer

und was als Erstes gebraucht wird,

kommt zuletzt in den Rucksack.

STANDARDAUSRÜSTUNG INFANTERIST (FÜR KÜHLE TAGE) BEIM JÄGERBATAILLON 25

Zivilisten können das militärische Equipment (mit Ausnahme der Bewaffnung natürlich) durch handelsübliche Produkte ersetzen. Zur Ausrüstung gehören: Thermojacke,

Haube, Regenhose und Regenjacke (1), Funktionshirts (Kurz- und Langarm), Socken und Dreieckstuch (2), Handschuhe und Gamaschen (3), Sturmgewehr StG77 (4),

Kampfweste mit Feldmesser, das Erweiterte Selbst- und Kameradenhilfeset (Tasche, siehe Details unten) und Gürtel mit Pistole P80 (5), Essgeschirr, Einmannkocher und

Besteck (6), Helm, Regenponcho (siehe Details unten) und Trinkflasche (7), Stirnlampe, Kompass (Bussole), Spanngurte und große Knicklichter (8) sowie ein Notfallpaket

(siehe Details linke Seite) und eine Unterlagsmatte (9). Bei Bedarf wird die Ausrüstung um Schlafsack, Proviant und weitere Gegenstände ergänzt.

7

3

1

8

9

6

5

4

2

Regenponcho

MULTITALENT Ein Regenponcho

schützt uns und unsere Kleidung

vor Regen, kann aber auch als

Plane und sogar zum Bau eines

kleinen Unterschlupfs verwendet

werden. Zu diesem Zweck (idealerweise

bereits im Vorfeld) mit Gewebeband

die Halsaussparung fest

verschließen und an Ösen des Ponchos

Erdnägel (vier Stück reichen)

befenstigen. Mit diesen lässt sich

der Poncho beim Bau des Unterschlupfs

wie eine Zeltplane im

Boden befestigen.

Erweitertes Selbst-

& Kameradenhilfeset

ERSTE HILFE Das Erweiterte Selbst- und Kameradenhilfeset

enthält alles, was auch ein gutes Erste-Hilfe-Paket enthalten sollte,

unter anderem: Beatmungsmaske und Rettungsdecke, blutstillende Kompressen, Einmal-

Handschuhe, (Druck-) Verbände und ein Torniquet (zum Abbinden von lebensbedrohlichen

Blutungen an Extremitäten). Besonders praktisch ist der Cutter (rechts oben), mit dem die

Kleidung von Verletzten rasch aufgeschnitten werden kann, ohne den Patienten (wie das

möglicherweise bei einem spitzen Messer der Fall wäre) zu verletzen.

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 4 0 H E E R &

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II)

NACHTLAGER

ERRICHTEN

Lagerplatz suchen

UMGEBUNG EINSCHÄTZEN

Zuerst suchen unsere beiden Gefreiten Markus

S. und Elias A. den bestmöglichen Platz für

das Nachtlager. Dabei nach Felsüberhängen,

Ästen, Wurzeltellern von umgestürzten Bäumen

oder anderen Strukturen Ausschau halten, die

uns die Arbeit erleichtern oder überhaupt bereits

als Unterschlupf genutzt werden können.

Die beste Unterkunft ist schließlich die, die

man nicht bauen muss. Idealerweise befindet

sich eine Trinkwasserquelle (See oder Fluss) in

der Nähe, in jedem Fall sollte es vor Ort genügend

Baumaterial (Äste, Laub, Farne, Steine, …)

geben und die Stelle möglichst windgeschützt

sein. Unbedingt Senken vermeiden, die von

herabströmendem Regen unter Wasser gesetzt

werden könnten.

Feuerstelle errichten

VORBEREITUNG Haben wir einen geeigneten Lagerplatz

gefunden, errichten wir zuerst die Feuerstelle. Dabei gibt es

unterschiedliche Varianten, wir wählen ein sogenanntes

„Schlüsselloch-Feuer” und graben dafür mit Spaten oder

alternativ einem Grabstock ein rund 30 Zentimeter tiefes Loch.

Das ausgehobene Material rund um das Loch anschütten und

festdrücken. Parallel dazu Feuerholz und Zunder sammeln.

Dicke Holzstücke können mithilfe eines großen Messers

und eines Schlagholzes gespalten werden.

Feuer machen

WÄRME & PSYCHOLOGI-

SCHER FAKTOR Ein Feuer

spendet Licht und Wärme, ist

aber auch ein nicht zu unterschätzender

psychologischer

Faktor, der unseren Überlebenswillen

im Fall der Fälle

entscheidend beeinflussen

kann. Ein Feuer gibt uns ein

Gefühl von Sicherheit und

sorgt dafür, dass wir uns

besser fühlen. Je nachdem,

welchem Zweck das Feuer

dienen soll, können unterschiedliche

Feuerarten

gewählt werden – Details

dazu auf Seite 42.

Unterschlupf errichten

DACH ÜBER DEM KOPF Mit einem Regenponcho oder einem Biwaksack (alternativ auch mit einer

Plane) lässt sich mit wenigen Handgriffen ein Allwetter-Unterschlupf errichten. Dazu zwei Ecken des

Poncho mit Spagat, Seil oder Spanngurten zwischen zwei Baumstämme spannen und anschließend

die beiden anderen Ecken mit Erdnägeln im Boden verankern (siehe Ausrüstung auf Seite 39) oder

mit Steinen beziehungsweise dicken Ästen beschweren.

M I L I T Ä R A K T U E L L


S U R V I V A L G U I D E

Expertentipp

„Es gilt beim Lagerbau

mit dem minimalsten

Energieaufwand ein

maximales Ergebnis

zu erzielen!“

Soldat des Jägerbataillons 25

Schlafstelle präparieren

BEQUEMLICHKEIT SIEGT

Mit einem Stock den Untergrund unter dem gespannten

Poncho vorbereiten und beispielsweise Steine entfernen.

Anschließend mit möglichst trockenem Laub

eine 20 bis 30 Zentimeter dicke Schlafunterlage herrichten.

Dadurch liegt man nicht nur bequemer, der Körper

hat beim Schlafen auch keinen Bodenkontakt und kühlt

weniger schnell aus. Ist eine Unterlagsmatte Teil des

Gepäcks, dann diese auf dem Laub ausbreiten.

Hitzereflektor bauen

WÄRMEWIRKUNG ERHÖHEN Ein Feuer gibt nach allen Seiten Hitze

ab. Um die Wärme möglichst in die Richtung unseres Unterschlupfs zu

lenken, empfiehlt sich der Bau eines Wärmereflektors – eine L-förmige

Konstruktion ist dabei besonders effektiv. Dazu zwei Pfosten und eine

Astlänge entfernt mithilfe eines Steins zwei weitere Pfosten in den

Boden einschlagen und dazwischen Äste zu einer Wand stapeln. Abschließend

die Pfosten oben zusammenbinden – abhängig vom zur

Verfügung stehenden Material Spagat oder Grünpflanzen verwenden.

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 4 2 H E E R &

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E H R

III)

FEUER

MACHEN

Expertentipp

„Feuer hat eine

enorm positive psychologische

Wirkung und

kann entscheidend für

das Überleben in der

Wildnis sein.“

Soldat des Jägerbataillons 25

1

2

EINE FEUERDOSE SELBST HERSTELLEN

Einmal angezündet brennt eine Feuerdose

über Stunden, sie kann damit direkt zum

Wasserkochen oder zur Nahrungszubereitung

verwendet werden, ist aber auch eine

praktische Anzündhilfe. Zur Herstellung

eine fest schließende Blechdose (Schuhcremedose),

Karton und Wachs besorgen.

Vom Karton einen langen Streifen abschneiden,

der in der Breite ungefähr der Höhe

der Dose entspricht. Anschließend den

Kartonstreifen einrollen und in die Dose

einpassen. Eine Kerze anzünden, Wachs

auf den Karton tropfen und aushärten

lassen. Bei Bedarf den oberen Rand des

Kartons anzünden, die Flamme verbreitet

sich anschließend rasch über die ganze

Oberfläche.

SCHRITT FÜR SCHRITT

Es gibt unterschiedliche Arten, ein Feuer zu entfachen, in

jedem Fall benötigen wir dafür aber gut brennbaren Zunder

und ein Zündmittel. Gut eignen sich trockenes Gras

und Birkenrinde, aber auch dünne abgestorbene Äste,

Harz und künstliche Materialien wie Brennstoffwürfel

oder Tampons. Besonders praktisch und mehrfach

verwendbar sind sogenannte Feuerdosen (siehe Infos

links), als Anzündhilfe kommen etwa Feuerzeug, Zünder,

Sturmzünder oder Feuerstäbe in Frage (1). Nachdem

wir die Feuerstelle vorbereitet haben (siehe Seite 40), aus

Zunder ein kleines Anzündnest bauen (2) und dieses anschließend

entzünden (3). Danach vorbereitetes Anzündholz

(streicholzdünne bis fingerdicke Äste) nachlegen und

für ausreichend Luftzufuhr sorgen (4). Nach und nach

dickere Äste nachlegen und feuchtes Holz dicht rund um

die Feuerstelle auflegen, damit dieses trocknen (5) kann.

Abschließend rund um das Feuer Steine aufschlichten

(6). Diese reflektieren und speichern die Hitze, sie

können aber bei Bedarf auch zum Trocknen von Kleidung

oder während des Schlafs als Wärmequelle verwendet

werden. Dazu leicht abgekühlte Steine in den Schlafsack

oder dicht an den Körper legen.

3

4

6

5

M I L I T Ä R A K T U E L L


B E Z A H L T E A N Z E I G E

TSCHECHISCHER

WEG

FOTO : A E R O VO D O C H O DY

Der mitteleuropäische Flugzeughersteller

AERO Vodochody bietet eine kostengünstige

Schulung für Jet-Einsatzpiloten.

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 4 4 M I L I T Ä R A K T U E L L

S P E Z I A L

AERO L-39NG

SPITZENTECHNOLOGIE MIT TRADITION

The next Generation: Der tschechische Hersteller AERO Vodochody

hat mit der neuesten Version der L-39 Albatros einen potenziellen

Saab-105Ö-Nachfolger im Programm.

M

it seinem heuer

frisch zertifizierten,

neuesten Modell

L-39NG wird

AERO Vodochody seine Position als führender

Hersteller von Jet-Trainern erhalten

und weiter ausbauen. Seit der Ankündigung

im Juli 2014 auf der Farnborough-Airshow

arbeitete der größte

tschechische Aerospace-Betrieb an der

grundlegenden Überarbeitung des Basismodells,

welches ab Juli 2017 gebaut, am

12. Oktober 2018 als Nummer 7001 vorgestellt

und am 22. Dezember desselben

Jahres erstmals geflogen wurde. Es sieht

dem Vorgänger wohl äußerlich ähnlich,

ist aber zu 95 Prozent ein Neuentwurf.

Jener entwickelt sich ermutigend – und

ist auch für die benachbarte österreichische

Jet-Situation ein gangbarer, kostengünstiger

Ausweg.

Wenn auch vielen kaum bekannt oder

nicht bewusst, ist die Bezeichnung „führender

Hersteller“ keine plumpe Marketing-Übertreibung.

Der in Odolena Voda

nördlich von Prag situierte renommierte

Flugzeugbauer AERO Vodochody ist

heute in seinem 101. Jahr und ist tatsächlich

der weltweit zahlenmäßig größte

Hersteller von Düsentrainern. Auf ab

1953 gefertigte 3.405 MiG -15bis/UTI

folgten ab 1963 insgesamt 3.665 L-29

Delfin. Und bereits ein Jahr später begann

man unter Chefkonstrukteur Jan

Vlček mit einer Modellstudie die Entwicklung

eines Nachfolgers. Dessen Erstflug

führte am 4. November 1968 Chefpilot

Rudi Duchon mit dem zweiten Prototyp

OK-32 durch – und bis 1997 wurden

dann 2.957 Stück des L-39 Albatros

gebaut. Wie schon bei der L-29 erreichte

kein anderer Hersteller derartige Stückzahlen

– was aber auch dem zeitgeschichtlichen

Faktor geschuldet ist, dass

das Muster (außer in Polen) der Standard-Trainer

der Länder des ehemaligen

Warschauer Pakts wurde. So gingen

allein 2.000 Maschinen in die ehemalige

UdSSR und auch die DDR erhielt insgesamt

54 Stück des L-39. Viele Luftwaffen

in Asien, Afrika und dem Nahen Osten

bildeten Jahrzehnte und zum Teil bis

heute auf der L-39 aus.

Mittlerweile ist AERO aber beileibe keine

„Ostblockfirma“ mehr, sondern arbeitet

weltweit mit und für renommierte Hersteller

wie Boeing, Embraer oder Airbus.

So kamen ab 1997 aus einer temporären

Zusammenarbeit mit Boeing noch 72

aus dem L-39 abgeleitete einsitzige leichte

Kampfflugzeuge L-159 ALCA mit dem

italienischem Grifo-L-Radar von Selex

(heute Leonardo) dazu. Aus jenen entstanden

bis 2019 auch fünf zweisitzige

Ableitungen L-159T1 beziehungsweise

drei L-159T2 wieder mit Bordradar, welche

für die Ausbildung der tschechischen

Piloten hin zum JAS-39C/D

Gripen genutzt werden.

M I L I T Ä R A K T U E L L


B E Z A H L T E A N Z E I G E

Das zweite Vorserien-Exemplar des

L-39NG mit der Hersteller-Seriennummer

7004 hat am 9. Dezember

2019 in Odolena Voda seinen 32-minütigen

Erstflug erfolgreich absolviert.

Die beiden ersten Maschinen

trugen danach die Hauptlast im umfangreichen

und aufwendigen Flugerprobungs-Testprogramm.

Der verdiente

Lohn erfolgte schließlich am

18. September 2020, also knapp zwei

Jahre nach dem Roll-out des ersten

Prototypen 7001. Die tschechischen

Zulassungsbehörden

haben den L-39NG

– übrigens auch eine Premiere für

diese neuen europäischen Normen –

gemäß der Regularien EMAR-21 und

EMACC für EU und NATO zertifi-

ziert. In Anwendung jener haben die

Behörden mit AERO die Test-Methodologie-Prozesse

festgelegt, gemäß

welcher dann flug- und bodenerprobt

wurde. Dazu waren 270 Flüge

mit den beiden neuen Maschinen

und 120 Flüge mit dem seit 2015 verwendeten

Demonstrator (neue Avionik

und neues Triebwerk in alter Zelle)

nötig.

Nachgewiesen

wurden

Flugleistungen

von maximal

509,4 KTAS (943,4

km/h) beziehungsweise

Mach 0,822, sowie

eine maximale Flughöhe

von 38.000 Fuß

oder 11.580 Meter. Eingereicht

wurden zudem

rund 10.000 Seiten an

technischer Dokumentation.

Mit jener

Zulassung sowohl als

Basis- wie auch als

Fortgeschrittenen-

Trainer ist L-39NG in

allen europäischen

Ländern ohne jeden

weiteren nötigen behördlichen

Akt „anerkannt“.

Diese internationale Markttauglichkeit

zu erreichen war ein großer und

wichtiger Schritt zur Realisierung der

laufenden und auch vielversprechenden

Exportaktivitäten. Immerhin

müssen in den nächsten 15 Jahren 50

Prozent aller weltweit betriebenen

Trainingsmaschinen – ob propelleroder

düsengetrieben – ersetzt werden.

Das ist ein beträchtliches Potenzial

von Hunderten Maschinen, wobei

die Anzahl ernstzunehmender

Wettbewerber recht beschränkt ist.

Zur Zulassung ebenso nötig waren

und sind immer noch die beiden

niemals fliegenden Zellen 7002 und

7003. Mit ihnen werden Systemtests

durchgeführt, außerdem dienen sie

als sogenannte „Bruchzellen“ zur

Simulation der Belastungen durch

Starts und Landungen über die Lebensdauer.

Zwei solcher Lebenszyklen

wurden bereits erreicht, bis

nächsten Sommer sollen es insgesamt

„fünf Leben“ oder rund 15.000

Stunden werden. Zum Vergleich:

Luftstreitkräfte fliegen ihre Maschinen

üblicherweise für maximal 200

oder 300 Stunden/Jahr. Bis zur erfolgten

Abnahme wurden übrigens

von Hersteller und Eigner für Entwicklung,

Bau und Erprobung des L-

39NG knapp zwei Milliarden Kronen

(CZK) aufgewendet bzw. investiert,

umgerechnet fast 80 Millionen Euro.

Der nächste diesbezüglich 2021 anstehende

Schritt ist die Zertifizierung

der waffenfähigen Version eines

LCA (Light Combat Aircraft) mit bis

FOTO S : A E R O VO D O C H O DY

AERO hebt ab Der erste Prototyp 7001 des

neuen L-39NG in den Händen von AERO-Chefpilot

David Jahoda (großes Bild). Klein oben

und rechts im Bild ist ein L-159T2 in der Endausrüstung

zu sehen. Inzwischen stehen acht solche

Zweisitzer des leichten Kampfflugzeuges

L-159A Alca im Dienst der tschechischen Luftwaffe

in Caslav. Auf ihnen wird Fortgeschrittenen-Schulung

für Jet-Einsatzpiloten betrieben,

eine solche könnte als Überbrückungslösung

auch für Österreich ein Thema werden.

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 4 6 M I L I T Ä R A K T U E L L S P E Z I A L

zu 1.640 Kilogramm Außenlasten.

Kernstück aller Leistungssteigerung

aber auch ökonomischer Effizienz ist

das den ukrainischen Vorgänger Progress

AI-25TL ersetzende FJ44-4M.

Das Zweiwellen-Turbofantriebwerk

mit mittlerem Nebenstromverhältnis

der amerikanischen Firma Williams-

International war für den Einsatz in

strahlgetriebenen Geschäftsreiseflugzeugen

entwickelt worden. Eine

ältere Version treibt auch die schwedische

Sk60W-Version der Saab-105

Serie an, die bekanntlich auch beim

Österreichischen Bundesheer geflogen

wird. Die von AERO gewählte

Variante der Serie-4 für die Verwendung

auch in militärisch relevanten

Akrobatikregimes wurde ab 2006

entwickelt, hat einen vergrößerten

Verdichter-Durchmesser und leistet

einen maximalen Schub von 16,87

kN – das sind umgerechnet etwa

1.718 Kilopond oder rund 7.000 PS.

Wie heute üblich, wird das Triebwerk

über FADEC betrieben, der

„Full authority digital engine control“,

also mit autonomer, volldigita-

ALLES IM BLICK Ansicht des hinteren Cockpits des L-39NG mit dem zentralen

sogenannten „Repeater“ des vorderen Blickfelddarstellungsgeräts (HUD). Es

gibt keine Rundinstrumente mehr und auf den Bildschirmen kann der bord -

eigene virtuelle Anteil an Flug- und taktischer Simulation abgerufen werden.

M I L I T Ä R A K T U E L L


B E Z A H L T E A N Z E I G E

FOTO S : A E R O VO D O C H O DY

ler Triebwerksregelung. Jene kontrolliert

autonom in allen Betriebszuständen

die Triebwerkskomponenten

wie Leitschaufelverstellung, Einrichtungen

zur Kraftstoffbemessung

oder Gehäusekühlung. Dadurch und

im Verbund mit neuen in den Flügel

integrierten Treibstofftanks – dafür

fielen die charakteristischen Flügelspitzentanks

weg – ergeben sich 750

km/h Spitzengeschwindigkeit, bei einer

gegenüber der alten L-39 um

rund 800 Kilometer gesteigerten

Reichweite und höherer Flugdauer.

Dank intelligenter Software-Steuerung

des FJ-44M bringt es der neue

L-39NG zudem auf mehr Leistung als

die Maschine eines Mitbewerbers,

die auf dasselbe Basistriebwerk setzt.

Die Reichweite ist dadurch um 36

Prozent größer, die Nutzlast sogar

um 60 Prozent höher. Auch dank der

maximalen Beschleunigung von drei

bis fünf Sekunden ist der neue Trainer

von AERO ein Jet-Flugzeug, welches

in den Lebenszykluskosten unter

einem Hochleistungs-Turbopropeller-Muster

liegt.

KÖNNTE DER L-39NG

AUCH EIN THEMA FÜR

ÖSTERREICH SEIN?

AERO Vodochody hat seit zwei Jahren unter der Leitung des ehemaligen

Airbus-Managers Dieter John (siehe Interview auf den Seiten 48 und 49)

eine erfolgreiche Phase der Verschlankung und Konsolidierung durchlaufen

und hat seit Kurzem mit OMNIPOL und einer ungarischen Beteiligung neue

Eigentümer. Was übrigens auch mit einem anstehenden ungarischen Auftrag

über bis zu 24 Maschinen zu tun hat. Aber schon die vormalige, italienisch

geführte Firmenspitze hat an Österreich bezüglich der Nachfolge der Saab-

105 aus 1970 ein Angebot über bis zu 18 Maschinen gemacht. Damals

wusste man aber noch nicht, ob ein Ersatz wie bisher einen Anteil an der

Luftraumüberwachung mitmachen soll, oder nicht. Was einen reinen Trainer

als Abhilfe zur als sehr teuer kolportierten österreichischen Auslandsausbildung

in Italien und Deutschland betrifft, sieht sich AERO in noch besserer

Position. Nahezu alle Luftstreitkräfte rundum haben zur luftpolizeilichen

Speerspitze noch ein anderes, schwächeres Muster zur Ausbildung sowie

als fallweise Ergänzung der Abfangjäger etwa bei geplanten Luftraumsicherungsoperationen

und ganz generell zum „Download“ von teuren Flugstunden.

Dabei ist die Nutzung der Ausbildungsmaschinen und -infrastruktur in

Tschechien ebenso möglich wie die gemeinsame Beschaffung von L-39NG

im Rahmen eines „Government-to-Government“-Geschäfts mit der tschechischen

Regierung.

LEICHTES KAMPFFLUGZEUG

Die bewaffnungsfähige Version des

L-39NG wurde inzwischen an einem

Modell mit Außenlasten im Windkanal

des Prager Luft- und Raumfahrtzentrums

(VZLU) erprobt. Die

internationale Nachfrage danach ist

nahezu ebenso groß wie für den

Basis- und Fortgeschrittenentrainer.

In den international in sogenannte

Phasen unterteilten Segmenten der

Pilotenausbildung geht es zunächst

darum, das Flugzeug zu fliegen und

es unter allen Flugbedingungen zu

beherrschen, einschließlich Kunst-,

Formations- und Instrumentenflug

sowie Navigation. Dann aber geht es

darum, mit der Maschine auch zu

kämpfen und vor allem zu überleben.

Dazu ist L-39NG wohl die Schlüsselkomponente,

steht aber in Bezug auf

die Auszubildenden wie ihre Fluglehrer

– trotz aller Bedienelemente auf

Steuerknüppel und Schubhebel (HO-

TAS), moderner Farbdisplay-Ausrüstung

von Genesys Aerosystems,

Helmdisplay sowie HuD (Blickfelddarstellungsgerät)

von Speel Praha –

natürlich nicht für sich allein. Es ist

Teil eines Gesamtausbildungssystems

mit auch taktischer und virtueller

Simulation sowohl an Bord als auch

am Boden. Seit 2004 gibt es dazu das

an die Staatsfirma LOM-Praha ausgegliederte

CLV-Trainings- und

Simulationszentrum in Pardubice.

Dort können Kunden jederzeit die

Ausbildung beginnen. CLV umfasst

dort neue Lernmethoden und -umgebungen

sowie den umfassenden

Einsatz von künstlicher Realität und

Intelligenz. Als aktive Komponente

gehören dazu auch sieben herkömmliche

L-39-Maschinen, jene sollen in

naher Zukunft durch vier bis sechs

L-39NG ersetzt werden.

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 4 8 M I L I T Ä R A K T U E L L S P E Z I A L

MILITÄRFLUGZEUGE

KAUFT MAN NICHT

BEI AMAZON

Dieter John, CEO von AERO Vodochody im Gespräch über die

Marktchancen des L-39NG, erste Kunden und die Geschäftsentwicklung

des tschechischen Flugzeugbauers.

H

err John, Sie haben

nun fast zwei Jahre

die Führung des renommierten

und 101

Jahre alten tschechischen

Flugzeugbauers

AERO Vodochody inne. Welche

Situation haben Sie bei Ihrem

Amtsantritt vorgefunden und was waren

Ihre vordringlichsten Aufgaben?

Das Erbe ist respektabel und voller Tradition,

klar. Aber das Vordringlichste war

es, den 100-prozentigen Eigentümer

PENTA-Group von der Zukunftskraft

unseres „Juwels“ zu überzeugen. Man hat

mir die Chance gegeben, in drei Monaten

einen 5-Jahres-Transformationsplan

zu erarbeiten, quer über alle Themen wie

Strategie, Produktivitätssteigerung, weniger

Lieferanten, neues Führungsteam,

kleinere Kostenbasis, mehr Betriebskapital

und so weiter. Ich nannte den Plan

AF3 (AERO fit for future) und als ich ihn

präsentierte, stieß er auf Zustimmung.

Natürlich waren darunter auch Dinge

die einem sicher keinen Spaß machen.

Aber diese waren notwendig, um die

Firma kostenmäßig neu aufzustellen

und das trägt jetzt mehrfach Früchte.

Inwiefern?

Nun, meine Vorgänger haben zwar vieles

richtig gemacht, sie haben etwa den

L-39NG realisiert und zum Erstflug gebracht.

Er ist ja auch Kern der Zukunftsplanung.

Aber über die Fokussierung da-

FOTO : A E R O VO D O C H O DY

M I L I T Ä R A K T U E L L


B E Z A H L T E A N Z E I G E

rauf hat man beispielsweise den ganzen

MRO-Bereich (Anm.: Wartung-Reparatur-

Überholung) wenig beachtet, also alles,

was mit Betreuung aber auch Upgrade und

Modernisierung bestehender

L-39-Flotten zu tun hat. Heute ist das für

AERO das „Butter-am-Brot-Geschäft“, gerade

in diesen Corona-Zeiten. Man dachte

sich, dieses Segment würde mit dem Ausscheiden

der alten L-39 aussterben …

Aber dem war nicht so, richtig?

Mitnichten! Es fliegen ja von den einst

knapp 3.000 Maschinen weltweit immer

noch mehr als 600 L-39. Und einige –

noch besser viele – der Betreiberländer

sollen das neue Modell kaufen, aber in

fünf oder acht Jahren, noch nicht heute.

Daher habe ich das Ziel ausgegeben,

dass wir den MRO-Umsatz verdoppeln,

was wir dieses Jahr auch erreicht haben.

Wir haben so viele Aufträge und so viele

Flugzeuge zum Upgrade im Haus wie

seit Jahren nicht und wir senden Teams

in Kundenländer, die das vor Ort machen

wollen. Zudem kenne ich aus den

letzten Jahren kein Upgrade, bei dem

nicht ein kompletter oder beträchtlicher

Teil der Avionik ausgetauscht worden

wäre. Weiters steht dann auch die Überholung

der L-159 der tschechischen

Luftwaffe sowie der einst in den Irak

und an die Feinddarsteller-Firma

Draken-International gelieferten Maschinen

an. All das generiert jene Mittel,

die unser Unternehmen nun auch während

der Covid-19-Krise robust machen.

Wenn aber Überholung und Modernisierung

nun so wichtig und erfolgreich

wurden, hat man da den neuen

L-39NG gegenüber diesem Altbestand

sozusagen „zurückgestellt“?

Nein! Das ist natürlich die Zukunft des

Unternehmens. Aber er musste sozusagen

ins ökomische Gleichgewicht gebracht

werden. Dazu mussten wir die

Entwicklung aber so schnell wie möglich

zum Abschluss bringen – was mit dem

Meilenstein der EU-weiten Zertifizierung

dann auch im September erfolgt

ist. Und dann ist da ja noch der Geschäftsbereich

AERO-Structures, also

Fremdbaugruppenfertigung.

Baut AERO immer noch auch Baugruppen

für den brasilianischen

Jet-Transporter KC-390?

Wir sind sogar der größte Lieferant von

Embraer in diesem Programm. Wir fertigen

die Flügelvorderkanten, alle Türen

und Luken und natürlich die gesamte

hintere Frachtrampe. Im Militärbereich

fertigen wir zudem die komplette zentrale

Flügelbox für die C-27J Spartan-

Transporter von Leonardo. Wir liefern

aber auch kleinere Compositteile für

den Airbus A400M-Transporter und den

A350-Airliner. Im Zivilbereich kommen

auch noch die Flügelvorderkanten für

den ehamligen Bombardier C-Jet Airbus

A220 und die Fahrwerktore für die

tschechische LET-410UVP dazu. Das

kommt alles unserer Auslastung zugute

und trägt zu einem niedrigeren Stundensatz

und zur Fixkostenregression bei.

Zurück zum L-39NG. War dieses Programm

durch Covid-19 beeinflusst?

Was ist nicht davon beeinflusst? Aber

beim L-39NG haben wir – im Unterschied

zum schnelllebigen und auch

schnell leidenden Zivilgeschäft – selbst

entschieden, ob wir eine Beeinflussung

zulassen, indem wir beispielsweise krisenbedingt

weniger Mittel in das Programm

und die Entwicklung stecken.

Wir haben uns gegen diesen Weg entschieden

und haben noch heuer die Zertifizierung

erreicht, dank der wir nun

mit dem Jet am Markt ganz anders auftreten

und Kunden ansprechen können.

Apropos Kunden: Wie sehen Sie die

Marktchancen des L-39NG und wann

werden erste Maschinen ausgeliefert?

In den nächsten 15 Jahren müssen auf

der ganzen Welt die Hälfte aller Trainer

ersetzt werden, egal ob mit Propeller

oder Düse. Das ist ein gewaltiges Potenzial,

wovon wir einen guten Teil abdecken

wollen. Außerdem hoffen wir, dass

Covid-19 irgendwann mal wieder vorbei

ist und sich die Reisetätigkeit normalisiert.

Denn wir hatten bis Anfang dieses

Jahres zehn bis zwölf vielversprechende

Kampagnen laufen – die dann alle wegen

Corona angehalten werden mussten.

Man kauft Militärflugzeuge eben nicht

bei Amazon. Wir sind – wie im Falle

Österreichs – daher froh, wenn Regierungen

uns Ausnahmegenehmigungen

erteilten, damit man wieder zusammenkommt.

Insgesamt sehen wir ein sehr

positives Echo von bestehenden, aber

auch von neuen Kunden.

Stimmt es, dass zwölf L-39NG für

Ungarn unterschriftsreif sein sollen?

Sagen wir so: Ungarn ist sehr interessiert

an zwölf Stück der Fortgeschrittenen-Trainer-Version

und in einem

zweiten Schritt später an zwölf Stück

des leichten Kampfflugzeugs. Darüber

hinaus führen wir durchaus fortgeschrittene

Gespräche mit dem slowakischen

Verteidigungsministerium. Dort

geht es um acht bis zwölf Stück der

leichten Kampfflugzeuge, wahrscheinlich

schon ab 2021 oder Anfang 2022.

Vier Fortgeschrittenen-Trainer für das

tschechische Trainingszentrum LOM-

Praha sind bereit für die Regierungsgenehmigung,

zudem zeigen mehrere

asiatische Kunden großes Interesse und

wir hoffen ja auch noch auf Österreich.

Sie sehen also nach wie vor Chancen

für die Saab-105Ö-Nachfolge?

Natürlich und dabei wäre der Betrieb

des Typs in mehreren Nachbarländern

ein durchaus schlagendes Argument,

da könnte man beispielsweise auch

über ein gemeinsames und kosteneffizientes

Trainings- oder Logistikkonzept

und manches mehr nachdenken. Zudem

könnten wir dem Wunsch der

Österreicher nach einer gemeinsamen

Beschaffung mit der Regierung eines

Partnerlandes entsprechen – wie zuletzt

mit Italien bei den Hubschraubern.

Weil die waffenfähige L-39NG-

Kampftrainerversion und das leichte

Kampfflugzeug erwähnt wurden –

sehen Sie dafür ausreichend Nachfrage?

Sehr wohl. Ich würde sogar sagen 50:50

zum Trainer. Die Zertifizierung dieser

Variante ist 2021 der nächste Schritt,

ein Modell wurde bereits im VZLU-

Windkanal in Prag erprobt. Wir können

daran fünf Pylone für Außenlasten

vorrüsten für eine maximale Nutzlast

von 1,65 Tonnen an Waffen und/oder

Tanks sowie Sensorbehälter bei einem

maximalen Startgewicht von 5,6 Tonnen.

Die zwei inneren Aufhängungen

sind „nass“, also für zweimal 350 L-Zusatztanks

geeignet. Das ergibt eine maximale

Überführungsreichweite von

fast fünf Stunden. In dieser Version bieten

wir auch eine Cockpit-Härtung und

ein Selbstschutz-Kit an.

M I L I T Ä R A K T U E L L


L-39NG

ENHANCING PERFECTION

TRAINER & LIGHT ATTACK AIRCRAFT

BENEFITING FROM LEGACY OF THE L-39,

THE MOST SUCCESSFUL JET TRAINER

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I N T E R V I E W

DAS WAR EINE

GEWALTIGE

ERFAHRUNG

Anlässlich von „60 Jahre Auslandseinsätze“

des Bundesheeres haben

wir mit Oberst i. R. Wolfgang Brauner

über den ersten Einsatz im Kongo

gesprochen.

Interview: CONNY DERDAK

FOTO S : P R I VAT

m Jahr 1960 gingen erstmals

I

Soldaten des Bundesheeres

in den Auslandseinsatz: Fünf

Kontingente wurden für jeweils

ein halbes Jahr in den

Kongo verlegt. Teil des fünften

und letzten Kontingents war 1963

auch der damals 22-jährige Leutnant

Wolfgang Brauner, heute 80-jähriger

Oberst im Ruhestand.

Herr Oberst, wie kam es, dass Sie als

22-Jähriger in den Kongo gingen?

Das war reiner Zufall. Drei Monate nach

meiner Ausmusterung aus der Militärakademie

– ich war damals ein junger

Zugskommandant bei der Garde – saß

ich in einer Kaffeerunde im Offizierscasino.

Aus heiterem Himmel fragte mich

der Kommandant des letzten Sanitärkontingents,

den ich nur vom Sehen

kannte, ob ich Englisch könne. „Ich habe

England bereits besucht und habe auch

eine bescheidene Praxis“, antwortete ich.

So bot er mir an, mit ihm in den Kongo

zu gehen, und ich verbrachte dort ab

Mai 1963 insgesamt sechs Monate.

Was war dabei Ihre Aufgabe?

Eigentlich traf ich als Adjutant im

Kongo ein, wo Österreich 1960 ein

Feldspital stellte. Unsere Aufgabe war

es dann aber, das gesamte Gerät und

Inventar zu schlichten, zu ordnen und

nach Hause zurückzubringen beziehungsweise

UN-Property an die UNO

zurückzugeben. Diese Aufgabe fiel

mir ganz plötzlich zu, da der zuständige

Wirtschaftsoffizier Gelbsucht

bekam. So wurde ich vom Laien zum

Verwaltungsoffizier.

Was ist Ihre schönste Erfahrung an

diese Zeit?

Ich hatte zum Glück gute Englischkenntnisse

und konnte die an mich

gestellte Herausforderung zur vollsten

Zufriedenheit des Kommandanten

und der UNO-Stellen erledigen. Das

war für mich eine sehr denkwürdige

Erfahrung, auch an die Zusammenarbeit

und die Gemeinschaft dort erinnere

ich mich gerne, und ich konnte

wertvolle und hilfreiche Erfahrungen

für alle meine späteren dienstlichen

Verwendungen sammeln. Außerdem

war die Zeit im Kongo – wir waren in

der Hauptstadt der damaligen Provinz

Katanga stationiert – natürlich

ein Landschaftserlebnis, und ein Erlebnis

von Land und Menschen. Man

kommt zurück und hat ein bisschen

über den Horizont schauen können.

Solche Einsätze im Ausland waren

damals für alle etwas Gewaltiges.

War der Einsatz im Kongo Ihr einziger

Auslandseinsatz?

Nein, im Jahr 1966 war ich in gleicher

Funktion auch ein halbes Jahr auf Zypern

im Feldspital. Der Kommandant

hat mir den Einsatz wohl aus Anerkennung

und Dankbarkeit für meine Verdienste

im Kongo angeboten. Nach Absolvierung

einer Militärdolmetschprüfung

war ich 1978 und 1979 außerdem

eineinhalb Jahre als Militärbeobachter

in Palästina, Israel und Ägypten. Auch

diesmal ganz ohne Ansuchen. Das

waren alles großartige Erlebnisse, die

mir geschenkt wurden.

Jetzt, da Sie in Pension sind, was

vermissen Sie am Bundesheer am

meisten?

Ich vermisse eigentlich nichts, denn bereits

während meiner aktiven Dienstzeit

im Jahr 1971 habe ich den elterlichen

Bauernhof übernommen. Ich bin damit

so ausgelastet, dass es mir an nichts

fehlt. Das Heer war mein Beruf, und den

habe ich gelebt, und er hat mich geprägt.

Ich bringe meine beruflichen Erfahrungen

wie Durchhaltevermögen, Kameradschaft

und Begeisterung auch in

die Betreuung des Bauernhofs ein.

OBERST I. R. WOLFGANG BRAUNER

(Bild oben während des Kongo-Einsatzes) „Ich

konnte bei meinen Auslandseinsätzen zusammen

mit Kameraden von Armeen vieler Länder zu ein

bisschen mehr Frieden in der Welt beitragen.“

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 5 2

S I C H E R H E I T & W I R T S C H A F T

ITALIEN:

FREGATTEN FÜR

US NAVY

Es kommt nur selten vor, dass das Pentagon große Technologie-Aufträge an ausländische Hersteller vergibt. Einen besonders

spektakulären konnte nun aber die italienische Fincantieri-Werft an Land ziehen: Am Standort des Unternehmens in Wisconsin

sollen in den kommenden Jahren zehn neue FFG-62-Multi-Missions-Fregatten für die US Navy vom Stapel gelassen werden.

Diese auf Luftabwehr optimierten Schiffe werden mit 151 Metern um sieben Meter länger sein und – da ohne Sonarbug –

einen um 1,80 Meter geringeren Tiefgang aufweisen als die FREMM-Schiffe (Fregata Multi-Missione) der italienischen Marine

(10 Schiffe), von Frankreich (8), Marokko und Ägypten (je 1). Wenn alle Support- und Trainings-Optionen eingelöst werden,

wird sich die – von keinem Mitbewerber angefochtene – FFG-62-Vergabe auf ein Volumen von rund 4,68 Milliarden Euro (5,57

Milliarden US-Dollar) summieren. Interessantes Detail: Im kürzlich veröffentlichten Budgetvoranschlag des Kongresses für

die US-Marine wird hervorgehoben, dass die Fregatten pro 1.000 Tonnen Verdrängung um 15 Prozent billiger werden (sollen),

als die aus Kostengründen auf 32 Einheiten reduzierten Eigenbauten des sogenannten „Littoral Combat Ships“.

ONLINE-BERICHTE ZU LUFTWAFFEN-EVENT

Am 17. November hätte in Bahrain die dritte Auflage des renommierten „Manama Air Power Symposium“ (MAPS-2020) stattgefunden,

bei dem Militär Aktuell bereits seit einigen Jahren Medienpartner ist. Wie auch viele andere Defence- und Aerospace-Shows sowie -Konferenzen

musste aufgrund der Corona-Situation die an das Symposium anschließende Bahrain Airshow abgesagt und die Konferenz in

einen virtuellen Event umgestaltet werden. Den Veranstaltern gelang es

trotzdem, hochkarätige Luftwaffen- und Einheitskommandanten sowie

Industriekapitäne aus 25 Ländern zusammenzubringen, welche zum Motto

„Air Power and Air Defense in High Tempo and Networked Environments“

ihre An- und Einsichten zu aktuellen Entwicklungen einbrachten. Da ging

es unter anderem um die latente Bedrohung durch ballistische Raketen

und unbemannte Systeme, um das Zusammenspiel von Kampfflugzeugen

der 5. mit der 4. Generation und um den ökonomischen „Download“ teurer

Trainingsstunden auf virtuelle Trainings- und Simulationssysteme. Wir

werden einzelne Beiträge und Themen in den kommenden Wochen

aufgreifen und darüber auf www.militaeraktuell.at berichten.

FOTO S : M A P S - 2 0 2 0, G E O R G M A D E R , K R E M L I N . R U

M I L I T Ä R A K T U E L L


N E W S A U S D E R S I C H E R H E I T S B R A N C H E

„WIR SEHEN NOCH GROSSES ENTWICKLUNGSPOTENZIAL“

SERGEJ

TSCHEMEZOW ist

Vorstandsvorsitzender

und CEO des

russischen ROSTEC-

Konzerns.

Im November jährte sich zum 20. Mal die Gründung des

staatlichen russischen Rüstungsexport-Konglomerats

Rosoboronexport. Das Unternehmen wurde 2007 Teil

des übergeordneten Rostekhnologii-Konzerns, der 2012

in ROSTEC umbenannt wurde. Ein Gespräch mit ROS-

TEC-Chef Sergej Tschemezow über Vergangenheit,

Gegenwart und Zukunft des Unternehmens.

Herr Tschemezow, wie haben sich die Geschäfte von Rosoboronexport

in den vergangenen Jahren entwickelt?

Sehr gut. Das Unternehmen ist zu einem führenden Player

auf dem internationalen Rüstungsmarkt aufgestiegen

und konnte starke Ergebnisse erzielen. Die wichtigsten

Finanzindikatoren, also das Auftragsbuch und der Wert

der Lieferungen, haben sich seit 2000 verfünffacht. Russland

liegt seit damals unter den weltweiten Waffen- und

Rüstungs-Exporteuren durchwegs auf dem zweiten Platz.

Lassen sich die Erfolge auch in Zahlen ausdrücken?

Rosoboronexport konnte im Lauf der 20 Jahre mehr als

26.000 Verträge mit Partnern in 122 Staaten und auf allen

Erdteilen unterzeichnen und Produkte im Wert von umgerechnet

mehr als 180 Milliarden US-Dollar (151 Milliarden

Euro) liefern. Das wäre ohne ein hohes Maß an Kompetenz,

Aufmerksamkeit für Trends und einen Blick auf

wichtige Kundenbedürfnisse nicht möglich gewesen.

Ausländische Partner haben Produkte im Wert von mehr als

85 Milliarden US-Dollar (71 Milliarden Euro) für ihre Luftwaffen

erhalten, die Ausrüstung von Luftverteidigungs- und Bodentruppen

hat ein Volumen von rund 30 Milliarden US-Dollar

(25 Milliarden Euro) und mit Marinerüstung konnten weitere

28 Milliarden US-Dollar (23 Milliarden Euro) umgesetzt werden.

Wird dieses Volumen in Zukunft zu halten sein?

Davon gehen wir aus. Wir sehen sogar gute Chancen, unsere

Marktpräsenz noch weiter auszubauen und die Zusammenarbeit

mit Partnern zu vertiefen. Rosoboronexport wird in den

nächsten fünf bis sieben Jahren rund 50 moderne Waffensysteme

und militärische Ausrüstungsgegenstände auf den globalen

Markt bringen. Parallel dazu werden wir zunehmend als

„One-Stop-Shop“ umfassende Dienstleistungspakete anbieten

können. Dazu gehört auch der Bau von Infrastruktureinrichtungen,

die Bereitstellung von Raumfahrtdiensten und die

Ausbildung ausländischer Spezialisten an unseren Produkten.

Wo werden in näherer Zukunft die Schwerpunkte liegen?

In jedem Fall auf Panzern der Armata-Basis (Bild) und auf

Kampfflugzeugen der fünften Generation wie der Su-57E. Darüber

hinaus erfreuen sich aber auch der Marinehubschrauber

Ka-52K und der verbesserte Mi-28NE sowie unsere Luftverteidigungs-Flugkörpersysteme

reger Nachfrage. Immer wichtiger

werden zudem Produkte mit dualem Verwendungszweck

wie medizinische Spezialausrüstung für Krankenhäuser.

Wie verteilt sich das Geschäft auf die einzelnen Sparten?

Ihr Partner für Sicherheit und Verteidigung







C 4 ISR




Avionik





Meteorologie


0 5 4 S I C H E R H E I T & W I R T S C H A F T

MENSCHLICHE

LIMITS

SIND UNSER GESCHÄFTSMODELL

Die oberösterreichische AMST Systemtechnik GmbH zählt bei Flugsimulatoren,

Hochleistungszentrifugen und anderen Pilotentrainingsanlagen zu den

Weltmarktführern. CEO Manfred Bauer über Vergangenheit, Gegenwart

und Zukunft des Familienbetriebs. Text & Interview: GEORG MADER

REALISMUSGRAD Dieses Helikopter-Cockpit im AMST-Simulator ist eine nicht-systembezogene, generische

Auslegung. Es sind auch exakte Replicas diverser Einsatzmuster möglich.

chon einmal von der

S

AMST-Systemtechnik

GmbH gehört?

Nicht? Dabei gilt das

kleine Unternehmen

aus dem oberösterreichischen

Ranshofen als einer der ganz

großen Player am globalen Markt für

militärische und zivile Flugsimulatoren

und Beschleunigungs-Zentrifugen. Zwar

ist der Sektor im flugmedizinischen

Spektrum eine Nische, allerdings eine,

die AMST vor allem in Europa und –

wie am Firmensitz in einer Vitrine ausgestellte

Danksagungen etwa aus Viet-

nam, China, Thailand oder Indien verraten

– auch in Asien äußerst erfolgreich

bespielt. Neben Singapur unterhält das

Unternehmen Niederlassungen in

Deutschland, den Niederlanden und in

Russland. Gemeinsam mit lokalen Partnern

wurden Anlagen in mehr als 40

Länder geliefert. Darunter unter anderem

sogenannte FTDs (Flight Training

Devices) für Muster wie PC-7, PC-21

oder Alpha-Jet. Seit einigen Jahren

arbeitet AMST sogar an Projekten

im langzeitmedizinischen Bereich der

Raumfahrt, speziell in Zusammenarbeit

mit der deutschen DLR. Dabei konnte

über die Jahre ein Wert von bis zu 80

Prozent gewonnener Ausschreibungen

erreicht werden, wie Firmenchef Manfred

Bauer im Gespräch mit Militär

Aktuell (siehe nächste Seite) erzählt.

Die Produkte aus Ranshofen werden genutzt,

um Flug- und Missionstraining,

G-Belastungen, Hypoxie (= Sauerstoffmangel),

räumliche Desorientierung und

Notsituationen zu trainieren. Das Unternehmen

bietet aber auch Trainingsgeräte

an, mit denen die korrekte Verwendung

von Ausrüstung wie Nachtsichtgeräten,

Schleudersitzen oder Seilwinden

FOTO : A M ST

M I L I T Ä R A K T U E L L


A U S T R I A N S E C U R I T Y & D E F E N C E

geübt werden kann. Interessant dabei ist, dass angesichts

der immer fotorealistischer werdenden virtuellen

Umgebungen und Außenansichten in kommerziellen

Luftkampf- und Spielesimulationen die Simulations-

und Gaming-Welten zunehmend interagieren.

Über zwei russische Tochterunternehmen beschäftigt

AMST bekannte Gaming-Programmierer,

die ihr Know-how in die Gestaltung rot-weiß-roter

Simulationswelten einfließen lassen.

Herr Bauer, wer steht hinter AMST und wo liegen

die Wurzeln des Unternehmens?

In Folge eines Auftrages der DDR aus dem Jahr 1982

an die AMAG – welche 1978 bereits selbst in Entwicklungen

für die Luft- und Raumfahrt diversifiziert

hatte – entstand 1986 die AMST und schlussendlich

erfolgte 1996 ein Management-Buy-out durch den

langjährigen Geschäftsführer Richard Schlüsselberger.

AMST ist also als Familienbetrieb entstanden

und beide Söhne sind noch immer im Betrieb. Rainer

Schlüsselberger führt die Geschäfte im zivilen Bereich

der AMST-Aviation GmbH und Richard

Schlüsselberger (jun.) betreut die Key Accounts, mit

denen wir teilweise schon seit 20 oder 30 Jahren

Geschäftsbeziehungen unterhalten. Dabei bieten wir

von einfachen Simulationseinrichtungen über flugmedizinische

Anlagen wie Zentrifugen bis hin zu

Vollmissionssimulatoren das gesamte Spektrum ab.

Piloten zwar dabei, in Extremsituationen zu überleben und länger einsatzfähig

zu bleiben, in den 1990er-Jahren wollten Kunden ihre Systeme

aber zunehmend an reale Gegebenheiten anpassen. Sie wünschten

sich Cockpits in die Gondeln der Anlagen, um Flugmanöver möglichst

real simulieren zu können. Natürlich mit einfacheren Bedienelementen,

man übt damit ja nicht das Landen und Starten.

Die Ansprüche stiegen also?

Richtig. Heute projektieren, konstruieren und bauen unsere Mitarbeiter

große Anlagen vom komplexen und präzisen maschinenbaulichen

Teil über Leitstand und Cockpit-Nachbildung bis zur Software, die

neben der Bewegungssteuerung auch die virtuelle Umgebungssimulation

mit einschließt. Sehr gerne übernehmen wir auch die Planung

und Bauüberwachung der dafür nötigen speziellen Gebäude. Das

Geschäft konzentrierte sich anfangs vor allem auf Flächenflugzeuge,

wo wir bereits in der höchsten Klasse Level-D einen qualifizierten

Simulator haben. Heute werden Full-Flight- und Full-Mission-Simulatoren

aber auch im Hubschrauberbereich immer mehr nachgefragt.

Könnte AMST damit als Teil der österreichischen Wertschöpfung

auch bei der Alouette III-Nachfolge zum Zug kommen? Ihr Unternehmen

präsentierte sich ja bereits vor dem Entscheid für den

AW169 von Leonardo gemeinsam mit Herstellern der infrage

kommenden Typen. Ob schlussendlich ein Simulator Teil des

Pakets sein wird, ist aber noch nicht entschieden, oder?

Daran wären wir natürlich interessiert und für jede Abstufung bis hin

Waren Flugsimulationen bei AMST von Beginn

an Teil des Geschäfts?

Nein. Begonnen hat die Entwicklung mit Human -

zentrifugen und Unterdruckkammern, die wir auch

heute noch liefern – wie zuvor unter anderem nach

Singapur, Polen oder auch England. 1982 erhielt die

Vorläuferfirma dann aber auch einen Auftrag zur

Errichtung einer kompletten flugmedizinischen Einrichtung

mit Humanzentrifuge und Höhendruckkammer

in Königsbrück bei Dresden.

Das war der Auftrag der DDR-Luftstreitkräfte?

Ja stimmt, die Anlage wurde dann1986 in Betrieb genommen.

Nach der Übernahme durch die Bundeswehr

wurde sie einer Schlüsseleinrichtung der Luftwaffe

(Anm.: Abteilung Flugphysiologie des Flugmedizinischen

Instituts der Luftwaffe) zugeteilt und

durch Modernisierungen aktuellen Erfordernissen

angepasst. Von 1995 bis 2004 erfolgte etwa die Entwicklung

eines interaktiven Steuerungssystems und

seit 2006 bildet das Leistungsprofil alle Kennziffern

des Eurofighter ab. Heute trainieren dort die Piloten

vieler NATO-Länder, aber auch des Bundesheeres.

Parallel zum Geschäft mit den Zentrifugen

entwickelte sich dann der Simulatorbereich?

Damals in den 1980er-Jahren waren Zentrifugen

noch passive Systeme, in denen Probanden ohne

Interaktion G-Kräften ausgesetzt wurden. Das half

HOCHLEISTUNG

Rheinmetall ist sowohl bei 40mm Waffensystemen als auch bei Spezialeinsatzmitteln

einer der weltweit führenden Anbieter.

In beiden Bereichen deckt das Unternehmen das gesamte Spektrum ab und

beliefert Streit- und Sicherheitskräfte weltweit mit Komponenten und Systemen.

Neben 40mm Low Velocity und High Velocity Munition treibt Rheinmetall die

Fortentwicklung der zukunftsträchtigen 40mm Medium Velocity Familie voran.

Darüber hinaus bietet das führende wehrtechnische Systemhaus auch

passende Waffensysteme und Feuerleittechnologie für 40mm Munition an.

www.rheinmetall-defence.com

FORCE PROTECTION IS OUR MISSION.


0

5 6 S I C H E R H E I T & W I R T S C H A F T

ÜBUNGSHALLE Im bayrischen Bad Tölz hat AMST für die deutsche Bergwacht zahlreiche Simulatoren realisiert,

um beispielsweise den Lärm- und Rotorabwind von zwei Hubschraubern zu simulieren, Wand- und Windenbergungen

auch aus Seilbahnen und Liften üben zu können und mit meterhoch wirkendem Wellenbecken.

zu einer Systemintegration des Originalcockpits

in Zusammenarbeit mit Leonardo

bereit. In den laufenden „Government

to Government“-Verhandlungen

dürfte man sich vorerst drauf geeinigt

haben, gemeinsam mit den italienischen

Heeresfliegern Trainings zu machen.

Wo diese aber letztlich stattfinden und

wie man diese auf statische oder vollbewegliche

Simulatoren aufteilt, dürfte

noch nicht entschieden sein. Ansonsten

kann ich zum Hubschrauberbereich nur

sagen, dass wir mit unserem Part bereits

bevorzugter Zulieferer eines großen

Herstellers sind.

Kommen wir zurück zum Flugzeugbereich:

In Aufnahmen aus der AMST-

Hochleistungszentrifuge in RAF-Cranwell

sieht man sogar ein F-35-Cockpit

in der Gondel. Wie kam es dazu?

Eigentlich können in die Kabine der 39-

Tonnen-Anlage auf Wunsch der RAF

sogar drei nachempfundene Cockpits

integriert werden, für Eurofighter, F-35

und Hawk. Das sind aber keine Originalcockpits

der Hersteller, die Anlage ist

daher nicht mit einem Full-Mission-

Simulator zu verwechseln, das wäre für

die kurze Zeit des Trainings in der Kapsel

unsinnig. Die Anlage eignet sich aber

trotzdem gut für unterschiedliche taktische

Übungen unter G-Belastung, sie

kann in einer Umdrehung bis zu 10G

aufbauen. Damit kommt sie der Realität

moderner Jets schon sehr nahe, darin

setzt der Mensch den technischen Möglichkeiten

zunehmend Limits.

Warum beschäftigt sich AMST auch

mit dem Faktor „Desorientierung“?

Weil wir in der räumlichen Desorientierungs-Simulation

einen sehr interessanten

und zu erforschenden Bereich erkannt

haben. Wir haben dann den 14

Meter langen Bewegungssimulator

DESDEMONA (DESorientierungs-DE-

MONstrationsAnlage) entwickelt, der

durch Bewegung des Piloten in vier Rotations-

und zwei Linearachsen sämtliche

denkbaren dynamischen Situationen

nachbildet, in die ein Pilot geraten könnte.

Damit wollen wir Probanden den

erstaunlich oft unterschätzen Grad der

optischen und räumlichen Täuschung

vermitteln und die Konzentration auf

die Instrumente trainieren, um die Orientierung

zu erhalten und einen fatalen

Orientierungsverlust zu vermeiden.

Das ist natürlich auch für den zivilen

Bereich wichtig, dort bleibt aber vieles –

aus Kostendruck, aber auch aus anderen

Gründen – im Vergleich zum militärischen

Bereich theoretischer. Trotzdem

verwenden viele flugmedizinische

Institute unsere Geräte, um die Gleichgewichtsorgane

von Piloten zu überprüfen

und diesen eine Desorientierungserfahrung

und die Folgen ihrer Falschwahrnehmung

zu vermitteln. Mit den

Geräten lässt sich zum Beispiel der

Einflug in schlechtes Wetter simulieren,

wir können aber auch eine plötzliche

Blendung durch einen Laser und viele

andere Szenarien einspielen. Derartige

Anlagen gibt es auch für den Hubschrauberbereich

– allerdings nicht

typenspezifisch.

Unter den AMST-Pressefotos sind

auch Bilder eines Piloten mit Nacht -

sichtbrille zu sehen. Ist diese Anwendung

in den Simulatoren heute überall

Standard?

Das ist sogar ein wichtiger Bereich und

in fast allen Luftwaffen Ausbildungsstandard,

für den wir eine eigene Demonstrationsmodell-Anlage

geschaffen

haben. Dazu haben wir – wie übrigens

bei anderen Produkten auch – ein komplettes

Ausbildungskonzept entwickelt

und auch sehr gut verkauft.

Auf Messen wie IDEX oder LIMA

sieht man immer mehr Simulatoren

mit VR-Brillen. Die virtuelle Umgebung

wird dabei gewissermaßen

„aufgesetzt“, die Notwendigkeit eines

großen Simulators entfällt. Ist AMST

in diesem Bereich auch aktiv?

Wir arbeiten in Hinblick auf die sogenannte

„Mixed Reality“, also bei der

Begleitung der klassischen Anwendung

durch VR-Anteile, mit einem heimischen

Partner zusammen. Damit bekommt

man auch die eigenen Extremitäten und

nachempfundene Cockpitteile ins taktische

Bild der Außenansicht, man sitzt

aber trotzdem in einem reellen Cockpit.

Könnten derartige Produkte langfristig

euer Kerngeschäft bedrohen?

Nein, das glauben wir nicht, weil damit

gewisse Eindrücke wie die Motion nicht

abbildbar sind. Zudem sind lange Sitzungen

mit Brille immer noch problematisch,

vielen Piloten wird dabei

schwindelig. VR spielt in Zukunft aus

Kostengründen zum Abbilden bestimmter

Trainingsinhalte sicher eine größere

Rolle, unser Geschäftsmodell lässt sich

damit im Kern aber nicht ersetzen.

GESCHÄFTSFÜHRER Der ehemalige Opel- und

Siemens-Manager Manfred Bauer steht seit zweieinhalb

Jahren an der Spitze von AMST.

FOTO S : G E O R G M A D E R

M I L I T Ä R A K T U E L L


I N T E R V I E W

WIR

SIND ZUM

GLÜCK BREIT

AUFGESTELLT

Das 1912 gegründete oberösterreichische

Familienunternehmen Eska beliefert

Armeen auf der ganzen Welt mit

hochwertigen, in Österreich produzierten

Handschuhen. Geschäftsführer in

vierter Generation Paul Loos jun. über

Enttäuschungen, Arktis und Covid-19.

Interview: CONNY DERDAK

FOTO : C H R I ST I A N H U B E R

err Loos, wie sieht

Hes bei Eska derzeit

im Militärbereich

aus? In welche Länder

wird aktuell geliefert,

und gibt es

in diesem Bereich neue Kunden?

Unsere Handschuhe liefern wir an

das Militär in Australien, Deutschland,

Österreich, Frankreich, England,

Norwegen und noch in ein paar

andere Länder, in denen wir aber

nicht ganz so groß vertreten sind.

Neue Kunden zu gewinnen ist aufgrund

der Covid-Situation derzeit

überhaupt nicht möglich.

Wie viel Prozent Ihrer Gesamt -

produktion machen Militärhandschuhe

aus?

Das ist schwer zu sagen, da es sich

ja nicht um ein kontinuierliches

Geschäft handelt, sondern ausschreibungsbedingt

ist. Aber grob geschätzt

würde ich sagen, dass es

rund 30 Prozent sind. Wir liefern

darüber hinaus auch an Polizei und

Feuerwehr, da rüsten wir Österreich

groß aus.

Liefern Sie nach wie vor auch die

Einsatzhandschuhe für das Bundesheer?

Nein, den Kampfhandschuh haben

wir viele Jahre hergestellt und etwa

10.000 bis 12.000 Paar ans Bundesheer

geliefert, aber die haben sich nun

für ein anderes Produkt entschieden.

Neu ist unser Modell Arktis, von dem

das Bundesheer einige Hundert Paar

bezieht. Dieser Handschuh ist ein

ganz tolles Produkt, mit dem wir den

ISPO Award und den Red Dot Design

Award gewonnen haben. Er ist wasserdicht,

besteht aus 160 Einzelteilen

und eigentlich sind es zwei Paar

Handschuhe in einem: Fingerhandschuh

und Fäustling. Man hat damit

ein sehr hohes Tastgefühl und kann

jedes per Touchscreen betriebene

Gerät bedienen.

Wie hat es sich überhaupt ergeben,

dass Ihr Unternehmen für das Militär

produziert?

Das hat sich über Jahre hinweg aufgebaut.

Die meisten unserer Produkte

werden spezifisch für den Anwender

entwickelt – es fing also mit Entwick-

lungsaufträgen an. Wir haben dann

die jeweiligen Länder kontaktiert und

ihnen Lösungsvorschläge gemacht.

Bis man zu so einem Auftrag kommt,

braucht es schon bis zu vier, fünf Jahre

Entwicklungszeit. Generell muss man

sagen: Der Handschuh ist ein Produkt,

das übersehen und unterschätzt wird.

Dabei ist er so wichtig, denn die Soldaten

rüsten ja damit ihre Hände aus,

mit denen sie alles machen.

Sie haben zuvor die Corona-Pandemie

angesprochen – inwiefern veränderte

sich dadurch das Geschäft?

Das Geschäft ist natürlich schlechter

geworden. Man kann mit den Leuten

nicht mehr sprechen, es bewegt sich

nichts, überall wird versucht zu sparen.

Es ist leider definitiv schwieriger geworden,

und was man heute nicht hat,

kann man auch nicht mehr aufholen.

Wir sind zum Glück breit aufgestellt

und versuchen mit allen Mitteln,

unsere Angestellten zu behalten.

Ich wünsche jedem da draußen alles

Gute – schauen wir, dass wir gut

durch die Krise kommen. Den Kopf

nicht hängen lassen und kämpfen!

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 5 8 s c h l u s s p u n k t

WLADIMIR PUTIN

IM WEISSRUSSISCHEN SATTEL

Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko lässt die Proteste der Bevölkerung in seinem

Land brutal niederschlagen – gewonnen hat er den Konflikt um die mutmaßlich manipulierten Wahlen

vom vergangenen Sommer damit aber nicht. Vielmehr dürfte hinter den Kulissen längst über

seine Nachfolge entschieden werden und dabei zieht – einmal mehr – der russische Präsident Wladimir

Putin die Fäden. Eine Analyse von Sicherheitspolitik-Experte Brigadier a. D. Walter Feichtinger.

Mit jedem tag, den sich der umstrittene

weißrussische präsident

alexander lukaschenko an der

Macht hält, gewinnt der kreml in Minsk an

einfluss. russland scheint für alle Fälle gerüstet

und stellt vermutlich schon längst

die Weichen für die Zeit nach lukaschenko,

denn auf dauer wird sich Weißrusslands

langzeitpräsident nicht an der spitze

halten können.

eigentlich erstaunlich, dass einerseits die

gewaltfreien proteste trotz massiver repressalien

noch anhalten und andererseits

präsident lukaschenko nicht daran denkt,

das Feld zu räumen oder umfangreiche

konzessionen zu machen. diese entwicklung

wird nur durch die rückendeckung

Moskaus ermöglicht, das rasch mit einem

1,5 Milliarden us-dollar (1,27 Milliarden

euro) schweren kredit einsprang und –

noch viel wichtiger – eine unmissverständliche

unterstützungserklärung für lukaschenko

abgab, verbunden mit einer

deutlichen Warnung an den Westen, sich

nicht in die inneren angelegenheiten

Weißrusslands einzumischen. die angst

vor einem sturz der weißrussischen Führung

durch einen Volksaufstand muss groß

sein, denn nichts fürchtet der russische

präsident Wladimir putin mehr als eine

„Farbenrevolution“ in der Zone seines besonderen

interesses – mit unkalkulierbaren

Überschwappeffekten auf russland.

damit wird lukaschenko zum strategischen

spielball im Machtkalkül des

kremls. denn Moskau liegt weniger an der

person des häufig aufmüpfigen präsidenten,

sondern vielmehr an der Festigung

und am ausbau der bilateralen Beziehungen.

oder anders ausgedrückt: Man

möchte dieses äußerst wichtige nachbarland,

mit dem 1999 sogar ein „unionsstaat“

begründet wurde, weiterhin möglichst

stark an sich binden. die Vorzeichen

„Lukaschenko wird zum

strategischen Spielball

im Machtkalkül des

Kremls.“

dafür sind günstig, denn die Bevölkerung

protestiert nicht gegen Moskaus einfluss,

sondern fordert den rücktritt lukaschenkos.

sie verlangt auch keinen eu- oder

nato-Beitritt, die Menschen möchten einfach

das, was der langzeitpräsident immer

wieder versprochen, aber nicht gehalten

hat: ein besseres leben. sie demonstrieren

unter striktem Gewaltverzicht und wollen

damit dem „starken Bruder“ keinen

Vorwand für eine intervention oder militärische

Beistandsleistung liefern.

Für die usa sind diese entwicklungen von

nachgeordneter Bedeutung – Weißrussland

liegt nicht im strategischen Fokus.

die eu hat das Wahlergebnis nicht anerkannt

und sanktionen gegen den präsidenten

und personen aus seinem umfeld

verhängt. sie unterhält kontakte zur

opposi tion und fordert die achtung von

Menschenrechten, möchte aber weder

lukaschenko noch putin einen anlass geben,

gewaltsam vorzugehen. das eindeutige

statement russlands gleich zu Beginn

der proteste, der Westen solle sich nicht

einmischen, und die ernüchternden erfahrungen

mit der krim und im donbass 2014

sorgen wohl auch für besondere Besonnenheit

und Zurückhaltung.

präsident lukaschenko wird vermutlich auf

einen kalten Winter hoffen, der die proteste

buchstäblich einfrieren soll. es ist aber

äußerst zweifelhaft, dass sich die Bevölkerung

mit einer neuen amtsperiode abfindet.

somit stellen sich drei entscheidende

Fragen. erstens: Wie lange steht der sicherheitsapparat

noch hinter lukaschenko und

prügelt in seinem auftrag weiterhin auf

landsleute ein? Zweitens: Gibt es einen

punkt, an dem lukaschenko auch für Moskau

untragbar wird? und drittens: ist es

möglich, dass die proteste in Gewalt umschlagen?

Moskau ist sicher bereit, im Fall

der Fälle jederzeit einzuschreiten. ein destabilisiertes

Weißrussland mit unsicherer

Zukunft wäre für den kreml nicht tragbar.

die berechtigten anliegen der Bevölkerung

spielen dabei vermutlich nur eine

untergeordnete rolle – sehr bedauerlich.

Brigadier a. D. Walter Feichtinger ist

Präsident des Center for Strategic

Analysis (CSA).

Foto s : B u n d e s h e e r / M i n i c h , G e t t y i M aG e s

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0 5 9 P A N O R A M A

DER BUNDESHEER-S

Er punktet mit Panzerschutz, Beweglichkeit

und Feuerkraft. Dank seiner Seit dem erstmal

pard in jedem G

starken Motorisierung und einer zenpanzers beim

Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h 2003 wird das Fa

kann der Ulan dem Kampfpanzer Leo-

entwickelt – derz

Der Schützenpanzer Ulan ist das Gefechtsfahrzeug

der österreichischen Panzergrenadiere und kommt

bei den Panzergrenadierbataillonen 13 und 35

zum Einsatz.

Text: CONNY DERDAK

SICHT

Am Turm links in Fahrtrichtung

sitzt der Kommandant, rechts

daneben der Richtschütze. Bei

„Luke dicht“ haben sie mittels

Wärmebildgerät und Winkelspiegel

die Umgebung in einem

360-Grad-Radius im Blick.

BELÜFTUNG

Die Belüftung erfolgt aktuell durch zu öffnende

Ventile an der Decke des Fahrzeuginnenraums

im Fahrerbereich, die als kleine

Ventilatoren fungieren.

STÜCKZAHL

Das Bundesheer besitzt insgesamt

112 Ulan-Schützenpanzer –

einige davon werden mit Fahrschulkabinenaufsatz

verwendet.

MOTORISIERUNG

Der Ulan wird von einem MTU

8V-199-Dieselmotor mit acht

Zylindern angetrieben, der sich

neben dem Fahrerplatz befindet.

G R A F I K : A N D R E A K R I Z M A N I C H BY C A R O L I N E S E I D L E R .CO M , FOTO : PA N Z E R G R E N A D I E R B ATA I L LO N 1 3

BESATZUNG

Die Fahrzeugbesatzung selbst

besteht aus drei Soldaten: Fahrer,

Richtschütze und Panzerkommandant.

Obendrein kann der Ulan eine Panzergrenadiergruppe

mit bis zu acht Soldaten und

deren Gefechtsausrüstung transportieren.

VORTEIL FÜR GRENADIERE

Durch die hohe Absitzstärke von acht Soldaten

können mit dem Ulan auch alle Aufgaben

der Jägertruppe erfüllt werden. Der

große Vorteil für die Panzergrenadiere liegt

aber darin, dass diese auch den Kampf mit

dem Schützenpanzer führen können und

durch ihn hochbeweglich sind.

AUSSTATTUNG

Der Ulan verfügt über eine ABC-

Schutzanlage, eine Feuerwarnund

Löschanlage sowie eine Brandunterdrückungsanlage,

eine Feuerleitanlage

mit Wärmebildgerät und

eine automatische Zielverfolgungsanlage.

HÖHE

(ÜBER ALLES)

2,65 Meter

BREITE

3,15 Meter

M I L I T Ä R A K T U E L L


I N F O G R A F I K

CHÜTZENPANZER

lände mühelos folgen.

gen Einsatz des Schüt-

Bundesheer im Jahr

rzeug konstant weitereit

wird beispielsweise

die Implementierung einer Klimaanlage

erprobt, da die Temperaturen im Sommer

im Innenraum des Ulan an heißen

Tagen bis zu 50 Grad Celsius erreichen

können.

INTERVIEW

„Es ist ein bisschen

wie Fahrradfahren“

FACTBOX

Schützenpanzer Ulan

Hersteller General Dynamics European Land Systems

Triebwerk MTU 8V-199 Dieselmotor (8 Zylinder)

Leistung 530 kW (720 PS)

Kampfgewicht 28 Tonnen

Leistungsgewicht 19 kW/Tonne

Besatzung 3 Mann + 8 Grenadiere

Höchstgeschwindigkeit 70 km/h

Kampfentfernung 2 Kilometer

Bewaffnung 30-mm-Maschinenkanone und 7,62-mm-Maschinengewehr

Nebelwurfanlage 76 mm Nebel- und Sprengwurfkörper

Stationierung Panzergrenadierbataillone 13 (Ried im Innkreis)

und 35 (Großmittel)

ENTWICKLUNG

Der Schützenpanzer wurde von der

Steyr Daimler Spezialfahrzeuge AG

(heute General Dynamics European

Land Systems-Steyr) hergestellt und

gemeinsam mit dem Bundesheer

entwickelt. Auch die spanische General-

Dynamics-Tochter Santa Bárbara Sistemas

war an der Entwicklung beteiligt,

in Spanien wurde der Ulan unter dem

Namen Pizarro in der Armee eingeführt.

Großbritannien hat insgesamt

589 Stück des Nachfolgemodells

Ascod in unterschiedlichen Varianten

bestellt, von denen bereits

mehr als 100 Fahrzeuge

ausgeliefert wurden.

LÄNGE 7,00 Meter

Korporal Rebecca Hintenaus,

KPE-Soldatin und

Panzerfahrerin in der

2. Kompanie des

Panzergrenadierbataillons 35,

über das Fahren des Ulan.

Frau Korporal, warum wollten Sie Panzerfahrerin werden?

Ich wollte das schon immer machen, habe bereits bei meiner

Grundausbildung den Panzerschein gemacht und bin seitdem

Panzerfahrerin. Ich bin jetzt 27 Jahre alt und mache das

schon seit dreieinhalb Jahren.

Was ist denn das Besondere am Ulan?

Da gibt es so viel, etwa die hohe Geschwindigkeit von bis zu

70 km/h, die Lenkung ist wirklich top und die Wendigkeit.

Vor allem im Gelände kann der Ulan seine Stärken voll ausspielen.

Wie fühlt es sich an, ihn zu lenken?

Ein bisschen wie Fahrradfahren – denn er hat ja kein Lenkrad,

sondern eine Lenkstange. Beim Bremsen spürt man sein

enormes Gewicht, er zieht ein bisschen nach. Außerdem fühlt

man sich im Ulan, als ob einem nichts passieren könnte. Alles

ist doppelt und dreifach geschützt und man sitzt weit oben.

Worauf muss man beim Fahren achten?

Das Getriebe ist eine Automatik mit vier Gängen – zwei

davon für die Straße und die beiden anderen fürs Gelände.

Während des Fahrens müssen wir darauf achten, dass der

Turm – das ist der Teil, auf dem Richtschütze und Kommandant

sitzen – „in der Wanne bleibt“, falls wir etwa in eine

Schneise hineinfahren. Dafür gibt es auch links vom Fahrerplatz

ein Warnsystem, das anschlägt, wenn der Turm nicht in

der Wanne ist. Außerdem muss ich immer den Funk mithören,

damit ich auch auf Unvorhergesehenes reagieren kann.

Wie viele Fahrstunden mussten Sie absolvieren, bis sie den

Ulan lenken durften?

Ich war insgesamt fünf Wochen in der Fahrschule. Zweimal

die Woche hatte ich Theorie, der Rest waren Fahrstunden,

unter anderem zwei Nachtfahrten mit Nachtsichtgerät. Danach

musste ich eine praktische und auch eine technische

Prüfung ablegen – schließlich muss man als Panzerfahrer

auch den Motor, die Mechanik und die Warnsysteme kennen

und wissen, wo die Flüssigkeiten durchlaufen.

M I L I T Ä R A K T U E L L


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