möbel kultur 01/21
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ZKZ 4937<br />
1 I 20<strong>21</strong><br />
MAGAZIN FÜR DAS MÖBEL-BUSINESS<br />
Roadshows, digitale Formate & Hausmessen<br />
Auf diesen Wegen bringt die Industrie<br />
die Ware in den Handel<br />
Die Trends 20<strong>21</strong><br />
Der Einrichtungs-Boom bleibt<br />
Homeoffice & Outdoor stehen<br />
besonders hoch im Kurs<br />
Foto: Kare<br />
2 EXTRAS<br />
KÜCHE &<br />
POLSTER<br />
Alexander Raab: Mit 70 in die City<br />
Marina Home: Urban & exotisch<br />
WMF: Mit Fokus auf Premium<br />
Timothy Oulton: A Gentleman‘s Business<br />
Ballerina: Bereit für jede Pirouette<br />
EMV: Der Verband als Kundenbeschaffer
TOP-THEMA/STRATEGIEN 20<strong>21</strong><br />
Seit 30 Jahren stellte Erpo immer zur „imm cologne“ aus.<br />
Da dies 20<strong>21</strong> nicht klappt, hat der Polster<strong>möbel</strong>spezialist die<br />
Hausmesse deutlich verlängert. „Bis Ende März besteht die<br />
Möglichkeit, unser Ausstellungszentrum zu besuchen und<br />
dort die Sortimente zu besprechen. Außerdem sind<br />
wir im Oktober und November sehr erfolgreich<br />
mit unserem Showtruck unterwegs gewesen<br />
und planen das auch für Januar und Februar<br />
ein“, sagt Geschäftsführer<br />
Stefan Bornemann.<br />
New Normal<br />
für den Vertrieb<br />
Normalerweise hätte sich die Branche Anfang<br />
Januar auf der „imm cologne“ getroffen,<br />
doch die Messe fällt Corona-bedingt aus. Mit<br />
alternativen Ideen wie Roadshows, digitalen<br />
Formaten oder Hausmessen unter strengen<br />
Hygienevorschriften versucht die Industrie,<br />
trotzdem ihre neuen Produkte an den Start<br />
zu bringen. Die „<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>“ fragte nach,<br />
mit welchen Konzepten die Hersteller auf den<br />
Handel zugehen.<br />
Eine Messe wie die ,imm cologne‘ lässt sich nicht einfach so ersetzen und wir<br />
bauen auf ihr Comeback Anfang 2022. Doch natürlich haben wir einen kreativen<br />
Alternativplan entwickelt, der unterschiedliche Aktivitäten und Formate<br />
umfasst: Die ausführliche Präsentation aller Neuheiten, inklusive der von Emma,<br />
findet im Rahmen der ,Sleep Innovation Days‘ vom 22. bis 31. März in Frankfurt<br />
statt. Einer unserer Unternehmenswerte ist ,stay agile‘. In diesen Zeiten ist das<br />
wertvoller denn je. Also wir haben eine Menge Ideen für 20<strong>21</strong> und planen quasi auf<br />
Sicht.. In der Zwischenzeit halten wir unsere Retail-Kunden über unsere Entwicklungen<br />
auf dem Laufenden. So haben wir z. B. mit Porta Möbel bereits den ersten<br />
Partner für die Dunlopillo-Premium-Bettenkollektion gewonnen. Ab Februar 20<strong>21</strong><br />
sind die neuen Produkte für die ersten Kunden bereits erhältlich. Schneller hätte<br />
es auch mit Messe nicht funktionieren können. Unser ,Easy Choice‘-Ansatz zieht<br />
sich durch das komplette Sortiment und wird von den Beratern sehr geschätzt.<br />
Christoph von Wrisberg, Geschäftsführer Dunlopillo<br />
Ein Wechselbad der Gefühle –<br />
so lässt sich das Jahr 2020 im<br />
Rückblick beschreiben. Lockdown<br />
1 führte zunächst zu extremen<br />
Sorgen und Sofortmaßnahmen, um<br />
die Kosten zu reduzieren. Doch wie<br />
ein Wunder erlebte die Einrichtungsbranche<br />
danach einen regelrechten<br />
Boom: Endlich wurde das<br />
viel beschworene Cocooning wahr.<br />
Bis der zweite Lockdown im Dezember<br />
das Weihnachtsgeschäft und den<br />
Jahresstart wieder verhagelte.<br />
Schon vorher war klar, dass es<br />
auch keine „imm cologne“ geben<br />
wird und Heimtextil, Christmasworld<br />
und Ambiente erst für den<br />
Mai bzw. April geplant sind. Viele<br />
Unternehmen profitieren jetzt<br />
davon, dass sie im Herbst noch auf<br />
den Messen ausgestellt haben und<br />
dort ihre Neuheiten präsentieren<br />
konnten. Obwohl der Handel für<br />
Möbel-Innovationen derzeit eher<br />
mäßig empfänglich ist, weil er lieber<br />
auf gut laufende Modelle setzt.<br />
Deshalb – so ergab die Umfrage der<br />
„<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>“ in der Industrie –<br />
geht es bei den Vertriebsstrategien<br />
20<strong>21</strong> auch eher um Optimierung,<br />
und zwar sowohl bei den Produkten<br />
20 <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 1/20<strong>21</strong>
Im Showroomcenter Brühl bei<br />
DPI zeigen 15 starke Marken<br />
aus dem Lifestyle-Bereich wie<br />
Cor Mulder (o.) auf 9.000 qm<br />
ihre Neuheiten für 20<strong>21</strong>. Mehr<br />
dazu auf Seite 100.<br />
als auch beim Marketing. Gleichwohl<br />
müssen auch diese Ideen zu<br />
den Kunden transportiert werden.<br />
Was einige Firmen wie Erpo oder<br />
Ekornes im wahrsten Sinne des Wortes<br />
unternehmen, in dem sie sich<br />
mit Trucks auf die Reise begeben.<br />
Andere, wie Himolla, Ada oder Kare,<br />
setzen auf zusätzliche digitale Tools<br />
oder Hybrid-Messen, weil auch nicht<br />
alle Kunden die zahlreichen Hausmessen,<br />
die gerade aus dem Boden<br />
gestampft werden, besuchen. Wieder<br />
andere, wie Tempur, stellen auf<br />
Online-Messen aus. Zweifelsohne<br />
hat die Branche einen enormen digitalen<br />
Schub erfahren. Das kann als<br />
positive Komponente von Corona auf<br />
jeden Fall verbucht werden.<br />
Egal mit welchen Ideen die Branche<br />
derzeit aktiv ist – alle sind sich<br />
darüber einig, dass der persönliche<br />
Kontakt auf den Messen auf Dauer<br />
durch nichts zu ersetzen ist. Hoffen<br />
wir alle, dass dies bald wieder möglich<br />
ist.<br />
DAS TEAM DER MÖBEL KULTUR<br />
Schön ist es einfach, wenn es menschelt, trotz der ganzen Einschränkungen.<br />
Daher setzen wir weiterhin auf persönlichen Kundenkontakt<br />
zum Beispiel per Videostream, wir nutzen verschiedene Kommunikationsnetzwerke<br />
sowie unseren Showroom-Roboter Bobby, der unseren Kunden<br />
sein Auge leiht und mit dem man von überall aus in die Himolla-Welt eintauchen<br />
kann. Wir haben Himolla auf die Zukunft ausgerichtet und werden<br />
das weiter tun. Seit 2<strong>01</strong>9 wachsen wir wieder kontinuierlich, und zwar in der<br />
vollen Breite. Wie erfolgreich dieser Transformationsprozess ist und wie sehr<br />
die modernen Formen angenommen werden, zeigen die Geschäftszahlen.<br />
Schon jetzt übernehmen die neuen Modelle einen Anteil von 30 Prozent<br />
des Umsatzes. Die Planungsunsicherheit ist zwar hoch, doch wir gehen mit<br />
positiven Einstellungen in das Jahr 20<strong>21</strong>.<br />
Tamara Härty, Head of Product and Marketing, Himolla<br />
Nach einer langen Reise von 60 Jahren will Mintjens<br />
Innovationen und die Vorzüge des ,Made in Belgium‘<br />
noch mehr miteinander verbinden. Deshalb soll das<br />
Augenmerk auf den Themen Familienunternehmen,<br />
Ökologie, Werte und Ressourcen liegen. Das soll sowohl<br />
auf Hausmessen bzw. den Inspiration Days in Westmalle,<br />
auf den Partnertagen im März sowie diversen Verbandsmessen,<br />
als auch auf den Online-Kanälen transportiert<br />
werden. Eine Roadshow ist allerdings nur für den Plan B<br />
vorgesehen.<br />
Volker Schrader, Geschäftsführer VS-Furniture Team<br />
1/20<strong>21</strong> <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> <strong>21</strong>
TOP-THEMA/TRENDREPORTS<br />
Kinderbetreuung,<br />
Homeschooling,<br />
Homeoffice: Um<br />
die Bedürfnisse<br />
aller Familienmitglieder<br />
zu erfüllen,<br />
sind funktionale<br />
Einrichtungslösungen<br />
gefragt.<br />
Foto: Flokk<br />
Die Neuausrichtung<br />
des Wohnens<br />
Die Corona-Pandemie prägte das Jahr 2020<br />
wie nichts anderes. Die damit verbundenen<br />
Einschränkungen sorgten dafür, dass sich<br />
auch das Leben Zuhause grundlegend verändert.<br />
Was für die Menschen in ihren vier<br />
Wänden wichtig ist und bleibt, beleuchtet<br />
der aktuelle „Life at Home Report“ von Ikea<br />
und der „Home Report 20<strong>21</strong>“ von Zukunftsforscherin<br />
Oona Horx-Strathern.<br />
TREND 1<br />
„HOFFICE“<br />
Künftig werden wir eine neue Beziehung zu unserem<br />
Zuhause aufbauen. Es geht darum, eine neue körperliche<br />
und geistige Intimität zu entdecken“, sagt<br />
Trend- und Zukunftsforscherin Oona Horx-Strathern. Das<br />
hört sich gut an. Die Möbelbranche wird voraussichtlich<br />
also noch länger von dem steigenden Interesse<br />
am Wohnen profitieren, so ein Fazit aus dem jüngsten<br />
„Home Report“ des Zukunftsinstituts.<br />
Drei Trends hat Horx-Strathern aktuell ausgemacht.<br />
Darunter „Hoffice – Die Verschmelzung von<br />
Zuhause und Büro“. Angesiedelt innerhalb der Mega-<br />
Trends New Work und Konnektivität (siehe „Wohntrend-Map“)<br />
ergibt sich die Wortschöpfung aus<br />
den beiden Begriffen Home und Office. „Das Büro<br />
gliederte sich so sehr in das Gefüge unseres<br />
Zuhauses ein, dass ein hybrider, verschmolzener<br />
Lebensstil entstand, den ich Hoffice nenne“,<br />
spricht die Trendexpertin auch von ihren eigenen<br />
Erfahrungen während des ersten Lockdowns im Frühjahr.<br />
„Und es erinnert an den Laut, den man von sich<br />
gibt, wenn man verzweifelt ausatmet, weil man mal<br />
wieder keinen ruhigen Raum zum Arbeiten finden kann.“<br />
Diese Situation kannten sicherlich viele, die von jetzt<br />
auf gleich ihr Büro irgendwie zu Hause organisieren<br />
mussten, ohne darauf auch nur im entferntesten vorbereitet<br />
zu sein – Provisorien waren an der Tagesordnung.<br />
Moderne offene Wohnräume zeigten plötzlich, dass<br />
sie in dieser Situation nicht sehr funktional sind. Im<br />
Ergebnis erforderte die neue Situation viel Anpassungsfähigkeit,<br />
Kreativität und Geduld. Und im Nachgang<br />
spürten Handel und Industrie eine enorme Nachfrage<br />
nach flexiblen Homeoffice-Lösungen, die sich möglichst<br />
problemlos in die vorhandene Einrichtung integrieren<br />
lassen. Oona Horx-Strathern geht davon aus, dass der<br />
„Hoffice-Trend“ anhalten wird, da die Menschen im<br />
Sinne des New Work nach neuen Arbeitsformen suchen.<br />
26 <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 1/20<strong>21</strong>
„Wohntrend-Map“ – Die Trenddynamiken<br />
rund ums Wohnen und Bauen<br />
Healing<br />
Architecture<br />
Glokalisierung<br />
Achtsamkeit<br />
Gesundheit<br />
Global<br />
Cities<br />
Globalisierung<br />
New Local<br />
Megacities<br />
Progressive<br />
Provinz<br />
Neo-Ökologie<br />
Plant<br />
Parenting<br />
Home Farming<br />
Circular<br />
Economy<br />
Slow<br />
City<br />
Minimalismus<br />
Vertical<br />
Village<br />
Urban<br />
Farming<br />
Condensed<br />
Spaces<br />
Micro-<br />
Housing<br />
Tidyism<br />
Slow<br />
Architecture<br />
Unfolding Cities<br />
McLiving<br />
Co-Living<br />
Neighbourhood<br />
Communities<br />
Conceptual<br />
Living<br />
Romancing<br />
the Balcony<br />
Resilienz<br />
3xM-Methode<br />
Urbanisierung<br />
Scandi Secret<br />
Wir-Kultur<br />
Hygge<br />
Co-Immunity<br />
Neo-Biedermeier<br />
Rural Cities<br />
Branded<br />
Architecture<br />
Single-<br />
Gesellschaft<br />
Individualisierung<br />
Co-Isolation<br />
Sicherheit<br />
Home Suite Home<br />
Home Staging<br />
Touchless<br />
Tech<br />
Slow<br />
Mobility<br />
Third Places<br />
Shared Places<br />
Inside-out<br />
Design<br />
Mobilität<br />
Smart Home<br />
Lebensqualität<br />
Work-Life-<br />
Blending<br />
New Work<br />
Hoffice<br />
Co-Working<br />
Konnektivität<br />
Besonders wichtig während des Lockdowns war ein<br />
Platz zum Arbeiten. Laut dem „Life at Home Report“<br />
bot der bestehende Wohnraum für 49 Prozent der<br />
Befragten in Deutschland oft für mehr Beschäftigungen<br />
Platz, als zunächst gedacht. International<br />
lag der Durchschnitt bei 37 Prozent.<br />
Foto: Flokk<br />
Das Jahr 2020 stellte das Leben<br />
weltweit und damit auch das<br />
Wohnen auf den Kopf. Im<br />
Lockdown hatten die eigenen vier<br />
Wände plötzlich mehrere Funktionen<br />
zu erfüllen und zu ersetzen. Der<br />
gesamte Tagesablauf wurde in die<br />
privaten Räume verlegt, die eigene<br />
Wohnsituation und das, was ein gutes<br />
Zuhause ausmacht, neu bewertet.<br />
Dabei veränderten sich manche Prioritäten,<br />
die auch in Zukunft einen<br />
hohen Stellenwert einnehmen werden,<br />
wie der „Life at Home Report“<br />
von Ikea sowie der „Home Report<br />
20<strong>21</strong>“ von Oona Horx-Strathern<br />
belegen. Besonders wichtig: ein Platz,<br />
an dem man arbeiten oder seinem<br />
Hobby nachgehen kann sowie ein<br />
eigener Ort im Freien.<br />
Ikea hatte für seinen aktuellen „Life<br />
at Home“ Report während des ersten<br />
Lockdowns im Frühjahr 38.<strong>21</strong>0 Menschen<br />
aus 37 Ländern (davon 1.078<br />
aus Deutschland) gefragt, wie sie ihr<br />
Zuhause wahrnehmen, gestalten und<br />
verändern. Dabei gaben 78 Prozent<br />
an, dass die eigene Wohnung während<br />
Die „Wohntrend-Map“ ist aus dem<br />
„Home Report 20<strong>21</strong>“ von Oona<br />
Horx-Strathern, den das Zukunftsinstitut<br />
aktuell herausgegeben hat .<br />
1/20<strong>21</strong> <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 27
TOP-THEMA/ALEXANDER RAAB<br />
Alexander Raab ist mit 45 Jahren<br />
Möbelgeschichte eine der großen<br />
Persönlichkeiten der deutschen<br />
Einrichtungs-Szene. Der Mitgründer<br />
des Stilwerks macht sich auf, die<br />
Hamburger City als Möbel-Standort<br />
zu entwickeln. Die „<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>“<br />
sprach mit dem frischgebackenen<br />
70-Jährigen über Handelstugenden,<br />
italienisches Design, die Innenstadtfrage<br />
und darüber, warum gute Projekte<br />
manchmal Zeit brauchen, wie<br />
die Stadthöfe in Hamburg beweisen.<br />
Eine Frage<br />
der Lage<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Herr Raab, Sie können auf<br />
eine beeindruckende Möbelbiografie<br />
zurückblicken und schreiben 20<strong>21</strong> mit<br />
der Neueröffnung von Clic in den Hamburger<br />
Stadthöfen das nächste Kapitel. Was<br />
waren die Wegmarken Ihrer Karriere?<br />
Alexander Raab: Meine Möbelhistorie<br />
zählt mittlerweile schon 45 Jahre.<br />
Angefangen habe ich als Geschäftsführer<br />
der Vertretung der Deutschen<br />
Werkstätten hier in Hamburg. Dann<br />
habe ich mich mit dem ersten Ligne-<br />
Roset-Studio in Deutschland selbstständig<br />
gemacht, später kam dann<br />
noch ein zweites dazu. 1986 ging<br />
es dann mit Clic los – damals auf<br />
dem Neuen Wall, der ja seinerzeit<br />
ein richtiger Einrichtungsboulevard<br />
gewesen ist. Clic lag direkt gegenüber<br />
von Bornhold, sodass wir von<br />
dessen Kunden profitieren konnten,<br />
die auch zu uns kamen. Dann stiegen<br />
die Mieten in der City immer<br />
weiter und wir mussten uns etwas<br />
Neues einfallen lassen. So begann<br />
1996 dann die Stilwerk-Phase, die<br />
für uns nun zu Ende geht.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Sie haben das Stilwerk<br />
damals konzipiert.<br />
Alexander Raab: Ja, ich habe mit<br />
Bernhard Garbe, dem Vater von<br />
Alexander Garbe, einen kongenialen<br />
Partner gefunden. Acht Jahre<br />
lang war ich mit dabei, um auch<br />
Berlin und Düsseldorf als Stilwerk-<br />
Standorte zu entwickeln. Vor dem<br />
Projekt in Stuttgart bin ich dann<br />
ausgestiegen und habe mich nur<br />
noch um Clic gekümmert.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Das war eine jahrelange<br />
Erfolgsgeschichte auf 1.200 qm – als<br />
größter Mieter im Stilwerk.<br />
Alexander Raab: Clic ist ein Mehrmarken-Shop<br />
im gehobenen Segment,<br />
der gut funktioniert. Später<br />
haben wir dann noch den Cor-<br />
Interlübke-Shop übernommen und<br />
einen Rolf-Benz-Store im 4. Stock<br />
des Stilwerks eröffnet. 2<strong>01</strong>9 haben<br />
wir dann hier in den Stadthöfen<br />
den Poliform-Store gelauncht, in<br />
dem wir uns gerade unterhalten.<br />
Insgesamt beschäftigen wir an allen<br />
vier Standorten 36 Mitarbeiter.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Das Stilwerk war damals<br />
ein ziemlich großer Wurf für die<br />
Einrichtungswelt.<br />
Alexander Raab: Das kann man wohl<br />
so sagen. Damals sind viele Einrichtungshändler<br />
aus der Innenstadt in<br />
die Große Elbstraße gezogen, weil<br />
32 <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 1/20<strong>21</strong>
Wenn die<br />
Hamburger<br />
den Standort<br />
erst auf dem<br />
Radar haben,<br />
werden wir<br />
auch viele<br />
neue Kunden<br />
ansprechen<br />
können.<br />
sie so überzeugt von dem Konzept<br />
waren.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Warum verlassen Sie mit<br />
Clic nun das Stilwerk?<br />
Alexander Raab: Das Stilwerk ist nach<br />
wie vor ein wunderbares Gesamtkunstwerk,<br />
aber es hat sich verändert.<br />
Als Mieter habe ich keinen<br />
Einfluss auf meine Nachbarn. Die<br />
Grundidee des Stilwerks war seinerzeit,<br />
dass alle Anbieter auf einer<br />
Niveaustufe eine bestimmte Klientel<br />
mit verschiedenen Produkten, Kollektionen<br />
und Marken ansprechen –<br />
eine stationäre Plattform-Strategie<br />
im Hochwert-Segment.<br />
Das ist heute nicht mehr unbedingt<br />
so. Begonnen hat das, als die<br />
ersten Onliner im Stilwerk ihre<br />
Showrooms eröffnet haben, also<br />
2<strong>01</strong>3. Die Kunden unseres Nachbarn<br />
waren dann nicht mehr automatisch<br />
unsere Kunden. Das spricht nicht<br />
gegen das Stilwerk, weil es durch<br />
den Angebots-Mix sehr wahrscheinlich<br />
mehr Kunden erreicht. Das zeigt<br />
ja auch die gute Mietsituation dort.<br />
Und mit dem Cor-Interlübke-Store<br />
werden wir ja auch im Stilwerk bleiben.<br />
Aber für Clic gilt, dass wir uns<br />
strategisch woanders hin entwickeln<br />
möchten. In Bezug auf den Rolf-<br />
Benz-Shop haben wir noch keine<br />
Entscheidung getroffen.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Was hat es nun mit den<br />
Stadthöfen auf sich?<br />
Alexander Raab: Das Stadthaus entstand<br />
1814 als Sitz der Stadtverwaltung<br />
und der Polizei in Hamburg,<br />
zwischen dem Neuen Wall und dem<br />
Bleichenfleet. In der Zeit des Nationalsozialismus<br />
diente das Gebäude<br />
als Zentrale der Hamburger Gestapo,<br />
nach dem Zweiten Weltkrieg beherbergte<br />
es die Baubehörde und die<br />
Senatsverwaltung für Umweltschutz.<br />
Der Komplex hat also eine sehr<br />
bewegte Geschichte.<br />
Die Privatisierung des Gebäudes<br />
und sein Umbau zu einem Hotel,<br />
mittlerweile vier Restaurants und<br />
vielen Einzelhandelsflächen wurde<br />
von der Quantum AG mit viel Fingerspitzengefühl<br />
umgesetzt.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Auch bei diesem Projekt<br />
waren Sie sehr früh mit einbezogen.<br />
Alexander Raab: Vor neun Jahren hat<br />
der Quantum-Vorstand etwa 15 Hamburger<br />
Kaufleute aus allen Bereichen<br />
eingeladen und sie gefragt, ob sie sich<br />
an dem Projekt beteiligen möchten<br />
und welche Flächen dafür benötigt<br />
würden. Seitdem bin ich Teil dieses<br />
Projekts, das mich sehr begeistert.<br />
Es zeichnet die Gesellschafter aus,<br />
dass sie nichts überstürzen. Sie nehmen<br />
sich die Zeit, die es braucht, um<br />
Quartiersentwicklung als kuratiertes<br />
Areal zu betrieben. Das ist heute nicht<br />
selbstverständlich.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Wie darf man sich den Clic-<br />
Store vorstellen, der Mitte des Jahres hier<br />
eröffnen soll?<br />
Alexander Raab: Wir werden dafür<br />
drei Flächen zusammenlegen, sodass<br />
wir insgesamt auf 1.250 qm kommen,<br />
also etwas mehr als jetzt im<br />
Stilwerk. Allerdings wird die Ausnutzung<br />
hier etwas besser sein, weil<br />
wir weniger Treppen und Säulen<br />
beachten müssen.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Was haben die Stadthöfe<br />
für ein Potenzial?<br />
Alexander Raab: Das Areal bietet<br />
enorme Chancen. Wenn die Hamburger<br />
den Standort erst auf dem<br />
Radar haben, werden wir auch viele<br />
neue Kunden ansprechen können.<br />
Zudem erfährt die gesamte Innenstadt<br />
ja gerade eine enorme Aufwertung<br />
im Design-Segment: Ob Occhio<br />
am Rathausmarkt, Carl Hansen mit<br />
dem neuen Store oder USM im Finnland-Haus<br />
– wir sprechen hier in<br />
einem sehr engen Radius dieselbe<br />
Klientel an. Ich könnte mir deshalb<br />
auch vorstellen, dass die gehobenen<br />
Einrichtungsanbieter gemeinsam versuchen,<br />
die Kunden anzusprechen. Es<br />
sind Menschen, die Beratung wünschen,<br />
Planungsware nachfragen und<br />
eine attraktive Einkaufsatmosphäre<br />
schätzen.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Aber ist denn hier wirklich<br />
schon viel Frequenz zu spüren?<br />
Alexander Raab: Nein, noch nicht.<br />
Aber die Entwicklung geht in diese<br />
Richtung. Denn das Gesamtkonzept<br />
mit Hotel, Gastronomie und Einzelhandel<br />
wird viele Hamburger<br />
hierherlocken. Zudem werden die<br />
Stadthöfe in jedem Hamburg-Reiseführer<br />
ihren Platz finden, sodass<br />
wir damit rechnen können, dass<br />
mehr Touristen unsere Geschäfte<br />
aufsuchen. Bei Poliform kommen<br />
immerhin jetzt schon sechzig Prozent<br />
der Kunden von außerhalb.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Glauben Sie, dass sich<br />
Geschichte ein Stück weit wiederholt?<br />
Es gab eine Phase mit Bornhold, Alessi,<br />
Dedon, Habitat und vielen anderen Möbelmarken<br />
in der Hamburger Innenstadt.<br />
Alexander Raab: Letztendlich ist es<br />
eine Frage der Miete. Nun ist es<br />
soweit, dass die Vermieter nicht<br />
mehr wie in den letzten Jahren auf<br />
den Mode-Sektor bauen können,<br />
weil die Fashion-Stores die nötigen<br />
Umsätze nicht mehr erwirtschaften<br />
können. Somit wird die Innenstadt<br />
wieder für den Einrichtungshandel<br />
relevant. Wir selbst haben hier sehr<br />
faire und langfristige Verträge. Die<br />
nächsten 22 Jahre bekommt mich<br />
hier keiner mehr raus. (Lacht.)<br />
Aber auch eine weitere Betrachtung<br />
ist innenstadtrelevant: Wenn<br />
Sie Ihr Einrichtungsgeschäft in 1Boder<br />
1C-Lage oder auf der grünen<br />
Wiese betreiben, dann müssen Sie<br />
mehr Geld in das Marketing investieren,<br />
um Frequenz zu generieren.<br />
Das ist in 1A-Lage weniger der Fall.<br />
Unsere Kunden bummeln hier<br />
mindestens drei Mal im Jahr durch<br />
die Innenstadt, unsere Kundinnen<br />
Das Stilwerk ist nach<br />
wie vor ein wunderbares<br />
Gesamtkunstwerk, aber<br />
es hat sich verändert. <br />
HAMBURG:<br />
EINRICHTUNGSKAPITALE?<br />
❯❯<br />
In Hamburg zeigte sich der Einrichtungshandel<br />
in den letzten Wochen<br />
sehr agil. Zwei Fragen werden<br />
deshalb perspektivisch in der Hansestadt<br />
beantwortet:<br />
1. Wird der Einrichtungshandel das<br />
Niveau und damit die Infrastruktur<br />
der Innenstädte stärken?<br />
2. Wird Hamburg die neue Einrichtungshauptstadt<br />
Deutschlands?<br />
Die Aktivitäten im Überblick:<br />
❯❯<br />
Clic: Das Design-Einrichtungshaus<br />
verlegt sein Geschäft aus dem<br />
Stilwerk in die neuen Stadthöfe an<br />
der Stadthausbrücke und belegt dort<br />
1.200 qm Fläche.<br />
❯❯<br />
Carl Hansen & Son : Am 4. Dezember<br />
eröffnete Carl Hansen & Son<br />
seinen ersten Flagship-Store in<br />
Deutschland. In einem klassischen,<br />
hanseatischen Art-Nouveau-Gebäude<br />
im historischen ABC-Viertel.<br />
❯❯<br />
Timothy Oulton: Seit dem 17. Oktober<br />
ist die britische Marke auf 250 qm<br />
Fläche im 5. Obergeschoss des<br />
Stilwerk mit einem spektakulären<br />
Store-Design vor Ort.<br />
❯❯<br />
Fasmas: Am 2. November öffnete die<br />
dänische Marke ebenfalls im Stilwerk<br />
auf 220 qm ihre Türen.<br />
❯❯<br />
Occhio: Prominent gelegen am Rathausmarkt<br />
heißt das Leuchten-Label<br />
in seinem vierten und bisher größten<br />
Flagship-Store schon seit Sommer<br />
2<strong>01</strong>9 Privatkunden, Bauherren,<br />
Architekten und Lichtplaner willkommen.<br />
❯❯<br />
Möbel Hardeck: In bester Citylage<br />
am Gänsemarkt 45, nahe Jungfernstieg<br />
und Alster, soll Anfang 20<strong>21</strong> ein<br />
neues Ladenkonzept – mit 1.500 qm<br />
VK-Fläche auf zwei Etagen – an den<br />
Start gehen.<br />
❯❯<br />
Maisons du Monde: Am 5. November<br />
eröffnete mitten in der Innenstadt, in<br />
der Spitaler Straße 32, auf zwei Etagen<br />
und 1.099 qm ein Flagship-Store<br />
des französischen Filialisten, die 11.<br />
Filiale in Deutschland.<br />
❯❯<br />
USM: Der Hamburger Showroom<br />
eröffnete Ende Oktober seine neuen<br />
Räumlichkeiten im Finnlandhaus an<br />
der Esplanade 41.<br />
www.hamburg-tourism.de<br />
Fotos: Andreas Vallbracht, prachtvoll.de, Medienserver Hamburg<br />
1/20<strong>21</strong> <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 33
HANDEL<br />
In dem Flagshipstore werden<br />
sämtliche Sortimente nach<br />
den neuesten XXXL-Erkenntnissen<br />
und Erfahrungen<br />
präsentiert. Bei den Küchen<br />
zählen dazu auch die innovativsten,<br />
energie sparenden<br />
und digital vernetzten<br />
Küchengeräte.<br />
XXXLutz: Neustart in Eugendorf<br />
Das „Best-of“<br />
XXXLutz macht längst nicht mehr nur durch die enormen<br />
Expansionsaktivitäten von sich reden. In puncto<br />
Eigenmarken und auch in der Digitalisierung setzt der<br />
öster reichische Konzern inzwischen Benchmarks. Und<br />
das dürfte jetzt auch mit dem neuen Vorzeigehaus in<br />
Eugendorf bei Salzburg gelungen sein.<br />
Sowohl Herstellermarken<br />
als auch<br />
die Vielzahl der<br />
XXXL-Label werden<br />
in Eugendorf<br />
aufmerksamkeitsstark<br />
in Szene<br />
gesetzt, zu sehen<br />
z.B. bei der großen<br />
Himolla-Fläche<br />
und selbst in der<br />
Leuchtenabteilung.<br />
Die Eröffnung ist sensationell<br />
gelaufen. Das Feedback der<br />
Kunden ist mehr als zufriedenstellend.<br />
Sie sind wirklich<br />
begeistert.“ Thomas Saliger, Unternehmenssprecher<br />
von XXXLutz,<br />
freute sich über die äußerst positive<br />
Resonanz nach der Neueröffnung<br />
in Eugendorf. Nach monatelangem<br />
Totalumbau und Erweiterung ging<br />
Anfang November 2020 das mit<br />
rund 30.000 qm zweitgrößte<br />
XXXLutz-Einrichtungshaus Österreichs<br />
– nach Brunn, inkl. Möbelix<br />
mit knapp 39.000 qm VK-Fläche –<br />
als neuer Flagshipstore an den Start.<br />
Der Standort sei Europas modernstes<br />
Möbelhaus, heißt es aus der Zentrale<br />
in Wels, mit einem „Best-of“ aus<br />
allen Erkenntnissen und Erfahrungen<br />
der XXXLutz-Gruppe aus den<br />
13 europäischen Ländern, in denen<br />
der Konzern aktiv ist.<br />
„Wir freuen uns, in puncto<br />
Auswahl und günstige Preise neue<br />
Benchmarks am österreichischen<br />
Möbelmarkt zu setzen und die<br />
Nummer-1-Position im Bundesland<br />
Salzburg und in Österreich weiter<br />
auszubauen“, erläutert Thomas<br />
Saliger weiter.<br />
Highlights seien die in allen<br />
Abteilungen installierten exklusiven<br />
XXXL-Markenstudios, in denen<br />
die Kunden die riesige Auswahl an<br />
hochwertigen Labels erleben können,<br />
darunter auch ein „House of<br />
Boxspring“. In der dritten Etage ist<br />
das neue Küchenkompetenzzentrum<br />
mit 85 Ausstellungsküchen untergebracht.<br />
In der Badabteilung gibt es<br />
150 ausgestellte Badezimmer plus<br />
einen 100 qm großen Zubehörshop.<br />
Die Investitionssumme in Eugendorf<br />
lag bei rund 38 Mio. Euro, u. a.<br />
auch für ein komplett neues Fassadenkonzept<br />
mit LED-Strips. Zudem<br />
wurde die Tiefgarage und das Parkdeck<br />
auf rund 1.000 Parkplätze<br />
aufgestockt.<br />
Der Standort bei Salzburg ist jetzt<br />
die modernste Filiale der XXXL-<br />
Gruppe. Unter anderem wurde die<br />
gesamte Beleuchtung auf umweltschonende<br />
LED-Technologie umgerüstet.<br />
Für die unkomplizierte<br />
3D-Planung individueller Kundenwünsche<br />
erhielten alle Einrichtungs-<br />
36 <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 1/20<strong>21</strong>
Mit einer VK-Fläche von<br />
30.000 qm auf vier Ebenen<br />
ist XXXLutz in Eugendorf bei<br />
Salzburg das zweitgrößte<br />
Einrichtungshaus der<br />
Gruppe in Österreich. Das<br />
Größte steht in Brunn am<br />
Gebirge, mit 34.500 qm<br />
plus 4.400 qm für den angeschlossenen<br />
Möbelix.<br />
Die Eigenmarken, wie beispielsweise<br />
„ambiente“ spielen in der XXXLutz-<br />
Unternehmensgruppe eine große Rolle.<br />
Fotos: XXXLutz<br />
berater Tablets. Digitale Preisschilder<br />
ermöglichen es wiederum, Angebote<br />
und Aktionen ohne Verzögerung<br />
direkt am Regal anzuzeigen.<br />
Wie im gesamten Möbelhaus blieb<br />
auch im Restaurant kein Stein auf<br />
dem anderen. Der Gastraum mit nun<br />
339 Sitzplätzen wurde völlig neu<br />
designt. Kommunikativer Mittelpunkt<br />
ist hier die zentral platzierte<br />
Bar. Die Kinderwelt umfasst jetzt<br />
120 qm.<br />
Auch der bestehende Möbelix-<br />
Discountmarkt wurde rundum<br />
erneuert. Am 28. Dezember konnte<br />
dann auch noch die zusätzliche<br />
Mömax- Filiale eröffnet werden. Bislang<br />
beschäftigte XXXLutz in Eugendorf<br />
250 Mitarbeiter, bis Ende 2020<br />
sollen 100 weitere dazu kommen.<br />
Die XXXLutz-Unternehmensgruppe<br />
hatte zuletzt bekannt gegeben,<br />
dass sich die Umsätze nach<br />
dem Lockdown im Frühjahr „sensationell“<br />
entwickelt hätten. Ein wichtiger<br />
Grund dabei: XXXL konnte<br />
einiges an Umsatz durch den, nach<br />
eigenen Angaben, „marktführenden“<br />
Onlineshop auffangen. Mit<br />
der Eröffnung in Eugendorf gibt es<br />
nun einen weiteren Umsatzschub.<br />
Auch wenn nur knapp zwei Wochen<br />
nach dem dortigen Neustart das<br />
Einrichtungshaus, aufgrund des<br />
zweiten nationalen Runterfahrens<br />
der Geschäfte – vom 17. November<br />
bis 7. Dezember – erst einmal<br />
wieder schließen musste. Thomas<br />
Saliger sah das jedoch locker. „Wir<br />
gehen davon aus, dass wir auch<br />
diesen Umsatz, wie schon nach dem<br />
ersten Lockdown, wieder aufholen<br />
werden.“<br />
EVELYNE BECKMANN<br />
www.xxxlutz.at<br />
Ein Highlight in der rundum erneuerten und vergrößerten<br />
Ausstellung ist das „House of Boxspring“.<br />
1/20<strong>21</strong> <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 37
HANDEL<br />
Marina Home: Sucht Franchisenehmer in der DACH-Region<br />
Urban und exotisch<br />
Vor mehr als 20 Jahren in Dubai gegründet, zählt Marina Home auf der<br />
Arabischen Halbinsel heute zu den Trendgebern im Bereich Wohnen<br />
und Einrichten. Das Unternehmen der Familie Vakil ist nun reif für einen<br />
Markteintritt in die DACH-Region. Davon sind die beiden BBE-Experten<br />
Sebastian Deppe und Stefan-Charles Jahner überzeugt. Die „<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>“<br />
hat nachgefragt, was das Lifestyle-Konzept ausmacht.<br />
Marina Home vereint moderne<br />
europäische Sortimente mit<br />
osmanischen Stilelementen“,<br />
beschreibt Stefan-Charles Jahner,<br />
Consultant bei der BBE Handelsberatung.<br />
„Die Möbel und Einrichtungsgegenstände<br />
kommen für sich allein<br />
zur Geltung, gleichwohl ist die Ware<br />
kreativ aufeinander abgestimmt, um<br />
den Kunden auch ganzheitliche<br />
Wohnlösungen präsentieren zu<br />
können“, ergänzt Sebastian Deppe,<br />
Mitglied der Geschäftsleitung der<br />
BBE in München. Beide haben die<br />
Stores vor Ort in Dubai – noch vor<br />
der Corona-Pandemie – besichtigt<br />
und bewertet.<br />
Das Angebotsspektrum umfasst<br />
die Bereiche Living, mit einem<br />
Anteil von 30 Prozent, Dining<br />
(20%), Bedroom (20%) und<br />
Accessoires (30%). Gesourct wird<br />
in Südostasien, Indien, Europa und<br />
den USA. Sämtliche Produkte gibt<br />
es exklusiv nur bei Marina Home.<br />
Dabei werden die Sortimente, die<br />
im mittleren Preisbereich liegen,<br />
kontinuierlich weiterentwickelt.<br />
38 <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 1/20<strong>21</strong>
Fotos: BBE Handelsberatung, Marina Home<br />
Imtiyaz, Mushtaq und Kurshid Vakil gründeten 1997 die Marina Home Company<br />
in Dubai (v. l.). Heute gibt es über 20 Standorte. Das Familienunternehmen<br />
beschäftigt mehr als 550 Mitarbeiter.<br />
Die Stores sind in der Regel<br />
zwischen 2.000 und 3.000 qm<br />
groß. Der Flagshipstore in<br />
Al Barsha (VAE) umfasst sogar<br />
4.000 qm auf zwei Ebenen.<br />
Immerhin über die Hälfte der aktuellen<br />
Produktrange ist noch kein<br />
Jahr alt, ein Mix aus konsumigen<br />
und extravaganten Artikeln, weshalb<br />
auch die Handelsspannen stimmen.<br />
„Unsere Showrooms sollen Gemütlichkeit,<br />
Wärme und Freundlichkeit<br />
ausstrahlen. Gleichzeitig muss aber<br />
auch das Preis-Leistungs-Verhältnis<br />
passen“, sagt Concept-Manager<br />
Johan Kriel-Jones.<br />
Auffällig ist der wirklich mo -<br />
derne Stil. Und das kommt nicht<br />
von ungefähr: Die Gründerfamilie<br />
Vakil, mit drei Brüdern Mushtaq,<br />
Imtiyaz und Kurshid, ist sehr international<br />
orientiert, insbesondere zu<br />
Deutschland ist der Kontakt sehr<br />
eng. Imtiyaz Vakil hat viele Jahr mit<br />
seiner deutschen Frau hierzulande<br />
gelebt. Der Sohn von Mushtag,<br />
Shayan Vakil, hat in der Schweiz studiert<br />
und ist heute für den Bereich<br />
Einzelhandel zuständig. Verantwortlich<br />
für die Markenstrategie ist seine<br />
Tochter Sahar Vakil, die dafür sorgt,<br />
dass die Marina Home-Sortimente<br />
passend in Szene gesetzt werden.<br />
Darüber hinaus gibt es bereits zahl-<br />
1/20<strong>21</strong> <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 39
VERBÄNDE<br />
EMV: Vom Einkaufsverband zur Lead-Management-Zentrale<br />
Das neue<br />
Selbstverständnis als<br />
Kundenbeschaffer<br />
Das Corona-Jahr hat den Europa Möbel-Verbund<br />
vor große Aufgaben gestellt. Doch in den großen strategischen<br />
Themen wurden die Fahrenzhausener nur<br />
bestätigt: Den Weg vom Einkaufsverband zum Kundenbeschaffer<br />
für die Gesellschafter geht der EMV deshalb<br />
unbeirrt weiter. Die beiden Geschäftsführer Felix Doerr<br />
und Ulf Rebenschütz erläutern, warum das zentrale<br />
Shop-Modul „Homepoet“, das gerade live gegangen ist,<br />
für diese Strategie ein entscheidender Meilenstein ist.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Herr Rebenschütz, Herr<br />
Doerr, wie haben Ihre Gesellschafter<br />
dieses in jeder Hinsicht außerordentliche<br />
Jahr 2020 erlebt?<br />
Felix Doerr: Unsere Händler sind gut<br />
in das Jahr gestartet, bis zu dem<br />
Moment, als die Geschäfte schließen<br />
mussten und sich ein Gefühl<br />
der Hilflosigkeit breit machte. Und<br />
im Vergleich mit anderen Einzelhandelssparten,<br />
die durchgehend<br />
öffnen durften, hatten einige auch<br />
das Gefühl, politischer Willkür ausgeliefert<br />
zu sein. Nach zwei drei<br />
Wochen während des Lockdowns<br />
nahm der Druck dann zu und es<br />
sind vermehrt Klagen auf den Weg<br />
gebracht worden. In der Folge ist<br />
man dann zu einer vernünftigen<br />
Lösung gekommen, indem man die<br />
Frequenzen gesteuert und effiziente<br />
Hygienekonzepte erarbeitet hat.<br />
Ulf Rebenschütz: Nun sehen wir die<br />
erneuten Schließungen mit Sorge,<br />
denn die Tage zwischen den Jahren<br />
und Anfang Januar ist für den<br />
Möbelhandel erfahrungsgemäß die<br />
stärkste Phase des Jahres.<br />
Unseres Erachtens muss sich die<br />
Exekutive als Management der Krise<br />
selbstkritischer und differenzierter<br />
mit der Situation auseinandersetzen.<br />
Wir können jedenfalls nicht über<br />
Wochen alles absperren. Es braucht<br />
langfristige Lösungskonzepte zur<br />
Pandemie.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Befürchten Sie deshalb<br />
größeren Schaden für den stationären<br />
Handel?<br />
Felix Doerr: Wir hoffen erst einmal,<br />
dass es so läuft, wie nach dem ersten<br />
Lockdown. Bei Möbeln werden die<br />
Käufe ja nur aufgeschoben, sofern<br />
die Kaufabsicht einmal getroffen<br />
worden ist. Aber die Kurzfristigkeit<br />
macht den Händlern natürlich zu<br />
schaffen. Die Werbung hat einen<br />
längeren Vorlauf, viele Maßnahmen<br />
landen somit nun in der Papiertonne.<br />
Das können für einen Mittelständler<br />
schon 30.000 bis 40.000<br />
Euro bedeuten, die er nun abschreiben<br />
kann. Und das Zeitfenster für<br />
Nachholkäufe wird auch nicht<br />
unendlich groß sein. Ende März<br />
flaut das Geschäft sicher ein wenig<br />
ab, weil das Leben sich dann wieder<br />
nach draußen verlagern wird.<br />
Ulf Rebenschütz: Die Handelsformate<br />
sind auch unterschiedlich zu<br />
bewerten. Die Großfläche ist von<br />
der Frequenz natürlich viel stärker<br />
abhängig als ein mittelständischer<br />
Fachhändler. Die Wohnkaufhäuser<br />
waren zum Teil noch immer in der<br />
Aufholphase bis in den Herbst hinein<br />
und haben auch noch auf die<br />
Einkäufe in den Fachsortimente-Abteilungen<br />
gesetzt.<br />
Die Discounter haben aufgrund<br />
der wachsenden Konkurrenz des<br />
Online-Handels und zusätzlich der<br />
Pandemie ebenfalls einen schwierigeren<br />
Stand.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Was waren denn die Mittel<br />
der Wahl in der Kundenansprache?<br />
Ulf Rebenschütz: Der Handel konnte<br />
sich nach dem Lockdown mit<br />
Werbung stark zurückhalten, weil<br />
das Einkaufsverhalten sich extrem<br />
verändert hat in diesem Jahr. Die<br />
Möbelkäufer haben a) sich meist<br />
für den lokalen Händler entschieden<br />
und b) sind sehr zielorientiert<br />
vorgegangen, das heißt, dass sie<br />
noch weniger Geschäfte vor dem<br />
Kauf angesteuert haben, als das<br />
vor Corona der Fall gewesen ist.<br />
Sie sind meist ohne Werbeimpuls<br />
gekommen.<br />
Wer eine gute Online-Präsenz<br />
gezeigt hat, konnte sich über extreme<br />
Traffic-Steigerungen freuen,<br />
weil sich die Kunden im Internet<br />
42 <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 1/20<strong>21</strong>
Die beiden EMV-Geschäftsführer<br />
Felix Doerr (l.) und Ulf Rebenschütz<br />
interpretieren die Rolle<br />
eines Einkaufsverbands neu. Es<br />
geht darum, die Gesellschafter<br />
mit crossmedialen Mitteln dabei<br />
zu unterstützen, Frequenz in die<br />
Häuser zu bekommen.<br />
Das Konsumverhalten unter<br />
Corona-Bedingungen ist treuer,<br />
digitaler, hochwertiger und<br />
regionaler geworden.<br />
Ulf Rebenschütz<br />
intensiv vorab informiert haben.<br />
Zudem sind Kunden mit überdurchschnittlicher<br />
Kaufkraft in die<br />
Häuser gekommen. Das Konsumverhalten<br />
unter Corona-Bedingungen<br />
ist treuer, digitaler, hochwertiger<br />
und regionaler geworden.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Auch nachhaltiger? Das war<br />
ja der Trend, über den wir vor Corona wohl<br />
am meisten gesprochen haben...<br />
Ulf Rebenschütz: Ja, schon, aber nicht<br />
unter dem Aspekt klassisch ökologisch,<br />
sondern eher in Bezug auf die<br />
geografische Herkunft der Produkte,<br />
sowie die Qualität unter diesem<br />
Gesichtspunkt.<br />
Felix Doerr: Das Thema wird auch<br />
noch weiter Fahrt aufnehmen. Die<br />
aktuelle logistische Entwicklung<br />
ist bekannt: Ende 2<strong>01</strong>9 hat ein<br />
Container aus Asien 2.000 Euro<br />
gekostet. Heute sind wir teilweise<br />
beim fünffachen Preis. Da rechnen<br />
sich bestimmte Produkte für den<br />
Import nach Europa nicht mehr.<br />
Auch wenn sich die Lage im Frühjahr<br />
wieder beruhigt, verändert sich<br />
die Wirtschaftlichkeit im Import aus<br />
Asien, weil die vermeintlich billigen<br />
Produkte nicht mehr billig sein werden.<br />
Das gilt für alle Warenbereiche.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Ich stelle mir vor, dass das<br />
Sourcing ohnehin eine große Herausforderung<br />
in diesem Jahr gewesen ist.<br />
Ulf Rebenschütz: Das stimmt. Wir<br />
mussten unseren sehr strukturierten<br />
Weg teilweise verlassen und auch<br />
mal improvisieren. Das war aber die<br />
Normalität in diesem Jahr für die<br />
gesamte Branche. Aber in unseren<br />
internationalen Sourcing-Bemühungen<br />
sind wir ein Jahr lang ausgebremst<br />
worden. Reisen waren nicht<br />
möglich, Scouting-Termine sind ausgefallen.<br />
Vieles geht über Video-Calls,<br />
aber eben auch nicht alles.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Das globale Sourcing bleibt<br />
aber ein strategisches Thema für den EMV?<br />
Ulf Rebenschütz: Unbedingt. Und wir<br />
fühlen uns durch die Engpässe in<br />
diesem Jahr in unseren Bemühungen<br />
nur bestärkt. Wir sehen das Sourcing<br />
als ein echtes Differenzierungsmerkmal<br />
im Wettbewerb. Zwar gehen wir<br />
davon aus, dass unsere Tätigkeiten<br />
in diesem Bereich auch 20<strong>21</strong> noch<br />
gestört sein werden, allerdings lernen<br />
wir auch immer besser mit den<br />
digitalen Hilfsmitteln zu arbeiten.<br />
Aber es geht bei internationalen<br />
Geschäftsbeziehungen immer auch,<br />
um die Atmosphäre und den persönlichen<br />
Kontakt, wenn man mit einem<br />
neuen Lieferanten die Zusammenarbeit<br />
aufsetzt.<br />
Wir interpretieren die Lieferantenbeziehungen<br />
ohnehin inzwischen<br />
anders: Uns eint ein gemeinsames<br />
Ziel, wenn wir mit einem Lieferanten<br />
zusammenarbeiten. Es geht nämlich<br />
nicht mehr allein um den günstigsten<br />
Preis, sondern um Aspekte wie Marketing,<br />
Datenqualität, Logistik und<br />
Verlässlichkeit. Deshalb werden wir<br />
strategisch auch eher auf Lieferanten<br />
aus der EU setzen als auf Lieferanten<br />
aus Asien.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Im Ergebnis bedeutet das<br />
aktuell und in den kommenden Wochen<br />
Lieferverzögerungen. Werden die Kunden<br />
ärgerlich?<br />
Felix Doerr: Das Verständnis ist schon<br />
sehr groß und weit verbreitet, aber<br />
in Summe nimmt die Zahl der<br />
unzufriedenen Kunden zu. Wenn<br />
die Küche lange eingebaut ist und<br />
das Elektrogerät fehlt, dann schwindet<br />
die Nachsicht. Und der Auftrag<br />
wird weniger rentabel, weil sich der<br />
Händler etwas einfallen lassen muss.<br />
Ulf Rebenschütz: Wichtig ist, dass die<br />
genannte Lieferzeit eingehalten<br />
wird. Die Kunden nehmen längere<br />
Lieferzeiten in Kauf, aber fordern<br />
Verbindlichkeit. Leider werden wir<br />
da von einigen Lieferanten unzureichend<br />
informiert.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Sie haben festgestellt, das<br />
Kundenverhalten sei auch digitaler geworden.<br />
Das heißt nicht immer automatisch<br />
E-Commerce, oder?<br />
Felix Doerr: Nein, absolut nicht, es<br />
geht aber darum ein gutes digitales<br />
Schaufenster anzubieten, das sowohl<br />
Informationen vermittelt als auch<br />
inspiriert und Lust aufs Einrichten<br />
macht. Darauf haben wir schon vor<br />
Corona hingewiesen, weshalb wir<br />
in diesem ohnehin fordernden Jahr<br />
dennoch unermüdlich an unserer<br />
zentralen Shop-Lösung, dem „Homepoet“,<br />
weitergearbeitet haben. Er<br />
schließt die Lücke zwischen stationär<br />
und online – mit Händlersuchen,<br />
Produktkatalogen, Verfügbarkeitsanzeigen<br />
und allen weiteren Standards,<br />
die heute im Internet gefordert sind.<br />
Ulf Rebenschütz: Die Anzahl der Händler,<br />
die erkannt haben, dass es ohne<br />
Online-Präsenz nicht geht, ist noch<br />
mal deutlich größer geworden. Da<br />
setzt der „Homepoet“ an und auch<br />
eine Küchen-Lösung wird in den<br />
nächsten Wochen fertig sein.<br />
1/20<strong>21</strong> <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 43
1 I 20<strong>21</strong><br />
MAGAZIN FÜR DAS MÖBEL-BUSINESS<br />
KÜCHE<br />
Komfortzone, Refugium, Umsatzbringer –<br />
die Küche wird zum Lieblingsort<br />
Koch-Boom<br />
Foto: Blanco<br />
/// Challenge 20<strong>21</strong>: Was der Markt jetzt fordert /// Ballerina-Interview:<br />
Bereit für jede Pirouette /// GfM-Trend: Profitiert von Topkonjunktur ///<br />
MHK Group: Digitale Verstärker fürs Netzwerken /// Pfister: Jetzt auch mit<br />
Küchen im Sortiment /// Störmer: Wandelt sich zur „digitalen AG“ ///
KÜCHE<br />
Foto: Shutterstock/Rido<br />
Bauchgefühle<br />
Beim Blick in die Zukunft kommt man weiterhin um das Thema Corona nicht herum.<br />
Auch wenn es keiner mehr hören will. Denn bei allem Optimismus wird es wohl noch<br />
bis in die zweite Jahreshälfte 20<strong>21</strong> oder gar länger dauern, bis die Covid-19-Impfungen<br />
Wirkung zeigen.<br />
Was bis dahin mit der Kauflust passiert, lässt sich nicht valide voraussagen.<br />
Viele lassen jetzt ihr Bauchgefühl sprechen – und das ist durchaus unterschiedlich.<br />
Solange die „Social Distance“-Maxime gilt, bleibt das Zuhause ein heißes Thema.<br />
Und damit auch die Wertschätzung der Küche. Manche hoffen nach über einem Jahr<br />
Homing vor allem auf eine nachhaltige Wirkung. Selbst klassische Kantinenesser<br />
sieht man verstärkt am eigenen Herd und dass neben Fertigsuppen die Feinkost-<br />
Angebote im Supermarkt immer ausgefeilter werden, ist nicht nur eine Festtagslaune.<br />
Daneben spielt die Küche als Wohlfühlzone weiterhin eine tragende Rolle.<br />
Gesundheit, Hygiene und Nachhaltigkeit bleiben zentrale Anker im Verbraucherbewusstsein.<br />
Ebenso wie Komfort und Zeitersparnis. Auch das Outdoor Cooking als<br />
„kulinarischer Urlaub“ ist noch nicht ausgereizt.<br />
Es gibt also genügend mögliche Kaufimpulse. Wenn nur nicht die befürchtete<br />
Pleitewelle die verfügbaren Budgets kassiert. Oder das Geld für andere Ausgaben<br />
draufgeht, sei es für die ersehnte Auslandsreise oder das eigene Wohnmobil.<br />
Noch hinterlässt der Nachfrageboom einen soliden Puffer, und die deutsche<br />
Küchenbranche steht gut da. Vorausgesetzt, der neuerliche Shutdown dauert nicht<br />
zu lange. Frei nach dem Motto: Die Suppe essen, solange sie heiß ist, besteht demnach<br />
Anlass für ein gutes Bauchgefühl.<br />
Um welche Herausforderungen es im nächsten Jahr besonders geht, lesen Sie<br />
auf den folgenden Seiten unter dem Titel „Challenge 20<strong>21</strong>“. Und ein Unternehmen,<br />
das jede Herausforderung mutig und engagiert annimmt, ist Ballerina. Auch andere<br />
Beispiele wie die Digital-Offensive der MHK Group sowie das eng verzahnte Teamwork<br />
von Häcker & Grass liefern positive Impulse. Bleiben Sie zuversichtlich und<br />
machen Sie 20<strong>21</strong> gegen alle Widerstände zu Ihrem Erfolgsjahr! HEIKE LORENZ<br />
Top-Themen<br />
in diesem Küchen-Special:<br />
Challenge 20<strong>21</strong>:<br />
Was der Markt jetzt fordert<br />
Ballerina Küchen:<br />
Bereit für jede Pirouette<br />
GfM-Trend:<br />
Profit am Küchenboom<br />
MHK Group:<br />
Virtuelle Verstärker fürs<br />
Netzwerken<br />
Pfister:<br />
Endlich auch mit Küchen<br />
Blanco:<br />
Revolution am Wasserplatz<br />
Störmer:<br />
Umwandlung zur „digitalen<br />
AG“ und andere News<br />
ZUM TITEL: Blanco „Unit“<br />
1/20<strong>21</strong> <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 53
KÜCHE<br />
„Gesundes“ Wachstum mit der<br />
Flexibilität eines modernen<br />
Mittelständlers hat Ballerina zu<br />
über 100 Mio. Euro Umsatz und<br />
damit in die Top 10 der deutschen<br />
Küchenindustrie geführt. Eine<br />
klare Bestätigung für Senior<br />
Heinz-Erwin Ellersiek sowie die<br />
Geschäftsführer Heiko Ellersiek<br />
und Heidrun Brinkmeyer (v.l.).<br />
Ballerina Küchen: Worin sich gerade jetzt die Stärke des Mittelstands zeigt<br />
Bereit für<br />
jede Pirouette<br />
Ein seltenes Treffen aus besonderem Anlass:<br />
Kurz vor dem zweiten Lockdown fuhr die<br />
„<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>“-Redaktion nach Bruchmühlen,<br />
um die Preisübergabe von Ballerina Küchen an<br />
Studenten der FH Detmold zu dokumentieren.<br />
Doch nicht nur der Kreativwettbewerb stand<br />
diesmal unter anderen Vorzeichen. Wie das<br />
Unternehmen das Corona-Jahr erlebt hat und<br />
welche Stärken sich gerade in der Ausnahme-<br />
situation besonders bewähren, berichteten<br />
Gründer Heinz-Erwin Ellersiek sowie die beiden<br />
geschäftsführenden Gesellschafter Heidrun<br />
Brinkmeyer und Heiko Ellersiek im Gespräch.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: In den letzten Jahren ging<br />
die Umsatzkurve bei Ballerina Jahr für<br />
Jahr konsequent nach oben und stand<br />
2<strong>01</strong>9 kurz vor der 100-Millionen-Schwelle.<br />
Wie sieht 2020 aus?<br />
Heinz-Erwin Ellersiek: Wie es aussieht,<br />
werden wir die 100 Millionen Euro<br />
tatsächlich schaffen. Dass wir jetzt<br />
einen dreistelligen Umsatz vorweisen<br />
können, macht uns sehr stolz.<br />
Denn damit kommen wir in eine<br />
andere Liga.<br />
Heidrun Brinkmeyer: Wir werden 2020<br />
voraussichtlich mit einem Plus<br />
von etwa 7 Prozent, also mit etwa<br />
104 Millionen Euro abschließen.<br />
Aber natürlich haben wir auch wie<br />
viele andere ein Jahr mit großen<br />
Schwierigkeiten hinter uns, gerade<br />
wenn man an die Monate April/<br />
Mai denkt. Diese Umsatzausfälle<br />
mussten wir zuerst wieder herausholen.<br />
Die hohen Auftragseingänge<br />
im Herbst haben wiederum zu<br />
Lieferverzögerungen von bis zu 14<br />
Wochen geführt. Weil die Vorprodukte<br />
– ob Spanplatten oder auch<br />
56 <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 1/20<strong>21</strong>
Mit der dreistelligen<br />
Million kommen wir jetzt in<br />
eine andere Liga. Heinz-Erwin Ellersiek<br />
Beschläge – nicht mehr pünktlich<br />
ankamen, wurde das Beschaffungsmanagement<br />
für alle Abteilungen<br />
zur Herausforderung. Etwas von<br />
dem Lieferstau konnten wir aber<br />
schon wieder abbauen.<br />
Heiko Ellersiek: Erschwerend kam<br />
hinzu, dass bei einem Vorlieferanten<br />
die Produktion durch einen Maschinenstillstand<br />
komplett ausgefallen<br />
ist und dies die Verknappung am<br />
Markt weiter verschärft hat. Zusätzlich<br />
zur Kurzarbeit und unzureichenden<br />
Vorratshaltung, weil mit<br />
dem steilen Wiederanstieg der<br />
Nachfrage niemand gerechnet hatte.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Die mangelnde Planbarkeit<br />
war und bleibt offenbar das größte<br />
Problem in diesem Jahr...<br />
Heinz-Erwin Ellersiek: Als die Krise<br />
im März losging, hat keiner die<br />
Dimension der Pandemie abschätzen<br />
können. In dieser Phase der<br />
Ungewissheit haben viele Firmen<br />
Kurzarbeit gefahren und daraus<br />
ist die Kapazitätslücke entstanden.<br />
Glücklicherweise hat sich dann wieder<br />
alles zum Guten gewendet.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Wobei längst noch nicht<br />
alles ausgestanden ist. Wie gehen Sie<br />
mit der permanenten Unsicherheit um?<br />
Heidrun Brinkmeyer: Laut Aussage unserer<br />
Kunden haben wir die Krise bisher<br />
perfekt gemanagt, und sie sagen,<br />
dass sie froh sind, dass wir sie unterstützt<br />
haben, als sie unsere Hilfe<br />
brauchten. Als zum Beispiel ein Lieferant<br />
aus Italien nicht liefern konnte,<br />
hat unser Einkauf entsprechend auf<br />
einen anderen Vorlieferanten in den<br />
Niederlanden umdisponiert. So flexibel<br />
kann man nur sein, wenn man<br />
nicht am letzten Euro spart, sondern<br />
den Service voranstellt.<br />
Heiko Ellersiek: Dazu muss man festhalten,<br />
dass Ballerina ohne Unterbrechung<br />
ausgeliefert hat, ohne dass<br />
wir Kurzarbeit angemeldet haben.<br />
Gerade in der schwierigen Zeit, als<br />
andere Hersteller passen mussten,<br />
haben unsere Kunden diese Verlässlichkeit<br />
honoriert.<br />
Heinz-Erwin Ellersiek: Dies betrifft beispielsweise<br />
auch andere Märkte wie<br />
Frankreich, wohin manche Firmen<br />
ihre Lieferungen gestoppt haben. Wir<br />
waren immer agiler, immer dicht am<br />
Ball. Da wurde auch mancher Auftrag<br />
zur Chefsache. Und dieser Aufwand<br />
hat sich gelohnt.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong>: Hier zeigt sich auch der<br />
Vorteil eines mittleren gegenüber großen<br />
Unternehmen, oder?<br />
Heiko Ellersiek: Letztlich hängt alles<br />
einfach am Engagement der Mitarbeiter.<br />
Viele sind schon lange bei uns<br />
und gut aufeinander eingespielt. Das<br />
hat sich auch jetzt wieder gezeigt:<br />
Vom Einkauf über den Vertrieb bis<br />
zur Produktion haben alle Ballerina-<br />
Mitarbeiter eine sehr starke Leistung<br />
erbracht.<br />
Heinz-Erwin Ellersiek: Und was sich jetzt<br />
genauso positiv ausgewirkt hat, sind<br />
die langjährigen Beziehungen zu Lieferanten,<br />
sodass Entscheidungen auf<br />
kürzesten Wege schnell und unbürokratisch<br />
getroffen werden konnten.<br />
Enge Partnerschaften mit<br />
Lieferanten ermöglichen<br />
schnelle Lösungen auch in<br />
schwierigen Zeiten – ebenso<br />
wie Exklusivprodukte mit<br />
zeitlichem Vorsprung.<br />
Händler-Favoritin zur Hausmesse<br />
wurde die resistente<br />
Resopal-Pro-Front (o.).<br />
Weitere USPs zur Differenzierung<br />
sind u. a. die Ritzenhoff-Schmuckgläser,<br />
8 mm Rückwand, die Y-Küche<br />
und 26 Standard-Korpusausführungen<br />
im Dekorverbund.<br />
1/20<strong>21</strong> <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 57
KÜCHE<br />
Team7, Next 125, Bora, V-Zug oder Miele. Dazu<br />
kommen XXXL-Eigenmarken wie Dieter Knoll<br />
Collection, Novel, C‘elina und Mican. Das zeigt,<br />
dass Pfister, seinem Image entsprechend, zwar<br />
hochwertig vermarkten will, aber auch Kunden<br />
anspricht, die günstigere Angebote suchen.<br />
Möbel Pfister AG: Sortimentserweiterung unter XXXL-Regie<br />
Endlich auch mit Küchen!<br />
Paul Holaschke ist seit<br />
1. Februar 2020 CEO<br />
der Möbel Pfister<br />
AG, bereits seit 2<strong>01</strong>7<br />
leitete er dort den<br />
Bereich Marketing und<br />
Kommunikation. Davor<br />
war er mehr als zehn<br />
Jahre in verschie denen<br />
Führungsfunktionen u. a.<br />
bei Ikea Österreich tätig.<br />
Im Grunde ist es kaum zu glauben:<br />
An den insgesamt 18 Möbel Pfister-<br />
Standorten gab es bislang keine<br />
Küchen zu kaufen. Wobei es typisch<br />
ist für die Schweizer Einrichter insgesamt,<br />
die in deutschen Möbelhäusern<br />
mit Abstand wichtigste Warengruppe<br />
komplett außer Acht zu lassen. Doch<br />
künftig will auch Pfister bei dem<br />
lukrativen Sortiment mitmischen.<br />
Und zwar nicht irgendwie, sondern<br />
vom Start weg mit einem passenden,<br />
hochwertigen Angebot. Die Entscheidung<br />
pro Küche wurde dabei sicherlich<br />
maßgeblich von dem seit Ende<br />
2<strong>01</strong>9 neuen Eigentümer XXXLutz<br />
vorangetrieben.<br />
„Pfister profitiert von der großen<br />
Marktstärke der XXXLutz-Gruppe<br />
und entsprechend ist unsere Konkurrenzfähigkeit<br />
gestiegen“, betont<br />
Paul Holaschke, der seit Februar<br />
2020 als CEO an der Spitze des<br />
Unternehmens steht. Als Teil von<br />
XXXL profitiere Pfister von der globalen<br />
Größe beim Einkauf, auch im<br />
Bereich Küche. Gleichwohl pocht<br />
Holaschke auf die eigene Identität.<br />
Beides habe in den letzten zwölf<br />
Monaten geholfen, Marktanteile zu<br />
gewinnen. „Möbel Pfister genießt<br />
in der Schweiz ein hohes Vertrauen<br />
und steht für Qualität, professionelle<br />
Beratung sowie besten Service“, sagt<br />
Holaschke. Diese Attribute seien<br />
zentral beim Küchenkauf, weshalb<br />
Pfister von Anfang an beste Voraussetzungen<br />
für eine erfolgreiche<br />
Küchenvermarktung mitbringe.<br />
Am 1. Dezember gingen die<br />
ersten beiden Küchenstudios in<br />
den Filialen in Mels und Pratteln<br />
64 <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 1/20<strong>21</strong>
Fotos: Pfister<br />
Rund 500 qm groß sind die beiden ersten Küchenstudios innerhalb der bestehenden Flächen von Möbel Pfister, die am<br />
1. Dezember in Mels, an der Grenze zu Liechtenstein, und in Pratteln bei Basel eröffnet wurden. Gezeigt werden jeweils 20<br />
Ausstellungs küchen in hochwertigem Ambiente. Die angepeilte Zielgruppe wird jedoch bewusst sehr heterogen gehalten.<br />
an den Start. Mit Erfolg: „Das war<br />
eine äußerst erfolgreiche Premiere“,<br />
freut sich Paul Holaschke.„Die<br />
Nachfrage hat wirklich alle Erwartungen<br />
übertroffen und wir sind<br />
bereits am Rekrutieren von weiteren<br />
Küchenspezialisten.“<br />
Auf einer Größe von jeweils rund<br />
500 qm zeigt das Unternehmen je<br />
20 Ausstellungsküchen, vornehmlich<br />
von Team7, Next125 und weiteren<br />
Hochwertmarken auch im Gerätebereich<br />
wie V-Zug, Bora oder Miele.<br />
Zusätzlich haben direkt auch die<br />
XXXL-Eigenmarken Dieter Knoll<br />
Collection, Novel, C‘elina und Mican<br />
Einzug ins Sortiment gefunden. Die<br />
Zielgruppe wird bewusst sehr heterogen<br />
gehalten. Denn Pfister soll<br />
auch bei Küchen für die Kunden<br />
die erste Wahl werden. „Mit einer<br />
großen Vielfalt an Marken in verschiedenen<br />
Preiskategorien können<br />
wir eine sehr breite Zielgruppe<br />
ansprechen“, erläutert Holaschke.<br />
Nach seinen Angaben liegt der<br />
Durchschnittspreis für Küchen in der<br />
Schweiz bei immerhin 20.000 CHF<br />
(ca. 18.600 Euro). Die Eigenmarken<br />
seien dabei eine wichtige Ergänzung<br />
und sorgten dafür, den Kunden eine<br />
große Auswahl für unterschiedliche<br />
Bedürfnisse und zu attraktiven Preisen<br />
anbieten zu können. Das gelte<br />
im übrigen auch für das Möbelsortiment.<br />
Beim Umbau in Mels und<br />
Pratteln wurde die bestehende Auswahl<br />
um 40 Label ergänzt, um auch<br />
Angebote im günstigeren Bereich<br />
einzuführen – und so eine jüngere<br />
Zielgruppe zu erreichen.<br />
In Zukunft sollen nach und nach<br />
weitere Pfister Küchenstudios eröffnet<br />
werden. Erklärtes Ziel ist es, www.pfister.ch<br />
dass die neue Warengruppe ein relevanter<br />
Umsatzträger wird.<br />
Insgesamt sei die AG trotz der<br />
zweimonatigen Schließung recht gut<br />
durch die Corona-Krise gekommen.<br />
„Für Pfister hat sich gezeigt, wie<br />
wichtig es war, den Kundenkontakt<br />
während der Lockdown-Phase<br />
aufrechtzuerhalten – über unseren<br />
Webshop sowie der Online-Chat-Beratung“,<br />
erläutert Holaschke. Ob -<br />
wohl das Unternehmen generell<br />
keine Umsatzzahlen nennt, kann<br />
von einem Plus für 2020 ausgegangen<br />
werden. Positive Aussichten<br />
für 20<strong>21</strong> verspricht zudem u. a. die<br />
Eröffnung eines neuen, 13.000 qm<br />
großen Einrichtungshause in Affoltern<br />
am Albis, südlich von Zürich.<br />
<br />
EVELYNE BECKMANN<br />
1/20<strong>21</strong> <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 65
1 I 20<strong>21</strong><br />
MAGAZIN FÜR DAS MÖBEL-BUSINESS<br />
POLSTER<br />
Positiv<br />
gestimmt<br />
ins neue Jahr<br />
Foto: W. Schillig<br />
/// Polster Trends 20<strong>21</strong>: Fröhliche Formen und Farben /// W. Schillig: 3D-Konfigurator mit<br />
AR-Modul /// Tom Tailor: Präsentation mit Mode-Kick /// Kare: Setzt auf digitale Lösungen ///<br />
/// Jab Anstoetz: Sagt den Partnern „Danke“ /// Trend-Panel: Aus der Pandemie lernen
POLSTER<br />
Am Ball bleiben<br />
Foto: Koinor, Modell: „Gismo“<br />
Zuhause ist, wo das Herz ist, wo man sich sicher und geborgen fühlt, und im<br />
besten Fall auch seine Lieben vereint. Letzteres war in den vergangenen Monaten<br />
eher schwierig: Durch Kontaktbeschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen wurden<br />
private Treffen auf ein Minimum reduziert. Dafür richtete sich der Blick vieler<br />
Menschen voll und ganz auf die Neu gestaltung der eigenen vier Wände. Denn<br />
wenn man schon nicht raus kann, soll es wenigstens daheim schön sein. Anstatt<br />
in Reisen floss das Geld in Einrichtungsgegenstände – allen voran auch hochwertige<br />
Polster<strong>möbel</strong>.<br />
Wie Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Polster<strong>möbel</strong>industrie<br />
(VdDP e.V) berichtete, lag das Geschäft auch im Herbst teils spürbar<br />
über dem Vorjahr. Über die ersten zehn Monate hinweg konnte der Auftragseingang<br />
laut interner Verbandsstatistik um 2,5 Prozent gesteigert und damit ein<br />
gutes Polster für das kommende Jahr aufgebaut werden. Zusätzlich wurden die<br />
starken Einbußen während des Lockdowns im Frühjahr wieder wettgemacht.<br />
Motor für die gute Entwicklung war das Inland. Hierzulande wurden zuletzt hohe<br />
zwei stellige Zuwachsraten erzielt. Grundsätzlich positiv gestimmt zeigt sich die<br />
deutsche Polster<strong>möbel</strong> industrie auch mit Blick auf das kommende Jahr. So rechnen<br />
in einer aktuellen Verbandsumfrage zwei Drittel der befragten Unternehmen<br />
für 20<strong>21</strong> mit einem stabilen oder steigenden Umsatz. Um diesen auch zu erzielen<br />
gilt es weiterhin Begehrlichkeiten zu wecken und mit Qualität, Zuverlässigkeit<br />
und neuen Ideen zu punkten, wie das aktuelle Trend-Panel zeigt. Darüber hinaus<br />
müssen die Unternehmen digital am Ball bleiben. Auch für Polster<strong>möbel</strong> spielt<br />
eine durchgängig gute Customer Journey eine wichtige Rolle. W. Schillig hat das<br />
früh erkannt und einen 3D-Konfigurator entwickelt, der mittlerweile schon zwei<br />
Publikumspreise gewonnen hat und vor kurzem um ein AR-Modul für fotorealistische<br />
Bilder im eigenen Zuhause erweitert wurde. Nicht zuletzt ist es wichtig,<br />
dem Handel frische Inspirationen an die Hand zu geben, auch wenn Messen vor<br />
Ort gerade nicht möglich sind. <br />
DORIS SCHMIDT<br />
Top-Themen<br />
in diesem Polster-Special:<br />
Trends 20<strong>21</strong>: Mit Optimismus<br />
ins neue Jahr<br />
W. Schillig: 3D-Konfigurator<br />
mit AR-Modul<br />
Tom Tailor: Präsentation<br />
mit Mode-Kick<br />
Trend-Panel: Aus der<br />
Pandemie lernen<br />
ZUM TITEL: „Vincenzo“ von W. Schillig<br />
aus der „Black Label“-Kollektion überzeugt<br />
mit einer modernen, bodenfreien Optik und<br />
hoher Funktionalität.<br />
1/20<strong>21</strong> <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 81
POLSTER<br />
Polster-Trends 20<strong>21</strong>: Sanfte Formen<br />
Mit Optimismus<br />
ins neue Jahr<br />
Aufmerksamkeitsstark und doch gefällig:<br />
Polster<strong>möbel</strong> zeigen sich im neuen Jahr<br />
gern auch mal verspielt. Mit ungewohnten<br />
und doch sanften Formen sowie besonderen<br />
Details setzen sie sich von der Masse ab<br />
und avancieren schnell zum persönlichen<br />
Lieblings<strong>möbel</strong>. In Kombination mit frischen,<br />
pastelligen Farben setzen Sofa & Co. Trends<br />
und fröhliche Akzente, die in ungewissen<br />
Zeiten wie diesen so wichtig sind wie nie.<br />
Als großzügiger, einladender Loungesessel<br />
mit vielen Details präsentiert sich<br />
„Soft Facet“ von Artifort. Die weiche<br />
Sitzfläche besteht aus geometrischen<br />
Flächen. Ein Ledergurt verbindet die<br />
vorderen Sesselbeine mit der Rückseite.<br />
Eine Einladung zur Unterhaltung<br />
spricht „Sideways“ von Carl<br />
Hansen & Son aus. Denn die<br />
geschwungene Rückenlehne und<br />
die organisch geformte Sitzfläche<br />
bilden zwei Plätze, auf denen man<br />
sich schräg gegenübersitzt.<br />
82 <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 1/20<strong>21</strong>
Inspiriert von den<br />
polierten Tobi-Ishi-<br />
Steine der japanischen<br />
Gärten gleicht „Tobi“<br />
von Rexite einer kleinen<br />
Architektur, bei der<br />
jedes Element zum<br />
Kennzeichen wird. Die<br />
Sofafamilie ist in drei<br />
Größen erhältlich.<br />
Ursprünglich 1940 von Flemming Lassen<br />
entworfen, tritt „Ingeborg“ jetzt wieder ins<br />
Rampenlicht von by Lassen. Zur Neueinführung<br />
gibt es den Sessel einzeln oder im Paar<br />
in den Varianten mit Schaffell und Bouclé.<br />
In kleineren Dimension<br />
zeigt sich „Bao“ von<br />
Walter Knoll. Mit dem<br />
reduzierten Volumen<br />
passt der Sessel mit<br />
seiner runden und<br />
schwungvollen Ästhetik<br />
nun ebenfalls in<br />
kleinere Räume.<br />
Foto: Nachweis<br />
Scharfe Geraden und<br />
abgerundete Formen<br />
kennzeichnen „Turia“<br />
von Pode. Eine passende<br />
Chaiselounge sowie ein<br />
Hocker komplettieren<br />
das Programm.<br />
1/20<strong>21</strong> <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 83
POLSTER<br />
W.Schillig: Ein Schlüssel zum Erfolg – der 3D-Konfigurator mit AR-Modul<br />
Sofa-Sucher wollen<br />
heutzutage Multichannel<br />
umgarnt werden<br />
4<br />
1<br />
1 Stolz präsentieren CEO Erik Stammberger<br />
und sein Team die „Innovator<br />
des Jahres 2020“-Urkunde (o.r.) für den<br />
3D-Konfigurator. 2 Mit ihm lässt sich im<br />
Web das Traumsofa konfigurieren. 3,4,5<br />
Neu ist das AR-Modul, das es in Wunschfarbe<br />
im eigenen Zuhause zeigt.<br />
2<br />
Starke Marken, und dazu gehört<br />
W. Schillig, stellen sich stetig in<br />
Frage, um erfolgreich zu bleiben.<br />
Nach dem Motto: „Wer nicht<br />
mit der Zeit geht, der geht mit der<br />
Zeit“ hat der oberfränkische Polster<strong>möbel</strong>-Spezialist<br />
mit der Vision<br />
„WS2020“ bereits 2<strong>01</strong>5 nicht nur<br />
sein Geschäftsmodell und die Prozesse,<br />
sondern die gesamte Strategie<br />
der Gruppe auf den Prüfstand gestellt.<br />
3 5<br />
Schließlich zeichnete sich ab, dass<br />
die Online-Präsenz immer wichtiger<br />
wird, weil die Customer Journey<br />
zunehmend im Web startet.<br />
Konsequent reduzierte Schillig die<br />
Komplexität, etablierte standortspezifische<br />
Plattformstrategien, baute<br />
Kapazitäten aus, erarbeitete Ideen<br />
zur Erschließung neuer Zielgruppen<br />
und Märkte und setzte einen Digital-Masterplan<br />
um, den Fokus stets<br />
auf das übergeordnete Ziel gerichtet:<br />
der Stärkung der Marke W. Schillig.<br />
„Hersteller- sowie Handelsmarken<br />
sind heute wichtiger denn je – sie<br />
stehen für Vertrauen, für Individualität,<br />
für Träume und sie geben den<br />
Menschen Sicherheit, die richtige<br />
Kaufentscheidung zu treffen“, so<br />
CEO Erik Stammberger.<br />
Die Kommunikation mit dem<br />
Verbraucher läuft längst nicht mehr<br />
84 <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 1/20<strong>21</strong>
nur analog über den Point of Sale<br />
und Prospekte der Handelspartner,<br />
sondern digital über Websites, Social<br />
Media und E-Commerce.<br />
Der stationäre Handel ist und<br />
bleibt auch im digitalen Zeitalter der<br />
wichtigste und größte Absatzkanal<br />
für die Verbraucher beim Möbelkauf.<br />
Allerdings zeigen Analysen, dass Endverbraucher<br />
perspektivisch immer<br />
höhere Ansprüche an ihre persönliche<br />
Customer Journey stellen – sie<br />
wollen Multichannel umgarnt werden.<br />
So beginnt bereits heute weit<br />
mehr als die Hälfte der Kaufwilligen<br />
ihre „Reise“ im Internet.<br />
„Genau hier haben wir vor drei<br />
Jahren mit unserer Digitalstrategie<br />
angesetzt: Wie können wir als<br />
Hersteller und eine der wenigen<br />
erkennbaren Marken im Sofa Business<br />
– gemeinsam mit unseren Handelspartnern<br />
– die perfekte Customer<br />
Journey für den Verbraucher bieten“,<br />
führt Erik Stammberger weiter aus.<br />
Die zentrale Fragestellung für<br />
jeden, der ein neues Sofa sucht, lautet<br />
doch: Wie sieht mein Wunschsofa in<br />
meiner Wunschkonfiguration in meiner<br />
Wunschfarbe in meinem Zuhause<br />
aus? Die ersten drei Fragen können<br />
wir – sowohl dem interessierten Endkunden<br />
in seinen eigenen vier Wänden<br />
als auch dem beratenden Verkäufer<br />
im Möbelhaus – bereits seit zwölf<br />
Monaten beantworten. Denn so lange<br />
gibt es den webbasierten 3D-Konfigurator,<br />
den W.Schillig zusammen mit<br />
Tablet Dekor entwickelt hat. Jetzt gab<br />
es für ihn den doppelten Ritterschlag:<br />
Der 3D-Konfigurator ist Gewinner<br />
zweier Publikumspreise. Einmal des<br />
Deutschen Exzellenz-Preises und<br />
zudem Gewinner des Publikumspreises<br />
„Innovator des Jahres“, den Die<br />
Deutsche Wirtschaft (DDW) auslobt.<br />
Um diese Auszeichnung können sich<br />
mustergültige Beispiele für Innovationskraft<br />
und Erneuerung in allen<br />
unternehmerischen Bereichen und<br />
betrieblichen Größen bewerben. „Es<br />
freut uns riesig, dass wir uns gegen<br />
eine starke Konkurrenz im Publikumsvoting<br />
durchsetzen konnten.<br />
Dies ist der Beweis dafür, dass es<br />
W. Schillig gelungen ist, die Türen für<br />
die digitale Welt in einer ansonsten<br />
sehr analogen Möbelbranche zu öffnen“,<br />
freut sich Erik Stammberger.<br />
Sich auf den Lorbeeren auszuruhen,<br />
war jedoch zu keiner Zeit eine<br />
Option für das Team, zumal die vierte<br />
Frage noch unbeantwortet war: „Wie<br />
sieht mein Wunsch<strong>möbel</strong> in meinem<br />
Zuhause aus?“<br />
Seit Anfang Dezember gibt das<br />
Augmented Reality (AR) Modul von<br />
Tablet Dekor im W. Schillig 3D-Konfigurator<br />
darauf eine überzeugende<br />
Antwort.<br />
Mit dieser Funktion kann sich<br />
der Endverbraucher sein individuelles<br />
Traumsofa zusammenstellen und<br />
sofort in fotorealistischer Qualität in<br />
seinem eigenen Zuhause anzeigen<br />
lassen. Der Konfigurator funktioniert<br />
sowohl als reines Beratungs- als auch<br />
Verkaufstool und kann perspektivisch<br />
auch über Tablet Dekor mit der<br />
Warenwirtschaft des Handels verbunden<br />
werden. Die Usability soll ständig<br />
verbessert, die Modellpalette sukzessive<br />
erweitert und die Schnittstellen<br />
weiter optimiert werden, versichert<br />
das Unternehmen.<br />
„Obwohl wir erst 3 Monate mit<br />
dem der Generation 3 des Konfigurators<br />
,live‘ sind, liegt unser aktueller<br />
Spitzenwert bei knapp 400 individuell<br />
erstellten Konfigurationen an nur<br />
einem Tag. Und unser AR-Feature wird<br />
den Trend definitiv noch verstärken“,<br />
ist das W. Schillig-Team überzeugt.<br />
Auch Handelspartner, die diesen<br />
Weg der Digitalisierung mitgehen,<br />
können profitieren. Denn die Beraterkompetenz<br />
steigt mit dem Konfigurator,<br />
die Fehlerquote sinkt und<br />
die Durchschnittswerte gehen nach<br />
oben. Generell werden hochwertige<br />
Möbel zunehmend online – sowohl<br />
über die Websites der stationären<br />
Händler als auch über reine Online<br />
Player – gekauft. W. Schillig, schon<br />
jahrelang erfolgreich im Online-<br />
Geschäft unterwegs, hat für diesen<br />
Vertriebsweg und diese Zielgruppe<br />
eine eigenständige Kollektion entwickelt.<br />
Diese auf besondere Klarheit<br />
und Transparenz ausgerichtete<br />
Kollektion mit kubischen Formen und<br />
reduzierter Komplexität soll in absehbarer<br />
Zeit von Handelspartnern in<br />
allen Bereichen angeboten werden.<br />
www.schillig.de<br />
Das gefällt uns: Pius Wolf, IT Leiter<br />
W. Schillig, Erik Stammberger, CEO<br />
und Inhaber der Schillig Gruppe,<br />
und Ahmet Sahin, CEO von Smart<br />
3-D, Softwareentwicklung Tablet<br />
Dekor, freuen sich, den Publikumspreis<br />
des Deutschen Exzellenz-<br />
Preises 2020 für dem 3D-Konfigurator<br />
gewonnen zu haben.<br />
Tablet Dekor<br />
Ein starker Partner<br />
Next Level: Der 3D-Konfigurator kann jetzt noch mehr. Bereits<br />
zur Hausmesse 2<strong>01</strong>8 konnte W. Schillig den ersten zu 100<br />
Prozent auf IDM Daten basierenden elektronischen 3D-Verkaufskatalog<br />
vorstellen. Tablet Dekor hat nicht nur die 3D-Objekte<br />
erstellt, sondern auch die dafür nötige Infrastruktur für den<br />
Cloud Service zur Verfügung gestellt.<br />
Seit 2<strong>01</strong>9 ist der 3D-Konfigurator von Tablet Dekor auch webfähig.<br />
Damit ist der 3D-Konfigurator Plattform-unabhängig, es<br />
können Polster<strong>möbel</strong> in 2D und 3D auf PC, iOS, Android und<br />
im Web geplant werden. Die benötigte Client Software für den<br />
PC bekommt der Kunde von Tablet Dekor, die Apps sind in den<br />
jeweiligen App Stores zu finden.<br />
Mit dem Augmented Reality (AR) Modul setzt der Software-Entwickler<br />
einen weiteren Meilenstein. Das Feature kann<br />
sowohl im Web-Konfigurator als auch auf den anderen Plattformen<br />
bereitgestellt werden.<br />
Für die Anbindung an Warenwirtschaftssysteme zur Ausgabe<br />
des konfigurierten Warenkorbs wurden Schnittstellen in Form von<br />
xml Daten, SAP Hybris und für IwoFurn auch bereits umgesetzt.<br />
Ahmet Sahin, CEO von Smart 3D, Software-Entwicklung Tablet<br />
Dekor: „Von der 3D-Produktmodellierung, über Scannen von<br />
Bezügen und Materialien, Erstellung von kundeneigenen CGI<br />
Materialien und einer schlüsselfertigen Katalogverwaltung mit<br />
individueller Schnittstellenprogrammierung bieten wir unseren<br />
Kunden damit ein Komplettsystem im Bereich 3D-Präsentation<br />
an – inklusive Kiosksystem und Touchscreen-Designterminals.<br />
Damit werden Maßstäbe für das neue digitale Verkaufen gesetzt.<br />
Der Verkäufer kann den Kunden am Point of Sale mit seinem<br />
individuellen Traumsofa begeistern, professionell beraten und<br />
in 3D fotorealistisch überzeugen“.<br />
Tablet Dekor ist aber nicht nur für die Polster<strong>möbel</strong>branche<br />
tätig. Ein professionelles Team von 40 Mitarbeitern arbeitet auch<br />
an Projekten im Bereich Virtualisierung von Oberflächen, z.B.<br />
Bodenbelägen und Vorhangstoffen.<br />
3D-Objekte und 3D -Videos werden auch für andere Branchen<br />
erstellt, beispielsweise für Zeichentrickfilme. So gehören auch<br />
Top Level Unternehmen wie Disney Movies zu den Kunden von<br />
Tablet Dekor.<br />
www.tabletdekor.com<br />
1/20<strong>21</strong> <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 85
lifestyle<br />
Andreas Hornung, President Consumer D-A-CH der WMF Group<br />
Genießen mit Qualität<br />
liegt im Trend<br />
Der Lockdown führt dazu, dass mehr Menschen denn je das Kochen für sich<br />
entdecken. Davon profitiert auch WMF. Wie die 2020 eingeläutete Strategie des<br />
Unternehmens, noch mehr auf Premium-Produkte zu setzen, in den Zeitgeist<br />
passt und welche Marketingmaßnahmen für 20<strong>21</strong> anstehen, fragte „<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong><br />
Lifestyle“ bei Andreas Hornung, President Consumer D-A-CH, nach.<br />
Das Shop-Konzept von<br />
WMF für den Möbelhandel<br />
wie bei Porta<br />
in Isernhagen trägt<br />
wesentlich zum Erfolg<br />
bei. Ebenso die neue<br />
Messer-Serie „Kineo“<br />
(u. l.) sowie die Ofenkollektion<br />
(u. r.).<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> Lifestyle: Wie herausfordernd<br />
war das Corona-Jahr bisher für WMF?<br />
Andreas Hornung: Nach den Lockdowns in den<br />
einzelnen Ländern im Frühjahr 2020 konnte sich<br />
WMF sehr positiv entwickeln, was zu Beginn der<br />
Krise in der Form noch nicht abzusehen war.<br />
Dennoch ist dieses Jahr natürlich stark von der<br />
Krise geprägt und eine Herausforderung in allen<br />
unternehmerischen Entscheidungen.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> Lifestyle: Welche Unterschiede<br />
gab es zwischen Deutschland, Österreich und<br />
der Schweiz?<br />
Andreas Hornung: Die Unterschiede sind maßgeblich<br />
von den politischen Entscheidungen und<br />
damit einhergehenden Einschränkungen im täglichen<br />
Leben in den einzelnen Ländern beeinflusst.<br />
So hat ein vollständiger Handels-Lockdown, der<br />
dann beispielsweise eine Woche kürzer oder länger<br />
geht, einen direkten Effekt.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> Lifestyle: Wie konnte WMF bisher<br />
vom Homing Trend profitieren?<br />
Andreas Hornung: Wir bemerken bei unseren<br />
Konsumenten einen starken Trend hin zu hausgemachtem<br />
Essen und Genießen mit Qualität,<br />
wofür WMF natürlich der perfekte Partner ist.<br />
Auch für 20<strong>21</strong> gehen wir davon aus, dass der<br />
Homing Trend weiterhin einen starken Einfluss<br />
haben wird und das Konsumentenverhalten nachhaltig<br />
beeinflussen wird.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> Lifestyle: Sind Marken in diesen<br />
Zeiten noch wichtigere Anker geworden?<br />
Andreas Hornung: Krisenzeiten sind geprägt von<br />
Ungewissheit und zwar in allen Aspekten unseres<br />
Lebens: Von der Gesellschaft, über die Wirtschaft<br />
bis hin zur Entwicklung des eigenen Lebens. Das<br />
Bedürfnis nach Halt und Sicherheit ist damit groß<br />
– starke Marken, die wie WMF Vertrauen schaffen,<br />
können hier durchaus ein Anker sein. Das zeigt<br />
sich auch in aktuellen Zahlen, wir sehen einen<br />
deutlichen Trend hin zu hochwertigen Marken<br />
und Qualitätsprodukten.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> Lifestyle: Sie werden nicht auf<br />
der International Consumer Goods Show<br />
ausstellen. Was ist der Grund dafür? Und wie<br />
wollen Sie Ihre Produktneuheiten dem Fachhandel<br />
präsentieren?<br />
Andreas Hornung: Die Gesundheit unserer<br />
Kunden, Partner sowie Mitarbeiterinnen und<br />
Mitarbeiter steht für uns an erster Stelle. Aufgrund<br />
der Covid-19-Pandemie haben wir uns<br />
entschieden, dass die WMF Group nicht auf der<br />
Konsumgütermesse „Ambiente“ bzw. der „International<br />
Consumer Goods Show“ ausstellen wird.<br />
Natürlich werden wir unseren Kunden und Geschäftspartnern<br />
aber auch 20<strong>21</strong> unsere Produktinnovationen<br />
in einem entsprechenden Rahmen<br />
vorstellen und sind bereits in die konkrete Planung<br />
eingestiegen. Nähere Informationen hierzu<br />
werden wir rechtzeitig bekannt geben.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> Lifestyle: Wie beeinflusst diese<br />
Entscheidung Ihren Innovationszyklus?<br />
96 <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 1/20<strong>21</strong>
Für Andreas Hornung,<br />
President Consumer<br />
D-A-CH der WMF Group,<br />
gehört der Möbelhandel<br />
zu einem sehr wichtigen<br />
Vertriebsweg, mit weiterem<br />
Zukunftspotenzial.<br />
www.wmf.com<br />
langjährige, echte Kundenbindung und engen,<br />
regelmäßigen Kontakt zu ihren Stammkunden<br />
pflegen, sind erfolgreicher im Markt unterwegs.<br />
Die klassische Trennung nach Vertriebswegen geht<br />
an der heutigen Realität und den Bedürfnissen der<br />
Konsumenten vorbei. Viele Händler verstehen das<br />
und passen ihre Präsenz entsprechend an.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> Lifestyle: Es droht im deutschen<br />
Einzelhandel ein massives Wegbrechen der Läden<br />
in den Innenstädten und damit auch ein<br />
Wegfall der Frequenzen. Wie wollen Sie darauf<br />
reagieren?<br />
Andreas Hornung: Wir sehen das nicht ganz so<br />
drastisch. Es wird Veränderungen in der Struktur<br />
der Handelsformate in den Innenstädten geben.<br />
Der Möbelhandel und auch Lebensmittelhändler<br />
wollen verstärkt in die Innenstädte gehen.<br />
Daneben werden sich auf Basis von Angebot<br />
und Nachfrage auch die Mieten in den Innenstädten<br />
entsprechend anpassen, wodurch auch<br />
eine Kostenentlastung erzielt werden kann. Das<br />
Omnichannel-Shoppingverhalten kann auch eine<br />
Chance sein, die wieder mehr Frequenz in die<br />
Geschäfte zurückbringt.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> Lifestyle: Wie bewerten Sie den<br />
Trend, dass der Möbelhandel zunehmend in<br />
die Innenstädte kommen will? Zum Beispiel<br />
Ikea, Hardeck oder Opti Wohnwelt?<br />
Andreas Hornung: Grundsätzlich begrüßen wir<br />
Entwicklungen, wenn Handelsformate, die auch<br />
unsere Branche abbilden und entsprechend präsentieren,<br />
näher an den Konsumenten rücken.<br />
Und wir freuen uns, wenn diese Händler die Vielfalt<br />
des innerstädtischen Shoppingerlebnisses bereichern<br />
und für attraktivere Stadtzentren sorgen.<br />
Andreas Hornung: Unsere Innovationen richten<br />
sich vor allem nach wichtigen Konsumbedürfnissen<br />
und -trends. Und da haben wir für 20<strong>21</strong><br />
wieder große Neuigkeiten in der Vorbereitung, die<br />
das Leben unserer Kunden vereinfachen und verschönern.<br />
Unsere Entscheidung hat somit keinen<br />
Einfluss auf unseren Innovationszyklus.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> Lifestyle: Mit welcher Sortimentsstrategie<br />
und mit welcher Vermarktungsstrategie<br />
gehen Sie ins Jahr 20<strong>21</strong>?<br />
Andreas Hornung: Wir verfolgen eine klare Sortimentsstrategie<br />
mit mehr Fokus auf Produkte<br />
höchster Qualität, Funktionalität und Design, die<br />
unserer Premiummarke WMF gerecht werden.<br />
Wir setzen darauf, weniger Produkte, aber diese<br />
dafür mit umso größerer Innovationskraft auf<br />
den Markt zu bringen. Hier sind wir bereit zu<br />
investieren, wie wir es auch bereits 2020 mit der<br />
TV-Kampagne zum Jahresende hin gezeigt haben.<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> Lifestyle: Wie ist die Entwicklung<br />
der einzelnen Vertriebswege? Erwarten Sie im<br />
nächsten Jahr Verschiebungen?<br />
Andreas Hornung: Der Anteil des Online-Handels<br />
wird sich wie in diesem Jahr auch 20<strong>21</strong><br />
weiter erhöhen. Aber Gewinner sind vor allem die<br />
Händler, die ihren Kunden neben dem Onlineangebot<br />
auch ein überzeugendes Einkaufserlebnis<br />
im stationären POS bieten. Händler, die eine<br />
<strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> Lifestyle: Welche Zukunftskonzepte<br />
bieten Sie dem Möbelhandel?<br />
Andreas Hornung: Für uns ist der Möbelhandel<br />
ein zentraler Partner, bietet er doch mit den Shopin-Shop-Lösungen,<br />
seiner Kompetenz der Fachberatung<br />
und Themenwelten alles, was für die<br />
Präsentation und den Verkauf unserer Premiumprodukte<br />
erforderlich ist. Wir bieten intensive<br />
Unterstützung in der gesamten Wertschöpfungskette<br />
sowie unsere WMF-Premiumprodukte mit<br />
hohem Innovationsgrad und zukünftig noch stärkerem<br />
Markenauftritt. Zudem steigern wir aktuell<br />
mit Werbeaktionen wie beispielsweise der großen<br />
TV-Kampagne zu Weihnachten, die Aufmerksamkeit<br />
für WMF und erreichen damit auch die<br />
Zielgruppen, die insbesondere im Möbelhandel<br />
einkaufen. Also gemeinsam eine perfekte Partnerschaft<br />
für die Zukunft!<br />
RITA BREER<br />
1/20<strong>21</strong> <strong>möbel</strong> <strong>kultur</strong> 97
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