Global Compact Deutschland 2020

macondogroup

Vor zwanzig Jahren wurde der Global Compact ins Leben gerufen. Der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte, dass Globalisierung für alle gelingen müsse. Mit Hilfe von zehn Prinzipien drängte der Compact auf weltweit gleiche Regeln. Die aktuelle Ausgabe des deutschen Global Compact Jahrbuchs zieht Bilanz, lässt wichtige Protagonisten zu Wort kommen und beleuchtet mit vielen Praxisbeispielen die ungebrochene Aktualität der UN-Initiative.

Stimmen

"Die Antwort auf die Globalisierung lautet also globale Verantwortung. Zusammenarbeit auf der Grundlage der globalen Nachhaltigkeitsziele entscheidet über unser aller Zukunft: Entsprechend zukunftsweisend erweist sich verantwortungsvolle Unternehmensführung im Sinne des Global Compact. Herzlichen Dank Ihnen allen, die sich dafür stark machen."
Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin

"Kofi Annan war 1998 Gastredner auf dem World Economic Forum, und er war nicht sehr angetan. Er hat dann ganz klar gesagt, ich gehe da nur
noch hin, wenn ich etwas Wichtiges zu sagen haben. Der Job ist auf mich gefallen, etwas Entsprechendes für ihn vorzubereiten."
Georg Kell, erster Exekutivdirektor des UN Global Compact (2000-2015)

"In den letzten fünf Jahren seit der Einführung der Global Goals hat sich die Agenda für nachhaltiges Wirtschaften von einer sehr spezialisierten Agenda hin zu einem Top-Thema des Managements entwickelt."
Lise Kingo, Exekutivdirektorin des UN Global Compact (2015-2020)

"Wir müssen bei Nachhaltigkeitsthemen vorwärts kommen, und das sehen alle Seiten ein. Unsere Dialog-Formate können hier Brücken bauen, und das ist eigentlich das, was ich schon immer am DGCN gut finde."
Angelika Pohlenz, Beiratsvorsitzende der Stiftung DGCN

JAHRBUCH 2020

UN Global Compact

Jahre

und Deutsches Global

Compact Netzwerk


Mit freundlicher Unterstützung von:

Mit Best Practices von:

ALDI SÜD

BASF

Bosch-Gruppe

CEWE

CWS Gruppe

Daimler

Deutsche Telekom

E.ON

Evonik

iPoint-systems

ista

K+S

macondo publishing

MAN

Mazars

Merck

SAP

SHIFT

Symrise

Tchibo

Telefónica Deutschland / O 2

Vonovia

Weidmüller

Wilo

Wintershall Dea


GRUSSWORT

Der Global Compact wurde vor 20 Jahren vom damaligen

UN-Generalsekretär Kofi Annan gegründet

und ist seitdem mit über 16.000 Unterzeichnern zur

weltweit größten Initiative für nachhaltige und verantwortungsvolle

Unternehmensführung gewachsen.

Als eines der ersten von rund 70 lokalen Netzwerken des UN

Global Compact feierte das Deutsche Global Compact Netzwerk

im Jahr 2020 ebenfalls sein 20-jähriges Jubiläum. Wir freuen

uns, erstmalig die Marke von 600 deutschen Unterzeichnern

überschritten zu haben. Unsere Teilnehmerschaft umfasst

nun mehr als 570 Unternehmen – von DAX-Unternehmen

über Mittelstand bis hin zu KMUs – sowie rund 60 Organisationen

aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und anderen

Stakeholdergruppen.

Marcel Engel, Leiter der Geschäftsstelle

Deutsches Global Compact Netzwerk

Bemerkenswert ist, dass die Teilnahme im deutschen Netzwerk

seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie um über 20 Prozent

weiter gestiegen ist. Wir hoffen, dies als Zeichen deuten zu können, dass das Engagement der Wirtschaft

auch – oder gerade – in diesen herausfordernden Zeiten nicht nachlassen wird.

Und dieses Engagement ist dringender denn je. In Anbetracht des langsamen Fortschritts bei der Umsetzung

der Globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Agenda 2030 hat der UN-Generalsekretär António Guterres

bereits Ende 2019 die Weltgemeinschaft zu einer „Dekade des Handelns“ aufgerufen. Dabei richtete er

seinen Appell explizit auch an die Wirtschaft, deren Investitions- und Innovationskraft unabdingbar für

die Erreichung der 17 SDGs ist.

Dies gilt umso mehr infolge der gravierenden Auswirkungen der COVID-19-Pandemie, die viele Fortschritte

der letzten Jahre, insbesondere in der Verbesserung der Lebensbedingungen benachteiligter Teile der Weltbevölkerung,

zu vernichten droht. Somit verstärken sich auch bestehende Ungleichheiten, die mitunter einen

fruchtbaren Nährboden für wachsenden Nationalismus, Populismus und Protektionismus vielerorts schaffen.

Es ist im Eigeninteresse vorausschauender Unternehmen dem entgegenzuwirken. Ob Klimawandel, planetarische

Übernutzung, Menschenrechtsverstöße, Genderungleichheit oder bröckelnder gesellschaftlicher Zusammenhalt

– sie alle können Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit oder gar Existenz von Unternehmen

haben. Nachhaltigkeit ist daher schon lange nicht mehr optional, sondern zunehmend Kernbestandteil

unternehmerischen Handelns. Entsprechende Maßnahmen werden immer mehr zu Treibern für Effizienz,

Resilienz und Innovation und verhelfen somit Unternehmen, Risiken zu minimieren, ihre Akzeptanz zu

steigern, innovative Produkte zu entwickeln, neue Märkte zu erschließen, den Zugang zu Kapital zu sichern

sowie talentierte Arbeitskräfte zu rekrutieren.

Mit dieser Überzeugung bleibt es zentrale Aufgabe des UN Global Compact während der „Dekade des

Handelns“, die Wirtschaft für die Gestaltung der Transformationsprozesse zu mobilisieren, die für eine

inklusivere und nachhaltigere Gesellschaft gemäß der Agenda 2030 erforderlich sind.

globalcompact Deutschland 2020

3


AGENDA

Videobotschaft von Bundeskanzlerin

Dr. Angela Merkel anlässlich des

UN Global Compact Leaders Summit 2020

Vor zwanzig Jahren wurde der Global

Compact ins Leben gerufen. Beim ersten

High-Level Meeting des Compact sagte

der damalige UN-Generalsekretär Kofi

Annan: „Es wäre tragisch, wenn lokale

oder nationale Gemeinschaften als

Reaktion auf die Herausforderungen

der Globalisierung die Fehler der Geschichte

wiederholen und sich auf sich

selbst zurückziehen würden.“ Kofi Annan

hat Recht. Nicht durch Abschottung, sondern nur durch

Zusammenarbeit lässt sich die Globalisierung zum Nutzen

aller gestalten.

Nur durch Zusammenarbeit lassen sich auch Herausforderungen

meistern, wie wir sie derzeit mit der Corona-Virus

Pandemie erleben. Dies gilt zum einen für die Entwicklung

eines Impfstoffes. Einen solchen Impfstoff anschließend auch

weltweit für alle verfügbar zu machen, erfordert das Engagement

von Unternehmen, Organisationen und Staaten.

Deutschland ist hierbei einer der größten bilateralen Geber.

Zum anderen gilt es, den gravierenden wirtschaftlichen Folgen

der Pandemie zu begegnen und dabei die so wichtigen Nachhaltigkeitsziele

der Agenda 2030 und des Pariser Klimaabkommens

nicht aus dem Blick zu verlieren. Wir sehen, dass viele Länder

4 globalcompact Deutschland 2020


GRUSSWORT

des Globalen Südens besonders stark unter den wirtschaftlichen

Folgen der Pandemie leiden. Entwicklungsfortschritte

der letzten Jahre drohen wieder verloren zu gehen. Die internationale

Gemeinschaft ist aufgefordert, dem entgegen zu

wirken. Dazu haben sich die G20 und der Pariser Club auf

ein Schuldenmoratorium verständigt. Es ermöglicht vielen

Staaten, ihre Schulden tragfähig zu gestalten. Gemeinsam

mit dem IWF, der Weltbank und anderen Partnern arbeiten

wir weiter an langfristigen Lösungen.

Während der deutschen G20-Präsidentschaft 2017 haben

wir den „Compact with Africa“ ins Leben gerufen, um Anreize

für mehr privatwirtschaftliche Investitionen und neue

Arbeitsplätze zu setzen. Diese Initiative wollen wir noch

stärker auf die jeweiligen Gegebenheiten der Partnerländer

ausrichten, um damit auch dazu beizutragen, ihre Resilienz

zu stärken. Denn nicht selten trifft die Pandemie vor Ort auf

bereits bestehende Probleme und länger schwelende Konflikte.

Die Antwort auf die Globalisierung lautet also globale Verantwortung.

Zusammenarbeit auf der Grundlage der globalen

Nachhaltigkeitsziele entscheidet über unser aller Zukunft:

Entsprechend zukunftsweisend erweist sich verantwortungsvolle

Unternehmensführung im Sinne des

Global Compact. Herzlichen Dank Ihnen

allen, die sich dafür stark machen.

globalcompact Deutschland 2020

5


INHALT

3

4

8

12

18

22

26

30

31

32

Grußwort:

Marcel Engel, Leiter der Geschäftsstelle Deutsches

Global Compact Netzwerk

Videobotschaft:

Bundeskanzlerin

Dr. Angela Merkel anlässlich des

UN Global Compact Leaders Summit 2020

20 Jahre Global Compact

Der UN Global Compact und das Deutsche Global

Compact Netzwerk 2000 – 2020

Gesellschaft braucht Transformation – nachhaltig,

inklusiv und konkret

Unsere Dialog-Formate bauen Brücken

Im Gespräch mit Angelika Pohlenz

10 Prinzipien, um der Globalisierung ein menschliches

Gesicht zu geben

Im Gespräch mit Georg Kell

Global Goals sind transformativ: Sie gehören in die

Geschäftsstrategie

Im Gespräch mit Lise Kingo

Das 10. Prinzip: Korruptionsprävention

Von Dr. Angela Reitmaier, Transparency International

Menschenrechte ernst nehmen

Von Michael Windfuhr, Deutsches Institut für Menschenrechte

Blaupause für nachhaltige Entwicklung und

gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen

Von Prof. Dr. habil. Elisabeth Fröhlich und Prof. Dr. Tobias Viere, PRME DACH Chapter

8Der UN Global Compact und

das Deutsche Global Compact Netzwerk

2000 – 2020

12

Gesellschaft braucht Transformation –

nachhaltig, inklusiv und konkret

34

40

46

Zahlen und Fakten

Das Deutsche Global Compact Netzwerk in Zahlen

16 Jahrbücher – 436 Best Practice-Beispiele

Initiativen und Publikationen

Die Dekade zum Handeln ist jetzt – Die Themen,

Initiativen und Publikationen auf einen Blick

34

Das Deutsche Global

Compact Netzwerk

in Zahlen


Best Practice

66

68

70

Umwelt & Klimaschutz

ALDI SÜD

ALDI SÜD setzt sich ehrgeizige Klimaziele

Bosch-Gruppe

Klimaschutz über Unternehmensgrenzen

hinweg

CEWE

Nachhaltige Produktentwicklung bei CEWE

94

96

98

K+S

Product Value Impacting: Auswirkungen von

Produkten aufzeigen

SHIFT

SHIFT happens

Symrise

Symrise: Nachhaltig und erfolgreich in die Zukunft

72

74

Daimler

Mit Blick auf die Zukunft

Deutsche Telekom

Sprint auf die Null

100

Inclusive Business

BASF

Was wir aus den Herausforderungen der Pandemie

lernen

76

78

80

82

84

E.ON

Grüne Energie für die Industrie: E.ON liefert

Evonik

Konsequentes Engagement für den Klimaschutz

ista

Klima- und Umweltschutz bei ista: mit gutem Beispiel

vorangehen

MAN

MAN bringt CO 2

-freie Mobilität auf die Straße

Tchibo

Klimaschutz – die Überlebensfrage der Menschheit

102

104

106

Merck

Wirtschaftliches Potenzial von Frauen: Initiativen

ebnen den Weg

Wilo

Smart Urban Areas: zukunftsfähige Städte mit

Lösungen von Wilo

Wintershall Dea

„Demokratische Werte sind unsterblich“ – warum wir

Haltung zeigen

Digitalisierung

86

Vonovia

Vonovia investiert in innovative Energy-Systeme

108

SAP

Digitale Lösungen für eine bessere Zukunft

88

Weidmüller

Elektromobilität vorantreiben

110

Telefónica Deutschland / O 2

Telefónica Deutschland / O 2

: Mit Digitalisierung zur

Klimaneutralität

90

92

Wertschöpfungskette

CWS Gruppe

CWS Gruppe: Hauptsache nachhaltig

iPoint-systems

Due Diligence: Französisches Gesetz als Vorbild für

Deutschland und die EU?

112

114

Reporting

macondo publishing

ESG-Stresstest: Wie resilient sind Ihre Lieferketten?

Mazars

ESG-Fragen gehören ins Risikomanagement


AGENDA

Der UN Global Compact und

2000 – 2020

2000 • 2001 • 2003

2004

Der United Nations Global

Compact ist die weltweit größte

und wichtigste Initiative für nachhaltige

und verantwortungsvolle

Unternehmensführung. Die Vision

des UN Global Compact ist eine

inklusive und nachhaltige Weltwirtschaft

auf der Grundlage seiner

zehn universellen Prinzipien und der

nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs)

– heute und in Zukunft.

Das Deutsche Global Compact Netzwerk

(DGCN) ist eines der größten der rund

70 lokalen Netzwerke des UN Global

Compact. Es umfasst derzeit mehr als

630 Unterzeichnende. Mit dem Ziel, Veränderungsprozesse

in Unternehmen

anzustoßen und Nachhaltigkeit strategisch

zu verankern, orientiert sich

das DGCN an den Themen Wirtschaft

& Menschenrechte, Umwelt & Klima,

Korruptionsprävention sowie Reporting

und den SDGs.

2004

Die internationale Vernetzung nimmt

Fahrt auf: Nach der Gründung im Jahr

2000 findet im Sommer 2004 der

erste große „Leaders Summit“ mit

fast 500 teilnehmenden Vorständen

statt. Im gleichen Jahr übernimmt

Jörg Hartmann die Leitung des

Deutschen Global Compact Netzwerks.

Im Herbst erscheint das erste deutsche

Global Compact Jahrbuch.

2010

Das DGCN entstand auf Initiative deutscher

Unternehmen im Jahr 2000 als eine

der ersten nationalen Plattformen. Als

offizielles lokales Netzwerk sind seine

Aufgaben und Pflichten in einem Memorandum

of Understanding mit dem

UN Global Compact definiert. Mit vielfältigen

Lern- & Dialogformaten fördern

der UN Global Compact und das DGCN

den Dialog und Wissensaustausch. Ziel

ist es, Unternehmen bei der Umsetzung

sozialer und ökologischer Standards

zu unterstützen und deren Beitrag zur

Verwirklichung der SDGs zu fördern.

2005 • 2006 • 2007 • 2008 • 2009

8 globalcompact Deutschland 2020


20 JAHRE GLOBAL COMPACT

das Deutsche Global Compact Netzwerk

2015

Mit der Verabschiedung der UN

Entwicklungsziele (SDGs) sowie des

Pariser Klimaabkommens werden

2015 historische Weichen gestellt.

Das DGCN veranstaltet mit der

„GC+15 Europe“-Tagung erstmals

eine große internationale Konferenz.

Die Leitung des deutschen Netzwerks

liegt zwischen 2013 – 2016

bei Dr. Jürgen Janssen.

2015

2010

Zum Ende der ersten Dekade kündigt der damalige

UN Generalsekretär Ban Ki-moon auf dem Jubiläums-

Summit 2010 eine neue Ära der Nachhaltigkeit an.

Dabei ist von Tipping Points die Rede, damit das

Thema Nachhaltigkeit aus der Nische herauskommt.

Dr. Wolfram Heger (Daimler) schreibt im deutschen

GC-Jahrbuch: „Das CSR-Dach steht – hat aber noch

Löcher, wo es reinregnet. Sie zu schließen bleibt

Herausforderung genug für die nächsten Jahre.“

2011 • 2012 • 2013 • 2014

globalcompact Deutschland 2020

9


AGENDA

2016

2016

Im April 2016 übernimmt Marcel Engel

die Leitung des Deutschen Global

Compact Netzwerks. In New York stellt

die neue UNGC Generalsekretärin

Lise Kingo beim dortigen Summit ihre

„Making Global Goals Local Business“-

Strategie vor. Die Frage, wie die SDGs

umgesetzt werden können, bestimmte

auch das Programm des „Berliner

Forums“, einer gemeinsamen Konferenz

des DGCN und econsense mit mehr als

350 Gästen.

2017 • 2018

10 globalcompact Deutschland 2020


20 JAHRE GLOBAL COMPACT

2019

2019

10 Jahre bleiben noch zur Umsetzung der

Agenda 2030 und der globalen Nachhaltigkeitsziele,

der SDGs. Aus diesem Anlass luden das

DGCN und die macondo foundation im Oktober

2019 zum Global Goals Forum / DGCN Teilnehmerkonferenz

ein. Das Forum zog eine Bilanz

über die Fortschritte und den Handlungsbedarf

in der Umsetzung der SDGs vier Jahre nach ihrer

Verabschiedung durch die Weltgemeinschaft.

globalcompact Deutschland 2020

11


AGENDA

Rückblick der hybriden DGCN Jubiläumskonferenz

„Decade of Action: Business Leadership in

Challenging Times“ am 30. September 2020 im

Allianz Forum und Livestream

Gesellschaft braucht

Transformation – nachhaltig,

inklusiv und konkret

2020

Die Transformation hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft, mehr

Klimaschutz und Regeln für eine gerechtere Gesellschaft –

diese Themen standen im Fokus der international besetzten

Konferenz anlässlich des 20-jährigen Bestehens des

UN Global Compact und des Deutschen Global Compact

Netzwerks. An der hybriden Konferenz im Allianz Forum in

Berlin und im Livestream beteiligten sich insgesamt mehr

als 1.000 Zuschauer*innen und Gäste.

12 globalcompact Deutschland 2020


20 JAHRE GLOBAL COMPACT

Das 20-jährige Jubiläum des UN Global Compact (UNGC)

und des Deutschen Global Compact Netzwerks (DGCN)

fällt zusammen mit einer der gravierendsten Krisen

der letzten Jahrzehnte, der COVID-19-Pandemie. Unternehmen

sind hier in besonderem Maße gefordert, die Welt nachhaltig

zu verändern. Dabei bieten die Nachhaltigen Entwicklungsziele

der Vereinten Nationen (SDGs) in herausfordernden Zeiten ein

wichtiges Leitbild zur Orientierung.

Die Frage, ob Unternehmen in Anbetracht der sich anbahnenden

Rezession Nachhaltigkeitsthemen zurückstellen dürfen,

um sich dringenderen ökonomischem Prioritäten widmen zu

können, stellt sich uns nicht, da wir diese immer als einen

zentralen Bestandteil des Kerngeschäfts betrachten und nicht als

freiwilliges Anhängsel. Verantwortung ist nicht verhandelbar.

Vielmehr ist zu erwarten, dass Themen wie Gerechtigkeit und

Resilienz – von Unternehmen, aber auch ihren Wertschöpfungsketten

sowie den Märkten und Gesellschaften, in denen

sie operieren – in der Bewältigung der Folgen der Krise eine

noch zentralere Rolle spielen.

Vorausschauendes und nachhaltiges Wirtschaften sollte daher

mehr denn je eine Grundlage geschäftlichen Handels werden,

sowohl wenn es darum geht, Risiken und Herausforderungen

zu managen, wie auch neue Chancen in sich wandelnden

Märkten zu nutzen. Dabei bieten die Agenda 2030 und die

SDGs in turbulenten Zeiten ein wichtiges Leitbild zur Orientierung

für Unternehmen.

Marcel Engel, Leiter der DGCN-Geschäftsstelle, betonte zu

Beginn der Konferenz, dass zahlreiche weitere deutsche Unternehmen

dem UN Global Compact seit Ausbruch der Pandemie

beigetreten sind. Dies deutet darauf hin, dass Nachhaltigkeitsthemen

nicht an ihrer Relevanz für die Wirtschaft in diesen

herausfordernden Zeiten einbüßt haben.

Thorsten Pinkepank, Vorsitzender des DGCN-Lenkungskreises,

umriss in seiner Einführung den zentralen Rahmen und die

damit verbundenen Fragen der Konferenz: „Multikrisen brauchen

Multistakeholder. Wir brauchen Transformation. Das ist

unstrittig. Aber wohin? Wie schnell? Und wie können wir auf

dem Weg Auseinandersetzungen in Dialoge überführen?“ >>

globalcompact Deutschland 2020

13


AGENDA

Marcel Engel

Thorsten Pinkepank

Sanda Ojiambo

Lise Kingo

Auch Sanda Ojiambo, neue Exekutivdirektorin

und CEO des UNGC, bestätigte

diese Sichtweise: „Business as usual“ sei

nicht länger eine Option. „Die Pandemie

zeigt, dass wir widerstandsfähiger werden

müssen.“ Eine Schlüsselrolle kommt

dabei den Vorstandsetagen zu. Lise Kingo,

ehemalige CEO des UNGC und in Berlin

vor Ort, betonte deshalb in ihrer Keynote:

„Nachhaltig wirtschaften ist heute eine

strategische Entscheidung. Das Thema

ist deshalb vom Untergeschoss der Abteilungen

an die Spitze der Unternehmen,

in die Vorstandszimmer, gerückt.“

Für ihre Leistungen als Leiterin des UN

Global Compact in den Jahren 2015 bis

2020 erhielt die Dänin den erstmalig

vom DGCN verliehenen „SDG Bär“ als

Auszeichnung.

Transformation als Chance und

Herausforderung

Die Bedeutung, aber auch die Stolpersteine

der Transformation hin zu einer

nachhaltigen Wirtschaft diskutierte das

erste Podium zu „Business Leadership

for Sustainable Development in the

2020s: Performance with Purpose”. Dr.

Martin Brudermüller, Vorstandsvorsitzender

der BASF, betonte, dass heutige

Manager mehr Herausforderungen

gleichzeitig anpacken müssten als jemals

zuvor. „Wir hatten noch nie so viele

Themen gleichzeitig, die wir teilweise

auch gegeneinander ausbalancieren

müssen. Vielleicht müssen wir uns auch

ehrlich fragen, ob wir das denn auch

alles gleichzeitig bewältigen können

oder wo wir priorisieren müssen.“ BASF

fokussiert sich beispielsweise auf das

Thema Klimaschutz. Die Ludwigshafener

wollen deshalb bis Ende 2021 für

jedes ihrer Produkte einen „Product

Carbon Footprint“ vorle-gen. Dadurch

werde der Impact auf das Weltklima

transparent. Dieser soll schrittweise

in Richtung CO 2

-Neutralität bis 2030

gesenkt werden. Zugleich gab Brudermüller

zu bedenken, dass solche

Transformationen nur mit und durch

gesunde Unternehmen umsetzbar seien.

Je länger die COVID-19 Pandemie

anhalte, desto mehr Firmen würden in

eine Situation gedrängt, in der sie um

das Überleben kämpfen und weder Zeit

noch Ressourcen für Transformationsprozesse

hätten.

Für einen drastischeren Kurswechsel

warb Prof. Dr. Maja Göpel: „Adaptive

Denkweise, die nur auf Verbrauchsreduktion

schaut, reicht nicht mehr.

Wir erkennen, dass die Reboundeffekte

das Gewonnene meist wieder zu Nichte

machen. Wir brauchen deshalb echte

Transformation.“ Die Generalsekretärin

des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung

Globale Umweltveränderungen

rief zu einer „großen Trendwende

bei der Art, Dinge zu betrachten“ auf. Es

sei keine Zeit mehr für Silodenken, sondern

„Zeit für Ehrlichkeit“. Dazu gehört

für Maja Göpel, dass die Ziele bereits klar

formuliert seien. Darüber bräuchte man

nicht mehr zu verhandeln. Jetzt gehe es

vielmehr um die Frage, warum das alles

noch nicht erreicht sei. „Warum haben

wir so viel Zeit vergeudet?“, fragte sie

rhetorisch in die Runde.

Das griff Antje von Dewitz zustimmend

auf: „Merkwürdig, dass es in unserer

Gesellschaft so viel schwerer ist, Verantwortung

zu übernehmen als keine

Verantwortung zu zeigen.“ Von Dewitz

ist Geschäftsführerin des Outdoor-Ausrüsters

Vaude. Das schwäbische Unternehmen

hat sich in der Textilbranche

als Vorreiter für Nachhaltigkeit einen

Namen gemacht. Sie gibt anderen Unternehmen

den Rat, eine Betriebskultur

zu schaffen, die den konstruktiven und

transparenten Umgang mit Zielkonflikten

erlaube.

Als Vertreter der Zivilgesellschaft stimmte

Klaus Milke dem zu und erweiterte den

Blick. Zielkonflikte gebe es ja nicht nur

im Unternehmen, sondern vor allem zwischen

Anspruchsgruppen. Milke ist Ehrenvorsitzender

der NGO Germanwatch

und Vorsitzender der Stiftungsplattform

Foundations 20 (F20), einer Allianz für

mehr Klimaschutz. Konflikte, so Milke,

dürften nicht ausgelassen werden, aber

nur mit gemeinsamem Handeln könnten

die bestehenden und kommenden

Herausforderungen gemeistert werden.

Dabei spiele die Wirtschaft eine große

14 globalcompact Deutschland 2020

Dr. Martin Brudermüller


20 JAHRE GLOBAL COMPACT

Rolle, aber die Politik müsse die Entscheidungen

treffen. Milke: „Wir dürfen

Politik nicht aus der Verantwortung

lassen. Wir brauchen ihre Guidance und

ihre Regelungen.“ Zugleich warnte er

davor, dass die „Räume, in denen die Zivilgesellschaft

noch gehört wird und frei

sprechen darf, immer kleiner werden.“

Auf dem Weg in eine CO 2

-arme Welt

Einen passenden Brückenschlag von

der aktuellen Coronakrise zur drängenden

Klimakrise schlug Patricia Espinosa,

Generalsekretärin des UN Klimarates

(UN Framework Convention on Climate

Change). In ihrer Keynote unter dem

Titel „A net zero future in a post-corona

world” betonte die frühere mexikanische

Außenministerin: „COVID-19 ist

die dringendste Bedrohung, mit der die

Menschheit heute konfrontiert ist, aber

der Klimawandel ist die größte Bedrohung,

der die Menschheit auf lange Sicht

ausgesetzt ist. Führungspersönlichkeiten

müssen sich fragen: Wie können wir zu

einem proaktiveren und langfristigeren

Modell übergehen?“

Prof. Dr. Dirk Messner, Präsident des

Umweltbundesamtes, betonte im Rahmen

der zweiten Paneldiskussion die

Dringlichkeit der globalen Erwärmung.

Derzeit bewege sich diese auf einem 3,5

Grad-Pfad. Wolle man die im Pariser

Abkommen völkerrechtlich vereinbarten

1,5 bis 2 Grad erreichen, müsse der CO 2

-

Ausstoß bis 2030 um 50 Prozent reduziert

werden. Das sei ein ambitioniertes, aber

notwendiges Ziel. Wird dieses durch die

Corona-Pandemie gefährdet? Das glaubt

Messner nicht. Positiv sei die veränderte

Einstellung vieler Menschen. Vor allem

bei jungen Menschen gebe es ein verstärktes

grünes Bewusstsein. Messner

verglich es mit dem „Washington Consensus“

vor 30 Jahren, als sich die Welt

auf die Liberalisierung der Märkte und

Privatisierung als gängigen Lösungsweg

einigte. Heute könne Nachhaltigkeit

diesen Grundkonsens bilden. Zugleich

warnte der Präsident des Umweltbundesamtes

davor, die Perspektive des globalen

Südens zu vernachlässigen. Anders als

bei der Finanzkrise 2008 / 2009 würden

viele Wiederaufbaupläne nach COVID-19

nicht die Realität der Entwicklungsländer

mitdenken. „Aber das meiste davon

wird nur in Kooperation mit dem Süden

wahr werden.“

In der weiteren Diskussion ergänzten Dr.

Maria Mendiluce, Wioletta Rosolowska

und Georg Weber ihre Positionen. Mendiluce

ist CEO der „We Mean Business“-

Coalition. Dabei handelt es sich um einen

Zusammenschluss von gemeinnützigen

Organisationen, die mit den einflussreichsten

Unternehmen der Welt zusammenarbeiten,

um Maßnahmen gegen den

Klimawandel zu ergreifen. Sie findet:

„Die Ansprüche an Vorreiter*innen im

Klimabereich sind deutlich gestiegen.

Wir sehen viele Unternehmen, die sich

für einen grünen Aufschwung einsetzen.“

Wioletta Rosolowska ist Geschäftsführerin

von L‘Oréal Österreich und Deutschland.

Deutschland sei ein strategisch

wichtiges Land und nach Umsatz der

viertgrößte Markt der L‘Oréal Gruppe. Sie

findet, die eigenen Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter seien intrinsisch motiviert,

das Thema Nachhaltigkeit voranzutreiben,

und das Unternehmen unterstütze

das, indem diese Ziele mittlerweile auch

Teil der internen Gratifikations- und

Entlohnungssysteme seien.

Georg Weber ist Technikvorstand der

Wilo Group. Der Konzern mit Hauptsitz

in Dortmund ist ein weltweit führender

Hersteller von Pumpen und Pumpensystemen.

Weber zeigte in der Diskussion

ganz praxisnah auf, wie Modernisierung

sowohl ökonomisch als auch

ökologisch nützt: Der Mittelständler

biete effizientere Produkte an, die 90

Prozent weniger Energie verbrauchen.

Würde man weltweit solche Pumpen

verwenden, könnten bis zu 80 Kohlekraftwerke

eingespart werden. Weber

betont die Notwendigkeit von gesetzlichen

Regulierungen wie die europäische

Ökodesign-Richtlinie, um Unternehmen

zu energieeffizienten Investitionen zu

motivieren, die etwa 10 bis 20 Prozent

teurer seien. Ohne Gesetze und Regulierungen

würden Unternehmen nicht

schnell genug handeln.

>>

Prof. Dr. Maja Göpel

Patricia Espinosa

Prof. Dr. Dirk Messner

Dr. Helge Braun

globalcompact Deutschland 2020

Achim Steiner

15


AGENDA

Prof. Dr. Jutta Allmendinger

Dr. Sigrid Nikutta

Mario Mehren

Gunther Beger

Wie zahlt das in die deutsche

Nachhaltigkeitsstrategie ein?

Kanzleramtschef Helge Braun betonte

in seiner eröffnenden Keynote am Nachmittag,

dass wir in einer Zeit leben, „in

der Nachhaltigkeit eine exponentielle

Bedeutung bekommen hat“. Braun sieht

Deutschland international als „Vorbild

und Vorreiter“ bei der Vereinbarung

von Wohlstand und Nachhaltigkeit. Die

COVID-19-Pandemie sei kein Grund,

von anderen Pfaden, etwa beim Klimaschutz,

abzuweichen. In der Krise

müsse man vielmehr die Anstrengungen

gleichzeitig angehen und verstärken.

Das gelte auch für das in Arbeit befindliche

Sorgfaltspflichtengesetz (auch

als Lieferkettengesetz bekannt). Braun

versprach den anwesenden Unternehmensvertreterinnen

und -vertretern in

Berlin zugleich, dass der Gesetzgeber

keine unverhältnismäßigen Belastungen

plane. „Es darf auf keinen Fall ein

Bürokratiemonster werden.“

Achim Steiner, Leiter des UN Entwicklungsprogramms

(UNDP), ergänzte per

Videobotschaft die Zusammenhänge

zwischen Entwicklung, Digitalisierung

und Innovation. Noch immer lassen

sich globale Probleme nämlich nicht

allein durch eine veränderte Einstellung,

sondern vielmehr durch verändertes

Handeln unterstützt durch neue Technologien

lösen.

Verantwortung entlang der Wertschöpfungskette

war eines der zentralen Themen

im abschließenden Panel „Wirtschaften

im Sinne einer gerechteren

Gesellschaft”. Mario Mehren, Geschäftsführer

des Gas- und Ölunternehmens

Wintershall DEA, wusste vor allem aus

schwierigen Geschäftsumfeldern wie

etwa Nordafrika zu berichten. Gunther

Beger, Abteilungsleiter im Bundesministerium

für wirtschaftliche Zusammenarbeit

und Entwicklung (BMZ),

erzählte von seinen Erfahrungen in

der Textilbranche. Dort seien die Lieferketten

vieler Betriebe transparent,

die zahlreicher anderer aber nicht.

Die Gesetzesinitiative wolle deshalb

Standards festlegen, die für alle gelten.

Provokativ fragte er: „Warum gibt es

strengere Regeln für Produktsicherheit

als für Menschenrechte?“

Auch Prof. Dr. Jutta Allmendinger warb

für gesetzliche Regeln. Die Präsidentin

des Wissenschaftszentrums Berlin sagte:

„Bei Freiwilligkeit stagnieren wir immer

bei 50 Prozent. Wollen wir auch die anderen

50 Prozent in Bewegung bringen,

braucht es dafür mehr Regeln und mehr

Bürokratie.“

Dr. Sigrid Nikutta, Vorstandsvorsitzende

der DB Cargo, wies darauf hin, dass die

Wertschöpfungskette auch die Transportkette

beinhalte und betonte die

Notwendigkeit, menschenrechtliche

Auswirkungen in Transportketten auch

in Deutschland im Blick zu behalten.

Weiterhin sieht sie in den Bereichen

Chancengerechtigkeit und vor allem

bei Geschlechtergleichheit nach wie vor

großen Handlungsbedarf in deutschen

Unternehmen.

Auch Dr. Jutta Allmendinger sieht bei

Gendergerechtigkeit großen Handlungsbedarf

und bestätigte die Anmerkung

von Gunther Beger, dass bei derzeitigem

Tempo weitere 100 Jahre, und in der

Wirtschaft sogar 250 Jahre notwendig

sind, um Chancengleichheit zu erreichen.

Im Hinblick auf die Verteilungsgerechtigkeit

betonte sie zudem: „Je geringer die

Ungleichheit, also der Abstand zwischen

den Einkommen, desto größer ist die

Zufriedenheit im Leben allgemein und

in Krisen“.

Abschließend dankten Thorsten

Pinkepank und Marcel Engel im Namen

des DGCN allen Panellist*innen und

Unterstützenden, insbesondere der Allianz

SE, dem Bundesministerium für

wirtschaftlichen Zusammenarbeit und

Entwicklung (BMZ) und der Stiftung

des DGCN sowie Conny Czymoch für

die Moderation durch die Veranstaltung.

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16 globalcompact Deutschland 2020

Conny Czymoch


20 JAHRE GLOBAL COMPACT

globalcompact Deutschland 2020

17


AGENDA

18 globalcompact Deutschland 2020



Angelika Pohlenz hat als

Generalsekretärin der

Internationalen Handelskammer

ICC in Deutschland

die Entstehung des Global

Compact von Anfang an

miterlebt. Bis heute begleitet

sie aktiv das Deutsche

Netzwerk, mittlerweile als

Beiratsvorsitzende der

Stiftung DGCN.

Frau Pohlenz, Sie waren von Anfang an dabei,

wie ist der Global Compact entstanden?

Angelika Pohlenz: Die Idee entstand

nach dem Aufruf von Kofi Annan im

Jahr 1999. Treiber war die International

Chamber of Commerce ICC, deren damalige

Generalsekretärin lange das World

Economic Forum in Davos mitorganisiert

hat und dementsprechend Kofi Annan

persönlich kannte. Damals hat die ICC

im Laufe des Jahres 50 Firmen weltweit

gewonnen, sich an der Initiative zu beteiligen,

und da bin ich sehr stolz darauf,

dass 13 davon deutsche Firmen waren.

Anfangs gab es auf Seiten der UN viele Bedenken

gegenüber einer Kooperation mit der

Wirtschaft. Da war von „UN For Sale“ die Rede,

und das Thema Public Private Partnership

stand noch am Anfang. Wie ist das bei Ihnen

als Unternehmensvertreterin angekommen?

Es gab zwei Schwierigkeiten: Die eine

Schwierigkeit waren Public Private

Partnerships, die immer ein bisschen

beäugt wurden, weil die UNO mit jemand

zusammenarbeiten musste, der

eben keine Nation ist. Aber das war Kofi

Annan egal, weil er sagte: „Ich brauche

die Wirtschaft.“ Die andere Schwierigkeit

waren grundsätzliche Widerstände in

der UNO selbst.

Das müssen Sie uns näher erläutern!

Als der Global Compact im Juni 2000

gegründet wurde, gab es aus der UNO

erheblichen Widerstand, weil manche

20 JAHRE GLOBAL COMPACT

Unsere Dialog-Formate

bauen

Brücken

entschieden dagegen waren, dass der

Generalsekretär im Alleingang eine Initiative

startet und diese bei sich direkt

ansiedelt. Der richtige Weg sei es doch,

den Global Compact entweder hier oder

dort bei einer der UN-Organisationen anzudocken,

mit einem üblichen Direktor

etc. Das wollte Kofi Annan aber nicht

und bekam dabei auch Unterstützung

vom Auswärtigen Amt. Die Abstimmung

darüber stand dann bei der nächsten

Vollversammlung, und der Antrag, dass

Annan das so machen darf, kam vom

Auswärtigen Amt. Und so wurde beschlossen,

dass ein UN-Generalsekretär

eine Initiative starten darf, die dann zum

Teil von der UNO finanziert wird und

zum anderen Teil von Geber-Ländern.

Wie war das Verhältnis des Global Compact

zu den nachfolgenden UN-Generalsekretären?

Sie haben ja auch die Initiative „mitgeerbt“,

wenn man das so sagen kann.

Ich denke mal, dass es Hand in Hand weitergereicht

worden ist. Wie Ban Ki-moon

sich dafür eingesetzt hat, weiß ich nicht.

Bei António Guterres habe ich schon das

Gefühl, dass er den Global Compact gut

findet und diesen mit Ansprachen und

Auftritten unterstützt.

Zurück nach Deutschland! Die German Friends

waren, anders als das Deutsche Global Compact

Netzwerk (DGCN), ja keine Multi-Stakeholder-

Plattform. War das Absicht?

Das allererste Treffen fand bei der GIZ

statt. Danach ging es reihum, zum >>

globalcompact Deutschland 2020

19


AGENDA

Wenn es Länder

gibt, wo unsere

Firmen und ihre

Lieferanten Probleme

mit der Einhaltung

der Menschenrechte

haben, dann sind

wir auf euch von

Amnesty angewiesen,

uns zu sagen, was da

los ist und was wir

machen sollen.

Dadurch werden

„Kritiker zu Partnern.

Beispiel bei der Lufthansa in Frankfurt,

bei der BASF in Ludwigshafen oder bei

SAP in Berlin. In der Anfangsphase war

es sehr wichtig, dass die Unternehmen

sich intern trafen, um sich überhaupt

mal auszutauschen. Die anfangs neun

Prinzipien des Global Compact waren für

alle neu. Da stellten sich viele Fragen:

Wie gehen wir das an? Was umfasst

das alles? Und worum müssen wir uns

als erstes kümmern? Nehmen Sie das

Beispiel Menschenrechte: Die Unternehmensvertreter

haben da anfangs gesagt,

das sei kein Problem, da doch niemand

absichtlich Menschenrechte verletze.

Wenn man dann aber auf die Einzelheiten

und die Unterpunkte – gerade in

den Lieferketten – näher einging, dann

hat schon der eine oder andere Firmenvertreter

gezuckt. Diese Lernkurve war

ohne NGO-Vertreter leichter, denn jeder

konnte frei reden.

Vom UN Global Compact aus New York gab es

neben Hilfe auch immer wieder neue Initiativen.

Wie hilfreich war das?

Leider kam New York relativ schnell mit

der Idee, man könne jedes Jahr neue

Projekte machen. Da sind einige Unternehmen

schon ein bisschen ausgeflippt.

Sie haben zu recht darauf hingewiesen,

dass die Umsetzung der einzelnen

Prinzipien in alle Unternehmensebenen

sehr viel Zeit und Aufwand kostet. Für

Neues bleibt da wenig Spielraum. Wir

haben uns dann auch gegenüber dem

UNGC durchgesetzt, dass es eigentlich

die Vertiefung ist, die die Unternehmen

brauchen und nicht immer wieder ein

neues Projekt.

Sie haben sich dann aber doch bewusst für den

Dialog mit anderen Stakeholdern geöffnet…

Wir haben dann relativ schnell gesagt:

Okay, jetzt haben wir uns ein paar Mal

intern getroffen, jetzt laden wir auch mal

NGOs und die Gewerkschaft zu den Treffen

ein. Das war anfangs schon schwierig.

Zusammenarbeit mit der Wirtschaft war

damals noch ein ziemliches Fremdwort.

Aber das galt es für alle zu lernen! Ich

erinnere mich an ein Treffen, an dem

auch Amnesty International teilnahm,

da habe ich gesagt: Wenn es Länder

gibt, wo unsere Firmen und ihre Lieferanten

Probleme mit der Einhaltung

der Menschenrechte haben, dann sind

wir auf euch von Amnesty angewiesen,

uns zu sagen, was da los ist und was wir

machen sollen. Dadurch werden Kritiker

zu Partnern. Das passte nicht jeder NGO.

Und so haben sich letztendlich auch nur

relativ wenige NGOs bereit erklärt, im

Global Compact mitzuarbeiten. Mit der

Zeit haben beide Seiten aber die Vorteile

einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit

schätzen gelernt.

Wie funktioniert heute aus Ihrer Sicht das

Zusammenspiel zwischen Geschäftsstelle, Lenkungskreis

und Stiftung in der Praxis?

Der Lenkungskreis bestimmt die Strategie.

Die wird dann in der jeweiligen

Mitgliederversammlung beschlossen.

Und dann gibt es zur Umsetzung der

Strategie natürlich entsprechende Veranstaltungen,

Formate und so weiter.

Die Stiftung bezahlt all diese Veranstaltung,

wenn Sie so wollen. Über die GIZ

wiederum werden das Personal und die

Büroräumlichkeiten der Geschäftsstelle

finanziert.

Um das alles finanzieren zu können,

haben wir damals über eine Stiftung

nachgedacht, und dann hatte der damalige

CEO des TÜV Rheinland, Bruno Braun,

das Geld für die Gründung gestiftet. Die

Stiftung hat drei Beiratsmitglieder: Das

sind derzeit Katharina Riese als Mitarbeiterin

des Stifters, also TÜV Rheinland,

Elke Siehl von der GIZ, weil das DGCN

hier ansässig ist, und das bin ich. Das

läuft wunderbar. Ich habe es nicht einmal

erlebt, dass wir nicht einstimmig

entschieden hätten. Aber das heißt nicht,

dass wir nicht nachfragen.

Stichwort Geld: Das hat sich ja auch ein wenig

geändert, seitdem Beiträge direkt an New York

gezahlt werden müssen!

Früher haben wir über die Stiftung die

Spenden eingesammelt. Der übliche

Beitrag, den die meisten gezahlt haben,

ging an die Stiftung, und wir hatten die

Absprache, dass wir von den Geldern

30 Prozent behalten und 70 Prozent an

New York abführen. Das war natürlich

für das eine oder andere Unternehmen

hierzulande wesentlich einfacher, weil

wir als deutsche Stiftung eine Spendenbescheinigung

ausstellen können,

20 globalcompact Deutschland 2020


20 JAHRE GLOBAL COMPACT

während eine Spendenbescheinigung

aus New York gar nichts nützt, denn

Spenden ins außereuropäische Ausland

sind steuerlich nicht absetzbar. Insofern

haben das alle geschätzt. Heute läuft es

andersrum: Jetzt zahlen die Großen oder

Mittleren Unternehmen an New York,

und wir kriegen inzwischen 45 Prozent

davon, so dass wir unterm Strich mehr

Geld zur Verfügung haben als vorher.

Die Teilnehmerzahl hierzulande ist seit der

Gründung rasant gestiegen, von einer Handvoll

auf heute mehr als 600. Wie stellen Sie

eigentlich sicher, dass da keine Trittbrettfahrer

aufspringen?

Das können wir nicht. Die einzige Möglichkeit

das sicherzustellen, sind die

jährlichen Fortschrittsberichte. Unternehmen,

die einfach aufspringen, merken

schnell, dass sie tatsächlich auch

etwas dafür tun müssen und sind dann

irgendwann auch wieder weg.

In der neuen Strategie will sich das DGCN

künftig stärker als Dialog-Plattform und neutraler

Mittler von Meinungen positionieren.

Was heißt das?

Wenn wir uns als eine Multi-Stakeholder-

Plattform verstehen, dann kann es sich

die Geschäftsleitung nicht erlauben,

Meinung zu machen. Es geht vielmehr

darum, über strittige Punkte zu reden

und Argumente auszutauschen. Mittels

der Chatham House Rule kann man

Strittiges auch diskret behandelt. Dann

können die Leute wirklich sagen, was sie

denken, ohne dass es gleich am nächsten

Tag in der Presse steht. Wir müssen

bei Nachhaltigkeitsthemen vorwärts

kommen, und das sehen alle Seiten

ein. Aber mit Hammer und Brecheisen

funktioniert das nicht. Da haben wir

zu viele Egos auf beiden Seiten, die sich

niemals eine Blöße geben würden, von

dem Wort, das sie gestern gesagt haben,

abzuweichen. Unsere Dialog-Formate

können hier Brücken bauen, und das

ist eigentlich das, was ich schon immer

am DGCN gut finde.

Vielen Dank für das Gespräch!

Wir müssen bei

Nachhaltigkeitsthemen

vorwärts

kommen, und das

sehen alle Seiten ein.„

globalcompact Deutschland 2020

21


AGENDA

22 globalcompact Deutschland 2020



Georg Kell war von 2000 bis

2015 der erste Exekutivdirektor

des UN Global

Compact und hat dort

Grundlagen und Wesensmerkmale

geschaffen, die bis

heute wirken. Seitdem widmet

er sich vor allem dem Thema

des nachhaltigen Investments

und ist ein international

geschätzter Gastautor.

Blicken wir zurück auf das Jahr 2000: Die

Vereinten Nationen hatten die Millennium

Development Goals ins Leben gerufen, Globalisierung

und Marktöffnung waren damals

auf dem Höhepunkt und damit aber auch das

Gefühl eines immer ungleicheren Wettbewerbs

und der Ruf nach einem level playing field.

In dem Kontext fand 1999 die Rede von Kofi

Annan in Davos statt und im Jahr darauf die

Gründung des Global Compact. Wie kam es

dazu, und wie hast Du das erlebt?

20 JAHRE GLOBAL COMPACT

10 Prinzipien,

um der Globalisierung

ein menschliches

Gesicht zu geben

politisiert, und die UNO wollte ihre Prinzipien

nutzen, um der Globalisierung

ein menschliches Gesicht zu geben. Der

Ansatz mit den damals neun Prinzipien

(das 10. Prinzip zur Korruptionsvermeidung

wurde erst 2003 eingeführt, Anm.

d. Red.) wurde sehr ernst genommen,

weil sich alle Frameworks, die die UNO

schon vereinbart hatte, ableiten ließen:

Universal Declaration of Women‘s Rights,

ILO, Human Rights usw.

Georg Kell: Kofi Annan war 1998 Gastredner

auf dem World Economic Forum,

und er war nicht sehr angetan. Er hat

dann ganz klar gesagt, ich gehe da nur

noch hin, wenn ich etwas Wichtiges

zu sagen haben. Der Job ist auf mich

gefallen, etwas Entsprechendes für ihn

vorzubereiten, und ich habe das ganze

Jahr 1998 an der Rede gearbeitet.

Die möglichen Themen wurden im Vorfeld

mit vielen Netzwerken diskutiert,

und dabei wurden es mir und John Ruggie,

meinem damaligen Boss, klar, dass es

Zeit sei, dass die Vereinten Nationen von

der Wirtschaft mehr Verantwortlichkeit

einfordern. Die Liberalisierung war da

gerade auf dem Höhepunkt, und da gab

es schon backlashs, Verbraucherboykotte,

Kampagnen in Colleges in den USA, eine

Reihe Skandale, und so kam das Thema

Corporate Social Responsibility, CSR, auf.

Zur gleichen Zeit liefen die Vorbereitungen

für die WTO Ministerial Conference

in Seattle. Viele Demonstranten waren

angekündigt. Die Stimmung war hoch

Als Kofi Annan die Rede damals hielt

– ich erlebe noch jede Minute – ist jedes

Wort beim Publikum eingesunken.

Die Rede hätte übrigens beinahe nicht

stattgefunden, weil der damalige Deputy

Secretary General kurz vorher sagte: „Die

Rede ist Scheiße. Was sollen wir denn

mit so was?“ Ich hatte schon Panik, aber

Kofi Annan hat es anders gesehen. Und

am nächsten Tag war sie die Schlagzeile

in allen großen Zeitungen – New York

Times, Financial Times, überall in der

Welt. Ruggie und ich dachten damals:

„Wow, job well done!“ Es war herrlich.

Und das reichte, um der Gründung des Global

Compact den nötigen Schub zu geben?

Wir wollten damals eigentlich gar nichts

weiter machen, es sollte nur eine Rede

sein. Aber dann kamen zahllose Briefe

von Botschaftern, Ministern; CEOs haben

angerufen und gesagt: Macht mal was!

Eine Rede ist schön und gut, aber da

besteht echter Bedarf. Und das ganze Jahr

1999 habe ich dann damit zugebracht,

auch die NGOs dafür zu gewin- >>

globalcompact Deutschland 2020

23


AGENDA

nen, damit es eine Multi-Stakeholder-

Initiative wird. Das war nicht einfach:

Amnesty International, Oxfam waren

sehr skeptisch und fast feindlich der

Wirtschaft gegenüber. Im Juni 2000 gipfelte

das in einem Event bei der UNO in

der ECOSOC Chamber, das eigentlich als

Abschluss-Event geplant war. Nach dem

Motto: Die Prinzipien sind jetzt bekannt,

lass die Wirtschaft dran weiterarbeiten.

Aber statt eines Endes war es der Anfang

des Global Compact. Es war jedem vor

Ort klar, dass mehr gemacht werden

muss, sei es durch Lernen, durch Dialogformate,

durch Partnerschafts-Projekte,

außerdem bestand ein großer Bedarf an

Tools, an Guidance, Best Practices und

Messmethoden.

Und so hat die Arbeit eigentlich erst

angefangen. Mit null Budget übrigens

– und null Leuten. Ich war ganz alleine

und erst mal verzweifelt: Wie machst

du eine globale Initiative mit großen

Erwartungshaltungen ohne jegliche Mittel?

Dann kam aber schnell Hilfe. Die

Schweizer Regierung hat geholfen, die

Engländer, die Deutschen – sie haben

gemeinsam einen Trust Fund aufgebaut.

Und dann wurden Jahr für Jahr

die Strukturen besser. Ich bin fast nur

rumgereist damals, und wir haben 60

Netzwerke aufgebaut.

Ich erinnere mich, dass es anfangs gewaltigen

Widerstand in der UN gegenüber dem Global

Compact gab. „UN for sale – UN zum Verkauf“

war so ein Slogan. Wie baut man die Organisation

gegen so viel Gegenwind auf ?

Wir hatten von Anfang an Feinde innerhalb

der UN, einschließlich des besagten

Deputy Secretary General. Die haben

immer schon gedacht, die Wirtschaft

gehört nicht in die UN. Uns war deshalb

klar: Wir brauchen eine Governance.

Zusammen mit John Ruggie haben wir

ein Konzept erstellt mit ganz klaren und

transparenten Strukturen und Aufgabenverteilungen.

Es war die erste Public

Private Global Local Multi-Stakeholder

Governance. Auf dem 30-seitigen Papier

fehlte nur die Unterschrift des UN-

Generalsekretärs. Aber dann kam die

„Oil for Food“-Krise (Kofi Annans Sohn

wurde 2005 vorgeworfen, Bestechungsgelder

im Zusammenhang mit einem

UN-Hilfsprojekt angenommen zu haben.

Anm. d. Red.). Ich habe dann monatelang

nichts von Annan gehört. Und dann eines

Tages bekam ich den Anruf „The boss is

ready to see you on this thing.“ Ich war

damals gerade in Deutschland und bin

sofort zum nächsten Flieger gerannt. Als

ich dann in seinem Büro stand, habe ich

gesehen, dass er sich das Papier gar nicht

angeschaut hatte. Es lag noch genauso

da, wie ich es vorbereitet hatte, mit

Executive Summary drauf, alles schön

angerichtet. Stattdessen schaute er mich

nur an und hat gefragt: „So, this is the

way how it goes?“ „Yes.“ „Can you do it?“

„Yes.“ „Where do I have to sign?”.

Im Laufe der Jahre ist der Global Compact

auch dank der Firmenspenden immer reicher

geworden. Ruft das nicht Neider auf den Plan?

Mein letzter Kampf in der UNO dauerte

drei Jahre, und am Ende musste ich

gehen. Es gab da einen hochrangigen

24 globalcompact Deutschland 2020


20 JAHRE GLOBAL COMPACT

Mit null Budget

übrigens – und null

Leuten. Ich war ganz

alleine und erst mal

verzweifelt: Wie

machst du eine

globale Initiative mit

großen Erwartungshaltungen

ohne

jegliche Mittel?


US-amerikanischen UN-Diplomaten, der

die Zuwendungen und den Haushaltsetat

des Global Compact sowie die Kontrolle

über die Netzwerke für seine eigene

Kampagnenplattform haben wollte. Der

Kampf ging durch alle UN-Instanzen: 5th

Committee, 2nd Committee, Advisory

Committee on Administrative and Budgetary

Questions (ACABQ) etc. Ban Ki-moon

hat ihn übriges unterstützt. Die hatten

damals schon Presseerklärungen verfasst,

wo 'drin stand, dass der Global Compact

in eine andere Facility integriert wird.

Doch dann kam Unterstützung für uns

von China, Indien, Brasilien und anderen.

Es hat auch geholfen, dass ich vorher bei

UNCTAD war und die G77 in New York

vertreten habe. Deswegen hatte ich wohl

ein bisschen Glaubwürdigkeit bei den

Entwicklungsländern. So konnten wir

die Unabhängigkeit des Global Compact

sicherstellen. Aber im Gegenzug musste

ich meinen Posten räumen. Das war ok.

15 Jahre waren genug.

Kofi Annans Grundgedanke war: Wenn Globalisierung

nicht für alle gut, ist sie für keinen

gut. Damit hatte er schon sehr früh die

Verteilungsfrage im Blick. Die Globalisierung

als Konzept selbst stand dagegen gar nicht so

in Frage. Das ist ja heute ganz anders. Der

gesellschaftliche Grundkonsens ist heute viel

geringer als noch vor 20 Jahren, oder wie

erlebst Du das?

Ja, das macht mir große Sorge, denn

Populismus und Protektionismus sind

wieder Mode geworden, und es ist wieder

unheimlich leicht, mit dem Finger auf

andere zu zeigen. Wir laufen dabei in

das Risiko, die positiven Seiten der Globalisierung

über Bord zu werfen. Dafür

werden wir alle einen hohen Preis zahlen.

Kofi Annan war ein Pragmatiker: Er hat

an Effizienz geglaubt, an Wertschöpfung

und die Vorteile der Globalisierung

wie etwa bei der Armutsbekämpfung.

Studien zeigen, dass 80 Prozent der Arbeitsplätze,

die verloren gehen, wegen

Technologierückstand und nicht wegen

Handelsbeziehungen verloren gehen.

Aber es ist so viel einfacher, dem Welthandel

die Schuld zu geben. Es macht

mir Sorge, weil der Zusammenhang

zwischen Frieden und Wirtschaft oft

ignoriert wird. Ich sage immer: Hätten

wir keine ausgeprägten Außenhandelsbeziehungen

mit anderen Ländern, hätten

wir wahrscheinlich längst wieder Krieg.

„Economic interdependence“ hilft. Sie ist

keine Friedensgarantie, aber erzeugt eine

höhere Hemmschwelle.

Reden wir über die Auswirkungen der globalen

Pandemie! UN-Generalsekretär Guterres hat

zwar eine „Decade of action“ ausgerufen, aber

laufen wir aufgrund von Covid-19 und der

globalen politischen Krise nicht eher Gefahr,

dass wir ein verlorenes Jahrzehnt erleben?

Auf sozialer und auf internationaler

Ebene erleben wir tatsächlich einen

totalen Rückschritt. Das hat vor allen

Dingen damit zu tun, dass die starken

Gesellschaften im Moment eigentlich

dysfunktional sind. Es ist eine Schande,

dass der UN-Sicherheitsrat sich während

der Corona-Krise nicht mal einigen kann,

einen Waffenstillstand in Konfliktgebieten

zu unterstützen. Multilateralismus ist

zurzeit dysfunktional, und wir können

nur hoffen, dass sich das bald wieder

ändern wird. Unsere derzeitige Regelbasierte

Weltordnung wird unterminiert,

weil sich keiner mehr daran hält, und

jeder das macht, was kurzfristig als das

Beste erscheint. Im Mittelpunkt steht

dabei natürlich die Rivalität zwischen

China und den USA. Das setzt den Ton für

alle anderen. Deswegen ist es so wichtig

für Europa stark zu werden, damit man

nicht zerrieben wird.

Es gibt aber auch Tendenzen, die mich

froh stimmen: In einer Krise ist es leichter,

Wandel schneller umzusetzen. Im

Finanzsektor zum Beispiel hat Covid-19

vielen Investoren bildlich vor Augen

geführt, dass „slow moving risks“ ernst

genommen werden müssen. Das gilt

für Covid-19, das gilt aber auch für

Klimarisiken. Das erkennen auch die

Firmen. SASB und TCFD als Frameworks

bei Klimafragen boomen. Ich

glaube, dass TCFD für die Finanzwelt

und die Science Based Targets für die

Wirtschaftswelt mittelfristig das Rennen

machen werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

globalcompact Deutschland 2020

25


AGENDA

26 globalcompact Deutschland 2020



Lise Kingo folgte Georg Kell

auf die Position als

Exekutivdirektorin des UN

Global Compact. In ihre

Amtszeit 2015 – 2020 fallen

eine Reihe weichenstellender

Entscheidungen wie die

Verabschiedung der UN

Entwicklungsziele (SDGs) und

auch das Pariser Klimaabkommen.

Unter Lise Kingos

Leitung hat sich der Global

Compact sehr stark auf diese

neuen Rahmenbedingungen

ausgerichtet.

2015 war ein hoffnungsvolles Jahr: die UN

in New York beschlossen die Sustainable

Development Goals, und in Paris wurde das

Klimaabkommen beschlossen. Wie haben Sie

das damals erlebt?

Lise Kingo: Ich war absolut begeistert

und hocherfreut über die Gelegenheit,

gerade in diesem Moment in die Führung

des UN Global Compact einzutreten,

denn ich hatte auch das Gefühl, dass

2015 ein erstaunlich positiver Moment

der Geschichte war: Alle Mitgliedsstaaten

der UNO hatten gerade dem

Pariser Klimaabkommen und auch der

Agenda für 2030 zugestimmt. Im Grunde

hatten sich also alle Mitgliedstaaten auf

den Fahrplan für die Welt geeinigt und

sich sogar auf einen ambitionierten Pfad

mit 17 globalen Zielen und den 169 zugrunde

liegenden Indikatoren geeinigt.

Nachdem ich fast 30 Jahre lang im Bereich

der Nachhaltigkeit im Unternehmensumfeld

gearbeitet hatte, empfand

ich es als eine wunderbare Gelegenheit,

über den UN Global Compact an der Mobilisierung

der damals mehr als 10.000

Teilnehmer aus der Wirtschaft für die

globalen Entwicklungsziele mitzuwirken

und eine neue Strategie für 2020 zu

entwerfen, die sich darauf konzentriert,

wie die Global Goals in die Unternehmenspraxis

umgesetzt werden können.

Sie kannten den Global Compact aus Ihrer

früheren beruflichen Tätigkeit. Wie sind Sie

die neue Aufgabe angegangen?

20 JAHRE GLOBAL COMPACT

Global Goals

sind transformativ:

Sie gehören in die

Geschäftsstrategie

Mein früherer Arbeitgeber, Novo Nordisk,

gehörte zu den ersten Unternehmen, die

dem Global Compact beigetreten sind.

Ich kannte die Initiative also recht gut

und verfolgte ihr Wachstum und ihre

Entwicklung. Es war damals aus meiner

Sicht eine Initiative mit eher altbackenen

Einstellungen. Ich fand aber, dass es toll

ist, wenn man etwas Neues schafft.

Haben die 17 UN-Entwicklungsziele dabei

nicht die 10 Prinzipien überlagert?

Es war natürlich eine große Veränderung

für den UN Global Compact, aber definitiv

auch für alle Unternehmen. Wir

haben uns deshalb als Global Compact

zunächst mit Accenture zusammengetan

und haben mit ihrer Hilfe eine große,

globale Strategie für die Jahre 2015-2020

entwickelt. Die Strategie umfasste die

gesamte Initiative, einschließlich aller

lokalen Netzwerke: Darin wurde geklärt,

wie der Global Compact weiterhin die

Zehn Prinzipien fördert, aber auch die

neuen Global Goals als weitere Verpflichtung

der Unternehmen aufgreifen kann.

Das war eine große Aufgabe. Dabei half

mir meine Erfahrung aus der Wirtschaft

bei der Einführung neuer Produkte. Ich

habe in der Einführung der Global Goals

die gleiche Methode gewählt, wie man

es bei der Einführung eines neuen Produkts

in einer Organisation macht. Wir

verwendeten also tatsächlich Modelle,

bei denen wir zuerst Interesse, Wünsche

und Bewusstsein dafür schaffen. >>

globalcompact Deutschland 2020

27


AGENDA

Das ist das bekannte exploratory data

analysis (EDA) Marketingmodell. Als Teil

der Strategie haben wir eine globale Kampagne

unter dem Titel „Making Global

Goals Local Business“ (Globale Ziele zu

lokalen Geschäften machen) ins Leben gerufen,

die von allen lokalen Netzwerken

in ihren jeweiligen Ländern umgesetzt

wurde. Begleitet wurde die Kampagne

von verschiedenen Instrumenten für

Unternehmen, die ihnen dabei helfen,

die SDGs in ihre Geschäftsstrategie zu

integrieren. Wie Sie schon sagten, sind

die Global Goals sehr transformativ: Sie

gehören in die Geschäftsstrategie.

Es gibt den Global Compact in vielen Ländern,

und deshalb hat er auch viele Gesichter und

viele Variationen. Wie haben Sie die Vielfalt

des Compact erlebt?

Als ich den Global Compact übernahm,

war er die weltweit größte Initiative für

nachhaltiges Wirtschaften geworden,

verfügte aber nur über lose Strukturen

in den 70 Ländern weltweit. Wir waren

deshalb schnell mit dem Board des Global

Compact einig, dass es in der nächsten

Phase darum gehen müsse, wie wir die

Global Compact-Initiative in eine professionelle

internationale Organisation

verwandeln könnten. Und damit kam

das Konzept für eine globale Strategie für

das Jahr 2020 auf, das die Entwicklung

eines neuen Geschäftsmodells beinhaltete,

einschließlich einer Überarbeitung

der Governance der Initiative und eines

detaillierten Blicks auf das, was wir von

einem teilnehmenden Unternehmen

verlangen.

2015 war ein großer Moment und vielleicht

derjenige des letzten multilateralen Abkommens

auf planetarer Ebene. Seitdem sind Nationalismus

und Populismus auf dem Vormarsch.

Was bedeutet das für die Nachhaltigkeit? Wie

können sich die SDGs in einer Welt der „shrinking

spaces“ entwickeln?

In den letzten fünf Jahren ist der Unternehmensführung

klar geworden, dass

sich die Welt in einer so schwierigen

Situation befindet, dass die Wirtschaft

eine wichtige Rolle dabei spielen muss,

die Global Goals voranzutreiben und

dafür zu sorgen, dass niemand zurückbleibt.

Der Satz von Milton Friedman

„The business of business is business“ wird

In den letzten fünf

Jahren seit der

Einführung der

Global Goals hat

sich die Agenda

für nachhaltiges

Wirtschaften

von einer sehr

spezialisierten

Agenda hin zu

einem Top-Thema

des Managements

„entwickelt.

damit heute im Grunde genommen ad

acta gelegt, weil er auch nicht mehr funktioniert.

Der nachhaltige Wirtschaftstrend

ist jetzt so stark geworden, dass er

die Zukunft bestimmt.

Und die Botschaft ist auch auf den Vorstandsetagen

angekommen?

Ich denke, man kann mit Fug und Recht

sagen, dass es noch nie globale Entwicklungsziele

der Vereinten Nationen gegeben

hat, die so viel Aufmerksamkeit

erregt haben und so sehr von Unternehmen

in der ganzen Welt übernommen

wurden, wie eben die SDGs. In dem

Bericht zum 20-jährigen Jubiläum, den

wir diesen Juni publiziert haben, half

uns DNV GL dabei, die Auswirkungen

auf den globalen Wettbewerb zusammenzutragen.

Eines der Dinge, die

dabei sehr deutlich hervortraten, war,

dass vierundachtzig Prozent der Global

Compact-Unternehmen die SDGs kennen

und damit arbeiten. In 64 Prozent

dieser Unternehmen ist es der CEO, der

Nachhaltigkeitsthemen persönlich vorantreibt,

weil sie eindeutig eine strategische

Priorität darstellen.

Sie erwähnten gerade die Rolle der Vorstände

und Aufsichtsräte. Was haben Sie genau im

Sinn?

In den letzten fünf Jahren seit der Einführung

der Global Goals hat sich die

Agenda für nachhaltiges Wirtschaften

von einer sehr spezialisierten Agenda

hin zu einem Top-Thema des Managements

entwickelt. Sie ist heute fester

Bestandteil der Tagesordnung des Vorstands.

Zusätzlicher Druck kommt auch

dadurch zustande, dass immer mehr

Aktionärsaktivisten die Entscheidungen

in den Unternehmen beeinflussen. Wir

wissen, dass in mehr als der Hälfte der

Fälle, in denen Aktionäre Fragen an

Unternehmen stellen, diese mit ESG-

Themen zu tun haben.

Dafür muss aber auch das wirtschaftliche Umfeld

stimmen! Ich habe heute Morgen in einer

Umfrage gelesen, dass fast 25 Prozent der deutschen

Unternehmen aufgrund der COVID-19-

Pandemie ihre Nachhaltigkeitsinvestitionen

oder -initiativen aufschieben. Ich weiß nicht,

ob dies repräsentativ ist, aber es zeigt eine

Richtung auf. Welche Auswirkungen hat die

Pandemie auf Fragen der Nachhaltigkeit?

Ich würde sagen, dass sich die Pandemie

negativ auf das Vorankommen jedes der

Ziele ausgewirkt hat. Wir sind um fünf

bis zehn Jahre zurückgeworfen worden.

Viele Unternehmen haben heute damit

zu kämpfen, wie sie das Kerngeschäft

wieder zum Laufen bringen. Und es ist

wahrscheinlich, dass einige Unternehmen

Investitionen zurückhalten – im

Nachhaltigkeits- wie auch in anderen

Bereichen.

Wir alle lernen gerade auf eine neue und

höchstpersönliche Art und Weise, dass

wir unsere Lebensweise ändern müssen.

Wir müssen auf andere Art reisen. Wir

müssen auf unterschiedliche Art und

Weise arbeiten. Wir müssen auf unterschiedliche

Art und Weise konsumieren.

Und dieses Denken steht im Einklang

28 globalcompact Deutschland 2020


20 JAHRE GLOBAL COMPACT

mit den globalen Entwicklungszielen.

Die Pandemie verändert daher unser

Verständnis für die Art von Transformation,

die nachhaltiges Wirtschaften

einschließt.

Ich erinnere mich an ein Interview, in dem Sie

sagten: Lasst uns alle Aktivisten werden. Was

haben wir davon?

Ich mag die Idee, dass CEOs und vielleicht

auch Aufsichtsräte ihre eigenen

Aktivisten sind. Anstatt unter dem Druck

anderer reagieren zu müssen, sollten sie

diese Schritte selbst proaktiv unternehmen.

Wir leben in einer Welt, in der wir

darüber nachdenken müssen, wie wir

Risiken in Chancen verwandeln können.

Und dabei ist es jetzt wichtig, dass sowohl

der CEO als auch die Aufsichtsräte nachhaltiges

Wirtschaften in ihre Denk- und

Handlungsweise einbeziehen, es in eine

Chance verwandeln, es zu einem Teil

ihrer Risikobewertung machen, indem

sie begreifen, dass ESG-Kriterien zur

treuhänderischen Pflicht eines jeden

Unternehmers gehören.

Einige Experten glauben, dass Standards und

Metriken für Unternehmen nicht ausreichen

werden, um wirklich hin zu mehr Nachhaltigkeit

zu kommen. Was muss sich aus Ihrer Sicht

in der Berichterstattungslandschaft ändern?

Wir sind mit dem Konzept der integrierten

Berichterstattung recht weit

gekommen. Und jetzt, wo die Finanzwelt

in dieses Konzept einsteigt, brauchen wir

mehr Klarheit darüber, welche Daten

wesentlich sind, wie sie sich zusammensetzen,

und wie wir diese Daten

besser vergleichen können. Und genau

darum geht es zum Beispiel bei der

TCFD-Initiative in Klimafragen. Es ist

geplant, andere Bereiche wie etwa soziale

Aspekte nach der gleichen Methodik

einzubeziehen. Ich denke, das ist eine

sehr gute Entwicklung, denn was man

nicht messen kann, kann man auch

nicht managen.

Was das Unternehmen letztlich antreibt, ist

die Gewinnerzielung. Müssen wir also nicht

den Begriff des Gewinns – und was Profit

bedeutet – erweitern?

Lassen Sie mich in Bezug zu dem, was

Friedman sagte, antworten, dass es darum

geht zu definieren, was ein Geschäft

ist. Wir sollten meiner Meinung nach

alle Unternehmen dazu bringen, einen

soliden Gewinn zu erzielen. Aber es gibt

viele Möglichkeiten, das zu erreichen.

Wir müssen heute sicherstellen, dass wir

gute Gewinne erzielen, aber in Harmonie

mit dem Planeten. Wenn man sich die

Wünsche der Millennials und sogar der

noch jüngeren Generationen anschaut,

dann sehen Sie, dass 70 Prozent von ihnen

nur für ein Unternehmen arbeiten

wollen, das einen soliden, nachhaltigen

Geschäftsansatz hat. Sie wollen nur von

Unternehmen mit einem solchen Profil

Produkte kaufen, und sie wollen nur in

Unternehmen mit einer verantwortungsvollen

Strategie investieren. Ich denke,

jedes vernünftige Unternehmen, das in

Zukunft erfolgreich sein will, sollte auf

diese Forderungen seiner Kunden, seiner

Investoren und seiner zukünftigen

Mitarbeiter hören.

Vielen Dank für das Gespräch!

globalcompact Deutschland 2020

29


AGENDA

Von Dr. Angela Reitmaier

„Das 10. Prinzip:

Korruptionsprävention

Korruptionsprävention ist erst auf dem

ersten Global Leaders Summit im Juni

2004 als 10. Prinzip dem UN Global

Compact hinzugefügt worden: „Unternehmen

sollen gegen alle Arten der

Korruption eintreten, einschließlich

Erpressung und Bestechung”. UN-Generalsekretär

Kofi Annan sagte damals

zu den versammelten Unternehmensvertretern:

„You felt, and I agreed, that

corruption so profoundly corrodes sound

business practice and good governance,

and thus our ability to realize the other

nine principles, that it uniquely deserved

to be added to the commitments

on which our Compact is founded.”

Vorangegangen war am 9. Dezember

2003 die Unterzeichnung der UN-Konvention

gegen Korruption. Transparency

International ist aktiv für die Hinzufügung

des 10. Prinzips eingetreten und

hat 2009 einen Leitfaden mit herausgegeben,

den die Unternehmen bei ihrer

jährlichen Berichterstattung zum

10. Prinzip zu Rate ziehen können. Diese

„Communication on Progress“ zu den

zehn Prinzipien wird inhaltlich nicht

geprüft, führt aber zum Ausschluß des

Unternehmens, wenn sie zwei Jahre

unterbleibt.

Das Deutsche Global Compact Netzwerk

(DGCN) hat sich zum Ziel gesetzt, Unternehmen

dabei zu unterstützen, Korruptionsprävention

in der Betriebspraxis

umzusetzen. So hat das DGCN in

Zusammenarbeit mit Industrie- und

Handelskammern eine deutschlandweite

Trainingsreihe veranstaltet, Broschüren

herausgegeben und auch neue Formate

wie Webinare oder speziellere Themen

wie Sponsoring aufgegriffen. Das DGCN

kooperiert mit dem Deutschen Institut

für Compliance (DICO), um fachliche

Unterstützung zu erhalten, und mit der

Allianz für Integrität (AfIn), um Korruption

nicht nur im Unternehmen selbst,

sondern auch zusammen mit anderen

durch „collective action“ zu bekämpfen.

Sogenannte „Themenpaten“ aus

dem Kreise der Unternehmen und der

Zivilgesellschaft sprechen die Angebote

inhaltlich ab. Durch die Verbindung

der Bereiche Menschenrechte, Arbeitsnormen,

Umweltschutz und Korruptionsprävention

kann erreicht werden,

dass einzelne Bereiche nicht wie Silos

behandelt werden. Gerade für Korruptionsprävention

ist dies wichtig, denn

sie ist nicht nur für sich bedeutsam,

sondern trägt auch zur Verhinderung

von Verletzungen von Menschenrechten

und Umweltstandards bei. So konnte

das DGCN im Laufe der Zeit ein breites

Spektrum an Dialog- und Lernformaten

mit dem Schwerpunkt auf dem „wie“ der

Umsetzung des 10. Prinzips aufstellen.

Aber auch neue Themen werden angepackt,

zum Beispiel Korruptionsprävention

in Lieferketten. Mit dem Bündnis

für nachhaltige Textilien (BnT) ist hier

in Deutschland eine Initiative ins Leben

gerufen worden, die zur Verbesserung

der sozialen, ökologischen und ökonomischen

Bedingungen entlang der

gesamten Textil-Lieferkette beitragen

möchte. Zu den ökonomischen Bedingungen

zählt vor allem das Verbot von

Korruption. Wie dies in der Lieferkette

umzusetzen ist, hat das Textilbündnis

in Zusammenarbeit mit dem DGCN und

der AfIn entwickelt, ein Beispiel für die

Relevanz der Arbeit des DGCN im Bereich

der Korruptionsprävention.

Zu der wichtigen Thematik der nachhaltigen

Entwicklungsziele hat der UN

Global Compact dargestellt, wie eng diese

Ziele mit den zehn Prinzipien zusammenhängen,

und den Beitrag, den die

Unternehmen zu ihrer Erreichung leisten

können, mit dem Aufruf umschrieben:

„act responsibly“ and „find opportunities“.

Unternehmen sollen also potenzielle

negative Auswirkungen minimieren

und die Chancen für positive Beiträge

maximieren.

Verantwortungsvolles Handeln von Unternehmen

steht auch im Mittelpunkt der

derzeitigen Diskussion um ein Lieferkettengesetz,

hier nicht lediglich als Aufruf,

sondern als verbindliche Sorgfaltspflicht,

zunächst – wegen des Zusammenhangs

mit dem Nationalen Aktionsplan Wirtschaft

und Menschenrechte – in Bezug

auf Menschenrechte. Und wegen der

Bedeutung der Umwelt vielleicht auch

in Bezug auf die Umwelt oder sogar in

Bezug auf Korruptionsprävention? Die

Geschichte des UN Global Compact zeigt,

dass Korruptionsprävention hinzugefügt

werden kann, wie als 10. Prinzip,

so vielleicht auch als selbstständiger

Bereich von Sorgfaltspflichten neben

Menschenrechten und Umwelt. Aber

wird die Geschichte des DGCN auch zeigen,

dass sich die Unternehmen für eine

solche gesetzliche Regelung aussprechen,

weil sie bereit sind, sich verbindlichen

und nicht nur freiwilligen Regelungen

zu unterwerfen?

30 globalcompact Deutschland 2020


Menschenrechte„

Von Michael Windfuhr

20 JAHRE GLOBAL COMPACT

ernst nehmen

Die Debatte über die Verantwortung von

Unternehmen entlang ihrer Liefer- und

Wertschöpfungsketten hat in den letzten

Jahren rasch an Bedeutung gewonnen.

Für die Umsetzung von Menschenrechten

sind die Rahmenbedingungen in der Wirtschaft,

die formellen Arbeitsbeziehungen,

aber auch die Rohstoffgewinnung sowohl

im Bergbau wie in der Landwirtschaft in

vielen Ländern zentrale Themen. Beim

Nachdenken über die Transformation

hin zu einer ökologischen, sozialen und

menschenrechtlichen Wirtschaftsordnung

kommt der nachhaltigen und gerechten

Gestaltung globaler Lieferketten

eine besondere Relevanz und damit dem

Einfluss der Unternehmen dabei ein wichtiger

Anteil zu.

Die schnelle Globalisierung, die die

Entwicklung der Weltwirtschaft seit

Anfang der 90er Jahre geprägt hat und

der Entwicklung langer und komplexer

Lieferketten bzw. Liefernetzwerke Vorschub

geleistet hat, wurde vorangetrieben

durch handelspolitische Entscheidungen

Anfang der 90er Jahre, wie der Schaffung

des EU-Binnenmarkts (1992), der

Nordamerikanischen Freihandelszone

(NAFTA 1994) und der Gründung der

Welthandelsorganisation WTO (1994).

Während der Verhandlungsrunde, die

zur Gründung der WTO führte, gab es

immer wieder die Forderung, soziale Standards

in das Handelsrecht aufzunehmen.

Dies scheiterte 1994 beim Abschluss der

Uruguay-Runde jedoch, als sich vor allem

Länder des Globalen Südens dagegen

zur Wehr setzten, da sie die Gefahr von

Handelshemmnissen seitens der Industrieländer

fürchteten.

In Reaktion auf das Scheitern der Aufnahme

von sozialen Standards in das

Handelsrecht entstanden Ende der 1990er

Jahre vermehrt Aktivitäten, um über

Möglichkeiten der besseren Durchsetzung

sozialer und menschenrechtlicher

Standards auf internationaler Ebene nachzudenken.

Die Internationale Arbeitsorganisation

(ILO) bekräftigte 1998 die

zentralen Kernarbeitsnormen erneut in

einer feierlichen Erklärung. Der damalige

UN-Generalsekretär, Kofi Annan, wandte

sich beim Weltwirtschaftsforum 1999

in Davos direkt an die Verantwortung

von multinationalen Unternehmen und

initiierte die Gründung des UN Global

Compact. Dieser fordert Unternehmen

auf, sich an zehn Nachhaltigkeitszielen,

zu denen neben den Kernarbeitsnormen

und Menschenrechten auch ökologische

Standards gehören, zu orientieren.

Die Initiative wurde allerdings vom

Start an von der Zivilgesellschaft auch

mit Skepsis begleitet, da für den Global

Compact keine eigene Überwachungsstruktur

oder Nachweispflicht seitens

der Unternehmen geschaffen wurde.

Die Idee zum UN Global Compact hatte

der Politikwissenschaftler John Ruggie,

ein Berater von Kofi Annan. Sein Grundgedanke

war es, Unternehmen und

Wirtschaftslenker*innen dazu zu bewegen,

sich zu den Nachhaltigkeitszielen

zu bekennen und sich Schritt für Schritt

in diese Richtung zu entwickeln. Die

niedrigen Aufnahmebarrieren (nur ein

Bericht zur Umsetzung) können dazu

führen, dass auch Unternehmen beitreten,

die möglicherweise auch gegen

einzelne Leitprinzipien verstoßen. Die

Skepsis, dass der Global Compact von

Unternehmen deshalb auch missbräuchlich

genutzt werden kann, ist bis heute

in der Zivilgesellschaft spürbar. Auf der

anderen Seite ist zu beobachten, dass das

Netzwerk viele Unterstützer von Unternehmensseite

bekommt, die sich mit dem

Beitritt auch für die menschenrechtlichen

Prinzipien ausgesprochen und sich zu

ihrer Umsetzung und Beachtung bekannt

haben. Dies hat das Thema Wirtschaft

und Menschenrechte in vielen Unternehmen

sicherlich erheblich bekannter

gemacht und Möglichkeiten angeboten,

sich über die Umsetzung dieser Ziele

auszutauschen. In der Praxis ist auf der

Grundlage des Global Compact bis heute

ein Netzwerk entstanden, dem eine

Vielzahl von Unternehmen und anderen

Akteur*innen angehört und das besonders

dem Erfahrungsaustausch zur Umsetzung

der zehn Prinzipien dient.

Der Global Compact spricht Unternehmen

in ihrer eigenen Logik an, sich für

Menschenrechte zu engagieren. Er ist eine

wichtige Plattform, die Unternehmen

deutlich machen kann, dass die Achtung

der Menschenrechte eine wesentliche

Voraussetzung für die gesellschaftliche

Akzeptanz der Geschäftstätigkeit und

für die Begrenzung imagebezogener, betrieblicher,

finanzieller und rechtlicher

Risiken sein kann.Der Global Compact

hat sich in diesem Sinne zu einer guten

Plattform des Erfahrungsaustausches

zwischen Unternehmen, aber gerade auch

im Austausch mit anderen Stakeholdern

entwickelt und sich damit die Basis für

eine wachsende Unterstützung besonders

von Unternehmen erarbeitet.

globalcompact Deutschland 2020

31


AGENDA

Blaupause

für nachhaltige Entwicklung

und gesellschaftliche

Verantwortung von

Unternehmen


Von Prof. Dr. habil. Elisabeth Fröhlich und Prof. Dr. Tobias Viere, PRME DACH Chapter

Dem Global Compact der Vereinten

Nationen ist es gelungen, ein globales

Netzwerk von Unternehmen und vielen

weiteren gesellschaftlichen Akteuren zu

schaffen, die sich gemeinsam zur Einhaltung,

Förderung und Berichterstattung

von zehn globalen Grundprinzipien in

den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen,

Umweltschutz und Korruptionsprävention

bekennen. Das ist bereits für

sich allein genommen eine große Leistung

und Kraftanstrengung, die durch

die erfolgreiche Berücksichtigung und

Integration der lange nach der Gründung

des Global Compact verabschiedeten

Sustainable Development Goals noch

weiter aufgewertet wird.

Auf diesen Erfolgen kann und darf

sich der Global Compact keinesfalls

ausruhen, denn in allen genannten

Bereichen besteht global weiterhin großer

Handlungsbedarf. Die weltweiten

Anstrengungen zum Klimaschutz und

zum Schutz der biologischen Vielfalt

reichen beispielsweise noch nicht aus,

um den Planeten aus den Risikozonen

im Sinne der Planetary Boundaries heraus-

oder in die 1,5- und 2-Gradziele

hineinzuholen. Auch Korruption und

Menschenrechtsverletzungen sind bisher

ungelöste Risiken in globalen Wertschöpfungsketten.

Über 12.000 Unternehmen sind weltweit

Teil des Global Compact Netzwerks. Viele

dieser Unternehmen gelten als Vorreiter

für den Wandel hin zu einem nachhaltigen

Wirtschaftsverständnis. Andererseits

umfasst die Branche „Wasserversorgung,

Abwasser- und Abfallentsorgung und

Beseitigung von Umweltverschmutzungen“

laut statistischem Bundesamt in

Deutschland alleine rund 12.000 Einzelunternehmen.

Der Global Compact

hat folglich ein großes Potenzial, seine

Reichweite zu vervielfachen.

Neben der Reichweite ist die strategische

Relevanz der Prinzipien des Global

Compact im Unternehmen essenziell. Im

Deutschen Global Compact Netzwerk

sind in den letzten Jahren mehr und

mehr CEOs und Geschäftsführerinnen

aktiv geworden und unterstreichen die

zentrale Rolle von Nachhaltigkeitsthemen

für ihre Unternehmen. Das zeigt

sich beispielsweise an Schattenpreisen

für Treibhausgase oder strategischen Zielsetzungen,

schon bis 2030 Klimaneutrali-

32 globalcompact Deutschland 2020


20 JAHRE GLOBAL COMPACT

tät zu erreichen. Nachhaltigkeitsthemen

werden in einigen Unternehmen zum

integralen Bestandteil der Strategien. Die

Notwendigkeit einer klaren strategischen

Verankerung und vollumfänglichen

Integration von Nachhaltigkeit in allen

Funktionsbereichen von Unternehmen

ist ein weiteres wichtiges Arbeitsfeld für

den UN Global Compact.

Neben Unternehmen sind über 3.000

andere Organisationen (Nichtregierungsorganisationen,

Forschungseinrichtungen

etc.) Teil des Global Compact und

ermöglichen einen Multi-Stakeholder-

Ansatz. Diese Stärke gewinnt angesichts

zunehmender Spannungen innerhalb

von Gesellschaften und gravierender

gesellschaftlicher Veränderungen, z.B.

in Folge der Digitalisierung, weiter an

Bedeutung. Der Global Compact kann

dazu beitragen, Foren zu schaffen, die

es Vertreterinnen und Vertretern aus

Politik, Zivilgesellschaft, Wissenschaft

und Wirtschaft ermöglichen, in den

Dialog zu treten und gemeinsam nach

Lösungen zu suchen. Zugleich muss es

die Aufgabe des Global Compact sein,

diesen unterschiedlichen Akteuren eine

Plattform zu bieten, wo sie sich ernst

genommen fühlen und ihr Engagement

zu Veränderungen führt.

Der Global Compact

hat in 20 Jahren

viel erreicht und

Ideen und Formate

entwickelt, um

nachhaltige

Entwicklung

gemeinsam mit

Unternehmen und

Gesellschaft

„voranzutreiben.

Um die zehn Prinzipien des Global

Compact und die 17 Nachhaltigkeitsziele

der Vereinten Nationen in Unternehmen

erfolgreich umsetzen zu können, bedarf

es exzellent ausgebildeter Fach- und

Führungskräfte. Entsprechend hochwertige

Weiter- und Ausbildungsangebote

zu schaffen, muss eine weitere

Zukunftsaufgabe des Global Compact

sein. Eine enge Verzahnung des Global

Compact mit seiner Schwesterorganisation,

den Principles for Responsible

Management Education (PRME)

der Vereinten Nationen, kann hierbei

Synergien schaffen und muss zukünftig

weiter ausgebaut werden. Responsible

Management Education gehört zu den

wichtigsten Herausforderungen von

Hochschulen und Universitäten. Nicht

nur die Wirtschaftswissenschaften sind

von diesem Wandel betroffen, sondern

jede universitäre Disziplin, die Managementaufgaben

in Unternehmen beeinflusst.

Gerade vor dem Hintergrund der

aktuellen Pandemie wird die Bedeutung

von nachhaltiger Bildung evident. Ein

interdisziplinärer Ansatz im Zusammenwirken

von PRME und dem UNGC

kann hier als einer der wesentlichen

Meilensteine der Weiterentwicklung

des UNGC gesehen werden.

Der Global Compact hat in 20 Jahren

viel erreicht und Ideen und Formate

entwickelt, um nachhaltige Entwicklung

gemeinsam mit Unternehmen und

Gesellschaft voranzutreiben. Zugleich

hat der Global Compact bisher nur eine

Blaupause geschaffen. Erst wenn die

Erfolgsbeispiele der letzten 20 Jahre tausendfach

kopiert und weiterentwickelt

werden und eine große Mehrheit der Unternehmen

weltweit im Sinne der zehn

Prinzipien und 17 SDGs handelt, kann

der Global Compact beginnen, seine

Mission als erfolgreich zu bezeichnen.

globalcompact Deutschland 2020

33


AGENDA

Das Deutsche

Global Compact

Netzwerk

in Zahlen

34 globalcompact Deutschland 2020


ZAHLEN UND FAKTEN

DGCN Teilnehmende

631

Unterzeichner

569 |

Unternehmen

62

Non-Business

56 %

der Unternehmen sind KMU

80 %

DAX 30 sind Unterzeichner

48 %

der MDAX sind Unterzeichner

7.1 Mio.

Arbeitnehmer*innen

globalcompact Deutschland 2020

35


AGENDA

Entwicklung UN Global Compact Unterzeichner in Deutschland

Die Teilnehmerzahl des Deutschen Global Compact Netzwerkes hat sich kontinuierlich von Jahr zu Jahr gesteigert. Brauchte es

anfangs sieben Jahre, um die Marke von über 100 Teilnehmenden zu überschreiten, so erfolgt der gleiche Zuwachs seitdem

durchschnittlich innerhalb von drei Jahren. Den größten Schub erlebte das Netzwerk im letzten Jahr mit über 20 Prozent bzw.

107 Neumitgliedern.

700

600

500

400

300

200

100

0

631

524

488

451

407

391

355

325

293

240

198

181

153

120

95

7 10 15 28 39 57

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

2017

2018

2019

2020

Entwicklung Beitritt und Austritt (Delisted) beim DGCN

Die Teilnahme am UN Global Compact ist seit 2005 mit der Pflicht verknüpft, einen jährlichen Fortschrittsbericht (CoP) zu

veröffentlichen. Seit 2013 müssen auch zivilgesellschaftliche Teilnehmende einen "Communication on Engagement" (COE)

veröffentlichen. Diese Pflichten sorgen bei kleineren Unternehmen und NGOs für eine kontinuierliche Zahl an Austritten.

120

beigetreten/joined

ausgetreten/delisted

111

100

80

60

40

20

0

38

33 33

26

19

13 11

7

3 5

5

0 0 0 0 0 1 0 1 0

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

75

64

67

67 67

55 56

48

47 46

40

39

31

30

22

23

14 15 16

19

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

2017

2018

2019

9

2020

36 globalcompact Deutschland 2020


ZAHLEN UND FAKTEN

Aufteilung nach Stakeholdergruppen

Der UN Global Compact – und auch das Deutsche Global Compact Netzwerk – definiert sich ausdrücklich als Multi-Stakeholder-

Plattform, an der Teilnehmende sowohl aus der Wirtschaft, der Politik, der Wissenschaft als auch der Zivilgesellschaft mitwirken.

Das spiegelt auch die Aufteilung im deutschen Netzwerk wieder. Da der Grundgedanke der Initiative war, Unternehmen

einzubinden, ist diese Gruppe traditionell die größte.

Stiftung

2

Unternehmen

569

NGO

26

Wissenschaft

15

Wirtschaftsverband

13

Öffentlicher Sektor

6

Aufteilung nach Unternehmensgröße

Der Ausgangsgedanke des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan war es, Globalisierung gerecht zu gestalten. Deshalb

waren zunächst vor allem große, global agierende Unternehmen eingeladen, sich an der Initiative zu beteiligen. Seitdem sind

aber auch immer mehr Klein- und mittelständische Teilnehmer hinzugekommen und spiegeln heute die Vielfalt der deutschen

Wirtschaft wieder.

KMU/317

56 %

Großunternehmen/252

44 %

globalcompact Deutschland 2020

37


AGENDA

Anzahl der Unternehmen nach Mitarbeiter*innen

Der Blick auf die Zahl der Mitarbeitenden zeigt, dass das Deutsche Global Compact Netzwerk die ganze Bandbreite an

Unternehmen wiedergibt. Ganz kleine Unternehmen, Selbständige und kleine Handwerksbetriebe sind nach eigenem

Selbstverständnis jedoch nicht Teil der Initiative und entsprechend gering vertreten.

100

80

84

77

KMU

56 % 44 %

Großunternehmen

60

64

40

20

0

4

0–9

10–25

25–50

50–100

47

100–150

22

150–200

19

200–250

38

250–500

31

500–1.000

41

1.000–2.500

27

2.500–5.000

30

5.000–10.000

34

10.000–25.000

10

25.000–50.000

16

50.000–100.000

13

100.000–250.000

6

250.000–500.000

1

mehr als 500.000

Großunternehmen und KMU nach Branchen

Traditionell sind Unternehmen der deutschen Industrie stark vertreten. Das gilt insbesondere für die Automobilindustrie, ihre

Zulieferer sowie den Maschinenbau. Aber auch Chemie- und Pharmaindustrie und Telekommunikation habe eine lange Tradition

im deutschen Netzwerk.

150

Großunternehmen

KMU

92

67

100

52

19

51

30

50

0

1

2

Immobilien

5

4

Nahrung/

Genuss

6

4

Werkstoffe/

Werkstoffverarbeitung

6

4

Tourismus/

Freizeit

7

14

Wohnen/

Einrichtung

7

17

Automobil-/

Fahrzeugbau

13

11

Handel/

Konsumgüter

18

9

Gesundheit/

Pharma

20

8

Telekommunikation/

Medien

10

21

Bau, Energie- und

Umweltwirtschaft

15

18

Finanzen/Banken

14

19

Chemie

Sonstige

Technik

Industrielle

Zulieferer/

Dienstleistungen

38 globalcompact Deutschland 2020


ZAHLEN UND FAKTEN

Großunternehmen Top 10 Branchen

Die ersten Teilnehmer des Deutschen Global Compact Netzwerks waren Dax-30 Unternehmen. Es folgten viele Industrieunternehmen

aus den gleichen Branchen. Die allermeisten Mitglieder waren dabei im B2B-Geschäft oder verstanden ihre Teilnahme in

diesem Kontext. In den letzten Jahren stoßen immer mehr Unternehmen aus Handel und dem Konsumgüterbereich hinzu.

Automobil- und

Fahrzeugbau

8 %

Handel und Konsumgüter

5 %

Sonstige

9 %

Wohnen und

Einrichtung

6 %

Gesundheit und Pharma

4 %

Industrielle Zulieferer

und Dienstleistungen

30 %

Finanzen

und Banken

8 %

Technik

13 %

Chemie

8 %

Bau, Energie- und

Umweltwirtschaft

9 %

KMU Top 10 Branchen

Auch im Segment der mittelständischen Unternehmen stehen zumeist B2B-Beziehungen zu anderen Unternehmen im Blickpunkt.

Das ist der Natur der zehn Prinzipien geschuldet: Ihre Umsetzung hat gerade in Lieferantenbeziehungen und Geschäften

zwischen Unternehmen eine zentrale Bedeutung. Das Durchsetzen dieser Prinzipien entlang der Wertschöpfungskette ist

zweifelsohne der bedeutendste Hebel des Global Compact.

Finanzen und

Banken

5 %

Gesundheit

und Pharma

6 %

Handel und Konsumgüter

4 %

Chemie

5 %

Bau, Energie- und Umweltwirtschaft

3 %

Automobil- und

Fahrzeugbau

2 %

Industrielle Zulieferer

und Dienstleistungen

32 %

Telekommunikation

und Medien

7 %

Technik

18 %

Sonstige

18 %

globalcompact Deutschland 2020

39


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AGENDA

16

Jahrbücher

Jahrbücher

436

Best Practice-Beispiele

Mitglieder des Global Compact Deutschland in einem

itäten berichten. Ich wünsche mir, dass dieses Buch noch

h zu den Prinzipien des Global Compact zu bekennen

setzen – im eigenen Betrieb ebenso wie über dessen

ieses Engagement der Unternehmen für mehr Ausgleich

nalen Ordnung.

bers of Global Compact Germany are reporting on their

hat this book will encourage even more companies to

iples and carry them out with commitment – in their own

ndaries. We need this involvement of

justice in the international order.

global compact Deutschland | 2008

Deutschland

global

compact

global Unternehmerische

Deutschland

Verantwortung compact muss ein

Eckpfeiler werden für ethische

und stabile Märkte.

global compact Deutschland 2010

Durch Vorbilder und Kooperationen

global

compact

in Initiativen und Netzwerken können

wir das Bewusstsein für Nachhaltigkeit auch

als wirtschaftlichen Erfolgsfaktor weiter

schärfen. Hierbei nimmt der Global Compact

eine wichtige Rolle ein. Allen Akteuren, die

sich in diese weltweite Initiative einbringen,

sage ich von Herzen Dank.

global compact Deutschland 2011

Deutschland

global

compact

en Global Compact Jahrbuch einen großen Leserkreis.

trengungen für kreative und erfolgreiche Partnerschaften

g nicht nur ein freundliches Gesicht verleihen, sondern vor

und positive Entwicklungen konkret erfahrbar machen.

Compact Yearbook a large readership. May it

creative and successful partnerships that not only give

, above all, make it possible to experience

s and positive developments.

2008

2009

30,00 EUR

30,00 EUR

2010

2011

usiness leaders to embrace

act as an organizing tool

perations. Ensure that

sidiaries and supply chain

Compact as both a

ide and a moral compass.

Ban Ki-moon,

Secretary General of the United Nations

global compact Deutschland | 2007

Deutschland

global Today it is increasingly clear

that UN objectives – peace,

security,

compact

development go hand-inhand

with prosperity and growing

markets.

If societies fail, so will markets.

Kofi Annan, former Secretary-General of the United Nations

global

compact

2007

25,00 EUR

global compact Deutschland | 2006

»

Deutschland

Let us choose to unite the power

compact

of markets with the authority of

universal ideals. Let us choose to

reconcile the creative forces of private

«

entrepeneurship with the needs of the

disadvantaged and the requirements

of future generations.

Kofi Annan, Secretary-General of the United Nations

global

global

compact

2006

25 | 30 US$

global compact Deutschland | 2005

Deutschland

global

compact

2005

40 globalcompact Deutschland 2020


ZAHLEN UND FAKTEN

Klimaschutz, Menschenrechte

oder Lieferkette: Mit

welchen Themen haben

sich die Unternehmen in den

letzten Jahren am meisten

beschäftigt? Eine Analyse der

Best Practice-Beispiele der

deutschen Global Compact

Jahrbücher seit 2004 zeigt:

Ganz vorne mit dabei ist unter

anderem die Wertschöpfungskette.

Darüber hinaus

veränderten sich sowohl die

zentralen Themen als auch

die Zuordnung der SDGs im

Laufe der Jahre kaum.

Von Darja Ljubin und Elena Köhn

Das Jahrbuch „Global Compact

Deutschland“ diskutiert seit

seinem Start im Jahr 2004

nicht nur aktuelle, globale

Entwicklungen und Ereignisse rund

um die Themen Wirtschaft, Politik,

Gesellschaft und Nachhaltigkeit. Die

Publikation stellt auch in Form von Best

Practice-Beispielen dar, wie Unternehmen

die zehn Prinzipien des UN Global

Compact (UNGC) erfolgreich in ihre Praxis

integrieren. Seit ihrer Einführung

2015 im Rahmen der Agenda 2030 für

nachhaltige Entwicklung spielen zudem

die Sustainable Development Goals

(SDGs) eine zentrale Rolle. Aber welche

Themenfelder waren für die Unternehmen

im Laufe der Zeit am relevantesten?

Und zu welchen SDGs konnten sie den

meisten Beitrag leisten?

Viel Wertschöpfungskette,

wenig Reporting

Ein Blick auf die Unternehmensbeiträge

der Jahre 2004 bis 2019 macht deutlich:

Auf Platz Eins steht das Thema Wertschöpfungskette.

Damit beschäftigte

sich über ein Drittel der Unternehmen

– und zwar konstant über die Jahre hinweg.

Dieses Themenfeld kommt in allen

Publikationen mit einem Inhaltsanteil

von mindestens 21 Prozent vor. Im Jahrbuch

aus dem Jahr 2013 wurde die Wertschöpfungskette

sogar in über der Hälfte

der Unternehmensbeiträge besprochen.

An zweiter und dritter Stelle befinden

sich die Themen Arbeits- und Menschenrechte

(fast 27 Prozent) sowie Klima- und

Umweltschutz (mehr als 23 Prozent). Sie

kommen in allen Jahrbüchern seit 2004

vor, orientieren sich aber auch am aktuellen

Zeitgeschehen. So befassten sich

die Best Practice-Beispiele in den Jahren

2015 und 2016, während der akuten

Flüchtlingskrise, ausgeprägter mit dem

Thema Arbeits- und Menschenrechte.

Der Klima- und Umweltschutz und auch

die Digitalisierung gewannen hingegen

in den letzten Jahren zunehmend an

Prominenz (siehe Abbildungen 1 und 2).

SDG 12 im Fokus aller Branchen

Betrachtet man nun, auf welche SDGs

sich die Unternehmen fokussieren, fällt

auf, dass diese tendenziell deckungsgleich

mit den Themen der Best Practice-

Beispiele sind. So griffen die Unternehmen

SDG 12 (Nachhaltige/r Konsum und

Produktion), SDG 13 (Maßnahmen zum

Klimaschutz) und SDG 8 (Menschenwürdiges

Arbeits- und Wirtschaftswachstum)

am häufigsten auf. Schlusslichter sind

SDG 2 (Kein Hunger), SDG 5 (Geschlechtergleichheit),

SDG 6 (Sauberes Wasser

und Sanitäreinrichtungen) und SDG

14 (Leben unter Wasser) mit einem Anteil

von jeweils knapp über und zum

Teil sogar unter einem Prozent (siehe

Abbildung 3).

Aber für welche Branchen sind welche

SDGs am relevantesten? Insgesamt beteiligten

sich an den Best Practice-Beispielen

vor allem die Wirtschaftszweige Chemie,

Technik, Dienstleistungen und Automobil-

und Fahrzeugbau. Seltener oder

gar nicht waren hingegen Unternehmen

aus den Bereichen Industrielle Zulieferer,

Werkstoffe und Werkstoffverarbeitung

sowie Immobilien mit dabei (siehe Abbildung

4).

Die Unternehmen aus der Chemiebranche

legten ihren Fokus am häufigsten

auf SDG 12 (zu fast 25 Prozent). Auch

SDG 8 und SDG 9 haben hohe Relevanz

in diesen Beiträgen. Im Vergleich dazu

waren SDG 5 und SDG 6 sowie die SDGs

11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden)

und 16 (Frieden, Gerechtigkeit und starke

Institutionen) für die Chemiebranche

weniger interessant.

Ähnlich sieht es auch in den Bereichen

Technik sowie Automobil- und Fahrzeugbau

aus. Beide Branchen förderten

SDG 12, SDG 9 und SDG 13 mit Anteilen

zwischen 13 und 18 Prozent am stärksten.

Die Unternehmen aus dem Technikzweig

widmeten sich dafür eher weniger SDG 1

und SDG 2. Darüber hinaus kommen

SDG 14 und 15 in keinem der Beiträge

aus der Technikbranche vor. Der Automobil-

und Fahrzeugbau vernachlässigte

vor allem SDG 14. Lediglich knapp ein

Prozent der Best Practice-Beispiele aus diesem

Wirtschaftszweig diskutierte dieses

Ziel. SDG 2 und SDG 7 (Bezahlbare und

saubere Energie) wurden sogar überhaupt

nicht erwähnt. Im Dienstleistungssektor

decken sich die Ergebnisse ebenfalls

größtenteils (siehe Abbildung 5).

Zur Methode

Diese Untersuchung basiert auf einer

Textanalyse von 436 Beiträgen aus den

Global Compact Deutschland Jahrbüchern

von 2004 bis 2019. Diese Best

Practice-Beispiele wurden nach den

Faktoren Branche, Thema und SDGs

ausgewertet. Die komplette Auswertung

der Themenfelder sowie der SDGs in den

Jahren 2004 bis 2014 beruht auf nachträglichen

Einschätzung durch die Autorinnen.

Die anschließende Zuordnung

der UN-Entwicklungsziele basiert auf

Angaben der jeweiligen Unternehmen.

globalcompact Deutschland 2020

41


AGENDA

Abb. 1 | Verteilung nach Themen (Mehrfachnennungen möglich; n=436; Zeitraum 2004 – 2019)

33 %

Wertschöpfungskette

27 %

24 %

Umwelt, Klimaschutz

7 %

4 %

Korruptionsprävention

4 %

Inclusive

Business

Arbeits- und

2 %

Menschenrechte Digitalisierung Reporting

Abb. 2 | Verteilung der Themen nach Jahren (Mehrfachnennungen möglich; n=436; Angaben in Prozent)

29

6

4

5

Arbeits- und

Menschenrechte

Digitalisierung

Inclusive Business

Korruptionsprävention

2

Reporting 0

23

Umwelt, Klimaschutz

30 32 29

4

0

11

26

17

2

26 3

14

12

31 33 32

24

28 29 29

5

0

0 0

2

5

9

3 2 5 3

0 7 13

2 3 2 3 5

3

3

0

2

0 0

22 0 3

12 9

3

0 0

2

2

5

25

38 38

31

24

10

17

8

53

3

3

0

3

4 17

46

10

5

0

0

8

20

20

2

0

4

20

13

15

5

3

0

36

18

10

3

0

3

40

31 Wertschöpfungskette 30

22

36

44

25 22 22

33

43

52

29

22

31 33

28 28

Ø

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

2017

2018

2019

42 globalcompact Deutschland 2020


ZAHLEN UND FAKTEN

Abb. 3 | Verteilung nach SDGs (Mehrfachnennungen möglich; n=436; Zeitraum 2004 – 2019)

17 %

12 % 12 %

8 %

5 % 4 %

3 %

13 %

3 %

2 %

2 %

7 %

5 %

2 %

1 %

1 %

1 %

Abb. 4 | Verteilung der Branchen nach Jahren (Mehrfachnennungen möglich; n=436; Angaben in Prozent)

30

Weitere

30 27

25

29 29

25

24

33

27

38

29

28

31 32 31

42

7

8

9

10

12

Informations- und

Kommunikationstechnik

Transport und Logistik

Gesundheit, Medizin

und Pharma

Automobil- und

Fahrzeugbau

Dienstleistungen

15

10

5

15

10

13

10

13

10

13

10

9

10 3

6

10

12

6

9 13

9 6

12 13

4

7

14

11

11

10

7

7

10

10

3

7

10

10

17

3

6

12

15

9

3

7

7

10

10

4

7

7

11

14

3

6

9

9

16

3

3

9

9

16

6 7

9 10

6

7

9

7

15 17

4

8

8

13

12

Technik

5

15

13

13

15 13

18

17

10

18

10

14

13

9

9

3

8

0

13

Chemie

5

10

13

9 10 11

14

10

9

14 14 16

19

15 17 17

Ø

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

2017

2018

2019

globalcompact Deutschland 2020

43


AGENDA

Abb. 5 | Verteilung nach SDGs und Branchen (Mehrfachnennungen möglich, n=436; Zeitraum 2004 – 2019)

Automobil- und Fahrzeugbau 1 0 10 9 0 2

Bau 0 0 1 1 0 0

Chemie 2 5 5 6 1 1

Dienstleistungen 4 2 5 9 4 2

Energie- und Umweltwirtschaft 2 0 1 2 0 2

Finanzen 2 0 1 3 0 0

Gesundheit, Medizin & Pharma 4 8 16 8 5 2

Handel & Konsumgüter 2 1 2 8 1 2

Industrielle Zulieferer 0 0 1 5 2 1

Informations- und Kommunikationstechnik 0 0 0 6 1 0

Nahrung & Genuss 1 4 2 0 1 0

Sonstige 4 0 1 6 0 0

Technik 1 1 8 9 2 3

Textil & Mode 0 0 1 5 0 0

Tourismus & Freizeit 0 0 1 1 0 0

Transport & Logistik 2 3 6 11 2 0

Werkstoffe & Werkstoffverarbeitung 0 0 0 0 0 0

Wohnen & Einrichtung 0 0 0 1 0 0

44 globalcompact Deutschland 2020


ZAHLEN UND FAKTEN

0 8 17 5 7 18 16 1 4 5 12

1 0 4 1 3 2 1 0 0 0 1

3 15 15 2 0 25 13 1 0 7 0

2 25 8 6 2 20 16 1 4 12 12

16 1 11 0 5 4 11 2 3 0 2

2 4 5 4 1 8 5 1 1 0 4

5 7 17 3 1 20 11 0 0 1 14

0 11 4 2 0 12 6 0 1 1 1

5 6 8 4 3 7 7 0 0 2 0

5 11 5 5 3 13 9 0 0 8 8

0 2 3 0 0 5 3 1 2 0 0

1 11 7 1 1 7 3 1 3 5 11

13 18 21 2 4 27 21 0 0 5 4

1 6 2 2 0 5 4 0 0 0 1

1 1 2 0 1 4 5 0 1 0 0

1 8 8 2 6 12 19 2 2 2 14

0 3 2 0 1 2 3 0 0 0 1

1 3 0 0 0 5 4 0 0 0 0

globalcompact Deutschland 2020

45


AGENDA

46 globalcompact Deutschland 2020


INITIATIVEN UND PUBLIKATIONEN

Die Dekade zum

Handeln ist

JETZT

Die Themen,

Initiativen und

Publikationen

auf einen Blick

globalcompact Deutschland 2020

47


AGENDA

Menschenrechte

PRINZIPIEN 1, 2

Menschenrechte sind ein zentraler

Grundpfeiler offener, inklusiver und demokratischer

Gesellschaften. Sie umfassen

grundlegende Rechte und Freiheiten,

die allen Menschen zustehen und werden

in internationalen Abkommen und nationalen

Gesetzen garantiert. Auch Unternehmen

können durch ihre Aktivitäten

Auswirkungen auf die Menschenrechte

haben – positiver, aber auch negativer

Art; direkt und indirekt.

Die Global Compact Prinzipien 1 und

2 rufen Unternehmen deshalb dazu

auf, ihren Beitrag zur Einhaltung der

Menschenrechte zu leisten.

Die zweite Säule der im Jahr 2011 veröffentlichten

UN-Leitprinzipien für Wirtschaft

und Menschenrechte konkretisiert

die Verantwortung von Unternehmen, die

Menschenrechte zu achten und durch

angemessene Sorgfaltsprozesse Verstößen

vorzubeugen. Die Erfüllung ihrer menschenrechtlichen

Sorgfaltspflicht fordert

von Unternehmen ein Umdenken: Im

Vordergrund stehen nicht die Risiken für

Unternehmen, sondern die Risiken für

Betroffene möglicher Menschenrechtsverletzungen.

Für Unternehmen geht es also

darum, ihre Verbindung zu möglichen

Menschenrechtsverstößen zu verstehen

und ihren Einfluss zu nutzen, diese zu

adressieren.

Initiativen und Projekte

Das Infoportal mr-sorgfalt.de stellt

umfassende Informationen bereit, die

Unternehmen bei der Konzeption und

Weiterentwicklung ihrer menschenrechtlichen

Sorgfaltsprozesse unterstützen.

Die vom DGCN entwickelte

Plattform bietet sowohl Orientierung für

den Einstieg in die Thematik als auch

vertiefende Materialien und weiterführenden

Ressourcen zu spezifischen Umsetzungsfragen.

Auf dem Portal können

auch die Aufzeichnungen der DGCN-

Webinarreihe zu menschenrechtlicher

Sorgfalt angesehen werden.

Im Juli 2020 wurde das Projekt „Business

and human rights: towards a decade

of global implementation“ oder

kurz „UNGPs 10+“ ins Leben gerufen.

Ziel des Projektes ist die Entwicklung

einer Vision, um die UNGPs bis 2030

breitflächiger und tiefgehender umzusetzen.

Schwerpunkte liegen auf

effektiven verbindlichen Regulierungen

und der Rolle von Akteuren aus dem

Finanzsektor. Das Projekt wird von der

UN-Arbeitsgruppe für Wirtschaft und

Menschenrechte in Zusammenarbeit mit

Partnern wie dem UN Global Compact

durchgeführt.

48 globalcompact Deutschland 2020


INITIATIVEN UND PUBLIKATIONEN

Publikationen

Zuhören lohnt sich

Hrsg.: Deutsches Global Compact Netzwerk | 2018

ZUHÖREN LOHNT SICH

Menschenrechtliches Beschwerdemanagement

verstehen und umsetzen

Ein Leitfaden für Unternehmen

Global Compact

Netzwerk Deutschland

Dieser Leitfaden soll Unternehmen mithilfe praxisnaher Anleitungen

dabei unterstützen, effektive Prozesse zum Management menschenrechtlicher

Beschwerdemechanismen zu entwickeln. Anhand von drei

konkreten Schritten wird aufgezeigt, wie Unternehmen bestehende

Ansätze überprüfen und stärken können, um Betroffenen effektiven

Zugang zu Abhilfe zu bieten und Beschwerdemechanismen zu gestalten,

die den Anforderungen der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft

und Menschenrechte gerecht werden.

Business and Human Rights: Navigating the legal landscape

Hrsg.: Freshfields Bruckhaus Derrnger LLP | 2020

Business and Human Rights

Navigating the legal landscape

Der Leitfaden informiert über die sich entwickelnde Rechtslandschaft

im Bereich Wirtschaft und Menschenrechte und die sich

daraus ergebenden rechtlichen Konsequenzen für multinationale

Unternehmen. Multinationale Unternehmen müssen sich mit immer

komplexeren Menschenrechtsverpflichtungen auseinandersetzen.

Sie haben die Verantwortung, Menschenrechtsrisiken zu identifizieren

und Maßnahmen zu ergreifen, um diese Risiken zu mindern

oder öffentlich bekannt zu machen. Dieses Thema ist besonders für

Fachleute relevant, die mit der Einbettung von Nachhaltigkeits- und

Menschenrechtsüberlegungen in ihre Geschäftsstrategie betraut sind.

NAVIGATING

THE FUTURE OF

BUSINESS AND

HUMAN RIGHTS

GOOD PRACTICE EXAMPLES

Navigating the Future of Business and Human Rights

Hrsg.: UN Global Compact | 2019

Die Publikation skizziert, wie Unternehmen die Menschenrechte in

ihre Unternehmensstrategien einbinden und menschenzentrierte

Lösungen für die wachsenden globalen Herausforderungen vorantreiben

können. Der Bericht präsentiert Momentaufnahmen bewährter

Praktiken von Unternehmen, die am UN Global Compact teilnehmen,

hebt Einblicke von lokalen Netzwerken des Global Compact auf der

ganzen Welt hervor und stellt Initiativen vor, die sieben Hauptthemen

vorantreiben: Zukunft der Arbeit, Klimagerechtigkeit, wirksame Abhilfeund

Beschwerdemechanismen, Migrantenrechte, Gleichstellung der

Geschlechter, Sorgfaltspflicht und Bekämpfung der Arbeitsarmut.

globalcompact Deutschland 2020

49


AGENDA

Arbeitsnormen

PRINZIPIEN 3, 4, 5, 6

Die Prinzipien 3, 4, 5 und 6 des UN Global

Compact betreffen die Einhaltung der

Kernarbeitsnormen der Internationalen

Arbeitsorganisation (ILO). Sie behandeln

das Recht auf Vereinigungsfreiheit und

Kollektivvereinbarungen, das Verbot

von Zwangs- und Kinderarbeit sowie

von Diskriminierung am Arbeitsplatz.

Trotz Fortschritten in vielen Feldern

bleiben alarmierende Defizite: Wie

auch der UNGC Progress Report aufzeigt,

leiden 24,9 Millionen Menschen weltweit

noch immer unter Zwangsarbeit,

schätzungsweise 152 Millionen Kinder

sind von Kinderarbeit betroffen, in 80

Prozent der Länder wird das Recht auf

Tarifverhandlungen verletzt, 54 Länder

verweigern oder beschränken die Redeund

Vereinigungsfreiheit und Hunderte

Millionen von Menschen leiden unter

Diskriminierung in der Arbeitswelt.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten

hat der UN Global Compact deshalb die

Wirtschaft mobilisiert, um der Beachtung

grundlegender Arbeitsnormen mehr

Nachdruck zu verleihen – mit Blick

auf die eigene Geschäftstätigkeit von

Unternehmen, aber auch mit Blick auf

die jeweiligen Wertschöpfungsketten.

Dieser Leitgedanke fand auch Eingang

in die UN-Entwicklungsziele (SDGs): So

ist bei der Umsetzung von SDG 8: Menschenwürdige

Arbeit und Wirtschaftswachstum

die Einhaltung von Arbeitsnormen

von zentraler Bedeutung, um

eine nachhaltige, gerechte Gesellschaft

aufzubauen, in der niemand zurückgelassen

wird.

Initiativen

Die Allianz 8.7 ist ein globales Bündnis,

das sich für die Beendigung von Sklaverei

und Kinderarbeit einsetzt und zu dem

auch der UN Global Compact gehört.

Es fungiert als Koordinator der globalen

Maßnahmen zur Erreichung des SDG-

Unterziels 8.7 und bringt Akteure auf

allen Ebenen zusammen, um gemeinsam

Strategien zu entwickeln, Wissen

auszutauschen und die Umsetzung zu

beschleunigen.

Die Decent Work in Global Supply

Chains Action Platform bringt Vertreter

aus Wirtschaft, lokalen Netzwerken

des Global Compact, Regierungen und

UN-Agenturen wie ILO und UNICEF zusammen,

um an der Verbesserung der

menschenwürdigen Arbeit in globalen

Lieferketten zu arbeiten und aufzuzeigen,

dass Respekt für Menschen- und

Arbeitnehmerrechte entscheidend ist

für die Verwirklichung der SDGs.

50 globalcompact Deutschland 2020


© UNICEF/UNI235468/WILLOCQ

UNICEF/UN0292175/SOKOL

INITIATIVEN UND PUBLIKATIONEN

Publikationen

Moderne Sklaverei

und Arbeitsausbeutung

Herausforderungen und

Lösungsansätze für

deutsche Unternehmen

Global Compact

Netzwerk Deutschland

KAPITEL 1: WAS IST MODERNE SKLAVEREI?

1

Moderne Sklaverei und Arbeitsausbeutung

Herausforderungen und Lösungsansätze für deutsche

Unternehmen

Hrsg.: Deutsches Global Compact Netzwerk | 2019

Situationen unfreiwilliger und ausbeuterischer Arbeit können überall

vorkommen. Immer häufiger sind es wirtschaftliche Not und die Suche

nach besseren Einkommensmöglichkeiten, die Menschen in die Arme

und Abhängigkeit ausbeuterischer Arbeitgeber treiben. Diese Studie

geht der Frage auf den Grund, was moderne Sklaverei eigentlich ist,

wie sie entsteht, warum das Thema auch für deutsche Unternehmen

von Bedeutung ist, und was Unternehmen tun können, um Risiken

moderner Sklaverei und Arbeitsausbeutung im Zusammenhang mit

ihren eigenen Aktivitäten und Lieferketten wirksam zu bekämpfen.

Decent Work Toolkit for Sustainable Procurement

Hrsg.: UN Global Compact | 2020

Das Toolkit zu menschenwürdiger Arbeit mit Fokus auf Einkaufsprozesse

unterstützt Unternehmen, Verantwortliche aus dem Bereich

Beschaffung sowie Zulieferer, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie

menschenwürdige Arbeit durch Kaufentscheidungen beeinflusst wird

und gefördert werden kann. Es bietet praxisnahe Umsetzungshilfen,

um Dilemmata mit Blick auf menschenwürdige Arbeit in der Lieferkette

dialogbasiert und gemeinsam mit Zulieferbetrieben zu adressieren.

Das Toolkit steht in verschiedenen Sprachen zur Verfügung.

FAMILIENFREUNDLICHE

ARBEITSPLÄTZE

Ansätze und Praktiken zur

Förderung menschenwürdiger

Arbeit in globalen Lieferketten

Familienfreundliche Arbeitsplätze: Ansätze und Praktiken

zur Förderung menschenwürdiger Arbeit in globalen

Lieferketten

Hrsg.: UN Global Compact und UNICEF | 2020

Der Bericht gibt Anregungen für die Förderung familienfreundlicher

Praktiken und Ansätze, sowohl im eigenen Betrieb als auch in der

Wertschöpfungskette. Beschäftigungsbedingungen haben nicht

nur einen erheblichen Einfluss auf das Wohlergehen der Arbeitnehmenden

selber, sondern auch auf ihre Kinder und Familien. Viele

Beschäftigte haben Schwierigkeiten, Beruf und Familie zu vereinen.

Die Beeinträchtigungen und die sozioökonomische Krise infolge

von COVID-19 haben die Situation noch verschärft und die Relevanz

familienfreundlicher Praktiken noch einmal unterstrichen.

globalcompact Deutschland 2020

51


AGENDA

Umwelt- und Klimaschutz

PRINZIPIEN 7, 8, 9

Der UN Global Compact und das Deutsche

Global Compact Netzwerk unterstützen

Unternehmen dabei, ihrer globalen und

lokalen Verantwortung für die Umwelt

gerecht zu werden und in einem übergreifenden

Managementansatz zu verankern.

Die Global Compact Prinzipien 7, 8

und 9 rufen Unternehmen dazu auf, bei

Umweltproblemen das Vorsorgeprinzip

walten zu lassen sowie Umweltbewusstsein

und neue Technologien zu fördern.

Neben so wichtigen Themen wie Wasser

und Biodiversität, steht seit einigen

Jahren insbesondere der Klimaschutz

im Fokus.

In Anlehnung an die Worte des UN-

Generalsekretärs António Guterres ist der

Klimawandel zweifelsohne das bestimmende

Thema unserer Zeit. Wir befinden

uns an einem kritischen Punkt: Jede

Entscheidung, die jetzt getroffen wird, definiert

unsere Zukunft unveränderbar. Ob

wir eine durchschnittliche Erwärmung

von 1,5 Grad oder 2 Grad erreichen oder

sogar über beide Ziele hinausschießen,

definiert unwiederbringlich das Ausmaß

und die Schwere der Auswirkungen, die

uns erwarten.

Dem Privatsektor kommt eine Schlüsselrolle

zu, wenn es darum geht, starke

Marktsignale zu senden und innovative

Lösungen zu entwickeln, um konkrete

Pläne für eine kohlenstofffreie Wirtschaft

vorzulegen. Verantwortungsvolle

Unternehmen wissen, dass Klimaschutzmaßnahmen

nicht nur helfen können,

Klimarisiken zu minimieren, sondern

auch resilientere Gemeinschaften und

stabile Volkswirtschaften aufzubauen.

Der Klimawandel erhöht auch den

Druck auf andere gravierende Umweltprobleme.

Die Übernutzung planetarer

Süßwasserressourcen steht bereits

seit vielen Jahren als globales Problem

auf der internationalen Agenda. Auch

Unternehmen widmen sich verstärkt

dem Wassermanagement, nicht nur an

eigenen Standorten, sondern ebenso

entlang ihrer Wertschöpfungsketten,

und schließen sich mit anderen Akteuren

zusammen, um gemeinsam die unverzichtbare

Ressource Wasser nachhaltiger

zu managen.

Initiativen

Die „Caring for Climate“-Initiative von

UNGC, UNEP und UNFCCC organisiert

jährliche CEO-Treffen am Rande der

Vertragsstaatenkonferenzen der UN-Klimakonvention

(COP). Zu diesen Treffen

werden Führungskräfte aus Wirtschaft,

Industrie, Finanzen, Zivilgesellschaft, den

Vereinten Nationen und den jeweiligen

Regierungen eingeladen, um den unternehmerischen

Beitrag zur Erreichung

internationaler Klimaziele zu diskutieren

und intensivieren.

Die „Science Based Targets“-Initiative

von CDP, UNGC, WRI und WWF setzt

sich seit 2015 für wissenschaftsbasierte

Klimaziele von Unternehmen ein. Unternehmen

können ihre jeweiligen Reduktionsbemühungen

bei der Initiative

prüfen und als wissenschaftlich fundiert

anerkennen lassen, wenn diese im Einklang

mit dem Pariser Klimaabkommen

stehen. Über 1.000 Unternehmen sind

bereits im Rahmen der Initiative aktiv,

und über 500 Unternehmen haben sich

wissenschaftsbasierte Ziele gesetzt.

Über die beim UNGC in New York angesiedelte

Action Platform „Business Ambition

for Climate and Health“ geben

mehr als 30 große Unternehmen und

fünf institutionelle Partner Denkanstöße

und Impulse zum Nexus von Klima und

Gesundheitspolitik. Die Plattform arbeitet

dazu mit der Weltgesundheitsorganisation

(WHO) zusammen, um einen neuen

Rahmen für eine menschenrechtsbasierte

Bewertung der klimabedingten Gesundheitsauswirkungen

zu schaffen und gemeinsames

Handeln zu mobilisieren.

Das CEO Water Mandate ist eine Initiative

des UNGC, welche Unternehmen

bei der Einführung eines ganzheitlichen

Wassermanagements im Sinne des Water

Stewardship-Ansatzes unterstützt. Sie

ermöglicht Unternehmen den Austausch

bewährter und neuer Praktiken sowie

die Bildung von Multi-Stakeholder-Partnerschaften

zur Bewältigung globaler

Wasserprobleme.

52 globalcompact Deutschland 2020


1 Task Force on Climate-related Financial Disclosures: www.bit.ly/TCFDweb

Deutsches Global compact Netzwerk , Diskussionspapier , sCope 3.1

PraxisemPfehlungen

DISCLOSURE INSIGHT ACTION

2 Intergovernmental Panel on Climate Change (2014): Fifth assessment report.

www.bit.ly/IPCC-Report2014

Intergovernmental Panel on Climate Change (2018): Global warming of 1.5°C. An IPCC

Special Report. www.bit.ly/IPCC-SpecialReport2018

INITIATIVEN UND PUBLIKATIONEN

Publikationen

FOUNDATIONS FOR SCIENCE-BASED

NET-ZERO TARGET SETTING IN

THE CORPORATE SECTOR

VERSION 1.0

SEPTEMBER 2020

Science Based Targets. Foundations for Science-Based

Net-Zero Target Setting in the Corporate Sector

Hrsg.: SBTi | 2020

Die Science Based Target Initiative (SBTi) veröffentlichte im September

2020 ein Papier zu wissenschaftsbasierten Klimazielen und Net Zero.

Unternehmen finden darin erste Gedanken zu einem einheitlichen

Rahmenwerk für unternehmerische Net-Zero-Ziele. Zudem wird

die Wichtigkeit von Nature-Based Solutions in der Bekämpfung des

Klimawandels herausgestellt.

DEVELOPED BY

Einführung Klimamanagement. Schritt für Schritt zu einem

effektiven Klimamanagement in Unternehmen

Hrsg.: DGCN | 2017

Einführung

Klimamanagement

Schritt für Schritt zu einem

effektiven Klimamanagement

in unternehmen

Unternehmen, die sich im Alleingang der Herausforderung stellen,

ein Klimamanagementsystem zu etablieren, stellt die schiere Vielfalt

an Publikationen vor gewisse Schwierigkeiten. Ziel des Leitfadens des

DGCN ist es deshalb, Unternehmen konkrete Handlungsanleitungen

für ein ganzheitliches Klimamanagement zu geben und existierende

Publikationen mit den Inhalten dieses Leitfadens zu verbinden.

Global Compact

Netzwerk Deutschland

D i s k u s s i o n s p a p i e r

as vorliegende Diskussionspapier beschreibt,

wie Unternehmen mit Hilfe von Szenario-Analysen

mögliche zukünftige Risiken und Chancen

identifizieren, die infolge des Klimawandels

Dentstehen und finanzielle Auswirkungen auf

das Unternehmen entfalten können. Die Task Force on Climate-related

Financial Disclosures (TCFD) wurde im Jahr

2015 vom Finanzstabilitätsrat (FSB, Financial Stability

Board) gegründet, um Rahmenbedingungen für eine transparente

und effektive unternehmerische Klimaberichterstattung

zu erarbeiten. 1

Die Ergebnisse dieses Diskussionspapiers basieren auf

den Empfehlungen der TCFD, den ergänzenden TCFD-Unterlagen

für die Anwendung von Szenario-Analysen sowie

Praxiserfahrungen aus der Peer Learning Group Klimamanagement

des Deutschen Global Compact Netzwerk

(DGCN) aus dem Jahr 2018. Ergänzt wurden die Inhalte

durch Erkenntnisse und Ergebnisse eines Multistakeholder-Workshops

des DGCN und econsense - Forum nachhaltige

Entwicklung der Deutschen Wirtschaft e.V., welcher im

September 2018 in Berlin stattfand. Rund 70 Teilnehmende

aus Real- und Finanzwirtschaft sowie Vertreter der Zivilgesellschaft

tauschten sich dabei zu der Frage aus, wie die

Szenario-Analyse Unternehmen helfen kann, klimawandelbedingte

finanzielle Auswirkungen zu identifizieren, zu bewerten

und offenzulegen.

1. HintergrunD

Global Compact

Netzwerk Deutschland

Die fortschreitende globale Erwärmung ist mit drastischen

und unvorhersehbaren Folgen für Umwelt, Wirtschaft und

Gesellschaft verbunden. Je stärker sich die Erde gegenüber

der vorindustriellen Zeit erwärmt, desto größer ist

die Wahrscheinlichkeit zunehmend katastrophaler Auswirkungen,

etwa in Form von Extremwetterereignissen,

Hitzewellen, Dürren, Meeresspiegelanstieg, Biodiversitätsverlust,

Ernteeinbußen oder Schäden von Ökosystemen.

Dies wurde durch den fünften Sachstandsbericht (2014)

und den Sonderbericht (2018) des Weltklimarats unmiss-

Bewertung von

Klimarisiken

in Unternehmen

Szenario-Analyse nach den Empfehlungen der

Task Force on Climate-related Financial Disclosures

1) governance: Die Einbindung von Geschäftsleitung, Risikomanagement

und strategischen Funktionen im Unternehmen bei der

Auseinandersetzung mit Klimarisiken und -chancen ist die Voraussetzung

für die erfolgreiche Ableitung von Auswirkungen auf die

Geschäftsentwicklung und das Ergreifen geeigneter Maßnahmen.

2) fokus auf wesentliche risiken und Chancen setzen: Die Auswahl

grundsätzlich relevanter Klimarisiken und Chancen vor der

Durchführung von Szenario-Analysen hilft den Fokus frühzeitig zu

setzen und gezielt ausgewählte Ergebnisse der Szenarien zu betrachten.

3) mindestens zwei szenarien: Die Szenario-Analyse sollte mindestens

ein


1 Science Based Targets Initiative (2019): Website. www.bit.ly/ScienceBasedTargets

2 CDP (2019): Website. www.bit.ly/CDP_Website

3 Greenhouse Gas Protocol (2013): Technical Guidance for Calculating Scope 3

Emissions. www.bit.ly/ghgp-guidance

Deutsches Global compact Netzwerk , Diskussionspapier , sCope 3.1

4

PraxisemPfehLunGen:

4 Siehe dazu Deutsches Global Compact Netzwerk (2018):

Scope 3.4/3.9 - Praxisempfehlungen zur Datenerhebung und Berechnung von

Treibhausgasemissionen aus vor- und nachgelagertem Transport und Verteilung.

www.bit.ly/DGCN_Scope-3-Logistik-Paper

AGENDA

Publikationen

3

D i s k u s s i o n s p a p i e r

SCOPE

1. HintergrunD

Global Compact

Netzwerk Deutschland

Immer mehr Unternehmen nehmen im Rahmen ihres

Klimamanagements auch Treibhausgasemissionen

(THG-Emissionen) ins Visier, die jenseits der eigenen

Standortgrenzen entlang der Wertschöpfungskette entstehen.

Hauptgrund hierfür sind Stakeholder- und Investoren-getriebene

Initiativen wie die Science Based Targets

Initiative 1 und das CDP 2 . Um diese THG-Emissionen aktiv

zu reduzieren, müssen zunächst Emissionsschwerpunkte

bestimmt, Daten erhoben und THG-Emissionen berechnet

werden. Das Greenhouse Gas (GHG) Protocol unterscheidet

15 Kategorien dieser so genannten Scope-3-Emissionen

aus vor- und nachgelagerten Aktivitäten. 3 In den meisten

Unternehmen stellt die erste Kategorie (Scope 3.1) einen

Schwerpunkt der unternehmerischen Treibhausgasbilanz

dar: Hierin erfasst sind die in der Lieferkette entstehenden

THG-Emissionen aus der Produktion der eingekauften Güter

und Dienstleistungen. Dazu gehören die Herstellung

bzw. Rohmaterialgewinnung und die Weiterverarbeitung,

ebenso wie alle bis zu den Tier-1-Lieferanten anfallenden

Transporte. Hingegen fallen Transporte von Gütern zwischen

den direkten Lieferanten und dem eigenen Unternehmen

in die Emissionskategorie Scope 3.4, „Transport

und Verteilung (vorgelagert)“. 4

3.1

Praxisempfehlungen zur

Datenerhebung und Berechnung

von Treibhausgasemissionen

in der Lieferkette

Die Peer Learning Group Klimamanagement wurde 2015 vom

Deutschen Global Compact Netzwerk (DGCN) ins Leben gerufen.

Im Rahmen von Webinaren und Präsenztreffen tauschen sich Experten

aus deutschen Großunternehmen zu Erfahrungen rund

um das unternehmerische Klimamanagement aus und erarbeiten

gemeinsam konkrete Lösungsansätze. Zwei parallellaufende

Arbeitsgruppen bestehen aus aktuell knapp 20 Unternehmen

verschiedener Branchen, darunter Einzelhandel, Elektrogeräte,

Energie, Chemie/Pharma, Dienstleistung, Finanzwirtschaft, Maschinenbau,

Transport und Technologie. Die sustainable AG begleitet

die Arbeitsgruppe inhaltlich und moderiert ihre Treffen. In der

Vergangenheit wurden dabei Themen wie


INITIATIVEN UND PUBLIKATIONEN

Korruptionsprävention

PRINZIP 10

Korruption gibt es sowohl im öffentlichen

und privaten Sektor als auch in

allen Branchen und Ländern. Erhöhte

Geschäfts- und Transaktionskosten, ein

verzerrter Wettbewerb und vermindertes

Wirtschaftswachstum sind nur einige

der Folgen. Durch Integrität und Compliance,

also Regeltreue, können Unternehmen

aktiv gegen Betrug, Bestechung,

Erpressung und andere Formen der Korruption

vorgehen. Mit der wachsenden

Bedeutung von Corporate Governance

steigen auch die Anforderungen an Unternehmen.

Governance beschreibt das

System und die Prozesse, welche die

Gesamteffektivität einer Organisation

sicherstellen.

In den letzten zwei Jahrzehnten haben

Unternehmen sich im UN Global

Compact für drei kritische Bereiche

der Regierungsführung stark gemacht:

Korruptionsbekämpfung, Frieden und

Rechtsstaatlichkeit. Damit zahlen sie

sowohl auf das SDG Ziel 16 „Frieden,

Gerechtigkeit und starke Institutionen“

als auch auf das 10. Prinzip des UN Global

Compact ein, welches im Jahr 2004 hinzugefügt

wurde und auf der UN-Konvention

gegen Korruption („UN Convention

Against Corruption“ – UNCAC) basiert.

Es ist inzwischen fester Bestandteil der

Arbeit des DGCN. Im Themenbereich

Korruptionsprävention kooperiert das

Netzwerk mit der Allianz für Integrität

und Transparency International.

Initiativen

Die „Peace, Justice and Strong Institutions

Action Platform“ widmet sich

seit 2018 der Ausgestaltung der Zusammenarbeit

von Regierungen, Zivilgesellschaft

und Wirtschaft mit dem Ziel der

Festigung der Kooperationen, um die

SDGs zu erreichen.

Anti-Corruption Call to Action ist ein

Appell des Privatsektors an Regierungen

zur Förderung von Anti-Korruptionsmaßnahmen

und zur Umsetzung von Regeln

der guten Regierungsführung. Der Call

to Action wurde bereits von über 250

Unternehmen und Investoren aus der

ganzen Welt unterzeichnet.

Die Siemens-Integritätsinitiative fördert

Projekte des UN Global Compact und

seiner lokalen Netzwerke. Die Aktivitäten

fokussieren sich dabei speziell auf die

Förderung kollektiver Anti-Korruptionsmaßnahmen

in Brasilien, Ägypten, Indien,

Japan und Kenia, Nigeria und Südafrika.

Die dritte Finanzierungsrunde zur Verstärkung

der Korruptionsbekämpfung im

Rahmen der lokalen Netzwerke des Global

Compact wurde 2019 ins Leben gerufen.

Business for Peace ist eine Plattform, an

der sich fast 150 führende Unternehmen

und Wirtschaftsverbände aus 37 Ländern

beteiligen, mit dem Ziel der Förderung des

Friedens. In Anerkennung der Bedeutung

von lokalem Wissen und Eigenverantwortung

bei Fragen im Zusammenhang

mit Frieden hat Business for Peace einen

lokal ausgerichteten Ansatz gewählt, und

die lokalen Netzwerke des UN Global

Compact spielen dabei eine zentrale Rolle.

globalcompact Deutschland 2020

55


1

AGENDA

Publikationen

PREVENTING

CORRUPTION

IN THE

SUPPLY CHAIN

HOW COMPANIES CAN ADDRESS CHALLENGES

Global Compact

Network Germany

Preventing Corruption in the Supply Chain. How companies

can address challenges

Hrsg.: Alliance for Integrity, Partnership for Sustainable Textiles,

Global Compact Network Germany | 2020 (Neuauflage)

Eine der größten Herausforderungen bei Korruptionsvermeidung ist,

dass es oft mit Menschenrechtsverletzungen und Bemühungen zur

Umgehung von Umwelt- und Qualitätsstandards durch Vertragslieferanten

verbunden ist. Die öffentliche Wahrnehmung konzentriert

sich dabei nicht nur auf die Lieferant*innen, sondern auch auf die

Unternehmen, die sie unter Vertrag genommen haben. Die Publikation

hilft Unternehmen bei der erfolgreichen Umsetzung von Maßnahmen

zur Verhinderung von Korruption in der Lieferkette.

Korruptionsprävention

ein Leitfaden

für unternehmen

Korruptionsprävention. Ein Leitfaden für Unternehmen

Hrsg.: Deutsches Global Compact Netzwerk, DICO – Deutsches

Institut für Compliance e.V. | 2014

Die Publikation „Korruptionsprävention. Ein Leitfaden für Unternehmen“

ist eine grundlegende Broschüre zum besseren Verständnis

von Korruptionsprävention und Compliance in Unternehmen. Sie

erklärt die Grundlagen der Korruptionsprävention, stellt verschiedene

Aspekte eines unternehmerischen Compliance-Systems dar

und gibt Ratschläge zu Einzelaspekten, wie zum Beispiel Sponsoring.

Deutsches Ins tut für Compliance

RESIST. Resisting Extortion and Solicitation in International

Transactions

Hrsg.: International Chamber of Commerce (ICC), Transparency

International, United Nations Global Compact, World Economic

Forum | 2011

RESIST

Resisting Extortion

and Solicitation in

International Transactions

A compAny Tool foR EmployEE TRAInIng

Immer mehr Unternehmen führen umfassende Compliance-

Programme ein, um Bestechung und Korruption in ihren Geschäftsprozessen

vorzubeugen. Neue Gesetze gegen Korruption, verschärfte

Strafverfolgung sowie die zunehmende Bedeutung unternehmerischer

Verantwortung machen es für Unternehmen heutzutage unerlässlich,

gegen Korruption vorzugehen. Die Broschüre liefert dazu

22 Fallbeispiele und passende Reaktionen. Sie illustrieren ein breites

Spektrum von Bestechungsforderungen.

56 globalcompact Deutschland 2020


INITIATIVEN UND PUBLIKATIONEN

BUSINESS FOR THE RULE OF LAW

FRAMEWORK

Business for the Rule of Law Framework

Hrsg.: UN Global Compact | 2015

Das Rahmenwerk erarbeitet Regeln für die Verbesserung des Prinzips

der Rechtsstaatlichkeit (rule of law), indem verantwortungsbewusste

Unternehmen beim Aufbau und der Stärkung der rechtlichen Rahmenbedingungen

und rechenschaftspflichtigen Institutionen mitwirken.

Guide for

General Counsel

ON COrpOrate

SuStaiNability

Guide for General Counsel on Corporate Sustainability

Hrsg.: UN Global Compact | 2019 (überarbeitete Fassung)

Der Leitfaden bietet praktische Anleitung und Beispiele für

Unternehmensjurist*innen, um ihrer Rolle als wichtige Akteure

des Wandels gerecht zu werden. Der Leitfaden ist eine der am

häufigsten heruntergeladenen Ressourcen in der Bibliothek des

UN Global Compact.

globalcompact Deutschland 2020

57


AGENDA

Übergreifende Themen

SDG INTEGRATION

Die Innovations- und Investitionskraft

der Wirtschaft ist für ein Erreichen der

UN-Entwicklungsziele (Sustainable Development

Goals – SDGs) elementar. Die

SDGs formulieren nicht nur Herausforderungen,

für deren Bewältigung die

Beteiligung von Unternehmen unerlässlich

ist. Sie schaffen zugleich erhebliche

Potenziale für die Wirtschaft, die durch

nachhaltige und verantwortungsvolle

Unternehmensführung erschlossen

werden können.

Die zehn Prinzipien des UN Global

Compact und ihre vier Säulen der

Menschenrechte, Arbeit, Umwelt und

Korruptionsbekämpfung sind die Basis

verantwortungsvoller Unternehmensführung.

Darauf auf bauend können

Unternehmen ihre Innovations- und

Investitionskraft nutzen, um zum Erreichen

der SDGs beizutragen. Mit diesem

prinzipienbasierten Ansatz trägt die

Wirtschaft zur Umsetzung der UN-Entwicklungsziele

bei.

In Anbetracht des langsamen Fortschritts

hat der UN Generalsekretär António Guterres

Anfang 2020 zur „Decade of Action“

aufgerufen. Der UN Global Compact und

das DGCN schließen sich diesem Aufruf

an. Der UN Global Compact hat hierfür

die Global Impact Initiatives entwickelt,

die unternehmerisches Handeln auf ein

entsprechendes Ambitionsniveau heben.

Im Rahmen der Global Impact Initiative

„SDG Ambition Accelerator“ rufen daher

der UN Global Compact und das

Deutsche Global Compact Netzwerk

alle Unternehmen dazu auf, sich auf

der Grundlage der Zehn Prinzipien des

UN Global Compact ambitionierte Ziele

anhand von zehn zentralen Benchmarks

zu setzen.

BUSINESS BENCHMARKS FOR THE DECADE OF ACTION:

Gender balance across all levels of management

Net-positive water impact in water-stressed basins

100 % of employees across the organization earn a living wage

Zero waste to landfill and incineration

Zero discharge of hazardous pollutants and chemicals

100 % sustainable material inputs that are renewable, recyclable or reusable

Science-based emissions reduction in line with a 1.5°C pathway

100 % resource recovery, with all materials and products recovered and recycled or reused at end of use

Land degradation neutrality including zero deforestation

Zero incidences of bribery

Quelle: UN Global Compact, SDG Ambition Guide, 2020

58 globalcompact Deutschland 2020


ausgestaltet von:

TM

INITIATIVEN UND PUBLIKATIONEN

Publikationen

SDG AMBITION

AMBITION

GUIDE

Setting Goals for

the Decade of Action

SDG Ambition Guide. Setting Goals for the Decade of Action

Hrsg.: UN Global Compact | 2020

Die Publikation beschreibt die Notwendigkeit von ambitionierten

Zielen für einen wesentlichen Einfluss der Wirtschaft auf den Fortschritt

der SDGs. Zehn „SDG Benchmarks“ werden vorgestellt die,

abgeleitet aus den zehn Prinzipien des UN Global Compact und den

SDGs, messbare und entscheidende Ziele für Unternehmen darstellen.

Unternehmen nutzen dieses Dokument, um sich ehrgeizige

Ziele zu setzen, mit deren Erreichen sie ihren wichtigen Beitrag zur

Agenda 2030 leisten.

In partnership with:

FRAMEWORK FOR

BREAKTHROUGH IMPACT

ON THE SDGS THROUGH

INNOVATION

A PRACTICAL GUIDE

Framework for Breakthrough Impact on the SDGs through

Innovation

Hrsg.: UN Global Compact | 2019

Das Rahmenwerk bietet praktische Anleitungen für Unternehmen,

wie sie die SDGs zum einen als Inspiration für Innovationen nutzen

und zum anderen ihre Innovationsprozesse so ausrichten können,

dass die SDGs berücksichtigt werden. Mit schrittweisen Anleitungen

und anschaulichen Beispielen von Unternehmen, die neue

Geschäftsmodelle und bahnbrechende Technologien nutzen, um die

SDGs voranzubringen, ist das Rahmenwerk ein Werkzeugkasten für

jedes Unternehmen, um die SDGs dafür zu nutzen, neue Produkte,

Dienstleistungen und Geschäftsmodelle zu entwickeln.

SDG Compass. Leitfaden für Unternehmensaktivitäten zu

den SDGs

Hrsg.: UNGC, GRI, WBCSD | 2015

Leitfaden für Unternehmensaktivitäten

zu den SDGs

Die SDGs beschreiben den global gültigen Kurs für eine nachhaltige

Zukunft. Ursprünglich an Regierungen gerichtet sind die

SDGs nur durch das Zutun von allen – auch und insbesondere der

Wirtschaft – zu erreichen. Zudem gilt ein Geschäftsmodell, das

sich an den SDGs ausrichtet als zukunftsfähig. Der SDG-Compass

erläutert, wie Unternehmen die SDGs für ihr jeweiliges Kerngeschäft

auslegen können. Er bietet Werkzeuge und Informationen,

um Nachhaltigkeit in der Geschäftsstrategie zu verankern.

globalcompact Deutschland 2020

59


AGENDA

GESCHLECHTERGERECHTIGKEIT

Das Herzstück der UN-Entwicklungsziele

bildet das Prinzip „leave no one

behind“, was so viel bedeutet wie: Niemand

– also kein Land, keine Region,

keine Bevölkerungsgruppe, Glaubensgemeinschaft

oder einzelne Person –

darf zurückgelassen werden. Mit Blick

auf anhaltende globale Ungleichheiten,

vor allem auch zwischen Frauen und

Männern, erfährt deshalb das fünfte

dieser 17 Ziele, die weltweite Erreichung

der Gleichstellung der Geschlechter,

besondere Aufmerksamkeit und wird

auch oftmals als Katalysator für die

Erreichung der anderen 16 Ziele angesehen.

Die Gleichstellung der Geschlechter

ist darüber hinaus auch zentraler

Bestandteil der internationalen Menschenrechtsagenda.

Die Wirtschaft spielt bei der Zielerreichung

eine wichtige Rolle und kann

auch selbst viel gewinnen: Gleichberechtigung

führt nachweislich zu mehr

Wirtschaftswachstum und nachhaltigerem

Unternehmenserfolg. Dennoch sind

die Fortschritte bei Genderfragen nach

wie vor alarmierend gering: Frauen und

Mädchen machen zwar mehr als die

Hälfte der Weltbevölkerung aus, aber

ihre Teilhabe am Wirtschaftsleben ist

nach wie vor unterdurchschnittlich. Sie

verdienen weniger, haben schlechtere Arbeitsbedingungen,

und beim Thema Karriere

stoßen sie oft gegen die sogenannte

„gläserne Decke“. Beim derzeitigen Tempo

des Wandels dauert es laut Global Gender

Gap Report des Weltwirtschaftsforums

noch 257 Jahre, um die Gehaltslücke

zwischen den Geschlechtern zu schließen.

Zwar hat sich „Gender Equality“

zu einem Fokus-Thema der unternehmerischen

Nachhaltigkeit entwickelt,

aber erst wenige Unternehmen haben

diese Verpflichtung auch in der Praxis

umgesetzt. So sind beispielsweise Frauen

in Führungspositionen in Unternehmen

nach wie vor deutlich unterrepräsentiert.

Nur 7,4 Prozent der CEOs der 500 größten

Unternehmen weltweit sind weiblich

(Quelle: statistica.com).

Initiativen

Der UN Global Compact zählt Gender

Equality zu den Top-Prioritäten und

unterstützt die Women's Empowerment

Principles (WEPs). Dabei handelt

es sich um sieben Grundsätze für die

Gleichstellung der Geschlechter in Unternehmen.

Die WEPs wurden 2010

vom UN Global Compact und UN Women

ins Leben gerufen und orientieren

sich an internationalen Arbeits- und

Menschenrechtsstandards. Sie bieten

Unternehmen eine Anleitung, wie sie

die Gleichstellung der Geschlechter und

das Empowerment von Frauen am Arbeitsplatz,

in der Marktwirtschaft und

in der Gesellschaft vorantreiben können.

Die WEPs haben in den letzten zehn

Jahren mehr als 3.000 Unternehmen

geholfen, Fortschritte bei der Gleichstellung

der Geschlechter zu erzielen.

Target Gender Equality ist eine Global

Impact Initiative zur Beschleunigung

der Gleichstellung der Geschlechter für

Unterzeichnende des UN Global Compact.

Teilnehmende Unternehmen vertiefen

die Umsetzung der Women's Empowerment

Principles und stärken ihren

Beitrag zu SDG 5.5: Sicherstellung der

vollen und wirksamen Teilhabe von

Frauen und ihre Chancengleichheit bei

der Übernahme von Führungsrollen.

Die neuesten Daten und Forschungsergebnisse

von UN-Partner*innen und

Expert*innen unterstützen Unternehmen

bei der Beschleunigung des Fortschritts

und der Entfaltung des vollen Potenzials

(des Business Case für) der Gleichstellung

der Geschlechter.

Ring the Bell for Gender Equality ist

eine 2015 gegründete Initiative, die

Investoren durch weltweite Veranstaltungen

bei der Durchsetzung organisations-

und branchenweiter Gleichstellung

unterstützt. Dazu läuten am Internationalen

Frauentag im März auf der ganzen

Welt die Börsen die Eröffnungs- oder

Schlussglocken zu Ehren der Frauen. Die

Initiative wird gemeinsam getragen von

der International Finance Corporation

IFC, der Sustainable Stock Exchanges

(SSE) Initiative, UN Global Compact, UN

Women sowie der World Federation of

Exchanges and Women in Exchange

Traded Funds.

60 globalcompact Deutschland 2020


INITIATIVEN UND PUBLIKATIONEN

Publikationen

WOMEN’S EMPOWERMENT

AND BUSINESS

2020 TRENDS AND

OPPORTUNITIES

In Partnership with

Women's Empowerment and Business: 2020 Trends and

Opportunities

Hrsg.: UN Global Compact | 2020

Der Report untersucht die aggregierten Ergebnisse von Unternehmen,

die das Women's Empowerment Principles Gender Gap

Analysis Tool (WEPs Tool) verwenden. Ziel ist es, Einblicke in die

globale Unternehmensleistung im Bereich der Geschlechtergleichstellung

zu gewinnen und die weltweiten Fortschritte von

Akteuren darzustellen. Die Analyse zeigt erhebliche Lücken in

allen Bereichen. Nur wenige Unternehmen können Fortschritte bei

ihrer Zielerreichung verzeichnen, zudem konzentrieren sich Bemühungen

bislang vor allem auf die Geschlechtergleichstellung am

Arbeitsplatz und in Führungspositionen. Das Empowerment von

Frauen in der Marktwirtschaft und in der Gesellschaft hingegen

wird von Unternehmen noch kaum thematisiert und bietet daher

großen Verbesserungsspielraum.

Women's Empowerment Principles Gender Gap Analysis Tool

weps-gapanalysis.org

Das Gender Gap Analysetool (WEPs Tool) ist ein digitales Instrument,

das Unternehmen aller Sektoren und Größen dabei unterstützt,

die Women’s Empowerment Principles zu implementieren.

Es bewertet die Fortschritte und Lösungen von Unternehmen für

Geschlechtergleichstellung am Arbeitsplatz, in der Marktwirtschaft

und in der Gesellschaft. Das Tool hilft Unternehmen bei der

Identifizierung von Stärken und Lücken in bestehenden Gleichstellungspolitiken

und -praktiken sowie der Ermittlung von Verbesserungsmöglichkeiten.

COVID-19 AND GENDER EQUALITY

A CALL TO ACTION FOR THE PRIVATE SECTOR

APRIL 2020

THE SITUATION

The COVID-19 pandemic is putting an unprecedented

and significant strain on the global coordinated, people-centered and gender-sen-

The COVID-19 pandemic calls for an immediate

economy and public health systems. It is also sitive response. Governments, businesses, workers’

representatives and individuals all need to be

highlighting and magnifying inequalities and

the multiple and intersecting forms of discrimination

faced by women and girls. The pandem-

and to address the specific risks and vulnerabil-

involved to mitigate the impact on people’s lives

ic is moving beyond a global health crisis and ities girls and women face because of the deeply

rooted inequalities and stereotypes in society.

morphing into a labour market, social and economic

crisis, posing a serious threat to women’s

employment and livelihoods, especially in The private sector has a responsibility to use

precarious informal and non-essential sectors. its power, influence and resources to protect

the rights and physical and mental well-being

of employees during this time, as well as to

Many companies have risen to the challenge

and are using their resources to provide information,

supplies, equipment and personnel in store economic stability. Businesses also play

ensure long-term business recovery efforts re-

the fight against COVID-19. They have also offered

flexible working arrangements, paid meden

in their supply chains and customer base.

a key role in addressing the needs of womical

and sick leave, ensured income protection

and provided emergency childcare for frontline

workers. 1 Some CEOs and executives have even “The COVID-19 pandemic is not just a

taken pay cuts so that their employees still have health issue. It is a profound shock to our

an income during this uncertain time. These policies

are not only serving their employees but the heart of care and response efforts un-

societies and economies, and women are at

are helping to reduce the spread of COVID-19 derway. As front-line responders, health

and to protect the public healthcare system. professionals, community volunteers, transport

and logistics managers, scientists and

At the same time some companies, particularly

in non-essential sectors like tourism and tions to address the outbreak every day.” 4

more, women are making critical contribu-

hospitality, are struggling to stay in business

and people have been laid off and taken pay As employers and an engine of economic growth,

cuts. In the European Union, about 25% of the private sector has an especially important

women employees are in precarious jobs. 2 In role to play in not just mitigating the impact of

the United States, unemployment was estimated

at 13% on 3 April 2020, an increase of Early and targeted action by the private sector

COVID-19, but in slowing the spread of the virus.

8.5 million people compared to mid-March. 3 will reduce immediate health risks to employees,

Millions of families are unable to buy basic while also reducing the overall economic impact.

necessities or pay their rent and utility bills.

COVID-19 & Gender Equality: A Call to Action for the private

Sector

empowerwomen.org/en/resources/documents/2020/04/covid-19-

and-gender-equality-a-call-to-action-for-the-private-sector | 2020

Die Publikation beschreibt, wie die Women’s Empowerment

Principles Unternehmen dabei unterstützen können, die Gleichstellung

der Geschlechter in Zeiten der COVID-19 Krise voranzutreiben,

in der vorhandene Diskriminierungen verstärkt und

besonders der Lebensunterhalt von Frauen bedroht ist.

Business & Human Rights Portal

business-humanrights.org/en/big-issues/gender-businesshuman-rights/

Im Business & Human Rights Portal finden Sie weiterführende

Informationen darüber, warum Geschlechtergerechtigkeit im

Mittelpunkt von Wirtschaft & Menschenrechten stehen muss.

globalcompact Deutschland 2020

61


AGENDA

NACHHALTIGES INVESTMENT

Der UN Global Compact spielt eine führende

Rolle bei der Entwicklung nachhaltiger

Kapitalmärkte. Dieser Bereich

der Vermögensverwaltung ist – Stand

2019 – auf rund 31 Billionen US-Dollar

angewachsen. Im Umkehrschluss ist aber

auch die nachhaltige Entwicklungsagenda

der UN auf die Unterstützung der

Kapitalmärkte angewiesen. Schätzungen

zufolge braucht es zur Erreichung der

SDGs bis 2030 jährliche Investitionen in

Höhe von etwa 5-7 Billionen US-Dollar.

Derzeit besteht eine jährliche Finanzierungslücke

von mindestens 2,5 bis 3

Billionen US-Dollar, und für jedes Jahr,

in dem es uns nicht gelingt, diese Lücke

zu schließen, wachsen die Folgekosten

umso mehr.

Initiativen

Principles for Responsible Investment

(PRI) ist eine Finanzinitiative der UN mit

dem Ziel, Grundsätze für verantwortungsbewusste

Vermögensverwaltung

zu entwickeln. Der Initiative sind seit

ihrer Gründung 2006 mehr als 2.500 institutionelle

Investor*innen beigetreten.

Den Anstoß zur Gründung gaben das

UN-Umweltprogramm UNEP und der

UN Global Compact. Auf bauend auf

der Arbeit der Financial Innovation

Action Platform ist die CFO-Taskforce

für die SDGs eine neue Initiative des

UN Global Compact, die sich auf die

Bereitstellung von Fachwissen für Chief

Financial Officer zur Integration der

SDGs in die Unternehmensfinanzen

spezialisiert.

Who Cares Wins ist eine 2004 gegründete

gemeinsame Initiative des UN Global

Compact, des IFC und der Schweizer

Regierung, die wesentlich zur Gründung

der PRI-Initiative beigetragen hat.

Die Sustainable Stock Exchanges Initiative

wurde 2009 durch den UN Global

Compact, PRI, UNEP FI und UNCTAD ins

Leben gerufen und verfügt heute über

102 teilnehmende Börsen, an denen

insgesamt über 50.000 Unternehmen mit

über 88 Billionen US-Dollar an Marktkapitalisierung

gelistet sind.

62 globalcompact Deutschland 2020


INITIATIVEN UND PUBLIKATIONEN

Publikationen

SDG Bonds. Leveraging Capital Markets for the SDGs

Hrsg.: UN Global Compact | 2019

SDG BONDS

Leveraging Capital Markets

for the SDGs

Prepared by

The UN Global Compact Action Platform on

Financial Innovation for the SDGs

Dieser Leitfaden untersucht die Rolle des Anleihemarktes –

die größte Anlageklasse globaler Finanzmärkte – bei der Umsetzung

der Ziele der nachhaltigen Entwicklung (SDGs). Mit einem

jährlichen Emissionsvolumen von 6,7 Billionen US-Dollar können

Anleihen eine günstige, zuverlässige und skalierbare Kapitalquelle

für eine Vielzahl von Interessengruppen darstellen, die an der

Umsetzung der Agenda 2030 beteiligt sind, darunter Unternehmen,

Regierungen, Städte und öffentlich-private Partnerschaften.

SDG-Anleihen bieten auch eine Antwort auf den Mangel an

SDG-Investitionsmöglichkeiten für institutionelle Anleger. Ein breit

gefächertes Portfolio von SDG-Anleihen, einschließlich Staats-,

Kommunal-, Unternehmens- und Projektanleihen in Industrieund

Schwellenländern, könnte die wachsende Nachfrage der

Mainstream-Investor*innen nach Wirkung erfüllen und gleichzeitig

ihrer Risiko- und Ertragsbereitschaft entsprechen.

SCALING FINANCE

FOR THE SUSTAINABLE

DEVELOPMENT GOALS

Foreign Direct Investment,

Financial Intermediation and

Public-Private Partnerships

Scaling Finance for the Sustainable Development Goals

Hrsg.: UN Global Compact | 2019

Dieser Leitfaden untersucht die Rolle von Unternehmensfinanzierung

und -investitionen bei der Umsetzung der SDGs. Dabei geht

es auch um die Frage, inwieweit ausländische Direktinvestitionen,

Finanzintermediation und öffentlich-private Partnerschaften eine

Finanzierungsquelle für weniger liquide SDG-Investitionen sein

können. Das betrifft insbesondere Länder mit weniger entwickelten

Finanzmärkten oder SDG-Lösungen, die zu klein oder illiquide

sind, um Portfolio-Investoren anzuziehen.

Corporate Finance

A Roadmap to Mainstream

SDG Investments

Prepared by

The UN Global Compact Action Platform

on Financial Innovation for the SDGs

Corporate Finance. A Roadmap to Mainstream SDG Investments

Hrsg.: UN Global Compact | 2019

Investoren, Regierungen und andere Interessengruppen verlangen

zunehmend, dass Unternehmen nachhaltige Strategien in Übereinstimmung

mit den SDGs nachweisen. Dieser Bericht bietet Unternehmen,

die die SDGs in ihre Finanzstrategie und ihr Geschäftsmodell

integrieren wollen, eine Orientierungshilfe. Die Kernbotschaft

lautet: Eine glaubwürdige SDG-Strategie ermöglicht es Unternehmen,

ihre Wirkung klar zu kommunizieren, den Zugang zum wachsenden

Markt für SDG-Finanzierungen zu erleichtern und Investoren mit

einer Reihe potenzieller Möglichkeiten zu verbinden, um die SDG-

Investitionslücke zu schließen.

globalcompact Deutschland 2020

63


BEST PRACTICE

Best Practice

Für die redaktionellen Beiträge dieser Rubrik sind ausschließlich die Unternehmen und ihre Autoren selbst verantwortlich.

UMWELT & KLIMASCHUTZ

66

ALDI SÜD

68

Bosch-Gruppe

70

CEWE

72

Daimler

74

Deutsche Telekom

76

E.ON

78

Evonik

80

ista

82

MAN

84

Tchibo

86

Vonovia

88

Weidmüller

64 globalcompact Deutschland 2020


WERTSCHÖPFUNGSKETTE

90

CWS Gruppe

92

iPoint-systems

94

K+S

96

SHIFT

98

Symrise

INCLUSIVE BUSINESS

100

BASF

102

Merck

104

Wilo

106

Wintershall Dea

DIGITALISIERUNG

108

SAP

110

Telefónica Deutschland / O 2

REPORTING

112

macondo publishing

114

Mazars

globalcompact Deutschland 2020

65


BEST PRACTICE

ALDI SÜD setzt sich

ehrgeizige Klimaziele

Seit 2017 handelt ALDI SÜD klimaneutral. Jetzt setzt sich der Discounter weitere ambitionierte

Klimaziele. Die Treibhausgasemissionen pro Quadratmeter Verkaufsfläche hat ALDI SÜD bereits

deutlich reduziert und ist im Juli 2020 der Science Based Targets-Initiative beigetreten. Auch in

Zukunft möchte ALDI SÜD noch mehr zum Klimaschutz beitragen.

Von Lina Binder, Leiterin Unternehmenskommunikation bei ALDI SÜD

Im Juli 2020 hat sich ALDI SÜD der

Science Based Targets-Initiative (SBTI)

angeschlossen. Die Initiative, die u.a.

vom World Wide Fund for Nature (WWF)

und dem UN Global Compact getragen

wird, ruft Unternehmen dazu auf, wissenschaftlich

validierte Klimaziele zu

definieren, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens

zu erreichen; sprich: die

Erderwärmung auf unter zwei, möglichst

auf 1,5 Grad Celsius, zu begrenzen. Diese

Unternehmensziele prüft und bestätigt

die SBTI. Bis Ende 2025 möchten wir bei

ALDI SÜD unsere Scope-1- und Scope-2-

Emissionen um 26 Prozent reduzieren.

Wir unterstützen auch unsere strategischen

Lieferanten, die für gut 75 Prozent

der produktbezogenen Emissionen verantwortlich

sind, dabei, bis Ende 2024

eigene Ziele zu formulieren.

Beim Klimaschutz Vorreiter im

Einzelhandel

ALDI SÜD übernimmt in Sachen Klimaschutz

eine Vorreiterrolle im Einzelhandel:

Bereits 2014 haben wir das seinerzeit

ehrgeizige Ziel formuliert, dass alle unsere

Regionalgesellschaften bis 2020 die Treibhausgasemissionen

pro Quadratmeter

Verkaufsfläche um 30 Prozent gegenüber

2012 reduzieren. Zwei Jahre früher als

geplant haben wir diese Richtmarke erreicht.

Der CO 2

-Fußabdruck von ALDI SÜD

Deutschland lag 2019 bei 56 Kilogramm

CO 2

-Äquivalenten pro Quadratmeter Verkaufsfläche

und damit 73 Prozent unter

dem Vergleichswert aus 2012.

Mit einem zertifizierten Energiemanagement

arbeitet ALDI SÜD daran,

die Energieeffizienz zu steigern und den

Stromverbrauch zu senken. Mit Erfolg:

Allein im Jahr 2018 hat ALDI SÜD bereits

über zehn Millionen Kilowattstunden

Strom eingespart. Dazu trug auch bei,

dass wir die Filialen auf LED-Beleuchtung

umstellen.

Eine zentrale Rolle beim Betrieb der

Filialen und der Logistik spielt die

Kühltechnik: Der Einsatz umwelt- und

klimaverträglicher Kältemittel hat für

ALDI SÜD deshalb Priorität. Durch Investitionen

in neue Kühlanlagen sollen

bis 2025 nur noch Kältemittel mit einem

Treibhaus-Potenzial-Wert – eine Art

CO 2

-Äquivalent für chemische Verbindungen

– unter 2.200 im Einsatz sein.

2017 waren bereits die Normalkühlungen

in 75 Prozent aller Filialen entsprechend

ausgerüstet. In 1.600 Filialen werden

sogar schon alle Kühltheken und

Kühlregale mit natürlichen Kältemitteln

– meist CO 2

– betrieben.

100 Prozent Strom aus regenerativer

Erzeugung

ALDI SÜD nutzt seit 2017 ausschließlich

Strom aus erneuerbaren Energien und

produziert mithilfe von Fotovoltaikanlagen

auf den Dächern von mehr als

1320 Filialen klimaneutralen Grünstrom.

Den verbleibenden Strombedarf decken

wir mit zertifiziertem Grünstrom aus

Wasserkraft ab. Rund 80 Prozent des

gewonnenen Solarstroms nutzen wir

für die Beleuchtung, die Kühlregale und

die Backautomaten in den Filialen. Die

übrigen knapp 20 Prozent speisen wir

in das öffentliche Stromnetz ein.

Alternative Antriebe und Elektromobilität

Seit 2018 beliefern vier Erdgas-Lkw die

Filialen in den Ballungsräumen Düsseldorf,

Frankfurt am Main, Stuttgart und

München. Sie verursachen 16 Prozent

weniger CO 2

-Emissionen, 99 Prozent weniger

Feinstaub und 70 Prozent weniger

Stickoxide. Im Düsseldorfer Raum ist der

erste emissionsfreie Lkw mit Elektroantrieb

unterwegs und beliefert rund

70 Filialen.

Wir möchten einen aktiven Beitrag zur

Mobilitätswende leisten und bauen das

Netz von Elektroladesäulen an den ALDI

SÜD Filialen aus. Bis Ende 2020 sollen

Kunden an 250 ALDI SÜD Filialen ihr

Elektroauto laden können. So können

sie während des Einkaufs ohne Regis-

66 globalcompact Deutschland 2020


trierung aufladen und dabei den eigenen

CO 2

-Fußabdruck senken.

Kooperation mit „Climate Partner“

ALDI SÜD ist als erster Lebensmittelhändler

in Deutschland der Stiftung Allianz

für Entwicklung und Klima beigetreten.

Die Allianz fördert den Klimaschutz in

Im brasilianischen Amazonasgebiet unterstützen ALDI SÜD und

ClimatePartner Klimaschutzprojekte, die der Entwaldung entgegenwirken.

Entwicklungsländern und setzt sich dafür

ein, dass die über die Verpflichtungen

des Pariser Abkommens hinausgehenden,

freiwilligen Kompensationen, größere

Anerkennung finden. Denn trotz der

zahlreichen Reduktionsmaßnahmen ist

ein komplett emissionsfreier Betrieb für

ALDI SÜD noch nicht möglich. Nicht vermeidbare

Treibhausgasemissionen kompensieren

wir daher durch ausgewählte

Klimaschutzprojekte in Kooperation mit

der Organisation ClimatePartner.

Die Klimaschutzprojekte sind über den

Globus verstreut in Indien, Brasilien

und auf den Philippinen angesiedelt. In

Indien fördert ALDI SÜD ein Biomassekraftwerk

in Raipur, das mit Reishülsen

betrieben wird, die beim Reisanbau als

Reste anfallen. Neben der regionalen

Versorgung mit erneuerbaren Energien

verschafft das Projekt den lokalen Bauern

mit dem Verkauf der Hülsen eine zusätzliche

Einkommensquelle und fördert die

nachhaltige Entwicklung in der Region.

In den Bundesstaaten Telananga und

Tamil Nadu in Südindien unterstützt

ALDI SÜD außerdem den Bau von zwei

Solarkraftwerken. Ziel des Projektes in

Brasilien ist es, den Regenwald und die

Artenvielfalt vor Ort zu erhalten, indem

den Amazonasanwohnern die Landrechte

offiziell übertragen werden. So gilt das

Gebiet nicht mehr als ungenutzt und

Landwirtschaftsbetrieben ist es nicht

länger möglich, dieses zu besetzen und

für den Sojaanbau abzuholzen. Auf den

Philippinen beteiligt sich ALDI SÜD am

Betrieb eines Windparks und unterstützt

zusätzlich für jede kompensierte Tonne

CO 2

-Emissionen die Organisation Plastic

Bank mit einer finanziellen Förderung

für Projekte gegen die Plastikverschmutzung

der Meere.

Immer mehr klimaneutrale

Produkte

Für jede kompensierte Tonne CO 2

-Emissionen unterstützt ALDI SÜD

zusätzlich die Organisation Plastic Bank mit einer finanziellen Förderung

für Projekte gegen die Plastikverschmutzung der Meere.

Auch unsere Kunden können Klimaschutzprojekte

über den Kauf klimaneutraler

Produkte unterstützen. Bei diesen

Artikeln werden alle CO 2

-Emissionen,

die durch Produktion, Transport und

Vertrieb der Produkte anfallen, durch

ein zertifiziertes Klimaschutzprojekt

ausgeglichen. Im April 2020 hat ALDI

SÜD klimaneutralen Fairtrade Kaffee

aus Honduras angeboten. Im Juni folgten

dann klimaneutrale „grüne“ Sneaker,

die u.a. aus recyceltem Material hergestellt

wurden. In 2020 konnten wir

bereits gut 15 klimaneutrale Artikel

im Standard- und Aktionsartikelbereich

anbieten, darunter auch klimaneutrale

Milch bei ALDI Nord und ALDI SÜD.

Eine Ausweitung des klimaneutralen

Sortiments in 2021 ist bereits geplant.

globalcompact Deutschland 2020

67


BEST PRACTICE

Klimaschutz über Unternehmensgrenzen

hinweg

Bosch will im Klimaschutz eine Vorreiterrolle einnehmen. Im Jahr 2018 beschloss die

Geschäftsführung eine ehrgeizige CO 2

-Strategie: Bosch will weltweit bis 2020 klimaneutral

sein, um einen konkreten Beitrag zum Pariser Klimaabkommen der Vereinten Nationen aus

dem Jahr 2015 zu leisten, das eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius

vorsieht. Neben dem Ziel, dass die über 400 Standorte weltweit bis 2020 klimaneutral werden,

geht Bosch noch einen Schritt weiter: Das Unternehmen hat sich ein ehrgeiziges Ziel für die

Senkung seiner indirekten Emissionen gesetzt, um seinen ökologischen Fußabdruck weiter zu

verringern – über die Unternehmensgrenzen hinweg.

Von Torsten Kallweit und Annette Wagner, Bosch-Gruppe

Bosch weiß, dass neue Ansätze und

Innovationen zeitnah benötigt werden,

um den Klimaschutz effektiv zu unterstützen.

Das Klimaschutzziel, bis 2020

klimaneutral zu werden, bezieht sich

auf die vom Unternehmen selbst erzeugte

Energie sowie auf die eingekaufte

Energie, die für die über 400 Standorte

weltweit benötigt wird (Scope 1 und 2

gemäß Greenhouse Gas Protocol). Hier

kann Bosch unmittelbar Einfluss auf die

Reduktion von Treibhausgasen nehmen

und in kurzer Zeit viel bewirken. Das

Unternehmen hat sich zudem das Ziel

gesetzt, in den vor- und nachgelagerten

Stufen der Wertschöpfungskette

(Scope 3) 15 Prozent an CO 2

-Emissionen

bis 2030 einzusparen. Schwerpunkt

dieser Bestrebungen sind die Kategorien

beschaffte Güter, Logistik und die

Nutzungsphase von verkauften Produkten.

Neben diesem spezifischen Ziel

will Bosch aktiv dazu beitragen, dass

auch die Wertschöpfungsstufen, die

Bosch nicht alleine beeinflusst, 2050

klimaneutral sind.

Klimaneutralität ab 2020

Trotz der Herausforderungen in Verbindung

mit COVID-19 hält Bosch seinen

langfristigen strategischen Kurs und

verfolgt weiterhin konsequent das Ziel,

klimaneutral zu werden. Mit Blick auf

dieses Ziel macht das Unternehmen

gute Fortschritte: Seit Ende 2019 sind

alle deutschen Standorte klimaneutral.

Auf globaler Ebene hatte Bosch sein

Ziel bis dahin zu 70 Prozent erreicht.

Ende 2020 wird Bosch hundertprozentige

Klimaneutralität erreichen und die

weltweiten Entwicklungs-, Fertigungs-

Bosch-Klimaziele

Beschaffte Güter und Logistik

Scope 3

Eigenerzeugung und

Bezug von Energie

Scope 1 und 2

Nutzungsphase Produkte

Scope 3

Weitere Informationen finden Sie auf

nachhaltigkeit.bosch.com

Energieeffizienz

New Clean Power

Grünstrom

Kompensation

und Verwaltungstätigkeiten von Bosch

werden keinen CO 2

-Fußabdruck mehr

hinterlassen.

Um die CO 2

-Neutralität zu ermöglichen,

investiert Bosch neben der regenerativen

Energieversorgung vor allem in die Energieeffizienz

der eigenen Standorte. Das

Unternehmen will bis 2030 die ökolo-

Klimaneutral ab 2020

Science Based Targets

Initiative (SBTi)

– 15 %

bis 2030

68 globalcompact Deutschland 2020


gische Qualität der CO 2

-Neutralstellung

durch die Steigerung dieser beiden Maßnahmen

weiter verbessern. Als kurzfristige

wirksame Hebel kauft Bosch zudem

Ökostrom aus bestehenden Anlagen

zu und kompensiert unvermeidbaren

CO 2

-Ausstoß durch ausgewählte Klimaschutzmaßnahmen

in vollem Umfang.

Klimaschutz entlang der

Wertschöpfungskette

Bosch wird dafür die Lieferantengruppen

mit dem höchsten CO 2

-Ausstoß identifizieren,

um mit ihnen an Reduktionsmaßnahmen

zu arbeiten. Im Bereich Logistik

wird ein ganzheitliches Netzwerkdesign

der Lieferkette angestrebt, um die regionale

Beschaffung und Produktion von

Waren zu fördern und Luftfracht zu vermeiden.

Durch die zunehmende Bündelung

von Frachten will Bosch außerdem

die Transporte reduzieren und Routen

sowie Kapazitätsauslastung optimieren.

Auf Energieeffizienz ausgerichtetes Produktdesign

trägt bereits heute dazu bei,

dass Emissionen in Verbindung mit dem

Gebrauch von verkauften Produkten

gesenkt werden. 2020 möchte Bosch

zusätzliche Potenziale identifizieren,

um die CO 2

-Emissionen seiner Produkte

weiter zu senken. Darüber hinaus hat das

Unternehmen bereits eine Maßnahme

für die Kategorie „Mitarbeiterverkehr“

beschlossen: Ab 2020 werden die Flugreisen

aller Mitarbeiter mithilfe von

Kompensationsleistungen CO 2

-neutral

gestellt. Die Kosten werden direkt in

den Flugpreis einkalkuliert.

Torsten Kallweit und Annette Wagner leiten

die Zentralabteilungen EHS und Nachhaltigkeit

der Bosch-Gruppe. Torsten Kallweit ist

außerdem CTO der neu gegründeten Bosch

Climate Solutions.

Um die eigenen Anstrengungen in die

Wirtschaft hinein zu multiplizieren, hat

sich Bosch auch ein Ziel für die Senkung

seiner Scope-3-Emissionen gesetzt. Das

bedeutet, die Emissionen in den vor- und

nachgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette

zu verringern.

Vorgelagerte Emissionen in der Wertschöpfungskette

von Bosch beziehen

sich auf Kategorien wie beschaffte Güter

und Dienstleistungen, Logistik und

Geschäftsreisen. Nachgelagerte Emissionen

fallen vor allem im Zusammenhang

mit der Nutzungsphase und der

Entsorgung von Produkten an. Für die

Berechnung des CO 2

-Fußabdrucks hat

Bosch alle Scope-3-Kategorien des GHG

Protocol untersucht und sich dann auf

die Kategorien konzentriert, die den

größten Anteil an den CO 2

-Emissionen

ausmachen. Das sind beschaffte Güter,

Logistik und die Produktnutzungsphase.

Um den selbst auferlegten Standards

gerecht zu werden, will Bosch die CO 2

-

Emissionen um mindestens 15 Prozent

bis 2030 beziehungsweise mehr als 50

Millionen Tonnen pro Jahr senken. Dazu

hat sich Bosch gegenüber der Science

Based Targets-Initiative als erster Automobilzulieferer

mit einem messbaren

Ziel verpflichtet.

Klimaschutzlösungen für die Wirtschaft

In der neuen Beratungsgesellschaft „Bosch Climate Solutions“ bündelt

Bosch das Wissen von nahezu 1.000 Bosch-Experten weltweit und macht die

Erfahrung aus mehr als 1.000 Energieeffizienz-Projekten zugänglich. Damit

will Bosch andere Unternehmen an seinen Erfahrungen teilhaben lassen

und sie auf ihrem Weg zu CO 2

-Neutralität unterstützen. Die neu gegründete

Geschäftseinheit erarbeitet maßgeschneiderte Lösungen für Kunden und zeigt

Wege auf, Ökonomie und Ökologie sinnvoll zu verbinden. „Wir wollen andere

Unternehmen an unseren Erfahrungen teilhaben lassen und sie auf ihrem Weg

zu CO 2

-Neutralität unterstützen“, sagt Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der

Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH.

globalcompact Deutschland 2020

69


BEST PRACTICE

Nachhaltige Produktentwicklung

bei CEWE

CEWE hat bereits viele Schritte hin zu einer umweltfreundlicheren Produktpalette getan. Seit

2016 werden mithilfe des Kasigau Wildlife Korridor Projektes alle CEWE Markenprodukte

klimaneutral produziert. Das Projekt kümmert sich um Waldschutz und Wiederaufforstung in

Kenia. Seit Beginn der Partnerschaft hat CEWE bereits über 100.000 t CO 2

kompensiert. Auch

der Versand der CEWE-Produkte erfolgt klimaneutral u.a. mit DHL GoGreen. Außerdem nutzt

CEWE größtenteils FSC®-zertifiziertes (FSC C101851) Papier für seine Fotoprodukte. Die Zahl

der Fotoprodukte mit FSC® Zertifizierung hat sich in diesem Jahr stark vergrößert. Neben dem

Foto auf Holz sind nun auch das Flaggschiffprodukt CEWE FOTOBUCH in allen Varianten sowie

die Fotoleinwände FSC®-zertifiziert. Doch Nachhaltigkeit ist ein stetiger Prozess. Die notwendige

Umstellung der einzelnen Produktbestandteile und Produktionsprozesse ist komplex. In 2020

hat sich CEWE im Bereich Nachhaltigkeit konkret auf die Themen Produkte und Kundenkommunikation

fokussiert.

Von Patrica Meyer, Projektmanagerin Umwelt und Fenna Willers, Sustainability Managerin, CEWE

Status quo: Wo stehen wir?

Im Frühjahr begann CEWE damit, sein

ganzes Produktportfolio mit Blick auf

den Nachhaltigkeitsgedanken zu analysieren.

Da es bislang kein Instrument

gab, das den vielfältigen Ansprüchen von

CEWE gerecht werden konnte, wurde

intern in Zusammenarbeit unterschiedlicher

Abteilungen eine eigene Methode

für ein entsprechendes Bewertungssystem

entwickelt.

Mithilfe dieser Methode ist es CEWE

möglich, seine Produkte in Anbetracht

der drei Nachhaltigkeitsdimensionen

Ökologie, Gesellschaft und Ökonomie

zu bewerten. Dafür wurden entlang des

Produktlebenszyklus über 40 Kriterien

innerhalb der vier Kategorien Rohstoffe

und Lieferkette, Produktion, Nutzungsphase

und Produktlebensende definiert.

Für die Auswertung wurden die Kriterien

nach Relevanz gewichtet und ein Farbschema

angelehnt an ein Ampelsystem

entworfen. Innerhalb dieser farblichen

Bewertung konnte das Produkt je Kriterium

mit grün, gelb, orange oder rot

beurteilt werden, wobei grün eine sehr

gute Nachhaltigkeit widerspiegelt und rot

eine Unverträglichkeit gegenüber dem

Nachhaltigkeitsgedanken und daher ein

Ausschlusskriterium darstellt. Mit den

Farben Gelb und Orange wurde die Skala

um zwei Zwischenstufen ergänzt, welche

noch Optimierungsmöglichkeiten

aufzeigen. Es wurden für alle Kriterien

zudem einheitliche Bewertungsgrenzen

festgelegt, um eine konsistente und gerechte

Beurteilung zu gewährleisten.

Im Rahmen dieser Methode kann ein

CEWE-Produkt einen Wert zwischen 0

und 100 Prozent erlangen. Hierbei gilt: Je

höher der Wert bei einem Produkt, desto

besser ist es im Bereich Nachhaltigkeit

aufgestellt.

Was hat diese Bewertung bei CEWE

bewirkt?

Im Rahmen des Projekts Nachhaltigkeitsbewertung

konnte für alle CEWE-

Produkte der aktuelle Status Quo im

Bereich Nachhaltigkeit festgestellt

und Verbesserungspotenziale ermittelt

werden. Auf Basis der aufgezeigten

Handlungsfelder werden jetzt konkrete

Maßnahmen entwickelt, um die Nachhaltigkeit

der Produkte zu optimieren.

Einige daraus resultierenden Projekte

befinden sich bereits in der Umsetzung.

Derzeit wird geprüft, ob weitere Produkte

FSC®-zertifiziert werden können, wie bei

Produkten und Verpackungen weiter

Plastik reduziert werden kann und ob

Materialanpassungen bei Acrylwandbildern

einen signifikant nachhaltigen

Effekt bringen.

CEWE arbeitet fortwährend daran,

sein Produktportfolio nachhaltiger zu

gestalten und möchte die Nachhaltigkeitsbewertung

langfristig in die Unternehmensführung

einbinden. Somit

soll sie auch im Hinblick auf Produktneueinführungen

angewendet werden,

70 globalcompact Deutschland 2020


Aktuell ist die Verwendung von Plastik

nicht komplett zu vermeiden. Das gilt

vor allem für die Verpackung von Lebensmitteln

wie Schokolade. Schutzfolie

und Schokoladenpapier sind noch aus

Plastik. Der Innenteil ist aber umweltfreundlicher

als sein Plastik-Vorgänger.

CEWE forscht aktiv an nachhaltigen

Alternativen, um Kunststoff weiter zu

reduzieren.

Erst Reduktion

dann Kompensation

– Ziel immer

klar vor Augen

um den Nachhaltigkeitsgedanken

bereits zu

Beginn der Entwicklungsphase

zu integrieren.

Nachhaltigere Produkte – mehr

Komplexität?

Um ein Produkt nachhaltiger zu machen,

müssen alle damit zusammenhängenden

Prozesse betrachtet werden. Veränderungen

können sich dementsprechend

auf verschiedene Bereiche auswirken.

Bereits ein neuer Produktbestandteil

kann Auswirkungen für diverse Prozesse

mit sich bringen.

Beispielhaft wird dies hier am Premium

Adventskalender mit Pralinen von

Ferrero erläutert, der im Jahr 2020 einen

neuen Innenteil (Blister) aus 100

Prozent biologisch abbaubarem Material

bekommen hat.

Der erste Adventskalender von CEWE

mit umweltfreundlichem Innenteil

Der neue Blister sollte einige Kriterien

erfüllen:

1. Biologisch abbaubar und / oder

recyclebar

2. Plastikfrei

3. Zugelassen für Lebensmittel

4. Kompatibel mit dem vorhandenen

Maschinenpark

5. Passend für das Preisgefüge

CEWE hat

unter anderem

eine Alternative aus

Papier analysiert, diese

brachte jedoch ein zu hohes

Eigengewicht und Volumen mit sich.

Erhöhen sich das Gewicht und das Volumen

des Materials, erhöhen sich die

Transport- und auch die Lagerkosten.

Nicht immer ist es also nachhaltiger,

wenn das Material umgestellt wird.

Ein Herz aus Kartoffeln

Mit dem Papierspritzguss von reinpapier

hat CEWE einen Blister gefunden, der

allen fünf Kriterien entspricht und trotz

seines höheren Volumens und Gewichts

in der CO 2

-Bilanz besser abschneidet als

der alte Blister aus Plastik. Der neue Blister

besteht zu 70 Prozent aus Stärke von

deutschen Kartoffeln. Hinzu kommen

12 Prozent Papierfasern und 18 Prozent

Wasser. Er ist 100 Prozent biologisch

abbaubar, kann also im Kompost oder

idealerweise in der Papiertonne entsorgt

werden, um recycelt zu werden.

„Dieses Projekt ist auch für uns ein Test.

Die Erkenntnisse daraus dienen als Wegweiser,

wie wir unsere Produktpalette

künftig noch ressourcenschonender gestalten

können“, sagt Thomas Mehls, Vorstand

für Marketing und Nachhaltigkeit.

Wir wollen transparent über

unsere Entwicklungen im Bereich

Nachhaltigkeit informieren. Dafür

veröffentlichen wir seit zehn Jahren

einen Nachhaltigkeitsbericht nach

den Richtlinien der „Global Reporting

Initiative“ (GRI).

Eines unserer wesentlichen Umweltziele

ist die Halbierung der selbst verursachten

Kohlenstoffdioxid-Emissionen. Diese

lagen bei 13.401 Tonnen im Jahr 2015,

bis 2025 wollen wir sie auf weniger als

6.700 Tonnen im Jahr reduzieren.

Sie möchten noch mehr zum Thema

Nachhaltigkeit bei CEWE erfahren?

Auf unseren Unternehmensseiten

(company.cewe.de) erfahren Sie weitere

Details zu unseren Aktivitäten. Wir

freuen uns außerdem jederzeit über

Wünsche und Ideen zu diesem Thema.

Sie können Ihr Anliegen gerne an

nachhaltigkeit@cewe.de schicken.

globalcompact Deutschland 2020

71


BEST PRACTICE

Mit Blick auf die

Zukunft

Transport-Unternehmen treffen rationale Kaufentscheidungen und können bei Alltagstauglichkeit,

Tonnage und Reichweite ihrer Lkw keine Kompromisse eingehen. Gleichzeitig

soll im Rahmen der CO 2

-Reduktionsziele der Europäischen Union auch das Transportgewerbe

mittel- und langfristig dekarbonisiert werden. Zugegeben: Diese beiden Punkte zu kombinieren,

scheint ambitioniert, aber in unseren Augen machbar – der Grund für unsere Zuversicht ist

die Brennstoffzelle.

Von Dr. Andreas Gorbach, Chief Executive Officer Daimler Truck Fuel Cell GmbH & Co. KG und Dr. Jan Krönig, Head of Strategy Daimler Trucks & Buses

Emissionsfreie Mobilität – mit dieser

Vision bekennt sich unser Konzern, die

Daimler AG, aktiv für Klimaschutz und

Luftreinhaltung. Die Ambition für die

Pkw-Sparte: Bis 2039 soll die gesamte

Neufahrzeugflotte CO 2

-neutral sein

und keine relevanten Auswirkungen

auf die innerstädtische Luftqualität haben.

Dabei soll diese Zielsetzung alle

Wertschöpfungsstufen des Automobils

umfassen – von der Lieferkette über die

Produktion bis hin zur Nutzungsphase

und Entsorgung der Fahrzeuge.

Unsere Lkw-Sparte verfolgt ähnliche

Fahrzeug- und Zeitpläne, für Europa

und auch für die Märkte Nordamerika

und Japan. Bis zum Jahr 2022 soll das

Portfolio in den Hauptabsatzregionen

Europa, USA und Japan Serienfahrzeuge

mit batterieelektrischem Antrieb

umfassen. Bis zum Jahr 2039 sollen in

diesen Märkten nur noch Neufahrzeuge

angeboten werden, die im Fahrbetrieb

(“tank-to-wheel“) CO 2

-neutral sind.

Wir beabsichtigen den CO 2

-neutralen

Transport mit zwei Technologien zu

erreichen: mit der Batterie und der

Brennstoffzelle. Wir sind überzeugt, das

facettenreiche Einsatzspektrum unserer

Kunden mit all ihren Bedarfen nur

dann wirklich CO 2

-neutral abdecken zu

können, wenn eben diese beiden Antriebstechnologien

zum Einsatz kommen.

Die Entscheidung zwischen Elektro und

Brennstoffzelle liegt letztendlich beim

Kunden. Doch generell gilt folgende

Faustregel: Je leichter die Beladung und

je kürzer die Distanz, desto eher wird ein

batterieelektrischer Lkw zum Einsatz

kommen. Je schwerer die Beladung und

je länger die Distanz, desto eher eignet

sich die Brennstoffzelle.

Vor allem für Lkw im schweren Fernverkehr

kann die Brennstoffzelle eine

bedeutende CO 2

-neutrale Lösung darstellen.

Um möglichst schnell weitere

Meilensteine zu erreichen und somit

die Technologie einer breiten Masse

verfügbar zu machen, haben wir im

72 globalcompact Deutschland 2020


Mit dem Mercedes-Benz GenH2 Truck

präsentiert Daimler Trucks sein Konzept

für ein brennstoffzellenbetriebenes

Langstreckenfahrzeug für flexible und

anspruchsvolle Einsätze mit Blick auf

Strecken, Entfernungen und Nutzlast. Start

der Serienproduktion ist für die zweite Hälfte

der 2020er Jahre geplant.

April 2020 mit der Volvo Group eine

vorläufige, nicht bindende Vereinbarung

zur Gründung einer Partnerschaft für

die serienreife Entwicklung, Produktion

und Vermarktung von Brennstoffzellensystemen

für den Einsatz in schweren

Nutzfahrzeugen und anderen Anwendungsfeldern

geschlossen.

Wie die Brennstoffzelle zum Einsatz

kommt, haben wir im September 2020

vorgestellt, in unserem Konzept-Lkw

Mercedes-Benz GenH2 Truck, der ab

Januar 2021 auf den Straßen getestet

wird. Die Serienfertigung soll in der

zweiten Hälfte der Dekade beginnen,

was sich auch mit den Zeitplänen der

Volvo-Partnerschaft deckt. Bei der Kundenerprobung

soll es indes bereits viel

früher losgehen: Die ersten Vorserienfahrzeuge

sollen bereits 2023 von ihnen

getestet werden.

Für uns war bei der Entwicklung neben

der Nachhaltigkeit Folgendes entscheidend:

die Eigenschaften dieses Lkw sollten

hinsichtlich Zugkraft, Reichweite

und Leistungsfähigkeit auf Augenhöhe

mit einem konventionellen Mercedes-

Benz Actros Fernverkehrs-Lkw sein. Dazu

gehört eine Reichweite von 1.000 Kilometer

und mehr, die mit unserem Wasserstoff-Lkw

möglich sein wird. Damit

ist er optimal für einen CO 2

-neutralen

Fernverkehr geeignet. Was die Zuladung

betrifft, so soll der GenH2 Truck

in seiner Serienvariante wie auch der

Mercedes-Benz Actros bei 40 Tonnen

Gesamtgewicht eine Zuladung von 25

Tonnen bieten.

Die technologische Besonderheit im

Langstrecken-Konzeptfahrzeug ist, dass

der Wasserstoff in flüssiger Form an

Bord gespeichert wird. Der auf minus

253 Grad gekühlte Energieträger liefert

in dieser Form nämlich eine höhere

Energiedichte als in Gasform. Dadurch

sind auch kleinere und leichtere Wasserstofftanks

einsetzbar, was dem Lkw mehr

Volumen und damit eine höhere Nutzlast

bringt – und natürlich die Reichweite

erhöht, zumal mehr in die Tanks passt.

Alles Punkte, die bei den Lkw-Kunden

ausschlaggebend sind. Die beiden für

den Truck vorgesehenen Edelstahltanks

fassen jeweils 40 Kilogramm. Die Brennstoffzelle

selbst soll – wenn sie später

in Serie produziert wird – zweimal

150 kW liefern, die Batterie bis zu 400

kW zum Bremsen und Beschleunigen.

Die Batterie hat eine überschaubare

Speicherkapazität von 70 kWh, was zur

Leistungsunterstützung der Brennstoffzelle

reichen soll – etwa wenn es bergauf

geht oder der Lkw zum Überholen ansetzt.

Eine Aufladung der Batterie durch

Rekuperation ist für das Serienfahrzeug

ebenfalls geplant. Dass sie relativ leicht

ist, kommt der Nutzlast zugute.

Auf dem Weg zum CO 2

-neutralen Transport:

Von links nach rechts: Mercedes-Benz

eActros, Mercedes-Benz eActros LongHaul

und Mercedes-Benz GenH2 Truck

Bei der Wasserstoff-Infrastruktur stehen

wir aber erst am Anfang. Wichtig ist

dabei, dass grüner, also CO 2

-neutral produzierter

Wasserstoff in ausreichender

Menge zur Verfügung steht. Wenn wir

Kohle verstromen, um damit Wasserstoff

herzustellen und dann aus dem Wasserstoff

wieder Strom für den Antrieb von

Fahrzeugen herzustellen, ist das mit Blick

auf die Energie- und Klimabilanz absolut

nicht sinnvoll. Heute gibt es praktisch

noch keinen grünen Wasserstoff, der

aus erneuerbaren Energien gewonnen

wird. Auch Mineralölkonzerne und Gashersteller

haben ein großes Interesse,

grünen Wasserstoff auf den Markt zu

bringen, was jedoch nicht über Nacht

klappen wird.

Für den Erfolg und damit für die Dekarbonisierung

des Transportgewerbes

ist noch mehr nötig. Um CO 2

-neutrale

vollelektrische Fahrzeuge wettbewerbsfähig

zu machen, bedarf es neben der

nötigen Infrastruktur für das Laden

von Ökostrom sowie für die zuvor erwähnte

Erzeugung, Speicherung und

den Transport von grünem, flüssigem

Wasserstoff auch regulatorische und

staatlicher Steuerungsmaßnahmen.

Doch gemeinsam mit allen Beteiligten

aus der Politik sowie weiteren Akteuren

und der Gesellschaft werden wir die

richtigen Rahmenbedingungen schaffen,

hier sind wir zuversichtlich. Der Anreiz

ist groß: Der flüssigwasserstoff-basierte

Brennstoffzellen-Lkw hat das Zeug, die

Transportbranche zu revolutionieren.

globalcompact Deutschland 2020

73


BEST PRACTICE

Sprint auf die Null

In der Nachhaltigkeitskommunikation wird gerne der Vergleich mit einem Marathon genutzt.

Langer Atem und Durchhaltevermögen sind viel beschworene Tugenden. Als Unternehmen, das

direkt im Juli 2000 dem Global Compact beigetreten ist und sich bereits seit den 90er Jahren

für den Klimaschutz einsetzt, hat die Deutsche Telekom auf ihrem Weg bereits einige Meilensteine

erreicht. Aktuelle Studien zeigen aber klar: Egal wie weit wir gekommen sind, es ist Zeit,

das Tempo zu erhöhen. Ressourcenverbrauch und Emissionen müssen massiv gesenkt werden,

und zwar schnell. Ein Sprint auf die Null, sozusagen. Dazu haben wir 2020 das Programm „we

care for our planet“ aufgesetzt.

Von Katja Poschke, Group Corporate Responsibility, Deutsche Telekom

Die Corona-Krise hat vieles gehörig

durcheinandergewirbelt: scheinbare

Selbstverständlichkeiten lösten sich

auf; Privatpersonen, Politik und Unternehmen

mussten sich ganz neuen

Herausforderungen stellen. Bei aller

Unsicherheit stand für die Deutsche

Telekom fest: „Verantwortung leben“

ist Teil der Unternehmensstrategie und

damit ein Maßstab für unser Handeln:

in der Krise ebenso wie danach. Klimaund

Ressourcenschutz müssen in allen

Entscheidungen mitgedacht werden.

Nur so können wir dazu beitragen, unsere

Gesellschaft und unsere Wirtschaft

langfristig stabil und resilient zu gestalten.

Diesen Anspruch bekräftigen

wir mit Taten, wie z.B. dem Wechsel

auf 100 Prozent Grünstrom im deutschen

Netz 2020 und weltweit ab 2021.

Damit erfüllt der Konzern einen wichtigen

Meilenstein der aktuellen Klimastrategie,

die daran ausgerichtet ist,

einen aktiven Beitrag zum Erreichen

des 1,5 Grad-Ziels des Pariser Klimaabkommens

zu leisten.

Klima- und Ressourcenschutz mit

Tradition

Bereits seit den 90er Jahren hat die

Deutsche Telekom Klima- und Ressourcenschutz

aktiv vorangetrieben und sich

z.B. das erste Klimaschutzziel gesetzt. In

den frühen 2000er Jahren erforschte die

Telekom gemeinsam mit Stakeholdern

in der „T-City“ Friedrichshafen Vorläufer

von SmartCity-Lösungen. Und der

Umbau des Mobilfunknetzes auf die

damals modernste GSM-Technik führte

2007 zu Stromeinsparungen von rund

30 Prozent – bei verbesserter Leistung.

Heute bietet die fortschreitende Digitalisierung

neue Hebel: Über den sogenannten

Enablement-Faktor messen wir,

wie stark Kunden durch unsere Produkte

und Lösungen klimarelevante Emissionen

einsparen können. Um gleichzeitig

das Risiko von Rebound-Effekten zu

minimieren, entkoppelt der Konzern

zum Beispiel durch den Einkauf von

regenerativen Energien systematisch

Energieverbrauch und Emissionen. Parallel

verbessern wir kontinuierlich die

Energieeffizienz unserer Infrastruktur.

Nur so können wir unsere Ziele erreichen:

eine Reduktion der Scope 1&2

Emissionen um 90 Prozent (Basisjahr:

2017) sowie eine Reduktion von Emissionen,

die im Laufe der Herstellungsund

Nutzungsphase unserer Produkte

entstehen, um 25 Prozent pro Kunde

jeweils bis 2030. Und auch mit der Frage

der Klimaneutralität beschäftigen wir

uns intensiv.

Gleichzeitig verdeutlichen die verschärfte

Klimakrise und das gestiegene gesellschaftliche

Bewusstsein für diese Probleme,

wie notwendig schnelle, effiziente

Lösungen sind. Die 2020er Jahre läuten

daher für uns eine entscheidende Phase

auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit

ein. Um die ganzheitliche Integration

und Berücksichtigung von ökologischen

Faktoren im Unternehmen noch weiter

zu forcieren, hat die Telekom ein

Programm aufgesetzt: We care for our

Planet. „Es geht darum, die Klima- und

Umweltschutzthemen, bei denen wir

im Konzern schon lange engagiert sind,

noch enger zusammenzubringen und

auszuweiten: Weg von Einzelzielen hin

zu einer ganzheitlichen Betrachtung,

die wir in elf Initiativen vorantreiben“,

erklärt die Programmverantwortliche

Melanie Kubin-Hardewig.

Die ausgewählten Initiativen fokussieren

sowohl Themen mit Kundenbezug

als auch Optimierungen im internen

Betrieb. Sie zielen z.B. auf eine grünere

Kundenerfahrung bei der Telekom,

etablieren zirkuläre Geschäftsmodelle

und nachhaltige Verpackungen der eigenen

Endgeräte. So werden neue eigene

(T-branded) Endgeräteversionen nur noch

mit 100 Prozent nachhaltiger Verpackungen

angeboten: aus recyclebaren,

biologisch abbaubaren Materialien, frei

74 globalcompact Deutschland 2020


von Plastik und mit umweltfreundlichen

Farben bedruckt. Auch mit Lieferanten

von Endgeräten anderer Marken arbeiten

wir eng zusammen, um Verpackungen

nachhaltig zu gestalten. Bis zu 30 Prozent

unsere Endgeräte erfüllen diese Anforderungen

bereits.

Damit dies für den Kunden direkt erkennbar

ist, haben wir das "we care"

Label entwickelt. Gekennzeichnet werden

Angebote mit positivem Beitrag

zu mehr Klima- und Ressourcenschutz

sowie zu sozialen und gesellschaftlichen

Herausforderungen in der digitalen Welt.

Parallel werden auch interne Prozesse

umfassend optimiert: Dabei gibt es ein

vielfältiges Spektrum an Aufgaben in

den Bereichen Energie-, Ressourcenmanagement,

Wiederverwertbarkeit

oder Wirtschaftlichkeitsberechnung

unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten

im Zusammenhang mit der Netzwerkund

IT-Infrastruktur. Auch die Nachhaltigkeit

in Bürogebäuden steht im

Fokus. Unterstützt wird das zentrale

Programm von der Graswurzel-Initiative

„Green Pioneers“: mehr als 250 engagierte

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die

mit Engagement daran arbeiten, den

„grünen“ Gedanken in ihrem jeweiligen

Arbeitsumfeld stärker zu verwurzeln.

„Mittelfristig ist es unser klares

Ziel, dass es kein gesondertes Programm

mehr braucht, sondern Klima- und Umweltschutz

in unsere DNA übergehen

und immer mitbedacht werden.“, sagt

die Programmleiterin Melanie Kubin-

Hardewig.

Messbare Erfolge für die Umwelt

Viele der Workstreams haben bereits

erste Erfolge erzielt: ein neues Lernmodul

zu Nachhaltigkeits-Themen für

Beschäftigte der Telekom Shops wird sehr

gut angenommen, Papiertüten wurden

durch nachhaltigere Recycling-Tüten

ersetzt und nachhaltigere Verpackungen

sukzessive eingeführt. Im Zuge des „grüneren“

Gebäudemanagements konnten

bereits Stromeinsparungen von 105GWh

erreicht werden. Das entspricht etwa dem

Stromverbrauch einer Stadt wie Lüneburg.

Die Initiative für ein papierloses

Büro verzeichnete bereits Einsparungen

von 365 Tonnen: eine Menge, für die

sonst rund 250.000 Bäume gefällt werden

müssten.

Internationalisierung im Fokus

Nachdem die erste Phase des Programms

primär darauf ausgerichtet war, die größten

Hebel für nachhaltige Veränderungen

zu identifizieren, rückt der konzernweite

Roll-Out in den Fokus. „Wir gehen in

allen nationalen Märkten voran. Auch

in den kommenden Jahren müssen wir

kontinuierlich daran arbeiten, dass die

Telekom überall Stück für Stück grüner

wird“, resümiert Birgit Klesper, Leiterin

Group Corporate Responsibility der

Deutschen Telekom. „Dies verdeutlicht

einen wichtigen Gedanken im Projekt:

Veränderungen nicht punktuell, sondern

ganzheitlich vorantreiben. Auch bei

erhöhtem Tempo gewinnen wir diesen

Marathon nur, wenn alle ans Ziel

kommen.“

globalcompact Deutschland 2020

75


BEST PRACTICE

Grüne Energie für die

Industrie: E.ON liefert

Industriebetriebe haben einen Riesenhunger auf Energie. Den mit erneuerbaren Energien zu

stillen, erschien lange fast aussichtslos. Was inzwischen möglich ist, demonstriert das Essener

Energieunternehmen E.ON im nordrhein-westfälischen Hürth. Dort entsteht derzeit ein

hochmodernes Biomassekraftwerk mit Modellcharakter.

Von Peter Basche, Senior Project Manager, E.ON Energy Projects

Beobachten lassen sich die Bauarbeiten

auf dem Gelände des UPM-Papierwerks

im Ortsteil Knapsack. Dort, inmitten

eines geschäftigen Industriegebietes, rotiert

seit knapp zwanzig Jahren eine der

modernsten Papiermaschinen der Welt,

um rund um die Uhr Zeitungspapier

herzustellen. Aus jeder Menge Altpapier.

Und jeder Menge Energie.

Schmaler Öko-Fußabdruck

Das neue Biomassekraftwerk soll die

künftig liefern, möglichst grün, möglichst

klimafreundlich, und den Produktionskreislauf

am Standort so noch

nachhaltiger aufstellen. Noch, weil in der

Papiermühle heute schon ausschließlich

Altpapier genutzt wird. Der Umstieg auf

Energie aus dem Biomassekraftwerk trägt

nun dazu bei, die energieintensive Papierproduktion

weiter zu dekarbonisieren.

Nun soll der ohnehin schon schmale

ökologische Fußabdruck vor Ort noch

ein paar Schuhgrößen kleiner werden.

Somit ist das Projekt ein gutes Beispiel

dafür, dass sich E.ON als Partner seiner

Kunden sieht und es ihnen ermöglicht,

die eigenen CO 2

- und Klimaziele zu erreichen.

E.ON ist gänzlich auf die neue

Energiewelt ausgerichtet und leistet mit

den beiden Geschäftsbereichen Energienetze

und Kundenlösungen einen

wesentlichen Beitrag zur Umsetzung

der dezentralen und dekarbonisierten

Energiewelt. Die einzigartige Position im

Downstream-Bereich ermöglicht es E.ON,

einen noch größeren Beitrag zu saubereren,

intelligenteren und nachhaltigeren

europäischen Energiesystemen zu leisten.

UPM ist wie auch E.ON langjähriges Mitglied

im Global Compact der Vereinten

Nationen und bekennt sich ausdrücklich

zum 1,5-Grad-Klimaschutzziel der UN

sowie zu eigenen Nachhaltigkeitszielen.

Ihre selbst verursachten CO 2

-Emissionen

etwa wollen die Finnen bis zum Jahr

2030 um 65 Prozent senken, die aus der

Lieferkette um 30 Prozent. Maßstab ist

jeweils das Jahr 2015.

Grüner Strom, saubere Wärme

Bei der energieintensiven Papierproduktion

sind diese Vorgaben alles andere als

trivial. Schließlich müssen Lastspitzen

rund um die Uhr aufgefangen werden,

die Versorgung mit Strom und Wärme

muss sich selbstredend auch rechnen

und im besten Fall den Ausstieg aus

der Kohleverstromung und die Energiewende

in Deutschland flankieren. E.ON

traut sich das zu. Und konnte bei UPM

wohl auch mit der eigenen Erfahrung

dabei punkten. Biomassekraftwerke

im industriellen Maßstab betreibt der

Energiedienstleister schon in Großbritannien

und Schweden. Ein weiterer UPM-

Standort in Deutschland wird bereits mit

hocheffizient erzeugter Energie aus einer

Kraft-Wärme-Kopplungsanlage versorgt.

Das derzeit in Hürth entstehende Kraftwerk

soll Anfang 2022 in Betrieb gehen,

dann eine elektrische Leistung von 20

Megawatt liefern und eine thermische

Feuerungsleistung von 87 Megawatt.

Während die so produzierte Wärmeenergie

aus aufgelöstem Altpapier druckreifes

Zeitungspapier macht, sowie für

wohlige Büros und Hallen im UPM-Werk

sorgt, fließt der produzierte Strom auch

ins öffentliche Netz, um da dem Klima

und der Stabilität des Stromnetzes zu

dienen.

Neue Arbeitsplätze

E.ON rechnet bis zur Inbetriebnahme

der Anlage mit Investitionen von rund

110 Millionen Euro. 30 neu eingestellte

Fachkräfte sollen das Kraftwerk dann

im Drei-Schicht-Betrieb am Laufen halten.

Befeuert wird es mit Restholz aus

der Region. Pro Jahr werden dafür etwa

235.000 Tonnen Biomasse angeliefert.

Nach deren Trocknung bleibt dann eine

Menge von 140.000 Tonnen, die in der

Anlage verfeuert wird.

Rund 40 Lkws mit Brennmaterial fahren

täglich vor. Sollten die Anlieferungen

stocken, kann der Betrieb dank eines

Bunkers zur Zwischenlagerung des Rest-

76 globalcompact Deutschland 2020


Darstellung des hochmodernen

Biomassekraftwerks, das aktuell in Hürth

entsteht (Vordergrund). Daran angrenzend die

Papierfabrik, die von dem Kraftwerk mit Energie

versorgt wird (rechter oberer Bildausschnitt).

holzes noch eine Woche aufrechterhalten

werden.

Restholz steht in der Region ausreichend

zur Verfügung. Die jährlich benötigten

140.000 Tonen entsprechen gerade einmal

0,7 Prozent der im Umkreis von

250 Kilometer verfügbaren Mengen.

Lieferengpässe sind nicht zu erwarten.

Restholz wird in Deutschland von allen

gesetzlichen Körperschaften als klimaneutraler

Energieträger anerkannt,

er erfüllt sämtliche Anforderungen der

Biomasseverordnung und der europäischen

Renewable Energy Directive (REDD

2). Zusätzlich hat E.ON bereits 2009 klare

Nachhaltigkeitsanforderungen für den

Einkauf von Biomasse eingeführt.

Biomasse am Standort alternativlos

Der Entscheidung für den Auf bau des

Biomassekraftwerks waren eine ausführliche

Prüfung dieser Option und

möglicher Alternativen vorausgegangen.

Letztlich schieden sie alle aus: Die Versorgung

mit Wasserstoff oder mit Powerto-Gas-Anlagen

erwies sich als technisch

und wirtschaftlich nicht umsetzbar; die

Versorgung über Wind- oder Solaranlagen

scheiterte schon am fehlenden Platz

für die Anlagen und den technischen

Anforderungen an die Wärmeversorgung

des Kunden. Geothermie wiederum ist

vor Ort nicht verfügbar, Biogas nicht in

ausreichenden Mengen. Blieb das Biomassekraftwerk

als nachhaltige Option.

Dass diese Option die richtige Wahl ist,

steht für E.ON-Vorstandsmitglied Karsten

Wildberger fest. Das neue Biomassekraftwerk

mache „eine wirtschaftliche und

verlässliche, nahezu CO 2

-neutrale Energieversorgung

eines energieintensiven

Industriebetriebs möglich“. E.ON gebe

damit ein Beispiel für die klimafreundliche

Energieversorgung der Wirtschaft.

Ein Beispiel, das „weit über die Papierbranche

hinausreichen wird“.

Vier gewinnt: Klima, Region, Wirtschaft,

Gesellschaft

Tatsächlich zahlt sich das entstehende

Biomassekraftwerk auch für die Region

aus, schon durch sauberere Luft. Das Papierwerk

wurde zuvor nämlich über ein

Braunkohlekraftwerk versorgt, das der

Energiekonzern RWE AG in Berrenrath

am Stadtrand von Hürth betreibt.

Für das Klima sind das gute Nachrichten.

Der CO 2

-Fußabdruck des Werks wird

künftig deutlich kleiner sein. Denn durch

die Verbrennung des Restholzes wird nur

jenes CO 2

freigesetzt, dass das Material

vorher durch sein Wachstum gebunden

und damit der Atmosphäre entzogen

hatte. Im projizierten Vergleich könnte

der jährliche CO 2

-Ausstoß der Anlage um

rund 190.000 Tonnen im Jahr sinken,

verglichen mit den Emissionen, die zuvor

durch die Versorgung mit Braunkohle

anfielen.

Gute Nachrichten sind das auch für

E.ON, kommt der Konzern seinen eigenen

Klima- und Nachhaltigkeitszielen

so doch wieder ein Stück näher. Wie

auch UPM hat sich das Global-Compact-

Mitglied E.ON frühzeitig zum Schutz

des Klimas verpflichtet und diese Selbstverpflichtung

zuletzt im März 2020 mit

neuen Zielen untermauert: 2040 will

E.ON selbst CO 2

-neutral sein. Bis 2050

sollen auch alle Kunden komplett klimaneutral

mit Energie beliefert werden.

Ehrgeizige Ziele, die E.ON als weiteren

wichtigen Beitrag zu Erfüllung seiner

gesellschaftlichen Verantwortung erachtet.

globalcompact Deutschland 2020

77


BEST PRACTICE

Konsequentes Engagement

für den Klimaschutz

Die Bekämpfung des Klimawandels hat hohe Bedeutung für Evonik. Mit unserer Klimastrategie

2020+ arbeiten wir kontinuierlich an der Senkung von CO 2

-Emissionen.

Von Michaela Hauberg, Sustainability Relations, Evonik

Die 17 Ziele der Vereinten Nationen für

eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable

Development Goals, SDGs) dienen

als Orientierungsrahmen für Unternehmen,

ihre Geschäftsaktivitäten auf eine

nachhaltige Entwicklung auszurichten.

Evonik unterstützt diese Ziele und verfügt

über einen eigenen Methodenansatz,

um die für den Konzern besonders relevanten

SDGs zu identifizieren. Diese sind:

Steigerung der Energieeffizienz nutzen

wir ein breites Spektrum technischer und

organisatorischer Maßnahmen. Dazu

zählen etwa der Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen

oder der Ausbau

der Verbundstrukturen zwischen Chemieproduktion

und Energieanlagen, in

die wir auch Produktionsstätten Dritter

einbinden. Außerdem senken wir unsere

CO 2

-Emissionen durch die Änderung

unseres Energiemixes und die Erneuerung

unserer Energieinfrastruktur. Zur-

• SDG 3: Gesundheit und Wohlergehen

• SDG 6: Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen

• SDG 12: Nachhaltiger Konsum und

Produktion

• SDG 13: Maßnahmen zum Klimaschutz

Einen besonderen Stellenwert hat das

SDG 13 für uns auch, weil der Klimawandel

nach Ansicht unserer Stakeholder

eines der wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen

für Evonik ist. Seit 2019 sind die

SDGs Teil unserer Nachhaltigkeitsanalyse

der Geschäfte, deren Ergebnisse in die

Strategiedialoge mit den operativen Einheiten

einfließen. Im selben Jahr haben

wir einen CO 2

-Preis als zusätzliche Prämisse

für große Investitionen eingeführt.

Ehrgeizige Ziele

Unser Ziel ist die absolute Minderung

der Scope-1- und Scope-2-Emissionen

um 50 Prozent bis 2025 auf Basis des

Jahres 2008. Hierzu tragen unter anderem

alternative Technologien und

effiziente Produktionsprozesse bei. Zur

78 globalcompact Deutschland 2020


Links:

Wertvolle Spezialchemikalien aus

Kohlendioxid und grünem Strom

herzustellen, das ist Ziel des

Forschungsprojekts Rheticus. Damit will

Evonik in einem Gemeinschaftsprojekt mit

Siemens zu einer klimaneutralen Zukunft

beitragen.

Rechts oben:

Aminosäuren in der Tierernährung

reduzieren den Ausstoß von

Treibhausgasen.

Rechts mitte:

Innovative Membrantechnologie von

Evonik: SEPURAN® Green für die effiziente

Aufbereitung von Biogas zu Biomethan.

Rechts unten:

„Grüne Reifen“ mit dem Silica-Silan-System

von Evonik machen Autos spritsparender.

zeit errichtet Evonik in Marl zwei neue

hocheffiziente Gas- und Dampfturbinenkraftwerke,

die bis Ende 2022 das letzte

Kohlekraftwerk sowie ein bestehendes

Reservekraftwerk ersetzen werden.

Darüber hinaus wollen wir auch die

mit unserem „Rohstoffrucksack“ verbundenen

Scope-3-Emissionen aus der

vorgelagerten Wertschöpfungskette um

15 Prozent bis 2025 auf Basis des Jahres

2020 senken.

Evonik baut Portfolio mit

klimafreundlichen Produkten

zielstrebig aus

Evonik stellt Produkte und Lösungen her,

die in der Anwendung zur Reduzierung

der CO 2

-Emissionen beitragen – wie

beispielsweise Aminosäuren in der Tierernährung.

So ersetzt 1 kg unserer Aminosäure

Methionin im Tierfutter 260 kg

Sojamehl. Gleichzeitig wird der Ausstoß

von Ammoniak, Nitrat und Treibhausgasen

sowie der Bedarf an Fischmehl,

Futterpflanzen und Agrarfläche deutlich

gesenkt.

Evonik ist der weltweit einzige vollständig

rückwärtsintegrierte Hersteller von

hochselektiven Membranen zur Gastrennung.

Hochleistungspolymere der

Marke SEPURAN® Green machen die Aufbereitung

von Biogas aus pflanzlichen

und tierischen Abfällen zu Biomethan

deutlich effizienter.

Eine spezielle Kombination aus Silica

und Silanen ermöglicht die Herstellung

von „grünen“ Reifen. Diese sorgen für geringeren

Rollwiderstand und gleichzeitig

besserer Haftung auf nasser Straße. Der

Spritverbrauch kann so um bis zu acht

Prozent (im Vergleich zu herkömmlichen

PKW-Reifen) gesenkt werden.

Nachhaltigkeit und Circular Economy

spielen für uns eine wichtige Rolle bei

der Ausrichtung des Portfolios. So hat

Evonik kürzlich die US-amerikanische

Porocel-Gruppe erworben, die über eine

Technologie zur Regenerierung von Entschwefelungskatalysatoren

verfügt. Im

Vergleich zur Produktion eines neuen

Katalysators reduzieren sich die CO 2

-

Emissionen dadurch um mehr als 50

Prozent.

Darüber hinaus erforscht Evonik innovative

Technologien, die das Potenzial

haben, zum Gelingen der Energiewende

beizutragen. So hat Evonik im Herbst

2020 gemeinsam mit Siemens Energy die

vom Bundesministerium für Bildung und

Forschung geförderte Versuchsanlage

Rheticus in Betrieb genommen, die mithilfe

von Bakterien Spezialchemikalien

erzeugt – aus Kohlendioxid und Wasser

sowie Strom aus erneuerbaren Quellen.

Im Rahmen des Projekts hatten die beiden

Unternehmen zuvor die Grundlagen

für die technische Machbarkeit dieser

künstlichen Fotosynthese aus Bioreaktor

und Elektrolyseur erarbeitet.

Klimaberichterstattung auf hohem

Niveau

Transparenz ist uns wichtig. Seit jeher

informieren wir in unserem Nachhaltigkeitsbericht

und unserer Webseite

umfassend über ökonomische, ökologische

und gesellschaftliche Belange. Dabei

setzen wir auf eine kontinuierliche

Verbesserung unserer Berichterstattung:

Im Nachhaltigkeitsbericht 2019 haben

wir erstmals klimabezogene Informationen

in den Kategorien „Governance“,

„Strategie“, „Risikomanagement“ sowie

„Kennzahlen und Ziele“ entsprechend

den Empfehlungen der Task Force on

Climate-related Financial Disclosures veröffentlicht.

Zudem informiert Evonik im

Rahmen der Teilnahme am „CDP Climate

Change“ regelmäßig über ihre Klimaperformance.

Im Jahr 2019 haben wir hier

mit der Bewertung „B“ abgeschnitten.

Für Evonik sind Nachhaltigkeit und Klimaschutz

wichtige Voraussetzungen für

die Lösung drängender Zukunftsfragen.

Dabei gehen wir weit über die Chemie

hinaus, um für unsere Kunden innovative,

wertbringende und nachhaltige

Lösungen zu schaffen.

globalcompact Deutschland 2020

79


BEST PRACTICE

Klima- und Umweltschutz

bei ista: mit gutem Beispiel

vorangehen

Wer Veränderungen erreichen will, muss selbst tätig werden und ein Vorbild für andere sein.

Davon ist der Energiedienstleister ista überzeugt. Tag für Tag setzen sich daher Geschäftsführung

und Mitarbeitende für mehr Nachhaltigkeit im (Unternehmens-) Alltag ein. Das spiegelt

sich in den Nachhaltigkeitszielen und insbesondere auch in konkreten Projekten und Aktionen.

Von Violetta Kahre, Head of Internal & Sustainability Communications, Maike Böcker und Miriam Zimmermann, Corporate Communications, ista

Nachhaltigkeit ist bei ista Chefsache:

„Als gutes Beispiel kann nur gelten, wer

auch im eigenen Betrieb die Hausaufgaben

macht“, sagt Thomas Zinnöcker,

CEO von ista International. Um dabei

voranzukommen, geht das Unternehmen

strategisch vor und hat sich messbare

Ziele in den fünf Handlungsfeldern Umwelt,

Märkte, Mitarbeiter, Partner und

Gesellschaft gesetzt. Dazu gehört auch

das Ziel der Klimaneutralität bis 2050

durch ressourcenschonendes Handeln

in allen Geschäftsbereichen. Außerdem

will ista seine Kundinnen und Kunden

darin unterstützen, ihrerseits den CO 2

-

Ausstoß bis 2030 um zehn Prozent im

Vergleich zu 2015 zu reduzieren. Möglich

wird dies durch innovative Produkte,

Dienstleistungen und Aufklärung über

individuelle Wasser- und Energieverbräuche

sowie deren Einsparpotentiale.

„Damit motivieren wir Verbraucher zu

klimafreundlichem Handeln. Denn wer

weiß, was er verbraucht, kann sein Verhalten

bewusst verändern“, so Zinnöcker.

Seit 2020 ist außerdem die Finanzierung

von ista am Kapitalmarkt an die Nachhaltigkeitserfolge

gekoppelt: Die variablen

Zinssätze des 1,85 Milliarden Euro hohen

ESG-Kredits, den ista im August 2020

abschloss, sind nämlich an die Erfüllung

der eigenen Nachhaltigkeitsziele

gebunden. Dazu gehören zum Beispiel

der CO 2

-Emissionswert pro Mitarbeiter

sowie der weitere Ausbau der digitalen,

möglichst ressourcenschonenden

Serviceinfrastruktur. Werden die vereinbarten

Nachhaltigkeitsziele erreicht,

kann ista die Zinsen verringern, werden

die Ziele hingegen verfehlt, steigen die

Zinsen. „Die neue Finanzierung ist ein

klares Bekenntnis zu unserer langfristigen

Nachhaltigkeitsstrategie. Wir freuen

uns daher, dass eine breite Gruppe von

Banken unseren Weg in eine nachhaltige

und klimaneutrale Zukunft unterstützt“,

sagt Thomas Lemper, CFO von ista.

Wie geht Klimaschutz zu Hause und

im Büro?

Das Engagement für mehr Nachhaltigkeit

umfasst aber nicht nur die globalen

Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens.

Ganz nach dem ista-Leitmotiv: „Wir helfen

Menschen, ihren Beitrag zum Klimaschutz

zu leisten“, gehen auch die

Geschäftsführung und die Mitarbeiter

mit gutem Beispiel voran und geben

Tipps, wie man den (Berufs-) Alltag klima-

und umweltfreundlicher gestalten

Engagement in

Corona-Zeiten

Um anderen durch die Corona-Krise

zu helfen, leistet ista an vielen

Stellen Unterstützung. So kamen

bei einem Benefiz-Konzert, das per

Livestream in die Wohnzimmer der

Mitarbeiter übertragen wurde,

insgesamt über 25.000 Euro

Spendengelder für drei Hilfsprojekte

in Europa zusammen. Zudem

spendete das Unternehmen 6.000

OP-Schutzmasken für Pflege- und

Seniorenheime in Essen sowie an die

Tafeln in Stuttgart und Würzburg und

half ausgewählten Schulen mit 57

Laptops aus dem eigenen Bestand.

kann. So stellten sich der internationale

Geschäftsführer Thomas Zinnöcker und

Dr. Hagen Lessing, CEO bei ista Deutschland,

in einem Online-Gespräch den

Fragen der jungen Generation. Sieben

Kinder von ista-Mitarbeiterinnen und

Mitarbeitern nutzten die Gelegenheit. Sie

wollten unter anderem wissen, was ista

für den Klimaschutz tut, was sie selbst zu

Hause oder auch in der Schule machen

können, und wie es die Geschäftsführer

persönlich mit dem Klimaschutz halten.

80 globalcompact Deutschland 2020


Lessing berichtete, dass er sein Haus

durchoptimiert hat und so den Stromverbrauch

um ein Drittel verringern

konnte. Zinnöcker erzählte, er und seine

Familie nutzen lieber die Dusche statt in

der Badewanne zu sitzen, um Wasser zu

sparen. Außerdem versuchen sie Plastik

weitestgehend zu vermeiden.

Wie man im Büro Strom sparen und

nachhaltiger arbeiten kann, erprobten

derweil die ista- Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter während der Klimaschutzwochen.

Dabei standen acht verschiedene

Themen jeweils eine Woche lang im Fokus

– wegen der Corona-Pandemie zum

Teil im Homeoffice. Am „Dicker-Pulli-Tag“

hieß es zum Beispiel: Heizung runterdrehen

und warme Kleidung anziehen.

Und bei „Auto aus, Klima an!“ drehte

sich alles um das Thema nachhaltige

Mobilität und wie man klimaneutral

zur Arbeit oder zum Supermarkt kommt

– nämlich mit dem Fahrrad, zu Fuß

oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Auf der internen Social-Collaboration-

Plattform ONE konnten sich die Kollegen

schließlich austauschen und zeigen, wie

sie mit gutem Beispiel als „Climatecrew“

vorangehen. Abseits des Büros sind sie

aber auch aktiv. So nahmen zahlreiche

Mitarbeiter an dem globalen „Klimastreik“

der „Fridays for Future“-Bewegung

teil und setzten zusammen mit weltweit

1,4 Millionen Demonstranten ein Zeichen

für den Klimaschutz. Mit einer weiteren

Aktion zum Jahresabschluss 2020

fördert ista das vielfältige, persönliche

Engagement der Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter: Unter dem Motto „Wofür

schlägt Dein Herz?“ werden ehrenamtliche

Herzensprojekte gewürdigt und

sichtbar gemacht.

Schüler als Vorbild

Die junge Generation in ihrem Engagement

zu unterstützen, hat sich ista schon

vor einigen Jahren vorgenommen und

2017 die Initiative „ista macht Schule“

ins Leben gerufen. Mit diesem Projekt

will ista Kindern und Jugendlichen dabei

helfen, Energiesparpotenziale in ihren

Schulen aufzudecken und bei Energieverschwendung

selbst für Abhilfe zu

sorgen. Beim KlimaHelden-Contest von

„ista macht Schule“, BildungsCent e. V.,

Startnext und dem Verein „Die Multivision“

zum Beispiel konnten Schüler aus

ganz Deutschland ihre Ideen für mehr

Klimaschutz in der Schule einreichen

und mittels Crowdfunding Unterstützer

für ihre Projekte gewinnen. Seit Ende

2018 ist außerdem die KlimaKiste an 100

Schulen in ganz Deutschland im Einsatz.

Die Kiste enthält zahlreiche Messgeräte

und Materialien rund um den Klimaschutz

und unterstützt so die Schüler

dabei, Potenziale zum Energiesparen in

ihren Schulen ausfindig zu machen. 2019

konzipierten ista und BildungsCent ein

Ergänzungspaket für die KlimaKiste, das

an 50 Schulen ging. Dem vorausgegangen

war eine Feedback-Runde, bei der die

Lehrer ihre Anregungen und Wünsche

für die KlimaKiste einbringen konnten.

Damit das Projekt „ista macht Schule“

sich stetig weiterentwickelt, organisierte

ista in 2020 eine Zukunftswerkstatt mit

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von

ista, bestehenden Partnern des Projekts

inkl. Lehrer und Schülerinnen sowie

ausgewählten externen Expertinnen

und Experten aus dem Bildungsbereich.

Ziel der Zukunftswerkstatt war es, auf

Basis einer kritischen Bestandsaufnahme

und kreativen Ideenfindung konkrete

Vorschläge zu entwickeln, wie das

Projekt „ista macht Schule“ zukünftig

aussehen kann.

ista bekennt sich zu den SDGs

Mit dem umfassenden Engagement helfen

ista, die CEOs und die Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter nicht nur anderen

beim Thema Nachhaltigkeit, sondern

leisten auch einen wichtigen Beitrag

zu den SGDs. ista hat sieben von ihnen

identifiziert, zu denen das Unternehmen

am meisten beitragen kann. Dazu

gehören SDG 4 (Hochwertige Bildung),

SDG 7 (Bezahlbare und saubere Energie),

SDG 8 (Menschenwürdige Arbeit und

Wirtschaftswachstum), SDG 11 (Nachhaltige

Städte und Gemeinden), SDG 12

(Nachhaltige/r Konsum und Produktion)

sowie SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz)

und SDG 17 (Partnerschaften für

die Ziele).

globalcompact Deutschland 2020

81


BEST PRACTICE

MAN bringt CO 2

-freie

Mobilität auf die Straße

Elektrische Antriebe mit Batteriespeicher reichen für die Verkehrswende in der Personenbeförderung

und im Transportwesen alleine nicht aus. Um den Kunden umweltfreundliche

Nutzfahrzeuge für jeden Einsatz anzubieten, erprobt MAN auch das Potenzial von Wasserstoff

als alternative Antriebstechnologie für eine saubere Mobilität. Dafür kooperiert das Unternehmen

mit starken Partnern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

Von Stefan Klatt, Head of Corporate Responsibility, MAN

Schadstoff-Emissionen zu verringern,

steht bei dem Nutzfahrzeug- und

Motorenhersteller MAN seit Jahren auf

der Agenda. Galt es zunächst, für den

Menschen schädliche Emissionen wie

Kohlenmonoxid, Stickstoffoxide und

Feinstaub-Partikel auf ein Minimum zu

senken, hat das Bewusstsein über den

schädlichen Einfluss von CO 2

auf das

Klima dazu geführt, dass die Reduzierung

des CO 2

-Ausstoßes nun oberste

Priorität hat. Immer mehr privatwirtschaftliche

und kommunale Flottenbetreiber

wollen einen Beitrag zum Klimaschutz

leisten und verlangen nach

Fahrzeugen mit niedrigem CO 2

-Ausstoß

oder lokal emissionsfreiem Antrieb.

Darüber hinaus hat die EU im Sommer

2019 beschlossen, dass die Hersteller

von Lastkraftwagen und Nutzfahrzeugen

bis 2025 die CO 2

-Emissionen im Durchschnitt

um 15 Prozent und bis 2030 um

30 Prozent im Vergleich zu 2019 reduzieren

müssen: „Da der CO 2

-Ausstoß von

Dieselmotoren in direkter Relation zum

Verbrauch steht, bedeutet das: Es müssen

lokal emissionsfreie Alternativen her,

weil der Dieselantrieb allein nicht um

30 Prozent effizienter gemacht werden

kann. Nur mit Low- oder besser gleich

Zero-Emission-Fahrzeugen lassen sich

die CO 2

-Vorgaben der EU einhalten“,

erklärt MAN.

Individuelle Lösungen für jeden

Einsatz

Während bei Pkws auf elektrische Antriebe

mit Batteriespeicher als erfolgversprechendste

Technologie gesetzt wird,

um die CO 2

-Emissionen im Verkehr zu

vermeiden, ist die Entscheidung über die

richtige Alternative bei schweren Nutzfahrzeugen

nicht so einfach. Der Grund:

Fahrzeugkonfigurationen und Einsatzparameter

sind zu unterschiedlich, als

dass man sich auf eine umweltfreundliche

Antriebstechnologie festlegen könnte.

„Während ein Linienbus im Stadtverkehr

selten mehr als 300 Kilometer am

Tag zurücklegt, bringt es ein Reisebus

schon mal auf die doppelte Tageskilometerleistung.

Und die Anforderungen

an einen Liefer-Lkw, der jeden Tag auf

den Betriebshof zurückkehrt, sind gänzlich

andere als bei einem Fernverkehrs-

Truck, der tage- oder sogar wochenlang in

ganz Europa unterwegs ist“, erklärt das

Unternehmen.

Aus diesem Grund verfolgt man bei

MAN verschiedene Ansätze für alternative

Energieträger und Antriebsformen

gleichzeitig und entwickelt unterschiedliche

Lösungen für die verschiedenen

Fahrzeugtypen und Einsatzformen. So

bietet das Unternehmen für den ÖPNV

und den Verteilerverkehr seinen Kunden

bereits heute mit den Modellen MAN

Lion’s City E und dem eTGE sowie dem

Verteiler-Lkw eTGM batterieelektrische

Fahrzeuge in Serie. Für den Fernverkehr

stellt wiederum Wasserstoff (H2)

eine gute ergänzende Möglichkeit als

alternativer Kraftstoff dar. Hierzu hat

das Unternehmen im Herbst 2020 seine

Entwicklungs-Roadmap vorgestellt: Demnach

sollen den aktuell laufenden Vorentwicklungsprojekten

folgend bereits

2021 Prototypen-Fahrzeuge aufgebaut

werden. MAN erprobt hierbei sowohl den

Einsatz einer Brennstoffzelle als auch

eines H2-Verbrennungsmotors.

Wasserstoff als saubere Teillösung

für schwere Nutzfahrzeuge

Die Vorteile sind naheliegend: Einerseits

ist diese Form der Elektromobilität sehr

umweltfreundlich. Brennstoffzellen verursachen

im Einsatz keine CO 2

-Emissionen,

da sie nur Wasserdampf emittieren.

Andererseits ist ihre Reichweite durch

die Stromerzeugung an Bord mit zirka

800 km groß genug für den Lkw-Fernverkehr

bei gleichzeitig hoher Nutzlast.

Der Wasserstoff-Verbrennungsmotor

bietet hingegen eine schneller verfügbare

und robuste Lösung durch die bekannte

82 globalcompact Deutschland 2020


Basistechnologie und könnte dadurch

als Brückentechnologie genutzt werden.

„Wir nehmen unsere Verantwortung

gegenüber Umwelt und Gesellschaft

sehr ernst, sodass MAN Truck & Bus viel

Energie für die Entwicklung alternativer

Antriebe verwendet“, sagt Dr. Frederik

Zohm, Vorstand für Forschung & Entwicklung

bei MAN Truck & Bus. „Wasserstoff

kann dabei eine interessante Lösung

sein, allerdings braucht es dann einen

deutlichen Ausbau der Infrastruktur. Wir

leisten gerne unseren Beitrag durch die

Entwicklung der passenden Fahrzeuge –

wie wir mit unserer Roadmap belegen.“

Die Roadmap sieht vor, dass in den Jahren

2023/24 die Fahrzeuge in der Praxis

in Zusammenarbeit mit ausgewählten

Kunden getestet werden. Im Rahmen

einer so genannten Bayernflotte möchte

MAN gemeinsam mit bayerischen

Infrastrukturbetreibern sowie Speditionspartnern

Wasserstoff für den Einsatz

im Straßengüterfernverkehr erproben.

„Bayern soll führender Standort für

Wasserstofftechnologie werden: Zusammenarbeit

mit MAN zur Entwicklung von

Lkw-Wasserstoffmotoren in Nürnberg.

Mit der Hightech Agenda zünden wir

Forschungsturbo für grüne Technologien.

Nur ein Technologiesprung sichert

langfristig Arbeitsplätze“, schrieb hierzu

der Bayerische Ministerpräsident Markus

Söder auf Twitter nach einem Besuch des

MAN-Standortes in Nürnberg im Herbst

2020. Damit sprach er die bayerische

Wasserstoffstrategie WasserstoffBayern

(H2.B) an, die darauf zielt, dass Wirtschaft,

Forschung und Politik gemeinsam

Nürnberg zu einem europäischen Kompetenzzentrum

für Wasserstoffantriebe

machen.

MAN wird zum Anbieter

nachhaltiger Mobilitätslösungen

Um wasserstoff basierte Fahrzeugantriebe

zu erforschen und zu entwickeln,

kooperiert MAN künftig mit der

Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg

(FAU) und der Technischen

Hochschule Nürnberg (THN). Der

sogenannte Wasserstoff-Campus deckt

die gesamte Wertschöpfungskette der

Antriebsform ab: von der umweltfreundlichen

Erzeugung des Wasserstoffs über

die Distribution und Infrastruktur, der

Energiewandlung zurück zu Strom bis

hin zur Anwendung der Technik beim

Kunden im Fahrzeug: „Erstmals werden

Hochschul-Wissenschaftler und Studierende

gemeinsam mit den Entwicklern

eines Fahrzeugherstellers direkt auf

dessen Werksgelände ein gemeinsames

Labor sowie Prüfstände zur Erforschung

der Wasserstofftechnologie betreiben.

Mit dem Wasserstoff-Campus legt das

heutige MAN-Dieselmotorenwerk den

Grundstein für seine erfolgreiche Transformation

hin zu alternativen Antrieben“,

so MAN.

Mit der Forschung für eine saubere Mobilität

im Nutzfahrzeugsektor sichert sich

MAN nicht nur den künftigen Geschäftserfolg

des Unternehmens, sondern trägt

dazu bei, die Nachhaltigen Entwicklungsziele

der UN zu erreichen. Mit seinem

Engagement fokussiert sich es sich auf

die SDGs 9 (Industrie, Innovationen und

Infrastruktur), 13 (Maßnahmen zum

Klimaschutz) und 17 (Partnerschaften

zur Erreichung der Ziele).

globalcompact Deutschland 2020

83


BEST PRACTICE

Klimaschutz – die

Überlebensfrage der

Menschheit

Tchibo will den CO 2

-Ausstoß bis 2030 halbieren: Die Corona-Pandemie zeigt die Verletzlichkeit

unserer Gesellschaft und unseres globalen Wirtschaftssystems mehr als deutlich. Keine Frage:

Viele Unternehmen müssen jetzt sparen. Nur bitte nicht bei Klimaschutz-Investitionen. Die

Bekämpfung der Klima- und der Biodiversitätskrise muss erste Priorität haben.

Von Johanna von Stechow, Head of Environmental Responsibilty, Tchibo

Kaffee, Baumwolle und Holz sind Rohstoffe,

mit denen wir bei Tchibo täglich

zu tun haben. Nimmt die Erderwärmung

weiter zu, werden diese Rohstoffe knapp

und viele Millionen Menschen im Anbau

werden ihre Lebensgrundlage verlieren.

Wir müssen also jetzt umsteuern und

wirksam CO 2

-Emissionen reduzieren.

Das Pariser Klimaabkommen von 2015

gibt das Ziel vor, den globalen Temperaturanstieg

auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Wir bei Tchibo haben deshalb unser

Klimaschutzprogramm überarbeitet und

uns ein neues ehrgeiziges Ziel gesetzt:

Wir werden unseren CO 2

-Fußabdruck bis 2030

halbieren. Bei Lieferanten wollen wir eine

Reduktion um 15 Prozent erreichen.

Seit 2006 engagiert sich Tchibo für

den Klimaschutz

Mehr als 95 Prozent unserer

CO 2

-Emissionen fallen bei der

Produktion von Kaffee, Textilien

und weiterer Produkte

an. Deswegen stellen wir mit

unserem ganzheitlichen Ansatz

unsere Produkte mit so wenig

Energie wie möglich her und

unterstützen unsere Lieferanten

dabei, energieeffiziente Produktionsmethoden

einzusetzen. Darüber

hinaus gestalten wir unsere Logistikprozesse

klimaschonend und setzen

auf erneuerbare Energien an unseren

Standorten und Filialen.

Wir sind der Überzeugung, dass wirksamer

Klimaschutz durch Zusammenarbeit

entsteht. Deshalb arbeiten wir

seit vielen Jahren lösungsorientiert mit

unseren Lieferanten und anderen Partnern

zusammen. Wir beteiligen uns

an den Klimainitiativen Science Based

Target Initiative (SBTi), Fashion Industry

Charter for Climate Action (UNFCCC) und

der Initiative coffee & climate. Damit

arbeiten wir in globalen Allianzen an

wirksamem Klimaschutz.

Überarbeitung unserer Klimabilanz

In 2019 haben wir die Systematik unserer

Klimabilanz grundlegend überarbeitet.

Bilanziert werden jetzt auch die Emissionen

aller Auslandsstandorte und die

Emissionen vor- und nachgelagerter

Wertschöpfungsstufen, wie zum Beispiel

des Kaffeeanbaus. Grundlage der Bilanz

ist das Greenhouse Gas Protocol (GHG),

das sogenannte „best practice reporting

standards“ definiert.

Kaffee

Tchibo unterstützt Farmer bei der Anpassung

an den Klimawandel unter anderem

84 globalcompact Deutschland 2020


Seit 2012 kompensieren wir die Emissionen

unseres Paketdienstleisters

DHL über das GoGreen-Programm

und kompensieren

damit jährlich ca. 8.000

Tonnen CO 2

. Auch den

Anteil der Bestellungen,

die in zwei Paketen verschickt

werden reduzieren

wir kontinuierlich.

Röstereien

Wir bei Tchibo sind davon überzeugt,

dass der wirtschaftliche Auf bau nach

der Pandemie nicht im Widerspruch zu

Klima- und Umweltschutz stehen darf.

Denn wer seine Anstrengungen für eine

umweltschonende Geschäftstätigkeit

jetzt zurück fährt, setzt die Zukunft

seines Unternehmens aufs Spiel. Es ist

Zeit, die Wirtschaft insgesamt robuster

zu machen, für die Krisen, die noch

kommen können.

durch die Beteiligung an einer Initiative

der Global Coffee Plattform (GCP) in

Brasilien und weiteren Unternehmen,

aber auch in unseren Tchibo Joint

Forces!® Projekten. Auch unsere zertifizierten

nachhaltigen Kaffees helfen,

den CO 2

-Fußabdruck zu reduzieren.

Rund um den Transport

Eine zeitgemäße Logistik muss nicht nur

vorausschauend, effizient und schnell,

sondern auch umweltverträglich sein.

Daran arbeiten wir — unterstützt von

der Technischen Universität Hamburg

— erfolgreich seit 14 Jahren. Von 2006

bis 2018 konnten wir 24 Prozent unserer

CO 2

-Emissionen pro Tonnenkilometer

einsparen.

Über 90 Prozent unserer Warenbewegungen

werden über den

Wasserweg abgewickelt — in

2019 konnten wir durch bessere

Auslastung des Frachtraumes

bei gleicher Warenmenge

346 Container

einsparen.

Und wir testen innovative

Konzepte: Die „letzte Meile”

zu ausgewählten Filialen

und Supermärkten wurde

im vergangenen Jahr testweise

mit einem Elektro-Lkw beliefert.

Mithilfe des Energiemanagements

nach ISO

50001 reduzieren wir kontinuierlich

unseren Energieverbrauch.

Hilfreich ist hier

auch ein neues Software-gestütztes

Energie-Monitoringsystem,

das wir in der Berliner Anlage in Betrieb

genommen haben.

Zukünftig können wir durch unser Investment

in vier hocheffiziente Röster

am Standort Hamburg über 1.000 Tonnen

CO 2

im Jahr einsparen.

Non Food

Wir reduzieren unsere CO 2

-Emissionen,

indem wir auf nachhaltige Rohstoffe wie

Biobaumwolle und recycelte Materialien

für unsere Produkte setzen. Unsere

Textilproduzenten unterstützen wir bei

der Steigerung ihrer Energieeffizienz

mit dem Online-Qualifizierungstool der

Carbon Performance Initiative (CPI2) —

in 2019 haben 73 Lieferanten das Tool

aktiv genutzt.

Johanna von Stechow

Johanna von Stechow

ist studierte Historikerin

und arbeitete in einer

Unternehmensberatung, bevor

sie 2007 zu Tchibo kam. Bei

Tchibo war Johanna von Stechow

zunächst für unterschiedliche

Geschäftseinheiten tätig, ab

2012 leitete sie den Bereich

der Unternehmensentwicklung.

Seit

2017 verantwortet

Johanna von

Stechow im Bereich

Unternehmensverantwortung

alle

Umweltthemen des

Konzerns. Johanna

von Stechow ist

verheiratet und hat

drei Söhne.

globalcompact Deutschland 2020

85


BEST PRACTICE

Vonovia investiert in

innovative Energy-Systeme

Von Jonathan Przybylski, Senior Referent Nachhaltigkeit / Strategie, Vonovia

Nachhaltigkeit und Klimaschutz spielen

bei Vonovia nicht erst seit „Fridays for

future“ eine wichtige Rolle. Bezahlbare

Mieten und individuelle Hilfe bei

Zahlungsschwierigkeiten (Härtefallmanagement),

umfangreiche Gebäudesanierungen,

eine eigene Klimakonferenz,

die Erforschung innovativer

Energiesysteme oder eine bundesweit

einmalige Kooperation mit Deutschlands

mitgliederstärkster Naturschutzorganisation

(NABU) zeigen, dass der führende

Wohnungsanbieter Deutschlands ökologische

und soziale Aspekte längst als

herausragende Entscheidungsparameter

betrachtet. „Für Vonovia bedeutet

Nachhaltigkeit so zu wirtschaften, dass

die Geschäftstätigkeit langfristig einen

gesamtgesellschaftlichen Nutzen stiftet“,

erklärt Rolf Buch, Vorstandsvorsitzender

der Vonovia SE. Daher wird sich Vonovia

in Zukunft explizit an ausgewählten UN

Sustainable Development Goals (SDGs)

orientieren, die der nachhaltigen Entwicklung

sowie den wirtschaftlichen,

sozialen und ökologischen Dimensionen

Rechnung tragen.

Vonovia ist ein 10.000 Mitarbeiter starkes

Unternehmen, das in Deutschland einen

eigenen Wohnungsbestand von rund

356.000 Wohnungen verwaltet. Hinzu

kommen 38.000 Wohnungen in Schweden

und rund 22.500 Wohnungen in

Österreich. Ergänzt wird dieses Portfolio

um einen starken Developmentbereich,

über den im Jahr 2019 (vornehmlich

unter der Marke BUWOG) rund neue

2.100 Wohnungen fertiggestellt wurden

– und der damit zur Linderung der

Wohnungsnot in deutschen Ballungsräumen

beiträgt. Damit stellt Vonovia in

Deutschland, Schweden und Österreich

jeweils eines der führenden Wohnungsunternehmen

dar. Das Geschäftsmodell

basiert auf der Erstellung und Vermietung

von gutem, zeitgerechtem und vor

allem bezahlbarem Wohnraum. Zudem

bietet Vonovia wohnungsnahe Dienstleistungen

an und beschäftigt in diesem

Segment über 5000 Handwerker sowie

800 Gärtner. Nachhaltigkeit ist damit

bereits fest im Kerngeschäft verankert.

Als Wohnungsunternehmen dieser Größenordnung

setzt sich Vonovia schon seit

geraumer Zeit mit der Frage auseinander,

wie es gelingen kann, ökologische Nachhaltigkeit

und bezahlbares Wohnen in

Einklang zu bringen. Nicht nur, dass es

die Branche mit steigenden Baukosten

zu tun hat. Vielmehr birgt der eigene

Anspruch nach mehr Klimaschutz ein

Dilemma sowohl für Wohnungsunternehmen

als auch für Mieter. Unbestritten

ist, dass Gebäudeeigentümer einen

Beitrag gegen die Klimaerwärmung

leisten müssen. Etwa 30 Prozent des

CO 2

-Ausstoßes in Deutschland gehen

auf das Konto von Immobilien. Wenn

aber Wohnungsunternehmen die Wände

dämmen, die Heizung erneuern oder

eine Solarthermieanlage installieren und

somit die Emissionen reduzieren, entstehen

Kosten, die weniger zahlungskräftige

Bewohner finanziell überfordern können.

Daher begrenzt Vonovia sanierungsbedingte

Mietaufschläge auf maximal zwei

Euro je Quadratmeter. Nur so kann der

Wohnraum für die Mieter auch weiter

bezahlbar bleiben. Für Menschen, die

sich auch eine kostengünstige Sanierung

nicht leisten können – und auch hier

übernimmt Vonovia gesellschaftliche

Verantwortung – bietet das Unternehmen

ein Härtefallmanagement an. In

Zahlen: Bei 13.200 Modernisierungen im

Jahr 2019 hat Vonovia bei 1600 Kunden

Hilfe geleistet. Zudem steht Vonovia

ihren Mieterinnen und Mietern zu Seite,

die über 70 Jahre alt sind und sich eine

Mieterhöhung durch Modernisierung

nicht leisten können. In diesen Fällen

wird immer nach einer individuellen

Lösung gesucht, damit niemand seine

Wohnung verlassen muss.

Die Wohnungswirtschaft insgesamt und

auch Vonovia stellt die Problematik –

Klimaschutz einerseits und Bezahlbarkeit

von Wohnraum andererseits – also vor

große Herausforderungen. Deshalb sucht

Vonovia nach Ergänzungen zur energetischen

Sanierung einzelner Gebäude. Um

den CO 2

-Ausstoß und die Energieverbräuche

zu reduzieren, setzt das Unternehmen

neben der klassischen energetischen

Gebäudesanierung mit bereits vorhandener

Technik auch auf serielle Ansätze

wie das innovative Energiesprong-System,

bei dem die Fassadendämmung aus der

Innovation im

Klimaschutz

Maßnahmen auf Wohnungsebene:

01 Umsetzung von Maßnahmen ohne

bauliche Eingriffe, z. B. optimierte

Heizungseinstellung

02 Digitalisierung der Gebäude und

Wohnungen z. B. mit Smart Metern

Maßnahmen auf Gebäudeebene:

03 Energetische Sanierungen, z. B.

Maßnahmen an der Gebäudehülle und

an den Heizungsanlagen

04 Infrastruktur für E-Mobilität, z. B.

Ladesäulen und E-Wallboxen

05 Nachhaltige Energieversorgung, z. B.

Photovoltaik-Anlagen

für Mieterstrom

86 globalcompact Deutschland 2020


Fabrik kommt. Und auf regenerative

Energien wie Photovoltaik. Denn der

zweite große Hebel zur Verbesserung der

Klimabilanz besteht bei Vonovia in der

Ausweitung der dezentralen Versorgung

mit erneuerbaren Energien. Mit einem

1.000 Dächer-Programm will Vonovia

in den kommenden Jahren mindestens

1.000 Dachflächen mit Photovoltaikmodulen

ausstatten, die jährlich rund

10.000.000 kWh Solarstrom erzeugen

sollen. Da das Ziel bereits erreicht ist,

denkt Vonovia über eine Ausweitung

nach.

02

01

09

07

08

03

04

Als dritten Hebel im Einsatz für den

Klimaschutz setzt Vonovia gezielt auf

Innovation und die Erforschung neuer

energiesparender Technologien. In

Bochum, dem Firmensitz des Unternehmens

in Nordrhein-Westfalen, entwickelt

Vonovia ein Konzept für ein

Innovationsquartier für Klimaschutz.

Das Quartier mit seinen 1540 Wohnungen

aus der Mitte des 20. Jahrhunderts

soll ein innovatives Beispiel für die

ökologisch und ökonomisch effiziente

Energieversorgung in urbanen Quartieren

werden. In diesem vom Land NRW

mit 6,2 Mio. Euro geförderten Projekt

sollen verschiedene Technologien auf

neuartige, intelligente Weise kombiniert

werden, um den Energieverbrauch zu

senken und die Sektorenkopplung voranzubringen.

Gemeint ist damit die

Vernetzung von Strom und Wärmenetzen

sowie Mobilität. Aus vor Ort gewonnenem

Solarstrom soll Wärme erzeugt

werden. Geplant ist ferner ein selbstlernendes

Energiemanagementsystem, das

dafür sorgt, dass Energie zur richtigen

Zeit am richtigen Ort zur Verfügung

steht – beispielsweise als Strom für

die Mieterhaushalte oder zum Betanken

von Elektroautos oder aber als Wärme.

Kern dafür ist eine "Energiezentrale der

Zukunft". Dabei handelt es sich um eine

Technikzentrale für 81 Wohneinheiten,

in der Vonovia die unterschiedlichsten

innovativen Technologien nutzt, um die

Mieter mit Energie zu versorgen.

05

06

Maßnahmen auf Quartiersebene:

06 Digitalisierung und Vernetzung

der Gebäude

07 Sektorenkopplung (Wärme,

Strom, Mobilität etc.) im Quartier

über digitale Plattform

08 Speicherung und Verteilung von

dezentral erzeugter Energie

ermöglicht Vor-Ort-Verbrauch

09 Förderung der Biodiversität

Durchgeführt wird das Bochumer Pilotprojekt

unter dem Dach des Open District

Hub. Das ist eine Forschungsinitiative,

zu der sich 2018 unter Führung mehrerer

Fraunhofer-Institute 14 Forschungseinrichtungen,

Technologiefirmen und

Immobilienunternehmen zusammengeschlossen

haben. Vonovia gehört zu den

Gründungsmitgliedern des ODH.

Insgesamt kann Vonovia in 2019 auf

eine Sanierungsquote von 3,7 Prozent

verweisen (Bundesdurchschnitt 1 Prozent).

Seit 2015 konnte die CO 2

-Bilanz

des Wohnungsbestandes von Vonovia

um fast 100.000 Tonnen CO 2

durch

energetische Sanierung verbessert (über

9 Prozent Reduktion) werden. Doch trotz

der Größe als führendes Wohnungsunternehmen

in Deutschland mit rund

1 Mio. Mietern, hat Vonovia lediglich

einen Marktanteil von unter 2 Prozent

am Wohnungsbestand des Landes. Damit

wird schnell klar, dass Klimaschutz

und bezahlbares Wohnen nur gemeinschaftlich

lösbar ist, also im Austausch

mit Mitbewerbern, Mietern, Politik und

Experten für Klima und Naturschutz. Um

Lösungen zu finden, setzt Vonovia auf

den Dialog und lud Vertreter aus Politik,

Wohnwirtschaft, Mieterverbänden und

Wissenschaft am 1. Oktober 2020 zur Klimakonferenz

„Perspektiven klimaneutralen

Wohnens“ ein. Außerdem ist Vonovia

Gründungsmitglied der bundesweiten

Initiative Wohnen.2050. – einem Zusammenschluss

aus mittlerweile über

70 Wohnungsunternehmen. Gemeinsam

arbeiten sie an einer Lösung, um den

Klimaschutz nachhaltig voranzubringen.

Alles Streben hat ein Ziel: Den Konflikt

zwischen bezahlbarem Wohnraum und

wirksamen Klimaschutz aufzulösen.

Nach dem Verständnis von Vonovia muss

beides gehen. „Wir investieren heute in

innovative Technologien, um Lösungen

für Morgen zu finden. Dabei verlieren wir

nie unsere Mieter aus dem Blick. Für sie

– also für Menschen mit ganz normalen

und zum Teil auch niedrigen Einkommen

– muss der Klimaschutz bezahlbar sein“,

erläutert Rolf Buch, warum Vonovia das

Thema mit Nachdruck und Engagement

vorantreibt. Der Vorstandsvorsitzende

von Vonovia sagt auch: „Wir wollen unserer

gesellschaftlichen Verantwortung

gerecht werden. Für dieses Thema gibt

es keinen Aufschub.“

globalcompact Deutschland 2020

87


BEST PRACTICE

Elektromobilität

vorantreiben

Als Familienunternehmen ist Nachhaltigkeit für Weidmüller kein Modewort, sondern eine

Grundeinstellung. Um die Welt auch für die nachfolgenden Generationen lebenswert zu

hinterlassen, hat sich Weidmüller schon früh mit Lösungen für die Nutzung erneuerbarer

Energien befasst und sich dabei als Pionier hervorgetan. Mit dem konsequenten Fokus auf

Nachhaltigkeit widmet sich das Detmolder Unternehmen nun auch der Elektromobilität, denn

hiermit scheinen Mobilität und Nachhaltigkeit miteinander vereinbar zu sein wie nie zuvor. Eine

effiziente und gut durchdachte Ladeinfrastruktur ist einer der Schlüssel für den Erfolg von

Elektromobilität.

Von Klaus Holterhoff, Geschäftsführer Weidmüller Mobility Concepts

Für die Transportmittel der Zukunft ist

Nachhaltigkeit unverzichtbar. Elektrofahrzeuge

werden eine zentrale Rolle für

die Mobilität spielen. Doch wie schnell

sich Elektrofahrzeuge durchsetzen, hängt

entscheidend von der Ladeinfrastruktur

ab. Mit der Gründung des Start-Ups

Weidmüller Mobility Concepts geht das

Familienunternehmen Weidmüller neue

Wege im Bereich e-Mobility. Innovativ

und anders Denken ist hier die Devise.

Flächendeckende und bedarfsorientierte

Ladeinfrastruktur mit Individuallösungen

für die unterschiedlichsten Anwendungsbereiche

gilt es zu entwickeln und

voranzutreiben. Neben technologisch

sicheren, alltagsgerechten und eichrechtskonformen

Ladestationen zählen

zu den Schwerpunkten des Tochterunternehmens

auch intelligente cloudbasierte

Services, mit denen die Nutzung und

Verwaltung der Weidmüller E-Mobility-

Produkte so einfach und komfortabel wie

möglich gemacht werden sollen.

elektrotechnischer Fertigung. Bei der

Entwicklung der Ladestationen und -konzepte

befasst sich das Unternehmen mit

allen Faktoren, die bei der täglichen

Nutzung eine Rolle spielen. Besonderer

Fokus liegt auf den Themen Montage,

Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und der

Akzeptanz von Ladestationen – und

natürlich deren Wirtschaftlichkeit. So

entstehen innovative Produkte und Lösungen,

die mit einfacher Installation,

ansprechendem Design, hoher Nutzerfreundlichkeit

und neuartigen Ansätzen

überzeugen. Auf diese Weise werden die

Bedürfnisse aller wichtigen Zielgruppen

angesprochen: von Privatnutzern und

Arbeitgebern über Planer, Vermieter

und die öffentliche Hand bis hin zum

ausführenden Elektroinstallateur.

Elektromobilität, die Menschen

bewegen soll

Bei Mobility Concepts werden Ladelösungen

für den privaten Bereich entwickelt,

aber auch die öffentliche und gewerb-

Individuelle Lösungen für Privat,

Gewerbe und Öffentlichkeit

Eine sichere Grundlage für die Entwicklung

optimierter Lösungen für Elektromobilität

bilden die Erfahrung und

Kompetenz von Weidmüller, sowohl

in der Verbindungs- und Elektrotechnik,

als auch bei Industrial-IoT-Lösungen,

Produktmanagement, Entwicklung und

88 globalcompact Deutschland 2020


liche Ladeinfrastruktur vorangetrieben.

Dabei wissen die Experten, worauf es im

jeweiligen Bereich ankommt. So muss

die perfekte Ladesäule für den Privathaushalt

nicht nur hohe Wirtschaftlichkeit

mit guter Ladegeschwindigkeit kombinieren.

Damit die „Strom-Tankstellen“

der Zukunft auch optisch ins traute

Heim passen, können beispielsweise die

AC-Wandladestationen in ihrem Design

so individuell gestaltet werden, dass sie

sich optimal in die eigene Garage oder

in den Carport integrieren. Als Familienunternehmen

weiß Weidmüller aber

auch, wie wichtig es ist, Moderne mit

Tradition vereinen zu können. In historischen

Innenstädten etwa könnte die

Optik einer hochmodernen E-Ladesäule

das Stadtbild verunzieren. Hier wurde

Weidmüller innovativ und hat eine Ladesäule

mit modernster Technologie

im Design einer klassischen Parkuhr

entwickelt. Authentisch und stilgerecht

integriert sich diese Nostalgie-Säule in

ihre historische Umgebung und erfüllt

gleichzeitig alle Ansprüche an die technologischen

Fortschritte im Bereich E-

Mobilität.

Neben der einfachen Installation spielt

im täglichen Gebrauch vor allem die

Nutzerfreundlichkeit eine große Rolle.

Diese hat bei Mobility Concepts einen

großen Stellenwert: Wie wird der Stecker

in der Ladebox angebracht, wie wird

das Kabel aufgewickelt? Das sind nur

wenige der vielen Fragen, die das agile

Team zu beantworten versucht, um eine

schnelle Akzeptanz von Elektromobilität

zu fördern.

Nachhaltige Mobilität muss auch nachhaltig

produziert werden

Wer sich den Ausbau von Elektromobilität

im Sinne der Nachhaltigkeit auf

die Fahnen schreibt, muss diese Verantwortung

auch in der Produktion

bedenken. Darum arbeitet das Team

nach einem stetig überprüften und optimierten

Konzept, bei dem der Schwerpunkt

auf Nachhaltigkeit gesetzt wird.

Das Unternehmen greift auf ein globales

Lieferanten-Netzwerk zurück, das

während des Onboarding-Prozesses im

Hinblick auf den Weidmüller Code of

Conduct geprüft wird. Damit stellt es

sicher, dass nur mit Lieferanten zusammengearbeitet

wird, die den Ansprüchen

an Umweltschutz etc. genügen. Weidmüller

übernimmt so gesellschaftliche

Verantwortung, insbesondere hinsichtlich

Arbeitsbedingungen, Sozial- und

Umweltverträglichkeit sowie Transparenz,

vertrauensvolle Zusammenarbeit

und Dialog. Hierbei werden nicht nur

die Lieferanten geprüft. Auch die Lieferketten

werden so effizient wie möglich

gehalten: In einer Rolling-Forecast

Planung werden Kurzfristlieferungen

minimiert und größere Stückmengen

mit umweltfreundlichen Transportmitteln

angestrebt. Verpackungseinheiten

werden bedarfsgerecht geplant und für

den Anwendungsfall optimiert. Generell

wird Verpackungsmüll vermieden,

in dem kluge Verpackungskonzepte

gewählt und Umlaufverpackungen genutzt

werden. Außerdem werden im

Produktmanagement Energiemanagement-Konzepte

entwickelt, die einen

sehr niedrigen Stand-By-Energieverbrauch

ermöglichen. Maßgeschneiderte

Komponenten vermeiden einen

hohen Eigenverbrauch im Leerlauf des

Betriebssystems und ermöglichen so

eine effizientere Energienutzung. Bei

jedem entwickelten Produkt steht eine

RoHS/REACH-Betrachtung an. Das heißt,

bei der Entwicklung und Auswahl der

Rohstoffe wird darauf geachet, dass diese

umweltverträglich sind. Zur Ressourcenschonung

hat Weidmüller Mobility

Concepts ein Gesamtsystem entwickelt,

in dem nur die benötigten Komponenten

verbaut werden und nicht alle Bestandteile,

von denen ohnehin nicht jedes in

jedem Anwendungsgebiet benötigt wird.

Flächendeckende und bedarfsorientierte

Ladeinfrastruktur

ausbauen

Der Ausbau einer flächendeckenden

Ladeinfrastruktur ist eine der Grundlagen

für die Verbreitung von Elektromobilität.

Genau das ist das Herzstück der

Weidmüller Tochter Mobility Concepts.

Hier wird der Fokus darauf gelegt, die

Ladeinfrastruktur mit neuen Ideen und

Konzepten voranzubringen. Flexibel

treiben die Mitarbeiter hier individuelle

Anwendungsbereiche an und arbeiten

kontinuierlich an Verbesserung, die auf

Kundenfeedback basiert. Als Pionier

der Industrial Connectivity gestaltet

Weidmüller so schon heute mit innovativen

und kreativen Ladeinfrastruktur-

Lösungen die Zukunft von morgen.

globalcompact Deutschland 2020

89


BEST PRACTICE

CWS Gruppe: Hauptsache

nachhaltig

Rund 173 Tonnen Handtuchrollen, 218 Tonnen Arbeitskleidung und 232 Tonnen Schmutzfangmatten

bereitet CWS täglich in eigenen Wäschereien auf und bringt sie zurück in den Mietkreislauf.

Auf diese Weise macht das Unternehmen seine Produkte immer wieder aufs Neue nutzbar.

Mit innovativen, nachhaltigen und digitalen Servicelösungen im Bereich Hygiene, Arbeitskleidung

und Health & Safety Services treibt CWS auch die Ziele für nachhaltige Entwicklung voran. Die

CWS-Gruppe steht so nicht nur für nachhaltige Services und Produkte, sie macht Nachhaltigkeit

zur Basis ihres Geschäftsmodells.

Von Dr. Maren Otte, Group Director of Corporate Communications & Corporate Responsibility, CWS Gruppe

Die Corona-Pandemie hat die Bedeutung

von Hygiene in der gesamten Welt noch

einmal verstärkt. Auch zuvor waren

saubere Arbeitskleidung, hygienische

Waschräume oder zuverlässige Reinraumlösungen

für unsere Kunden bereits

unerlässlich. Denn Hygiene sichert

die Gesundheit und Sicherheit der Belegschaft

und ist damit ein zentraler

unternehmerischer Faktor für Industrie,

Dienstleistungsgewerbe und den

Gesundheitssektor. Als Anbieter von

Berufskleidung und Hygienelösungen im

Mietservice sind wir von CWS Vorreiter

im Bereich der Sharing Economy

und Circular Economy. Indem wir

langfristig ausgerichtete Services

anbieten, eröffnen sich für

uns viele Hebel: Mit unserem

unternehmerischen Handeln

können wir die Ziele für

nachhaltige Entwicklung

positiv beeinflussen.

denken in geschlossenen Kreisläufen

und haben den kompletten Lebenszyklus

unserer Produkte im Auge. Wir

setzen auf Haltbarkeit, Wiedereinsatz,

Reparatur, innovative Waschverfahren

und moderne Recyclingmethoden: Je

länger ein Produkt oder Material im Nutzungskreislauf

bleibt, desto weniger Ressourcen

müssen

insgesamt

aufgewendet werden. Entscheidend ist

daher die Langlebigkeit unserer Produkte,

die wir regelmäßig auf den Prüfstand

stellen.

Außerdem setzen wir bewusst nachhaltige

Materialien ein. Bei unserer Arbeitskleidung

nutzen wir beispielsweise

gezielt fair gehandelte Baumwolle

oder recyceltes Polyester.

Nachhaltigkeit ist der Kern

unseres Geschäftsmodells.

Damit einher geht auch,

dass wir Nachhaltigkeit

nicht als Zustand verstehen,

sondern unsere Prozesse, Produkte

und Lösungen ständig

weiter verbessern. Der größte

Hebel für positive Veränderungen

ist dabei unser nachhaltiger Umgang

mit Ressourcen (SDG 12): Wir

90 globalcompact Deutschland 2020


So tragen wir zudem dazu bei, unser

Landökosystem zu schützen (SDG 15).

Gleichzeitig stellen wir sicher, dass Sozial-

und Arbeitsstandards in unseren

Lieferketten eingehalten werden (SDG 8).

Nachhaltige Handhygiene

Auch bei unseren Hygiene-Lösungen

sparen wir Ressourcen und bieten gleichzeitig

moderne, zuverlässige Hygienesysteme.

Im Sommer 2019 haben wir die

neue Sensorarmatur CWS SmartWash

auf den Markt gebracht, die komplett

kontaktlos funktioniert. Sie gibt ein

vorgefertigtes Gemisch aus Wasser und

Seife ab, stoppt dann, bis die Hände

lange genug eingeseift wurden, und

spült anschließend mit klarem Wasser

nach. Beim Nachfolger SmartWash Plus

zeigt eine Animation im Spiegel des

Waschraums darüber hinaus, wie man

sich richtig die Hände wäscht.

So trägt SmartWash effektiv zu Ressourcenschonung

und Klimaschutz bei, indem

es der Verschwendung von Wasser

und Seife vorbeugt (SDG 6). Da beide

Komponenten automatisch vorportioniert

werden, können pro Waschvorgang

bis zu 90 Prozent Wasser und rund 60

Prozent Seife gespart werden. Dank unserer

Kooperation mit der niederländischen

Stiftung Made Blue garantieren wir mit

jeder vermieteten SmartWash-Armatur

zudem zehn Schulkindern in Entwicklungsländern

ein Jahr lang Zugang zu

10.000 Litern sauberem Trinkwasser.

Die Kooperation mit Made Blue steht

exemplarisch für eine Vielzahl an Partnerschaften,

in denen wir uns engagieren

(SDG 17).

Verantwortungsvoller

Energieeinsatz

Bei CWS waschen wir täglich rund 623

Tonnen Textilien. Wir legen besonderen

Wert darauf, die Umweltbelastungen

unserer Waschvorgänge zu minimieren

(SDG 6). Das ermöglichen wir unter anderem,

indem wir in unseren Wäschereien

rund 80 Prozent des eingesetzten Wassers

wiederverwenden.

Innovative Niedrigtemperatur-Waschverfahren

bringen zusätzliche Einsparungen.

Optimierte Waschmittel garantieren

die gleiche Effektivität bei deutlich

geringerem Energieaufwand. Aktuell

waschen wir so ganze 90 Prozent aller

Stoffhandtuchrollen und europaweit

circa 20 Prozent der Arbeitskleidung.

Indem wir kontinuierlich unseren Energieverbrauch

reduzieren, bringen wir

uns aktiv in den Kampf gegen den Klimawandel

ein (SDG 13).

Kontinuierliche Verbesserung

Wir wollen immer besser werden, auch

in den Details. So haben wir festes Mikroplastik

aus all unseren Seifen verbannt

und dafür insgesamt 45 Produkte auf

den Prüfstand gestellt. Wo immer es

nötig war, haben Produktentwickler

die chemischen Formeln angepasst. Die

Umstellung erspart den Gewässern pro

Jahr 31 Tonnen Mikroplastik.

Wo Feststoffe für die Reinigungswirkung

der Seifen unerlässlich sind, haben wir

sie durch natürliche Stoffe ersetzt. Die

Reibeteilchen der neuen Abrasiva Seife

bestehen aus Maiskolbenmehl und

helfen, auch hartnäckigen Schmutz wie

Motoröl oder Ruß abzuwaschen. Es wird

aus Maiskolben hergestellt, die bereits

gedroschen wurden, so dass keine Nahrungs-

oder Futtermittel verschwendet

werden. Das Mehl reinigt gründlich,

schont die Haut, hat ein geringes Allergiepotenzial

und wird in der Natur

vollständig abgebaut.

Nachhaltigkeit als Basis des geschäftlichen

Erfolges

CWS steht in ganz Europa für ganzheitliche

Lösungen für Gesundheit, Sicherheit

und Schutz. In den kommenden Jahren

wollen wir unsere Vorreiterposition weiter

ausbauen und zum nachhaltigsten

Unternehmen unserer Branche werden.

Unsere Serviceleistungen erbringen wir

umweltbewusst und nachhaltig. Für unsere

Kunden ist unser Mietservice eine

komfortable Rundum-Lösung.

Gleichzeitig profitieren unsere Kunden

unmittelbar von unseren Nachhaltigkeits-Aktivitäten.

Bis 2024 möchten wir

unser gesamtes Produktportfolio auf

Nachhaltigkeit optimieren. Davon profitiert

nicht nur die Umwelt, sondern

auch unsere Kunden. Auf der Basis langfristiger

Servicelösungen können unsere

Kunden ihren ökologischen Fußabdruck

reduzieren und einen wichtigen Beitrag

leisten.

Gemeinsam sind wir unternehmerisch

erfolgreich und tragen gleichzeitig mit

nachhaltigen Produkten und Services

zu einer gesünderen und sicheren Zukunft

bei.

globalcompact Deutschland 2020

91


BEST PRACTICE

Due Diligence: Französisches

Gesetz als Vorbild für

Deutschland und die EU?

Während in Deutschland noch über das Sorgfaltspflichtengesetz, auch als Lieferkettengesetz

bekannt, debattiert wird, existieren in anderen Ländern bereits Regelungen zur Due Diligence.

Vor allem das französische Gesetz „Loi sur le devoir de vigilance“ gilt als vorbildlich. Was es

beinhaltet, hat eine von iPoint-systems in Auftrag gegebene Studie untersucht.

Von Dr. Katie Böhme, Head of Corporate Communications, iPoint-systems

Die Europäische Union will im Zuge des

European Green Deal und des Corona-

Rettungspakets auch gesetzliche Regelungen

erlassen, die Unternehmen

ab 2021 zu menschenrechtlicher und

ökologischer Sorgfalt (Due Diligence)

in ihren Lieferketten verpflichten. EU-

Justizkommissar Didier Reynders informierte

unter anderem in einem Webinar

im April 2020 über das Vorhaben. Damit

schließt sich die EU bestehenden

Bestrebungen an, die beispielsweise in

Frankreich mit der „Loi sur le devoir

de vigilance“ oder in den Niederlanden

mit dem „Wet Zorgplicht Kinderarbeid“

bereits Gesetzeskraft erlangt haben,

berichten Dr. Chris N. Bayer und Juan

Ignacio Ibañez im iPoint-Blog.

Auch in Deutschland wird aktuell über

ein Sorgfaltspflichtengesetz entlang der

Wertschöpfungskette diskutiert. Dies sei

dringend nötig, weil nur etwa ein Fünftel

der deutschen Unternehmen überhaupt

die Einhaltung der Menschenrechte in

ihren Lieferketten überprüften, berichtet

die NGO „Initiative Lieferkettengesetz“

anlässlich des Monitorings der Bundesregierung

im Rahmen des Nationalen

Aktionsplans Wirtschaft und Menschenrechte

(NAP). Vor drohenden massiven

Belastungen der Wirtschaft durch das

auch von den Bundesministern Hubertus

Heil (SPD) und Gerd Müller (CSU)

befürwortete Gesetz warnt hingegen der

Vorsitzende des Sachverständigenrates

zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen

Entwicklung, Lars Feld, in der FAZ.

Derweil gilt vielen das französische Sorgfaltspflichtengesetz

als Vorbild für eine

etwaige EU-weite Regelung. In Frankreich

müssen Unternehmen ab einer

Größe von 5.000 Mitarbeitern Pläne

aufstellen, umsetzen und evaluieren,

wie sie die Gesundheit und Sicherheit

der Mitarbeiter in ihren Zulieferunternehmen

schützen und auch den Umweltschutz

vor Ort gewährleisten. Zudem

müssen sie direkte und indirekte Risiken

über schädliche Auswirkungen ihrer

Lieferbeziehungen identifizieren und

Vorkehrungen zu ihrer Verhinderung

treffen. Auch darüber muss jährlich

berichtet werden.

Ob das französische Gesetz in der Praxis

wie erwartet funktioniert, hat die Berliner

gemeinnützige Forschungsagentur

„Development International e.V.“ in einer

vom Softwarehaus iPoint-systems in Auftrag

gegebenen Studie untersucht. Darin

wurden die Sorgfaltspflichtberichte von

134 französischen Unternehmen anhand

von 42 quantitativen Leistungskennzahlen

und weiteren 14 qualitativen

Merkmalen auf ihre Übereinstimmung

mit den gesetzlichen Vorgaben und ihrer

Konformität mit den „UN Guiding Principles

on Business and Human Rights“

(UNGP) sowie die Qualität der Offenlegungen

geprüft.

Das Gesamtergebnis zeigte, dass die

meisten Unternehmen noch deutliches

Verbesserungspotenzial gerade bei

der Transparenz (hier wurde ein Wert

von 36 Prozent Übereinstimmung mit

den Kennzahlen ermittelt) und bei der

Konformität mit den UNGP-Prinzipien

(24 Prozent) aufwiesen. Die Beachtung

der Vorschriften sei mit insgesamt

66 Prozent aber bereits zufriedenstellend.

Grundsätzlich seien durch das Gesetz

Reformprozesse in den französischen

Unternehmen angestoßen worden. Ein

Ziel von Due Diligence liegt darin, das

Bewusstsein für die Bedeutung verantwortungsvoller

Unternehmensführung

zu steigern. Über die Offenlegungspflicht

soll außerdem eine Art Pool von Beispielen

guter Praxis entstehen, an dem sich

auch andere Unternehmen orientieren

können. Die Autoren der Studie verweisen

in einem Fachbeitrag für iPointsystems

darauf, dass auf dem Weg zu

diesen Zielen einige Fallstricke lauern. In

92 globalcompact Deutschland 2020


ihrer nichtfinanziellen Berichterstattung

neigten viele Unternehmen dazu, eher

über etwaige Risiken in der Lieferkette

und deren Vorbeugung zu berichten als

über aktuelle schädliche Auswirkungen

der Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen

und Lieferanten. Das hat

eine 2019 ebenfalls von Development

International erstellte und von iPoint

geförderte Vergleichsstudie zur nichtfinanziellen

Berichterstattung in

Deutschland, Österreich und Schweden

gezeigt. Dabei zeigten sich länderspezifische

Unterschiede: Schwedische Unternehmen

berichten nach Ansicht von Bayer

und Ibañez besonders offen über den

eigenen Impact auf menschenrechtliche,

Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen

in der Lieferkette.

Als geeignetes Mittel gegen die uneinheitliche

Befolgung der menschenrechtlichen

und ökologischen Sorgfaltspflicht

empfehlen die Autoren eine striktere

Gesetzgebung nach französischem

Vorbild. Unternehmen würden unter

anderem auch deshalb dazu motiviert,

ihren Due-Diligence-Verpflichtungen

gewissenhaft nachzukommen, weil betroffene

Akteure die Unternehmen sogar

in Haftung nehmen könnten, falls sie

ihnen Verstöße oder auch falsche oder

nicht ausreichende Schutzmaßnahmen

nachweisen können. Die Diskussion

in der EU laufe auf ein solches Modell

hinaus, das dann für Unternehmen aller

Größen und Sektoren gelten werde,

eventuell mit Ausnahmen für kleine

und mittlere Unternehmen.

Das Reutlinger Softwarehaus iPoint finanziert

regelmäßig Studien und Projekte

zu Due Diligence und nichtfinanzieller

Berichterstattung. Damit und mit

seinen auf dem Ansatz der Circular Economy

aufsetzenden Softwarelösungen

für Produkt-Compliance, Nachhaltigkeit,

Risikomanagement- und Due-Diligence-

Prozessen sowie zur Nachverfolgbarkeit

des gesamten Produkt-Lebenszyklus

und zur Lieferketten-Transparenz

leistet iPoint einen Beitrag zu SDG 12

(nachhaltige/r Konsum und Produktion).

Vor allem tragen die Lösungen dazu bei,

die ökologischen und sozialen Fußabdrücke

von Unternehmen und Produkten

sichtbar zu machen. Des Weiteren fördern

iPoints Softwarelösungen auch die

Erreichung von SDG 8 (menschenwürdige

Arbeit und Wirtschaftswachstum)

und SDG 9 (Industrie, Innovation und

Infrastruktur).

Die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und

Menschenrechte

Die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (UNGP) wurden

2011 vom UN-Menschenrechtsrat einstimmig angenommen. Die rechtlich nicht

verbindlichen Prinzipien haben gleichwohl ihren Niederschlag in einer Vielzahl

weiterer Initiativen und Rahmenwerke gefunden. Die UNGP werden durch drei

Säulen bestimmt: Schutz der Menschenrechte, Achtung der Menschenrechte und

Zugang zu Abhilfe. Beim Schutz der Menschenrechte wird vor allem der Staat

angesprochen, während die zweite Säule sich insbesondere an Unternehmen

wendet. Hier findet das Thema Due Diligence seinen Niederschlag. Die dritte

Säule geht von einer geteilten Verantwortung von Staaten und Unternehmen

aus. Staaten sollen gesetzliche und institutionelle Vorkehrungen treffen, damit

Betroffene die Einhaltung der Menschenrechte einfordern können. Auch von

Unternehmen wird erwartet, Beschwerdemöglichkeiten und gegebenenfalls

auch Möglichkeiten zu schaffen, Wiedergutmachung für begangene

Menschenrechtsverletzungen zu leisten.

globalcompact Deutschland 2020

93


BEST PRACTICE

Product Value Impacting:

Auswirkungen von

Produkten aufzeigen

Um den zunehmenden nachhaltigkeitsbezogenen Anforderungen gerecht werden zu können, ist

es erforderlich, dass Unternehmen die gesellschaftlichen, ökologischen sowie ökonomischen

Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit, positiv wie negativ, möglichst genau kennen. Eine

Möglichkeit, diese Einflussnahme abzubilden, ist die sogenannte Impact Valuation (deutsch:

„Wirkungsbewertung“). K+S setzt hierzu bei der Bewertung der Produktauswirkungen an, da der

Unternehmensbeitrag zu den drei Nachhaltigkeitsdimensionen maßgeblich vom Produkt- und

Dienstleistungsportfolio abhängt. Als Produzent unverzichtbarer Produkte in den Bereichen

Landwirtschaft, Lebens- und Futtermittel, Medizin und Pharma sowie für zahlreiche industrielle

Anwendungen nimmt K+S mit deren Herstellung und späteren Anwendung vielfältig Einfluss auf

Gesellschaft, Umwelt und die Wirtschaft. Mit dem Product Value Impacting hat K+S einen

Ansatz zur Quantifizierung der Produktauswirkungen entwickelt und umgesetzt.

Von Lena Michel, Johanna Schramm und Mareike Iba, K+S Minerals and Agriculture, ein Unternehmen der K+S Gruppe

Impact Valuation ist ein Konzept zur

Identifizierung und Quantifizierung

unternehmensbezogener Auswirkungen

auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft.

Je nach Einflussnahme können die Auswirkungen

positiver oder negativer Art

sein. Die Durchführung einer Impact

Valuation ermöglicht Unternehmen, die

Auswirkungen der Geschäftstätigkeit

differenziert in den drei Nachhaltigkeitsdimensionen

zu verstehen. Darüber

hinaus können Ansatzstellen zur Verbesserung

der Nachhaltigkeitsleistung

identifiziert werden.

Nachhaltigkeitsleistung von Produkten

messbar machen

Die Auswirkungen eines Unternehmens

hängen grundlegend von den Produkten

und Dienstleistungen ab, die das Unternehmen

produziert und bereitstellt. Entlang

der verschiedenen Lebenszyklusphasen

haben Produkte und Dienstleistungen

direkte und indirekte Auswirkungen auf

Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft.

Daher ist es von zentraler Bedeutung,

neben der übergeordneten Unternehmenswirkung

auch die produktspezifischen

Auswirkungen zu betrachten.

Diesen Ansatz hat K+S gewählt.

Um die Nachhaltigkeitsleistung der K+S

Produkte messbar zu machen, hat das

Unternehmen ein mehrstufiges Bewertungssystem

erarbeitet, welches sowohl

qualitative als auch quantitative Elemente

enthält.

Anhand einer umfassenden Produktportfolioanalyse

wurden Auswirkungen

und Nutzen von Produkten und

Dienstleistungen entlang ihrer Lebenszyklen

analysiert. Mit Hilfe von Experten-

Interviews, Literaturrecherchen und

Auswertungen unternehmenseigener

Daten wurden entsprechende Inhalte

in den drei Nachhaltigkeitsdimensionen

eruiert und kategorisiert. Anschließend

wurden die Ergebnisse mit Blick auf ihren

Beitrag zur Nachhaltigkeit aggregiert

und quantifiziert.

Product Value Impacting als

Steuerungsinstrument

Das Product Value Impacting kann als

strategisches Steuerungsinstrument genutzt

werden. Es ermöglicht Unternehmen,

die Nachhaltigkeitsleistung der

Produktsegmente zu analysieren und

94 globalcompact Deutschland 2020


zu bewerten. Anhand dieser Erkenntnisse

können Ansatzpunkte identifiziert

werden (z.B. in der Produktion oder

Produktentwicklung), die zur Produktoptimierung

genutzt werden können.

Die aggregierte Gesamtwirkung des Produktportfolios

bildet den zentralen Bestandteil

für die Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung

auf Unternehmensebene.

Beitrag der K+S zu den SDGs

Anhand der Ergebnisse aus der K+S

Produktportfolioanalyse wurde ein SDG

Mapping vorgenommen.

Hierbei wurde detailliert geprüft, zu

welchen der 17 Ziele und der 169 Unterzielen

K+S mit seinen Produktsegmenten

einen Beitrag leistet.

Für jedes Produktsegment wurde neben

dem direkten Beitrag zu den SDGs auch

der langfristige, übergeordnete, indirekte

Beitrag zugeordnet.

Das Ergebnis ist eine Matrix, welche

indirekte und direkte Beiträge der K+S

Produktsegmente zu den SDGs aufzeigt.

Beitrag des K+S Produktportfolios

zu den SDGs am Beispiel des

Geschäftssegments Landwirtschaft

Direkte Wirkung

Langfristige,

übergeordnete,

indirekte Wirkung

Details SDGs SDG Unterziele

• Produktivitätssteigerungen in

der Landwirtschaft:

Ertragsmenge und Qualität

• Effizientere Nutzung kritischer

Ressourcen wie Wasser,

Stickstoff und Phosphat

• Nährstoffbereitstellung in

hoher Qualität

• Ernährung einer wachsenden

Weltbevölkerung bei

sinkender landwirtschaftlicher

Nutzfläche

• Verbesserung der Mineralstoffversorgung

von Mensch

und Tier

2.3, 2.4, 12.2, 12.3

2.1, 2.2, 2.3, 2.a, 3,

13.1

Detaillierte Zuordnung der direkten und langfristigen, übergeordneten, indirekten

Wirkung des Geschäftssegments Landwirtschaft zu den SDGs

Mit den Pflanzennährstoffen im Geschäftssegment

Landwirtschaft trägt K+S

zur Produktivitätssteigerung in der Landwirtschaft

(Ertragsmenge und Qualität)

und zur effizienteren Nutzung kritischer

Ressourcen wie Wasser, Stickstoff und

Phosphat sowie zur Nährstoff bereitstellung

in hoher Qualität bei.

Neben dem direkten Beitrag zu SDG

2 und 12 leistet das Produktsegment

auch übergeordnet einen langfristigen,

indirekten Beitrag zur Ernährung einer

wachsenden Weltbevölkerung bei sinkender

landwirtschaftlicher Nutzfläche

(SDG 2 und 13) sowie zur Verbesserung

der Mineralstoffversorgung von Mensch

und Tier (SDG 2 und 3).

Sustainable Development Goals

Segment

Landwirtschaft

Industrie

Verbraucher

Gemeinden

Beitrag unserer Produktsegmente zu den SDGs ( = Direkte Wirkung, = Langfristige, übergeordnete, indirekte Wirkung)

globalcompact Deutschland 2020

95


BEST PRACTICE

SHIFT happens

SHIFT baut das erste deutsche Smartphone. In Falkenberg in Nordhessen ist aber nicht nur

unser Firmensitz, das kleine Dorf ist auch unsere Heimat. Und wo man Zuhause ist, will man

etwas tun, das bleibt. Von den meisten aktuellen Smartphones können wir das leider nicht

sagen: Alle 21 Monate tauschen Deutsche ihre Geräte gegen neue aus, und die Entsorgung des

Elektroschrotts gerät zu einer zentralen Herausforderung der Digitalisierung. Smartphones,

die unser Leben eigentlich besser, schöner, gesünder und effizienter machen sollen, sind

verantwortlich für eine globale Verschwendung und soziale wie ökologische Krisen. SHIFT

bedeutet Veränderung und darum geht es bei uns: Als Social Business stellen wir unsere Geräte

und unser Wissen in den Dienst einer Digitalisierung, die den Menschen in den Mittelpunkt setzt.

Von Jonathan Linker

Mit rund 30 Mitarbeitern in Deutschland

und rund 10 Mitarbeitern in einer

eigenen Manufaktur in China ist SHIFT

im Branchenvergleich ein sehr kleines

Unternehmen. Aber wir haben eine große

Idee: Wir entwickeln Technologie,

die Sinn macht. Unser Ziel ist nicht,

immer noch mehr Geräte zu verkaufen,

sondern ein Gerät möglichst lange und

für möglichst viele Menschen nutzbar

zu machen. Wir wollen mit weniger Geräten

mehr Menschen glücklich machen

und damit die Ökosysteme entlasten.

Profitieren sollen davon nicht nur die,

die unsere Geräte nutzen, sondern auch

die, die sie produzieren oder am Ende

des Produktlebenszyklus wieder zerlegen.

Denn ein Smartphone ohne nachhaltiges

Design ist heute nicht mehr smart. Aus

1,9 Millionen Tonnen Elektronik, die

2019 in Deutschland verkauft wurden,

werden bei gängiger Produktion rund

1,7 Millionen Elektroschrott (Massmann,

2018). Ein schönes Gerät für den Müll ist

ein hässliches Problem für den Planeten.

Deshalb endet unser Blick auf Design

nicht bei Äußerlichkeiten. Wir investieren

einen Großteil unserer Arbeit auf das,

was man auf den ersten Blick nicht sehen

kann. Wir bauen unsere Smartphones

und ab 2021 auch Laptops modular. Alle

Komponenten unserer Geräte lassen sich

spielend leicht austauschen.

Unsere Kunden können Reparaturen

deshalb selbst und ohne Verlust der

Garantie vornehmen. Mit Youtube-

Anleitungen motivieren wir sie dazu,

den mitgelieferten Schraubendreher

in die Hand zu nehmen, wenn es nötig

wird. Am häufigsten gehen Akkus, Displays

und Kameras von Smartphones

kaputt, deshalb lassen sich diese Teile

bei unseren Shiftphones innerhalb weni-

96 globalcompact Deutschland 2020


Front-Kamera (13MP)

Lautsprecher

3,5 mm

Audiobuchse

Back-Kamera (21MP OIS)

Antennenmodul

T3 Standardschrauben (M1, 4)

(Werkzeug liegt bei)

Backcover mit

NFC-Modul

Hauptplatine mit

CPU, Memory, etc.

ger Minuten austauschen. Nebeneffekt:

unsere Kunden können ihr Gerät sehr

schnell wieder benutzen. Das Unding

„wirtschaftlicher Totalschaden“ existiert

bei einem Shiftphone praktisch nicht

mehr, weil wir unsere einzelnen Bauteile

vergleichsweise günstig anbieten

können. Damit unser Ansatz, Elektronik

nachhaltig zu gestalten, viele Nachahmer

findet, verzichten wir bewusst auf

Patentierungen unserer bislang fast einzigartigen

Bauweise.

5,7" FullHD AMOLED

Display auf A-Frame

Dual-SIM und

MicroSD

Steckplätze

Ladebuchse

(USB Typ C)

Lautsprechermodul

mit Mikrofon

B-Frame als Träger

aller Koponenten

4240 mAh

modularer Akku

Entscheiden sich unsere Kunden trotzdem

irgendwann für ein neues Gerät,

motiviert unser Gerätepfand dazu, nicht

mehr benötigte Smartphones an uns zurückzusenden.

Wir nutzen alle intakten

Komponenten dann für den Vertrieb von

Second-Life-Geräten. Innerhalb einer Modellreihe

sind unsere Bauteile abwärtskompatibel.

Defekte Komponenten geben

wir an ein auf Recycling spezialisiertes

Unternehmen in Deutschland weiter. Die

Module unserer Geräte sind nach Funktionen

getrennt: Geht das Display kaputt,

muss nur das Display getauscht werden,

weil keine weiteren Komponenten damit

verlötet oder verklebt sind. Rohstoffe und

Bauteile einzelner Module verarbeiten

wir so, dass sie möglichst gut getrennt

und wiederverwendet werden können.

Unsere Motivation ist unsere Wertschätzung

für die Menschen und unseren

Planeten. Wir glauben: Wer seine Produkte

liebt, baut sie automatisch für

ein langes Leben. Wer seine Umwelt

liebt, sorgt für Recyclingfähigkeit am

Ende des Product-Life-Cycle. Wer seine

Mitmenschen liebt, sorgt sich um die

faire Beschaffung von Rohstoffen und

gute Arbeitsbedingungen.

Die Anzahl elektronischer Devices steigt

mit der Digitalisierung unserer Welt

weiter exponentiell an. Rohstoffe im

Wert von 57 Milliarden US-Dollar werden

allein im Elektroschrott aus dem

Jahr 2019 vermutet (Forti, Bladé, Kuehr,

& Bel, 2020). Die Zustände auf Elektroschrottdeponien

wie in Agbogbloshie in

Ghana, wo 40.000 Menschen mit Feuer

und primitiven Werkzeugen versuchen,

Rohstoffe wie Kupfer und Blei wiederzugewinnen,

sind eine humanitäre und

ökologische Katastrophe. Die Expansion

digitaler Technologie führt zu einer Spaltung

in eine Hälfte der Welt, die unter

kritikwürdigen Bedingungen Rohstoffe,

Arbeitskraft und stoffliche Verwertung

für die Herstellung und Entsorgung von

Geräten bereitstellt, die von der anderen

Hälfte der Welt genutzt wird.

SHIFT hat Alternativen entwickelt, die

sich unter Marktbedingungen beweisen

und auf mehreren Ebenen das Leben

von möglichst vielen Anspruchsgruppen

verbessert, ohne Abstriche bei Leistungsfähigkeit,

Design oder Preis für den Endkunden.

Unser Weg führt uns weiter vom

modularen zum universalen Device. Statt

technische Fortschritte für die Ausdifferenzierung

von Consumer Electronics

zu nutzen, wollen wir möglichst viele

technische Ressourcen gemeinsam nutzen.

Bei unserem aktuellen SHIFT6mq

setzen wir auf noch höhere Modularität,

die auch Upgrades eigener Bauteile wie

einer besseren Kamera künftig ermöglichen

wird.

Mit dem SHIFTmu entwickeln wir aktuell

ein Gerät, bei dem dieser Ansatz deutlich

weiter geht: Offen für verschiedene

Betriebssysteme und mit starken Prozessoren

bereit für jede Herausforderung.

Damit bauen wir das erste Smartphone,

das im nächsten Moment Tablet oder

Laptop oder Workstation sein kann. Das

Smartphone ist dann nur noch zentrale

Rechen- und Speichereinheit und wird

mit größeren Bildschirmen und externen

Eingabegeräten verbunden. So teilen sich

mehrere Geräte die gleiche technische

Infrastruktur und es entsteht nochmals

deutlich weniger Elektroschrott als durch

separate modulare Geräte. Das 2019

vorgestellt Konzept des SHIFTmu basiert

auf einer neuen Generation von Mikroprozessoren,

die wir für 2021 erwarten.

Wir begreifen Technologie als eine

Chance für „Fair-Änderung“, eine Neuausrichtung

an Werten wie Vertrauen,

Wohlergehen, Freiheit, Gerechtigkeit,

Schönheit, Kreativität, Nachhaltigkeit

und Liebe. Wir machen sie mit unserem

Unternehmen und unseren Produkten

erlebbar. Shift happens.

globalcompact Deutschland 2020

97


BEST PRACTICE

Symrise: Nachhaltig und

erfolgreich in die Zukunft

Von Christina Witter und Friedrich-Wilhelm Micus, Corporate Communications, Symrise

Nachhaltigkeit gepaart mit Wirtschaftlichkeit

entlang der Wertschöpfungskette:

Symrise, Hersteller von Duft- und

Geschmackstoffen, kosmetischen Grundund

Wirkstoffen sowie funktionalen Inhaltsstoffen

für Lebensmittel, lebt seine

Firmenstrategie vom Ursprung seiner

Rohstoffe bis zum Einsatz bei seinen

Kunden. Mit seiner Nachhaltigkeitsberichterstattung

erfüllt das Unternehmen

die Richtlinien der Global Reporting

Initiative (GRI) in der Fassung der „GRI

Standards“ (2016) inklusive der jüngsten

Updates ausgewählter Indikatoren

aus dem Jahr 2018. Gleichzeitig leiten

Symrise als aktives Mitglied des Global

Compact zudem dessen universelle

Prinzipien für eine verantwortungsvolle

Unternehmensführung als auch die

nachhaltigen Entwicklungsziele der

Vereinten Nationen – die Sustainable

Development Goals (SDGs). Diese 17

nachhaltigen Entwicklungsziele der

Vereinten Nationen (UN) bilden wichtige

Eckpfeiler des Nachhaltigkeitsansatzes.

Die SDGs sollen helfen, die Welt bis 2030

nachhaltiger zu gestalten – ökonomisch,

ökologisch, sozial. 2015 haben die UN-

Mitgliedstaaten diese in der „Agenda

2030“ verabschiedet.

Wesentlichkeitsmatrix von Symrise

zeigt relevanteste SDGs auf

Mit seiner Wesentlichkeitsanalyse prüft

Symrise kontinuierlich, welche der SDGs

für das Unternehmen oder seine Stakeholder

die größte Relevanz besitzen

und wo es mit seiner Geschäftstätigkeit

den größten Mehrwert schaffen kann.

Anhand der Ergebnisse entstand eine

Wesentlichkeitsmatrix mit Themen-

Gruppen.

Auf diese Nachhaltigkeitsziele zahlt

Symrise ein

Aufgrund seiner breiten Aufstellung und

seines vielschichtigen Geschäftsmodells

behält Symrise alle Ziele im Blick und

rückt gleichzeitig diejenigen in den Fokus,

zu denen es den größten Beitrag leisten

kann. So gehören „menschenwürdige

Arbeit und Wirtschaftswachstum“ (SDG

8), „nachhaltiger Konsum und Produktion“

(SDG 12), „Klimaschutz“ (SDG 13),

„Schutz bzw. Biodiversität von Leben an

Land und unter Wasser“ (SDG 14/15) sowie

„Partnerschaften zur Erreichung der

Ziele“ (SDG 17) zu den Schlüsselthemen.

Insbesondere die Partnerschaften stehen

im Fokus. Denn Symrise weiß: Nur

gemeinsam mit den richtigen Partnern

kann es nachhaltig wachsen.

98 globalcompact Deutschland 2020


SDG 8: Menschenwürdige Arbeit

und Wirtschaftswachstum

Das Einhalten der Menschenrechte und

-würde bei den Arbeitsbedingungen gehört

zu den konkreten Zielen von Symrise.

Sie tragen zum verantwortungsvollen

Wachstum des Unternehmens

bei. Zulieferer und Geschäftspartner

müssen unter anderem den Symrise

Verhaltenskodex anerkennen, bevor eine

Kooperation entstehen kann. Der Kodex

schreibt unter anderem humanitäre

Arbeitspraktiken und menschenwürdige

Beschäftigung vor.

SDG 12: Nachhaltiger Konsum und

Produktion

Nachhaltige Produktionsabläufe und

der effiziente Einsatz natürlicher Ressourcen

gehören für Symrise fest zum

Kerngeschäft. Das beginnt beim umweltgerechten

Nutzen von Chemikalien und

reicht bis zum Vermeiden von Abfällen.

Insbesondere in der Produktentwicklungsphase

hat Symrise gemeinsam mit

seinen Partnern einen großen Einfluss

auf SDG 12.

SDG 13: Maßnahmen zum Klimaschutz

Klimaschutz bildet einen festen Bestandteil

der Unternehmens-Strategie. Vor

zwei Jahren ist Symrise der Task Force

on Climate-related Financial Disclosures

(TCFD) beigetreten und setzt sich für den

Ausbau klimabezogener Unternehmensberichterstattung

ein. Außerdem will

Symrise seinen Strom bis 2025 komplett

aus erneuerbaren Quellen beziehen

sowie seine Öko-Effizienz um über 60

Prozent steigern. Bis 2030 will das Unternehmen

eine klimapositive Bilanz

ausweisen. Das Ziel, seine Emission bis

2020 um 33 Prozent zu verringern, hat

Symrise bereits vorzeitig erreicht.

SDG 14 und 15: Biodiversität an Land

und im Wasser

Aromen und Düfte auf Basis natürlicher

Rohstoffe zu entwickeln – dafür

braucht es global eine große Artenvielfalt.

Symrise trägt zum Schutz der Biodiversität

und zum Erhalt natürlicher Lebensräume

bei. Dazu gehört der nachhaltige

Bezug von Rohstoffen, das Bewerten von

Lieferanten nach Nachhaltigkeitskriterien

und Engagement in internationalen

Initiativen.

SDG 17: Partnerschaften zur Erreichung

der Ziele

Wissenstransfer und Synergien zwischen

Symrise, seinen Lieferanten, politischen

Akteuren und Partnern vor Ort bilden

die Grundlage der Geschäftstätigkeit. In

diesem Zusammenhang gehört auch die

Rückwärtsintegration zu den relevanten

Eckpfeilern. Symrise möchte Zugang zu

Rohstoffen erlangen, die sich nachverfolgen

lassen, die sicher und hochwertig

sind, ohne selbst Farmen zu besitzen

oder Rohstoffe anzubauen. Sehr gut

gelingt dem Unternehmen dies etwa mit

der Grapefruit aus Südafrika.

Grapefruit-Erfolgsgeschichte –

die SDGs in der Praxis

Die Grapefruit spielt für Symrise zunehmend

eine wichtige Rolle. Aktuell

ergänzt sie das Zitrusportfolio mit einem

kleineren Anteil, der gleichzeitig

überproportional stark wächst. Das

Anbaugebiet KwaZuluNatal, einer Provinz

in Südafrika, ergänzt das Angebot

aus Florida nachhaltig. Hier kauft das

Unternehmen qualitativ hochwertige

Rohstoffe ein und fördert zugleich die

enge Zusammenarbeit mit regionalen

Zulieferern und Landwirten. Lag der

Weltmarktanteil der Grapefruit in der

Region vor zehn Jahren bei unter zehn

Prozent, so liegt er heute bereits bei 30.

Symrise unterstützt zudem die Bauern,

indem es zu besseren Lebensbedingungen

beiträgt und zielt darauf

ab, den Beruf des Landwirts auch für

junge Menschen attraktiv zu gestalten.

Für die Bauern ist zum Beispiel eine

Akademie geplant, die grundlegendes

Know-how vom Anbau bis zu Marketing

und Management in der Landwirtschaft

vermitteln soll.

Die Fabrik, die Symrise bereits seit Jahren

mit Zitrusfrucht-Konzentraten und -Ölen

beliefert, ist etwas Besonderes, denn sie

gehört zu einer Hälfte den Farmern aus

der Region und zur anderen Hälfte der

Böcker Group aus Buxtehude, einem

Zulieferer von Symrise, der die Abläufe

steuert.

Symrise engagiert sich für die Menschen

vor Ort, was auf die SDGs „keine Armut“,

„kein Hunger“, „Gesundheit und

Wohlergehen“ sowie „hochwertige Bildung“

einzahlt. Es unterstützt das Ziel

nachhaltige Produktion (SDG 12) und

infolgedessen den Klimaschutz (SDG

13). Mit der SymTrap®-Technologie lassen

sich aus Seitenströmen wertvolle

Geschmackskomponenten gewinnen.

Das Rest-Wasser aus dem Prozess ist

frei von Rückständen (SDG 6 „sauberes

Wasser“). All das macht ausschließlich

die Zusammenarbeit mit den bewährten

Partnern vor Ort möglich – die Bauern

und die Böcker Group. Dieses Projekt

liefert ein schönes Beispiel für nachhaltige

Partnerschaften und dafür, wie die

Partner gemeinschaftlich auf SDG 17

einzahlen können.

Fazit

Symrise kommt seinem eigenen Anspruch

nach, nachhaltig zu wachsen,

indem es in seinem Geschäftsmodell

ökologische, soziale und wirtschaftliche

Aspekte in Einklang bringt. Auf die SDGs

zahlt Symrise mit seiner ganzheitlichen

und nachhaltigen Unternehmensstrategie

ein. Nachhaltigkeit bedeutet für

das Unternehmen nämlich beides: Zukunfts-

genauso wie Rohstoffsicherung.

Daran arbeitet das Unternehmen kontinuierlich

und steckt sich für die Zukunft

ambitionierte Ziele: Klimapositivität

bis 2030 und Transparenz hinsichtlich

der Nachhaltigkeits-Anforderungen der

Stakeholder. Profitables Wachstum auf

nachhaltige Weise zu erreichen, um so

die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens

zu sichern – mit diesem Selbstverständnis

wirtschaftet Symrise Tag

für Tag, damit alle Beteiligten entlang

der Wertschöpfungskette gewinnen.

globalcompact Deutschland 2020

99


BEST PRACTICE

Was wir aus den

Herausforderungen der

Pandemie lernen

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr – dem 75. Geburtstag der Vereinten Nationen, dem 20. Jahr

des UN Global Compact und dem 5. Jahrestag der Agenda 2030 und der 17 Sustainable

Development Goals – stellte die Covid-19-Pandemie das Erreichen der Ziele der Vereinten

Nationen vor ungeahnte Herausforderungen. Zugleich löste die Pandemie ein verstärktes

Nachdenken darüber aus, wie die Weltgemeinschaft umgestaltet werden muss, um nachhaltiger

aus der Krise hervorzugehen, und viele staatliche wie private Akteure tragen dazu bei, die durch

die Pandemie vergrößerten oder neu entstandenen Nöte und Notlagen zu lindern.

Von Thorsten Pinkepank, Dr. Sabine Fisbeck-Groh und Birgit Hellmann, Corporate Sustainability, BASF

Nach einer Schätzung der Vereinten

Nationen wird die Zahl der Menschen

in Armut – ohne Zugang zu ausreichend

Nahrung, Gesundheitsversorgung,

Bildung, Wasser und sanitären Einrichtungen

– im Jahr 2020 um 71 Millionen

ansteigen. In vielen Ländern erhielten

Schülerinnen und Schüler monatelang

keinen oder kaum Unterricht. Frauen

schulterten in vielen Gesellschaften

die zusätzlichen Lasten zur Sicherung

des Lebensunterhalts, der Versorgung

der Familie und der Kompensation

des Schulausfalls ihrer Kinder zu Ungunsten

ihrer errungenen Freiheiten,

wirtschaftlichen Unabhängigkeit und

Gleichberechtigung. Nicht zuletzt um

dieser Entwicklung entgegenzuwirken,

setzten die Vereinten Nationen mit den

„Women’s Empowerment Principles“,

die BASF-Vorstandsvorsitzender Martin

Brudermüller unterzeichnete, im Kontext

der Generalversammlung im September

2020 ein Zeichen für die Gleichstellung

der Geschlechter und die Stärkung von

Frauen am Arbeitsplatz, auf dem Arbeitsmarkt

und in der Gesellschaft.

Zusammengenommen könnten die

Folgen von Covid-19 viele Fortschritte

zunichtemachen, die in den vergangenen

zehn Jahren erreicht wurden.

Die kleinen Entlastungen in der Klimabilanz

fallen demgegenüber kaum ins

Gewicht. Dies verdeutlicht zugleich die

gigantische Aufgabe, in den kommenden

zehn Jahren die in den SDGs skizzierten

Ziele zu erreichen. Dies kann vor dem

Hintergrund der Krise in den Bereichen

Wirtschaft, Gesundheit und Umwelt nur

in einer gemeinsamen Kraftanstrengung

angepackt werden.

Als Chemieunternehmen sind wir davon

überzeugt, dass Wissenschaft und

Innovation hierbei eine zentrale Rolle

spielen. Wir forschen und entwickeln

Lösungen für eine nachhaltige Zukunft –

gemeinsam mit Partnern. Wir sind davon

überzeugt, dass gerade in einer Zeit, in

der wir gesundheitliche, wirtschaftliche

und gesellschaftliche Krisen bewältigen

müssen, Respekt für Menschen und Zusammenhalt

an erster Stelle steht. Deshalb

schützen wir unsere Mitarbeiter

mit Homeoffice und flexiblem Arbeiten,

wo möglich, und mit Hygienekonzepten

am Arbeitsplatz. Im März stellte BASF im

Rahmen der Aktion „Helping Hands“ die

Produktion am Standort Ludwigshafen

so um, dass mit einer Ausnahmegenehmigung

der Behörden Hand-Desinfektionsmittel

hergestellt und gespendet

werden konnten – insgesamt rund

100 globalcompact Deutschland 2020


1 Million Liter. Das Desinfektionsmittel

lieferte BASF zunächst an das regionale

Gesundheitswesen der Metropolregion

Rhein-Neckar, um den Kampf gegen die

Corona-Pandemie zu unterstützen: An

Krankenhäuser und Ärzte, später auch

an Pflegeheime, Schulen, Kindertagesstätten

und Sporteinrichtungen. Um

Engpässe zu lindern, spendete BASF

darüber hinaus mehr als 100 Millionen

Schutzmasken an die Bundesrepublik

Deutschland sowie 1 Millionen FFP2-

Masken an das Land Rheinland-Pfalz,

in dem der Stammsitz liegt. Darüber

hinaus spendete BASF im September

40.000 Liter Handdesinfektionsmittel an

das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten

Nationen (UNHCR), um die Organisation

in ihrem Kampf gegen das Virus zu unterstützen.

UNHCR übernahm Auswahl

und Belieferung der Flüchtlingslager,

Arztpraxen und Gesundheitszentren,

Krankenstationen, Schulen, Gemeindeund

Registrierungszentren in der

Republik Kongo.

Neben unmittelbaren Hilfsmaßnahmen

richten wir den Blick weiter auf langfristiges

Engagement. Hier geht es darum,

Kurs zu halten bei Aktivitäten, die

vor Covid-19 gestartet waren und zum

Erreichen der SDGs beitragen – insbesondere

in den Bereichen Gesundheit,

Bildung und Weiterbildung sowie wirtschaftlicher

Erholung bei gleichzeitiger

Schonung natürlicher Ressourcen. Als

weltweit tätiges Unternehmen trägt BASF

mit ihrem gesellschaftlichen Engagement

zur Lösung aktueller und zukünftiger

gesellschaftlicher Herausforderungen

bei. Dabei verbinden wir wirkungsorientiertes

gesellschaftliches Handeln

mit langfristigem Unternehmenserfolg.

Das ist inhaltlicher Kern von „Starting

Ventures“ – ein BASF-Ansatz für neuartige

Geschäftsmodelle, mit denen wir

Menschen, deren elementare Grundbedürfnisse

derzeit noch nicht erfüllt sind,

mit unternehmerischen Lösungen dabei

unterstützen, ihr Einkommen und ihre

Lebensqualität aus eigener Kraft zu verbessern.

Ein Beispiel: Das Projekt „#Hapi“

unterstützt ägyptische Tomatenbauern

mit einem Frühwarnsystem für Pflanzenkrankheiten

fürs Smartphone. Das Krankheitsfrühwarnsystem

kombiniert Satellitentechnologie,

Wettervorhersagen,

Simulationen von Krankheitsausbrüchen

und Feldbeobachtungen in Echtzeit, bündelt

diese Informationen auf einer digitalen

Plattform und unterstützt damit

die Erstellung von maßgeschneiderten,

krankheitsspezifischen Warnungen und

praktischen Ratschlägen.

Bei der Verladung der

Desinfektionsmittelspende für

UNHCR (v.r.n.l.): Michael Heinz,

Standortleiter Ludwigshafen

und Mitglied des Vorstands der

BASF SE, Christoph Jäkel, Leiter

Corporate Sustainability und

Social Engagement BASF SE

und Jan-Peter Mittwollen,

Projektleiter Helping Hands

Desinfektionsmittel BASF SE

Klar ist, wir brauchen multilaterale

Kooperationsformen für das gesamte

Spektrum der SDGs. Aus dieser Überzeugung

heraus ist BASF Gründungsmitglied

des UN Global Compact und erneuerte

anlässlich der Generalversammlung der

Vereinten Nationen sein Bekenntnis

zum UN Global Compact. Wir freuen

uns, dass wir zudem erneut als Global

Compact LEAD Unternehmen ausgezeichnet

wurden. Gerne haben wir auch

die UN Global Compact CFO-Taskforce

für die SDGs mitgegründet. Hier geht es

um die wichtige Frage, wie auch Unternehmensfinanzierungen

und -investitionen

wirksam zum Erreichen der SDGs

betragen können.

Auch und gerade in der aktuellen, globalen

Krise müssen wir uns klarmachen

– es wird leider nicht die letzte sein. Es

sollte aber die letzte sein, in der viele

noch lernen mussten: Nur in multilateraler

globaler Kooperation – und ja,

auch Solidarität – von Politik, Gesellschaft

und Wirtschaft sind diese Krisen

zu bewältigen und die Global Goals zu

erreichen.

globalcompact Deutschland 2020

101


BEST PRACTICE

Wirtschaftliches Potenzial

von Frauen: Initiativen

ebnen den Weg

Bis zur Gleichstellung der Geschlechter ist es immer noch ein weiter Weg: Nicht nur verdienen

Frauen im Schnitt deutlich weniger als Männer. Sie opfern auch deutlich mehr Zeit für die (unbezahlte)

Familienarbeit und die Pflege Angehöriger – mit oft schweren gesundheitlichen Folgen.

Der Wissenschafts- und Technologiekonzern Merck sucht mit zwei Initiativen Schieflagen wie

diese geradezurücken. Keine kleine Aufgabe. Als Anbieter von Produkten und Lösungen für

Krankheiten, die Frauen unverhältnismäßig stark betreffen, wie Schilddrüsenerkrankungen,

multiple Sklerose oder Unfruchtbarkeit, ist sie dem Unternehmen besonders wichtig. So lassen

sich wesentliche Aspekte der Gesundheit von Frauen verbessern, angefangen von Aufklärung

über Bildung bis hin zum Zugang zur Gesundheitsversorgung und Regierungsprogrammen.

Von Lynn A. Taylor, Head of Healthcare Global Government and Public Affairs, Merck

Schon ein Blick auf nur eine Zahl sagt

einiges. Sie lautet 99,5 und beschreibt

den Zeitraum in Jahren, den es nach

Berechnung des World Economic Forum

dauern dürfte, bis Frauen und Männer

in Politik, Wirtschaft, Gesundheit und

Bildung weltweit gleichgestellt sind. Vorausgesetzt,

das derzeitige Tempo hält an.

Geht also alles weiter wie bisher, dauert

es noch nahezu ein ganzes Jahrhundert,

bis sich die globale Geschlechterkluft

geschlossen hat.

Die Ungleichheit und ihre Folgen

Dass es schneller geht, wäre Frauen

ebenso zu wünschen wie Männern. Die

Geschlechterkluft ist schließlich nicht

nur ungerecht, sie zeitigt auch massive

volkswirtschaftliche Folgen: Denn Frauen

gehen nicht nur sehr viel häufiger als

Männer unbezahlten Tätigkeiten nach.

Sie werden bei bezahlten Tätigkeiten

auch häufig schlechter entlohnt als Männer.

Unterm Strich fällt ihr Anteil am

erwirtschafteten Bruttosozialprodukt

deswegen deutlich geringer aus. Würden

sie dagegen entlohnt wie Männer, läge

ihr Beitrag zum Nationaleinkommen je

nach Land zwischen fünf (USA) und 34

Prozent (Ägypten) höher, so die Internationale

Arbeitsorganisation. Sie schätzt,

dass weltweit 865 Millionen Frauen unter

dieser Schieflage leiden.

Hinzu kommt, dass Frauen sehr viel

häufiger als Männer Verantwortung für

die Kindererziehung oder die Pflege Angehöriger

übernehmen, und das häufig

neben ihrem eigentlichen Job. Eine

Doppelbelastung, die spürbare Folgen

für Gesundheit und Wohlergehen der

betroffenen Frauen haben kann. Laut

einer im Fachmagazin „American Journal

of Public Health“ veröffentlichten Studie

leiden etwa Frauen, die Angehörige zu

Hause pflegen, sechs Mal häufiger unter

Depressionen oder Angststörungen.

Initiativen zahlen auf UN-Nachhaltigkeitsziele

ein

Muss das so bleiben? Bei Merck glaubt

man das nicht. Die Führungsriege des

Dax-Konzerns hat sich bereits zur Mitte

der vergangenen Dekade entschlossen,

sich für die Teilhabe von Frauen unter

gleichen Bedingungen zu engagieren,

namentlich mit den beiden Initiativen

„Gesunde Frauen, gesunde Wirtschaftssysteme“

und „Embracing Carers“. Sie verfolgen

sich ergänzende Ziele: die gesundheitlichen

Schäden bei Frauen verringern,

die durch die Doppelbelastung durch Familie

und Beruf verursacht werden und

die Stärkung derer, die Verantwortung

in der Pflege übernehmen, Frauen wie

Männer. Ziele übrigens, die eng mit dem

dritten und fünften Nachhaltigkeitsziel

der Vereinten Nationen korrespondieren.

Die bereits 2015 von Merck mit den

Regierungen der Vereinigten Staaten

und der Philippinen ins Leben gerufene

Initiative „Gesunde Frauen, gesunde

Wirtschaftssysteme“ folgt einem klaren

Grundgedanken: Dass die Erschließung

des Potenzials von Frauen zu mehr

Wirtschaftswachstum führt. Die Gründungspartner

haben deswegen zunächst

überlegt, wo Frauen Unterstützung benötigen,

etwa beim Zugang zu Gesundheitsdiensten

oder der Arbeitssicherheit,

um dann im nächsten Schritt Leitlinien

102 globalcompact Deutschland 2020


ation Pflegender zu schärfen. Mitgetragen

wird die Initiative inzwischen von

neun großen Interessenvertretungen

Pflegender aus allen Teilen der Welt,

darunter Carers Worldwide, Eurocarers

oder die International Alliance of Carer

Organizations.

zu entwickeln, die Regierungen und

Organisationen pazifischer Anrainerstaaten

bereitgestellt wurden.

Namhafte Partner eingebunden

Mittlerweile steht die Initiative „Gesunde

Frauen, gesunde Wirtschaftssysteme“

auf einer sehr viel breiteren Basis und

kann Einfluss nehmen. Programmatisch

kooperiert sie unter anderem mit der

US-amerikanischen Denkfabrik „The

Wilson Center“ oder der ebenfalls in

den Vereinigten Staaten ansässigen

Wohltätigkeitsorganisation „March of

Dimes“, die sich vor allem der Gesundheit

Schwangerer und Neugeborener

widmet. Merck vernetzt die Partner der

Initiative untereinander und setzt zusätzliche

inhaltliche Impulse.

Mit ähnlicher Strategie und namhaften

Partnern treibt der Konzern auch die

Initiative „Embracing Carers“ voran, die

Frauen und Männer in ihrer Rolle als

pflegende Angehörige unterstützen will.

Der Ruf nach mehr Gleichbehandlung

schallt auch hier laut. Kein Wunder

angesichts der Tatsache, dass weltweit

70 Prozent der Zeit zur Pflege von Eltern,

Groß- oder Schwiegereltern von Frauen

gestemmt wird – oft ohne oder ohne

ausreichende Bezahlung. Dass das Folgen

für das wirtschaftliche, psychische und

physische Wohlbefinden dieser Pflegenden

hat, ist klar.

Blinde Flecken der Forschung tilgen

Dieser Umstand und seine Folgen wird

von Regierungen und der Gesellschaft

oft übersehen. Sie unterschätzen die

Rolle, die Pflegende in der Wirtschaft

haben. Merck hat für die „Embracing

Carers“-Initiative deswegen etliche Kooperationen

in die Wege geleitet, um

das öffentliche Bewusstsein für die Situ-

Neben mehr Öffentlichkeitsarbeit für die

Sache haben sich die Partner auch hier

die Entwicklung praktikabler Leitlinien

sowie deren Umsetzung in Politik und

Gesundheitssystemen auf die Fahnen

geschrieben. Mit validen Daten will die

Initiative außerdem blinde Flecken aus

der Forschungslandschaft beseitigen.

Merck unterstützt deswegen zum Beispiel

die Studien von Dr. Felicia Knaul

von der Universität in Miami. Die Wirtschaftswissenschaftlerin

erforscht Ausmaß

und Folgen unbezahlter Arbeit von

Frauen, derzeit mit Fokus auf China,

Chile, Kanada, Mexiko und Peru.

Frage des gesunden Menschenverstandes

Zusätzliche Impulse für die Initiative

kommen zum Beispiel von der USamerikanischen

Krebsgesellschaft, die

im vergangenen Jahr eine Reihe von

Videoclips produziert hat, die Selbstachtsamkeit

und andere Pflegethemen

ansprechen und nun in weitere Sprachen

übersetzt werden. Mit der Organisation

Carers Worldwide, die sich für unbezahlte

pflegende Angehörige im Süden der

Welt einsetzt, konnte die „Embracing

Carers“-Initiative außerdem erste Hilfen

für die Überwindung der Corona-

Pandemie bereitstellen.

Welche Folgen die Pandemie für unbezahlte

Pflegende hatte und hat, lassen

die Partner der Initiative in einer groß

angelegten Studie erforschen. Ergebnisse

sollen Anfang 2021 vorliegen. Dass sich

bis dahin die globale Geschlechterkluft

geschlossen hat, ist wohl ausgeschlossen.

Dass der Ruf nach voller Teilhabe

von Frauen verhallt, allerdings auch.

Dieser Ruf, sagt Belén Garijo, stellvertretende

Vorsitzende der Geschäftsleitung

von Merck und Chefin des Healthcare-

Geschäfts, sei „keine vorübergehende Modeerscheinung“.

Ihm nachzukommen, sei

vielmehr „eine Frage von Fairness, Ethik

und gesundem Menschenverstand“.

globalcompact Deutschland 2020

103


BEST PRACTICE

Smart Urban Areas:

zukunftsfähige Städte mit

Lösungen von Wilo

Weltweit ziehen immer mehr Menschen in die Städte. Laut einer Schätzung von UN-Habitat

werden im Jahr 2030 fast zwei Drittel aller Menschen in urbanen Räumen leben. Die

Wilo Gruppe trägt mit ihren innovativen Pumpen und Pumpensystemen dazu bei, Städte zu

Smart Urban Areas zu entwickeln, um das Leben und Arbeiten dort zukunftsfähig zu gestalten.

Von Ricarda-Marie Pomper, Head of Corporate Social Responsibility, Wilo

Green Technology als Chance

New York, Paris, London, Istanbul und

Mumbai haben vor allem eines gemein:

Sie zählen zu den sogenannten

Megacities – also Städte mit extrem

hoher Bevölkerungszahl. Schätzungen

der Vereinten Nationen aus dem Jahr

2018 zufolge gibt es derzeit weltweit

33 solcher Megacities, und es werden

immer mehr. Der rapide Bevölkerungszuwachs

sorgt aber für zunehmende

Herausforderungen bei der städtischen

Infrastruktur. Dazu gehören zum Beispiel

Wohnungsnot und Verkehrschaos.

Doch es gibt noch ganz andere Probleme:

In der nigerianischen Metropole

Lagos beispielsweise ist die Wasser- und

Energieversorgung unzuverlässig, die

ärmeren Bewohner haben keinen Zugang

zu sauberen Sanitäreinrichtungen,

und der Müll landet auf den Straßen.

Anderen Großstädten, vor allem in den

Entwicklungs- und Schwellenländern,

geht es ähnlich.

Der Klimawandel verschärft außerdem

die bereits angespannte Situation: So

drohte der Millionenstadt Kapstadt im

Jahr 2018, das Trinkwasser komplett

auszugehen. Nur mit drastischen Sparmaßnahmen

konnte der „Day Zero“ gerade

noch verhindert werden. Darüber

hinaus befinden sich 90 Prozent der

urbanen Gebiete in der Nähe von Küsten.

Steigt der Meeresspiegel an, sind diese

Regionen besonders gefährdet. Gleichzeitig

tragen die Städte aber auch zum

Klimawandel bei, denn dort fallen etwa

70 bis 75 Prozent der Treibhausgase an.

Die vernetzte Stadt

Um Großstädte zukunftsfähig und

lebenswert zu gestalten, brauchen wir

also dringend nachhaltige Lösungen. Wie

das funktionieren kann, zeigen Smart

Urban Areas. Bei diesem Konzept sind

städtische Infrastrukturen und viele

Lebensbereiche digital und intelligent

miteinander verknüpft. Sie lassen sich

in sechs Zonen mit unterschiedlichen

Bedürfnissen und Funktionen gliedern:

Erholung und Freizeit, Arbeit und

Gewerbe, Wohnraum, Industrie, Transport

und Infrastruktur sowie Landwirtschaft.

104 globalcompact Deutschland 2020


Die Wilo Gruppe, einer der weltweit führenden

Anbieter von Pumpen und Pumpensystemen

für die Gebäudetechnik,

die Wasserwirtschaft und die Industrie,

entwickelt für die verschiedenen Anforderungen

passgenaue, energieeffiziente

und smarte Lösungen. Und zwar über

den gesamten Wasserkreislauf hinweg

– von der Rohwasserentnahme über

den Transport bis hin zur Abwasseraufbereitung.

„Mit unseren intelligenten

und vernetzten Lösungen leisten wir

einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung

von Städten hin zu Smart Urban Areas.

Dank des deutlich geringeren Energieverbrauchs

unserer Systeme tragen wir

außerdem dazu bei, den Klimawandel

zu verlangsamen“, sagt Oliver Hermes,

Vorstandsvorsitzender und CEO der Wilo

Gruppe.

Pumpsysteme gegen den Monsun in

Mumbai

Wie so ein Projekt in der Praxis aussieht,

zeigt das Beispiel der Stadt Mumbai in

Indien. Dort leben rund 25 Millionen

Menschen. Mumbai ist das wirtschaftliche

Zentrum Indiens und der wichtigste

Hafen des Landes. Weil die Stadt in den

Tropen liegt, fallen dort 95 Prozent der

Wasserniederschläge in gerade einmal

vier Monaten. Um während des Sommermonsuns

Überschwemmungen zu

verhindern, hat Mumbai als bisher einzige

Stadt Indiens Sturm-Pumpstationen

eingerichtet. Diese Pumpwerke sind mit

29 axialen Wilo-Tauchmotorpumpen

ausgestattet. Jede der Pumpen ist sechs

Meter hoch und kann pro Sekunde etwa

6.000 Liter Wasser abpumpen. Sind die

Wasserstände zu hoch, lassen diese

Pumpstationen das Wasser aus einem

Abfluss oder einem Wasserarm ins Meer

ab. Zeitgleich verhindern automatisierte

Fluttore, dass das Meerwasser in die Stadt

eindringt. „Unsere axiale Tauchmotorpumpe

war die optimale Lösung für die

Anforderungen innerhalb des Projekts“,

erklärt Rajesh Unde von Wilo India. „Ihr

Eigengewicht sorgt für einen selbstzentrierenden

Sitz in der Entladungsröhre

und trotz ihrer Größe ist sie einfach zu

installieren."

Das Narmada-Malwa Gambhir Link

Projekt

Doch während die einen zu viel Wasser

haben, kämpfen andere mit Trockenheit.

So wie in der indischen Zentralprovinz

Madhya Pradesh. Mit Unterstützung

der Regierung und weiteren Partnern

vor Ort setzte Wilo India in der Region

ein Projekt zur Bewässerung von

insgesamt 50.000 Hektar Land um.

36 hocheffiziente Rohrgehäusepumpen

(Vertical Turbine Pumps) transportieren

nun Wasser über 500 Höhenmeter und

durch ein Leitungsnetzwerk von etwa

600 Kilometern. Das Projekt ermöglicht

der Bevölkerung eine nachhaltige Einkommensquelle

durch Landwirtschaft

sowie Zugang zu sauberem Trinkwasser

in rund 158 Dörfern. „Wilo verbessert

dadurch die Lebensbedingungen in der

Zentralprovinz Indien. Mit modernster

deutscher Ingenieurtechnik bieten wir

nachhaltige Lösungen im Bereich der Bewässerung

und Trinkwasserversorgung",

sagt Hemant Watve, Leiter Wilo India.

Klimaschutz in der DNA

Als Erfinder der ersten Hocheffizienzpumpe

haben Nachhaltigkeit und Klimaschutz

bei Wilo seit jeher Priorität.

Energie- und Ressourceneffizienz sind

dabei unabdingbar. Die Pumpen des

Unternehmens tragen dazu bei, Menschen

auf der ganzen Welt auf intelligente,

effiziente und klimafreundliche

Weise mit Wasser zu versorgen. Darüber

hinaus hat sich die Wilo Gruppe zum

Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2025 mindestens

hundert Millionen Menschen den

Zugang zu sauberem Trinkwasser zu

ermöglichen.

Mit den Projekten in Indien sowie den

innovativen Lösungen für Smart Urban

Areas verbessert Wilo aber nicht nur

weltweit die Versorgung und das Leben

in den Städten und auf dem Land, sondern

trägt auch zur Erfüllung der UN-

Nachhaltigkeitsziele bei. Das sind unter

anderem SDG 6 (Sauberes Wasser und

Sanitäreinrichtungen), SDG 9 (Industrie,

Innovation und Infrastruktur), SDG 11

(Nachhaltige Städte und Gemeinden)

sowie SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz).

„Die Arbeit mit den kostbaren

Ressourcen Wasser und Energie sowie

der Umgang mit dem zu schützenden

Klima setzen nachhaltiges Denken und

Handeln voraus. Dies ist bei Wilo fest in

der Unternehmenskultur verankert“, so

Vorstandsvorsitzender Oliver Hermes.

Weniger Stromverbrauch dank effizienter

Systeme

Realistische Schätzungen gehen derzeit davon aus, dass Pumpen etwa zehn

Prozent des globalen elektrischen Energieverbrauchs ausmachen. Kein Wunder,

denn ein Großteil der eingesetzten Pumpen ist veraltet und ineffizient. Tauscht

man diese gegen moderne Hocheffizienzpumpen der neuesten Generation aus,

kann man weltweit bis zu 246 Terrawattstunden Strom sparen. Das ist in etwa

mit der Leistung von 80 Kohlekraftwerken vergleichbar.

globalcompact Deutschland 2020

105


BEST PRACTICE

„Demokratische Werte sind

unsterblich“ – warum wir

Haltung zeigen

Nicht zuletzt durch einen erstarkenden Rechtspopulismus und die daran anschließenden öffentlichen

Diskussionen wird immer häufiger die Frage nach der gesellschaftspolitischen Haltung

von Unternehmen gefragt: Darf sich ein Unternehmen eindeutig positionieren? Unsere klare

Antwort: Es darf nicht nur, es muss es sogar! Unternehmen im Jahr 2020 müssen Flagge zeigen:

aus sozialer und unternehmerischer Verantwortung. Deshalb engagiert sich Wintershall Dea

aktiv für eine tolerante, vielfältige Gesellschaft und fördert eine offene Unternehmenskultur.

Von Mario Mehren, Vorstandsvorsitzender der Wintershall Dea

Demonstranten bepöbeln lautstark Passanten,

reißen ihre Arme zum Hitlergruß

hoch, greifen Menschen mit Migrationshintergrund

tätlich an. Der Hass gegen

Andersdenkende, Andersaussehende und

Andersglaubende wird sprichwörtlich auf

die Straße getragen. Mitten in Deutschland.

Als ich im Spätsommer 2018 die

Bilder aus Chemnitz in den Nachrichten

sah, fragte ich mich entsetzt: Was ist

da los? Wie konnte es soweit kommen?

Und im nächsten Moment: Was kann

ich dieser offenen Verachtung demokratischer

Werte, dieser fremdenfeindlichen

Hetze, diesem unverblümten Rassismus

entgegensetzen? Diese Frage beschäftigte

mich als Mensch, als Vater, und als Vorstandsvorsitzenden

eines international

aufgestellten Unternehmens.

„Offen für Vielfalt – Geschlossen

gegen Ausgrenzung“

Die Wurzeln von Wintershall Dea liegen

in Kassel und Hamburg, aber unser Geschäft

ist international. Als Unternehmen

profitieren wir von der Globalisierung,

von offenen Grenzen und von Migration.

Meine Kolleginnen und Kollegen kommen

aus 50 verschiedenen Ländern, im

Unternehmen sprechen wir 60 Sprachen.

Diese Vielfalt ist für uns ein unternehmerischer

Erfolgsfaktor und das Fundament

unserer offenen und wertschätzenden

Unternehmenskultur. Deshalb setzen wir

uns für Toleranz und gesellschaftliche

Rahmenbedingungen ein, die verbinden,

anstatt zu trennen:

Im September 2018 haben wir mit vier

weiteren, in Kassel ansässigen Unternehmen

die Initiative „Offen für Vielfalt

– Geschlossen gegen Ausgrenzung“ gegründet.

Unter dem Dach der Initiative

engagieren sich aktuell rund 30 Unternehmen,

Organisationen und Vereine

aus der Stadt und der Region Kassel.

Gemeinsam setzen wir uns mittlerweile

in ganz Nordhessen für Vielfalt in all

ihren Dimensionen sowie gegen jegliche

Ausgrenzung von Menschen in der

Gesellschaft und Arbeitswelt ein. Alle

Mitglieder sind der festen Überzeugung,

dass eine offene und Vielfalt lebende

Gesellschaft nicht nur die Grundlage für

ein friedfertiges Zusammenleben darstellt,

sondern auch immanent wichtig

für unseren wirtschaftlichen Erfolg ist.

Die Aktionen und Veranstaltungen von

„Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen

Ausgrenzung“ erreichten im vergangenen

Jahr mehr als 100.000 Menschen.

Allein über 10.000 Bürgerinnen und

Bürger nutzen die kostenlosen Kampagnen-Türschilder

mit der Aufschrift

„Offen für Vielfalt – Geschlossen gegen

Ausgrenzung“ und setzen damit täglich

ein deutliches Statement für Toleranz

und ein friedliches Miteinander. Die

Initiative stärkt und fördert insbesondere

die Multiplikatoren vor Ort. Deshalb

vergibt „Offen für Vielfalt“ jährlich den

mit insgesamt 30.000 Euro dotierten

„Vielfalt-Verstärker“-Preis an gemeinnützige

Projekte, Organisationen und Vereine,

die sich unermüdlich für eine bunte,

lebenswerte und demokratische Region

Kassel einsetzen.

Kampagne zum Andenken an

Walter Lübcke

Wie wichtig dieses Engagement für eine

aktive, gelebte Demokratie ist, hat die

Ermordung von Dr. Walter Lübcke im

vergangenen Jahr schmerzlich gezeigt.

Der damalige Kasseler Regierungsprä-

106 globalcompact Deutschland 2020


sident hatte sich auf dem Höhepunkt

der Migrationskrise 2015 immer wieder

wortstark für bei uns Schutz suchende

Geflüchtete eingesetzt. Damit wurde

er zur Hassfigur der extremen Rechten.

Lübcke bezahlte sein leidenschaftliches

Engagement für Toleranz mit dem Leben.

Um Dr. Walter Lübckes Andenken lebendig

zu halten und daran zu erinnern, wie

wichtig es ist, dass jede und jeder selbst

aktiv wird, hat „Offen für Vielfalt“ die

Kampagne „Demokratische Werte sind

unsterblich“ ins Leben gerufen.

Zwar konnten aufgrund der Coronapandemie

nicht alle geplanten Aktionen

stattfinden. Dennoch haben die Bürgerinnen

und Bürger in Nordhessen ihre

Unterstützung für die Aktion bekundet

und bei einer großen Mitmachaktion ein

im wahrsten Sinne des Wortes sichtbares

Zeichen gegen Hass und Intoleranz

gesetzt: Indem sie eine Zeitungsanzeige

mit der ebenso bewegenden wie klaren

Botschaft „Demokratische Werte sind

unsterblich“ ausschneiden und sichtbar

an ein Fenster ihres Geschäftes oder

Wohnhauses hängen konnten. Begleitet

wurde die Kampagne von einer groß

angelegten Plakat- und Anzeigenkampagne,

von mehreren Veranstaltungen,

u.a. einer Online-Diskussion mit

der Bundesjustizministerin Christine

Lambrecht, und einer umfassenden

Kommunikation in den sozialen Medien.

Insgesamt hat die Kampagne über eine

Million Menschen erreicht und gezeigt,

dass es bei uns keinen Platz für Fremdenfeindlichkeit

gibt.

Practice what you preach:

Vielfalt im Unternehmen leben

Das Engagement für eine tolerante, vielfältige

und offene Gesellschaft endet dabei

keineswegs an unseren Bürotüren.

Wir sind fest davon überzeugt, dass die

unterschiedlichen kulturellen Hintergründe,

Erfahrungen und Denkweisen

unserer Kolleginnen und Kollegen nicht

nur zu einem inspirierenden und kreativen

Arbeitsklima, sondern auch zu

einem langfristigen Unternehmenserfolg

beitragen. Das spiegelt sich in unserem

Diversity-Ansatz wider.

Wir haben Vielfalt bei Wintershall Dea

zu einem zentralen Grundsatz unserer

Führungsphilosophie gemacht. Denn wir

sehen es in unserer täglichen Arbeit: die

Projekte werden komplexer, die Teams

internationaler und heterogener. Gerade

im kompetenten Umgang mit dieser Vielfalt

liegt der Schlüssel für eine moderne,

wertschätzende Unternehmenskultur, in

der sich alle Kolleginnen und Kollegen

einbringen können. Unser umfassendes

Diversity Management und eine Diversity

Managerin sorgen für eine systematische

und strategische Weiterentwicklung unserer

Diversity-Maßnahmen. Wir sind

Unterzeichner der „Charta der Vielfalt“,

die das Thema Diversity in der Arbeitswelt

fördert. Und wir leben ein Diversity

Mindset. Wir möchten ausdrücklich, dass

unsere 2.800 Kolleginnen und Kollegen

mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen,

Fähigkeiten und Sichtweisen offen und

integrativ zusammenarbeiten. Nur so

kann Kreativität gedeihen und Teamwork

funktionieren. Dies haben wir nicht zuletzt

in einer Betriebsvereinbarung festgehalten,

die wir wortgleich gemeinsam

mit fünf anderen großen Arbeitgebern in

Nordhessen und mit ihren Betriebsräten

abgeschlossen haben. Die Vereinbarung

mit dem Titel „Partnerschaftliches Verhalten

am Arbeitsplatz“, die für rund

160.000 Beschäftigte in Deutschland gilt,

wendet sich gegen fremdenfeindliche

Äußerungen, intolerantes Verhalten und

die Verwendung entsprechender Symbole.

Damit signalisieren wir klar: Respektlosigkeit,

Diskriminierung und Extremismus

haben in unserem Arbeitsumfeld nichts

zu suchen.

Unternehmen als Teil der

Gesellschaft tragen politische

Verantwortung

Unternehmen sind unzweifelhaft Teil

der Gesellschaft. Als Corporate Citizens

stehen sie in der Verantwortung, zu gesellschaftlich

relevanten Themen Stellung

zu beziehen. Für uns heißt das:

Politisch eine klare Haltung zu zeigen, für

Vielfalt einzutreten und demokratische

Werte mit Leben zu füllen. Das ist eine

tägliche Herausforderung. Es bedeutet,

ausgetretene Pfade zu verlassen, sich aus

der berühmten Komfortzone zu bewegen

und auch dahinzugehen, wo es wehtun

kann. Doch der Einsatz lohnt sich, denn

ich bin fest davon überzeugt: Nur wer die

Kraft der Vielfalt zu nutzen weiß, kann

einen wirkungsvollen Beitrag zu einer

pluralistischen Gesellschaft leisten, ist innovativ,

wettbewerbsfähig und wirtschaftlich

erfolgreich. Heute und in Zukunft.

Mit einer Plakataktion

erinnerte die Initiative

„Offen für Vielfalt“ an

den ermordeten Kasseler

Regierungspräsidenten

Walter Lübcke.

globalcompact Deutschland 2020

107


BEST PRACTICE

Digitale Lösungen für eine

bessere Zukunft

Im Einklang mit unserer Zielsetzung, das Leben der Menschen und die Abläufe der weltweiten

Wirtschaft zu verbessern, unterstützen wir bei SAP die UN Ziele für Nachhaltige Entwicklung

(SDGs) seit ihrer Einführung im Jahr 2015.

Von Christine Susanne Müller, Director Global Sustainability Transformation and Change Management, SAP

Wir sind überzeugt, dass digitale Technologien

einen entscheidenden Beitrag zum

Erreichen der SDGs spielen können. Da

unsere Lösungen und Dienstleistungen

an 77 Prozent der weltweiten Transaktionsumsätze

in über 25 Branchen beteiligt

sind, können wir mit unserer Reichweite

Kunden dabei helfen, zu nahezu allen 17

UN-Zielen beizutragen. Eine Studie der

Global e-Sustainability Initiative fand

zudem heraus, dass mehr als die Hälfte

der 169 Unterziele der SDGs nur mit Hilfe

digitaler Technologien erreicht werden

können. Um das Bewusstsein für dieses

große Potenzial zu stärken, haben wir

das Web Book „SAP & UN Global Goals“

(www.sap.com/unglobalgoals) veröffentlicht,

in dem wir konkrete Beispiele für

die Nutzung von IT zur Umsetzung der

SDGs aufzeigen.

Unser Ziel ist es, mit gutem

Beispiel voranzugehen und unsere

eigenen Geschäftsprozesse

nachhaltig auszurichten.

Dennoch liegt unser größter Hebel

darin, digitale Produkte und

Dienstleistungen zu liefern,

die unsere mehr als

400.000 Kunden dabei

unterstützen, einen positiven

Beitrag zu den SDGs zu leisten,

inklusiven und nachhaltigen Wirtschaft

beitragen können: Lösungen für Kreislaufwirtschaft

(engl. circular economy)

und Klimaschutz.

Daten und Analysen, um das Klima

zu schützen

Wir unterstützen mit unserer Software

Kunden dabei, ihre Nachhaltigkeitsziele

zu erreichen. Mit der Initiative

Climate 21 verfolgen wir das Ziel, Nachhaltigkeitsmetriken

durchgehend und

gesamtheitlich in unsere analytischen

und transaktionalen Anwendungen

einzubinden. Das CO 2

-Tracking ist ein

wichtiger Aspekt der Initiative und

hilft Kunden, den CO 2

-Fußabdruck ihrer

Produkte und Prozesse transparent

zu machen, zu analysieren und zu minimieren.

Eines der ersten Unternehmen, das die

neuen Funktionalitäten und Vorzüge

von Climate 21 nutzt, ist Döhler, führender

Lieferant von natürlichen Inhaltsstoffen

für die Lebensmittel- und

Getränkeindustrie. Im Mai 2020 startete

das Projekt mit einem Pilot-Produkt und

ermöglicht es dem Lebensmittelunternehmen,

die dazugehörigen Emissionen

bis zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen.

Auch wir bei SAP nutzen Daten, um den

Fortschritt unserer 1,5°C wissenschaftsbasierten

Klimaziele zu verfolgen. Dazu

gehört, bis 2025 in unseren Geschäftsprozessen

CO 2

-neutral zu sein. Unser

internes Nachhaltigkeits-Dashboard lässt

uns außerdem unsere Umweltperformance

verfolgen, was besonders für

unsere aktuell über 50 Standorte mit

sagt Chief Sustainability Officer Daniel Schmid.

Mit beinahe 50 Jahren Erfahrung im

Bereich Ressourcenoptimierung, fokussieren

wir uns besonders auf die Bereiche,

in denen wir am effektivsten zu einer

Chief Sustainability

Officer Daniel Schmid

108 globalcompact Deutschland 2020


ISO 14001 zertifiziertem Umweltmanagementsystem

wichtig ist.

Der Zuwachs in unserem Cloud-Geschäft

bedeutet außerdem, dass unser Augenmerk

für Maßnahmen zur CO 2

-Reduktion

nun besonders auf den energieintensiven

Rechenzentren liegt. Wir haben

Initiativen eingeführt, die die Effizienz

und Innovationen rund um Gebäude,

Datenzentren, Betriebe und Infrastruktur

vorantreiben, um eine „Green Cloud“-

Plattform zu schaffen, die zu 100 Prozent

mit Regenerativstrom betrieben wird.

Auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft

Bisher werden nur 8,6 Prozent der

Wertstoffe aus weltweiten Produktionen

wiederverwendet. Um jedoch eine

Weltwirtschaft zu schaffen, von der

alle gleichermaßen profitieren ohne

die Ressourcenkapazität unserer Erde

auszuschöpfen, ist ein inklusives, zirkuläres

Wirtschaftssystem unumgänglich.

Wir arbeiten hieran mit globalen

Unternehmen und Gesetzgebern, wie

auch mit führenden Organisationen, z.B.

der Global Plastic Action Partnership des

World Economic Forums, zusammen.

Dies beinhaltet beispielsweise, die Lieferkettentransparenz

zu steigern und

neue Möglichkeiten zu finden, die es erlauben,

besser für Zirkularität geeignete

Produkte zu entwickeln und zu liefern.

Eine große Herausforderung ist es, die

Menge an Plastik zu reduzieren, die in

unsere Ozeane gelangt. Die SAP Plastics

Cloud Initiative ermöglicht es Unternehmen,

rasch von Einwegplastikverpackung

zu nachhaltigen Alternativen

zu wechseln, in die Infrastruktur für

Materialsammlung und Sortierung zu investieren

und ein besseres Konsumentenerlebnis

zu gewährleiten. Intern haben

wir uns das Ziel gesetzt, Einwegplastik

aus den eigenen Geschäftsprozessen bis

zum Ende des Jahres 2020 zu entfernen.

Lebensumstände verbessern

Transparenz und Nachverfolgbarkeit

in Lieferketten sind essentiell, um den

ökologischen Fußabdruck von Produkten

innerhalb globaler Lieferketten zu reduzieren,

angemessene, menschenwürdige

Arbeit sicherzustellen und Ungleichheiten

zu reduzieren. SAP Ariba Lösungen

helfen unter anderem dabei, Zwangs- und

Kinderarbeit zu identifizieren und zu unterbinden

sowie die Vielfalt der Zulieferer

zu erhöhen und Sozialunternehmen in

die Lieferketten aufzunehmen.

Ein weiteres Beispiel ist die SAP Rural

Sourcing Management Lösung, die in

Zusammenarbeit mit der GIZ Millionen

von kleinen Landwirtschaftsbetrieben

und Lieferant*innen in ländlichen Regionen

mit den Lieferketten globaler

Unternehmen verbindet und ihre Teilhabe

steigert.

Inklusion digital stärken

Unsere Projekte zum Jugendunternehmertum

und Initiativen zu digitalen

Fertigkeiten – wie beispielsweise Africa

Code Week oder unsere Partnerschaft

mit UNICEF, die sich auf globale Arbeitskräfteinklusion

fokussiert – haben

mehr als 4,5 Millionen junge Leute in

105 Ländern erreicht.

Seit Beginn der Covid-19-Krise sind

digitale Lösungen noch wichtiger geworden.

Beispielsweise haben wir eine

neue digitale Lerninitiative lanciert, die

verhindern soll, dass Bildung durch die

aktuelle Situation in Mitleidenschaft

gerät. Außerdem war schnell klar, dass

ein Eindämmen des Virus nur möglich

ist, wenn die Infektionskette


nachverfolgt

und möglichst kurz gehalten

werden kann. Daher begannen wir in

Zusammenarbeit mit der Deutschen

Telekom schon früh mit der Entwicklung

einer Corona-Warn-App. Im Mai

wurde diese schließlich veröffentlicht

und informiert die mehr als 18 Mio.

Nutzer über potenzielle Kontakte mit

einer infizierten Person und ob ein

Ansteckungsrisiko besteht.

Gemeinsam weiter gehen

Die Herausforderungen,

denen wir uns aktuell stellen,

sind größer und komplexer als je

zuvor. Wir wissen, dass

Zusammenarbeit und

systemische Veränderungen

essenziell sind, um die sozialen und

ökologischen Probleme der Welt

anzupacken. Deshalb arbeiten wir

mit Kunden, Regierungen und

NGOs auf der ganzen Welt

zusammen und setzen uns für

praktische Problemlösung ein,

sagt Chief Sustainability Officer Daniel Schmid.

Dies beinhaltet Engagement mit UN-Einrichtungen

wie dem UN Global Compact,

UNICEF, der Ellen MacArthur Foundation

und der Value Balancing Alliance.

globalcompact Deutschland 2020

109


BEST PRACTICE

Telefónica Deutschland / O 2

:

Mit Digitalisierung zur

Klimaneutralität

Die Telekommunikationsbranche spielt eine Schlüsselrolle in der Bekämpfung des Klimawandels.

Denn Unternehmen und Menschen nutzen die Infrastruktur von Telefónica mit seiner

Kernmarke O 2

in Deutschland auch, um ihre nachhaltigen digitalen Geschäftsmodelle und Anwendungen

zu verwirklichen und so die Umwelt zu schonen. Umso wichtiger ist es, dass sie sich

dabei auf ein „grünes“ Telekommunikationsnetz verlassen können. Deshalb bewältigt

Telefónica Deutschland die mit der Digitalisierung einhergehenden steigenden Datenvolumen

mit immer höherer Stromeffizienz und will die Qualität des genutzten 100prozentigen

Grünstroms steigern. Dies sind zwei wichtige Bausteine für das Unternehmen, um spätestens

2025 klimaneutral zu sein beziehungsweise Netto Null Emissionen zu erreichen.

Von Tanja Laube, Corporate Communications, Telefónica Deutschland / O 2

Mit Mobilfunk und Digitalisierung

Treibhausgas Emissionen senken

Das Potenzial digitaler Technologien

für den Klimaschutz ist groß. Laut Bitkom

lassen sich dank Digitalisierung

in Deutschland im Jahr 2030 bis zu

37 Prozent der Treibhausgas-Emissionen

einsparen. Das kommt beispielsweise den

Bereichen Energieversorgung, Mobilität

und Industrie zu Gute.

Fast 43 Prozent des deutschen Stromverbrauchs

wurden 2019 mit erneuerbaren

Energien gedeckt. Die immer stärkere

dezentrale Energieerzeugung stellt

Energienetzbetreiber und -versorger vor

große Herausforderungen. Immer mehr

Quellen für erneuerbare Energie müssen

über Telekommunikationsnetzwerke

überwacht und Stromflüsse gesteuert

werden. Nur durch die Verbindung

mit Telekommunikationsleistungen

werden die Stromnetze zu Smart Grids.

Sie ermöglichen es, dass der Strom an

verschiedenen Orten gespeichert oder

verbraucht wird und das Stromnetz dennoch

stabil bleibt.

Menschen nutzen Telekommunikationslösungen

und helfen so das Verkehrsaufkommen

zu reduzieren. Mit Videokonferenzen

statt Präsenzmeetings und

Virtual Reality statt Messebesuch werden

Geschäftsreisen ersetzt. Wer dennoch

unterwegs ist, kann die eigene Mobilität

über den Mobilfunk und die intelligente

Verknüpfung der unterschiedlichen

Verkehrsträger optimieren oder Sharing-

Dienste nutzen. Reisende profitieren

von anonymisierten Mobilfunkdaten

zur Berechnung von Verkehrsströmen.

Dadurch werden Staus verringert, CO 2

-

Emissionen gesenkt und Fahrpläne sowie

Fuhrparkkapazitäten im öffentlichen

Bereich optimiert. Auch in der intermodalen

Logistik (See, Luft, Straße) und

Warenwirtschaft werden Warenströme

noch präziser gesteuert, um etwa Leerfahrten

zu vermeiden.

In der Industrieproduktion werden

Maschinen mit Maschinen über den

Mobilfunk vernetzt. Internet-of-Things-

Lösungen und Sensorik optimieren

Produktionsabläufe. Dies bietet ein

enormes Potenzial zur Senkung der

CO 2

-Emissionen. Denn vernetzte Maschinen

arbeiten reibungslos miteinander

und produzieren weniger Ausschuss.

Eventuelle Störungen können frühzeitig

durch vorausschauende Instandhaltung

vermieden werden – all das wird unter

dem Stichwort „Predictive Maintenance“

entwickelt. Zudem können Maschinen

in Leerzeiten automatisiert abgeschaltet

und deren Lebensdauer kann verlängert

werden.

Klimaneutral 2025: mit Stromeffizienz

in einem „grünen Netz“

Digitalisierung und Mobilfunk gehören

zu den treibenden Kräften des nächsten

Jahrzehnts. Telefónica Deutschland / O 2

setzt sich dafür ein, dass dieser Fort-

110 globalcompact Deutschland 2020


schritt auch zur Begrenzung der globalen

Erderwärmung auf sicher unter 1,5

Grad Celsius beiträgt. Deshalb arbeitet

es konsequent daran, die mit der Digitalisierung

einhergehenden steigenden

Datenvolumen im eigenen Telekommunikationsnetzwerk

mit immer weniger

Strom pro Byte zu bewältigen sowie die

Qualität des genutzten 100prozentigen

Grünstroms zu steigern. So kann das

Unternehmen ein „grünes Netz“ bieten.

Die Stromeffizienz im Netz wird dank

neuester Mobilfunkstandards und technischer

Modernisierungen deutlich steigen.

Ziel des Unternehmens ist es, bis

2025 im Vergleich zu 2015 82 Prozent

weniger Strom pro Byte zu verbrauchen.

Zentral für die Steigerung der Stromeffizienz

sind vor allem die geplante

3G Abschaltung, der 4G Ausbau, die 5G

Einführung und Modernisierungen in

Rechenzentren. Denn mit jeder neuen

Mobilfunkgeneration steigt die Stromeffizienz.

5G verbraucht bis zu 90 Prozent

weniger Strom pro Byte als 4G.

Telefónica Deutschland / O 2

kauft bereits

seit 2016 zu 100 Prozent Strom

aus erneuerbaren Energien ein. Seit

2021 bestreitet das Unternehmen den

Gesamtstromverbrauch mit Grünstrom,

indem es für die wenigen Bereiche, in

denen es bisher nicht die Einkaufshoheit

für den Strom hatte, etwa O 2

Shops in

Einkaufszentren, Herkunftsnachweise

bezieht.

Darüber hinaus plant das Unternehmen

mit sogenannten Power Purchase

Agreements, die Qualität des genutzten

Grünstroms zu steigern. Diese direkten,

langfristigen Stromabnahmeverträge mit

Energieerzeugern erlauben es diesen,

beispielsweise Windräder oder andere

alternative Energiequellen für Telefónica

Deutschland / O 2

zu betreiben. Außerdem

prüft das Unternehmen Möglichkeiten,

eigenen Strom aus erneuerbaren Energien

zu produzieren. Ab 2021 sollen

geeignete Mobilfunkstandorte mit Photovoltaikanlagen

ausgestattet werden.

Telefónica Deutschland / O 2

hat sich bereits

frühzeitig das Ziel gesetzt, ihre

CO 2

-Emissionen bis 2030 im Vergleich

zu 2019 um mehr als 90 Prozent zu

senken. 2019 betrugen die CO 2

-Emissionen

des Unternehmens rund 93.000

Tonnen. Das entspricht den jährlichen

Pro-Kopf-CO 2

-Emissionen von knapp

12.000 Personen in Deutschland. An

den Stellen, an denen CO 2

-Emissionen

noch nicht vermeidbar sind, wie etwa

auf notwendigen Geschäftsreisen oder

durch Gebäudeheizungen gemieteter

Flächen, sollen diese in gleicher Höhe

mit Kompensationsprojekten über dem

Marktstandard ausgeglichen werden.

Klimastrategie trägt zur Begrenzung

der globalen Erderwärmung bei

Als Telekommunikationsunternehmen

übernimmt Telefónica Deutschland

mit seiner Kernmarke O 2

eine zentrale

Rolle im Bestreben zur Begrenzung

der Erderwärmung. Das Unternehmen

wird spätestens 2025 klimaneutral sein

beziehungsweise Netto Null Emissionen

erreichen. Außerdem bietet es seinen

Kunden ein grünes Telekommunikationsnetz

als Trampolin für die Verwirklichung

nachhaltiger Geschäftsmodelle

und Anwendungen. Damit unterstützt

das Unternehmen das Pariser Klimaabkommen

und trägt zum Aktionsbündnis

„Business Ambition for 1.5°C“ bei. Gleichzeitig

leistet es einen wichtigen Beitrag

zu den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs)

und fokussiert in den Klimaaspekten auf

SDG 7 (bezahlbare und saubere Energie),

SDG 9 (Industrie, Innovation und Infrastruktur),

SDG 12 (nachhaltiger Konsum

und nachhaltige Produktion) sowie SDG

13 (Maßnahmen zum Klimaschutz).

globalcompact Deutschland 2020

111


BEST PRACTICE

ESG-Stresstest: Wie resilient

sind Ihre Lieferketten?

Klimawandel, Corona, Krisenherde – Lieferketten stehen immer öfter unter Stress. Dabei beruht

unsere globalisierte Weltwirtschaft auf dem reibungslosen Zusammenspiel von komplexen,

arbeitsteiligen Prozessen. Der ESG-Stresstest hilft, das gesamte Spektrum der Umwelt-, Sozialund

Governance-bezogenen Risiken zu verstehen und diese effektiver zu managen.

Von Dr. Elmer Lenzen, Geschäftsführer, macondo publishing

Extreme Wetterereignisse, unsägliche

Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit und

andere Menschenrechtsverletzungen, der

Einsatz gesundheitsgefährdender Substanzen,

Verbandsklagen, Reputationsschäden

etc. – Nachhaltigkeit ist schon lange kein

Nischenthema mehr. War es vor einigen

Jahren nur eines unter vielen Punkten bei

Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen,

so beherrscht es immer öfter die Agenda.

Wie real und global die Auswirkungen

auf das Alltagsgeschäft sind, zeigt der

jährliche Global Risks Report des Weltwirtschaftsforums

in Davos.

In einer globalisierten Welt mit hochkomplexen

Produktionsebenen wird

die Einhaltung dieser ESG-Kriterien für

jedes Unternehmen immer anspruchsvoller

und gleichzeitig kritischer: Je mehr

Produktionsschritte und -prozesse in

die Lieferketten verlagert werden, desto

mehr werden Risiken ausgelagert. Digitalisierung

und politische Unsicherheiten

verschärfen diese Entwicklung.

Für europäische Unternehmen liegen

die größten Risiken dabei in ihren vorgelagerten

Wertschöpfungsketten. Kein

Wunder, dass Gesetzgeber, Investoren,

Konsumenten und Einkäufer in Unternehmen

heutzutage verstärkt bei Lieferanten

auf die Einhaltung von Umwelt-,

Menschen- und Arbeitsrechten sowie

auf Fragen der guten Unternehmensführung

achten. Das deutsche Netzwerk

des Global Compact (DGCN) leistet hier

seit Jahren mit seinem Schulungs- und

Qualifizierungsprogramm wichtige Hilfestellung.

In Szenarien denken!

Bisher ist vieles jedoch im Risiko- und

Nachhaltigkeitsmanagement retrospektiv.

Am deutlichsten wird das beim Nachhaltigkeitsbericht.

Ist das Geschäftsjahr

abgeschlossen, beginnt die Berichterstattung

über die zurückliegende Phase. Das

ist ein durchaus wichtiger analytischer

Schritt, aber viele Entwicklungen der

1. Risk management framework 2. Data mining and referent standards

Governance and

culture for

ESG-related risks

Strategy and

objective-setting for

ESG-related risks

Information,

communication,

and reporting for

ESG-related risks

Performance for

ESG-related risks

Review and

revision for ESGrelated

risks

112 globalcompact Deutschland 2020


Gegenwart und der erwartbaren Zukunft

werden viel zu wenig berücksichtigt

geschweige denn bearbeitet.

Wir bei macondo publishing setzen in

unserem Projekt „ESG Stresstest“ deshalb

auf ein proaktives Verständnis von

Nachhaltigkeitsreporting, bei dem wir

von Szenarien ausgehen, entlang derer

Handlungsvarianten und -empfehlungen

erarbeitet werden können. Auch

das Reporting der Kennzahlen wird aus

unserer Sicht in Zukunft mithilfe von

künstlicher Intelligenz und entsprechenden

Algorithmen wesentlich genauer,

vorhersagbarer und damit planbarer.

Wir sind überzeugt: Künftig werden sich

Nachhaltigkeitsberichte viel stärker in

Richtung Echtzeit-Berichte und teilweise

sogar „predictive reporting“ entwickeln.

ESG-Stresstest

Das Arbeiten mit Szenarien hat im Nachhaltigkeitsbereich

durchaus Tradition:

So hat der World Business Council for

Sustainable Development (WBCSD) mit

seiner Vision 2050 bereits die Richtung

aufgezeigt. Die Europäische Zentralbank

wiederum hat mit dem sogenannten

„Banken-Stresstest“ eine bewährte

Methode vorgelegt. Der von macondo

publishing entwickelte ESG-Stresstest

verbindet beide Ansätze: Wir unterstützen

regionale Regierungen oder Unternehmen

mit globalen Lieferketten

dabei, ihre hochkomplexen Lieferketten

anhand von ESG-Kriterien zu testen

und sie dadurch widerstandsfähiger zu

machen. Richtwert sind die 17 Global

Goals der UN.

Mithilfe von Expert*innen werden für

die jeweiligen Regionen die relevanten

Messdaten (KPIs) zunächst bestimmt und

dann in drei mittelfristigen Szenarien

bewertet. So gibt es für jeden Bereich

mit Blick auf das Jahr 2030 ein best

case-, ein median und ein worst case-

Szenario. Die teilnehmenden Unternehmen

der Lieferketten wiederum werden

entlang der gleichen Messdaten getestet,

die Ergebnisse werden konsolidiert und

mit den Szenarien abgeglichen. So entsteht

nicht ein Bild von der Lieferkette,

sondern je nach Entwicklungspfad drei

Visionen. Nachhaltigkeitsmanagement

oder auch Entwicklungshilfe kann daran

ganz gezielt ansetzen und passgenau

Hilfen für den gewünschten Transformationspfad

geben.

Der ESG-Stresstest ist deshalb eine praktische

Antwort auf die Anforderungen

des Pariser Klimaabkommens und der

UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung

(SDGs). Die technologische Architektur

basiert auf der bewährten Software CSRmanager

– einer umfassenden webbasierten

Lösung für Nachhaltigkeits-,

Klima- und Risikomanagement. Automatisierte

Datenerfassung, Konsolidierung,

Berichterstattung und Verwaltungsfunktionen

machen die Offenlegung und das

Controlling effizient, genau und intuitiv.

Weiteres Vorgehen

Derzeit wird ein erstes Pilotprojekt vorbereitet.

Interessierte Teilnehmer des

DGCN sind darüber hinaus aber herzlich

eingeladen, ihrerseits Vorschläge

einzubringen. Je nach Region und Thema

werden in weiteren Schritten dann

passende Partner aus Zivilgesellschaft,

Forschung, Politik und Verwaltung eingebunden,

um konsistente Szenarien zu

erarbeiten. Zugleich wird damit auch

der technische Grundstein gelegt, um

künftigen Berichtsanforderungen wie

etwa Lieferkettengesetz oder den EU-

Dekarbonisierungsvorgaben in TIER1

und Folgenden zu entsprechen.

3. Projection of scenarios 4. Scenarios

Community

involvement

Discrimination

Human Rights

Employee Rights

Human health and safety

3

Climate Action

2

1

0

Wages, benefits,

pensions

Affordable and

clean Energy

Sustainable Cities

and

Communities

Peace, Justice, and

strong Institutions

Best case scenario

Average case scenario

Worst case scenario

Measures

Certificate

Capacity

building

+ Infrastructure

Responsible

finance

globalcompact Deutschland 2020

113


BEST PRACTICE

ESG-Fragen gehören ins

Risikomanagement

Viele Unternehmen beschäftigen sich noch nicht ausreichend mit ökologischen und sozialen

Auswirkungen ihrer Produkte und Prozesse. Insbesondere bei Lieferketten liegt vieles im

Argen. Mazars rät deshalb zu einem integrierten Risikomanagement.

Von Kai Michael Beckmann, Sustainability Director, Mazars

Fast anderthalb Jahrzehnte, nachdem

der UN Global Compact in der Publikation

„Who cares wins“ den Begriff ESG

für „Environment, Social, Governance“

geprägt hat, tun sich Unternehmen immer

noch schwer mit der Beachtung von

ESG-Kriterien, die auch als nicht- oder

extra-finanzielle Aspekte bezeichnet

werden. Eine Umfrage im Auftrag von

Mazars aus dem Jahr 2018 unter 15

multinationalen Konzernen mit Sitz in

Deutschland ergab, dass diese Fragen

selten weit oben auf deren Agenda der

wichtigen Themen stehen.

Zugleich erwarten aber immer mehr

Stakeholder – vom Gesetzgeber über die

Kapitalmärkte bis hin zu Kunden und

Geschäftspartnern – eine stärkere Beachtung

eben dieser ESG-Auswirkungen

auf betriebliches Handeln. Die Europäische

Union überarbeitet beispielsweise

aktuell ihre „Non-Financial Reporting

Directive“ (hierzulande bekannt als CSR

RUG) dahingehend, dass unter anderem

die Einhaltung menschenrechtlicher

Sorgfalt verpflichtend wird. Die EU-

Finanz-Taxonomie führt wiederum dazu,

dass Nachhaltigkeitsaspekte ins Risikomanagement

von Finanzunternehmen

eingebunden werden müssen.

Mazars unterstützt seine Kunden hierbei

und wirbt dafür, die nicht-finanziellen

Risiken angemessen in einer integrierten

Risikoberichterstattung abzubilden.

Damit leisten wir als internationale

Prüfungs- und Beratungsgesellschaft

zugleich einen Beitrag zur Verwirklichung

der SDGs 8 und 12. Dies betrifft

vor allem Punkte wie die Analyse der

ökologischen und sozialen Fußabdrücke

von Produkten, aber auch die Sicherstellung

fairer, nicht diskriminierender

Arbeitsbedingungen über die gesamte

Wertschöpfungskette hinweg.

ESG-Risiken sind weniger eindeutig

Aber warum tun sich Unternehmen noch

immer schwer mit ESG-Aspekten? Dafür

gibt es verschiedene Gründe. Oft mangelt

es am Bewusstsein dafür, dass die

finanzielle und die nicht-finanzielle

Strategieplanung zusammen gedacht

werden müssen. Das wird besonders

deutlich an der zeitlichen Perspektive,

die oft den im Risikomanagement üblichen

Betrachtungszeitraum von zwei

bis drei Jahren überschreitet. Dabei darf

die Unsicherheit über den Zeitpunkt,

wann ein ESG-Risiko das operative Geschäft

negativ beeinflussen könnte, nicht

dazu führen, dass diese Risiken zunächst

ignoriert werden.

Woran hakt es? Vielen Unternehmen

fehlt oft das Know-how, Risiken, die

sich durchaus über Jahrzehnte hinweg

erstrecken können, quantitativ in die

eher kurz- und mittelfristige Risikoplanung

zu integrieren. Anspruchsvoll ist

es für sie darüber hinaus, die wirklich

relevanten Nachhaltigkeitsrisiken zu

identifizieren. Das liegt nicht zuletzt

daran, dass ESG-Auswirkungen oft über

den direkten Herstellungs- und Vertriebsprozess

der Produkte hinausgehen und

„große“ Themen wie etwa Atomkraft oder

den Einsatz von Herbiziden betreffen.

Dabei werden solche Themen in unterschiedlichen

Kulturen und Regionen

durchaus unterschiedlich bewertet.

Die Transition hin zu einer nachhaltigeren

Unternehmensführung ist somit eine

durchaus komplexe Aufgabe. Was muss

also unternommen werden, um ESG-

Risiken vollständig in die unternehmensweiten

Monitoring- und Kontrollsysteme

zu integrieren? Mazars schlägt vor, die

Beurteilung von Nachhaltigkeitsauswirkungen

als Teil eines integrierten Risikomanagements

zu betrachten. Finanzielle

wie nicht-finanzielle Faktoren sollten

identifiziert und bewertet werden und

die Basis für verantwortungsvolle unternehmerische

Entscheidungen bilden.

Dieses Konzept basiert auf dem Bericht

„Sustainability and enterprise risk management“,

den das „World Business

Council for Sustainable Development”

(WBCSD) gemeinsam mit dem „Committee

of Sponsoring Organizations of

the Treadway Commission” (COSO) 2017

veröffentlicht hat. Eine für den Bericht erstellte

Umfrage ergab, dass die Mehrzahl

der Unternehmen sich bewusst sind, dass

114 globalcompact Deutschland 2020


ESG-Risiken auch finanzielle Auswirkungen

auf ihre Geschäftstätigkeit haben.

Vielen der von WBCSD und COSO befragten

Unternehmen mangelte es aber

noch an Wissen, wie diese Aspekte ins

„Enterprise Risk Management“ (ERM)

übersetzt werden können. Dazu haben

beide Organisationen nun erstmals eine

praxisnahe Anleitung vorgelegt. Beim

ESG-Risikomanagement geht es demnach

darum zu untersuchen, wie sich Risiken

auf die eigenen Geschäftsprozesse

auswirken, die im Zusammenspiel mit

Menschen, Organisationen oder Regionen

in der Lieferkette entstehen. So

haben Produktionsunterbrechungen,

Qualitätsmängel oder Klagen auch bei

nachgelagerten Zulieferern durchaus

konkrete materielle Folgen für die eigene

Risikoplanung. Im integrierten Risikomanagement

müssen also die Monitoringund

Kontrollmechanismen angepasst

und die Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten

neu definiert werden, um

die kritischen Faktoren zu identifizieren,

denen sich das Management dann bevorzugt

widmen sollte.

Kommunikation als erster Schritt

Welche Umsetzungsstrategie ist die beste

beim Schritt ins integrierte Risikomanagement?

Unsere Kollegin, Mazars-

Advisory-Services-Partner Bongiwe

Mbunge, nennt als erste und wichtigste

Maßnahme: das Gespräch mit Anspruchsgruppen

– allen voran diejenigen im eigenen

Unternehmen. Gemeinsam sollte

diskutiert werden, was Nachhaltigkeit im

Unternehmenskontext bedeutet und wie

Unternehmenserfolg definiert wird. In

weiteren Etappen sollen dann externe

und interne Stakeholder identifiziert

werden. Außerdem muss erörtert werden,

wie diese in die eigene Nachhaltigkeitsstrategie

integriert und zur Mitwirkung

motiviert werden können.

Bei der konkreten Sammlung von Informationen

und Daten sind Transparenz

und eine hohe Datenqualität ganz besonders

wichtig, betont James Ye, Hong Konger

Mazars-Partner für Risk Management

und Internal Control, am Beispiel der

ökologischen Nachhaltigkeitsplanung.

Erfassungsmethoden müssen, betont er,

verlässlich und nachvollziehbar sein. Sie

sollten außerdem offen für Stakeholder

sein, um einen besseren Überblick über

die ökologischen Auswirkungen der Produktions-,

Vertriebs- und Lieferprozesse

zu erhalten.

Der Aufwand für die Integration von

ESG-Aspekten ins ERM lohnt sich: Unternehmen

erhalten dadurch eine wertvolle

Informationsbasis für eine umfassende,

verantwortungsvolle Unternehmensstrategie.

Zugleich sind sie damit in der Lage,

anderen Stakeholdern über die eigene

Nachhaltigkeitsleistung umfassend Auskunft

zu geben.

globalcompact Deutschland 2020

115


DGCN GESCHÄFTSSTELLE & ANSPRECHPARTNER

Marcel Engel

Leiter Geschäftsstelle

Leonore Herzberg

Netzwerkmanagement, Reporting

Claudia van den Berg

Kommunikation

Laura Curtze

Menschenrechte und Arbeitsnormen

Lena Kern

Umwelt, Klima, Reporting

Carolina Echevarria

Korruptionsprävention (Allianz für Integrität)

Anschrift

Geschäftsstelle Deutsches Global Compact

Netzwerk (DGCN)

c/o Deutsche Gesellschaft für Internationale

Zusammenarbeit (GIZ) GmbH

Reichpietschufer 20

D-10785 Berlin

Tel.: +49 (0) 30 72614-204

Fax: +49 (0) 30 72614-130

Mail: globalcompact@giz.de

URL: www.globalcompact.de

Silke Düwel-Rieth

Sustainable Development Goals (SDGs)

116 globalcompact Deutschland 2020


IMPRESSUM

Verlag:

macondo publishing GmbH

Dahlweg 87

48153 Münster

Tel.: +49 (0) 251 – 200782-0

Fax: +49 (0) 251 – 200782-22

Mail: info@macondo.de

URL: www.macondo.de

USt-Id-Nr.: DE 292 662 536

Chefredakteur:

Dr. Elmer Lenzen

Redaktion:

Ulrich Klose, Elena Köhn, Darja Ljubin,

Sonja Scheferling

Bildredaktion:

Marion Lenzen

Gestaltung:

Gesa Weber

Lektorat:

Marion Lenzen, Bettina Althaus

Bei dieser Publikation wurde aus Gründen

der sprachlichen Vereinfachung bei einigen

Texten nur die männliche Form verwendet.

Es sind jedoch stets Personen männlichen,

weiblichen und diversen Geschlechts

gleichermaßen gemeint.

Klimaneutralität:

Das vorliegende Druckerzeugnis ist

durch anerkannte Klimaschutzprojekte

klimaneutral gestellt worden.

(Nature Office Gold Standard Portfolio -

GS, VER)

natureOffice.com | DE-706-JR3AVHV

Papier:

Magno Volume, FSC-zertifiziert

Videobotschaft:

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel

anlässlich des UN Global Compact

Leaders Summit 2020

Autoren dieser Ausgabe

(in alphabetischer Reihenfolge):

Peter Basche, Kai Michael Beckmann,

Lina Binder, Maike Böcker, Dr. Katie Böhme,

Marcel Engel, Dr. Sabine Fisbeck-Groh, Prof.

Dr. Elisabeth Fröhlich, Dr. Andreas Gorbach,

Michaela Hauberg, Birgit Hellmann,

Klaus Holterhoff, Mareike Iba, Violetta Kahre,

Torsten Kallweit, Georg Kell, Lise Kingo,

Stefan Klatt, Dr. Jan Krönig, Tanja Laube,

Dr. Elmer Lenzen, Jonathan Linker,

Mario Mehren, Patrica Meyer, Lena Michel,

Friedrich-Wilhelm Micus, Christine Susanne

Müller, Dr. Maren Otte, Thorsten Pinkepank,

Angelika Pohlenz, Ricarda-Marie Pomper,

Katja Poschke, Jonathan Przybylski,

Dr. Angela Reitmaier, Johanna Schramm,

Johanna von Stechow, Lynn A. Taylor,

Prof. Dr. Tobias Viere, Annette Wagner,

Fenna Willers, Michael Windfuhr,

Christina Witter, Miriam Zimmermann

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben

nicht die Meinung des Herausgebers wieder.

Titelbild:

Fotocollage: UN Photo/Eskinder Debebe,

Konstantin Börner, André Wagenzik, Ulf

Büschleb und Fotos gemäß Bildnachweis

Bildnachweis:

Ulf Büschleb (S. 3, 6 Mitte, 12 – 17, S. 26

oben, 116), Screenshot Videobotschaft

Bundeskanzleramt (S. 4), UN Photo/Mark

Garten (S. 6 oben, 8), UN Global Compact/

Michael Dames (S. 8, 22 unten rechts, S.

24), UN Photo/Eskinder Debebe (S. 8 unten),

DGCN/Thomas Ecke (S. 9), Marion Lenzen (S.

9 unten), DGCN/Konstantin Börner

(S. 10, 21), André Wagenzik (S. 11), Angelika

Pohlenz (S. 18 oben), DGCN (S. 18 unten),

Georg Kell (S. 22 oben, unten links),

UN Photo/Joel Thomas Sheakoski (S. 26

unten links, 29), UN Photo/Zef Nikolla (S. 26

unten rechts), DGCN/Dr. Angela Reitmaier

(S. 30), Anke Illing (S. 31), Prof. Dr. Elisabeth

Fröhlich (S. 33 oben), Prof. Dr. Tobias Viere

(S. 33 unten), www.pelzinger.de/stock.adobe.

com (S. 6 unten, 34), macondo publishing

(S. 40, 112/113), ClimatePartner/Rafael

Araujo (S. 67), Bosch (S. 69), CEWE (S. 71),

Daimler Truck (S. 72, 73), E.ON (77), Evonik

Industries (S. 78), D. Bannert (S. 79), ista

(S. 81), MAN (S. 83), Tchibo (S. 84, 85),

Vonovia (S. 87), Weidmüller (S. 88, 89), CWS

(S. 91), lcrribeiro33@gmail/stock.adobe.com

(S. 93), SHIFT/Jérome Gerull (S. 96), SHIFT

(S. 97), Symrise (S. 98), BASF/Hans-Juergen

Doelger (S. 100/101), Merck (S. 103, erstes

und zweites von oben), Merck/Mainline

Photography LLC (S. 103 drittes von oben),

Merck/chee gin tan (S. 103 unten), Wilo/

External (S. 104), Wilo (S. 105), Wintershall

Dea/Bernd Schoelzchen (S. 107), SAP/Ingo

Cordes (S. 108), SAP/Dougal Waters

(S. 109), Telefónica Deutschland (S. 111),

profit_image/stock.adobe.com (S. 115)

Bezugspreis:

€ 15,00 zzgl. Porto:

[D] + € 1,00

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Rechte:

Alle Rechte vorbehalten.

Nachdruck, Aufnahme in Online-Dienste

und Internet sowie Vervielfältigung jeglicher

Art nur nach vorheriger schriftlicher

Zustimmung des Verlags.

Für unverlangt eingeschickte Manuskripte,

Fotos und Illustrationen übernehmen wir

keine Gewähr.

ISSN 1614-7685

ISBN-13: 978-3-946284-10-9

Printed in Germany © 2020


Die 10 Prinzipien

des United Nations

Global Compact

Im Mittelpunkt der Global Compact-Initiative stehen zehn Prinzipien zu Menschenrechten,

Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung. Der Global Compact ruft weltweit

Unternehmen dazu auf, sich zu diesen Prinzipien öffentlich zu bekennen und aktiv für ihre

Umsetzung einzusetzen.

MENSCHENRECHTE

Prinzip 1: Unterstützung

und Respektierung

der internationalen

Menschenrechte im eigenen

Einflussbereich

Prinzip 2: Sicherstellung,

dass sich das eigene

Unternehmen nicht an

Menschenrechtsverletzungen

beteiligt

UMWELT

Prinzip 7: Unterstützung eines

vorsorgenden Ansatzes im

Umgang mit Umweltproblemen

Prinzip 8: Ergreifung von

Schritten zur Förderung einer

größeren Verantwortung

gegenüber der Umwelt

Prinzip 9: Hinwirkung

auf die Entwicklung und

Verbreitung umweltfreundlicher

Technologien

ARBEITSNORMEN

Prinzip 3: Wahrung der

Vereinigungsfreiheit und

wirksame Anerkennung

des Rechts zu

Kollektivverhandlungen

Prinzip 4: Abschaffung jeder

Art von Zwangsarbeit

KORRUPTIONSBEKÄMPFUNG

Prinzip 10: Unternehmen sollen

gegen alle Arten der Korruption

eintreten, einschließlich

Erpressung und Bestechung

Prinzip 5: Abschaffung der

Kinderarbeit

Prinzip 6: Beseitigung von

Diskriminierung bei Anstellung

und Beschäftigung


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BISHERIGE AUSGABEN

»

Let us choose to unite the power

of markets with the authority of

universal ideals. Let us choose to

reconcile the creative forces of private

«

entrepeneurship with the needs of the

disadvantaged and the requirements

of future generations.

Kofi Annan, Secretary-General of the United Nations

global

compact

25 | 30 US$

global compact Deutschland | 2005

Deutschland

global

compact

2005

Today it is increasingly clear

that UN objectives – peace,

security, development go hand-inhand

with prosperity and growing

markets.

If societies fail, so will markets.

Kofi Annan, former Secretary-General of the United Nations

global

compact

25,00 EUR

global compact Deutschland | 2006

Deutschland

global

compact

2006

the Compact as an organizing tool

for your global operations. Ensure that

your boards, subsidiaries and supply chain

partners use the Compact as both a

management guide and a moral compass.

25,00 EUR

Ban Ki-moon,

Secretary General of the United Nations

global compact Deutschland | 2007

global

Deutschland

compact

2007

Ich freue mich, dass die Mitglieder des Global Compact Deutschland in einem

Jahrbuch über ihre Aktivitäten berichten. Ich wünsche mir, dass dieses Buch noch

mehr Unternehmen anspornt, sich zu den Prinzipien des Global Compact zu bekennen

und diese mit Engagement umzusetzen – im eigenen Betrieb ebenso wie über dessen

Grenzen hinaus. Wir brauchen dieses Engagement der Unternehmen für mehr Ausgleich

und Gerechtigkeit der internationalen Ordnung.

I am pleased that the members of Global Compact Germany are reporting on their

activities in a yearbook. I hope that this book will encourage even more companies to

adopt the Global Compact Principles and carry them out with commitment – in their own

operations and beyond their boundaries. We need this involvement of

companies for more balance and justice in the international order.

global compact Deutschland | 2008

Deutschland

global

compact

Deutschland

global

compact

Unternehmerische

Verantwortung muss ein

Eckpfeiler werden für ethische

und stabile Märkte.

global compact Deutschland 2010

Deutschland

global

compact

Durch Vorbilder und Kooperationen

in Initiativen und Netzwerken können

wir das Bewusstsein für Nachhaltigkeit auch

als wirtschaftlichen Erfolgsfaktor weiter

schärfen. Hierbei nimmt der Global Compact

eine wichtige Rolle ein. Allen Akteuren, die

sich in diese weltweite Initiative einbringen,

sage ich von Herzen Dank.

global compact Deutschland 2011

Deutschland

global

compact

Ich wünsche dem deutschen Global Compact Jahrbuch einen großen Leserkreis.

Möge es zu weiteren Anstrengungen für kreative und erfolgreiche Partnerschaften

animieren, die der Globalisierung nicht nur ein freundliches Gesicht verleihen, sondern vor

allem deren vielfältige Chancen und positive Entwicklungen konkret erfahrbar machen.

I wish the German Global Compact Yearbook a large readership. May it

animate further efforts towards creative and successful partnerships that not only give

globalisation a friendly face but, above all, make it possible to experience

concretely its many opportunities and positive developments.

2008

2009

30,00 EUR

30,00 EUR

30,00 EUR

2010

2011


globalcompact.de

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ISBN-13: 978-3-946284-10-9

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Printed in Germany, Dezember 2020