Der XX-Faktor: Weibliche Stärke – Das SHE works! Magazin im Januar 2021

sheworks

Der XX-Faktor: Weibliche Stärke

Liebe Leserinnen und Leser,

so viele Frauen mit großartigen Fähigkeiten und Qualifikationen bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Oder lassen sich ausbremsen – von den ewigen patriarchalischen Strukturen – siehe die Studie von Martina Lackner.
Zugegeben – das ist nichts wahnsinnig Neues – haben wir alle schon gehört. Und dann haben wir uns, nachdem wir darüber nachgedacht haben, uns selbst ins Gebet genommen, gut zugeredet, dass wir besser/stärker/selbstbewusster/selbstsicherer auftreten. Und was kam dabei raus?

Ja genau, irgendwie oft nicht genug!

Damit es nicht so bleibt, haben wir viele Unternehmerinnen und Führungspersönlichkeiten nach ihren Erfahrungen, Tipps und Ratschlägen gefragt. Die Antworten im aktuellen Januar-Magazin 2021.

Carolin Schäufele

1. AUSGABE 2021 // 5,95 EURO

SHE works!

#FRAUEN #WIRTSCHAFT #KARRIERE

WWW.SHE-WORKS.DE

Der XX-Faktor:

Weibliche Stärke

MIT FEMININER STÄRKE

DIE GESCHÄFTSWELT

REVOLUTIONIEREN

FÜHRUNG MIT X-FAKTOR

SHE!

KATHARINA V. HARDERER

PROF. DR. YVONNE ZAJONTZ


Unsere Ärztin Katharina von Goldacker

untersucht im Südsudan ihre Patientin

Nyajuok Thot Tap, die im achten Monat

schwanger ist. © Peter Bräunig

SPENDEN SIE ZUVERSICHT

IN BANGEN MOMENTEN

IHRE SPENDE RETTET LEBEN: 30 Euro kostet das

sterile Material für drei Geburten. Ohne dieses erleiden

Frauen häufig lebensbedrohliche Infektionen.

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Harderer, Carina Quast, Kersti Niglas, Romina

Döhlemann, Christina Pörsch, Ivanka Roxeno,

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Lehmann, Cordula Casaretto, Fotoristisch/

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RKW Kompetenzzentrum, BOyden, Mandy

Ahlendorf, skill-fisher, Warmeling Consulting,

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Steffen, AmCham, Stephan Müller, Martin

Ammann, Bianca Thielke

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Carolin Schäufele (v.i.s.d.p.)

Dana Rotter, Julia Freiberg, Carina Quast, Ulrike

Stahl, Romina Döhlemann, Nadine Dlouhy,

Simone Mäkelä, Angela Recino, Laura Lehmann,

Cordula, Casaretto, Yvonne Ransbach, Dr.

Mandy Pastohr, Saskia Powell, Kathleen

Dunton, Mandy Ahlendorf, Anja Blodow, Marina

Malkowski, Mike Warmeling, Annett Petra

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Delgado, Martina Lackner, Barbara Biemann-

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1


Der XX-Faktor / Januar 2021

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

wir können aber wollen zu

selten?

So viele Frauen mit großartigen

Fähigkeiten und Qualifikationen

bleiben weit hinter

ihren Möglichkeiten zurück.

Oder lassen sich ausbremsen

von den ewigen patriarchalischen

Strukturen siehe die

Studie von Martina Lackner

(S. 86).

Zugegeben das ist nichts

wahnsinnig Neues haben wir

alle schon gehört. Und dann

haben wir uns, nachdem wir

darüber nachgedacht haben,

uns selbst ins Gebet genommen,

gut zugeredet, dass wir

besser/stärker/selbstbewusster/selbstsicherer

auftreten.

Und was kam dabei raus?

Ja genau, irgendwie oft nicht

genug!

Und das, obwohl wir mit unserer

Art, die Dinge zu betrachten

und anzugehen, über eine

großartige Basis verfügen, die

uns stark macht, einzigartig

und erfolgreich. Unser XX-Faktor.

Unsere ganz eigene Kraft

und Sicht auf die Welt.

Unsere Weiblichkeit als

Schlüssel zum beruflichen

Erfolg?

Dass es nicht einfach ist, alte

Muster und Rollen im Job

hinter uns zu lassen, ist auch

keine neue Erkenntnis. Aber

vielleicht ist es tatsächlich an

der Zeit aus dem „Ich würde ja

eigentlich gern…“ ein „Ich mach

das jetzt!“ zu machen.

Wir nehmen uns also (erneut)

vor:

• Präsenz zeigen

• Mut haben

• aufhören zu jammern

• die eigene innere Weisheit

erkennen

• loslegen

Mit der eigenen femininen

Stärke die Geschäftswelt

revolutionieren, wie Romina

Döhlemann so schön getitelt

hat: mit unserer Kraft und dem

Wissen um unsere Fähigkeiten.

Wir von SHE works! finden,

dass das echt gut klingt, und

haben unsere Autorinnen

Tipps, Tricks, Ratschläge,

Erlebnisse, Vorgehensweisen

und einen guten Weg zur

besseren inneren Haltung

aufschreiben lassen. Und sind

begeistert von der Vielzahl

der Möglichkeiten, die wir nun

kennen und in unser Business

mitnehmen können!

Lesen Sie selbst: Unser

Titelthema „Der XX-Faktor

Weibliche Stärke“ bietet eine

Fülle von Informationen und

Ideen für den beruflichen

Alltag, aber auch besonders

herausfordernde Situationen.

2020 ist vorbei. Was 2021 für

uns bereit hält, ist aktuell noch

nicht abzusehen. Aber wir sind

zuversichtlich, optimistisch,

energiegeladen und bleiben

neugierig.

Es gibt so viele Themen zu

unseren beruflichen Situationen

und Karrierewegen, wir

bleiben am Ball.

Ihnen einen guten Start in

dieses neue Jahr!

CAROLIN SCHÄUFELE &

DAS SHE WORKS!-TEAM

2


SHE works! / SHE works! das sind

SHE works! das sind ...

Wir arbeiten im Homeoffice.

Telefonieren,

zoomen, schreiben und

trinken virtuellen Kaffee

bei Besprechungen.

CAROLIN SCHÄUFELE

CHEFREDAKTEURIN

info@she-works.de

Wir gehen bei jeder Gelegenheit

mit dem Hund

vor die Tür, lesen zu lange

gute Bücher und freuen

uns, wenn wir uns endllich

alle mal wieder an einem

Tisch treffen können!

JULIA FREIBERG

MARKETING

FREIBERG@SHE-WORKS.DE

DANA ROTTER

REDAKTEURIN

rotter@she-works.de

NICK

REDAKTIONSHUND

CARLA VAN GAALEN

KOOPERATIONEN

carla@she-works.de

3


Der XX-Faktor / Januar 2021

Inhalt

SHE works! das sind ..................................................3

Post an uns!...................................................................6

SHE! Prof. Dr. Yvonne Zajontz..................................8

SHE! Katharina Viktoria Harderer...........................9

„Etwas Neues, Kreatives zu schaffen,

spornt mich an.“.......................................................... 11

Is it a womans World?.............................................. 18

Kooperationsfähigkeit

der weibliche Schlüssel zum Erfolg im

21. Jahrhundert.......................................................... 22

Weniger jammern, mehr fokussieren................. 28

Jeder besitzt seine eigene innere Weisheit

und Schönheit........................................................... 32

Erleichterter Zugang zur Kurzarbeit wurde

verlängert................................................................... 36

Die Wirtschaftshilfen gehen weiter,

aber ohne Januarhilfe.............................................. 38

„Wer nicht kommuniziert, den gibt es

nicht am Markt“........................................................40

Berufliche Erfüllung mit innerem

Kompass und offenem Geist.................................48

„Ich hab eine klare Haltung zu mir selbst!“....... 53

Führung mit X-Faktor:............................................. 57

Weiblich, männlich? Hauptsache gut!................. 57

Das Doppel-X für die Chefetage...........................60

Im Herzchen-Rausch................................................ 62

„Wenn ich im Job große Verträge

verhandele, kann ich das auch privat“................66

Flexible Arbeitsformen gegen den

Fachkräftemangel..................................................... 71

Tools für ein kraftvolles 2021................................ 73

Warum Fuck-up-Nights Misserfolge feiern........74

Wenn das Drama im Mutterleib das

Business blockiert.....................................................76

„Hochbegabte sind keine Aliens“ ........................80

Die IT-Branche braucht mehr weibliche

Vorbilder .................................................................... 83

4


SHE works! / SHE works! das sind

Warum Frauen in Unternehmen zu wenig

vorankommen oder auf Karriere verzichten.....86

Gründerinnen bestärken und Innovation

Sichtbarkeit geben...................................................90

Die German Global Speakers: Digital ist

international ganz nah............................................ 94

Was zu lesen ............................................................. 96

5


Der XX-Faktor / Januar 2021

Leserbriefe

Post an uns!

WIR HABEN WIEDER VIELE

TOLLE UND BESTÄRKENDE

NACHRICHTEN BEKOMMEN.

VIELEN DANK!

Tolles Magazin wieder mal.

Macht weiter so, wir brauchen

Euch!

Marion B.

Immer wieder bemerkenswert,

was Ihr an tollen Frauen und

Unternehmerinnen bei euch

vorstellt. Immer wieder eine

Freude, zu lesen.

Brigitte M.

Hab SHE works! per Zufall

gefunden und bin jetzt großer

Fan. Das Magazin ist der Hammer.

Ulrike S.

Echt interessante Themen, vielleicht

ein bisschen mehr zum

Thema Finanzen?

Susanne B.

(Wir werden und bemühen, liebe

Susanne B.! Die Redaktion)

So viele tolle Frauen. Wie

kommt man bei Euch ins Magazin?

Miriam D.

(Schreiben Sie uns einfach an

unter info@she-works.de und

wir melden uns mit Vorschlägen.)

Die Kombi aus Webseite und-

Magazin finde ich echt gelungen.

Content top!

Claudia L.

Und warum druckt Ihr jetzt

auch aus und bleibt nicht beim

Online-Format?

Tanja T.

(Liebe Tanja T., uns hat immer

wieder die Frage erreicht, ob es

uns auch am Kiosk gibt, gibt es

nicht, aber wer lieber ein Magazin

in der Hand hält, der kann

sich jetzt bei uns ein Print-Magazin

bestellen. Nachricht

an carla@she-works.de Das

Magazin bleibt in erster Linie

aber ein Online-Magazin)

6


SHE!

Der XX-Faktor / Januar 2021

Prominente Unternehmerinnen stellen sich vor!

In dieser Ausgabe:

Studiengangsleiterin Prof. Dr. Yvonne Zajontz

und die österreichische Fantasy-Autorin

Katharina V. Harderer.

Prof. Dr. Yvonne

Zajontz

Studiengangsleiterin BWL- Dienstleistungsmanagement/Media,

Vertrieb und

Kommunikation & Gleichstellungsbeauftragte

an der Dualen Hochschule

Baden-Württemberg Heilbronn

Initiatorin des Role-Model-Kalenders

„Professorinnen brennen für die Wissenschaft“

8


9

SHE!

SHE works! / Katharina Viktoria Harderer

Katharina Viktoria

Harderer

Österreichische Autorin der Phantastik

Studierte Germanistik in Wien

Veröffentlichte 2014 ihren Debütroman

Das Herz im Glas“

Publiziert bei Droemer-Knaur

Pfadfinderleiterin in Bad Vöslau


Prof. Dr. Yvonne Zajontz/ Foto Terzo Algeri


SHE works! / „Etwas Neues, Kreatives zu schaffen, spornt mich an

SHE! Prof. Dr. Yvonne Zajontz

„Etwas Neues, Kreatives

zu schaffen, spornt mich

an.“

Wie definieren Sie Erfolg?

Für mich heißt Erfolg, wenn ich

die Ziele, die ich selbst definiert

habe, sowohl im beruflichen

Kontext als auch im privaten

Bereich erreiche. Diese

gesetzten Ziele resultieren aus

meinen Idealen und Visionen

und meiner Sinnerfüllung und

des Bedeutungsgehalts für andere

Menschen. Gelingt es mir,

diese zu erzielen, empfinde ich

Erfüllung und Zufriedenheit.

Eine gelungene Lebensführung

ist für mich persönlich

der Inbegriff für Erfolg.

Was zeichnet Sie aus?

Wissenschaftlerin zu sein, ist

für mich nicht einfach nur ein

Job, sondern meine Identität.

Erfahrungen, die ich im Laufe

des Lebens gemacht habe,

haben mich als Person beeinflusst

und geprägt. Ich denke,

meine Fähigkeit zum kritischen

und abstrakten Denken, mein

Ehrgeiz, meine Kreativität und

sicherlich auch ein gewisser

Grad intellektueller Flexibilität

zeichnen einen Teil meiner

Persönlichkeit aus. Ich glaube,

ich kann ebenfalls gut

zuhören und Menschen viel

Aufmerksamkeit schenken.

Ich versuche lösungsorientiert

zu (re)agieren. Meine Studierenden

würden über mich

wahrscheinlich sagen, dass ich

hart aber fair sei. Ich habe in

einigen Punkten hohe Erwartungen,

manchmal vielleicht

zu hohe auch an mich selbst.

Auch Nein-Sagen gehört nicht

zu meinen Stärken. Ich bin zu

begeisterungsfähig für viele

Dinge und vergesse manchmal

mich selbst. In Summe liebe

ich das Leben und das versuche

ich auszustrahlen und

weiterzugeben.

Wer oder was ist Ihr Motor?

Etwas Neues, Kreatives und

Sinnstiftendes zu schaffen und

zu erleben, das ist mein Motor,

mein innerer Kompass. Das

spornt mich an. Mit Menschen

zusammen zu sein, mich mit

ihnen lebendig auszutauschen,

ihre Sichtweise von

Dingen kennen zu lernen: all

das macht mich neugierig,

inspiriert mich, beeinflusst

mich. Ich lese viel, höre zu und

reflektiere. Momente der Entspannung

sind dabei wichtig.

Hier entstehen meine Ideen

und neue (Forschungs-)Projekte.

Mich motiviert, Menschen

zu begeistern, ihnen Wissen

zu vermitteln und mit meinen

Themen Aufmerksamkeit zu

erzeugen. Langeweile gibt es

bei mir selten. Ich bin in ständiger,

positiver Unruhe. Ich

möchte ein Beispiel nennen,

wo sich mein innerer Antrieb

plastisch präsentiert.

Ich bin ein sehr kunstinteressierter

Mensch. Dazu

zählt neben dem Tanz, der

Malerei auch der klassische

Kunstkalender. Das hat mich

auf die Idee gebracht, einen

Kalender mit Professorinnen

als weibliche Rollenvorbilder

zu kreieren. Warum sollte

es mit einem Kunstkalender

nicht möglich sein, Menschen

in einer künstlerischen und

ästhetischen Art Botschaften

zu vermitteln, sie zum Nachdenken

anzuregen, sie zu inspirieren?

Frauen in Kalendern

11


Der XX-Faktor / Januar 2021

sind nicht neu. Mit meiner

Idee wollte ich aber mit alten

Mustern brechen, die Frauen

in Kalendern oft zu bloßen Objekten

degradieren. Weibliche

Rollenvorbilder, denen junge

Frauen nacheifern und von

denen sie möglichst konkrete

Verhaltensweise abschauen

können, sind für den beruflichen

Erfolg essentiell. Warum

deshalb nicht mal Professorinnen

darstellen? Ich kenne

kein vergleichbares Projekt,

welches Wissenschaftlerinnen

in dieser authentischen Form

porträtiert und jungen Menschen

Denkanstöße vermittelt,

die Rollenbilder reflektieren

lassen. Die Kernbotschaft

des Kalenders „Starke Frauen

brennen für die Wissenschaft“

soll sich bemerkbar

in den Köpfen der Zielgruppe

verankern. Der Kalender ist im

Kontext dieser Thematik eine

völlig andere Idee, ein neuer

Weg, der überrascht und emotional

berührt. Zusammen mit

der wunderbaren Fotografin

Terzo Algeri und dem Kreativdesigner

Prof. Dr. Andreas

Lanig haben wir etwas Großartiges

für die Gleichstellung

geschaffen. Wir haben uns

gegenseitig inspiriert und das

Ergebnis ist einzigartig. Die

zeitlosen Portraits der Professorinnen

der Dualen Hochschule

Baden-Württemberg in

ikonischer Form zeigen die Authentizität

der Wissenschaftlerinnen

und lassen den Betrachten

die Gesichter lesen.

Die selbstbewusste und trotzdem

intime Darstellung jeder

einzelnen Wissenschaftlerin

in Form eines großflächigen

Bildes ist zutiefst menschlich.

Die Frauen präsentieren sich

mit unverfälschten Emotionen

und einem direkten Blick.

Frauen sind in der Wissenschaft

immer noch unterrepräsentiert.

Mit diesem Kalender

möchte ich unseren Wissenschaftlerinnen

mehr Sichtbarkeit

geben und ihre Leistungen

und Potenziale in den Fokus

stellen. Ich denke, das zeigt

ganz gut, woraus ich meine

Energie schöpfe.

Straighter Weg oder Abzweigungen

wie verlief Ihr

Berufsweg bisher?

Ich würde sagen, ich hatte

bereits im Studium das Ziel ins

Auge gefasst, Wissenschaftlerin

zu werden. Mich mit Themen

tief auseinanderzusetzen,

wissenschaftlich zu diskutieren

und Neues zu erforschen, hat

mich schon immer fasziniert.

Heute jungen Menschen Wissen

weiterzugeben, mit ihren

Dinge zu erarbeiten, macht mir

unglaublich Spaß vor allem

mit Studierenden anwendungsorientierte

Forschungsprojekte

durchzuführen ist

inspirierend. Den Ruf zur

Professorin zu erhalten, war

ein längerer Weg, der anstrengend

und herausfordernd war.

Aber es hat sich gelohnt!

Gibt es Rollenbilder in Ihrem

Alltag, denen Sie gern entkommen

möchten?

Oh ja, als Gleichstellungsbeauftragte

unsere Hochschule

ist es meine Aufgabe, aktiv zur

Verwirklichung der Gleichstellung

von Frauen und Männern

sowie zur Förderung von

Frauen in jenen Bereichen,

in denen sie unterrepräsentiert

sind, beizutragen. Daher

setze ich mich immer wieder

mit dem Thema Rollenbilder

auseinander.

Rollenstereotype und vorgelebte

Rollenbilder prägen nach

wie vor die Einstellung junger

Menschen, wie Mann- und

Frau-Sein funktioniert. Sätze

wie „Frauen interessieren sich

nicht für Technik“, „Frauen

und Informatik gehören nicht

zusammen“ oder auch „Frauen

sind als Führungskraft ungeeignet“

sind Beispiele solcher

Stereotypen, die sich oft

unbewusst im Verhalten von

Personen niederschlagen

sowohl von männlichen als

auch weiblichen. Eine Folge

dieser Stereotypen zeigen

einige bekannte Studien. Es

gibt bei Frauen selbst oft eine

eigenartige Zurückhaltung, ja

eine fast schon auffallende,

um nicht zu sagen epidemische

Bescheidenheit, wenn

es um Selbstbeurteilung und

die Darstellung der eigenen

Leistungen geht. Gleichzeitig

zeigen Untersuchungen, dass

sich 17-bis 20-Jährige prinzipiell

gleichberechtigt sehen, sie

aber nach wie vor sehr traditionelle

Rollenmodelle verinnerlicht

haben. Fast jede*r

zweite Deutsche (44 Prozent)

glaubt, dass es auch in der

heutigen Zeit noch von Vorteil

ist, ein Mann zu sein. Im Umkehrschluss

ist gerade einmal

jeder Zehnte (zwölf Prozent)

12


SHE works! / „Etwas Neues, Kreatives zu schaffen, spornt mich an

der Überzeugung, dass es in

Deutschland insgesamt vorteilhafter

ist, eine Frau zu sein.

Das muss sich ändern und

daran arbeite ich mit zahlreichen

Projekten in der Gleichstellung.

Mein vorrangiges

Ziel ist es, Gleichstellungsprojekte

aufmerksamkeitsstark

zu platzieren, damit nicht nur

die Peergroup die relevanten

Themen diskutieren, sondern

die breite Öffentlichkeit davon

erfährt.

Welche eigene Erfahrung

geben Sie anderen Frauen

als Tipp mit auf den Weg?

Der Glaube an die eigenen

Fähigkeiten ist essentiell.

Löse Dich von Dingen und

Menschen, die dir Energie

rauben und nicht an Dich

glauben. Sabine Asgodom

hat es in ihrem letzten Buch

ganz passend geschrieben.

Wenn du ein Ziel vor Augen

hast, dann bringe es zu Papier,

verschriftliche es. Der nächste

Schritt umfasst, Förderern

und energiebringendenn

Menschen von diesem Ziel zu

erzählen. Dies alles erhöht die

Wahrscheinlichkeit, die Dinge

wirklich anzupacken. Der letzte

Punkt ist und das ist für

mich der wesentlichste , sich

eine*n Mentor*in, eine*n Paten*in,

ein Vorbild zu suchen,

der Dich in deinem Vorhaben

unterstützt. Ein Netzwerk an

Menschen aufzubauen, die

Dich voranbringen, dir gut

tun und Dich fördern, ist mein

ganz persönlicher Tipp.

Vielen Dank!

„PROFESSORINNEN BRENNEN FÜR DIE WISSENSCHAFT“

Der Frauenanteil in der Wissenschaft hält sich deutschlandweit

bei 23 Prozent; auch beim Thema Corona dominieren

männliche Wissenschaftler die Debatte. Überdurchschnittlich

viele Frauen verlassen nach der Promotion die Wissenschaft,

publizieren weniger und müssen länger auf eine Professur

warten. Dass es auch anders geht, beweist der neue Role-Model-Kalender

der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.

Der ewige Kalender porträtiert zwölf starke DHBW-Professorinnen

und zeigt Karrieren und Persönlichkeiten in ihrer

ganzen Vielfalt.

Foto Kalenderblatt Terzo Algeri

13


Der XX-Faktor / Januar 2021

SHE! Katharina Viktoria Harderer

„Ich war keine

Einser-Schülerin“

Wie definieren Sie Erfolg?

Erfolg ist immer in Zusammenhang

zu dem zu sehen,

was man macht, und wie weit

man bereits gekommen ist. Ich

arbeite gern in erreichbaren

Schritten. Zu Beginn, wenn

man seine ersten Romanversuche

zu Papier bringt,

kann es schon ein Erfolg sein,

Freunde dazu zu bringen,

einen Blick drauf zu werfen.

Einen Roman mit mehreren

hundert Seiten zu beenden ist

jedes Mal ein kleiner Erfolg,

der gefeiert gehört. Sich die

Arbeit zu machen, ein Buch im

Selfpublishing herauszubringen,

jeden einzelnen Leser

zu feiern, der danach greift.

Zu meinen größeren Erfolgen

der letzten Jahre gehörten

definitiv, mein Buch in einem

Verlag und später sogar in einem

großen Publikumsverlag

untergebracht zu haben.

Was zeichnet Sie aus?

Kreativität, Vorstellungskraft,

Hartnäckigkeit ich war keine

Einserschülerin in Deutsch,

meine Texte voller Fehler, und

nicht alle Lehrer haben meine

Kreativität geschätzt und

gefördert. Ich aber habe nicht

aufgegeben. Ich tue gern,

was ich mache. Das bedeutet

nicht, dass Rückschläge

nicht wehtun im Gegenteil,

beim Schreiben identifiziert

man sich sehr mit Kritik oder

schlechten Verkäufen, denn

man gibt in jeden seiner Texte

ein Stück von sich selbst. Aber

die Leidenschaft lässt einen

trotzdem weiterkämpfen. Jetzt

erst recht!

Wer oder was ist Ihr Motor?

Geschichten zu erfinden, kam

mir schon seit der Kindheit

ganz natürlich. Ich kann

mich nicht erinnern, wann es

jemals nicht so war. Selbstverständlich

ist die Motivation

zu schreiben und alles, was

dazu gehört Vermarktung,

Kontakt mit den LeserInnen,

Unterbringung beim Verlag

etc. auch mal nicht so groß.

Es kann frustrierend sein, ein

Jahr an einem Buch zu arbeiten

und es dann innerhalb

weniger Stunden verrissen

zu sehen. Wie oben schon

geschrieben, fühlt sich das oftmals

auch sehr persönlich an.

Wichtig ist ein Ausgleich, auch

ein Körperlicher denn das

Schreiben an sich ist an den

Computer gebunden. Auch der

Rückhalt von Freunden und

Familie kann einiges leisten,

damit man nicht die Motivation

verliert. Ich weiß nicht, ob

ich es so weit geschafft hätte,

wenn nicht jemand anderer an

mich geglaubt hätte. Mir persönlich

gibt auch die Arbeit als

Pfadfinderleiterin viel. Es reißt

dich aus dem einsamen Alltag,

und auch viele meiner Freunde

stammen nach wie vor aus

der Pfadfindergemeinschaft.

Hier unterstützt man sich und

schätzt jeden als Individuum.

Straighter Weg oder Abzweigungen

wie verlief Ihr

Berufsweg bisher?

Ich hatte bisher immer einen

Nebenjob. Momentan arbeite

ich noch immer Halbzeit in

einem Dienstleistungsberuf,

wobei ich natürlich immer wie-

14


Katharina V. Harderer/ Foto privat


Der XX-Faktor / Januar 2021

der mit den Gedanken spiele,

mich vollkommen selbstständig

zu machen. Was meine

Autorenkarriere angeht, ging’s

bei mir nicht mit Buch eins

steil nach oben, sondern ich

bin einen Wanderweg gegangen

ich habe viele Bücher

geschrieben, bevor ich mich

ans Selfpublishing (Eigenverlag)

getraut habe. Von

dort aus wurde ich in einen

kleineren Verlag und später

dann auch an einen größeren

Verlag empfohlen. Wenn du

Menschen mit dem begeistern

und berühren kannst, was du

machst, tragen dich ihre Empfehlungen

weiter. Dafür bin ich

sehr dankbar.

Gibt es Rollenbilder in Ihrem

Alltag, denen Sie gern entkommen

möchten?

Ich fürchte, ich persönlich bin

so ziemlich die Klischee-Autorin.

Ich mag keine großen

Menschenansammlungen, ich

lebe mit meinen zwei Katzen

in einer exzentrisch eingerichteten

Wohnung, ich trinke

gerne Mal ein Glas Wein und

nehme meinen Laptop sogar

in den Urlaub mit. Diese

Klischees amüsieren mich, sie

tun mir nicht weh und ändern

nichts an meiner Wertigkeit.

Im Dienstleistungsberuf, der

hauptsächlich von Frauen getragen

wird, sieht das wieder

ganz anders aus.

In meinen Büchern spiele ich

mit Rollenbildern. Die Phantastik,

in der ich hauptsächlich

schreibe, strotzt vor Rollenklischees

gerade diese zu

nehmen und aufzubrechen,

macht mir besonders Spaß.

Manchmal geschieht das ganz

unvorhergesehen. Ich möchte

einen Aha-Moment beim Leser

/ bei der Leserin erzeugen.

Welche eigene Erfahrung geben

Sie anderen Frauen als

Tipp mit auf den Weg?

Kenne deinen eigenen Wert.

Arbeite nicht gratis. Sei

freundlich aber bestimmt.

Nutze Angebote, die dich

weiterbringen könnten auch

wenn du dich davor fürchtest,

nicht gut genug zu sein. Die

Möglichkeit, die du ausschlägst,

hätte ein Mann mit

der Hälfte deiner Qualifikationen

schon längst angenommen.

Unterstütze andere

Frauen, und sieh sie nicht

als Konkurrenz, weil unsere

Gesellschaft das so plakatiert.

Erfolg ist kein Kuchen: Wenn

das Stück eines anderen

größer ist, bedeutet das nicht,

dass deins kleiner wird. Höre

nicht auf Tratsch und bilde dir

stets deine eigene Meinung.

Das und mehr habe ich in den

letzten Jahren als Autorin

gelernt.

Vielen Dank!

16


SHE works! / „Etwas Neues, Kreatives zu schaffen, spornt mich an

Leinewelle

Mein Radio für Südniedersachsen

RADIO

FEMININ!

GOES

Ab Januar 2021 vierteljährlich

auf Radio Leinewelle

www.radioleinewelle.de

redaktion@radioleinewelle.de

0551 / 29 13 69 60

Rudolf-Winkel-Straße 16

37079 Göttingen

Das Wirtschafts- und Karrieremagazin für Frauen

Erste Sendung:

26.01.2021 von 18 bis 19 Uhr

17


Der XX-Faktor / Januar 2021

Titelthema

Is it a womans world?

Von Carina Quast

Warum haben viele Frauen

immer noch zu wenig Mut,

beruflich ihren Weg zu gehen?

Warum zweifeln so

viele Frauen an sich und ihren

Fähigkeiten? Oder meinen, sie

müssten sich, um im Business

mitspielen zu dürfen, um endlich

auch richtig erfolgreich zu

sein, nur genügend männliche

Attribute aneignen. Sofern

man überhaupt von typischen

männlichen und weiblichen

Eigenschaften und Fähigkeiten

sprechen kann.

Ja, wir unterscheiden uns vom

anderen Geschlecht. Das ist

gut so! Und genau deshalb

sollten wir unsere eigenen

Stärken unabhängig vom

Rollenklischee finden und

leben.

Zähne zusammenbeißen, in die

Schlacht ziehen Begrifflichkeiten,

die man eher Männern

zuschreibt. Menschlich, nahbar,

wertschätzend wer würde

bei diesen Eigenschaften nicht

eher an eine Frau denken?

Dass es nicht so einfach ist,

zeigen uns die aktuellen

Gender-Diskussionen. In

Stellenanzeigen gibt es längst

nicht mehr nur ER und SIE,

sondern auch DIVERS. Bleibt

zu hoffen, dass männliche

und weibliche Dispositionen

nicht um eine dritte Kategorie

erweitert werden. Aber auch,

wenn wir die Diskussion, ob

wir vielleicht doch eine neutrale

Toilette im Unternehmen

brauchen, manchmal leid sind,

gibt die Geschlechterfrage uns

allen eine neue Möglichkeit,

uns tatsächlich einmal mit uns

selbst, unserem Innersten und

unseren Wünschen, die daraus

erwachsen, auseinanderzusetzen.

DIESE CHANCE SOLLTEN WIR

NUTZEN!

Unabhängig davon, als was wir

geboren wurden, als Mensch

dürfen und sollen wir frei

entscheiden, welchen Beruf

wir ergreifen, wo wir unsere

Rolle in der Gemeinschaft

einnehmen wollen. Ob als Unternehmer*in,

Führungskraft

(spannend, dass es da keine

weibliche Form gibt) oder

Mitarbeiter*in.

FÜHRUNGSKRAFT

Bleiben wir noch einen Augenblick

bei diesem Begriff, der

in der Arbeitswelt mehr über

Frauen und Männer aussagt,

als man für möglich halten

mag. Führung wird dann kein

Kraftakt mehr sein, wenn

sich Unternehmen endlich

dazu entscheiden, eben jenen

menschlichen, nahbaren und

wertschätzenden Umgang zu

fördern. Genau dazu braucht

es Männer, die ihre starken

Egos beiseiteschieben und es

ertragen können, sich nicht

immer behaupten zu müssen.

Umgekehrt braucht es aber

auch kraftvolle Frauen, die es

zulassen können, darin eine

männliche Stärke zu sehen.

Und schon verschwimmen die

beiden Bereiche. Dabei helfen

uns (Vor-)Urteile nicht weiter

und Konflikte dürfen nicht

gescheut werden.

Stattdessen braucht es einen

wertschätzenden und zugleich

wertungsfreien Umgang miteinander.

Treten wir in einen

offenen Dialog, dann brauchen

wir keine Diskussionen mehr,

ob die männliche oder weibliche

Art der Führung besser ist

es wird nur noch eine gute,

gedeihliche oder eine schlechte,

vernichtende Führung geben.

Völlig unabhängig davon,

ob wir es nun mit einem Mann

18


Der XX-Faktor / Januar 2021

oder einer Frau als Führenden

und einer Frau oder einem

Mann als Mitarbeitenden zu

tun haben.

Erfreulich ist, dass sich viele

junge Frauen und auch

Männer keine Grenzen

auferlegen (lassen). Sie lernen

und studieren, was sie wollen.

Die gründen und unternehmen,

für welche Bereiche ihre

Herzen schlagen. Wieder so

eine Formulierung, die man

im Business in Verbindung mit

einem Mann nicht aussprechen

würde. Warum neigen wir nur

dazu, immer alles zu hinterfragen,

zu interpretieren, es (und

uns) besser machen zu wollen?

Warum können wir uns nicht

einfach nur als Mensch unter

Menschen akzeptieren? Dann

dürften wir auch einfach nur

Mann und Frau sein uns als

Frau männlich verhalten, weil

uns gerade danach ist und als

Mann Gefühle zeigen, ohne

gleich als Versager zu gelten.

MIT DER REIFE KOMMT DIE

TIEFE

Natürlich macht Lebenserfahrung

einiges leichter, man

sieht vieles nicht mehr so eng,

betrachtet Dinge nicht mehr so

kritisch, ist ein Stück weit freier

von Selbstzweifeln. Auch das

ist übrigens völlig unabhängig

vom Geschlecht, sondern eher

bedingt durch eine grundsätzliche

Lebenseinstellung und

die augenblickliche mentale

Verfassung.

Vielleicht ist es mit den

weiblichen und männlichen

Stärken wie mit allem im

Leben: Sie fließen und verändern

sich, sind also nur eine

Momentaufnahme. Ein Grund

mehr, gelassen damit umzugehen.

Darum zu kämpfen,

unsere Stärken einsetzen zu

können, wenn wir es für richtig

halten. Und gleichzeitig nicht

jeden Kampf, den Männer oder

Frauen, die Gesellschaft oder

wer auch immer uns anbieten,

aufzunehmen.

Carina Quast ist Inhaberin und Geschäftsführerin der

Agentur MM-PR GmbH (www.mm-pr.de). Seit 30 Jahren als

PR-Beraterin im Geschäft sorgt sie für die mediale Sichtbarkeit

von Experten und Unternehmen. Ihre Leidenschaft

gehört dem richtigen Wort, einem markanten Satz, jeder

besseren Formulierung in allen Formaten der schriftlichen

Kommunikation.

Carina Quast / Foto privat

20


SHE works! / Is it a womans world

Uns fehlen Kontakte.

Anderen der Arzt.

German Doctors. Auch während Corona weltweit im Einsatz.

21


Der XX-Faktor / Januar 2021

Titelthema

Kooperationsfähigkeit

der weibliche Schlüssel zum

Erfolg im 21. Jahrhundert

Von Ulrike Stahl

Die erfolgskritischen Herausforderungen

des 21.

Jahrhunderts sind komplexe

Probleme. Probleme, die neu

sind. Probleme, für die unsere

bisherigen Herangehensweisen

nicht taugen. Um sie zu

bewältigen, benötigen wir

unterschiedliche Perspektiven,

Hypothesen, Ideen und die

erfolgreiche Zusammenarbeit

in interdisziplinären Teams.

Ganz neue Anforderungen, für

die Frauen außerordentlich

gut gerüstet sind.

Für ihr Buch „The Athena Doctrine“

haben die Autoren John

Gerzema und Michael D‘Antonio

weltweit in 13 Ländern

32.000 Personen befragt.

Diese sollten 125 Charaktereigenschaften

als männlich,

weiblich oder neutral einordnen.

Kooperativ zu sein, wurde

eindeutig als weibliche Tugend

eingestuft. Auch zahlreiche

andere Studien belegen,

dass deutlich mehr Frauen als

Männer sich vor die Wahl

gestellt für Teamarbeit entscheiden.

Bemerkenswert ist,

dass in der genannten Studie

weitere 32.000 Personen

gefragt wurden, welche Eigenschaften

sie mit der „idealen

modernen Führungskraft“

verbinden. Kooperativ zu sein,

gehört demnach zu den zehn

wichtigsten Charakterstärken

einer zeitgemäßen Führungskraft.

Über die eigene Rolle hinausdenken:

Frauen können

das!

Einzelleistung ist in der kollaborativen

Zusammenarbeit

nicht mehr klar zu definieren.

Denn da geht es um weit mehr

als Arbeitsteilung. Es geht

darum, über die eigene Rolle

hinauszudenken und vernetzt

mit anderen auf ein gemeinsames

Ziel hinzuarbeiten. Und

manchmal tut man genau das

Richtige, wenn man nichts tut.

Sich zurückhalten oder der

Idee eines anderen den Vortritt

lassen das muss man

aushalten können. Nicht ganz

einfach in unserer Leistungskultur,

in der das ICH großen

Raum einnimmt und individuelle

Sichtbarkeit für den

Karriereschub sorgt. Scheinbar

können Frauen damit ganz

gut umgehen, wenn auch aus

einem überraschenden Grund.

Die Wirtschaftswissenschaftler

Peter J. Kuhn und Marie-Claire

Villeval haben sich

ausführlich damit beschäftigt,

warum Frauen Kooperation

dem Wettbewerb vorziehen.

Sie fanden heraus, dass Frauen

durchschnittlich weniger

Vertrauen in ihre eigenen

Fähigkeiten, dafür mehr in die

Fähigkeiten ihrer Kolleginnen

und Kollegen haben. Freundlicher

ausgedrückt: Frauen

gehen natürlicherweise davon

aus, dass in einem kooperativ

geprägten Umfeld ihre

Ergebnisse durch die Zusammenarbeit

potenziert werden.

Während das bisher die

Vermutung von mangelndem

Selbstbewusstsein nahelegte,

steht es heute genau für die

Bescheidenheit, ohne die wir

in der VUKA-Welt, die von

Veränderung, Unsicherheit,

22


SHE works! / Kooperationsfähigkeit der weibliche Schlüssel zum Erfolg im 21. Jahrhundert

Komplexität und Ambiguität

geprägt wird, nicht glaubwürdig

agieren können.

Die Frage, inwieweit sich

kooperatives Verhalten

materiell oder karrieremäßig

lohnt, steht bei Frauen eher

im Hintergrund. Immer mehr

Unternehmen entscheiden

sich dafür, ihre Entgeltsysteme

von leistungsbezogener

Vergütung, die individuell

gemessen werden muss, auf

Bonussysteme umzustellen,

von denen alle gleichermaßen

profitieren. Ein weiteres Plus

für die richtigen Werte zur

richtigen Zeit.

Den eigenen Beitrag wertschätzen

(lernen)

Wichtig ist, dass wir kooperatives

Verhalten nicht mit Nachgiebigkeit

und Harmoniestreben

gleichsetzen. Die eigene

Idee oder Kritik am Vorgehen

zurückzuhalten könnte bewirken,

dass ein wichtiger Teil zur

Lösung des Problems fehlt.

Um erfolgreich zu kooperieren,

müssen wir die Grundhaltung

pflegen, dass unser

eigener Beitrag genauso

wichtig ist wie der anderer

Teammitglieder. Die Kunst

liegt darin, das so zu kommu-

23


Der XX-Faktor / Januar 2021

nizieren, dass es Ausdruck der

eigenen Perspektive ist statt

einer Abwertung der anderen

Beteiligten.

Prüfen Sie sich: Tendieren

Sie dazu, Ihr Licht unter den

Scheffel zu stellen und Ideen

sehr spät oder gar nicht zu

teilen? Oder gehen Sie grundsätzlich

davon aus, die richtige

oder bessere Lösung zu haben

und stellen diese in den Mittelpunkt

der Kommunikation?

Bisher sind Frauen im

Non-Profit-Bereich deutlich

über-, im Finanzsektor oder

in Führungspositionen großer

Unternehmen eher unterrepräsentiert.

Ein Grund ist die geschlechterspezifische

Haltung

hinsichtlich Zusammenarbeit

und Kooperation. Zum Glück

erkennen immer mehr Unternehmen,

dass sie ihre Organisation

hin zu mehr vernetzter

Zusammenarbeit entwickeln

müssen und dafür Führungskräfte

brauchen, die genau

das vorleben. Kollaboration

also echte Zusammenarbeit

ist der weibliche Erfolgsfaktor

für das digitale Zeitalter.

Ulrike Stahl ist eine gefragte Rednerin auf der Bühne und

online Autorin und Expertin für Zusammenarbeit und das

neue WIR im Business. Sie moderiert live oder remote Zukunfts-Cafés

sowie Meetings mit Liberating Structures. Wie

geht konkurrenzlos erfolgreiche Zusammenarbeit? Wie entwickeln

wir eine WIR-Kultur für uns selbst, in unseren Unternehmen

und Verbänden? Darauf gibt sie Antworten, die wirken.

Sie ist Autorin des Buches „So geht WIRTSCHAFT! Kooperativ.

Kollaborativ. Kokreativ.“ laut Handelsblatt eines der besten

Wirtschaftsbücher.

www.ulrike-stahl.com

Ulrike Stahl / Foto Kersti Niglas

24


SHE works! / Kooperationsfähigkeit der weibliche Schlüssel zum Erfolg im 21. Jahrhundert

Titelthema

Der Wert der

Weiblichkeit

Wie feminine Stärken die Geschäftswelt

revolutionieren könnten

Von Romina Döhlemann

Viele starke Frauen behaupten

sich heutzutage erfolgreich in

der Geschäftswelt. Dennoch ist

das Business in Deutschland

eine Domäne vermeintlich

männlicher Qualitäten: Logik,

Zielstrebigkeit, Durchsetzungsvermögen

und ein enorm

hoher Leistungsanspruch sind

immer noch die gängigen

„Schlüssel“ zu Erfolg und Anerkennung.

Um in diesem Metier erfolgreich

sein zu können, haben

sich viele Frauen also männlich

deklarierte Stärken angeeignet

und diese perfektioniert.

Häufig kämpfen Frauen im Job

härter und ausdauernder als

männliche Kollegen, übernehmen

mehr Verantwortung und

haben einen höheren Leistungsanspruch.

Neben der Karriere, für die

sie ihre Weiblichkeit häufig

weitestgehend zurücknehmen

müssen, stemmen viele

„Power-Frauen“ außerdem ein

dynamisches Privatleben, in

dem sich die meisten für alles

verantwortlich fühlen. Neben

Kindern, Haus, Garten und

allerlei Projekten sind Frauen

häufig auch dafür „zuständig“,

den Kontakt zu Freunden und

zur Familie zu erhalten und

zu pflegen. Bei dieser Fülle

an Aufgaben bleibt oft nichts

anderes übrig, als erneut auf

die „männlichen“ Qualitäten

zurückzugreifen: Planung

und Organisation, schnelles

Erledigen und konsequentes

Entscheiden sind notwendig,

um den Alltag zu bewältigen.

Wir haben also bereits bewiesen,

dass wir die Männer sogar

im Bereich „männliche Qualitäten“

abhängen können. Aber zu

welchem Preis?

1. Zeitlicher und emotionaler

Druck

Viele Frauen leiden zwar unter

dem ständigen Druck, finden

aber keinen Ausweg, weil sie

glauben, ganz alleine an der

Front zu kämpfen. Da alles von

ihnen abhängig zu sein scheint,

befinden sich die meisten Frauen

ständig in Hektik und im

Planen oder im Tun. Unbewusst

spüren sie vielleicht, dass sie

nicht genug Zeit haben, um sich

wirklich in Ruhe um die emotionalen

Bedürfnisse von Kindern

oder Freunden zu kümmern

(geschweige denn um ihre

eigenen). Das führt unbewusst

zu einer Form von schlechtem

Gewissen, wodurch die Frau

nicht nur zeitlich, sondern auch

emotional permanent unter

Druck steht.

2. Potenzial wird nicht ausgeschöpft

Im Business fehlt oft weibliche

Energie. Vielerorts ist das

Geschäftsleben in Deutschland

ein hartes, uninspiriertes Haifischbecken.

Es wird zwar vermeintlich

etwas Neues getan,

aber letztlich doch immer auf

dieselbe Art und Weise die

Männliche. So fehlen an vielen

Arbeitsplätzen echte Gefühle

aus dem Herzen, Inspiration

und Kreativität. Mit der Konsequenz,

dass die Arbeit schwer

ist und auch Unternehmen nie

ihr volles Potenzial ausschöpfen

können verglichen mit

dem, was möglich ist.

25


Der XX-Faktor / Januar 2021

26


SHE works! / Kooperationsfähigkeit der weibliche Schlüssel zum Erfolg im 21. Jahrhundert

Wie könnten weibliche Qualitäten

unsere Businesswelt

bereichern?

Heutzutage ist die sogenannte

Work-Life-Balance in aller

Munde. Ein vom Arbeitgeber

bezahltes Abo im Fitnessstudio

bringt dabei selten

den gewünschten Effekt. Die

Menschen möchten sich am

Arbeitsplatz wohlfühlen, weniger

gestresst sein und durch

das, was sie tun, persönliche

Erfüllung empfinden. Hierfür

braucht es die Integration

weiblicher Qualitäten. Das

Weibliche an sich ist ruhend,

empfangend, aber dennoch

inspiriert-schöpferisch. Hingebungsvoll

erschafft („gebärt“)

es Neues und Schönes, knüpft

und erhält persönliche Bindungen

und „nährt“ sein Umfeld

auf allen Ebenen, besonders im

emotionalen Bereich.

Würden weibliche Qualitäten

mehr Platz in der Geschäftswelt

finden, würden Menschen

viel mehr als enge, sich

gegenseitig unterstützende

und versorgende Gemeinschaft

arbeiten als ein organisches

Team. Die Arbeit würde mehr

Freude machen, weil der Erfolg

durch individuellen Selbstausdruck

und schöpferische

Prozesse entsteht anstatt durch

harte Arbeit. Mit erfüllender

Arbeit hätten Mitarbeiter auch

nach einem langen Arbeitstag

abends mehr Energie zur Verfügung

als am Morgen. Dafür

müssten wir im Job den beiden

weiblichen Ebenen, also der

emotionalen und der intuitiven,

die gleiche Aufmerksamkeit

schenken, wie wir das bei den

männlichen, also der mental-logischen

und der materiellen

Ebene, tun.

Klingt unrealistisch?

Ist es aber nicht! Es gibt „Gnadenmomente“

im Leben, in

denen wir auf emotional-intuitiver

Ebene vollständig erfüllt

sind. Ein Beispiel hierfür ist die

Kindheit: Ein Kind schaut nicht

auf die Uhr, um in Erfahrung

zu bringen, wie lange es noch

spielen „muss“, sondern ist

voller Hingabe und Freude am

Tun. Auch bei Erwachsenen ist

das möglich: wenn eine Idee

uns richtig begeistert oder

wenn wir ganz frisch (glücklich)

verliebt sind. Jeder weiß, wie

viel Schöpfer- und Schaffenskraft

wir in solchen Zeiten

erleben. Alles, was wir dann

tun, gibt uns mehr Energie, als

es uns kostet. Selbst wenn wir

z. B. die ganze Nacht wach sind.

Die Integration weiblicher

Qualitäten ins Business hätte

also nicht nur persönliche Vorteile

für uns Frauen, sondern

auch für Unternehmen. Diese

könnten sich durch die hohe

Energie und Strahlkraft ein

echtes Alleinstellungsmerkmal

sichern.

Romina Döhlemann / privat

Romina Döhlemann, Entwicklerin des QUANT-Modell® und der QUANT-Modell® Software, ist

Expertin für Bewusstseinsarbeit und Mentorin für persönliche Weiterentwicklung. Als leidenschaftliche

Ursachen-Forscherin entschlüsselt sie die wirklichen Ursachen, die über Gesundheit,

Strahlkraft, Zufriedenheit und Erfolg entscheiden.

Weiterführende Lektüre der Autorin auf Seite 97.

27


Der XX-Faktor / Januar 2021

Titelthema

Weniger jammern, mehr

fokussieren.

Frauen traut euch mehr!

Von Nadine Dlouhy

Wie lange müssen Frauen das

Spiel der Männer noch spielen?

Die Wahrheit: so lange

Frauen den Ball im Spiel halten

und damit die alten Strukturen

akzeptieren. Meiner Meinung

nach wird zu oft über die Probleme,

als über die Chancen

und Möglichkeiten debattiert!

Das JA zum NEIN.

Rückblickend bin ich vielen

Frauen begegnet, die sich

lieber in der Opfer-Rolle sahen

und im Beschwerde-Club

Gleichgesinnter Schutz suchten.

Aber ich traf auch Frauen,

die mich inspiriert haben sie

hatten keine Zeit, sich mit

starren Konventionen und

Problemen zu beschäftigen.

Sie haben die Opfermauer

durchbrochen und sind eigene,

neue Wege gegangen: außerhalb

ihrer Komfortzone! Jedoch

scheint es oft leichter sich zu

beschweren, als neue Wegen

zu gehen.

Eine zentrale Stärke ist „die

Selbstreflexion“... Wie oft

habe ich andere sagen hören:

„Warum tust Du das“, „Warum

gehst Du rechts und nicht

links“, „Vermisst Du nicht mehr

Freiheit“, „Denk doch an Deine

Sicherheit“... Eine wichtige

Erfolgsformel war immer das

JA zum NEIN... vor allem das JA

zu mir selbst.

Wie wollen wir Treue und

Loyalität erfahren, wenn wir

uns diese selbst nicht entgegenbringen?

Frauen müssen

ihre eigenen Wege schaffen

und nicht alten Trampelpfaden

folgen, die andere definiert

haben. Man muss dem Drang

nach Unabhängigkeit folgen

und entdecken, was hinter

der eigenen Fassade steckt.

Man muss den Blick ins eigene

Innere wagen! Der Freiraum,

der durch ein NEIN gegenüber

anderen geschaffen wird,

ermöglicht das JA zum eigenen

Selbst. Ansonsten beraubt

man sich zahlreicher Möglichkeiten

man darf, NEIN

man muss sich trauen, sich zu

trauen!

Freiheit durch Unabhängigkeit.

Umso weniger ich mein Leben

in Abhängigkeiten gelebt

habe, umso schneller, stärker

und zielorientierter konnte

ich agieren und im Sinne der

eigenen Ziele entscheiden.

Unsere Persönlichkeit ist unser

größtes Kapital und dieses gilt

es zu stärken, zu gestalten und

immer weiter zu entwickeln

bereichert man sich und sein

Leben mit dem Bewusstsein,

eigenständig entscheiden,

gestalten und verändern zu

können.

Von diesem Standpunkt aus

kann man nur erfolgreich

sein. Es sind auch unsere

schwersten Augenblicke, die zu

goldenen Momenten werden

können, wenn wir Erkenntnisse

daraus zulassen und entsprechend

bewusst handeln.

Die Macht und Kraft unserer

Entscheidungen.

Ob Frau, ob Mann… Wir sind

die Summe unserer Entscheidungen,

d. h. wir haben die

28


SHE works! / Weniger jammern, mehr fokussieren

29


Der XX-Faktor / Januar 2021

Macht, über unser Leben

selbst zu entscheiden. Verstehen

wir Macht als etwas

Positives, als Schaffen bzw.

Kreieren… leben wir die Multiplikation

unserer Möglichkeiten.

Kurz: Lassen wir uns positionieren

oder positionieren wir

uns selbst? Bewegen wir uns

außerhalb unserer Komfortzone

und gehen wir neue

Wege? Einige werden uns auf

diesem Weg fragend, andere

uns verurteilend und andere

wiederum bewundernd

ansehen. Wichtig ist, dass wir

uns und unser Ziel im Blick

behalten.

Nadine Dlouhy / Foto Christina Pörsch

Liebe Frauen, traut

euch nicht in Erfül-

lung und Erwartungen

anderer euer Leben

auszurichten, sondern

an die Erwartungen und

eigentlichen Ziele an

euch selbst!

Nadine Dlouhy ist Top-Expertin für strategische Markenentwicklung

& Positionierung, führt seit 20 Jahren die BrandLite

GmbH und begleitet 46 Unternehmen in 35 Ländern. Sie

ist Mit-Autorin von „Erfolg geht anders“, Bestseller-Autorin

des Buches „Think Innovation der Management-Ratgeber“

sowie Dozentin an der Hochschule Fresenius University of

Applied Science für „Digitale Innovation“, „Strategisches

Management“, „Media-Management“, Schwerpunkt Automotive

und Mobility. Sie ist gefragte Expertin in den öffentlichen

Medien, wie z. B. bei n-tv und Wirtschaft-TV.

30


SHE works!

WIR MAL SO TOTAL

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Der XX-Faktor / Januar 2021

Titelthema

Jeder besitzt seine eigene

innere Weisheit und

Schönheit

Die eigenen Tiefen erforschen

und die eigenen Stärken

finden. Simone Mäkelä hilft

Frauen dabei, genau die zu

finden. Mit SHE works! sprach

sie zu ihrer eigenen Suche.

Frau Mäkelä, Sie haben

beruflich nicht den direkten

Weg genommen, bis Sie

dort angekommen sind, wo

Sie heute stehen. Welche

Umwege mussten Sie in Kauf

nehmen?

Von außen betrachtet sieht

es so aus, als hätte ich eine

Bilderbuchkarriere im Bereich

Training & Coaching: Schon

vor über 20 Jahren im Studium

habe ich erste Firmentrainings

gegeben und bin in diesem

Bereich geblieben. Nach der

ersten Babypause kam der

Unternehmenswechsel in eine

Führungsposition: die Leitung

einer Akademie einer Unternehmensberatung.

Danach die

Selbstständigkeit als Coach

und Trainerin, Gründerin und

Gesellschafterin einer GmbH.

Das, wofür mich viele bewundert

haben, fühlte sich innerlich

zunehmend hohl an. Denn

es war der klassische Karrierepfad,

den ich fast mechanisch

gegangen bin, ohne mich zu

fragen, ob es wirklich meins

ist.

Als unser zweiter Sohn

geboren wurde, kamen erste

Zweifel: Will ich das wirklich?

Und wenn nicht, was ist dann

mein Weg? Erst mal waren da

nur die Fragen, leise Zweifel.

Ein tiefes Gefühl von Erschöpfung.

Außerdem dachte ich

(und viele haben mir das im

Außen bestätigt): Was willst du

eigentlich? Du hast doch alles

erreicht und solltest zufrieden

sein.

Ich dachte, es sei eine gute

Lösung, wenn ich mich

selbstständig mache. Aber

es geschah wieder dasselbe:

Nach außen sah es stark aus.

Viele haben mich bewundert,

weil ich Gründerin und Gesellschafterin

einer GmbH war. Ich

selbst dachte, das wäre irgendwie

sexy. Die innere Leere und

die Erschöpfung aber blieben.

Somit stand ich nach ein paar

Jahren der Selbstständigkeit

wieder an dem Punkt meines

Anfangs. Diesmal war ich noch

erschöpfter als vorher. Und

finanziell auch wenig erfolgreich.

Da begriff ich plötzlich,

dass ich im außen nicht finden

werde, was ich suche. Und

es begann eine Reise zu mir

selbst.

Woher haben Sie die Kraft

genommen, Ihren eigenen

Weg zu suchen?

Ehrlich gesagt ließ mir das Leben

keine andere Wahl. Ich war

krank mit einer Schilddrüsenunterfunktion

(die Schilddrüse

steht für Selbstausdruck!) und

Gallensteinen (unterdrückte

Wut!). Ich musste hinschauen,

in einem Moment, an dem ich

im Grunde keine Kraft mehr

hatte.

Ich hatte mich in meinem

Leben sehr verbogen. Weil ich

es immer allen recht machen

wollte. So sein wollte, dass

mich alle mögen. Und ich war

richtig gut darin. Nur einen

Menschen hatte ich vergessen:

Mich selbst. Ich habe begonnen,

auf meine innere Stimme

zu hören. Ich habe zugelassen,

dass Seiten von mir zum Vorschein

kommen, die ich schon

lange versteckt gehalten hatte.

Es begann eine Zeit, in der ich

eine Stärke entwickelt habe,

die ich mir niemals hätte vor-

32


SHE works! / Jeder besitzt seine eigene innere Weisheit und Schönheit

Simone Mäkela / Foto Ivanka Roxeno

stellen können. Für mich war

es ein kleines Wunder, dass

alles bereits in mir geschlummert

hat. Ja, es brauchte Mut,

all das herauszulassen, anzunehmen

und schließlich der

Welt zu zeigen. Aber je mehr

ich ich wurde, desto erfolgreicher

bin ich geworden.

Wie wichtig ist es Ihnen, ein

Gespür für Dinge zu haben?

Simone Mäkelä ist Coach der neuen Zeit und begleitet

feinfühlige Frauen, die ihre innere Weisheit aktivieren

und ihre eigene Tiefe erforschen wollen. Dabei deckt sie

gemeinsam mit ihre Coachees die alten Muster auf, die zu

innerer Zerrissenheit und ständigen Kämpfen im Außen

führen. Die Reise führt in das eigene Unbekannte, denn in

jedem von uns schlummert ein Potential, das bisher völlig

verborgen war.

Nähere Informationen unter

www.phoenix-frau.de

„Ich denke, also bin ich“. Dieses

Paradigma des Verstandes

ist aus meiner Sicht eines der

größten Missverständnisse der

Menschheit. Wir Menschen

sind fühlende Wesen und

haben diesen wesentlichen Teil

von uns vergessen.

Jeder hat eine eigene tiefe innere

Weisheit in sich. Auf meiner

Reise zu mir habe ich mich

mit meiner inneren Weisheit

verbunden und sie ist heute die

Basis meiner Arbeit. Mir war

nicht bewusst, wie feinfühlig

ich bin. Ich spüre die Energien

der Menschen und kann ihre

tief verborgenen Lebensmuster

erkennen und lesen. Und ich

habe die Gabe des Mitgefühls

und des Hellwissens. Bei mir

können Menschen durch ihren

tiefsten Schmerz gehen, ohne

sich darin zu verlieren und

sich dafür zu verurteilen oder

zu schämen. Sie können ihn

als einen natürlichen Teil des

Lebens wahrnehmen. Ich führe

sie zu den Geschenken, die im

Schmerz verborgen sind.

33


Der XX-Faktor / Januar 2021

Heute bin ich dankbar, dass mir

die Krankheiten gesagt haben:

„Simone, du gehörst hier nicht

hin.“ Im Business hatte all das

keinen Platz, es war sogar

verpönt. Deshalb habe ich diese

Teile von mir unterdrückt.

Teilweise wusste ich gar nicht,

dass ich sie habe. Sie konnten

erst zu mir kommen, als ich

offen dafür war.

Wenn man ein Coaching bei

Ihnen besucht, wie lautet das

Ziel?

Unabhängig aller äußerer

Umstände und verborgen

unter dem, was wir Persönlichkeit

nennen, besitzt jeder

seine eigene innere Weisheit

und Schönheit. Wir leben viel

zu sehr in der Welt unserer

Ängste, Zweifel, Kämpfe und

täglichen Dramen. Dabei sind

wir oft schonungslos mit uns

selbst. Das Ziel ist es, über

diese Art des Lebens hinauszuwachsen

und die niedrigen

Schwingungsfrequenzen hinter

uns zu lassen. Denn wir haben

auch das Potenzial für ein anderes

Leben in uns. Ein Leben,

in dem wir unserer Einzigartigkeit

leben und zum Wohle

aller einbringen. Indem wir die

eigene innere Weisheit aktivieren

und in unserer Strahlkraft

kommen.

Wie können Sie erkennen,

welche Potenziale jede und

jeder mitbringt, auf dem Sie

aufbauen können?

Ich spüre die Menschen und

habe die Fähigkeit, sie so zu

sehen, wie sie in ihrem Wesen

wirklich sind. Ich mache

niemals etwas weg oder füge

etwas hinzu. Es geht vielmehr

darum, die eigene Tiefe zu

erforschen.

Zusätzlich nutze ich ein sehr

geniales, weises Tool, das Antworten

auf folgende Fragen

hat: „Warum bin ich auf der

Welt?“ „Was ist meine größte

Herausforderung?“ „Was treibt

mich an?“ und „Was erfüllt

mich zutiefst?“. Mit dieser

Landkarte starten wir in eine

individuelle, zutiefst berührende

Reise zu uns selbst und verbinden

uns mit unserer inneren

Schönheit und Weisheit. Ich

begleite meine Coachees und

schaffe einen Raum, in dem sie

ihre Schatten zu transformieren

und die darin verborgenen

Gaben freilegen dürfen. Dieser

Prozess setzt unheimlich viel

Energien frei und weckt die

Strahlkraft meiner Coachees.

Es hat eine ganze eigene Art

von Magie, wenn Menschen

sich (manchmal zum ersten

Mal) selbst wiederfinden.

Ein Coaching anzugehen, kostet

häufig doch eine Überwindung.

Wie überzeugen Sie die

Menschen von sich und Ihrer

Herangehensweise?

Meine Kundinnen spüren intuitiv,

dass sie bei mir richtig sind.

Sie hören auf ihr Bauchgefühl

und können oft erst im Nachhinein

benennen, was genau sie

zu mir geführt hat. Viele sagen

schlicht: Ich mag deine Energie.

Außerdem stelle ich immer

wieder fest: Die Menschen

kommen zu mir, weil ich selbst

eine Erfahrung mit ihrem

eigenen Thema gemacht habe.

Das geschieht unbewusst und

taucht meist erst im Laufe des

Coachings auf.

Können Sie unseren Leser*innen

vielleicht ein oder zwei

Handwerkzeuge nennen, die

sich für sich nutzen können,

um die ersten Hindernisse

auf einem solchen Weg anzugehen?

Auf dem Weg zu sich und um

die Schattenseiten zu entlarven,

gibt es ein paar wenige

sehr zentrale Werkzeuge. Mein

Werkzeug Nummer 1 ist die

Neutralität. Alles, was passiert,

ist neutral. Wir neigen dazu,

innerhalb von Sekundenbruchteilen

auf diese Neutralität

eine Bewertung zu setzen. Eine

Bewertung, die durch Erfahrungen

aus der Vergangenheit

gespeist wird. Wir handeln

ausschließlich aufgrund unserer

Bewertung und den damit

verbundenen alten Emotionen

und reagieren nicht auf das

eigentliche Ereignis. Deshalb

hilft es, wenn wir uns manchmal

fragen: Was ist eigentlich

wirklich passiert? Und dann

erst in die Reaktion gehen. Das

Ergebnis ist sofort ein anderes.

Werkzeug Nummer 2 ist

ebenso genial wie einfach:

Beobachtung. Wenn wir den

neutralen Kern gefunden haben,

kann man sehr gut seine

eigenen Muster erkennen.

Durch das Beobachten werden

sie nach und nach bewusst und

verlieren ihre Wirkkraft.

Vielen Dank für das

Gespräch!

34


SHE works! / Jeder besitzt seine eigene innere Weisheit und Schönheit

35


Der XX-Faktor / Januar 2021

Arbeitgeber*innen- & Arbeitnehmer*innenwissen

Erleichterter Zugang

zur Kurzarbeit wurde

verlängert

Von Dana Rotter

Die Kurzarbeit wurde während

der Pandemie zu einem Rettungsanker

für viele Unternehmen.

Kündigungen konnten

vermieden und Planungssicherheit

gegeben werden. Das

bedeutete für Arbeitgeber eine

erhebliche Entlastung und für

Arbeitnehmer weniger Sorge

um ihren Arbeitsplatz.

Zum 1. März 2020 wurden die

Zugänge zum Kurzarbeitergeld

deutlich erleichtert. Diese

vereinfachten Regelungen

galten erst bis Ende 2020,

wurden aber bereits bis zum

31. Dezember 2021 verlängert,

sodass bis zu 24 Monate Kurzarbeitergeld

bezogen werden

kann.

Damit Unternehmen diese Verlängerung

auch wahrnehmen

können, müssen sie spätestens

bis zum März 2021 erstmals

Kurzarbeitergeld bezogen

haben.

Auch bei anderen Leistungen

während der Kurzarbeit muss

auf bestimmte Fristen geachtet

werden. So wurde die

vollständige Erstattung von

Sozialversicherungsbeiträgen

nicht bis zum Ende des Jahres,

sondern nur bis zum 30 Juni

2021 verlängert. Vom 1. Juli bis

31. Dezember 2021 werden die

Sozialversicherungsbeiträge zu

50 Prozent erstattet, sofern mit

der Kurzarbeit bis zum 30. Juni

2021 begonnen wurde.

Verlängert werden außerdem

die Voraussetzungen, dass

bereits Kurzarbeit angemeldet

werden kann, wenn mindestens

zehn Prozent der Beschäftigten

von einem Arbeitsausfall

von über zehn Prozent

betroffen sind. Normalerweise

liegt diese Schwelle bei einem

Drittel der Belegschaft.

Darüber hinaus wird auf den

Aufbau negativer Arbeitszeitsalden

weiterhin vollständig

verzichtet und auch Leiharbeitnehmer*innen

können

Kurzarbeitergeld beziehen.

ERHÖHUNG DES

KURZARBEITERGELDES

Im Zuge der Pandemie hat sich

die Bundesregierung dazu entschlossen

das Kurzarbeitergeld

zu erhöhen. Zu Beginn erhalten

die Beschäftigten 60 Prozent

ihres Netto-Entgelts. Bei

Beschäftigten mit mindestens

einem Kind sind es 67 Prozent.

Ab dem 4. Bezugsmonat kann

das Kurzarbeitergeld erhöht

werden vorausgesetzt, der

Entgeltausfall beträgt im jeweiligen

Monat mindestens 50

Prozent. Die Erhöhung findet in

folgender Staffelung statt: Ab

dem vierten Bezugsmonat sind

es 70 Prozent (bzw. 77 Prozent)

des ausgefallenen Netto-Entgelts

und ab dem siebten

Bezugsmonat 80 Prozent (bzw.

87 Prozent). Die Bezugsmonate

müssen dabei nicht zusammenhängen.

Das bedeutet,

dass eine Unterbrechung der

Kurzarbeit auch über drei

Monate keine Auswirkung

auf die Höhe des Kurzarbeitergeldes

hat.

HINZUVERDIENST UND

SOZIALLEISTUNGEN

Nur 60 bzw. 67 Prozent des

36


SHE works! / Erleichterter Zugang zur Kurzarbeit wurde verlängert

Netto-Entgelts zu erhalten,

stellt viele Mitarbeiter, besonders

Teilzeitkräfte, vor finanzielle

Schwierigkeiten.

Zum einen ist es möglich

während der Kurzarbeit einer

Nebentätigkeit nachzugehen.

Wurde diese bereits vor Beginn

der Kurzarbeit begonnen,

wird sie nicht auf das Kurzarbeitergeld

angerechnet.

Sollte das Kurzarbeitergeld

nicht ausreichen und auch kein

Nebenverdienst vorliegen,

können Arbeitnehmer bei der

Bundesarbeitsagentur ergänzende

Sozialleistungen wie

Kinderzuschlag, Wohngeld

oder Grundsicherung (Arbeitslosengeld

II) in Anspruch

nehmen, wobei sich die Leistungen

gegenseitig ausschließen

können. Vorrangig werden

Kinderzuschlag und Wohngeld

gewährt.

WEITERBILDUNG WÄHREND

KURZARBEIT

Besonders interessant für

Arbeitgeber und Arbeitnehmer

ist darüber hinaus das

neue Beschäftigungsförderungsgesetz.

Dadurch sollen

Weiterbildungen während der

Kurzarbeit gefördert werden,

um die Mitarbeiter fit für die

Zukunft zu machen. Unternehmen

können Zuschüsse zu

Lehrgangskosten beantragen,

sofern die Weiterbildungsmaßnahme

während der Kurzarbeit

begonnen wurde, diese mehr

als 120 Stunden dauert, die

Maßnahme für die Förderung

zugelassen ist und der Arbeitgeber

nicht ohnehin zur

Weiterbildung verpflichtet ist.

Darüber hinaus können unter

bestimmten Voraussetzungen

die Sozialversicherungsbeiträge

erstattet werden. Und keine

Sorge: Eine Weiterbildung, die

bereits vor Beginn der Kurzarbeit

angefangen wurde, muss

nicht unterbrochen werden.

Auch kann die Weiterbildung

über das Ende der Kurzarbeit

hinaus fortgesetzt und abgeschlossen

werden. Unter

bestimmten Voraussetzungen

kann in diesem Fall ein

Zuschuss zum Arbeitsentgelt

gewährt werden.

WEITERE INFORMATIONEN:

https://www.bmas.de/DE/

Schwerpunkte/Informationen-Corona/Kurzarbeit/kurzarbeit.html

https://www.arbeitsagentur.

de/m/corona-kurzarbeit/

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Der XX-Faktor / Januar 2021

Arbeitgeber*innen- & Arbeitnehmer*innenwissen

Die Wirtschaftshilfen

gehen weiter, aber ohne

Januarhilfe

Von Dana Rotter

Das letzte Jahr war geprägt

von der Corona-Krise, in der

Unternehmen und Soloselbstständige

um ihr wirtschaftliches

Überleben kämpften. Als

Unterstützung gab es zwar

staatliche Hilfen, die allerdings

oftmals stark kritisiert wurden,

da sie an den Bedarfen der

Antragsteller vorbei gingen.

Das Pandemiejahr 2020 endete

schließlich mit der Novemberund

Dezemberhilfe und einer

Diskussion über zukünftige

Wirtschaftshilfen für Unternehmen.

Zum Start des neuen

Jahres wird es allerdings keine

Januarhilfe geben, das schlossen

Finanzminister Olaf Scholz

als auch Wirtschaftsminister

Peter Altmeier bereits Anfang

Dezember aus.

ÜBERBRÜCKUNGSHILFE III

VERLÄNGERT

Stattdessen wurde die Überbrückungshilfe

III bis zum 30.

Juni 2021 verlängert und ausgeweitet.

Dazu zählt zum einen

die Erhöhung des monatlichen

Maximalbetrags für alle Unternehmen

auf 200.000 Euro pro

Monat und für direkt oder indirekt

von staatlichen Schließungen

betroffene Unternehmen

auf 500.000 Euro pro Monat

sowie die Erweiterung des

Kreises der Antragsberechtigten.

In Anspruch nehmen können

die Überbrückungshilfe III

Unternehmen, Soloselbstständige,

Angehörige der freien

Berufe mit einem Jahresumsatz

bis 500 Millionen Euro im Jahr

2020.

Erstattet werden können

Mieten und Pachten, Finanzierungskosten,

Abschreibungen

bis zu einer Höhe von 50

Prozent, bauliche Modernisierungs-,

Renovierungs- oder

Umbaumaßnahmen für Hygienemaßnahmen

bis zu 20.000

Euro sowie Marketing- und

Werbekosten. Die Überbrückungshilfe

III kann im Laufe

des Monats Januar 2021 in

einem vereinfachten Antragsverfahren

über die Plattform

www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de

geltend

gemacht werden. Allerdings ist

auch hier wieder die Einbeziehung

von Steuerberater*innen,

Wirtschaftsprüfer*innen,

vereidigte Buchprüfer*innen

oder Rechtsanwält*innen

erforderlich.

NEUSTARTHILFE

BESONDERE

UNTERSTÜTZUNG FÜR

SOLOSELBSTSTÄNDIGE

Enthalten in der Überbrückungshilfe

III ist auch eine

Verbesserung für Soloselbstständige.

Die einmalige

Neustarthilfe umfasst eine Betriebskostenpauschale

von bis

zu 5.000 Euro im Zeitraum bis

Ende Juni 2021. Dadurch können

Soloselbstständige, die im

Rahmen der Überbrückungshilfe

III sonst keine Fixkosten

geltend machen können, aber

dennoch hohe Umsatzeinbrüche

hinnehmen mussten, einmalig

25 Prozent des Umsatzes

des entsprechenden Vorkrisenzeitraums

2019 erhalten.

Die Neustarthilfe ist aufgrund

ihrer Zweckbindung nicht auf

Leistungen der Grundsicherung

u.ä. Anzurechnen und

ist, sofern die Antragsvoraussetzungen

vorliegen, nicht

zurückzuzahlen.

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SHE works! / Die Wirtschaftshilfen gehen weiter, aber ohne Januarhilfe

Quelle: Bundesministerium der Finanzen

Die Überbrückungshilfe III,

in der auch die Neustarthilfe

enthalten ist, wird voraussichtlich

im Laufe des Januars zu beantragen

sein. Vorab müssen

noch nötige Programmierungen

und Abstimmungen mit

den Ländern vorgenommen

werden. Die Details zur Antragstellung

werden vermutlich

in den nächsten Wochen

feststehen.

WENN NICHTS MEHR

GEHT, BLEIBT DIE

GRUNDSICHERUNG

Sowohl Mitarbeiter*innen in

Unternehmen, die von Kurzarbeit

betroffen sind, als auch

Soloselbständige und Künstler*innen

können die Grundsicherung,

auch bekannt als

Arbeitslosengeld II bekannt,

beantragen. Den rechtlichen

Rahmen dafür hat die Bundesregierung

mit dem Sozialschutz-Paket

geschaffen. Dabei

handelt es sich um ein neues

Gesetz, dass den Zugang zu

Sozialleistungen erleichtern

soll, selbst wenn man gar nicht

arbeitssuchend ist, sondern

durch Kurzarbeit oder Auftragseinbußen

in finanzielle

Schwierigkeiten gerät. Verlängert

wurde der Zeitraum bis

zum 31. März 2021.

WEITERE INFORMATIONEN

DAZU:

www.arbeitsagentur.de/corona-faq-grundsicherung-arbeitslosengeld-2

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Der XX-Faktor / Januar 2021

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

„Wer nicht kommuniziert,

den gibt es nicht am

Markt“

Angela Recino brennt für

Sichtbarkeit. Zum Beispiel für

die von Selbständigen und

Unternehmerinnen. Ihre Mission:

Expertinnen eine Stimme

geben und deren Mission

deutlich in die Öffentlichkeit

bringen. SHE works! hat mit

der Medienexpertin über

professionelle Pressearbeit

gesprochen.

Seit Corona kämpfen viele

Unternehmen mit sinkenden

Umsätzen. Kleine und mittelständische

Betriebe fürchten

um ihre Existenz. Oft wird

der Rotstift zuallererst bei

der Öffentlichkeitsarbeit angesetzt.

Wie finden Sie das?

Ich verstehe den Reflex, bei

Presse und Kommunikation

zu kürzen, aber das ist falsch.

Gerade in der Krise ist Sichtbarkeit

gegenüber Kunden und

Interessenten wichtiger und

auch übrigens einfacher denn

je! Die meisten stecken doch

den Kopf in den Sand, deshalb

rate ich meinen Klienten dazu,

jetzt erst recht die die Chance

zu nutzen und aus der Menge

herauszuragen! Medienarbeit

ist schon lange kein Nice-tohave

mehr, sondern Pflichtübung

für jedes Unternehmen,

das eine Zukunft haben will.

Wer Öffentlichkeit hat, schafft

Werte und Social Trust. Wer

nicht kommuniziert, den gibt

es (bald) nicht (mehr) am

Markt.

Mit Ihrer Agentur Bewegte

Kommunikation versprechen

Sie „Content, der rockt“. Was

heißt das konkret?

Wir machen unsere Auftraggeber

wahrnehmbar. Wir

sorgen für Medien-Präsenz

und Reichweite, die viele nicht

für möglich halten. Das bringt

unsere Kunden schon mal in

Verzückung.

Was macht Sie anders als

andere Agenturen?

Ich selbst bin ausgebildete

Redakteurin, habe eine klassisches

Tageszeitungsvolontariat

durchlaufen und für alle

relevanten Kanäle gearbeitet,

von Print über Radio und

Online. Ich war fürs Öffentlich-Rechtliche

Fernsehen als

freie Produzentin tätig. In der

PR lege ich Wert darauf, dass

unsere Autoren selbst journalistische

Erfahrung haben.

Wir wissen, wie Redakteure

ticken und was sie brauchen,

um ein „gutes Blatt“ oder eine

gute Sendung zu machen, wie

Geschichten professionell aufgesetzt

und geschrieben oder

produziert sein müssen, damit

sie veröffentlicht und wahrgenommen

werden. Außerdem

sind wir mit vielen KollegInnen

in Print- und Onlinemedien

bestens vernetzt und immer im

Dialog.

Sind klassische Medien nicht

ziemlich „old school“? Heute

läuft doch alles über Facebook,

Twitter & Insta?

Soziale Medien sind ein wichtiger

Pfeiler der Kundenkommunikation,

richtig. Aber wer sich

allein auf Facebook verlässt,

wird nicht die Wahrnehmung

erreichen, die er braucht, um

sich am Markt zu etablieren

oder zu halten. Viele freuen

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SHE works! / „Wer nicht kommuniziert, den gibt es nicht am Markt

Angela Recino Bewegte Kommunikation / Foto www.angeknipst.de

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Der XX-Faktor / Januar 2021

Angela Recino / Foto www.angeknipst.de

Angela Recino (53), Kommunikationsberaterin, Expertin für Inbound-PR, ausgebildete Tageszeitungsredakteurin,

hat u. a. mehrere Jahre das Ressort eines bundesweiten Magazins geleitet. Als

freie TV-Produzentin hat sie nahezu ein Jahrzehnt eine der bekanntesten Sendungen des Deutschen

Fernsehens produziert, für das chinesische Fernsehen eine mehrteilige Verkehrssicherheitsserie

etabliert, über die renommierte Medien wie DIE WELT berichteten. Für hervorragende

journalistische Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet: unter anderem mit dem Christophorus-Autorenpreis

und dem Silbernen Ottocar des IAA-Filmfestivals. Als freie PR-Beraterin und

Expertin für Unternehmenskommunikation begleitet sie Unternehmen und Selbständige auf

dem Weg zu mehr Sichtbarkeit erfolgreich am Markt.

Mehr unter www.bewegtkommunikation.de

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SHE works! / „Wer nicht kommuniziert, den gibt es nicht am Markt“

sich darüber, wenn ihr Beitrag

in Social Media ein paar hundert

Likes erzielt. Sie haben

keine Vorstellung davon, wie

viele Menschen sie mit allein

mit einer Veröffentlichung in

so genannten „klassischen“

Medien online und Print erreichen

könnten. Nicht zwei-,

nicht drei-, nein: mindestens

vier- bis fünfstellige Reichweiten,

noch dazu genau mitten in

der Zielgruppe, wenn man es

richtig macht. Soziale Medien

lassen sich aber gut als

Verstärker solcher Veröffentlichungen

einsetzen.

Worauf sollten Unternehmerinnen

und Selbständige

bei der Pressearbeit achten?

Vor allem darauf, nicht per

Gießkannenprinzip vorzugehen.

Wer Sichtbarkeit in

den Medien will, muss dafür

bestimmte Hebel ziehen. Es

kommt nicht nur auf die gut

formulierte Botschaft an. Man

muss auch wissen, welche Zielgruppen

man damit erreichen

will, welche Medien für eine

professionelle Ansprache in

Frage kommen und wie man

vertrauensvolle Beziehungen

zu Redaktionen aufbaut und

diese auch pflegt.

Klingt sehr individuell und

nicht nach Standard.

Ist es auch. Pressearbeit macht

man nicht mit links, wenn

sie erfolgreich sein soll. Wir

schauen uns im Einzelfall an:

Wen will das Unternehmen

erreichen, was hat es zu erzählen?

Welchen Wert hat das

für die Öffentlichkeit und für

die Leserschaft der avisierten

Medien? Genau das macht die

Arbeit so reizvoll. Ich liebe es,

mich ganz und gar auf meine

Klientinnen einzulassen, sie

darin zu unterstützen, die

eigene Botschaft zu entwickeln

und durch gezielte gezielte

Medienpräsenz ihre öffentliche

Wahrnehmung um ein Vielfaches

zu steigern.

Und was steht aktuell auf

Ihrer Agenda?

Ich möchte auch Einzelkämpferinnen

mehr öffentliche

Wahrnehmung verschaffen.

Von den bundesweit rund vier

Millionen Selbstständigen sind

nur die wenigsten bekannt.

Viele haben spannende Geschäftsideen

und -Modelle, die

ein öffentliches Forum haben

sollten - alles andere wäre

unterlassene Hilfeleistung.

Es gibt etliche Angebote, die

das Leben anderer Menschen

nachhaltig bereichern. Sie verdienen

maximale Sichtbarkeit.

Danke für das Gespräch!

43


Der XX-Faktor / Januar 2021

proTechnicale: Studienorientierungsjahr

Frauen für männerdominierte

Berufsbranchen stärken und

qualifizieren

Laura Lehmann besuchte pro-

Technicale, eine elfmonatige

Orientierungsphase für junge

Frauen, die Interesse an einem

Beruf im MINT-Bereich haben.

Was ist Ihr Traumberuf?

Mein absoluter Traum ist es

Astronautin zu sein. Mich fasziniert

die Vorstellung, einmal

etwas in der Entwicklung

des menschlichen Zusammenlebens

auf technischer

und forschender Grundlage

verändern zu können und

mein Wunsch ist es, dies mit

ethischen und nachhaltigen

Gedanken verbinden zu können.

Ich möchte irgendwann

einmal die Welt von oben

sehen, sie und die Menschen

darauf neu entdecken. Der

Beruf der Astronautin ist ein

Beruf wie kein anderer. Man

hat die einzigartige Chance,

in neue Welten vorzudringen,

zu forschen, zu entdecken und

seine eigene Existenz ganz

anders wahrzunehmen. Gleichzeitig

übernimmt man eine

große Vorbildfunktion und

besitzt einen Bildungsauftrag.

Ein essenzieller Teil der Arbeit

eines Astronauten besteht aus

Öffentlichkeitsarbeit. Sie bietet

die Möglichkeit, die eigene

Faszination und Begeisterung,

das Wissen aber auch wichtige

Fragen an Kinder und Jugendliche

weiterzugeben. Mir ist natürlich

bewusst, dass dies ein

sehr ambitioniertes Ziel ist.

Sie haben elf Monate lang,

das Projekt proTechnicale besucht,

um sich für Ihr Studium

MINT-Wissen anzueignen. Mit

welchen Erwartungen sind

Sie zu Beginn nach Hamburg

gefahren?

Nach dem Abitur und nach der

behüteten Schulzeit wird man

einfach so auf die weite Welt

losgelassen. Ohne jemanden,

der einem den Weg zeigt. Du

Kunst und Schweißen kreativ-handwerkliches Seminar im Jahrgang 9 (2019/20) / Foto proTechnicale

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SHE works! / „Wer nicht kommuniziert, den gibt es nicht am Markt

stehst vor einer Abzweigung

mit unzähligen Pfaden, die in

alle möglichen Himmelsrichtungen

zeigen. Sie verzweigen

sich noch mal und noch mal

und du bekommst beinahe

Angst; den ersten Schritt

zu wagen. Ich bin in erster

Linie mit der Erwartung nach

Hamburg gekommen, dass ich

nach den elf Monaten weiß,

was ich studieren und was ich

mit meinem Leben machen

will. Natürlich habe ich mich

auch auf eine spannende Zeit

mit interessanten Menschen

und völlig neuen Erfahrungen

gefreut, doch in erster Linie

wollte ich mich selbst und

damit meine Ziele und meinen

eigenen persönlichen Weg finden.

Was ich schließlich durch

proTechnicale geschafft habe.

Sie zielen beruflich in einen

Bereich, der nach wie vor

stark von Männern dominiert

wird. Ist das für Sie ein

Aspekt gewesen, der Ihnen

Bedenken gemacht hat?

Auf jeden Fall bereitete mir das

gewisse Bedenken. Egal wie

viel Selbstbewusstsein man

an den Tag legt, ständig geschlechtlich

in der Unterzahl zu

sein, schüchtert ein. Es beginnt

bei Vorurteilen, setzt sich über

ungerechte Bezahlungen bis

hin zu blöden Bemerkungen

fort.

Wenn es Bedenken diesbezüglich

gab, welche Unterstützung

haben Sie sich

durch das Stipendium bei der

proTechnicale erhofft?

Ich hatte mir erhofft, dass

proTechnicale das Bild einer

selbstbewussten Frau vermittelt,

die sich für ihre Ziele

und Meinung stark machen

kann. Ich erwartete ein Denken

fernab von Vorurteilen und

festgeschriebenem Mindsetting.

Zu guter Letzt erhoffte ich

mir auch, weibliche Vorbilder

in dieser Domäne zu finden..

Wurden die Erwartungen in

diesen Zeitraum erfüllt?

Wir hatten die Möglichkeit,

vielen jungen, starken Frauen

zu begegnen und von ihnen zu

lernen. Wir hatten Workshops,

die das Selbstbewusstsein

stärken oder die zum Nachdenken

über bestehende Defizite

anregten. Wir erhielten einen

ersten Einblick in die Berufswelt

in der männerdominierten

Domäne der Technik. Aus

diesem Grund wurden meine

Erwartungen auf jeden Fall

erfüllt.

Nun vermittelt die proTechnicale

nicht nur Wissen und

Orientierungshilfen. Wie

wichtig sind zum Beispiel

auch Bereiche wie Persönlichkeitsentwicklung

und die

Entwicklung eines beruflichen

Kompasses?

Das Programm proTechnicale

lebt und blüht durch seine

Vielseitigkeit. Ich habe die

Gestaltung aus den sehr unterschiedlichen

Modulen sehr

zu schätzen gelernt. Deshalb

erachte ich gerade die Bereiche

zur Persönlichkeitsentwicklung

als sehr wichtig. proTechnicale

fokussiert sich hier auf etwas,

was auf dem schulischen Weg

oft zu kurz kommt. Persönliche

Coaching-Gespräche,

Improvisationstheater oder

die Gestaltung eines „Sozialen

Projektes“.

Können Sie uns einen Einblick

geben, was Sie während

Ihrer Zeit bei der proTechnicale

gelernt haben und womit

Sie sich befasst haben?

Wie bereits erwähnt, gestalte-

45


Der XX-Faktor / Januar 2021

Laura Lehmann besuchte das Orientierungsjahr proTechnicale und studiert heute Physik.

Foto privat

te sich das Jahr proTechnicale

sehr abwechslungsreich. Einen

großen Teil nahmen auf jeden

Fall die Praktika ein. Insgesamt

gab es drei Praktikaphasen,

davon eine bei Airbus, die vorgeschrieben

war, die anderen

zur freien Wahl. Ich besuchte

abgesehen von Airbus noch

das Deutsche Zentrum für Luft

und Raumfahrt sowie das Max

Planck Institut für Struktur

und Dynamik der Materie. Aus

meinen Praktika konnte ich

unglaublich viel neue Erfahrungen

mitnehmen, einen Einblick

ins Berufsleben gewinnen

sowie neue Faszination entdecken.

Außerhalb der Praktika

war unser Alltag sehr gefüllt

und ereignisreich. Workshops

reihten sich an Vorlesungen

mit Dozenten diverser

Hochschulen sowie einzelner

Thementage, Exkursionen und

der Gestaltung verschiedener

Projekte. Abgesehen vom rein

schulischen Wissen nahm ich

zahlreiche Lebenserfahrungen

mit. Das begann beim

Zurechtfinden in einer neuen

Stadt, dem Arrangieren des

Zusammenlebens alleine und

gemeinsam mit den anderen

Teilnehmerinnen, dem eigenständigen

Organisieren und

endete mit den zahlreichen

Einblicken in ganz viele verschiedene

Themenbereiche.

Was können Sie jungen

Frauen mit auf den Weg

geben, die sich ebenfalls für

eine berufliche Laufbahn im

MINT-Bereich interessieren?

Traut euch! Habt keine Angst

vor Herausforderungen oder

einem männerdominierten

Berufszweig. Mädchen sind

nicht schlechter in Mathe und

haben auch kein weniger gutes

technisches Verständnis, nur

weil sie Mädchen sind. Lasst

euch nicht abschrecken von

Vorurteilen, probiert das aus,

was euch interessiert und sucht

euch nicht eine Domäne aus,

nur weil sie den Vorstellungen

eurer Geschlechterrolle

entspricht. Greift nach den

Sternen!

Mit welchen Grundlagen und

welchen Zielen starten Sie

jetzt in Ihr Studium?

Ich studiere Physik am KIT in

Karlsruhe. proTechnicale hat

mir dabei geholfen, dass ich zu

verschiedensten technischen

Themen schon einen kleinen

Einblick hatte. Im Studium

kommen mir viele Themen bekannt

vor, mir fällt es leichter,

mich unter meinen vorwiegend

männlichen Studienkollegen

zu behaupten und ich habe

an Selbstbewusstsein dazugewonnen.

Für alles, was ich

durch dieses Jahr gewonnen

habe, bin ich proTechnicale

sehr dankbar und kann das

Programm nur weiterempfehlen.

46


SHE works! / „Wer nicht kommuniziert, den gibt es nicht am Markt

Bewerbung für proTechnicale

Voraussetzung für die Teilnahme junger Frauen an proTechnicale sind die Allgemeine

Hochschulreife (2021 oder früher), Interesse an MINT (Mathematik Informatik Naturwissenschaft

Technik) sowie außerschulisches Engagement (etwa Sport, Musik, Soziales).

Bewerbungen können ab sofort eingereicht werden. Bis zum 31.1.2021 winkt noch ein

Early Bird-Rabatt. Infos dazu unter www.protechnicale.de/bewerbung/

Das elfmonatige Programm wird ab 1. Oktober 2021 bereits zum 11. Mal stattfinden. Auf

der proTechnicale-Agenda steht ein ausgewogener Mix aus Theorie, Praxis sowie Philosophie

und Persönlichkeitsbildung. Thematische Schwerpunkte sind Luftfahrt sowie

Erneuerbare Energien. Zudem gibt es bis zu drei Praktika im In- und Ausland. Es können

erste Credit Points für das anschließende Studium gesammelt werden. Die Basis

für das individuelle Karrierenetzwerk wird mit dem persönlichen Kontakt zu MINT-Rolemodels

und proTechnicale-Alumna gelegt. Diverse Exkursionen zu Hochschulen und

Unternehmen geben wichtige Einblicke in die Welt von Studium und Beruf.“ proTechnicale

ist BAföG-berechtigt und bietet den Teilnehmerinnen neben einem Stipendienprogramm

auch Zimmer in projekteigenen Wohngemeinschaften.

Foto proTechnicale

Weitere Informationen unter www.protechnicale.de

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Der XX-Faktor / Januar 2021

Business Development

Berufliche Erfüllung mit

innerem Kompass und

offenem Geist

Von Cordula Casaretto

Jahrzehntelang habe ich mich

gefragt, welcher Job der „richtige“

für mich ist und was mich

im Beruf glücklich macht.

Was waren noch mal meine

Fähigkeiten?

Oft habe ich gelesen: „Finde,

was Dir Spaß macht!“ Aber

genau da hat es bei mir gehakt.

WIE finde ich denn das, was

mir Spaß macht? Und wenn

ich es gefunden habe: Wie

verbinde ich das mit einem

Job? Es existieren so viele

Möglichkeiten, sich beruflich

und privat zu entfalten und

gleichzeitig verändert sich

unsere Welt ständig. Digitalisierung,

Globalisierung

und demografischer Wandel

nehmen immensen Einfluss auf

Unternehmen, Organisationen

und Arbeitsabläufe. Arbeitszeitmodelle,

Arbeitsmethoden

und Karrierewege ändern sich.

Wie bringe ich all das zusammen

mit meinen Wünschen,

Talenten und Bedürfnissen?

Eine Ausbildung zum Business-Coach

brachte mich den

Antworten auf diese Frage

näher. Ich lernte, konstruktive

Fragen zu stellen, Klarheit zu

gewinnen.

Die Ausbildung gab mir sogar

den „Push“, mich im Nebenberuf

als Coach zu etablieren

und andere Menschen dabei

zu begleiten, eigene Themen

im Beruf konstruktiv zu lösen.

In diesem Kontext hörte ich oft

den folgenden Satz: „Ich bin

nicht glücklich mit meinem Job

und würde gerne mal was anderes

machen. Aber mit dem,

was mir Spaß macht, verdiene

ich kein Geld.“

Dann traf ich aber auch auf

Menschen, die mit 50 Jahren

noch einmal „etwas Neues“

angefangen hatten und in der

Tat happy waren. Und es gab

noch die Gruppe, die sich stets

sukzessive weiterentwickelt

hatte und ebenfalls gerne

arbeitete. Ich fragte mich: Was

unterscheidet die Menschen,

die sich in ihrem Job genau

„richtig“ fühlen von denen, die

scheinbar keinen Ausweg aus

ihrer beruflichen Misere sehen?

Mit sieben Schritten zum

beruflichen Glück

Gerüstet mit meinen Erfahrungen

als Business-Coach und im

Gepäck unzählige Interviews

mit ausgewiesenen Arbeitsmarkt-Experten,

Gründern

oder auch Quereinsteigern,

entschied ich mich, eine Anleitung

darüber zu schreiben,

wie Menschen ihr berufliches

Glück finden können.

Herausgekommen ist ein

praktisches 7-Schritte-Modell,

das jeder direkt für sich

anwenden kann. Eine wesentliche

Erkenntnis meines Buches:

Berufliche Erfüllung bedeutet

nicht zwingend eine totale

Neuorientierung, es geht in

erster Linie darum, die eigenen

Wünsche, Talente, Werte und

notwendigen Rahmenbedingungen

zu erkennen, die mich

produktiv arbeiten lassen im

Einklang mit mir selbst.

Und es geht darum, daraus ein

48


SHE works! / Berufliche Erfüllung mit innerem Kompass und offenem Geist

7-Schritte-Modell zur beruflichen Erfüllung

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Der XX-Faktor / Januar 2021

attraktives Ziel zu entwickeln.

Dieses Ziel ist individuell. Beim

Einen ist es ein Tag Homeoffice

(mehr) pro Woche, bei

der Nächsten der Wechsel in

eine andere Abteilung und für

jemand anderen das Runtergehen

auf 80 % und der Aufbau

einer kleinen Selbstständigkeit

nebenbei.

Ich erkläre auch, mit welchen

Ressourcen sich diese Ziele

erreichen lassen:

Dazu gehören Weiterbildungsmöglichkeiten,

Erfahrungen

und Kompetenzen.

Ressourcen bedeutet auch,

sorgsam mit mir selbst umzugehen.

Was stärkt mich,

um mein Ziel zu erreichen?

Für den einen ist es die Tasse

Cappuccino in der Sonne, für

den anderen einen Roman zu

lesen oder die Joggingrunde

am Sonntagmorgen.

Es ist verhandelbar, worin wir

gut sind

Exemplarisch für eine Weiterbildungsmöglichkeit

möchte

ich die Methode des „Working-

Out-Loud“ (WOL) vorstellen.

Katharina Krentz eine

meiner Interviewpartnerinnen

hat WOL maßgeblich in

Deutschland eingeführt. Eine

hervorragende Technik, um

eigene Ziele zu verfolgen, neue

Kompetenzen zu erwerben

und sich zu vernetzen, sie sagt:

„Wir wissen heute, dass es

verhandelbar ist, worin wir gut

sind, basierend auf Interesse

und Willen. Wenn ich gestern

zum Beispiel schlecht in Mathe

war, heißt das nicht, dass ich

das morgen auch noch sein

muss. Wenn ich den richtigen

Lehrer habe, wenn ich den

Willen habe, dann kann ich

das verändern.“ Katharina

Krentz hat sich selbst aus einer

Assistenzstelle bei Bosch zur

globalen Botschafterin von

WOL weiterentwickelt.

Raus aus der Komfort-Zone

Mit meinem Buch „Berufliche

Veränderung. Darf es auch das

Beste sein?“ möchte ich jedem

egal wie alt und in welcher

Lebenssituation Mut machen,

sich im beruflichen Leben

immer wieder zu hinterfragen

und Freude an der Weiterentwicklung

zu finden. Das muss

nicht immer gleich der große

Umbruch sein, Veränderung

kann auch im Kleinen beginnen

und eine Menge Energie und

Lebensfreude freisetzen.

Frei nach dem Motto: Raus

aus der Komfort-Zone, rein in

die berufliche Erfüllung!

50


SHE works! / Berufliche Erfüllung mit innerem Kompass und offenem Geist

Cordula Casaretto leitet den Bereich Business Development einer großen deutschen Wirtschaftskanzlei.

Nach einer Ausbildung zur Verlagskauffrau absolvierte sie ein Studium im Fach

Medienwirtschaft und International Management. Cordula Casaretto startete ihre berufliche

Laufbahn in einer PR-Agentur und arbeitete später im Consulting und Innovationsmanagement

internationaler Unternehmensberatungen. Sie ist ausgebildeter Business- und Team-Coach (Dr.

Bock Coaching Akademie) und lebt mit ihrer Familie in Frankfurt am Main. Durch ihre berufliche

Tätigkeit war sie stets konfrontiert mit Veränderungen sowohl innerhalb der eigenen beruflichen

Orientierung als auch im Rahmen der stetigen Veränderung in Unternehmen. Ihr Buch

stellen wir auf Seite 96 vor. cordula-casaretto-coaching.de

Cordula Casaretto / Foto Cordula Casaretto

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Der XX-Faktor / Januar 2021

Yvonne Ransbach / Foto Bianca Thielke

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SHE works! / „Ich hab eine klare Haltung zu mir selbst

Präsenz-Coaching

„Ich hab eine klare

Haltung zu mir selbst!“

Ein souveräner Auftritt ist ein

Zusammenspiel der inneren

und äußeren Haltung zu sich

selbst. SHE works! sprach mit

Yvonne Ransbach, Fernsehmoderatorin

und Präsenz-Coach.

Frau Ransbach, was ist für Sie

ein souveräner Auftritt?

Bei „Auftritt“ denken wir

ja zunächst einmal an die

große Bühne. Dabei treten

wir ständig den ganzen Tag

über immer wieder neu auf.

Meinem Partner gegenüber,

den Kindern, den Kollegen,

dem Chef. Und kommen dabei

immer wieder mal ins „Schlingern“.

Ein souveräner Auftritt

bedeutet daher für mich: Ich

bin sicher, ich habe eine klare

Haltung zu mir selbst. Zu meinen

Themen, meiner Meinung,

meiner Rolle.

Was ist genau das Gegenteil

davon?

Auch wenn wir nicht mehr in

Höhlen leben, werden all unsere

Emotionen und Urtriebe

vom limbischen Nervensystem

kontrolliert: Wir erspüren,

ohne dass es uns bewusst ist,

blitzschnell, ob unser Gegenüber

klar oder unsicher ist.

Oder eine Rolle spielt!

Gerade junge Menschen, die

sich in einem Unternehmen

zeigen müssen in Teammeetings,

bei Präsentationen oder

Pitches verkrampfen und stehen

sich selbst im Weg. Statt

offen und spontan auf eine

Situation zu reagieren, sorgen

sie sich, ob sie jederzeit ihre

Mimik unter Kontrolle haben.

Das Umfeld merkt aber, dass

etwas nicht stimmt.

Um sein Gegenüber von sich

zu überzeugen, was ist dringend

notwendig?

Eine innere Haltung zu haben!

Im wörtlichen Sinne einen

Standpunkt einzunehmen: „Ich

stehe zu einer Sache und

eben auch zu mir.“ Das ist der

schwierigste Teil meiner Arbeit

mit dem Kunden. Die gelungene

Kommunikation ist dann

nur noch Formsache :-)

Yvonne Ransbach hat nach 16 Jahren in Funk und Fernsehen

(ZDF, SWR, SAT 1, RTL, Radio Bremen) die YR GmbH Coaching

und Moderation gegründet. Nach der dreijährige Ausbildung

zum systemischen Coach bei Kessel und Kessel und

der Deutschen und Europäischen Gesellschaft für Transaktionsanalyse

e.V. arbeitet sie heute als Präsenz-Coach mit den

Schwerpunkten Selbstmanagement und der Begleitung von

Veränderungsprozessen.

Oft stimmen innere und

äußere Wahrnehmung nicht

überein, sagen Sie, und so

fühlen wir uns dann auch

nicht wohl mit uns selbst.

Was raten und vermitteln Sie

in Ihren Coachings, um diese

beiden Bilder in Einklang zu

bringen?

53


Der XX-Faktor / Januar 2021

Wenn wir uns wohlfühlen in

unserer Haut, gewinnen wir an

Ausstrahlung. Unsere Haltung

trägt uns, bringt uns ins Gleichgewicht.

Und für ein gutes

Gleichgewicht ist eine solide

Basis die Grundvoraussetzung.

Ein fester Stand.

Die innere Haltung und meine

Körperhaltung bedingen sich

gegenseitig. Versuchen sie

mal, depressiv zu lachen. Oder

umgekehrt mit hängenden

Schultern Freude auszustrahlen.

Das funktioniert nicht!

Und wie Sie sagen: Oft

stimmen innere und äußere

Wahrnehmung nicht überein.

Meine Aufgabe ist es, das

einfühlsam aufzuzeigen und

ein stimmiges Bild mit dem

Kunden zu entwickeln.

Es ist kein Geheimnis, dass

vor allem Frauen damit ein

Problem haben, souverän,

selbstsicher und mit sich im

Einklang aufzutreten. Warum

ist das so?

Da spielen sicher viele Faktoren

eine Rolle: Zum einen ist

unsere Arbeits- und vor allem

Führungswelt nach wie vor

maskulin geprägt. Und immer

wieder begegne ich Frauen, die

sich ein maskulines Auftreten

zu eigen gemacht haben, weil

sie mehr Souveränität und

Sicherheit ausstrahlen wollen.

Da bin ich nun wieder beim

vorhin Gesagtem: Etwas zu

spielen macht keinen Sinn,

mein Gegenüber merkt sofort,

dass da etwas nicht stimmt.

Und das ist natürlich nicht

souverän.

Dann wachsen leider sehr viele

Frauen noch mit unbewussten

Glaubenssätzen auf: „Wenn du

gemocht werden willst, dann

mach es allen recht, fall nicht

auf, halte Dich im Hintergrund,

sei bescheiden“. Trotz 2020

bekommen viele Mädchen das

aus ihren Familien und ihrem

Umfeld unbewusst mit auf den

Weg.

Und dann haben wir als dritten

Faktor die Rollenverteilung.

Gerade in der Corona-Krise ist

das sehr deutlich geworden:

Frauen bleiben wesentlich eher

zu Hause und kümmern sich

um Kind und Haushalt. Und

wenn sie das Haus verlassen,

um arbeiten zu gehen, sind sie

nach wie vor auch Mutter und

Hausfrau. Männer hingegen

schaffen es eher, die Rolle des

Vaters zu Hause zu lassen.

Wie wichtig ist das richtige

Auftreten für und bei Führungskräften?

Warum gibt es Menschen, die

in einen Raum kommen, einfach

strahlen und andere ihnen

folgen? Die Antwort liegt nach

meiner festen Überzeugung,

in einer großen Übereinstimmung

von innerer Einstellung

und äußerem Auftritt einerseits

und, dem Mut, Emotionen

zu zeigen. Das ist Charisma!

Aber auch gestandene Manager

und leider auch viel zu

viele Frauen in Führungspositionen

verschanzen sich häufig

hinter einem eingefrorenen

Minenspiel. Sie möchten seriös

erscheinen und wirken stattdessen

starr und emotionslos.

Auf dem Weg durch die Unternehmenshierarchien

verlernen

viele von ihnen die Fähigkeit,

grundlegende Emotionen zu

zeigen wie Freude, Stolz oder

auch in angemessener Weise

Ärger über Fehlschläge. Eine

Art Totengräbermaske wirkt

als Schutzschild gegen äußere

Anfechtungen, glauben sie. Sie

unterschätzen dabei, wie viel

Anziehungskraft und Autorität

in einem authentischen Umgang

mit Gefühlen liegen.

Bleiben wir noch einmal bei

den Frauen. Was raten Sie

hier? Was sollten Frauen bei

ihrem Auftreten überdenken

und ändern?

Ein grundsätzlicher Tipp ist,

dass sich Frauen (nicht nur

Frauen!!) vor einem Termin

sammeln sollten, um sich klar

zu machen, warum sie ein Meeting

oder eine Präsentation

abhalten. Sie sollten das Thema

noch für sich fokussieren.

Denn wenn man sich über die

eigene Aufgabe, das Thema

und seine Rolle klar wird, ist

man weniger angreifbar und

kommt viel besser mit Kritik

und Nachfragen klar.

Leider fehlt Frauen in höheren

Positionen auch häufig der

Mut, ihre eigene Weiblichkeit

zu zeigen und auf ihre ganz

eigenen weiblichen Stärken zu

vertrauen. Gerade Frauen ver-

54


SHE works! / „Ich hab eine klare Haltung zu mir selbst

fügen ja über ihre ganz eigenen

Ressourcen - auf die müssen

sie lerne zuzugreifen!

Ich besuche Ihr Coaching,

schaffe es, meine Selbstwahrnehmung

abzustimmen

und entsprechend anders,

souveräner aufzutreten. Was,

wenn ich merke, dass mir all

das Gelernte in einer akuten

Situation abhandenkommt?

Üben, üben, üben. Einerseits.

Andererseits arbeite ich mit

ressourcenorientierten Selbstmanagement-Methoden,

die

nicht nur unseren Verstand ansprechen,

sondern unbewusst

und unterbewusst ansetzen. So

kann Erlerntes auf tieferer Ebene

verankert werden. Und wir

haben auch in herausfordernden

Situationen Zugriff darauf.

Sie verweisen auch immer darauf,

dass Vertrauen gegeben

sein muss im Miteinander.

Wie vermitteln Sie diesen

Grundsatz?

Vertrauen kann ich nur dann

aufbauen egal ob zu meinen

Mitarbeitern oder Kunden

wenn sich der andere mit mir

sicher fühlt. Und wie entsteht

diese Sicherheit? Indem ich mir

meiner selbst sicher bin. Zu

dem stehe, was ich sage, auch

Fehler zugebe, offen umgehe

mit meinen (Unternehmens-)

Zielen. Meine Vision und meine

Werte mit anderen teile.

Sie arbeiten auch im Bereich

Image- und Stilberatung. Gibt

es eine Faustformel, die Sie

unseren Leser*innen nennen

können?

Mein äußeres Erscheinungsbild

ist immer auch mein persönliches

Marketing. Daher hat ein

stilvolles Auftreten auch immer

etwas mit der entsprechenden

Situation und meinem Umfeld

zu tun.

Grundsätzlich aber bedeutet

Stil für mich: Sich selbst und

die eigene persönliche Entwicklung

richtig einschätzen

können. Und aus dem vielfältigen

Angebot der Mode,

das auszuwählen, was meine

Persönlichkeit unterstreicht.

Also im besten Fall werde ich

als echt wahrgenommen!

Haben Sie ein paar Tipps für

unsere Leserinnen, die helfen,

die eigene Persönlichkeit mit

Stil und Mode zu unterstreichen?

Orientieren Sie sich an Vorbildern,

holen Sie sich Inspirationen

und Ideen aus Modemagazinen

wie der Vogue Business.

Achten Sie aber bei der Wahl

Ihrer Kleidung darauf, dass Sie

sich nicht verkleiden. Stellen

Sie auch hier Ihre Weiblichkeit

nicht hinten an! Ich hatte

während eines Coachings eine

Dame, die gern Hosenanzüge

getragen hat. Viel zu maskulin

für sie. Während unserer Arbeit

haben wir uns auch ihren Kleidungsstil

vorgenommen. Nun

trägt sie statt Hosenanzügen,

Hosen mit klassischen Blusen

oder einem Kaschmirpullover,

der ihr Frausein seriös unterstreicht.

Und wenn Sie unsicher sind,

was Ihnen steht, fragen Sie

doch mal Ihre Freundin, was

die denkt, was Ihnen steht und

was deren Meinung nach, ihr

inneres und äußeres Erscheinungsbild

in Einklang bringt.

Vielen Dank, Frau Ransbach!

55


Der XX-Faktor / Januar 2021

56


SHE works! / Führung mit X-Faktor

Frauen in Führungspositionen

Führung mit X-Faktor:

Weiblich, männlich?

Hauptsache gut!

Von Dr. Mandy Pastohr und

Saskia Powell

In den vergangenen Jahren

wurde viel darüber diskutiert,

ob Frauen in Spitzenpositionen

anders und vielleicht sogar

besser führen als ihre männlichen

Kollegen. Frauen wären

von Natur aus empathischer

und kooperativer, hieß es.

Doch welche Frauen durchstoßen

tatsächlich die gläserne

Decke und kommen auf den

Chefsessel? Sind es tatsächlich

die Frauen, auf die die

klassisch weiblichen Attribute

immer passen?

Eine Datenanalyse des

Karrierenetzwerks LinkedIn

hat ergeben, dass der Anteil

von Frauen in Führungspositionen

in Deutschland seit

2009 durchschnittlich um zwei

Prozent pro Jahr gewachsen

ist. Wächst er in diesem Tempo

weiter, dann werden erst

2058 genauso viele Frauen

wie Männer in der deutschen

Wirtschaft in den Chefetagen

sitzen.

VON AUSGEWOGENHEIT

KANN KEINE REDE SEIN

Zehnmal mehr Männer als

Frauen sitzen in den Chefetagen

börsennotierter Unternehmen.

Eine qualitative Auswertung

der Führungsqualitäten

beider Geschlechter ist also

aktuell kaum möglich, kann

man bei einer Quote von 1:10

doch nicht davon ausgehen,

dass die weibliche Führungskraft

mit ihren individuellen

und möglicherweise auch

erlernten Verhaltensmustern,

Fähigkeiten und Eigenschaften

als „Prototyp“ für alle Frauen

herangezogen werden kann.

Um also ernsthaft ergründen

zu können, ob Frauen anders

und vielleicht sogar besser

führen, müssen wir vermutlich

bis 2058 warten, wenn

die Frauen-Männer-Quote

in Führungspositionen nicht

mehr 1:10, sondern hoffentlich

1:1 sein wird. Da diese Frage

also derzeit nicht verlässlich

zu beantworten ist, fragen wir

uns doch vielmehr:

Welche Frauen kommen

in Spitzenpositionen? Was

braucht es dafür?

AUF HIGH HEELS IN

CHEFETAGEN

Frauen, die auf Spitzenebene

überwiegend mit männlichen

Kollegen zu tun haben, befinden

sich in einem permanenten

Zwiespalt. Passen sie sich

an ihre Kollegen an, gelten sie

oft als zu männlich. Kommen

sie (überspitzt formuliert) mit

High Heels, rosa Kostüm und

Handtäschchen zur Vorstandssitzung,

dann müssen

sie vermutlich noch härter

kämpfen, um ihre Positionen

durchsetzen zu können und

als kompetent und ebenbürtig

wahrgenommen zu werden. Es

ist also ein schmaler Grat.

Dazu kommt, dass auch die

Führung der Mitarbeitenden

mit Empathie allein nicht zu

machen ist. Auch hier gibt es

Konflikte, schwere Entscheidungen

und harte Einschnitte.

Konfliktfähigkeit, Durchsetzungsvermögen,

das Vertrauen

57


Der XX-Faktor / Januar 2021

in die eigene Vision und eine

Portion Narzissmus sind ebenfalls

von Nöten, um dauerhaft

bestehen zu können. Und eines

haben Männer (derzeit) den

Frauen in hohen Positionen

voraus: ihr Netzwerk.

Männer vernetzen sich schneller,

unterstützen sich gegenseitig

und helfen einander. Frauen

in Spitzenpositionen haben ein

solches weibliches Netzwerk

häufig nicht. Es gibt schlicht

und ergreifend nicht so viele

Frauen, mit denen sie sich verbünden

können. Also müssen

sie in Netzwerken mit überwiegend

Männern agieren.

SCHLUSS MIT DEM

GESCHLECHTERKAMPF

Wenn man die Führungsqualitäten

von Frauen und Männern

zum jetzigen Zeitpunkt

ohnehin nicht vergleichen

kann, dann sollte man diese

Frage vielleicht zurückstellen

und lieber fragen, was gute

Führung ausmacht, unabhängig

davon, ob Mann oder Frau

führt. Beenden wir also den

Geschlechterkampf und definieren

geschlechterunabhängige

Funktionen guter Führung.

1. ERFOLG VERANTWORTEN

2. ERFOLG ERMÖGLICHEN

3. SELBSTFÜHRUNG

Diese drei Funktionen sind die

Säulen guter Führung. Erfolg

Foto Fotoristisch/RKW Kompetenzzentrum

Dr. Mandy Pastohr ist Geschäftsführerin

des RKW Kompetenzzentrums. In dieser

Funktion erarbeitet sie gemeinsam mit den

rund 75 Mitarbeitenden Unterstützungsangebote

u. a. in den Bereichen Digitalisierung,

KI, Nachfolge, Gründung und Führung

für kleine und mittlere Unternehmen. Das

Thema Führung erachtet Dr. Pastohr als

maßgeblich für den Erfolg eines Unternehmens,

unabhängig davon, ob eine Frau

oder ein Mann an der Spitze steht.

Saskia Powell ist Referentin Grundsatzangelegenheiten

und Kommunikation beim

RKW Kompetenzzentrum. Als ehemalige

Journalistin und Nachrichtensprecherin

beim Rundfunk legt sie bei allen anstehenden

Aufgaben einen besonderen Fokus

auf den richtigen Ton, da dieser häufig

entscheidend zum Erfolg eines Projektes

beiträgt.

Foto Bildkraftwerk/RKW Kompetenzzentrum

58


SHE works! / Führung mit X-Faktor

verantworten bedeutet, für

Ziele und Orientierung zu sorgen,

aber auch, Erfolg zu beurteilen.

Bei Letzterem geht es

nicht um Kontrolle resultierend

aus Misstrauen, sondern vielmehr

darum, bei Problemen

gemeinsam Lösungsansätze

zu entwickeln. Damit verbunden

ist die Ermöglichung von

Erfolg sei es durch funktionierende

Prozesse, passende

Strukturen, klare Rollen und

Verantwortung, die individuelle

Entwicklung oder auch eine

gute Beziehung.

Die Basis für Erfolg ist am Ende

aber auch, welche Beziehung

die Führungskraft zu sich

selbst hat. Wer sich selbst

kennt und weiß, was einen antreibt,

welche Haltungen und

Überzeugungen man hat, wie

man reagiert und wirkt, wird

authentisch(er) führen können.

Der RKW Führungsnavigator

sowie der Leitfaden „Mit wirksamer

Führung zum Ergebnis“

ermöglichen einen noch

tieferen Blick in dieses komplexe

Thema.

SPULEN WIR VOR.

2058 wird die Frage, ob Frauen

oder Männer besser führen,

hoffentlich nicht mehr gestellt

werden. Aber auf dem

Weg dahin wird es vermutlich

immer stärker darum gehen,

was getan werden kann, damit

noch mehr Führungskräfte

noch besser führen.

WEITERE INFORMATIONEN

RKW Führungsnavigator: https://www.perso-net.de/rkw/RKW_F%C3%BChrungsnavigator

RKW Leitfaden „Mit wirksamer Führung zum Ergebnis“: https://www.rkw-kompetenzzentrum.

de/fachkraeftesicherung/leitfaden/mit-wirksamer-fuehrung-zum-ergebnis/

59


Der XX-Faktor / Januar 2021

Diversity

Das Doppel-X für die

Chefetage

Von Kathleen Dunton

Der Frauenanteil in den

Top-Etagen der derzeit „noch“

30-DAX-Konzernen ist in Zeiten

der Corona-Pandemie erstmals

seit Jahren wieder rückläufig. In

den Vorständen von Deutschlands

wertvollsten Unternehmen

sind aktuell nur noch

nur 24 Frauen vertreten vor

einem Jahr waren es immerhin

noch fünf mehr. Im globalen

Vergleich sind wir damit in

Sachen Gender-Diversity auf

Entscheider-Ebene ein Entwicklungsland.

Doch warum hinkt

ein in vielen Gesellschaftsbereichen

derart fortschrittliches

Land wie Deutschland beim

Thema Geschlechterparität so

weit hinterher?

Die Diversity-Agenda vieler

Konzerne ist zweifelsohne

geprägt von Bemühungen um

einen möglichst vorurteilsfreien

Umgang mit Menschen des

anderen Geschlechts. Da diese

bisher aus Sicht von Frauen

noch nicht zu befriedigenden

Ergebnissen geführt haben,

hat sich die Regierung nun auf

die Einführung einer Quote

verständigt. Doch dieser staatliche

Eingriff in die Personalpolitik

von Unternehmen lindert

lediglich Symptome, die große

Karrierehürde in Form einer

besseren Vereinbarkeit von Familie

und Beruf bleibt vorerst

zumindest für viele Frauen

bestehen.

WERTVOLLES POTENZIAL

Wesentlich progressiver als

Deutschland sind hinsichtlich

der Gleichbehandlung von

Mann und Frau beispielsweise

die USA und unser skandinavischer

Nachbar Schweden

übrigens auch ohne gesetzliche

Quote für Aufsichtsräte. In

diesen beiden Ländern erlaubt

es sich kaum ein Unternehmen,

auf das wertvolle Potenzial

weiblicher Führungsqualitäten

zu verzichten. In Deutschland

gönnen sich diesen „Luxus“

immerhin elf der 30 DAX-Konzerne.

Rund 97 Prozent der

Firmen in den Vereinigten Staaten

setzen zudem auf mehr als

eine Frau im Vorstand. Das sind

Zahlen, von denen wir hierzulande

wahrlich nur träumen

können. Doch was machen

diese Länder anders?

Zunächst einmal ist in den USA

und Schweden Vielfalt quasi

als Selbstverpflichtung in den

strategischen Unternehmenszielen

fest verankert. Darüber

hinaus sind schwedische

Unternehmenslenker im Gegensatz

zu vielen deutschen

dem Thema Elternzeit für Väter

gegenüber viel aufgeschlossener.

Sie erwarten sogar, dass

Männer einen zentralen Anteil

an der Elternzeit übernehmen.

Die Regierung unterstützt

diese Idee, indem sie beiden Elternteilen

insgesamt 16 Monate

bezahlte Elternzeit mit etwa 80

Prozent ihres Gehalts gewährt

und gleichzeitig Väter dazu

verpflichtet, zumindest einige

dieser 16 Monate in Anspruch

zu nehmen. Der große Vorteil

des schwedischen Systems ist

also seine enorme Flexibilität.

LINEARES DENKEN IN

DEUTSCHLAND

In Deutschland denkt man

stattdessen immer noch sehr

linear und schwächt beispielsweise

mit dem gesetzlich

verankerten Ehegattensplitting

die weiblichen Karriereperspektiven

und setzt

darüber hinaus noch negative

Arbeitsanreize. Das durch die

gesetzliche Regelung indirekt

geförderte klischeebehaftete

Denken in „männlich“ und

„weiblich“ schlägt sich schlus-

60


SHE works! / Das Doppel-X für die Chefetage

sendlich auch in den Auswahlverfahren

der Unternehmen

wieder. So wird hierzulande bei

den Personalentscheidungen

häufig eine Art Rekrutierungsschablone

angelegt, die oft

sogar ganz unbewusst eine

männliche „Monokultur“ in den

Führungsetagen erzeugt.

So kommt es, dass in der

Bundesrepublik die Kindererziehung

nach wie vor de facto

von Frauen übernommen wird.

Bei unserem nördlichen Nachbarn

stellt sich für die Väter

salopp gesagt nicht die Frage

„ob“, sondern eher „wie lange“

die Elternzeit gehen soll. Und

in den Vereinigten Staaten

verzichten Unternehmen gleich

gänzlich auf das Modell. Nicht

eine Quote, sondern die unterschiedlichen

Rahmenbedingungen

für Familien sind also

die Hauptverantwortlichen,

wenn es um den Anteil von

Männern und Frauen in Führungsetagen

geht. Denn was

hierzulande erwiesenermaßen

für die Erziehung beziehungsweise

Entwicklung des Kindes

nach der Geburt nur Vorteile

bringt, wirkt sich im Gegenzug

negativ auf die Karrierewege

und Aufstiegschancen von

deutschen Frauen aus. Oder

anders gesagt: Solch große

Lücken im Lebenslauf entstehen

in den USA erst gar

nicht, sondern eine schnelle

Rückkehr zum Arbeitsplatz ist

obligatorisch egal, ob es für

Kinder, Mütter und Familien

gut ist: Der Job kann und soll

schnell wieder aufgenommen

werden. Die USA sind sogar die

einzige Industrienation ohne

bezahlten Mutterschutz. Das

ist in Deutschland zu Recht

nicht denkbar, führt aber

eben auch zu den bekannten

Phänomenen des schwierigen

Wiedereinstiegs.

POSITIVE FAKTOREN FÜR

FRAUEN

Man kann die Argumentation

aber auch umdrehen: Was auf

den ersten Blick nach vielen

Nachteilen für US-Amerikanerinnen

klingt, hat im Gegenzug

eine Reihe von positiven Faktoren

für weibliche Karrieren hervorgebracht.

Die aus unserer

Sicht strengen Regeln machen

es Frauen in Summe einfacher,

Familie und Beruf miteinander

zu vereinen. So ist in den

Ländern mit weniger großzügigen

Elternzeit-Regelungen

ein reichhaltiges Angebot an

Kinderbetreuungsprogrammen

entstanden, das auch

von immer mehr Arbeitgebern

selbst offeriert wird. So haben

Kindertagesstätten jenseits

des Großen Teichs in der Regel

von 7 Uhr morgens bis 19 Uhr

abends geöffnet und entlasten

weibliche Führungskräfte in

ihrem Alltag damit erheblich.

Darüber hinaus betreuen die

meisten Einrichtungen auch

schon Säuglinge ab acht Wochen.

Diese Vorstellung wirkt

für Deutsche auf den ersten

Blick eher befremdlich, die

positiven Nebeneffekte sind

aber nicht von der Hand zu weisen:

Unternehmen in den USA

investieren schon seit Jahren

in Kinderbetreuungsprogramme

und Maßnahmen, die es

Frauen einfacher macht egal

in welcher Position Familie

und Beruf zu vereinen. Firmen

nutzen dies dort nicht nur für

die Bindung von Mitarbeiterinnen,

sondern längst auch

für die Rekrutierung weiblicher

Top-Führungskräfte. So

entsteht ein Wettbewerb, der

Frauen viele Vorteile bringt und

bringen wird.

Kathleen Dunton ist

Managing Partner bei der

internationalen Personalberatung

Boyden in Frankfurt.

Sie verfügt über mehr

als 20 Jahre Erfahrung

im Executive Search und

betreut vor allem Kunden

in den Bereichen Professional

Services, Industrie

und Chemie. Bei der

Besetzung von Führungspositionen

konzentriert

sie sich auf Suchaufträge

für US-amerikanische und

europäische Firmen, häufig

mit grenzüberschreitenden

Themenstellungen.

Kathleen Dunton / Foto Boyden

61


Der XX-Faktor / Januar 2021

Social Media

Im Herzchen-Rausch

Bestimmt allein unsere Follower-Zahl über unseren

Erfolg?

Von Mandy Ahlendorf

Kaum haben wir unser neuestes

Bild auf Instagram gepostet,

schauen wir alle fünf

Minuten nach, wie schnell die

Zahl der Likes und Kommentare

nach oben schnellt.

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Machen Sie den Erfolg Ihrer

Sichtbarkeit an der Resonanz

auf Ihre Beiträge fest? Bewegt

sich Ihre Business-Stimmung

mit der Aufmerksamkeitskurve

nach oben oder unten? Ich

gebe zu, ich bin nicht ganz frei

davon. Denn wer will schon

NICHT wahrgenommen werden?

Aber halt, sind 50 Likes

für ein Bild nichts und von

niemandem?

ZEITRAFFER

Wie viel Zeit geben wir unseren

Leser*innen, um unsere

Beiträge in den sozialen Medien

zu lesen? Wir haben uns

ausgiebig Gedanken gemacht,

über welches Thema wir als

Nächstes schreiben. Unsere

Story ist wohl durchdacht, die

Heldengeschichte überzeugt

und der Call-to-Action hält,

was er verspricht. Wir haben

ein geniales Bild gewählt, es

weckt Aufmerksamkeit und

macht neugierig.

PERFEKT.

Kaum gepostet, checken wir

im Minutentakt die Reaktionen.

Aber die Likes trudeln nur

spärlich ein und Kommentare

gibt es gar keine. Wir werden

unruhig. Was stimmt nicht?

Liegt es am Thema, am Bild,

am Text? Ja, wir erwarten

schnell starke Resonanz. Dazu

müssten unsere Kontakte

allerdings ständig auf allen

Kanälen online sein und unsere

Beiträge überhaupt für sie

sichtbar.

Lassen Sie uns das Tempo

herausnehmen. Geben wir den

anderen ausreichend Zeit und

vertrauen darauf, dass unser

Post die richtigen Empfänger*innen

erreicht.

ERFOLGSSPUREN

Wann sind wir erfolgreich?

Wie viele Herzchen zeigen

das an? Und was macht Erfolg

überhaupt aus, wirklich

die Reichweite? Führt mehr

Aufmerksamkeit automatisch

zu besseren unternehmerischen

Ergebnissen? (Für

Influencer*innen trifft das

wohl weitgehend zu, wobei sie

allerdings die Zielgruppe der

Auftraggebenden erreichen

müssen.)

Wünschen wir uns nicht eher

stimmige Projekte, angemessenen

Umsatz und vor allem

Gewinn? Wie erfolgreich sind

unsere „Vorbilder“ mit Tausenden

Followern tatsächlich?

Für mich zählt beides: Qualität

und Quantität. Was bringen

mir 1.000 Follower, wenn mein

Angebot nicht für sie infrage

kommt, sie also nie meine

Leistung buchen oder mein

Produkt kaufen oder empfehlen

würden. Lieber folgen mir

„nur“ 300 Personen, die voll

meiner Zielgruppe entsprechen.

Denn so komme ich in

Kontakt mit meinen Wunschkund*inn:en.

62


SHE works! / Im Herzchen-Rausch

63


Der XX-Faktor / Januar 2021

IM GESPRÄCH

Trotz der vermeintlichen

Messbarkeit ist es im digitalen

Raum ein bisschen wie im

wahren Leben: Hundertprozentig

zutreffende Analysen

und Vorhersagen gibt es nicht.

Zudem ist Sichtbarkeit jenseits

von Likes, Herzchen und Kommentaren

möglich. Ich werde

zum Beispiel immer wieder auf

meine Beiträge in Social Media

angesprochen. Die Leser*innen

haben dabei weder ein

Like hinterlassen noch meinen

Post kommentiert oder

mein Profil besucht. Ohne das

Gespräch hätte ich nie davon

erfahren (außer anonym in

den Kanälen, die die Zahl der

Ansichten anzeigen).

MEHRWERT

Statt in Storys verpackter

Werbung wünsche ich mir

mehr echten Mehrwert. Wenn

wir unser Wissen verschenken,

vergeben wir uns nichts und

verlieren nichts. Was unser

Angebot ausmacht, ist unsere

Persönlichkeit, das Wie. Ohne

ausgeklügelten Strategieplan

im Hintergrund auch mal

den Impulsen zu folgen und

authentisch sichtbar zu sein.

So entsteht echter Dialog

zwischen den Menschen hinter

den Profilen. Damit erreichen

wir genau die Menschen, zu

denen passt, was wir anbieten.

Geben statt verkaufen. Und

so könnte der Austausch im

Netz aus meiner Sicht wieder

gehaltvoller und interessanter

werden. Wenn wir unsere

Beiträge mehr als Angebote

sehen, müssen wir nicht mehr

um Aufmerksamkeit ringen.

AUF LANGE SICHT

Sichtbarkeit setzt voraus,

langfristig und beständig

präsent zu sein. Es hilft wenig,

einen prallen Redaktionsplan

aufzustellen, den wir dann

nur wenige Wochen durchhalten.

Beständigkeit heißt das

Zauberwort. Wichtig dafür sind

drei Komponenten: Authentizität,

Wunschkund*innen und

Budget. Wenn wir tun, was

uns entspricht, kommt die

Leichtigkeit von allein. Wählen

wir also die Formate, Inhalte

und Kanäle, die zu uns und

unserer Zielgruppe passen.

Wesentlich ist auch das Budget:

Wie viel Energie, Zeit und

Geld möchten wir investieren?

Unter den für uns richtigen Bedingungen

gelingt es leichter,

mit Freude zu wachsen, und

wir können eine echte Fangemeinde

aufbauen.

Lassen Sie uns im Netz wirklich

vernetzen, statt nur Follower

zu sammeln. Richtiger Austausch

und echte Gespräche

sind möglich. Das letzte Jahr

hat mich überzeugt, dass

online wunderbare Kooperationen

unterschiedlichster Art

entstehen können. In Challenges

und Projekten, Onlinekursen

und -gruppen sind wir über

die pure Wissensvermittlung

hinausgegangen. So konnten

wertschätzende Gemeinschaften

wachsen.

64


SHE works! / Im Herzchen-Rausch

Mandy Ahlendorf / Foto privat

Als Mentorin für Sichtbarkeit im Business unterstützt und bestärkt Mandy Ahlendorf (https://

apilio.life ) Unternehmer*innen und Autor*innen dabei, ihre wertschätzenden Botschaften und

ihr Angebot in die Welt zu bringen. Zudem berät und unterstützt die PR-Beraterin seit über 20

Jahren Unternehmen aus Elektronik, Energie und Mobilität bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit. Sie ist

aktiv in der Regiogruppe Bayern des Frauennetzwerks Webgrrls e.V., um Frauen in der Berufswelt

zu stärken.

65


Der XX-Faktor / Januar 2021

Finanzen

„Wenn ich im Job große

Verträge verhandele,

kann ich das auch privat“

Anja Blodow hat eine Vision:

Sie will einer Million weiblicher

Führungskräfte, Angestellten

und Unternehmerinnen helfen,

das Beste aus ihren Finanzen

zu machen. Ihr Tipp: Investieren

Sie in Immobilien.

Im Interview mit SHE works!

erklärt Anja Blodow, die IM-

MOQUEEN, wie es geht, und

stellt ihr Buch vor.

Frau Blodow, Sie coachen

Frauen, ihr vorhandenes

finanzielles Potenzial zu nutzen,

um ihre Träume zu erfüllen.

Haben wir immer noch

ein solches Ungleichgewicht,

dass Frauen hier Nachhilfe

brauchen?

Oh ja, da gibt es einiges nachzuholen,

Frauen dürfen sich

viel mehr trauen. Es gibt Tausende

wunderbare Frauen da

draußen, die ganz locker Millionärinnen

werden könnten,

aber sie wissen es gar nicht!

Das Schulsystem bereitet

einseitig auf ein Angestelltendasein

vor, das heißt, Zeit

gegen Geld tauschen, aber

man kann Arbeiten und Geld

verdienen entkoppeln. Wir

brauchen mehr finanzielle und

emotionale Bildung. Denn

wer schlecht über sich denkt,

zum Beispiel „als Frau kann

ich nicht reich werden“ oder

sich beim Annehmen von Geld

schämt, dann kommt eben

auch kein Geld.

Was sind so die häufigsten

Fragen und Unsicherheiten

vonseiten Ihrer Klientinnen?

Ich habe mich auf Immobilieninvests

spezialisiert, und

am häufigsten sind Ängste zu

Schulden. Denn wir sind eine

Sparnation. Hier ist es aber der

Sinn der Sache, sich möglichst

viel Geld zu leihen, damit es für

einen arbeitet. Die Immobilie

ist nur das Vehikel. Und dem

Kredit steht ja auch ein Vermögenswert

gegenüber, unterm

Strich sind das keine Schulden.

Welche finanzielle Basis

braucht Frau, um ein Vermögen

aufbauen zu können?

Ein Immobilieninvest ist meist

zu 100 % finanzierbar, das heißt

es fallen nur die Kaufnebenkosten

zwischen ca. zehn bis

13 % an. Mit etwas Strategie

vermeidet man die Maklerkosten,

dann bleiben 5,5 bis 8,5 %

des Kaufpreises. Eine Wohnung

für 250k Euro erfordert

dann zwischen 14 und 21k Euro

Eigenkapital. Banken prüfen

auch die monatliche Sparrate

und finanziell umsichtige Frauen

sind Bankers Liebling.

Mit Einkommen ab ca. 2.500

Euro netto und ohne Schulden

ist oft der Anfang möglich.

Es sind Gänsehautmomente,

wenn eine Frau erfährt, dass

sie zum Beispiel 750k Euro

„wert“ ist.

Um diese Finanzdecke zu

einem Vermögen zu machen,

wie gehen Sie bei Ihrem Coaching

vor?

Wenn Geld für einen arbeiten

soll, dann doch am besten

möglichst schnell, sicher und

viel. Damit das Geld anfängt zu

arbeiten, braucht es einen No-

66


SHE works! / „Wenn ich im Job große Verträge verhandele, kann ich das auch privat

67


Der XX-Faktor / Januar 2021

tartermin für den Kaufvertrag,

das ist die Ziellinie.

Ich arbeite zum einen mit

reiner Wissensvermittlung,

zum Beispiel wie läuft ein

Immobilienkauf ab? Wie funktioniert

eine Immobilie? Wie

kann ich einen Business Case

berechnen? Damit wird das

Thema greifbar, und das Zutrauen

steigt. Daneben lösen

wir hinderliche Gefühle und

Glaubenssätze zu Geld und

Reichtum auf, da kommt oft

unverarbeitetes aus der Familie

hoch, zum Beispiel wenn eine

Frau finanziell „klein gehalten“

wurde. Da heilt dann was.

Sie haben ein Buch geschrieben

„So vererbst Du deinen

Kindern eine Million: Wie

Frauen mit Immobilien zu

Millionärinnen werden“. Was

erwartet die Leserin?

Das Buch ist für Frauen mit

Kindern oder Kinderwunsch,

die sich und ihrer Familie einfach

ein tolles Leben bereiten

wollen.

Die Strategien funktionieren

natürlich genauso für andere

Lebensträume, die Geld

erfordern. Die Leserin erfährt

Schritt für Schritt, wie Immobilien

als Anlageobjekte funktionieren,

wie Frau smart die besten

Objekte findet, die Angst

vor großen Zahlen verliert und

in nur zehn Stunden Arbeitszeit

eine Immobilie kaufen kann.

Was war der Auslöser, um

das Buch zu schreiben?

Vor allem meine eigenen Erfahrungen

als Investorin. Was

mich am meisten geschockt

hat, war die Tatsache, dass

die meisten Menschen bei

uns im Land wenig bis nichts

zu Immobilieninvests wissen,

obwohl es so lukrativ ist.

Mir war peinlich, wie wenig

Ahnung ich selbst trotz zehn

Jahren als Anwältin hatte.

Diese finanzielle Bildung habe

ich nun selbst „nachgeholt“

und will möglichst viele Frauen

auch zum Thema Immobilien

inspirieren, damit sie freier ihre

Träume leben können.

Wie sind Sie auf Immobilien

gekommen als Wertsteigerungsobjekt,

eigentlich sehr

klassisch, oder?

Ja sehr klassisch!

Ich wollte aus dem Hamsterrad

raus und eine Stimme in mir

sagte eines Tages „Wenn Du

im Job große Verträge verhandelst,

dann kannst Du das auch

68


SHE works! / „Wenn ich im Job große Verträge verhandele, kann ich das auch privat

für Dich privat“ und ich wurde

furchtlos.

Geben Sie uns noch einen

Einblick in Ihr Buch. Wie leiten

Sie die Frauen an?

Es ist ein Mix aus Theorie und

praktischem Wissen, als würde

ich es einer lieben Freundin

erzählen: Was ist beim ersten

Deal wirklich wichtig? Es ist

zum Beispiel egal, ob man

selbst mal in der Wohnung

wohnen will. Wie wäre es,

wenn Frau zehn oder 20

Wohnungen kauft, und dann

selbst in einer schönen Finca in

Mallorca lebt?

Denn Frauen sind wunderbar.

Frau Blodow, vielen Dank für

das Gespräch!

Anja Blodow / Foto privat

Sie war Anwältin und wollte Kinder. Anja Blodow fragte

sich jahrelang: wie verdiene ich dabei genug Geld und

behalte meinen Lifestyle? Ihre Lösung: sie begann mit 35

in Immobilien zu investieren. Sie lebt heute bei München,

ist Chillpreneurin und Mama und zeigt anderen Frauen

wie sie smart in Immobilien investieren. In ihrem Buch „So

vererbst du deinen Kindern eine Million“ teilt sie ihre Strategie

für einen „kinderleichten“ Vermögensaufbau mit uns.

Ihr Buch „So vererbst du deinen Kindern eine Million“ stellen

wir auf Seite 96 vor!

69


SHE works! / Flexible Arbeitsformen gegen den Fachkräftemangel

Homeoffice

Flexible Arbeitsformen

gegen den

Fachkräftemangel

Von Marina Malkowski, CEO

und CO-Founder von skill-fisher

Im Frühjahr 2020 wurde plötzlich

in vielen Unternehmen

schnell und unbürokratisch

möglich, was zuvor bei vielen

Vorgesetzten noch viel

Überzeugungskraft seitens

des Arbeitnehmers erforderte

das dauerhafte Arbeiten

von zu Hause aus. Die perfekte

Lösung, um weitere

COVID-19-Infektionen zu

vermeiden und gleichzeitig die

deutsche Wirtschaft aufrecht

zu halten. Zwischenzeitlich

sind Arbeitnehmer in einigen

Branchen bereits an ihren

Büroschreibtisch zurückgekehrt.

Angespornt durch die jüngsten

positiven Erfahrungen, wird in

einigen Unternehmen bereits

an Konzepten gearbeitet, wie

sich Heimarbeit bestmöglich

dauerhaft in den Arbeitsalltag

integrieren lässt. Andere

kehren wiederum unbeirrt zum

„business as usual“ zurück.

Kein guter Schachzug, denn er

macht die Talentakquise unnötig

schwer.

Flexibilität macht Arbeitgeber

attraktiv

Bereits seit vielen Jahren hat

die deutsche Wirtschaft einen

eklatanten Fachkräftemangel

zu beklagen. Dieser wird sich

in absehbarer Zeit auch eher

verschärfen denn in Wohlgefallen

auflösen. Das bedeutet

hierzulande vor allem für

Talente, dass sie natürlich sehr

gefragt sind und entsprechend

eine starke Verhandlungsposition

haben. Insbesondere

Digital Talents, die Expertise in

einem weiteren einschlägigen

Geschäftsfeld mitbringen, sind

heiß begehrt. Doch die Macher

der neuen digitalen Wertschöpfungskette

zeigen, wenig

überraschend, selten Interesse

an verstaubten Arbeitskonzepten

mit starren Strukturen.

Ebenso wie es in ihrer Arbeit

darum geht, sich mit neuesten

Methoden und Technologien

auseinanderzusetzen, brauchen

sie ein Unternehmen

mit entsprechend innovativer

Arbeitskultur, die sich permanent

weiterentwickelt. Wer also

ohne triftigen Grund, sich einer

wenig aufwendigen Flexibilisierungsoption

wie dem Homeoffice

verschließt, der wird es

schwer haben, im Kampf um die

Neudenker zu bestehen.

Lock-Down verstärkt Wunsch

nach mehr Freiheiten

Natürlich war der Lock-Down

im Allgemeinen keine schöne

Erfahrung. Es gab viele Einschränkungen

im öffentlichen

Leben, die Arbeitslosenquote

stieg um mehr als einen

Prozentpunkt an und vor allem

Branchen wie Gastronomie und

Kultur haben extreme Einbußen

hinnehmen müssen. Wem es

in dieser Zeit jedoch möglich

war, wie gewohnt zu arbeiten

und dies auch noch von zu

Hause aus zu tun, der hat diese

neue Flexibilität in der Regel

schätzen gelernt. In unserem

Talentnetzwerk machen wir

aktuell die Erfahrung, dass die

Möglichkeit auch von zu Hause

aus arbeiten zu können, stark

an Bedeutung gewonnen hat.

Die Bereitschaft eine Stelle

anzunehmen, die ausschließlich

Präsenzarbeit verlangt, ist stark

gesunken. Zuvor gab es bisweilen

noch Verständnis für die Zurückhaltung

einiger Unternehmen,

was die Flexibilisierung

der Arbeitsweisen gab. Doch

dadurch, dass unsere jüngste

Vergangenheit belegt hat, dass

es anders geht und diese Form

des Arbeitens sowohl Vorzüge

für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer

bringt, ist eine „office

only“-Policy zumeist inakzeptabel

geworden.

71


Der XX-Faktor / Januar 2021

Marina Malkowski Geschäftsführerin & Co-Founder Foto skill-fisher

Talente gewinnen durch Familienfreundlichkeit

Vielfach unterschätzt wird in

diesem Zusammenhang auch,

wie wichtig es inzwischen für

den modernen Arbeitnehmer

männlich wie weiblich geworden

ist, Familie und Beruf

unter einen Hut zu bekommen.

Die Erwartungshaltung an

den Arbeitgeber ist gestiegen,

hier entsprechend flexibel zu

sein und eine selbstbestimmte

Arbeitsgestaltung zu ermöglichen.

Unternehmen, die gute

Lösungen anbieten, gewinnen

deutlich an Attraktivität als

Arbeitgeber. Die Mehrheit

unserer Experten, die wir

vermitteln, sind gebunden und

haben Familie. Das bedeutet,

dass das Thema Vereinbarkeit

von Kindern und Arbeit häufig

bei der Wahl des Arbeitgebers

eine Rolle spielt und somit ein

wichtiger Faktor ist.

Super spannend ist es hier auch

einen Blick darauf zu werfen,

wie viele Stellen aufgrund eines

Mangels an Flexibilität unbesetzt

bleiben. Unsere Kandidaten

sind in der Regel eher urban

orientiert und wenig gewillt das

städtische Umfeld zu verlassen

geschweige denn Partner und

Kinder. Die Möglichkeit im Homeoffice

arbeiten zu können,

ist bei diesen Konstellationen

ein ganz entscheidender Faktor.

Firmen, die offen für die neue

Arbeitskultur sind, erhalten

durch die geographische Loslösung

ein viel größeres Angebot

relevanter Kandidaten.

Gemeinsam neue Strukturen

leben

Der Kampf um die neuen digitalen

Gestalter hat sich unter

Pandemiebedingungen noch

weiter verschärft. Auch den

zörgerlichsten Unternehmen ist

jetzt wohl klar geworden, dass

die Digitalisierung notwendig

ist und viele Wettbewerbsvorteile

birgt. Das hat zur Folge,

dass trotz allgemein gestiegener

Arbeitslosigkeit, die Nachfrage

nach den Zukunftsgestaltern

weiter gestiegen ist. Wer

sich also um die Gunst dieser

Arbeitnehmer ins Rennen begeben

möchte, sollte zweimal

überlegen, ob die Rückkehr

zur Vor-Corona-Arbeitswelt

wirklich der Kardinalsweg

ist. Es muss ja nicht gleich die

totale Freiheit in der Arbeitsgestaltung

sein. Ein wenig

Entgegenkommen hinsichtlich

der Bedürfnisse der neuen Führungskräfte,

kann viel bewirken

und lässt Unternehmen neue

Talentpools erschließen.

Marina Malkowski ist Geschäftsführerin und Co-Founder

von skill-fisher. Die moderne Berliner Agentur für

Personalberatung durchbricht alte Muster, schafft

Synergien in ihrem Netzwerk und bringt passende

Talente mit spannenden Unternehmen zusammen.

Anhand eines modularen Outsourcing-Konzepts wird

zudem das gesamte Inhouse-HR-Management des

Kunden optimiert. Marina ist seit mehr als 7 Jahren

als Personalberaterin tätig und zudem Mutter und

Ehefrau. Sie steht für Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung

und fördert aktiv andere Frauen, die MEHR

wollen. Ihr Team, das aktuell nur aus Frauen besteht,

unterstützt sie dabei. Die Mission von skill-fisher: Zuhören,

verstehen, möglich machen. “Wir sind ganz klar

Enabler. Wir kennen den aktuellen Markt, weil wir mit

den Beteiligten in Kontakt stehen. Wir sind ein starker

Sparringspartner im HR-Management und professionelle

Netzwerkerinnen.”

72


SHE works! / Tools für ein kraftvolles 2021

Julias Gedanken

Tools für ein kraftvolles

2021

Von Julia Freiberg

VISION

Wie sieht Dein 2021 aus? Nimm

Dir einen Moment Zeit, gern auch

Papier und Stift und brainstorme.

Alles was Dir durch den Kopf geht,

darf aufs Papier. Das ist für Dich,

du musst es niemandem zeigen,

Dich nicht beweisen. Erschaffe

Deine Vision für das neue Jahr.

WACHSTUM

In welchem Bereich möchtest

Du dazu lernen? Wer oder was

könnte Dir helfen? Ein spannendes

Coaching (auf unserer Homepage

findest Du viele tolle Coaches und

Angebote), ein Workshop oder ist

es etwas ganz Unaufgeregtes, wie

zum Beispiel: Innere Ruhe finden.

Was würde hier helfen? Eine

spezielle Zeit, die Du in Deinem

Kalender fest einträgst, für einen

Ruhemoment, einen Spaziergang,

eine Meditation? Wachstum bedeutet

nicht unbedingt höher, schneller,

besser. Wachstum ist eine ganz

persönliche Reise. Sie muss von

außen nicht sichtbar sein.

YOGISCH: DIE ANTI-STRESS-

ATMUNG:

Unauffällig und effektiv: Atme in

vier kurzen Atemzügen ein und in

Einem langen aus. Mach das mindestens

eine Minute, besser drei

Minuten lang. Unsere Atmung ist

ein mächtiges Werkzeug. Benutz

es.

Es hilft, sich ein paar Techniken

dieser Art anzueignen.

ORGANISATORISCH: WELCHE

NEUEN FERTIGKEITEN HAST DU

2020 GELERNT?

Ich würde mal tippen: Flexibilität?

Was noch? Schreib eine Liste mit

den Dingen, die 2020 durch die

spezielle Situation Dein Repertoire

erweitert haben. Wenn Du nicht

auf Anhieb etwas findest, frag eine

liebe Freundin, einen Freund, eine

KollegIn ob ihm oder ihr etwas

einfällt. Es war ein Jahr voller

Herausforderungen. Ich wette, es

gibt Dinge, die Du gemeistert hast,

akzeptiert, neu definiert.

SPASS

Was schenkt Dir in Deinem Alltag

Freude? Priorisiere und schaffe Zeit

für das, was Dich glücklich macht.

Ich wünsche dir von Herzen ein

gesundes und besonders schönes

neues Jahr.

DEINE JULIA

freiberg@she-works.de

73


Der XX-Faktor / Januar 2021

Scheitern als Erfolgsmodell

Warum Fuck-up-Nights

Misserfolge feiern

Von Mike Warmeling

Jeder kennt Beispiele, bei

denen aus Fehlern doch

etwas Gutes entsteht. Zu den

bekanntesten gehört sicherlich

die Entdeckung Amerikas. Irren

macht offenbar erfolgreich.

Doch obwohl jeder Mensch

sich auch mal irrt, fällt es

den meisten nicht leicht, dies

einzugestehen. Insbesondere

nicht offen vor anderen. Auch

der Volksmund kennt viele

kluge Sprüche wie etwa „Aus

Fehlern wird man klug“, „Irren

ist menschlich“ oder gar „Wer

nicht wagt, der nicht gewinnt“,

nach denen Fehler machen und

sich ausprobieren als positiv

gelten. Dennoch scheint diese

Denkweise in nur wenigen

Köpfen tatsächlich zu herrschen.

Fehler annehmen

Besonders im beruflichen

Kontext zählen Fehler zu den

Desastern, die es unbedingt

zu vermeiden gilt. Gerade in

Deutschland wählen Unternehmen

lieber den sicheren und

althergebrachten Weg, statt

Neues auszuprobieren, und

damit eventuell auf die Nase

zu fallen. Hinter dieser Vorgehensweise

steckt ein gewisses

Maß an Perfektionismus, der

jedoch schnell in Kontrollwahn

enden kann. Um diese

Einstellung zu ändern, finden

seit einigen Jahren überall in

Deutschland immer wieder

sogenannte Fuck-up-Nights

statt. Hier erzählen Menschen

vor Publikum, wie sie beruflich

gescheitert sind und was

sich daraus lernen lässt. Das

Konzept entstand bereits 2012,

als sich ein paar Freunde in

Mexiko darüber austauschten,

wie sie unternehmerisch

scheiterten und dabei bemerkten,

wie sehr sie der Austausch

darüber weiterbrachte. Ziele

solcher Events sind dabei nicht

nur, aus den Fehlern anderer

zu lernen und zu sehen, dass

ein Flop auch ein Neuanfang

sein kann, sondern auch zu

verinnerlichen, dass Fehlschläge

Teil von Erfolg sein

können. In dieser Weise, in der

Öffentlichkeit seine berufliche

Bauchlandung offenzulegen,

bedeutet für viele eine große

Überwindung. Dabei bieten

solche Veranstaltungen einen

ungemeinen Mehrwert. Wer

ausblendet, dass Scheitern Teil

des beruflichen Werdegangs

sein kann, ignoriert auch,

dass es ihm selbst zustoßen

74


SHE works! / Warum Fuck-up-Nights Misserfolge feiern

kann. Doch spätestens sobald

tatsächlich ein Fehler passiert,

wird klar, dass dieser Weg

nicht der Richtige sein kann.

Eine Null-Fehler-Toleranz

nimmt schließlich die Möglichkeit,

sich zu verbessern

und neue Erkenntnisse schnell

umzusetzen. Es erscheint zwar

durchaus nachvollziehbar, dass

Menschen ungern scheitern

in einigen Fällen kann dies

sicherlich Geld oder vermeintliche

Freundschaften kosten

dennoch sollten Rückschläge

zum Leben dazugehören. In

den USA und besonders im

zukunftsweisenden Silicon

Valley gehen Führungskräfte

beispielsweise bereits anders

mit Fehlern um: Sie sollen

gemacht werden, damit alle

daraus lernen können. Das

bedeutet in erster Linie, die

eigene Einstellung zu überdenken.

Wer keine Misserfolge

aufdeckt, bleibt auf der Stelle

stehen.

Einstellung überdenken

Im Jahr 2015 fand die Hohenlohe

Universität in Stuttgart

heraus, dass die Akzeptanz

von beruflichen Rückschlägen

unter den Befragten sehr

unterschiedlich ausgeprägt

war. Während junge Menschen

eher dazu bereit waren, Fehler

zu entschuldigen, als ältere,

wurden auch Irrtümer im Privatleben

als weniger schlimm

angesehen als berufliche Fehlentscheidungen.

Doch auch

zwischen Männern und Frauen

gab es einen Unterschied bei

dieser Frage. Während laut der

Umfrage 54,2 Prozent der befragten

Männer eine positive

Einstellung zu unternehmerischem

Scheitern hatten, lag

dieser Wert bei den befragten

Frauen bei nur 46,7 Prozent.

Wichtig ist es jedoch, sich vor

Augen zu führen, dass eine berufliche

Niederlage nicht das

Ende der Karriere bedeutet.

Fuck-up-Nights sollen daher

auch verdeutlichen, dass es

möglich ist, gestärkt aus Rückschlägen

hervorzugehen und

die eigenen Misserfolge ernst

zu nehmen. Schließlich steckt

in einem Fehler viel eher eine

Lektion als in einem Erfolg.

Mike Warmeling hat schon 1999

den Sprung in die Selbstständigkeit

gewagt und gründete Warmeling

Consulting. Er brach seine Elektrikerlehre

ab, absolvierte eine kaufmännische

Ausbildung, wurde Berufssoldat

mit zahlreichen Auslandseinsätzen

und machte Karriere im Vertrieb,

bevor er seiner Berufung folgte und

erfolgreich seine Unternehmensgruppe

aufbaute. Neben seiner Tätigkeit

als Gründer- und Erfolgstrainer ist er

inzwischen auch als Keynote-Speaker

und Buchautor gefragt.

MIke Warmeling / Foto Wameling Consulting

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Der XX-Faktor / Januar 2021

Erfolgsstrategien

Wenn das Drama im

Mutterleib das Business

blockiert

© fotolia-contrastwerkstatt

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SHE works! / Wenn das Drama im Mutterleib das Business blockiert

Sie fahren mit angezogener

Handbremse durchs Leben, ihr

Business kommt nicht so richtig

ans Laufen. Unerklärbare

Traurigkeit und ein unbestimmtes

Schuldempfinden plagen

sie, obwohl sie alles für eine

gesunde Work-Life-Balance

tun. „Das kann an einem verdrängten

oder nicht bekannten

Zwillingsverlust im Mutterleib

liegen“, sagt die Psychologin

Annett Petra Breithaupt aus

Brühl. Die Expertin begleitet

Business-Frauen darin, damit

verbundene Traumata zu

bewältigen und sie in einen

bislang ungekannten Flow zu

führen.

Frau Breithaupt, Sie sind

selbst ein alleingeborener

Zwilling ...

Ja, und ich habe lange nichts

davon gewusst. Neuesten

Statistiken zufolge sind 10

bis 20 Prozent der Menschen

davon betroffen, allerdings ist

damit zu rechnen, dass sich das

Problem durch die Reproduktionsmedizin

noch häuft.

Warum ist der lange zurückliegende

Verlust des Zwillings

oder von Mehrlingen

überhaupt ein Problem?

Der Tod des Zwillings oder von

Mehrlingen im Mutterleib ist

für die Betroffenen ein energetischer

Schock. Ab diesem

Zeitpunkt haben wir keinen

Zugang mehr zu unserem vollen

Potenzial. Das Urvertrauen

und damit auch das Vertrauen

in die eigenen Stärken ist

geschwächt. Wird das Trauma

nicht geheilt, halten diese

Menschen eine unbewusste

Treue zum Zwilling, die mit

dem Toten und Unlebendigen

resoniert. So können Blockaden

entstehen, die für Selbstständige

und Unternehmerinnen,

die ständig auf der Höhe

ihres Potenzials sein müssen,

fatal sind. Wohlgemerkt: Ein

Zwillingsverlust muss nicht

zwangsläufig ein Problem sein.

Sensible und hochsensible

Menschen aber spüren, dass

irgendetwas nicht stimmt.

Wie äußert sich das Phänomen?

Das hat viele Facetten.

Symptomatisch sind Gefühle

von Schuld, Einsamkeit und

Trennungsschmerz, die diffuse

Wahrnehmung „Irgendetwas

stimmt nicht mit mir und ich

will die Ursache wissen“ oder

„Mit fehlt etwas zu meiner

Vollständigkeit“. Auf Job und

Business übertragen, kann

das bedeuten: Sie können

nicht nachvollziehen, warum

das Geschäft einfach nicht

anzieht, obwohl sie alle Hebel

in Bewegung gesetzt haben.

Sie zweifeln an der eigenen

Geschäftsidee oder am Beruf,

die Beziehungen zu Kunden,

Geschäftspartnern, Mitarbeitern

oder Partnern laufen nicht

rund. Sie bringen Projekte

nicht zu Ende, weil das ein

bisschen ist wie sterben. Sie

arbeiten permanent für zwei

und erfahren trotzdem nicht

die Wertschätzung für das, was

sie am Arbeitsplatz täglich geben.

Leistung und Einkommen

stehen oft nicht im Einklang

miteinander, weil „ich nichts

haben darf, wenn Du (der Zwilling)

nicht mal leben darfst“.

Typisch sind auch mangelnde

Entscheidungsfreudigkeit, das

Gefühl permanenter Überforderung

und Erschöpfung.

Betroffene können sich oft nur

schlecht abgrenzen, weil ihr

Energiefeld durch den Verlust

aufgebrochen ist und sie sich

nicht mehr in ihrer eigenen

Mitte befinden. Für Selbstständige

und Unternehmerinnen

ein fataler Zustand: Er kann

zu Auftragsverlusten bis zur

Insolvenz führen - was ich bei

77


Der XX-Faktor / Januar 2021

Annett Petra Breithaupt / Foto Norbert Graef von graefdesign

Annett Petra Breithaupt ist Expertin für Trauma-Heilung und Bestsellerautorin. Ihr Spezialgebiet

ist die Begleitung von Menschen, die sich mit dem Trauma ihres verlorenen Zwillings auseinandersetzen

müssen. Die Psychologin und Pädagogin hat vielfältige Zusatzausbildungen durchlaufen,

um andere darin zu unterstützen, selbstbestimmt, kreativ, sinnhaft und selbstwirksam

zu leben. Mit Selbstständigen und Unternehmen führt sie unter anderem systemische Aufstellungsarbeit

und Veränderungscoaching durch.

Mehr unter: https://annett-petra-breithaupt.de/individuelle-begleitung

Den neuen Bestseller von Annett Petra Breithaupt: Trauma - Heilung Verlorener Zwilling: Im

Ursprung bist Du ganz und golden - ein Selbsthilfebuch (https://amzn.to/2K8G6Uu) stellen wir

auf Seite 97 vor.

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SHE works! / Wenn das Drama im Mutterleib das Business blockiert

Annett Petra Breithaupt begleitet alleingeborene Zwillinge zurück in ihren Flow. Foto Norbert Graef

Klientinnen auch schon erlebt

habe.

Wie kann ich feststellen, ob

ich einen Zwilling hatte?

Wenn die Mutter keine

Auskunft darüber geben

kann, ob es eine Mehrlingsschwangerschaft

war, können

Krankheiten an Organen wie

Schilddrüse, Nieren, Lunge,

Haut (Abgrenzungsorgan),

Hormonstörungen oder Zysten

ein Anzeichen sein. Darüber

kann ich mithilfe des Aura-Readings,

über kinesiologische

Tests und systemisches Aufstellen

zuverlässig feststellen,

ob der Mensch ein Einling oder

Mehrling ist.

Lässt sich der Zwillingsverlust

im Mutterleib überhaupt

heilen?

Aber ja! Wichtig ist, dass die

Betroffenen akzeptieren, dass

sie ihren Zwilling verloren haben.

Ich unterstütze sie darin,

zu erkennen, dass sie auch

allein eine eigene Einheit sind,

dass sie leben und erfolgreich

sein dürfen, auch wenn der andere

gestorben ist. Sie lernen,

sich selbst zu verstehen, ihr

Verhalten gegenüber der Welt

zu verändern und zu ihrem

eigenen Ursprung zurückzufinden.

Es ist immer wieder

faszinierend, wie sich Job oder

Business und schließlich das

Leben verändern, sobald vorhandene

Prägungen transformiert

werden: Vom Jobwechsel

über eine neue Firmengründung

bis hin zu einer plötzlich

viel stabileren Auftragslage

und besseren Arbeitsbeziehungen

habe ich bei Klientinnen

alles schon erlebt. Mit einem

Wunder hat das nichts zu tun.

Durch die Heilung wird die

durch das Trauma gebundene

Energie wieder fürs Business

verfügbar. Die Frauen kommen

endlich in ihre volle Kraft, können

Neues endlich integrieren

und umsetzen. Innere Entwicklung

zieht immer Wachstum im

Außen nach sich.

79


Der XX-Faktor / Januar 2021

Personalentwicklung

„Hochbegabte sind keine

Aliens“

ArbeitgeberInnen, die Hochbegabte

im Team haben, könnten

sich eigentlich glücklich

schätzen, handelt es sich doch

um eine recht seltene Ressource.

Bislang ist Hochbegabung

in der Arbeitswelt aber eher

eine Belastung. Tanja Gromotka-Nepute

begleitet ChefInnen

wie Mitarbeitende darin, die

unterschiedlichen Universen

zusammenzuführen und am

Arbeitsplatz eine optimale

Teamleistung zu erreichen.

Wann spricht man von Hochbegabung?

Hochbegabung bezeichnet

Menschen, die in standardisierten

Intelligenztests mehr

als 130 Punkten erreichen. Der

Durchschnitt liegt bei 100, auf

mehr als 130 Punkte kommen

nur 2 Prozent der Menschen.

Hochbegabte erfassen sehr

schnell auch komplexeste

Zusammenhänge. Ideale Voraussetzungen

für intellektuell

herausfordernde Aufgaben wie

Innovation oder Qualitätsmanagement.

Wie macht sich Hochbegabung

in der Arbeitswelt

bemerkbar?

Hochbegabte erkennen schnell

Schwachstellen in Planung

und in Prozessen, gehen bei

Fachfragen gern ins Detail und

wissen jederzeit, wo dieses

Detail seinen Platz im großen

Ganzen hat. Führungskräfte

stempeln sie oft als Bedenkenträger

oder Querulanten ab,

sehen sich vom Hochbegabten,

der seine Fähigkeiten meist

selbst nicht kennt, persönlich

infrage gestellt oder blockiert.

Hochbegabte geraten so nicht

selten in die Rolle der Außenseiter.

Sie bringen nicht die

Leistung, zu der sie tatsächlich

fähig sind oder kündigen sogar

innerlich. Dabei sind Hochbegabte

die ideale Besetzung für

intellektuell herausfordernde

Aufgaben wie Innovation oder

Qualitätsmanagement.

Sie waren selbst lange eine

unerkannte Hochbegabte,

heute sind Sie selbstständige

Begabungspädagogin und

Coach für Hochbegabte…

Ja, lange habe ich versucht,

„es“ loszuwerden und meinen

Platz zu finden in der Arbeitswelt.

Durch Überanpassung

konnte ich mein eigentliches

Leistungspotenzial nicht

abrufen. Meine Chefs hatten

so auch keine Möglichkeit,

mich zu fördern. Inzwischen

akzeptiere ich meine wundervollen

Fähigkeiten, sie sind Teil

meiner Persönlichkeit.

Ich bin kein „Alien“, mit mir

ist alles in Ordnung. Diese

Erfahrung, in Kombination mit

meinem methodischen und

begabungspsychologischen

Wissen und meiner umfassenden

Counselor Ausbildung,

stelle ich in den Dienst

unerkannter bzw. späterkannter

Hochbegabter sowie von

Arbeitgebern und Personalentwicklern.

Hochbegabung

ist kein Unglück, sondern eine

wertvolle Ressource, von der

das gesamte Unternehmen

profitieren sollte.

Wie unterstützen Sie Unternehmen

darin, hochbegabte

MitarbeiterInnen zu erkennen

und deren Stärken für

das gesamte Unternehmen

zu nutzen?

Ich helfe Hochbegabten und ihren

Chefs, aus Knüppeln einen

Handlauf zu formen, der Halt

gibt im Alltag. Aus Stolpersteinen

werden sichere Trittsteine

am Arbeitsplatz. Betroffene er-

80


SHE works! / „Hochbegabte sind keine Aliens“

leben, dass sie jemand versteht

und ihnen einen geschützten

Rahmen für eine Aussprache

bietet. Sie erhalten das Handwerkszeug,

mit ihren Gaben

leichter durchs Leben zu gehen,

ihre Begabungen bewusst zu

nutzen und zu leben, auch im

Job. Voraussetzung für den

Erfolg ist, dass diese Menschen

wirklich bereit sind, etwas in

ihrem Leben zu verändern.

Wie sieht Ihre Arbeit mit

Unternehmen aus?

Gemeinsam mit dem Mitarbeitenden

und seiner Führungskraft

schauen wir uns

an, ob die Ursachen für die

Friktionen in der Hochbegabung

liegen. Im Rahmen einer

Kompetenzanalyse ermitteln

wir die tatsächlichen Talente

und noch nicht ausgeschöpfte

Ressourcen des Individuums

sowie seinen aktuell möglichen

Entwicklungshorizont

innerhalb der Organisation.

Daraus entsteht ein persönlicher

Kompetenzpfad, der dem

Mitarbeitenden neue Chancen

eröffnet, aber auch die komplette

Organisation nach vorn

bringt.

Foto

81


Der XX-Faktor / Januar 2021

Kein Chef, sagen Sie, kann es

sich noch leisten, Hochbegabung

in seinem Unternehmen

zu ignorieren. Warum?

In der Wissensgesellschaft

mit ihrem dynamischen digitalen

Wandel kommen wir

mit reinem Fachwissen nicht

mehr aus, um die Zukunft zu

bewältigen. Fast wichtiger ist,

was Mitarbeitende aus ihren

Fähigkeiten machen und wie

sie Problemstellungen in der

Praxis angehen. Um neue,

komplexe Situationen zu meistern,

müssen Unternehmen die

Menschen befähigen, selbstorganisiert

unbekannte Herausforderung

lösen zu können.

Das bedeutet aber, Menschen

gemäß ihren Fähigkeiten zu

fördern und einzusetzen. Dazu

bedarf es neuer Lernräume,

neuer Lernkonzepte, aber auch

der Einführung eines systematischen

Kompetenzmanagements,

das Hochbegabung als

intellektuellen Phänotyp mit

einbezieht und nicht ausgrenzt

oder gar nicht erst in

Betracht zieht.

Frau Gromotka-Nepute, Danke

für das Gespräch.

Tanja Gromotka-Nepute (49) ist Counselor Grad. BVPPT mit

Sitz im rheinländischen Leverkusen. Im Rahmen ihrer begabungspsychologischen

Beratung und Persönlichkeitsdiagnostik

nutzt sie das reichhaltige und wirksame Methodenangebot

der humanistischen Psychologie und der systemischen Therapie.

Der Körper und seine Wahrnehmungen werden in den

Beratungsprozess stets mit einbezogen. Die Arbeit an und mit

der eigenen Biografie holt verschüttete Ressourcen ins Hier

und Heute zurück und macht sie so nutzbar. Der begabungspsychologische

Beratungsansatz basiert auf lösungsorientierter

und motivations-psychologischer Begleitung und setzt

gezielt an den Persönlichkeitskompetenzen des Ratsuchenden

an.

Mehr unter https://www.blickwinkel-counseling.de/

Tanja Gromotka-Nepute / Foto privat

82


SHE works! / Die IT-Branche braucht SHE mehr works! weibliche / Die IT-Branche Vorbilder braucht mehr weibliche Vorbilder

Frauen in der IT

Die IT-Branche

braucht mehr

weibliche Vorbilder

Von Marcia Delgado

Online Banking, Shopping

oder Gaming, der digitale

Wandel macht sich in all unseren

Lebensbereichen bemerkbar,

und wir Frauen sind aktive

Nutzerinnen der unzähligen

digitalen Angebote. Allerdings

werden die digitalen Welten

überwiegend von Männern

entwickelt und entsprechend

auch von ihnen geprägt.

In der IT-Branche herrscht ein

ungesundes Ungleichgewicht

zwischen Männern und Frauen.

Der Frauenanteil unter den

deutschen IT-Experten liegt

aktuell bei lediglich 17 Prozent,

die Zahlen des Branchenverbands

Bitkom sind bekannt.

Die Gründe dafür wurden

ebenfalls in den letzten Jahren

rauf und runter diskutiert,

allen voran ein veraltetes

Rollendenken, das Einfluss auf

die spätere Berufswahl hat,

mangelnde Frühförderung und

fehlende Vorbilder.

Dabei bieten IT-Berufe gerade

für Frauen in Zeiten der

Digitalisierung viele Perspektiven

für die Zukunft: Sie sind

krisensicher, gut bezahlt und

eröffnen attraktive Karrierewege.

Unternehmen können auf

die weibliche Expertise allein

schon aufgrund des gravierenden

Fachkräftemangels nicht

verzichten. Fakt ist somit: Wir

müssen mehr Mädchen und

Frauen für die IT begeistern

und sie auf ihrem beruflichen

Weg unterstützen.

Vorbilder sind Multiplikatorinnen

Insbesondere starke weibliche

Vorbilder haben hier eine

große Wirkung. Vorbilder sind

Multiplikatorinnen, dienen als

Inspirationsquelle und sorgen

für notwendige Impulse beim

IT-Nachwuchs. Was ich persönlich

in diesem Zusammenhang

sehr spannend finde, ist die

Erkenntnis, dass der Mensch,

mit dem man sich unbewusst

identifiziert, Eigenschaften und

Stärken verkörpert, die man

selbst im Inneren bereits trägt.

Deshalb müssen weibliche

Role Models in der IT sichtbarer

werden. Die kommenden

Generationen brauchen am

besten zahlreiche Frauen,

die als Vorbild agieren, ihre

Erfahrungen teilen, offen über

Fehler sprechen und beweisen,

dass das scheinbar Unmögliche

machbar ist.

Neben der Identifikation von

Vorbildern müssen Frauen in

digitalen Berufen verstärkt auf

83


Der XX-Faktor / Januar 2021

Marcia Delgado / Foto adesso Martin Steffen

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SHE works! / Die IT-Branche braucht mehr weibliche Vorbilder

das Networking setzen, denn

fehlende Fach- und Führungskompetenz

ist bei Frauen

selten der Grund, warum es

nicht vorwärtsgeht. Vielmehr

müssen Frauen eine Lobby

um sich herum etablieren und

Networking als Schlüssel für

ihre eigene Weiterentwicklung

gezielter einsetzen. Über

Netzwerke knüpfen sie nicht

nur Kontakte, sie tauschen

Wissen und Erfahrungen aus,

sorgen für ihre Sichtbarkeit,

treffen auf unterstützende

Sparringspartner und entdecken

neue Perspektiven. Deswegen

habe ich bei meinem

Arbeitgeber adesso SE, einem

der führenden IT-Dienstleister

im deutschsprachigen Raum,

das Frauennetzwerk „FeMale

adessi“ ins Leben gerufen. Hier

können sich Frauen über alle

Standorte, Fachabteilungen

und Hierarchiestufen hinweg

miteinander vernetzen und

voneinander profitieren.

Die eigene Karriere in

Schwung zu bringen, liegt

dennoch nicht nur in den

Die gebürtige Kolumbianerin

Marcia Delgado ist

seit 2015 als IT-Consultant

bei adesso tätig und

begleitet die Umsetzung

von IT-Großprojekten im

Bankenumfeld. Neben

ihrem Engagement für „Fe-

Male adessi“ und „adesso

Elf“ ist sie aktives Mitglied

des Verbandes „Business

and Professional Women

Germany e. V.“.

Händen der Frauen.

Unternehmen tragen große

Verantwortung bei der Förderung

von Frauen in Schlüsselpositionen

und der Gestaltung

von Diversität am Arbeitsplatz.

Bei adesso nehme ich an

einem zweijährigen Talent-Coaching-Programm

namens „adesso Elf“ teil.

In unterschiedlichen Trainings

und Bootcamps arbeitet dieses

Team von elf starken IT-Frauen

an der Weiterentwicklung der

eigenen persönlichen und beruflichen

Fähigkeiten. Parallel

zum Programm sowie zu unserem

regulären Job beteiligen

wir uns aktiv an der Weiterentwicklung

der „She for

IT“-Initiative, die darauf abzielt,

mehr Mädchen und Frauen für

die IT zu begeistern sowie die

Potenziale der Mitarbeiterinnen

bei adesso zu stärken. Hier

kommt eines meiner persönlichen

Vorbilder ins Spiel: die

Frauenfußball-Bundestrainerin

Martina Voss-Tecklenburg.

Sie ist unsere Botschafterin,

unser Headcoach und ein gutes

Beispiel dafür, dass Frauen in

klassischen Männerdomänen

erfolgreich sein können.

Es fehlen weibliche Stärken

Das ist die Botschaft, die wir

als Vorbilder in der Branche

verbreiten möchten: Die digitale

Welt braucht die weiblichen

Stärken, Ideen und Perspektiven.

Sie muss die Anforderungen

und Bedürfnisse der Frauen

zu berücksichtigen lernen.

Nur so können gemeinsam

bessere Ergebnisse erzielt und

nachhaltigere Innovationen

nach vorne gebracht werden.

Die Gestaltung diverser Teams

und auch die Frage nach Vorbildern

dürfen sich dennoch

nicht nur auf Gender-Aspekte

beschränken, denn andere

Dimensionen wie Alter,

Herkunft und Weltansichten

sind genauso entscheidend.

Aus Diversity-Sicht bin ich

nicht nur eine junge Frau in der

IT-Branche, sondern eine mit

internationaler Geschichte und

ausgeprägter Religionszugehörigkeit.

Ich bin 2005 nach

Deutschland gekommen, habe

mein Studium erfolgreich abgeschlossen,

meine berufliche

Karriere bei adesso aufgebaut

und bin jetzt Mitgestalterin der

IT-Welt. Ich bin stolz darauf

und möchte daher anderen

talentierten und karriereorientierten

Frauen Mut machen.

Weitere Informationen auch im

She-for-IT-Podcast:

https://www.adesso.de/de/

unternehmen/she-for-it/podcasts.jsp

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Der XX-Faktor / Januar 2021

Frauenförderung eine fatale Fehleinschätzung?

Warum Frauen in

Unternehmen zu wenig

vorankommen oder auf

Karriere verzichten

Martina Lackner, Psychologin

und Autorin, hat eine psychologische

Untersuchung quer

durch Deutschlands Unternehmen

initiiert, um zu ermitteln,

worin der Widerstand der

Frauen in Bezug auf Karriere

und Führungspositionen

besteht. Erste Erkenntnis der

exklusiven Side by Side-Studie:

Es gibt verborgene Strukturen

im innerbetrieblichen Gefüge,

die auf Angst und Gehorsam

basieren und ein Vorankommen

weiblicher Führungskräfte

erschweren.

Verschiedene

Mechanismen auf

psychologischer

Ebene hemmen

Frauen nicht nur,

sondern beeinflussen

unbe-

wusst auch die

Interaktionen auf

allen Hierarchiee-

benen.

Ein Phänomen, das auch Männer

betrifft. Die Ergebnisse aus

der Side by Side-Untersuchung

machen deutlich: Das Genderthema

ist nur ein Aspekt

im Miteinander von Männern

und Frauen, größere Themen

wirken unter der Oberfläche

und verhindern Weiterentwicklung.

Vieles haben sämtliche

Frauen, die Lackner und ihr

Team bisher in ausgewählten

Unternehmen in psychologisch

fundierten Tiefeninterviews

befragten, gemeinsam: Sie

sind hervorragend qualifiziert,

Topperformer aufgrund von

Ausbildung und Position.

Fast alle Befragten verfügen

über akademische Abschlüsse.

Jede vierte Frau sogar über

zwei, meist in der Kombination

Wirtschaft und Ingenieurwesen.

Jede Fünfte hat

zudem promoviert. Mehr als

40 Prozent von ihnen sind in

Konzernen mit 20.000 bis hin

zu 350.000 Mitarbeitenden

beschäftigt. Doch weniger als

jede Zehnte von ihnen hat es

in die obere Führungsebene

geschafft.

EINE ERKENNTNIS

DER STUDIE:

FRAUENFÖRDERUNG

BASIERT AUF EINER

PSYCHOLOGISCHEN

VERDREHUNG

Die befragten Frauen betrachten

unternehmensinterne Frauenförderprogramme

oft als Alibiaktion

die Auswahlkriterien

scheinen häufig beliebig und

subjektiv, nach Durchlaufen

des Programms verharren die

Teilnehmerinnen in Warteposition.

Psychologisch gesehen

86


SHE works! / Warum Frauen in Unternehmen zu wenig vorankommen oder auf Karriere verzichten

stellen die Programme eine

Verdrehung dar: Sie adressieren

aufgrund eines Mangels

einen Förderbedarf bei Frauen.

Die Side by Side-Studie konnte

jedoch bei den Probandinnen

keine Mängel feststellen.

Vielmehr handelt

es sich um Zu-

schreibung des

Unternehmens,

das Frauen für

mangelhaft hält.

Aus der guten Absicht, Frauen

zu stärken, resultiere das fatale

Signal: Frauen sind defizitär,

daher müssten sie gefördert

werden. Was dazu führt, dass

ein vermeintlicher Mangel

umso mehr strukturell im

Unternehmen etabliert wird,

sowohl in der Wahrnehmung

männlicher Kollegen und Führungskräfte

als auch bei den

Frauen selbst.

IM SPIEGEL DER ERKENNTNIS

Wenn es um Förderbedürftigkeit

geht, müssen Unternehmen

in Betracht ziehen,

dass Frauen UND Männer auf

fachlicher oder persönlicher

Ebene einen Trainings- und

Entwicklungsbedarf haben.

Nehmen Unternehmen nur

den vermeintlichen Mangel

von Frauen in den Fokus und

lassen die Männer außer Acht,

verfestigen sie die Ungleichheit

und erreichen genau das

Gegenteil von dem, was sie

erreichen wollten.

87


Der XX-Faktor / Januar 2021

Martina Lackner, Psychologin, Autorin und Unternehmerin, hat sich 2019 in einem vierköpfigen

Team mit Expertinnen auf den Gebieten weibliche Identität und Frauenförderung, Führungskräfteentwicklung,

Psychologie sowie systemische Familien- und Psychotherapie zusammengeschlossen,

um zum Thema Karrierehemmnisse von Frauen zu forschen. Anlass war sowohl ihre

Arbeit als Mitherausgeberin an dem Buch „Männer an der Seite erfolgreicher Frauen. Side by

Side an die Spitze“ als auch die immer wiederkehrende Frage von HRVerantwortlichen, warum

so wenig Frauen in Führung gehen wollen trotz interner Frauenförderprogramme und Diversitybestrebungen

im Unternehmen.

Kontakt: Martina Lackner

Tel. +49 (0)177 / 411 96 52

Mail: contact@martinalackner.com

Martina Lackner / Foto Stephan Müller

88


SHE works! / Warum Frauen in Unternehmen zu wenig vorankommen oder auf Karriere verzichten

Die Side by Side-Forscherinnen

gehen davon aus, dass auf

Seiten von Führungskräften

unbewusste Widerstände herrschen,

die auf Glaubenssätzen,

Prägungen in der Herkunftsfamilie

und deren Re-Inszenierungen

in Unternehmen

basieren und das Handeln

beeinflussen. Auch das Phänomen

sogenannter transgenerationaler

bertragungen, bei denen

traumatische Erfahrungen

der Eltern- und Großelterngeneration

das Denken, Fühlen

und Handeln von Söhnen (und

Töchtern) steuern, sei ein wichtiger

Aspekt im Arbeitsalltag.

Wer beide Geschlechter im

Unternehmen weiterentwickeln

wolle, müsse den Hebel

auf Basis innerpsychischer

Faktoren ansetzen, sind die

Forscherinnen überzeugt.

DAS SIDE BY SIDE-FAZIT:

„BEST OF BOTH“ - STATT

BLIND BEFÖRDERN

Frauen wollen

Karriere ma-

chen, mit und

ohne Kind die

Hemmnisse lie-

gen nicht bei

den Frauen, son-

dern sind in den

verborgenen

Strukturen des

Unternehmens

verankert.

Die Side by Side-Untersuchung

gibt Hinweise auf Hemmnisse,

Stagnationen und Blockaden

im Unternehmen. Die

Zukunftsfähigkeit von Unternehmen

hängt nicht zuletzt

von der Frage ab, wie sehr sie

sich dieser Zusammenhänge

bewusst sind. Die Corona-Krise

wirkt derzeit wie ein Brennglas

auf Probleme - bei Prozessen

ebenso wie beim Personalmanagement.

Die Zeit ist reif für

ein radikales Umdenken bei

der Personalförderung. Der

erste Schritt ist ein Bewusstsein

für das, was täglich auf

den Fluren und Büros geschieht

und wie Frauen und

Männer es erleben.

Sie wollen mehr wissen? Die

Side by Side-Erkenntnisse

knüpfen an Ihren Unternehmensalltag

an, sie sind auch

für Nicht-Psychologen leicht

zu verstehen und enthalten

bereits vielfältige Denkanstöße.

Martina Lackner und ihr

Team entwickeln in weiterer

Folge exklusive HR-Lösungen

mit und für Ihr Unternehmen

damit „best of both“ gelebte

Unternehmenskultur werden

kann. Als Psychologin und

gebürtige Österreicherin will

Lackner bei aller Ernsthaftigkeit

dem Thema Frauenförderung

auch die Tragik nehmen:

„Wir brauchen hier Psychologie

zum Anfassen mit einfachen

praktikablen Lösungen, sodass

Unternehmen auf österreichisch

sagen würden:

PASST SCHOOON!“

89


Der XX-Faktor / Januar 2021

AmCham Germany Female Founders Award

Gründerinnen bestärken

und Innovation

Sichtbarkeit geben

Von Katharina-Luise Kittler

Im Frühling verleiht AmCham

Germany wieder den Female

Founders Award und zeichnet

Gründerinnen mit innovativen

und nachhaltigen Geschäftsmodellen

im transatlantischen

Raum aus. Dabei setzt der

Award ein Zeichen für weibliches

Unternehmertum und

die transatlantische Zusammenarbeit

bei der Entwicklung

von Geschäftsmodellen. Wie

erfolgreich die Zusammenarbeit

deutscher und US-amerikanischer

Unternehmen

sein kann, zeigte sich zuletzt

eindrucksvoll bei der Impfstoffentwicklung

gegen COVID-19.

Mit dem Female Founders

Award kombiniert AmCham

Germany die besonderen

Werte des amerikanischen

Unternehmergeistes und des

deutschen Gründertums und

fördert so die Vernetzung des

Unternehmertums auf beiden

Seiten des Atlantiks.

Der Female Founders Award

wurde erfunden, um ihn

überflüssig zu machen“, sagt

Torsten Oltmanns, Vorsitzender

des AmCham Germany

Chapters Berlin-Brandenburg

und Mitglied der Award-Jury.

„Es ist richtig und wichtig, dass

für Gründerinnen und Gründer

dieselben Bedingungen gelten.

Solange das noch nicht so

ist, trägt unser Award dazu bei,

Gründerinnen zu bestärken

und das Wissen um ihre guten

Lösungen und erfolgreichen

Geschäfte zu verbreiten“, so

Oltmanns.

DEUTSCHLAND BRAUCHT

MEHR GRÜNDERINNEN

Deutschland brauche mehr

Gründerinnen und sei in

diesem Punkt den USA

erstaunlich ähnlich: Auch im

Mutterland von Start-ups und

Silicon Valley würden weniger

Frauen Unternehmen gründen.

„Sie sind aber, wenn sie es tun,

erfolgreicher und profitabler“,

erklärt Oltmanns. Erfolgreiche

Gründerinnen verfügen

über dieselben Talente und

Fähigkeiten wie Männer aber

brauchen mehr Unterstützung

und Sichtbarkeit. So sind die

Hürden für Frauen an der

Spitze von Start-ups teilweise

höher, die Vorbehalte größer.

„Unser Female Founders

Award soll deshalb einen

Beitrag leisten, es Gründerinnen

einfacher zu machen, und

sie mit potenziellen Kunden

und Geldgebern vernetzen.

Diesseits und jenseits des

Atlantiks.“

Eingeführt wurde der AmCham

Germany Female Founders

Award im Jahr 2019. Drei

innovative und erfolgreiche

(Mit-)Begründerinnen und

Geschäftsführerinnen, Zarah

Bruhn, Social-Bee, Xenia

Scholl, TeleRetail und Michelle

Skodowski, BOTfriends, wurden

als Vorbilder gewürdigt.

Auch für die Award-Verleihung

in diesem Jahr erfolgt ein

öffentlicher Nominierungsaufruf

durch AmCham Germany

und die Partnerunternehmen.

Die Gründerinnen können sich

dann entweder selbst nominieren

oder von Unternehmen

oder Einzelpersonen nominiert

werden. Eine unabhängige

Jury wählt die Gewinnerinnen

90


SHE works! / Gründerinnen bestärken und Innovation Sichtbarkeit geben

Vlnr: Chelsea Spieker, Media Pioneer; Michelle Skodowski; Zarah Bruhn; Xenia Scholl AmCham 2020

aus. Entscheidende Kriterien

für das Auswahlgremium

sind nicht nur ein innovatives

Geschäftsmodell oder die

Entwicklung einer innovativen

Technologie, sondern auch die

erfolgreiche Positionierung im

Markt über zwei bis drei Jahre.

Außerdem achtet die Jury auf

ein kontinuierliches Wachstum

der Kunden- oder Nutzerzahlen

sowie den steigenden

Umsatz und Marktanteil.

Das Unternehmen RS Components

hat im Jahr 2019 die

erfolgreichsten Gründerinnen

und Gründer aus dem Silicon

Valley mit deutschen Nachwuchsunternehmerinnen

und

unternehmern verglichen.

Sowohl in den USA als auch

hierzulande stehen gerade

Frauen mit Gründungsabsichten

noch immer vor zusätzlichen

strukturellen Herausforderungen,

die sich insgesamt

negativ auf ihre Partizipation

am Unternehmertum auswirken.

„Was Deutschland in Sachen

Innovation und Entrepreneurship

von den USA lernen

kann, ist definitiv der stark

ausgeprägte Unternehmer-

91


Der XX-Faktor / Januar 2021

geist“, sagt Simone Menne,

geschäftsführende Vizepräsidentin

von AmCham Germany.

Menne, die viele Jahre als CFO

bei der Lufthansa AG und in

der Unternehmensleitung bei

Boehringer Ingelheim tätig

war, glaubt, dass das Thema

„Scheitern“ in den USA nicht

so negativ besetzt sei wie in

Deutschland. „Davon sollten

wir durchaus lernen auch

wenn wir am Ende natürlich

qualitativ hochwertige Produkte

oder Leistungen erbringen

wollen, ist es kein Grund sich

zu schämen, wenn man mal

einen Fehler macht oder ein

Projekt scheitert.“

FRÜHE FÖRDERUNG IST

ENTSCHEIDEND

Insbesondere im Bereich

Technologie ist der Anteil der

Gründerinnen besonders niedrig,

weiß Andreas Schwaiger,

Vizepräsident von AmCham

Germany und Geschäftsführer

bei Texas Instruments

Deutschland. „Ein Grund dafür

ist, dass sich leider immer noch

viel zu wenig junge Frauen für

einen MINT-Beruf entscheiden.

Dadurch fehlen Vorbilder“,

ergänzt er. Deshalb engagiere

sich Texas Instruments auch

besonders dafür, Mädchen und

junge Frauen für MINT-Themen

zu begeistern. „Mit mehr

Vorbildern, gezielter Förderung

und der Schaffung von

Plattformen für das Netzwerken,

wie dem Female Founders

Award von AmCham Germany,

wünsche ich mir, dass mehr

Frauen den Schritt zum Startup

wagen“, erklärt Schwaiger,

der auch Mitglied der Auswahlkommission

für den Female

Founders Award ist.

Auch Michelle Skodowski,

Gewinnerin des Female Founders

Award 2019, betont die

Bedeutung weiblicher Vorbilder

und ergänzt: „Mit dem

Female Founders Award setzt

AmCham Germany ein Zeichen

und begeistert Frauen für das

Thema Gründen. Die Mitgliedschaft

in diesem transatlantischen

Verband ermöglicht es

mir, mich mit anderen erfolgreichen

und mutigen Frauen

auszutauschen und mir ein

Netzwerk aufzubauen. Das ist

großartig.“

Doch warum ist der Anteil der

Gründerinnen in der transatlantischen

Business Community

noch immer so gering

und was muss politisch und

gesellschaftlich getan werden,

damit mehr Frauen dazu befähigt

werden, ein Unternehmen

zu gründen? Simone Menne

glaubt: „Es ist offensichtlich,

dass Frauen aufgrund von

Stereotypen und Vorurteilen

weniger zugetraut wird.“

Besonders problematisch sei

allerdings auch, dass Frauen

sich selbst manchmal zu wenig

zutrauen würden. Umso wichtiger

sei der Female Founders

Award von AmCham Germany,

um entsprechende Vorbilder

aufzuzeigen. „Junge Mädchen

und Frauen müssen schon

sehr früh ermuntert werden

zu gründen“, empfiehlt Menne

und auf einer ganz persönlichen

Ebene würde sie jungen

Gründerinnen raten: „Seien

Sie mutig! Trauen Sie sich das

Gründen zu und suchen Sie

sich Ratgeber.“

92


SHE works! / Gründerinnen bestärken und Innovation Sichtbarkeit geben

AmCham Germany Female

Founders Award

Der Award wird von der transatlantischen Wirtschaftsorganisation

American Chamber of Commerce in Germany e.V. (AmCham

Germany) verliehen.

Nominierungen sind bis 7. März 2021 über die Website AmCham

Germany Female Founders Award [https://www.amcham.de/

events/female-founders-award/] möglich, dort finden sich auch

die Teilnahmebedingungen. Die Gründerinnen können sich entweder

selbst nominieren oder von Unternehmen oder Einzelpersonen

nominiert werden.

AmCham Germany veranstaltet am 27. April 2021 einen „Transatlantic

Evening“. In diesem Rahmen findet die Preisverleihung statt.

93


Der XX-Faktor / Januar 2021

Netzwerken

Die German Global

Speakers: Digital ist

international ganz nah

Von Ulrike Stahl

Das Jahr 2021 hat für das Veranstaltungs-Business

eine einschneidende

Wende gebracht.

Das Kerngeschäft der Präsenzveranstaltungen

ist weggebrochen.

Aber es hat sich auch ein

neues Geschäftsfeld aufgetan:

Online-Veranstaltungen.

Also ihr Redner, weg mit den

kleinen und großen Bühnen

und her mit der Kamera?

Tatsächlich ist die Umstellung

nicht so einfach, wie man sich

das denken mag. Ein Speaker

wird ja nicht zu einer Veranstaltung

eingeladen, damit er

seinen Text abspult, sondern

damit er mit der Art und Weise

des Vortrages das Publikum

bewegt.

Ohne Live-Publikum in die

Kamera zu sprechen und dabei

über eine längere Zeitspanne

genauso verbindend, berührend

und motivierend beim

Zuschauer am Bildschirm

anzukommen, das ist kaum

jemandem in die Wiege gelegt.

Gleichzeitig muss auch technische

Kompetenz aufgebaut

werden. Wie funktioniert

welche Plattform, was ist die

richtige Kamera, das passende

Mikrofon und wie setzt man

sich ins rechte Licht? Wie geht

Interaktion online?

Gemeinsam kommt man

weiter als alleine vor allem

in schwierigen Zeiten. Bereits

Anfang 2020 entschieden sich

die fünf Redner und Rednerinnen

Axel Liebetrau, Barbara

Messer, Frank Hagenow, Laura

Baxter und Ulrike Stahl, eine

Allianz unter dem Label German

Global Speakers einzugehen.

Ziel war die langjährigen

internationale Erfahrungen, die

vielfältigen Hintergründe und

Expertisen in den Bereichen

Zusammenarbeit, Bildung,

Kreativität, Innovation und

Führung zu verbinden und so

stärker am Markt aufzutreten.

Bereits im März zeigte sich der

viel größere Nutzen dieser Verbindung.

Während bei vielen

Rednern der Schockzustand

zur Lähmung führte, gab die

Kooperation den German Global

Speakers die Kraft und den

Ansporn schnell zu handeln.

Gemeinsam ergriffen sie die

Chance und bauten sofort die

nötigen Kompetenzen auf, die

sie auch online zu erfolgreichen

Rednern machen. Die

Erfolgsfaktoren waren der

Austausch der Informationen

94


SHE works! / Die German Global Speakers: Digital ist international ganz nah

Die German Global Speakers sind eine facettenreiche Allianz von Rednerinnen und Rednern für

Kooperation, Kreativität, Innovation und Führung. Sie sind in Deutschland zuhause und in der

ganzen Welt unterwegs. Ob in Deutsch oder Englisch, ob live vor Ort oder online.

vorn von links: Ulrike Stahl, Laura Baxter, Barbara Messer, hinten von links: Dr. Frank Hagenow,

Axel Liebetrau. Foto Martin Ammann

aus den globalen Netzwerken

jedes Einzelnen, der Mut

gemeinsam Neues auszuprobieren

und professionelles,

kollegiales Feedback, basierend

auf einem guten Vertrauensverhältnis.

Von dieser Kooperation profitieren

natürlich auch Unternehmen

und Veranstalter: Fünf

Experten für Vorträge und

Trainings mit einem gemeinsamen

Qualitätsstandard, die

sowohl die deutschen als auch

die internationalen Märkte

kennen, aus einer Hand. Das

schafft gleichzeitig Kontinuität

und Vielfalt bei der Veranstaltungsplanung.

Ob in Deutsch

oder Englisch, ob live vor Ort

oder virtuell auf den Wellen

des Internets. Denn digital ist

international ganz nah.

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Der XX-Faktor / Januar 2021

Was zu lesen ...

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