2020 DEZEMBER / LEBENSHILFE FREISING / TAUSENDFÜSSLER-MAGAZIN

lebenshilfefreising

Das Magazin der Lebenshilfe Freising e.V. für Mitglieder, MitarbeiterInnen, Freunde und Förderer.

Dezember 2020 // 29. Jahrgang

TAUSENDFÜßLER

Das Magazin der

Thema: BetreungsRechtsReform – aber richtig! // Seite 4

Voll dabei: Corona-Frust wie weggezaubert // Seite 20

So war‘s: Engagement und Herzblut – Dank an die Mitarbeiter/innen // Seite 21

So war‘s: Bereichsleiterin Waldinger geht in den Ruhestand // Seite 22

Helfen hilft: Freu(n)de fürs Leben! – unsere Spendenaktion // Seite 36

Helfen hilft: Laufende Spenden – auch ohne Lebenslauf. Vielen Dank! // Seite 37

Viel Glück, Gesundheit und Freude 2021!

Damit das neue Jahr ein besseres wird – mit Ihrer Lebenshilfe Freising


2

Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

HAUPT-SACHE – DAS THEMA:

Betreuungsrechts-Reform

3 Rechtliche Betreuung soll besser werden

4 Start der Kampagne

BetreungsRechtsReform – aber richtig!

6 Betreuungsrecht – was ist das?

12 Jede/r Einzelne ist wichtig! – Rechtliche

Betreuung bei der Lebenshilfe Freising

14 Reform der Leistungen für

Kinder mit Behinderungen

16 OBA-Förder-Richtlinien auf dem Prüfstand

17 Gemeinsam ein inklusives Europa gestalten

VOLL DABEI – DIE SEITEN VON

MENSCHEN MIT BEHINDERUNG

20 Corona-Frust wie weggezaubert

im Juliane-Maier-Haus

SO WAR’S – DIE CHRONIK DER

LEBENSHILFE FREISING

23 Mitarbeiter/innen mit Engagement,

Durchhaltevermögen und Herzblut

24 Bereichsleiterin Hildegard

Waldinger im Ruhestand

26 InKiMo-Martinsfest in kleiner Runde

27 35 Erstklässler im BiG begrüßt

28 Leider anstrengend und schade:

IWA in der Corona-Zeit

29 Gemeinsam durch die schwierige

Zeit im Juliane-Maier Haus

30 Wohnhaus Johannisstraße

feierte „Volkfest dahoam“

31 Abschied mit Schmetterling im

Anneliese-Schweinberger-Haus

32 Bewegung ist wichtig – und macht Spaß

33 Viva Vita macht Konzeptionspause

34 Im Alter eine Heimat haben –

Senioren bei der Lebenshilfe

HELFEN HILFT

36 Freu(n)de fürs Leben – unsere

Spendenaktion 2020/21

37 Laufende Spenden – auch ohne Lebenslauf

40 IMPRESSUM

das Jahr 2020 werden viele von

uns wohl in unguter Erinnerung

behalten: die Pandemie

durch das Corona-Virus hält

uns seit dem Frühjahr in Atem.

Kein Wunder, dass viele Beiträge

in diesem Heft mit dieser

besonderen Situation zu tun

haben: betreute Menschen mit

Behinderungen und Betreuer

der Lebenshilfe Freising berichten

über ihr Leben und ihre Arbeit in den letzten Monaten.

Wir wollen aber uns Leben nicht nur durch das Virus bestimmen

lassen. Ein großes Thema der nächsten Monate wird für

die Lebenshilfe bundesweit die geplante Reform des Betreuungsrechts

für Menschen mit Behinderungen sein. Wir begrüßen

die schon gemachten guten Vorschläge. Dennoch soll die

Selbstbestimmung der Menschen noch mehr im Mittelpunkt

stehen. Deshalb hat die Bundesvereinigung Lebenshilfe die

Kampagne „BetreuungsRechtsReform – aber richtig“ gestartet.

Alles Wissenswerte darüber und über die Rechtliche Betreuung

in Deutschland und bei uns im Landkreis Freising lesen

Sie gleich zu Anfang dieses Hefts. Verabschiedet haben wir

zum Jahresende unsere Bereichsleitung Kinder und Jugendliche,

Frau Hildegard Waldinger, die nach über 23 Jahren großen

Engagements in den Ruhestand getreten ist. Außerdem

erfahren Sie in diesem Heft von den notgedrungen meist internen

Veranstaltungen und Festen in unseren Einrichtungen.

Hoffentlich können wir 2021 wieder alle zusammen feiern!

Am Schluss finden Sie wie immer unsere Spendenseiten.

Viele unserer Aktivitäten gehen nur durch unsere vielen Spender

und Förderer. Ohne sie würden wir heute nicht so dastehen,

wie wir es tun: eine Lebenshilfe für alle und mit allen Menschen

in unserer Region. Ich bedanke mich sehr herzlich für

Ihre Großherzigkeit und Solidarität.

Für das neue Jahr 2021 wünsche ich Ihnen im Namen von

Vorstand, Geschäftsführung und der gesamten Lebenshilfe

Freising Glück und Erfolg, Freude und Gelassenheit. Bleiben

Sie gesund und uns weiterhin gewogen!

Ihre

Monika Haslberger

1. Vorsitzende

Die Lebenshilfe Freising finden Sie auch hier:

AUF UNSERER HOMEPAGE:

www.lebenshilfe-fs.de

IN FACEBOOK:

www.facebook.com/lebenshilfefreising

AUF YOUTUBE:

Lebenshilfe Freising


Rechtliche Betreuung soll besser werden

Lebenshilfe macht dafür Werbung in ganz Deutschland

EINFACHE

SPRACHE

Der ganze Text ist in einfacher Sprache.

• Viele erwachsene Menschen mit Beeinträchtigung haben eine rechtliche

Betreuung.

• Immer wieder gibt es dabei Probleme.

Darum soll es ein neues Gesetz geben.

Das Gesetz soll das Betreuungs-Recht besser machen.

• Die Regierung hat jetzt einen Entwurf für das neue Gesetz gemacht.

• Ein Entwurf ist eine Idee, wie das Gesetz aussehen kann.

Im Entwurf stehen viele gute Sachen.

Zum Beispiel sollen Menschen mit Betreuung mehr selbst bestimmen.

Trotzdem finden wir: Das Gesetz muss noch besser werden.

• Damit wir unsere Forderungen durchsetzen, machen wir eine große Aktion.

• Die Aktion heißt: Betreuungs-Rechts-Reform – aber richtig!

HAUPTSACHE – DAS THEMA // 3


BetreuungsRechtsReform – aber richtig!

Lebenshilfe startet Kampagne: Neues Betreuungsrecht muss noch besser werden

EINFACHE

SPRACHE

Die rechtliche Betreuung soll besser werden.

Dafür gibt es bald ein neues Gesetz. Das soll im

neuen Gesetz stehen: Menschen mit Behinderung

sollen mehr selber entscheiden können.

Sie sollen mehr mitreden können. Sie sollen

sich beschweren können. Es soll auch neue

Arten für die Betreuung geben.

Der Bundestag hat am 26. November 2020 in erster Lesung

über ein neues Betreuungsrecht beraten. „Die Reform

ist längst überfällig. Wir sehen in dem Regierungsentwurf

einen Fortschritt, doch das Gesetz muss

unbedingt noch besser werden“, fordert Ulla Schmidt,

Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, MdB und Bundesministerin

a.D. (Foto). Die Lebenshilfe hat deshalb die

bundesweite Kampagne „BetreuungsRechtsReform –

aber richtig!“ gestartet.

Betreuer sind oft

für viele Menschen zuständig

Sigrid Salzmann aus Erlangen ist Sprecherin der Bewohner-Vertretungen

der mittelfränkischen Lebenshilfen.

Sie hat eine rechtliche Betreuung und ist sehr

unzufrieden damit: „Ich bekomme immer nur Bescheid,

dass meine Betreuung verlängert wird. Gefragt werde

ich dazu nie. Das darf doch nicht sein! Rechtliche Betreuer

dürfen nicht alleine entscheiden, wo man wohnen

soll. Sie müssen uns da schon fragen. Rechtliche

Betreuer sollten mehr Geld verdienen, damit sie mehr

Zeit für uns haben. Meine Betreuerin ist für so viele

Leute zuständig.“ Im Vorfeld der Reform war Sigrid

Salzmann im Bundesjustizministerium. Dort berichtete

sie gemeinsam mit anderen Selbstvertreterinnen

und Selbstvertretern aus ganz Deutschland, was bei

der rechtlichen Betreuung bisher schlecht lief.

Weg von der Bevormundung

Viel zu lange schon warten Menschen mit Behinderung

auf die Reform. Sie wollen, dass rechtliche Betreuerinnen

und Betreuer nicht mehr an ihrer Stelle entscheiden,

nach dem Motto: „Ich weiß schon, was gut

für dich ist“. Rechtliche Betreuer sollen vielmehr ihre

Klienten darin unterstützen, Entscheidungen möglichst

selbst zu treffen. Der Gesetzgeber muss die

Rechte der betreuten Personen noch umfassender

stärken, damit der ursprüngliche Paradigmenwechsel

– weg von der Bevormundung hin zur rechtlichen Unterstützung

– konsequent umgesetzt wird. Hierfür

müssen endlich auch die notwendigen finanziellen

und zeitlichen Ressourcen bereitgestellt werden.

4 // HAUPTSACHE – DAS THEMA


Beteiligung an Jahresberichten

Der Regierungsentwurf sieht jedoch vor, dass rechtliche

Betreuer auch nach der Reform ein unbeschränktes

Vertretungsmandat haben. Die Bundesvereinigung

Lebenshilfe fordert dagegen, dass ein Betreuer nur

dann stellvertretend für seinen Klienten entscheiden

darf, wenn das erforderlich ist, weil die betreute Person

sonst nicht rechtlich handeln könnte. Zum Beispiel um

Verträge abzuschließen. Richtschnur der Betreuer und

Richter sollen künftig die Wünsche der rechtlich Betreuten

sein, nicht mehr ein allgemeines und oft falsch

verstandenes Wohl der Betreuten. Diese Änderung im

neuen Betreuungsrecht begrüßt die Lebenshilfe ausdrücklich.

Damit es aber nicht allein bei schönen Worten

bleibt und dieser Perspektivwechsel in der Praxis

gelingen kann, drängt die Lebenshilfe darauf, dass die

betreute Person an den Berichtspflichten der Betreuer

und der gerichtlichen Kontrolle beteiligt wird. In einem

Jahresbericht hat der Betreuer seine Tätigkeiten zu dokumentieren,

auch seine Unterstützungsleistung bei

einer Entscheidungsfindung. Dieser Bericht soll, so verlangt

es die Lebenshilfe, der betreuten Person in verständlicher

Form übermittelt werden. Überhaupt müsse

sichergestellt sein, dass während des gesamten

betreuungsrechtlichen Verfahrens so kommuniziert

wird, dass es die betreute Person nachvollziehen kann.

Neue Betreuungsformen gesucht

Weitere Forderungen der Lebenshilfe sind: In Modellprojekten

sollen neue Methoden zur Unterstützung

bei der Entscheidungsfindung entwickelt werden, weil

es hierfür viel zu wenig Erfahrung und Forschung gibt.

Außerdem soll alles dafür getan werden, eine rechtliche

Betreuung möglichst zu vermeiden. Die sogenannte

„erweiterte Unterstützung“ ist da eine gute

Idee des Justizministeriums, die verpflichtend und

nicht nur optional in allen Bundesländern eingeführt

werden sollte. Überdies sollte eine gegen den Willen

der betreuten Person angeordnete und verlängerte

rechtliche Betreuung spätestens alle zwei Jahre gerichtlich

überprüft werden.

Beratungs- und Beschwerdestellen

Zudem brauchen betreute Personen niedrigschwellige

Beratungs- und Beschwerdestellen. Angehörige, die

als ehrenamtliche Betreuer tätig sind, sollen die gleichen

Rechte und Pflichten haben wie andere ehrenamtliche

Betreuer. Auch sie sollen gestärkt werden –

durch die Anbindung an einen Betreuungsverein, wo

sie Beratung und Fortbildung erhalten.

Lebenshilfe startet Kampagne

„BetreuungsRechtsReform – aber richtig!“

Mit der Kampagne „BetreuungsRechtsReform – aber

richtig!“ setzt sich die Bundesvereinigung Lebenshilfe

für Verbesserungen bei der Reform des Betreuungsrechts

ein. Für Menschen innerhalb einer rechtlichen

Betreuung müssen mehr Selbstbestimmung, Autonomie

und eine gute Qualität der Betreuung gesichert

werden.

HAUPTSACHE – DAS THEMA // 5


Betreuungsrecht – was ist das?

Alles, was Sie zur rechtlichen Betreuung wissen müssen

EINFACHE

SPRACHE

Viele Menschen mit Behinderung haben

Probleme mit schwierigen Sachen: Wie gehe

ich mit Geld um? Wie finde ich eine Wohnung?

Was muss ich beim Arzt oder im Krankenhaus

beachten? Für diese Probleme gibt es einen

Helfer oder eine Helferin: Die Helfer heißen

rechtliche Betreuer.

Das Betreuungsrecht ist im Bürgerlichen Gesetzbuch

(BGB) geregelt. Für volljährige Menschen, die auf

Grund von Krankheit oder Behinderung ihre Angelegenheiten

nicht selbst regeln können, kann das Betreuungs-Gericht

eine rechtliche Betreuerin oder einen

Betreuer bestellen.

1. Grundlagen

Rechtlicher Hintergrund

• Ab dem 18. Geburtstag ist jeder erwachsene Mensch

volljährig, das heißt: für sich selbst verantwortlich.

Menschen mit Behinderung haben ein Recht auf die

gleiche Rechts- und Handlungsfähigkeit wie Menschen

ohne Behinderung. Jeder volljährige Mensch

– ob mit oder ohne Behinderung – kann daher selbst

bestimmen, zum Beispiel ein Handy kaufen oder

eine Wohnung anmieten.

• Das heißt auch, dass die Eltern von Kindern mit Behinderung

nach deren Volljährigkeit nicht einfach

weiter berechtigt sind, etwa für ihr Kind Eingliederungshilfe

zu beantragen oder in eine Operation einzuwilligen.

Manchmal können erwachsene Menschen

aber ihre rechtlichen Angelegenheiten nicht

selbst regeln. Dann gibt es die Möglichkeit einer

rechtlichen Betreuung.

Was ist eine rechtliche Betreuung?

• Aufgabe der rechtlichen Betreuung ist es, das Selbstbestimmungsrecht

von kranken und behinderten

Menschen zu sichern. Ein rechtlicher Betreuer unterstützt

die Person dabei, ein möglichst selbstbestimmtes

Leben zu führen. Und zwar dadurch, dass

er oder sie bei rechtlichen Entscheidungen berät,

unterstützt und gegebenenfalls gesetzlich vertritt.

• Dabei richtet sich die rechtliche Hilfestellung streng

nach dem konkreten Bedarf. Kann der rechtlich betreute

Mensch z.B. nicht selbst Sozialleistungen beantragen,

den Mietvertrag abschließen oder sich um

notwendige Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen

kümmern, dann sorgt die rechtliche Betreuerin

dafür, dass nur diese unbedingt notwendigen Entscheidungen

getroffen werden.

• Ein rechtlicher Betreuer ist nicht zuständig für die

Haushaltsführung oder Pflege des rechtlich betreuten

Menschen. Er muss aber gegebenenfalls Hilfen

organisieren und die rechtlichen Voraussetzungen

dafür klären. So ist etwa Unterstützung bei der Vermögens-

oder Gesundheitssorge oder dem Kontakt

mit Behörden notwendig sein.

• Die rechtliche Betreuung sichert jedoch nicht nur

die Handlungsfähigkeit des rechtlich betreuten

Menschen, sondern greift auch in dessen Rechte ein.

Eine rechtliche Betreuerin ist nämlich in den Aufgabenkreisen

vertretungsberechtigt, für die sie bestellt

wird. Sie kann Entscheidungen mit Wirkung für

die rechtlich betreute Person treffen.

• Ganz wichtig: Ein rechtlicher Betreuer ist verpflichtet,

nur dann stellvertretend aktiv zu werden, wenn

der rechtlich betreute Mensch ohne Hilfe keine eigene

Entscheidung treffen kann.

Welche Folgen hat eine rechtliche Betreuung?

• Die Anordnung der rechtlichen Betreuung führt

nicht zur Entrechtung der rechtlich Betreuten. Der

Mensch mit Behinderung bleibt trotzdem handlungs-

und geschäftsfähig. Er kann damit in der

6 // HAUPTSACHE – DAS THEMA


regel weiterhin selbst Verträge abschließen oder in

medizinische Maßnahmen einwilligen.

• Das Betreuungsgericht kann aber zum Schutz des

rechtlich betreuten Menschen einen sogenannten

Einwilligungsvorbehalt anordnen. Mit dem Einwilligungsvorbehalt

braucht der rechtlich betreute

Mensch für den wirksamen Abschluss z.B. eines Mietvertrags

die vorherige oder nachträgliche Zustimmung

seines rechtlichen Betreuers.

• Das Betreuungsgericht darf den Einwilligungsvorbehalt

nur anordnen, wenn der rechtlich betreute

Mensch sich oder sein Vermögen in erheblichem

Umfang schädigt und er dies gleichzeitig aufgrund

seiner Behinderung oder Krankheit nicht erkennen

kann. Dies kann z.B. der Fall sein, wenn der Mensch

im Internet ständig Waren bestellt, die er gar nicht

braucht und auch nicht mehr haben will.

• Ausnahme: Selbst wenn ein Einwilligungsvorbehalt

angeordnet ist, darf die rechtlich betreute Person

Geschäfte des täglichen Lebens tätigen (z.B. Brot

kaufen) und Schenkungen annehmen, die für sie nur

Vorteile bringen.

• Wichtig: Weder die Einrichtung einer rechtlichen Betreuung

für den Bereich Gesundheit noch die Anordnung

eines Einwilligungsvorbehalts führen dazu,

dass die rechtlich betreute Person nicht mehr selbst

in medizinische Maßnahmen einwilligen kann.

Stattdessen ist auch bei einem rechtlich betreuten

Menschen davon auszugehen, dass er einwilligungsfähig

ist. Erst wenn ein Arzt feststellt, dass der

Mensch in der konkreten Behandlungssituation

nicht in der Lage ist, Art, Bedeutung und Tragweite

(Risiken) der ärztlichen Maßnahme zu erfassen,

kommt es auf die Einwilligung eines dazu Berechtigten

an (z.B. einer rechtlichen Betreuerin).

Wann und wie bekommt man einen rechtlichen Betreuer?

• Eine rechtliche Betreuerin oder ein Betreuer kann

nur für einen volljährigen Menschen bestellt werden.

Voraussetzung dafür ist, dass ein Mensch aufgrund

einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen,

geistigen oder seelischen Behinderung seine Angelegenheiten

ganz oder teilweise nicht besorgen

kann. Dabei sind mit dem Begriff Angelegenheiten

alle rechtlichen Aufgaben im Zusammenhang mit

Gesundheit, Wohnen, Arbeit, Freizeit und Geld gemeint,

die der betreffende Mensch in nächster Zeit

regeln müsste, allein aber nicht erledigen kann.

• Hinweis: Damit keine Lücke zwischen dem Ende des

elterlichen Sorgerechts und dem Beginn der rechtlichen

Betreuung entsteht, sollten Eltern schon vor

dem vollendeten 18. Lebensjahr ihres geistig behinderten

Kindes überlegen, ob es in rechtlichen

Fragen auf Unterstützung angewiesen sein wird.

Wenn ja, kann schon für einen 17-jährigen Menschen

mit Behinderung eine rechtliche Betreuung

bestellt werden. Wirksam wird die Bestellung dann

mit dem Beginn der Volljährigkeit.

Gibt es Alternativen zur rechtlichen Betreuung?

• Wenn ein Mensch mit Behinderung zwar die Hilfe

seiner Eltern oder anderer Vertrauenspersonen bei

der Vorbereitung rechtlicher Entscheidungen

braucht und bekommt, die eigentliche Erklärung

(z.B. den Abschluss eines Arbeitsvertrags oder die

Einwilligung in eine Operation) aber in jedem Fall

selbst abgeben kann, muss kein rechtlicher Betreuer

bestellt werden.

• Auch wenn ein Mensch mit Behinderung eine Vorsorgevollmacht

erstellt hat, ist keine rechtliche Betreuung

erforderlich. In der Vorsorgevollmacht muss

er einen engen Vertrauten mit der Erledigung aller

notwendigen rechtlichen Angelegenheiten beauftragen

und ihn bevollmächtigen, alle notwendigen

Erklärungen abzugeben. Voraussetzung für die Erstellung

einer Vorsorgevollmacht ist die Geschäftsfähigkeit

des Menschen mit Behinderung. Auch Vorkehrungen

in Form einer Patientenverfügung oder

einer Betreuungsverfügung sind dafür geeignet.

2. Rahmenbedingungen

rechtlicher Betreuung

Die rechtliche Betreuung von Menschen ist genau reglementiert.

Das betrifft etwa die Fragen, ob, wie und

wie lange eine rechtliche Betreuung erfolgt. Es muss

zudem regelmäßig geprüft werden, ob eine rechtliche

Betreuung weiterhin erforderlich ist.

HAUPTSACHE – DAS THEMA // 7


Was ist der Erforderlichkeitsgrundsatz?

• Weil eine rechtliche Betreuung in die Rechte des betreuten

Menschen eingreift, darf sie nur dann, nur so

lange und nur in dem Umfang eingerichtet werden,

wie sie tatsächlich erforderlich ist. Der sogenannte

Erforderlichkeitsgrundsatz sorgt also dafür, dass die

rechtliche Betreuung auf das notwendige Maß begrenzt

wird.

• Die Führung einer rechtlichen Betreuung erstreckt

sich oft über mehrere Jahre. Auch für die Dauer einer

rechtlichen Betreuung gilt der Erforderlichkeitsgrundsatz.

Daher muss das Betreuungsgericht regelmäßig

überprüfen, ob die rechtliche Betreuung

noch notwendig ist. Wenn der betreute Mensch inzwischen

seine rechtlichen Angelegenheiten ohne

Betreuer erledigen kann, muss das Betreuungsgericht

die rechtliche Betreuung aufheben.

Was sind die Aufgabenkreise einer rechtlichen Betreuung?

• Bei der Anordnung einer rechtlichen Betreuung werden

der rechtlichen Betreuerin oder dem Betreuer

die Aufgabenkreise übertragen, in denen ein Betreuungsbedarf

besteht. Voraussetzung ist, dass bei

dem rechtlich betreuten Menschen in seiner jeweiligen

Lebenssituation bestimmte Angelegenheiten

tatsächlich regelungsbedürftig sind. So etwa die Einrichtung

eines Kontos oder die Entscheidung über

eine anstehende Operation. Zusätzliche Voraussetzung

ist, dass der Mensch sich nicht ohne Unterstützung

um seine rechtlichen Angelegenheiten kümmern

kann.

• In den gesetzlichen Regelungen zum Betreuungsrecht

werden die Aufgabenkreise nicht genannt. Das

Gericht kann daher der rechtlichen Betreuerin:

1. einzelne Angelegenheiten zuweisen (z.B. Abschluss

eines Wohnvertrags), 2. Bereiche festlegen,

in denen der rechtliche Betreuer tätig werden soll

(Aufenthaltsbestimmung, Zustimmung zur Heilbehandlung,

Geltendmachung sozialrechtlicher

Ansprüche) oder 3. dem rechtlichen Betreuer übergreifende

Bereiche wie z.B. die gesamte

Ver mögenssorge zuweisen.

• Bei Maßnahmen und Eingriffen, die mit erheblichen

Risiken für die Gesundheit und das Leben des

rechtlich betreuten Menschen verbunden sind, muss

der rechtliche Betreuer die Genehmigung des

Betreuungsgerichts einholen. Dies betrifft z.B. Herzoperationen,

radikale Behandlungen bei fortgeschrittenen

Krebserkrankungen, Zwangs behandlungen

oder auch freiheitsentziehende Maßnahmen.

3. Das betreuungsgerichtliche Verfahren

Für die Bestellung einer rechtlichen Betreuung ist das

Betreuungsgericht zuständig. Das Betreuungsverfahren

beginnt mit dem Antrag des Menschen mit Behinderung.

Es kann aber auch von Amts wegen beginnen,

wenn das Betreuungsgericht von Dritten,

z.B. den Eltern oder der Werkstatt, erfährt,

dass eine rechtliche Betreuung notwendig

sein könnte. Danach leitet das

Betreuungsgericht das Betreuungsverfahren

ein und benachrichtigt

den betreffenden Menschen

mit Behinderung. Je nach

familiärer Konstellation können

auch der Ehepartner, die Eltern, die Großeltern, Kinder

und Geschwister sowie gegebenenfalls eine benannte

Vertrauensperson benachrichtigt werden.

Wer ist zwingend am Betreuungsverfahren zu beteiligen?

• Zwingend am Betreuungsverfahren zu beteiligen

sind: die betroffene Person, der gegebenenfalls bereits

bestellte rechtliche Betreuer, ein Bevollmächtigter,

sofern ihre Aufgabenkreise betroffen sind, oder

ein Verfahrenspfleger.

• Das Betreuungsgericht zieht immer dann einen Verfahrenspfleger

hinzu, wenn die rechtlich zu betreuende

Person aufgrund ihrer Behinderung nicht in der

Lage ist, sich selbst verständlich zu äußern und ihre

Interessen wahrzunehmen. Aufgabe des Verfahrenspflegers

ist es, Helfer und „Sprachrohr“ des rechtlich

zu betreuenden Menschen zu sein, seine Rechte zu

sichern und seinen Willen in das Verfahren einzubringen.

8 // HAUPTSACHE – DAS THEMA


Sind Angehörige am Betreuungsverfahren zu beteiligen?

• Eltern, Geschwister und Verwandte kennen den

rechtlich zu betreuenden Menschen sehr gut. Sie

können dem Gericht wichtige Hinweise zu seiner

Biografie und seinem Alltag geben. Wollen Angehörige

am gerichtlichen Verfahren mitwirken, sollten

sie beim Gericht einen entsprechenden Antrag stellen.

Eine Beteiligung kann erfolgen, wenn der rechtlich

zu betreuende Mensch damit einverstanden und

die Teilnahme in seinem Interesse ist.

• Hintergrund: Das Gericht muss Eltern, Geschwister

und Verwandte des volljährigen Menschen nicht generell

und immer im Betreuungsverfahren beteiligen

und anhören. Stattdessen kann es Angehörige hinzuziehen.

Wie stellt das Gericht den Betreuungsbedarf fest?

• Das Gericht muss ermitteln, ob und in welchem Umfang

eine rechtliche Betreuung einzurichten ist.

Fachliche Hilfestellung geben der Sozialbericht der

Betreuungsbehörde und das medizinische Sachverständigengutachten.

Aus der Anhörung ergeben

sich weitere Erkenntnisse.

Die gerichtliche Entscheidung

• Nach der Anhörung und aufgrund der Informationen

aus dem Sozialbericht und dem Sachverständigengutachten

trifft das Betreuungsgericht eine Entscheidung.

Erachtet das Gericht eine rechtliche Betreuung

als notwendig, muss es in der Entscheidung

regeln, wer rechtliche Betreuerin werden soll und

mit welchem Aufgabenkreis.

4. Über rechtliche Betreuerinnen

und Betreuer

Wenn das Betreuungsgericht eine rechtliche

Betreuung als notwendig erachtet, entscheidet

es in der Regel, wer rechtlicher Betreuer des betroffenen

Menschen wird. Doch wer kommt für die

Betreuung in Frage und mit welchen Aufgaben und

Pflichten geht die rechtliche Betreuung einher?

Wer kann rechtliche/r Betreuer/in werden?

• Im Betreuungsrecht gilt der Grundsatz der Ehrenamtlichkeit:

Stehen Eltern, Geschwister, Verwandte,

Nachbarn oder enge Vertraute des rechtlich zu betreuenden

Menschen zur Verfügung, dann soll eine

Betreuung ehrenamtlich durch diese Personen erfolgen.

Die zu betreuende Person kann hierbei vorschlagen,

wer ihr rechtlicher Betreuer werden soll.

Schlägt sie niemanden vor, berücksichtigt das Gericht

bei der Auswahl die verwandtschaftlichen und

sonstigen Bindungen der zu betreuenden Person.

• Das Betreuungsgericht kann mehrere ehrenamtliche

Betreuer gleichzeitig bestellen. So können z. B.

beide Elternteile eines jungen Menschen mit Behinderung

seine rechtlichen Betreuer werden. Möglich

ist es auch, dass Betreuer für unterschiedliche Aufgabenkreise

zuständig sind.

• Ein Berufsbetreuer übernimmt geschäftsmäßig Betreuungen.

Dieser soll nur im Ausnahmefall bestellt

werden. Etwa, wenn eine ehrenamtliche Betreuung

nicht möglich ist, weil keine nahen Angehörigen vorhanden

sind. Oder wenn die Angehörigen zu einer

rechtlichen Betreuung nicht in der Lage sind und

auch keine andere Vertrauensperson des behinderten

Menschen zur Verfügung steht. Ein Berufsbetreuer

wird außerdem dann bestellt, wenn die Anforderungen

an die rechtliche Betreuung fachlich sehr

hoch sind.

Welche Rechte und Pflichten haben rechtliche Betreuer?

• Eine rechtliche Betreuerin hat die Angelegenheiten

des betreuten Menschen in den ihr übertragenen

Aufgabenkreisen unter Beachtung aller gesetzlichen

Bestimmungen zu führen. Die rechtliche Betreuerin

hat das Selbstbestimmungsrecht zu achten, darf

nur dann stellvertretend tätig sein, wenn dies zwingend

notwendig ist, muss die Wünsche der rechtlich

betreuten Person beachten, muss ihre Rehabilitation

unterstützen und mit dem Betreuungsgericht zusammenarbeiten.

HAUPTSACHE – DAS THEMA // 9


• Im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit dem Betreuungsgericht

ist der rechtliche Betreuer verpflichtet,

diesem auf Verlangen jederzeit über die

Führung der rechtlichen Betreuung und die persönlichen

Verhältnisse des rechtlich betreuten Menschen

Auskunft zu erteilen.

• Darüber hinaus ist der rechtliche Betreuer zu jährlichen

Berichten über die betreute Person verpflichtet.

Sind dem Betreuer auch Aufgaben der Vermögenssorge

übertragen, muss er zu Beginn der

rechtlichen Betreuung ein Vermögensverzeichnis

anlegen und jährlich Rechenschaft ablegen. Sind die

Eltern, Kinder oder der Ehepartner zu rechtlichen Betreuern

bestellt, sind sie in der Regel als sogenannte

befreite Betreuer von der Rechnungslegungspflicht

entbunden.

• Ist die rechtliche Betreuung auf längere Zeit eingerichtet,

kann das Betreuungsgericht zudem eine

jährliche Gebühr (sogenannte Jahresgebühr) erheben.

• Die Jahresgebühr ist nur dann zu zahlen, wenn die

rechtlich betreute Person über ein Vermögen von

mehr als 25.000 Euro verfügt.

Was sind die Kosten für die Führung einer rechtlichen

Betreuung?

• Von den Gerichtskosten sind die Kosten für die Führung

der rechtlichen Betreuung zu unterscheiden.

Hier gelten andere Vermögensfreigrenzen. Außerdem

sind die Kosten für die Betreuungsführung davon

abhängig, ob ein ehrenamtlicher oder ein Berufsbetreuer

bestellt wurde.

Können Betreuer zum Schadensersatz verpflichtet

sein?

• Entsteht dem betreuten Menschen durch das Handeln

der rechtlichen Betreuer ein Schaden, kommt

eine Haftung auf Schadensersatz in Betracht. Voraussetzung

ist, dass die Betreuerpflichten vorsätzlich

oder fahrlässig verletzt wurden und der entstandene

Schaden auf dieser Verletzung beruht.

• Im Freistaat Bayern besteht für ehrenamtlich bestellte

Betreuer eine Sammelhaftpflichtversicherung

für Vermögensschäden bei der ERGO Versicherung

AG. Für Personen- und Sachschäden besteht ein Versicherungsschutz

im Rahmen der allgemeinen Bayerischen

Ehrenamtsversicherung über die Versicherungskammer

Bayern, in der alle ehrenamtlich im

Freistaat Bayern Tätigen versichert sind.

• Berufsbetreuer müssen sich gegen Haftungsrisiken

selbst versichern.

5. Was sind die Kosten einer rechtlichen

Betreuung?

Viele Angehörige von Menschen mit Behinderung fragen

sich, wie teuer wohl die Einrichtung einer rechtlichen

Betreuung ist.

Wann fallen Gerichtskosten

an?

• Gerichtskosten, d.h. Kosten

für das betreuungsgerichtliche Verfahren,

werden nur erhoben, wenn

die rechtlich betreute Person ein Vermögen

von über 25.000 Euro hat.

Wer muss zahlen?

• Grundsätzlich zahlt die rechtlich

betreute Person die Kosten

für die Führung einer rechtlichen

Betreuung. Eine

Ausnahme besteht dann, wenn

sie mittellos ist. In diesem Fall

zahlt die Staatskasse des jeweiligen

Bundeslandes.

• Mittellos ist die rechtlich betreute Person, wenn sie

nicht genügend Einkommen und Vermögen hat. Der

Vermögensschonbetrag, den die rechtlich betreute

Person für die „(Be)Zahlung“ der rechtlichen Betreuung

nicht antasten muss, liegt bei 5.000 Euro. In bestimmten

Einzelfällen kann das Betreuungsgericht

einen höheren Vermögensschonbetrag festlegen,

wenn für die rechtlich betreute Person eine besondere

Härte vorliegt. Dies kann der Fall sein, wenn

durch die Zahlung der Vergütung eine angemessene

Lebensführung oder die Aufrechterhaltung einer angemessenen

Alterssicherung wesentlich erschwert

würde.

• Wichtig: Der zusätzliche Schonbetrag für Menschen,

die Leistungen der Eingliederungshilfe erhalten, ist

bei der Ermittlung der Mittellosigkeit im Rahmen der

Betreuervergütung nicht anwendbar.

• Hinweis: Inwiefern das Vermögen, welches dem volljährigen

Kind im Falle des Todes der Eltern durch

eine Erbschaft zufließt, für die Zahlung der Betreuungsführung

herangezogen wird, hängt von der

Ausgestaltung des Testaments ab. Wollen Eltern ausschließen,

dass die Betreuervergütung und die Ge-

10 // HAUPTSACHE – DAS THEMA


richtskosten für eine rechtliche Betreuung aus dem

Nachlass gezahlt werden, sollten sie mit entsprechender

Beratung ein sogenanntes Behindertentestament

verfassen. Das gleiche gilt auch, wenn die

Eltern verhindern wollen, dass ihr Kind aufgrund der

Erbschaft etwaige Sozialhilfeansprüche verliert.

Welche Vergütung erhalten Berufsbetreuer?

• Berufsbetreuer erhalten für die Führung der rechtlichen

Betreuung eine Vergütung. Sie ist im Gesetz

über die Vergütung von Vormündern und Betreuern

(VBVG) geregelt.

• Die Vergütungshöhe richtet zum einen nach der

Qualifikation der rechtlichen Betreuerin, zum anderen

nach verschiedenen Kriterien, die den Aufwand

der rechtlichen Betreuung abbilden sollen. Eine Rolle

spielt dabei die Dauer der rechtlichen Betreuung,

die Vermögenssituation der rechtlich betreuten Person

und ihr gewöhnlicher Aufenthalt.

• In diesem Zusammenhang verwendet das VBVG

weiterhin die Begrifflichkeiten „stationäre und ambulante

Einrichtungen“. Besonderen Wohnformen

der Eingliederungshilfe gehören hierbei zu den stationären

Einrichtungen.

• Eine zusätzliche Pauschale können Berufsbetreuer

geltend machen bei: der Verwaltung höherer Vermögen

der rechtlich betreuten Person, bei der Übernahme

einer Betreuung von ehrenamtlichen Betreuern

und bei Abgabe einer beruflichen Betreuung an

ehrenamtliche Betreuer.

Wie verhält es sich mit den Kosten ehrenamtlicher

Betreuer?

• Führt eine ehrenamtliche Betreuerin eine rechtliche

Betreuung, erhält sie keine Vergütung. Aber auch

ehrenamtlichen Betreuern können bei der Wahrnehmung

dieses Amtes Kosten, z.B. Fahrt-, Proto-, Telefon-,

Kopierkosten usw. entstehen.

• Diese können ehrenamtliche Betreuer, egal ob es

sich dabei um Angehörige der rechtlich betreuten

Person handelt oder nicht, auf zwei unterschiedlichen

Wegen erstattet bekommen: Aufwandspauschale

oder Aufwendungsersatz.

• Mit der Aufwandspauschale sollen die gesamten

Aufwendungen der rechtlichen Betreuung abgegolten

werden, ohne dass sie im Einzelnen nachgewiesen

werden müssen. Die Pauschale beträgt für ein

Betreuungsjahr und pro rechtliche Betreuung 399,00

Euro.

• Entstehen bei der Wahrnehmung der ehrenamtlichen

Betreuung Kosten von mehr als 399,00 Euro,

können ehrenamtliche Betreuer den Ersatz der konkreten

Aufwendungen geltend machen. In diesem

Fall müssen die entstandenen Kosten einzeln abgerechnet

und nachgewiesen werden. Entscheidend

ist, dass die getätigten Ausgaben zur Führung der

rechtlichen Betreuung notwendig waren. Zudem

muss der ehrenamtliche Betreue die Kosten innerhalb

von 15 Monaten, nachdem sie entstanden sind,

gegenüber der rechtlich betreuten Person oder dem

Betreuungsgericht geltend machen.

Wo gibt es Unterstützung bei der rechtlichen Betreuung?

• Vor allem ehrenamtliche Betreuer sollen bei der Führung

der rechtlichen Betreuung Unterstützung erhalten.

Der Gesetzgeber hat daher Beratungsansprüche

gegenüber der Betreuungsbehörde und

dem Betreuungsgericht vorgesehen.

• Aber auch Betreuungsvereine haben unter anderem

den Auftrag, ehrenamtliche Betreuer zu beraten

und zu unterstützen. Ehrenamtliche Betreuer sollten

sich daher vor Ort informieren, welche Beratungsund

Fortbildungsmöglichkeiten die örtlichen Betreuungsbehörden

und -vereine im Angebot haben.

Möglicherweise existiert vor Ort auch ein Betreuungsverein

der Lebenshilfe, der konsultiert werden

kann.

HAUPTSACHE – DAS THEMA // 11


Jede/r Einzelne ist wichtig!

Rechtliche Betreuung bei der Lebenshilfe Freising

EINFACHE

SPRACHE

Bei der Lebenshilfe Freising kümmern sich

3 Personen um die rechtliche Betreuung. Wenn

Sie Fragen haben, wenden Sie sich bitte an

Frau Haimerl-Kunze, Frau Kratzer oder

Herrn Then. Hier im Text finden Sie die Telefon-

Nummern oder E-Mail-Adressen.

Die Lebenshilfe Freising e.V. fungiert seit Umwandlung

des früheren Vormundschaftsrechts in das zeitgemäße

Betreuungsrecht im Jahr 1992 als anerkannter Betreuungsverein.

Bereits zuvor waren Vormundschaften

und Pflegschaften auf Vereinsbasis übernommen worden.

So wie bei der Lebenshilfe gibt es in Bayern etwa

130 anerkannte Betreuungsvereine, auf Bundesebene

existieren etwa 800. Sie sind unterschiedlich groß und

gehören meist einem Wohlfahrtsverband an.

1. Betreuungen für einzelne Personen

2. Querschnittsarbeit

Betreuungsvereine bemühen sich planmäßig, um

neue ehrenamtlicher Betreuer zu gewinnen und in

ihre Aufgaben einzuführen und fortzubilden. Außerdem

gehört dazu auch die Information zu Vorsorgevollmachten

und Betreuungsverfügungen.

Die Förderung dieser Querschnittsarbeit ist Aufgabe

des Landes und der Kommunen. Daher fördert

das Sozialministerium die Querschnittsaufgaben.

Zusätzlich erhält der Betreuungsverein der Lebenshilfe

Freising einen jährlichen Zuschuss vom Landkreis

Freising, auf den der staatliche Anteil angerechnet

wird.

Zum Großteil finanziert sich unser Betreuungsverein

der Lebenshilfe Freising aus Vergütungen für die Einzelbetreuungen

gemäß den Vorschriften des Vormünder-

und Betreuervergütungsgesetzes. Einzelbetreuungen

führen unsere Mitarbeiter/innen Kerstin

Haimerl-Kunze, Daniela Kratzer und Christian Then.

Diese drei zusammen sind im Umfang von 1,4 Vollzeitstellen

im Betreuungsverein beschäftigt.

Die zwei wesentlichen Aufgaben eines Betreuungsvereins

sind:

>> Rechtliche Betreuer bei der Lebenshilfe Freising sind

Christian Then, Daniela Kratzer und Kerstin Haimerl-Kunze.

Große Bedeutung

Eine rechtliche Betreuung bedeutet immer auch einen

Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der betreuten

Menschen. Denn per Gerichtsbeschluss regelt ein/e

rechtliche/r Betreuer/in quasi von heute auf morgen

wichtige Bereiche im Leben dieser Menschen. Sie/er

hat Zugriff auf Konten, bespricht sich mit Ärzt/innen

und kann darüber bestimmen, wo die Betreuten leben.

Grundsätzlich sind Eltern nicht verpflichtet, für Ihre

Kinder auch die rechtliche Betreuung bei Volljährigkeit

zu übernehmen. Für die meisten ist es jedoch eine

selbstverständliche Aufgabe und auch ihr eigener

Wunsch, dem nachzukommen. Allerdings gibt es auch

Umstände auf dem Weg des Erwachsenwerdens, die

veranlassen, dass gerade nicht den Eltern die Betreuung

Ihrer Tochter bzw. ihres Sohns übertragen werden.

Wenn dann zuerst eine Person außerhalb der Familie

als Betreuer/in bestellt wird, kann möglicherweise

nach gewisser Zeit die Aufgabe dann doch von Eltern

übernommen werden.

12 // HAUPTSACHE – DAS THEMA


Viele Menschen haben durch reißerische Medienberichte,

in denen einzelne schlechte Beispiele von rechtlichen

Betreuer/innen aufgegriffen werden, große Vorbehalte.

Es wird oft verkannt, dass dies nur wenige

schwarze Schafe sind, die Hilfsbedürftige in Not

schamlos ausnutzen. Erfahrungsgemäß gibt es auch

unter Familienangehörigen, die z.B. als Vorsorgebevollmächtigte

eingesetzt sind, ebenso schlechte Beispiele.

Letztendlich steht fest, dass die allermeisten

rechtlichen Vertreter/innen ihre Aufgaben sehr gewissenhaft

wahrnehmen und die notwendige Unterstützung

organisieren.

Beispiele aus der Praxis

Dass die rechtliche Betreuung eine anspruchsvolle

Aufgabe mit hoher Verantwortung ist, sollen einige

Praxisbeispiele verdeutlichen:

Eltern als Betreuer für Ihre volljährigen Kinder

Herr Müller ist 82 Jahre alt und der rechtliche Betreuer

für seinen Sohn, der in einem Wohnhaus der

Lebenshilfe Freising lebt. Er ringt mit sich, ob er weiterhin

zu seiner Aufgabe stehen soll und überlegt,

wer sein/e Nachfolger/in sein könnte. Dazu holt er

sich Rat beim Betreuungsverein. Er überlegt mit

der/m Mitarbeiter/in, wer aus dem Familienkreis in

Frage käme. Falls keine geeignete Person in Aussicht

steht, meldet Herr Müller dem Betreuungsgericht,

dass er seine Verpflichtung abgeben möchte.

Das Betreuungsamt wird dann eine/n Fremdbetreuer/in

für den Sohn von Herrn Müller suchen

und den Vorschlag dem Gericht zur Entscheidung

vorlegen.

Betreuung und Erbschaft

Herr Papadopoulos ist griechischer Staatsangehöriger und im

Pflegeheim in Freising. Er wird zum Miterben, als sein älterer

Bruder in Athen an einem Herzinfarkt auf der Straße verstirbt.

Der Betreuer von Herrn Papadopoulos geht mit ihm zum Konsulat,

um die Zustimmung abzugeben, damit die Witwe die

persönlichen Gegenstände (Bargeld, Mobiltelefon) erhält, die

der Tote bei sich trug. Zwei Jahr später bekommt Herr Papadopoulos

vom griechischen Gericht ein Schreiben. Nach Übersetzung

stellt sich heraus, dass zum Nachlass noch der Anteil

an einem Grundstück gehört, an dem über 50 Verwandte als

Erbengemeinschaft beteiligt sind. Das Erbe darf nicht ausgeschlagen

werden, da es offensichtlich nicht wertlos ist, und die

Heimkosten von der Sozialhilfe getragen werden. Der Wert des

Grundstücks ist unbestimmt. Der Betreuer hat den Erbanteil zu

klären. Er schaltet einen Übersetzungsdienst ein und beauftragt

mit einem Beratungs hilfeschein eine/n Fachanwalt/in zur

Klärung der Erbsache.

Letzter Weg

Frau Schmidt (87 Jahre) lebt seit vielen Jahren im Pflegeheim

und hat eine rechtliche Betreuerin. Sie ist bettlägerig und fast

völlig erblindet. Angehörige sind nicht bekannt und eine Patientenverfügung

liegt nicht vor. Auf Anordnung des Hausarztes

wurde vor einem halben Jahr eine Magensonde durch die

Bauchdecke (PEG) angelegt, weil vermehrt Schluckstörungen

auftraten. Frau Schmidt lebt noch über zwei Jahre in unverändertem

Zustand. Mit dem Tod erlöschen die Rechte und Pflichten

der Betreuerin. Weil keine Angehörigen bestehen, ist die

Gemeinde bestattungspflichtig. Das Ordnungsamt veranlasst

eine sogenannte Sozialbestattung, da Frau Müller nur geringes

Vermögen hat. Bei der Trauerfeier ist außer dem kirchlichen

Vertreter nur die Betreuerin dabei.

Wunsch von Betreuten

Verwitwete Pensionistin, kinderlos, hatte ihre

Freundin als Bevollmächtigte eingesetzt, die sich

um ihre Belange kümmern sollte. Mit fortschreitender

Demenzerkrankung wurde es immer aufwändiger

für die Bevollmächtigte, sodass sie Ihr Amt abgab

und ein Vereinsbetreuer bestellt wurde. Am

einfachsten wäre es gewesen, zur weiteren Versorgung

der Frau einen Heimplatz zu organisieren. Da

aber der Wunsch der Betreuten zum Verbleib in ihrer

Wohnung vorrangig zu beachten ist, wurde das

mit dem entsprechenden Aufwand bis zum Lebensende

noch einige Jahre ermöglicht.

>> Christian Then

Rechtlicher Betreuer

bei der Lebenshilfe Freising

Bei Fragen können Sie sich wenden an:

• Kerstin Haimerl-Kunze

E-Mail: kerstin.haimerl-kunze@lebenshilfe-fs.de, Tel: 08751 8459788

• Daniela Kratzer

E-Mail: daniela.kratzer@lebenshilfe-fs.de, Tel: 08764 3539968

• Christian Then

E-Mail: christian.then@lebenshilfe-fs.de, Tel: 08161 4830-158

HAUPTSACHE – DAS THEMA // 13


Weitere Auskunftsmöglichkeiten:

Amtsgericht Freising, Abteilung Betreuungssachen

Domberg 20, 85354 Freising

Tel.: 08161 180-01

www.justiz.bayern.de/gericht/ag/fs

Landratsamt Freising

Betreuungsamt (Nebenstelle am Klinikum)

Landshuter Str. 31, 85356 Freising

Telefon 08161 600-470

www.kreis-freising.de

Weitere Infos gibt es auch beim Bayerischen

Justizministerium: allgemein unter

www.justiz.bayern.de/service/rechtlicheBetreuung

oder einzelne Informationsmaterialien unter

www.justiz.bayern.de/service/broschueren.

Dort kann man auch eine Broschüre zum Betreuungsrecht

in Leichter Sprache herunterladen.

Reform der Leistungen

für Kinder mit Behinderungen

Lebenshilfe: Die Kinder- und Jugendhilfe muss endlich inklusiv werden!

EINFACHE

SPRACHE

Kindern und Jugendlichen soll es besser gehen,

egal ob sie eine Behinderung haben oder nicht.

Deshalb gibt es bald ein neues Gesetz. Alle

sollen das gleiche Recht haben. Alle sollen die

gleiche Hilfe bekommen. Alle sollen mitreden

können!

Das Bundeskabinett hat am 2. Dezember 2020 den Gesetzentwurf

für ein neues Kinder- und Jugendstärkungsgesetz

beschlossen. Damit wird das Sozialgesetzbuch

(SGB) VIII – das Kinder- und Jugendhilfegesetz

reformiert. Ziel des Gesetzes ist, Teilhabe und Chancengerechtigkeit

von jungen Menschen zu stärken, die

besonderen Unterstützungsbedarf haben.

Bundesjugendministerin Franziska Giffey erklärte:

„Eine moderne Kinder- und Jugendhilfe ist für diejenigen

jungen Menschen da, die in einem schwierigen

Umfeld aufwachsen, belastenden Situationen ausgesetzt

sind oder drohen, von der sozialen Teilhabe abgehängt

zu werden. Das sind über eine Million Kinder

und Jugendliche in Deutschland. Mit dem neuen Kinder-

und Jugendstärkungsgesetz ermöglichen wir

jetzt wichtige Verbesserungen für sie. Wir haben fünf

große Regelungsziele: Schützen, Stärken, Helfen, Unterstützen,

Beteiligen. Kinder und Jugendliche werden

mit ihren Eltern künftig aktiv einbezogen. Und junge

Menschen sollen Kinder- und Jugendhilfen aus einer

Hand bekommen, die perspektivisch auch nicht mehr

zwischen Kindern mit und ohne Behinderung unterscheidet.

Denn: Jedes Kind ist erst einmal ein Kind. Und

die Kinder- und Jugendhilfe sollte der erste Ansprechpartner

für alle sein.“

Mit der Reform sollen Probleme behoben werden, die

aktuell noch zwischen den Leistungssystemen der Kinder-

und Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe bestehen.

Noch erhalten Kinder und Jugendliche mit einer

körperlichen oder geistigen Behinderung

Leistungen der Eingliederungshilfe. Kinder und Jugendlich

mit einer seelischen Behinderung liegen im

Zuständigkeitsbereich der Kinder- und Jugendhilfe.

Der Entwurf zeigt nun, wie eine inklusive Lösung im

Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention aussehen

soll.

14 // HAUPTSACHE – DAS THEMA


Lebenshilfe: Die Kinder- und Jugendhilfe muss endlich

inklusiv werden!

Die Bundesvereinigung Lebenshilfe hat lange auf das

neue Gesetz gewartet. Sie begrüßt den guten Entwurf.

Es darf jetzt aber keine Verzögerungen mehr geben.

Schon seit vielen Jahren fordert die Lebenshilfe eine

inklusive Kinder- und Jugendhilfe, damit auch Kinder

mit Behinderung und ihre Familien deren Leistungen

erhalten können. Mit dem Kinder- und Jugendhilfestärkungsgesetz

hat das Bundesfamilienministerium

nun endlich einen Gesetzentwurf vorgelegt, der diesen

Anspruch erfüllt. „Die Lebenshilfe ist sehr froh über

die Reform, aber das Gesetz muss jetzt auch kommen!

In Anbetracht der Bundestagswahl 2021 darf keine

Zeit mehr vertan werden“, sagt die Bundesvorsitzende

Ulla Schmidt, MdB und Bundesministerin a.D.

Das neue Gesetz soll den Kinder- und Jugendschutz

verbessern, Pflege- und Heimkinder stärken, Kindern

und Jugendlichen mehr Beteiligung sichern, sie mit

Ombudsstellen unterstützen und vor allem endlich

eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe schaffen. Die

Lebenshilfe begrüßt in ihrer Stellungnahme vom 26.

Oktober 2020 sehr, dass das Familienministerium nun

die Belange von jungen Menschen mit Behinderung

ernsthaft in den Blick nimmt. Mit der Regelung, dass

alle Jugendhilfe-Leistungen künftig inklusiv sein müssen,

stellt der Entwurf einen Meilenstein für mehr Teilhabe

von jungen Menschen mit Behinderung und deren

Familien dar.

Das vorgelegte Gesetz sieht überdies vor, dass von

2022 bis 2028 die Leistungen zur Teilhabe für Kinder

mit körperlichen und geistigen Behinderungen insgesamt

in die Zuständigkeit der Jugendämter fallen. Dieser

Übergang soll vorbereitet, wissenschaftlich begleitet

und überprüft werden. Außerdem sollen junge

Menschen mit Behinderung und ihre Eltern durch sogenannte

Verfahrenslotsen bei den Jugendämtern unterstützt

werden. 2028 soll ein weiteres Reformgesetz

einzelne Regelungen zum Zuständigkeitswechsel treffen.

Die Lebenshilfe hält den gestreckten Umsetzungszeitraum

hinsichtlich der Herausforderung des Strukturumbaus

für angemessen. Allerdings muss 2028 dann

auch Schluss sein. Eine Verzögerung der zweiten Reformstufe

nach 2028 muss im Sinne der Kinder und Eltern

unbedingt vermieden werden, damit das Hin- und

Her zwischen den Ämtern endlich aufhört. Im Gesetzentwurf

noch unbeachtet bleiben Eltern mit Behinderung.

Diese Leerstelle muss im weiteren Gesetzesvorhaben

unbedingt geschlossen werden.

Eckpunkte des Entwurfs zu Leistungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen

• Kinder und Jugendliche mit Behinderungen aller • Ab 2024 sollen Verfahrenslotsen in den Jugendämtern

leistungsberechtigte Kinder und Jugendliche

Art sollen unter dem Dach Kinder- und Jugendhilfe

im SGB VIII zusammengeführt werden.

und ihre Familien als feste Ansprechpartner hinsichtlich

der Zuständigkeiten und Verfahren unter-

• Für die Umsetzung ist ein Zeitraum von sieben Jahren

angefacht. Die Regelungen treten stufenweise stützen.

in Kraft.

• Zum 1. Januar 2027 sollen u.a. der leistungsberechtigte

Personenkreis, Art und Umfang der Leistung

• Zunächst stehen der Ausbau der inklusiven Kinderbetreuung,

die verstärkte Zusammenarbeit der und die Kostenbeteiligung mit einem weiteren Gesetz

geregelt sein.

Leistungsträger, Erweiterung der Beratungs- und

Unterstützungsaufgaben der Kinder- und Jugendhilfe

und die Zusammenarbeit im Gesamt- und gendlichen mit Behinderungen an die Träger der

• 2028 soll die Zuständigkeit für alle Kinder und Ju-

Hilfeplanverfahren im Vordergrund.

Kinder- und Jugendhilfe übergehen.

HAUPTSACHE – DAS THEMA // 15


OBA-Förder-Richtlinien auf dem Prüfstand

Unverzichtbar: Mehr Fachkräfte für Offene Behindertenarbeit nötig

EINFACHE

SPRACHE

Fast alle Menschen mit Behinderung kennen

die OBA, die Offene Behinderten-Arbeit. Da

kann man tolle Kurse machen: Sport oder

Kunst. Oder man geht mit einer OBA-Gruppe

ins Kino oder zu einem Konzert. Man kann bei

Ausflügen mit-fahren oder sogar in Urlaub. Die

OBA hilft auch, dass Menschen mit und ohne

Behinderung sich kennen-lernen, bei Treffs

oder im Verein. Die OBA entlastet dadurch auch

die Eltern oder Familien von Menschen mit

Behinderung. Für diese wichtigen Aufgaben

braucht die OBA aber auch gute Mitarbeiter

und Fach-Kräfte.

Die Offene Behindertenarbeit (OBA) der Lebenshilfe

Bayern ermöglicht Teilhabe, schafft Netzwerke und

entlastet Angehörige – niedrigschwellig, flexibel und

vielfältig. Ihre Aufgaben sind in den letzten Jahren stetig

gewachsen. Nun werden die OBA-Förder-Richtlinien

in Bayern überarbeitet. „Diese Hilfen sind für viele

unverzichtbar – im Alltag und im Notfall“, so die Landesvorsitzende

Barbara Stamm. Dafür braucht es neben

den vielen ehrenamtlich Aktiven auch ausreichend

Fachpersonal.

OBA fördert Inklusion

Immer mehr Menschen, auch mit hohem Unterstützungsbedarf,

und ihre Familien nutzen diese offenen

Angebote der Lebenshilfen in Bayern. „Wir begrüßen

das sehr!“, betont die Landesvorsitzende und ehemalige

Landtagspräsidentin. Es bedeute mehr Teilhabe,

mehr Selbstbestimmung, mehr Inklusion – ganz im

Sinne der UN-Behinderten-Rechts-Konvention, die seit

über 10 Jahren in Kraft ist. Und es bedeute verlässliche

Hilfen für die Familien. „Als Elternverband wissen wir,

wie wichtig, ja dringend notwendig diese Unterstützung

und Entlastung für viele Eltern und Geschwister

ist,“ erläutert die Landesvorsitzende.

Mehr Fachkräfte nötig

Der gestiegene Bedarf an Beratung, an Bildungs- und

Freizeitangeboten, an individueller Assistenz und an

Unterstützung von Familien hat auch die fachlichen

Anforderungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

der OBA in den letzten Jahren enorm erhöht. Sie

müssen Menschen mit Behinderungen und ihre Familien

in diesem komplexen System fundiert beraten und

sicher begleiten können. Dafür braucht es gut ausgebildete

Fachkräfte, die wiederum ehrenamtlich Aktive

für die OBA gewinnen können und diesen in ihrem

Engagement zur Seite stehen.

16 // HAUPTSACHE – DAS THEMA


Gemeinsam ein inklusives Europa gestalten

Erklärung zur Europäischen Behinderten-Strategie verabschiedet

EINFACHE

SPRACHE

Im November gab es den Europäischen

In klusions-Gipfel. Dabei trafen sich die

Beauftragten für Menschen mit Behinderungen

aus 27 Ländern in Europa. Aber wegen Corona

nur im Internet. Die Teilnehmer des Treffens

fordern: Weniger Barrieren für Menschen mit

Behinderung! Mehr Schutz vor allem für Kinder

und Frauen! Mehr Recht zum Mitreden!

Die Deklaration selbst ist in englischer Sprache verabschiedet

worden. Hier ist eine deutschsprachige Zusammenfassung:

Am 18. November 2020 verabschiedete das erste Europäische

Gipfeltreffen für Inklusion (European Inclusion

Summit) eine Deklaration für eine starke Europäische

Behinderten-Strategie. Diese ist für die mehr als 87 Millionen

Menschen mit Behinderungen in der Europäischen

Union von grundlegender Bedeutung. Sie ist

das wichtigste Instrument zur Umsetzung der Vorgaben

der UN-Behindertenrechtskonvention innerhalb

der Europäischen Union. Neben der institutionellen

Stärkung der politischen Einflussmöglichkeiten auf

EU-Ebene nimmt sie insbesondere folgende vier Themen

in den Blick:

• eine entschlossene Umsetzung des „European Accessibility

Acts“ – gleicher Zugang aller Menschen zu

öffentlichen und privaten Gütern und Dienstleistungen,

• konsequente Barrierefreiheit bei allen digitalen Produkten

und Dienstleistungen,

• mehr Schutz für Menschen mit Behinderungen vor

Gewalt – insbesondere für Kinder und Frauen.

• eine stärkere Einbindung von Menschen mit Behinderungen

in die Entwicklungszusammenarbeit und

die Politik der humanitären Hilfe.

Erklärung der Vertreterinnen und Vertreter für die

Belange von Menschen mit Behinderungen der

EU-Mitgliedstaaten

– Zusammenfassung auf Deutsch –

Gemeinsam ein inklusives

Europa gestalten

Berlin, 18. November 2020

I. Eine erfolgreiche „European Disability Strategy“

für das nächste Jahrzehnt

In der Europäischen Union leben ungefähr 87 Millionen

Menschen über 16 Jahre mit einer Behinderung

(Quelle: Eurostat, EU-SILC 2018). Die „European

Disability Strategy“ ist das wichtigste Instrument

zur Umsetzung der Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention

(UN-BRK) innerhalb der Europäischen

Union. Deshalb fordern die Beauftragten,

dass die Europäische Kommission eine kohärente,

ehrgeizige neue Strategie für das nächste Jahrzehnt

vorlegt. Weitere Forderungen und Empfehlungen

sind unter anderem:

HAUPTSACHE – DAS THEMA // 17


1. Institutionelle und strukturelle Empfehlungen

• Die Generaldirektionen der EU-Kommission und

weitere EU-Institutionen sollen Anlaufstellen für

Menschenmit Behinderungen einrichten.

• Die neue Strategie soll prioritäre Maßnahmen,

Zeitpläne und finanzielle Ressourcen aufzeigen.

Die Maßnahmen sollen evaluiert und an neue

Entwicklungen angepasst werden.

• Vorschriften für EU-Strukturfonds sollen strenge

Bestimmungen zu den Anforderungen an die Zugänglichkeit

enthalten.

• Die Beauftragten empfehlen, das Amt eines beziehungsweise

einer Europäischen Behindertenbeauftragten

zu schaffen, der oder die bei allen

politischen Vorhaben der Europäischen Union,

die die Belange von Menschen mit Behinderungen

berühren, zu beteiligen ist und sich für die

Verwirklichung ihrer Rechte einsetzt.

5. Digitalisierung

• Neue Medien und Techniken sind für Menschen

mit Behinderungen nur dann nutzbar, wenn sie

konsequent barrierefrei konzipiert werden und

ihr Zugang ausnahmslos gesichert ist.

• Alle Strategien, Ideen und konkreten Maßnahmen

sowie Förderungen und Ausschreibungen

im Bereich Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz

auf europäischer Ebene sollen den Aspekt

der Barrierefreiheit nicht nur berücksichtigen,

sondern auch aktiv fördern.

• Auch der Zugang zu den hochleistungsfähigen

digitalen und mobilen Netzen muss für alle möglich

und bezahlbar sein. Dies gilt auch für Menschen

mit Behinderungen in Einrichtungen. Es

schließt die Befähigung, mit der Technik umgehen

zu können, mit ein. Die „Digital Decade“ soll

auch eine „Accessible Decade“ sein.

2. Disability Mainstreaming

• Da Politik für Menschen mit Behinderungen ein

Querschnittsthema ist, sollten alle Rechtsakte,

Vorhaben und Programme darauf geprüft werden,

ob Belange von Menschen mit Behinderungen

berührt sind.

3. Datenerhebung

• Die empirische Grundlage muss verbessert werden.

Es sollen wesentliche behinderungsbezogene

Indikatoren erhoben werden - insbesondere in

den Bereichen Beschäftigung, Bildung, Armut

und Gesundheitsversorgung jeweils differenziert

nach Alter, Geschlecht und Art der Behinderung.

4. Entschlossene Umsetzung des European Accessibility

Acts

• Gleiche Zugangsmöglichkeiten aller Menschen

zu allen öffentlichen und privaten Gütern und

Dienstleistungen sind aus Sicht der Beauftragten

Merkmal einer modernen, qualitätsorientierten

und damit letztlich international wettbewerbsfähigen

europäischen Wirtschaft und Gesellschaft.

• Die Beauftragten erwarten, dass alle Anstrengungen

unternommen werden, um Barrierefreiheit

im Bereich privater Güter und Dienstleistungen

entschlossen und zeitnah umzusetzen.

II. Mindestsicherung

• Menschen mit Behinderungen sind überdurchschnittlich

oft von Armut und sozialer Ausgrenzung

bedroht.

• Die Beauftragten begrüßen ausdrücklich die

Schlussfolgerungen des Rats vom 9. Oktober zur

„Stärkung der Mindestsicherung zur Bekämpfung

von Armut und sozialer Ausgrenzung in der CO-

VID-19-Pandemie und darüber hinaus“ (Doc.

11721/2/20).

• Die Europäische Kommission soll im Rahmen ihrer

in den Verträgen festgelegten Zuständigkeiten

die Politik der Mitgliedsstaaten im Hinblick

auf nationale Mindestsicherungssysteme unterstützen.

III. Menschen mit Behinderungen vor Gewalt

schützen

• Die Beauftragten sind tief besorgt darüber, dass

Kinder und Frauen mit Behinderungen mehrfachen

und sich überschneidenden Formen der

Diskriminierung ausgesetzt sind und dabei überdurchschnittlich

häufig Opfer von Gewalt sind.

• Mit Bezug auf die UN-Kinderrechtskonvention

und die UN-Behindertenrechtskonvention wird

die EU- Kommission aufgefordert, Gewalt gegen

Menschen mit Behinderungen – insbesondere

Gewalt gegen Kinder und Frauen – systematisch

zu bekämpfen. Auch die Mitgliedstaaten sollen

18 // HAUPTSACHE – DAS THEMA


sich in ihrer jeweiligen nationalen Gesetzgebung

mit diesem Thema auseinandersetzen.

IV. COVID-19

• Für Menschen mit Behinderungen hat die Krise

bereits bestehende Problemlagen verschärft und

finanzielle Lücken und Schwierigkeiten im praktischen

Alltagshandeln offenbart. Im Einzelnen:

• Tagesaktuelle Informationen müssen für alle verfügbar

sein – barrierefrei, wie zum Beispiel in Gebärdensprache,

mit Untertiteln, in Leichter Sprache,

in Braille-Schrift.

• Die Chancengleichheit in der allgemeinen und

beruflichen Bildung muss gewährleistet sein. Die

Mitgliedstaaten werden aufgefordert, während

der Pandemie eine angemessene Unterstützung

für Studierende mit Behinderungen bereitzustellen

und aufrechtzuerhalten. Zugängliche und

umfassende Bildung muss auch im Online-Umfeld

gewährleistet sein.

• Die Freiheit, Teilhabe und Unabhängigkeit für

Menschen mit Behinderungen darf nicht stärker

eingeschränkt werden oder strengeren Anforderungen

und Regeln unterliegen als für Menschen

ohne Behinderungen. Es braucht Schutzkonzepte

für Menschen, die in gemeinschaftlichen Lebensumständen

leben, die Partizipation, Selbstbestimmung

und Inklusion ermöglichen und Isolation

und Fremdbestimmung entgegenwirken. Die

Mitgliedstaaten werden aufgefordert, die Bemühungen

zur De-Institutionalisierung zu verstärken,

da das Leben in der Gemeinschaft ein höheres

Risiko für die Ausbreitung der Infektion

darstellt.

• Infolge der Corona-Pandemie wächst auch die

Zahl der arbeitslosen Menschen mit Behinderungen

in Europa. Ziel der Mitgliedstaaten muss es

sein, die Anstrengungen für die berufliche Teilhabe

von Menschen mit Behinderungen auf dem

allgemeinen Arbeitsmarkt – wie es die UN-BRK in

Artikel 27 festlegt – weiter zu erhöhen.

• Während der COVID-19-Pandemie sind viele

Strukturen und andere Hilfen, die Menschen mit

Behinderungen und ihren Familien wesentliche

Unterstützung bieten, weggebrochen. Insbesondere

Frauen, die sich um die Pflege kümmern,

sind hiervon betroffen. Aus diesem Grund sollten

Familien in besonders schwierigen Situationen

sowie Betreuer von Menschen mit Behinderungen

angemessene Unterstützung erhalten.

• Bereits jetzt ist absehbar, dass die Bewältigung

der COVID-19-Pandemie längere Zeit in Anspruch

nehmen wird. Damit rückt die Sicherung der regulären

Gesundheitsversorgung von Menschen

mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen

wieder mehr in den Fokus. Die medizinische

Versorgung muss an die geänderten Rahmenbedingungen

angepasst werden. Alle Menschen mit

Behinderungen müssen einen uneingeschränkten

und barrierefreien Zugang zu allen Gesundheitsdiensten

und Gesundheitsdienstleitungen

haben.

V. Internationale Zusammenarbeit

• Menschen mit Behinderungen sollen systematischer

und nachhaltiger in die Entwicklungszusammenarbeit

und die Politik der humanitären

Hilfe eingebunden werden – um im Sinne der

Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung Veränderungsprozesse

anzustoßen und das Leben von

Menschen mit Behinderungen nachhaltig zu verbessern.

• Die EU-Kommission soll Inklusion und Zugänglichkeit

zum Querschnittsthema der europäischen

Entwicklungszusammenarbeit und der Politik

der humanitären Hilfe machen.

HAUPTSACHE – DAS THEMA // 19


Corona-Frust wie weggezaubert

Wir Bewohner vom Juliane-Maier-Haus meistern immer wieder neue Situationen

EINFACHE

SPRACHE

Der ganze Text ist in einfacher Sprache.

Der Zauberer

und sein

Assistent:

Werner Link

und Oliver

Falkner

Toller Besuch im Juliane-Maier-Haus:

Zauberer Werner Link

Die Bewohnerinnen und Bewohner

vom Juliane-Maier-Haus

hatten ihren Spaß.

Was er wohl alles aus seinem Koffer zaubert? Alle waren sehr gespannt.

20 // VOLL DABEI – DIE SEITE VON MENSCHEN MIT BEHINDERUNG


#

Jetzt Mitglied werden bei der

Warum soll ich Mitglied beim Verein Lebenshilfe Freising werden?

1. Starke Lebenshilfe – starke Menschen mit Behinderung

2. Viele in der Lebenshilfe – Viele für Menschen mit Behinderung

3. Ich in der Lebenshilfe – jetzt kann ich mit-reden

4. Ich in der Lebenshilfe – ich kriege mehr

ICH WERDE MITGLIED (IN LEICHTER SPRACHE)

Ja, ich will Mitglied der Lebenshilfe Freising e.V. werden.

Mein Familien-Name ist __________________________________

Mein Vor-Name ist_______________________________________

Meine Straße heißt: _____________________________________

Ich bin geboren am ___________________

Haus-Nummer: _______________________

Ich wohne in diesem Ort (mit Post-Leit-Zahl): _________________________________________________________

Meine Telefon-Nummer:________________________

Meine E-Mail-Adresse:_______________________________

Ich habe eine Behinderung. Ich zahle den Mitglieds-Beitrag von 12 Euro im Jahr.

Ich habe keine Behinderung. Ich zahle den Mitglieds-Beitrag von 31 Euro im Jahr.

als Förderer als Angehöriger der/des Betreuten ___________________ Einrichtung ________________

Ich bin Angehöriger von einem Mitglied des Vereins Lebenshilfe.

Das Mitglied heißt: _____________________________________

Deshalb zahle ich den Familien-Beitrag von 19 Euro im Jahr.

Ich will die Lebenshilfe noch mehr unterstützen. Ich zahle _____________ Euro im Jahr.

Ich bin MitarbeiterIn der Lebenshilfe in der Einrichtung _______________________________

Ich schreibe einen Brief, wenn ich nicht mehr Mitglied sein will.

Ich will Mitglied werden. Deshalb unterschreibe ich hier:

Ort und Datum _________________________

Unterschrift _________________________

Wenn ich einen gesetzlichen Vertreter habe, muss der hier unterschreiben:

Ort und Datum _________________________

Unterschrift _________________________

Ich weiß: Meine Daten werden verarbeitet solange ich Mitglied bin.

Infos stehen auf der Internet-Seite der Lebenshilfe Freising: www.lebenshilfe-fs.de/mitglied-werden.html

Ort und Datum _________________________

Unterschrift _________________________


Mitglied werden bei der

#

ICH ZAHLE MEINEN MITGLIEDS-BEITRAG

Hinweis: Diese Seite ist nicht leicht zu verstehen. Leider dürfen wir den Text nicht verändern.

Deshalb bitten wir Sie: Lassen Sie sich helfen, wenn Sie diese Seite ausfüllen und unterschreiben.

Erteilung einer Einzugsermächtigung und eines SEPA-Lastschriftmandats

Lebenshilfe Freising e.V., Gartenstr. 57, 85354 Freising

Gläubiger-Identifikationsnummer DE60ZZZ00000321511

Die Lebenshilfe Freising e.V. darf einen Mitglieds-Beitrag von

Euro von meinem Konto abbuchen.

Nachname und Vorname des Kontoinhabers

Straße und Hausnummer

Postleitzahl und Ort

Ort und Datum

Unterschrift des Kontoinhabers

1. Einzugsermächtigung

Ich ermächtige die Lebenshilfe Freising e.V. widerruflich, die von mir zu entrichtenden Zahlungen bei Fälligkeit durch Lastschrift von

meinem Konto einzuziehen. Nach schriftlicher Benachrichtigung durch die Lebenshilfe Freising e.V. über die Umstellung auf die

SEPA-Lastschrift gilt das folgende SEPA-Lastschriftmandat. Die Einzugsermächtigung erlischt dann.

2. SEPA-Lastschriftmandat

Ich ermächtige die Lebenshilfe Freising e.V., Zahlungen von meinem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein

Kreditinstitut an, die von der Lebenshilfe Freising e.V. auf mein Konto gezogenen Lastschriften einzulösen.

Hinweis: Ich kann innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen.

Es gelten dabei die mit meinem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen.

Kreditinstitut

IBAn

BIC

Ort und Datum

Unterschrift des Kontoinhabers

Unterschrift des gesetzlichen Vertreters:

Ort und Datum

Unterschrift

Wenn ich alles ausgefüllt und unterschrieben habe, schicke ich das Blatt an:

Lebenshilfe Freising e.V., Gartenstraße 57, 85354 Freising


Mit Engagement, Durchhaltevermögen

und Herzblut

Vorstand und Geschäftsleitung danken Beschäftigten zum Jahreswechsel

EINFACHE

SPRACHE

Seit einem halben Jahr gibt es bei uns

Corona. Man kann davon krank werden

oder sogar sterben. Das ist schlimm für

alle Menschen. Die Betreuer bei der

Lebenshilfe helfen, so gut es geht. Die

Lebenshilfe sagt allen Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern: Vielen Dank für die

super Arbeit in diesem schwierigen

Jahr 2020!

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

der Lebenshilfe Freising!

Ein Jahr geht bald zu Ende, dass noch nie da war. Die

Corona-Pandemie hat unser ganzes Land, ja die ganze

Welt vor Herausforderungen gestellt, auf die wir nicht

vorbereitet waren. Auch die Lebenshilfe Freising mit

ihren über 1200 betreuten Menschen und über 600

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern musste sich in ganz

kurzer Zeit neu orientieren.

Im Frühjahr 2020 waren unserer Einrichtungen durch

den notwendigen Lockdown besonders gefordert:

manche mussten wochenlang schließen, manche hielten

nur einen Notbetrieb bereit. Bei einigen Einrichtungen

fiel hingegen quasi über Nacht viel mehr Arbeit

an, was nur durch schnelle Unterstützung

solidarisch und kollegial gemeistert werden konnte.

Auch für die betreuten Menschen konnte der gewohnte

Tagesablauf mit dem Gang zur Arbeit oder Therapien

nicht stattfinden, Besucher konnten gar nicht oder

nur stark eingeschränkt empfangen werden. Das war

für unsere Menschen mit Behinderungen und ihre Familien

eine große Belastung.

Diese für alle anstrengende und unsichere Situation

konnte nur durch Sie, unsere Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter, gemeistert werden! Wir persönlich und

mit uns auch der gesamte Vorstand der Lebenshilfe

Freising möchten uns ganz herzlich für Ihre sehr gute

und wichtige Arbeit in diesem Jahr 2020 bedanken!

Unser größter Respekt, unsere Anerkennung und

höchstes Lob gebühren allen unseren Beschäftigten!

Sie stehen diese leider noch andauernde schwierige

Situation mit gegenseitiger Aushilfe, Engagement,

Durchhaltevermögen, mit Herzblut und einer positiven

Grundstimmung hervorragend durch! Wir danken

Ihnen allen recht herzlich dafür!

Zum bevorstehenden Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel

wünschen wir Ihnen ruhige Stunden und ein

wenig Erholung, wenn auch diesmal im kleineren Kreis

ihrer Familien. Unser besonderer Dank gilt den Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern, die auch über die Feiertage

für die Menschen mit Behinderungen in unseren

Einrichtungen da sind!

Wir alle hoffen auf ein gutes, ein besseres neues Jahr

2021. Dazu wünschen wir Ihnen Gesundheit, Glück

und Erfolg!

Es grüßen Sie ganz herzlich

Ihre

Monika Haslberger im Namen des gesamten Vorstands

Michael Schwaiger, Geschäftsführung

Johannes Reicheneder, Geschäftsführung

SO WAR´S – DIE CHRONIK DER LEBENSHILFE FREISING // 23


Bereichsleiterin Hildegard Waldinger

im Ruhestand

Seit 1997 im Einsatz für Kinder und Jugendliche bei der Lebenshilfe

EINFACHE

SPRACHE

Viele kennen Frau Hildegard Waldinger. Sie hat

bis jetzt alle Früh-Förderungen, die Kitas,

Krippen und Horte, die Tagesstätte und die

Förder-Schule bei der Lebenshilfe geleitet.

Das heißt Bereichs-Leitung für Kinder und

Jugend liche. Das war viel Arbeit. Manchmal

war das sehr anstrengend. Aber jetzt kann

Frau Waldinger entspannen. Sie ist ab dem Jahr

2021 in Ruhestand. Das heißt: Sie muss nicht

mehr arbeiten!

Vielen Dank für die viele Arbeit, liebe Frau

Waldinger! Machen Sie es gut!

„Über 600 Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Lebenshilfe

Freising und unzählige Kinder und Jugendliche

sagen heute ganz offiziell Lebewohl zu ihrer langjährigen

Bereichsleiterin Frau Hildegard Waldinger.“

– Mit diesen Worten von Geschäftsführer Michael

Schwaiger begann am 10. Dezember 2020 eine der

Corona-Pandemie geschuldet kleine Verabschiedung

für Frau Hildegard Waldinger. Nur die Spitzen von Vorstand

und Geschäftsführung – 1. Vorsitzende Monika

Haslberger und die Geschäftsführer Michael Schwaiger

und sein Stellvertreter Johannes Reicheneder –

überbrachten den Dank der gesamten Lebenshilfe

zum Abschied von Frau Waldinger in den Ruhestand.

Begonnen hatte Hildegard Waldingers Arbeit für die

Lebenshilfe Freising im April 1997 als Leiterin der Frühförderstelle

Freising, damals noch in der Unteren Domberggasse

in Freising. Zugleich wurde sie auch Bereichsleitung

für die beiden weiteren Frühförderungen

in Moosburg und Neufahrn. Schon im September 1997

erfolgte die Erweiterung der Bereichsleitung auf alle

Integrativen Kindergärten der Lebenshilfe. Im Jahres-

>> Dank und Abschied von Bereichsleitung Hildegard Waldinger (Mitte) durch 1. Vorsitzende Monika Haslberger

(l.), Geschäftsführer Michael Schwaiger (2.v.l.) und Stellvertreter Johannes Reicheneder (r.) in der BiG-Aula.

24 // SO WAR´S – DIE CHRONIK DER LEBENSHILFE FREISING


>> Ob mit Strick-Bauhelm, beim Besuch der Lebenshilfe-Bundesvorsitzenden

Ulla Schmidt, bei der

BiG-Grundsteinlegung oder im Büro: Hildegard

Waldinger engagierte sich über 20 Jahre für die

Lebenshilfe Freising.

takt konnte Frau Waldinger dann neue Einrichtungen

eröffnen: 1998 die Kita InKiMo in Moosburg, 1999 die

Kita Moosschifferl in Freising-Attaching und 2001 die

(Neu-) Eröffnung der stark erweiterten Frühförderstelle

in Neufahrn.

Geschäftsführer Schwaiger in seiner Laudatio: „Im Juni

2008 stand dann erneut ein Wechsel an: Sie wurden als

Bereichsleiterin Bildung und Erziehung ausgewählt und

übernahmen damals auch die Verantwortung für die Fröbelschule.

Dies war im ersten Augenblick nicht wirklich in

Ihrem Sinne… Sie haben diese Aufgabe jedoch mit dem

Ihnen eigenen Engagement übernommen und diese Einrichtung

in den folgenden Jahren bis zur gelungenen Eröffnung

des BiG-Neubaus 2012 – gemeinsam mit allen

hierfür Verantwortlichen – entwickelt und zukunftsfähig

aufgestellt. Nach zähem Ringen konnte das BiG dann

2015 endlich auch das Schulprofil „Inklusion“ verliehen

bekommen. Für eine Förderschule eine eher außergewöhnliche

Auszeichnung; umso mehr auch ein äußeres

Zeichen Ihrer Überzeugung und Ihrer Einstellung zum

Thema Inklusion.“

Gleich nach der Fertigstellung des BiG konnte Frau

Waldinger einen neuen Neubau übernehmen: Mit der

Eröffnung des Familienzentrums im Steinpark Freising

2013 ging die bislang größte Integrative Kindertagesstätte

mit Krippe, Kita und Hort unter der Trägerschaft

der Lebenshilfe Freising in Betrieb.

Geschäftsführer Schwaiger: „Im Jahr 2017 stand dann

nochmals eine Veränderung – aber eigentlich wieder eine

Zusammenführung an. Durch die Neuordnung der Bereiche

konnte ich Ihnen die Bereichsleitung für den Bereich

Kinder und Jugendliche übertragen und somit die Verantwortung

für alle Einrichtungen in diesem Bereich. – Was

für eine große Aufgabe, welche Sie bis zum heutigen Tag

mit viel Herzblut, Engagement und Kompetenz ausgefüllt

haben. In einem Satz zusammengefasst: Es war viel los in

diesen letzten Jahren, es gab viele Herausforderungen,

denen Sie sich aber immer gern und erfolgreich gestellt

haben.“

Für Vorstand und Geschäftsführung der Lebenshilfe

Freising war der Tag der Verabschiedung auch ein Tag

des Dankes für Hildegard Waldinger, für ihr großes Engagement

für „ihre“ Lebenshilfe und für die zahlreichen

Erfolge, die sie hier erzielen konnte. Vielen herzlichen

Dank und die allerbesten Wünsche für eine

gesunde, aktive und Freude bringende Zukunft im Ruhestand,

liebe Frau Waldinger!

SO WAR´S – DIE CHRONIK DER LEBENSHILFE FREISING // 25


Martinsfest in kleiner Runde

Moosburger Kita InKiMo feierte den Martinstag einmal anders

EINFACHE

SPRACHE

In diesem Jahr können wegen Corona viele

Feste nicht gefeiert werden. Im Kinder-Garten

InKiMo in Moosburg haben die Kinder selbst

die Geschichte vom heiligen Martin nachgespielt

und sind im Keller auf einem Laternen-

Weg gegangen.

Unser Moosburger Kindergarten InKiMo musste in diesem

Jahr trotz der Corona-Pandemie nicht ganz auf

das Fest des Heiligen Martin verzichten. Die zwei Kindergartengruppen

feierten jede für sich einfach „mal

anders“. Es musste improvisiert, ausprobiert und das

Beste aus der besonderen Situation gemacht werden.

Gerade Kindern fällt es oft schwer zu verstehen, warum

sie in diesem Jahr auf so viele lieb gewordene Traditionen

und Aktivitäten verzichten müssen. Dem Team des

InKiMo war es wichtig, dass die Kinder so wenig wie

möglich von der gegenwärtigen Situation eingeschränkt

werden und Feste trotzdem stattfinden können.

Statt mit den Eltern in großer Runde fanden sich

die Kinder in ihren gewohnten kleinen Gruppen zusammen

und erinnerten an das Leben und Wirken des

Heiligen Martin.

Es gab eine Sankt-Martins-Frühstückstafel und beim

Essen wurde in besinnlicher Stimmung Laternenlieder

gehört. Im abgedunkelten „Tobekeller“ war aus einer

langen Lichterkette ein Weg gelegt worden, den die

Kinder gemeinsam mit den gebastelten und mitgebrachten

Laternen gehen konnten. Dabei wurden

Martinslieder gesungen. Auch die Legende von St.

Martin spielten einige Kinder in Kostümen nach. Jedes

Kind erhielt eine von einigen Kindern selbst gebackene

Martinsgans, die die Kinder später mit nach Hause

nehmen und mit ihren Familien teilen konnten. So waren

es am Ende doch nur die Eltern, die auf das Fest

und den Laternenumzug mit ihren Kindern verzichten

mussten. Doch die Laternen nahmen die Kinder anschließend

mit nach Hause, damit diese als „Licht im

Fenster“ weiterbrennen konnten.

26 // SO WAR´S – DIE CHRONIK DER LEBENSHILFE FREISING


35 Erstklässler

im Bildungszentrum Gartenstraße

Förderschule begrüßte Kinder mit und ohne Behinderung

EINFACHE

SPRACHE

In diesem Jahr gab es gleich 2 Mal

Schul-Anfang im BiG. Es gab 2 Feiern

hinter-einander, damit mehr Abstand

ist. 35 neue Schülerinnen und Schüler

haben sich sehr gefreut. Es gab Kinder

mit und ohne Behinderung. Jetzt

dürfen sie endlich zusammen zur

Schule gehen!

Das Bild war ungewohnt: Zwei getrennte Wilkommensfeiern,

Abstände zwischen den Sitzreihen, Masken

bei Kindern und Eltern. Doch das eigentliche Ereignis

ist jedes Jahr gleich: Die Erstklässler haben ihren

großen Tag bei der Einschulung. Das Bildungszentrum

Gartenstraße (BiG) mit ihrer Inklusions- und Förderschule

nahm am 8. September 35 neue Schülerinnen

und Schüler in zwei Klassen auf. Schulleiter Björn Zad-

dach begrüßte die Kinder und Ihre Eltern mit Mundschutz

und Handschuhen, doch nicht weniger herzlich

als in den letzten Jahren. Annette Martin, Leiterin der

Heilpädagogischen Tagesstätte, stellte die Mitarbeiterinnen

vor, die die Nachmittagsbetreuung übernehmen

werden. Der kleine Chor der Zweitklässler begrüßte

die neuen Schulkameradinnen und -kameraden

mit mehreren Liedern. Die Klassenleiterinnen Susanne

Schöneich und Raphaela Wörner führten ihre 15 Schüler

in ihre Klassenzimmer in der Förderschule im BiG,

während sich die Eltern bei Kaffee und Gebäck kennenlernen

konnten.

In der zweiten Eröffnungsfeier in der BiG-Aula hieß Juliane

Dorfmüller, die neue Leiterin der Grundschule St.

Lantbert in Freising-Lerchenfeld, die neuen Schüler

der Partnerklasse willkommen, die in diesem Schuljahr

ins BiG ausgelagert sind. 19 Schülerinnen und Schüler

unter der Klassleitung von Christiane Daimer Stadler

können von den Besonderheiten des BiG wie dem

Schwimm- und Therapiebad profitieren und hier Tag

für Tag Inklusion mit den Mitschülern mit Behinderung

ganz selbstverständlich einüben.

SO WAR´S – DIE CHRONIK DER LEBENSHILFE FREISING // 27


Leider anstrengend und schade

Die IWA-Bewohnervertretung über den Alltag in der Corona-Zeit

EINFACHE

SPRACHE

In jedem der Wohn-Häuser bei der Lebenshilfe

gibt es Bewohner-Vertreter. Die werden alle

paar Jahre gewählt. Sie sollen für alle Bewohner

eines Wohn-Hauses da sein. Sie sollen helfen,

wenn es Probleme gibt. Die drei Bewohner-

Vertreter in der IWA berichten von den

Problemen in der Corona-Zeit. Das Tragen von

Masken ist anstrengend. Blöd ist, dass viele

Feste ausfallen müssen. Alle sind traurig, weil

ihre Eltern nicht so oft zu Besuch kommen

dürfen.

Die Bewohnervertretung (BWV) ist ein Ehrenamt und

wird in jedem Wohnhaus alle vier Jahre gewählt. Die

BWV der Integrativen Wohnanlage (IWA) in der Freisinger

Gartenstraße ist seit Oktober 2019 tätig. Es gibt

Rechte und Pflichten für die BWV. Zu den Rechten gehört

zum Beispiel, bei Bauveränderungen oder bei der

Verpflegung mitzusprechen oder Vorschläge/Tipps

und Beschwerden von MitbewohnerInnen entgegenzunehmen.

Wenn nötig, kann die BWV über Probleme

zwischen BewohnerInnen und BetreuerInnen mit der

Hausleitung sprechen.

Zu den Pflichten der BWV gehört, dass sie ihre MitbewohnerInnen

zuverlässig über ihre Arbeit informieren

und Protokolle aushängen. Sie müssen einen Jahresbericht

an die FQA (Heimaufsicht) schicken. Neue MitbewohnerInnen

beim Einleben in die IWA sind zu unterstützen.

Bei der Planung und Ausführung von

Veranstaltungen ist mitzuhelfen.

Frau Finsterhölzl ist unsere erfahrene Begleiterin und

unterstützt uns beim Organisieren, Schreiben, Ideen

sammeln usw. Dies sind nur einige Aufgaben von uns.

Diese Aufgaben sind in Gesetzen geregelt, an die sich

die Hausleitung und wir uns halten müssen.

Im Folgenden stellen wir uns vor:

Oskar Schnitzler

Von 2003 bis 2007 war ich bereits Bewohnervertreter.

Letztes Jahr hatte ich wieder Interesse, mich zur Wahl zu

stellen und ich wurde gewählt. Wir treffen uns ungefähr

einmal im Monat. Ich schreibe manchmal das Protokoll

und hänge es für die anderen BewohnerInnen aus. Meine

zwei BWV-Kollegen haben mich zum Vorstand vorerst für

ein Jahr gewählt.

Tatjana Mojses

Ich bin 57 Jahre alt und lebe seit 2003 in der IWA. Wenn

BewohnerInnen Probleme haben, können sie zu mir

kommen und wir versuchen, sie gemeinsam zu lösen.

Wenn im Wohnhaus etwas defekt ist, melde ich es der

Hausleitung.

Johanna Schlüter

Auch ich wurde letztes Jahr gewählt. Ich habe mich sehr

gefreut darüber. Ich kümmere mich um die Geburtstagskarten

und bringe sie in jedes Treffen mit. Alle Bewohner-

Innen, die möchten, erhalten zu ihrem Geburtstag eine

Karte.

>> Oskar Schnitzler, Johanna Schlüter und Tatjana Mojses sind

derzeit die BewohnervertreterInnen für die IWA in Freising.

Schwieriger Alltag in der Corona-Zeit

• Fast drei Monate haben wir uns wegen der Corona-

Pandemie nicht treffen können. Wir mussten bis Juni

in Quarantäne leben. Dies war sehr unangenehm

und anstrengend. Außer in unseren Wohnungen,

müssen wir eine Maske tragen. Wir schwitzen deswegen

sehr.

28 // SO WAR´S – DIE CHRONIK DER LEBENSHILFE FREISING


• Seit Juli dürfen wir glücklicherweise wieder unsere

Eltern besuchen und seit September im 2-Wochen-

Rhythmus wieder arbeiten.

• Wir sind schon mehrmals auf das Corona-Virus getestet

worden, Gott sei Dank war das Ergebnis immer

negativ. Die Tests sind zwar unangenehm, aber

wichtig für unsere Gesundheit.

• Wir finden es sehr schade, dass so viele Veranstaltungen

wegen Corona in der IWA und in der ISW (Isar

Sempt Werkstätten) ausfallen müssen. Sogar unsere

beliebte und schöne Weihnachtsfeier mit den Eltern

darf nicht stattfinden.

• Nun ist Winter und es gibt wieder mehr Erkrankte,

neue Vorschriften und Änderungen. Das strengt uns

oft an. Gut, dass wir gesund sind und wir versuchen,

so gut wie es uns möglich ist, die Regeln einzuhalten.

Wir wünschen uns keine Quarantäne mehr.

Gemeinsam durch die schwierige Zeit

BewohnerInnen im Juliane-Maier-Haus meistern immer wieder neue Situationen

EINFACHE

SPRACHE

Was macht man im Juliane-Maier-Haus

in der Corona-Zeit? Eine Maske tragen.

Bei schönem Wetter viel draußen

sitzen. Zusammen helfen! Die Leiterin

Christine Eberl und die Betreuerinnen

sorgten für Abwechslung: Ein Zauberer

kam ins Haus. 2 Hunde führten Kunst-

Stücke vor. Vielleicht gibt es bald

wieder Sport und Theater. Gemeinsam

geht alles besser!

Auf einmal war alles anders: kein Judo. Keine Theatergruppe

der Offenen Behindertenarbeit. Nicht mehr

zum Einkaufen gehen. Nicht zum Friseur. Nicht mehr

zur Arbeit in die Isar Sempt Werkstätten. Und mit das

Traurigste: auf einmal keine Besuche von Eltern und

Angehörigen im Wohnheim. Keine Fahrten zu den Familien

nach Hause.

Ein neues Virus stoppte plötzlich das Gewohnte, das

Vertraute, das, was im Leben unserer Bewohnerinnen

und Bewohner einfach wichtig war. Und dann verschwanden

auch noch unsere Gesichter hinter einem

Mund-Nasen-Schutz.

Wir, das gesamte Betreuungsteam des Juliane-Maier-

Hauses, möchten uns ganz herzlich bedanken bei allen

Bewohnerinnen und Bewohnern, die seit Beginn der

Beschränkungen diese schwierige Zeit so tapfer bestehen.

Sie haben sich auf die neue Situation gut und

schnell umgestellt. Und das half uns sehr, eigene Unsicherheiten,

eigene Sorgen zu überwinden und immer

wieder jede Herausforderung zu meistern. Bei schönem

Wetter draußen im Garten zu sein – wie tat das

gut. Gespräche mit Besuchern am offenen Fenster,

später mit Abstand im Freien – da war die Freude riesengroß.

Ein Dankeschön richtet Hausleiterin Christine Eberl

auch an die Eltern und Angehörigen, die die Kontakt-

Maßnahmen mitgetragen haben und weiter mittragen

und „uns mit Überraschungen bedacht haben wie die

selbst genähten Mund-Nasen-Schutze oder die Kuchenspenden“.

Für besondere Abwechslung im Wohnhaus-Alltag

sorgte die Leiterin auch selbst. Sie organisierte

eine Darbietung im Freien mit Zauberer Werner

Link sowie eine Hunde-Show mit Heidi Deml und ihren

Hunden Leni und Wiggerl. Eine tolle Unterhaltung und

ein schöner Trost, wenn Theater- und Konzertbesuche

nicht stattfinden dürfen.

Seit September zwei Wochen Arbeiten in der Werkstatt,

zwei Wochen wieder nur im Wohnhaus – das bedeutete

noch einmal eine Umstellung, aber auch das

haben wir gemeinsam geschafft. Bald soll es eine eigene

Sportgruppe im Juliane-Maier-Haus geben und

eine eigene Theatergruppe. Und dann bei schönem

Wetter auch wieder Unterhaltungsgäste im Freien. Wir

freuen uns alle darauf. Wir freuen uns alle darauf, was

doch möglich ist in dieser schwierigen Zeit.

>> Petra Schneider

Betreuungshelferin

Juliane-Maier-Haus Moosburg

SO WAR´S – DIE CHRONIK DER LEBENSHILFE FREISING // 29


Wohnhaus Johannisstraße

feierte „Volksfest dahoam“

Senior/innen der Tagesbetreuung ließen sich Stimmung nicht verderben

EINFACHE

SPRACHE

Die Betreuer im Wohn-Haus Johannis-Straße

in Freising haben sich gesagt: Wenn das

Freisinger Volks-Fest nicht stattfindet, machen

wir selber eins! Die Seniorinnen und Senioren

haben sich sehr gefreut. Es gab Bratwürste

und Kraut, Bier und Limo. Zur Musik wurde

geschunkelt und getanzt. Und man konnte

Preise gewinnen. Ein tolles Fest!

Deutlich zu hören war das „Prosit der Gemütlichkeit“

an einem sonnigen Septembertag an der Moosach in

Freising. Lachen und Krügeklirren erinnerte Passanten

an das Volksfest in der „guten alten Zeit vor Corona“.

Genau das war der Zweck des hauseigenen „Volksfests

dahoam“ für die Seniorinnen und Senioren im Wohnhaus

Johannisstraße. Das Team der Tagesbetreuung

veranstaltete das interne Fest. Gerade Einrichtungen

für Menschen mit Behinderung stehen zurzeit unter

besonderem Schutz: Die Hygieneregeln mit Mundschutz

und häufigem Desinfizieren stehen im Vordergrund,

es gelten besondere Auflagen für Besucher im

Haus und für Aktivitäten außerhalb.

Da das bei den Betreuten beliebte Freisinger Volksfest

heuer ausfällt, wurde die fröhliche Stimmung einfach

auf die Terrasse des Wohnhauses geholt: Es gab Würstl

und Sauerkraut, Bier und Limo und später dann auch

noch von der Hauswirtschafterin Lisa Habermeyer

extra gebackene echte Lebkuchenherzen. Die Feiernden

suchten ihre Volks- und Schlagermusik im Internet

selbst aus und schunkelten und tanzten, zum Teil auch

im Rollstuhl, um die Tische herum. Das Fest war zünftig

und die Stimmung gut. Es gab einen Losstand mit Gewinnen

für alle Betreuten: Die Freisinger Bank, deren

Augenmerk darauf gerichtet ist, sich für die Lebens-

Werte in unserer Region einzusetzen, hatte einen Berg

von Sachpreisen gespendet – vielen herzlichen Dank

dafür! Die Spiele, Kuscheltiere und Badetücher wurden

von den Bewohnern glücklich in Empfang genommen.

„Der Zweck des besonderen Tags ist voll aufgegangen“,

sagte die Hausleitung Lisa Hinrainer. „Unsere be treuten

Menschen konnten unbeschwerte Stunden in Volksfestatmosphäre

genießen. Schon jetzt erzählen viele,

wie es war auf dem Corona-Volksfest 2020 in Freising“.

30 // SO WAR´S – DIE CHRONIK DER LEBENSHILFE FREISING


Abschied mit Schmetterling

Anneliese-Schweinberger-Haus gedachte an verstorbene Bewohner und Mitarbeiter

Das Moosburger Anneliese-Schweinberger-Haus

musste im Jahr 2020 mehrmals Abschied nehmen. Am

12. April 2020 ist Rita Weichselgartner verstorben. Die

BewohnerInnen, die MitarbeiterInnen und die Freunde

konnten sich gar nicht richtig verabschieden. Bei der

Trauerfeier am Friedhof durften nur 15 Menschen dabei

sein.

Während der Coronazeit ist aber auch die Mutter von

Rudi Stegmair und eine ehemalige Mitarbeiterin – Angelika

Fischer – verstorben.

EINFACHE

SPRACHE

In den letzten Monaten sind mehrere liebe

Menschen gestorben. Im Anneliese-Schweinberger-Haus

in Moosburg haben Bewohner,

Angehörige und Mitarbeiter an die Toten

gedacht. Sie haben im Sommer auf der Wiese

vor dem Haus einen Gottes-Dienst gefeiert.

Das war für uns der Anlass für den 5. August 2020 einen

Gottesdienst im Garten vor dem Anneliese-

Schweinberger-Haus zu planen. Pastoralreferent Markus

John war sofort bereit und auch die ehrenamtlichen

HelferInnen Irene Kronfellner, Rainer Heinzmann und

ich (Anna Heinzmann). Das Wetter hat gut mitgemacht

und so war es eine wirklich schöne Feier. Ein Schmetterling

saß während des Gottesdienstes auf dem Altar.

Wir haben uns vorgestellt, dass Rita bei uns gewesen

ist.

>> Anna Heinzmann

ehrenamtliche Mitarbeiterin im ASH

SO WAR´S – DIE CHRONIK DER LEBENSHILFE FREISING // 31


Bewegung ist wichtig und macht Spaß

Anneliese-Schweinberger-Haus veranstaltete ein Bewegungs-Picknick

EINFACHE

SPRACHE

Sich bewegen macht Spaß und ist

gesund! Deshalb haben die Menschen

im Anneliese-Schweinberger-Haus

zuerst ein wenig Sport gemacht. Dann

gab es ein schönes Pick-Nick zusammen.

An einem anderen Tag wurde

gekegelt. Das hat allen einen großen

Spaß gemacht.

Bewegung ist wichtig und macht Spaß! Und Bewegung

ist bei uns im und ums Anneliese-Schweinberger-Haus

möglich. Am 24.Juli 2020 haben wir ein Bewegungspicknick

gemacht. Das heißt zuerst haben wir uns bewegt

und dann haben wir es uns doppelt schmecken

lassen. Wir haben im Haus mit Frau Melinda Vass eine

Kinästhetik-Trainerin. Die Bewohnerinnen hier haben

manche körperlichen Einschränkungen. Melinda zeigt

ihnen, wie sie sich bewegen können. Und das macht

dann auch Spaß. Noch dazu lernen die Mitarbeiterinnen,

wie sie die Bewohnerinnen richtig unterstützen

können. Das ist eine richtig gute Sache!

>> Silvana Dallago

Mitarbeiterin im ASH

>> Bewegung und

Spaß gibt es auch

beim Kegeln!

Hier schieben

Florian Aubeck,

Gabi Kaulich,

Manfred Koppauer,

Hannelore

Metzinger und

Gertie Pletschacher

aus dem ASH

keine ruhige Kugel

32 // SO WAR´S – DIE CHRONIK DER LEBENSHILFE FREISING


Viva Vita macht Konzeptionspause

Restaurant und Tagungshaus will Soziales und Innovation stärken

Corona-Pandemie und Lockdown machen der Gastronomie

schwer zu schaffen. Auch das Tagungshaus und

Restaurant Viva Vita in Freising musste im Dezember

die Konsequenzen ziehen: Schon seit Beginn des „Teil-

Lockdowns“ im November ruhten betriebsbedingt der

Gastro- und Tagungsbetrieb. „Auch wir können uns der

allgemeinen wirtschaftlichen Lage nicht entziehen

und mussten unser Viva Vita an der Freisinger Gartenstraße

57 ab 1. Dezember vorübergehend komplett

schließen und auch das bisherige To-go-Geschäft einstellen“,

bedauerte Betriebsleiter Christian Burger die

schwierige Lage.

„In der Zeit der Kurzarbeit haben wir nun eine besondere

Verantwortung für unsere Beschäftigten“, erklärt

Burger. Das Besondere am Viva Vita: Es ist ein sogenannter

Inklusionsbetrieb und als gemeinnützige

GmbH anerkannt. „Wir beschäftigen auch Menschen

mit Behinderungen in unserer Küche und im Restaurant-

und Tagungsservice. Sie sind gleichberechtigt zu

den Beschäftigten ohne Behinderungen und erhalten

denselben Tariflohn“. Arbeitsabläufe seien an die Fähigkeiten

der Mitarbeiter mit Behinderung angepasst

und es gebe eine spezielle Betreuung. „Deshalb liegen

uns diese Beschäftigten besonders am Herzen, die gerade

in ihrer guten Arbeit Selbstbewusstsein und Freude

tanken. Wir kümmern uns zusammen mit der Offenen

Behindertenarbeit der Lebenshilfe darum, unseren

EINFACHE

SPRACHE

Corona ist schlimm. Man kann schwer krank

werden. Um sich zu schützen, soll man weniger

Leute treffen. Und man soll nicht zum Essen

gehen. Daher hat unser Restaurant Viva Vita in

Freising in letzter Zeit viel weniger Gäste

gehabt. Deshalb macht jetzt das Viva Vita für

einige Wochen zu. Wenn Corona vorbei ist,

kann man wieder gut essen im Viva Vita.

Das ist schön!

Beschäftigten auch in der Kurzarbeit Halt und Bestätigung

zu geben. Das ist uns ganz wichtig!“, betont Viva-

Vita-Leiter Christian Burger.

„Für unseren Inklusionsbetrieb Viva Vita soll die Zeit

der Schließung kein Leerlauf sondern auch eine Zeit

der konzeptionellen Weiterentwicklung sein“, schildert

Lebenshilfe-Geschäftsführer Michael Schwaiger die

Zukunftsplanungen. „Uns ist das wichtigste, dass sich

nach dieser Durststrecke unsere treuen Stammkunden

und neue Gäste wieder auf unser Viva Vita 2021 freuen

können und wir freuen uns auch auf unsere Gäste!“

SO WAR´S – DIE CHRONIK DER LEBENSHILFE FREISING // 33


Im Alter eine Heimat haben –

auch mit Behinderung

Drei Säulen der Betreuung für Senioren mit Behinderung bei der Lebenshilfe

EINFACHE

SPRACHE

Auch wenn man nicht mehr arbeitet, kann

man bei der Lebenshilfe was erleben. Für die

Seniorinnen und Senioren gibt es eine Tages-

Betreuung. Beim Arbeits-Kreis Rente kann man

lernen, wie es ist, wenn man einmal Rentner ist.

Und mit der Offenen Behinderten-Arbeit OBA

kann man Spazieren gehen, Ausflüge machen

oder sogar in Urlaub fahren.

Im Herbst feierte man im Wohnhaus Johannisstraße

fast wie in der „guten alten Zeit vor Corona“. Genau das

war der Zweck eines hauseigenen „Volksfests dahoam“

für die Seniorinnen und Senioren mit Behinderung. 14

Damen und Herren leben derzeit an der Johannisstraße,

eine von sechs Wohneinrichtungen der Lebenshilfe.

Die anderen 28 Damen und Herren genießen ihren

Lebensabend in der Stadt, wie in Freising oder

Moosburg, oder auf dem Land, wie im Hermann-Altmann-Haus

in Sünzhausen.

Dort arbeitet Ina Tomasek. Sie leitet den Arbeitskreis

(AK) Rente: „Die Seniorenbetreuung bei der Lebenshilfe

ruht auf drei Säulen. Zunächst gibt es in jeder Wohneinrichtung

eine spezielle Tagesstruktur für die Seniorinnen

und Senioren. Jeder Wochentag ist anders

geprägt: einmal gibt es ein gemeinsames Töpfern, einmal

machen wir Musik oder es gibt Seniorengymnas-

>> Töpfern, Zeitunglesen oder einfach Spazierengehen: Seniorinnen und Senioren bei der Lebenshilfe Freising

können gut leben und wohnen.

34 // SO WAR´S – DIE CHRONIK DER LEBENSHILFE FREISING


tik. Oder es geht raus: kleine Gruppen gehen spazieren

oder zum Einkaufen in die Stadt.“

Dazu kommen einrichtungsübergreifend die Aktionen

des AK Rente, zum Beispiel Tagesausflüge mit dem

Kleinbus und vor allem ein umfassendes Informationsund

Beratungsangebot. „Uns ist besonders wichtig, den

Übergang von der Arbeitsphase in die Rente so sanft

und unaufgeregt wie möglich zu gestalten. Manche

freuen sich darauf, endlich Rentner/in zu sein, andere

fallen in ein tiefes Loch. Letzteres wollen wir verhindern

durch viele Infos und Treffs von noch Arbeitenden und

Rentnern. Da können sich beide Seiten schon einmal

kennenlernen und sich austauschen, wie das so ist,

wenn man nicht mehr arbeiten muss/darf“, veranschaulicht

Frau Tomasek die Aufgabe des AK Rente.

Die dritte Säule der Seniorenbetreuung bei der Lebenshilfe

Freising setzt sich aus den individuell buchbaren

Angeboten der Offenen Behindertenarbeit

(OBA) zusammen. Alle Unternehmungen sind altersunabhängig

und so können beim Theaterbesuch, Kegeln

oder Ausflug Senioren und Jugendliche etwas zusammen

erleben. Es gibt aber auch ein extra Programm für

Ältere: Ein wöchentlicher Seniorentreff richtet sich an

alle Menschen mit Behinderung ab 55 Jahren. Dazu

gibt es Kinonachmittage oder ein Nostalgiecafé, wo

man über alte Zeiten ratschen kann. Egal ob man sich

zu Neuem anregen oder einfach entspannen möchte:

jede/r kann, keine/r muss – das gilt für alle Angebote

für die Seniorinnen und Senioren bei der Lebenshilfe

Freising.

Unser allgemeines Spendenkonto

Sie wollen, dass Ihre Spende allen Menschen, denen

die Lebenshilfe Freising hilft, zugutekommt. Nutzen

Sie dafür bitte unser allgemeines Spendenkonto:

Stiftung Lebenshilfe Freising

IBAN: DE11 7005 1003 0000 0307 00

BIC: BYLADEM1FSI (Sparkasse Freising)

Sonderfall zweckgebundene Spenden

Wenn Sie für einen bestimmten Zweck oder eine bestimmte

Einrichtung der Lebenshilfe Freising spenden

wollen, geben Sie Zweck oder Einrichtung an

und nutzen Sie bitte dieses Konto:

Lebenshilfe Freising e.V.

IBAN: DE05 7005 1003 0000 0181 01

BIC: BYLADEM1FSI (Sparkasse Freising)

Spendenquittung

Für eine Spendenquittung zur Vorlage beim Finanzamt benötigen wir Ihre vollständige Anschrift. Bis 200

Euro gilt der Kontoauszug als Nachweis.

SO WAR´S – DIE CHRONIK DER LEBENSHILFE FREISING // 35


„Freu(n)de fürs Leben“ – Lebenshilfe sagt Danke

Weihnachtsaktion der Lebenshilfe Freising dankt Bürgern für Corona-Hilfe

EINFACHE

SPRACHE

In diesem Jahr ist alles anders. Bei Corona soll

man sich mit weniger Leuten treffen. Feste und

Veranstaltungen müssen ausfallen. Alle müssen

mehr aufpassen auf die Mit-Menschen.

Viele sind dabei sehr vernünftig. Deshalb sagt

die Lebenshilfe in diesem Jahr einfach Danke!

Danke, dass ganz viele so vernünftig sind. Auf

etwas verzichten. Manche Mitarbeiter müssen

auch viel mehr arbeiten. Danke dafür! Danke

auch an alle, die an die Lebenshilfe Geld gespendet

haben! Damit können wir besser

arbeiten für Menschen mit Behinderung.

In diesem außergewöhnlichen Corona-Jahr bekam die

Lebenshilfe Freising viel Unterstützung. Deshalb steht

die diesjährige Weihnachtsaktion ab dem 1. Advent bis

zum 1. Februar 2021 ganz im Zeichen des Danks. „Wir

haben in diesem Jahr viele „Freu(n)de fürs Leben“ gewonnen“,

erklärt Monika Haslberger, die 1. Vorsitzende

der Lebenshilfe Freising e.V., das Motto der Danke-Aktion.

Die Lebenshilfe ist mit 1200 betreuten Menschen

und 600 Beschäftigten die größte Sachwalterin von

Menschen mit Behinderungen und ihren Familien im

Landkreis Freising. Die Corona-Krise betrifft alle davon.

Monika Haslberger: „Für unsere betreuten Menschen

mit Behinderung war und ist es immer noch eine

schwere Zeit. Im Frühjahr waren die meisten unserer

Einrichtungen geschlossen“. Auch jetzt gebe es noch

viele Einschränkungen, zum Beispiel arbeiteten die Isar

Sempt Werkstätten nur mit halber Belegschaft im

14-tägigen Wechsel. In den Wohneinrichtungen könne

der gewohnte Tagesablauf nicht stattfinden. „Besonders

belastend für uns ist: Besucher können nur sehr

eingeschränkt empfangen werden, denn Menschen

mit Behinderungen gehören zur Risikogruppe für Covid-19“,

so Lebenshilfe-Vorsitzende Haslberger. „Größten

Respekt, Anerkennung und höchstes Lob kann ich

unseren Beschäftigten ausstellen, die diese schwierige

Situation mit gegenseitiger Aushilfe, Engagement,

Herzblut und mit einer positiven Grundstimmung hervorragend

meistern!“

Die große Danke-Aktion der Lebenshilfe Freising richte

sich nun vor allem an die Bevölkerung im Landkreis

und der Region. „Dankeskarten als Zeitungsbeilagen

und in der Tagespost vieler Spender und Förderer sollen

einmal nicht (nur) zu Spenden aufrufen“, erklärt

Haslberger. Die Bevölkerung hätte in dieser unsicheren

Zeit schon viel Unterstützung gegeben: „Eltern von

Kindergartenkindern oder die Angehörigen unserer

betreuten Menschen wurden plötzlich vor viele Probleme

gestellt und haben Hervorragendes geleistet: Sie

haben Betreuungen organisiert, Hilfen entwickelt oder

sind einfach ruhig und geduldig geblieben. Das hat

unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei der

professionellen Arbeit sehr geholfen!“ Zudem seien

Geld- und Zeitspenden eingegangen, etwa als der traditionelle

Benefiz-Lebenslauf im Oktober abgesagt

werden musste. Viele Firmen hätten unbürokratisch

einen Beitrag geleistet und zum Beispiel einen virtuellen

Triathlon zugunsten der Lebenshilfe veranstaltet.

„Das ist wunderbar!“, freut sich Monika Haslberger. Sie

appelliert an die Menschen in der Region: „Bleiben Sie

der Lebenshilfe Freising weiterhin so gewogen, dann

werden wir gemeinsam mit unseren Menschen mit Behinderung

und ihren Familien diese schwierige Zeit

meistern und danach vielleicht ein neues Miteinander

erleben! Danke, liebe Freunde fürs Leben!“

36 // HELFEN HILFT


Lebenslauf abgesagt – Spenden angesagt!

Sportliche Sommerchallenge von Texas Instruments erzielte 5.000 Euro

Seit mehr als fünf Jahren unterstützt Texas Instruments

(TI) den Benefizlauf der Stiftung Lebenshilfe Freising.

Da der Lauf dieses Jahr leider nicht stattfinden konnte,

hat TI alle Mitarbeiter am Standort Freising im August

zur TI Sommerchallenge aufgerufen: Vom 1. bis 10. August

konnten TI-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen für

den guten Zweck laufen, wandern, schwimmen oder

fahrradfahren. Insgesamt legten die TIer so 4.747,5 Kilometer

zurück und sammelten insgesamt eine Spende

in Höhe von 5.000 Euro für die Lebenshilfe.

„Der Lebenslauf gehört für uns jedes Jahr mit dazu. Für

viele Kollegen ist das ein lieb gewonnener, fester Termin

im Kalender. Deshalb war es uns wichtig, allen die

Möglichkeit zu geben, auf andere Weise Kilometer zu

sammeln. Denn auch wenn sich hier jeder individuell

herausgefordert hat, ist das Ergebnis ein schöner Beweis

dafür, dass man gemeinsam im Team viel erreichen

kann,“ sagte Andreas Schwaiger, Geschäftsführer

Texas Instruments Deutschland. „Wir hoffen, dass der

Lauf nächstes Jahr wieder stattfinden kann und werden

auf jeden Fall mit am Start sein.“

„Die noch unsichere Entwicklung der Corona-Pandemie

und der besondere Schutz für unsere Menschen

mit Behinderung und alle Teilnehmer haben uns dieses

Jahr dazu bewogen, den Lebenslauf abzusagen.

Umso mehr freut es uns, dass sich die Mitarbeiter von

TI unabhängig davon sportlich herausgefordert und so

Kilometer gesammelt haben. – Vielen Dank für den

tollen Einsatz und die damit verbundene Spende an

die Lebenshilfe,“ ergänzte Petra Wegener, Referentin

EINFACHE

SPRACHE

2020 haben der Lebenslauf und das Straßen-

Fest nicht stattfinden können. Das hat viele

traurig gemacht. Aber wir haben trotzdem

etwas geschenkt bekommen. Die Freisinger

Firma Texas Instruments hat selber einen Lauf

gemacht. Jeder Läufer ist für sich alleine

gelaufen. Zusammen-gerechnet sind die

Mitarbeiter der Firma fast 5 Tausend Kilometer

weit gekommen. Damit haben sie 5 Tausend

Euro als Spende gesammelt. Auch die Firma

DENSO Automotive in Eching hat auch ohne

echten Lauf 5 Tausend Euro und später noch

mehr gespendet. Super! Vielen Dank!

Fundraising bei Lebenshilfe Freising e.V. „Unser Benefizlauf

zugunsten der Stiftung Lebenshilfe Freising ist

für 2021 wieder fest eingeplant und wir freuen uns

schon jetzt, die treuen Läufer von TI wieder mit dabei

zu haben.“

Auch die Firma DENSO Automotive in Eching ließ

uns bei unserem abgesagten Lebenslauf nicht in

Stich. Bereits im Juni 2020 ließ uns die Firma, auch

ohne Benefizlauf, eine großzügige Spende in Höhe

von 5.000 Euro zukommen. Im November sagten

sie uns auch noch die traditionelle Spende der

DENSO-Läufer von 3.500 Euro zu. Mit beide Spenden

kann unsere Stiftung Zusatzangebote für betreute

Menschen mit Behinderung sichern.

Vielen herzlichen Dank!

>> Freudige Gesichter gab es bei den Geschäftsführern Andreas

Schwaiger (l.) von Texas Instruments und Michael Schwaiger

von der Lebenshilfe Freising bei der Spendenübergabe.

HELFEN HILFT // 37


>> Stolz waren die Kinder der Kita Bunte Arche in Eching über den selbst gepflanzten Apfelbaum.

Dahinter stehen die Stifterin Alexandra Mlicki (l.), dm-Filialleitung in Eching, und Kita-Leiterin Annette Clauß.

Ein Apfelbaum für die Kinder

in der Bunten Arche

Echinger dm-Markt spendete für die Kita der Lebenshilfe Freising

EINFACHE

SPRACHE

Unser Kinder-Garten in Eching hat ein

Apfel-Bäumchen geschenkt bekommen. Die

Leiterin des Drogerie-Markts dm hat den Baum

vorbei-gebracht. Zwei Männer vom Echinger

Bau-Hof haben ihn dann eingepflanzt. Dabei

haben 3 Kinder geholfen. Alle freuen sich

schon auf die Äpfel im nächsten Jahr.

Dankeschön für das tolle Geschenk!

Filippa ist seit Ende September 2020 neu in der Echinger

Kita „Bunte Arche“ der Lebenshilfe Freising. Freudig

begrüßt wurde Filippa von der Leiterin Annette Clauß

und drei Kindern der Bärengruppe, zünftig ausgestattet

mit Matschhosen und Schaufeln. Gut dass Filippa

kein Kind ist, sondern der neue Apfelbaum der Sorte

„Filippa“, der im Herbst im Garten der Kindertagesstätte

eingepflanzt wurde.

Der Baum wurde von der Firma Hipp in Pfaffenhofen

dem dm-Markt in Eching zur Verfügung gestellt. „Wir

durften den Apfelbaum einer gemeinnützigen Einrichtung

in der Gemeinde weitergeben. Und da im Garten

der Bunten Arche ganz viel Platz für Bäume ist, war die

Kita der Lebenshilfe unsere erste Wahl“, berichtete die

neu dm-Filialleitung Alexandra Mlicki bei der Übergabe.

Gesunde Ernährung mit viel Obst sei sehr wichtig für die

kleinen Kinder. Deshalb sei eine Kindertageseinrichtung

genau der richtige Ort für den Apfelbaum. Mlicki hatte

deshalb auch noch eine große Tasche mit gesunden

Produkten und Spielzeug dabei, die sie Annette Clauß

von der Lebenshilfe-Kita überreichte. „Wir bedanken uns

im Namen aller Kinder beim dm-Markt Eching und der

Firma Hipp für die wunderschöne Spende. Danke auch

der Gemeinde Eching für die zwei tollen Gärtner vom

Bauhof, die uns die Vorarbeiten für die Pflanzaktion abgenommen

haben“, schloss Kita-Leiterin Clauß. „Wir

freuen uns schon auf die ersten Äpfel von Filippa!“

38 // HELFEN HILFT


Weitere Spenden

Leider mussten in diesem Jahr viele Spendenübergaben ausfallen, weil für Einrichtungen der Behindertenhilfe in

der Corona-Pandemie besonders strenge Kontakt- und Besuchsregeln gelten. Sie lesen hier daher überwiegend

von Spenden. Die Übergaben mit Foto reichen wir zu geeigneter Zeit in den Folgeheften des Tausendfüßlers sehr

gerne nach. Wir bitten um Ihr Verständnis!

>> Eine Spende von 450 Euro übergab der Judoclub Freising.

Das Geld wurde bei der Bayerischen Judo-Meisterschaft

gesammelt, die im Frühjahr in der Freisinger Luitpoldhalle

stattfand. Auch einige Judoka mit Behinderungen von der

Offenen Behindertenarbeit der Lebenshilfe Freising nahmen

mit Erfolg teil. Hans Raisch (l.), Vorstand des Judoclubs

Freising, schilderte Lebenshilfe-Geschäftsführer Michael

Schwaiger bei der Spendenübergabe den erfolgreichen

Ablauf der Meisterschaft.

Im September konnte Wolfgang Thalhammer, Leiter der Geschäftsstelle Freising der Sparda-Bank, aus dem Gewinnsparen

einen Zuschuss von 5.000 Euro für die dringend benötigte neue Heizung der Interdisziplinären Frühförderstelle

Neufahrn zusagen. Die Kinder, Eltern und Mitarbeiterinnen danken es Ihnen wärmstens!

>> Anlässlich seines 60. Geburtstag hatte Robert Wäger, der 2.

Vorsitzende der Lebenshilfe und Stellvertreter des Landrats,

600 Euro gespendet. Dafür konnte eine aufwändige Rollstuhl-

Halterung für ein iPad in der Heilpädagogischen Tagesstätte

angeschafft werden. Noch dazu gab es dafür einen guten

Preisnachlass von Wolfgang Zischka von der Firma Humanelektronik.

Der behinderter Schüler Hasibullah (Foto) kann

sich jetzt mit dem iPad und der passenden Halterung durch

Unterstützte Kommunikation endlich verständigen.

Ein Gutschein über 900 Euro des Einrichtungshauses IKEA in Eching ermöglichte es der Jugend-WG des Ambulanten

Wohnens in Zolling mit zusätzlichen Möbeln ihre Wohnung zu verschönern.

Für die Jugend-WG in Marzling spendete Lebenshilfe-Mitglied und langjähriger Revisor Günther Königbaur

250 Euro für einen Tischkicker.

Die Katholische Frauengemeinschaft (kfd) St. Lantpert Freising spendete 300 Euro aus ihrem Vermögen der

Lebenshilfe Freising. „Das Leitungsteam und die Mitglieder der kfd St. Lantpert möchten so Ihr Engagement

unterstützen“, schrieb Frau Andrea Coler.

Vielen herzlichen Dank allen Spenderinnen und Spendern!

Haben Sie noch Fragen?

Gerne stehe ich Ihnen für ein persönliches

Gespräch zur Verfügung.

>> Petra Wegener ist seit September 2016

Referentin für Fundraising

bei der Lebenshilfe Freising.

Telefon: 08161/4830-159

E-Mail: petra.wegener@lebenshilfe-fs.de

HELFEN HILFT // 39


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sowie für Förderer und Freunde.

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