Balancer Nr. 80, 1/2021

BALANCEKommunikation

Der „Balancer“ berichtet als Fach- und Vereinszeitschrift über die Aktivitäten von BALANCE, bekennt sich zu dessen Leitbild und Grundsätzen und thematisiert besonders relevante Themen und Ereignisse, die Menschen mit Behinderungen betreffen. Der „Balancer“ folgt inhaltlich dem Bekenntnis des Art. 7 der Bundesverfassung, nach welchem es ein Grundrecht aller Menschen ist, gleichberechtigt und ohne Diskriminierung zu leben. Der Balancer ist ein einzigartiges Zeitschriften-Projekt in Österreich und besteht aus einer inklusiven Redaktion, in der Profi-JournalistInnen und Fachkräfte schreiben, aber auch Laien und Menschen mit Behinderungen mit Unterstützung Texte verfassen und die Themen gemeinsam bestimmen.

Zeitschrift von BALANCE . Verein BALANCE – Leben ohne Barrieren. Ausgabe Nr. 80. 1/2021, Jahrgang 23

Thema

In Bewegung – Fit durch

die kalte Jahreszeit

Tagesstruktur

Rollende Kunstwerke – voi

fesch Preisträgerinnen

Interbalance

„Es geht um die fehlende

Wertschätzung“

Interview mit Josef

Zellhofer, ÖGB


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EDITORIAL / VOR DEN VORHANG

BALANCER 80, 1/2021

Editorial

Von Helga Hiebl

Willkommen im neuen Jahr! Was war 2020

nur für ein verrücktes und schwieriges Jahr!

Alles wurde auf den Kopf gestellt, nichts

schien mehr selbstverständlich – auf der anderen

Seite kam jedoch viel in Bewegung, vieles

wurde hinterfragt, einiges neu gedacht

und plötzlich wurden Dinge wertgeschätzt,

die davor kaum beachtet oder als Selbstverständlichkeit hingenommen wurden.

Wie z. B. die Berufsgruppen der SystemerhalterInnen, die tagtäglich

dafür sorgen, dass wir alle die notwendigsten Dinge zur Verfügung haben,

sowie auch die vielen MitarbeiterInnen im Gesundheits- und Sozialbereich

bzw. in pflegenden Berufen. Langsam, aber sicher steigt deren Wertschätzung

und das Bewusstsein für die Wichtigkeit dieser Menschen für unsere

Gesellschaft wird immer größer, wenn auch diese Berufsgruppen immer noch

nicht zu den gut Bezahlten gezählt werden, so setzt sich doch schön langsam

die Erkenntnis durch, dass es gerade im Gesundheits- und Sozialbereich um

qualifiziertes Personal geht, das nicht so leicht aufzutreiben ist und an dem

bereits jetzt ein Mangel herrscht. In Zukunft könnte es da zu dramatischen

Engpässen kommen, wenn wir als Gesellschaft nicht rasch diesen Bereich

deutlich aufwerten und die Arbeitsbedingungen verbessern. Wie man diesem

Problem begegnen könnte, dazu haben wir in dieser Ausgabe Josef

Zellhofer vom ÖGB der Fachgruppe Gesundheits- und Sozialberufe befragt.

Die Ausgangsbeschränkungen haben viele Menschen hinausgetrieben,

in die Natur oder auf die Straßen und Parks, denn rausgehen, sich die Beine

vertreten, draußen Bewegung machen, das war einer der wenigen Gründe,

der es uns erlaubte, die eigenen vier Wände zu verlassen. Viele von uns

wurden zu begeisterten SpaziergängerInnen, einige begannen mit Sport,

Laufen, Radfahren oder machten Bewegungsübungen zuhause vor dem

Computer. Die FitnesstrainerInnen suchte man sich einfach aus dem Internet

auf Videoplattformen. Bewegung also auch da. Grund genug, diese

Ausgabe der Bewegung zu widmen. Zum Beispiel finden diejenigen, die es

noch nicht geschafft haben, in Bewegung zu kommen und nicht wissen, wie

sie das anstellen sollen, sieben einfach zu befolgende Tipps für ein Leben

mit mehr Bewegung. Bewegung ganz anderer Art betrachten wir dann beim

Qi Gong, wo die erstaunlichen Wirkungen einer inneren Bewegung auf den

Körper beschrieben werden und ganz extrem wird es schließlich bei pro/

contra „Outdoor extreme“, wo wir uns dem GrenzgängerInnentum in der

Bewegung widmen.

Die Balancer-Redaktion wünscht einen guten Start ins neue Jahr 2021

und bleiben Sie in Bewegung!

Inhalt

Vorgestellt

03 Mag. a Katja Marina Baccetti

BALANCE Intern

04 Sichere Betriebsratswahl

Maria Ponsee Facebookseite

Neuer Obmann-Stellvertreter

BALANCE Pinnwand

05 Gürtelfrischer Pool

06 Der „Fiebermesser“

Ein Supermarkt mit super

MitarbeiterInnen

Cartoon

07 Apollo – Gott des Lichts

Thema: In Bewegung

08 Bewegung ohne Bewegung

10 Fit durch die kalte Jahreszeit

12 Unser Profi-Fitnesstipp

13 Mountainbiken – Ein Gefühl

der Freiheit

BALANCE Kunst

14 Erwin Hasitzka

Tagesstruktur

16 Rollende Kunstwerke

International/Migration

18 Europeans for Humanity

Freizeit

21 Singen auf der Alm

Unterstütztes Wohnen

24 Schiff, Wien und Donau

timeout – Auszeit mit Chris

26 Die Zeit der Videokonferenzen

Interbalance

28 Josef Zellhofer: Es geht um die

fehlende Wertschätzung

Pro & Contra

30 Extremsport

31 Impressum

Das Cover

Das Bild am Cover ist von der

Künstlerin Barbara Plak.

Titel: „Antenne“,

10/2020,

63 44 cm,

Mischtechnik auf Papier

Barbara Plak arbeitet seit 2011 in der KünstlerInnengruppe bildBalance im Atelier

Maria Ponsee. Die Künstlerin arbeitet vorzugsweise großformatig und oft auch

dreidimensional – ihre große Leidenschaft sind Installationen, bei denen sie manchmal

monatelang an deren Umsetzung arbeitet – dieses Bild ist vom Format her eher

eine Ausnahme. Man sieht jedoch auch bei diesem Werk, dass ihre Bilder gerne mit

intensiven Farben gemalt sind und eine große Kraft ausstrahlen.

Foto: A. Berger


BALANCER 80, 1/2021

VORGESTELLT

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11

Fragen an

Mag. a Katja

Marina Baccetti

50 Jahre alt; seit 15 Jahren lebt sie in Niederösterreich,

in einem Nachbarort von

Maria Ponsee – davor war sie in Wien daheim;

von der beruflichen Ausbildung ist

sie Sozialanthropologin, Kunsttherapeutin

und Heilmasseurin – über den Umweg

eines kunsttherapeutischen Praktikums

ist sie bei BALANCE gelandet und vor zehn

Jahren als Betreuerin der Kunstgruppe

bildBalance MaPo bei BALANCE angestellt

worden und ist bis heute sehr gerne in

dieser Tätigkeit; Hobbys/Leidenschaften

sind das weite und hochinteressante Feld

der Kunst, lesen, häkeln und ihre Hunde

und Katzen, die sie ihre „Fellkinder“

nennt.

1

2

3

Ein guter Tag bei BALANCE beginnt mit freundlichen

Gesichtern und einer lieben Begrüßung.

Welche Barrieren hast du in deinem Leben schon

überwinden können? Wie jeder Mensch hatte ich

bereits einige Barrieren in meinem bisherigen

Leben zu überwinden – und allen diesen

Situationen war gemeinsam, dass man anfangs

ratlos vor der großen Hürde steht, es aber

schließlich schafft, die notwendigen Fertigkeiten

und Unterstützungen aufzubringen.

BALANCE ist besonders, weil es ein freies Arbeiten

ermöglicht.

4

In der Kunstgruppe der Tagesstätte Maria Ponsee

arbeite ich gerne, weil ... beim Arbeiten ein direktes

Eingehen auf tagesaktuelle Befindlichkeiten und

Vorlieben der NutzerInnen möglich ist, d. h. es

können auch mal spontan Pläne geändert werden.

5

Lebenskreis 1 – Am wohlsten fühle ich mich

körperlich, wenn ich in der Natur in Bewegung

bleibe.

6

Lebenskreis 2 – Meinen Alltag im Griff habe ich am

besten, wenn es möglich ist, mein Verhalten und

meine Pläne auf aktuelle Situationen zielgerichtet

anzupassen.

7

Lebenskreis 3 – Meine sozialen Beziehungen lebe ich

in diesen Zeiten mit mehr räumlicher Distanz und

gleichzeitig mit mehr emotionaler Nähe.

8

Lebenskreis 4 – Meine liebste wertgeschätzte Rolle

in der Gesellschaft ist, wenn ich gemeinsam mit

anderen ein Projekt auf die Beine stellen kann.

9

Lebenskreis 5 – Wäre meine Lebensgeschichte ein

Buch, würde es den Titel tragen: „Ein unbesiegbarer

Sommer“ (nach dem Zitat des Schriftstellers Albert

Camus: „In den Tiefen des Winters erfuhr ich

schließlich, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer

liegt“).

10

Während der COVID-19-Krise ... konnte ich noch stärker

die Wichtigkeit meiner Freundschaften erkennen.

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Was ist sonst noch unbedingt loswerden möchte:

Man hat mehr Kraft, als man manchmal selbst

glaubt.

Foto: K. Baccetti privat


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INTERN

BALANCER 80, 1/2021

Sichere Betriebsratswahl in

Zeiten der Corona-Krise

Von Clemens Fessler

Am 15. und 16. Oktober wurde bei BALANCE der Betriebsrat für weitere

fünf Jahre gewählt. Dieser besteht aus sechs Mitgliedern und sechs Ersatz-Mitgliedern

und vertritt die Interessen aller BALANCE-MitarbeiterInnen.

Aufgrund der Corona-Krise stand der Wahlvorstand vor einer besonderen

Herausforderung. Zusätzlich zur Briefwahl wurde eine sichere

Wahl an fünf Standorten ermöglicht. Aus diesem Grund wurden für jedes

Wahllokal eigene Covid-19-Schutzmaßnahmen umgesetzt.

Am Standort Sonnenhof wurde beispielsweise komplett im Freien

gewählt, während am Fuchsenfeld ein eigener Raum außerhalb der Tagesstruktur

genutzt wurde. Überall wurde auf Mindestabstand und

Frischluft geachtet. In geschlossenen Räumen bestand Mund-Nasen-

Schutz-Pflicht. Die Wahlbeteiligung ist von 30 (2016) auf 42 Prozent angestiegen.

Der neue gewählte Betriebsrat hat sich am 12. November konstituiert.

Ich möchte mich herzlich bei den Kolleginnen und Kollegen bedanken,

die von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben! Außerdem

möchte ich allen Kolleginnen und Kollegen danken, die uns bei der sicheren

Umsetzung der Betriebsratswahl 2020 in dieser Krisenzeit unterstützt

haben!

Maria Ponsee:

Facebookseite

startet durch

Unter dem Namen „Atelier Maria Ponsee bild.

Balance“ werden seit Oktober 2020 regelmäßig

Kunstwerke und andere Aktivitäten aus der Tagesstätte

gezeigt. Und das mit großer Resonanz

der Facebook-Fans. Die Fanseite konnte seitdem

enorme Zuwächse in Likes und Interaktionen

verzeichnen. Wir empfehlen: Reinschauen, mitkommentieren

und liken!

Verein BALANCE Vorstand –

neuer Obmann-Stellvertreter

gewählt

Bei der letzten Generalversammlung am 7.9.2020 wurde Josef Leo

Neudhart zum 2. Obmann-Stellvertreter gewählt. Der beinahe seit

Gründung des Vereins engagierte und langjährig im Vorstand tätige

Josef Leo Neudhart übernimmt damit die Vertretungsaufgabe

nach dem Obmann Dir. OSR Rudolf Wögerer und seiner Vertreterin

Frau Marianne Kühtreiber.

Josef Leo Neudhart ist nicht nur ehrenamtlich im Verein tätig, sondern

unterstützt BALANCE auch seit Jahren regelmäßig mit großzügigen

Spenden und lebt selbst mit einer Behinderung.

Wir gratulieren zur Wahl!

Foto: A. Berger


BALANCER 80, 1/2021 PINNWAND 5

Pinn

wand.

Rückblick auf den 2020er-Sommer:

Gürtelfrischer Pool

Von David Galko

Ich war letzten Sommer im Gürtel-Pool und es waren sehr warme Tage. Dort

gab es auch Getränke zu kaufen. Sogar ein Bademeister und Securitys waren

dort, die waren sehr nett und haben auf die Abstandsregeln aufgepasst. Im

Pool durften immer nur sechs Personen gleichzeitig drinnensein für ca. fünf

Minuten, außer es waren weniger Personen im Pool, dann konnten wir länger

drinnenbleiben. Das Wasser war angenehm kühl. Dort gab es sogar einen Bus

zum Schlafen, aber da hätte man sich im Internet vorher anmelden müssen,

schade, dass ich das erst später erfahren hatte, ich wollte das unbedingt ausprobieren

und dort schlafen. Ich hoffe diese Aktion gibt es im Sommer 2021

wieder, nur diesmal dann hoffentlich ohne Corona.

Foto: D. Galko privat


Neue Aufgaben

in der Tagesstruktur:

Der „Fiebermesser“

Von David Galko

In der Tagesstruktur wird bei jedem, der

das Gebäude betritt, die Körper-Temperatur

gemessen, mit einem tollen Gerät, das ist wie

ein Laserpointer. Dabei müssen wir trotzdem

aufpassen, dass die Abstände eingehalten

werden und ich helfe immer den Zivildienern

beim Temperatur messen, da halten wir

zusammen. Alle, ich hoffe da halten wir auch

alle zusammen in der Tagesstruktur und in

den Wohngemeinschaften. Es ist gar nicht so

schwer: Ein Meter Abstand halten und sonst

den Mund-Nasen-Schutz tragen. Wenn wir

alle in Österreich zusammenhalten, werden

wir das schaffen. Gemeinsam werden wir

stark, alleine schaffen wir das nicht, nur

alle gemeinsam schaffen das. Das ist mein

Schlusswort!

Rückblick

auf das

2020er-Jahr:

Einkaufen:

Ein Supermarkt mit super

MitarbeiterInnen

Von Gitti Wallner

Die Billa-Filiale in der Siebenbürgerstraße in 1220 Wien ganz in der

Nähe wo ich wohne hat mir durch den Lockdown geholfen und dazu

beigetragen, dass ich ohne Stress gut durch die Krise gekommen bin. Ich

habe mich total verwöhnt gefühlt, denn die waren so zuvorkommend und

unkompliziert. Ich konnte einfach anrufen und schon wurde alles zu mir

geliefert. Besonders die Kassierin Karin ist sehr nett und hilfsbereit. Ich

kenne sie schon lange und auch schon vor der Corona-Krise haben sie mir

meine Einkäufe vorbeigebracht! In der Quarantäne kam das Gewünschte

einfach in einem Sackerl auf mein Fensterbrett. Das macht diese Filiale

so besonders, egal ob Filialleiter, Feinkost oder an der Kassa, dort sind alle

MitarbeiterInnen hilfsbereit und zuvorkommend!

Aber nicht nur das, wenn ich längere Zeit nicht dort war, dann haben

sich die Angestellten oft nach mir erkundigt oder schöne Grüße ausrichten

lassen. Die ganze Corona-Zeit hat mich verändert, ich bin viel ruhiger, gelassener

und geduldiger geworden und fad ist mir auch nie geworden. Ich

habe das Glück wunderbare UnterstützerInnen zu haben wie Roland z. B.

und ich komme gut mit allen aus.

Gerade als Rollstuhlfahrerin ist es super, wenn man ein Umfeld von

netten und hilfsbereiten Menschen um sich hat! Daher noch einmal ein

großes DANKE an die Angestellten in der Billa-Filiale und allen anderen UnterstützerInnen.

Hellhörigkeit

in Farbe oder

wie es zum

Farbwechsel

kam …

Cartoon von Christian

Zuckerstätter


BALANCER 80, 1/2021 PINNWAND 7

Pinn

wand.

ist deshalb so wichtig, weil er sie so kennen und lieben

gelernt hat. Leider war es eine unerwiderte Liebe. Liebe,

Leidenschaft und Hass liegen nah beieinander. Hass, weil

seine Beziehungen immer in die Brüche gehen. Ich glaube,

das hat er mit mir (und wahrscheinlich auch noch mit anderen

Menschen) gemein: Auch ich habe Beziehungen an

die Wand gefahren. Wie war das mit Daphne? Warum hast

du sie zerstört? Ich weiß, dass ich mich jetzt nicht als Moralapostel

aufzuspielen habe, aber: erkläre dich! Du hast

sie geliebt und ins Unglück gestürzt! Noch dazu einen

Naturgeist. Denn sie hat sich aus Verzweiflung vor deinen

hartnäckigen Verfolgungen in einen Baum verwandelt, genauer

gesagt in einen Lorbeerbaum. Apollon war so besessen,

dass er sie auch als Baum immer bei sich haben wollte

und so trug er von diesem Tag an einen Lorbeerkranz. Ihre

Zweige schmücken seitdem die Sieger bei der Olympiade

in Griechenland und manchen kaiserlichen Kopf. Aber jemanden

zu bedrängen führt nicht zum Ziel. Das habe ich

gelernt.

Schauen wir uns einmal Hyazinth an. Ihn hast du auch

geliebt, du strahlendster der Götter. Aber ein anderer – Zephyros,

der Windgott – wurde eifersüchtig. Seine Rache

war blutig, denn er lenkte den Diskus, den du warfst, ab

und so tötetest du den armen Hyazinth. Aber aus seinem

Blut ließ der trauernde Apollo die Hyazinthe erwachsen.

Daher sind ihre Blütenblätter blutrot.

Illsutration: Nina Ober

Apollo –

Gott des Lichts

Ein Zwiegespräch mit der griechischen Götterwelt

Von Pia Wolf

Apollo, Zwillingsbruder der Göttin Artemis, ist wohl der

strahlendste der Götter. Er ist der, der den Sonnenwagen

über den Himmel lenkt. Was macht ihn aus? Er ist eines

der Kinder von Zeus, aber auch der, der immer wieder zur

Gitarre greift und Musik macht. Er ist der Gott der Poesie

und Musik. Ich kann ihn mir in so vielen Bands vorstellen,

aber ich schweife gerade ab.

Der Lorbeerbaum und die Blume

Er hatte zwei Geliebte, denen er laut den Sagen kein Glück

gebracht hatte: Hyazinth und Daphne. Die Reihenfolge

Der Rebell

Was gibt es noch über Apollo zu wissen? Er ist in Musik

bewandert, wie ich bereits beschrieben habe. Ebenso ist

er gut in so manchen Streichen, die ihn zweimal in Menschengestalt

auf die Erde gebracht haben. Außerdem hat

er es gewagt, sich mit Zeus anzulegen und den Zorn des

Göttervaters heraufbeschworen. Der Grund dafür ist nachvollziehbar:

Zeus hatte Apollos Sohn Asklepios getötet. Die

Rache war, dass Apollo daraufhin die Kyklopen, Verbündete

des Zeus, tötete. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Nun ja, das

hatte keine guten Folgen für Apollo: Er musste als Strafe

auf die Erde und in den Schafställen des Königs Admetos

arbeiten und seine Kühe hüten. Das hatte er nun davon!

Ach Apollo, was hast du nur für Ideen? Du bist wirklich

nicht immer eines Besseren belehrt worden!

Bezüge zu heute:

Raumfahrt-Programm Apollo

Der Name „Apollo“ war eine Idee des NASA-Managers Abe

Silverstein, damals Leiter der Abteilung für Raumfahrt-

Programme. Er bezog sich dabei auf jenen Gott Apollon

der griechischen Mythologie, der als Lenker des Sonnenwagens

und treffsicherer Bogenschütze galt.

Kinos und Theater

Viele Lichtspieltheater und Kinos tragen den Namen Apollo

wegen des Bezugs zur Kunst.


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Thema

KÖRPERBILDER IN BEWEGUNG

BALANCER 80, 1/2021

Bewegung

OHNE

Bewegung

Erstmals wurde mir das vor Augen geführt, als

ich mit den Qi-Gong-Stunden bei BALANCE am

Standort Fuchsenfeld begann. Die ersten Stunden

führte ich gemeinsam mit meinem langjährigen

Qi-Gong-Trainer Ron durch. Als ich ihn fragte, was die

RollstuhlfahrerInnen, die dabei waren und sich so gut

wie gar nicht bewegten, eigentlich davon hätten, erklärte

er mir mit so einer Klarheit und Deutlichkeit,

dass ich keine Sekunde an seinen Worten zweifelte,

dass die Leute die Bewegungen in Gedanken ausführten

und damit die gleiche Wirkung erzielten,

wie wenn sie die Bewegungen physisch ausführen

würden.

Das war für mich eine höchst erstaunliche Erkenntnis,

die für mich zum einen bewusstseinserweiternd

war und zum anderen meine Achtung vor der

schon Jahrtausende alten chinesische Weisheit weiter

vertiefte. ChinesInnen hatten einen weit größeren

Glauben an die „geistige Kraft“ des Menschen als

wir sie heute haben. Wobei: da kommt mittlerweile

auch bei den „zivilisierten“ MitteleuropäerInnen einiges

in Bewegung. Gerade ist es wieder gefallen, das

Stichwort – Bewegung ist weit mehr als die physisch

sichtbare Bewegung. Das kommt schon durch allseits

bekannte Redewendungen, wie „Alles ist in Bewegung“

oder „Ich bin bewegt“ zum Ausdruck.

Bewegen, bewegt, Bewegung …

Sucht man im Internet unter dem Suchbegriff Bewegung

ohne Bewegung, bekommt man eine Unmenge

Links für Isometrisches Training. Das ist aber etwas

ganz Anderes als das, wonach ich suche. Isometrische

Übungen sind körperlich ausgeführte Übungen,

in deren Zentrum nicht die Bewegung steht, sondern

die Dehnung bestimmter Muskelpartien. Das ist weit

weniger anstrengend als Klimmzüge oder Liegestütz,

aber auch eine körperliche Beanspruchung.

Wesentlich näher am Ziel ist da schon ein Artikel im

psychologischen Fachmagazin „In-Mind“. Dort werden

die Begriffe „Handlungsvorstellung“ und „Bewegungsvorstellung“

erklärt. Mit Handlungsvorstellung

Der Widerspruch in sich macht

deutlich, dass Bewegung nicht

gleich Bewegung ist. Ein Blick

in die Welt der Menschen mit

Behinderung verdeutlicht das.

von Christian Zuckerstätter

wird das mentale Nachvollziehen einer zielgerichteten

eigenen Bewegung bezeichnet, ohne diese

tatsächlich auszuführen. Darunter fallen sowohl

komplexe Bewegungen wie auch einfache, alltägliche

Handlungen, wie etwa das Aufschrauben einer

Flasche. Bei Handlungsvorstellungen werden meist

Handlungen verschiedener Sinnesmodalitäten miteinander

kombiniert.

Bewegungsvorstellungen sind Handlungsvorstellungen,

die sich konkret mit der Ausführung körperlicher

Bewegungen befassen. Der Einsatz von Bewegungsvorstellungen

ist bei Menschen, die Bewegungen

aufgrund ihrer Einschränkung nicht real ausführen

können, mit Sicherheit viel häufiger. Da schlag

ich wieder die Brücke zu den RollstuhlfahrerInnen

beim Qi Gong. Die Ausführung von Qi-Gong-Übungen

rein in Gedanken ist ein hervorragendes Beispiel

für Bewegungsvorstellungen.

In der genannten Studie wird auch bemerkt,

dass Bewegungen in der Vorstellung umso genauer

der tatsächlichen Bewegung entsprechen, je konkreter

die persönlichen Erfahrungen des jeweiligen

Menschen mit der Bewegung sind. Das genannte Beispiel:

ein Mensch, der einen Rückwärtssalto tatsächlich

ausführen kann, stellt sich den Salto viel näher an

der Realität vor als einer, der es nicht kann. Eigentlich

vollkommen logisch! Dem halte ich aber entgegen,

dass jemand, der keine tatsächlichen Erfahrungen

mit bestimmten Handlungen oder Bewegungen hat,

seiner Fantasie völlig unbelastet freien Lauf lassen

kann. Somit ist er in anderer Hinsicht wiederum voll

im Vorteil.


Thema

BALANCER 80, 1/2021 IN BEWEGUNG

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Außen bewegungslos, innen bewegt

Wenn ein Körper bewegungslos zu sein scheint, also äußerlich

in Bewegungslosigkeit verharrt, bewegt sich innerlich

sehr viel. Das Herz schlägt, der Atem geht, die Verdauung

geht von statten, das Blut bewegt sich in den Adern und

vieles mehr.

Auch der Blick ins Winzigkleine zeigt – alles ist in Bewegung.

Atome und Moleküle bewegen sich ständig und andauernd.

Auch in den Atomen bewegt sich sehr viel. Die

Elektronen kreisen sehr, sehr schnell um den Atomkern.

Physisch ist nichts bewegungslos. Etwas, das bewegungslos

erscheint, ist gerade im Gleichgewicht der verschiedenen

Veränderungen.

Beim Yoga gibt es viele Übungen, bei denen der äußere

Körper bewegungslos verharrt. Zum Beispiel die Asanas-

Übungen beim Hatha Yoga – durch die Bewegungslosigkeit

des äußeren Körpers geschieht sehr viel innerlich, auf der

Ebene der Organe, der Hormone, der Lebensenergie und der

sieben Chakren. Gerade in der Bewegungslosigkeit eines

Asanas kommt es zu inneren Veränderungen.

Und überdies bleibt bei alledem der Geist IMMER in

Bewegung. Dazu fand ich keine wissenschaftlichen Erkenntnisse,

aber mir genügt, dass ich es weiß.

… mit den Augen tanzen

So schwierig sich die Suche nach wissenschaftlichen Erklärungen

auch erwies, so erfreulich war es, auf die Schweizer

Tanztheater-Gruppe „Tanzflug“ zu stoßen, die im September

die Tanz-Performance „Bewegungslos Bewegt“ auf die

Bühne brachte. Zur scheinbaren Widersprüchlichkeit ihres

Titels sagt die Gruppe: „Überall ist Bewegung.“ Sie machte

in ihrem Stück auch die kleinsten Bewegungen sichtbar.

„Man kann auch mit den Augen tanzen“, sagt Lea Vejnovic,

die Hauptdarstellerin des Stücks. Lea hat die Erbkrankheit

Spinale Atrophie und ist mit elektrischem Rollstuhl unterwegs.

Auf der Einladung zu ihrem Stück findet sich folgender

kluger und punktgenau zutreffender Text:

„Bewegung ist etwas, das in unserer

Gesellschaft als gegeben betrachtet

wird und der einzig in einer makellosen

Perfektion Aufmerksamkeit geschenkt

wird. Wahrgenommen wird ohnehin nur

das offensichtlich Sichtbare. Wenn jedoch

im Beobachtbaren eine Einschränkung,

eine Abweichung auftaucht, so wird der

Fokus automatisch auf die sichtbare

Andersartigkeit, das Nicht-Existente,

gelenkt, während andere Facetten der

Bewegung unentdeckt bleiben.“

(Vielen Dank Lea, für dieses toll formulierte und treffsichere

Statement. Schade, dass die Aufführung eures Stücks schon

vorbei ist. Ja, und Luzern ist ja auch nicht grad ums Eck von

Wien.)

Foto: Adobe Stock-bbtomas


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Thema

IN BEWEGUNG

BALANCER 80, 1/2021

7Tipps

wie man gesund und fit durch die kalte

Jahreszeit kommt – am besten outdoor

Von Helga Hiebl

Wir sind mitten in der kalten Jahreszeit, der Jahreswechsel ist vorbei, aber das Tageslicht ist immer

noch kurz und trüb und das Wetter ungemütlich – und dennoch: gerade jetzt sollten wir

regelmäßig rausgehen, Bewegung machen. Das tut unserem Immunsystem, unserer Stimmung

und unserer Gesundheit gut. Nicht umsonst ist Bewegung im Freien bei allen Lockdown-Maßnahmen

immer erlaubt! Der Höhlenbär in uns sträubt sich dennoch manchmal heftig. Zeit, uns

selbst hinter dem warmen Ofen hervorzulocken, vielleicht mit ein paar Übungen, die Spaß machen?

Dazu gibt es hier ein paar Tricks und Tipps.

1 2

Regelmäßigkeit

Wichtig ist, egal was du für eine Bewegung machst,

mach sie regelmäßig, so wird sie zur Routine und

gehört zum Alltag bald ganz selbstverständlich dazu.

Also geh mindestens einmal täglich raus, z. B. einfach

einmal um den Häuserblock oder dreh eine Runde im

nächstgelegenen Park. Mach 20 Hampelmannübungen

nach dem Aufstehen etc. Nutzt du einen Rollstuhl

oder ist es aufgrund des Wetters schwer möglich

rauszufahren, dann öffne zumindest das Fenster und

mach mindestens fünf Minuten Bewegungsübungen.

Vorbereitung

Aufwärmen

Gerade wenn man in der Kälte draußen

sporteln möchte, ist eine Aufwärm-Einheit

wichtig. Dazu verwenden wir die klassische

Hampelmann-Übung.

Hampelmann:

In die Grätsche hüpfen, Arme nach oben und

unten zur Seite bewegen

Bevor du jetzt hochmotiviert hinausstürmst, wärm

deine Muskeln zuerst ein wenig auf.

Sanfte Variante:

am Stand gehen, Arme mitnehmen

Rollstuhlvariante:

Arme nach oben und unten zur Seite

bewegen


Illsutration: Nina Ober

3

Die richtige Kleidung outdoor

Noch bevor du jetzt rausgehst oder das Fenster öffnest,

wesentlich ist die richtige Kleidung. Wenn man sich

in der Kälte draußen bewegen möchte, ist die richtige

Kleidung ganz wichtig. Zentral ist dabei, dass man nicht

zu kalt oder zu warm startet und der Körper nicht zu

sehr auskühlt, wenn man ins Schwitzen gerät. Am besten

zieht man sich im Zwiebelschalenprinzip mit mehreren

dünnen Schichten Funktionskleidung an. Wichtig

ist eine Kopfbedeckung und Handschuhe dabei zu haben,

denn über den Kopf verliert der Körper am meisten

Wärme und die Extremitäten kühlen am schnellsten

aus.

Du bist also jetzt draußen oder vor dem offenen Fenster

– nun geht’s los, zuerst einmal das einfachste: Atmen!

4

Richtig Atmen

Sauerstoff und Bewegung wirken wie ein Energieschub und

machen dich wach. Ist es aber sehr kalt, hilft ein einfacher

Trick, damit du deine Bronchien vor der kalten Luft schützt:

trag einfach einen Schal vor dem Mund oder nimm den Corona-Mund-Nasen-Schutz

und schon ist die kalte Luft kein Problem,

denn damit wird der Atem aufgewärmt und die Lunge

kann den Sauerstoff gut aufnehmen. Und Sauerstoff braucht

dein Körper, um Fett verbrennen zu können. Bei deiner regelmäßigen

Outdoor-Bewegung oder Bewegungsübung vor dem

Fenster atme eine Minute lang ganz bewusst tief durch.

5

Mit Musik

geht alles leichter

Fast alle Menschen bewegen sich gerne zu Musik. Ist

euch schon aufgefallen, dass niemand an Anstrengung

denkt, wenn es darum geht zu tanzen? Mit Rhythmus

macht Bewegung mehr Spaß! Such dir deine Lieblingsmusik

und spiel deine Musik zur Bewegung, outdoor

ist das auch ganz einfach mit Kopfhörern.

Für Indoor: Im Internet findet man übrigens dazu viele

YouTube-Videos mit Fitnessübungen zu Musik wie

Zumba (lateinamerikanisch inspiriertes Tanz-Fitness-

Workout) oder allgemein Latin-Dance-Workouts.

6

Mit diesen Tipps im Gepäck ist es ganz einfach, sofort

loszustarten! Dadurch hilfst du deinem Körper auch im

Winter, gesund und fit zu bleiben und stärkst nebenbei

dein Immunsystem. Außerdem wirkt Bewegung stimmungsaufhellend

und hilft dir, die trüben Tage auch

seelisch gut zu überstehen. Du brauchst dafür keine

Geräte, keine Sport-Ausrüstung, keine komplizierten

Trainingspläne, nur ein wenig Motivation.

Also, auf los geht’s los!

Mach es wie Beppo

Straßenkehrer –

setz dir kleine Ziele

Bevor du beginnst, setz dir ein Ziel, das du ohne

große Anstrengung erreichen kannst und das

zeitnah ist. Z. B. immer nur für den heutigen

Tag, das hat auch den Vorteil, dass du auf deine

Tagesverfassung Rücksicht nehmen kannst:

Zum Beispiel heute 10 Minuten spazieren gehen

oder heute 10 Minuten bei offenem Fenster

mit Musik Bewegung machen oder tanzen … so

gelingt es dir, deine Ziele leicht zu erreichen

und wie schon Beppo der Straßenkehrer im

Buch „Momo“ sich immer nur auf den nächsten

Schritt und Besenstrich konzentrierte und

wie von alleine irgendwann die ganze Straße

gekehrt war, so wirst du nach einer gewissen

Zeit feststellen, dass du deinen Lebensstil unmerklich

geändert hast und du mit mehr Bewegung

nun gesünder lebst und vielleicht sogar

ein paar Feiertagskilos gepurzelt sind.

Belohn dich!

7

Wenn es dir gelungen ist, dein Bewegungsziel zu erreichen,

dann belohn dich mit etwas, das dir und deinem

Körper guttut und genieß es! Zum Beispiel ein Thermenbesuch,

Kino, Theater oder Sportveranstaltungen

oder ein Friseurbesuch, ein guter Duft oder vielleicht

auch etwas Neues zum Anziehen oder stell dir einfach

hübsche Blumen ins Zimmer, lies ein Buch oder koch

dir etwas Besonderes zum Essen (es muss nicht immer

etwas Kalorienreiches sein : ). Dafür legst du jedes Mal

beim Erreichen eines Ziels ein paar Euro zur Seite und

nach einer Woche oder einem Monat nimmst du das

Geld und belohnst dich damit!


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Thema

IN BEWEGUNG

BALANCER 80, 1/2021

Unser Profi-Fitnesstipp

von Tamara Schwarz,

Fitnesstrainerin

In der kalten Zeit vergisst man gerne ausreichend zu trinken. Das ist

für das Immunsystem nicht sehr förderlich und aus meiner Erfahrung

spürt man das Durstgefühl oft nicht so sehr. Gerade bei Bewegung

ist die ausreichende Flüssigkeitszufuhr sehr wichtig.

Ich würde Ihnen gerne einen Rezept-Tipp geben, der in der kalten

Jahreszeit ein besonderer Immun-Kick ist und sich generell sehr positiv

auf den Körper auswirkt. Leicht und einfach zuzubereiten, in der

Winterzeit nach der Bewegung draußen warm getrunken, stärkend

und wärmend.

Wasser mit Zitrone & Ingwer

Zutaten:

1 daumengroßes

Stk. Bio-Ingwer

1 Bio-Zitrone

0,5 l Wasser

Zubereitung:

1 Ingwerwurzel mit warmem Wasser abspülen (Bio-Ingwer

braucht man nicht schälen, die Schale enthält wertvolle Antioxidantien),

fein schneiden oder reiben und mit kochendem

Wasser übergießen

2 Zitrone teilen und den Saft einer Hälfte auspressen, die andere

Hälfte in Scheiben schneiden

Den Saft und die Scheiben zum Wasser zugeben nachdem es

ein wenig abgekühlt ist, damit die Vitamine enthalten bleiben.

3 Zitronenscheiben ein wenig ziehen lassen und danach mit

dem Ingwer (optional) aus der Tasse nehmen und warm oder

ganz abgekühlt trinken.

Vorteile von Ingwer & Zitrone:

Ingwer stärkt das Immunsystem, heizt den Körper von innen

auf und wirkt durchblutungsfördernd & stoffwechselanregend.

Auch ist er für eine Wohltat bei Kopfschmerzen und

Bauchkrämpfen.

Zitrone versorgt mit viel Vitamin C, welches sehr gut vorbeugend

gegen Erkältungen wirkt und ebenso die Verdauung

unterstützt.

Foto: T. Schwarz privat

Foto: Adobe Stock-Andreas


Thema

BALANCER 80, 1/2021 IN BEWEGUNG

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Mountainbiken –

Ein Gefühl der Freiheit

Von Pia Wolf

Ich fahre seit meinem 7. Lebensjahr Fahrrad. Daraus ist über die

Jahre das Mountainbike geworden. Was verbinde ich persönlich

mit dem Mountainbiken? Ganz einfach, das Gefühl der Freiheit.

Ich kann sozusagen abschalten, wenn ich am Fahrradfahren

bin. Noch dazu bin ich dabei immer in der Familie unterwegs.

Weil ich bin noch nicht ganz straßentauglich. Das merkt man

schon an den Unfällen, die ich gehabt habe. Zum Beispiel habe

ich mal beim Schalten nach unten geschaut und bin mit vollem

Karacho in ein stehendes Auto gefahren. Die Folgen daraus waren,

dass ich mir einen Zahn ausgebissen habe und schreckliche

Knieschmerzen sind dem auch gefolgt. Nun zurück zum Biken

an sich. Es ist ein schönes Hobby, das Spaß macht wie zum Beispiel

auch Texte zu schreiben Spaß macht.

Wir fahren normalerweise immer einen Waldweg zwischen

Eichgraben und Rekawinkel. Der ist teilweise ein bisschen uneben,

aber diese Strecke kennt jeder, der hier fährt. Einmal im

Jahr fahren wir eine Woche um den Neusiedlersee. Das heißt

auch teilweise bis nach Ungarn rüber. Der Großteil der Reise

wird dann in den Social-Media-Netzwerken geteilt. Wir waren

vor Jahren auch einmal auf einen Musicalbesuch in Mörbisch.

Da wurden wir zuerst mit dem Bus abgeholt und sind dann mit

den Rädern hingefahren.

Nun mal wieder zu einem Teil, der sehr dramatisch war. Mein

Vater hatte eine Phase, in der er fast kein Wasser getrunken hat.

Er hatte sich damals in den Kopf gesetzt, weniger Wasser sei

mehr. Aber das war nicht so gut. Denn mein Papa ist daraufhin

ins Spital nach St. Pölten eingeliefert worden, weil es ihm

plötzlich sehr schlecht ging. Aber zum Glück es ihm bald wieder

besser gegangen und er wurde nach Hause entlassen. Den Göttern

sei Dank!



BALANCER 80, 1/2021

Kunst

15

Erwin Hasitzka, „Ohne Titel“

5/2007, 63 44 cm, Mischtechnik auf Papier

Der Künstler ist seit 2005 Teil der KünstlerInnengruppe bild-

Balance und arbeitet im Atelier Maria Ponsee, vorzugsweise

mit Acryl und Gouache – früher auch gerne mit Tusche. In den

letzten Jahren arbeitet er mit größeren Schaffenspausen nur

an wenigen ausgewählten Werken.


16 KÖRPERBILDER Tagesstruktur

BALANCER 80, 1/2021

Rollende

Kunstwerke

„Voi fesch“ brachte Kunst von

Menschen mit Behinderungen

auf die Straßen

Von Helga Hiebl

Mit „VOI fesch“ wird seit Beginn an ein Ziel verfolgt:

Das künstlerisch-kreative Potenzial von Menschen mit

Behinderungen öffentlich sichtbar machen. Bisher wurden

T-Shirts, Taschen und eine Vielfalt an weiteren Produkten

mit Kunstwerken aus Werkstätten und Ateliers aus ganz Österreich

designed und mit Erfolg verkauft.

Kunstpreis und fahrende

Kunstwerke auf den Straßen

2018 wurde zusätzlich der VOI-fesch-Kunstpreis

mit großem Erfolg ins Leben gerufen. Er

bietet seitdem eine weitere Chance für KünstlerInnen

mit Behinderungen, ihr kreatives Potenzial

einer großen Öffentlichkeit zu zeigen.

„Diesmal soll der WOW-Effekt noch größer

sein!“, so Gerald Bucher von Servoking, der

es mit der Firma Gradinger Folienbeklebung

möglich machte, dass die Kunstwerke auf

den riesigen Sattelschleppern aufgebracht

werden können und diese von nun an als Botschafter

für Kunst und Inklusion auf den Straßen

unterwegs sein sollen.

Foto: Kurt Patzak


BALANCER 80, 1/2021 Tagesstruktur

17

Über „VOI fesch“

Zwei Preisträgerinnen aus dem

bildBalance-Atelier Wien

Insgesamt gab es unglaubliche 285 Einreichungen von

Kunstwerken aus allen Bundesländern. Eine Jury und auch

die Öffentlichkeit trafen die Entscheidung über die Top 15,

worunter die bildBalance-Künstlerinnen Lisi Hinterlechner

den großartigen 3. Platz und Bettina Onderka den 7. Platz

erreichten. Eine mögliche Realisierung steht zwar noch

aus, aber Helmuth Stöber, Gründer und Geschäftsführer

von „VOI fesch“, zeigt sich dazu zuversichtlich: „Zweifellos

wären auch diese Werke eine große und vor allem bunte

Bereicherung für Österreichs Straßen. Wir bleiben jedenfalls

dran und sind sehr zuversichtlich, auch im Nachgang

noch einige weitere bunte LKWs zu verwirklichen.“

Originelle Designs für

mehr Inklusion

Mit dem Kunstpreis setzt „VOI fesch“ einmal

mehr ein klares Statement für eine inklusive

Gesellschaft. „Die Aufmerksamkeit gilt dem

Menschen, der Künstlerin und dem Künstler,

ihren Fähigkeiten und Talenten, nicht

der Beeinträchtigung“, so Helmuth Stöber

weiter. Und er ergänzt: „Menschen mit Behinderungen

wollen kein Mitleid. Sie wollen

Anerkennung und Teil der Gesellschaft sein.

Ganz einfach“.

„VOI fesch“ macht die Kunst von Menschen

mit Behinderungen sichtbar. Gemeinsam

mit den Künstler*innen werden exklusive

Designs für vielfältige Produkte gestaltet,

vor allem Etiketten, Verpackungen, Streuund

Geschenkartikel. Für mehr Sichtbarkeit

werden mit den originellen Kunstwerken

auch Modestücke wie T-Shirts, Taschen und

Pullover (GOTS-zertifiziert) bedruckt. Bei allen

Artikeln wird auf eine soziale und nachhaltige

Produktion geachtet. Um den Dialog

und Begegnungen zwischen Menschen zu

fördern, organisiert „VOI fesch“ inklusive

Modenschauen, Ausstellungen und Preisverleihungen

wie den VOI-fesch-Kunstpreis.

„VOI fesch“ setzt sich für eine Gesellschaft

ein, in der Unterschiede und Vielfalt ganz

selbstverständlich sind.

Über Servoking und Thermo King

Als Mitinitiator des VOI-fesch-Kunstpreises 2020 hat Servoking

diesen Wettbewerb möglich gemacht.

Die Servoking Gmbh, autorisierter Partner der Marke Thermo

King, ist in Österreich Nummer 1 für Lösungen in Sachen

Transportkühlung. Das Unternehmen ist weltweit

führend im Einbau von Temperaturregelsystemen in der

Transportbranche. Die zahlreichen mobilen Einsatzbereiche

sind u. a. Sattelauflieger, LKW-Aufbauten, Busse, Schiffcontainer

und Eisenbahnwaggons.


18 International/Migration

BALANCER 80, 1/2021

Europeans for Humanity

braucht mehr denn je jede

Unterstützung

Anfang des Jahres habe ich diese

neue Organisation vorgestellt.

Seither hat sich viel getan, leider ist

nichts davon erfreulich.

Text: Christian Zuckerstätter und

Nina Zuckerstätter

Fotos: Nina Zuckerstätter

Wie in den Medien berichtet wurde, brach am 8. September

2020 im Lager Moria ein Großbrand aus. Dem war die absehbare

Entwicklung vorausgegangen, dass Covid-19 das Lager erreicht

hatte. Schon seit März wurde von Menschenrechtsorganisationen

davor gewarnt, dass Covid-19 auf Lesbos katastrophale Folgen

haben würde. Als Präventivmaßnahme hatte man lediglich

das Verlassen des Lagers nur in Ausnahmefällen gestattet. Zur

Verbesserung der sanitären Situation wurde hingegen rein gar

nichts unternommen – keine Desinfektionsmittel, weiterhin

nur eine Wasserleitung für je 1.300 Menschen, keine Masken

und natürlich null Möglichkeit, Sicherheitsabstände einzuhalten.

Bei den Bedingungen im Lager, den ohnehin kursierenden Krankheiten,

den vulnerablen Gruppen und vielem mehr war klar, dass der Ausbruch von

Covid-19 für viele das Todesurteil bedeuten würde.

Der Großbrand und die Folgen

Als die ersten 35 Personen positiv getestet wurden, begann man, die infizierten

Personen und deren Kontaktpersonen zu isolieren. Daraufhin gingen die

Wogen hoch, bei einigen brannten die Sicherungen durch und das Lager wurde

in Brand gesteckt. Starke Winde von 70 km/h und die Trockenheit am Ende des

griechischen Sommers fachten das Feuer immer mehr an. Das Lager brannte

weitgehend ab und war danach und ist bis heute nicht mehr bewohnbar. Es

wird auch nicht wieder aufgebaut.


BALANCER 80, 1/2021

International/Migration

19

Die Menschen, die gerade noch im Lager Moria ihre Bleibe

hatten, flüchteten auf den Straßen Richtung Mytilene. Um

sie davon abzuhalten, errichtete die Polizei Barrikaden. Daraufhin

campierten die Menschen für einige Nächte auf den

Straßen, ohne Wasser, ohne Nahrung, ohne medizinische

Versorgung. Dazu kam es noch zum wiederholten Aufflammen

rechter Gewalt gegen Flüchtende und gegen Helfende.

Aus dieser Not heraus hatte man beschlossen, ein neues

Lager zu errichten, ein Zeltlager neben dem Meer. Die Zustände

dort sind allerdings absolut nicht winterfest. Die ersten

Regenfälle und starken Stürme, die den nahen Winter

ankündigten, ließen das provisorische Lager in Schlamm und

Schmutz versinken. In diesem Lager gibt es zur Körperreinigung

lediglich das eiskalte Meer, bloß einmal am Tag Essensausgabe,

nur Zelte. Und nach dem Brand wurden bereits

mehr als 240 Personen positiv auf Corona getestet. Ich glaube

nicht, dass sich jemand von uns auch nur annähernd vorstellen

kann, was diese Menschen jetzt schon seit vielen Monaten

oder gar Jahren durchmachen. Und es wird immer

noch schlimmer!

Solidarität – oder auch nicht

Der Brand im Lager führte zu einer Welle an Solidaritätsbekundungen

aus der EU. Allerdings nicht von allen Staaten.

Einige erklärten sich noch am gleichen Tag bereit, Menschen

aus dem Lager aufzunehmen. In besonderer Erinnerung ist

mir die norwegische Premierministerin, die in einer Fernsehansprache

verkündete, dass ihr Land 1.000 Menschen

aufnehmen werde. Andere hingegen, wie zum Beispiel die

österreichische Bundesregierung, verkündeten wiederholt

medienwirksam, dass die wahre Hilfe die Hilfe vor Ort sei.

Das ist zum einen angesichts dessen, was ich zuvor alles geschildert

habe, gänzlich unwahr – vor Ort kann es dort für

niemanden mehr ernstzunehmende Hilfe geben – und zum

anderen habe ich folgendes Bild vor mir:

Der österreichische Innenminister verkündet vor laufenden

Fernsehkameras in Athen, umgeben von Anzugträgern

und riesigen rot-weiß-roten Fahnen, dass die wahre

Hilfe die Hilfe vor … und so weiter und so fort. Knapp eine

Woche danach erfährt man, dass die österreichischen Hilfslieferungen

nicht nach Lesbos, sondern nach Athen gebracht

wurden, wo sie zum Großteil immer noch lagern. Sieht man

sich die Bilder von im Schlamm versinkenden Zelten an, sind

diese Lieferungen – ohnehin nur Symptombekämpfung

statt konstruktiver Hilfestellung – und das Medien-Tamtam

drumherum äußerst zynisch. Und aus der Distanz betrachtet

schlichtweg peinlich.

Die Evakuierungen, die dank der Hilfsbereitschaft einiger

europäischer Länder erfreulicherweise dennoch stattfanden,

liefen allerdings nur sehr langsam an. Im provisorischen

Lager sind weiterhin rund 8.000 Menschen untergebracht.

Die Zahl der Menschen, die aktuell auf der Insel sind,

bleibt weiterhin unübersichtlich. Zahlen und Fakten sind topaktuell

zu finden unter: https://aegeanboatreport.com/

weekly-reports/

Jeder kann etwas beitragen –

Schritt für Schritt

Als unmittelbare Antwort auf die aktuellen Zustände auf

Lesbos erstellte Europeans for Humanity das Video „Enough

is Enough – Evacuate Now“ und projizierte es auf politisch

relevante Gebäude in der EU, unter anderem in Wien, Berlin,

Straßburg, Brüssel, Den Haag und Porto. In dem Video wurde

ein dringender Appell an die EU gerichtet. Gleichzeitig dazu

gab es Pressestatements an JournalistInnen und PolitikerInnen.

All das kann unter https://europeansforhumanity.org/

nachgelesen werden.


20 International/Migration

KÖRPERBILDER BALANCER 80, 1/2021

Das Medienecho zum Brand in Moria war riesengroß. So hatte

etwa das bekannte deutsche Fernseh-Duo Joko & Klaas ein

ebenso informatives wie bedrückendes Video dazu gefertigt.

Ich versuche kurz zu beschreiben, wie es mir damit ging. Der

Film dauert etwa eine Viertelstunde. In dieser kurzen Zeit

wird so eindringlich, wie ich es noch nie zuvor gesehen habe,

der Lager-Alltag deutlich gemacht. Einen Schwerpunkt bildet

natürlich der Brand des Lagers. Beschrieben wird alles

vom 21-jährigen afghanischen Lager-Bewohner Milad Ebrahimi

– hautnah und unglaublich mitreißend. Nach Ende des

Films sprang ich auf, weg vom Bildschirm und stand lange

unbewegt im Zimmer, konnte nichts tun, nichts anfangen …

zur Ablenkung ein Stück Schokolade – nein … ein Glas Wein –

nein … nicht mal Musik konnte und wollte ich auflegen. Soviel

zur Vorwarnung, aber nichtsdestotrotz – diesen Film sollte

jede EU-Bürgerin und jeder EU-Bürger unbedingt gesehen

haben. In diesem Sinne lege ich ihn natürlich auch jeder/

jedem Balance-LeserIn eindringlich ans Herz. Hier der Link:

https://www.youtube.com/watch?v=XRqN9E9boCY

Europaweit wurden Demos organisiert, in denen gefordert

wurde, die Menschen aus Moria zu evakuieren. Aufgeteilt

auf Europa ist die Zahl der Lager-BewohnerInnen verschwindend

gering. Von den GegnerInnen bzw. SkeptikerInnen

wird immer wieder ins Treffen geführt, dass die Aufnahme

von Flüchtlingen einen weiteren Flüchtlingsstrom nach

sich ziehen würde (=„Pull-Effekt“). Dies ist aber zum einen

nicht untermauert, zum anderen ist es eine höchst zynische

Sichtweise angesichts der humanitären Katastrophe, in der

die Menschen schon bis zum Hals stecken. Somit wird an

den Menschen, die in Moria im Elend versinken, ein Exempel

statuiert, mitten in Europa!

Damit nicht genug, kommt es in letzter Zeit gehäuft zu

sogenannten „Push-Backs“ am offenen Meer. Das sind illegale

und in der EU strafrechtlich verbotene Handlungen. Ein

besonders grausamer Fall ist im Video von Joko & Klaas dokumentiert.

Dort zerstört ein Mann der griechischen Küstenwache

einem Schlauchboot mit 30 bis 40 Insassen den

Motor, um sie am Weiterkommen zu hindern. Das ist ein

glatter Mordversuch, dem die Menschen entkamen, indem

sie von der türkischen Küstenwache aufgelesen und an die

türkische Küste zurückgebracht wurden. Sie wurden somit

„erfolgreich back-gepusht“. Hauptsache: weg von Europa –

Handlungen, die eine direkte Folge der Politik sind, die in den

meisten europäischen Ländern gemacht wird – darauf können

wir wahrlich nicht stolz sein, das ist zutiefst zum

Genieren!

Tja, leider gibt es keinen glücklichen Ausklang. Es bleibt

uns eines: inständig zu hoffen, dass es bald besser wird. Und

unsere Hoffnung tatkräftig zu unterstützen, indem wir alle

unsere Möglichkeiten ausschöpfen, selbst aktiv zu werden.

Auf den Punkt gebracht: „laut sein und nicht schweigend zusehen“.

Indem wir uns selbst informieren, indem wir andere

informieren, indem wir Druck auf PolitikerInnen und JournalistInnen

machen. Und unser aller Hoffnung damit Nahrung

geben – auf eine für alle Menschen lebenswerte und friedliche

Zukunft.


BALANCER 80, 1/2021 Freizeit

21

„Almstimmig“

=

Singen auf der Alm

Singen zieht die wunderbarsten

Menschen an – Singen verbindet –

eine unwahrscheinlich schöne

Woche voller Klänge

Von Christian Zuckerstätter

Foto: Ulrike Ornauer

Ursprünglich war alles ganz anders geplant – eine Singwoche

auf der Insel Kreta mit dem schön zweideutigen Titel „Meerstimmig“.

Doch es kam anders. Ursache für die Änderung

war, wie heutzutage für so gut wie jede Umplanung, eine

Infektionskrankheit namens Covid-19. Ich hatte mich schon

sehr aufs Meer und auf Kreta gefreut, doch am Anreisetag

im Oktober waren wir so schnell – nur wenige Autostunden

von Wien entfernt – in einer völlig anderen Welt, dass keiner

von uns auch nur einen Augenblick an Griechenland dachte.

Kaum waren wir am Fanningberg im Lungau – das war

unser neues Ziel – angekommen, begann es leicht zu schneien.

Am nächsten Morgen war die ganze Landschaft in blendendes

Weiß getaucht. Die Schneedecke war etwa 10 cm

dick. Ich weiß gar nicht, wie lange es schon her ist, dass ich so

etwas hautnah erlebt habe. Es war unwirklich schön, durch

den Schnee zu stapfen und die klare, kalte Winterluft tief einzuatmen.

Das taten wir mehrmals täglich am Weg von unserem

Quartier zum gemütliche 15 bis 20 Gehminuten entfernten

Berggasthof „Rucksackl“, wo wir unsere Singstunden

abhielten.

Singend eintauchen in

die zauberhafte Winterwelt

Wir standen am Beginn einer wundervollen Woche, in der alles

bis ins kleinste Detail hundertprozentig passte und auch

zusammenpasste. Es begann schon mit unserem Quartier.

Das „Almdorf Omlach“ steht mitten im Wald und besteht

aus etwa 15 Häusern mit rustikalem Äußeren und höchst

komfortabler Einrichtung. Jedes Haus verfügt über drei

Zweibettzimmer, eine Küche, einen riesengroßen Wohnraum

sowie eine Sauna! Die 14 TeilnehmerInnen der Singwoche

belegten davon drei Häuser. Die drei TrainerInnen waren im

Haupthaus untergebracht, wo auch die Rezeption und der

Frühstücksraum waren.

Das Frühstück nahmen wir nur am Anreise- und am Abreisetag

in Anspruch. Dazwischen sorgte jede Wohngemeinschaft

selbst für ihr Frühstück. Die BewohnerInnen jedes der


22 KÖRPERBILDER Freizeit

BALANCER 80, 1/2021

drei Häuser waren außerhalb der gemeinsamen Singstunden

für sich autonom, bereiteten sich die Mahlzeiten zu, legten

sich aufs Ohr, gingen spazieren oder unternahmen sonst

etwas, wie zum Beispiel „Sauna gehn“. Den großen Schwerpunkt

bildete freilich das SINGEN.

Täglich standen am Vormittag und am Nachmittag je

etwa drei Stunden Gesang am Programm. Wir nahmen uns

Tag für Tag neue Nummern vor, die allesamt extrem gut vorund

aufbereitet waren. Die meisten Lieder wurden mehrstimmig

im Kanon einstudiert, gegliedert in die Tonlagen

Sopran, Alt und Tenor/Bass. Tenöre und Bässe wurden zusammengefasst,

da die Buben nur etwa ein Drittel der TeilnehmerInnen

ausmachten und somit, geteilt auf zwei Stimmen,

Gefahr gelaufen wären, „verlorenzugehen“.

Drei „TrainerInnen“ – drei Arbeitsweisen

Eine ganz große Rolle fiel natürlich dem TrainerInnen-Team

zu. Geleitet wurde die Woche von Ali Foeger, der unter dem

Namen „Lagerfeuermann“ seit Jahren regelmäßig Singrunden

leitet und auch sonst rund ums Thema Singen vielfältige

Aktivitäten organisiert und leitet. Ali hat seine Profession

gefunden, führt sie mit Leib und Seele aus und kann, so

glaube ich, auch davon leben. Zur Seite steht ihm bei allem

seine Freundin Ulli Ornauer. Sie ist dabei weit mehr als Alis

„Assistentin“. Bei der Almstimmig-Woche hat sie nicht nur

die ganze Organisation im Vorfeld geleitet und vor Ort alles

zusammengehalten, wie z. B. jeden Morgen via WhatsApp

das Tages-Programm an alle versandt. Nein, sie war auch als

Trainerin aktiv und leitete die sehr unterhaltsamen Gesangs-

& Body-Percussion-Einheiten, bei denen sie unserer Koordination

von Stimme und Bewegung einiges abverlangte.

Zu guter Letzt machte die Stimmpädagogin Nina Bauernfeind

das Trio komplett. Sie war heuer erstmals dabei.

Jeden Tag leitete sie eine Einheit mit der ganzen Gruppe und

bot darüber hinaus auch sehr spannende Einzelstunden an.

Ihre Methode ist sehr körperbetont, nimmt Anleihen bei

Yoga und Qi Gong und geht überdies sehr flexibel auf den

jeweiligen Menschen ein. Ich habe mich dabei sehr wohl

gefühlt und verspreche mir viel davon, künftig auch in Wien

Stunden bei Nina zu nehmen.

Auf zum „semiprofessionellen“ Gesang

Das Programm war insgesamt sehr international. Einige

Nummern stammten aus Afrika, die meisten waren Englisch

oder Deutsch, eine davon „kantnarisch“ und eine Nummer

war sogar finnisch! Ein sehr schönes Gefühl, Lieder in

der Originalsprache zu singen. Bei einigen Liedern erklärte

uns Ali, worum es darin geht. Das war aber gar nicht sooo

wichtig. Wichtig waren Klang, Melodie und die Harmonie,

die durch den stimmigen Gleichklang von Text und Melodie

entsteht.

Si si si … si do la da … la ku sine … la do banaha, so der Beginn

des afrikanischen Liedes „Banaha“. Ich habe jetzt ehrlich

nicht in den Textblättern nachgesehen. Der Text steckt auch

zehn Tage nach der Rückkehr noch fest in mir. Wunderschön,

diese Worte zu sehen und augenblicklich die Melodie dazu

zu hören oder besser gesagt zu „spüren“. Ja, das geht bei den

afrikanischen Liedern besonders gut. In ihnen steckt eine

Kraft, die ich gerne „magisch“ nenne.

Von den TrainerInnen wurden wir ganz schön gefordert.

Natürlich alles im Rahmen dessen, was Spaß macht,

aber die mehrstimmigen Arrangements waren wirklich äußerst

anspruchsvoll. Bis zu vier A4-Blätter nahm eine Nummer

in Anspruch, um Text und Melodie aller drei Stimmen zu

vermitteln. Von den zahlreichen Nummern hatten wir die

meisten täglich am Programm. Und wir setzten alle Nummern,

davon bin ich voll überzeugt, sehr gut um. Das fand

auch unser Publikum beim „Abschlusskonzert“ am letzten

Abend.

Das Publikum bestand lediglich aus der Wirtin und den

KellnerInnen vom Rucksackl. Ein ebenso kleines wie feines

Publikum, das uns, das war zu spüren, ehrlich empfundenen

Beifall spendete. Überhaupt war das phantastische Rucksackl-Team

ein entscheidender Faktor für das tadellose Gelingen

der wunderbaren Almstimmig-Woche.


BALANCER 80, 1/2021 Freizeit 23

alle, die dabei waren, beim Refrain – ein ebenso eingängiges

wie einfaches „Aaaaahhhh“ – lautstark mitsangen. Und dass

alle mir beim Abgang Standing Ovations gaben. Es war ein

Traum, der mir Flügel verlieh – noch heute hebe ich ein paar

Zentimeter ab, wenn ich mich daran zurückerinnere. Meine

zweite Nummer – „Norwegian Wood“ von den Beatles – war

in jeder Hinsicht ruhiger und unauffälliger, bleibt mir aber in

ebenso schöner Erinnerung.

Ganz „außer Konkurrenz“ und völlig gesangsfrei gab es

am vorletzten Abend spontan ein außergewöhnlich feines

Happening. Wir hatten alle zu uns ins Haus eingeladen. Ein

paar waren schon zum Essen da, die anderen folgten nach.

Die Wohnung war tatsächlich groß genug, dass alle 17 Leute

– unter Einhaltung der Sicherheitsabstände – locker

Platz darin fanden. Nicht nur das, am späteren Abend kam

plötzlich Tanzstimmung auf und die große freie Fläche im

Wohnzimmer wurde von einem Augenblick zum anderen

Dancefloor. Silke war unser DJ und erfüllte per Smartphone

im Handumdrehen jeden Musikwunsch. Via eine kleine

Lautsprecherbox – nicht mal so groß wie zwei Zigarettenschachteln

– füllte die Musik mit ordentlicher Power den

Raum. Einerseits fühlte ich mich alt angesichts der unwahrscheinlichen

technischen Möglichkeiten, die heute schon

Wirklichkeit sind, andererseits wurden Großteils Nummern

aus der Glam-Rock-Zeit in den Siebzigern, der Musik meiner

Jugend, gespielt. So hat alles zwei Seiten und das ist gut so!

Meine größten Highlights

Zweimal waren wir auch abends singfreudig aktiv. Das eine

Mal gaben wir eben unser Abschlusskonzert und zwei Tage

davor stand Karaoke am Programm. Von Karaoke hatte ich

schon oft gehört, wusste aber nicht, was das genau ist. Jetzt

wusste ich es mit einem Mal – du stehst allein vorne und

singst Lieder, die du dir zuvor ausgesucht hast. Als Basis

diente uns, wie bei den Singrunden in Wien, Alis Liederbuch.

Im telefonbuchstarken Liederbuch sind 300 Hits von den

50er-Jahren bis heute bestens aufbereitet. Der Querschnitt

durch die Musik der letzten Jahrzehnte ist so gut gelungen,

dass jede(r) schnell Lieder findet, die sie/er kennt und gerne

singt.

Viel gäbe es noch zu erzählen von unserer zauberhaften

Singwoche auf der Alm. Doch „Ois hot sei End“, so auch dieser

Artikel. Vielen lieben Dank an Ulli, Ali, Nina und alle Sängerinnen

und Sänger, die dabei waren. Ich freue mich schon

unbeschreiblich auf die nächste Singwoche im kommenden

Jahr, ganz egal, ob sie am Meer, auf der Alm oder sonst wo

ist, yeaahhh.

Infos zum „Lagerfeuermann“ Ali Foeger

und Ulli Ornauer

!http://www.lagerfeuermann.com

Meine Wahl fiel auf „Leuchtturm“ von Nena. Aber eine Sängerin,

die vor mir auftrat, hatte sich für genau diese Nummer

entschieden. So machte ich mich erneut auf die Suche. Eine

andere Nummer war schnell gefunden – „Lady in Black“ von

Uriah Heep. Was jetzt kam, war ganz und gar unwirklich. Ich

stellte mich vorne hin und begann zu singen, sobald die Musik

einsetzte, fühlte mich dabei wie ferngesteuert und weiß

im Nachhinein nicht mehr, ob Ali, der die Musik live beisteuerte,

Keyboard oder Gitarre gespielt hat. Ich hörte für mich

während des Auftritts klar und deutlich die Originalmusik.

In unvergesslicher Erinnerung bleibt mir hingegen, dass


24

UNTERSTÜTZTES WOHNEN

BALANCER 80, 1/2021

Schiff, Wien

und Donau

Von Andi Tettinger

In der Wohngemeinschaft Böckh organisierten

wir letztes Jahr im September (9.9. und 23.9.2020)

zwei gemeinsame Ausflüge in Form einer Schiffsrundfahrt.

Ich war mit der ersten Partie am Schiff,

es war eine schöne Fahrt, aber leider viel zu kurz

für meinen Geschmack, denn weil der Aufzug am

Schwedenplatz leider außer Betrieb war und wir

daher das geplante Schiff versäumten, telefonierte

Uschi viel und erreichte, dass wir ein anderes Schiff

zu einem späteren Zeitpunkt nehmen konnten.

Beim Einstieg hatten wir ein kleines Problem, es

waren zwei Stufen (nicht wirklich barrierefrei!),

mit dem E-Rolli gelang es trotz HelferInnen nicht,

dieses Hindernis zu überwinden, daraufhin wurde

eine Rampe gebracht und so klappte es nach Anfangsschwierigkeiten

nun doch.

Nun war es halt nur die kleine eineinhalbstündige

Runde, aber besser als gar keine, obwohl: die große

Runde hätte dreieinhalb Stunden gedauert. Trotz

der widrigen Umstände genossen wir die Fahrt

und das Mittagessen am Schiff sehr.

Hier ein paar eingesammelte

Stimmen zum Ausflug:

Andi

Schneider

Schöner Ausflug

mit meiner

Marina!

Marina

Schöne Schifffahrt,

Wien und die Donau sind schön

anzusehen. Essen war gut. Schade

war’s, dass wegen eines defekten

Aufzugs beim Schwedenplatz

nur die halbe Fahrt möglich

war.

Fotos: BALANCE Archiv


UNTERSTÜTZTES WOHNEN 25

Johann

Leiwand,

cool, hat mir sehr

gefallen!

Marina

Schöne Schifffahrt,

Wien und die Donau sind

schön anzusehen. Essen war gut.

Schade war’s, dass wegen eines

defekten Aufzugs beim Schwedenplatz

nur die halbe Fahrt

möglich war.

Roland

Schöne Gegend,

schöner Ausflug

Andrea

War schön und interessant, es

gab riesige Essensportionen

mit Sonderpreis!

Michi

Die Schifffahrt

hat mir gut gefallen!

Harry

Es war sehr schön und

war trotz Corona super organisiert,

netter Ausflug, leider Problem

mit Aufzug (Einstieg bei Schwedenplatz

nicht möglich ----> deshalb

dauerte Bootsfahrt nur 1 1 /2

statt 3 Stunden)

Berni

Ich fand den Ausflug

spitze; schade, dass

meine Freundin nicht dabei

war, dann wär’s noch lustiger

gewesen; nächstes Mal gerne

wieder ein Ausflug mit

Boot!

Thomas

Grundsätzlich war es ein

schöner Tag, wo alles ohne Probleme

funktionierte (ganze Runde) im Gegensatz

zur anderen Gruppe, die nur eine verkürzte Fahrt

hatte. Alle haben sich gefreut, dass es geklappt hat

und es gab gutes Essen; ab und zu habe ich etwas dazugelernt

während der Reise; die ganze Rundreise auf der

Donau war eine neue Erfahrung für Margit (Bezugsbetreuerin);

Abschließend: fast alle hatten Spaß und

wir nutzten eine der letzten Möglichkeiten, bei

schönem Wetter Eis zu essen!


26 TIMEOUT – AUSZEIT MIT KÖRPERBILDER CHRIS

BALANCER 80, 1/2021

Die Zeit der

Videokonferenzen

Was bis zum Vorjahr noch an mehreren Orten gleichzeitig aktiven

EntscheidungsträgerInnen vorbehalten war, ist plötzlich Alltag für

viele Menschen.

von Christian Zuckerstätter

„Videokonferenz“, das war für mich nie mehr als ein Wort. Ein Wort, das etwas

beschreibt, das mich in keiner Weise betrifft. In Zeiten der Infektionskrankheit Covid-19,

die wir gerade ausführlich durchleben, hat sich das vollkommen geändert.

Mit einem Mal wurden Videokonferenzen zur idealen Form der Kommunikation

ohne direkten Kontakt, somit ohne Ansteckungsgefahr. Das Wort „Videokonferenz“

wurde bald nicht mehr nur für wichtige Tagungen verwendet, sondern für

jeden Austausch via Computer. Und da eröffneten sich plötzlich viele Möglichkeiten,

die weit über das „Konferenzen abhalten“ hinausgehen.

Mein persönlicher Rekord waren einmal vier Videokonferenzen in drei Tagen.

Davon war die einzige Konferenz im eigentlichen Sinn die Balancer-Redaktionssitzung.

Die zweite „Konferenz“ war eine Probe mit der Trommelgruppe Tabla Bahara,

bei der ich seit rund einem Jahr mitspiele. Das ist schon eine diffizilere Sache,

da es durch die große Entfernung zu einer Zeitverzögerung, „Latenz“ genannt, von

etwa zwei Zehntelsekunden kommt. Klingt sehr wenig, macht aber das musikalische

Zusammenspiel de facto unmöglich.

Illustration: Nina Ober


BALANCER 80, 1/2021 TIMEOUT – AUSZEIT MIT CHRIS 27

Die Lösung: die Übertragung läuft nur in eine Richtung.

Mit anderen Worten: alle hören Bruno, den musikalischen

Leiter der Gruppe, aber er hört uns nicht. Auch untereinander

hören wir einander nicht. So kann es zu keinerlei „Überschneidungen“

kommen. Es ist also kein Zusammenspiel im

eigentlichen Sinn, aber trotzdem eine gute Übung zur „gemeinsamen“

Aufrechterhaltung des Repertoires. Und es ist

eine Freude, einander zu sehen und wahrzunehmen.

Zurück zu „meinen“ Videokonferenzen – die Dritte war

wieder eine Probe, diesmal mit der Singrunde. Hier galt genau

das gleiche – alle SängerInnen hörten den Leiter der

Singrunde, waren aber wegen der Latenz selbst „stummgeschaltet“.

Es funktionierte – sogar zweimal pro Woche –

wunderbar und vermittelte wahrlich sowohl ein Gemeinschafts-

wie ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Und das,

obwohl es sich um eine „Offene Singrunde“ handelt, bei der

die TeilnehmerInnen von Mal zu Mal variieren. Eine sehr große

Rolle beim tadellosen Funktionieren der digitalen Singrunden

spielte Ulli, die Freundin des Leiters, die nicht nur

mitsang und per Mimik und Gestik für Unterhaltung sorgte,

sondern auch am Computer live alle eintreffenden Musikwünsche

managte.

Meine vierte Videokonferenz war die untypischste. Ich

traf mich – per Zoom, wie alle bisher genannten Schaltungen

– mit einem meiner allerbesten Freunde auf ein Bier. Wir

sind es gewohnt, einander alle ein bis zwei Wochen zu sehen,

um zu tratschen, zu tratschen und zu tratschen. Nach

wochenlangem „Entzug“ war es eine große Freude, einander

auf diesem Weg in die Augen schauen zu können und einander

mit einem realen Bier zuzuprosten. Unser erstes „physisches

Treffen“ nach dem Lockdown zeigte uns freilich schon,

dass es viel, viel schöner und intensiver ist, real zusammen

zu sein. Conclusio: als Notlösung ist die Videokonferenz ok,

aber auf Dauer – nein, danke!

„Wunder“ der Technik

Ich habe zuvor geschrieben, „aufgrund der großen Entfernung“

kommt es zur Latenz und so weiter. Damit habe ich

aber nicht die Entfernung von Wien nach Köln gemeint,

denn Bruno, der Leiter unserer Trommelgruppe, ist in Köln zu

Hause. Ich meinte vielmehr den Weg von einem Smartphone

oder Computer zum Satelliten und zurück zum anderen

Smartphone oder Computer, denn das ist die Entfernung,

die jedes „Hallo, wie geht’s Dir?“ zurücklegt. Und diese Entfernung

ist gewaltig groß.

Geostationäre Satelliten umkreisen die Erde in einer

Entfernung von rund 35.800 bis 41.700 Kilometern. Diese

Entfernung ist ideal, weil sich dort die Erdanziehungskraft

(=Gravitation) und die Fliehkraft (=Zentrifugalkraft) genau

die Waage halten. Mit anderen Worten: der Satellit stürzt

weder ab, noch wird er ins All geschleudert. Außerdem befindet

er sich schon im Vakuum, hat also keinen Luftwiderstand,

wird nicht abgebremst und behält somit die Geschwindigkeit,

in die ihn die Trägerrakete versetzt hat, immer

bei. Er fliegt und fliegt und fliegt ohne Antrieb – sehr

kostensparend.

Wenn diese Satelliten eine Höhe von genau 35.786 Kilometern

über der Erde und eine Geschwindigkeit von 3,07

Kilometern pro Sekunde in Richtung der Erdrotation einhalten,

befinden sie sich immer über dem gleichen Punkt der

Erde. Und genau das ist ihr Ziel, um optimale Bedingungen

für die Übertragung jeder Art von Signalen zu gewährleisten.

Unglaublich, welch gewaltige technische Präzision dahintersteckt,

um das möglich zu machen.

In genau der genannten Entfernung zur Erde befindet

sich über dem Äquator die geostationäre Erdumlaufbahn,

auf Englisch Geostationary Earth Orbit, kurz GEO. In dieser

Umlaufbahn kreisen Kommunikationssatelliten, Fernsehsatelliten,

Wettersatelliten und andere Satelliten. Zurzeit ziehen

dort rund 2.800 Satelliten ihre Kreise. Davon wird die

Hälfte, also 1.400 Satelliten, von den USA betrieben. Somit

ist es gut absehbar, dass die Zahl noch gewaltig anwachsen

wird, sobald andere Länder, allen voran China, die derzeit bereits

mit 400 Satelliten vertreten sind, weiter „aufrüsten“.

Zurzeit ist nicht absehbar, was kommen wird, wenn es einmal

im GEO eng wird. Aber das ist schon ein ganz anderes

Thema.

Ich gönne es mir immer wieder, mir bewusst zu machen,

was da abläuft. Ganz und gar unvorstellbar, was da alles

durch den Orbit schwirrt, ohne dass es zu Zusammenstößen

kommt. Und mit welch sagenhafter Geschwindigkeit. Es

braucht nicht lang, um zu eruieren, mit welcher Geschwindigkeit

sich die Signale fortbewegen – etwas, das in jeder

Sekunde eine Entfernung von unglaublichen 300.000 Kilometern

zurücklegt, bewegt sich exakt mit Lichtgeschwindigkeit

– that’s it!!

Wieder zurück auf der Erde

Jetzt wieder weg davon, was sich hoch über unseren

Köpfen alles abspielt. Ich bin überzeugt davon, dass das „videoconferencing“

in dem guten halben Jahr schon einen so

fixen Platz in unserem Denken, in unserer Planung eingenommen

hat, dass es bleiben wird. Zumindest in weit stärkerem

Maß, als das bisher der Fall war. So schön und so wichtig

es auch ist, einander wann immer es möglich ist, real gegenüberzustehen.

Es ist um vieles besser und hilfreicher, einander

via Bildschirm zu sehen als wochen- oder gar monatelang

gar nicht.

Klarerweise geht nichts von selbst von heute auf morgen.

So ist auch das Kommunizieren über Monitor Lernsache.

Undiszipliniertes Durcheinanderreden zum Beispiel ist nie

zielführend, in der Videokonferenz führt es aber schnell zum

Chaos. Somit kommt eine völlig überraschende Erkenntnis

zum Tragen – Videokonferenzen machen die autonome, digitale

Welt, in der jeder einzelne bislang gesteckt ist, zum

sozialen, digitalen Ereignis. Es macht sich bestimmt bezahlt,

uns an diese große Veränderung zu gewöhnen – auch nach

Corona …


28

interbalance

BALANCER 80, 1/2021

„Es geht um

die fehlende

Laut einer Studie möchten

34 Prozent der ausgebildeten

KrankenpflegerInnen auf

Intensivstationen arbeiten,

berichtet Josef Zellhofer vom

Österreichischen Gewerkschaftsbund

(ÖGB).

Wertschätzung“

UNTERSTÜTZUNG FÜR PFLEGENDE ANGEHÖRIGE

Interview: Jürgen Plank

In einer Aussendung haben Sie heuer eine strukturelle

Verbesserung im Arbeitsalltag der Gesundheits- und

Sozialberufe gefordert. Was könnte verbessert werden?

Josef Zellhofer: Im Arbeitsalltag wäre mehr Personal wichtig.

Dass man mehr Kolleginnen und Kollegen physisch hat,

die diese so genannten high levels abfangen können. Es

zeigt sich jetzt mit Covid, dass die KollegInnen Überstunden

machen, und sechzig oder sogar mehr Stunden pro Woche

arbeiten. Es gehen uns nicht die Intensivbetten aus, aber die

KollegInnen, die die PatientInnen pflegen, gibt es einfach

nicht. Wenn ein Politiker glaubt, dass jemand von der Onkologie

zur Intensivstation gehen soll, um Covid-PatientInnen

zu behandeln, dann wäre das Nonsens. Wenn Sie auf einer

Covid-Station arbeiten, brauchen Sie nochmals drei Monate

Einschulung. Und das Arbeiten mit Schwerstkranken ist eine

große psychische Belastung.

Wo könnte man ansetzen, damit mehr Menschen in

den Pflegeberuf gehen?

Das höre ich tagtäglich von PolitikerInnen. Ein Beispiel dazu:

an der Fachhochschule in Wien wurde im Herbst 2019 ein

zusätzlicher Kurs eingezogen. Da wurden 400 zusätzliche

Ausbildungsplätze geschaffen. Wenn ich aus den Bundesländern

höre, dass sich niemand für Ausbildungen meldet,

muss ich leider widersprechen: für diese 400 Plätze haben

sich 1.600 Menschen beworben. Da muss man sich Gedanken

darüber machen: Warum melden sich an der FH in Wien

so viele und in anderen Bundesländern melden sich wenige?

Das hängt vielleicht an den Rahmenbedingungen. Ich

möchte nicht sagen, dass in Wien alles Halli-Galli ist. Aber:

so eine Ausbildung kostet viel Geld. Hier gibt es Unterstützung

vom WAFF (Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds)

und vom Arbeitsmarktservice (AMS). Das läuft in den

Bundesländern schleppend an und das ist das Problem. Je

besser qualitativ eine Ausbildung ist, umso besser ist das für

die PatientInnen.

Neben der professionellen Pflege übernehmen oft

Angehörige pflegende Aufgaben. Wie sehen Sie diesen

Bereich?

Die Angehörigen brauchen wesentlich mehr Unterstützung

als sie zurzeit haben. Ob das mit dem derzeitigen Pflegegeld

annähernd abgedeckt werden kann, wage ich zu bezweifeln.

Die pflegenden Angehörigen brauchen wirklich regelmäßige

Unterstützung. Da geht es nicht darum, dass jemand vorbeikommt

und sagt, wie sie etwas besser machen können.

Sondern um echte Hilfe: Qualifizierte KollegInnen, die mit

den Angehörigen gemeinsam anpacken. Nicht nur Tricks

zeigen, wie man die PatientIn am besten lagern kann. Da

kommt auch eine psychische Komponente hinzu: dass die

Angehörigen wahrgenommen werden. Wir wissen, dass

ein großer Anteil von Angehörigen zu Hause – recht und

schlecht – pflegt und fallweise kommt vielleicht ein Arzt

vorbei und schaut sich an, was da passiert. Manche, die es

sich leisten können, leisten sich eine 24-Stunden-Betreuung,

die betreut, aber nicht pflegt. Ich lege großen Wert darauf,

zu sagen: Was ist Betreuung? Und was ist Pflege?

Nun gibt es auch den Trend zur Digitalisierung, in

Japan sind zum Teil Roboter in der Pflege im Einsatz, wie

sieht es denn diesbezüglich in Österreich aus?

Wenn wir von Robotern reden, dann reden wir von ganz unterschiedlichen

Kulturen. Die Robotik in Japan kennen wir

schon seit rund 40 Jahren, das ist eine ganz andere Kultur. In

der westlichen Welt sind wir noch immer sehr zentriert auf

menschlichen, sozialen Kontakt. Ich kann mir den Roboter

bei uns als Unterstützung vorstellen.

Was sind zu beachtende Aspekte in Gesundheits- und

Sozialberufen?

Das Hauptthema im Beruf ist: Es geht um die fehlende Wertschätzung.

Von der Bevölkerung wird das Pflegepersonal

erst gesehen, wenn man die Pflege braucht. Im Alltag nimmt

man die Pflege eigentlich nicht wahr. Die Wertschätzung ist

wichtig. Man braucht ausreichend Personal, da muss ziemlich

rasch etwas geschehen. Und es geht auch immer um die

Frage der Qualität.

Foto: Astrid Knie


BALANCER 80, 1/2021 interbalance 29

SIVBEREICH: 34 PROZENT

In welchen Bereichen möchten FH-AbsolventInnen

arbeiten?

Die Politik hat immer gemeint, die FH-AbsolventInnen wollten

alle in Führungspositionen gehen. In Wien wird seit zehn

Jahren eine Begleitstudie gemacht. Da hat man festgestellt,

dass nicht mal drei Prozent der Pflegekräfte in Führungspositionen

gehen wollen. 34 Prozent wollen in den Intensivbereich

gehen, dort brauchen wir ganz dringend Kräfte, wie

uns Corona gerade gezeigt hat. 34 Prozent begeben sich in

den ,psychiatrischen Bereich plus Kinder‘, auch Geriatrie –

und rund 25 Prozent wollen im stationären Bereich arbeiten.

Spannend ist, dass rund 96 Prozent in den ersten Jahren bei

ihrem Arbeitgeber bleiben. Im Pflegebereich gibt es einen

Paradigmenwechsel und das hat nicht mit der Akademisierung

der Pflege zu tun. Wenn ich an Australien oder an die

USA denke, hinken wir hier noch nach. Die FH-SchülerInnen

in Wien wollen zu einem großen Teil direkt am Patienten arbeiten.

Das ist auch gut so, wir brauchen die Besten, die am

besten Ausgebildeten, direkt am Patienten. Das gilt auch in

der gesamten Behindertenarbeit.

würde mir wünschen, dass Pflegekräfte die gesetzliche Normalarbeitszeit

arbeiten – ohne Überstunden! Jetzt in der

Covid-Zeit arbeiten die KollegInnen 60 Stunden oder mehr,

geschweige denn, dass Ruhezeiten eingehalten werden und

sie drei Tage frei haben. Ich spreche für Gesamt-Österreich.

Auf der anderen Seite sagt man: Stundenreduzierung. Solange

man nicht das nötige Personal dafür hat, das die Arbeit

macht, ist eine Arbeitszeitverkürzung sekundär. Es gibt

viele Firmen und Vereine, die MitarbeiterInnen, wenn sie

aus der Elternkarenz zurückkommen oder neu anfangen,

keine Vollzeit mehr geben, sondern nur mehr Teilzeit. Wenn

ich schon wirklich echte Personalengpässe habe, dann würde

ich jene KollegInnen, die von Teilzeit auf Vollzeit gehen

wollen, auf Vollzeit gehen lassen. Aber das wollen sie nicht,

weil ich eine Teilzeitkraft viel flexibler einteilen kann als eine

Vollzeitkraft. Das ist aber reine Fantasielosigkeit, in meinen

Augen. Es gibt viele Möglichkeiten, Dienste einzuteilen,

ohne dass jemand drei Mal am Tag spazieren fahren muss.

Durchschnittlich verlassen Krankenschwestern nach

rund acht Jahren den Beruf. Warum ist das so?

Der Durchschnitt liegt bei nur sieben Jahren. Warum? Pflege

ist großteils ein Frauenberuf. Bei der FH kommen jetzt immer

mehr Männer dazu, aber zu 90 Prozent sind es Frauen,

die pflegen. Sie bekommen Kinder, bleiben eine gewisse Zeit

zu Hause und wenn sie wieder in den Beruf einsteigen wollen,

trauen sich viele nicht mehr zu, wieder einzusteigen.

Weil die Entwicklung im Bereich Medizin ziemlich rasch

vorangeht. Hier sind die Rechtsträger gefordert, Schritt für

Schritt die KollegInnen wieder ins System hineinzuholen.

Das funktioniert schlichtweg nicht.

Würde man also an diesem Punkt ansetzen, wären

viele Personalprobleme gelöst?

Ja, ich habe die Zahl nicht im Kopf, aber es gibt seit kurzem

die Registrierung der Gesundheits- und Pflegekräfte. Und da

gibt es eine hohe Anzahl an Pflegekräften, die sich registrieren

haben lassen, aber nicht bei einem Rechtsträger gemeldet

sind. Man kann sagen: okay, ein paar sind jetzt freiberuflich

unterwegs, aber es bleibt ein erheblicher Bereich

übrig. Vielleicht sind das 20.000 oder mehr. Ich habe dem

zuständigen Ministerium schon vor einem Jahr vorgeschlagen,

man möge doch die KollegInnen anschreiben, ob sie

nicht einen Wiedereinstieg in den Beruf machen wollen.

Was sagen Sie zum Aufruf der Stadt Wien, bereits

pensioniertes Krankenhauspersonal möge sich wegen

Covid für freiwillige Einsätze melden?

Ich will niemandem ins Kreuz fallen, aber ganz ehrlich gesagt,

und da spreche ich aus eigener Erfahrung: die KollegInnen,

die mit 55 in Pension gegangen sind, waren alle schwer

krank. Viele habe ich auf ihrem letzten Weg begleitet, die

leben gar nicht mehr.

Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?

Da komme ich wieder auf das Strukturproblem zurück. Ich

Zur Person

Josef Zellhofer ist der Bundesvorsitzende

der ÖGB/ARGE Fachgruppenvereinigung

für Gesundheits- und Sozialberufe, die

rund 450.000 Menschen in Österreich vertritt.

www.oegb.at


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Pro & Contra

BALANCER 80, 1/2021

Pro

Extremsport

Von Pia Wolf

Ich fühl mich oft gegen den Strom schwimmend und suche

den Widerstand, ich suche Möglichkeiten, weiter zu gehen

als es mein Körper zulässt. Gerne gehe ich kalkuliert an meine

Grenzen, das kommt vielleicht daher, dass man sich in der

Familie immer um mich gesorgt hat, auf mich geschaut hat,

alle haben mir – gut gemeint – vorgeschrieben: „Mach das

nicht!“ Meine Familie hat mir aus Sorge vieles nicht zugetraut,

vor allem meine Mama nicht.

Vielleicht suche ich deshalb immer die Herausforderung,

ich möchte wissen, wie weit ich mit meinem Körper

gehen kann und was ich mir zutrauen kann. Da hilft nur:

ausprobieren! Das ging auch oft schief und führte zu vielen

Verletzungen.

Einmal beim Reiten bei einer der ersten Trainingseinheiten

in der Bahn hatte ich plötzlich den großen Wunsch

dahinzugaloppieren, mit dem Pferd zu fliegen. Ohne Anweisung

des Lehrers versuchte ich, das Pferd zum Galoppieren

zu bringen, ich bin im Trab immer schneller geworden, die

Reitlehrerin wollte das Pferd noch stoppen, und dann galoppierte

ich! Ein kleines Stückchen hat es auch geklappt, das

war ein gutes Gefühl, dann bin ich runtergeflogen und habe

mir die Schulter verletzt, danach bin ich aber sofort wieder

aufs Pferd.

Der Reiz, meine Grenzen auszutesten ist dennoch geblieben.

Ich mag auch immer was Neues ausprobieren, z. B.

würde ich gern Bungee Jumpen oder tauchen. Das ist aber

leider wegen meiner physischen Kondition des Herzens nicht

möglich.

Ich mag generell hohe Geschwindigkeiten. Beim Mountainbiken

wie beim Schifahren. Da fahre ich die Buckelpisten

oft gerade hinunter, ich mag es, wenn es mich dann in der

Luft zerreißt. Ich bin einmal durch den Wald gefahren, auch

eher schnell, meinem Vater hinterher, die eine Kurve hab ich

dann nicht mehr geschafft und bin geradewegs in einen

Baum rein und hab mir den Kiefer gebrochen. Einmal fuhr

ich die komplette Piste ohne Bogen gerade runter. Da musste

ich zwar höllisch aufpassen und ich hab das auch nur einmal

gemacht, aber ich hab es geschafft! Wir waren damals

auf einer Hütte und noch keine Menschen auf der Piste. Ich

war mit meinem besten Freund unterwegs und wir fuhren

um die Wette. Klar, dass ich damals gewonnen habe!

Manchmal kann ich die Gefährlichkeit nicht so gut einschätzen.

Wenn ich mir aber z. B. Filme anschaue, wie sich

Leute mit dem Hubschrauber auf den Berg fliegen lassen

und dann wild runterfahren, da wird mir schlecht, das könnte

ich nicht! Trotz aller Verletzungen schaue ich auf mich und

darauf, mich nicht zu sehr zu verausgaben, über 50 Prozent

Energielevel gehe ich nie.

Für mich als jemand, der mit einer Behinderung lebt, ist

das extrem wichtig, zu wissen wie weit ich gehen kann, ich

bin ja ohnehin eingeschränkt, warum also sollte ich mich

noch mehr einschränken? Das ergibt in meinem Kopf keinen

Sinn, ich brauch den Adrenalin-Kick, denn so weiß ich, bis

hierher kann ich und nicht weiter.


BALANCER 80, 1/2021

impressum

31

Contra

Extremsport

Von Andrej Rubarth

Extremsport gibt es. Das habe ich irgendwann mal mitbekommen.

Marathon bin ich ja auch schon gelaufen. Bis einmal einer

aufs Siegertreppchen gestiegen ist in der männlichen Altersklasse

bis 60 Jahre, der hat dann beim Interview gesagt, dass das ein

schönes Einlaufen war für den Ultramarathon zwei Tage später.

Also da läuft er dann 3 bis 7 Marathons hintereinander am Stück.

Da habe ich mein eingebildetes Marathonheldentum – ihr wisst

schon, Schweiß, Blut, Schmerz und Tränen – an den Nagel gehängt.

Da kann ein einfacher Mann einfach nicht mithalten.

In meinen Twenties habe ich mir als Flachländer gern Videotapes

mit Freeridern angeschaut. Die fahren da so senkrechte

Hänge runter mit spitzen Felsklippen drin und mit kleinen

Schneelawinen um die Wette. Ich habe immer schon vorhergesehen,

dass sich der Mensch da jetzt – oder jetzt – nein jetzt – den

Hals bricht, war aber nie so. Später sind die Menschen hinter der

Kamera draufgekommen, immer dazuzuschreiben, dass man das

selbst keinesfalls ausprobieren soll. Also irgendwas muss dann da

doch passiert sein.

Man sieht’s ja auf den YouTube-Kanälen. Da fahren dann

Männer und Frauen, Mädels und Buben auf Fahrrädern Gebirgsmassive

runter. Es wird nicht gezeigt, wie die Knochen von den

armen Seelen eingesammelt werden, die es abgeworfen hat. Das

hat man ja auch beim Mount Everest sehr lange unterlassen, bis

die vielen Everest-Touristen angefangen haben, über die gut erhaltenen

Leichenteile zu stolpern. Durch Wüsten rennen, sich mit

sauteuren Batman-Kostümen die Berge runterfallen lassen, sich

durch Wildwasserschluchten spülen lassen, ohne Seil und Boden

Bergwände hochklettern und keinen Gedanken daran zu verschwenden,

wie man aussieht, falls man durch einen unglücklichen

Zufall nach 200 Metern doch leider unten aufschlägt? Angeblich

gibt das ja den Kick – also ohne das Aufschlagen.

Natürlich trainieren diese Leute ordentlich und fleißig,

Suchtgefahr inklusive. Was du in dieser Lebenszeit alles machen

könntest! All ihre Grenzgänge sind Projekte, alles bis in Kleinste

ausgefeilt. Und dennoch geht sicherlich einiges schief. Aber nur

die armen Bergsteiger müssen sich Berichte gefallen lassen, dass

da wieder mal ein paar gestorben sind. Bei den anderen Extremsportarten

breitet man den Mantel des Schweigens aus – Message-Control?

Wobei – den Kick kann ich irgendwo doch verstehen.

Ich bin mal als Bub beim Kirschenklauen vom Baum gefallen.

Da war ich auch ziemlich hoch. Ich spüre heute noch ganz genau,

WIE froh ich war, dass ich das überlebt habe, als ich mich wieder

aufgerappelt hatte. Zu Tode erschreckt, am Jenseits geschrammt

und doch heil überstanden, daran erinnert sich alles im Körper.

Wenn man das ohne die Jenseitsschrammen haben kann, na dann

OK.

Impressum

Medieninhaber, Herausgeber, Verleger:

Verein BALANCE – Leben ohne Barrieren, 1130 Wien,

Hochheimgasse 1,

T 01/8048733-8105, F DW 8050

E-Mail: h.hiebl@balance.at

Internet: www.balance.at

Chefredaktion: Mag a . Helga Hiebl

Redaktion: David Galko, Mag. Jürgen Plank,

Cornelia Renoldner, Mag. Andrej Rubarth, Andreas

Tettinger und Brigitte Wallner, Pia Wolf, Christian

Zuckerstätter

Versand: Tagesstruktur-Standort ELF

Grafische Gestaltung: Frau Ober

Redaktionsadresse: Zeitschrift Balancer,

Hochheimgasse 1, 1130 Wien,

T 01/804 87 33-8105,

E-Mail: h.hiebl@balance.at

Erscheinungsweise: 1/4-jährlich

Erscheinungsort: Wien

Offenlegung nach § 25 Mediengesetz: Eigentümer:

BALANCE, gemeinnütziger, überparteilicher, nichtkonfessioneller

Verein.

Vorstand: OSR, Dir. Rudolf Wögerer, Obmann;

Marianne Kühtreiber, Obmann Stellvertreterin;

Leo Josef Neudhart, Obmann Stellevrtreter;

Dr. Karl Katary, Schriftführer; Irmtraut Vaclavic,

Schriftführer Stellvertreterin; Gertrud Bartsch,

Kassierin; SenRat DI Harald Haschke, Kassierin

Stellvertreter; Irene Pautsch

Geschäftsführung: Marion Ondricek,

Blattlinie: Der „Balancer“ berichtet als Fachund

Vereinszeitschrift über die Aktivitäten

von BALANCE, bekennt sich zu dessen Leitbild

und Grundsätzen und thematisiert besonders

relevante Themen und Ereignisse, die Menschen

mit Behinderungen betreffen. Der „Balancer“

folgt inhaltlich dem Bekenntnis des Art. 7

der Bundesverfassung, nach welchem es ein

Grundrecht aller Menschen ist, gleichberechtigt

und ohne Diskriminierung zu leben.

Inklusive Redaktion: Als Grundvoraussetzung

für eine zukünftige inklusive Gesellschaft

werden Selbstbestimmung und Selbsttätigkeit

der BALANCE-KlientInnen unterstützt. Gemäß

diesem Anspruch setzt sich das Redaktionsteam

des „Balancers“ zu gleichen Teilen aus

BewohnerInnen, Tagesstruktur-TeilnehmerInnen

und MitarbeiterInnen zusammen.


BALANCE Design und Handwerk

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organischen Materialien, wie Biobaumwolle, biologischem

Bienenwachs und Jojoba-Öl. Sie eignen sich ideal zum Verpacken

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Nr. 80/2021, Jahrgang 23

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