Entwicklungspsychologie - *ISBN 978-3-8689 ... - Pearson Studium

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Entwicklungspsychologie - *ISBN 978-3-8689 ... - Pearson Studium

gewicht, plötzlichem Kindstod, Atemwegserkrankungen

in der Kindheit und potenziell schädlichen Einfl

üssen auf die Aufmerksamkeit und das Lernen

verbunden (Hanke, Sobala & Kalinka, 2004; Makin,

Fried & Watkinson, 1991; Pattenden et al., 2006). Eindeutig

sollten werdende Mütter verrauchte Umgebungen

meiden.

Alkohol

In seinem bewegenden Buch The Broken Cord („Das

zerrissene Band“) beschrieb Michael Dorris (1989),

Anthropologieprofessor an der Dartmouth University,

wie es war, seinen adoptierten Sohn Abel (im Buch

Adam genannt) aufzuziehen, dessen biologische Mutter

während der Schwangerschaft stark getrunken hatte

und kurz nach der Geburt an einer Alkoholvergiftung

gestorben war. Adam wurde mit der fetalen

Alkohol-Spektrum-Störung (FASD) geboren, ein Begriff,

der eine Reihe von körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen

sowie Verhaltensstörungen umfasst, die

durch Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft

verursacht werden können. Von einer FASD

betroffene Kinder fallen in eine von drei Diagnosekategorien

mit unterschiedlich schweren Symptomen:

1 Fetales Alkoholsyndrom (FAS) ist gekennzeichnet

durch (a) langsames körperliches Wachstum, (b) ein

Muster aus Anomalien des Gesichts (enge Lidspalten,

eine schmale Oberlippe, ein glattes oder abgeflachtes

Philtrum, die Rinne in der Oberlippenmitte),

kürzere Nase und (c) Gehirnschädigungen, die

sich durch einen kleinen Kopf und Beeinträchtigungen

mindestens dreier Funktionsbereiche zei-

3.2 Pränatale Umwelteinflüsse

gen – etwa Gedächtnis, Sprache und Kommunikation,

Aufmerksamkeitsspanne und Aktivitätsniveau (Überaktivität),

Planungsvermögen und logisches Denken,

motorische Koordination oder soziale Fertigkeiten.

Auch andere Defekte – an Augen, Ohren,

Nase, Rachen, Herz, Geschlechtsorganen, Harntrakt

oder Immunsystem – können auftreten. Bei Abel

wurde eine FAS diagnostiziert. Wie es für diese

Störung typisch ist, hatte seine Mutter während

der gesamten Schwangerschaft stark getrunken.

2 Partielles fetales Alkoholsyndrom (p-FAS) ist gekennzeichnet

durch (a) zwei der drei vorgenannten Gesichtsanomalien,

(b) Gehirnschädigungen, die sich

auch hier durch mindestens drei beeinträchtigte

Funktionsbereiche zeigen. Die Mütter von Kindern

mit p-FAS haben im Allgemeinen in kleineren Mengen

Alkohol konsumiert und die Schädigungen der

Kinder variieren mit Zeitpunkt und Dauer der Exposition.

Darüber hinaus lassen jüngere Forschungsergebnisse

vermuten, dass auch ein Alkoholkonsum

des Vaters um die Zeit der Zeugung herum

genetische Veränderungen herbeiführen kann, die

zu solchen Symptomen beitragen können (Abel,

2004).

3 Alkoholbedingte neurologische Entwicklungsstörung ,

bei der mindestens drei geistige Funktionsbereiche

beeinträchtigt sind, ungeachtet eines normalen körperlichen

Wachstums und fehlender Gesichtsanomalien.

Auch hier ist die pränatale Alkoholexposition

zwar gesichert, jedoch weniger gravierend als

bei FAS (Chudley et al., 2005; Loock et al., 2005).

Die Mütter dieser retardierten Mädchen tranken heftig während der Schwangerschaft. Die weit auseinander liegenden Augen, die dünne Oberlippe

und enge Lidspalten sind typisch für Alkoholismus im Fetalstadium.

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