Entwicklungspsychologie - *ISBN 978-3-8689 ... - Pearson Studium

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Entwicklungspsychologie - *ISBN 978-3-8689 ... - Pearson Studium

ziale Maßnahme für junge Eltern.

Kanadische Mütter haben ein Anrecht

auf bis zu 15 Wochen Mutterschaftsurlaub

bei 55 Prozent der

vorherigen Bezüge (mit einem

Höchstbetrag pro Woche) und kanadische

Mütter oder Väter können

in bestimmten Fällen – wenn

zum Beispiel ein Kind nach der

Geburt oder Adoption krank ist –

ein weiteres Jahr Elternurlaub bei

den gleichen Bezügen in Anspruch

nehmen. Bezahlter Urlaub ist in

anderen industrialisierten Ländern

ebenfalls weithin üblich. Schweden

hat das großzügigste Arbeitsunterbrechungsprogramm

für Eltern

auf der ganzen Welt. Mütter

können bereits 60 Tage vor dem errechneten

Geburtstermin Mutterschaftsurlaub

nehmen und auf bis

zu sechs Wochen nach der Geburt

ausdehnen; Väter erhalten anlässlich

der Geburt zwei Wochen Urlaub.

Darüber hinaus können beide

Eltern zu 80 Prozent ihrer vorherigen

Bezüge Urlaub nehmen, bis das Kind 18 Monate alt

ist, gefolgt von weiteren drei Monaten bei bescheidenen

Pauschalbezügen. Ferner haben beide Eltern Anspruch

auf weitere 18 Monate unbezahlten Urlaub.

Selbst weniger entwickelte Länder gewähren Elternschaftsurlaub

. In der Volksrepublik China zum Beispiel

hat eine frischgebackene Mutter das Recht auf drei freie

Arbeitsmonate mit regulärer Bezahlung. Darüber hinaus

unterstützen viele Länder grundsätzlich fi nanzierten

Mutterschaftsurlaub. In Deutschland etwa kann

seit 2007 ein Elternteil zwölf Monate Elterngeld mit

67 Prozent des letzten Einkommens und ein zweites

Elternteil noch weitere zwei Monate beziehen. Drei

Jahre Elternzeit ohne Bezahlung kann sich ein Elternteil

frei nehmen (OECD, 2006; Bundesministerium für

Familie, Senioren, Freizeit und Jugend, 2009)

Doch in den Vereinigten Staaten gewährt die Bundesregierung

nur zwölf Wochen unbezahlten Urlaub

und zwar nur für Mitarbeiter von Unternehmen mit

mindestens 50 Beschäftigten. Die meisten Frauen arbeiten

allerdings in kleineren Firmen und selbst diejenigen,

die in Unternehmen beschäftigt sind, die groß

genug sind, können es sich häufi g nicht leisten, unbezahlten

Urlaub zu nehmen (Hewlett, 2003). Aufgrund

fi nanzieller Zwänge nehmen sich viele junge Mütter,

die einen Anspruch auf unbezahlten Urlaub haben,

weit weniger als zwölf Wochen frei und frischgebackene

Väter nehmen in den meisten Fällen sehr wenig

oder gar keinen Vaterschaftsurlaub (OECD, 2006). Im

Jahre 2002 wurde Kalifornien der erste US-Bundesstaat,

der einer Mutter oder einem Vater bezahlten Urlaub

garantierte – bis zu sechs Wochen bei 50 Prozent

Bezügen, unabhängig von der Größe des Unternehmens.

3.6 Frühgeburten und Säuglinge mit niedrigem Geburtsgewicht

Bei dieser Inuit-Mutter von der Baffin-Insel im hohen Norden Kanadas traten Schwangerschaftskomplikationen

auf und sie musste über 300 km ins nächste Krankenhaus geflogen

werden, um ihren Sohn zur Welt zu bringen. Beschränkter Zugang zu medizinischen

Einrichtungen und sozialen Diensten in abgelegenen Regionen gefährdet die Zukunft

vieler Inuit-Neugeborener.

Dennoch sind sechs Wochen Urlaub nach der Geburt

(die Norm in den Vereinigten Staaten) nicht genug.

Wenn eine Familie durch die Ankunft von Nachwuchs

belastet ist, sind bis zu sechs Wochen nach der Geburt

durch Angststörungen der Mutter, nachgeburtliche depressive

Verstimmungen, eheliche Schwierigkeiten,

ein Gefühl der Rollenüberlastung (Konfl ikt zwischen

berufl ichen und familiären Verpfl ichtungen) und durch

Überforderung und Unsicherheit geprägte Interaktionen

mit dem Säugling gekennzeichnet. Ein längerer

Urlaub (mindestens zwölf Wochen) begünstigt eine

bessere psychische Gesundheit der Mutter, unterstützt

eheliche Interaktionen und intensive Fürsorge für das

Neugeborene (Feldman, Sussman & Zigler, 2004; Hyde

et al., 2001). Alleinstehende Mütter und ihre Kinder

sind vom Fehlen einer großzügigen Regelung für bezahlten

Elternschaftsurlaub am meisten betroffen. Solche

Mütter, die zumeist die einzige Einkommensquelle

für die Familie sind, können es sich am wenigsten leisten,

eine Auszeit von ihrem Job zu nehmen.

In Ländern mit niedriger Säuglingssterblichkeit

müssen werdende Eltern nicht darüber nachdenken,

wie sie zu einer Gesundheitsfürsorge und anderen Mitteln

für die Entwicklung ihrer Kinder kommen können.

Die erheblichen positiven Auswirkungen allgemein

zugänglicher, qualifi zierter Gesundheitsversorgung,

großzügigen Elternschaftsurlaubs und anderer sozialer

Dienstleistungen auf das Wohlergehen von Mutter und

Kind rechtfertigen solche familienpolitischen Maßnahmen

völlig. Deutschland gehört zu diesen Ländern mit

guter Gesundheitsfürsorge durch gesetzlich geregelte

Krankenversicherungen mit Mutterschaftsgeld und Erziehungsgeld

für maximal zwei Jahre. Die Höhe des

Erziehungsgeldes ist einkommensabhängig.

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