hinnerk Februar/März 2021

blumediengruppe

Das queere Magazin für Norddeutschland

03.2021 І FEBRUAR MÄRZ І HEFT 315

HAMBURG І BREMEN І HANNOVER

NORDDEUTSCHLAND

Lügen und nicht

weitergeleitete Spenden:

Neues zum Bremer

CSD-Beutel

SPECIAL

GESUNDHEIT!

Sexualität und Fitness unter

Einfluss der Pandemie

FILM

Weltstar

Kate Winslet

im exklusiven

Gespräch

4 194379 801903

03

1,90 €

INTERVIEWS: KELVIN JONES, RENÉ WÜST, FÉLIX LEMENS, VINCENT GROSS


INTRO 3

Inhalt

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Alle Magazine online!

KULTUR

Eine Gruppe homosexueller

Freunde, die sich seit Ende

der 1980er-Jahre monatlich

trifft und sich zum CSD als

Schwarzwaldmädels „auffummelt

“ und auftritt. Filmreif?

Jutta Riedel, Mirek Balonis und

viele Hamburger Institutionen

meinen „ja“!

MUSIK

76 Jahre jung, glückliche Mutter

und Oma und vor allem

immer noch eine Sängerin, die

liebt, was sie tut. So überließ

es Diana Ross auch keinem

Promoter oder Label, allein

zu entscheiden, von wem

und wie Hand an einige ihrer

Klassiker gelegt wird.

Liebe Queers,

Kostenlos

hoffentlich ist das alles bald vorbei. Der Winter, die

Dunkelheit und der ganze Pandemie-Mist soundso. Die

Nerven liegen nach einem Jahr Corona selbst bei einigen

der Hartgesottensten blank. Und ja, es läuft auch so

einiges richtig schief im Staate Deutschland. Besonders

für sexuelle Minderheiten. Darüber berichten wir in dieser

Ausgabe ebenso wie auch über die schönen Dinge, die uns

die Kreativen aus Kunst und Kultur trotz Einschränkungen

erschufen.

Überhaupt: Der Frühling kommt und mit ihm die nach

ihm benannten Gefühle, die – so denn es einigermaßen

gut voran geht mit den Impfungen – dich dazu animieren,

mehr für dich zu tun. Unser Gesundheitsschwerpunkt gibt

dir Hilfreiches an die Hand.

Bleibt gesund und wascht euch die Hände ...

Viel Spaß beim Lesen!

GESUNDHEIT

Laut Robert-Koch-Institut ist

die Zahl der HIV-Neuinfektionen

im Jahr 2019 nicht weiter

gesunken, sondern leicht

angestiegen. Allerdings ist sie

bei schwulen und bi-sexuellen

Männern konstant. Den möglichen

Ursachen gehen wir in

unserem Spezial nach.

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IMPRESSUM

Herausgeber:

Christian Fischer (cf) & Michael Rädel (rä)

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Michael Rädel (rä) (V.i.S.d.P.)

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4 SZENE

Community

Corona-Umfrage Charité

„Die Situation von Menschen

in Deutschland während der

Corona-Pandemie“ heißt eine

Erhebung der Berliner Charité,

damit bessere Angebote zur

Bewältigung der sozialen

Einschränkungen ermöglicht

werden. Ein Schwerpunkt

der Studie ist die Frage, ob

lesbische, schwule, bisexuelle,

asexuelle, trans und inter

Menschen (LGBTIA+) in der

aktuellen Situation besondere

Herausforderungen erleben.

Der Fragebogen richtet

sich jedoch explizit an alle

in Deutschland lebenden

Menschen. Die Beantwortung

der Fragen dauert zwischen

fünf und zehn Minuten.

Wenn Sie an der Befragung

teilnehmen, willigen Sie ein, an

der Studie teilzunehmen und

dass Ihre Angaben anonym

im Rahmen des Forschungsprojektes

verarbeitet und

ausgewertet werden dürfen.

Die Ergebnisse können ohne

Rückschluss auf individuelle

Personen wissenschaftlich

veröffentlicht werden.

soscisurvey.de/

coronaleben2/

Corona-Umfrage UKE

Forscher*innen der Institute

am Universitätsklinikum

Hamburg-Eppendorf und

Mitarbeiter*innen von

Hein und Fiete, möchten

anhand einer anonymen

Online-Befragung (Dauer

ca. 12 Minuten) das Thema

„Sexuelles Erleben und

Verhalten an Silvester unter

COVID-19-Einschränkungen“

bei Männern, die Sex mit

Männern haben und die über

18 Jahre alt sind, untersuchen.

ogy.de/silvester

Nach dem terroristischen Mord von Dresden, mutmaßlich aus Homosexuellenhass,

ist der Fokus der Öffentlichkeit etwas stärker auf die Situation gerichtet,

in der LGBTIQ* auch heute in Deutschland immer noch leiden: Homo- und Transphobie,

die sich bis hinzu tödlichen Hassverbrechen zeigt. Die EU-Kommission

stellte in ihrer im November 2020 veröffentlichten „LGBTIQ Equality Strategy 2020-2025“

zur Gleichstellung von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transgender, nichtbinären, intergeschlechtlichen

und queeren Personen (LGBTIQ) zurecht fest: „LGBTIQ sind unverhältnismäßig

stark von Hassdelikten, Hetze und Gewalt betroffen“.

Bis heute gibt es aber dazu keine belastbare

Statistik in der Bundesrepublik, die

Innenressorts der Bundesländer und die

Bundesregierung sind gefragt. Der Lesben- und

Schwulenverband (LSVD) appelliert in einem

Schreiben, „endlich eine gemeinsame Strategie

gegen homophobe und transfeindliche

Hasskriminalität zu entwickeln. Seit 1954 gibt

es die Innenministerkonferenz als ständige

Einrichtung. Es wird Zeit, dass sie sich endlich

auch mit der Sicherheit und Freiheit von

LGBTIQ in diesem Land befasst und die

spezifisch gegen sie gerichtete Hasskriminalität

zum Thema macht.“ Bislang habe homophobe

oder transfeindliche Gewalt aber noch nie als

Besprechungspunkt auf der Tagesordnung der

Innenministerkonferenz gestanden

LSVD FORDERT EINEN

RICHTUNGSWECHSEL

Der LSVD übersendete das LSVD-Positionspapier

„Frei und sicher leben - Homophobe und

transfeindliche Hasskriminalität entschieden

bekämpfen“. Es enthält Kernforderungen

zur Erfassung, Prävention und Bekämpfung

homophober und transfeindlicher Hasskriminalität

und konkrete Vorschläge für

Maßnahmenprogramme und Gesetzgebung.

Als erstes müsse sich die Haltung in Politik,

Behörden und auch Medien ändern. LGBTIQfeindliche

Gewalt ist keine Randerscheinung.

„Sie bedroht mitten in unserer Gesellschaft

tagtäglich Menschen. Insbesondere darf

homophobe und transfeindliche Hetze niemals

bagatellisiert und unter den Tisch gekehrt

werden, denn aus Worten folgen Taten.“

Auch an Bundesjustizministerin Christine

SICHERHEIT

Kommt endlich eine

Antwort aus Berlin?

Lambrecht hat sich der LSVD mit einem

Schreiben gewandt. Die deutsche

Bundesregierung hat sich in den beiden

Gesetzgebungsfahren zur Hasskriminalität in

den Jahren 2015 und 2020 jeweils geweigert,

LGBTIQ*-Feindlichkeit in die Strafrechtsbestimmungen

aufzunehmen und betreibt

damit weiter deren Unsichtbarmachung.

Der LSVD fordert die Justizministerin nun

auf, „den EU-Impuls, LGBTIQ-Feindlichkeit

ausdrücklich in die Gesetzgebung gegen

Hasskriminalität aufzunehmen, proaktiv

aufzugreifen. Es wäre ein Armutszeugnis für

unser Land, wenn erst die EU-Kommission

Deutschland dazu drängen müsste, LGBTIQ*-

feindliche Hasskriminalität endlich ernst zu

nehmen.“

Aus dem Bundestag ist bisher leider wieder

nur die Opposition in Gestalt von Grünen,

Linken und FDP zu vernehmen. *ck


Traumwohnung sucht Prinz Charming.

Mitten auf der Langen Reihe begeistert diese exklusive

Eigentumswohnung mit einem loftartigen Wohnbereich und

offener Küche. Viel Platz bietet das Schlafzimmer mit

angrenzender Ankleide. Und falls Sie auch tagsüber etwas

Ruhe suchen: Die ca. 12 m² große Loggia mit Südost-

Ausrichtung lässt Sie wunderbar entspannen. Vorher sollten

Sie aber noch schnell bei uns anrufen. Sie wissen ja:

Bei der Langen Reihe sollte man nicht lange zögern.

(Fernwärme, EEV: 107 kWh/m²a, EEK: D, 4 Zimmer,

Wohnfläche ca. 129 m 2 , 1.239.000 EUR)

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6 SZENE

KELLY HEELTON

„Rassismus ist eine heimtückische Kulturkrankheit“

Sie zierte schon

das Cover unseres

Frankfurter Magazins

gab, war und ist

erfolgreich in TV-Shows

und gehört fest zur queeren

Community Deutschlands.

Höchste Zeit, sie mal wieder

im Chat zu haben!

FOTO: SELFIE

Wie erlebst du als Geschäftsfrau

die Corona-Zeit?

Die aktuelle Situation ist für niemanden

einfach. Kein Theater, keine Klubs,

Partys, Veranstaltungen ohne Bühne

oder Publikum. Als Künstler war es schon

vor Corona immer ein Kampf. Und ich

kämpfe weiter! Glücklicherweise kann

ich an einer Musicalschule, an der ich seit

13 Jahren arbeite, immer noch Online-

Unterricht (Schauspiel und Tanz) geben.

Hat sich dein Privatleben sehr

verändert?

Ich bin sehr gerne zu Hause, koche,

erstelle Outfits und erarbeite Performance-Ideen.

Im Lockdown bemerkte

ich, dass es mir manchmal an Kreativität

mangelte. Natürlich fehlen mir soziale

Kontakte. Ich mag meine Rolle als

„Hausfrau“, aber ich hasse Routine. Ich

vermisse die Bühne sehr, doch ich habe

gelernt, das Beste aus meiner Zeit zu

machen und mich um meine körperliche

und geistige Gesundheit zu kümmern.

Was macht dir Hoffnung?

Täglich und jede Stunde erhalten oder

lesen wir neue Nachrichten. Es ist

schwer zu wissen, was man glauben

soll. Aber ich habe immer noch das gute

Gefühl, dass bald alles gut wird, wenn

alle Maßnahmen richtig getroffen wurden.

Für mich ist der positive Teil dieser

ganzen Situation, dass die Menschen

gelernt haben, Freundschaften, den

Menschen viel mehr Wert zu geben. Wir

alle dürsten nach Freiheit, um zu feiern!

Und genau dieses Gefühl erhöht meine

Hoffnung.

Thema Rassismus: Wie begegnet er

dir im Alltag?

Leider erlebe ich immer noch Vorurteile

wegen meiner Hautfarbe. Es scheint

surreal, dass dies noch diskutiert werden

muss. Black, gay und Dragqueen ist für

viele Menschen immer noch ein Tabu.

Das Problem ist, dass „nicht schwarze“

Menschen Rassismus als bewussten

Hass betrachten, obwohl Rassismus viel

größer ist. Ja, Rassismus sieht aus wie

Hass, aber Hass ist nur eine Manifestation.

Privilegien, Apathie und Ignoranz sind

auch Manifestationen von Rassismus.

Dinge wie der verblüffte Blick einer

Supermarktkassiererin, wenn sie sieht,

dass ich eine (einfache) EC-Karte besitze.

Oder ohne Grund von der Polizei auf

der Straße angehalten oder immer ohne

Grund kontrolliert werde, nur wegen

meines Hautfarbtons. Und es geht noch

schlimmer, wie zum Beispiel, dass ich

nicht für Theater- oder Fernsehproduktionen

zugelassen wurde, nur weil ich sehr

„dunkel“ bin (und mir wurde das in mein

Gesicht gesagt). Wir haben 2021 erreicht,

wir haben bisher viel erreicht. Aber es liegt

noch viel Arbeit vor uns.

Wie gehst du mit Menschen um, die

„eigentlich“ nett sind, aber dann

doch Vorurteile haben, die sie an der

Hautfarbe festmachen?

Das ist genau das Problem: Ich muss mich

darum kümmern (!?). Rassismus ist eine

heimtückische Kulturkrankheit. So heimtückisch,

dass es mir schon egal ist, ob weiße

Personen schwarze Menschen mögen. Sie

werden immer einen Weg finden, Beziehungen

zu Menschen zu infizieren, die nicht wie

sie aussehen. Und die Frage kommt zurück:

Muss ich da wirklich mitgehen? All dies zu

erklären, wurde seit der Zeit der Sklaverei

versucht. Viele wollen nicht verstehen, um

ihre „Macht“ und ihre „Privilegien“ nicht

zu verlieren. Ich entwickle mich weiter

und siebe Menschen aus, von denen ich

weiß, dass sie mich niemals akzeptieren/

respektieren werden als der, der ich bin,

unabhängig von meiner Hautfarbe.

Und wie gehst du mit Hetze im

Internet um?

Seitdem die Menschen gelernt haben, das

Internet zu nutzen, ist es für viele Feiglinge,

die sich „Herren der Weisheit“ oder

„Wissenschaftler der Wahrheit“ nennen, zu

einer Rüstung geworden. Natürlich denke

ich, dass es fair ist, wenn Menschen ihre

eigenen Meinungen haben, und ich denke

auch, dass es fair ist, wenn Menschen frei

sind zu denken und zu fühlen, was sie

wollen. Ich denke, dass das Streiten im

Internet dasselbe ist wie das Kämpfen im

Dunkeln, aber mit der Tastatur als Waffe.

Es führt nirgendwohin. Ich streite nicht, ich

rede und erkläre. Es ist nicht mein Problem,

was die Leute über mich denken. Am Ende

ist es wichtig, wie ich mich fühle, und mein

innerer Frieden, mein Stolz, so zu sein, wie

ich bin.

*Interview: Michael Rädel


WO DIE

NATUR

NOCH

IN ORDNUNG

IST?

In Ihrem Schlafzimmer.

TEAM 7 Hamburg City, www.team7-hamburg.de

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8 SZENE

INTERVIEW

GLORIA

GLAMOUR:

„Den ausgrenzenden

Rassismus ...“

FOTO: KLAUS GRUBER PHOTOGRAPHY

Wir sprachen mit der Dragqueen

über Rassismus damals

und heute.

Wie hast du in deinem Leben schon

Rassismus erlebt?

Ich bin sehr gut behütet in einem Dorf

bei Bonn aufgewachsen, umgeben von

Akademikern, da gab es eher eine Form

des positiven Rassismus; Es galt als toll,

Menschen mit anderen Hintergründen im

Freundeskreis zu haben. Den ausgrenzenden

Rassismus habe ich erst später erlebt,

als ich eine Wohnung gesucht habe.

Wie das?

Der Makler öffnete die Türe, sah mich und

sagte: Die Wohnung ist vergeben. Ich habe

das erst gar nicht auf mich bezogen, doch

Freunde machten mich darauf aufmerksam,

dass, wenn die Wohnung vergeben

gewesen wäre, man mich erst gar nicht

eingeladen hätte. Mein Nachname ist sehr

deutsch, womöglich hat der Makler einen

anderen Menschen erwartet.

Sehr deutscher Nachname, hm, das

klingt ja, als ob du auch den Gedanken

deutsch = weiß hast.

Hm, ganz frei bin auch ich nicht davon.

Man erwartet bei Schmidt, Maier, Müller

tatsächlich einen Weißen.

Als Gloria Glamour sagst du gerne,

dass du eine Diva mit schwarzem

Humor bist. Ein absichtliches

Wortspiel?

Ich meine das Schwarzhumorige eines

Kabarettisten. Das Wortspiel ist aber

in der Tat entstanden, weil ich die

heutige Form der Political Correctness

erschütternd finde. Ich finde sie mitunter

ausgrenzender als früher. PoC, Person

of Color: Da wird mir als VERMEINTLICH

Betroffener gesagt, wie ich mich zu

nennen habe. „Farbiger“ ist nun politisch

inkorrekt, es werden immer neue Termini

erschaffen, die die Leute verunsichern,

das wirkt mitunter ausgrenzend, weil

die Leute gar nicht wissen, wie man ins

Gespräch kommen kann, ohne einen

Fehler zu machen. Im Waldschlösschen

hatte ich einen Workshop gegeben:

„Schwarz, schwul und auch noch Drag?!“,

da kam ein „überprivilegierter“ Cis-Mann

rein – er betonte das immerzu –, der mich

darauf ansprach, dass ich mich ja hier sehr

unwohl fühlen müsse unter all den „Hellhäutigen“.

Die Wörter „überprivilegierter“

und „Hellhäutigen“ haben mich furchtbar

aufgeregt. Und ob es okay sei, dass er

Tunnel-Piercings im Ohr hat ... Wegen

kultureller Aneignung. Da habe ich gesagt:

Solche Gedanken hatten wir schon vor

achtzig Jahren! Unter dem Deckmäntelchen

der Political Correctness hat er mich

rassistisch ausgegrenzt.

Was würdest du dir denn wünschen?

Dass man Hautfarben gar nicht mehr thematisiert.

Die Gloria ist ein Mensch, Ende.

Man sagt ja auch nicht die Schuhgröße

eines Menschen dazu ... Aber ich bin selber

nicht frei von Vorurteilen: Ich saß in einer

Eckkneipe mit einem jungen Mann mit

extremem Berliner Dialekt, aufgewachsen

war er in der DDR. Ich frug ihn, wie er heißt,

er hatte meine Hautfarbe. Er sagte, er heiße

wie Glenn Miller, nur mit ü. Ich sagte dann:

„Glünn ist aber ein komischer Vorname.“ Ich

konnte mir also selbst nicht vorstellen, dass

jemand Müller heißt mit dieser Hautfarbe.

Streitthemen künstlerische Freiheit,

besonders Satire.

Kunst darf polarisieren, sollte aber nicht zu

weit gehen. Trash-TV lebt von Menschen,

die polarisieren, es gibt aber Grenzen. Bitter

in Erinnerung ist mir, dass Désirée Nick

Barbara Becker rassistisch angegriffen hat

und jetzt den Moralapostel spielt. Sie hatte

Barbara Becker unterstellt, sich heller zu

machen. Das geht zu weit! Vor 15 Jahren

war die Situation wohl noch anders, es

machte sich keiner Gedanken drüber. Oder

auch in dem Film „Kevin allein zu Haus“, in

dem das N-Wort gesagt wird als Gag.

*Interview: Michael Rädel

gloriaglamour.com, www.facebook.com/

GloriaGlamourEntertainment


v

KONTROVERS

Macht ein Migrationshintergrund

homophob?

SZENE 9

Eine repräsentative Umfrage zu Einstellungen, Glaube und

Wertorientierungen von Deutschen ohne Migrationshintergrund,

Spätaussiedlern und Migranten aus Polen, Russland

und der Türkei hat die CDU-nahe Konrad-Adenauer-

Stiftung veröffentlicht. Die Ergebnisse lassen die Server

der unsozialen Medien glühen.

EHE FÜR ALLE VON JEDEM ZWEITEN ABGELEHNT

Eine deutliche Trennlinie zwischen Deutschen mit

und ohne Migrationshintergrund bildet die Einstellung

zu gleichgeschlechtlichen Ehen, die nur eine geringe

Minderheit der Deutschen ohne Migrationshintergrund

ablehnen. Unter Russischstämmigen sowie Spätaussiedlerinnen

und Spätaussiedlern werden gleichgeschlechtliche

Ehen schon von nahezu jedem und jeder Zweiten

abgelehnt. Unter Türkischstämmigen findet sich sogar

eine Mehrheit von 60 Prozent, die gleichgeschlechtliche

Ehen ablehnt.

Studienmacher*innen schreiben, dass „Religiosität

tendenziell und vor allem bei Deutschen ohne Migrationshintergrund

eher konservative und soziale Werte

verstärkt, während hedonistische und materialistische

Werte entweder nicht beeinflusst oder in manchen Gruppen

verringert werden.“ Die Bestätigung für alle unseren

liebgewonnen Vorurteile also?

Forum

Empirische

Sozialforschung

Was eint die

Einwanderungsgesellschaft?

Eine repräsentative Umfrage zu Einstellungen, Glaube

und Wertorientierungen von Bürgerinnen und Bürgern

mit und ohne Migrationshintergrund

Sabine Pokorny, Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff

www.kas.de

VORSICHT, DENKFALLE!

Religiosität ist mehr als der Islam, an den sicher selbst

viele hinnerk Leser*innen jetzt reflexartig denken. Und

wir wollen auch nicht verleugnen, dass extrem religiöse

türkischstämmige Deutsche mit Migrationshintergrund

mit 78 Prozent die Ehe zwischen Homosexuellen „nicht

gut“ finden, aber: Von den Deutschen mit russischem

Migrationshintergrund lehnen dies 100 Prozent ab.

Vergleichbare Studien zum Beispiel von der Bertelsmannstiftung

oder der äußerst umfangreiche und gründliche

Berlin-Monitor kommen übrugens auch auf ähnliche

Rohdaten, schaffen es aber besser als die Adenauer-

Fachleute, diese in den historischen und vor allem den

sozialen Kontext einzubinden. *ck


10 SZENE

NACHRUF

SIEGFRIED UND ROY

Erst vor acht Monaten verlor

er seinen Partner, seine Liebe,

Roy Horn, nun trat auch er von der

ganz großen Bühne ab. Siegfried

Fischbacher, eine Hälfte des weltweit

gefeierten Zauberer-Duos Siegfried &

Roy, starb am 13. Januar im Alter von

81 Jahren in Las Vegas an Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Wir blicken auf

eine eng mit Hamburg und Norddeutschland

verknüpfte Liebes- und

Lebensgeschichte.

Siegfried schlief sanft und friedlich ein,

erzählte seine Schwester Dolore gegenüber

einer deutschen Boulevardzeitung.

Sein Ableben sei am Ende eine

Erleichterung gewesen, da er aufgrund der

Erkrankung kaum noch sprechen konnte.

Als eine Operation, bei der ein bösartiger

Tumor entfernt wurde, zutage brachte,

dass sich der Krebs bereits im ganzen

Körper ausgebreitet hatte, kehrte Siegfried

Fischbacher für seinen letzten Kampf in

das geliebte Anwesen in Las Vegas zurück,

wo er, bis zum Schluss von Pflegekräften

umsorgt, verstarb.

EINE MAGISCHE PARTNERSCHAFT

Siegfried und Roy waren die Größten in der

Welt der Magie und in der Entertainmentbranche.

Ihre gemeinsame Geschichte

begann 1960 auf dem Kreuzfahrtschiff

Bremen.

Der 1939 in Rosenheim geborene

Siegfried, bereits seit jungen Jahren

leidenschaftlicher Magier, war dort Kellner

und lernte seinen Kellnerkollegen Uwe

Ludwig Horn (Jahrgang 1944) kennen,

den Tierfreund mit einem Faible für wilde

Exoten – eine magische Kombination. Die

Zaubertricks, die die beiden zur Bespaßung

der Kreuzfahrer*innen aufführten, sorgten

für so viel Aufsehen, dass der Kapitän der

Bremen, Fritz Leusner, sie kurzerhand zu

Entertainern beförderte und die Bremen

somit zum Geburtsort der womöglich

schwulsten, erfolgreichsten, schillerndsten,

kurz: magischsten Partnerschaft des

letzten Jahrhunderts machte.

MAGISCHE ERFOLGE

Illusionen, Zauberei, exotische Tiere,

glitzernde Kostüme – die beiden wurden

schon kurz nach ihren ersten Shows im

Hamburger Hansa-Varieté-Theater

1963 so erfolgreich, dass sie nicht nur

auf Welttournee gingen, sondern 1988

sogar in Las Vegas den bis dahin größten

Millionendeal aushandelten. Seit 1981

sollen sie in der Casinostadt Shows für

rund 25 Millionen Fans gegeben haben,

bereits 1996 feierten sie ihre 15.000. Show

in Las Vegas. Eine lohnende Investition

für die Hotels der Glitzermetropole

in der Wüste: Alleine das Mirage, das

beiden einen Vertrag auf Lebenszeit

einräumte, nahm damit Schätzungen

zufolge 1,5 Milliarden US-Dollar ein.

GEHEIMNISVOLLE LIEBE

Freilich: Dass nicht die Zauberei, sondern

Hormone der anfängliche Treibstoff der


SZENE 11

FOTO: FOTO: BUONASERA / CC BY-SA 3.0 / WIKIMEDIA.ORG

FOTO: USIEN / CC BY-SA 3.0 / WIKIMEDIA.ORG

WIEDER VEREINT

gemeinsamen Lebensplanung waren,

ging beiden Männern erst 2007 über die

Lippen – typisch für deutsche schwule

Paare dieser Generation, denn bis 1969

war Homosexualität in Deutschland

eine gefängnisbewehrte Straftat,

insbesondere, wenn einer der

beiden männlich und minderjährig

war. Bis 1993 blieben

Homosexuelle im Visier des

Staates. Zum Zeitpunkt

des Coming-out 2007 war

die Liebe, die immerhin 38

Jahre hielt, seit 1998 nur

noch eine freundschaftliche

und geschäftliche. Und für die

Außenwelt wurde sie auch erst in diesem

Jahrtausend so richtig fühlbar, denn

wie sich Siegfried nach Roys Unfall mit

dem geliebten Tiger Montecore um diesen

kümmerte, rührte die Welt zu Tränen.

MAGISCHES BAND NACH HAMBURG

Ihre Karriere beendeten sie 2003 nach

dem schrecklichen Unfall, nur noch

wenige Auftritte vollzogen beide gemeinsam.

Zur Entgegennahme des World

Entertainment Award am 22. Oktober

2003 reiste Siegfried allein nach Hamburg.

Überhaupt blieben die schillernden

Stars zeitlebens bodenständig

und ihren Wurzeln

verbunden, immer wieder

kehrten sie zu den

Orten ihres frühen

Schaffens zurück.

Am 27. Oktober 2009

und auch noch in den

Jahren darauf konnte

man sie als Ehrengäste

im Hansa-Varieté-Theater

beobachten, in dem 1961 ihre

künstlerische Festland-Karriere begann.

FOTO: BILDFLUT / CC0

DIE WELT DER MAGIE NIMMT ABSCHIED

Zuletzt lebten die beiden zurückgezogen

auf ihrem Anwesen in der Nähe von Las

Vegas, bis Roy am 9. Mai 2020 an den

Folgen einer Covid-19-Erkrankung starb.

Damals sagte Siegfried in einer Erklärung:

„Heute hat die Welt einen der Großen der

Magie verloren, ich aber verlor meinen

besten Freund. Schon bei unserer ersten

Begegnung wusste ich, dass Roy und ich

zusammen die Welt verändern würden.

Es hätte keinen Siegfried ohne Roy und

keinen Roy ohne Siegfried gegeben.“

Nun nimmt die Welt der Magie Abschied

von Siegfried. Das deutsche Zauberer-

Duo The Ehrlich Brothers sagte gegenüber

BILD, ihr Herz sei gebrochen. Sie richteten

ihre Worte direkt an Siegfried:

„Das Leben von Dir und Roy hat Euch

zu den Helden unserer Kindheit

gemacht. Nicht nur für uns, sondern

für unzählige Menschen auf der ganzen

Welt wart und bleibt Ihr eine große Inspiration

– wir werden Dich schmerzlich

vermissen, aber bei jedem Blick in den

Abendhimmel werden wir sehen, wie

Ihr als Sterne weiterlebt.“

*Leander Milbrecht / Christian Knuth


12 KULTUR

FILMPROJEKT

Die Hamburger Bollenmädels

Eine Gruppe homosexueller Freunde, die sich seit Ende der

1980er Jahre monatlich trifft und sich zum CSD als Schwarzwaldmädels

„auffummelt “ und auftritt. Filmreif? Jutta Riedel

und Mirek Balonis meinten nicht nur „ja“, sondern fanden mit

ihrer diesbezüglich konkreten Umsetzungsidee breite Unterstützung:

Hamburg Pride, mhc, Hein & Fiete, das Kultusministerium des Landes NRW

und die Akademie Waldschlösschen sind nur einige der Fürsprecher*innen

des Projektes.

Toleranz, Akzeptanz, Vielfalt und

Gleichberechtigung – die Ziele, für

die sich die Bollenmädels einsetzen,

sind auch heute noch aktuell und

wichtig. „Dafür steht unser Film“, so

die Macher*innen. „Wir begleiten die

Mädels seit 2018 bei ihren solidarischen,

aber auch provokanten politischen

Aktionen und im Alltag. Neben

den Drehs und Interviews arbeiten wir

mit Archivmaterial so entsteht auch

ein Bild der Hamburger Szene seit

den 1980ern. Wir animieren Fotos,

Zeichnungen und Collagen.“

Zwar läuft die 1. Startnext-

Crowdfunding-Kampagne nur

noch bis zum 6. Februar, sicher

wird aber auch danach noch der

ein oder andere Euro dankend

angenommen. Denn die Realisierung

erfolgt zunächst mit wöchentlichen

Clips als Webserie ab März, die

dann zusammengefügt ab dem

Spätsommer als unterhaltsamer

wie informativer Dokumentarfilm

erscheinen soll.

www.bollenmädels.de

INFO

Anarchie mit

Stipendium?

Die Filmemacher Jutta Riedel und Mirek Balonis

von TRAWA Film in Köln und die Themen ihrer

Arbeiten sind laut „Jurystatement NRW

Stipendium“ (Ja, ein ganzes Bundesland südwärts

der Alster ist Fan der Bollenmädels): „Ebenso

dringend wie lustig und faul“. Sie brächten

„Erkenntnis durch Anarchie, Witz durch Stehenbleiben“

und seien „ehrgeizige unerschütterliche

Leistungsverweigerer.“ Zum nun ganz staatstragend

von NRW geförderten Film heißt es: „Euren

neuen Film, der viel von diesen Bollenhüten und

den Menschen darunter erzählt, bevölkert wieder

ein vielstimmiges, plapperndes, widerspenstiges

Personal, das durch euren liebevollen und lustigen

Blick lebendig wird.“ Wir sind jetzt langsam

wirklich mehr als gespannt!

FEBRUAR / MÄRZ І AUSGABE 314

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14 KULTUR

FOTOS: CARSTEN BRUHN

„Leider keine

wirklich schöne

Erfahrung, aber

zweifellos prägend.“

Alex, Hauptbahnhof

– Hamburg

„Hier kann ich

tun und machen,

aussehen und sein,

wie ich will.“

Aydin, Berghain

– Berlin

„Es war Liebe auf

den ersten Blick.“

David, Universität

– Hamburg

INTERVIEW

NOT THE ONLY GAY

IN THE CITY?

„Und klar – zum

schwulen Leben

gehört auch Sex.“

Norbert, Mein

Bett – Hamburg

Carsten Bruhn ist Fischkopp

durch und durch. Geboren

in Kiel und seit 2001 Hamburger

lebend, seit 2013 mit

seinem Ehemann, scheint ihn

die spröde Schönheit des Nordens nicht

loszulassen. Das mag er selbst vielleicht

nicht so sehen, das sahen aber die Norddeutschen

in der Redaktion, als wir seine

Fotografien betrachteten und uns sofort

heimelig fühlten. Also fragten wir ihn zu

seiner Porträt-Reihe „Not the Only Gay in

the City“ aus.

Bist du Fan von Little Britain?

Ehrlich gesagt, kein großer Fan, aber ich

fand den Charakter des „only gay in the

village“ immer klasse und hatte diese Zeile

noch so im Kopf …


KULTUR 15

Was war die Motivation, die Idee hinter dem

Projekt?

Ich finde die Frage nach dem „schwulen Ort“ spannend:

Gibt es – analog zur „schwulen Kultur“ oder „schwulen

Literatur“ etc. – „schwule Orte“, und wenn ja, welche sind

das? Sind es die privaten, individuellen der jeweiligen

schwulen Männer oder „nur“ jene, die „Mann“ kennt,

also der schwule Klub, die bekannte Cruising-Area, das

Gnosa, das MHC etc. Und auch: Inwiefern ändern sich

diese Orte von Generation zu Generation? Ein paar

der Orte, an die ich geführt wurde, existieren heute

schon gar nicht mehr, wie das Camelot oder das Café

Tuc Tuc … Mein Projekt wird diese Frage natürlich nicht

abschließend beantworten, aber es regt hoffentlich zum

Nachdenken an.

Wie gehst du bei der Motivsuche vor?

ROMEO? Stadtpark?

Ich habe mit meinem eigenen Mann angefangen und

danach Freunde gefragt. Schnell ergab es sich aber, dass

diese Freunde anderen davon

erzählten, und so wurde der

Kreis immer größer. Mit

der eigenen Website

im Rücken hab ich

mich dann immer

mehr getraut, Leute

direkt anzuschreiben,

auch über Instagram.

ROMEO habe ich nicht

verwendet, im Stadtpark

hab ich keine Männer dafür

angesprochen. (lacht)

Hat dich etwas besonders überrascht oder gibt

es eine besondere Geschichte, die du mit einem

Model erlebt hast?

Vor allem hat es mich überrascht, wie offen mir die

Protagonisten (ich mag sie nicht Models nennen)

ihre Geschichten erzählt haben; gerade auch die, die

ich vorher gar nicht kannte. Die meisten haben beim

„prägenden Ort“ an ihr Coming-out gedacht, wobei ich

mein Projekt gar nicht darauf beschränken möchte.

Aber es war interessant, bewegend und faszinierend,

wie unterschiedlich die Männer ihr Schwulsein entdeckt

haben und wie sie mit Mut und Entschlossenheit ihren

Weg als offen schwuler Mann gegangen sind bzw. gehen.

Und die Orte, die sie ja selbst vorgeschlagen haben,

stehen dann stellvertretend für diese Erfahrungen. Die

begleitenden kurzen Texte, die ja von den Protagonisten

selbst stammen, erzählen zumindest einen Bruchteil

dieser Geschichten.

Eine von mehreren spannenden Erfahrungen war für

mich die Begegnung mit Aydin aus Berlin, der mich zum

Berghain führte. Wir kannten uns vorher nicht, aber seine

Geschichte, die ihn schon in jungen Jahren an diesen

Kult-Ort gebracht hatte, fand ich faszinierend.

Kann man* noch mitmachen und sich bei dir

bewerben?

Ja, sehr gern! Bedingt auch durch Corona werde ich voraussichtlich

noch bis in den Sommer hinein fotografieren.

Ich freue mich über Direktnachrichten via Instagram

(#a_name_is_just_a_name) oder über meine Website

www.carstenbruhn.de.

*Interview: Christian Knuth

Für unsere Praxis am Glockengießerwall

suchen wir eine/n

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16 KULTUR

NACHGEFRAGT

LICHTWERK X RAPHI:

„Flieg mit mir“

Der Musical-Stern aus

„Tanz der Vampire“ lädt ein

abzuheben. Unterstützt wird der

24 Jahre alte Sänger dabei von

Thomas Porzig und Sebastian

Rätzel (The Baseballs), die schon

mit Helene Fischer und Wincent

Weiss zusammenarbeiteten. Für

einen Chat mit uns nahm sich der

Songwriter etwas Zeit.

„Flieg mit mir“ klingt durchaus

positiv in einer Zeit, wo schlechte

News die Nachrichten bestimmen.

Willst du denn Mut machen?

Auf jeden Fall! Ich glaube, in dieser Zeit,

wo es gefühlt nur schlechte Nachrichten

gibt, können wir alle ein paar gute Vibes

echt gebrauchen. Ich bekomme jedes

Mal selbst richtig gute Laune, wenn ich

den Song höre, und ich hoffe, so geht es

allen anderen auch.

Wie ist das Lied entstanden?

Zusammen mit dem Songwriter- und

Produzentenduo von lichtwerk haben

wir uns im letzten Sommer zusammengesetzt

und überlegt, wie es sich wohl

anfühlen wird, wenn die ganze Pandemie

mal überstanden ist. Da war natürlich

vor allem das Gefühl von „Leichtigkeit“

– deshalb auch der Titel „Flieg mit mir“.

Leider dauert das Ganze ja jetzt wohl

noch eine Weile, deshalb wollen wir

mit dem Song etwas von dem Gefühl

vorwegnehmen.

Pop-Schlager ist das große Ding,

aber eigentlich kommst du ja

vom Musical. Oder siehst du da

Parallelen?

Schon, das Musicalpublikum ist bereit

zuzuhören, vor allem auch auf den

Text zu achten. Das wird im modernen

Popschlager auch immer wichtiger.

Deshalb ist der Inhalt für mich beim

Schreiben auch immer oberste Prio.

Insofern ist der Weg vom Musical zum

Schlager sicher nicht so weit. Außerdem

geht es beim Musical und Popschlager

immer darum, Menschen mit einer

Geschichte zu berühren, nur dass man

beim Popschlager nur gut drei Minuten

dafür Zeit hat.

Wie beeinflusst dich die Pandemie

als Künstler?

Mir fehlt die Bühne natürlich! Mein letzter

Auftritt war im März 2020, und wann es

weitergeht, kann aktuell keiner sagen. Auf

der anderen Seite hatte ich aber auch die

Möglichkeit, mich auf andere Dinge zu

konzentrieren, für die ich keine Zeit hätte,

wenn ich acht Mal die Woche auf der

Bühne stehen würde. Die Chance habe

ich gerne genutzt.

Und privat?

Wie alle versuche ich, die Anzahl meiner

sozialen Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren.

Viele meiner Freunde sind im ganzen

Land verteilt, deshalb besteht der meiste

Kontakt hier aus WhatsApp-Gruppen. Da

bin ich also safe. Ansonsten versuche ich

weiter gesund zu leben und mir auch mal

Zeit für mich selbst zu gönnen, was ich

vorher im Alltag oft vernachlässigt habe.

*Interview: Michael Rädel


KULTUR

17

TRAVESTIE

RuPaul’s Drag Race: Barbie

Breakout und Conchita Wurst

check-mag.com

CHECK

GESUNDHEITSMAGAZIN

FÜR MÄNNER

Zwei, die es wissen und können, kommentieren immer freitags

in einem wöchentlichen Podcast die Episoden der 13.

Staffel der Show „RuPaul’s Drag Race“. Klingt nach Spaß

und Hörgenuss. Und ist es auch.

Wie das abläuft? In Bartschatten

– „Ich bin der Bart, du die

shady bitch“, so Conchita zu

Podcast-Partnerin Barbie – wird

die gerade angelaufene 13.

Staffel der weltweit erfolgreichen

Show von RuPaul unter die Lupe

genommen. Die Regeln werden

erklärt, die Shows rezensiert

und vor allem die Kandidatinnen

vorgestellt. Warum sollte man sich das anhören? Beide

Dragqueens kennen „RuPaul’s Drag Race“ sehr, sehr genau,

sind große Fans der Show und kennen auch einige der

RuPaul-Drags persönlich. „Du bist definitiv die Königin von

Drag Race“, bauchpinselt Conchita dann auch Barbie. „Ich

bin eben auch älter“, verrät die kichernd. Äußerst unterhaltsam

anzuhören, informativ und auch lustig. „Am Ende isses

doch auch a Spaaaß“, so Conchita. Ja, genau. Danke!

Gut zu wissen: Es ist tatsächlich Conchitas erster Podcast.

Ursprünglich wollte sie „Pandoras Büchse“ in Sachen

Podcasts nicht öffnen: „Mache ich einen, mache ich alle“.

Hier geht es zum Podcast:

www.instagram.com/bartschattenpodcast

Ohne Kunst wird es grau

Kunst von Größen wie Gerhard Richter, Max Diel, Christo

oder auch Axel Anklam wird in Wiesbaden ausgestellt. Die

Gruppenausstellung „Meisterwerke VIII“ ist mit einer kurzen

Unterbrechung bis Mitte Februar in der Galerie Rother

Winter zu sehen. Gezeigt werden unterschiedlichste künstlerische

Positionen zu verschiedenen Themen, doch allen

ist gemeinsam, dass sie klarmachen, dass es ohne Kunst

farbloser wäre in dieser Welt. Gerade in Zeiten von Corona

darf die Kunstwelt nicht vergessen werden und auf der Strecke

bleiben. „Aufgrund der zurzeit geltenden Vorschriften

dürfen wir leider keine Vernissage abhalten, aber es können

in unserem großen Galerieraum maximal fünf Personen

unter Tragen eines Mund-Nase-Schutzes gleichzeitig die

Ausstellung besuchen“, so die Galerie schriftlich. *rä

www.rother-winter.de

Erhältlich in Arztpraxen, Apotheken, Beratungsstellen

und ausgesuchten Szene-Hotspots

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18 STYLE

INTERVIEW

KILIAN

KERNER:

„Ich verstehe

den Egoismus

nicht“

2021 hat der in Köln geborene

Modedesigner allen Grund zu

feiern: Auf der Mercedes-Benz

Fashion Week präsentierte

Kilian Kerner seine 20. Modenschau in

Berlin. Und die VOGUE übertrug live. Wir

sprachen mit ihm.

Wofür steht der Kollektionsname

Traumwelt für dich?

Isoliert und single zu sein, ist wirklich

belastend während Corona. Ich brauchte

einen Ort, an den ich flüchten konnte,

meine Traumwelt. Die Kollektion ist „sehr

hübsch“, sehr fließend, einfach schön

anzusehen, es gibt aber natürlich auch

Brüche. Es ist eine Realitätsflucht.

Seit einem Jahr ist die Realität alles

andere als eine Traumwelt. Wie hat

dich die Pandemie als Geschäftsmann

getroffen?

Komplett. Es hat mit dem, was vor einem

Jahr war, nichts mehr zu tun. 2020 fing

eigentlich extrem erfolgreich an, es gab

eine Kooperationsanfrage nach der nächsten.

Innerhalb von zehn Tagen wurde dann

alles abgesagt. Zuerst dachte ich noch: „Bis

zum Sommer ist das vorbei“, und habe an

meiner Kollektion weitergearbeitet. Alles

wurde auf Online-Meetings umgestellt.

Insgesamt war ich zehn Wochen alleine in

meiner Wohnung und habe nur zwei Leute

für jeweils eine Stunde getroffen. Irgendwann

bin ich dann fast durchgedreht und

bin für vier Wochen zu meiner Mutter

gefahren. Ich wusste nicht, wie es weitergeht.

Nach einem kurzen Berlinaufenthalt

war ich dann erneut sechs Wochen bei

meiner Mutter.

Wie ging es weiter?

Dann veränderte sich plötzlich alles, eine

Anfrage führte ein großes Glück herbei.

Ich bin Teil von zwei Fernsehprojekten und

einer YouTube-Talkshow, die über mehrere

Monate geht. 2022 soll auch eine Kollektion

für TUI herauskommen. Ich kann

wieder arbeiten, aber komplett anders. Ich

habe ein neues Büro und fahre dahin nur

mit dem Taxi. Ich darf nicht krank werden

und lebe weiterhin extrem isoliert. Wenn

ich krank werde, kippt alles.

Wie ist es nun bei den Vorbereitungen

zur kommenden Schau?

Es wurde alles neu strukturiert, weil es

jetzt so sein muss. Ich bin da sehr pedantisch.

Es gibt z. B. kein Casting, Hunderte

neue Vorschriften, wir werden regelmäßig

getestet, wir arbeiten alle mit großem

Abstand zueinander.

Und privat?

Einige Freundschaften wurden viel

intensiver, auch wenn man sich nicht

gesehen hat. Mit meinem langjährigen

Stylisten Ingo etwa telefoniere ich

jetzt fast täglich und immer sehr lange,

das wurde sehr viel enger. Es gab auch

Freundschaften, die durch die Pandemie

in die Brüche gingen, weil ich merkte, wie

egoistisch diese Leute eigentlich sind.

Weiter Party machen, etwa auf der Spree,

Leute treffen, die Regeln nicht beachten.

Ich halte mich von Anfang an an alles,

weil ich an andere denke und auch

wieder arbeiten will. Manche benahmen

sich wie egoistische Flachw*chser,

das verstehe ich einfach nicht. Manch

einer hat sich eine eigene Wahrheit

zurechtgebogen. Diesen Aufstand um

Weihnachten und Silvester habe ich

auch nicht verstanden. Es ging um ein

Weihnachten und ein Silvester. Ich verstehe

den Egoismus nicht. Wieso muss

man überhaupt dieses Zeug in die Luft

jagen? Das habe ich noch nie verstanden.

Einer hat sich den Kopf weggesprengt ...

Dann noch die Umweltverschmutzung.

Kann man nicht für immer aufs Böllern

verzichten? Weg mit dem Dreck!

*Interview: Michael Rädel


UNTERWÄSCHE

PARADIESISCHE

MODE

Das noch ganz junge Modelabel richtet sich an „aufgeschlossene, offene,

humorvolle, extrovertierte, modische Menschen“, die kein Problem damit

haben, auch in Sachen Unterwäsche ein Stachel im konservativen

Mainstream zu sein.

Da, wo sonst der Markenname dominiert, kann hier ein „SUCK MY DICK“ oder

auch „FUCK YOU“ stehen. Klingt platt, schaut aber gut aus und ist – so in Szene

gesetzt – ja schon wieder Pop-Art, oder? Die trendigen Teile des Labels aus

Wiesbaden bestehen aus 47 % Viskose, 47 % Baumwolle und 6 % Elastan „um

beste Qualität und ein superbequemes Tragegefühl zu garantieren“, so Gregor

Garkisch, der Mann hinter den Kulissen. *rä

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1) Hochrechnung aus Nutzerbefragung 2016, Deutschland


20 NORDDEUTSCHLAND

NACHGEFRAGT

FOTO: MATHIAS RÄTZ

Spenden verbeutelt! Und mehr ...

Nachdem in der vergangenen

Ausgabe unser Artikel zum

Verbleib der ungefähr 300 Euro

Spendeneinnahmen aus einem

Pride-Beutel-Verkauf in zwei Bremer

Szenebars veröffentlicht wurde,

kam nach monatelangem Schweigen

Bewegung in die Sache.

Während die AIDS-Hilfe Bremen noch

dabei war, die Buchhaltung des Jahres

2018/2019 zu prüfen, meldeten sich beide

verantwortlichen Gastronomen per Email

in der hinnerk Redaktion. Der ersten Mail

hing der Screenshot einer Überweisung

von 350 Euro an die Bremer Aidshilfe an,

der auf den 7. Januar 2019 datiert ist. Die

von uns gestellten Nachfragen wurden wie

folgt beantwortet.

Warum ist der Beleg erst jetzt

gesendet worden?

Schlichtweg weil uns

niemand danach

gefragt hat und

wir keinen Grund

hatten, diesen Beleg

öffentlich zugänglich

zu machen.

Warum enthält der

Beleg keinen Hinweis

auf besagte

Spendenaktion?

Die AIDS-Hilfe hat nichts mit dem CSD zu

tun und damit wäre ein Verweis auf den

Erlöszweck wenig hilfreich gewesen. Wie

der CSD Verein ist aber auch die AIDS-

Hilfe immer auf Spenden angewiesen und

wir wollten die Erlöse aus dem Verkauf der

Beutel keineswegs „verbeuteln“ sondern

vielmehr einem anderen, ebenso guten

und sinnvollen Zweck zuführen.

Warum wurde das Geld nicht wie im

Aufruf angekündigt an den Bremer

CSD Verein gespendet?

Darauf haben wir bereits Stellung

bezogen. Robert (A. d. R. Robert Dadanski

ist der Pressesprecher des Bremer CSD

Vereins und Mitglied des Vorstandes)

hatte uns seinerzeit deutlich gemacht,

dass unsere Spende nicht erwünscht

ist. Wir weisen noch einmal deutlich von

uns, dass es von unserer Seite keine

Bereitschaft gab, das Geld seinem

ursprünglichen Zweck zuzuführen.

Hierzu ist anzumerken, dass der CSD-Verein

dieser Darstellung schon im Oktober 2020

vehement widersprochen hat. Weder

aktuelle, noch ehemalige Vorstände haben

die Spende abgelehnt.

Die AIDS-Hilfe Bremen bestätigte gegenüber

hinnerk den Geldeingang, konnte ihn

aber – und jetzt wird es abenteuerlich – einer

anderen Spendenaktion zuordnen. Wir dokumentieren

die Antwort aus dem Dezember

2020:

„Thomas informierte mich soeben, dass

nach Prüfung der entsprechenden

Buchungen vom 7.1.2019 zwar ein Spendeneingang

von 350 Euro ersichtlich war,

dieser jedoch auf eine Spendenaktion

im Dezember 2018 (Weihnachtsbingo

im Friends) zu Gunsten der AIDS-Hilfe

Bremen zurück ging. Der Eingang

der 350 Euro hat also nichts mit der

Rucksackaktion zu tun. Wir waren nur

über das Weihnachtsbingo informiert,

da dieses ja auch offiziell als Spendenaktion

für die AIDS-Hilfe angekündigt

war und entsprechend wurde es in den

sozialen Netzwerken auch geteilt. Die

Rucksackaktion für den CSD-Verein war

uns bis zu Deiner Anfrage auch nicht

bekannt, bzw. darüber hatte der CSD-

Verein uns (logischerweise) auch nicht

informiert, da es ja keine Spendenaktion

für die AIDS-Hilfe war. Dass uns daraus

angeblich Geld überwiesen wurde,

erfuhren wir tatsächlich erst durch Deine

Anfrage.“


Wegen der Redaktionsweihnachtsferien

und einer nochmaligen Nachfrage beim

Bremer CSD-Vereins entschieden wir uns,

die Veröffentlichung der Recherchen auf

diese Ausgabe zu verschieben. Inzwischen

gab es dann auch bereits Leser*innenbriefe

wie diesen:

Sehr geehrter Herr …................

Sehr geehrter Herr …................

beim Durchblättern des Hinnerk

auf Seite 30 bin ich soeben auf

folgenden Artikel aufmerksam geworden.

Ich bin fassungslos, wütend

und sehr traurig, was ich hier lesen

musste. Ist das wirklich Ihr Ernst,

dass der CSD Verein ihre Spende

nicht annehmen wollte? Wenn ich

was spende überweise ich das doch

einfach. Warum haben Sie das nicht

getan? Ich vermute Sie reden sich

hier nur raus. Freunde und ich haben

einen Bremer Pride-Beutel erworben,

weil wir gerne damit den CSD

Verein unterstützen wollten. Von der

Bremer AIDS-Hilfe, war niemals die

Rede. Wir fühlen uns jetzt betrogen

und verarscht und werden gegebenenfalls

gegen Sie Strafanzeige

erstatten und fordern auch somit

unser Geld zurück. Was ich auch

nicht verstehe, warum die Hinnerk

Redaktion in diesen Fall nicht wie

angekündigt weiter recherchiert. Das

finde ich persönlich sehr suspekt!

Deshalb habe ich mir erlaubt weitere

Medien mit ins CC zu setzen.

Ich möchte das der Skandal aufgedeckt

wird!

Mit freundlichen Grüßen

Manuela P.

Der Bremer CSD Verein bestätigte

gegenüber hinnerk:

„Wie bereits in unserer Stellungnahme

vom 12. Oktober geschrieben

bestand nach Erinnerung der mit

dem Thema befassten Personen

noch ein Austausch zwischen Pride-

Beutel-Team Johannes/Dennis und

dem CSD Bremen e.V. (jetzt CSD

Bremen + Bremerhaven e.V.) im August

2019, also kurz vor dem CSD. Diese

Stellungnahme hat nach wie vor

Bestand. In wieweit die Aussage, dass

die Spende stattdessen an die Aidshilfe

bereits im Januar 2019 gezahlt

wurde schlüssig ist, möchte ich nicht

beurteilen. Die notwendige Mühe, die

Spende wie ursprünglich beworben

dem CSD zukommen zu lassen, wäre

jedenfalls nicht größer gewesen, wie

die für die angegebene Spende an die

Aidshilfe.“

Ursprünglich ausgehend von einem

Versehen oder Missverständnis der

beiden Gastronomen, ist die Redaktion

spätestens seit dem wiederholten

Versuch, durch die falsche Zuordnung

eines Überweisungsvorganges die Fakten

zu verschleiern sicher, dass das Geld der

CSD Beutel-Aktion weder an die AIDS-

Hilfe noch an den CSD Verein gezahlt

wurde.

GAYCANDY OHNE

SPENDENZUCKERGUSS

Wir nahmen das zum Anlass, eine weitere

Spendenaktion zu überprüfen. Denn am

18. August 2018 wurde auch eine vom

Friends-Wirt organisierte GayCandy Party

ausgerichtet, die zwei Euro pro Gast

an den CSD Verein spenden wollte. Der

Eintrittspreis wurde dementsprechend

gegenüber der vorherigen GayCandy

erhöht. Der CSD Bremen dazu gegenüber

hinnerk:

NORDDEUTSCHLAND 21

„Hierzu haben wir uns die Mühe

gemacht und sämtliche Kontoauszüge

mit Zahlungseingängen im

Zeitraum August 2018 bis Dezember

2020 geprüft. Wir konnten dabei aber

keinen Zahlungseingang von Dennis

R. identifizieren. Im Rahmen dieser

Veranstaltung wurde zwischen dem

CSD und Dennis R. ein schriftlicher

Vertrag geschlossen, in dem die

Rahmenbedingungen festgehalten

wurden. Es wurde eine Zahlungsfrist

von 4 Wochen vereinbart, sowie das

Konto des CSD benannt. Dem CSD

liegt seitens Dennis R. auch keine

Abrechnung dieser Veranstaltung

vor, aus der hervorgeht, wie viele Besucher

bei der benannten Veranstaltung

anwesend waren. Nach unserer

Einschätzung war die Veranstaltung

aber gut besucht, so dass hier schon

ein paar Euro zusammengekommen

sein sollten.“

Der jetzt amtierende Vorstand des Bremer

CSD e. V. will weitere Überprüfungen

anstrengen und gegebenenfalls weitere

Maßnahmen einleiten, über die wir die

Leser*innen auf dem Laufenden halten.


22 NORDDEUTSCHLAND

SCHLESWIG-

HOLSTEIN

„ECHTE VIELFALT

ÜBERALL #ZEIGFARBE“

Der LSVD Schleswig-Holstein hat

eine Sichtbarkeitskampagne ins Leben

gerufen, die auch auf die besonderen

Härten der Pandemie für nichtheterosexuell

Lebende aufmerksam machen soll:

„Die Corona-Pandemie verstärkt die

Verletzlichkeit von Lesben, Schwulen,

Bisexuellen, trans*- und intergeschlechtlichen

Menschen (LSBTI*) besonders. Die

Gefahr von Gewalt und Anfeindungen,

der LSBTI* in familiären Bereichen oder in

Geflüchtetenunterkünften ausgesetzt sind,

wächst dramatisch an. Zusätzlich finden

Beratungs- und Unterstützungsangebote

derzeit durch die Beschränkungen nicht

statt - Rückzugsräume und Selbsthilfegruppen

fehlen. Auf diese prekäre

Situation möchten wir mit der Kampagne

#ZeigFarbe aufmerksam machen und zu

Solidarität aufrufen. Alle Menschen können

sich an der Aktion beteiligen. Wer ein Plakat

sieht, kann sich davor fotografieren und das

Foto mit dem Hashtag #ZeigFarbe in den

sozialen Medien teilen. Gemeinsam wollen

wir so im ganzen Norden ein Zeichen

der Solidarität und des Zusammenhalts

setzen“, so Andreas Witolla aus dem

Landesvorstand.

Gleichzeitig wirbt der LSVD für die Teilnahme

am 2014 entstandene Aufklärungsnetzwerk

„Echte Vielfalt“, denn „in kleineren

Städten und ländlichen Gemeinden steckt

das Thema Akzeptanz von LSBTI* noch in

den Kinderschuhen. Lesben, Schwule, sowie

trans*- und intergeschlechtliche Menschen

sind jedoch auch hier Teil der Gesellschaft

und brauchen Räume zum Austausch und

Unterstützungsangebote.“

ECHTE VIELFALT – DIE INITIATIVE

Seit 2014 im Kieler Landtag einstimmig

(!), da war die AfD noch nicht vertreten,

der „Aktionsplan für die Akzeptanz

vielfältiger sexueller Identitäten des Landes

Schleswig-Holstein“ beschlossen wurde,

hat sich viel getan. Über 40 Mitglieder, darunter

Kreise und Städte des nördlichsten

Bundeslandes aber auch die Westküstenklinken,

die Universitäten in Flensburg, Kiel,

Lübeck, ebenso die Fachhochschulen, die

Türkische Gemeinde, die AOK Nordwest,

der Schleswig-Holsteinische Fußballverband

vernetzen sich in der Initiative

„Echte Vielfalt“ und entwickeln Konzepte,

um der Diskriminierung von LGBTIQ*

entgegenzuwirken.

www.echte-vielfalt.de


HANNOVER

Schwule Sau

in Gefahr!

NORDDEUTSCHLAND

23

Eigentlich hatte man gerade eh

wegen der Pandemie nicht so richtig

Jubellaune zum 30. Geburtstag. Wann und

wie der mit den Gästen von Hannovers

bekanntestem queeren Treffpunkt nachgeholt

werden kann, ist ebenso unklar, wie

– und das kommt unerwartet – ob es überhaupt

weiter gehen kann. Durch dringend

erforderliche Sanierungsmaßnahmen in

Millionenhöhe ist die Schwule Sau akut in

ihrer Existenz bedroht.

Das Plenum in einem Aufruf: „Durch unsere

bewegte Geschichte, die 1991 begann, und

unsere nicht gewinnorientierte Arbeit hat

es der kleine Laden aus der Nordstadt zu

überregionaler Bekanntheit mit einer bundesweit

nur noch selten anzutreffenden

Struktur gebracht. Wir organisieren hier

ehrenamtlich nicht nur Partys, sondern

auch aufwendig inszenierte Barabende,

Konzerte, Lesungen, Diskussionveranstaltungen

und Theatervorstellungen. Darüber

hinaus sind wir beispielsweise durch

unseren Einsatz für queere Geflüchtete

und unsere aktive Teilnahme am hiesigen

CSD auch auf der politischen Ebene

vertreten und bieten queeren Menschen

einen geschützten Raum. Dieser Raum

ist nun aber stark gefährdet. Die Stadt

Hannover hat im November als Vermieterin

klargestellt, dass das Gebäude dringend

einer Sanierung bedarf, deren Kosten sich

nach üblichen Berechnungsschlüsseln auf

über eine Million Euro belaufen. Diese nur

grob geschätzten Kosten kann die Stadt

nicht übernehmen und deswegen droht

uns eine Kündigung des Mietverhältnisses,

sollte keine andere Lösung gefunden werden.“

Eine Schließung der Sau würde einen

herben Verlust für die Queer-Community

in Hannover und darüber hinaus bedeuten.

Das Team weiter: „Dies gilt es mit allen

Mitteln zu verhindern! Wir stehen dazu

sowohl mit der Stadt Hannover als auch

mit lokalen Vertretern der Politik in Kontakt,

in der Hoffnung, gemeinschaftlich

eine Lösung zu finden und den Fortbestand

der Sau sicherzustellen.“ Zurzeit

ist allerdings die Lage noch so ungewiss,

dass das Team im hinnerk Gespräch von

Spendenaufrufen absieht und eher darum

bittet, Aufmerksamkeit für das Thema

herzustellen.

www.schwulesauhannover.de


24 GESUNDHEIT

SEXUALITÄT

Brauchen wir noch

schwule Sexorte?

Wir alle, unabhängig von Geschlecht und Orientierung, sind durch die Pandemie mit Fragen der Sexualität konfrontiert, die wir uns im

Vor-Corona-Alltag nicht so oft, weniger intensiv oder gar nicht stellten. Unsere Sexualität – und hier beginnen die Differenzierungen

in Sachen Identität und Orientierung, es geht im Nachfolgenden um die mann-männliche (MSM), die schwule oder bisexuelle Sexualität

– ist seit den sich nun jährenden ersten Kontaktbeschränkungsmaßnahmen Teil des öffentlichen Diskurses geworden.

Von Saunaverboten bis Razzien in

Cruising-Bars und –Gebieten reicht die

Bandbreite staatlicher Repression von

Sex zwischen Männern*. Noch härter

traf es die, die Sex und Zärtlichkeit

als Wirtschaftsgut veräußern: die

Sexarbeiter*innen. Auch in den sozialen

Medien und im privaten Rahmen wurde

Sexualität nach der trügerischoptimistischen

Euphorie der PrEP wieder

moralisch gebrandmarkt.

Vielfach wurde die Regulierung der

Sexualität im wahrnehmbaren Teil der

homonormativen Mehrheitscommunity

als sinnvolle Anti-Corona-Maßnahmen

hingenommen und selbstverständlich in

Teilen auch berechtigt, unterstützend

verteidigt. Dennoch ist auffällig, wie

schnell das hart erkämpfte Gut der freien

Sexualität, mit seinen Konzepten von

Partnerschaft jenseits von Ehebett und

Wohnzimmer-Couch, nicht einmal mehr

erwähnenswert schienen, ja sogar von

seinen eigenen Nutznießern in Frage

gestellt wurde. Die Deutsche Aidshilfe

(DAH) hat sich nach anfänglicher Orientierungsphase

zu einem der stärksten

Sprachrohre jener gemacht, die sich

ganz leise resignierend oder laut weinend

ihrer Sexualität und der dazugehörigen

Räume beraubt sahen und sehen. Ende

2020 organsierte der Verband im Berliner

SchwuZ daher auch eine ganz besondere

Sonderversion seines traditionellen

Wirtetreffens der LGBTIQ*Szene.

Es kamen – unter Einhaltung strenger

Corona-Vorschriften – Betreiber*innen

und Inhaber*innen von Orten der

homosexuellen (und teilweise queeren)

Sexualität aus der ganzen Bundesrepublik

zusammen, um darüber zu diskutieren,

ob und wie ein Morgen danach aussehen

könnte. Und man* holte sich Rat bzw.

wissenschaftlichen Input bei und von

dem deutschen Fachmann für mannmännliche

Sexualität, Professor Dr.

Martin Dannecker. Sein Vortrag war wie

folgt überschrieben:

„Der eine braucht es mehr, der andere

braucht es weniger – wie viel Promiskuität

braucht es für eine zufrieden

Sexualität?“


GESUNDHEIT 25

Was sagen Studien über „den promisken Schwulen“?

Ist an dem Vorurteil des omnipotenten und ständig

nach Sex suchenden Schwulen etwas dran? Allen

Klischees liege ein wahrer Kern zugrunde, sonst würde

die Lust an der Aufrechterhaltung der Klischees vergehen,

sagt der Professor. Das Klischee des promiskuitiven

Schwulen findet sich allerdings sogar in der

Wissenschaft wieder, beispielhaft zitiert Dannecker

aus einer Schweizer Arbeit im Fach Psychologie:

„Homosexuelle sind bekannt für ihre Untreue,

Homosexualität und Promiskuität sind fast schon

Synonyme. Homosexuelle selbst lieben es, sich mit

wechselnden Partner zu zeigen. Die Darkrooms und

die Parkszenen sind ohne ständigen Objektwechsel

nicht denkbar.“

Süffisant und mit einem Anflug von Altherrenwitz,

weißt Dannecker darauf hin, dass die Autorin des

Textes keine empirische Datenbasis angibt und sich

ihre Erfahrung demnach vielleicht aus ihrer klinischen

Beobachtung, also der Behandlung schwuler

Patienten nährt: „Das könnte ja eine besondere

Perspektive sein.“ Allerdings könnten zunächst auch

die empirischen Studien der Sexualwissenschaft über

die möglicherweise konkreten psychischen Gründe für

Partnerwechsel unter Schwulen nichts aussagen. Das

gleiche gelte für die Beantwortung der Frage wie viel

an Promiskuität notwendig ist, um individuell ausreichend

für Befriedigung oder zumindest Beruhigung

zu sein.


26 GESUNDHEIT

WIE OFT MACHT SCHWULER MANN* ES?

Über die Verbreitung von Promiskuität

unter schwulen Männern gibt es nach

Ansicht von Dannecker mehrere und in

ihren Ergebnissen vergleichbare Studien.

Seine mit Richard Lemke 2010 durchgeführte

Onlinebefragung ergab:




Fast 30 Prozent hatten in den sechs

Monaten vor der Befragung nur einen

oder keinen Sexualpartner

41 Prozent gaben zwischen zwei bis

fünf Sexualpartner an

15 Prozent zwischen sechs und zehn

Sexualpartner

Der Anteil mit mehr als zehn verschiedenen

Partnern, was etwa zwei pro Monat

ergibt, lag bei 15 Prozent. Die überwiegende

Mehrheit der schwulen Männer

scheint, so Dannecker, also „weit entfernt

von einem promisken Verhalten zu sein.“

Diese ungefähre Verteilung habe sich in

den vorhandenen Querschnittsstudien

über die Jahre nicht signifikant geändert.

Trotz mehr Möglichkeiten des Partnerwechsels

durch Saunen und Darkroom-

Bars. Im Gegenteil geht Dannecker sogar

davon aus, dass die Befragungen wegen

der über Datingseiten und Chatportale

erreichten Teilnehmer, eher einen

überhöhten Anteil aufweisen.

Es könne aber auch sein, dass die

digitalen Kontaktanbahnungen, das

Austauschen von sexuellen Vorlieben

und Beschreiben von Wünschen in Chats

und Foren bereits eine Erfüllung des psychischen

Wunsches nach Promiskuität

bedeutet. Die Zahl der tatsächlichen, also

realen Sexualkontakte, könnten dann

zurückgegangen sein. Dies müsse weiter

erforscht werden.

„Die reale Nähe zu jenen

Bezirken der Szene, die

durch promiskes Treiben

gekennzeichnet sind,

scheint jedenfalls sehr viel

geringer zu sein, als es mir

meine eigene Lebenserfahrung

vorgaukelt.“

ANYTHING GOES? AB 30 WIRD ES

SPEZIELL!

Seit 1987 wird in Deutschland im

Abstand von rund drei Jahren eine große

Befragung von MSM durchgeführt. Der

schwule Soziologe und Aktivist Michael

Bochow hatte sie bis 2013 geleitet,

2012 machte vor allem eine Erkenntnis

Professor Dannecker stutzig:

Zwar steigt der Anteil der Männer, die

mit mehr als zehn anderen Sex hatten,

bis zum Alter von 30 Jahren an, bleibt

dann aber relativ konstant. Dannecker

mutmaßt – und hier beigebt er sich dann

doch auf ähnlich dünnes Eis, wie die

von ihm Eingangs zitierte Psychologin

–, dass es mit zunehmendem Alter zur

Entwicklung von Mustern, also sexuellen

Vorlieben kommt. Diese Muster seien

so fest, dass sie selbst nach einer in der

Verliebtheitsphase durchbrechenden

Flexibilität häufig dominant bleiben und

einer der möglichen Antriebe für den

Wunsch nach Partnerwechsel sein könnten.

Dieser wiederum würde aber weniger

wahllos als selektiv und den sexuellen

Vorlieben entsprechend organisiert.

In einer 2013 durchgeführten Studie

im Auftrag der DAH wurde die Nutzung

queerer Infrastruktur untersucht. Das

für Dannecker erstaunlichste Ergebnis

hinsichtlich der Fragestellung, ob der

schwule Mann per se promiskuitiv sei,

war: 70 Prozent der Befragten haben in

den zwölf Monaten vor Studienteilnahme

weder einen Ort queerer Geselligkeit

(Bars, Cafés) noch schwule Sexorte (Saunen,

Parks) aufgesucht. Der Anteil derer,

die eindeutig nur oder fast immer Sexorte

aufsuchten und somit einer promisken

Lebensführung nachgehen könnten, lag

bei nur rund fünf bis sieben Prozent.

Dannecker wollte diese Zahlen kaum

glauben. Er meinte, seine eigene Erfahrung

spreche eine so deutlich andere Sprache,

dass etwas an den Zahlen nicht stimmen

könne. Nach eingängiger Selbstprüfung

musste er sich mit einer Erkenntnis

anfreunden, die vielen bekannt sein dürfte:

Das Beziehungsnetzwerk wird stark durch

die Fokussierung auf Vorlieben geprägt.

Die digitalen Werkzeuge der Selektion verstärken

diesen ganz natürlichen Vorgang

so stark, dass die eigene Empfindung der

Realität die tatsächliche überstrahlt.

Zusammenfassend gibt es laut Dannecker

also nur eine kleine Gruppe unter

Schwulen, die über lange Zeit mit vielen

wechselnden Partnern Sex hat und die

diesbezügliche Angebote der Szene so

nutzt, dass Promiskuität angenommen

werden kann. Aber was heißt das

eigentlich?

Fortsetzung auf männer.media!


GESUNDHEIT 27

INFO

Martin Dannecker

Der „Oswalt Kolle“ der schwulen Sexualität wird Martin

Dannecker auch genannt. Der 1942 in Oberndorf am

Neckar geborene außerplanmäßige Professor am Institut

für Sexualwissenschaft in Frankfurt, verhalf dem Thema

Homosexualität durch die Veröffentlichung der großen

Studie „Der gewöhnliche Homosexuelle“ 1974 erstmals

seit der Zerschlagung von Magnus Hirschfelds „Institut für

Sexualwissenschaften“ durch die Nationalsozialisten

wieder zu einem festen Platz in Wissenschaft

und Lehre. Schon 1971 war als Co-Autor

bei Rosa von Praunheims erstem Filmerfolg

„Nicht der Homosexuelle ist pervers,

sondern die Situation, in der er lebt“

maßgeblich daran beteiligt, auch die

öffentliche Wahrnehmung der Themen

Homosexualität und Geschlechtsidenditäten

maßgeblich zu verbessern.

Besonders in Zeiten der AIDS-Kriese

in den 1980er und 1990er Jahren war

er gefragter Fachmann. Inzwischen

genießt er seinen Ruhestand in Berlin.

Außer er wird gerufen! Sein aktuelles Buch

ist ein dringender Lesetipp!

Fortwährende Eingriffe“ von Martin Dannecker, Buch /

Broschur, 232 Seiten, ISBN 9783863002718,

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28 KULTUR

TIPP

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Moderne Diagnostik revolutioniert Prostatakrebs-Vorsorge

Eine große Chance für die

Männergesundheit

Die multiparametrische Magnetresonanztomographie (mpMRT) der Prostata eröffnet

bessere Möglichkeiten zur Früherkennung von Prostatakrebs. Sie liefert zuverlässigere

Ergebnisse als andere Untersuchungsmethoden – und das völlig schmerzfrei.

Anders als bei Frauen hat

sich für Männer das Thema

Krebsvorsorge nicht im gleichen

Maße etabliert. Viele scheuen

die Untersuchung ihrer Prostata.

Gängige Diagnoseverfahren

liefern zudem mitunter irreführende

Ergebnisse.

Die multiparametrische MRT

der Prostata bringt hier den

Durchbruch.

Prostatakrebs ist die häufigste

Krebserkrankung des Mannes.

Die Vorsorge erfolgt durch

eine Tastuntersuchung und eine

Bestimmung des PSA-Wertes

(prostataspezifisches Antigen)

im Blut. Dieser Wert allein ist

jedoch nicht immer eindeutig. Weder ist bei Werten im Normbereich

ein Prostatakrebs ausgeschlossen noch ist Krebs bei erhöhten PSA-

Werten bewiesen. Selbst bei einer Stanzbiopsie, bei der Gewebeproben

an mehreren zufällig ausgewählten Stellen entnommen werden,

können Krebsherde übersehen werden.

„Viel genauere Ergebnisse liefert die nicht-invasive und damit

schonendere Untersuchung mithilfe der multiparametrischen Magnetresonanztomographie

(mpMRT) der Prostata“, erklärt Dr. Jörg

Gellißen von der Radiologischen Allianz. „Die mpMRT ist aktuell das

sicherste und beste Verfahren zur biopsiefreien Diagnostik, Vorsorge

und Früherkennung.“

Die Nachweisempfindlichkeit ist mit 85 Prozent anderen Verfahren

(Tastuntersuchung, transrektaler Ultraschall) weit überlegen. Mit

etwa 90-prozentiger Sicherheit können Radiologen Prostatakrebs

mit dieser neueren Methode ausschließen.

Die von der Radiologischen Allianz genutzten MRT-Geräte liefern

hochkontrast- und strukturauflösende Bilder, welche von erfahrenen

Experten interpretiert werden. „Wir können Erkrankungen so schon

Dr. Jörg Gellißen, Dr. Martin Simon und Dr. Stephan Schulz

vom Standort Radiologie am Rothenbaum in Hamburg

Sprechen Sie uns an: Wir beraten Sie gerne persönlich über

unser Spektrum an Diagnostik- und Vorsorgeleistungen.

im Frühstadium präzise erkennen,

so dass auf eine anschließende

Biopsie verzichtet werden kann“,

erläutert Dr. Stephan Schulz.

Bei Verdacht auf einen Tumor

können Lage, Größe und Ausdehnung

exakt bestimmt und auch der

Befall benachbarter Organe, der

Lymphknoten und Knochen abgeklärt

werden. Mithilfe der mpMRT

können auch Karzinome entdeckt

werden, die nicht lebensbedrohlich

sind und mittels regelmäßiger Kontrollen

überwacht werden können.

Im Fall einer Krebs-Diagnose ist

die Radiologische Allianz zudem

ein kompetenter Partner für die

Therapie. „Wir decken das gesamte

Spektrum von der Diagnostik über eine mögliche Strahlentherapie

bis hin zu Kontrollen in der Nachsorge ab und sind interdisziplinär

mit onkologischen und urologischen Partnern in Netzwerken verbunden.“,

so Dr. Martin Simon.

Die Kosten einer mpMRT werden von privaten Krankenkassen

in der Regel übernommen. Eine Krebsvorsorge und Abklärung des

Verdachts auf ein Prostatakarzinom mittels mpMRT (z.B. bei erhöhtem

PSA-Wert oder verdächtigem Tastbefund) bieten wir zudem als

individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) an. Tumorverlaufskontrollen

unter Therapie führen wir auch als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen

durch.

Die Radiologische Allianz bietet die mpMRT der Prostata und weitere Vorsorgediagnostik an diesen Standorten an:

Radiologie am Rothenbaum Radiologie am Rathausmarkt Radiologie am Blankeneser Bahnhof (Praxisgemeinschaft)

Hansastraße 2-3 Mönckebergstraße 31 Sülldorfer Kirchenweg 2a

20149 Hamburg 20095 Hamburg 22587 Hamburg

Tel.: (040) 32 55 52-109 Tel.: (040) 32 55 52-101 Tel.: (040) 32 55 52-110

Informieren Sie sich über unser umfassendes Portfolio an MRT (Kernspin), Nuklearmedizin und Strahlentherapie auf www.radiologische-allianz.de


30 GESUNDHEIT

INTERVIEW

FOTOS: ANNA-LENA EHLERS

Peter macht dich fit

für den Frühling

Mit Peter Goebel arbeiten wir in der Redaktion schon seit Jahren zusammen. Allerdings ging es dabei immer

um Musik, denn Peter ist in der PR-Branche für die Großen wie Kim Wilde und Kylie unterwegs. Dass er seit

vielen Jahren auch als Personal Trainer für Fitness sorgt, nahmen wir zum Anlass, ihn auszufragen. *ck

Für Sportmuffel wie mich klingen

„Kettlebells, TRX Schlingentrainer,

Foamroller ...“ etwas nach Folter ...

Es sind definitiv keine Folterinstrumente

(lacht), sondern unterstützen uns

hervorragend beim Sporteln! Natürlich kann

man auch ohne diese Tools viel erreichen,

aber bei reinen Körpergewichtsübungen

fehlt nach einer gewissen Zeit der

entsprechende Reiz, um den Muskel

weiter zu fordern. Daher setze ich gerne

Tools wie Kettlebells, Medizinbälle oder

Widerstandsbänder ein; je nachdem was

der Kunde erreichen möchte. Und keine

Sorge, es macht richtig viel Spaß damit zu

trainieren. Mein Lieblingstool ist der TRX

Schlingentrainer; mit diesem Gerät kann

man prima den ganzen Körper trainieren

und bearbeitet damit auch die tieferliegenden

Muskeln, die oft vernachlässigt werden.

Zudem muss die Coremuskulatur (Körpermitte)

die ganze Zeit kräftig mitarbeiten.

Brauch ich denn einen Personal

Trainer dafür?

Sicher kannst du viel in Eigenregie machen,

wenn du dich auskennst.

Allerdings hilft dir ein Personal Trainer

insbesondere dadurch, dass er einen individuell

auf deine Ziele abgestimmten Plan

für dich erarbeitet, dich laufend motiviert

und auch den Plan immer wieder an deine

aktuelle Situation anpasst.

Außerdem trainieren viele leider nicht

richtig und schaden sich dabei, indem sie

Übungen falsch ausführen. Eine richtige

Bewegungsausführung ist super wichtig.

Man merkt oft selbst gar nicht was für

Fehlhaltungen man sich „antrainiert“ hat.

Du bist auf funktionales Training

spezialisiert. Was meint der Begriff?

Beim Functional Training geht es nicht

nur darum wie der Körper aussehen soll,

sondern mehr um das Körpergefühl und

was der Körper alles kann. Zum Functional

Training gehören viele Elemente; sei es

Kraft oder mehr Mobilität oder Agilität.

Die Übungen unterstützen uns im Alltag

– sei es eine Kiste richtig vom Boden

aufzuheben oder etwas über Kopf ins

Regal zu stellen. Sprich Functional Training

kann jedem bei seinen alltäglichen Bewegungen

helfen; vom Bürohengst bis zum

Feuerwehrmann hilft es im Grunde dabei,

dass der Körper seinen Job erfüllen kann.

Du wirst nicht nur fit, sondern es verfolgt

somit auch noch seinen Zweck. Und wenn

sich nebenbei auch noch deine Figur

verbessert, ist das ja auch ein schöner

Nebeneffekt.

Demnächst wird sich der erste

Lockdown jähren und bei sehr vielen

Leser*innen und bei mir sind die

Jahresringe an Hüfte, Po und Bauch

für 2020 dann doch etwas üppiger

als normal ausgefallen. Wie bist Du

selbst in dieser Zeit fit geblieben?

Ja das höre ich von vielen meiner Kunden.

Ich selbst habe zum Glück zu Hause

viele Trainingsgeräte, mit denen ich im

Lockdown trainiere. Aber auch Wasserflaschen,

Bücher oder Kisten kann man ja als

Gewichte nutzen Zudem besitze ich ein

Rudergerät, mit dem man sehr gut arbeiten

kann. Und Joggen um die Alster geht

immer (nein schlechtes Wetter ist keine

Ausrede!). Und glücklicherweise habe ich

einen Sportplatz direkt vor meiner Haustür,

den ich prima nutzen kann zum Training.


GESUNDHEIT 31

1.

RAUS AN DIE LUFT

Grade im Winter und im Frühling

ist es für unser Immunsystem prima,

wenn wir draußen an der frischen Luft

trainieren. Wenn man erstmal losgelaufen

ist, ist es doch auch gar nicht mehr

schlimm, da es einem schnell warm wird.

Am besten schon die Laufklamotten

abends rauslegen, so dass man morgens

gar nicht an ihnen vorbei kann. Wenn du

Joggen nicht magst, dann suche dir eine

andere Aktivität, die du an der frischen

Luft ausüben kannst. Oder mache einen

ausgiebigen Spaziergang; das bringt schon

mehr als viele denken. Am besten mit dem

besten Freund verabreden und gemeinsam

gehen, dann kann man gleich Neuigkeiten

austauschen oder gemeinsame Pläne

schmieden.

2.

KALT DUSCHEN

Eine kalte Dusche am Morgen

weckt die Lebensgeister, erfrischt und

stärkt auch unser Immunsystem. Erstmal

langsam rantasten; fang mit warmem Wasser

an und langsam immer kälter duschen.

Fang bei den Füßen an und dann weiter

nach oben. Steigere mit der Zeit die Dauer

des Kaltduschens, bis du eine Minute oder

länger durchhältst. Gerne kannst du auch

Wechselduschen, sprich wechsle öfter

zwischen heißem und kaltem Wasser hin

und her. Du bist danach so richtig schön

wach und voller Tatendrang. Nach dem

Peters Top 5 Tipps

für einen fitten Nach-Lockdown-Frühling

Laufen draußen empfehle ich aber eher

eine heiße Dusche oder ein heißes Bad zur

Belohnung.

3.

ZIELE SETZEN

Setze dir ein Ziel, das du dieses

Jahr erreichen möchtest. Was liegt dir

wirklich am Herzen, für was brennst du?

Bei der Umsetzung empfehle ich dir die

bewährte WOOP Methode, die steht für

Wish (Wunsch), Outcome (Ergebnis),

Obstacle (Hindernis) und Plan (Plan). Hierbei

geht es darum sich der Hindernisse,

die uns am meisten vom Erfüllen unseres

Wunsches abhalten, zu Nutze zu machen,

indem man sich zunächst die Hindernisse

vorstellt und sich dann überlegt, wie man

diese effektiv überwinden kann, wenn sie

auftauchen. Das Prinzip wirkt in vielen

Bereichen. Ob beim Wunsch Gewicht zu

reduzieren oder Stress abzubauen, egal

was für einen Wunsch du hast, probiere die

Methode mal aus. (woopmylife.org)

4.

ESSGEWOHNHEITEN SCHRITT

FÜR SCHRITT ÄNDERN

Schreib mal eine Woche detailliert auf,

was du alles in der Zeit gegessen und

getrunken hast. Schau dir einmal an, wann

du was gegessen hast. Warst du wirklich

hungrig oder hast du aus irgendeinem

Frust heraus z.B. Süßigkeiten gegessen

oder aus Langweile genascht? Werde dir

bewusster, was hinter deinem Essverhalten

steckt. Nimm dir nicht vor, von heute auf

morgen alle schlechten Essgewohnheiten

auf einmal zu verändern, das funktioniert

meist auf Dauer nicht. Nimm dir Zeit und

versuche Schritt für Schritt Gewohnheiten

zu ändern und dich gesünder zu ernähren.

Sei es, dass du Softdrinks weglässt

und gegen Wasser austauschst oder

die Vollmilchschokolade gegen dunkle

Schokolade (ab 70 % Kakaogehalt). Von

reinen Verboten halte ich wenig, dadurch

wird deine Lust auf die Lebensmittel erst

recht angeheizt.

5.

SEI DANKBAR FÜR DAS

ERREICHTE

Zum Schluss noch ein Tipp. Wie oft

vergleichen wir uns mit anderen Menschen,

die vermeintlich besser ausschauen, mehr

Muskeln haben, mehr Erfolg oder Glück im

Leben haben. Lass es einfach mal sein, dich

ständig mit Anderen zu vergleichen, sondern

arbeite kontinuierlich daran, zur besten

Version deiner selbst zu werden. Kümmere

dich um deinen Körper und deinen Geist; sei

dankbar dafür was du schon erreicht hast

und gehe deinen Weg weiter, um täglich

besser zu werden in deiner Entwicklung.

Du wirst merken, dass es sehr befreiend

ist, wenn du dich von dem Vergleichen mit

Anderen lossagst und wirst dadurch viel

entspannter durchs Leben gehen.

www.getfit-stayfit.de


32 ANZEIGE

WARUM N = N JEDEN BETRIFFT

WAS BEDEUTET EIGENTLICH N=N?

Wenn Menschen mit HIV eine Therapie erhalten und dadurch

erfolgreich „unter der Nachweisgrenze“ sind, können sie das

Virus nicht mehr übertragen. In diesem Zusammenhang begegnet

man häufig der Abkürzung n=n (“nicht nachweisbar =

nicht übertragbar“) - oder Englisch U=U („Undetectable =

Untransmittable). 1,2

Der Begriff der Nachweisgrenze - also der Wert, unter dem das

HI-Virus im Blut nicht mehr nachgewiesen werden kann - ist allerdings

nicht einheitlich definiert. Das liegt daran, dass sowohl

die Messmethoden immer genauer werden als auch unterschiedliche

Messgeräte in Verwendung sind. Die Zuverlässigkeit

der Messung ist jedoch immer gleich.


Auch mit HIV kann ich ein

schönes und normales Leben

führen. Über n=n Bescheid zu

wissen ist für mich dabei eine

große Erleichterung!


Lilian, lebt seit 2000 mit HIV

Zwei große wissenschaftliche Studien, die sich mit dem Thema

n=n beschäftigen (die sog. PARTNER-Studien), haben das

genauer untersucht. Dabei wurden insgesamt mehr als 135.000

Sexualkontakte ohne Kondom ausgewertet, bei denen ein*e

Partner*in HIV-positiv und der/die andere HIV-negativ war. Hier

wurde bei einer Viruslast (das ist die Menge der HI-Viren im

Blut) von < 200 Viruskopien pro Milliliter Blut von einer Nicht-

Nachweisbarkeit gesprochen. 3 Die Ergebnisse dieser Studien

zeigten, dass es dabei in keinem Fall zu einer Übertragung von

HIV kam, wenn der/die HIV-positive Partner*in durch Therapie

erfolgreich unter der Nachweisgrenze war. Als HIV-positiver

Mensch kann man also unter einer erfolgreichen Therapie

selbst durch Sex ohne Kondom niemanden mit HIV infizieren.

Dieses Wissen ist für alle Menschen wichtig - ganz unabhängig

vom eigenen HIV-Status.


GESUNDHEIT

IN HAMBURG

WENN WISSEN ZUNIMMT,

NIMMT STIGMATISIERUNG AB.

Als HIV-negativer Mensch zu wissen, dass HIV unter erfolgreicher

Therapie nicht mehr übertragbar ist und ein Bewusstsein

dafür zu haben, wie das Leben von Menschen mit HIV

heutzutage aussieht, kann die unbegründeten Ängste im

Umgang mit HIV-positiven Menschen nehmen. Diese beruhen

vor allem auf der Furcht, sich im Alltag und beim Sex mit

HIV-Positiven anstecken zu können.

Aktuelles Wissen und die kontinuierliche Aufklärung der

Gesellschaft – beispielsweise durch Kampagnen wie #HIVER-

SITY, welche die Vielfalt von HIV-positiven Menschen und

deren Leben zeigt - sind essenziell, um überholte Vorstellungen

und Stigmatisierung abzubauen.

Für Menschen mit HIV führt das Wissen um n=n zu einem

gelasseneren Umgang mit der eigenen Sexualität. Denn es

verschwinden Zweifel und Ängste, Sexualpartner*innen anstecken

zu können, was sich auch vorteilhaft auf die persönliche

mentale Gesundheit auswirkt. Und wenn man sexuell

und mental gesund ist, steigt auch die eigene Lebensqualität

und Zufriedenheit.

Als Mensch mit HIV trägt auch der offene Austausch mit

seiner/m Ärzt*in zu mehr Lebensqualität bei. Denn wenn man

als HIV-positiver Mensch selbst die eigenen Bedürfnisse und

auch deren Veränderung im Arztgespräch thematisiert, kann

diese*r die beste Unterstützung leisten. So kann man zum

Beispiel gemeinsam die Therapie auswählen, die am besten

zum aktuellen Lebenstil passt.

Weitere Informationen zu n=n und persönliche

Geschichten zum Leben mit HIV unter www.livlife.de.

Unterstützt von ViiV Healthcare

1

Eisinger et al., HIV Viral Load and Transmissibility of HIV Infection - Undetectable Equals

Untransmittable, JAMA February 5, 2019 Volume 321, Number 5 (Reprinted).

2

European AIDS Clinical Society Guidelines, Version 10.1, Stand Oktober 2020.

Last accessed: November 2020

3

Rodger AJ, Cambiano V, Bruun T et al. Sexual Activity Without Condoms and Risk of

HIV Transmission in Serodifferent Couples When the HIV-Positive Partner Is Using

Suppressive Antiretroviral Therapy. JAMA 2016, 316(2).

ÄRZTE

■ Andreas Britz,

Dr. med.Praxisklinik am Rothenbaum,

Privatpraxis, Haut- und Geschlechtskrankheiten,

Lasertherapie, Kosm.-

ästhet. Behandlungen, Allergologie,

Heimhuder Str. 38, & 44809812,

www.dr-britz.de

■ Dammtorpraxis, Dr. Linnig,

Allgemeinmedizin, Reise-Medizin,

HIV, Hepatitis, STD,

Damnmtorstr. 27, & 35715638,

www.dammtorpraxis.de

■ ICH Grindel,

Dr. med. Thomas Buhk,

Dr. med. Stefan Fenske,

Prof. Dr. med. Hans-Jürgen

Stellbrink,

All gemeine und Innere Medizin,

HIV, Hepatitis, STD,

Grindelallee 35, & 4132 420,

www.ich-hamburg.de

■ ICH Stadtmitte,

Dr. med. Axel Adam,

Stefan Hansen,

PD Dr. med. Christian Hofmann,

Dr. med. Michael Sabranski,

Dr. med. Carl Knud Schewe,

Allgemeine und Innere Medizin,

HIV, Hepatitis, STD,

Glockengießerwall 1,

& 28004200,

www.ich-hamburg.de

■ Medizinisches Versorgungszentrum

Hamburg,

Prof. Andreas Plettenberg,

Dr. Albrecht Stoehr,

Prof. Jörg Petersen,

Dr. Peter Buggisch,

HIV, Hepatitis, STD, Infek tiologie,

Lohmühlenstr. 5, Am AK St. Georg

Haus L, & 28407600,

www.ifi-medizin.de

■ Urologische Praxis

Oliver Neubauer,

Facharzt für Urologie,

Herthastr. 12, & 64224500,

www.urologe-hamburg.com

■ Schwerpunktpraxis

Nerven-Psyche,

Dr. med. Hans Ramm,

Dr. med. Andrea Oster,

Neurologie, Psychiatrie,

Psychotherapie,

Kreuzweg 7, & 245464,

www.nervenarzt-hh.de

■ Dr. med. Martin Eichenlaub,

Facharzt für Neurologie,

Nervenheilkunde, Psychiatrie u.

Psychotherapie,

Elbgaustr. 112., & 841084,

www.nervenarzt-eichenlaub.de

■ Dr. Roy Heller,

Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin,

Suchtmedizin, Psychotherapie,

HIV, Hepatitis, STD, Juliusstr. 36,

& 4300890

■ Josef Stuch,Dr.

All gemeinmedizin,

Ida-Ehre-Platz 12, & 37510060

■ Ambulanzzentrum des UKE,

Bereich Infektiologie:

Dr. med. Olaf Degen,

Dr. med. Anja Hüfner,

Dr. med. Sabine Jordan,

Dr. med. Guido Schäfer,

Dr. med. Stefan Schmiedel,

Fachärzte für Innere Medizin, Allgemeinmedizin,

HIV, Hepatitis, STD,

Spezialsprechstunde PrEP, Impfungen,

Infektions- & Tropenkrankheiten,

Universitätsklinikum Hamburg-

Eppendorf, Martinistr. 52,

& 741052831, infektionen@uke.de,

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■ Dr. med. Welf Prager & Partner,

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operative Dermatologie,

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Lasermedizin,

Hemmingstedter Weg 168,

& 040 81 991 991

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ZAHNÄRZTE

■ Dr. Dirk Ergenzinger & Martin Schuh,

Eidelstedter Platz 6a, & 5709385,

www.zahnaerzte-eidelstedt.de

■ Zahnarztpraxis Rainer Witt,

Holsteiner Chausee 267, & 55505962,

www.zahnaerzte-schnelsen.de

COACHING

■ Markus Bundschuh,

Gestalttherapeut-Psychotherapie

(HPG), Müggenkampstr. 29,

& (0179) 5270700,

www.therapie.de/psychotherapie/

bundschuh

■ Ruthemann Coaching,

Heilpraktiker f. Psychotherapie,

Professor-Brix-Weg 4, & 31171492,

www.ruthemann-coaching.de

■ Dipl Päd. Volkmar Suhr,

Systemischer Berater&Therapuet

DSGF, Neue Str. 24, 22942 Bargteheide,

& 04532-2045500,

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Lange Reihe 39, & 245044

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Lange Reihe 58, & 245664

PSYCHOTHERAPIE

■ Markus Bundschuh,

Gestalttherapeut-Psychotherapie

(HPG), Müggenkampstr. 29,

& (0179) 5270700,

www.therapie .de/psychotherapie/

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■ Christian Perro, Dr. med.,

Psychiatrie, Eppendorfer Landstr. 37,

& 464554

■ Kurt Strobeck,

Dr. med. Facharzt Psychiatrie und

Psychotherapie, Ferdinandstr. 35,

& 32527214

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34 GESUNDHEIT

SCHLAU ZU HIV

Zwei oder drei Wirkstoffe?

Wirklich nachhaltig ließ sich die Vermehrung des HI-Virus im

Körper erst eindämmen, als man begann, dieses an mehreren

Stellen in seinem Replikationszyklus anzugreifen. Über

Jahrzehnte galt daher, die Therapie mit drei antiretroviralen

Wirkstoffen aus mindestens zwei verschiedenen Wirkstoffklassen

zusammenzustellen. Dieses Vorgehen stützen auch

Leitlinien zur Behandlung einer HIV-Infektion. Heute sind auch

Regime mit weniger Substanzen im Einsatz. Dazu befragten

wir Dr. Ansgar Rieke vom Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein

(www.gk.de).

Die sogenannte Dreifachtherapie hat

sich mit jahrzehntelanger Evidenz

bewährt. Was ist der Grund, eine

HIV-Infektion mit weniger als drei

Substanzen zu therapieren?

Es ist ein Stück weit eine Generationenfrage

unter den HIV-Behandlern,

wie wir auf die neuen Therapien gucken.

Jahrzehntelange Erfahrung mit der

Dreifachtherapie zeigt uns, dass wir mit

ihr eine robuste Behandlungsoption

mit wenigen Resistenzen haben. Die

Patienten werden aber auch immer

älter und das zunehmende Lebensalter

bringt klassische Zusatzerkrankungen,

fachlich Komorbiditäten genannt. Deren

Behandlung und der Trend mit Hinblick

auf die Belastung des Organismus und

zur Verringerung von Langzeitnebenwirkungen

Wirkstoffmengen zu verringern,

führte zu den Überlegungen, Therapien zu

verschlanken.

Das Ganze ist allerdings auch erst mit

den modernen Integrasehemmern

überhaupt denkbar geworden. Das sind

hochpotente Substanzen, die sehr schnell

und wirkungsvoll die Viruslast senken. So

wirksam, dass man in Studien den Versuch

wagte, sie nur noch mit einem weiteren

Wirkstoff zu kombinieren und den dritten

einzusparen. Diese Studien ergaben

keine Unterlegenheit gegenüber der

Dreierkombination. Zu ergänzen ist, dass

auch moderne Dreifachtherapien heute

bezüglich Komorbitäten gut kombinierbar

sind, da sie ohne die sogenannten Booster**

auskommen.

Welche Vorteile der Zweifachtherapie

haben sich im Vergleich zur

Dreifachtherapie gezeigt und wo

liegen ihre Limitationen?

Ein Vorteil sowohl der Zweifach- wie der

Dreifachtherapie ist die Tatsache, dass

beide als Ein-Tabletten-Regime eingesetzt

werden und somit die Adhärenz steigern

können. Für den Patienten ist es einfacher

nur eine, statt zwei oder mehr Tabletten

einzunehmen. Grenzen einer Zweifachtherapie

gibt es insbesondere bei einer gleichzeitigen

viralen Hepatitis-B-Infektion. Die

Wirkstoffe, die wir bisher haben, bieten

hier keine ausreichende Wirksamkeit.

Auch bei einer spät festgestellten HIV-

Infektion, bei der die Helferzellenzahl des

Immunsystems sehr gering ist, würde

ich persönlich eher zu einer der sehr

robusten und breit wirkenden Dreifach-

Kombinationstherapien tendieren. Die

diesbezüglich positiven Studien werden

weiter kontrovers diskutiert.

Ein letzter Punkt ist noch die gegenteilige

Situation für den Beginn einer HIV-

Therapie: der sehr frühe Beginn. Wenn wir

vor dem Eintreffen der Ergebnisse einer

Resistenztestung mit einer schnell wirkenden

Therapie beginnen, um möglichst

zeitnah unter die Nachweisgrenze zu

kommen, setzen wir aus meiner Sicht auch

noch eher auf die eben genannte robuste

Dreierkombi.

Für wen eignet sich eine Umstellung

und für wen nicht?

Wen jemand sehr stabil und lange auf

seine Therapie eingestellt ist und auf

eine Substanz verzichten möchte, ist das

ein Grund, die Therapie zu verschlanken.

Weitere Gründe können zusätzliche

Begleiterkrankungen wie eine Niereninsuffizienz

oder eine Fettstoffwechselstörung

oder andere Wechselwirkungen sein. Und

selbstverständlich Unverträglichkeiten

jeglicher Art. Das können aber umgekehrt

genauso Gründe für eine Umstellung von

einer Zweier- auf eine Dreierkombination

sein. So etwas muss aber individuell

zwischen Patient und betreuendem

Behandler besprochen werden.

*Interview: Christian Knuth

** siehe männer.media/topics/schlau-zu-hiv

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GESUNDHEIT

FOTO: ASHKAN FOROUZANI / UNSPLASH /CC0

HIV/AIDS

Mehr HIV-Neuinfektionen!

Keine gute Nachricht. Aber auch kein Grund zur Besorgnis. Jedenfalls nicht so sehr für schwule und bisexuelle

Männer*, die Sex mit Männern* haben, beziehungsweise für die, die HIV-Prävention für diese Zielgruppe betreiben.

Warum das so ist und welche dann doch äußerst besorgniserregenden Wechselwirkungen die HIV-Pandemie mit der

SARS-CoV-2-Pandemie hat, hat die Deutsche Aidshilfe (DAH) herausgearbeitet.

DEUTSCHLAND VERFEHLT

UNAIDS-ZIEL

Laut Stufenplan „Aids beenden“ von

UNAIDS, der vorsieht, Aids-Erkrankungen

bis 2030 auf null zu reduzieren, sollten

in Deutschland mindestens 90 Prozent

aller HIV-Infektionen diagnostiziert sein.

Die Zahlen des RKI lassen aber auf nur

88 Prozent schließen. Besser sieht es

bei den beiden anderen Kennzahlen

aus: 90 Prozent der HIV-Positiven

sollen nach Möglichkeit eine Therapie

erhalten – hier kann Deutschland mit

96 Prozent glänzen. Und auch beim für

die Übertragungskette so wichtigen Ziel,

90 Prozent der Behandelten unter die

Nachweisgrenze zu bringen, erreicht

Deutschland 96 Prozent.

DIE NEUINFEKTIONSZAHLEN

Laut aktuellem Epidemiologischen

Bulletin des Robert Koch-Institutes RKI

vom 26. November 2020, ist die Zahl der

HIV-Neuinfektionen in Deutschland im

Jahr 2019 nicht weiter gesunken, sondern

leicht angestiegen. Sie lag 2019 bei

2.600, das sind 100 mehr als im Vorjahr.

Bei den schwulen und bisexuellen Männern

ist die Zahl mit 1.600 Fällen konstant

geblieben, der deutliche Rückgang

der letzten Jahre hat sich allerdings nicht

fortgesetzt. Einen Anstieg auf niedrigem

Niveau gab es 2019 außerdem durch

heterosexuellen Geschlechtsverkehr bei

Männern (insgesamt 650 Neuinfektionen

in durch heterosexuelle Kontakte).

PROBLEM SPÄTE DIAGNOSE

Kaum verändert hat sich die hohe Zahl der

Menschen, die nichts von ihrer Infektion

wissen und die Zahl derer, die deswegen

an Aids oder einem schweren Immundefekt

erkranken: 10.800 Menschen lebten

Ende 2019 in Deutschland mit HIV, ohne

davon zu wissen, viele bereits seit Jahren.


GESUNDHEIT

Etwa ein Drittel der HIV-Diagnosen

erfolgt erst, wenn bereits eine schwere

Erkrankung auftritt. Leicht zugängliche

Testangebote und Testkampagnen

haben in den letzten Jahren bereits dafür

gesorgt, dass in Großstädten die Zahl der

schwulen und bisexuellen Männer, die

frühzeitig von ihrer Infektion erfahren,

gestiegen ist. Die Zahl der Spätdiagnosen

ist in dieser Gruppe gesunken. Dennoch

haben 1.100 Menschen pro Jahr Aids

bekommen oder erleiden einen schweren

Immundefekt, obwohl es vermeidbar

gewesen wäre. Denn: Je früher aber eine

HIV-Infektion erkannt wird, desto weniger

bleibende Schäden verursacht sie. Und:

Weil behandelte HIV-Positive das Virus

unmöglich weiter geben können, wird

sozusagen als Nebeneffekt die Übertragungskette

unterbrochen. Testangebote

sind ein immer wichtiger werdendes

Standbein der HIV-Prävention. Und dieses

Standbein wackelt. Wegen Corona.

„Es wäre möglich, deutlich mehr

HIV-Infektionen und schwere

Erkrankungen zu verhindern. Nun

drohen stattdessen Rückschritte und

Schäden, weil die Corona-Pandemie

Lücken bei den Testangeboten reißt.“

Sven Warminsky

vom Vorstand der DAH

CORONA VERHINDERT HIV-TESTS

Durch die Maßnahmen gegen Covid-19

sind vor allem die anonymen Testangebote

stark eingeschränkt. Die vielerorts

einzigen Testmöglichkeiten in den

Gesundheitsämtern haben aufgrund von

Überlastung zurzeit Tests auf HIV und

Geschlechtskrankheiten ausgesetzt.

Aidshilfen und die Checkpoints gleichen

diesen Mangel normalerweise teilweise

aus, aber auch ihre Testangebote sind

stark beeinträchtigt. Zusätzlich stehen

sie unter teilweise enormem finanziellen

Druck, weil ausfallende CSDs

und Fundraising-Aktivitäten

die Spendeneinnahmen

einbrechen lassen. Und

nicht nur das: Laut DAH

ist die Finanzierung

der Testangebote in

Aidshilfen in vielen

Städten gefährdet: Die

Kommunen wollen sie

im nächsten Jahr nicht

wieder zur Verfügung stellen oder

kürzen. Sven Warminsky:

„Um Aids-Erkrankungen und HIV-

Neuinfektionen weiter zu reduzieren,

dürfen keine Testangebote wegfallen,

sie müssen vielmehr weiter ausgebaut

werden. Hier stehen Länder und

Kommunen in der Verantwortung.“

HIV-NEUINFEKTIONEN VON 1975 BIS 2019

4000

3000

2000

1000

SYPHILIS-INFEKTIONEN VON 1970 BIS 2019

10000

7500

5000

2500

QUELLE: RKI

1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2019

MSM IVD Hetero

1971 1976 1981 1986 1991 1996 2001 2006

MEHR SELBSTTESTS WAGEN!

Wie Leser*innen dieses Magazins

vielleicht wahrgenommen haben, ist

eine Maßnahme, die das RKI empfiehlt,

Selbsttests stärker zu bewerben

und Angebote von Einsendetests

auszuweiten. Das Kooperationsprojekt

s.a.m health von Deutscher Aidshilfe,

Münchner Aids-Hilfe, Labor Lademannbogen

und ViiV Healthcare ist

inzwischen deutschlandweit

verfügbar und ermöglicht es

erstmals jedem in einem

selbstgewähltem Rhythmus

einen Test auf HIV,

Syphilis, Chlamydien und

Gonorrhö (Tripper) bequem

zuhause durchzuführen. Die

Ergebnisse gibt’s per Telefon/

SMS und das ganze ist ab 32

Euro unschlagbar günstig zu haben.

www.samhealth.de

FOTO: FREEPIK

PREP FÜR ALLE!

Die medikamentöse HIV-Prophylaxe

PrEP muss nach Ansicht der DAH noch

bekannter und vor allem allen Menschen

zugänglich gemacht werden, für die sie

in Frage kommt. Rund 17.500 Menschen

Gesamt Männer Frauen

QUELLE: RKI

2011 2016 2019

Die Steigerungen bei den Syphiliszahlen lassen viel Platz für Interpretation.

Mehr dazu unter männer.media/gesundheit!

nutzen nach DAH-Schätzungen bisher

diese Schutzmethode. Das ist ein Erfolg,

doch es könnten noch deutlich mehr sein.

In kleineren Städten und ländlichen Regionen

gibt es teilweise keine Möglichkeit, sich

die PrEP verschreiben zu lassen. Und so

vermerkt auch das RKI in seinem Bulletin,

dass ein Effekt der PrEP auf die Neuinfektionszahlen

bisher nicht nachzuweisen ist.

Deshalb kommentiert die DAH:

„Wir haben auf einen weiteren

Rückgang der Zahlen gehofft.

Immerhin zahlen seit letztem Jahr die

Gesetzlichen Krankenkassen für die

HIV-Prophylaxe PrEP und immer mehr

Menschen mit HIV erhalten früh eine

Therapie. Doch die Möglichkeiten der

Prävention in Deutschland werden

bisher nicht voll ausgeschöpft. Es ist

dringend an der Zeit, alle wirksamen

Methoden auch allen Menschen mit

HIV-Risiken anzubieten.“

2021 wird zeigen, ob und wie der

erfolgreiche deutsche Weg in der HIV-

Prävention fortgesetzt wird. Gefordert

sind alle, denn HIV ist und bleibt eine

gesamtgesellschaftliche Aufgabe. *ck


GESUNDHEIT

INTERVIEW

FOTO: JANDRO SAAYMAN / UNSPLASH / CC0

Kongress:

Pandemie gestern und heute

Der 10. Deutsch-Österreichische Aids-Kongress wird zwischen dem 25. und 27. März 2021 #ausGründen

erstmals auch digital stattfinden. Das verstärkt die Öffnung des Kongressprogramms Richtung Community

selbstverständlich noch einmal. Wir fragten bei Kongresspräsident Professor Christian Hoffmann und Silke

Klumb (Geschäftsführerin Deutsche Aidshilfe) nach, was interessierte Leser*innen erwartet.

Warum ist der DÖAK aus Ihrer

Sicht auch für die Leser*innen

dieses Magazins einen (digitalen)

Besuch wert?

Prof. Hoffmann: Das Programm des

DÖAKs wird ja mittlerweile nicht nur

von Wissenschaftler*innen konzipiert.

Traditionell sind die Deutsche Aidshilfe

sowie Mitglieder der Community in die

Organisation eingebunden. Da liegt es

auf der Hand, dass auch viele Themen,

die über rein medizinische und reine

HIV-Themen hinausgehen, zur Sprache

kommen werden.

Welchen Stellenwert hat der Kongress

aus Sicht der DAH in Sachen

Prävention? Passt ein Fachkongress

zum Konzept niedrigschwelliger

Ansprache?

Silke Klumb: Auch ein Kongress

wie der DÖAK kann niedrigschwellig

werden, wenn Community auf allen

Ebenen beteiligt wird – das ist ein

wichtiges Grundprinzip, das auf dem

DÖAK umgesetzt wird. Für gelingende

Prävention ist die Kommunikation zwischen

Ärzt*innen, Präventionist*innen,

Selbsthilfeaktivist*innen und

Sozialwissenschaftler*innen unerlässlich:

der Abbau von Diskriminierung insbesondere

im Gesundheitswesen ist eine

zentrale gemeinsame Aufgabe, an der


GESUNDHEIT

Wie beteiligt sich die HIV-Community am Kongress?

„Durch das Community-Board

(CB), das den Kongress mit vorbereitet

und in allen wichtigen

Gremien vertreten ist, wird die

Beteiligung der HIV-Community

vorangetrieben. Dabei wird

versucht im CB möglichst

viele Aspekte und Seiten der

Community zu vertreten und

sichtbar zu machen und sie

gegebenenfalls mitzudenken.

Die entsprechenden Anliegen

werden dann in die Gremien

gebracht und es wird versucht,

sie im Kongressprogramm zu

platzieren. So bringen wir die

Perspektive der HIV-Community

nicht nur in den Community-

Board-Workshops, sondern

möglichst durchgehend im

gesamten Programm unter. Wir

sind bestrebt, Vertreter*innen

der Community an möglichst

vielen Stellen, wie Chairs, bei

Vorträgen und so weiter zu

besetzen.“

HIV-Aktivist Christoph Schaal-

Breite sitzt auch 2021 im

Community-Board des DÖAK

wir dringend zusammen weiterarbeiten

müssen. Und am Beispiel der PrEP zeigt

sich, wie wichtig eine enge interdisziplinäre

Zusammenarbeit zwischen allen

Beteiligten ist, um einen niedrigschwelligen

Zugang zu ermöglichen. Darüber

müssen wir reden!

Auf welche Schwerpunkte freuen

Sie sich besonders?

Prof. Hoffmann: Ich freue mich auf

die sicherlich zahlreichen Beiträge zu

HIV und COVID-19 – ein Thema, das

uns sicher derzeit alle in Beschlag hält

und wo noch viele Fragen offen sind.

Persönlich freue ich mich aber vor allem

über den Eröffnungsvortrag durch Hans

Jäger aus München, einem Pionier in

Deutschland. Ende März 2021 werden

die ersten Berichte zu HIV fast genau 40

Jahre zurückliegen. Sicher eine

gute Gelegenheit, zurück

zu schauen. Andererseits

wird Hans Jäger, so wie

ich ihn kenne, sicher

auch visionär nach

vorne blicken.

Silke Klumb:

Neben den sicherlich

spannenden

Plenarvorträgen ist

der Schwerpunkt zu

Sexualität besonders

spannend – von ChemSex

über Sexualität leben mit der

aktuellen großen Studie „Gesundheit

und Sexualität in Deutschland“ bis zu

einem Community-Workshop „Positive

Sexualität“. Dann werden die ersten

Ergebnisse der Studie „positive stimmen

2.0“ zu Diskriminierung von Menschen

mit HIV präsentiert werden, die aktuell

durchgeführt wird. Auf diese neuen

Daten – nach der ersten Erhebung 2021

– sind wir sehr gespannt. Wir werden

diskutieren, wie wir alle gemeinsam

weiter gegen Diskriminierung vorgehen

und diskriminierungsarme Verhältnisse

schaffen können. Dazu wird auch die

Vorstellung der Kampagne „selbstverständlich

positiv“ einen wichtigen

Beitrag leisten.

Corona und HIV wird zwangsläufig

ein Querschnittsthema des DÖAK

2021. Wo sehen Sie hier den größten

Diskussionsbedarf?

Prof. Hoffmann: Wir wissen immer

noch nicht genug über die Koinfektion

HIV/COVID-19 und mögliche schwere

Verläufe. Welche Rollen spielen die

Helferzellen? Und vor allem: Wie sicher

sind die Impfungen? Die meisten

Großen Impf-Studien haben HIV-

Patienten zunächst von der

Teilnahme ausgeschlossen.

Mittlerweile hat sich

das auf Druck einiger

Patientengruppen in

den USA zum Glück

geändert, allerdings

sind weiterhin fast

immer ausgerechnet

die schwer immunsupprimierten

Patienten

ausgeschlossen

– ich fürchte, mit diesen

Patienten, die die Impfung

vermutlich am dringendsten

benötigen, wird das ein großer Feldversuch

im nächsten Jahr. Darüber muss

geredet werden! Mit Frau Marylyn Addo

aus Hamburg haben wir außerdem eine

der führenden Impfforscherinnen für

einen Plenarvortrag gewinnen können.

Silke Klumb: Für mich ist die zentrale

Frage: Was kann aus der HIV-Epidemie

gelernt werden für die Bewältigung der

OTO: JOHANNES BERGER

Covid-19-Pandemie, insbesondere aus

Präventionssicht? Wie kann verständlich

und glaubwürdig kommuniziert werden?

Wie können verschiedene Gruppen,

insbesondere die, die aktuell als „Risikogruppen“

bezeichnet werden, beteiligt

werden an Entscheidungen, die ihr

Leben elementar betreffen?

Schafft Deutschland die UNAIDS-

Ziele?

Silke Klumb: Deutschland hat das

zweite und dritte der UNAIDS-Ziele

bereits erreicht, das ist sehr gut. Auch

das erste Ziel kann erreicht werden,

wenn es gelingt, weiterhin niedrigschwellig

Zugang zu Beratung und

Testangeboten zu schaffen. Dazu gehört

insbesondere, Menschen die Angst vor

dem Leben mit HIV zu nehmen, Diskriminierung

und Stigma abzubauen. Es

lohnt sich, den eigenen HIV-Status zu

kennen – ein langes und gutes Leben mit

HIV ist möglich. Mit großer Sorge sehen

wir aktuell den Rückgang von HIV-Beratungs-

und Testangeboten angesichts

der COVID-19-Pandemie, sei es aufgrund

der Überlastung der Gesundheitsämter,

sei es aufgrund von eingeschränkten

Angeboten aufgrund der Hygieneanforderungen,

sei es mangels Finanzierung.

Gleichzeitig beobachten wir eine moralische

Verurteilung von Sexualität jenseits

heteronormativ gelebter monogamer

Beziehungen. Sexualität wird verdrängt,

Community-Strukturen sind in Gefahr,

für immer zerstört zu werden. Das kann

nicht zuletzt auch negative Folgen für

die Erreichung der UNAIDS-Ziele haben.

*Interview: Christian Knuth

25. – 27.3., 10. Deutsch-Österreichischer

Aids-Kongress, www.sv-veranstaltungen.de


GESUNDHEIT

MASTURBATION

Spaß für Dich!

Männer masturbieren. Nicht nur die, klar,

aber eben alle, der Rest lügt. Und hier gibt

es etwas für den Mann, der Lust verspürt,

das auch chic aussieht.

„Arcwave Ion“ sei der weltweit erste

„Pleasure Air Stroker“ und verspricht so

eine völlig neue Art der Masturbation, mit

intensiveren und abwechslungsreicheren

Höhepunkten. 2017 entstand in einem Berliner

Sex-Tech-Labor die Idee zu Arcwave,

einer Marke für die sexuellen Bedürfnisse

des Mannes. Die Mission: Die männliche

Masturbation auf ein neues Level zu heben

und die Sextoy-Industrie zu revolutionieren.

Die Arcwave-Entwickler*innen haben die

schon bei Produkten für Frauen erfolgreiche

patentierte Pleasure Air Technologie für

das männliche Geschlecht optimiert.

Dazu brauchte es unter anderem über ein

Dutzend Prototypen, stärkere Luftwellen

und eine größere Oberflächenstruktur. Das

Ergebnis: aufregendere, abwechslungsreichere

und intensivere Orgasmen.

Wie das geht? Arcwave stimuliert das Frenulum

mit pulsierenden Luftwellen und startet

die Stimulation dank der Smart Silence

Technologie erst bei Hautkontakt. Das softe

und flexible Silikon in Kombination mit

Pleasure Air passt sich jedem Penis an – egal

welche Größe und ob beschnitten oder nicht.

Die edle Storage Base lädt und trocknet das

Produkt nach der Reinigung gleichzeitig dank

des integrierten DryTech Stick.

www.arcwave.com


GESUNDHEIT

INTERVIEW

Nichts ist für

die Ewigkeit

Dr. Steffen Schirmer ist Chefarzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive

Mikrochirurgie am St. Marien-Krankenhaus in Berlin. Seit Juni 2020 berät und

behandelt er auch Patienten in der PRAXIS GOLDSTEIN am Winterfeldtplatz. Wir

sprachen über Schönheit, Verjüngungskuren und darüber, wann zu viel zu viel ist.

FOTO: DIAGO MARIOTTA MENDEZ

Sind Männer eitler als Frauen?

Ich denke nicht, dass Männer grundsätzlich

eitler sind als Frauen, aber es gibt Männer,

die sehr viel Wert auf ihr Äußeres legen oder

mehr perfektionistisch veranlagt sind. Mit

den Eitelkeiten hält es sich aber eher die

Waage und es ist immer sehr individuell.

Mit was für Wünschen und Vorstellungen

kommen Männer zu dir?

Viele Männer wissen schon sehr genau,

was sie an sich verändern lassen wollen.

Ein frischer Look und erholtes Aussehen

sind für sie wichtig im Alltag. Man möchte

nicht verbraucht erscheinen oder die

Müdigkeit angesehen bekommen. Viele

lassen sich mit einer Plasmabehandlung

die Haut etwas verjüngen, gerade um die

Augen herum. Es kommt sehr auf die

Altersstruktur und die Beschaffenheit der

Haut an. Bei ersten Falten kann man super

mit Botox arbeiten. Andere haben einen

zunehmenden Verlust des Unterhaut-

Fettgewebes. Das Gesicht wirkt dann wie

eingefallen, wobei es sich aber um einen

natürlichen Alterungsprozess handelt. Es

kommen Patienten von Mitte 20 bis 60

Jahren zu mir.

Mit Mitte 20? Ist das nicht ein wenig

jung?

Man kann auch mit Mitte 20 bereits etwas

machen, ob man das allerdings sollte, ist

von Patient zu Patient unterschiedlich.

Die Erbanlagen spielen eine große Rolle.

Manche haben mit Mitte 20 mehr Falten als

jemand mit 40 Jahren. Aus dem Grund sind

Botox-Behandlungen, Therapie mit Plasma

oder eine Vergrößerung von als zu klein

empfundenen Lippen auch bei jüngeren

Männern keine Seltenheit.

Was ist die Plasma-Therapie?

Die Plasma-Therapie, auch PRP genannt, ist

etwas sehr Natürliches, weil der Wirkstoff

aus dem eigenen Körper gewonnen wird.

Es ist Plasma, welches mit Thrombozyten

(Blutplättchen) angereichert ist. Diese Blutbestandteile

werden durch Zentrifugieren

getrennt und dann in die betroffenen

Stellen injiziert. Man regt damit auch die

Kollagen-Produktion der Haut an. Die

Behandlung mit PRP ist schmerzarm und

eignet sich auch bei Haarausfall, solange

noch Haarfollikel vorhanden sind. Die PRP

unterstützt die Haar-Regeneration, wenn

es also dünner wird, kann man es in einem

bestimmten Rhythmus (ca. sechs Wochen)

behandeln, um das Haarwachstum

anzuregen. Ich empfehle, es jedes halbe

Jahr auszuprobieren und zu sehen, ob der

gewünschte Effekt eintritt.

Botox hingegen ist ein hervorragendes

Medikament, welches zur Faltenbehandlung

genutzt wird. Hyaluronsäure wird als

Filler verwendet, da es ein Fremdmaterial

ist, welches in den Körper injiziert wird.

Diese Art von Filler wird angewandt, wo

Volumen ersetzt werden soll, etwa in den

Lippen.

Wie lange halten die Anwendungen?

Nichts ist für die Ewigkeit, der Alterungsprozess

wird ja nicht gestoppt. Die

Schwerkraft ist nach wie vor da und alles

wird nach unten gezogen. Bei Botox geht

man von vier bis sechs Monaten aus, je

nach Beschaffenheit der Haut und wie

stark die Muskulatur ist. Die Wirksamkeit

von PRP tritt nach etwa zwei Wochen ein.

Nach der Anwendung ist man aber nicht

sofort gesellschaftsfähig. Bei Botox ist das

anders, denn man sieht die Einstiche nicht.

PRP, Botox und Filler bietest du

auch in der Praxis Goldstein an,

größere Operationen im St. Marien-

Krankenhaus, richtig?

In der Praxis berate ich kostenlos und

unverbindlich. Wenn wir dann beim Befund

eher eine operative Indikation feststellen,

würden wir den Eingriff im Krankenhaus

vornehmen, inklusive der Narkosebesprechung.

Zu operativen Eingriffen gehören die

Augenlid- sowie Bauchdecken-Straffung,

Facelifts, Fettabsaugung und auch Lipofilling,

wo Fett von einer Stelle an die andere

transferiert wird.

Wann sagst du als Arzt Stopp, weil

du Eingriffe nicht mehr vertreten

kannst?

Es gibt Befunde, die man nicht deutlich

optomieren kann. Man muss also realistisch

einschätzen können, was zu verbessern ist,

und mit dem Angebot dieser Verbesserungen

auch mitteilen, welche Komplikationen

auftreten können. Wenn ich einschätze,

dass keine Optimierung möglich ist, mache

ich es auch nicht. Patient und Arzt müssen

sich unterhalten, wie und ob was machbar

ist, und sich dann auch einig sein.

*Interview: Ernesto Klews

Dr. Steffen Schirmer in der PRAXIS GOLD-

STEIN, Maaßenstr. 14, Berlin

www.drsteffenschirmer.com

info

PRP-Plasma-Therapie: PRP steht für

„platelet-rich plasma“ oder „plättchenreiches

Plasma“, welches reich an

Blutplättchen (Thrombozyten) ist und

unter die Haut injiziert wird.

Botox: Botulinumtoxin ist ein

Nervengift bzw. Protein. Es wird von

verschiedenen Stämmen der Bakterienspezies

Clostridium botulinum

gebildet. Die Substanz wird in die

Gesichtsmuskeln injiziert, um Falten so

zu glätten. Botulinumtoxin verhindert

den Austausch von Signalen zwischen

Nervenendung und Muskel. Dies

verhindert Muskelkontraktionen, die für

die Faltenbildung verantwortlich sind.

Hyaluronsäure: Hyaluronsäure kommt

natürlich im Körper vor. Sie ist ein

wichtiger Bestandteil verschiedener

Bindegewebsarten. Besonders zeichnet

sich die Hyaluronsäure dadurch

aus, dass sie sehr große Mengen

Wasser an sich binden kann.


GESELLSCHAFT

INTERVIEW

FOTOS: BEIERSDORF

AUSGEZEICHNET:

Du selbst sein bei Beiersdorf

Unser Interview mit dem

„Vice President, Global NIVEA

Brand & Design“ über das von ihm

gegründete und durch PROUT AT

WORK mit dem „Rising Star Award

2020“ ausgezeichnete queere

Mitarbeiter*innennetzwerk „Be You

@ Beiersdorf“.

Diversity wird auch in deutschen

Unternehmen immer häufiger als integrale

Bestandteil der Firmenphilosophie begriffen

und sogar als Wachstumsfaktor wahrgenommen.

Zurecht: Ende 2020 konnten

Analysten der Investmentbank Credit Suisse

in der Studie „The LGBT 350“ belegen,

dass Betrieben, die proaktiv für Diversity

eintreten und einen LGBTIQ*-Gleichstellungsansatz

verfolgen, gemessen an ihrer

Aktienkursentwicklung, überdurchschnittlich

erfolgreich sind. Anleger, die darauf

achteten, haben demnach in den vergangenen

zehn Jahren jährlich vier Prozent mehr

Rendite im Vergleich zum Gesamtmarkt

erzielt. Die Vorteile einer queerinklusiven

Unternehmensphilosophie liegen laut Credit

Suisse einerseits darin, Talente anzuziehen

und als Mitarbeiter*innen zu halten sowie

queere Kunden zu gewinnen. Die weltweite

jährliche Kaufkraft der LGBTIQ*-Community

wird von den Studienmachern auf bis zu

5,6 Billionen US-Dollar geschätzt.

Als Szenemagazin begleiten wir diesen

Prozess bereits seit Jahren proaktiv und

stellen immer wieder Macher*innen vor, die

die Regenbogenfarben in die Unternehmen

der Republik bringen. Im Falle von Ralph

Zimmerer ist dies sogar auf einem der

bekanntesten Pflegeprodukte der Welt

sichtbar geworden.

„Be You @ Beiersdorf“ bedeutet,

jede*r kann sich als Mitarbeiter*in bei

euch so verwirklichen, wie er selbst

ist?

Die Idee dahinter ist wirklich, dass wir

wollen, dass jede*r, also er, sie, sier, zur Arbeit

kommt und sich verwirklichen kann und das

wahre Ich auch zeigen kann. Der Gedanke

dahinter ist natürlich bis zu einem gewissen

Grad auch ein geschäftlicher. Es gibt sehr

viele Untersuchungen, dass diverse Teams

und auch Firmen, die das fördern, erfolgreicher

sind. Von daher ist es beides: ein

genereller Anspruch an den Menschen, sich

selbst wirklich einbringen zu können, um

sich auch weiterzuentwickeln, aber auch,

um dem Geschäftserfolg zu helfen.

Ihr habt die Charta der Vielfalt

unterzeichnet. Wann und was wollt

ihr damit signalisieren?

Dass wir uns für Vielfalt einsetzen und

dass wir das als Unternehmen vorantreiben

wollen.

Und manchmal kommt es ja auch auf

die Verpackung an. Ihr habt dieses

Jahr diese Regenbogendose gehabt.

Wie kam das an?

Das kam super an. Es war ein ganz großer

Erfolg. Es wurde auch sehr, sehr breit in den

Markt gebracht. Auch digital unterstützt.

Und wir hatten wirklich sehr positives

Feedback der Leute. Und interessant in

zwei-, dreierlei Hinsicht: Es gab Leute, die

fanden es super, weil sie verstehen was

das heißt. ‚Ach, so eine Regenbogendose

von NIVEA. Das heißt, NIVEA kümmert

sich wirklich um Vielfältigkeit um LGBTIQ*‘.

Manche Leute haben es sich erklären

lassen. Wir haben so einige Anekdoten,

von einer älteren Dame beispielsweise,

die dann über die Tochter oder Enkelin

herausgefunden hat, um was es da geht.

Die fand das eigentlich gar nicht so toll, das

Thema. Hat sich aber dann gesagt, ‚wenn

NIVEA das propagiert, wird das schon okay

sein‘. (lacht)

Die dritte Gruppe sind die, die gar nicht

wissen, worum es geht. Die fragen dann:

‚Was ist denn diese Regenbogen Sache?

Das sehe ich immer und überall. Ich weiß

gar nicht, was das ist.’ Und da ist das dann

einfach Aufklärungsarbeit.

*Interview: Ulli Pridat I Transkription/

Redaktion: Christian Knuth

Auf männer.media erzählt Ralph Zimmerer,

ob es die Regenbogen-NIVEA in

Zukunft auch in Polen gibt und wie das

Netzwerk „Be You“ entstanden ist.


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GESELLSCHAFT

RELIGION

Bremer Pastor wegen

Volksverhetzung verurteilt

FOTO: M. RÄTZ

8.100 Euro Strafe verhängte

die vorsitzende Richterin Ellen

Best am Bremer Amtsgericht gegen

den Pastor der örtlichen evangelischen

St.-Martini-Gemeinde.

Olaf Latzel hatte Homosexualität

bei einer Kirchenveranstaltung als

„Degenerationsform der Gesellschaft“ und

CSD-Besucher*innen als „Verbrecher“ und

„todeswürdig“ bezeichnet.

Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe

von drei Monaten, umgewandelt zu einer

Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 90

Euro, was insgesamt 8.100 Euro macht.

Damit blieb es unter der Forderung der

Staatsanwaltschaft, die eine Strafe von vier

Monaten verlangt hatte. Die Verteidigung

hatte auf Freispruch plädiert. (AZ: 96 Ds

225 Js 26577/20) Erleichterung beim CSD

und in Kirchenkreisen: Für die Bremische

Evangelischen Kirche (BEK) äußerste sich

Schriftführer Pastor Bernd Kuschnerus

gegenüber buten un binnen „zutiefst

betroffen“ darüber, dass „ein Pastor unserer

Kirche wegen Volksverhetzung verurteilt

worden ist“. Das lesbische Pastorinnenehepaar

von Anders Amen ** unterbrach

sogar seinen Mutterschaftsurlaub. Ellen

Radtke sendete uns einen überraschten

Kommentar, denn mit einer Verurteilung

hatte sie nicht gerechnet. „Es ist gut, dass

Pastor Olaf Latzel für die Aussagen, die

er getätigt hat, auch tatsächlich verurteilt

worden ist. {...} Wir freuen uns darüber!

Denn: Die Aussagen die er getätigt hat,

sind nicht ‚einfach biblische’ Aussagen.“

Der Bremer CSD Verein war einer der

ersten, der nach Bekanntwerden der

Hetzrede Strafanzeige bei der Polizei

gegen Latzel stellte. Er begrüßt in einer

Stellungnahme das Urteil.

„Auch wenn die Verteidigung bereits

Rechtsmittel bis zum Bundesverfassungsgericht

angekündigt hat, so

beweist das Urteil ganz eindeutig, dass

es sich nicht einfach um die Befindlichkeiten

von queeren Menschen handelt,

sondern um Volksverhetzung und ein

vergiftetes Klima.“

Robert Dadanski,

Pressesprecher und Vorstand

WIE GEHT ES WEITER?

Olaf Latzel hat legte umgehend

Rechtsmittel gegen das Urteil ein. Der

Kirchenausschuss der BEK entschied

dementsprechend, dass das Disziplinarverfahren

weiterhin ausgesetzt wird.

Allerdings wurde auch beschlossen, Latzel

vorläufig des Dienstes zu entheben, bzw.

mit ihm eine Einigung zu erzielen:

„Es ist nach unserer Überzeugung

nicht möglich, dass ein Pastor, der von

einem Gericht der Bundesrepublik

Deutschland wegen Volksverhetzung

verurteilt worden ist, während der

Dauer des Disziplinarverfahrens weiter

seinen Dienst tut. {...} Eine Ausübung des

Dienstes während dieser Zeit würde die

Glaubwürdigkeit der Wahrnehmung des

kirchlichen Dienstes und das Ansehen

der Bremischen Evangelischen Kirche in

der Öffentlichkeit schwer beschädigen.

Der Kirchenausschuss bittet die

Menschen, denen durch die Äußerungen

von Pastor Latzel Leid und Unrecht

zugefügt wurde, um Verzeihung.“

Wir berichten fortlaufend auf

männer.media! *ck

BEK-Schriftführer,

Pastor Dr. Bernd Kuschnerus

** Anders Amen, das ist ein lesbisches

Pastorinnenpaar, Steffi und Ellen Radtke,

welches mit intelligenten YouTube-

Beiträgen, queerem Witz und viel Charme

für queere Sichtbarkeit und auch für die

Verbreitung christlicher Gedanken sorgt.


FILM

INTERVIEW

KATE WINSLET:

„Wunderschöne Romanze“

Dreißig Jahre ist es her, dass

Kate Winslet ihre Karriere als

Teenager im britischen Fernsehen

begann. Der Durchbruch kam 1994

mit „Heavenly Creature“, gefolgt

von „Sinn und Sinnlichkeit“ und

natürlich „Titanic“. Später war die

Engländerin in Filmen wie „Iris“,

„Vergiss mein nicht!“, „Little Children“

oder „Contagion“ zu sehen, für „Der

Vorleser“ wurde sie mit dem Oscar

ausgezeichnet. Nun spielt sie eine der

beiden Hauptrollen im Historienfilm

„Ammonite“ (voraussichtlich ab dem

21. Januar in deutschen Kinos), dem

neuen Werk des schwulen Regisseurs

Francis Lee („God’s Own Country“).

Wir konnten die 45-Jährige anlässlich

dieser im 19. Jahrhundert spielenden

lesbischen Liebesgeschichte via

Zoom interviewen.

Miss Winslet, Sie spielen in

„Ammonite“ die Fossiliensammlerin

Mary Anning, die es wirklich

gegeben hat. Wie viel wussten Sie

über diese Frau?

Den Namen Mary Anning hatte ich zwar

schon gehört, aber eigentlich wusste ich

kaum etwas über sie. Vor allem hatte

ich keine Ahnung, was sie letztlich aus

wissenschaftlicher Sicht alles geleistet hat.

Ich musste ordentlich recherchieren, was

natürlich dadurch erschwert wurde, dass

über sie längst nicht so viel geschrieben

wurde wie über ihre männlichen

Zeitgenossen.

Wie haben Sie sich denn auf die

Rolle vorbereitet?

Sie meinen, außer dass ich wochenlang

an den Stränden Südwestenglands nach

Fossilien gesucht und Steine aufgeklopft

habe? Ich hatte glücklicherweise Zugang

zu ein paar ihrer echten Tagebücher.

Das fand ich enorm hilfreich, schon

weil ich mir größte Mühe geben wollte,

ihre Handschrift so gut wie möglich zu

kopieren. Vor allem aber fand ich es wichtig

zu sehen, welch enge Beziehungen Mary

zu den Frauen in ihrem Leben pflegte. Sie

hat nie aufbegehrt gegen das patriarchale

Gesellschaftssystem, in dem sie gefangen

war, und hat immer akzeptiert, dass ihre

wissenschaftliche Brillanz nie so anerkannt

wurde wie die von Männern. Da war sie

bemerkenswert geduldig und klaglos. Aber

gleichzeitig waren immer andere Frauen

ihre engsten Vertrauten und Verbündeten.

Im Film entwickelt sich eine

Liebesbeziehung zwischen Anning

und der jüngeren Charlotte

Murchison. Die ist aber nicht

verbürgt, oder?

Nein, sicher ist nur, dass Mary mit

Charlotte und ihrem Mann befreundet

war. Vieles spricht auch dafür, dass sie die


FILM

beiden in London besucht und eine Weile

bei ihnen gewohnt hat. Wobei sie wohl

in ihrem ganzen Leben ihren Küstenort

nur zweimal verlassen hat und nach

London gefahren ist. Auch in „Ammonite“

ist der Aufbruch in die Großstadt für sie

eigentlich eine viel größere Sache als die

intime Beziehung zu Charlotte. Letztere

ist viel eher eine Selbstverständlichkeit.

Angeblich haben Sie die Rolle

sofort angenommen, nachdem

Sie das Drehbuch gelesen hatten.

Entscheiden Sie sich immer so

impulsiv?

Kann man so nicht unbedingt sagen.

Obwohl ich viele meiner beruflichen

Entscheidungen schon recht instinktiv

treffe, aus dem Bauch heraus. Im Fall von

„Ammonite“ merkte ich einfach gleich,

dass ich es schwer aushalten würde,

jemand anderen in dieser Rolle zu sehen.

Ich fühlte sofort Besitzansprüche dieser

Mary Anning gegenüber. Und ich hatte

einfach noch nie so ein Drehbuch gelesen.

Sie meinen die Liebesgeschichte

dieser beiden Frauen?

Ja, auch. Ich finde es sehr wichtig, LGBTQ-

Geschichten stärker in den Mainstream

zu holen, und die zarte, wunderschöne

Romanze zwischen Mary und Charlotte ist

wirklich etwas Besonderes. Nicht zuletzt,

weil sie ohne Zögern, Geheimhaltung oder

Angst auskommt. Es wäre doch toll, wenn

das Publikum häufiger Geschichten über

Menschen aus der LGBTQ-Community

und ihre Beziehungen im Kino zu sehen

bekommt. Und vor allem möglichst

verschiedene. Unserem Regisseur Francis

Lee ist da wirklich etwas sehr Spezielles

gelungen, und mir war es eine große Ehre,

ein Teil dieser tollen Geschichte zu sein.

Die Sexszenen haben Sie und Ihre

Kollegin Saoirse Ronan selbst

choreografiert. Was war Ihnen dabei

wichtig?

Wir sind nun einmal beide Frauen,

deswegen lag es nahe, dass wir die

intimen Momente zwischen zwei

Frauen in die eigenen Hände nehmen.

Wir wollten, dass diese Szenen

wirklich authentisch aussehen und

diesen Frauen und ihrer Geschichte

wirklich gerecht werden. Uns ging

es um Leidenschaft auf Augenhöhe,

zwischen zwei Menschen, die eine

echte Verbindung zueinander spüren.

Vor allem wollten wir nicht, dass diese

Sexszenen irgendwie reißerisch oder

plakativ wirken. Viel zu oft fehlt solchen

Szenen zwischen zwei Frauen oder zwei

Männern die Selbstverständlichkeit

und Normalität, mit der heterosexuelle

Sexszenen gedreht werden. Da wollten

wir gegensteuern. Nicht dass unser

wunderbarer Regisseur Francis Lee, der

uns immer unglaublich viel Vertrauen

entgegenbrachte und ein Gefühl von

Sicherheit schuf, das irgendwie auf

fragwürdige Weise gemacht hätte. Aber

es war wirklich eine schöne Erfahrung,

gemeinsam mit Saoirse in diesem Fall

selbst die Zügel in der Hand zu haben.

Mit etwas Glück gehen Sie mit

„Ammonite“ mal wieder ins Rennen

um den Oscar. Gewonnen haben Sie

den wichtigsten Filmpreis der Welt

ja schon 2009. Sind Ihnen solche

Ehrungen also überhaupt noch

wichtig?

Oh, glauben Sie mir, solche Preise sind

für uns Künstler immer wichtig. Und

etwas ganz Wundervolles. Davon träumt

man natürlich. Selbst wenn man schon

so lange dabei ist wie ich und bei vielen

solcher Veranstaltungen dabei war, hat

man das nie über. Ich habe natürlich

keine Ahnung, wie die Oscar-Verleihung

und all die anderen Events dieser Art

in den Wochen davor 2021 stattfinden

und aussehen werden. Aber gerade im

Moment ist es doch wichtiger denn je,

künstlerische Leistungen zu feiern und

stolz auf unsere Branche zu sein. Wenn

wir mit „Ammonite“ ein kleiner Teil davon

sein können, würde mich das sehr freuen.

*Interview: Jonathan Fink


FILM

STREAMING

FOTO: SALZGEBER

„MOFFIE“ in der Queerfilmnacht

Bundesweit ist ab dem 1. Januar der neue

Salzgeber-Film „Moffie“ als VoD zu sehen.

Er spielt Anfang der 1980er in Südafrika,

ein Land, geteilt durch Rassismus, Apartheid

und den Grenzkrieg zu Angola.

Der junge weiße und schwule Nicholas

van der Swart muss seinem Land dienen,

gegen den Kommunismus und die

„schwarze Bedrohung“ kämpfen. Niemand

weiß, dass er schwul ist, käme dies raus,

hätte er als Moffie ein hartes Leben. Das

damalige Regime war nicht nur gegen

Schwarze, es war auch ganz klar gegen

Schwule. Doch gegen seine Gefühle

für den Kameraden Dylan kann er nicht

ankämpfen ...

„In den vergangenen zwanzig Jahren sind

viele Geschichten über das Apartheidsystem

erzählt worden und über die Leben,

die es ruinierte, die Helden, die es hervorbrachte,

und den Zoll, den es dem Erbe des

südafrikanischen Volkes abverlangte. Doch

hier geht es um einen komplexeren Aspekt

– die verborgene Geschichte der weißen

Männer, die die Propagandamaschinerie

der Apartheid ertragen mussten“, so der

Regisseur Oliver Hermanus über seinen

Film. Lohnt sich! *rä

„queerfilmnacht goes online“: Ab 1.1.21

als Video on Demand im Salzgeber Club,

www.salzgeber.de

DVD

Ich bin Anastasia

FOTOS: WWW.MISSINGFILMS.DE

Bei missingFILMS erschien vor einigen

Wochen ein ungewöhnlicher

Film über einen ungewöhnlichen

Menschen: „Ich bin Anastasia“

über Frau Oberstleutnant

Anastasia Biefang. Der

Film von Thomas Ladenburger

über die ersteTrans*

in der Geschichte der

Bundeswehr ist ein höchst

wichtiges und informatives,

intimes und sympathisches

Porträt geworden, das

keine der 95 Minuten

Dauer langweilt. Er begleitet

Anastasia bei ihrem

Transitionsprozess zur Frau

und verfolgt ihren Dienstantritt als

Kommandeurin. „Meine Transsexualität

trieb mich schon seit den

späten Teenagerjahren um, auch

wenn ich es damals nicht mit diesem

Begriff bezeichnete. [...] Meine

sexuelle Orientierung als bisexueller

Mensch, also die Bestimmung

meiner geschlechtlich-sexuellen

Orientierung, war mein erstes

geschlechtliches Thema. Bis ich

kapierte, dass ich Frauen und

Männer gleichermaßen sexuell

attraktiv und begehrenswert

empfinde, dauerte es schon einige

Zeit. Die Frau in mir rauszulassen

war schwierig. Ich empfand es

zunächst als falsch und schämte

mich“, verriet uns das mutige Role

Model einmal im Interview über

ihren Weg. *rä

www.missingfilms.de


ody & beauty /// katie melua

Europas. Fünf Alben und zahlreiche Auszeichnungen später erscheint in diesem Jahr ihr achter Longplayer.

048 ///

Interview: Felix Just

GLÜCKWUNSCH ZU DEINEM ACHTEN STUDIO-

ALBUM! OBWOHL DU SCHON IN DER VERGAN-

GENHEIT DEINE EIGENEN TEXTE GESCHRIEBEN

HAST, IST DAS DEIN ERSTES ALBUM, AUF DEM

ALLE SONGS DEINE HANDSCHRIFT TRAGEN.

BIST DU EXTRA STOLZ?

Es ist auch mein allererstes Album ohne Coversongs!

Meine Co-Autoren und ich haben zehn völlig neue

Songs geschrieben. Es hat wahnsinnig viel Spaß

gemacht. Was mich schon immer interessiert hat, ist

das Ungleichgewicht von Musik und Zeile. Wer hat

eigentlich entschieden, dass Musiktexte simpel sein

müssen? Als ich mal mit einem absolut genialen Autor

zusammensaß und an einem Song schrieb, meinte er

zu mir, dass die Worte keine Bedeutung hätten. Und

ich fragte ihn: „Wie kann es sein, dass die Worte keine

Bedeutung haben? Sie sind das Wichtigste an einem

Lied.“ Er erinnerte mich an die Songtexte der Beatles

und welchen Erfolg die Band mit sehr einfachen

Reimen hatte. In diesem besonderen Fall hatte er natürlich

recht, grundsätzlich stimme ich ihm aber nicht

zu. Wenn ich singe, geht es mir darum, eine Geschichte

zu erzählen. Überhaupt habe ich das Gefühl, die

Musikindustrie steckt jede Menge Geld und Know-how

in den Producer-Part der Produktion, aber scheint den

Prozess des Liederschreibens zu ignorieren.

ICH KANN DIR DA ALS AUTOR NUR ZUSTIMMEN.

Klar, du als Redakteur verstehst natürlich,

was ich meine.

ABSOLUT! ABGESEHEN VON DEN TEXTEN,

DIE DU FÜR „ALBUM NO. 8“ VERFASST HAST:

WAS WAR DIE IDEE HINTER DEINEM JÜNGSTEN

LONGPLAYER? ES KLINGT BEIM ERSTEN HÖREN

EIN BISSCHEN WIE EIN ROMAN.

Ursprünglich war das zwar nicht die Idee,

aber es macht Sinn, dass du das sagst. Geschichten

zu erzählen und meine Worte buchstäblich weise

zu wählen, sind ein großer Teil meines kreativen

Prozesses.

SEIT „CALL OFF THE SEARCH“ SIND 17 JAHRE

VERGANGEN. WAS HAT SICH SEIT DEINEM

ERSTEN ALBUM FÜR DICH ALS KÜNSTLERIN

VERÄNDERT?

Als ich damals anfing, Musik zu machen, arbeitete ich

mit Mike Batt zusammen, der mir mehr als dreißig

Jahre Erfahrung voraushatte Es war also Mikes Vision

und Mikes Musik und ich war die Stimme. Als Kind

georgischer Eltern, die vom Kommunismus geprägt

wurden, war für mich von Anfang an klar, dass du

nur als Team das beste Produkt abliefern kannst. Das

hat sechs Alben lang auch sehr gut funktioniert. Er

war mein Mentor. Und dann war es an der Zeit, dass

ich mich als Künstlerin weiterentwickle und wachse.

Meine ersten Erfolge waren sehr unschuldige Lieder.

Jetzt bin ich 35 und meine Musik soll das auf ehrliche

Weise widerspiegeln.

DEIN DEBÜTALBUM ERSCHIEN IM SELBEN

JAHR WIE CHRISTINA AGUILERAS „STRIPPED“

ALBUM, DAS SIE WEG VOM TEENIE-IMAGE

UND HIN ZUR JUNGEN ERWACHSENEN

TRANSPORTIEREN SOLLTE. ETWAS, DAS IHR

BEIDE AUSSERDEM GEMEINSAM HABT, IST

LEO ABRAHAMS, DER ALS PRODUZENT FÜR

AGUILERA AN „BIONIC“ ARBEITETE. JETZT

HAT ER „ALBUM NO. 8“ MIT DIR ENTWICKELT.

WOHER WUSSTEST DU, DASS ER DER

RICHTIGE FÜR DICH WAR?

Mein letztes Album war fokussiert auf meinen Gesang

und hatte einen starken A-capella-Charakter. Für

„Album No. 8.“ wollte ich aber eine ganze Reihe

namhafter Musiker. Einer von ihnen hatte mir Leo als

Produzent empfohlen. Zur gleichen Zeit hatte Leo

mein Management kontaktiert. Wir haben uns also getroffen

und ich habe ihm erklärt, was ich mir vorstellte.

Darauf sagte er: „Klingt gut.“ (lacht) Es hilft auch,

dass Leo ein brillanter Gitarrenspieler ist.

WÜRDEST DU AUCH MAL IN VÖLLIG ANDERE

GENRES EINTAUCHEN? ROCKMUSIK ODER

BUBBLEGUM-POP À LA CHRISTINA AGUILERA?

Auf der Bühne probiere ich mich schon immer in

verschiedenen Genres aus – ich habe schon Künstler

wie Janis Joplin gecovert und singe auch Jazz-,

Blues- und Folk-Songs. Auf meinen Alben zeige ich

diese Seite von mir noch nicht. Wer weiß, vielleicht

kommt das noch.

DAS BILD AUF DEM COVER ZEIGT DICH MIT

EINER RETRO-KAMERA IN DEN HÄNDEN.

HAST DU DAS FOTO SELBST GESCHOSSEN?

WAR DAS AUFGRUND VON CORONA?

Ja. Das Label hatte die Idee, mir diese Kamera zu

schicken, damit ich das Cover selbst aufnehme. Es ist

wirklich cool. Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass

ich mal mein eigenes Coverfoto schieße.

WIRD ES EINE TOUR ZUM ALBUM GEBEN,

WENN ES DIE UMSTÄNDE WIEDER ZULASSEN?

Wir hatten eine große Tour geplant, die leider gecancelt

wurde. Aber wir stehen in den Startlöchern und

können jederzeit loslegen.

Mehr Informationen zum neuen Album und möglichen

Tourdaten unter www.katiemelua.com

/// 049

t r a v e l /// jump in here!

Das Kayon Jungle Resort inmitten von

Balis grünen Regenwäldern verfügt über

38 Suiten und Villen und könnte ungestörter

nicht sein. Unweit der kleinen Stadt Ubud

hat sich der Designer des Hotels – ein

junger Balinese – von den Reisfeldern der

Umgebung inspirieren lassen. Der Pool mit

Blick ins unendliche Grün erinnert an die

Terrassen des traditionellen Reisanbaus.

www.thekayonjungleresort.com

Eine „Best of Pools“-Doppelseite wäre nicht komplett

ohne den Infinity Pool des Marina Bay Sands in

Singapur. Er wurde auf der 57. Etage des Hotels

errichtet und ist nicht nur der am höchsten gelegene

Infinity Pool der Welt, sondern hat auch das längste

Becken, das nicht am Boden gebaut wurde. Entlang

der 150 Meter Badespaß dürfen Gäste und Besucher

bis in die späten Abendstunden die Aussicht auf die

Skyline, Drinks und ausgewählte Snacks genießen.

Eine Nacht im Marina Bay Sands kostet in der günstigsten

Zimmerkategorie rund 400 Euro.

www.marinabaysands.com

Sogenannte Rockpools haben in Australien eine lange Tradition. Die

ersten Freiluftbäder dieser Art wurden bereits Anfang des 19. Jahrhunderts

errichtet, als Australien noch eine Strafkolonie war. Der Bronte

Rockpool befindet sich am Bronte Beach, circa zwei Kilometer entfernt

vom bekannteren Bondi Beach in Sydney, und ist dreißig Meter lang.

Das geniale an dieser Art von Pool: Schwimmer müssen auf das Wieim-Meer-Gefühl

nicht verzichten und sind gleichzeitig vor Strömungen

und gefährlichen Meerestieren geschützt.

Was als Abflussgewässer eines riesigen

Wärmekraftwerks entstand, ist heute

eines der bekanntesten Wellnessbäder

der Welt. Die Blaue Lagune in Island ist

etwa 45 Autominuten von der Hauptstadt

Reykjavík entfernt und war einst

ein reines Nebenprodukt des benachbarten

Kraftwerks, das aus Geothermik

Strom und Fernwärme produziert.

Aufgrund der hohen Konzentration von

Kieselalgen versickerten die Wassermengen

nicht im Vulkangestein der

Die schönsten, höchsten und blausten Pools der Welt findest du hier,

auf dieser Doppelseite.

Insel, sondern bildeten ein Reservoir,

das in den 1990ern zu einer Therme

umgebaut wurde. Die Algen und Mineralien,

die im Wasser enthalten sind,

lassen es nicht nur wunderbar blau

leuchten, sondern haben außerdem eine

heilende Wirkung für die Haut.

Noch mehr Infos zur Lagune und dem

angeschlossenen Hotel erfährst du auf

Seite 082 dieser Ausgabe.

www.bluelagoon.com

Text: Felix Just

Das Wellenbad im japanischen Hoshino Resort Risonare

Tomamu ist das größte des Landes. Alle halbe Stunde wird der

Wellengang für zehn Minuten gestartet. Am Abend verwandelt

sich der Poolbereich in eine romantische Lounge-Area. Keine

Lust auf Badespaß? In den umliegenden Bergen darf nach Herzenslust

Wintersport betrieben werden.

www.risonare.com/tomamu

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ALBUM NO. 8

KATIE MELUA

Katie Melua ist eine Ausnahmekünstlerin. Nur wenige Sänger und Sängerinnen schaffen es, sich so lange auf der Welle

des Erfolgs zu bewegen wie die Britin mit georgischen Wurzeln. 2003 feierte sie ihr Debüt mit „Call Off the Search“. 2005

erschien ihr zweites Album „Piece by Piece“ und die Single „Nine Million Bicycles“. „Piece by Piece“ erreichte in mehreren

europäischen Ländern die Nummer eins der Albumcharts. 2006 war Katie Melua die kommerziell erfolgreichste Sängerin

Foto: Rosie Matheson

#62

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Edition

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DAS SIND DIE SCHÖNSTEN

POOLS DER WELT

Marina Bay Sands, Singapur

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„Album No. 8“

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SIMPLEN FASHION-TRICKS

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FASO & KATIE MELUA

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Bronte Rockpool, Australien

Foto: Adobe Stock/Alexandra Daryl

Blaue Lagune, Island

Hoshino Resort Risonare Tomamu,

Japan

Foto: Visit Iceland

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FILM

NEWCOMER

Mark Wartenberg startet durch

Und posiert nicht ohne Grund so

freizügig. Der Wahlberliner mit

französischen Wurzeln schlägt die Werbetrommel

für eine am Freitag startende

Crowdfunding-Kampagne für einen

queeren Film von Max Thillaye.

Über das anstehende Projekt namens

„Ubiquitous“ verrät Mark Wartenberg

uns: „Die Geschichte dreht sich um

eine Figur namens Camille, die in einer

postkapitalistischen Gesellschaft lebt.

Er gehört zu einer Gruppe von Außenseitern,

die ihr Leben damit verbringen,

sich als andere Menschen auszugeben

– sie beobachten sie, brechen in deren

Zuhause ein und leben mehrere Stunden

wie sie“, so der trainierte Schauspieler.

„Camille macht dies glücklich, bis er

spürt, dass sich etwas in ihm verändert

– über mehrere Erfahrungen und Tage

hinweg entfernt er sich allmählich von

seinem alten Lebensstil und beginnt,

sich selbst zu akzeptieren“, so der Newcomer.

Hier geht es zum Crowdfunding:

www.ubiquitous.movie. *rä

FOTO: R. WILHELM

DVD

Die Liebe ist ein seltsames Ding

Der kanadische Film „Akrobaten“ erzählt von

einem mitunter manipulativen Beziehungsgeflecht

eines aus Russland kommenden

Akrobaten und seinem erfolgreichen Partner.

Wer dominiert hier wen?

Michas Karriere als Hochseilartist ist vorbei,

Christophes Karriere hingegen voll im Gange,

als die beiden sich in einer unfertigen Wohnung

in Montréal im tiefen Winter treffen. Die beiden

Männer verlieben sich ineinander, sie begehren

sich, sie streiten, sie zeigen, wie komplex

und leidenschaftlich, wie abhängig machend

Liebesbeziehungen sein können. Über zwei

Stunden lang nimmt uns der Regisseur

Rodrigue Jean mit auf einen aufgeladenen Ritt

zweier sich liebender und doch auch oft bekriegender

Kerle. Der Film ist in der Originalversion

(englisch, französisch, russisch) mit deutschen

oder englischen Untertiteln zu sehen. *rä

www.gmfilms.de

FOTO: WWW.GMFILMS.DE


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MUSIK

INTERVIEW

VINCENT GROSS

will glücklich machen

Der 1996 geborene Schweizer

Sänger veröffentlicht Anfang

2021 sein neues Album „Hautnah“,

die erste Single davon „Über

uns die Sonne“ war sofort ein Spitzenreiter

in den Deutschen AirPlay-Charts,

weitere Hits wie „Chill Out Time“ folgten.

Wir sprachen mit dem jungen Musiker.

Wie erlebst du die Pandemie?

Konzerte kannst du ja gerade

nicht geben.

Ja, das ist das Schwierigste an der

ganzen Zeit. Mir fallen ungefähr

eineinhalb Jahre Tour aus, das ist

finanziell ein herber Verlust, denn

als Künstler lebst du vor allem

von Liveauftritten. Aber ich

will immer an jeder Situation

etwas Positives entdecken ...

Ich nütze daher die Zeit, um

neue Instrumente zu lernen.

Das ist auch eine Chance,

sich weiterzuentwickeln

und sich zu bilden. Und

ich habe ein Interview-

Format auf YouTube

entwickelt, „Stars

um 10 – Hautnah“,

Thomas

Anders und

Elton waren

zum Beispiel

schon da.

FOTO: JÖRG KRESSIG

Wie pflegst du den Kontakt zu

deinen Fans?

Natürlich über Social Media: Facebook,

YouTube und Instagram. Mit meinen

Postings halte ich Kontakt, ich bin jetzt

aktiver als vor Corona. Dabei habe ich

ursprünglich mal auf YouTube angefangen,

das habe ich jetzt eben wieder reaktiviert.

Deine Musik soll die Leute glücklich

machen. Wie schaffst du das?

Vor allem durch die Texte! Aber auch

durch die Melodien und die Komposition.

Sorgen haben wir alle genug, ich will, dass

die Leute einfach mal abschalten und

ihre Sorgen vergessen. Ich habe das

Privileg, andere glücklich zu

machen, das ist doch

der schönste Job

der Welt.


MUSIK

exquisite gay matchmaking

Der Weg ins große Glück zu zweit

Ist das dein persönliches Glücksrezept,

die Musik?

Ja. Natürlich ist es Arbeit, aber es ist auch meine

Leidenschaft, mein Hobby.

Wie ist das neue Album denn entstanden?

Das erste Lied habe ich vor zweieinhalb Jahren

geschrieben – in Berlin übrigens. Es folgten einige

Songwriting-Sessions. Kurz vorm ersten Lockdown bin

ich Anfang 2020 nach Schweden geflogen und habe

dort den Großteil des Albums produziert, das war ein

tolles Abenteuer. Und dann ging es zurück und der

Lockdown war da, alle Grenzen dicht, man konnte das

Album nicht promoten.

individuell | persönlich | seriös | diskret | einfühlsam

München | Berlin | Köln/Düsseldorf | Frankfurt | Hamburg

Elite Contacts | Taunustor 1/Taunusturm | 60310 Frankfurt

Rufen Sie uns an: +49 69 505 060 4448

Philipp Schwarzenberg +49 151 652 479 47

oder schreiben eine Mail an mail@elite-contacts.com

www.elite-contacts.com

Die Single „Über uns die Sonne“ war ein Radio-

Erfolg, welche Lieder sollte man sich noch

anhören?

Das ist ja fast eine Fangfrage! (lacht) Natürlich soll man

jeden Song anhören. Aber stolz bin ich auf „Baby bitte

bleib“, das ist ein ganz anderes Lied, auch mit einer

untypischen Produktion.

Wie trifft dich die Pandemie privat?

Ich vermisse riesig das Reisen, das Ausgehen und

Freunde zu treffen. Es ist schwierig, neue Leute

kennenzulernen, wenn man nicht ausgehen darf. Aber

so weit geht es allen gut und man ist sogar noch näher

zusammengekommen. Die Freundschaften, die ich

habe, wurden intensiver. Man weiß jetzt noch mehr, was

man aneinander hat.

Worauf freust du dich im Frühling?

Auf meine Album-Veröffentlichung! Und auf die Zeit,

wenn man wieder Open-Air-Konzerte geben und

gemeinsam feiern kann.

*Interview: Michael Rädel

www.vincentgross.ch,

www.youtube.com/c/VincentGrossMusic,

www.facebook.com/VincentGrossMusic,

www.instagram.com/vincentgross

Als CD, limitierte Fanbox

und digital erhältlich

www.telamo.de


MUSIK

NACHGEFRAGT

FOTO: P. HÜTTEMANN

KELVIN JONES

Er sang schon für ALLE

FARBEN, Lost Frequencies,

YOUNOTUS und auch zusammen

mit Glasperlenspiel, Ilira, Alexa

Feser und Stefanie Heinzmann. Wir

chatteten mit dem Wahlberliner aus

Simbabwe.

Du arbeitest gerne mit Dance-

Producern zusammen, oder?

Liebend gerne! Ich höre ja immer Dance-

Pop, es macht viel Spaß, wenn ich mein

Schreiben mit einem Dance-Producer

kombinieren kann und wir einen Song

machen können, der alle in gute Stimmung

versetzt.

Tanzt du gerne?

Als ich in Simbabwe aufwuchs, gab es

alle paar Monate einen neuen Tanzevent,

sodass man ein oder zwei Dinge über

Rhythmus lernen konnte. Diese Freude

„... besser als je zuvor“

durchs Tanzen und fröhliche Musik teilen

zu können, hat mir wirklich die Augen

geöffnet.

Wie trafen dich als Künstler die

Lockdowns?

Die Hauptsache ist natürlich das Fehlen

von Shows. Mein Sommer sah 2020 ganz

anders aus als in den letzten Jahren.

Einerseits ist es total beschissen, nicht in

der Lage zu sein, meine Lieblingssache auf

der Welt zu machen, live zu spielen und so

unmittelbar mit Menschen in Kontakt zu

treten, andererseits hat es mir ermöglicht,

mich auf meine Produktionen zu konzentrieren,

die sind jetzt besser als je zuvor.

Worüber freust du dich gerade?

Neue Dinge zu entdecken. Weil ich jeden

Tag daran arbeite, ein besserer Produzent

und ein besserer Songwriter zu werden,

fühle ich mich wie ein Schwamm. Ich

nehme sooo viele Informationen auf. Das

ist eine wirklich aufregende Zeit in Sachen

Lernkurve.

*Interview: Michael Rädel

www.facebook.com/kelvinjones


RETRO

Zum 20-Jährigen auf Vinyl

Gleich drei UK-Nummer-eins-Hits finden

sich auf dem dritten Album der Spice Girls:

„Holler“, „Goodbye“ und „Let Love Lead the

Way“. Trotzdem war es das letzte Werk der

damals zum Quartett geschrumpften Band

bis zum 2007er-„Greatest Hits“-Album.

Ende November erschien „Forever“ nun

erstmals als LP, ein kleines Fest für Popmusikliebhaber

und Vinyl-Fetischisten, oder?

Unsere Anspieltipps sind neben den oben

genannten Singles die Ballade „Weekend

Love“ und das funkige „If You Wanna Have

Some Fun“. Die Girlgroup The Spice Girls

wurde 1994 gegründet, zwei Jahre später

gingen Emma Bunton, Melanie C, Victoria,

Mel B und Geri mit der Single „Wannabe“

erfolgreich an den Start, bis 2001 folgten

Hits wie „Too Much“ und „Who Do You Think

You Are“. Im Jahr 2000 kam das dritte

Album „Forever“ bis auf Platz zwei der

Charts. *rä

MUSIK

KLUBMUSIK

Winterblues? Sommer-House

Neben Pop und Eurodance ist House die dominierende Musikart auf

queeren Partys (Klub-Streaming-Events) in der ganzen Welt. Bekannte

Interpreten und DJs sind Inner City, Ultra Naté, DJ Hell, Todd Terry,

Black Box, Hans-Peter Lindstrøm, Fritz Kalkbrenner, (oft) Robin Schulz,

Boris Dlugosch und eben auch Milk & Sugar. Und die beiden haben eine

neue Doppel-CD am Start: „HOUSE NATION IBIZA 2020“.

Ja, das Jahr war in Sachen Party

und Klub eine Katastrophe:

Menschen bangen um ihre

Arbeitsplätze, ausgehen war

nicht drin – oder mit schlechtem

Gewissen dabei und danach.

Aber immerhin, die Klubmusik

konnte sich weiterentwickeln, es

ging nicht mehr um den schnellen

Klopper, der die Tanzfläche

füllt, es ging bei vielen Tracks

(wieder) mehr um eine stimmige

FOTO: S. MEESE

und hörbare Komposition. So ist

diese neue CD auch zu Hause

extrem hörbar. Unsere Anspieltipps

sind „German Winter

(Original Mix)“ von Andhim, „Dia

En El Mar (Original Mix)“ von

Mollono.Bass, Jörg Schwenzer

sowie „Remember Me (David

Penn Extended Remix)“ von Blue

Boy und „Has Your Man Got Soul

(Earth N Days Extended Remix)“

von Milk & Sugar. *rä

HOUSE

Eric Kupper & Diana Ross:

Klubmusik

76 Jahre jung, glückliche Mutter und Oma und vor allem

immer noch eine Sängerin, die liebt, was sie tut. So

überließ es Diana auch keinem Promoter oder Label,

allein zu entscheiden, von wem und wie Hand an einige

ihrer Klassiker gelegt wird.

Sie entschied sich für Eric Kupper, einem DER DJs und

Remixer der USA (mit französischen Wurzeln). Seit

1986 ist der Klubmusiker schon erfolgreich im Geschäft,

versorgte Größen wie Cher, Alicia Keys, Depeche Mode,

Kylie Minogue und Donna Summer mit den Sounds

der Nacht. Das auf Vinyl und CD erschienene Album

„SUPERTONIC mixes“ von Diana Ross enttäuscht dann

auch keine Minute lang. Nummer-eins-Hits wie „Touch

Me in the Morning“ (1973) oder „Upside Down“ (1980)

und „Love Hangover“ (1976) wurden behutsam auseinandergenommen

und kreativ neu zusammengesetzt.

Unsere Anspieltipps

sind die eben

genannten Lieder und

„It’s My House“ (Platz

1 der US Dance Club

Songs 1979). Damals

wie heute erlauben

House und Disco dem

Hörer, der mitunter

anstrengenden Welt zu

entfliehen. Eskapismus

muss manchmal sein –

Disco hilft. *rä

KLUBMUSIK

Donna Summer 1980/2020

Mitte Oktober kam eine aufgemotzte und

liebevoll erweiterte Version ihres 1980er

Top-10-Albums „The Wanderer“ auf den

Markt. Besonders gut ist der Remix von

„Nightlife“.

Das Lied war ursprünglich ein Rock-Disco-

Pop-Spaß vom – zusammen mit Giorgio

Moroder komponierten und produzierten –

Album „The Wanderer“. Der gleichnamige

Titeltack des Albums schoss vor vierzig

Jahren in den USA auf Platz 3, das Album

selbst erreichte dort Platz 13.

2020 nahm sich Le Flex aus Südfrankreich

der Lieder an, verpasste ihnen sphärische

Elektro-Disco-Kosmen, durch die man

beim Hören wabern kann, inszenierte

die Stücke vollkommen neu. Aber immer

im Sinne der ebenfalls beteiligten (noch

lebenden) Musiker. *rä


MUSIK

POP

Küchendisco

statt Lebensfrust

Sophie Ellis-Bextor macht es richtig: Sie verliert sich nicht in

Verschwörungstheorien, sie macht Musik, die aufbaut.

Die Corona-Pandemie und die notwendigen Maßnahmen zu ihrer

Bekämpfung, um Menschenleben zu schützen, stellt vor allem die

Zunft der Kunst auf eine harte Probe – auch weltweit populäre

Musikerinnen wie Sophie Ellis-Bextor, die eben nicht mit Tourneen und

Auftritten Geld verdienen konnte. Die scheinbar immer fröhliche und

in sich ruhende Mutter nutzte die Zeit aber und versorgte ihre Fans

regelmäßig mit Livemusik aus ihrer Küche – mit fröhlicher Beteiligung

ihrer Familie via Social Media. So entstand die Idee, ein ganzes Album

mit Disco und Pop herauszubringen, das ihre zahlreichen Hits und

ausgewählte Lieblingsstücke vereint.

Unsere Anspieltipps auf dem grandiosen Album „Songs from the

Kitchen Disco“ sind ihre Klassiker wie „Murder on the Dancefloor“,

„Groovejet (If This Ain’t Love)“ und „Mixed Up World“ sowie „Crying at

the Discoteque“ (im Original von Alcazar, die wiederum Sheilas „Spacer“

sampelten) und die Hits „Me and My Imagination“ und „Get Over You“.

Das Album erschien auf Vinyl, CD, Kassette (!) und natürlich digital. *rä

KULT

Miley und Dua ehren Divine

Dua Lipa und Miley Cyrus featuren in

ihrem aktuellen Musikvideo zu „Prisoner“

die legendäre Dragqueen Divine. Das Lied

ist durchaus gewöhnungsbedürftig, wenn

man auf Dance-Pop gehofft hat, überzeugt

aber schon beim an „Physical“ von

Olivia Newton-John erinnernden Refrain

und gräbt sich dann langsam in dein Ohr

und Hirn. Rockig, emanzipiert und queer,

genau richtig für dieses schnöde Zeit. Die

in den 1980ern verstorbene Dragqueen

und John-Waters-Muse Divine ist ganz

am Ende in voller Fülle zu sehen, als

Dawn Davenport

mit dem Satz „I’m

a free woman now

and my life is just

ready to begin“.

Divine machte sich

stark für queere

Rechte als es

noch gefährlich(er) war. Schon in den

1960er-Jahren provozierte die Dralle

aus Maryland ihre konservative Umwelt.

Unvergessen und wegweisend: ihre

Kunst. Und auch ihre Filme mit Regisseur

John Waters! Divines Privatleben war

nicht weniger interessant, so war die

punkige Bunte zum Beispiel mit dem

US-Pornostar Leo Ford (1957 – 1991)

zusammen. *rä

KLUBMUSIK

Smoothes Disco-House

„Let Me Go“ von Lori Glori & Melchior Sultana

ist die perfekte Nummer für den Winter,

weckt sie doch Erinnerungen an einen

heißen Sommer.

Loris kräftige Soulstimme fordert Respekt

und Freiheit ein, die smoothen House-Beats

und funkigen Effekte machen dieses

brandneue Lied zu einem entspannten –

klubbigen – Ohrwurm.

Produziert hat Melchior Sultana, Jahrgang

1986, ein auf Malta lebender Musiker, der

auch schon im Berghain, im nicht weniger

legendären Café del Mar auf Ibiza, dem

Tresor und dem Underground-Klub IPSE

auflegte und auftrat. Die Stimme von Lori

Glori wirst du schon kennen, wenn du

House und Eurodance magst. Sie war es, die

den Refrain sang bei Charthits von Intermission

(„Six Days“, ...), Centory („The Point

of No Return“, ...), Loft („Wake the World“, ...),

DJ Bobo („Pray“, „Let the Dream Come True“,

„There’s a Party“, ...) und auch vom Captain

Hollywood Project („Flying High“, ...). *rä


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KUNST

NACHGEFRAGT

MISS

In Städten wie Berlin schmücken

ihre Kunstwerke die

großen und ohne Kunst mitunter

bedrohlichen Mauern. Es scheint, als

ob ihre Welt bunt, poppig, queer und

fröhlich ist. Für uns hatte die Künstlerin

Zeit für einen Chat. *rä

Erkläre dem Laien mal deine Kunst:

StreetartEgg und Sticker-Paste-ups.

Ich habe vor zwei Jahren damit begonnen,

meine handgemachten Collagen auf

Instagram zu zeigen. Seitdem hat sich viel

getan in meinem Leben. Für Streetart habe

ich mich schon immer interessiert und

so lag es nahe, meine Kreationen auch in

GLUENIVERSE

Gl

e

macht das Leben bunter

das Straßenbild Berlins zu integrieren. Der

erste Sticker ist in Zusammenarbeit mit

der Kölner Künstlertruppe „Levveunlevvelosse

– Streetart against hate“ entstanden

und es folgten weitere. Aufkleber sind

einfach, schnell und unauffällig in der

Stadt zu verteilen. Ein Paste-up ist

ein Kunstwerk auf Papier gemalt oder

ausgedruckt, welches mithilfe von Kleister

an Oberflächen wie Häuserwände, Mauern,

Glascontainer usw. geklebt wird. Das ist

etwas aufwendiger, als einen Sticker zu

kleben, und auf jeden Fall auch aufregender.

Die Absicht dahinter ist, die Straßen

bunter zu machen, Kunst im alltäglichen

Leben zu zeigen und für alle zugänglich zu

machen.

Wie kamst du auf die Idee mit dem Ei?

Mein erster Impuls war es, Bilder zu

machen, die Menschen aufmuntern. Etwas

Fröhliches, das zum Schmunzeln anregt

und bestenfalls die Stimmung aufhellt.

Deshalb war mein erster Künstlername

„Das Frohlein Moodmacher“. Die Idee für

das Ei steckt sozusagen im FrohlEin. Das

Ei wird mit Augen und Mund aus Papier

beklebt, manchmal mit Mützen bestückt,

und den Rest des Körpers gestalte ich

mit Papierausschnitten aus Magazinen.


KUNST

So entstanden schon einige Charaktere.

Mittlerweile gestalte ich auch Bilder ohne

Eier. Den Namen musste ich leider ändern,

da eine Firma mich auf ihre Markenrechte

hingewiesen hat.

Wie entsteht ein Bild bei dir?

Meistens entstehen die Bilder ganz

spontan aus dem Bauch heraus. Sie entspringen

meinen aktuellen Stimmungen

und Erlebnissen und spiegeln Themen,

mit denen ich mich beschäftige. Wenn ich

Zeit und Muße habe, wühle ich mich durch

die unendliche Fülle von Zeitschriften,

Fotos und Schnipsel, schneide aus und

füge zusammen. Manche Bilder entstehen

innerhalb von zehn Minuten, bei anderen

muss die Idee erst reifen.

Was inspiriert dich?

Knallige Farben, Wortspiele, Musik, Ruhe,

der Austausch mit Menschen allgemein

und insbesondere mit anderen Künstlern.

Durch die Streetart habe ich sehr wertvolle

Verbindungen knüpfen können, aus

denen auch schon einige Kollaborationen

entstanden sind.

Du lebst in Berlin, kommst aber aus

Österreich. Vermisst du die Ruhe

mitunter im Großstadttrubel?

Ich lebe nun schon über die Hälfte meines

Lebens in Berlin und liebe diese Stadt.

Damals trieb mich die Abenteuerlust aus

einem kleinen Dorf nach Berlin. Trotzdem

genieße ich die Zeit in meiner Heimat,

wann immer ich kann. Meine Familie, die

Berge, die Ruhe, den Wald, die Luft!

Welche Künstler beeinflussen dich

aus deiner Heimat?

Kein konkreter Künstler, aber ich habe

einige kreative Köpfe in meiner Verwandtschaft

und hatte den Vorteil, mich schon

früh ausprobieren zu können. Durch eine

nah gelegene Künstlerstadt war ich immer

schon umgeben von kreativen Vibes und

Inspiration.

Und aus Berlin?

Auch zu dieser Frage möchte ich keinen

Namen nennen. Es gibt hier zahlreiche

Künstler, die mir mit ihren Arbeiten

visuellen Input geben, aber viel wichtiger

sind mir der Austausch untereinander und

die gegenseitige Inspiration, die daraus

entsteht.

Worauf freust du dich im Frühling?

Auf Ostern! Kleiner Scherz. Was ich am

Frühling liebe, ist das langsame Erwachen

der Natur, und auch die Berliner werden

mit den ersten Sonnenstrahlen und

warmen Tagen wieder etwas freundlicher.

Auf jeden Fall hoffe ich darauf, dass wir

uns im Frühling wieder ohne Masken

bewegen können, und freue ich mich

darauf, Freunde wieder spontan und

unbefangen umarmen zu können. Das

vermisse ich sehr!

www.instagram.com/miss_glueniverse


KUNST

TOM OF

KALENDER


KUNST

FINLAND 2021

13 Männerbilder, darunter seine berühmten Cowboys,

Polizisten und Motorradfahrer, werden dich

2021 durchs Jahr begleiten. 13 Mal schwule Erotik,

die man aber (gerade noch) „ohne Probleme“

aufhängen kann ... Kunst darf das!

Tom of Finland sorgte für schwule Sichtbarkeit, als dies noch

mit gesellschaftlicher Ächtung und sogar Strafverfolgung

einherging. Doch der Künstler wollte sich nicht dem Diktat der

heterosexuellen und stockkonservativen Mehrheit beugen,

er inszenierte ab den 1950er-Jahren den schwulen Mann als

Sexobjekt. Er wollte sich nicht damit zufriedengeben, dass

Schwule ab und an als hübsche Jünglinge oder Dragqueens in

der Kunstwelt (und im Nachtleben) auftauchten.

Touko Valio Laaksonen wollte einen

anderen Teil der schon damals

vielfältigen Subkultur zeigen: die des

Ledermanns, des Cowboys, des „ganz

normalen Machos“.

Er wagte es, den Mann erotisch und in

„verfänglichen“ Situationen zu zeichnen

in einer Zeit, als Busenwunder im

Abendkleid oder ein Hüften schwingender

Elvis schon ein Höchstmaß an

Erotik waren. Tom of Finland war mit dem

Zeichenstift in der Hand ein Vorkämpfer

der Schwulenbewegung.

Angeboten wird dieser hochwertige und

exklusive Kalender zu Ehren des finnischen

Künstlers, zu deiner Erbauung, vom queeren

Team des US-Shops Peachy Kings. *rä

www.peachykings.com


BUCH

INTERVIEW

RENÉ WÜST:

„Ich habe sehr

viel Glück ...“

Haustiere entspannen, aber auch Tierfilme und die Natur

allgemein. Entspannung ist genau das, was der gestresste

Großstädter zwingend braucht. Und was wäre ein Tag ohne spaßige

GIFs, in denen unsere gefiederten Genossen Blödes tun oder

Weises verkünden? Wir sprachen mit René Wüst, seines Zeichens

Verleger und Verlagsleiter sowie der Herausgeber des Magazins

„Gefiederte Welt“.

Wie kamst du zu deiner Arbeit? Es ist ja

kein Allerweltsjob.

Die Leidenschaft für Vögel hat mich bereits

im Kindesalter ergriffen. Auf der Wiege saß

der zahme Wellensittich. Das ist als Bild in der

Familie festgehalten. Mit 14 Jahren absolvierte

ich die damals noch notwendige Prüfung

für eine amtlich anerkannte Vogelzucht. Ich

begann dann bald, erste Artikel zur Vogelhaltung

zu veröffentlichen und mich im internationalen

Artenschutz zu engagieren. Das Interesse

an Freilandbeobachtung und Naturfotografie

kam hinzu und dabei lernte ich den vorherigen

Inhaber des Verlages kennen. Jahrzehnte später

bot mir dieser den Kauf seines Verlages und

des zugehörigen Fachbuchhandels an. Ich

habe Ja gesagt, denn es hat alles gepasst: Mein

persönliches Interesse, langjährige Erfahrung im

Fachgebiet und mein kaufmännischer Hintergrund,

um das Unternehmen zu führen.

FOTO: KRISTIJAN MATIĆ

Viel reisen gehört zu deiner Position

dazu, oder?

Ja, zum einen sind das die Reisen in die

Herkunftsgebiete der Vögel, um sie im Freiland

zu beobachten und zu fotografieren. Bei über

fünfzig außereuropäischen Expeditionen war

ich schon dabei. Zum anderen sind es nicht

weniger geschäftliche Reisen zu Geschäftspartnern,

Kongressen oder auch unseren selbst

veranstalteten Seminaren. Die Vogelhaltung

ist ein internationales Phänomen und gerade

professionelle Halter und Züchter sind weltweit

miteinander vernetzt. Zu Corona-Zeiten haben

wir das natürlich stärker digitalisiert und es sind

weniger Reisen gefragt.

Wie sieht eine normale Arbeitswoche für

dich aus?


BUCH

Das ist im Vergleich zu den Expeditionen

die bodenständige kaufmännische oder

organisatorische Arbeit eines Verlagsleiters.

Zum Beispiel Controlling, Personalthemen,

Arbeitsprozesse und nicht zu

vergessen der Austausch

mit unseren Redaktionen

und Kunden. Besondere

Freude bereitet mir die

Fortentwicklung unserer

Neuheiten. Darunter

druckfrische Bücher

oder Sonderhefte

und die verlagseigene

Akademie.

Bleibt da noch Zeit

für deinen Mann?

Ich habe sehr viel

Glück, dass mein

Mann sich ebenfalls

für Tiere und Pflanzen

interessiert und

er mir immer den Rücken

stärkt – immerhin bereits seit 15 Jahren.

Mir macht meine Arbeit Spaß und er

muss mich des Öfteren daran erinnern,

dass es nicht nur Arbeit gibt. Da er aber

selbst mit seiner Goldschmiede ein

„Macher“ ist, bringt er mir viel Verständnis

entgegen. Ich denke, wir sind ein gutes

Team und ergänzen uns in vielen Lebensbereichen

prima.

Welches Land bereist du besonders

gerne?

Kolumbien ist eines meiner Lieblingsländer.

Bereits seit 2005, also

noch zur aktiven Zeit der F.A.R.C.

(Guerillabewegung) begann ich in nahezu

alle Teile des Landes zu reisen und lernte

neben den Problemen die Biodiversität

und die atemberaubenden vielfältigen

Landschaften von der Karibikküste, mit

den bedrohten Trockenwäldern, über das

Anden-Hochland mit

dem höchsten

Küstengebirge

der Welt (5.775

Meter) bis zum

Tieflandregenwald

im Amazonas

kennen. Ich bin

zwar kein Fan von

Maisspeisen, aber

kulinarisch wird viel

mehr geboten. Da

sich in der Neuzeit

die Sicherheitslage

in weiten Teilen

des Landes enorm

entspannt hat, kann

ich Kolumbien, wenn

wieder einigermaßen

normal gereist werden kann, sehr

empfehlen.

Hast du denn einen

Lieblingspapagei?

Oh ja, natürlich, wobei es bei der

Artenvielfalt der Papageienfamilie recht

schwerfällt, mich auf eine Art zu begrenzen.

Die gesamte Familie der Kakadus,

hier vor allem den Orangehaubenkakadu

oder den Palmkakadu, mag ich sehr

gerne. Außerdem die Gattung der Unzertrennlichen,

die umgangssprachlich auch

als Liebesvögel bekannt sind.

Denkst du, dass die Community

ungewöhnliche Haustiere besonders

schätzt und womöglich auch

besitzt?

Das denke ich nicht nur, sondern das

zeigt mir meine langjährige Erfahrung in

diesem Bereich. Den Anteil an Haustierbesitzern

würde ich in der Community

als überdurchschnittlich einschätzen.

Dabei begegnet mir vielfach eine

einfühlsame Pflege der Tiere und eine

liebevolle Integration in die Familie.

Welchen Papagei würdest du

Anfängern empfehlen? Oder gleich

zwei?

Bei haltungsrelevanten Papageienarten

sind es, aufgrund des Tierwohls, immer

zwei! Bitte keine Einzelhaltung, denn das

tut dem Vogel nicht gut. Mit kleineren

Sitticharten wie z. B. Wellen- oder Nymphensittichen

kann man sehr gut erste

Erfahrungen sammeln. Es kommt eben

auf die Motivation der Vogelhaltung an:

Möchte man lediglich Vögel halten oder

ggf. sogar auch mal vermehren? Vor jeder

Anschaffung sollte man sich gründlich

informieren. Da ist sicher das Schwarmwissen

in den Foren des Internets. Viele

engagierte Menschen sind da unterwegs,

aber nicht jeder ist ein echter „Experte“.

Daher empfehle ich immer geprüfte

Fachbücher oder aktuelle Zeitschriften,

um sich ein eigenes, fundiertes Wissen

anzueignen.

*Interview: Michael Rädel

www.arndt-verlag.de


KUNST BUCH

NACHGEFRAGT

FÉLIX LEMENS’

Kriminalromane

Seine Bücher wie „Das

Carnet – Wie viele Leben hat

ein Mensch“ und „Beste Bestien

– ein Berlinkrimi“ sind spannende

Unterhaltung schwulen Ursprungs,

aber ohne schwule Handlung.

Wir chatteten mit dem Münchner

Berlinfan, Autor Félix LeMens.

Warum schreibt ein Münchner

Berliner Krimis?

Das ist relativ einfach erklärt. Meine Mutter

ist in Charlottenburg geboren und meine

Omi kam aus dem Wedding. Insofern

habe ich mehr als einen Koffer in Berlin

stehen. Abgesehen von meinen familiären

Wurzeln, kam für mich keine andere Stadt

in Frage, die über so viele interessante und

zugleich spannende Orte verfügt als Berlin.

Ist es für dich in der Pandemie

schwerer oder leichter geworden

als Buchautor? Lesen die Leute nun

mehr?

Ich habe 2020 den Krimi und den Thriller

veröffentlicht, geschrieben wurden sie

2018/2019. Was in jedem Fall sichtbar

ist, dass Buchhandlungen es einem

momentan nicht leicht machen, das

Buch im Verkaufsraum zu platzieren. Hier

wird Corona gerne als Grund genannt.

Verlage und Handel sind sicherlich durch

Kurzarbeit in Rückstand gekommen und

überlastet.

Verzichtest du bewusst auf schwule

Handlungsstränge oder kann das

noch kommen?

Jein. Es gibt in Das Carnet durchaus auch

„schwule Themen“. Einen Protagonisten

lasse ich bewusst frei leben, sodass ihn

der Leser nicht gleich in Schubladen

packen kann. Im Folgeroman erfährt man

mehr über ihn und es kommt auch eine

schwule Nebenfigur ins Spiel.

Welche Pläne hast du für 2021?

2021 werde ich Cauria, ein weiterführender

Roman von Das Carnet, herausbringen.

Derzeit schreibe ich am dritten

Buch aus der Reihe. Alle drei Bände sind

aber in sich abgeschlossene Werke. Dann

wird auch noch ein weiterer Krimi aus der

Reihe Ein Berlinkrimi erscheinen.

Was liebst du an München?

Die Isar und der Flaucher, das sind die

Bade- und Liegewiesen am Fluss, der

durch die Stadt fließt. Die Architektur

des alten Münchens und natürlich das

Umland mit der Nähe zu den Bergen und

dem Süden, den man hier schon erahnen

kann.

Und an Berlin?

Den Esprit Berlins, die Berliner Schnauze

und die enorme Weitläufigkeit der Stadt.

Klar, auch die Klubszene – aber wer

liebt die nicht! Für mich als neugierigen

Menschen gibt es in Berlin immer noch

viel zu entdecken.

*Interview: Michael Rädel

www.lesalon.net


immer aktuell

informiert

www.männer.media


BUCH

GESCHICHTE

Postkarte, circa 1900, 140 x 89 mm, Herkunft: USA, © Courtesy of the Nini-Treadwell

Collection © „Loving“ by 5 Continents Editions/Elisabeth Sandmann Verlag

SCHWULE LIEBE

1850 – 1950

Ein fürwahr bewegendes, spannendes und

außergewöhnliches Buch, das im Oktober

erschienen ist: „Loving – Männer, die sich lieben,

Fotografien aus den Jahren 1850 – 1950“ von

Hugh Nini und Neal Treadwell.

„Unsere Sammlung begann vor zwanzig Jahren, als wir auf

ein altes Foto stießen, das wir für einzigartig hielten. Das

Motiv auf diesem Vintage-Foto waren zwei junge Männer,

die sich umarmten und anstarrten – eindeutig verliebt“, so

die beiden Autoren über den Beginn dieser fotografischen

Reise. Rund 2.800 Bilder sind inzwischen zusammengekommen,

über 300 sind jetzt vereint in einem Buch.

Die Bilder entstanden, als homosexuelle Liebe gesellschaftlich

geächtet war, Schwule lebten versteckt,

mussten ihre Liebe unterdrücken und konnten Sex nur

auf Klappen oder im Geheimen erleben. Dieses Buch ist

ein wichtiges Zeitdokument, das uns vor Augen führt, was

war. Die Männer, die sich in romantischen Posen ablichten

ließen, riskierten viel – Häme und Diskriminierung waren

da noch das Harmloseste, das drohte. Womöglich das

berührendste Buch der letzten Monate. Ein schwules

Muss! *rä

Kabinettformat, circa 1880, 167 x 109 mm, Herkunft: USA, Notiz: „McInturff, Steve Book,

Delaware O.“, © Courtesy of the Nini-Treadwell Collection © „Loving“ by 5 Continents

Editions/Elisabeth Sandmann Verlag

„Loving – Männer, die sich lieben, Fotografien aus den

Jahren 1850 – 1950“, www.loving1000.org, esverlag.de


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