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Innenstadtkonzept Rheydt Vorbereitende Untersuchungen 1


Stadt Mönchengladbach Dezernat Planung und Bauen Fachbereich Stadtentwicklung und Planung Markt 11 41236 Mönchengladbach in Zusammenarbeit mit: scheuvens + wachten Friedenstraße 18 44139 Dortmund Telefon: (0231) 189987-10 Fax: (0231) 554083 e-mail: info@scheuvens-wachten.de web: www.scheuvens-wachten.de Mönchengladbach | Dortmund, Juni 2009


Vorbereitende Untersuchungen Innenstadtkonzept Rheydt


Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung 8 Bedeutung der Innenstadt 2. Ausgangslage 14 Funktionale Gliederung 14 Lage des Einzelhandels 16 Wohnen und Soziales 20 Verkehrssituation 24 Stadtbild 26 Freiräume 28 Fazit 30 3. Prozessgestaltung 34 Die drei Innenstadforen 34 Themenorientierte Werkstätten 36 Die city-werkstatt 38 Projektzeitungen 38 Internetseite 38 Sofortmaßnahmen 40 Auswahl einiger Ergebnisse der Bürgerbeteiligung 42 4. Räumliches Leitbild 46 5. Strategien und Zielsetzungen 50 Wohnqualitäten stärken! 50 Städtische Kultur ausbilden! 50 Qualität in Handel und Dienstleistung unterstützen! 52 Verkehr lenken! 52 Gestaltqualität in der Innenstadt etablieren! 52 6. Schlüsselprojekte 56 Gestaltung des Marktplatzes 56 Belebung der Hauptstraße 56 Gestaltung des Lankes-Geländes 56 Entwicklung des Postareals 58 Attraktivierung der Marktstraße und des Sparkassenvorplatzes 58 Gestaltung des Marienplatzes und der Stresemannstraße 58 7. Bearbeitung der Schwerpunkte 62 Durchführung eines städtebaulichen Wettbewerbes „Neugestaltung Marktplatz“ 62 Initiierung eines „Modellprojektes Hauptstraße“ 62 Bildung von Immobilien- und Standortgemeinschaften 64 8. Auswahl geeigneter Förderprogramme 68 Stadtumbau West 68 Aktive Stadt- und Ortsteilzentren 70


01 Einleitung


Einleitung: Bedeutung der Innenstadt Die Innenstädte gewinnen in den letzten Jahren im Zuge des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels wieder an Bedeutung, denn nur die Innenstädte stiften Identität, gewähren Versorgungssicherheit und sind mit ihrem vielfäl- tigen Angebot in der Lage, unterschiedlichen Lebensstiler- wartungen gerecht zu werden. Insbesondere sind auch die Ansprüche an die Innenstädte als Wohnorte in den vergan- genen Jahren gewachsen, weil die Randlagen der Städte für die kleinteiliger und vielfältiger gewordenen Haushalts- strukturen nur eine sehr eingeschränkte Leistungsfähigkeit besitzen. Der Bedeutungszugewinn der Innenstädte lässt sich allein schon an den derzeitig zahlreichen Förderpro- grammen auf Bundes- und Länderebene ablesen, die dar- auf ausgerichtet sind, die Attraktivität und Leistungsstärke der Innenstädte zu verbessern. Der Entwicklung der Innenstädte kommt auch deshalb eine besondere Rolle zu, weil sie eine Art „Stellvertreterfunktion“ für die gesamte Stadt einnehmen. Ihr Image, ihre Ausstrah- lung und Leistungsfähigkeit färben auf den gesamten Rest der Stadt ab, was im Zuge der fortwährenden Konkurrenz der Städte untereinander heutzutage von entscheidender Bedeutung ist. Mit den gestiegenen Ansprüchen ist die Entwicklung einer Innenstadt generell auch eine komplexe Aufgabe, ganz unterschiedliche Sachbereiche spielen eine Rolle. Weil die Wirkzusammenhänge der unterschiedlichen Funktionen sehr direkt und unmittelbar sind, nur selten monokausale Aufwertungsstrategien sich als fruchtbar erweisen, müssen alle Maßnahmen im Sinne eines inte- grierten Handlungsprogramms aufeinander abgestimmt werden. Die Konkurrenz zu anderen Städten und sich laufend verändernde Rahmenbedingungen zwingen zudem zu permanenter Pflege, Anpassung und Weiterentwicklung der Innenstädte, die nicht nur in das Aufgabenspektrum der öffentlich Hand fallen, sondern auch die Mitwirkungsbereit- schaft und das kreative und investive Engagement privater Akteure verlangen. So ist eine Strategie nur dann erfolg- reich, wenn öffentliches und privates Handeln gemeinsame Ziele verfolgen und sich koordiniertes Handeln verstetigt. Daher ist eine Innenstadtentwicklung auch immer eine Ge- meinschafts- und eine Daueraufgabe. 8 Die Innenstadt von Mönchengladbach-Rheydt zu revitali- sieren und aufzuwerten, ist überdies noch eine besondere Herausforderung, da die Rheydter Innenstadt in ihrer Ge- schichte zwei außergewöhnliche Einschnitte erfahren hat. 1943 erlebte Rheydt einen der schwersten Großangriffe im Zweiten Weltkrieg. Nahezu 90% der Industrieanlagen wur- den zerstört und fast 80% der Wohngebäude beschädigt. Nach den Luftangriffen mussten über 40% der Bevölkerung umquartiert werden, da von den vor dem Krieg registrierten 11.174 Gebäuden lediglich knapp 1.000 die Angriffe unbe- schadet überstanden hatten. Der bereits 1947 mit umfas- senden Planungen eingeleitete Wiederaufbau hat zwar ein seltenes Dokument geschlossenen Nachkriegsstädtebaus hervorgebracht, zeigt aber heute mit den die Innenstadt in großen Teilen prägenden Bauten der frühen 1950er Jahre eine Vielzahl von Problemen in der Struktur und im Erschei- nungsbild. Denn die Wohnungs- und Ladengrößen der damaligen Zeit waren auf das Notwendigste reduziert und das Erscheinungsbild der Bauten erfährt nur eine geringe Akzeptanz und lässt vielenorts nur wenig attraktive Raum- qualitäten entstehen. Die zweite Entwicklungserschwernis liegt in der kommuna- len Neugliederung begründet, in deren Zuge die selbständi- ge Stadt Rheydt 1975 ein Stadtteil von Mönchengladbach wurde. Alle Städte, in denen ehemals selbständige Kom- munen mit eigener Geschichte und eigenem Profil zusam- mengeführt wurden, stehen vor der mitunter schwierigen Aufgabe, die Rolle und die Funktionen der verschiedenen Zentren zu bestimmen und ihnen stabile Entwicklungspers- pektiven zu geben. Die Rheydter Innenstadt ist damit insbe- sondere im Einzelhandel und in zentralen Einrichtungen einer doppelten Konkurrenz ausgesetzt, nach Innen wie nach Außen gleichermaßen. Bis zum heutigen Tag sorgt deshalb die Neuordnung immer noch zu Diskussionen. Diese beiden historischen Besonderheiten belasten die ohnehin vorhandene Problematik in der heutigen Rheyd- ter Innenstadt und verstärken die Herausforderung ihrer nachhaltigen Revitalisierung und Entwicklung, denn der Korridor einer Erfolg versprechenden Aufwertungsstrategie ist aufgrund der Rahmenbedingungen sehr eng. Deshalb


Historischer Straßenverlauf Bachlauf Historischer Stadtgrundriss Heutige Bebauung Markante Gebäude im heutigen Stadtgrundriss Rheydt um 1820 Noch heute sind die Spuren der Geschichte im Stadtgrund- riss der Innenstadt von Rheydt wahrnehmbar. Die Sied- lungsrelevante Ost-West Achse des Straßendorfes war die Hauptstraße. Die heutige evangelische Hauptkirche und der zugehörige Kirchplatz bildeten bereits damals den domi- nierenden öffentlichen Raum in der Stadtstruktur. Viele der bereits damals wichtigen Straßenverläufe, die Rheydt mit Gladbach sowie Wickrath und Odenkirchen verbinden, finden sich auch heute noch wieder. 9


galt es, im Rahmen der Erarbeitung des Innenstadtkon- zeptes in besonderer Weise eine belastbare Strategie mit einem integrierten Handlungsprogramm zu entwickeln, bei denen die Projekte und Maßnahmen möglichst vielfältige Wirkungen mit Synergien auslösen sollten. Zugleich musste das Innenstadtkonzept als Anstoß für einen dialogorien- 10 tierten Prozess verstanden werden, um in dieser prekären Situation die Mitwirkungsbereitschaft der Bürgerschaft und einzelner Schlüsselakteure zu wecken und sie für eine zu verstetigende gemeinsame Arbeit an der Innenstadt zu gewinnen. Am Ende des Zweiten Weltkrieges war die Innenstadt von Rheydt zu 80 % zerstört. Aus diesem Grund wurde bereits 1946 der Architekt Alfons Leitl mit dem Wiederaufbau der Innenstadt beauftragt.


Regionale Einordnung Die Besonderheit der Stadt Mönchengladbach liegt in ihrer Bipolarität mit den beiden Zentren Mönchengladbach und Rheydt, wobei Mönchengladbach das Hauptzentrum darstellt und Rheydt eher regionale Bedeutung zukommt. Regionale Verkehrsstruktur (MIV) Regionale Verkehrsstruktur (ÖPNV) 11


02 Ausgangslage


Ausgangslage Zur Darstellung der bestehenden Situation werden die wesentlichen Merkmale herangezogen, die das Problembild in der Rheydter Innenstadt skizzieren. Funktionale Gliederung Seit der kommunalen Neugliederung am 1. Januar 1975 ist die vormals selbständige Stadt Rheydt Teil der kreisfreien Stadt Mönchengladbach. Mönchengladbach ist wirtschaft- liches Oberzentrum und gleichzeitig größte Stadt am linken Niederrhein. Hervorzuheben ist die räumliche Nähe und damit auch funktionale Konkurrenz zu Düsseldorf (ca. 35 km östlich), Köln (ca. 50 km südöstlich) sowie zur nieder- ländischen Grenze (ca. 30 km westlich) mit den Städten Venlo und Roermond. Die Besonderheit der Stadt Mönchengladbach mit der Bipolarität der zwei Zentren Rheydt und Gladbach ist in dieser Konkurrenzsituation ohnehin eine gewisse Hypothek, da leistungsstarke Konzentrationen mit dem historisch dezentralen Charakter der Stadt nur schwer vereinbar sind. Die Existenz paralleler Angebote, beziehungsweise zentra- ler städtischer Institutionen ist deshalb in der Gesamtstadt deutlich erkennbar. Zudem liegen die beiden Innenstädte nur ca. 4 km voneinander entfernt. Die Bevölkerungsschwerpunkte finden sich dementspre- chend in den Bezirken Stadtmitte (58.000 Einwohner) und Rheydt-Mitte (41.000 Einwohner). Neben dem gesamtstäd- tischen Hauptzentrum Gladbach kommt der Innenstadt von Rheydt mit ihren knapp 13.000 Einwohnern aber eine bedeutende Rolle zu. Sie besitzt eine „Stellvertreter“- Funk- tion für die südlichen Stadtteile, konzentrieren sich doch hier viele der für Rheydt sowie die Gesamtstadt wichti- gen öffentlichen Einrichtungen und Angebote. Zu nennen sind dabei Verwaltungseinrichtungen wie das Technische Rathaus, Kultureinrichtungen wie das Theater sowie eine Konzentration von Gastronomie und Einzelhandel. Räumlich begrenzt wird die Innenstadt in Rheydt durch den so genannten Rheydter Ring. Entsprechend der Dimensi- on dieser Verkehrsfläche sowie ihrer starken verkehrlichen 14 Belastung wirkt der Ring wie eine Zäsur, die die Innenstadt von den umgebenden Quartieren trennt. Verstärkt wird diese Situation im Westen durch die Bahntrasse. Im Nor- den hingegen wirkt die Mühlenstraße durch ihre geringere Breite durchlässiger als die Limitenstraße im Osten und die Moses-Stern-Straße im Süden. Die Rheydter Innenstadt weist trotz des prägnanten Wie- deraufbaus insgesamt recht heterogene, vor allem sehr „löchrige“ Strukturen mit zahlreichen kleineren und größe- ren Brachen auf, wobei die verschiedenen Aufgaben und Nutzungen vier definierten Teilräumen zugewiesen werden können. Auffällig ist dabei – grob betrachtet – die Überlage- rung eines Ost-West- und eines Süd-Nord-Gefälles. Der südliche Stadtraum wird durch ein intaktes und attrakti- ves gründerzeitliches Wohnquartier geprägt, dem sich nach Norden die mittig in Ost-West-Richtung verlaufende Stre- semannstraße als Rückgrat des Einzelhandels anschließt. In den Straßen nördlich davon ist der Funktionsverlust im Einzelhandel – von einigen Lagen abgesehen – schon deut- lich erkennbar und wird in der Hauptstraße, die im Norden der Innenstadt ebenfalls in Ost-West-Richtung verläuft und die historische Hauptgeschäftsstraße war, sehr prägnant. In den Obergeschossen wird immer noch in nennenswertem Umfang gewohnt. Allerdings ist in diesem Teil der Innen- stadt die Wohnqualität aufgrund der Struktur mäßig und verschlechtert sich zum Nord-West-Rand der Innenstadt erheblich. Entlang der Bahnhofstraße im Südosten der Innenstadt hat sich mit einer Mischung aus Kneipen und Cafés die Gastro- nomienutzung etabliert. Lassen sich der Wohn-, Einkaufs- und Dienstleistungsfunk- tionen relativ klar abgrenzbare Teilräume zuweisen, ist dies für die kulturellen und sozialen Einrichtungen schwieriger. Denn sie prägen keinen kompletten Stadtraum, sondern mischen sich mit den anderen Funktionen. Schwerpunkte im sozialen Bereich bilden allerdings die beiden großen innerstädtischen Kirchen mit den dazugehörigen gemeindli- chen und sozialen Einrichtungen.


Gastronomie Wohnen | Handel Handel Wohnen In der Rheydter Innenstadt lassen sich vier unterschiedliche Stadträume identifizieren. Diese bilden funktional und struk- turell überschaubare Aktionsräume innerhalb des Gesamt- gefüges der Innenstadt und verlangen ein jeweils eigenes Handlungsrepertoire. 15


Lage des Einzelhandels Bundesweit ist ein laufender Strukturwandel im Einzelhan- del festzustellen, der insbesondere die schwächeren und weniger attraktiven Kerne trifft. Seit Ende der 1990er Jahre sind es vor allem die discountorientierten Betriebe, die an der Peripherie oder in innerstädtischen Randlagen gelegen den Innenstädten die Vitalität entziehen. Auch die abneh- mende Vielfalt des Warenangebotes ist mit für diese Ent- wicklung verantwortlich. In den Großstädten präsentieren sich über 75% der Geschäfte als Filialisten, das Angebot ist dementsprechend monoton und austauschbar. Insbesondere die Innenstadt von Rheydt hat mit diesem Funktionsverlust zu kämpfen. Erschwerend zu diesen im Einzelhandel bereits vorhandenen Tendenzen kommt noch das Nebeneinander der Zentren von Rheydt und Mön- chengladbach hinzu. Insgesamt verfügt die Stadt Mön- chengladbach über eine Verkaufsfläche von 510.000 qm im Ladeneinzelhandel. Davon entfallen momentan ca. 65.000 qm (13%) auf die Innenstadt von Mönchengladbach, wobei diese in Zukunft gegebenenfalls durch den Bau eines geplanten Handels- und Dienstleistungszentrums (HDZ) nochmals spürbar zunehmen wird. Es lässt sich festhal- ten, dass hier vier von zehn Kunden auswärtig sind. Die Innenstadt von Mönchengladbach übernimmt generell eine oberzentrale Versorgungsfunktion mit regionaler Strahlkraft. Ohne dass repräsentative Daten vorliegen, kann davon ausgegangen werden, dass in Rheydt hingegen mehr als 80% der Kunden aus dem Stadtgebiet von Mönchenglad- bach kommen. Die vorhandenen 43.000 qm Verkaufsfläche im Bereich des Ladeneinzelhandels entsprechen in etwa 8% der gegenwärtigen gesamtstädtischen Verkaufsfläche. Die verbleibenden 402.000 qm (79%) entfallen auf einzelne Stadtteilzentren und Versorgungsschwerpunkte im übrigen Stadtgebiet. Die Relation der Verkaufsfläche zu den Ein- wohnern verweist für die Rheydter Innenstadt auf eines von mehreren strukturellen Problemen, da die pro-Kopf-Quote Verkaufsfläche auch im Vergleich zu anderen Innenstädten ähnlicher Größenordnung recht hoch ist. Neben dieser generellen Überhangproblematik ist auch die innerstädtische schrittweise Verlagerung der Haupt- einkaufslage von der Hauptstraße zur Stresemannstraße 16 nicht folgenlos geblieben. Im Mai 2007 standen innerhalb des Rheydter Rings 20 Ladenlokale leer, wobei davon allein 11 Lokale unmittelbar an der Hauptstraße lagen. Mittler- weile hat sich dieses Bild noch verstärkt: Im April 2009 standen insgesamt 27 Ladenlokale leer, von denen 16 in der Hauptstraße lagen. Das begründet sich hauptsächlich durch die kleinteilige Geschäftsstruktur. Die Geschäftsgrö- ßen sind nicht mehr zeitgemäß, da sie Größen zwischen 30 und 200 qm vorweisen. Filialisten benötigen in der Regel eine Fläche zwischen 200 und 400 qm. Zudem sind die vorhandenen Zuschnitte oftmals ungünstig: Durch schmale, tiefe Geschäftsräume ist häufig nur wenig Schaufenster- fläche vorhanden. Eine äußerst heterogene Eigentümer- struktur führt außerdem dazu, dass Geschäftsräume nicht zusammengelegt werden können, um auf die erforderlichen Mindestgrößen zu kommen. Die vorhandenen Geschäftsgrößen sind zwar nicht alleinige Ursache des Leerstandes, aber dennoch einer der Gründe für die nicht stattfindende Neunutzung. Auch das Wegbre- chen der inhabergeführten Geschäfte ist ein Grund für den Leerstand. Die Hauptstraße war traditionell ein beliebter Standort, der allerdings wegen der häufig nicht gesicher- ten Betriebsnachfolge nach und nach aufgegeben werden musste, beziehungsweise aufgegeben wird. Zudem gibt es in diesem Bereich der Innenstadt seitens des Handels nahezu keinen Frequenzbringer, der zu einer Attraktivierung und Belebung des Stadtraumes beitragen könnte. Nach Schließung des Lebensmittelmarktes an der Hauptstraße / Ecke Friedrich-Ebert-Straße Mitte 2007 verödet insbeson- dere der westliche Teil zunehmend. Anders hingegen präsentiert sich die Stresemannstraße. Hier sind Karstadt und die Shopping Galerie Marienplatz Frequenzbringer und gleichzeitig wichtige Ankerpunkte. Die Ladengrößen sind zudem insgesamt besser nutzbar als in der Hauptstraße, was zu einer verstärkten Ansiedlung von Einzelhandelsbetrieben und somit einer erhöhten Besucher- frequenz geführt hat. Der Filialisierungsgrad beträgt etwa 60%, vertreten durch nationale und internationale Handels- ketten. Maßgeblich beeinflusst wurde diese Entwicklung durch den in den Jahren 1996 bis 1997 durchgeführten Umbau der Stresemannstraße zu einem verkehrsberu-


Leerstände in der Rheydter Innenstadt: 18. Mai 2007 Einzelhandel Leerstand Leerstände in der Rheydter Innenstadt: 8. April 2009 Einzelhandel Leerstand 17


higten Straßenraum. Jedoch ist auch hier ein Gefälle zu spüren. Die Einzelhandelsdichte ist auf der nördlichen Seite wesentlich stärker ausgeprägt als auf der südlichen und nimmt außerdem zum östlichen Ende hin merklich ab. Zurückzuführen ist diese Tatsache auf die Standorte der Magnetbetriebe. Ist die Situation am Marienplatz mit der dort vorzufindenden Shopping Galerie Marienplatz attraktiv, nimmt die Passantenfrequenz nach Erreichen des Karstadt deutlich ab. Der Einzelhandelsbesatz wird unattraktiv und die Stresemannstraße endet in einer Kreuzungssituation mit der stark befahrenen Limitenstraße. Trotz des vorhan- denen Gefälles ist die Stresemannstraße als 1A-Lage zu deklarieren. Damit stellt sie die einzige Lage dieser Katego- rie in der Rheydter Innenstadt dar. Ein kompakter Einzel- handelsbesatz besteht demnach nur in den Bereichen, die Shopping Galerie Marienplatz Hauptstraße 18 zugkräftige Magnetbetriebe aufweisen können. Die Quer- verbindungen in Nord-Süd-Richtung Marktstraße und Am Neumarkt sind unattraktiv und werden dementsprechend nicht genutzt. Als Konkurrent für die Rheydter Innenstadt fällt insbeson- dere der Innenstadt-Ergänzungsstandort Dahlener Straße mit rund 11.000 qm Gesamtverkaufsfläche ins Gewicht. Dieser gilt zwar durch seine Lage als integriert, wird aber durch die Bahnlinie räumlich und funktional von der Innen- stadt getrennt. Marktkauf Dahlener Straße Insgesamt präsentiert sich der Einzelhandel in Rheydt auf unter- schiedliche Weise. Neben der belebten Stresemannstraße mit ihren vielen Filialen fällt der Leerstand auf der Hauptstraße besonders negativ auf. Außerdem befinden sich außerhalb der Innenstadt groß- flächige Nahversorgungsstrukturen.


Stadt (-bezirk) Einwohner (EW) VK (Innenstadt) VK (Innenstadt pro EW) Rheydt-Mitte 41.353 43.000 m 2 1,03 m 2 Lünen 93.070 36.400 m 2 0,4 m 2 Marl 92.630 25.100 m 2 0,3 m 2 Moers 107.900 60.300 m 2 0,6 m 2 Rheine 77.000 54.300 m 2 0,7 m 2 Viersen 76.490 46.300 m 2 0,6 m 2 Das gegenläufige Gefälle der Einzelhandelszentralität der Handelslagen ist sowohl in der Haupt- als auch in der Strese- mannstraße deutlich spürbar. Die Tabelle zeigt, dass Rheydt im Vergleich zu wesentlich größeren Innenstädten einen sehr hohen Anteil an Verkaufsfläche aufweist. Gegenläufiges Gefälle der Einzelhandelszentralität in den beiden Handelslagen Haupstraße und Stresemannstraße Verkaufsflächenausstattung (VK) der Rheydter Innenstadt im Vergleich zu anderen Kommunen (Stand 2007) 19


Wohnen und Soziales Auf Grund der Nähe zu den zentralen Versorgungseinrich- tungen, kulturellen Angeboten sowie Schulen und Kinder- gärten kann die Innenstadt als attraktiver Wohnstandort bewertet werden. Bereits angesprochen worden ist das gründerzeitliche Wohnquartier im Süden der Innenstadt. Dieses befindet sich in dem Karree zwischen Stresemann-, Limiten-, Moses-Stern- und Odenkirchener Straße. Beson- dere Qualitäten stellen in diesem Bereich die attraktiven städtischen Wohngrundrisse sowie die begrünten Innenhö- fe dar. Probleme gibt es hauptsächlich mit dem in Rheydt domi- nierenden Wohnungsbestand aus den 1950er Jahren, die behoben werden müssen. Die Bausubstanz ist teils marode und die Wohnungszuschnitte entsprechen häufig nicht der aktuellen Nachfrage. Dabei gilt es die Zusammenlegung kleinerer Wohnungseinheiten zu großzügigen Stadtwohnun- gen zu berücksichtigen. Ein entspannter Wohnungsmarkt, Abwanderung, Ausstattungsmängel im Wohnbestand und sich verändernde Wohnwünsche führen in Mönchenglad- bach-Rheydt zu strukturellen Leerständen, aber auch zu sozialen Problemen. Der Wohnraum in der Rheydter Innenstadt ist sehr kleinteilig, ein Großteil des Wohnungsbe- standes besteht aus Ein- und Zwei-Raumwohnungen, die vielfach durch eine eher sozial schwache Klientel bewohnt werden. Auf gesamtstädtischer Ebene zeichnet sich bei den Mietrichtwerten eine Entwicklung ab, bei der die Mieten für neuere Wohnungen ab Jahrgang 1988 steigen (6,10 bis 7,10 EUR), die aller älteren Jahrgänge gehen hingegen zurück (4,30 bis 5,60 EUR). Im Vergleich zur Gesamtstadt zeigt sich, dass die Innenstadt von Rheydt einer der güns- tigeren Wohnstandorte ist, da fast keine neueren Gebäude mit qualitativ hochwertigen Wohnräumen vorhanden sind. Hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung ist festzustellen, dass die Bevölkerungsprognose der Stadt Mönchenglad- bach für den Stadtbezirk Rheydt-Mitte von einem Bevölke- rungsrückgang von 41.718 Einwohnern im Jahr 2006 auf 40.217 Einwohnern im Jahr 2020 ausgeht. Die folgenden Aussagen hingegen beziehen sich auf den statistischen Be- zirk 0733, der in der beigefügten Karte genau definiert wird. 20 Auch wenn im statistischen Bezirk 0733 die Bevölkeruns- verteilung positiver als in der Gesamtstadt Mönchenglad- bach ausfällt - größerer Anteil der unter 6-Jährigen und niedrigerr Anteil der über 65-Jährigen - zeigt sich doch ein deutliches Übergewicht an immer älter werdener Bevölke- rungsgruppen. Dies wird den Wohnungsmarkt insofern be- einflussen, als dass bei Beibehaltung der eher kleinteiligen Struktur ein Wohnungsüberschuss entstehen wird. Die Bewohnerstruktur von Rheydt ist multikulturell geprägt. Der Ausländeranteil im statistischen Bezirk beträgt Ende 2008 etwa 22,6% an der Bevölkerung, womit er deutlich über dem Wert der Gesamtstadt (10,3%) liegt. Zudem leben in Rheydt zusätzlich noch viele Deutsche, die eine zweite Staatsbürgerschaft besitzen. Der Wert von 14,6% liegt ebenfalls über dem von Mönchengladbach (9,3%). Es finden sich nach wie vor viele durchmischte Nach- barschaften innerhalb der Innenstadt. Insbesondere die südlichen und östlichen Quartiere sind hierbei zu nennen, etwas schwieriger gestaltet sich die Situation im Westen der Innenstadt. Dort sind leichte Segregationstendenzen erkennbar. Die Sozialstruktur der Bewohnerschaft ist in Rheydt ungünstig, weil es einen deutlich überdurchschnittlichen Arbeitslosen- bzw. ALG II-Anteilanteil im gewählten statis- tischen Bezirk gibt. Insgesamt liegt die Arbeitslosenquote der Bewohner zwischen 16-64 Jahren in Rheydt mit 18,1% (Stand Ende 2008) deutlich über der Zahl der Gesamtstadt, die 10,4% beträgt. Betrachtet man dazu auch die Zahl der ALG II-Empfänger so zeigt sich, dass dieser Wert im statis- tischen Bezirk (11,1%) sogar doppelt so hoch ist wie in der Gesamtstadt (5,3%). Die Anzahl an Arbeitslosen und ALG II-Empfängern nicht deutscher Bevölkerung in Rheydt liegt allerdings im Vergleich mit der Gesamtstadt Mönchenglad- bach immer unter der Gesamtstadt. Bei Arbeitslosen sind es 71,1% im Vergleich zu 84,1% in Mönchengladbach, bei den ALG II-Empfängern stehen 64% den 66,8% der Ge- samtstadt gegenüber. Die Zahlen zur Sozialstruktur stam- men alle von Ende 2008. Insgesamt fällt der hohe Anteil an 1-Personen Haushalten im Stadtteil Rheydt auf. Diese machen zum 30.6.2006


Anzahl der Haushalte Schloss Rheydt Bonnenbroich, Geneickent Rheydt Mülfort Heyden Geistenbeck Stadtbezirk Planauszug aus der Darstellung der statistischen Bezirke. Für die Rheydter Innenstadt werden im Wesentlichen die statistischen Bezirke 0733 (grün) und 073 (blau) herangezogen. Der nähere Untersuchungsraum ist gelb gekennzeichnet. Haushaltstrukturen im Stadtbezirk Rheydt- Mitte im Vergleich (Stand 2006) 1-Personen Haushalte 2-Personen Haushalte Alleinerziehende mit Kindern Ehepaare mit Kindern Sonstige Haushalte 21


58,1% der 6.971 gemeldeten Haushalte aus. Der An- teil von Ehepaaren mit Kindern hingegen liegt mit 7,5% deutlich unter der Gesamtstadt mit 15,2%. Die durch- schnittliche Anzahl der Personen pro Haushalt liegt mit 1,8 ebenfalls unter dem der Gesamtstadt mit 2,1 Personen pro Haushalt Stand: Dezember 2006. Aufgrund der Haushalts- strukur und dem dominierenden Gebäudebestand der 1950er Jahre ist von einem hohen Anteil an kleinen Wohn- einheiten auszugehen. Sofern es Wohnungen gibt, die Alter in Jahren Übergangsquote in % 22 schwieriger zu vermieten sind, handelt es sich dabei in der Regel um Wohnungen ab dem dritten Obergeschoss sowie denen im Dachgeschoss. Der Bestand ist häufig noch ohne Fahrstuhl ausgestattet, eine Nachrüstung entweder nicht möglich oder aber sehr kostenintensiv. Das ist häufig nicht nur für ältere Menschen ein Problem, auch von Fami- lien mit Kindern werden diese Wohnungen entsprechend selten nachgefragt. Altersstruktur (Stand 2008) Rheydt (statistischer Bezirk 073) Gesamtstadt Übergangsquote zum Gymnasium (Stand 2008) Rheydt (statistischer Bezirk 073) Gesamtstadt


Rheydt: Der Ausländeranteil im statistischen Bezirk 0733 beträgt rund 23% an der Bevölkerung. Rheydt: Die Arbeitslosenquote der Bewohner zwischen 16-64 Jahren liegt im statistischen Bezirk 0733 bei 18,1%. Mönchengladbach: In der Gesamtstadt beträgt der Ausländeranteil rund 10%. Mönchengladbach: Auf gesamtstädtischer Ebene liegt die Arbeitslosenquote zwischen 16-64 Jahren bei 10,4%. Ausländeranteil in % (Stand 2008) Arbeitlosenquote in % (Stand 2008) 23


Verkehrssituation Die Innenstadt von Rheydt ist verkehrlich sehr gut ange- bunden. Der Stadtteil verfügt auf Grund seiner langjährigen Selbständigkeit über einen eigenen Hauptbahnhof, der an das Nahverkehrsnetz der Deutschen Bahn angeschlossen ist. Der Busbahnhof vor dem Bahnhofsgebäude wird seinem Zweck entsprechend genutzt, bleibt in der Frequentierung jedoch hinter dem Marienplatz zurück. Dieser gilt neben dem zentralen Busbahnhof am Hauptbahnhof Mönchengladbach als wichtigster Umstiegsplatz im gesamten Stadtgebiet. Von diesem, wie auch vom offiziellen Busbahnhof, besteht Anschluss an zahlreiche Buslinien ins Umland. Ergänzt wer- den die beiden zentralen Umsteigeplätze durch drei weitere Bushaltestellen im Innenstadtbereich. Diese befinden sich an der Brucknerallee und an der Limitenstraße auf Höhe des Marktplatzes sowie der Hauptstraße/Marktplatz und Wil- helm-Schiffer-Straße. Diese soll allerdings durch die wieder in Betriebnahme der Bushaltestelle an der Friedrich-Ebert- Straße am westlichen Ende der Hauptstraße ersetzt werden. Die dort ansässigen Einzelhändler erhoffen sich von dieser Maßnahme eine Belebung des Abschnittes der Hauptstraße, der momentan mit einem massiven Funktionsverlust umzu- gehen hat. Sehr gut erreichbar ist die Innenstadt auch mit dem PKW. Insgesamt fünf Parkhäuser und eine Tiefgarage ermöglichen das Parken in unmittelbarer Citynähe. Insge- samt stehen 2.920 innerstädtische Stellplätze zur Verfügung. Ergänzend zu den Parkhäusern kommen noch der Parkplatz an der Gracht, vor der alten Post, an der Mittelstraße und vor der Sparkasse sowie zahlreiche straßenbegleitende Stellplätze hinzu. Damit ergibt sich ein optimales Parkrau- mangebot in der Innenstadt. Von keinem Punkt der Haupt- geschäftslage aus ist man weiter als 200 m von einem Stellplatz entfernt. Der Rheydter Ring sollte die Innenstadt vom Durchgangsver- kehr entlasten und durch entsprechende Parkplatzangebote die Verkehrsströme von Besuchern des Zentrums frühzeitig abfangen. Alle Straßen innerhalb des Ringes sollten nur eine Erschließungs- und Andienungsfunktion haben, wodurch die Aufenthaltsqualität und das Erlebnis „Einkaufen in der Innen- stadt“ dem Grunde nach attraktiviert würde. Das Ringsystem sowie die Verkehrsführung innerhalb des Ringes sind daher so zu konzipieren, dass Abkürzungs- und Durchgangsver- 24 kehre vermieden und notwendiger Andienungsverkehr mög- lichst verträglich organisiert werden kann. Die Durchführung dieses gedanklichen Systems ist jedoch nicht konsequent durchgehalten worden, sodass das Umlenken des Ver- kehrs nicht in allen Bereichen der Innenstadt gleichermaßen funktioniert. Um den Durchgangsverkehr zu vermeiden und neue Aufenthaltsqualitäten zu schaffen, ist die Stresemann- straße seit ihrem Umbau nur für den öffentlichen Verkehr, Taxen und Anlieger freigegeben. Im heutigen Verkehrslen- kungskonzept sichert die Stresemannstraße die Anfahrt der verwaltungseigenen Tiefgarage unter dem Karstadtgebäude, des Parkplatzes vor der Sparkasse, des Parkhauses an der Shopping Galerie sowie weitere ebenerdige Stellplätze in der Stresemann-, Harmonie- und Marktstraße. Gerade die oberirdischen Stellplätze erzeugen einen hohen Anteil an Parksuchverkehr und sorgen für ein erhöhtes Verkehrsauf- kommen in diesen Bereichen. Im östlichen Abschnitt der St- resemannstraße liegt somit das heutige Verkehrsaufkommen bei etwa 10.000 Kfz pro Tag, also deutlich über dem durch die Verkehrsberuhigungsmaßnahmen anvisiertem Ziel von 5.000 Kfz pro Tag. Mit über 3.000 Kfz pro Tag ist immerhin ein Drittel reiner Durchgangsverkehr. Dies liegt auch daran, dass der Anliegerbereich nicht konsequent überprüft werden kann, da jedes der dort fahrenden Fahrzeuge theoretisch ein Anliegen haben kann. Insbesondere die verbotene Gerade- ausfahrt über die Kreuzung Marienplatz aus der Dahlener Straße kommend wird von den Kfz-Fahrern als geringer verkehrsrechtlicher Übertritt angesehen. Weiterhin besteht großer Handlungsbedarf bezüglich des Radverkehrs. Bisher ist das Radwegenetz in Rheydt als un- zureichend zu bezeichnen. Die Wegeführung von außerhalb in die Innenstadt gestaltet sich schwierig, da entsprechende Radwege nicht existieren, mangelhaft ausgestaltet oder nur in eine Fahrtrichtung angelegt sind. Die vorhandenen Wege enden überwiegend am Rheydter Ring. Vorhandene Ein- bahnstraßen im Innenstadtbereich sind für den Radverkehr nur in Fahrtrichtung freigegeben und die Fußgängerzone ist für Radfahrer gänzlich gesperrt. Dies führt zu Umwegen, auf die Fahrradfahrer wesentlich sensibler reagieren als der Pkw- Verkehr. Es lässt sich somit ein Ungleichgewicht zwischen den verschiedenen Verkehrsarten zum Nachteil des Radver- kehrs feststellen.


In der Rheydter Innenstadt kommt es an einigen Stellen zu Problemen in der Verkehrsorganisation. Dies betrifft sowohl den Pkw- als auch den Fuß- und Radverkehr. Die Erreichbarkeit der Innenstadt ist sehr gut. Deutlich wird dies durch die Darstellung in Form von Radien mit einem Einzugebereich von jeweils 150 m und 300 m. P P Bushaltestelle Bahnhof Parkplatz Parkhaus 150 m Erreichbarkeit 300 m Erreichbarkeit 25


Stadtbild Die Geschichte einer Stadt hinterlässt auch immer ihre Spuren im Gesicht der Stadt. Ganz deutlich zeigt sich im Bild der Rheydter Innenstadt der Grad der Kriegszerstö- rung wie die damals ambitionierte Aufbauplanung. Insbe- sondere die Hauptstraße, der Marktplatz und die Limiten- straße haben in den frühen 1950er Jahren ihre heutigen Prägungen erfahren. Wohltuend ist, dass das Rathaus und die evangelische Hauptkirche noch an das frühere Stadt- bild rings um den Marktplatz ein wenig erinnern. Auch der Marienplatz mit der Marienkirche und die alte Post zeugen von dem Bild, das die Rheydter Innenstadt bis zu ihrer Zer- störung besaß. Wenn auch vereinzelt und verstreut, so ist dies ein Potenzial, das es wieder zu entdecken und zu nut- zen gilt. Diese Stadträume haben allerdings in der jüngeren Vergangenheit noch an Attraktivität einbüßen müssen. Der Marienplatz ist zwar nach wie vor der zentrale Umstei- geplatz für den Busverkehr, die Gestalt- und Aufenthalts- qualität ist aber dürftig. Die Service-Stelle für die Busfahrer mit der integrierten gastronomischen Nutzung zerteilt den Platz und lässt ihm wenig Raum. Die Bushaltestellen sind überdimensioniert und versperren zudem den Blick auf das Portal der Marienkirche. Die Hauptstraße ist trist und verödet zunehmend. Auffallend sind dabei die zahlreichen Geschäftsleerstände, die der Straße ein unbelebtes Gesicht verleihen. Es ist nicht förderlich, dass die im Rahmen der Wiederaufbauplanung als Einheit konzipierte Bebauung mittlerweile eine sehr heterogene Fassadengestaltung auf- weist. Unterstützt wird dieser Eindruck von Uneinheitlichkeit zusätzlich durch die vielfältige Ausgestaltung von Vordä- chern und Werbeträgern, die sich in den Räumen zwischen den Kammbauten präsentieren. Zusätzlich verstärkt wird der Eindruck der Verödung durch den größtenteils unge- nutzten Harmonieplatz und die stadtgestalterisch unbe- friedigende Eingangssituation zur Friedrich-Ebert-Straße. Auch der Marktplatz ist baulich nicht gefasst, wird optisch durch die Betonpavillons verbaut und bietet um die Haupt- kirche und das Rathaus zu wenig qualitätsvolle Flächen. Vor allem die geringe Qualität der Oberfläche strahlt auf die gesamte Wirkung des Marktplatzes negativ aus. Diese ist sowohl optisch als auch funktional nicht mehr zeitgemäß und bedarf einer kompletten Erneuerung. In der gesamten 26 Innenstadt lassen sich zudem immer wieder fehlende archi- tektonische Qualitäten und äußerst heterogene Fassaden- gestaltungen feststellen. Nicht nur das innere Bild entspricht nicht mehr heutigen Anforderungen an eine attraktive Innenstadt, die Raumer- lebnis und Aufenthaltsqualität gewährt, auch das Bild von Außen ist unansehnlich. Sowohl die gestalterische Qualität der Zufahrtsstraßen auf die Rheydter Innenstadt sowie die der Kontur der Innenstadt selbst sind mehr als unbefriedi- gend. Der Bau des Rheydter Rings hat zu stadträumlichen und -gestalterischen “Wunden“ geführt, die bis heute nicht “verheilt“ sind. Auf Grund ihrer problematischen Lagebedin- gungen werden diese auch so schnell nicht „verheilen“. Als problematisch erweisen sich dabei insbesondere der Be- reich Moses-Stern-Straße sowie der nördliche Teil der Wil- helm-Schiffer-Straße. Hier sind verstärkt Baulücken, nicht geschlossene Blockstrukturen und folglich sichtbare Rück- seiten zu finden, die das Stadtbild negativ beeinflussen. Mit dem Lankes-Gelände befindet sich eine Brachfläche in unmittelbarer Innenstadtnähe. Zusätzliche Schwierigkei- ten ergeben sich in diesem Innenstadtbereich durch die Schließung des Plus-Marktes, den geplanten Fortzug des Finanzamtes, die undefinierte Situation der Fläche neben dem City Parkhaus sowie dem unstrukturierten Baublock zwischen Wilhelm-Schiffer- und Friedrich-Ebert-Straße. Blick von der Moses-Stern-Straße auf die Alte Post Blick von der Wilhelm-Schiffer-Straße in den Block an der Kloetersgasse


Dem Karree fehlen die „Ecken“, dadurch werden tiefgreifende stadträumliche „Wunden“ offenbart. Das Stadtbild und die Stadt- gestalt bedürfen in der Rheydter Innenstadt an einigen Stellen der Pflege und Reparatur. 27


Freiräume Bis auf die Grünfläche um das Theater und den Hugo- Junkers-Park sind keine nennenswerten Freiräume mit Aufenthaltsqualität innerhalb oder in unmittelbarer Nähe des Rheydter Ringes zu finden. Attraktive Grünwegeverbin- dungen fehlen ebenso. Für die Erreichbarkeit des Hugo- Junkers Parks kommt außerdem erschwerend hinzu, dass der Eingang von der Gartenstraße fast vollständig verbaut ist und die Grünfläche somit im Stadtraum nur sehr schwer wahrnehmbar ist. Problematisch sind weiterhin die Grünbereiche um die Haupt- und die Marienkirche. Beide Gebäude werden zwar von Grünbereichen umgeben, diese sind allerdings unge- staltet und bieten keine Aufenthaltsqualität. Ähnlich verhält es sich mit der Fläche neben dem City Parkhaus. Auch hier wirkt die Bepflanzung wenig attraktiv und der Platz bleibt folglich ungenutzt. Außerdem ist auch die Lage an der Marktplatz zur Limitenstraße Stresemannstraße Schmölderpark 28 Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße / Mühlenstraße, unmittel- bar zwischen dem Parkhaus sowie dem brachliegenden Lankes-Grundstück äußerst unattraktiv. Weitere Freiräume finden sich eher in Form von begrünten Innenhöfe im südlichen Innenstadtbereich sowie Flächen um die Berufschulen, den Kindergarten und das Gymnasi- um nördlich des Rheydter Ringes. Diese sind allerdings auf Grund ihres Charakters als private Grünflächen nicht für die Öffentlichkeit zugänglich und können folglich nur wenig zur Attraktivierung der Innenstadt beitragen. Der Schmölderpark hingegen ist zwar eine öffentliche Parkanlage und qualitativ hochwertig, wird aber von der Innenstadt aus durch die Bahntrassen räumlich getrennt und ist daher nur schwer erreichbar. Die vorhandenen Un- terführungen sind stark vernachlässigt und werden von der Bevölkerung dementsprechend gemieden. Die Grünflächen in der Rheydter Innenstadt bieten sehr unter- schiedliche Aufenthaltsqualitäten. Auf dem Marktplatz besitzen die Grünbereiche, außer den großen Platanen, keine Aufenthaltsqualität und das Straßenbegleitgrün in der Stresemannstraße wird durch die „Stahlgerüste“ kontrovers diskutiert. Der Schmölderpark hingegen ist eine qualitativ sehr hochwertige Parkanlage, die von der Bevölkerung sehr gut angenommen wird, aber durch die Barrierewirkung der Bahndämme von der Innenstadt stark abgtrennt ist.


Der Innenstadtkern von Rheydt weist keine öffentlichen Grünräume auf. Freiraumbereiche finden sich nur in der Um- gebung. Diese sind allerdings von der Innenstadt aus zumeist schwer zugänglich oder besitzen keine Aufenthaltsqualität und sind dementsprechend unattraktiv. 29


Fazit Zusammenfassend und plakativ lässt sich festhalten, dass die Rheydter Innenstadt zahlreiche Probleme aufweist, die sich teilweise gegenseitig zu ungünstigen Problemlagen verstärken und räumlich konzentrieren. Im Einzelnen sind dies • die innerstädtische und regionale Konkurrenzsituation, • ein allgemeiner, aufgestauter Modernisierungsbedarf der 30 Raum- und Nutzungsstruktur, • die Überdehnung der Geschäftslagen, • die hohe Leerstandsquote von Ladenlokalen, • ein gegenläufiges Qualitätsgefälle in der Hauptstraße und in der Stresemannstraße • die geschichtlich bedingte, hohe Verkaufsfläche pro Kopf, • ungünstige Größen und Zuschnitte der Ladenlokale, • die schlechte Sortimentsstruktur und unvorteilhafte Wa- renpräsentationen, • die Erosion inhabergeführter Geschäfte, • teilweise komplette Gebäudeleerstände, • der tendenzielle Wegfall zentraler Einrichtungen, • nur wenig stadträumliche und architektonische Qualitäten, • unattraktive Zuläufe auf die Kernlagen, • umfangreiche Brachflächen in zentralen Lagen mit schwierigen Entwicklungsperspektiven, • erheblicher Modernisierungsbedarf der innerstädtischen Wohnangebote sowie • eine ungünstige Sozialstruktur der Bewohnerschaft der Innenstadt. Diese komplexe Problematik macht die Notwendigkeit in- tegrierten und konzentrierten Handelns deutlich, denn man wird sich weder Maßnahmen mit nur einseitigen Wirkungen leisten können, noch wird sich flächendeckend die Proble- matik beheben lassen. Schwerpunktsetzungen sind in jeder Hinsicht erforderlich. Ebenso notwendig sind aber auch die Verbreiterung der Akteursbasis sowie ein breiter Konsens über die Entwicklungsziele und -strategien zur Revitalisie- rung der Rheydter Innenstadt. Deshalb wurde bislang bei der Erarbeitung des Innenstadtkonzeptes großen Wert auf ein dialogorientiertes Verfahren gelegt. Die Verstetigung des Dialoges und der Kooperationsbereitschaft ist noch bedeu- tender für die Umsetzungsphase. Auffällig ist die überdurchschnittliche Anzahl von Leerständen in der Rheydter Innenstadt. Insbesondere die Hauptstraße hat hohe Leerstandsquoten aufzuweisen, die das Erscheinungsbild dieses Straßenzuges prägen und in seiner Qualität deutlich abwerten.


Gasse hinter der Sparkasse Paulstraße Marktplatz nach Norden Neumarkt Posthof von Bahnhofstraße Die Rheydter Innenstadt hat bezüglich der öffentlichen Räume derzeit wenig Gestalt- qualität vorzuweisen. Der Marktplatz als „Mittelpunkt“ der Innenstadt bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück und auch andere Bereich wirken stark vernachlässigt. 31


03 Prozessgestaltung


Prozessgestaltung Die notwendige Akzeptanz von Strategien, Konzepten und Maßnahmen in der Öffentlichkeit steigt in dem Maße, wie Planungsprozesse offen für Anregungen aus der Bürger- schaft und von Schlüsselakteuren sind. Es ist deshalb heutzutage unverzichtbar, insbesondere bei komplexen Problemlagen den Planungsprozess so anzulegen und zu gestalten, dass diese Offenheit gegeben ist. Dazu gehören eine umfassende Information der Bürgerschaft mit einem Spektrum bewährter Medien, ein hohes Maß an Transpa- renz der Verfahrensabläufe und eine intensive Kommuni- kation mit diversen Beteiligungsangeboten zwischen und mit den wesentlichen Schlüsselakteuren aus Vertretern der Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Kirche und Kultur sowie lokalen Institutionen und Vereinen. Ein partizipativer Ent- wicklungsprozess muss auch in Rheydt Kooperationen zwischen öffentlicher und privater Hand fördern und eine Aufbruchstimmung erzeugen, die alle Akteure zum Mitma- chen aktiviert. Für die Erarbeitung des Innenstadtkonzeptes wurde ein besonderes Vor- gehen gewählt. Die gemeinsame Arbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort prägte den gesamten Prozess. • Sammeln von Informationen • Auswerten der Informationen • Entwicklung von Leitbildern und 34 Szenarien • Vorbereitende Öffentlichkeitsarbeit • Innenstadtforen • Vorortbüro „city-werkstatt“ • Entwicklung von Projekten • Förderung von Initiativen Die drei Innenstadtforen Die Besonderheit in der Prozessgestaltung für die Ent- wicklung des Innenstadtkonzeptes für Rheydt liegt darin begründet, dass für eine Beteiligung aller Akteure, aber auch der Bewohner von Rheydt bisher insgesamt drei Innenstadtforen stattgefunden haben. Eine erste öffentliche Auftaktveranstaltung wurde am 12. Juni 2007 durchgeführt, in der erste Eindrücke aus der ersten Bestandaufnahme präsentiert wurden und der geplante Erarbeitungsprozess des Innenstadtkonzeptes allen Teilnehmern näher gebracht werden konnte. Das Forum stellte den Beginn des breit angelegten öffentlichen Dialogs über die Zukunft der Innen- stadt dar. Es wurde über Stärken, Schwächen und Poten- ziale des Zentrums mit allen Beteiligten diskutiert. Im zwei- ten Innenstadtforum – die öffentliche Bilanzveranstaltung, die am 14. November 2007 durchgeführt wurde – wurden generelle Zielsetzungen und erste konzeptionelle Ansätze erläutert. Ergebnisse der Expertenwerkstätten und erste Analysen wurden themenspezifisch präsentiert und weiter- hin sind Aussagen zu den Themenfeldern Wohnen, Kultur, • Auswerten der Bürger- anregungen • Vertiefung ausgewählter Bereiche • Entwicklung einer Umset- zungsstrategie und Benen- nung der Bausteine • Öffentliche Vorstellung und Diskussion • Politische Diskussion • Beschlussfassung


Hier sieht man plakativ wie der Verfahrensablauf strukturiert ist: Auftaktveranstaltung - Bilanzveranstaltung - Abschlussveranstaltung 35


Freizeit, Einzelhandel, Verkehr und Stadtgestalt getroffen worden. Schlüsselprojekte zeigen zusammenfassend den Bedarf, an welchen Stellen besonderer Handlungsbedarf besteht. Zum Schluss – um die Konzentration auf Schlüs- selprojekte der Öffentlichkeit näher zu bringen und erste Verstetigungsmöglichkeiten für den weiteren Prozess auf- zuzeigen – fand am 5. Juni 2008 eine Abschlussveranstal- tung statt. Nachdem Strategien der Realisierung aufgezeigt worden sind, konnten die Ergebnisse des Innenstadtkon- zeptes in breitem Rahmen diskutiert werden. Mit jeweils rund 400 Personen waren die Foren insgesamt sehr gut besucht, so dass viele lebhafte Diskussionen stattfanden. Themenorientierte Werkstätten Nachdem das erste Innenstadtforum durchgeführt worden war, wurde in Form thematischer Werkstätten der weite- re Handlungsbedarf mit Entwicklungsschwerpunkten für Rheydt mit Akteuren der unterschiedlichsten Disziplinen erarbeitet. Die Werkstätten gaben anders als die Innen- stadtforen die Chance, in einem kleinen Kreis einzelne für die Innenstadtentwicklung relevanten Themen intensiv und mit einer gewissen Offenheit zu diskutieren. Oftmals setzte Historische Bilder des Rheydter Marktplatzes 36 sich der Kreis der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Werkstätten aus Personen zusammen, mit denen zuvor bereits auch Einzelgespräche geführt werden konnten. Die Werkstätten gaben damit auch die Möglichkeit, un- terschiedliche, teils kontroverse Positionen zusammen zu führen und problem- und lösungsorientiert zu dikutieren. Zudem wurden räumliche und funktionale Entwicklungssze- narien, ein Leitbild für Rheydt und erste Realisierungskon- zepte gemeinsam in diesen Arbeitskreisen entwickelt. The- menbereiche waren in diesem Zusammenhang Städtebau, öffentlicher Raum und Verkehr, der Komplex Einzelhandel und Marketing, Wohnen in der Stadt, Freizeit und Kultur in der Stadt und abschließend ging es auch um Schlüsselpro- jekte der Innenstadtentwicklung. Die konzentrierte Arbeit in den Werkstätten hat auch dazu geführt, potenzielle Mitstrei- ter für den Umsetzungsprozess zu finden und zu binden. In den Werkstattgesprächen z.B. zum Thema „Marktplatz Rheydt“ wurden viele historische Pläne, Karten und Ansichten verwendet, um die Rahmenbedingungen der Themen zu erarbeiten.


Die Beteiligungsmöglichkeiten waren breit gefächert. Sowohl in drei großen öffentli- chen Innenstadtforen als auch in thematisch orientierten Werkstattgesprächen konnte sich die Bürgerschaft gemeinsam über die Zukunft der Rheydt Innenstadt diskutieren. 37


Die öffentlichen Innenstadtforen sowie die Expertenwerk- stätten stellen wesentliche Bausteine des Beteiligungsver- fahrens des Innenstadtkonzeptes dar. Damit unterscheidet sich der Prozess in Mönchengladbach-Rheydt von üblichen Bürgeranhörungen im Sinne formalisierter Planungsver- fahren. In beiden Beteiligungsformen wurde auf aktive Mitwirkung möglichst vieler Bürger an der Erarbeitung des Innenstadtkonzeptes gesetzt. Die city-werkstatt Eine „city-werkstatt“ in einem leer stehenden Ladenlokal in den Pavillons auf dem Marktplatz war zentrale Anlaufstelle der Rheydter Bürgerschaft. Dort konnte man sich über den aktuellen Planungsprozess informieren und auch eigene Anregungen, Ideen und Lob oder Kritik in einem persönli- chen Gespräch abgeben. Auf großformatigen Plänen wur- den Meinungen zu Potenzialen und Mängeln der Rheydter Innenstadt fixiert. Die city-werkstatt ist ein Ort an dem Ideen 38 entstehen oder vielleicht sogar realisiert werden können, sie bietet Raum für kreative Arbeit und konstruktive Diskusssi- onen. Die city-werkstatt war zudem Veranstaltungsort der themenbezogenen Werkstätten. Projektzeitungen Im Mittelpunkt der Erarbeitung des Innenstadtkonzeptes steht insgesamt der dialogorientierte Prozess, bei dem die Mitwirkung der breiten Öffentlichkeit einen besonderen Stellenwert einnimmt. Über drei Projektzeitungen zur Innen- stadtentwicklung von Rheydt konnte sich die Bürgerschaft auf die jeweiligen Innenstadtforen einstimmen und vorab informieren. Die Zeitungen dienen als Informationsgrundla- ge während des gesamten Planungsprozesses. Internetseite Für weitergehende Informationen und Materialien, die das Innenstadtkonzept und die Entwicklung von Mönchenglad- Die city-werkstatt am Rheydter Marktplatz Die city-werkstatt war Anlaufstelle für die Rheydter Bevölkerung. Hier konnten sie sich über die jeweiligen Arbeitsstände informieren, Aus- arbeitungen von Schulklassen zum Thema Innenstadtentwicklung begutachten und ihre Ideen, Anregungen und Kritik in persönlichen Gesprächen einbringen oder auf „Ideenzetteln“ festhalten.


Die drei Projektzeitungen zur Innenstadtentwick- lung von Rheydt haben die Bürgerinnen und Bür- ger auf die jeweiligen öffentlichen Innenstadtforen eingestimmt und vorab informiert. Über die Internetseite www.innenstadtkonzept-rheydt.de konnte sich die Rheydter Bürgerschaft über den aktuellen Planungsstand informieren, Dokumente herunterladen und per Mail ihre Anregun- gen an die Stadt und das Büro scheuvens + wachten versenden. den. Die Internetseite steht auch weiterhin zur Verfügung. 39


bach-Rheydt betreffen, wurde die Internetseite „Innenstadt- konzept-Rheydt“ konzipiert. Auf dieser Plattform können sich Interessierte – unter der Adresse www.innenstadtkon- zept-rheydt.de – sowohl über das Innenstadtkonzept und den Planungsprozess informieren als auch ihre Meinung zu den unterschiedlichsten Themen abgeben. Unter dem Punkt „Innenstadtkonzept“ wird das Gesamtkonzept für Rheydt der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. In der Rubrik „Veranstaltungen“ werden Informationen über den Planungsprozess gegeben. Zu den drei Innenstadtforen können sowohl Informationen in Form von Präsentationen der Veranstaltungen abgerufen als auch die Projektzei- tung geladen werden. In dem Bereich „Mitmachen“ sollen Gespräche über die Zukunft von Rheydt in Gang kommen. Bürger, aber auch Besucher von Rheydt können Stärken und Schwächen der derzeitigen Situation schriftlich benen- nen und an die Stadt und das Büro scheuvens + wachten versenden. Die intensive Öffentlichkeitsarbeit hat bisher dazu beige- tragen, die schwierige Stimmungslage vor Ort und das gegenseitige Vertrauen zu verbessern. Durch den Besuch von rund 1.200 Bürgerinnen und Bür- gern bei den drei Innenstadtforen, rund 300 Bürgerinnen und Bürgern sowie Schlüsselakteuren in den verschiedenen Werkstätten, ca. 8.000 Besucherinnen und Besuchern der interaktiven Internetseite zum Innenstadtkonzept, unzählige Besucherinnen und Besucher der „city-werkstatt“, 1.500 Projektzeitungen und einer breit angelegten Pressearbeit wurde der Anspruch an Dialogorientierung umgesetzt. Sofortmaßnahmen Bei einer so komplexen Problematik und in einer derart schwierigen Situation kann das dialogorientierte Verfahren wegen seines notwendigen Zeitaufwandes schnell durch die Ungeduld der beteiligten Akteure infrage gestellt werden. Es ist deshalb erforderlich, immer wieder den Nutzen eines der- artigen Vorgehens herauszustellen. Während des Prozesses wurde deshalb eine Reihe von Sofortmaßnahmen identifi- ziert, vorbereitet und durchgeführt, um die Innenstadt mit kleinen, aber symbolträchtigen Maßnahmen unbeschadet der notwendigen Langfriststrategie aufzuwerten. Dies sind 40 • der Neuanstrich alter Laternen, von Pollern und ande- rem Straßenmobiliar, • die Unterstützung der Blumenaktion des Rheydter City-Management e.V. durch Übernahme von Baum- und Blumenkübelpatenschaften zur Aufwertung des öffentlichen Raumes, • die Beseitigung von Wildwuchs, • die Beseitigung der Müllproblematik durch Anpassung der innerstädtischen Abfuhrbezirke, • die Installation eines „Qualitätssiegels Shopgestaltung“ zur Anerkennung besonders gelungener Gestaltungsi- deen und • eine zukunftorientierte Beseitigung von Leerstand durch ansprechende Zwischennutzungen.


Die Rheydter Bürgerschaft wurde unter anderem durch in der Innenstadt ausgehängte Plakate auf die drei Innenstadtforen aufmerksam gemacht und herzlich eingeladen. 41


Auswahl einiger Ergebnisse der Bürgerbeteiligung Stärken und Schwächen 42 Öffentlicher Raum Positives • verschiedene unterschiedlich große Plätze • Cafés und Kneipen als Treffpunkte • gute Gestaltung des Sparkassenvorplatzes • verlegte Stolpersteine für im NS-Staat ermordete Mitmenschen • Gestaltung der Stresemannstraße Negatives • heruntergekommene Geschäftsauslagen • mangelhafte Pflege der öffentlichen Anlagen • fehlende Gestaltungsqualität auf Plätzen • kaum Spielmöglichkeiten für Kinder • Pflasterung am Marienplatz ist qualitativ minderwertig und beinhaltet Stolperfallen • starke Ausprägung des „Schilderwaldes“ Marktplatz Positives • Cafés am Markt, in der Markt- und Bahnhofstraße • Evangelische Hauptkirche und historisches Rathaus Negatives • Vermüllung des Marktplatzes • Hauptkirche ist städtebaulich nicht eingebunden • Lärmbelästigung durch lange Öffnungszeiten der dort ansässigen Gastronomie • Nutzung des Marktes als Abkürzung und als zusätzliche Parkfläche für Autofahrer durch fehlende Poller Einzelhandel Positives • Vielfalt des Angebots • Verbindung verschiedener Straßen durch die Passagen • Bestehen kleiner Einzelhändler neben Kaufhausketten Negatives • untransparente Öffnungszeiten • überhöhte Mieten • leere Ladenlokale und Schaufenster • Benachteiligung der Hauptstraße durch Stärkung der Achse Moses-Stern-Straße mit Real • unattraktive Passage zwischen Karstadt und Rathaus • Geschäfte auf der Mittelstraße (Aldi, Lidl, Marktkauf, Plus) Verkehr Positives • gute Erreichbarkeit der Rheydter Innenstadt • gute Verteilung der Parkhäuser • abgestimmter Busverkehr am Marienplatz Negatives • Orientierung für Autofahrer nicht ausreichend • starker Verkehr in der Bahnhofstraße • lange Wartezeiten auf die Busse • Busbahnhof am Hauptbahnhof funktioniert nicht


Auswahl einiger Ergebnisse der Bürgerbeteiligung Ideen und Anregungen Allgemeines • Schaffung eines größeren Kulturangebotes • Förderung von Initiativen zur besseren Identifikation mit dem Stadtteil • Aufwertung des Erscheinungsbildes der Innenstadt durch gestalterische und städtebauliche Einheitlichkeit Öffentlicher Raum • Ansiedlung weiterer Bistros, Cafés, Kneipen und Diskos • Aufstellung weiterer Mülltonen, nach Möglichkeit mit integriertem Aschenbecher • Öffnung der Fußgängerzone in den Abendstunden für den Taxiverkehr • bessere Beschilderung zum Schmölderpark, Spielplatz und Stadttheater • Aufwertung der Straßen und Plätze durch Sitzmöglichkeiten, Bäume und Spielgeräte • Aufstellen weiterer Sitzgelegenheiten • alternative Finanzierungsmöglichkeiten wie Sponsoring oder Patenschaften für Grünfllächen • mehr Polizeikräfte zu Fuß oder Fahrradstreifen zum ver- besserten Sicherheitsempfinden der Bürger • Wasserweg an der Wilhelm-Strater-Straße durch Bäume ersetzen Marktplatz • Schaffung eines Treffpunktes außerhalb des Marktplatzes für Obdachlose und Drogenabhängige • kleine Bühne für Events • ständiger Wochenmarkt • Erweiterung des Wochenmarktes auf die Hauptstraße • Abriss der Pavillons und Ersatz durch Bäume • Straßenbegleitgrün ebenfalls im Bereich der Marktstraße • Umbau des Marktplatzes unter behindertengerechten Gesichtspunkten Einzelhandel • temporäre Nutzung der Schaufenster der leerstehenden Ladenlokale als Ausstellungsräume für Vereine oder Wan- derausstellungen • Umbau Rheydts zu einem Factory Outlet Center nach dem Roemonder Vorbild mit hochwertiger Ware • Erweiterung der Überdachungen zur Möglichkeit des „Schlechtwettereinkaufs“ • mehr verkaufsoffene Sonntage und besondere Öffnungs- zeiten (z.B. bis 24 Uhr) • Bildung von Themenschwerpunkten, die noch nicht von Mönchengladbach besetzt sind, um das Profil von Rheydt zu schärfen und eine Konkurrenzsituation zu vermeiden Verkehr • Abstimmung der Einbahnstraßenregelungen • Öffnung Mühlenstraße für beide Fahrtrichtungen • Nutzung von „leisen“ Straßenbelägen • Fußgängerzone in der Bahnhofstraße • kostenloses Parken an Samstagen • Radwegeplan für den gesamten Innenstadtbereich • Priorisierung des Fußgängerverkehrs auf der Stresemann- straße 43


04 Räumliches Leitbild


Räumliches Leitbild Für die Aufwertung der Rheydter Innenstadt wurde ein räumliches Leitbild entwickelt, welches drei Bestandteile besitzt. Das Leitbild geht davon aus, dass eine Stärkung der Innenstadt im Wesentlichen über eine Stärkung des Wohnens erreicht werden kann und dass eine konzentrierte Verknüpfung der heute schon leistungsfähigen Lagen in der Innenstadt erforderlich sein wird. • Eine diagonal durch die Innenstadt verlaufende Querver- 46 bindung zwischen dem Marktplatz und dem Bahnhof bündelt erstens die innerstädtischen Kernfunktionen, welche gestalterisch aufgewertet werden sollen. Grund- lage für die Diagonale sind die Lauflagen der Kunden in der Stadt. Begründet sind diese Wegebeziehungen durch „Frequenzbringer“ wie den Bahnhof, den Marienplatz mit Marienkirche, die angrenzende Shopping-Galerie, dem zentralen Busumsteigeplatz, der Sparkasse sowie dem Marktplatz mit Rathaus, evangelischer Hauptkirche und Karstadt. Gezielt zu stärken ist der östliche Teil der Hauptstraße als Fußgängerzone und als Standort vieler inhabergeführter Einzelhandelslagen. • Diese Kernräume werden zweitens im Nordwesten und im Südosten von Stadtquartieren flankiert, die durch eine Mischnutzung gekennzeichnet sind. Vorrangig lässt sich dort innerstädtisches Wohnen etablieren, welches in sei- ner Nutzung gestärkt werden muss. Da die vorhandenen Flächenpotenziale für den Einzelhandel den tatsächlichen Bedarf überschreiten, sollte auch im westlichen Bereich der Hauptstraße die Wohnfunktion gefördert werden. • Drittens soll durch eine gestalterische Aufwertung und partielle Schließung der Ränder das Bild der Innenstadt nach Außen attraktiver werden.


Räumliches Leitbild Frequenzbringer Hauptlauflage Nebenlauflage zu stärkende Diagonalverbindung Grundlage für die Entwicklung der „Diagonalen“ waren die vorhandenen Lauflagen in der Rheydter Innenstadt. Diese werden durch den Fußverkehr und demnach durch die Kunden des unmittelbaren Innenstadtbereiches dominiert. Begründet sind diese Wegebeziehungen durch die „Frequenzbringer“, wie Bahnhof, Marienplatz mit Mari- enkirche, der angrenzenden Shopping Galerie und dem zentralen Busumsteigeplatz, Sparkasse sowie Marktplatz mit Rathaus, evangelischer Hauptkirche und Karstadt. 47


05 Strategien und Zielsetzungen


Strategien und Zielsetzungen Ergänzend zum räumlichen Leitbild gibt es für Mön- chengladbach-Rheydt thematische Handlungsschwer- punkte. Zielsetzung der Konzeption ist die Behebung struktureller, städtebaulicher und wohnungswirtschaftlicher Missstände, um langfristig eine qualitätvolle und zukunfts- fähige Entwicklung der Rheydter Innenstadt zu befördern. Die Innenstadt muss aufgewertet werden, damit eine verbesserte Wahrnehmung von Rheydt stattfinden kann, die Bürger sollen sich wieder mit ihrem Zentrum identifizie- ren können. Für die Attraktivierung der Innenstadt müssen folgende Ziele erreicht werden. • Die Stärkung der Wohnqualitäten für eine breite Nachfra- 50 gegruppe! • Die strukturelle Stärkung der Innenstadt mit eigenständi- gem Profil! • Die Qualitätssteigerung in Handel und Gastronomie un- terstützen! • Ein optimales Verkehrskonzept zur Stärkung der Erreich- barkeit und der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum! • Die Gestaltqualität in der Innenstadt etablieren! Wohnqualitäten stärken! Die Stärkung der Wohnfunktion und der Wohnqualitäten steht dabei nicht zufällig an erster Stelle der Zielsetzungen. Die Strategie geht davon aus, dass sich die Innenstadt mit ihrem vielfältigen Funktions- und Nutzungsgefüge nur wieder stabilisieren, revitalisieren und aufwerten lässt, wenn vorrangig das innerstädtische Wohnen gestärkt wird. Damit soll nicht nur dem überall ablesbaren Trend des „Zurück in die Innenstadt“ Folge geleistet werden, um die Innenstadt als Wohnstandort zu etablieren, die in der Lage ist, die vielfältigen Anforderungen differenzierter Wohnmilieus zu befriedigen. Vorrangig soll damit auch wieder eine „hausei- gene“ Kundschaft für die Einrichtungen und Angebote der Innenstadt geschaffen werden. Der Einzelhandel erfährt so zum Beispiel eine tendenziell zahlungskräftigere Nahbe- reichskundschaft. Und überdies zeigt alle Erfahrung, dass die Identifikation und die Sorgfalt mit dem Ort, an dem man wohnt, immer höher ist als mit dem Ort, den man aufsucht. Attraktive Wohnquartiere stellen für jede Innenstadt enorme Vitalität dar. Daher muss im Rheydter Zentrum die Wohn- funktion nachhaltig gestärkt werden, indem ein ausgewoge- nes Angebot an unterschiedlichen Wohnformen geschaffen wird, um auf demographische Entwicklungen und ausdif- ferenzierte Lebensstile eingehen zu können. Dazu gehören sowohl altengerechte und studentische Wohnangebote als auch großzügige Stadtwohnungen, intelligente Angebote zur Nutzungsmischung sowie Wohnungen in verschiedenen Preissegmenten. Ziel ist es, die Qualitäten innerstädtischen Wohnens zu sichern. Rheydt besitzt eine sehr heterogene Wohnstruktur: Im Süden besteht ein gründerzeitlich geprägtes Wohnquartier, während in nördlichen Teilen 1950er Jahre Bausubstanz vorherrscht. Vorhandene Bestände müssen für die Zu- kunft gestärkt werden, in dem eine umfassende Sanierung durchgeführt wird, um dem schleichenden Entleerungs- prozess entgegen zu wirken. Dies gilt hautsächlich für die Gebäude im Norden der Innenstadt. Städtische Kultur ausbilden! Um die Rheydter Innenstadt im öffentlichen Bewusstsein zu verankern, muss ein spezifisches Profil ausgebildet werden. Darüber kann sich ein jedes Zentrum im Konkurrenzkampf mit anderen Innenstädten behaupten. Für Rheydt muss ein offenes, kooperatives Klima, eine integrative Stadtkul- tur geschaffen werden. Eigeninitiative und kulturelle Vielfalt müssen in diesem Zusammenhang unterstützt werden. Hauptsächlich sind weiche Standortfaktoren, wie das Image, städtebauliche, landschaftliche und historische Qualitäten oder kulturelle Angebote zu berücksichtigen. Diese Faktoren entscheiden in einem erheblichen Maße bei der Wahl von Wohnstandorten oder Unternehmensansied- lungen. Wichtig ist, dass nicht nur die Außenwahrnehmung – das Image von Rheydt – verbessert werden muss, son- dern auch die Identifikation der Bürger mit ihrer Innenstadt, die Innenwahrnehmung. Dabei kann auf charakteristischen Eigenschaften von Rheydt aufgebaut werden, die insbeson- dere z.B. mit dem Marktplatz zusammenhängen, wie die Profilierung der „Marktstadt Rheydt“.


Hugo-Preuss-Straße Harmonienplatz Haus Wallraff Harmonieplatz Waisenhausstraße Hauptstraße Die Gebäudestruktur in der nördlichen Innenstadt ist in großen Teilen von der Wieder- aufbauarchitektur der 1950er Jahre geprägt. In den südlichen Innenstadtquartieren hingegen finden sich zahlreiche Gebäude aus der Gründerzeit. 51


Qualität in Handel und Gastronomie unterstützen! Der Einzelhandel in der Innenstadt von Rheydt steht vor ei- ner Umbruchsituation, welche sich mit dem schleichenden Funktionsverlust begründet. Rheydt übernimmt zunehmend lokale Funktionen, während im Gegensatz dazu das Zen- trum von Mönchengladbach regionale Bedeutung besitzt. Dieser Unterschied zeigt sich deutlich im Einzelhandelbe- stand und im Filialisierungsgrad. Zunehmende Leerstände und preisorientiertes Standardsegment, aber auch unat- traktive öffentliche Räume, stark vernachlässigte Fassaden und fehlendes Grün rufen eine negative Wahrnehmung der Innenstadt hervor. Um dem entgegenzuwirken, muss eine Konzentration auf leistungsstarke Lagen und deren notwendige Verknüpfung erfolgen. Es sollten keine weite- ren Einzelhandelsansiedlungen, die Lageverschiebungen bewirken könnten, getätigt werden. Leer stehende Laden- lokale können temporär durch andere Nutzungen, sog. „Zwischennutzungen“, bespielt werden. Verkehr lenken! Oberstes Ziel in diesem Themenfeld ist die funktionsge- rechte Organisation des Verkehrs, denn es gilt ein ver- trägliches Nebeneinander der Verkehrsarten zu schaffen. Die Erreichbarkeiten in der Innenstadt müssen durch alle Verkehrsarten gewährleistet sein. Der Rheydter Ring muss – um seiner Funktion als Ring nachzukommen – geschlossen werden, indem die Müh- lenstraße für den Zweirichtungsverkehr geöffnet wird. Der motorisierte Individualverkehr sollte stärker durch den Ring abgefangen werden, optimierte Zu- und Abfahrtsituatio- nen der verschiedenen Parkhäuser werden künftig derzeit eher unattraktive Parkmöglichkeiten stärken. Im öffent- lichen Nahverkehr ist die Routenführung zu verbessern. Ein zentrales Buskreuz verspricht einen erhöhten Komfort. Radfahrer benötigen mehr Zufahrten in die Innenstadt, der Rheydter Ring sollte uneingeschränkt auch für Radfahrer nutzbar sein. Hauptsächlich muss die Erreichbarkeit der Rheydter Innenstadt für Fußgänger verbessert werden. Der innere Ringbereich muss insgesamt vom Durchgangsver- kehr entlastet werden, damit Radfahrern und Fußgängern generell mehr Bewegungsfreiheit geschaffen wird. 52 Gestaltqualität in der Innenstadt etablieren! Gebaute Strukturen sind sichtbares „Markenzeichen“ einer jeden Stadt, weshalb auch das Stadtbild von Rheydt nach außen z.B. durch Bebauung offener Ecken verbes- sert werden muss. Vorhandene Strukturen besitzen in Rheydt oftmals nur wenig Qualitäten: Die im Rahmen des Wiederaufbaus entstandene Architektur der 1950er Jahre im nördlichen Bereich zeichnet sich vor allem durch eine vernachlässigte Fassadengestaltung aus. Weiterhin bleiben Plätze in ihrer Gestaltung weit hinter ihren Möglichkeiten. Daher muss die Gestaltqualität im Innern durch eine Bebauung von Schlüsselarealen gestärkt werden. Differen- zierte Gestaltungshinweise für die Gebäude in unterschied- lichen Lagen können den öffentlichen Raum aufwerten. Für die Schlüssellagen und -projekte in der Innenstadt tragen Gestaltungswettbewerbe einen positiven Beitrag zur Auf- wertung bei. Modellprojekte für die Bestandsentwicklung der Gebäude der 1950er Jahre helfen in diesem Bereich für die Stärkung des Gesamtbildes des Zentrums von Rheydt. Ziel ist es, über hohe Standards in der Architektur beson- dere Qualitäten zu erzeugen, die Mönchengladbach-Rheydt langfristig prägen.


Baumscheibe in der Bahnhofstraße Blick in die Langensgasse Einzelhandel an der Friedrich-Ebert-Straße Grüngestaltung einer Gastronomie in der Bahnhofstraße In der Rheydter Innenstadt fehlt es an vielen Stellen an der entsprechenden Gestalt- qualität. Dies betrifft sowohl die Grüngestaltung als auch die öffentlichen Räume und die Qualität im Einzelhandel. Stresemannstraße 53


06 Schlüsselprojekte


Schlüsselprojekte Auf Grundlage der durchgeführten Bestandsanalyse, des räumlichen Leitbildes und der entwickelten Handlungs- schwerpunkte bedarf es für die Revitalisierung der Rheydter Innenstadt eines zukunftsfähigen Maßnahmenpakets. Um nicht nur eine Vielzahl an einzelnen Maßnahmen zu reali- sieren, ist mit der Erarbeitung von Schlüsselprojekten eine Gesamtstrategie erstellt worden. Folgende Projektschwer- punkte sollen zu einer nachhaltigen Entwicklung für die Innenstadt von Rheydt beitragen. Dabei nimmt die Gestal- tung des Marktplatzes eine Sonderstellung ein. Dieser soll als zentrale, symbolträchtige Maßnahme möglichst früh- zeitig umgestaltet werden. Daher wird ein städtebaulicher Wettbewerb zur Neugestaltung des Marktplatzes vorgezo- gen und noch im Jahr 2009 durchgeführt. 1. Gestaltung des Marktplatzes 2. Belebung der Hauptstraße 3. Gestaltung des Lankes-Geländes 4. Entwicklung des Postareals 5. Attraktivierung der Marktstraße und des 56 Sparkassenvorplatzes 6. Gestaltung des Marienplatzes und der Stresemannstraße 7. Bahnhofsstraße 1. Gestaltung des Marktplatzes Die Ausprägung öffentlicher Räume hat besondere Bedeu- tung für die Sicherung der Lebensqualität der Bewohner und Besucher einer Stadt. In Rheydt nimmt der Marktplatz eine entscheidende Rolle ein, weil er eine lange, traditions- reiche Geschichte besitzt, an ihm zwei wichtige Gebäude, das historische Rathaus und die evangelische Hauptkirche, liegen und er der größte und am vielfältigsten nutzbare innerstädtische Platz ist. Entsprechend seiner Lage ist der Platz wieder zu beleben, damit Rheydt in Zukunft einen vi- talen Stadtkern besitzt. Ein neuer Marktplatz muss sich der historischen Raumkonfiguration vergewissern und sich an künftigen Nutzungsansprüchen orientieren. Baulich benötigt er klar definierte Platzkanten, weiterhin muss der Rückbau der vorhandenen Pavillons eingeleitet werden. Neben seiner Funktion als Ruheort, soll er aber außerdem Veranstal- tungsraum bleiben. Nicht nur der Wochenmarkt soll den Markt beleben, sondern kleine Feste bis hin zu Großevents sollen künftig Bewohner anziehen. Um verschiedene Ent- wicklungsperspektiven des Platzes aufzuzeigen, ist für die Umgestaltung des Markplatzes ein Wettbewerb in Vorberei- tung. 2. Belebung der Hauptstraße Die Hauptstraße in Rheydt ist die zentrale Fußgängerzone, welche im Laufe der Zeit aufgrund abnehmender Vitalität zunehmend verödet ist. Durch ihre zentrale Lage bietet sie aber dennoch viele Potenziale, vorrangig wenn es um in- nerstädtisches Wohnen geht. Die vorhandene 1950er Jahre Bebauung kann durch entsprechende Maßnahmen heu- tigen Ansprüchen angepasst werden. Dazu ist die Durch- führung eines „Modellprojektes Hauptstraße“ angestrebt. Ein vergleichbares Projekt existiert bundesweit noch nicht, daher würde Pilotcharakter entstehen. Das Wohnen ist zukünftig so in Szene zu setzen, dass das Gesamtkonzept sichtbar wird und der Straßenraum wieder ein „positives Gesicht“ bekommt. Neben einer neuen Fassadengestal- tung muss eine umfassende Bestandssanierung realisiert werden. Sanierung bedeutet in diesem Fall eine Anpassung von Gebäudehöhen, eine Nachrüstung mit Balkonen oder Dachterrassen, die Bildung attraktiver Grundrisse und barrierefreier Wohnformen. Durch die Stärkung der Wohn- funktion kann die Vitalität der Hauptstraße in Teilen wieder hergestellt werden, welche durch den Funktionsverlust des Einzelhandels immer mehr verloren gegangen ist. 3. Gestaltung des Kloeters-Blocks und des Lankes- Geländes Das Lankes-Gelände ist eine bisher ungenutzte Fläche, die im Nordwesten des Zentrums in unmittelbarer Nähe zur Rheydter Innenstadt liegt. Der gesamte nordwestliche Be- reich benötigt eine deutliche Aufwertung, so dass positive Entwicklungssignale in die Innenstadt übertragen werden können. Rheydt benötigt ein „komplettiertes Gesicht“, in dem unterschiedliche Stadträume miteinander harmonie- ren. Eine Entwicklung des Lankes-Geländes ist zielführend, weil die Fläche eine Eingangssituation in die Innenstadt darstellt. Die Fläche ist im Eigentum der Stadt und somit mit wenig Hindernissen zu beplanen, die sich oftmals aus


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komplizierten Eigentümerstrukturen ergeben können. In dem Kloeters-Block könnte ein attraktives, innerstädtisches Wohnquartier mit begrünten Innenhöfen realisiert werden. Um die Lärmbelastung durch den Rheydter Ring und die Bahntrasse möglichst gering zu halten, soll der Baublock arrondiert werden. Für diesen Standort wird nach einer Immobilienwirtschaftlichen Überprüfung der potenziellen Nachfrage nach Wohnraum speziell auch für ältere Men- schen eine Gesamtstrategie erarbeitet. 4. Entwicklung des Postareals In Rheydt gibt es – wie auch in anderen Städten – inner- städtische Flächen, die aufgrund des wirtschaftlichen Strukturwandels nicht mehr genutzt werden. Diese Brach- flächen stellen allerdings für künftige Flächenbedarfe oft ein großes Potenzial dar. Zu diesen Brachflächen zählt in Rheydt der Bereich der alten Post, denn dort lassen sich funktionale und gestalteri- sche Defizite erkennen. Die Fläche wird nicht mehr kom- plett genutzt und hauptsächlich die Randbereiche haben ein unattraktives Erscheinungsbild. Potenziale ergeben sich dennoch, weil die Fläche direkt an die Innenstadt angrenzt und durch das historische Postgebäude eine hohe Sym- bolkraft für das gesamte Zentrum vorhanden ist. Daher soll in Zukunft ein hochwertiger Standort mit den Nutzungen Wohnen, Dienstleistung und Handel etabliert werden, der auch Bereiche des benachbarten Hotels an der Bahnhof- straße und die Flächen an der Moses-Stern-Straße mit einbezieht. Zur Aufwertung der Innenstadt spielt qualitätvolles Woh- nen eine besondere Rolle: Ziel ist es, durch hochwertiges Wohnen, einer dadurch angehobenen Sozialstruktur und einer Erhöhung der Identifikation der Bewohner mit ihrem Wohnumfeld die Kundschaft im Zentrum zu erhöhen. Das Postareal hat aber auch eine Schlüsselfunktion für die Steigerung eines attraktiven Zugangs zur engeren Innenstadt von Süden. Dafür gilt es nicht nur der Ecken- ausbildung des Areals an der Bahnhofstraße eine erhöhte gestalterische und funktionale Aufmerksamkeit zu widmen, sondern auch der Bahnhofstraße selbst. Sie ist hoch fre- 58 quentiert, bildet einen wichtigen zugang zur Innenstadt und ist Teil der zu stärkenden „Diagonale“. In dieser Mehrfach- Rolle gilt es, sie gestalterisch aufzuwerten. 5. Attraktivierung der Marktstraße und des Sparkassenvorplatzes Die zentrale Lage der Sparkasse und ihre Funktion als Fre- quenzbringer erfordern eine Aufwertung des Sparkassen- vorplatzes. Genauso muss der öffentliche Raum der Markt- straße als Präsentationsfläche der angrenzenden Geschäfte aufgewertet werden. Bisher erfüllen beide Bereiche lediglich verbindende Funktionen. Um erhöhte Aufenthaltsqualitäten für Fußgänger in diesem unmittelbaren Innenstadtbereich zu schaffen, muss allerdings der gesamte Stadtraum neu gegliedert werden. Zur Attraktivierung sollte die Parkplatz- fläche mit dem Straßenraum zusammengelegt werden, wodurch sich der öffentliche Raum vergrößert. Neben einer veränderten Verkehrsführung des MIV, könnte der Rückbau des eingeschossigen Baukörpers des überdimensionalen Erschließungsturms des Rathauses Sicht- und Wegever- bindungen stärken. Angrenzende Innenstadtfunktionen würden von der Aufwertung des Platzes profitieren: Die Ladenlokale, die im nördlichen Bereich angrenzen, könnten zum Beispiel ihre Außengastronomie erweitern. 6. Gestaltung des Marienplatzes und der Stresemannstraße Der Marienplatz ist ein sehr zentraler Platz im Innenstadt- bereich. Dort liegt die katholische Marienkirche, weiterhin besitzt er starke Fußgängerströme. Auch weil an dieser zentralen Stelle eine der beiden zentralen Busumsteige- punkte liegt – somit der Platz zentraler „Knotenpunkt“ der Stadt ist – muss die Aufenthaltqualität gestärkt werden. Die Marienkirche und die Platzränder müssen besser zur Geltung kommen, damit Funktionsabläufe übersichtlich werden. Dazu bedarf es einer Aufwertung des Kirchenum- feldes. Den Fußgängern und Radfahrern muss ein deutlich höherer Stellenwert als dem MIV eingeräumt werden.


Die Fotomontage zeigt exemplarisch und stark vereinfacht, welche Wirkung der Abriss der Betonpavillons auf den Raum- eindruck haben könnte. Blick auf den Marktplatz in nördliche Richtung. 59


07 Bearbeitung der Schwerpunkte


Bearbeitung der Schwerpunkte Für die weitere Entwicklung der Rheydter Innenstadt sind folgende Schwerpunkte in der Diskussion bzw. schon in der Erarbeitungsphase. Durchführung eines städtebaulichen Wettbewerbes „Neugestaltung Marktplatz“ Viele Stadträume in Rheydt müssen aufgewertet werden, weil sie sowohl das Erscheinungsbild als auch den Erleb- niswert der Stadt bestimmen. Der Marktplatz hat in die- sem Zusammenhang eine besondere Bedeutung, weil er im „Herzen“ der Innenstadt liegt und den Mittelpunkt des städtischen Lebens darstellt. Daher soll er als symbolische Maßnahme für eine langfristige Stabilisierung der Rheydter Innenstadt dienen. Zentrale Behörden und kulturelle, insbesondere kirchliche Einrichtungen im Zentrum fallen zunehmend weg. Gene- rell gibt es nur wenig stadträumliche und architektonische Qualitäten, Umstrukturierungsflächen in zentralen Lagen haben oftmals schwierige Entwicklungsperspektiven und schlechte Aussichten für die Zukunft. Nach langen Diskus- sionen in eigens zum Marktplatz durchgeführten Werk- stattgesprächen, an denen Einzelhändler, Gastronomen, Eigentümervertreter, Personen aus Politik und Verwaltung und andere relevante Akteure teilgenommen haben, wurde immer wieder hervorgehoben, dass der Marktplatz seinen Anforderungen an einen innerstädtischen Platz nicht nach kommt. Zunächst beeinflusst das Fassadenbild einzelner Häuserfronten das Erscheinungsbild des Marktplatzes insbesondere an der Westseite sehr negativ. Weiterhin entsprechen die Pavillons, die auf dem Marktplatz gebaut sind, nicht mehr aktuellen Ansprüchen. Die nördliche Stra- ßenseite wird durch die Hauptstraße optisch und funktional vom Platz getrennt. Generell ist die Aufenthaltsqualität des Platzes sehr schlecht, weil die Grünräume um die Kirche nicht gestaltet sind und Sitzmöglichkeiten fehlen. Der Marktplatz soll daher in einen vitalen Stadtplatz um- gestaltet werden, der sich an den historischen Gebäuden orientiert und gleichzeitig künftige Nutzungsansprüche be- achtet. Eine zukünftige Gestaltung muss „Image prägend“ 62 sein. Dazu sind sowohl die Attraktivierung der Fläche an sich, als auch der Einbezug und die Gestaltung der Platz- ränder nötig. Konkret sollen die in den Werkstätten entwickelten Ziele und Maßnahmen in einem städtebaulichen Wettbewerb ausgestaltet werden, den die Stadt Mönchengladbach als so zwingend erforderlich sieht, dass er schon in den kommenden Monaten ab Mai 2009 – also auch schon ohne eine finanzielle Förderung – ausgelobt wird. Dadurch entsteht für die Bürger ein nachvollziehbarer Prozess, was zu mehr Transparenz und größerer Akzeptanz der Ergeb- nisse führen soll. Eine Immobilienwirtschaftliche Expertise zeigt vor Beginn des Wettbewerbs, welche Nutzungen im Hochbau sinnvoll erscheinen. Initiierung eines „Modellprojektes Hauptstraße“ Innerstädtisches Wohnen wird zunehmend vermehrt nachgefragt und das nicht nur von bestimmten Nachfrage- gruppen. Verschiedene Personen – von Studenten bis hin zu Senioren – suchen sich immer häufiger Wohnungen im Stadtzentrum. Für die Rückkehr in die Innenstadt sind die kurzen Wege und die Angebotsvielfalt bestimmende Fak- toren. Diese günstigen Voraussetzungen stellen ein großes Potenzial für die Städte dar. In Rheydt stellt – neben dem alten Postareal – hauptsäch- lich die Hauptstraße eine Schlüsselfunktion dar. Rheydt war eine der ersten Städte, in denen die Wiederaufbaupla- nungen nach dem Zweiten Weltkrieg realisiert wurden. In diesem Zusammenhang war die Hauptstraße Kernstück der Wiederaufbauplanungen und diente für viele Nach- kriegsplanungen anderer deutscher Innenstädte als Vor- bild. Mittlerweile ist die Hauptstraße durch zunehmenden Leerstand und einen defizitären Zustand der Gebäude und des öffentlichen Raumes gekennzeichnet. Ziel des „Mo- dellprojektes Hauptstraße“ ist es daher, an der Rheydter Hauptstraße – ähnlich der Wiederaufbauphase der Nach- kriegszeit – vorbildliche städtebauliche Maßnahmen umzu- setzen. In diesem Fall im Hinblick auf eine Sanierung von Gebäudebeständen. Rheydt könnte Modellprojekt werden, weil das innerstädtische Wohnen eine zentrale Rolle spielt und die Gebäude der 1950er Jahre in vielen Bereichen


Durch die vorhandene historische Bausubstanz des Post- gebäudes kann das gesamte Areal ein eigenes „Gesicht“ entwickeln und gleichzeitig positive Entwicklungen im Umfeld anstoßen. Die Strukturen entlang der Waisenhaus- und Hugo- Preuss-Straße sollten aufgegriffen und in qualitativ hochwerti- ger Architektur fortgeführt werden. Blick auf das Postareal von der Moses-Stern-Straße in die Odenkirchener Straße 63


Stadtbild prägend sind. Eine dringliche Aufgabe ist es, Hauseigentümer zu finden, die in Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand zu Investitionen bereit sind, um deutlich wahrnehmbare Initialzündungen zu realisieren. Hier spielen die „Kammgebäude“ auf der Südseite der Hauptstraße eine besondere Rolle. Bildung von Immobilien- und Standortgemeinschaf- ten (ISG) Aufgrund von Wettbewerbsnachteilen gegenüber Ansied- lungen auf der „Grünen Wiese“ haben viele vorhandene Einzelhandelslagen immer mehr Probleme. Sichtbare Folgen sind zunehmender Leerstand und Vernachläs- sigung des öffentlichen Raumes, bauliche Mängel und Qualitätsverluste im Angebot. In Anlehnung an kanadische und US-amerikanische Städte, die Business Improvement Districts für eine wirtschaftliche Stabilisierung traditioneller Geschäftslagen initiiert haben, gibt es seit 2008 im Land NRW ein neues Gesetz zu Immobilien- und Standortge- meinschaften. Diese Gemeinschaften bestehen aus einem Zusam- menschluss privater Grund- und Immobilienbesitzer mit 64 öffentlichen Planungsträgern. Das Ziel dieser Kooperatio- nen ist die Stärkung privater Initiativen, die einen Beitrag zur städtebaulichen Verbesserung von Stadtquartieren in funktionaler, wirtschaftlicher und gestalterischer Hinsicht leisten können. Für die Rheydter Innenstadt würde sich eine ISG besonders für den Bereich Hauptstraße anbieten, weil dort aufgrund der vorhandenen Bausubstanz und des Vitalitätsverlustes der größte Handlungsbedarf besteht. Durch die Inhaber geführten Einzelhandelslagen besteht hier hohes Identifikationspotenzial mit dem Stadtraum, was sich positiv auf eine ISG auswirkt. Zur Initiierung einer ISG wird zunächst eine private Initiative gebildet, bei der alle Grundstückseigentümer beteiligt werden müssen. Nach einer schriftlichen Beantragung auf Erlass einer Gebietssat- zung durch die ISG bei der zuständigen Gemeinde werden Grundstückseigentümer mit Einleitung des Satzungsver- fahrens schriftlich über das geplante Vorhaben informiert. Die Gemeinde hat die Öffentlichkeit und sonstige Träger öffentlicher Belange zu informieren. Wenn innerhalb eines Monats kein Widerspruch gegen das Vorhaben eingelegt wird, oder der Widerspruch von weniger als 25% der Betei- ligten erfolgt, ist die Satzung rechtsgültig. Blick auf eines der „Kammge- bäude“ in der Hauptstraße


Blick von der Wilhelm-Strater- Straße auf die Hauptstraße Die Hauptstraße ist in vielen Bereichen in die Jahre gekom- men und bedarf an verschiedenene Stellen der „Reparatur“. Die Fotomontagen zeigen zwei Gestaltungsbeispiele. 65


08 Auswahl geeigneter Förderprogramme


Auswahl geeigneter Förderprogramme Für Möchengladbach-Rheydt ist zukünftig ein Förder- programm zu akquirieren, welches auf die spezifischen Probleme in der Innenstadt reagieren kann. Aufgrund der Ausgangslage und der folgenden Argumentation wird das Förderprogramm „Stadtumbau (West)“ für eine Umgestal- tung der Innenstadt vorgeschlagen. Dabei werden außer- dem Argumente vorgetragen, warum die Städtebauliche Sanierungsmaßnahme (§ 136 - § 164b) für die Innenstadt von Rheydt nicht in Frage kommt. Stadtumbau (West) Ziele – Handlungsfelder Zielsetzungen von Stadtumbaumaßnahmen sind (vgl. § 171a Absatz 3 BauGB): • Anpassung der Siedlungsstruktur an die demographische 68 und wirtschaftliche Entwicklung • Verbesserung der allgemeinen Arbeits-, Wohn- und Um- weltverhältnisse • Stärkung der innerstädtischen Bereiche • Nutzungsänderung von nicht mehr bedarfsgerechten baulichen Anlagen • Rückbau nicht anderweitig nutzbarer Anlagen • Wieder- und Zwischennutzung freigelegter Flächen • Erhaltung innerstädtischer Altbaubestände Die Ziele machen deutlich, dass die Stadtumbaumaßnah- men sich nicht nur in Rückbaumaßnahmen erschöpfen, sondern dass ein umfassender Charakter vorhanden ist. Die zentralen, baulich-physischen Handlungsfelder des Stadtumbaus betreffen den Wohnungsbau (bzw. eine Umorientierung vom Neubau hin zur Bestandspflege), eine Flächenpolitik als Kreislaufwirtschaft sowie die technische und soziale Infrastrukturplanung. Handlungsfelder / Fördergegenstände (vgl. BMVBS – Pro- gramme der Städtebauförderung 2008): • Die Vorbereitung einer Gesamtmaßnahme wie Erarbei- tung (Fortschreibung) von städtebaulichen Entwicklungs- konzepten sowie die Bürgerbeteiligung • Städtebauliche Neuordnung zur Wieder- und Zwischen- nutzung von Brachflächen • Verbesserung öffentlicher Räume, des Wohnumfeldes und der privaten Freiflächen • Anpassung der städtischen Infrastruktur und zur Siche- rung der Grundversorgung • Aufwertung und der Umbau des vorhandenen Gebäude- bestandes • Rückbau leer stehender, dauerhaft nicht mehr benötigter Gebäude oder Gebäudeteile oder der dazugehörigen Infrastruktur • Wieder- und Zwischennutzung freigelegter Flächen • Sonstige Bau- und Ordnungsmaßnahmen, die für den Stadtumbau erforderlich sind • Leistungen von Beauftragten „Wirtschaftlicher Strukturwandel, rückläufige Bevölkerungs- zahlen, Wohnungsleerstände, hohe Arbeitslosenquoten und veränderte Zusammensetzung der Bevölkerung verursa- chen... zunehmend städtebauliche Probleme“ (Programme der Städtebauförderung: 16). Mit dem Bund-Länder-Pro- gramm will der Bund die Städte dabei unterstützen, sich frühzeitig auf notwendige Anpassungsprozesse einzustel- len. Ziel ist die Herstellung nachhaltiger städtebaulicher Strukturen in Gebieten, die von erheblichen städtebauli- chen Funktionsverlusten betroffen sind. Im § 171a BauGB werden Aufgaben, Ziele und Zwecke der Stadtumbaumaß- nahme benannt. Es sind Maßnahmen, „durch die in von erheblichen städtebaulichen Funktionsverlusten betroffe- nen Gebieten Anpassungen zur Herstellung nachhaltiger städtebaulicher Strukturen vorgenommen werden“ (§ 171a Absatz 2 BauGB). Ein dauerhaftes Überangebot an bauli- chen Anlagen z.B. für Wohnzwecke ruft dabei hauptsäch- lich erhebliche städtebauliche Funktionsverluste hervor. In Rheydt besteht teilweise kompletter Gebäudeleerstand in einigen Geschäftslagen und auch im Wohnangebot ist struktureller Leerstand erkennbar, was deutliche Funktions- verluste hervorruft (siehe Ausgangslage).


Private Eigentümer – Öffentlichkeitsarbeit Eine besondere Herausforderung im Stadtumbau beinhal- tet der Umgang mit nicht oder untergenutzten Gebäuden und Flächen. Diese sind oftmals nicht im städtischen Besitz und können aufgrund knapper Haushaltsmittel nicht von den Kommunen erworben werden. Dies ist auch in Mön- chengladbach-Rheydt der Fall, so dass für einen künftigen Umgestaltungsprozess die privaten Eigentümer mitein- bezogen werden müssen. Daher wurde in Rheydt schon eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt. Die Entwicklung der Rheydter Innenstadt stand in bisher drei großen Innenstadtforen im Mittelpunkt des öffentlichen In- teresses. Die „city-werkstatt“ informierte über den aktuellen Planungsprozess und weitergehende Informationen können in aktualisierter über die Internetseite „Innenstadtkonzept- Rheydt“ abgerufen werden. Höhe der Fördervolumina – Laufzeit der Förderprogramme In 2008 wurden vom Bund insgesamt 58 Mio. € für die Förderung von Stadtumbau West-Gebieten zur Verfügung gestellt. Diese Summe deckt sich generell mit dem Förder- volumen der Städtebaulichen Sanierungsmaßnahme (61 Mio. € in 2008). Für Nordrhein-Westfalen wurden im Stad- tumbau 2008 17,8 Mio. € ausgegeben, die Förderhöhe in Sanierungsgebieten betrug 16,1 Mio. € (vgl. BMVBS – Pro- gramme der Städtebauförderung 2008). Die Förderung zu Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen läuft allerdings demnächst aus, daher werden dementsprechend keine neuen Maßnahmen mehr gefördert, was mit ein Hauptar- gument gegen dieses Förderprogramm ist. In Sanierungsgebieten können private Maßnahmen nur steuerlich abgesetzt werden, während beim Stadtumbau West die Mittel direkt an private Investoren fließen. Es liegt zudem im Ermessen der Kommune noch weitere Mittel über kommunale Förderprogramme für Private bereitzustel- len. Dies wurde in einigen Kommunen schon durchgeführt, weil oftmals eine besonders große Zurückhaltung bei priva- ten Investitionen in Stadtumbau West-Gebieten zu erken- nen war. In den vier Bereichen Fassadenmodernisierung, Anpassung und Umnutzung von Gebäuden, Geschäftsflä- chenmodernisierung und Garten- und Hofgestaltung kann zusätzliches Geld beantragt werden. Bei dieser Förderung handelt es sich um einen einmaligen, nicht rückzahlbaren Zuschuss, der in einigen Kommunen im Forschungsfeld „Stadtumbau West“ schon gewährt wurde. Die Förderung lag dabei immer zwischen 5.000 und 30.000 € je Maßnah- me (vgl. BMVBS – Bilanz Stadtumbau West 2008: 85 f). Flexibilität der Abgrenzung Das Förderprogramm bietet im Umgang mit der Gebiet- sabgrenzung einigen Spielraum, was deutlich für das Programm spricht. Wurde ein Gebiet förmlich festgelegt, so kann es im Nachhinein immer noch an einigen Stellen erweitert werden, wenn bestimmte Baublöcke noch im Programmgebiet liegen sollen. Fazit: Stadtumbau West Auch wenn der demographische und wirtschaftsstruktu- relle Wandel einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe und Anstrengung bedarf, so kann der Stadtumbau West als räumliche Planungsaufgabe einen wesentlichen Beitrag zur Bewältigung des Schrumpfungsprozesses leisten, weil das Förderprogramm eine integrierte Sichtweise beinhaltet. Städtebauliche, wohnungswirtschaftliche sowie infrastruk- turelle Planungsaspekte können aufeinander abgestimmt werden und Ziel führend angewendet werden. 69


Aktive Stadt und Ortsteilzentren Vom Grundsatz her passt auch das Förderprogramm „Akti- ve Stadt- und Ortsteilzentren“ zu den Problemen, die in der Rheydter Innenstadt vorhanden sind. Bei allen Besonderheiten, die die Problemlage in der Rheydter Innenstadt darstellt, ist die Situation doch nicht untypisch. Viele Städte in Deutschland zeigen leer ste- henden Ladenlokalen, unattraktive öffentliche Räumen, sanierungsbedürftige Fassaden, große innerstädtische Brachflächen und einen damit einhergehenden deutli- chen Vitalitätsverlust. Aus diesem Grund hat der Bund entschieden, ein Förderprogramm zu etablieren, das sich genau dieser Problemlage annimmt und speziell mit den Stadt- und Ortsteilzentren beschäftigt. Die Finanzhilfen des Bundes zur Förderung von „Aktiven Stadt- und Ortsteilzen- tren“ sind bestimmt für die Stärkung von „zentralen Versor- gungsbereichen“, die durch Funktionsverlust, insbesondere gewerblichen Leerstand, bedroht oder betroffen sind. Sie werden eingesetzt zur Vorbereitung und Durchführung von Gesamtmaßnahmen zur Erhaltung und Entwicklung dieser Bereiche als Standorte für Wirtschaft und Kultur sowie Orte zum Wohnen, Arbeiten, Leben. Gegenstände der Förderung sind: • Aufwertung des öffentlichen Raumes (Straßen, Wege, 70 Plätze) • Instandsetzung und Modernisierung von das Straßenbild prägenden Gebäuden (einschließlich der energetischen Erneuerung) • Bau- und Ordnungsmaßnahmen für die Wiedernutzung von Grundstücken mit leer stehenden, fehl- oder minder genutzten Gebäuden und von Brachflächen einschließlich städtebaulich vertretbarer Zwischennutzung • Citymanagement und die Beteiligung von Nutzungsbe- rechtigen und von deren Beauftragten im Sinne von §138 BauGB sowie von Immobilien- und Standortgemeinschaf- ten Allerdings können für eine Stadt nicht zwei Förderprogram- me gleichzeitig wirken. Außerdem ist die Nachfrage nach diesem Förderprogramm ebenfalls sehr hoch. Der Aus- schlag gebende Gesichtspunkt, weshalb das Programm „Aktive Stadt- und Ortsteilszentren“ für Rheydt nicht vorge- schlagen wird, ist der Gesamtumfang aller Maßnahmen in Rheydt. Je nach Antragsvolumen sind für die unterschiedli- chen Städte und Stadtteile verschiedene Fördermittel in An- spruch zu nehmen. Grundsätzlich gilt, dass Maßnahmen, die weniger als 3 Mio. € an Investition verlangen, noch über das Programm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ gefördert werden könnten. Alle Maßnahmen, die deutlich über 3 Mio. € liegen, sollten auf Programme wie „Stadtumbau West“ oder „Soziale Stadt“ zurückgreifen.


72 www.innenstadtkonzept-rheydt.de

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