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Citylife_Ausgabe_3_2020

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MERGA BIEN

Beispielhaft für die Schicksale der 250 verfolgten,

gefolterten und verbrannten Menschen ist in Fulda

vielen die Geschichte von Merga Bien bekannt.

Die meisten Fuldaer haben mit Sicherheit schon einmal

die Skulptur des Künstlers Rudi Neuland näher betrachtet,

die in der Löherstraße an die Hexenverfolgung in Fulda

erinnert. Auch die gleichnamigen Musicalaufführungen der

Petersberger Musicalfabrik Virtuoso e.V. erzählten 2013 und

2016 vom Leben und Tod der jungen Fuldaerin, die als angebliche

Hexe unter Balthasar Nuß inhaftiert, gefoltert und

verbrannt wurde. Als Anschuldigungen dafür entzerrte er –

wie in vielen Fällen – Ereignisse aus ihrem Leben.

Wann und wo genau Merga Bien geboren wurde, ist nicht

genau überliefert. Weil dokumentiert ist, dass ihr Vater Löher,

also Gerber, war, vermutet man den Standort ihres Elternhauses

in der Löherstraße. Im Alter von etwa 15 Jahren

wurde Merga mit einem bereits ins Alter gekommenen Witwer,

Wilhelm Franck, verheiratet. Nach dem Tod ihres ersten

Ehemannes erbte sie sein Vermögen, das sie zusammen mit

ihrer Mitgift aus der Armut hob, die viele Frauen in ihrer

Situation zur damaligen Zeit vermutlich eingeholt hätte.

Gleichzeitig machte sie dieses Vermögen bei ihrer späteren

Anklage allerdings auch angreifbar für Neid und Missgunst.

Merga Biens zweite Ehe mit dem Kramer Christoph Ort

endete im Tod ihres Mannes und ihrer beiden Kinder.

Auch dieser Schicksalsschlag im Leben der jungen Frau

wird Teil der Anklage von Balthasar Nuß – dass Mergas

Familie allerdings vermutlich an der Pest starb und nicht

aus ihrem bösen Willen heraus, zieht der Hexenrichter

später nicht in Erwägung. Ihre dritte Ehe ging Merga

daraufhin mit Blasius Bien ein.

1603 begann der Hexenprozess gegen Merga Bien. Wegen

überfüllter Gefängnisse hielt Balthasar Nuß sie nicht wie

die meisten Gefangenen im Turm des Stadtschlosses fest,

sondern in einem hundehüttenähnlichen Käfig neben dem

benachbarten Backhaus. Hauptpunkt der Anschuldigungen

war Merga Biens Schwangerschaft, die in diesem Fall erst

nach für damalige Verhältnisse ungewöhnlichen 14 Ehejahren

eintrat. Dabei hätte Merga nach damals geltendem

Recht gerade wegen dieser Schwangerschaft gar nicht erst

inhaftiert und gefoltert werden dürfen. Obwohl Mergas

Ehemann Blasius Bien diese Umstände nicht hinnahm

und gemeinsam mit seinem Anwalt Stephan Wolff mit

einer detaillierten juristischen Beweisführung für Mergas

Unschuld plädierte, wurde seine Ehefrau nach 14 Wochen

Inhaftierung und Folter im Herbst 1603 auf dem Scheiterhaufen

verbrannt. Ebenfalls zählten zu den Anklagepunkten

abstruse Anschuldigungen wie ein Flug über den

Hünfelder Stadtgraben, angebliche Schadenszauber und

Giftmischerei.

DER „ECHTE“

FULDAER HEXENTURM

Der sogenannte Hexenturm in der Kanalstraße dürfte vielen bekannt

sein – dabei steht der „echte“ Fuldaer Hexenturm viel zentraler: Der

Turm des Stadtschlosses war es nämlich, der zwischen 1603 und 1606

für die Hexenverfolgung als Gefängnis und teilweise als Ort für die

Prozesse selbst diente. In Dokumenten aus dem Stadtarchiv wird der

Turm in der Kanalstraße, der zur Stadtbefestigung gehört, auch „Turm

am Frauentörlein“ genannt. Vermutlich ist der Name „Hexenturm“ im

Volksmund erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden, weil der

Turm mitunter auch als Frauengefängnis genutzt wurde. Während der

Hexenverfolgung gab es hier allerdings keine Inhaftierten.

Erinnerungsort:

In der Löherstraße steht heute eine Skulptur des

Künstlers Rudi Neuland, die an Merga Bien und die

anderen Opfer der Hexenverfolgung erinnert.

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