EBM-Report 2-2021

kletterulf

Infoblatt für die EBM-

Gruppenmitglieder

EBM-Report

(vormals HÜTTENREPORT)

www.einheit-berlin-mitte.de +++ Ausgabe 2/2021

(Nr. 89)


Inhalt

Editorial Seite 3

Winter an der Weinberghütte 4

Elbsandstein-Splitter 11

Das Mittelseitenfoto 12

Höher als gedacht 15

Mit dem Luftschiff in die Berge 16

Alle Gipfel 17

Glückwunsch 23

EBM-Kompakt 24

___________________________________________________________________________________

Limerick 44

Ein Kletterer aus Erlangen

im Seil sich hatte verfangen.

Vergessen hatt‘ er beim Kaufen:

Ein Seil bildet Krangeln und Schlaufen.

Jetzt will er den Händler belangen.

(har)

_____________________________________________________________________________________

Titelfoto: Weinberghütte im Schnee (Steffi Göricke). Man beachte die Jahreszahl

auf der von Jörg Marotz geschaffenen Tafel! Im nächsten Jahr wird

die Hütte 10 Jahre alt. Ein Jubiläum, das man doch feiern könnte!

Fotos: S. 6 - 10 Steffi Göricke; alle anderen Fotos: Jeweiliger Autor bzw.

Internet

Texte, soweit nicht anders gekennzeichnet, sowie Layout, Druck und

Versand: H. Wiemann

2


Editorial

Nicht nur der Mann ist in der Krise ,

bekanntlich auch der Eisbär. Der Eisbär

der Großstadt ist der Schneemann

und ist ebenfalls vom Aussterben bedroht.

Schneemangel ! Seit rund 20

Jahren nimmt die Zahl der Tage mit

geschlossener Schneedecke merklich

ab, von Kachelmann bestätigt. Bald

könnte der Schneemann so wie der

Yeti zu einer mythischen Figur werden.

Wer überrascht ist, dass noch ein

Heft nach dem ‚allerletzten‘ Heft erscheint,

dem sei gesagt, so wie mich

unsere Hüttenhausnummer 20/21

beim letzten Heft für dieses Jahr animiert

hat, war es diesmal der viele

Schnee, in den unsere Hütte an einem

einzigen Wochenende eingepackt

3


war. Und ich kann sagen: Ich war

dabei gewesen.

Also würdigt die vorliegende Ausgabe

den diesjährigen Winter ziemlich

breit. Man muss ja heutzutage froh

sein, wenn man zumindest mal kurze

Zeit flächendeckend die weiße

Pracht bewundern kann. Das war bei

den letzten Wintern nicht der Fall.

Wenn also der Winter zu Hause ausfällt,

dann soll er wenigstens im vorliegenden

Heft präsent sein. Immerhin

ist ja in diesem Winter die erste

Winter-Besteigung des K2 gelungen,

als letztem der 8000er.

nach Redaktionsschluss:

Harald

Am 4. Februar 2021 ist unser langjähriges Mitglied

Reinhard Link im Alter von 82 Jahren gestorben. Ein

Nachruf folgt im nächsten Heft.

4


Zur Erinnerung:

Gruppenbeitrag für 2021

Durch den Ausfall unserer letzten Zusammenkünfte ist die

übliche Beitragszahlung, wie in den vergangenen Jahren

praktiziert, ausgefallen. Der Beitrag muss deshalb diesmal an

den Finanzverantwortlichen (siehe letzte Seite) überwiesen

werden.

Da wir über eine kleine Rücklage verfügen, sind es in diesem

und den nächsten Jahren nur 5 Euro Gruppenbeitrag.

Der Hüttenbeitrag bleibt für die, die sich der Hütte verbunden

fühlen, bei den bisherigen 30 Euro pro Person.

_________________Ω _________________

Unsere üblichen Zusammenkünfte müssen leider

weiterhin ausfallen.

Sowie das wieder möglich ist, werdet ihr per eMail

oder Telefon benachrichtigt.

_________________Ω _________________

Utopie

Jetzt schlafen Berg und Felder

Mit Reif und Schnee verdeckt,

Auch haben sich die Wälder

Ins weiße Kleid versteckt ….

5


Winter an der Weinberghütte:

Im letzten Heft war auf der zweiten Seite ein winterliches Foto von unserer

Hütte mit eingebettetem Schriftzug abgebildet.

Es war ein ziemlich altes Foto, was die ständigen Besucher der Hütte sicher

gemerkt haben, denn es ist noch das Aussehen vor dem Generalanstrich mit

der Anbringung der Zierdeckleisten. Auch der Riesentisch fehlt auf dem Foto.

Der Wintereinbruch Mitte Januar hat da Abhilfe geschaffen. Nichts geht über

das Weiß von frisch gefallenem Schnee. Dass ich das noch einmal erleben

durfte, breite ich im nachfolgenden Beitrag gerne aus.

Schnee ohne Ende ….

Von einem Winter, so wie ihn die meisten von uns Älteren angeblich in ihren

Kindertagen erlebt haben, kann ja nun seit Jahren nicht mehr die Rede sein.

Jedenfalls in hiesigen Regionen. Man muss schon ganz schön weit fahren, um

ungetrübte Winterfreuden zu erleben. Zwar wurde es immer wieder mal

ziemlich kalt, aber die Niederschläge fielen meist ausgesprochen rar aus.

6


Meinen letzten schneereichen Winter habe ich bei einer Jahresanfangsfahrt

erlebt, als die Zschirnsteinboofe komplett zugeweht war und die Organisato-

7


ren von Lok erst einmal einen Zugang graben mussten. Diese traditionelle

Fahrt ist in diesem Jahr nun coronabedingt ausgefallen. Was also stattdessen

mit dem seit Jahren reservierten Termin anfangen? Wie gut, dass die EBM-

Leute Zugang zu einer Hütte haben. Also fuhren zwei Haushalte, nämlich der

von Steffi und der von mir, am eigentlich für das Zschirnsteinevent geplanten

Januarwochenende zu unserer ganz individuellen Jahresanfangsfahrt in die

Weinberghütte. Die aktuell geltenden Beschränkungen durch die relevanten

Bundesländer Sachsen, Brandenburg und Berlin waren bei gutmütiger Auslegung

der Paragrafen für uns nur ein geringfügiges Thema und schließlich gab

es zur Not ja auch einen dringlichen Grund, nämlich ein fiktiver Wasserschaden

an der Hütte.

In einem Schneewinter ist die Nutzung der Hütte etwas aufwendiger als

sonst. Das beginnt bei der Anfahrt, denn ohne Schneeketten wurde der letzte

Kilometer problematisch. Aber bis auf den Parkplatz haben wir es geschafft

und auch die Abfahrt gelang uns durch kräftige Hilfe eines Mitanschiebers.

Vom Parkplatz ging es dann mit einem Behelfsschlitten mit dem schweren

Gepäck (Wasserkanister) nach unten. Dieser Behelfsschlitten bestand aus einem

Deckel der grünen Regentonnen mit Loch für eine Führungsleine. Man

muss sich eben nur zu helfen wissen. Obwohl wir vom Wetterguru Kachel-

8


mann vorgewarnt worden waren und deshalb Schneegamaschen im Gepäck

hatten, hätten wir sie besser schon in Berlin angelegt. So war dann zunächst

nach dem Anwerfen des Kaminofens Schuh-und-Socken-Trocknen angesagt.

Übrigens zugleich verbunden mit dem erfolgreichen Testen des Rauchmelders

im Aufenthaltsraum. Er funktioniert mit hoher Empfindlichkeit und lässt sich

aber glücklicherweise problemlos mit dem Besenstiel wieder abschalten.

Wenn der Aufenthaltsraum dann schön durchgewärmt ist und man seinen

Blick nach draußen in die tief verschneite Landschaft schweifen lassen kann,

bewahrheitet sich das Heine-Gedicht auf Seite zwei des letzten Heftes. (Dort

nochmal nachlesen.)

Natürlich bleibt man bei so einem Wetter nicht in der Geborgenheit einer

Hütte. Bei der Planung einer Tour waren die coronabedingten Einschränkungen

zu beachten, vor allem, dass alle Einkehrmöglichkeiten ausfielen. Aller-

dings haben einige Wirte auf außer-Haus-Varianten umgestellt. So zum Beispiel

der Wirt vom Alten Hans-Jörg mit heißer Suppe und Heißgetränken

(Grog u.a.). Wir sind von Prossen

aus den Sellnitzgrund um den

Lilienstein herum aufwärts gewandert

und oben dann - anschließend

nach einem relativ

gemütlichem Picknick in einem

zehn Meter hohem allseitig geschlossenem

Hochstand - den

Lottersteig hinunter nach

Rathen abgestiegen. Selbst die

Ersteigung eines Hochstandes

erwies sich als nicht so einfach,

wenn die weit auseinanderstehenden

Querleisten vereist und

mit Schneeauflage versehen

sind. Unterwegs überraschten

uns immer wieder fantastische

Schneelandschaften oder Naturschöpfungen.

Da der erste

Schnee wohl sehr nass gewesen

war, waren viele Bäume und

Sträucher auch an den senkrechten Partien eingepudert.

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Rathen war menschenleer, wie die Flughäfen heutzutage. Nur ganze sechs

Personen sind uns begegnet. Ein fast gespenstiges Bild, wenn man die Fülle,

die sonst dort herrscht, im Kopf hat. Aber so tief verschneit hatte der Ort

trotzdem seinen Reiz. Der schöne Gipfelbrunnen war zugeschneit, lediglich

die Köpfe der Figuren ragten heraus, als ob auch sie die Schneelandschaft genießen

wollten.

Am Gamrig vorbei ging es dann weiter nach Waltersdorf, wo an fast jedem

brauchbaren Hang Kinder zu hören waren. Die Schlitten mussten natürlich

ausprobiert werden. Unterwegs hatten wir auch einige wenige Langläufer gesehen.

Das hat mich bei der Schneelage doch ein wenig überrascht. Ein Wartehäuschen

gab uns noch einmal Gelegenheit zur Rast im Sitzen. Die beiden

letzten Kilometer fielen uns dann schon nicht mehr ganz so leicht. Im lockeren

Schnee zu laufen ist halt doch anstrengender als auf sanftem Waldboden.

Die Kondition reichte aber, um nach den Erfahrungen unseres Adventsseniorentanzabends

am Abend noch ein paar Tanzschritte auf das Linoleum zu legen,

quasi zum Abtrainieren des Tagespensums.

Einen Winteraufenthalt auf der Weinberg-Hütte, zumal bei viel Schnee, kann

ich nur wärmstens empfehlen. Denn das, was im Hochsommer nicht denkbar

ist, nämlich die Gemütlichkeit einer Hütte mit Kaminofen, stellt sich dann irgendwie

von ganz alleine ein.

Harald

10


Sächsische Schweiz - Splitter

Wegen des großflächigen Zusammenbrechens ganzer Fichtenbestände

herrscht gegenwärtig im Nationalpark und auch darüber hinaus erhebliche

Baumsturzgefahr. Bei Schneebelastung erhöht sich diese noch. Das Betreten

erfolgt deshalb auf eigene Gefahr. Besonders Kletterer und Wanderer, die allein

unterwegs sind, sollten sicherheitshalber jemanden über das Ziel beziehungsweise

die geplante Wanderroute informieren.

______Ω_____

Kein Abstand auf der Schrammsteinaussicht

Und schon gar nicht in den S-Bahnen nach Schöna. An den Wochentagen des

letzten Jahres ging es in der Sächsischen Schweiz zu wie sonst an Pfingsten

bei herrlichstem Sonnenschein. An Wochenenden war die Enge noch beängstigender

(sh. auch der Bericht im EBM-Report Heft 4/2020, S. 7ff.). Auf der

Schrammsteinaussicht drängten sich die Aussichtsuchenden dicht an dicht

und meist ohne Masken. Irgendwie kein Wunder, dass sich Sachsen als Hotspot

für Coronainfektionen entwickelt hat. Ein Segen für die Natur sei es gewesen,

als der Lockdown verhängt wurde, hieß es von der Nationalparkverwaltung.

Das änderte sich schlagartig, als dieser beendet wurde. Die Hotels

und Pensionen quollen über, die ohnehin prekäre Parkplatzsituation lief aus

dem Ruder. Nach Angaben der Sächsischen Zeitung gab es 2019 bis zum 30.

September rund 2,5 Millionen Besucher, bis zum gleichen Tag in 2020 bereits

3,5 Millionen. Und das ohne die beiden sehr schwachen ersten beiden Quartale.

Und da durch die erschwerten Auslandsreisen

der Druck auf die Inlandsziele

weiter hoch gehalten wird, wird die

Beanspruchung der Natur weiter enorm

bleiben. Für die Sächsische Schweiz wird

es auch problematisch, weil „häufig Besucher

anzutreffen sind, die keinerlei

Verhältnis zu dem Gebiet haben“,

(Fortsetzung S.14)

11


Tante in Caspar-David-Friedrich-Stimmung (netpic)



(Fortsetzung von S.11)

sprich: Sich nicht adäquat

benehmen können. So im

Protokoll eines Treffens

von Verbänden mit der

Nationalparkverwaltung

zur Überfüllung bestimmter

Hotspots.

Da die Leute wegen der

Ansteckungsgefahr lieber

das Auto nehmen, als

sich in einem überfüllten

Zug zu drängeln, war es

logische Folge, dass die

wenigen Parkmöglichkeiten

den Ansturm nicht

bewältigen konnten.

Im Kirnitzschtal herrschte

an vielen Tagen das reinste

Chaos. Geparkt wurde

überall, ob legal oder illegal.

Wer nach 10.00 Uhr

im Gebiet eintraf, hatte

keine Chance. Touristen

mit ansteckungsfreier Unterkunft, nämlich die mit Wohnwagen, schafften

weitere Probleme. Der Verkauf an Wohnwagen ist allein im Mai 2020 um 29

Prozent gewachsen. Das sind ungefähr 10.000 Stück und viele davon zog es in

die Sächsische Schweiz. Ein Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung zählte

bei einem Kontrollgang im Kirnitzschtal nach 21.00 Uhr noch 35 Wohnwagen,

teils sogar mit Vorzelt. Alles illegal. Das Kirnitzschtal hat einschließlich des

Platzes an der Buchenparkhalle in Hinterhermsdorf 660 Stellplätze. Gezählt

werden an einer Zählstelle durchschnittlich 2000 Fahrzeuge pro Tag (in beimanchen

Tagen sind es 4000. Davon werden bestimmt

manche Fahrzeuge zweimal erfasst, nämlich auf der Suche nach einem Parkplatz.

Wie das dort weitergeht, kann man sich ausmalen, wenn man sieht,

wie schnell die Pfeiler der Umgehung von Pirna wachsen. Es werden noch

mehr Fahrzeuge das Gebiet überschwemmen und die Situation weiter ver-

den Richtungen). An schlimmern.

Harald

14


Sammelsurium

Höher als gedacht: Nicht nur der Mount Everest

verändert sich

8.848 Meter war bislang die offizielle Höhenangabe des Mount Everests.

Doch nun bekam der höchste Berg der Welt nochmals 86 Zentimeter dazu,

wie unter anderem die Regierung Nepals bekannt gab. Experten aus China

und Nepal, auf deren Grenze sich der Berg befindet, arbeiteten zusammen,

um den Mount Everest erneut auszumessen. Der bisherige Höhenwert

stammte noch von indischen Forschern aus den 50er Jahren. Tatsächlich

wächst der Berg jedes Jahr um ein paar Millimeter. Der Grund: Die Indische

Kontinentalplatte schiebt sich langsam unter die Eurasische, dadurch türmt

sich das Gebirge weiter auf.

15


Mit dem Luftschiff in die Berge?

Im Servus TV ist am 25. Januar 2021 ein Film präsentiert worden, bei dem

drei österreichische Sportler mit einem Zeppelin in die Vorarlberger Wintersegeln,

um sich irgendwo an einem unzugänglichen, noch nie befahrenen

Steilhang abzuseilen und mit Skiern noch nicht gefahrene Hänge abzu-

welt fahren. Skurriler geht’s nun nicht mehr. Freeriden nennt man so etwas. Unhat

diese Schnapsidee gebraucht, denn es mussten

terstützung holten sie sich auch von Beat Kammerlander.

Zwei Jahren Vorbereitung zunächst Berechnungen angestellt werden, ob das 75 Meter lange Luftschiff

aus Friedrichshafen dies überhaupt bewältigen könne. Für dieses Projekt ging

der Pilot mit dem Zeppelin ans Höhenmaximum. Denn jedes Gramm, jede

Temperaturschwankung, jeder Luftdruckunterschied und jeder km/h Wind

entscheidet dabei über Erfolg oder Misserfolg. Insofern war das Ganze eher

ein Spektakel für das Luftschiffunternehmen, als ein PR-trächtigenehmen für die Unter-

Sportler.

16


Alle Gipfel

In der Sächsischen Schweiz gibt es inzwischen eine Vielzahl von Alle-Gipfel-

Bezwingern, so dass der nimmermüde Dietmar Heinicke seit einiger Zeit

schon über verschiedene Kategorien Buch führen muss. Da gibt es die vielen

Kletterer, die dieses Ziel im Vor- und auch im Nachstieg erreicht haben. Die

weniger zahlreichen Anspruchsvolleren haben das Ziel ausschließlich im

Vorstieg geschafft. Natürlich wird noch zwischen Männlein und Weiblein unterschieden.

Es gibt aber auch noch die Pärchen- und sogar eine Familienwertung.

Unterschieden wird aber auch schon nach der Gesamtzeit, die für das

Ergebnis gebraucht worden ist oder nach dem Alter. Es lebe der Rekord!

Was es aber noch nicht gibt, ist eine Winterwertung. Wobei das natürlich

hierzulande nicht einfach ist, weil es ja kaum noch richtige Winter gibt. Aber

vielleicht ginge es ja, nur solche Wege zu werten, die an Tagen absolviert

wurden, an denen Schnee lag oder an denen die Tagesmitteltemperatur unter

dem Gefrierpunkt lag, vom Wetterdienst bestätigt.

Auch im alpinen Bereich gibt es solche Ziele, zum Beispiel alle 4000er der Alpen

zu bezwingen und das möglichst in einer Saison. Im hochalpinen hatte

Reinhold Messner den Run auf die 8000er eröffnet und es tatsächlich auch

als Erster geschafft, alle 14 Achttausender zu besteigen. Und auch hier gibt es

inzwischen verschiedene Kategorien, unterteilt nach weiblich/männlich. Im

Unterschied zur Sächsischen Schweiz gibt es allerdings hier deutlich mehr Tote.

Die letzte Disziplin, nämlich die der Winterbesteigungen von 8000ern

konnte nun im vergangenen Winter abgeschlossen werden. Der K2 im Karakorum

wurde erstmals im Winter von einer 10köpfigen Gruppe Sherpas bestiegen.

Auch hier gab es einen Toten, nämlich den Spanier Sergei Mingote,

der zeitgleich zu den Sherpas den Gipfel des letzten, im Winter bisher

unbestiegenen 8000ers erreichen wollte. Insgesamt hatten etwa 60 Bergsteiger

gleichzeitig den Berg belagert. Den ersten (erfolglosen) Versuch am K2

gab es im Winter 1987 durch die Polen Andrezj Zawada und Jaques Olek. Es

folgten fünf weitere Versuche, die alle auf maximal 7.650 Metern Höhe scheiterten.

17


Die Geschichte der erfolgreichen Winterbesteigungen begann im Jahre 1980.

Damals eröffneten die Polen den Wettlauf. Leszek Cichy eröffnete mit dem

Everest diesen Wettlauf. Überhaupt haben die Polen das Winterbergsteigen

in den ersten Jahren dominiert. Erst 2005 mischte sich ein Nichtpole, nämlich

der Italiener Simone Moro unter die Mitbewerber. Allerdings ebenfalls mit

einem Polen (Piotr Morawski) stand er auf dem Shisha Pangma. Nachstehend

eine Übersicht:

1980, Everest: Leszek Cichy.

1984, Manaslu: Maciej Berbeka, Ryszard Gajewski

1985, Cho Oyu: Maciej Berbeka, Maciej Pawlikowski

1985, Dhaulagiri: Andrzej Czok, Jerzy Kukuczka.

1986, Kangchenjunga: Jerzy Kukuczka, Krzysztof Wielicki

1987, Annapurna: Jerzy Kukuczka, Artur Hajzer

1988, Lhotse: Krzysztof Wielicki

2005, Shisha Pangma:. Simono Moro, Piotr Morawski (Davor war alledings

schon am 11. Dezember 2004 der Franzose Jean-Christophe Lafaille auf dem

Gipfel, allerings beginnt der kalendarische Winter erst am 21.Dezember.)

2009, Makalu: Simone Moro, Denis Urubko

2011, Gasherbrum II: Simone Moro, Denis Urubko, Cory Richards

2012, Gascherbrum I: Adam Bielecki, Janusz Gołąb

2013, Broad Peak: Maciej Berbeka, Adam Bielecki, Tomasz Kowalski, Artur

Malek (Berbeka und Kowalski starben beim Abstieg.)

2016, Nanga Parbat: Alex Txikon, Ali Sadpara, Simone Moro

2020, K2: Zwei Sherpaseilschaften unter Führung von Mingma Gyalje Sherpa

und Nimal Purja Pun Magaraka

Der Italiener Simone Moro ist mit vier 8000ern der erfolgreichste Winterbergsteiger,

gefolgt von vom Polen Maciej Berbeka mit drei Winter-8000ern.

Seit 1988 gab es eine große Lücke bei den Erstbesteigungen, lediglich fünf

Wiederholungen. Darunter auch die Schweizerin Marianne Chapuisat, die als

erste und bis dato einzige Frau im Winter auf einem 8000er stand (1993, Cho

Oyu).

18


Was macht das Winterbergsteigen im Himalaya so schwierig?

1. Kalender und Kälte

Traditionell gelten Besteigungen als Winterbesteigungen, wenn sie im kalendarischen

Winter, d.h. zwischen 21. Dez. und 21. März stattfinden. Eine

strengere Norm sagt, dass die ganze Expedition und nicht nur der Gipfeltag in

dieser Zeit liegen muss. Am Gipfel des Everest ist der 21. Dez. mit durchschnittlich

-37° C der kälteste Tag. Danach steigt die Temperatur bis 28. Feb.

nie über -33 ° C. Die niedrigste vorhergesagte Gipfeltemperatur war -41°C.

„…die Nacht war extrem kalt, wir stoppten auf 7700m, weil es bereits 15 Uhr

war und sich der Bergschatten auf uns legte. Unsere Füße froren wieder ein.

Ein weiterer Aufstieg hätte unter diesen Extrembedingungen ein Biwak bedeutet,

mit dem Risiko Hände und Füße zu verlieren.“ Simone Moro bei einem

seiner Winterversuche am Shisha Pangma.

2. Wind

“Es ist ein Inferno” meldet Luca im Makalu-Basislager im Januar 2008. „Es ist

so, als hätten wir unsere Zelte auf einem Zuggleis aufgestellt, wo jede Minute

ein Schnellzug nur einen Meter vor uns vorbeirast“ berichtet Denis Urubko.

Karl Gabl von der AV-Wetterwarte Innsbruck hatte für diesen Tag auf 8000

Höhenmetrn -40° C und Jetstream mit über 120 km/h vorhergesagt.

Manchmal im Oktober schießt der Wind ganz plötzlich zum Everest Gipfel

und macht ihn zum windigsten Punkt auf der Erde. Ab dem 20. Okt. bis Ende

Januar herrschen an drei von vier Tagen hurrikan-artige Winde in den Gipfelregionen,

wobei für den Everest am 6.2.2004 175 km/h vorhergesagt wurden,

was deutlich über einem Hurrikan der Stufe 5 liegt.

3. Frost

Extreme Kälte und starker Wind sind die perfekten Zutaten für Erfrierungen

beziehungsweise Frost. Gemäß dem National Weather Service fällt der Frost

Index durch >>>

19


>>> den Wind im Januar bis zu -70 Grad C (-90 Grad F). Das heißt, >>>

20


>>> dass man im Winter im Schnitt im Basislager binnen 30 Minuten und am

Gipfel binnen 5 Minuten mit Erfrierungen rechnen muss. Das macht den Everest

und die anderen 8000er zum kältesten Platz auf dieser Erde. Zwar wurden

in der russischen Basis Vostok in der Antarktis bereits -89°C gemessen,

doch war dies auf Meeresniveau und bei ruhigem Wind.

Als einziger Vorteil verbleibt die im Vergleich zu den Sommermonaten höhere

Trockenheit.

4. Lagerkoller

Unter Lagerkoller versteht man einen vorübergehenden psychischen Erregungszustand

bei (zwangsweiser) Lagerunterbringung. Anders als im Sommer

sind zur kalten Jahreszeit nur ganz wenige Teams am Berg, die oft in einem

Konkurrenzverhältnis zueinander stehen. Man teilt sich das Basislager und tut

sich dennoch zusammen, da einem schnell klar wird, dass man alleine geringere

Chancen auf den Gipfel hat. Alex Txikon versuchte sich zum Beispiel vor

2016 am Nanga Parbat gemeinsam dem Italiener Daniele Nardi und erreichte

damals eine Höhe von 7850 Metern. Nardi war auch 2016 im Team von Alex,

reiste aber wenige Tage vor dem Gipfelerfolg im Streit ab.

Interressant auch, dass alle vier Gipfelaspiranten am Nanga Parbat auf den

letzten Metern nicht gemeinsam aufgestiegen sind, sondern eigene Linien

wählten. Ali Sadpara klettere über Felsen zum höchsten Punkt, Alex Txikon

und Simone Moro über eine vereiste Rinne. Die Südtirolerin Tamara Lunger,

die rd. 100 Meter unterhalb des Gipfels umkehren musste, wählte auch einen

eigenen Weg.

Gipfelsiege um jeden Preis?

Schlagzeilen machte vor allem die Besteigungsversuche am Nanga Parbat. So

2018 als der Pole Tomasz "Tomek" Mackiewicz am Berg blieb. Er hatte den

Gipfel zusammen mit der Französin Elisabeth Revol bereits erreicht, war aber

beim Abstieg schneeblind und höhenkrank geworden. Tomek hatte bereits

sechs Versuche hinter sich, gemeinsam waren sie das vierte Mal am Berg. Im

Abstieg konnte er nicht mehr weiter. Revol ließ ihn zurück und stieg allein

21


weiter ab. Dennis Urubko und Adam Bielecki stiegen ihr in der Nacht mit

schwerem Gepäck entgegen, und mit deren Hilfe konnte sie gerettet werden.

In der Szene gab es anschließend eine heftige ethische Diskussion, nicht zuletzt

deshalb, weil Revol schon vom Krankenbett aus die pakistanischen Behörden

für den Tod von Tomek verantwortlich machte. Ein bekannter italienischer

alle-8000er-Bezwinger (ohne Zusatzsauerstoff) vermerkte nüchtern:

"Diese Besteigung in diesem Stil zu dieser Jahreszeit ist einfach ein verrücktes

Himmelsfahrtskommando."

Tomek war zum Höhenbergsteigen gekommen, um sich von seiner Heroinsucht

zu befreien. Einer anderen Sucht, der des Höhenrausches ist er letztlich

erlegen. Bei klarem Verstand hätten die beiden unter den damals aktuell

herrschenden Bedingungen nicht einsteigen dürfen. Tomek hinterließ Frau

und drei Kinder.

har

______Ω_____

Limerick 49

Ein Kletterer aus Flandern

ging klettern auch unter ander’m

bei Schnee, bei Frost und Reif,

Bis die Finger ihm wurden zu steif.

Da ging er dann doch lieber wandern.

(har)

22


Und letztlich noch dies ....

Früher haben auf der letzten Seite neben einem Fotorätsel immer die

Geburtsgrüße gestanden, die unsere Mitglieder seit der letzten Ausgabe

des EBM-Reports gefeiert hatten. Der aktuelle Datenschutz verbietet

das aber leider ohne eine aktenkundige Einverständniserklärung

der Betroffenen.

Die Redaktion hatte deshalb entschieden, diese bürokratische Hürde

nicht zu nehmen und auf die personenbezogenen Glückwünsche zu

verzichten. Stattdessen soll nun in diesem Heft ein bildlicher Geburtstagsgruß

für alle jene erfolgen, die in der zurückliegenden Coronazeit

einen Geburtstag gefeiert haben.

Herzlichen Glückwunsch:

23


EBM-Kompakt:

Gruppenabende monatlich, jeweils am 3. Dienstag 18 Uhr (im Dezember am

2. Dienstag). im Begegnungszentrum LIBEZEM, Rhinstraße 9, 10315 Berlin-

Friedrichsfelde Tel.: 5229200

Gruppenmitgliedschaft 5,– Euro Beitrag/Jahr unabhängig von einer Mitgliedschaft

im Deutschen Alpenverein (DAV). Eine Mitgliedschaft im DAV ist

nicht Bedingung.

Eine Hütte in Prossen steht allen Gruppenmitgliedern zur Nutzung offen,

genauso deren Freunden und Bekannten, vorausgesetzt, es ist jemand von

der Gruppe mit auf der Hütte, wenn es ein Erstbesuch ist.

Übernachtungsgebühr 6.- Euro pP, Schüler ab 10 Jahren 3.- Euro und unter

10 Jahren 1 Euro.

Hüttenmitgliedschaft 30 Euro/Jahr, dann Übernachtungsgebühr nur 2,50

Euro, Schüler ab 10 Jahre 1 Euro, darunter frei. Abrechnung bei Willy

Göricke (siehe unten).

Die Hütte befindet sich in 01814 Prossen, in der Ferienanlage Weinberg,

Bungalow-Nummer 20/21; Anfahrt über Bergstraße

Hüttenschlüssel gegen Pfand bei Thomas Klenz.

Anmeldung bei Ulf Knoll (im Verhinderungsfall auch bei Thomas Klenz).

Kontakte:

Ulf Knoll 0160/98 15 98 77, Alfred-Randt-Str. 16, 12559 Berlin

Thomas Klenz 67820278, Walchenseestr. 12, 12527 Berlin

Jochen Söhler 564 87 73, Cecilienstr. 172, 12683 Berlin

EBM-Finanzen: Willy Göricke, wgo99@t-online.de

IBAN: DE51160500001100334366, BIC: WELADED1PMB

Ausführliche Infos über: www.einheit-berlin-mitte.de (Dort gibt es auch eine

aktuelle Belegungsübersicht für die Hütte.)

Coronabedingt vorläufig keine Zusammenkünfte!

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