Azteken, Maya und Inka

gerhard.hochl

Maya - Azteken - Inka im Vergleich

Maya

Inka

Goldene Zeiten

und ihr Ende

Azteken

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Vorwort

Die nachfolgenden Recherchen beruhen

auf meine subjektiven Eindrücke,

die ich im Rahmen von Studienreisen

gewonnen habe. Die Inhalte erheben

keinen hohen Anspruch auf wissenschaftliche

Forschungsergebnisse.

Einführung

Die Natur ist etwas, das der Mensch

nicht geschaffen hat. Wir sind aber unbestritten

dafür verantwortlich, dass seit

Beginn der Zivilisation unsere Umwelt

permanente Veränderungen erfährt.

Das Gegenteil von der, durch die Evolution

geschaffene Natur ist die Kultur.

Die Bewirtschaftung von Feldern zählt

ebenso dazu, wie das Komponieren eines

Liedes, die Erfindung einer Sprache

oder die Wahl eines Anführers. Alles

was eine Gemeinschaft, zum Beispiel

ein Volk im Laufe von Jahren, Jahrzehnten

oder Jahrtausenden ausdenkt, erfindet,

entwickelt und hervorbringt ist eine

gewaltige Ansammlung von Wissen und

Informationen.

Sprache, Schrift, Zahlensysteme, Bildung,

Wissenschaft, Religion oder

Aberglaube, Kunst und Politik, das alles

ist Kultur. Sie ist eine rein menschliche

Leistung und entwickelt sich Hand in

Hand mit der Menschheitsgeschichte.

Viele Hochkulturen sind entstanden und

zum Teil verschwanden sie wieder.

Entwicklung

Urmenschen mit aufrechtem Gang gab

es bereits vor vier Millionen Jahren in

der afrikanischen Region. Die Entwicklung

der menschlichen Kultur hat aber

erst vor 200.000 Jahren ihren Anfang

genommen.

Die darauffolgende Periode bis 10.000

v.Chr. ist vom Übergang zum modernen

Menschen geprägt. Zu dieser Zeit entstanden

allmählich die ersten Hochkulturen,

mehr oder weniger unabhängig

voneinander und in verschiedenen Regionen

unserer Erde.

Im Gebiet Mittel- und Südamerika gab

es die ersten Einwanderer 12.000 v.Chr.

Die Menschen kamen über die damalige

Landverbindung zwischen dem

heutigen Ostteil Russlands und Alaska.

Die Urbevölkerung entwickelte sich

auf Grund der klimatischen und geografischen

Gegebenheiten sehr unterschiedlich.

Ackerbau mit dem Schwerpunkt

Maisanbau wurde betrieben. Die

zum Teil kargen Böden und die unterschiedlichen

Niederschlagsmengen in

der Regen- bzw. Trockenzeit machte es

notwendig, dass sich die Menschen zu

Gemeinschaften zusammenschlossen.

Die ersten Kommunen wurden gegründet

In der Blütezeit erreichten Städte

um 450 n.Chr. in Mittelamerika bis zu

150.000 Einwohner .

Maya, Inka, Azteken

Diese drei großen Reiche waren Hochkulturen

in Mittel- und Südamerika. Das

bedeutet, dass sie im Vergleich zu anderen

Völkern ihrer Zeit bereits einen

sehr hohen Entwicklungsstand hatten.

Die drei Völker, hatten eine gesellschaftliche

und staatliche Ordnung mit

Herrscherstrukturen, einer Priesterschaft

mit dazugehöriger Religion, betrieben

Ackerbau und Handel, hatten

jeweils eine eigene Schrift und eigene

Kunstformen. Im Gegensatz zu den

Stämmen der nordamerikanischen Indianer

gründeten sie Staaten. Sie erfanden

Steuer-Systeme, in denen die

Untergebenen Abgaben zu leisten hatten

oder die Arbeitskraft für die Gemeinschaft

zur Verfügung stellen mussten.

Auch dass sie ihre Krieger in Heerscharen

organisierten, unterschied sie nicht

voneinander.

Die großen Unterschiede lagen in der

Sprache, der Schrift und Zahlensysteme,

sowie in der Art der Religion und der

angebeteten Götter. Daraus resultiert

auch die unterschiedliche Bauweise der

Tempelbauten, sowohl was die Form als

auch die Bauart betrifft. Sogar die Wahl

der Baumaterialien war komplett verschieden.

Naturgemäß war das auf die

geologische und geografische Ausbreitungsumgebung

zurückzuführen.

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Maya

Chichén Itzá ist ein kulturelles Wahrzeichen

und ist eine der bedeutendsten und

ausgedehntesten archäologischen Fundorte

in ganz Mexiko. Das Besondere an

dieser Maya Stätte ist die Vielfalt der verschiedenen

Bauweisen und Architekturstile

auf verhältnismäßig kleinem Raum. Dies

ist laut Forschern darauf zurückzuführen,

dass der Ort den Einflüssen von verschiedenen

Zuwanderern ausgesetzt war, die

ihre eigene Baukunst in den Aufbau und

die Ergänzung der Bauwerke einbrachten.

Die Pyramide des Kukulcán, von den

spanischen Eroberern auch El Castillo

genannt, ist die 30 Meter hohe Stufenpyramide

im Zentrum der Stadt, die

als allgemeines Wahrzeichen gilt. Forschungen

haben ergeben, dass diese

Pyramide zu Zeiten der Maya einen roten

Anstrich hatte. Das Bauwerk diente

in erster Linie für religiöse und zeremonielle

Veranstaltungen. Das Gebäude

auf der Scheitelfläche diente den Herrschern

und der Priesterschaft als Zeremonienplatz

und in bestimmten Epochen

auch als Wohnstätte.

Im Inneren der Pyramide waren Gänge

und Verbindungsstufen, die nur von den

Auserwählten benutzt werden durften.

Die Treppen an allen vier Seiten ergaben

zusammengezählt 365 Stufen. Das

wird als die Anzahl der Tage im Jahr gedeutet.

Osario – das Hohenpriestergrab liegt

etwas außerhalb des Zentrums. Es handelt

sich um eine vierseitige Pyramide,

die in ihrer Struktur den Maya-Formen

entspricht. Die Treppenwangen sind als

Schlangenleiber gestaltet, die in einen

großen Kopf mit aufgerissenem Maule

und herausgestreckter Zunge enden.

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Der Tempelraum mit Blickrichtung Süden,

am Scheitelpunkt dieser Pyramide

wurde noch nicht rekonstruiert.

Die Säule an der Südseite weist mit ihren

Hieroglyphen auf die hohe Bedeutung

der Kultstätte hin.

Die quadratische Grundfläche der Pyramiden

wurde an die Schnittpunkte der

Sonnenwendeachsen ausgerichtet.

Caracol – Der Schneckenturm war ein

Observatorium. Von hier aus beobachteten

sie Sonnenwenden, Tagundnachtgleichen

und den Verlauf von Sonne,

Mond und Venus. Das Studium des Firmaments

hatte für die Maya eine herausragende

Bedeutung.

Der Name bezog sich auf die gewundene

enge Treppe im Inneren, die in den

oberen Aufbau des Gebäudes führt. Der

Bau wurde in mehreren zeitlich versetzten

Bauphasen errichtet und erhielt erst

906 n.Chr. seine endgültige Form. Die

Forscher entdeckten mehr als 20 Sichtlinien

für die Beobachtung der Gestirne.

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Die Fensteröffnungen im Turm hatten

jeweils bestimmte Ausrichtungen, die

astronomische Sonnen-Beobachtungen

zuließen. Unter anderem war die Aussaat

vor Beginn der Regenzeit geregelt,

die in dieser Gegend nach dem Zenit

der Sonne am 20. Mai beginnt.

Das Weltbild der Maya war astrologisch

geprägt. Sie waren überzeugt, dass

Sonne, Mond, Planeten und Fixsterne

Einflüsse auf das menschliche Leben

haben. Sie gingen davon aus, dass jeder

Tag durch mehrere Götter beeinflusst

wurde und kein Tag unter exakt

den gleichen Einflüssen stand.

Die Maya verfügten über hervorragende

mathematische und astronomische

Kenntnisse, auf deren Basis sie ein

komplexes Kalendersystem entwickelten.

Der Mayakalender „Haab“ beispielsweise

folgte dem Sonnenjahr mit

18 Monaten á 20 Tagen. 5 Tage wurden

als Zusatztage (Epagomene) eingeschoben

und als Zusatzmonat Uayeb

bezeichnet. Damit hatte das Jahr 365

Tage.

Die Mayaschrift besteht aus etwa 800

verschiedenen bildhaften Zeichen, die

zum Teil entschlüsselt werden konnten.


Die Mayakalender, auch Kodizes genannt, behandelten

zum Großteil religiöse Themen. Sie

wurden vor allem von Priestern für Vorhersagen

und Weissagung verwendet. In ihnen befanden

sich Tabellen, mit deren Hilfe man die Zeit für

Rituale festlegte, Pflanzenkalender und astronomisches

Wissen nieder schrieb. Sie regulierten

verschiedenste Tätigkeiten, so bestimmten sie

die Zeiten für Opferungen und Regenzeremonien,

aber auch für Reisen, die Jagd und die Bienenzucht.

Die Tafeln kündigten jahreszeitliche

Veränderungen, das Erscheinen der Venus sowie

die Sonnen- und Mondfinsternisse an.

Die Kodizes zeigen, dass für die Maya alles zeitlich

vorherbestimmt war, und dass die Götter die

Kontrolle über das Schicksal in Händen hatten.

Entstehung der Maya-Kultur

Um 400 n.Chr. wurde die Herstellung von Papier

aus der Rinde des Amatl-Baums erfunden.

Diese, mit einer feinden weißen Schicht aus Kalk

überzogene Schreibgrundlage ermöglichte die

einfache Weitergabe der Regeln an den Adel.

Bereits vor etwa 20.000 Jahren waren

Menschen im Verbreitungsgebiet der

Mayas sesshaft. Diese Bevölkerungsgruppe

wanderte über die damalige

Landbrücke Asien - Nordamerika ein.

Woher die Maya etwa 3.000 v.Chr. einwanderten

ist bis heute wissenschaftlich

nicht geklärt. Es wird angenommen,

dass sie über das Meer kamen. Bekräftigt

wird diese These vom Umstand,

dass viele Funde aus der ältesten Epoche,

der Vorklassik (ca. 3000 v.Chr. bis

250 n.Chr.), in küstennahen Regionen

gefunden wurden. Es ist auch bewiesen,

dass die Mayas in der Lage waren,

viele Tagesstrecken mit ihren kanuähnlichen

Booten am Meer zurückzulegen,

um Handel zu betreiben.

Die geographische Ausdehnung des

Maya-Reiches war relativ klein. Im Norden

erstreckte es sich über Teile Mexikos

mit der Halbinsel Yucatán, im Süden

reichte es bis zum heutigen Honduras

und El Salvador. Die damaligen wichtigsten

Hauptstädte lagen im heutigen

Guatemala. Berühmte Maya-Städte

waren zum Beispiel Chichén Itzá, Tikal,

Copán und Palenque. Heute sind das

bekannte Ziele für Touristen und Forschungsstätten

für Wissenschaftler.

Viele der heute dort lebenden Menschen

sind Nachfahren der Maya. Im

damaligen Reich wurden viele verschiedene

Dialekte gesprochen, davon sind

heute noch ungefähr 40 Maya-Sprachen

übriggeblieben, die von den Nachfahren

in Südmexiko, Belize, Guatemala

und Honduras gesprochen werden.

Das Reich der Maya wurde nicht etwa

zentral gesteuert. Vielmehr handelte es

sich um ein Bündnis von „Stadtstaaten“.

Die verschiedenen Städte hatten unterschiedliche

Herrscher, oft sprach man

nicht einmal die gleiche Sprache. Die

sozialen Schichten waren starr festgelegt,

die Geburt bestimmte immer schon

im Voraus, welche Rolle im sozialen Leben

ein Mensch später einnehmen würde.

Durch ganz spezielle Erziehung und

Ausbildung zur Kinder- und Jugendzeit

bereitete man die jungen Menschen auf

ihre späteren Aufgaben vor.

Es gab vier gesellschaftliche Hauptklassen:

Adel, Kaufleute, Bauern und Sklaven.

Zum Adel gehörten die wenigen

politischen und religiösen Führer. Die

Stellung der Kaufleute war bevorzugt,

sie hatten mehr Rechte als die Bauern.

Die untere Gruppe in der Hierarchie

machte den größten Teil der Bevölkerung

aus. Sie waren für die Versorgung

der ganzen Kommune mit den landwirtschaftlichen

Erzeugnissen verantwortlich.

Schließlich waren da noch die

Sklaven, meist waren dies Kriegsgefangene,

die verschleppt wurden und

schwere Arbeiten verrichten mussten.

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Eine Gebäudegruppe die von den spanischen Eroberern

„Las Monjas“ (Nonnenkloster) genannt wurde,

weil es sie an die spanischen Klöster erinnerte,

wurde von den Wissenschaftlern als Regierungsund

Verwaltungspaläste identifiziert. Die Hieroglyphen

und die Figuren an den Reliefs deuten auf

diese Erkenntnis hin. Weiterhin ist über der Tür eine

Darstellung eines im Schneidersitz sitzenden Herrschers

mit aufwendigem Federschmuck zu sehen.

In unmittelbarer Nähe steht ein turmartiges

Gebäude mit nur einem Eingang

und einem Raum. An der Fassade ist

eine Figur die den Gott des Regens

darstellt. Er wurde von den Mayas als

„Chaac“ verehrt. Die Spanier bezeichneten

in ihrer Unwissenheit dieses Gebäude

als Iglesia (Kirche), weil das Gebäude

direkt neben dem „Kloster“ stand

und jedes Kloster auch eine Kirche haben

muss.

Wahrscheinlicher ist jedoch, dass diese

Kultstätte einer Regenzeremonie diente.

Ausreichende Niederschläge waren

für die landwirtschaftlich geprägte

Ernährung der Mayas von essentieller

Bedeutung.

Das Volk akzeptierte allgemein die Vorherrschaft

des Adels, weil man diesen

für ein Sprachrohr der Götter hielt. Es

galt deshalb als strenge Regel, den Vorgaben

des geistlichen Adels Folge zu

leisten. Daneben galt der Respekt vor

der Familie und die Selbstdisziplin des

Einzelnen als wichtigste Grundsätze für

das gesellschaftliche Zusammenleben.

Nach Vorstellung der Maya gab es drei

Ebenen im Universum: Unterwelt, Erde

und Himmel. Diese Einteilung beeinflusste

den gesamten Lebensrhythmus.

Den Ebenen waren verschiedene Götter

zugeordnet.

Die Unterwelt hieß „Xibalbá“ und jede

Höhle galt als Eingang. Da auf der Halbinsel

Yukatan keine Flüsse oder Quellen

vorhanden sind, war das Grundwasser,

das sich unter einer Kalksteinschicht

befand, die Lebensgrundlage dieser

Gegend. Durch den Einsturz der Gesteinsdecke

entstanden sogenannte

Cenoten die mit Süßwasser gefüllt sind.

Der Name bedeutet übersetzt „Heilige

Quelle“.

Wissenschaftler verschiedener Forschungsrichtungen

wie Biologen, Geologen,

Geografen und Höhlentaucher

fanden in den Cenoten unter anderem

Opfergaben wie Schmuck, Keramikgefäße

und menschliche Skelette. Diese

gelten als Zeichen, dass die Maya Menschen

opferten, um die Götter gnädig zu

stimmen, was bereits aus Untersuchungen

der Kultstätte Chichén Itzá bekannt

ist. Außerdem wurden die Höhlen auch

als Friedhöfe genutzt. Alle diese Funde

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machten die Forscher in der Nähe der

Höhleneingänge.

Dieser Ort wurde in der Maya-Mythologie

von den zwölf Göttern der Unterwelt,

von Tieren und von Mischwesen

bewohnt. „Ah Puch“ war der Hauptgott

des Todes, ihm verwandt waren zum

Beispiel „Camazotz“ (Gott der Fledermäuse),

„Zotz“ (Gott der Höhlen), „Vucub

Caquix“ (ein Dämon der Unterwelt)

und „Ixtab“ (Göttin des Selbstmordes).

Die Götter des Himmels wurden oft der

Sonne zugeordnet - so zum Beispiel

„Itzamná“ (Hauptgott des Himmels und

Schöpfer der Maya-Kultur), „Kinich Kakmó“

(Gott des Lichtes) und „Ix Chel“

(Göttin des Regenbogens). Als erster

Gott galt „Hunabku“, der Schöpfer des

Universums. Auch „Kukulkan“, ein Gott

in Schlangengestalt, spielte eine herausragende

Rolle - von ihm sagte man,

dass er während des Weltuntergangs

auf die Erde zurückkehren wird. Es

gab noch Hunderte weitere Götter der

Maya, so dass es sehr schwierig ist, die

Übersicht zu behalten.

Bei den Maya wurden den Göttern

Menschen geopfert. Vergossenes

Menschenblut galt als Garant für die

Fruchtbarkeit der Natur. Geopfert wurden

Kriegsgefangene, aber auch Angehörige

der eigenen Gruppen - und zwar

aus allen sozialen Schichten. Es gab

Rituale, bei denen der Maya-Priester

dem Opfer mit einem Steinmesser den

Brustkorb öffnete, um das Herz herauszuschneiden,

welches den Göttern als

Geschenk dargeboten wurde.

Chak Mool, die immer wieder bei den

Mayastätten gefundene, auf den Rücken

liegende Figur, trägt auf dem

Bauch eine schalenartige Vertiefung. Es

ist sehr wahrscheinlich, dass die Vertiefungen

der Aufnahme von Opfergaben,

auch von menschlichen Herzen dienten.

Untersuchungen haben ergeben, dass

diese Skulpturen erst ab 900 n.Chr. entstanden

sind. Das unten abgebildete

Exemplar befindet sich in Chichén Itzá.

Als heilig verehrt wurde der Ceiba-Baum. Die Mythologie

rund um den Baum bestand aus den drei Ebenen

der Welt. Seine Wurzeln reichten bis in die Unterwelt,

dahin kamen die Menschen nach dem Tod. Nach einer

gewissen Zeit, die je nach Lebenswandel unterschiedlich

war, gab es eine Auferstehung und Wiedergeburt

durch die Wurzeln in den Stamm, der die Mittelwelt

darstellt, in dem die Menschen wohnen. Die Baumkrone

symbolisiert die Oberwelt und die dreizehn Ebenen,

in die der Himmel der Maya geteilt war. Die 13.Stufe

war dem Himmelsgott Itzamná vorbehalten.

In einer dieser Himmelsebenen war auch die jeweils

regierende Dynastie angesiedelt.

Dieser Kult macht auch verständlich, dass Menschenopfer

zu dieser Zeit nicht als grausam empfunden wurden.

Jedem Opfer war ja die Wiedergeburt in Aussicht

gestellt. Die Maya glaubten daran, dass die Fruchtbarkeit

der Felder, die Macht der Herrscherdynastie oder

der Gemeinschaft nur durch Ströme von Menschenblut

gesichert werden konnten.

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Ballspielplatz

Chichén Itzá

Bei den Mayas gab es ein Ritual, das

eigentlich wenig mit Sport zu tun hatte,

obwohl es Ballspiel heißt. In Chichén

Itzá hat man mindestens zwölf Ballspielplätze

gefunden. Der Juego de pelota

stellt den größten und bedeutendsten

von mehr als 520 Ballspielplätzen der

Mayakultur dar. Das Spielfeld ist 168 m

lang und 38 m breit und wird von acht

Meter hohen Mauern flankiert.

Beim Ballspiel musste der Ball ohne

Hilfe der Hände und Beine gespielt werden,

erlaubt waren nur Schulter, Brust

und Hüfte. Der Ball bestand aus Kautschuk

und war 3 bis 4 kg schwer.

Die Spieler trugen Schutzkleidung und

das Ziel des Spiels war es, den Ball

durch einen der beiden an den Wänden

angebrachten Ringe zu schießen. Da

die Öffnungen nicht viel größer als der

Ball waren, dürfte dies nur sehr selten

gelungen sein.

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Die Reliefs an den Seitenwänden

zeigen Szenen aus denen

zu erkennen ist, dass jemand

enthauptet wurde. Aus dem

Rumpf der Enthaupteten wird

das herausschießende Blut in

Form von sieben Schlangen dargestellt,

die bei den Mayas als

Symbol für Fruchtbarkeit galten.

Aus dem Blut, das auf den Boden

fließt, erwächst der „Baum

des Lebens“. Diese Darstellung

basiert auf einem Mythos der

Mayas, der die Entstehung des

Spiels schildert. Die Darstellung

lässt nach heutigem Wissensstand

keine Rückschlüsse darauf

zu, ob Gewinner oder Verlierer

den Kopf verloren, bzw. ob die

Darstellungen nur symbolisch zu

verstehen sind.

Die religiöse und symbolische

Bedeutung des großen Ballspielplatzes

wird durch die, an seine

Mauern angebauten Tempeln

noch unterstrichen.

Die Form der Ballspiel-Kultplätze

änderte sich im Laufe der

Jahrhunderte ganz beträchtlich.

Ballspielplatz in Xunantunich (Belize)

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Die ursprünglich überdachte

Säulenhalle weist durch die

Gleichräumigkeit auf eine

Unterkunft für Menschen

hin, deren Rang nicht unterschiedlich

war. Die Dachkonstruktion

war von Holzbalken

gehalten und ist deshalb eingestürzt.

Der Mais

Auf dem Speiseplan der Maya stand

vor allem der Mais, dementsprechend

waren die meisten Bauern damit beschäftigt,

die Maispflanze zu kultivieren.

Der Mais war auch Herzstück des religiösen

Systems der Maya, sie glaubten,

dass alles menschliche Leben seinen

Ursprung im Mais hat. Der Maisgott,

sein Name war „Naal“, gehört zu den

besonders stark verehrten Göttern.

Weitere bedeutende landwirtschaftliche

Produkte waren Bohnen, „Maniok“ (stärkehaltige

Wurzelknollen), „Ayote“ (eine

besondere Kürbisart), Paprika und natürlich

der Kakao. Tierzucht kannten die

Maya nicht, ihren Fleischbedarf deckten

sie durch Jagd und Fischfang.

Tauschhandel

Jeder Maya-Stadtstaat war für die

Landnutzung selbst verantwortlich, normalerweise

gehörte das Land der Allgemeinheit

und alle Erzeugnisse wurden

untereinander aufgeteilt. Die verschiedenen

Stadtstaaten bauten auf ihrem

Land teilweise verschiedene Pflanzenarten

an und stellten auch sonst unterschiedliche

Produkte her. Dem Bedarf

entsprechend wurde dann auf Märkten

miteinander getauscht und gehandelt.

Im Angebot waren zum Beispiel Baumwolle,

Salz, Jadestein, Baumharz („Copal“),

Kakao, die prachtvollen langen

Schwanzfedern des „Quetzals“ (ein in

den Wäldern Mittelamerikas lebender

Vogel) und „Obsidian“ (vulkanisches

Gesteinsglas).

Baumaterial

Wie schon erwähnt, dienten die aus

Stein errichteten Tempelpyramiden als

Unterbauten für die auf der obersten

Ebene gebauten und den Göttern geweihten

Tempeln. In einigen Pyramiden

wurden Gräber von Herrschern, Priesterkönigen,

Schreibern und Geopferten

gefunden.

Das Baumaterial waren Blöcke aus

Granit, die oft von weit her geschafft

wurden. Als „Mörtel“ wurde zermalmter

und in der heißen Sonne gebrannter

Kalkstein, vermengt mit pflanzlichen Fasern

verwendet. Mit Wasser vermischt,

ergab das eine Verbindung der Steinblöcke,

die Jahrhunderte überdauerte.

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Das Ende der Mayakultur

Es gibt verschiedene Theorien darüber,

warum sich das Imperium der Maya ab

etwa 900 n.Chr. langsam aber sicher

auflöste - man spricht auch vom Untergang

der „klassischen“ Maya-Kultur.

Damals war es zu einem massiven Bevölkerungsschwund

gekommen, ganze

Städte wurden aufgegeben und zerfielen

unbewohnt. Die Ruinen fand man

später vom Dschungel überwuchert.

Eine Theorie geht davon aus, dass die

Böden unfruchtbar geworden waren und

die Menschen sich deshalb nicht mehr

ernähren konnten. Andere Theorien vermuten

Katastrophen, Krankheiten oder

klimatische Veränderungen.

Es scheint wahrscheinlich, dass die

Niederschlagsmenge in den Jahren zwischen

900 und 1000 im Maya Gebiet

sehr gering gewesen waren. Die Temperaturdurchschnitte

stiegen damals kontinuierlich

an, wie computergesteuerte

Klimasimulationen zeigen. Also ein Klimawandel

der nicht von Menschen verursacht

wurde und man keinen erhöhten

CO² Ausstoß als Ursache plakatieren

kann. Auch der Grundwasserspiegel in

den Cenoten sank dramatisch, wie Funde

von Tauchern heute beweisen.

Cenote de los Sacrificios in Chichén

Itzá: Die Heilige Quelle war auch Opferplatz

unweit des Zentrums.

Die Spanier unter Hernán Cortés erreichten die mexikanische

Halbinsel Yucatan 1519. Die Blüte der Mayahochkultur war

zu diesem Zeitpunkt bereits lange beendet. Trotzdem wehrten

sich die dezimierten Städte anfangs erfolgreich gegen die

spanischen Conquistadoren. Dennoch schafften die Spanier

es schlussendlich, das Reich unter ihre Herrschaft zu bringen

und einen großen Teil der Mayakultur zu vernichten

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Inka

Erbaut wurde Machu Picchu um 1450

auf Befehl des Inka-Herrschers Pachacutec

Yupanqui, der von 1438 bis 1471

regierte.

Den Zweck den die Stadt in der damaligen

Zeit erfüllte, wird von den Wissenschaftlern

als Gebetsstätte, Sternwarte,

Begräbnisstätte und Landsitz des 9. Inkaherrschers

angegeben.

Entdeckt wurde die Stelle von dem Forscher

und Archäologen Hiram Bingham

im Jahr 1911 mit Hilfe von Einheimischen.

Die Stadt umfasste 216 steinerne Bauten,

die durch ein ausgeklügeltes System

mit Wasser versorgt wurden. Abwasserkanäle,

die teilweise unterirdisch

verliefen, zeigen von moderner Architektur.

Der gute Zustand der zusammengefügten

Felsblöcke von Machu Picchu hat

uns überrascht. Die Inka-Stadt ist in einem

oberen Teil und in einem unteren

Teil gegliedert. Es finden sich Häuser,

Tempel, Plätze und Brunnen. Terrassen

für die Landwirtschaft füllen jedes freie

Plätzchen aus. Mit dem daraus resultierenden

Ertrag konnten die Inkas mehr

als 1000 Menschen versorgen. Das

ganze Ambiente ist durch ein Netz von

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unzähligen Stiegen und Wegen verbunden

und passt sich dem steilen Gelände

hervorragend an.

Auffällig sind die trapezförmigen Türen,

Fenstern und Nischen. Diese Form begleitete

uns durch ganz Peru.

Die Bearbeitung mit Stein- und Bronzewerkzeug,

damit die Blöcke nahtlos

zusammengefügt werden konnten, ist

durch Funde belegt und erforscht. Wie

die Inkas diese riesigen Granitblöcke

hierher schaffen konnten ist bis heute

ein Rätsel. Steinbrüche wurden in der

näheren Umgebung keine gefunden.

Ein Merkmal der Inka-Häuser, die als

Wohnstätten verwendet wurden, sind

die Steinpflöcke die sowohl außen als

auch innen zu finden sind. Während

die Funktion an der Außenseite zur

Dachbefestigung klar ist, gibt es für

die Innenseite verschiedene Forschermeinungen.

Die wahrscheinlichste

Verwendung war das Aufhängen von

Gegenständen, da kaum Reste von Möbeln

gefunden wurden.

Im Bezirk der Zeremoniengebäude sticht der einzige Rundbau ins Auge.

Angeschlossen an den Sonnentempel und den Prinzessinenpalast war

das Observatorium. Jede Inka-Siedlung hatte so eine Einrichtung. Es

diente der Ablesung der Sonnenwende um die Ernte bzw. Aussaat zeitgemäß

genau zu bestimmen. Immer wenn die Sonnenstrahlen zweimal

im Jahr durch ein bestimmtes Fenster genau auf die, damals noch goldene

Spitze des großen Monoliths fielen, wussten die Gelehrten dass

die Regenzeit bzw. Trockenzeit begann.

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Die aus dem Felsboden des Sonnentempels

herausgearbeitete Skulptur

wird als „Wasserspiegel zum Beobachten

des Himmels“ gedeutet. In der

Literatur wird auch von den Augen

der Pachamama (Mutter Erde) gesprochen.

Entstehung der Inka-Kultur

Im Kondor-Tempel wurde der heilige Vogel verehrt. Eine

Steinfigur diente als Kult- und Opferstätte. Ein Gefängniskomplex

steht direkt hinter dem Tempel und besteht aus

Nischen in Menschengröße und einem unterirdischen Labyrinth

von Verliesen.

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Die Besiedelung von Peru ist auf die

letzte Eiszeit vor ca. 20.000 Jahren

zurückzuführen. Über die damals zugefrorene

Beringstraße wanderten im

Norden beheimatete Menschengruppen

notgedrungen nach Süden. Aus den Nomaden

und Jägern wurden Siedler und

sesshafte Volksstämme.

Die erste Hochkultur entstand 2600

v.Chr., also etwa zur Zeit des ägyptischen

Pyramidenbaues und lange vor

den Bauten der Azteken in Mexiko. Die

Caral-Dynastie verschwand um 1600

v.Chr. Es wird vermutet, dass extreme,

andauernde Wetterphänomene mit Missernten

den Ausschlag dafür gaben.

Die Chavin-Hochkultur beherrschte große

Teile Perus von 1000 v.Chr. bis 200

v.Chr. Das war die Zeit der Shang-Dynastie

in China und Beginn des Römischen

Reiches.

Die rechts abgebildete gravierte Steintafel

ist aus dieser Epoche. Die 3000

Jahre alte Steintafel stammt aus einer


Ausgrabung und zeigt Geistergesichter,

Jaguarzähne, Schlangen und Adlerfedern

als vereinende Symbole der

gemeinsamen Religion, aber auch zur

Unterdrückung des gemeinen Volkes.

Nach dem Untergang der Chavin-Dynastie,

ungefähr 200 v.Chr. gab es mehrere

verschiedene Kulturen, die sich gegenseitig

bekriegten und wechselnden

Einfluss in den lokalen Gebieten ihrer

Machtgrenzen besaßen.

Hervorzuheben wäre die Kultur der

Pukara, deren politische und kulturelle

Zentren im Raum um den Tiiticacasee

angesiedelt waren und die über 1000

Jahre dort die Macht innehatten.

Erst 600 n.Chr. konnte sich die Dynastie

der Wari entscheidend durchsetzen

und sie beherrschten große Teile des

Küstenlandes bis zu den Bergmassiven

der Anden. Ihnen war es gelungen den

landwirtschaftlichen Anbau wesentlich

zu verbessern.

Die Inka kamen ursprünglich aus dem

Tiefland des Amazonasgebietes und

herrschten von 1200 n.Chr. bis zur spanischen

Eroberung am 16.November

1532. Die Hauptsäulen der Kultur waren

die Landwirtschaft und der bedingungslose

Gehorsam gegenüber dem

Inka-König, der als Gott verehrt wurde.

In der Mythologie ist verzeichnet, dass

sie vom Sonnengott lnti abstammen.

Das Reich gliederte sich in rund 200

ethnische Gruppen, die nach und nach

erobert und unterworfen wurden. Anfangs

wurde die Gegend um Cusco besiedelt.

Der Ort liegt in 3.500 m Höhe

im Hochgebirge und war das religiöse,

wirtschaftliche, politische und kulturelle

Zentrum des Reiches.

Im 13. Jahrhundert begann die Expansion,

die im 15. Jahrhundert dazu führte,

dass die Inka unter ihrem Herrscher

Pachacuti größere Territorien eroberten.

Das Reich Tahuantinsuyu (Land der

vier Viertel) umfasste in seiner Blütezeit

mehr als ein Drittel der Gesamtfläche

von Südamerika.

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Der Aufbau des riesigen Reiches geschah

in nicht einmal 100 Jahren. Es

war nicht nur das größte Reich in der

Zeit vor der Entdeckung Amerikas

durch Columbus, sondern auch eines

der größten Herrschaftsgebiete der

Menschheitsgeschichte. Die Gegensätze

reichten von den schneebedeckten

Anden zur wüstenähnlichen Pazifikküste

und zum Amazonas-Urwald auf der

Ostseite.

Die Inka vereinheitlichten soziale Systeme

der eroberten Völker, übernahmen

aber auch Teile der anderen Kultur

und nutzten die Fähigkeiten der lokalen

Bevölkerung, vor allem in Bezug auf

die Landwirtschaft. Ihre Sprache heißt

Quechua (sprich: Ketschua). Den unterworfenen

Völkern zwangen die Inka ihre

Sprache auf. Sie wird übrigens noch

heute von den Indios in den Anden gesprochen.

Es herrschte eine strenge Gesellschaftsordnung,

an deren Spitze der

Inkaherrscher stand. Beamte wurden

eingesetzt um das Riesenreich zahlenmäßig

zu erfassen und die Arbeit der

Bauern zu überwachen. Dem Sapa Inka

wurden dann die Zahlen über Geburten,

Sterbefälle, Höhe der Mais- und Kartoffelernten,

Anzahl der Lamas und Meerschweinchen

des Reiches vorgelegt.

Geld kannten die Inka nicht. Statt Abgaben

steuerten die Einwohner mit ihrer

Arbeitskraft zum Wohlstand des Reiches

bei. Ihre Arbeitszeit teilte sich in

drei gleiche Teile auf: Ein Drittel mussten

sie für den Sonnenkult arbeiten. Das

zweite Drittel wurde beim Militär oder

beim Adel abgeleistet. Das letzte Drittel

durften die Menschen für den eigenen

Lebensunterhalt und den ihrer Familien

aufwenden.

Die Inka waren hervorragende Landwirte.

Nur so lässt sich die Bevölkerung

eines solchen großen Staates auch ernähren.

Sie kannten 20 verschiedene

Maissorten, 240 Kartoffelarten, dazu

kamen Bohnen, verschiedene Getreide

wie Quinoa und Amarant, Kürbis, Tomaten,

Paprika und exotische Früchte. Zu

ihren Haustieren zählten Lamas, Alpakas,

Enten und Meerschweinchen. An

den Hängen des Hochgebirges wurden

Terrassenfelder angelegt, die mit Kanälen

bewässert wurden. Die Größe der

Rinnen wurde jeweils genau auf die benötigte

Wassermenge berechnet.

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Die Dimension der Kanäle verjüngte sich nach jeder Abzweigung.

An den Berghängen war die Wasserversorgung durch

das Schmelzwasser der Gletscher die bis zu 5000 m aufragten

gesichert. In den flacheren Gegenden wurden Regenwasser

Reservoirs gebaut.

17


Die riesigen Feldblöcke wurden nahtlos

und ohne Mörtel aufeinander geschlichtet.

Peru ist eine Erdbebenzone und

doch hatten alle Inkabauten auch heftige

Erdstöße ohne Schaden überstanden.

Das Geheimnis liegt in der Verzahnung

und Anordnung der Steine im

Winkel von 5° konisch nach oben und

nach innen.

Die Baukunst der Inka reichte weit über

das Bauen von Festungen, wie Machu-Picchu

oder die Felsenterassen hinaus.

Die 5.200 km lange Andenstraße

und die 4.000 km lange Küstenstraße

sind beachtlichen Leistungen der Straßenbauer,

aber auch der Arbeiter.

Über den Rio Apurimac, einem Abschnitt

des Amazonas, führte eine 60

m lange aus Pflanzenfasern geflochtene

Hängebrücke, die von den Chasqui,

den Stafettenläufern, genutzt wurde,

um Nachrichten und Befehle des Sapa

Inka zu überbringen. Die Stafettenläufer

konnte auf diese Weise bis zu 400 km

am Tag in dem 40.000 km umfassenden

Straßennetz zurücklegen.

Bei uns in Europa werden Meerschweinchen

als Haustiere gehalten. In dieser

südamerikanischen Region werden

auch Meerschweinchen gehalten, aber

nicht als Haustiere sondern als Zuchttiere

um als gegrillte Spezialität verzehrt zu

werden. Jährlich werden Millionen von

Meerschweinchen in Peru verspeist.

Es wird vermutet, dass sie bereits seit

2500 v.Chr. gehalten wurden und bei Inka-Festen

verspeist wurden.

Die Festung Sacsayhuaman ist ein beeindruckendes

Beispiel militärischer

Inka-Architektur. Es besteht aus drei

großen terrassenförmig übereinander

gebauten Zickzackmauern. Die immensen

Granitbefestigungen erstrecken sich

über ca. 300 Meter mit bis zu fünf Meter

hohen Steinen, die bis zu 350 Tonnen

wiegen. Die Steine passen ohne Mörtel

fugenlos auf- und aneinander, sodass

nicht einmal eine Messerklinge dazwischen

Platz hat.

Die Schutzwälle verfügen über 22 Ecken

und sind so angelegt, dass niemand sie

unbemerkt erklimmen konnte. Tausende

Männer hievten die riesigen Steine

dorthin. Die vor den Wällen verlaufende

Ebene diente wahrscheinlich als riesiger

Zeremonienplatz für religiöse und

militärische Anlässe. Drei Türme wachten

über die Festung. Die verbliebenen

Fundamente zeigen ihre enormen Ausmaße.

Sie waren durch unterirdische

Gänge verbunden, über die der Nach-

18


schub und die Nachrichtenübermittlung

erfolgte. Cuscos Einwohner suchten im

Notfall in der Festung Zuflucht.

Während der Schlacht von 1536 zwangen

die Spanier die Inka in die Türme

und metzelten sie nieder.

Die Vögel auf Cuscos Wappen sind ein

makabrer Hinweis auf die unzähligen

Opfer der Schlacht, deren Leichen die

Aasgeier fraßen.

Schon bald nach ihrem Sieg rissen die

Spanier viele Mauern ein und nutzten

Sacsayhuaman in der Folge als Steinbruch.

Sie verwendeten die Steine zum

Bau von Kirchen und Häusern in Cusco.

Moray ist eine landwirtschaftliche Versuchsanlage

der Inkas. Das System

besteht aus vielen Terrassen in verschiedenen

Höhen und Breiten, die auf

Steinwänden errichtet wurden und mit

Erde gefüllt sind. Die Anlage wurde in

einen 70m tiefen Krater gebaut, deren

Ursprung unklar ist. Durch die runde Anordnung,

der Sonnenstandberücksichtigung,

der Menge der Bewässerung

und der aufsteigenden Terrassen ergibt

sich ein unterschiedliches Pflanzenklima.

Die Inka testeten hier verschiedene

Pflanzenarten auf den bestmöglichen

Ertrag. Die Seehöhe beträgt hier

3500m. Ausgrabungen haben etwa 250

verschiedene Getreide und Gemüsesorten

zu Tage gefördert.

Die Landwirtschaft wurde auf Grund der

Erkenntnisse von Moray auf den unzähligen

Terrassenfeldern im ganzen Land

planmäßig betrieben.

Die astronomischen Kenntnisse über

Sonnenstandswinkel und das Wissen

über Regenzeit und Trockenperioden

ergänzten das Wissen über die Pflanzenkunde

und machten das Inka-Reich

zu einer damaligen Erfolgsgeschichte.

Bildung und Wissenschaft war den Inka

wichtig. Sie errichteten das Yacha huaci,

das Haus des Wissens, in dem junge

Adelsmänner in Sprachen, Religion, Astronomie,

Astrologie, Philosophie, Mathematik,

Baukunst und Kriegsführung

unterrichtet wurden.

Sie glaubten an ein Leben nach dem

Tode und ließen die Toten mumifizieren.

Anders als in Ägypten wurden die

Mumien in Höhlen oder Felsspalten beigesetzt.

Typisch ist auch die hockende

Stellung.

19


20


Der Hauptplatz von Cusco wird von der goldenen Statue

des Inkaherrschers Pachacutec dominiert. Zu Zeiten der

Inka diente der Platz vorwiegend für Zeremonien und war

mit weißem Sand bedeckt. So wurde hier auch das Sommerfest

„Inti Raymi“ mit Tieropfern gefeiert.

Die Inka verwendeten eine Knotenschrift namens Quipu

(Kipu). Damit hielten sie Informationen fest. An einer

Hauptschnur hingen mehrere andere Schnüre herunter, in

die Knoten geknüpft wurden. Ihre Position oben, in der Mitte

und unten sowie die Art des Knotens mit verschiedenen

Schlaufen oder als Achterknoten bedeutete jeweils etwas

anderes. Auf diese Weise wurde zum Beispiel die Geschichte

der Inka-Herrscher festgehalten.

Quipus waren auch wichtige Buchhaltungsinstrumente für

die Verwaltung der dem Inka-Reich unterworfenen Regionen.

Sie wurden verwendet, um wichtige quantitative Informationen

aufzuzeichnen und zu übermitteln, die durch Knoten

an hängenden Seilen ausgedrückt wurden.

21


Cuerda principal = Tragseil centenas = 100er decenas = 10er unidades = 1er

Das Ende der Inkakultur

Doch all ihr Wissen half den Inka nichts,

als am 15. November 1533 der spanische

Eroberer und Abenteurer Francisco

Pizarro mit nur 159 Männern die

Hauptstadt Cusco fast ohne Widerstand

der Bevölkerung einnahm. Gegen die

Feuerwaffen der Spanier waren die Inka

machtlos. Zusätzlich fürchteten sie sich

vor den Pferden der Spanier. So große

Tiere haben sie vorher noch nie zu Gesicht

bekommen.

Zuvor hatte er mit einer List und in einem

Überraschungsangriff weit vor

den Toren der Stadt den Inkaherrscher

Atahualpa gefangen genommen. Gegen

ein Lösegeld in Form eines ganzen

Zimmers voll Gold soll Atahualpa wieder

freikommen. Trotz Übergabe des Goldes

lässt Pizarro den Inkaherrscher kurze

Zeit später töten.

Der Tod ihres Sapa Inka machte die

Menschen kopflos. Ihr Herrscher war

das Zentrum ihres Lebens, ohne ihn

ging nichts mehr. Doch damit war ihr

weiteres Schicksal und der Untergang

des Inkareiches besiegelt. Die spanischen

Eroberer zerstörten die Stadt

Cusco fast vollständig.

Der letzte Inkaherrscher starb 1572, mit

ihm auch der letzte Widerstand gegen

die spanischen Eroberer und das Reich

des Sonnengottes.

In der Folgezeit rauben die Spanier den

Inka aber nicht nur ihr Reich, sondern

auch ihre Kunst und Kultur. Die Ausübung

des ausgeprägten Totenkults

wird unter Strafe gestellt, die mit reichen

Beigaben versehenen Grabstätten werden

geplündert. Alles was die neuen

Herren an Gold finden können, wird herbeigeschafft,

eingeschmolzen und nach

Spanien verschifft. Die Gier scheint unersättlich.

Historiker sprechen vom Ausverkauf einer

ganzen Kultur. Unmengen an Kunstschätzen

sind so unwiederbringlich für

die Nachwelt verloren gegangen.

Mehr als 14 Millionen tote Einheimische,

zerstörtes Kulturgut und die gewaltsame

Christianisierung durch den

Jesuitenorden säumten den Weg der

Konquistadoren.

Außer den kunsthandwerklichen Traditionen,

Ruinen und Mythen ist nur die

Sprache Quechua von dem ehemals

größten Reich des Kontinents übriggeblieben.

Die Inka führten sie einst als

Amtssprache für alle eroberten Völker

ein.

22


Azteken

Die Azteken stellten die letzte bedeutende

Hochkultur Mittelamerikas

vor der Eroberung durch die Spanier

dar. Zur Ankunft der Eroberer hatte

ihre Hauptstadt 250.000 Einwohner.

Das Volk nannte sich selbst Mexica

und beherrschte weite Teile des heutigen

Mexikos. Sie verfügten über

eine Schulpflicht und ein gutes Bildungssystem,

dennoch sind sie vor

allem durch ihre brutalen Opferrituale

bekannt. Mexiko City, Hauptstadt

des heutigen Mexikos, wurde auf den

Ruinen der damaligen Hauptstadt

der Azteken Tenochtitlan erbaut. Einige

Ruinen wurden restauriert und

sind heute zu bewundern.

Die Blütezeit begann 1350 und hatte

Anfang des 16. Jahrhunderts die

größte Ausdehnung des Reiches.

Die Karte zeigt die Ausdehnung des aztekischen Herrschaftsgebietes um 1500

Das Volk der Azteken oder Mexica,

wie sie sich selbst bezeichneten,

wanderten von Aztlan

(heutiger Südostteil der USA)

Richtung Süden, geleitet von

ihrem Sonnen- und Kriegsgott

Huitzilopochtli. Nach vielen Jahren

der Reise, auf der sie sich

immer wieder niederließen und

dann weiterzogen, erreichten die

Azteken das Tal von Mexiko, wo

sie sich endgültig inmitten des

Sees von Texcoco niederließen.

Das Volk, das zu dieser Zeit über

weite Teile des Tals herrschte,

erlaubte den Azteken, sich auf

einzelnen Felsinseln im See

niederzulassen. Der Gedanke

war, sie so als Abgabepflichtige

in das Reich zu integrieren. Die

Gründung der Stadt Tenochtitlan

fand im Jahr 1325 n.Chr. statt.

Die Azteken verließen mit Kanus ihr Ursprungsland Aztlan. Ihr erster Halt

war der Berg Colhuacan, an dem ein Priester zu Huitzilopochtli sprach.

23


Die Stadt wurde in vier Viertel

aufgeteilt und im „Zentrum des

Universums“ entstand der Tempel

ihrer Hauptgötter. Von diesem großen

Platz gingen vier breite, zum

Festland führende Straßen aus,

die den vier Himmelsrichtungen

entsprachen. Der Haupttempel

(Templo Mayor) stand Richtung

Westen. Der Tempelbau bestand

aus einer großen Plattform, auf

der sich zwei Gebetstempel erhoben.

Einer war Tlaloc gewidmet,

dem Gott des Regens, der Fruchtbarkeit

und somit auch der Landwirtschaft.

Rechts residierte Huitzilopochtli,

der Kriegs- und Sonnengott. Er

verkörperte die kriegerische Expansion

und die Herrschaft über

andere Völker, denen Abgabezahlungen

auferlegt wurden. Auf diese

Weise war sowohl das Wasser

als auch der Krieg im wichtigsten

Bauwerk Tenochtitlans zugegen

und beides repräsentierte die blühende

Wirtschaft der Mexica, die

eben auf diesen zwei Säulen beruhte:

Landwirtschaft und Krieg.

Die Gebetstempel erreichte man

über zwei Treppen, die zum oberen

Bereich hinaufführten.

Kriegsgott Huitzilopochtli

Modell des Templo Mayor auf Grund historischer

und archäologischer Daten erstellt.

Der Kopf des Regen- und

Fruchtbarkeitsgottes Tlaloc.

Der aztekische Sonnenstein zeigt im

Zentrum das Gesicht des Sonnengottes

Tonatiuh.

Der Templo Mayor war ein Ort allergrößter

Heiligkeit. Von hier aus konnte man

in die himmlischen Gefilde hinauf- oder

auch in die Tiefen der Unterwelt hinabsteigen.

Die Vorstellung der Mexica vom

Universum ging von drei grundlegenden

Ebenen aus: In der Mitte lag die Erde;

der Ort, an dem die Menschen leben.

Darüber existierten dreizehn Himmel.

Unterhalb der Erde gab es neun Ebenen,

24

von denen die neunte und tiefste Ebene

die Welt der Toten war.

Feste und Zeremonien, die für die Götter

gefeiert und abgehalten wurden, waren

im Nahuatl-Kalender festgelegt. Er bestand

aus achtzehn Monaten von jeweils

zwanzig Tagen, was insgesamt 360 Tage

ergab, plus fünf Tage, die als Schicksalstage

galten.

An dieser Stelle ist es wichtig, auf die

überaus große Bedeutung der Götter bei

allen wichtigen Ereignissen des menschlichen

Lebens hinzuweisen. Von Geburt

an und bis zu ihrem Tod waren alle Menschen

dem Willen der Götter unterworfen.

Deshalb musste der Mensch ihnen

mit einer Reihe von Zeremonien und Opfergaben

dienen, damit so stets die gutwillige

Seite der Gottheiten vorherrschte.


Die aztekische Gesellschaft bestand aus

zwei Bevölkerungsgruppen: Eine Gruppe

bildeten die Pillis oder Adligen, die andere

die Macehualtin oder Leute des Volkes.

Der oberste Herrscher, der Tlatoani

wurde von einem Rat gewählt. Gemäß

der Tradition musste es nicht zwingend

der Sohn des vorherigen Herrschers

sein. Es konnte auch ein Bruder oder ein

anderer Angehöriger gewählt werden,

sofern er ein Mitglied des königlichen

Hauses war. Die hohen Minister des Imperiums,

die Priester und die Krieger von

hohem hierarchischem Rang gehörten

ebenfalls zum Adel. Diese waren von der

Pflicht der Steuerabgaben befreit, und

wurden in der Tempelschule ausgebildet.

Ein Weg zu hohem gesellschaftlichem

Rang bestand darin, als guter und tapferer

Kämpfer aus den Schlachten hervorzugehen.

Des Weiteren gab es die

Kaufleute oder Pochtecas, die bestimmte

Privilegien besaßen. Sie durften zum

Beispiel über eine eigene Schutztruppe

verfügen, die sie auf ihren Handelsreisen

begleitete. Außerdem durften sie auf den

Märkten eigene Richter einsetzen, um

etwaige Streitigkeiten zu schlichten, die

durch den Austausch von Waren entstehen

konnten.

Die Macehualtin stellten den Großteil der

Bevölkerung dar. Dieser umfasste Fachleute,

die auf bestimmte Arbeiten spezialisiert

waren, zum Beispiel Steinschleifer,

Weber, Töpfer, Architekten, Maurer, Hilfsarbeiter,

Mediziner und verschiedene

Künstler wie etwa Bildhauer und Maler.

Sie hatten ihre eigene Schule und mussten

für die Produkte, die sie herstellten,

Tribut an den Herrscher zahlen.

Ein nicht geringer Anteil der Bevölkerung

bestand aus Bauern, die sich der Landwirtschaft

widmeten. Hierbei wurden

bestimmte Gerätschaften eingesetzt,

wie etwa Setzstöcke. Als Anbauflächen

dienten künstliche Inseln am Seeufer,

ein System, bei dem die Feuchtigkeit des

Erdbodens genutzt wurde, um rundherum

Kanäle zu graben und feuchte Erde

aufzuhäufen. Diese Technik führte jedes

Jahr zu guten Ernten.

Trotz ihrer umfangreichen strategischen

Planungen und gesellschaftlicher straffer

Ordnung konnten die Azteken ihren

Einflussbereich erst erweitern nachdem

sie sich mit den beiden Nachbarvölkern

Acolhua und Tepaneken zusammenschlossen.

1428 entstand dieser aztekische

Dreibund und erlaubte viele Eroberungsfeldzüge

die mit Unterjochung

von mehr als 30 Stämmen endete. Die

Besiegten wurden zum Teil versklavt und

der Rest musste hohe Abgaben entrichten.

Ein Drittel der Ernte lieferten sie dem

Aztekenherrscher ab.

25


Teotihuacán

Die Pyramiden im Tempelbezirk Teotihuacán,

ca. 45 km nordöstlich von Mexiko-Stadt

stammen aus einer Zeitspanne

zwischen 100 v.Chr. bis 650 n.Chr. Also

bevor die Azteken in dieser Gegend einwanderten.

Bis zum rätselhaften Ende im 7.Jahrhundert,

begleitet von einem verheerenden

Brand, war Teotihuacán politisch, militärisch,

wirtschaftlich und kulturell ein

mächtiges Zentrum, das ganz Mesoamerika

beeinflusste. In ihrer Blütezeit war

die Stadt mit mehr als 150.000 Einwohnern

auf ca. 20 Quadratkilometern eine

der größten Metropolen jener Epoche.

Nach wie vor weiß man nicht genau, wer

die Bewohner waren und kennt nicht einmal

ihren ursprünglichen Namen. Als die

Azteken in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts

aus Norden kommend dort eintrafen

und die Ruinenstadt entdeckten,

verknüpften sie diese mit ihrem eigenen

Schöpfungsmythos und gaben ihr den

Namen Teotihuacán – „der Ort, an dem

die Götter geschaffen wurden“. Auch die

Bezeichnungen der Sonnen- und der

Mondpyramide sowie die „Straße der Toten“

gehen auf die Azteken zurück.

26


Die Atlanten von Tula

Tula die ehemalige Hauptstadt der Zivilisation

der Tolteken liegt rund 75 km

nordwestlich von Mexiko City. Bekannt

ist die Stätte insbesondere durch die vier

riesigen Steinfiguren, die Atlanten von

Tula, die Krieger der Tolteken. Die Kulturgeschichte

dieses Volkes begann um

900 n.Chr. Die Blüte des Reiches währte

nur 200 Jahre, hinterließ aber einige

bauliche Denkmäler.

Die Stätte war ein religiöses Zentrum

und es herrschte ein Kult um den Gottkönig

Quetzalcóatl (gefiederte Schlange).

Die Schlangenmauer (unten) mit den

eingeritzten Reliefs ist stummer Zeuge

davon. 980 bestieg der Hohepriester

Quetzalcoatl den Thron. Die Zeit seiner

Herrschaft wird als Goldene Zeit des

Landes bezeichnet, da es dem Volk gut

ging. Trotzdem muss es zu einer Rebellion

gekommen sein. Quetzalcóatl wurde

von seinem Rivalen Tezcatlipoca (rauchender

Spiegel), durch Zauberei überlistet

und gestürzt. Er floh 999 mit seinen

Anhängern an den Golf von Mexiko mit

dem Versprechen, eines Tages zurückzukehren,

um sein Reich wieder in Besitz

zu nehmen. Die Azteken, die später

an die Macht kamen, übernahmen diese

Legende auch in ihren eigenen Glauben.

27


Dieser Kopfschmuck wird „Federkrone Moctezumas“ genannt. Es

handelt sich vermutlich um den Kopfschmuck eines Priesters. Eine

Verbindung mit dem vorletzten aztekischen Herrscher Moctezuma

Xocoyotzin ist höchst spekulativ.

Diese wertvollen Azteken-Symbole werden mit anderen selten gezeigten

Stücken im Rahmen einer Azteken-Ausstellung im Weltmuseum

Wien in der zweiten Jahreshälfte 2020 zu sehen sein.

28


Gold, Silber und Edelsteine gab es im

Aztekenreich im Überfluss. Beinahe

wertvoller waren Kakaobohnen, die sich

nur Adlige leisten konnten und als Zahlungsmittel

eingesetzt wurden.

Für 100 Kakaobohnen konnten sie sich

einen Sklaven kaufen. Im Schatzhaus

des Aztekenherrschers lagerten riesige

Mengen der bitteren, braunen Bohnen

aus denen der Chocolatl zubereitet wurde.

Kakaobäume gedeihen im kühlen

Klima des 2.250m hohen Hochplateaus

nicht. Deshalb musste die Bohne von

weit her importiert werden.

Das Grundnahrungsmittel war Mais.

Zu den Pflichten der Frauen ab dem Alter

von 13 Jahren gehörte das Mahlen

des Maises mithilfe einer Steinwalze

auf einem rechteckigen Mahlstein und

die Zubereitung der Tortillas, der Maisfladenbrote.

Mais wurde traditionell zusammen

mit Gartenbohnen und Kürbis

in einer Ackermischkultur angebaut.

Eng verknüpft mit dem Leben der Bevölkerung

waren die Agaven, eine an

die Trockenheit angepasste Pflanze.

Ihre langen, starren, am Rand oft kräftig

stacheligen Blätter enthalten zähe

Fasern. Sie wurden zu Seilen, Matten,

Sandalen und Kleidungsstücken verarbeitet.

Zur Getränkegewinnung kappte

man die junge Blütenknospen und sammelte

den austretenden zuckerhaltigen

Saft. Frisch war er nahrhaft und Durst

stillend.

Im vergorenem Zustand wurde der Saft

zu einem schwach alkoholischen Getränk.

Es war den Azteken heilig und der

Genuss war nur bei bestimmten Festen

erlaubt. Nur den Kranken, über 52-jährigen

und Privilegierten standen täglich

drei Becher Pulque zu.

Die Stadtzentren der kleinen und großen

Städte im aztekischen Imperium

wiesen in der Regel drei typische Merkmale

auf. Einen oder mehrere Tempel,

einen oder mehrere Paläste und einen

großen Platz, auf dem oft mehrmals

in der Woche ein Markt abgehalten

wurde. Der größte Markt des Landes

fand in Tlateloleo, der Schwesternstadt

Tenochtitlans statt.

Auf einem Spaziergang über diesen

Markt kurz vor der Eroberung durch die

Spanier verzweifelte der Konquistador

Bemal Diaz de Castillo schließlich bei

dem Versuch, alles zu beschreiben,

was er zu sehen bekam: »Wenn ich alles

im Detail beschreibe, werde ich niemals

fertig«. Dieser spezielle Markt war

in der Tat beeindruckend.

Im Gegensatz zu den meisten anderen

Märkten verfügte er über einen festen

Platz mit Arkaden. Der reguläre Markt

fand jeden Tag statt und alle fünf Tage

in noch größerer Form. Dieser außergewöhnliche

Marktplatz zog täglich nachweislich

20 000 bis 25 000 Personen an

und jeden fünften Tag sogar 40 000 bis

50 000 Besucher.

Lokale sowie exotische Güter gab es

im Überfluss. Die meisten Verkäufer

kamen aus der Nähe und waren zugleich

die Produzenten der von ihnen

angebotenen Produkte oder Waren. Ein

Bauer, der Mais oder Bohnen anbot, ein

Töpfer mit seinen Tellern und Gefäßen,

ein Hersteller von Obsidianwerkzeugen,

der Klingen vor Ort herstellte.

Professionelle Händler waren jedoch

ebenfalls vertreten. Exotische Güter anbietend,

die sie aus entfernten Gebieten

herbeigebracht hatten, schillernde tropische

Federn, goldener Zierrat, wohlgeformte

Muscheln, wertvolle Steine aber

auch Sklaven. Die aus den Tieflandregionen

stammenden Produkte wie Baumwolle

und Kakao wurden ebenfalls von

professionellen Händlern verkauft.

Dieser großstädtische Marktplatz erlangte

seine außerordentliche Berühmtheit

dadurch, dass er strategisch günstig

gelegen war: Er lag nicht nur an einem

mit Kanus oder zu Fuß über die Dämme

schnell und leicht erreichbaren Platz

mitten in einem See, sondern auch in

der Nähe großer urbaner Populationen.

Bilder und Texte für die Berichte über die Maya und Inka

stammen von den beiden Reisen im Jahr 2020 und 2018.

Siehe auch: http://gerhardhochl.bplaced.net/

Die Reise nach Zentralmexiko in das ehemalige Aztekenreich

ist im Jahr 2021 geplant. Die Bilder und der Text stammen

aus der Vorbereitung für diese Reise. Ein wichtiger Helfer

dabei war der Katalog für die Azteken-Ausstellung, die

im 2. Halbjahr 2020 auch im Weltmuseum in Wien gezeigt

wird. Erstellt wurde das Buch von Prof.Dr. Ines de Castro.

29


Maya

Vergleich der drei Hochkulturen

Inka

Azteken

von ~ 3000 v.Chr. bis 1530 n.Chr.

Mexiko (Halbinsel Yucatan), Belize,

Guatemala, Honduras, El Salvator.

von ~ 1200 n.Chr. bis 1533 n.Chr.

Peru, Ecuador, Kolumbien,

Bolivien, Chile.

von 1350 n.Chr. bis 1550 n.Chr.

große Gebiete in Zentralmexiko

Mehr als 30 verschiedene Sprachen

Die Schrift besteht aus Logogrammen

die Gegenständen, Handlungen oder

Lebewesen darstellen

Bis zu 700 verschiedene Sprachen aber

die Hauptsprache war Quechua

Die Inka Elite hatte ein Art Bilderschrift.

Für die Aufzeichnung der Ernteerträge

wurde das Quipu-System verwendet.

Sprache: Nahuatl

Die Schrift der Azteken bestand aus

bildähnlichen Darstellungen und war

nur in den Codices für Zeremonien,

Sitten und Gebräuchen vorhanden.

Die Zahlen: Ein Punkt stand für die 1,

zwei Punkte für die 2 usw. Die 5 wurde

dann als Strich dargestellt. Drei Punkte

und ein Strich ergaben dann z.B. 8.

Die Farbe der Schnur, die Art und die

Anzahl der Knoten ergaben jeweils die

Zahl und die Bezeichnung die von den

Khipu-Kundigen dokumentiert wurde.

Es wurde nach dem Zwanziger-System

gezählt und gerechnet.

30


Maya

Maya Krieger benutzten Speerschleuder,

Blasrohre und Schlagwaffen. In

der späteren Entwicklungsgeschichte

kamen Pfeil und Bogen dazu.

Inka

Inka Krieger hatten Lanze, Steinschleuder,

Keule, Speer und Schild. Die große

Stärke war die militärische Ordnung

und Befehlsstruktur. Die gut ausgebauten

Straßen erlaubten einen schnellen

Einsatz auch in entlegenen Regionen.

Azteken

Azteken Krieger hatten eine Speerschleuder

die den Speer bis zu 100m

fliegen ließ. Neben der Lanze trugen

sie auch Schwerter. Die Schneidkanten

waren aus vulkanischen Glas (Obsidian)

die mit Holz verstärkt waren, da sich

lange Klingen aus dem Glasmaterial

nicht herstellen ließen.

Die Gebiete der Mayas waren in viele

Stadt-Staaten unterteilt. Die kriegerischen

Auseinandersetzungen zwischen

den einzelnen Regionen verlangten

nach wirkungsvollen militärisch ausgebildeten

Kriegern, die hierarchisch

gegliedert waren.

Die Götterfiguren waren mit dem Kalender

und dem Alltag verbunden. Jeder

Tag, jedes Monat und jede Periode

hatte eigene Götter. Der Hauptgott

war aber der Regengott Chaac. Das

ist naheliegend, da die vorwiegend auf

Ackerbaukultur gestützte Versorgung

vom Niederschlag abhängig war.

Die umfangreiche Ausdehnung des

Reiches wurde durch die gewaltsame

Annektierung und Unterwerfung

zahlreicher Andenvölker mit Hilfe ihrer

militärischen Fähigkeiten erreicht.

Der Sonnengott Inti (übersetzt: Vater

Sonne) war der Hauptgott und gleichzeitig

galt er als Ursprung der Inkaherrscher,

die der Sage nach direkt aus der

Sonne kamen. Das Abbild von Inti zeigt

eine Sonnenscheibe mit menschlichem

Gesicht. Das Bindeglied zwischen der

Herrschaftsstruktur und dem Volk war

die Religion. Diese beruhte auf die

Kenntnisse der Astronomie und der

Deutung für den Alltag, besonders für

die Landwirtschaft.

Die Herrscher versuchten gar nicht,

besiegte Völker zu integrieren, sondern

beuteten sie wirtschaftlich aus. Eine

weitere Aufgabe der Krieger bestand in

der Gefangennahme von Menschen für

die regelmäßigen Blutopfer. Die Azteken

glaubten, dass nur regelmäßige Opfer

den Sonnenaufgang sicherstellten.

Quetzalcoatl (übersetzt: leuchtende

Schwanzfederschlange) wurde in frühen

Darstellungen als Klapperschlange deren

Körper mit den Federn des heiligen

Quezalvogel bedeckt waren (Seite 26).

In den Codicis war die Darstellung als

menschliche Figur sehr häufig. Er wurde

als Gott des Windes, des Himmels der

Erde und der Schöpfung verehrt. Der

Glaube an eine Überlieferung über diese

Gottheit besiegelte auch das Ende

der Aztekenkultur.

31


Maya

Die Straßenverbindungen beschränkten

sich auf die Gebiete der Stadtstaaten.

Mittels Laserscannungen fanden Wissenschaftler

in Guatemala ein Straßennetz

von 17 Straßen mit einer Gesamtlänge

von 240 km. Es wurde von den

Bewohnern, Lastenträgern und Nachrichtenläufern

verwendet. Die Straßen

waren erhöht, damit sie auch während

der Regenzeit problemlos passiert

werden konnten und der Wasserabfluss

war genau geplant und über Kanäle,

Deiche und Reservoirs gesteuert.

Inka

Das Straßensystem war bestens

ausgebaut und ergab in der Hochblüte

ein Straßennetz von über 30.000 km.

Es verband die Städte Quito (Ecuador)

im Norden und Santiago (Chile)

bzw. Mendoza (Argentinien) im Süden

und erlaubte dem Inka-Oberhaupt die

politische und ökonomische Kontrolle

seines Reiches. Eilige Nachrichten und

Anweisungen konnten mit Stafetten von

Schnellboten (Chaski) in kurzer Zeit

überbracht werden. Ebenso konnten

Handelsgüter und Nachschub per Träger

und Lama bis in die letzten Winkel

des Reiches verteilt werden.

Azteken

Die Hauptstadt Tenochtitlan war auf

mehreren Inseln des Texocosees errichtet.

Die Straßen und Kanäle waren

rechtwinklig angeordnet. Der Grundriss

sah einem Schachbrett ähnlich. Drei

breite Dämme verbanden das Stadtzentrum

mit dem Ufer. Dort setzten sich die

Straßen fort und dadurch entstanden

gleichmäßige Viertel. Rings um die Insel

säumten riesige, von Kanälen durchzogene

schwimmende Gärten die Ufer des

Sees. Eine breite Straßenverbindung

bestand zum ca. 45km entfernten Tempelbezirk

Teotihuacán.

Das Ende der Maya Kultur begann

bereits um 900 n.Chr. Ganze Städte

wurden verlassen und die Vermutungen

darüber gehen weit auseinander.

Ein plausibler Grund könnte eine sehr

lange anhaltende Trockenperiode sein.

So war es nicht verwunderlich, dass die

spanischen Konquistadoren nach der

Eroberung der Aztekenstadt Tenochtitlan

die dezimierten Maya Stadtstaaten

nach und nach sehr leicht erobern

konnten. Die Kultur und Religion wurde

zielgerichtet vernichtet und die Einwohner

zum christlichen Glauben gezwungen.

Das endgültige Aus wurde in den

spanischen Geschichtsbüchern mit

dem Jahr 1546 vermerkt. Damals gab

es den letzten Maya Aufstand gegen

die Unterdrücker, der aber erfolgreich

niedergeschlagen wurde. Heute leben

rund 6,1 Millionen Nachfahren der

Maya auf der Halbinsel Yucatan, in

Belize, Guatemala, und Honduras.

Die spanische Eroberung von Peru

begann 1533 unter dem Kommando

von Francisco Pizarro. Dieser gründete

1535 die heutige Hauptstadt Lima

und nahm eine Inka-Prinzessin zur

Frau. Nach 4 Jahren wurden auch die

letzten Widerstände niedergeschlagen.

Millionen von Toten Inkas säumten den

blutigen Weg der spanischen Krieger.

Auf der Gier nach Gold vergaßen sie

ganz auf die Grundsätze des christlichen

Glaubens. Bis 1572 gab es zwar

noch einen Inkaherrscher, der aber nur

eine Marionette der Spanier war. Die

Monumente der Hochkultur wurden zerstört

und das Baumaterial für Kirchen

und Amtsgebäude verwendet.

Wie schon erwähnt, besagte eine Überlieferung

Quetzalcoatl hätte bei seiner

Abreise verkündet, dereinst über den

Atlantischen Ozean mit seinem Gefolge

zurückzukehren, um sein Reich wieder

in Besitz zu nehmen. Dies wird als

einer der Gründe angegeben, weshalb

1519 der Herrscher Moctezuma II. den

spanischen Eroberern unter Hernán

Cortés nur zögerlichen Widerstand entgegensetzte.

Er habe nicht ausschließen

können, es mit den Gesandten des

Gottes zu tun zu haben. Die eigentümlichen

Zauberwaffen, die Feuer spuckten,

die merkwürdigen Tiere, auf denen

die Spanier ritten und die spiegelnden

Rüstungen mögen seinen Verdacht verstärkt

haben. Deshalb erkannte er die

Bedrohung, die von Cortes ausging, viel

zu spät. Der sonst nicht zimperliche Aztekenherrscher

hatte plötzlich Angst, er

könnte den Gott erzürnen und sich damit

ins Verderben stürzen. 1521 musste

sich das mächtigste Volk Mexikos den

Spaniern endgültig ergeben.

32

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