onlineshopping

rahel.wenger

Stiftung für Konsumentenschutz

R a t g e b e r

Antonio Haefeli

Online-Shopping

Einkaufen per Mausklick


Die Stiftung für Konsumentenschutz ( SKS ) ist eine unabhängige und kritische Nonprofit-Organisation,

die sich seit 1964 engagiert für die Interessen der Konsumentinnen

und Konsumenten einsetzt. Sie vertritt diese Interessen nicht nur gegenüber der Wirtschaft

und den Anbietern, sondern nimmt auch aktiv am politischen Prozess teil. Ziel

dieser Bemühungen ist es, im Parlament und in der Gesetzgebung die Weichen so zu

stellen, dass die Rechte der Konsumenten gestärkt werden und ein Ausgleich zu den

Interessen der Wirtschaft erreicht werden kann.

Seit Beginn ihrer Tätigkeit ist die SKS auch in der Beratung aktiv. Über ihre Hotline

beantwortet sie den Konsumentinnen und Konsumenten Fragen zu Konsum und rechtlichen

Aspekten. Zur Beratung und Information gehören traditionsgemäss auch die

SKS-Ratgeber. Diese Reihe wird über das Programm ott verlag in der hep verlag ag geführt.

Unser Bestreben ist es weiterhin, verständliche, unabhängige Orientierungshilfen zu

einem erschwinglichen Preis anzubieten. Wir hoffen, dass auch der vorliegende Ratgeber

dieses Ziel erreicht !

Mehr Infos im Internet über :

www.konsumentenschutz.ch


Inhalt

Vorwort 7

Einleitung 9

1 Der Kaufvorgang 11

Vorbereitungen 13

Rechtliche Grundlagen 24

Die Wahl des Webshops 28

Die wichtigsten Produktegruppen 43

Zur Kasse bitte 65

2 Selbst zur Händlerin oder zum Händler werden 77

Auktionen 79

Professioneller werden 80

3 Pannen und Fallen 85

4 «Versprechen wir uns ein gutes Gefühl, kaufen wir» 89

Interview mit Prof. Dr. Dorothea Schaffner

5 Web-Wörter und Begriffe 95

6 Checkliste 101



Vorwort

7

Vorwort

Haben Sie bereits Waren über das Internet bestellt oder gehören Sie zu denjenigen,

die regelmässig im Internet ein- oder sogar verkaufen? Sie sind nicht allein. Die

Beliebtheit des Online-Shoppings nimmt rasant zu: Der Online- und Versandhandelsmarkt

ist im Jahr 2012 um 7,5 Prozent oder 400 Millionen Franken gewachsen, das

Marktvolumen hat 5,7 Milliarden Franken erreicht. Das rasante Wachstum dieser

Sparte hat sich zwar etwas verlangsamt, ist aber immer noch beträchtlich: Zwischen

2008 und 2010 ist der Online-Handel um knapp 50 Prozent gewachsen, in den Jahren

2010 bis 2012 betrug das Wachstum weniger als 20 Prozent.

Besonders häufig nutzen Schweizerinnen und Schweizer das Internet, wenn sie

Ferienreisen oder Flugtickets buchen, Musiktitel und Filme sowie Computerhardware

kaufen wollen. Der Marktanteil an Heimelektronik, der über das Internet gekauft

wurde, betrug 2007 noch 7%, bis 2012 ist er bereits auf 18% angewachsen.

Klar ist, dass im Internet inzwischen nicht nur das Preisargument zählt, sondern

mit wachsender Kundschaft auch die Ansprüche an Service und Beratung gestiegen

sind. Grosses Gewicht legen die Online-Shopperinnen und -Shopper zudem auf eine

hohe Erreichbarkeit der Servicemitarbeitenden. Bei Fragen zur Bestellung oder im

Fall einer Beschwerde wollen Konsumentinnen und Konsumenten rasch und ohne

Probleme eine Ansprechsperson finden.

Spannend ist ausserdem, dass das Internet gute und unkomplizierte Möglichkeiten

bietet, selbst zur Verkäuferin, zum Verkäufer zu werden. Bekannte Internetplattformen

sind zu einem riesigen Secondhandladen angewachsen, in dem man fast alles

erstehen, bzw. verkaufen kann. Aber auch unzählige kleine Anbieter zählen darauf,

dass sie mit eigenen Websites und ihrem Nischenangebot von Kaufwilligen im riesigen

Internetteich herausgefischt, bzw. beachtet und berücksichtigt werden.

Unser Ratgeber will Ihnen das notwendige Wissen vermitteln, damit Sie sich mit

einem guten, sicheren Gefühl im riesigen Einkaufszentrum «Internet» bewegen können

und zeigt, welche Stolpersteine es zu beachten gilt. Denn etliche gesetzliche Regelungen

berücksichtigen den virtuellen Handel noch zu wenig. Solche Rechtslücken

können zu schwierigen oder unangenehmen Situationen führen.


Der Ratgeber vermittelt Ihnen zudem Basiswissen, wie Sie selbst möglichst erfolgreich

im Internet als Verkäuferin oder Verkäufer von Waren oder Dienstleistungen

auftreten können. Nicht verhindern lässt sich vermutlich, dass Sie sich im Internet-

Kaufhaus ab und zu verirren oder die Zeit aus den Augen verlieren.

Nutzen Sie die Vorteile des Internets – und geniessen Sie es, wenn Sie einen

«richtigen» Einkaufsladen besuchen, in dem Sie nicht nur die Augen, sondern alle

Sinne einsetzen können.

Wir wünschen Ihnen bei beiden Einkaufsarten gutes Gelingen – und natürlich

erfolgreiche Geschäfte!

Ihre Stiftung für Konsumentenschutz


Einleitung

9

Einleitung

Neun von zehn Schweizerinnen und Schweizern kauften 2012 mindestens ein Produkt

im Internet. Der Online-Handel boomt. Einkaufen bedeutet heute weit mehr als den

gewohnten Gang in einen Laden um die Ecke. Dank dem Internet sind nur wenige

Klicks nötig und die neuen Lieblingsschuhe landen im virtuellen Warenkorb, Flugtickets

in unserem Posteingang und Spielfilme auf der Festplatte unseres Computers.

Doch es geht noch weiter. Der Online-Handel stellt ganze Märkte auf den Kopf und

sorgt dafür, dass sich diese grundlegend verändern. Während die Digitalisierung an

den globalen Börsen schon länger die Geschwindigkeit erhöht, Grenzen sprengt,

gestandene Unternehmen in die Knie zwingt und kleine Start-ups zu Milliarden verhilft,

muss sich jetzt definitiv auch der Detailhandel mit der wachsenden Digitalisierung

arrangieren. Und das tut er bisweilen ziemlich erfolgreich. So setzte alleine der

Schweizer Internethandel vergangenes Jahr knapp 6 Milliarden Franken um – Tendenz

steigend. Umso verständlicher, dass inzwischen fast alle Händler auch einen Online-

Shop betreiben und immer grössere Anteile der Gesamtumsätze aus dem Internet

kommen.

Diese Entwicklung bringt natürlich auch für uns Konsumentinnen und Konsumenten

grosse Veränderungen mit sich. Von Zuhause aus haben wir Zugriff auf unzählige

Angebote, die wir vergleichen, bewerten, kaufen und, falls gewünscht, auch wieder

verkaufen können. Grenzenloses Shopping auf allen Kanälen. Nur, so schnell die

Entwicklung auf den Märkten auch vonstattengehen mag, gesetzliche Rahmenbedingungen

und Kontrollmechanismen stammen oft entweder aus prä-digitalen Zeiten

oder sind schlicht noch nicht ausgereift. Auch wenn wir vielleicht denken, die auf

Zahlen basierende Digitalisierung sei berechenbar, die Internetmärkte sind noch

immer voller Tücken. Zum einen gibt es natürlich kriminelle Aktivitäten wie Betrügereien

oder Datendiebstahl, zum anderen fehlt oft die nötige Transparenz und Übersicht,

um die richtigen Kaufentscheide zu fällen. Dies führt dazu, dass auch seriösen

Anbietern das nötige Vertrauen der Kundinnen und Kunden fehlt.

Viele sind überfordert mit dem schier unendlichen Angebot. Sie kaufen wild drauflos

oder können sich einfach nicht entscheiden – zu Recht. Die Forschung zeigt, dass

Menschen mit einer beschränkten Auswahl an Produkten besser eine Entscheidung


10

Online-Shopping

fällen können, mehr kaufen und mit dem Kauf zufriedener sind. Das riesige Angebot

im Internet kann von den meisten mental nicht verarbeitet werden. Das führt aber in

diesem Fall nicht dazu, dass wir weniger kaufen – wie die oben genannten Zahlen

bestätigen – sondern, dass wir vermehrt auf berechenbare, rationale Kaufargumente

setzen. In erster Linie ist das der Preis. Hauptsache billig, scheint das Motto beim

Online-Shopping oft zu lauten. Mehr als die Hälfte der Online-Kundinnen und -Kunden

geben als Grund für ihren Einkauf den «Schnäppchenpreis» an, den sie so im

stationären Handel nicht gefunden hätten. Und genau da holen uns die grossen Player

im E-Business ab, indem sie sich gegenseitig die Preise drücken oder suggerieren, die

Billigsten zu sein.

Die Tatsache, dass der Preis und damit die grossen Versandhäuser und Online-

Shops oft im Vordergrund stehen, wird den Optionen, die Einkaufen im Internet

bietet, aber eigentlich überhaupt nicht gerecht. Denn die im Prinzip relativ einfache

Möglichkeit, einen Online-Shop zu eröffnen und damit weltweit Kundinnen und Kunden

zu erreichen, führt auch dazu, dass Nischenprodukte und individuell gestaltete

Artikel angeboten werden. Shops zu finden, die nicht nur Massenware führen, erfordert

aber in der Regel Erfahrung im Umgang mit dem Internet. Diese Erfahrung

wiederum setzt entsprechende Grundkenntnisse darüber voraus, wie das Web funktioniert,

welche Gesetze zum Einsatz kommen können und wie man Gefahren aus

dem Weg geht oder beseitigt. Dieser Ratgeber nimmt sich genau diesen Themen an:

Was brauche ich, um im Netz einzukaufen? Wo fange ich an und welche Webshops

bieten das, wonach ich suche? Und wie geht das, wenn ich selbst etwas verkaufen

möchte? Sie sollen wissen, worauf Sie achten müssen, wenn Sie einfach das beste

Angebot finden, Fälschungen vermeiden oder Ihre persönlichen Daten schützen wollen.

So sind Sie vorbereitet, um in das grösste Kaufhaus der Welt einzutauchen.


1 Der Kaufvorgang



1 Der Kaufvorgang

13

Ein bestimmtes Produkt zu kaufen, ist im Zeitalter des Internets durchaus komfortabler

geworden. Ohne dass Sie einen Fuss vor die Tür setzen müssen, können Sie so ziemlich

alles kaufen und sich folglich vom Sofa aus versorgen – dazu gibt es einschlägige Experimente

von Journalisten, die wochenlang das Haus nicht verlassen haben. Nicht, dass

das jemand möchte, aber es zeigt auf, wie anders der Handel im Internet funktionieren

kann und wie er sich vom klassischen Gang in ein Geschäft unterscheidet.

Ein wesentlicher Unterschied ist zudem, dass es im Internet einfacher ist, Produkte

und Preise zu vergleichen, an Testergebnisse von Geräten heranzukommen oder einfach

Hunderte von «Freunden» auf Social-Media-Kanälen nach ihrer Meinung zu

einem Produkt zu fragen. Und: Das Angebot im Netz ist im Vergleich mit dem Angebot

in der heimischen Innenstadt unschlagbar gross.

Das alles führt aber zu einem eher negativen Aspekt von Online-Shopping: Der

Kaufvorgang im Netz ist vergleichsweise komplex. Er setzt teils weitgehende Kenntnisse

des Word Wide Web voraus, um entsprechend ebenso komplexe Entscheidungen

zu treffen. Das schreckt noch immer viele Menschen davon ab, im Internet einzukaufen.

Aber keine Angst: Mit dem entsprechenden Vorwissen und gesundem

Beurteilungsvermögen können online hervorragend Geschäfte gemacht werden. Es

bedarf lediglich etwas Routine im Umgang mit den technischen Möglichkeiten und

den oft ungeschriebenen Gesetzen im Web.

Vorbereitungen

Dass man zum Einkaufen im Internet einen Computer benötigt, ist natürlich die

Grundvoraussetzung. Auch wenn im Zeitalter von Smartphones und Tablets der

Begriff des Computers verschwimmt (dazu mehr in Kapitel Mobiles Online-Shopping

> Seite 39). Klar ist auch, egal auf welchem Gerät Sie schlussendlich shoppen möchten,

Sie benötigen eine Internetverbindung – eine möglichst schnelle, da sonst Probleme

beim Anzeigen bestimmter Inhalte entstehen könnten. Falls Sie nicht wissen, wie

Sie eine Verbindung zum Internet herstellen, wenden Sie sich am besten an ihren

Telecomanbieter.

Welchen Browser, also Internet Explorer, Firefox, Safari etc., Sie nutzen, spielt

grundsätzlich keine Rolle. Diese unterscheiden sich lediglich in ihrer Bedienung, die


14

Online-Shopping

Funktionen sind mehr oder weniger dieselben. Viel wichtiger ist aber, dass sie eine

gültige E-Mail-Adresse besitzen. Diese brauchen Sie beim Erstellen von Kundenkonten

(siehe Kapitel Passwörter und Benutzerkonten > Seite 18) als Bestätigungsadresse

nach einer gemachten Bestellung oder zur Korrespondenz mit dem Anbieter. Ausserdem

benötigen Sie eine Kreditkarte von einem der üblichen Anbieter. In vielen Shops

sind zwar auch andere Zahlungsarten möglich (siehe Kapitel Zahlungsarten > Seite

70), die Kreditkarte ist jedoch oft die schnellste und einfachste Lösung.

Natürlich ist es von Vorteil, wenn Sie sich vor ihrem ersten Online-Kauf im Netz

schon mal umgesehen haben und Ihnen die Weiten des Internets nicht völlig fremd

sind. Je besser Sie sich mit den technischen Grundlagen des Internets auskennen und

je mehr Erfahrung Sie im Umgang mit den Gepflogenheiten im Word Wide Web

haben, desto einfacher und selbstverständlicher wird es für Sie, im Cyberspace einzukaufen.

Viren, Spam und Co.

Wie bei jedem Aufenthalt im Internet kann es auch beim Shoppen vorkommen, dass

unerwünschte Programme Zugriff auf den Computer haben: ein Virus, unbemerkte

Spionagesoftware oder einfach etliche Spam-Mails im Posteingang. Vor allem das

Thema Spam taucht im Zusammenhang mit Online-Shopping immer wieder auf. Der

Grund: Die meisten Anbieter speichern die Daten ihrer Kundinnen und Kunden –

natürlich auch deren E-Mail-Adresse – und verschicken darauf Werbung aller Art,

sogenannten Spam. Das kann ärgerlich werden, nämlich dann, wenn unser Posteingang

tagtäglich mit Newslettern, Sonderangeboten und Geschenkgutscheinen zugemüllt

wird. Es gibt aber auch Spammer, die aus anderen Gründen E-Mails an Tausende,

wenn nicht Hunderttausende Empfängerinnen und Empfänger gleichzeitig verschicken.

Oft handelt es sich dabei um Marketingaktionen, missionierende oder gar volksverhetzende

Nachrichten, aber auch Ketten- und Bettelbriefe gehören zu dieser Gattung

unerwünschter E-Mails. Abgesehen davon werden Spam-Mails genutzt, um

Phishing zu betreiben (siehe Kapitel Phising > Seite 20). Das Versenden von Spam

ist laut Gesetz strafbar und Betroffene können Anzeige erstatten.

Um eine Spamflut zu vermeiden, gibt es grundsätzlich zwei Lösungsansätze: Zum

einen sind die neuesten, automatischen Spamfilter der meisten E-Mail-Anbieter so

gut, dass wenigstens die grosse Masse der unerwünschten Post in einem speziellen


1 Der Kaufvorgang

15

Ordner landet, den man gelegentlich leeren oder aussortieren kann. Zum anderen

sollten Sie ihre E-Mail-Adresse natürlich nicht bei jeder Gelegenheit weitergeben,

sondern nur wenn es nicht anders geht. Dazu gehört auch, dass Sie, wenn Sie sich bei

einem Online-Shop anmelden, nicht ungewollt einen Newsletter abonnieren. Oft müssen

Sie dazu ein entsprechendes Häkchen in der Anmeldemaske entfernen.

Aber wie bereits erwähnt, sind nicht nur Spam-Mails eine unangenehme Sache im

Internet. Auch klassische Computerviren, die ihren Rechner beschädigen oder Spyware,

Programme, die ihren Computer ausspionieren, sind ein Problem. Viren lassen

sich mit der entsprechenden Software meist problemlos entdecken und werden automatisch

entfernt. Die meisten modernen Betriebssysteme liefern diese Software bereits

vorinstalliert mit. Etwas anders sieht es bei Spyware aus: Diese Schadprogramme

werden zwar oft auch von der Antivirussoftware entdeckt, aber eben nicht immer.

Darum lohnt es sich, zusätzlich ein Programm zu installieren, das auf Spyware spezialisiert

ist. Davon gibt es zahlreiche günstig oder sogar gratis zum Downloaden.

Grundsätzlich ist es ratsam, dubiose Websites wie illegale Downloadsites, Pornowebsites

etc. erst gar nicht zu besuchen, denn auf solchen Seiten verstecken sich fast

immer unerwünschte Software und Viren. Ebenfalls ratsam – und fast noch wichtiger –

ist es, nie Dateien auf den Computer runterzuladen, von denen Sie nicht genau wissen,

was sich dahinter verbirgt oder wer der Absender ist. Generell können alle Arten von

Dateien schädliche Inhalte enthalten, sei es ein PDF, ein Word-Dokument, ein Bild

oder eine Musikdatei.

Datenschutz

Datenschutz ist ein sehr zentrales Thema im Internet. Um nicht von unserem Gegenstand

abzukommen, nämlich dem Einkaufen, gehen wir hier lediglich auf dafür relevante

Aspekte des Datenschutzes ein.

Viele Internet-Userinnen und -User haben unter anderem darum Bedenken im

Netz zu shoppen, weil sie keine persönlichen Daten wie Kreditkarteninformationen

oder Daten zu ihrem Einkaufsverhalten preisgeben möchten. Diese Bedenken sind

natürlich nicht unbegründet. Denn immer wieder hört man von Datenlecks bei Banken

oder von der illegalen Verwendung persönlicher Informationen durch Dritte.

Ausserdem ist die Diskussion über den «gläsernen Bürger», der alles von sich preisgibt,

längst nicht abgeschlossen.


16

Online-Shopping

Doch welche Daten genau können Betreiber von Online-Shops eigentlich verwenden

oder gar missbrauchen? Natürlich könnten sie allenfalls Kreditkartendaten weitergeben,

oder einfach mehr Geld abbuchen als den Preis der gekauften Ware. Falsche

Buchungen würden aber wohl spätestens mit der Kreditkartenabrechnung auffliegen.

Viel interessanter für die Shops sind Daten über Ihr Konsumverhalten, dazu wie alt

Sie sind, wo Sie wohnen, was Sie für einen Beruf ausüben, ob Sie bei einer Social-

Media-Plattform angemeldet sind etc. Diese Informationen können unterschiedlich

verwendet werden. Nicht zuletzt, um Sie mit individualisierter Werbung zu weiteren

Käufen zu animieren.

Falls Sie mit Ihren persönlichen Daten sorgsam umgehen möchten, sollten Sie auf

jeden Fall die Datenschutzerklärung auf der besuchten Website lesen – sofern eine

vorhanden ist. Diese soll die Besucherinnen und Besucher einer Website über die vom

Anbieter praktizierten Verfahren zum Schutz der Privatsphäre informieren. So haben

Sie die Möglichkeit selbst zu beurteilen, ob Sie in die Vereinbarung einwilligen oder

nicht. Eine Datenschutzerklärung sollte laut dem Eidgenössischen Datenschutz- und

Öffentlichkeitsbeauftragten so platziert sein, dass sie für Nutzerinnen und Nutzer

leicht ersichtlich und zugänglich ist, und vor allem folgende Fragen beantwortet:

• Welchen Rechtsbestimmungen untersteht die Datenbearbeitungspraxis des Anbieters?

• Welche Daten werden gesammelt und zu welchen Zwecken?

• Welche Daten werden an Dritte weitergegeben und für welche Zwecke?

• Welche Wahlmöglichkeiten zur Bearbeitung ihrer/seiner Daten stehen der Benutzerin

oder dem Benutzer zu?

• Welche Rechte (insb. Auskunfts- und Berichtigungsrecht) hat die Benutzerin oder

der Benutzer?

• Welche Stelle beantwortet Fragen über die Bearbeitung von Personendaten?

• Welche Sicherheitsmassnahmen werden zum Schutz von Personendaten angewendet?

Weitere Ratschläge im Umgang mit persönlichen Daten im Internet gibt Datenschutzexperte

Francis Meier im Interview (> Seite 22). Ausserdem können Sie auch schon

im Vorfeld eines Kaufs gewisse Einstellungen an Ihrem Computer vornehmen, bzw.

das Verhalten sogenannter Cookies bestimmen. Lesen Sie dazu mehr im anschliessenden

Kapitel.


1 Der Kaufvorgang

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Cookies

Der Begriff Cookie hat hier nichts mit Keksen zu tun. Cookies werden im Internet

kleine Dateien genannt, die beim Aufenthalt auf einer Website auf dem Computer der

Besucherin oder des Besuchers Informationen speichern. Diese Informationen haben

unterschiedliche Funktionen: Zum Beispiel erleichtern sie das Surfen im Netz, indem

sie Benutzernamen oder Passwörter, die man auf einer Website angegeben hat, speichern

und diese bei einem nächsten Besuch dann automatisch in die entsprechenden

Felder einfügen. Das war der ursprüngliche Nutzen von Cookies.

Inzwischen werden sie von Online-Shops vorzugsweise genutzt, um den aktuellen

Inhalt des virtuellen Warenkorbs zwischenzuspeichern, um Produkte anzuzeigen, die

man zuletzt angesehen hat oder Produkte zu bewerben, die seit dem letzten Besuch auf

der Website neu ins Sortiment aufgenommen wurden. Cookies können aber auch dazu

verwendet werden, das Surfverhalten der Userinnen und User zu erfassen. Man erhält

so beispielsweise Informationen zu Vorlieben, Hobbys, politischen Einstellungen oder

zum Einkommen der Userin oder des Users. Mit ausgeklügelten Algorithmen lassen sich

die grossen Datenmengen, die man beim Surfen im Internet hinterlässt, immer besser

auswerten und konkreten Personen zuordnen. Auch können durch das Abfangen von

Cookies Passwörter mitgelesen oder ganze Internetsessionen beobachtet werden.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arten von Cookies: Zum einen sogenannte

«Session Cookies», die nach dem Schliessen des Browsers oder beim Verlassen der

entsprechenden Website gelöscht werden. Zum anderen «Persistent Cookies», welche

ein Verfallsdatum haben, das heisst, nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt vom

Ersteller genutzt werden können.

Die meisten Anbieter im Online-Geschäft nutzen Cookies intensiv, um das Verhalten

der Websitebesucherinnen und -besucher zu ermitteln und vor allem detaillierte

Nutzerprofile zu erstellen. Und das kann sich lohnen. Denn: Viele Konsumentinnen

und Konsumenten orientieren sich nicht mehr so stark an klassischer Werbung, weil

wir uns der Beeinflussung der Unternehmen durch Werbung bewusst sind. Umso

öfters verlassen wir uns darum auf die Meinung von Freunden und Bekannten. Also

versuchen Hersteller und Händler aufgrund von Daten aus Social-Media-Plattformen

und Informationen aus unserem Surfverhalten Kundendaten zu gewinnen, um gezielter

Produkte zu entwickeln, die uns ansprechen sollen, und um diese entsprechend

personalisiert zu bewerben.


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Online-Shopping

Ein zweischneidiges Schwert. Zum einen kann massgeschneiderte Werbung natürlich

helfen, das Produkt zu finden, das man sucht – oder von dem man vielleicht gar

nicht wusste, dass man es gesucht hat. Zum anderen gefährden diese enorm detaillierten

Datensammlungen über unser Kauf- und Surfverhalten natürlich unsere Privatsphäre.

Darum gibt es auch rechtliche Ansätze, namentlich die neue E-Privacy-Richtlinie

der EU, nach welcher Cookies künftig nicht mehr ohne Zustimmung auf dem

Computer der Nutzerinnen und Nutzer installiert werden dürfen.

Wer den Umgang seines Computers mit Cookies beeinflussen möchte, hat verschiedene

Möglichkeiten, dies in den Einstellungen seines Browsers zu tun. Falls Sie

nicht wissen, wie das geht, suchen Sie bei Google nach einer der untenstehenden

Optionen und dem Namen ihres Browsers.

• Die Annahme von Cookies einschränken

Internet-Browser können so eingestellt werden, dass bei Aktivität eines Cookies

eine Meldung erscheint, mittels welcher die Benutzerin oder der Benutzer über

die Annahme des Cookies entscheiden kann. Beim normalen Surfen im Netz kann

das nützlich sein. Beim Shoppen ist eine solche Einstellung jedoch sehr umständlich,

da wie erwähnt, so gut wie alle Webshops Cookies verwenden. Online-Shopping

wird mit inaktiven Cookies fast unmöglich.

• Die Annahme von Cookies nur von bestimmten Websites

Browser können so eingestellt werden, dass sie nur Cookies von bestimmten Websites

akzeptieren.

• Nach jeder Internetsitzung Cookies löschen

Es besteht die Möglichkeit, Cookies manuell zu löschen. Das kann man zum Beispiel

nach dem Surfen im Internet tun. So werden zwar während dem Besuch auf einer

Website kurzfristig alle Informationen gespeichert, jedoch nur für die Dauer der

Sitzung.

Passwörter und Benutzerkonten

Beim Einkaufen im Internet werden Sie immer wieder aufgefordert, ein Benutzerkonto

mit entsprechendem Passwort einzurichten. Aber auch bei der Bezahlung mit der


1 Der Kaufvorgang

19

Kreditkarte oder anderen elektronischen Zahlungsmitteln (siehe auch Kapitel Zur

Kasse bitte > Seite 65) sind sichere Passwörter ein absolutes Muss. Zu den Passwörtern

kommen wir aber später.

Ein Benutzerkonto ist grundsätzlich nichts, von dem man sich fürchten müsste –

sofern man bei den Angaben, die man macht, vorsichtig und überlegt vorgeht. In den

meisten Fällen benötigen Sie dafür ausserdem eine funktionierende E-Mail-Adresse.

An diese Adresse wird vom Betreiber des Webshops oft eine Bestätigungsanfrage

geschickt, um die Erstellung des Kontos abzuschliessen. Falls Sie nicht möchten, dass

plötzlich Werbung in ihren Posteingang flattert, verwenden Sie eine alternative E-Mail-

Adresse und nicht Ihre private oder geschäftliche. Dazu eignen sich Gratisanbieter

wie Gmail, gmx etc. Oft lassen sich Optionen wie Newsletter-Abos oder Informationen

über Rabatte oder neue Produkte aber auch individuell im Konto einstellen, bzw.

als erwünscht oder unerwünscht deklarieren.

Immer wieder hört man von Hackern, dass sie so gut wie jedes Passwort innert

Sekunden knacken und sich so Zugang zu allen möglichen Daten und Informationen

verschaffen können. Klar ist, dass sich tatsächlich jedes Passwort entschlüsseln lässt.

Entsprechende Programme und etwas kriminelle Energie reichen dazu vollkommen

aus. Aber man kann es allfälligen Angreifern aus dem Cyberspace schwer machen und

hoffen, dass sie aufgeben. Meistens helfen schon etwas gesunder Menschenverstand

und Kreativität, um ein Passwort sicher zu machen. Auf der nächsten Seite finden Sie

die wichtigsten Passworttipps.


20

Online-Shopping

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Ein Merksatz hilft, dass man sich schwierige Passwörter besser merken kann.

Eine sehr clevere Methode, ein Passwort zu erstellen, ist es, einen Merksatz zu verwenden. Die

Abkürzung davon bildet das Passwort. Umso unlogischer die Kombination, desto sicherer.

Mindestens zehn Zeichen. Möglichst wild durcheinandergemischt

Ein Passwort sollte im Minimum aus zehn Zeichen bestehen. Und zwar aus Gross- und Kleinbuchstaben,

Zahlen und Sonderzeichen.

Sicherheitsfragen

Viele Websites stellen eine Sicherheitsfrage für den Fall, dass man sein Passwort vergisst. Die

vorgeschlagenen Standardfragen taugen meist nichts, da sie leicht zu erraten sind. Wenn Ihnen das

zu unsicher ist, haben Sie keine andere Wahl, als einen anderen Shop zu wählen. Oft besteht aber

die Möglichkeit, selbst Fragen zu formulieren. Fragen nach dem Lieblingsfilm oder den letzten Ferien

sind dabei tabu. Stellen Sie besser Fragen, die wirklich nur Sie alleine beantworten können und nur

wenig oder sogar nichts mit Ihrem Privatleben zu tun haben.

Passwörter unregelmässig wechseln

Immer montags morgen im Büro das Passwort wechseln? Das ist für Hacker durchschaubar. Besser

in unregelmässigen Abständen – und öfter als alle zwei Wochen!

Eins ist nicht genug

Niemals dasselbe Passwort zum Online-Shopping, für E-Mails und E-Banking verwenden. Wirklich

sicher ist nur, wer für jedes Konto ein separates Passwort verwendet.

Quelle: Thomas Angeli, «Passwörter: Immer wieder Todsünden»,

erschienen im Beobachter Ausgabe 4/13

Wer denkt, dass seine Passwörter sicher sind, kann dies auf der folgenden Internetadresse

testen:

review.datenschutz.ch/passwortcheck

Phishing

Unter dem Begriff Phishing versteht man den Versuch, auf unerlaubte Art und Weise

fremde Passwörter zu erlangen und damit Zugang zu vertraulichen Daten zu erhalten.

Das können ihre Kontoinformationen auf Auktionsplattformen (siehe Kapitel


1 Der Kaufvorgang

21

Auktionen > Seite 79), der Zugang zu ihrem Profil in sozialen Netzwerken, Bankdaten

oder weitere Daten sein.

Um sich davor zu schützen, nützt es, wenn Sie wissen, wie Kriminelle dabei vorgehen:

Die Betrügerinnen und Betrüger nutzen ihre Gutgläubigkeit, indem sie Ihnen

E-Mails mit gefälschten Absendern schicken. In diesen Nachrichten werden Sie dann

beispielsweise aufgefordert, ihr Passwort und andere Benutzerangaben zu ändern,

indem Sie auf einen Link im E-Mail klicken. Wenn Sie den Link ausführen, landen

Sie jedoch nicht auf der Originalwebsite des entsprechenden Dienstanbieters, zum

Beispiel ihrer Bank, sondern auf einer identisch wirkenden Site, die von den Täterinnen

oder Tätern erstellt wurde. In den meisten Fällen wissen die Betrügenden nicht,

bei welcher Bank jemand ein Konto führt, und verschicken ihre Spam-Mails darum

wahllos an eine Vielzahl von Empfängerinnen und Empfängern, in der Hoffnung, dass

jemand darauf hereinfällt.

Die Voraussetzung für einen solchen Betrug ist jedoch immer das Nichtwissen

und die Gutgläubigkeit der Opfer. Um kein solches zu werden, sollten Sie folgende

Hinweise der Eidgenössischen Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität

(KOBIK) beachten:

• Seriöse Banken, Aukionsplattformen oder ähnliche Institutionen werden Sie nie über E-Mail,

Telefon etc. zu einem Passwortwechsel auffordern.

• Antworten Sie auf keinen Fall auf solche E-Mails und klicken Sie nie auf die darin enthaltenen

Links.

• Installieren Sie auf ihrem Computer ein Anti-Phishing Programm.

• Informieren Sie die betroffene Institution, damit diese entsprechende Gegenmassnahmen treffen

kann.

• Melden Sie Angriffe über das Meldeformular auf der Website der KOBIK.

• Wenn Sie trotzdem Opfer von einem Phishing-Betrug geworden sind, nehmen sie umgehend

Kontakt mit dem Dienstleister (Bank, Provider oder E-Mail-Dienst) auf.